23.01.2012, 13:19
Es ist seit dem Aufbruch gen Süden ein Tag vergangen und die Wölfe durchqueren den südlichen Mischwald. Es ist früher Nachmittag und ein trüber Herbsttag. Im lockeren Trab, immer mal wieder anhaltend, schnüffelnd, markierend und das Gelände erkundend bewegt sich das Rudel langsam weiter nach Süden; entspannt und ohne eine Ahnung von den seltsamen Zuständen im Sumpfgebiet.
Tyraleen schlenderte erstaunlich entspannt und tatsächlich einmal nicht voller Gedanken durch den Wald. Sie kannte sich in diesem Teil des Reviers selbst nicht sehr gut aus und betrachtete die hohen Bäume und teilweise eher ungewöhnlichen Pflanzen mit einem gemütlichen Interesse, ohne das Verlangen zu haben, jeden Winkel genau zu überprüfen. Immer wieder warf sie einen Blick auf ihr Rudel und freute sich, dass alles in Ordnung zu sein schien. Tatsächlich wirkte es einfach normal. Was für ein schöner Gedanke. Ihr Blick fiel auf Averic und augenblicklich gingen doch wieder besorgte Gedanken los. Sie schenkte ihm dennoch ein Lächeln.
Atalya schüttelte kurz den grauen Pelz, richtete den Blick für einen Moment zum Himmel. Es war alles so furchtbar anders, so ungewohnt. Jetzt, wo Liam fort war. Aber was sollte sie ändern? Es gab Nichts, was sie tun konnte. Ein schweres Seufzen verließ den Fang der Fähe, ohne dass sie inne hielt. Sie hatte ihn nicht aufhalten können, und nun musste sie damit leben, dass er irgendwo anders war, dort lebte, vielleicht nie zum Stillstand kam. Atalya neigte kurz den Kopf zu beiden Seiten, schloss dann einen Moment die Augen. Es brachte doch nichts, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Ruckartig schlug sie die Augen auf, als ein bekannter Geruch, direkt vor ihr, in ihre Nase stieg. Mit einem leisen Grummeln trat die Wölfin einen Schritt zurück, blickte missmutig auf den roten Welpen hinab. Na wunderbar.
Isaí lief wie so oft ohne wirkliches Ziel zwischen den verschiedenen Wölfen ohne wirkliches Ziel hin und her. Mal trottete er gemütlich neben seinen Eltern her, mal tollte er etwas mit seinem Bruder, bis er sich schließlich doch wieder allein von der Gruppe löste und etwas weiter am Rand lief, um hier und da mal stehen zu bleiben und die Welt zu beschnuppern. Doch stets war er bemüht, dicht bei den anderen zu bleiben. Man wusste ja nie, wohin das Rudel ging! Aus diesem Grund hielt er sich meist auch besonders weit vorne auf, um neue Dinge so früh wie möglich zu erkennen. Doch ein verlockender Duft lenkte ihn ab, brachte ihn zum Stehenbleiben, während er die Nase interessiert ind die Richtung streckte, aus der der Wind kam. Viel zu spät merkte er so, dass die anderen ja immer noch liefen und wollte ihnen hastig hinterhereilen, als er plötzlich eine Gestalt hinter sich bemerkte. Aufmerksam wendete er den Kopf, seine Rute begann zu pendeln in heiterer Erwartung als er Atalya erkannte. Seine Rute stoppte, seine Miene verwandelte sich in eine Grimasse, die er immer machte, wenn er über Atalya sprach. Na super. Vielleicht konnte man ja so tun, als hätte man sie nicht bemerkt.
Averic lief etwas seitlich vom Rudel und beschäftigte sich mit nicht viel mehr, als damit hin und wieder seinen Blick über die Wölfe schweifen und irgendwo dort liegen zu lassen, wo es etwas mäßig Interessantes zu sehen gab. Ein bisschen Ablenkung, die ihm nun wo er die Erste seiner zwei Aufgaben erfüllt hatte, meistens verwehrt blieb. Das Warten, mit dem er sich nun herumschlagen musste, war unglaublich nervenzehrend. Die Anspannung, Fenris könnte ihn jederzeit auffordern das Tal zu verlassen, war immerzu präsent. Der schwarze Rüde wandte den Kopf, als er einen Blick auf sich spürte und fing Tyraleens Lächeln auf. Irgendwie versetzte es ihm einen kurzen Stich, auch wenn er sich Mühe gab zurück zu lächeln. Solange er noch da bleiben durfte, konnte man wenigstens den Schein wahren.
Amáya trabte irgendwo in der Mitte der Wölfe mit einem lockeren Schritt daher. Das Spiel ihrer Muskeln zeugte von erhabener Eleganz. Ihre Augen spiegelten kühles Desinteresse und Stolz, ja die Dunkle wirkte fast hochnäsig wie sie mit fließenden Bewegungen dahertänzelte. Doch dies war natürlich alles nur Fassade. In Wirklichkeit versteckte sich hinter den regenblauen Seelenspiegeln ein Meer aus Gedanken, die mal hierhin dann dahin flogen. Sie beachtete die übrigen Wölfe kaum. Ihre Gespräche und alltäglichen Plänkeleien rauschten an ihr hinüber als wären sie Luft. Dies beruhte wahrscheinlich auf Gegensätzlichkeit. Amáya war für sie alle doch auch nicht mehr als Nichts. Ein Baum in der Landschaft und kein Teil von ihnen.
Atalya legte die Ohren mit einem leisen Murren an den Hinterkopf, blickte den Welpen dabei still an. Man wusste ja nie, was er als nächstes plante, was in diesem Moment in seinem Kopf vorging. Immerhin... war er allein, und kam so vielleicht nicht auf ganz so dumme Ideen, wie wenn er mit seinem weißen Bruder zusammen war. Die Graue schnaufte leise, als die Rute des Welpen aufhörte, durch die Luft zu schwingen. Er schien genauso begeistert zu sein. So nahm die Fähe einen tiefen Atemzug, neigte den Kopf dabei schräg zur Seite, ein schiefes Lächeln zierte die Lefzen Atalyas. Aber aus dieser Geste sprach in diesem Moment keinerlei Freude. „Heute hängst du Mal nicht an jemandem rum und nervst? “ Na gut ... sie hatte nicht wirklich gute Laune. Aber kam da solch ein Welpe nicht gerade richtig? Selbst, wenn sie ihre Worte bereute. Sie schüttelte leicht den Kopf.
Jumaana war irgendwo am Rande des Rudels, und auch, wenn sie noch auf allen vier Pfoten stand, wäre sie am liebsten auf die Seite gefallen, hätte den Kopf auf dem kühlen Waldboden gebettet und wäre eingeschlafen, wenn da nicht die quälenden, immerwährenden Gedanken in ihrem Kopf tobten. Sie schaffte es nicht für ein paar Wimpernschläge, sie zu vertreiben, nicht einmal, wenn sie all ihre Willenskraft aufbringen würde. Ihr Blick schweifte unstet über die bunt gefärbten Wolfsleiber, als sie sich mühsam, als würde sie durch zähe Flüssigkeit waten, fortbewegte, ohne etwas Neues zu erfassen. Die Weiße knirschte leicht mit den Zähnen, setzte sorgsam Pfote vor Pfote und sperrte ein für alle Mal die trüben Gedanken aus ihrem Kopf, auch wenn sie wusste, dass es letztendlich doch nicht von langer Dauer sein würde. Er war da, er war immer da.
Tyraleen brauchte nur kurz ihren ehemaligen Gefährten zu betrachten, da fielen ihr schon wieder genug Gründe ein, nicht vergnügt zu sein. Dass Averic Face ähnlich sah, hatte sie schon immer amüsiert - ebenso deren Ähnlichkeit zu Acollon - aber jetzt erinnerte er sie vor allem an die Tatsache, dass Face fort war und dass Averic ebenso vielleicht schon bald gehen musste. Dann wären sie alle fort, ihre geliebten schwarzen Rüden mit blauen Augen. Ihr Lächeln wurde etwas bitterer und ähnelte damit dem Averics. Sie hatte das Bedürfnis, ihm von Face zu erzählen, aber sie wusste nicht, wie sie beginnen sollte und ob es ihn überhaupt interessierte. Schon war die Fröhlichkeit von eben wie weggeblasen. Sie erinnerte sich daran, dass Averic ihr Beta war und somit Face Fortgang auch erfahren sollte, wenn sie ihm kein Wort zu ihren Gefühlen dazu verriet. Sie wirkte zögerlich, wollte aber so schnell wie möglich zum Punkt kommen, sonst würde sie vielleicht mehr sagen, als Averic hören wollte. "Face hat uns vorgestern verlassen."
Kursaí bewegte sich mit dem Rudel gemeinsam. Weder war sie besonders weit vorne, noch besonders weit hinten. Ihre Gedanken waren nicht wirklich fokussiert. Eigentlich genoss sie nur das Laufen und das Rudel, in dem sie war, ihr Rudel. Es erinnerte sie einfach nur in diesen Momenten an die Zeit, als sie mit ihrem Vater eben dieses Rudel verlassen hatte und in die weite Welt gezogen war. Die kleinen Welpen mussten auch diese Neugierde empfinden, wie auch sie die Welt erkunden wollte. Nach einer Weile fiel ihr Blick aber nicht auf die Welpen, sondern auf eine Fähe. Amáya lief in ihrer Nähe, und doch konnte sie wenig über diese Fähe sagen. Ein wenig neugierig lief sie auf diese scheinbar sehr stolze Fähe zu und nickte ihr zu, als sie nun neben ihr lief.
Isaí rümpfte die kleine Nase fast schon automatisch beim Anblick der Grauen. Auf ihr Lächeln hin, konnte er nicht anders, als die Ohren dicht an den Kopf zu pressen und seine Grimasse noch etwas in die Weite zu ziehen. Er hatte sich damit abgefunden, dass Atalya ein Fieswolf war und nichts mit ihm zu tun haben wollte. Er hatte einen Bogen um sie gemacht und nun war es ausgerechnet diese Fieswölfin, die über ihn stolperte. Ein Blick galt den anderen, fast, als hoffe er, dass ihn gleich irgendjemand retten würde, denn einfach weglaufen schien ihm dann doch zu unfreundlich. Und als sie dann auch noch mit ihm redete! Sein Kopf schnellte herum, sah sie einen Moment irritiert an, dass sie nicht einfach verschwunden war, ehe seine Miene sich wieder verfinsterte. "Heute sitzt du mal nicht nur rum und starrst finster in die Gegend?", nahm er ihre Wortwahl auf und zeigte kurz die kleinen Zähnchen, ehe er einen Schritt schneller lief, um einer möglichen Reaktion auszuweichen.
Amáya war vertieft in ihre Gedankenströme, die wie ein kreisender Falke immer höher stiegen. Sie waren auf dem Weg in den Süden, ja. Vielleicht war es besser so. Sie wusste nicht, ob oder wer etwas von ihrem kurzen Kampf mit Minyala und Caleb mitbekommen hatte. Doch hatte es sie selbst sehr mitgenommen. Klar konnte man es nicht an ihr sehen, doch innerlich quälte es sie immer wieder. Seit jenem Tag war ihr das Phantom ihrer Zwillingsschwester zwar ferner geblieben, doch hatte sie Angst, dass sie bald wiederkehren könnte. Sie wollte ihren gesunden Wolfsbestand um Fenris‘ Willen bewahren! Ihre regenblauen Seelenspiegel schlossen die Gestalt einer Fähe in den Fokus, die ihr ungewöhnlich nahe kam. Ein leichtes Runzeln lief ihr über die Stirn, sie wusste nicht als was sie die Fähe einordnen konnte. Auf ihr Nicken hin pressten sich ihre Lefzen härter aufeinander und sie schüttelte ihren Kopf, winkelte ihre Ohren leicht nach hinten.
Amúr trabte locker durch den Wald. Sie hörte die Tiere des Waldes. Der Wald war schon etwas Besonderes. Sie war irgendwie wie es normal für sie war. Dann entdeckte sie Jumaana und schüttelte kurz ihren Kopf, ehe sie zu Jumaana ging. "Hallo Jumaana." Sie hatte damals auch schon einmal ein wenig mit Jumaana zu tun gehabt, soweit sie wusste. Doch seitdem sie wieder da war, hatte sie nicht mit ihr gesprochen. Wie es ihr wohl ging? "Wie geht es dir, Jumaana?"
Averic zuckte leicht mit den Ohren. Face Taihéiyo war trotz seines schwärzesten Fells immer ein unscheinbarer, sich im Hintergrund aufhaltender Wolf gewesen, aber jetzt wo Tyraleen es sagte, erinnerte sich auch Averic wieder daran den Paten seiner Schwester, bei seinen Blickausflügen über das Rudel gar nicht gesehen zu haben. Einen Augenblick lang musterte der Schwarze das Gesicht seiner ehemaligen Gefährtin, als suchte er nach etwas. Schließlich wusste er, dass Face seiner ehemaligen Gefährtin sehr viel bedeutet hatte. Andererseits war es auch etwas irritierend. "Ich habe sein Fehlen schon bemerkt. Warum ist er gegangen? Das hätte ich von ihm am Wenigsten erwartet."
Atalya schloss einen Moment die Augen, versuchte sich mit einem tiefen Atemzug zu beruhigen. Da war es wieder, die Kontrolle, die immer weiter aus ihren Pfoten fiel. Sie spürte das kurze Zittern ihrer Läufe, unterdrückte es aber, indem sie die Fänge fest aufeinander biss. Nach außen ließ sie sich jedoch nichts anmerken, schlug nur wieder die hellen Seelenspiegel auf, mit denen sie Isaí wieder direkt anblickte. Seine Worte ließen sie die Lefzen zu einem Knurren verziehen, ein leises Grollen verließ ihren Fang. Sie ließ sich von einem Welpen provozieren. Von einem nervtötenden Welpen. Sie antwortete nicht einmal auf seine Worte, es war zwecklos. Und... sie konnte sich sicher besser fangen, wenn sie einfach schwieg. Erneut schüttelte die Graue den Kopf, setzte sich dann selbst wieder in Bewegung, als Isaí nach vorn sprang. Die Fänge biss sie noch immer aufeinander.
Kursaí wusste nicht so genau, wie sie auf die andere reagieren sollte. Die andere hatte nicht gerade einladend gewirkt, wie so vor sich hin gelaufen war. Eher mit sich selbst beschäftigt und vielleicht auch nicht unbedingt freundlich. Dennoch hätte sie nicht mit solch einer Reaktion gerechnet. So ließ sie einige Zeit vergehen, bevor sie wieder etwas sagte. Ihr Schritt war gleichmäßig, wie der der anderen. Jedoch dann wandte sie sich wieder der anderen zu, welche ein wenig abwehrend wirkte. "Ist alles bei dir in Ordnung?", fragte sie. Diese Frage kam recht leise, vorsichtig, wusste sie doch nicht wie die andere Reagieren würde. Jedoch hatte sie auch nicht vor gleich wieder mit eingeklemmtem Schwanz wegzurennen.
Jumaana blickte sich suchend um, als sie eine Stimme vernahm. Sie erblickte die Gestalt Amúrs neben sich, wandte jedoch nur leicht den Kopf, die Lefzen leicht zitternd. „Guten Tag.“, murmelte sie mit halb erstickter Stimmte, knirschte erneut leicht mit den Zähnen und pendelte mit der Rute leicht hin und her, um nicht gänzlich unhöflich gegenüber der Jüngeren zu wirken. „Wie es mir geht, tut doch nichts zur Sache – wie geht es dir denn?“, lenkte sie das Thema um, nachdem sie sich einigermaßen gefasst hatte. Bilder vom schwarzen Rüden schossen ihr durch den Kopf, brannten sich wie heiße Nadeln in ihre Hornhaut und ätzten ihre guten Gedanken hinfort. Noch einmal schluckte Jumaana, bevor sie einen Blick zur Seite warf, wohlgemerkt mit einem traurigen Funkeln in den dunklen Augen.
Isaí bedachte die Fähe mit einem wachsamen Blick, um ihr rechtzeitig entkommen zu können. Doch auch, wenn sie gleich wieder dreinblickte wie ... Atalya eben, es kam nichts Fieses aus ihrem Fang. Unschlüssig spielte er kurz mit den Ohren, während er sie fast schon ratlos betrachtete. Das sah ihr irgendwie nach all dem nicht ähnlich. In angespannter Haltung verharrte er, blickte Atalya nach, als sie an ihm vorbeiging und runzelte schließlich die Stirn. Irgendwie war das ... falsch. Seine Ohren drehten sich kurz, ehe er ihr mit schnellen Schritten folgte. Einen Moment lief er schweigend neben ihr her, überlegte, doch mit Freundlichkeit kam er bei der Grauen sicher nicht weit. "Siehst du. Jetzt ist alles wieder richtig.", gab er also von sich und schielte zu ihr hinauf.
Amúr blickte nachdenklich in den Himmel, nachdem Jumaana ihre Frage so abwimmelte. Konnte sie daraus schließen, dass es ihr weniger gut ging? Sie schluckte kurz. Wie ging es ihr? Naja, es ging so. Sie war ein wenig ratlos, in vielerlei Hinsicht. Doch es ging ihr auch nicht sehr schlecht. Also antwortete sie: "Es geht." Dann sah sie zu Jumaana. Ob sie sie lieber alleine lassen sollte? "Was meinst du, wo wir hingehen?", fragte sie dann aber doch. Vielleicht würde sie Jumaana ja irgendwie ablenken können. Wovon auch immer.
Amáya amüsierte die anfangs scheinbare Unsicherheit der Fähe, als sie versuchte ihre Reaktion zu verarbeiten. Dabei hatte sie sich eher wie ein zahmes Lamm verhalten. Andere, die sie länger kannten würden wissen, was sie meinte. Doch wer kannte sie schon, die Regentochter? Es hatte nie jemanden gegeben, der sich wirklich darum geschert hätte, was aus ihr wurde. Niemand hatte nach ihr gesucht als sie als Welpe entführt wurde. Doch erst schob sie diese Gedanken bei Seite, da die törichte Graue sie doch wagte anzusprechen. Leicht amüsiert verzog die ältere Fähe ihre Lefzen und wandte ihr feminines Gesicht zu. "Sehe ich aus, als würde ich am Straßenrande zu Grunde gehen? Meine Liebe, ich habe weder die Pest noch heule ich mir meine Augen blutig. Um deine Frage zu beantworten: Ja, danke, es geht mir gut." Sie schnalzte leicht mit ihrer Zunge und rümpfte die Nase.
Tyraleen wusste nicht, ob sie über Averics Sachlichkeit erleichtert oder enttäuscht sein sollte. Sie beschloss, gar nichts dazu zu denken, sich lieber auf die Antwort zu konzentrieren, die schon schwierig genug war. "Er muss etwas erledigen. Er kommt aus dem Süden, weit entfernt von hier und hatte dort ein Rudel und Freunde. Er ... möchte sich verabschieden. Vielleicht kommt er nicht wieder." So in etwa musste das stimmen. Sie konnte Averic nicht all das mit den Menschen und dem blauen Stein erzählen - woher sollte sie wissen, ob Face das wollte?
Atalya neigte die Ohren eng an den Hinterkopf, ohne wirklich auf den Welpen zu achten. Immer wieder schloss sie die hellen Augen, versuchte den Atem zu beruhigen. Am liebsten wäre es der Grauen gewesen, er wäre einfach wieder verschwunden, das wäre für sie beide das Beste gewesen. So spürte sie seine Anwesenheit hinter sich, konzentrierte sich darauf, ob er sie erneut von hinten überfiel. Zuerst schien es auszubleiben, aber schon einen Herzschlag später tauchte er neben ihr auf, blickte zu ihr empor. Auf seine Worte hin verzog sie wieder die Lefzen, ein stiller Moment verging, ehe sie mit einem leisen Knurren in die Richtung des Welpen schnappte. Er sollte verschwinden, wieso konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen?!
Jumaana bemerkte, dass es ihrem Gegenüber auch nicht allzu grandios ging, denn abgesehen von ihrer müden Antwort schien sie auf eine seltsame Art und Weise … kaputt. Vielleicht war es einfach nur die Nachdenklichkeit in ihrem Blick, vielleicht aber auch ihre Art, die Worte auszusprechen. Vielleicht spielte Jumaanas Wolfsverständnis ihr aber auch nur einen Streich und alles war in Ordnung. Worte über Worte wirbelten durch ihren Kopf und zuerst verstand sie die Frage der Jüngeren gar nicht so recht. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis sie eine Antwort fand, die sie selbst für wahr hielt, wenn sie auch ein wenig schwammig ausgedrückt war. „Hoffentlich irgendwohin, wo es besser ist.“ In Wirklichkeit wollte sie sagen: ‚Es ist mir vollkommen egal, wo wir hingehen, ich will eigentlich nur weg. Weg von allen Erinnerungen und weg von dem ganzen anderen Kram, der mich beschäftigt. Weg von IHM.‘ Aber das würde sie niemals aussprechen, nicht einmal in einem Moment von absoluter Schwäche.
Kursaí fragte sich, was die andere wohl dachte. Es schien ihr wie ein Buch mit sieben Siegeln, dem sie gegenüber stand. Nun ja, ganz so schlimm war es auch nicht, wenigstens gehörte sie irgendwie zur Familie, auch wenn sie nicht wirklich mehr wusste. Doch ein was Gutes hatten ihre Worte: Die Fähe reagierte nicht nur so ein wenig, sondern es schien beinahe, als ob sie die Aufmerksamkeit der anderen hatte. Und doch schien die Reaktion nicht wirklich Freude zu sein, vielmehr schien sie sich über Kursaí ein wenig lustig zu machen. Oder vielleicht sogar ein wenig mehr, als nur ein wenig. Ein wenig fühlte sich die Helle gekränkt und so gab sie nicht klein bei, verschwand auch nicht, sondern erwiderte nun etwas fester, und mit Überzeugung. "Das ist schön. Jedoch muss man nicht gleich den Tod ins Auge blicken, falls etwas nicht in Ordnung ist."
Isaí blieb augenblicklich stehen, als die Fähe mit einem Grollen nach ihm schnappte. Instinktiv drückte sich der kleine Rüde dichter auf den Boden, protestierte vorsichtig mit einem kurzen Kräuseln seiner Lefzen, welches mehr aus Reflex entstand. Er bemühte sich um ein leises Knurren, welches allerdings eher nach einem Fiepen klang, ehe er den Entschluss fasste, Atalya damit nicht durchkommen zu lassen. Mit finsterer Miene nahm er wieder die Verfolgung auf, hielt dieses Mal allerdings weitaus mehr Abstand als zuvor. "Hast du jetzt deine Zunge verschluckt? So findest du nie Freunde!"
Amúr sah erneut nachdenklich in den Himmel, ehe sie leicht lächelte. Dann antwortete Jumaana auf ihre Frage. Seltsam war das Gespräch der beiden; wenn man es so nennen konnte. Jeder schien seine ganz eigenen Probleme zu haben. "Irgendwo wo es besser ist?", fragte sie, aber sie erwartete auch keine Antwort. Es schien schwieriger als gedacht, Jumaana abzulenken. Seltsame Situation. Wirklich, und Amúr wusste gerade auch nicht was sie sagen sollte. Zu viel schien beide zu beschäftigen, so blickte sie nur zu Jumaana und schwieg.
Averic runzelte leicht die Stirn. Das passte irgendwie überhaupt nicht zu dem Tiefschwarzen. Er war fast immer im Tal der Sternenwinde gewesen ... Averic erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem Face zum Rudel gekommen war. Und er selbst war noch ein Welpe gewesen - Tyraleen noch nicht mal geboren. Er drehte leicht die Ohren zurück und spürte etwas von der altbekannten Enttäuschung, die früher immer seinem Vater gegolten hatte. Ihm war unverständlich, wie Face nach so langer Zeit wegen irgendwelchen Wölfen abhauen und Tyraleen alleine lassen konnte, auch auf das Risiko hin nicht mehr zurück zu kommen. "Und deswegen lässt er dich alleine?" Allerdings, kaum dass diese Gedanken ausgesprochen waren, spürte der Pechschwarze selbst einen heftigen Gewissensbiss, noch heftiger als sonst schon. Er würde das Selbe tun müssen und dann blieb seiner Schwester nicht mal mehr ihr Pate. Er wandte den Blick ab gen Boden - wohl wissend, dass Tyraleen diesen Gedankengang vermutlich eh schon auf seinem Gesicht hatte lesen könnten - und fügte etwas leiser hinzu: "Das tut mir sehr leid für dich."
Atalya schnaufte leise, als der Welpe sich vor ihr weg duckte, schüttelt dann leicht den Kopf. „Angst, kleiner Wolf?“ Das Kräuseln seiner Lefzen entlockte ihr nur ein kühles Grinsen, ehe sie mit den Augen rollte, den Blick wieder nach vorn wandte. Vielleicht sollte sie es wieder mit Ignorieren versuchen? Seine Worte ließen die Graue jedoch inne halten, sie erstarrte mitten in ihrer Bewegung. Ihr Fang öffnete sich leicht, während ihr Herzschlag sich um einige Takte erhöhte. Was bildete sich dieser Welpe ein?! Kurschlussreaktion, in der die Graue herum schnellte, denn Fang aufgerissen auf Isaí zuhielt. Nicht, um ihn zu verletzen. Einfach nur, um ihn loszuwerden. Aus ihrem Fang drang ein tiefes Grollen. Er sollte verschwinden!
Jumaana senkte langsam den Blick und atmete einmal tief ein und aus. „Weißt du, Amúr, manchmal denkt man, dass es überall besser ist, als an einem bestimmten Ort und dann kehrt man nach langer Zeit dorthin zurück und merkt, dass man eigentlich gar nicht hätte weggehen müssen. Aber was man nicht sieht, sind all die Erfahrungen, die man in der Fremde gewonnen hat und die einem ansonsten fortgeblieben wären.“ Unzusammenhängendes Geschwafel von sich zu geben, war die Spezialität der Polarwölfin, doch manchmal sah sie keinen anderen Weg aus ihrer Gedankenschwere, als einfach das auszusprechen, was aus ihrem Fang floss. „Im Grunde genommen will ich wieder zurück. Du nicht auch? Willst du fort?“
Amáya hätte am liebsten ihre regenblauen Augen verdreht und laut gestöhnt. Was war denn das schon wieder für ein Gedöns? Ehrlich, sie fragte sich wer diesem armen Geschöpf das Leben geschenkt hatte. Gedacht, getan. "Wessen Tochter bist du nochmal?", fragte sie eine Spur versöhnlicher und ein Funken ehrlichen Interesses glomm in ihren Seelenteichen auf. "Wem denn sonst als dem Tod, hm?", fragte sie dann in einem härteren Ton und schloss für einen Moment die Augenlider.
Isaí blickte Atalya auf ihre Frage hin finster an. Seine Ohren stellten sich herausgefordert auf, ehe er den Kopf wieder hob. "Träum weiter!", gab er erstaunlich selbstsicher von sich und war noch überzeugter davon, sich das gewiss nicht gefallen zu lassen. Sie würde ihm schon nichts antun! ... Oder? Mit seinen Worten allerdings schien er sie voll zu erwischen. Ein siegessicheres Lächeln flackerte kurz auf seinen Lefzen auf, ehe sich seine Augen erstaunt weiteten. Ein lautes, aufgeschrecktes Jaulen verließ den Fang des jungen Wolfs, während er die Rute einklemmte und hektisch zur Seite hastete. "Sag mal, spinnst du?!", winselte er, hoffend, dass sie ihm nicht noch immer auf den Fersen war, oder dass ihn irgendjemand vor dieser Irren retten würde. Sein erster Eindruck war doch der richtige gewesen - Sie hatte sie nicht mehr alle!
Tyraleen betrachtete das leichte Stirnrunzeln ihres Bruders und wurde sich der Tatsache bewusst, aus welchem Blickwinkel man Faces Fortgang noch sehen konnte. Aus dem, den Averic auch bei Acollon und selbst damals bei Nyota eingenommen hatte. Keiner, auf den Tyraleen gekommen wäre. Tatsächlich hatte sie die Gründe ihres Paten nie in Frage gestellt. Seine Entscheidungen waren für sie stets richtig gewesen, sie hatte sich so sehr auf ihn verlassen, dass sie seine Taten nie hinterfragt hatte. Jetzt wusste sie nicht recht, was sie sagen sollte. "Ja ... es ist wichtig für ihn. Er hat so viel Zeit für unsere Mutter und mich gegeben. Es ist nicht fair, ihn zu verurteilen, wenn er einmal etwas für sich tun will. Ich bin erwachsen, ich brauche keinen Paten mehr." Ob ihr letzter Satz wirklich der Wahrheit entsprach, wusste sie nicht. Face war auch ein Freund und Freunde brauchte man immer. Erst Recht in dieser neuen Situation, die sie nun sofort in Averics Augen sah. Auch er würde sie alleine lassen. Er würde das tun, was er stets voller Inbrunst verachtet hatte. Sie nickte flüchtig. "Danke."
Amúr blickte Jumaana ruhig an. "Du sagst etwas, was ich erst vor kurzem erlebt habe. Weißt du noch ... ich bin nach der Lehrjagt fort." Sie seufzte kurz. "Dabei hätte ich nie fort gemusst, denn ich habe gemerkt, dass ich hier her gehöre. Doch auch ich habe Erfahrungen gewonnen, die sehr wertvoll sind.", antwortete sie schließlich. "Aber manchmal passiert an dem Ort, wo man nie hätte weg gehen müssen in der Zeit, in der man fort ist, sehr viel. Sehr viel, was es einem nicht so leicht macht, wenn man wieder da ist. Etwas was den Ort verändert, in gewisser Weise."Mit dem, was Jumaana sagte, konnte sie viel anfangen, doch sie wusste nicht, ob Jumaana das Gleiche meinte wie sie. "Nein, ich will nicht fort. Nicht wirklich." Eigentlich drückte sie damit aus, sie wollte nichts Neues, sie wollte nicht, dass sich etwas veränderte, aber es hatte sich schon etwas verändert und niemand konnte das rückgängig machen.
Atalya dachte nicht darüber nach, was sie tat. Sie hatte sich in diesem Moment von der Mischung aus Trauer und Wut leiten lassen, wollte nicht über Konsequenzen nachdenken. Eigentlich wollte sie gar nicht denken, versuchte sich zusammen zu reißen. Ohne Erfolg. Das Jaulen des Welpen schien sie dabei nur einen Moment mehr anzustacheln, er wich aus, spie ihr gleich passende Worte entgegen. Wieder schnaufte die Graue, ließ die Fänge ins Leere schnappen. Jedoch hielt sie eine drohende Haltung bei, trat einen weiteren Schritt auf den Welpen zu. Es war ein Spiel, ein Test, wie weit sie gehen konnte. So weit, bis er floh. Erneut grollte sie auf, hielt auf den kleinen Wolf zu. Nur ein Spiel. Eine Ablenkung von diesem schweren Gefühl, welches ihr Herz umschloss.
Jumaana seufzte. „Dann geht es dir wie mir, Amúr.“, meinte sie bedrückt und ein Flackern schoss durch ihre grünen Augen wie eine auflodernde Flamme. Vielleicht war es ein Aufflackern von Sehnsucht, vielleicht aber auch nur das bloße Verständnis für die Worte der Jüngeren, so genau wusste die Fähe es selbst nicht. Es war, als würde sie sich selbst kaum widererkennen in dem, was sie nun war. Dabei hatte sich eigentlich nicht viel geändert. Ihr Gefährte hatte sie angefallen, war kurz darauf getötet worden und war nun für immer verschollen. Im Grunde genommen war also alles wie zuvor. Es erinnerte sie ein wenig an die Zeit, in der er fort war, vom Fluch gezeichnet, doch sie war stets optimistisch gewesen. Dem Tod hingegen konnte sie nicht hoffnungsvoll gegenüberstehen. Er war endgültig.
Averic war natürlich klar gewesen, dass Tyraleen so antworten würde. Nein, es hätte ihn gewundert, wenn sie für Faces Weggang plötzlich einen anderen Standpunkt angenommen hätte, als sie sonst tat. Trotzdem war er sich nach wie vor nicht sicher, ob es richtig war, wenn sie immer alles einfach nur akzeptierte. Andererseits hatte sie wohl recht, was ihre Äußerung über Face betraf. Er war immer da gewesen - und doch zeigte es, dass es nichts gab, auf das man bedingungslos bauen konnte. Nicht mal auf sich selbst. Der Pechschwarze nickte schließlich. "Vielleicht hast du Recht." Eine Antwort, die man wohl als 'ungewöhnlich' betrachten konnte, wenn man Averics einst unumstürzliche Einstellung kannte.
Kursaí hatte sich wohl wahrlich nicht die angenehmste Gesprächspartnerin ausgesucht. Nein, gewiss nicht, diese war eher ziemlich unangenehm. Doch sie war wohl selber schuld, hatte sie sich doch ausgesucht, dass ein Gespräch mit ihr anstrebenswert wäre. Doch wie es schien, schien die andere sich ein wenig auf sie einstellen zu können. Es wirkte ja gerade so, als ob sie versöhnlich nach einer Auskunft fragen würde. Und so sagte Kursaí ihr die Antwort freundlich, so als wäre nichts gewesen: "Hiryoga und Shani Caiyé heißen meine Eltern." Doch die positive Stimmung der anderen hielt nicht wirklich lange. Wieder etwas schlechter gelaunt fragte sie nach ihren Worten. "Es könnte auch etwas anderes, als der Tod einen belasten. So könnte es auch ein Streit sein, oder der Tod eines anderen."
Isaí bemerkte mit Angst, dass Atalya nicht von ihm abließ. Sein Herz begann zu rasen, während er allmählich den Glauben daran verlor, dass sie ihm wirklich nichts tun würde. Sie war vollkommen irre! Noch mehr als sonst und das musste schon was heißen. Er hatte es nur kurz gewagt, stehen zu bleiben in der Hoffnung, sie würde an Ort und Stelle verharren, doch sie stellte ihm weiter nach. Erneut verließ ein lautes, panisches Winseln seinen Fang, während er so schnell und so flink er konnte ein paar Haken schlug und sich schließlich unter dem nächstbesten Wolf versteckte, der ihm in die Quere kam. Mit weit aufgerissenen Augen presste er sich winselnd auf den Boden, atmete schnell und wagte es kaum, sich nach Atalya umzusehen. "Sie ist verrückt! Sie will mich fressen!", beklagte er sich ängstlich und schaute schließlich zu dem Wolf auf, der ihm Deckung bot. Schwarz. Das Gesicht konnte er nicht sehen. Doch der Geruch sprach Bände. Seine Ohren drückten sich noch dichter an den Kopf. Averic wusste er wirklich nicht einzuschätzen. Vielleicht würden sie jetzt noch ein Festmahl aus ihm machen! Zu viel Angst staute sich in ihm auf, als dass er sich bewegte. Tyraleen bemerkte er in all der Aufregung nicht. Sie hätte ihn allerdings in Sicherheit gewogen.
Tyraleen war sich nicht sicher, ob Averic nur nickte um einer Diskussion aus dem Weg zu gehen, oder tatsächlich der Meinung war, dass Face eine Auszeit vom oft genug schwierigen Leben im Tal der Sternenwinde verdient hatte. Vielleicht hätte sie nachgefragt, aber in diesem Moment bemerkte sie aus dem Augenwinkel, dass sich etwas rasant näherte und schon unter Averic verschwand. Es war Isaí. Irritiert und aus der Situation gerissen, entdeckte die Weiße auch noch ihre Tochter, die in irgendeiner Weise etwas mit Isaí zu tun gehabt haben musste und ihm wohl Angst eingejagt hatte. Mit einem Blick zu ihrem Bruder senkte sie die Schnauze und stupste den Roten an. "Isaí? Was ist denn los?"
Amúr blickte kurz zu Boden, ehe sie dann wieder zu Jumaana blickte. "Manchmal ist es einfach schwer, wenn sich etwas verändert.", sagte sie und blickte Jumaana schräg von der Seite an. Sie hatten wahrscheinlich vollkommen unterschiedliche Probleme und dennoch sprachen sie miteinander und schienen sich zu verstehen. "Ich weiß, dass Veränderungen vielleicht manchmal wichtig sind oder nötig ... aber …", sie brach da ab. "… es fällt schwer Veränderungen zu akzeptieren, wenn man nicht möchte, dass sich etwas in diese Richtung verändert." Sie sah nun nochmal in den Himmel, dann wieder zu Jumaana. Ob sie auch dies verstand?
Atalya empfand die Angst des Welpen fast als eine Genugtuung, die sie voll und ganz auskostete. Ihr Herz raste, ihr Atem ging schwer. Aber ihr Ziel war zumindest zum Teil erreicht, sie konnte die Angst fast spüren, die der kleine Wolf verspürte. Was dann geschah, warf ihren Plan einen Moment aus der Bahn, aber so war es auch in Ordnung. Er lief davon, eilte zu zwei Wölfen, die sich in der Nähe befanden. Ihre Eltern. Die Ohren der Grauen neigten sich eng an den Hinterkopf, während sie den Blick auf den drei Wölfen ruhen ließ. „Feigling.“, hauchte sie leise in die kühle Luft. Und noch immer raste ihr Herz.
Amáya öffnete ihre Augen wieder und linste die Fähe von der Seite her an. Sie war vielleicht doch nicht so nervenzerreibend, wie Amáya sie im ersten Augenblick eingestuft hatte. Egal, man würde ja sehen wohin diese kleine Konversation so hinführte. Jedenfalls konnte sich die Fenrisgläubige so ungefähr vorstellen, was ihr Gegenüber über sie dachte. Es war keine große Kunst, bei ihr in Missgunst zu geraten. Doch war dies meistens nur der Schein. Egal, Amáya konnte eh nichts gegen ihre abweisende Art tun, eben weil sie es auch nicht wollte. So würde sie einfach weiter ihr Leben am Rande leben. Doch Amáya wusste auch, dass sie nicht ewig nur die Nebenfigur bleiben würde. Es war ein Glück, dass niemand von ihrem Malheur mit Caleb erfahren hatte. Ehrlich gesagt schickte es selbst heute noch Schauder ihren Rücken herunter, wenn sie sich an jenen verschwommenen Tag erinnerte. "Ich bin Amáya, Tochter Acollons. Und ... Banshees.", erwiderte sie leise, während ihre Augen der Gestalt des roten Welpen weiter vorne betrachteten. Durfte sie sich Banshees Tochter nennen? Nach all dem was sie für sie getan hatte, hatte sie ihre Mutter doch enttäuscht. Sie war es eigentlich nicht, würdig sich ihre Tochter zu nennen. Der ernste Blick der Dunklen wurde nun durchtränkt von leichtem Spott und sie schüttelte ihr Haupt sacht. "Der Tod eines anderen, führt zum Tod selbst. Ein Streit ist oft der Tod einer Beziehung, der Tod eines Gefühls. Er kann selbst zu einem realen Tod einer Seele führen." Leichter Hohn lag in ihrem Blick, doch war er nicht an Kursaí gerichtet. Eher schien es an den Tod selbst signiert zu sein.
Jumaana dachte kurz über die Worte Amúrs nach, nickte jedoch kurz darauf zustimmend. Wären sie ein paar Wochen in der Vergangenheit, würde sie nun lächeln und glücklich sein, da sie wusste, dass es andere gab, die so fühlten wie sie. Doch sie war im Jetzt und im Jetzt kannte sie solche Gefühlsausbrüche nicht. Selbst wenn sie sich bemühen würde, war es für sie nicht mehr umsetzbar. Vielleicht, in einiger Zeit, wenn sie sich gefasst hatte, dann schon. Dann würde sie vielleicht erneut an Amúrs Seite treten, sie mit hellgrünen Augen anlächeln und die Worte wiederholen, die sie in der Gegenwart miteinander gewechselt hatten. Aber nicht jetzt, nicht hier. „Veränderungen sind gut. Aber leider nur selten. Und trotzdem müssen wir es so hinnehmen. Ich meine, wir verändern uns auch und ob das gut ist … ich weiß nicht.“ Nachdenklich blickte die Fähe auf ihre beschmutzten Pfoten.
Averic senkte mit einer hochgezogenen Augenbraue den Kopf, als plötzlich ein Welpe unter ihm verschwand und panisch verkündete, dass jemand verrückt geworden war und ihn fressen wollte. "Von wem redest du?", fragte der Pechschwarze und sah sich anschließend um. Er war so gnädig stehen zu bleiben und dem Welpen diesen Schutz zu gewähren, auch wenn Averic natürlich nicht glaubte, dass er wirklich in irgendeiner Weise in Gefahr wäre. Seine dunklen Augen trafen auf Atalya, die etwas entfernt von ihnen ebenfalls stehen geblieben war und schwer atmete.
Amúr sah in die hellgrünen Augen der Fähe. Dann nickte sie. "Mag sein, Veränderungen gehören zum Leben, das stimmt schon.", meinet sie zustimmend, ehe sie kurz auf den Boden blickte und dann sagte: "Manchmal fällt einem dieses Hinnehmen nur nicht leicht." Damit schwieg sie wieder und somit liefen sie noch ein wenig schweigend nebeneinander her.
Isaí erschrak, als ihn plötzlich etwas berührte, doch als die Stimme Tyraleens erklang, fühlte er sich mit einem Mal unglaublich sicher. Mit einem freudigen Winseln begrüßte er sie, schlüpfte schließlich unter Averic heraus und drückte sich schutzsuchend an den Lauf der Weißen. Die Ohren blieben nach hinten gestellt, während er prüfend zu Atalya blickte, die anscheinend durch die Anwesenheit der beiden großen Wölfe eingeschüchtert war. Er war gerettet. Glücklicher Weise hörte er ihre Worte nicht, denn das hätte ihn erneut zu einer Dummheit gebracht. Er wusste, dass er keine Chance gegen sie hatte. Noch nicht. Denn es ging ihm tierisch gegen den Strich, dass sie so fies war. "Atalya will mich fressen!", erklärte er außer Atem und spähte vorsichtig zu Averic hinauf. Das war mehr oder minder das erste Mal, dass er wirklich mit ihm zu tun hatte. Auch um ihn machte er sonst lieber einen Bogen. "Sie will mich fressen, weil sie so schlecht gelaunt ist ..." Seine Stimme wurde leiser, vorsichtiger.
Kursaí bemerkte, dass Bewegung im vorderen Bereich war. Nicht die Bewegung des normalen Laufens, sondern eine, wie sie so häufig in der Nähe der Welpen war. Isaí war wohl ein wenig zu weit gegangen, oder was war da los? Naja, es wird schon nicht schlimm sein, schließlich war der Rüde noch ein Welpe und als solchen würde ihm in der Gruppe einfach nichts zustoßen. Stattdessen richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Fähe neben ihr, die nun auch ihre Abstammung offenbarte. Wahrscheinlich hätte Kursaí es wissen können und doch war es ihr nicht bewusst gewesen, dass die Fähe neben ihr direkt von Banshee abstammte. Diese war bestimmt eine gute Mutter gewesen, auch wenn sie sich nicht ganz vorstellen konnte, dass die Fähe so viel von ihrer Mutter hatte. Es schien nur zu passen, wie sie zögerte, bevor sie den Namen aussprach. Sie wusste nicht, ob sie sich damit zu viel zumutete, doch wollte sie der anderen ein wenig helfen: "Egal wie du bist, du bist wohl ihre Tochter, nicht mehr und nicht weniger." Hatte sie sich zu viel angemaßt? Nun ja, sie würde es ja gleich erfahren. Das andere Gesprächsthema war mindestens genauso verzwickt. Es war doch nicht das Selbe, wenn man bald sterben würde, wie die ganzen anderen Sachen. Diese Fähe schien allzu viel vom Tod zu halten, oder eher viel zu wenig? Doch dann wusste sie, wie sie reagieren musste. "Nicht unbedingt. Ich habe den Tod des anderen überwunden und es führte mich nicht Selber in den Tod, sondern wieder zurück zum Leben. Und so haben dies bestimmt auch einige andere geschafft."
Tyraleen warf Averic einen Blick zu - seine Reaktion war nicht unbedingt liebevoll, aber immerhin schien er sich zu kümmern. Außerdem hatte er nun auch Atalya entdeckt, die in einiger Entfernung stehen geblieben war. Die Weiße erinnerte sich an ihre letzte Unterhaltung mit Isaí, wo er ihr bereits davon berichtet hatte, dass Atalya nicht gerade nett mit ihm Umging. Sein Verhalten nun knüpfte nahtlos daran an. Schutzsuchend drückte er sich an ihren Lauf und brachte damit ihre tiefsten Instinkte in Schwung. Ein Welpe musste beschützt werden. Liebevoll und beruhigend fuhr sie ihm mit der Zunge über den Kopf und sah dann erneut zu Atalya. "Mh, ich glaube nicht, dass sie Welpen fressen würde. Aber fragen wir sie doch einfach selbst." Sie versuchte ein Lächeln. "Atalya, komm doch zu uns."
Amáya tat die Bewegung in den Läufen gut. Ihre Muskeln funktionierten immer noch wie geölt, präzise und effizient bewegte sie sich fort, sich den Übrigen anpassend. Die Zeit beim Fenrisrudel hatte sich ausgezahlt und war selbst nach den paar Jährchen gut an ihr zu erkennen. Trotzdem, so zart und feminin Amáya auch schien, es steckte eine höllische Kraft in ihren Gliedern und vor allem in den Kiefern. Doch dies war schon lange nicht mehr von Bedeutung, oder doch? Früher hatte man sie den Todesengel geschimpft. Heute wusste Amáya wie töricht und blind sie damals gewesen war. Sie hasste sich dafür, sich deswegen bei ihrer Mutter nie entschuldigt zu haben. Nein, die Dunkle hatte ihr nie jemals überhaupt 'Danke!' gesagt. Ihr Blick glitt hinüber zu Kursaí und sie nickte sacht, nachdenklich. "Du hast wohl Recht.", stimmte sie ihr schließlich zu. Es brachte nichts, weiter auf dem Vergangenen herumzureiten. Jedoch hatte sie nichts anderes. Die Gegenwart war die meiste Zeit ein farbloser Fleck. Die Zukunft war ihr gänzlich verweht. "Ich habe nie gesagt, man könnte den Tod nicht überwinden. Ich sagte nur, dass er überall steckt. Jeder von uns ist vom Tod geprägt, sei es nur eine kleine Enttäuschung oder das Ende eines Ideals das lange unsere Überzeugung war."
Atalya unterdrückt ein weiteres Grollen, indem sie die Fänge fester aufeinander biss. Jetzt versteckte sich dieser Feigling, und die Graue konnte nur den Kopf schütteln. Aber sie sah die Blicke, die sie ihr zuwarfen, spürte, wie sich in ihrem Inneren etwas zusammen krampfte. Sie hörte nicht die Worte, die bei ihnen gesprochen wurden, ließ die Ohren dennoch angelegt. Gerade wollte sich die Fähe abwenden, ihren Weg allein fortsetzen, als die Stimme ihrer Mutter an ihre Ohren drang. Sie sackte einen Moment in sich zusammen, ehe sie sich langsam auf ihre Eltern und den Welpen zu bewegte. Ihre Augen legten sich kurz abwechselnd auf ihre Eltern, dann kurz auf den Welpen, der dicht an Tyraleen gedrängt stand. Dann wandte sie den Blick ab, nicht sicher, wohin sie nun sehen sollte.
Kursaí erwiderte sanft den Blick der anderen. Die andere stimmte ihr zu und schien auch ihrer Meinung zu sein. War sie froh über Kursaís Worte? Sie wusste nicht, ob sie so weit gehen konnte und doch wusste sie nun, dass sie keinesfalls etwas Falsches mit ihren Worten getan hatte. Somit sah sie wieder nach vorne, betrachtete kurz die anderen des Rudels, bevor sie sich wieder der anderen zuwandte, dem zweiten offenen Thema. Dann erwiderte sie etwas ausweichend: "Wahrscheinlich kann man das so sehen. Doch man muss ihn direkt für diese Ansichtsweise suchen." Sie wollte ihn nicht suchen. Sie hatte ihn akzeptiert, soweit es halt sein musste, jedoch wollte sie nicht, dass er auch noch wie ein Ungeheuer hinter jeder Ecke lauerte.
Averic musterte seine Tochter gründlich. Und auch wenn Averic nicht gesehen hatte, wie Atalya Isaí Angst gemacht hatte - ihre Haltung sprach Bände. Sie schien sich durchaus im Klaren darüber zu sein, sich nicht ganz annehmbar verhalten zu haben. Dazu sah sie ziemlich verstimmt aus und schien nicht mal versuchen zu wollen, sich irgendwie zu erklären. "Gibt es einen Grund dafür, dass du Isaí ärgerst?", fragte er schließlich ruhig, aber eindeutig eine Erklärung fordernd.
Amáya nickte alles war gesagt, was gesagt werden musste. Schweigend lief sie eine Zeit lang weiter, maß nur ab und an die Fähe neben ihr. Ihren Namen hatte sie zwar noch nicht erfahren, doch juckte es sie trotzdem nicht ziemlich. "Es ist nicht das Beste, wenn du dich in meiner Nähe hältst, Nichte. Ich gehöre nicht zu euch, Lebenden." Ihr Blick wurde mit diesen Worten härter und sie nickte der Blauäugigen ein letztes Mal zu. Sie sollte wissen, mit wem sie das kleine Gespräch geführt hatte. Damit ließ sie sich jedoch zurückfallen, weiter nach hinten und abseits der anderen.
Isaí spürte, wie er sich allmählich beruhigte. Er fühlte sich geborgen, sicher und selbst vor Averic spürte er in diesem Augenblick keinerlei Unbehagen. Vielleicht war er ja gar nicht so ein Allein-Sein-Wolf, wie er immer gedacht hatte? Er warf ihm einen prüfenden, unsicheren Blick zu, ehe er seine Schnauze erneut an dem Lauf Tyraleens rieb und schließlich leicht den Kopf schüttelte. "Doch, doch. Sie ist verrückt! Und sie ist sauer, weil sie keine Freunde hat.", gab er leise seine Befürchtung kund und wollte kurz darauf direkt widersprechen, als die Weiße die Fieswölfin zu ihnen rief. Mit einem unzufriedenen Murren rutschte er, wenn es möglich war, noch etwas dichter an die Fähe heran, um auch ja in Sicherheit zu sein. Averic hingegen schien sich längst nicht mehr mit ihm zu befassen. Sein Blick lag ruhig auf Atalya, die sich nun langsam nährte. Die Miene des jungen Wolfs verfinsterte sich erneut etwas, doch er verharrte unsicher an Ort und Stelle. Er schluckte, unschlüssig, was er nun tun sollte. Aber wenigstens würde Averic nun mal für Gerechtigkeit sorgen!
Tyraleen hatte nicht vergessen, dass es sich bei Atalya um ihre Tochter handelte. Zudem um eine Tochter, mit der sie sich nur schwer wieder versöhnen hatte können und die immer auf einem seltsamen Grat zwischen Aggressivität und Liebesbedürftigkeit zu wandeln schien. Isaí war ein Welpe und brauchte mehr, als jeder andere ihren Schutz. Aber Atalya war ihre Tochter und sie wollte nicht die böse Mutter sein. Deshalb schüttelte sie nun auch den Kopf und knabberte dem roten Welpen sanft sein Ohr an. "Ich glaube, sie ist weniger verrückt, als du denkst und vermutlich hat sie auch Freunde, nur ihr beide seid es leider nicht. Aber das kann sich doch noch ändern." Naja ... das hing vor allem von Atalya ab, die mehr als grummelig und ziemlich widerwillig aussah. Tyraleen war froh, dass Averic die Frage übernahm und schwieg deshalb vorerst.
Atalya ließ den Blick ziellos schweifen, glaubte sie doch zu wissen, was sie in den Gesichtern ihrer Eltern lesen würde. Sie blickte nur kurz aus den Augenwinkeln zu Isaí, der von ihrer Mutter liebkost und beschützt wurde. Ein stummes Seufzen verließ ihren Fang, ehe sie im nächsten Moment fast zusammen zuckte, die Stimme ihres Vaters wahrnahm. Langsam wandte sie den Kopf herum, ließ ihren Blick nur kurz auf ihre Mutter gerichtet, ehe sich die rötlichen Augen auf den schwarzen Rüden richteten. Einige Momente blickte sie ihn einfach still an, ehe sie den Fang öffnete, und doch kaum ein Wort von ihr zu vernehmen war. „Ich ... Es ...“ Die Graue schluckte schwer, ließ den Blick dabei noch immer auf den blauen Augen Averics ruhen. Würde er verstehen, was in ihr vorging, in welchen Zwiespalt sie sich gedrückt fühlte? Sie versuchte noch einmal die Worte zu finden, ehe sie die Augen nach unten wandte, auf den Boden vor ihren Läufen starte. Würde er verstehen, wie ein Wolf so die Kontrolle über sich selbst verlieren konnte?
Averic Auch der Welpe fing sich einen kurzen, scharfen Blick ein, als der Welpe behauptete dass Atalyas schlechte Laune daher rühren würde, dass sie keine Freunde hatte. Wenn er das so seiner Tochter gesagt hatte, dann war Isaí wohl nicht ganz unschuldig daran, dass Atalya sehr missgestimmt schien. Er sagte vorerst aber nichts dazu, sondern wollte von der jungen Fähe selbst etwas hören. Was sie von sich gab war allerdings recht spärlich. Sie stotterte nur kurz, bevor sie ihren Blick zu Boden wandte. Etwas schien wirklich nicht zu stimmen und als Vater konnte er das nicht einfach übersehen. "Ist etwas nicht in Ordnung, Atalya?", fragte er schließlich einfach und berührte sie kurz mit der Schnauze am Kopf.
Isaí antwortete mit einem ungläubigen Blick auf Tyraleens Aussage, doch er kam nicht umhin, ihr irgendwie dennoch Glauben zu schenken. Er hatte sich ja bereits eine ziemliche Skepsis angeeignet, was die Aussagen anderer (besonders über Atalya) betraf, doch noch immer hatte die Stimme der weißen Fähe das, was ihn blind glauben und vertrauen ließ. Er senkte den Kopf ein Stückchen, während er die schützende Berührung genoss, sich gleichzeitig aber auch ein wenig schlecht in der Rolle fühlte. Nachdem er eben noch so glücklich darüber gewesen war, dass man ihm helfen und die Graue mal zurechtweisen würde, wollte ihm das jetzt schon wieder weniger gefallen. Es passte irgendwie nicht. Unsicher winkelte er ein Ohr an, während seine bläulichen Seelenspiegel ihre Gestalt fixiert hatten. Das war nicht die Atalya, die er kannte, wie sie da auf sie zugeschlichen kam. Spannung erfüllte die Luft, zumindest glaubte Isaí, sie zu spüren und so hielt er fast den Atem an, als Averic sie zu einer Antwort drängte, die Atalya allerdings nicht zustande brachte. Nein, nein, es passte überhaupt nicht, die Graue so zu sehen! Hilfesuchend sah er zu Tyraleen auf, ehe er die Ohren erneut mit einen Hauch eines Schlechten Gewissens an den Kopf presste. Mit einer zögerlichen Bewegung schnappte er kurz nach ihrem Fell, zog daran und warf ihr einen vielsagenden Blick zu. Er fühlte sich nicht wohl, nicht so und ohnehin schien das, was Averic gesagt hatte, ihn nichts mehr anzugehen. Dennoch war er nicht unbedingt scharf drauf, sich nun alleine aus dem Staub zu machen. Die Gefahr war noch nicht gebannt. Ein weiteres, quengelndes Ziepen an ihrem Fell, ehe er ein paar kleine Schritte zur Seite machte.
Tyraleen s Blick lag nun interessiert aber auch mitfühlend auf Atalya. Sie schien sich überhaupt nicht wohl zu fühlen und die Frage ihres Vaters traf sie wohl mehr, als der erwartet hatte. Sie gab ihm keine Antwort, zumindest keine verständliche. Aber ihr Blick in seinen Augen sagte auch der Weißen etwas. Es ging um mehr, als nur ein dummes Spiel mit einem Welpen, der sich leicht ärgern ließ. Es ging um etwas, was sie wohl nur mit ihrem Vater besprechen konnte. Auch Averic schien das zu spüren und ging die Sache von einer anderen Richtung an. Schon da hatte sich Tyraleen entschlossen, die beiden alleine zu lassen. Es tat ihr weh, dass sie offensichtlich nicht dazu ausgewählt wurde, sich mit den Problemen ihrer Tochter beschäftigen zu dürfen, aber immerhin war Averic da. Sie musste ihm vertrauen ... Isaís leichtes Fellziehen kam ihr da nur Recht, offensichtlich fühlte sich auch der Welpe nicht mehr wohl. Sie warf ihm ein schnelles Nicken zu, beugte sich dann aber vor und berührte ihre Tochter an der Stirn. Averic warf sie einen Blick zu, beinahe bittend, er möge Atalya helfen, bei was auch immer. Dann wandte sie sich ab und Isaí zu, zupfte ihn an der Rute und deutete etwas entfernt auf einen zumindest einigermaßen interessant aussehenden Baum. "Komm, Isaí, wir schauen uns das dort vorne mal an."
Atalya versuchte den Welpen einfach zu ignorieren, beließ die Aufmerksamkeit auf dem Boden vor ihren Läufen. Sie drehte nur leicht die Ohren hin und her, hob nur leicht den Blick, als ihr Vater erneut eine Frage an sie richtete, die sie erneut schlucken ließ. Er berührte sie kurz, was ihre Rute kurz durch die Luft schwingen ließ, ebenso, als ihre Mutter sie an der Stirn berührte. Aber diese nahm nun Isaí zur Seite, lief mit ihm zu einem anderen Ort, sodass Atalya nun mit ihrem Vater allein war. Und noch immer stand seine offene Frage zwischen ihnen, über deren Antwort Atalya einige stille Herzschläge nachdachte. Unsicher richteten sich ihre Augen in seine, sie wusste nicht, wie sie es erklären sollte. „Es ist... als wäre ich nicht ich selbst...“ Die Graue schluckte, schloss einen Moment die Augen. „In einem Moment bin ich so wütend... dann nur traurig... Ich weiß nicht damit umzugehen. Es ist, als wenn ich jedes Mal die Kontrolle verliere.“ Sie senkte die Stimme, sprach nun nur noch leise.