19.02.2010, 18:08
Dass der Sommer sich über das Tal gelegt hatte und die Luft vor Hitze flirrte, war weit oben in den Bergen kaum zu bemerken. Der kleine Bergsee war wieder eisfrei, die vielen kleinen Bäche plätscherten wieder und der Gletscher selbst schien etwas geschrumpft, sonst deutete jedoch wenig daraufhin, dass es sich im Tal in der Sonne kaum aushalten ließ. Schnee lag weiterhin, so hoch, dass man darin versank und jetzt schoben sich immer öfter größere Wolken vor die Sonne. Es war kalt, der Wind wehte weiterhin erbarmungslos um die feinen Wolfsohren und auch sonst hatten sich die Lebensbedingungen des Rudels kaum verbessert. Hier und da ließ sich besser Beute fangen, Bergschafe die sich im Sommer auch höher in die Gipfel wagten oder übermütige Schneehasen, satt waren die Wölfe jedoch selten.
Die Abenddämmerung hatte sich unbemerkt über die Bergwelt gelegt, schwere Wolken hingen um die Gipfel und verdeckten den Sonnenuntergang, der Wind fuhr kalt durch den Schnee, insgesamt schien der Sommer so fern wie das saftige Grün von jungem Gras. Das Rudel lag im Bergsee, die Bergspitze direkt dahinter spendete ein wenig Schutz vor dem Wind, wem es dennoch zu kalt geworden war, hatte sich in die weiter oben liegende Höhle verkrochen.
Banshees Blick ging wie in jeder freien Sekunde in die Ferne, über die Hügel und hinab ins Tal. Außer Wolken war nichts zu sehen, trotzdem meinte die weiße Leitwölfin die warme Sonne auf ihrem Pelz zu spüren und das Rot der Dämmerung im See widergespiegelt zu sehen. Die Sehnsucht zerrte wie tausend spitze Zähne an ihrem Herz. Es war Sommer, ein ganzes Jahr lang hatten sie in dieser Welt gelebt. Es war Zeit, endlich wieder zu gehen. Sicher, die Welpen waren wie eine große Wunde, eine enorme Schwäche für das ganze Rudel, doch auch dafür würde sich eine Lösung finden lassen. Hiryoga, Shani, die Welpen und ein zwei schwächere Mitglieder würde man am Rand der Berge zurücklassen können, dort müsste ihnen nichts geschehen. Und sie hatten Verstärkung von neuen Rüden bekommen, Takashi, Ilias, Frekur und Urion. Ihre Söhne waren erwachsen, die Welpen zu kräftigen Jungwölfen geworden. Und sie hatten einen Trumpf … Nyota. Ihre Schwester war das Fegefeuer. Sie waren stark genug um dieses Pack zu vertreiben. Es wäre genug Entschlossenheit in ihr gewesen um sofort auszubrechen, hätte nicht einer gefehlt … Acollon. Ja, er war wieder fort. Es war immer so, nie hatte sie lange bei ihm bleiben dürfen, ihr ewiges, trauriges Schicksal. Nur mit ihm an ihrer Seite, hätte sie noch mehr Mut. Er würde wiederkommen, das wusste sie, doch ob sie Zeit hatte, darauf zu warten … nein. Sie würden sich unten im Tal wiedersehen, dort, wo sie beide hingehörten. Es würde gut sein. Wenn es nur nicht so schmerzhaft wäre, wenn er nicht an ihrer Seite war.
Sie erhob sich, ließ ihren Blick rasch über das Rudel gleiten, erspähte ihre Schwester und stapfte durch den hohen Schnee auf sie zu. Dabei fiel ihr ein, was Acollon ihr gesagt hatte, kurz bevor er gegangen war … kurz bevor sie gestorben waren. Nyota ein Helfer, eine Geflügelte … Acollon hatte es ihr nicht mehr erzählen können. Irgendwann würde sie das übernehmen müssen. Aber vorher würde sie ihr ihre Pläne mitteilen.
“Nyota, Schwesterherz, ich muss mit dir reden.“
Ein Lächeln lag auf ihren Lefzen, doch ihr Blick war ernst. Ihre Schwester war wieder so etwas wie Leitwölfin. Wie wurde man eigentlich genau Leitwolf? Hatte man das zu verkünden? Oder wusste es nicht sowieso schon das ganze Rudel, dass die beiden Schwestern gleichermaßen für sie sorgten und auf sie achteten? Banshees Rute wippte ein wenig nachdenklich hin und her.
Putzmunter wie der bekannte Fisch im Wasser hockte Kisha da. Im Schnee. Ihre Pfoten waren versunken, während ihr Kopf fast stolz in die Höhe gestreckt wurde. Die schwarze Rute der Fähe wuselte über den Schnee, schlug ihn zur Seite und grub einen kleinen Graben hinein. Die hellen Augen Kisha's ruhten auf den Watte Dingern am Himmel. Etwas fehlte. Natürlich. Der Käfer war verschwunden. Sie hatte mit ihm gespielt. Dann hatte sie zu Daylight gesehen und er war verschwunden. Nun saß die Schwarze da, blinzelte aufgeregt zum Himmel. Vielleicht würde er wieder kommen..? Wenn sie wartete? Ganz sicher würde er wieder komme! Immerhin hatte sie mit ihm gespielt. Er konnte sie doch nicht einfach hier so sitzen lassen! Das wäre wirklich nicht nett gewesen! Ein kurzes Gähnen verließ die Kehle der Jungwölfin, die da so voller Erwartungen im Schnee hockte. Sie musste einfach warten. Ihre Ohren zuckten durch den kalten Wind. Woa, es war ja kalt! Mit einem kräftigen Schütteln ihres ganzen Körpers sprang Kisha auf, schüttelte sich weiter und blickte dann mit einem leisen Schmatzen zu ihrer Mutter, die bei Nyota stand. Wie gebissen sprang die Fähe von einer Seite auf die andere. Sie hörte nicht, ob die beiden redeten. Aber neugierig war sie. Oh ja.. Aber.. sollte sie die beiden stören? Oder würden die sie wegjagen? Vielleicht hatten sie etwas Wichtiges zu bereden? Ihr Kopf legte sich zur Seite, während sie die Pfoten vorsetzte und die beiden Wölfe genau beobachtete. Den Kopf etwas senkend schnüffelte sie herum. Vielleicht würden sie zu ihr kommen? Oder an ihr vorbei gehen? Man konnte ja nie wissen.. Leicht mit dem Kopf hin und her wippend wartete Kisha gespannt. Die würden nicht zu ihr kommen.. Banshee und Nyota würden bestimmt da bleiben. In etwa so, wie der Käfer, die sie einfach sitzen gelassen hatte. Mit einem fest entschlossenem Ausdruck in den Augen sprintete die Jungwölfin los. Mit fast fliegenden Schritten näherte sie sich den Wölfen. Kurz vor ihnen machte sie jedoch eine totale Vollbremsung, rutschte aus und plumpste mit der Schnauze in den Schnee. Etwas verwirrt rappelte sie sich auf, blinzelte umher. Was war das? Misstrauisch drehte sie den Kopf zurück. Da war nichts.. Als wäre nichts gewesen, stand Kisha auf, setzte ein breites Grinsen auf und tappte auf das Rudel zu. Jetzt würde sie erst Mal nachsehen, wer hier alles so war..
Der Schwarze schlief ruhig. Er lag etwas abseits der Anderen. Zwar hatte er eingewilligt, dass er sich in Zukunft an die Regeln und die Rangfolge halten würde, aber das hieß für ihn nicht, dass er sich wirklich zu den anderen hingezogen fühlte. Zuerst wollte er erst einmal Abstand. Schließlich war er noch ein wenig misstrauisch den anderen Wölfen gegenüber. Bis jetzt hatte er ja auch nur wenige – und auch nur kurz – von ihnen kennen gelernt. Langsam schien Takashi aufzuwachen. Er blinzelte. Schnell konnte er die Anderen entdecken.
.oO(So viel…Leben!)
Langsam blickte er in die Runde. Seinen Kopf hob er dabei nicht, um nicht irgendwie aufzufallen oder Schmerzen zu erleiden. Seine Augen starrten jeden Wolf für einen Moment an. Er musste aufpassen, nicht wieder in Versuchung zu kommen, sich mit einem der Wölfe anzulegen. Es wäre sowieso wirklich sehr dumm und zwecklos. Schließlich trug er zwei Verletzungen. Die eine am Hinterlauf schien langsam zu verheilen. Jedoch war die bereits leicht geschlossene Wunde am Hals umso schlimmer. Bei jeder Bewegung tat sie weh und drohte, wieder aufzureißen. Sein so schönes Fell war an dieser Stelle ganz schmutzig und verklebt. Er hasste es. Er versuchte diese Stelle zu reinigen, obwohl er dort kaum dran kam. Nicht wirklich schaffte er es, die überschüssigen Krusten zu entfernen. Das machte ihn wütend. Als er diese Krusten mit Hilfe seiner Zähne aus dem Fell ziehen wollte, spürte er wieder diesen stechenden und reißenden Schmerz. Sofort ließ er von der Wunde ab. Er hatte sie wieder leicht aufgerissen. Sofort quoll aus dem frischen Riss rotes Blut und lief tropfenweise zu Boden. Verärgert brummte er. Obwohl er jetzt wusste, dass man da nichts mehr machen konnte, störte ihn das wirklich sehr. Unzufrieden senkte er langsam wieder seinen Kopf.
.oO(Sie dich doch mal an, was aus dir geworden ist…! Schmutzig bist du! Eine Schande ist das…schämst du dich gar nicht?)
Sprach er in Gedanken mit sich selbst, schüttelte ganz langsam den Kopf und legte die Ohren nach hinten an. Er wollte noch ein wenig dösen und warten, bis jemand anderes etwas sagen oder machen würde.
Urion wurde von dem Schnee wach, der in seiner Nase kitzelte. Kurz musste der Graue niesen, dann leckte er sich das weiße Puder von der Schnauze.
Seine Glieder schmerzten von der Anspannung. Was war nur geschehen? Im Halbschlaf blickte er um sich. Ah sicher, die Leitwölfin hatte es geschafft die Streitenden zu beruhigen, Zack verbannte Urions Fluch wieder in die hinterste Ecke seiner Seele.
o.O( Was denkt bloß Kaede von mir?)
Urion hob den Kopf und erkannte das Takashi versuchte seine Wunde sauber zu machen. Komisch, warum erkannte er sich selbst in diesen bösen Rüden wieder. Sie mussten unbedingt miteinander reden, aber vorerst musste Urion Kaede ausfindig machen. Wer weiß, vielleicht hatte er jetzt alle Chancen bei ihr verspielt.
Nachdenklich erhob sich Urion. Nach dem ganzen Krach vor der Rudelhöhle schien es hier seltsam still zu sein. Urion gefiel dies und die Kälte, die allmählich unerträglicher wurde. Vorsichtig lief er an den anderen Wölfen vorbei. Er fand Kaede nicht. Langsam verzweifelte er etwas. Unbedingt musste der Graue wissen, ob sie immer noch zu ihm halten würde.
Leise bellte Urion ihren Namen.
Ein paar Welpen waren mit unter den Erwachsenen. Urion würde sich von ihnen fernhalten, hatte er doch noch die Bilder von den toten Welpen vor Augen, die seine Zähne zerfleischt hatten. Ob Takashi sowas auch getan hatte?
Urion überlegte lang hin und her, dann steuerte er auf Takashi zu. Würde dieser ihn Angreifen wollen, würde ihn Urion mit einem gezielten Biss außer Gefecht setzen können.
Wenn Kaede ihn finden wollte, so würde sie das. Er wuffte diesmal weniger aufgeregt ihren Namen und wedelte lasch mit der Rute. Langsam musste mal Ordnung in sein Leben kommen.
Der Graue aus dem Norden erreichte Takashi und legte sich zu ihm. Natürlich auf Abstand, aber mit zu ihm gewandten Blick.
"Soll ich dir helfen? Nein, natürlich nicht. Ich würde mir in deiner Situation auch nicht helfen lassen. "
Dieser Geruch! Es war gemeinhin bekannt, dass Wölfe des gleichen Rudels, den gleichen Geruch trugen. Warum roch Takashi nur nach Kioku? Wenn es wirklich Kioku war, dann müsste er doch auch Urion an seinem Geruch erkennen.
Unsicher seufzte der Graue. "Du bist auch verflucht, Takashi."
Urion schlang die Rute um seine Hinterläufe und legte den Kopf auf die Vorderpfoten. Er roch das Blut, welches aus der Wunde des Schwarzen tropfte, jedoch juckte es ihn nicht. Die grünen Augen blickten in die bergige Eislandschaft, die nur Kälte ausstrahlte.
"Und ich weiß auch, dass du dich hier oben wohler fühlen wirst, als unten im Tal."
Die Ohren des Schwarzen schnippten nach vorne. Da war doch was…! Langsam öffnete er die Augen und erblickte Urion. Ruhig und gelassen sah er ihn an. Der Graue schien jemanden zu suchen. Takashi konnte da auch nicht weiterhelfen, da er diesem Wolf namens Kaede auch noch nicht gesehen hatte. Aber er würde doch bestimmt irgendwo zu finden sein! Zuerst musterte Takashi den Grauen noch etwas misstrauisch. Den Streit hatte er schließlich nicht vergessen.
.oO(Was willst du denn hier…?)
Er hatte keine Lust auf Streitereien oder sonstigen ähnlichen Dingen. Er wollte einfach nur seine Ruhe haben. Das war alles. Es war ihn nicht klar, warum Urion jetzt so anders als vorher reagierte.
.oO(Warum will er mir denn auf einmal helfen?)
Zögernd schüttelte Takashi den Kopf. Da war dann wieder dieses unangenehme Gefühl am Hals. Verärgert senkte er den Kopf auf die ausgestreckten Vorderbeine. Es würde lange dauern, bis diese Wunde wieder völlig verheilt sei, denn sie war um einiges schlimmer, als die am Hinterlauf. Als der Rüde wieder sprach, verzog Takashi fragend eine Augenbraue.
.oO(Was redet er da…? Verflucht bin ich…was soll das jetzt wieder heißen?)
“Warum bin ich verflucht? Wie kommst du auf so einen Mist?“
Fragte er ihn ein wenig verärgert. Wollte er etwa wieder Streit oder was sollte das bedeuten? Takashi hatte noch nie irgendwas davon gesagt bekommen, dass er verflucht sei. Auch hatte er davon nie etwas gespürt. Warum wurde ihm das auch erst jetzt gesagt? So ein Quatsch…das konnte doch einfach nicht sein!
.oO(Lügt er, um mir vielleicht Angst zu machen?)
Jedoch hatte der Graue Recht, was Takashi aber nicht wusste. Durch irgendeinen Vorfall in der Vergangenheit hatte er diese Erinnerungen alle verloren. Er war fest entschlossen, dass seine Vergangenheit stimmt. Aber irgendwie hatte er das Gefühl, Urion schon einmal begegnet zu sein. Dieser Geruch…irgendwie kam er ihm bekannt vor. Oder täuschte er sich da etwa?
“Woher willst du wissen, wo ich mich wohler fühl? Kennst mich doch gar nicht...!“
Sagte er, obwohl er den Verdacht hatte, den Grauen zu kennen.
Ja, Urion musste ich wie ein Irrer anhören, aber wenn er mit seiner Vermutung richtig lag, dann würde sich Takashi erinnern können. Der Graue wanderte mit seinen Blicken umher, die Ohren schnippten in jede Richtung, falls Kaede sich melden würde.
Die Muskeln Urions waren trotz allem sehr angespannt.
"Du hast vermutlich recht mit deinem fragenden Blick, aber dein Geruch kommt mir arg bekannt vor. Erinnerst du dich noch genau an deine Vergangenheit? Vielleicht sagen dir ja Namen was: Feenkind und Death Walker. Eisige Landschaften..."
Urion schüttelte den Kopf und stand wieder auf. Er zog sich ein paar Eisbrocken aus den Pfoten, dann gähnte er ausgiebig.
"Was rede ich denn da? Dir wird das sicherlich nichts sagen. Wir kennen uns nicht, da hast du recht. Entschuldige."
Der Graupelz schritt durch die Reihen der Wölfe. Weiter auf der Suche nach Kaede, aber trotzdem behielt er im Blickwinkel Takashi. Wenn er sich doch nicht irren würde...
Shani Caiyé lag erschöpft aber mit einem leisen Lächeln auf den Lefzen im Schnee. Den Rücken an Hiryoga gekuschelt hatte sie einen guten Blick auf ihre Welpen, die vor ihr herumtollten. Die letzten Wochen waren schöner, als Shani je gedacht hätte. Banshee hatte streng und doch so herzlich reagiert, war zwar erbost über ihren Ungehorsam und trotzdem so glücklich über ihre Enkel. Shani war der Mutter ihres Gefährten und Leitwölfin so dankbar, sie würde auf ewig in ihrer Schuld stehen, das aber gerne. Jetzt konnte sie auch wieder lächeln, sogar lachen, konnte die Schönheit der Welt sehen und ihr Leben genießen so wie sie es vorher immer getan hatte. Und endlich konnte sie ihre Welpen richtig lieben. Konnte Mutter sein und das gerne. Sie war so stolz auf Rakshee, die etwas ganz und gar Ungewöhnliches an sich hatte, etwas von Banshee. So glücklich über die beiden munteren und etwas groben Jakash und Kursaí und so liebevoll bemüht um die ruhige Ahkuna und die stumme Sharíku. Sie waren ein Wunder, alle fünf, das Schönste, das Shani je erlebt hatte. Und das alles kam aus ihr, von ihr und von ihrem Gefährten, zu dem die Liebe nur noch größer geworden war. Was für wunderschöne Tage!
Sie schob die Schnauze langsam nach oben als sich die ersten Wölfe regten, Banshee Nyota rief, Takashi mit Urion sprach und Kisha, Hiryogas verrückte Schwester, angesprungen kam. Eigentlich waren sie sich in ihrem Wesen nicht unähnlich, wenn auch Shani nicht so verdreht war wie die Schwarze, und sie mochte ihre Schwägerin. Kisha legte eine Bruchlandung im Schnee hin und tappte dann näher an sie heran. Shanis Schnauze senkte sich wieder und wanderte in Richtung ihrer Welpen.
“Schaut mal … da kommt eure Tante, Kisha. Sie liebt es zu spielen und verrückte Dinge zu machen … wäre das nicht genau das Richtige für euch?“
Ein Grinsen legte sich auf ihr Gesicht als sie den Kopf wieder hob und zu der Schwarzen blickte. Einladend begann ihre Rute zu zucken und die leicht schrägstehenden, mandelförmigen Augen begannen vergnügt zu funkeln.
“Kisha, komm doch zu mir und meiner kleinen Familie. Meine Welpen wollen dich kennenlernen!“
Sie selbst war zwar nicht erschöpft, dennoch zu geschafft von der Aufsicht der Welpen um sich nun mit Kisha zu beschäftigen … ab und an war die Schwarze doch sehr anstrengend, ihre Welpen jedoch würden in ihrer Tante mit Sicherheit ein großartiges Opfer finden. Und Kisha würde ihren Spaß daran haben, da war sich Shani sicher.
Als wäre nichts passiert, als würde kein Schnee in ihrem schwarzen Fell kleben, tappte die Fähe dahin. Die rundlichen Ohren waren aufmerksam und sehr neugierig aufgestellt, wollte sie doch nichts verpassen. Es konnten ja alles wichtige Informationen sein, die sie nicht verpassen durfte. Wer wusste schon, was davon abhing. Als könnte sie kein Wässerchen trüben schnippten ihre Ohren in alle möglichen Richtungen. Wenn man genau hinsah entdeckte man vielleicht sogar den kleinen Heiligenschein über ihrem Kopf. Sie näherte sich ihrer Mutter und Nyota, für einige Momente waren die anderen uninteressant. Jedoch riss sie ruckartig den Kopf herum, als jemand ihren Namen rief. Woa! Shani lag ganz in der Nähe, zusammen mit ihrem Gefährten und ihren Welpen. Die kleinen Plüschmonster. Sie war auch Mal so klein gewesen. Aber daran erinnern konnte sie sich nicht. Sofort begann ihre Rute wie besessen hin und her zu wedeln. Diese kleinen Monster waren soo süß! Noch ein Mal das Fell kräftig ausschüttelnd setzte sich die zierliche Fähe in Bewegung. Sie sprang eher voran, als zu laufen. Shani hatte sie gerufen, also würde sie zu ihr.. springen. Mit einem zufriedenem Grinsen hoppste die zierliche Fähe durch den kühlen Schnee, die hellen Augen zwischen denen hin und her huschen lassend, auf die sie sich nun zubewegte.
"Guten Tag zusammen!"
Wie immer sprach die pure Freude aus der Stimme der Jungwölfin. Die Welpen wollten sie kennen lernen? Na wunderbar! Da konnte man ihnen gleich ein paar verrückte Ideen beibringen. Mit einem letzten kurzen Hoppser blieb sie vor Shani, Hiryoga und ihren Welpen stehen. Ihr Kopf war leicht gesenkt, aber dennoch zur Seite gelegt.
"Wie gehts den kleinen Plüschtierchen den?"
Die braunen Augen linsten von unten hinauf zu den Eltern der fünf kleinen Wölfe, ehe sie wieder zu den Welpen wanderten.
"Na ihr kleinen Monster?"
Das war wirklich tausend Mal besser als jeder Käfer, der aus dem Himmel kam.
Einige Zeit war verstrichen und nun merkte man endlich auch hier oben in den Eisbergen, dass Sommer geworden war.
Nach dem Streit von Urion und Takashi hatte sie sich etwas zurückgezogen. Sie hatte ihre Aufgabe gut erfüllt und alle Fremden waren in das Rudel aufgenommen worden und vertrugen sich nun anscheinend auch.
Nun, langsam fühlte sie sich wieder bereit im Rudelleben mitzumischen, sie hatte sich die Zeit über gut erholt und fühlte sich so fitt wie lange nicht mehr.
Sie beschloss, dass sie Urion suchen könnte, hatte sie nach seinem Streit doch nicht mehr mit ihm gesprochen und hoffte nun, dass er sie nicht einfach wieder vergessen hatte. Als sie aufstand, schüttelte sie sich erst einmal um die Kälte aus den Muskeln zu bekommen und streckte sich dann ausgiebig.
Ihr fiel ein, dass sie Banshee unbedingt noch sagen musste, dass Leyla das Rudel verlassen hatte. Wäre es doch anders gekommen. Traurig über den Verlust der doch sehr freundlichen Fähe, senkte sie die Augenlieder und fing an aus dem hinteren Teil der Höhle nach vorne zum Ausgang zu laufen.
Erstmal Urion finden, Banshee war sowieso gerade bei Nyota, wenn sie dies nicht falsch den Gerüchen entnahm, die, vom sanften Sommerwind getragen, zu ihr gelangten, als sie den Kopf aus der Höhle streckte.
Lächelnd begrüßte sie die Sonnenstrahlen, welche sich selbst nach hier oben kämpften und erfreute sich der winzigen Wärme, welche sie auf ihrem Fell spüren konnte.
Kurz blieb sie stehen um herauszufinden, wo Urion sich aufhielt und steuerte dann auf den Bergsee zu, wo auch ein großer Teil des Rudels war, somit auch Urion.
Kurz bevor sie den See erreichte bellte sie seinen Namen, in der Hoffnung, er würde ihr entgegen kommen.
Langsam bahnte sie sich ihren Weg durch die anderen Wölfe, vorbei an Shani, den Welpen und Kisha.
Freundlich lächelte sie ihnen zu. Ah, da war auch Hiryoga ihr kleiner, großer Patensohn.
"Hallo ihr lieben, wie ich spüre, habt ihr euch alle prächtig erholt und entwickelt. Das freut mich."
Ein strahlendes Lächeln noch an jeden von ihnen, dann ging sie vorsichtig weiter, in die Richtung aus der ihr Urions Geruch entgegenkam. Nicht weit von ihm schien Takashi zu sein, wieso wusste sie nicht, hatten sie sich zuvor doch heftig ins Fell bekommen. Blinzelnd machte sie noch einen Schritt und wuffte dann kurz.
Sie war fast bei Urion angekommen, unsicher wie sie sich verhalten sollte, legte sie ihren Kopf schief und stupste ihn nur einmal sanft an der Schulter an.
"Hallo mein Lieber. Geht es dir wieder besser?"
Als der Rüde seinen Kopf hob um zu lauschen, perlten einige Wassertropfen von seinem Fell und tropften langsam zurück in den See, der nun endlich wieder eisfrei war und aus dem Zack soeben noch getrunken hatte.
Urion suchte Kaede und sie suchte ihn, doch seine Hilfe war nicht mehr benötigt, hatte sie ihn doch schon geschickt gefunden. Er lächelte, blinzelte sein Spiegelbild an, welches durch die Kreise, die die Tropfen verursachten, verzerrt war und blickte dann über den See. Die Sonne reflektierte sich in ihm, nun, da sie doch endlich angekommen war und das Eis wenigstens ein wenig zum Schmelzen gebracht hatte. Er freute sich, dass sie auf seinen, für ein Sommerfell immer noch dichten, Pelz schien und ihm etwas Wärme schenkte, die sie doch eigentlich im Überfluss hatte.
Hier oben anscheinend nicht, hier oben musste die Sonne soviel leisten, dass ihr kaum noch die Zeit und die Kraft blieb um die Wölfe mitzuwärmen. Doch die, die den Winter und den Frühling hier oben überlebt hatte, würden jetzt auch weiter überleben, und sich ebenfalls, wie er an der Wärme freuen, denn im Gegensatz zu vorher war es deutlich wärmer geworden.
Er senkte seinen Kopf und somit seinen Blick wieder weiter nach vorne auf das Wasser, erhaschte einen Blick auf sein unverzerrtes Spiegelbild, ehe ein Fisch vor ihm aus dem Wasser schnellte, sich drehte und wieder zurückplumste. Das Wasser spritzte kaum auf und Zack senkte seinen Kopf um einen weiteren, tiefen Schluck des Wassers zu nehmen. Er spürte, wie das Wasser leicht seine Pfoten umspielte, hatte der Fisch es doch so aufgewühlt, dass seine Pfoten, die dicht am Wasserrand standen, es mitbekamen.
Langsam trat er einen Schritt zurück, drehte dann dem See den Rücken zu und ließ seinen Blick über die am See verweilenden Wölfe gleiten. Er entdeckte Urion und Kaede, nicht unweit von Takashi und ein kleines Stück weiter, die jungen Eltern mit ihren Kindern und einer ebenfalls jüngeren Fähe die, wie er glaubte zu wissen, Kisha hieß. Er lächelte und schaute ein wenig dem Treiben der Welpen zu, eher er sich auf den Weg zu Sania machte, er wollte sie fragen, wie es ihr ging, ob sie sich gut erholt hatte.
Er schlenderte durch die verstreuten Wölfe, die überall lagen, saßen oder standen und blickte suchend um sich. Um sie nicht zu erschrecken, sollte er sie finden wuffte er so laut, dass es um ihn herum gut hörbar war.
"Sania? Bist du hier irgendwo in der Nähe?"
Er hoffte, dass sie ihn hören würde, denn nachdem er ihre Wunden gereinigt hatte und sie dann so schnell verlassen musste hatte er sie nicht mehr gesehen und so auch nicht mehr mit ihr geredet und eigentlich lag ihm sowas gar nicht. Er fand sich im Nachhinein ganz schön unhöflich, dass er sie da, in der Höhle, einfach so verlassen hatte.
Vor allem weil sowieso so viele Wölfe zu Urion geeilt waren, vielleicht war es gar nicht er gewesen, der geholfen hatte den Fluch zu verbannen, sondern vielleicht waren es die anderen gewesen und dann war er grundlos zu ihm geeilt und hatte Sania grundlos alleine unter den fremden Wölfen gelassen.
Doch er wollte sich nicht mit Vorwürfen plagen, konnte er an der Vergangenheit sowieso nichts mehr ändern, er konnte nur versuchen es in der Zukunft besser zu machen und genau aus diesem Grund suchte er Sania nun.
Verträumt sah Ilias auf den See hinaus, welcher, aufgrund des Sommers, nicht mehr eingefroren war. Jedoch bemerkte man ansonsten nichts vom Sommer, der Schnee lag noch und auch der Wind war noch kalt wie immer.
Trotzdem scheinte hier und da mal die Sonne, die aber ansonsten häufig von dicken Wolken bedeckt war.
Viel hatte sich in dieser Zeit nicht getan, vor allem nicht in Bezug auf Sheena. Sie waren immer noch nicht wirklich zusammen, sondern tanzten so um sich her, schenkten sich sogar gar nicht selten nähe, und sprachen miteinander. Das war es dann aber auch schon. Nur in das neue Rudel hatte er sich richtig integriert. Von seiner anfänglichen Schüchternheit war kaum noch etwas zu spüren, und er hatte die meisten schon näher kennen gelernt.
Endlich war er so richtig glücklich und verschwendete nicht einen Gedanken an sein altes Rudel, an seine alte "Familie", wie er sie da noch genannt hatte. Letztendlich waren sie ihm nämlich egal geworden, denn er hatte sein Glück gefunden.
Er lauschte dem Plätschern des Sees, trank gelassen einige Schlücke aus diesem und wendete sich dann wieder zu dem Teil des Rudels, der auch am See war.
Sheena war nicht unter ihnen. . .
"Ich sollte sie aufsuchen, sie fragen ob wir spazieren gehen möchten, hier am See entlang, vielleicht mag sie diesen ja genauso wie ich"
Gerade wollte er Kaede fragen, ob sie wüsste, wo genau Sheena sich befinde, jedoch bemerkte der Rüde gerade noch, dass sie mit Urion sprach. Dieses Gespräch wollte er nicht unterbrechen, obwohl er dies sonst, sehr häufig, ohne Absicht machte, aber dieses Gespräch würde wohl zu tiefgründig sein, um es zu unterbrechen.
Also lief er von alleine los, in Richtung Rudelhöhle, wo sie hoffentlich war. Obwohl es so lange so eiskalt war, und obwohl es schon Sommer war, erfreute er sich über den Schnee, der noch lag, denn wer weiß, vielleicht würde er bald weg sein. . .
Also stapfte er munter durch den Schnee, erfreute sich über jeden Abdruck den er in ihn rein machte, und freute sich über dieses eigenartige Geräusch, was Schnee machte, wenn man darüber lief.
Lange war er nicht Unterwegs gewesen, bis er den Eingang der Rudelhöhle in der Ferne entdeckte. . .
Urion spürte Kaede bevor sie überhaupt vor ihm stand. Leich wedelte er mit der Rute und war trotzdem verhalten, weil er nicht wusste, wie sie ihn behandeln würde.
Als die Fähe vor dem Grauen stand duckte er sich fiepend und leckte ihren Unterkiefer wie ein Welpe um sie vorsichtshalber zu besänftigen, aber es war nicht nötig.
"Kaede, ich weiß jetzt nicht was du von mir denkst... aber lass mich bitte nicht allein."
Sanft drückte er seinen Körper gegen ihren und vergrub seine Schnauze in ihrem Fell. Nichts würde ihn mehr in dem Rudel halten können, wenn der Graue Kaede verlieren würde. Sie erfüllte sein Da sein mit Sinn, diesen Sinn brauchte er mehr denn je in seiner Situation, da der Fluch wieder zurück gekehrt war. Schließlich kam Urion ein ziemlich abgefahrener Gedanke. Fröhlich wedelte er mit seiner Rute und zwickte zärtlich in das Ohr der Fähe.
"Komm doch mit in dem Bergsee baden!"
Urion sprang voller Vorfreude Richtung See, dann wieder zurück, küsste Kaede auf die Schnauze und umarmte sie mit den Vorderpfoten. Schließlich setzte er sich vor sie auf den Boden, legte den Kopf schief und blickte zu Boden.
"Ich bin dir auch einer Erklärung schuldig, die ich dir dort geben möchte. Es tut mir leid, dass du mich so sehen musstest, aber bitte... ich liebe dich und... und... lass uns durchbrennen und Welpen bekommen. Ich weiß, wir könnten schon Oma und Opa sein, aber ich würde gerne sehen wie ein Welpe von uns aussieht... Und, ja. Mir geht es wieder besser."
Bei dem Satz mit dem Welpen, blickte Urion Kaede trotzig an und schnippte mit den Ohren umher. Zack und Ilias Düfte nahm er war, jedoch war seine volle Aufmerksamkeit bei Kaede.
Cumará lag faul am Ufer des Bergsees und sonnte sich. Es war einfach zu schön, um wahr zu sein. Die Graue gähnte, ihre Augen waren geschlossen. Es schien, als würde sie die Sonnenstrahlen anziehen. Ihr Fell glitzerte im Licht. Was wohl die anderen Wölfe machten? Langsam öffnete Cuma die Augen und blinzelte, vom hellen Sonnenlicht geblendet. Sie stand auf, sie summte vor sich hin. Der Bergsee war so schön... zu schön, um wahr zu sein. Cumará überlegte, was sie jetzt machen sollte. Schließlich beschloss sie, zur Höhle zu gehen. Sie verfiel in einen leichten Trab, geschmeidig bewegte sie sich auf die kleine Gruppe der anderen Wölfe zu. Wo war Kenshi? Ihre fließenden Bewegungen wurden langsamer. Grazil ging sie weiter.
oO.Ich würde so gerne die Umgebung erkunden. Am liebsten mit Kensharion. Ja... aber wo ist er bloß? Ich werde ihn suchen...
Cuma sah sich um. Sie ging zu Shani und ihren Welpen. Nun ja... sie waren nicht wirklich Welpen. Eher Jungwölfe. Wie schnell die Zeit verging. Es war wirklich erstaunlich. Es schien, als wären all ihre Wünsche in Erfüllung gegangen. Fast alle. Kensharion.
Mit federnden Schritten entfernte sich Kensharion von der Rudelhöhle. Ruhig glitt sein Blick über die, noch immer mit Schnee bedeckte Landschaft. Die Abenddämmerung hatte alles in oranges Licht getaucht. Der Große Rüde hielt einen Moment lang inne, ließ seine Ohren spielen und die Natur auf sich einwirken.
Seit dem er zu seinen Artgenossen gestoßen war, war der Frühling schon dem Sommer gewichen, wenn auch man es auf den Bergen kaum spürte. Doch der Schatten wusste es und wunderte sich mal wieder, wie schnell die Zeit doch verging. Er hatte eine friedliche Zeit im Rudel gehabt, in der er doch hin und wieder an seine Bärenfamilie zurückgedacht hatte. Er vermisste sie, doch das Schicksal hatte entschieden, dass er wieder unter den seinen leben sollte. Die Regeln eines Rudels hatte Kenshi langsam gelernt, musste sich jedoch immer wieder daran erinnern, wie er sich gegenüber anderen Wölfen zu verhalten hatte.
Sein Blick schweifte abermals über die bergige Landschaft, beobachtete die anderen, Wölfe, die ebenfalls dem Sternenwindrudel angehörten und erblickte auch die weiße Alphafähe, die er zu respektieren gelernt hatte. Er wandte seine eisblauen Augen wieder ab und erblickte dabei Cumará, jene Fähe, mit der er zu dem Rudel gekommen war. Seit der Ankunft hatten sie nicht viel miteinander gesprochen, Kensharion hatte die graue Fähe nur aufgesucht, wenn er in einigen Situationen nicht weiter wusste. Er hatte viel von ihr über das Leben in einer Gemeinschaft gelernt und war ihr auch dankbar dafür, wenngleich er es nicht wirklich zeigte. Seinen Respekt hatte sie gewonnen und er vielleicht auch ihren. In einem gelassenem Trab machte er sich auf den Weg zum Bergsee. Ein weiterer Wolf war in seiner Nähe, sein Name war Ilias, doch Kenshi beachtete ihn nicht weiter.
Ein wohliges Gefühl durchlief seinen Körper, als das eisige Wasser seine Pfoten berührte. Der Schwarze beugte seinen schön geformten Kopf, bis er mit der Schnauze das kühle Nass berührte. Mit der rauen Zunge schlabbernd, sog er das erfrischende Wasser in sich hinein und spürte förmlich, wie die Kälte durch seinen Körper ging.
Schließlich hob er sein Haupt wieder und blickte über die spiegelglatte Oberfläche des Sees.
Trauer und Kummer begleiteten ihn schon eine Weile. nicht, dass er sich hier nicht wohlfühlte oder so, aber es war so fremd. Madoc selbst hatte doch so gut Anschluss gefunden hier im Tal. Immer öfter zog sich Lly in die Einsamkeit zurück, mied das Rudel und hing seinen Gedanken nach. Er war lethargisch geworden. Und schwächer. Nicht dass es ihm an etwas gemangelt hätte...das war es nicht, aber er fühlte sich einfach nicht gut. als wäre etwas in ihm das ihn vernichten wollte. Auch jetzt verbrachte er seine Zeit außerhalb der Höhle, allein, und starrte in die Ferne. Er war scheu geworden, und mied die anderen wo er nur konnte.
Seine ganze Körperhaltung wurde abweisend wenn jemand näherkam. Sogar seinem Bruder gegenüber. Dabei konnte Madoc doch gar nix dafür. Lly seufzte lautlos und erhob sich um sich einen anderen Ort zum Nachdenken zu suchen. Wacklige Schritte, tapsig, führten ihn fort von den anderen, weiter in die Schneelandschaft hinein
Ein sehr schönes Lächeln umspielten Niennas Lefzen als sie endlich aufwachte. In ihrem Traum war es schön. Fast wie in einem Paradies für sie. Überall bunte Sachen und alles war sehr harmonisch. Doch nun wurde Nienna von dem kaltem Wind um sie herum aufgeweckt. Auch das Plätschern des Sees konnte die Schwarze wieder hören. Es fühlte sich schon fast an als würde das karge Leben abgewechselt werden. Nienna lächelte weiter. Dann erhob sie ihren Kopf von den Pfoten nach oben, ein kleiner Blick über die Höhle sagte ihr wo sie grade war. Kurz legte sie den Kopf schief und dachte über den Rüden nach. Diese eisblauen Augen schienen ihr wohl doch sehr im Kopf hängen geblieben zu sein. Mit einem kleinen Ruck stemmte sie sich dann auch schon hoch. Erneut musste sie an ihn denken, doch ihre Augen waren schneller. Sie suchte ihn einfach anstatt nur nach zu denken. Einige kleine tänzelnde Schritte durch die Höhle an vielen Wölfen vorbei führte sie dann auch schon fast an den Höhlenausgang.
o.0(...Ich muss ihn einfach sehen..oder ansprechen..wobei er mit einer Fähe umher tänzelte..)
Schüchtern senkte sie den Kopf nach unten und blickte von unten hoch zu ihm. Nun lies Nienna einfach ihre Pfoten sinken und lag genau beim Höhleneingang, aber an der Seite um keine Umstände zu machen. Nun legte sich ein schüchterner Gesichtsausdruck auf Nienna. Sie wusste schon gar nicht mehr was sie tun sollte. Sollte sie erst zu dem Rüden gehen oder doch ihre Tante ausfragen? Nun lies sie ihren Kopf auch noch auf ihre Pfoten sinken und zog ihre Rute an. Als Erneut ein Wind kam, musste die Fähe spielerisch mit ihrem rechten Ohr Schnippen.
Kaum machte er einige weitere Schritte, konnte er eine Fähe aus der Höhle kommen sehen, die ihr direkt entgegen kam. Eine junge Fähe, doch sehr hübsch war sie.
Vor allem ihre grünen Augen ergaben ein perfektes Zusammenspiel mit ihrem schwarzen Fell. Sie blickte etwas hilflos und schüchtern, also wollte Ilias ihr helfen.
"Hallo du, wer bist du? Ich glaube dich habe ich noch nicht kennen gelernt.
Suchst du etwas? Du sieht ein wenig hilflos aus. . . Ich bin Ilias, vielleicht kann ich dir helfen und vielleicht kannst auch du mir helfen.
Ich bin nämlich auf der Suche nach jemanden. . ."
Während er mit ihr sprach, musterte er sie ein wenig.
Sie war klein, und vermutlich noch recht jung, aber ihr Körperbau verriet ihm, dass sie wohl eine gute Läuferin war. Sie hatte ein sehr schönes schwarzes Fell und ihre grünen Augen stachen deutlich hervor.
o0 Eine sehr hübsche Fähe. . . 0o
fand Ilias, hatte Sheena aber trotzdem die ganze Zeit im Hinterkopf.
Hoffentlich kann mir diese liebenswerte Fähe weiterhelfen, Sheena zu finden.
Seit die Lage wieder unterkontrolle war, hatte Sania kaum mit jemand anderen gesprochen. Sie konnte sich von ihrer langen Reise gut erholen und war auch wieder kraftvoller geworden.
Sie lag draußen vorm Höhleneingang, genoss die Ruhe und döste etwas vor sich hin. Es war zwar immer noch kalt, aber der See war nicht mehr eingefroren und der Schnee begann auch etwas anzutauen. Sania machte die Kälte nicht das geringste aus. Sie war das ja immerhin gewohnt. Ihre Ohren waren immer noch aufmerksam und zuckten in alle möglichen Richtungen. Hinter sich hörte sie wie Ilias mit Nienna Singollo sprach, nahm die Worte aber nicht wirklich war. Doch plötzlich erklang ihr Name. Blinzelnd erhob sie den Kopf und sah sich um. Es klang wie die Stimme von Zack. Etwas müde von ihrer Döserei erhob sie sich, gähnte und streckte sich dann ausgiebig.
Ihre Wunde war schon viel besser geworden und Sania konnte das Bein nun etwas belasten. Tat sie dennoch nicht. Suchend blickte sie durch die Wolfsmenge und lief ein paar Schritte in die Richtung, aus der die Stimme kam.
Nach wenigen Schritten fanden Sanias Augen Zack auch schon. Freundlich wuffte sie ihm zu und lief zu ihm. Ihre Rute schwang lässig hin und her und ein sanftes Lächeln lag auf ihren Lefzen. Bei ihm angekommen ließ sie sich auf den Hinterläufen sinken und erhob die Stimme:
" Guten Abend Zack."
Mehr sagte sie erst einmal nicht. Immer noch lächelnd blickte sie ihn an und genoss wie der Wind kalt durch ihr Fell streifte.
Takashi sah dem Grauen nach.
“Glaub doch, was du willst…!“
Murmelte er leise. Urion hatte das bestimmt nicht mehr gehört. Jedoch hatten die Worte Urions Takashi nachdenklich gemacht. Er senkte wieder seinen Kopf auf seine Vorderbeine. Nachdenklich schaute er ins Leere.
.oO(Immerhin…hat er recht! Seinen Geruch kenne ich ebenfalls…aber wo her? Ich kann mich aber nicht erinnern. Und diese Namen…Feenkind…Death Walker…ich habe sie schon einmal gehört. Ja, da bin ich mir sicher! Nur ich kann sie nicht zuordnen…wer war das? Ich kann mich nicht daran erinnern…!)
Sehr nachdenklich sah der Schwarze aus. Langsam wurde er sich sicher, dass Urions Aussage wohl doch der Wahrheit entsprach. Da musste es einfach einen Zusammenhang geben! Irgendwo in der Vergangenheit… . Jedoch waren diese Erinnerungen wie gelöscht verschwunden. Das Einzige, was er noch wusste, waren diese Namen und dieser bekannte Geruch des grauen Rüden.
“Dann bin ich ja jetzt wohl auf der Suche meiner Vergangenheit…!“
Ungläubig sah er in die Umgebung. Er wollte wieder mit Urion sprechen. Doch aus einiger Entfernung sah Takashi, dass Urion bereits beschäftigt war. Deshalb wollte er jetzt nicht stören. Langsam stand er auf. Vorsichtig streckte er sich, damit die Wunde am Hals nicht schon wieder aufriss. Er beschloss, Richtung Rudelhöhle zu laufen, um zu sehen, ob dort etwas los war. Seine Schritte waren sehr langsam, doch mit seinen langen Beinen konnte er trotzdem schnell vorankommen. Auf dem Weg zu der Höhle begegnete er einem kleinen Welpen. Er sah ihn an, sagte jedoch nichts. Der Kleine wirkte ein wenig schwach, schien es aber eilig zu haben. Aus der Entfernung konnte Takashi zwei Wölfe bei der Rudelhöhle sehen. Vorsichtig ging er auf die beiden zu und betrachtete sie für einen Augenblick stumm. Er machte einen weiteren Schritt auf sie zu und begrüßte sie leise.
Die graue Fähe hatte sich umgeblickt, auf dem Weg zu Shani. Und dann hatte sie etwas Schwarzes gesehen. Kenshi!
Mitten im Gehen drehte die Fähe sich um und schlug in die gegengesetzte Richtung um. Wie blöd sie wahrscheinlich aussah, aber es war ihr egal. Hier wurde jeder akzeptiert, und Cuma war sehr froh darüber. Sie hatte Kenshi viele Sachen beigebracht über das Leben in einem Wolfsrudel. Er war zu ihr gekommen und sie hatte ihm gerne geholfen. Doch mehr hatten sie seit jeher nicht miteinander gesprochen. Cuma fand es schade, deswegen hatte sie sich jetzt auch auf die Suche nach ihm gemacht. Sie wollte Zeit mit ihm verbringen. Auch wenn sie dies in letzter Zeit, wie schon gesagt, nicht sehr häufig gemacht hatten, mochte Cuma den Schwarzen von Tag zu Tag lieber. Ja, sie hatte ihn liebgewonnen. Ihr Gesicht mit den mandelförmigen Augen war ruhig, und nicht gehetzt, eine unendliche Ruhe hatte sich auf ihm verbreitet. Sie erinnerte sich an den Tag zurück, an dem es den großen Streit gegeben hatte; wie sie sich vor Urion gestellt hatte. Seit dem war sie nie mehr so gewesen...
oO.Es war gegen meine Natur...
dachte sie. Und es stimmte. Sie hatte zwar auf ihrer langen Reise oft gekämpft, aber diese unendliche Wut war da niemals da gewesen. Cumará war es zum ersten und zugleich zum letzten Mal untergekommen, sich so sehr ihrer Wut hinzugeben. Sie hatte auch das Lächeln von Banshee nicht vergessen. Sie hatte gefragt und eine Antwort bekommen. Da Cumará neugierig war, wusste sie nun auch die Namen aller anderen Wölfe. Sie lebte im Rudel, sie wollte einfach so viel wie möglich darüber erfahren. Sie trabte geschmeidig auf Kensharion zu. Ihre Bewegungen verschwommen mit der Luft, ihre Pfoten schienen den Boden nicht mehr zu berühren. Ihre Augen strahlten, als sie langsamer wurde und Kenshi sah. Er trank. Langsam schlenderte sie auf den Rüden zu. Mit ihrer melidiösen Stimme sprach sie ihn an
"Sei gegrüßt, Kensharion. Du hast dich gut eingelebt, oder? Ich finde es wunderbar hier. Nicht nur Eis und Schnee und Kälte..." sie lächelte ihn warm an ... ich habe mich gefragt, ob du Lust hättest, mit mir etwas zu unternehmen? In diesem wunderbaren See zu schwimmen oder... ein Spaziergang? Möchtest du vielleicht ein bisschen mit mir herum streifen? Ich würde zu gern die Gegen hier erkunden. Aber natürlich nur, wenn du auch willst...!"
endete die Graue und schaute ihrem Gegenüber freundlich in die Augen. Sie wusste nicht, was sie für diesen Wolf empfand, aber im Moment wollte sie es auch nicht. Vielleicht beim Baden, oder dem Spaziergang... vielleicht würde er ihr dann auch ein wenig mehr über sich erzählen. Vielleicht. Vielleicht...
Die junge Fähe schlich unschlüssig an der deutlichen Reviergrenze umher. Sie sann darüber nach, ob sie diese einfach überschreiten sollte oder nicht. Schließlich seufzte Isis leise und beschloss ohne Ankündigung das Revier zu betreten. Osiris würde ihr schon beistehen.
Es war ungewohnt über solch hügeligen Boden zu laufen, jedoch war sie geschickt im Hindernis ausweichen, denn in der Wüste waren oft spitze Steine unter dem Sand verborgen und giftige Skorpione fanden es auch nicht lustig einfach geweckt zu werden.
Jedoch musste Isis nicht auf solche Tiere achten, dies hatte sie mittlerweile gelernt. Die Wüstenwölfin nahm verschiedene Witterungen auf. Sonderbar war der Duft einer Flucht und Kämpfen. Der Stärke des Geruches zu Urteilen durfte das schon ein bisschen hin sein.
Nun noch vorsichtiger schlich Isis durch den Wald, prägte sich die Markierungen ein und mied den Trampelpfaden zu folgen. Isis wusste es natürlich nicht, jedoch befand sie sich im nördlichen Teil des Waldes, noch etwas entfernt vom Rudelplatz.
Wie war wohl das alte Rudel, welches hier vorher lebte. Waren sie schon tot oder geflüchtet... erfolgreich geflüchtet?
Isis blieb kurz stehen. Sie dachte darüber nach wohin sie gehen sollte. Kurz blickte sie zu dem Gebirge, welches durch die Baumwipfel lugte. Na ja, das würde sie nicht überleben. Diese Kälte würde sie umbringen. Seufzend platzierte sich Isis auf die Hinterkeule. Leise knurrte ihr Magen, sodass ihre Augen wenigstens nach einer Maus suchten, jedoch war nicht mal eine einfache Witterung auszumachen. Verzweifelt schnippten ihre Ohren umher. Sie hatte kein Problem damit zu hungern, aber nun ernährte sie sich seit fünf Wochen nur von Mäusen oder nagte die letzten Fleischfetzen von irgendwelchen Knochen.
Isis schüttelte den Kopf.
o.O(Vom Rumjammern wirds auch nicht besser. Los, bei Osiris, suche jemanden, der dir helfen kann.)
Witternd schlich sie weiter durch den Wald bis die Sandfarbene eine neue Fährte aufnahm, die sie bisher noch nicht gerochen hatte. Es war ein Rüde, der nicht den Geruch des Rudels trug. Also auch ein Fremder! Aufgeregt trabte sie los, die Nase fest an den Boden gedrückt. Dabei übersah Isis die Wurzel, verfing sich mit den Pfoten darin und stolperte einen kleinen Abhang hinab. Mit einem dumpfen Aufschlag stieß sie gegen zwei Vorderläufe. Benommen rappelte die junge Fähe sich auf und blickte einen wunderschönen, grauen Rüden in die Augen. Das war eindeutig der Fremde. Nervös zupfte Isis sich die Überreste des Waldbodens aus dem Fell und legte mit freundlich wedelnder Rute und aufgestellten Ohren den Kopf schief.
"Hallo, du bist scheinbar auch fremd hier. Ich bin Isis und komme aus der fernen Wüste Ägyptens. Wie ist dein Name?"
Isis flüsterte. Wer weiß, wo das fremde Rudel sich befand.
Erfreut von der liebevollen Begrüßung leckte sie ihm ebenfalls kurz und etwas schüchtern über die Schnauze. Er war stürmischer als die anderen Wölfe, die sie so kennen gelernt hatte, nicht, dass sie damit ein Problem hatte, es war einfach nur ungewohnt für sie und sie wusste nicht genau, wie sie sich verhalten sollte. In solchen Momenten fühlte sie sich wie ein gerade heranwachsender Wolf, für den noch alles neu war, dabei war sie doch, wie Urion eben richtig bemerkt hatte, wirklich schon recht alt.
War der See nicht viel zu kalt um in ihm baden zu gehen? Sie würde es wohl ausprobieren, war sie doch schon lange nicht mehr baden und doch war sie sich nicht sicher, ob Urion die Temperatur des Wasser nicht überschätze. Oder er war einfach abgehärteter als sie, er kam schließlich aus einer so kalten Gegend. Sie jedoch war lange Zeit von warmen Wasser und dem Tal verwöhnt worden. Da hatte sie sich nie über kaltes Wasser beschweren müssen, es war immer angenehm gewesen, selbst im Winter war es zum aushalten gewesen.
Allerdings war schwimmen, um an der Idee mal das positive zu sehen, eine tolle Sache, und man konnte seine ganze Lebensfreude darin wiederfinden, fand Kaede zumindest. Also, warum sollte sie es nicht versuchen.
"Nach langem überleben, ja komm wir versuchen es, mal sehen ob ich ins Wasser komme. Und auf dem Weg dorthin und auch dort kannst du mir erzählen was dieses Ding ist, was anscheinend in dir wohnt und was ich sehen kann. Ich möchte dein Verhalten nämlich gerne verstehen und dir weiter meine Liebe schenken können."
Sie schleckte ihm nochmal über die Schnauze und fing dann an, langsam in Richtung des Sees zu laufen. Nicht, dass sie es sich wieder andersüberlegen würde, das konnte sie am See immer noch, wenn sie merken würde, wie kalt das Wasser wirklich war. Denn sie konnte sich nur schwer vorstellen, dass sie sich die wirkliche Kälte vor Augen führen konnte, sie hatte sicherlich keinen auch irgendwie nur fast ausreichenden Gedanken von dieser Kälte in ihren Erinnerungen verfügbar.
"Und Welpen, ich weiß nicht, ich werde das Rudel nicht im Stich lassen. Und ich weiß nicht, ob wir das dürfen und ich weiß nicht ob ich dazu noch in der Lage bin und erst recht nicht, ob ich es schaffen würde. Du siehst, ich bin mir in vielem noch sehr unsicher..."
Sie drehte sich zu ihm um und wartete, dass er wieder aufschließen würde, sodass sie nebeneinander gehen konnten. Dass sie nicht schon vor dem Wasser stehen bleiben würde und wenigstens die Pfoten mal reinstrecken würde.
Wenn es um Kälte ging, war sie doch sehr eigen, schließlich fror sie nicht gerne und sie würde bestimmt frieren, wenn sie sich im Wasser nicht genügend bewegen würde.
"Urion, ich bin ein wenig traurig. Vor nicht allzu langer Zeit ist eine sehr liebe Fähe aus diesem Rudel gegangen. Ihr Name war Leyla. Es war eine sehr unglückliche Fähe, ich habe sie kennen gelernt."
Sie blickte ihn mit großen, grauen Augen an. War froh, jemanden zu haben, an den sie sich lehnen konnte. Bei Leyla fiel ihr auch wieder ein, dass sie Banshee dies noch mitteilen musste. Doch das hatte hoffentlich noch ein wenig Zeit.
Er war lange gelaufen, einfach nur gelaufen, manchmal nachts, manchmal tagsüber, manchmal im ewigen Trab des wandernden Wolfes, manchmal im gemächlichen Schritt eines Suchenden. Er hatte lichte Auen im Sommer durchquert, kühle Bachläufe im Morgengrauen durchwandert und dichte Wälder im goldenen Licht des Herbstes.
Immer wieder hatte er die Witterung anderer aufgenommen, hatte Reviere betreten und wieder verlassen, manchmal einen weiten Bogen geschlagen, weil dem fremden Revier der Hauch des gleichen Besitztums angehaftet hatte wie dem, das er erst verlassen hatte. Er hatte sich niemals angekündigt in den fremden Revieren, niemals den stillen Codex eingehalten, der eine solche Begrüßung vorschrieb. Er war nur ein Schatten gewesen, der die Jagdgründe der anderen nur streifte, so kurz nur berührte, dass kaum ein Hauch seiner Anwesenheit zurückblieb, wenn seine Pfoten ihn schon wieder weitergetrieben hatten.
Auch der Schnee hatte ihn nicht aufhalten können. Unverdrossen war er weitergezogen, langsamer nun, als sei der Abstand groß genug geworden, um sich aufmerksamer umzusehen, sich ein ganz klein wenig der Hoffnung hingeben zu können, dass er vielleicht bald das Ende seiner Reise erreichen würde.
Auch dieser Winter war einem Frühling gewichen, der lockend und verheißungsvoll das Leben um ihn herum erwachen ließ, die Welt mit so vielen Düften verzierte, das eigene Herz mit stillem Jubilieren füllte und die warme Gewissheit darin pflanzte, dass man wieder einmal überlebt hatte, dass nun das Leben auf einen wartete mit allem, was dessen Fülle so überreich darbieten konnte.
Als die Wiesen in sattem Grün erstrahlten und aus dem lichten ersten Erwachen des Waldes das schattige Dunkel des heißen Sommers geworden war, erreichte er ein Tal, dessen Anblick ihn im ersten Augenblick auf dem Hügel an dessen Eingang verzauberte. Wildreich gesegnet, mit Wäldern, Bächen, Lichtungen und Auen, die das Herz eines jeden Wolfes höher schlagen lassen mussten, lockte es ihn, seine Reise für eine Weile zu unterbrechen, die müden Pfoten hinab in die schattigen Tiefen zu lenken und in das Rauschen der mächtigen Bäume hinein zu lauschen.
Die ausgeprägten Reviermarkierungen ließen sich nicht übersehen und zum ersten Mal seit dem Beginn seiner Reise widmete er ihnen einiges an Aufmerksamkeit. Es schien ein großes, ein starkes Rudel zu sein, das hier herrschte, ihre Aggressivität floss in sein Bewusstsein wie kühles Bachwasser in seine Fänge. Er kannte diesen Geruch, schmeckte die Angst, die er wecken konnte, lauschte dem atemlosen Angespannt sein, den die Idylle um ihn herum verriet.
oO.So weit die Pfoten auch tragen... es scheint, dass alle Orte doch einander ähneln.
Gemächlich betrat er das fremde Revier, wieder schweigend, unangemeldet. Er würde der Schatten sein, der durch die Wälder huschte, würde lauschen, würde beobachten, erst dann mochte er eine Entscheidung treffen, ob er hier verweilen wollte...
Die neue Witterung erreichte ihn erst im letzten Augenblick, drang in seine Gedanken wie das Wispern des leisen Windes im Gras um ihn herum. Er spitzte die Ohren, wandte noch den Kopf, dann vernahm er das Knirschen von kullernden Steinen, rieselnden Sand und mit einem Fiepen plumpste förmlich eine lohfarbene noch junge Fähe vor seine Vorderpfoten, wie er da im flachen Gras saß.
Der breite Kopf legte sich leicht schief, wie er auf sie hinab blickte, die goldgelben Augen betrachten angelegentlich das Erscheinungsbild, registrierte ihre aufgeregte Unruhe.
Langsam senkte er dann die grauweiße Schnauze zu ihr hinab, sog ihren Duft tief ein, berührte sie sanft am Hals, an der Flanke, ehe ein verhaltenes, wenn gleich freundliches Lächeln auf seinen Lefzen erschien.
"Ich grüße dich, Isis aus der fernen Wüste Ägyptens." erwiderte er ruhig, ein wenig heiser. Er hatte lange mit keinem Artgenossen mehr gesprochen.
Ja, sie musste hier fremd sein, ihre Witterung gehörte nicht zu der des ansässigen Rudels und auch ihre Unruhe sprach davon, ganz abgesehen von ihrem fremdartigen Aussehen und Namen.
"Man nennt mich Rime."
Er schwieg wieder, musterte sie noch immer nachdenklich, nicht unfreundlich, aber ganz offenkundig in Gedanken.
"Du bist weit weg von zuhause."
bemerkte er schließlich, mit einem stillen Lächeln, musste er doch an sich selbst denken. Seltsam, noch jemand weit gereisten hier anzutreffen, hier, wo es ihm beinahe wie zuhause erschien.
Das Schicksal vermochte noch immer wundersame Wendungen herbeizuführen.
Er lächelte die weiße Fähe freundlich an, als sie langsam und vorsichtig auf sie zukam um ihre Verletzungen zu schonen und um das Bein nicht zu sehr zu belasten.
Sie sah schon viel besser aus, als an dem Tag, an dem er sie gefunden und aufgesammelt hatte. Nun setzte sie sich vor ihn und begrüßte ihn freundlich.
Seine Ohren schnippten nach vorne und fingen die Worte auf. Er nickte ihr zu.
"Guten Abend Sania. Wie ich sehe geht es dir schon deutlich besser. Fühlst du dich soweit auch wohl hier im Rudel?"
Er wollte nicht aufdringlich wirken und auch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Doch er wollte sich auf jeden Fall noch für sein damaliges schnelles Verschwinden entschuldigen, denn sonst würde er sein Gewissen schlecht wieder beruhigen können. Er ließ sich auch auf seine Hinterpfoten sinken um ihr nicht das Gefühl zu geben, dass er sich über sie stellte, schließlich waren sie gleichen Ranges und da sie wegen ihrer Verletzung nicht so gut stehen konnte, wollte er nicht alleine so vor ihr stehen.
Er wickelte, wie üblich, seine Rute um seine Hinterpfoten und ließ seine Ohren ein wenig spielen, ehe sie wieder normal aufgerichtet waren.
"Es tut mir Leid, dass ich dich, als ich dich zum Rudel gebracht habe, sofort wieder verlassen hatte, aber Urion, einer der Wölfe der in dem Streit mit verwickelt war, ist ein guter Freund von mir und ich wollte ihn davor bewahren etwas zu tun, was er hinterher bereut hätte. Doch es war unhöflich von mir, dich dort so liegen zu lassen und ich hoffe du entschuldigst mein Fehlverhalten."
Er blickte sie wohlwollend an. Hoffte, sie würde seine Entschuldigung annehmen und es ihm nicht böse nehmen. Wenn ja würde er lange mit seinem Gewissen zu kämpfen haben. Die frühere Erziehung hatte seine Spuren hinterlassen, er machte sich auch große Gedanken um nicht so große Taten.
Wie hatte Neyla einmal gesagt. "Du machst aus einer kleinen Maus, einen riesigen Bären". Er hatte damals darüber gelacht und ihr erklärt, dass er so nun einmal war, er war so erzogen worden und fand es auch ganz richtig so.
Danach aber, fragte er sich doch des Öfteren mal, ob man vielleicht nicht alles ganz so genau nehmen musste. Doch, um die Erinnerungen an seine Familie nicht zu verlieren hielt er sich noch immer an das, was ihm mitgeben wurde. An das war er gelehrt bekommen hatte. Es war die Familienehre, die er nicht verletzen wollte und auch irgendwie nicht verletzen konnte.
Ihre Ohren war aufmerksam nach vorne gerichtet und fingen jedes einzelne Wort von Zack auf. Kurz zögerte sie bevor sie antwortete:
" Ja mir gehts es schon viel besser und wohl fühle ich mich hier auch sehr. Obwohl ich die letzte Zeit kaum mit jemanden gesprochen habe, scheinen hier doch alle nett zu sein. "
Sie lächelte ihn immer noch fröhlich an. Als Zack weitersprach hätte Sania schon fast lachen können und ihr Lächeln wurde zu einem Grinsen. Als Zack geendet hatte, erhob sie das Wort.
"Dafür brauchst du dich nun wirklich nicht zu entschuldigen. Ich bin ja nicht davon gestorben, oder? Und ich kann es vollkommen nachvollziehen, wenn du deinem Freund in dieser Situation helfen wolltest."
Kurz blickte sie an Zack vorbei und sah sich um. Ihr Blick blieb beim See hängen und wanderte dann wieder zu Zack.
" Ich hoffe dich stört es nicht wenn ich kurz zum See gehe um etwas zu trinken?"
fragte sie und wedelte leicht mit der Rute. Ohne die Antwort abzuwarten, stand sie auf. Sie ging langsam an Zack vorbei und trödelte zu See.
Ninniach streunte gedankenverloren durch die für sie tonlose Einöde. Es kam in letzter Zeit selten vor, dass sie allein war. Immerzu heftete sie an dem schwarzen Beta und bemühte sich um seine Aufmerksamkeit, was nicht grade ein Zuckerschlecken war. Obwohl sie sich sehr wohl in seiner Nähe fühlte, hatte sie das Gefühl, sich für ihn in den Dreck werfen zu müssen.
Um ihr Gehirn nicht weiter zu belasten, dachte sie nicht weiter über Face nach, nur noch an die kleinen Dinge des Lebens, die ihr halfen etwas Schönes am Leben zu finden. Das einzige Problem daran war, dass Schnee nicht unbedingt dazugehörte - aber den gab es hier in Massen. Und so gelangte sie wieder an den schwarzen Rüden mit den wunderschönen, tiefblauen Augen, von dem sie es körperlich kaum schaffte, sich loszureißen.
Sie schüttelte den Kopf um sich die Gedanken aus dem Kopf zu treiben und rannte plötzlich los. Sie jagte durch den Schnee, sprang umher wie ein tobsüchtiger Welpe. Sie verbrauchte ihre überschüssige Energie vollkommen sinnlos, mit albernem Hin- und Hergespringe, bis sie letztlich kaum noch Luft zum Atmen überhatte und ihren Schritt verlangsamte. Hechelnd sah sie sich um - sie hätte es sich sparen können. Es sah ja doch alles gleich aus. Von einer erneuten Tobsucht angefallen rannte sie wieder los, wo sie doch grade neue Kraft getankt hatte. Sie drückte sich im rasenden Lauf vom Boden ab und schoss wie ein frisch erwachter Wirbelwind durch die Luft.
.oO(Fliegen... ich will fliegen, wie die Vögel, die ich vor langer Zeit sah... ihnen nacheifern, frei sein und mit ihnen Fliegen.)
Nun, es würde ein ewiger Traum bleiben, schließlich konnte sie so wenig fliegen, wie eine Kuh über den Mond springen. Ihr kleines, kümmerliches Leben, war an den Boden gekettet.
Sie war plötzlich jemand ganz anderes, jemand, der die Zeit genießen konnte, in der man die Freude lesen konnte. Auch wenn der Anblick nicht von langer Dauer war - es beflügelte sie...
Vollkommen zufrieden wurde sie wieder langsamer und ihr albernes Gehampel sah plötzlich wieder aus, wie ein einfacher Spaziergang.
Die Schwarze hatte sich mitten im Rudel niedergelassen, liegend, entspannt, und dennoch wachsam die Ohren gespitzt, die Augen blickten in die Ferne, in die Zukunft.
So musste es sein.
Zwei Schwestern, zwei unbezweifelte Anführerinnen unter Ihresgleichen, unter Freunden.
Apropos - natürlich war Nyota Alpha. was denn sonst? Sie war es immer gewesen, jede Sekunde lang. Nur ausgesprochen hatte das nie jemand. Nyotas Augen leuchteten munter, und als sie Banshees Schritte vernahm - sie hätte den Takt noch unter tausenden herausgehört - wand sie den Blick zu ihrer Schwester empor, begrüßte sie lächelnd, und erhob sich sogleich.
"Banshee, Liebes, wie kann ich dir helfen?"
erwiderte sie, munter lächelnd, und legte den Kopf leicht schief, eine fragende Geste. Gehen, oder hier reden?
Kisha kam auf das Rudel zu, bremste in einer Schneewolke und wurde schon zu den Welpen gerufen...ach, die Welpen...Nyota hatte sich schon einige Gedanken über Jakash gemacht, war jedoch noch nicht am Ende ihrer Pläne angelangt. Seelig wedelnd sah sie Banshee an.
Mit einem leisen Seufzen schob er die lange Schnauze in den Schnee, schnaubte mehrmals, wobei sich sein mittlerweile relativ breit gewordene Rücken seltsam schnell hob und wieder senkte, ehe er wieder zur Ruhe kam. Der Rüde schlief. In seinem Traum war er ein junger Welpe, von vielen Wochen, sein Fell war noch flauschig und weich, sein Körper schmächtig, jedoch war er nicht ängstlich, wohl der einzige Unterschied zu der realen Vergangenheit. Sein Blick erhaschte das Tal, welches ihn mit seinen schönsten Farben und Formen anlockte, doch so schnell er auch lief, er konnte es nicht erreichen, seine Pfoten verließen die Stelle nicht, auf der er stand, sie gehorchten ihm nicht. Aber es war da, zum Greifen nah, ihr Tal.
Verschlafen hob er den Kopf, den Schnee auf seiner Schnauze missachtend, drehte Hiryoga diesen zu seiner Gefährtin, den tollenden Welpen und seiner Schwester, Kisha. Es dauerte einen Moment, bevor er die gesamte Situation realisierte, Schnee, überall Schnee, kein Tal, kein Grün, aber dafür die ihm liebsten Wölfe der Welt. Die Rute des Braunen huschte kurz durch den Schnee und wirbelte einige Flocken auf, zur Begrüßung sozusagen, ehe er seinen Kopf kurz an Shanis drückte und ihr durchs Fell leckte. Es war erstaunlich, wie glücklich sie mittlerweile wirkte, nachdem alles geklärt war und sie die Welpen nicht mehr verstecken mussten. Man hatte die ihm größte Last sprichwörtlich von den Schultern genommen, was man dem Braunen auch ansah, er schien viel glücklicher und ausgeglichener.
Ihre Reaktion war wohl so gewesen, wie jeder sie erwartet hatte, im Endeffekt hatte sie sich über ihren ersten Wurf Enkel gefreut. Jetzt machte das Leben auch ihm wieder Freude, wo seine kleine Familie doch so glücklich und unbeschwert war, selbst hier oben, in den eisigen Bergen. Mit einem Lächeln wandte er sich an seine Welpen und seine Schwester.
"Guten Morgen, meine Lieben."
Viel mehr fiel ihm im Moment nicht ein, zu sehr war er in seinen Gedanken noch am schlafen, ein leises Lachen folgte auf seine Worte, die großen Ohren spitzten sich und die smaragdfarbenen Augen verengten sich ein wenig, um den starken Lichteinfall zu reduzieren. Selbst bei dem Krach, den seine Welpen veranstalteten, konnte er schlafen, ja es beruhigte ihn sogar, jetzt machte ihm das Schlafen Spaß, wie das Leben wohl allgemein, jetzt war er gerne Vater. Mit niemandem auf der Welt würde er nun tauschen wollen, wer hatte schon sein Glück? Kurz huschte Kaede an ihnen vorbei, er warf ihr ein Lächeln zu, auch wenn er wusste, dass sie es nicht sehen würde, so würde sie es spüren, seine Patin.
Leicht verträumt drehte er seinen Kopf Richtung Horizont, dort wo sich das Tal befand. Wann würden sie wohl zurückkehren, in ihre alte Heimat? Wann würden seine Welpen endlich all die Düfte und Farben, Pflanzen und Tiere kennen lernen? Aber er wollte nicht klagen, im Moment ging es ihnen gut, da brauchte er kein Tal zum glücklich sein, denn er hatte seine kleine Familie.
Die letzten Wochen hatten die Welt, die Jakash gekannt hatte, gründlich verändert. Die wohl größte dieser Änderungen betraf das Zusammenleben mit anderen Wölfen. Es gab so viele davon! Er hatte nur seine Eltern, seine Geschwister sowie Rasmús und Tyel gekannt, und mit einem Schlag hatte es mehr doppelt soviele Wölfe mehr gegeben. Erst war das alles so aufregend und interessant gewesen, dann hatte es ihn gestört. es störte ihn immer noch, wenn sich das Rudel auf einem Haufen zusammenballte, aber solange es sich ein wenig verteilen konnte, war er wieder zufrieden mit der Situation. Dann waren sie wieder aufregend und interessant, diese Wölfe, deren Namen und Gesichter er mittlerweile schon alle kannte und auch zuordnen konnte. Auch, wenn er vielleicht die Hälfte von ihnen gerade mal näher kannte. Mit manchen hatte er noch nicht allzu viel Kontakt gehabt, wer dagegen seiner Familie nahe stand, den kannte und liebte Jakash.
Der kleine Rüde stand am Seeufer, unweit seiner Eltern und Geschwister, und spielte mit dem Wasser. Wasser war toll! Man konnte es mit den Pfoten hochspritzen lassen, und dann glitzerte und platschte es. Und wenn man danach schnappte, kitzelte es kalt im Maul und auf der Nase. Mittlerweile hatte er gelernt, richtig zu trinken - beim ersten Versuch hatte er seine Nase ins Wasser versenkt und war prustend und schnaubend zurück geschreckt. Und das Eis... Ihnen war verboten worden, auf das feste Wasser zu gehen, aber als es verschwand, hatten sie am Ufer umher tollen dürfen und die dünnen Eisscheiben mit irrsinnigem Eifer zertreten. Nun, er zumindest...
Grinsend ob dieser spaßigen Erinnerung sprang der kleine Schwarze hoch und platschte mit seinem ganzen Gewicht in das seichte, eiskalte Wasser. Es spritzte hoch und Jakash schnappte freudig danach. Seine Zähne klackten aufeinander, und ein stechender Schmerz zuckte durch seine Schnauze. Jakash winselte erschrocken und vor Schmerz, setzte sich rieb sich mit dem Vorderlauf über die Schnauze. Dass das so weht tun musste! Mamahatte gesagt, er und seine Geschwister bekämen nun neue Zähne. Er verstand nicht, warum er die alten nicht behalten durfte. Außerdem sah das komisch aus, wenn er sein Spiegelbild betrachtete und die Lefzen zurück zog...
Seine Ohren zuckten, als er die Stimme seiner Mutter hörte. Tante Kisha?! Kisha schien lustig zu sein, zumindest tat sie ab und zu lustige Dinge - und außerdem hatte sie auch ein "Sch" im Namen! Jakash vergaß seine Zahnschmerzen, sprang auf und hechtete auf seine Familie zu, mit leuchtenden Augen und schwanzwedelnd...
Rakshee hatte die Nase in den Wind gehoben, der kalt und schneidend war, aber auch frisch und verlockend. Es war wunderschön frei wählen zu können wo man war, ohne in eine Höhle gesperrt zu sein, völlig grenzenlos!
Die kleine Jungwölfin hatte Kisha näherkommen sehen, war aufgesprungen und stand nun mit wedelnder Rute da, sah zu Shani auf und war glücklich.
Mama lächelte, lächelte fast die ganze Zeit, mindestens soviel wie Tante Kaede!
Rakshee sah zu Papa herüber, wie er aufwachte, und sprang ihm entgegen, um nach seiner Nase zu Pfoten. Inzwischen waren ihre Pfötchen schon richtig groß geworden, und Rakshee probierte gerne was man damit alles anstellen konnte.
"Hallo Papaa"
begrüßte sie Hiryoga freudig, und sah dann Jakash auf sich zu rennen.
Zu spät.
Rakshee wurde umgeworfen und purzelte durch den Schnee, sprang wieder auf und schüttelte sich gründlich, mit anklagendem Blick sah sie zu ihrem dunklen Bruder herüber.
"Jakash!"
Es klang einen Moment lang bitter, aber sie lächelte schon wieder, und sah nun zu Kisha auf, die bei ihnen angekommen war. Sie tappte näher, sah zu ihr hoch, und legte die Stirn in Falten.
"Was sind Monster?"
Nienna schnippte leicht mit dem linken Ohr nachdem sie die Stimme des Rüden hörte. Sie klang in ihren Ohren so schön warm und voller Freude. Hatte der Rüde überhaupt mit ihr geredet? Sie blickte sich kurz um. Nun blickte Nienna kurz verschüchtert zu ihm hoch und ein Lächeln legte sich auf ihre Lefzen. Ob sie was suchen würde? Man kann es eigentlich nicht sagen. Auf der einen Seite wollte sie beantwortete Fragen aber auf der anderen Seite will sie Zuneigung und ein freundliches Gespräch. Nun schien sie Ilias einfach nur an zu starren. Ilias, war wohl noch so ein Name den sie sich merken müsste. Genau so wie Balthasar. das Lächeln war immer noch da als sie sich aus ihrem Liegen erhob.
"Ich bin Nienna Singollo..Aber Nienna werde ich immer genannt....oder einfach Green..wegen was könntest du dir sicher vorstellen.."
Sagte Nienna selbstsicher und lächelte zu ihm hoch. Sie redete schon fast wie ein Wasserfall so glücklich wie sie nun war. Und Dank dem einfallendem Licht schillerten Greens Augen sogar ein wenig blau. Nun wusste sie gar nicht wo die schwarze anfangen sollte. War es wichtiger mit ihm in Kontakt zu bleiben oder ihm seine Fragen zu beantworten? Fragen über Fragen überfielen Nienna. Als dann noch ein schwarzer Rüde neben ihr auftauchte legte sie die Ohren an und trippelte einige Schritte zurück. Dieser Schwarze Rüde erinnerte sie zu sehr an ihren Vater..
"..Ehrm..kommt drauf an wen du suchst..ich suche eigentlich..nur..uhm.."
Nun klang Nienna gar nicht mehr so selbstsicher. Es war schon fast wie ein kleines krächzen von Welpen.
Etwas verwirrt blieb er stehen, als Sania aufstand und langsam an ihm vorbei zum See ging. Wollte sie ihre Ruhe haben oder sollte er ihr folgen. Unsicher, da er noch nie in einer solchen Situation gewesen war, drehte er sich zwar um, blickte ihr aber nur stumm nach.
So ein Benehmen wäre in seinem alten Rudel nicht geduldet worden. Dann fragte man höflich und wartete erst die Antwort ab, aber wie oft hatte er sich schon gesagt, dass dies hier einfach nicht sein altes Rudel war und es wohl jedem Wolf gebührte selber zu entscheiden, wann er gehen wollte und wann nicht. Vor allem wenn man Durst hatte.
Doch fühlte er sich etwas überfordert, unschlüssig, was er nun tun sollte. Blinzelnd blickte er ihr hinterher, wie sie langsam zum See ging. Vorsichtig, immer darauf bedacht nicht ihr Bein zu belasten.
"Nein, kein Problem"
Meinte er noch, hoffend, dass es laut genug war, sodass sie es mitbekommen würde.
Seine Unsicherheit war ihm, wie sonst auch seine Gefühle, nicht anzusehen. Es sah aus, als ob er dort einfach stehen würde. Nichts Besonderes vorhatte und nicht, als ob er total überfordert mit der Situation war. Er musste wahrscheinlich noch viel lernen.
Er ließ sich wieder, langsam, auf seine Hinterpfoten sinken, die gewohnte Bewegung mit der er seine Rute um sich schlang und der Fähe nachschaute als ob es das interessanteste auf der Welt wäre.
Er wusste momentan nicht wohin mit seinen Gedanken. Vielleicht sollte er doch einfach zurück kehren, sein altes Rudel würde ihn gewiss wieder aufnehmen. Jetzt, wo Neyla weg war hielt ihn hier doch nichts mehr.
oO Stop, Neyla ist es nicht, was dich jetzt hier noch hält, aber Sheena. Und Urion wohl auch!"
Nun, lächelnd, dachte er an seine kleine Tochter und wusste, dass er sie nicht einfach hier lassen konnte. Er wusste, dass er immer bei ihr bleiben würde, egal was sie entscheiden würde zu tun. Sie hatte es nicht verdient ihn zu verlieren, außerdem liebte er sie doch und dann konnte er sie schlecht hier zurück lassen. Was wäre er dann für ein Vater. Gewiss kein guter und nicht so einer, wie Sheena ihn nach all dem was ihr geschehen war verdiente.
Sanfte Wärme war in seinen Augen zu erkennen, Liebe konnte er meistens gut zeigen. Alle anderen Gefühle verbannte er nicht, aber sie waren ihm nicht anzumerken. Nicht aber Liebe, die konnte jeder sehen, so wie jeder es selber wollte. Liebe war ein Gefühl das man, wie er fand, allen mitteilen konnte und auch mit allen, fast allein teilen konnte.
Leise fingen Sanias Ohren die Worte Zacks auf. Sie drehte ihren Kopf nachhinten und lächelte ihm noch einmal freundlich zu, eher sie weiter zum See schlenderte. Sie ließ ihre Rute leicht hin und her schwingen und schnupperte glücklich gegen den Wind.
Beim See angekommen hielt sie kurz an. Dann machte sie einige Schritte vor und ging ins Wasser bis sie mit allen Pfoten im kaltem Seewasser stand. Langsam beugte sie sich vor und nahm ein paar große Schlücke des kühlen Nass. Es war erfrischend das kalte Wasser im Maul zu spüren und wie es in den Magen floss.
Nachdem sie nicht mehr durstig war hob sie den Kopf und sah sich um. Ihre Blicke blieben bei den Welpen hängen, die etwas weiter weg rumtollten. Ach wie gern wäre sie jetzt auch rumgesprungen! Solange konnte sie nicht mehr rumtoben, solang musste sie still liegen und nichts tun! Es kribbelte ihr in den Pfoten und kurz tänzelte sie auf der Stelle und jammerte in Form eines hohen kurzen Jaulens. Langsam drehte sie sich um, blieb stehen und starrte vor sich hin. Plötzlich überkam sie der Drang rumzutollen und so stürmte sie los. Sie winkelte ihr verletztes Bein und sprang in weiten Sätzen zu Zack.
Beim ihm angekommen sprang sie etwas um ihn herum und sank an manchen Stellen tief in den Schnee. Nachdem sie genug Energie verbraucht hatte und ihr Verlangen nach rumtollen gestillt war setzte sie sich mit wedelnder Rute und hechelnd vor ihm. Ihre Wunde schmerzte nun wieder, aber das ignorierte sie im Moment vollkommen. Das war es wert gewesen. Nach so etwas hatte sie sich schon so lange gesehnt.
18.03.2011, 07:51
Erinnerung an mich:
Zu Ende machen! x.x