Liam
17.09.2011, 16:03

Lange hatte er darüber nachgedacht, ob es die richtige Entscheidung war, die er für sich getroffen hatte. Immer wieder blieb er nur an der einen Sache hängen. Atalya. Seine so sehr geliebte Patenfähe. Er wollte sie nicht alleine lassen, doch er konnte sie auch nicht mit auf seinen Pfad nehmen. Doch was, außer ihr, hielt ihn noch in diesem Rudel?
Er hatte kaum Anschluss zu anderen Rudelmitgliedern, natürlich lebte er gerne ein wenig zurückgezogener, aber dennoch wünschte er sich hin und wieder einen guten Freund an seiner Seite. So wie Kandschur es gewesen war, ehe er von ihm gegangen war. Und, so freundlich die Wölfe in diesem Rudel auch waren, es passte einfach nicht zwischen ihm und ihnen.
Sein Entschluss stand fest, er würde das Tal, und damit auch Atalya, verlassen. Er würde seine letzte Reise antreten, wohin ihn seine Pfoten führen würden, wusste er nicht. Er würde seinen Pfad weiter beschreiten, wie er es getan hatte, bevor er sich hier niedergelassen hatte.
Ein Gefühl sagte ihm, dass sein Pfad nicht mehr allzu weit gehen würde. Vielleicht war es auch besser nicht hier zu sterben. Vielleicht war eine Trennung von Atalya bei der er noch am Leben war, besser zu überwinden. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht würde sie sein Fortgehen nicht verstehen, den Tod jedoch würde sie verstehen können. Oder zumindest als ein Teil des Lebens hinnehmen können. Andererseits würde er so für sie immer leben. Nicht nur in ihrem Herzen. Denn sie würde nicht wissen, wann er sterben würde und so würde er immerfort bestehen. Denn sie konnte sich schließlich niemals sicher sein, ob er wirklich schon gestorben war.
Am liebsten hätte der Rüde sich einfach unter irgendeinen Baum gelegt und seine Entscheidungen wieder über den Haufen geworfen.
Früher hatte er keine Probleme gehabt sich von lieb gewonnenen Wölfen wieder zu verabschieden. Er hatte es so oft getan, war seinem Weg gefolgt. Doch, wie lange hatte er nun hier in diesem Tal gelebt?
Er vermochte es nicht zu sagen.
Seine Ohren schnippten leicht. Der schwierigste Teil war die Verabschiedung von Atalya. Doch er wollte es nicht länger herauszögern.
Auch wollte er sich von Tyraleen, der Alphafähe verabschieden. Er hatte wenig Kontakt zu ihr gehabt, wollte sich aber für die freundliche Aufnahme und Duldung bedanken. Und für die Akzeptanz seiner Religion, seiner Sexualität. Und für das Wissen, was er hier dazu gewonnen hatte. Und…
Er hob die Schnauze in die kühle Luft und rief nach den beiden.

Atalya
17.09.2011, 16:20

((Wäre ganz schön, wenn das ganze noch nach dem Nebenplay mit Isaí spielen würde =) ))

Endlich hatte sie einmal ihre Ruhe, hatte keinen Welpen an den Läufen kleben, und konnte sich frei bewegen, ohne nervige Fragen beantworten zu müssen. So konnte sie den Tag genießen, zumal kein Geruch der Welpen in nächster Nähe lag. So war der See ihr Ziel, welches Atalya mit schnellen Schritten erreicht hatte. Noch einmal den Blick schweifen lassend, beugte sie sich über das kühle Nass, stillte ihren Durst mit einigen Schlücken. Es war fast schon ungewohnt, nicht von winzigen Wölfen belagert zu werden. Einen Moment drifteten die Gedanken der Grauen ab, als ein Heulen ihren Kopf hochschnellen ließ, den hellen Blick einen Moment ziellos umher wandern lassend. Liam hatte nach ihr gerufen, und nach ihrer Mutter. Atalyas Ohren zuckten leicht durch die kühle Luft, einen Moment zögerte sie, ehe sie zum Sprung ansetzte und der Fährte ihres Paten folgte. Seine Stimme hatte anders geklungen, nicht wie sonst. Und wieso rief er nach Tyraleen und nach ihr? Was konnte der Bunte von ausgerechnet ihnen beiden wollen?
Es dauerte nur einen Moment, als sie seinen flauschigen Pelz im Schnee ausfindig machte, und mit federndem Schritt auf ihn zulief. In seiner Nähe wurde die Wölfin langsamer, legte leicht fragend die Ohren an den Hinterkopf, und blickte dem Rüden entgegen. Noch einen Moment zögerte sie, ehe sie auch die letzten Meter überbrückte, bei Liam zum stehen kam, kurz seine Lefze mit der Nase berührte und sie dann in seinem weichen Pelz versteckte. Einen Moment verharrte sie so, ehe sie den Blick zu seinem Gesicht wandte, den Kopf leicht zur Seite neigte.

Was gibt’s?“

Liam
18.09.2011, 16:15

(Alles klar (: )

Obwohl sein Ruf eben erst erklungen war, traf Atalya Sekunden später bei ihm ein. Doch dies hatte er erwartet. Allerdings hatte er nicht mit einem solchen Auftritt gerechnet. Sie schien schon gemerkt zu haben, dass etwas anders war als sonst. Scheinbar lag es in der kalten Luft. Wahrscheinlich hatte schon der Grund ausgereicht, dass er auch Tyraleen zu sich gerufen hatte.
Er beobachtete sie, schmerzvoll zog sich sein Herz zusammen, als sie mit fragend angelegten Ohren auf ihn zutrat, seine Lefzen kurz liebkoste und sich dann, wie jedes Mal, in seinem Pelz verkroch. Dieser Augenblick währte viel zu kurz, am liebsten hätte er den Moment eingefangen, wäre gerne zu Eis erstarrt um sie nicht verlieren zu müssen.
Sachte schüttelte er seinen dichten Pelz. Die Entscheidung war getroffen, irgendwo war es richtig, selbst wenn ihm der Grund jetzt noch nicht bekannt sein sollte.
Er bemühte sich normal zu wirken, wollte er nicht ohne Tyraleen seine Absichten kundtun. Sonst würde er sich wiederholen müssen und abgesehen davon, dass er das sowieso nicht gerne tat, musste man die Situation nicht noch schwieriger machen, als sie es ohnehin schon war.
So hüllte er sich über sein Anliegen in Schweigen, lächelte nur schwach und drückte seine Nase sanft in das Halsfell der grauen Fähe.

„Liebes… Wir wollen noch auf deine Mutter warten!“

Tyraleen
19.09.2011, 11:39

Als Tyraleen der Ruf Liams erreichte, stand sie gerade am See und trank. Es war ein ruhiger Tag und bisher war nichts weiter Aufregendes passiert. Dass Liam allerdings nach ihr rief – und im gleichen Zug auch nach Atalya – war durchaus ungewöhnlich. Sie kannte den Rüden nicht sonderlich gut, aber er war schon lange im Rudel und seine ruhige Beständigkeit und Freundlichkeit hatte ihn damals zu einem idealen Paten gemacht. Auch wenn der Kontakt auch nach der Ernennung zu Atalyas Paten nicht mehr wurde, hatte die Weiße diese Entscheidung nie bereut. Ihre Tochter mochte den Bunten und wann immer es nötig war, schien er eine verlässliche Stütze für sie zu sein. Genau das, was ein Pate zu tun hatte. Jetzt mit Atalya zusammen gerufen zu werden, ließ Sorgen aufkommen. Möglicherweise gab es ein Problem mit ihrer Tochter, das sie nur ihrem Paten anvertraut hatte und der hatte die Entscheidung gefällt, auch ihrer Mutter davon zu berichten. Im Beisein Atalyas, damit diese sich nicht hintergangen fühlte. Was könnte das sein? Tyraleens Gedanken wirbelten durcheinander, während sie im schnellen Lauf auf Liam und Atalya zusteuerte – ihre Tochter war bereits vor Ort. Bei den beiden angekommen, fuhr sie ihrer Tochter mit der Zunge über die Lefzen und berührte den Rüden an der Stirn. Sie lächelte zwar, doch auch ihr konnte man ansehen, dass sie nicht annahm, zu einem fröhlichen Gespräch zusammengekommen zu sein.

“Atalya, Liam. Ist etwas passiert?“

Sie sah vor allem den Bunten fragend an.

Liam
22.09.2011, 17:34

Aus der Ferne sah der Bunte Tyraleen angelaufen kommen und seufzte leise auf. Nun wurde es also Ernst. Wenn sie sich doch nur nicht so sehr beeilen würde. Es konnte gut und gerne noch Stunden, Tage, Monate hier mit Atalya verbringen. Aber was sollte dieses ganze hin und her.
Als die weiße Fähe ihn und Atalya endgültig erreicht hatte und beide freundlich begrüßte, berührte auch er sie sanft an der Stirn. Auch wenn er nie viel mit ihr zu tun gehabt hatte, mochte er die Mutter seiner Patenfähe sehr gerne. Er war sich auch nicht sicher, ob er sie sonst hinzugerufen hätte.
Als er ihre sorgenvolle Frage vernahm, blieb ihm nichts mehr anderes übrig, als endlich mit dem Grund des Zusammenkommens zu beginnen.
Seine Augen blickten ein wenig trübe und während er anfing zu sprechen blickte er abwechselnd Tyraleen und Atalya in die Augen.

„Tyraleen. Schön, dass du es geschafft hast!
Nein, nein, keine Sorge es ist nichts passiert. Uns geht es gut!“

‚Noch zumindest‘

„Nun, ich habe euch zusammengerufen, da ich euch etwas mitteilen möchte was dich, Tyraleen, als Mutter Atalyas, genauso etwas angeht wie Atalya selbst.
Nach langen Überlegungen, vor allem schwierigen Überlegungen, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass meine Zeit hier im Tal der Sternenwinde abgelaufen ist.
So sehr ich dich, Atalya…“
nun blickte er ihr tief in die Augen, all seine Liebe lag in diesem Blick. „So sehr ich dich liebe und achte und am liebsten niemals verlassen würde. Es führt kein Weg daran vorbei.
Ich würde es euch gerne näher erklären, wenn ihr gewillt seid mir zuzuhören…?“


Damit endete er sein, für ihn recht lange, Rede. Doch es würden noch viel, viel mehr Worte folgen, wenn man ihn lassen würde. Er wollte seine Entscheidung ausführlich begründen, er wollte sich bedanken, bei beiden, Tyraleen und Atalya. Und vor allem wollte er ihnen noch etwas mit auf den Weg geben.

Atalya
23.09.2011, 20:55

Egal, wie sehr sie es auch versuchte, bei Atalya wollte sich einfach kein positives Gefühl einstellen. Ihre Rute schwang einmal durch die kühle Luft, als Liam sie sanft berührte, aber kein Lächeln zierte ihre Lefzen bei dieser Geste. Fast schon ein wenig bedrückt nickte die graue Wölfin, wandte den Kopf dann herum. Schon einen Moment später erkannte sie die Gestalt ihrer Mutter, die wenige Herzschläge später bei ihnen war. Sie berührte ihre Mutter leicht mit der Nase, als diese sie begrüßt hatte, richtete den Blick dann aber wieder auf Liam, erwartungsvoll. Mit jeder Sekunde, die verstrich, behagte es der Grauen weniger, hier zu stehen, nicht zu wissen, was hier vor sich ging. Ihre hellen Augen richteten sich nur kurz auf ihre Mutter, als diese fragte, ob etwas geschehen sein. Liam antwortete, und Atalya richtete den Kopf wieder herum. Mit seinen Worten begann ihr Herz schneller zu schlagen, und ihr Blick festigte sich auf das Gesicht ihres Paten. Dann, als er weiter sprach, schreckte die Graue zusammen, ihre Augen weiteten ich und ungläubig schüttelte sie den Kopf. „...dass meine Zeit hier im Tal der Sternenwinde abgelaufen ist...“ ...
Die Graue wich von der Seite ihres Paten, spürte das Zittern ihrer Läufe, als sie zur Seite taumelte. Atalya biss die Fänge fest aufeinander, wollte nicht hören, was er weiter zu sagen hatte. Eigentlich wollte sie nicht einmal den Grund wissen, wußte sie genau, dass es nichts geben würde, was sie es leichter akzeptieren lassen würde. Er würde gehen, ihr Pate würde sie verlassen. Jetzt, wo sie ihn an ihrer Seite brauchte. Wo er ihr doch die wichtigste Stütze war. Die Graue schluckte ein leises Grollen herunter, wich noch einen Schrott zurück, als fürchtete sie, Liam könnte zu ihr treten. Sie spürte die Wut in sich hoch kochen, Wut über solch eine Idee. Er sollte nicht gehen, nicht er. So viele fremde Wölfe waren ihr egal, aber nicht Liam, nicht ihr Pate, der Wolf der bei ihr war, seit sie die Höhle verlassen hatte. Aber sie sagte nichts, wartete nur still auf weitere Worte des Bunten, während sie kaum etwas hörte außer dem eigenen Herzschlag, der mit jedem Atemzug lauter zu werden schien.

Tyraleen
01.10.2011, 21:40

Liams ruhige Worte, dass nichts passiert sei und es ihnen gut ging, konnten Tyraleen nur mäßig beruhigen. Sie spürte deutlich die Unruhe Atalyas und auch der Bunte selbst wirkte auf ungewohnte Art und Weise unglücklich. Seine Andeutungen blieben undurchsichtig, bis er schließlich preisgab, weshalb er sie gerufen hatte und warum es sie ebenso wie Atalya etwas anging. Tyraleen spürte nur den leichten Schmerz des Verlustes, der bei jedem Wolf aufkam, der sie eine lange Zeit ihres Lebens begleitete – wenn auch alles andere als aktiv. Liam war nie ein Freund, wenn er es für sich als richtig ansah, zu gehen, so würde die Weiße ihn gerne ziehen lassen. Doch sie ahnte schon, dass sie jetzt nicht nur als Leitwölfin anwesend war. Für Atalya war der Bunte so viel mehr, als nur ein langjähriges Rudelmitglied. Er war ihr Pate, ihr Freund, ihr Vertrauter und eine Stütze. Anders, als viele andere Paten, hatte Liam seine Aufgabe immer ernst genommen und war für seine Patentochter dagewesen. Er war einer der besten Paten gewesen, dass dies einmal ein Problem sein würde, hatte wohl niemand erwartet. Atalya würde einen schweren Verlust hinnehmen müssen. Tyraleens Blick lag auf ihrer Tochter, als diese zurückwich und nicht danach aussah, als wolle sie die Erklärungen ihres Paten hören. Sie starrte Liam an, als könne sie ihn so dazu bringen, seinen Entschluss zu ändern. Wehmut stand in Tyraleens Augen, als sie an die Seite ihrer Tochter trat. Sanft legte sie den Kopf auf die Schultern der Grauen und betrachtete über Atalya hinweg Liam. Er kannte seine Patentochter, er musste mit einer solchen Reaktion gerechnet haben. Dennoch tat es Tyraleen leid.

“Ich würde dir sehr gerne zuhören.“

Liam
02.10.2011, 14:37

Trauer umfing den bunten Rüden, als er Atalyas ungläubigen Blick auffing. Nicht nur Unglaube lag in ihren Augen, ihren Gesichtszügen, sondern auch Trauer, Wut und Verzweiflung. Er hatte gewusst, dass sie es nicht gutheißen würde, dementsprechend hatte er versucht sich auf etwaige Reaktionen einzustellen, aber ihre taumelnden Schritte von ihm weg waren fast zu viel für ihn. Am liebsten wäre er ihr wieder näher getreten, wollte sie die letzten Minuten noch bei sich haben, aber er wusste, dass er sie damit endgültig verjagen würde. Ihre zitternden Läufe sprachen Bände, sie würde umkehren und laufen, laufen, nur laufen. Fort von ihm, fort von Tyraleen. Das wollte er nicht, so zwang er sich ruhig stehen zu bleiben, sein Blick leicht abgewendet von ihr. Was sollte er noch tun, waren weitere Erläuterungen überhaupt notwendig. Sie schien kaum gewillt Worte von ihm zu hören, aufzunehmen. Es würde nichts an der Situation ändern, er würde dennoch gehen.
Wie froh er war, dass auch Tyraleen anwesend war, sie trat zu Atalya, stützte sie nun, wo er es nicht mehr tun konnte. Fing sie auf, bevor sie ganz fallen konnte. Das war seine Aufgabe. Gewesen.
Bedrückt senkte er den Kopf, immer war er für die kleine, mittlerweile groß gewordene graue Fähe da gewesen. Hatte ihr mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Hatte ihr seine Liebe geschenkt, seine Aufmerksamkeit, sein Wissen. Seine Schulter zum Anlehnen.
All das brach nun weg, sie stand alleine da. Nun, natürlich nicht ganz alleine. Aber doch irgendwie. Er wusste, dass Tyraleen selbst, ihn nicht vermissen würde. Nur als Rudelmitglied, nicht aber als Freund. Dennoch war ihr Blick bedauernd, welche Mutter wünschte sich schon, dass einer ihrer Welpen alleine gelassen wurde.
Fast schon schämte er sich für den Entschluss, wie hatte er auf die Idee kommen können? Doch dann beruhigte er sich wieder ein wenig, es war nicht alleine seine Idee, es war sein Weg, es gehörte dazu. Es war seine wahrscheinlich letzte schwierige Aufgabe, bevor er diese Welt, in seiner jetzigen Gestalt, verlassen würde.
Leicht lächelte der Bunte Tyraleen zu, sie forderte ihn auf weiter zu sprechen. Er war sehr froh darüber, dennoch erreichte das Lächeln die Augen kaum.

„Ihr wisst beide, dass ich eure Götter akzeptiere, sie jedoch nicht als die meinen annehmen konnte. Es auch niemals können würde. Mein Glaube ist dem der Lehren Buddhas verschrieben. Und eben dieser Glauben ließ mich, unter anderem, diese Entscheidung treffen. Es ist an der Zeit zu gehen, meine letzte Reise anzutreten.“

Damit war er schon fast am nächsten Punkt angekommen. Er seufzte auf, schüttelte seinen dichten Pelz, als ob er damit das ungute Gefühl abschütteln könnte.

„Ich bin nicht mehr so jung wie damals, als ich in dieses Tal gekommen bin. Damals hatte ich unglaubliche Angst vor dem Älterwerden, nun habe ich dies akzeptieren können. Doch damit muss ich auch akzeptieren, dass irgendwann die Zeit kommt, in der man diese Welt verlässt. Und ich fühle, dass dies nicht mehr weit entfernt ist. Aber ich spüre auch, dass es nicht meine Bestimmung ist hier in diesem Tal zu sterben.
Auf meinen Wegen habe ich viel gelernt, habe mit allen überwundenen Ängsten und Problemen einen weiteren Schritt hin zum Nirvana geschaffen. Und dies ist nun mein letztes Hindernis. Mein letzter Stein auf dem Pfad den ich beschritten habe und noch beschreiten muss.
Ich würde euch nicht verlassen, dich nicht Atalya, wenn ich nicht wüsste, dass es notwendig ist.
Lange habe ich mich gefragt, ob es wirklich sein muss. Ob dies der rechte Weg ist. Aber ich sehe hier keine Zukunft, ich würde hier nicht in Ruhe sterben können. Ich würde mich quälen, trotz dir an meiner Seite, trotz der Liebe die du mir schenkst. Denn es ist nicht der rechte Ort.“


Er blickte der grauen Fähe tief in die Augen. Vielleicht konnte sie wenigstens ein bisschen von dem, was er sprach, aufnehmen.
Vielleicht aber auch nicht. Sein Glaube war anders, er wurde nicht von einem Gott gerufen, es spürte seinen Weg einfach, er spürte, dass seine Zukunft, so kurz sie auch sein mochte, nicht mehr hier lag.
Damit war die Begründung für seine Verabschiedung erzählt. Dennoch lagen ihm noch viele weitere Worte auf der Zunge, auf dem Herzen.
Der unglaubliche Dank gegenüber Tyraleen, gegenüber Atalya. Aber zuerst wollte er hören, ob sie verstehen konnten, annehmen konnten. Vielleicht würde es danach zu spät sein für weitere Worte, aber daran würde er dann nichts ändern können.

„Ich möchte dich lebend verlassen Atalya. Ich möchte nicht nur in deinem Herzen weiterleben“

Er flüsterte, heiser wegen der vielen Worte. Heiser wegen des baldigen Verlustes.

Atalya
24.10.2011, 14:55

Atalya hielt in ihrer angespannten Haltung stehen, den Blick fest auf ihren Paten gerichtet. Er sah sie nicht an, und sie verstand es nicht. Was erwartete er nun? Dass sie ihn freudig verabschiedete? Dass sie es gut hieß, dass er gehen würde? Das konnte er nicht erwarten, dazu war sie nicht bereit. Ihre angespannten Muskeln zuckten kurz, als ihre Mutter neben sie trat, die sie für einen Moment fast vergessen hätte. Sie kam zu ihr, legte den Kopf auf ihr ab. Die Graue biß die Fänge fest aufeinander, schluckte hart. Sie konnte in der Nähe der Weißen für diesen Moment keinen Trost finden, konzentrierte sich so wieder auf den bunten Wolf, der nun mit seiner Erklärung begann. Während er sprach neigten sich die Ohren der jungen Wölfin zurück, sie senkte leicht den Kopf, wandte den Blick jedoch nicht von ihrem Paten ab. Er sprach von den Göttern, von seinem Gott, davon, dass es notwendig war, dass er ging. Notwendig, weil er hier nicht in Ruhe sterben konnte. Atalyas Atem zitterte, die hellen Augen füllten sich mit Tränen, als sie wieder einen Schritt vortrat, jegliche Spur von Mitgefühl war aus ihrem Blick gewichen. Nur kurz hatte sie zu ihrer Mutter geblickt, unsicher, hilflos, ehe sich die hellen Augen wieder fest auf Liam richteten, der ihren Blick erwiderte. Seine letzten Worten versetzten ihr einen schmerzhaften Stich, ein drückendes Gefühl in der Brust, die Mischung aus Wut und Trauer.

Unsinn! Wieso… wieso solltest du jetzt… sterben?!“

Ihre Stimme zitterte, wurde mit den letzten Worten immer leiser. Sie verstand es nicht, konnte nicht verstehen, wieso er gehen wollte. Sie wollte nicht, dass er ging, nicht hier, nicht jetzt. Eine Träne perlte über ihre Wange, die Ohren der jungen Wölfin lagen nun dicht an ihrem Hinterkopf.

Liam… bitte…“

Nun war ihre Stimme nicht zu mehr als einem heiseren Flüstern fähig, ein flehender Laut. Sie wollte ihn nicht verlieren.

Tyraleen
13.11.2011, 18:37

Tyraleen lauschte Liam geduldig und stumm. Natürlich wusste sie von seinem Glauben, den sie nie verstanden hatte und wenn sie ehrlich war, auch nicht verstehen wollte. Er war anders, sie hatte ihn akzeptiert, aber er interessierte sie nicht. Dafür war er ihr viel zu fern und viel zu wenig verständlich – ganz anders, als ihr eigener Glaube, den sie schon allein verstand, indem sie Engaya spürte. Dass dieser Glaube Liam den Weg wies, konnte sie dagegen sehr gut nachvollziehen und begriff seine Begründung ohne dass er viel dazu erklären musste. Die Sache mit dem Sterben lag ihr dagegen ferner, doch auch diesem Gedankengang des Bunten konnte sie ein Stück weit folgen. Er wusste, dass er nicht mehr allzu lange leben würde und wollte Atalya nicht irgendwann sterbend gegenüberliegen. Er wollte, dass er für sie ewig weiterlebte. Die Weiße war sich nicht ganz sicher, ob er das so erreichen würde, konzentrierte sich aber eher auf die Frage, was diese Entscheidung für Liam bedeuten würde. Alleine zu sterben war nicht schön. Sie würde Engaya darum bitten, ihm Gesellschaft zu schenken, auch wenn er ihr keinen Glauben schenken mochte. Noch während Liam sprach, wanderte der Blick der Weißen wieder zu ihrer Tochter und blieb in ihren Augen, die sie nur seitlich sah, liegen. Sie sah die Tränen und sie schmerzten sie. Als Atalya einen Schritt vortrat, folgte Tyraleen ihr sofort, legte allerdings ihren Kopf nicht mehr auf die Schulter ihrer Tochter sondern stand nur ganz nahe bei ihr. Sie widersprach ihrem Paten, wollte nicht glauben, dass er bald sterben würde. Dabei musste sie doch noch von Banshee wissen, dass Wölfe spürten, wann es soweit war. Ganz überzeugt von ihrem Widerwort schien die Graue aber so oder so nicht und flehte leise ihren Paten an. Eine Träne lief über ihre Wange und Tyraleen wusch sie mit der Zunge fort.

“Atalya, meine Kleine … jeder von uns spürt es, wenn er bald sterben wird. Wenn Liam das weiß … müssen wir ihm wohl Glauben schenken.“

Sie hob den Blick zu dem Bunten.

“Ich verstehe dich. Und auch wenn ich es sehr schade finde und meine Tochter so einen wunderbaren Freund verliert … solltest du das tun, was du für richtig hältst. Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als das Falsche zu tun und durch den Tod an einer Korrektur gehindert zu werden. Atalya hat hier ihre Familie … wir werden für sie da sein.“

Sie wollte Liam die Schuldgefühle nehmen, die ihn nun überfallen mussten. Er sollte nicht gehen und glauben, Atalya alleine und traurig zurückzulassen. Er sollte nicht gehen und traurig sein.

Liam
29.05.2012, 20:03

Eine einzelne Träne perlte aus seinem linken Auge. Sie sprang hinab in sein Fell und bahnte sich ihren Weg durch die bunte Vielfalt, hinab gen Boden. Um ihn herum geschah nichts. Zumindest bekam er es nicht mit. Seine Augen fixierten Atalya. Ihre Traurigkeit schien ihn zerschmettern zu wollen. Doch er konnte seinen Blick nicht von ihr wenden. Er sog dieses Bild in sich auf, fügte es zu all den anderen Bildern die er von dieser Fähe in seinem Kopf hatte.
Damals hatte er sich geschworen, dass er ihr jeden möglichen Wunsch erfüllen würde. Jeden möglichen, jeden möglichen… Dieser Wunsch –hier im Tal zu bleiben- war nicht möglich. Doch sie konnte und wollte seine Beweggründe nicht verstehen. Anscheinend hatte er sein Ziel verfehlt. Er hatte gehofft, dass sie nachvollziehen konnte, warum er jetzt ging. Obwohl er sie so sehr liebte, obwohl er ihr versprochen hatte, immer für sie da zu sein. Immer an ihrer Seite. Und genau das wollte er bezwecken. Er wollte weiterhin an ihrer Seite sein. Lebend. Doch der Tod machte ihm einen Strich durch die Rechnung und er wollte nicht, dass Atalya ihn sterben sah und er ‚nur‘ noch in ihrem Herzen weiterleben würde. Er wollte, dass er für sie immer lebte. Auch wenn er nicht mehr bei ihr war.
Liam war unglaublich froh, dass Tyraleen ebenfalls anwesend war. Sie folgte Atalya sofort, als diese einen Schritt nach vorne machte. War für sie da, würde sie stützen wenn seine größte Stütze sie verlassen würde. Er.
Seine Kehle wurde eng, leicht nickte er Tyraleen zu. Er hatte ihr Worte verstanden und aufgenommen, konnte aber keine Antwort mehr darauf finden. Langsam wand er den Blick von Atalya zu Tyraleen und berührte seine Alphafähe mit der Schnauze ganz sachte an der Stirn. In dieser Berührung lag all die Dankbarkeit die er nicht in Worte hätte fassen können. All die Dankbarkeit über seine Duldung hier, das Vertrauen welches sie in ihn gesetzt hatte, in dem sie ihm ihre Tochter anvertraute.
Doch nun schnellte sein Blick zurück. Er hatte eine viel zu große Angst, dass Atalya einfach vorlaufen würde, ehe er sich von ihr hätte verabschieden können. Noch einen kleinen Schritt und schon schmiegte sich sein Kopf an den ihren und vorsichtig nahm er ihr Ohr in seinen Fang. Flüsternd und heiser verließen die letzten Worte an seine über alles geliebte Patenfähe seine Kehle:

„Ich werde Dich immer lieben. Ich werde immer bei Dir sein. Wenn Du mich nur lässt.“

Mit diesen Worten ließ er ihr Ohr los, strich sanft an ihrer Wange hinab zu ihrer Schnauze, leckte diese, zum letzten Mal, liebevoll ab.
Dann wirbelte der bunte Rüde herum, im Laufen erklang ein klagender Ruf. Seine Verabschiedung an das Rudel, an das Tal, an Atalya.
Mit großen Sprüngen entfernte der kleine, stämmige Rüde sich nun schnell aus dem Blickfeld der beiden zurückgebliebenen Wölfe.