23.12.2009, 16:54
Die Nacht war gekommen und legte sich nun über die noch schlafenden Wölfe, die im Nadelwald Schutz gefunden hatten. Doch der Regen ließ sich von der Dunkelheit nicht vertreiben, weiterhin trommelte er unermüdlich auf die dicht stehenden Kiefern, um jeden Stamm hatten sich einige Wölfe gelegt, eng zusammen, sich gegenseitig Wärme gebend. Athür, Acollon und Lluvian waren noch immer fort, obwohl sich schon die ersten Wölfe regten und langsam erwachten. Die Nacht, der Regen und der aufkommende Wind würden die Suche sehr erschweren, auch wenn es kein Sturm zu geben schien. Nur die Kälte des Winters brachte der Wind mit und fuhr damit erbarmungslos durch die, unter seinem Hauch erzitternden Äste. Die Laub losen Bäume näher zum See hin standen wie dürre Skelette in der Landschaft und hoben sich merkwürdig scharf vor dem Wasser ab. Es schien eine ungemütliche Nacht zu werden.
Banshees Lider flatterten, sie drehte sich leicht nach rechts doch das schien den Wind auch nicht davon abzuhalten immer kälter zu werden und sie aus ihrem warmen Land der Träume zu holen. Sie hob schwerfällig den Kopf und sah sich um, ein Wolf nach dem anderen wurde wach, die Suche nahte heran und mit ihr wohl auch die Suche nach dem Seelensammler. Sie setzte sich auf, gähnte einmal und schüttelte leicht ihr Fell, wenn die anderen wach waren würde sie die Gruppen kontrollieren müssen, soweit sich denn überhaupt erst welche gebildet hatten und dann würden sie endlich loskommen. In die Suche nach Varloc setzte sie nicht mehr viele Hoffnungen, doch Moon konnte nicht so einfach fort sein. Irgendwo da draußen war er, alleine und hilflos und wartete sicher auf seinen Vater. Sie schluckte.
Dayon schlief unruhig, immer wieder tauchten Bilder auf und immer wieder wurde er in Träume gesogen. Sie waren wirr und ohne Sinn, schwarze Schatten tanzten um ihn, Seelen wurden aus Körpern gerissen, Welpen lagen leblos herum ... noch im Schlaf begann er heftig zu hecheln, hilflos zuckten seine Pfoten, als er ein leises Jaulen ausstieß erwachte er. Orientierungslos blinzelte er in die Dunkelheit über sich bis er die Äste der Kiefer erkannte und durch sie hindurch die dichten Wolken. Es war Nacht geworden, um ihn herum erwachten schon andere Wölfe, Banshee saß bereits aufrecht. Er suchte mit den Augen nach Ayala, entdeckte sie noch schlafend und trat zu ihr. Noch immer hechelnd und mit erschrockenen Augen ließ er sich neben ihr nieder, seine Ohren zuckten hin und her, nun würden sie Moon suchen, nun würden sie seinen Sohn suchen ... Er hoffte innerlich, dass sie bald erwachen würde, Banshee sah aus, als würde auch sie nur noch darauf warten, dass die Suche losgehen konnte. Die Suche nach Moon und Varloc und die Jagd nach dem Seelensammler ...
Mitsu lag zusammengerollt dicht unter den Ästen einer Kiefer. Ihre Schnauze war unter dem dichten Fell verborgen, welches durch den eisigen Wind etwas zerzaust war. Langsam wachte sie auf, doch sie behielt die Schnauze noch eine Weile unter dem Fell. Die Augen noch geschlossen, zuckten nur ihre Ohren, die das einzige Zeichen waren, dass sie wach war. Nach einer Weile hob sie den Kopf und sah sich blinzelnd um und gähnte ausgiebig. Dann stand sie auf und streckte sich. Mitsu sah sich kurz nach den anderen des Rudels um, während sie sich auf ihre Hinterläufe niederließ. Etwas lag in der Luft. Man konnte es fast körperlich spüren.
.oO(Warum ist die Luft so geladen vor Spannung? Ist es wegen dem Seelensammler oder wegen etwas anderem? Wann wir ihn wohl anfangen zu suchen...)Oo.
Noch einmal ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen über die noch schlafenden Wölfe gleiten und bemerkte, dass ein Rüde den sie nicht kannte und Banshee auch schon wach waren. Langsam stand sie auf und ging auf zu. Während Mitsu sich auf ihre Hinterläufe niederließ, musterte sie Banshee besorgt.
"Hallo, konntest du auch nicht schlafen? Entschuldige, aber du siehst so besorgt aus...Ist es wegen dem Seelensammler?"
Banshee sah auf als Mitsu näher kam und sich schließlich vor ihr niederließ, ihre Augen schienen besorgt, ihre Haltung war angespannt. Die Leitwölfin nickte leicht.
"Der Wind ist kalt geworden und ließ mich nicht mehr schlafen."
Sie ließ ein wenig Zeit verstreichen bevor sie auf die zweite Frage Mitsus antwortete. Natürlich war sie besorgt wegen dem Seelensammler, aber sie war sich nicht mal sicher, ob sie nicht noch mehr Angst um Moon und damit verbunden, um Dayon haben sollte, es ergab einfach keinen Sinn, dass Moon einfach verschwunden sein sollte, warum hätte er das tun sollen?
"Ja, ich mache mir Sorgen ... ich habe Angst um das Rudel und besonders um den kleinen Moon. Weißt du, er ist irgendwo da draußen und wahrscheinlich unglaubliche Angst. Es regnet und ein kalter Wind streicht durch die Wälder. Kein Welpe sollte jetzt alleine sein."
Sie seufzte leise und sah wieder zu Mitsu, verstand sie, wie Moon leiden musste?
Mitsus Augen verdunkelten sich vor Besorgnis. Auch sie wünschte keinem Welpen, bei diesem Wetter allein zu sein. Nicht nur das Wetter konnte für den Welpen gefährlich werden, sondern auch der Seelensammler. Aber wie schlimm muss es auch für die Eltern von Moon sein, dass er irgendwo bei diesem Wetter allein im Wald war.
"Nein, ich wünsche keinem Welpen, bei diesem Wetter allein zu sein oder überhaupt allein zu sein...Aber nicht nur für Moon ist es schlimm. Welche Ängste müssen denn die Eltern erst ausstehen ...Und wer sind denn überhaupt die Eltern?"
Ayala hatte sich fest an Falk gekuschelt, sie nahm die Kälte dieser Nacht kaum wahr. Nur ihre Sorgen ließen sie kaum schlafen, immer wieder wachte sie auf, glaubte sich nähernde Schritte zu hören. Immer wieder hoffte sie, es würde Moon sein, immer wieder hatte sie sich alles nur eingebildet. Danach lag sie dann für eine kleine Ewigkeit wach, betrachtete die Dunkelheit um sich - kein Stern war zu sehen. Oft blickte sie zu Falk, konnte er schlafen? Er schien seltsam bedrückt ... sicher machte auch er sich Gedanken. Er hatte vorgeschlagen, Varloc zu suchen ... Gerne hätte sie mit ihm geredet, seine Stimme hätte ihr Trost gespendet, doch sie wollte ihn nicht wecken, wenn sie zugleich auch gar nicht wusste, ob er schlief.
Als Ayala zum x-ten Mal die Augen öffnete, seufzte sie auf. Einige andere waren schon wach, die Spannung lag schwer in der Luft. Leise richtete sie sich auf, um zu Banshee und Mitsu zu gehen, als sie bemerkte, dass Dayon mit geöffneten Augen neben ihr lag. Er war also auch schon wach ... natürlich war er das, sie hätte an seiner Stelle auch nicht schlafen können. Sie blinzelte ihn an und wies mit dem Kopf in Richtung Banshee.
Hidoi war wieder zum See hinüber getrottet und hatte sich dort zum schlafen nieder gelegt. Sein Fell war pitschnass und voller Schlamm, aber das war ihm ziemlich egal. Er schlief eigentlich ziemlich ruhig. Der Stahlgraue interessierte sich nicht an dem Märchen vom Seelensammler. Für ihn bestand keine Sorge. Selbst wenn es solche hirnverbrannten Wölfe gab, so gab es nichts, was nicht unzerstörbar war. Solange ein Wesen ein anderes verletzen konnte, konnte man diesem ebenfalls Leid zufügen. Das hatte er gelernt und erfahren. Also, brauchte er sich da keine Sorgen zu machen. Der einzige Grund, warum er manchmal aufwachte, war Hanako. Er hob den Kopf leicht, sah sich nach ihr um, ob sie noch irgendwo zu sehen war, senkte den Kopf dann wieder zufrieden und schlief weiter. Doch selbst in seinen Träumen dachte er immer noch darüber nach, was er wirklich wollte und für sie empfand. Das war mehr als schwierig. Denn, wenn sie wirklich seine Gefährtin werden sollte, musste er sich dann auch um Welpen oder solche "Dinger" kümmern? Verlor er dadurch seine Freiheit? Wenn dem so währe, bestände in einer "glücklichen" Beziehung für ihn keine Chance, dass wollte er nicht. Er drehte sich auf die Seite und hielt die Augen weiterhin geschlossen, schlief dann wieder ein. So wie er nun da lag, machte er eher den Anschein eines großen grauen Wolfes, der friedlich im Schlamm sein Nickerchen machte. So sah man seine stechenden Augen nicht und die lange Narbe, die sich über seine gesamte Schulter zog konnte man auch nicht sehen, da er auf dieser Seite lag.
Eris lag mit geöffneten Augen in der Dunkelheit der Nacht. Sie war etwas weggerückt von der Kiefer unter der sie mit zwei anderen Wölfen die nötige Ruhe hatte finden sollen. Viel geschlafen hatte sie allerdings nicht. Ihr Geist konnte nicht ruhen und auch der Körper schien sich nicht danach gesehnt zu haben. Eris´ Schnauze lag auf ihren nachtschwarzen Pfoten und der Blick der grauen Augen war in die Dunkelheit gerichtet, die sie alle umhüllte. Eris schüttelte sich kurz, als ihr ein eisiger Wind durch´s Fell fuhr. Ihr Atem ging ruhig, während sie die blau wirkenden Bäume betrachtete und die klaffenden Lücken zwischen ihnen, die so tintenschwarz waren, dass es einem Angst machen konnte. Der Mond am Himmel beleuchtete auf zauberhafte Weise die Wolken, die ihn versteckten. Ein heftiger Wind schien dort oben zu wehen, so schnell wie sie vorbeizogen. In dem schummrigen Licht des Nachtwächters sahen sie aus wie das weite, brausende Meer und Eris fühlte sich klein unter ihnen. Wie so oft überkam sie ein trauriges Gefühl, sobald die Nacht hereinbrach. Verlorenheit machte sich breit in ihr.
Eris ließ den Blick zu Banshee schweifen, die schon eine Weile wach war und zu einer der Neuen, die soeben erwacht war. Acollon, der Wolf, der Eris beim ersten Treffen so sehr an Kamui erinnert hatte, war nicht mit zu dem Nachtlager gekommen. Genauso wenig wie einer der Neuen, der, so glaubte Eris, den Namen Lluvian trug. Und bald würde die Suche nach einigen verschollenen Rudelmitgliedern und dem Seelensammler beginnen.
Eris zuckte unberührt die Schultern und wand den Kopf wieder fort von Banshee und der Neuen. Sie senkte die Augenlider.
.oO(Seltsam ...)
dachte sie. Das war das richtige Wort. Seltsam war das Gefühl, das ihr innewohnte.
Falk hatte die Augen geschlossen, doch ebenso wenig wie vermutlich die meisten anderen Rudelmitglieder hatte der graue Hüne mit dem breiten schwarzen Rücken Schlaf gefunden. Ab und an entlud sich seine gespannte Nervosität über sein Ohr, das ab und an heftig zuckte. Dem Rüden ging zu viel durch den Kopf. Außerdem fror er am Bauch, wo die feuchte Kälte in Schwaden aus dem herbstlichen Boden stieß und sich hartnäckig in seinem Fell festsetzte. Weiterhin hatte der Rüde Angst vor dem Schlaf. Erst in dieser Nacht war ihm in vollem Maße klar geworden, was dieser Seelensammler überhaupt für das Rudel bedeutete. Was er für Ayala und ihn bedeutete. Und auch für all die anderen, die ihm lieb und teuer geworden waren. Zumal für Banshee - und Acollon. Falks Ohr zuckte kurz. Er dachte an Varloc, sie fehlte ihm hier im Rudel. Wie kurz war ihre gemeinsame Zeit, die Freundschaft gewesen und wie wenig Zeit hatten sie miteinander gehabt. Die Werwölfin gehörte zu den Personen im Rudel, die Falk nicht mehr missen wollte. Ihre raue Art hätte ihm jetzt gut getan. Bei Varloc hatte Falk auch nicht so etwas wie einen Beschützerinstinkt entwickelt, so wie er ihn bei Ayala und Dayon hatte. Im Gegenteil, bei Varloc hatte Falk sich selbst immer in gewisser Hinsicht behütet gefühlt.
Der Hüne blies weißen Atem durch die Nasenlöcher. Was würde das für eine Suche werden? In erster Linie eine Suche nach Varloc und Moon, nun, wohl noch eher nach Moon, denn Varloc war bereits seit Monaten verschwunden, aber ansonsten?
.oO(Vielleicht auch eine Suche nach uns selbst und nach Zusammenhalt... Nach dem Verräter unter uns, nach Vertrauen...)Oo.
Wieder zuckte das Ohr des kräftigen Rüden.
.oO(Dann werde ich wieder ruhig schlafen... Wenn ich Ayala sicher weiß. Vielleicht wird es aber auch nie enden. Vielleicht kämpfen wir am Ende gegen Windmühlen.)Oo.
Banshee nickte traurig, Mitsu hatte Recht, auch den Eltern, oder viel mehr dem Vater ging es schlecht, falls es das nicht sowieso immer tat. Ihr Blick wanderte zu Dayon, der neben der bereits wachen Ayala saß, auch Falk regte sich, es kam Leben in die Wölfe, doch Banshee ließ ihnen noch etwas Zeit.
"Weißt du, Moon hat nur noch seinen Vater, seine Mutter, seine Geschwister und sein ganzes Rudel wurde getötet. Sein Vater, Dayon, er sitzt dort drüben, ist seit dem nicht mehr ganz ein Wolf, so scheint es mir manchmal, er versinkt in Trauer und nun ist auch noch sein Sohn fort ... ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen."
Kurz verharrten ihre Gedanken schmerzhaft bei Sayo, doch er war anders, er war kein Welpe mehr und er hatte seine drei Brüder ... und sie hatte auch noch Acollon, all dies war Dayon genommen worden, nur Ayala und Falk waren noch da und Banshee betete zu Engaya, dass diese beiden den sandfarbenen Rüden nie verlassen würden. Unbewusst starrte sie wieder zu Falk, Ayala und Dayon herüber.
Hanako hatte ihrer Tochter noch einige Worte schenken können, doch die Müdigkeit hinderte sie an großen Erklärungen und all den anderen Dingen und sie nickte.
"Ja, ich bin mir sicher. Nun Schlaf. Gute Nacht."
Hanako stupste ihre Tochter kurz an, dann erhob sie sich und suchte sich einen mehr oder wenigen trockenen Platz unter einigen dichten Kronen. Weiterhin wurde aber ihr Fell genässt und es fiel ihr Anfangs sehr schwer Ruhe und Schlaf zu finden. Doch die Tage zuvor hatten sie viel zu sehr mitgenommen und ihr Körper gab nach.
Doch selbst in ihren tiefen Träumen dachte sie an die Zukunft mit Hidoi. Sie hatte herausfinden können, dass er nicht unbedingt darauf bedacht war, sich um Welpen zu kümmern und sie zu lieben und zu pflegen. Hanako empfand es als sehr traurg, aber Leé war erwachsen und würde ihre eigenen Wege gehen wollen. Aber das spielte auch keine Rolle, denn Hanako wollte gerne noch einmal Welpen bekommen. Vielleicht war es doch keine richtige Entscheidung gewesen, Gefühle gegenüber Hidoi aufzubauen? Aber man konnte so etwas nicht leugnen und nicht verstecken. Er würde sich sicherlich nicht nur dafür ändern, sie würde es noch sehr schwer mit einigen Sachen haben. Auch war es eine Tatsache, das Hidoi nicht viel Interesse an dem Rudel zeigte, Hanako fragte sich, weshalb er nur hierher gekommen war. Würde er sich mehr einleben und beteiligen und nicht immer nur patzig sein und alles in Frage stellen, dann würde es für ihn sicherlich leichter sein. Und was war, wenn er der Seelensammler war? Bei diesem Gedanken schnellte Hanakos Kopf in die Höhe, erschrocken sah sie sich um, vereinzelt waren Wölfe wach, andere schliefen tief und fest. Wie konnte sie nur an so etwas denken?! Sie musste sofort mit solchen Gedanken aufhören. Falls es nämlich so war...stand auch sie in der Gefahr drin?
.oO(Verdammt, was ist nur passiert in letzter Zeit. Ich liebe ihn doch, wie kann ich ihn nur in Frage stellen?)
Hanako legte den Kopf wieder zurück auf die Pfoten und schloss erneut die Augen, andere Gedanken, sie brauchte andere Gedanken...
Leé lag zusammengerollt in der Nähe von Hanako, doch die Nähe ihrer Mutter wollte sie im Moment nicht haben. Sie war zu sehr mit sich selbst beschäftigt, mit ihrem Leben, mit ihrem Leben als Jungwölfin. Leé fühlte sich verändert, anders als früher. Doch sie war glücklich. Sie war glücklich in diesem Rudel, war glücklich, eine Mutter zu haben die sie liebte. Ihr Blick galt Hanako, die sich schlafen gelegt hatte. Leé lächelte sie an und stand langsam auf. Sie gab Hanako einen Knuffz in die Seite, ganz sanft und vorsichtig, denn sie wollte Hanako nicht aufwecken. Dann schlenderte sie ein Stück weiter weg, doch immer in Sichtweite Hanakos. Leé setzte sich unter einen Baum und entspannte sich. Ihr Blick wanderte von Wolf zu Wolf. Dann galt ihr Blick dem See. Der Regen durchnässte ihren Pelz bis auf die Haut und doch fror Leé nicht. Zumindest spürte sie es nicht. Sie schloss die Augen und lauschte dem Trommeln und plätschern des Regens. Lange saß sie da, mit geschlossenen Augen und dachte über alles Mögliche nach. Müde war sie kein bisschen, denn sie hatte ja kurz vorher schon geschlafen. Doch irgendwann trottete sie wieder Richtung Hanako und legte sich neben sie. Obwohl sie wusste, dass sie nicht schlafen konnte, legte sie ihren Kopf auf die Pfoten und schloss die Augen.
Der schwarze Rüde saß am Ufer und spähte auf die gefangenen Fische für Athür, dem jungen Rüden. Die Nacht war angebrochen, und es würde höchste Zeit sein, endlich die beiden Wölfe zu den anderen zu führen. Schließlich schien die Nacht ihr Feind, die größte Stärke des Seelensammlers, falls er mit Fenris gemeinsame Sache machte. Langsam erhob sich der nasse Körper Acollons und sein Blick suchte den Lluvians.
„Du solltest nicht alles allzu ernst sehen, es ist sicherlich nicht leicht, als einsamer Wolf sich in die Gesellschaft zu integrieren. Aber wenn du wirklich willst, dann schaffst du das auch, wenn du aber feige deine Rute einklemmst und dir selber einredest, es könnte nichts werden, dann brauchst du es auch gar nicht woanders versuchen. Denk daran, der Wolf ist ein Rudeltier, wir sind auf die anderen angewiesen und nur in diesem Packt stark. Ich schätze dich nicht so schwach ein, wie du von Außen zu sein vorgibst.“
Die ungewöhnlich lange Rede beendete Acollon mit einem Seufzer. Er mochte den weißen Rüden, was unerklärlich schien. Er war ehrlich und hatte noch sehr viel Selbstwertgefühl, was den schwarzen Alpharüden beeindruckte. Nicht viele Wölfe erlangten Acollons Achtung. Dann glitt sein Blick zu dem jungen Athür. Mit einem Nicken, dass Lluvian bedeuten sollte, dass er noch kurzen warten sollte, schritt er auf den jungen Rüden zu, er sah auf den See hinaus und flüsterte leise:
„Du bist ein kräftiger junger Rüde, doch du bist ziemlich vorlaut und hast eine dementsprechend große Klappe, und deswegen gebe ich dir einen Rat, nutze deinen Mut etwas anders und sei nicht zu provozierend. Dass du immerzu ehrlich und offen deine Meinung sagst kann eine Stärke sein, ist aber auch gleichzeitig für andere sehr verletzend.“
Der schwarze Rüde schüttelte sein Fell leicht aus und sagte dann in lauter Stimme zu den beiden:
„Lasst uns zu den anderen gehen, es ist Nacht und die Gefahr könnte nun überall lauern.“
Acollon betrachtete eine kurze Weile den See, die Sternenwinde waren nicht sehr gut zu sehen, ab und zu, schimmerte ein schweif durch die dicken Wolkendecken hindurch. Schließlich drehte er sich in Richtung Wald und schritt los.
Die rote Fähe lag mit geschlossenen Augen etwas abseits. Akai war absichtlich nicht zu nahe zu den anderen gegangen, hatte sich nicht wirklich zur Ruhe gelegt. Das Misstrauen und die Distanz glänzte wieder wie eh und je in den gold- bis bernsteinfarbenen Augen auf, als sie diese öffnete. Sie hatte nicht geschlafen, immer wieder waren es fremde Geräusche, die sie davon abhielten. Sich umschauend bemerkte sie, dass Banshee und ein paar andere Wölfe, wohl auch Leé, die ihr plötzlich so erwachsen vorkam, wach waren. Den Kopf hebend schaute sie sich um. Der schwarze Alpharüde war wohl noch nicht eingetroffen, doch die Gedanken der Fähe gingen nun in eine ganz andere Richtung. Sie dachte über die Worte des Grauen nach, bevor Banshee sie zum Gehen aufgerufen hatte. Der Rüde hatte ihr nicht mehr geantwortet. Fast hätte sie geseufzt, doch so senkt sie nur wieder den hübschen Kopf. Die Rote schluckte. Sie hatte lange nicht mehr in der Nähe anderer Wölfe gelegen. Und geschlafen hatte sie noch seltener. Ihr Körper war müde, doch ihr Geist zu wach, zu beschäftigt einzuschlafen. Akai zitterte leicht. Der Nässe des Bodens und der stetige Wind durchkämmte das lange Winterfell. Wider schloss sie die Augen, damit niemand sehen konnte, wie sehr sie sich doch gerade, in diesem Moment wünsche, jemanden bei sich zu haben. Doch sie gab keinen Laut von sich und vergrub die Schnauze im Fell. Sie lag bei einem Rudel, doch kam sie sich trotzdem einsam vor.
Die Worte des schwarzen Rüden, waren nicht mehr die Worte eines Alphas, der etwas verkündete oder einen Ratschlag gab, sondern eher die Stimme eines Freundes; obwohl der Begriff ‚Freund’ nicht ganz auf Acollon passte. Nachdem er seine kleine Rede beendet hatte, schritt er zu Athür und schien auch ihm etwas Wichtiges zu sagen, doch Lluvian hörte weg. Es ging ihn nichts an, und es interessiert ihn nicht sonderlich. Und als der Alpharüde schließlich voran in den Wald schritt, folgte er ihm, ruhig und ungewöhnlicherweise mit einem Lächeln auf den Lefzen. Es schien ihn zu erfüllen, dieses Gefühl, dass er nicht mehr alleine sein musste, wenn er sich integrieren würde. Und wenn der Regenwolf dieses Gefühl beschreiben müsste, würde er das Wort ‚Glück’ benutzen. Die Nacht hatte sich in das Tal der Sternenwinde ausgebreitet und alles war in Dunkelheit gehüllt, einiges Leben erwachte, dass andere legte sich schlafen. Lluvian gähnte lautlos. Er war unbeschreiblich müde und brauchte wohl etwas Schlaf. Er betrachtete die Rute und den Rücken des Schwarzen die sich im Licht der Nacht hin und her bewegten. Die Kruppe Acollons schien knochig und trotzdem sehr kraftvoll. Widerwillig warf er seinen Blick über die Schulter ob auch Athür, der junge Rüde ihnen folgen würde.
.oO(Ob der Schwarze wirklich so rau ist wie er vorgibt? Er scheint sich nicht zu verstellen, aber woher kommen diese kalten und manchmal aggressiven und trotzdem kontrollierten Züge? Als er damals meine Eltern tötete, sah es nicht gerade ungeübt aus, vielleicht tötet er ja mehr, als wir uns vorstellen können? Aber dann scheint es unausgeschlossen, dass er der Seelensammler ist. Ich glaube er ist mächtiger als es den Anschein macht. Seine Aura ist ungewöhnlich, nicht nur stark sondern auch so- unbeschreiblich halt. Keine Ahnung wie man es sonst nennen kann. Und die Weiße? Sie hat eine starke Verbindung zu diesem Rüden. Was verbirgt sich dahinter?)
Lluvian schritt nicht ganz an der Seite von Acollon, aber holte soweit auf, dass er ruhig sprechen konnte.
„Acollon, wie lange lebst du hier schon im Tal der Sternenwinde? Falls ich dich überhaupt fragen darf.“
Dieses ehrliche Interesse war verblüffend, der sonst so desinteressierte und kühle Lluvian schien wirklich an etwas Interesse zu haben.
Darian hatte bisher so gut wie gar nicht geschlafen. Zu viele Eindrucken wirbelten um ihn herum und die Fremdheit war für ihn noch nicht aus den Zügen seiner Umgebung gewichen, Vertrautheit verbreitete sich zu langsam. Er hatte nur dagelegen, den Kopf gereckt, sich umgeschaut. Er hatte sein Gespräch mit Akai nicht zu ende führen können. Er fühlte sich wie ein Geist, der noch auf Erden herumschwirrte, weil er noch nicht alle seine Aufgaben erfüllt hatte. Suchend hielt er nach ihr Ausschau und trotz des Regens fand er bald den vagen roten Schimmer mit den Augen, der ihm ihren Aufenthalt erwies. Er stand auf und ging mit unsicheren Schritten, wie ein Soldat in feindlichem Gebiet, der jederzeit damit rechnen muss, dass man auf ihn schießt, zu ihr hinüber und blickte sie einen kurzen Moment lang stumm an. Dann aber beschloss er, zumindest ihre Frage noch zu beantworten.
"Mein Name ist Darian, ich weiß nicht mehr genau, von wem er stammt, aber ich meine, dass meine Eltern ihn mir gaben."
Er schluckte leise, kaum merklich. Ein Zittern fuhr durch seinen schmalen Körper. Ihm war kalt, das Wasser kroch ihm unter das Fell und trieb die Kälte weit unter seine Haut in das müde Fleisch hinein, schien die Adern gefrieren zu lassen. Er wusste nicht, ob die Rote sich daran stören würde, wenn er sich neben sie legte, darum blieb er starr stehen, wo seine Pfoten halt gemacht hatten.
Die Ohren zuckten als Schritte durch den Regen zu Akai klangen. Und sie kamen näher. Wer wollte denn jetzt zu ihr? Neugierig doch nach außen hin gleichgültig wirkend stellte sie die Ohren auf, öffnete die Augen und hob den Kopf. Eine Silhouette kam immer näher. War das etwa? ... Als der Graue vor ihr stand wäre sie gerne aufgestanden und hätte gelächelt. Doch so war sie nicht. Die Stille sah ihn an. Sie lächelte nicht. Darian. Ihres Befindens nach ein schöner Name. Akai legte sich nun grade hin. Immer mehr krochen Nässe und Kälte in ihr hinauf. Ungewollt zitterte sie kur. Bekam es dann aber wieder unter Kontrolle und schaute zu Darian hoch.
"Ihr tragt einen schönen Namen, Darian."
Sie hätte fast nach der Bedeutung gefragt, doch da fiel ihr ein, dass er ja nicht wusste woher der Name stammte. Akais Augen waren ein wenig matt. Sie hatte das Verlangen zu Gähnen, doch sie tat es nicht. Nass und durchgefroren lag sie starr vor dem Grauen, den sie eigentlich doch hatte sehen wollen. Sie wollte es doch immer noch.
Hidoi öffnete langsam wieder die Augen und sah sich um. Wie gerne wäre er wieder aufgestanden und wäre durch die Nacht gewandert. Doch wollte er wirklich das Risiko eingehen, Misstrauen zu wecken? Nein, dafür hatte er echt keinen Nerv mehr. Er gähnte kurz und seine spitzen Reißzähne blitzen kurz auf. Er schüttelte den Schlamm aus seinem Pelz. Der jedoch hing so schwer in seinem Pelz, dass er dadurch bloß sein Fell zu allen Seiten abstehen ließ. Knurrend, denn darüber war er eher nicht erfreut, setzte er eine Pfote vor die andere. Langsam trottete er in den See und trank bei der Gelegenheit auch noch ein paar Schlücke.
Als er ein wenig am Ufer endlang durch das Wasser gewatet war, fiel ihm auf, dass er sich doch ein Stück von den schlafenden Wölfen entfernt hatte. Schnell verließ er das Wasser wieder und trottete durch den Schlamm zurück. Jetzt waren es zumindest nur noch seine Pfoten ... Er kam direkt an Hanako und Leé vorbei. Spinnte er oder war die kleine Welpin irgendwie von jetzt auf gleich erwachsener geworden? Er zuckte mit den Schultern und schüttelte leicht den Kopf. Wolf, so konnte es gehen. Doch sein Blick galt eher Hanako. Sie schien sogar in den Träumen nach zu denken. Er blieb eine Weile bei ihr stehen und beobachtete sie im Schlaf. Dann aber besann er sich wieder, er konnte doch hier nicht einfach wie ein Idiot stehen bleiben und die hübsche Fähe betrachten. Er suchte sich nach einem Platz um, der nicht ganz so schlammig war und legte sich schließlich seufzend wieder unter die große Tanne. Naja, viel trockener war es hier nicht aber immerhin.
So viel Regen war er gar nicht gewöhnt, auf Blood-Yard hatte es eher selten geregnet.
Hanakos Schlaf war in diesem Moment nicht mehr so fest, wie vorher. Sie bekam jeden Luftzug an ihrem Körper mit, sie spürte auch, wie Leé bei ihr war, doch sie ging nicht weiter darauf ein, Leé sollte nun langsam lernen, dass sie ihr Leben auch ihne Hanako leben musste, das würde sie auch tun. Hanako wollte ihre Tochter nicht vertreiben, nein, aber sie wollte, dass sie auf ihren eigenen Pfoten stand und schon bald lernte, was es hieß, erwachsen zu sein. Hanako selbst hatte es noch früher gelehrt bekommen und war ihren Eltern dafür sehr dankbar. Als sie an ihre Eltern dachte, schnellte ihr Haupt erneut in die Höhe, Hidoi war gerade an ihr vorbei gegangen und legte sich wieder hin, ihre Mutter! Wo war ihre Mutter hin? Shiva! Mit schnellen umherflatternden Blicken suchte sie die alte, große Fähe, doch sie fand sie nicht, nein, im Gegenteil, es schien, als wenn sie spurlos verschwunden sein.
.oO(Mutter...)
Sie musste Banshee darauf hinweisen, doch nun fühlte sie, dass es anderes - wichtigeres gab. Nein, wichtiger konnte man nicht sagen, aber Banshee war beschäftigt, sie sollte ihr diese Zeit geben, sich mit den neuen Wölfen zu befassen, es würde ihrer Mutter sicherlich gut gehen. Hidoi, es war an der Zeit, langsam mit Hidoi wieder ins Reine zu kommen und all die Fragen, die in ihrem Kopf schwirrten, mit einem Gespräch zu klären. Langsam erhob sich die Weiße, mit schweren Schritten trabte sie auf Hidoi zu, der nun unter einem anderen Baum lag als vorher. Bei ihm angekommen, lächelte sie leicht und stupste ihn an.
"Hidoi?"
Sie hielt inne, sprach dann weiter.
"Ich denke, wir sollten reden..."
Der schwarze Rüde zog die Augenbrauen zusammen, es schien fast so, als würde der weiße Rüde mehr Vertrauen zu ihm aufbauen wollen und das jetzt gezeigte Interesse galt ausnahmslos ihm. Langsam schüttelte Acollon den Kopf. Es war nicht seine Art Zuneigung zu zeigen, er hatte so etwas nie gelernt und es war immerhin auch nicht von Nöten diesem Rüden die entsprechende Zuneigung zu schenken. Acollon zog sein Tempo an und sprang nun fast durchs Unterholz.
„Lluvian, ich bin nicht der Richtige zu dem du eine Art Freundschaft aufbauen solltest.“
rief er über die Schulter zurück. Athür folgte ihnen. Nun liefen diese drei Rüden in Windeseile durch das Unterholz. Es dürstete dem schwarzen Wolf danach, alleine in der Nacht umher zu wandern, doch das war wohl vorerst mal gestrichen. Den Rest des Weges verbrachte Acollon in Schweigen. Das fahle, milchige und verdeckte Mondlicht schimmerte durch die grauen Wolken und ließ eine düstere Stimme auf das Revier nieder.
Nach einer Weile erblickte Acollon das Rudel, sie hatten Schutz im Kiefernwald gefunden. Schließlich hatten sie keine feste Rudelhöhle nicht mehr. Ohne sein Tempo auch nur im Geringsten zu stoppen sprang er in die Menge, der noch im Halbschlaf träumenden Wölfe und sprang auf Banshee zu. Achtlos schüttelte er seinen Kopf um das überschüssige Regenwasser aus seinem Fell zu vertreiben.
„Die beiden sind wohlauf.“
Eigentlich konnte man genau sehen, dass Acollon Spaß an dieser Art Spiel hatte. Es war schließlich etwas, was der Rüde gut konnte. Auch wenn der Schlaf leicht an ihm zehrte und er allzu müde war, setzte er sich in den Schutz einer großen Kiefer und streckte sich, behielt aber Banshee fest im Blick.
Hidoi hatte den Kopf auf seine Pfoten nieder gelegt und die stechend gelben Augen wieder geschlossen. Doch als er hörte, wie jemand durch den schlammigen Morast herbei kam, hob seinen Kopf wieder und sah Hanako fragend an. Was war denn nun schon wieder? Als sie sagte, dass sie mal reden sollten, zog er leicht verwirrt eine Augenbraue hoch. Was hatte er nun schon wieder angestellt? Naja, er wollte mal nicht so sein, es war nichts schlimmes daran mal zu reden. Musste ja nicht gleich was negatives sein.
"Ehm, ja worüber denn?"
fragte er und musste sich diesmal gar nicht mehr so bemühen interessiert zu klingen. Irgendwie war das sonst immer automatisch gekommen, doch nun so mitten in der Nacht, wo alle anderen schliefen... Da war das schon ein wenig seltsamer, was ihn deswegen auch mehr interessierte als sonst. Langsam setzte er sich auf und stellte die Ohren nach vorne. Hatte Hanako nicht eben noch tief und fest geschlafen, oder hatte er sich getäuscht und es war gar kein sooo tiefer Schlaf, eher ein leichtes Dösen gewesen? Er tadelte sich in Gedanken selber. Seine Sinne ließen nach, dass durfte nicht noch weiter zurück gehen.
Hanako setzte sich langsam auf die Hinterläufe und betrachtete Hidoi eine Weile schweigend, dann bemühte sie sich aber doch, die Worte zu einem logischen Satz zusammen zu fassen, sonst würde Hidoi noch ungeduldig werden.
"Nun, ich denke, wir sollten über uns reden. Weil ich glaube, dass es so wirklich nicht weitergehen kann."
Sie seufzte leise, es klang beinah wie eine Aufforderung, aber das sollte es nicht, es sollte nur eine kleine Änderung geschehen, damit Hidoi und Sie besser miteinander auskommen würden.
"Wir benehmen uns wie kleine Welpen. Ich habe dir gesagt, dass ich dich liebe, du willst es dir überlegen, aber entweder schweigen wir uns nur an oder wir giften uns gegenseitig an. Natürlich sind wir zwei verschiedene Typen und im Inneren stehe ich mehr auf die Harmonie als du. Oder vielleicht weißt du nicht, ob du es magst oder willst. Wie ich mir denken kann, hast du noch nie richtige Liebe erfahren, deshalb ist dir dies alles fremd. Wenn du dich genauer damit befasst, merkst du sicherlich, was du brauchst und willst und was nicht. Wir beide können es herausfinden, ja, aber wir müssen uns ehrlich gegenüber sein. Wir müssen einen festen Entschluss fassen."
Hanako schwieg kurz, im Moment konnte man wohl aus ihrer Aussage nicht viel herausfinden.
"Wir sollten zu einem Punkt kommen, ob wir nun ein Paar sind oder nicht. Diese hin und her und diese Ungewissheit machen mich noch viel nachdenklich als wenn ich gar nichts weiß."
Hidoi lauschte Hanakos Erklärung, oder viel mehr ihrer Aussage. Irgendwie drehten sich während sie redete seine Ohren immer weiter nach hinten. Nicht aggressiv, nein es war eher ein Zeichen von Unsicherheit, die bei ihm eigentlich nie zu sehen war. Er sollte sich JETZT entscheiden? Konnte er das überhaupt? Er wusste immer noch nicht viel mehr, es war ja auch erst 1 Tag vergangen seid... nun, seid sie ihm ihre Liebe gestanden hatte, doch konnte er schon dasselbe sagen? Was tun? Sollte er einfach "ja" sagen, obwohl er sich immer noch nicht sicher war? Nun, es stimmte schon, er hatte Hanako sehr gerne und ohne sie würde ihn bestimmt auch nichts mehr in diesem Rudel halten. Ach es war doch zu verwirrend. Er seufzte und sah einen Moment auf seine Pfoten. Während er so nachdachte, kam es ihm vor als würden Minuten, oder vielleicht auch Stunden vergehen. Er musste einen Entschluss fassen, doch warum viel es ihm nur so schwer? Er klammerte sich einfach zu sehr an seine Freiheit und seinen Stolz. Sollte er dies alles jetzt einfach mal los lassen und schauen was auf ihn zu kam?
"Hanako..."
begann der Stahlgraue leise, wusste aber noch immer nicht wirklich was er sagen sollte. Er musste sich jetzt entscheiden, zu sehen was sich ergab. Doch wie sollte er dies ausdrücken? Er konnte nicht sagen "Ja ich liebe dich." das ging einfach noch nicht. Das war noch zu weit weg in seinem Inneren eingeschlossen.
"Wenn du es willst... dann..."
sagte er weiter, doch wusste irgendwie schon jetzt das Hanako sich damit nicht zu frieden geben würde. Sie hatte sicherlich nicht damit gemeint, das nur sie es wollte, sondern meinte auch ihn damit. Er holte tief Luft, jetzt hatte er angefangen zu sprechen, nun musste er es auch zu Ende bringen. Er sah auf, Hanako direkt in die Augen.
“Wir können es versuchen... Als Paar.“
Sagte er dann schließlich, auch wenn er die letzten zwei Wörter eher nur genuschelt hatte. Solche Unsicherheit war er bei sich gar nicht gewöhnt. Eigentlich wusste er immer sehr genau was er wollte und was nicht. Doch diesmal war es anders. Irgendwie schwand die Unsicherheit nur ein kleines Stück aus seinem Gesicht. Was hatte er sich jetzt eingebrockt? Aber nein, so durfte er erst gar nicht denken. Man konnte alles versuchen. Aber gab es nicht auch das Sprichwort, "du kannst alles schaffen wenn du es nur willst"? Dies stimmte sicherlich nicht in jeder Situation, aber vielleicht ja hier. Die Ohren langsam wieder nach vorne drehend sah er Hanako an.
23.12.2009, 16:57
Hanakos Körper war auf eine seltsame Weise sehr angespannt, dabei hatte sie sicherlich keinen Grund dazu. Im Endeffekt verlangte sie zuviel von Hidoi, aber sie wollte endlich, dass er nicht mehr so allein dort rum lag, sie wollte nicht, dass er das Rudel so mied und sie wollte auch nicht, dass er immer so auffallend war. Würde sie es schaffen, dass er sich etwas sozialisierte? Sicherlich, sofern sie ihm davon nichts sagen würde, denn sonst würde er streiken und abbrechen. Nur sie wusste nicht, ob Hidoi diese Nähe so mochte? Sie hatte zu ihrem Gefährten immer sehr Bezug gehabt, sie war ihm nah gewesen, sowie auch er ihr. Doch Hanako wusste nicht, was Hidoi mochte. Er war anders und sie ahnte sehr, dass er es hassen würde. Doch man konnte nicht alles abstellen und ignorieren, nein, das ging nicht. Vielleicht würde er sich daran gewöhnen. Er war zur ihr sowieso anders als zu all den anderen. Es würde anders sein. Dann seufzte Hanako leise, als Hidoi langsam und leise anfing zu sprechen. Er sprach nicht viel, nein und Hanako befürchtete, dass all ihre Erklärungen und Fragen vollkommen umsonst gewesen waren, ja. Und bei seinem Satz, schluckte sie. Es ging hier nicht nur darum, was sie wollte, nein, auf keinem Fall. Er sollte es auch wollen, immerhin wollte sie eine glückliche Beziehung keine, in der nur sie bekam, was sie wollte. Auch er sollte das bekommen, was ihm Zustand und das schien vor allem Freiheit zu sein. Natürlich würde sie ihm etwas Freiheit geben, aber nicht zu viel...sonst würde er sich sicherlich wieder abgrenzen. Als er dann ihre Gedanken bestätigte, den Versuch zu wagen....sie beide als ein Paar zu betiteln, waren Hanakos harte Gesichtszüge plötzlich weich und sie lächelte leicht.
"Hidoi..."
Mit einem herzerweichendem Seufzer kam sie ein paar Schritte auf Hidoi zu und stupste ihn noch mal an.
"Danke..."
Mehr brachte sie einfach nicht mehr heraus, zu glücklich war sie mit der momentanen Lage.
"Komm doch mit zu mir, dort ist es nicht so nass...du musst doch nicht so allein hier sein, dass ist doch nicht der Sinn der ganzen Sache..."
Hidoi nickte nur stumm. Was 3 Tage, die er jetzt höchstens erst im Rudel war, schon ausrichten konnten... Erstaunlich. Oder eher, was Hanako in diesen 3 Tagen ausgerichtet hatte. Andere konnten diese Änderung vielleicht nicht sehen, doch er selbst wusste, dass er sehr anders geworden war. Den anderen schien das zwar egal zu sein, wahrscheinlich hatte es wenn eh nur Hanako gemerkt. Aber das war ja auch die Hauptsache.
Ein Paar... Dann war Hanako also jetzt seine Gefährtin, sowie sein Vater und seine Mutter Gefährten waren?
Wie undenkbar noch vor ein paar Tagen dies für ihn gewesen wäre. Er seufzte leise, schenkte Hanako dann jedoch ein freundliches Lächeln. Das war ja auch wohl das mindeste, was er ihr geben konnte. Ruhig schritt er neben ihr her, auch wenn sich ein Ohr automatisch zur Seite drehte. So nah bei anderen Wölfen zu liegen, das hatte er das letzte mal gemacht, als er ein Welpe war. Schon als Jungwolf hatte er Nähe immer abgewiesen. Aber er musste sich wohl oder übel umstellen. Für Hanako. Und vielleicht wünschte er sich das auch ein kleines bisschen, im Unterbewusstsein selber. Mal was anderes, neues und nicht so kaltes kennen zu lernen. Ja, das war für ihn etwas ganz anderes. Etwas Neues.
Darian wusste nicht was es bedeutete, dass er und Akai sich gegenüber waren und sich stillschweigend ansahen, doch es erfüllte ihn für einem Moment mit tiefer Zufriedenheit. Einfach nur dastehen und sie ansehen. Ihr rotes Fell war durchnässt wie seines, ihre Augen stachen wachsam aus der Fellfarbe heraus und funkelten ihn an. Er konnte es sich noch immer nicht erklären, warum diese Fähe ihn auf eine wundersame Art und Weise, ja fast magisch anzuziehen schien.
"Ich danke dir. Dein Name ist ebenso eine Zierde in meinen Ohren"
Ob die Erwiderung eines Kompliments nun originell war oder nicht, ob es nun klug war oder nicht, war Darian egal, es war ehrlich. Er zögerte nicht länger, denn 'Wer nichts wagt der darf nichts hoffen' und legte sich neben sie. Es hieß bevor man miteinander schweigen konnte, müsse man erst miteinander sprechen, jedoch wollte ihm kein gescheites Wort über die Lippen kommen, nein wahrlich, das Formulieren geistreicher Worte fiel ihm unsagbar viel schwerer als je zuvor.
"Woher kommst du? Jemanden wie dich habe ich noch niemals gesehen. Schwarz, Weiß, Grau, Braun. Mit ist die Farbe einerlei, jedoch sah ich nie zuvor eine, die so feuerrot war wie du"
Unverwandt blickte er ihr ins Gesicht mit seinen hellen Augen, seine Fassade völlig in die Ecke gestellt und einfach nur er selbst, so sehr wie er es sonst niemals war.
Wieder entmutigt senkte der Weiße den Kopf und erhöhte ebenfalls sein Tempo. Es war ein stummer und langer Waldmarsch, durch das dichte Geäst des tiefen Waldes. Die Nacht war drückend, wenn auch gleich kühl und feucht. Solche Nächte konnten ganz nett sein, wenn es nicht gerade darum galt, Nerven zu bewahren.
Die drei tauchte auf einer weiteren Lichtung auf, dahinter lag ein breiter Wald, der aus Kiefern bestand. Er bot nicht sonderlich viel Schutz, aber es würde wohl so vorerst reichen.
Seufzend stand Lluvian nun vor den Anderen und wusste nicht recht was er machen sollte, also legte er sich in einigem Abstand zu dem Rudel. Er fand einfach eine passende Möglichkeit sich in das Rudel zu integrieren. Er legte den Kopf auf den schlammigen Boden zwischen die Pfoten. Er war nicht sonderlich müde, nicht mehr jetzt, wo sie beim Rudel waren. Nicht, dass er ihnen nicht vertrauten und deshalb im Schlaf Angst um einen Angriff aus dem Hinterhalt haben musste.
.oO(Na, was soll´ s. Morgen ist auch noch ein Tag an dem ich es versuchen kann.)
Er wollte gerade ein wenig die Augen schließen, da fiel sein Blick erneut auf die weiße Alphafähe und er musterte sie eingehend. Interessant waren eigentlich nur, dass sie nicht sonderlich dominant und autoritär in der Erscheinung wirkte, und trotzdem großen Einfluss auf alle Wölfe hatte und auch, dass sie Acollon sie unter den Pfoten hielt war beeindruckend, sicherlich wäre er ohne Banshee noch ein- Mörder. Sein Blick huschte weiter herum und fiel auf einen grauen Rüden und eine weiße Fähe, auch sie schienen ein Band der Liebe geknüpft zu haben. Er erblickte eine rote Fähe, ungewöhnliche Fellfarbe, aber dennoch hübsch. Gebannt auf diese Fellfärbung starrend, schien er sich zu entspannen und langsam ruhte sich sein Körper aus, jedoch nicht sein Geist. Dieser verharrte still in dem roten Schimmer des Fells. Wäre nicht plötzlich ein unerträglicher Schmerz in seiner Brust aufgeflammt, so hätte er sicherlich weiter dösen können, doch jetzt krümmte er sich ein wenig zur Seite. Der Weiße versuchte aber den Schmerz zu verbergen. Es waren die alten Herz Probleme. Seit dem letzten Angriff eines Pumas wäre sein Schicksal fast besiegelt gewesen, diese riesige Raubkatze hatte ihn um ein beträchtliches Stück Fleisch erleichtert. Nur mit Glück hatte er es überlebt und konnte auch froh sein, dass er nicht großartig entstellt war, doch seither quälen ihn plötzliche Herzattacken, die mit großem Schmerz verbunden waren. Doch diesmal war es noch schlimmer. Der Regenwolf vergrub seine Schnauze in dem schlammigen Boden und versuchte damit jegliche Geräusche zu vermeiden. Er biss sich auf die Lefzen um damit zu, den Schmerz in seinem Herzen zu übertönen. Es kam sogar soweit, dass er sie sich blutig biss. Lluvian drehte sich von den anderen Wölfen weg, schien die Luft anzuhalten.
Mit langsamen, ruhigen Schritten ging Hanako voran, Hidoi dicht bei ihr, sie musste etwas Lächeln. Ja, er hatte sich verändert, aber auf eine positive Weise, die ihr gefiel und zeigte, dass Hidoi ganz tief in seinem Herzen nicht so kalt war, wie er tat. Vielleicht wollte er mit seiner Art die Wölfe abweisen, doch er hatte Hanako durchgelassen und es war soweit gekommen, dass sie nun ein Paar waren. Glücklich und Zufrieden wie damals ihre Mutter Shiva und Peavy. Und Hanako kam für einen Moment der Gedanke, dass Peavy und Hidoi sich sehr ähnlich schienen. War ihr Vater damals auch so kalt gewesen? Er wurde ein liebevoller Vater, ja, aber am Ende hatte er jeden getötet und die Familie zerstört. Hanako seufzte leise, sie schätzte Hidoi nicht so ein, er war sicherlich kein blutrünstiger Mörder, nein. Er hatte Verstand und sie wusste, dass er diesen auch einsetzte, wenn es nötig war. Langsam kam Hanako auf der Ebene an, die trockener als Hidois alter Schlafplatz wirkte und noch etwas warm war. Mit einem schweren Gähnen ließ Hanako sich auf dem Boden nieder, hob dann aber den Kopf etwas an und sah Hidoi mit einem Lächeln in den Augen an. Sie biss sich etwas in seinem Fell fest und zog ihn runter.
"Leg dich hin und ruh' dich aus, wir haben alle viel mitgemacht in den letzten Tagen."
Sie legte den Kopf auf die Pfoten und beobachtete, was Hidoi tat.
Hidoi ging stumm neben Hanako her, als sie ihn dann ins Fell zwickte um ihn runter zu ziehen, zuckten seine Ohren kurz ruckartig nach hinten. Solche Berührungen kannte er nur vom Kampf her und sie weckten in ihm automatisch den Verteidigungstrieb. Doch er konnte sich zusammenreißen, da er ja wusste das Hanako, grade sie ihn schon gar nicht angreifen würde. Langsam ließ er sich neben sie sinken, wenn auch nicht zu nah, und legte den Kopf auf die Pfoten. Auf ihre Worte wusste er nichts Gescheites zu erwidern, also ließ er es bleiben und sagte wie zuvor gar nichts. Der Regen fing an ihn richtig zu nerven, aber was konnte er schon gegen diese Naturgewalt ausrichten? Mürrisch sah er wie die Tropfen zu Boden in den Schlamm klatschten und er schloss die Augen. Er wollte jetzt wenigstens noch vielleicht eine halbe Stunde lang ohne gestört zu werden schlafen.
Schließlich achtete er nicht mehr weiter auf seine Umgebung und blieb ruhig neben Hanako liegen, was ihm im ersten Moment sehr gestört hatte, da es so ungewohnt war. Er schaffte es sogar ein zu schlafen. Langsam verschwand sogar das Gefühl, seinen eigenen Stolz verletzt zu haben.
Ungewöhnlich lange war die schöne Wölfin unterwegs gewesen. War durch Wüsten, Eislandschaften und anderen Ländereien gewandert, auf der Suche nach einem Gebiet, das ihr gefiel und weit weg von ihrem eigentlichen Zuhause sein würde. Nicht die Einsamkeit machte Arkuna zu schaffen, eher die Kälte, die sich immer mehr ausbreitete, je mehr sie in den Norden marschierte. Die Wüstenwölfin war es nicht gewöhnt in Schnee, Regen und im kalten Wind zu leben.
„Wer lebt schon freiwillig in einem solchen Klima? Ich muss verrückt gewesen sein, als ich diesen irrsinnigen Entschluss gefasst habe abzuhauen“
zitterte die Wölfin. Sie schloss fast entmutigt die Augen, doch als sie sie wieder aufschlug, funkelte darin, dieser unbändige Glanz, der sie soweit gebracht hatte. Aufgeben war jetzt nicht angebracht, sie hatte immer noch die Chance das nächst beste Revier erkunden und den Entschluss zu fassen, dort zu bleiben. Nach einer Weile Pfotenmarsch kam sie an eine Reviergrenze. Es roch stark nach Wölfen, trotz des Regens, der es fast unmöglich machte etwas zu erkennen. Kurz zögerte die Wölfin, vielleicht waren diese Wölfe Barbaren, genau wie die, aus ihrem Rudel, die versucht hatten die Rudelherrschaft zu erlangen und es war ihnen ja auch schließlich gelungen.
Die Erinnerung an den, in der Vergangenheit liegenden, Krieg, ließ die Wölfin empört gucken. Arkuna war sicherlich nicht der Wolf, der rohe und Abscheuliege Gewalt liebte. Auch wenn sie gerne die Missetäter am Nackenfell gepackt hätte und jedes Organ einzeln rausgerupft hätte.
“Nun gut.“
murmelte die Wölfin und schüttelte überflüssigerweise das Wasser aus ihrem Fell. Würde sie jetzt heulen und die Aufmerksamkeit auf sich lenken, könnte das heißen, sie hätte ein neues Rudel gefunden, ein Rudel in dem sie sich unterordnen musste. Und das konnte Arkuna, als Tochter des Alpha und zukünftige Herrscherin des Nygeran Wüstengebietes, nicht. Doch die junge Wölfin heulte auf. Wartete ab, und betrat dann das Revier. Sonderlich schön war es nicht, und dort, wo Arkuna herkam, war es wärmer und sandiger, wenn auch trockener und heller gewesen. Langsam schritt sie durch das Geäst und spähte umher. Dort hinten lag eine Gruppe Wölfe, es schien ein kompaktes Rudel. Erstaunt, dass sie alle so anders aussahen als sie, ließ sie ein Räuspern verlauten. Sie stand in sicherer Entfernung, geradeso in Rufweite.
Hanako lächelte freudig, zwar hatte Hidoi zwischen ihnen beiden etwas Abstand gehalten, aber er würde sich bald mit Wahrscheinlichkeit daran gewöhnen und vielleicht endlich in seinem Kopf etwas loslassen, was er festhielt und ihn an so vielen Dingen hinderte. Irgendwann schloss auch Hanako zufrieden die Augen, alles schien heute eine gute Wendung gehabt zu haben und sie würde vielleicht beruhigt schlafen können. Nein, ganz weit in ihrem Gedächtnis schrie etwas danach, dass sie wach bleiben musste und Hanako hob langsam wieder den Kopf. Hidoi machte den Eindruck, als wenn er tief schlafen würde, schön, dann würde auch er sich um einiges wohler fühlen. Nachdenklich erhob Hanako sich, versuchte ruhig zu sein, damit sie niemanden wecken würde, dann tapste sie auf ihre Alphafähe Banshee zu.
"Banshee?"
Rief sie aus einiger Entfernung und ging noch näher heran, knapp neben der Fähe blieb sie stehen.
"Weißt du, was mit meiner Mutter ist? Ich finde sie nirgends."
Die Sorge aus ihrer Stimme war zu hören, aber Banshee würde es sicherlich wissen...
Banshee wandte sich leicht von Mitsu ab, als Acollon zu ihr gesprungen kam und sich dann unter die Kiefer zu ihr legte. Sie lächelte und nickte, doch ein besorgter Ausdruck blieb in ihren Augen.
"Wir wollen bald zu der Suche aufbrechen, doch wie es aussieht solltest du vielleicht lieber hier bleiben ... du brauchst Schlaf, sicher genauso wie die beiden anderen."
Sie fuhr ihm liebevoll über die Stirn, dann sah sie auf, als Hanako zu ihr gelaufen kam. Ihre Frage ließ sie leicht zögern, kurz stockte sie, dann nickte sie seufzend.
"Hanako, deine Mutter kam vor kurzer Zeit zu mir und sagte mir, dass sie sich vorerst etwas zurück ziehen würde ... sie hat mir nicht gesagt, wohin sie gehen würde, aber sie meinte, dass sie sehr wahrscheinlich zurück kommen würde. Mach dir keine Sorgen."
Sie versuchte aufmunternd zu lächeln, was ihr misslang, es musste kein schönes Gefühl für Hanako sein. Trotzdem konnte Banshee nichts daran ändern, Shiva hatte ihren Weg gewählt ... Während sie noch über weitere, freundliche Worte nachdachte, stieg ihr ein fremder Geruch in die Nase, sie zögerte, dann sah sie sich um und entdeckte eine braune Gestalt. Wieder ein fremder Wolf ... auch noch jetzt, bei der Suche ... Sie erhob sich und fixierte den Schatten.
"Zeig dich, Fremde!"
Ihre Gedanken lagen schon wieder halb bei den Gruppen, sie würde jetzt bald alle zusammenrufen müssen.
Eine weiße Fähe schien Arkuna bemerkt zu haben, kein Wunder, ihr Auftreten war nicht gerade verdeckt. Doch sie blieb noch hinter den Bäumen stehen. Langsam Schritt für Schritt trat sie näher an das Rudel, ihre neutrale und dennoch sehr autoritäre Art ließ ihr Selbstbewusstsein strahlen, was jedoch nicht in Arrogant endete. Ihre Augen schienen gütig, doch dahinter verbarg sich immer noch dieses feurige Glänzen. Geschmeidig trat sie hinter dem letzten Baum hervor. Lange verharrte sie still und wartete ab. Die Rudelsituation war gestresst, es lag Anspannung in der Luft.
“Seid gegrüßt weiße Fähe, mein Name ist Arkuna.“
mit großer Bestimmtheit legte sie ein zartes Lächeln auf. Nicht schüchtern oder unsicher, einfach nur aus Gesonnen- und Freundlichkeit. Ihre Augen glitten keineswegs von der Fähe von ihr, sie sah der Wölfin genau in die Augen, versuchte das Blinzeln zu vermeiden. Diese Fähe ähnelte ihrem Mentor sehr, doch er strahlte noch eine gewisse Ruhe aus, was diese Fähe wohl für diesen Moment nicht aufzubringen vermochte. Nein, sie schien wirklich nicht begeistert über das Auftreten Arkunas. Diese Erkenntnis ließ die Wüstenwölfin leicht kalt blicken, fast gerade so, als schien jeder Funke Anstand für einen Moment zu verschwinden. Der kalte Krieg zeichnete sich in ihren Zügen ab und sie knirschte mit den Zähnen. Überflüssige Worte würden hier nichts nützen, doch ungewöhnlicherweise ließ sich das Wüstenkind herab zu einigen Worten mehr:
“Es scheint nicht gerade so, als wäre die Situation so entsprechend, dass Ihr einen weiteren Wolf aufnehmen könntet. Und bevor wir weitere unnötige Worte verschwenden, sagt mir, ob der Zutritt zu Eurem Rudel möglich ist, wenn nicht, wäre mein Weg der, der aus Eurem Revier führt.“
.oO(Unser Rudel war ein Stolzes, wessen Mitgliederzahl stattlich war. Weitaus mehr Wölfe als hier zu sehen sind.)
Banshee trat etwas näher, als die Fähe sich zeigte und ebenfalls näher kam. Ihr Blick unverwandt in die Augen Banshees gerichtet ließ die Leitwölfin kurz verwundert zögern, dann erwiderte sie den Blick erstaunlich kalt. Sie fragte sich, was die Fremde damit bezweckte, noch dazu wo sie offensichtlich selbst bemerkte, dass das Rudel in einer schwierigen Lage war. Ihr Ausdruck wurde etwas arroganter und zum ersten Mal seit längerem spürte Banshee wie eine gewisse Grenze der Strapazierfähigkeit ihrer Nerven überschritten wurde. Trotzdem hielt sie sich möglichst ruhig.
"Ich grüße zurück, Arkuna, mein Name ist Banshee und ich bin die Leitwölfin dieses Rudels, das, wie du sehr gut erkannt hast, einige Probleme hat. Wenn du aufhörst mir zu drohen bin ich trotzdem bereit dich aufzunehmen, ich habe noch nie jemanden fort geschickt und werde das auch nicht in einer solchen Situation tun, auch wenn man sich jetzt an einige verschärfte Regeln gewöhnen muss."
Während ihrer Worte wurde sie tatsächlich etwas ruhiger und lächelte am Ende wieder, starrte der Fähe trotzdem weiterhin ohne zu blinzeln in die Augen, ihr gefiel diese Drohung überhaupt nicht, aber den Blick abzuwenden hieße, sich zu unterwerfen und genau das hatte nun die Fremde zu tun.
Hanako seufte gequält und beobachtete Banshee eine Weile, wie sie mit der fremden Fähe sprach. Dann nickte sie zögernd und richtete ihren Blick in die Ferne, in die ihre liebste Mutter - die einzige, die ihr aus der Familie geblieben war - verschwunden war. Warum verließen sie alle? Ein trauriger Blick galt dem trüben, dunklen Himmel, Hanako bemerkte die Regentropfen, die ihr auf die Augen fielen, aber sie versuchte ihre Tochter und ihren alten Gefährten zu erkennen.
.oO(Bitte helft mir...)
Sie sah wieder zu ihrer Alphawölfin und nachdem diese ihre Worte gestoppt hatte, nickte Hanako wieder.
"Ich danke dir Banshee. Hab eine erholsame Nacht."
Mit einem letzten, wenn auch nur leicht dankbaren Blick, schlich Hanako an ihren alten Schlafplatz zurück und blickte ihren neuen Gefährten Hidoi an. Sie hätte nie gedacht, jemals wieder für einen Rüden so viel empfinden zu können, nachdem sie ihr Herz damals doch so traurig verloren hatte. Doch es war passiert und sie war glücklich darüber. Auch, wenn im Moment ihre Sorge umso größer war.
.oO(Bitte komm zurück, Mutter...)
Nachdenklich legte sie sich neben Hidoi hin, versenkt eden Kopf auf ihren Pfoten und blickte angestrengt in die Richtung, in die ihre Mutter Shiva wohl hätte verschwinden können...
Akai störte es keineswegs, dass sich der Graue neben ihr nieder ließ. Doch es überraschte sie. Er hatte so verschlossen gewirkt. Doch jetzt schien er es in den Hintergrund zu stellen, sich zu schützen. Schützen vor den Blicken, der Nähe anderer. Ebenso wunderte sie sich über diese offenen Fragen. Man hatte die Rote nie danach gefragt. Was sollte sie antworten? Den Ort ihrer Geburt nennen, den Ort, der nie mehr eine Heimat für sie war seit... Ja, seit dem ihr Bruder ermordet worden war. Oder aus welcher Richtung der Wind ihr den Weg in dieses Revier gewiesen hatte. Während sie kurz überlegte sah sie durch den Regen eine Silhouette. Cremefarben. Jemand, den sie nicht kannte. Wie sie so viele nicht kannte. Doch fühlte sie sich von dieser Gestalt beobachtet. Sie schien sich abzuwenden. Daraufhin sahen die klaren Augen Darian an.
"Ich stamme aus einem Tal, dessen Name Moithless lautet Doch das Tal war nie mehr meine Heimat. Und, falls ihr glaubt dort lebten viele Wölfe mit rotem Fell, wie sich das meinige färbt, dann muss ich euch enttäuschen. Dort lebte oder lebt vielleicht immer noch ein anscheinend ganz normales Wolfsrudel.“
Bei den Gedanken an dieses 'Rudel' schluckte sie. Denn das Rudel war nie eines für sie gewesen. Still wendete sie den Blick in eine andere Richtung, damit der Rüde neben ihr nicht sehen konnte, was sie mit dieser Vergangenheit verband. Doch vielleicht verriet sie schon das zucken das sie durchfuhr. Obwohl, man könnte dies wohl auch als Zittern durch die Kälte deuten.
Falk hatte einen weiteren Versuch unternommen in einen vielleicht auch unruhigen Schlaf wegzudämmern, doch es hatte nicht geklappt. Der Rüde seufzte leise und warf seiner Gefährtin einen Blick zu. Ayalas weißes Fell schimmerte silbrig in der Nacht. Sanft fuhr er ihr mit der Zunge über die Stirn, dann erhob sich der Hüne und reckte sich. Noch einmal fiel sein Blick auf die Fähe, dann schüttelte der Rüde mühsam den Gedanken ab. Nein, Ayala war hier sicher. Er würde immer ein Auge auf sie haben können, auch wenn er sich die Beine etwas vertrat.
.oO(Schlaf, Liebe, schlaf...)Oo.
In einiger Entfernung ging er an Banshee vorbei, grüßte die fremde Wölfin mit einem mehr höflichen als freundlichen Nicken, aber gerade war der Rüde nicht bereit für eine Begegnung mit der Fremden, später war immer noch Zeit sich kennenzulernen. Weiter wanderten die Pfoten, schweifte sein Blick über das verstreut zwischen den Bäumen liegende Rudel. Dort war die rote Akai im Gespräch mit einem Rüden, dessen Namen Falk noch nicht kannte. Auch dafür würde noch Zeit sein. Auch sah er die weiße - Wie war ihr Name? - Fähe Hanako - Ja, es war Hanako... - im Gespräch mit dem grauen...dem grauen Hidoi?
.oO(Das Rudel ist mir so fremd geworden. Ich erkenne kaum jemanden wieder. Ich weiß nicht, wem ich hier trauen kann. Ich dachte ich komme nach Hause - aber meine Heimat hat sich scheinbar gewandelt...)Oo.
Jäh hielt der Rüde inne. Was hatte er da gedacht? War das das tatsächliche Problem? Dass sich das Rudel so völlig erneuert hatte und er, Falk, wieder einmal eine Heimat verloren hatte, außerdem eine gute Freundin, nämlich Varloc? Was hielt ihn hier? Außer Ayala und ansonsten Dayon?
.oO(Na gut... Aber das ist Grund genug zu bleiben. Diese beiden zu schützen.)Oo.
Der Hüne trat zwischen zwei Bäumen hindurch. Dort lag die schwarze Fähe, deren Name wohl Eris war. Mit einem beschämten Grinsen musste Falk daran denken, wie grob und unfreundlich er zu der schwarzen Fähe gewesen war, wie rüde er sie behandelt hatte. Falk ließ sich spontan neben die Schwarze fallen. Das jedenfalls konnte er vielleicht aus der Welt schaffen. Er beugte sich über die Schwarze und zischte:
"Pssst!"
Der junge Rüde war Acollon schweigend gefolgt, beobachtete den weißen Wolf aber sehr genau, er schien nicht sonderlich gut in ein Rudel zupassen, aber jeder sollte selbst entscheiden, was für ihn gut war oder nicht und wenn dieser Wolf sich wirklich unglücklich machen wollte, von Athür aus, konnte er dies gerne tun.
Athür erreichte als Letzter die Lichtung der Kiefernbäume. Sein Blick wanderte über die Wölfe und suchte eigentlich den schwarzen Alpharüden Acollon. Doch bevor er ihn erspähen konnte, entdeckte er die weiße Leitfähe und eine Wölfin, die ihm verdächtig bekannt vorkam. Und als der stechende Geruch durch seine Nase den Weg in sein Gehirn fand, brannten sämtliche Sicherungen durch. Dieser Geruch war sicherlich unverkennbar. Ruhig und doch vor Zorn kochend schritt er von hinten auf die Wölfin zu.
.oO(Du Miststück, widerliches Miststück)Oo.
Ohne irgendwelche Vorwarnungen sprang er der Wölfin auf den Rücken und verbiss sich im Nackenfell dieser. Nicht zu doll und ohne ihr wirklich schlimme Verletzungen zuzufügen, und dennoch so kräftig, das es schmerzte. Er ließ wieder los und schritt über die Wölfin und sah ihr ins Gesicht, die Zähne gebleckt, doch der Blick kalt und fast höhnisch. Jetzt standen sich alte Feinde gegenüber, die hübsche Wölfin und der junge Rüde.
“Sehnsucht nach mir gehabt?“
fragte er lachend, es war jedoch kein freundliches oder angenehmes Lachen, es war eines, das das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Lange beobachtete der Schwarze das Geschehen, Banshee hatte Recht, er war wohl müde, und dennoch würde er bei der Suche dabei sein müssen und auch wollen. Einst dem Zweck Banshee zu beschützen, vor was oder wem auch immer. Eine Neue war angekommen, die Art wie sie einem Alpha gegenüberstand ließ nur darauf schließen, dass sie entweder nicht lange in einem Rudel gelebt hatte, oder dass sie selbst einmal Alpha war. Das Letztere konnte Acollon in eine weitere Variante führen, sie schien noch recht jung, daher nahm Acollon an, dass sie sicherlich nur Tochter des Alpha war. Sein Blick glitt in die Ferne, er bemerkte Lluvian. Sein Kopf ging ruckartig hoch, es schien dem Regenwolf nicht wirklich gut zu gehen, er wälzte sich im Schlamm und verkniff sich jedem Atemzug. Wenn der schwarze Alpha das richtig beurteilte, schien der weiße Rüde eine Art Anfall zu haben. Langsam, als schien es wirklich keine Eile zu haben, erhob Acollon sich wieder. Dass Athür der Jungwolf die Neue und Fremde angegriffen hatte, kümmerte den Schwarzen herzlich wenig. Leise bewegte er sich auf den Regenwolf zu, dabei sah er kurz zu Falk. Ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lefzen nieder, es galt einem Vertrauten. Auch wenn Acollon es nicht gerne zugab, er mochte Falk, zwar hatte er nie eine sonderlich Interessante Bindung zu diesem Wolf gehabt, und dennoch schien das größte Vertrauen, nach Banshee in Falk zu liegen.
„Scheint, als ginge es dir nicht gut, Lluvian. Was fehlt dir?“
fragte er knapp, als er vor dem weißen Rüden stand. Seine Augen sahen auf den Weißen hinab, gerade so, als schien Lluvian sich nur verschluckt zu haben. Aber dafür war Acollon bekannt, für seine Art mit anderen Wölfen umzugehen. Denn so was fand man wohl nur selten.
Die schwarze Fähe war mit ihren Gedanken irgendwo anders, tief in alte Erinnerungen und Gefühle gegraben. Währenddessen starrte sie in die blaue Dunkelheit und vor ihr hätten rotleuchtende Feuerameisen einen akrobatischen Zirkus aufführen können, ohne dass sie es bemerkt hätte. Erst als sich neben Eris jemand niederließ, kam sie zurück. Sie zuckte leicht zusammen, als sie die plötzliche Bewegung in ihre Richtung wahrnahm. Mit den überraschten grauen Augen versuchte Eris auszumachen, von wem sie ausging. Als sie jedoch erkannte, dass es Falk war, der neben ihr saß, verflogen jegliche neutrale Emotionen aus ihren Zügen. Sie schnalzte missbilligend und wich zurück, als er sich zu ihr hinüberbeugte. Feindselig funkelte sie ihn an.
"Ach, wie reizend."
murmelte sie und ließ Falk nicht aus den Augen. Dieser Rüde war mit Abstand der Ungehobelste, dem sie jemals begegnet war und sie hatte seine Begrüßung vom Vortag nicht vergessen.
"Wenn du jetzt auch noch so freundlich wärst, mir zu verraten, was meiner Wenigkeit die Ehre verschafft?"
sagte Eris in einem gereizten Ton und setzte ein gezwungenes, bissiges Lächeln auf.
.oO(Du blöder Saubeutel, du.)
"Lust, mir jetzt auf deine reizende Art auch noch die Regeln dieses Rudels zu erklären?"
Eris schnaufte und blieb immer noch etwas weggelehnt von Falk liegen.
Erschrocken über den plötzlichen Angriff von hinten, fand Arkuna keine Zeit der Alpha zu antworten. Alles hatte einen so schnellen Ablauf und ohne, dass sie etwas hätte tun können, stand ein Rüde über ihr, dessen Gesicht sie wohl nicht so schnell vergessen würde. Es wunderte die Wüstenwölfin nicht, dass sie diesen Wolf nicht gerochen hatte. Zu viele andere Gerüche fanden ihren Weg durch das Revier. Außerdem war, zugegebener Maßen, Arkuna unachtsam gewesen.
“Shuí Kóu“
stieß sie überflüssigerweise hervor und funkelte den Rüden gefährlich an. Kein Funken Güte oder Anstand zierten ihr Antlitz. Die ehrliche Art schien abzubröckeln, wie alte Rinde von einem Baum.
“Nach dir Sehnsucht gehabt? Bildest dir wohl immer noch zuviel auf dich ein, glaube ja nicht, ich hätte mit Absicht dieses Revier ausgewählt, nur weil du hier hausierst. Hätte ich das bloß geahnt, so hätte ich einen riesigen Bogen darum gemacht, du Dreckskerl.“
zischte sie leise und verengte ihre Augen zu Schlitzen. Athür war mit Abstand der größte Abschaum der Arkuna jemals vor die Augen getreten war.
“Mit einem schmierigen, triefenden, ekeligen, stinkenden, widerlichen und kotzigen Schleimbeutel, wie dir, will ich nichts zu tun haben.“
diese unkontrollierte Art war äußerst selten an Arkuna zu beobachten. Sie gab sich meist beherrscht und sehr direkt und ehrlich. Ab und zu mal auch freundlich. Doch wenn Shuí Kóu in ihrer Nähe war, konnte sie kein Blatt vor die Schnauze nehmen, obwohl sie im Gegensatz zu ihm, beleidigend wurde.
.oO(Er und seine tollen Sprüche, geht mir immer noch nach wie vor auf die Nerven. Und trotzdem…)
Es bedarf gar nicht mal die Beendigung ihrer Gedanken. Sie hasste ihn und fertig, wenn gleich sie ihn auch vermisst hatte. Er und seine dummen und einfältigen Sprüche, auch wenn sie manchmal nervten. Doch nun war es alles andere als ein gutes Wiedersehen, schließlich waren beide nicht von ungefähr auf die Idee gekommen, ihr altes Rudel zu verlassen. Nicht die Tyrannen waren allein daran Schuld, nein, es galt sich auch zu behaupten. Und es würde ein Zweikampf entscheiden, welcher der beiden Kinder die eigentliche Herrschaft über ein verlorenes Reich besiegeln und für sich entscheiden würde.
“Hast dich kein bisschen verändert.“
schnarrte sie und sah schmollend zur Seite, und konnte damit wieder zur Alphafähe, Banshee, sehen. Sei neigte den Kopf leicht, es konnte zweideutig gedeutet werden, einmal konnte es als Entschuldigung für die ganze Situation gemeint gewesen sein, oder es war einfach nur ein Nicken gewesen, wessen Bedeutung gar nicht existierte. Schließlich funkelte sie Shuí Kóu wieder an.
Banshees Augen verengten sich, als sich Arthür plötzlich an die Fähe heran schlich, sprang, zubiss, wieder vor ihr war und dann Beleidigungen durch die Gegend geworfen wurden. Auch das kurze Nicken Arkunas verbesserte die Lage nicht weiter und so langsam reichte es der Leitwölfin endgültig. Sie wollte jetzt endlich diese verdammte Suche starten und auch wenn sich die beiden Gefährten, Geschwister oder Feinde, was auch immer sie waren, noch so darüber freuten sich wieder zu sehen, oder auch nicht. Entschieden trat sie dazwischen.
"Streitet euch weiter, solange ihr wollt, aber ich habe nun keine Zeit dafür. Arkuna, bleibe, wenn du willst, wir werden nun eine Suche starten, alle teilen sich in Gruppen auf, bildet mit jemand anderem zusammen eine, mir ist es gleich, aber tut es, bevor ihr euch fertig gestritten habt."
Mit diesen Worten drehte sie sich um und ließ die beiden alleine stehen. Sie merkte, wie sich das Rudel wieder zu zerstreuen begann und dem musste und Einhalt geboten werden.
"Kommt alle zusammen! Bitte bildet Gruppen, mindestens zu dritt!"
Vorerst beließ sie es dabei, wenn sie sich versammelt hatten, würde sie noch weiteres erklären.
Nun wo Acollon neben dem Weißen stand, sah Lluvian auf und schüttelte ernsthaft den Kopf. Die Schmerzen schienen ihn zu erdrücken. Die Luft wurde knapp, das Stechen in der Kehle war mit jedem verzweifelten Atemzug schlimmer zu werden.
“Mir- ge- geht es präch- prächtig.“
sagte er krächzend. Ihm schien es irgendwie zu gelingen, ein Lächeln, wenn auch ein recht fragwürdiges, aufzusetzen. Die weiße hübsche Alphafähe sagte, sie sollten sich in Gruppen zusammenfinden, und da war schon das nächste Problem.
“Mir fehlt es wirklich an Nichts.“
keuchte Lluavian und nickte zu Banshee. Es war wirklich etwas zuviel in letzter Zeit gewesen, aber was hieß letzte Zeit? Er hatte schließlich keine Vergangenheit, oder zumindest eine, die er zur Hälfte vergessen hatte. Er lebte im Glauben, seine Familie hatte ihn nicht geliebt und wurde von dem Alpharüden Acollon damals getötet. Und was war dazwischen?
.oO(Reiß dich zusammen, es geht niemanden etwas an, dass du vielleicht Herzprobleme hast, nun steht auf, los.) ermahnte er sich selbst. Er stemmte seine wackeligen Pfoten auf den schlammigen rutschigen Boden und hievte sich hoch. Die Herzattacke war lange noch nicht vorbei, doch wenn Acollon schon bei ihm stand, konnte er keine Schwäche offenbaren. Starr glotzte er auf eine Stelle im Dreck und versuchte alle Kräfte zu sammeln. Doch unter dem Keuchen und dem Schmerz der immer wieder den weißen Regenwolf in die Knie zwang, machte es nicht gerade einfach den Eindruck erwecken zu lassen, dass es ihm ‚prächtig’ ging.
“Welcher Gruppe soll ich mich anschließen?“
fragte der Weiße und versuchte wieder ein Lächeln aufzusetzen.
Falk musste lächeln und unterdrückte nur mit Mühe ein lautes Auflachen. Plötzlich verstand er, was Ayala gemeint hatte als sie sagte, Eris sei etwas...nun ja...eigen. Er verstand es so gut und es war eine so zutreffende Beschreibung, dass plötzlich alle Befürchtungen und Ängste des Rüden wie weggeblasen waren. Diese Fähe hatte wirklich etwas ganz eigenes und in gewisser Hinsicht glich sie darin auch Varloc, auch wenn sich die beiden Fähen, die schwarze Eris und die graue Varloc mit den roten Augen wahrscheinlich komplett voneinander unterschieden.
"Sagen wir es lieber so: Ich möchte mich entschuldigen. Natürlich war ich in einer extremen Situation, ich roch Blut und konnte nicht abschätzen, ob von dir eine Bedrohung ausging oder nicht, aber dennoch war es sicherlich nicht in Ordnung von mir, dir anzudrohen dir die Gedärme aus dem Körper zu reißen. Du hast also allen Grund, sauer zu sein. Oder wütend, wie du willst. Aber vielleicht hast du auch einen Funken Verständnis für einen Rüden, dessen Vertrauen in früherer Zeit oft missbraucht wurde."
Falk lächelte schuldbewusst und dachte bei sich, dass es nur gerecht war, wenn er Eris ein Stück von seiner Vergangenheit offenbarte. Immerhin hatte er sie tatsächlich nicht gerade freundlich behandelt und er wollte mit ihr im Rudel noch auskommen, gerade jetzt, wo soviel Misstrauen das Klima und die Gemeinschaft vergiftete.
Banshees Ruf ließ den Hünen den Kopf heben.
"Nun ja. Die Zeit scheint zu drängen. Aber vielleicht schließt du dich mir an und wir reden noch darüber."
Abwartend sah er sie an.
Darian hörte sich jedes Wort genau an, dass Akai sprach und ließ es in seinem Kopf nachklingen. Ihre Stimme war ihm angenehm in den empfindlichen Ohren. Moithless... davon hatte er noch nie gehört. Und wenn die anderen Wölfe aus ihrem Geburtsrevier nicht diese rote Farbe hatten, woher kam es dann? Dieses leuchtende Rot, betörend, wild und doch anziehend, ja beinahe verführerisch. Jemand hatte ihm mal gesagt, die Seele eines Wolfes spiegelte sich in seinem Pelz, Darian jedoch fand nichts an dieser Weisheit. Er sah die Augen als den Spiegel der Seele an, denn sie konnten die tiefsten Geheimnisse offenbaren, wenn man nicht gelernt hatte, sie zu verbergen. Plötzlich horchte der Graue auf. Er hatte durch den prasselnden Regen hindurch Banshee mit gehobener Stimme sprechen hören. Sie sprach davon, dass sie Gruppen von mindestens drei Wölfen bilden sollten.
"Gehen wir erstmal zu den anderen zurück. Banshee will offensichtlich auf die Suche gehen, nach den Vermissten und der Gefahr, die uns heimsucht"
Er stand auf und machte einen Schritt, wandte sich jedoch nochmals an Akai.
"Es hat mich gefreut, mit dir, insofern ich mir das "du" erlauben kann, zu sprechen und ich hoffe, dass wir dieses Gespräch demnächst fortsetzen können"
Dann drehte er sich um und ging mit langsamen, zaghaften Schritten Richtung Alpha, sodass Akai genug Zeit hätte aufzustehen und ihm zu folgen.
Aufmerksam beobachtete Mitsu, die Fremde, die sich als Arkuna vorstellte und schüttelte innerlich den Kopf.
.oO(Wie kann man sich bloß so bei einer Alpha vorstellen? Na ja, aber irgendwoher kenn ich diese Art.. Aber woher bloß?)Oo.
Mitsu war so in Gedanken vertieft, dass sie erschreckt die Schnauze hob und sich umblickte. Da sah sie Athür, der Arkuna von hinten angegriffen hatte. Verwundert beobachtete sie die beiden, während die völlig in ihrem Gespräch vertieft schienen. Aufmerksam lauschte Mitsu dem sonderbaren Gespräch, bis Banshee aufstand und etwas sagte. Langsam erhob sie sich und schaute sich suchend um.
.oO(Wir sollen uns also in Gruppen aufteilen...aber wem soll ich mich anschließen?)Oo.
Mitsu sah sich kurz um, dann wandte sie sich an Banshee und sah ihr bittend in die Augen
"Könnte ich vielleicht in eurer Gruppe mitlaufen, sofern ihr Einverstanden seid?"
Akai hörte Banshee zu und sah dann langsam wieder zu Darian. Es hatte ihn gefreut? Und fortsetzen? Etwas unsicher zuckten ihre Ohren hin und her. Als er dann langsam weiterging wollte sie schon aufspringen und ihm hinterherlaufen. Doch sie besann sich. Wollte der Graue das überhaupt? Langsam, mit tropfendem Fell stemmte sie sich hoch und wäre beinahe in dem aufgeweichten Boden ausgerutscht. Mit in die klebrige, braune Erde gehüllten Pfoten trat sie ihm zaghaft nach. Zu den anderen Wölfen. Schon der Gedanke wieder in solch immenser Gesellschaft zu sein ließ die Rote einen Schritt langsamer werden. Doch damit sie ihn noch einholte musste sie schneller gehen. Eine Pfote vor die andere setzend schloss sie nun doch zu ihm auf. Der Wind zog an dem nassen Pelz, warf ihn hin und her. Immer wieder blitzte die lange Narbe. Eine tiefe Wunde hatte sie in die linke Flanke der Fähe reißen müssen. Doch wieder war dies etwas, worüber sie nicht sprach. Still ging sie nun neben ihn, überlegte, ob sie etwas sagen sollte. Vielleicht wegen dem 'du'? Den Blick auf den grauen Rüden wendet öffnete sie den schmalen Fang.
"Ihr könnt mich gerne mit 'du' anreden. Ich bin froh, wenn..."
sie brach ab. Ja, sie war froh, wenn überhaupt jemand mit ihr sprach, doch musste sie es Darian ja nicht direkt auf die Schnauze binden.
"Ich hoffe, es wird sich bald eine weitere Gelegenheit ergeben, damit wir uns weiter unterhalten können."
überging sie dies und schaute wieder nach vorne. Ein Gespräch? Ein richtiges Gespräch? Das hatte die Stille wohl lange nicht mehr geführt.
23.12.2009, 17:00
Ein zweites Lächeln, diesmal süßlich und verschmitzt, zierte die Lefzen des grau Braunen. Wie hätte es auch anders sein können, sofort war wieder der alte Streit zwischen den Beiden entfacht. Athür trat zur Seite und ließ Arkuna nun damit die Freiheit wieder aufzustehen.
"Du machst immer noch die schönste Kommentare, Liebstes."
sagte er lachend und schaute ihr in die Augen. Vielleicht schien dieses gemeinsame Auftreten der Beiden für die Anderen harmlos, doch hinter diesem charmanten und gar belustigten Verhalten steckte purer Ernst. Und ob gleich, Athür gut verstecken konnte, wie sehr er diese Fähe hasste, er würde auf die nächste Gelegenheit nicht verzichten und sie angreifen, und wenn er Glück hatte, sogar töten.
"Und falls du dir meinen Namen immer noch nicht merken konntest, er lautet: Athür."
lächelte dieser verständnisvoll. Er trat nun weiter von der Wölfin und besah sich der umstehenden Wölfe, die Aufforderung der Alphafähe war eine schwierige Angelegenheit. Mit wem sollte der Jüngling in eine Gruppe? Er spähte zu Acollon, dieser würde sicherlich mit der Weißen eine Gruppe bilden, und er wollte nicht dazwischen hängen. Sein Blick verharrte auf dem Weißen neben Acollon. Langsam schritt er auf die beiden Rüden zu. Seine Augenbrauen leicht, ärgerlich, zusammengezogen und mit einem süffisanten Lächeln trat er näher zu dem Weißen.
"Leider habe ich keine Gruppe, und du scheinst auch nicht so wirklich zu einer zugehören. Würden wir uns zusammenschließen, so hätten wir eine. Also, capito? Willst du?"
fragte Athür den Weißen. Er bemerkte den leichten Anfall dieses Rüden, zwar sah man es dem Jüngling nicht an, doch er konnte es nicht leiden, andere leiden zu sehen, außer es handelte sich um einen Wolf der Arkuna hieß und auch Arkuna war. Er selbst verhasste rohe Gewalt und gebrauchte sie jedoch oft.
Eris schaute skeptisch zu Falk auf.
.oO(Aber vielleicht hast du auch einen Funken Verständnis für einen Rüden, dessen Vertrauen in früherer Zeit oft missbraucht wurde.)
War das jetzt tatsächlich der Ernst des großen Rüden? Eris war sich da nicht so sicher, vielleicht versuchte er auch einfach sie mit anrührenden Sätzen einzuwickeln, bis sie wie antauender Schnee in seinen Pfoten war. Die schwarze Eris runzelte das Stirnfell. Aber was würde ihm das bringen? Interesse an ihr als Fähe hatte er nicht, er hatte ja Ayala, andererseits ... es war doch immer nützlich jemanden unter Kontrolle zu haben. Vielleicht aber, war er auch der Seelensammler. Eris wog das Ganze ab. Es wäre durchaus annehmbar, aber ... nein. Nein, das glaubte Eris nicht. Eigenartigerweise hatte sie keinerlei Bedenken bei diesem Rüden. Sie war momentan und gerade in dieser Situation, wo ein Seelensammler sein Unwesen zu treiben schien, sowieso viel zu wenig misstrauisch. Dennoch vertraute sie auf ihr Gefühl, wenn ihr wirklich eine Gefahr drohte, dann würde sie schon auf Zack sein. Also stemmte sich Eris auf und schüttelte den Pelz. Immer noch ein wenig zurückhaltend schaute sie Falk an.
"Hrmh. Ja. Ja, ich schließ´ mich an. Ayala kenne ich ja auch schon, dann ist die Gruppe gesichert. Wir können ja auch noch mit... ähm, wie heißt er? Dayon, genau, Dayon kann sich ja auch noch anschließen."
Eris setzte sich in Bewegung und schaute über die Schulter, um sicher zu gehen, dass der große Rüde mitkam.
Lange musterte der Schwarze den Jüngling. Manchmal erschien Athür als ein frecher unerzogener und wilder Wolf, er schien wirklich kein Blatt vor die Schnauze zu nehmen und trotzdem, vielleicht auch gerade deswegen, schien er frei von allen Sorgen. Dieser Wolf war garantiert keiner der den Kampf liebte, doch war es auch das Wahre, was hinter ihm steckte. Acollon runzelte die Stirn und trat ein wenig zurück.
„Schön, dass das so schnell funktioniert. Ihr braucht aber noch ein Wolf der mit euch zieht.“
sagte der Schwarze kurz und drehte sich zu Banshee, erhielt es für unnötig zu fragen, ob sie beide zusammen gehen wollte, er fragte trotz dessen:
„Banshee, erweist du mir die Ehre und wir gehen zusammen?“
Er hatte auf einmal ein seltsames Gefühl, was wäre, wenn der Seelensammler genau eine solche Situation abpassen wolle?
“Falls ihr angegriffen werdet, egal von wem, versucht es erst gar nicht alleine. Also, wenn es Schwierigkeiten gibt, heult auf.“
merkte er kurz, mit lauter Stimme an. Seine Müdigkeit war enorm und sein Hunger war nun auch bereits ins Unermessliche gestiegen. Noch ein letztes Mal sah er auf die Gruppe Lluvian, Athür. Schließlich sah er zu Arkuna. Der Jüngling konnte sie sichtlich nicht leiden, er wäre wohl der Verkehrteste sie in eine Gruppe zusammen zu stecken. Aber das schließlich nicht sein Problem.
Als Leé aufwachte, waren schon einige wach und standen beisammen oder vereinzelte auch alleine. Sie beobachtete viele der Neuen, die sie zuvor noch nie gesehen hatte. Früher hätte sie sich gleich zu ihnen aufgemacht und sie mit Fragen beworfen, doch Leé hatte gelernt, dass der richtige Zeitpunkt der Fragen wichtig ist. Nicht dann, wenn sie Lust dazu hatte. Leés Blick glitt zu Lluvian, der versuchte aufzustehen. Leé sah, dass der Weiße Schmerzen hatte. Sie hätte ihm am liebsten geholfen, oder zumindest ihre Hilfe angeboten, doch dagegen stand sie auf und trabte in einem Bogen weg, und setzte blieb in der Nähe von Lluvian stehen. Sie schaute in eine andere Richtung, doch im Augenwinkel beobachtete sie ihn.
Hidoi schlug die stechenden Augen wieder auf, als er wieder einmal hastige Stimmen hörte und wieder Aufregung in der Luft lag. Murrend erhob er sich wieder und setzte sich im Schlamm auf. Gruppen sollten sie nun auch noch bilden? So sei es halt. Sein Blick suchte Hanako, ob sie sich wohl schon mit anderen Wölfen zu einer Meute zusammen gefunden hatten? Er würde wohl einfach sitzen bleiben. Wenn jemand mit ihm zusammen auf die Suche nach dem imaginären Seelensammler gehen wollte, würde der jenige schon her kommen. Ansonsten würde er halt alleine gehen. Ein kühles Grinsen zog sich über seine Lefzen. Daraus wurde ein Gähnen und finsteren Blickes sah er sich um. Was wohl mit dem weißen Fremden war, der sich dort auf dem Boden krümmte? Normalerweise interessierte ihn sowas von nen Scheißdreck, doch es hatte sich bei ihm auch so schon viel geändert, seid er hier war. Er stand auf und sein Blick richtete sich wieder auf Hanako.
Falk holte Eris mit zwei langen Schritten ein und nickte. Ja, so gefiel ihm die Gruppe. Er konnte ein Auge auf Ayala und Dayon haben, konnte ihnen zur Seite stehen und vielleicht konnte Eris auch eine neue Freundin werden. Ihre direkte Art, die ihn so sehr an Varloc erinnerte gefiel dem hünenhaften Rüden und er dachte bei sich, dass er sich gerne mit Wölfen umgab, die sich nicht in sinnlosen, kunstvoll konstruierten Wortgerüsten verloren, sondern klar und direkt sagten, was Sache war.
"Ich hätte sowieso vorgeschlagen Dayon mit in die Gruppe zu nehmen. Er ist so verletztlich... Wenn Moon etwas passiert sein sollte oder wenn ihm sonst irgendwie Gefahr droht möchte ich ihm zur Seite stehen können. Seine Situation gerade ist unerträglich."
Dann fügte er mit einem Seitenblick auf die schwarze Fähe etwas leiser noch als schon vorher und in einem weichen Tonfall hinzu:
"Du musst mir nicht vertrauen. Noch kann auch ich mir nicht sicher sein, ob ich dir vertrauen kann. Aber vielleicht werden wir es am Ende dieser Suche wissen."
Ohne es zu merken war Falk ein Stück an Eris vorbeigegangen, so dass er jetzt immer noch seitlich von ihr, aber etwas nach vorne versetzt lief. Darum erreichte er Ayala und Dayon zuerst. Leise und mit beruhigender Stimme sagte er:
"Wenn wir jetzt auf die Suche gehen, so werden wir das zu viert tun und einander schützen. Ich hoffe, dass Engaya unseren Weg schützen wird."
Es klang wie ein Gebet. Und vielleicht war es das auch.
Der junge Rüde namens Athür schien nicht gerade gute Manieren zu haben, wenn es um den Umgang mit anderen Wölfen ging. Doch zumindest hatte er noch gefragt und so nickte Lluvian nur still und hustete noch ein wenig weiter. Langsam flauten die Schmerzen ab und der Anfall fand sein Ende, wenn er doch immer noch leicht in seiner Kehle kratzte. Der weiße Rüde schaute auf und sah, dass die junge Wölfin, dessen Namen er noch nicht kannte und noch soeben bei ihrer Mutter gelegen hatte, ihn beobachtete. Er legte leicht seine Stirn in Falten. Und ohne, dass er wirklich irgendwelche Worte gewählt hatte lief er auf die Wölfin zu.
“Hast du schon eine Gruppe, mit der du die Suche starten willst?“
fragte er und nickte in Richtung der anderen Wölfe, die nun abseits der beiden waren. Es schien nicht einmal so schwer, mit anderen Wölfen zu reden. Die Mahnung, dass sie heulen sollten, falls sie in Gefahr waren, nahm er zwar wahr, aber schien nicht darauf eingehen zu wollen. Der Regenwolf ließ ein leises Husten verlauten. Er schüttelte sein weißes Fell und richtete nun wieder seine Augen auf die junge Wölfin. Geduldig wartete er auf eine Antwort und zog leicht schmunzelnd, falls man es als ein Schmunzeln betrachten konnte, eine Lefze hoch.
Banshee nickte lächelnd zu Mitsu.
"Natürlich, komm nur mit mir und Acollon."
Dann wandte sie sich an die herum laufenden Wölfe, immerhin taten sie einmal, was man von ihnen wollte, auch wenn sich nicht alle darum bemühten, Hidoi saß alleine herum.
"Eilt euch, mindestens drei Wölfe in einer Gruppe und auch du, Hidoi solltest eine haben, vielleicht mit Hanako und jemandem, der Moon und möglicherweise Varloc kennt. Bitte, wir haben keine Zeit zu verlieren."
Sie warf einen glücklichen Blick zu Acollon und küsste ihn auf die Schnauze, doch schon fiel ihr Arkuna auf, die alleine saß, offensichtlich nicht wirklich zu Arthür wollend. Banshees Blick forderte sie auf sich dem allgemeinen Treiben ebenfalls anzuschließen, dann entdeckte sie die wohl erste gebildete Gruppe, Falk, Ayala, Dayon und Eris; immerhin etwas.
Dayon sah Falk hinter her, wie er zu Eris lief, wandte aber rasch den Blick ab, als Ayala die Augen öffnete und zu Banshee deutete. Er nickte leicht und lächelte schief, blieb aber liegen, die Leitwölfin schien viel zu tun zu haben, eine Neue war aufgetaucht und schien sich sofort mit einem anderen ins Fell zu bekommen. Desinteressiert lagen Dayons Augen auf ihnen, seine Gedanken hingen bei Moon. Erst als Banshee sie noch einmal, diesmal noch deutlicher mit der Unterstützung Acollons aufrief Gruppen zu bilden schreckte er hoch und lächelte dann zu Ayala.
"Wir werden ihn zusammen finden."
Doch seine Stimme klang nicht sehr zuversichtlich. Falk tauchte auf, im Schlepptau Eris, und gesellte sich zu ihnen. Seine Worte ließen ihn schlucken, aber er nickte.
"Lasst uns näher zu Banshee gehen, dann sieht sie, dass wir uns schon gefunden haben."
Erstaunt drehte sich Leé wieder zu Lluvian um und schaute nervös zu Boden. Ihre Nervosität war ihr zwar anzusehen, doch das störte Leé nicht besonders. Ihr Blick schweifte hastig zu den Gruppen hinüber. Sie wusste nicht, in welche Gruppe sie wollte, da kam ihr Lluvians Frage gerade recht.
"Nein habe ich noch nicht. Willst du mit mir in eine Gruppe gehen?"
Fragte Leé vorsichtig den Weißen. Sie lächelte ihn bittend an. Sie wollte auf keinen Fall alleine einer Gruppe beitreten. Ihr Blick galt wieder Lluvian, sie betrachtete sein schneeweißes Fell. Seine Augen gefielen Leé besonders an ihm.
"Lluvian dein Name, richtig?"
Hanakos Gedanken waren etwas abgewichen, als sie plötzlich mit bekam, dass sich Gruppen bilden sollten und ihr Blick fiel wild umher. Dann sah sie zu Hidoi, der auch ihr einen Blick schenkte.
"Sollen wir in eine Gruppe gehen, Hidoi? Und am Besten nehmen wir Leé noch mit in die Gruppe rein, sofern sie den Rüden dort überreden kann."
Hanako beobachtete, wie Leé Kontakt mit dem weißen Rüden aufnahm und es schenkte ihr selbst ein kleines Lächeln, ihre Tochter wurde langsam sehr erwachsen.
"Leé? Wollt ihr zwei mit uns in eine Gruppe? Dann sind wir zu viert."
Hanako wartete auf die Antwort, sah dann wieder zu ihrem Gefährten.
Darian lächelte über Akais Worte, erfreute sich daran, dass sie rasch aufgeschlossen hatte und mit ihm zusammen zurückging. Er trat zu der Gruppe um Banshee herum hinzu und blickte sie an. Einen Moment lang hielt er inne. Dreiergruppen...mindestens... Er kannte niemanden oder so gut wie niemanden. Er sah zwischen den anderen hin und her.
"Akai und ich, wir würden eine weitere Gruppe bilden, vielleicht wenn sich uns noch jemand Erfahrenes anschließt, jemand, der die Umgebung kennt..."
Er sagte es einfach so, fragte Akai nicht ob es ihr recht war. Es war nicht aus Unhöflichkeit, eher, weil er es nicht besser wusste.
"Genauso gut könnt ihr mich einer anderen Gruppe zuteilen, wenn es euch beliebt, Banshee, ich jedoch vermag mich keiner von selbst anzuschließen, da ich noch ein Fremder bin unter den einander vertrauten Wölfen dieses Rudels."
Er sah ihr in die Augen und malte sich aus, wie sie reagieren würde. Er wusste nicht, was er sonst hätte tun können, außer dieses Angebot an sie zu stellen, es erschien ihm als einziges das Richtige zu sein.
Der Regen war etwas abgeflaut, doch immer noch gerade so stark, dass er vereinzelte undichte Stellen im Kiefernlaub fand und zu Boden viel. Der Wind heulte leicht im kargen Geäst der großen Bäume. Der Boden war durchweicht und nass, das heruntergefallene Laub tränkte sich mit Wasser und schien auch aufzuweichen. Der schwarze Rüde beobachtete das Geschehen nun mittlerweile mit desinteressiertem Blick, es ging alles nur mählich voran. Acollons Augen verweilten auf Banshee, wie sie es immer taten, wenn er nachdachte. Sie hatte es nun schon lange mit ihm ausgehalten, hatte sogar ihm Gefühle einflössen können. Doch liebte sie eigentlich den Fenrissohn oder Acollon, der war gar kein Unterschied mehr zwischen den beiden Wesen, waren sie schon zu einer Einheit geworden? Er seufzte kurz und setzte sich wieder neben Banshee. Er würde nun mit Mitsu, der grauen Fähe und seiner Gefährtin sich auf die Suche machen. Was ihn nicht behagte, war die Vorstellung, dass einer dieser Wölfe in den anderen Gruppen, der Seelensammler, und das es wahrscheinlich Ewigkeiten dauern würde, bis Acollon den Ort des Geschehens erreicht hätte um sich ebenfalls dem Sammler zu stellen.
.oO(Das gefällt mir allmählich nicht mehr, dann ist wahrscheinlich alles schon am laufen und ich kann nur das Ende des Sammlers miterleben, dabei hatte ich mich doch so auf einen Kampf gefreut. Fenris hatte wohl nicht viel für mich übrig als er mich erschuf.)
Der Rüde verdrehte die Augen und legte den Kopf etwas in den Nacken, was ein lautes Knacken verursachte.
„Ich hoffe wir können bald aufbrechen.“
bemerkte er leise. Die Müdigkeit war mittlerweile so groß, dass er herzhaft gähnte.
Darian hatte einfach so beschlossen, Akai würde mit ihm gehen. Sie hatte nichts einzuwenden, doch wäre sie zugegeben lieber gefragt worden. Ihn etwas seltsam anschauend blieb sie jedoch still. Banshee sollte entscheiden. Ihr war es einerlei, da sie sowieso niemanden kannte und sich auch nicht sehr an jemanden gebunden fühlte. Die Rote linste zu Eris, die anscheinend schon eine Gruppe gefunden hatte mit einem hünenhaften Rüden und zwei anderen Wölfen, die sie nicht kannte. Akai betrachtete sie nur kurz, doch sofort fiel auf, dass einer von ihnen wohl neben der Spur stand. Worum ging es hier überhaupt, dass sie sich alle in Gruppen teilen sollten? Nervös so viele Wölfe zu sehen zuckten die spitzen Ohren hastig hin und her. Die goldgelb- bis bernsteinfarbenen, klaren Augen fanden keine Ruhe. Sie schloss die Augen, lauschte kurz dem nachlassenden Regen. Das beruhigte ihren Herzschlag wieder. Wieder gefasster sah die Fähe zu Darian. Ob Banshee sie beisammen ließe? Innerlich hoffte Akai es, doch nach außen hin schien es ihr ziemlich eins zu sein. Nur, dass sie den Grauen vielleicht einen Augenblick zu lang ansah, bevor sie die Antwort der Weißen erwartend diese auch ansah.
Leé wartete vergeblich auf eine Antwort. Als sie Hanakos Stimme hinter ihr vernahm, schnippten zuerst ihre Ohren nach hinten, dann drehte sie sich zu ihr um.
"Äh, ja, ich würde gerne."
begann Leé. Dann blickte sie wieder Lluvian an.
"Willst du mit uns nun in eine Gruppe kommen?"
fragte sie ihn unsicher. Ihre Stimme klang zögernd und vorsichtig. Leés Blick wanderte zu dem Hidois und ihre Blicke trafen sich kurz.
Eris schaute Falk mit einem fragenden Blick in den grauen Augen nach, zuckte dann aber mit den Schultern und folgte ihm schlendernd. Der Rüde schien ein offener und angenehm gelassener Genosse zu sein. Das gefiel Eris und als sie an Ayala dachte, musste sie leicht lächeln. Ja, sie war an jemand Gutes geraten. Und das freute sie.
Ohne es anfangs gewollt zu haben, hatte Eris Gefallen an dieser Fähe gefunden. Man konnte es jetzt zwar noch nicht sagen, aber bei Ayala hatte Eris das Gefühl, dass sie gute Freundinnen werden konnten und insgeheim hoffte sie dies. Auch, wenn sie es niemals zugegeben hätte. Etwas durcheinander durch all ihre merkwürdigen Gedanken, lief Eris Falk hinterher ohne sich nach dem Weg zu vergewissern. Als sie aufschaute, blieb sie abrupt stehen und stoppte gerade Haaresbreite vor dem hünenhaften Rüden. Dort standen auch schon die weiße Ayala und Dayon, mit dem Eris bisher nur flüchtig Bekanntschaft gemacht hatte. Sie lächelte die beiden etwas unsicher an und blickte kurz zu Banshee.
"Abmarschbereit."
sagte sie dann wieder zu der Gruppe und fühlte sich auf unerklärliche Weise unbehaglich dabei.
Hidoi hatte die Worte der Alphawölfin sehr wohl vernommen, sich jedoch nicht weiter geregt. Er hatte lediglich auf eine bestimmte Regung gewartet. Und nun konnte er mit bestimmtheit sagen, dass seine Vermutung sich als richtig erwiesen hatte. Hanako und Leé. Doch wer war dieser weiße Rüde dort? Er verengte kurz die stechend gelben Augen. Naja, konnte ihm eigentlich egal sein ob er mit kam oder nicht. Ruhig stand er auf und schritt auf seine weiße Gefährtin zu. Gefährtin... Ja daran musste er sich erst mal gewöhnen, sie so zu bezeichnen. Nun, er würde es schon schaffen. Er stupste sie kurz an.
"Nun gut und was sollen wir jetzt bitte machen? Wen suchen wir überhaupt, diesen Seelensammler?"
fragte er in einem noch immer eher gleichgültigem Ton. Doch er musste sich nun langsam fügen. So sah es aus, sonst konnte er gleich wieder gehen. Eigentlich nicht weiter tragisch, wenn es da nicht diese weiße Fähe gäbe, die nun neben ihm stand. Er seufzte innerlich und sah wieder Hanako an. Vielleicht hatten sie schon gesagt wen sie suchen sollten, irgendwelche Rudelmitglieder schienen verschwunden oder ähnliches zu sein. Warum mussten sie sich jetzt eigentlich darum kümmern? Mürrisch ließ er diesen sturen Gedanken nicht weiter auf sich einwirken und bließ stumm mit eher finsterer Miene sitzen.
Ayala war immer noch in Gedanken über die Beziehung zwischen Dayon und Moon, der arme, einsame Moon...
War nicht auch Dayon genauso einsam? Wie sollten sie ihm mehr Wärme geben, ihm helfen? Ihm zeigen, dass er nicht alleine war? Leise seufzte sie auf und blickte vorsichtig zu Dayon. Sein Blick war in die Ferne gerichtet, stumpf, getrübt - und doch hatte sich etwas verändert ... hoffentlich machte ihn sein Schmerz nicht noch introvertierter. Wir werden das zusammen schaffen - wieviel Kraft musste es ihn gekostet haben, das zu sagen. Ayala versuchte zu lächeln, mit fester werdender Stimme raunte sie ihm zu.
"Ja, Dayon, wir schaffen das! Zusammen mit Falk und ..."
In diesem Moment kamen Eris und Falk von Scharfenberg auch schon an. Etwas verwirrt sah Ayala die beiden fragend an, kannten sich die beiden etwa schon? Die Fähe freute sich, dass Eris auch Falk zu "gefallen" schien.
"Ja, Eris, wir sind auch soweit."
Noch einmal blickte sie besorgt zu Dayon.
"Lasst uns losgehen!"
Falk sah erst Eris, dann Ayala etwas länger an und das mit einem Ausdruck in den Augen, von dem der Hüne hoffte, dass er gleichzeitig zuversichtlich, beruhigend, ermunternd und vor Gefahren warnend war. Dann schaute er zu Dayon und sagte:
"Mein Freund, wir werden deinen Sohn finden. Und Varloc ja vielleicht auch. Du musst nur fest an ihn glauben und an dich, ich meine, er ist so erwachsen, er ist vernünftig, er kommt klar... Du darfst nie aufhören zu glauben. Schließlich ist es doch so, dass Träume einfach wahr werden, wenn man nur fest genug an sie glaubt, oder? Das ist doch so, oder?"
Er sah Dayon mit einem undefinierbaren Ausdruck im Gesicht an, ehe er hinzusetzte:
"Also ich glaube das. Und ich glaube auch, dass wir Varloc und Moon ganz bestimmt finden werden."
Für einen Moment zweifelte Falk an sich selbst, fragte sich, was er mit seinen Aufmunterungen eigentlich tatsächlich bewirkte. Ayala musste ja allmählich glauben, Varloc sei ihm wichtiger als sie oder sei ihm doch immerhin so wichtig, dass... Und Dayon, was dachte er? Dass er, Falk, gar nicht wirklich daran glaubte, Moon wiederzufinden und sich selbst versuchte Hoffnung einzureden? Aber so meinte es der Rüde nicht...
Noch einmal glitt sein prüfender Blick über die Gruppe. Beinahe wie selbstverständlich hatte der Gamma schon so etwas wie die Führung übernommen, das war nun einmal sein Naturell. Falk wandte sich an Banshee.
"Gut, wir sind dann komplett und würden dann auch aufbrechen, wenn du nichts dagegen hast. Ich hoffe, wir finden uns alle bald wieder und müssen uns dann nicht mehr misstrauen..."
Bei diesen Worten warf Falk auch einen Blick auf die Rudelmitglieder, die er noch nicht kannte, dort war Hanako mit Hidoi bei Leé gemeinsam mit Lluvian, dort war Arthür und die Fähe, mit der Banshee vor wenigen Augenblicken erst gesprochen hatte, dort war ein dunkler Rüde und eine Fähe mit eigentümlich rotem Fell - schönem Fell, bemerkte der Rüde und er dachte, dass sie Akai hieß - und bei Banshee und Acollon war Mitsu, die er auch noch nicht kannte.
"Passt auf euch auf. Möge Engaya uns schützen."
Falk dachte, dass er im Frühjahr noch an Engayas Existenz gezweifelt hatte. Inzwischen zweifelte er eher an ihrer Nichtexistenz. Ob sein plötzlicher Glaube an die Göttin nur mit den derzeitigen Geschehnissen im Rudel zusammenhingen, würde sich noch zeigen. In manchen Situationen brauchte man einen Gott einfach.
Hanako blickte ihre Tochter weiterhin mit einem leichten Lächeln an, sie schien erst noch etwas verwirrt und auch angespannt, da sie vergebens auf eine Antwort des weißen Rüden dort wartete, aber vielleicht war er schon immer etwas Scheu gewesen und brauchte seine Zeit, um sich an andere zu gewöhnen? Ein Lächeln tanzte auf ihren Lippen, sie machte sich im Hinterkopf zwar sehr viele Gedanken um ihre Mutter und um die Zukunft, aber sie wollte endlich wieder gute Laune ausstrahlen und versuchen, den Wölfen die an ihrer Seite standen zu zeigen, dass es bessere Wege gab. Dann spürte sie ein leichtes Stupsen neben sich und konnte Hidoi ausmachen, den sie kurz zurückstupste und dann wieder lächelte. Auf seine Frage legte sie kurz den Kopf schief.
"Ich weiß es gar nicht so genau, aber ich glaube, dass wir Mitglieder suchen, die von uns abgekommen sind....ich weiß es wirklich nicht, ich war ziemlich in Gedanken, als es umging. Wir werden es sicherlich bald erfahren."
Sie nickte entschlossen und rieb kurz ihren Kopf an Hidois Schulter, dann wartete sie ebenso auf die Antwort des Rüden vor Leé.
Gruppe 1: Banshee, Acollon, Mitsu
Gruppe 2: Falk, Ayala, Dayon, Eris
Gruppe 3: Arthür, Lluvian, Leé, Hanako, Hidoi
Gruppe 4: Darian, Akai, Arkuna
Banshee sah zwischen den Wölfen hin und her, einzelne Fragen wehrte sie mit einem knappen Nicken ab, sie würde alles erklären, würde damit hoffentlich auch alle Fragen beantworten und dann sollte es endlich losgehen. Mit wenigen Schritten brachte sie sich in die Mitte des Platzes und sah zwischen den Wölfen hin und her.
"Da wir uns nun endlich alle aufgeteilt haben, ist nun die Zeit des Aufbruchs gekommen, zuvor aber noch ein paar Dinge. Wir suchen die beiden Vermissten Moon und Varloc, Moon ist ein Welpe, Varloc eine Werwölfin, doch will ich ehrlich sein, ich glaube nicht, dass Varloc noch auffindbar ist, ganz anders steht es mit Moon. Er kann nicht weit sein, möglicherweise hat er sich verwirrt. Akai, Darian und Arkuna, geht bitte kurz zu Dayon, an seinem Fell wird die Witterung von Moon hängen, nehmt sie auf, anders werdet ihr keine Chance haben. Gut, damit wird alles soweit klar sein, wenn die Sonne aufgeht, sollten wir uns am Rudelplatz treffen, wird etwas anderes kommen heulen wir."
Sie sah einmal in die Runde, ob es noch Fragen gab, hoffte, dass alle soweit einverstanden waren und deutete in die vier Himmelsrichtungen, jede Gruppe würde eine nehmen.
Darian hörte Banshee an und war einverstanden damit, obgleich er Arkuna nicht kannte. Er warf Akai einen Blick zu, von dem er selbst nicht ganz wusste, was er bedeuten sollte, es war eine Mischung aus Ungewissheit was kommen möge und Zufriedenheit über die Aufteilung, gleichzeitig lag ein wenig Hilflosigkeit darin. Daraufhin sah der Graue sich um nach dem Rüden, der den Namen Dayon trug, aber wie sollte er diesen entdecken? Er kannte ihn nicht. Also lies er seine Augen von Wolf zu Wolf gleiten und wartete darauf, dass einer von ihnen reagierte. Es war wieder dieses unangenehme Gefühl, dass sich in ihm breit machte, dieses Gefühl der Fremdheit und des Alleinseins vor all diesen Wölfen, dessen Namen er nicht kannte, in dessen Augen er nicht zu lesen wagte, dessen Worte er nicht zu verstehen mochte obwohl es die selbe Sprache war, die sie sprachen. Darian würde alles ändern wollen, er würde sich schon bald darüber klar werden wie sehr er sich nach Heimat sehnte, danach diese Distanz und die Einsamkeit zu verlieren, noch jedoch verschloss er sich vor anderer Wölfe Blicke und gewährte ihnen keinen Einblick in seine Gedanken.
Aufmerksam beobachtete Mitsu, wie die übrigen Wölfe des Rudels sich in Gruppen zusammenfanden und strich sich unwillkürlich mit ihrer Pfote über die Schnauze.
.oO(Wie sollen wir sie bloß finden in diesem großen Revier? Und nicht nur das, es könnte uns auch noch der Seelensammler erwischen, obwohl...)
Missmutig schüttelte sie den Kopf und lief auf leisen Ballen zu Banshee und Acollon, um sich dort auf ihre Hinterläufe niederzulassen. Aufmerksam ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen über die Wölfe des Rudels gleiten und seufzte leise.
.oO(Ich kenne nicht einmal die Hälfte des Rudels... das ist schon irgendwie ein Problem... eigentlich kenne ich nur Darian, Akai, Falk und Arthür...)
Leicht verzog sie ihre Lefzen, bevor sie zu Banshee sah und darauf wartete endlich los zu ziehen...
Eris schaute erwartungsvoll in die Runde. Jetzt, wo es endlich losgehen sollte, war sie doch ganz gespannt auf eine nächtliche Streife durch´s Revier. Es waren ja auch alle auf den Beinen und so war es eigentlich ausgeschlossen, dass jemandem was passieren würde, auch ihr nicht. Innerlich hatte Eris einen langgezogenen und erleichterten Seufzer von sich gegeben, als Banshee verkündete, dass sie in Gruppen suchen sollten. Sie mochte die Nacht nicht sonderlich. Aber, nein, das war auch nicht richtig. Die Nacht war schon ganz schön, Sternenhimmel und so, romantisch, blabla, seichte Sommerbrisen, stimmte ja alles, aber teilweise gab es da diese undurchdringliche Dunkelheit, die einen zu verschlucken drohte, besonders im Wald. Eris schüttelte sich, als würde die Dunkelheit ihr schon den Rücken hochkriechen. Was für ein ungemütlicher Gedanke ... darüber wollte sie jetzt wirklich nicht nachdenken. Als sich auch nach einem stillen Weilchen niemand zu Banshees Ausruf äußerte oder sich mehr rührte, als um nur ein Kleintier zu verscheuchen, ergriff Eris die Initiative. Sie trat vor und drehte sich um, sodass ihr Blick nun auf Ayala, Falk und Dayon lag. Erst blickte sie etwas unsicher, doch als sie zu sprechen begann, funkelte das typische Eris-Feuer, in ihren Augen.
"Also gut, dann lasst uns mal los. Egal ob ein an Moralverlust leidender, Seelen sammelnder Wolf oder verlorene Rudelmitglieder ... Wäre doch gelacht, wenn wir die nicht fänden, was?"
Eris hielt kurz inne und überlegte.
"Wollen wir nach Osten?"
fragte sie, mit dem Hintergedanken, dass dort die helle und wärmende Sonne aufging.
Für einen Moment ließ sich Falk von der herzlichen und erfrischenden Art Eris' anstecken. Jemand wie diese schwarze Fähe hatte im Rudel tatsächlich noch gefehlt, jemand, der den Dingen nicht allzu großen Ernst zumaß, der die positiven Seiten herauskehrte. Dankbar lächelte der Hüne Eris zu und sagte:
"Ja, lass uns nach Osten gehen - der Sonne entgegen."
Dann stutzte er und hielt inne. Darian, Akai und Arkuna hatten noch nicht die Witterung von Dayons Pelz aufgenommen. Dies war unbedingt nötig, wie sollten sie Moon sonst erkennen? Es konnte ja auch sein - auch wenn das eine schwachsinnige Idee war - dass der Seelensammler sich nur im Revier befand und sich als Welpe tarnte. Wie leicht könnte er behaupten, Moon zu sein... Und Varloc? Niemand trug den Geruch Varlocs in seinem Fell... Wie sollte die Werwölfin mit den roten Augen identifiziert werden?
.oO(Ich muss Varloc unbedingt zuerst finden... Unbedingt...)Oo.
Dann wandte er sich wieder an Eris, Ayala und Dayon:
"Moment. Ehe wir gehen, sollte jeder, der Moon nicht kennt, dessen Geruch aus Dayons Pelz aufgenommen haben. Jeder könnte ankommen und Moon sein wollen."
Der Rüde stupste seinen Freund auffordernd an.
Riku's Pfoten schmerzten und wollten dem Gewicht ihres Körpers nicht mehr standhalten. Mit trüben Augen wanderte sie umher, ziellos, hoffnungslos, so wie für sie die Lage schien. Sie roch Wölfe, dachte gar nicht erst über denn Geruch nach, entweder sie würde sterben, was im Moment sowieso nicht viel ausmachen würde, oder sie würde Leben, und diesen unsinnigen Traum weiter verfolgen. Der Geruch der Wölfe wurde stärker, und Rikus Lefzen kräuselten sich leicht. Wie lange hatte sie keine mehr gesehen, 2 Monate, vielleicht war es nicht viel, doch zu lang für die Graue. Das letzte Rudel war auch nicht das wäre gewesen und langsam zweifelte die Fähe daran, überhaupt jemals glücklich zu werden.
Banshee betrachtete kurz das Rudel, dann lächelte sie zu Acollon und Mitsu und setzte sich in Bewegung, es galt keine Zeit zu verlieren. Mit sanftem Schritt begann sie in Richtung Norden zu laufen. Als das Rudel langsam im dichten Regen verschwand, wandte sie sich noch einmal um, warf Falk einen viel sagenden Blick zu und trabte dann in die Dunkelheit. Irgendwo da draußen musste Moon liegen und sie würde ihn finden, Varloc ... sie war verschwunden, fast sicher glaubte Banshee das, auch wenn sie es traurig fand, denn Varloc war eine bemerkenswerte Werwölfin ...Nun gut, sie war ihren Weg gegangen und dies stand ihr zu, sie war eine erwachsene Wölfin, ganz im Gegensatz zu Moon, den mussten sie finden und wenn dabei aus welchem Grund auch immer der Seelensammler auffällig werden würde, so hätte sie endlich alle Problem gelöst ... sie seufzte leise, blieb kurz stehen und hielt probehalber die Nase in den Wind, doch der Regen schien alles zu verschlucken, missmutiger geworden trabte sie weiter. Dann meinte sie plötzlich doch einen Geruch aufnehmen zu können. Zuerst erfreut, dann erschrocken, dass es schon wieder eine Fremde war. Ein kurzes Zögern, ein Nicken, dann lief sie etwas nach rechts und entdeckte den Schatten der Fähe bald darauf.
"Jìaye, Fremde."
Ihr Blick war aufmerksam auf die Fähe gerichtet, das würde nun schnell gehen müssen, die Suche war wichtiger.
Mitsu schaute überrascht auf. Fast hätte sie vergessen, den Geruch des Welpens aufzunehmen. Langsam erhob sie sich von ihren Hinterläufen und lief auf leisen Ballen auf den Rüden zu, der mit zwei anderen Fähen und Falk zusammenstand. Vorsichtig näherte sie sich und witterte kurz mit gesenkter Schnauze, während sie aus dem Augenwinkel heraus die zwei Fähe, mit ihren eisblauen Augen, kurz musterte. Nachdem sie die Witterung von Moon aufgenommen hatte, hob Mitsu leicht die Schnauze, jedoch nicht so weit das man es als eine Herausforderung oder Respektlosigkeit ansah, und ließ ihren Blick vorsichtig aber fest über die beiden Fähen und den Rüden gleiten.
"Seid gegrüßt, mein Name ist Mitsu... Nun, ich bin noch nicht sehr lange hier, doch da die Suche bald beginnt und hier fast niemand meinen Namen kennt, fand ich es wichtig mich wenigstens hier eben vorzustellen..."
Langsam wandte Mitsu sich um und folgte mit der schleichenden Gangart, die ihr eigen war, Banshee in die nass, kalte Dunkelheit. Wegen dem dichten Regen, schlich sie, die Schnauze dicht am Boden, durch den Wald, bis sie etwas witterte. Aufmerksam spitzte sie ihre Ohren, doch es war nicht der Geruch des Welpen, sonder der einer Fremden. Neugierig folgte sie der Spur, bis sie Banshee bemerkte. Auf leisen Pfoten, wie ein Schatten lief sie auf Banshee zu und stellte sich neben sie. Mit aufmerksam gespitzten Ohren, ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen neugierig über die Fremde gleiten.
Inuki wanderte nun schon eine Ewigkeit in dem Regen und in der Finsternis daher und war schon furchtbar müde. Sie kam an einen Wald wo sie sich unter einem Baum niederließ und sich zusammen rollte. Die junge Fähe fröstelte und zitterte am ganzen Körper. Nach einer weile jedoch schlief sie ein Träumte aber nur wirres zeug.
Eris spürte, wie sie aufflammte unter ihrem Pelz. Damit konnte ja wohl nur sie gemeint sein. Ein Glück, dass ihr Fell tiefschwarz war, sonst hätte sie sich Sorgen machen müssen, dass sie leuchtete wie ein Glühwürmchen. Trotzdem schaute sie kurz unauffällig an sich herunter. Schwarz. Wie nahm man nun also die Witterung eines Rüden auf?
Ey du, sorry, dass ich dir jetzt so nah trete, aber ich muss mal schnüffeln ...?
So ganz bestimmt nicht. Am besten einfach drauf losgehen. So trat Eris also auf Dayon zu, allerdings mit gesenktem Kopf, nuschelte ein "Entschuldigung" und sog kurz den Geruch des Rüden und damit wohl auch des vermissten Welpens auf. Sie setzte wieder ein paar Schritte zurück und blickte nun Falk und Ayala auffordernd an. Jetzt konnten sie ja hoffentlich los.
Hanako hatte auf Worte und Gesten ihrer Geliebten gewartet, doch sie spürte dieses erdrückende Schweigen und suchte Sätze, die diese Ruhe endlich unterbrechen würden. Doch es fand sich nichts und sie seufzte leise. Dann würde sie noch ein wenig hin und her wandern, ehe sie vielleicht doch einmal die Stimmen vernahm, die sie so sehr vermisste. Doch zur selben Zeit zuckte ganz schnell ein seltsames, aber doch liebes Gefühl durch ihre Venen und sie blickte erschrocken auf. Ihre Mutter...es kam Hanako bald so vor, als wenn sie mit ihr reden würde, obwohl sie weit weit weg war. Und sie sagte ihr, sie würde zurückkommen. Stimmte dies? Oder bildete Hanako sich aus Langeweile nun so etwas Seltsames ein? Kopfschüttelnd wanderte sie etwas umher, plötzlich erkannte sie von Weitem unter einem Baum etwas Kleines liegen. Es wirkte wie ein Fellbällchen, welches sich zusammen gerollt hatte und Hanako überlegte, ob es vielleicht nur eines der Welpen, welches sich zur Ruhe gelegt hatte. Oder war die Kleine dort fremd? Sie zitterte und Hanako trat nur unsicher und vorsichtig näher. Bei diesem Wetter eingeschlafen, am Frösteln und am Zittern und wohl auch noch ganz allein. Wie hatte sie sich nur durch diese riesige Welt hier durchgeschlagen? Wie hatte sie das alles so Heil überlebt? Oder waren andere Schäden hinterblieben, die es Hanako erschweren würden, mit der Kleinen Kontakt aufzunehmen? Ganz langsam senkte sie ihre Schnauze und stupste das kleine Fellknäuel an.
"Hey, wach auf...ich bin Hanako, ich tu dir nichts, Süße..."
Hanako lächelte, sie wollte der Kleinen keine Angst einjagen, sondern ihr Helfen.
Die Rote sah zu Darian, der sich anscheinend nicht in Bewegung setzte um die Witterung an dem Fell des Vaters des Welpens, den sie wohl suchten, aufzunehmen. Die hellen Augen blitzten unsicher auf, als Akai ihres geschmeidigen Ganges zu dem Rüden ging, den Banshee wohl gemeint haben musste. Ein Hüne daneben war dies auch aufgefallen. Akai schaute kurz zu diesem hoch. freundlich aber bestimmt ging sie näher zu dem kleineren der beiden Rüden flüsterte kurz ein "Ich nehm nur..." und verschluckte den Rest der Worte. Sie sog den Geruch ein, der sich sofort in ihre Erinnerung prägte, dann nickte sie freundlich, es sollte wohl aufmunternd wirken, und kehrte den Rücken zu den Vieren, suchte die Umgebung nach der Fremden ab, die wohl noch mit ihr und dem grauem Darian gehen sollte. Als ihr Blick an einer Wüstenwölfin hängen blieb, wusste sie, dass diese unweigerlich sein musste. Aus ihren Augen sprühte ein wenig Verachtung, doch Akai wandte den Blick schnell zu Darian. Wohin sollten sie gehen? Er würde das Revier wohl besser kennen als die Fähe, die sich nun wieder zu ihm gesellte.
Inuki wachte langsam auf und sah vor sich einen großen Wolf stehen sie erschrak und zitterte immer noch von der Kälte und von dem Schreck. Als der fremde Wolf seinen Namen sagte schwand Inukis Angst schnell etwas nach unten.
“Ich heiße Inuki und bin vom Silverlake her gekommen.“
Inukis Blickte den Wolf der sich mit Hanako vorstellte etwas schief an und fragte
“Wo bin ich hier eigentlich in welchem Tal?“
Inuki zitterte den der Regen wollte einfach nicht aufhören. Die Dunkelheit umgab sie und Hanako.
Ayala nickte Eris zu, sie konnten nun los. Sie war zu angespannt, um ein Lächeln zustande zu bringen. Mit flauem Gefühl im Magen ging sie auf Dayon zu, der abwesend in die Ferne blickte. Sie fragte sich, ob er Eris überhaupt wahrgenommen hatte. Vorsichtig stupste sie ihn mit ihrer nassen Schauze an und wartete auf eine Reaktion seinerseits.
"Dayon, lass uns gehen..."
Hilflos blickte die Weiße zu Falk.
Hanako war glücklich, als die Welpe ihr antwortete, es schien ihr einigermaßen gut zu gehen und sie reagierte. Noch einmal stupste Hanako vorsichtig die Kleine an und lauschte ihr.
"Silverlake? Na wo liegt der denn? Würdest du es mir verraten, Inuki? Wo du bist? In einem wunderschönen Tal, dass uns Wölfen der Sternenwinde gehört. Willkommen im Tal der Sternenwinde. Soll ich dich vielleicht mal unserer Alpha vorstellen oder willst du erstmal bei mir bleiben?"
Hanakos Stimme war voller Glück und Liebe, die Kleine sollte sich immerhin wohl fühlen und keine Angst mehr vor ihr haben.
"Hab keine Angst, ich tu dir nicht, ich werde mich auch um dich kümmern, wenn du das willst."
Lächelte sie.
Riku erschrak als eine Fähe sie ansprach, lockerte die Haltung dann wieder und sah sie gleichgültig an, die junge Fähe hatte keinen Schimmer Hoffnung mehr und sah die Fremde einfach nur gefühllos an, dann sammelte sie ihre Stimme welche ohne jeden Ausdruck aus ihrer Kehle drang:
"Aleya Fremde!"
Dann ließ sie den Blick von der Fremden ab in die Ferne schweifen, wo sie ihn erstmal hielt.
Inuki war froh das der ihr noch fremde Wolf so nett war sie freute sich richtig das sie so nett begrüßt wurde. Als Hanako sie fragte ob sie bei ihr oder dem Alpha vorgestellt werden wollte sagte Inuki
“Ich würde lieber noch etwas bei dir bleiben und später erst die Alpha kennen lernen. Das Silverlake-Tal? Ich weiß nicht, wo das liegt jedenfalls bin ich 5 Tage gewandert.“
Inuki war noch sehr müde und sie zitterte am ganzen Körper. Es war eiskalt für Inuki, da sie noch nicht so das dicke Winterfell hatte. Die junge Fähe baute sehr schnell ihr Vertrauen zu Hanako auf, da sie in ihren Augen ein total netter Wolf war. Inuki blieb aber liegen da sie noch zu schwach und zu müde war um noch weiter zu laufen.
Hanako nickte, gerne würde sie sich um die Kleine kümmern. Das helle Fell erinnerte sie an ihre verstorbene Tochter, aber Hanako zeigte nichts, vielleicht war es auch so einfacher für sie, das ganze zu verarbeiten. Inuki wollte also noch bei ihr bleiben? Nun, gerne würde sie diese Aufgabe an sich nehmen, sie liebte Welpen nun mal.
"In Ordnung, dann stell ich dich später vor. Du weißt nicht, wo deine Heimat liegt? Schade, aber sie scheint weit entfernt zu sein, wenn du eine so lange Reise vor dir hattest ..."
Hanako sah deutlich, das die Kleine am zittern war und sehr schwach wirkte. Deshalb legte sie sich kurzerhand zu ihr und rollte sich so um die Welpin herum, dass es ihr hoffentlich warm werden würde. Was würden Hidoi und Leé zu der Kleinen sagen? Würde sie sich nun ewig um Inuki kümmern oder wollte sie eine andere Fähe als Mutter? Nun, Hanako wusste, das nun kein Zeitpunkt dafür war, darüber nachzudenken, es gab Wichtigeres.
Grimmig blickte sich Hidoi um. Also was nun, sollten sie nicht endlich losgehen? Seine stechend gelben Augen verengten sich, als er sich so umsah. Sein Blick fiel auf den braunen Jungwolf, beachtete ihn aber nicht weiter, Banshee hatte bereits mitgeteilt, dass er nun zu der Gruppe gehörte, in der auch er selbst war. Dann glitten sein Augen über Leé und den weißen Wolf, der sich die ganze Zeit über etwas merkwürdig benahm, auch sie beide gehörten zur Gruppe. Kalten Blickes erhob sich der große, muskulöse Wolf und schritt zu seiner Gefährtin Hanako herüber, die bei einem Welpen saß. Sein Fell sträubte sich.
.oO°(Na gut... Für Hanako..)
Doch gleich nach diesen Gedanken legte es sich wieder glatt hin. Nicht, dass er diesen Winzling nun mit offenen Armen empfangen würde, das einzige, war dass er ihn nun nicht anknurren würde, sonst rein gar nichts. Er beachtete ihn nach einem prüfenden Blick nicht weiter und wandte sich an Hanako.
"Kennst du diese Varloc und diesen Moon, oder wie auch immer? Dann lass uns endlich aufbrechen."
ertönte seine dunkle und raue Stimme, doch trotzdem war sie leise und ein Funken wärme, der jedoch nur für Hanako zu spüren sein musste, da sie ihn am besten kannte, darin. Für die anderen blieb auch dieser Satz vollkommen kalt und gleichgültig gestellt. Doch das war ihm schon mal sowieso egal
Leé wandte sich von Lluvian ab, der ihr immer noch nicht antwortete. Sie drehte sich um und trabte neben Hidoi, mit Abstand um ihren Respekt vor dem grauen Rüden zu bestätigen, und starrte auf das weiße Fellbündel vor Hanako. Sie beobachtete, wie Hanako sich um die Kleine rollte und Leé musterte die Kleine misstrauisch. Doch sie ließ Hanako die Freude an der Kleinen und versuchte nicht eifersüchtig zu werden, schließlich lief es bei ihr und Hanako etwa gleich. Sie spürte, dass Hanako Welpen liebte und für sie da sein wollte. Leés Blick glitt auf Hidoi neben ihr. Er schien es ebenfalls zu akzeptieren. Das beruhigte Leé ungemein. Die junge Fähe schaute ihrer Mutter in ihr liebevolles Gesicht.
"Ich denke, wir sollten wirklich mal aufbrechen, wie Hidoi bereits sagte."
sagte sie entschlossen. Sie trat einen Schritt zurück und drehte sich zu Lluvian um.
"Kommst du nun mit Lluvian?"
fragte sie mit ruhiger Stimme, obwohl sie es satt hatte, zu warten, dass er sich entschließen würde mit zu kommen.
Riku stand einfach nur da das die Fremde nichts sagte beunruhigte sie nicht, sie konnte warten. Mit Ausdruckslosem Blick sah sie zu der Fremden, die anscheinend das Alphatier war. Ihre Ohren zuckten kurz leicht, dann zuckte ihre Nase minimal und sie meinte mit gefühlvoller Stimme:
"Mein Name ist Rikunare. Aber alle nennen mich Riku."
Sie sah in die Ferne, Rikunare ... Ja diesen Name, diesen Name hatte ihr ihre Mutter gegeben, und die Fähe hatte ihn niemals abgelegt, auch wenn ihre Mutter sie mittlerweile wohl wie alle Anderen auch hasste.
Hanako hatte die Kleine noch eine Weile schweigend betrachtet, als erst Hidoi und dann Leé zu ihr kamen und ein Lächeln zierte ihre Lefzen. Auch wedelte ihre Rute ein wenig und sie berührte ihre Tochter liebevoll an der Schnauze, sowie sie auch Hidoi sachte berührte und den Vorschlag der Beiden mit einem festen Nicken wahrnahm.
"Ihr habt Recht, wir sollten wirklich langsam los, sonst vergeht viel zu viel Zeit."
Hanako erhob sich langsam und sah auf Inuki hinunter. Am Besten, sie würde die Kleine vorerst tragen, für die Welpen war das Laufen bei dieser Suche sicherlich zu anstrengend.
"Moon und Varloc? Nein, ich kenne sie beide nicht, der Name von Varloc ist nun schon sehr Oft gefallen, doch ich kann wirklich nichts damit anfangen. Sie scheinen schon eine lange Zeit verschollen zu sein."
Antwortete Hanako auf Hidois Frage, dann lächelte sie ihren Gefährten liebevoll an, packte Inuki am Nackenfell und wies mit ihren Kopf an, dass sie nun voran gehen sollten.
Banshee lauschte angespannt auf die Worte der Fähe vor ihr, eine seltsame Begrüßung "Aleya" doch sie hatte einen schönen Klang. Die Fremde musste von weit her kommen. Rikunare hieß sie, Riku ...
"Willkommen Riku, ich bin Banshee, Leitwölfin des hier ansässigen Sternenwind Rudels. Was führt dich hier her?"
Sie sah sich um, nur Mitsu war ihr gefolgt, Acollon blieb verschwunden. Allerdings könnte sie ihn im Regen auch aus den Augen verloren haben ... wie auch immer, erstmal musste man sich um die Fähe kümmern, wenn sie hier bleiben wollen würde, müsste man sie in die Gruppe integrieren und ihr alles erklären ...
Dayon ließ unruhig alle Wölfe kommen, damit sie Moons Witterung aufnahmen, es war nicht schön, so viele Schnauzen näher zu bekommen, als er es gewohnt war, doch ließ er es schweigend über sich ergehen, Banshee hatte gesagt, dass er das tun sollte. Dann sollten sie endlich aufbrechen, Dayon ließ leicht den Kopf hängen und begann los zu traben
"Ja, lasst uns nach Osten gehen ... dort ist er verschwunden."
Er warf Ayala einen undefinierbaren Blick zu und begann dann langsam los zu tappen, drehte sich immer wieder um, ob ihm die anderen auch folgten.
Eris hibbelte unruhig von einer Pfote auf die andere und ließ den Blick zwischen Ayala und Falk schweifen. Ihre Augen funkelten.
"Super. Dann können wir ja jetzt endlich aufbrechen. Wolf, ich dachte schon, meine Pfoten wären eingeschlafen. Deshalb auch dieses Rumge- ... naja, egal. Wollen wir gehen?"
Eris war losgetrabt, ohne den beiden auch nur die Möglichkeit zur Antwort gegeben zu haben. Schon wenige Atemzüge später war sie bei Dayon angekommen und ging nun neben ihm.
.oO(Damdamdam. Siehst du, Eris, so dunkel wie erwartet ist es ja gar nicht. Kein Grund zur Panik.)
Die Schwarze schielte zu Dayon hinüber. Er ging mit gesenkter Schnauze. Sicher tat er dies, um die Witterung seines Sohnes aufzunehmen, wenn er denn in der Nähe war. Aber ... irgendwie sah er deprimiert aus. Nun gut, es ist keine schöne Sache, den Sohn zu verlieren, aber es wirkte, als hätte er schon vor Beginn der Suche die Hoffnung aufgegeben, ihn zu finden. Keine guten Voraussetzungen. Eris legte den Kopf etwas schief. Dieser Dayon war schon ein komischer Geselle. Warum hatte er denn nicht sofort Alarm gegeben, als er bemerkt hatte, dass sein Sohn nicht mehr bei ihm war? Oder wie alt war der Sohn? Vielleicht schon dem Welpenalter entwachsen und nicht ständig beim Vater ... Eris drehte sich um und ging mit schnellen und federnden Schritten zurück zu Ayala und Falk.
"Er ist keine fröhliche Natur, was? Wirkt ein bisschen so, als sei er nicht ganz da."
wisperte Eris fragend und warf einen Blick nach vorne. Sie stupste Ayala leicht an, damit sie endlich losgingen.
Hidoi nickte kühl und drehte sich um. Seine Ohren zuckten leicht, dann erhob er trotzdem noch einmal das Wort zu Leé und Hanako.
"Da fällt mir ein, wenn keiner von uns diese Varloc und diesen Moon kennt... Wie sollen wir sie denn dann bitte finden?"
knurrte er uns sah kurz zu dem braunen Rüden, an dem ein paar angefangen hatten zu schnuppern wie blöde. Nein so was lag garantiert nicht auf seinem Niveau. Er ging zwar auf ihn zu, aber zog nur im vorbei gehen den Geruch eines Welpen an ihm ein. Das musste reichen. Außerdem wenn dieser Welpe sein Sohn war, musste er ja auch noch den Geruch des Rüden Dayon hier an sich tragen. Sein stechend gelber Blick wanderte herum, blieb wieder bei Hanako hängen. Er nickte ihr zu um ihr zu verdeutlichen dass sie kommen sollte.
Falks Blick war kurz über den noch im Dunklen liegenden Wald geglitten und hatte sich in ihm verloren. Bilder waren vor seinem inneren Auge vorbeigezogen und hatten sich wieder verflüchtigt, ehe der hünenhafte Rüde sie genauer zu fassen vermocht hatte. Er drehte sich um und betrachtete kurz die Gruppe um ihn, Eris, Dayon und nicht zuletzt Ayala, seine geliebte Gefährtin, außerdem das Rudel an sich.
.oO(Ach, Varloc...)Oo.
Er nickte kurz, sein Blick wurde wieder klar und ein Lächeln huschte über das merkwürdig entspannte Gesicht.
"Okay, also gehen wir."
Dann wandte er sich wieder um, sah hinein in die Finsternis - oder war es gar nicht finster und Falk sah nur überall Schatten? Der Rüde konnte sich eines unangenehmen Schauers nicht erwehren und wurde alsbald hineingesogen in einen Strom aus dunklen Gedanken, der nun konkreter war als die Flut diffuser Bild zuvor. Ohne eine bestimmte Richtung einzuschlagen lief der Hüne einfach in den Wald hinein, achtete auch nicht darauf, ob ihm jemand folgte.
Ayala atmete tief durch, ihre Pfoten setzten sich in Bewegung. Sie mussten Moon finden, sie mussten einfach! Traurig wanderte ihr Blick zu Dayon. Würde er noch zurückgezogener werden, wenn sie den Kleinen nicht fanden? Wie verzweifelt musste er sein. Als Eris zu Falk und ihr trat, unterstrich jene noch einmal Ayalas Gedanken. Wortlos nickte die Fähe zur Antwort Sie wollte mit Eris lieber kein Gespräch beginnen, schon gar nicht über Dayon, der nur wenige Schritte von ihnen entfernt war. Wie von selbst schaute sie zu Falk und rang sich ein Lächeln ab. Wie froh sie doch war, dass er hier, bei ihr war. Seine Nähe beruhigte sie, machte ihr Hoffnung. Sie wusste, dass er Varloc finden wollte, machte er sich Vorwürfe?
"Falk...wo hast du Varloc denn zuletzt gesehen?"
Ayala fühlte sich dafür verantwortlich, sowohl Moon, den sie in ihr Herz geschlossen hatte, als auch Varloc, für deren Verschwinden sie vielleicht der Grund war, zu finden - sie würde nicht aufgeben ...
Daraufhin dass Akai denn zu vermeintlichem Rüden gegangen war, folgte ihr auch Darian. Er hatte lediglich nicht gewusst um welchen Rüden es sich gehandelt hatte. Wie Akai nahm auch er den Geruch auf, den es zu suchen galt und es war als wurde eine Aufgabe so fest in sein Gedächtnis eingebrannt, dass es schmerzte. Ein entsetzter Blick lag auf dem Vater des gesuchten Welpen, da dem Grauen erst jetzt urplötzlich bewusst wurde, was es heißen musste, dass ein Welpe irgendwo alleine im Wald saß, während sich eine Gefahr materialisierte, der keiner von ihnen auch nur das geringste entgegen zu setzten hatte. Etwas bekommen war ihm zumute, als er nachdenklich, unachtsamen Schrittes zu der roten zurückging und sah dann zu der Fremden, mit der sie gemeinsam suchen würden. Er wusste nicht genau, ob er derjenige war, der beschließen sollte loszugehen. Akais erwartungsvoller Blick auf ihm ließ seine Ohren demütig zurückfallen. Er kannte das Revier nicht, ebenso wenig wie Akai dies tat und die Fremde. Er konnte Banshees Aufteilung in Anbetracht dieser Tatsache nicht nachvollziehen, doch vielleicht wusste sie mehr als er. Verunsichert durch sein eigenes Unwissen blieb er einfach stehen, sah erst Dayon und Ayala nach und ihm kam der Gedanke, dass es wohl gut war in eine andere Richtung zu gehen. So drehte er sich einfach herum und sah zu seinen Begleiterinnen.
"Nun, so beschreiten unsere zwölf Pfoten von nun an die selben Pfade, die Magie des Waldes möge sie bestimmen und die Sterne mögen uns leiten auf unserer Suche, obgleich die Wolken sie vor uns verbergen"
Während Mitsu geduldig darauf wartete, dass die Suche weiter ging, ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen aufmerksam über die fremde Wölfin gleiten.
.oO(Es scheint ihr nicht gut zu gehen... was Riku wohl erlebt hat, bevor sie hierher kam? Sicher nichts gutes, so teilnahmslos wie sie wirkt...)Oo.
Innerlich seufzte sie und strich sich mit ihrer rechten Pfote über die weiße Schnauze. Ein leises Gähnen entfuhr ihr, während sie den Blick ihrer eisblauen Augen gelangweilt umher schweifen ließ, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder der fremden Fähe zuwandte. Sich selbst etwas aufweckend erhob sie sich von ihren schlanken Hinterläufen schüttelte leicht ihren nassen, grau, weißen Pelz, so dass Wassertropfen in alle Richtungen davon stoben, ehe sie sich wieder auf ihre Hinterläufe niederließ. Langsam wurde sie ungeduldig, doch sie ließ es sich äußerlich nicht anmerken, Nur in ihren Augen, die ungeduldig blitzten, konnte man es erkennen. Innerlich murrte sie, doch sie fügte sich dem Schicksal, das sie zum warten verurteilt hatte. Neugierig beobachtete Mitsu die Fremde.
"Aleya Riku... mein Name ist Mitsu, es freut mich dich kennenzulernen..."
Riku sah die Fähe mit ausdruckslosen Augen an, neigte den Kopf leicht zur Seite und überlegte, was sie wollte? Sterben... Traurig sah sie wieder auf und zeigte eine Geste der Unentschlossenheit, dann jedoch meinte sie mit gefühlsloser Stimme:
"Mich eurem Rudel anschließen!"
Man merkte, dass sie sich ihren Worten nicht ganz sicher war, doch was sollte sie sonst tun? Mit trübem Blick wanderten die Augen der Fähe umher, ohne Bestimmtes Ziel. Sie tat es nur um des Tuens Willen. Weil sie nicht einfach da stehen konnte, sie spürte den Schmerz nur noch leicht, er war immer da und verriet ihr das sie lebte, womit sie nicht gerade glücklich war. Als sie ihren Namen hörte zuckten ihre Ohren kurz, dann meinte sie, ohne aufzusehen.
"Hallo, die Freude ist ganz meinerseits."
Ihre Mudwinkel zuckten leicht. Mehr machte sie nicht, woran man merkte, dass ihr alles so ziemlich egal war.
Inuki nickte Hanako zu die ihren Satz nun beendet hatte. Die kleine Fähe spürte wie sie den Boden unter den Füßen verlor und von Hanako hochgehoben wurde. Inuki hatte vor dem Rüden mit diesen gelben Augen etwas Angst. Sie wusste zwar nicht warum aber es war so. Die Kleine zitterte immer noch vor Kälte. Inuki dachte etwas nach.
.oO(Hmm ich frage mich ob sie mich wirklich hier haben wollen. Dieser große Rüde macht mir Angst, er sieht so unheimlich aus.)
Die Kleine bewegte sich manchmal etwas um nicht alles was sie noch an Körperwärme hatte verschwand und sie dann ganz unterkühlt war zu verlieren.
Hanako trug die kleine Welpe weiterhin sanft in ihrer Schnauze und sie blieb dicht bei ihren Gefährten, in letzter Zeit war alles einfach viel zu unsicher und komisch gewesen, sie brauchte nun die Sicherheit, dass nichts passieren würde und jemand bei ihr war, der ihr helfen würde. Nachdenklich schweiften ihre Blicke umher, als Hidoi dann zu ihr sah und eine wirklich sehr schlaue und antwortlose Frage stellte. Ja, wie sollten sie die beiden Wölfe denn nur finden? Sie kannten sie nicht und mit Sicherheit waren sie schon so lange weg, dass die Gerüche nicht mehr aufzufinden waren. Sie beobachtete mit stummen Gemüt Hidoi, als dieser sie dann mit einem Blick aufforderte zu kommen, nickte sie und setzte sich langsam in Bewegung um zu ihren Gefährten zu gelangen. Dort angekommen sah sie ihn an und nuschelte durch das Fell der Welpe:
"Und? Hast du einen Geruch aufnehmen können?"
Banshee betrachtete Riku eine Zeit lang schweigend, der Fähe schien es wirklich nicht gut zu gehen, sie sah unglaublich traurig und erschöpft aus, als wäre ihr etwas sehr schlimmes zu gestoßen. Mitleid überkam die Leitwölfin, für kurze Zeit hatte sie die Suche vergessen.
"Du kannst dich uns gerne anschließen, jedoch sind wir gerade auf einer Suche nach zwei Vermissten. Geht es dir dafür gut genug? Du siehst sehr mitgenommen aus ..."
Sie kam einen Schritt näher und betrachtete die Fähe etwas genauer, sie sah wirklich schlecht aus, schien nicht zu wissen, was sie tun sollte, so seltsam hatte sich bis jetzt nur Dayon benommen und der hatte seine Gefährtin und sein Rudel verloren, war es Riku etwas genauso ergangen?
23.12.2009, 17:01
Riku lauschte der Stille die auf ihre Worte entstand. Der Stille, die sie wohl schon besser als jeder Andere kannte. Ihr Blick glitt immer noch über die Umgebung, war das hier das Revier? Bei den Worten der Fähe schnippten ihre Ohren nach hinten und sie lauschte, auch wenn man es ihr nicht ansah. Auf einer Suche? Ja sie war auch auf einer Suche, auf der Suche nach dem Leben das sie sich so oft gewünscht hatte als sie noch klein und naiv war. Ob sie genug kraft hatte? Gewiss, doch Lebenswille fehlte. Und doch sah sie mit schwermütigem Blick auf:
"Ja, ich werde mitkommen."
Wieder war die Stimme so ausdruckslos wie ein leeres Blatt Papier, dem man nichts ablesen konnte. Wieder ließ sie den Blick schweifen. Was würde nun passieren? Ihr war es egal, solche Fragen stellte sich die Fähe nicht, viel zu egal war ihr Leben dafür. Sie lebte es nur, weil sie nicht starb. Also was stellte man sich Fragen die eh unbeantwortet blieben. Riku schüttelte den Kopf leicht von einer Seite auf die Anderen, da hatten sich ihre Gedanken wieder einmal verlaufen.
Hidoi sah mit stechenden Augen zu Hanako herüber, die ihm nachkam. Sein Blick blieb auf dem Bündel in ihrem Maul hängen. Wollte sie diesen Welpen nun wirklich mit schleppen? Sie würde doch bloß hinderlich sein, bei der Suche nach den Vermissten.
"Schwach. Ich glaube nicht, dass wir diesen Welpen noch finden."
.oO°(Zumindest nicht lebend. Welpen haben da draußen doch keine Chance allein.)
sagte er, doch dachte den Satz zu Ende um Hanako damit nicht noch traurig zu machen. Normalerweise wäre es ihm scheiß egal gewesen, ob er damit jemanden verletzen würde, doch Hanako war anders und immerhin seine Gefährtin. Noch immer klang dieses Wort so komisch in seinen Ohren, noch lange hatte er sich nicht daran gewöhnt. Sein stechend gelber Blick wanderte wieder zu dem Welpen.
"Sag mal, willst du den Welpen wirklich mit nehmen?"
fragte er kühl. Leicht zuckten seine Ohren.
"Ich meine, es könnte gefährlich werden, wenn wir dem Seelensammler begegnen."
fügte er mal lieber noch hinzu, damit es sich nicht zu gleichgültig anhörte. Wartend sah er die weiße Wölfin an, lief aber dabei auch schon langsam wieder los auf den Wald zu. Sie wollten suchen gehen? Na, dann sollten sie auch endlich mal damit anfangen.
Hanako seufzte leise, als Hidoi zugab, dass die Spur sehr schwach war, denn er konnte keinen Geruch gut finden. Doch was hieß dies nun? Hatte der Welpe dort draußen überhaupt noch Überlebenschancen? Sie wusste, wie hart es war, dort draußen alleine zu Recht zu kommen, dabei war nichts passiert, denn es war nur ein Spiel gewesen damals. Doch der Welpe war spurlos verschwunden und sicherlich auch alleine.
"Ich habe das böse Gefühl, dass der Welpe nicht mehr sehr viel Zeit hat, wenn wir keine Spur mehr finden."
Hanako sah kurz zu Hidoi, dann schielte sie zu der weißen Welpe in ihrem Maul. Hidoi hatte mit seiner nächsten Aussage nämlich vollkommen Recht, konnte man die Kleine mitnehmen? Nachdenklich setzt sie Inuki zu Boden und sah wieder zu ihrem Gefährten.
"Du hast Recht, es ist zu gefährlich, jedoch können wir die Welpin nicht alleine hier lassen, dass wäre doch genauso unsicher. Glaubst du, dass ich hier bleiben sollte mir ihr? Oder ist es sogar möglich, dass eine Wölfe hier verweilen und wir Inuki solange dort hingeben können? Dann kann ich euch begleiten. Vielleicht sollte ich Banshee fragen?"
Dayon lief schweigend hinter Ayala, Falk und Eris her. Auch wenn es schien, als würde er nicht zuhören, als wäre er wieder vollkommen versunken in seiner eigenen Welt, war er erstaunlich aufmerksam. Ab und an schnüffelte er leicht, der Geruch Moons stieg ihm nie in die Nase. Seine Augen lagen auf Ayala, sie fragte nach Varloc, die gute Ayala, auch wenn sie sie fast nicht kannte, schien sie sich Sorgen um die Fähe zu machen. Auch Dayon kannte sie nicht, was mit ihr war, war ihm eigentlich egal. Die anderen Gruppen waren mittlerweile verschwunden, er war alleine mit den dreien und sich selbst ... Kurz überlegte er, ob er zu Ayala gehen sollte und mit ihr ein Gespräch anfangen, aber im Schweigen fühlte er sich wohler, konnte sich verstecken. Außerdem hatte Falk noch nicht auf die Frage zu Varloc geantwortet ... aber was tun, wenn sie Varlocs Spur oder irgendein Anzeichen für sie entdecken würden, dafür aber von dem Weg zur Reviergrenze abkommen würden? Sie müssten sich teilen ... er würde zur Reviergrenze laufen, ob wohl Ayala mit ihm kommen würde? Er hoffte es, alleine würde er nichts tun können ...
Banshee musterte Riku erneut, nach ihren Worten schien sich nur noch Leere ausbreiten zu wollen, es schien kein wirklicher Wille in dieser Fähe zu stecken, es schien nichts mehr darin zu stecken ...
.oO(Als wäre der Seelendieb hier schon vorbei gekommen ...)
Sie schüttelte den beunruhigenden Gedanken ab und versuchte leicht zu lächeln.
"Gut, wenn du dir das zutraust, dann lass uns gehen ... aber es muss wirklich nicht sein."
Noch lief sie nicht los, den Blick abwartend auf die Fähe gerichtet, als müsse jetzt noch irgendetwas kommen, eine Erklärung oder so etwas, sie wusste selbst nicht, was. Riku erinnerte sie an Dayon, immer mehr, je länger sie sie betrachtete und diese Leere spürte. Genau diesen Blick hatte Dayon immer gehabt, oder hat er ihn noch?, genau so waren seine Worte gewesen, oder sind sie noch immer so? Seltsam ...
Inuki wurde von Hanako abgesetzt und Hanako und ihr Gefährte redeten miteinander. Sie redeten über einen Seelensammler und über eine Banshee die Inuki noch nicht kannte. Die kleine Fähe blickte Hanako schief an und fragte sie Kleinlaut und etwas ängstlich.
„Wer ist den der Seelensammler und wer sind die beiden anderen Wölfe da? Und wer ist Banshee?“
Inuki blickte die große Fähe immer noch fragend an lies aber ihren Kopf wieder in die gerade wandern.
.oO(Hm, mich würde brennend interessieren wer dieser oder diese Banshee ist ich kenne sie wahrscheinlich auch nicht wie alle hier aber man kann ja Leute kennenlernen …)
Hanako blickte zu Inuki hinunter und stupste sie leicht mit ihrer Schnauze an, dann seufzte sie leise, die Fragen der Kleinen waren schon kompliziert und sie überlegte recht lange, wie sie der kleinen Inuki so etwas klar machte.
"Inuki..."
Hanako stoppte kurz, warf einen nachdenklichen Blick zu Hidoi, dann wieder zu Inuki.
"Wer der Seelensammler ist, das weiß keiner und was genau er möchte, kann ich dir einfach nicht sagen. Vor kurzem hat mich ein fremder Wolf angegriffen, er hat sich in das Revier dieses Rudels hier geschlichen. Später hat unser Alpharüde mit dem Wolf ein kleines Gespräch führen können und anscheinend ist irgendein Wolf unter uns, der ein Seelensammler ist. Doch ich will dich damit nicht nerven, ich möchte deine anderen Fragen klären.
Die beiden Wölfe, die wir suchen, heißen Varloc und Moon, doch ich kenne beide Wölfe nicht und kann dir deshalb nicht sagen, wer genau sie sind. Auf jeden Fall sind sie spurlos verschwunden und nu müssen wir sie suchen. Und Banshee? Das ist unsere liebe Alphafähe. Schau dort hinten, die Weiße, das ist sie."
Hanako deutete auf Banshee und lächelte.
Riku zuckte nur mit den Schultern, warum auch nicht, vielleicht würde sie der Tot dann endlich finden, sie warf einen Blick auf den Himmel und sah dann zu Banshee. Sie würde mitkommen, was denn sonst. Sollte sie hier bleiben, es störte sie nicht das sie so gemustert wurde, war ihr egal. Sie sah zu Banshee.
"Denke schon!"
In Gleichgültigkeit war diese Fähe wohl kaum zu übertreffen. Traurig sah sie noch mal zum Himmel, warum kam er nicht. Sie wollte endlich weg von dieser Welt, wollte ihr nutzloses Leben beenden. Sie sah zu der Weißen, sie schien zu überlegen, sie machte einen sicheren Schritt nach vorne und sah die Fähe ausdruckslos an, wollte nur andeuten das sie losgehen könnten.
Banshee nickte leicht, ihre Augen glitten noch einmal rasch über Riku, alles war egal, alles war unwichtig, nichts hatte mehr einen Sinn, nur noch das Warten auf eine Veränderung ...
"Gut, dann lass uns gehen ..."
Sie wandte sich um und verfiel wieder in ein gleichmäßiges Tempo während sie sich zu Riku umwandte.
"Wir suchen nach einem Welpen und einer Fähe, beide kennst du nicht, aber wenn du etwas Auffälliges bemerkst, kannst du es uns zeigen ..."
Banshee hatte beschlossen die Fähe einfach mit einzubeziehen, so hatte es bei Dayon geklappt, so hatte er Freunde gewonnen, vielleicht würde Riku ebenso reagieren ...
Inuki wurde immer Neugieriger und Blickte in die Richtung in die Hanako zeigte. Sie erblickte eine weiße Fähe in der ferne und wusste so nun bescheid wer Banshee war.
„Und die beiden Wölfe hier neben dir wer sind die? Und warum nennt ihr den Wolf Seelensammler? Was stellt der den an?“
Diese Fragen kamen wieder ganz kleinlaut und etwas Ängstlich hervor. Die kleine Fähe sah noch mal durch den Regen in Richtung Banshee und dann wieder zu Hanako.
„Wer ist dieser Seelensammler wohl? Und kann es nicht endlich aufhören zu regnen, ich friere.“
Leé beobachtete Inuki, wie sie sich verhielt. Der Regen klatschte auf ihr Fell nieder und die Braune schüttelte sich ärgerlich. Als die kleine Welpin fragte, wer die beiden anderen Wölfe seien, kam Leé einen Schritt näher und sagte:
"Mein Name ist Leé, meine Kleine. Ich bin auch, genau wie du, ohne Eltern in dieses Rudel gekommen und Hanako hat mich aufgenommen und aufgezogen. Dein Name ist Inuki, stimmt das?"
Leé fühlte sich in komischer Weise mit der Kleinen verbunden. Sie wusste, dass es schwierig war, als Welpe in ein Fremdes Rudel zu kommen. Leé erinnerte sich och genau, als sie Jorun damals gegenüberstand.
.oO(Jorun...)
Sie hatte damals nicht genau verstanden, warum sie ging. Danach kam Hanako und kümmerte sich um Leé. Sie erinnerte sich noch genau an dem Tag, an dem sie sie gefragt hatte, ob sie möchte, dass Hanako ihre neue Mutter werden würde. Leés Blick glitt zu Hanako, sie liebte diese Fähe, jedoch brauchte sie sie nicht mehr so nötig wie die kleine Inuki. Ein Lächeln zierte ihre dunklen Lefzen. Dann erinnerte sie sich plötzlich wieder an Shion und ihr Herz wurde schwer. Er war der einzige Rüde, bei dem sie jemals schon wirkliche Gefühle entwickelt hatte. Ihr erschien die Szene wieder, als sie Beide unter einem Baum saßen und redeten. Dort hatte Leé geglaubt, sie würde ihre Liebe gefunden haben. Doch als Shion verschwand, konnte Leé dies nicht begreifen. Sie hatte damals geglaubt, sich selber Luftschlösser gebaut zu haben. Und vielleicht war das auch so. Leé schaute auf die Seite um die Trauer in ihrem Gesicht zu verbergen.
Riku wandte sich ab und folgte der Fähe erst langsam, doch dann verfiel sie in einen schnellen Trab. Ihre Pfoten schmerzten zwar aber es war ihr auch egal, wieder schnippten ihre Ohren als Banshee begann. Sie nickte nur leicht, hatte sie eine Welpin gesehen, sie hatte nicht so Recht darauf geschaut. Sie sah mit Ausdruckslosem Blick umher, was jetzt, einfach laufen, sie hatte nicht mal eine Ahnung wie der Wolf aussah, wie er roch, sie konnte einfach nur folgen, war aber auch egal. Sie fühlte sich merkwürdig beobachtet, aber auch das störte sie nicht, sie lief einfach weiter neben dem Leittier her. Mit ausdrucksloser Stimme meinte sie:
"Warum sucht ihr sie?"
Die Frage klang nicht sonderlich interessiert, doch Riku hatte von der Stille langsam genug, wollte auch etwas anderes hören, Wie lange würde sie in diesem Rudel weilen? Vielleicht lange, vielleicht kurz. Was interessierte sie das eigentlich, vielleicht war ihr einfach nur zu langweilig. Jetzt schüttelte sie erneut sacht den Kopf, was war denn heute mit ihr los?
Falk zögerte und dachte über Ayalas Frage nach. Ja, wo hatte er Varloc eigentlich zuletzt gesehen? Er erinnerte sich an den Wald, erinnerte sich an ihr Gespräch, dass sie nicht mehr beendet hatten. Vielleicht war sowieso schon alles zu spät und Varloc hatte gedacht, dass im Rudel kein Platz mehr für sie wäre. Hatte sie auch gedacht, dass er, Falk, ihr die Möglichkeit zurückzukehren verweigern würde? Der Gedanke daran tat dem Hünen weh. Ayala, Dayon... Und vielleicht auch Eris... Er hatte hier Freunde im Revier und trotzdem war es ihm nicht egal, was mit Varloc geschah, er wollte sie nicht missen, um keinen Preis.
"Na ja, zum letzten Mal habe ich sie damals im Wald gesehen, als ich das Gespräch mit ihr gesucht habe...ehe sie einfach verschwand... Aber ich halte es für unsinnig, dort nach ihr zu suchen, denn vermutlich ist sie längst weitergezogen."
Er verstummte kurz, zögerte, haderte mit sich, dann sprach er es doch aus:
"Möglicherweise ist sie längst fort und hat ein neues Revier gefunden... Möglicherweise dachte sie, bei uns ist kein Platz mehr für sie..."
Er sah Ayala kurz mit betrübtem Blick an, dann drehte er sich nach Dayon und Eris um um sich zu vergewissern, dass sie beide folgten. Am liebsten hätte Falk die Suche gänzlich auf Varloc ausgerichtet, doch der Hüne wusste, dass er das nicht tun konnte. Ihm war es möglich ohne Varloc zu leben - auch wenn er es nicht wollte - trotz dass er so viele Freunde verlieren musste, doch er konnte mit dieser Tatsache einfach besser umgehen als Dayon, der seinen Sohn so dringend brauchte ... Schweigend lief der Rüde weiter.
Inuki wandte sich zu der Fähe um die einen Schritt näher Gekommen war. Die kleine Fähe nickte ab und sprach:
„Ja, mein Name ist Inuki. Ich freue mich, dich kennen zu lernen Leé.“
Der kleinen Welpin glitt auch ein Grinsen über die Lefzen aber dies war sofort wieder weg als sie den nächsten Windstoß abbekam und sie wieder Fröstelte. Der Regen war ziemlich Heftig und Inuki die noch kein dickes Fell hatte fröstelte bei jeder Windböe.
.oO(Hoffentlich hört dieser Regen bald auf, ich friere schon die ganze Zeit.)
Mit diesen Gedanken blickte sie Richtung Boden um ihren traurig hoffenden Blick zu verbergen.
Hanako sah wieder zu der Kleinen hinunter und lächelte leicht.
"Die beiden Wölfe hier neben mir? Das sind mein Gefährte Hidoi und meine Tochter Leé. Ich hoffe, ihr versteht euch gut, vielleicht hast du irgendwann einmal mehr mit ihnen zu tun, als du es je gedacht hättest. So geht es wohl vielen Wölfen, die hier in das Rudel kommen."
Inuki fragte erneut, was es mit dem Seelensammler auf sich hatte, aber Hanako hatte selbst genauso wenig Ahnung wie die kleine Welpe, sie hatte nur wenig von dem ganzen mitbekommen und ahnte schon, dass dies noch verhängnisvolle Folgen haben würde für sie.
"Meine Kleine, ich weiß nicht, was dieser Seelensammler tut und deshalb kann ich dir auch nicht sagen, warum man ihn so nennt. Aber so wie es scheint, wird er uns Böses antun irgendwann, wenn wir nicht aufpassen..."
Hanako sah zu Leé und stupste die Kleine an.
Auf leisen Ballen, wie ein Schatten folgte Mitsu ihrer weißen Alpha durch das Unterholz des Waldes. Der Blick ihrer eisblauen Augen streifte über Büsche, Bäume und Pflanzen und ihre Ohren richteten sich bei dem Klang der vielen verschiedenen Geräusche des Waldes auf, während ihre feine Nase auf der Suche nach dem Geruch des Welpen die verschiedenen Gerüche nach und nach ausblendete. Doch sie konnte den Geruch nicht wittern und schüttelte innerlich murrend ihren weiß, grauen Kopf.
.oO(Wo ist der Welpe bloß?! So weit kann er doch nicht gekommen sein oder hat der Seelensammler in geschnappt... Und was ist mit der anderen Fähe... ob sie noch lebt...)Oo.
Ein tiefer Seufzer stieg ihr die Kehle empor, doch Mitsu unterdrückte ihn entschlossen. Dann hob sie erneut ihre feine Schnauze in den kühlen, heftigen Wind und versuchte den Geruch des Welpen zu wittern. Wieder vergebens. Ärgerlich knurrte sie auf.
.oO(Dieser dämlicher Regen! Er verwischt alles, den Geruch des Welpen und auch seine Fährte am Boden... Verdammt!)Oo.
Der Blick ihrer eisblauen Augen streifte über ihre weiße Alpha, während sie auf leisen Ballen, wie ein Schatten durch das Unterholz schlich.
Ein heftiger Windstoß zerzauste Eris´ schwarzes Fell. Sie schüttelte sich und die Schauer, die ihr, einer nach dem anderen, über den Rücken jagten, wollten gar nicht aufhören. Eris stieß einen Seufzer aus, der ihr Unbehagen deutlich zeigte. Diese Nacht war wirklich unglücklich für eine Suche und es fiel nicht schwer, sich den Seelensammler dort irgendwo lauernd in der Dunkelheit vorzustellen. All die vielen Seelen verwahrt in seiner Brust ... Es schüttelte Eris erneut heftig und sie ging nahe hinter Falk und Ayala. Dayon war ein Stück hinter ihnen, wahrscheinlich wollte er nicht abgelenkt werden bei dem Versuch, die Witterung seines Sohnes aufzuspüren. Eris wandte den Kopf wieder nach vorn zu dem Paar vor ihr. Sie redeten gerade über die verschwundene Fähe, nach der sie ebenfalls auf der Suche waren. Varloc ...
Die Schwarze trat von hinten etwas näher an die Weiße und den Hünen.
"Sagt mal, wer ist eigentlich diese Varloc?"
Eris´ Interesse war geweckt worden. Der Name der Fähe war schon mehrmals gefallen und Ayala und Falk schienen gut mit ihr befreundet zu sein. Sie war bestimmt eine sehr besondere Fähe, obwohl das ja jeder auf seine Weise war. Der Regen peitschte Eris unbarmherzig gegen das Gesicht und sie verspürte den sehnlichen Wunsch sich in eine Schildkröte zu verwandeln. Der Wind heulte schaurig durch die Baumkronen und die Fähe blieb so dicht wie möglich bei den beiden Freunden, ab und zu warf sie einen Blick auf Dayon zurück, der gedankenversunken wirkte.
Falk drehte sich zu Eris um, sah Ayala an und lief dann etwas langsamer, sodass er auf dieselbe Höhe wie Eris zurückfiel. Er lächelte Ayala an, dann sagte er an Eris gewandt:
"Varloc ist eine Werwölfin, die ungefähr zur selben Zeit wie ich zum Rudel stieß. Wir hatten zu Beginn ein bisschen miteinander zu tun und sie rettete mir bei einem Erdbeben das Leben. Sie war vom Charakter her eher das...was ich vielleicht etwas...schroff nennen würde..."
Falk dachte bei sich, dass das wahrscheinlich am ehesten auf Varloc zutraf. Sie war immer etwas undurchsichtiger geblieben und hatte ihr Herz nicht unbedingt auf der Zunge getragen, allerdings hatte sie durchaus keine Scheu gehabt, ihre Meinung zu äußern und auch über ihre Vergangenheit zu sprechen.
"Na ja, ich denke, man musste sie kennen. Und sie musste einen mögen, irgendwie. Ich weiß nicht, wie ich sie besser beschreiben könnte... Ich denke..."
Falk warf Ayala einen kurzen Blick zu und wünschte, er würde in diesem Augenblick in ihrer unmittelbaren Nähe gehen, um sich jetzt an sie zu schmiegen. Er fuhr fort:
"Ich denke, uns hat ein merkwürdiges Band verbunden. Etwas, das man schlecht beschreiben kann. So, dass man sich ohne große Worte versteht und sich um den anderen sorgt. Ich hatte sie sehr gern, doch ich liebte - und liebe - sie nicht und vielleicht liegt da...das Problem... Dass sie sich in mich verliebte."
Wieder warf der Hüne der Gefährtin einen sanften Blick zu, in dem all seine Gefühle für sie lagen.
"Und ich konnte diese Liebe nicht erwidern. Wir haben das leider auch nicht klären können bei unserer letzten Begegnung..."
Bei Gruppe 2: Falk, Ayala, Dayon, Eris: Zuerst ist es nur ein schwacher, kaum erkennbarer Geruch, doch nach ein paar Schritten haftete deutlicher, noch immer schwach, sehr alt, doch deutlicher der bekannte Geruch einer vergessenen Fähe. Es lässt sich nicht sagen, wie alt er ist, wie lange es her ist, dass die Fähe dort gelaufen ist, doch erkennt man eindeutig den Geruch Varlocs. Die Spur führt nach Westen, weg von der Reviergrenze ...
Diese Stimme, ein Ebenbild von der Stimme Dayons, als wäre die Welt, in der Banshee lebte nur ein Traum, der sie nicht interessierte und das wahre Leben wartete da draußen auf sie, wo kein anderer, außer sie selbst hinkommen konnte. Banshee seufzte leise und warf Riku einen Blick zu.
"Wir suchen nach ihnen, weil sie verschwunden sind. Der Welpe, sein Name ist Moon findet wahrscheinlich nicht zurück und braucht unsere Hilfe. Mit der Fähe, Varloc, weiß ich es auch nicht, sie ist schon sehr lange verschwunden, doch Falk ist ihr Freund und ihm zu liebe habe ich die Suche verknüpft."
Sie lächelte traurig und sah wieder nach vorne, ja, sie glaubte nicht daran Varloc wieder zu finden, doch wenn Falk sie von dem Gegenteil überzeugen würde, wäre sie sehr glücklich, sie hatte Varloc gemocht.
Riku lief neben der Fähe her, ihr Kopf schien Gedankenleer und ihr Blick verriet nur das gleiche. Die gelben Augen der Fähe waren weder stechend noch zurück haltend, einfach nur leer. Sie waren wie von einem Schleier überlegt, einem Schleier der Gleichgültigkeit. Als Banshee auf ihre Frage geantwortet hatte, überlegte sie wieder kurz, Falk? Egal. Sie suchten auf jeden fall weil sie weg waren, das war ihr auch klar gewesen, aber wenn sie weg waren dann waren sie es nun mal. Warum suchten sie? Vielleicht fand sie das nur so verständnislos weil nach ihr nie jemand gesucht hatte, aber wer hätte auch nach ihr suchen können? War ja jetzt egal. Als wäre es etwas was nicht zu gebrauchen war, schwang sie den Kopf etwas nach oben. Sah gerade aus, doch keine Welpin, also senkte sie den Blick wieder. Diese Stille, sie brannte in ihrem Kopf, war zu gewohnt, und schon bald würde sie wohl wieder sein, sie fing an vor sich hin zu knurren, aber das machte keinen Sinn.
"Wo ist der Rest."
Dieser Satz glich nicht einmal mehr einer Frage, doch rein von der Stellung her musste es eine sein. Riku sah in die Ferne, für sie war diese Ausdruckslosigkeit schon normal, sie merkte es schon fast nicht mehr, nur wenn Wölfe sie danach fragten, wusste sie, dass es wohl so sein musste, sie sah wieder zu Banshee, dann zu der Wölfin die sie vorher begrüßt hatte.
Hidoi blieb genervt mit den Ohren wippend neben Hanako stehen. Es waren schon alle weg, bloß sie standen immer noch hier. Welpen. Die hielten auch alles auf.
"Seelensammler, sammeln Seelen, wie der Name schon sagt. So und nun kommt endlich, es sind schon alle weg!"
grollte er gereizt. Nun mussten sie den Welpen wohl oder übel doch mitnehmen. Sie hatten keine andere Wahl, alleine hier bleiben konnte er nicht, das würde ihren Tod bedeuten. Eigentlich hatte ihn das ja nicht zu interessieren, aber nun war Hanako dabei. Ach, was sollte es. Schnell senkte er seinen Kopf und nahm den weißen Welpen am Nacken hoch. Vielleicht sah es nicht sehr sanft aus, aber bemühte er sich trotzdem dem Welpen nicht weh zu tun und hielt sie sachte zwischen den scharfen Reißzähnen im Genick. Dann warf er noch einen Blick zu Hanako und Leé, dann trabte er langsam los in Richtung Wald. Beim laufen senkte er den Kopf etwas um den Geruch von einem Welpen aufnehmen zu können, was ihm jedoch wegen dem anderen Welpen im Maul ziemlich schwer viel. Innerlich grollte er grimmig, aber was blieb ihm anderes übrig?
Hanako stupste Inuki noch einmal leicht an, als dann Hidois so gereizte Stimme an ihr Ohr drang und von einer Sekunde auf die nächste wechselte ihr noch so ruhiger Blick in eine leicht wütenden. Sie hasste es, wenn Hidoi vor kleinen Welpen gleich so gereizt vorkam und als er Inuki dann noch so grob aussehend am Nackenfell packte, sah Hanako nur seufzend weg. Vielleicht sag es nur brutal aus und er war sanft, aber das konnte sie als letztes spüren. Wenn er also unbedingt mit dem Welpen gehen wollte, würden sie dies nun tun, etwas anderes blieb ihnen wohl leider nicht übrig, auch, wenn sie hier mit Inuki hätte warten können.
"Leé, kommst du?"
Fragte Hanako mit Freundlichkeit in der Stimme, die im Moment einzig und allein nur ihrer so schönen und erwachsenen Tochter galt, dann ging auch sie langsam los und folgte Hidoi geduldig und mit prüfenden Blicken auf Inuki, dass es ihr auch wirklich gut ging. Bei all ihrer Sorge um ihre Mitwölfe vergaß sie sogar, dass selbst ihre Mutter verschwunden war. Würde man sie denn nicht suchen? Hanako senkte etwas den Kopf, wieso war sie einfach wieder gegangen, ohne sich bei ihr zu verabschieden? Das einzige, was ihr denn noch geblieben war... . Nachdenklich sah Hanako auf, bei diesem schlechten Wetter konnten wohl selbst die besten Augen nichts mehr ausmachen und da ihr die Wölfe vollkommen unbekannt waren, musste sie auf ihren Instinkt hoffen und diesem folgen. Wie würde es diesen Tag noch weitergehen? Er schien anstrengend und unruhig zu werden und Hanako verspürte die Lust, einfach nur ein Auge auf alles zu werfen und die Zeit laufen zu lassen. Doch dies war unmöglich.
"Welcher Spur sollen wir nun folgen?"
Fragte Hanako nur leise in Hidois Richtung, denn sie ahnte wieder einmal eine gereizte Antwort, die ihr so gar nicht passen würde.
Der Regen wurde etwas schwächer, im Wald kaum merkbar, doch wenn man in freiem Felde lief, so konnte man weiter sehen. Aber die Natur schien die Suche keinesfalls erleichtern zu wollen, so frischte nun ein leichter Wind aus Osten auf, trieb die Regentropfen schräg an die Körper der Wölfe und schaffte es nun auch das Bauchfell zu durchnässen.
Banshee sah kurz nach oben, als der Regen vermeintlich schwächer wurde, sie war sich nicht ganz sicher, im Wald war er zwar ständig zu hören, doch lang nicht so sehr zu spüren wie draußen am See. Vom Wind bemerkte sie nichts, noch, doch wenn er weiter zunehmen würde, müssten sie bald mit einem weiteren Problem kämpfen. Vorerst galt es Riku alles nötige zu erklären.
"Wir haben uns in vier Gruppen aufgeteilt damit wir so großflächig wie möglich suchen können. Sie sind in die verschiedenen vier Himmelsrichtungen ausgeströmt, ich hoffe, eine Gruppe wird fündig."
Sie sah wieder gerade aus, ihr gelegentliches Schnüffeln brachte nichts interessantes, es schien, als wäre alles sinnlos.
Dayon war zuerst weiter gelaufen, noch immer ohne den drei anderen zuzuhören, doch dann, ohne Vorwarnung, stieg ihm ein Geruch in die Nase, der ihr sofort stehen bleiben ließ. Er war so schwach, dass es nicht mehr möglich war zu sagen, wie alt die Spur war, doch war er unverkennbar von der Fähe, die sie suchten, die seltsame Fähe, mit der er nie viel zu tun gehabt hatte, Varloc ...
"Falk? Ayala, Eris, riecht ihr das auch? Das ist Varloc ..."
Er ging langsam der Spur nach, machte einen kleinen Bogen und merkte, dass er den Weg, den er gekommen war leicht abweichend von ihrer Spur zurückging. Sofort drehte er wieder ab und lief zurück zu seinen drei Gruppenmitgliedern. Seine Augen waren plötzlich aufmerksam, er sah von einem zum anderen. Seine Gedanken waren klar, er würde Moon weiter suchen gehen ... und Ayala? Und Falk? Und Eris?
Wieder einmal hatte sich Acollon von seiner Gruppe abgesondert. Nicht sonderlich hilfreich und klug, doch erst hatte er geglaubt Moons Fährte aufgenommen zu haben, bis er doch bemerkte, dass er einem Trug- oder auch Wunschbild gefolgt war. Der Welpe war ihm nie wirklich freundlich gesonnt gewesen, was auch verständlich war. Wer würde schon dem Mörder seiner Mutter offenherzig begegnen? Er nahm nun wieder die Fährte seiner Banshee auf, die er abermals alleine gelassen hatte. Seine Pfoten wälzten sich durch den Schlamm immer zielstrebig in eine Richtung. Der Regen begann abzunehmen und der Boden war nun wieder im Stande das überschüssige Wasser aufzunehmen, wenngleich immer noch riesige Pfützen sich Acollon in den Weg legten. Leichter nebliger Dampf legte sich über den feuchten Boden. Bald darauf entdeckte der schwarze Alpha seine Gefährtin, dabei auch Mitsu und einer ihm gänzlich unbekannten Fähe. Wieder hatte eine Wolfsseele den Weg in das Tal der Sternwinde gefunden, wie einst auch er hierher gefunden hatte, auch wenn sich der schwarze Tod oft sicher war, dass er keine Seele hatte.
Er nährte sich den Wölfen still und mit leicht gespitzten Ohren, es sah gerade so aus, als schien er sich gar nicht von der Gruppe gelöst zu haben.
Wieder versuchte der Schwarze den Geruch des Welpen aufzunehmen oder gar sich wieder an die Werwolfsfähe zu erinnern. Doch da lag wohl eine größte Schwäche, er merkte sich nicht sonderlich die Gerüche anderer Wölfe. Nur einen Geruch kannte er so gut wie seinen eigenen, den von Banshee. Er würde ihr folgen können, egal unter welchen Umständen. Ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinen Lefzen aus und er sah seine Gefährtin an, die schon so Einiges unter ihm ertragen musste.
Leé schreckte erst die Stimme ihrer Mutter aus ihren Träumen und Gedanken auf. Sie lächelte verlegen und folgte Hanako, Hidoi und Inuki. Sie blinzelte mehrmals, denn bei diesem Wetter konnte sie nur sehr schlecht sehen. Sie versuchte sich dicht an Hanako zu halten und richtete den Blick auf den Boden, um über nichts zu fallen. Kurz schaute sie auf die kleine Inuki und musterte sie. Dann galt der Boden wieder ihrem Blick und sie versank in ihre Gedanken.
Hidoi rollte leicht mit den Augen, was aber niemand sehen konnte, da er vorne ging. Das weiche Welpenfell im Maul störte ihn abermals bei dem Versuch eine Witterung auf zu nehmen. Noch dazu musste er aufpassen dem Welpen nicht weh zu tun. Welcher Spur sollte er also folgen? Noch dazu wurde dieser Regen immer nerviger. Schließlich drehte er den Kopf ein paar Mal hin und her. Eigentlich hätte er den Welpen ja auch einfach wieder Hanako übergeben können, aber er war nicht sicher, ob sie dann nicht wieder zurück fallen würden.
"Hm... Bei dem Regen ist es schwer eine Witterung auf zu nehmen, zumal ich den Welpen nicht kenne und noch einen weiteren im Maul habe. Wir sollten es mal in der Nähe der Reviergrenze versuchen."
sprach er in normal kühlem, aber ruhigem Ton, zwischen dem Welpenfell hervor. Wehtun schien er dem Welpen ja nicht, denn bisher hatte sie noch keinen Ton von sich gegeben. Oder, sie hatte Angst vor ihm. Leicht belustigt schob er den Gedanken aber wieder weg.
Falk war über Eris' Frage nach Varloc wieder in Gedanken versunken, aber Dayons Stimme riss ihn abrupt zurück in die Gegenwart. Varlocs Geruch... Der Hüne senkte seinen Kopf, schnupperte und tatsächlich... Tiefer noch senkte Falk den Kopf, erregter schnupperte er, tappte einige Schritte in die Richtung, in die der Geruch Varlocs wies. Es war eine alte Fährte, eine fast schon verwischte Spur, eine Witterung, die aus dem Revier herausführte...
"Ja! Ja, oh Himmel! Dayon, ja! Du hast Recht, es ist Varloc! Ja, ja! Endlich, oh Himmel, endlich!"
Kaum vermochte Falk die Freude zu verbergen. Doch nur kurz währte das Gefühl, dann kamen die Zweifel, die Ängste. Es war Varlocs Geruch, ja, aber die Spur war so alt... Falks Gedanken wanderten, streiften das aktuelle Thema, den Seelensammler. Nein, das konnte nicht sein. Die Werwölfin war doch stark, sie würde sich wehren können... Selbst wenn sie dem Seelensammler begegnet wäre. Und außerdem - das alles musste immer noch nichts heißen. Wahrscheinlicher war, dass Varloc aus eigener Entscheidung gegangen war. Dass sie tatsächlich einen neuen Anfang in einem anderen Rudel oder erneut in der Einsamkeit gesucht hatte.
"Ayala, Dayon, wohin ist damals Moon verschwunden? Ist das in diese Richtung? Wenn sie sich nur begegnet wären... Dann könnten wir vielleicht davon ausgehen, dass es ihnen gut geht. Trotz Seelensammler und - allem..."
Akai sah dem Grauen an, dass er mit sich selbst kämpfte. Er kannte das Revier des Rudels wohl auch nicht.
.oO(Na wunderbar. Sein Blick scheint auch nicht viel wissender.)
Sich nicht mehr nach der anderen Fähe umsehend ging sie langsam in die Richtung, in die sich Darian gedreht hatte. Der nun von der Seite peitschende Regen kroch unangenehm und durch den eisigen Herbsthauch kalt wie der schleichende Kältetod unter ihr Fell, das rote, gänzlich durchnässte Fell. Sie ging so langsam, damit er sie einholen konnte. Diese Fähe, die nicht viel von sich gab, gefiel ihr einfach nicht. Sie war zu stolz, zu selbstsicher. Doch den golden- bis bernsteinfarbenen Augen der Roten entsprang keiner dieser verachtenden Blicke mehr. Wenn die Fähe etwas wollte, sollte sie doch mitkommen. Die Krallen in den Boden stemmend blickte sie etwas abwesend in den Himmel. Ob ihr Bruder jetzt wohl auf sie aufpasste? Normalerweise dachte sie über dies nicht nach, es verletzte sie zu sehr. Doch die Worte des Rüden hatten sie an einem Punkte getroffen, den sie schon so lange versteckt hielt, dass er langsam taub wurde, unwiederbringlich. Schließlich senkte Akai die hübsche Schnauze zum aufgeweichten Boden. Doch ihr stieg nur der Geruch des Regens, der Tannenzapfen und des Herbstlaubes in die Nase.
Riku sah zu Banshee und nickte leicht, also war es ein großes Rudel. Sie sah in die Ferne und trabte neben Banshee her. Sie witterte leicht, ein fremder Geruch. Sie spitzte die Ohren, das war nicht der eines Welpen, daher senkte sie den Kopf wieder. Und sah mit ausdruckslosem Blick nach vorne, wieder hallte Leere in ihrem Kopf. Und die Stille um sie herum war auch nicht zu ertragen, doch sie musste sie aushalten. Sie setzte die Pfoten fester auf den Boden zu, und hörte zu wie ihre Pfoten auf den Boden schlugen.
.oO(Wenigstens etwas …)
dachte sie sich. Sie sah zu Banshee. Die Weiße schien glücklich, war sie es auch? War doch egal, sagte sich Riku selbst und sah nach vorne.
Ayala spürte Falks plötzliche Freude so intensiv, als wären ihre Körper verschmolzen. Sie freute sich für ihn, pure Freude, Liebe, keine Hintergedanken, keine Eifersucht. Einfach nur Freude ... Sie stellte sich zu ihm, drückte sich an ihn und glaubte zu spüren, wie sein Herz pochte. Es gab also Hoffnung - Varloc konnte in der Nähe sein, es war möglich. Binnen weniger Momente spürte Ayala einen Anflug von Angst, Varloc vielleicht bald entgegentreten zu müssen. So seltsam es schien - sie hatte nicht genügend Zeit gehabt sich darauf vorzubereiten. Die so veränderten Augen Dayons erreichten sie, drangen in ihren Kopf, schmerzten. Sie fühlte seine Zerrissenheit, seinen Schmerz. So schnell wie es gekommen war, war es verschwunden. Nichts. Nur ein leichter pochender Schmerz. Ayala schüttelte leicht ihren Kopf - und blieb wieder an seinem Blick hängen. Sah die tiefe Traurigkeit, die Sehnsucht seinen Sohn wiederzufinden. Ihr wurde klar, was zu tun war, entschuldigend blickte sie zu Falk.
"Nein ... Moon ist in der entgegengesetzten Richtung verschwunden, es ist beinahe unmöglich ihn dort zu finden, wo Varloc sein müsste. Falk, Eris, ihr kennt euch dort besser aus, ihr müsst weitersuchen. Dayon und ich werden hierbleiben, weitersuchen ..."
Sie wanderte von Augenpaar zu Augenpaar.
"Es gibt keine andere Möglichkeit."
Dayon warf einige schnelle Blicke zwischen Ayala und Falk hin und her. Ihm entging Falks übersprudelnde Freude nicht, auch wenn er sie nicht ganz verstand, Varloc war doch eine Wölfin, die der Hüne kaum kannte ... eigentlich kannte sie doch niemand. Aber gut, wenn er sich so freute, dann würden sie sich aufteilen müssen, Falk und Eris zurück, Ayala und er zur Reviergrenze ... und sie sollten keine Zeit verlieren, sonst könnte es zu spät sein.
"Ja, ich glaube, das ist das Beste ... Ayala und ich müssen weiter zur Reviergrenze. So schnell wie möglich."
Seine Augen sahen besorgt aus doch richtete er sich gleichzeitig ein wenig auf, trat schon einen Schritt in Richtung Reviergrenze.
"Ayala, nein!"
Falk sah sich um, sah Dayons besorgten Blick, spürte Ayalas Furcht um Dayon und seinen Sohn. Der Hüne kämpfte mit sich. Natürlich, Moon war Dayons Sohn und Dayon war sein Freund, aber letztlich, was interessierte ihn dieser merkwürdig altkluge Welpe - wobei Moon evt. auch schon beinahe ein Jungwolf war - und was interessierte es ihn, ob er jemals wiederkehrte. Er hatte Dayon nicht glücklicher machen können und-
Falk hielt inne. Vielleicht war es aber auch so, dass es für Dayon ohne den Welpen noch schlimmer geworden wäre. Und Varloc... Er vermisste sie sehr, doch... Varloc war stark. Und sie würde ohne ihn auskommen. Vielleicht war ihr gemeinsames Stück ohnehin schon zu Ende, ihre Rollen gestrichen und all das. Vielleicht hatte Varloc das längst begriffen, nur er nicht und...
"Wir dürfen uns nicht trennen! Auf keinen Fall! Was, wenn ihr dem Seelensammler begegnet, ganz allein? Nein, wir dürfen es auf keinen Fall tun! Wir...wir werden eine Entscheidung treffen müssen. Nach wem wir weiter suchen. Nach Moon...von dem wir keinen Anhaltspunkt haben...oder nach Varloc, deren Witterung wir hier immerhin aufgenommen haben. Und es gibt ja noch die anderen Gruppen. Aber eins steht fest - ich...ich werde euch niemals alleine gehen lassen, auf keinen Fall! Wenn euch etwas passiert - ich würde es mir nicht verzeihen. Ich musste schon einmal die für mich wichtigsten Wölfe verlieren - ich werde das nicht noch einmal zulassen. Niemals."
Eris stand da wie betäubt und schaute zwischen den drei Wölfen hin und her, mit denen sie zusammen war. Irgendwie ging das alles ein wenig zu schnell für sie. Eben noch wehmütiges Schwelgen in alten Erinnerungen, dann verschmilzt die Erinnerung mit der nächtlichen Wirklichkeit und jetzt - ein Konflikt. Gah?! Eris ließ sich auf den kalten Boden sinken und stierte auf den von ihren Spuren geformten Matsch.
"Heyey, Moment mal. Ich ... ich bin da jetzt nicht so ganz mitgekommen. Also diese Varloc, sie ist eine wirkliche, echte, ich meine ... eine waschechte Werwölfin?"
Eris schaute hoch, immer noch hingerissen von dieser Tatsache, aber ihr wurde gleich bewusst, dass die anderen schon viel weiter waren. Etwas beschämt senkte sie den schwarzen Kopf wieder.
"Ja, schon klar. Ich hink´ nach."
Die quirlige Fähe löste sich mühelos aus dem Schlamm und war wieder auf den Pfoten. Sie legte den Kopf in den Nacken und schaute hinauf zu den schwarzen Baumkronen. Sie führte sich die Tatsachen noch einmal vor Augen, dann leistete sie ihren ernüchternden Beitrag zu der Diskussion:
"Also, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, ist die alte Witterung hier von Varloc. Varloc ist eine Werwölfin und Moon ist ein Welpe oder Jungwolf. Mir ist es zwar egal, nach wem ich suchen soll, aber Moon ist doch eindeutig gefährdeter allein im Wald, oder? ... Aber wie gesagt, ist eure Entscheidung."
Eris ließ den Blick in der Runde schweifen, gespannt, wie die Suche nun weiter gehen sollte. Ihr war alles recht, solange sie nicht allein Wache stehen musste in der Dunkelheit oder Dinge solcher Art.
Ihre Ohren schippten aufmerksam nach hinten und nach vorne, während Mitsu ihre Schnauze tief senkte und versuchte den Geruch des Welpen aus den verschiedenen Gerüchen des Waldes zu wittern. Als sie ihre feine Schnauze ein wenig nach rechts wandte, schlug ihr eisiger Wind gepaart mit winzigen Regentropfen entgegen und durchnässte auch noch das restliche Stück trockenen Felles. Ein ärgerliches Knurren entfuhr ihr, während sie weiterhin versuchte die Witterung des Welpen aufzunehmen. Ihre großen Pfoten hinterließen tiefe Schlammspuren, die sich langsam mit Wasser füllten, als sie wie ein Schatten durch das Unterholz versuchte zu schleichen. Angestrengt ließ sie ihren Blick durch die trübe Dunkelheit streifen, bis sie ein leises knackendes Geräusch vernahm und ihr ein bekannter Geruch in die Nase stieg. Überrascht wandte Mitsu ihren weiß, grauen Kopf in die Richtung aus der sie den Geruch wahrnahm und ein leicht erstauntes Lächeln huschte über ihre Lefzen, als sie den Schwarzen erblickte. Grüßend senkte sie leicht ihre Schnauze, ehe sie sich wieder abwandte und weiter versuchte den Geruch des Welpen zu wittern.
Banshees Blick glitt über die Bäume, Sträucher, Erdkuppen, Höhlen, Unterholz, Leben ... aber sie sah nicht das, das sie sehen wollte, roch nicht das, das sie riechen musste, hörte nicht das, das sie hören sollte. Als Acollon wieder auftauchte schenkte Banshee ihm ein glückliches Lächeln und ein Wedeln, er solle näher kommen, dann drehte sie sich zu Mitsu und Riku um.
"Ich habe das Gefühl, dass das so nichts wirklich bringt. Hier ist eine Art toter Winkel des Reviers, selbst ich war selten hier. Wir sollten weiter östlich laufen, dann könnten wir auf die Gruppe von Falk stoßen."
Sie sah von einem zum anderen, doch eigentlich erwartete sie weder Zustimmung noch Ablehnung, die anderen schienen eine ebenso triste Laune zu haben wie sie selbst. Sie korrigierte ihren Kurs nach Osten und schon nach kurzem Laufen meinte sie Falk und Ayala wittern zu können, die anderen kurz darauf, die Gruppe schien etwas westlich gelaufen zu sein.
Folglich trat Acollon näher an seine Fähe. Sie hatte Recht, dieser Teil des Reviers war von den Wölfen meist gemieden oder besser gesagt, nicht genutzt. Der Schwarze fand es jedoch angenehm sich manchmal von den anderen entfernen zu können. Eigentlich konzentrierte er sich nicht sonderlich auf die Suche nach den anderen, er war nur gespannt wie es weitergehen würde, und wer nun der Seelensammler war. Erneut sah er die Fremde an, die genauso grau wie das Wetter schien. Zumindest von der Fellfarbe her.
„Wenigstens lässt der Regen nach.“
sagte er und ließ ein Knacken durch seine Wirbel huschen. Er machte sich nicht erst die Mühe sein Fell von dem überschüssigen Wasser zu befreien. Er sah seine Gefährtin von der Seite her an, es war ein undefinierbarer Blick, nicht unfreundlich, doch auch nicht wirklich vertrauensvoll.
Hanako beobachtete ruhig ihre Tochter, die völlig in ihren Gedanken zu versinken schien und auch Hanakos Blick schien von einer auf die nächste Sekunde mehr in Sorge unterzugehen als sie es erwartet hätte. Sie stupste kurz aufmunternd ihre Tochter an und schenkte ihr einen liebevollen Blick, dass sie aufpassen musste, sonst würde sie noch vom Weg abkommen, dann sah sie zu Hidoi und lauschte seinem Vorschlag.
"Du hast Recht, es wäre eine Möglichkeit. Wenn der Welpe dich stört, trage ich ihn für dich."
Flüsterte sie, ließ ihren Blick ein wenig umher wandern und seufzte dann leise. Vielleicht würden sie ja sogar bald eine Spur haben? Dann würde diese schreckliche Suche endlich ein Ende haben und sie würden sich vielleicht alle wohler fühlen. Hanako blickte auf den Bode, irgendwo hier draußen wollte ihre Mutter hingehen und sich etwas ausruhen und nachdenken, damit sie ihre Probleme auf die Reihe bekam und nun war sie also spurlos verschwunden? Hanakos Augen wurden kleiner, sie sorgte sich so unglaublich sehr, dass sie die eigentliche - Wichtigere! - Suche bei ihrem Selbstmitleid mehr vergaß als sie wollte.
.oO(Mutter....)
Sie blickte hinauf und versuchte durch den endlich schwach werdenden Regen etwas zu erkennen, aber es war unmöglich und sie ließ den Kopf hängen. Hatte Hidoi jemals richtig bemerkt, dass es ihr irgendwann wegen ihrer Mutter nicht gut ging? Er erkannte anscheinend ihre Gefühle noch nicht sehr genau...oder wollte er es nicht? War er vielleicht kein guter Gefährte? Was machte sie sich denn überhaupt für Gedanke?
Riku sah zu Banshee, sie schien besorgt. Warum? War ihr dieser Welpe so wichtig, oder die Fähe? Das konnte doch nicht sein. Nie wurde sie so umsorgt, nie hatte man sie so geliebt. Sie sah weg. War doch egal. Nein war es nicht. Warum? Warum war es ihr plötzlich nicht mehr egal? Traurig senkte sie den Blick. Musste eine Träne verdrücken, die ihr fast über die Wange gelaufen wäre. Heute war wohl ein schlechter Tag für die Graue. Als ein schwarzer Rüde auftauchte zuckten ihre Ohren, ihr Blick blieb jedoch nach vorne Gerichtet, nur im Blickwinkel sah sie ihn. Als Banshee etwas sagte schnippten ihre Ohren in ihre Richtung, sie sollten wenden. War eigentlich egal in welche Richtung. Mit gleichmäßigen Schritten trabte sie hinter der Fähe her. Riku hörte die Worte des Rüden und beachtete sie nicht, war doch egal ob es regnete oder nicht.
.o0(Warum hat man nie nach mir gesucht?)
Schoss es ihr durch den Kopf, sie sah in die Ferne, sie spürte in ihrem Fang einen bitteren Geschmack. Sie wusste warum, warum man sie nie gesucht hatte.
.o0(Teufelswelpe!)
Ja, weil sie der Teufel war. Weil sie der ganzen Welt nur Unglück brachte, weil sie kein Glück hatte und weil alle um sie herum, alle die sie liebte, weil sie alle starben. Sie schniefte unauffällig, sie lebte schon so lange damit, warum ging es ihr den jetzt so beschissen deswegen, warum jetzt? Sonst hatte sie es nie gestört. Mit gebrochenem Blick sah sie nach vorne. Vor ihren Augen tauchte ein Lächeln auf, ein Lächeln als ob sie zu Hause wäre. Es lächelte sie an und war nett zu ihr, brachte sie zum Lachen. Plötzlich schob sich ein Schatten vor das Lächeln und sie sah einen toten Wolf, vor ihren Füßen, er lächelte, und sie auch, nur kurz. Saijiro.
Riku schlug die Augen kräftig auf und fluchte über sich selber, das sie immer noch nicht darüber hinweg war.
Ayala blickte zu Falk. Einerseits hatte sie ihn noch nie so aufgeregt, andererseits noch nie so entschieden erlebt.
Langsam kam sie auf ihn zu und drückte sich an ihn, sie verstand. Seine Ängste waren tief in der Vergangenheit verwurzelt und zu seinem Schicksal geworden.
"... Ja, du hast ... ich verstehe dich. Allerdings, ich dachte, du wolltest lieber ... es ist mir wichtig nach Moon zu suchen. Varloc kommt ganz gut alleine klar, das weißt du, aber Moon ... er ist noch so klein und ... verletzlich."
Ayala sprach langsam, sprach Worte ohne große Bedeutung, ihr wirkliches Anliegen war es Falk etwas ganz anderes mitzuteilen. Sieh dir Dayon an! Er wird daran zerbrechen! Er braucht unsere Hilfe - JETZT! Eindringlich sah sie in die dunklen Augen des Hünen, er würde verstehen - hoffte sie.
Langsam wandte sich Ayala zu Eris um, was hatte jene gefragt? Ayala tat es zwar Leid, Eris so außen vor zu lassen, jedoch waren ihr ihre Fragen etwas lästig, es galt, Wichtigeres zu klären. Die Fähe verdrängte diese Gedanken trotzdem und wandte sich der anderen vollends zu.
"Ja, Eris, du hast richtig verstanden. Die Witterung ... "
Ayala brach ab, Banshee musste sich nähern, ihr Geruch war ganz nah.
Hidoi zuckte leicht mit den Ohren und drehte sich um. Langsam schritt er auf Hanako zu, musterte sie ihm während dessen eingehend. Sie schien nach zu denken, aber was war mit ihr los? Bereute sie schon wieder, dass sie sich auf ihn eingelassen hatte? Leise seufzte er. Kein Wunder. Was hatte er denn gesagt? Aber auf ihn hörte ja niemand. Der Stahlgraue hatte von Anfang an gesagt, dass er kein verweichlichter Rüde war, der immer nur rumschmuste und überall fröhlich kläffend rumhoppelte. Dass sie an ihre Mutter dachte, wusste er ja nicht. Schließlich kannte er sie nicht. Woher auch? Er setzte den Welpen vor Hanako vorsichtig auf den Boden und sah seine Gefährtin dann wieder an.
"Gut. Aber bevor wir weiter gehen, sagst du mir, was du hast... Geht es dir nicht gut?..."
Eigentlich wollte er noch seinen Gedanken über die Gefährtenschaft aussprechen, aber so gemein war er nun auch wieder nicht, dass er sie mit diesem Vorwurf belasten würde. Ruhig blieb er stehen und sah auf die weiße Fähe herab.
Hanako bemerkte die Blicke ihres Gefährten nicht, sie schien vollkommen vertieft und verwirrt und zu sein und suchte ihren Blick immer wieder auf dem hässlichen und schlammigen Boden, der ihre weiße Pfoten immer mehr versank. Plötzlich hielt Hidoi an und er legte Inuki vor Hanakos Pfoten ab. Diese wachte erst jetzt wieder aus ihrer Trance auf und sah die Kleine mit leeren Augen an, dann sah sie zu Hidoi auf und wunderte sich wirklich, dass gerade er es bemerkt hatte. Hinter seiner Fassade steckte viel mehr als nur ein kalter herzloser Wolf.
"Hidoi...ich...ich bin vollkommen vertieft, mache mir unendliche Gedanken und weiß langsam nicht mehr weiter. Zum einen frage ich mich schon seit Tagen, wo meine Mutter denn nur hin ist. Erst taucht sie auf und berichtet mir glücklich, was passiert ist und das nun alles besser ist und jetzt verschwindet sie einfach wieder. Gerade dann, als ich sie gebraucht habe, rennt sie weg - ohne sich zu verabschieden, ohne mir zu sagen wohin und warum."
Hanako stoppte kurz und atmete durch, dann sah sie Hidoi tief in die gelben stechenden Augen.
"Außerdem...mache ich mir so oft Gedanken um uns Beide. Ich habe irgendwie ein so seltsames Gefühl. Dieses Gefühl, dass ich dich nerven würde und ich dir wohl nur zur Last falle. Ich fühl mich so abgewiesen, vielleicht ist es nicht deine Schuld...ich weiß nicht...es ist so schwer zu erklären. Ich mache mir immer wieder Gedanken, ob wir überhaupt zusammen passen...und...wie es weitergehen soll...ob du es mit mir überhaupt aushält und...ob du mich auch wirklich liebst..."
Hanako senkte den Kopf, nun war es also raus...
Dayons Blick wanderte zwischen Ayala und Falk hin und her, Eris konnte er nicht auch noch beachten. Die beiden schienen sich nicht wirklich einig zu sein, so wie Dayon das sah, wollte Falk, dass sie alle Varlocs Spur verfolgen sollten, aber das würde er nicht tun und Ayala hoffentlich auch nicht. Sie tauschte mit ihrem Gefährten einige Blicke aus, Dayon wusste, was diese zu bedeuten hatten, doch senkte er schwächlich den Kopf.
"Ich werde Moons Spur verfolgen ..."
Er begann langsam zu gehen, weiter zur Reviergrenze, weg von der Spur Varlocs, als er einige Meter entfernt war, drehte er sich noch einmal um, seine traurigen Augen suchten den Blick Ayalas, flehten.
Hidoi zuckte leicht mit den Ohren. Nein mit Hanako schien wirklich etwas nicht zu stimmen. Sie schien wie in Trance versetzt. Geduldig wartete er dieses mal jedoch ab, ob sie bemerkte, dass er vor ihr stand. Als sie ihn dann jedoch ansah, zuckte er leicht mit den Ohren. Ihr Blick war so seltsam... so müde und leer. Die darauf folgenden Worte erklärten dann auch warum. Es ging also um ihre Mutter? Der Stahlgraue kannte sie nicht, hatte er sie überhaupt schon mal gesehen? Moment, doch. Vielleicht war es die graue Wölfin gewesen, die einen etwas erschöpften Eindruck gemacht hatte und nun verschwunden war. Hidoi hatte nie ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern gehabt, sie eher als eine Art Feldwebel angesehen, die alles und jeden herum kommandierten und beherrschten. Er musste erst mal überlegen um ein paar passende Worte zu finden.
"Hm... ich hatte kein sonderlich schönes Verhältnis zu meinen Eltern, ich kann dazu nicht viel sagen. Aber wenn sie dich liebt, bin ich sicher, dass sie wieder kommt. Vielleicht musste sie noch was erledigen, oder so."
Er sah sie wieder an, doch sie redete schon weiter. Wie er es sich gedacht hatte. Dies war nicht der einzige Grund. Es ging auch um sie beide. Leise seufzte er. Hatte er sich so was nicht schon gedacht?
Es war nicht Hanakos schuld, sondern seine eigene. Der Stahlgraue kam einfach noch nicht damit zu Recht jetzt eine Gefährtin zu haben, das war so ungewohnt. Hanako nervte ihn nicht, diese Aggressivität war einfach in ihm drin und wenn er selbst nicht wusste, was mit sich los war, dann waren sie sogar noch schlimmer. Dabei wollte er der weißen Wölfin doch gar nicht wehtun.
"Nein Hanako, du nervst mich nicht und fällst mir auch nicht zur Last. Ich weiß einfach noch nicht so viel mit meinen Gefühlen an zu fangen, bisher habe ich sie nie in dieser Form gebraucht. Nicht ob ich es mit dir aushalte, sondern eher andersrum. Ich habe gesagt, dir zu liebe werde ich es versuchen. Ich muss mir darüber erst mal im Klaren werden, und das ist nicht so einfach, wie du vielleicht denkst. Eines solltest du dabei jedoch bedenken. Ich werde wohl nie so jemand werden, wie du es vielleicht gerne hättest. Ich bin nun mal nicht der supernette Typ, der sofort alles wedelnd umspringt. Nein das bin einfach nicht ich. Ob du es nun weiterhin versuchen willst, überlasse ich dir. Ich allerdings hatte noch nicht vor auf zu geben."
Ein Lächeln zierte kurz die stählernen Lefzen des kräftigen Wolfes und sachte stubste er Hanako kurz an die Schnauze.
Es war dunkel, Nyana wusste nicht, wo sie sich befand, verspürte ein Gefühl, das Angst glich. Was war geschehen? Sie wollte die Augen nicht öffnen... war sie Tod? Nein... das war sie nicht. Ihr Fell war durchnässt, und sie hatte Schmerzen... Nach einiger Zeit jedoch öffnet sie doch die Augen, war Umgeben von Bäumen, und es regnete. Wo war sie? Sie kann sich an nichts erinnern, so, als würde ihr Leben gerade erst beginnen. So stand sie auf, und sah sich um, bemerkte nicht, dass sie verletzt war, wenn diese Wunde auch nicht groß war, hatte sie schon einiges an Blut verloren. Es sah alles so gleich aus... Überall waren Bäume, und sie wusste nicht wohin sie gehen sollte. Nyana war verwirrt...
oO(Wohin ... muss ich denn nur gehen? Wie bin ich hierher gekommen?)Oo.
Dies waren die einzigen Gedanken die momentan in ihr vorgingen. Sie fühlte sich so leer, es war seltsam. Es regnete, sie hatte Angst, nun konnte man es ihr ansehen, denn sie zitterte am ganzen Körper.... Nein, kalt war ihr Sicherlich nicht, es war die Angst. Sie kannte diesen Ort nicht, sie blieb Regungslos stehen, wollte nicht laufen, wollte gar nichts, außer wissen, was geschehen ist. Nun bemerkte sie auch die Wunde an der Stirn, da sie sah, wie ein Tropfen Blut auf dem nassen Boden aufkam. Dennoch... Nyana konnte sich nicht erinnern was geschehen war... konnte sich an gar nichts erinnern. Nun setzte sie doch an, los zu laufen, schlug irgendeine Richtung ein, war es doch egal, welche... irgendwo würde sie schon herauskommen... so hoffte sie zumindest. Sie konnte nichts riechen, konnte keine Fährte aufnehmen... zu verwirrt war sie. Immer größer wurde die Angst, immer Unsicherer wurde sie... mit jedem Schritt steigerte sich dies. Doch nach einiger Zeit schließlich lichteten sich die Bäume etwas... und es war so... als könne sie etwas sehen... aber was? Andere Wölfe? Wenn ja... so wäre sie vielleicht in Sicherheit? Die Angst brachte sie fast um den Verstand, sie zitterte noch immer... würde man sie schon sehen? Sie hatte nicht die Kraft um Hilfe zu rufen, war geschwächt... Noch immer tropfte ein bisschen Blut zu Boden. Nyana blieb schließlich stehen und sah sich um, würde man sie sehen?
23.12.2009, 17:02
Eris Stimmung schwang um. Ihr Blick verfinsterte sich, auch wenn die Veränderung beinahe gänzlich von den Schatten verschluckt wurde. Die grauen Augen blitzten von einem Wolf zum anderen und richteten sich schließlich auf den dunklen Wald hinter ihnen. Ja, ihre Beiträge zu Gesprächen waren manchmal überflüssig. Ja, sie war sich darüber im Klaren und ja, diese Angelegenheit erforderte ihre Stimme nicht, es war die Angelegenheit von den Dreien. Aber ihr das durch Ignoranz mitzuteilen, war schlimmer, als wenn man sie angeschnauzt hätte. Das war weniger verletzend. Eris ließ den Blick weiterschweifen über das Dickicht. Sollten sie doch machen, was sie wollten. Die Schwarze seufzte innerlich. Einen sehr, sehr kurzen Moment lang sehnte sie sich an Kamuis Seite zurück, auch wenn sie wusste, dass es sie im Endeffekt nur noch unglücklicher machen würde. Deshalb rief sie sich auch augenblicklich wieder zur Vernunft. Solche Gedanken machten alles nur noch schlimmer, das wusste sie aus Erfahrung. Auch, wenn Eris sich immer noch damit beschäftigte, Busch und Baum anzuschauen, spitze sie doch die Ohren und konzentrierte sich darauf, mitzubekommen, wie es weitergehen sollte. Da schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf, es geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille und hört im Herzen auf zu sein. [/ALIGN]
Leé lief hinter Hanako her. Sie beobachtete abwesend die Diskussion Hidois und Hanakos. Sie machte sich auch Sorgen um Hanakos Mutter, obwohl Leé diese nicht gut kannte. Leé verstand der Grund der Suche nicht ganz, war in Gedanken auch völlig woanders. Bei der Liebe. Sie war jetzt kein Welpe mehr, der sich an seine Mutter kuschelte und nachts den schützenden Herzschlag der Mutter fühlte. Die Braune starrte in den Regen und versank tiefer und tiefer in ihren Gedanken. Natürlich spürte Leé, seit sie bei Hanako war, die Liebe. Aber dies war nicht die Liebe, die sie zu Shion gefühlt hatte. Die Liebe von Hanako zu ihr war etwas, was nie erlöschen wird, ist aber anders als eine zu einem Rüden. Ihr starrer Blick löste sich, sie spürte wieder das Tröpfeln des Regens auf ihrem Fell und hörte die ekelhaften Geräusche, die ihre Pfoten verursachten, wenn sie durch den Matsch lief. Sie spürte die beißende Kälte wieder und die seltsame Einsamkeit in ihrem Herzen.
.oO(Wenn doch bloß Shion zurückkommen würde...)
dachte Leé mit einem seltsamen Gefühl im Magen. Sie stellte sich vor, dass er aus dem Regen hervortreten würde, direkt vor ihr stehen bleiben und einfach nichts sagend mit ihr davonjagen würde. Leé seufzte leise.
.oO(Ich sollte mich lieber auf das reale Leben konzentrieren, nicht auf meine Luftschlösser...)
Hanakos Blick ruhte auf ihrem Gefährten und sie lauschte seinen Worten mit Geduld, als er über ihre Mutter sprach. Ja, er hat Recht, er hatte mit Sicherheit ein vollkommen anderes Verhältnis zu seinen Eltern gehabt als Hanako es hatte und deshalb seufzte sie leise, sie hatte die Situation sicherlich falsch eingeschätzt.
„Ich…ich denke ja auch, dass sie sicherlich irgendwann wiederkommt, aber wieso rennt sie denn erst weg, wenn sie mich liebt? Was kann sie denn plötzlich zu erledigen haben, in ihrem Leben war doch nicht mehr viel passiert bis sie hierher kam. Ich versteh das einfach nicht, ich liebe meine Mutter wirklich so sehr und nun ist sie spurlos verschwunden. Hoffentlich kommt sie wieder…“
Hanako konnte ihre Worte fast gar nicht richtig aussprechen, da sprach Hidoi schon weiter und kam auf das Thema ihrer Beziehung sehr genau zu sprechen. Sie nervte ihn also nicht und fiel ihm anscheinend auch nicht zur Last, doch wieso kam sie dann nur auf ein so seltsames Gefühl? Nachdenklich lauschte sie ihm weiter, sie suchte Gegenfragen, doch fand sie welche? Er war ein anderer Wolf, ja, das hatte sie schon herausgefunden, aber so kalt konnte doch selbst er nicht sein oder? Hanako blickte Hidoi tief in die Augen, er musste also immer noch seine Gefühle kennen lernen und sie herausfinden, wie lange würde er wohl noch brauchen? Mit Hidoi war es etwas ganz Anderes und irgendwie auch Besonderes, Hanako seufzte. Er wollte noch nicht aufgeben und bestätigte dies tatsächlich mit einem leichten Lächeln und stupste sie sachte an die Schnauze. Es gab Hanako ein warmes Gefühl und sie freute sich darüber, sodass sie leicht mit der Rute wedelte.
„Entschuldige meine Worte, Hidoi, ich wollte dich mit so was nicht verletzen. Ich bin einfach zu verwirrt und mache mir Gedanken, ob mein Leben denn so noch weitergehen kann oder ob ich vielleicht etwas ändern sollte. Aber das brauche ich nicht. Du willst nicht aufgeben und gerade dies zeigt mir, dass dir wohl doch mehr an mir liegt als ich es erst gedacht habe. Und natürlich ist es mir klar, dass du nicht ewig nur an mir hängen wirst, aber ich denke, dass es auch dir gut tut, wenn man dir Zärtlichkeit und Wärme schenkt, denn du scheinst wenig davon gehabt zu haben und ich finde, dass ich merke, das dir so etwas doch fehlt. Vielleicht willst du es dir selbst noch nicht eingestehen oder spürst davon nichts, aber ich denke, dass tief in dir mehr steckt als nur die kalte Seite, die andere Wölfe kennen und abschreckt. Ich liebe dich und alles, was du hast und gibst…“
Hanako lächelte und lehnte ihren Kopf kurz an seine Schulter, dann sah sie sich neugierig um, hatte sie da nicht etwas gehört? Neugierig wanderten ihre Blicke umher, plötzlich konnte sie Bewegungen im Wald sehen und schreckte auf.
„Da ist doch etwas….“
Hanako ging langsam darauf zu, plötzlich erkannte sie eine schwache Fähe und bei genaueren Hinsehen konnte sie erkennen, wer es sein musste. Ihre Mutter Nyana!
„Mutter?! Du lebst?! Oh mein Gott….“
Banshee erwiderte Acollons Blick mit leicht hochgezogenen Augenbrauen, wandte sich dann aber wieder um und lief mit zügigen Schritten dem Geruch Falks nach, bald schon konnte sie auch die Anwesenheit von Eris und Dayon bestätigen, sie waren noch zusammen, alles lief nach Plan. Bald schon sah sie die vier Wölfe herumstehen, etwas verwundert kam sie näher und stand schließlich bei den vieren. Dayon war halb weggedreht, schien weiter laufen zu wollen, Ayala schien zerrissen, unentschlossen, wohin, Falk hatte einen seltsamen, aber für sie undefinierbaren Ausdruck in den Augen und Eris starrte in die Büsche, vielleicht etwas genervt, möglicherweise auch beleidigt ... da waren sie ja in eine schöne Situation hinein geplatzt.
"Jìaye, zusammen ... gibt es ... gibt es Probleme?"
Zuerst hingen ihre Augen an Falk dann schweiften sie zu Eris, es war ihr ein Rätsel, was hier passierte, aber es schien nichts wirklich richtig zu laufen. Sie wandte sich leicht nach hinten um.
"Wir wurden nicht fündig, haben dafür eine neue Wölfin, Riku mitgebracht."
Fragend lag ihr Blick wieder auf Falk.
Riku trabte wie die ganze Zeit schon leicht schräg hinter Banshee her und beobachtete die Umgebung, lauschte der gähnenden Stille, die für sie jetzt schon fast wie eine wohlbekannte Melodie die immer wieder in ihrem Kopf spielte und die ihr schon mehr bekannt war wie die anderen Töne. Und die sie schon mehr mochte wie das Gerede der Wölfe. Sie sah zu den Fremden, oder besser gesagt war sie ja die Fremde, sie nickte den Wölfen allen leicht zu, bei Dayon blieb ihr Blick kurz hängen, er schien nicht sehr glücklich. Ausdruckslos musterte sie ihn und ließ den Blick dann wieder zu Banshee schweifen, welche sie eine Weile gespannt musterte. Dann wandte sie den Blick ab und sah zu einem anderen Rüden. Auch eine Fähe stand dabei, sie schien verzweifelt und sah aus als wüsste sie nicht so Recht wohin mit ihr. Aber sie konnte diese Wölfe nicht beurteilen, schließlich kannte sie sie nicht. Mit gefrorener Stimme meinte sie leise:
"Aleya!"
Dann sah sie wieder weg. Ihr hoffnungsloser Blick schweifte über die Landschaft und sie wartete einfach ab.
Hidoi's Rücken zuckte kurz als sich Hanako gegen seine vernarbte Schulter lehnte. Dies führte allerdings daher, dass dieses Gefühl, welches sich in ihm ausbreitete, es war ungewohnt, aber nicht unangenehm.
.oO°(Um mich zu verletzen braucht es schon etwas mehr...)
dachte er ruhig und lauschte ihren weiteren Worten. Gerne hätte ihr jetzt irgendwie doch dasselbe gesagt, aber das brauchte schon viel Kraft und auch Gewissheit. Vielleicht hätte er es geschafft, wenn nicht etwas dazwischen gekommen wäre. Sein Kopf wandte sich herum und blickte die schwache Fähe an. Die stechend gelben Augen verengten sich. Das war also Hanakos Mutter? Die sah aber gar nicht gut aus. Ein kurzer Blick zum Welpen, um sich zu vergewissern, dass diese nicht ausriss, dann kurz zu seiner Gefährtin.
"Hm..."
Die Wölfin trug eine schwere Verletzung am Kopf. Was war geschehen? Vielleicht... Dieser komische Seelensammler-Wolf, der sich angeblich hier herum trieb?
Falk hob an etwas zu sagen, wollte etwas erklären, doch ein Geräusch ließ ihn stocken. Der Hüne drehte sich um. Die Gruppe um Banshee war mit einer fremden Wölfin zu ihnen getreten. Falk fragte sich zunächst, ob dies schon der Seelensammler war, verwarf dann aber den Gedanken. Es wäre einfach unlogisch gewesen.
"Hm, Probleme..."
Falk machte eine Kunstpause, tat so, als ob er über Banshees Frage nachdachte um so die Spannung etwas herunterzuspielen. Sicherlich hatten alle anderen Recht, dass Varloc sich sehr gut alleine durchschlagen könnte und Moon eher nicht, aber was lag dem Hünen schon an Moon... Varloc, sie wollte er finden... Es wäre zwar schön, Moon auch gleich wieder aufzutreiben, doch eher für Dayon. Nicht unbedingt für ihn, Falk.
"Na ja, vielleicht löst sich das Problem mit eurer Ankunft jetzt schon. Wir haben eine alte Spur von Varloc gefunden, aber Moon hat das Revier in eine andere Richtung verlassen. Nun überlegten wir, in welche Richtung wir gehen sollten und..."
Wieder zögerte der Rüde.
"Vielleicht könnten wir das ja aufteilen. Die eine Gruppe verfolgt die Spur von Varloc. Die andere sucht nach Moon. Und... Ich könnte sonst auch alleine nach Varloc suchen. Ich bin stark genug. Kein verdammter Seelensammler sollte mich aufhalten können. Keiner. Aber ihr entscheidet."
Sein Blick wanderte von Banshee zu Acollon und wieder zurück.
Eris antwortete auf Banshees Frage mit gleichgültig gesenkten Augenlidern. Ihr Blick verriet, dass sie sich lieber nicht mehr einmischen wollte und sie wandte ihn ab. Er streifte den schwarzen Alpharüden Acollon und flog wieder über die tiefen Pfotenabdrücke im Schlamm. Als jemand mit so trist kalter Stimme einen Gruß in die Runde der Wölfe warf, wie Eris´ Stimmung war, murmelte sie nur beiläufig "Jìaye" zurück. Doch dann blieben Eris´ schweifende Gedanken stecken. Eine interessante Stimme war das und unbekannt. Die Schwarze sah auf. Sie bemerkte sofort den grauweißen Farbtupfer in der Dunkelheit. Eine neue Fähe war hinzugestoßen und stand etwas hinter Banshee. Eris, die ebenfalls ein wenig abgerückt stand, musterte sie. Der Blick der Grauen war genauso wie ihre Stimme und ließ Eris die Stirn in Falten legen. Heut´ Nacht waren wohl einige nicht so ganz auf dem Fröhlichkeitsdampfer.
Die Schwarze lauschte Falks Erklärung an Banshee. Eine Trennung der Gruppe also ... mhh, ihretwegen sollte es keine Einwände geben. Sie würde einfach nur folgen und hoffen, dass die Sonne sich bald entschied aufzugehen und dieser elendigen Nacht ein Ende bereitete. Aber eigentlich hatte sich in Eris der kleine Wunsch eingenistet, dass die Werwölfin Varloc gefunden werden sollte. Die Schwarze wäre wirklich neugierig darauf, sie zu treffen. Eine echte Werwölfin ... stark.
Banshee nickte nachdenklich, eine Spur von Varloc ... das konnte nur Gutes bedeuten. Ihre Rute begann leicht zu wippen, Varloc wieder zu finden war mehr, als sie sich erhofft hatte.
"Eine Spur von Varloc? Das ist fantastisch ... sollten wir sie wirklich wieder finden, wäre ich unglaublich glücklich."
Sie strahlte zu Falk und drehte sich dann zu Acollon, Mitsu und Riku um. Sie überlegte, sie wollte auf jeden fall die Spur Varlocs mit verfolgen, Riku und Mitsu sollten mit ihr kommen und Acollon ... ihr Blick ruhte eine Zeit lang auf ihm, er war anders geworden und sie wünschte sich ihn an ihrer Seite. Nachdenklich verweilte sie bei Eris, die Fähe konnte sie noch schlecht einschätzen und eigentlich würde sie sie gerne besser kennenlernen, doch das hieß dann, dass Dayon und Ayala alleine Moon suchen würden. Doch vielleicht wäre das genau gut, es schien ihr, als würde Dayon Trost bei der Weißen oder bei Falk suchen, doch waren so viele Wölfe um die zwei herum, dass er keine Gelegenheit hatte. Ja, Eris würde ebenfalls mit Varloc suchen kommen, vielleicht würden Ayala und Dayon Moon finden, Banshee würde sich unglaublich über dieses Ergebnis und diese Freundschaft freuen. Sie drehte sich wieder zu Falk.
"Meine ganze Gruppe wird ebenfalls Varloc suchen gehen, doch überlasse ich dir dabei gerne die Führung, Falk. Eris sollle uns ebenfalls noch begleiten und Ayala und Dayon können derweil nach Moon suchen."
Kurz schenkte sie Eris ein flüchtiges, aber erfreutes Lächeln und warf Falk einen bedeutungsvollen Blick zu, hoffte, dass er verstehen würde. Sie wünschte Dayon jemanden, der ihn tröstete und trotzdem sich nicht in seine Verzweiflung hinein ziehen lassen würde. Und da Ayala ihren Falk hatte, würde sie sicher genau das richtige tun, Banshee vertraute der Weißen.
Jemand kam in Nyanas Richtung, doch erkannte sie nicht, wer dies sein könnte. Irgendwie war ein vertrautes Gefühl in ihr, aber war doch alles so Fremd. Sie bewegte sich nicht weiter, hin und wieder tropfte ein Bluttropfen auf den Boden, als sie plötzlich ein paar Worte hörte...
.oO(Meint sie mich? Unmöglich...)Oo.
Man konnte ihr ansehen, wie verwirrt sie war, wie schwach sie war und wie schlecht ihr Zustand war.Sie konnte nicht mehr laufen, sie hatte keine Kraft dafür. Sie senkte ihren Kopf zu Boden, und versuchte sich zu erinnern, ob sie diese Fähe dort vorne schon einmal gesehen hatte... aber nichts, es war völlige Leere in ihrem Kopf, nichts anderes herrschte momentan in ihr. Allerdings trat sie einen Schritt zurück, als sie die Fähe erneut ansah, und brach dabei schon fast zusammen.
.oO(Wer ist das? Kennt sie mich?)Oo.
Immer mehr Fragen bildeten sich in ihren Gedanken. Sie wollte die Antworten wissen, ja, aber nicht jetzt... Jetzt brauchte sie Hilfe, Hilfe von irgend jemanden ...
Hanako betrachtete die Fähe eingehend und wartete auf eine Antwort. Doch sie bemerkte sehr schnell, dass es ihr nicht gut ging. Ihre Mutter war schwach, zerbrechlich, war verletzt und schwieg, Hanako war dies einfach nicht gewohnt. Warum antwortete sie denn nicht? Ihre Blicke waren so seltsam, erkannte sie ihre Tochter denn nicht mehr wieder? Hanako stach es durchs Herz und sie beobachtete weiterhin ihre Mutter, doch es musste Hilfe her, sie würde zusammen brechen.
„Mutter…halte doch durch…“
Flehte Hanako mit aufgelöster Stimme. Sie starrte um sich, suchte irgendetwas, was ihrer Mutter helfen würde, doch gab es da etwas? Ihre Blicke suchten Hidoi und Leé, sie konnten doch nicht nur rum stehen, sie mussten doch irgendetwas tun! Hanakos Blick war vollkommen leer und sie bat um Hilfe, um jemanden, der endlich kommen würde und ihrer Mutter, die doch so seltsam war in diesem Augenblick, endlich half.
„Tut doch endlich was!“
Ihre Stimme zitterte, war unruhig und voller Angst, sie blickte wieder zu ihrer Mutter und drückte sich schnell an die Seite der so schwachen Fähe, damit sie nicht endgültig umkippen würde.
„Bitte halte durch, Mutter, bitte….ich brauche dich doch….lass mich jetzt nicht im Stich…“
Hanako kniff ängstlich die Augen zusammen und versuchte dem Gewicht ihrer Mutter stand zu halten, was war denn nur passiert? Wieso sagte sie nichts? Wieso war sie so verletzt und wieso erkannte sie Hanako nicht wieder? Fragen über Fragen drehten sich in Hanakos Kopf und sie spürte, wie sie selber langsam immer schwächer wurde vor Sorge und Angst…
Hidoi zuckte leicht ruckartig mit den Ohren nach hinten. Früher hätte er es nicht gedultet, das jemand so mit ihm redete. Was ein paar Tage bei dieser hübschen Fähe alles ausgemacht hatten, schon erstaunlich. Leise seufzte er und trat mit ruhigem Blick neben Hanako.
"Hey, ganz ruhig. Sie wird dich schon erkennen. Sie steht bestimmt nur unter Schock. Pass auf, wir versuchen sie zum See zu bringen."
Beruhigend fuhr er kurz mit der kalten Schnauze durch ihr Fell hinter dem Ohr und ging dann langsam auf Hanakos Mutter zu. Er musterte sie kurz, vor allem ihre Wunde und versuchte ab zu schätzen, ob sie damit noch laufen konnte.
"Hey du, siehst du die weiße Fähe hinter mir? Erinnerst du dich an sie? Das ist deine Tochter Hanako... Kannst du noch ein wenig laufen?"
der stahlgraue Wolf wusste selbst, dass er sich nicht äußerst geschickt anstellte, aber sie einfach rüde dazu zu bringen zum See zu laufen, wie er es früher getan hätte, konnte er nicht tun. Schließlich war dies die Mutter seiner Gefährtin. Und die sah langsam auch gar nicht mehr gut aus. Nannte man das nicht Sorge, was er da spürte?
"NEIN!"
Ayala und Dayon sollten alleine nach Moon suchen? Ausgerechnet diese beiden sollte Falk im Stich lassen, diese beiden, die ihm wichtig geworden waren wie niemand sonst im Rudel? Nein - niemand konnte das von ihm verlangen, niemand, auch nicht die Alphas und wenn Banshee ihm zehnmal - als Zeichen ihres Vertrauens in ihn? - die Führung auf der Suche nach Varloc, der verschwundenen Werwölfin überließ. Nein, er würde nicht ohne diese beiden Wölfe gehen, für nichts und niemanden. Er konnte sie nicht allein lassen, es war zu gefährlich...
"Nein, Banshee, ich kann das nicht tun... Diese beiden werde ich nicht alleine lassen, nicht Ayala und Dayon... Dann erlaube mir, dass ich...dass ich die beiden auf ihrer Suche nach Moon begleite, ich bitte dich darum. Ich kann das nicht zulassen. Niemals."
Die Wunden der Vergangenheit waren wieder aufgerissen worden. Wieder stand Falk das Bild Leahs vor den Augen, dieser letzte Blick jener gütigen, sandfarbenen Fähe, diese Fähe, die Falk so sehr geliebt hatte. Und jetzt sollte sich das womöglich alles mit Ayala wiederholen? Sollte es sein Schicksal sein, dass er irgendwann an Varlocs Seite zurück ins Revier kehrte und Ayalas und Dayons seelenlose Körper würde finden müssen? Nein, niemals - niemals solange ein Funke Leben in ihm war.
Banshee seufzte leise, augenscheinlich hatte Falk ihren Wink nicht verstanden, sie sah auch keinen Grund, warum er sich so aufführte. Ein Seelensammler sprang schließlich nicht plötzlich aus dem Gebüsch und riss einem Wolf die Seele hinaus, das war ein langsamer Prozess, der lange dauerte. Sie wollte dies Falk schon erklären, als sie es sich anders überlegte, nun gut, wenn er sich solche Sorgen machte, würde sie darauf eben eingehen müssen. Er war ihr Beta und sie kannte ihn, er war weder dumm noch überbesorgt.
"Gut, Falk, wenn du dir solche Sorgen machst, werde ich mit Ayala und Dayon gehen, such du nach Varloc, ich weiß, du sehnst dich danach."
Sie lächelte leicht, Falks Interesse wurde nicht leichtfertig verteilt, Moon hatte es zum Beispiel nicht abbekommen, Varloc dafür umso mehr. Ihn nun davon abzuhalten die Fähe zu suchen wäre fast gemein.
"Alle anderen folgen Falk, ihr hört auf Acollons und Falks Kommando. Wir werden wahrscheinlich bald wieder zu euch stoßen."
Sie lächelte bedauernd zu Eris, gerne hätte sie sich mit der Fähe unterhalten aber Engaya schien anderes mit ihr vorzuhaben. Sie löste sich aus den Reihen ihrer Gruppe und ging zu Dayon, der schon erwartungsvoll dastand, wartete noch auf Ayala, dass sie ihr folgte.
Was wollte diese Fähe von Nyana? Immer wieder hörte sie die Worte Mutter... und Nyana wurde mit diesen Worten gemeint. Plötzlich kam auch noch ein Rüde in ihre Nähe... Doch als sie dessen Worte vernahm, schüttelte sie den Kopf, und sah beide stark verwirrt an. Kurz schwieg sie... bis sie es schließlich doch schaffte, etwas zu sagen...
"...Hanako... Meine Tochter?... Ich... ich kann mich nicht erinnern..."
Ihre Stimme klang zitternd, verängstigt. Nein... sie konnte sich wahrhaftig an wirklich nichts erinnern. Sie sah nun den Rüden an, der mit ihr gesprochen hatte.
"Ob ich... noch ein wenig... laufen kann? Ich... weiss nicht, ich... fühle mich so schwach... aber ich kann es ja versuchen..."
Bei diesen Worten sackte sie wieder leicht in sich zusammen, und schaffte es nur schwer, sich wieder normal hin zu stellen. Ihr gesamter Körper zitterte. Schließlich sah sie zu Boden, und schwieg...
Hanako starrte ihre Mutter nun nur noch an und jeder Muskel spannte sich erschrocken und geschockt zugleich zusammen. Sie wusste also tatsächlich nicht mehr, wer Hanako war und dass sie ihre Tochter war hatte sie auch vergessen? Sie konnte sich an nichts erinnern? Wie konnte so etwas denn nur passieren? In Hanakos Augen war das volle Entsetzen zu lesen, wie konnte Nyana den Welpen, den sie am Meisten geliebt hatte, nur vergessen? Wie konnte sie sich nicht mehr Hanako erinnern, wo sie doch so viel für diese durchgemacht hatte? Hanakos Körper begann zu zittern, Unsicherheit machte sich in ihre Breit und sie trat unsicher von Hidoi und Nyana weg.
"A-Aber...ich...ich bin doch..."
Hanako stockte jedes Wort, sie bekam einfach nichts mehr heraus und ihre Augen wurde immer kleiner, sie war so traurig, so enttäuscht. Wenn sie hätte weinen können, wären die Tränen nun ohne Ende geflossen. Ihre eigene Mutter erkannte sie nicht mehr und wusste nichts mehr von ihr. Hanako verstand dies einfach nicht, wie konnte so etwas denn nur passieren? Es war einfach unmöglich, man konnte doch seine Welpen nicht vergessen. Sie selbst dachte doch auch so oft an ihre tote Welpin und Nyana vergaß sie einfach?
"Du kannst mich doch nicht einfach vergessen!"
Platzte es aus Hankao heraus, ihre Stimme war vollkommen aufgewühlt und sie selbst war mehr als durcheinander, wusste nicht mehr, wie ihr geschah. Unsicher trat sie einige Schritte zurück, ihr Körper fühlte sich so leer an, so durchwühlt, Hanako verstand es einfach nicht mehr. Mit wenigen Sätzen entfernte sie sich von den Wölfen und versteckte sich hinter ein paar Bäumen.
.oO(Nein...ich kann nicht mehr...)
Hidoi beäugte die Wölfin vor sich mit typisch stechendem Blick und verengten Augen. Arme Hanako... Das hätten selbst seine Eltern nicht geschafft. Den Stahlgrauen vergessen? Hätte es die Situation zugelassen, hätte er jetzt vielleicht fies gelächelt. Das hätte er nie zugelassen. Aber nun?
Seine Ohren zuckten und er wandte sich zu Hanako um. Zum ersten Mal in seinem Leben verspürte er tiefes Mitleid. Für Hanako. Ihre sonst so warmen Züge waren von Entsetzen verzerrt, und voll von Trauer. Als sie wegtrat, verspürte er den Drang zu ihr zugehen um sie zu trösten. Das kannte er gar nicht. Aber da Hanakos Mutter drohte zusammen zu sacken, ging er einen Schritt auf diese zu.
"Von wegen..."
damit senkte der muskulöse Rüde den Kopf unter ihren Bauch zu den Vorderpfoten hindurch und im nächsten Moment hob er ihn wieder hoch. Damit hatte er sich die Wölfin vorsichtig auf den Rücken gepackt. Schon oft hatte er Wölfe so transportieren müssen. Diese Methode hatte ihm sein Vater gezeigt und sie auch selbst angewendet, wenn mal wieder einer der verrückten Krieger zu lange gekämpft hatte und verletzt waren.
"Keine Angst."
sagte Hidoi knapp und drehte sich dann aufpassend, dass die Fähe nicht von seinem Rücken versuchte runter zu kommen, zu Hanako um.
"Hanako! Wir sollten Banshee rufen. Keine Sorge, sie wird sich bestimmt erinnern, wenn sie alles verarbeitet hat. Aber ihre Wunden sind ernst zu nehmen. Banshee wird wissen was zu tun ist."
sagte er ruhig, aber so laut das sie es in jedem Fall hören musste. Einen kurzen Moment suchte sein Blick Leé. Mit einem Kopfnicken deutete er ihr, dass sie sich um die kleine Welpin kümmern sollte. Dazu war weder er noch Hanako momentan im Stande.
Inuki hob den Kopf an und Beobachtete das ganze geschehen um sich herum mit entsetzten. Sie konnte nicht glauben was sie da sah. Zuerst waren nur Hanako und Hidoi am reden im nächsten Moment kam dann diese Wölfin die so schwach aussah an. Und nun ging Hanako voller Trauer und Schmerz weg, gefolgt von Hidoi, der diese fremde Fähe, die Hanakos Mutter war, auf dem Rücken hatte. Das war für Inuki zuviel und die kleine Fähe war vollkommen durcheinander. Nun entfernten sich die beiden mit der Mutter von Hanako. Inuki blickte fragend und gleichzeitig verdutzt zu Lee, die nun noch bei ihr stand.
"Wer war das gerade und was passiert hier?"
Fragte die kleine Welpin mit zittriger Stimme sie verstand das alles nicht mehr und Wünschte sich sehnsüchtig endlich ein großer Wolf zu sein. Davon träumte die kleine schon Ewigkeiten.
Dayon lächelte zum ersten Mal wohl seit langem. Endlich würden sie Moon suchen gehen und solange Ayala bei ihm war, war alles gut. Seine Pfoten bewegten sich wieder etwas, weiter zur Reviergrenze hin, ungeduldig, widerwillig abwartend. Sein Blick tanzte auf den Anwesenden, scheinbar waren sich alle nicht so ganz einig, aber er war froh über Banshees Beschluss.
"Lasst uns losgehen, wir haben keine Zeit zu verlieren."
Er sah zu Ayala und dann zu Banshee, beide waren noch nicht losgelaufen, wie lange wollten sie noch warten? Sie hatten keine Zeit, sie mussten sie nutzen. Er trat einen weiteren Schritt nach vorne, blickte wieder zurück, seine Ohren wippten mittlerweile unruhig, seine Augen glänzten. Der Regen peitschte dabei um ihn herum, so dass es wohl niemand richtig bemerkte.
Ayalas Blick tanzte zwischen Falk und Banshee hin und her, beide wollten doch Varloc folgen, warum wollten sie sie nicht mit Dayon alleine lassen? Langsam trat sie neben den Sandfarbenen Rüden und schenkte ihm ein Lächeln, das er mit glänzenden Augen erwiderte. Schon trat er wieder zwei Schritte vor, Ayala folgte ihm tänzelnd, sie wollte Moon mit ihm zusammen finden, er würde sie sicher zu ihm führen, sie würden ihn zusammen finden, dann wären sie wieder vereint. Als Banshee zu ihnen trat schenkte sie auch der ein Lächeln, sie freute sich, dass es jetzt so schön klappte, sie würden zu dritt weiter gehen, alles wurde gut, sie spürte es, ihr Herz erblühte. Kurz sah sie noch einmal zurück, Falk stand da ... dann wandte sie sich um und trat neben Dayon auf, sie freute sich auf die Suche, es würde schön werden, sehr schön. Der Nadelboden dämpfte ihre Schritte, sie tänzelte dahin, ihre Augen waren glasig, ihr Blick wanderte über Dayon, dann nach vorne, dann wieder zu Dayon. Sie freute sich, es würde schön werden.
Banshee sah zwischen Ayala und Dayon hin und her, die zwei schienen sehr zufrieden zu sein und wenn sie ehrlich war, so lag ihr das gerade mehr am Herzen, als Falks Zufriedenheit. Dayon begann aufzublühen und diese Tatsache erfreute sie die in ihrem Herzen, der Rüde, der immer stumpf dahin gelaufen war und scheinbar in einer anderen Welt gelebt hatte war nun wirklich hier, in diesem Leben und wollte seinen Sohn wieder finden ... mit einer guten Freundin an seiner Seite, die sich über sein Glück genauso freute, wie Banshee es tat. Es war perfekt ... abgesehen von dem Regen. Banshee drehte sich noch einmal um und lächelte Falk und Eris zu, warf einen stummen Blick zu Acollon und streifte kurz Riku, sie hoffte, dass Falk auf sie alle gut Acht geben würde, besonders auf Riku, aber so gut wie der Beta mit Dayon umgehen konnte würde er sich vielleicht auch mit Riku anfreunden, Banshee wünschte ihr das von Herzen. Dann sah sie auch nach vorne und begann neben Ayala und Dayon dahin zu traben, in dieser glücklichen Situation konnte sie die Hoffnung Moon wieder zu finden fast wachsen spüren. Alles würde gut werden.
Der Regen nahm wieder zu, als hätte er sich nur kurz eine Verschnaufpause gönnen müssen. Dazu wütete nun der Wind stärker, aus dem nervigen Übel wurde ein richtiger Sturm und schon brausten die Regentropfen den Wölfen um die Ohren. Die Gruppen, die sich soeben vereint hatten entfernten sich in unterschiedlichen Besetzungen wieder voneinander, bald schon konnten sie einander nicht mehr sehen.
Hanako wollte erst einfach nicht reagieren und sah hinter den Baumstämmen nur flüchtig zu Hidoi, beobachtete genau, was er mit ihrer Mutter tat. Vielleicht verwechselte sie die Fähe auch einfach und alles war ein großes Missverständnis? Vielleicht war sie eine Fremde und gar nicht ihre Mutter? Nein, so sehr konnte selbst Hanako sich nicht täuschen, natürlich war dies ihre Mutter, schwer verletzt, verwirrt und äußerst enttäuschend für Hanako. Warum hatte sie alles vergessen? Hanako verstand es einfach nicht, sie war viel zu verwirrt von all dem, aber die Idee, nach Banshee zu rufen, schien wichtig zu sein und Hanako schluckte. Sie musste es tun, sie wusste es, auch wenn sie es gar nicht wollte im Moment. Sie wollte nur noch alleine sein und über alles nachdenken. Noch kurz dachte Hanako nach, was sie tun sollte, dann hob sie mit traurigen Augen ihre Schnauze 'gen Himmel und heulte:
“Banshee, bitte hilf uns, meine Mutter ist schwer verletzt und vielleicht stirbt sie! Wir brauchen dich...“
Hanako senkte ihren Kopf wieder und ließ sich schwach zu Boden fallen, langsam hielt sie den ganzen Druck nicht mehr aus und im Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher, als wieder in der Vergangenheit zu leben, wo alles doch so geregelt und so schön war ... Aber nun war sie hier, in der knallharten Realität und musste versuchen, damit zu leben und es hinter sich zu bringen. Sie schloss nachdenklich die Augen und murmelte immer wieder leise Worte vor sich hin, die sie selbst nicht verstand, aber die sie versuchten zu beruhigen. Wie konnte ihre Mutter ihr so etwas denn nur antun? War es richtig, ihr nun Vorwürfe zu machen? Vielleicht konnte sie auch nichts dafür…? Aber zu welchem Sinn tat sie so etwas dann? Hanako konnte dies nicht verstehen und auch nicht nachvollziehen.
.oO(Wie lange soll ich mich denn nun vor dieser Situation verstecken? Es tut mir so weh, so sehr, es zerreißt mir mein Herz und ich schreie nach Hilfe und Liebe. Meine Mutter tut mir so weh und wahrscheinlich kann sie noch nicht einmal etwas dafür. Hidoi, mein Liebster, bitte stehe mir doch bei, bitte erkläre mir, was hier vor sich geht und was ich tun kann…. Wann nimmt das alles hier endlich ein Ende? Ich kann einfach nicht mehr, ich kann so einfach nicht weitermachen, ich brauche eine klare Antwort, eine Antwort, die mir hilft, das alles hier zu verstehen. Doch es ist so unmöglich…warum denn nur? Warum?! Katsu, wo bist du nur? Warum hat Peavy dich getötet, wer hat diesen Hass in ihm ausgelöst? Leila, mein Baby, warum hat er mir auch noch dich genommen? Hört ihr mich…? Bitte helft mir, ich brauche eure Hilfe…)
Hanako seufzte leise, nie mehr würden die Beiden ihr antworten, so sehr sie es sich auch zurückwünschte. Die Zeiten waren vorbei und es stach durch Hanakos Herz … Wieso war sie so unfair? Sie hatte Leé, sie hatte Hidoi und ihre Mutter, selbst, wenn diese sich an nichts mehr erinnern konnte, war sie da und Hanako wollte dies einfach nur noch genießen und nicht vergelten…
.oO(Ich liebe euch doch…)
Mitsu hatte nur schweigend neben Riku gestanden und aufmerksam der Unterhaltung von Banshee und den anderen Wölfen gelauscht. Ihre Ohren richteten sich auf, während sie den Blick ihrer eisblauen Augen umherschweifen ließ. Sie merkte wie der Regen immer mehr zunahm. Ihr weiß, graues Fell klebte ihr am Körper und zeichnete ihre drahtige Figur ab. Wie gerne hätte sich kurz kräftig geschüttelt, so dass die Wassertropfen in alle Richtungen gestoben wären. Doch sie unterdrückte den Wunsch. Was hätte es auch gebracht? Der Regen hätte ihren Pelz sofort wieder durchnässt. Mitsu richtete den Blick´ gen Himmel und ließ ihn über die hohen Bäume gleiten, an denen der kräftige Wind zerrte und riss. Ein nachdenklicher Seufzer entfuhr ihrer Kehle. Brachte diese Suche überhaupt etwas bei diesem Wetter? Ausdruckslos drückte Mitsu ihre rechte Pfote in den vom Regen aufgeweichten, schlammigen Boden und hob sie wieder hoch. Dicke Regentropfen füllten ihren tiefen Pfoten Abdruck. Nun drückte sie ihre linke Pfote in den aufgeweichten, schlammigen Boden. Ein leises, schmatzendes Geräusch und noch ein Abdruck wurde von den Regentropfen ausgefüllt. Ruckartig hob sie ihre weiße Schnauze ´gen Himmel und ihre Ohren richteten sich aufmerksam auf, als sie ein lautes Heulen vernahm. Sie kannte dieses Heulen nicht, konnte es nicht zu ordnen. Doch musste es einem Wolf aus dem Rudel gehören, denn dieses Heulen war für ihre Alpha, Banshee bestimmt. Neugierig ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen kurz über Falk, Riku und den anderen streifen, ehe sie sich in die Richtung wandte, in der Banshee, Dayon und Ayala verschwunden waren. Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lefzen.
.oO(Viel Glück...)Oo.
Aufmerksam streifte ihr Blick über die Gruppe von Wölfen, mit denen sie jetzt Varloc suchen sollten, während sie wartend da stand.
Riku hatte die ganze Zeit nur da gestanden, seit der Begrüßung hatte sie kein einziges Wort mehr gesprochen. Ihre Ohren zuckten ab und zu und sie hörte dem Gespräch zu, ihre Augen lagen in der Ferne. Seelensammler? Sie würde einmal danach fragen, doch im Moment war es ihr auch egal. Abwesend schweifte ihr Blick erneut über die Runde. Als sie zu Boden sah, merkte sie wie der Regen sich versteckte und sie sah wieder auf, Banshee war inzwischen verschwunden, sie sah die Gruppe nicht mehr. Sie sah wieder zu ihrer Gruppe, sie wusste nicht mal nach was sie suchten, sie würde einfach folgen. Sie kannte hier keinen und die Stimmung drückte. Sie senkte den Blick wieder und wartete. Ihre Läufe schmerzten und sie wusste das wenn sie noch lange einfach stehen würde, dann würde sie einfach zusammenbrechen, also tat Riku zwei gelangweilte Schritte nach vorne, ihre Augen lagen Ausdruckslos nach vorne Gerichtet und sie streifte Falk. Sie warf ihm kurz einen Blick zu und meinte dann mit gefrorener Stimme:
"'Tschuldigung."
Dann sah sie die Anderen ausdruckslos an.
Falk bemerkte die fremde Wölfin, die an seine Seite streifte kaum. Der Rüde warf der im Regen verschwindenden Dreier-Gruppe einen kurzen Blick hinterher, dann drehte er sich um. Scheinbar hatte Banshee irgendetwas damit bewirken wollen, dass Dayon und Ayala gemeinsam nach Moon suchten, doch der Hüne hatte es nicht verstanden, hatte den versteckten Hinweis, der möglicherweise in der Stimme der Alpha gelegen hatte nicht erkannt. Der übergroße Grauwolf fühlte sich ein wenig überrumpelt, gleichzeitig war ihm ein wenig flau zumute. Dayon und Ayala... Falk wandte sich von seiner Gruppe ab. Waren es idiotische, übertriebene Gefühle, die in ihm hochstiegen, wenn er an diesen Blick dachte, den sich Ayala und Dayon gegeben hatten, Ayala und Dayon, Freunde, waren sie Freunde? Waren sie tatsächlich nur Freunde?
Missmutig stapfte der Rüde einige Schritte durch den langsam aufweichenden Boden in die Richtung, in die Varloc verschwunden war, dann drehte er sich wieder zu der Gruppe um. Vielleicht wäre es höflich gewesen, die Fremde in diesem Augenblick freundlich willkommen zu heißen, aber Falk war im Moment nicht nach Freundlichkeit. Die ganze Euphorie, die ihn angesichts der Spur Varlocs erfasst hatte - sie war beinahe wie weggeblasen. Und noch immer tanzte das Bild - dieses Lächeln - vor seinem inneren Auge, in seinem Kopf herum, wie um ihn zu narren.
"Okay, Freunde der Nacht... Wenn es in Ordnung ist, werden wir der Spur jetzt weiter folgen - Acollon?"
Aber er beachtete den Alpha schon nicht mehr. Der Hüne hatte sich bereits mechanisch in Bewegung gesetzt.
Was war hier los? Diese Fähe... Hanako verschwand plötzlich. Hieß das, dass sie wirklich die Tochter von Nyana war? Das ist doch unmöglich... Wieso konnte sie sich denn dann an nichts erinnern? Plötzlich wurde sie von Hidoi getragen, aber warum?
.oO(Warum kann ich mich an nichts erinnern? So wie es aussieht... kennen mich hier einige... aber warum erkenne ich niemanden? Und... warum bin ich verletzt? Was ist nur... geschehen?)Oo.
Nyana stand selbst vor einem Rätsel, wusste wirklich nichts, konnte sich noch nicht einmal an einen kleinen Teil der Vergangenheit erinnern.
"Habe... habe ich etwa... mein Gedächtnis verloren?"
flüsterte sie plötzlich zu sich selbst. Sie konnte kaum noch richtig sehen, alles war so verschwommen, und die Wunde an ihrer Stirn wollte nicht aufhören zu bluten. Immer wieder kamen Bluttropfen auf dem Nassen Boden auf. Ein inneres sowie äußeres Schweigen umhüllte sie nun, noch immer zitterte sie... vor Angst.
Banshee erstarrte mitten in der Bewegung als sie Hanakos Heulen hörte. Ihre Mutter ... sie war also wieder aufgetaucht, doch schwer verletzt? Sie sah zu Dayon und Ayala, die beiden waren ebenfalls stehen geblieben, schienen aber nicht sonderlich auf das Heulen zu achten, viel eher auf sie. Die weiße Leitwölfin schnippte kurz mit den Ohren und sah dann in die Richtung, aus der das Heulen gekommen war, eigentlich würden sie nicht groß von ihrem Kurs abweichen, wenn sie zum See gehen würden ... nur ein wenig, aber sicher würde es nicht so schlimm sein.
"Ayala, Dayon ... lasst uns ein wenig von unserer Spur abweichen, es geht nicht anders. Bald werden wir zur Reviergrenze kommen."
Sie wandte sich leicht nach rechts und überzeugte sich davon, dass die beiden ihr folgten. Kurz hob sie einmal die Schnauze und stieß ein Heulen aus, damit Hanako wusste, dass sie kamen. Schon bald tauchte vor ihnen der See auf und da standen auch Hanako, Hidoi und Nyana. Erschrocken lief sie noch schneller und stand bald darauf vor den dreien.
"Was ist passiert?"
Dayon war bei dem Heulen erstarrt und wie aus einem Traum gerissen. Schon wieder ... schon wieder jemand, der ihm alles zerstören wollte. Er warf einen langen, unglücklichen Blick zu Ayala, nickte aber auf Banshees Worte und folgte ihr. Es war falsch, dass sie nun dorthin gingen, aber es war wohl nicht anders möglich. Dicht neben Ayala liefen sie nun nach Westen, entfernten sich zwar nicht von der Reviergrenze kamen ihr aber auch nicht näher. Immer wieder sah er zu Ayala, ihr schien es auch nicht zu gefallen, dass sie nun einen Umweg machen mussten ... Als sich vor ihnen der See auftat und die drei Wölfe auftauchten kam Dayon eine Idee, er lächelte, seine Augen blitzten auf. Schweigend lief er Banshee nach und hielt dann ein paar Wolfslängen hinter ihr an, neben ihm kam auch Ayala zum stehen. Banshee begann zu den drei zu sprechen, er hörte ihr nicht zu, seine Augen glitten über den Wald.
Hidoi sah zu Hanako herüber. Lieber wäre er jetzt bei ihr gewesen und hätte irgendwie versucht sie zu trösten, aber nein, nun schleppte er ihre Mutter mit sich, deren Namen er nicht einmal kannte und zu allem Überfluss... die Fähe kannte ihren eigenen Namen wohl selbst nicht mehr. Seine Ohren zuckten leicht bei ihren leisen Worten.
"Ja, so sieht's aus"
entgegnete er kühl. Ein paar Schritte ging er auf seine Gefährtin zu, mit den stechend gelben Augen immer mal wieder zur Seite blickend, damit die Wölfin nicht von seinem Rücken rutschte. Dann jedoch hob der den Kopf wieder, er konnte Banshee kommen sehen. Sein Gesichtsausdruck wirkte etwas erleichterter.
"Hanako..."
sagte er leise in ihre Richtung. Wenn er mit der weißen Fähe sprach, war seine Stimme so anders. So, wie er sie selbst nicht von sich gewohnt war. Aber Momentan war ihm dies egal. Er nickte Banshee zu, senkte seinen Blick etwas zu ihr.
"Wir haben Hanakos Mutter aufgefunden. Mit einer schweren Kopfverletzung, außerdem... sie kann sich an rein gar nichts mehr erinnern. An niemanden..."
Banshee war eine kluge Alpha. Sie würde wissen, was dies bedeutete, vor allem für Hanako. Ruhig blieb er stehen und zuckte ab und zu leicht mit den Ohren.
Mit nur ganz langsamen Schritten ging Hanako näher an das Geschehen heran. Eigentlich traute sich sich gar nicht mehr noch näher zu treten, denn sie suchte auf eine seltsame Art und Weise Abstand und Ruhe. Sie wollte nachdenken und verstehen weshalb man ausgerechnet ihr wieder so wehtat. Konnte man dies überhaupt erklären? Dann durchdrang ein Heulen von Banshee die Stille, es war nur schwer durch den schlimmer gewordenen Regen zu vernehmen, aber es war da und erleichterte Hanako nur ein wenig, wenigstens kamen nun Wölfe und nahmen ihr diese schwere Situation ab. Es dauerte nicht mehr sehr lange, da drang Banshee mit einigen anderen Wölfen zu ihnen hindurch, Hanako sagte gar nichts, zeigte auch keinen Ausdruck, ihr Körper schien so leer und so erfroren, dass sie es selber nicht mehr verstand. Wie konnte sie sich denn in einer so kurzen Zeit nur so verändern? Lag dies alles nun an ihrer Mutter?
"B-Banshee..."
Hörte man urplötzlich die so aufgelöste Stimme von Hanako, aber es lag kein Ton, kein Wert und keine Bedeutung darin, ihr Körper schien nur regungslos dazustehen, ihre Stimme war das einzige, was sich noch so lebendig zeigte, die Fähe war einfach nur noch verstört durch diesen Schock. Eine Mutter, die einen über 4 Jahre großzog und dann plötzlich keine Erinnerungen mehr hat, was bedeutete dies nur für Andere? Für Hanako war es, als wenn man ihr das Herz brechen würde und genauso fühlte sich in ihr alles an. Ein leises Seufzen erklang ihr und sie ließ den Kopf wieder hängen.
"Bitte...helft ihr...aber...aber lasst mich erstmal...allein..."
Mehr wollte sie gar nicht, sie wollte nur etwas Ruhe und nachdenken. Aber wo sollte sie schon hin und war dies richtig? Konnte Hidoi sie vielleicht aufhalten? Der Rüde, der ihr Herz bei sich hatte und zu ihr so nett und fürsorglich schien wie noch nie. Er musste ihr helfen können, natürlich, aber wollte sie sich helfen lassen?
"Hidoi...bist du,...böse wenn ich...etwas allein sein will...?"
Vielleicht waren ihre Fragen sinnlos und ohne Antwort, aber in Hanako arbeitete nichts mehr, es schien, als wenn jemand Fremdes durch sie sprach, so verändert,...so kalt...
Banshee sah verwirrt und entsetzt zu der halb toten Nyana, sie sah schlimm aus. Gedächtnis verloren? Damit würde sie sich auch nicht mehr an ihre Tochter erinnern ... kurz war Banshee vor Schreck gelähmt, dann versuchte sie die Situation ordnen. Hanako wollte alleine sein, es war wahrlich keine gute Idee, doch sie schätzte Hidoi so ein, dass er darauf richtig reagieren würde, sie musste sich zuerst um diese Fähe kümmern.
"Nyana?"
Sie trat an Hanako und Hidoi vorbei und senkte ihre Schnauze zu der Mutter der Weißen.
"Wie fühlst du dich? Weißt du, wer ich bin? Erinnerst du dich an mich? Erinnerst du dich an diesen See? An dieses Revier?"
Ihr Blick heftete fest an den Augen Nyanas, als wolle sie sie festhalten, sodass sie nicht abgleiten konnten, wohin auch immer. Banshee wusste nicht, wie es der Fähe ging, ob sie große Schmerzen hatte, ob sie überhaupt ihre Stimme hören konnte ...
Nyana hörte plötzlich so viele Fragen. Sie konnte diese allerdings nicht beantworten. Sie blickte nun in die Augen der Wölfin, die mit ihr sprach. Allerdings war auch hier keine Erinnerung. Sie konnte sich nicht erinnern... nicht an diese Wölfin, nicht an diesen See und auch nicht an dieses Revier. Sie wusste jetzt immerhin, das sie in einem Rudel war...
"...ich kann... mich an nichts erinnern... Ich... ich fühle mich... schwach..."
Mehr konnte sie nicht aussprechen, war es eine große Anstrengung für sie. Sie könnte jeden Augenblick ihr Bewusstsein verlieren. Ihr Atem war ungleichmäßig, und noch immer wollte diese Wunde an ihrer Stirn nicht aufhören zu bluten. Sie spürte diesen Schmerz nicht... vielleicht hatte diese sich ja schon entzündet, als sie im Wald auf dem Boden lag... Nyana wurde zunehmend schwächer, das war zu erkennen. Es ist ein Wunder, das sie es überhaupt wieder bis hierher schaffte... vielleicht lag auch eine große Portion Glück in diesem Wunder. Sie musste schon viel Blut verloren haben, bis sie aufwachte, und nicht wusste wo sie war... was geschehen ist. Sie nahm die Umgebung kaum noch wahr, doch versuchte sie nicht aufzugeben.
"...ich... fühle mich so leer... Meine Blicke verschwimmen... ich weiß nicht... was passiert ist..."
sprach sie plötzlich in einem leisen Ton... und schwieg nun, um ihre wenig verbleibenden Kräfte zu sparen...
Dayon beobachtete Hanako und Hidoi scharf, die beiden sahen sich an, Hanako wollte alleine sein, Hidois Augen sahen aus, als würde ihm das nicht gefallen. Dayons Blick wanderte weiter, zu der Fähe, die offensichtlich die Mutter von Hanako war und Banshee, die sich über diese beugte. Banshee schien sich Sorgen zu machen, Nyana war halb weggetreten. Dayon trat ein wenig näher zu Ayala, lächelte sie an, sie lächelte zurück, dann trat er einen weiteren Schritt zurück, wieder ein Lächeln, wieder eines zurück.
"Komm."
Seine Stimme war nur ein Flüstern. Er bewegte sich auf den Wald zu, verschwand in seinem Schatten und sah zu Ayala zurück. Sie folgte ihm sofort, lächelte ihn an. Jetzt würden sie zusammen Moon suchen, Banshee würde sich um die Fähe kümmern, alles würde gut werden.
Ayala folgte Dayon mit einem glücklichen Lächeln auf den Lefzen, zusammen verschwanden sie im Wald, jetzt würden sie Moon suchen gehen. Das rauschende Spiel des Windes in den Nadelbäumen übertönte die federnden Schritte Ayalas. Die Schritte, die vorher so schwer und voller Hoffnungslosigkeit gewesen waren. Vorher ... vorher, als sie Dayon noch nicht richtig gekannt hatte. Ihn und seine innere Stärke, mit der er sie erfüllte. Sie glaubte zu schweben, diese noch nie da gewesene Leichtigkeit breitete sich in ihrem ganzen Körper aus, nahm ihre Seele ein. Sie sah nur noch seinen leuchtenden Körper, hörte nur noch eine lauten, starken Schritte, spürte nur noch seine Nähe.
Dayon trat sicher und mit festem Blick nach vorne auf den von Kiefernadeln bedeckten Boden. Er spürte Ayalas Zufriedenheit, ihre Erfüllung und nährte sich daran. Alles lief richtig, er fühlte sich zum ersten Mal seit langem von einem unsichtbaren Druck befreit. Sein Blick glitt zu der Fähe neben ihm, es war perfekt.
"Wir müssten bald da sein"
Seine Augen langen wieder auf dem Weg vor ihm nachdem er Ayala ein tiefes Lächeln geschenkt hatte.
Dayon hatte sich so verändert, er war viel offener, seit sie mit ihm alleine war. Er sprach endlich, die Worte waren fließend, brachen nicht ab, sie umspielten ihre Ohren, wanderten in ihre Seele und brannten sich dort ein.
Ayala, ich brauche dich ...
Anfangs wehrte sich ihr Herz gegen diese Bestimmung, sie hatte doch einen Gefährten gehabt, damals ... damals ... doch es war vergangen, sie konnte sich nicht einmal mehr an seinen Namen erinnern. Es herrschte nur noch Dayon in ihrem Kopf, teilte die Stille.
Ayala, ich brauche dich ... und du brauchst mich ... verschließe deine Augen nicht vor der Wirklichkeit ...
Dumpf kam diese Stimme zu ihr, ihr Kopf vibrierte, ein leises, klares Summen wurde immer heller und schwoll zu einem stetigen Ton an.
Dayon wusste, was Ayala in sich spürte und hörte, er fühlte ihre Seele so nahe bei sich, sprach zu ihr, liebkoste sie, zog sie näher. Sie waren so nahe, so nahe am Ziel, ihr gemeinsamer Traum würde in Erfüllung gehen, alles würde gut werden, das Ziel lag wie ein offenes, leuchtendes Tor vor ihm. Abrupt blieb er stehen, sie waren an der Reviergrenze, er drehte sich lächelnd zu ihr und kam einen Schritt auf sie zu.
"Wir sollten jetzt zu Moon, meine Liebe."
Er berührte sie leicht an der Schnauze und wandte sich um, wusste, dass sie ihm folgen würde, sein Blick wurde glasiger.
Ayala erschrak vor seinen Worten nicht, sie hatte alles gewusst. Seine Stimme war kalt, doch in Ayalas Ohren klang sie weich und liebevoll. Sie nahm weder die Gier in seinem Blick noch die völlige Veränderung seiner selbst wahr. Sie war erfüllt von Freude Moon wiederzusehen, obgleich sie schon immer gewusst hatte, was mit ihm passiert war. Von Anfang an hatte sie es gespürt, doch unbewusst. Dayon aber hatte ihr gelehrt zur Mitte ihres Selbst zu finden. Sie liebte ihn dafür, dass er Moon und ihr ein Leben an seiner Seite, unter seiner liebevollen Führung ermöglichte.
Dayon atmete die von Hingabe geschwängerte Luft gierig ein, er begann ein wenig schneller zu laufen, hielt auf das kleine Gebirgsstück zu. Ayala fiel etwas zurück.
"Folge mir!"
Sie folgte ihm, kam wieder neben ihn, Bewunderung in ihrem Blick. Sanft streichelte Dayon ihre Seele, lachte innerlich. Sie kamen an einer kleinen Einbuchtung in einem Felsen an. Moons lebloser Körper lag darin. Dayon blieb stehen und drehte sich zu der Weißen.
"Ayala ..."
Ayala hätte etwas gesagt, hätte er es gewollt. Sie hätte alles getan, was er wollte, nur um ihn glücklich zu machen. Doch ein bloßes Nicken war ihre Antwort. Ein Nicken, das so viel bedeutet, einen unsichtbaren Bund schloss, dem Schicksal, das für sie bestimmt worden war, zustimmte. Sie machte ihm ihre Seele, ihre Gedanken, ihre Gefühle zum Geschenk. Für immer würde er auf sie aufpassen. So, wie er auf Moon aufpasste, den kleinen, schwachen Moon. Er würde alles gut werden, für immer ...
Dayons Pupillen weiteten sich vor Erwartung und Ekstase. Sein Blick tanzte wirr umher, er war so weit, er hatte es geschafft, Fenris erfüllte sein Versprechen. Visionen tanzten vor den Augen des Sandfarbenen, die Hallen der Ewigkeit öffneten langsam ihre Tore, der letzte Schlüssel, der nur noch an einem dünnen Faden hing, zog zu ihm her.
"Leg dich zu Moon, Ayala, meine Liebe. Leg dich zu ihm und alles wird gut, ich wache über euch, ich liebe euch."
Seine Stimme war rau und tief, klang anders als sonst, seine Augen glitzerten im Wahn.
"Ich liebe dich auch."
Ein letztes Mal erhob Ayala ihre müde Stimme. Es kostete sie ihre verbliebene Kraft aufzusehen, zu Dayon, ihrem Retter. Die Bäume hinter ihm türmten sich auf, doch sie wirkten nicht bedrohlich. Sie machten diesen Ort heilig. Kraftlos brach sie zusammen, ihre Glieder wurden sanft vom weichen Waldboden aufgefangen. Sie sog den Duft der Tannennadeln ein, den Duft dieses Ortes, den Duft Dayons. Nun würde eine neue Ära beginnen, mit Moon und ihrem Retter. Die kalten Regentropfen bedeckten ihr Gesicht, sodass man sie von ihren Tränen nicht unterscheiden konnte.
Der Wind begann noch heftiger zu wehen, verwandelte sich in einen Sturm, der fast panisch an dem Fell der Wölfe zu zerren begann. Der Regen wurde härter, verwandelte sich fast zu Eis, peitschte um den Körper eines jeden Lebewesens und heulte schreiend in den Sturm. Es war, als würde Engaya toben, alle ihre Macht zeigen um vor etwas zu warnen, dass sich zusammenbraute und die Aufgabe eines jeden Wolfes wurde diese Zeichen zu verstehen. Das Heulen des Windes schwoll zu einem fürchterlichem Gesang an, Schreie von Toten und Lebenden, Todesschreie, Schreie des Entsetzens.
Banshee beugte sich tiefer zu der Fähe, als der Wind noch heftiger zu blasen begann, sie verstand die geflüsterten Worte kaum mehr, der Sturm wurde immer schlimmer.
"Du solltest dich ausruhen!“
Schrie sie gegen den Sturm an.
"Du musst wieder Kraft tanken und deine Wunden heilen lassen."
Sie hatte noch etwas hinzufügen lassen, doch ein jäher Schuss in ihrem Herzen und die plötzlich aufkommenden Schreie, mehr als nur das Heulen des Windes und das Peitschen der Regentropfen, Schreie Engayas, Schreie von Toten. Ihr Kopf fuhr ruckartig hoch, der Regen peitschte ihr unbarmherzig ins Gesicht, machte sie halb blind. Etwas passierte, sie spürte es so deutlich mit allen ihren Sinnen, ohne sagen zu können, was. Sie wandte sich abrupt von Nyana ab und kämpfte sich einige Schritte vorwärts. Wo waren Ayala und Dayon? Sie hatten direkt hinter ihr gestanden, nur wenige Pfotenlängen entfernt ... die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag ins Gesicht. Ayala und Dayon! Der Seelensammler! Er musste bei ihnen sein. Ihre Augen weiteten sich vor Schrecken und Entsetzen, wo waren die beiden hin?
"Hidoi, Hanako! Helft mir Ayala und Dayon zu finden, wir müssen zu ihnen, sofort!"
Sie schrie so laut sie nur konnte, trotzdem hatte sie das Gefühl, als würde der Sturm ihre Schreie und ihr Flehen verschlucken. Nur verschwommen konnte sie die weiße Fähe und den grauen Rüden erkenne, sie kämpfte sich zu ihnen, an ihnen vorbei, auf den Waldrand zu.
Die Kälte hatte bereits Ayalas Körper eingenommen. Sie spürte nichts davon, aber das Licht war schwächer geworden. Der Schein hatte sie verlassen. Sie befand sich in einer Welt aus bloßen Träumen. Träume ohne Bedeutung, Träume bestehend aus Dunkelheit. Die schwarzen Schatten griffen nach ihr, reckten ihre Klauen entgegen. In ständigem Wechsel von Träumen und Erschöpfung war sie müde geworden, der Wille zu leben hatte die Fähe, deren weißes Fell inzwischen verkrustet war, fast verlassen. Sie spürte nichts, weder den Drang zu leben, noch zu sterben. Nur noch ein winziger Faden hielt sie beim Licht - er drohte langsam zu zerreißen, der Geist würde seine Hülle verlassen. Aber es würde nicht schlimm sein, Dayon würde bei ihr sein, seine Liebe war unerschöpflich. Er war so gut zu ihr.
Die kleine Fähe konnte sich kaum halten und suchte Leé in dem Regen, die sie schließlich auch erblickte. Inuki versuchte gegen den Sturm zu Lee zu gelangen, schaffte es auch nur mit großer Mühe sich ein bis zwei cm zu bewegen. Der Regen prasselte hart gegen Inukis Körper. Die kleine Fähe jaulte mehrmals auf und zitterte noch heftiger als vorher am ganzen Körper.
.oO( Kann dieser Regen nicht endlich aufhören oder wenigstens leichter werden?! Wo sind Hidoi und Hanako hin?? Und wie komme ich nun endlich zu Leé hin ich komme gegen diesen Sturm noch nicht an. )Oo.
Mit diesen Gedanken versuchte die Kleine immer wieder zu Leé zu gelangen, aber gab es nach einigen Versuchen auf.
Hanako vernahm Stimmen, viele Stimmen, Aufregung lag in der Luft, ein Höllenlärm, ein Sturm brach an, sie spürte die Härte und die Ängste aller. Ihre Ohren schmerzten leicht, sie suchte einen Punkt, den sie fixierte, doch sie erkannte nichts, alles war verwirrend, stockend, dunkel. Hanako hätte am liebsten geschrieen, alles aus ihr heraus gelassen, den ganzen Schmerz, die ganze Sorge, ihre Ängste und Verletzungen tief in ihr, aber was geschah? Rein gar nichts. Ihre Schnauze schien wie zugeklebt, ihre Augen wirbelten sinnlos umher und ab und zu spitzten sich ihre Ohren, da sie hoffte Geräusche zu vernehmen. Urplötzlich drang die Stimme ihrer Alpha an ihre Ohren und Hanako sah sich um, wieso sie? Spürte denn niemand hier, dass sie keine Kraft mehr dazu hatte? Was, wenn ihre Mutter das nicht überlebte? Hanako schloss die Augen und atmete nervös, sie flüsterte ein leises Gebet, schickte es an ihren toten Gefährten und an ihre Tochter, dass sie ihr helfen sollten, ihre Mutter musste doch überleben.
"Ich kann...nicht...ich kann das nicht..."
Hanako flüsterte dies nur, niemand würde sie hören und selbst wenn, niemand würde sie verstehen. Sie alle hier konnten ihre Gefühle nicht verstehen, denn niemand wurde je von jemandem vergessen und nicht beachtet.
"Hidoi..."
Inuki schaffte es nicht, zu Leé zu gelangen. Die kleine Fähe war am Ende ihrer Kräfte und als sie den nächsten Versuch starten wollte, blies ein heftiger Windstoß sie um und die kleine Fähe überschlug sich zwei Mal. Da es so stockfinster war und sie nichts mehr erkennen konnte, sah sie Leé auch nicht mehr. Inuki bekam Angst und lief in irgendeine Richtung. Nach wenigen Minuten Laufen stieß sie noch mal heftig gegen jemanden. Es war Hanako an deren Beine sie geschleudert wurde. Inukis Augen waren angsterfüllt und sie zitterte am ganzen Leib vor Kälte und Angst. Da der Regen immer noch so heftig war und der Wind sie wieder wo anders hinschieben wollte, jaulte die kleine auf, doch ihre Stimme wurde vom Getöse und der schreierfüllten Gegend verschluckt.
" Hanako bitte, hilf mir!!!"
Schrie die Kleine so laut sie konnte.
23.12.2009, 17:02
Hanako vernahm eine Stimme, sie seufzte leise, ihre leeren Augen suchten in dem Getöse einen Punkt, der ihre Aufmerksamkeit brauchte, der Punkt, der ihren Namen geschrieen hatte und um Hilfe bat. Sie saß eine kleine Gestalt und ihre Gedanken schweiften ab... Der kleine Wolfskörper sah genauso aus wie Leila, ihre kleine Leila, lebte sie doch noch? Hanako hob eine Pfote und sah das Fellbündel an, es war allein und genauso schneeweiß und brauchte Hilfe, würde Peavy gleich kommen und sie wieder angreifen? Hanako seufzte leise, dann bekam sie einen kleinen Stein gegen die Pfote geworfen, der Wind ...
Erst jetzt erwachte sie wieder aus ihren Gedanken und bemerkte, dass es Inuki war, die ihre Hilfe benötigte. Hanako seufzte leise, sie wollte sich lieber um die Kleine kümmern, als noch irgendeinen Schritt zu wagen, sie schaffte das einfach nicht. Langsam ging sie gegen den Wind an, es war sehr schwer, denn Inuki wurde wahrlich weggeweht, aber dann konnte Hanako die Welpin mit ihrer Pfote aufhalten und am Nackenfell packen. Wortlos ging sie mit ihr ein paar Schritte zurück und legte sich nieder, die Kleine dicht unter ihren Pelz, damit wenigstens sie geschützt war. Inuki bekam weder viel Wind noch Regen ab, sie wurde gewärmt und war trocken, doch Hanako spürte, dass sie nun eine vie zu große Verantwortung übernommen hatte...
Alles ging so unglaublich schnell, noch bevor Acollon sich irgendwo zu äußern konnte, hatte er ein merkwürdiges Gefühl und als Banshee lauthals nach Hidoi und Hanako rief, wusste der Rüde, dass etwas nicht stimmen konnte. Er fühlte etwas seltsames, etwas Lähmendes. Er wusste gar nicht, wohin er laufen sollte. So vertraute er wieder einmal auf seinen Instinkt und sein Gefühl. Niemals verließ er sich auf eine Laune der Natur, doch in diesem Fall machte er eine Ausnahme, er konnte sich auf seine Sinne gut verlassen. Der Wind wurde stärker, ein Heulen durchfuhr seinen Körper, der Regen schlug ihm erbahmungslos gegen sein Augenlicht. Er hatte fast den Waldrand erreicht und sprang nun von einem Hügelvorsprung herunter, direkt neben seiner Gefährtin Banshee. Der Schlamm spritzte wild in der Gegend umher. Nun würde sich zeigen, was aus dem versprochenen Kampf werden würde. Gab es überhaupt einen Kampf, dürfte Acollon sich nun seinen Trieben hingeben. Ohne dass der schwarze Rüde es merkte, geriet er in einen Blutrausch, einen Wahn, indem er vergessen könnte, wer Freund und Feind war. Doch diesmal schien alles ziemlich berechnend, er sah seine Fähe für den Bruchteil einer Sekunde in die Augen, dann entrann seiner Kehle ein weiteres Heulen. Vielleicht rief er seine alten Kampf Erfahrungen wach. Vielleicht war es aber auch nur eine simple Warnung für jeden Feind, den es für seine Gefährtin oder ihn geben mochte. Oder sogar für das Rudel eine Bedrohung darzustellen versuchte.
„Banshee, ich liebe Dich.“
würgte Acollon hervor und lies ein leichtes Lächeln über seine Lefzen huschen. Es war vorsorglich, schließlich konnte der Sohn des Todes nicht mit einem glimpflichen Ausgang des Kampfes rechnen. Auch wenn er sich darüber bewusst war, dass der Fenrissohn nicht sterben konnte, jedoch Acollon konnte es. Er war nicht nur der Besitzer dieses Körpers, er war nun auch der größte Teil der erworbenen Eigenschaften und er war die Liebe zu Banshee, die ihn immer wieder von seinem Leiden befreite und ihm eine Pfote reichte, ihn aus den Fängen Fenris´ losriss. Seine schwarzen riesigen Tatzen bohrten sich fast leicht in den Boden und warfen den Körper in genau bedachten Sprüngen aus dem Schlamm. Er nährte sich dem Klagen, dem Schreien der Toten. Er selbst mochte dieses Geräusch der Klagenden, er hatte sich einst davon ernährt. Doch jetzt klang es grausam, fast leblos und kalt. Geradeso als ob es etwas fremdartiges wäre, dass ihn niederriss. Sein Blick huschte wieder zu Banshee, dann schloss er schließlich die Augen und lief, oder besser sprang, entschlossen weiter. Dayon und Ayala. Einer von ihnen war der, den sie suchten. Und Acollon wusste auch wer, er spürte es. Ein Herzschlag pulsierte die Information zu seinem Gehirn und von dort aus wurde an jeden Muskel, an jede Sehne und an jeden Knochen diese Erkenntnis geschickt. Er war nun fast vorbereitet auf einen Kampf.
Riku sah zu Falk und zuckte mit den Schultern, dann nicht. War ihr auch egal. Sie sah wieder zu Boden und plötzlich wurde der Wind stärker, zerzauste ihr Fell. Falk schien es nicht sehr gut zu gehen, aber was ging sie das schon an? Die eisigen Tropfen peitschten ihr ins Gesicht und sie lief los, dem Rüden hinterher, sie sah im Blickwinkel wie der Rüde davon raste, der Schwarze, Banshees Gefährte? Sie wusste es nicht genau. Sie drehte sich nicht um. Der Wind blies ihr von hinten entgegen und ihr durchnässtes Fell stellte sich auf. Sie sah zu Falk.
"Schneller!"
Rief sie, immer noch gefühlskarg, sie hörte die Schreie, de erbärmlichen Schreie, sie sah zum Himmel. Saijiro schoss ihr durch den Kopf, ruckartig wandte sie den Blick ab, entschlossen sah sie geradeaus.
"Das ist vorbei!"
Sagte sie bestimmt, doch der Wind verwischte ihre Worte und trug sie weit hinaus, an die Ohren eines Rüden, den sie einst sehr gern gehabt hatte, wenn sie zugeben musste, sogar sehr. War es Liebe gewesen? Egal, dachte Riku. Das ist vorbei! Sagte sie sich ein zweites Mal. Vorbei! Sie lief schneller. Ohne irgendeine Spur. Ihr Blick lag im nichts, tanzte umher, ausdruckslos. Sie hörte Banshee rufen, was war los? Der Ruf rief nicht nach ihr, daher lief sie einfach weiter.
Banshee sah verzweifelt, wie Hanako sich umwandte, wegging, nicht zu ihr kam und kurz brodelte Wut auf, die ebenso schnell wieder verging, nur ein Gefühl der Leere und der Hilflosigkeit blieb zurück. Sie verstand nicht, warum Hanako ihr nicht helfen wollte, auch wenn das Leben der Fähe alles andere als leicht war, mit einer Mutter, die ihr Gedächtnis verloren hatte und einer Vergangenheit, die getränkt von Pein und Angst gewesen war ... jetzt stand das Schicksal des Rudels, nein, mehr noch, vielleicht das der ganzen Welt auf dem Spiel, das spürte Banshee so deutlich, als hätte es ihr Engaya ins Gesicht gesagt, und jetzt, in diesem schrecklichen Moment aus Verzweiflung, panischer Hilflosigkeit und dem Wissen, möglicherweise zu spät zu kommen, ging die Fähe davon und überließ derjenigen, die ihr Leben, welches sie nicht geben konnte, geben würde, um diesen schrecklichen Vorgang zu beenden, die Aufgabe etwas Unaufhaltsames aufzuhalten. Hidoi hatte sich bis jetzt nicht geregt und während sie sich nun verzweifelt weiter kämpfte und hoffte die richtige Richtung gefunden zu haben, wurden die Schreie lauter und das Stechen in ihrem Herzen, die Warnung Engayas, immer lauter und schmerzhafter, sie hatten keine Zeit mehr, es hatte begonnen und würde sich vielleicht nicht mehr stoppen lassen. Als der schwarze Schatten plötzlich neben ihr landete, fuhr sie zutiefst erschrocken zusammen, einen winzigen Moment lang hielt sie ihn sogar für die Gefahr, für den Auslöser all dieses Schreckens, doch dann erkannte sie die harten und gleichzeitig so sanften Züge Acollons durch den peitschenden Regen und Millionen von Wasserkaskaden hindurch. Seine Worte gaben ihr mehr als nur Freude für den winzigen Moment des Hörens und Verstehens, nein, sie gaben ihr plötzlich Mut und das Wissen, dass es noch nicht zu spät war, dass Engaya sie gewarnt hatte aus dem einzigen Grund ihr zu zeigen, dass sie eingreifen musste und Engaya wusste auch, wann es nicht mehr möglich war einen Vorgang aufzuhalten. Acollons Körper wurde schneller, verschwand langsam in den Regenschlieren, doch Banshees Muskeln wurden von neuer Kraft umspült, ihr Herz tankte Mut und der Regen schien für einen kurzen Moment ein wenig schwächer zu werden. Sie lief wieder schneller, schon sah sie Acollons schwarzen Körper vor sich, die Nähe von einer höheren Macht konnte sie jetzt so deutlich spüren, als würde sein Geruch in der Luft liegen. Vor ihnen tauchte ein bizarr geformter Felsen auf, undeutlich war ein aufrechter Körper zu erkennen, dahinter verhüllte der Regen alles, doch sie meinte zwei tote Gestalten zu erkennen. Ein unhörbares Keuchen entglitt ihrer Kehle, das Entsetzen packte sie wieder.
Der Regen peitschte nun wieder wild auf den Boden. Nach einem fast endlos langen Lauf, erkannte Acollon Umrisse eines stehenden Wolfes, an der Erde schienen zwei tote, oder vielleicht auch nur schlafende Gestalten zu liegen. Mit Banshee in seiner Nähe fühlte der schwarze Rüde sich bestärkt, hatte fast das Gefühl von Leichtsinnigkeit in der Brust sitzen, der Schalk eines Jungen Wolfes schien ihm im Nacken zu sitzen, doch es schien nur so. Für einen Moment glaubte er sogar, lachen zu müssen, als er erkannte, wer dort stand. Mit einem Schlittern blieb er vor diesem Wolf stehen, dem Seelensammler. Am Boden lagen die leeren Körper der weißen Ayala und des kleinen Moon. Acollon konnte nicht es erst nicht fassen, dass der sonst so ruhige und stille Wolf der gesuchte Täter war.
„Du musst ziemlich leiden, dass Du die einzigen Wölfe, die Dich wirklich lieben, die Seele stielst. Oder war es eher ein Opfer, welches aus einfacherer Schwäche entstanden ist?“
fragte Acollon nur mäßig interessiert, warf einen beiläufigen Blick auf die Körper. Ins Geheim hoffte er, dass die beiden noch eine Chance hatten. Der schwarze Rüde ließ seine Nackenwirbel knacken, um Verkrampfungen vorzubeugen. Er konnte nicht mit der Hilfe Fenris´ rechnen, doch er hatte Banshee an seiner Seite, das Rudel, Engaya und nicht zuletzt seine eigene Kraft als Sohn des Todes. Für einen Moment lang, glaubte Acollon für sich selbst zu stehen, wie er damals über dem leblosen Körper eines Welpen stand und von seinem Fleisch aß. Ein Ekelgefühl drückte in seiner Lunge,
„Wer hat Dir bei Deinem Vorhaben unterstützt?“
Hidoi sah leicht irritiert hin und her. Hanako bat ihn allein zu sein? Niemals, das war nun viel zu gefährlich. Er zuckte leicht mit den Ohren hin und her. Der schreiende Wind ließ ihm das Nackenhaar zu berge stehen. Der übergroße Rüde senkte den Kopf und ein dumpfes, gefährliches Grollen verließ seine Kehle. Verdammt, was verlangten sie da von ihm? Er konnte sich doch nicht in zwei teilen! Wieder suchte der Stahlgraue mit dem Blick seine Gefährtin, die dem Welpen hinter her lief, der vom Sturm mitgerissen wurde. Verdammt was war hier los?! War das mit dem Seelensammler vielleicht doch nicht bloß Aberglaube? Sein Schnauzenrücken legte sich in tödliche Falten. Mit einer vorsichtigen Bewegung ließ er Hanakos Mutter von seinem Rücken hinab gleiten und richtete sich wieder auf. Mistwetter... Hidoi schüttelte seinen Pelz und sah Acollon kommen. Nun wusste auch er, was er zu tun hatte...
"Hanako!! Bitte bleibe hier bei deiner Mutter und Inuki! Ich werde Banshee und Acollon helfen! Hier seid ihr in Sicherheit!"
schrie er mit rauer, tiefer Stimme durch den Regen. Nun stellte er seine Ohren wieder auf, er musste nun Ruhe bewahren.
"Ich liebe dich Hanako... Bitte verzeih mir..."
Hidoi hatte es gesagt. Es erschien im wichtig das zu tun. Damit drehte er sich auf dem Absatz um und keine Sekunde später trommelten seine muskulösen Läufe durch den Schlamm, den verschwommenen Spuren Banshees und Acollon hinterher. Nun setzte auch sein Knurren wieder ein, wie eine bedrohliche Nebelgestalt preschte er durch den Wald, dass komplette Fell gesträubt. Nun war mit dem Bloodyard Warrior garantiert nicht mehr zu spaßen. In seinen gelben Augen stach Kampfeslust. Je näher er dem Ziel kam, umso langsamer wurde er. Als das Alphapaar schließlich in Sicht war, blieb er ein Stück hinter ihnen stehen. Mit verengtem Blick sah er auf die leblosen Körper einer weißen Wölfin und eines Welpen. Es hatte also schon begonnen.
Hidoi zog die Lefzen hoch.
"Banshee... ich werde euch helfen."
knurrte er und senkte den Kopf etwas um einen besseren Überblick in dem Unwetter zu behalten.
Dayons Augen wurden von dem gleißend hellen Licht der Ewigkeit geblendet, die Macht war nun so deutlich zu spüren, dass sein ganzer Körper zu vibrieren schien, er spürte die letzten Atemzüge Ayalas zu seinen Füßen, fast konnte er ihre Seele sehen, wie sie zu ihm kam, Schutz zwischen seinen Pfoten suchte, wie er sie behütend aufnahm, wie er ihr versprach auf sie aufzupassen, denn er liebte sie. Ja, er liebte sie beide und deswegen hatten sie ihm geholfen sich endlich zu rächen, sie und Fenris, der Gott der Toten, der ihm für zwei Seelen die Macht eines Gottes versprochen hatte und nun sah er das Tor vor sich ... mit einem unheimlichen Laut und einer plötzlich gleißenden Verwirrung, die ihn ergriff, bevor er verstehen konnte, was geschah, wirbelte das Tor um ihn herum und der Regen begann ihm ins Gesicht zu peitschen. Eine Stimme sprach und er fuhr herum, die Augen von irrem Wahn und Besessenheit erfüllt. Doch er verstand die leeren Worte des Schwarzen vor ihm nicht, er versuchte nur verzweifelt nach dem Licht und der Erfülltheit zu suchen, vor der er eben noch gestanden hatte.
"Mörder! Du kannst mich nicht mehr aufhalten, Fenris wird sein Versprechen erfüllen!"
Er schloss die Augen, begann in seiner eigenen Dunkelheit zu taumeln, suchte nach dem Licht, doch es war nicht mehr da. "Fenris!" Schrie er zu sich "Wo bist du? Erfülle dein Versprechen!" Doch die Antwort blieb aus und der Wahn verwandelte sich in Hass gemischt mit einer schmierigen Angst.
Genau wie auch Acollon wusste auch Falk sofort, dass etwas nicht stimmte als er den Ruf Banshees hörte. Der Hüne konnte zunächst nicht reagieren. Bilder schossen durch seinen Kopf - Dayon - Ayala - Dayon - Ayala - Ayala... Acollon schoss an Falk vorbei. Falk drehte sich um und schrie:
"AYAAAAALAAAAAAAAA!"
Er wollte laufen, wollte sofort zu ihr, irgendetwas musste passiert sein, was war passiert, Ayala, nein, nicht Ayala, sie nicht, warum, und wenn jetzt, aber, Ayala, er musste zu ihr, es war etwas passiert, es konnte nicht, nein...
Er rannte dann auch. Aber erst drehte er noch den Kopf zurück, rief die Fremde zu sich, sie sollte folgen, sollte hier nicht bleiben, sie war fremd, doch es drohte Gefahr, Gefahr, wo, von wo drohte Gefahr, dort wo Ayala und Dayon waren, wo nur, wo, so fern, so... Falk erkannte es schon, bevor er nur da war. Der Gedanke war plötzlich unvermeidlich, präsent und überhaupt - er hatte gewusst, dass es passieren würde, hatte es gewusst, gewusst, gewusst...
.oO(Der Seelensammler...)Oo.
Der Hüne schlitterte über den Boden und blieb unmittelbar neben Acollon stehen. Dort lag Ayala, wie tot. Der weiße, leblose Körper schrie dem Hünen all das Unrecht entgegen und plötzlich waren die Bilder wieder da. Leahs Blick - die Wölfe, von denen er dachte, sie seien loyal - die Erkenntnis, dass Eifersucht und - Leahs Blick, Leahs Schrei... Falk musste röcheln unter dem namenlosen Entsetzen, dass seine Kehle würgte, das konnte nicht, nein, das konnte nicht, er hatte es sich geschworen, dass er es nie wieder zulassen würde, nie wieder, nie wieder, nie wieder-
"NIE WIEDER!"
Er trat einige Schritte nach vorne und schrie:
"Duuuu! DU! Du verdammtes Arsch! Was hast du getan, du... Aber diesmal nicht - nicht mit mir! NIE WIEDER! Hörst du, du Bastard? NIE WIEDER!!"
Dem Rüden war es, als würde sein Blut kochen. Seine Augen blitzten gefährlich. Wenn er das Blut von Werwölfen in sich trug, so erwachte es in diesem Augenblick und schrie- Der Hüne stieß sich behände vom Boden ab, raste auf Dayon zu, den Fang weit aufgerissen...
Banshees Blick war starr und voller Entsetzen auf Dayon gerichtet. Zuerst konnte sie es nicht glauben, redete sich ein, dass der Seelensammler auch seine Seele bereits geraubt hatte und sie nun sahen, wie Dayon ebenfalls qualvoll dahin ging, doch als er sich plötzlich mit diesem Ausdruck von Wahn und Verlangen in den Augen, wurde ihr klar, wie bitter sie sich getäuscht hatte. Noch immer war sie starr vor entsetzen, Dayons Schreie jagten ihr Schauer über den Rücken, doch gleichzeitig erkannte sie, dass da nicht der wahre Dayon vor ihnen stand, der Dayon der seine Familie abgöttisch liebte, auch wenn er so viel verloren hatte ... nein, da stand ein Dayon, der von Fenris verführt und betrogen wurde, in der Hoffnung etwas zu bekommen, das er nie erlangen konnte; all diese Eindrücke strömten auf Banshee ein, verwirrten sie, machten sie unfähig zum Eingreifen und versetzten sie in tiefen Schrecken. Erst als mit lauten Schreien Falk heran gestürzt kam, wurde Banshee aus ihrer Starre gelöst, der rasende Hass, Verzweiflung und Entsetzen, der sich in Flaks Blick widerspiegelte holte sie vollends in die Wirklichkeit zurück. Mit einem unterdrückten Aufheulen drückte sie sich so feste vom Boden ab, wie es ihr nur möglich war und prallte mit so einer Wucht gegen den Körper des Hünen, das die Welt vor Schmerz kurz still zu stehen schien. Alles verschwamm vor ihren Augen, sie wusste nicht, ob sie Falk mit sich gerissen hatte, oder nur von seinem ursprünglichen Kurs abgelenkt hatte ... sie wusste nicht mal, warum sie das getan hatte, nur wusste sie, dass es richtig gewesen war ... ein Wahn hatte das Rudel ergriffen und sie hatte das Gefühl alleine in ihrem Schrecken ihn aufhalten zu müssen.
Engaya ...
Ein dumpfer Schmerz erfasste den Hünen. Etwas Schweres prallte gegen ihn, drückte ihn zur Seite, sodass der Rüde Mühe hatte nicht auszurutschen. Nur wenige Schritte neben Dayon kam der Rüde zum Stehen.
.oO(Verdammt! Was war das? Wer hält mich da auf?)Oo.
Er sah sich um. Es war Banshee. Aber warum hatte sie das getan? Der Seelensammler war Dayon, Dayon, der ihn all die Zeit betrogen hatte, dem es niemals um ihn gegangen war und immer nur darum, dieses ewige Leben zu erlangen... Er war nicht besser - wenn nicht sogar schlimmer - als die Bastarde, die damals versucht hatten, Falk umzubringen, ihn gemeinsam mit seiner Familie...
.oO(Und bei Gott - zum Teil ist es ihnen ja gelungen...)Oo.
Seine Seite schmerzte bei jeder Bewegung. Ächzend drehte er sich zu Banshee um.
"Warum machst du das? Warum hinderst du mich? Hast du nicht gesehen, was er mit ihr gemacht hat, hast du das nicht gesehen? Dann sieh's dir an, sieh... Ich kann es nicht zulassen... Ich hab mir geschworen, dass ich so etwas nie wieder zulasse - nie wieder... Ich konnte sie nicht beschützen, dafür werde ich mich rächen... Und das soll für Leah und für Alderan und für Blanca gleichfalls gelten - und für mich... Ich werde ihm das nicht durchgehen lassen... Niemand betrügt mich mehr, niemand! Hindere mich nicht, Banshee, bitte hindere mich nicht..."
Wieder fixierte der Hüne Dayon.
Banshee blinzelte verzweifelt doch noch tanzten bunte Schleier vor ihren Auge, ihr Kopf schmerzte höllisch, der Regen schien von allen Seiten zu kommen, von unten, von oben, von recht, von links, selbst von innen schien er gegen ihren Körper zu prasseln und all ihre Nerven reizen um noch mehr Schmerzen zu erzeugen. Als Falks Stimme erklang spürte sie kurze Erleichterung, das Wissen, dass er Dayon nichts getan hatte beruhigte sie aus einem seltsamen Grund, doch schon war der Schmerz zurück,, doch auch ihr Blick klärte sich. Sie lag auf der durchweichten Erde, ganz in ihrer Nähe stand Falk, fast unmittelbar neben Dayon. Seine Stimme war von Trauer und Verzweiflung geschwängert, sie spürte, wie sie selbst in dieses Loch hinab glitt, unfähig dem Rudel oder auch nur sich selbst zu helfen. Mit einem hilflosen Ruck hob sie den Kopf, schnappte nach Luft und verzweifelte an sich selbst, weil sie nur an sich dachte und nicht daran, in welches Loch das Rudel zu stürzen drohte.
"Falk, sieh ihn dir doch an, sieh dir das Rudel an, sieh sie dir alle an, siehst du nicht den Wahn und die Verzweiflung in ihren Augen? Das ist nicht mehr Dayon, das sind nicht mehr wir, etwas hat uns verführt und versucht uns in das Loch der Selbstzerstörung zu ziehen, auf dass wir alle verloren gehen. Falk! Ich kann nicht mehr, zeige ihnen die Wahrheit, für sie aus der Blindheit wieder hinaus, helfe ihnen, Falk, helfe ihnen! Sie brauchen dich, sie brauchen jemanden, der ihnen den richtigen Weg zeigt!"
Ihre Stimme war schrill und trotzdem wusste sie, dass ihre Worte nicht alleine von ihr stammten, sondern Engaya selbst hatte sie ihr geliehen, jetzt war ihr der Weg klar, den sie gehen musste. Ihre Augen richteten sich auf den kleinen Körper vor ihr, sie war unmittelbar neben Moon gelandet ... eine Träne verirrte sich in ihrem Fell.
Moons kleiner Körper war kalt und steif. Nichts erinnerte mehr an das einstige Leben, das ihm gegeben war. Die Dunkelheit hatte Moons Seele bereits in den Besitz genommen und war bereit für die Aufnahme in die Ewigkeit. Nur noch ein winziges Stück fehlte, ein Augenblick, der von großer Bedeutung war, dann würde alles erfüllt sein. Von Kälte und Tod würden sich nun die Überbleibsel seiner Seele nähren, von Schatten und Gefühllosigkeit. Ein nie endender Tanz mit der Macht würde beginnen. Macht, das war es gewesen, das seinen Vater eingenommen hatte, Macht sich zu rächen, zu zerstören. Er hatte Dayon gebannt zugehört, jedes Wort begierig aufgesaugt, noch nie hatte er sich so erwachsen, so wichtig gefühlt, als in dem Moment, in dem er Eingeweihter geworden war. Eingeweihter und zugleich Opfer dieses grausamen Planes. Ein stummes Einverständnis zwischen seinem neuen Verbündeten und ihm hatte geherrscht, nie wieder wäre er gedemütigt, mitleidig angesehen oder gar als Schwächling abgestempelt worden. Und er hätte es ihm gezeigt, IHM, der SEIN Leben zerstört und alles in Fetzen gerissen hatte. Moon war seit dem Augenblick, als der Wahn, der aus den Augen des Vaters herrührte, sich auch in seiner Seele spiegelte, nicht mehr er selbst gewesen. Er hatte sich verändert, die dunkle Seite kennen gelernt, die ihm das gab, was er vermisst hatte. Jede Art von Liebe brauchte er nicht mehr, er hatte ja sich und seine Stärke, er konnte sich an den Leiden der anderen ergötzen.
Doch jetzt war der Rausch unterbrochen worden, durch ein kurzes Zögern, einen winzigen Augenblick. Etwas schien nicht so zu funktionieren, wie es sollte.
Er spürte etwas. Panik ließ seine Traumwelt zerplatzen, er war nicht immun, es war zu früh. Die Schatten hielten ihn fest, zerrten und rissen, doch so sehr er sich selbst bemühte, nie wieder in diesen Körper zu wandern, je mehr er sich wehrte, desto näher kam ihm die Welt, aus der ER selbst einst gekommen war.
Der Lungen des schmächtigen Körpers füllten sich mit frischer, klarer Luft, er hatte verloren. Ein leises Japsen erklang, Moon keuchte und spuckte Blut. Verwirrt versuchte er sich an diese Irrfahrt zu erinnern, an den letzten Tag, den er nicht auf dieser Welt verlebt hatte, doch nur ein schwarzes Loch war geblieben – und die Narben, die seine Seele zerfurchten.
Dayon nahm weder Falks Angriff noch Banshees Abwehr und ihre Worte wahr, er sah nur das gleißende Licht, das sich in einer endlosen Spirale aus der es kein Entkommen mehr gab zu drehen begann. Zuerst meinte Dayon hinein springen zu müssen, um endlich seinen Traum erfüllt zu bekommen, doch die Spirale floh vor ihm, wurde immer kleiner und sein Herz schrie auf. Er schrie ebenfalls, laut und voller Schrecken und Wut, was geschah da, was tat Fenris? Als die Spirale ganz verschwunden war und er den Regen wieder deutlich auf seien Stirn prasseln spürte, weiteten sich seine Augen vor Entsetzen und brodelnder Wut, dass seine Läufe beinahe einknickten. Undeutlich spürte er, wie etwas an seiner Seele zog und zerrte, er schmerzte und erneut stieß er einen gellenden Schrei aus. Moon ... Moon! Er sah ihn neben Banshee liegen und beinahe konnte er die Liebe schon spüren, die von der weißen Fähe auf den kleinen Körper übertragen wurde ... sie raubte ihm die Seele seines Sohnes! Wieder schrie er, diesmal noch lauter, erbäumte sich auf, heulte, schrie, biss in die Luft ... NEIN
Eris versuchte die Töne aus den Ohren zu halten, die der plötzliche Aufwall des Sturmes mit sich gebracht hatte. Das Getöse aus Schreien umspülte sie und es kam ihr leibhaftig vor, als würden diese Töne die Kraft besitzen, das Blut gefrieren zu lassen. So etwas hatte Eris noch nie erlebt. So etwas Gewaltiges und doch so Nahes sprach zu ihr, so deutlich. Sie warf einen undefinierbaren Blick zu Mitsu, die mit ihr nun als Einzige zurückgeblieben war und begann zu laufen, den Wölfen hinterher. Mitsu würde folgen, das wusste sie. Es war ihr zwar so vorgekommen, als hätte nur sie das hören können, was so schaurig und doch so voller Erkenntnis war, aber sie wusste, dass der Ruf jeden Wolf erfasst hatte. Sie lief durch den Wald, durch die Dunkelheit, die plötzlich gar nicht mehr bedrohlich auf sie wirkte und folgte dem Gefühl, das sie führte. Zum richtigen Ort und es fühlte sich an, als würde der Regen gar nicht existieren. Die Wölfe kamen hinter einigen Bäumen zum Vorschein und Eris kam, sich mit den Pfoten im feuchten Boden abstämmend, zum Stillstand. Ihr Blick streifte kurz Banshee, flog dann aber an ihr vorbei, geradeaus und blieb an einem hellen Fleck hängen. Eris sah Ayala am Boden liegen und begriff im ersten Moment gar nicht. Sie hatte keine Schuldzuweisungen im Kopf, obwohl andere um sie herum zu toben schienen. Eris fühlte einfach Unverständnis dafür, dass Ayala dort lag. Warum man ihr nicht half. Sie hob den Kopf und ließ den Blick zu Dayon wandern. Nach Falks Reaktion zu urteilen, war der Sandfarbene Schuld. Eris sah ihn fassungslos und etwas sauer an, als wolle sie sagen, dass man so etwas doch nicht mache, beachtete sein Verhalten nicht weiter. Sie ging einige Schritte auf Ayala zu und zog nicht einmal in Betracht, dass etwas Schlimmes mit ihr hätte sein können. Sie setzte sich neben die Weiße und schaute auf sie hinab, darauf wartend, dass sie zu sich kam.
Leé begann am ganzen Körper zu zittern. Sie versuchte ruhig zu atmen, doch dies gelang ihr nicht. Auf Hidois Kopfdeutung rannte Leé zu der kleinen Welpin und stellte sich schützend über sie. Leé hielt sie mit einer Pfote fest und stupste sie beruhigend an. Ihr Blick glitt hektisch zu Hanakos Mutter.
.oO(Was hat sie nur, wie kann sie ihre eigene Tochter nur vergessen?)
dachte sie entsetzt und traurig zugleich. Stimmen drangen an ihr Ohr. Leé hörte, wie Dayon schrie und zuckte zusammen. Moon... Leé wusste, das etwas mit Moon war. Sie kannte Moon zwar nicht sehr gut, doch immerhin lernten sie sich gleich nach Leés Ankunft kennen und Leé mochte Moon sehr. Eine dicke Träne ran ihr über die Wange und vermischte sich sogleich mit dem Regen. Leé schloss die Augen und versuchte von allem zu fliehen. Geistig war sie bei dem alten, friedlichen Rudel. Der Wind zerrte und zog heftig an ihrem rotbraunen Fell und ihre Ohren lagen, zitternd, dicht an den Kopf gelegt.
Was war hier los? Was war dies für ein plötzlicher Wind? Nyana wurde von Hidoi nun abgelegt und sie war nun am Boden. Dieser Sturm, er war enorm... Nyana schien noch mehr Angst zu bekommen. An einem Teil war sie Schuld... Hanako war ihre Tochter, dessen war sie sich nun sicher, und diese schien ensetzt zu sein, dass ihre eigene Mutter sie vergessen hat... wie auch ein paar andere. Allmählich verließen sie auch die letzten verbleibenden Kräfte, denn ihre Wunde wollte einfach nicht aufhören zu bluten...
.oO(...Hanako... Es ist also wahr... du bist meine Tochter. Ich bitte dich, verzeih mir, doch ich kann nichts dafür, das ich mein Gedächtnis verloren habe... Ich weiß nicht... ob ich meine Erinnerungen wieder bekomme... Warum verspüre ich eine solche Angst...?)Oo.
Ihr Atem wurde ungleichmäßiger, ihre Wahrnehmung zunehmend schlechter. Würde sie sterben? Sie wusste es nicht. Sie schloss schließlich ihre Augen, hatte keine Kraft mehr, und verlor ihr Bewusstsein...
Alles ging an Riku vorbei wie ein Film, wie Falk stehen blieb, wie sie sich umwandte, wie die Schreie lauter wurden, wie Falk nach irgendjemandem rief. Wie sie einige Schritte zurück trat, Angst verspürte, seit langem wieder ein Gefühl. Wie man ihren Namen rief. Sie schloss die Augen, der Film schoss immer wieder an ihren Augen vorbei und als sie die Augen aus Angst wieder öffnete stand nur noch Mitsu bei ihr. Sie sah sich um, die Anderen waren gerannt.
"Komm!"
Rief sie gegen den Sturm und preschte dann auch davon. Alles in ihr schmerzte, was war hier los? War der Tot hier? Dieser Gedanke ließ sie schneller laufen. Schließlich wollte sie ihn treffen. Die Umgebung rauschte an ihr vorbei und sie folgte der Fährte Falks. Plötzlich stoppte sie den Gang, sie hatte im Augenwinkel eine Fähe gesehen. Sie sah schwach aus. Unentschlossen sah sie in die Richtung in die Falk gegangen war und zu der reglosen Fähe. Bei ihr standen Wölfe. Sie tänzelte, es war ihr egal. NEIN! Es war nicht egal! Nichts war mehr egal.
.o0(Rikunare...!)
Schallte es in ihrem Kopf, sie musste ruhig bleiben. Falk hatte doch gesagt sie sollte ihm folgen, sie hörte ihn Schreien, sie wandte sich ab und lief mit leerem Blick den Schreien nach, plötzlich sah sie die Wölfe, Banshee. Neben ihr ein Welpe, sie stoppte und sah sie an. Ihre Augen weiteten sich, da war noch eine Fähe. Sie war verwirrt was war hier los? Sie ging zwei langsame Schritte, dann schneller, bis sie neben Eris stoppte. Sie wusste nicht was war. Ihr Blick viel auf Dayon, Falk schrie ihn an, Riku versuchte nicht hinzuhören, alles erinnerte sie an damals, alles.
.o0(Saijiro... Saijiro...NEIN!)
Sie schüttelte den Kopf, sah zu Banshee. Drehte den Kopf, es war als würden die Schatten der Vergangenheit von überall kommen. Sie lief zu Banshee. Stellte sich zu ihr. Nicht hinhören! Sagte sie sich selbs. Doch plötzlich hörte sie eine andere Stimme, ihre Ohren spitzten sich.
.o0(Ich liebe dich! Lächle.... Lächle!!!!)
Ihr Kopf pochte und ihr Herz drückte auf ihre Lunge, das Atmen viel ihr schwer. Nein, sie hatte es doch schon vergessen.
.o0(Lächle!)
Sie ging zwei Schritte zurück, riss die Augen auf und erblickte den reglosen Körper der Wölfin. Sie sah Saijiro nicht ähnlich, aber sie lag auch am Boden, hilflos, sie sah die Wölfin perplex an.
"Nein!"
Würgte sie hervor, sah zu dem Sandfarbenen. Blickte ihn einen Moment fassungslos an. Ihre Augen sahen verzweifelt aus, zum ersten Mal nicht der gleichgültige Ausdruck, dann ging ihr Atem wieder gleichmäßig und sie beruhigte sich, der gefühlslose Blick glitt über die gebrochene Augen und die gewohnte gefrorene Stimme drang aus ihrer Kehle:
"Warum?"
Nicht fragend, nur vorwurfsvoll, nur leer. Sie sah wieder kurz zu der Fähe. Warum? Warum diese Fähe, warum dieser Welpe? Sie sah wieder zu Dayon.
"Warum sie? Warum der Welpe? Warum nicht ich?"
Einen Schritt ging sie auf ihn zu, Abscheu lag in ihrem kurzen Blick, bevor er zu Falk glitt. Er war genau so hilflos wie sie, sie wäre damals am liebsten mit dem Kopf gegen eine Wand gerannt nur um bei ihm zu sein, um den Schmerz in ihrer Brust zu übertreffen. Sie sah weg, es war vorbei, sie musste es vergessen! Dann sah sie wieder zu Dayon und in ihrem Blick lag purer Hass, bei ihr war es ein Baum gewesen, hier war es ein Wolf gewesen, einem den man vertraut hatte, ein Wolf. Sie wollte es nicht verstehen.
Ruhig, ja fast gelassen betrachtete der schwarze Rüde das Geschehen. Dayon hatte also versucht mit Fenris einen Bund zu schließen, oder zumindest so etwas in der Art. Der Sohn des Gottes des Todes war nicht einmal entsetzt. Irgendwie hatte er langsam Gefallen an dem ganzen Specktakel. Und erst als Falk einen Angriff gegen Dayon starten wollte, wurde ihm bewusst, dass er ein Lachen auf den Lefzen liegen hatte.
Seine Augen versuchten keineswegs ernst oder ausdruckslos auszusehen. Nein, er gab sich nicht großartig die Mühe sich gespielt traurig um den Verlust der beiden Wölfe zu geben.
„Ich soll ein Mörder sein? Du selbst hast doch verzweifelt nach einer Möglichkeit gesucht, um Dich vergessen zu können. Und, bist Du jetzt glücklich? Hat Dir Fenris das gegeben, was dir Moon und Ayala nicht geben konnten? Aber was schert mich das. Interessiert mich absolut nicht, ob du Depp auf die List meines Vaters hereingefallen bist.“
Das erste Mal hatte Acollon laut ausgesprochen, dass er Fenris´ Abkömmling war. Doch nun war es fast egal, nun schien es nicht sonderlich wichtig sich darum Sorgen zu machen. Doch mit der wachsenden Gelassenheit schien ebenso der Zorn anzuschwellen. Eigentlich konnte Acollon kein Verständnis für Dayon finden, doch als der Rüde sich aufbäumte und schrie und heulte, wurde ihm bewusst, dass es aus reiner Verzweiflung geschehen war.
Mit einem Satz sprang er auf den Seelensammler zu und entblößte seine Zähne. Nicht der blanke Wahnsinn oder der grenzenlose Zorn spiegelte sich in seinen Augen, nein, es war Mitleid. Mitleid mit diesem armseligen Geschöpf. Die Sekunde in der er Dayon in die Augen sehen konnte, schien endlos lang. Ohne der grauen Fähe, Falk, der leblosen Ayala oder dem kleinen Moon Beachtung zu schenken, warf er sich auf diesen Wolf vor ihm. Dessen Geliebte er damals mit demselben Zorn und der Verzweiflung die Dayon jetzt spürte, getötet hatte.
Er riss den Rüden zu Boden und biss kurz in der Kehle des Seelensammlers. Blieb schließlich über ihm stehen, sah ihn an.
„Ich habe kein Verständnis für Dein Verhalten, Dayon, aber ich kann es nachvollziehen.“
Gerade so, als wollte er den Seelensammler an den Mord seiner Geliebten erinnern, lächelte er. Die nächsten Worte wisperte er Dayon zu.
„Ist es, weil ich deine Geliebte getötet habe?“
Hatte Dayon nun genug Kraft sich gegen Acollon wehren?
Die kleine Fähe spürte unter Hanako keine Kälte, keinen Wind, keine Angst, nur eine große Müdigkeit brach auf einmal bei ihr ein. Inuki wusste das sie jede Minute einschlafen würde.
.oO(Ich glaube ich kann schlafen, ich glaube, dass Hanako auf mich aufpasst, aber was ist mit ihrer Mutter? Wo ist diese überhaupt?)Oo.
fragte sich Inuki in Gedanken immer wieder aber schließlich schlief sie mit diesen Fragen ein. Sie wusste genau, dass sie sich nicht mehr wach halten konnte. In ihren Träumen sah sie die vergangenen Zeiten, in denen sie mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter herumtollte. Sie sah die einzelnen Szenen wieder, wie ihre Mutter ihr die verschiedensten Kräuter zeigte. Kräuter für Wunden und Kräuter die Bewusstlosigkeit vorbeugten. Inuki schreckte aus ihrem Traum hoch, sie wusste auf einmal wieder alles, jede einzelne Unterrichtsstunde bei ihrer Mutter. Das war es, Kräuter ... Inuki hielt ihre kleine Schnauze in den Sturm der nach ihrer Meinung nach etwas schwächer geworden war. Die Fähe wusste, was sie zu tun hatte ... Inuki kam aus dem Pelz von Hanako heraus und schaute sich um. Die Kleine erinnerte sich an ein Kraut, das Blutungen stoppte. Sie blickte einmal zu Hanako und wartete nicht auf einen Versuch sie zurückzuhalten. Die Welpin stürmte los und suchte nach etwas bestimmten, nach dem Kraut, das sie noch so gut in Erinnerung hatte.
.oO( Wenn ich dieses Kraut hier finde, dann könnte ich Hanakos Mutter retten, hoffe ich jedenfalls)Oo.
Mit diesen Gedanken stürmte sie weiter.
Sie war so leicht ... alles drehte sich. Alles war neu und doch so nah, so natürlich. Die Kraft verließ sie, der Druck ließ nach. Nichts war mehr von Bedeutung, sie kannte nicht mehr ihren Namen, ihre Bestimmung. Sie war jetzt nur noch ES. Es war ein einziger Schatten, der sich trennte von einer Hülle, der er gegeben worden war. Es würde wachsen, sich vereinen, doch es würde dabei sterben, würde seine Kraft einem anderen verleihen.
Und dann kam der Schmerz, alle Gefühle fielen mit einem Mal in ihren leblosen Körper in. Ein stechendes, rasendes Pochen breitete sich aus, wallte immer wieder und wieder auf, übertraf sich mit jedem Mal erneut bis es nicht mehr auszuhalten war. Nun war es soweit, ES würde sterben. ES, das betrogen, geopfert worden war für die Rache eines einzelnen. ES würde für immer fortgehen, vergessen werden, nur noch in den Gedanken einiger weniger manchmal auftauchen, wie ein Schatten aus dem Nebel. Erneut bäumte sich ein Schmerzesschwall auf, der den letzten Atemhauch aus dem leblosen Körper blies, dann war alles still.
Ayala spürte nicht einmal mehr, wie sie zurück in ihren Körper glitt, sie war zu schwach, um zu merken, dass ihre Qualen nicht vom Tod herrührten.
Dayon sah nur noch den schwarzen Schatten, der auf ihn zustürmte, spürte, wie seien Pfoten den Halt verloren und er im Schlamm ausglitt, spürte, wie scharfe Zähne seinen Hals entlang fuhren und dann kam ein kurzer, schmerzhafter Biss ... die Welt explodierte, Farben zerbarsten vor Dayons Augen, dumpfe Schläge und ohrenbetäubender Lärm durchfuhren ihn wie messerscharfe Stiche, heiße Luft schien ihn ersticken zu wollen ... und dann war alles vorbei. Verwirrt und zitternd schlug er die Augen auf, Acollon stand über ihm, die Zähne an seinem Hals, das ganze Rudel war versammelt, Falk sah so schrecklich wütend aus, dass es Dayon weh tat, ihn so zu sehen, Banshee lag gekrümmt im Schlamm, als hätte sie Schmerzen und er wollte schon angstvoll auffahren, als er wieder Acollons Gebiss sah. Und dann war da Moon ... er lag vor Banshee, sah aus wie tot und das kalte Grauen packte den Sandfarbenen. Seien Lefzen begannen zu zucken, seine Läufe bewegten sich leicht.
"Moon ..."
Flüsterte er mit erstickter Stimme, sein Blick war erfüllt mit Verwirrung, Angst und Entsetzen. Dann sah er Ayala, erneut zuckte er zusammen, begann stärker zu zittern ... was war geschehen, was hatte er nur getan? Acollons Worte bemerkte er nicht mal ...
Die Kleine rannte und rannte. Nach einer Weile blieb sie auf einer Lichtung stehen. Ja, hier war Inuki richtig, hier musste sie nach dem Kraut suchen. Sie schnupperte am Boden entlang, da dieses Kraut einen Eigengeruch hatte, den man mit Konzentration und Sicherheit suchen muss. Nicht alle aus Inukis altem Rudel hatten die Gabe die Kräuter zu unterscheiden. Aber die es konnten, wurden ausgebildet und das schon in jungen Jahren wie Inuki. Sie schnupperte weiter und tatsächlich, sie konnte diesen leichten stechenden Geruch erkennen.
.oO( Super das ist es hundert pro. Ich habe es nicht verlernt, das ist gut. Ich sollte Heiler werden.)Oo.
Dachte sich die Kleine, stolz auf sich selbst. Nach wenigen Minuten hatte Inuki das Kraut und zupfte ein bis zwei Halme davon aus. Während sie zurücklief, kaute sie das Kraut durchgehend. Es schmeckte nicht gerade gut aber es musste sein. Nach der Zeit, die sie hingelaufen war, war sie bei Hanako wieder angelangt. Sie schenkte der Fähe einen kurzen aber freundlichen Blick. Damit kämpfte sie sich etwas gegen den Sturm zu Nyana. Sie sah, dass die Fähe am Boden lag und lief sofort zu ihr hin. Die Kleine legte einen Teil des Krautes auf die Wunde und einen Teil legte sie der Fähe vor die Nase.
"Das musst du schlucken. Dann stoppt die Blutung erstmal."
Sprach die Kleine zu der Fähe und trat zwei Schritte zurück.
Hidoi stand da und sah dem Treiben zu, wie ein grauer Rüde, der sogar noch ein wenig größer als er selbst war, an ihm vorbei preschte und sich Banshee dazuwischen warf. Wie Acollon auf den braunen Rüden losging. Ein grollen verließ seine Kehle. Der Stahlgraue wurde gar nicht gebraucht, typisch. Dafür hatte er nun also Hanako stehen gelassen... Sein stechend gelber Blick glitt umher. Noch immer wallte diese Kampfeslust in ihm auf. Doch zu einem Kampf mit dem Seelensammler würde es wohl kaum kommen. Dieser war eher ein verwirrter Wahnsinniger. Vorsichtig schritt er außen herum, wollte das Geschehen nicht weiter stören, trabte auf Banshee zu, die neben einem kleinen Welpen lag. Es schien ihr wahrlich nicht gut zu gehen.
"Banshee... kann ich dir irgendwie helfen?"
ertönte seine tiefe, raue Stimme durch den Sturm kalt gemacht. Ungewohnt, aber schließlich war sie seine Alpha. Die ganze Zeit Tatenlos rum zu stehen behagte ihm nicht.
Wie ein Wandel. Dayon schlug die Augen auf, schien wieder zu Verstand zu kommen, erkannte allmählich die Situation. Der schwarze Rüde ließ von der Kehle des- ehemaligen- Seelensammlers ab. Er blieb jedoch über ihm erhoben stehen und ließ ein leises Grollen in Form eines Knurrens verlauten. War nun alles vorbei, war nur der Seelenraub zweier Wölfe in Kauf zu nehmen? War Fenris nicht normalerweise auf alles andere fixiert, nur nicht auf das Aufgeben und Verlieren? Nun glitzerten Acollons Augen ein wenig verachtungsvoll, jedoch sahen sie nicht zu Dayon hinab, der immer noch zwischen seinen Pfoten lag, sondern zu Moon, dem kleinen Welpen. In Prinzip war noch nichts verloren, in Prinzip konnten sie ihre Seelen zurück fordern, alles war möglich, wenn man es nur wollte. Erschrocken über diese überraschend positive Einstellung zum Ganzen, ließ er seinen Blick zu seiner Gefährtin schweifen. Wie kalt er doch manchmal ihr gegenüber war. Wenn es nun so wäre, dass sie dort liegen würde, wäre er dann immer noch derjenige der Dayon angegriffen hätte? Wohl eher nicht, doch der anschließende Wutausbruch wäre unaufhaltsam gewesen, soviel wusste Acollon.
„Du hast ihm seine Seele geraubt, mein Lieber. Du bist dafür verantwortlich, dass zwei unserer Rudelmitglieder keine Seele mehr haben. Ganz allein Du, Dayon. Kein Wolf ist so töricht und lässt sich auf den Tod ein. Aber nun Dayon, sag, gibt es eine Chance Dich dazu bewegen, die Seelen zurück zu erobern?“
fragte Acollon im mittellauten Ton, eher provozierend und angriffslustig, als sachte und sanft. Nun galt doch noch ein Kampf, aber nicht gegen Dayon, sondern gegen Fenris. Sondern gegen das, was Acollon am meisten hasste. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah er wieder auf Dayon hinab.
„Hat wohl eh keinen Zweck Dich zu etwas zu bewegen, warst ja lieber immer abwesend, selbst als Dein Sohn Dich am meisten gebraucht hat, nach dem Tod seiner Mutter, und jetzt? Wo er schon so gut wie tot ist, willst Du jetzt wieder wegsehen? Es liegt in Deinen Pfoten, Dayon.“
Hanako hatte schweigend alles beobachtet, ihre Gedanken waren sehr durcheinander und sie wusste nicht, was hier um sie geschah, was die denken und fühlen sollte, einfach alles in ihrem Kopf schien eine Wende gemacht zu haben. In Banshees Augen erkannte sie die Enttäuschung und Wut und Hanako tat es furchtbar Leid, wie konnte sie ihrer Alpha nur so in den Rücken fallen? Sie musste ihr doch helfen, wie konnte sie das nur tun? Seufzend blickte Hanako zu Hidoi, der verlangte, dass sie bei ihrer Mutter und der kleinen Welpin bleiben sollte, er wollte Banshee und Acollon helfen. Sie nickte leicht und ein kleines, aber leider auch ausdrucksloses Lächeln glitt über ihre Lippen, als Hidoi ihr sagte, dass er sie liebte. Ihre Augen hafteten auf diesem wundervollen Rüden und sie freute sich innerlich furchtbar, dass er bei ihr war und sie nicht auch noch mit Wut überschüttete, doch vom Äußeren hatte Hanako im Moment einfach nicht mehr die Kraft dazu. Hanako legte den Kopf vorsichtig auf ihre eine Pfote, damit Inuki genug Luft bekam und nicht erdrückt wurde, dann galt ihr Blick ihrer so liebevollen und schon großen Tochter Leé.
"Leé, mein Kind, komm bitte zu mir...bitte..."
Flehte Hanako fast, denn sie wollte keine verstreute Familie mehr haben, sie wollte endlich wieder alle bei sich haben und ihnen die Liebe und Wärme schenken. Dann sah sie zu ihrer Mutter, sie war fast bewusstlos und es stach Hanako durch's Herz, sie musste ihr helfen. Gerade wollte sie aufstehen, als plötzlich die kleine Inuki unter ihr wegraste und davon lief.
"INUKI!"
Hanako erhob sich schnell, beinah zu schnell und sie spürte ein seltsames Kribbeln in ihrem Kopf, es war ungewohnt und unangenehm, sie konnte die weiße Welpin nicht mehr aufhalten, diese lief einfach so davon.
.oO(Nein...Banshee wird mich Hassen...)
Hanakos Augen füllten sich mit Tränen, sie verlor in wenigen Minuten einfach alles. Mit zittrigen Läufen ging sie zu ihrer Mutter und legte sich dicht an die Seite dieser. Auch, wenn sie wütend, enttäuscht und traurig war, musste sie ihr Wärme schenken und ihr zeigen, dass sie da war.
"Bleib wach, Mama...bitte..."
Ihre Stimme zitterte ohne Ende. Dann kam Inuki wieder angerannt, mit einem Kraut in der Schnauze.
"Was ist das?!"
Riku sah zu dem Schwarzen. Der plötzlich den Rüden umschmiss, sie sah alles nurnoch durch einen Schleier. Alles um sie begann sich zu drehen, sie wollte doch sterben! Sie schlug die Augen wieder auf. Sie machte einen Schritt auf die Zwei zu, sie wollte gerade etwas sagen, damit Acollon aufhörte, doch da hörte dieser schon auf, sie sah Dayon lange an, er schien nicht zu wissen was er getan hatte. Sie schluchzte leise, ganz leise, nicht hörbar. Das alles hier überforderte sie. Der Schwall der Erinnerungen war wie ein plötzlicher Schlag ins Gesicht erfolgt und sie war völlig wehrlos gewesen. Sie ging einige Schritte zurück, um sich kurz von dem Geschehen zurück zu ziehen. Sie verstand das alles nicht wirklich.
.o0(Das ist alles nur ein böser Traum!)
Sagte sie sich selbst immer wieder, sie schloss die Augen, kniff sie zusammen. Und biss die Zähne feste aufeinander, als könnte sie sich so wieder selbst aufwecken.
.o0(Wenn ich die Augen wieder aufmache ist alles okay, dann ist es wieder so wie zuvor, ich bin alleine, und alles ist egal. Das ist nur ein Traum!)
Sie öffnete die Augen, kurz sah sie nur durch einen Schleier, doch langsam erblickte sie Dayon und sie kniff die Augen wieder zusammen, diesmal aus Angst. Es war kein Traum, was war mit diesen Wölfen da? Sie sahen aus als wären sie tot.
.o0(Kein Traum Rikunare!)
Sie ging wieder einige Schritte zu den Anderen und sah sich dann unsicher um, sie trat zu der weißen Fähe, stupste sie an und sah sie besorgt an. Dann legte sie sich neben sie und schleckte ihr über den Kopf, ihr Blick war gebrochen und leer. Leise begann sie zu flüstern:
"Ich weiß nicht mehr wie du heißt! Du musst aufstehen und es mir sagen, okay? Du willst doch Leben oder? Denk an alle die du lieb hast, alle die dich lieb haben, die brauchen dich doch hier noch alle... Bitte steh auf! Bitte! Ich glaube, ich glaube, dass dich viele Wölfe lieb haben, ich hab dich auch lieb, glaub mir! Ich hab dich Lieb weil du stark bist, weißt du, du bist ganz stark, du musst nur dran glauben... du schaffst das!"
Sie sah die Fähe an. Ohne zu Zwinkern, als würde sie jeden Moment die Augen öffnete. Sie stupste die Fähe immer wieder sanft an. Ihr weißes Fell war von dem vielen Schlamm verschmiert. Traurig sah sie die Fähe an.
Eris beobachtete ausdruckslos die verzweifelten Versuche Rikus, der grauen Neuankömmling, Ayala zu wecken. Von außen her schien die Schwarze wie betäubt, als wolle sie die Informationen nicht an sich heranlassen. Sie schaute auf Ayalas weißen, leblosen Körper und legte die Stirn in leichte Falten. Eris wusste, dass Ayala nicht tot war, das hätte sich anders angefühlt. Es war Leben in der Weißen, nur schien es nicht zu pulsieren, sondern in eine Art Schlaf gefallen zu sein ... auf unbestimmte Zeit.
Eris blinzelte und starrte weiter auf Ayalas ruhende Gestalt. Sie war die erste gewesen, die die Schwarze richtig kennen ... und mögen gelernt hatte, in diesem Rudel. Und auch jetzt schien es ihr so, als wäre sie eine der nur sehr wenigen, zu denen sie eine Beziehung aufgebaut hatte. Alle anderen waren doch noch irgendwie fremd, nun gut, Banshee, sie war auch so eine offene Art Wolf und natürlich die Alpha. Aber Falk schien ihr ein Mysterium und Akai ... und Dayon erst recht, jetzt, wo Eris herausgefunden hatte, dass sie ihn wohl nie richtig kennengelernt hatte, sondern nur eine Hülle in der Leere und der Wahnsinn einer Idee gesteckt hatten.
Wie der Sandfarbene wohl wirklich war? Würde er Eris überhaupt erkennen?
Sie schüttelte den Kopf und schaute nun wieder richtig zu Ayala. Ja, sie mochte sie. Bei ihrer ersten Kontaktaufnahme im Wald war sie ihr schon sympathisch gewesen, weil sie ihr gleich so viel offenbart hatte; wie Eris es auch oft tat, wenn auch nicht beabsichtigt.
.oO(Auch wenn Ayala mich vorhin ignoriert hat und mich das immer noch wurmt, ist die Weiße doch irgendwie wie eine Freundin.), dachte Eris vorsichtig, (der man so eine Sache eben einfach durchgehen lassen muss.)
Eris atmete seufzend aus und legte Ayala die schwarze Pfote auf das weiße Fell, so wie ein Zeichen, dass alles wieder in Ordnung war. Schließlich war Eris diejenige gewesen, die es so krumm genommen hatte und Ayala hatte vielleicht gar keine Ahnung gehabt.
.oO(Wach bald auf, es wär´ sonst einsam …)
dachte die Schwarze ruhig, erschöpft und etwas traurig.
Schwarz... Was passierte mit ihr? Eine plötzliche Wärme durchzuckte ihren Körper, und sie hörte Hanako sprechen. Nyana war fest davon überzeugt, das sie sterben müsste, doch plötzlich öffnete sie leicht ihre Augen. Sie war noch am Leben, schaffte es irgendwie wieder neue Kräfte zu schöpfen. Warum? War es der Gedanke, dass sie nicht sterben wollte, sondern leben möchte? Alles war so verschwommen, Hanako war bei ihr... Warum hat Nyana ihre Erinnerungen verloren? Was ist geschehen? Sie sah einen Welpen... Kräuter? Wenn der Kleine Recht behielt, würde sie vielleicht sogar überleben. Mit ihrer letzten Kraft schluckte Nyana die Kräuter, und schwieg. Sie müsste sich nun ausruhen, sie hatte ja sowieso nicht die Kraft, aufzustehen.
"Hanako... Ich bitte dich... verzeihe mir..."
flüsterte sie, und schwieg wieder. Nyana, sah Hanako kurz an, und schloss dann ihre Augen. Sie musste sich ausruhen, sie musste Kräfte tanken, und vielleicht... würde sie ja irgendwann ihre Erinnerungen wiedererlangen, doch liegt dies in den Händen des Schicksals. Ihr Atem hatte sich wieder normalisiert, doch zitterte sie noch immer, jedoch mehr durch ihren Zustand, als vor der Angst. Sie spürte die Wärme von Hanako, wollte auch wegen ihr nicht einfach so aufgeben. Nyana spürte und sah, wie geschockt Hanako war, als sie ihre Mutter wieder sah... Irgendwie wollte Nyana dies wieder gut machen, doch würde sie dies wohl erst schaffen, wenn sie ihre Erinnerungen wiedererlangen würde...
"Das ist ein Kraut das die Blutung stoppt und Infektionen vorbeugt. Es wird in den nächsten Minuten Wirkung zeigen."
Sprach Inuki zu Hanako und blickte auf Nyanas Wunde. Sie wusste, dass es das richtige war. Zu oft war sie mit ihrer Mutter mitgegangen und nun hatte sie den Preis dafür erfolgreich anwenden können.
"Das mit den Kräutern habe ich von meiner Mutter gelernt, es gibt viele Kräuter für die verschiedensten Sachen. Manche haben Probleme damit, sie auseinander zu halten, nur ganz wenige schaffen es, sie zuzuordnen."
Sagte die Welpin erneut zu der Fähe, die neben der Verletzten lag. Es würde bald Wirkung zeigen.
Hanako beobachtete die Situation mit kleinen und traurigen Augen, wie ihre Mutter mit ihrer letzten Kraft versuchte das Kraut zu fressen, damit es ihr besser ging und es schmerzte sehr, die eigene Mutter so leiden zu sehen. Egal, was passiert war, egal was Hanako im Moment dachte, Nyana durfte nicht sterben, dafür würde sie alles geben, selbst ihr eigenes Leben. Als sie dann die Worte ihrer Mutter vernahm, zuckte eine Kälte durch Hanakos Körper, die vollkommen ungewohnt war, eine Gefühlsmischung aus Angst, Sorge und Liebe.
„Ich…“
Hanako schwieg, schluckte die Worte hinunter und ließ diesen angebrochenen Satz einfach im Wind davon schweben. Sie wollte all die Wärme, die sie besaß, ihrer Mutter schenken und spürte dabei selbst, wie müde sie wurde.
.oO(Du darfst jetzt nicht einschlafen…du hast Verantwortung…für Inuki, für Nyana und für Leé…und die Kälte…Hanako, die Kälte…sie würde dich umbringen, schlaf nicht ein!)
Hanako kämpfte gegen sich selbst an und spürte den kurzen Blick ihrer Mutter, dann vernahm sie erneut die Worte von der kleinen Welpin und sah zu dieser. Sie kannte sich in dem Alter schon mit Kräutern aus? Es war erstaunlich, aber sie schien Recht zu behalten, denn die Kräuter schadeten ihrer Mutter bisher nicht, nein, sie schienen sogar zu helfen. Hanako stupste die Kleine kurz dankend an, ihr fielen keine Worte mehr ein, alles war verloren gegangen mit ihrer Angst und dem Wind.
.oO(Hidoi…bitte zeige mir, dass ich deine Kraft habe…)
Sie brauchte dies nun, sie brauchte ein Zeichen, die Liebe Anderer um wieder die Alte zu werden. Mit einem erschöpften Seufzer legte Hanako den Kopf auf die Pfoten und schloss die Augen, sie wollte ruhen…nur ein wenig…damit sie nichts verpassen würde und alles beschützen konnte…
Moons Fell war durchnässt und verschmiert mit roten Streifen, die vom Blut herrührten. Seine Lider flatterten unkontrolliert, es kostete ihn große Kraft, sie zu öffnen. Er hörte, sah seltsame Dinge, die verschwammen und ihre Gestalt veränderten. Er spürte eine fremde Anwesenheit, je wärmer ihm wurde, desto eher konnte er die Silhouette, die neben ihm war, ausmachen. Es war niemand Fremdes, er war noch immer Zuhause ... er war bei Banshee. Dankbar schloss er wieder seine Augen, er spürte die Liebe, mit der sie ihn erfüllte. Die Kälte wich der Wärme, die Dunkelheit dem Licht. Ein leises Winseln drang aus Moons ausgetrockneter Kehle, er hob noch einmal die Lider, doch das Bild vor seinem Auge war diesmal deutlicher.
Er sah Acollons kalten Blick, der auf ihm ruhte, dann sah er direkt in die Augen Dayons, seine Lefzen formten seinen Namen. Wie ein Schock stürmten plötzlich Erinnerungen auf ihn ein. Erinnerungen, die bloß aus Fetzen bestanden, keinen Zusammenhang bildeten. Durchgehend hörte er die Stimme seines Vaters, in seinem Kopf hallten dieselben Worte wieder.
Die Kleine sah, wie Hanako müde wurde und den Kopf auf die Pfoten legte. Inuki schleckte der Fähe über die Schnauze und schaute beide traurig an. Die Wirkung der Kräuter trat nun ein, die Blutung wurde sehr sehr schwach und hörte schließlich auf, nun musste das Kraut nur noch seine 2. Aufgabe erfüllen. Die kleine Welpin war hellwach und beschloss etwas auf die anderen beiden auf zu passen. Inuki setzte sich zwischen Hanako und Nyana und wartete.
.oO( Wann den wohl der Morgen anbricht oder dieser Regen endlich mal aufhören wird?)Oo.
Inuki blieb mit dem Blick auf Nyana sitzen und beobachtete die Wirkung der Kräuter.
Leé versuchte vergeblich zu begreifen, was hier um sie herum vorging. Ihr Kopf war leicht vernebelt und es schienen alle Gefühle und Gedanken ineinander verhakt zu sein. Leé ging auf die Forderung Hanakos sofort zu ihr hin und leckte ihr über die Schnauze, setzte sich neben sie hin und schloss erschöpft die Augen. Verzweifelt versuchte sie Ruhe in ihre Gedanken zu bringen. Ohne viel zu überlegen fragte sie:
"Hanako, was geht hier eigentlich vor? Ich hab solche Angst..."
Leés Blick lag auf ihrer Mutter, dann auf der kleinen Inuki, welche bei Hanako lag.
Der Hüne hatte aufgrund der aufgeregten Stimme der Alpha innegehalten. Stumm senkte er den Kopf. Sein Blick glitt über Ayala, über Dayon - Dayon, den er für seinen Freund gehalten hatte und der sich verkauft hatte an eine höhere Macht - und den kleinen Moon, diesen altklugen jungen Rüden. Ein verbittertes Lächeln zerrte an den Lefzen Falks.
"Du hast wohl Recht...Banshee...aber helfen... Tut mir Leid... Helfen kann ich wohl nicht mehr... Zu spät, zu spät, verloren in den Schatten..."
Es war dem Rüden, als ob er nicht er, sondern all das Leid seiner Vergangenheit, diese langen Schatten, deren Finger wieder nach seinem Herzen zu tasten begannen, aus ihm heraussprachen. Ein kurzer Blick galt Acollon; der Alpha hatte die Sache bereits in die Hand genommen. Falk war dem schwarzen Rüden dafür dankbar, gleichwohl er wusste, dass es Acollon nicht für ihn, Falk, getan hatte, sondern weil es seinem Charakter entsprach. Der Blick aus den dunklen Augen wanderte zurück über Ayalas reglosen, weißen Körper.
.oO(Es tut mir Leid, Ayala, Liebe... Ich konnte dich nicht beschützen. Es tut mir Leid... Ich liebe dich.)Oo.
Dann drehte sich der Hüne um. Wenn Ayala nicht mehr da war - tot war sie ja nicht - und Dayon in den Fängen Fenris' war, was hielt ihn dann noch hier? War seine vermeintliche neue Heimat dann noch existent? Falk war sich klar, wie sehr er versagt hatte. Vielleicht ist es das Schicksal, dachte er bitter.
.oO(Und wer sagte noch so schön: Was mich nährt, zerstört mich?)Oo.
Falk warf keinen Blick zurück. Mit gekrümmtem Rücken lief er den Weg zurück, zurück zu der Stelle, an der sie Varlocs Witterung aufgespürt hatten. Vielleicht sollte er zurück ins Gebirge gehen - niemand sollte seine Wurzeln verleugnen - und seinem Vater den Arsch aufreißen. Wenn das schon nicht jemand anders getan hatte. Und vielleicht würde er Varloc treffen. Und vielleicht auch Mahée, seine verschollene Mutter. Und vielleicht würde er auch Leah treffen. Und Ayala.
Eris schaute Falk hinterher. Sie warf einen zögernden Blick auf Ayala und schaute erneut auf. Der hünenhafte Rüde war dabei im Wald zu verschwinden und fast schon hatten ihn die Schatten verschluckt. Eris hatten den Entschluss gefasst und rappelte sich auf. Ein entschuldigender Blick galt Ayala.
.oO(Ich kann dir hier jetzt keine große Hilfe sein, Ayala, aber ich sorge dafür, dass dir, wenn du dann aufwachst, nicht doch ein Teil fehlt.)Oo.
Eris verließ die Gruppe und verschwand raschen Schrittes ebenfalls im Wald. Sie beeilte sich Falk einzuholen. Die Dunkelheit schien wieder undurchdringlich und Eris schaute sich öfters um, aber es war ruhig und der Regen schien etwas nachgelassen zu haben. Schon bald hörte sie die Schritte eines Wolfes und sie erkannte die Bewegungen von etwas sehr Großem in den Schatten. Eris machte einen letzten Satz und landete neben Falk. Vorerst reihte sie sich in seinen Gang ein und blieb ruhig. Schließlich sagte sie:
"Falk, warum willst du gehen? Tu das Ayala nicht an. Sie ist am Leben und sie liebt dich und das weißt du auch."
Eris zermarterte sich das Hirn. Warum wollte er denn gehen? Sie verstand das nicht, es war doch jetzt alles geklärt, auch wenn es einige sehr unangenehme Klärungen gewesen waren. Vielleicht, weil Ayala und Dayon die letzten Tage in so einer merkwürdigen Eintracht verbracht hatten? Aber das hatte doch einen Grund gehabt!
"Stell dir vor, sie wacht auf und das Erste, was sie erfährt ist, dass Dayon als enger Freund versucht hat, ihre Seele rauben und anschließend kommt der zweite Schlag ... nämlich, dass der Wolf, den sie am meisten liebt, das Rudel verlassen hat! Und außerdem ..."
Und außerdem ... wollte sie auch nicht, dass er ging!
"Du ... du hast mir noch versprochen ... unser - unser Streit ist noch nicht begraben! Ich habe dir noch nicht verziehen, was unsere erste Begegnung angeht!"
Eris war laut geworden. Sie blieb abrupt stehen und starrte Falk mit einem ebenso verzweifelten, wie wütenden Blick an.
23.12.2009, 17:03
Hanako seufzte leise, als ihr die kleine Welpe dann über die Nase schleckte, öffnete sie die Augen und sah Inuki mit einem milden und beinah ausdruckslosen Lächeln an. Sie war so gutmütig für ihr Alter. Genauso wie ihre eigene Tochter Leé. Eigene? Hanako war erstaunt von diesem Gedanken, sie hätte nie gedacht, dass sie Leé jemals als ihre eigene Tochter bezeichnen würde, aber es tat gut und war ein positives Zeichen für sie. Trotzdem änderte dies nichts mehr an dieser Situation und noch immer waren alle Wölfe verstreut, weit weg und auch Hidoi gab kein Zeichen mehr von sich. Sie fühlte sich unsicher und ängstlich, ihre Mutter blieb ebenso stumm, lebte sie auch noch? Unsicher stupste sie ihre Mutter mit dem Kopf an und wartete auf ein Zeichen, als ihre Tochter zu ihr kam und sich neben sie setzte. Hanako sah auf, ihre Tochter war so erwachsen geworden, es war wirklich schön und sie war bildschön geworden.
"Meinst du...warum all die Wölfe, die uns sonst so Nahe gestanden sind nun weg sind und nichts mehr von sich hören lassen? Ich habe keine Ahnung, irgendetwas ist mit diesem Seelensammler passiert, doch ich habe genauso wenig Ahnung wie du. Es verwirrt mich und ich habe furchtbare Angst..."
Hanako seufzte leise und sah zu Inuki.
"Meine Kleine, wie geht dein Leben im Rudel denn nun weiter....? Du brauchst doch eine Familie..."
Inuki sah Leé kommen und ein Lächeln fuhr über ihre Lefzen. Die Welpin mochte die Fähe gerne. Die Kleine war gerade etwas in Gedanken als Hanako zu ihr sprach.
"Ich weiß nicht, wie es weiter geht aber ich würde gerne die Alphas kennenlernen, Damit sie wissen, dass ich hier bin und sich nicht wundern und mich vielleicht sogar verjagen."
Bei dem Wort verjagen senkte Inuki den Kopf und ihre Erinnerungen kamen wieder hoch. Ihr eigener Vater hatte sie vertrieben und das konnte sie nicht fassen. Inuki war traurig darüber aber sie war froh über die Zeit, die sie mit ihrer Mutter verbracht hatte, da ihr Vater nicht immer der Netteste war. Die Kleine hatte vieles von ihrer Mutter übernommen, die Hilfsbereitschaft, das Wissen über die Kräuter und die Gutmütigkeit. Von ihrem Vater hatte sie das Aushalten geerbt, sie konnte viel, sogar sehr viel wegstecken. Die Sturheit, die ihren Vater so geprägt hatte und diese Kälte hatte sie nicht von ihm und darüber war sie sehr froh.
Vielleicht war es eine Art des Schwarzen, doch langsam wurde ihm das ganze etwas zu bunt, und Acollon ließ ein verächtliches Knurren verlauten, es hatte zuviel Wind um den Seelensammler gegeben, zuviel Misstrauen wurde gelegt, und dann war es so einfach vorbei? Noch dazu- wenn es Acollon zugleich ein wenig unangenehm war- musste er zugeben, dass er sich auf einen Kampf gefreut hatte. Lange konnte er seine Zähne nicht gebrauchen, und wenn er es sich recht überlegte, war er auch ein wenig aus der Übung. Dayon war nicht gerade ein Gegner den er sich gewünscht hatte. Schließlich stand er als Mörder vor ihm, es war zwar ein Grundstein für einen berechtigten Hass gelegt, und dennoch empfand Acollon nicht diesen ungeheuren Zorn um in der Lage zu sein, Dayon jetzt anzugreifen. Seine Augen sahen wieder zu Moon, den Welpen, der ihn so sehr hasste und verachtete. Unweigerlich hatte er ein wenig Mitgefühl für diesen Welpen. Ein Augenblick lang überlegte er, ob er Dayon so einfach und ohne weiteres davonkommen lassen sollte. Ein Schmunzeln huschte über seine Lefzen. Nein, sicherlich nicht. Er verengte die Augen und biss dem Seelensammler in die Schnauze, bis Acollon das Blut schmecken konnte. Dabei sah er Dayon in die Augen. Noch kurz verstärkte er seinen Druck, dann ließ er ab. Dort wo er zugebissen hatte, würden Narben entstehen, tiefe Erinnerungen daran, dass er sich lieber vorher überlegen sollte, was er machte. Er trat zurück, beachtete den braunen Rüden nicht weiter. Der Wind hatte sich verstärkt, die Kälte wurde mittlerweile eisig. Er zerrte an dem Fell des mageren Alphas. Sonderlich gesund lebte Acollon ja nicht, schon lange hatte er nichts mehr gefressen. Kurz runzelte er die Stirn. Sah schließlich zu Moon und trat auf ihn zu. Neben ihm, seine geliebte Fähe. Er versuchte eine verständnisvolle und besorgte Miene aufzusetzen, es gelang ihn für einige Sekunden, doch die Kälte siegte wieder mal über seine Mimik.
„Ich hoffe er kommt durch.“
murmelte er seiner Fähe zu und setzte sich neben sie. Dayons Blut tropfte auf sein Brustfell, ein so seltsamer vertrauter Geschmack. Er seufzte. Die Nacht wechselte den Tag ab und ließ die Dunkelheit tief über den Wald schweben. Der Rüde sah in den Himmel, keine Sterne, geschweige denn Sternenwinde zu sehen.
„Nun ist Fenris am stärksten. Werden wir gegen ihn kämpfen?“
fragte er seine Gefährtin.
Langsam bricht die Dämmerung an, doch davon ist kaum etwas zu merken, der Regen und die schweren Wolken verhängen den Ring der Ewigkeit und lassen seien Strahlen nicht auf die feuchte Erde hinabdringen. Der Regen lässt langsam nach, der Wind wird schwächer, doch noch immer ist kommt genug Wasser vom Himmel, dass die Wölfe Mühe haben weit zu sehen.
Banshee sah kurz zu Falk, sagte aber nichts mehr zu ihm, ließ den Kopf nur schwer in den Schlamm fallen und atmete ein paar mal ein und wieder aus. Sie fühlte sich vollkommen kraftlos, spürte ein dumpfes Pochen von Schmerz in ihren Knochen, doch sonst schien der heftige Aufprall gegen Falk keine großen Schäden hinterlassen zu haben. Die Szene mit Dayon nahm sie nur am Rande wahr, ihre Augen waren auf Moon gerichtet, sie meinte Leben zu spüren, ihn atmen zu sehen ... war es noch nicht zu spät? Als Hidoi zu ihr kam sah sie zu ihm auf, lächelte.
"Sieh nur, Moon ... er lebt."
Es war keine richtiges Beantworten seiner Frage, eher vielleicht eine leise Bitte, Moon weiter zu helfen, wenn das denn möglich war.
Hidoi zuckte leicht mit den Ohren, als er Acollons Stimme vernahm. Auf Banshees Antwort hin runzelte er leicht die Stirn. Naja, antwort konnte man es eh nicht genau nennen. Er lebte.. Wer, der Welpe? Sein stechend gelber Blick glitt zu der kleinen, leblosen Gestalt herüber. Leise seufzte er. Er musste wohl lernen damit zu recht zu kommen, dass es hier viele Welpen gab, mit denen man leben musste. Und den Tod, nein den gönnte er diesen kleinen Wesen nicht, auch wenn sie oft ziemlich nervig waren. Er war auch mal ein Welpe gewesen, vielmehr, sein Bruder war einer gewesen. Hidoi selbst hatte nie Zeit für irgendein Herumgealber gehabt. Dazu hatte ihn sein Vater zu sehr gefordert. Nun, eigentlich konnte er stolz darauf sein. Der Stahlgraue hatte viel erreicht. Er war wirklich sehr groß und kräftig, aber viel mehr noch. Hier gab es wirklich jemanden, der ihm etwas bedeutete, viel mehr noch, jemanden dem auch er etwas bedeutete. Hanako. Sobald alles überstanden war, würde er zu ihr gehen und ihr damit helfen ihre Mutter wieder auf die schwachen Beine zu bekommen. Leicht fallen würde ihm das sicherlich nicht, das wusste er jetzt schon aber... gute Vorsätze hatten noch niemandem geschadet.
"Ja... er wird bestimmt nicht sterben."
murmelte Hidoi Banshee entgegen. Sie hatte es sicherlich verstanden. Aber so ganz war diese Kampfeslust im inneren des stählernen Körpers vom Rüden noch nicht abgeflammt. Allerdings würde es wohl zu keinem Kampf mehr kommen... Doch halt, was hatte Acollon noch gleich gesagt? Hm... vielleicht war das ja doch erst der Anfang. Der Anfang vom Ende.
Es fiel so schwer, sich zu erinnern. Ayalas Körper war kalt und trotzdem spürte sie die Wärme, die von Eris und auch von Riku ausging. Sie hörte alles, sah alles durch ihre starren Augen, nahm jeden Geruch wahr - doch sie konnte das alles nicht miteinander verbinden. Es war alles so durcheinander, ohne Ordnung, pures Chaos. Die Stimmen vermischten sich, schwollen zu einem hellen Ton an. Inzwischen kostete es Ayala nicht mehr so große Kraft bei Bewusstsein zu bleiben als am Anfang, doch ihr Wille zu leben wurde immer noch betäubt. Die Fähe wusste nicht warum, aber sie spürte nicht genug, etwas fehlte. Sie sah viele Körper vor ihrem Auge, Blut, Farben ... doch wer waren diese Geschöpfe? Wer war sie selbst? Müde versank sie wieder in die Dunkelheit.
Ich hab dich auch lieb, glaub mir!
Es war deutlich zu hören, doch die Stimme war so fremd ...
Ja, einst hatte sie jemand lieb gehabt, ja, sie war geliebt worden ... für einen kurzen Moment spürte Ayala Leben in ihrem Körper, das jedoch zugleich verebbte. Und sie hatte Freunde gehabt, andere, die an sie glaubten. Wo waren sie alle? Ayala hatte sie alle verraten, durch einen Fehler, an den sie sich nicht mehr zu erinnern vermochte. Traurigkeit und Resignation legten sich um ihr Herz. Sie würde aufgeben ... nichts hielt sie mehr.
Ich hab dich Lieb weil du stark bist, weißt du, du bist ganz stark, du musst nur dran glauben ... du schaffst das!
Nein, selbst wenn sie wieder etwas spürte, wenn sie vielleicht stark genug war zu leben, sie würde es nicht wollen, ihre Vergangenheit war ausgelöscht, alle Erinnerungen verloren. Wenn sie wüsste, ob die Stimme nicht log, ob sie ihr doch nur Mut machen wollte, um sie nachher fallen zu lassen. So, wie sie ihre Freunde verraten hatte. Zu wissen etwas getan zu haben, was sie nie wieder würde gut machen können, zugleich aber nicht zu wissen, was dies sei, machte sie verrückt, ließ sie mehr und mehr zweifeln. Von Ferne wurden Worte in ihr Ohr getragen, die Stimme war vertraut.
Du hast wohl Recht...Banshee...aber helfen... Tut mir Leid... Helfen kann ich wohl nicht mehr... Zu spät, zu spät, verloren in den Schatten...
Ein Ruck ging durch ihren Körper, er war es, den sie einst geliebt hatte, er, dem diese einzigartige Stimme ein Merkmal war. Und ER war hier, bei ihr ... er lebte. Doch seine Worte schnitten in ihr fast zerstörtes Herz, ja, sie hatte ihn verraten, wie alle anderen auch.
Es tut mir Leid, Ayala, Liebe... Ich konnte dich nicht beschützen. Es tut mir Leid... Ich liebe dich
Alles in ihr schrie, schrie nach Vergebung, schrie nach Zuneigung. Doch er ging ... Ayala wollte aufstehen, ihm nachrennen, ihn nicht einfach fortgehen lassen, doch ihr Körper gehorchte ihr noch nicht, einzig ihre Pupillen bewegten sich und ihre Lefzen zitterten.
Falks Kopf fühlte sich so schwer an, fast streifte er den aufgeschwemmten Boden. Schleppend war der Schritt des Hünen. Es war, als ruhte eine Last auf den Schultern des Rüden, drückte ihn zu Boden.
.oO(Meine Schuld...mein Gewissen. Verzeih.)Oo.
Falk schlurfte weiter. Eine tiefe Traurigkeit, die sich in seinem Herzen allmählich entwickelt hatte, begann sich im Körper auszubreiten und ließ den Gang des Rüden noch langsamer werden. Kurz blieb der kräftige Grauwolf mit dem schwarzen Rücken stehen.
.oO(Verzeih, Ayala. Ich habe mich deines Vertrauens...als nicht würdig erwiesen. Verzeih.)Oo.
Kurz dachte Falk an den Tag zurück, an dem er das Revier des Sternenwind-Rudels betreten hatte. Der Hüne seufzte. Was war seither nicht alles passiert. Besser, es wäre nicht passiert. Vielleicht wäre dann alles etwas anders gelaufen. Oder auch nicht. Zumindest hätte es ihn nicht kümmern müssen. Der Rüde dachte an Nygero, den er nie richtig kennengelernt hatte und an dessen Grab, und dann dachte er auch an Leahs Grab. Er lächelte traurig. Ja, es würde schön sein, einmal wieder dort zu sein - umgeben von all den Gipfeln-
Er fuhr herum. Verdammt - da wagte ihn jemand zu stören...
"Eris?!"
Er senkte den Kopf, starrte auf den Boden. Was sagte sie da? Konnte es tatsächlich sein, dass es sie noch kümmerte?
.oO(Was soll das, Eris? Was machst du noch hier? Diese misslungene Komödie ist gelaufen, unsere Rollen sind verdammt noch mal gestrichen...)Oo.
Falk hob den Kopf und musterte die schwarze Fähe.
"Eris...vergiss das. Und vergiss mich auch. Tu so, als wäre ich nie da gewesen. Oder hass' mich. Ja, das wird das Beste sein - hass' mich. So viele Wölfe, die mich hassen - da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht mehr... Ich hätte mich nicht mehr darauf einlassen sollen - Eris. Auf das ganze Spiel mit dem Vertrauen und so. Ich will das alles nicht mehr, verarscht werden und das, und wenn es irgendwelche irre gewordenen Gottheiten sind, die mich neppen... Ich habe meine Familie sterben sehen. Ich habe meine Gefährtin sterben sehen. Ich konnte ihnen nicht helfen. Ich konnte Ayala und Dayon nicht helfen. Ich bin ziemlich selbstmitleidig, oder, Eris? Aber das ist jetzt auch egal. Ich geh' jetzt - allein - vielleicht nach Hause - aber folgt mir nicht..."
Und ohne auf eine Reaktion zu warten, lief der Rüde weiter.
Banshee sah zu Hidoi, schien kurz durch ihn hindurch zu sehen, dann lächelte sie leicht und richtete sich mühsam auf, trat humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht an Acollons Seite, sah zu dem am Boden liegenden Dayon.
"Ich ... ich weiß nicht ... tu das, was du für richtig hälst, mach ihn wieder normal, mach, dass er wie vorher ist. Vertreibe Fenris, denn einst wird der Sohn stärker als sein Vater sein."
Sie blickte noch einige Herzschläge lang traurig hinab, dann trat sie zu Hidoi, der noch immer bei Moon stand und scheinbar nicht genau wusste, was er tun sollte.
"Hol ihn zurück, Hidoi, versuche es, ich bitte dich darum, entreiße seine Seele dem dunklen Herrscher und führe ihn ins Leben. Ich weiß, du kannst es."
Sie lächelte ihn erneut an und trat dann neben Ayala, bei der Riku stand.
"Wie geht es ihr?"
Sie sah die graue Fähe von der Seite an und schielte dabei hinab zu Ayala.
Riku sah auf die schneeweiße Fähe hinab. Ihr Blick war starr und leer, alles schien ihr egal zu sein, außer dieser Fähe. Sie wollte nicht zusehen wie wieder jemand starb. Sie hörte ein Knurren, kurz schlich ihr Blick zur Seite und sie zuckte zusammen, der Schwarze, Banshees Gefährte, er biss den Sandfarbenen. Sie sah ungläubig zu den Beiden und sah dann wieder zu der Weißen.
.o0(Warum?)
Fragte sie sich immer, warum biss Acollon Dayon, warum war der Welpe fast gestorben, warum die Weiße? Warum nicht sie? Warum das alles? Zum ersten Mal schien sich die Regung eines Gefühls in ihr breit zu machen, dass sie auch nach außen hin preisgab, Angst und Trauer. Sie sah wie die Lefzen der Fähe zuckten, Einbildung? Ihre Augen, sie sah umher, Wunsch? Riku sah die Fähe an, starr. Sie hörte eine Stimme, sie schien sehr weit weg. Wie geht es ihr? Rikus Blick holperte über Ayala.
"Ich weiß es nicht."
Sagte sie und ihre Stimme klang rau und zittrig aus ihrer trockenen Kehle. Sie stupste die Fähe an und legte den die Pfoten auf die Vorderläufe der Fähe. Tränen der Hilflosigkeit spiegelten sich in ihren Augen. Doch sie entsprangen den Augen nicht, nein, sie waren für immer gefangen. Sie zwinkerte kurz.
"Falk kommt bald wieder! Aber wenn er wieder kommt, wenn er wieder kommt und du tot bist, dann wird er sehr sehr traurig sein!"
Sie stockte, sie wusste nicht was sie sagte, die Worte sprudelten einfach aus ihr heraus. Sie lächelte die Fähe leicht an und stupste erneut.
"Ich will nicht, dass du stirbst, noch nicht jetzt! Bitte, für mich, nicht für dich, ich will nicht noch jemandem beim sterben zuschauen, nicht noch jemandem. Bitte!"
Ihre Stimme klang flehen, bittend. Ihre Augen lagen auf der Fähe alles andere nahm sie nicht mehr war. Gar nichts, nicht Acollon, nicht Banshee, nicht Dayon und nicht Hidoi. Alles in ihr wartete auf eine Reaktion der Weißen. Alles in ihr wollte, dass die Fähe die Augen wieder öffnete, das sie aufstand und alles das hier endlich vorbei war, das alles was Riku so sehr verwirrte.
"Bitte!"
Flüsterte sie immer wieder leise, bitte. Sie legte ihre Schnauze in das Fell der weißen und wuschelte es kurz auf, sie wollte nur das die Wölfin nicht starb, sie wollte nie wieder sehen wie ein Wolf starb, nie wieder. Sie schluchzte leise, ihre Vergangenheit schwirrte in ihr hoch und sie drückte den Kopf gegen den der Fähe, bevor sie sie wieder flehend ansah.
Eris holte den Abstand zu Falk beinahe sofort wieder auf.
"Nee, Falk, ich kann das nicht, ich kann dich nicht einfach gehen lassen. Du verstehst das nicht. Du hast nämlich recht, du bist gerade in der Tat ziemlich selbstmitleidig gewesen, nun erstmal genug Mitleid für dich. Und deshalb wenden wir uns jetzt mal meinem Selbstmitleid zu und das wiederum kann nicht zulassen, dass du einfach verschwindest."
Eris holte tief Luft und blickte zum mittlerweile wahrhaftig heller werdenden Himmel und sendete ein Dankeschön ohne Ziel hinaus in die kalte Morgenluft. Sie bemühte sich mit Falk Schritt zu halten.
"Das klingt jetzt vielleicht ein wenig verwirrend, aber es ist eigentlich eine ganz simple Sache. Es ist nämlich so ..."
Die Schwarze schnalzte missbilligend mit der Zunge, als riefe das, was sie gleich aussprechen würde, einen widerlichen Geschmack zu Tage.
"Ich hatte mal einen Gefährten. Sein Name war Kamui und das Leben, ja, ich will mal sagen das Leben "unter" ihm - denn er war der geborene Herrscher- war ... schlimm. Und das reinste Gift für Psyche und Seele. Er hat mich jedenfalls übelst unterdrückt, erstickt, er hat mir keinen Raum zum Atmen gelassen. Und ich, blöde Kuh, habe mich nicht gewehrt, weil ich mich zu abhängig von ihm fühlte. Als ich dann schließlich weggelaufen bin, habe ich mir in der Einsamkeit meine Gedanken über mich und meinen Zustand gemacht."
Eris atmete erschöpft aus, während sie sich daran erinnerte.
"Ich habe festgestellt, dass mir aller Raum zur Entfaltung genommen wurde. Hätte ich Flügel gehabt, wären sie in der Zeit bei Kamui verkümmert. Ich habe mir geschworen mich nie wieder so unterdrücken zu lassen und stets zurückzupfeffern, wenn jemand mich anmacht und solche Dinge nicht mehr schwer auf meinen Schultern sitzen zu lassen. Würdest du nun also verschwinden, Falk, ohne mir genug die Möglichkeit geboten zu haben, mich mit dir auseinanderzusetzen, würdest du mich stark in meinem Re ... äh auto - ... Entfaltungsprozess ... na gut lassen wir das. Du würdest mir die Chance nehmen, mich wieder auszuleben, Ich-selbst zu sein. Und das willst du doch nicht, oder? Also wirklich, für so herzlos hätte ich dich nämlich nicht gehalten."
Eris musste leicht lächeln bei ihren nächsten Worten und sie blieb stehen, schaute Falk an.
"Irgendwo muss ich doch anfangen und wo wäre es besser, als bei dir?"
Die Schwarze holte tief Luft und als sie die Augen, die sie für einen Moment geschlossen hatte, wieder öffnete, war sie die Alte, mit dem alten, provozierenden Ton in der Stimme, der einem aber unmissverständlich zeigte, dass man alles nicht so ernst nehmen sollte:
"Verstehst du ... und deshalb kann ich dir das weder einfach durchgehen lassen, geschweige denn, es dir hier unter diesen völlig unpassenden Umständen verzeihen."
Ayala nahm Banshees Stimme war, die sanfte Stimme, ja, sie erinnerte sich an sie. Waren sie nicht einst Geschwister gewesen ... Geschwister im Geiste? Und noch jemand war mit ihr im Bund der Geschwisterschaft gewesen, Dayon ... sein Name war der einzige an den sie sich ohne Weiteres erinnerte, er war eingebrannt in ihrer Seele. Was war gewesen? Sie hatte ihm vertraut ... und hatte ihm etwas versprochen. Ayalas Kopf schmerzte, sie war zu schwach, um weiter nachzudenken. Wieder kamen Traum und Leichtigkeit über sie. Farben wechselten von Dunkel nach Hell, von matt nach grell. Sie tanzten einen Tanz nur für sie, für ihr Leben. Für ein Leben, das nichts mehr wert sein würde - alles war verloren. Und wieder ertönte die fremde Stimme, die in ihren Ohren widerhallte.
Falk kommt bald wieder! Aber wenn er wieder kommt, wenn er wieder kommt und du tot bist, dann wird er sehr sehr traurig sein!
Es war ein leeres Versprechen, Falk von Scharfenberg war fort. Er würde nicht mehr zurückkommen ... nie wieder. Eine stumme Träne der Einsamkeit quoll aus den gebrochenen Augen der Weißen, sie fühlte, sie fühlte! Doch was sollte sie damit anfangen? Früher hätte sie es nie zugelassen ein Leben einfach so wegzuwerfen, es als wertlos anzusehen. Nie wieder würde sie so ein Urteil fällen, ohne es nicht selbst erlebt zu haben. Aber es würde sowieso keine Zukunft geben, sie hatte zu viele Fehler begangen. Selbst wenn andere ihr verzeihen sollten, sich selbst könnte sie nie verzeihen. Eine Wut begann in ihr zu wachsen, eine Abneigung gegen sich selbst.
Ich will nicht, dass du stirbst, noch nicht jetzt! Bitte, für mich, nicht für dich, ich will nicht noch jemandem beim sterben zuschauen, nicht noch jemandem. Bitte!
Die Zuneigung der fremden Wölfin berührte Ayala und als diese ihre Schnauze in ihr schlammiges Fell steckte, arbeiteten ihre Nerven wieder. Sie nahm diese Berührung wahr, wie noch keine zuvor. Wie von selbst hob sie leicht ihren Kopf, sie wollte diesen Wolf sehen, der sich so um sie kümmerte, obwohl er sie nicht kannte. Sie blickte in ein leuchtendes Augenpaar, das sie so flehentlich ansah, dass sie sich nicht abwenden konnte. Sie war im Bann dieses Blickes gefangen, obwohl sich alles in ihr wehrte, sie wollte doch sterben, wollte alles aufgeben, was es überhaupt noch aufzugeben gab.
Nyana spürte dieses anstupsen von Hanako. Auch wenn sie sehr schwach war, durch den hohen Blutverlust und diese Angst, die sie vorhin noch verspürte, wollte sie nicht sterben. Plötzlich fing sie an zu sprechen, es war nur leise gesprochen, doch sie wusste, Hanako würde diese Worte vernehmen.
"Hanako... Ich weiß nicht, warum ich mich an nichts erinnern kann... Doch weiß ich nun, dass du meine Tochter bist... Ich weiß nicht, ob ich meine Erinnerungen wiederbekommen werde, das wird sich irgendwann zeigen. Bitte verzeihe mir, ja?..."
sprach sie schwach zu ihr, und dann wollte sie noch zu Inuki etwas sagen... und sprach leise und schwach weiter.
"Inuki... so heißt du doch... habe ich Recht? Vielleicht werde ich dir dafür danken müssen, dass ich nicht sterbe... Du kennst dich ... gut mit Kräuter aus, vielleicht werden mir deine Kenntnisse und deine Hilfe ja wirklich das Leben retten..."
Plötzlich fing sie leicht an zu lächeln, ihr Atem hatte sich normalisiert, die Blutungen hatten schon so gut wie gestoppt, und sie schloss nun wieder ihre Augen... wollte sich ausruhen um wieder zu Kräften zu kommen. Weiterhin blieb ihr dieses lächeln auf den Lefzen.
Riku sah zu der Fähe. Nichts ihrer Worte schien zu wirken, genau wie letztes Mal, wie jedes Mal wenn sie gesehen hatte wie die Wölfe vor ihren Augen starben. Sie war kurz vor dem Aufgeben, wollte den Kopf schon einfach zu Boden sinken lassen, so müde war sie, so müde vom Leben, doch da öffneten sich die Augen der Fähe und wieder flammte die Hoffnung in den Augen der Grauen auf. Sie verwuschelte das Fell erneut. Sie atmete tief aus und meinte dann mit leiser Stimme:
"Du lebst!"
Ihre Rute wischte über den Boden und ihr Blick verlor für einen kurzen Moment an Gleichgültigkeit und sie glänzten vor Freude. Doch nach kurzer Zeit erlosch es wieder, doch das Ausdruckslose sollte noch für einige Zeit aus ihren Augen verschwunden sein.
"Gott sei Dank. Oh Danke!"
Sie sah erleichtert zum Himmel und dankte, dann sah sie wieder zu Ayala und obwohl sie ihr völlig Fremd war schleckte sie ihr über den Fang und kuschelte sich kurz in ihr Fell, dann zuckten ihre Ohren und sie sah zu Banshee.
"Sie lebt!"
Flüsterte sie leise und sah zu dem Sandfarbenen. Sie sah ihn ganz normal an, als hätte er niemals etwas getan. Dann wandte sie den Blick wieder an die Weiße und meinte:
"Mein Name ist Riku."
Ein Lächeln widerspiegelte sich in ihren gelben Augen und sie stupste die Fähe nochmals an. Wieder glänzten ihre Augen voll Hoffnung.
Banshee stand stumm neben Riku, betrachtete die Graue während sie zu Ayala sprach, die Worte berührten sie, sie waren mehr als nur Geplänkel, Riku versuchte nicht den Anschein zu erwecken nur an die Welt und all das Gute in ihr zu denken, sodass Ayala nicht sterben durfte, Riku gab ihre eigenen Gründe und Banshee hatte das Gefühl, als würde dies tausendmal mehr nützen, als jedes "Du darfst nicht sterben, das Rudel braucht dich." auch wenn dies schöner klang. Ayalas Kopf bewegte sich leicht, dann hob sie ihn an und sah in Rikus Augen, Banshee erzitterte kurz vor Freude, sie hatten gewonnen, ganz sicher, der Blick Ayalas, den sie von der Seite sah, war trüb und unendlich müde, doch lebte sie, lebte mit ihrer Seele und ihren Gefühlen, sie musste das Flehen in Rikus Augen sehen und verstehen ... sie hatten gewonnen. Sie konnte nicht anders, mit einem explodierenden Glücksgefühl im herzen, dass ihre Schwester im Geiste wieder erwachte warf sei den Kopf zurück und heulte.
"Wir haben gewonnen, Falk, Eris, Hanako, Nyana, wir haben gewonnen!"
Kurz danach wurde ihr klar, wie lächerlich es geklungen haben musste, doch war sie immer noch wie elektrisiert von dem Anblick Ayalas, ihr gehobener Kopf, ihr Blick in Rikus Augen ... ihr Leben.
Schweigend stand Mitsu da und lauschte dem Klang der verschiedenen Stimmen der Wölfe. Der Blick ihrer eisblauen Augen glitt von einem Wolf zum nächsten. So viele kannte sie nur vom Namen her und wieder einige kannte sie überhaupt nicht. Ihre Ohren richteten sich auf und ihr Blick wanderte zu Acollon und Dayon hinüber, als sie ein leises Knurren hörte. Starr, ohne es wirklich zu verstehen beobachtete Mitsu die beiden Rüden eine Weile. Dann seufzte sie leise und ihr Blick wanderte zu der großen weißen Alpha. Wie wenig sie doch von diesem Rudel wusste. Ja überhaupt, was wusste sie schon? Sie kannte nicht einmal die Götter des Rudels oder ob sie überhaupt welche hatten.
.oO(Gehöre ich hierher? Ich war auf der Suche nach einem Rudel und fand eines, das mich freundlich aufnahm, ohne nach meiner Vergangenheit zu fragen. Doch warum freue ich mich nicht darüber? Warum habe ich das Gefühl hier nicht hin zupassen? Ich kann es mir einfach nicht erklären... Doch muss ich mich entscheiden, ob ich gehe oder bleiben.)Oo.
Resigniert seufste sie und wollte ihre weiße Schnauze am liebsten in den braunen Schlamm stecken und an nichts mehr denken. Doch das würde nichts bringen, würde ihr nicht die Entscheidung abnehmen, die ihr ganzes restliches Leben entscheiden würde. Gedankenverloren ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen eine Weile umherstreifen. Dann wurde ihr Blick klar. Sie hatte sich entschieden, sie würde gehen. Auch wenn der Zeitpunkt scheinbar sehr ungünstig gewählt war. Mit kurzen, langsamen Schritten näherte sie sich der großen Weißen und stupste sie kurz freundlich an. Dann ließ sie ihren Blick kurz abschiednehmend umherschweifen, ehe sie sich wieder der Weißen zuwandte. Traurig, doch zugleich entschlossen blickte Mitsu ihr in die Augen. Der Klang ihrer Stimme war leise kaum zu verstehen.
"Es tut mir Leid Banshee, ich werde euer Rudel verlassen... es hat nichts mit euch zu tun, allein mit mir, doch ich danke dir, dass du mich in dein Rudel aufgenommen hast... ich werde dich und die anderen des Rudel, die ich kennengelernt habe immer in Erinnerung halten... Danke für alles..."
Mit schnellen Schritten lief sie durch den Wald, achtete nicht auf den dichten Regen, der ihr die Sicht verschleierte. Bald war sie bei der Reviergrenze des Rudels. Sie hob ihre Schnauze ´gen Himmel und ließ ein lautes abschiednehmendes Heulen erklingen. Dann verschwand sie.
Ayala nahm zwar alles um sich herum noch sehr schleierhaft wahr, doch die Freude und die plötzlich aufkeimende Hoffnung, die sowohl in Rikus Berührungen als auch in Banshees Ausruf lagen, ließen sie erzittern. Als Riku erneut durch ihr Fell strich, brach alles aus ihr heraus, all die verdrängten Gefühle, all die ungesprochenen Gedanken. Banshee hatte Falk gerufen ... er war also noch da! Ayala keuchte schwer, sie sah krank und schwach aus, jedoch lag in ihren Augen wieder dieser bestimmte Glanz, der zuvor verloschen war.
Ja, auch Eris und Hanako waren hier, alles wie zuvor. So, als wäre nichts passiert. Die vorige Resignation wich nun einer gewaltigen Lebensfreude, sie war hier, in diesem Rudel, zu Hause, hier fand sie zu sich selbst, hier konnte sie mit anderen eine Einheit - geistlich und körperlich - bilden. Sie sah auf zu Banshee, hoffte jene würde ihren Blick aufnehmen und verstehen. Danke, Schwester.
Ayalas Blick wanderte zu Riku, musterte die Fremde, die ihr so nah war.
" Ich ... "
Ein Krächzen drang aus Ayalas Kehle, die trocken war und scheinbar ewig nicht mehr in Anspruch genommen worden war, ihre Gedanken hatten schließlich ausgereicht. Die Erinnerungen drängten wieder auf sie ein, Ayala versuchte sie wegzuschütteln, sie zu ignorieren.
" ... bin Ayala."
Mehr als ein verschwiegenes Lächeln brachte die Weiße nicht hervor.
Es war vorbei, sie hatten ihr Rudel wieder zusammengeschweißt. Der Morgen hatte die völlige Dunkelheit ausgetrieben und ließ dafür auch keinen Platz. Durch die dicken Wolkenwände schien die Sonne mit ihren rötlichen Strahlen. Leichter Nebel schwebte über den wässrigen und noch vom Regen aufgeweichten Boden. Acollon senkte seine Augenlieder und als er sie wieder öffnete, schien für einen Moment die Zeit zu stehen. Der Schwarze drehte sich wortlos um, er hatte seine Aufgabe hier erfüllt, es gab nichts mehr, was er hätte tun können. Sein Weg führte ihn von den anderen Wölfen fort, zum anderen Ende des Sees. Seine Pfoten gruben sich tief in den Schlamm, sein Brustfell war eben so dreckig und beschmutzt, als hätte er sich gleich in den Schlamm legen können. Sein Blick war geradeaus gerichtet, nicht stur und kalt wie sonst, sondern ruhend und fast gelassen. Der Schwarze glaubte sein Rudel in Sicherheit, er hatte seine Pflicht, seine Aufgabe erfüllt. Nun konnte er sich seinen eigentlichen Beschäftigungen widmen: Nichts tun und in der Vergangenheit schwelgen. Nicht gerade eine heldenhafte Eigenschaft, aber darauf hatte es der Schwarze eh nicht angelegt. Seine Lefzen entspannten sich und verdeckten wieder die ungewöhnlich länglichen Zähne. Auf halben Weg begrüßte er den Morgen mit einem Lächeln.
23.12.2009, 17:05
Die Rote hatte sich längst hingesetzt und gewartet. Niemand hatte ihr folgen wollen. War das verwunderlich gewesen? Die Stille genießend hatte sie in den Himmel geschaut. Als dann nach etlicher zeit immer noch kein Mucks von den andern beiden kam hatte sie sich aufgerichtet und war an ihnen vorbei weiter in den Wald gegangen. In ihr kam wieder diese trügerische Leere hoch. Sie zog alleine zwischen den fremden Bäumen hinweg. Doch sie wollte dieses Revier nicht verlassen. Sie hatte sich nach mehreren Stunden des gleichmäßigen Laufes unter einem auffallend großen Baum niedergelassen und sich schließlich hingelegt. Ihre Augen stachen wachsam aus dem Dickicht hervor. Genauso wie ihr rotes Fell. Sie wartete...
Der Schwarze war nun wieder alleine, auf dem Weg in seine eigene Stille. Acollon hatte vor sich den anderen ein wenig zu entziehen und glaubte, somit keine weiteren Schwierigkeiten zu verursachen und sich einem Gespräch mit anderen Wölfen entziehen zu können. Doch zwischen einigen Ästen lugte etwas schimmernd Rotes hervor. Es war die Wölfin mit der ungewöhnlichen Fellfärbung, dessen Augen ebenso auffallend war, wie Acollons Einsamkeit. Der Alpha sehnte sich nicht gerade danach, mit anderen Wölfen zu kommunizieren, dennoch schritt er geradewegs auf die Wölfin zu. In einigem Abstand, jedoch sichtbar für die Wölfin, blieb er stehen, sein Blick weilte wenige Sekunden auf dem See, bevor er die Rote ansah. Er gab keinen Laut, keinen Mucks. Verharrte einfach still. Wenn die Wölfin seine Anwesenheit nicht wollte oder mochte, konnte sie ihn ja darauf hinweisen. Mit einem Seufzen ließ er sich auf die Hinterbeine fallen. Er hatte zwischen seinem länglichen Brustfell einige graue Haare entdeckt. Der Körper schien schon etwas zu altern. Oder es war einfach das stetige einsame Herumziehen, welches die grauen Haare verursachten. Der Schwarze kannte das Revier nun recht gut, und trotz dessen gab es für ihn keinen Grund sich von Revier zu entfernen, er hatte schließlich Banshee, die es zu beschützen galt. Außerdem wollte er sich gewiss nicht der Verantwortung eines Alphas entziehen.
Nach einer Weile legte sich der Schwarze nieder, hielt den Kopf aufrecht, um die Wölfin weiterhin ansehen zu können. Vielleicht wollte sie wissen, wie der Kampf gegen den Seelensammler ausgegangen war. Zwingend und fast mühend etwas zu sagen, öffnete er seine Schnauze:
“Falls es Dich interessieren sollte, der Seelensammler und seine Opfer sind in Sicherheit.“
Dann schwieg er wieder und beobachtete das Fell der Rote, welches sich leicht im angenehmen Wind des Morgens wog.
Als der schwarze Rüde, den sie am Anfang ihrer kurzen Zeit hier im Sternenwind Tal kennengelernt hatte, langsam aber sicher zu ihr kam spitzte sie die Ohren. Er schien nicht erpicht auf die Gesellschaft anderer und wollte vielleicht seine Ruhe haben. Als er dann aber auf sie zusteuerte sah sie ihm entgegen. Hatte sie sich getäuscht? Der schwarze Alpha setzte sich erst still, ließ sich dann jedoch ganz nieder und sah sie ebenfalls an. Als er geendet hatte zu sprechen funkelte kurz etwas im Gold ihrer Augen auf. Sie waren also alle in Sicherheit. Der Seelensammler und seine Opfer? Sie wusste nicht, ob sie ihn vielleicht aus Wut getötet hätte. Doch war das Temperament tief in ihr verschlossen; das Feuer in ihr war schon zu lange verloschen. Die doch noch recht junge Fähe schloss kurz die Augen um das Bild, das vor ihrem geistigen Auge erschien, ihr toter Bruder und der Vater, der sie so ungläubig und voller Hass ansah, zu vertreiben. Als sie wieder zu dem Schwarzen sah antwortete sie ruhig, nicht wissend ob es Acollon missfiel:
"War es tatsächlich ein Mitglied dieses Rudels?"
Sie wusste, dass es sie weder wirklich etwas anging, noch dass sie unbeteiligt war. Warum hatte sie ihre Zeit auch mit den beiden Anderen verschwendet und war nicht nachgekommen? Doch ohne die lodernde Flamme einer Phönixerbin hätte sie wahrscheinlich eh nicht helfen können. Hätte nur im Weg gestanden. Unnütz und ignoriert. Das wäre ja nichts Neues gewesen. Als hätte sie Angst gehabt der Fenrissohn hätte ihre Gedanken lesen können, wandte sie den hübschen Kopf zur Seite. Der laue Wind strich an ihren spitzen Ohren und sie lauschte der Stille, die nun wieder einkehrte.
Der Schwarze beobachtete die junge Fähe weiterhin, ruhig und seltsam gelassen. Ihre Anwesenheit war nicht einmal unangenehm. Die Frage der Fähe jedoch ließ er erst einmal dahin gestellt. Was in der Roten vorging war in ihren Augen zu lesen, Acollon war zwar nicht gerade ein Wolfskenner, und trotzdem konnte er dieses Funkeln, welches ihren Blick kurz durchflammte, deuten. Sie trug wohl schmerzende Erinnerungen in sich. Es gab nicht mehr viele Wölfe die behütet und ohne Schicksalsschläge aufwuchsen, er selbst war das Beste Beispiel dafür, aber das war wohl auch eher überflüssig sich schön reden zu wollen, dass der Schwarze je eine andere Wahl gehabt hätte, als zu töten. Ein eigenartiges Gefühl kam dem Alpha die Kehle hoch geschlichen, es glich einem Gefühl, dass man hätte wohl Reue nennen können, äußerlich ließ er sich nichts anmerken, doch auch der Sohn des Todes hatte wohl Reuegefühle. Gerade erweckt worden, von dem Welpen Moon, dessen Mutter er getötet hatte.
“Seltsamerweise ja.“
wisperte er, seine Stimme klang belegt. Nachdenklich wandte er seinen Kopf in die Ferne. Vielleicht war sein Blick der Fähe unangenehm. Verstehen konnte er es, schließlich saß sie einem Mörder gegenüber, auch wenn sie es wohl selbst nicht wusste. Mit einem vorgetäuschten Gähnen versuchte er zu verbergen, dass ein Schaudern über ihn hereinbrach.
“Dayon, der stille Rüde, dessen Geliebte getötet wurde. Er war ihm Begriff einen Packt mit dem Teufel, ich meine, mit dem Gott des Todes zu schließen.“
Eigentlich hatte er es gar nicht sagen wollen, es kam eher plötzlich aus ihm heraus. Wieder lag Stille zwischen den beiden Wölfen. Der Wind zitterte leicht in dem Geäst der dürren Bäume ringsum.
Wieder schwieg Akai. Ein stiller Rüde. Sie hätte sich denken können, dass es keiner dieser Rebellen gewesen war. Diese Tarnung wäre vielleicht zu durchschaubar. Die Stille schützte jeden, bedingungslos und kalt. Sie schützte vor Entdeckung dunkler Geheimnisse, vor dem Verletzt werden. Doch sie schütze auch vor Freundschaft und Liebe... Sie war ein Geschenk und doch der größte Fluch, der einem auferlegt werden konnte... Oder? Sie sah wieder zu Acollon. Dieser Name hatte sich bei ihrer ersten Begegnung in ihr Gedächtnis geprägt, er passte genau auf den schwarzen Rüden vor ihr. Doch als sie auf seine Augen sah, deren Blick er ebenfalls abgewandt hatte, war sie sich dabei nicht mehr so sicher. Vielleicht war das Erbe einer Macht antreten zu müssen ein größeres Laster. Sie seufzte sehr leise und bereute es zugleich. Sie wollte vor dem Alpha nicht schwächlich wirken, nicht wehleidig und in Selbstmitleid versunken. Sie war nur gerne allein... Dachte nach und betrachtete das, was Engaya geschaffen hatte. Ihre Gedanken schweiften zu den letzten Ereignissen. Wer trug Schuld daran, dass dieser Dayon so war? Sicherlich nicht er selbst. Dem Gott des Todes... Sie wusste es müsste Fenris sein, unüberlegt und aus dem Zusammenhang gerissen fragte sie leise, obwohl sie selbst nicht wusste, woher diese Frage kam:
"Euer Vater?"
Sie riss kurz die Augen erschrocken auf und schnellte hoch. Etwas Angst schwang in ihren Augen mit doch gleichzeitig eine seltsame Gleichgültigkeit, als sei das, was sie gesagt hatte, ohne Bedeutung. Das mulmige Gefühl von Ungewissheit, wie er darauf reagieren würde, auf diese Respektlosigkeit, machte sich schleichend in ihr breit. Aber was sollte es? Sie war zu dem Schluss gekommen es aufzugeben den Mörder ihres Bruders zu suchen. Sollte der Mörder vor ihr sie doch zu ihm schicken. Ein schräges Lächeln verzerrte die Züge der Roten unangenehm und alle Gefühle wichen wie Wärme aus ihrem Körper. Und ihrer Seele.
Einen Moment lang dachte der Schwarze über seine Antwort nach. Eigentlich war sie greifbar und eigentlich gab es keine andere Möglichkeit jetzt der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Dennoch hüllte Acollon sich wieder einige Minuten in Schweigen. Er brauchte sich vor niemanden zu rechtfertigen, er brauchte auch nicht ewig vorzuschützen, dass es ihn nichts anginge. Er selbst war immer darauf bedacht solchen Fragen aus dem Weg zu gehen, doch nun, wo sie gestellt war, konnte er sie schlecht aus dem Weg räumen. Der so plötzliche Wandel der Züge Akais ließ Acollon kein wenig aus seiner Ruhe fallen. Langsam erhob auch er sich, ein Nicken sollte der Roten zeigen, dass sie mitkommen sollte.
“Mein Vater, richtig. Ich bin der Erbe des Todes. Verdammt dazu, Leben zu rauben.“
Er sprach diese Worte kaltherziger als beabsichtigt. Es war ihm nicht länger eine Last dies auszusprechen, sagte er sich selbst. Irgendwann hatte auch sein Fluch eine Erlösung, selbst wenn er sie erst im Tod finden würde. Dabei vergaß er für einen Augenblick, dass der Tod nicht sterben konnte. Er lächelte kurz über seine eigenen dümmlichen Gedanken. Er ging einige Schritte auf den See zu, sah dennoch kurz auf Akai zurück und bedeutete ihr nochmals sie solle mitkommen. Diese rote Fähe war merkwürdig verschlossen. Wollte sie sich mit ihrer Einsamkeit vor irgendeinem Übel schützen, so brach es doch irgendwann aus ihr heraus. Der Schwarze empfand in irgendeiner Form Mitgefühl. Selten, dass dieses Gefühl auftrat. Selten, dass überhaupt ein Gefühl in Acollon schlummerte.
Riku sah zu der Fähe, sie war froh, unglaublich froh, doch sie war müde. Sie sah zum Himmel, wann würde er sie endlich hohlen, dann konnte sie endlich ungestört schlafen. Sie hatte es geschafft, die Fähe lebte, sie hörte ihre Worte und nickte leicht. Ayala. Sie nickte. Dann stupste sie sie an und erhob sich, sie schritt mit einigen Schritten aus dem geschehen und wartete was nun passieren würde. Ihr Blick verlor mit der Zeit den Glanz und nach ein paar Minuten schien sie wieder in ihr altes Muster gefallen zu sein, die Fähe war gerettet, sie hatte sich bedankt, so war der Bund mit ihr, Rikunare dem Teufelskind gebrochen. Sie sah zu Boden. Sie war das Teufelskind, wann würde er sie hohlen, würde sie dann sterben? Sie wollte einfach nur schlafen, für immer, in einem schönen Traum mit Saijiro, mehr wollte sie doch nicht. Langsam wanderte ihr Blick über die Landschaft. Acollon war gegangen. Irgendwie mochte sie den Schwarzen nicht sonderlich, er war ihr unsympathisch.
Dass seine Ruhe einer so kalten Reaktion wich, brachte Akái etwas aus ihrer stillen Fassung. Das Lächeln verschwand ebenso geschwind, wie es gekommen war. Auch Angst und Gedanke vom Tod waren gewichen. Diese Wechselhaftigkeit hatte viele deuten lassen, sie sei verrückt. Falls sie sich überhaupt mit ihr beschäftigten. Die Rote erhob sich nun ganz und sah wieder kurz gen Himmel. Ob er nun da war? Einen Moment verharrte sie und sah dann doch wieder zu Acollon. Sie setzte eine der zierlichen und doch zugleich nicht schwach wirkenden Pfoten in seine Richtung. Kurz einen Blick in den Wald werfend fing sie dann an hinter ihm her zu gehen. Wo wollte er mit ihr hin? Seltsam, dass er jemanden darum bat aus der Einsamkeit in eine andere zu wechseln. Oder wollte er zum Rudel? Wohl eher, nicht, denn dann hätte er wohl einfach nach ihr und den anderen gerufen anstatt suchen zu gehen. So still und kalt. Ein kurzer Schauer ließ ihr rotes Fell entlang, doch der schmale Körper sprach nicht Angst aus. Etwas ungewisses, Undefinierbares lag in der Luft. Sie lächelte vor sich hin und starrte zu den Spuren, die der große Schwarze vor ihr hinterließ. Sie hing ihren Gedanken nach und gab keinen Mucks von sich. Sie schien gleichgültig.
Nun wo die Wölfin ihm zu folgen schien, schritt Acollon zielstrebig in Richtung der anderen Seite des Sees. Bevor er das Schweigen brach, seufzte er geduldig auf. Vielleicht war es ein Zug den er nun im Alter dazu gewonnen hatte. Seine Lefzen kräuselten sich leicht.
“Sehnsüchte entstehen durch Verluste. Jeder Wolf sehnt sich nach etwas, denn jeder verliert etwas oder jemanden in seinem Leben. Du scheinst so, als ob Du Dich auch nach etwas sehnst. Hast Du jemanden verloren?“
Die Frage kam eher unglaubwürdig rüber. Sie schien das, was Acollon eigentlich sagen wollte, nicht richtig zu treffen. Sicherlich war Akai auch einer dieser Wölfe denen etwas genommen wurde, und vielleicht war es auch so, dass der Fenrissohn damit zu tun hatte. Die meisten Morde, die meisten Unruhen stammten von ihm. Viele Hinterbliebene kreuzten seinen Weg. Und dennoch hielt der Schwarze diese Möglichkeit für unwahrscheinlich.
“Ich habe viel in meinem Leben falsch gemacht, viele mussten durch mich sterben. Sagen wir es lieber so, ich bin ein Mörder. Oft sah ich die Familien meiner Opfer, sie machten den gleichen Eindruck wie Du. Hat es auch einen Mord in Deiner Familie gegeben?“
Fast provozierend stellte er die Frage. Als wollte er die nächsten überschäumenden Reaktion der Roten beobachten können. Sein kalter Blick wanderte zu Akai. Er suchte nach einem Zeichen, dass sie nach diesen Fragen umkehren wollte, und Acollon für den Rest seines Daseins einfach ignorieren könnte.
Akai sah auf. Grimmig legte sich ihr Blick nicht kalt, aber auch nicht traurig auf ihn. Hass war in ihm zu deuten, doch nicht gegen den Fenrissohn. Ihre Stimme klang ungewöhnlich fest und laut, als sei er auf die absurdeste Idee überhaupt gekommen. Die Rote behielt die Kontrolle, denn niemand konnte daran etwas ändern, dass sie erstickt worden war. Im Welpenalter. Doch dieser Wolf hier, nein, dieser schwarze Mörder war nicht Schuld. Wäre er es gewesen, wäre entweder er oder Akái nach ihrer ersten Begegnung nicht mehr hier. Sie schätzte ihn nicht als schwach ein, im Gegenteil, er musste eine große Macht besitzen, doch die Wut in ihr ließ immer wieder einen kleinen Funken aufglühen, der einfach nicht fortgehen wollte. Sie wollte nichts sagen. Sie wollte ihm weder eine Antwort entgegen schleudern, noch ihn kränken doch war ihr Ton nicht der freundlichste:
"Glaubt mir, wenn ich euch als den Mörder meines Bruders, des einzigen Wolfes der mir sein Vertrauen schenkte, der bedingungslos gegen alle anderen an mich glaubte, identifiziert hätte, dann wären wir zwei garantiert nicht hier. Ihr besitzt eure stolze Rute noch. Nein, es wart nicht ihr, der mich um mein Leben gebracht hat."
Der zischende Ton hätte wohl vielen ein Schauer über den Rücken gejagt. Diese Aussage klang nicht überheblich, sondern sie war von Gefühlen und Schmerz gezeichnet, den sie ihm eigentlich gar nicht so vor die Schnauze hatte halten wollen. Doch jetzt war es eh zu spät.
Das leichte Lächeln, welches Acollon schon die ganze Zeit auf den Lefzen getragen hatte, wurde etwas verzehrter und seine Augen wurden leicht trüb. Kein Mitleid, nein, eher Verständnis wurde sichtbar. Es war wieder seit langem, dass ein Gefühl sich auf seiner Miene zeichnete. Schwer zu glauben, dass dieser Wolf jemals seine Gesichtsmuskeln bewegt hatte. Erneut seufzte er schwer, dann lief er schweigend weiter, erst nachdem er sich sicher war, dass die Worte der Roten verklungen waren, antwortete er ihr.
“Findest Du es nicht reichlich unfair zu glauben, dass Du hier kein bedingungsloses Vertrauen bekommst? Vertrauen geben ist nicht unbedingt einer meiner Stärken, doch wenn ich könnte, würde ich Dir vertrauen. Und sehe Dein Leben nicht als beendet, Du stehst erst am Anfang.“
Solch schon fast nette Worte klangen aus der Schnauze des Schwarzen wie eine Lüge. Und doch konnte man genau die fast drohende Wahrheit darin heraushören. Seine grauen Augen funkelten nun leicht. Für einen Moment legte Acollon seine ganze Kälte ab, dies hatte er bis jetzt nur bei einer Wölfin getan, bei Banshee. Sein Kopf senkte sich ein wenig und die Ohren legte er in eine fast erschöpfte Haltung an den Kopf.
“Akai, würde Dein Bruder wollen, dass Du so lebst?“
Nach dieser Frage wandelte sich sein Verhalten wieder, er hob seinen Kopf an, schritt wieder stolz seines Weges.
Akái verlangsamte ihre Schritte, blieb schließlich stehen. Die Worte, die er da sprach zogen eher an ihr vorbei, als würde sie auf etwas warten. Und ihr Warten fand in seiner letzten Frage ein jähes Ende. Ob er gewollt hätte... ? Etwas Hitziges kroch in ihr hoch, doch sie schluckte es wieder herunter. Ohne, dass er es sehen konnte hatten ihre Augen aufgeleuchtet, hatten gefunkelt mit einer Flamme, die sogleich wieder zerfloss. Sie zerfloss in dem, was bei anderen vielleicht hätten Tränen sein können. Doch ihre Augen blieben trocken. Ihre Beine blieben fest, obwohl ihr war als hätte er ihr den Boden unter den Pfoten weggerissen. Bedingungsloses Vertrauen? Er würde was... Sie drehte sich stur von ihm weg, damit er nicht sah, was sich in ihren aufgerissenen Augen spiegelte. Dass er stolz, als wäre nichts gewesen, weiterzog registrierte die Rote nicht.
"Ihr habt mir bereits vertraut, Acollon."
Ihre Worte waren sehr leise, es hätte ein Windhauch sein können, wenn sie nicht so klar wären. Doch das war nicht der Punkte. Er hatte etwas anderes getroffen. Hatte sie je daran gedacht, was ihr Bruder hätte gewollt? Der Wolf, der alles für sie ertragen hatte, Missgunst bei den Eltern und Spott in der Menge. Selbst das Ignoriert werden der Fähen. Mit einem Ruck sah sie wieder zu dem schwarzen Rüden. Ihr Gesicht war unverändert; verwirrt und traurig. Und doch lag auf den hübschen Zügen nicht diese Verzerrung.
"Ich lebe? Wovon... Von Luft und Liebe? Eine Traumwelt... Vielleicht eher eine Alptraumwelt.. Ihr meint ich solle fröhlich sein? Wovon..."
Sie wurde immer leiser, obwohl sie schon sehr leise angefangen hatte zu sprechen. Ob er die letzten Worte überhaupt verstehen konnte, hätte sie bezweifelt, wenn sie darüber nachgedacht hätte. Doch ihre Gedanken kreisten eher um die Frage, die er ihr gestellt hatte. Ehrlich gesagt, sie wusste keine Antwort außer der, die sie gegeben hatte. Wovon sollte sie denn leben?
Der Schwarze blieb unverwandt stehen und drehte sich etwas zu der Roten um. Acollons Augen hatten ein gefährliches Aufblitzen bekommen, als er sprach, war seine Stimme jedoch ruhig und von keinem Zittern durchlaufen:
“Wovon Du leben willst, ist letzten Endes Deine Sache. Steh Du erst einmal auf dem Standpunkt, dass Du überhaupt leben willst. Und überleg Dir Deine Antwort jetzt gut, schließlich habe ich damit keine Probleme anderen das Leben zu nehmen.“
Die Ohren waren weit nach vorne aufgerichtet, sein Nackenfell sträubte sich leicht, nicht als Drohung. Der Fähe immer noch den Rücken zugewandt, sah er wieder in die Ferne.
“Fang erstmal an, die Dinge schätzen zu lernen. Lerne erstmal Dich anderen Wölfen zu öffnen, lerne erstmal Deine Gefühle ausleben zu können. Finde Anschluss an andere Wölfe, wenn Du dann immer noch sterben willst, dann werde ich mir die Freiheit nehmen und es für Dich tun. Wenn Du den Kopf in den Sand steckst, kannst Du auch nur so pessimistisch denken, Selbstmitleid hat noch niemandem geholfen. Also komm´ aus Deinem Versteck heraus und lebe. Bevor Du in den ersticken Tränen ertrinkst.“
Die untypischen Worte Acollons fanden wieder einen Hauch von Lüge, doch diesmal machte er diese Unglaubwürdigkeit mit einem ernsten- und kein Lächeln war mehr zu sehen- Gesichtsausdruck wett.
Wut kroch in Akai hoch. Ungehindert, ohne jeglichen Hass auf den Schwarzen. Wut auf seine Antwort. Wut auf die Reaktion selbst, die von ihr nun selbst folgen würde. Es würde ihm nichts ausmachen? Bitte!
"Ihr wollt mir vom Leben erzählen?! Ihr wollt mir als Erbe des Todes erzählen, ich solle mich öffnen?! Ich solle meine Gefühle ausleben?! Und was sagt ihr dazu, wenn ich euch sage, ich habe mich euch bereits schon weit geöffnet, vielleicht zu weit?! Ich habe niemals behauptet nicht sterben zu wollen. Nur zu, tötet mich. Ein Wolf mehr oder weniger, was macht das einem eiskalten Herzen wie eurem schon aus, was belastet das schon einen Wolf ohne einen Funken einer Seele?! Ihr habt doch nur an das Leben Anschluss gefunden, soweit man das überhaupt sagen kann, weil die wunderschöne Weiße euch verzaubert hat. Doch wenn sie fort wäre. Was würdet ihr tun?“
Ihre Stimme war klar und ohne jede Regung. Ihre Haltung war stolz und in ihrem Augen funkelte der unbändige Wille auf, der seit so langer Zeit gebrochen gewesen war. Nur zu, solle er sie angreifen. Doch würde sie sich ihm nicht ergeben. Mochte sie ohne ihr Erbe noch so wenig Chancen gegen Acollon haben. Es war ihr egal.
"Lernt erst einmal selbst, was ihr mir ratet..."
Knurrte sie schon eher. Jeder Respekt vor ihm war gewichen. Nur eine gezwungen höfliche Art, die schon fast ironisch klang, blieb. Ihr Blut kam wohl mehr in Wallung, als für die beiden nun gut war. Ganz langsam verfärbte sich das Gold ihrer Augen in etwas bernsteinfarbenes, das sehr schnell einen rötlichen Kupferstich bekam. Ein normaler Wolf hätte längst das Weite suchen sollen...
Die kleine Fähe lächelte, als Nyana zu ihr sprach. Inuki war so froh, dass die Kräuter gewirkt hatten. Inuki wusste, dass es nicht viele gab, die die Kunst der Kräuter beherrschten, da dies in ihren Augen uralte Kunst war.
"Habe ich gerne gemacht und ich würde es auch immer wieder tun!"
Sprach die kleine mit ruhiger Stimme zu Nyana. Sie mochte diese Fähe gerne und genau wie Hanako hatte sie ihr Vertrauen auch schon für sich gewonnen. Die Weiße war froh, als der Tag anbrach und die Sonne etwas durch die Wolken kam. Der Nebel schwebte zwar noch über dem Boden aber das machte der Kleinen nichts aus, denn sie war nur froh, dass die Sonne wieder schien.
Früher wäre der Schwarze in einen Blutrausch geraten, früher wäre die Wahrheit unerträglich gewesen. Doch nun lächelte Acollon weiterhin, auch wenn eine Art Gemeinheit dahinter zu stecken schien. Abermals seufzte er nur, dennoch entschied er sich dafür, der Roten in die Augen zu sehen und drehte sich um, er sah kalt auf die Fähe herab. Jedoch kein Funke von Hass oder Wut, oder jeglichem Zorn auf die Worte der Fähe.
“Was macht eine Seele schon aus?“
fragte er, er wollte jedoch keine Antwort darauf haben. Er war nicht darauf hinaus, die Fähe jetzt darauf hinzuweisen, dass sie wohl oder übel eine Seele besaß. Eine Seele bestand aus Gefühlen und Erinnerungen. Der einzige Wolf ohne Seele, der wohl noch unter anderen Wölfen wandelte, war er selbst. Der Tod hatte keine Seele. Auch wenn es manche Situationen gab, in denen er dies gerne geglaubt hätte.
“Der Unterschied zwischen uns beiden ist, meine Liebe, dass ich nicht sterben kann. Dieser Körper ist nicht meiner, er gehörte einem Wolf namens Acollon. Es ist nur eine weitere Erscheinung. Ich stecke in der Ewigkeit fest. Dieser Körper wird sterben, genau wie all die Wölfe, die mir Ansatzweise etwas bedeuten. Eine Wahl habe ich nicht, würde ich mir eine Seele aneignen; würde ich eine Seele besitzen; so müsste ich wohl grauenhaft leiden. Du allerdings, bist ein Wolf, der alle Chancen offen hat. Es liegt in Deiner Pfote, wirst Du das Leben, welches Dein Bruder beschützt und behütet hat, wegwerfen oder wirst Du daraus etwas machen und die Erinnerung an Deinen Bruder im Inneren wahren?“
Acollon war nicht dafür bestimmt, anderen Wölfen zu sagen, was das Beste für sie war. Im Allgemeinen redete er nicht gerne über Leben und Tod. Über das Schicksal und über die Zukunft. Die Rote machte es sich einfach zu leicht. Sie hatte bereits aufgegeben und den Kampf verloren. Doch wenn sie wollte, so hätte sie noch eine zweite Chance dieses Leben sinnvoll zu gestalten. Die Augen des Schwarzen lagen noch eine Weile auf der Roten, dessen Zorn man gut und deutlich in ihren Zügen ablesen konnte.
“Ich kann Dich noch nicht töten, schließlich hast Du den Mörder Deines Bruders noch nicht gefunden. Außerdem ist Dein Leben nicht viel wert, so trüb wie Du durch die Welt läufst.“
Auf einmal bekam Acollons Stimme einen leichten grauenhaften Unterton, der fast als Warnung zu erkennen war. Seine Lefzen spannten sich. Ein Trieb, der tief in ihm war, beschloss gegen seinen Willen, diese Fähe zu töten. Äußerlich nichts von dem inneren Kampf zu erkennen.
Hidoi zuckte einmal, nur einmal ganz kurz leicht unsicher mit den Ohren. ER sollte sich um diesen Welpen kümmern und dafür sorgen, dass er nicht starb? Für seinen Geschmack wurde da etwas zu viel von ihm verlangt, noch immer fühlte er sich leicht gedemütigt, wenn er solche Gefühle zum Ausdruck bringen musste. Die Ohren legte er unwillkührlich an, als er sich langsam neben den kleinen Wolf legte. Eine Zeit lang sah er diesen einfach nur an. Angestrengt überlegte er, wie man Moon vor dem Sog in die Finsternis schützen konnte ... Körperkontakt? Musste wohl sein. Zögernd drückte er sachte seine kalte Schnauze in das weiche Fell des Welpen.
"...Los Kleiner, kämpfe. Lass dich nicht einfach in die Dunkelheit ziehen... Das Licht ist doch viel schöner. Du wirst hier gebraucht Moon, von deinem Vater und von allen anderen..."
Was für einen Blödsinn er da redete.. Aber momentan war dies egal und Hidoi dachte auch nicht weiter darüber nach. Wenn er so ein Leben retten konnte, war es ihm recht. Außerdem wollte er beweisen, dass er nicht der grausame Kerl war, der er von Außen zu sein schien. Der Stahlgraue hatte sich für Hanako geändert. Zielstrebig fing er langsam an dem Kleinen mit der Zunge über den Rücken zu fahren. Moon brauchte wohl Wärme... Ob er ihm die wirklich geben konnte? Danach musste er unbedingt zu Hanako zurück. Sie brauchte ihn.
Dayon lag still und stumm im Schlamm, seine entsetzten und gleichzeitig tief zerstörten Augen lagen auf Moon, schienen manchmal kurz zu Ayala zu zucken, dann wieder auf Moon ... Moon ... sein Moon. Bei einem großen, hässlichen Grauen, der irgendetwas zu ihm sagte ... zu seinem Moon. Es war alles zerstört, alles kaputt, nichts war mehr zurückzuholen, nichts mehr änderbar, alles vorbei, alles vorbei ... Sein Körper zitterte, ihm wurde das Ausmaß der Lage immer deutlicher bewusst, dass das das Ende war, dass er etwas Unverzeihliches getan hatte. Doch keiner kümmerte sich mehr um ihn, sie standen bei Moon ... seinem Moon ... oder bei Ayala, redeten mit ihnen, wollten, dass sie die Augen aufschlugen und sie ansahen ... sein Moon. Er schloss die Augen, auch wenn jetzt nichts passieren würde, er würde sterben, jemand würde ihn töten, der schwarze Teufel oder der graue Riese oder dieser fette Rüde, der Moon mit seinen Worten belästigte ...
"Moon ... mein Sohn ... Moon."
Er kroch näher zu ihm, achtete nicht auf den Rüden, wollte zu seinem Moon ...
Hanako lauschte ohne jeden Ausdruck der kleinen Welpin und nickte bei ihren Worten. Banshee und Acollon würde sie bald sicherlich kennen lernen, niemals würden sie einen Welpen verjagen, Hanako war sich da so sicher. Sie schenkte Inuki einen warmen und verständnisvollen Blick, den vielleicht keiner sehen konnte.
"Sie werden dich nicht verjagen, niemals Inuki..."
Flüsterte ihre Stimme noch, dann rolle Hanako sich einfach nur noch furchtbar unsicher ein und schwieg. Sie wollte nichts mehr sagen und nichts mehr tun, sondern nur noch abwarten, dass dieser Horror endlich ein Ende nehmen würde und das Hidoi wiederkommen würde. Sie seufzte leise und lauschte dann den Winden und den Geräuschen, die sich im Wald gaben. Was passierte wohl gerade? Lebten sie alle noch? War Hidoi in Ordnung?
Seufzend sah Hanako zu ihrer Mutter, die im nächsten Moment ebenfalls anfing zu sprechen. Langsam schien das Kraut zu wirken, es ging ihr etwas besser.
"Ich...ich werde dir verzeihen, ja und ich will dir helfen...Mama...ich will dir helfen, dass du dich endlich wieder an alles erinnern kannst! Zusammen schaffen wir das, ich bin mir so sicher..."
Ihre Stimme schien ebenso ausdruckslos wie ihr Blick, doch sie meinte es helfend und lieb. In den nächsten Sekunden hörte sie das Heulen von Banshee und seufzte wieder, wenigstens das war überstanden.
Erschöpft schloss die weiße Fähe die Augen.
Akái hatte eine sensible Empfindung, wenn es daran ging, welche Gemütsschwankung und welche Wichtigkeit ein Gespräch, eine minimale Geste hatte. Sie wusste genau, dass er keine Antwort auf seine Frage haben wollte, aber aus reiner rebellischer Ader kläffte sie schon eher, immer noch wütend zurück.
"Wenn all das, was ihr sagt, stimmt, dann frage ich mich gerade, wie ihr ohne Seele die Ewigkeit überdauern wollte? Ihr könnt nicht ohne Seele leben, denn der Körper dieses Wolfes, dessen Namen ihr euch zusätzlich angeeignet habt, wäre sonst leblos und leer. Keine Marionette würde so sprechen wie ihr. Und wenn ihr mir davon ankommen wollt, die Ewigkeit sei grausam, dann könnt ihr es euch sparen. ich kenne sie. Und ich kann euch nur sagen, dass ihr wohl nicht der letzte "Wolf" seid, der darin gefangen ist. Ihr habt doch keine Ahnung, wer noch so alles unter euch weilt. Ihr würdet den Erben einer großen macht nicht erkennen, wenn er euch ein Kunststückchen vor der Nase vorführen würde!"
Dass er sie nicht töten konnte oder dass sie eine zweite Chance hätte, überging sie völlig. Es stimme einfach nicht. Er konnte sie töten, nun gut, aber dann würde immer noch etwas hier bleiben, dass ihn mehr belasten könnte, als das Problem des ewigen Lebens. Denn als Gejagter die Unendlichkeit zu verbringen, wäre mehr als die Hölle auf Erden. Ihre Pfoten wurden heiß... Ihre Augen gänzlich rot und ohne jegliche Regung verdampfte der Regen um die Rote. Ihr Fell war nicht umsonst rot. Und nicht umsonst war ihre Flamme erloschen, nur einen Funken zurücklassend. Und dieser Funke war schon mehr wert, als jedes 'normale' Feuer zusammen. Ganz allmählich erwachte ihr Instinkt. Vor allem der Schutzinstinkt, denn dass er sie töten wollte... Oder eher musste, dass war ihr bei seinem Unterton der letzten Worte unbeeinflussbar aufgefallen.
Leé war verwirrt. Es schien, als wäre ihre heile Welt soeben untergegangen. Etwas war im Gange, etwas, was Leé noch nicht begreifen konnte. Sie musste noch vieles lernen und so denken wie erwachsene Wölfe. Die Augen Leés waren apathisch auf den Boden gerichtet. Die Worte ihrer Mutter vernahm sie kaum. Weit in der Ferne schienen die Geräusche, die eigentlich direkt neben ihr waren, herzukommen. Ihre Ohren hingen schlaff zur Seite, ihre Beine zitterten leicht. Sie verlor allmählich die Kraft in ihren Pfoten und Beinen und ließ sich einfach auf den kalten Boden sinken. Die Braune schloss erschöpft, verwirrt und zugleich traurig die Augen und ließ sich in einen unruhigen und traumlosen Schlaf sinken.
Der Schwarze legte die Stirn leicht in Falten. Die Ewigkeit war keine Zeit, sie war oder ist, ein großes Nichts, verschlungen vom Gang des Lebens. Zum Leben gehörte der Tod, grausam und zugleich erlösend. Die Rote begriff nicht, worauf der Fenrissohn hinaus wollte. Aber es war einem Wolf, der nicht in diesem Zustand lebte, wie er, schwer zu erklären.
“Der Tod hat keine Seele, er ist ein ‚Zustand’, demnach bin ich auch nur eine Erscheinung, oder ein Eindruck. Nenn es, wie Du willst. Allerdings geht es nicht um mich. Sondern um Dich, Wölfin mit dem roten Fell.“
meinte Acollon lediglich. Es war nicht leicht zu erklären, dass er nicht vorhatte, sie in weitere Verzweiflung zu treiben. Dennoch konnte er sich nicht um hundertachtzig Grad drehen. Er sah wieder nur in die Ferne, sah wie die Sonne die Wolkenfetzen durchleuchteten. Die Nacht war vorbei, nun zeigte das Licht alles, was nicht im Schatten verborgen war. Wie ein Reflex schritt der Schwarze ein Stück in den Schatten der Bäume zurück.
Für einen langen Moment schloss er die Augen und sah vor seinem inneren Auge all das, was er schon gesehen hatte, all das, was er getötet hatte. Eigentlich war es nicht mehr ein Bild des Schreckens, er hatte sich daran gewöhnen müssen, immer wieder mit dem Schicksal als Sohn des Todes verbunden zu sein. Es war kein offenes Geheimnis und doch wussten alle Wölfe, die ihm begegneten, wen sie vor sich hatten. Sie spürten es. Ihre Seelen bemerkten die Anwesenheit etwas Verdorbenes. Acollon war es gleich. Der Schwarze öffnete die Augen wieder, immer noch die Rote vor sich, in ihrem funkelnden Zorn. Sie hatte eine Seele, sie lebte. Sonst wäre dieser Zorn nicht vorhanden. Gefühle waren die Seele eines jeden Lebewesens. Ruckartig verengten sich seine Augen. Er hatte auch so etwas wie Gefühle. Schließlich war das Gefühl zu Banshee kein geringeres als das der Liebe. Zufriedenheit breitete sich auf dem Gesicht des Schwarzen aus. Er trotze Fenris. Die ganze Zeit unbewusst. Und dennoch, er hatte sich von seinem Schicksal entfernt. Er war immer in der Versuchung gewesen, sich für seine Gefühllosigkeit zu hassen.
“Was willst Du jetzt machen? Bleibst Du hier, und gibst Deinem Leben eine Chance, oder ziehst Du weiter?“
fragte der Schwarze und schloss abermals die Augen.
Akais Augen verengten sich misstrauisch. Was sollte das jetzt schon wieder? Akai ließ sich nicht gerne als 'Fähe mit dem roten Fell' betiteln, doch konnte sie ihm schlecht ins Gesicht schleudern, er solle dies lassen. Schließlich stimme es und er konnte schlecht erahnen, was sie mit diesen Benennungen verband. Woher auch? Er wusste schließlich so gut wie nichts über sie, außer, dass sie den Mörder ihres Bruders suchte und dass sie wohl nicht gerade die schönste Welpenzeit verbracht hatte. Das Lächeln auf den Lefzen des Schwarzen behagte ihr nicht, doch schluckte sie. Sie schluckte die ganze Wut herunter, als sei es eine bittere Medizin. Nur half ihr diese hier nichts, sie schadete schon eher. Dass ihr Fell wieder durchnässt und nicht wie noch vor einigen Augenblicken trocken war, dass die Augenfarbe sich wieder normalisierte und dass sie ihm nicht wieder antwortete, zeigten dies. Es hatte einfach keinen Zweck mit diesem Rüden zu diskutieren. Er würde immer wieder eine Antwort finden, auf das, was sie sagte. Sie war wortgewandt und kannte sich auch darin aus, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, was in anderen Revieren schon oft nützlich gewesen war, doch war dieses Wortgefecht in ihrer momentanen Verfassung zuviel für Akái. Sie war eine stille Natur, still gemacht, doch ließ sie es sich nicht nehmen ihm noch eine letzte Antwort zu geben:
"Nur weil ihr meint, ihr hättet keine Seele und müsstet mich töten werde ich nicht gehen. Dass könnte euch so passen."
Ein etwas lösendes Lächeln erschien auf ihren Lefzen, tauchte die hübschen Züge wieder in normales Licht, so als wäre nie etwas gewesen. Sie bekam die Kontrolle zurück und in das Gold der Augen kehrte still und leise die Leere zurück, die nur kurz dem Aufflammen eines Funkens gewichen war. Der Wind zog an ihrem nassen Fell und sie sah Acollon an. Wenn sie auf eine freundliche Art und Weise miteinander umgegangen wären, dann hätte es vielleicht ein interessantes, vielleicht sogar tiefsinniges Gespräch werden können, doch so drehte sich die Rote wortlos um und machte sich auf den Weg zurück zum Rest des Rudels. Schon bald war sie zwischen den Bäumen verschwunden. Und sie war ganz und gar nicht zufrieden. Im Vorbeilaufen blieb sie zu allem Überfluss noch an einer Wurzel hängen, die geschickt von Blättern und Moos versteckt worden war. Fluchend richtete sie sich auf, trat vorsichtig auf und humpelte kurzzeitig, bevor sie normal, ohne Ausdruck jeden Schmerzes wieder weiterging...
Inuki hörte die Worte Hanakos und ein leises Lächeln huschte ihr über die Lefzen. Sie musterte die verletzte Fähe noch einmal und überprüfte die Wirkung der Kräuter erneut und war mit dem Ergebnis zufrieden. Nun konnte die Welpin ohne Angst auch einschlafen, denn sie war sehr müde. Inuki war froh, dass sie der Fähe helfen konnte und würde es immer wieder tun. Sie wusste nicht warum, aber sie liebte es Leben zu retten und leben zu sehen. Diese Freude hatte sie seit sie denken konnte. Die weiße Fähe rollte sich nun auch ein und versuchte zu schlafen, dachte aber vorher noch etwas nach.
.oO( Ich bin froh, dass das überstanden ist und ich freue mich darauf diese Fähe wieder leben zu sehen. Ich werde Hanako helfen, die Erinnerungen ihrer Mutter wieder her zu stellen. Ich will Leben sehen, Leben und Freude, keine Trauer oder sonstiges. Woher komme ich eigentlich genau und warum kenne ich nur in meiner Erinnerung meinen Vater? Woher weiß ich trotz meines Alters so viel über die Heilpflanzen und warum bin ich weiß, wenn mein Vater doch sagte, dass meine Mutter schwarz war und er auch schwarz? Warum erinnere ich mich an nichts und warum habe ich manchmal das Gefühl tot unglücklich zu sein? )Oo.
Mit diesen und noch mehr Fragen im Kopf fiel die Kleine in einen tiefen, traumlosen Schlaf.