19.02.2010, 13:00
Die neue Welt war da. Unbändig und ausgelassen musste man sie erkunden, das Rudel war voll getrunken an Freude und Euphorie, all die Schrecken der letzten Zeit waren von den Wölfen abgefallen. Jetzt gab es Sonne, Leben und ein Revier, dass ihnen vertraut und doch so neu war. Dass mittlerweile der Winter einzog, merkten die Wölfe kaum, denn vor lauter Sonne konnte sich keine einzige Schneewolke in das Tal verirren. Und selbst wenn wäre es zu warm gewesen, ungewöhnlich warm für einen Winter und doch passend zu all der japsenden, heulenden, wuffenden, knurrenden und bellenden Freude. Dass die Welpen zuerst nie die Sonne und jetzt nie den Schnee kennen lernen durften, war da eher nebensächlich. Nach der ersten ausgelassenen Euphorie hatte sich das Rudel daran gemacht, ihren Rudelplatz neu in Besitz zu nehmen und dann nach Erklärungen zu suchen. Doch so unwissend und verzweifelt leer ihre Köpfe vorher gewesen sein mochten, jetzt schien alles plötzlich ganz klar. Die alte Generation – Banshee, Acollon, Nyota, Kaede – war gestorben und mit ihrem langsamen Ableben war das Nichts gekommen, hatte all das Alte verschluckt um Platz für das Neue zu machen. Aber das Neue musste geschaffen werden und erst in ihrer verzweifelten Eingeschlossenheit hatte das Rudel in Zusammenhalt und in ihrer Gemeinschaft im tiefen Glauben an Engaya vermocht, unter ihren Pfoten ihre Träume leben zu lassen. Die Opfer, die es gekostet hatte mochten furchtbar gewesen sein, doch jetzt endlich war der Schrecken vorbei. Den Welpen, die noch nicht so verstanden, wurde er erklärt, auch wenn sie vielleicht erst in ein paar Jahren wirklich verstehen könnten.
Es sind drei Tage seit der Neuerschaffung des Reviers vergangen, gerade geht der Morgen in den Mittag über. Die Sonne scheint aus einem wolkenlosen Himmel herab, es ist etwa 8 ° Celsius warm. Das Rudel ist verteilt, die meisten Wölfe erkunden das neue Revier.
Tyraleens Läufe wurden von dem für einen Winter ungewöhnlich warmen Wasser freundlich umspült. Der neue Fluss mochte plötzlich nicht mehr nach Süden sondern nach Westen fließen, trotzdem ähnelte er so sehr ihrem alten, eher selten besuchten Flusslauf. Sie stand an einer seichten Stelle, in der die Strömung nicht so stark war, konnte aber nur wenige Wolfslängen weiter vorne eine gefährliche Stromschnelle sehen, die sie innerhalb kürzester Zeit in die Fluten gerissen hätte. Doch hier, weiter oben, war alles friedlich, warm und strahlend schien die Sonne auf sie herab und schien, als müsse sie die lange Zeit ihrer Abwesenheit wieder wettmachen. Gerne wäre Tyraleen jetzt bei ihren Welpen gewesen, aber sie hatte sich ganz bewusst zurückgezogen. Bis jetzt hatte sie in all der Aufregung und der Angst und später dann Freude nicht richtig trauern können. Nicht nur um Nyota und Banshee, sondern ebenso um Acollon. Das Leben begann wieder neu und doch fehlte ihr von nun an eine stumme Stärke, ihr Vater, der nie ihr Vater gewesen war und sie doch stets begleitet hatte. Leise summte sie eine einfache, schöne Melodie, von der sie meinte, Acollon hätte sie ihr früher, als sie noch ein Welpe gewesen war vorgesungen. Vielleicht – nein, sehr wahrscheinlich – war das nie passiert und doch meinte Tyraleen die Szene vor sich zu sehen, wie sie als kleiner, noch nicht aus der Höhle gekrochener Welpe zwischen den Pfoten ihres schwarzen Vaters lag. Die Melodie tanzte wie Federflaum durch die sonnengeflutete Luft, ein weißes Lied, das durch die stille ihrer wunderschönen neuen Welt klang und Acollon neben ihr erscheinen ließ. Sie durchteilten gemeinsam die seichten Fluten des Flusses und Tyraleen musste nur die Augen schließen, die Schnauze leicht in den Himmel recken um den Duft ihres Vaters aufzunehmen. Sie fühlte sich wie ein Schwan, der über das Wasser gleiten konnte. Alles um sie herum war wie verstummt. Der Wind schwieg, die steinernen Bäume am Ufer schienen zu lauschen und der Klang ihrer Stimme begann sich im Sonnenschein zu spiegeln, summte mit ihr. Wie das Wunder der Liebe, die Acollon ihr jede Sekunde seiner Abwesenheit geschenkt hatte.
Sie erreichte das Ufer, verstummte und trat aus dem Wasser. Voller Melancholie und doch glücklich sog sie die frische, sonnengeflutete Winterluft ein, meinte Acollons Gesicht vor sich zu sehen und schickt ihm stumm ihren Gruß. Niemand mochte die Beziehung zwischen ihrem Vater und ihr verstehen, doch die Sonne, die Bäume, der Fluss und der Federflaum verstanden und schenkten ihr Wärme. Lächelnd wandte sie sich ab, trat langsam auf den Steinwald zu, den sie bis jetzt nicht betreten hatte. Er sah kalt und doch wunderschön aus.
Dazu Das weiße Lied
[ vor dem Steinwald | alleine ]
19.02.2010, 15:44
Seine Schritte wurden von weichem Gras abgefedert. Aszrem glaubte spüren zu können, wie sich die Halme unter seinem Gewicht zur Erde bogen um platt darauf zu liegen, bis er die Pfoten wieder hob und sie damit von seinem Gewicht befreite. Es war lange her, seit er diesem Gefühl konkrete Aufmerksamkeit geschenkt hatte, aber in den letzten drei Tagen waren ohnehin allerhand Details wieder auf ihn eingeströmt, die er schon fast vergessen gehabt hatte. Kein Wunder, waren seine Gedanken doch von Trauer, Sorge und Verzweiflung erfüllte gewesen, die keinen Platz mehr für Schönheit gelassen hatten, geschweige denn einen Sinn für die Schönheit kleiner Dinge. Trauer beanspruchte noch immer einen nicht geringen Teil seines Denkens und Fühlens, aber die Verzweiflung und Sorge um das Leben seiner Tochter war endgültig verschwunden. Das Nichts war dahin, war nicht länger nichts, sondern etwas - ein neues Revier, eine neue Heimat. Aszrem hielt inne und reckte den Kopf zum Himmel hoch, ließ sich mit geschlossenen Augen die Sonne ins Gesicht scheinen.
'Wenn du doch nur hier sein könntest.'
Aszrem öffnete die Augen, blinzelte in die Sonne und ließ schließlich den Blick wieder sinken. Zu seiner rechten lag ein Wasserfall, direkt neben dem 'Himmelsfelsen', wie diese besondere Formation des Gebirgsausläufers genannt wurde. Zu seiner linken begann in einiger Entfernung Wald, und vor ihm erstreckte sich eine weite Wiese, in deren Mitte ein einzelner Baum stand. An seinen Ästen und Zweigen funkelte es seltsam, und während Aszrem näher trat, fragte er sich, welche Art von Früchten denn derart glänzten. Auf seinen früheren Wanderungen war ihm noch nichts derartiges begegnet. Und als er erkannte, was da an den Zweigen hing, traute er seinen Augen kaum. Muscheln?!
"Nerúi! Caylee!",
rief er nach den Welpen, die ihn unbedingt auf seinem Erkundungsgang hatten begleiten wollen...
[Muschelbaum | Nerúi, Caylee]
(Ich hoffe, das ist okay so Caylee ^.~)
19.02.2010, 16:48
Gurgelnd plätscherte der Fluss neben der weißen Fähe, welche ihre dicken Pfoten tonlos auf die Wiese daneben setzte, her. Ihre Augen leuchteten in einem ungewöhnlich starken Goldton und blickten bewundernd und glücklich in die Umgebung.
Alles konnte nun neu erkundet werden, das Tal präsentierte sich auf eine neue, aufregende und wunderschöne Weise, die all das Chaos und die Trauer der vergangenen Wochen vergessen ließen. Selbst hier, fernab der anderen Wölfe, konnte Sheena noch die Euphorie der anderen Wölfe spüren. Der Klang der fröhlichen Stimmen und den staunenden Ausrufen hallte in ihrem Kopf nach und vertrieb auch ihren Kummer.
Die vielen Verluste die das Rudel gemacht hatte, steckten ihr noch in den Knochen, dabei hatte sie zu keinem der Wölfe eine sehr große Bindung gehabt. Aber sie fühlte sich verantwortlich für alle Wölfe in diesem Rudel, vor allem seitdem sie Priesterin geworden war. Es war ihr schwer gefallen von einem Todesfall nach dem anderen zu hören und dabei ruhig zu bleiben. Doch sie hatte es erneut geschafft, hatte ihr Maul vor bösen Worten verschlossen und war die letzten Tage so schweigend mit dem Rudel geflohen. Doch seitdem das Rudel sich gegen das Nichts gewandt hatte und es so, durch den Zusammenhalt, vertreiben konnte und die Welt hatte neu erblühen lassen, fühlte sie sich, als ob sie singen könnte.
Der Zauber der neuen Welt hielt sie gefangen und entlockte ihrem Kopf Melodien, von denen sie vorher nicht einmal geträumt hatte.
Ein kleiner neckischer Hüpfer ihrerseits riss sie aus ihren Gedanken, ganz unbemerkt hatte sie vor Freude aufgebellt und nun lauschte sie mit geschlossenen Augen dem so lange nicht mehr gehörtem Geräusch nach. Als der letzte Ton verweht wurde und sie die Augen wieder öffnete, erblickte sie eine leicht abfallende Fläche die zum Fluss hinunter führte. Auf diese steuerte sie nun zu, wollte sie doch ihren Durst stillen.
Noch bevor sie ihre Schnauze in das kühle Nass stecken konnte, stoppte sie verwundert und betrachtete ihr verzerrtes Spiegelbild im Wasser. Obwohl sie sich nur verschwommen wahrnehmen konnte, stellte sie fest, dass sie sich verändert hatte. Sie wirkte weiser, reifer und überlegener. Dazu geduldig und, was sie am meisten freute, fröhlicher. Der ängstliche und gehetzte Ausdruck war aus ihren Augen gewichen und stattdessen diese Ruhe und Freude gebracht.
Ihre Lefzen verzogen sich leicht und dann tauchte sie ihre Schnauze in das Wasser um mit großen Zügen davon zu trinken. Ein wenig wunderte sie sich über die angenehme Temperatur, sollte doch eigentlich mittlerweile der Winter eingekehrt sein, der das Wasser zum Trinken in Eis verwandelte. Ob sich die Jahreszeiten mit dem Wandel in die neue Welt auch verändert hatten? Vielleicht war Winter nun wie der frühere Sommer- und umgekehrt. Aber wieso auch immer, es gefiel ihr und nur langsam hob sie den Kopf um sich erneut die Landschaft anzuschauen.
Dabei perlten die Tropfen durch ihr Fell zurück in den Fluss und ein bekannter Geruch stieg leicht in ihre Nase.
Sie wendete, kletterte langsam die kleine Böschung hinauf und witterte erneut. Nun wehte der Geruch stärker zu ihr hinüber.
„Tyraleen?“
Nicht zu laut, um den Frieden nicht zu stören, rief Sheena nach ihrer Mitschülerin. Es war eigentlich keine direkte Frage ob sie es wirklich war, sondern eher eine Frage ob sie erwünscht war.
Tyraleen und sie hatten nie viel miteinander zu tun gehabt, wirkliche Wortwechsel waren Sheena unbekannt, aber in der letzten Zeit, besonders bei Banshees Tod, war ihr bewusst geworden, wie wenig sie die Wölfe hier kannte. Und durch Tyraleens Trost suchende Berührung damals hatte sich ihr Herz für die ebenfalls weiße Fähe erwärmt. Sie hoffte auf eine innige Freundschaft mit ihr, nicht, weil sie vermutete, dass Tyraleen bald Alphafähe werden würde- es zumindest versuchen würde- sondern, weil sie so vieles mit der Fähe gemeinsam hatte. Dies zumindest vermutete.
Doch ob aus dieser von ihr erwünschten Freundschaft etwas werden konnte, würde sie nur herausfinden, wenn sie mit Tyraleen in Kontakt treten würde.
Und das hatte sie nun vor.
Doch sie wollte nicht von Anfang an zu tief in ihre Privatsphäre eingreifen, so lief sie nicht näher zu der Fähe hin, sondern hielt den Radius, in dem sie Tyraleen bemerkt hatte, auf dem gleichen Level.
[Flussufer. Allein. In der Nähe Tyraleen]
19.02.2010, 17:24
Sprachlos und mit kreisrunden Augen blickte Liam vom Rand des Sees, in dem der Wasserfall endet, über die Blumenwiese hin zum Muschelbaum. So etwas hatte er noch nie in seinem Leben gesehen, er fragte sich ob es so einen Baum außerhalb dieses Tals überhaupt ein zweites Mal gab, denn er hatte noch nie einen der vielen Wanderer, denen er begegnet war, von einem Muschelbaum sprechen hören. Er würde den Baum in naher Zeit mal genauer untersuchen müssen, doch vorerst sollte sich er sich wohl daran erinnern, wie es noch mal funktionierte, wenn man sein Maul wieder zuklappen wollte. Er hechelte ein wenig vor Aufregung, so viel Neues in so kurzer Zeit.
Er konnte sich gar nicht satt sehen an der Landschaft, an dem sprudelnden Wasser, was von dem Wasserfall in dem kleinen Bach endete, an den Wiesen mit den, momentan nur vereinzelten, Blumen. Aber es war schließlich auch Winter, allerdings ließ die Sonne einen das schnell vergessen. Sie schien, als ob sie die vergangene, trübe und nebelige Zeit ungeschehen machen wollte und auch wenn er den Schnee sehr gerne mochte, störte ihn es nicht, dass es noch keinen Schnee gab.
Am liebsten wäre er sofort weitergelaufen um jeden kleinsten Winkel des von ihnen erschaffenen Reviers zu erkunden, doch er musste bei Kandschur bleiben. Um den stand es nämlich nicht gut, doch Liam konnte sich trotz seiner Sorge um seinen geliebten Rüden nicht von dem Anblick losreißen, der sich im bot. Kandschur lag ein wenig von ihm entfernt, wahrscheinlich döste er mal wieder vor sich hin. Die lange Flucht hatte ihn erschöpft, er war ja um so vieles älter als der kleine, lebenslustige Rüde Liam. Alter. Liam schüttelte sich bei dem Gedanken und bekam sogleich ein schlechtes Gewissen. Auch er würde alt werden. Auch wenn er den Gedanken nicht mochte, und dann würde er auch nicht alleine sein wollen.
Endlich schaffte er es auch wieder seine Schnauze zu schließen und damit Kandschur nicht denken würde, dass Liam seine Liebe zu ihm verloren hatte, verschwand der begeisterte Ausdruck in seinen Augen wie auf Kommando. Er wollte ihn nicht anlügen, er fühlte sich schlecht bei dem Gedanken an diesen Verlust, aber er liebte das Leben viel zu sehr und war mit ihm und sich selbst viel zu sehr im Reinen um lange trauern zu können.
Er drehte sich um und tappte auf Kandschur zu, mit jedem Schritt dem er ihm näher kam, fühlten sich seine Pfoten schwerer. Er wollte ihn nicht verlieren, aber er konnte auch nicht mehr mit ihm weiter leben. Die Last von Kandschur schien ihn schier zu erdrücken.
Sanft brummelte er, als er seinen Rüden erreicht hatte.
„Kandschur. Liebling. Sieh die Schönheit, die Vollkommenheit!“
Er berührte ihn sanft am Kopf, stupste ihn auffordernd an, wissend, dass Kandschur wahrscheinlich zu schwach sein würde.
Mittlerweile war der freudige Glanz gänzlich aus seinen Augen verschwunden, das Leid hatte ihn gefangen genommen, eben jenes, welches Kandschur immer zu umschwirren schien. In ihm tobte ein Kampf. Die Trauer über den Verlust und die Erleichterung über Kandschurs Übergang. Er hatte ein erfülltes Leben hinter sich, vielleicht sogar sein Ziel erreicht.
[Wasserfall. Kandschur.]
19.02.2010, 17:51
Die Flucht aus dem Alten Revier war etwas gewesen, das nicht nur seinen Körper erschöpft hatte. Seine Seele fühlte sich schwer und alt. Und obwohl das neue Revier vor Leben nur so strotzte konnte er sich nicht daran erfreuen. Buddha zog ihm das Leben aus dem Leib. Er fühlte es. Die Welt wurde mit jedem Atemzug dunkler und entfernte sich von ihm. Er war aber noch nicht bereit zu gehen. Er war Liam kein guter Gefährte gewesen, er war.... egoistisch und dumm gewesen. war das der Grund für sein Ableben?
oO Schäme dich für dein Sein, aber es ist nicht der Grund warum ich dich zu mir hole. Liam liebt dich, aber er braucht dich nicht. Du warst nicht der Eine auf den er wartet. Doch der eine ist auf dem Weg, zusammen mit der Schwester des Einen. Sei unbesorgt... Liam wird es gut haben...Oo
Und obwohl der schwarze Tibeter seinen Gott nicht sehen konnte, so hörte er doch dessen Stimme hell und klar in seinen Gedanken. Es war gut. Ein Stück Frieden breitete sich in ihm aus.
"Liam....mein schatz. ich sehe sie...und ich sehe dich... schöner und lebensfroher als jemals zuvor...genieße das Leben...versprich mir das...
Er wusste nicht wer "Der Eine" sein sollte aber er war sich sicher dass dieser jemand Liam glücklicher machen würde als er es je gekonnt hatte. Es musste so sein. Woher sollte er auch ahnen, dass dieser Wolf sein eigener Sohn sein würde? Kandschur hatte seine Kinder niemals gesehn denn Buddha hatte ihn vor ihrer Geburt auf die Reise geschickt. Gefühle und bilder stürzten in seinem Kopf durcheinander und er legte den Kopf auf die Pfoten, schaute von unten zu Liam hoch und seufzte schwer. Es tat ihm Leid, Liam so früh schon wieder allein lassen zu müssen
[Wasserfall l Liam]
19.02.2010, 23:26
Zuerst hatte Takashi das Ganze für die riskanteste Aktion überhaupt gehalten. Schließlich galt das Nichts als höchst gefährlich. Immerhin hatte es bereits einige Wölfe einfach urplötzlich verschwinden lassen! Bei der Sache hatte er überhaupt kein gutes Gefühl. Man hatte sich ja auch nicht einfach so von diesem weißen Nebel ferngehalten. Der Rüde war einer der letzten gewesen, die das Nichts durchquerten, was plötzlich gar keins mehr war! Plötzlich blieb er stehen und verstand gar nichts mehr. Das Nichts wich nun Stück für Stück zurück, als sich zahlreiche Bäume, Pflanzen, Blumen und Gräser Platz schafften, als die ersten Wölfe die „Grenze“ überschritten hatten. So war auch nun Takashi überzeigt davon, dass man diesen Schritt wagen konnte. Seine Laune besserte sich ganz plötzlich und er empfand Unmengen von Glück. Dort, wo vor wenigen Momenten noch nichts gewesen war, war nun eine wunderschöne Landschaft entstanden. Takashi konnte endgültig all seine Ängste und Sorgen vergessen und von nun an wieder fröhlich sein. Während er einfach los lief, blickte er immer wieder um sich, um möglichst alles Neue zu erblicken. Bei dieser wunderbaren Vielfalt wusste der Rüde gar nicht, wo er zuerst hinlaufen sollte. Alles war so neu und völlig unbekannt.
.oO(Und ich habe schon gedacht, dass alles vorbei sein würde! Wie naiv konnte ich nur sein und ausschließlich an das Schlechte denken? Es ist völlig anders gekommen, als ich vermutet habe. Aber wer hatte schon gedacht, das ein solchen Wunder geschieht? Es ist so unfassbar, unglaublich! So eine wunderschöne Landschaft! Es ist alles sehr viel besser gekommen, als ich mich je gewagt hätte, zu glauben. Ich bin so glücklich…!)
Der schwarze Rüde lächelte sanft. Er war in Richtung des riesengroßen Sees gelaufen, der in der Mitte des Reviers zu liegen schien. An der Südostseite des Gewässers blieb Takashi erst einmal stehen, um erneut alles genauestens betrachten zu können. Nur ein kleines Stück von ihm entfernt, schien ein Baum zu wachsen, die immer weiter und weiter in die Höhe stieg. Immer wieder entfaltete dieses Gewächs neue Äste und immer mehr kleine grüne Blätter. Bei diesem Baum handelte es sich um eine Weide, wie Takashi sie mochte. Das dichte Blätterdach würde wohl einen Lebensraum für viele andere Tiere wie Vögel und deren Nestern bieten. Die Weide hatte eine enorme Größe angenommen und sah so aus, als stünde sie schon hunderte von Jahren dort. Der Baum hatte sich in Richtung Wasser geneigt, sodass einige der Blätter die Wasseroberfläche streichen konnten. Für Takashi war dies ein wunderschöner Anblick, da er auch die Weide im alten Revier sehr gemocht hatte. In Zukunft würde er sich wohl öfters hier aufhalten. Aufgeregt wedelte er mit der Rute und blickte zu der alten Weide auf.
[See | Südostseite | alte Weide]
20.02.2010, 14:28
Krolock’s Gedanken wanderten zurück zu dem Tag, als er glaubte, dass Leben wäre vorbei. Er hatte sich in Mitten des Rudels befunden, Tyraleens Rede desinteressiert gelauscht und war schließlich ins Nichts marschiert, so wie die Anderen. Ohne einen Gedanken daran, dass zu sterben trostlos sein könnte. Vielleicht wäre es ihm tatsächlich lieber gewesen, als nun wieder hier zu liegen, die Freude und Euphorie des Rudels zu spüren und sich einfach nicht dafür begeistern zu können.
Aber nicht nur dass, der Welpe, der im Nichts gefangen gewesen war und darin sein ganzes Leben verbracht hatte, hatte nach ihm geschrieen. Als seine Heimat, sein Zuhause von der Entschlossenheit und dem Zusammenhalt des Rudels zerstört worden war. Auch jetzt klangen diese Schreie noch in seinem Kopf nach. Noch nie hatte er etwas Schrecklicheres gehört. Und dann war die Zeit stehen geblieben und er stand Nihil gegenüber. So war es ihm jedenfalls vorgekommen. Er stand dem weißen Welpen gegenüber und sie wussten Beide, was geschehen würde, wenn das Nichts verschwunden war, was es ohne Zweifel in wenigen Sekunden sein würde. Noch immer verstand Krolock nicht ganz genau warum, aber er wollte nicht, dass Nihil auf diese Weise sterben musste. Ermordet von der letzten Hoffnung eines ganzen Rudels. Und im nächsten Augenblick war alles ganz hell und dann standen sie beide im strahlenden Sonnenschein, in ihrer neuen Heimat.
Aber dass war schon alles gewesen. Es war 3 Tage her und Krolock hatte Nihil hin und wieder gesehen, aber sonst nichts mehr mit ihm angefangen. Ebenso, wie er sonstige Gesellschaft gemieden hatte. Er wollte einfach seine Ruhe haben. Nachdenken, grübeln und wieder und wieder Revue passieren lassen, was geschehen war. Dieses Gefühl, dass es gleich vorbei sein würde und dann die bittere Erkenntnis, dass er noch ein ganzes Leben zu leben hatte, nagten irgendwie an ihm. Aber es war nicht so, dass er nun unbedingt sterben wollte. Eigentlich war ihm einfach alles egal. So lag er also im Schatten, mit seinen Gedanken weit weg, die Augen geschlossen und die Ruhe genießend.
[Allein im Schatten eines Baums]
20.02.2010, 15:18
Malakím jagte über das Gras wie von einer Biene gestochen, allerdings hatte er mehr Spass dabei. Des Schwärzlings Läufe schienen kaum je den Boden zu berühren. Er flog regelrecht über das Grün, und nur echte Schwingen fehlten ihm noch zum Abheben. Mitten im vollen Lauf warf der Rüde sich hin, purzelte und rollte. Überschlug sich gar mehrmals und blieb dann im Gras liegen. Die Augen geschlossen. Die Zunge aus dem Maul hängend und hechelnd. Und dann lachte er, lachte laut und herzlich und bekam fast keine Luft mehr vor Lachen. Mit einem Ruck rollte er sich herum und kam auf der Seite zu liegen, den Oberkörper aber aufrecht nun. Mit schier leuchtenden Augen ließ er den Blick schweifen über Wiese, Blumen und See. Tiefe Zufriedenheit erfüllte ihn ob des des wunderschönen Anblicks und für einen Moment kehrte Ruhe in den Schwärzling ein. Sodann sprang er wiederum übermütig auf und machte sich zum See auf, mehr springend wohl als wirklich laufen. Dabei passierte er einen Baum, in dessen Schatten ein schwarzer Welpe lag. Beinahe hätte er ihn übersehen. Malakím änderte sofort seinen Plan, sofern man bei einer spontanen Entscheidung von einem Plan reden konnte, und ließ sich neben dem Welpen ins Gras fallen. Erst sagte er gar nichts, genoss nur den Ausblick, der sich ihm bot, und streckte sich dann lang und auf der Seite liegend aus. Ein Prusten, da ihm ein Grashalm die Nase kitzelte, und dann wandeterten die blauen Augen zu dem Kindswolf.
"Na, genießt du die Faulenzerei?",
fragte er und grinste. Mal wieder.
[Baum, in Sichtweite des Sees | Krolock]
20.02.2010, 16:56
Krolock hob den Kopf, als Schritte an ihm vorüber jagten und schließlich wendeten, um im nächsten Augenblick neben ihm stehen zu bleiben. Als er halbwegs realisiert hatte, wer sich da zu ihm gesellte, lag der Schwarze schon bei ihm, als wären sie die besten Freunde. Und genau in diesem Stil sprach er ihn dann auch an.
“Klar, hab mich gerade meines Lebens gefreut. Allerdings nur, bis zu gekommen bist.“
Gab er zynisch zurück und ließ den Kopf wieder ins Gras fallen. Ob allein, oder mit dem Rüden zusammen, machte für ihn keinen Unterschied. Fakt war, dass es sich genau gleich anfühlte und so störte er sich nicht weiter an der Gesellschaft, obwohl er nichts für sie übrig hatte.
Man konnte sich nun natürlich darüber streiten, ob so ein euphorischer, gutgelaunter Wolf, der ständig ein Grinsen im Gesicht trug, der richtige war, um bei einem Griesgram wie ihm zu liegen. Wahrscheinlich würde es dem Älteren aber ohnehin gleich wieder zu langweilig werden. Oder vielleicht fiel ihm ja einfach der ewig glückliche Ausdruck vom Gesicht.
“Kannst du mir mal erklären, über was du so furchtbar, schrecklich, eklig glücklich bist?“
Fragte er dann spitz, als wäre es ein Verbrechen, sich so ausgelassen zu benehmen. Die Worte klangen gar anklagend, wenn nicht sogar tadelnd. Und ganz offensichtlich machte es Krolock nichts aus, eventuell die Schuld daran zu tragen, einem Anderen die Laune zu verderben.
[Bei Malakím]
20.02.2010, 17:00
Je näher Tyraleen ihrem steinernen Wald kam, desto unsicher wurde sie, ob sie ihn tatsächlich betreten sollte. Sie mochte in ihrer Fantasie so oft in ihm gewandelt sein, hier, in der sonnengefluteten Realität war es etwas ganz anders. Er wirkte düster, irgendwie kalt, ganz anders, als die klare Luft über dem plätschernden Fluss. Es war keine Angst, die sie zurückhielt, viel eher eine seltsame Scheu, als könne das Betreten des Waldes den Ort in ihrer Fantasie verändern, verzerren. Und die Stimmung, die ihr jetzt anhaftete zerstören, obwohl sie diese gerade so genoss. Unentschlossen stand sie vor den erstarrten Bäumen, betrachtete ihre steinernen Äste und schien fast, als würde sie darauf warten, dass irgendetwas geschah. Und wie als hätte sie es wirklich geahnt, rief jemand ihren Namen. Bereitwillig drehte sie sich um, erkannte Sheena am Flussufer stehend und sprang ihr einige Schritte entgegen. Tatsächlich war sie froh über das Auftauchen der Weißen, nicht nur, weil sie sich so vor dieser Entscheidung drücken konnte. Sheena mochte ihr früher immer seltsam vorgekommen sein, auch wenn Banshee manchmal ein paar mysteriöse Worte von einer schweren Vergangenheit gesagt hatte; doch heute hatte sie ein anderes Bild von ihr. Tyraleen wusste nicht, wer Sheenas Eltern waren, obwohl diese im Tal der Sternenwinde geboren war. Insgesamt wusste sie sehr wenig über die Weiße, nur noch der Moment bei Banshees Tod war ihr deutlich in Erinnerung geblieben. Ihre mehr instinktive Trostsuche und die Freundlichkeit mit der Sheena diese erwidert hatte. Zudem verband sie etwas wichtiges, etwas, das alle Zeiten überdauern würde. Ein Versprechen zu Banshee, eine Einheit zu sein, gemeinsam die Liebe Engayas zu schenken, wer auch immer nach ihr verlangen würde. Und jetzt, im Licht der lang vermissten Sonne und der Hoffnung auf einen Neubeginn schien es für Tyraleen niemand besseren als Sheena und Rakshee dafür zu geben.
“Hallo, Sheena. Ich wollte gerade den Steinwald betreten, aber …“ Sie stocke, plötzlich verlegen ob einer Erklärung. “… jedenfalls, möchtest du mich vielleicht hineinbegleiten?“
Vielleicht war es ihre fröhlich seltsame Stimmung, die ihr zu dieser Frage und dieser doch eher ungewöhnlichen Offenheit verhalf, kaum ausgesprochen fühlte sie sich zuerst ein wenig verlegen, dann aber doch froh, über ihren Schatten gesprungen zu sein. Sie drehte sich leicht zu den steinernen Bäumen, zögerte wieder und gab sich einen zweiten Ruck.
“Ich glaube … er kommt von mir. Ich habe ihn oft in meiner Fantasie gesehen. Ihn nun plötzlich im Tal der Sternenwinde zu haben fühlt sich sehr seltsam an.“
Wieder konnte sie dieses seltsam nicht erklären, sie hoffte nur, dass Sheena sie begleiten würde und sie sich so nicht alleine zwischen die erstarrten Bäume begeben musste. Dabei war ihre Scheu sicher albern, immerhin war es nur Stein in Form von Bäumen.
[ vor dem Steinwald | Sheena ]
20.02.2010, 17:12
Die blauen Augen ruhten auf dem schwärzlichen Welpen. Das freie Ohr zuckte spielerisch, als der Kleine antwortete und dabei klang, als wäre ihm eine Laus über die Leber gelaufen. Malakíms Lefzen zogen sein grinsen noch etwas weiter.
"Haha, freut mich, wenn ich dir den Tag versüßen kann."
Er zwinkerte neckisch und purer Schalk funkelte in seinen Augen. Er hatte sehrwohl verstanden, dass der Kindsrüde als Beleidigung gemeint hatte, aber der Schwärzling störte sich nicht daran. So einfach ließ sich ein Malakím nicht vertreiben.
Mit einer geschmeidigen Bewegung drehte der Dreijährige sich auf den Rücken, die Vorderläufe an die Brust gewinkelt und die Hinterbeine ausgestreckt. Jetzt stand der kleine Griesgram für ihn auf dem Kopf, was ihm jedwede Griesgrämigkeit nahm.
"Über mein Leben",
antwortete er.
"Kannst du mir erklären, warum du das so furchtbar, schrecklich, eklig findest?"
[Baum, Blick auf den See | Krolock]
20.02.2010, 17:54
Nihil hatte Krolock sich gegenüber gesehen, seine tiefgründigen Augen, dann stand Nihil plötzlich im Außerhalb. Die drei Tage war er Krolock immer gefolgt. Immer in gemessenem Abstand, sodass Krolock ihn wohl kaum bemerkt hatte. Bis er sich am dritten Tag an einem See unter einem Baum niedergelassen hatte, Nihil war dann einfach hinter einem Strauch im Gras verschwunden. Er konnte seine Gefühle nicht beschreiben. Es war so unglaublich! Nichts fühlte sich schöner an! Nichts! Das Gras zwischen den Pfoten zu spüren, alles nicht wie durch Nebel zu sehen, wissen, wohin er lief, wissen, was unter seinen Pfoten war, Schmetterlinge und Vögel beobachten, den Wind spüren - alles, einfach alles war so unbeschreiblich herlich! Noch nie hatte er sich glücklicher gefühlt. Jetzt zog er erstaunt seine Nase kraus, als ein Halm piecksend in seiner Nase stach, und kaute schließlich auf einigen der grünen Halme. Diese Farben waren so schön! Vorher war alles einheitlich grau gewesen, jetzt? Jetzt war alles so schön bunt! So schön farbenfroh! Nichts konnte herlicher sein! Aber irgendwo vermisste er das Nichts auch. Er wusste nicht warum, aber irgendwo vermisste er es dennoch. Die Schreie, als das Nichts gewichen war, hatten seinen Kopf erfüllt. Waren beinahe unerträglich gewesen, aber er hatte es ausgehalten, und dann waren sie einfach verschwunden. Einfach weg gewesen. Anfangs hatte er sich noch gewundert, doch dann hatte er es abgehackt und einfach der Vergangenheit angehören lassen. Jetzt zählte nur noch das, was die Zukunft für ihn, einen kleinen weißen Welpen aus dem Nichts, bereit hielt.
Irgendwann erhob er sich dann, ein anderer Wolf war zu Krolock gekommen, und schritt ganz langsam fort von den beiden. Er war vielleicht vier Wolfslängen von dem schwarzen Welpen entfernt, als er stehen blieb, zu ihm zurückschaute, und sich dann umdrehte, um los zu rennen. Er spührte den Wind in seinem Fell, die Sonne, wie sie warm auf ihn herabschien ... Es war einfach nur schön! Seine Gedanken schweiften ab und er fühlte sich frei, es war so ...
Die schönen Gedanken wurden von einem kurzen Schmerzensstich unterbrochen, der aber wieder leicht abflaute. Verwirrt blieb Nihil stehen und schüttelte den Kopf. Nachdenklich schaute er sich um und trabte weiter. Umso weiter er lief, desto größer wurde der Schmerz, aber nur ganz langsam. Sofort blieb Nihil wieder stehen. Was hatte das zu bedeuten? Wenn er hier so auf der Stelle stehen blieb, dann veränderte sich nichts, lief er weiter, tat es weh. Und was war, wenn er wieder zurück ging? Nihil wollte es gerade nicht wissen und lief noch ein Stück weiter, bevor er sich leise grummelnd im Gras niederließ.
[erst nahe Krolock und Malakím | dann alleine fort vom See, liegend]
20.02.2010, 17:55
Krolock seufzte als Antwort auf die ersten Worte des Rüden und schien gleichzeitig die Hoffnung aufzugeben, dass dieser Wolf nur halbwegs bei Verstand war. Eine Weile musste er überlegen, ob er überhaupt dessen Namen kannte. Malakím. Ein Fremder unter Fremden. Mit seinem ausgelassenen Verhalten eine echte Nervensäge.
Ein lebensfroher Rüde war er also. Noch so einer. Ob so ein Wolf dass wirklich ernst meinen konnte? Wie war es möglich, erwachsen zu werden und noch nicht verstanden zu haben, wie sinnlos jede einzelne Existenz war?
“Weil ich nicht glauben kann, dass es echt ist.“
Entgegnete er, ohne lange um den heißen Brei herumzureden. Aufmerksam musterte er den Älteren.
“Was macht das Leben für dich so schön, dass du dich derart einfach daran freuen kannst? Ist es nicht albern allein durch die Gegend zu rennen und zu Grinsen, als wäre man frisch verliebt? Willst du irgendjemandem etwas beweisen? Dass du ohne alles glücklich sein kannst? Dass du zu den Wölfen gehörst, die sich mit den einfachen Dingen zufrieden geben?“
Er schüttelte verständnislos den Kopf, irgendwo war er zwar ein bisschen neugierig auf die Antworten, andererseits wusste er, dass er sich nicht wirklich dafür interessieren würde. Was auch immer Malakím ihm erzählte, es würde nichts sein als hohles Gerede. Krolock konnte sich nicht vorstellen, dass ein Wolf überhaupt ernsthaft meinen konnte, dass er im Leben glücklich war. Und irgendwie hatte er dazu noch das Gefühl, zunehmend schlechte Laune zu bekommen.
[Bei Malakím]
20.02.2010, 18:28
Malakíms Blick lag unverwandt auf dem kleinen Rüden. Noch immer lag dieses sanfte Lächeln auf seinen Lefzen, als wollte es niemals verschwinden.
"Da kennst du mich aber schlecht, verständlicherweise. Warum sollte es nicht echt sein? Wo ist der Sinn darin, Freude zu heucheln? Oder irgendein anderes Gefühl vorzutäuschen? Immerhin muss ich niemandem etwas beweisen."
Der Blick des Kleinen lag irgendwo zwischen Misstrauen und Resignation, schien ihm. Wie kam ein junger Wolf dazu, so pessimistisch zu sein, an solch einem herrlichen Tag?
"Findest du es denn albern? Ich nicht. Ich fände es albern, es nicht zu tun, nur weil man sich an irgendeine Etikette mit dem Namen 'Erwachsenenverhalten' bindet. Völlig unnötig, wenn du mich fragst. Ich freue mich, weil ich mich freuen möchte und ich mich danach fühle, also zeige ich das auch. Und zwar egal, ob das jemandem gefällt oder nicht. Warum sollte ich mich nach anderen richten? Es ist schließlich mein Leben, und ich lebe es so, wie ich will. Was sollte es da zu beweisen geben, und wem? Wenn etwas so ist, wie es ist, braucht es keinen weiteren Beweis, oder?"
Er hielt kurz inne, als seine Ohren ein entferntes Geräusch auffingen. Malakím versuchte den Kopf in die entsprechende Richtung zu drehen, dabei aber liegen zu bleiben, und so hatte er keinen Erfolg damit, den ursprung des Geräusches zu ergründen. Gleich darauf war er schon gar nicht mehr sicher, etwas gehört zu haben außer dem Zwitschern der Wintervögel und dem Wind im Gras. Also wandte er sich wieder dem kleineren Schwärzling zu.
"Was macht das Leben für dich denn so schlimm, dass du dich nicht darüber freuen kannst? Dass du mürrisch im Gras liegst und dich vor dem schönen Tag verschließt? Was willst du irgendwem oder gar dir selbst beweisen? Dass es nicht einen einzigen Grund gibt, glücklich zu sein? Dass du zu den Wölfen gehörst, die immer nur das Schlechte sehen und nie zufrieden sind?",
verkehrte er die Anklage Krolocks ins Gegenteil. Immernoch lächend.
[Baum mit Blick auf See | Krolock (entfernt noch Nihil?)]
20.02.2010, 20:57
Krolock verengte die Augen leicht und musterte den Rüden. Er glaubte ihm irgendwie kein Wort. Vielleicht war es deshalb völlig unsinnig, dass sie sich unterhielten. Nur ein Schnauben ließ er schließlich hören. Unzufriedenheit breitete sich in ihm aus. Er sah sich in seiner Vermutung bestätigt, je mehr Malakím darauf beharrte, nichts vorzugeben.
“Wo ist der Sinn, überhaupt irgendetwas zu heucheln? Und dennoch tun es alle. Schau dich doch um! Irgendwo in diesem Rudel heuchelt gerade jemand Höflichkeit, an anderer Stelle heuchelt jemand Interesse und wieder irgendwo heuchelt ein Wolf Fröhlichkeit. Und bei all der Heuchlerei soll man noch unterscheiden können, welche nach außengekehrten Gefühle wahr sind und welche einfach nur gespielt?“
Seine Worte klangen nicht gerade so, als würde ihn das Thema im Allgemeinen interessieren oder beschäftigen. Ihm war das Pack ziemlich gleichgültig mit all seinem verlogenen Verhalten. Aber nur weil die Sonne scheint glücklich zu sein, wirkte auf ihn einfach völlig blödsinnig.
“Ja, ich denke, ich finde es albern. Wenn du dich für dich selbst freust, brauchst du es nicht nach außen zu zeigen. Wenn du es doch tust, geht es, auch wenn du sagst, dass es nicht so ist, darum, irgendetwas zu zeigen. Für den Fall, dass dich jemand beobachtet.
Und ich wollte dich nun nicht zu einer Predigt zum Thema wir-dürfen-alle-tun-was-wir-wollen-und-leben-jeder-unser-eigenes-Leben ermutigen. Wieso diskutierst du mit einem missgelaunten Jungwolf darüber, warum du im Leben glücklich bist? Musst du deine Weisheiten weitergeben, oder was?“
Gegen Ende nahm seine Gereiztheit zu. Er wusste nicht einmal so genau warum. Es hatte nichts damit zu tun, dass ihn das Gespräch so nervte. Dass tat es ohnehin. Da war noch irgendetwas anderes, das er sich nicht erklären konnte.
Was das Leben so schlimm machte?
“Es ist sinnlos.“
Entgegnete er kühl, in der Hoffnung, sein Gegenüber würde nicht weiter reden. Denn nun kam, was er befürchtet hatte. Er musste sich hohle Weisheiten anhören, die Malakím wohl so furchtbar klug erschienen.
“Freuen, worüber? Die Sonne scheint, toll! Ist dass ein Grund glücklich zu sein? Wieso nur wenn der Himmel blau ist, hm? Was macht das Leben besser, wenn es sonnig ist? Ist es nicht blödsinnig, die Schönheit eines Tages am Wetter fest zu machen? Ziemlich stumpf. Und ich beweise mir nichts, immerhin stolzierte ich nicht auf dich zu, um dir mit meiner Anwesenheit auf die Nerven zu gehen. Du kamst hier her und störtest meine Ruhe.
Aber bitte. Bring es doch mal auf den Punkt. Worüber soll ich glücklich sein? Und komm mir nun nicht damit, dass das Leben einfach super toll ist und das Wetter einfach schön. Dass sind keine Gründe. Sonst wäre es nicht möglich, dass man bei Sonnenschein oder im Leben auch unglücklich ist.“
Die Begeisterung über dieses, nach seinen Ansichten, sinnfreie Gespräch, schwang in jedem Satz mit, den er von sich gab. Er verabscheute es geradezu, darüber zu philosophieren, was am Leben schön sein sollte. Wieso mit einem dämlichen Sonnenscheinwolf reden, bei dem seine Worte ohnehin nie ankommen würden? Nicht dass es anders herum besser funktionierte. Aber dass war nicht der Punkt. Krolock ließ in letzter Zeit immer öfter die Wölfe sein, wie sie sein wollten. Es ging ihn weder etwas an, noch interessierte es ihn in irgendeiner Weise.
[Bei Malakím]
20.02.2010, 21:20
Die junge Wölfin schüttelte sich, um den Moder aus ihrem Fell zu bekommen. Seit einer Woche wanderte sie nun schon, erst durch einen undurchdringlichen Wald und seit 2 Tagen durch dieses widerliche, stinkende, dreckige Moor. Mücken umschwirrten Enmakus Kopf und dicke, eklige schwarze Fliegen versuchten ständig ihr die Flüssigkeit aus den Augen zu saugen. Ohne ständiges Kopfschütteln wurde sie diese nicht los.
.oO(Verdammte Mistviecher...)
Ein leises Knurren entfuhr ihrer Kehle. Sie beneidete diejenigen, die ihre Rute noch richtig einsetzten konnten und sich damit zumindest ansatzweise die Mücken vom Leib halten konnten. Die Sonne schien zudem schon seit geraumer Zeit vom Himmel und ließ den Schlamm auf ihrem Fell immer wieder eintrocknen, bis sie wieder mal in ein unsichtbares Loch trat und eine neue Ladung frischen Moders sich auf ihrem Körper verteilte. Wieder fluchte sie innerlich. Würde dieser verdammte Sumpf denn nie ein Ende nehmen? Doch dann, nach einer gefühlten halben Ewigkeit, hatte sie tatsächlich wieder festen Untergrund unter den Pfoten. Erstmal ließ sie sich kurz zu Boden sinken und atmete tief durch. Dann rümpfte sie die Nase. Sie roch nicht mehr nach Wald und Wolf, sie stank nur noch nach Fäulnis und vermodernder Erde...
.oO(Das ist so widerlich... ich muss unbedingt wieder sauberwerden...)
Entschlossen, heute noch einen Wasserlauf zu finden, an dem sie sich reinigen konnte, lief die weiße Fähe weiter. Ohne Pause, einfach nur weiter laufen. Der weg führte sie in einen großen, halbwegs gangbaren und noch nichtmal allzu dunklen Laubwald. Zuerst fühlte sie sich irgendwie unbehaglich. Sie hatte das unbestimmte Gefühl sich in ein fremdes Revier vorzuwagen, dennoch hatte sie seit ihrer Ankunft keinerlei Wolfsgeruch in die Nase bekommen. Alles roch so neu und unberührt. Zwar fanden sich etliche Fährten von anderen Tieren und hier und da sah man auch mal kleine Schatten durchs Gebüsch huschen, doch es gab keine Anzeichen für Raubtiere, weder Wölfe, noch irgendwelche anderen. Das machte sie noch misstrauischer. Zwar war der Weg durch den Sumpf lang und beschwerlich gewesen, doch es gab doch bestimmt auch noch andere Wege, hierher zu gelangen. Warum also erschien die Welt hier so neu und frisch, als ob sie gerade erst enstanden wäre? Die weiße Fähe schauderte. Zuerst zögernd, dann ohne auf ihre Umgebung zu achten, rannte sie weiter durch den Wald, bis ihr plötzlich die Witterung von Wasser in die Nase stieg. Sie wandte sich ein wenig nach links und siehe da: Ein kleiner Bach schlängelte sich in einem tiefen Bett durch den moosbedeckten Waldboden.
"Endlich! Ich dachte schon es gäbe gar kein Wasser hier!"
Ihr freudiger Ausruf erschreckte ein paar Vögel in der Nähe, die laut rufend aufstiegen. Lachend sprang die junge Wölfin ins Wasser. Der Bach war zwar nicht sehr tief, hatte aber eine starke Strömung. Auch das Wasser war angenehm warm, doch schon die ständig warme, fast heiße Sonne in den letzten beiden Tagen war ungewöhnlich für den Winter gewesen, also dachte Enmaku sich nichts dabei und tollte ausgelassen im Wasser herum, bis schließlich jeder Schlamm von ihrem Körper verschwunden war. Triefend nass sprang sie danach wieder auf trockenen Boden zurück und rollte sich einmal kreuz und quer im Moos. Schließlich war ihr Fell wieder halbwegs trocken und ihr Körper roch nun wieder nach ihr selbst und ein wenig nach Wald und Moos. Sie legte sich ein wenig abseits auf einen Flecken Wiese, wo die Sonne sich irgendwie einen Weg durch das dichte Laubdach des Waldes gebahnt hatte. Dort blieb sie liegen und fing an sich mit großer Sorgfalt zu putzen, ihr Fell in Ordnung zu bringen und zu glätten. Schließlich hing das immer noch wie feuchte Wolle an ihr herunter, obwohl es sonst so schön flauschig und leicht war. Die junge Fähe ging in dieser zeitraubenden Tätigkeit völlig auf, aus irgendeinem Grund fühlte sie sich sicher, dort wo sie war und achtete nicht mehr weiter auf ihre Umgebung.
[Irgendwo im Süden des Laubwaldes][Allein]
21.02.2010, 14:22
Endlich wieder Sonne! Shani hatte sich seit Langem, seit Ewigem!, nicht mehr so glücklich gefühlt. All das Leid, die Angst und die Trauer waren mit dem Nichts zumindest vorerst verschwunden. Die Euphorie über all das Neue und die Freude am neuen Tal überwiegten noch die unveränderte Einsamkeit Shanis. Lunar blieb fern, ihre Kinder wurden nur erwachsener und auch wenn Shani neue zarte Bande der Freundschaft geknüpft hatte, hatte sie niemanden, mit dem sie auch ihre düsteren Gedanken teilen konnte. Zum Glück waren diese gerade von der strahlenden Sonne am Himmel in den Hintergrund gedrängt worden. Dass Shani nun trotzdem allein war, betrübte die Weiße weniger, sie hatte all das Neue erkunden wollen und war so einfach davongehüpft. Zuerst hatte sie den Wasserfall und die jetzt im Winter nur schwach blühende Blumenwiese erkundet, sich vergnügt im Sonnen beschienen Gras gewälzt und ausgiebig den seltsamen Muschelbaum beschnuppert. Schließlich hatte sie sich aufgemacht, den Gebirgsausläufer umrundet und nach wenigen Schritten in die Einöde hinein sich entschlossen, lieber den Laubwald zu erkunden. Dieser war wie ein Wald sein sollte, weder zu hell noch zu dunkel und trotz seiner äußerst kurzen Existenz voller umgestürzter, moosbewachsener Baumstämme und verwachsener Sträucher, kleinen Verstecken, verlassenen Fuchshölen und zwischen drin Sonnen beschienene Lichtungen. Shani fühlte sich sofort wohl und erwischte sich nur einmal kurz bei dem sehnsüchtigen Gedanken, mit Hiryoga diese neue Welt erkunden zu können. Leider hatte der das Nichts zu früh und zu alleine betreten müssen. Doch die düsteren Gedanken lösten sich schnell wieder auf, als Shani auf einen kleinen Bach stieß, der sich munter plätschernd durch den Wald zog. Durstig tauchte sie die Nase in das kühle Nass und trank einige Schlucke, blickte wieder auf und fing einen Geruch ein. Hier, an dieser Stelle war vor nur wenigen Momenten eine andere Wölfin gestanden, die ihr unbekannt war. Sie hüpfte zwei Schritte zurück, schnupperte im Gras und begann kurz entschlossen die frische Fährte zu verfolgen. Sie war sich der gewissen Gefahr bewusst, die stets von Fremden ausging, doch die Sonne und das Glück ließen ihre Angst wie das Nichts verschwinden. Sie musste nicht weit laufen, schon sah sie eine Lichtung zwischen den Bäumen auftauchen, auf der sich eine weiße Fähe ausgebreitet hatte und sich nun ausgiebig putzte. Einige Momente sah Shani ihr stumm zu, das Bild hatte etwas sehr Friedliches an sich und war wunderbar normal. Dann trat sie zwischen den Stämmen hervor und näherte sich lächelnd mit schwingender Rute.
“Hallo, Fremde.“
Sie näherte sich bis auf etwa eine Wolfslänge und blieb dann mit leicht gekipptem Kopf stehen.
“Ein wunderschöne Tag, nicht wahr? Du bist hier im Tal der Sternenwinde, unserem Revier, aber wir kennen es selbst noch kaum, also keine Sorge, du bist nicht unerlaubt eingedrungen.“
Sie verstummte kurz und dachte noch einmal über ihre Worte nach.
“Naja, also eigentlich bist du das schon, aber wir haben ja noch nicht einmal alles markiert. Du konntest also gar nicht wissen, dass wir hier leben.“
Shani war fröhlich und weit aus offener, als in der Zeit der Trauer. Sich selbst so offen zu erleben machte die Weiße nur noch fröhlicher, war ihr Wesen als Jungwolf doch so viel ausgelassener und freundlicher gewesen. Ein wenig so, wie sie jetzt war.
[ Laubwald | Enmaku ]
21.02.2010, 15:06
Erschrocken sprang die weiße Fähe auf, als sie plötzlich angesprochen wurde. Sie war so in ihrer Tätigkeit versunken gewesen, dass sie gar nicht gemerkt hatte, dass sich ihr jemand näherte. Sonst war sie nicht so unaufmerksam. Aufmerksam beobachtete sie ihr Gegenüber. Eine Fähe, weiß wie sie selbst, doch mit grünen Augen. Ein wenig größer als sie, doch wirkte sie nicht, als wäre sie viel stärker. Die Stimme war warm und freundlich, doch Enmaku war zu sehr von früheren Ereignissen geprägt, so dass sie erstmal eine völlig neutrale Haltung wahrte. Die Ohren aufgestellt, die Schnauze geschlossen und ein ausdrucksloser Blick in Richtung Shani.
"Ein schöner Tag? Ja, ist es wirklich, aber für meinen Geschmack ein wenig zu warm. Ich habe es lieber etwas kühler und für den Winter ist es sowieso völlig untypisch..."
Sie blickte sich ein wenig um. Es war völlig windstill und ruhig. Irgendwie zu still. Keine Vögel, keine Insekten, kein einziger Laut schien durch die Stille zu dringen, außer ihrem eigenen Atem und dem der anderen Fähe. Dieser wandte sie sich jetzt wieder zu.
"Verzeih, ich wusste nicht, dass dies euer Revier ist. Seid ihr ein großes Rudel? Ich würde dann gern eurem Alpha oder eurer Alphess meine Aufwartung machen. Ich suche nämlich schon seit einiger Zeit ein Rudel, in dem ich vielleicht bleiben kann..."
Erwartungsvoll sah Enmaku die Fähe vor sich an. Würde diese sie zum Rudel führen oder würde man sie verjagen? Es blieb nur noch eines für sie zu tun.
"Ach übrigens, mein Name ist Enmaku. Sagst du mir auch, wie du heißt?"
[Laubwald | Shani]
21.02.2010, 15:33
Sonne, Sonne, Sonne, Sonne! Wie oft hatte Caylee dieses Wort gehört und sich nichts darunter vorstellen können. Es sollte hell sein, vom Himmel leuchten und warm machen. Das hatte so absurd geklungen, dass die Kleine ganz konfus geworden war, wenn sie darüber nachgedacht hatte. Jetzt, da die Sonne plötzlich einfach da war, verstand sie jedes einzelne vorher so seltsame Wort. Die Sonne war hell, oh ja, sie war tausend Mal Banshee hell! Und sie war warm, viel wärmer als der angekuschelte Körper ihrer Geschwister. Und sie war wunderschön, auch wenn man sie gar nicht so richtig ansehen konnte, weil sie ja so hell war. Caylee hatte sie vom ersten Augenblick an gemocht und den Schatten ihre Feindschaft angekündigt. Wie gut, dass sie gerade auf einer großen Wiese unterwegs waren, da gab es keine Bäume und auch sonst nichts Großes, das Schatten werfen könnte. Nur die Sonne, Caylee und ihre beiden Begleiter. Ähm … Aszrem? Ihr Papa-oder-so hatte sich ein wenig entfernt und rief jetzt nach ihnen. Mit rotierender Rute sprintete die Weiße ihm hinterher, japste glücklich und umkreiste den einzigen Baum weit und breit. Erst dann bemerkte sie den faszinierten Blick von dem Schwarzen und betrachtete das Schimmernde an den Ästen genauer. Das erinnerte sie an irgendetwas … ähm … genau, Neruís Patengeschenk! Das sie von Kylia bekommen hatte. So hatte es ausgesehen.
“Neru, schau mal, schau mal! Kylia hat dir aus dem Himmel Geschenke gemacht!“
Dass Nyota und Kylia tot waren hatte Caylee mittlerweile hingenommen, auch wenn sie ab und an das Lachen von ihrer Mama-oder-so vermisste. Aber sie war ja bei Oma Banshee, da konnte es ihr nur gut gehen. Und Kylia offensichtlich auch, die schenkte ihrem zurückgelassenen Patenwelpen sogar noch mehr schimmernde Dinger. Apropos … wo war eigentlich Caylees Engayastein? Sie hatte ihn damals am Seeufer vergraben um ihn jeder Zeit wieder ausgraben zu können, aber ob der jetzt noch da war? Das Nichts hatte doch eigentlich alles verschluckt … mit gekrauster Stirn wandte sie sich an Aszrem.
“Duuu, Aszrem? Raki hat mir doch einen Engayastein geschenkt, den hab’ ich vergraben, meinst du, der ist noch daaa?“
Eigentlich hätte die Kleine ja gleich nachgeschaut, aber leider waren sie weit weg vom See, denn sie hatten zu dem Ort gehen wollen, wo Nyota gestorben war. Da sollte es nämlich ganz viele Caylees geben! Turi hatte es ihr erklärt, sie hatten eine wunderwunderschöne Blume nach ihr benannt und die wollte die Kleine natürlich unbedingt sehen. Ob sie wirklich so schön war wie sie selbst?
[ Muschelbaum | Aszrem und Neruí ]
21.02.2010, 16:51
Es war unglaublich, etwas, was die Kleine kaum glauben konnte. Aber es war geschehen. Lange, so unendlich lange schon war es her gewesen, als Aléya sie gesehen hatte: die Sonne.
Es war ihr nicht wirklich bewusst geworden, dass in diesem Tal, welches sie kennen gelernt hatte, die Sonne nicht schien. Zu sehr lag ihr Augenmerk auf anderen Dingen. Es gab einfach zu viel zu entdecken!
Ihre Neugierde war unersättlich, alles musste erkundet werden. Beinahe hatte es die Fähe das Leben gekostet. Sie erinnerte sich noch immer mit Schrecken an den Tag, als sie sorglos mit Amúr im Wald gespielt hatte und sie etwas so sehr erschreckt hatte, dass sie in ihrer Panik beinahe ins Nichts gefallen wäre.
Das war ein Schreck gewesen!
Doch eines hatte die Weiße gelernt: Sie hatte gelernt sich besser zu beherrschen und ihre Angst im Griff zu halten.
Zudem kam noch ihre körperliche Veränderung, die mit jedem Tag rasanter fort schritt. Sie war immer schneller gewachsen, ihre Gliedmaßen streckten sich, die Läufe wurden länger, ihre Schulterblätter zeichneten sich nun deutlich unter dem rein weißen Pelz ab. Ein wenig schmächtig wirkte sie, zu mager. Dabei fühlte Aléya eine ungebrochene Macht in sich pulsieren, mit jedem Herzschlag, mit jedem Atemzug den sie tat, wurde es stärker, machte sie kräftiger. Unbewusst, sie tat alles unbewusst. Sie konnte ihre Verwandlung nicht verstehen, nicht erkennen. Zu jung.
Das Gras berührte die Läufe der Weißen, oder waren es ihre Läufe, die das Gras sprießen ließen? Eine wundersame Verwandlung hatte das Tal hinter sich und schien noch immer nicht vollkommen beendet zu sein. Immer noch entdeckten die Wölfe Einzigartigkeiten, die vom Willen Engayas zeugten sie nicht im Stich zu lassen. Oder war es Banshees Wunsch und Versprechen, für immer für sie da zu sein und zu sorgen?
Die Sorgen und Ängste der Wölfe waren wie die dichte Wolkendecke verschwunden. Auf dem Weg in ein neues Leben.
Zuversichtlich schritt die langläufige Fähe am Ufer eines Gewässers entlang, ließ sich das kühle Nass angenehm um die Pfoten fließen. Wasser. Die Kleine liebte Wasser.
Mit tiefen Atemzüge füllten sich die Lungen der Welpin mit der klaren Luft, frei von allen Sorgen, das Wasser liebkoste ihre Läufe, die Sonne schien warm auf ihren Pelz. Zufriedenheit und Glück machten sich in dem Jungtier breit.
Mit einem Satz, voller ungebändigter Freude, sprang die Weiße los, ließ die Wassertropfen aufspritzen, das Maul leicht geöffnet. Jeder Muskel, jede noch so kleine Faser ihres Körpers schien zu jubilieren, wie die Vögel in den Bäumen.
Ohne Kraftanstrengung folgte Aléya dem Nass, jagte dann wieder über das Gras, wobei sich die Krallen der Fähe in den Erdboden gruben, bis sie schliddernd zum Stehen kam.
„Takashi!“
Schnellen Schrittes rannte die Weiße auf den dunklen Rüden zu, der sich einen Baum näher ansah und wie eben dieser angewurzelt still stand.
Seit sie mit Avendal und Ahkuma vor dem Nichts geflohen war, war die Weiße längst nicht mehr so eingeschüchtert und ängstlich. Munter rannte sie auf den Schwarzen zu, schnappte spielerisch nach seiner wedelnden Rute, umkreiste ihn und blieb dann leicht hechelnd stehen.
„Ist das alles nicht wunderbar?“
Die perlenartigen Augen glänzten freudig, doch lag in ihnen ebenso ein geheimnisvoller, wie auch wissender Glanz. Gar welpenuntypisch…
[an der Weide am See (?) bei Takashi]
21.02.2010, 18:04
Das erste, das Shani auffiel, als die fremde Fähe sie bemerkte war die seltsame Starrheit der Rute der Weißen. Kein freundliches, begrüßendes Wedeln, auch kein warnendes Sträuben oder ein dominantes Aufstellen. Nicht einmal ein Zucken, um Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu beteuern. Einfach gar nichts. Als nächstes bemerkte Shani die große Narbe, die auf dem Rücken der Fremden prangte und möglicherweise mit genau dieser Unbeweglichkeit zusammenhing. Auch wenn sie bereits eine gute Erklärung ausfindig gemacht hatte, war die Starrheit der Rute wie ein unbewegliches Gesicht irritierend und ein klein wenig abweisend wirkend. Wofür die Fähe natürlich nichts konnte, also beschloss Shani diesen Umstand so gut wie möglich zu ignorieren.
“Stimmt, einen Winter ohne Schnee habe ich bis jetzt noch nie erlebt, aber die Sonne ist dafür um so schöner. Wir hatten hier lange keine Sonne mehr und sind deshalb alle ganz aufgeregt über ihre strahlende Anwesenheit.“
Sich mittlerweile sicher, dass die Fähe nichts Böses im Sinn hatte kam sie ein paar Schritte näher und stellte fest, dass die Fremde sogar noch kleiner als sie selbst war. Das wollte etwas heißen, bisher war Shani die kleinste Fähe im ganzen Rudel und hatte sich daran gewöhnt, stets ein wenig nach oben zu blicken, wenn sie sich mit jemandem unterhielt. Diese Erfahrung musste die fremde Weiße wohl noch extremer als sie selbst gemacht haben.
“Ja, wir sind ein sehr großes Rudel. Allerdings … ähm … einen richtigen Alpha haben wir momentan gerade gar nicht.“
Unsicher verstummte sie. Banshee war tot, Nyota war tot … und niemand hatte bewusst ihren Platz eingenommen. Aszrem, Tyraleen, die beiden fielen Shani am ehesten bei dem Begriff Alpha ein, aber so richtig stimmte das auch nicht. Und was war denn eine Alphess? So etwas wie ein Alpha? Die Fremde verwirrte Shani ein wenig.
“Ich kann dich aber zu jemandem bringen, den du fragen kannst, ob du bleiben darfst. Ich denke aber, dass niemand etwas dagegen haben wird.“
Froh, eine Antwort gefunden zu haben schwenkte sie die Rute.
“Was ist eine Alphess? Davon habe ich noch nie gehört. Klingt ein wenig wie eine weibliche Alpha … wir bezeichnen unsere Leittiere sowieso meistens als Leitwolf und Leitwölfin.“
Als die Fremde ihren Namen nannte, fiel Shani ein, dass sie ihren noch gar nicht gesagt hatte.
“Entschuldige, ich bin Shani, Shani Caiyé. Gefährtin eines Sohnes unserer ehemaligen Leitwölfin und Mutter von einigen wunderhübschen Jungwölfen des Rudels.“
Es freute sie, von ihren Kindern erzählen zu können und beinahe hätte sie hinzugefügt, dass sie Enmaku ihren Welpen gerne einmal vorstellen wollte. Sie zügelte sich aber, schließlich waren Jungwölfe an sich nun nicht unbedingt so interessant. Nur eben für sie, diese bestimmten Jungwölfe … ihre kleinen, süßen Schätze.
[ Laubwald | Enmaku ]
21.02.2010, 18:55
Chanuka saß zwischen einigen Schneeglöckchen und betrachtete den riesigen Federbaum, den er vor einigen Monaten gepflanzt hatte. Ein warmes Lächeln lag dabei auf seinen Zügen, während er sich an den Tag zurückerinnerte. Es war die Feder seiner Patin gewesen, die er mit seinem Vater eingegraben hatte. Es war seltsam, wie sich alles seit dem verändert hatte. Das Nichts war verschwunden und der Winter ging mit strahlendem Sonnenschein beinahe schon in das nächste Frühjahr über. Damit würde sich bald sein erster Jahreslauf schließen. Er war nun stolze neun Monate alt. Soviel Zeit war vergangen und so schnell. Er hatte ein Alter erreicht, in dem er sich seine Unabhängigkeit sichern konnte. Er verspürte nur nicht das geringste Verlangen danach, aufzubrechen und die Welt zu sehen. Wie viele Wunder mehr sollte es dort draußen schon geben, wenn man bedachte, dass sie alle dem Nichts entgangen waren und noch lebten?
Das Gespräch mit seiner Mutter lag nun eine Weile zurück, so dass er sich ausgiebig Gedanken darüber machen konnte. Für ihn änderte sich eigentlich nicht viel und vielleicht trotzdem alles. Nie zuvor war ihm so leicht ums Herz gewesen. Glück war manchmal wirklich das Einfachste, das es geben konnte. Er wusste nicht einmal genau, wieso ihn die Antwort auf die Frage glücklich gemacht hatte. Es war nur einfach so, dass er dadurch mit einem Teil seiner Vergangenheit abschließen konnte. Alles hatte sich verändert.
Im Lauf der Zeit waren manche bekannten Gesichter verschwunden und neue, fremde Wölfe waren aufgetaucht. Anfangs war es ihm seltsam erschienen, inzwischen hatte er sich daran gewöhnt. Seine Patin hatte er nie wieder gesehen, aber er konnte nicht gerade behaupten, eine enge Beziehung zu ihr gehabt zu haben. Das einzige, was von ihr geblieben war, stand vor ihm und war nicht wirklich das Werk der Wölfin. Der Federbaum war gewachsen, so wie er es sich als Welpe gewünscht hatte. Und noch immer haftete diesem Ort Sicherheit an, etwas sehr Liebevolles. Die Atmosphäre war immer noch die, die sie gewesen war, als er das erste Mal seinen Vater für sich ganz allein gehabt hatte. Das erste Mal, dass er überhaupt mit ihm Kontakt hatte. Und somit beinhaltete der Baum, ebenso wie die Feder, ein stummes Versprechen. Eine Zuflucht und Vertrauen. Etwas, dass er seit heute ohnehin anders betrachten konnte.
Chanuka spürte die Sonne auf seinem Pelz. Nie in seinem bisherigen Leben war der Himmel derart blau gewesen. Es war Winter und trotzdem war die Wärme greifbar. Ein wunderschönes Gefühl, dass er gierig in sich aufsog. Er hätte am liebsten den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als hier in der Wiese zu sitzen und seinen Baum zu betrachten, hinter dem sich der Himmel bis in die Unendlichkeit erstreckte.
[Bei seinem Federbaum | bald mit Averic]
21.02.2010, 19:02
Der Rüde Takashi konnte seinen stolzen Blick noch immer nicht von der Weide wenden. Der Baum bot für ihn einen besonderen Anblick. Neugierig umkreiste er das große Gewächs zwei, drei Mal. Die Weide ragte hoch in den Himmel hinein, sodass man sie beinahe von jeder Stelle des Reviers aus erkennen konnte. Auch der Baumstamm hatte einen wirklich beeindruckenden Durchmesser! Die Wurzeln konnte man nach einigen Metern noch immer genauestens erkennen, weil sie den Erdboden aufgewölbt hatten. Eines der relativ kleinen Blätter sank langsam zu Boden. Der Rüde sprang auf, weil er genau dieses Blatt betrachten wollte. Es war nahezu rund und trug einen hellgrünen Saftigen Farbton. Inzwischen war auch der Erdboden von verschiedenen grünfarbigen Gräsern bewachsen. Takashi trat einen Schritt vor, stand mit den Vorderpfoten im Wasser und nahm einige Schlucke. Ein wenig Wind ging durch das Schwarze Fell und auch durch die langen Äste seiner Weide. Alles war so ruhig und idyllisch. Gerade wollte er sich nieder lassen, um die interessanten Wasserspiegelungen zu sehen, kam dort jemand auf ihn zugerannt, sodass er erschrak. Instinktiv machte er einen Satz zurück, blieb mit der Hinterpfote an einer der Wurzeln hängen und setzte sich zwanghaft auf das Hinterteil. Aber es war doch nur ein Welpe, Aléya, gewesen! Na wie peinlich! Das war ja Mal wieder typisch gewesen! Beschämt stand Takashi wieder auf und grinste sanft.
Eigentlich hatte er erwartet, dass nun wieder Ruhe einkehrte. Doch dann fing auch noch die Jungwölfin an, um Takashi herumzuspringen und immer wieder nach seiner Rute zu schnappen! Immer diese wilden Welpenspiele! Der Rüde tänzelte unruhig mit seinen Vorderpfoten hin und her, während er seine Rute immer wieder zur Seite schwang. Ob er wohl auch einmal so schrecklich unruhig und verspielt gewesen war? Jedenfalls konnte er sich an diesen Lebensabschnitt überhaupt nicht mehr erinnern. Er verdreht seinen Kopf leicht. Natürlich empfand er das alles hier als wunderbar!
“Ähm ja. Es ist…schau, meine Weide! Als ich hier hin kam und an die Weide dachte, unter der ich sonst immer gelegen habe, wuchs diese plötzlich aus dem Nichts in die Höhe! Nach und nach veränderte sich das Umfeld ins Grüne. Es ist schön! Hier fühle ich mich wohl.“
Stotterte er zuerst, während er sich allmählich von der Welpenattacke beruhigte. Er war gerade so in die Beobachtung vertieft gewesen, dass er Aléya zuvor überhaupt nicht bemerkt hatte! Und dann auf einmal so etwas! Wer konnte da auch schon ruhig bleiben? Takashi grinste noch immer. Man merkte förmlich, wie peinlich ihm die Aktion von gerade eben war.
[See | Südostseite | alte Weide]
21.02.2010, 19:07
Munter flitzte eine schwarzweiße Gestalt durch das Gras, direkt neben dem Bach her, der in den Sternensee mündete. Sie, die Gestalt, bewegte sich allerdings von jenem weg. Mal den Kopf erhoben, mal direkt am Boden, um die vielen, verschiedenen Gerüche auf zu nehmen, die seit drei Tagen viel intensiver waren, als jemals zuvor in seinem Leben. Chardím hüpfte vergnügt über ein paar Grasbüschel, obwohl sie ja gar kein Hindernis darstellten.
Die letzte Zeit über, hatte es der Jungwolf sehr schwierig gefunden, mit allem klar zu kommen. All den Sachen, die passiert waren, seit Oma Banshee gestorben war. Es hatte ihn verwirrt, vielleicht sogar ein wenig verstört, weil er bis Heute nicht genau wusste, was er über das alles zu denken hatte. Zu fühlen hatte. Als seine Oma gestorben war, hätte er wohl traurig sein sollen. War er auch, sicher, aber nicht so todunglücklich, wie all die anderen Wölfe, die um ihn herum gewesen waren. Er hatte nicht das Gefühl gehabt, als wäre ihr Dahinscheiden etwas Schreckliches und Falsches gewesen. Scheinbar hatte er aber diese Einstellung allein vertreten, oder auch fast alleine. Er wusste es nicht genau. Jedenfalls hatte ihn das irgendwie verunsichert. Er hatte damals Tränen in seinen Augen gespürt, aber nicht, weil Banshee gestorben war, sondern weil seine Geschwister, seine Eltern, seine Familie, weil sie alle so furchtbar traurig gewesen waren.
Genau so hatte er das Nichts eher aufmerksam beobachtet, aber keine Angst vor ihm gehabt. Und als Nyota gestorben war – das war schon etwas schockierender gewesen. Und Nerúi hatte ihm schrecklich Leid getan. Und natürlich auch wieder seine Familie. Aber, aber ... es war alles so schrecklich verwirrend und komisch gewesen. Vor allem, was dann passiert war, als das Nichts sie eingekesselt hatte und sie scheinbar am Ende ihres kurzen Lebens angekommen waren. Plötzlich war überall wieder Leben gewesen. Es war unter ihren Pfoten entstanden. Und danach war alles anders geworden.
Chardím hatte jetzt die Sonne kennen gelernt und war sofort nicht mehr still und zurückhaltend gewesen, wie zuvor, als er nicht gewusst hatte, wie er sich verhalten sollte. Er hatte sich an das Gespräch mit Nerúi erinnert, als sie noch darüber sinniert hatten, wie sie die Sonne finden sollten und nun hatte sie einfach das Versteckspiel beendet und war von selbst zurück gekommen.
Ihr Revier sah jetzt irgendwie etwas anders aus, obwohl Chardím so viele Dinge noch bekannt vorkamen. Sein Bruder Turién hatte gesagt, dass er unbedingt einmal zu diesem groooßen Felsen hin wollte, den man sogar vom Rudelplatz aus sehen konnte. Also hatte Chardím nicht lange gezögert und verkündet, dass sie da jetzt einfach hingehen würden. Immerhin waren sie jetzt nicht mehr so klein, es gab kein Nichts mehr, was hätte ihnen also gefährlich werden können?
Der schwarzweiße, schlaksige Welpe sprang erneut aus dem hohen Gras – dieses Mal direkt auf seinen Bruder drauf und zog ihm spielerisch am Ohr, während seine Pfoten auf Turiéns Rücken ruhten.
„Wasch meinscht, duh? Wie weid kann man kucken, von da gaaansch oben?“,
fragte er, ohne Turiéns Ohr los zu lassen. Die zweifarbigen Augen sahen aber über ihn hinweg, zum Gebirge, wo ganz eindeutig der Himmelsfelsen empor ragte.
[ Am Bach, auf dem Weg zum Himmelsfelsen | Turién, in der Nähe Amúr ]
21.02.2010, 19:18
Die Sonne spiegelte sich glitzernd im kühlen Wasser des Wasserfalls, doch dafür hatte Jumaana keine Augen. Schon seit Stunden stromerte sie in der unmittelbaren Nähe von Liam und Kandschur herum, ohne jedoch von ihnen gesehen zu werden. Zwar freute sie sich über die perfekte Beschaffenheit des neuen Tals, doch irgendwas fehlte ihr. Sie dachte schon seit Ewigkeiten darüber nach, obwohl sie ganz genau wusste, was – oder besser wer – es war. Takashi. Der Schwarze brachte es immer wieder fertig, sie zur Verzweiflung zu treiben. Nicht der vergangene Streit war das, worüber sie nachdachte, eher ihr gesamtes Beisammensein. Mit nachdenklichem Blick schritt Jumaana hin und her, bis sie spürte, dass eine Wunde an ihrem linken Vorderbein schmerzte. Sie hatte sie sich in den Bergen zugezogen, als sie gestürzt war, doch bis vor wenigen Tagen nichts davon gemerkt. Sie seufzte leise und tapste weiter. Wenn sie jetzt damit aufhörte, würden alle Gedanken wieder auf sie zustürzen und sie zerreißen. Das Laufen erforderte zwar nur ein wenig Konzentration, aber es lenkte sie ab. Nach gefühlten Ewigkeiten beschloss die Wölfin, nach Takashi zu suchen und alles, was ihr einfiel, war das Tote Land. Ja, dort musste der schwarze Rüde sein. Wo sollte er sonst sein, wenn nicht beim Gespaltenen Baum? Er liebe die Stille, die Einöde, was sollte er bei einem der seltsamen Bäume oder beim fröhlich plätschernden Fluss?
Jumaana tapste an Kandschur und Liam vorbei, nickte den beiden flüchtig zu und trabte dann Richtung Süden, am Fuße des Gebirges entlang. Sie humpelte jetzt stärker und der körperliche Schmerz lenkte sie von dem Schmerz in ihrem Kopf ab. Sie spürte, wie der Boden unter ihren Pfoten sich veränderte, härter und trockener würde und sah in der Ferne leuchtendes Grün. Die immerwährende Seite des Gespaltenen Baumes strahlte ihr entgegen, doch Jumaana beachtete sie nicht, denn sie entdeckte einen Schatten am anderen Teil des Baumes. Eine schwarze Gestalt huschte dort entlang und verschwand in Richtung Berge.
„Takashi?“, hörte sie sich selbst rufen und verstummte erstaunt.
Es war die Stimme, mit der sie rief. Es war nicht ihre. Die Stimme, die dort rief, war nicht das helle, soprane Stimmchen der weißen Wölfin aus dem Norden, nein, sie war kraftvoller und dunkler. Erschrocken schluckte Jumaana und blieb stehen, direkt neben der toten Seite des Baumes. Das erste, was ihr in den Sinn kam, war Aarinath, doch diese hatte nie, niemals den Namen ihres Sohnes oder von sonst irgendwem ausgesprochen. Oder gedacht, wie man es nahm. Jumaana zog sich in sich zurück und horchte, ob das Feenkind auf ihren Ruf hörte, den sie an Gedanken an Takashis Mutter schickte. Doch die weiße Seele blieb stumm.
„Aarinath?“, fragte sie leise und verwundert.
Diesmal mit der vertrauten, weichen Glöckchenstimme. Okay, das war definitiv seltsam, sagte die Wölfin sich und stutzte erneut, als sie ein leises Wimmern in ihrem Kopf hörte. Es war ganz eindeutig Aarinath, denn Jumaana wusste, dass das Wimmern der Verstorbenen dem ihres Sohnes ähnelte. Musste wohl in der Familie liegen.
oO Aarinath Oo, zischte Jumaana in Gedanken und wartete auf eine Antwort. .( Weiße Tochter … da ist jemand! )., wimmerte das weiße Feenkind und ließ Jumaana zurückschrecken. oO Pscht. Halt mal die Klappe, Aari, ja? Oo Die Stimme in ihrem Kopf schwieg. Dann öffnete sich Jumaanas Fang und rief wieder den Namen des Schwarzen. Tief und sonor. Die Weiße begann zu zittern. Sie wurde wahnsinnig. Oder war es etwa der Fluch, der zu ihr sprach? Der Fluch, von … NEIN! Jumaana schwieg und lehnte sich leicht zur Seite, doch als sie die raue, harte Rinde an ihrer Seite spürte, zuckte sie zurück. Probeweise öffnete sie die Schnauze und wartete. Würde sich die Stimme wieder zu Wort melden? Doch sie schwieg. Es war zum Verzweifeln. Mit verwirrtem Blick sah Jumaana sich um. Dann trat sie auf die grüne Seite des Baumes zu und schnupperte an einem der Blätter. Ihr Kopf war nicht mehr so voll und auch Aarinath seufzte erleichtert auf.
„Es muss am Toten Land liegen!“, sagte sie sich selbst und wartete. Auf irgendetwas, was sie jetzt erwartete.
[ Am Gespaltenen Baum | Verwirrt ]
21.02.2010, 19:50
Langsam, fast bedächtig schritt Averic am Ufer des Sternensees entlang, ließ den dunkelblauen Blick über das Wasser und die Umgebung schweifen. Als das Nichts vor ihnen verschwunden war und unter ihnen das Tal neu entstanden war, war es ihm fast so vorgekommen, als hätte die Göttin seinen stillen Vorwurf gehört. Die wütende Frage in seinem Kopf, ob Engaya sie denn vergessen hätte, ob sie sie alle im Stich lassen wollte. Doch die Welt war wieder da, als hätte sie diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen können und ihn deshalb beseitigte.
Vielleicht war es aber auch anders. Vielleicht war es auch seine Mutter selbst gewesen, die gesehen hatte, wie ihre Heimat, ihr Rudel, ihre Familie, ihre Kinder und Enkel beinah verloren gewesen wären. Die ihnen die Pfote gereicht hatte, weil sie jetzt die Göttin des Lebens war. Averic wusste es nicht genau und obwohl er kein Kind Engayas war, sondern der Sohn Acollons – jetzt also der Todessohn persönlich – fühlte er sich in diesen Tagen seiner Mutter wieder viel näher, als zuvor. Nicht dem Leben, nein. Einfach seiner Mutter. Banshee. Weil es immer noch ihr Tal war, obwohl vieles jetzt anders aussah. Aber die Dinge, die er schon gekannt hatte, waren dadurch nicht verschwunden.
Averic wandte seinen Kopf Richtung Himmel, wo die Sonne schien, was sie Ewigkeiten nicht getan hatte. Er sah nicht, wie blau der Himmel jetzt war, für ihn war er immerhin grau, nicht viel anders, als ohne Sonne. Und auch seine Umgebung sah nicht großartig anders aus, es war nur alles viel heller und kontrastreicher. Der Pechschwarze konnte sich vorstellen, dass es jetzt sehr schön aussehen musste für die Wölfe, die Farben sahen.
Averic wandte den Kopf zur Seite. Zwischen dem zarten Geruch von Schneeglöckchen konnte er die Witterung seines Sohnes wahr nehmen. Chanuka. Der Wolf, der am Wenigsten sein Sohn sein sollte und es irgendwie doch so viel mehr war. Ohne großartig darüber nach zu denken, steuerte er auf die Wiese nahe des Sees zu. Er hätte niemals gewagt die Entscheidungen seiner Mutter an zu zweifeln, er sah trotzdem nicht den Welpen in ihm, der von seiner Familie getrennt werden musste, weil er eventuell einen schlechten Einfluss auf sie haben könnte. Averic war sich sogar ziemlich sicher, dass Chanuka nichts mit Fenris zutun hatte. Er spürte ihn nicht bei ihm, nie. Die Präsenz des schwarzen Gottes war niemals in der Nähe seines Sohnes gewesen, außer eben an diesem einem Tag.
Als er näher kam, sah er schon, dass Chanuka bei dem Baum saß, der keine Früchte, sondern Federn trug. Averic war diese Tatsache erst recht spät aufgefallen, weil er die intensive, rote Farbe nicht sehen konnte, die von den Federn ausging. Vielleicht hätte er es sogar übersehen, wenn er den Baum nicht etwas eingehender betrachtet hätte. Es fiel ihm manchmal schwer Details zu erkennen, wenn alles nur Grau in Grau war.
„Hallo Chanuka.”
Der große Wolf blieb ein Stück vor seinem Sohn stehen, nur selten hörte man einen so friedlichen Ton in seiner Stimme. Vor allem in der letzten Zeit hatte man einen freundlichen Blick bei ihm als Rarität bezeichnen können. Die dunklen Augen huschten wieder zum Geäst des Baumes hinauf.
„Es ist zwar kein Vogel aus deiner Feder gewachsen, dafür aber ein ganzer Baum. Wer hätte das gedacht.“
Er erinnerte sich an Chanukas Überlegung, ob aus seiner Feder ein Vogel werden würde, wenn man sie einpflanzte. Und das an diesem Baum ganz viele von Chanukas Feder hingen, daran hatte er nicht einen Moment gezweifelt. Auch wenn er deshalb nicht besser verstand, warum aus der Feder ein Federbaum geworden war.
[ Federbaum | Chanuka ]
21.02.2010, 20:15
Chanuka wandte gelassen den Kopf zu seinem Vater und lächelte diesem entgegen. Wie immer strahlte er dabei viel mehr Ruhe als Ausgelassenheit aus. Als wäre es nicht das Lächeln eines jungen Rüden, sondern das zufriedene Gesicht eines alten Wolfs, der durch das Leben zur Weisheit gelangt war. Friedvoll, wirkte der kleine schwarze, dessen Größe sich langsam an die eines Erwachsenen angleichen würde.
“Hallo Averic!“
Grüßte er zurück, ließ die Freude die er empfand einfach im Klang seiner Worten mitschwingen. Seine Rute wischte durchs Gras, während er von seinem Vater absah und den Baum betrachtete. Ja, wer hätte das gedacht? Damals hatte er fest daran geglaubt, dass mit seiner Feder etwas geschehen würde. Wie hatte Averic die Situation an jenem Tag erlebt, wissend, dass doch aus einer Feder eigentlich nichts werden konnte?
In einer fließenden Bewegung wandte sich Chanuka schließlich von seinem Baum ab, um seinen Vater direkt anzusehen.
“Wie fühlt es sich an, wenn man zu Fenris gehört?“
Er grinste ein bisschen beschämt, als ihm die Direktheit und der plötzliche Themenwechsel auffiel. Es war noch gar nicht so lange her, da hatte er ein bisschen länger darüber nachgedacht, was er sagte, um nie versehentlich die falschen Worte zu finden. Dennoch fühlte es sich richtiger an, einfach gerade heraus zu fragen, oder zu sagen, was er fühlte.
“Ich hab mit Tyraleen gesprochen. Sie hat mir erklärt, wieso ich bei Banshee aufgewachsen bin.“
Ergänzte er schließlich, damit sich sein Vater ein genaueres Bild davon machen konnte, woher die Frage rührte. Es gab außer Averic keinen Wolf, den er fragen konnte und auch wenn er eigentlich damit abgeschlossen hatte, dass es keine Rolle spielte, so wollte er doch lieber alles verstehen.
[Federbaum | Averic]
21.02.2010, 20:22
Cirádan erinnerte sich nicht. Hatte er die letzten Tage in einem Traum gelebt? Was war geschehen? Nur finster erinnerte er sich an das Nichts. Und an die Tage davor. Und diese Tage danach. Wie viel Zeit war mittlerweile vergangen? Und warum war alles in seinem Kopf von einem dicken Nebel umhüllt? Vielleicht ... vielleicht war das Nichts doch nicht verschwunden? Was ist, wenn das Nichts jetzt in seinem Kopf war und eines Tages wieder das ganze Tal verschlingen würde? Doch nächstes Mal für immer!
NEIN! Daran wollte er nicht einmal denken. Hektisch schüttelte der junge Rüde seinen Kopf. Nein, das durfte nicht geschehen. Er verstand zwar noch nicht, was genau geschehen war, doch das Nichts war fort! Und mit ihm für immer einige andere Wölfe. Darunter seine Eltern...
Cirádan seufzte schwermütig. Genoss jedoch die warmen Sonnenstrahlen auf seinem hellen Pelz. Bestimmt würde seine Erinnerung irgendwann wieder kommen. Irgendwann, sobald er sich gewöhnt hat. Sobald sein Herz wusste, dass er nun leben musste und nicht fliehen. Doch wovor Fliehen? Vor seinen Erinnerungen? Seiner Angst?
Mit einem entschlossenen Ruck stand der welpenhafte Rüde wieder auf und sah sich um. Was solls. Jetzt war erstmal hier und konnte genauso gut die Sonne genießen. Er nahm die Landschaft wahr, so klar wie schon lange nicht mehr. Er wusste nicht einmal, ob er sie überhaupt so klar riechen, hören und sogar sehen konnte! Mit seinem einem Auge sehen konnte! Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt. Es war gar nicht so anders, als mit zwei Augen. Nur das er manchmal nicht mitbekam, wenn etwas von rechts auf ihn zugekommen war.
Und jetzt. Jetzt trabte Cirádan ausgelassen in Richtung See. Genoss die frische Briese. Hüpfte manchmal ein paar Schritte mit geschlossenen Augen und stellte sich vor, wie seine Mutter die Welt wahr genommen habe möge. Bis er dann hinfiel und sich wieder aufrappeln musste, denn die Illusion war vorbei.
Und er befand sich unweit vom See. Mit einem resignierenden Seufzen musste er sich dem ergeben und feststellen, dass er durstig war. Ob es nur an dem lag, dass er jetzt den See vor sich lag oder aber dass er vorher schon durstig war, wusste der Jungwolf nicht zu sagen und so trabbte er fröhlich dem kühlen Nass entgegen.
Doch plötzlich blieb er abrubt stehen und starrte erschrocken zu einem der Bäume rüber. Dort lagen zwei schwarze Wölfe. Was allein ja eigentlich noch kein schrecklicher Gedanke war. Doch der jungere der beiden Wölfe war sein Bruder Krolock. Wer der andere war, vermochte Cirádan nicht zu sagen. Vielleicht weil er ihn nicht kannte. Vielleicht aber auch weil die Angst ihm den Verstand vernebelte.
Sein Bruder schien wütend zu sein. Warum? Hatte er ihn gesehen und wollte ihm jetzt grollen?
(Sei nicht albern, Cirádan!),
schalt er sich selbst in Gedanken. Warum sollte sein Bruder denn böse auf ihn sein? Jetzt? Er war doch gerade erst gekommen.
Mit unsicheren, leicht zittrigen Schritten ging er weiter. Ohne dass er zu den beiden Wölfen sah.
(Jetzt reis dich zusammen. Du gehst einfach hin, trinkst ein Schluck. Es ist nichts weiter dabei!)
Dennoch konnte er die Anspannung die seinen ganzen Körper erfasst hatte nicht lindern. Es war einfach, als ob ihm langsam die Luft zum Atmen weg blieb.
Und dennoch stellte er sich seiner Angst. Sie lebten hier in einem Rudel und er konnte seinem Bruder nicht ständig aus dem Weg gehen!
[allein / in Sichtweite von Malakím und Krolock / am See]
21.02.2010, 20:57
Als sein Sohn ihn grüßte, wandte Averic den Blick wieder zu Chanuka hinab. Er würde sich wohl nie richtig daran gewöhnen können, dass der Schwarze ihn als einziger seiner Welpen nicht „Papa“ nannte. Selbst Nerúi, die ja eigentlich nicht seine Tochter war, nannte ihn immer noch so. Seine plötzliche Frage über Fenris, ließ ihn eine Augenbraue anheben und das ganz leichte Lächeln verschwand. Wieso fragte Chanuka ihn das? Noch bevor er diese Frage laut aussprechen konnte, erzählte der Schwarze, Tyraleen habe ihm alles erzählt. Aus dem etwas überraschten Blick wurde ein leises Seufzen. Er ließ sich neben seinem Sohn auf die Hinterläufe sinken. Obwohl Chanuka schon längst nicht mehr das Format eines Welpen hatte, überragte ihn der pechschwarze Vater noch ein ganzes Stück. War es nicht so auch immer gewesen, wenn sich die seltene Situation ergeben hatte, in der er neben Acollon gesessen hatte? Fenrissohn.
„Tja, wie fühlt es sich an. Weißt du, wenn man zu Fenris gehört, werden dir die Wenigsten wohlgesonnen sein. Fenris ist schließlich Tod und Verderben. Es gibt viele Trottel auf dieser Erde. Aber es gibt auch Trottel, die sich als Anhänger Fenris’ bezeichnen, obwohl sie gar nicht verstehen, wer und was Fenris wirklich ist.“, der Schwarze pausierte kurz und rümpfte die Nase. Oh ja, er hatte in seinem Leben schon so manchen Depp kennen gelernt. „Naja, es fühlt sich weder gut, noch schlecht an. Ich habe mir niemals gewünscht, ein Wolf Engayas zu sein, ich wollte es nie sein. Ich wusste schon immer, dass ich auf Fenris’ Seite gehöre. Aber leicht ist das auch nicht. Die Akzeptanz gegenüber eines Wolfes, der zu Fenris gehört, ist nicht grade groß.“
Genau genommen hatte er sich jegliche Akzeptanz immer erst erkämpfen müssen. Und er musste es immer noch. Averic wandte den Blick wieder zu Chanuka herum.
„Dann hat dir Tyraleen auch gesagt, dass Fenris erschienen ist, als du geboren wurdest?“
[ Federbaum | Chanuka ]
21.02.2010, 21:20
Chanuka betrachtete seinen Vater aufmerksam, die Frage, die ihm gleich ins Gesicht geschrieben stand und wie das Lächeln verblasste. Was Fenris ein Thema, dass Ernsthaftigkeit verlangte? Eigentlich hatte er einfach keine Vorstellung davon, was es denn nun tatsächlich bedeutete, wenn man ein Fenriswolf war. Und er verstand auch nicht, woher man wissen sollte, wie sich dass anfühlte. Er verurteilte weder die eine, noch die andere Seite. Er fühlte sich zur Seite des Lebens mehr hingezogen, weil er das Gefühl hatte Banshee so besser folgen zu können. Was auch immer dies bedeuten mochte.
In Gedanken versunken sah er, als sein Vater ihn nach Tyraleens Worten fragte, kurz irritiert in dessen Richtung. Nickte dann.
“Ich finde dass alles ziemlich kompliziert. Meinst du es spielt eine Rolle, was man will? Wenn Fenris zu mir kam, als ich geboren wurde, kann ich dann trotzdem, weil ich es so möchte, eher zum Leben gehören? Oder was ist, wenn ich weder zu Engaya noch zu Fenris gehöre? Und spielt überhaupt irgendwas davon eine Rolle?“
Er plapperte einfach so darauf los, konzentriert. Und während er gedanklich durchging, was er eigentlich gerade wissen wollte, oder was er schlussfolgern konnte, fragte er drauf los, was ihm gerade in den Sinn kam.
“Ich meine… ich bin ich, oder? Egal welchem Glauben ich zugehöre. Ich mag dich immerhin auch weil du du bist und nicht weil du ein Fenrissohn bist. Ebenso wenig würde ich es davon abhängig machen, ob ich dich, oder jemanden mag.“
Chanuka sah seinen Vater schmunzelnd an. Ob es komisch war, dass er ihm hier sein komplettes Gedankenchaos offen legte? Wieder und wieder wog er seinen Kopf von einer Seite, auf die Andere.
“Wolltest du eigentlich etwas bestimmtes?“
[Federbaum | Averic]
21.02.2010, 21:45
Averic sah seinen Sohn nachdenklich an. Chanuka hatte schon immer viele Fragen gestellt, aber er war sich nicht sicher, wie viel er ihm erklären konnte. Es gab Dinge, die konnte man einfach nicht erklären. Man musste sie am eigenen Leibe erfahren, um ein Urteil bilden zu können.
„Ich denke schon, dass das eine Rolle spielt. So wie Tyraleen und Banshee ein sehr ausgeprägtes Gespür für das Leben hatten und haben, so ist es bei mir mit Fenris. Ich habe Fenris noch nie an dir wahr genommen. Die Götter zwingen einem ihren Glauben nicht auf; ich glaube, es ist ihnen ziemlich egal, wer welche Seite wählt, wer an sie glaubt und wer nicht.“
Auf die weiteren Worte des jungen Wolfes hin, musste der Pechschwarze leicht schmunzeln. Natürlich hatte Chanuka recht.
„Viele Wölfe empfinden Anhänger Fenris’ als unangenehm. Sie verbinden sie mit dem Bösen, deshalb wollen sie sich nicht die Mühe machen, den Wolf hinter dem Glauben zu sehen. Engaya ist gut, Fenris ist schlecht.“
Nun, er wollte damit nicht unbedingt sagen, dass diese Annahmen unbegründet waren. Acollon war kein unbedingt freundlicher Zeitgenosse gewesen und auch er selbst bezeichnete sich nicht als einen solchen. Nur, dass er niemals die, die ihm lieb und teuer waren, im Stich lassen würde.
„Nein, ich bin einfach so her gekommen.“
22.02.2010, 10:23
Wie sehr hatte er an Wunder geglaubt?
Wenn er ehrlich zu sich selber war, doch viel zu wenig. Da hatte er sich gerade damit abgefunden seine Ziele nicht mehr zu erreichen, sondern sein Leben eben glücklich zu beenden. Und plötzlich so etwas. Der Schwarze hatte so sehr zwischen haltloser Verwirrung und Erleichterung geschwebt, das er kaum noch etwas wahr genommen hatte, als das was da gerade geschah. Und jetzt, jetzt war alles anders. Alles neu.
Der Gedanke an Rakshee's Götter war plötzlich viel allgegenwärtiger und auch Garrett wollte nun umso mehr an diese mächtigen Wesen glauben, ohne die es ihn, wie auch die anderen Wölfe hier wohl nicht mehr geben würde. Zumindest in seinen Augen. Und so hatte sich der schwarze Wolf vorgenommen, weiter darüber zu forschen, mehr über sie heraus zu finden um dann vielleicht eines Tages, ihnen genauso nahe zu stehen, wie Rakshee es tat. Und auch genauso wie sie das Vertrauen in sie nicht zu verlieren. Denn er verlor es zu schnell, den Glauben, das Vertrauen an sein Leben, all das wurde schwammig im Angesicht seiner eigenen Furcht, er hatte es noch nicht geschafft sich so weit zu verändern, das er nicht mehr Gefahr lief daran zu zerbrechen, auch wenn er sicher war, das er es soweit noch im Griff hatte. Wenn er nur nicht daran dachte was er falsch machte, sondern viel eher daran was er nun hatte und was er noch bekommen konnte wenn er wartete und stark war. Dann war die Gegenwart vel süßer, als das es die Fragen der Vergangenheit einfach so hätten zur Seite schieben können. Und tatsächlich hatte Garrett seit der Unterhaltung mit Rakshee vor drei Tagen, über seinen Vater, nicht weiter daran gedacht.
Und nun hatte es den schwarzen Wolf erneut in die Freiheit gezogen. Mit Wohlwollen genoss der Jüngling die Sonne auf seinem Fell. Die Sonne die er bereits so sehr vermisst hatte. So lebensfrohr wie er immer war, so war er auch jetzt, so energiegeladen, wie er immer sein wollte, so schien es auch jetzt. Garrett hatte es sich auf dem Rudelplatz gemütlich gemacht, ließ das feine Gras seine Läufe streichen und sein Fell zerteilen, bis es sanft kitzelnd seine Haut berührte. Noch immer konnte er das Wunder nicht glauben, welches sich um ihn herum befand,. Noch immer konnte er dem Anblick des Sees, der Ebene, des Waldes, der Berge oder sogar des Himmels keinen Glauben schenken. Sein Geist schien zu beschränkt für solch Übernatürliches, doch er wollte es lernen, musste es lernen.
Gemütlich steckte sich der Wolf aus, drehte sich vorsichtig auf den Rücken und ließ sich die snaften Strahlen der Sonne auf den Baum scheinen. Sein Blick war gen Himmel gerichtet, verlor sich in dem Blau. Und plötzlich fühlte er sich freier und heimischer als er es je getan hatte.
Ja, er hatte ein Zuhause gefunden an dem er einfach nur er selbst sein konnte.
Und das war gut so.
[Rudelplatz | Allein ]
22.02.2010, 10:51
Still.
Avendal ruhte. Still hatte sich die kleine Fähe an einen sonnigen Ort verzogen und sich tief im Gras versteckt zur Ruhe gelegt. Die Silberne hatte die Angst, den Schock und die Trauer noch nicht überwunden, die sie seit Banshee's tot immer wieder einzuholen drohte. Und Daylight war auch nirgends zu finden. Wo konnte ihre Patin nur sein, der Gedanke das auch sie nun fort, tot sein könnte, erschrak die Welpin zutiefst und ließ sie ihre zusammen gekauerte Haltung im Gras beibehalten. Die letzten drei Tage hatte sie versteckt zu gebracht, hatte nur kurz die Gegenwart ihrer Mutter und ihres Vaters gesucht und hatte sich von ihren Geschwistern Mut machen lassen.
Doch ihr eigener Mut war schier verblasst, war weggewaschen mit den dunklen Wolken der letzten Wochen, es war nicht so, wie es einmal war, doch für Avendal war es auch nicht besser. Sie konnte sich nicht einfach so für die hübschen Sonnenstrahlen faszinieren, konnte nicht im Gras oder unter den Bäumen spielen, konnte nicht ihr Spiegelbild im Wasser betrachten, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob das alles nicht furchtbar ungerecht war. Die wichtigste Frage für sie konnte sie sich nicht beantworten und auch der einzige Wolf, von dem sie sicher war, das er es ihr hätte beantworten können, war auch fort. Weg. Einfach so. Aryan. Wie auch ihre weiße Patin, fand Avendal auch ihren schwarzen Gefährten nirgends. Wieso nur.
Traurig ließ die kleine Fähe die Ohren sinken und kauerte sich weiter im Gras zusammen. Irgendwo neben sich hörte sie ein Gewässer vor sich hinplätschern, doch sie hatte keine Inspiration aufzustehen und es sich genauer anzusehen. Wieso sollte sie auch. Wasser war Wasser und auch wenn es jetzt von der Sonne beschienen war, war es noch immer nur Wasser. Einfach nur so.
Plötzlich störte jedoch Lachen, Pfötengestampfe und Worte ihre ruhige Einsamkeit. Verwirrt hob die junge Fähe den Kopf etwas an und linste durch das Gras zu der Stelle, von der die Geräusche kamen. Oh.
Aléya war dort, hatte sich auf Takashi gestürzt und traktierte in ein wenig. Wieso auch nicht, sollte sie doch Spaß haben. Takashi war nett, ihr würde schon nichts passieren.
"Hm."
Missmutig ließ Avendal den Kopf wieder auf die Pfoten sinken und versuchte die Geräusche auszublenden. Sollten die beiden Spaß haben. Sie eher nicht.
[In der Nähe der Weide versteckt im Gras | Sichtweite von Aléya und Takashi ]
22.02.2010, 15:57
Jakashs Blick reichte in die Ferne, hinauf zum Gebirge. Es war sicherlich nicht dasselbe Gebirge, in dem er geboren worden war, aber es reichte, um ihn in Erinnerungen schwelgen zu lassen. Er dachte an den Tag, da er zum ersten Mal die Welpenhöhle verlassen hatte. Jakash konnte sich nicht mehr an viel aus der Zeit erinnern, in der er so jung gewesen war, aber diesen Tag hatte er nicht vergessen. Er war hinaus gelaufen, noch mit Kursaí - oder Rakshee? - um die Wette, wer zuerst sah, was dort draußen war. Und da war Nyota gewesen, seine Tante und damals zukünftige Patin. Es hatte noch nichts Schlechtes zu dieser Zeit gegeben, keinen Tod, keine Trauer. Jetzt war sie tot, und seine Trauer trübte die Freude über das neue Zuhause. Es war schon hier, keine Frage, sogar schöner noch als im alten Tal. Aber sie hatten sich dieses neue Leben mit etlichen Toten erkaufen müssen. Das mochte fair sein, wenn man das Gleichgewicht von Leben und Tod betrachtete, aber es fühlte sich nicht fair an. Nein, ganz und gar nicht.
Die grünen Augen waren unverwandt auf die schneebedeckten Berge gerichtet. Trotz seiner Trauer freute er sich auf den Schnee, und er hoffte, dass es bald kalt genug für die weißen Flocken werden würde. Der schwarze Jungrüde lag unter einem Baum, mit dem Rücken an den Stamm gelehnt. Es handelte sich dabei um keinen gewöhnlichen Baum, sondern um den einzigen, der hier in dieser öden Ebene des Tals wuchs. Hoch aufragend, mit weitausladenden Ästen und wie von einem Blitz gespalten. Es hatte ihn sofort hierher gezogen, als er den Baum von weitem erblickt hatte. In seinem Schatten zu liegen verschaffte ihm eine Ruhe, wie er sie lange nicht mehr gespürt hatte.
Jakashs eines Ohr zuckte. Hatte er da nicht eine leise Stimme gehört? Da, wieder, aber diesmal eine andere Stimme, wie ihm schien, klang sie doch tiefer. Jakash drehte den Kopf, sah jedoch niemanden - wer immer da war, er befand sich auf der anderen Seite des Baumes. Jakash erhob sich und trat langsam um den massigen Stamm herum. Sein Blick fiel auf Jumaana, die alles andere als glücklich wirkte.
"Alles in Ordnung?",
sprach er sie vorsichtig an und legte den Kopf schief...
[Gespaltener Baum | Jumaana]
22.02.2010, 18:01
Mittlerweile hatte er sich fast davon überzeugt, das Richtige zu tun. Fast. Drei Tagen waren ein guter Zeitraum, um fast zu dem Schluss zu kommen, dass Minyalas Plan ein guter Plan war. Eigentlich sprach alles dafür: Er musste zu jagen lernen, er musste seine Sinneseindrücke deuten lernen, er musste wölfisches Verhalten lernen, er konnte ohnehin nicht zu den Menschen zurück, und alles das sprach dafür, unter Wölfe zu gehen.
Eine Sache sprach jedoch dagegen: Er musste dafür unter Wölfe gehen! Am liebsten hätte Caleb all das Nötige gelernt, ohne sich dabei unter wilde Tiere zu mischen, die ihn zerreißen konnten, wenn sie merkten, dass er eigentlich ein Mensch war.
"Ähm, Minya? Erklär mir doch nochmal, warum die anderen Wölfe mich nicht... verjagen sollten oder so?"
'Töten' hatte ihm statt 'verjagen' auf der Zunge gelegen, aber er versuchte sich selbst davon zu überzeugen, dass Wölfe so weit nicht gehen würden, auch wenn er keinen vernüftigen Grund für diese Annahme finden konnte. Menschen würden ihn fürchten und zu töten oder zu fangen versuchen, ganz einfach, weil er kein Mensch mehr war. Er war aber auch kein gewöhnlicher Wolf, also warum sollten Wölfe anders handeln als Menschen? Er hatte sie das bestimmt schon dutzende Male gefragt.
Derzeit folgten sie einem Flusslauf. Vor ihnen wuchsen am Horizont Berge in die Höhe. Ihre Gipfel glänzten weiß im Sonnenlicht.
Sie waren nur langsam voran gekommen in den letzten Tagen. Caleb plagte der schlimmste Muskelkater seines Lebens von den ständigen Verwandlungen, die er immer noch nicht so wirklich unter Kontrolle hatte. Die ganze Lauferei machte die Schmerzen nicht gerade erträglicher. Er kam jetzt besser mit seinem Wolfskörper zurecht, aber er fühlte sich immernoch wie ein Kleinkind, das laufen lernte. Dazu kam der Hunger. Minyala hatte ihm Mäuse gefangen, aber allein die Vorstellung einer toten Maus im Magen hatte ihm gründlich den Appetit verdorben. Letztendlich hatte er sie doch gegessen - in den Mund - äh, das Maul - damit und runterschlucken. Anschließend hatte er das Gefühl gehabt, etwas liefe in seinem Bauch herum und hatte sich nur mit Mühe nicht übergeben müssen. Jetzt war der Hunger wieder da, und er würde hier wohl kaum irgendwo einen Hotdog oder so kriegen.
Plötzlich hielt er inne. Seine Nase hatte es ihm befohlen und mal eben Kontrolle über Pfoten und Kopf übernommen, denn bevor er sich versah, klebte seine Schnauze am Boden. Zwei Atemzüge später hob er den Kopf, der ihm jetzt wieder gehorchte und sah verwirrt zu der Wölfin herüber.
"Was ist das hier? Es riecht... äh... irgendwie nach dir..."
[am westlichen Fluss // Minya]
22.02.2010, 19:41
Lyerra konnte sich noch gut an das erinnern, was Tyraleen erzählt hatte. Die Worte hatten sie so tief berührt.
Sie erinnerte sich genauso gut an das, was danach passiert war. Die Wölfe, alle Wölfe waren in das Nicht gelaufen, und eine neue Welt war vor ihren Augen entstanden.
Lyerra konnte es immer noch nicht richtig fassen, dass sie jetzt hier war, obwohl es schon einige Tage her war. Sie wusste Shaikus Namen, und die beiden waren zusammen. Das war für sie das wichtigste.
Lyerra wusste nicht genau, was sie tun sollte. Sie konnte ja nicht einfach losrennen. Hinterher dachte Shariku wohlmöglich, dass Lyerra vor ihr weg lief...
Trotzdem ging sie so circa 10 Meter.
„Shariku, komm. Lass und woanders hingehen. Wir können dir Gegend erkunden, es gibt so viel Neues…“
Lyerra konnte nichts dagegen tun, das ihre Stimme vor Aufregung und Unternehmungslust ein wenig lauter wurde.
Wieder ging sie einige Schritte. Danach legte sie sich hin, legte den Kopf zwischen ihre Vorderpfoten, lauschte den neuen Geräuschen und schnupperte in die Luft, um die ganzen neuen Gerüche in sich aufzunehmen.
„Shariku, es ist so schön hier. Die ganzen Düfte und die Geräusche, es ist einfach wunderbar.“
Strahlend blickte sie Shariku in die Augen, und hoffte, dass die Fähe genauso glücklich sein würde wie sie. Sie legte ihre ganze Freude und Dankbarkeit in ihren Blich, und schaute Shariku einfach eine Zeitlang in ihre endlos tiefen, blauen Augen.
Immer wieder hatte Lyerra das Gefühl, in diesen Augen versinken zu können.
„Komm Shariku.“
Aufgeregt sprang Lyerra wieder auf.
[auf einer Wiese am Rande der neuen Welt l Shariku]
22.02.2010, 21:11
Turién konnte es immer noch nicht begreifen. Der Rüde saß inmitten der Wiese, am Bach, den Wasserfall im Hintergrund und blickte empor, zur Sonne. Und obwohl es kälter geworden war, war es warm. Die Sonnenstrahlen, kaum sichtbar und doch da, umhüllten ihn, wärmten ihn und machten ihn einfach glücklich. Es war als würde der Silberne sie in sich aufsaugen wollen. Immer wieder öffnete er die Augen, um sich den strahlend hellen Ball am Himmel anzusehen und musste sie doch so schnell wieder schließen, weil er dieser geballten Helligkeit einfach nicht gewachsen war. Es war ein neues Lebensgefühl, das sich in ihm entfaltete – und es war so wundertoll und anders. Es waren erst wenige Tage und schon verschwanden die Gedanken an das Nichts, die Angst und Sorge. Es war alles gut.
Sich streckend erhob sich Turién Silberprinz und sah sich um. In der Nähe konnte er Amúr ausmachen, und seinen Himmelsfelsen. Seinen Felsen. Ja es war seiner. Er wusste es einfach. Doch weiter über ihn sinnieren konnte er nicht, denn schon erlag er einer fiesen Attacke seines Bruders Chardím, der sich von hinten an ihn ran geschlichen und auf ihn geworfen hatte. Ein lautes
„Eeeyy!“ ,
entfuhr dem Welpen, als dieser ihm auch noch ins sein Ohr bis und spielerisch an ihm zog. Auch er schnappte einige Male nach dem Schwarz-Weißen, bevor er sich seiner Frage widmete und versuchte, leicht verhindert durch sein einklemmtes Ohr, seinen Himmelsfelsen ins Auge zu fassen.
„Unendlich weit. Soweit, wie wir überhaupt sehen können.“
Natürlich. So musste es sein. Er senkte den Kopf und schnappte nun nach dem Brustfell von Chardím, um ihn dazu bewegen sein Ohr los zu lassen, und fegte dann über die Wiese, die Nase immer wieder tief im Rasen vergraben. Er schlug ein paar Haken und blieb plötzlich stehen, die Ohren und Augen aufmerksam geöffnet.
„Komm schon, wir müssen es mal ausprobieren!“
Ja, sie wurden alle größer, erwachsener und mutiger. Langsam aber sicher wuchsen die Welpen zu Jungwölfen heran, trauten sich mehr, mussten auf eigene Faust erkunden – ohnehin war das Rudel auf das ganze Revier verteilt… und er erkannte keine erwähnenswerte Aufsichtsperson, die sich hätte ihrer annehmen könne, in der Nähe. Es war ihre Chance.
[ Am Bach, nähe Wasserfall & Himmelsfelsen | Chardím, nähe Amúr ]
22.02.2010, 21:34
Mochi Cake erhob sich aus dem Gras und gähnte, dann drehte sich der dicke Rüde zweieinhalbmal um sich selbst, um zu überprüfen, ob Grashalme in seinem Fell hingen. Der mittlerweile wieder graue Rüde hatte sich in letzter Zeit ausgiebiger als sonst mit seiner Fellpflege auseinandergesetzt und hatte dabei wahre Schrulligkeiten entwickelt, wie er zu seinem Missfallen bereits feststellen musste. Dennoch, sein Pelz stand immer noch wollig von seinem Körper ab, im wahrsten Sinne sträubte es sich noch gegen die neue Behandlung. Mochi schüttelte sich, wie gewohnt spürte er den Schwingungen seines Bauchspecks nach und folgte wachsam dem Klopfen seines Herzens, zählte die unregelmäßig kommenden Schläge mit, bis der Rhythmus dieses Hohlmuskels, den er wahrlich nie gut behandelt hatte, allmählich wieder in eine gleichmäßige Monotonie überging.
Wo also waren sie nun? Mochi ließ seine Gedanken Revue passieren, während er langsam die Wiese hinunterschlich. In der Ferne konnte er Stimmen hören, sie aber noch nicht identifizieren. So vieles war neu für den Rüden. Das Revier - völlig verändert, eine neue Welt, die es noch zu erkunden galt. Bisher hatte sich Mochi auf die Wiese beschränkt, die sich weit zu erstrecken schien, hatte sie noch nicht verlassen und wollte sich zunächst hier heimisch fühlen. Sicher. Heimisch. Sicher. Heimisch, zumindest das. Später auch - sicher. Und das Rudel - er erkannte manche wieder, andere überhaupt nicht, wusste nicht recht, wie seine Stellung überhaupt war, hatte auch mit Tyraleen noch nicht recht gesprochen, dabei wollte er es, wollte Erklärungen, aber... Er musste sich gedulden. Eines nach dem anderen. Irgendwann würde er sie bekommen, seine Erklärung. Und wenn nicht, so würde auch dies eine Erklärung sein. Man konnte nicht nicht kommunizieren.
Mochi atmete schwer, setzte sich, um wieder zu Luft zu kommen. Er atmete tief und öffnete überrascht die Augen. Dann erhob er sich und machte ein paar Schritte. Vor ihm, nicht unweit der Stelle, an der er gerade stand, lag im Gras eine kleine Fähe, ein Welpe fast noch, lag dort einfach, umgeben von einer Aura aus Einsamkeit. Langsam schlich Mochi näher, nahm vorsichtig die Rutenspitze der kleinen Fähe zwischen die Zähne und ließ sie wieder fallen.
"Du!"
Mochi schnappte ein paarmal nach Luft, dann seufzte er und setzte nach einem kurzen Zögern hinzu:
"Du hast ganz niedliche Pfoten. Warum liegst du hier alleine rum?"
[nahe der Weide, stehend im Gras | hinter Avendal, in Sichtweite von Takashi und Aléya]
22.02.2010, 23:07
((Ich bitte viemals um Entschuldigung ^^ das mit der Mindestanzahl habe ich wohl übersehen. Ich wollte auch eigentlich gestern nur eine rasche Antwort schreiben und hab mich dabei wohl etwas zu knapp gehalten. Gelobe Besserung ^^))
Aufmerksam lauschte Enmaku Shanis Worten. Seltsam. Die Sonne schien doch schon seit Monaten fast ununterbrochen und im ganzen land, wie kam sie denn nur darauf, dass sie lange keine Sonne mehr gesehen hatte? Das irritierte die Weiße doch sehr. Unwillkürlich hob sie den Kopf ein wenig höher, als Shani auf sie zukam. Ihre geringe Größe machte ihr früher schon zu schaffen, doch sie versuchte sich das nicht anmerken zu lassen. Die wedelnde Rute der weißen Fähe ließ sie innerlich seufzen. Sie würde sich gern auf die gleiche Weise ausdrücken, doch war ihr das verwehrt. Sie beschloss, einfach darüber hinwegzugehen.
"Keine Sonne? Aber es hat doch seit bestimmt 10 Wochen nicht mehr geregnet?"
Die Frage nach den Alphas verkniff sich Enmaku. Vermutlich war gerade etwas im Rudel passiert, worüber sich die andere nicht unbedingt unterhalten wollte. Dennoch war sie froh, dass Shani ihr anbot, sie mitzunehmen. Zum ersten Mal, seit diese bei ihr eingetroffen war, lächelte Enmaku leicht, als das Gespräch auf Shanis Kinder kam. Man merkte gleich, dass diese sehr stolz auf ihre Welpen war. Obwohl sie nicht wirkte, als wäre sie viel älter als Enmaku selbst. Diese hatte noch nie darüber nachgedacht, selbst Welpen in die Welt zu setzen. Als Mutter würde sie wohl nicht viel taugen, zumal sie nicht wirklich daran interessiert war, sich einen Gefährten zu suchen. Alles was sie brauchte, war ein Platz an dem sie bleiben konnte, bis sie wieder zu sich selbst gefunden hatte und vielleicht auch ein wenig länger. Vom Rudel würde sie sich selbst ein Bild machen. Sobald sie merken sollte, dass hier ähnliche Machenschaften am Werk sein sollten wie in ihrem vorherigen Rudel, wäre sie wieder weg. Doch zunächst beschloss die junge Fähe, darauf zu vertrauen, dass alles gut werden konnte. Sie schüttelte ihr Fell noch einmal durch, dass mittlerweile komplett getrocknet war und in der Sonne glänzte wie vorher. Ihre lange Reise hatte sie zwar ein wenig ermüdet, doch den Sumpf sah man ihr zum Glück nicht mehr an.
"Verzeih, bei den bisherigen Rudeln, die ich getroffen habe, wurde ein weiblicher Alpha als Alphess bezeichnet, ich wusste nicht, dass es bei euch anders gehandhabt wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich zu den anderen Mitgliedern deines Rudels bringst, dann kann ich mich nochmal richtig vorstellen"
Sie trat einen Schritt in Shanis Richtung und blickte sie erwartungsvoll an.
"Freut mich, dich kennen zu lernen, Shani. Wollen wir dann los?"
[Laubwald | Shani]
23.02.2010, 15:18
Das Einzige, was ihr Bewusstsein noch aufnahm, war das Klopfen ihres eigenen Herzens. Es sprang hart und holpernd gegen ihre Rippen, stolperte und änderte immer wieder den Rhythmus. Ob es nun von der Panik oder der Erschöpfung herrührte, wusste sie nicht mehr. Die matt gewordenen, silbrig grauen Augen starrten stur geradeaus, ohne wirklich etwas zu sehen. Das mausbraune, grau melierte Fell war von zahlreichen Stürzen mit Staub und Schmutz bedeckt, die kleinen Pfoten schwarz von aufgeweichter Erde. Das Rauschen ihres Blutes und das laute, schmerzhafte Klopfen ihres Herzens in den Ohren, lief die kleine Fähe immer weiter und weiter. Gerade sechs Monde zählte ihr Leben, und so viel Angst hatte sie schon gehabt. Die Schuld, die an ihr zerrte, durfte sie nicht einholen. Das konnte nur passieren, wenn sie stehen blieb, also lief sie. Immer weiter, in eine unbestimmte Richtung. Ihre Muskeln hatten zunächst protestiert, aber nun ergaben sie sich in ihr Schicksal. Nur unterschwellig erinnerte der Schmerz noch an die Überanstrengung, er folgte ihr genau wie der Gedanke an Engaya und an die Schuld, die auf ihren Schultern lastete, ihren schmalen Schultern, die dieses Gewicht nicht tragen konnten und es doch versuchten. Sie hatte Engayas Opfer sein sollen, hinab gestürzt in den Tod, um von der Göttin empfangen zu werden als ein Geschenk ihrer ergebensten Träumer. Denn, so hatten ihre Eltern es ihr gesagt, Engaya hatte gern Welpen bei sich, mit denen sie spielen und die sie beschützen konnte. Und weil ihre Familie Engaya so liebte, schenkten sie ihr ihre Erstgeborenen aus jedem Wurf.
Nein! Ein heftiges Zittern durchlief ihren Körper, als Neytíri der Gedanke einzuholen drohte. Sie lief noch schneller voran, ohne etwas zu sehen, ohne etwas anderes zu hören als ihr sterbendes Herz. Es war der Anstrengung nicht mehr lange gewachsen, das spürte sie, aber wenn sie nur lange genug lief, würde sie davon auch nichts mehr spüren. Die Gedanken der Fähe wandten sich dem anderen großen Ereignis in ihrem leben zu. Dem Nichts. Es war verschwunden. Sie war, nachdem sie vor ihren Eltern geflohen war, weit gelaufen. Dann war das Nichts gekommen und hatte sie vor sich her gejagt wie Beute. Es war immer hinter ihr, nur ein paar Wolfslängen. Die Vögel erzählten immerzu davon, wie viele gestorben waren, als das Nichts sie berührte. Stolpernd und winselnd war sie geflohen, hatte nicht die Möglichkeit, etwas zu Fressen, hatte nur ab und an, wenn der Abstand zum Nichts es zuließ, gierig aus einer Pfütze getrunken, nur um dann weiterzulaufen.
Und dann, als es bereits von den Seiten näher geschlichen kam, mit den leeren Fingern nach ihr griff, da hatte es sie erfasst, die Grenze zur schönen Welt, zur richtigen Welt, war vor ihren Augen davon gesprungen, in weite, unbestimmte Ferne. Sie lief. Weiter, weiter, und wunderte sich, warum sie nicht tot war. Oder war das der Tod? Die Einsamkeit, für immer und ewig? Sie schrie nach Engaya, bis die Kräfte sie verließen. Sie murmelte zu Fenris, er möge sie holen, aber auch er antwortete nicht. Ihr Herz pochte immer langsamer, dann wieder raste es wie von Dämonen gehetzt. Sie spürte, dass sie starb. Also konnte sie doch nicht im Nichts leben, es saugte sie aus. Sie würde sterben. Dann, und sie glaubte schon vom Wahnsinn befallen zu sein, sprang das Nichts plötzlich wieder hinter sie zurück, verschwand, und alles blühte und stand in vollem Leben. Es war zu viel für ihre Seele und ihren Verstand, sie hörte einfach auf zu denken, lief weiter.
Also lief sie, viele Tage und Nächte hindurch. Sie durchquerte den Wald und stieß auf eine riesige grüne Ebene, sie erblickte einen See, sie umrundete ihn halb und lief einfach weiter und weiter, versuchte, sich nicht von all den furchtbaren Dingen hinter ihr einholen zu lassen. Sie traf niemand, nicht eine schwache Fährte von Wölfen kreuzte ihren Weg, und sie sah auch keine anderen Tiere. Die Ebene war still. Oder vielleicht registrierte sie sie auch einfach nicht, sie war sich nicht mehr sicher.
Nun setzte sie wie mechanisch eine Pfote vor die andere, immer geradeaus. Sie erblickte einen Baum, von weitem. Doch, nun war sie sicher, die hatte den Verstand verloren. Er war wie gespalten. Seine eine Hälfte blühte und strahlte Kraft und Energie aus, seine andere Hälfte war verdorrt, tot. Gleich darauf sprangen zwei Gestalten in ihr Blickfeld, sie wandte den Kopf und blinzelte. Wölfe. Diese Erkenntnis ließ all ihre Reserven zum Himmel hinauffahren, indem sie ein jammervolles Klagegeheul ausstieß, zu Boden sank und zitternd liegen blieb. Ihr Herz überschlug sich, so glaubte sie, es schwoll an und hämmerte schmerzhaft in ihrer Brust. 'Engaya, bitte hasse mich nicht! Ich wollte erst das Leben sehen, bevor ich zu dir komme!'
Sie registrierte die beiden Wölfe kaum noch, schwarz und weiß, wie Licht und Schatten. Nur die zwei grünen Augenpaare, die hatte sie noch zusätzlich zur Fellfarbe bemerkt, aber sie wollte sich nicht darüber wundern. Sie wollte nicht mehr schuldig sein! Wenn sie eigentlich schon zweimal hätte tot sein sollen, warum war sie dann noch hier? War Engaya nun zornig auf sie, weil sie dem Tod entkommen war und kein recht mehr hatte hier zu sein? Es bedurfte jemanden, der ihr klarmachte, dass Engaya niemals gewollt hätte, dass Eltern ihre Kinder für sie her gaben. Aber soweit war Neytíri noch nicht, sie heulte und winselte, schließlich erstarb ihr Klagen. Sie murmelte leise vor sich hin, wenige Worte, Engaya, Fenris, Mama, Leben, Tod, sterben... Dann sah sie die beiden Wölfe direkt an, ihre glasigen grauen Augen weit aufgerissen. Sie hatte solche Angst.
[ Gespaltener Baum | Jakash und Jumaana | ist am Ende ihrer Kräfte ]
23.02.2010, 16:14
Nihil grummelte noch eine kleine Weile so vor sich hin, bevor er sich dann doch mal erhob und sich in eine andere Richtung drehte. Zuerst führte ihn sein Weg wieder auch Krolock und den anderen zu - dieser komische Schmerz wurde irgendwie milder - doch dann lief er an den beiden vorbei. Wieso sollte er auch bei einem und demselben Welpen bleiben? Es gab dafür doch keinen Grund. Und umso weiter er lief, desto größer wurde schon wieder dieser Schmerz. Leicht genervt verharrte er einen Moment, entdeckt einen anderen, weißen Welpen, lief dann aber weiter. Der Schmerz wurde von Schritt zu Schritt immer ein wenig größer, wenn auch nur minimal, aber es reichte aus, um Nihils Stimmung ins Unterirdische zu verlegen. Er brummte etwas, wo er nicht mal selber wusste, was er da von sich gab und sah dann einen anderen Wolf. Er machte auf ihn einen echt nicht sehr gesunden Eindruck, vielleicht lag es ja an der Dicke? Und sein Verhalten … Nihil fand keine Worte. Es war urkomisch, wie er sich da um sich selbst drehte. Schleichend auf leisen Pfoten folgte er dem Rüden. In Gedanken hatte er ihn schon getauft, aber er hieß zu hundert Prozent nicht so. Crassus musste sich verschnaufen, was Nihil ausnutze, um näher heran zu kommen. Kurz darauf - Nihils Stimmung war so tief gesunken, tiefer ging es fast schon nicht mehr - erfasste Crassus mit seinem Fang die Rute eines Welpen und sprach ihn an. Mit schief gelegtem Kopf grummelte er wieder und sein Blick wurde finster, so finster wie seine Stimmung. Der Schmerz in seiner Brust war intensiver geworden und Nihil glaubte, bald zu zerspringen, doch noch war es auszuhalten. Woher kam dieser beknackte Schmerz nur? Nihil scheiterte an dieser Frage. Wusste Crassus denn eine Antwort? Oder der Noch-Welpe vielleicht? Ein Versuch wäre es wert.
“Wo kommt der Schmerz her, Crassus?“, fragte Nihil, ohne nachzudenken, den dicken Wolf. Seine Stimme klang dunkel und missmutig - wie seine Stimmung eben.
Erst im Nachhinein wurde sich Nihil seiner Worte bewusst. Warum wusste er überhaupt solche Worte aus dieser Sprache? Er wusste ja nicht einmal, was das für eine Sprache war, aber er wusste die Bedeutungen einiger Worte. Kopfschüttelnd wandte er seine Aufmerksamkeit den beiden Wölfen zu und entdeckte in einiger Entfernung zwei andere. Wenn er zurückschaute, konnte er noch den Baum sehen, unter dem Krolock mit dem anderen Wolf liegen musste, aber die beiden Wölfe konnte er nicht ausmachen. Wieder richtete er seinen Blick, mit einer kleinen Ermahnung an sich selbst, den beiden Wölfen zu. Von Crassus erwartete er eine Antwort. Catula, wie er kurzerhand den Welpen getauft hatte, musste keine Antwort liefern, sie hatte er ja nicht gefragt.
[erst alleine | dann Mochi Chake und Avendal | in Sichtweite von Takashi und Aléya || nahe der Weide]
23.02.2010, 17:08
So viele Gedanken, Gefühle und Erkenntnisse wie in der letzten Zeit hatte sie ihr gesamtes Leben lang nie erfahren. Gedanken über den Tod, was danach folgt und wie sie das danach erleben wird, verhüllten die klaren Augen der Schwarzen. Auch nachts wurde sie von diesen Gefühlen und Erinnerungen überschwemmt. Die Schritte die letzten hätten sein können, der vermeintlich letzte Atemzug, den Wind im Fell. Die geschlossenen Augen vor dem Eintritt. Doch mit der Zeit hatten die Erinnerungen an Intenstät verloren.
Sie durch lebte sie, doch sie wurden immer irrealer, neue Eindrücke durch mischten sich mit alten Erinnerungen und raubten ihr Nachts den ruhigen Schlaf.
Doch sie konnte nichts dagegen tun, warum sich aufregen, wenn die Nächte schrecklich, die Tage jedoch wunderbar sind?
Mit Lyerra an ihrer Seite war sie seit einigen Tagen umher geirrt, auf der Suche nach etwas besonderem.
Etwas was sie entdecken konnten. Doch vermutlich waren die anderen schon dagewesen.
Lyerras Optimismus war ansteckend. Kaum ein Gefühl der Müdigkeit oder Lustlosigkeit überkam sie, obwohl sie an diesen Tagen mehr lief als sie eigentlich gewohnt war.
Doch ihr konnte es egal sein, mit Lyerra, der schönen Weißen, war ihr keine Strecke zu viel.
Shariku sammelte dem Wust aus Gedanken. Später würden sie wieder über sie herein brechen, doch jetzt würde sie erst einmal ihre Aufmerksamkeit auf die Umgebung richten. Sie sah Lyerra, etwas vor ihr, hörte ihre Worte und spürte ihren Blick auf sich ruhen.
Dankbarkeit. Freude.
Die kleine Schwarze sprang vergnügt und schwanzwedelnd auf, rannte in kraftvollen Sprüngen über die Wiese zu Lyeera. Mit ihrem noch kindlichen und ansteckenden Übermut hüpfte sie um die Weiße herum.
Es konnte ihr gar nicht schnell genug gehen, sofort wollte sie weiter, etwas erforschen, ergründen.
Obwohl sie nichts sagen konnte, sprach ihr Körper Bände und forderte zum Weiterziehen auf.
Sie begann vor Lyerra herum zu tollen, ging in Spielhalrung, rannte etwas herum, sprang, schnappte nach einem Fussel und sprühte vor Energie.
Was mit ihr los war? Nach den tristen Tagen und den Gedanken über den Tod, fiel die Last von der jungen Fähe ab. Sie fühlte sich frei. Endlos frei und sicher.
Sicher das Lyerra bei ihr bleiben würde, sicher das sie ihr Leben vor sich hatten.
Dankbar und doch vor Glück sprühend, blickte sie Lyerra an. Man lass in ihren zum ersten Mal eine eindeutig und unmissverständliche Aufforderung.
Lass uns gehen! EGAL wohin!
Langsam staute sich alles in ihr auf, falls sie nicht los laufen würden, würde sie sicherlich platzen.
(Lyerra, komm wir müssen uns beeilen! Ich will die Welt sehen, das Leben spüren und die Nase im Wind haben!
Was werden wir wohl sehen? Unterscheidet sich diese Welt sehr von der alten? Wird es schwer sein?
Nein mit Lyeera kann nichts schwer sein, dann ist alles leicht!)
Alles war plötzlich intensiver, als würde sie aus einem tiefen Schlaf erwachen. Der Wind war frischer, die Luft reiner, die Zuneigung zu Lyerra tiefer, der Kontakt zum Boden besser, die Freiheit weiter. So sollte es weiter gehen.
Shariku wartete darauf das Lyerra eine Richtung fest legte, warum sie keine auserkohr, wusste sie nicht.
Doch ich weiß warum Lyerra eine Richtung, einen ersten zu erforschenden Ort wählen soll. Weil ich ihr für alles so dankbar bin, weil ich ihr etwas gutes tun möchte. Weil für mich alles richtig ist, was wir zusammen machen.
Ihr Augen fanden die Grünen der anderen. Sie leuchteten wir die ihrigen. Egal wohin der Weg gehen würde, Shariku war glücklich.
[Lyerra | Nähe des Mischwaldes]
23.02.2010, 19:26
((Kein Problem, Enmaku =) Lass dir lieber Zeit beim Schreiben und brauche ein Tag länger, das macht mir nichts aus ^.^))
Es verwirrte Shani ein wenig, dass nicht nur die Rute Enmakus starr war, sondern auch ihr Gesicht wenige Emotionen freigab. Offensichtlich lächelte die Fähe nicht sehr häufig und schien selbst als Fremde in der Fremde ihr Lächeln aufzusparen. Das war für die ewig lachende Shani ungewohnt und weckte den Wunsch, die andere zum Lächeln zu bringen. Früher hatte die Weiße das gut gekonnt, ihre Fröhlichkeit war stets ansteckend gewesen, doch die Zeiten und sie hatten sich verändert, alles war schwieriger geworden. Sogar das Unterhalten und Bekanntmachen mit einer fremden Fähe wie Enmaku, auch wenn Shani auf diese wohl ganz anders wirkte. Was Hiryoga wohl denken würde, wenn er sie jetzt sehen könnte? Ob er sie wieder erkennen würde? Froh über die Frage und somit Ablenkung Enmakus ließ sich Shani aus ihren schon wieder trüber werdenden Gedanken reißen.
“In unserem Tal gab es lange keine Sonne. War das dort, wo du gelebt hast anders? Wir waren uns nicht sicher, ob das Ausbleiben der Sonne mit unseren anderen Problemen zusammenhing.“
Mh, plauderte sie zu viel? Zuerst die Sache mit den nicht vorhandenen Leitwölfen, jetzt eine ominöse Erwähnung von „anderen Problemen“. Vielleicht verschreckte sie Enmaku damit, immerhin konnte ein Rudel ohne Leitwölfe nicht gerade gut geführt genannt werden. Und dann gab es nach Shanis Worten noch mehr Probleme … nicht gerade einladend. Aber wenn sie nun gleich mit der ganzen Geschichte des Nichts anfangen würde, könnte Enmaku sie womöglich für verrückt erklären. Immerhin hatte keiner der Wölfe des Rudels jemals etwas Ähnliches wie das Nichts gesehen und einige von den Mitgliedern waren schon weit gereist. Hätte Shani das alles nicht selbst erlebt, hätte sie es wohl auch nicht glauben können. Also hielt sie nun lieber den Mund und betrachtete das erste Lächeln Enmakus. Wie auch immer sie das geschafft hatte, es freute Shani, dass die Weiße wohl doch lächeln konnte. Ein wenig vergnügter schwenkte sie die Rute und nickte.
“Ich habe wieder etwas dazugelernt. Alphess … es klingt eigentlich hübsch. Aber egal, wir haben ja so oder so niemanden, der diesen Titel tragen könnte. Ich weiß noch nicht so genau, wo wir hingehen sollen, da das ganze Rudel verteilt ist. Jeder erkundet eine andere Ecke des Reviers. Ich würde vorschlagen, einfach nach Norden zu gehen, dann werden wir sicher anderen über den Weg laufen.“
Auffordernd zuckte ihre Rute, dann sprang sie die ersten Schritte in die angegebene Richtung, wartete bis Enmaku sich ihr anschloss und verfiel in einen lockeren Trab.
“Woher kommst du, Enmaku, und warum bist du fort gegangen?“
Während sie ihre Frage stellte, sah sie sich wieder in ihrem neuen Wald um. Es war alles so hübsch und trotz der Ungewohnheit wundervoll vertraut. Sie konnte sich kaum sattsehen an dem vielen Leben, das plötzlich wieder im Tal herrschte. Wie gerne hätte sie Hiryoga das alles gezeigt, mit ihm zusammen entdeckt. Er hätte es sicher auch schön gefunden.
[ Laubwald | Enmaku ]
23.02.2010, 20:07
Lyerra sah, wie sich ihre eigene Freude in Shariku wider spiegelte.
Shariku war ebenfalls aufgesprungen, losgerannt und voller Energie und Freude umher gehüpft.
Lyerra hatte das Gefühl, dass sie noch glücklicher werden würde, und sie fing ebenfalls an rumzurennen und zu springen.
"Shariku. Lass uns gehen. Wie wäre es mit.. einem Mischwald?"
Lyerra wusste nicht, ob Sariku auch so gerne im Wald war, doch sie liebte Mischwälder.
Hauptsache sie waren schön hell...
Schon rannte Lyerra los. Sie war dankbar dafür, dass Shariku sie hatte wählen lassen, wo es hingehen sollte.
Lyerra spürte den Wind um ihre Nase wehen, sah die Wiese unter ihren Pfoten vorbei rauschen und fühlte sich frei.
Sie fühlte sich so endlos frei. So, wie ein Vogel.
Mit jedem Kraftvollen Satz ihrer Läufe, hatte Lyerra mehr und mehr das Gefühl zu fliegen.
Die Wiese verwischte um sie herum zu einem grünton. Sie hatte das Gefühl, für immer und ewig so weiter rennen zu können, bis der Gedanke kam, das Sahriku ja vielleicht nicht hinterhergekommen war.
Lyerra hatte die schwarze Fähe nie richtig rennen sehen.
"Shariku."
brüllte sie.
Sie wusste selbst nicht so genau warum eigentlich.
Sie ging noch ein paar Schritte weiter. Meter um Meter.
Weiter vorne sah sie schon den Wald.
"Shariku, ich sehe den Wald."
rief sie.
Danach setzte sie sich hin und schlug aufgeregt mit der Rute, um auf ihre Freundin zu warten.
[in der Nähe des Waldes l Shariku ]
23.02.2010, 20:43
Schön. Das erste Wort was Ahkuna zu diesem Tal einfiel. Es war alles neu und so unbeschreiblich schön. So hatte sie sich immer IHR Tal vorgestellt. Nicht das sie mal ein eigenes Rudel führen würde aber sie wollte in so einem Tal leben. Sicherlich, das alte Tal war ebenfalls wunderschön gewesen aber es war gemustert von Erinnerungen. Gute wie auch Schlechte. Es klang so unwirklich. Vorher war das ganze Tal in einem Schleier bedeckt gewesen und nun war daraus ein wunderschönes Tal entstanden und Ahkuna stand mitten drin. Sie war so Glücklich hier. Alles um sie herum faszinierte die junge Fähe. Wo sie auch hinsah, überall war das Leben, als ob hier niemals ein „Nichts“ gewesen wäre. Als ob sie niemals verschlungen gewesen wären.
Die Weiße blieb stehen. Sie sah sich um. Tief atmete sie ein und filterte die Gerüche in ihrer Nase. Ja, das hier war ihr zuhause geworden. Die Lebensfreude war wieder in sie zurück gekehrt. Langsam streckte sie die Fähe. Ihr Rücken bog sich durch und sie verblieb für eine kurze Weile in diesem Zustand. Ihre Augen hatten einen Schmetterling entdeckt. Er flog gerade genau über ihrem Kopf. Ein spielerisches Knurren und sie sprang hoch. Aus irgendeinem Grund schien dieser Schmetterling das geahnt zu haben und war ausgewichen. Ein empörtes Quieken und die Weiße Sprang noch einmal. Sie musste nun einfach diesen Schmetterling kriegen. Wie konnte er sich das wagen einfach so auszuweichen? Einer so begabten jungen Jägerin wie ihr? Einem stolzen Wolf? Einer Tochter Shanis?
Jeder der sie jetzt gesehen hätte, hätte sie nicht mehr wieder erkannt. Sie, die vorher sich ständig um andere kümmerte spielte jetzt unbekümmert mit sich selbst. Jagte einem Schmetterling hinter her wie ein kleiner Welpe. Es schien als sei man in die Vergangenheit zurück gereist. In Kindertagen hatte sie gerne etwas nach gejagt. Es war so befreiend. Einfach nur seinen inneren Welpen raus lassen. Hier auf dieser kleinen Lichtung. Auf seine eigene Weise hatte dieses Bild etwas Reines an sich. So wie sie, die weiße Fähe mit den blauen Augen, auf dieser Lichtung einem bunten Schmetterling hinter her jagte. Sie schien zu tanzen während sie versuchte auf zwei Beinen den bunten Falter zu erhaschen.
Noch ein vergebliches beißen in die Luft und Ahkuna gab es auf. Sie landete sanft auf ihren beiden Vorderpfoten. Ein zweites Schnauben und sie sah wieder in den Himmel. Ließ die Sonne auf ihr Gesicht fallen und atmete mit tiefen Atemzügen ein und aus. Sie musste sich diese Gegend hier merken. Hier, wo sie ungestört sein konnte. Weit weg von den anderen. Auch wenn sie ihre Familie liebte, so war dies etwas was sie brauchte. Sie musste fühlen dass sie noch am Leben war. Dass sie sich um sich kümmern konnte ohne dass etwas passierte. Das sie Frei wahr.
Vorsichtig begann sich die Rute der Fähe zu bewegen. Ein bekannter Geruch stieg ihr in die Nase. Ihre Mutter. Ahkuna sah sich um. Sie musste hier irgendwo sein. Doch eines beunruhigte sie. Dort war noch ein zweiter Geruch. Ein Fremder. Unbemerkt hatte sich der Kopf der Weißen sich in leichte Schieflage gebracht. Ihre Mutter mit einem Fremden? Nein. Es war eine Fähe. Rüden rochen stärker. Intensiver aber dieser war so leicht. Eine kurze Überlegung und Ahkuna setzte sich in Bewegung. Immer der Nase nach kam sie ihrer Mutter immer näher. Irgendwo musste sie ja sein. Und da war sie auch. In Begleitung einer anderen weißen Wölfin. Ein erleichtertes Quieken drückte sich aus den Lungen Ahkunas, während sie immer weiter auf die beiden Fähen zu lief. Frontal sah sie sich den beiden Fähen gegenüber.
„Mutter.“
Sagte sie und wedelte ein wenig schneller mit der Rute. Endlich konnte sie ein wenig mit ihrer Mutter reden. Wie lange war ihr dies schon verwehrt geblieben? Zu Lange. Das Nichts hatte sie am Anfang alle dazu gezwungen weiter zu gehen und Ahkuna konnte nicht mit ihrer Mutter reden und nach dem sie auf dem Berg verweilten, war dazu auch keine Zeit, denn ihnen standen die Gedanken wo anders. Nun war ein fast perfekter Augenblick. Fast, weil die Fremde dabei war aber dies würde Ahkuna nicht zurück schrecken lassen. Sie wollte mit ihrer Mutter reden. Das verarbeiten was schon so lange auf ihrer Seele war und wenn die Fremde das hörte, war es ihr nun völlig egal.
[Laubwald l zuerst allein; Dann auf Shani und Enmaku zu gehend]
23.02.2010, 23:54
((Okay, alles klar ^^ Sag mal, Neytíri, wieso hast du ausgerechnet so eine Story? Genau dasselbe ist meinem Char nämlich in ihrem alten Rudel passiert XD nur dass da etliche Wölfe für irgendeinen Gott geopfert wurden))
Ein wenig irittiert sah Enmaku die andere Fähe an. Vielerlei Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Keine Alphas, keine Sonne und jetzt auch noch andere Probleme? Sie fragte sich, ob sie darauf eingehen und nachhaken sollte. Doch sie beschloss, es erst mal auf sich beruhen zu lassen. Als Shani sich in Bewegung setzte, lief auch Enmaku in die angegebene Richtung.
"Nein, so ein Phänomen kenne ich nicht. Ich meine, dass es mal eine Weile lang regnet oder schneit, aber gar keine Sonne? Nein, so etwas ist mir noch nicht untergekommen"
Eine Weile lang liefen sie schweigend nebeneinander her und die Weiße versank wieder in ihren Gedanken. Der Wald um sie herum schien immer noch viel zu still, doch mittlerweile hatte sich Enmaku daran gewöhnt. Ihre Gedanken schweiften zu den Tagen in ihrem alten Rudel zurück. Auch dort war sie extrem freundlich aufgenommen worden. Shara war ihr zuerst begegnet, abseits des Rudels, genau wie Shani jetzt. Die Gedanken an ihre beste Freundin, die für sie wie eine Schwester war, schmerzten. Ein paar kurze Monate nur hatte sie mit ihr verbringen können, doch schien ihr diese Zeit wie eine Ewigkeit. Sie schüttelte unmerklich den Kopf. Es brachte nichts, jetzt an alte Zeiten zurückzudenken. Sie musste den Blick in die Zukunft richten und auf das, was jetzt vor ihr lag. Offensichtlich war dieses Rudel etwas unorganisiert, ohne Alphawölfe und in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die Frage Shanis brachte sie wieder in die Gegenwart zurück.
"Ich komme von weit her, ich habe eine lange Reise hinter mir. Warum ich mein altes Rudel verlassen habe? Eine gute Frage. Sagen wir mal, ich war mit den Sitten und Bräuchen dort nicht ganz einverstanden"
Sie wählte ihre Worte mit Bedacht und brach dann doch abrupt ab. Sie wollte nicht darüber reden. Zuviel Schmerz und Angst bereitete es ihr, doch sie war bemüht, sich nicht anmerken zu lassen. Stattdessen konzentrierte die weiße Fähe sich lieber auf die Umgebung. Der Wald war trotz seiner unnatürlichen Stille sehr schön. Nicht wirklich hell aber auch nicht dunkel. Es gab kein zu dichtes Unterholz, das ihren Weg hätte behindern können. Der weiche Moosteppich ließ ihre Schritte federnd und leichtfüßig wirken. Nach einer Weile des Schweigens siegte schließlich doch noch Enmakus Neugierde.
"Sag mal... was meintest du vorhin mit 'Andere Probleme?' Ist noch etwas passiert?"
Sie hoffte, mehr über diese seltsame Gegend, das Rudel und ihr Gegenüber zu erfahren und war gleichzeitig froh, das Gesprächsthema von sich fortlenken zu können. Erwartungsvoll sah sie Shani an, während sie sich weiter langsam den Weg durch den Wald suchten. Dann hielt sie jedoch inne, als sie eine weitere Fähe auf sich und Shani zukommen sah. Diese schien noch jünger zu sein und begrüßte Shani mit "Mutter". Offensichtlich war dies eine der Jungwölfe, von denen die weiße Fähe vorhin so sichtlich stolz berichtet hatte. Abwartend blieb sie stehen und sah dem Neuankömmling entgegen.
[Laubwald | Shani, In der Nähe Ahkuna]
24.02.2010, 14:51
Shani entging Enmakus irritierter Blick keineswegs. Sie ignorierte ihn jedoch geflissentlich in dem Wissen, dass die neue Weiße sich wohl über ihre etwas dramatischen Worte wunderte. Shani hatte für sich jedoch beschlossen, erstmal nicht weiter über Nichts zu reden oder dahingehende seltsame Andeutungen zu machen. Würde Enmaku bleiben, würde sie es sicher früher oder später erfahren, aber man musste es ja nicht gleich zur Begrüßung herausplaudern. Deswegen bemühte sie sich auch, ihre Antwort möglichst knapp zu halten, das Thema abzuschließen.
“Mh, mir ist das auch zum ersten Mal passiert.“
Froh, sich vorerst ein wenig fassen zu können, lauschte Shani den Geräuschen des lebendigen Waldes und ließ Enmaku ihren Gedanken nachhängen. Derweil bemühte sie sich, sich zu erinnern, wo sie Aszrem und Tyraleen das letzte Mal gesehen hatte. Tyraleen war ihr schon den ganzen Tag nicht über den Weg gelaufen, sie konnte sonst wo stecken. Aszrem meinte sie in der Nähe des Wasserfalls gesehen zu haben … ganz sicher war sie sich aber auch nicht. Trotzdem hielt sie es nach kurzem Nachdenken für das beste, den Himmelsfelsen anzusteuern, dort trieben sich sicher einige Rudelmitglieder herum. Auch Shani hatte den Felsen und den direkt daran angrenzenden Wasserfall mit seinem Teich und der Blumenwiese schon ins Herz geschlossen. Es war ein schöner Ort, an dem man sowohl fröhlich herumtollen, als auch stumm seinen Gedanken nachhängen konnte. Mit eben diese Tätigkeit schien Enmaku gerade fertig geworden zu sein und antwortete doch recht wage auf Shanis Frage – erinnerte die Weiße fast ein wenig an ihrer eigene „andere Probleme“-Antwort.
“Sitten und Bräuche? Worum ging es da?“
Shani war neugierig und bemerkte Enmakus Zurückhaltung nicht, sie kannte nicht sehr viele Bräuche und im Rudel der Sternenwinde wurden nur wenige gepflegt. Vielleicht die Zeremonie rund um die Welpen, wenn sie Namen und Paten bekamen und als neue Mitglieder im Rudel begrüßt wurden … aber das war ein sehr schöner Brauch, den würde Enmaku kaum ablehnen. Ansonsten kam ihr in diesem Moment keine andere Sitte in den Sinn. Zudem lenkte Enmaku das Thema nun wieder weg von sich, auf die anderen Probleme, die Shani doch eigentlich nicht mehr ansprechen wollte. Genau in diesem Moment tauchte vor ihnen jedoch eine weiße Gestalt auf, die sich schnell als Ahkuna herausstellte. Froh, ihre Antwort aufsparen zu können und noch froher über den Anblick ihrer Tochter strahlte Shani der Weißen entgegen und begrüßte sie dann mit einem liebevollen Ziehen am Ohr. Eben noch hätte sie ihre Kinder gerne Enmaku vorgestellt, schon tauchte eines von ihnen auf. Wenn das nicht Schicksal war.
“Hallo, mein Schatz. Ich habe gerade eine Fremde gefunden, das ist Enmaku. Und das ist meine Tochter Ahkuna Caiyé.“
Schon ein wenig stolz schwenkte sie die Rute, sichtlich glücklich über die Anwesenheit Ahkunas.
[ Laubwald | Enmaku und Ahkuna ]
24.02.2010, 17:24
Sichtlich erfreut dass die Weiße nicht störte ließ sie ihr vorheriges leichtes Traben, zu einem schnellen Traben werden. Die Pfoten trafen nun schneller auf dem Boden auf und verließen ihn eher. Sie taten es von alleine. Auftreten und wieder hoch kommen. Immer schneller. Ihre Rute machte in dem stillen Takt mit und ihre Augen fingen an zu glitzern. Jemand war da. Nicht nur irgendjemand. Nein. Ihre Mutter war da. Jemand, der sie sich immer anvertrauen konnte. Jemand bei der sie sich Sicher fühlte. Beinahe gleich groß waren die beiden. Beinahe. Leider überragte ihre Mutter sie noch ein wenig. Aber so war es besser. Wenn man kleiner war, so konnte man wendiger und schneller sein. Und so war es auch. Man zeichnete sich nicht durch Physische Stärke aus, das hatte sie von ihrer Mutter. Man zeichnete sich durch Psychische Stärke aus. Das war wahre Stärke. Jemand der lächeln kann obwohl er im inneren Tot unglücklich ist. Dies hatte sie sich immer wieder gesagt, als Hiryouga verschwand und auch als Banshee starb. Ein Satz der sie wohl prägen wird. Etwas was sie ihren Welpen weitergeben wird.
Endlich konnte sie ihre Schnauze in das Fell ihrer Mutter stecken. Es tat so unglaublich gut. Einmal schnaubte sie und zwickte dann ihre Mutter spielerisch in den Hals als Antwort auf das Ohren-beißen. Für einen kurzen Moment hatte sie alles vergessen, doch nun sprach Shani sie an. Nur einen kurzen Blick warf sie auf die Fähe neben Shani bevor sie sich noch einmal in das Fell ihrer Mutter kuschelte und sich ganz löste. Wieder musterte sie die Fähe ihr gegenüber.
„Enmaku… Komischer Name.“
Mit der Tollpatschigkeit eines Welpen waren diese Wörter aus ihrem Maul heraus gekommen. Sie lachte kurz und fing an zu lächeln. Der erste Eindruck musste immer Stimmen. Sie hoffte dass ihrer nun kein schlechter war. Nun fielen ihr die Augen der Fremden auf. Sie waren wunderschön. Schon fast so schön und Faszinierend wie die ihrer Mutter. Außergewöhnlich. Diese Augen ließen ihr Gegenüber etwas wärmer wirken. Nicht so wie Ahkunas Augen die am Anfang immer so kühl wirkten. Das zweite was ihr nun auffiel war das die Fremde sich nicht wirklich geregt hatte. Auch die Narbe auf dessen Rücken sah nicht ganz schön aus. Zum Glück war das Fell darüber gewachsen. Also war es schon länger her.
„Mutter?“
Warum sie diese Worte nun gesagt hatte war ihr nicht bewusst. Irgendwas in ihrem Unterbewusstsein hatte sich gerade seinen Weg nach oben gesucht. Erst als diese Worte ausgesprochen waren sah sie zu ihrer Mutter. Zuerst hoffte sie darauf dass ihre Mutter dies nicht gehört hatte aber jeder hätte dies in so einer kurzen Entfernung gehört.
„Ich… ´tschuldigung wenn ich so Frage aber woher ist diese Narbe? “
Sie wollte noch den Namen Enmakus hinter her quetschen aber ihr war der Name wieder entfallen. Peinlich Peinlich. Gut das ihr diese Frage gerade eingefallen war obwohl es etwas überstürzt klingt, so war dies das einzigste gewesen was ihr dazu eingefallen war. Was hätte sie sonst fragen sollen?
„Ach Mutter. Weißt du wo die anderen sind?“
Es war ihr wieder eingefallen das sie ja ihre Mutter angesprochen hatte. Nun war sie vollkommen gerettet.
[Laubwald l Shani und Enmaku]
24.02.2010, 23:40
Enmaku schüttelte den Kopf, als Shani nachhakte. Dabei hatte sie doch eigentlich von sich ablenken wollen.
"Das möchtest du gar nicht wissen, glaub mir..."
murmelte sie leise. Doch da kam auch schon die Jungfähe angelaufen, die offenbar Shanis Tochter war. Sie lächelte leicht, als die beiden sich spielerisch begrüßten. Es zeugte von Vertrautheit zwischen den Fähen, etwas, dass sie selbst auch in ihrer Familie nie kennengelernt hatte. Außer bei Shara. Wieder wurden die Gedanken unabsichtlich zu der einzigen Schwester gelenkt, die sie je hatte, obwohl sie nicht verwandt waren. Was würde Enmaku dafür geben, sie jetzt an ihrer Seite zu haben? Dann horchte sie auf.
"Wieso ist mein Name komisch?"
fragte sie leicht pikiert. Sie schüttelte leicht den Kopf. Die junge Fähe schien noch sehr welpenhaft zu sein und nicht viel Disziplin zu haben. Kurz darauf fragte sie auch schon nach ihrer Narbe. Naiv und impulsiv schien sie auch noch zu sein. Dennoch sah Enmaku über diese unverblümte Frage einfach mal hinweg. Sie selbst war zwar nie so gewesen, doch wusste sie, dass es bei anderen Welpen durchaus so üblich war, dass es in anderen Familien nicht so zuging wie in ihrer eigenen. Sie räusperte sich und streckte sich dann ein bisschen.
"Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, Ahkuna. Und entschuldige bitte, wenn ich deine Frage nicht beantworte, doch die Anwort würde dir sowieso nicht gefallen..."
Sie setzte sich und schloss die Augen. Es hieß, Ruhe zu bewahren und geduldig zu sein. Manchmal gelang ihr das sehr gut, doch im Moment war sie ein wenig genervt. Kaum traf sie nach einigen Monaten wieder auf Wölfe, wurde sie auch gleich über ihre Vergangenheit ausgequetscht. Dabei wollte sie diese doch einfach nur vergessen. Das alte Rudel, ihre Narbe, Shara...
Erinnerungen qollen in ihr hoch, die sie am liebsten gleich wieder irgendwo vergraben würde. Sie öffnete die Augen wieder und sah die beiden anderen Fähen tonlos an.
[Laubwald | Shani, Ahkuna]
25.02.2010, 18:32
"Nun, wenn du dich so git in Heucheleien auskennst, solltest du doch in der Lage sein zu unterscheiden, wann geheuchelt wird und wann nicht. Natürlich nur, wenn du überhaupt die Möglichkeit akzeptierst, jemand könnte es ehrlich mit dir meinen. Wenn du das jedoch von vornherein ausschließt, brauchst du dich auch nicht zu wundern oder dich darüber zu grämen, dass du überall nur Lügen siehst",
hielt der Schwärzling gut gelaunt dagegen. Göeich darauf rollte er sich herum, hob den Hinterlauf und kratzte sich ausgiebig am Hals.
"Aha, findest du also. Wenn ich also glücklich bin, und es nicht zeige, weil es iemand zu sehen braucht - dann wüsste jemand wie du, dass ich ehrlich glücklich bin, weil ich es nicht zeigen muss, obwohl du nicht wissen kannst, wie ich mich fühle, weil ich es nicht zeige?",
fasste er die Worte des schwarzen Welpen zusammen und sah ihn fragend an. Und fuhr dann fort.
"Also erstmal antworte ich in erster Linie auf deine Fragen. Du bist anderer Meinung, also tauschen wir Argumente und Fragen aus. WIR diskutieren, nicht nur ich, denn dafür brauch es immer mindestens zwei."
Er zwinkerte verschmitzt.
"Und du hast Recht, es ist in der Tat sinnlos. Zwei Dickköpfe, deren Meinungen gegensätzlicher nicht sein könnten, beide zu keinem Kompromiss bereit, wie es scheint."
Für einen Moment schwieg er. Sein Blick glitt umher und blieb auf einem hellen Welpen hängen, der zu ihnen herüber sah. Malakím wuffte ihm vergnügt und grüßend zu, bevor er sich wieder Krolock zuwandte.
"Ich kann dir nicht sagen, worüber du dich freuen sollst. Wer bin ich, dir deine Gefühle vorzuschreiben? Du kannst dich über die Sonne freuen oder über den Regen, oder wie ich in allen Momenten des Lebens noch etwas Schönes finden. Dass sich jemand aber über gar nichts freuen kann, erscheint mir doch sehr ungewöhnlich - was der Grund ist, warum ich mit dir 'diskutiere' und dir Fragen stelle, übrigens. um es kurz zu machen: du musst schon selber herausfinden, was dich glücklich macht, aber wenn du gar nicht erst suchst, kannst du natürlich nichts finden. Aber ich kann dir erzählen, was mich am allermeisten freut. Es wird dich nicht interessieren, aber ich erzähle es dir trotzdem: dass ich lebe. Das freut mich am allermeisten. Denn beinahe hätte ich gar nicht gelebt. Aber das kannst du nicht verstehen, nehme ich an."
[Baum, in Sichtweite des Sees | Krolock, entfernt Ciradán]
25.02.2010, 19:50
Krolock sah Malakím mit unveränderter, düsterer Miene an. Wieso hatte sich dieser Wolf ausgerechnet ihn als Opfer ausgesucht? Die Welt war doch voll von irgendwelchen, stumpfen, dummen Idioten, die sich nun freuen würden, auf so wunderbare Weise erklärt zu bekommen, wieso sich jemand verhielt, wie er sich verhielt und warum das Leben schön war.
“Selbst die Wahrheit hinter der Heuchlerei ist meist nichts anderes als Lüge. Und selbst was dahinter verborgen ist, ist noch falsch. Mein Interesse hinter all diesen Fassaden nach der Wahrheit zu suchen ist gleich Null. Und daher schert es mich recht wenig, ob ich andere Wölfe einschätzen kann. Ich glaube einfach gar nichts.“
Mit diesen Worten machte er erneut deutlich, dass nichts bei ihm ankommen würde. Er wollte nicht hinter Malakíms Fröhlichkeit etwas Anderes finden, hinter dem wieder etwas anderes versteckt sein würde. Er wollte nicht suchen und verstand nicht, wieso der Ältere sich darum bemühte.
“Was du tust und wie du es tust ist mir solange egal, wie du mich damit nicht belästigst. Ich will nicht wissen, ob du glücklich bist, oder nur so tust. Es stört mich nur, da du es nun vor mir auslebst.“
Krolock spürte, wie einige Muskeln in seinem Körper zuckten. Wut brodelte irgendwo in ihm, es hatte sich nur noch nicht genug angestaut, um auszubrechen. An seiner Art wie er Malakím ansah, änderte dies nicht viel. Hin und wieder zog er die Stirn mehr kraus, hob die Lefzen ein kleines Stück weiter an, oder legte die Ohren ein bisschen mehr zurück. Und solange er nicht verstand, woher die Wut eigentlich kam, würde er sie in seinem Inneren verschließen.
Verbissen stumm hörte er dem Geschwätz zu, das der Ältere von sich gab. Das einzige was er ihm zu gute halten konnte war, dass er ihn nicht mit tausend Gründen überschüttete, sondern ihm die Freiheit ließ, selbst zu entscheiden, was im Leben schön war und was nicht.
“Ungewöhnlich… und wenn es so ist? Wenn es einfach nichts gibt, was mich glücklich macht? Ich hab nicht vor zu suchen. Suchen bedeutet doch nur, dass man die Hoffnung darauf setzt, irgendwas zu finden. Und wenn nicht? Ich bin nicht glücklich, aber ich hab keine Lust mich auf der Suche danach unglücklich zu machen. Wenn ich mich umsehe, ist da nichts. Du bist glücklich darüber zu leben? Aber was bringt es dir? Was hast du davon? Keiner von uns wurde je gefragt, ob er leben will, oder? Nur irgendwer trifft einfach die Entscheidung und bildet sich ein, dass es eine tolle Sache ist… aber wofür?
Wir leben… und wir sterben. Und beides verliert nach kurzer Zeit seine Bedeutung. Wozu also nach Glück suchen? Es zu finden ändert nichts. Das Leben bleibt nur genauso sinnlos. Es vergeht, rücksichtslos.“
Er erhob sich in einer kühlen, genervten Bewegung.
“Deine letzten Worte waren wohl so etwas wie eine Einladung, nach deiner furchtbar schrecklichen Geschichte zu fragen? Danach, was du alles durchstehen musstest, um zu der Weisheit zu gelangen, dass es dich glücklich macht, am Leben zu sein? Verzichte. Will ich nicht wissen. Aber willst du etwas Lustiges sehen? Nicht glücklich zu sein heißt ja nicht, dass man keinen Spaß haben kann... aber es wird dir sicher nicht gefallen.“
Mit einem fiesen Grinsen auf dem Gesicht lief er los. Er wusste, dass es bösartig war, was er nun vorhatte, aber dass interessierte ihn nicht. Ciradan sollte sich nicht so anstellen, als wären sie immer noch dumme, kleine Welpen, die in dieser großen, bösen Welt völlig hilflos waren.
Ob sein Bruder wohl aufmerksam war? Darauf bedacht, sich nicht aus dem Hinterhalt erschrecken zu lassen? Krolock bemühte sich, dass das Gras unter ihm keine verräterischen Geräusche machte.
“Buh.“
Hauchte er dem Weißen schließlich ins Ohr und hatte bewusst die Seite gewählt, auf der sein Bruder ihn nicht sehen konnte.
[Bei Malakím und schließlich bei Ciradan, Nähe Malakím x3]
25.02.2010, 20:24
Als der größere, schwarze Wolf ihn mit einem Wuffen begrüßte, stakste Cirádan geradewegs Richtung Wasser. Leicht zuckte er zusammen, versuchte sich jedoch nichts anmerken zu lassen. Er ignorierte einfach den Wolf und versuchte nicht in die Richtung zu sehen in der sein Bruder lag.
(Es ist ja nicht so, als ob Krolock ein schreckliches Monster wäre, Cirádan! .... aber er ist irgendwie unheimlich. Fast ein bischen, wie .... ich weiß nicht...)
Der Hellgraue unterbrach die Überlegung und fing an das kühle Wasser aufzuschlecken. Wie gut es tat! Er blieb zwar auf der Hut, dennoch genoss er es, wie das kalte Etwas seine Kehle hinunter ran und freute sich einfach darüber, dass Krolock ihn nicht gleich überfallen hatte.
Langsam entspannte er sich ein wenig.
(Vielleicht hat er mich ja nicht gesehen. Oder aber er hat heute einfach keine Lust mich zu ärgern. Vielleicht ist es ja so...)
Seufzend hob Cirádan den Kopf und sah auf das klare Wasser. Es wäre wirklich zu schön, wenn sich Krolock mit ihm vertragen würde. Immerhin hatte er ihm doch gar nichts getann, oder?
Doch zu früh gefreut. Plözlich spürte er etwas an seiner rechten Seite, ohne dass ihn etwas berühren würde. Und als er seinen Kopf drehen wollte um nachzusehen, ob da was war, hörte er auch schon nur ein leise gehauchtes Buh.
Und obwohl er in diesem Augenblick genau wusste, dass es nur Krolock sein konnte, quickte Cirádan erschrocken und warf sich auf die Seite. Oder besser gesagt, teilweise nach vorne, weshalb er auch mit dem Kopf ins kalte Wasser tauchte. Doch er konnte sich geradewegs noch halten um nicht ganz ins Wasser zu fallen.
Schwer atmend, richtete er sich im gleichen Augenblick wieder auf und wich vor Krolock weg. Die Augen weit aufgerissen starrte er den schwarzen Bruder an. Sein Herz klopfte heftig und die Rute war eng an den Bauch gepresst.
Er wollte ihm entgegen schreien. Warum er sowas immer machte, doch kein Wort kaum aus ihm herraus. Das einzige was zu hören war, war ein leises.
"Hfffff."
[allein, trinkt was / Krolock in der Nähe und Malakím in Sichtweite / am See]
25.02.2010, 21:51
Nachdenklich blickte Liam auf den vor ihm liegenden Kandschur herunter. Er sah, wie der seinen Kopf bettete und zu ihm emporblickte. Da musste Liam lächeln. Einen letzten Moment der Zweisamkeit, einen letzten Moment mit seinem Liebsten.
„Ich werde mein Leben genießen, Schatz. Immer.“
Mit den Worten senkte sich seine Schnauze zu seinem sterbenden Freund, er leckte sie sanft ab. Ein letztes Mal, dann tappte er näher an Kandschur heran und ließ sich an seiner Rückenseite ebenfalls auf den Boden gleiten. Er legte sich schützend und stützend um den alten Rüden und nahm die noch vorhandene Körperwärme in sich auf.
Er würde ihn diesen letzten Weg nicht alleine beschreiten lassen, er würde bei ihm bleiben, bis er sich sicher sein konnte, dass er gut im Nirwana angekommen war. Und er wusste, dass er davon Kenntnis nehmen würde. Er wusste nicht in welcher Form, aber irgendein Zeichen würde es für ihn geben. Buddha hatte ihn auf seinem Pfad noch nie alleine gelassen.
So in Gedanken lag er neben Kandschur, blickte über die Wiese mit den vereinzelten Blumen und erinnerte sich an vergangene Zeiten. Jedoch nicht sehnsüchtig, sondern mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen. Es war eine schöne Zeit gewesen, vielleicht ein wenig kurz, aber er wusste, das Leben ging weiter. Und zwar mit ihm als fröhlicher Geist und nicht in Trauer gehüllt. Auch wenn er wusste, dass genau diese Liebe ihm nie wieder geschehen würde. Aber er würde neue Wölfe kennen lernen, vielleicht auch lieben lernen, wer konnte das schon wissen. Er hatte sein Ziel noch nicht gefunden, war aber auf dem besten Wege es in Erfahrung zu bringen. Und dann würde er an Kandschurs Stelle sein und Abschied nehmen, von einem Leben, was ihm so viel gelehrt hatte.
Doch daran sollte er jetzt nicht denken, er musste in seinen Gedanken bei Kandschur sein.
Ein letztes Mal ließ er seinen Blick über den kompletten Körper des Rüden gleiten, langsam, jedes Haar einzeln aufnehmend. Dann berührte er ihn ein letztes Mal an seiner Schnauze, glitt mit der seinen langsam den Kopf herauf, zwischen den Ohren hindurch zu der Schulter die ihm zugewandt war. Und dort verharrte er. Ganz still schien es um sie herum zu werden, nur sie beide waren hier, im Mittelpunkt der Erde. Er hörte ihr beider Atem, sie vereinten sich, ein gleichmäßiger Takt der nur von seinem etwas erhöhten Herzschlag unterbrochen wurde. Doch das war normal. Im Alter. Ein leiser Schauer durchfuhr Liam und er fröstelte kurz, doch genauso schnell wie die Kälte über ihn gekommen war ging sie wieder hinfort. Sie war ebenfalls fehl am Platz.
[Kandschur. Wasserfall.]
26.02.2010, 10:24
Avendal war insgeheim froh, das Aléya ihr zumindest in diesem Moment nicht die Ruhe nahm, die sie sich wünschte. Niemals hatte sie die Einsamkeit gesucht, nun tat sie es, weil sie sich ihr näher fühlte. Wie konnte man sich der Einsamkeit nahe fühlen? Es war seltsam schwierig und der Gedanke drückte auf ihre Gedanken, wie vom Regen durchnässte Blätter die Zweige ihrer Bäume hinunter drückten. Und antworten fand sie nie. Keine einzige wollte sich ihr zeigen, scheu wie die Hasen in ihren Löchern. Was hätte sie also anderes als Niedergeschlagen sein können? Niemand konnte es ihr verbieten, nicht einmal sie selbst. Und aufzuheitern hatte sie noch keiner versucht, wie auch, wenn sie sich selbst wie ein Kaninchen vor allen Blicken versteckte.
Das ihr Versteck nicht alzu gut war, merkte sie ihrer Meinung nach viel zu schnell.
Mit einer raschen Bewegung schnellte die kleine graue Welpin herum und blickte einen ebenso gräulichen Rüden an, der einfach mal ebenso ihre Rute gepackt hatte und diese nun munter festhielt. Verwirrt lehnte Avendal den Kopf etwas zur Seite. Sie meinte, diesen Wolf bereits gesehenen zu haben, schließlich war er nicht gerade unauffällig. Er schien, und das meinte sie nicht einmal in Gedanken böse, einige probleme mit seinem Gewicht zu haben, aber genau dieses anders sein, machte seine Anwesenheit in jenem Moment okay. Auch wenn sie ihm keinen Namen zuordnen konnte, nickte ihm die kleine Wölfin leicht zu.
"Ähm, hallo."
Sie beobachtete wie sich der dicke Wolf luft schnappend hinsetzte, dann entschied sie sich dafür, das es vielleicht besser war, auch nicht in so einem halb aufgerichteten Zustand herum zu stehen und machte es dem Rüden gleich. Auch wenn sie seine nächsten Worte nicht ganz zuordnen konnte, irgendwie war es... sonderbar. Vielleicht wirklich genau das was sie gebraucht hatte.
"Nur so, ich wollte einfach mal... abschalten. Glaub ich."
Das sie Antworten finden wollte, verschwieg sie. Was würde er ihr auch darauf antworten können. Ihre Fragen waren zudem viel zu seltam. Ja quasi fast schon depressiv. Und sie hatte keine Lust ihre Gesellschaft damit zu belasten. Es reichte ja schon, wenn sie selbst damit belastet war. Mehr oder minder. Die großen Ohren der Welpin schnippten nach Außen, als sie einen weiteren Welpen wahrnahm, den sie aber tatsächlich nicht kannte. Verwirrt blickte die Graue ihn an. Sie hatte gedacht alle Welpen zu kennen die dieses Jahr zum Rudel gestoßen waren. Zum einen waren da ihre Geschwister, sowie die drei Welpen von Kaede und Urion... die Waisen. Achja, und Aléya. Aber dieser seltsame weiße Welpe, der ganz plötzlich einfach dazwischen redete, war ihr gänzlich unbekannt.
"Crassus? Schmerz?"
Wiederholte sie verwirrt und hoffte inständig, das er nicht sie meinte oder von ihm eine Antwort wollte, wenn man nicht wusste worauf man anworten musste, war das wirklich entsprechend schwer. Obwohl sie den dicken Wolf kaum kannte, wandte sie den Blick hilfesuchend zu ihm. Es war nicht ihre Art hilflos zu wirken, aber manchmal war sie es einfach.
"Mein Name ist Avendal."
War sie einfach ein, um die Situation einfach irgendwie zu lockern... oder halt einfach um irgendetwas produktives gesagt zu haben. Das es total aus dem Zusammenhang gerissen war, wusste sie. Aber das war in solchen Situation nun ja wirklich mal egal. Hoffentlich.
[Nahe der Weide | Mochi Cake, Nihil - in Sichtweite Aléya & Takashi ]
26.02.2010, 14:01
Heimlich hatte Sheena die andere weiße Fähe aus den Augenwinkeln heraus beobachtet, sie hatte ihre Reaktion mitbekommen wollen, ehe ihre Worte erklingen würden. Worte konnten leicht Unrecht sprechen, Reaktionen eher schwerer.
Umso mehr freute sie sich, als Tyraleen ihr entgegen kam, nun trennten sie nur noch der Fluss und die wenigen Schritte die Sheena bis zum Fluss brauchen würde. Sie tippelte ein wenig auf der Stelle, die plötzliche Aufregung die sie überkam war ihr unbekannt. Sie ermahnte sich nur ja keinen Fehler zu begehen, als sie sich im gleichen Augenblick über diesen dummen Gedanken schalt. Sie musste nur sie selbst sein, die neue Sheena, und alles würde gut gehen.
Erleichtert bemerkte sie, dass auch Tyraleen ein wenig unsicher war, sich gar ein wenig zierte das auszusprechen, was sie letztendlich doch tat. Umso mehr konnte Sheena sich freuen, sie durfte Tyraleen in den Steinwald, der Sheena erst jetzt als ein solcher erkenntlich wurde, begleiten. Wenn es wirklich wegen Tyraleen entstanden war, war es ein sehr privater Ort der weißen Fähe, den sie nun, zum ersten Mal überhaupt, mit ihr gemeinsam betreten wollte.
Sacht ließ Sheena ihre Rute pendeln, die Freude die sie innerlich überrollte hätte eigentlich einen anderen Ausdruck gebraucht, sie hätte jauchzen können.
Eilig schritt sie zum Flussufer um die Böschung anschließend vorsichtig hinabzuklettern. Sie durchquerte das Wasser zügig, für ein langes Bad war es ihr doch ein wenig zu kühl, und sprang, auf der anderen Seite angekommen, mit einem großen Satz zu Tyraleen hinauf.
Da sie ihr noch nicht zu nah war, schüttelte sie sich um das Wasser aus ihrem Fell zu bekommen, zum Glück stand das Wasser nicht so hoch, das sie hatte schwimmen müssen und so würde sie auch nicht, aufgrund ihres nassen Fells, anfangen zu frieren.
Nun stand sie hier also mit der ihr eigentlich so unbekannten Fähe. Ein wenig befangen fühlte sie sich schon, doch sie versuchte dies gekonnt zu überspielen und trat so an Tyraleen heran.
„Gerne erkunde ich mit dir deinen steinernen Wald“
Wie sehr sie die Bitte freute, musste sie nicht extra in Worte packen, ihre glänzenden Augen sowie die freudige Mimik dürften alles zu erkennen geben.
Sie musterte die weiße Tochter Banshees. Wie es ihr momentan wohl ging, hatte sie alles gut verarbeiten können? Sie konnte nichts Bedenkliches feststellen, wollte sich aber nicht darauf verlassen, dass es nicht doch anders war, als sie dachte.
Langsam trat sie an die Fähe heran und drückte ihre Schnauze sanft gegen die Schulter der anderen. Sie kannte sich mit dem Gefühl des Verlustes nur zu gut aus und wusste, wie wichtig es war jemanden zu haben, der für einen da war.
Mit ihrem Zurücktreten schielte sie zu dem Steinwald hinüber. Es schien kalt und still in ihm zu sein. Ein wenig unheimlich kam ihr das Gebilde schon vor, doch sie ließ sich auch dieses Mal nichts anmerken. Schauspielern konnte sie.
Sie fragte sich, wie man sich so etwas merkwürdiges in seiner Fantasie vorstellen konnte, doch dann fiel ihr wieder ein, wie ihre erste Begegnung mit Engaya gewesen war, damals hatte sie auch die merkwürdigsten Gebilde gesehen, auch wenn sie diese damals meistens mit Fenris, der ihr damals auch nicht weit gewesen war, in Verbindung gebracht hatte.
Sie fragte sich, ob sich etwas ändern würde, wenn sie diesen Wald betreten würden. Es schien, als ob jeder Laut in ihm verschluckt wurde und ganz plötzlich kam ihr eine irrsinnige Idee in den Kopf. Was, wenn man dort die verstorbenen Wölfe sehen konnte? Könnte sie ihre Eltern, ihre Familie jemals wieder sehen? Mittlerweile mussten zumindest ihre Eltern auch verstorben sein. Und ihr Bruder, und… all die anderen. Doch den Gedanken verschob sie rasch hinfort, so etwas war nicht möglich und warum auch immer dieser Wald hier aus Tyraleens Fantasie entstanden war und was auch immer sie dort erwarten würde, nicht das.
Lächelnd blickte sie Tyraleen an und nickte in Richtung des Waldes. Sie war bereit, aber war Tyraleen es auch?
[Steinwald. Tyraleen.]
27.02.2010, 01:43
Nerúi hatte in Sonne gebadet. Nach der Besiegung des Nichts waren die Wolken fort gewesen. Und die Sonne war da. Und sie war alles, was Nerúi sich erträumt hatte. Blendend hell, warm und groß und...so hoch oben! Die Sonne konnte fliegen! Und man brauchte sie nicht zu sehen, um zu wissen dass sie da war. Man spürte sie auf dem Fell, und Nerúi liebte das Gefühl sofort.
Ihr erster Tag in der neuen Welt war in einem Sonnenuntergang zerflossen, den Nerúi sich an Papa Aszrem gekuschelt angesehen hatte. Ihr waren Tränen von den Wangen gerannt, denn sie hatte sich mama Nyota so nah gefühlt. Eine bittersüße Erinnerung, wusste sie doch tief in sich, das Mama Nyota nun weit fort war. Aber vielleicht war es nicht ganz soweit, wenn die Sonne unterging...
Die ersten Tage waren vergangen, und hatten Nerúis Sicht geschärft. Noch immer vermisste sie ihre Mutter, und glaubte so oft sie zu sehen, wen ein anderer schwarzer Wolf ihren weg kreuzte - aber sie wusste dass sie fort war, und sie wusste auch dass sie nicht ewig trauern durfte. Aber sie waar noch nicht bereit all das hinter sich zu lassen, sie konnte noch nicht. Umso mehr hatte sie Papa gedrängt sie und Caylee mitzunehmen. Caylee musste schließlich die schöne Blume sehen, die nach ihr benannt worden war, und die auf Mama und Kylia aufpasste...
Papas Stimme rief sie aus ihren Gedanken, und Nerúi löste den Blick vom Himmel, und lief wedelnd und mit schlackernden Öhrchen Aszrem und Caylee hinter her, auf den Baum zu, der sich einsam aus der Ebene erhob, ohne dabei allein gelassen zu wirken. Caylees rotierende Rute war die reinste Herausforderung, und so schnell sie konnte rannte sie der Weißen hinterher, dabei den Baum umrundend, um ihre Rute zu fangen. Caylee blieb stehen, und Nerúi schnappte sich die Rute, die sie mit erhobenem Haupt festhhielt, bis ihr auffiel, dass Caylee und Aszrem beide wie gebannt nach oben sahen. Sofort hob auch Nerúi den Blick, und wie von selbst rutschte ihr Hinterteil in Richtung Boden, mit geöffneter schnauze und fasziniertem Blick saß sie da, und starrte nur zu den in der sonne glitzern- und schimmernden Mupfeln -Muscheln, wie sie Kylia korrigiert hatte- hinauf. Mehr als ein leises
"Whoa..."
Brachte sie nicht hervor, und konnte den Blick auch dann nicht von den blinkenden Früchten lösen, als Caylee ihre frage an Aszrem stellte. Wie hypnotisiert starrte sie hinauf, lies den Blick über jedes Blatt, jede Muschel einzeln gleiten. Es war so schön, und Tränen rannen nun über das dunkle Fell und ihre Wangen herab. Das war nicht nur ein Geschenk von Kylia. Denn das Sonnenlicht das sich in jeder Muschelschale reflektierte, das hatte Mama ihr geschenkt. Ohne den Blick von den Muscheln in dem Baumwipfel zu nehmen trat sie näher zu Papa hin, mit entsprechend wackeligen Schritten. Ihre Stimme war ganz leise, auch wenn Caylee eigentlich ruhig hören durfte was sie sagte. Aber sie konnte jetzt nicht lauter sein.
"Das Sonnenlicht ist unser Geschenk von Mama"
Damit schmiegte sie sanft den Kopf an Papa Aszrems Vorderlauf, und schloß schließlich die Augen, noch immer nicht in der Lage sie auf andere Art von den Muscheln zu lösen.
"Bestimmt ist dein Stein noch da, Caylee. Wir gucken nach sobald wir wieder da sind!"
Versprach sie, und atmete tief aus. Mama und Kylia waren gar nicht fort. Man musste nur wissen wo man suchen musste.
[Muschelbaum | Caylee und Aszrem]
27.02.2010, 13:31
Shani ließ sich protestlos abwimmeln – wenn Enmaku ihr diese seltsamen Bräuche nicht erzählen wollte, musste es dafür einen Grund geben. Und da sie selbst gerade einen sehr guten Grund hatte, etwas nicht zu erzählen, hakte sie jetzt auch nicht bei Enmaku nach. So eine Art stummer Vertrag. Vielleicht würde die Weiße ja bleiben und vielleicht würde so etwas wie Freundschaft zwischen ihnen entstehen – dann würden sie einander alles erzählen, aber für diese ersten paar Minuten, die sie sich jetzt kannten war ein wenig Smalltalk besser geeignet. Zudem zog Ahkuna nun sowieso alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass weder Enmaku über „andere Probleme“ noch Shani über „seltsame Sitten und Bräuche“ nachdenken musste. Sie quietschte fast ein wenig welpisch, als Ahkuna ihn in den Hals zwickte und grinste zu ihrer Tochter. Sie hatte ganz vergessen, dass sie manchmal nicht nur sorgende Mutter, sondern auch Spielkameradin und Freundin sein konnte. Das ging nicht bei Welpen, dazu musste man schon Jungwölfe als Kinder haben und Shani erkannte, dass auch das sehr schön sein konnte. Als Ahkuna dann aber sehr unverblümt Enmakus Namen bekrittelte wäre die Weiße wohl unter ihrem Pelz rot geworden, wenn sie er gekonnt hätte. Die leicht pikierte Antwort konnte Shani Enmaku auch nicht verdenken, auch wenn man natürlich im Auge behalten musste, dass Ahkuna eine Jungwölfin war.
“Ahku, du lässt deine Mutter dastehen, als hätte sie dich schlecht erzogen.“
Nicht ernst genug sah sie ihre Tochter tadelnd an und hatte doch ein Lächeln auf den Lefzen. Wahrscheinlich war sie wirklich nie streng genug gewesen, hatte nie eine wirkliche Autoritätsperson dargestellt, aber sie war auch noch so jung gewesen, als sie ihre Welpen bekommen hatte. Ihr war ja nicht einmal bewusst gewesen, dass sie sie bekommen würde. Wenn man gemein sein wollte, könnte man all ihre Kinder als Unfall deklarieren, aber dann waren sie der beste Unfall der Welt. Nichts schätzte Shani mehr als ihre geliebten Welpen. Auch wenn sie Fremden gegenüber nicht sehr höflich waren.
“Ja?“
Antwortete sie, bevor Ahkuna die Frage nach einer Narbe stellte, von der Shani zunächst verwirrt war. Shani hatte doch gar keine Narbe. Zumindest keine große, sichtbare. Erst als Enmaku erneut nicht sonderlich erfreut klingend antwortete, begriff die Weiße, dass Ahkuna sie gefragt hatte und nicht ihre Mutter. Auch wenn sie vorher Mutter gesagt hatte. Ein wenig verwirrt blinzelte Shani zweimal und bekam dann schon eine Frage gestellt.
“Ich weiß es nicht, ich bin auch auf der Suche nach Aszrem oder Tyraleen. Wo deine Geschwister sind, kann ich dir gar nicht sagen. Enmaku und ich wollten zum Himmelsfelsen und zum Wasserfall, da treiben sich sicher ein paar Mitglieder um.“
Während sie sprach lag ihr Blick auf Enmaku, die nun irgendwie sehr seltsam wirkte. Sie hatte die Augen geschlossen und schien sich zu beruhigen. Offensichtlich waren Ahkunas Fragen und die ganze Situation nicht ganz in ihrem Sinne. Vorsichtig wandte sich Shani an die Neue und berührte sie ganz leicht an der Nase.
“Ist alles in Ordnung?“
[ Laubwald | Ahkuna und Enmaku ]
27.02.2010, 14:28
((Shit, schon wieder falscher Account x_x
Macht nix, morgen schreib ich mit Shaén))
27.02.2010, 14:29
Neugierig blinzelte Aléya an dem dunklen Rüden vorbei und betrachtete die vielen Zweige und Blätter des Baumes. Es war schon wundersam, dass plötzlich erst alles im Nichts verschwand und dann aus Nichts doch wieder etwas wurde. Es war ein Neustart, ein neuer Beginn von etwas.... was auch immer.
Wieder wie ein Welpe lächelnd, ließ Aléya die Rute, die sie bis eben im Maul gehalten hatte wieder los.
„Sie ist wunderschön.“, bemerkte sie, während die perlenartigen Augen jeden Ast untersuchten.
Munter wischte die Welpenrute durch das Gras, welches mit jedem Pfotensprung neu entstanden war, so wie mit jedem Herzschlag leben durch sie fuhr.
Mit langen, geschmeidigen Schritten tänzelte die Weiße ein bisschen vor, um dann plötzlich mit der Pfote nach Takashi zu tappen.
„Du bist ganz schön schreckhaft. Dein Herz schlägt ganz schnell.“
Ein keckes Grinsen umspielte die Lefzen der Hellen, die den Rüden halb umrundete, um schließlich wieder vor dem Baum stehen zu bleiben.
„So? Der Baum entstand also aus deinen Gedanken? Seltsam, oder? Ich meine... wenn du an diesen Baum gedacht hast und der plötzlich da war... hat dann auch jemand von uns an das Nichts gedacht? Ist doch merkwürdig, findet du nicht?“
Mit einem munteren Lächeln auf den Lefzen wischte die Fähe mühelos jegliches Misstrauen der Reife ihrer Gedankengänge und Worte hinweg. Sie war schließlich nur ein Welpe.
„Und was jetzt? Mir ist langweilig. Magst du mir nicht etwas zeigen, anstatt hier nur herum zu sitzen?“
Die Helle ließ den Blick nach passenden Spiel- und Lernmöglichkeiten wandern und entdeckte dabei unweit ihre kleine Freundin Ave. Sofort kniffen sich die Augen ein wenig zusammen. Ein dicker, um nicht zu sagen, fetter Wolf war bei ihrer besten Freundin und nicht zuletzt so ein seltsamer Welpe, den sie noch gar nicht gesehen hatte.
Sie konnte es nur schwer einordnen, aber sie spürte, dass dieser Welpe anders war. Sämtliche Nackenhaare stellten sich wie elektrisiert auf, während sie den kleinen Rüden mit ihrem Blick schier zu durchlöchern schien.
„Takashi?“, hob sie die nun ernste, fast schon unterdrückt bedrohliche Stimme an, „Wer ist dieser Welpe?“
Die dunkler werdenden Augen wichen in keiner Sekunde von dem Welpen, den sie mit ihrem sensiblen Gespür zu fühlen versuchte. Der neu entstandene Baum war eindeutig nicht das einzige Wundersame in diesem Tal und Aléya wurde die Sache immer mehr und mehr suspekt.
Sämtliche Wesen und vor allen Dingen Wölfe konnte sie erspüren. Es war nicht weiter schwer. Mit ein wenig Konzentration und Blickkontakt schaffte sie es immer öfter, ihr Gegenüber abzutasten und einzuschätzen. Sie konnten förmlich mit ihren Augen sehen, spüren, was sie fühlten. Eine Gabe, die sich während der Flucht entwickelt hatte, als alle Wölfe in Angst und teilweise auch Panik fliehen mussten. Sie kannte das Gefühl der nackten Angst, die sie - in ihrem Nacken sitzend - verfolgte. Es war ein Leichtes gewesen, so alle Wölfe, die sie umgaben, zu erspüren.
Aber warum, und das verstand sie nicht, konnte sie bei diesem Welpen nichts spüren? Sie fühlte nichts und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es war ein ähnliches Gefühl, wie die Bedrohung, die sie abgeschüttelt hatten.
[an der Weide | Takashi | in der Sichtweite Ave, Mochi und Nihil]
27.02.2010, 17:31
Unsicherheit machte sich bei Ahkuna breit. Erst nach dem diese Wörter sich ihren Weg aus ihrem Mund gesucht hatten, verstand sie was sie gesagt hatte. Es war echt nicht schön. Wieso war das nur gerade so aus ihr heraus geplatzt? Vielleicht hatte der Schmetterling und die Jagt noch ein wenig Einfluss auf die Junge Fähe. Wieso musste sie nun auch so tierisch dumm sein? Sie hatte echt gar kein Anrecht darauf die Namen anderer zu verurteilen. Ihre Mutter gab ihren Gedanken auch gleich recht. Sie lag falsch. Sie ließ ihre Mutter schlecht da stehen. Es zeugte von schlechter Erziehung, dass sie so unverfrorene Worte erklingen ließ. Aus Fehlern lernt man bekanntlich, was?
„Es tut mir Leid. Mir ist nur noch nie zu vor jemand begegnet der einen solchen Namen trug. Er ist Außergewöhnlich!“
Ahkuna hoffte darauf dass sie sich damit gerettet hatte. Wahrscheinlich aber hatte sie nun einen schlechten Eindruck bei ihr gemacht. Die Sympathie schien heute nicht auf der Seite der jungen Weißen zu sein. Irgendwie war heute alles so merkwürdig. Zuerst hatte sie einen Schmetterling gejagt und war nun auf ihre Mutter und dieser Fremden gestoßen. Wieder musterten die blauen Augen die beiden Erwachsenen. Sie schienen sich besser zu verstehen. Vielleicht lag das daran das sich Erwachsene eher mit Erwachsenen und Welpen eher mit Welpen verstanden. Sie als Jungwolf dagegen war gar nicht so gesellig das sie es beurteilen könnte zu wem sie sich mehr hin gezogen fühlte. Sicher, ihre Geschwister und ihre Mutter waren da. Auch Aléya und Avendal waren keine schlechte Gesellschaft aber irgendwie, so glaubte sie, passte sie hier nicht rein. Sie war anscheinend so in der Mitte zwischen den Welpen und den Erwachsenen, das sie sich nicht einzuordnen wagte. Vielleicht war sie ja noch nicht so weit sich mit Älteren zu beschäftigen? Vielleicht war sie aber auch noch nicht dazu bereit sich überhaupt darüber Sorgen zu machen.
„Zu Tyra oder Azs? Wieso die beiden? Wo ist dieser Himmelsfelsen oder der Wasserfall?“
Leicht legte sie ihren Kopf zur Seite. So viele Umwelteinflüsse hatten sich in sie hinein geprägt. So viele waren in ihren Kopf gezischt und dann wieder heraus geschossen, dass sie das alles gar nicht verarbeiten konnte. Vieles war schon vergessen, als sie sich ein wenig davon entfernt hatte.
Nun aber ertönte wieder die Stimme der Fremden. Diese Antwort würde ihr nicht gefallen. Wieso würde die Antwort ihr nicht gefallen? Die Fremde ließ immer mehr Fragen in ihr aufkommen. Warum war da diese Narbe. Warum ist sie hier? Warum ist sie nicht in ihrem Rudel? Warum ist sie alleine? Warum setzte sie sich nun hin? Beruhigte sie sich? Ahkuna war nun aufgewühlt. Was war diese Fähe? Sie starrte sie nun schon praktisch an. Ahkuna wusste nicht was sie nun denken sollte. Ihr Blick fing an weich zu werden. Verzweiflung machte sich breit. Sie stand hier, genau vor dieser Fremden Fähe und konnte nichts dagegen tun, das diese sich so fühlte.
„Mutter…“
Bittend wandte sie sich an ihre Mutter. Sie wusste immer was zu tun war. Sie musste immer wissen was zu tun war. Die junge Weiße aber konnte das nicht einordnen. Was sollte sie nun tun? Etwas zögernd trat sie zu ihrer Mutter. Sie setzte sich vor ihre Läufe und stupste mit der Nase unter das Kinn ihrer Mutter. //Hilf mir// wollte sie damit ausdrücken. Erst vor kurzem hatte die junge Weiße den Tod verdrängen müssen. Solange war sie ratlos hinter den älteren hinter her gelaufen und hatte auf zwei Welpen aufgepasst. Eigentlich hätte sie wissen müssen, was sie tun sollte aber alles war wie weggewischt. Eine Stimme in ihr sagte ihr, dass sie zu ihrer Mutter gehen sollte. Und das hatte sie auch getan. Wieso fühlte sie sich jetzt nur so schuldig? Vielleicht war ihre Mutter genauso Ratlos wie sie selbst und sie überforderte die grünäugige Weiße nur. Aber was sollte sie tun? Sie war nur eine Halb Erwachsene, die mit ihren eigenen Problemen zu Recht kommen musste. Jedoch wollte sie für die Fremde da sein, auch wenn die beiden keine Sympathie teilten und Enmaku erst vor kurzem auf sie getroffen war, so wollte sie was für sie tun.
„Es tut mir Leid…“
Flüsterte sie. Mehr konnte sie nicht tun. Mehr brachte sie nicht heraus.
[Laubwald l Shani und Enmaku ]
(SO hoffe das alles okay ist und das ich alles mit eingebaut habe und das ich... Joa das ich... Kp. Seit zufrieden! XD )
27.02.2010, 20:40
Rakshee lächelte. Ihr ganzer Körper war ein einziges Bild der Freude. Sie lebten. Sie alle lebten! Und das Tal war nicht fort - es war ganz neu, und es war so wunderschön! Das Land war sonnengeflutet, und von ihrer Position aus, ganz oben auf dem Himmelsfelsen, konnte man alles so wunderbar sehen. Zufrieden lag sie da, die Vorderpfoten über die Felsenkante baumeln lassend, und freute sich, war einfach glücklich mit allem was war, mit allem was sie sah. Sie war die Königin der Welt hier oben, sie konnte so unglaublich weit sehen, und die Sonne schien so nah. Der Himmel schien sie zu küssen, sobald sie die Schnauze hob. Oh, sie liebte diesen Platz schon jetzt, und insgeheim beschloß sie, dass das ihr Platz werden würde. Ihr Blick fand zu dem blinkenden Baum, unter dem sie Aszrem mit Caylee und Nerúi erkennen konnte. Sie war dem Glitzern noch nicht auf den Grund gegangen, aber es hatte sie einfaach zuerst auf diesen sonnenerwaärmten Felsen gezogen, auf dem sie nun thronte, und ihr Reich überblickte. Ihr Land, ihre alte und neue Heimat. Und hinter ihr, tief im Schnee, der Ort wo sie geboren war. Ob es die kleine Höhle noch gab, dort so hoch oben im ewigen Weiß?
Rakshees Blich fand zum Fuße des Felsens, auf den Turién und Chardím gerade zugelaufen kamen. Es war noch immer eher unüblich dass die Welpen, inzwischen fast mehr Jungwölfe, alleine unterwegs waren. Aber diese beiden Ausreisser liefen ja geradezu in ihre Richtung, und Rakshee lachte ihnen entgegen, ungehört und ungesehen - aber wahre Freude musste niemand sehen, damit sie sich entfalten konnte. Die Wolken hörten ihr Lachen, und der Wind strich sanft über ihr Lächeln, spürte es und trug es mit sich mit. Und das war alles was sie wissen musste. 'An meiner Seite' sand sie einen freudigen Gedanken zu ihrer verstorbenen Großmutter hinauf, und erhob sich nun, war plötzlich voller Euphorie auf den Pfoten, und sang nur für den Wind, den Kopf in den Nacken geworfen, den Blick hoch im Himmel, wo sie Engaya mit Oma, und Papa und Nyota und Kylia wusste.
Ihr Blick fand zurück zum See, der in der Sonne zu ihr hinauffunkelte, wie ein glänzender Gruß Engayas Selbst. Rakshee schloß die Augen, hielt die Nase in den Wind, und genoß das Leben, dass sie so deutlich spürte. In jeder Faser ihres Körpers, in jedem Atom ringsherum. Es war erwacht.
[Spitze des Himmelsfelsens | allein]
27.02.2010, 23:47
Enmaku seufzte leise und lächelte die junge Fähe dann an. Es war ja nicht ihre Schuld, dass es ihr im Moment so schlecht ging und sie war schließlich noch jung.
"Ist schon in Ordnung, ich bin dir nicht böse. Manchmal vergesse ich, wie es ist, jung zu sein. Nimm einfach nur zur Kenntnis, dass ich über meine Vergangenheit möglichst nicht sprechen möchte, okay? Ich habe einige böse Dinge erlebt auf meiner Reise, an die ich mich nur ungerne erinnere. Ich wollte dich nicht verunsichern"
Sie schüttelte den Kopf, als Shani sie anstupste. Nein, nichts war in Ordnung, doch die beiden Wölfinnen konnten nun wirklich nichts dazu. Sie wollte es nicht an ihnen auslassen. Sie erhob sich und streckte sich ein bisschen. Die Anspannung war ihr deutlich anzumerken, doch sie wollte offen auf die Beiden zugehen und sich nicht gleich wieder verkriechen. Solange man ihr keine Vorurteile gegenüberbrachte wollte auch sie selbst so offen und umgänglich wie möglich mit ihrer Umwelt umgehen. Auch wenn es ihr manchmal schwer fiel. Sie stupste Ahkuna an, die gerade aussah, als würde sie weinen, wenn sie könnte. Freundlich sah sie die beiden Fähen an.
"Ich sollte mich entschuldigen, ich bin schließlich neu hier und kann nicht erwarten, dass man mir ohne Neugierde begegnet. Ich bin es nicht mehr gewohnt, mit anderen Wölfen zu reden oder ähnliches. Ich bin schon lange niemandem mehr begegnet, vielleicht war ich zu lange allein..."
Sie hob den Kopf und blickte sich um. Seit die Jungfähe eingetroffen war, kehrten langsam die normalen Geräusche des Waldes zurück. Es war, als ob sie die ganze Zeit jemand oder etwas beobachtet hatte, was sich nun hastig zurückzog. Seltsam kam es ihr immer noch vor, doch da keine der beiden weißen Fähen auch nur die geringste Beunruhigung zeigte, ließ auch sie sich nichts anmerken. Schließlich kannten sie das Revier, sie lebten hier und Enmaku wollte nicht weiter nachfragen. Ihr war aufgefallen, dass Shani nicht weiter auf das Thema "andere Probleme" eingegangen war und hakte für sich das Thema nun auch ab. Offenbar gab es auch hier Themen, über die nicht gerne geredet wurde und sie selbst wollte schließlich auch nicht über alles reden. Wenn man ihr mehr erzählen wollte, würde das schon irgendwann so kommen, bis dahin würde sie ihre Neugierde im Zaum halten. Eine Weile lang ließ sie sich die Sonne auf den Pelz brennen und beobachtete stumm die beiden anderen Fähen, abwartend, was weiter passieren würde.
[Laubwald | Shani, Ahkuna]
28.02.2010, 09:09
Wälder. Ewig und alt. Wissend und jung. Grün und braun. Licht und Schatten. Leben und Tod. Freude und Leid. Jagd und Flucht.
Nirgendwo sah man so viele Kontraste vereint. Der Wald spiegelte Sicherheit wieder, er zeigte allerdings auch auf, wie klein man im Geschick der Welt wirklich war.
Ein Mischwald. Wälder. Der Wind der die vielen Äste bewegte, der einen kaum erreichte aber so gut hörbar war. Wälder. Wenn der Regen einen nicht erreichte, weil er vom Blätterdach aufgefangen wurde.
Wälder. Stille. Außer den Vöglen, den Tieren die sich sacht und leise im Wald bewegen. Man wird beobachtet, man beobachtet. Wälder. Man spürt wie sie atmen und atmet selbst freier.
Wälder. Sie wollte wieder in einen Wald, einen großen Wald.
Sie wollte endlich ihre Pfoten in den Waldboden graben können, endlcih wieder über Laub laufen.
Ein Laubblatt. Sie erinnerte sic h an die Zeit, bevor sie Lyerra kannte, als sie allein am Nichts war. Ein Laubblatt hatte sie davon abgehalten allein ins Nichts zu treten.
Schon was Lyerra losgerannt. Die Weiße Fähe flog fast durch die Wiese. Sie war noch einen Momentin Gedanken versunken stehen geblieben. DAnn brach die Freude wieder durch und Shariku nahm die Verfolgung auf. Das Gefühl sich frei laufen zu können, einfach rennen und des Renneswillen. Die Außenwelt zählöt nicht mehr, man läuft wie in einem Rausch, möchte einfach nur schneller rennen als jemals zuvor.
Freiheit. Nie lies dieses Wort sich besser fühlen als wenn der Wind durch das Fell beim Rennen saust und man mit einer Freundin rennt.
Weiter und immer weiter ging die Hatz.
Es war wie fliegen, oder besser als das.
Shariku hörte den Wind vorbei ruaschen, vernham die Worte die er ihr zubrachte. Lyerra hatte ihren NAmen geschrien. Warum? wollte sie das sie aufschloss? Aber sie lag ja jetzt bereits hinter ihr. Wollte sie sich vergewissern das sie noch da war? Möglich.
Die kleine Schwarze fühlte sich lebendig. Ihr Läufe liefen allein, alles war so normal und richtig in diesem Moment.
Vor ihr wurde Lyerra langsamer. Ein paar Meter leif siie noch, dann setzte sie sich nieder. Shariku, noch voll im Rausch des Rennens, kam erst vor ihr zum stoppen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich stark, sie war noch zu auf gedreht u ruhig sitzen zu können.
Ihre Augen sagten: Können wir jetzt in den Wald gehen?
Und mit einigen Sprngen war sie dem Wald wieder näher gekommen. FRagend sah sie sich um. War es okay? Konnten sie weiter?
Wieder ein paar Sprünge.
Sie fühlte es, der Wald rief sie, er wartete auf sie.
Lyerra mit glänzneden Augen beobachtend, lief Shariku nun rückwärts auf den Wald zu.
Sie war aufgeregt. Der Wald. Was würde sie erwarten? War er sehr groß und alt? War er dicht oder reihte sich eine Lichtung an die andere?
Shariku sah Lyerra an. Sie wollte mit ihr zusammen in den Wald treten und sein Geheimnis entdecken. Sie wollte mit ihr zusammen die Waldluft atmen und genießen.
[Lyerra | Rand des Mischwaldes]
28.02.2010, 13:18
Hier rund um Takashi hatten sich noch eine andere Wölfe zur Erkundung des neuen Reviers versammelt. Der Rüde konnte Mochi, Avendal und sogar auch Nihil entdecken! Als er den Welpen Nihil entdeckte, wurde dem Großen ein wenig unwohl. War da nicht etwas gewesen? Durfte sich Nihil überhaupt aus dem Nichts heraus begeben? Zumindest hatte er erzählt, dass es für ihn als unmöglich erscheint. Alle drei sprachen irgendetwas zueinander. Doch der Schwarze konnte nur einzelne Worte aufschnappen. Das Wort, was ihn am Meisten in Gedanken versetzte war, „Schmerz“, welches der Welpe Nihil genannt hatte. Das Nichts war völlig verschwunden und bot somit dem Welpen keinen Lebensraum mehr.
.oO(Was sollen wir nur bloß mit dem Kleinen machen? Was kann man bloß tun? Das Nichts ist weg. Für uns ist das gut, aber für ihn einfach nur schlecht. Ob wohl ernsthafte Lebensgefahr für ihn besteht? Er sagte mir doch ausdrücklich, dass er ohne das Nichts nicht leben könne. Und nun? Ein Fleckchen des Nichts blieb erhalten, aber er ist immer noch da. Was ist das bloß? Er wird doch wohl nicht eines qualvollen Todes sterben, oder? Wie kann man das verhindern?)
Dann wandte er sich wieder der Welpin Aléya zu und lächelte sanft. Dennoch konnte man ihm aus dem Augen ablesen, dass er ziemlich besorgt war. Mit der Situation um Nihil war er völlig überfragt. Der Anblick seiner Weide konnte ihn ein bisschen ablenken. Auch Aléya trug dazu bei, dass Takashi nicht wieder in diese völlig unsinnigen Gedanken verfiel. Er würde sowieso nie zu einem Entschluss kommen. Fragen über Fragen, die aber nie auf ein Ergebnis zusteuerten. Der Schwarze seufzte leise. Auch die Welpin hatte Gefallen an der übermäßig großen Weide gefunden. Dies bereitete Takashi eine große Freude. Seine Pfote schreckte zurück, als Aléya die ihre dem Rüden entgegen streckte. Er schmunzelte nur leicht, als die Kleine ihn auf seine Schreckhaftigkeit ansprach.
“Ja, es ist wirklich wunderlich, was wir alle mit Hilfe unserer Gedanken erschaffen konnten! Ich vermag aber nicht daran zu denken, dass sich jemand das Nichts vorgestellt habe. Das wage ich nicht zu denken…ich halte die ganze Sache für eine Art Fluch. Und wir konnten ihn besiegen…“
Der Rüde mit den tiefblauen Augen verstummte. Die nächste Frage überging Takashi glatt, als sich Aléyas Wesen plötzlich änderte. Es schien etwas mit dem fremden Welpen auf sich zu haben.
“Nun…dieser Welpe dort…sein Name ist Nihil! Krolock und ich trafen ihn auf der Flucht vor dem Nichts. Der Welpe selbst schlich durch das Nichts und behauptete, dass er nur dort drinnen existieren könne. Ich weiß auch gar nicht, was er nun hier macht. Ich dachte, er kann das nicht…! Was hat er bloß vor? Ich weiß es nicht…!“
Der große Rüde sprach eher leise, damit niemand mithören konnte. Takashi machte aus der ganzen Sache eine Art Geheimnis. Schließlich wussten die Anderen höchstwahrscheinlich noch nichts davon. Unsicher blickte er wieder zu der Welpin hinüber, der die ganze Gelegenheit überhaupt nicht passte.
“Mach dir keine Sorgen…den anderen wird er wohl kaum etwas antun können. Selbst wenn, würde ich eingreifen. … Ich glaube aber eher, dass ihm in naher Zukunft etwas zustoßen wird…!“
[See | Südostseite | alte Weide | Aléya; Mochi, Avendal, Nihil]
28.02.2010, 14:48
Die vollkommene Welt funkelte und strahlte ins weite Universum hinaus. Die Gräser so saftig und grün, wie kaum an einem anderen Ort, das Wasser klar und rein. Die Luft roch nach Blumen und Erde, vermischt mit all den Tiergerüchen. Das Tal hatte sich verändert. Lange ging Katsumi nun schon am Wasser entlang, doch den Pfad den er mit Akru gegangen war, den fand er nicht mehr. Enten quakten den Wolf an, begrüssten ihn freundlich. Damals war der See still und tot gewesen... Träge erhob Katsumi sein Haupt. Er lebte. Das Rudel lebte. Das Tal lebte. Und dennoch fühlte es sich an, als sähe der Rüde durch ein angelaufenes Glas, als ginge er in einer plumpen Hülle. Sein Fell lag warm von der Sonne schwer auf seinem Rücken und seine Läufe konnte er nur mit viel Kraft vom Boden heben. Keiner der Vögel konnte ihn ermuntern, das neue, wundervolle Tal genauer zu betrachten. Das wichtigste fehlte. Das Tal konnte niemals so schön sein, ohne das Lachen. Ohne ihr Lachen. Ohne Isis Lachen. Isis hatte den Weg nicht geschafft. Ihre Läufe trugen sie nicht aus der Falle hinaus und er – Katsumi – hatte die Kraft nicht, seine neu gefundene Fähe zu retten. Isis....
„Komm Akru... Ich glaube nicht, dass wir den Pfad noch finden...“
Katsumi endete seine Richtung und liess das klare Wasser hinter sich. Noch einmal quakte die Ente, ehe sie es bleiben liess. Nun, abseits des Geschnatters, hörte der ehemalige Alpha das Brummen der Bienen, die seltsamer Weise noch sehr aktiv waren. Obwohl schon bald der Winter kommen wird. Die braunen Pfoten trugen den Wolf in den nahe gelegenen Laubwald hinein. Sein Körper glitt durch das Unterholz hindurch und ignorierte all das schöne um sich. Erst Nisha, nun Isis. War er dazu verdammt, alleine zu sein? Alleine im Schmerz zu versinken? Oh Nisha... Wo war sie, ging es ihr gut? Und was taten Aaliyah, Ascot und Aslan? Lebten sie noch? Oder wurden sie vom Bösen zerfleischt. Oh weh, all diese Fragen, wo wird dieser Weg nur hinführen?! Plötzlich stiess ein bekannter Geruch in die Nase des Braunen. Müde hob Katsumi seinen Kopf. Shani. Shani Caiyé. Katsumi stopte, winselte kurz und blickte in die Augen der Fähe. Bei ihr war eine Fremde und ihre Tochter. Ihre Tochter. Shani konnte sie sehen, sie fühlen. Aaliyah... Wie hatte sie sich angefühlt..? So weich und zerbrechlich. Sie roch nach Nisha und nach feuchter Erde. Sie liebte es, im Matsch zu spielen. Aaliyah, seine Tochter, sein eigen Fleisch und Blut. Seufzend drehte sich der Braune ab und ging davon...
[Zuerst am See | Sucht einen Pfad, findet den aber nicht |schlendert in den Laubwald | Trifft auf Shani, Ahkuna und Enmaku]
28.02.2010, 18:25
Etwas unsicher blickte die Fähe umher. Bestaunten die Veränderungen, wie das Nichts verschwunden war. Sie litt noch immer unter regelmäßigen Angstzuständen, die durch die Furcht davor, plötzlich einfach zu verschwinden, entstanden war. Aber mit der Zeit war sie immer ruhiger geworden und freute sich über die neue Welt. Bis das von einer erdrückenden Einsamkeit verdrängt wurde. Jetzt wusste sie, warum sie nach den wichtigen Geschehnissen im Rudel gefragt hatte. Weil sie jetzt schmerzlich spüren musste, dass sie weder Bescheid wusste noch jemanden kannte. Nervös starrte sie in der Gegend umher, während sie eine Pfote vor die andere setzte, ziellos umherwanderte. Einfach, um von dieser Schwere abzulenken, mit der sie jeden Schritt machte. Wahrscheinlich fiel es trotzdem aus. Eine Schwäche hatte sie schon immer gemacht: sie könnte keine Maske aufsetzen, um die anderen zu täuschen. Es wirkte einfach unecht, gekünstelt, und so musste sie ihre Gefühle dann doch offen zeigen. Die Weiße empfand das als einen Fluch. Irgendwie hasste sie diese Eigenschaft, denn manchmal wünschte sie sich einfach, dass niemand merkte, was in ihr vorging. Dann blieb nur noch die Zurückgezogenheit. Dass sie irgendwo am Rande eines Reviers untertauchte, sich ein Versteck suchte und erst einmal eine Weile dort blieb. Wenigstens hatte sie dann Zeit zum Nachdenken. Wie jetzt. Und doch wünschte sie sich nichts mehr, als ihre Schwester wieder bei ihrer Seite zu haben. Oder dass überhaupt irgendjemand auf sie zuging und sie ansprach. Selbst würde sie das nie können, dazu war sie zu kontaktscheu und schüchtern.
Langsam hob sie ihren Kopf und suchte nach Sheena. Einfach nach einem Wolf, von dem sie schon gehört hatte. Eventuell auch den Gefährten Jumaanas. Nein. Denn eben diese befand sich nun bei ihm, besser gesagt, rief seinen Namen. War wohl auf der Suche nach ihm. Verständlich. Niemals könnte sie ihr Vorwürfe dafür machen, auch wenn es ziemlich schmerzte, einfach so stehengelassen worden zu sein. Wie auch immer. Vermutlich merkte man ihr wieder an, dass sie völlig durcheinander war. Verwirrung machte sich in ihr breit, immer tiefere Verwirrung, verteilte sich in ihrem gesamten Körper. Bis sie besessen davon war, sie konnte nicht einmal mehr klar denken. Für einen kurzen Moment blieb sie einfach stehen, reckte den Kopf in die Höhe und versuchte mit ihrer Schnauze die kühle Luft zu spüren. Wie der Wind mit ihr spielte, durch ihr Fell jagte, beinahe auffordernd. Dann schoss eine gute und berechtigte Frage durch ihren Kopf:
oO Was mache ich jetzt? Oo
Wahrscheinlich einfach abwarten. Hier bleiben, sich ein wenig Zeit für sich selbst lassen, und immer wieder mal versuchen, Blickkontakt aufzunehmen. Ein stummes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Immerhin hatte sie nun eine Ahnung, wie sie die Zeit verbringen könnte, die Zeit, in der ihre Freundin nicht bei ihr verweilte. Die einzige, mit der sie sprechen konnte und der sie vertraute. Ihr Leben war so - wenig. Und gerade jetzt merkte sie das, merkte es, weil sie so alleine herumstand, ohne auch nur die geringste Ahnung.
[kein fester Standort, gen Osten wandernd l Jumaana beobachtend, die neue Welt betrachtend]
28.02.2010, 20:00
(( Jule, bitte gib wenigstens eine explizitere Bestimmung ihres Standortes an - beispielsweise Osten, Totes Land oder so ^_^ ))
Schmerz jagte wie ein Pfeil durch ihren Kopf und ließ die Fähe zittern. Es war zum Verzweifeln - der Sturz in den Bergen schien nun doch verheerende Folgen zu haben. Doch eigentlich war dieser Schmerz nicht der Schlimmste, eher das Gefühl, nicht länger allein mit Takashis Mutter zu sein, schmerzte sie mehr und mehr. Sie hörte eine leise Stimme neben sich und fuhr herum. Ihr Blick landete in dunklen, grünen Augen, die beinahe die gleichen wie ihre eigenen waren, nur einem tiefschwarzen Körper angehörten, der um einiges größer war als sie selbst. Jumaana trat einen kleinen Schritt zurück, während Aarinath mit vehementem Gerede verhinderte, dass sie sich an irgendeinen Namen erinnern konnte. Erst nach einer groben Ermahnung verstummte die Tote und die Polarwölfin durchforstete ihr Gedächtnis nach dem Namen des Schwarzen. Sie hatte ihn gesehen, kurz nach Hiryogas Tod - es musste Jakash sein. Als ihr der Name wieder eingefallen war, entspannte sich die Fähe etwas, auch wenn sie wusste, dass irgendwas total falsch war. Sie nickte dem schwarzen Rüden leicht zu.
"Es ... ähm ... ist nichts ..."
Außer Takashi wusste niemand etwas von dem Feenkind. Bei Gelegenheit sollte Jumaana Sheena oder Tyraleen aufsuchen. Sie konnte es nicht ewig verheimlichen. Es fühlte sich falsch an, so falsch wie sich das fremde Wesen in ihr anfühlte. Aber gab es noch einen Unterschied zwischen richtig und falsch? Zwischen Leben und Tod? Banshee und Acollon? Waren sie nicht Eins, eine Seele, ein Herz, das für immer schlagen würde. War es nicht so, dass Angst und Mut eng miteinander verbunden waren, Schwarz und Weiß, Hass und Liebe? Als Aarinath sich in ihre Gedanken geschlichen hatte, war weder Angst noch Abscheu dagewesen, aber auch keine Freude oder Zuversicht. Es war etwas Neues gewesen, über das sie nichts gewusst hatte, doch sie hatte es nicht von sich gestoßen und angeekelt darüber gedacht. War Gleichgültigkeit nicht das Schlechte, das Gute, das Falsche und das Richtige zugleich. Wenn sie so weiter vor sich hingrübelte, würde die Wölfin gleich bei dem Sinn ihres Lebens landen und da wollte sie ganz bestimmt nicht hin. Also senkte sie den Blick zum Boden und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Sie versuchte, all diese wirren Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen und rief stumm nach Aarinath. Diese ließ sich ihre Gelegenheit nicht entgehen und begann wieder ununterbrochen auf Jumaana einzureden. Das wiederum konnte diese ausblenden und sich wieder auf Jakash konzentrieren.
"Nun ja ... und was machst Du hier in der Einsamkeit, Jakash?"
Ihre Worte kamen selbst ihr seltsam gequält und schwerfällig vor, doch sie konnte keine gute Laune mehr erzwingen, wie sie es einst immer getan hatte. Ihr Kopf pochte immer noch schmerzhaft, doch Jumaana ließ sich davon nicht mehr ablenken, ebenso wenig von dem unablässigen Geplapper der Verstorbenen in ihrem Kopf. Was soll's, sagte sie sich, man kann es eh nicht ändern! Neben sich hörte Jumaana ein leichtes Ächzen, was sie herumfahren ließ. Aus den Augenwinkeln warf sie Jakash einen panischen Blick zu, als sie einen weiß-grauen Welpen erblickte, der sich mit letzten Kräften auf den Beinen hielt. Die Weiße machte einen Satz auf das 'Ding' zu und senkte ihren Kopf, um die glasigen, graublauen Augen zu mustern. Sie wagte nicht, den Welpen anzustupsen, weil sie Angst davor hatte, dass das Wölfchen umkippte und sich endgültig von dieser Welt verabschiedete. Fast automatisch leckte die Fähe über das dreckige, verklebte Fell am Kopf des Welpens und stupste sie nun doch sanft an.
"Hallo? Kannst Du mich hören, Kleines?",
fragte sie leise und sanft, während sie mit einer gewissen Befriedigung hörte, dass selbst Feenkind verstummt war und aus kugelrunden, dunklen Augen vor sich hin stierte. In Gedanken sand sie Aarinath ein paar beruhigende Worte zu, während sie das kleine Wölfchen sanft am Nacken packte und hochhob, um sich kurz darauf umzudrehen und die letzten paar Schritte zur grünen Seite des Baumes zu treten. Vielleicht würde die Lebendigkeit ja eine Aufmunterung für den Welpen sein. Oder die Schwäche des Toten Teils wieder vertreiben. Jumaana fühlte sich hilflos. Jakash würde keine besonders große Hilfe sein. Dachte sie zumindest. Und hoffte das Gegenteil.
[ Gespaltener Baum | Jakash & Neytíri ]
01.03.2010, 13:24
Ebenso wie Sheena Tyraleens Reaktion genauestens verfolgte, wollte auch Tyraleen jedes Minenspiel und jede hauchzarte Bewegung ihres Gegenübers mitbekommen. Sie erinnerte sich noch sehr genau an die ersten richtigen Begegnungen zwischen Sheena und ihr, als sie gerade mit der Ausbildung zur Priesterin anfing. Sheena war ihr höchst seltsam vorgekommen, irgendwie abweisend und unkontrolliert. Tyraleen hatte fast ein wenig Angst vor ihr gehabt und wäre sicher nie auf die Idee gekommen, eines Tages hier zu stehen und sich zu wünschen, die Weiße näher kennenlernen zu können. Sie hatten einen weiten Weg gemeinsam beschritten und waren sich am Ende ähnlicher geworden, nicht zu letzt in der Liebe zu Banshee. Vielleicht sah ihre Mutter ihnen jetzt gerade zu und freute sich über die scheuen Versuche der beiden jungen Fähen, zu der Einheit zu werden, die sich Banshee gewünscht hatte.
Mit wippender Rute betrachtete Tyraleen Sheenas fast eiliges Durchqueren des Flusses, ihr Schütteln und im Näherkommen das Glitzern in den braun goldenen Augen. Die Weiße schien sich wirklich zu freuen und steckte damit die junge Mutter an. Optimismus begann in Tyraleens Augen zu leuchten, der Glaube daran, dass Freundschaft auch nach einem schwierigen aber gemeinsamen Weg gefunden werden konnte. Die sanfte Geste Sheenas, ihre Schnauze an ihrer Schulter, erinnerte die Weiße an ihre eigene Trostsuche an Banshees Totenbett. Wieder hing so etwas wie Trost in der Luft und auch wenn Tyraleens Gedanken nicht um ihre Mutter und ihren Vater kreisten, war sie ihrer Mitpriesterin dankbar für die kleine Geste, das Mitdenken und die Freundlichkeit. Dabei schwappte erneut der Gedanke hoch, wer die Eltern Sheenas waren, wo sie waren und warum Tyraleen sie nie kennengelernt hatte. Genauso wenig kannte sie Geschwister der Weißen, dabei war eine Ausnahme wie Neruí – nur ein einziger Welpe in einem Wurf - äußerst selten. Die Frage breitete sich brennend auf ihrer Zunge aus, aber zunächst schluckte sie sie hinunter. Lächelnd berührte sie die Nase ihres Gegenübers und drehte sich dann zu ihrem steinernen Wald. Seite an Seite schritten die beiden weißen Fähen auf ihn zu und setzten schließlich die ersten Schritte zwischen die grauen Stämme. Unwillkürlich wurde Tyraleen kälter, auch wenn es nur ein leichtes Frösteln war. Das Gezwitscher der Vögel und das vielfältige Summen der Insekten waren verstummt und selbst ihre Schritte drangen nur noch gedämpft zu ihr hinauf. Es fühlte sich ein wenig an, als würde sie schweben und plötzlich erinnerte sie sich an den Tag, als sie erfahren hatte, dass Banshee vier Totgeburten erlitten hatte. Zunächst hatten sie und ihre Geschwister Akru angeschrieen und ihn beschimpft, doch dann war Tyraleen davongerannt und durch den Winterwald gewandert. Vor einem Jahr war das gewesen und jetzt fühlte sie sich fast wie damals. Schwebend, unwirklich, wie in einer anderen Welt. Etwas Erhabenes lag in der Luft, ohne dass die Weiße es fassen konnte. Baum um Baum folgte, jeder war starr und grau und doch sahen sie nicht alle gleich aus … so wie kein Baum in einem echten Wald einem anderen glich. Die Luft schmeckte nach der Klarheit der Berge.
Erst nachdem Tyraleen all diese Eindrücke verarbeitet und sich an ihre Umgebung gewöhnt hatte, wandte sie den Kopf wieder zu Sheena. Sie vermochte in dem Gesicht der Weißen keine Emotionen über diesen Wald zu lesen, vielleicht fühlte er sich für sie auch ganz anders an. Die Frage, die schon zuvor auf der Zunge der jungen Mutter gebrannt hatte, wollte nun hinaus und sie hoffte, ihr Gegenüber nicht zu stören.
“Sheena? Ich wollte dich schon lange etwas fragen …“
Sie zögerte kurz, ihre Ohren drehten sich zurück und wieder nach vorne, unsicher, welche Stellung sie einnehmen sollten. Eigentlich war nichts weiter dabei, jemanden nach seinen Eltern zu fragen, doch Tyraleens Instinkt sagte ihr, dass es kein einfaches Thema war und dass in der Vergangenheit viele Tränen deswegen vergossen worden waren.
“Was ist mit deinen Eltern und deinen Geschwistern geschehen? Wer waren sie? Ich weiß, dass du im Tal der Sternenwinde geboren bist, aber weder von Banshee noch von jemandem, mit dem ich verwandt bin. Was ist passiert?“
Das Verwunderlichste für Tyraleen war die Tatsache, dass Sheena hier war und sonst keines ihrer Geschwister. Vielleicht waren ihre Eltern fortgewandert – das musste früh gewesen sein, denn Sheena war nur ein Jahr älter als Tyraleen – und hatten ihre Geschwister mitgenommen, aber warum die Weiße nicht? Vielleicht waren sie auch gestorben, aber wie hatte Sheena überlebt? Und wie hatte sie das ertragen?
[ Steinwald | Sheena ]
01.03.2010, 15:16
Das war eine anstrengende Zeit gewesen. Die letzten drei Tage hatte sich Minyala gefühlt, als würde sie einem Welpen beim Krabbeln helfen müssen und zwischendrin musste sie dann einen Werwolf davon abhalten, sich unkontrolliert zu verwandeln. Minyala war durchaus der Meinung, ziemlich schlau zu sein und es schlicht gesagt einfach drauf zu haben, aber das hatte sie dann doch ein klein wenig überfordert. Zum Beispiel hatte Caleb einfach nicht fressen wollen. Sie hatte sich einer halbe Stunde an ihm herumgeredet, bis er endlich die doofe Maus schluckte, nur um danach auszusehen, als wäre ihm schlecht. Von einer Maus. Zwischendrin hatte sich die Fähe aber immer wieder in Calebs Situation erinnert und sich selbst klar gemacht, dass der Werwolf ein armer Tropf war und sie gefälligst nachsichtiger mit ihm umzugehen hatte. Immerhin fraßen Menschen Fleisch nur gedingst – also … nicht roh, sondern irgendwie anders – und Caleb musste sich nun mal zunächst daran gewöhnen. So wie an alles andere auch, zum Beispiel die Sache mit der Unterwerfung. Sie hatte an ihm ewig herumgezibbelt, bis er endlich die richtige Haltung eingenommen hatte. Ohren zurückgelegt, Blick auf den Boden, ducken und die Rute zwischen die Beine klemmen. Das war nun wirklich kein Kunststück, aber Caleb schien seinen Körper immer noch nicht so richtig kontrollieren zu können, sodass plötzlich wieder irgendetwas seltsam aussah. Dann hatte sie ihm verschiedene Haltungen vorgemacht, also Aggression, Aufforderung zum Spiel, Angst, Drohungen und so weiter. Minyala nahm an, dass er die Hälfte schon wieder vergessen hatte, also würde sie zunächst immer an seiner Seite sein müssen, bevor ihn jemand verscheuchen wollte und er sah es als Spielaufforderung. Das könnte ganz gehörig daneben gehen, also hatte sie sich mit ihrer Rolle als Aufpasserin abgefunden. Was die Verwandlungsübungen betrafen, kamen sie ihrer Meinung nach ganz gut voran, Caleb konnte seine Gefühle schon besser kontrollieren. Das Verwandeln klappte sehr gut – offensichtlich waren genug aufwühlende Erinnerungen in Calebs Kopf – nur das Nichtverwandeln war noch ein wenig schwierig. Man konnte auch schlecht üben, ganz ruhig zu bleiben, wenn es nicht so viel gab, was einen beunruhigte. Außer die grundsätzliche, schreckliche Natur natürlich, aber mit der kam er immerhin auch schon viel besser zu Recht. Das Fazit der letzten Tage war also, dass Caleb viel dazu gelernt hatte und sie nun reif waren für ihre erste Begegnung mit einem Rudel. Minyala hatte auch bereits eines aufgespürt und war sich nun sicher, sehr bald über deren Reviergrenze zu stolpern. Leider wusste sie nicht, ob diese Wölfe schon einmal etwas von Werwölfen gehört hatten, möglicherweise müssten sie nach einem kurzen Stopp gleich wieder weiterwandern. Das könnte sogar ewig so gehen, aber momentan war Minyala noch guter Dinge, ein wenig Glück zu haben. Werwölfe waren sicher nicht sooo selten. Hoffentlich.
“Weil sie Werwölfe kennen und wissen, dass die ein wenig seltsam sind. Außerdem werden wir ihnen deine Geschichte genau erzählen und dafür sehr viel Verständnis und Mitleid ernten. Der Leitwolf wird und daraufhin in seinen Reihen willkommen heißen und wir werden mit Hilfe nur so überschüttet. Wir sind ja auch arme, unerfahrene Jungwölfe.“
Soweit die Theorie, die richtig gut klang. Hoffentlich steckte wenigstens ein Fünkchen Wahrheit darin. Plan B lautete die Läufe in die Pfote zu nehmen und so schnell es ging Reißaus zu nehmen. Das funktionierte eigentlich fast immer, es sei denn, Caleb würde in diesem Moment auf die blöde Idee kommen, sich zu verwandeln. Aber es war nicht Minyas Art vom schlimmsten Fall auszugehen, also hielt sie sich selbst beruhigend an Plan A fest. Wie gerufen kam da auch schon die unsichtbare Grenze, die das Rudel gesetzt hatte. Interessiert schnupperte Minyala an einem Grasbüschel, versuchte die Größe des Rudels herauszuschnuppern. Viel gab es da aber nicht, die Markierung war zwar frisch, aber irgendwie fahrig gesetzt. Etwas war anders, als bei anderen Rudeln.
“Mh.“, macht sie. “Eigenartig. Das hier ist die Reviergrenze, aber irgendwie … seltsam. Egal.“
Ihr war bewusst, dass Caleb nicht sonderlich viel mit ihren Worten anfangen konnte, aber sie hatte jetzt keine Zeit für lange Erklärungen. Kurz entschlossen streckte sie die Schnauze in den Himmel und stieß einige kurze Heuler aus, kündigte sich dem fremden Rudel an. Wieder verstummt betrachtete sie kurz Caleb, verzog den Mund und deutete in den Wald hinein.
“Wir warten nun auf Antwort. Oder auf das Auftauchen eines Wolfes. Ab da überlässt du mir das Reden, ja? Lächle nett, nicke manchmal überzeugend und hör einfach zu.“
Auf in den Kampf. Minyala hatte ein flaues Gefühl im Magen.
[ am westlichen Fluss // Caleb ]
01.03.2010, 19:37
Auch Lyerras Brustkorb hob und senkte sich, doch das störte sie nicht im Geringsten. Es war einfach unwichtig. Etwas nebensächliches, etwas, was niemanden stört. Als Shariku an ihr vorbei lief und vor ihr hersprang, konnte Lyerra Sharikus Frage ganz deutlich in ihren Augen leuchten sehen. Ob sie in den Wald gehen würden. Jetzt. Natürlich. Lyerra hüpfte hinter Shariku her.
Hüpf, hüpf, hüpf. Noch ein paar Sprünge, und schon spürte sie die ersten, vereinzelten Blätter unter ihren Pfoten. Es war aufregend und beruhigend zugleich. Lyerra konnte ihre Gefühle nicht beschreiben. Es war so berauschen. Wie lange war es her, dass sie in einem Laubwals war? Monde? Lyerra konnte es nicht genau sagen. Dann, urplötzlich kam ihr ein Gedanke. Könnte es sein, dass es Schicksal war? Zwei Fähen trafen sich am Nichts, verstehen sich blendet und freuen sich über gleiche Sachen. Lyerra wusste ja nicht, wie es Shariku ging, doch sie fühlte sich zu der schwarzen Fähe hingezogen. So, als wenn ein Magnet in ihrer Brust wäre, der unaufhörlich zu Shariku wollte. Sie wollte nicht mehr ohne Shariku sein. Nicht jetzt, nicht bald, und auch nicht irgendwann anders. Lyerra konnte ja nicht beurteilen wie es in einigen Monden aussah, doch jetzt war es so.
Sie blickte Shariku mit einem Sehnsuchtsvollen Blick an. Sie versuchte all ihre Gefühle in diesen Blick zu legen.
„Shariku…“ fing sie schüchtern an. „Shariku, ich würde so gerne noch mal jemanden treffen, der bei uns bleibt. Ich finde es wunderschön mit dir, aber meinst du nicht, es würde noch mal alles aufregender machen?“
Lyerra war nur vorsichtig mit dieser Frage herausgerückt, da sie Angst hatte, dass Shariku denken könnte, dass sie sie nicht mehr mag.
Lyerra tapste weiter, ging schneller, setzte eine Pfote vor die andere. Immer schön langsam.
Sie versuchte all die Gerüche in sich aufzunehemen, alle Farben in ihrem Hirn zu speichern,
Einfach nichts mehr zu vergessen. Sie versuchte jedes Blatt unter ihren Pfoten zu fühlen, und jeden Lufthauch um sie herum wahrzunehmen.
[Rand des Mischwaldes - Shariku]
02.03.2010, 00:44
Es war, wie über eine Schwelle in eine andere Welt zu treten, hatten die Vögel vorher noch lustig gezwitschert, so war hier nichts mehr davon zu hören. Der Steinwald schien alle Geräusche zu verschlucken, doch irgendetwas vermochte sie doch zu hören. Sie spitzte ihre Ohren, konzentrierte sich auf das leise Geräusch, was sie wie aus weiter Ferne vernahm. Es dauerte einige Zeit, bis sie begriff, dass das Geräusch dem Rauschen des Windes in einem normalen Wald ähnelte. Aber hier konnte sich doch rein gar nichts bewegen, die Steinbäume bewegten sich keinen Zentimeter, wie sollten sie auch. Vielleicht spielte das Säuseln des Windes ihren Ohren auch nur einen Streich, aber dafür klang es viel zu echt.
Sie runzelte leicht die Stirn und betrachtete die Bäume genauer. Es war ein absolutes Wunder der Natur, so lebensechte Bäume- nur aus Stein. Warum also sollte es nicht auch möglich sein, dass sich ähnliche Geräusche wie bei lebenden Bäumen entwickelten. Zu einem anderen Zeitpunkt würde sie erneut hierher kommen und versuchen das Mysterium des Rauschen du ergründen.
Doch zuerst musste ihr wieder warm werden, sie fror zwar nicht direkt, aber von der angenehmen Wärme der Sonne war hier nichts mehr zu spüren. Eine Kühle hatte sich über die beiden Fähen gesenkt und es hätte sie nicht gewundert, wenn nur hier in diesem Wäldchen Schnee gefallen wäre.
Sie schielte zu Tyraleen, diese schien noch gefesselter von dem Wald zu sein, als sie selbst. Aber sie hatte ihn schließlich auch erschaffen. Wieder blickte Sheena sich fasziniert um. Ob Tyraleen das Gleiche dachte, wie sie selbst?
Die Gedanken an die verstorbenen Wölfe kreisten noch immer in ihrem Kopf herum und fast erwartete sie hinter jedem Baum einen ihr bekannten Wolf zu entdecken. Doch überraschenderweise ängstigte sie der Gedanke nicht so sehr, wie sie es angenommen hatte. Vielleicht war es die Ausstrahlung von Tyraleen, durch welche sie sich sicherer fühlte, als wenn sie alleine hier umherspazieren würde. Vielleicht war es aber auch nur ein weiteres Zeichen Engayas, dass sie mit dem Verlust ihrer Eltern endgültig abgeschlossen hatte. Doch eigentlich war sie sich sicher, dass sie niemals in ihrem Leben komplett damit abschließen können würde. Doch es ging voran.
Vor ihrem inneren Auge erschienen ihr ihre Familie, der stolze Vater, die sanfte Mutter und die beiden Geschwister. Bei dem Gedanken an die vier musste sie sanft lächeln und eine Liebe, gleichzeitig aber auch Wehmut, überschwemmten sie und ließen ihre Augen feucht glänzen.
Fast wie in Trance wandelte sie nun neben Tyraleen durch den Wald. Alles um sie herum wahrnehmend, aber in Gedanken weit in der Vergangenheit. Hätte Tyraleen nicht plötzlich ihre Stimme erhoben, hätte Sheena noch lange so weiterlaufen können.
Doch es störte die Fähe nicht, dass sie angesprochen und somit aus ihrer Gedankenwelt gerissen wurde.
Schon als Tyraleen ihren Namen aussprach wusste Sheena, was die unwesentlich jüngere Fähe von ihr wissen wollte. Trotzdem unterbrach sie die Weiße nicht, sondern hörte ihr stumm zu. Ihre Ohren zuckten leicht, als Tyraleen abbrach und einen Moment später zögernd fortfuhr. Nun war das eine Jahr also doch entscheidender, sie hatte ihre Familie gar nicht kennen gelernt, hatte gar nicht die Möglichkeit dazu gehabt, denn sie war noch nicht auf der Welt gewesen, als die drei übrig gebliebenen Familienmitglieder das Rudel verlassen hatten.
Obwohl die Frage einen Stich in Sheenas Herz hinterließ, war sie gleichzeitig froh, dass Tyraleen sie gestellt hatte. Hatte sie jemals wirklich mit jemandem über ihren Verlust gesprochen? Banshee hatte gewusst, was passiert war, hatte ihr aber alles erst spät und knapp erzählt. Hatte sie jemals jemandem von ihrem Leben außerhalb des Rudels erzählt? Nicht, dass sie das Tal oder das Rudel wirklich verlassen hatte, aber so zurückgezogen wie sie gelebt hatte, die Verwandlungen die sie durchgemacht hatte, hatte sie darüber jemals zu jemandem gesprochen?
Sie konnte sich nicht daran erinnern, ihre früheren Vertrauten hatten alle nur das Nötigste gewusst und anscheinend hatte Banshee auch zu niemandem darüber gesprochen.
Sie war also die Einzige, die die für sie grausame Geschichte noch kannte und nun würde gleich eine weitere Fähe darüber bescheid wissen. Es war irgendwo tief in ihr drin ein gutes Gefühl.
Trotzdem musste sie einmal tief Luft holen. Selbst die Luft schien hier drin kälter zu sein. Dann entwich ihrer Kehle ein leises seufzen und nochmals einige Zeit später erhob sie ihre, mittlerweile wieder eingespielte und melodische, Stimme.
„Das ist eine lange, traurige und schwierige Geschichte.“ Sie runzelte leicht die Lefzen und schnippte ein wenig hektisch mit den Ohren. „Doch ich möchte sie dir erzählen, wie ich sie noch nie jemandem erzählt habe“
Wieder schwieg sie einige Augenblicke. Ihr Blick wanderte dabei kurz gen Himmel, sie spürte die Kraft Engayas und wusste plötzlich mit starker Gewissheit, dass ihre Familie dort oben ebenso auf sie herabblickte, wie Banshee es tat. Nur von ihrem einen Bruder vermutete sie, dass er noch am leben war.
„Ich bin, wie du weißt, ein Jahr vor dir mit zwei Geschwistern, Brüder, in diesem Tal- oder im Alten- auf die Welt gekommen. Meine Vater, Hidoi, war ein sehr willensstarker und kräftiger Wolf. Er war recht hoch angesehen und das Rudel gut verteidigt. Meine Mutter, Hanako, war das genaue Gegenteil von ihm. Eine ruhige und sehr liebevolle Fähe, eine gute Freundin deiner Mutter…“ Lächelnd dachte sie die wenigen Erinnerungen zurück.
„Ich führte ein glückliches Leben in den ersten Monaten. Meine Brüder, Katsu Kyoto und Hikaji, und ich verstanden uns super. Wir spielten immer gemeinsam und scheuten auch nicht davor unseren Eltern Streiche zu spielen. Sie haben uns sehr geliebt.
Doch dann verschwand Katsu ganz plötzlich. Viele Tage wurde er verzweifelt gesucht, bis er irgendwann tot im Wald aufgefunden wurde. Er hatte sich anscheinend an einer Wurzel verschluckt.“
Bei dieser Erinnerung musste sie sich leicht schütteln und eine große Trauer überfiel sie. Einen Moment lang fühlte sie sich wie damals, der kleine Welpe, der nicht begreifen konnte, dass der Bruder nie wiederkehren würde.
„Meine Eltern, sowie wir beiden kleinen Welpen waren sehr verstört und traurig. Kurz nach diesem Unfall beschlossen meine Eltern das Rudel zu verlassen. Ich streunte gerade alleine im Wald herum, ich wusste nichts von ihrem Vorhaben, als ich auf den Rudelplatz zurückkehrte, wurde mir nur mitgeteilt, dass sie zu dritt das Rudel verlassen hatten.“
Sie seufzte wieder schwer. Dieser Tag erschien ihr klar vor Augen. Wie sie alleine auf dem Rudelplatz stand. Noch in Trauer um ihren verstorbenen Bruder und mit dem Wissen, dass ihre Eltern sie zurückgelassen hatten.
In ihr drin tobte ein Kampf, wie ein Unwetter, was plötzlich aufgezogen war. Sie fühlte sich sehr unwohl, wusste aber, dass es ein weiterer Schritt zur Verarbeitung von den erlebten Geschehnissen war.
„Niemand konnte mir erklären, warum sie mich zurückgelassen hatte. Für mich als kleinen Welpen gab es nur eine Erklärung: Sie hatten mich nie geliebt. Dann bin ich geflüchtet, ich weiß bis heute nicht, wie ich mich alleine ernähren konnte, wahrscheinlich bin ich deshalb auch eine so magere Fähe. Ich konnte mir nur mit viel Glück kleine Mäuse erjagen, doch ich schaffte es nicht zurück zum Rudel zu gehen. Und es kam auch selten jemand zu mir. Wobei ich dabei nicht unschuldig war. Ich war verängstigt, traurig und entwickelte eine unglaubliche Wut auf alles und jeden.
Erst als ich einige Zeit später auf die Fähe Neyla und ihren Gefährten Zack stieß, war ich bereit wieder zurück zu kehren. Die beiden nahmen mich als Adoptivwelpen auf und kümmerten sich rührend um mich. Ich verwandelte mich ansatzweise in einen normalen Wolf, immer noch in dem Glauben, dass meine Eltern mich verstoßen haben.
Doch dann geschah ein weiteres Unglück, Neyla kam bei der Flucht in die Berge um. Eine Schneelawine erwischte sie. Natürlich war Zack bestimmt noch trauriger als ich, aber er hätte mich trotzdem nicht alleine lassen dürfen. Diesen erneuten Verlust einer Mutter konnte ich nicht verkraften und weil er nicht mit mir darüber sprach, flüchtete ich mich in meine eigene Welt. Ich entwickelte wie eine zweite Seite in mir, die alles ablehnte, was ihr nicht geheuer erschien. Ich kam mir vor wie ein Monster und hatte mich nur selten unter Kontrolle.
Dann lernte ich langsam einen Rüden kennen, du müsstest ihn auch kennen, Ilias. Doch er kam mit meiner wechselhaften Aggressivität nicht klar und so trennten sich unsere Wege wieder recht schnell.
Zack taute ein wenig auf, als er auf Urion, den verfluchten Wolf, traf. Die beiden kümmerten sich um mich und so begann mein beschwerlicher Weg in Richtung eines normalen Lebens.
Den Rest müsstest du kennen…“
Sie verstummte mit etwas heiserer Stimme. So viel und lange hatte sie zuletzt vor Jahren gesprochen. Und da waren es gewiss noch Schimpftiraden gewesen. Wie kurz sich ein verkorkstes Leben erzählen ließ.
Etwas niedergeschlagen und verunsichert ließ Sheena die Ohren leicht zur Seite hängen.
„Erst spät hatte Banshee mir erzählt, dass meine Eltern mich durchaus geliebt haben und mich eigentlich mitnehmen wollten, aber Banshee hatte gewusst, dass ich Priesterin werden würde und meine Eltern davon überzeugt, sich um mich zu kümmern. Was sie, ebenfalls zu ihrem Bedauern, nie wirklich getan hatte.“
Sie erinnerte sich an das Gespräch mit Banshee zurück. Sie selbst war wütend gewesen, Banshee betroffen. Wie hätte sich ihr Leben entwickelt, wenn sie sich von ihren Eltern hätte verabschieden können? Wenn sie von vorneherein gewusst hätte, warum sie hier bleiben musste, wenn sie von Anfang an einen Wolf gehabt hätte, der sich um sie gekümmert hätte.
„Mittlerweile bin ich mir sicher, dass Banshee dort oben meine Eltern und meinen Bruder getroffen haben. Nur Hikaji wird wohl noch durch irgendwelche Weiten des Landes ziehen.“
Nun war alles gesagt. Vorsichtig schielte sie zu Tyraleen hinüber. Mittlerweile waren sie beide stehen geblieben, die Bäume ragten still über ihnen hinauf in den Himmel und ließen das Bild der beiden Fähen unrealistisch wirken.
Nun hatte sie Tyraleen also ihr Leben geschildert. Hatte sie etwas Wichtiges ausgelassen oder sich unklar ausgedrückt? Doch sie war sich sicher, dass Tyraleen nachfragen würde. Langsam aber sicher spürte sie, wie gut ihr das Reden tat. Die Trauer in ihr war zwar gewaltig, alles hatte sich aufgewühlt und würde erneut einige Zeit brauchen um sich wieder zu beruhigen, aber ein großer Schritt nach vorne war getan.
[Tyraleen. Steinwald.]
02.03.2010, 13:06
Die Situation wurde ein wenig seltsam. Ahkuna nahm Shanis Tadel sehr ernst, ebenso wie sie auf Enmakus pikierte Antwort mit großer Unsicherheit reagierte. Dabei war es nun auch kein Weltuntergang, besonders nicht für einen Jungwolf, einen Namen als seltsam zu bezeichnen. Es war nicht einmal eine Beleidigung, seltsam konnte man immerhin auch als seltsam schön verstehen. Davon schienen aber sowohl Ahkuna als auch Enmaku fern zu sein und schon begann Shanis Tochter sich zu entschuldigen. Was an sich ja nicht unangebracht war aber die fröhliche Stimmung verschwand damit genauso abrupt wie Ahkuna sie zuvor gebracht hatte. Das stimmte Shani ein wenig traurig, gleichzeitig machte sie sich bewusst, dass ausgelassene Freude mit all ihren Nebenwirkungen einfach nicht zu der Begrüßung einer Fremden im Revier passte. Auch wenn Shani sie noch so gerne hatte.
Die Weiße meldete sich erst wieder zu Wort, als Ahkuna ihr nun direkt eine Frage stellte, die Shani zunächst ein wenig verwirrte. Dann machte sie sich klar, dass ihre Tochter die Rudelstrukturen noch kaum richtig verstehen konnte und somit sicher auch nicht wusste, dass momentan die ehesten Anführer Tyraleen oder Aszrem waren. Hatte sie sich so sehr von ihren Kindern entfernt, dass sie nicht einmal die Welt aus deren Augen mehr sehen konnte? Sie versuchte den sich ansammelnden Frosch im Hals hinunter zu schlucken, was ihr nicht ganz gelang.
“Wir haben keine Leitwölfe, also bringe ich Enmaku zu den Wölfen, die sich am ehesten dazu eignen. Zumindest aus meiner Sicht und ihrem Verhalten nach zu schließen.“ Sie erinnerte sich an Aszrems Führung auf der Flucht und später an Tyraleens Rede und ihre ersten Schritte ins Nichts hinein. “Der Himmelsfelsen und der Wasserfall sind nördlich von uns, am Rande des Gebirges. Beide sind wunderschön, sie werden dir sicher gefallen.“
Ein erstes Lächeln schlich sich wieder auf Shanis Lefzen, das jedoch ein wenig verrutschte, als Enmaku einiges erklärte. Es klang nicht sonderlich schön. Und rief ein wenig Verständnis in Shani hervor, vielleicht sollten sie all das einfach dabei belassen und sich anderen Themen zuwenden? Doch Ahkuna schien noch immer höchst verunsichert und suchte nun Schutz bei ihrer Mutter. Ihr Blick zerrte an Shanis Herz und plötzlich hatte sie das Gefühl, wieder ihre kleine Ahkuna in der Höhle in den Bergen vor sich zu haben, die so dringend Schutz vor der großen, grausamen Welt brauchte. Langsam begann die Weiße mit der Zunge über Ahkunas Pelz zu fahren, versuchte ihre Tochter zu beruhigen und drückte ihren Körper an den noch kleineren ihres weißen Lieblings.
“Es ist doch alles in Ordnung, meine Kleine. Schau, Enmaku hat erklärt, dass sie nicht darüber sprechen möchte und wir nehmen das so hin. Du hast dich entschuldigt und die Situation ist wieder in Ordnung. Keiner ist dem anderen böse und wir vergessen diesen kleinen Zwischenfall. Ich möchte dich viel lieber wieder lächeln sehen. Außerdem werden wir bald den Himmelsfelsen und den Wasserfall erreichen, da solltest du alles Unglück vergessen haben, denn sie sind wunderschön.“
Zärtlich knabberte sie ihre Tochter am Ohr und sah dann über Ahkunas Kopf hinweg lächelnd zu Enmaku. Die Weiße musste sich auch ein wenig fehl am Platze vorkommen, zuerst mit unangenehmen Fragen bombardiert und dann bei einer unglücklichen Jungwölfin und ihrer Mutter, die versuchte sie zu trösten.
“Enmaku, vergessen wir das alles. Wir verstehen deine Erklärung und wollen ganz sicher nichts erfahren, was uns nichts angeht. Lasst uns weitergehen.“
Die Aufforderung gerade ausgesprochen, tauchte ein brauner Wolf auf. Vor lauter Reden und Trösten hatte Shani gar nicht den Geruch Katsumis bemerkt, der schon seit einer Weile zu ihr herüberwehte. Jetzt war er schon da und trat auf sie zu. Einige Sekunden hielt er den Blickkontakt, sah schrecklich traurig aus und irgendwo verloren in seinen Gedanken, dann drehte er sich einfach wieder um. Verwirrt hielt Shani einige Sekunden lang inne, dann löste sie sich von ihrer Tochter und trat einige Schritte in Richtung Katsumi, blieb aber dennoch bei Enmaku und Ahkuna.
“Katsumi! Möchtest du nicht …?“
Nun selbst unsicher sah sie dem braunen Rüden nach und hoffte, dass er sich noch umdrehen würde. Sie hatte seinen Blick gesehen und wollte ihn eigentlich nicht in die seltsame Situation, die zwischen Enmaku, Ahkuna und ihr herrschte hineinziehen. Gleichzeitig wollte sie ihn nicht alleine lassen, ebenso wenig konnte sie nun Ahkuna mit Enmaku stehen lassen. Sich selbst am liebsten durchteilen wollend stand sie mit leicht zurückgedrehten Ohren da.
[ Mischwald | Enmaku und Ahkuna - Katsumi ]
02.03.2010, 17:32
Caylee erreichte ihn und umkreiste den Baum, dicht gefolgt von Nerúi, die nach der Rute der Weißen jagte und sie auch erwischte. Aszrem sah ihnen bei dieser Herumtollerei zu, dann kehrte sein Blick wieder zu den Muscheln zurück. Muscheln wuchsen eigentlich nicht an Bäumen, sie waren kleine Tiere die im Wasser lebten und nur im Wasser. Aber hier wuchsen auf keine Lebewesen an den Zweigen, sondern lediglich die funkelnden Schalen. Er erinnerte sich daran, dass Nerúi damals, als Kylia ihr ihr Muschelgeschenk übergeben hatte, der festen Überzeugung gewesen war, dass es Muschelbäume geben müsste. Und dass sich der Baum, in dem sie ihr Geschenk versteckt hatte, mal in einen Muschelbaum verwandeln würde.
Aszrem wusste, dass so etwas nicht möglich war - und trotzdem hatte Nerúi recht behalten. Hier war ihr Muschelbaum, und ja. Caylee hatte recht wenn sie sagte, es sei ein Geschenk.
Er ließ den Blick nocheinmal senken um die beiden Welpen zu betrachten, wie sie fast andächtig zu den glänzenden Muschelschalen hinauf sahen, und Nerúi weinte sogar. Vermutlich, weil es sie so sehr an die Zeit erinnerte, da Kylia und Nyota noch bei ihnen gewesen waren. Aber sie lächelte, vielleicht weinte sie viel eher auf vor Glück. Und als sie zu ihm kam und leise sprach, wusste er auch, warum.
"Ja",
entgegnete er leise und leckte seiner Tochter die Tränen von den Wangen, bevor er sich an Caylee wandte.
"Ich denke auch, dass dein Engayastein noch da ist. Wer weiß, vielleicht gibt es ja jetzt auch noch mehr davon."
Es würde ihn jedenfalls nicht mehr wundern, wenn das ganze Seeufer voll von funkelnden Engayasteinen wäre. Wo es einen Muschelbaum gab, war sowas fast eine Notwendigkeit.
Aszrem trat näher an den Baum heran und richtete sich auf die Hinterläufe auf, sich mit einer Vorderpfote dabei am Stamm abstützend. Mit den Schneidezähnen hangelte er nach einer tiefhängenden Muschel, fasste sie vorsichtig und ließ sich dann langsam nach unten gleiten. Der Zweig bog sich und schließlich riss die Muschel ab, es raschelte, als der Ast wieder hochschnellte und ein wenig hoch und runter schwankte. Aszrem legte die Muschel vor Nerúi ab und holte noch eine zweite.
"Die nehmen wir für deine Mutter und Kylia mit, als Dankeschön",
verkündete er und wollte schon gehen, als er sich doch nochmal dem Baum zuwandte, um eine dritte Muschel für Caylee herab zu fischen. Er musste hier schließlich zwei Welpen zufriedenstellen, und da Nerúi einen ganzen Muschelbaum zur Verfügung hatte und Caylee sehr mochte, würde sie wohl kaum etwas dagegen haben, wenn caylee auch eine bekam. Und wenn doch, würde er wohl ein ernstes Wörtchen über das Geben und Nehmen mit seiner Tochter reden müssen.
Nun endlich wandte er sich dann demonstrativ zum Gehen um. Alles in ihm drängte weiter an einen ganz bestimmten Ort...
[Muschelbaum | Caylee, Nerúi]
02.03.2010, 18:10
Hach, wie war doch dieser Kindswolf kompliziert! Solche Sturheit hatte der Schwärzling nur selten bei einem Erwachsenen gefunden, aber noch nie bei einem Welpen! Und trotzdem war Malakím froh. Froh darüber, dass nicht er so war, dass er fähig war sein Leben zu genießen und die schönen Dinge über die Schlechten zu stellen. Na, auch der kleine Rüde würde schon irgendwann erkennen, dass es viel schöner war Lebensfreude zuzulassen als nur die Sinnlosigkeit eines endlichen Lebens zu verfluchen.
"Du willst es gar nicht wissen, so so, aber mit trotzdem Löcher in den Bauch fragen!",
lachte er als Antwort. Den rest ließ er unkommentiert. Denn wie der Kleine schon richtig erkannt hatte: es war sinnlos darüber zu diskutieren. Er hätte jetzt jeden Satz des Welpen nehmen und ins Gegenteil verkehren können, wie er es auch schon zuvor getan hatte, und der kleine Schwärzling hätte noch immer kein Einsehen. So war das eben, wenn man keine andere Meinung als die eigene zulassen wollte. Und Malakím wusste, wie das war, jawohl!
Zu einer Entgegnung ließ er sich aber trotzdem hinreißen.
"Nein, nein, da hättest du nicht fragen müssen - die Geschichte hätte ich dir einfach so erzähl, wenn ich gewollt hätte. Oh, und sooo tragisch und schrecklich ist sie gar nicht",
korrigierte er Krolock, wobei fraglich war, ob der Kleine ihm überhaupt noch zuhörte. Denn schon stiefelte er davon in Richtung des Sees und dem anderen , hellen Welpen. Malakím blieb, wo er war, und sah einfach zu, was dort passierte. Spielerisch hob sich seine Rute und pochte mit einem dumpfen und raschelndem Laut in langsamen Takt auf das Gras. Am See schienen Krolock und der helle Welpen zu spielen. Ha, gab es also doch etwas was ihm Spass machte und ihm dadurch etwas Glück bescherte! Wer weiß, vielleicht würde Krolock ja sogar noch mehr Glück in seinem Unglücklichsein finden, eines Tages?
[Baum, in Sichtweite des Sees | allein]
03.03.2010, 17:51
Offensichtlich hatte Jumaana nicht erwartet hier jemanden anzutreffen, denn sie erschrack bei seinen Worten zumächst. Jakash runzelte die Stirn und wollte sich bei ihr dafür entschuldigen, dass er sie erschreckt hatte, aber die Worte blieben auf seiner Zunge liegen, ohne ausgesprochen zu werden. Denn nach wie vor schien die Weiße eher mit sich selbst beschäftigt zu sein als sich auf seine Gesellschaft einzulassen, ja gar mit sich zu ringen. Jakash legte erneut den Kopf schief, diesmal auf die andere Seite. Er glaubte ihr nicht. Wenn jemand nach seinem Befinden gefragt wurde und als Antwort kam ein 'Es ist nichts', konnte man von einer Lüge ausgehen. Keine bösartig gemeinte Lüge, eher die Kurzform von 'Das will ich dir nicht sagen - es geht dich nichts an' oder 'Ich will dir nicht meine Sorgen aufbürden, ich schaff das schon irgendwie'. Nun, Jakash würde sich nicht aufdrängen, wenn seine Hilfe nicht gewünscht wurde. Und da Jumaana darauf zu bestehen schien, gute Miene zum bö-.. zum nicht-so-guten Spiel zu machen, würde er einfach mitspielen, als sei tatsächlich 'nichts'.
"Mich erholen",
antwortete er also wahrheitsgemäß auf ihre Frage, bereitwillig das Thema wechselnd.
"Ich brauchte einfach ein wenig Ruhe und Zeit für mich, nach all dem was passiert ist."
Er lächelte leicht.
"Und was ist mit di-..."
Er kam nicht zum Ende, denn auch er hörte den jämmerlichen Klagelaut und wandte den Kopf um. Da lag, nicht zu übersehen, eine kleine Gestalt mitten in der Einöde, nur wenige Wolfslängen entfernt. Jakash setzte sich kaum einen Herzschlag nach Jumaana in Bewegung, und lauschte und schnüffelte, als er bei dem kleinen Wesen ankam.
"Sie lebt noch",
sagte er leise zu Jumaana, die nicht zögerte und sogleich die Welpin vorsichtig am Nacken fasste und sie in den Schatten der blühenden Seite des Baumes trug. Jakash folgte ihr und ließ sich ihr gegenüber nieder. Nun war es ihm, dem kleinen Wesen über das Gesicht zu lecken.
"Hey, kannst du mich hören?",
wiederholte er die Frage der Weißen.
"Bist du verletzt?"
Er hatte kein Blut an dem Welpen gerochen, aber vielleicht hatte sie ja auch keine so offensichtlichen Verletzungen. Mal abgesehen davon, dass die Kleine sicherlich völlig erschöpft war...
[Gespaltener Baum | Jumaana, Neytíri]
03.03.2010, 18:17
Shariku spürte den Wald atmen und leben. Sowie sie und Lyerra. Schwarz und Weiß. Grün und Blau. Groß und klein. Jung und Alt. Freude und Leid. Glück und Trauer.
Schatten und Licht. Treu und verlogen.
Ohne das eine, existierte das andere nicht. Ohne das eine konnte man das andere nicht empfinden.
Schon immer hatte die Schwarze eine Vorliebe für Kontraste gehabt. Sie bildeten die Spannung der Welt und die Entspannung zugleich. Mit ihnen spürte man die eine Seite, erkannte die andere und konnte sein handeln anpassen. Man erfuhr das Leben intensiver, Kontraste machten es spannender. Man sah den Wald nicht als alt und riesig an, wenn man nicht in der Steppe von nichts als Staub umgeben war.
Man spürte keine Erleichterung beim Anblick von Wasser wenn man nie durstig war.
Man kann nicht lieben, wenn man nie allein oder verletzt war.
(Ich rieche den Wald, spüre die Blätter unter den Pfoten. Der Wald scheint uns zu rufen, es zieht mich immer in seine Nähe. Ich freue mich auf das Dämmerlicht, auf die Stille und das Gefühl hier her zu gehören, ein Teil der Natur zu sein und diese zu geniessen! )
Lyerra ries sie aus ihren Gedanken. Sie schaute sie so intensiv an, das Shariku stehen blieb und erst mal schluckien musste.
Mit anderen zusammen?
Etwas verletzt schlichen sie Tränen in ihre Augen. War sie zu langweilig weil sie nicht sprechen konnte?
So sehr Shariku Lyerra auch mochte, sie konnte nicht anders reagieren. Sie war immer anders gewesen und hatte deswegen Minderwertigkeitskomplexe entwickelt.
Immer hatte sie das Gefühl nicht gut genug zu sein.
Sie hatte den Kopf leicht weg gedreht, damit Lyerra diese Reaktion nicht sehen konnte.
(Shariku du dumme Nuss! Wie kannst du sowas nur denken? Wenn Lyerra dich langweilig finden würde, wäre sie nicht hier!)
Mutfassend schaute sie auf. Lyerra würde ihren Blick verstehen. Sie hatte nichts dagegen und würde sich auch auf die anderen freuen.
Doch nun galt ihre Aufmerksamkeit wieder dem Wald. Er war wunderschön. LAngsam lief sie weiter.
[Lyerra | MIschwald]
03.03.2010, 19:28
Lyerra hatte Sharikus Träne gesehen, obwohl diese sich weggedreht hatte.
Sie hatte das verräterische glänzen in den Augen der schwarzen Wölfin gesehen. Hatte bemerkt, wie sich die Träne einen Weg über das schwarze Fell bahnte.
Lyerra konnte nicht anders, sie rannte zu Shariku und stupste sie zärtlich an der Nase an.
„Shariku…“ sagte sie total verzweifelt. „Shariku bitte. Ich… es tut mir leid, ich hätte mich vielleicht anders ausdrücken sollen. Es ist nur, dass … ach ich weiß doch auch nicht. Es tut mir so leid.“
Bei den letzten Worten hatte Lyerra ihre Freundin noch mal angestupst, und schaute ihr nun in die Augen. Diese wunderbaren, tiefblauen Augen. Ein leiser Schluchzer bahnte sich den Weg aus Lyerras Kehle hinaus aus ihrem Maul.
„Shariku…“
flüsterte sie. Sie hatte doch nicht gewollt das Shariku traurig wird. Sie hatte es sich doch ganz anders vorgestellt.
„Lass uns in den Wald gehen. Ich… ich möchte gerne. Einfach in den Wald.“
Lyerra ging vorwärts. Tief in Gedanken versunken, ging sie nun wieder Richtung Wald.
(Ich möchte Shariku nicht verlieren… Der Wald. So wunderschön.)
Ihre Gedanken sprangen umher wie kleine Tiere. Noch ein paar Schritte, und schon war sie im Wald. Nun ja, nicht richtig im Wald. Mehr am Rand. Dann, einfach so, überkam sie die Lust, zu springen. Sie sammelte all ihre Kraft, konzentrierte sich auf den Boden vor sich und machte sich zum Sprung bereit. Als sie wieder aufkam, ging sie noch ein paar Schritte schneller, fiel dann in einen langsamen Schritt, und blieb schließlich stehen. Sie schaute sich um. Mittlerweile, war sie doch schon tiefer im Wald. Es war schattig hier, ein wenig kühl. Doch sehr angenehm. Sie hörte das Rauschen der Bäume über sich, und hatte das Gefühl, nicht nur mit der Nase zu atmen. Mit den Augen saugte Lyerra die verschiedenen Farben und eindrücke förmlich auf, und mit den Pfoten versuchte sie alles zu erfühlen, was so auf dem Boden war. Sie wollte nicht nur die Luft riechen, sondern auch viele andere Sachen.
Erst setzte Lyerra sich hin, und dann, ohne darüber Nachzudenken, lag sie auf einmal auf dem Bauch. Sie legte die Schnauze auf den Boden, und Roch die Erde. Feucht und Kühl war sie.
Angenehm kitzelten die kleinen Staubkörnchen in der Nase.
(‚Komm Shariku’)
Dachte sie. Komm zu mir und spür den Wald.
[Im Mischwald.Shariku]
04.03.2010, 15:40
Der Schmerz war schlimmer als er jemals vorher war und niemand konnte ihn stoppen. Gequält starrte die schwarze Fähe ins Leere. Seit der Wiederkehr ihres Reviers hatte sie kein Wort mit irgendjemandem gewechselt. Sie sprach auch nicht mit sich selbst, hatte Angst davor, ihre eigene Stimme zu hören, die Stimme eines Monsters wie sie es war. Schließlich hatte sie Faith umgebracht und der Welpe musste wegen ihr Höllenqualen ausgestanden haben, ohne einen Mucks zu sagen. Sie hatte Sheenas Blick gesehen, als der Leichnam des Welpen vor der Schwarzen zurückblieb, eine Mischung aus Entsetzen und Mitleid. Das Entsetzen war größer gewesen und der Selbsthass hatte sich seitdem in das Herz von Banshees Tochter gebrannt. Sie hatte Faith den Tod gebracht und deshalb hatte sie nicht mehr gesprochen. Hatte sich stumm vom Rudel abgesondert und war doch nie allein gewesen. So fühlte Malicia sich jedenfalls. Ständig sah sie sich gehetzt um, als würde sie stetig verfolgt werden und hatte mehr Angst vor sich selbst und ihrem Schatten als vor irgendwas anderem. Sie hatte nicht gefressen, dabei war die Beute im neuen Tal nicht gerade knapp und niemandem auf die Fragen geantwortet, die ihr gestellt worden waren. Natürlich war sie fest ins Rudel integriert, als Banshees verlorene und zurückgekehrte Tochter, doch sie hatte nichts zu bieten. Sie war weder besonders hochgestellt noch besonders intelligent noch besonders hilfsbereit. Sie war sozusagen ein Nichts. Nur etwa ein Drittel des Rudels könnte ihren Namen und ihre Augenfarbe sagen und dieses Drittel war lediglich ihre Familie. Zu viele waren gegangen, die sie geliebt hatte. Doch bevor ihre Gedanken wieder bei Cumará gelandet waren, verjagte Malicia die bekannten Namen und Gesichter aus ihrem Kopf und erhob sich. Sie schritt immer wieder auf und ab, und beschloss letztendlich, die Reviergrenze zu überprüfen, ob sie Lücken aufwies und so weiter und so fort. Eine Arbeit, die Malicia als Jungwölfin bis auf den Tod verabscheut hatte, ihr aber nun sehr gelegen kam. Was sollte sie sonst machen außer sich Gedanken machen und sich selbst hassen? Da konnte sie genauso gut die Grenzen ablaufen und prüfen. Missmutig machte Malicia sich auf den Weg, natürlich nicht, ohne sich alle paar Minuten umzudrehen und einen riesigen Schreck zu bekommen, wenn sie ihren Schatten war. Sie wusste selbst, dass sie seit Banshees Tod irgendwie krank geworden war, verrückt, schizophren, wie man es nun nennen wollte. Sie fühlte sich verfolgt, von einem toten Geist, wer auch immer das war und war jedes Mal kurz davor, einen erschrockenen Schrei auszustoßen und damit andere zu alarmieren.
Die schwarze Wölfin war fast die gesamte nördliche Grenze abgelaufen, was recht schnell ging, da sie das Gebiet so gut wie ihre eigene Familie kannte, als sie ein hohes, fremdes Jaulen hörte. Mehrere kurze Heuler, die auf Fremde aufmerksam machten. So unwillig sie auch war, es war als Tochter der verstorbenen Leitwölfin und ältere Schwester der jetzigen Alpha ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Neulinge Eintritt erhielten, wenn sie friedlich wirkten und sie zu den Obersten zu bringen. Sie konnte sich nicht davor drücken, mit ihrer Geburt gab Banshee ihr diese Aufgabe mit vielen anderen in die Pfote und bat sie, sich darum mit Gewissen zu kümmern. Für ihre Mutter würde sie alles tun, das wusste selbst die Wölfin, doch an einem so schwarzen Tag wie heute lag ihr nichts ferner, als auf Fremde einen guten Eindruck zu machen, sie in ihrem Rudel willkommen heißen und und und. Sogesehen aber hatte Malicia niemals einen guten Tag, seit dem Tod ihrer Eltern war sie nicht mehr sie selbst.
Schon von Weitem erkannte sie die schlanke, hochgewachsene Fähe und den ungepflegten Jungwolf an ihrer Seite. Seufzend trat Malicia auf die beiden zu, übertrat die Grenze und verließ das Tal, um die Neuen zu begrüßen.
„Einen schönen guten Tag, Fremde“, sprach sie die Wölfin direkt an. Sie verhaspelte sich, stockte und wich vom eigentlichen Willkommenstext ab. „Ihr befindet euch am Rande des Tals der Sternenwinde. Du musst wissen, Fremde, das Rudel befindet sich in einem apathischen Zustand, da wir in letzter Zeit einige … unwillkommende und überraschende Ereignisse verkraften mussten. Nun, ich, Malicia – Tochter … ich meine, Schwester der Alphafähe – heiße euch herzlich Willkommen. Ihr dürft eintreten, ich werde euch sogleich den Leitwölfen vorstellen. Und … wer seid ihr?“
Es musste seltsam auf die Fremden wirken, dass eine so missmutig dreinblickende Wölfin mit einer warmen, herzlichen Stimme sprechen konnte. Nun, Malicia überraschte sich ja desöfteren selbst. Ein panischer Blick nach hinten, ihr Schatten war nicht zu sehen, da die Sonne hinter den Wolken verschwunden war, doch sie fühlte sich immer noch verfolgt. Also wieder den Neulingen zuwenden, ein freundliches Lächeln aufsetzen und auf ihre Antwort waren. Sie verletzte sich damit selbst, so zu tun als wäre sie anders, das wusste Malicia auch, doch … was sollte sie machen? Die Welt brauchte keine trauernden, selbsthassenden Wölfe wie sie.
[ Am westlichen Fluss || Cal & Minya ]
04.03.2010, 16:17
Tyraleen fühlte sich nach Sheenas Ankündigung seltsam befangen. Sie würde nun also die Lebensgeschichte der Weißen hören und hatte dabei die Ehre, der einzige – lebende? – Wolf zu sein, der sie kannte. Warum hatte Sheena sonst immer geschwiegen? Sie hatte doch vertraute Wölfe gehabt, zumindest meinte Tyraleen am Rande immer etwas in der Art mitbekommen zu haben. War es ein Zeichen der Freundschaft, dass Sheena ihr nun alles erzählen wollte? Ein Schritt der Weißen auf sie zu, ein Ausdruck der Hoffnung. Die junge Mutter beschloss, es als solches hinzunehmen und freute sich stumm darüber. Dann begann Sheena zu erzählen und Tyraleen ließ sich von ihr in die vergangenen Zeiten entführen. Ihr wurde von Hidoi, einem starken Rüden, den sie sich unwillkürlich wie Acollon vorstellte, erzählt und von Hanako, die Banshee zu ähneln schien. Diese beiden Wölfe hatten im Tal gelebt, bevor Tyraleen existierte und schienen ihr doch erstaunlich präsent, ein Teil der Geschichte. Auch die drei glücklichen Welpen sah sie vor sich, spielend und sorglos, so wie ihre eigenen Kinder. Doch Geschichten wurden erzählt, weil nicht immer alles glücklich verlief und auch in dieser musste das Glück ein Ende finden. Katsu Kyoto – ein seltsamer Name, wie Tyraleen fand – starb und musste damals eine große Lücke in Sheenas Herz hinterlassen haben. Tyraleen empfand tiefes Mitleid mit Sheena, ohne zu wissen, dass die Geschichte noch weit aus schlimmer weiter ging. So konnte sie nicht recht begreifen, warum Hidoi und Hanako mit Hikaji fort gingen – vielleicht hielten sie es in diesem Tal, in dem so viele Erinnerungen lagen, nicht mehr aus? Doch das wahrhaft Schlimme war ja, dass sie Sheena einfach zurückließen. Tyraleen hörte den Schmerz in der Stimme der Weißen und versuchte sich vorzustellen, wie ihr es ergangen wäre, hätte ihre Familie sie einfach zurück gelassen und wäre fortgegangen. Sie hätte es nicht ausgehalten, wäre verrückt geworden. Ähnlich schien es der Fähe auch ergangen zu sein, umso erleichterter war auch Tyraleen, als sie von Neyla und Zack erfuhr. Sie musste beide gekannt haben, konnte sich aber nur noch dumpf an den Rüden erinnern. Er war in Amáyas Fängen gestorben, das wusste sie noch, doch sein Wesen und seine Art hatte sie nie kennengelernt. Die Tode und das Verschwinden derer, die Sheena liebte, schienen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zu ziehen und Tyraleen wünschte sich plötzlich nichts mehr, als Sheena diese Trauer nehmen zu können. Was sie nicht vermochte. Unsicher blinzelte sie zu der Fähe an ihrer Seite, die nun verstummt war und schrecklich traurig aussah. Tröstend leckte Tyraleen ihr die Schnauze und sagte doch noch kein Wort, sich sicher, dass noch nicht alles erzählt war. Tatsächlich kam nach einer Pause die Auflösung, warum Sheena nicht mit ihrer Eltern hatte mitgehen dürfen und plötzlich hatte Tyraleen einen bitteren Geschmack auf der Zunge. Banshee, die versprach sich zu kümmern und es doch nicht tat. Dieses Versprechen hatte sie auch Tyraleen gegeben, als sie sie geboren hatte und hatte das doch selten bis nie getan. Die Gemeinsamkeit schien verschwindend gering – immerhin hatte Tyraleen trotzdem eine große Familie um sich herumgehabt, mit Geschwistern, einer Tante, ihrem Paten und später ihren Nichten und Neffen, und doch konnte sie die Einsamkeit Sheenas nachempfinden und die Enttäuschung, die sie beide von Banshee erfahren hatten. Wieder fuhr ihre Zunge über die Schnauze ihres Gegenübers.
“Es muss schlimm für dich gewesen sein. Danke, Sheena, jetzt kann ich mir dein Verhalten erklären und verstehe auch deine ehemalige Wut. Ich hatte mich immer gefragt … warum du so bist, wie du bist. Jetzt kann ich es endlich verstehen.“
Sie wollte noch mehr sagen, zögerte aber. Außer Averic wusste niemand von ihrer Enttäuschung über Banshee, die ihre Kindheit geprägt hatte. Heute mochte sie sie überwunden haben, damals hatte sie sie in die Knie gezwungen. Vertrauen … erinnerte sich die Weiße stumm.
“Weißt du … als ich klein war, habe ich mich oft ganz ähnlich gefühlt. Sicher erging es dir weit aus schlechter aber auch ich … war so schrecklich enttäuscht von Banshee. Sie war doch meine Mutter, sie musste sich doch um mich kümmern. Aber sie war so selten für mich da. Sie hat mich nie in den Schlaf gesungen und mich nie gefragt, was in meinem wirren Welpenkopf vorging. Ich habe mich oft so schrecklich einsam gefühlt und hätte ich nicht Face als Paten gehabt, wäre ich wohl so verzweifelt wie du. Banshee … hatte so viel Liebe übrig für räudige Fremde, die dauernd in unserem Revier auftauchten, doch für ihre Tochter schien nie genug dagewesen zu sein. Sie hat diese Welt und alles darin geliebt … aber mich nie genug. Ich habe lange gebraucht, um ihr das zu verzeihen und verstehen zu können.“
Sie schluckte, fühlte sich plötzlich zittrig und wurde sich bewusst, dass sie diese Gedanken das erste Mal aussprach. Das Leid in ihrer Kindheit war schwindend gering im Gegensatz zu dem Sheenas und doch klebte es an Tyraleen wie Sumpferde. Die Tochter des Lebens als Mutter zu haben, war weniger schön gewesen, als viele glauben könnten. Jetzt war Tyraleen froh, auch etwas von sich preisgegeben zu haben, das Zeichen weiterzugeben, Vertrauen zu knüpfen. Sheena und sie waren sich viel ähnlicher, als die Weiße noch vor wenigen Momenten gedacht hatte.
[ Steinwald | Sheena ]
04.03.2010, 16:38
Krolock lachte auf, als Cirádan quiekte und sich erschrocken auf die Seite warf, den Kopf ins Wasser. Es war kein amüsiertes Lachen, erzählte auch nicht von Spaß, klang nur gehässig und freundlos. Er lachte seinen Bruder einfach aus, für dessen welpisches Verhalten, auf eine bösartige Art und Weise.
“Wie alt bist du, Cirádan, dass du immer noch so tust, als könnte dich jeder Rabe töten?!?“
Kopfschüttelnd ließ er den Weißen stehen, tappte unwillig ein paar Schritte zu der Stelle zurück, an der er Malakím hatte liegen lassen. Sein Platz der Ruhe war nun belegt und er verspürte nicht den geringsten Drang, dorthin zurückzukehren. Dennoch wurmte es ihn, dass der ältere Rüde einfach aufgekreuzt war und ihn nur vertrieben hatte.
Zornig stapfte er zu Malakím, vor diesem stehen bleibend.
“Such dir deinen eigenen Platz, um herumzuliegen, ich war hier zuerst!“
Murrte er. Ihm war danach, mit irgendjemandem Streit anzufragen, nur leider waren beide Wölfe in seiner unmittelbaren Umgebung denkbar ungeeignet. Der eine hatte panische Angst, der andere würde sich wahrscheinlich gleich lachend auf den Rücken werfen und wieder davon sprechen, wie schön das Leben doch war.
Ein tiefer, grollender Laut drang aus seiner Kehle, seine Lefzen zuckten. Er spürte, wie sich die Muskeln in seinem Körper anspannten, bereit, loszuhechten. Er spürte auch, dass er Lust hatte, irgendjemanden anzufallen, dennoch verunsicherte ihn das Tun seines Körpers ein wenig. Er war nicht sicher, ob er all das steuerte.
[Zunächst bei Ciradan am See, dann bei Malakím]
04.03.2010, 21:51
Es war die gleiche Antwort, wie Minyala sie ihm schon dutzende Male gesagt hatte. Er konnte sie auswendig, und trotzdem wollte ein Teil von ihm es immer wieder neu von ihr hören, um es glauben zu können. Das war ein ziemlich großer Teil sogar. Und es half tatsächlich. Ein bisschen. Caleb seufzte lautlos und nickte artig. Ja, so würde es wohl kommen. Hoffentlich.
'Oh bitte', dachte er nur immer wieder, und war doch nicht sicher ob er nicht damit Gott geradezu herausforderte, ihm noch eine rein zu würgen. 'Oh bitte..'
Mit einem Stirnrunzeln sah er Minyala an, während sie inspizierte, was immer er da gefunden hatte. Die Reviergrenze also? Aber was war damit eigenartig? Und vor allem: war es schlecht, dass damit etwas eigenartig war?!
"Was ist, was ist komisch? Sollen wir lieber umkehren?"
'Ja, bitte!', meinte ein Teil - ja, der große Teil - von ihm sofort, aber er wusste, dass Minya das nicht so einfach zulassen würde. Soviel wusste er schon über sie zu sagen.
Das warten schien ewgi zu dauern. Weder erklang ein anderes Heulen als Antwort, noch tauchte jemand a- Wenn man vom Teufel sprach! Da kam eine große, schwarze und eindeutig wölfische Gestalt auf sie zu. Caleb wich einen Schritt zurück, als er das griesgrämige Gesicht des Wolfes sah. Ähm, der Wölfin. Schon wieder.
Umso überraschter war, als sie mit freundlicher Stimme zu Minyala sprach. Es war Caleb ganz recht, dass er ignoriert wurde. Was diese Malicia alerdings zu sagen hatte, weckte nicht gerade Hoffnungen in ihm. Caleb drängte sich an Minyala und flüsterte:
"Minya, die haben hier ganz andere Probleme, die brauchen nicht auch noch... du weißt schon... Wir sollten lieber wieder gehen!"
Seine Ohren hatten sich ganz von selbst an seinen Kopf angelegt, und auch seine Rute war versucht, ein Eigenleben zu entwickeln und gen Bauch zu wandern. Das hier könnte aber auch wirklich besser laufen!
[Reviergrenze am westlichen Fluss | Minyala und Malicia]
04.03.2010, 22:01
In Mochi Cake ging die Sonne auf. Je länger er Avendal betrachtete, desto stärker fühlte er sich von Wärmeströmen durchflutet, die an all dem Hass und der Wut, die sich in ihm aufgestaut hatten leckten. Es schwämmte diese Gefühlsklumpen nicht fort, nein, es versetzte dem dicken Rüden vielmehr einem Stich, dass es einen oder mehrere Wölfe gegeben hatte, die ein so über die Maßen niedliches Wesen, wie Avendal es war, weil sie aus irgendwelchen Gründen das Revier nicht verlassen wollten, beinahe einem sicheren Tod durch kollektiven Selbstmord ausgesetzt hatten. Der graue Rüde betrachtete die großen Ohren der kleinen Wölfin, die sich im leichten Wind zu bewegen schienen und machte ein paar Schwimm-Paddel-Bewegungen durch die großen blauen Augen. Am liebsten wäre Mochi der kleinen Fähe mit seiner breiten, nassen Zunge einmal über das kleine Gesicht gefahren, mitten zwischen den großen Ohren hindurch. Und überhaupt: diese niedlichen Pfoten. Mochi hätte sie gerne berührt. Sie wirkten so klein und so leicht zu zerquetschen, doch hatte der fettleibige Rüde die Belastbarkeit und Flexibilität der Sehnen wahrgenommen, als Avendal aufgestanden und sich dann wieder gesetzt hatte. Plötzlich merkte der graue Rüde, dass seine übermäßig lange Rute vor Aufregung steil in die Luft stand. Behutsam ließ er sie sinken.
Umso störte Mochi es, dass dieser andere Welpe auf den Plan getreten war, die kleine Avendal, Personifikation jeglicher Niedlichkeit völlig unbeachtet ließ und ihn einfach mal völlig spontan fragte, woher der Schmerz käme. Dass sich der Welpe offenbar einen für ihn passenden Spitznamen ausgedacht hatte, störte Mochi nicht, er tat dies schließlich auch. Mit verkniffenem Blick musterte er den fremden Welpen, einmal, zweimal. Er wurde nervös. Irgendetwas an diesem Welpen war einfach komplett falsch und gehörte nicht hierher. Mochi hatte immer ein gewisses Gespür dafür gehabt, wie Dinge funktionierten und ob etwas falsch war. Der fremde Welpe war eine Dissonanz, die sich Mochi nicht erklären konnte und das ärgerte und verängstigte ihn gleichzeitig. Am liebsten hätte er den Kleinen fortgejagt, aber - er bedachte Avendal mit einem raschen Blick - vielleicht würde dies die Kleine verängstigen. Und dies war das Letzte, was der Rüde wollte. An der Kleinen schien einfach alles zu stimmen, duftete sogar ein wenig nach dem, was die Menschen Kuchen nannten - nein, sie sollte nicht Angst vor ihm haben. Also lächelte Mochi, obwohl es ihm fast den Magen umdrehte.
"Also, ich bin Mochi Cake. - Verzeih."
Er warf Avendal einen kurzen Blick zu, dann wandte er sich halb zu dem anderen Welpen um.
"Du - Welpe mit womöglich somatischer Störung. Wo kommt der Schmerz her, willst du wissen? Ja, wer will das nicht, oder? Wenn dich etwas schmerzt, versucht dir dein Körper etwas mitzuteilen, das weißt du hoffentlich, Passions-Welpe. Also, was versucht dein Körper dir zu sagen? Dass etwas nicht stimmt, nicht wahr? Und wenn es mal einen Zustand gab, in dem dir nichts wehgetan hat, könntest du versuchen, dorthin zurückzugehen und diese Diskrepanz zu befragen. Was hat sich geändert?"
Und fügte mit Häme hinzu:
"Von nichts kommt nichts - das stimmt neuerdings auch nicht mehr, oder? Dieses Nichts..."
Mochi schüttelte den Kopf. Ob die beiden es wussten? Warum das Rudel nicht gegangen war? Er drehte sich wieder zu Avendal, doch ließ er den fremden Welpen nicht aus den Augen.
"Könnt ihr es mir sagen? Warum seid ihr geblieben?"
[Nihil und Avendal, in Sichtweite Takashi und Aléya | nahe der Weide]
((Nein, Mochi ist nicht pädophil. ^.-))
05.03.2010, 14:34
Wäre Caylee nicht so abgelenkt gewesen, hätte sie Neruís Rutehaschen sicher mit irgendeiner Art welpischer Herumtollerei erwidert, doch die Muscheln ließen sie sogar vergessen, dass ihre Schwester ihre Rute erwischt hatte. Sie waren zu schön um sich vor ihnen nur zu balgen und zudem war das Zeichen, sie hier zu sehen, etwas Besonderes. Das spürte die Kleine, auch wenn sie noch nicht sonderlich empfänglich für höhere Zeichen war. Als sie nach reichlichem Gucken sich schließlich zu Neruí wandte, hatte die plötzlich Tränen in den Augen und schmiegte sich an Papa-oder-so Aszrem. Mit hängenden Ohren tappte Caylee ihr nach und wollte ein wenig trösten, drückte sich also sanft aber zurückhaltend an Neruí und lächelte bei der Vorstellung, dass Mama Nyota Sonnenstrahlen schickte. Der kurze Moment war schnell vorbei, dafür wandten sich alle nun ihrer Frage zu. Neruís Antwort entlockte Caylee ein fröhliches Quietschen, Aszrem dagegen sagte etwas, was die Nase der Kleinen zum Kräuseln brachte.
“Es sollen aber nicht noch mehr Engayasteine da sein. Es gibt nur einen und der ist mir. Den hat Raki für mich gefunden. Niemand anderes soll noch einen haben.“
Trotz ihrer brummigen Worte, war sie noch immer fröhlich und betrachtete mit wippender Rute ihren Papa-oder-so, der jetzt begann Muscheln zu pflücken. Eine bekam Neruí, eine Caylee und die letzte behielt Aszrem selbst. Geschenke bringen! Glücklich strahlend nahm die Weiße ihre Muschel ins Maul und sprang an dem großen Schwarzen vorbei, in Richtung der Schlucht voller Caylees. Die Schnauze in die Sonne gereckt genoss sie zunächst das gemütliche im Gras Laufen, dann ließ sie sich wieder auf die Höhe von Aszrem und Neruí fallen und sah ihren Papa-oder-so nachdenklich an.
“Duuu, Afrem? Warum find Mama Nyo und Tante Kylia eigentlich runter gefallen?“
Die Frage hatte sie sich bis jetzt nicht getraut zu stellen. Es hatte auch niemand von alleine erklärt, dabei war es doch wichtig zu wissen, warum jemand eine Schlucht runterfällt. Ging das so einfach? Caylee hatte keine Angst vor den Bergen, weil sie sich so sicher war, dass jemand sie aufhalten könnte, wenn sie fallen würde
[ Muschelbaum | Aszrem und Neruí ]
05.03.2010, 19:36
Nihil schaute weiterhin Crassus und Catula abwechselnd an, doch als er ihre Namen erfuhr, nannte er sie automatisch dann auch so. Doch ihn störte etwas ganz bestimmtes: Dieser Blick, mit dem Mochi Avendal bedachte und betrachtete. Er schien sie regelrecht zu „fressen“. Schnaubend hörte er schließlich Mochi zu, auf Avendal ging er nicht ein, zumindest nicht direkt. Was, zum Teufel noch mal, war denn jetzt schon wieder somatische Störung? Nihil wusste es nicht. Er wollte schon erwidern, dass er sonst nicht gefragt hätte, aber dann hielt er doch seine Schnauze und hörte Mochi nur zu. Avendal schaute er immer mal wieder an. Das Gewackel mit ihren Ohren ging ihm auf die Nerven. In einer anderen Situation hätte er sich vielleicht spielerisch auf sie gestürzt, doch er hatte nun wirklich absolut keinen Bock darauf. Ihm war nicht zu Spaß zu Mute – wohl störte ihn auch dies bei Mochi und Avendal, die recht glücklich wirkten. Und was wollte sein Körper ihm sagen? Körperlich tat ja nichts weh, es war ja eher … seelisch? War es seelisch? Geistig? Oder womöglich beides? Dorthin zurückgehen, wo es noch nicht weh tat? Bei dem Gebüsch, wo er eben noch gelegen hatte. Vor wenigen Minuten. Aber er hatte keine Lust, zurück zu gehen. Er wollte das Revier erforsten und Spaß haben. Aber zurückgehen? Nee, dazu hatte er wirklich keine Lust. Er schaute auf, als Mochi verstummte und dann noch etwas hinzufügte. Nihil knurrte leise und, wenn Blicke hätten töten können, wäre Mochi wohl jetzt gestorben. Denn Nihil legte jetzt momentan keinen Wert darauf, über seine Vergangenheit zu reden, auch wenn er das Nichts gemocht hatte, aber hier im Rudel hatte es ja nur Hass und Angst geerntet. Aber wie konnte Nihil es ihnen auch verübeln? Sie hatten ja Recht. Das Nichts hatte ihre Heimat zerstört und so schön wieder gegeben. Nihil hatte es eine Umwelt geboten, in der nichts existiert hatte.
Schließlich antwortete er dann.
“Crassus bedeutet dick.“, sagte er zu Avendal und an Mochi gewandt fuhr er fort: “Dorthin zurückgehen, wo es noch nicht weh tat? Ich hab dazu aber keine Lust. Ich möchte nicht immer am gleichen Ort verweilen, sondern mal das Revier sehen. Außerdem: Was bedeutet somatische Störung, Passions-Welpe und was Diskrepanz? Und lass das Nichts Nichts sein, erwähn es nicht!“
Nihil wusste: Er war echt unwissend. Leise grummelnd schaute er sich um. Takashi. Ein Wolf, den er kannte. Plötzlich wollte er gar keine Antwort mehr haben, er drehte sich einfach um und schoss in Takashis Richtung davon – Mochi und Avendal ließ er einfach stehen. Diese Stimmung zwischen ihnen, oder eher gesagt: Von Mochi zu Avendal, hatte er eh nicht verstehen können. Es war nicht weit zu Takashi, doch diese kurze Strecke reichte, damit der Schmerz leicht weniger wurde. Das verwirrte Nihil zu tiefst und dann wollte er auch nicht einmal mehr zu Takashi und der Welpin, die bei ihm war, von der er wusste, dass sie ihn vor wenigen Augenblicken noch seltsam angeschaut hatte, es jedoch ignoriert hatte, sondern er wollte doch zu dem Ort zurück, wo alles noch prima gewesen war und so machte er sich in einem flotten Tempo auf den Weg, wobei er unterwegs einen weißen Welpen beim See sah, der nass aussah, und sonst nur Krolock und den anderen Wolf, dessen Namen er nicht kannte, erkennen konnte, auf welche er momentan auch zu hielt. Kurz darauf erreichte er sie schon, zumindest in so fern, dass er in sehr tiefem Gras zum Stolpern kam und der Nase lang hinfiel. Im Nichts wäre ganz bestimmt nicht hin gefallen, sondern wäre ganz locker gelaufen – über was hätte er ja auch stolpern sollen, wo es nichts gab? Hier konnte man über jeden Krümel stolpern. Verärgert richtete er sich auf und stellte erstaunt fest, dass nichts mehr wehtat. Glücklich schaute er zu Krolock, der mit dem Rücken zu ihm stand, und setzte nach vorne und sprang mit einem leisen knurren auf Krolocks Rücken. Seine Zähne grub er spielerisch in das Fell des Schwarzen und kullerte über diesen rüber, als er keinen Halt fand und auf den Boden plumpste. Sofort sprang er wieder auf – er wollte spielen.
[erst Mochi und Avendal | an Takashi und Aléya vorbei | bei Krolock und Malakim || an der Weide am See]
05.03.2010, 20:02
Die Stimmung sank nun auf den Nullpunkt. Die Temperatur schien auch niedriger zu werden und Ahkuna fing an zu frieren. Was dies auslöste wusste die Weiße nicht. Sie hatte es geschafft. Sie hatte es geschafft das die Stimmung nach unten ging. Mit Sturzflug zum Boden.
„Okay und ich hatte vergessen dass das wohl nicht sehr angebracht war.“
Ahkuna lächelte etwas, um die Stimmung wieder etwas aufzulockern. Die Worte von Shani waren dann auch noch ein wenig entspannender. Auch wenn diese Worte nicht so klingen sollten, so war allein ihre Stimme genug, um die Weiße zu beruhigen. Also war ihre Mutter der Meinung, das Aszrem und Tyraleen die Alphas werden sollten. Bei Aszrem war es Ahkuna klar gewesen. Er war der letzte, der von der alten Generation übrig geblieben war. Gut er war keiner, der nun direkt mit den anderen Verwandt war, trotzdem war er ein Gefährte einer Alphess. Einer verstorbenen Alphess. Ahkuna schüttelte ihren Kopf und schubste alle schlechten Gedanken wieder aus ihrem Kopf. Auch der Stubs von Enmaku lenkte Ahkuna von ihren Gedanken ab. Die Weiße nickte und lächelte wieder ein wenig.
„Mutter? Wieso willst du denn kein Alpha sein? Du bist doch direkt verwandte von Banshee. Tochter, der Tochter, des Lebens!“
Ein wenig Motivation war wieder zurück gekehrt. Dies hörte man auch an der Stimme Ahkunas. Sie sprang schon förmlich auf und stellte sich vor die beiden. Ihre Ohren flippten nach vorne und sie senkte ihren Oberkörper nach unten. Ihre Rute hoch erhoben und ihre Schnauze auf den Boden gedrückt knurrte sie leicht spielerisch. Sie wusste nicht was nun los war. Irgendwie hatte sie nun das Bedürfnis alles etwas aufzulockern und das einzige was ihr jetzt einfiel war das Spielen. Mit einem bellenden Ton drehte sie die junge Fähe um und wollte gerade los rennen, als sie einen nur allzu bekannten Körper sah. Katsumi war da und drehte nun um. Was war los? Schon hörte sie Shani´s Stimme und drehte sich zu ihrer Mutter um. Sie hatte ihn also auch gesehen.
Nun fiel ihr wieder Enmaku ein und sie drehte wieder um, um zu der Fremden zu gehen. Still stellte sie sich neben sie hin und sah zu Katsumi.
„Er gehört auch zu unserem Rudel.“
Flüsterte sie leise. Es war sicher schwer für die Weiße neben Ahkuna, alles zu verstehen. Nicht nur hatte sie keine Alphas, sondern beschoss sie gleich ein Jungwolf und ein Fremder sah sie an und drehte gleich wieder um. Ahkuna musste dem ganzen Gedanken recht geben. Es klang echt nicht gerade nach einem gemütlichen Zuhause.
[Laubwald l bei Enmaku und Shani- Katsumi ]
07.03.2010, 11:44
Die Zeit lief. Ebenso schnell - nein, schneller als die Wölfe fliehen konnten. Das Nichts, die unbekannte Bedrohung, hatte sie eingeholt und vor ihren Augen alles verschluckt, was ihnen lieb und teuer gewesen war. Ihre Heimat, ihre Familie, Freunde.
Noch nie hatte der schwarze Wanderer ein solches Bild gesehen, wobei er viele Winkel dieser Erde bereits kennen gelernt hatte. Die öden Wüsten, in denen tagsüber die Sonne erbarmungslos auf den Pelz nieder brannte und in der Nacht Reif die Sanddünen überzog. Mächtige Gebirgsketten, die so hoch waren, dass selbst die Vögel es nicht genau wussten und im Segelflug zurück kehren mussten, da die Luft hoch oben auch für sie zu dünn war. Nichts war mit dem vergleichbar, was in diesem Tal geschehen war.
Doch auf ebenso wundersame Weise, wie alles verschwunden war, war das Leben wieder zurück gekehrt. Noch immer vermochte Shaén es sich nicht zu erklären, doch hatte er in seinem Leben gelernt, dass man manche Sachen besser nicht hinterfragte, sondern schlicht so hin nahm, wie sie waren.
Die schwarzen Pfoten berührten sachte, wie beiläufig, das frische Gras. Die Sonne schien ihm warm auf den Rücken und ließ ein angenehmes Gefühl durch seinen Körper sickern. Es fühlte sich gut an.
Eine Sekunde, als die Bedrohung so nahe war, hatte er gedacht, er wäre gestorben und dies wäre die Welt, in der alle verblichenen Geister leben würden. Dafür, jedoch, fühlte sich diese Welt unglaublich real an und dieser Gedanke verschwand wieder.
Es war ein Traum oder ein Märchen, eine Legende und überstieg das Wissen des Schwarzen. Nicht, dass sein Horizont zugleich sein Standpunkt war und dennoch war dieses Erlebnis viel weit reichender, so dass er es nicht mit seinem Verstand analysieren und erfassen konnte. Es schien keine logische Erklärung zu geben, sie konnten es nur so hin nehmen, wie es war. Genauso wie sie es hätten hin nehmen müssen, wenn sie alle gestorben und mit dem Nichts verschwunden wären.
Mit einer langsamen Bewegung dehnte der Wanderer die Rückenmuskulatur, streckte sich ein wenig den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen. Erst jetzt, hier, in dieser wundersamen Umgebung, fiel ihm deutlich auf, dass er die Sonne lange nicht mehr erblickt hatte. Als er in dieses Tal gekommen war, hatte es geregnet und gestürmt. Sein Weg hatte ihn abseits von allem Leben durch eine Sumpflandschaft geführt, in der er seinen schwarzen Seelenbruder kennen gelernt hatte. Bei dieser Gelegenheit: Wo befand sich Aryan?
Er hatte noch immer nicht mit ihm gesprochen, wobei dieses Gespräch immer dringender wurde und bald nicht mehr aufgeschoben werden sollte.
Doch eine andere, junge Gestalt auf dem Boden, lenkte den Reisenden von seinem Vorhaben ab. Schnellen, leichten Schrittes näherte er sich dem Jüngling, den er ohne Mühe wieder erkennen konnte.
„Garrett.“, grüßte die ruhige, leise Stimme des Schwarzen, der sichtlich überrascht, wie auch erfreut war, seinen Reisegefährten wieder zu sehen.
„Also bist auch du hier.“, stellte er ruhig fest, trat noch ein paar Schritte näher und ließ sich dann locker auf die Hinterläufe sinken. „Darf ich dir ein wenig Gesellschaft leisten?“
[auf dem Rudelplatz bei Garrett]
09.03.2010, 11:13
Da Minyala nun geheult, die mickrige Reviergrenze inspiziert und ihre eigenen, nervösen Gedanken beruhigt hatte, gab es nicht mehr sonderlich viel zu tun. Nun war Warten angesagt, nur hoffentlich nicht zu lange. Die Weiße hatte keine Ahnung, wie lange es dauerte, bis man eine Antwort bekommen würde – sie hatte so was ja auch noch nie gemacht. Hoffentlich wirkte sie auf Caleb souveräner, als sie in Wirklichkeit war, der machte sich schon genug in die Hose. Sie hatte es zumindest auf ihrer Wanderung so gut wie möglich versucht, ihm klar zu machen, dass sie die Lage voll im Griff hatte und ganz genau bescheid wusste, was zu tun war. Dabei hatte sie unter den Tisch fallen lassen, dass sie bisher nur in einem Rudel gelebt hatte und das war ihr Geburtsrudel gewesen. Somit hatte sie keinen Plan vom Sich-Vorstellen und Im-fremden-Rudel-zurechtkommen, hatte nur am Rande etwas von den Fremden mitbekommen, die sich in ihr Rudel damals eingebettelt hatten. Ob das reichte? Wie auf Stichwort schaltete sich jetzt Calebs höchst nervöse Stimme ein.
“Nein, natürlich kehren wir nicht um. Die Reviergrenze ist irgendwie nicht so deutlich, aber das heißt nicht, dass wir hier kein tolles Rudel vorfinden werden.“
Sie nickte bedächtig und hoffte, dass sich ihr neuer Freund mit dieser Antwort zufrieden geben würde. Eine bessere hatte Minyala nämlich nicht auf Lager – sie konnte sich ja selbst nicht ganz erklären, warum hier so schlampig mit der Grenzmarkierung umgegangen wurde. Dabei hatte ihr Papa immer betont, dass das Revier das wichtigste für ein Wolfsrudel war. Ihr Überlebensgarant sozusagen. Eigenartig. Zum Glück musste Minyala nicht länger über diesen seltsamen Umstand nachdenken, denn schon tauchte eine schwarze, griesgrämig dreinschauende Fähe auf. Immerhin meinte Minyala ihren Geruch an der Markierung gewittert zu haben, also gehörte sie zum Rudel. Brav duckte sich die Weiße ein wenig und lächelte mit sachte schwingender, geknickter Rute der Schwarzen entgegen. Caleb schien derweil nicht sonderlich erfreut und drängte sich beinahe wie ein Welpe an sie. Am liebsten hätte Minyala ihn weggeschubst, wollte aber erstmal einen guten Eindruck machen. Aufmerksam lauschte sie also den Worten der Fähe, die zwar jetzt freundlich, aber irgendwie äußerst verwirrt klang. Zudem berichtete sie von Problemen und klang dabei sehr dramatisch. Natürlich musste sich Caleb daraufhin sofort zu Wort melden. Toll, wie er ihre Anweisungen befolgte. Sie beschloss, um des guten Eindrucks Willen erstmal dieser Malicia zu antworten und dann Caleb zu antworten, besser gesagt, ihn abzuwimmeln.
“Hallo Malicia. Danke, dass du gekommen bist. Ich bin Minyala und das ist Caleb, wir sind tatsächlich auf der Suche nach einem Rudel. Dein Bericht klingt ein wenig … äh … beunruhigend, aber davon würden wir uns nicht abschrecken lassen. Allerdings hätten wir eine Frage, die ich dir gerne stellen würde, bevor du uns in dein Revier führst.“
Sie machte eine kurze Pause und betete ganz stumm, dass sie ein „Ja“ bekommen würden. Ihr waren diese seltsamen Probleme weitest gehend egal, sie konnten schon nicht so schrecklich sein, dass Minyala dafür noch länger herumwandern würde. Sie hatte echten Kohldampf und würde irgendwann noch paranoid werden.
“Kennen du und dein Rudel … Werwölfe? Gibt es möglicherweise sogar welche in euren Reihen?“
Am liebsten hätte Minyala nun die Luft angehalten und stumm gehofft und gebetet, aber sie musste ja Caleb noch beruhigen. Also zog sie ihm am rechten Ohr – froh, dass er diese Geste dank nicht vorhandenem linken Ohr bei Minyala nicht erwidern konnte – und flüsterte zurück.
“Jetzt reiß dich mal zusammen. Die Probleme von ihnen werden kaum so groß sein wie unsere, wenn wir noch länger alleine herumwandern.“
[ am westlichen Fluss // Caleb und Malicia ]
09.03.2010, 15:18
Die sanften, beruhigenden Farben des Waldes. Vetraute Gerüche, bekannte Pflanzen, Leben. Freude stieg in der kleinen Fähe auf, obwohl sie doch gerade eben noch verletzt war. Verletzt von der Fähe Lyerra, eine gute Freundin des Welpens. Aber das war nun vergangen, sie hatte es längst vergessen, oder eher gesagt es verdrängt und wollte nicht länger darüber nachdenken. Nein, das wollte sie auf keinen Fall machen! So gern hätte sie der Fähe erklärt, waerum ihr die vereinzelte TRäne über das gesicht gelaufen war. Aber das sollte ihr Schicksal sein, das Schicksal einer stummen Fähe. Sie war gerne etwas besonderes, obwohl es auch seinen Preis hatte. Sie konnte sich nun nicht verständigen. Leicht sauer wurde sie auf sich slebst, auf ihre Gedanken, ihr Schicksal. Warum ausgerechnet sie? Dachte sie manchmal. Aber sie konnte es ja auch zu ihrem Erachten nutzen, wenn sie wollte und wusste damit umzugehen.
Lyerra rannte freudig im leichten Trab, sie verlangsamte aber baldig ihr Tempo, kam in den Schritt.
Blieb stehen und setzte sich. Sie waren im Mischwald schn vorgerdrungen, ein ganzes Stück war Lyerra gelaufen, und die kleine Shariku hinter her. Ihre Augen glühten wieder, sie waren erfreut und belustigt, sie sprühten glitzernde Funken, die die Freude der Fähe ausdrückten.
Im Wald gefiel es der kleinen Fähe so gut, heute war einer der glücklichsten Tage die sie seit langem hatte.
Das Nichs war besiegt, das Rudel gerettet. Alles war also gut. Soviel Zeit war vergangen, seit das Rudel um ihr Tal getrauert hatten, um ihr Leben gebannt hatten, Angstvoll dastanden. Shariku kam die Zeit so elendig lang vor, obwohl es ja kaum eine Zeit her war. ...Doch war so viel Gutes geschehen, soviel Gutes...
Sie hatte eine liebe freundin gefunden, die hübsche Weiße, die auf dem Boden lag und Luft tief einatmete.
Shariku tat es ihr gleich, ihr Brustkorb und die Lungen weiteten sich, den Geruch vielzähluger Dinge nahm sie auf. Erde, die Blätter...ein typischer 'Waldgeruch' eben.
Lyerra lag so seelenruhig auif dem Boden und strahlte soviel aus. Freude, Hoffnung und Glauben. An Engaya, das Leben.
Sie fühlte sich so wohl. So wohl und behagen. Und ehe sich die kleine Fähe besah, leitete ihr herz ihr den richtigen Weg - den zu ihrer neuen Freundin Lyerra.
Sie lief zielstrebig, ohne darüber nachzudenken auf sie zu, die Augen spürhten immer noch, das herz war ihr in der Kühle und im Schatten des Waldes wohlig warm.
Immer näher kam sie dem weißen Fellknäuel vor ihr. Langsam setzt sie sich neben sie, rückte immer weiter zu ihr, langsam und nicht hektisch. Es war eine klare Sprache, die sie mit diesen Gesten sprach.
Sehsucht nach Liebe, Freundschaft und Hoffnung.
Sie war an der Weißen angelangt, grub den kleinen Kopf in das dichte, weiße Fell und kuschlete sich eng an sie ran.
Sie war anders als sonst, ja ein wenig anders. Lyerra hate ihr aber soviel Gutes getan, das sie ihre Freundschaft nun nciht aufs Spiel setzten wollte, indem sie sich ihr entzog.
Also blieb sie neben ihr liegen, die Auegn auf den Kopf der Fähe gerichtet.
Und die Auegn wurden ihr durch das Laufen schwer...ihr Kopf nickte auf die schwarzen Pfötchen und sie fiel in Schlaf. Ruhig und fließend war das Gefühl dieses Schlafes. Beruhigend und wohltuhend. Einfach nur schön.
[Mischwald. bei Lyerra.]
09.03.2010, 20:30
Was redete denn Krolock da, er war doch immer noch ein Welpe! Ihn konnte wirklich noch absolut jedes Wesen im Wald fressen. Gut, außer vielleicht kleine Mäuse. Und im Gegensatz zu Krolock wuchs er auch überhaupt nicht ... oder? Verwirrt starrte Cirádan zum See und versuchte sein Spiegelbild zu sehen, was ihm freilich nur schwer gelang, denn das Wasser war zu aufgewühlt. Von seinem Kopf tropfte es und langsam begann der Hellgraue zu frieren.
Er sah das Krolock den Kopf schüttelte und senkte den Kopf. Sein Bruder war doch stärker als er, eigentlich müsste er ihn doch beschützen.
Seufzend schüttelte sich Cirádan als sein Bruder wieder ging. Doch erst nach dem er sich vergewissert hatte, dass sonst niemand in seiner Nähe stand.
Cirádan beobachtete mit angelegten Ohren und zusammengekrümmten Körperhaltung seinen Bruder und den größeren Wolf. Und einen anderen Welpen der zu ihnen rüber stackte und anscheinend spielen wollte.
Cirádan wollte auch spielen, aber er traute sich nicht zu fragen, oder einfach jemanden zum Spielen aufzufordern, so wie dieser Welpe es tat. Zu groß war die Angst davor dass jemand mit ihm gar nicht spielen will.
Der Hellgraue seufzte, während er seinen Bruder und die zwei anderen Wölfe beobachtete. Ging im Kopf nochmals die Situation durch. Krolock hatte ihn einfach erschreckt, so dass er nicht mehr klar zum Denken gekommen war und hat ihn dann auch noch ausgelacht. Cirádan konnte doch nichts dafür, dass er klein und schwach und halb blind war! Sah sein Bruder denn das nicht? Nein, er lachte ihn einfach nur aus. Vielleicht hätte Cirá einfach mitlachen sollen. Dann würde Krolock überrascht gucken. Als sich der Welpe das vorstellte, zuckten seine Lefzen nach oben. Ja, das war ein toller Gedanken. Und dann würde Krolock wieder anfangen zu lachen, doch dann würde es nicht mehr so kalt klingen wie jetzt. Dann würden sie wie Brüder zusammen lachen.
[zuerst mit Krolock dann wieder allein / am See / vorderer Teil des Körpers nass]
09.03.2010, 22:59
Papa Aszrems warme große Zunge wusch das Salz von ihren Wangen, und Nerúi schloß für einen Moment die Augen. Die Sonne tanzte weiterhin auf ihrer Nase, in jeder Muschelschale, in Blättern und in ihrem Pelz.
Es war schön, so schmerzhaft schön. Caylee war auch zu ihr gekommen, und Nerúi genoß ihre Nähe, und die Wärme die zwischen ihnen war.
Bei Caylees Worten lächelte sie, und stieß ihre Schwester sanft mit der kleinen schwarzen Nase gegen die Wange.
"Bestimmt ist es nur einer - und falls nicht dann musst du den einen echten nur finden!"
Mit diesen Worten umrundete sie den Baum nocheinmal, und fand tatsächlich ein zugewachsenes Astloch auf der richtigen Höhe. Sie war nun schon viel größer als damals als sie die Muschell versteckt hatte, und konnte es ohne Mühe mit der Schnauze erreichen.
"Und die echte Mupfel ist hier drin"
Erklärte sie, und nahm freudig ihre Muschel entgegen, die Papa Aszrem ihr pflückte. Wedelnd folgte sie Aszrem und Caylee nun, und lies die Ohren zur Seite hinab sinken, als Caylee ihre Frage stellte. Sie wusste die Antwort nicht, sie hatte nur noch gesehen dass es passiert war. Und es tat weh wieder in dieser Klarheit daran zu denken, auch wenn sie nicht zuletzt die Muschel auf ihrer Zunge und die Sonne in ihrem Fell daran erinnerte dass sie beide noch da waren. Und apropos - wo war eigentlich Oma Banshees Zeichen für sie!? Nerúi musste es unbedingt zuerst finden!
"Wii faben fon die Feffenfe fon Fama Fyofa unf Fyphia fefunfen, fo finf fie fon Ofa Fanfee unf fem fwarfen Füden?"
Meinte sie hastig, und rannte jetzt wieder voran, die Nase so hoch erhoben dass es ihr schwerfiel noch zu sehen wo sie eigentlich hinlief. Nach ein paar Schritten fing sie jedoch an die Augen offen zu halten, und nach weiteren Besonderheiten Ausschau zu halten. Wenn man dass so sagen konnte, immerhin lebten sie nun in einem Tal das aus kaum etwas anderem als Besonderheiten bestand...
Nerúi wurde etwas langsamer, als sie vor sich den Abhang erkennen konnte. Es sah alles anders aus als noch vor ein paar Tagen - aber sie wusste dass sie auf den richtigen Ort zuhielten. Das verriet nicht zuletzt auch der süße Duft der Caylees, der sie bereits auf diese Distanz sanft begrüßte. Nerúi atmete einmal tief ein, bevor sie weiterging. Mama?
[Weg zu den Klippen]
10.03.2010, 09:57
Aszrem zog eine Augenbrauenwölbung hoch, als seine Worte doch etwas ungnädig von Caylee aufgenommen wurden. Aber da die weiße Welpin sich davon nicht die ganze gute Laune verderben ließ und Nerúi sie schon beschwichtigte, sagte er selbst nichts weiter dazu. Welpen konnten manchmal so selbstlos und gleich darauf so egoistisch sein. Vielleicht war das ein Merkmal aller Welpen - sie mussten erst für sich herausfinden, ab sie als Erwachsene lieber selbstbezogen sein würden oder eher selbstlos, denn bei den allermeisten Erwachsenen dominierte eine dieser Eigenschaften. Nur manche schienen sich nie zu entscheiden.
Aszrem hielt inne und wandte sich zu Nerúi um, die noch immer bei ihrem Baum stand und eine bestimmte Stelle am Stamm zu inspizieren schien.
"Nerúi, komm weiter",
rief er ihr zu, aber seine Tochter schien sich fast zeitgleich selbst dafür entschieden zu haben, wieder zu ihnen auf zu schließen. Aszrem setzte sich wieder in Bewegung. Nerúi hatte gerade zu ihm aufgeschlossen, da ließ Caylee sich zu ihnen zurück fallen und stellte die Frage zu Nyotas und Kylias Sturz. DIE Frage. Es gab nur diese eine: Warum? Er hatte sich das selbst so oft gefragt. Warum hatten sie gekämpft? Sie, die so gute Freundinnen gewesen waren, Mutter und Patin einer Welpin, die sie beide doch geliebt hatten. Warum? Warum? Sie würden es nie wissen. Er würde es nie wissen. Was Nerúi anging... sie musste nicht einmal wissen, dass sie gekämpft hatten. Sie musste sich nicht auch noch mit der Frage nach dem Warum quälen. Es reichte, wenn er das für sie beide tat. Aszrems Blick glitt zur Sonne.
'Vergib mir, wenn ich unserer Tochter nicht die Wahrheit sage. Sie soll euch beide in bester Erinnerung behalten',
dachte er und setzte zu einer Antwort an.
"Wir hatten den Pass erreicht, über den wir das Rudel eigentlich aus dem Tal führen wollten. Er war sehr schmal, man konnte nur nacheinander gehen, nicht nebeneinander. Ich war nicht dabei, als es passiert ist - wir hatten gerade die erste Caylee-Blume gefunden - aber ich habe gesehen, dass der Felsen unter ihren Pfoten weggebrochen ist. Sie hatten keine Chance, sich zu retten.."
'...dafür waren sie zu sehr ineinander verbissen',
ergänzten seine Gedanken noch, und er hielt sie tunlichst von seiner Zunge fern. Sein Blick glitt zu seiner Tochter, und er neigte den Kopf zu ihr und strich mit der Schnauze an ihrer Wange entlang. Sie würde damit umgehen können. Nerúi war stark, wie ihre Mutter.
Kurz darauf nuschelte sie etwas, dass er partout nicht verstand. Ein paar Worte bekam er rekontruiert, aber er konnte keinen Sinn in ihre Frage bringen - nur eben, dass es eine Frage war.
"Wie bitte?",
hakte er nach, aber sie lief schon vor, und auch Aszrem beschleunigte seine Schritte. Es lag ein Duft in der Nacht, so lieblich und doch so sehr mit einem Verhängnis verbunden.
Zur Rechten verschwand jetzt der Felsvorsprung des Gebirgsausläufers aus seinem Blickfeld - aber anstatt den Blick auf DEN Abhang preis zu geben, erstreckte sich noch immer eine ebene Grasfläche vor ihnen. Und dort in der Mitte, umrahmt von dem Rand der einstiegen Schlucht, erhoben sich zwei kleine Hügel. Blau leuchteten sie dem Auge des betrachters entgegen, denn sie waren über und über mit Blauen Caylees bewachsen. Die Blumen umgaben die beiden Erhebungen großflächig und verliehen diesem Ort eine einzigartige Schönheit. Aszrem war stehen geblieben, gebannt von diesem Anblick. Er spürte eine frisch verschorfte Wunde in seinem Inneren aufreißen und neu bluten. Und doch... das Blau weckte auch ein bittersüßes Gefühl in ihm. Langsam, ja andächtig schritt er weiter, auf die beiden Grabhügel zu - denn genau das waren sie. Und er wusste instinktiv ganz genau, welcher Nyota galt und welcher Kylia.
Nyota...
[Grabstätte von Nyota und Kylia | Nerúi, Caylee]
10.03.2010, 13:05
Zärtlich schnappte Caylee nach Neruís Nase, als diese sie sanft anstupste. Es war ein schöner kurzer Moment gewesen und auch wenn Neruí und Aszrem zusammengehörten und Caylee eigentlich eher zu Tyraleen, Avendal und Turién gehörte, fühlte sie sich aufgenommen. Aszrem war manchmal ein wenig seltsam gewesen und Caylee hatte zu ihrem Papa-oder-so nicht so Recht einen Zugang gefunden. Jetzt hatte sie das Gefühl, als wäre das nicht mehr so und sie freute sich darüber. Ebenso wie über Neruís Worte, sicher hatte sie Recht. Man musst doch nur ganz fest daran glauben, oder? Mit so fröhlichen Gedanken wuselte sie nun mit der Muschel im Maul durchs Gras und merkte doch schnell, dass ihre Frage über Nyotas und Kylias Sturz Aszrem an die Nieren ging. Wahrscheinlich tat es ihm sehr weh, darüber zu reden, so wie es auch Caylee wehtat, wenn sie über Oma Banshees Tod sprach. Manchmal war es aber auch schön, jemandem zu erzählen, wie traurig es gewesen war und wie glücklich die Kleine doch noch in den letzten Momenten gewesen war – eingekuschelt zwischen all ihren Geschwistern und ihrer Oma. Vielleicht ging es Aszrem ähnlich? Caylee wollte ihm nicht wehtun. Seine Worte klangen dann aber recht ruhig und nicht zu traurig, also war die Weiße zuversichtlich und begann sich über die Erklärung Gedanken zu machen. Der Boden unter ihnen Pfoten ist einfach weggegangen? Also war der Boden an allem schuld … gemeiner, fieser Boden. Und dann hatte Mama-oder-so Nyota nicht mal die blaue Blume gesehen, die nach Caylee benannt worden und nun überall bei ihr war. Schade.
“Aber dann kennt Mama Nyota gar nift meine Blume? Alfo … ihre Blume?“
Sie stellte die Frage mehr sich selbst, obwohl es nicht einmal eine richtige Frage war. Eher eine ein wenig enttäuschte Feststellung. Sie hätte es schön gefunden, wenn ihre Mama-oder-so von diesem Geschenk gewusst hätte, denn Caylee würde Nyota tausend wunderschöne Blumen schenken. Vielleicht sah sie die Blumen ja aus dem Himmelsland … mit Oma zusammen. Dazu passend stellte Neruí auch eine schrecklich genuschelte Frage, die Caylee kaum verstehen konnte. Aber es ging um Geschenke und um Oma. Suchend sah sich die Weiße um und blieb dann am entfernten Waldrand hängen, von dem sie wusste, dass ganz in der Nähe der Trauerweidenhain lag, in dem Oma und Opa gestorben waren.
“Vielleift müffen wir fu der Ftelle wo Oma und Opa fu letft waren.“
Aber erstmal wollten sie zu Nyota und Kylia, Blumen anschauen! Sie waren auch schon fast da, Caylee roch den frischen Duft und beschleunigte ihre Schritte. Der Berghang öffnete sich wie ein Tor vor ihnen und gab den Blick und den Weg frei in eine Schlucht. Caylee staunte, so etwas hatte sie noch nie gesehen, aber noch viel schöner war das Meer von blauen Blumen und mitten unter ihnen zwei kleine Hügel. Jetzt spürte auch die Weiße etwas Erhabenes und trat langsam näher, setzte die ersten Schritte zwischen die Blumen und staunte über ihr wunderschönes Blau mit dem Glitzern darin. So wie ihre Augen. Es waren wirklich Caylees und die echte freute sich, dass sie so immer bei Mama Nyota sein konnte. Sie erreichte die Hügel und blieb ganz automatisch bei dem linken stehen. Das war Nyotas, ganz sicher. Vorsichtig legte sie die Muschel davor, drückte sie sanft mit der Schnauze etwas tiefer und sah dann in den Himmel.
“Ich hab dich ganz doll lieb, Nyota. Du warst eine tolle Mama-oder-so. All die Blumen sind für dich, damit du siehst, dass ich dich nie nie vergessen werde.“
Jetzt schluchzte sie doch ganz leise, aber nicht unbedingt, weil sie traurig, sondern weil es so ein schöner Moment war. Sie konnte sich endlich von ihrer Mama Nyota verabschieden, das hatte sie unbedingt gewollt.
[ Nyotas Tod | Aszrem und Neruí ]
10.03.2010, 21:05
Lyerra war noch so berauscht von den Gerüchen des Waldes, dass sie erstmals gar nicht merkte, dass Shariku sich neben sie legte. Erst, als die kleine, schwarze Fähe ihren Kopf in ihrem Fell vergrub, schaute Lyerra auf. Es überraschte sie ein wenig was Shariku da tat, doch da sie so ziemlich sofort einschlief, dachte Lyerra nicht weiter nach.
Sie wollte gerne auf Erkundungstour gehen, jedoch wollte sie ihre Freundin nicht alleine lassen.
Ein wenig gelangweilt, machte sie ihre Freundin nach, und ließ den Kopf ebenfalls auf die Pfoten sinken. Es war ein so wunderschönes Gefühl neben Shariku zu liegen, von der Harmonie des Waldes umgeben…
Schon nach kurzer Zeit war auch Lyerra eingeschlafen.
Es sah bestimmt komisch aus, wie die beiden da lagen. Schwarz neben weiß. Hell neben dunkel.
Lyerra war im Reich der Träume angekommen. Sie träumte von Lakéta, von Imiák und von Shariku. Außerdem träumte sie von einem kleinen Welpen. Sie wusste selbst nicht so genau warum.
Als Lyerra wieder erwachte, vernahm sie sofort das Rauschen der Bäume über ihrem Kopf. Sie hörte ein paar Vögel singen und Äste knarren.
Lyerra wusste nicht genau, was sie jetzt tun sollte, also schaute sie einfach erstmal Shariku an.
Sie sah, wie der Brustkorb der Fähe, ihrer Freundin, sich langsam hob und senkte. Dann, sah sie den Wald an. Die Schönheit überwältigte sie, und jagte ihr einen kleinen Schauer über den Rücken.
Schon kurz darauf schlief sie wieder. Diesmal, träumte sie von sich selbst und von Shariku. Wie sie zusammen über eine Wiese liefen. Sie hörte den Wind um ihre Ohren rauschen und spürte das Gras unter ihren Pfoten. Sie rannte so schnell, dass sie beinahe das Gefühl hatte zu Fliegen. Das lange Gras bog sich unter dem Spiel den windes und flatterte dabei von links nach rechts und von vorne nach hinten. Sie wollte nie wider aufhören zu laufen. Niemals mehr.
[im Mischwald ° Shariku]
11.03.2010, 17:41
Shariku hatte schon immer viel geträumt. Ob im Schlaf oder einfach, wenn sie auf einer Wiese oder im Schatten gelegen hatte. Träume waren eine Welt für sich. Sie waren so wunderschön und perfekt wie Seifenblasen, doch sie starben auch genauso schnell wieder. Die Welt der Träume ist ein ganz besonderer Ort. Man kann ihn auf zwei verschiedene Weisen betreten. Ein schönes, leichtes Gefühl oder große Emotionen überkommmen einen auf der hellen Seite, Last, Atemnot und die Auseinander Setzung ohne Fluchtmöglichkeiten mit den schlimmsten Ängsten warteten auf der dunklen.
Shariku hatte in dieser kurzen Tiefschlafphase eine Menge eindrücke zu verarbeiten gehabt. Die Aufregung vor dem Nichts, die Aufregung nach dem Nichts und zum ersten Mal wieder das Gefühl geborgen zu sein.
Die eine Körperseite der Schwarzen war angenehm warm, sie wusste ja das Lyerra dort lag.
Warum sie diese Pause gerade jetzt gebraucht hatte, war ihr nicht ganz klar, sie hatte sich eigentlich noch recht munter gefühlt. Doch die unbändige Geborgenheit, der ruhige Atem und das melodische Rauschen hatten eine wahre ZAuberkraft, die sie in Form dieses Nickerchens über Shariku rieseln liesen.
Die kleine Fähe war erwacht. Erst drehte sie sich erschrocken um, wunderte sich wo sie war und was sie hier machte. Und wer da neben ihr lag. Doch die Erinnerungen kamen wie ein Sturzbach zurück geflutet und überschwemmten die Kleine mit sanfter Gewalt.
Lyerra schlief. Friedlich. Nichts schien ihre Ruhe zu stören. Die weiße Fähe, noch im Reich der Träume, lockte der Schwarzen ein Lächeln auf die Lefzen. Sie hatte sich zu ihr gelegt, nun war Lyerra entschlafen und sie wollte sie nicht wecken. Doch ihre Beine wollten wieder etwas Bewegung, zudem lag der gesamte Wald noch vor ihnen. Noch einmal kuschelte sie sich an Lyerra heran, um dann sacht aufzustehen.
Kaum berührten nur noch ihre Pfoten den Boden, da misste sie schon wieder die Wärme Lyerras.
Langsam streckte sich die Kleine. Es war eine Wohltat, sie fühlte sich als wäre sue aus einem jahrhunderte langen Schlaf erwacht. Lautlos Gähnend drehte sie sich kurz im Kreis. Wie viel Zeit wohl vergangen war?
Shariku wusste es nicht. Nocheinmal begehrte ihr Körper nach einer Wiederholung der Streckung.
Schwanzwedelnd, lief sie leise um den kleinen Platz, auf dem sie eingeschlafen waren.
Der Wald roch zu gut. Das Rauschen war mittlerweile ein vertrautes Raunen geworden.
Sie wollte sie, die ihr so viel bedeutete nicht um den Schlaf bringen und wartete nun auf ihr erwachen. Dann würden sie die weiten des Waldes erforschen. Sie beide. Schwarz und Weiß.
[Mischwald | Lyerra]
11.03.2010, 19:41
Musik an x Musik aus
Nerúi lief nun neben Caylee und Aszrem, und hinter ihren Pfoten federten die langen Grashälme wieder in Position, nachdem sie sie zu Boden gedrückt hatte. Es kitzelte an ihrem Bauch, und Nerúi begann etwas staksiger zu laufen, sich nicht ganz sicher ob sie das Gefühl mochte oder nicht. Ihre Öhrchen hingen nun auf Halbmast, und bei Papas Worten lies sie sie noch weiter hängen. Was er erzählte war das einzige was sie noch gesehen hatte - fortrieselnde Erde und den Rücken einer stürzenden Kylia. Oma Banshee hatte gesagt dass Sterben gar nicht so schlimm war. Hoffentlich hatten Mama und Kylia das auch gefunden.
Auf Caylees traurige Feststellung hin schüttelte sie energisch den Kopf, aber noch bevor sie antworten konnte, wollte aszrem wissen was sie gesagt hatte, und Caylee beantwortete ihre Frage gleich. Sie verschob die Muschel etwas in ihrem Maul, bevor sie es nochmal versuchte.
"Die Gefchenke, Papa. Fon Fanfe Banshee muff auch einf da fein!"
Erklärte sie, und folgte dann mit beschwingten Schritten ihrer Schwester in die Schlucht hinab, die nun mehr nicht bedrohlich sondern geradezu einladend aussah. Und da unten waren ganz viele Caylees! Nerúi wurde langsamer, um mit den Pfoten keine der Blumen zu knicken, während sie zwischen ihnen hindurch lief. Die blauen Blütenblätter strichen sanft um ihre Läufe und an ihrer Seite entlang, ganz so als wollten sie sie streicheln. Sie fühlten sich so anders an als das hohe Gras zuvor, so viel sanfter und weicher. Und als sie Mamas Hügel erreicht hatte - auch sie konnte diesen nach Gefühl sicher zuordnen - glaubte sie einen Moment lang nicht Blütenblätter sondern Mamas warme Zunge über ihren Körper streichen zu spüren. Als sie nachsah glitzerte ihr jedoch nur die sonnenbeschienenen Caylees entgegen...
"Mama kann sie wohl sehen..."
sagte sie ganz leise in Richtung der echten Caylee.
"...so wie alles was die Sonne berührt"
Sie setzte sich neben ihre weiße Schwester vor den Blumenhügel, und schloß die Augen. Im Duft der Caylees glaubte sie ganz deutlich zwei andere vertraute Gerüche zu erkennen. Zwei Gerüche die diese neue Welt nie gekannt haben konnte.
'Ich bin hier. Ich vergesse euch nicht'
Sand sie ihre Gedanken stumm zu ihrer Patin und ihrer Mama hinauf. Sie hatte noch immer die Augen geschlossen - und wenn sie sie nur ganz ganz leicht aufmachte, glaubte sie verschwommen zwei bestimmte Umrisse erkennen zu können, als stünden die zwei Wölfinnen ganz dicht bei ihr. Aber sobald sie die Augen aufschlug waren sie wieder fort.
'Ich sehe euch'
Tränen rannen ein weiteres Mal sanft von ihrem Gesicht, tropften auf die Blüten und perlten von ihnen ab, um in Richtung Boden zu kullern.
Sie waren nicht fort. Sie waren nie fort gewesen.
[Grabhügel von Kylia und Nyota | Caylee und Aszrem]
13.03.2010, 20:20
Dann, urplötzlich träumte sie etwas anderes. Im Traum sah sie riesige Fänge, die nach ihr Schnappten und Schatten, die immer näher zu ihr hin schlichen. Dann, in diesem Albtraum, erschien ihr ihre Mutter. Sie lächelte Lyerra ermutigend an und ging zu ihr. Erst als die Fähe nur noch zwei bis drei Meter von Lyerra entfernt war, sah diese, dass es Imiák war. Sie spürte den sanften Nasen stupser ihrer Freundin, und sah zu, wie diese wieder verschwand. „Nein,“ schrie sie im Traum. „Imiák verlass mich nicht.“
All das, verblasste, als sie sanfte und gleichmäßige Schritte hörte. Lyerra zuckte zusammen. Sie schaute auf, und sah das Shariku bereits wach war. Die kleine Fähe ging auf und ab. Lyerra stand auf, schüttelte sich ausgiebig, ging zu Shariku und stupste diese sanft an. Als sie an ihren Traum dachte, zuckte sie unwillkürlich zusammen.
„Shariku, ich habe geträumt, wir beide würden zusammen über eine Wiese laufen. Es war so wunderschön. Dann, auf einmal, waren da Schatten und riesige Fänge. Ich sah Imiák, sie kam zu mir. Und dann war sie auf einmal weg….“
Lyerra stoppte. Sie war so aufgewühlt, dass sie nicht mehr reden konnte. Sie wollte doch so gerne loslaufen und den Wald erkunden, und jetzt war sie wegen diesem doofen Traum eingeschüchtert. ‚Lyerra,’ sagte sie zu sich selbst. ‚verdammt noch mal, du bist ein ausgewachsener Wolf. Da darfst du dich doch nicht von Träumen einschüchtern lassen.’ Sie schüttelte den Kopf, um den Albtraum loszuwerden. Dann, schaute sie sich den Wald an. Lief ein paar Schritte und prägte sich all die Farben ein die sie sehen konnte. Tatsächlich lenkte es sie ab, und sie rief:
„Shariku komm, lass uns tiefer in den Wald gehen. Mehr schöne Plätze finden.“
Sobald sie das letzte Wort zu Ende gesprochen hatte, hüpfte sie schon los. Wie ein Welpe sprang sie vorwärts und lief durch unerforschtes Buschwerk. Immer und immer weiter in den Wald hinein trugen ihre Pfoten sie. Sie lief schneller, wollte tiefer und tiefer in das innere des Waldes. Ihr Lauf wurde ganz plötzlich gestoppt.
Sie stolperte über eine Wurzel oder einen Ast, sie sah es nicht mehr, denn sie fiel vornüber auf den Bauch. Nichts tat weh, doch ihr Gesichtsausdruck war vermutlich sehr verdutzt.
[Mischwald ° Shariku]
13.03.2010, 20:35
Mit gewisser Zufriedenstellung konnte Malicia die Unterwürfigkeit der beiden Wölfe sehen, die sich ihr ganz eindeutig unterordneten. Wenigstens das, denn der Kleinere der beiden, Caleb, wie die Wölfin ihn vorstelle, schien nicht gerade erfahren im Umgang mit Respekt. Zudem wirkte er extrem unbeholfen … beinahe so, als wüsste er nicht instinktiv, wie er sich verhalten sollte – sein Gesten wirkten eher erzwungen als natürlich. Mit halb versteckter Verblüffung musterte die hochbeinige Wölfin den Jungwolf, bevor sie sich wieder Minyala zuwandte und ihren Worten lauschte. Diese wirkte im Gegensatz zu ihrem Weggefährten wie ein echter Wolf, nicht künstlich unterworfen oder irgendwelche Dränge unterdrückend. Ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf den Lippen Malicias ab, doch dieses verrutschte leicht, als die schlanke Jungwölfin, der im Übrigen das linke Ohr fehlte, ihre Frage stellte. Doch sie neigte nur leicht den Kopf, bevor sie nickte.
„Vor längerer Zeit, ungefähr drei Winter sind seitdem vergangen, gab es hier eine Wölfin – Thylia nannte sie sich – die unser Tal als Mensch betrat, wie sie ihre Rasse nannte. Man trat ihr mit Misstrauen gegenüber, doch sie verwandelte sich zu einer unserer Art. Neugier besiegte das Misstrauen und die, die man einst für jemanden hielt, der unser Rudel mit traumwandlerischer Sicherheit töten wollte, wurde zu jemandem, der sich in unsere Reihen fügte. Sie war nie die Gesprächigste, doch sie war bei den Welpen beliebt, denn sie konnte erzählen, so jung sie selbst noch war. Sie lernte, sich anzupassen, gehörte dazu. Dann verschwand sie. Dennoch … so liebenswert sie uns auch vorkam, eine gewisse Furcht war immer da gewesen. Nun, den Umständen entsprechend ist die Stimmung im Tal sehr zwiegespalten, Doch ich vermute, man wird euch willkommenheißen. Ich werde euch meiner Schwester vorstellen, wenn sie Zeit haben sollte. Aber ihr solltet euch an ein paar Regeln halten, nur damit ihr nicht negativ auffallt und mit Misstrauen aufgenommen werdet. Vermeidet Auseinandersetzungen und“, ihre Stimme war bedenklich abgekühlt, „haltet euch von ein paar Stellen fern, wenn es geht. Meidet das Gebirge, so gut es geht und lasst Erinnerungen ruhen. Fragt nicht zu viel. Ich werde euch die Gegend zeigen, doch es gibt einige Stellen, die für uns Trauer und Tod bedeuten, diese solltet ihr umgehen, bis die Verletzung ein wenig abgeheilt ist.“
Malicia verstummte und drehte sich um, nachdem sie den Kopf leicht nach Süden neigte und den beiden bedeutete, ihr ins Tal zu folgen. Als sie die Grenze übertrat, legte sie den Kopf in den Nacken und stieß ein kurzes, abgehacktes Heulen aus, als Zeichen, dass sie es war und zwei Neue mitgebracht hatte. Dann senkte sie den Kopf seufzend wieder und drehte sich um, nur um zu sehen, dass die beiden Jungwölfe zögerten. Glaubte sie jedenfalls. Auf die Wölfin wirkten sie beide nicht erfahren oder besonders geschickt, doch der Rüde schien sehr hilflos und unsicher, während die Weiße intelligent und aufgeschlossen war, fand jedenfalls Malicia. Sie schwieg eine Weile, doch erst jetzt dachte sie ernsthaft über das nach, was sie den beiden erzählt hatte, von Thylia und dann ihre Anweisungen … sie hatte sich bei diesen Worten sehr grob und unnachgiebig angehört, doch sie wusste, dass der Schmerz wegen ihrer Eltern einfach zu groß war, um das als unwichtig und überflüssig anzusehen. Die Grabstätten Banshees und Acollons, Kylias und Nyotas waren nicht der richtige Aufenthaltsort für Neuankömmlinge, sogesehen fühlte sich Malicia, als müsste sie die Orte schützen. Vor Unreinheit und Lügen. Also auch vor Fremden und das waren Minyala und Caleb nun einmal. Noch. Vielleicht konnten sie sich integrieren. Vielleicht auch nicht. Irgendwann würde es nicht mehr ihre Sache sein.
Beinahe hatte sie vergessen, vorsichtig zu sein. Ihr gehetzter Blick glitt über ihr Umfeld und sie meinte - mal wieder - einen Schatten auszumachen. Sie unterdrückte ein erschrockenes Aufquietschen und wandte sich wieder den Fremden zu, damit sie ihren kurzen Aussetzer nicht bemerkten. Sie war wirklich ... paranoid. Oder doch eher schizophren? Auf jeden Fall verrückt. Krankhaft. Malicia.
[ Minya & Cal | Nördliche Grenze überschreitend | Sich und die beiden ankündend ]
15.03.2010, 18:30
Shariku hörte Lyeera aufmerksam zu. Sie liebte Träume und sie hörte den anderen gern zu, wenn sie ihre erzählten.
In Träumen konnte man sich verlieren.
In Träumen schien es eine heile Welt zu geben.
In Träumen war alles möglivh, gutes wie schlechtes.
Sie hatte die Weiße mit einem verständnissvollen Blick bedacht. Wenn man eine liebe Freundin verlor war das immer schlimm.
Shariku schaute auf den Boden. Wunderbar glizerte er hier und dort, kleine Schneeflocken hatten sie im Wald verirrt, doch der großteil des Bodens war noch in braunen und zum Teil grauen Flächen gezeichnet. Einzelne Farne bildeten sanfte Begrenzungen zwischen den hohen Bäumen. Deshhalbliebte sie Wälder. Klein und groß hatten hier Platz.
(Sind wir die ersten die diesen Wald betreten? Und wenn ja, haben wir eine bestimmte Aufgabe, oder laufen wir hier einfach nur herum und schauen uns alles an? Wenn wir die ersten sind, betreten wir den weichen Boden als erste, riechen die Luft hier und atmen das Leben des Waldes. Doch sind wir nicht die ersten? Was ist, wenn jemand schon vor uns da war? Würde da dieses Gefühl von entdeckerdrang sterben? Diese Leidenschaft etwas zu sehen, was allen anderen noch unbekannt ist? Spürt man das dann auch noch, oder schwächt es ab? Ist es dann noch das selbe?)
Shariku war fest entschlossen einen Platz zu finden, der ihnen gehören aollte, dessen Wert nur für sie beide bestand.
Ja, mehr schöne Plätze finden. Das wollte sie auch. Wie Lyerra sprang sie los, rannte wie schon vor kurzem und fühlte sich beflügekt. Der Sturz kurz vor der Begegnung mit Lyerra hatte sie gelehrt besser auf den Weg zu achten.Somit erkannte sie die Wurzel zeitiger, die Lyerra zum verhängniss wurde.
Vergnügt sprang soie darüber, schaute Lyerra heiter jedoch nicht spottend an und drängte sie zur Fortsetzung des wilden Laufes.
Komm schon! Ihre Augen sprühten vor Elan.
[Lyerra | Mischwald]
15.03.2010, 19:35
Lyerra war immer noch ein wenig verdattert, als Shariku schon angehüpft kam, und ihr zulächelte. Sie stand auf, schüttelte sich und lief weiter.
Immer wieder grub sie ihre Pfoten in den weichen Waldboden. Immer wieder stieß sie sich vom Boden ab und immer wieder hörte sie die Luft an ihren Ohren vorbei zischen.
Sie sah die Bäume um sich herum, sah den Farn und die kleinen Wurzeln, die aus dem Boden aufragten. Ihr Sturz hatte nicht nur etwas mir Unachtsamkeit zu tun. Immerhin stolperte sie des Öfteren, auch wenn sie gut aufpasste. Sie war einfach ein wenig tollpatschig.
In ihrem, jetzt sehr schnellen Lauf, nahm sie ihre Umgebung gar nicht mehr richtig war. Sie sah alles nur noch leicht verschwommen und verwischt.
Lyerra liebte es, wie sich ihre Muskeln spannten und dann wieder entspannten. Sie leibte den Wind in ihrem Fell und überhaupt liebte sie gerade alles.
Was sollte man schon nicht mögen oder lieben, wenn doch alles wunderbar war?
Lyerra lief und lief, bis sie nicht mehr konnte. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie gelaufen war, doch sie fühlte sich gut.
Sie öffnete ihr Maul und ließ ihre Zunge hängen. Dann setzte sie sich hin und wartete auf Shariku. Sie hoffte, dass ihre Freundin nicht allzu weit entfernt sein würde.
„Shariku, lass uns eine schöne Lichtung suchen…“
Sie brach ab. Konnte sie Shariku einfach so sagen, wo sie hinwollte?
Wäre es nicht unfreundlich?
Würde Shariku sich mies fühlen, wenn Lyerra einfach so bestimmte?
Verdammt, verdammt. Aber immer so im Wald zulaufen war doch auch langweilig, oder?
[Mischwald l Shariku]
(Sorry, dass es so kurz ist... Kennst das Problem oder Shariku?)
15.03.2010, 20:10
Ein tiefes Luftholen durchbrach die entstandene Stille. Angestrengt schluckte Sheena die aufwallende Trauer erneut in einem dicken Klumpen, der ihr im Hals schmerzte, herunter. Ihr Blick wanderte über die stillen, jedoch nicht stummen, Bäume. Ihr Anblick verunsicherte Sheena mehr, als sie zugeben wollte. Wie war so etwas möglich? Sobald sie sich bewusst wurde, dass sie versuchte vom eigentlichen Thema abzulenken, schüttelte sie kurz den Kopf. Sie hatte lange genug versucht ihre Probleme, Ängste und Sorgen zu unterdrücken, dies würde sie nun nicht mehr machen. Sie musste sich ihnen stellen, demnach war es richtig gewesen, ihre Geschichte zu erzählen. Nicht nur für sich selbst, auch Tyraleen würde sie nun besser verstehen können, würde eventuelle Schroffheiten der Vergangenheit verzeihen können und wusste nun, dass Sheena ihr vertraute. Eine wichtige Grundlage für ihre, sich entwickelnde, Freundschaft.
Zart lächelte Sheena, es schien ihr, als ob sie durch Tyraleen neu erwachte. Spüren konnte, dass es auch ein Leben mit Trauer geben konnte, was einen nicht umbrachte.
Als Reaktion auf die liebevolle Trostversuche, drückte sich die ältere Fähe sachte und gleichzeitig schutzsuchend an die jüngere. Sie spürte die Wärme ihrer Begleiterin durch ihr noch nasses Fell und fühlte sich seit langer Zeit wieder geborgen. Auch durch ihre Worte fühlte sie sich nur bestätigt und konnte dem nichts weiter hinzufügen.
Ehrlich überrascht war sie jedoch, als Tyraleen erneut zum sprechen ansetzte und Sheena erkennen konnte, dass sie nicht die Einzige war, die sich von Banshee im Stich gelassen gefühlt hatte. Ihr fiel auf, dass sie genauso wenig von der Weißen wusste, bis diese noch vor einigen Minuten von ihr selbst. Irgendwie war es beruhigend, vor allem weil Tyraleen, als richtige Tochter Banshees, einen viel größeren Anspruch auf die Fürsorge ihrer Mutter gehabt hätte, als sie selbst. Sheena wusste, wie die Weiße sich gefühlt haben musste, vielleicht manchmal noch immer fühlte. Nun war es an ihr, Tyraleen zu trösten und so drückte Sheena ihre Schnauze erneut in das Schulter- und Brustfell der anderen Fähe. Dann leckte sie ihr sanft über die Schnauze und blickte ihr einige Sekunden länger als üblich in die Augen. Eine Vertrauensbasis war nun also von beiden Seiten aus geschaffen.
Sie war Tyraleen dankbar. Sie fühlte sich einfach nicht mehr so, als ob sie alleine in diesem Rudel war.
Dann unterbrach sie den Blickkontakt, musterte den Wald ein bisschen genauer und fragte sich, ob er eine Antwort auf Tyraleens Gefühle waren. Vielleicht hatte sie sich wie in einem solchen Wald gefühlt, als sie eben keine Gefühle von ihrer Mutter erhalten hatte. Vielleicht waren die Bäume die starre und vielleicht auch ablehnende Haltung der jungen Fähe gegenüber ihrer Mutter. Auch wenn Tyraleen gesagt hatte, dass sie Banshee verziehen hatte, trotzdem ging ein ehemaliges Gefühl nicht einfach so verloren.
Das dem nicht so war, stand auch deutlich in Tyraleens Gesicht, erneut trat Sheena an sie heran und fuhr ihr sanft über den Kopf.
#Wie eine Mutter ihrem Welpen#
Der Gedanke tauchte so unvermittelt in ihrem Kopf auf, dass sie innerlich taumelte. Natürlich war ihr bewusst, dass Tyraleen jünger als sie selbst war, aber sie hatte sie doch deshalb nicht unter sich stellen wollen. Entschuldigend und ein wenig verlegen blickte sie zu Tyraleen rüber. Hatte sie ihre eigentlich lieb gemeinte Geste genauso aufgefasst?
Die Hauptsache war jedoch, dass Tyraleen und sie sich näher gekommen waren und so verschob Sheena den eher unschönen Gedanken in ihrem Kopf weiter nach hinten und lächelte erneut freundlich zu Tyraleen hinüber.
[Steinwald. Tyraleen.]
(Alors on dance...
Tut mir Leid Bani, dass der Text so sch**** ist.)
16.03.2010, 10:00
Die Augen der jungen Fähe hielten sich vehement an dem ihr unbekannten Welpen fest. Jede einzelne Regung machten die dunklen Augen Aléyas aus, registrierte jede einzelne Abweichung seiner Mimiken und Gesten. Die sensiblen Ohren blieben in die Richtung der drei gelenkt, vernahmen noch das leiseste Flüstern.
Der Wind trug ihr die Worte zu, die ihr feineres Gehör mühelos entziffern und verstehen konnte.
Das Takashi noch immer an ihrer Seite war, konnte Aléya nur nebenbei registrieren. Zu sehr lag ihr Augenmerk auf dem fremden Welpen, der ihr so rein gar nicht gefiel. So bemerkte sich auch das Lächeln nicht, welches man ihr schenkte, konzentrierte sie sich zu stark auf den kleinen Nachwuchsrüden gerichtet. Was um alles in der Welt, machte der bei ihrer Freundin?!
Nur kurz wurde Aléya abgelenkt, als die ruhige Stimme des Schwarzen an ihre Ohren drang, so nah, dass die Stimme des Erwachsenen fast wie Donner in ihnen klang.
„Ein Fluch?“
Sie erinnerte sich noch zu gut an die Worte, die Aryan an sie gerichtet hatte. Ihr Vater hatte ihr von den Göttern dieses Tal, Engaya und Fenris, erzählt. Außerdem hatte er ihr erklärt, was mit ihm passiert war. Seine Veränderung, war das auch eine Art Fluch gewesen? Aber diesen konnte man nicht besiegen, dass hatte ihr Vater gesagt.
„Aber man kann nicht jeden Fluch besiegen.“, gab sie nur zurück und richtete ihr Augenmerk wieder auf die drei Wölfe in ihrer Nähe.
Der Wind trug ihr den grollenden Klang eines Knurrens herüber und sofort sträubte sich das Fell der Fähe. Wie elektrisiert stand es in alle Himmelsrichtungen ab, ein wilder und doch zugleich eleganter, schöner Ausdruck spiegelte sich in den fast schwarzen Augen Aléyas wieder. Die Muskeln der Welpin waren zum Zerreißen angespannt. Dann passierte allerdings etwas, womit die Welpin nicht gerechnet hatte. Der fremde Welpe, Nihil, hatte ihn Takashi genannt, sprang plötzlich los. Zusammen mit seiner Bewegung regte auch sie sich, ihre Muskeln zuckten, als wollte sie ihrerseits los preschen, um ihre Freundin zu beschützen. Dies war jedoch nicht weiter notwendig, denn Nihil schoss an Ave vorbei, raste dann auf sie und Takashi zu. Wieder spannten sich die Muskeln an, die Zähne waren gefletscht und ein unterdrücktes Grollen grummelte tief in ihrer Kehle. Doch wieder wurde sie überrascht, denn der Spurt des jüngeren Wolfes ging an ihnen vorbei und schon war der seltsame Weiße weg.
Ein paar tosende Herzschläge stand Aléya still da, bis sich merklich die Anspannung verflüchtigte. Das Welpenfell glättete sich, schmiegte sich seidig an ihren schlanken Körper, der entspannt neben dem Erwachsenen stand und auch ihre Augen färbten sich wieder wie Meeresperlen. Als wäre nichts passiert.
[bei Takashi]
16.03.2010, 18:51
Takashi schien ein wenig nachdenklich Aufgrund Nihils Dasein. Stumm beobachtete er den relativ fremden Welpen, während wohl dieser ihn selbst bemerkt hatte. Dennoch zeigte der Schwarze darauf hin keinerlei Reaktion. Wie erstarrt blickte er weiter in die Richtung des Welpen. Was machte der Kleine da bloß bei den anderen Wölfen? Was hielten sie überhaupt von ihm, weil er sich doch etwas seltsam verhielt? Sicherlich hatte er Unfug erzählt, dass er angeblich nur im Nichts leben könne. Schließlich schien er in der normalen Umgebung keinerlei Probleme zu haben. Ganz plötzlich schreckte der Rüde hoch, als er wahrnahm, dass Nihil direkt auf ihn und Aléya zu rannte! Auch die Welpin zeigte große Abneigung dem fremden Welpen gegenüber. Während der Rüde alles beobachtet und darüber nachgedacht hatte, war er ein wenig zusammengesackt. Nun saß er kerzengerade dort und konnte nicht begreifen, was dieser Welpe dort vor hatte! War der fremde Welpe nun völlig verrückt geworden?
Verwirrt machte Takashi eine Bewegung, als wollte er aufstehen, blieb dann doch sitzen. So schnell Nihil in die Richtung Takashis und Aléyas gelaufen war, so war er auch wieder weg. Der Schwarze verdrehte leicht den Kopf. War Nihil etwa wütend, dass er so intensiv beobachtet wurde? Denn nicht nur er, sondern auch Aléya hatte ihn vorhin sehr durchdringlich angeschaut,
“Er ist doch wirklich eigenartig!...“
Murmelte Takashi ruhig, während er den Welpen aus den Augen verlor. Dann endlich sah er wieder die Welpin an, die Nihil sonderlich zu mögen schien. Ein wenig unruhig schnippten seine Ohren nach vorne, als er das Wort „Fluch“ vernahm. Er klang ein wenig bedrückt.
“Aber mach dir keine Sorgen…ich glaube nicht, dass er etwas anrichten wird. … Und ob er verflucht ist, weiß ich nicht. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er mir die Wahrheit erzählt hat. Dass er nur im Nichts leben kann…glaube ich nicht! Sieh ihn dir doch an, wie er hier zurecht kommt.“
Takashi schüttelte leicht den Kopf und sank nun wieder etwas zusammen. Auch Aléya hatte sich allmählich wieder beruhigt, was auch gut so war. Warum auch immer sie eine so starke Abneigung gegenüber dem fremden Welpen zeigte, erschien ihm als unbekannt. Natürlich war er froh darüber, dass weiterhin nichts passiert war. Die Situation hätte nämlich noch ganz anders ausgehen können.
[See | Südostseite | alte Weide | Aléya ]
16.03.2010, 21:09
Nur langsam beruhigte sich der rasche Herzschlag der Fähe, der das Gift immer weiter durch ihren jungen Körper sickern ließ. Die verzerrte Ausstrahlung, die nichts mehr mit der eines Welpen zu tun hatte, verschwand. Die Ruhe kehrte wieder in die Helle zurück, dennoch schwang die Rute, die eben dominant aufgerichtet war, gereizt hin und her. Ihr gefiel dieser Welpe nicht – bei Leibe nicht. Sie spürte etwa sehr seltsames an ihm und ihr Gefühl täuschte sie nicht.
Aryan hätte ihr erklärt, dass er anders war, dass sie anders werden konnte. Aber dieser Nihil... Leicht kräuselten sich die Lefzen der Kleinen und abwehrend waren die Ohren zurück gelegt. Ihr Instinkt sagte ihr, dass da etwas so rein gar nicht stimmte. Ob Takashi das auch bemerkt hatte?
Die Fähe hob den Kopf, blickte in die blauen Augen des Dunklen, der sich mehr Sorgen um diesen Sonderling machte. Auf das, was er sagte, hätte Aléya am liebsten wieder geknurrt. Hatte Takashi keine Ohren am Kopf?!
„Der hat meine Freundin angeknurrt! Mir ist es egal, ob er verflucht oder Fenris persönlich ist. Niemand, wirklich niemand, knurrt meine Freundin an.“
Vor Wut schienen die wieder dunkler gewordenen Augen Funken zu sprühen und kurzerhand kniff Aléya Takashi kurz, aber schmerzvoll in die Pfote.
„Es interessiert mich auch nicht, ob er hier gut oder schlecht zurecht kommt. Er hat meine Freundin nicht anzuknurren. Ich kann nicht verstehen, dass du das so gelassen hin nehmen kannst. Ich habe ihn immerhin bis hierher hören können! Argh, warum sind Erwachsene immer nur so...!?“
Der Ärger der Fähe war längst nicht verraucht, durchzuckte wie Stromstöße wieder ihren Körper und ließ sie wieder älter erscheinen, als sie es eigentlich war. Wo war nur ihr Vater? Der hätte diesem Welpen etwas erzählt, wenn ihn seine Tochter darum gebeten hätte.
Gut, ihr Vater war gerade nicht da, also hatte sie wohl handeln müssen. Und hätte es auch getan, wäre Nihil nicht weiter gelaufen. Der sollte es sich noch ein Mal wagen, Ave oder sie anzuknurren...
[See | Südostseite | alte Weide | bei Takashi | in Sichtweite Mochi Cake und Avendal]
18.03.2010, 11:57
Malakím sah Krolock zu ihm zurück kommen und staunte deshalb nicht schlecht. So sehr, wie der kleine Schwarzwolf, sich über seine Gesellschaft und seine Ansichten beschwert hatte, hatte er nicht dessen Rückkehr erwartet. Der Schwärzling begrüßte den Welpen mit seinem ewigen Lächeln und einem kurzen Rutenklopfen. Dann legte er den Kopf schief und ließ Krolocks Motzerei schier von sich abprallen.
"Nein",
entgegnete er. Und legte eine Kunstpause ein, während der es schien, als wolle er gar nichts weiter zu dem Thema sagen.
"Du bist weggegangen, jetzt ist es mein Platz. Ich würde ihn aber mit dir teilen..",
ergänzte er und grinste, wissend, dass der Welpe alles andere als Malakíms weitere Gesellschaft ertragen wollte. Ha, aber er würde sich doch nicht von so einem schrecklichen Jungtier verscheuchen lassen, der ihn so vorzüglich daran erinnerte, wie er auf keinen Fall sein wollte und wieviel besser er es doch mit seiner Weltsicht getroffen hatte. Ein Vergnügen ohne echtes Glück, denn es wäre falsch zu sagen, dass Malakím mit dieser Situation glücklich war. Er gestattete sich nur nicht, sich von diesem Miesepeterwelpen sein Glück allgemein trüben zu lassen, und daher kam er mit dieser Situation noch immer gut zurecht.
In seinen Augen lag fast ein herausforderndes Funkeln, und gespannt wartete er darauf, wie Krolock reagieren würde. Falls er dazu kam, denn hinter ihm pirschte sich ein anderer Welpe heran, und sprang mit einem Mal auf Krolocks Rücken. Gleich darauf purzelte er über den Schwarzwelpen rüber, rappelte sich jedoch sofort wieder auf und schien zur nächsten Attacke übergehen zu wollen. Malakím öffnete den Fang und lachte vergnügt.
[Weide am See | Krolock und Nihil]
18.03.2010, 17:07
Chardím musste ein paar harte Angriffe seines silbernen Bruders parieren, dann antwortete Turién schließlich, während er rutewedelnd auf seinem Rücken lehnte und frecher Weise sein Ohr immer noch nicht los ließ. Unendlich weit also? Hm, ob das ging? Nun, irgend etwas hatte bisher immer ihre Sicht versperrt. Bäume, Felsen, und das Nichts halt. Wenn keine Grenzen die Sicht versperrten, sah es dann in der Ferne auch so aus, wie über ihnen? Wie Himmel? Der Schwarzweiße konnte nicht länger darüber sinnieren, da schnappte Turién nach seinem Brustfell und befreite sich aus dem Ohr-Klammergriff. Natürlich nur, weil Chardím losgelassen hatte, um seinem Bruder nicht das Ohr ab zu reißen. Dann fegte der Silberne wie von einer Stechfliege gestochen über die Wiese und erinnerte ein wenig an einen wildgewordenen Hasen.
„Komm schon? Was heiß hier komm schon! Du trödelst doch rum!“,
rief Chardím mit gespielter Empörung. Dann flitzte er mit großen Sätzen auf Turién zu, tat so, als würde er ihn gleich wieder anspringen wollen, preschte dann aber haarscharf an ihm vorbei.
„Wer als Erster da ist!“
Ha! Es tat gut, dass alles nun so war, wie es war. Kein Nichts mehr, keine Gefahr. Nun, wo es weg war, schien es fast so, als müssten sie nichts mehr fürchten und sich vor nichts mehr in Acht nehmen. Ganz so war es sicher nicht, aber diese neugewonnene Freiheit, löste den euphorischen Drang in ihm aus, herum zu springen, zu rennen und so alle Ketten von sich zu sprengen, die noch vor kurzer Zeit durch das Nichts gebildet worden waren. Noch dazu waren sie jetzt älter, erwachsener. Sie mussten nicht mehr in Mamas und Papas unmittelbarer Nähe sein, auch wenn die das sicher lieber so hätten. Aber jetzt grade wollte Chardím dieses Stückchen kostbare Freiheit ausnutzen und war sehr froh, dass er sie sogar mit Turién teilen konnte.
Wuffend wirbelte der Schwarzweiße einmal im Kreis, auffordernd und um sehen zu können, ob Turién sich auch anstrengte, oder überhaupt eine Chance hatte, ihn ein zu holen! Es war ein irres Gefühl direkt neben dem Bachlauf her zu rennen, während sich die Sonne in strahlenden, weißen Punkten auf dem Wasser verteilte. Noch einmal suchten die zweifarbigen Augen, die im Moment genau so euphorisch funkelten und sich mischten, wie es seiner Laune entsprach, nach seinem Bruder.
[ Bachlauf, auf dem Weg zum Himmelsfelsen | Turién ]
20.03.2010, 12:21
Ein leises Geräusch ließ Jarrèll Nathaniêl aufhorchen. Ein Geräusch, das ihm so vertraut war und ihm zugleich einen brennenden Stich versetzte. Das Heulen einen fremden Wolfes. Umdrehen, lautete der erste Gedanke der dem Rüden durch den Kopf schoss. So hatte er es bisher immer gehandhabt, wenn es auf andere Wölfe gestoßen war. Zu groß war der Schmerz, ein Rudel zu sehen, ein Rudel wie er es einst geleitet hatte… Energisch versuchte er die Gedanken, an seine Vergangenheit, in eine der hinteren Ecken seines Gedächtnisses zu verdrängen, doch es gelang nicht.
°Drehe nicht um. Bleibe und schließe dich dem Rudel an. Vertrau‘ dir selbst, es ist richtig.°
Leises Flüstern drang aus einer dunklen Ecke in seine Wahrnehmung vor. Irritiert schüttelte Jarrèll den Kopf. War es denn so weit gekommen, dass er fantasierte? Schon des Öfteren schien sich diese Stimme leise in sein Gedankengut geschlichen zu haben, ohne dass, er es bewusst wahrgenommen hatte. Mit jedem Mal schien sie kräftiger geworden zu sein, nun sprach sie leise und doch bestimmt. Nein. Vertrau dir selbst. Welch‘ ein Hohn. Er würde weiterziehen. Sein klarer Verstand behielt Oberhand und das sollte auch so bleiben. Klarer Verstand? Welch ein Gedanke! Erneut spottete er innerlich, wo hatte der ihn hingeführt? Ihn, sein Rudel, Shayné? Wie ein reißender Fluss brachen die Erinnerungen über ihn herein. Er brauchte den Name der Fähe nur zu denken, und schon kehrten die furchtbaren Bilder zurück, die schreckliche Stille, der beißende Geruch verbrannter Erde. Sein Kopf schien wie leer gefegt und war dennoch voll von Eindrücken, als hätte sich das alles erst Gestern ereignet.
Langsam verblasste das Bild der toten Fähe vor seinen Augen. Eine brennende Leere fraß sich durch seinen Körper, riss die alten Wunden wieder auf. Der Rüdel versuchte sich selbst wieder in seine Gewalt zu bekommen. Es war nicht besser geworden, doch er hatte gelernt damit zu leben. Er konnte sich nicht gegen die Erinnerung zur Wehr setzen, eine schwarze Wand, eine übermächtige Gewalt, ergriff ihn jedesmal und brach über ihn herein. Jarrèll ließ es einfach über sich ergehen, dass ihn das Erlebte regelmäßig heimsuchte und eine tiefe, quälende Leere hinterließ. Erst nun nahm er seine Umgebung bewusster wahr, er konzentrierte sich auf die Landschaft, eine willkommene Ablenkung. Ein dichter Wald umgab den Rüden, nur vereinzelte Lichtstrahlen fielen auf die Erde, es entstand eine einzigartiges Spiel aus Licht und Dunkel. Eine ganz besondere Stimmung schien dieses düstrer Zwielicht zu beherrschen und Besitzt von ihm zu ergreifen. Jarrèll fühlte sich auf eigenartige Weise gut. Oder besser. Besser zumindest als in den vergangenen Tagen und Wochen. Es war wieder schlimmer geworden, allzu oft hatten ihn die Dämonen heimgesucht in naher Vergangenheit.
°Du spürst es. Wehre dich nicht. Der Ort verleiht dir Kraft.°
Wieder diese Stimme, leise und fast schon beruhigend. Einen Moment lang gab Jarrèll sich dem Wispern hin, welches säuselnd sie Leere verdrängte, die ihn erfüllte. Würde er nicht gut daran tun den Rat zu befolgen? Wie lange würde es noch dauern bis seine Kräfte schwanden? Blitzend meldete sich ein kleiner Splitter seiner Kämpfernatur. Sollte er Stimme die aus den tiefen seiner Seele entsprang, nicht recht geben und bleiben? Der Gedanke auf andere Wölfe zu treffen jedoch, ließ Jarrèll Nathaniêl erschaudern und zurückschrecken.
°Dies ist deine Chance, vielleicht die letzte. Nütze sie.°
Eine letzte Chance. Für ihn gab es keine Chancen mehr. Jäh, kehrte seine verbitterte Härte zurück und griff kalt nach seiner Seele. Er hatte seine Chance gehabt. Und er hatte sein Glück verspielt. Leichtsinnig, dumm, alles auf Spiel gesetzt und alles verloren. Was wollte er? Was erwartete er sich von diesem Rudel? Nichts, dachte er. Nichts. Die Schärfe dieses Wortes klang in seinen Ohren, hallte in seinem Kopf, wie ein Echo, wieder und wieder zurückgeworfen.
°Na und? Was hast du jetzt? Sage mir was du besitzt. Nein, schweige, ich will es dir sagen. Nichts, besitzt du, gar nichts.°
Nichts. Jarrèll besaß nichts mehr, er hatte nichts mehr zu verlieren. Mit energischen Tritten schritt er durch den Wald, sanft federte der leicht feuchte mit Flechten und Moosen bedeckte Waldboden unter seinen Pfoten. Größere, ebenfalls moosbedeckte Felsblöcke lagen verteilt, zwischen den hohen Tannen und Fichten, die sich über dem Kopf des Rüden nahe zu endlos erscheinend dem Himmel entgegen reckten und die Sonne hinter ein grünes Dach aus Ästen und Nadeln verbannten. Grüne Farne wuchsen dicht zwischen den Bäumen und Steinen. Ein düsterer Ort, dem doch auf eigenartige Weise Leben geschenkt worden war. Schließlich lichtete sich der Wald, ein sanft abfallendes Tal dehnte sich vor den Augen des Silbernen aus. Geblendet vom weißen Sonnenlicht, kniff Jarrèll die Augen zusammen. Ein Flusslauf, gefüllt mit glasklarem Wasser, schlängelte in breiten Bogen durch die grüne Ebene. Die gleißend helle Sonne spiegelte sich, in den Fluten, ein glitzernder Schimmer lag über dem schnell dahin fließenden Wasser.
Jarrèll Nathaniêls Entscheidung war gefallen.
[Rand des südlichen Nadelwaldes, blickt hinab zum Fluss | zunächst alleine]
(.(Mein erster Beitrag. Hoffe der Text ist nicht allzu sinnlos...).)
21.03.2010, 18:27
Am Fuße des kleinen Hügels blieb er stehen. Eine laue Brise strich über diesen geweihten Ort und brachte die Köpfchen der blauen Blumen zum Nicken. Sie wiegten sich ihm entgegen, und Aszrem fühlte sich von ihnen begrüßt wie von Boten aus einer anderen Welt. Und er war fast bereit zu glauben, dass es tatsächlich genauso war. Fast. Er hatte die Macht der Götter erlebt, aber sein Verstand wurzelte nach wie vor zu tief in Vernunft, Logik und einem Leben voller Beobachtungen, als dass er einfach so einem Moment wie diesem etwas Göttliches angedichtet hätte. Es war schon göttlich, diesen Ort so vor zu finden wie er nun war, und für noch mehr konnte sich der Schwarzbraune nicht öffnen.
'Nyota',
sandte er einen stummen Gruß.
'Ich wünschte, du wärst hier. Ich wünschte, du könntest dieses Tal sehen, unsere neue Heimat. Vielleicht kannst du das sogar. Aber ich wünschte, du könntest es MIT mir sehen. An meiner Seite stehen. Mit mir das neue Tal erkunden. Ich wünschte, ich könnte dich ansehen. Sehen, wie deine Augen leuchten, wenn du Nerúi zusiehst und die Schönheiten dieses Tals erblickst...'
Er senkte den Kopf, berührte mit der Nase eine der Blumen. Der süßliche Duft schien ihm seine Trauer vergessen lassen zu wollen, und für einen winzigen Moment lächelte er. Aber er würde nicht so schnell aufhören zu trauern, wenn er es denn je würde. Auch wenn er keine Tränen mehr hatte.
'Ich weiß noch immer nicht, warum das passieren musste. Warum... warum ihr gekämpft habt. Ich werde es nie wissen, und das schmerzt fast am meisten. Dass ich nicht weiß, warum du sterben musstest. Warum Nerúi und ich dich verlieren mussten. Und ich hoffe, dass ihr nicht länger kämpft, sondern euch versöhnt habt, in den Gefilden Engayas...'
Langsam wandte Aszrem sich um und schritt zu Kylias Grabhügel. Hier plazierte er die Muschel, die er getragen hatte. Nyota hatte bereits zwei erhalten, und auch wenn sie seine Gefährtin gewesen war, wollte er nicht, dass Kylia unbeachtet blieb. Er glaubte nicht, dass Nyota ihm das übel nehmen würde, waren sie und Kylia doch eigentlich beste Freundinnen gewesen.
'Kylia, es tut mir auch Leid um deinen Tod. Nerúi hat dich sehr geliebt, Nyota und ich hätten uns keine bessere Patin wünschen können. Ich weiß nicht, was zwischen dir und Nyota vorgefallen ist, da an dem Abgrund. Ich weiß nicht, wer schuld an diesem Unglück hat, oder ob es überhaupt einen Schuldigen gibt. Aber wie es auch war, ich gebe nicht dir die Schuld an diesem Unglück, so wie ich auch Nyota keine Schuld gebe. Da sollst du nur wissen...'
Aszrem kehrte zu Nyotas Grabstätte zurück, seufzte still. Sein Blick fand zu seiner Tochter und Caylee. Beide sahen halb traurig und halb glücklich aus, schwer zu deuten. Nerúi weinte sogar. Aszrem trat zu seiner Tochter und strich ihr mit der Nase über die tränennasse Wange, dann ebenso bei Caylee.
"Sagt bescheid, wenn ihr wieder gehen wollt. Wir können dann ja noch nach euren Großeltern sehen. Aber lasst euch Zeit",
flüsterte er leise und legte sich dann hinter die beiden in das Gras, dabei darauf achtend, keine der Blumen zu zerdrücken. Die Sonne schien wärmend auf sein dunkles Fell, als ob auch sie ihn trösten wollte. Es war Winter, aber es lag ein Hauch von Frühling in der Luft...
[Nyotas und Kylias Grabstätte | Nerúi, Caylee]
21.03.2010, 19:22
Alles war wieder beim Alten. Das Revier war neu, es gab plötzlich Ortschaften, die der Tiefschwarze noch nie im Tal der Sternenwinde gesehen hatte und doch war der Geruch noch überall der Selbe. Der Geruch des Rudels, dessen Witterungen sich schon seit Jahren stetig veränderten; deswegen war es aber immer noch genau so wie immer. Mit einem Unterschied. Banshee war nicht mehr, ebenso wie Nyota. Face Taihéiyo war als letzter, alter Rangwolf der Sternenwinde übrig geblieben. Und das Gefühl, dass die Posten über ihm nun leer waren, erschien ihm etwas beklemmend. Obwohl alles wieder so schön war, das Nichts durch ein Wunder verschwunden, fehlte dem Rudel doch etwas ganz Elementares. Eine Führung. Der rabenschwarze Wolf fühlte eine schwerere Verantwortung auf seinen Schultern als sonst, Tyraleen machte ihre Sache zwar gut, aber noch war sie keine Leitwölfin. Und er war einfach nicht der Wolf, der ein ganzes Rudel führen konnte. Dennoch bemühte er sich, so gut es ging. Face hatte in den fast 4 Jahren, die er schon bei dem Rudel lebte gelernt, dass man sich manchmal verbiegen musste. Dass man auf andere Acht geben und Verantwortung übernehmen musste, auch wenn man sich eigentlich nicht dafür geschaffen fühlte. Aber er hatte Banshees Aufgabe freiwillig übernommen und trotz allem bisher nie bereut.
Still – den lautlosen Gang eines Toten würde er wohl nie ablegen könnten – lief Face Taihéiyo an diesem Tag nahe der Reviergrenzen, wollte sich umsehen und sicher gehen, dass wirklich alles in Ordnung war. An den Frieden glauben zu können, dass hatte er seit je her doch nie geschafft. Er hatte in den letzten Tagen viel Zeit damit verbracht, sich alle Gesichter und alle Gerüche des Rudels ein zu prägen, um einen Fremden, von einem Rudelmitglied unterscheiden zu können. Das war bei den Sternenwinden manchmal etwas schwer, da Wölfe kamen und gingen, wie es ihnen beliebte. Face vergaß an sich nie ein Gesicht, oder einen Geruch, doch so viele auf einmal, die dann auch noch ständig wechselten, konnten einen schon überfordern. Aber er war erleichtert, eigentlich doch jeden Geruch zuordnen zu können, der ihm auf seinem Weg begegnete.
Bis er schließlich am südlichen Nadelwald angekommen war. Eine frische Fährte, die zu einem Wolf gehörte, dessen Geruch nicht zum Rudel passte. Leise seufzend hob Face den Kopf und ließ den Blick der saphirblauen Augen kurz schweifen. In einen leichten Wolfstrab verfallend, folgte der Tiefschwarze der Witterung, bis er einen hellen Wolf am Waldrand stehen sah. Während er ruhig auf ihn zuging, wurde sein Schritt wieder langsamer.
„Sei gegrüßt. Dir ist bewusst, dass du dich in einem Revier befindest?“,
fragte er, ohne dass man eine Tonlage aus seinem Gesprochenen erkennen konnte.
[ Rand des südlichen Nadelwaldes | Jarrèll Nathaniêl ]
22.03.2010, 18:47
Takashi schenkte Aléya noch einen kurzen unsicheren Blick. Was war da gerade überhaupt mit ihr passiert? Der Rüde selbst war viel zu abgelenkt gewesen, um das früher bemerkt zu haben. Langsam wandte sich der Schwarze mit seinem Blick ab und starrte in die Ferne. Die Kleine wirkte plötzlich so anders. Ihre Aggressionen schienen für einen Jungwolf mehr als untypisch. Sie wurde dadurch sehr viel ernster, aber auch gefährlicher. Zu was sie alles in der Lage war, war unbekannt. Dennoch sah sie sehr bedrohlich aus und für Nihil wäre es besser, wenn er ihr aus dem Weg gehen würde. Der schwarze Rüde sollte wohl eher ein wenig aufmerksamer sein, damit nichts passierte. Schließlich konnte er nicht genau einschätzen, was diese Anfälle aus Aléya machen konnten. Dennoch hatte sie es auf Nihil wegen seines Fehlverhaltens abgesehen, was negative Folgen haben konnte.
Sollte sich dieser Nihil da doch besser verziehen! Nicht, dass er hier nur noch Unruhe hereinbrachte! Takashi wollte doch einfach nur seine Ruhe haben; nichts weiter! Und wenn ihm ein anderer das nicht gönnen wollte und die Ruhe zerstörte, konnte er schon einmal ausfallend werden. Das Gesicht des Rüden verzog sich zu einem bösen Gesichtsausdruck. Er hatte zu lange nachgedacht, viel zu lange. Es war ihm zuvor doch gar nicht bewusst gewesen, was sich dort vor ihm abgespielt hatte. Takashi war voller Euphorie gewesen, seitdem er die neue Umgebung erblickt hatte. Nun wurde er aber auf eine etwas unsanfte Weise wieder in die zurzeit nervige Realität zurückgeholt.
.oO(Es gefällt mir doch immer weniger, wie er sich in unserem Revier austobt. Dass er Avendal gegenüber unfreundlich gewesen war, ist wohl auch eher unverschämt. Und gerade eben wollte er mir wahrscheinlich einen Schrecken einjagen. Einfach so in Aléyas meine Richtung stürmen – tze! … Nun, was machen wir jetzt mit ihm? Soll er etwa hier bleiben?)
Der Rüde war aufgesprungen und sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich noch etwas mehr, als zuvor. Aléya hatte ihm in die Pfote gebissen, was zudem auch noch sehr schmerzhaft war! Verärgert knirschte der Rüde mit den Zähnen.
“Hey! Lass doch sowas sein! ...“
Nun war auch Takashi deutlich anzumerken, dass ihm etwas nicht gefiel. Seine Stimme war lauter als zuvor. Langsam lockerte sich der zuvor so angespannte Gesichtsausdruck Takashis wieder auf. Aber warum sollte man sich denn auch aufregen? Schließlich handelte es sich hier nur um einen Welpen. Um einen Welpen, der Takashi wohl verunsicherte und ihm somit auf den Senkel ging.
“Was meinst du, was man da machen kann…wegen dem Fremden? Er ist eigenartig!“
Takashi ließ sich einfach nichts mehr davon anmerken, dass er gerade eben noch auf Aléya wütend gewesen war. Er senkte den Kopf etwas und beobachtete die Umgebung.
[See | Südostseite | alte Weide | Aléya ]
23.03.2010, 16:51
Gedankenverloren war Cirádan immer noch dagesessen. Doch dann schüttelte er sich endlich um das Wasser aus seinem Fell zu bekommen.
Irgendwann würde er sich trauen, seinem Bruder mal die Meinung zu sagen. Doch jetzt noch nicht. Immer noch hatte er zu große Angst vor seinem Bruder.
"Ach Mama, warum bist du fort?",
wimmerte der Welpe, wandte sich von Bruder und anderen Wölfen ab und schlurfte am See entlang.
Traurig seufzte er und plötzlich sah er seine Mutter neben sich laufen. Wie sie zwar blind, aber leichtfüssig einen Schritt neben den anderen setzte. "Mein Kleiner, füchte dich doch nicht so.", sagte sie zu ihm.
"Mama.",
flüsterte er überrascht, doch lies es geschehen, dass sie ihm die Seite stärkte. Ja. Irgendwann würde er so toll sein, wie seine Mama. Das stand fest.
Doch was sollte er jetzt tun? Er war doch ein Außenseiter und niemand wollte mit ihm spielen. Natürlich, Cirádan hatte Angst, dass sie ihn nur bissen. Aber er wollte auch Spaß haben. Ach, warum war alles nur so schwer?
Der Welpe verstand es nicht.
Und jawohl! Egal was Krolock sagte, Cirá war immer noch ein Welpe, davon war der Hellgraue fest überzeugt. Alle anderen wuchsen und er blieb für immer so klein und hilflos. Und seine Mutter war der Beweis! Vielleicht sollte er ihr von seinen Sorgen erzählen? Aber nein, er wollte sie nicht beunruhigen. Sie machte sich doch jetzt schon viel zu viele Gedanken.
"Du musst dir keine Sorgen machen. Ich komm schon klar.",
sagte er selbstverständlich und blickte in ihre Richtung. Er versuchte an ihrem Fell zu wittern, doch da war nur die Feuchtigkeit des Sees. Wie sehr vermisste er ihren Geruch ...
[planlos am See / vorderer Teil des Körpers noch etwas feucht]
(verzeiht, bin im Moment etwas planlos)
23.03.2010, 21:07
Er lief einfach munter vor sich hin, schlug mal hier einen Haken und umrundete einen besonders dicht gewachsenen Haufen an Gras, wurde langsamer und dann schneller. Er hielt seine Nase nach oben, sog alle Gerüche auf, ließ sie wieder sinken und schnupperte bedächtig und im Laufen an einigen Stellen im Gras, die ihm interessant erschienen. Ab und an sprang er sogar übermütig hoch.
Seine Ohren spielten aufmerksam vor und zurück, lauschten den Worten von Chardím, auf die er nur mit einem kurzen Auflachen antwortete. Er wollte sich gerade zu seinem Bruder umdrehen, als etwas ganz dicht an ihm vorbei schoss, sodass er nicht nur einen Windhauch an seinem Fell spüren konnte, sondern fast schon einen ganzen Sturm. So war das also! Auf einen Wettlauf ließ man sich nicht zweimal einladen, vor allem nicht, wenn es darum ging so schnell wie Möglich auf dem Himmelsfelsen zu sein.
Auch wenn Chardím schon einen Vorsprung hatte legte sich Turién mächtig ins Zeug, und seine Hinterläufe katapultierten ihn nach vorne, wie noch nie. Er, und auch all seine Geschwister, wurden mit jedem Tag kräftiger und er liebte dieses Gefühl. Wie musste man sich erst als Erwachsener fühlen, wenn man all seine Kräfte schon erlangt hatte und unwahrscheinlich Stark sein musste?
Der Silberprinz wuffte freudig auf, während sein Blick auf dem Bachlauf lag, der sich neben ihnen erstreckte. Das Wasser funkelte so hell und wunderschön - und das dank der Sonne. Doch er hatte eine Herausforderung zu meistern, und so fixierten seine Sonnengelben Augen wieder seinen Bruder, der einen Fehler gemacht hatte. Chardím hatte sich umgedreht, einmal im Kreis, offenbar um nach ihm zu sehen, und der Silberne nutze seine Chance natürlich , wirbelte mit zwei riesigen Sätzen, die ihn selbst erstaunten an dem Schwarz-Weißen vorbei, nicht ohne ihn noch mit der Schulter zu streifen. Mit den nächsten zwei Sprüngen hatte er sich noch weiter entfernt. Triumphierend hob er seinen Kopf im Lauf und auch seine Rute erhob sich leicht, als er in Führung ging.
"Haha!"
Ohne den Fehler zu machen, den Chardím gemacht hatte - sich nochmals umzudrehen - lief der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine Rüde weiter, machte einen Schlenker zur Seite, um zum Aufstieg zu kommen, den man benutzen musste, um den Himmelsfelsen zu erklimmen. Hier befand sich auch der Wasserfall, den man schon von weitem hören konnte - sein Tosen war auch etwas Neues für ihn gewesen.
Das neue Revier war ohnehin ein riesiger Abenteuerspielplatz für ihn, und vielleicht auch für seine Geschwister. So viel Neues zu entdecken, so viel Anderes. Es fühlte sich an wie im Paradies, wenigstens so, wie er dieses Wort verstanden hatte. Keine Angst, kein Regen, keine Bedrohung mehr. Es war das Paradies.
Hier stoppte Turién, ließ ein lautes Aufbellen hören und drehte sich erst um.
"Den ersten Teil habe ich gewonnen!"
Ein siegessicheres Grinsen auf den Lefzen, trippelte er auf der Stelle herum, während sein Blick immer wieder den Aufstieg in Augenschein nahm.
[ Am Bach, nähe Wasserfall & Himmelsfelsen | Chardím ]
23.03.2010, 21:21
Jarrèll Nathaniêls Blick glitt über die Senke die vor ihm lag, ein schwarzer Schatten schien am Waldrand entlang zu gleiten. Prüfend hob er die Nase der laue Wind trug die frische Fährte eines fremden Wolfes zu ihm hinüber. Eine schlanker, hochgewachsene Gestalt, mit tiefschwarzem Fell, kam aus der Ferne in seine Richtung getrabt. Nun war es zu spät umzukehren, der Schwarze hatte ihn sicher längst erspäht und vermutlich -schon lange bevor er in Sichtweite gekommen war- seine Fährte aufgenommen. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und tat einen tiefen Atemzug. Mit erhobenem Haupt sah er dem Dunklen entgegen, der nun seinen Gang verlagsamte und fast lautlos auf ihn zuschritt. Jarrèll blickte dem anderen Wolf ruhig entgegen, in Erwartung des Dunklen der mit großer Wahrscheinlichkeit dem hier heimischen Rudel angehörte. Als dieser zu ihm herantrat und sein Wort an Jarrèll Nathaniêl wandte waren weder seine Wortwahl noch sein Auftreten eine Überraschung für den Silbernen. Selbst hatte er oft die begrüßenden Worte gesprochen, die ersten, entscheidenden Fragen gestellt, zu oft jedenfalls als das ihn die Worte des schwarzen Wolfes in irgendeiner Weise verunsichern würde. Ein Zucken durchfuhr den Rüden bei diesem Gedanken, der die Scherben desehemaligen Leitwolfs aufblitzen ließ. Lediglich die unergründlichen, saphirblauen Augen des Fremden fesselten den Blick des Hellen auf eigentümliche Weise.
„Gleichwohl. Ich bin mir des Gebietes bewusst, auf dem ich mich bewege. Sagt welchem Rudel…“,
der Rüde zögerte als er das Wort aussprach, unwillkürlich verkrampften sich seine Muskeln.
„…welchem Rudel gehört dieses Revier?“,
Jarrèll zwang sich den angefangenen Satz in gleichmäßigem, unberührtem Tonfall zu Ende zusprechen mit dem er begonnen hatte, obgleich dem Schwarzen, der ihn von der Größe her überragte, sein Zögern vermutlich nicht unbemerkt geblieben war.
„Ich nahm die Fährte der Euren schon aus einiger Entfernung wahr. Ich wanderte von Süden her, in diese Richtung, auf der Suche nach einem Rudel, dem ich mich anschließen kann“,
der Rüde sprach mit fester Stimme, um einen unverbindlichen, kühl freundlichen Tonfall bemüht. Es gab kein Zurück mehr, so konnte er gleich aussprechen welchen Grund seine Anwesenheit hatte. Er hatte entschieden und obgleich es ihm Unbehagen bereitete, würde er zu seiner Entscheidung stehen. Er hatte nicht vor seine Absichten zu verhüllen oder irgendetwas zu verbergen, lediglich sagen was er zu sagen hatte, nicht mehr und nicht weniger, würde der weiß-graue Rüde.
Eine Antwort abwartend, musterte Jarrèll sein Gegenüber unauffällig, bei näherem hinsehen erkannte er dass, die einzigartig blauen Augen nicht die einzige Auffälligkeit an diesem war, sein Fell schien nicht einfach schwarz, nein es war mehr als das, es schien jegliches Licht aufzusaugen, wie trockener Boden im Sommer das Wasser einen Regengusses. Keine einzige Lichtspiegelung der weißen Wintersonne war auf seinem dunklen Fell erkennbar. Welch Gegensatz der Tiefschwarze zu ihm, Jarrèll Nathaniêl, darstellte. Äußerlich waren sie wie Tag und Nacht, Schwarz und Weiß, Licht und Dunkel.
[Rand des südelichen Nadelwalds | Face Taihéiyo]
24.03.2010, 14:34
Der dicke Rüde verzog die Lefzen und entblößte seine Zähne. Dann stieß er ein "HA!" aus und es klang, als sei dieses "HA" stattdessen ein großes, bitter schmeckendes Insekt, auf das der dicke Graue gebissen hatte und dass er nun wieder loszuwerden suchte. Und noch einmal: "HA!" Mochi blickte auf, als versuchte er, das kleine, auf einem Strom warmer Luft aus seiner Kehle herausgeschleuderte Wort mit den Augen zu verfolgen, dann wanderte sein Blick weiter und streifte stattdessen die sich entfernende Gestalt Nihils, der durch das hohe Gras davonlief. Mochi seufzte und stand auf, wartete kurz, beachtete seinen Herzschlag und blickte nieder auf Avendal. Sie lag noch dort, im Gras, wie dort vergessen von jemandem, ihrer Mutter, ihrem Vater, oder vielleicht waren die auch tot, vom Nichts verschlungen wie die alte weiße Fähe, die auch so hübsche Füße gehabt hatte. Mochi befand, dass Stehen zu anstrengend war und ließ sich wieder fallen.
"Das sind überhaupt die Besten. Labern, als ob sie Ahnung hätten, dann stellen sie aus dem Nichts heraus eine Frage, die erst gewichtig klingt, sich dann aber als überflüssig und dusselig herausstellt. Und dann sind sie plötzlich verschwunden. Genau wie all die anderen hier, die etwas zu sagen hätten. Ich sag es dir ganz ehrlich, kleine Avendal, auch wenn du mich noch nicht so richtig kennst und ich dir vielleicht gerade Angst mache, ich hätte gerne ein paar Antworten. Wir sind in dieses Nichts hineingelaufen und jeder dachte, dies sei es nun - das Ende, der Tod, womöglich das, was danach kommt, obwohl doch jeder weiß, dass da einfach nichts ist, leerer Raum, ein toter Körper, das ist alles. Wir liefen hinein und dann, oh Wunder, sind wir hier, aber das war es dann auch und plötzlich hatte niemand mehr etwas mit diesem ganzen Nichts zu tun. Ich möchte wirklich immer noch wissen, wer dafür verantwortlich ist, dass hier beinahe alle gestorben wären, die noch nicht bereit waren, für sich selbst zu entscheiden und zu sagen, dass es das jetzt war. Dass man jetzt besser geht. Das würde ich zu gern wissen. Und was ihr gedacht habt, was ihr gesehen habt."
Mochi verstummte. Er atmete den honigsüßen Kuchengeruch Avendals ein und legte den Kopf auf die Pfoten. Mit etwas Mühe konnte er nicht unweit von ihm nahe einer Weide andere Wölfe entdecken. Sie wirkten, so schien es ihm, glücklich. Ob sie es wirklich schon vergessen hatten, was passiert war? Und warum konnte er es nicht vergessen? Warum trug er all diesen Groll in sich herum, Groll auf irgendwelche Leitwölfe, mit denen er eigentlich nicht so viel zu tun gehabt hatte? Würde ihm irgendwann Erlösung zuteil werden? Er schloss die Augen. In seinem Kopf sah er Bienen vor sich, die über riesigen Blumenwiesen tanzten. Irgendwann, dachte er bei sich, kommt der Frühling ja doch immer zurück. Auch wenn man es gar nicht glauben mag, wenn einem wieder die Kälte in die Glieder fährt und man sich gar nicht rühren kann. Aber er kommt ja doch - der Frühling.
[nahe der Weide | Avendal, in Sichtweite Aléya und Takashi]
25.03.2010, 17:59
(Da Enmaku abwesend ist, erlaube ich mir, sie zu überposten?! Falls nicht recht, bitte sagen... v.v)
Ein langer Weg. Jeder Schritt so schwer und schmerzhaft, als hätte sich ein Tiger in seinem Pelz verfangen. Die Luft kratzte die Atemwege auf, liess die Alveolen platzen und immer weniger Sauerstoff durch den Blutkreislauf jagen. Immer schwerer wurde der sonst so starke Körper und immer schlimmer fühlte sich der Rüde. Auf der Flucht, da belasteten ihn so viele Warums und Wies, doch hier, hier war er in schönster Umgebung. An einem Ort, an dem er sich Zukunft aufbauen kann. Oder hätte können, denn jetzt war er wieder alleine, die einzigen, mit denen er gegangen wäre, waren tot. Sie hatten ihn zurückgelassen und nun stand Katsumi mit seinem Unwissen wieder alleine auf der kalten Welt. Entfernt hörte er den Ruf von Shani. Ihre Stimme drang an seine Ohren, bahnte sich den Weg zu seinem Hörzentrum, doch dies verschloss die Türen. Er wollte nicht hören, wie er auch das Brummen der Bienen nicht hören wollte, oder das fröhliche Zwitschern der vielen Vögel. ER wollte und konnte nicht. Auch seine Seelenspiegel starrten ins Nichts hinaus, blendeten den Laubwald komplett aus. Sein Herz schrie. Schrie drei Namen. Immer und immer wieder. Nisha! Isis! Akru! Akru war da, Katsumi spürte ihn. Er hatte es versprochen. Nisha konnte kein Versprechen geben, er wurde von ihr weggerissen. Von ihr und den gemeinsamen Kinder. Dazumal, er hätte sterben sollen. Elendig am Ufer des Sees verbluten. Warum konnte er nicht wie alle anderen Lebewesen einfach sterben? Das Leben hatte sich in sein Fleisch und Blut gekrallt und lies ihn einfach nicht ins Land jenseits dieses Verstandes. Warum nur? Wo war sie, seine schöne Nisha, welche er so liebte, seit er sie das erste Mal sah. Als sie neben ihrem Vater stand. Neben ihrem toten Vater. Von dem Augenblick an, wusste er, dass sie es war, die Mutter seiner Kinder... Und Isis? Isis sackte neben seinem Körper in sich zusammen, wie ein vom Blitz getroffener Hirsch. In ihren Augen spiegelte Zufriedenheit. Er hätte bei ihr bleiben sollen und mit ihr sterben. Aber er konnte nicht. Auch hier hatte sich das Leben an ihm festgekrallt und ihn den Weg entlang gerissen. Weg von Isis. Weit weg von ihr...
Katsumi blieb stehen. Sein Herz schmerzte, aber er hörte Akru sagen, er solle umkehren. Akru war es leid, seinen Gefährten so zu sehen. Der Braune wollte sich weigern, dem Befehl seines Geliebten zu folgen, doch das Zischen aus der Kehle des Grauen schüchterte ihn ein. Also kehrte Katsumi, öffnete seine Augen, Ohren und Nasen und folgte seiner eigenen Fährte zurück zu Shani, ihrer Tochter und der Fremden.
“Shani... Verzeihung ich war mir nicht sicher... ob du es wirklich warst... Hallo Ahkuna und sei gegrüsst Fremde...“
Katsumi stammelte etwas vor sich hin und weder die weisse Fähe noch ihre Tochter noch der Neuankömmling werden ihm diese Worte glauben. Ein Wolf konnte aus weiter Entfernung seine Familienmitglieder riechen. Lächerlich. Katsumi fühlte sich augenblicklich schlecht. Noch schlechter. Mit müdem Blick sah er zu Shani, und wollte sie nicht damit belasten, immerhin war sie die einzige, mit der er in den letzten Tagen gesprochen hatte. Der Fünfjährige wollte sie nicht abschrecken. Also zwang sich der Fünfjährige ein Lächeln auf die Lefzen. Akru war erbost über das Verhalten, knurrte in den Nacken des Braunen.
“Verzeih, liebster Bruder... Verzeih mir, Akru...“
Flüsterte Katsumi und liess seinen Blick in die Bäume schweifen.
[Laubwald | Shani Ahkuna und Enmaku(...)]
25.03.2010, 20:13
[schlagt mich, aber ich steig einfach ein]
Hinter den ausladenden Ästen einer knöchrigen Kiefer verborgen stand der schwarze Rüde und beobachtete misstrauisch die Szenerie vor ihm. Der Tod hatte vor Kurzem in diesem Tal gewütet, und sein kalter Hauch war noch nicht vollends von der Sonne vertrieben worden. Ethelion konnte ihn spüren. Diesen perlmuttfarbenen, von Eiskristallen durchsetzten Nebel, der für die Augen anderer Wölfe unsichtbar blieb. Für den Fenrissohn war er so real und klar erkennbar wie die Bäume oder das Wild. Oft hatte er sich gewünscht, diese Gabe, die sein Gott ihm aufgebürdet hatte, ablegen zu können. In unzähligen Gebeten, die für uneingeweihte Ohren wie allnächtliches Wolfsgeheul klangen, hatte er Fenris angefleht, ihn von dieser Fähigkeit zu erlösen. Doch der Patron des Todes blieb unnachgiebig und stumm, wie es seit Wolfsgedenken seine Art war. Ethelion seufzte resigniert. Für ihn würde es nie eine Erlösung geben.
Ein gutes Stück entfernt lag ein See, der mit kristallklarem Wasser gefüllt war. Der schwarze Rüde fuhr mit der Zunge am Gaumen entlang. Sie fühlte sich trocken, ja fast pelzig an. Zu lange hatte er nichts mehr getrunken. Dennoch hatte Ethelion nicht vor, jetzt zum Ufer des Sees zu laufen und seinen Durst zu stillen. Erstens, er verabscheute das grelle Licht der Sonne, das die Augen blind für Gefahren machte und mit unbarmherziger Kraft auf seinen Pelz brannte. Zweitens, er wäre nicht allein am See gewesen. Aus seinem Versteck heraus konnte der Fenrissohn einen schwarzen Rüden und einen weißen Welpen am See ausmachen. Den fremden Rüden umgab die unverkennbare Aura Fenris', die Ethelion so vertraut war. Dennoch konnte er auf ihre Bekanntschaft verzichten; genau wie sie auf die seine. Der Schwarze ließ sich auf den Bauch sinken und legte den Kopf auf die Vorderpfoten. Der Waldboden war hier überall mit Moos bedeckt, was eine recht bequeme Liegestatt bot. Dennoch fand Ethelion keine Ruhe; er fand nie Ruhe, solange die Sonne noch über dem Horizont stand. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, seine Umgebung zu beobachten, um ja keine drohende Gefahr zu übersehen. Auf seine Ohren konnte er sich ja nicht verlassen. Diese verdammte Taubheit! Obwohl – Fenris sei Dank - nur ein Ohr betroffen war, behinderte es den Rüden sehr. Er konnte nicht räumlich hören und wenn sich ihm jemand von rechts her näherte, bemerkte er es manchmal erst, wenn derjenige schon fast mit der Schnauze sein Fell berühren konnte. Dann erschrak er jedes Mal heftig und wenn er sich nicht im Zaum hatte, konnte es passieren, dass er sein Gegenüber ohne Vorwarnung angriff. Ethelion seufzte, während er sich auf die Seite plumpsen ließ. Im Grunde seines seines Herzens wollte er niemandem etwas tun; nur vergaß er das leider allzu oft.
[Rand des Südlichen Nadelwaldes | Blick zum See | allein | Takashi; Aleya in Sichtweite]
26.03.2010, 09:16
Das Herz in der Brust der Kleinen schlug immer noch ohrenbetäubend laut, obwohl äußerlich längst die Ruhe zurück gekehrt war. Die dunklen, funkelnden Augen hatte noch beobachtet, wie dieser seltsame Welpe irgendwo im hohen Gras – hoffentlich auf nimmer wieder sehen – verschwunden war. Weg war er, was sollte es? Diesen Wichtigtuer, der wahllos Wölfe anknurrte, die zufälligerweise unter ihrem Schutz standen, würde sie sich bei Zeiten noch ein Mal schnappen. Man musste nur warten können, so viel war klar. Langsam beruhigte sich auch der schnelle Herzschlag, der Adrenalin durch ihren Körper geflutet hatte, doch ein eigenartiges Gefühl war geblieben. Es war, als würde sie immer mal wieder einen Blick auf ihrem Pelz spüren, den sich nicht direkt einsortieren konnte.
Takashi knirschte mit den Zähnen und ernetete nur ein welpentypisches Grinsen.
„Selber schuld. Du hättest dem Welpen selber eins aufs Dach geben können, statt seine Reaktion zu tolerieren.“
Gelassen blickte die Welpin zu dem schwarzen Rüden auf, der ihrer Meinung nach, wie alle anderen Erwachsenen war – abgesehen von ihrem Vater natürlich. Wie kamen sie auf die Idee, dass ein Welpe einfach so ihre Freundin ungestraft anknurren durfte? Innerlich schüttelte sie voller Unverständnis den Kopf. Erwachsene.
Geschwind glitt der Blick Aléyas zu ihrer Freundin, die sich noch immer bei dem übergewichtigen Rüden aufhielt, der ihr in jenem Augenblick über den Kopf sabberte. Was zum Kuckuck war das denn für einer?! Angewidert verzog die Weiße das Gesicht. Im Augenblick mochte sie nicht in Aves Haut stecken... nein, wirklich nicht. Takashis Frage riss sie jedoch aus dieser Vorstellung und mit einem diabolischen Grinsen auf den Lefzen und fast tiefschwarzen Augen blickte Aléya zu Takashi auf.
„Wir teilen ihn uns. Ich bekomme den Teil mit mehr Blut...“
Verwirrt über ihre eigenen Worte, die sie mit solcher Inbrunst aus der Tiefe ihrer Seele gesprochen hatte, schüttelte Aléya den Kopf. Was war das denn gewesen. Hörte sie nun schon Stimmen, die ihr befahlen, etwas so seltsames zu sagen? Wieder schüttelte sie sich, sämtliche Nackenhaare stellten sich auf.
Ein sachtes Geräusch von raschelndem Gras ließ sie dann jedoch herum wirbeln und erkannte endlich, wem dieser Blick gehörte, den sie immer wieder gespürt hatte.
„Takashi. Da ist noch ein Fremder...“, wisperte sie und nahm den schwarzen Wolf aus der Entfernung bestens in Augenschein, analysierte ihn förmlich.
[See | Südostseite | alte Weide | bei Takashi | in Sichtweite Mochi Cake und Avendal, sowie Ethelion unter seinem Baum]
26.03.2010, 14:58
Takashi schien ungehalten und etwas wütend auf sich selbst. Warum hatte er diesen Welpen überhaupt erlaubt, dem Rudel zu folgen? Ein direktes Erlauben war es zwar nicht gewesen, dennoch hatte der Rüde auch nichts dagegen gesagt. Verdammt nochmal, warum hatte der Schwarze bloß nichts gesagt? Es war doch auch schließlich nichts Neues, dass der fremde Welpe ein mysteriöser Fall war. Jetzt aber war es zu spät und der Welpe war hier inmitten der anderen Wölfe, während er Takashi sehr beunruhigte. Wäre es nicht am Besten, wenn man ihn auf Schritt und Tritt verfolgte, um sicher zu stellen, dass er keinen Unfug anrichtete? Schließlich hatte er Takashi schon einmal eine Lügengeschichte erzählt. Was hatte er hier nur bloß vor?
Ein leichter Schauer von entsetzen legte sich auf das Gesicht des Rüden. Blut? Hatte da Aléya etwa von Blut gesprochen? Was war denn bloß los mit ihr? Seitdem sie Nihils Fehlverhalten aufgeschnappt hat, hat sie sich völlig verändert! Nun blickte er die junge Fähe das erste Mal genauer an. Zuvor hatte er sich nur von Nihil ablenken lassen. Jetzt konnte der Rüde erkennen, dass sich Aléyas Augen dunkel verfärbt hatten! Dunkel war untertrieben, weil sie völlig schwarz waren!
“Aléya…was ist mit dir? “
Flüsterte der Schwarze leise. In Takashi tat sich die Vermutung auf, dass die junge Fähe von einer Art Fluch betroffen war. Diese plötzliche Charakterwandlung war auf keinen Fall normal! So etwas konnte doch nur durch den Einfluss eines Fluches geschehen! Der Gesichtsausdruck des Schwarzen war besorgt. Außerdem befand er sich in keiner allzu leichten Situation.
Der Rüde war sich zuvor noch nie so unsicher gewesen, inwiefern er jemandem über den Weg trauen konnte. Es handelte sich hierbei zwar nur um einen fremden Welpen, Nihil, aber dennoch war die ganze Sache viel zu eigenartig. Der Rüde war drauf und dran, den Welpen zu verfolgen. Er lief einige Schritte vor, als er plötzlich auf jemand ganz anderes aufmerksam wurde. In seinem aufmerksam beobachtenden Augenwinkel hatte er einen Wolf – einen Fremdling anscheinend – entdeckt. Jetzt tauchte auch noch so einer auf! Wie unpassend! Sofort ließ er von der Richtung Nihils ab und blickte dort hin, wo er den Fremden erspäht hatte. Kurz wendete er sich noch an Aléya. Es wäre bestimmt besser für sie, wenn sie an der Weide bliebe und sich alles aus der Ferne ansah. Später würde sich Takashi erneut um sie kümmern.
“Aléya, du bleibst besser hier! Denn ich weiß nicht, mit wem wir es da zu tun haben!“
Darauf hin wandte er seinen Blick von der Welpin ab und hoffte darauf, dass sie seinen Worten Folge leisten würde. Es war eigentlich ziemlich unvernünftig, genau in diesem Augenblick Aléya aus dem Auge zu lassen. Wer weiß, was sie anstellen würde, nachdem man sie alleine lässt? Mit forschem Schritt ging Takashi in Richtung Fremder. Es schien sich um einen Rüden zu handeln, dessen Pelz schwarz war. Mit einem sicheren und besonders großen Abstand baute sich Takashi zu voller Größe auf. Den Fremden musterte er dabei weiter. Auch, wenn er lag, konnte man erkennen, dass er wohl nicht allzu klein war. Aber was sollte das schon aussagen? Dies machte dem Rüden mit den tiefblauen Augen noch lange keine Angst.
“Darf ich fragen, was ihr hier tut?“
Fragte der Rüde gelassen den Fremden. Seine Augen hörten einfach nicht auf, den dort liegenden Wolf durchdringlich zu mustern. Hin und wieder blickte er zu der Weide, wo sich Aléya befand. Takashi war ein wenig unruhig, da gleich drei unbekannte Dinge auf ihn zukamen. Zum einen war es Nihil, der einfach nur komisch war. Dann Aléya, die sich plötzlich so verändert hat. Und jetzt auch noch dieser Fremde!
[See | Südostseite | alte Weide | Ethelion |Sichtweite von Aléya , Mochi Cake und Avendal ]
26.03.2010, 19:49
Anscheinend hatten ihn die Strapazen der letzten Tage doch etwas zermürbt, denn Ethelion war in einen unruhigen, traumlosen Schlaf gefallen. Als eine leise, weit entfernt klingende Stimme an sein funktionierendes Ohr drang, schreckte der Rüde hoch. In Sekundenbruchteilen war der Schwarze auf den Pfoten und musterte mit drohend angelegten Ohren sein Gegenüber. Fast hatte er das Gefühl, in die spiegelnde Oberfläche eines Sees zu blicken, denn der fremde Rüde glich ihm auffallend in Statur und Fell. Lediglich die tiefblauen Augen hoben sich von den glühendroten Augen Ethelions ab. Hatte der fremde Rüde Ethelions verspätete Reaktion bemerkt? Der Schwarze vermochte es nicht zu sagen.
'Verdammte Taubheit!'
Der Fenrissohn durfte keinesfalls angreifbar wirken, und so trat er festen Schrittes aus dem dichten Wald heraus auf die Lichtung. Er ging dem fremden Rüden entgegen und schaute ihm fest in die blauen Augen, auch wenn er die drohend angelegten Ohren inzwischen wieder aufgestellt hatte. Als er auf der Höhe des schwarzen Wolfs angelangt war, flüsterte Ethelion kaum hörbar:
"Im Moment habe ich vor, einen Schluck zu trinken."
Ein grollender, kehliger Laut begleitete seine Worte. Ohne auf eine Antwort zu warten, ließ der Schwarze den fremden Rüden einfach stehen und trabte gemächlich zum Ufer des Sees. Den weißen Welpen – eine Fähe offenbar – beachtete Ethelion nicht weiter. Sie war weder eine Gefahr noch ein zu beachtender Rangwolf und daher für den schwarzen Rüden uninteressant. Am See angekommen senkte er den Fang und trank gierig das klare Wasser. Das kühle Nass flutete seine Kehle hinab und betäubte Müdigkeit und Zweifel. Das hier war ein angenehmer Platz zum Leben; es gab Wasser, dunkle Wälder, ausreichend Beute. Ethelion würde bleiben, zumindest bis ihm etwas Besseres in den Sinn kam. Nach einigen letzten Schlucken hob der Schwarze den Kopf und wandte sich erneut dem anderen Rüden zu.
"Bringt mich zu Eurem Alpha… oder zu jemandem, der befugt ist, über neue Rudelmitglieder zu entscheiden!",
sagte er in befehlendem Ton. Genau genommen hatte Ethelion nicht direkt die Absicht, sich dem hiesigen Rudel anzuschließen. Er wusste ja aus leidvoller Erfahrung, wo das enden würde. Nein, es ging ihm eher um ein friedliches Nebeneinander; eine Art Nicht-Angriffs-Pakt. Doch das würde er mit dem Alpha selbst besprechen und nicht mit irgendeinem dahergelaufenen Rüden.
[Ufer des Sees | Alte Weide | Takashi, Aleya | Mochi Cake; Avendal in Sichtweite]
28.03.2010, 15:59
Aufmerksam betrachtete Face Taihéiyo den Fremden vor sich, ohne ihm zu nahe zu treten. Sein Blick erfasste viel, auch ohne, dass er jemandem den Eindruck des Anstarrens vermitteln könnte. In den vielen Jahren hatte er oft die Wölfe beobachtet, aus ihren Gesichtern gelesen, auch wenn sie in seinem Gesicht meist nichts sahen. So erkannte er auch die Unregelmäßigkeit des Fells an der Wange des Rüdens. Eine versteckte Narbe; viele Wölfe trugen versteckt alte Narben mit sich herum. Auch er bildete da keine Ausnahme.
Als der Wolf anfing zu sprechen, richtete Face den Blick wieder auf seine Augen. Ein solcher Grünton war selten zu sehen. Geduldig wartete der Tiefrabenschwarze ab, zuckte auch mit keiner Miene, als der Fremde kurz stockte. Jeder hatte seinen Packen zu tragen, es war nichts Ungewöhnliches auf Wölfe zu treffen, denen das Schicksal übel mitgespielt hatte. Noch gewöhnlicher war es, dass sie es zu verbergen versuchten. Auch hier war er wieder keine Ausnahme. Allerdings gelang es ihm durch das nicht Zeigen von Emotionen.
„Du befindest dich im Tal der Sternenwinde. Sein Rudel lebt hier schon sehr lange.“
An dieser Stelle stoppte Face vorerst und nahm sich etwas Zeit zum Nachdenken. Der Silberne fragte nach einem Rudel, dass ihn aufnahm. Face wusste, dass ihm das nicht verwehrt werden würde, allerdings gab es auch niemanden mehr, der dies hätte tun können. Der Tiefschwarze würde sich selbst um den jüngeren Rüden kümmern müssen, es gab keine Banshee und keine Nyota mehr, zu denen er ihn hätte bringen können.
„Mein Name ist Face Taihéiyo, Beta der Sternenwinde. Unsere Leittiere sind leider vor einiger Zeit gestorben und bisher hat noch kein anderer ihre Plätze neu besetzt. Du wirst also erst mal mit mir Vorlieb nehmen müssen.“
Auch wenn er sich daran gewöhnt haben sollte, das Gefühl sich selbst fremd zu sein, wenn er so sprach, würde ihn wohl nie verlassen. Ein anderer Wolf sprach aus ihm heraus, der selbst doch eigentlich still, schweigsam und wortkarg war. Aber die Situation forderte von ihm, dass er sprach. Genügend und ausführlich sprach.
„Wir haben bisher noch keinem friedlich gesonnenen Wolf den Beitritt in das Rudel verwehrt. Du kannst mir gerne zum Rudel folgen.“
Ruhig und abwartend sah er den Silbernen an, seinen Namen galt es noch zu erfahren. Face hoffte, dass die Nennung seines Namens den Fremden aber dazu animieren würde, sich vor zu stellen, ohne dass er etwas sagen musste. Er würde zwei Fremde zurück zum Rudel bringen. Den Silberweißen und den Wolf, der für ihn sprach.
[ Rand des südlichen Nadelwaldes | Jarrèll Nathaniêl ]
28.03.2010, 16:12
Ein Fehler. Sich nach seinem Bruder um zu sehen, der Fairness halber, damit der Silberne hinterher kam, war wohl ein Fehler gewesen. Chardím spürte noch den Luftzug, dann war Turién an ihm vorbei gerauscht. Schnell wie der Wind war auch der Schwarzweiße wieder losgerannt, er schaffte es allerdings nicht mehr, seinen Bruder ein zu holen.
Schließlich stoppte er neben Turién, der schon am Aufstieg zum Himmelsfelsen „wartete“. Gut, so viel schneller war er nun auch nicht gewesen. Hechelnd blinzelte Chardím den Silbernen frech an und lachte schließlich.
„Das nächste Mal werde ich mich nicht mehr umsehen!“
Er verspürte keinen Ärger, oder sah sich gar als Verlierer. Es war nur ein Spiel und wer letztendlich gewann, war kaum von Bedeutung. Für den Ersten war es sicher ein kleines Gefühl von Triumph, doch deshalb musste er sich ja nicht grämen.
Neugierig tapste Chardím an Turién vorbei, erst einmal auf den kleinen Teich zu, in den der große Wasserfall rauschte. Für empfindliche Wolfsohren, war der schon ziemlich laut, aber die Wassertropfen, die so weit flogen, kitzelten ihn im Gesicht. Hier wuchsen auch massenhaft hübsche Blumen, das Gras war hoch und auch der herangewachsene Jungwolf versank noch fast darin. Mit ein paar Hüpfern war Chardím am Ufer und patschte mit der großen Wolfspfote ins Wasser. Seine Rute schlenkerte munter hin und her, schließlich grinste er und machte einen weiten Satz, mitten in den Teich. Das Wasser war hier noch sehr niedrig, er konnte problemlos darin stehen. Dennoch hatte Chardím erreicht, was er wollte; er war pitschnass. Und so schnell er im Wasser gelandet war, so schnell peste er auch wieder hinaus, im vollen Galopp auf Turién zu.
„Wuhaaaarg!“
Mit Kampfgeschrei sprang der triefende Wolf seinen Bruder um, um ihn auch so richtig nass zu machen. Turi schien es zwar eher eilig zu haben, auf den Felsen zu kommen, aber den Spaß wollte sich Chardím nicht nehmen lassen.
[ Am Wasserfall beim Himmelsfelsen | Turién ]
28.03.2010, 18:31
Seit sie sich kannten hatte eine Verbindung zwischen ihnen bestanden. Sie teilten anscheinend mehrere Freuden.
Sie beide liebten Wälder und vor allem das Laufen. Den Wind im Fell und sie beide waren innerhalb der letzten paar Tage einer fiesen Wurzel zum Opfer gefallen.
Würde dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ewig währen? Oder würde der Kontakt zu anderen diese Verbindung schmälern?
Sie wusste es nicht. Falls, sie hoffte es nicht und glaubte auch nicht daran, irgendwann Lyerra einmal die Nase voll von ihr haben sollte, würde sie für Shariku trotzdem wichtig sein. Sie hatte ihr eine schönere Sicht auf die Dinge gegeben, sie war mit ihr gelaufen und wahrscheinlich die ersten die diesen Wald betraten.
Ein monumentales Gefühl war das. Was sagte Lyerra? Eine Lichtung. Wollte sie eine Lichtung finden oder lieber einen dunklen, dichten Nadelwald, umringt von Laubbäumen?
Sie wusste es nicht direkt. Sie wusste nicht was sie sich gerade wünschen sollte.
Nach dem ersten Gefühl der ausnahmslosen Akzeptanz, welche Shariku dazu gebracht hatte Lyerra überall hin zu folgen, war dieses Gefühl der Gegenseitigen Bedeutung, etwas neues. Etwas Neues in dem sich jedoch Ansätze eigenständigen Denkens entwickelten. Die Freiheit selbst zu entscheiden wohin sie gehen wollte war etwas berauschendes. Doch wenn man wie sie, Shariku, keine Entscheidungen fällen konnte, war es eine Qual.
Während des Laufens, sie hatte das Tempo nicht gedrosselt, wurde ihr klar, was sie wieder sehen wollte.
Eine Gesteinsformation.
Gestein war etwas magisches für sie. Alt und solide, hart und warm, wenn die Sonne darauf schien.
Ja, irgendwann auf ihrer Wanderung wollte sie auf Gestein herum springen.
Sie sah Lyerra an. Ein Blick vollsten Vertrauens.
Mit ihren Augen sagt sie: Suchen wir eine Lichtung, danach suche ich etwas.
Eine schöne helle Lichtung war ergreifend und liebend gern wäre sie die erste die sie mit Lyerra betrat.
Über diesen Gedanken musste sie lächeln. Ein warmes, zartes Lächeln. Und dieses schenkte sie Lyerra.
Sie hatte erfahren das sie nicht mehr der Welpe von früher war, sie hatte mit Lyerra viel erlebt und wollte nun endlich auf eigenen Beinen stehen.
Melancholisch dachte sie an ihre Familie. Wann würden sie sich wieder begegnen?
Shariku schüttelte den Kopf.
Wenn sie sie wieder sah, würde sie ein besseres Verhältnis anstreben, denn auch sie war gewachsen.
[Lyerra | Mischwald]
28.03.2010, 18:52
Der junge Rüde hechelte vor sich hin, immerhin war der Lauf auch anstrengend gewesen und er hatte ihn gewonnen. Da durfte selbst der Stärkste ein wenig Luft holen dürfen. Als Chardím kurz nach ihm auch beim Aufstieg auftauchte und lachte, stimmte der Silberpelz mit ein. Er nickte breit grinsend.
„Okay… wenn du das sagst.“
Weiterhin breit lächelnd beobachtete er, während seine Rute munter hin und her schlug, wie Chardím sich dem Wasser näherte, dem kleinen See, in dem der Wasserfall tosend mündete. Auch er machte zwei Schritte auf den Teich zu, blieb dann aber stehen und blickte zu seinem Himmelsfelsen hoch, den er unbedingt so schnell wie möglich besteigen wollte. Er öffnete seinen Fang um nach seinem Bruder zu rufen, schloss ihn dann aber wieder. Er wollte ja nicht ungeduldig sein, vielleicht würde er schnell wiederkommen, wenn er bemerkte, dass er ihm nicht folgte? Doch der Schwarz-Weiße hatte sich offenbar dazu entschlossen ein Bad zu nehmen – sehr zum Missfallen von Turién, der das absolut nicht geplant hatte.
„Ey… Chardím.“ ,
fing er an zu nörgeln, mit drängendem Gesichtsausdruck und auf der Stelle tretend.
Seine Ohren stellten sich etwas überrascht auf, als sein Bruder sich sofort umdrehte und auf ihn zurück lief. Hatten seine Worte etwa ausgereicht?
Falsch gedacht, denn die Absichten des anderen Rüden waren nicht gut. Sie waren bitterböse – denn, der nun vor Wasser nur sie triefende Wolf, stürzte sich auf Turién, der gar nicht so schnell realisieren konnte, was passierte. Er als er auf dem Boden lag, irgendwie über ihm Chardím und er die etwas eklige Nässe spürte, sie sich in sein Fell zog, verzog er das Gesicht.
„BAAAHHH!“
Er schrie laut, achtete dabei auch nicht darauf, dass Chardíms Ohren ganz nah an seinem Fang waren und nun laut klingeln mussten. Sich hin und her wälzend, sich mit den Vorderpfoten unter seinem Bruder hervorziehend, konnte er sich befreien, drehte sich neben ihm auf den Bauch und schnappte nach dem Nackenfell des Anderen. Und auch das war pitschnass – also ließ er lieber wieder los, betrachtete den irgendwie zufriedenen Gesichtsausdruck von Chardí und fing dann laut an zu lachen.
„Du bist ja blöd!“
[Am Wasserfall & Himmelsfelsen | Chardím ]
28.03.2010, 20:04
Nachdem Shariku Lyerra mit ihren Augen gezeigt hatte, dass sie damit einverstanden war, wusste Lyerra auch, dass sie danach Shariku einen Ort suchen lassen müsste. Sie hatte damit kein Problem.
Alles war schön mit Shariku. Alles machte Spaß. Nirgendwo war ein trauriges Bild und nirgends etwas Schlimmes. Mit Shariku an ihrer Seite, hatte Lyerra keine Angst.
Trotzdem… irgendwas war anders. Es war zwar perfekt, aber irgendwie nur fast.
(Fast perfekt… Warum nicht ganz? Ich bin mit Shariku hier… Es ist doch alles schön.)
Lyerra grübelte nach, während sie langsam weiter ging. Das Lächeln von Shariku hatte ihr gezeigt, wie sehr diese ihr vertraute und wie sehr sie sie mochte. Lyerra lächelte zurück. Sie lächelte, wie sie ihre Schwestern oder ihren Gefährten jetzt angelächelt hätte. Sie ging lange. Immer weiter und weiter, an hohen Baumstämmen und kleinen Steinen vorbei. Immer weiter durch den wunderschönen Wald.
Für ein paar Meter fing sie noch mal an zu laufen. Da sickerte es wie Sand in ihren Kopf.
Langeweile. Das war es. Es war zwar wunderschön, doch auch ziemlich langweilig.
(Ob Shariku es wohl auch so denkt wie ich? Sollte ich es ihr sagen?)
Lyerra blieb wie angewurzelt stehen und dachte einige Minuten nach.
„Shariku?“ fing sie schüchtern an. „Geht es dir auch so? Ist dir auch so... langweilig? Ich finde es zwar wunderschön mit dir und alles ist toll, aber bei uns passiert nichts Neues. Bitte sei nicht verletzt, denn es ist wirklich toll mit dir, aber..“
Sie brach ab. Wusste nicht, wie sie fortfahren sollte.
(Es wäre so schön, jemanden zu treffen. Ich würde gerne einen.. netten Rüden treffen.)
Obwohl sie wusste, dass ihre Träume absurd waren, und sie Lakéta natürlich nicht vergessen hatte, war es genau dieser Traum, der in erfüllung gehen sollte. Dann, ging sie langsam weiter. Schritt für Schritt, Meter für Meter. Immer weiter und weiter.
Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, als sie tatsächlich auf eine wunderschöne Lichtung stieß. Hier war es hell und ruhig. Nichts, was eine angenehme Ruhe störte.
[Lichtung l Shariku]
28.03.2010, 23:10
Zunächst war er nicht sicher, ob Minya sein Flüstern gehört hatte, denn sie ignorierte ihn und antwortete stattdessen der schwarzen Wölfin. Diese wiederum musterte ihn, was in dem jungen Werwolf Unwohlsein aufkommen ließ. Er mochte nicht, wie sie ihn ansah, auch wenn er ihren Blick und ihren Gesichtsausdruck nicht deuten konnte. Wölfe sahen alle gleich aus, verdammt! Naja, nicht was Fellfarbe und Statur anging, aber der Gesichtsausdruck sah immer irgendwie gleich aus und war für Caleb schwer zu interpretieren, wenn nicht gerade jemand wie Minyala ganz offen ihre Gefühle zeigte. Am liebsten hätte er sich hinter Minya versteckt, um diesen hellblauen Augen auszuweichen. Seine einzige Regung war jedoch ein leichtes Zusammenzucken, als Minyala ihm schließlich doch noch antwortete und ihn flüsternd zurecht wies. Caleb schluckte und versuchte, ruhig zu bleiben. Ganz ruhig. Verdammt war das schwer, wenn das eigene Herz Adrenalin durch die Adern pumpte!
Zudem merkte er, dass er sich verkrampft hatte, und versuchte möglichst unaufffällig, sich etwas zu entspannen. Keine leichte Aufgabe, denn gespannt wartete er auf die Antwort der Schwarzen zu Minyas Werwolf-Frage. Das war jetzt wohl die Entscheidung, alles oder nichts. Bei 'Nichts' musste sie vermutlich weglaufen, aber Caleb war nicht sicher, ob er sich im Ernstfall würde bewegen können. Er hoffte es ganz einfach, und mehr noch hoffte er auf einen Glückstreffer bei diesem Wolfsrudel.
Und Bingo, Malicia erzählte ihnen von einer Werwölfin, die früher bei ihnen gelebt hatte. Was sie so erzählte, machte Caleb allerdings nicht allzu viel Mut. Auch Wölfe waren Werwölfen gegenüber misstrauisch und fürchteten sie - nur wohl den menschlichen Teil. So war das eben, man fürchtete, was man nicht kannte. Caleb war nicht überrascht, genau das hatte er schließlich befürchtet gehabt und Minya damit dutzende Male in den Ohren gelegen. Und erneut kam ihm diese ganze Sache nicht wie eine gute Idee vor.
Malicia führte sie nun in das Revier und stieß ein kurzes Heulen aus. Caleb verstand kein Wort, obwohl er die sonstige wölfische Sprache verstand und aus dem gleichen irrsinnigen Grund auf selbst sprechen konnte. Das lag eindeutig an dem Werwolf-Fluch, aber es war ihm schleierhaft, warum er dann das Heulen nicht verstand. Vielleicht war das ja gar kein Teil der richtigen Wolfssprache? Er musste Minya dazu fragen, aber nicht jetzt. Jetzt musste er sich konzentrieren, nicht in Panik zu verfallen - und sich zu verwandeln. Er folgte mit Minyala der schwarzen Wölfin und sah sich dabei immer wieder zu allen Seiten um. Irgendwie erwartete er, dass versteckt zwischen den Bäumen neben ihnen noch mehr Wölfe lauerten, und nur darauf warteten, dem Menschen die Kehle durchzu-
'Ah, denk nicht daran! Es ist alles gut, alles easy, sie stellt uns ihrer Schwester vor, die also vemutlich hier das Sagen hat, und ich werde nett und freundlich sein und mich NICHT ungewollt verwandeln. Ja, genau, nett und freundlich und Minya das Reden überlassen, alles wird gut, alles wird gut...'
Caleb schloss die Augen für einen Moment und konzentrierte sich auf seine Atmung. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen. Er hatte das mit Minya geübt und es hatte auch ganz gut funktioniert. Fast. Zumindest würde er wissen, wann sich eine Verwandlung anbahnte, und konnte es etwas hinauszögern. Ansonsten konnte er nur beten, dass er sich unter Kontrolle hatte, aber warum sollte Gott ihn erhören?
"Minya, ich fühl mich nicht gut",
flüsterte er leise. 'Ich habe Angst' meinte er eigentlich, aber das würde er so direkt nicht sagen, auch wenn Minya es vermutlich ohnehin wusste. Wölfe konnten sowas riechen, hatte er gelesen, und immerhin glaubte er fast, es selbst an sich zu riechen. Bäh, sauer.
[nördliche Grenze, im Revier | Minyala, Malicia]
29.03.2010, 14:37
Für ein paar Augenblicke beobachtete Jumaana den jüngeren Rüden interessiert, dann wandte sie den Kopf ab und starrte für einen Moment ins Nichts, während sie sich anhörte, was Jakash zu sagen hatte. Ihr lag die Frage nach dem Wohlbefinden seiner Mutter auf der Zunge, doch sie biss sich darauf, bevor sie herausflutschen konnte und sah wieder in die grünen Augen des Schwarzen, um sich abzulenken. Jakash konnte alles meinen. Sowohl den Tod der Leitwölfin als auch den seines Vaters. Und es ging Jumaana nichts an, solange er sich nicht mit seinen Sorgen an sie wandte. Bevor sie wieder in ihren Gedanken versank, wandte die weiße Wölfin sich wieder dem kleinen Geschöpf zu ihren Pfoten zu und beobachtete es aufmerksam. Es regte sich nicht, doch sein Herz pochte schnell und ungleichmäßig in seinem zarten Brustkorb und es atmete schwer. Das helle Fell war verklebt und schmutzig, hatte eher einen Cremeton angenommen und war weder wirklich hell noch besonders dunkel. Aber wahrscheinlich war der Pelz des Welpen ursprünglich weiß gewesen, doch so erschöpft, wie er schien, war es möglich, dass er einfach schon so lange unterwegs war, dass das reine Weiß seines Fells einen schmutzigen Braunton angenommen hatte. Aber wie sorglos war Jumaana eigentlich, dass sie sich jetzt um die einstige Farbe dieses kleinen Wesens kümmerte, nicht um seine Gesundheit?!
Als Jumaana sich hinabbeugte, um das Wesen zu beschnuppern, spürte sie, wie sein Herzschlag sich langsam beruhigte und es nur noch stockend atmete. Die Weiße stupste es an, um dann festzustellen, dass es wahrscheinlich bewusstlos geworden war.
»Es ist bewusstlos«,
stellte sie leise fest und hob den Kopf. Sie bedachte Jakash Caiyé mit einem prüfenden Blick auf grünen Augen, die wie durch dunkle Wolken getrübt waren. Ein seltsames Funkeln lag in ihnen und für einen Augenblick wirkte sie nicht mehr wie die Jumaana, die sie alle kannten. Doch dann blinzelte sie und das vertraut besorgte Glitzern kehrte zurück. Die Wölfin schluckte – auch sie hatte den kurzen Verlust ihrer Selbstbeherrschung bemerkt. Mit einem leichten Kopfschütteln senkte Jumaana wieder den Kopf und musterte den Körper des Welpen eingehend. Eine Fähe war es, zart und zerbrechlich, stark abgemagert und wie schon gesagt, mit dreckigem, verklebtem Fell. Ein Abbild des Elends, wie die weiße Fähe fand. Sie blickte hoch, direkt in Jakashs Gesicht, was nur wenige Zentimeter weiter oben als ihres war.
»Was sollen wir mit ihr machen?«
Ihre Stimme klang besorgt und beinahe ein wenig hilflos. Wie sie sich fühlte.
[ Gespaltener Baum | Jaki & Tíri ]
29.03.2010, 15:17
Es war ihr nicht möglich, den Worten des Schwarzen zu gehorchen. Selbst wenn sie gewollt hätte. Fast als würde die Fähe von dem Fremden angezogen werden, konnte sie dem Drang nicht widerstehen. Es war nicht nur der Wille zu beschützen, den sie voran stellte und hinter dessen Pflichtbewusstsein sie ihre Begierde stellte, die immer mehr von dem Welpen verschlang.
Den seltsamen Nihil, der längst außer ihrer Sichtweite war, hatte sie bereits verdrängt. Sollte er sich ihrer Freundin noch ein Mal nähern und ungebührlich verhalten, würde er de facto zu spüren bekommen, was sie von ihm hielt. Damit war das Thema für sie erledigt.
Aufgescheucht peitschte die Rute der Fähe durch die Luft, während die wachsamen Augen den Fremden schier durchbohrten.
Die Worte Takashis schienen wie durch Sirup zu ihr hindurch zu sickern und mit einem breiten Grinsen entblößte sie eine Reihe scharfer Fangzähne.
„Mir ging es nie besser...“
Ein verschwörerischer Ausdruck glomm in den dunklen Seelenspiegeln auf, die sich dann wieder aufmerksam zu dem schwarzen Fremden wandten.
Ruhig beobachtete Aléya, wie Takashi zu dem Rüden ging und lauschte ihrem Wortwechsel, den sie klar und deutlich vernahm, als würden die beiden nicht einige Meter von ihr entfernt, sondern neben ihr stehen.
Das Verhalten gefiel der Fähe nicht. Kein Wort, keine Mimik, keine Geste des Fremden gefiel ihr und wäre sie so groß wie ihr Vater gewesen, dann hätte sie mit Nachdruck deutlich gemacht, dass er ein genauso unangemessenes Verhalten wie Nihil an den Tag legte.
Ein leises Grollen sammelte sich in der Kehle der Weißen. Waren hier alle nur auf Ärger aus oder warum verhielten sich plötzlich alle, als würde dieses Tal ihnen gehören?
Auf eine gewisse Art reizte das Verhalten des Dunklen ihre strapazierten Nerven, kitzelten den Drang einfach los zu lassen und dem Brennen in ihrem Körper, welches sich mit jedem Herzschlag weiter ausbreitete, freien Lauf zu lassen.
Der grollende, kehlige Laut war schließlich der Tropfen, der das Maß zu überkochen brachte. Mit steil aufgerichteter Rute, einer wilden, unheilvollen Aura und vor Zorn glühenden tiefschwarzen Augen stampfte Aléya zu dem Fellbrocken hinüber, der sich ganz dreist am Wasser gütlich tat.
Es schien fast, als würde die Welpin mit jedem Schritt den sie tat wachsen, bis sie hoch aufgerichtet bei dem Fremden ankam.
„Sagt Fremder, woher wisst Ihr, dass das Wasser nicht vergiftet und ihr eines elenden Todes sterben werdet. Hat Euch jemand hierher eingeladen?“
Zuckersüß und betörend war ihr Stimme, drohend und fesselnd ihr Blick aus den nachtschwarzen Augen, die schier wie ein Abgrund wirkten, ein gieriger Schuld, der alles Licht und Leben verschlang.
„Es ist sehr unvorsichtig sich in die Mitte eines unbekannten Rudels zu stellen und nach dem Leittier zu fragen, ohne sich zuerst bemerkbar zu machen oder höflicherweise vorzustellen.“
Abfällig schnippten die Ohren der Weißen, während sich ihr Blick furchtlos in die rötlichen Augen bohrte.
„Erfreut Euch an der Gutmütigkeit der hier lebenden Gemeinschaft. Andere hätten Euch gewiss gleich in Stücke gerissen und das Blut aufgeleckt, noch ehe ihr die Reviergrenzen überschritten hättet.“
[See | Südostseite | alte Weide | bei Takashi | in Sichtweite Mochi Cake und Avendal, dann bei Ethelion am See]
30.03.2010, 09:46
Caylee hatte die Augen geschlossen und lauschte. Neben Neruís leisem Schluchzen und den Schritten Aszrems hörte sie ein Lachen. Es kam von weit her und schien sich nicht nähern zu wollen, aber sie erkannte ganz eindeutig Nyota. Nur ihre Großtante hatte so lachen können. Voller Freude, ohne Zögern und ansteckend. Caylee hatte gerne mit ihr gelacht. Auch dann, wenn es nicht viel zu lachen gegeben hatte, hatte ihre Mama-oder-so noch einen Grund entdeckt, um fröhlich zu sein oder zumindest Caylee ein wenig aufzuheitern. Dabei musste das sehr schwer gewesen sein, denn Mama Nyota hatte Oma Banshee sehr geliebt und zudem war das Rudel ja vor dem Nichts geflohen. Es musste also ganz schrecklich gewesen sein und trotzdem hatte die Kleine nie den Eindruck gehabt, dass ihre Mama-oder-so nicht mehr fröhlich war oder die Hoffnung verloren hatte. Dafür hatte Caylee sie immer bewundert.
Das Lachen war verklungen, trotzdem war es nun ganz tief in dem Herzen der Weißen. Sie würde es nicht vergessen, nicht jetzt und auch sonst nie nie mehr. Es würde ihr Mut in dunklen Zeiten geben und sie stets daran erinnern, wie Nyota jeden schrecklichen Moment überwunden hatte, auf dass sie selbst es einmal genauso tun würde. Die strahlend blauen Sternenaugen öffneten sich und wanderten zu Neruí, die neben ihr saß und weinte. Wie schon vorhin am Muschelbaum schmiegte sich Caylee an ihre Schwester-oder-so und lächelte traurigglücklich zu Aszrem hoch, als der zuerst seiner Tochter und dann ihr über die Wange strich.
“Danke, dass du mit uns hier her gekommen bist, Papa Aszrem.“
Sie waren mittlerweile eigentlich alt genug, um alleine im Revier herumzuwandern, aber jetzt war Caylee sehr froh, ihren Papa-oder-so dabei zu haben. Es war tröstend und ohne ihn hätte sie sich mit Neruí fast ein wenig verloren gefühlt; in dieser hohen Schlucht mit den zwei Grabhügeln. Sie löste sich von ihrer Schwester-oder-so und tappte auf den rechten Hügel zu. Aszrem hatte seine Muschel bei Kylia abgelegt und Caylee fand das sehr nett von ihm. Das ganze Rudel – einschließlich ihr selbst – trauerte viel mehr um Nyota, das war nicht ganz fair. Die Kleine kannte Kylia nicht gut, trotzdem lächelte sie auch ihr entgegen und berührte mit einem leisen „Auf Wiedersehen.“ die Muschel. Kurz blieb sie noch stehen und versuchte sich Kylias Gesicht ins Gedächtnis zu rufen. Es fiel ihr schwer, was ihr unendlich leid tat, aber sie hatte so wenig mit der Braunen zu tun gehabt. Hoffentlich war Neruís Patin darüber nicht traurig. Dann kehrte sie zu Aszrem zurück, der sich mittlerweile ins Gras gelegt hatte. Lächelnd schmiegte sie sich an sein Brustfell und ließ den Blick über die vielen Caylees gleiten.
“Es ist so schön hier … das macht Mama Nyota sicher glücklich.“
Mit einem wohligen Seufzen schloss sie wieder die Augen, lauschte auf, als das Lachen von Ferne erklang und ließ sich voller Glück die Nase von der Sonne kitzeln. Heute hatte sie gelernt, wie nahe Freude und Trauer beieinander lagen.
[ Grabhügel | Aszrem und Neruí ]
30.03.2010, 15:03
Krolock stand mit seinem üblich missmutigen Gesicht vor Malakím. Bei dessen Antwort, das bloße ‚nein’ verfinstere sich sein Gesicht noch mehr. Was fiel dieser Nervensäge ein? So ein blöder Idiot! Die Lefzen des Schwarzen zuckten, als der Ältere weiter sprach. Die Augen verdrehend wandte Krolock das Gesicht ab, so dass niemand sehen konnte, wie sich einen Augenblick seine Lefzen hoben. Und dann wurde er hinterhältig angegriffen. Verwirrt versuchte er dem Biss, den er am Rücken spürte, auszuweichen, ohne sich dabei weh zu tun. Der Schreck hatte kurz seinen Körper durchzuckt und klang ab, als er erkannte, wer ihn attackierte. Zornig knurrte er den weißen Nichtswelpen an, packte ihn im Nacken und schleuderte ihn, für seine Verhältnisse, halbwegs sanft zu Boden. Nicht dass es ihn gekümmert hätte, wenn er Nihil nun verletzt hätte. Seine Bewegung war völlig fließend und gekonnt, Aussagekräftig genug, dass auch die kleine Nervensäge verstehen musste, dass man mit ihm, Krolock, nicht spielen konnte!
Mit einer letzten Drohgebärde hielt er Nihil am Boden, ehe er von ihm abließ. Mit jugendlicher Spielerei hatte die ganze Gestik wenig zu tun. Zu zielsicher, zu eindeutig. Es war eher so, als würde Krolock das nervige Anhängsel erziehen.
“Ey, Würmchen, wag nie wieder, mich von hinten anzufallen! Und such dir wen anders zum Spielen!“
Murrte er streng, ehe er sich zu Malakím setzte und innerlich seufzte, als ihm klar wurde, dass er damit der Einladung gefolgt war, die er unter keinen Umständen hatte annehmen wollen. Es wäre allerdings uncool gewesen, wenn er jetzt davon gestapft wäre. Also überlegte er kurz, was am Besten zu tun war:
“Nihil! Greif den da mal an! Der hat mir meinen Platz geklaut.“
Gab er in Befehlston Anweisung.
Krolock hatte keinerlei Ahnung, wieso Nihil plötzlich im Außerhalb leben konnte und wie dass ganze von statten gegangen war. Und er wollte nichts wissen von Verbundenheit, oder irgendwas, dass sich anfühlte, als würde er dem völlig fremden Weißen näher stehen als jedem anderen Wolf. Dass war nur stumpfe Einbildung.
[Bei Nihil und Malakím]
31.03.2010, 11:40
Die neue Welt.
Wooooow! Sie war hin und weg. Was hier passiert war, überstieg ihren Verstand, wirkte so unglaublich und doch war es echt. Für einen Traum war es zu real. Und Atalya war vollkommen begeistert. Drei Tage war ihre Welt nun schon auf den Kopf gestellt. Drei Tage, in denen sie immer wieder etwas neues entdeckten, und weitere Tage begeistert sein konnten. Die Graue verstand nicht wie und wieso. Aber es war toll. Das Nichts war weg und sie waren wieder sicher. Niemand musste mehr flüchten. Natürlich fehlten Oma Bani und Nyota, aber Atalya hatte das Gefühl, dass sie überall waren. Im Wind, in den warmen Strahlen der Sonne. Manchmal hatte sie von ihnen geträumt, sie waren glücklich. Also sollten sie es auch sein. Also gab sich die junge Fähe die größte Mühe. Und.. sie hatte ja ihre Feder wieder, was sollte also schief gehen?
Jetzt war sie allerdings ohne ihr Paten-Geschenk unterwegs. Sie hatte es versteckt, sodass niemand es finden konnte. Mit ruhigen Schritten bewegte sich die kleine Fähe vorwärts, den Kopf in den Himmel gestreckt, mit der feinen Nase jeden Geruch aufnehmend. Sie roch Blumen, Wasser und glaubte fast, auch die Sonnenstrahlen riechen zu können. Sie lief durch das Rudel, strahlte jedem entgegen und machte kleine Sprünge. Sie fühlte sich einfach gut, wäre am liebsten herum gerannt, aber sie blieb ruhig. Noch musste ihr das ja niemand ansehen. Wo war eigentlich Liam? Kurz suchte der helle Blick den Rüden, sich ein Mal im Kreis drehend gab sie die Suche dann aber schon wieder auf. Er würde hier schon irgendwo sein. Sicher war er auch so begeistert, genau wie Lucina. Sie saßen bestimmt in der Sonne, ließen es sich gut gehen. In etwa so wie sie selbst. Ihr Ziel war der See. Sicher waren dort auch andere Wölfe, aber die sollten erst ein Mal egal sein. Sie wollte sich das Wasser ansehen. Mit einem weiteren Satz rannte die kleine nun doch los. Sie konnte den See sehen, und je näher sie ihm kam, desto ungeduldiger wurde sie. Mit einem vorfreudigen Grinsen Lächeln auf den Lefzen erkannte sie nun auch einige Wölfe, die in der Nähe waren. Aber sie wollte nur zum Wasser, also huschte sie an ihnen vorbei, bremste ab und kam schlitternd am Ufer zum stehen, die Vorderpfoten schon im Wasser. Lächelnd beugte sich Atalya vor, betrachtete ihr Spiegelbild. Bald hatte sie das ganze Revier erkundet, da war sie sich sicher. Erst jetzt fiel ihr ein Geruch auf, der sehr nah bei ihr war. Atalya drehte den Kopf zur Seite, betrachtete die weiße Wölfin, die ein wenig entfernt saß. Sie war so versessen darauf gewesen, das Wasser zu erreichen, dass sie sie gar nicht gesehen hatte. Nun legte sich ihr Kopf ein wenig zur Seite, die Ohren aufgestellt trat sie aus dem kühlen Nass und bewegte sich langsam auf die Weiße zu. Ruhig pendelte die Rute der jungen Fähe hin und her, der aufmerksame Blick lag auf der Fähe.
“Hey! Bist du auch wegen dem See hier?“
Mit einigen Schritten war sie bei der Wölfin, ließ sich vor ihr auf die Vorderläufe sinken und betrachtete ihr Gegenüber. Sie war sich sicher, dass sie sie schon gesehen hatte. Aber.. ihr Name wollte ihr einfach nicht einfallen.
[Am See - Majibáh]
31.03.2010, 15:51
Jakash betrachtete das kleine Wesen, dass schwer atmend zwischen ihm und Jumaana lag. Die kleine Fähe wirkte so unglaublich zerbrechlich. Sie antwortete nicht auf seine oder Jumaanas Fragen, reagierte überhaupt gar nicht mehr auf sie beide. Jakash empfand das als gar nicht gutes Zeichen, und Unruhe erfasste ihn. Die Welpin würde ihnen doch jetzt nicht hier einfach zwischen ihren Pfoten wegsterben?!
Sein besorgter Blick traf Jumaanas, die ihn ebenso hilfesuchend ansah, wie er sie. Die Weiße sprach aus, was er bereits befürchtet hatte - das kleine Geschöpf war bewusstlos geworden. Es brauchte dringend Hilfe, und sie beide konnten diese Hilfe nicht gewähren. Oma Banshee hätte es gekonnt, wäre sie noch am Leben... hey, und nun konnten das doch Tyraleen, Rakshee und Sheena, oder? Er hoffte es inständig.
Jakash setzte zum Sprechen an, als er Jumaanas Blick erneut auffing und stutzte. Die Weiße sah ihn auf eine Art an, die er von ihr nicht kannte, und für einen Moment durchzuckte ihn der Gedanke, dass sie gleich vorschnellen und nach ihm schnappen würde. Aber dieser Augenblick verging sogleich wieder, die Weiße blinzelte und ihr Blick war wieder normal - falls er denn je wirklich anders gewesen war. Und da war Jakash sich schon nicht mehr sicher.
Ihre Frage erinnerte ihn schließlich daran, dass er etwas hatte sagen wollen, und zufälligerweise war das sogar schon seine Antwort für sie.
"Wir müssen sie zu Tyraleen oder Sheena oder Rakshee bringen - sie sind Priesterinnen Engayas, wenn ihr jemand noch helfen kann, dann die drei!"
Der Schwarze erhob sich ruckartig und reckte den Kopf gen Himmel.
"Tyraleen, Rakshee, Sheena - hier ist eine Welpin, die dringend eurer Hilfe bedarf! Wir sind ganz im Osten, am gespaltenen Baum, wer von euch in der Nähe ist, bitte kommt schnell!",
heulte er und wandte sich dann an Jumaana.
"Komm, wir gehen ihnen entgegen, wer auch immer von ihnen kommen wird. Trägst du sie?"
Letzteres war eigentlich mehr eine rhetorische Frage. Jakashs Blick glitt schon über die Ebene, Ausschau haltend nach einer sich nähernden Gestalt und auf ein Antwortheulen lauschend...
[Gespaltener Baum | Jumaana, Neytiri | nach Tyraleen, Sheena und Rakshee heulend]
31.03.2010, 16:13
Chanuka saß ein paar Augenblicke einfach nur da und versuchte in sich hinein zu hören. Er suchte nach einem Gefühl für Fenris, oder Engaya, ohne zu wissen, wie sich dieses Gefühl anfühlen sollte. Wenn es ihn bereits sein ganzes Leben begleitete, wie sollte er dann wissen ob es da war? Er kannte es dann schließlich nicht ohne.
Etwas irritiert schob er die Gedanken bei Seite und schloss dieses Thema fürs erste. Weder für ihn, noch für sonst irgendjemanden spielte es eine Rolle, welcher Seite er angehörte. Sogar die Götter kümmerte es nicht. Und Chanuka liebte Banshee, die nun immerhin so was wie die Göttin des Lebens war, oder nicht? Schließlich hatte seine Mama doch ihr Leben lang für das Leben gestanden. Und nun war Tyraleen an ihre Stelle getreten.
Der junge Schwarze empfand dies als Selbstverständlichkeit und absolut richtig, ebenso wie Averic Acollons Platz eingenommen hatte. Mit dem Unterschied der stetigen Präsens.
“Hast du schon etwas im neuen Revier gefunden, dass dir aus deinen Gedanken vertraut vorkommt? Also… ich meine… etwas selbst Erdachtes?“
Neugierig blickte er seinen Vater an, während seine Rute langsam, ruhig, aber unaufhörlich über den Boden wischte. Der Tag war so wunderschön, er wusste gar nicht wohin mit all den schönen und guten Gefühlen.
Bislang hatte er sich noch kaum im neuen Revier umgesehen und fragte sich bereits, ob wohl Liel Lust hatte, früher oder später mit ihm auf Erkundungstour zu gehen. Bislang waren sie immer zu jung gewesen, doch nun durften sie tun, was sie wollten. Dass klang sehr verlockend.
[Bei Averic am Federbaum]
01.04.2010, 00:38
Rakshee hatte sich vom Himmel über ihr abgewandt, und war nun dabei den Himmelsfelsen zu verlassen. Unter ihr kam das Tal näher, und der Fels wärmte ihre Pfoten.
Unter sich konnte sie Turién und Chardím sehen, die noch am Wasserfall spielten. Die Braune bedachte beide aus der Entfernung mit einem Lächeln, und setze sich dann in Trab, immer weiter hinab, bis sich das Gras wieder unter ihren Pfotenballen bog. Mit dem Geicht zu Sonne wand sie sich ab, und tänzelte über die Ebene, den Kopf erhoben, der Sonne entgegen gestreckt. Gerade wollte sie sich in Richtung des Waldes davonmachen, als ein Heulen ganz in ihrer Nähe sie aufschreckte. Sie wand hektisch den Kopf, und konnte in einiger Entfernung Jakash und eine weiße Fähe ausmachen. Sie nahm sich nicht die Zeit zu antworten, sandte nur ein lautes Wuffen über die Ebene, und rannte los. Sprung für Sprung hastete sie ihrem Bruder und seiner Begleitung entgegen, die sie bald als Jumaana erkannte. Diese hielt auch das Fellknäuel in der Schnauze, welches sich nicht zu regen schien. Ihren Körper schneller voran zwingend sandte Rakshee ihren Geist aus, um nach Engaya zu rufen. Die Göttin schien an diesem Tag überall zu sein, aber Rakshee brauchte sie nun fokussiert! Unter ihren trommelnden Pfoten wich die Distanz dahin, und schliesslich erreichte sie ihren Bruder mit Jumaana und der Welpin. Abrupt kam sie zum Stehen, und warf beiden Wölfen einen kurzen Blick zu, bevor sie sich an Jumaana wandt, die Welpin dabei mit den Augen untersuchend.
"Leg sie bitte ab"
Bat sie leise, und legte sich sogleich zu der Welpin ins warme Gras, postierte beide Pfoten neben ihr. 'Sei bei mir.' Stumm begann sie nun über den ausgezehrten Leib zu lecken, und rief Engaya zu sich. Vor ihrem geistigen Auge erwuchsen nun Schwingen aus ihrem Rücken, mit denen sie die Welpen abschirmte, gegen Fenris und die Schwäche die so sehr an dem kleinen Körper zehrte. Die Umgebung schien zu leuchten, und Lebensenergie floß aus der Erde, aus jedem Grashalm, um durch ihre Berührung in den schwachen, hilflosen Körper zu fluten, und ihn wieder mit dem Leben zu füllen für dass er bestimmt war. Rakshee glaubte Engaya an ihrer Seite zu sehen, und öffnete die Augen wieder - aus den Augenwinkeln erkannte sie gerade noch, das nicht Engaya sondern Banshee an ihrer Seite war...
Ihre Verwirrung konnte sie jedoch nicht ablenken - sie hatte hart daran gearbeitet, und nun hatte sie die Konzentration die sie brauchte. Dreck und Knoten aus dem zerzausten Fell waschend brachte sie das Leben zurück in den kraftlosen Welpenleib. Vor Neytíris Augen begannen sich erste Farben zu formen, die langsam nur Gestalt annahmen. Eine große Wölfin von weißem Fell und gelbgoldenen Augen war da, ihre Nase ganz dicht an Neytíris Gesicht, und die Zunge leckte der Welpin sanft über die Schnauze. Als das Gefühl in den Körper der Kleinen zurückkehrte begann das Bild zu verblassen, bis es gänzlich verschwunden war, und die Welpin mit den sanften Geräuschen ringsherum alleine lies Einzig die Augen die Neytíri gesehen hatte waren noch da - und gehörten der Jungwölfin die vor ihr lag, und noch immer ihren kleinen Körper mit der Zunge reinwusch...
"Hallo kleines Leben"
Sprach sie leise zu der Welpin, deren Herzschlag soviel stärker geworden war. Sie selbst blieb nun liegen, reckte nur den Kopf nach Jakash. Zu heilen erschöpfte sie noch sehr, und sie würde sich ein paar Minuten Ruhe gönnen müssen...
"Wie habt ihr sie gefunden?"
Fragte sie, und lies den Blick zwischen den zwei Grünäugigen hin und her flackern. Ihre Stimme blieb dabei leise, denn sie wollte das kleine Wesen keinesfalls mit Unruhe verunsichern.
[Nahe beim Gespaltenen Baum | Jakash, Jumaana, Neytíri]
01.04.2010, 13:07
Mit strengem Blick wurde der Fremde weiterhin gemustert. Ein muskulöser Rüde, beinahe so groß, wie der Blauäugige. Aber noch lange kein Grund, um Angst zu haben oder sich irgendwelche Sorgen zu bereiten. Bestimmt würde sich ein Fremder doch nicht eine solche Dreistigkeit erlauben. Oder etwa doch? Als dieser auf Takashi zuging, machte er keinerlei Anstalten, um zurückzutreten. Das unverschämte Verhalten des Rotäugigen, reizte den schwarzen Rüden immer mehr. Sein Gesichtsausdruck wurde grimmig. Dennoch gab er keinen Laut von sich – noch nicht. Irgendwann würde der Fremde schon spüren, was er für einen schlechten Ersteindruck hinterlassen hatte. Früher oder später würde dies schon geschehen.
Und dann plötzlich – wo wollte er hin? Der Schwarze zögerte einen Moment, sprang dann aber dem Fremdling hinterher und holte ihn ein. Takashi war sehr aufdringlich, drängte den Fremden förmlich in Richtung Wasser, von der Welpin weg. Schließlich sollte dieser Aléya nicht zu nahe kommen. Man konnte ja auch nicht erahnen, was dann passieren würde. Außerdem sollte der fremde Schwarzpelz merken, dass seine Unverschämtheit noch lange nicht in Vergessenheit geriet.
Hätte Takashi doch die Gelegenheit ergriffen, um dem frechen Streuner ein wenig Angst einzujagen. Er hätte ihn doch wirklich in den See schubsen können und ihn für einen Moment unter Wasser halten können! Vielleicht würden dann endlich diese Unverschämtheiten aufhören! Aber welch ein verrückter Gedanke! Das klang ja bald so, als wäre er noch vom Fluch besessen! Der Rüde stand hinter dem fremden Schwarzen, während ein leichtes Schmunzeln seine Lefzen verließ. Es war doch eigentlich dumm, sich von den Worten Aléyas beeinflussen und sich von dem Fremden nerven zu lassen.
“Aber Natürlich werde ich euch zu jemanden bringen, der diese Entscheidung treffen darf!“
Ein Schmunzeln, welches den Spott Takashis wiederspiegelte glitt über seine Lefzen. Es war wirklich besser für ihn, wenn er die Worte des Fremden nicht allzu ernst nahm. Dann blickte der Schwarze erneut zu Aléya und wurde erneut von diesem Gefühl von Unwohlsein überrumpelt. So ein komisches fremdartiges Verhalten für eine Welpin! Doch jetzt war der falsche Moment, um darüber zu reden. Schließlich ging es diesen Streuner dort auch überhaupt nichts an, um welches Problem es sich hier handelte! Dann ging die junge Fähe aber auch noch auf dem Fremden zu, was endgültig genug war! Sie sollte sich doch von ihm fern halten!
“Aléya, hör auf damit, es reicht!“
Sprach der Rüde streng zu Aléya. Den Fremden so zu reizen, wo er doch schon so ungenießbar war, war wohl ein fataler Fehler! Er schob die junge Fähe ein Stück von dem fremden Rüden weg. Dann gab er beiden ein Zeichen, was so viel heißen sollte, dass sie ihm folgen sollen. Sie würden nun wohl zu Averic gehen, da sich dieser in der Nähe befand.
[See | Südseite | auf dem Weg zum Federbaum|Sichtweite von Chanuka, Averic |Aléya , Ethelion ]
01.04.2010, 16:57
Ethelion glaubte beinahe, dass sein beeinträchtigter Hörsinn ihm einen Streich spielte, so dreist waren die Worte der jungen Fähe. Er wandte den Kopf zu dem Welpen um und betrachtete ihn nun doch etwas genauer, obgleich er das zunächst nicht vorgehabt hatte. Die vielleicht einjährige Wölfin wirkte recht klein und schmächtig. Sie hatte ein schneeweißes Fell und ihre Augen schimmerten… ja, wie eigentlich? Blau? Violett? Oder gar schwarz wie die Nacht? Der schwarze Rüde konnte es nicht genau sagen. Sie hatte sich neben ihm aufgebaut wie der Alpha persönlich, und wäre Ethelion eine etwas fröhlichere Natur gewesen, hätte er angesichts dieser grotesken Szenerie wohl schallend aufgelacht. So aber musterten seine glühendroten Augen die Kleine nur durchdringend, als er erwiderte:
"Das sind harte Worte, die Ihr da sprecht, kleine Fähe. Doch Ihr genießt noch immer den Welpenschutz, und so will ich darüber hinwegsehen. Ihr solltet jedoch auf Euren Begleiter hören und Eure Zunge hüten, denn bald seid Ihr ein Jungwolf und könnt rechtmäßig angegriffen werden. Ach, übrigens… da Euch mein Name zu interessieren scheint, ich heiße Ethelion."
Der Schwarze meinte jedes Wort, das er sagte, ernst und hoffte inständig, dass die junge Fähe sich zurückhalten würde. Sie war noch ein Kind, er wollte sie nicht bestrafen müssen. Nichtsdestotrotz würde er nicht davor zurückschrecken. Irgendjemand musste dieser vorlauten Wölfin ja mal Manieren beibringen! Ein kurzes Zucken der Lefzen, um seiner Warnung Nachdruck zu verleihen; dann wandte Ethelion sich von der Welpin ab. Sein Blick suchte den anderen Rüden, welcher ihm zum See gefolgt war und sich – schützend anscheinend – zwischen den Schwarzen und die kleine Fähe gedrängt hatte.
'Wen von uns Beiden willst du eigentlich beschützen? Die vorlaute Welpin kann sicher gut auf sich selbst aufpassen.'
Der blauäugige Rüde schien sich schon eher benehmen zu können, denn er wies die Fähe harsch zurecht. Damit war er für Ethelion ein annehmbarer Verhandlungspartner, obgleich ihm seine Größe etwas nervös machte. Der Fenrissohn hatte zwar keine Angst vor den schwarzen Rüden, doch wäre ihm ein etwas… handlicherer Begleiter durchaus lieber gewesen. Auf die Worte des Blauäugigen erwiderte Ethelion trocken:
"Es freut mich, zu sehen, dass es auch normale Wölfe in diesem Tal gibt. Geht ruhig voraus, ich komme nach!"
Die vorlaute Welpin würdigte der Schwarze keines Blickes mehr, als er sich anschickte, dem fremden Rüden zu folgen. Ihm kam in den Sinn, dass er ja seinen Namen noch nicht kannte; darum fragte er kurzerhand:
"Ihr habt sicher mitbekommen, dass ich Ethelion heiße. Sagt Ihr mir auch Euren Namen?"
[See, Südseite | auf dem Weg zum Federbaum | Takashi; Aleya | Chanuka; Averic in Sichtweite]
01.04.2010, 18:52
Einen Moment lang sah Averic seinen Sohn noch an, dann ließ er den Blick über die Blumenwiese schweifen. Für ihn war es nur ein Wirrwarr aus lauter grauen Punkten. Selbst wenn er an das dachte, was ihm Tyraleen von Farben erzählt hatte, so blieb doch alles schwarzweiß. Und er wusste ja auch gar nicht, welchen Ton er den Blumen zuordnen sollte. Doch da er es nicht anders kannte, verspürte der Pechschwarze auch kein Bedauern, während er die schillernden Graukontraste betrachtete. Es war auch eine Sehschwäche, da zu vieles gleich aussah. Aber er kam damit zurecht.
Eigentlich rechnete Averic nicht mehr damit, dass Chanuka noch etwas zu seiner Erklärung zu sagen hätte. So war es schließlich auch, der schwarze Jungwolf stellte ihm lieber wieder eine Frage. Dieses Mal aber eine ganz andere.
„Hm.“
Noch immer ging der dunkelblaue Blick in die Ferne, sah vor dem inneren Auge aber eine große, tote Ebene auftauchen. Damals war er auf ihr nur in seinen Träumen gewandelt, jetzt war sie aber auch ein Teil des Tals. Averic war sich nicht sicher, ob er sie sich gewünscht hatte – wieso auch? Aber es war dennoch die Ebene, auf der er neben Fenris gewandelt war, in deren Ferne er manchmal Acollons einsamen Schatten gesehen hatte.
„Hinter dem zentralen Nadelwald erstreckt sich eine große, graue Einöde. Totes Land, auf dem nichts wächst. Ich weiß nicht, warum ich sie mir gewünscht haben sollte, aber sie kommt von mir. Ich habe sie schon oft in meinen Träumen gesehen.“
Da er Chanuka immer noch nicht angesehen hatte; eigentlich wollte er es grade tun, aber da stachen ihm drei Gestalten ins Auge. Die Witterungen ließen sich Takashi, der nervigen Welpin Aléya und einem Fremden zuordnen. Averic runzelte leicht die Stirn, da sich das Grüppchen direkt auf ihn und Chanuka zu bewegte.
„Wir bekommen wohl Besuch.“
Als sich der große, pechschwarze Todessohn erhob, spürte er einen Hauch von Fenris’ Atem zu sich herüber wehen. Aha, der Fremdling war wohl auch wieder einer seiner Vasallen.
[ Blumenwiese | Chanuka; in Sichtweite von Ethelian, Takashi und Aléya ]
02.04.2010, 16:29
Tyraleens Blick suchte sich seinen Weg zwischen den steinernen Ästen hindurch in den klaren, azurblauen Himmel. Sie war sich ganz sicher, dass Banshee dort oben war und Sheenas und ihre Unterhaltung hörte. Was würde ihre Mutter denken? Tyraleen hatte ihr gegenüber nie solche Worte ausgesprochen, auch wenn sie beide von dem Schmerz der Weißen gewusst hatten. War Banshee nun böse, weil ihre Tochter mit Sheena darüber sprach, ihr etwas anvertraute, was das Andenken an die große Leitwölfin des Rudels der Sternenwinde ein wenig trübte? Sicher war Banshee für viele ein Ideal gewesen, eine Wölfin, die sich jeder als Gefährtin, Mutter, Oma oder Tante wünschen würde. Dass dem in Wahrheit nicht so war, wussten wohl nur jene, die Gefährte, Tochter, Enkel oder Nichte waren und zudem mutig genug waren, zuzugeben, dass die strahlend helle Wölfin nicht so perfekt war, wie es all zu oft schien. Averics Gesicht tauchte vor Tyraleens Augen auf, seine endlose Liebe gegenüber ihrer Mutter … ob es bei ihm anders gewesen war? Oder war er nur mit weniger zufrieden? Passte eine Mutter wie Banshee besser zu ihm, als zu ihr? Beinahe wäre Tyraleen diesem Trugschluss verfallen, erinnerte sich dann aber an die Zeit nach ihrem Leben als Welpe. Wie sie Banshee begonnen hatte zu verstehen, wie sie Banshees Liebe auf eine ganz andere Art und Weise empfangen hatte und wie sie am Ende bei ihrer sterbenden Mutter gestanden und ihr die Wahrheit gesagt hatte: Dass sie sie liebte, von ganzem Herzen.
Ein leises Lächeln hatte sich auf Tyraleens Lefzen geschlichen, erst jetzt wandte sie den Blick ab vom strahlend blauen Himmel. Ihre Mutter war ihr nicht böse. Und auch Sheena schien über Tyraleens kurze Erzählung froh zu sein – so froh, wie sie selbst über die Geschichte ihrer Priesterschwester gewesen war. Sheena war sehr lieb zu ihr, tröstete sie und gab ihr gleichzeitig das Gefühl, ihr tatsächlich zu ähneln. Ein wenig wie zwei alleine gelassene Welpen, die in ihrem gemeinsamen Schicksal Glück fanden. Mit diesem Gedanken im Kopf erwiderte sie Sheenas Blick, der von warmem Vertrauen sprach. Tyraleens Herz wurde ein wenig leichter. Als ihre weiße Schwester ihr mit der Zunge über den Kopf fuhr, empfand sie die Geste nicht als mütterlich, auch wenn Sheena tatsächlich ein Jahr älter war. Für Tyraleen waren sie beide immer gleich alt, genauso wie auch Rakshee zwar ihre Nichte, aber dennoch nicht eine viel jüngere für die Weiße war. Sie waren gemeinsam Priesterinnen, Schwestern geworden und standen auf einer Ebene.
Tyraleen begann wieder langsam weiter zu gehen. Sie hatten sich gegenseitig viel gestanden, hatten eine neue Basis geschaffen und liefen nun mit einem ganz neuen Gefühl, wie zwei neugeborene Geschwister Seite an Seite durch den Wald ihrer Fantasie. Er wirkte nicht mehr erdrückend und kalt, auch wenn sich nichts an seiner steinernen Erhabenheit geändert hatte. Er war eine Art Heimat und ein neues Gefühl – Freundschaft und Vertrauen zu Sheena – hatte Einzug gehalten. Es ließ die Sonne auf den glatten Stämmen glänzen und funkeln. Man musste nur hinsehen, dann konnte man die Schönheit erkennen, die sonst von Ehrfurcht und Kälte verdeckt werden könnte. Tyraleen musste an die Berge denken und an Averics Versprechen, eines Tages mit ihr zurückzukehren. An Orte ihrer Kindheit, die alles verändert hatten. Sehnsucht keimte im Herzen der Weißen und ließ ihren Kopf sich sanft an die Schulter ihrer Schwester schmiegen. Der Ruf Jakashs verklang ungehört.
[Steinwald | Sheena ]
02.04.2010, 16:52
Das erste, zaghafte Lächeln, das sich auf den Lefzen Malicias abzeichnete, feierte Minyala innerlich erleichtert. So seltsam die schwarze Fähe auch wirken mochte, sie konnte freundliche Worte sprechen, sie konnte freundlich aussehen, das reichte vorerst. Das einzige, was Malicia nun noch können musste, war brav „Ja, wir kennen Werwölfe.“ zu können. Es war nicht ganz so, wie erhofft, aber nach den ersten paar Worten der Schwarzen, was Minya klar, dass die tatsächlich Werwölfe kannten und sie auch in ihren Reihen aufnahmen, oder zumindest aufgenommen hatten. Sie hätte vor Freude und Erleichterung in die Luft springen können. Vornehm hielt sie sich zurück, konnte aber ein breites Lächeln nicht unterdrücken, mit dem sie nun Malicia anstrahlte und sich den Rest ihrer Geschichte anhörte. Irgendwie klang das unheimlich. Irgendwelche – gefährlichen? – Stellen, ein Gebirge, das sie meiden sollte und Orte, die man hier mit Trauer und Tod verband. Ähm, ja … Minya spürte eine gewisse Missbilligung, ließ sich diese aber nicht anmerken. Nun hatten sie so ein Glück und trafen gleich auf ein Rudel, das mit Werwölfen vertraut war und irgendwie saß dann doch der Wurm drin. Naja, vielleicht übertrieb die Schwarze auch einfach nur. Ein wenig seltsam war sie in jedem Fall, bevor Minyala und vor allem Caleb ein Urteil fällten, sollten sie sich zunächst mit den anderen Rudelmitgliedern bekannt machen. Vielleicht war Malicia ja die verrückte Schwarzseherin oder so. Wer wusste das schon? Minya war von Natur aus eine Wölfin, die alle Möglichkeiten zu betrachten pflegte und sich so zunächst nicht aus der Ruhe bringen ließ. Lächelnd begann sie zu nicken.
“Es freut mich sehr, dass ihr mit Werwölfen vertraut seid. Da dem so ist, würden wir uns sehr freuen, dich begleiten zu dürfen und möglicherweise auch zu bleiben. Euren Wünschen werden wir uns natürlich beugen, uns nirgendwo hinbewegen, wo man uns nicht haben will und auf Auseinandersetzungen sind wir sowieso nicht scharf.“
Wie als könnte ein Ruteschwingen ihre Worte bestätigen, wedelte Minyala ein wenig heftiger mit der geknickten Rute und folgte dann Malicia, die sich umgewandt hatte und ins Revier hineinlief. Tatsächlich tat ihr Caleb das brav nach und zunächst schien alles im Reinen zu sein. Die Schwarze drehte sich einmal kurz um und machte einen seltsamen Gesichtsausdruck, als hätte sie Angst oder so, aber Minya beschloss, das zu ignorieren. Bis ihr der Geruch von Angst ganz deutlich in die Nase stieg. Zuerst wollte sie ihn Malicia unterschieben, dann klärte ihre Nase sie auf, dass Caleb ihn verströmte. Just in diesem Moment hatte der auch beschlossen, ihr in etwa diese Tatsache mitzuteilen. Das verbliebene rechte Ohr zuckte leicht zurück. Mist. Bevor Caleb auf die dumme Idee kam, sich zu verwandeln, sollte Minya Malicia vielleicht aufgeklärt haben. Das wäre sicher eine hervorragende Idee.
“Halt noch ein wenig die Luft an, ja?“,
zischte sie möglichst leise und lief dann ein wenig schneller, um an Malicias Seite zu kommen. Mit einem neuerlichen Lächeln betrachtete sie kurz das Gesicht der Schwarzen dann deutete sie fast unauffällig auf den etwas hinter ihnen laufenden Caleb.
“Du wirst dich vielleicht fragen, warum ich wissen wollte, ob ihr Werwölfe kennt. Nun … Caleb ist einer.“
Diese Tatsache würde nun erstmal verdaut werden müssen, also hielt Minya vorerst den Mund. Dass Caleb die Kontrolle über seine Verwandlungen noch nicht ganz an sich gerissen hatte, würde sie gleich erwähnen. Auch dass er im Prinzip keine Ahnung vom Rudelleben oder überhaupt vom Leben als Wolf hatte, müsste sie gestehen, aber das hatte alles seine Zeit.
[ am westlichen Fluss // Caleb und Malicia ]
02.04.2010, 17:18
Shani war froh, als Ahkuna sich von ihren Worten mitreißen ließ und wieder ein wenig zu lächeln begann. Es schien, als hätte sie den Absturz gerade noch einmal so abgefangen. Auch Enmaku schien nicht länger böse zu sein und sah sie beide mit freundlichen Augen an. Alles wieder in Ordnung. So konnte sich die Weiße Ahkunas nächster Frage widmen, die zunächst ihre Stirn sich krausen ließ.
“Ahkuna, ich bin nicht Banshees Tochter. Ich bin gar nicht mit ihr verwandt. Dein Vater war ihr Sohn, deshalb ist sie deine Oma. Ich selbst bin als Fremde in dieses Tal gekommen. Ich bin weder körperlich noch geistig stark genug um ein Rudel zu führen. Es gibt Wölfe, die sich dafür weit aus besser eignen. Solche Wölfe müssen körperlich zumindest einigermaßen stark sein, aber besonders im Geiste müssen sie groß sein. Sie müssen andere Wölfe mit ihren Blicken und ihren Worten gefangen nehmen können und man muss gerne auf sie hören. Vor allem müssen sie wirken, als wüssten sie immer den richtigen Weg. Man muss ihnen vertrauen können, auch als Wildfremder. Verstehst du?“
Sie überlegte, ob das alles auf Aszrem oder Tyraleen zutraf. Aszrem war manchmal sehr verschlossen, wirkte fast ein wenig griesgrämig … er wäre nicht unbedingt Shanis erste Wahl. Doch auch Tyraleen war nicht die Idealbesetzung, oft war sie unsicher und zudem war sie einfach noch so jung. Aber aus irgendeinem Grund strahlte sie Vertrauen aus und Shani war sich sicher, dass die weiße Tochter Banshees alles andere noch lernen konnte. Es brauchte nur noch ein wenig Zeit. Lächelnd über diesen Gedanken betrachtete sie ihre nun ausgelassener werdende Tochter, deren Spiel jedoch leider schnell wieder endete. Katsumis Auftauchen und Shanis erstaunte und besorgte Reaktion darauf dämpfte erneut Ahkunas Stimmung. Sie hatte sich an Enmakus Seite gestellt, während Shani dem braunen Rüden nachblickte und nach wenigen Sekunden erleichtert feststellte, dass er wieder umkehrte. Aufmerksam betrachtete sie sein seltsam trauriges Gesicht, während er sich näherte. Bei ihr angekommen begann er stotternd eine seltsame Erklärung von sich zu geben und wieder krauste sich Shanis Stirn. Er hatte sie nicht erkannt? Warum sagte er das? Ein Wolf war kaum dazu fähig, ein Rudelmitglied nicht zu erkennen, selbst wenn er dessen Namen vergessen haben sollte. Und zudem Katsumi, mit dem sie doch erst bei der Flucht vor dem Nichts gesprochen hatte, dem sie sich verbunden gefühlt hatte. Shanis Lefzen verzogen sich zu einem freudlosen Lächeln.
“Kein Problem, ich bin es wirklich. Das ist Enmaku.“
Es hörte sich ein wenig mechanisch an. Als Katsumi leise etwas flüsterte, das Shani nur mit Mühe verstand, schlich sich neuerliche Verwirrung in ihren Blick.
“Akru?“
Sie hatte gedacht, Akru wäre ebenfalls Opfer des Nichts geworden.
[ südlicher Wald | Katsumi, Ahkuna und Enmaku ]
03.04.2010, 19:55
Der Rüde der sich mit ihm als Face Taihéiyo vorgestellt hatte, schien ihm dezent zu mustern. Für einen Augenblick blieben die dunkel saphirblauen an Jarrèll Nathaniêls Antlitz haften. Der Silberne vermochte mit Sicherheit zu sagen was sein Gegenüber entdeckt hatte, das sichtbare Zeichen seiner Geschichte. Face Taihéiyo war nicht anzusehen was er beim Anblick des Fremdlings für Gedanken hatte, er wahrte Distanz. Den rabenschwarzen Rüden umfing eine eigenartige Stille, eine besonnene Kühle. Eine gefasste Ruhe die Jarrèll angenehm war. Tief in seinem Inneren spürte er, dass manch ein Wolf wohl Unbehagen verspüren mochte in der Anwesenheit des Tintenschwarzen, doch stattdessen vermochte Jarrèll Nathaniêl eine Stimmung zu spüren die sein zerrissenes Innerstes auf eine eigentümliche Art und Weise beruhigte.
.°Zögere nicht. Du wirst hier Frieden finden. Sei gewiss, hier wirst du verstanden.°.
Säuselnd meldete sich die Stimme seiner Seele, flüsterte vorsichtig die Worte und verstummte dann wieder. Was sollte das? Sicherlich gab es andere die ein schweres Schicksal ereilt hatte –und sein Instinkt sagte ihm dass ein solcher vor ihm stand- doch er selbst spürte, er war nicht bereit sich dem zu stellen was er erlebt hatte. Noch nicht. Die Sternenwinde… Die Worte Face Taihéyos ließen den Weißgrauen in die Realität zurückkehren. Ein scharfes Brennen durchlief seinen Körper beim Klang des Namens. Sterne, die Boten des Himmels, so oder in ähnlicher Weise mochten sie diese Lichter der Nacht wohl deuten. Ein schmerzhaft bekannter Gedankengang. Wir alle sind aus Sternenstaub. Sein Gesprächspartner, der sich als Betarüde des Rudels vorstellte, erwähnte das schwere Los welches die Sternenwinde zu tragen hatten nur kurz und beiläufig, doch Jarrèll wusste das er mit seiner Einschätzung richtig gelegen hatte.
„Mein Bedauern möge deinem Rudel gewiss sein, Beta der Sternenwinde“,
Jarrèll hielt kurz inne, schlug die Augen nieder und nickte. Ein kurzer Ausdruck seines Verständnisses, Mitgefühls. Ihm war bewusst, dass der andere von ihm erwartete, dass er sich nun vorstelle.
„Man nennt mich Jarrèll Nathaniêl, einstmaliger Alpha des Rudels des Sternenstaubs. Du kannst dir meiner Friedfertigkeit gewiss sein Face Taihéiyo“,
seine Stimme klang neutral und gleichmütig. Er respektierte er den Rang des Betarüden und sprach in angemessenem Ton. Er betonte weder die hohe Stellung die er einst innegehabt hatte, noch verleugnete er sie. Der Schwarze sollte wissen mit wem er sprach, sollte sich jedoch gleichwohl auch gewiss sein, dass Jarrèll ihm die gebührende Achtung zollen würde. In seinem Innersten fragte Jarrèll Nathaniêl sich selbst woher er die Kraft nahm so gleichmäßig und unverbindlich seine Worte zu formulieren, wehrte sich in ihm doch alles dagegen, in Angst, alte Wunden würden aufreißen und seine Vergangenheit ihn einholen.
„Gerne folge ich dir.“
Jarrèll nickte dem Tiefdunkeln zu und wartete ab wohin man ihn führen würde. Jarrèll wusste nicht was ihn erwarten würde. Ein Rudel ohne Leittiere… Jarrèll Nathaniêl vermochte vorherzusagen was in den nächsten Wochen und Monaten geschehen würde, war es damals doch gleich gewesen. Wer hoch aufsteigt, wird umso tiefer fallen. Eines jeden Sternstunde wird kommen, doch umso steiler der Aufstieg desto härter der Aufprall, ist eines jeden Ruhm doch endlich. Die Verbitterung stieg in ihm auf und schnappte wie ein gieriges Tier nach seiner Seele. Nun war es zu spät umzukehren, doch einen so fatalen Fehler würde er nie mehr begehen. Geschworen bei allem was ihm heilig war. War er doch letztendlich Opfer seiner eigenen Selbstsicherheit geworden, damals blind vor Vertrauen, in sich selbst und andere. Nein, nie wieder. Ein kurzes, trockenes Lachen drang aus seiner Kehle. Nie wieder.
[Rand des südlcihen Nadelwaldes | Face Taihéiyo]
03.04.2010, 22:42
Majibáh hatte sich in den letzten Tagen viel Zeit gegönnt, wenn sie nicht umhergewandert war und sich wieder an einer anderen Stelle niedergelassen hatte. Meistens jedenfalls hatte sie sich ausgeruht und über die ihre Schwester und dieses Rudel nachgedacht. Aber immer wieder kam sie zu der gleichen Erkenntnis: Irgendjemand musste ihr erklären, was in der Zeit, in der sie nicht da gewesen war, alles geschehen ist. Denn da sie nun alleine im Revier umherwanderte, merkte sie jeden Tag erneut, dass sie niemanden kannte. Alle schienen beschäftigt zu sein, redeten, hatten jemand an ihrer Seite. Nur sie kam sie so verloren vor, als hätte man sie vergessen. Doch sie konnte niemandem Vorwürfe machen, sie selbst musste sich darum kümmern, dass sie Freunde finden würde. Immerhin hätte sie damit rechnen müssen, dass Jumaana nicht ständig bei ihr sein konnte. Schließlich war sie schon lange hier, kannte die ganzen Geschichten, kannte alle. Oder fast alle. Letztendlich - und zwar am gestrigen Tage – kam sie zu dem Schluss, dass sie heute jemanden ansprechen würde. Egal wer es war. Dennoch schwirrte eine Bedingung in ihrem Kopf umher: Er musste alleine sein, sie wollte niemanden in seinen Gesprächen stören. Nachdem sie das also entschieden hatte, legte sie sich wieder nieder und gönnte sich ein wenig Schlaf. Eigentlich hatte sie davon schon zu viel gehabt. Oft wusste sie nicht mehr, worin sie all die Energie, die sich angesammelt hatte, investieren sollte. Als sie heute Morgen sanft von den warmen Sonnenstrahlen geweckt wurde, fiel es ihr besonders schwer. Ihr fehlte einfach jegliche Motivation und sie hätte ihre Pläne, jemanden anzusprechen, beinahe vernichtet. Und wieder fühlte sie sich vollkommen vergessen. Wahrscheinlich war es trotzdem ihre Schuld, da sie sich ziemlich zurückgezogen hatte. Meistens schlief sie hinter einer Baumgruppe, geschützt vor Wind und Kälte, am Rande des nördlichen Mischwaldes. Viel Licht schien zwischen den Kronen der gewaltigen Gewächse hindurch und wärmte ihren kalten Körper. Das Moos, auf dem sie lag, war sehr kühl und färbte ihr helles Fell grün. Gerade stand sie und starrte neugierig auf das Gebiet, in dem sich fast alle umhertrieben, schüttelte sich immer wieder einmal und wollte diese Farbe verfluchen. Selbst nachdem sie zum gefühlt tausendsten Mal versucht hatte, mit ihrer Zunge den Stoff herauszuschlecken, gelang es ihr nicht. Vor einigen Stunden hatte sie dieses Vorhaben endgültig aufgegeben. Stattdessen wanderte ihr Blick immer wieder zu der leicht abfallenden Wiese, bis sie sich irgendwann in Bewegung setzte. Schritt für Schritt, bis sie in einen leichten Trab verfiel. Der Wind pfiff in ihren Ohren und wehte einige Blätter in ihre aufmerksam schauenden, blauen Augen. Das war es allerdings nicht, was sie störte, sondern der Schmutz, der auf ihrer Pupille rieb. Wegen dem Schmerz, der in ihr aufwallte, schlossen sich die Lider und verhüllten ihr die Sicht. Schwärze legte sich über sie, wenige Sekunden später war sie schon wieder von der Dunkelheit erlöst. Seufzend setzte sie ihren Weg fort, da sie alles wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Wenig später stand sie am See. Wie schnell die Stunden doch verstreichen konnten, ohne dass man irgendetwas Sinnvolles getan hatte. Leise stieß sie ein Gähnen aus und betrachtete ihr Spiegelbild. Der schläfrige Blick und die müden, beinahe einknickenden Beine, signalisierten ihr, dass es doch ein wenig anstrengend gewesen war und sie wieder träumen durfte. Doch das schien das Schicksal nicht hinnehmen zu wollen, immerhin hatte sie sich geschworen, dass sie heute mit einem anderen Wolf reden würde. Einfach ein normales Gespräch führen, und dann sehen, was sich daraus entwickeln würde. Gerade, als sie sich umdrehen wollte, hörte sie eine Stimme.
„Ja“,
gab die Fähe kurz und knapp auf diese Frage zurück, erst später erschien es ihr, dass das eigentlich eine Lüge war. Eigentlich hatte sie nämlich geplant, dass sie heute Beziehungen entwickeln würde. Nein, noch nicht jetzt, genau zu diesem Zeitpunkt, einen Anfang wollte sie dennoch schaffen. Diese Situation war ihr ein wenig unangenehm, weil sie kaum etwas von der anderen wusste und sich merkwürdig vorkam, mit ihren ganzen Hintergedanken und diesem Vorhaben. Deshalb wagte sie es erst einmal nicht, das etwas jüngere Tier genauer zu studieren. Dann jedoch riss sie sich zusammen und musterte ihr Gegenüber eindringlich. Ihr Alter – wie sie es gedacht hatte, sie war einige Jahre hinterher. Allerdings schien sie von demselben Geschlecht zu sein, ihren Namen allerdings kannte die Schwester Jumaanas nicht. Ebenso wie ihres selbst war ihr Fell von einer hellen, ja, gar weißen Farbe. Gelegentlich war ein wenig Grau darunter gemischt oder eine Strähne sogar ziemlich dunkel. Insgesamt allerdings dominierten wärmere Farben, Farben des Schnees und des Eises. Orchidee des Winters, sie liebte diesen Ausdruck, er gehörte zu ihr. Am liebsten wäre es ihr, wenn sie damit angesprochen werden würde. Das war allerdings sehr unwahrscheinlich, kaum jemand wusste, dass sie sich immer als diese bezeichnet hatte.
oO Schweif nicht vom Thema ab … sei nicht so zurückhaltend, frag nach ihrem Namen. oO
Ein freundliches, warmes Lächeln erschien auf ihrem Antlitz und schien auch nicht schwinden zu wollen. Woran es auch liegen mochte, irgendwie wollte sie sympathisch wirken. Und zwar gleich, sofort beim ersten Eindruck. Auch wenn es ihr beinahe ein wenig schwerfiel, zu grinsen, so ganz war ihr nicht danach zumute. Es dauerte noch eine Weile, bis sie sich endgültig unter Kontrolle gebracht hatte. Zumindest strahlte sie in diesen Minuten beständig und ihre Augen funkelten, denn obwohl die Lage und die Stimmung ein wenig komisch waren, gefiel ihr die Tatsache, dass sie nun endlich Kontakte knüpfte. Jetzt kam sie sich beinahe ein bisschen naiv vor. Dass sie erwartet hatte, immer im Mittelpunkt ihrer größten Bezugsperson stehen zu können. Als ob ihr nicht noch mehr Rudelmitglieder im Tal der Sternenwinde überaus freundlich gesinnt waren.
„Wie heißt du?“,
stieß sie nun endlich aus und gab ein zufriedenes Schnaufen von sich. Dann trat sie etwas näher ans Wasser und an die Fremde heran. Ein paar Tropfen hingen noch an ihrer Zunge und verlangten nach mehr. Tatsächlich, sie hatte sehr wenig getrunken, wenn sie einmal darüber nachdachte. Vorsichtig beugte sie ihren Kopf hinunter und krallte sich im Boden fest, um genug Halt zu haben. Es wäre doch eine perfekte, schreckliche Blamage, wenn sie die Böschung hinunterfallen würde, vor den Augen aller. Dann rannen einige Schlücke der erfrischenden Flüssigkeit ihre Kehle hinunter. Wie sehr sie es doch genoss, besiegelte ein stilles Seufzen. Nun riss sie sich aber wieder los und trat einige Schritte zurück, bevor sie es wagte, sich umzudrehen. Geduldig lauschte sie den Geräuschen der Natur, wie die Blätter rauschten, beobachtete, wie die Bäume sich wiegten. Auch wenn ihr diese Jahreszeit ziemlich gut gefiel, es war nicht ihre. Ihre Ohren spielten ein wenig umher, warteten lediglich auf eine Antwort. Und das taten sie auch noch nach ein paar Sekunden. Und auch nach ein paar Minuten...
[Rudelplatz, nahe des nördlichen Mischwaldes – zum Sternensee wandernd – mit Atalya sprechend]
04.04.2010, 01:57
Furchtlos und vor allen Dingen respektlos bohrten sich die schwarzen Seelentore der jungen Fähe in die roten Augen des Fremden. Oh nein, sie bereute nicht, kein einziges Wort, keine provokante Geste ihre Körpers. Sollte er doch kommen, sie würde gewiss nicht die Rute einklemmen. Nicht vor einem Wolf, der keine Klasse und keinen Respekt hatte.
Ein leises Lächeln schlich sich auf die Lefzen Aléyas, entblößte ihr blankes Gebiss, als sie mit vor Sanftmut überschäumender Stimme antwortete.
„Harte Worte für ein solch junges Alter, aber scheinbar noch nicht hart genug für das Eure.“
Ein neckisches Glimmen blitzte in den rabenschwarzen Augen auf, die den Fellberg schier zu versengen schienen. Takashi war inzwischen vollkommen abgemeldet, wurde geflissentlich ignoriert und trat in den Hintergrund. Warum sollte sie auf den Rüden hören? Sie war kein kleiner Welpe mehr und erstrecht keiner, der sich vor einem Fremden verstecken musste. Oh nein. Sie spürte eine gewaltige Kraft in ihrem Körper, die immer mehr von der furchtsamen, unerfahrenen Welpin verschlang, sie verbrannte und ein völlig neues Wesen zurück ließ.
„Ich brauche keinen Schutz. Weder vor Euch, noch von sonst jemandem.“, gab sie knapp und kühlem Tonfall zurück. Er brauchte sich gar nicht so aufzuspielen. „Tut nicht so, als würdet Ihr Euch aus reiner Gefälligkeit zurück halten.“
Ein abfälliges Schnauben verließ die Schnauze der Weißen, ehe sie die Zähne wieder zu einem Grinsen bleckte.
„Nun, wenn es so weit ist, werde ich gerne auf Euch warten.“
Das gehässige Grinsen wurde noch ein wenig breiter, richtete sich kurz zu Takashi, der sich einmischte. Am liebsten wäre sie auch ihm über die Schnauze gefahren. Was mischte er sich denn ein? Dies war eine Angelegenheit zwischen ihr und diesem Rotaugen. Dort hatte ein Takashi, der nicht mal dem kleinen Nihil Paroli bieten konnte, nichts verloren.
Als sich die beiden Rüden zum Gehen wandten, blickte die Weiße ihnen nur gelassen nach. Wie töricht. Aryan wäre – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht so blauäugig gewesen, wie Takashi es leider war. Wie enttäuschend.
Dennoch beschloss die Jungfähe den beiden Rüden in ein paar Metern Entfernung zu folgen. Vielleicht wurde es ja wieder interessanter.
[See, Südseite | auf dem Weg zum Federbaum | Takashi, Ethelion | Chanuka, Averic in Sichtweite]
04.04.2010, 15:38
Ihre Mutter war also nicht die Tochter Banshees. Warum nicht? Sie sahen doch gleich aus. Also nur so ungefähr. Und ansonsten waren sie sich auch vom Verhalten her ähnlich. Außerdem, stammten sie denn nicht alle von Engaya ab? So zumindest hatte Ahkuna immer gedacht. Lag sie denn ihr ganzes Leben lang so falsch?
Auch verstand sie nicht, warum ihre Mutter nicht Alpha werden wollte. Das war doch das größte was einem passieren konnte! Man wurde von allen verehrt und respektiert. Man konnte Entscheidungen treffen die das ganze Rudel etwas anging und man stand höher, als alle anderen Wölfe aus dem Rudel. Die Nachteile sah sie dabei nicht. Sie sah nicht, dass auf einem viel Druck lastete. Das man manchmal sehr viel schwerwiegendere Entscheidungen treffen musste, als man eigentlich wollte und das war nur ein kleiner Auszug aus den Nachteilen.
„Ja, ich verstehe. Aber ich dachte immer das wir alle Engayas Kinder und somit Banshees Verwandten sind! Außerdem bist du doch jemand, dem man schnell vertraut! Ich vertraute dir! Rakshee vertraut dir! Shariku vertraut dir! Kusaí Vertraut dir! Und Jakash auch!“
Zumindest hoffte Ahkuna, das es so war. Sie vertraute ihrer Mutter. Aber ob die anderen das auch so sahen, wusste die Weiße nicht. Aber das war im Moment nicht mehr so wichtig, denn Katsumi kam wieder zurück. Seine Worte verstand sie nicht so recht da sie etwas weiter weg stand aber ihre Mutter schien es zu tun. Wieso musste sie also sagen, dass es sie wirklich war? Hatte er sie nicht erkannt? Merkwürdig. Und was war mit Akru? Seit Ahkuna ihn das letzte Mal gesehen hatte, war etwas Zeit vergangen. Wahrscheinlich lag dazwischen sogar das Nichts. War er also darin umgekommen?
Das brachte Ahkuna auf eine Idee. Vielleicht sollten sie alle mal, den Opfern des Nichts gedenken. Diesen Vorschlag musste sie unbedingt an den Wolf bringen. Mindestens Shani sollte sie das erzählen. Schließlich war sie einer der einzigen, den Ahkuna momentan so viel vertraute, das sie nicht darüber lachen würde oder es einfach wegschieben würde, ohne drüber nachgedacht zu haben. Sicherlich würde sich demnächst eine Gelegenheit dazu finden. Ganz Sicher.
Doch dann vernahm sie etwas, was sie in Staunen brachte. Irgendetwas zog sie an. Etwas sagte ihr, dass sie da hin gehen sollte. Was es war, wusste Ahkuna nicht, jedoch war es sehr Faszinierend.
„Du Mama? Ich muss noch mal nach da vorne hin… Auf Wiedersehen Katsumi und Mama.“
Sie schleckte ihrer Mutter noch einmal über den Fang und lächelte wölfisch zu Katsumi. Dann wandte sie sich ab, verabschiedete sich nochmal bei Enmaku und trabte ins Unterholz. Na da war ja noch etwas zum Entdecken!
[Südlicher Wald l Bei Shani, Katsumi und Enmaku l Vorüber gehender Endpost]
05.04.2010, 12:32
In Richtung Averics tat sich ein seltsamer Baum auf. Es schien, als würde er noch irgendetwas anderes als Blätter an seinen Ästen tragen. Doch von hier aus war dies noch nicht zu erkennen. Das neue Revier barg viele interessante Neuheiten und Geheimnisse. Vielleicht würde der Rüde irgendwann Lust haben, dies alles zu erkunden. Doch zurzeit schwirrten ihm ganz andere Dinge im Kopf herum, als das unbeschwerte Leben.
Aléya machte ihm wirklich zu schaffen, da er auch keinerlei Idee hatte, mit diesem Problem umzugehen. Zudem konnte man einen derartigen Fluch nicht so leicht unter Kontrolle bringen. Dennoch erinnerten genau diese schwarzen Augen Takashi an einen anderen Wolf, den er aber jetzt nicht zuordnen konnte. Vielleicht konnte der Schwarze der Jungen Fähe irgendwie helfen, da er selbst viel Erfahrung mit Flüchen gemacht hat. Aber Flüche waren gefährlich, da manche von ihnen einfach so nach Lust und Laune auf einen anderen Wolf überspringen konnten. Dies passierte aber nur bei den wenigsten Fällen. Die meisten Flüche wurden durch blutige Bisse übertragen.
Noch einmal sah Takashi die junge Aléya warnend an. Sie hatten Glück gehabt, dass der Fremde auf diese Worte hin nicht völlig wütend wurde!
Kurz wandte sich der Blick des Schwarzen zu dem Wolf, der sich als Ethelion vorgestellt hatte. Dieser hatte Takashi als einen normalen Wolf bezeichnet. Dennoch war der Rüde alles andere als normal. Nun gut, jetzt wollte der Fremde dem blauäugigen also Folgen. Das änderte an der Nervosität auch nicht mehr viel.
“Ich trage verschiedene Namen. Doch die meisten hier nennen mich Takashi.“
Der Schwarze erinnerte sich wieder daran, dass er doch eigentlich Kioku hieß. So hatten ihn zumindest seine Eltern genannt. Aber als dann der Fluch in das Leben des Rüden kam, trug er von dort an einen ganz anderen Namen. Jedoch dürfte eigentlich nur Urion – Takashis verstorbener Bruder – von diesem Namen wissen. Takashi konnte sich nicht daran erinnern, einem anderen Wolf dieses Geheimnis anvertraut zu haben. Er schüttelte den Kopf leicht hin und her, um diesen unschönen Gedanken an die Vergangenheit loszuwerden.
Takashi ging mit erhobener Haltung und leicht pendelnder Rute voran. Ihm war aufgefallen, dass Aléya den beiden doch gefolgt war. Der Weg nach Averic war nicht sonderlich weit. Außerdem war er nicht alleine. Es war wohl Chanuka, der sich dort ebenfalls aufhielt.
Mit kurzem Abstand zu Averic erklärte Takashi, was der Fremde für Pläne hatte.
“Averic…ich habe dir hier jemanden mitgebracht. Er, Ethelion sein Name, ist vorhin zu uns gestoßen und bittet um Aufnahme…!“
Der Rüde trat ein wenig zurück. Takashi hob seinen Blick in Richtung Baumkrone, aus der unzählige Blätter, aber auch Federn wuchsen!
[See | Südseite | Federbaum| Chanuka, Averic, Aléya , Ethelion ]
05.04.2010, 14:54
Chanuka lauschte seinem Vater mit größter Aufmerksamkeit und durchdachte kurz die Worte, die dieser sagte. In diesem Augenblick freute er sich, dass er wusste, warum er sich einen Federbaum erdacht hatte! Es war seine schönste Erinnerung, die Gestalt angenommen hatte.
In diesem Augenblick näherten sich andere Wölfe, auf die ihn Averic hinwies. Ein Fremder und zwei, mit denen Chanuka nie viel zu tun gehabt hatte. Dennoch kannte er deren Gesichter und wedelte ihnen erfreut zu, stand auf, um die Besucher zu grüßen. Seine Rute pendelte in Jungwolf-Manier hin und her.
Erst sah er Takashi an, der sein Anliegen vortrug, ehe er zu Ethelion blickte und freundlich grüßend nickte. Zuletzt sah er zu Aléya, die im selben Frühjahr geboren worden war, wie er. Ein Lächeln zierte seine Lefzen, als er auch sie grüßte. Als nächstes fiel ihm Takashis Blick auf, der zur Krone seines Federbaums empor glitt. Vielleicht würde er irgendwann Gelegenheit haben, dem Schwarzen zu erzählen, was es mit diesem Baum auf sich hatte, doch im Augenblick verbot sein Anstand, dass er den Erwachsenen ins Wort fiel.
Ob sich die weiße Jungwölfin auch zunächst heraushalten wollte? Chanuka entschied, auf sie zu zutänzeln.
“Hey!“
Flüsterte er ihr zu und stupste sie verspielt an. So ganz sicher schien er noch nicht, ob er ein Spielchen wagen sollte, Lust hätte er allerdings schon gehabt. Es kribbelte in seinen Pfoten und Takashi und Ethelion zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich und stahlen ihm so seinen Vater, der sich eigentlich für ihn Zeit genommen hatte. Wirklich ärgern konnte sich Chanuka nicht. Der Tag strahlte noch immer viel zu stark!
[Bei Averic, am Federbaum, erreicht von Takashi, Ethelion und Aléya, schließlich direkt bei Aléya]
06.04.2010, 16:20
Was genug war, war genug! Die gebleckten Zähne der Welpin waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. In Ethelion brodelte es wie in einem Vulkan und diese vorlaute Fähe schaffte es, eine gewaltige Eruption zu verursachen. Der Schwarze machte auf der Stelle kehrt und sprang auf die Welpin zu. Mit einem kräftigen Kopfstoß warf er sie auf die Seite und hielt sie am Boden, indem er ihr mit den Vorderpfoten auf die Flanke stieg. Dann senkte der Rüde den Fang, bis kaum mehr als eine Wolfspfote zwischen ihrer beider Schnauzen passte. Er zog die Lefzen hoch und knurrte. Mit grollender Stimme sprach er:
"Ich könnte dich jetzt töten; schneller, als du um Gnade bitten könntest. Unterschätze nie die Kraft deines Gegners, Fähe, und – was noch wichtiger ist – überschätze nie deine eigene!"
Ethelion zwickte die junge Fähe in die Schulter, gerade stark genug, dass es wehtat. Strafe musste schließlich sein. Dann ließ er von ihr ab und folgte weiter dem schwarzen Rüden, der sich inzwischen als Takashi vorgestellt hatte. Er machte auf den Fenrissohn einen unsicheren, um nicht zu sagen nervösen Eindruck. Sie liefen eine Weile schweigend nebeneinander her; die vorlaute Fähe folgte ihnen mit einigem Abstand. Den Schwarzen störte es nicht, er war nicht nachtragend. Er hatte sie in die Schranken gewiesen und damit war die Sache für ihn erledigt.
Schließlich gerieten in einiger Entfernung zwei weitere Wölfe in Ethelions Blickfeld; erneut ein erwachsener Wolf und ein Welpe.
'Hoffentlich benehmen sich hier nicht alle Welpen wie diese Fähe.',
schoss es ihm durch den Kopf. Er spürte die unverwechselbare Aura Fenris' zu sich herüber wehen; viel stärker und greifbarer, als vorhin bei Takashi. Der fremde Wolf war nicht nur gläubig. Nein, er war ein Auserwählter ihres Gottes – genau wie Ethelion selbst. Als sie bei den Beiden ankamen, ergriff Takashi das Wort und stellte ihn vor. Der Schwarze reagierte mit einem kurzen Schnauben, als Takashi meinte, er würde um Aufnahme bitten. Das hatte er doch gar nicht gesagt! Aber es würde nichts bringen, sich jetzt darüber aufzuregen. Der mit Averic angesprochene Rüde war offenbar so etwas wie der Alpha des Rudels und gleichzeitig ein Auserwählter Fenris', was allein ja schon an ein Wunder grenzte, wenn man bedachte, dass der Schwarze für seine Fähigkeiten vom Rudel geächtet worden war. Ethelion fühlte eine seltsame Verbundenheit zu Averic, fast eine Art Seelenverwandtschaft. So etwas hatte er noch nie empfunden, nicht einmal bei seiner Gefährtin. Deshalb konnte er auch nicht verhindern, dass seine Stimme etwas brüchig klang, als er anhob:
"Nun, Aufnahme ist fast schon zu viel gesagt. Ich würde gerne in diesem Tal eine Zeitlang verweilen. Dabei sorge ich natürlich für mich selbst. Ihr werdet mich kaum bemerken."
Bei diesen Worten sah der Schwarze seinem Gegenüber in die tiefdunkelblauen Augen, doch konnte er weder Wohlwollen noch Abneigung darin erkennen. Aus dem Augenwinkel heraus erkannte Ethelion, dass der fremde Welpe auf die kleine Fähe zuging und mit ihr sprach. Er beachtete die Beiden nicht weiter, Averic hatte seine volle Aufmerksamkeit. Auf eine Antwort des Alphas wartend glitt sein Blick nach oben in die Baumkrone. Der Fenrissohn erstarrte. Ließen ihn jetzt nach seinen Ohren auch noch seine Augen im Stich? Oder war er dabei, den Verstand zu verlieren? Dort wuchsen… Federn!
[beim Federbaum | Takashi, Aleya, Chanuka, Averic]
06.04.2010, 16:45
Nihil öffnete seinen Fang und, eigentlich hatte er vor, zu quicken, doch er knurrte Krolock an, als dieser ihn niederwarf. Seine Lefzen schossen in die Höhe und aus der spielerischen Haltung wurde eine angriffslustige Haltung. In seinen Augen funkelte Zorn. Aber Nihil wusste eigentlich gar nicht, warum er zornig war. Vielleicht, weil dieser doofe Welpe von Krolock nicht mit ihm spielen wollte. Vielleicht aber auch nicht? Er wusste es nicht. Das Lachen des schwarzen Wolfes kommentierte er mit einem höchst finsteren Blick, mit dem er ihn bedachte, bevor er sich Krolock wieder zuwandte. Er knurrte noch einmal und seine Ohren schienen in seinem Nackenfell zu verschwinden. Dann sagte er leise:
“Du blöder Spielverderber, da tut mal nix weh, da ist schon wieder jemand sauer!“
Er stellte sich etwas anders hin, sodass er besseren Halt hatte, und knurrte noch einmal, als er hinter den nächsten Worten des Welpens einen Befehlston erkannte. Das reichte ihm! Erst verdarb Krolock ihm seine Lust am Spielen und die Freude darüber, dass dieser doofe Schmerz weg war, und jetzt wollte er ihm auch noch befehlen, diesen schwarzen Wolf anzugreifen, nur, weil er ihm seinen Platz geklaut hatte! Hier war so viel Platz und Krolock musste unbedingt diesen da haben! Nihil richtete sich auf, knurrte noch einmal und schlug seine Warnung, die er bei Nihil mit seinem ‚Würmchen’ eh zu Nichte gemacht hatte, in den Wind. Die Zähne fletschend sprang er auf Krolock und grub seine Zähne erneut in sein dunkles Fell. Er klammerte sich an ihn und mit seinen Augen achtete er auf jede einzelne Bewegung seines Gegenübers.
“Du kannst es vergessen! Mir befiehlst du rein gar nichts!“
In Nihils Stimme lag eindeutig Unzufriedenheit. Würde dieser Schwarze da eigentlich eingreifen, wenn ihr „Kampf“ zu stark ausartete? Oder würde er sich verziehen? Oder würde er nur lachend zu schauen? Was würde er tun?
[Malakim und Krolock | am See]
06.04.2010, 21:36
In der einen Sekunde spürte Aléya das Aufbegehren des fremden Rüden, seinen Groll und seinen Zorn, der ihn wie eine Flamme zu umgeben schien und dennoch waren ihre Sinne längst nicht so fein und ausgeprägt, ihr schlanker Körper durchtrainiert, als dass sie schneller reagieren können.
Ohne Mühe wurde der weiße Körper zur Seite gestoßen, auch die Wucht konnte sie nicht abfangen und schlag hart auf dem Boden auf. Für eine Sekunde blieb ihr die Luft weg, doch trichterte das Wesen, dass immer mehr die Welpin verschlang, ihrem Unterbewusstsein ein, ihre Lungen mit Sauerstoff zu füllen.
Leicht hechelte die Fähe, versuchte auf zu springen, sich zur Wehr zu setzten, ein Grollen sammelte sich in ihrer Kehle, doch hielt der Schwarze sie mit seinen Vorderpfoten fest. Sie hatte keine Chance gegen den muskulöseren Wolf und musste sich die Niederlage eingestehen.
Trotzdem durchbohrten die tiefschwarzen Augen die roten Seelenspiegel, brannten sich in ihnen fest. Plötzlich, es war, als hätte sich ein Mantel auf ihre Augen gelegt, konnte sie einzelne Bewegungen wahr nehmen. Etwas, dass leicht unter dem dunklen Fell pulsierte, die feinen Ohren nahmen den leisen Klang des wütenden Herzschlages wahr und die sensible Nase identifizierte einen ihr doch bekannten Geruch.
Blut.
Ein stechender Schmerz breitete sich in ihrer Kehle aus, als wäre sie monatelang ohne Wasser durch den heißesten Ort der Welt gelaufen.
Sie erkannte das gleichmäßige Pulsieren im Blutkreislauf, während es in ihren Ohren rauschte. Seine Worte nahm sie längst nicht mehr wahr, konnte sie nur auf das regelmäßige Schlagen des fremden Herzens achten.
Genauso schnell wie diese veränderte Ansicht gekommen war, verschwand sie auch wieder.
Ein unangenehmer, aber nicht ernst zu nehmender Schmerz in ihrer Schulter hatte die Weiße wieder zurück gerufen.
Ein Husten entfloh ihrer kratzigen und rauen Kehle, das starke Brennen ließ mit einem Mal nach.
Was war das gerade gewesen?
Ein wenig benommen rappelte sich die Jungfähe auf, stand noch ein wenig zittrig auf ihren Pfoten. Es fühlte sich an, als hätte sie lange Zeit gelegen. Vielleicht wurde es besser, wenn sie sich bewegte.
Mit langen, langsamen Bewegungen folgte sie den beiden Rüden, blieb allerdings mehr im Hintergrund stehen. Takashi hatte den Wanderer zu Averic gebracht, der zusammen mit Chanuka unter einem Baum stand. Der Anblick des Gewächses ließ die seltsame Situation vollkommen in den Hintergrund treten. Da wuchsen Federn zwischen den Zweigen!
Bewundernd blickten die leicht aufgerissenen Augen Aléyas auf, der welpische Ausdruck war zurück gekehrt und hatte die unheilvolle Schwärze verdrängt.
Fast hätte sie sogar den Welpen übersehen, so sehr hatte sie sich auf die Federn konzentriert, richtete dann doch den freundlichen, klaren Blick auf den Rüden.
Mit freudig hin und her pendelnder Rute und einem kurzen Stubser gegen seine Schnauze begrüßte sie ihn und zupfte dann sachte an seinem Ohr. Unbewusst spürte sie das Kribbeln in seinen Pfoten und auch ihr Drang zum Laufen und Spielen war wieder geweckt.
„Hey“, erwiderte sie ebenfalls flüsternd und deutete mit der Schnauze etwas Abseits. Auch sie wollte ungern die Erwachsenen stören und sich aus ihren Aufgaben heraus halten. Der Schwarze war wesentlich interessanter und bestimmt ein angenehmer Zeitgenosse.
[Am Federbaum, Averic, Takashi, Ethelion und Chanuka, schließlich direkt bei Chanuka]
07.04.2010, 00:01
Mit aufrechter Haltung und nach vorne gedrehten Ohren sah der Pechschwarze das kleine Grüppchen auf sich zukommen. Er konnte beobachten, wie sich der Fremdling plötzlich umwandte und scheinbar wütend etwas zu Boden drückte. Einen Moment lang spannte Averic die Muskeln, wäre im Zweiten auch aufgesprungen, wenn er gemerkt hätte, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Aber der schwarze Fremde trottete schließlich weiter und gab den Blick auf eine weiße Welpin frei, die Takashi und dem Rüden schließlich weiter folgte. Die kurze Anspannung verflog, es schien sich um nichts Ernstes zu handeln. Wenn die Welpin sich zu viel heraus genommen hatte, war es jedermanns gutes Recht ein Jungtier in seine Schranken zu weisen. Abgesehen davon, war sie nicht seine Tochter. Das mochte unrühmlich klingen, aber für Averic spielte es eine Rolle. Welpen hatten ihn nie interessiert, sondern eigentlich immer genervt. Seine eigenen Welpen bildeten da eine Ausnahme, was wohl auch irgendwo verständlich war. Abgesehen davon hatten sie ja auch eine gute Erziehung genossen. Gelassen sah er Chanuka nach, der spielerisch zu der weißen Welpin hinüber sprang. Ein flüchtiges Lächeln huschte über seine Lefzen. Die Erziehung des schwarzen Sohnes war nicht sein Verdienst gewesen, sondern Banshees. Und er ähnelte er ihr in vielen Charakterzügen.
Averic wandte sich Takashi zu, der sich nur kurz vor ihm aufhielt, um den Fremden vor zu stellen und dann abseits hinstellte. Es wunderte ihn ein bisschen, dass er diesen Ethelion zu ihm brachte. Er nickte ihm knapp zu.
Schließlich drehte Averic den Kopf zum besagten Wolf herum und blieb an seinen feuerroten Augen hängen. Ganz deutlich spürte der Pechschwarze, dass von seinem Gegenüber mehr von Fenris’ Macht ausging, als von dessen üblichen Vasallen. Nicht wie bei Amáya, oder Takashi, oder all diesen Wölfen. Da war mehr. Ein Hauch, den er kannte. Den er selbst schon oft gespürt hatte und der ihn sein Leben lang begleitet hatte. Doch war das nun gut, oder schlecht? Konnte der Fremdling eine Bedrohung sein? Der Schwarze mit den roten Augen wurde eindringlich und abschätzend gemustert, ohne dass Averic eine Miene verzog. Ethelion bat ihn nicht, wie Takashi es gesagt hatte, um eine Aufnahme, sondern nur darum, verweilen zu dürfen. In der nächsten Sekunde wurde dem Pechschwarzen klar, dass der Rüde ihn für das halten könnte, was er nicht war. Der Leitwolf der Sternenwinde. Das Gesicht seiner sterbenden Mutter erschien vor seinen Augen, ihre Bitte; ihr Befehl diesen Rang niemals an zu nehmen. Niemals würde er mehr, als Averic sein.
„Dagegen wird wohl nichts sprechen. Mein Name ist Averic, Sohn von Banshee und Acollon, den verstorbenen Leitwölfen dieses Rudels. Wir haben momentan noch keinen neuen Alpha, der dieses Rudel leitet, aber auch als meine Mutter noch lebte, hat sie niemals jemandem den Beitritt ins Rudel verwehrt. Und auch keinen Aufenthalt. Doch gebt Acht, auf das was ihr tut, Fenrissohn.“
Seine Stimme war kühl und sachlich und obgleich er so deutlich machte, dass er kein Leitwolf war, verlor er nichts von seiner dominanten, aufrechten Haltung. Vielleicht mochte er niemals an der Spitze des Rudels laufen, aber er würde sich auch niemals unter jemanden stellen. Das war er, Averic. Der Sohn des Todes, sein Erbe. Mochte man in ihm sehen, was man wollte. Todesbote; Fenris rechte Pfote; ein unfreundliches Arsch. Er war weder Führer, noch Untergebener. Er war das, was seine Mutter gesagt hatte. Er war der Wächter dieses Rudels.
Averic folgte dem Blick Ethelions zu den Ästen des Baumes, der Chanukas Fantasie entsprang. Er registrierte Ethelions überraschten Blick und zog für sich vorerst den Schluss, dass von dem schwarzen Anhänger Fenris’ keine Bedrohung ausging. Zum ersten Mal konnte er die dunkle Aura eines Anderen außer Fenris und Acollon sogar fast als angenehm bezeichnen.
[ Federbaum | Ethelion, Takashi, Chanuka, Aléya ]
07.04.2010, 16:59
SL-Ausstieg Kandschur Yiga
Kandschur genoss die letzten Zärtlichkeiten seines Gefährten, auch wenn er sich schon weit fort fühlte. Ihm war bewusst, dass er in diesem Leben nicht ins Nirvana kommen würde, viel eher würde eine neue Geburt auf ihn warten. Vielleicht ja wieder als Wolf? Die schwarze Rüde würde sich darüber sehr freuen.
"Halte die Augen offen ... vielleicht bin ich der kleine Vogel, der morgen im Geäst sitzt und für dich singt."
Er lächelte schwach, schloss dann die Augen und überließ sich der wohligen Wärme des Todes. Er freute sich auf seine Wiedergeburt, es würde alles wunderbar neu sein. Als sein Herz aufhörte zu schlagen und sein Atem verstummte, zeichnete sich ein Lächeln auf seinen Lefzen ab, das blieb.
SL-Ausstieg Yerik und Garret
Der sandfarbene Rüde Yerik stand alleine an der Reviergrenze und sah zurück auf das neue Tal der Sternenwinde. Seine selbstgefundene Aufgabe Amáya ein wenig aufzuheitern war ihm gelungen, das Tal war wieder schön und erblüht ... man brauchte ihn nicht mehr. Zeit zum Weiterziehen, eine neue Aufgabe galt es zu finden. Gerade wollte er sich umdrehen und das Tal endgültig hinter sich lassen, als schwarzer Rüde auftauchte und zielstrebig auf ihn zukam. Es war Garrett, die beiden Wölfe kannten sich vom Namen her, hatten aber nie viel miteinander zu tun gehabt. Jetzt schien Garrett ihm bis hierher gefolgt zu sein und erreichte ihn mit einem freundlichen Lächeln. Nach kurzer Atempause fragte er, wohin Yerik unterwegs sei und warum er das Rudel der Sternenwinde schon verlasse. Yerik zögerte nicht, die Wahrheit zu sagen und sein schwarzes Gegenüber nickte langsam. Nach einer kurzen Pause fragte Garrett dann ganz offen, ob er den Sandfarbenen begleiten dürfe, er sehne sich nach Neuem und eine Aufgabe, die man erst noch finden musste, klang verlockend. Yerik stimmte spontan zu, freute sich sogar über die unverhoffte Gesellschaft und stimmte in den Abschiedsgesang Garretts mit ein. Danach verließen die beiden Rüden schweigend das Revier.
07.04.2010, 21:27
Shariku war mit Lyerra, die mittlerweile eine gute Freundung von ihr war, durch diesen schönen Wald gelaufen. Sie hatten Flecken entdeckt, eine wunderbare Lichtung und eine Verbundenheit, die nur Zweisamkeit hervor rufen konnten.
Doch Lyerra hatte Recht. Mit der Zeit wurde es langweilig. Shariku, stumm, war wirklich kein guter Gesprächspartner. Und sie mochte Lyerra zu sehr um zu denken, das sie sie nicht mochte und sie los haben wollte. Doch das Leben besteht aus Veränderungen.
Die letzten Tage, sie waren wunderschön gewesen, hatten nur Lyerra und Shariku gehört. Sie würde diese Zeit nie vergessen, sie würde immer eine Brücke zwischen ihnen sein. Denn Lyerra konnte sich immer auf Shariku verlassen, und Shariku hoffte ihrer Seits auf das gleiche.
Doch die Zeiten änderten sich. Shariku hatte Lyerra Rückhalt gegeben und sie ihr. Doch die Zeit des Aufbruchs, der Veränderung stand bevor.
Und es war nun wichtig das sie die Zeichen der Zeit erkannten und die Situation nicht abrutschte und zu einer unerträglichen Last wurde.
Shariku stupste Lyerra an, rannte los, einmal um die Wiese herum, dann kreuz und quer über die Lichtung. Immer wieder. Dann blieb sie stehen. Ihr Atem ging schwer, ihr Brustkorb hob und senkte sich, sie war aufgeregt und freute sich plötzlich wieder über alles.
Dann lief sie unter einen Baum und hob mit der Schnauze einen kleinen Tannenzweig auf.
Sie brachte ihn zu Lyerra. Er sollte die Erinnerung, die Veranschaulichung für ihre Gedanken an diese Lichtung sein.
Ihre Augen sagten: Gib ihr einen Namen, einen Namen der uns gehört.
Dann hüpfte sie schon wieder in die andere Richtung. Es war Zeit den Wald langsam wieder zu verlassen und wieder unter Wölfe zu kommen.
Doch Lyerra würde immer wichtig für sie bleiben...
[Mischwald | Lyerra]
08.04.2010, 00:15
Face Taihéiyo sah den Silbernen vor sich schweigend an und nahm dessen Beileidsbekundung mit einem Nicken zur Kenntnis. Was sollte er auch mehr tun? Vielleicht hätte es den einen für ein paar Herzschläge lang zurück in die leise Trauer getrieben, die immer noch über den Köpfen Vieler hing. Doch er selbst hatte nicht eine Sekunde lang den Tod seiner weißen Leitwölfin bedauert. Mochte man es von Außen betrachtet als Abstumpfung bezeichnen. Doch Face war bewusst, dass es für Banshee nur eine Erlösung gewesen war. Der Tod hatte sie mit dem Tod vereint. Wie bizarr das klang. Und tief unter seinem rabenschwarzen Pelz, hatte sich das Wissen im Herzen verankert, dass er sie bald wieder sehen würde. Auch seine Zeit lief ab, selbst wenn man ihm dies nie ansehen würde. Acht. Acht lange Jahre ... obgleich seine Sanduhr ein Jahr davon verloren hatte.
Face horchte auf, als sich sein Gegenüber als Jarrèll Nathaniêl vorstellte, ehemaliger Alpha eines Rudels dessen Namen dem seinen nicht ganz unähnlich war.
„Sternenstaub.“,
wiederholte er für sich und ein anderer hätte vielleicht gescherzt, was für ein Zufall das doch war und das Sternenstaub und Sternenwind doch ganz gut zusammen passte. Aber vielleicht war jenes Rudel wirklich nur noch Staub für den ehemaligen Leitwolf und er wollte diesen mit Wind nicht aufwirbeln. Abgesehen davon war Humor dem stillen Ozean schon immer fremd gewesen.
Er stellte keine weiteren Fragen; es ging ihn nichts an, Jarrèll zu fragen, warum er nur noch Ex-Alpha war. Schließlich war dieser kein alter Wolf, der irgendwann einem Jüngeren Platz machen musste, sondern er selbst könnte einer dieser Jüngeren sein.
„Nun gut, Jarrèll Nathaniêl, dann werden ab jetzt wohl die Sternenwinde dein Zuhause sein.“
Er warf dem jüngeren Rüden einen freundlichen Blick zu, vielleicht zugleich etwas aufmunternd. Auch wenn ein Lächeln seine Lefzen nicht erreichte und nie hatte, ließ er seine Gesichtszüge doch etwas weicher werden. Etwas, dass er in diesem Rudel gelernt hatte.
Der Tiefrabenschwarze wandte sich um, bedeutete Jarrèll mit einer kurzen Geste, ihm zu folgen. Er verließ die Schatten des Nadelwaldes und lief in das Tal hinaus, das seinen Blick direkt auf den großen Sternensee freigab.
„Das Rudel ist zurzeit komplett im Tal verstreut, wundere dich also nicht. Wir ... hatten lange keine Sonne hier. Und auch das Tal selbst war stellenweise unbegehbar, die Meisten erkunden jetzt erst mal alles.“
Face Taihéiyo sah sich nur flüchtig zu dem Silbernen um, um sich zu vergewissern, dass dieser ihm folgte. Seine Worte mochten in Jarrèlls Ohren vermutlich ziemlich seltsam klingen. Dabei war "stellenweise" noch untertrieben. Oder hatten auch andere Reviere unter dem Nichts gelitten?
[ Südlicher Nadelwald, auf dem Weg in die Mitte des Tals | Jarrèll ]
09.04.2010, 12:38
Chanuka schielte zu den Erwachsenen zurück, als Aléya ihn anstupste. Übermütig hob er die Vorderpfoten, um nach ihr zu Pfoten, ohne sie zu treffen. Mit einem plötzlichen Sprung zurück brachte er zwei Wolfslängen Abstand zwischen sich und die weiße Fähe. Den Vorderkörper gesenkt, das Hinterteil mit der umherpeitschenden Rute steil ihn die Höhe, wuffte er sie fast lautlos an. In der nächsten Sekunde stob er mit breitem Grinsen davon.
Nichts schien ihm an diesem Tag mehr gefallen zu können, als jetzt im wilden Galopp durch den Wald zu fegen. Zunächst war sein Tempo zu hoch, nach dem Blitzstart, den er hingelegt hatte. Die Bäume wuchsen schnell dichter, so dass er ein wenig langsamer wurde, sich unter Ästen hindurch duckend und über Wurzeln springend. Er wusste nicht, ob Aléya überhaupt hinter ihm war. Nichts könnte er hören außer dem Trommeln seiner eigenen Pfoten auf den Blättern des letzten Herbsts.
In dieser Sekunde legte er eine Vollbremsung hin und schlidderte über das Laub, bis er seinen Körper wieder mit der Welt ins Gleichgewicht gebracht hatte. Aufmerksam spitzte er die Ohren, darauf wartend, dass Aléya zu ihm aufholte. Nun, da er still stand, klang ihr Lauf bedrohlich laut durch den Wald. Jedes Wesen im Umkreis musste sie beide gehört haben!
“Was meinst du, wo dass alles hier her kommt? War dass noch wo anders, ehe wir ins Nichts gingen? Ich meine… wenn aus meinen Gedanken ein Federbaum wachsen kann… wie viele Wolfsgedanken haben dann diesen Wald geformt? Und obwohl es hier noch nie einen Herbst gegeben haben kann, liegen Blätter am Boden. Also waren nur wir irgendwo anders, oder? Oder wie kann aus unseren Gedanken etwas Festes entstehen? Bäume und Steine? Und wie konnten wir den Himmel zurückholen? Was glaubst du?“
Sie hatte ihn noch nicht einmal ganz erreicht, als er ihr seine Fragen ohne Luft zu holen entgegen rief. All die Worte sprudelten aus ihm heraus, ehe er sich nachdenklich auf sein Hinterteil setzte und, als ihm sein schnell schlagendes Herz und die Zunge, die aus dem Hals hing, bewusst wurden, ließ er sich, wo er saß, nach hinten ins Laub fallen.
[Im Nadelwald bei Aléya]
09.04.2010, 13:30
Begeistert verfolgten die perlenartigen Augen, wie der Welpe sie zum Spielen aufforderte. Sofort begann auch ihre Rute begeistert durch die Welt zu peitschen und die Weiße kauerte sich nieder, um der Einladung zum Spiel zu folgen. Ohne Mühe verfolgten die geschärften Augen, wie der Körper Chanukas sich bewegte, sie lauschte jedem Geräusch, die seine Muskeln erzeugten.
Erstaunlich.
In der gleichen Sekunde, wie Chanuka zurück sprang, machte sie einen Satz nach vorne und hielt gleich Schritt, als er mit einem breiten Grinsen davon lief.
Mit weiten Sprüngen lief sie seitlich ihm hinterher, holte schnell auf und wäre fast an ihm vorbei gelaufen.
Überrascht von der Vollbremsung krallte sich Aléya in den Boden, rutschte weiter, schlidderte auf ihrem Welpenpo ein wenig weiter, bis sie über das ganze Gesicht lachend inne hielt.
„Was ist los, warum hälst du an?“
Sie lief die letzten Schritte zu dem Schwarzen zurück, die beide Jungtiere voneinander trennte und blieb bei ihm stehen. Trotz des schnellen, ungezügelten Laufs hatte sie nicht das Gefühl, als wäre sie schnell gerannt. Ihre Atmung ging ruhig und regelmäßig, als wäre nichts gewesen.
Eine Weile musterte Aléya die bernsteinfarbenen Augen ihres so eben selbst ernannten Freundes.
„Gute Frage. Etwas ähnliches habe ich Takashi auch schon gefragt. Ich habe mir gedacht, wenn wir alle zusammen diesen Wald und die Steine und alle Tiere erdacht haben, so dass sie plötzlich da waren... gab es dann auch einen Wolf, der sich zuvor das Nichts erdacht hatte?“
Mit tänzelnden Schritten lief die Jungfähe weiter auf einen Baum zu, ließ die feine Nase an der Rinde entlang wandern und erkannte so viele unterschiedliche Gerüche, wie damals im Wald, als sie mit Amúr Verstecken gespielt hatte.
„Takashi konnte es mir nicht erklären... vielleicht gibt es gar keine Antwort darauf. Oder keine ‚vernünftige’ Erklärung...“, während sie sprach ließ sich die Weiße neben Chanuka auf dem Boden nieder, rollte sich wie er auf den Rücken, um das Blätterdach über ihnen zu sehen. „Aber es ist doch so, dass keiner von uns dachte, dass wir sterben möchten. Vielleicht war es einfach dieser Wunsch? Hat Averic dir etwas dazu gesagt?“
[mit Chanuka im Wald]
10.04.2010, 20:04
Lyerra war betrübt. Sie wollte nicht abschied nehmen. Nicht von Shariku. Nicht für immer.
endlose Leere machte sich in ihrem Herzen breit. Klar, man musste Freunde auch gehen lassen können, aber was, wenn
niemand mit ihr weiterlaufen wollte? Wenn sie dann einsam wäre?
Sie hatte das Gefühl, dass die Leere sie von innen auffraß, ihr Herz verschlang. Als Shariku ihr den Tannenzweig brachte,
fühlte sich sich besser. Sie würde einen neuen Weg einschlagen.
Anscheinend hatte ihre Freundin die selbe Idee wie sie: Der Lichtung einen Namen zu geben.
"Was gäbe es denn für Möglichkeiten für einen Namen? Etwas wunderschönes, faszinierendes, aber auch etwas wildes und
freies..."
überlegte sie laut. Saritana Lichtung, Evendal, Lawerta, Somberion, Tahara...
Hmm.. irgendwie kamen ihr alle Ideen kindisch und dumm vor.
"Ich hätte ein paar Ideen, aber ich finde sie nicht so toll..."
sie zögerte.
"Soll ich sie dir sagen?" noch im selben Atemzug fuhr sie fort: "Saritana, Evendal, Lawerta, Somberion und Tahara.
Man könnte ja auch noch Lichtung oder so hinzufügen..."
Vorsichtig schaute sie Shariku an.
"Wie gesagt, sie sind dumm und kindisch. Welchen fändest du denn ganz annehmbar?"
Lyerra wusste, dass ihre Freundin ihr zeigen könnte, welchen sie wählen würde.
Shariku konnte ihr zwar ihre Vorschläge nicht nennen, aber sie würden sich einigen können, dafür würde Lyerra ihre Nase in
einen Ameisenhügel schieben.
Der Zeitpunkt des Aufbruchs kam immer näher. Die Leere kam noch einmal kurz wider, wurde aber sehr schnell von einer Woge
der Vorfreude weggespült.
Vorfreude auf die neuen Wölfe die sie kennen lernen könnte. Vorfreude auf das Unbekannte, auf andere Gebiete und Vorfreude
auf das Widersehen mit Shariku.
"Shariku." Lyerra stupste ihre Freundin liebevoll an. "Shariku, bevor wir loslaufen möchte ich dir gerne nocht etwas sagen.
Du kannst dich immer auf mich Verlassen. Wenn was ist, komm zu mir. Egal wo ich bin, du kannst mir glauben, dass ich für
immer für dich da sein werde. Egal was du gemacht hast, egal was passiert ist und egal was ich tun muss um dir zu helfen,
ich werde es tun."
eine kleine Träne kullerte über ihr Fell.
"Ich..." sie stoppte. "Ich will dich unbedingt wieder treffen Shariku. Egal wann. Ich könnte den Gedanken dich nie wieder
zu sehen nicht ertragen."
weitere Tränen bahnten sich lautlos einen Weg über ihr Gesicht zum Boden.
Beschähmt schaute sie weg. Dann drehte sie sich zur Lichtung, um diese zu betrachten, um alles in sich zu speichern und um
Erinnerungen an Orte zu haben, an denen sie mit Shariku war.
Sie drehte sich um und ging zu ihrer Freundin, um diese zart anzustupsen.
"Ich denke, es ist besser, wenn ich jetzt gehe... Ich hasse lange Abschiede..."
Lyerra schleckte Shariku über die Lefzen.
"Lebe wohl. Wir werden uns wieder sehen. Keine Sorge."
Dann drehte sie sich um und rannte los. Immer schneller und schneller trugen ihre Pfoten sie über den Waldboden.
Lyerra verspürte eigentlich kaum Trauer. Sie war sich sicher, dass sie ihre Freundin wieder sehen würde.
(Hoffentlich nimmt Shariku mir nicht böse, dass ich so schnell weg war...)
Sie wusste nicht genau wo sie hinlief, doch vermutlich nach Süden. Immer weiter durch den Wald. Des Öfteren heilt sie, aber sie war auch oft unterwegs.
Lyerra wusste nicht genau, wo sie war. Sie wusste auch nicht, wie lange sie schon lief. Nur das es lang war, dass war ihr klar. Sie war noch immer im Wald, dass war klar, nur wo?
(Hoffentlich findet mich jemand... Irgendwer...)
[Lichtung l Südlicher Mischwald l Shariku l allein]
10.04.2010, 20:20
[Sorry fürs Überposten, Takashi!]
Ethelion riss sich mühsam vom Anblick der mit Federn übersäten Baumkrone los und lauschte auf die Worte des Alphas… der gar keiner war. Das wusste der Schwarze nun; dieses Rudel hatte noch gar keine neuen Alphas, nachdem Fenris die alten dahingerafft hatte. Er erinnerte sich an das Gefühl des gegenwärtigen Todes, das er vorhin aus seinem Versteck im Wald heraus gespürt hatte. Averics Worte bestätigten es; der Tod war über dieses Rudel hereingebrochen und hatte ihm die Leittiere und wer weiß wie viele andere Mitglieder noch genommen. Dennoch schien Averic eine gewisse Entscheidungsmacht zu besitzen. Der Schwarze betrachtete sein Gegenüber und versuchte, abzuschätzen, ob seine Einladung ehrlich gemeint war. Sie hatten noch nie einem Wanderer den Zutritt verwehrt? Ethelion konnte sich eigentlich nicht vorstellen, dass es so gastfreundliche Rudel gab. Ein tiefes Misstrauen gegenüber nahezu allen anderen Wesen wucherte in ihm und trat nun erneut in sein Bewusstsein. Die Warnung Averics, dass er auf seine Taten Acht geben sollte, verstärkte dieses Gefühl nur noch. Oder war es eine Drohung? Ethelion fühlte sich zunehmend unbehaglich in Gegenwart der beiden fremden Rüden. Sie hätten sich verbünden und ihn angreifen können. Dann hätte der Schwarze keine Chance gehabt. Dennoch konnte er es sich nicht leisten, das Angebot auszuschlagen. Auch wenn er für sich selbst sorgen konnte, brauchte er doch den gewissen Schutz, den ein Wolfsrudel in der Nähe brachte. Nachdem er all das bedacht hatte, richtete der Schwarze schließlich wohlüberlegte Worte an sein Gegenüber:
"Ich danke Euch für die freundlichen Worte, Averic, und mein Herz trauert mit Euch über den Verlust der Leitwölfe. Vielleicht bleibe ich ja in diesem Tal, dann würde ich gern auf Euer Angebot zurückkommen, mich dem Rudel anzuschließen. Doch fürs Erste möchte ich nur gemeinsam mit Euch friedlich in diesem Tal leben. Seid versichert, ich werde Euch weder Kummer noch Ärger bereiten!"
Ethelion versuchte, zu lächeln, doch es wollte ihm nicht gelingen. Zu gebannt war er durch die starke Aura Averics. Es fühlte sich an, als sei dieser schwarze Rüde mit den weißen Fellzeichnungen unter den Augen Fenris persönlich; oder dessen Sohn! Der Schwarze musste den Blick abwenden und betrachtete stattdessen die beiden Welpen, die spielend und tollend im Wald verschwanden. Dieser Anblick lenkte ihn soweit ab, dass sich nun ein anderes, leichter zu erklärendes Gefühl in ihm ausbreitete: Hunger. Er hatte seit Tagen nichts gefressen, wenn man von ein paar Insekten und Kleintieren absah. Mit verlegen zur Seite geklappten Ohren wandte er sich erneut an Averic:
"Mein Bauch sagt mir, dass ich jagen gehen sollte. Mit Eurer Erlaubnis verabschiede ich mich nun und versuche mein Glück auf der Pirsch."
Er machte einige Schritte in Richtung Waldrand und sah sich dann noch einmal zu den beiden schwarzen Rüden um. Ein letztes Mal musterte er sie mit seinen glühenden Augen. Ihnen zum Abschied zunickend trabte der Schwarze in den Wald hinein; in der Hoffnung ein geeignetes Beutetier aufzuspüren. Doch ihm geriet etwas ganz anderes in das Blickfeld seiner feurigen Augen. Genauer gesagt jemand anderes. Eine weiße Fähe mit smaragdgrünen Augen, die auf den Schwarzen etwas verloren wirkte. Irgendwie traurig, niedergeschlagen. Nun, wenn man bedachte, was diesem Rudel vor Kurzem widerfahren sein musste, war das wohl nicht weiter verwunderlich.
[erst Federbaum, dann in Mischwald hinein | erst Takashi, Averic | dann Lyerra]
10.04.2010, 22:34
Katsumi fühlte sich noch schrecklicher als zuvor. Er war eine riesige Enttäuschung. Für Akru, für Shani und für die restliche Welt. Tief in seiner Depression versunken, im Schmerz, welchen ihn begleitet. Er schämte sich für die Worte an die weisse Fähe und wusste; er tat ihr unrecht. Vermutlich hatte er sie sogar verletzt, nach dem gemeinsamen Weg auf der Flucht, nach der Verbundenheit. Und nun? Katsumi senkte seinen Blick und starrte seine eigenen Pfoten an. Akru war wütend. Immer noch. Nach längerem betrachten seiner Läufe hob Katsumi sein Haupt wieder und sah die fremde Fähe an, welche Shani vorgestellt hatte. Mit einem mehr oder weniger freundlichen Lächeln auf den Lefzen begrüsste der Braune die Neue.
“Hallo Enmaku... Schön dich begrüssen zu dürfen.“
Bestimmt hatte die Fähe eine schönere Begrüssung verdient, aber Katsumi konnte nicht, war nicht fähig, fröhlich zu sein. Je länger er in diesem schönen Tal war, umso mehr schmerzte ihn der Verlust seiner beiden Freunde. Shanis Verwirrung spürte der ehemalige Alpharüde nur zu gut und erneut fühlte er sich schlecht. Mit seinen glasigen Augen verfolgte er die Bewegungen Ahkuna, welche begann, sich von seiner Mutter zu verabschieden und nickte wie in trance ihr zu. Es ist so erbärmlich Katusmi zuckte und sah um sich. Ja, Akru hatte recht...
“Ja Shani, Akru... weisst du nicht mehr? der Zeitwächter...“
Kurz flammte Aufregung in den gelben Seelentore auf, beinahe kindlich verzog sich die Mimik des Rüden. Mit der neugeschöpften Kraft aus dem Summen von Akru ging der Braune die wenigen Schritte bis ganz zu Shani und legte seinen Kopf in ihr Nackenfell.
“Verzeih mir mein Aufteten bitte...“
Langsam zog Katsumi sein Kopf zurück und hätte Shani gerne alles gesagt. Von Anfang an. Begonnen bei Nisha, der wunderschönen Fähe. Die Fähe, die es ihm nicht leicht machte, sie zu bekommen und als er es endlich schaffte, ihre Mauer zu dem Herzen zu zerbrechen, wie schön es da war. Gerne hätte er ihr von seinen Kindern erzählt, welche so schön und klug wie Nisha waren. Hätte gerne von seinem Rudel erzählt, welches stolz auf den guten Alpha war, von dem schönen Revier... Und von dem Kampf, von dem Tag, an dem er alles verlor. Seine Heimat, seine Geliebte, seine Kinder und seinen Namen. Das er hätte sterben sollen und es nicht konnte... Von der langen, leeren Reise und dem Treffen mit Akru. Und Isis.. Und von da an wiederholte sich alles wieder. Aber Katusmi sagte nichts mehr dazu. Er schwieg und suchte Halt in Shanis Blick.
[Laubwald | Shani | Ahkuna geht | (und Enmaku...)]
11.04.2010, 13:32
Was sich Ethelion vorhin geleistet hatte, war einfach zu viel! Kurz, nachdem Takashi dem Fremden und Aléya den Rücken zugekehrt hatte, war dieser bedrohlich auf die Jungwölfin zugegangen. Der Schwarze vor schon ein ganzes Stück vorgelaufen und blickte viel zu verträumt durch die Welt, um rechtzeitig reagieren zu können. Zwar hatte er nicht alles mitbekommen können, dennoch empfand er das als eindeutig zu viel! Nun war er auf sich selbst ziemlich wütend und fragte sie selbst, was sein dummes Verhalten bloß sollte. Takashi sollte gefälligst wachsamer sein! Schließlich war dieser Wolf da ein Fremder und konnte sonst noch etwas anrichten! Das Revier konnte man sich doch noch später einmal ansehen, da sich doch bestimmt irgendeine Gelegenheit bot. Doch jetzt gab es auch keinen passenden Moment mehr, diesem Ethelion sein dreistes Verhalten zurückzuzahlen. Irgendwann würde dieser noch zu spüren bekommen, dass er einen Fehler begannen hat.
Das einzige positive an diesem Geschehen war wohl, dass sich Aléya seitdem wieder verändert hatte. Sie glich nun wieder einer jungen Fähe und keinem bösen Monster mehr. Musste man sie etwa so hart zurecht weisen, damit sie wieder zu sich kam?
Der Rüde war ein wenig erleichtert, dass die kleine Weiße nun einen etwa gleichaltrigen Spielgefährten hatte. Zwar wollte Takashi noch mit ihr reden, um herauszufinden, ob sie von einem Fluch besessen war, aber sie sollte sich erst einmal von eben erholen und Spaß haben. Es störte den Rüden nicht sonderlich, dass sich beide Jungwölfe von der Gruppe, in den Wald, entfernten.
Takashi lächelte zufrieden und wandte sich ein wenig von Ethelion und Averic ab. Sicherlich war er noch für die Beiden ansprechbar, doch gerade war dieser eigenartige Baum dort viel interessanter. Eigentlich war es doch ziemlich albern von ihm, sich wie ein winziger Welpe zu verhalten und aufgeregt diesen fremdartigen Baum zu mustern! Doch der schwarze Rüde empfand das neue Revier und dessen Überraschungen als sehr sehenswert. Er war wieder in seine Tagträumerei verfallen, sodass er nur halbwegs feststellte, dass Ethelion in eine andere Richtung verschwand.
[See | Südseite | Federbaum| Averic]
12.04.2010, 20:01
Jumaana bedachte Jakash mit einem beinahe verzweifelten Blick, als er nach den Priesterinnen rief, senkte den Kopf und tat, wie ihr geheißen. Als sie den schlaffen Körper des Welpen in ihren Fang nahm, spürte sie das Blut, das warm durch die Adern des Kleinen pulsierte und sein gleichmäßig schlagendes Herz. Wenn sie weiterhin im Zustand der Bewusstlosigkeit blieb, konnte ihr Körper sich vielleicht soweit regenerieren, dass es ihr besser ging, wenn sie erwachte. Doch dieser Gedanke war nur ein stummer Wunsch der weißen Fähe, die im Moment an nichts anderes als an das noch immer schlagende Herz der kleinen Fähe denken konnte. Sie setzte sich in Bewegung, als der schwarze Rüde an ihrer Seite sie aufforderte, doch als sie die braune Rakshee auf sich zulaufen sah, blieb sie stehen und wartete, bis Jakashs Schwester die drei erreicht hatte. Wieder einmal fügte sie sich einem Befehl und legte die Welpin sanft zwischen die Pfoten Rakshees. Atemlos beobachtete sie, wie die Braune das Kleine mit den Augen fixierte, während dieses immer weiter zu sich zu kommen schien. Seine Augen füllten sich mit Leben und … - Jumaana wandte den Blick ab, als könnte sie den Anblick nicht ertragen und wartete, bis Rakshees leise Stimme erklang. Sie begrüßte die Welpin, doch erst, als sie Jumaana und Jakash direkt ansprach, sah diese auf und wandte sich an Shanis Tochter.
„Ich war allein hier am Gespaltenen Baum und gerade, als dein Bruder“, sie nickte Jakash zu, „ein Gespräch mit mir beginnen wollte, taumelte der Welpe völlig kraftlos an. Wir wollten ihn direkt zu euch bringen, aber da ist die Kleine schon zusammengeklappt.“
Besorgt blickte die weiße Wölfin auf den kleinen Fellberg hinunter. Sie setzte an, um zu fragen, wie es ihr ging, doch als sie den mindestens genauso besorgten Blick aus den Augen Rakshees auffing, klappte sie ihren Fang wieder zu und schwieg. Sie warf einen kurzen Blick zu Jakash und fasste sich wieder.
„Sollten wir sie nicht zum Rudel bringen?“
Fragte sie leise, die Stimme nicht mehr als ein unsicheres Flüstern. All die Aufregung um die dritte Stimme von vorhin war vergessen, doch als sie ein leises Wimmern Takashis Mutter hörte, erinnerte sie sich. Den Blick nicht von Rakshee und dem Welpen abwendend kehrte sie sich nach innen und suchte nach einem Anzeichen, dass Aarinath schlauer war als vorher.
Und?, fragte sie in Gedanken, doch ihre Antwort blieb aus. Kurz darauf ertönte ein leises Knurren - fordernd und unwillig. Spürst du es nicht auch? , hörte Jumaana die aggressive Stimme der Toten, doch sie spürte deren Angst am ganzen Leibe. Sie schüttelte in Gedanken den Kopf und seufzte leise. Noch immer war ihr Blick unverwandt auf das kleine Leben am Boden gewandt, doch ihr Kopf schien schier zu explodieren von all der Ungewissheit und Fragenstellerei. Was ist es, weiße Tochter? Es lässt mich nicht in Ruhe! Die weiße Fähe fand keine Antwort auf die Frage des Feenkinds, doch sie kämpfte mal wieder mit dem Willen, einer der Töchter des Lebens
Mit all der ihr aufzubringenden Kraft riss sich Jumaana aus dem Bann ihrer Gedanken und wartete darauf, dass einer der Geschwister etwas sagte. Womöglicherweise hatten sie dies sogar schon getan und die Weiße hatte es lediglich nicht mitbekommen, aber vielleicht wären sie ja so gnädig, um es zu wiederholen.
[ Gespaltener Baum | Raki, Jaki & Tíri ]1. Sorry, dass es so lange dauerte & 2. sorry, dass er so kurz ist, mir gehts grad nicht so besonders.
12.04.2010, 23:23
Die Worte ließen Liams Herz stolpern. Die Traurigkeit, die er vorher nicht gespürt hatte, überschwemmte seinen Körper mit gigantischen Wellen und wäre er nicht fast vollkommen mit sich selbst im Reinen gewesen, hätte sie ihn garantiert mit sich gerissen, fort, auf unbekanntes Terrain und womöglich in einen Abgrund hinein. So aber konnte er sich, trotz der anfänglichen Überrumpelung, schnell darauf einlassen und nahm die Trauer wie sie eben kam. Er hieß sie willkommen, sie würde ihm helfen den Verlust schneller zu verarbeiten, zumindest, wenn er nicht gegen sie ankämpfte.
Sein Körper sackte ein wenig zusammen, ehe er sich wieder straffte um auch den letzten Augenblick bei seiner Liebe zu sein. Er sah das sanfte Lächeln auf Kandschurs Lefzen und lächelte automatisch mit. Solange es ihm gut ging, würde es auch Liam gut gehen. Als sich Kandschurs Augen für immer schlossen, spürte Liam, wie etwas den Körper seines Freundes verließ.
„Ich werde immer achtsam sein. Kandschur. Mein Lieber.“
Und er war sich sehr sicher, dass er ihm wieder begegnen würde. Nicht unbedingt in Wolfsgestalt, aber er würde ihn erkennen, es würde ein Zeichen geben, was er nicht übersehen konnte. Und er würde es in seinem Herzen spüren. Mit dieser Gewissheit stand er geschickt auf, umrundete den toten Wolf ein letztes Mal und berührte ihn sanft mit der Schnauze zwischen den Augen. Sein letzter Gruß, seine Verabschiedung. Jedoch nicht die Ganze.
Nun hob er die Schnauze und begann zu heulen. Der Gesang wehte durch das Tal, die Trauer mischte sich in seine Stimme, er sang sie in die Luft, all seine innewohnende Liebe schickte er Kandschurs Seele hinterher, nur ein kleines bisschen behielt er für sich selber, eine Erinnerung die niemals verblassen würde. Kandschur hatte ihn ein großes Stück weiter gebracht auf seinem Pfad zur Vollkommenheit.
Schwer und süßlich hingen die Töne und Klänge in der Luft. Nur langsam verstummte der wehmütige Gesang und als er gänzlich geendet hatte, machte sich Liam daran den Verstorbenen an den Seerand zu schieben. Zum Glück war dieser nicht weit, die Strömungen des Wasserfalls würden den Wolf mit sich nehmen und hinfort tragen, so wie es sich gehörte.
Während Kandschur im tiefen Gewässer versank, drehte Liam sich um und fing an zu laufen. Ohne Ziel.
[Kandschur. Tod. Wiese am Wasserfall.]
18.04.2010, 11:04
Malicia schwieg einen Moment, bis sie die Worte der weißen Fähe hörte, dann nickte sie leicht. Sie wusste genau, dass es Quatsch war, was sie erzählt hatte – zumindest zum Teil – aber es schien, als würden die beiden sich beugen wollen. Die Schwarze beschloss, ihre Forderungen nicht genauer zu beschreiben, sie redete nicht gern mit Fremden über den Tod ihrer Eltern. Und überhaupt, die ganzen rudelinternen Dinge lagen ohnehin in Tyraleens Pfote; sollte diese doch wissen, was sie daraus machte. Dabei wusste Malicia nur allzu gut, wie bedrückt ihre Schwester nach ihrer Ernennung zur Leitwölfin gewesen war, doch eine gewisse Missbilligung konnte sie nicht unterdrücken. Es war nicht so, dass sie ihre Schwester nicht akzeptierte, doch die Weiße hatte es nun einmal an sich, nicht wirklich respekteinflößend zu wirken – auf Malicia zumindest. Bei Engayas Tochter war das völlig anders gewesen – Banshee wirkte immer professionell, kühl, höflich und liebevoll zugleich, während auf Tyraleen immer diese kindliche Leichtigkeit zu verschreiben war. Malicia konnte nicht umhin, das zu denken, auch wenn sie wusste, dass die Wölfin ihre Rolle tadellos ausfüllte. Mit einem leisen Seufzer wandte sich Malicia um und sah, wie die beiden Fremden ihr folgten. Die weiße Fähe setzte sich an ihre Seite und als Banshees Tochter den anderen Jungwolf betrachtete, machte sie einen starken Angstgeruch aus. Sie wandte den Kopf wieder nach vorne, allerdings nicht, ohne einen Blick nach links und nach rechts zu werfen – wer wusste schon, was sich in den Büschen alles verbarg.
Die Worte Minyalas trafen die Schwarze nicht unvorbereitet – welcher Wolf fragte nach Werwolferfahrungen eines Rudels, wenn er nicht selbst einer war. Und der junge Caleb schien ihr ohnehin so unbeholfen, dass er kein echter Wolf sein konnte. Malicia lächelte der Weißen höflich zu.
»Man sieht’s«, sagte sie knapp und nickte. »Ich habe euch nicht umsonst willkommen geheißen, denn wenn wir keine Werwölfe in unseren Reihen erlauben würden, hätte ich erst mit meiner Schwester gesprochen. Glaubt mir, jeder einzelne Wolf in diesem Rudel, der einst der Werwölfin begegnet ist, hätte dich, Caleb, als solch einen erkannt. Nimm es mir nicht übel, aber an deinem Wolfsverhalten musst du dringend noch ein wenig feilen.«
Malicia drehte sich wieder nach vorne, bremste ihre Schritte aber ein wenig, sodass der Jungwolf zu ihnen aufschließen konnte. Geschickt schlängelte sie sich durch die eng zusammenstehenden Bäume, bis sie den Waldrand erblickte und abrupt stehen blieb. Sie drehte sich um und wandte sich an die beiden Neuankömmlinge. Ein zartes Lächeln umspielte ihre Lippen.
»Ich würde sagen, ihr verhaltet euch wie normale Einzelgänger. Ihr redet nicht, bis Tyraleen euch auffordert. Ich werde sie über eure Umstände in Kenntnis setzen und du, Caleb, wirst ihr dann deine – eure – Geschichte erzählen.«
Sie grinste den beiden aufmunternd zu, ihre harte Schale schien aufgrund der Umstände geschmolzen zu sein, und wandte sich um, um geradewegs auf die Stelle zuzugehen, wo sie ihre Schwester und die weiße Sheena das letzte mal gesehen hatte. Das Lächeln verblasste, als sie die beiden am Federbaum sah, doch sie schwieg tapfer und hielt sich zurück, damit Minyala und Caleb ihr folgen konnten.
Play beendet
19.04.2010, 18:33
Schweigend nickte Face Taihéiyo und nahm so Jarrèll Nathaniêls Geste des Bedauerns zur Kenntnis. Jarrèll konnte dem Tiefdunklen nicht ansehen, ob er selbst denn trauerte. Vielleicht. Nicht war grausamer als der Tod, nichts unberechenbarer, endgültiger. Eine schmerzhafte Erfahrung seines eigenen Lebens. Vielleicht auch nicht. Der Tod konnte erlösen, erlösen von körperlicher und seelischer Qual. Wie nahe war er selbst, an seinen dunkelsten Tagen, dem Wunsch gewesen, um diese Erlösung zu bitten. Auch sein Gegenüber schien in diesen Momenten tief in seinen Gedanken versunken. Jarrèll Nathaniêl vermochte das Alter Face Taihéiyo nicht einzuschätzen. Körperlich schien er jung, doch Jarrèll hatte gelernt nicht immer dem zu trauen, was seine Augen ihm vorgaben zu sehen. Er mochte irren, doch der Rabenschwarze erschien ihm bedeutend älter als er selbst. Es war die Art und Weise wie er sprach, seine Wortwahl, die Ruhe und Überlegtheit in seine Bewegungen. Das war wohl auch der Grund wieso Jarrèll sich überwunden hatte so viel von sich preiszugeben und sich tunlichst bemüht hatte höflich und ruhig zu erscheinen. Sternenstaub. Von der Zunge eines fremden Wolfes gesprochen, klag der Name für ihn selbst eigenartig neutral, als wären es einfach nur zwei Wörter, aneinander gereimt, ohne Bedeutung. Wider Erwarten, berührten sie ihn nicht, klangen hohl in seinen Ohren, ausgesprochen von einem Wolf der die Geschichte nicht kannte und sein Schicksal nicht teilte.
Jarrèll Nathaniêl konnte ahnen welche Frage dem Betarüden auf der Zunge lag, doch er hatte nicht vor ihm Auskunft darüber zu erteilen. Aus welchem Grund auch? Es ging Face Taihéiyo nichts an. Es war vorbei. Er war entschlossen hier einen neuen Anfang zu wagen, wünschte sich das Erlebte einfach vergessen zu können. Dass er mit diesem Rüden in angemessenem Ton sprach, verlangte die Höflichkeit. Und das hieß nicht, dass er ihm in irgendeiner Vertrauen schenkte. Je länger das Gespräch dauerte desto mehr wiederstrebte es ihm weiter zu sprechen, und desto stärker verspürte er das Verlangen alleine zu sein.
„Dem wird wohl so sein,“
Jarrèll Nathaniêl antwortete kurz und ein wenig schroff. Es lag nicht an Face Taihéiyo und er wusste, dass hätte er einem anderen Wolf gegenüber gestanden, wäre dieser Punkt wohl schon viel früher gekommen.
°Jetzt versau‘ es nicht!°
fuhr ihn die, sonst so sanfte, Stimme in seine Gedanken harsch an. Energisch verdrängte er das Flüstern in die hinterste Ecke seines Kopfes. Sendepause.
Er würde selbst entscheiden und er hatte sicher nicht vor, das alles nun zu verspielen. Dunkle Wolken schienen über seine Seele gezogen zu sein. Es würde ihm kein Fehler unterlaufen. Darauf hatte er geschworen. Für einen Moment schienen die Gesichtszüge seines Gegenübers weicher zu werden, fast freundlich. Blitzschnell versuchte der weiß-graue Rüde sich selbst wieder in seine Gewalt zu bekommen. Er wollte nicht aufgemuntert werden, welchen Grund zur Freude sollte er auch haben, doch der andere konnte nichts dafür. Es kostete Jarrèll Mühe, in altem ruhigem, gleichmütigem Ton weiter zu sprechen:
„Gut.“
Wir hatten lange keine Sonne mehr… Hatte der Tiefdunkelschwarze gesagt.
»Ich auch nicht,«
fügte Jarrèll Nathaniêl in Gedanken an. Nätürlich hatte er in den letzten Wochen, Monaten Sonne gesehen, doch in seinem Herzen war es dunkel geblieben. Wie ein die Wolkenmassen eines Gewittersturms hatte sich die Schuld auf seine Seele gelegt und keinen Sonnenstrahl in das Inneste des Silbernen vordringen lassen. Mit einem einzigen Wort, quittierte er so die geheimnisvolle Andeutung Face Taihéiyos. Er hatte nicht vor nachzufragen. Es hatte ihn nicht zu interessieren und er verspürte auch nicht das Bedürfnis, eine Geschichte zu hören die von Trauer und Leid erzählte, denn vermutlich war es die Geschichte, die vom Tod der Alphas berichtete.
Als Face Taiheíyo sich zum gehen wandte, blitzte für den Bruchteil eines Augenblickes etwas Glänzendes, bisher durch sein Fell verborgenes, auf. Jarrèll Nathaniêl vermochte nicht zu erkennen was es war, doch er war sich sicher, dass es da war. Vielleicht eines der Geheimnisse des Rudels der Sternenwind und seinem Beta mit dem tiefsaphirblauen Augen. Mit weiten Schritten folgte er Face Taihéiyo aus dem Wald. Nun war der Blick frei auf ein weitläufiges Tal, inmitten ein See auf dessen glatter Oberfläche, sich die schwindende Wintersonne spiegelte.
[Verlassen des südlichen Nadelwaldes in Richtung Tal | Face Taihéiyo]
Sorry, dass es so lange gedauert hat.
25.04.2010, 13:21
Chanuka lag ruhig auf dem Waldboden, in den raschelnden Blättern. Er war feucht. Im ewigen Kreislauf wusste er inzwischen, wie Blätter langsam zu Erde wurden. Dieser modrige Geruch gefiel dem schwarzen Jungrüden, wahrscheinlich allein der Bedeutung wegen. Jahresende ging in den Frühlingsanfang über. Auch hier ein Kreislauf. Anfang und Ende gaben sich die Pfote. Das Nichts musste beides zugleich gewesen sein.
“Ich glaube nicht, dass man sich das Nichts erdenken kann. Man hat doch nie wirkliche Leere in seinen Gedanken, auch nicht das Gegenteil davon. Die Fülle von Allem.“
Er drehte den Kopf zu Aléya hinüber, die einen Baum unter die Lupe nahm. Bei ihrer Frage bewegten sich eine Weile nur seine Ohren. Erst waren sie aufmerksam auf die Jungfähe gerichtet, dann lauschte er auf die Geräusche neben sich. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Wie kam sie darauf, dass sein Vater mehr davon wusste?
“Wo kommst du eigentlich her?“
Fragte er neugierig. Über seine Familie waren seine Gedanken zu der Ihren hinüber geglitten. Aléya hatte aber keine leibliche Familie hier im Rudel und Chanuka wusste auch nicht so genau, wer sich eigentlich hauptsächlich um sie kümmerte. Er selbst hatte, nach dem Banshee gestorben war, geglaubt auf eigenen Beinen stehen zu müssen. Er brauchte im Grunde keine Aufsichtsperson mehr. So konnte er nun einfach zu seiner Mutter und seinem Vater gehen und mit ihnen reden, in dem Wissen, dass sie immer für ihn da sein würden. Und er war von seinen Geschwistern wohl der einzige, der darin keine Selbstverständlichkeit finden konnte. Um so glücklicher machte es ihn.
“Muss abenteuerlich gewesen sein, hier her zu kommen, allein, oder?“
[Bei Aléya]
25.04.2010, 18:29
Die klaren Augen der Jungwölfin, die sehr bald den Übergang in ein neues Stadium ihres Lebens erleben würde, begutachteten die unterschiedlichen Nuancen und die Farbfülle, die beide Jungtiere umgab. Jeder Baum, jeder Strauch hatte seine eigenen Farben, genauso wie jeder Wolfspelz einzigartig war.
Die feine Nase nahm den Geruch des Waldes, von verrottendem Laub, feuchtem Moos, Pilzen und vielen anderen Dingen wahr. Manches mal, so schien es ihr, konnte sie die Luft förmlich in sich aufsaugen, wenn sie nur tief genug einatmete.
Als Chanuka zu einer Antwort ansetzte, drehte die Weiße ihren Kopf hinüber, um besser in die bernsteinfarbenen Augen blicken zu können. Dabei fiel ihr auf, dass der Schwarze ein angenehmes Profil hatte, welches sie einen Moment betrachtete.
„Das ist natürlich ein Argument“, gab sie zu und runzelte ein wenig die Stirn. „Aber jeder Wolf kann dem nächsten nur bis vor den Kopf blicken, nicht dahinter. Ich muss gestehen, dass ich nicht alle Mitglieder des Rudels so gut einschätzen kann, um gänzlich einen solch traurigen Gedanken auszuschließen.“
Trotz ihrer Selbsterkenntnis, schwang kaum Bedauern in ihrer Stimme mit. Sie wollte sich selber nach und nach mit den Rudelmitgliedern vertraut machen und ein Altersgenosse eines anderen Wurfes war doch der beste Beginn.
Auf seine aus der Thematik heraus gerissenen Gegenfrage zuckte Aléya nur kurz mit den Ohren.
Genau, wo kam sie noch gleich her? Die Monate waren schier wie im Fluge vergangen und die Ereignisse machten es kompliziert, sich an die Zeit von früher zu erinnern. Gab es denn überhaupt eine Zeit, bevor sie hier war?
Im Grunde hatte es für die Fähe keine Rolle gespielt, war sie doch hier glücklich. Aryan und Daylight waren liebevolle Eltern – wo auch immer die beiden waren...
Schmerzlich wurde ihr bewusst, dass sie den Gedanken vor allen Dingen an ihren Vater einfach nur zur Seite geschoben, schlicht verdrängt hatte.
„Ich... weiß es nicht.“ Ihre Stimme war kaum mehr ein Flüstern, als sie sich zurück erinnerte.
Doch nur ein lauter Knall prägte ihre Erinnerung, den sie nicht genau einordnen konnte. Eine entfernte Stimme sprach zu ihr, sie solle immer weiter gehen, bis sie ihr Glück finden würde.
Selbst diese Erinnerung, so schwach sie in ihrem Geist vorherrschte, kostete sie viel Mühe. Was war damals geschehen? Es schien wahrlich im Strom der Zeit untergegangen zu sein, doch spielte es eine Rolle? War es nicht entscheidender, wer sie jetzt war?
Seine weiteren Worte ließen sie wieder nachdenklich werden. Ohne sich zu rühren ruhte ihr Blick auf dem Blätterdach über ihnen, während sie versuchte, sich an die Gegebenheit zu erinnern.
„Ich weiß nicht mehr sehr viel, ich war... sehr klein. Das, was ich noch weiß, dreht sich um einen so lauten Knall, dass ich dachte, es zerreißt mir das Trommelfell. Danach begann meine Reise, bis ich hier her kam. Aber es liegt alles so weit zurück und scheint immer mehr zu versinken, unwirklich zu werden. Aryan und Daylight sollten sich um mich kümmern. Aryan hat immer auf mich aufgepasst und mich ein Mal beschützt, als ich beinahe in das Nichts gefallen wäre.“
Das sie seit jenem Tag das immer stärker werdende Gefühl hatte, dass sich etwas wesentliches an ihr veränderte verschwieg sie.
„Keine Ahnung, wo Aryan jetzt ist. Seit der Flucht habe ich ihn nicht gesehen. Aber ich denke, ich komme auch so gut klar.“
Sie warf ihm ein munteres Lächeln zu und berührte kurz mit der Schnauze das dunkle Fell.
[im Wald bei Chanuka]