Atalya
24.12.2009, 19:32

Fast eine Woche war vergangen, seit dem Banshee mit dem Rudel geredet hatte. Jeder hatte seinen Teil gelernt, jetzt galt es nach Art der Wölfe, diesen Vorfall zu vergessen. In einigen Köpfen würde er wohl für immer verankert sein, aber besonders die Welpen würden bald nichts mehr davon wissen. Zudem war eine Zeit angebrochen, die alles andere vergessen ließ. Die Ranz. Die Fähen verströmten wieder verführerische Düfte, Trubel herrschte überall, ob bei den Wölfen oder bei anderen Tieren. Der Winter regierte noch immer über das Land, machte aber schon die ersten Anzeichen vom kommenden Frühling. Der See war weiterhin gefroren, jedoch dümpelten schon die ersten Wasservögel auf der eisfreien Fläche in der Mitte.
Es war Nachmittag, einzelne Wölken strichen über den Himmel, der Schnee reichte noch bis zu den Sprunggelenken der Wölfe, war aber stark am tauen. Auch die Kälte ließ sich aushalten, wartete man lang und aufmerksam genug, so konnte man sanften, wärmenden Wind von Süden spüren. Das Rudel war zerstreut am Rudelplatz, dösend und gleichzeitig die Spannung in der Luft spürend. Die Ranz war keine einfache Zeit, dafür würde der Frühling sie um so mehr belohnen.


Banshee hatte sich vom Rudelplatz entfernt, Acollon und sie stand erneut diese verrückte Zeit bevor und sie spürte, wie ihr ganzer Körper sich nach ihm sehnte, gleichzeitig das Verlangen hatte, sich ihm zu entziehen nur, um kurz darauf wieder zu ihm zu kommen. Sie mochte diese Zeit nicht, gleichzeitig war es aber auch dieses verwirrende Spiel der Natur und die Tatsache, mittendrin zu sein, war so beflügelnd, so schwerelos schön zu tragen. In dieser Zeit war sie nicht mehr die besonnene, stets ruhige und anmutige Fähe, jetzt wurde sie ein wenig wie eine aufgescheuchte Jungwölfin. Da vermisste sie schon die normale Zeit, seinen eigenen Kopf nicht mehr zu kennen, war verwirrend. Jetzt gerade war sie halb auf der kindischen Flucht davor, wohl wissend, dass sie sich bald tänzelnd zurückbefördern würde, halb auf der Suche nach etwas, das sie schon vor dem Winter beschäftigt hatte. Alienna … und jemand, der offensichtlich bei ihr war. Der Geruch der braunen Fähe hing hier überall noch in der Luft … und mit ihr, der Duft einer anderen Fähe und genau diese galt es nun zu finden. Möglicherweise zu vertreiben, Banshee war aggressiver in der Zeit der Ranz, dennoch dachte sie nach, bevor sie etwas tat und das würde auch jetzt der Fall sein. Die Spur der beiden hatte sie längst aufgenommen, vom See her in den Wald … sie war älter, viele andere Gerüche überlagerten sie, aber die beiden waren hier gelaufen. Und der Luft nach zu urteilen, waren sie noch immer hier. Banshees Pfoten trugen sie eilig durch den lockeren Schnee, schon etwas matschig, dennoch gut zu durchlaufen. Eine Sache verwirrte sie, der Geruch der Fremden wurde stärker, Aliennas Geruch dagegen blieb konstant … konstant schwach. Normalerweise hätte sie das nicht beschäftigt, schließlich würde sie sehr bald erfahren, woran das lag, jetzt jedoch, in diesem verwirrenden Gedankenspiel fragte sie sich fieberhaft, was vorgefallen war. Die einzige Erklärung war, dass Alienna fort war, die fremde Fähe nicht, aber das ergab für sie eigentlich wenig Sinn. Besonders, weil Alienna einfach so verschwunden war … seit Lightos Abschied, dennoch hatte sie noch viele Monate in ihrem Revier gelebt. Banshee verzog leicht die Lefzen, dann hob sie den Blick und ließ ihn über die locker verteilten Baumstämme gleiten. Sie war jetzt ganz nahe, hier irgendwo war die Fähe … ohne Alienna. Und wirklich, da saß ein schneeweißes Geschöpf, fast ebenso reinweiß wie Banshee selbst. Die Leitwölfin wurde etwas langsamer, richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und trat näher zu der anderen Fähe.

“Fremde. Ihr schuldet mir eine Erklärung.“

Ihre Körperhaltung war deutlich aggressiver, als sonst. Sie macht mit straff ausgestreckter Rute, aufgestellten Ohren und leicht angehobenen Lefzen klar, dass sie bereit war, die Weiße aus ihrem Revier zu vertreiben. Gleichzeitig drang kein Laut mehr aus ihrer Kehle und auch sonst regte sich kein Muskel … sie gab ihr eine Chance, verlangte dafür aber wahre Antworten und besonders eine Erklärung für ihren offensichtlich schon recht langen Aufenthalt … mit oder ohne Alienna. Und am besten auch noch Aliennas Aufenthaltsort.


Der Schnee schmolz und langsam konnte man den vertrauten Geruch des Frühlings riechen. Jedes mal, wenn Kaede diesen Geruch wahrnahm dankte sie Engaya, dass sie auf dieser Welt war. Sicher, sie war nicht gesund und war das Leben auch hart für sie, liebte sie es wenn sie spürte, dass eine neue Zeit anbrach. Der Winter wieder vorbei war und der Frühling seine zarten Fühler ausstreckte um Land zu gewinnen. Darauf würde der Sommer folgen und alles nahm wie immer seinen Lauf. So fand Kaede war der Frühling immer wieder wunderbar. Man konnte allem neuen freundlich in die Augen blicken. Darauf warten, was die neue Zeit bringen würde. Noch einmal sog die Fähe den Geruch ein. Bald schon würde sie älter werden. 5 Jahre würde sie dann schon leben. Ein erstaunliches Alter fand Kaede. Ihr, der das Leben so übel mitgespielt hatte, kam dies unheimlich alt vor. Natürlich wusste sie, dass Wölfe älter werden konnten. Sogar einige Jahre älter, aber doch dachte sie an ihr Leben zurück. So viele Geschehnisse, wo sie hätte sterben können. Und doch atmete sie immer wieder, jeden Tag aufs Neue die wunderbare klare Luft ein. Spürte ihren Körper unter dieser Freunde vibrieren. Ein lächeln lag auf den Lefzen Kaedes. Dieser neue Anfang erfreute sie mehr als sie es jemals dachte. Auch waren viele Wölfe aus diesem Rudel einen anderen Weg gegangen. Viele Wölfe die Kaede sehr gerne gewonnen hatte, aber auch dies hinderte sie nun nicht daran gute Laune zu haben. Sie legte den Kopf leicht schräg um die Klänge besser wahrnehmen zu können und sog noch mal tief die Luft ein. Diesmal roch sie nicht nur den Frühling sondern auch die Zeit die dann Jahr auf Jahr war. Die Ranz. Die Fähen waren bereit Kinder zu empfangen. Sehnsüchtig dachte sie an Tyrael. Er hatte mit ihr Kinder gewollt, hatte sie dann aber auf ein Neues verlassen. Leicht seufzte die Fähe und setzte sich dann langsam in Bewegung. Sie hatte am Rande des Rudelplatzes gelegen und begab sich nun hin zum See um ein paar Schlücke des kühlen Nass zu trinken. Ihr Schritt kam fest und kein bisschen zögernd. Hier auf dem Platz kannte sie sich gut aus. Ganz anders war das tief im Wald. Da waren viel zu viele Dinge, die man erst zu spät bemerkte, aber hier war es übersichtlich. Ruhig schritt sie in Richtung des Sees. Sie merkte, dass noch andere Wölfe auf dem Platz waren. Das Geschehnis vom letzten Jahr war geklärt. Sie hoffte, dass jeder hier in Ruhe damit abgeschlossen hatte. Hoffte es nur für sie. Denn es war zwar schwer, aber sicherlich besser, als wenn man sich immer weiter darüber Gedanken machen würde. Kaede hatte damit abgeschlossen. Sie hatte der Rede Banshees genau zugehört und hatte danach noch nachgedacht. Doch anders als davor. Davor war sie einfach nur verzweifelt gewesen. Danach hatte sie gewusst, dass das Leben weiter geht. Und sie war froh diese Entscheidung getroffen zu haben. Leicht nickte die Fähe und spürte, dass sie nun nicht mehr unweit des Wassers war. Sie tat noch zwei Schritte und spürte wie das Wasser ihre Pfoten umspielte. Es war kalt, kälter als sie erwartet hatte und doch hatte sie das Gefühl als ob es ihr besser tat, als wenn es wärmer gewesen wäre. Sanft ließ sie ihre Schnauze in das Wasser sinken und trank genüsslich ein paar Züge. Dann hob sie den Kopf und kleine Wassertropfen perlten ihre Schnauzhaare entlang und die Sonne brach sich in ihnen, ehe Kaede den Kopf schüttelte und die Tropfen so von ihr spritzen. Dann blieb sie reglos stehen und dachte über das neue nach. Würden wohl neue Wölfe kommen? Sicher. So ein Rudel bekam immer neue Wölfe. Neue kamen und „Alte“ gingen. So war es doch immer. Ein Spiel, fast ein Tanz der Natur.

Langsam, Schritt für Schritt bewegte sich ein schwarzer Schatten durch den Wald. Die Spuren die er im Schnee hinterließ wurden gleich wieder zugeschneit, verwischt, als ob er nie da gewesen wäre, wie ein Vorbote auf das Schicksal, das ihn sehr bald ereilen würde, wenn es das noch nicht hatte. Schicksal? Was war das schon? Er war doch bloß ein Spielzeug, eine lebende Marionette. Dichter Nebel verschlang die Sicht, ließ die Bäume nur in der Nähe schemenhaft erahnbar sein. Der schwarze Rüde schritt ohne darauf zu achten seines nicht erkennbaren Weges, den er auch ohne Nebel nicht fand. Was vor ihm lag konnte er kaum erkennen, wenn er denn etwas hätte sehen wollen. Er hatte genug gesehen, genug erlebt. Ihm reichte es. Dennoch ging er immer weiter, ohne Hast, ohne ein Ziel vor Augen, als wollte er das Ende der Welt erreichen. Die traurigen, schmerzerfüllten blauen Augen blickten trübe vor sich her, immer nur auf den weißen Boden starrend, ohne etwas wahr zu nehmen. Ihn störten die Äste, die sich in dem seidigen Pelz verfingen, daran zerrten oder ihm gegen die Flanken schlugen nicht, nahm es kaum wahr. Er hatte so viel Schmerz und Leid ertragen, da machte ihm das auch nichts. Körperlichen Schmerz spürte er kaum noch, war alles mit der Zeit erkaltet und seelischen Schmerz?...auch diesen würde er bald nicht mehr spüren, war sein Innerstes doch wie betäubt. Er achtete auf nichts, noch bemerkte er noch etwas. Er bemerkte noch nicht einmal das Ende des Waldes, auf das er unaufhaltsam zusteuerte. Was war bloß mit der einsamen Seele passiert? Was war ihr widerfahren, das sie nun, einst geprägt von sprühender Lebensfreude, Freundlichkeit, Offenheit und Güte, kaum mehr ein Schatten, ein stumpfes Abbilds ihrer selbst war? Was mochte bloß im Leben dieses Wesens geschehen sein, als das es nun mit leerem Blick dem Ende entgegen schritt? Die sanft abgerundeten Ohren waren teilnahmslos nach vorne gerichtet, doch er hörte, sah oder spürte nichts mehr. Weg, es war alles weg, als wäre er im Nichts, in der endlosen Leere seines Herzens ertrunken. Es spielte für ihn einfach keine Rolle mehr, ihn hielt nichts mehr, weder an einem Ort noch an seinem Leben. Also sprach auch nichts dagegen, wenn er immer weiter wandern würde, bis er vielleicht mitten auf dem Weg verendete. Viel ausmachen würde es dem Schwarzen nicht. Er war ein vergessenes, einsames, leeres Wesen, ein Vagabund ohne jegliche Gefühle. Man hatte sie ihm herausgerissen, wenn er sie nicht freiwillig abgestellt hatte. Da wo einst sein großes, warmes Herz in seiner Brust schlug, lungerte heute nur noch ein Klumpen Eis, der den Wind davon abhielt hindurch zu pfeifen und andere darauf aufmerksam zu machen, das er nun herzlos war – ohne Gefühle. Zumindest nicht im Stande seine Gefühle und Gedanken zu offenbaren. Er hatte nichts mehr und wollte auch nichts mehr. Gefangen in seinen Gedanken verließ er den Wald, die Leere deutlich in sich spürend, die alles verschlang, sein Bewusstsein lähmte, ihn zu einem ausgehöhlten Körper machte, in dem das verdammte Herz noch immer schlug und Blut durch seine Venen jagte. Die Kälte verschlang mit der Leere sein Innerstes, ließen nichts zurück. Keinen Funken der Hoffnung, von Gefühlen. Ein paar Krähen und Raben schrieen auf, als ob sie ihn aufhalten wollten. Doch in den Ohren des Rüdes hörte es sich anders an. Er kannte das gehässige Lachen, nicht nur das der Gefiederten. Er hörte ihre Stimmen ganz klar.

"Falle, kleiner Wolf, falle. Er wird dich in den Arm nehmen und in den Schlaf singen. Ganz sachte wird er dich wiegen, dich feste halten, bis du eins mit ihm wirst. Spring! Der Tod ist ganz nahe...Spring Verdammter!"

Sie sangen ihm ein Todeslied, hießen den Richter, der sie alle aus dem Leben holte, der seine blutige Hand gierig nach dem Nachtsohn reckte, willkommen. Steine bröckelte, fiel lange Zeit hinab, so lange, das man schon keinen Aufprall mehr erwartete, zerschellten dann am harten Gestein in tausend und abertausend Splitter. Ein leises Rauschen war zu hören, sogar die Stimme des Windes höhnte, gewährte keinen Halt. Schwarzes Fell wehte wie zum letzten Gruß, ein dumpfer Aufprall und dann...

Die blauen Augen starrten in den graublauen Himmel von dem weiße Flocken herab schwebten. So rein und weiß, so unberührt und zerbrechlich. Ähnlich wie die Seele des Schwarzen, der regungslos da saß und die Flocken beobachtete. Seine zerbrechliche Seele lag in Scherben im Dunkeln, vergessen. Hinfort gespült mit der Zeit, verloren. Für immer...Der Verdammte musterte die glatte Schneedecke, aus der er richtig hervor stach mit dem nachtschwarzen Pelz. Keine Spuren waren zu sehen. Nirgends. Es war schon eine Seltenheit, das sich Mal ein Tier in dieses Tal verirrte. Nur die widerstandsfähigsten und anpassungsfähigsten Lebewesen wagten sich so weit ins endlose Eis hinein. Außer ihm. Der Nachtsohn hatte sich praktisch selber ins Exil geschickt. Er musste viele Kilometer zurück legen, wenn er in der Tundra jagen wollte, da es in diesem Tal zu wenig Beute gab oder andere Lebensformen. Doch trotz der lebensfeindlichen Umgebung kehrte immer wieder zurück, egal wie weit er sich entfernte. Etwas, was auch immer es auch war und so sehr er auch versuchte es zu unterdrücken, zog ihn an. Das kleine Tal mit der kleinen Bergkette, dem Nadelwald, der bei heftigen Schneestürmen seine Zuflucht war, einem See, der trotz des vielen Neuschnees nur zugefroren war, aber so wirkte wie ein matter Spiegel oder ein Fenster, um fast den Grund des Sees zu sehen. Die müden Lieder schlossen sich. Der Schwarze saß still da, es gab sowieso keinen, mit dem er reden konnte und Selbstgespräche war nicht sein Ding. Die Dunkelheit die nun auf seinen brennenden Augen lag, tat ihm gut. Er war müde geworden. Nicht körperlich. Nein. Seine Seele war des Lebens müde geworden. So lange nun wanderte er durch die Lande, auf der Suche nach sich selber, nach seiner Erinnerung, nach dem Grund seiner Existenz, doch war alles was er fand: Hoffnungslosigkeit, Trostlosigkeit... Einsamkeit. Egal wie viele um einen waren, am Ende war man doch nur wieder alleine. War das der Sinn des Lebens? Der Grund allen seins, verloren und einsam für die Ewigkeit? Er wusste es nicht und eigentlich wollte er es auch schon gar nicht mehr so genau wissen. Zumindest wenn er es sich recht überlegte. Was brachte es ihm denn schon Großartiges? Rein gar nichts. Also konnte er auch leer bleiben, ohne Wissen, Erinnerungen. Er erinnerte sich noch gut daran, als er die Augen wieder aufgeschlagen hatte, nachdem er eine schier endlose Zeit gefallen war. Er war gefallen, doch wie tief oder lange wusste er nicht. Er wusste nur, das er gefallen war, gefallen sein musste und zwischendurch das Gefühl hatte, aus dieser Schwerelosigkeit nicht mehr heraus zu kommen, für immer zu fallen. Der Wind war an ihm vorbei gerauscht, genau wie sein Leben. Er hätte es aushauchen können, der Sturz war sicherlich nicht ungefährlich gewesen, doch wollte man die Marionette nicht ganz kaputt gehen lassen und hatte ihr ein dorniges Auffangkissen, einen halb vertrockneten Dornenbusch gegeben, auf dem der Stürz abgefangen wurde. Fell wurde ausgerissen und die Zweige lagen verstreut herum. Dornen hatten sich an ihm verfangen und in sein Fleisch gebohrt, doch viel hatte er davon nicht mit bekommen. Er war wie betäubt gewesen, hatte gar nichts realisiert, bloß noch die Augen geschlossen, in der falschen Hoffnung, sie nie wieder öffnen zu müssen. Er hatte Bilder aus seinem Leben an sich vorbei rasen sehen, das ihm schwindelig wurde. Bilder aus einem Leben das er nicht kannte, zumindest nicht mehr erkannte, Es war so fremd und unwirklich. War dies wirklich sein Leben? Er hoffte auf das baldige Ende, sein Ende, doch es war anders gekommen, als erwartet. Wie immer. Irgendwann, wann genau konnte er nicht sagen, war er wieder erwacht. Alles hatte ihm weh getan, vor allen Dingen sein Kopf und seine Seele. Er befand sich in einem dichten Nebel, verwirrt und verirrt, erschüttert von der Realität. Eine leere Hülle die geblieben war, zusammen mit einem Eiskristall, der das Loch, das sein Herz hinterlassen hatte, füllte, damit der Wind nicht hindurch piff. Er hatte verloren... alles. Er hatte verdammt noch mal alles verloren, warum konnte er dann nicht auch noch einfach sein Leben verlieren? Was war daran so schwer? Ein schmerzendes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus, durchströmte den ganzen Körper. Seltsam, dabei war seine Seele doch erkaltet?

Ein leises Seufzen bildete sich in der Kehle des Rüden, doch kein Laut war zu hören. Seine Sehnsüchte verbarg er gut, nahm sie noch nicht mal als solche wahr. Die blauen Augen musterten den lockeren Schnee, der ihm noch immer bis zu den Sprunggelenken ging, aber lange nicht mehr so schön pulverig war, wie der, den er gewohnt war. Den Wanderer hatte es doch nicht mehr in dem kleinen Tal gehalten, er war aufgebrochen, wie immer ohne Ziel noch Weg vor Augen, auf der Suche nach sich selber, sich nicht findend und immer wenn er dachte, etwas gefunden zu haben, es in seine Pfoten nehmen zu können, entglitt es ihm und die Suche begann von vorne. Er hatte dieses Versteckspiel satt, einfach nur satt. Er wollte nicht mehr, hatte genug. Doch etwas peitschte ihn vorwärts, auch wenn ihm nicht klar war, warum er diesen hohlen Körper...dieses hohle, leere Herz so weit herum schleppte. Schritt für Schritt ging er weiter, hin und wieder die Umgebung musternd. Viele verschiedene Gerüche lagen in der Luft, die Ranzzeit hatte wohl gerade begonnen, doch im Gegensatz zu den anderen Wölfen die in freudige Aufruhr gerieten, ließ ihn das völlig kalt. Langsam drehten sich die Ohren zurück, dann wieder nach vorne. Er konnte sich nicht erinnern, je eine Gefährtin gehabt zu haben oder verspürte den Wunsch Welpen zu bekommen. Er verspürte so gut wie gar nichts mehr und im Durcheinander dieser vielen Gerüche und Fährten verlor er gänzlich den Überblick, dennoch musste er ganz in der Nähe sein oder ein paar Mitglieder hatten sich von dem Rudel entfernt.



Die einsame und traurige Wanderin bewegte ihre Pfoten langsam und sehr unsicher über den Boden der Wälder und kalten Gebiete. Sie war sich in all ihren Entscheidungen vollkommen unsicher und wusste nicht, wohin ihr Weg sie führen würde. Außerdem machte sie sich Vorwürfe, viel zu viele Gedanken und sie wusste nicht, ob alles seinen richtigen Lauf genommen hatte. Neyla, die junge Fähe, dachte an ihre Vergangenheit, an ihre große Liebe, aber auch an ihre Ängste, an den Druck, den man auf sie ausgeübt hatte und die Entscheidung, die sie mit einem gebrochenen Herzen gefällt hatte. Tiefschwarze Wölfe aus den Bergen hatte sie bedroht, als sie auf dieser Bergkette ein wenig Abstand von dem großen Rudel ihrer Eltern gewinnen wollte, doch sie traf auf die Gefahr, die ihr Leben veränderte.

oO(Hätte ich ihnen nur keinen Glauben geschenkt…)Oo

Diese Wölfe hatte sie an den Abgrund gedrängt, ihr gesagt, dass sie das Rudel verlassen sollte, denn es sollte aussterben. Sie wäre die zukünftige Alphafähe gewesen und genau das wollten diese Wölfe nicht. Sie hatten ihr mit dem Tod gedroht und Neyla hatte es geglaubt, hatte Angst bekommen und hatte alles aufgegeben. Sie hatte nie irgendeine Beziehung zu irgendwem beendet, nein. Sie hatte ihren Eltern gesagt, dass woanders ein Weg auf sie warten würde, dass es viele andere potenzielle Wölfe geben, die das Rudel leiten könnten und Zack…was hatte sie Zack gesagt…? Sie hatte ihm gesagt, dass sie ihn ewig lieben würde, aber dass ihr Weg woanders beginnen würde. Neyla hatte ihm gesagt, dass sie ihn nicht mitnehmen konnte, denn es lauerte Gefahr, der sie sich nicht aussetzen wollte. Und dann war sie gegangen. Sie hatte sogar ihre Geschwister zurück lassen, auch ihre kleine blinde Schwester, natürlich war sie gleich alt wie Neyla, aber sie war die Kleinste in dem Rudel und dazu noch blind, sie war ihr Schützling gewesen und sie musste ihn zurück lassen. Es tat weh.
Jetzt war sie hier, auf einem langen und einsamen Weg, getränkt in Unsicherheit und Angst, immer wieder lag das Gefühl auf ihren Schultern – wie eine Last – dass diese schwarzen Wölfe hinter ihr waren, nur auf ihre Schwäche warteten. Sie war schwach, ja, aber eigentlich war sie auch stark. Neyla würde leichte Beute sein für einen Rüden. Ihre strahlenden blauen Augen sahen auf den Schnee unter ihren Pfoten.

„Was wird nur geschehen?“

Sie seufzte und sah hinauf in den Himmel, wenn Zack doch nur bei ihr wäre. Würde ihr dann der Weg leichter fallen? Das ganze Geschehen, würde es ihr vielleicht einen neuen Weg weisen? Neyla ließ ihr Haupt hängen und ging langsam weiter, ihre Läufe zitterten etwas, sie war erschöpft, aber sie wusste auch, dass es keinen Sinn machen würde, eine Reise im Nichts zu beenden. Hier befand sie sich in einem Gebiet, welches Neyla fesselte. Ihre tiefen blauen Augen sahen sich neugierig um, sie nahm die Umgebung genau war, war interessiert daran, aber dennoch brachte es nichts. Es war kein anderer Wolf in der Nähe, also brauchte sie ihr Lächeln auch nicht aufzusetzen. Zwar liebte sie die Natur, dass wollte Neyla gar nicht bestreiten, aber dennoch gab es hier keinen Grund, um sich zu freuen. Die weiße Fähe schloss traurig die Augen.

oO(Zack, ich vermisse Dich…)Oo

Unsicher hob sie wieder den Kopf und blickte auf ihren Weg, den sie gewählt hatte zu gehen. Und nicht nur, dass ihr dieser Weg nun unsicher und belebt vorkam, so roch sie etwas, was Neyla stehen bleiben ließ. Düfte von Wölfen, täuschte sie sich da? War etwa wirklich wieder Leben in ihrem Weg, hielt dieses Leben sie auf? Nein, sie durfte nicht darauf reinfallen. Wenn Zack nicht hier war, dann wollte sie hier auch nicht bleiben, aber suchte sie ihn überhaupt? Sie wusste doch, dass er mit Sicherheit noch in dem Rudel ihrer Eltern war, vielleicht hoffte er auf ihre Rückkehr, vielleicht hatte er aber auch eine andere Fähe gefunden, die er liebte. Neyla seufzte, der Duft verriet ihr das Gefühl, welches sie eigentlich auch verspüren musste. Die Ranz war gekommen, doch sie war so gefühllos, sie wollte keinen Duft versprühen, sie wollte keinen anderen Rüden anlocken, sie wollte nur Zack bei sich haben und wenn er nicht hier war, wollte sie auch keine Ranz genießen. Hatten sie sich nicht auch noch Welpen gewünscht? Oh wie Jung sie doch gewesen waren und so naiv….es hatte ja doch nicht gereicht und sie hasste sich dafür. Sie hatte ihn aufgegeben oder? Neyla blickte wieder voraus, plötzlich sah sie einen schwarzen Wolf, der sich sehr von dem weißen Schnee abdeckte.

„Ein schwarzer…Wolf…?“

Horrorvisionen drängten sich zurück in den Kopf der Fähe, es war doch keiner ihrer Verfolger? Wenn diese Wölfe sie überhaupt verfolgten. Sollte sie es wagen? Sie war geängstigt, vollkommen zerstört, reichte ihre Kraft dafür. Neyla schluckte, schloss kurz ihre Augen und dachte nach, würde sie hier stehen bleiben, dann würde sie nie erfahren, weshalb es ihn hier hielt. Also ging sie unsicher auf den schwarzen Rüden hinzu, blieb ungefähr einen Meter neben ihm stehen und sah zu ihm.

„Verzeiht, wenn ich Euch störe, aber…gehört Ihr zu dem Rudel?“

Fragte sie mit zittriger Stimme, vielleicht war es einer der Leitwölfe oder ein hohes Rangmitglied. Dann konnte dieser Wolf ihr doch sicherlich helfen…


Erst wenige Mond- und Sonnenaufgänge waren vergangen seit dem. Es war noch nicht lange her. Aber ihr kam es vor, als wäre es schon ganze Generationen her. Als wäre es in einem anderen Leben passiert. Als müßte sie nun ihr drittes Leben beginnen. Ganz allein. Wieder allein. Leyla starrte in die leere Winterlandschaft, als könnte sie dirt jeden Moment am Horizont erscheinen. Oder als hätte etwas anderes, Spannendes passieren können. Etwas, was ihrem Leben eine Wende gab. Sie starrte still geradeaus. Ihr war nicht kalt. Sie vergaß die Kälte. Sie vergaß alles um sich herum. Sie war geistig vollkommen fort. Fern in den Erinnerungen. Mit dem Geist in einer anderen Zeit, nur nicht hier. Nie wollte sie es so, wie es gerade war. Immer gab es Gründe, sich eine andere Zeit zu wünschen. Mal die Vergangenheit zurück, mal einen schnelleren Schritt ins Morgen. Wo war sie nur? Was war passiert? Eines Morgens wachte sie auf. Und sie war allein. Ganz allein. Es schien, als wäre alles nur ein schöner, wunderschöner Traum gewesen. Zu schön, um wahr zu sein. Aber nein..es war kein Traum. Sie traute ihren Sinnen. Und sie trug einen Teil ihrer Wärme noch immer in ihrem Körper. Einen winzig kleinen Teil ihrer Wärme, als sie sich berührt hatten. Es war so schön. Es war die Wärme des Lebens, von der Alienna ihr ein Stückchen abgegeben hatte. Eine Quelle des Lichtes, des Lebenslichtes. Jetzt konnte ihr Licht nicht mehr einfach so erlischen. Denn es brannte mit der Lebenswärme Aliennas. Denn diese war stark. So lange Leyla lebte, gab es diese Wärme. Ganz gleich wie kalt und frostig die Natur um sie herum war. Das spielte keine Rolle. Es ging dabei auch weniger um die Körperwärme, die sie natürlich auch gesprüt hatte, als sie sich berührten. Die Wärme ihres Fells. Es war Mut..Mut zum Leben, Mut, weiter zu machen, nicht aufzugeben. Ein neuer Teil des Lebens. Er gab ihr Kraft und das Gefühl von Sicherheit. Im Träumen versunken, hörte sie die weiße Wölfin weder, noch witterte sie sie. Im Trance verunken sah sie in die schlafende, ruhende Natur mit ihren Bewohnern.
Erst als die Wölfin sprach, erschrak Leyla und drehte sich ruckartig zu ihr um. Sie sah die Wölfin an. Auch sie hatte winterlich-weißes Fell. Nur sah man ihr die Souveränität sofort an, wie selbstbewußt sie auftrat. Leyla schrak zusammen. Sie hatte das Maul ein Spalt weit geöffnet, die Augen ängstlich augerissen. Wer war sie? Was wollte sie von ihr? Wie sprach sie? Welche Erklärung? Vielleicht verwechselte sie sie. Aber..das schien nicht so. Sonst hätte sie sie nicht Fremde genannt. Leyla war verunsichert. Sie gab nichts von sich. Sie bekam keinen Ton heraus. Sie stand wackelig auf ihren Pfoten und lief ein paar Schritte zurück. Da war sie wieder..diese Angst.


Banshee bewegte sich noch immer nicht, selbst als die Fähe zusammenschrak und zu ihr herum fuhr. Es war eine verzögerte Reaktion, als hätte sie sie weder hören noch wittern können bevor sie vor ihr gestanden und das Wort erhoben hatte. Das war natürlich unmöglich, aber es schien der Weißen, als wäre die Fähe seltsam abwesend gewesen, ihr Körper hatte dort gesessen, aber ihr Geist war gewandert. Und dann kam die Furcht, auch Überforderung, es spiegelte ich schlagartig in dem Blick der Fremden, dann stolperte sie einige Schritte zurück und die Angst stand so deutlich zwischen den beiden Fähen, das Banshee sie spüren konnte. Und schon war es vorbei. Banshees Blick wechselte ebenso schlagartig von unverhohlenem Misstrauen und leichter Aggressivität zu Wärme und Fürsorge. Die alte Banshee lebte doch noch immer, sie hatte nur geschlummert, überdeckt von dem Gedankenchaos der Ranz. Ihr Fell glättete sich, ihre Ohren drehten sich leicht zur Seite und auf ihren Lefzen begann ein Lächeln zu tanzen. Am meisten jedoch sagte ihr Körper, sie wurde wieder kleiner, nicht nur, weil sie sich nicht mehr hoch aufrichtete, sondern auch, weil sie die starke Ausstrahlung wegfallen ließ und zu dem liebevoll sanften Wesen wurde, das sie zu ihrem Namen gebracht hatte. Banshee le Fay. So beruhigend und harmlos trat sie näher zu der weißen Fremden, reckte sich sogar leicht nach vorne und berührte sie ganz sanft an der Schnauze, kaum fühlbar und keinesfalls beängstigend. Es war eine Art mütterliche Fürsorge, die sie plötzlich empfand, so viel Angst hatte in diesem Blick gelegen und wie schon bei ihren Welpen wollte Banshee alles daran legen, der Fähe diese Angst zu nehmen. Es war kein fremder Eindringling mehr, der unerlaubt in ihrem Revier hauste und keinen Laut von sich gab, es war eine hilflose, ängstliche Fähe, die scheinbar kaum für sich selbst sorgen konnte. Möglicherweise hatte sie Alienna verlassen und war nun hier so hilflos, ohne vor oder zurück zu wissen. Tiefe Führsorge regte sich in Banshee, wohl wissend, dass sie eigentlich nicht ganz angebracht war.

“Habt keine Angst vor mir. Ich bin Banshee, ich leite das Rudel, in dessen Revier Ihr euch aufhaltet.“

Sie wäre gerne noch näher gekommen, wäre mit ihrer warmen Zunge der Weißen liebevoll über den Kopf gefahren, hätte ihr gezeigt, dass alles gut war, dass niemand ihr etwas tat, aber sie zügelte sich. Vor ihr saß ein erwachsener Wolf und eigentlich sollte sie als Leitwölfin eine Fremde in ihrem Revier nicht sofort bemuttern. Dennoch war es Banshee und Banshee war nun einmal so. Jetzt überlegte sie, wie sie ihre Frage anders formulieren sollte, Antworten brauchte sie in jedem Fall.

“Ihr haltet Euch in meinem Revier auf … ohne mich zu fragen. Und Alienna war bei auch, jetzt aber nicht mehr.“

Noch immer lag ihr liebevoller Blick auf der Weißen, wurde jetzt etwas fragender aber noch immer besorgt und verständnisvoll. Es schien etwas Trauriges passiert zu sein, man spürte es in der Luft und sah es in de Blick der Fremden.


Geduckt stierte die Fähe um sich. Ein Jahr auf der Welt und ein solches Chaos? Wer war dafür verantwortlich? Wer tat ihr diese Qualen an? Wer zwang sie am Leben zu bleiben? Sheena duckte sich in der Nähe des Rudelplatzes unter einem Busch zusammen. So klein es ging. Bloß nicht gesehen werden. . . Doch wer kümmerte sich schon um die Kleine. Sicherlich war sie für die anderen bloß ein Schatten. Bloß eine Erinnerung. Vielleicht noch nicht einmal das. Vielleicht hatten die anderen sie schon vergessen. Hatten sie niemals bewusst wahrgenommen. Warum nur so viel Elend. Ihr kleines Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Hanako. Der Gedanke durchzuckte die Kleine wie ein Blitz. Schon wollte sie aufspringen als ihr wieder vor Augen geführt wurde, wie ihre Mutter, wie ihre Familie das Rudel verlassen hatten. Es war noch nicht zu lange her und Sheena war hier geblieben. Ob ihre Eltern sie auch schon vergessen hatten wusste sie nicht. Ob ihre Eltern sie gesucht hatten und verzweifelt waren, dass Sheena nicht gefunden werden konnte wusste sie auch nicht. Sie hatte nur gehört, dass sie das Rudel verlassen haben.

oO (Niemand hat mich lieb. . . Niemand interessiert sich für mich) Oo

Von Zweifeln geplagt senkte sie wieder den Kopf und begann, wie sie es sich angewöhnt hatte mit sich selbst zu reden. Doch eigentlich nicht wirklich mit sich selbst. Hätte ihr jemand zugehört, hätte er sie sicher für Schizophren erklärt. Langsam stockend sprach die junge Fähe.

„Nala? Sie sind fort. Sie sind fort. Ohne uns. Ich bin hier. Mit dir. Sie wollten uns nicht mehr. Sie haben uns, uns selbst überlassen. Nie wieder. Nie wieder solche Eltern. Wir schaffen das. Nicht wahr? Wir schaffen das. Du verlässt mich nicht oder? Ich verlasse dich auch nicht ja? Wir bleiben für immer zusammen ja?“

Unbewusst war die kleine dabei aus dem Busch getappt. So als ob sie auf jemanden zugehen würde. Als ob sie eindringlich auch jemanden einreden würde. Das Problem war, dass niemand da war. Niemand war da mit dem sie hätte reden können. Zumindest niemand der Nala hieß. Unbewusst ging sie weiter. Sie spürte nicht ob jemand sie beobachtete. Dass sie sich anderen Wölfen näherte. In etwas verändertem Tonfall sprach sie weiter.

„Beruhige dich Kleine. Niemand tut dir was und ich werde dich auch nicht im Stich lassen. Unsere Familie ist voll Trauer gegangen. Das weißt du so gut wie ich. Hey. Lass den Kopf nicht hängen, es sind noch viele Wölfe hier. Sicher freunden wir uns mit jemandem an. Wir lassen uns doch nicht hängen das weißt du doch! Hörst du mich?“

Sheena ließ sich nicht irritieren. Was wollte Nala ihr da sagen. Ihre Familie wäre nie ohne sie gegangen, wenn sie die beiden nicht lieben würden. Sie mussten sie vergessen haben. Etwas anderes war für Sheena nicht möglich. Doch wenn ihre Schwester etwas anderes sagte. War da vielleicht etwas wares dran? Nein konnte doch nicht sein.

„Nala. Spinn nicht rum. Sie haben uns vergessen und uns nie geliebt!“

Unbewusst senkte die kleine dabei den Kopf. Trauer schüttelte ihren abgemagerten Körper. Nein. Sie bemerkte nicht, dass sie eigentlich alleine war. Für sie war Nala bei ihr. Nala. Wenigstens eine die sie noch liebte.


Zack streunte ziellos durch das Revier des Sternenwind Rudels. Er wusste nicht genau, wie lange er schon hier war. Doch dazu gestoßen war er bei einer Rudeljagd. Diese war schrecklich ausgefallen, doch gehörte sie der Vergangenheit an. Er zählte kaum mehr die Monde die vergangen waren seitdem er hier war. Schon lange hatte er aufgehört zu Zählen. Er war viel unterwegs gewesen, bis er auf dieses Rudel getroffen war. Er hatte es in seinem alten Rudel nicht mehr ausgehalten. Zu viele Erinnerungen an Neyla. Neyla, die Fähe, die er noch immer liebte. Und nun war wieder die Ranz angebrochen und hatte sie sich nicht immer Welpen gewünscht? Er seufzte, doch umspielte ein lächeln seine Lefzen. Immerhin war es damals eine schöne Zeit gewesen. Und wie es solche Zeiten an sich haben, eine viel zu kurze. Seine Augen strahlten golden. Kaum jemand konnte ihm widerstehen. Das wusste er und er war unglücklich darüber. Konnte er nicht lieber ein geachteter Wolf sein? Dann würde sich wenigstens niemand für ihn interessieren. Doch so hatte er Neyla kennen gelernt. Diese wunderhübsche Fähe welche für ihn viel zu schade war. Und nun war er hier gelandet. Dieses Rudel hatte ihn irgendwie angezogen. Noch immer hatte er nicht mit der Alphafähe gesprochen und das bereitete ihm großes Unbehagen. Er war gut erzogen worden. Zum Glück konnte er sich selber einreden, dass die Zeit dazu nicht gewesen war. Nach der Jagd hatte die Alphafähe sich zurückgezogen und er wusste, es wäre nicht richtig gewesen sie zu stören. Doch nun drängte die Zeit. Er sog einmal tief die Luft ein. Ihr Geruch hatte sich schon in seinem Kopf verankert. Doch die Ranz war gekommen und so lag die Luft voller, für ihn verlockender Düfte und doch stimmte diese Zeit ihn traurig. Und nachdenklich. Er schüttelte den Kopf kurz ehe er seinem Weg eine feste Gestalt gab. Nun wusste er wo er hinwollte und kraftvoll trugen ihn seine Pfoten durch Pfade, die er selber entstehen ließ. Pfade die schon Jahre von Wölfen immer wieder begangen wurden, die aber nie richtig zu erkennen sein würden. Er wusste, dass die Fähe sich nicht unweit des Rudelplatzes aufhielt und dass sie nicht alleine war. Die andere Fähe, welche bei ihr zu seinen schien kannte er nicht. Banshee, erinnerte er sich an den Namen der Alphafähe. Er duckte sich unter einigen Zweigen hindurch. Er war nicht weit weg von ihr gewesen und so hatte er sie rasch erreicht. Sah sie dort stehen. Und sprach mit der anderen Fähe. Konnte er sich einfach dazustellen? Andererseits musste er jetzt klären, wie lange er schon hier war. Sonst würde sie gewiss sauer auf ihn sein. Aber er wollte auch nicht einfach ihr Gespräch unterbrechen. Die andere Fähe schien Angst zu haben und so hielt er sich still im Hintergrund um sie nicht noch mehr zu verunsichern. Er sah den fragenden Blick der Alpha und blickte wieder zu der Anderen. Da war noch mehr in ihrem Blick. Eigentlich weigerte er sich, die Gefühle der anderen zu erspüren, aber diese sah so verzweifelt aus. Er blickte sie forschend und vorsichtig an. Sah ihre Angst, ihre Verwirrung und sofort bereute er seinen Entschluss. Er konnte sich doch nicht immer in das Leben und Fühlen anderer einmischen. Und doch konnte er nun nicht mehr zurück. Er hoffte, dass sich dies schnell klären würde, denn sonst würde er versuchen die Fähe zu beruhigen. Und so etwas kam nicht immer gut an. Gewaltsam riss er sich also zusammen und setzte eine höfliche Miene auf, welches unterstrichen wurde mit einem liebevollem lächeln. Er stand locker dort, drückte keinerlei Anspannung aus, die in ihm herrschte. Hatte seine Augen, sein Gesicht unter Kontrolle und wirkte ganz so, wie er aufgewachsen war. Wie ein gut erzogener, höflicher Rüde, welcher sich der Alpha vorstellen wollte und nun wartete bis er dran war. Doch seine Gedanken schweiften umher. Seine Gedanken waren frei. Nie würde irgendwer an seinen Gedanken teilhaben. Nie würden sie irgendwer erfahren.

oO ( Was diese Fähe wohl hat. Was ihr wohl zugestoßen ist. Es muss etwas grausames sein. Doch wenn ich mich recht entsinne. . . Nie bin ich irgendeinem Wolf dieses Rudels wirklich nah gekommen, doch habe ich einige mit einem gestörtem Ausdruck gesehen. Verzweifelt und ängstlich. Ist dies wirklich das richtige Rudel für mich? Sollte ich mich nicht einfach entschuldigen? Entschuldigen, dass ich so lange hier geweilt habe und sagen, dass ich weiterziehe? Allerdings . . . Ich will nicht mein ganzes Leben lang weiterziehen. Ich bleibe hier. Vielleicht freunde ich mich mit wem an. Vielleicht kann ich wem helfen. . .
Doch was werde ich Banshee sagen. Wie hört es sich denn an, wenn ich nicht weiß wie lange ich schon hier bin. Wenn ich sage dass ich seit der Jagd hier bin. Dann grabe ich bestimmt unangenehme Erinnerungen aus. Vielleicht sollte ich die Zeit ganz verschweigen. Einfach sagen, dass es mir bis jetzt nicht richtig schien sie aufzusuchen. Dann immer irgendetwas war, entweder schien sie zu abwesend oder aber. . . Nein das würde zu persönlich werden.) oO

Genervt seufzte er.

oO (Und wenn ich sage, dass ich seit der Jagd hier bin? Dann wird sie wissen warum ich nicht eher zu ihr gekommen bin. Dann wird sie verstehen, dass es unpraktisch war. Sie hatte sich ja zurückgezogen. Und bei der Rede. Die Rede die ich nur von weitem gehört habe. Da hätte ich gehen sollen. Doch hatte mich da irgendetwas abgehalten. Wie soll ich ihr das erklären?)Oo

In Gedanken versunken wartete er darauf, dass Banshee sich ihm zuwand. Man sah ihm nicht an, dass er mit den Gedanken woanders war. Für einen Betrachter sah es aus, als ob er aufmerksam warten würde. Ohren Vorne und Rute locker, entspannt hängend.


Shits Pfoten führten ihn kreuz und quer durch das ganze Revier. Gedankenverloren setzte der junge Rüde eine Pfote vor die Andere, sah vor seinen Augen Vieles, ohne es wahrzunehmen. Einsam streifte er umher, seit einer Woche schon. Neria. Der einzige Name der durch seinen Verstand spukte, ohne das sich seine Gedanken zu etwas sinnvollerem Bündelten.

„Wie konnte Shit nur so dumm sein und nicht nach ihr suchen? Wie konnte sie gehen, ohne zu fragen ob er mit ihr kommen wollte? Shit mochte sie doch so gerne.“

Er seufze und wagte dann doch zu bezweifeln, dass sein Herz sich von hier hätte lösen können. Stattdessen hatte Neria einen Teil davon einfach mit sich genommen. Hoffentlich würde ihr nichts geschehen, mochten die Götter sie schützen. Auch in seinem Namen. Shit kannte das Gefühl eigentlich nicht wirklich, das Gefühl etwas zu vermissen. Bisher hatte ihn niemand gemocht, er war eine einsame Seele in der weiten Welt gewesen und es war so, als lernte er nun die andere Seite kennen. Ein Leben, nicht im Schatten der Einsamkeit, dafür von Verlusten geprägt.
Ein verträumter Blick richtete sich auf die Berge und glitt zum Himmel, an welchen er eine Weile den Wolken zusah, die leichter als eine Feder vorbei schwebten.

„Was macht Shit hier eigentlich? Wollte er nicht bei Banshee sein? Und wartete da nicht noch ein riesiges Rudel darauf, kennen gelernt zu werden? Shit, du bist unverbesserlich! Kannst dich doch nicht einfach in deinen Gedanken verlieren und alles um dich herum vergessen. Du bist nun ein Wolf mit Rudel, kein Wanderer der Wolfswege mehr.“

Er nickte sich selbst zu und sprang dann einige Meter durch den Schnee, der um ihn herum aufwirbelte und ihn scheinbar ermunterte, sein Handeln zu wiederholen. Ein sanftes Grinsen umspielte seine Lefzen und auch wenn seine Augen strahlten, wie die eines Welpen, spiegelte sich erstmals in seinem Leben auch ein wenig Traurigkeit dahin. Er würde seine kleine Freundin vermissen, mit der er nur so wenige Stunden verlebt hatte, einen Tag von vielen Hundert. Es war eine schöne Zeit und er würde sie im Herzen behalten, immer würde es dort einen kleinen Platz geben, der nur seiner Neria gehörte, die niemand des Rudels hatte kennen gelernt. Shamus, ja, aber der gehörte nicht zum Rudel und schien ebenso verschwunden zu sein. Nicht mit Neria.

„Shit wird schon wieder eifersüchtig, dabei hat er die Wölfin doch schon an die Freiheit verloren, auf die sollte er wohl eher eifersüchtig sein, nicht auf Shamus, der ist bestimmt wo ganz anders und bestimmt nicht an der Seite von Neria.“

Shit blieb stehen und stürzte sich in der nächsten Sekunde auf eine moosbewachsene Wurzel. Er verteilte das Grün im weißen Schnee und zog zufrieden weiter. Der Winter ging zu Ende, dann konnte er auch keine Schneeflocken mehr fangen, aber er würde sich ein neues Spiel einfallen lassen, bis der Herbst kam und er wieder tausende von Blättern haben würde, die mit ihm Fangen spielten.

„Shit, du Halunke! Wer sagt denn, das du alleine spielen musst, hier gibt es doch bestimmt ein paar Wölfe, die sich mit dir die Zeit vertreiben werden! Genau, was denkst du dir nur wieder!“

Voller Elan preschte er los und wie immer gab es nur ein Ziel. BANSHEE!
Von der Ranz wollte Shit nichts wissen, obwohl er ja eigentlich Alpha war. Aber nur in seiner Einbildung und somit würde ihm die weiße Wölfin wohl verwehrt bleiben. Dabei wären sie doch so ein tolles Paar! Nein, Acollon war ihr Gefährte und mit ihm hatte sie bereits einen Wurf gezeugt und groß gezogen. Shit liebte seine Banshee, auf shit-Art eben. So konnte er sie immer lieben, ohne dass es zu Problemen führte. Er konnte alle lieben, alle Wölfe, die ihn nicht wie Scheiße behandelten. Nein, alle.

„Ach, Shit liebt das Leben einfach, wie könnte er auch anders? Diese Welt war so unendlich schön und ihre Bewohner einfach großartig. Jeder von ihnen.“

Durch den Wald, so schnell er konnte, rennend mit dem Wind, um Banshee zu finden, eine Spur von ihr, eine Witterung. Wie immer war Shit weder konzentriert noch geduldig genug, einfach stehen zu bleiben und erst einmal nachzudenken, aber wozu auch? Er hatte alle Zeit der Welt und es nicht sonderlich eilig. Was man, wenn man ihm zusah, mit welcher Geschwindigkeit er durch das Revier fegte, schwer glauben konnte. Hauptsache er kam irgendwann an.
Als der Wind erstmals den Geruch der Alphawölfin zu ihm trug, machte er einen Purzelbaum, bei dem Versuch das Tempo zu drosseln. Na ja, eher im Sprung stehen zu bleiben. Typisch. Kurz hielt er inne, witterte und sauste wieder davon. Die Rute peitschte geradezu hin und her, teilte den Wind. Ungestüm kam er neben der Alphawölfin zum liegen. Auf diese Art konnte er eine schnelle Bremsung verwirklichen. Trotzdem war er ein ganzes Stück durch den Schnee gerutscht, um nun von Banshee zu einer ihm Fremden zu sehen. Was war denn das? Hatte sie Angst? Doch hoffentlich nicht vor ihm?

„Entschuldigung, Shit wollte niemanden erschrecken!“

Gurgelte er und räusperte sich dann, blieb aber lieber im Schnee liegen, als sich aufzurichten. Die Schnauze fiel zurück in das Weiß, während er mit der Nase ein wenig davon aufwirbelte, beim ausatmen.

Atalya
24.12.2009, 19:34

Von ihrer kleinen Stimmungswandlung, auch körperlich, bekam Leyla nichts mit. Sie sah es natürlich, nahm es gedanklich aber nicht auf oder verarbeitete es, so daß ihr klar werden konnte, daß sie vor ihr nichts zu berfürchten hatte. So oft schon wurde sie enttäuscht, der Weg des Vertrauens war eine lange Reise. Aber mit jedem kleinen Augenblick wurde es fester und sicherer, das Vertrauen. Sie brauchte Zeit um so etwas aufzunehmen und mitzubekommen. Wie starr stand sie so dort und sah sie an. Starr, daß sie gar nicht schnell genug reagieren konnte, als sie ihre Nase leicht berührte. Doch als sie ihre Wärme spürte, schrak sie zurück, trat ruckartig einen großen Schritt zurück und sah sie erschrocken an. Was sollte das? Leyla bekam nun ein anderes Bild von ihr. Doch noch immer nicht das, das sie hätte haben sollen von ihr. Warum war die Fähe auf ein Mal so anders? Was war geschehen? Wie wirkte Leyla auf sie, daß sie solche Aktionen durchführt? Für sie war es eine Aktion, nicht nur ein lieb gemeinter Stubser. Für sie gehörte es zur ausdrucksstarken Körpersprache und hatte eine tiefgehende Bedutung, für dessen Bedutungsmeinung sie noch viele Sonnen brauchte, bis sie es übersetzt hatte. So wie sie jetzt auch noch lange für die vielen Körpersprachen und Gesten Aliennas nachdenken mußte, auch wenn es..eigentlich keine Rolle mehr spielte. Leyla sah sie verwundert an. Ihre Angst ging ein wenig zurück, als sie sie lächeln sah. Sie war so..anders. Sehr anders. Anders als Alienna und somit anders als sie. Alienna verstand sie besser und sie interpretierte Aliennas Gesten besser, da sie ihr ähnlicher war. Diese Wölfin war ihr überhaupt nicht ähnlich. Doch etwas Sympathisches hatte sie. Das kam so zu ihr herüber. Sie wirkte mütterlich, zutraulich und fürsorglich. Wie eine weise Wölfin, die öfter mit Persönlichkeiten wir Leyla zu tun hatte und wußte, wie man mit ihnen umgehen mußte. Doch wußte sie das wirklich? Sie sprach eine andere Körpersprache. Bis sie überhaupt verstanden hatte, daß Leyla viel mehr über Körpersprache sprach, in den ersten Momenten des Kennenlernens, hatte sie vielleicht schon einige Dinge mit ihrem Körper und ihren Bewegungen gesagt, die sehr viel auslösen konnten und sogar zu schlimmen Mißverständnissen führen konnten. So hatte Leyla für einen Augenblick lang das Gefühl, sie wolle ihr die Kraft Aliennas rauben. Sie kannte Alienna? Woher? Sie drängte ihr nun mit einem Mal ihre Körperwärme auf. Sie überdeckte die Gerüche Aliennas, die Leyla noch immer, schwindend an sich trug. Nein nein nein. Das alles ging viel zu schnell. Sie hätte schon wieder fortrennen können. Doch das durfte sie nicht. Sie hatte Respekt vor ihr. Ihre Angst wandelte sich zunehmend in normalen Respekt um. Doch in Ordnung war deswegen noch längst nicht alles. Der Weg war steil. Leyla mußte sich rechtfertigen, was sie hier tat. Ja..was tat sie hier? Aber wo sollte sie sonst sein? Es klang in ihren Ohren wie ein Vorwurf. Ein Vorwurf, zu existieren. Dafür konnte die weiße Wölfin nichts. Sie wußte nicht, was Leyla erlebt hatte. Denn so paßte es in Leylas Erfahrungen. Verurteilt hatte man sie, allein für ihre Existenz. So kam es ihr immer vor und sie irrte nicht. Wie sollte sie verstehen, daß andere Wölfe auch ganz anders sein konnten? So schnell ging das alles bei ihr nicht. Als sie Aliennas Namen sprach, blitzten ihr vor dem geistigen Auge all die Bilder durch, die sie von ihr hatte. Alles..die fragenden Gesichter, wenn Leyla seltsam reagierte, die ängstlichen Blicke, als sie sich ertränken wollte und die wunderschönen Gesichtsausdrücke, als sie sich berührten und begannen allmälig zu verstehen. Die braune Wölfin. Das war sie. Und ihr Name hatte diesen schönen Klang, den sie bisher nur von ihr selbst und von sich gehört hatte. Jetzt sprach eine fremde Stimme ihn aus, so selbstverständlich und doch so neu.

„D-dein Revier?“

Sie konnte so nicht reden und doch mußte sie ein paar Töne hervorbringen. Ihre Stimme zitterte wellenartig. Als würde eine ungeheure Hitze die Luft mit den Tönen zum Vibrieren bringen und so verzerrt klingen lassen. Leyla bekam einfach nicht mehr heraus. Unterwürfig sah sie vor sich, zu Boden und legte die Rute eng an ihren Körper. Sogar die Ohren knickte sie um, wie sie es von ihrem Vater gelernt hatte. Er hatte so oft gezwungen, sich so unterwürfig und demütig zu zeigen. In der Stimme der Wölfin war so eine fremde Wärme, aber es war eine, gleichzeitig aber auch eine Festigkeit, fast eine Strenge. Als bräuchte sie diese Strenge. Leyla wollte nichts falsch machen. Sie schloß die Augen und vergaß sie für einen Moment, war an einem anderen Ort, ganz fern von hier. Sie wollte hier nicht sein. Nicht hier, nicht jetzt, nicht in ihrer Nähe. Das alles war so fremd.


Banshee merkte, dass die Weiße weit aus verängstigter war, als sie zuerst gedacht hatte. Gleichzeitig schien sie noch immer abwesend, obwohl sie sie schon längst aufgeschreckt hatte. Das regte ihre Sorge jedoch nur noch mehr an, irgendetwas war mit dieser Fähe nicht in Ordnung. Ihr plötzliches Zurückspringen erinnerte an Alienna und ihre Berührungsangst … nur nicht ganz so ausgeprägt. Ob die Braune so etwas wie eine Lehrerin der Weißen gewesen war? Und nun war die Lehrerin fort und die Schülerin fand sich in dieser Welt noch nicht zurecht? Es war eine seltsame Vorstellung, schließlich kannte die Leitwölfin Alienna, aber wer wusste schon, was die beiden Fähen in den langen Monaten abgeschottet vom Rudel gemacht hatten? Zu Banshees Fürsorge und Mitgefühl mischte sich fast so etwas wie Angst um die Weiße. Sie traute Alienna nicht zu, irgendjemandem etwas Böses zu wollen, aber wenn die Weiße ihr … Werk? ihre Schuld war? Nein, das konnte sie nicht so denken, zu dieser Angst und Verwirrung der Fremden musste mehr geführt haben als die braune Fähe, die schon immer schüchtern, lieb und ein wenig ängstlich gewesen war. Die Frage der Fremden verwirrte die Leitwölfin ein wenig, es klang, als hätte sie noch nie davon gehört, dass Wölfe in Rudeln und ihren Revieren lebten. War das möglich? Die Fähe war schon längst den Jungwölfen entwachsen, jeder Wolf wusste das. Oder war sie nicht nur ungemein ängstlich sondern auch ebenso verwirrt?

“Ja, dies ist das Revier meines Rudels, welches ich leite. Ich muss dafür sorgen, dass nur mein Rudel in ihm lebt, damit keine fremden Wölfe unsere Beute jagen und wir dann verhungern.“

Ihre Stimme war sanft und leise, einzig laut genug, damit die Weiße sie noch verstehen konnte. Es war, als würde sie einem Welpen die Bedeutung eines Reviers erklären, dennoch sah sie noch immer die erwachsene Fähe vor sich. Was war geschehen? Konnte sie von dieser Fähe überhaupt eine richtige Antwort erwarten? Oder würde sie ewig in Unwissenheit über Aliennas Verschwinden und die Zeit, die die beiden hier verbracht hatten, bleiben? Der Gedanke gefiel ihr nicht. Als die Fremde erneut einen Schritt zurückstolperte, obwohl sich Banshee nicht vom Fleck gerührt hatte, legte diese den Kopf ganz leicht schief, gab ihr warmes und beruhigendes Lächeln jedoch nicht auf.

“Fremde, sagt Ihr mir Euren Namen?“

Ganz langsam, vielleicht würde sich die Weiße noch beruhigen und merken, dass die ganze Situation nicht so war, wie sie es einschätzte. Aber, es war doch wie immer, in eben jenem Moment tauchte Shit auf. Er schien ein Gespür dafür zu haben, im falschen Moment am falschen Ort zu sein. Aber das war nicht alles, in der Luft lagen die Gerüche von zwei Fremden, die die Reviergrenze bereits übertreten hatten. Ihr Lächeln verrutschte kurz, dann wandte sie ihm ihren Blick zu, er lag neben ihr auf dem Boden, die Schnauze im Schnee.

“Shit, ich freue mich, dich zu sehen, dennoch haben diese Fähe und ich etwas Wichtiges zu besprechen. Es wäre gut, wenn du uns ein wenig alleine lassen könntest. Ich habe aber eine Aufgabe für dich … wittere mal in der Luft … reichst du die zwei Fremden? Du kannst sie für mich aufsuchen und sie zu mir bringen, wenn du mir einen Gefallen tun willst.“

Sie lächelte ihm zu, beugte sich dann zu seinem Kopf und fuhr liebevoll mit der Zunge über sein weiches Fell. Es würde ein wenig dauern, bis Shit mit den Fremden wiederkommen würde … bis dahin hatte sie vielleicht genug mit der Weißen sprechen können. Beruhigend glitt ihr Blick wieder zu jener, sie sollte keine Angst vor dem ungestümen Rüden haben.


Leyla wurde wieder aufmerksam auf sie und öffnete die Augen. Sie sah sie an. Und mit jedem Moment, in dem sie sie ansah, erschien sie ihr etwas vertrauter. Sie machte einen lieben Eindruck. Doch schon so oft wurde sie bitter enttäuscht. Jetzt erst wieder. Wo war sie hin, Alienna..? Warum hatte sie sie verlassen? Sie war spurlos verschwunden, von heut’ auf morgen. Ohne ein auf Wiedersehen. Und damit sollte sie nun einfach weiterleben? Sie lernte wieder jemanden kennen, mußte sich wieder an jemanden gewöhnen. Und diesmal erschien es ihr nocht so leicht. Die Offenheit der Wölfin war für sie völlig neu. So etwas kannte sie nicht, so war auch Alienna nicht. Hatte sie die Zeit mit ihr nur geträumt? War die Wölfin vor ihr auch nicht real? Warum war sie gekommen? Weil es ihr Revier war. Und sie erklärte ihr, was ein Wolfsrevier war. Dabei war sie sich nur nicht sicher gewesen, daß es ihr Revier war. Aber doch, es passte zu ihr. Sie machte einen starken Eindruck: Es war die Atärke eines Anführers, jemand, der die Fähigkeit hatte, ein Rudel zu führen und der mit vielen, sehr verschiedenen Persönlichkeiten zu tun hatte. Sie wirkte erfahrener im Umgang mit ängstlichen Wölfen als Alienna. Natürlich, sie kannte Alienna selbst. Und sie waren sich relativ ähnlich in dieser Hinsicht. Damit wußte sie schon eine ganze Menge über sie. Doch was wußte sie über die Wölfin? Daß sie die Anführerin eines Rudels war, in diesem Revier lebte und daß sie Banshee hieß. Die Alphawölfin wollte ihren Namen wissen. Es war, so kam es ihr vor, eines der wenigen Sachen, was sie noch nicht wußte. Sie wußte von ihrer Ähnlichkeit mit Alienna, sie wußte, daß sie Alienna kannte und eine Weile mit ihr umherzog und daß sie große Ängste hatte. Und jetzt wollte sie ihren Namen wissen. Dann sollte sie ihn erfahren. Ihre Offenheit sah anders aus und kam in der Regel erst später. Doch sie konnte ihr nicht verwehren, ihr einfach ihren Namen zu nennen, nachdem sie so offen von sich gesprochen hatte.

„Leyla..heiße ich.“

Zum zweiten Mal stellte sie sich jemandem vor. Es war immer ein komisches Gefühl, den eigenen Namen auszusprechen. Es war so ein Schauer, der durch ihre Glieder fuhr. Sie mochte sich nicht. Sie mochte ihren Namen nicht. Gern hätte sie ihren Charakter mitunter verlassen und wäre in andere Rollen geschlüpft. Aber das war ein Traum. Der Traum einer einsame, traumatisierten Wölfin, die wieder bei Null anfangen mußte.
Plötzlich trat ein weiterer Wolf hinzu. Er wirkte aufgekratzt und war noch recht jung. Nein, das wurde ihr dann doch zu viel. Erst verschwanden die alten Gestalten und nun traten so viel neue heran. Das war einfach zu viel. Sie kam damit nicht klar. Sie sah sich nervös um. Wo war sie? Wo war sie hin? Warum stand sie ihr nicht bei? Warum ließ sie sie jetzt hängen? Sie hatte von diesem Rudel erzählt. Aber es war wenig. Sie wußte kaum etwas über dieses Rudel. Sie kannte es nur vom Hörensagen und jetzt standen sie vor ihr. Die Alpha und ein fremder Rüde, der fröhlich und neugierig wirkte. Was wußten sie schon? Nein, die Alphawölfin wußte doch nichts über sie. Sonst hätte sie nicht so reagiert. Jetzt schleckte sie dem Wolf über die Stirn. Was war das für ein eigenartiger Brauch? Leyla schüttelte nervös den Kopf. Das alles konnte nicht wahrsein. Sie war in ihren Träumen gefangen. Das alles war nicht real. Leyla konnte ihre Gefühle nicht unterdrücken, mußte es aus sich herauskämpfen und gab ein lautes Heulen aus sich heraus, mit einer, in den Himmel gerichteten Schnauze heulte sie ihre Gefühle aus sich heraus. Sie kam damit nicht klar und verließ ihren Verstand. Nach einem ausführlichen Heulen neigte sie ihren Kopf über den Boden und schabte mit den Pfoten Erde an sich heran, an ihr Fell und ihren Körper. Anschließend legte sie sich auf den Bauch und ließ den Kopf zwischen den Pfoten verschwinden, legte die Rute unter ihren Körper und die Ohren an. Sie brauchte eine Pause, abgeschottet von der Realität.


Banshees Blick lag jetzt wieder auf Leyla, ihre Reaktion abwartend, die auf den ungestümen Rüden und vielleicht auch die zwei Fremden, die Banshee jetzt erwähnt hatte, kommen würde. Aber zunächst einmal kam gar nichts, die leise Stimme hallte in den Ohren der Leitwölfin nach, mit der sich die Weiße vorgestellt hatte. Sie war so brüchig und zitternd gewesen, als würde sie wirklich erwarten, vertrieben zu werden oder Schlimmeres. Schließlich schüttelte die weiße ganz leicht den Kopf, eine Geste, die Banshee nicht verstand, aber sie hatte auch keine Zeit, darüber nachzudenken. Leyla riss plötzlich die schlanke Schnauze gen Himmel und begann zu heulen. Zuerst klappten Banshees Ohren fast ein wenig nervös zurück, dann lauschte sie der erstaunlich kräftigen Stimme und ihre Nasenspitze begann zu zucken. Leyla war fast erschreckend ehrlich, wie eigentlich jeder Wolf, wenn er seinen Gefühlen durch Heulen Ausdruck verlieh. Dennoch war es schwer, es zu verstehen, woher diese Angst und diese Abgeschiedenheit kam … sie vermisste Alienna, das war deutlich, aber deshalb wurde man so? Zu Banshees fürsorglichen Gefühlen kam so etwas wie Skepsis, ihre Augen folgten bewegungslos der Weißen die sich jetzt fast schon auf den Boden warf, die Rute unter ihrem Körper, die Schnauze zwischen den Pfoten und die Ohren angelegt. Banshees Blick verengte sich leicht. Die Botschaft Leylas war deutlich, sie wollte in Ruhe gelassen werden, aber das passte der Leitwölfin gar nicht. Sie war hier noch immer die jenige, die darüber entscheiden durfte, und auch wenn die Weiße hilflos und verängstigt und überfordert war, so war sie doch noch immer eine erwachsene Fähe und eigentlich sollte man sie auch so behandeln. Banshee trat einen Schritt weg von Shit und wieder etwas näher zu Leyla, die sich durch ihr Benehmen etwas weiter entfernt hatte. Banshee wollte es nicht zugeben, aber sie war verwirrt und vielleicht sogar ein wenig überfordert, was sie sich natürlich nicht anmerken ließ. Sie liebte Leyla wie sie jedes Lebewesen liebte und sie wollte ihr zeigen, dass es keinen Grund gab, Angst zu haben, gleichzeitig machte das Verhalten Leylas Banshee fast ein wenig wütend, das war ihr Revier und zu allem Überfluss war auch noch Ranzzeit.

“Leyla, ich brauche eine Antwort, und zwar sofort. Wenn Ihr sie mir nicht gebt, so muss ich Euch aus meinem Revier vertreiben, auch wenn ich damit nicht glücklich bin. Wo ist Alienna und was habt Ihr vor? Sagt mir das, dann könnt Ihr euch zurückziehen, aber diese Antworten verlange ich.“

Ihre Stimme war fest und auch wenn sie nicht bedrohlich war, so ließ sie keinerlei Zweifel daran, dass sie wahr machen würde, was sie angekündigt hatte. Es gab Verhaltensregeln und da keiner der anwesenden Wölfe ihr auch nur ansatzweise etwas Böses wollte und auch nicht so gewirkt hatte, gab es irgendwo einen Punkt, wo die Akzeptanz für übertriebenes Verhalten aufhörte. Und dieser war in der Ranz ein wenig weiter vorgerückt, als sonst. Aber es ging noch weiter, mit einem Mal spürte Banshee ganz deutlich einen Blick in ihrem Rücken. Sie wirbelte herum, jetzt hatte sich ihr Fell gesträubt und die Lefzen waren nach oben gezogen. Sie war extrem angespannt und als sie dann dort einen fremden Rüden erblickte, weiß Engaya, warum sie ihn nicht schon vorher bemerkt hatte, drang ein leises Grollen aus ihrer Kehle. Schnell verstummte sie wieder und sie bemerkte, dass sie seinen Geruch kannte, während der Jagd hatte er in der Luft gehangen, dennoch war sie noch immer ungehalten.

“Kommt her, Ihr habt einiges zu erklären.“

Sie drehte sich wieder zu Leyla, jetzt saß sie allerdings schräger und dachte dem Fremden damit ganz deutlich einen Platz schräg von ihr zu. Ihr Fell stand noch immer senkrecht, auch wenn sie sich beruhigt hatte. Ihre Anspannung sah man ihr jetzt an, die Fürsorge war davon fast verschluckt.


Mit wachsamen Blick stapfte Averic durch den Schnee, die tiefblauen Augen auf seine Umgebung gerichtet. Das leichte Hinken war zwar immer noch vorhanden – genauso wie die aggressive Empfindlichkeit, wenn man seine Seite berührte – aber der Pechschwarze hatte so was von keine Lust mehr immer nur herum zu liegen. Außerdem fand er den weißen Schnee höchst interessant. Es fiel ihm viel leichter Dinge zu erkennen, als sonst, da der Schnee einen Kontrast erbrachte, der nicht alles gleich aussehen ließ. Das gefiel ihm, da war die Kälte egal – sogar schön. Vielleicht war es nur wenigen bewusst, doch der rabenschwarze Jüngling war von Geburt an farbenblind. Der Schnee konnte von ihm aus für immer liegen bleiben. Doch leider hatte Averic auch schon gemerkt, dass dies wohl ein unmögliches Unterfangen war. Es wurde spürbar wärmer, der Schnee pappig und feuchter. Das Weiß war bereits wieder am Verschwinden.
Murrend ließ sich der Alphasohn auf die Hinterläufe sinken, zuckte etwas mit den Ohren. Wo war eigentlich sein kleiner Träumer abgeblieben? Er witterte etwas in der Luft und ließ dabei den kühlen Blick schweifen. Averic war zwar nicht der Älteste, aber sah sich selbst als der große Bruder, der für seine Geschwister Malicia, Kisha, Hiryoga, Parveen und vor allem Cylin mitverantwortlich war und sie beschützen wollte. Wenn man Averic suchte, musste man bei Cylin anfangen und umgekehrt. Seinen kleinen, älteren – was in seinen Ohren immer total komisch klang – Bruder ließ er so gut wie nie allein.
Der Pechschwarze erhob sich einmal mehr und straffte seine Haltung. Jeder Muskel spannte sich an, das etwas struppige Fell stellte sich leicht auf. Sein Blickfeld hatte sich verdunkelt, irgendwie umgekehrt. Er konnte kaum etwas erkennen, fast nur schwärze und schmale, weiße Umrisse von der Umgebung. Ein Blinzeln ging durch die tiefblauen Augen, als langsam überall wieder kleine Flammen auftauchten. Averic drehte die Ohren zurück, dies war schon lange nicht mehr vorgekommen und bisher hatte es ihn jedes Mal verwirrt. Denn diese Flammen waren nicht so grau, wie sonst alles, sie hatten wohl .. ja das mussten Farben sein. Schnaubend tapste Averic am Ufer des Sees weiter, nicht ohne dabei seine Umgebung dabei unruhig zu betrachten. Wohin genau ging er nun eigentlich? Als der Jungwolf nach vorne schaute, viel ihm weiter hinten eine kleine Flamme auf, mit einer gleichzeitig warmen und doch kühlen Farbe. Verdammt, wie sollte man sowas definieren? Sie war hell, aber auch nicht ganz hell, passte zu dem Schnee, der hier überall lag und so versuchte Averic sich diese Flamme mal schwarzweiß vor zustellen. Sein Blick glitt kurz zum Himmel, doch da er im Moment eh nur Schwärze sehen konnte, brachte ihm das nicht viel. Wessen Flamme war das da vorne überhaupt? Averic duckte sich etwas, streckte den Hals vor um besser hinsehen zu können. Das seltsame Feuer besaß ein ruhiges, sanftes Lodern, welches manchmal kleine Funken, wie Sterne empor stob. Es zog den Pechschwarzen an und war ihm irgendwie sehr vertraut. Als ein leichtes Lächeln auf die Lefzen des sturen Jungwolfes trat hellte sich sein Blickfeld langsam wieder auf, die Flamme wurde transparent und gab schließlich einen schwarzen Wolf frei.

Cylin!“

Mit einem leichten Rutewedeln trabte Averic auf seinen Bruder zu, der da im Schnee saß und sehr gebannt in den Himmel starrte. So halt, wie es typisch für ihn war. Der schmale, aber schon sehr große Jungwolf stupste dem Träumer in die Seite und zog ihm dann leicht am Ohr, wie als wolle er ihn aus seiner Trance rausholen. Aber so war Averic einfach immer zu seinem kleinen Bruder und nur zu ihm. Sich auf die Hinterläufe fallen lassend wanderte nun auch sein blauer Blick in den Himmel. Noch immer dachte er scharf nach, wie man die Farbe nannte, die Cylins Flamme gehabt hatte. Wie beschrieb man das? Einen Augenblick gedankenverloren am Himmel wandte er sich dann zu ihm um.

Sag mal Cylin, welche Farbe hat der Himmel, wenn keine Wolken zu sehen sind?“


Zack hatte geduldig gewartet. Anscheinend hatte die Wölfin ihn aus irgendeinem Grund nicht sofort bemerkt, als sie es dann jedoch tat, sprang sie herum, ihr Fell aufgestellt und leise grollend. Das Grollen legte sich rasch wieder, jedoch sah die Fähe nicht gerade freundlich aus. Schuldbewusst verzog der Rüde leicht sein Gesicht, blickte sie jedoch weiterhin freundlich an. Sie blickte nun wieder zu der anderen Fähe. Sicherlich würde diese sich gleich aus dem Staub machen, sobald sie eben entlassen war. Er drehte sein eines Ohr Richtung Wald, sein anderes blieb aufmerksam nach vorne gestellt.

„Entschuldigt bitte mein unhöfliches Verhalten. Ich war in euer Revier gedrungen, ohne dass ich mich richtig angekündigt hatte. Ich hatte bemerkt, dass ihr eine Rudeljagd veranstaltet und wollte eigentlich am Rudelplatz auf euch warten, jedoch . . . gab es ja einige unglückliche Zwischenfälle. Ich war zu euch gekommen, auf das Jagdfeld und habe einige Hirsche getötet. Verzeiht mir, dass ich sozusagen auf eurem Revier gejagt habe, aber es sah nicht so aus als ob alles unter Kontrolle wäre und ich konnte nicht mit ansehen, wie all die Wölfe verletzt und getötet werden. Doch wollt ihr lieber erst die Fähe dort vorne. . . erlösen? Sie scheint nicht entspannt zu sein, nein gar nicht, eher ist sie total verängstigt und erschreckt und ich glaube wenn sie noch länger warten muss wird sie unhöflich und geht ohne Erlaubnis. Ich werde warten, bis ihr fertig seid und euch dann Rede und Antwort stehen“

Lächelnd endete er und blickte die Alphawölfin an. Er hoffte, dass sie nicht mehr lange auf ihn böse war. So wollte er sein Leben in diesem Rudel nicht offiziell beginnen. Wieder bewegte sich sein eines Ohr nach hinten. Bildete er sich das ein oder roch es hier nach. . . Er witterte noch einmal. Sein Blick wurde für eine Sekunde abwesend, träumerisch, doch dann blickte er wieder zu der Leitwölfin und versteckte seine Gedanken hinter seinen goldenen Augen.

oO (Kann das sein? Warum wittere ich Neyla hier? Wieso hier in diesem Rudel? Gehört sie etwa diesem Rudel an? Aber nein, dass kann nicht sein. Ich habe sie nie vorher wahrgenommen? Dann kann sie nicht hier sein. Das ist unmöglich. Sie ist weit weg, viel unterwegs. Wer weiß, was sie alles erlebt hat. Sie konnte nicht hier sein. Garantiert nicht. Mach dir bloß keine Hoffnungen.)Oo

Äußerlich jedoch war er ganz gelassen. Locker stand er da, ließ seine Rute leicht hin und her pendeln und konzentrierte sich auf die Fähe. Abwartend näherte er sich ihr nicht, wollte doch auch nicht die zweite Fähe erschrecken und gänzlich in die Flucht schlagen. Das Theater was sie abgezogen hatte, hatte er sorgfältig in seinem Kopf abgespeichert, so wie er es immer automatisch machte. Viel komisches Verhalten hatte er schon gesehen, doch solch ein stark ausgeprägtes gab es nur selten. Hatte er nur selten miterlebt und es war schwer, solchen Wölfen wieder vertrauen zu schenken. Innerlich ging er schon verschiedene Möglichkeiten durch, ehe er sich zu Recht wies.

oO (Du kannst nicht immer allen Wölfen helfen, denen es schlecht geht, sonst bist du selbst später irgendwann ein nervliches Wrack. Als ob du nicht so schon fertig genug wärst, auch wenn du dich selber anlügst und allen was vorspielst! So wie Neria. Schluss, nicht so was denken. Ja sie ist auch eine Schauspielerin wie ich, vielleicht war das ein Grund, dass wir so gut zusammenpassten, aber das ist vorbei. Ich liebe dich Neyla . . .) Oo

Setzen wollte Zack sich nicht. Doch entlastete er nun eine seiner Hinterpfoten, da diese schrecklich zu kribbeln anfing. Was sollte das nun wieder bedeuten? Er witterte noch mal, senkte doch schnell die Nase.

oO (Lass das Zack!)Oo

Er lächelte wieder sanft und sein Blick richtete sich nun fester auf die Alphafähe, damit er ja nicht auf dumme Gedanken kam und die andere Fähe ansprach. Das wäre sehr, sehr unvorteilhaft gewesen. Ruhig stand er also da und wartete.



Das Fell der weißen Fähe schimmerte zwischen den Bäumen hindurch, als sie sich der kleinen Gruppe an Wölfen näherte. Sie hatte die ganze Zeit geglaubt, dass sie ihr fremd geworden waren, während sie mit ihrem geliebten Gefährten in dessen Heimat verweilt hatte. Er hatte Recht gehabt, es war wie eine Art Himmelsreich gewesen. Alles war so erstaunlich still gewesen, so unberührt. Und doch hatte Ayala die Anwesenheit einer Macht gespürt, die sie hier nicht in dem Maße verspüren konnte. Ihr Gefühl der Schuld, nämlich das ganze Rudel in Gefahr gebracht zu haben und unzählige Leben der Hirsche auf dem Gewissen haben, war nach und nach dem Gefühl der inneren Ruhe und der Befreiung gewichen. Wäre Falk nicht da gewesen … sie hatte mehr als je begriffen, dass sie ohne ihn nicht mehr würde leben können. Er war derjenige gewesen, der an sie geglaubt hatte, als sie doch schon längst aufgegeben hatte, er hatte ihr gezeigt, was heißt zu leben, was es heißt anzunehmen.
Und mit den Nächten und Tagen die vergingen, verging auch ihr Gefühl der Distanz. Langsam begriff sie, dass sie wieder aufgenommen werden würde. Sie war feige gewesen, doch sie würde zurückkehren und für ihre Fehler gerade stehen. Sie würde sich selbst wieder akzeptieren und für andere da sein.
Ayala trat aus dem Schatten der Tannen und sah nun deutlich ihre einstige Schwester. Wenn sie auch wusste, dass sie nicht zögern würde, war sie innerlich doch sehr unsicher. Sie nahm kurz die Situation in sich auf, dann ging sie auf Banshee le Fay zu. Ayala wusste nicht, welche Aufgaben ihr Gegenüber gerade zu bewältigen hatte, sie wirkte etwas angespannt, dennoch wollte sie nicht länger warten. Sie berührte mit ihrer Schnauze sanft das Fell ihrer Alpha, schloss die Augen und sog den Duft ein, der ihr schon vor einiger Zeit verkündet hatte, wieder im Revier zu sein. Der Duft, der für sie Heimat bedeutete.
Ayala verweilte für kurze Zeit und trat wieder zurück; sie wartete, bis sie Banshee in die Augen sehen konnte. In diesem Blick lag alles, was jemals zwischen ihnen gestanden haben könnte. Es lagen darin Annehmung, Versprechen, Vertrauen, Schmerz und Verständnis und alles, was fehlte, um ein Ganzes zu ergeben.
Dann erst sah sie sich um … dort standen sie alles … Shit, eine weiße Fähe und noch ein offenbar Neuer. Der Blick der Fähe blieb an der Weißen hängen, jene sah so traurig, so abwesend und gleichzeitig so ängstlich aus. Ayala entschied schnell, sie schenkte Banshee, die offenbar genug zu tun hatte, noch einen letzten Blick, der etwas wie „Ich kümmer mich um sie“ bedeuten sollte und ging dann langsam auf die Weiße zu. Sie bemühte sich um einen freundlichen Aisdruck in den Augen, in Wirklichkeit kämpfte sie mit den Tränen, sie war wieder zu Hause.



Mit kurzen, aber schnellen Schritten begab sich der junge Welpe immer tiefer in die Wälder des Sternensees, er wusste nicht wohin er wollte, er wusste nur eins; er musste weg, weit weg immer weiter und weiter, so weit wie ihn seine recht schlanken, kaum muskulösen Läufe trugen. Er wollte nicht stehen bleiben, nicht einmal für Sekunden verharren, hier konnte er den Geruch des Rudels kaum wahrnehmen, endlich konnte er aufatmen, einen Augenblick lang die Ruhe genießen, bevor ihn etwas weiter trieb, sein Gewissen, die Erinnerungen. Sein eines Hinterbein lahmte leicht, ob dies je aufhören würde, war fraglich, es war eine Narbe der Zeit, etwas was ihn für immer an die Schreckensjagdt erinnern sollte und es würde. Der Hellbraune zog den Lauf etwas an, als er daran dachte, meinte ein Ziehen durch sein Hinterbein zu spüren, doch war es nur wie immer eine Erscheinung, eine Einbildung. Er schüttelte leicht den schmalen Kopf und richtete den Blick der grünen Augen nach vorne, er musste vorsichtig sein, der Schnee schmolz recht stark, auch hier verspürte man die schon recht klebrige Masse an den Pfoten, nicht lange hatte er den Schnee als schön empfunden und die Tollerei in ihm genossen, er war kalt und irgendwann war die Lauferei in dieser Masse mühsam und die Pfotenballen rissen auf. Die Ohren schnippten vorne zur Seite, betrübt ließ er auch den Kopf etwas hängen, die Rute baumelte gelangweilt zwischen den Hinterläufen, wohin wollte er? Er wusste es nicht, woher sollte Hiryoga es auch wissen? Er wollte nur fort, am liebsten für immer, doch dies ließ sein Verstand nicht zu, die Liebe zu seiner Familie. Aber im Moment passte sie ihm nicht, nicht einmal seine Mutter, denn die Ranz hatte begonnen, wie er sich hatte erklären lassen, die Fähen waren bereit neue Welpen zu kriegen, sich zu 'paaren', alles spielte verrückt, nur er verstand den Trubel um diese Zeit nicht, er wollte sie nicht verstehen. Seine Mutter würde bald neue Welpen kriegen und ihre alten, er und seine Geschwister waren abgeschoben, sie hatten ja die Paten, wahrscheinlich hatten sie sie deshalb bekommen, damit jemand da war, der sich um sie kümmerte, wenn die Schneeweiße neue Welpen hatte und keine Zeit für ihre Alten, so war der Lauf der Dinge. Dem Hellbraunen war dies egal geworden, seine Mutter und seine Patin, sollten sie sich um die neuen Welpen kümmern die kommen sollten, ihm konnten sie eh nicht helfen und er wollte ihnen nicht unter die Augen treten, seit der Jagd ging er ihnen ständig aus dem Weg wo er nur konnte, bestimmt war es ihnen aufgefallen, doch warum sollten sie sich dafür interessieren? Er verstand es, seine Mutter hatte fiel zu tun und Kaede war langsam alt und schwach, sie sah kaum noch etwas und ihr Leben hatte an einem seidenen Faden gehangen, er verstand alles. Sein Körper strich an einer Tanne vorbei, er spürte die raue Rinde und die kühle des Baumes, er verharrte, ließ den Blick zu der Baumkrone schweifen und seufzte leise. Hiryoga lehnte den Kopf an die Tanne und lauschte, war das Leben was er hörte? Der Baum schien zu atmen und in ihm schon die ersten Käfer wohl. Mit einem Kopfschwenken stoßte sich der Rüde vom Baum ab und lief weiter, es war erstaunlich das seine Läufe noch durchhielten, das er noch nicht schlapp machte, aber das hatte er wohl den letzten Wochen zu verdanken, in denen er ständig rumgestreunt war und sich selten ausgeruht hatte. Ruhig flossen seine Bewegungen ineinander, er war jung und dumm, kannte die Gefahren des Schnees und des tiefen Waldes nicht, vor allem weil er sich alleine zurückgezogen hatte, schon seit Stunden war er unterwegs, außer Reichweite der anderen, keiner wusste wo er war, keiner wollte es wissen.
Natürlich geschah was geschehen musste, für seine Dummheit wurde der Hellbraune bestraft, zu spät spürte er den Schnee unter sich nachgeben, er fiel vielleicht gute zwei Meter, vielleicht auch mehr, vielleicht auch weniger, er konnte es nicht beurteilen, sein Körper schlug hart auf dem erkalteten Boden auf, auch der Schnee dämpfte den Fall kaum ab. Der Rüde spürte nur, wie er auf den Bauch und die Lungen prallte, spürte den Schmerz in seinem Körper und ein Zittern, welches sich durch seinen Körper schlich. Er verharrte Augenblicke, in Wahrheit mehrere Minuten, unfähig sich zu bewegen, spürte seinen Hinterlauf der schon angeschlagen genug war, unter seinem Körper und ahnte nichts Gutes. Ein Röcheln entfloh seiner Kehle und wenige Sekunden später begann er zu würgen, doch das einzige was seine Kehle verließ war Blut, eine kleine Blutlache hatte sich unter seiner Schnauze gebildet, er ahnte nichts gutes, eine alte Wunde aufgerissen? Langsam hob der Welpe den Blick, er war in einem ca 1.5 Meter breiten und zwei Meter hohen Loch gefangen, Schnee um ihn herum und Erde, seine Kehle konnte keinen Ton erklingen lassen, niemand wusste wo er war und es war schon Nachmittag. Sein Leben war besiegelt, er bekam das was er gewollt hatte, aber wollte er es immer noch? Ihm war es recht egal, was mit ihm geschah, er sah keinen Sinn in seinem Dasein mehr, also was sollte es noch? Er wollte nicht auf Rettung hoffen, sodass er den Kopf auf den Pfoten bettete und seiner schweren Atmung zuhörte.




Fluchend stand das Mädchen auf. Lange genug hatte sie nun gerastet. Nun musste sie das Revier dieses Rudels betreten. Konnte nur hoffen, dass sie nicht gleich verjagt wurde. Dass nicht Wölfe unter ihnen waren, welche schlecht auf „Menschen“ zu sprechen waren. Bei diesen wäre es dann sehr gefährlich, sie konnten sie angreifen ehe sie bemerkten, dass sie kein richtiger Mensch war. Kopfschüttelt ging sie los. Sie hatte noch nie eine solche Situation gehabt. Sonst war sie wenigstens als Wolf in die Rudel gekommen und selbst da hatte sie nur Abneigung empfangen, wie schlimm sollte es also diesmal werden? Doch wagen musste sie es, wollte sie doch so gerne ein Rudel finden, in welchem sie wenigstens geduldet wurde. Mehr verlangte sie doch nicht. Und sie war doch wirklich umgänglich. Außerdem würde sie sich auch bald wieder in einen Wolf verwandeln können, dass wusste sie. Einige Tage noch, dann würde sie genug Kraft haben um die Verwandlung durchführen zu können. Vielleicht waren die Wölfe dann nicht mehr soo abgeneigt von ihr. Und sie würde sich sicher unter Kontrolle halten können. Hoffte sie zumindest. Zweifelnd schritt sie erst langsam voran, doch dann seufzte sie und ging mit kräftigen Schritten weiter. Sie wollte schließlich kein Jammerbild abgeben. Und sie war ja kräftig und das wusste sie, auch wenn man es ihr vielleicht nicht ansah. Die dünnen Arme schlenkerten um ihren schmalen, zierlichen Körper und ihre ebenfalls wohlgeformten Beine schritten nun selbstbewusst voran. Nur einmal blieb sie kurz stehen, sammelte Luft und stieß ein Heulen aus, welches von dem eines Wolfen kaum zu unterscheiden war. Für Menschen Ohren zumindest. Für Wölfe musste es sich reichlich jämmerlich anhören, dass wusste Thylia, doch konnte sie es nicht ändern. Sie wollte nicht unangekündigt einfach auf die Wölfe zukommen, sie sollten wenigstens einigermaßen vorbereitet sein. Sie lauschte einige Augenblicke. Sie war froh, dass sie immer noch ein besseres Gehör als die Menschen besaß, auch ihre Kraft und ihre Schnelligkeit waren verändert worden. Sie hatte sich angewöhnt leise zu schleichen und so tat sie es auch jetzt. Sie mied instinktiv Äste, welche knacken würden und schlich fast lautlos durch das Revier. Sie wusste ungefähr wo Wölfe waren. Genau orten konnte sie es jedoch nur durch den Geruch nicht und so hoffte sie, dass die Alphawölfin ihr antworten würde. Ihr den Weg weisen würde. So ging sie zwar rasch, aber trotzdem so, dass sie sogleich ihre Richtung ändern konnte. Vorerst hielt sie auf die Wölfe zu welche sie in der Nähe verspürte und deren schwachen Duft sie wahrnahm. Zum Glück war Ranz, das machte die Gerüche intensiver. Aber gleichzeitig waren die Wölfe auch gereizter, allgemein was Fremde anging und dann auch noch sie. Ein „Mensch“. In Gedanken versunken ging sie weiter und bemerkte die Wölfe erst, als sie fast aus den Büschen trat. Überrascht blieb sie stehen und fand sich einigen Wölfen gegenüber. 3 weiße Fähen, sowie zwei grauen Rüden. Sie lächelt verzagt. Angst hatte sie keine, nur Respekt. Stand sie hier wohl schon der Alphafähe oder dem Alpharüden gegenüber? Die eine der weißen Fähen sah so aus, als ob sie zumindest eine sehr hohe Position einnahm und so nahm Thylia all ihren Mut zusammen und fing langsam an zu sprechen. Sprechen in der Sprache der Wölfe. Geschickter weise war es so, dass unter Menschen, diese sie verstanden und unter Wölfen diese sie jedoch auch. Ihr war es ein Rätsel, wie so etwas funktionieren konnte, aber sie war froh darüber.

„Entschuldigt bitte mein plötzliches Erscheinen. Ich hoffe ich habe niemanden erschreckt, ich habe mich extra angemeldet. Dann dachte ich aber, ich steuere einfach mal auf die Wölfe in der Nähe zu und so bin ich bei euch gelandet. Ist einer von euch hier Alphawolf?“

Dabei hatte Thylia sich so gestellt, dass sie die Frage an die eine weiße Wölfin richtete, von der sie dies annahm. So war es gleichzeitig nicht schlimm, wenn diese es nicht war und aber auch günstig wenn sie es war. Abwartend stand sie nun vorerst da, ehe sie abermals sprach.

„Bitte habt keine Angst vor mir. Sicher werdet ihr es alle erfahren, doch erstmal möchte ich hören was die Alphafähe sagt. Sonst kann ich mir meinen Atem sparen und weiterziehen.“


Es war wirr, nicht zu verstehen, aber trotzdem war er immer noch dach. Dennoch Abseits von allen stapfte der Tiefschwarze durch den tauenden Schnee, jenen leeren Blick ins Nichts gerichtet. Gedankenleer und seelisch so müde...
Die saphirblauen Augen strichen trübe über die Umgebung. Eine aussichtslose Situation. Face spürte, wie auch seine Seele langsam starb, sich nicht mehr regen wollte. Das hieße, bald war nicht nur der Körper eine bloße Hülle, sondern auch sein Inneres ertaubte vollkommen.
Das reine Schwarz erhob sich von dem hellen Weiß und stellte eine Pfote voran. Stumm drückte der Flammentänzer sie in den Schnee, hielt inne. Den Blick fest auf das Phänomen gerichtet hob er den Lauf wieder, konnte sehen wie sein Abdruck verblasste, als seie er niemals da gewesen. Der Tiefschwarze sah weg, spürte wie sich seine Seele schmerzhaft zusammen zog. Es blieb ein Druck zurück und als Face den Blick hinter sich richtete, trafen seine Augen einmal mehr die des Indianerjungen. Ein kalter Schauer rieselte auf sein Inneres nieder.

~|“Face. Warum bist du eigentlich immer noch hier?“|~

Der Tiefschwarze senkte den ausdruckslosen Blick, verspürte im Inneren nur diese Abneigung, die wollte dass er wieder verschwand!

Das fragst du mich allen Ernstes...?“

Ein höhnisches Grinsen trat in Clouds Gesicht. Er trat an Face vorbei, hockte sich direkt vor ihn und griff nach dem, am Lederband befestigten, Saphir. Langsam zog er den Wolf etwas näher an sich heran.

~|“Ich meinte hier – an diesem Ort.“|~

Der große Rüde lehnte seinen Kopf nach hinten und als sich das Lederband bedrohlich spannte ließ der kleine Junge los. Wortlos ging jener Gefangener des stillen Ozeans weiter. Spurenlos durch den hellen Schnee. Sein toter Freund begleitete ihn, er wollte schließlich eine Antwort und er wusste, dass er sie bekommen würde. Irgendwann richtete Face Taihéiyo seinen Blick wieder auf Cloud.

Nur wenn ich hier bleibe, .. kann ich darauf hoffen, dass er mich irgendwann .. annimmt.“

Obwohl sein Freund auflachend stehen geblieben war, lief der Rabenschwarze weiter, ohne sich auch nur einmal umzusehen. Er hörte nichts, spürte nichts, sah bloß den verschneiten Wald vor sich – hier und da tauende Eiszapfen tropfen, es interessierte ihn nicht mehr. Plötzlich befand sich ein Gesicht direkt vor ihm. Ein stummes Knurren verließ Faces Kehle als er einen Schritt zurück trat. Der Indianerjunge hing kopfüber von einem Ast herunter, sich mit den Kniekehlen daran klammernd und starrte den Tiefschwarzen gehässig an.

~|“Vergiss es! Du bist verdammt! Er wird dich niemals annehmen, vorher geht die Welt unter!“|~

Kälte machte sich in Faces Seele breit, eine Kühle die sogar bis in seine matten Augen reichte.

Und was ist dann...?“

Clouds Grinsen verschwand, er sah den Rüden finster an und schwang sich wortlos wieder aufrechtsitzend auf den Ast. Face konnte einen Zischlaut seinerseits wahrnehmen, dann sprang der Junge hinunter und verschwand. Genau so wortlos wandte sich der tiefschwarze Wolf wieder ab.
Das war nicht mehr der Cloud den er einst kannte, den er mit seinem Leben hatte schützen wollen. Auch wenn er dies nicht geschafft hatte, so war er trotzdem nicht mehr der selbe, sterbende Junge, neben dem der damals junge Wolf ausgeharrt hatte. Bis zum Ende. Ach, es war sinnlos darüber nachzudenken...
Langsam wurde sein Umfeld wieder klarer, seine Seele nahm Geräusche wieder auf. Die Ohren wie immer nur steif nach vorne gerichtet, meinte er plötzlich etwas Seltsames vernommen zu haben. Oder war es bloß das leise Wimmern seiner gebrochenen Seele? Nein. Sein saphirblauer Blick bannte sich auf eine Vertiefung im Schnee. Zögernd trat der Pechschwarze näher und senkte dann den Kopf um hinein zu schauen. Tatsächlich. Seine Seele hatte nicht nur gemeint einen Wolf in der Nähe zu spüren, dort unten kauerte wirklich einer. Wie kam der denn hier her? Zudem waren auch nur die Welpenspuren im Schnee zu erkennen. Der Braune gehörte aber zum Sternenwindrudel, dass wusste sogar Face. Na toll. Und nun? Er konnte den Kleinen ja schlecht seinem Schicksal überlassen – obwohl .. bei ihm machte man doch das selbe, nicht? Nein .. kein Vergleich. Außerdem wusste er wie schrecklich es war alleine allem ausgesetzt zu sein, da wollte er nun wirklich nicht, dass andere das Selbe erleiden mussten. Aber wie bekam er, der seinen toten Körper eh kaum kontrollieren konnte, den jungen Wolf da wieder heraus? Erst mal .. sollte er hier nicht so stumm herumstehen und den Jungwolf mit leblosen Blicken traktieren. Langsam öffnete er den Fang.

Hey .. ähm .. Alles in Ordnung?”,

erklang Face Taihéiyo’s tonlose Stimme. Was für eine dumme Frage.. Aber das fragte man wohl einfach so. Vorsichtig schob er seine Pfoten etwas näher an das Loch heran. Eigentlich konnte er dort einfach runterklettern, aber es war schwieriger dabei nicht auf dem Braunen zu landen..

Atalya
24.12.2009, 19:35

Als die Alphawölfin sprach, blinzelte sie hinter ihren Pfoten hevor und stellte die Ohren zu ihr, um sie genau hören zu können, auch den Klang der Stimme. Sie mußte sie verstehen lernen, kennen lernen um sich ein Bild von ihr machen zu können. Um ihr vertrauen zu können, brauchte sie in erster Linie Zeit. Viel Zeit und Ruhe. Nur zur Zeit hatte sie weder das Eine noch das andere. Und daß sich nun noch weitere Wölfe hinzugesellten, verschärfte die Situation. Leyla fühlte, daß sie im Mittelpunkt stand und daß sich sicher jeder seinen Teil über sie dachte. Sie fühlte sich schlecht. Sie wollte nicht im Mittelpunkt stehen. Sie fühlte sie wie ein unartiger Jungwolf. Sie merkte, wie ernst es der weißen Wölfin war und daß sie es gewöhnt war, alles in den Pfoten zu halten und den Überblick zu haben. Sie war ihr etwas Neues, etwas Fremdes und sicher keine Begegnung, wie sie üblich war. Sie fühlte sich von ihr etwas unter Druck gesetzt. Aber auch durch die Anwesenheit anderer.
Nervös und unsicher hob sie den Kopf und ließ die Augen in der näheren Umgebung umherwandern, sah sie sich genau an, die Gesichter. Sie mußte nun etwas sagen. Sie wußte, daß man etwas von ihr verlangte. Und sie hatte das Gefühl, etwas Falsches, etwas Schlechtes getan zu haben.

„Es tut mir doch Leid. I-ich wußte nicht..ich weiß nicht..“

Sie hörte kurz auf. Sie wollte die ersten Reaktionen sehen und schnell nachdenken, wie der Satz denn nun noch zu einem richtigen Satz werden konnte.

„Alienna..es..es ist nicht..meine Schuld! Glaubt mir! Ich..sie..
Wir..“


Ja wir. So schön war das Wir. Und jetzt ist das Wir ein anderes.
Ein fremdes, neuartiges Wir.
Leyla bemerkte, daß sie streng sein konnte. Womöglich war sie sauer, weil sie das Gefühl hatte, der Rüde wollte sich anschleichen. Und wie er erst über sie sprach. Wird sie unhöflich. Wer war hier unhöflich? Als sie das hörte, öffnete sie das Maul einen kleinen Spalt weit und sah ihn leicht erschrocken über diese Bemerkung an. Leyla kam sich vor wie ein Problemfall. Nun..vielleicht war sie das aber auch. Es schien so, als käme nur einer mit ihr klar. Alienna..wo bist du?


Banshees Blick lag ungehalten auf dem fremden Rüden, der nicht wirklich fremd war. Sein Geruch war fast erschreckend vertraut, er schien schon recht lange hier zu sein, was sie nur noch mit größerem Unmut erfüllte. Immerhin machte er einen friedlichen, besonnenen, zurückhaltenden und einfach freundlichen Eindruck, was sich Banshees Fell wieder etwas glätten ließ. Seien Erklärung trug zusätzlich dazu bei, dass die Lage etwas entspannter wurde, er war das Gegenteil von Leyla und das machte die Leitwölfin fast etwas erleichtert. Was er sagte klang einleuchtend, auch sie hätte es in etwa so gedacht, dass er ihnen sogar geholfen hatte, machte sie zum Teil dankbar, zum Teil aber auch etwas unglücklich, er hatte auch getötet, er war bei dieser Katastrophe dabei … er … nunja, eine Gefahr schien er in jedem Fall nicht zu sein. Sein Hinweis auf Leyla tat sie mit einer Schnauzenbewegung ab, er hatte natürlich Recht, aber sie war der Meinung, dass sich die Lage leichter lösen ließe, wenn weniger Wölfe um die Weiße herumstanden. Bevor sie jedoch irgendetwas sagen konnte, berührte sie eine feuchte Nase, Ayala stand neben ihr. Zuerst schoss Wiedersehensfreude in ihr Gesicht, dann erkannte sie den Blick der Weißen und die Euphorie, die sich noch in keiner Faser ihres Körpers gezeigt hatte, wurde zu Melancholie. Ebenso unsichtbar. Und nur gedämpft, sie berührte ihre Schwester im Geiste leicht an der Stirn, dann schritt diese schon auf Leyla zu und tiefe Dankbarkeit fand sich in Banshees Blick wieder, der sanft auf der jüngeren Fähe ruhte. Das war es, was sie so sehr an ihr schätzte, das Wissen, wo sie helfen musste und die nötige Selbstverständlichkeit, mit der sie es tat. Sie beide waren einfühlsam und sanft, dennoch, darüber wurde sie sich immer bewusste, hatte Banshee mit der Zeit als Leitwölfin die Härte gelernt, vermisste sie manchmal und war froh, sie in Ayala zu sehen. Leyla war in guten Pfoten. Die Fähe regte sich wieder, antwortete tatsächlich, aber Banshees vorheriger Geduldsfadenriss hatte die Sache nur schlimmer gemacht. Mit den Antworten war nichts anzufangen, Leyla schien fast der Meinung zu sein, dass Banshee ihr etwas unterstellte. Sachte schüttelte sie den Kopf, wieder ruhiger.

“Leyla, dies ist Ayala. Sie wird sich besser um dich kümmern können, als es mir momentan erlaubt ist. Hab keine Angst vor ihr.“

Sie vertraute Ayala blind, wohl wissend, dass sie das erledigen würde, wozu Banshee jetzt keine Nerven hatte. Ruhig wandte sie sich dem Rüden zu, ihm blieb sie noch immer eine Antwort schuldig. Die Sache mit Leyla hatte sie Ayala anvertrauen können, so konnte sie ihre gesamte Aufmerksamkeit ihm zuwenden. Abgesehen davon, dass Shit noch immer neben ihr lag. Shit eben.

“Ich dachte mir, dass Ihr schon länger hier verweilt. Ich danke Euch, für Eure Ehrlichkeit, ich denke, wir sollten das Vergangene vergessen, es sind keine schöne Erinnerungen. Die Zukunft wird Besseres bringen, davon bin ich überzeugt, was habt Ihr in ihr vor? Euren Namen würde ich noch gerne wissen; ich selbst bin Banshee.“

Sie bemerkte die leichte Unaufmerksamkeit …. fast Abwesenheit … des Rüden. Irgendetwas schien ihn zu beschäftigen, aber Banshee beachtete es nicht weiter. Auch sie beschäftigte viel, Gerüche lagen in der Luft, die sie noch nie zuvor gerochen hatte und im Allgemeinen war sie mit der Lage noch nicht zufrieden. In eben jenem Moment erklang ein Heulen. Sie schreckte auf, es war kein normales Heulen … es klang seltsam kehlig, fast unecht … so nicht nach Wolf. Ihre Ohren drehten sie nach hinten, noch lagen sie nicht an, aber man merkte ihr die Anspannung plötzlich deutlich an. Die Luft verriet eine weitere Wölfin, sie näherte sich, aber … Banshee wandte sich schräg von Zack ab, der würde ihr schon verzeihen, auch er musste dieses Heulen als … unwölfisch einstufen. Was dann dort aus dem Wald trat, überstieg jedoch jede Erwartung der Weißen. Es war ein so absonderliches Wesen, dass sie nicht mal Angst empfand. Es stand auf zwei Beinen, kein Fell bedeckte den rosigen Körper, der wie die Haut von gerade geborenen Welpen aussah. Ihr ganzer Körper schien deformiert, ihre Pfoten waren seltsam gekrümmt … sie war nicht beschreibbar, aber so unglaublich fremd. Und sie roch nach einer ganz normalen Wölfin. Das ganze schien aber nicht genug, plötzlich begann das Wesen zu sprechen, sie redete in ihrer Sprache, es klang etwas fremd, aber es war verständlich … All die anderen Lebewesen, die Geflügelten, die Huftiere und die Fische, sie alle sprachen ihre Sprache, die die Wölfe nicht verstanden. Aber dieses Lebewesen … Sie trat vor, stellte sich deutlich zwischen die vier Wölfe hinter ihr und das absonderliche Wesen. Es schien keine Gefahr von ihm auszugehen, aber es war unbeschreiblich fremd und sie hatte die Verantwortung über ihr Rudel hinter ihr.

“Ich weiß nicht, was Ihr seid, warum Ihr in unserer Sprache sprecht und was Ihr von uns wollt, aber ich denke nicht, dass wir Euch irgendetwas bieten können.“

Ihre Stimme war ruhig, sie stand aufgerichtet im Schnee, machte keinen gefährlichen Eindruck, schien aber wieder gewachsen zu sein, eine Fähe, die wusste, was sie wollte und die sofort reagieren konnte, sollte irgendetwas unvorhersehbares geschehen.

“Ich bin die Leitwölfin. Ich habe nie ein Wesen wie Euch gesehen und die Tatsache, dass Ihr nach eine Wölfin riecht, verwirrt, aber da Ihr keine seid, müsst Ihr Euer Leben bei Eurer Gattung leben und wir unseres bei unserer.“

Es klang nicht abweisend, es waren nur nüchterne Feststellungen. Banshee war es schleierhaft, was das Wesen von ihnen wollte. Es war, als wäre ein Puma zu ihnen gekommen, um sich mit ihnen zu unterhalten. Pumas und Wölfe waren keine Feinde, aber auch keine Freunde. Sie lebten Seite an Seite, ließen sich aber in Ruhe, lebten nach unausgesprochenen Gesetzen, die jeder kannte … du lässt meine Jungen am leben, ich lasse deine. In dieser Art. Nur war dieses Wesen weit aus fremder und verwirrender.


(Zack, Leyla, Shit, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Die Anwesenheit so vieler fremder ließ Leyla immer abwesender werden und in sich zurückkehren. Sie vertiefte sich in ihr Inneres und begann zu träumen. Sie war gar nicht hier. Sie war fern, bei Alienna vielleicht, oder bei ihrem Rudel. Ob schöne Erinnerungen oder schlechte, nur nicht hier. Sie war maßlos überfordert mit dieser neuen Situation. Es war, als wäre das alles, die Begegnung, die Gespräche mit Alienna, nur ein Traum gewesen und jetzt hatte man sie unsanft aus dem einzigen schönen Traum, den sie je hatte, geweckt.
Als sie langsam wieder etwas von der lokalen und zeitlichen Realität mitbekam, hörte sie, wie Banshee, die Alphawölfin, ihr eine andere Wölfin zuwies. Als sie sie anblickte, wurde Leylas Blick ungewöhnlich zurückweisend. Vertrauen sollte sie ihr können. Wußte die Fähe überhaupt, was Vertrauen war? Sie kannte sie so gut wie überhaupt nicht und wollte wissen, wer zu ihr paßte. Sie hatte doch noch nicht ein Mal gesehen, was sie und Alienna erlebt hatten. Aber..sie kannte Aliena, wie Leyla es verstanden hatte. Das bedeutete, sie wußte ungefähr, mit welchen Wölfen sie gut klarkam. Aber warum entfernte sie selbst sich gleich wieder von ihr? Wollte sie die Mitglieder ihres Rudels für eine Arbeit zuweisen, die sie selber nicht machen wollte? Wollte sich die Alphafähe nicht mit so hoffnungslosen Verlierern wie Leyla abgeben? Sicher, in erster Linie gab sich Leyla selbst die Schuld. Obwohl sie so war wie sie war. Doch daß Banshee erst so neugierig war und mit ihr gesprochen hatte, wie es angemessen war, mit einer solch verstörten Wölfin zu reden und nun eine andere, noch fremderen Wölfin zu ihr schickte, gab Leya nicht unbedingt ein besseres Bild von der Anführerin. Leyla trat noch einen Schritt zurück, als die Fremde auf sie zukam. Sie sah sie fragend an, erforschte ihre Gesichtsausdrücke. Sie hatte den Kopf nahe über dem Boden und die Hinterläufe schon bereit um wegzurennen, wie sie es nicht selten tat, wenn sie überfordert war. Sie konnte eben immer nur flüchten. Sie war keine Kämpferin. Und sie wollte auch nicht kämpfen. Sie legte ihre Schnauze wieder zwischen die Voderpfoten, sah mit den Augen aber zu ihr hoch und studierte weiter ihre Blicke und wartete, wie sie wohl reagierte.



Die weiße Fähe hörte Banshees Worte bloß, sie konnte ihre Alpha nicht sehen, denn sie lief gerade wieder weg von ihr, auf die fremde Wölfin zu. Dennoch war es kein Abschied, im Gegenteil, Banshees Worte zeigten Ayala, dass sie angenommen war, dass sie weiterhin das Vertrauen ihrer Schwester im Geiste geschenkt bekam. Es erfüllte die Fähe mit einem unglaublichen Gefühl der Geborgenheit und der inneren Anerkennung. Gleichzeitig wurden ihr die ernsten Worte ihrer Alpha bewusst, diese fremde Fähe betreffend, die wohl Leyla genannt wurde. Ayalas innere Zufriedenheit wurde plötzlich von einer tiefen Traurigkeit abgelöst. Sie ging weiterhin auf jene, die Leyla genannt wurde, zu, jedoch verlangsamte sie ihre Bewegungen, sodass sie schließlich fast stand, als sie nur noch einige Meter von Leyla entfernt war. Ayala kannte die fremde Fähe nicht, sie wusste weder, wie sie mit ihr umzugehen hatte, noch was passiert war. Deshalb hielt sie erst einmal Distanz – ihre Entscheidung wurde bestärkt, als Leyla einen Schritt zurückwich. Ayala sah die Weiße an, die sich offenbar genauso wünschte, etwas im Gesicht der anderen erkennen zu können. Nicht, dass Leylas Körperhaltung nicht schon genug ausgedrückt hätte, nein, Ayala wollte den Grund dieser Verzweiflung in Leylas Ausdruck erkennen. Was mochte passiert sein? Ayala war sich nicht sicher, ob kurz zuvor der Name Alienna wirklich gefallen war, sie hatte nur etwas vernommen, das dem Klang ihres Namens glich.
Vorsichtig, mit Behutsamkeit in ihren Bewegungen und Sanftheit in ihren Augen, kam die Fähe näher. Ihre Haltung und ihre Mimik sollten zeigen, dass sie als Freundin gekommen war, als eventuelle Zuhörerin oder gemeinsam Schweigende – nicht jedoch als Feind oder aus einem neugierigen Wesen heraus. Sie war nun fast bei Leyla angekommen, als sie stehen blieb und mit leiser Stimme zu sprechen begann.

„Sei gegrüßt, Leyla. Ich bin Beta dieses Rudels, sicher wunderst du dich, mich noch nie hier gesehen zu haben. Ich weiß nicht, wie lange du schon bei uns verweilst, doch du musst wissen, ich war einige Zeit fort von hier, zusammen mit meinem Gefährten.“

Ayala wartete auf eine Reaktion. Es musste nichts Verbales sein, das ihr entgegengebracht wurde, es reichte eine kleine Geste, um widerzuspiegeln, ob sie angenommen war, für den Moment.


(Banshee, Zack, Leyla, Shit, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)



Shit hatte Banshee angesehen, fing ihren Blick ein und lauschte ihren Worten, ohne noch etwas zu sagen, obwohl er doch immer etwas sagen wollte, auch jetzt. Er sah die Wölfin (Leyla), wusste um ihre Angst, dazu hatte ein Blick genügt und alles andere war Gespür, etwas sinnloses, was einem nichts verriet und alles sagte. Nach dem Banshee fertig war, war Shits gute Laune scheinbar dahin.

„Banshee will Shit nicht bei sich haben, nein, sie sagt und zeigt zu deutlich, das er stört!“

Beleidigt plusterte er sich auf, wie ein Welpe, der ein paar Worte vor sich hin blubberte. Er ließ sich auch durch das Schlecken nicht beschwichtigen. Seine Banshee, seine Alphawölfin hatte ihm gerade gesagt, dass er hier weg gehen sollte, Fremde Wölfe begrüßen und zu ihr bringen. Ein tiefer Seufzer entging ihm. Ziemlich schnell sprang er aber wieder auf die, den Blick auf die andere Wölfin gerichtet.

„Du da, im Schnee! Banshee ist die liebste Wölfin der Welt, du brauchst dich nicht verstecken! Eher vor Shit, der stört nämlich gerne, aber der geht ja jetzt!“

Brummig wandte er sich ab, ehe die Rute in die Höhe schnellte und er die Haltung eines Alphawolfs annahm. Fremde begrüßen? Wenn sie denn so wollte, sollte ihm doch egal sein. War es aber nicht! Er wollte bei ihr sein, aber er wollte ihr auch diesen Gefallen tun. Damit konnte er ihr helfen und er hatte sich geschworen, alles für sie zu tun. Er nickte noch einmal, in ihre Richtung, dann wollte er los rennen. Im selben Moment erschien ein Wesen, wie er noch nie eines gesehen hatte. Ein Mensch, von dem Horrorgeschichten erzählt wurden, so grausam und böse, das jeder, der davon gehört hatte, die Zweibeiner zu Feinden erklärte. Ob es schon jemals eines dieser Wesen gegeben hatte, das ihre Sprache sprach? Die Sprache der Wölfe? Seltsam und die Witterung war auch die eines schnellen Läufers. Irritiert trat er neben Banshee, hatte seine Haltung wieder gesenkt, war nicht mehr als ein Rudelmitglied. Dieser Mensch hoffte, niemanden erschreckt zu haben, aber schon das Heulen war beängstigend gewesen. Beängstigend schlecht.
Shit stand einfach nur da, musterte diese Kreatur, die so wenig hier her passte. Nie hatte er eine Stadt gesehen, aber Menschen gehörten nicht hier her, das war einfach ein Gefühl, ein Instinkt. Angst hatte er aber keine. Shit hatte doch nie Angst, vor was auch? Ruhig, verschwiegen, sogar geduldig lauschte er, was seine Leitwölfin zu sagen hatte. Die Worte erschreckten ihn, erschütterten ihn zutiefst.

„So hör sie doch erst einmal an!“

Nie hatte er so mit ihr geredet, nie hatte seine Stimme so verbittert geklungen. Für ihn war Banshee immer perfekt gewesen, die liebe Alpha, weil sie ihn in ihrem Rudel willkommen hieß, weil sie ihn mochte. So etwas hatte Shit erst hier erfahren, nie hatte ihn jemand haben wollen und jetzt stand seine Leitwölfin hier und wollte nichts wissen, von dem Wesen, das ihre Sprache beherrschte, eine ähnliche Witterung hatte und wie ein Wolf heulte. Wenn auch ziemlich miserable. Sein Herz zog sich zusammen, mitleidig betrachtete er die merkwürdige Kreatur. Er senkte den Kopf, betreten und wandte sich dann ab.

„Shit geh die Fremden begrüßen.“

.oO(Shit. Dreck. Immer genauso behandelt, wie dieses Wesen.)

Noch einmal sah er das Wesen an, doch was konnte er schon für sie tun? Es war nicht seine Entscheidung, er war kein Alpha. Wäre er es, dürfte er dann entscheiden, dass sie hier bleiben durfte? Auch nicht, oder? Das Wesen war weiblich und unterstand somit Banshee. So war das Gesetz. Missmutig lief der Graue davon, rannte einfach weg, nicht so wie sonst. Nicht verspielt, nicht glücklich. Er war immer glücklich, immer. Aber JETZT nicht. Er tat, was Banshee verlangt hatte, aber nicht, weil er ihrem Wunsch nachkommen wollte. Nein, weil er davon laufen wollte, dieses eine Mal. Vor seiner lieben Leitwölfin.
Lustlos nahm er die Fährten der beiden Fremden auf, folgte ihrer Witterung und trat auf sie zu, ohne wedelnde Rute. Einfach nur geknickt. Der Rüde war schwarz, pechschwarz und die Wölfin war grauweiß, wobei das Weiß deutlich überwog. Er seufzte, lief noch näher auf sie zu, doch dann schüttelte er seinen Pelz.

.oO(Shit ist doch das Beste, was dieser Welt je passiert ist!)

„Shit grüßt euch Beide. Und Shit ist auch sein Name. Die Alpha möchte euch treffen, möchte euch in Augenschein nehmen. Shit kann euch dort hin führen. Aber stellt euch bitte erst vor, ja?“

Er lächelte sie an, ein gequältes Lächeln. Konzentriert ließ er seine Rute hin und her pendeln, musste es bewusst tun, um nicht doch wieder damit aufzuhören.


(Banshee, Zack, Leyla, Shit, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze

rennt dann zu Midnight und Neyla - in der Nähe)

Leise fluchend trat sie einige Schritte zurück. Natürlich, wie hätte es auch anders sein sollen? Feindlich stand diese Wölfin ihr nicht gegenüber nein, gewiss nicht aber auch nicht so als ob sie ihr freundlich gesonnen war. Sie hatte Recht gehabt die weiße Fähe war die Leitwölfin. Gut erkannt lobte Thylia sich selbst. Doch hatte ihr dies auch nichts genützt. Kurz ließ sie ihren blick über die anderen schweifen. Verschiedene Wölfe, die Weiße deutlich vor ihnen. Doch Thylia gab nicht auf. Sie senke auch nicht betrübt den Kopf, zeige keinerlei Angst, denn sie hatte keine Angst, sie wusste sie konnte flüchten, flüchten wenn sie angegriffen werden sollte, vertrieben werden sollte nur würde das ihre Verwandlung abermals um einige Tage verschieben. Die Worte stachen in ihren mageren Körper. Innerlich krümmte sie sich. Diese Worte hatte sie schon zu oft gehört. Zu oft diese Abneigung gegen sie gespürt. Sie solle in ihrer Gattung bleiben. Diese Wölfin hatte doch keine Ahnung. Ihre Gattung. Sie wusste doch nicht wie grausam ihre Gattung sein konnte. Doch ließ sie sich nichts anmerken. Kurz blickte sie zu einem Rüden. Er blickte sie merkwürdig an. Sprach mit der Fähe, meinte sie solle sie doch erst anhören. Er schien mutig zu sein. Oder einfach nur unsinnig. Aber Thylia mochte ihn, er kam ihr vertraut vor. Als sie seinen Namen, sie glaubte zumindest das Shit sein Name war zuckte sie doch zusammen. Er wollte sie begrüßen. Oder hatte er das zu den anderen Wölfen in der Nähe gemeint? Denn plötzlich rannte er weg. Weg zu den anderen, sollte sie die Richtung richtig einordnen. Seufzend löste sie den Blick von ihm. Schade dass er weg war. Shit, ein seltsamer Name. Anfangs hatte er glücklich ausgesehen. Sehr glücklich doch als er weglief kam er ihr seltsam traurig vor. So als wüsste er nicht, was er mit dieser Traurigkeit anfangen sollte. Doch dies war nun nicht ihr Problem.

„Es tut mir Leid, dass ich euch gestört habe. Aber anscheinend habe ich mich geirrt. Nein eigentlich nicht geirrt, ich wusste schon, dass ihr euch so verhalten würdet. Warum auch nicht? So ist es doch immer“

Gehässig sagte sie dies. Früher hatte sie die Wölfe geliebt. Sie liebte sie immer noch. Sie hatte gewusst, dass es schwer werden würde, doch trotz allem änderte dies nichts. Es verletzte sie immer wieder. Nie wurde sie freundlich aufgenommen.

„Da ihr mich anscheinend auch nicht anhören wollt, werde ich mich wohl wieder auf den Weg begeben. Es tut mir wirklich Leid eure Zeit beansprucht zu haben. Verzeiht mir.“

Leicht wand sie sich ab. Sollte sie so leicht aufgeben?

„Jedoch verstehe ich eines nicht. Sagt mir warum ihr so reagiert? Ich scheint keine Menschen zu kennen. Ihr habt keine Angst. Wenn ihr wüsstet wie die Menschen sind, die meisten Menschen dann hättet ihr Angst. Noch dazu spreche ich eure Sprache. Rieche wie ihr. Okay mein Heulen war miserabel, doch das ist es immer in Menschengestalt. Menschen sind nun mal nicht dazu veranlagt. Leider. Doch das kann ich nicht ändern. Das Heulen klingt wohl sehr viel besser als das von richtigen Menschen! Habt ihr so etwas schon mal vernommen? Grausam, da war meins nichts dagegen. Es quietscht furchtbar und schmerzt in den Ohren. Und sie glauben sie könnten uns nachahmen. Dabei wird uns nie jemand nachahmen können. Jeder Wolf hat erstens ein individuelles heulen und zweitens sind Menschen wie ich schon sagte nicht dazu geschaffen. Aber ich rede schon wieder zu viel. Entschuldigt. Ich hoffe ich habe euch nicht zuviel Schrecken eingejagt. Ich werde weiterziehen, doch gewährt ihr mir vielleicht ein wenig Wasser. Wenn ich ein kleines Tier jagen dürfte wäre ich euch auch sehr verbunden. Ich habe tagelang nichts gegessen und langsam zehrt dies auch an meinen Kräften. Außerdem möchte ich nicht länger in dieser Gestalt umherlaufen. Es ist schrecklich glaubt mir“

Sie lächelte leicht. Blickte die Wölfin an.

„Banshee wenn ich richtig verstanden habe? Ich bin Thylia. Wenn ihr eure Meinung ändert, ich werde euch alles erzählen. Ich würde es auch hier erzählen, oder vor allen Wölfen, doch habe ich Angst dass es sie zu sehr erschreckt. Denn das will ich nicht. Es ist nicht gerade . . . Schön zu nennen!“

Schweigend blickte sie die Weiße an, senkte ein wenig die Augen. Den ganzen Kopf und blieb so ruhig stehen.



(Banshee, Zack, Leyla, Shit, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze )


Auf ihrer Nase landete eine kleine weisse Schneeflocke. Fast schielend starrte sie sie an. Wie dumm dies doch aussah. Da es nicht schneite, blickte die braune Fähe verwundert nach oben, immer weiter laufend. Ihre Augen wanderten über eine riesige Tanne. Grosse Augen zeichneten gerade eben noch ihre Verwunderung, jetzt jedoch sanft und blinzelnd wirkend. Der Schnee und sein Weiss blendeten sie und kurz schüttelte sie sich, absolut verträumt und verliebt in den Schnee. Kurz rümpfte sie ihre Nase und gleich darauf musste sie heftig niesen und ihre Nase tauchte versehentlich mit Schwung in den Schnee. Tapsig, fast wie ein Welpe hob sie den Kopf. Fast wäre sie über ihre eigenen Beine gefallen. Glänzende Augen wurden plötzlich traurig. Ein Vogel flog über sie hinweg. Seine dunklen Schwingen gefährlich abweisend wirkend. Das Ziel des Vogels, des Rabens, war Leé egal. Sie beobachtete ihn, wärend sie weiterlief, immer wieter. Dann war er am Horizont und hinter Bäumen verschwunden. Ein Schauer durchfuhr sie. Ihre braunen Augen wanderten umher. Obwohl der Schnee noch immer sehr tief war, hatte sie Lust zu rennen. Rennen bis sie umfallen würde. Ihre Pfoten hoben sich aus dem Schnee und sie versuchte so schnell wie möglich zu Laufen. Der Schnee spickte und spritzte nur so umher und auf einmal, kaum zu erkennen lächelte sie. Bastar war weg, dennoch war sie so unentlich verliebt. In den Schnee. Bastar hatte sie mehr geliebt als Schnee. Doch nun musste sie wieder einmal spühren, dass Liebe nicht ewig hält. Keine Gelegenheit hatte sie, ihm auf Wiedersehen zu sagen. Auch warum er gegangen ist, wusste sie nicht. Sie hatte ihn und doch wieder nicht. Kurz schloss sie die Augen. Nie wieder würde sie sich in einen Rüden verlieben wollen. Denn Schnee kehrte immer wieder, nicht so Bastar...
Plötzlich stoppte sie. Ihr wurde bewusst, wie weit sie gelaufen war. Doch nun stand sie vor einer Gruppe von Wölfen, die einen waren ihr bekannt, die anderen jedoch hatte sie noch nie gesehen. Sie blieb stehen und blickte ein bisschen schüchtern drein, ohne, dass sie es merkte.


(Leé/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze in der Nähe von Midnight, Shit und Neyla)



Niedergeschlagen und verletzt bettete der Hellbraune seinen Kopf zwischen den Vorderläufen in den kühlen, leicht matschigen Schnee. Die Ohren legten sich deprimiert an den Kopf, ein tiefer Seufzer entfloh der Kehle des Welpen, der eigentlich schon ein Jungwolf war. Hiryoga schloss die Augen, was sollte er nun tun? Er konnte hier nicht so einfach raus, wenn er rufen würde, würde niemand ihn hören, wie sollte auch? Er hatte sich seine Misere selbst zu verschulden, wo andere schon völlig durchgedreht wären, da war der Rüde ruhig, sein Körper lag flach auf dem Boden, kein Zucken huschte durch den ermatteten Körper, vielleicht lag es auch daran, dass er sich nach dem Tod sehnte? Vielleicht war es so, vielleicht auch nicht, er wusste nur, dass er sein Leben leid war und so wie es im Moment voran ging, wenn man überhaupt sagen konnte voran gehen, er fühlte sich eher so, als ob er auf der Stelle gehen würde, nicht vor und nicht zurück konnte. Egal was er anfing, er konnte es nicht beenden, was er sich vornahm, er schaffte es nicht anzufangen, er konnte sich nicht bessern, egal wie oft er es versuchte, er wollte so viel verändern, doch nichts geschah. Es war alles so deprimierend und sinnlos, warum konnte er nicht wieder so glücklich sein, wie vor der Jagt, sein Leben genießen? Die smaragdfarbenen Augen öffneten sich schlagartig, als ihm ein bekanntes Geräusch an die Ohren drang, natürlich konnte nur eine ihm gefolgt sein, seine gefiederte Freundin, die Eule mit den schönen Federn, den ruhigen Augen und der eindringlichen Stimme, die ihn immer wieder zurückrief. Aufmerksam musterte er die Eule und seufzte tief, zumindest jemand der bei ihm war und ihn nicht alleine ließ. Normalerweise verhieß ihr Auftreten etwas, wenn sie sich ihm so näherte musste doch etwas sein, aber sie rief nicht, sie schwebte nicht über ihm wie sonst, sondern blieb ruhig auf dem Ast eines hohen Baumes sitzen und ließ ihren weisen Blick über die Situation des Hellbraunen schweifen. In gewisser Hinsicht war sie seine beste Freundin, die Eule die ständig über ihn wachte, die ihn in seinen Träumen heimsuchte, dann wenn ein Schatten von dieser Welt verschwand, wenn der Todesschrei die Stille zerfetzte die sonst in seinen Träumen herrschte, dann war sie da und verkündete den Schatten mit einem lauten Ruf. Als sich das schöne Tier aber plötzlich vom Ast erhob und begann große Kreise um ihn zu ziehen, hob der Rüde den Kopf fragend, die Ohren schnippten zur Seite und legten sich dann flach an den Kopf, was sollte das nun wieder heißen? Sie rief nicht, aber wollte doch etwas signalisieren, war sein Todestag gekommen? Das hätten ihm aber seine Träume verraten, dass wusste er nur zu genau. Seine Frage beantwortete sich mehr oder weniger, als er plötzlich die Nähe eines Artgenossen verspürte, es war der Tiefschwarze, der es seinen Geschwistern angetan hatten, wie hatten sie ihn genannt? Face, so war sein Name gewesen, sein Blick war erschreckend und noch schlimmer war das Verhalten der Eule, warum zog sie ihre Kreise, wieso rief sie nicht? Wieso fühlte er sich so seltsam in seiner Nähe, wieso spinnte der Raubvogel und wieso sah er plötzlich den Schatten des Tiefschwarzen vor seinen Augen? Er lebte doch, er stand vor ihm und sah ihn an, begann sogar zu sprechen, wer besser gesagt was war er? Er konnte nicht tot sein, er sah ihn doch, er sprach mit ihm, aber wieso sagte ihm sein Gefühl so etwas? Nein, er würde sich irren, er musste sich irren, er irrt sich. Fragend rümpfte er die Nase und verengte die Augen etwas, während er Face so weit es ihm möglich war, musterte. Was sollte er nun auf die Frage antworten, wollte er überhaupt antworten? Die smaragdfarbenen Augen fixierten die saphirblauen Augen seines 'Gegenübers'.

"Ich denke schon..."

Nur leise und unterdrückt verließ seine Stimme seine Kehle, unsicher betrachtete er den Rüden und war verwundert darüber, dass ihn jemand gefunden hatte. Es hatte ihn wirklich jemand gefunden, aber wie sollte er ihn hier rausholen? Er war in eine Misere gekommen, wo er alleine nicht rauskommen würde, außerdem war er verletzt, was der Tiefschwarze jedoch nicht merken würde, zumindest hoffte Hiryoga darauf. Konnte er ihm vertrauen? Im Moment war er der einzige hier, also hatte er keine Chance. Sein Blick huschte nur kurz nach oben, die Eule war wieder verschwunden, tiefer in den Wald war sie geflogen, dorthin wo er noch nie gewesen war, weit außerhalb des Gebietes. Wieder huschte sein Blick zum Artgenossen, er kam auch von außerhalb, von der Ferne, würde er ihm etwas darüber berichten, ob es dort draußen in der weiten Welt besser war als hier?

"Kannst du mir sagen, wie es dort draußen ist, dort von wo du kommst…ist es dort besser?"

Fragend und etwas verunsichert blickte er den Tiefschwarzen an und wartete auf Reaktion, vielleicht würde er ja wütend werden oder es war ein wunder Punkt bei dem ihm fast Fremden? Er musste nicht antworten, aber zu gerne würde er nun von hier weggehen, dorthin wo er nicht sagen konnte, dies war sein Zuhause.



(Face Taihéiyo / Wälder des Sternensees - weit weg von den anderen xD)



Die weiße Fähe blickte den Rüden nur unsicher an, Neyla wusste nicht, was sie denken sollte, warum antwortete er denn nicht? Wollte er sie nicht beachten? Hatte er gar kein Interesse daran, andere Artgenossen zu finden? Vielleicht wollte er ein einsamer Wanderer sein, so wie sie es doch auch gewesen war. Aber Neyla wollte es nicht mehr bleiben, sie wollte doch ihr Ziel finden und nie mehr verlieren, irgendwo ruhen, Dinge verarbeiten und verstehen. Warum konnte sie sich nicht selbst vergeben? Sie hatte einen schrecklichen Fehler gemacht…Zack würde es ihr vielleicht nicht mehr verzeihen können, aber er sollte wissen, dass sie ihn immer lieben würde, ein anderer Rüde würde gar nicht für sie in Frage kommen. Erst recht nicht in dieser schweren Zeit, in ihrer Situation. Sie senkte das Haupt, sollte sie der Sache nun nachgehen oder es ignorieren, so tun, als wenn es ihr egal wäre? Nein, das konnte sie nicht. Zwar war sie eine gute Schauspielerin, aber sie schaffte es nicht, Desinteresse zu zeigen, nicht jetzt und nicht hier. Und Nachfragen? Würde es helfen? Ein hilfloser Blick in Richtung Himmel ließ sie darüber nachdenken, was richtig oder was falsch war, bis ihre weiße Schnauze sich wieder auf den schwarzen Rüden richtete und leise die Worte sprach, die ihr im Hals hingen und die sie nur zögerlich loslassen wollte.

„Habt Ihr meine Frage nicht verstanden? Ich möchte nicht unhöflich wirken, aber ich fühle mich hier nicht wohl, wenn ich ein fremdes Revier so unachtsam durchstreife…ich…“

Neyla brach ab, sie redete zu viel, mehr als sie es jemals getan hatte und es tat ihr nicht gut. Mit schüttelndem Haupt senkte sie dieses und sah auf ihre schneeweißen Pfoten, die so hilflos wirkten, die von dem langen Weg schmerzten. Sie wusste, welchen Schatz sie zurück gelassen hatte und nicht mehr hüten konnte. Und es gab auch niemanden mehr, der sie schützte und liebte. Doch, Zack war immer da, würde sie nicht verlassen, aber irgendwie…er war nicht mehr an ihrer Seite, das fehlte doch. Etwas fehlte. Er fehlte. Dieser wundervolle Rüde. Zack.
Sie hob wieder den Kopf, ihre lapislazuliblauen Augen stachen in den Himmel hinauf, irgendetwas war anders hier, ein seltsames Gefühl beschlich sie und Neyla seufzte leise. Es brachte nicht, der Schwarze wollte wohl nicht mit ihr reden, welche Wahl hatte sie nun noch? Einfach gehen und der Angst zeigen, dass sie diese besiegen konnte? Nein, dazu war sie doch nicht in der Lage. Sollte sie einfach hier liegen bleiben und hoffen, niemand würde sie toten? Warum war sie nur so verzweifelt? Sie ließ den mageren weißen Körper in den Schnee sinken und sah sich aufmerksam um, irgendetwas war anders, stimmte nicht mehr. Sie spürte, dass irgendetwas hier war, etwas näherte sich. Was war dies nur? Und wie auf Kommando kam ein Rüde auf sie zugelaufen, Neyla betrachtete ihn mit klopfendem Herz, war er ein Leitwolf? Waren ihre Stunden nun gezählt? Sie lauschte seinen Worten und sah das Lächeln, welches sie an sich selbst erinnerte. Ein Seufzen entfuhr der Kehle und die Fähe erhob sich aus ihrer liegenden Position.

„Ich grüße Euch. Mein Name ist Neyla…verzeiht mein Eindringen, ich kann alles erklären…“

Die Hektik in ihrer Stimme war wieder aufgetaucht, Neyla atmete durch.

„Entschuldigung, ich werde natürlich mitkommen…“

Sie nickte entschlossen und sah unsicher auf den Boden, während sie auch verzweifelt schluckte und sich fragte, ob das nicht wieder zu viel des Guten gewesen war. Nein, sie durfte sich um so etwas keine Gedanken mehr machen, es war vielleicht alles in Ordnung. Warum machte sie sich eigentlich immer solche Gedanken? Sie schreckte auf, als sie etwas hörte und drehte den Kopf um, sie nahm eine junge Fähe war, die dort in ihrer Nähe stand und Neyla fühlte sich irgendwie umzingelt. Was war denn jetzt los? Wollte man sie angreifen?


(Nähe der Reviergrenze / bei Midnight, Shit und in der Nähe Leé)



Zack lauschte den Worten Banshee´s aufmerksam. Er war aufgenommen. Erleichterung breitete sich in seinem Körper aus und Freude durchströmte ihn. Vielleicht war dies ein Rudel in dem er länger verweilen konnte. Er spürte immer noch dieses Unbekannte, Bekannte ihn sich. Doch vielleicht würde es sich bald klären. Er wollte gerade zum sprechen ansetzen als sich das Gebüsch teile und ein. . . Mensch heraustrat. Der Mensch der vorher so schlecht geheult hatte. Doch war etwas wölfisches an ihr. Doch sein Instinkt war schneller. Knurrend entblößte er seine Zähne. Es war eins der Wesen, welche ihn so gepeinigt hatten. Sein Nackenfell sträubte sich, sein Verstand schaltete sich fast ganz aus. So übersah er nun auch das wölfische an ihr. Ein entschuldigender Blick zu Banshee.

„Zack, wenn jetzt der rechte Zeitpunkt ist sich vorzustellen. Seid mir gegrüßt werte Banshee, Alphawölfin des Sternenwind Rudels“

Er schnellte nach vorne, stoppte kurz vor dem Mädchen und knurrte laut. Er konnte nichts dagegen machen, auch wenn er sonst ein sehr ruhiger beherrschter Wolf war, zu viel war mit diesen . . . Wesen geschehen. Hass hatte sich all die Jahre aufgestaut und nun musste es raus. Immer lauter wurde sein knurren. Es war ihm klar, dass Banshee dies nicht für gutheißen würde, doch das war ihm momentan nicht klar.

„Mensch! Wenn du denn einer bist. Du riechst anders, wie wir. Aber du siehst aus wie ein Mensch. Und Menschen sind böse. Die meisten. Böse Menschen jagen uns. Wollen uns töten. Quälen uns! Menschen! Was suchst du hier?“

Diese Worte spuckte er aus. Dann atmete er tief durch, beruhigte sich langsam, blickte Banshee entschuldigend an.

„Es tut mir Leid. Wirklich. So bin ich sonst nicht.“

Dies alles war in einem irren Tempo geschehen. Schon hatte er sich wieder unter Kontrolle. Sein Fell glättete sich. Nichts deutete darauf hin, dass er eben wütend gewesen war. Er trat einen Schritt beiseite. Doch sein Blick war noch auf das Mädchen gerichtet. Er war bereit, bereit sein Leben und das der anderen zu verteidigen.



(Banshee, Zack, Leyla, Shit, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze )


Kaum wich sie zurück. Vielleicht einen Zentimeter. Wenn nicht weniger. Sie hatte dem Wolf zugeschaut. Dem Wolf welcher so beherrscht ausgesehen hat. Aber er war auch immer noch beherrscht. Sie konnte ihn verstehen. Es stimmte was er sagte. Und doch kränkte es sie. Denn sie war kein Mensch. Er hatte es schon richtig erkannt. Aber trotzdem handelte er so. Auch wenn er sekundenschnell wieder normal war. Nur noch seinen Blick auf ihr Ruhen ließ. Es reichte. Der Gedanke was die Alphawölfin machen würde kam noch an. Danach wurde sie von Zittern geschüttelt. Sie versuchte es. Versuchte sich zu konzentrieren. Doch sie kannte sich. Sie war nicht kräftig genug. Noch nicht. Doch wenn sie Glück hatte würde es schnell gehen. Dann würde sie nur kurz das grausame Wesen sein. Mit viel Konzentration würde sie gleich liegen. Am Boden, zitternd und als Mensch. Ein Brüllen brach aus ihrer Kehle. Sie schien schier zu explodieren. Verzweifelt presste sie einige Worte aus ihrer Kehle.

„Verzeiht mir!“

Mehr ging nicht. Sie schien fast zerrissen zu werden. Sie, das magere Mädchen. Es musste grausam aussehen. Langsam verkrampfte sich ihr ganzer Körper. Noch immer wurde sie geschüttelt. Verzweifelt rang sie nach Luft. Keuchend und rasselnd ging ihr Atem. Dann schien ein blitz durch sie zu schlagen. Einen Moment schloss sie die Augen. Geblendet von dem Licht taumelte sie, ihre Konzentration ließ nach. Und das Monster nutzte dies. Kurze Zeit später als sie wieder sehen konnte fühlte sie es auch. Fell platzte aus ihrer Haut, ihre Zähne wuchsen beträchtlich und ihre Krallen bogen sich und lechzten nach Blut. Doch noch spürte sie das Mädchen. Sie war doch stark. Ein Brüllen kam wieder aus ihr heraus. Diesmal hörte es sich nicht schwach und falsch an. Es strotzte vor Kraft, Wut und Hunger. Doch sie kämpfte. Auch dies hielt nicht lange an. Der Werwolf begann wieder zu zittern und zu keuchen. Es war ein Kampf zwischen zwei starken Parteien. Doch das Mädchen war stärker. Vielleicht war es auch einfach Glück. Es knallte wieder. Laut hallten diese Töne durch den Wald, verloren sich irgendwo in ihnen. Vögel flogen erschrocken auf. Doch dann war der Spuk vorbei. Thylia lag zitternd und Tränen überströmt auf dem Waldboden. Stammelt versuchte sie etwas zu sagen.

„Banshee? Alphawölfin? Verzeiht ihr mir? Ich werde euer Rudel verlassen, sobald ich kräftig genug bin. Von mir aus gehe ich auch jetzt! Wenn ihr mich loswerden wollt. Ich kann es verstehen. Ich wollte nicht die Kontrolle verlieren. Doch so etwas, verletzt mich. Und zu viele Verletzungen kann ich nicht verkraften. Kann die Bestie nicht verkraften.“

Thylia versuchte aufzustehen. Sie mied den Blick des Wolfes. Sie wollte ihn nicht anschauen. Er hatte die Bestie hervorgelockt und doch konnte er nichts dafür. Sie war die Schwache, die dumme gewesen. Zitternd stützte sie sich an einen Baum. Bereit zu gehen. Sie hatte versagt. Sie war doch nicht so stark. Sie würde sich das Leben nehmen. Auch wenn das schwer sein würde. Sie musste sich jemanden suchen, der wusste wie man solch eine Bestie umbringt. Und da gab es nur die Bestien selber. Oder deren Erzfeinde . . . Mit leerem blick wand Thylia sich um und wollte gehen.




(Banshee, Zack, Leyla, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze )


Banshee rührte sich nicht, als Shit neben sie trat, seine anklagenden Worte hallten zwar in ihren Ohren nach, dennoch folgte ihr Blick nicht dem geknickt davon eilenden Rüden und auch kein Gedanke weilte zu lange bei ihm. Das Wesen vor ihr bot eine zu große mögliche Gefahr. Natürlich sah sie nicht gefährlich aus, ohne große Zähne und Klauen, kein Fell zum Schutz vor den Zähnen der Wölfe und nicht einmal starke Muskeln, dennoch war es so fremd, dass es unvorhersehbar war, für sie als Leitwölfin galt es also, sie als mögliche Gefahr zu betrachten. Als das Wesen wieder sprach zuckten nur ihre Ohren ganz leicht zurück. Sie sprach gehässig, nicht bittend oder gar flehend, was Banshee noch ein wenig misstrauischer machte. Danach klangen ihre Worte jedoch ruhiger, sie schien es nicht leicht zu haben, ihre Art hatte sie nicht aufgenommen? War sie verstoßen worden? War das bei ihrer Art möglich, dass sie keine Gemeinschaft mehr aufnahm, nur weil sie aus einer vertrieben wurde? Aber es war nicht nur das, sie schien sich fast nach Wölfen zu sehnen, so zu sein wie sie. Das verunsicherte Banshee, jede fremde Art, die sie bisher getroffen hatte, schien stolz auf sich zu sein, ein Puma war stolz ein Puma zu sein, ein Adler war stolz ein Adler zu sein … und sie war stolz ein Wolf zu sein. Anders dieses Wesen. Was konnte einen dazu treiben, war das nicht ein Verstoß gegen die Urinstinkte? Ihre letzten Worte wurden dann endgültig rätselhaft … nicht länger in dieser Gestalt herumlaufen … Was war dieses Wesen? Gleich danach kam das Angebot alles zu erklären, aber noch war Banshee verwirrt, es war zu viel, was sie da gerade erfahren hatte. Dinge, die grundlegend gegen jedes Gesetz der Natur verstießen. Sie schwieg noch, war sich nicht sicher, ob sie das Wesen, Thylia hatte es sich genannt, weiter anhören sollte, was würde das bei ihrem Rudel auslösen? Konnte man einem Wesen einer anderen Art trauen? Doch bevor sie zu ende denken konnte, war plötzlich Zack neben ihr, eben gerade noch ruhig und besonnen seinen Namen gesagt jetzt plötzlich mit Hass in den Augen, die Zähne gefletscht. Ebenso schnell wie er die Worte ausgespuckt hatte, wurde er wieder normal, trat einen Schritt zur Seite, hatte seinen Blick jedoch weiterhin auf Thylia gerichtet.

“Zack.“

Der Rüde hatte sich entschuldigt, dennoch drohte sie ihm mit einem grollenden Geräusch und warnte ihn ganz deutlich, noch ein Wort zu sagen. Sie sah seinen Blick und er sprach noch immer Bände … er musste die Art, von der Thylia stammte kennen und sie mussten ihm großes Unrecht angetan haben. Ihr Blick war nur wenige Herzschläge nicht auf Thylia gelegen, doch in dieser Zeit waren Zacks Worte eingetroffen, das Wesen brach zusammen. Und dann begann sie zu brüllen. Banshee trat unwillkürlich einen Schritt zurück, verfluchte sich für die Handlung, trat wieder vor und zuckte dann erneut nach hinten. Etwas in diesem Wesen begann zu wüten, es veränderte sich, sein Körper verformte sich, noch immer brüllte es, die Ohren der weißen Fähe legten sich eng an ihren Kopf. Für eine kurze Zeit meinte sie ein Wolf in diesem verformten Leib zu erkennen, dann zog sich die Macht plötzlich zurück, das Wesen von vorher lag wieder im Schnee.
.oO(Engaya, meine Göttin, was war das? Oh Mutter, hilf diesem Wesen, hilf mir.)
Thylia sprach wieder, ihre Stimme war so schwach, doch sie bat erneut um Verzeihung, sprach von einer Bestie, von Verletzungen … und von dem Verlassen des Reviers. Banshees Ohren waren mittlerweile wieder nach vorne gestellt, sie trat einen weiteren Schritt vor, war jetzt erstaunlich nahe an dem Wesen, das sich schon halb umgewandt hatte.

“Thylia. Ich weiß nicht, was soeben mit Euch geschehen ist. Ihr verstößt gegen Gesetzte der Natur, gegen die man nicht verstoßen kann … und Ihr scheint dies nicht freiwillig zu tun. Ihr seid schwach, sprecht selbst von Verletzungen und könnt Euch kaum auf den Läufen halten. Auch wenn Ihr scheinbar kein Wolf seid, so scheint etwas in Euren Adern zu fließen, das nicht zu Eurer Art gehört. Euch zu vertreiben wäre nicht Recht, gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich Euch es erlauben kann, hier zu bleiben. Ich habe ein Rudel und sein Schutz geht vor, jeder Wolf hier steht unter meiner Obhut und sein Glück geht für mich zwangsläufig vor Eurem. Dennoch will ich Euch wenigstens die Chance geben, Euch zu erklären und Euch von Eurer Schwäche zu erholen.“

Banshees Blick war unbewegt, sie stand wieder da wie vorher, als sie Thylia hatte wegschicken wollen. Dass ihr Angebot ganz besonders davon kam, dass sie die Anwesenheit der Götter spürte, wie sonst konnte so etwas mit Thylia geschehen, wusste keiner von ihnen. Vielleicht erschien ihre Entscheidung deshalb seltsam, wo sie vorher noch deutlich gesagt hatte, dass Thylia nichts bei ihnen zu suchen hatte, jetzt aber schien ihr die schützende Pfote Engayas über Thylia zu schweben. Und damit würde auch Banshee dieses Wesen beschützen.


(Zack, Leyla, Shit, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Thylia hatte sich bei den Worten Banshee´s wieder um. Ein lächeln umspielte schwach ihre Lippen, sie nickte kurz. Die Wölfin war ihr nahe gekommen. Hatte sie wohl keine Angst mehr vor ihr? Eigentlich müsste sie nach dem Geschehen doch mehr Angst haben. Oder etwa nicht? Auf jeden Fall kannte sie ein solches Wesen wie Thylia nicht. Aber das war ja von Anfang an klar gewesen. Na ja eigentlich stimmte dies auch nicht ganz. Die meisten Wölfe in den anderen Rudeln haben sofort gewusst was sie war. Aber es gibt eben auch andere Wölfe. Die in Frieden leben, nichts so schlimmes wie einen Werwolf kennen. Besser war es wohl. Doch nun hatte sie auch dies in das Rudel gebracht. Bald würden sie Bescheid wissen. Vielleicht durfte sie danach hier bleiben. Vielleicht erlaubte Banshee es ihr. So wie sie eben gesprochen hatte konnte noch ein Wunder geschehen. Thylia wusste nicht, was es war was Banshee zu dieser Tat bewegt hatte, doch dankte sie ihr aus ganzem Herzen. Natürlich ging das Rudel vor. Soweit hatte Thylia es schon immer verstanden und auch wenn ein Kerngesunder Wolf gekommen wäre ganz egal das Rudel geht immer vor. Es wäre falsch gewesen sie sofort anzunehmen ohne etwas von ihr zu wissen. Abermals nickte Thylia leicht. Melodisch ertönte ihre Stimme nachdem sie tief Luft geholt hatte.

„Vielen Dank Banshee. Es wird auch nicht mehr lange dauern. Ich werde mich schnell erholen. Vielleicht kann ich mich auch heute noch verwandeln. Ich war fast schon so weit. Doch ich will von Anfang an erklären.
Ihr kennt doch sicher den Begriff Werwolf oder?“

Zögernd hielt sie inne. Schaute die Wölfin fragend an, doch dann sprach sie langsam weiter. Deutlich war ihre Stimme zuhören. Die anderen Wölfe die bei ihnen standen konnten selber entscheiden ob sie es hören wollten oder nicht. Abermals atmete Thylia tief durch und sprach dann.

„Werwölfe sind Menschen, nein Wölfe. Beides. Wartet. . . Es sind Menschen, welche sich verwandeln können. In normale Wölfe oder eben in Werwölfe. Es gibt bei ihnen sozusagen gut und böse. Die Bösen wandeln meist in Werwolf Gestalt. Viele von ihnen können sich gar nicht anders verwandeln. Dann gibt es die guten, diese bleiben eigentlich immer in Menschengestalt. Sie leben außerhalb der Siedlungen wo die normalen Menschen wohnen. Denn wenn sie die Wut packt kann es passieren, dass sie sich verwandeln. So wie es mir eben passiert ist. Und es gibt eben die, die lieber als Wölfe umher streichen. Auch dort gut und böse. Aber ich bin nicht böse, gewiss nicht. Ich bin nur schwach. Guckt mich an. Ich bin noch zu jung, seit 2 Jahren bin ich erst ein Werwolf. Ein Jahr lang habe ich gelernt, ein Jahr lang habe ich versucht ein Rudel zu finden. Ich habe schnell und gut gelernt. Ich beherrsche die Verwandlung so gut wie keiner. Nur die ganz alten Weisen sind vielleicht so gut wie ich. Wenn ich mich nicht so gut unter Kontrolle hätte stände ich nicht so hier. Und ich habe mich für die Wolfsgestalt entschieden. Ich mochte Wölfe schon immer. Ich wollte nicht bei den Menschen bleiben. Also ziehe ich meist als Wolf umher. Doch auch dann merkt man, dass ich kein normaler Wolf bin. Nicht in der Art wie ich rede oder mich bewege. Wie ich rieche, immer ein wenig nach Mensch. Schwach aber unverkennbar. Immer wurde ich fortgejagt. Als Bestie beschimpft. Und wenn ich zu schwach bin verwandele ich mich in einen Menschen. Das schwache Geschöpf. Wenn ich wütend werde kommt es manchmal vor, dass der Werwolf zutage kommt. Dies ist mir bis jetzt selten passiert. Ein, zweimal. Ich kann mich gut unter Kontrolle halten. Und heute oder spätestens morgen werde ich mich in einen Wolf verwandeln können. Ich denke eher heute. Es dauert nicht mehr lange, auch wenn ich jetzt erschöpft bin. Meine Regeneration ist schneller als normal. Heute könnte ich schon wieder ein Wolf sein.“

Ein seufzen kam über ihre Lippen. Sie sackte gegen den Baum. Blieb still sitzen um nicht noch mal wen zu erschrecken. Banshee musste entscheiden ob sie gehen sollte sobald sie ein Wolf war oder nicht. Sie wusste nun von ihrem Schicksal. Wie würde sie wohl handeln? Egal was sie entschied, sie würde sich dem fügen. Dies war das erste Rudel welches sie überhaupt kurz duldete.

„Nun Banshee, wisst ihr alles. Solltet ihr noch fragen haben so stellt sie mir und ich werde sie so gut wie möglich beantworten. Doch ich denke ich habe euch alles gesagt, was es zu sagen gibt.“

Gefasst blickte sie die Fähe vor ihr an. Keinerlei Angst spiegelte sich in ihrem Blick. Freundlich lächelnd dankte sie Banshee abermals.

„Warum auch immer du zu diesem Entschluss gekommen bist. Ich danke dir dafür!“




(Zack, Leyla, Ayala, Banshee/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Leylas Angst war nicht weniger geworden. Trotz der ruhigen Worte Ayalas war sie unruhig, angstvoll und verstand schon gar nicht, was hier vor sich ging. Sie schwenkte den Blick hastig von links nach rechts, sah Ayala zunächst nicht in die Augen. Sie versuchte einen festen Halt zu finden, mit dem Blick. Schließlich blieb er an der Menschengestalt hängen, die nun außerdem aufgetaucht war. Warum aber hatte sie nicht gewittert, daß Menschen in der Nähe waren? Wo einer war, waren auch andere! Ihre Furcht verstärkte sich. Sie wollte nicht hiersein. Sie wollte nicht zu diesem Zeitpunkt hiersein. Was war passiert, nachdem sie hier vertträumt gesessen hatte und an die Zeit mit Alienna gedacht hatte? Seitdem die Alphawölfin hier war, kamen immer mehr Wölfe, nein, nicht nur Wölfe, auch ein Mensch..kamen hier her. Was hätte Alienna jetzt getan? Was hätte Alienna jetzt zu ihr gesagt? Sie hätte sicher ebenfalls veruscht sie zu beruhigen. Es hätte zu ihr gepaßt. Vielleicht so, wie Ayala es tat. Erstaunlich..diese Parallele. Von Anfang an so mitsorgend und so tröstend. Genau wie Alienna. Eine schöne Eigenschaft, von der Leyla jedoch noch nicht profitierte. Denn der Druck dieser Situation überewog und brachte sie durcheinander. Letztendlich ging es wieder mit ihr durch. Was tat sie hier? War das nur ein Traum? Leyla wollte weg. Sie lief los, rempelte Ayala dabei ein wenig an, nicht sehr doll aber es wirkte rücksichtlos in ihrer Angst und flüchtete hüpfartig, als wolle sie übers Wasser und von einem Stein zum anderen springen. Sie sah während des Flüchtens zu der Menschin und merkte erst im letzten Moment, daß sie schon fast mit der Alphawölfin des Rudels zusammenstieß. Schnell hielt sie an, riß die Augen erschrocken auf. Kaum etwas Schlimmeres hätte jetzt passieren können, als mit ihr zusammenszustoßen. Sie hätte es sicher nicht verstanden. Ängstlich sah sie sie an, als wäre sie hier plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Sie rannte nicht weiter. Ihr Blick haftete an Banshee vor ihr und wartete ihre Reaktion ab.

(Zack, Banshee, Shit, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Banshees Augen lagen ruhig auf Thylia, das Wesen hatte sich wieder umgedreht. Sie konnte in dem seltsamen Gesicht keine Gefühlsregungen erkennen, es waren welche da, da war sie sich ganz sicher, aber der winzige Mund und die kurze Nase konnten ihr nichts sagen. Als Thylia dann jedoch zu sprechen begann, hörte sie die Hoffnung und jetzt auch Ruhe. Sie versprach Erklärungen und genau das wollte Banshee. Ihr Blick glitt kurz zu den wenigen Wölfen, die noch bei ihr waren, keiner sah so aus, als würde er sie unterbrechen wollen. Die weiße Fähe nickte Thylia zu, forderte sie damit auf weiter zu sprechen und nahm dabei eine etwas entspanntere Haltung an. Und das Wesen begann zu sprechen. Banshee hörte aufmerksam zu und mit der zeit begann sich en wissendes Lächeln auf ihren Lefzen auszubreiten. Das also war Falk, das war Varloc … Werwölfe, das hatten sie gesagt, Varloc hatte sie sogar gewarnt, aber nie hatten sich die beiden verwandelt, immer waren sie Wolf gewesen. Etwas seltsame, natürlich, Falk war ungewöhnlich groß und Varloc legte ein seltsames Aussehen an den Tag, aber Wolf waren sie ganz unverkennbar gewesen … wenn sie sich jemals verwandelt hätten, wären sie dann so wie Thylia geworden? Varloc war fort … und Falk auch nur ein Halbwerwolf, was auch immer das wieder heißen mochte. Jedenfalls … Thylia schien wirklich nicht gefährlich und wenn sie sowohl Falk als auch Varloc geduldet hatte, so hatte sie kein Recht, Thylia zu verstoßen. Natürlich war die Fähe, so konnte man sie ja nennen, als verwandeltes Wesen zu ihnen gekommen, aber sie versprach, sich zurück zu verwandeln … mittlerweile lag ein freundliches und schon fast amüsiertes Lächeln auf ihren Lefzen, irgendwie gefiel ihr die Vorstellung, wie Falk auf Thylia reagieren würde. Die neue Erkenntnis über Werwölfe kümmerte sie nicht groß, Falk hatte das zwar nie erwähnt, aber er war nun mal auch nur ein halber und Varloc war sowieso fort … jedenfalls seit schon einem Jahr …

“Nun, Thylia … wie Ihr seht, gibt es keinen Grund zur Sorge. In meinem Rudel lebte schon mal eine Werwölfin. Varloc war ihr Name, sie ist leider verschwunden … jedenfalls hat sie mich vor Werwölfen gewarnt, was aber eigentlich passiert, habe ich nie erfahren, sie war auch immer ein normaler Wolf. Außerdem ist mein Beta, Falk von Scharfenberg ein Halbwerwolf, auch er hat mir nie gesagt, was eigentlich so direkt mit einem Werwolf passiert, aber immerhin weiß ich das ja jetzt. Ich glaube, Ihr werdet euch gut mit ihm verstehen.“

Sie betrachtete die Fähe, wie sie sich niederließ und freundlich lächelte, dieses bisschen Harmonie in der angespannten Situation machte Banshee glücklich.

“Ich würde allerdings sagen, dass Ihr euch zuerst verwandeln solltet, bevor Ihr zum eigentlichen Rudel stoßt … ich denke, es reicht, wenn sie wissen, dass Ihr ein Werwolf seid, hier ist es fast immer friedlich, sodass es schwer werden sollte, Euch erneut zum Verwandeln zu treiben.“

Die indirekte Erlaubnis würde Thylia schon verstehen, Banshee machte noch eine wegschiebende Schnauzenbewegung für das Danken und besann sich dann wieder auf Shit. Der war immer noch fort … sollte er nicht eigentlich nur die zwei Fremden holen? Sie wandte sich zu Zack und lächelte wieder.

“Zack, würdest du mir den Gefallen tun und nach dem braunen Rüden, Shit, zu schauen? Er sollte zwei Fremde holen … ist aber noch immer fort. Ich wäre dir sehr dankbar.“

Vielleicht sollte man den Grauen einfach erstmal von Thylia fern halten, es sollte weiterhin Frieden herrschen und die beiden schienen bei der momentanen Gestalt Thylias kein gutes Verhältnis zu bekommen. Gerade wollte sich die Weiße wieder zu Thylia wenden, als sie plötzlich ein Luftzug traf und Leyla genau vor ihr abrupt anhielt. Beinahe wäre sie in sie hinein gerannt, jetzt starrten sie nur zwei große, verängstigte Augen an. Banshee fühlte sich an eine Jagd erinnert, es war wohl schon mehr als ein Jahr her, sie hatte Hasen gejagt, einer war ihr unter die Pfoten gelangt und hatte sie genau so angesehen … das war das erste Mal, dass Banshee so etwas wie Mitleid empfunden hatte. Zwischen ihren Fängen war das kleine Geschöpf nicht gestorben. Dass Leyla sie jetzt so anblickte ließ Banshee kurz stutzen, dann warf sie Ayala einen Blick zu, aussagekräftig genug und wandte den Kopf wieder zu Leyla. Ihre Stimme war ruhig und noch immer freundlich, jedoch jetzt, im Gegensatz zu vorher, als sie mit Thylia und Zack geredet hatte, sehr viel sanfter aber auch fester. Ein Widerspruch, den nur Banshee vereinen konnte.

“Leyla, wovor du auch immer Angst haben magst, sie ist unbegründet. Ich muss nun mit Thylia etwas besprechen, willst du nicht zu Ayala gehen? Wenn sie nicht nett zu dir ist, werde ich mit ihr reden. Aber ich bitte dich, geh wieder zu ihr.“

Demonstrativ wandte sie sich wieder zu Thylia, Ayala war hoffentlich nicht überfordert. Warum Leyla Angst hatte, konnte man nur auf Thylia schieben, aber die sah jetzt sehr freundlich aus, saß dort so klein und zart und so wenig furchteinflößend wie ein Welpe.


(Zack, Leyla, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Etwas beruhigend wirkte diese Stimmlage sicherlich, im Unterbewusstsein, auf sie aus. Sie erkannte wieder ein Mal mehr, dass sie sich völlig daneben benahm und sich zum Mittelpunkt der Gesellschaft machte. Das war nicht ihre Absicht und doch war es auch nicht so ganz zufällig. Sie war absolut verantwortlich für ihr Verhalten und doch hatte es seine Gründe. Wie sollte sie einfach so einer völlig fremden Gruppe von Wölfen vertrauen? Das dauerte doch seine Zeit. Traurig sah Leyla Banshee an, sie schämte sich für ihr Verhalten, war sie doch von Anfang an so offen, nett und zuversichtlich zu bzw. mit ihr. Ihr Blick wurde trübe und sie sah ihr nicht mehr in die Augen. Sie wollte gar keinen aus dem Rudel mehr ansehen. Ihre Blicke waren wie tausend Stiche am Körper. Ohne dass sie es böse meinten, taten sie ihr schon mit ihren verwunderten Blicken weh. Doch was erwartete sie? Hätte sie anders reagiert? Wohl kaum..sie konnte ihnen also nichts vorwerfen, schon gar nicht der ungeheuer geduldigen Leitwölfin des Rudels. Sie drehte um und schleppte sich völlig geknickt zu Ayala zurück, dir sie ohne Grund fluchtartig hinter sich gelassen hat, als hätte sie ihr gedroht, etwas anzutun. Sie blieb vor ihr stehen und sah nicht hoch sah nur ihre Pfoten auf dem Boden stehen und wusste, dass sie dort stand. Sie legte die Ohren ängstlich an, ließ Kopf und Schwanz hängen und starrte auf den Boden vor sich. Ganz nach dem Motto..mach mit mir, was du willst. Sie fühlte sich fast wie eine Gefangene. Obwohl sie so nett waren, kam es dem gleich. Alles war neu und fremd, das Vertraute und Gute war fort und sie hatte nicht das Gefühl, als könne sie das Rudel je wieder verlassen, nachdem man ihr eine persönliche Betreuerin zugeteilt hatte.

(Zack, Banshee, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Ayala versuchte weiterhin die Ruhige, Bedachte zu verkörpern, wenn um sie herum auch alles drunter und drüber ging. Genau genommen nahm es niemand war, dass sie beruhigen wollte – ihr einziger Schützling war ja sozusagen gerade vor ihr davon gerannt. Ein stiller Seufzer sprach aus Ayalas Blick, den sie jedoch sofort wieder korrigierte. Sie würde gebraucht werden, an ihr eigenes Wohl würde sie erst später denken. Sie wollte Leyla folgen, die so völlig aufgelöst erschienen hatte, bevor sie fluchtartig in Banshees Richtung gerannt war, als Ayala jedoch erst wirklich begriff, was Leyla wohl in eine solche Aufregung versetzt haben musste. Schlagartig nahm sie den fremden Geruch und das dazugehörige Wesen wahr … was war das? Ayala kniff ihre Augen zusammen, ihre Haltung verließ den Zustand der Entspannung und ihre Gedanken überschlugen sich. Ein Wesen auf zwei Beinen, etwas sehr Fremdartiges, so etwas hatte sie noch nie gesehen … es wirkte irgendwie … unnatürlich – so groß und so unförmig. Ayala war zu weit entfernt, um etwas von der Unterhaltung mitzubekommen, dennoch fixierte sie das fremde Etwas mit starren Augen, ein noch so kleinstes Zeichen Banshees würde ausreichen, und sie war zur Stelle. Die Weiße bewunderte ihre Alpha … war sie doch mit Problemen genug überhäuft – und dennoch schaffte sie es stets ihre Fassung zu bewahren. In dem Moment blickte Banshee ihr direkt in die Augen, Ayala meinte, ein kurzes Nicken vernommen zu haben, dann wandte sich die Alphafähe geradewegs an Leyla, woraufhin die weiße Fähe wieder auf Ayala zukam. Sie kam mit einem Blick näher, den Ayala nicht wirklich identifizieren konnte, ihre ganze Haltung hatte etwas Resigniertes. Trauer lag in ihren Augen, Müdigkeit auf ihrem Haupt und Aufgabe in ihrem Gang. Die Betafähe kam ihr langsam entgegen, es waren nicht mehr als wenige Schritte und als Leyla sie erreicht hatte, stupste Ayala sie ganz sachet an, in der Hoffnung, sie nicht erneut zu verschrecken. Sie wollte ihr einfach nur zeigen, dass nichts solche Ausweglosigkeit verdient hatte; sie wollte ihr zeigen, dass sie zu ihr hielt, was auch immer passiert war. Natürlich war es unverständlich dies von Anfang an zu versprechen, Banshees Vertrauen genügte der Weißen jedoch völlig, um auch Leyla Vertrauen entgegen bringen zu können.

„Leyla? Lass uns doch diesen Ort verlassen, mir scheint, das würde dir gut tun.“

Es war kein Befehl, viel eher eine Einladung. Falls Leyla nicht wollte, würde Ayala bei ihr bleiben – sie hoffte jedoch, ihr Angebot würde angenommen.


(Zack, Banshee, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)

Leicht und allem aussehen nach besonnen wiegte Zack den Kopf. Er war froh von dem Wesen wegzukommen, was meinte es sei ein Werwolf, obwohl sie so aussah wie ein Mensch. Natürlich, sie war anders das hatte er doch auch schon vorher bemerkt aber. . . Er lächelte Banshee zu, sie hatte ihn zwar zurückgewiesen, und doch war sie ihm nicht böse worüber er sehr froh war. Auch er hatte erstaunt zugeschaut was mit dem Mensch passiert war, doch im Gegensatz zu Banshee hatte er schon von Werwölfen gehört. Eigentlich hätte es ihm früher auffallen müssen, doch manchmal war er eben zu hitzköpfig. Er schwor sich, dass so etwas nicht wieder passieren sollte und dass er sich später bei Thylia entschuldigen würde. Dann vernahm er Banshee´s Bitte. Der braune Wolf. Wahrscheinlich der, welcher vorhin so schnell verschwunden war. Dankbar für diese Aufgabe nickte Zack.

„Ich mache mich sofort auf den Weg, sie sollten nicht zu weit sein, ich komme dann wieder hier hin, sicher bist du dann auch mit Thylia fertig.“

Er verzog seine Lefzen noch einmal zu einem Lächeln welches er erst in Banshee´s Richtung schickte und dann kurz in Thylia´s. Sie sollte wissen, dass er nichts gegen sie hatte. Es weckte schließlich nur schlechte Erinnerungen. Er drehte sich dann anmutig um und sog einmal tief die Luft ein. Dann lief er in die Richtung in die der braune Wolf verschwunden war. Er musste nicht weiter suchen, doch wurde unterwegs ein Geruch immer vertrauter. Aufgeregt und verwirrt lief er weiter. Neyla, aber. Nein das konnte doch nicht sein oder etwa doch? Andererseits, es gab keine Fähe welche einen so wunderbaren Duft verströmte wie seine geliebte Neyla. Wie beflügelte schritt er nun fast tanzend vorwärts. Aufgeregt spitzte er die Ohren. Wie immer war ihm so nichts anzusehen. Nur Neyla, sollte die es sein würde wohl sofort sehen, wie er sich freute. Nun wirklich beinahe schwebend durchbrach der die Büsche. Sein Fell lag glatt und glänzend, wie immer an seinem muskulösen Körper. Seine Augen strahlten. Sollte es nun eine Enttäuschung sein? Bevor ihn einer der Wölfe ablenkte blickte er nur den braunen an.

Shit? Ihr hießt doch so oder irre ich mich? Ihr sollt die Fremden bitte zur Alphawölfin Banshee bringen. Sie muss noch kurz etwas klären, aber wir sollen schon mal zurück zu der kleinen Lichtung laufen wo wir eben waren.“

Nun hielt Zack es nicht weiter aus sein Blick schweifte an dem braunen vorbei zu einem schwarzen Rüden. Hastig wendete er seinen Kopf weiter. Eine graue Wölfin. Neyla. Wie konnte das nur sein, was tat sie hier, hatte er nun schon irgendwelche Visionen. Einbildungen? Oder war sie es wirklich. Mit vorsichtiger Stimme sprach er.

Neyla? Neyla bist du es wirklich? Bist du . . . hier?“

Er wusste, dass sich seine Worte etwas, stumpf, ja gar unsinnig anhörten, doch war seine ganze gebildete Weisheit vergessen. Freude lag in seinem Blick. Freude, Verwirrung, Sehnsucht und Liebe. Lang verborgene Liebe. Er seufzte, schloss seine Augen und öffnete sie wieder. Nur Neyla würde in ihnen all dies lesen können. Doch er war sich nun sicher. Sie musste es sein, ihr Duft, ihr aussehen. Einen schritt ging er auf sie zu. Was war, wenn sie ihn nicht mehr wollte. Wenn der schwarze Wolf neben ihr, ihr neuer Gefährte war? Doch das passte nicht zu ihr, konnte nicht sein? Zögernd blieb er stehen und wartete. Nun konnte er auch noch eine andere Fähe nicht unweit von ihnen ausmachen. Alles Neue? Nein die andere Fähe kam ihm bekannt vor. Ihr Geruch lag hier überall im Revier. Doch sein Blick blieb auf Neyla geheftet. Liebevoll schaute er sie stumm und zögerlich an.

Atalya
24.12.2009, 19:36

Verwundert hatte Thylia die Reaktion der Fähe beobachtet. Auf so etwas war sie nicht gefasst gewesen. Sie hatte schon mal eine Werwölfin in ihrem Rudel? Und es ist noch immer ein Werwolf hier? Und Banshee wusste von alldem nichts? Das war zu viel für die Fähe. Verwundert starrte sie Banshee mit großen Augen an. Falk von Scharfenberg, anscheinend ein Wolf den sie kennen lernen musste. Wenn sie sich dann verwandelt hatte, denn sie gab Banshee recht es wäre mies, wenn sie so zu dem restlichem Rudel stoßen würde. Vielleicht reagierte dann noch einer so wie der vorhin Zack genannte graue Wolf, der nun zu Fremden gelaufen war, welche er holen sollte. Doch er selber war anscheinend auch noch nicht lange hier im Rudel. So hatte es sich eben zumindest angehört. Freundlich lächelnd verzog sich ihr Mund. Banshee wollte mit ihr reden, sollte sie können. Thylia stand langsam auf. Blickte Banshee an und schritt dann langsam in den Wald. Für einen Wolf mussten ihre Bewegungen komplett unsinnig erscheinen, doch sie war erstaunt wie geschmeidig sie sich trotz allem bewegte. Sie lauschte den Vögeln, welche langsam wieder zurückkehrten und freute sich an ihren Liedern, die durch den Wald zogen. Nun nachdem es wieder still geworden war. Vielleicht hatte dieser gewisse Falk gehört dass sie hier war. Gewiss hatte er es gehört. Würde er später einmal mit ihr reden wollen? Sie hoffte es, denn sie hatte gehört, dass Werwölfe in dieser Form selten zu sehen war und sie selber hatte noch nie einen gesehen. Nur richtige Werwölfe und Menschenwesen. Und eben sie selbst, noch ganz am Anfang eines langen, langen Lebens. Noch eigentlich total unerfahren, auch wenn sie viel gelernt hatte. Das eine Jahr Ausbildung. Das eine Jahr alleine umhergezogen. Doch gewiss gab es noch viel zu lernen. Vielleicht würde sie sich später noch schneller verwandeln können. Nun blieb sie stehen. In Gedanken versunken war sie weiter gegangen als beabsichtigt. Sie wandte sich um, konnte Banshee noch riechen und hoffte, dass diese ihr folgen würde. Es war ja auch nicht so weit, nur nicht so nah, dass ein anderer Wolf sie belauschen könnte und wenn nicht jemand gezielt nach ihnen suchte würde sie gewiss auch niemand stören. Wieder ließ sie sich auf den Boden sinken und überkreuzte ihre Beine. Eine bequeme Position wie sie fand, doch musste sie lächeln als sie darüber nachdachte wie dies für Banshee aussehen musste. So verknotet. Gelassen wartete sie nun auf Banshee. Diese würde sie aufnehmen. Heute noch, das spürte sie würde sie sich verwandeln können. Und dann hätte sie ein Rudel gefunden. Und laut Banshee ein Rudel in dem es für sie sicher sein würde. Nicht mehr lange, das schwor sie sich, würde sie um die Kontrolle kämpfen müssen. Sie würde üben, Konzentration halten können und dann würde sie sich auch aufregen können, ohne dass sie eine solche Bestie wurde. Sie würde es schaffen, dass wusste sie, vielleicht ja sogar durch die Erfahrungen eines anderen Werwolfes. Vielleicht auch alleine. Aber sie wusste, dass sie es schaffen würde, um des Rudels Willen und um ihren Willen. Und sie war stark.


(erst: nördlicher Wald, nähe der Reviersgrenze: Banshee, Ayala, Leyla
dann: nördlicher Wald, knapp an der Grenze, weit weg der anderen: Thylia später Banshee)

In Neylas tiefen blauen Augen lag eine gewisse Sorge und Angst, vielleicht waren noch mehr Wölfe hinter den Büschen und umzingelten sie? Wer wusste das denn schon? Wenn sie einen Fehler gemacht hatte…musste sie nun dafür zahlen? Und warum sprach der schwarze Rüde nicht zu ihr? Mit einem Kopfschütteln blickte sie wieder den Boden an, sie fühlte sich sichtlich unwohl und der Braune Rüde machte es ihr dort vorne nicht viel leichter. Er war nett gewesen, da gab es keinen Zweifel, aber das machte sie nicht ruhiger, Neylas Körper wurde von einer gewissen Nervosität durchflutet. Zitterte ihr magerer Körper nicht sogar? Sie schloss die Augen und stellte sich vor, wie es wäre, Zack zu begegnen. Würde er sie überhaupt wieder erkennen? Sie war viel magerer als Früher und ihre Augen strahlten schon nicht mehr so hell wie damals. Sie hatte diese Gefühle verloren. Neyla sehnte sich nach Wärme, Liebe und Schutz…nach Geborgenheit und den zärtlichen Worten, die um ihre Ohren tanzten. Sie sehnte sich einfach nach diesem Rüden, der ihr dies alles gegeben hatte, selbst wenn sie beide schliefen, hatte sie es gespürt. Sollte sie vielleicht zurückgehen und ihn suchen? Er würde nirgends hier sein, sie hatte sich wahrscheinlich nur verlaufen vor Angst und Erschöpfung.

„Verzeiht, wenn ich dränge…aber ich fühle mich hier beobachtet…“

Flüsterte Neyla zu dem braunen Rüden, als sie ihre Ohren spitzte, vernahm sie da in der Ferne nicht Geräusche aus den Büschen? Kam wieder ein Wolf zu ihnen? Vielleicht ein Leitwolf? Sie senkte nur wieder den Blick, es konnte doch sowieso nicht mehr schlimmer kommen, sie hatte eine Phase erreicht, in der es für sie nicht mehr viel Lebenswertes gab. Plötzlich aber riss sie die lapislazuliblauen Augen auf, ein Geruch drang in ihre Nase, durchströmte ihren ganzen Körper, es erfasste jeden Muskel, jede Faser, selbst ihr Fell schien davon berührt. Dieser Duft gehörte nur einem Wolf, den sie lang genug kannte und den sie so unsterblich liebte. Zack. War Zack hier? Oder war es nur eine Einbildung von ihr? Nein, sie halluzinierte doch nicht oder ging es ihr schon so schlecht? Ein Wolf brach durch die Büsche und nur zögernd hob Neyla das Haupt, um zu sehen, was sie nun erwartet. Als sie das einzigartige Fell erkannte und diese süßliche Stimme vernahm, wurde es warm um ihr erfrorenes Herz. Plötzlich drehte er seinen Kopf zu ihr und er richtete seine so wundervolle Stimme an sie. Neyla schloss einen Moment die Augen, um diesen Gesang, der von jeder seiner Tonlagen ausging, zu genießen, ehe sie die Augen wieder öffnete und zu diesem einzigartigen Rüden sah.

„Zack…ja…ich bin hier…“

Flüsterte sie, mit der Liebe und Zuneigung in ihrer Stimme, die sie die letzte Zeit verloren zu haben schien. Sie lebte also noch, auch innerlich, denn ihr Herz schlug und ihr wurde warm. In ihren Augen erschien wieder ein Glänzen, sie erkannte in Zacks wundervollen Augen diese Freude und Liebe, diese vielen Gefühle, die sie gerade auch fühlte und die sie nicht mehr missen wollte. Er war also hier und als er langsam auf sie zukam, zuckte es in Neylas Läufen. Sie hatte Zack gefunden. Sie hatte ihr Ziel erreicht, das Ziel, welches sie fast aufgegeben hätte. Mit zittrigen Läufen ging sie auf Zack zu, direkt vor ihm blieb sie stehen, dann rieb sie mit einem Seufzen ihren Kopf an seinem Hals entlang, lange und liebevoll, sie genoss sein weiches Fell an ihrem, er war wieder bei ihr, seine Nähe war Lebenswichtig für sie geworden.

„Ich…liebe dich, Zack…“

Flüsterte sie dann zärtlich in sein Ohr, in welches sie ihn sanft biss und dann mit ihrer Zunge sein Fell liebkoste. Sie putzte ihren Rüden, am Nacken, am Hals…es war wie…früher…


(Nähe der Reviergrenze / bei Zack, Midnight, Shit und Leé)



Das Zögern wich von dem Rüden. Sie war es. Er hörte ihre Stimme, sie schien fast ertränkt zu werden von der Liebe welche er aus ihr heraushörte. Sie war es wirklich. Wie hatte er das nur verdient? Er schaute sie nur stumm an. Sah wie sie zitternd zu ihm hinüber kam. Wie sie erst langsam und vorsichtig ihre Schnauze an seinem Hals entlang strich. Er spürte ihr seidenweiches Fell an seinem. Sah sie an, bemerkte wie mager sie geworden war, doch all dies erschien ihm nebensächlich. Die Worte die er dann von ihr hörte, wie er dann spürte dass sie sein Fell putzte, ihn liebkoste ließen ihn fast alles vergessen. Eigentlich hätte er die neuen zu Banshee bringen müssen. Aber diese wollte ja sowieso erst mit dem Mensch reden. Sie hatten Zeit. Nun hatten sie unendlich lange Zeit. Nur sie beide. Er löste sich aus seiner Starre. Schnaufte leise und liebevoll. Hauchte ihr seinen Atem ins Gesicht als er ihre Worte wiederholte.

„Neyla. Ich liebe dich ebenfalls. Ich, ich kann es gar nicht fassen . . .“

Seufzend fuhr er ihr liebevoll durch das Fell. Sog ihren wunderbaren duft tief ein. Erneuerte all seine wirklich schlechten Erinnerungen an sie. Füllte diese Räume mit ihr aus. Liebe überflutete sein Herz. Schlich in jeden Winkel seines Herzens. Erwärmte ihn, so wie er es nicht mehr gedacht hätte. Er lebte. Er lebte wirklich und dieses Leben hatte wieder seinen sinn gefunden. Er hatte seine Fähe wieder. Seine über alles geliebte und vermisste Fähe. Er hatte keine Worte, die seine Gefühle nur im entferntesten ausdrücken konnten. Er wusste nur ein. Er war überglücklich Neyla wieder bei sich zu haben. Die Fähe die er liebte, nach der er sich jede Nacht gesehnt hatte. Deren Fell er solange nicht mehr gespürt hatte. Deren wunderbare Stimme er so lange nicht mehr vernommen hatte. Es schüttelte ihn vor Freude. Sanft rieb er seine Schnauze an ihrer, ehe er sie wieder in ihrem Fell versenkte. Sie spielerisch biss, nein er knabberte an ihr, massierte sie liebevoll. All diese Jahre, eine unendlich lange Zeit die er ohne diese Fähe mehr oder weniger überlebt hatte. Nie hatte er gewusst wie es war wieder so zu empfinden. Er hatte es sicht nicht vorstellen können wie es sein sollte. Er hatte nicht damit gerechnet sie jemals wieder zu sehen. Und nun. Hier an diesem Ort. An dem Ort wo ein Mensch ihn eben gerade noch so wütend gemacht hatte. All dies lag in weiter ferne. Nur sie war wichtig. Seine Neyla.

„Du hast. . . Ich habe dich so . . . vermisst. Du hast mir gefehlt. Jetzt weiß ich wieder was leben heißt! Neyla. Wie. Warum? Du bleibst hier? Wenn nicht ich werde mit dir kommen! Immer! Egal was du meinst ist besser. Außer . . . du willst mich nicht mehr. Aber. Ich liebe dich. Neyla!“

Er seufzte leise. Unbewusst waren nun all die anderen Wölfe ihre Zeugen geworden. Doch er hatte sie längst vergessen. War in seine zerbrochene Zauberwelt eingetaucht. Seine Welt die langsam wieder Gestalt annahm.




(Nähe der Reviergrenze / bei Neyla, Midnight, Shit und Leé)


Shit stand da, war dieses verlogene Wesen, das nicht zu ihm passte. Er war doch immer genau er selbst, oder nicht? Nein, vermutlich war er immer eine Lüge, die Lüge die er sein wollte. Sein Blick lag auf der Wölfin, die sich vorstellte.

„Kein Grund sich zu entschuldigen, ist schon gut, Neyla.“

Sein Blick ruhte auf ihr, freundlich, dann auf dem schwarzen Rüden. Wollte er sich vielleicht auch noch vorstellen? Shit hatte keine Lust, noch einmal zu fragen, wer er war, sah ihn einfach schweigend und abwartend an. Die Zeit um ihn herum spielte keine Rolle, er wusste nicht, wie lange er den Rüden angestarrt hatte, ehe Neylas Stimme erneut die Stille durchbrach. Sie fühlte sich beobachtet?

„Damit musst du rechnen, wenn du einfach durch ein fremdes Revier läufst.“

Er sah sie an, plötzlich schien er gar nicht mehr so nett zu sein, auch das Grinsen verschwand. In der nächsten Sekunde tauchte aber auch schon der fremde Rüde Zack auf. Shit beobachtete die Beiden unbeteiligt, ließ den Kopf hängen. Liebe? Aber Neria war weg, es würde kein Wiedersehen geben. Genervt schüttelte er den Kopf. Was sollte das? Er konnte doch nicht jedes Mal darüber nachgrübeln, was aus ihnen hätte werden können, wenn er ein Pärchen sah. Vor allem weil nun mal nichts aus ihnen geworden war. Nichts. Die bittere Wahrheit. Dieser Zack war also hinter ihm her geschickt worden, damit sie endlich zu Banshee kamen? Wunderbar wie sie ihm vertraute. Wieder seufzte er, sah den Schwarzen an, dann Neyla und Zack.

„Kommen wir Banshee’s Bitte nach, jetzt gleich.“

Der fremde Rüde wollte sich in Schweigen hüllen? Shit interessierte das nicht mehr, er hatte getan, was Banshee gesagt hatte, er hatte versucht die Fremden zu holen. Für alles Andere war sie selbst verantwortlich. Blieb er eben ein Versager, dem man nichts zutraute. Eine Lüge. Verbittert wandte er sich ab, schüttelte seinen Pelz, schüttelte einfach alles von sich ab. Er sog die Luft ein, die frische, klare Luft dieses Tages und grinste. Er machte ein paar Sprünge, umrundete spielerisch einen Baum. Munter drehte er sich zu den drei Wölfen um, wuffte ihnen zu, das sie ihm folgen sollten. Seine Pfoten berührten kaum den Boden, als er los stürmte und den Weg bestimmt dreimal gelaufen war, ehe die Anderen auch nur reagiert hatten. Er sprang um Bäume, um Sträucher, ganz so, wie er es früher immer getan hatte, wenn er allein auf seinen Wanderungen war und sein Glück suchte. Bald hing ihm die Zunge aus dem Maul, verlieh dem Gesicht einen noch vergnügteren Ausdruck. Wieder bei Neyla, Zack und dem Schwarzen angelangt, sah er sie an, mit wedelnder Rute.

„Die Alpha wartet, kommt schon!“

Er wartete ab, sah sie alle abwechselnd an. Seinem Herz war nicht nach Lachen zu mute, doch er tat es, überzeugend genug. Wie sollten ein paar Fremde auch merken, wie verlogen er war? Gab es überhaupt Wölfe hier, die nicht fremd waren? Nein, niemand wusste etwas über ihn, nichts Entscheidendes. Nicht Banshee, nicht Neria, niemand! Vermutlich war es besser, wenn das auch so bleiben würde. Es war ja nur zu deutlich geworden, was aus ihm wurde, wenn er sich an ein paar Wölfe klammerte. Er ging daran kaputt, weil ihm die Einsamkeit eben doch mehr ausmachte, als er es zugab. Aber er würde, egal wie viele Wölfe das Rudel zählte, doch immer einsam bleiben. Das war so etwas wie sein grausames Schicksal. Was nützte es ihm, sich darüber zu beklagen, immerhin war es so vorherbestimmt. Das gehörte zu seinem Leben, genauso wie das Lachen auf seinem Gesicht. Er konnte glücklich sein, er hatte lange genug gebraucht, um herauszufinden, wie er glücklich sein konnte. Es war ein wundervoller Tag, er war jung und gesund, er hatte sein ganzes Leben noch vor sich. Er war ein gnadenloser Optimist, liebe alles um sich herum. Er war verrückt, das war das Beste daran. Er war sogar hier willkommen, was wünschte er sich mehr? Er kannte die Antwort darauf zu gut, dennoch gab er sie nicht. Er brauchte sie sich nicht selbst beantworten. Er war welpisch, machte aus einer Mücke einen Elefanten.

.oO(Shit, du bist ein Spinner, ich hoffe das ist dir klar? Natürlich ist dir das klar. Scheinbar leidest du an Stimmungsschwankungen, oder wie soll man das verstehen?)


(Nähe der Reviergrenze / bei Zack, Midnight, Neyla und Leé) )))

Sie fühlte sich schlecht bei dem Gedanken, einfach davongerannt zu sein. Sie gab einen schiefen Eindruck von sich, nicht ganz falsch, denn ängstlich war sie, wenn alles fremd und ungewohnt war, doch dass es ihr so schlecht ging, war doch nicht die Regel. Noch immer konnte sie ihrer Betreuerin, wenn man das so nennen wollte, nicht in die Augen sehen. Doch das änderte sich, als sie sie an der Nase berührte. Gezwungenermaßen sah sie auf und sie etwas verschreckt an. Was tat sie? Warum tat sie das? Sie wusste nicht, was sie damit verkörperte. Sie hatte keine Ahnung, was das bei Leyla auslöste. Genau das hatte Alienna damals auf dem Stein auch getan. Es war eines der wenigsten Male, bei denen sie mit Leyla in Berührung kam, wobei sie über ihre Ängste hinausgehen musste. Leyla vermisste sie, das stand ganz außer Frage. Doch eine „neue Alienna“..ein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Noch immer hatte sie die Hoffnung nicht aufgegeben, sie eines Tages wieder zu treffen. Und so lange sie nicht sicher war, was mit ihr war, wollte sie nicht an „Ersatz“ denken Sicher, das wollte Ayala auch nicht sein und sie wusste es ja gar nicht. Aber trotzdem war sie in diesen Augenblicken genau wie Alienna, als sie sich kennen gelernt hatten. Hatte das mit dem Rudel zu tun? Waren sie alle so hilfsbereit, weil ihre Alphawölfin sie zu hilfsbereiten und lieben Wölfen machte? Unverständnis herrschte in Leylas Gedanken. Auch noch viele Sekunden nach der Berührung sah sie sie an, ihr Blick war förmlich gefesselt an ihrem. Augen sagen so viel aus. Das war schon immer Leylas Sprache. Doch so recht vermochte sie ihren Blick noch nicht zu interpretieren. Sie sah zwar Fürsorglichkeit und Liebe zu Artgenossen aus ihnen heraus, doch was ihre persönlichen Gefühle dabei waren, erkannte sie noch nicht. Sie konnte es sich nur denken. Hoffentlich spottete sie hinter diesem Blick nicht über sie..in ihrem Kopf. Es verleitete sicher dazu, wenn man sie nicht kannte, nicht verstand und selbst nicht wusste, was es bedeutete, so zu sein und mit solchen Problemen zu kämpfen zu haben. Dennoch hoffte sie sehr, dass diese Gedanken nicht in ihr waren und der Blick ehrlich war, nicht notgedrungen, weil sie nun von Banshee die Aufgab bekommen hatte, sich um sie zu kümmern.
Vielleicht konnte sie ihre persönlichen Gefühle und Gedanken zu dieser Situation besser herausfinden, wenn sie mit ihr allein war, wie es mit Alienna war und sie sich ihre persönlichen Probleme und Ängste nicht verschwiegen hatten und sogar festgestellt hatten, dass es Parallelen gab. Auf ihre Frage hin nickte sie leicht, wobei sie sie nicht mehr ansah, sondern vor sie. Leyla setzte langsam eine Pfote vor die andere und bewegte sich los, weg von diesem Ort, der mal ihrer war- unser Ort.

(Zack, Banshee, Ayala, Thylia/nördlicher Wald - Nähe der Reviergrenze)


Stumm auf die Antwort wartend sah Face Taihéiyo den jungen Wolf an. Er konnte die Angst in seinen Augen sehen und irgendwie .. innerlich seufzte er. Er hätte doch verschwinden sollen. Seine Nähe schien den anderen Wölfen nicht zu gefallen. Das war ein Bitteres, aber hätte er gekonnt, hätte Face wahrscheinlich bloß genauso bitter darüber gelächelt.
Okay, die Antwort des Braunen half ihm auch nicht wirklich weiter. Während er prüfend über das Loch schaute richtete der Welpe eine Frage an ihn, die den Tiefschwarzen innerlich zusammenzucken ließ. Der große Wolf hielt in seiner Bewegung inne und richtete den saphirblauen Blick wieder ausdruckslos auf den Braunen.

Da wo ich herkomme? .. Nein .. schätze lieber, dass du hier mit deiner glücklichen Familie leben darfst.“,

antwortete Face mit leiser, emotionsloser Stimme. Wieder spürte er diesen Druck auf seiner Seele und aus den Augenwinkeln konnte er Cloud an seiner Schulter lehnen sehen. Dieser grinste ihn schon wieder voller Boshaftigkeit an.

( „..But home is nowhere, right?” )

innerlich einen gewissen Zorn in sich auflodern spürend trat Face zur Seite, genau in den Indianerjungen hinein, der darauf hin auflachend verschwand. Stumm wanderte Face um das Loch herum, zu der Stelle, wo der junge Wolf eingestürzt war.
Warum verdammt? Warum konnte er ihn nicht einfach in Ruhe lassen?! Warum bohrte er immer weiter in diesen Wunden herum, die sich niemals geschlossen hatten?! Auch wenn sein Körper tot war .. seine Seele fühlte trotzdem noch .. doppelten und dreifachen Schmerz .. Cloud hatte doch Recht! Nie hatte es einen Platz gegeben, den Face Taihéiyo sein Zuhause hätte nennen können, wie fühlte sich das überhaupt an? Zuhause .. Der Tiefschwarze wusste es nicht. Nie eine richtige Familie, kein Zuhause, keine Freunde – nie gehabt. Gott, er war schon ein zu bemitleidendes Geschöpf. Diese Gedanken über sich waren fast schon spöttisch. Er wollte kein Mitleid, nur Ruhe. Ewige Ruhe. Doch die bekam er ja eh nicht. Was sollte es? ER brauchte niemanden, nie hatte er jemanden gebraucht oder gehabt und umgekehrt brauchte ihn auch niemand! Seine Existenz war von Grund auf sinnlos. Na, okay. Eine kleine Ausnahme gab es grade jetzt – der Kleine kam hier ohne ihn sicherlich nicht mehr raus und wer Anders war nicht in der Nähe. Er wäre nicht besser, als jedes andere Arschloch, wenn er stumm weiterziehen würde.

Pass auf .. Ich komme zu dir runter und versuche dich da raus zu holen .. geh besser etwas zur Seite.“

Es fiel ihm schwer so viel zu reden, dabei war es eigentlich gar nicht viel. Er fühlte nur nichts, nicht wie er sprach, auch wenn er es trotzdem tat. Seine Stimme war immer noch genau so leise, dunkel und trotzdem vollkommen klar, nur jetzt besaß sie gar keinen Ausdruck mehr. Die Leere war schon immer da gewesen, nur neben ihr gab es jetzt gar nichts mehr. Langsam versuchte er mit tauben Pfoten Halt zu finden und in das Loch zu klettern. In seiner Seele befand sich nur noch ein Rauschen, in Gedanken versuchte er etwas zu finden, was man irgendwie Zuhause nennen konnte, aber da war nichts. Der Rüde mit reinschwarzem Pelz gehörte einfach nirgends hin, hatte es nie getan. Auch das Indianerdorf konnte man nicht in die Gedanken mit einbeziehen, es stimmte einfach nicht, wäre eine Lüge.

.oO°(Broken Home .. all alone ..)


(Hiryoga / weit entfernt von allen in den Wäldern des Sternsees)


Banshee beobachtete Thylias Reaktion, sie schien erstaunt, die Leitwölfin musste auch zugeben, dass es gerade wohl sehr nach einem Stimmungswechsel ausgesehen haben musste … vielleicht waren alle Fähen in der Ranz so launisch, jedenfalls bemerkte auch sie selbst, dass sie ungewöhnlich schnell zwischen aggressiv, erhaben, freundlich und amüsiert wechselte … sie sollte bald zu Acollon. Der Gedanke ließ sie wieder schmunzeln, Thylia richtete sich jetzt aber auf, es wirkte ein wenig unbeholfen, vielleicht war sie diese Gestalt weniger gewöhnt, als man wegen ihres Auftritts erwarten könnte. Jedenfalls begann sie wieder in den Wald zu laufen. Kurz stutze die Weiße, warum lief sie denn jetzt wieder weg, als ihr klar war, dass sie Leyla gesagt hatte, dass sie mit Thylia etwas besprechen musste. Ihr Lächeln wurde ein wenig breiter, es war nun eigentlich nicht so ganz die Wahrheit gewesen, Banshee hatte gewollt, dass sich Leyla beruhigte und sie deshalb zu Ayala geschickt, bei Thylia hätte sie keine Ruhe gefunden. Aber nun gut, wenn sie schon ein Gespräch haben konnte, dann würde sie Thylia eben ein wenig von diesem Tal erzählen, das war ja nun auch nicht falsch. Zack war bereits verschwunden, schien äußerst erfreut zu sein und Ayala und Leyla verschwanden ebenfalls langsam. Banshee begann also mit ruhigen Schritten Thylias Spur zu folgen, es war nicht sehr schwierig, erstaunlich, wie laut sie sich durch diesen Wald bewegte. Es musste für sie unerträglich sein, wenn sie das stille Laufen eines Wolfes kannte. Kurz verlor sich die Weiße in Gedanken, wie es wäre, wie Thylia zu sein, diese seltsame Gestalt annehmen zu müssen, so hilf- und schutzlos zu sein … es war kein schöner Gedanke. Thylia tauchte vor ihr auf, wie sie dort zwischen den Bäumen saß, gleich dort, bei der nächsten Hügelkuppe war die nördliche Grenze des Reviers, sah sie seltsam fremd aus, als würde sie überall hin gehören, nur nicht hier her. Dennoch trat die Leitwölfin mit ruhigem Schritt neben die Fähe, sie saß auf eine eigenartige Art und Weise da, selbst als sich Banshee auf die Hinterpfoten setzte, überragte sie sie.

“Eigentlich, denke ich, haben wir wohl alles geklärt. Ich werde bald zum Rudel zurückkehren, vielleicht kannst du dich Ayala und Leyla anschließen, wenn du nicht ganz alleine bleiben willst, ich muss zu meinem Gefährten.“

Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lefzen, Thylia würde schon verstehen, was sie meinte, auch wenn es Banshee Leid tat, dass die Fähe zunächst nicht zum Rudel gehen konnte. Dafür aber benutzte sie ganz bewusst das „du“ … es sollte ein Zeichen sein, dass Thylia wirklich aufgenommen war, sie waren jetzt zusammen in einem Rudel, eine große Familie.

“Jetzt allerdings warte ich eigentlich noch auf die zwei Fremden, aber weder Shit noch Zack scheinen es fertig zu bringen, diese beiden her zu bekommen … warten wir noch ein wenig. Solange kann ich dir viel erzählen … du bist in keinem ganz normalen Tal gelandet, aber da du ja auch kein normaler Wolf bist, scheint das ja zu passen. Kennst du Engaya?“

Bei der Erwähnung ihrer Göttin, begann ihre Rute sachte durch den wässrigen Schnee zu fahren, der Gedanke an sie, erfüllte sie mit tiefem Frieden. Es würde nicht lange dauern und Engaya würde ihnen wieder neues Leben schenken, die Freude darüber sprudelte jetzt schon in ihrem Herzen. Ihr Blick lag ruhig und mit einer friedlichen Wärme gefüllt auf Thylia, das fremde Gesicht als vertraut aufnehmend.


(Thylia/nördlicher Wald - Reviergrenze)

Ayala spürte, wie sich Leyla offenbar noch mehr verkrampfte, nachdem sie sie berührt hatte. Die Weiße verspürte etwas wie Enttäuschung … bisher hatte sie alles falsch gemacht, was sie hatte falsch machen können. Doch sie würde daraus lernen, sie würde Abstand halten, wenn das für Leyla besser war. Ayala freute sich jedoch, dass jene immerhin eingewilligt hatte, sich etwas von den anderen abzukapseln; sie hegte noch immer die Hoffnung, dass sich dann die verschreckte Fähe an ihrer Seite vielleicht etwas eher öffnete. Ayala dachte gedankenverloren darüber nach, was der Grund für ihre seltsame Haltung sein konnte und ärgerte sich zugleich darüber, zu lange weg gewesen zu sein, um zu wissen, was passiert war. Einerseits konnte sie Leyla also neutral gegenüber treten, andererseits würde Leyla ihr alle schmerzhaften Erinnerungen erläutern müssen, sodass sie würde verstehen können.
Die Betafähe lief los, sie schaute nochmals zurück, zwinkerte der anderen Weißen zu und bedeutete ihr damit, ihr zu folgen.
Ayala lief nicht schnell, sie versuchte ihr Schritttempo an das ihrer Gefährtin anzupassen, verfiel jedoch immer wieder in gedankenverlorene Momente, in denen sie sich fragte, was passiert sein mochte. Sie wurde mit einem Mal unruhig … seit der Jagd hatte sie dem Rudel den Rücken gekehrt und somit – wurde ihr plötzlich klar – konnte alles Mögliche derweil zugestoßen sein. Was, wenn jemand so schwer verletzt gewesen war, dass …?
Ayala schimpfte sich selbst Feigling und versuchte sich gleichzeitig an ihr Gelübde an sich selbst zu erinnern. Sie sollte stark bleiben – schwach wurde sie nur, wenn sie sich selbst untergrub. Als der Schleier ihrer Vorwürfe an sich selbst sich lichtete, waren sie nur noch wenige Schritte von einer Quelle entfernt, die ein leises, angenehmes Plätschern ankündigte. Ayala nickte Leyla kurz zu und lief etwas schneller, ihre Kehle brannte vor Durst. Das kühle Wasser rann mildernd ihren Hals hinab und gab ihr etwas Gelassenheit zurück. Nachdem sie sich nach ein paar gierigen, langen Zügen gütlich getan hatte, setzte sich Ayala neben den Wasserlauf und wartete ab. Sie wollte es diesmal Leyla überlassen, ihr ein Zeichen zu geben, wenn sie bereit war, zu sprechen.


(Leyla / nördlicher Wald (an einer Quelle))

Langsam aber sicher überkam sie ein sicheres Gefühl bezüglich Ayala. Sie hatte momentan wirklich nicht den Eindruck, dass sie etwas Böses im Schilde führte oder innerlich über sie spottete. Oder sie war eine gute Schauspielerin. Doch würde das ganze Rudel so gut schauspielern? Die freundliche Leitwölfin ebenso? Schwer vorstellbar. Und doch war es die Angst, daß sich das ändern könnte. Daß sie nicht zu Recht kamen mit ihr und sie verließen. Nun war das Gefühl des Gefangenseins schon in ein Gefühl der Geborgenheit übergegangen und sie hatte Angst, daß dieses neue Gefühl verlorengehen könnte und sie bald wieder allein sein könnte. Natürlich konnte keine Wölfin der Welt Alienna ersetzen, doch man schloß immer neue Bekanntschaften und vielleicht würde sie sie eines Tages auch nie wieder sehen und dann würde sie ebenso über sie nachdenken und ihnen nachtrauern. Noch war dieses Gefühl nicht sehr stark, das brauchte Zeit und noch waren es die alten Wunden, die wehtaten, da brauchte es keine neuen. Nur die Zeit ging weiter, egal was passierte. Und Leyla ging mit ihr, ob sie wollte oder nicht. Sie war Teil des ewigen Kreises, Teil der Natur. Sie hörte das leise Voreinandersetzen ihrer Pfoten, wie sie eine vor die andere setzte. Es wurde ruhiger, umso weiter sie sich von dem Platz der turbulenten Ereignisse und Neuentdeckungen und Zusammentreffen entfernten. Bald war gar nichts mehr zu hören und sie vernahm neue Geräusche. Das Sprudeln einer Quelle, die dort entlang sprudelte. Diese Quelle hatte sie nie gesehen. Es war nicht leicht für sie, den Platz, unseren Ort, zu verlassen und neue Orte zu entdecken, die sie nie zuvor gesehen hatten, obwohl sie die ganze Zeit über da waren und existierten, so wie die Wölfe, die sie jetzt kennen lernte. Ja genau das war es. Sie waren die ganze Zeit über da. Also auch Teil der Vergangenheit und doch etwas Neues für sie. Dinge, die sie während dieser Zeit, der schlimmen und der schönen, nicht gesehen hatte. Aber sie erinnerten sie nicht an das, was sie erlebt hatten oder nur wenig. Sie fragte sich, ob sie auch hier entlanggelaufen war. Ihre Witterung hatte sie leider recht bald verloren. Wer weiß, was sie jetzt tat? Sie existierte mit Sicherheit auch noch in dieser Zeit. Und doch schwand Leylas Hoffnung, sie je wiederzusehen, Tag für Tag. Jetzt war sie bei einer anderen Wölfin, die ähnliche Züge trug und wohl auch gut war. Leyla hielt etwas Abstand, als sie ihr zur Quelle folgte, zu der sie gegangen war, um etwas zu trinken. Sie hatte wohl großen Durst. Was war mit ihr? Was hatte sie erlebt? Was hatte sie in der Zeit getan, die nun vorbei war? Viele Fragen wollten aus ihr heraus. Am besten alle mit einem Mal. Doch letztendlich schaffte es keine einzige. Die Zurückhaltung und die Scheu waren zu groß, um sie gleich solche Dinge zu fragen. Obwohl Leyla keinen Durst hatte, trank auch sie ein paar Schluck, aber nur sehr wenig. Sie hatte es fast reflexartig getan. Vielleicht ein Zeichen, daß sie ihr vertraute. Nachahmungen anderer Wesen war eigentlich immer ein Zeichen der Vertrautheit zu dieser Person. Ob es nur Mimiken waren oder etwas, was man tun kann, wie eben etwas trinken, es kam vor, ganz unbemerkt. Nachdem sie zwei, drei Schlucke getrunken hatte stand sie wieder normal neben dem Wasserlauf. Sie leckte sich das restliche Wasser vom Fell am Maul und wartete ab, was sie nun sagte oder tat. Würde sie es ihr auch nachmachen? Doch als sie sie ansah und auf eine Reaktion ihrerseits wartete, wußte Leyla nicht weiter. Damit wußte sie nichts anzufangen. Sicher hätte sie etwas sagen können. Doch die Scheu war einfach zu groß, die Blockade. Immerhin hatte sie jetzt Platz genommen. Innerlich wurde ihr Vertrauen größer, auch wenn sie sich das selbst nicht eingestehen konnte, kannte sie sie doch erst seit wenigen Augenblicken. Ihr kam es albern vor, jemandem zu vertrauen, den sie so gut wie gar nicht kannte. Also sah sie sie nur fragend an. So fragend, als stünde dort ein völlig neues Wesen vor ihr, eine ganz fremde Lebensform. Mit einem melancholischem Blick sah sie sie fast ununterbrochen an und versuchte aus ihren Augen zu lesen, wer sie war. Doch es brachte sie kaum weiter. Sie sah keinen Haß in ihren Augen, keine Wut, sie auf Leyla zurückzuführen wäre oder auf etwas, was sie erahnen konnte und keine große Angst. Sie legte den Schwanz an ihren Körper heran und stellte die Vorderpfoten eng zusammen. Dann schwenkte sie ihren Blick ein wenig nach links und sah auf das Wasser der Quelle. Dort war das verzerrte und, wegen der Strömung, zitternde Bild der zwei zu sehen. Was für ein Bild..es erinnerte sie wieder furchtbar an die Situation mit Alienna im flachen Wasser, nachdem sie sie gerettet hatte, gerettet vor sich selbst.
Sie sah sie nicht mehr persönlich an, sondern nur noch über das Wasser. Sie sah ihren ganzen Körper und daneben ihren eigenen. Im Wasser wirkten sie noch näher, als sie sich in Wirklichkeit standen. Was für ein Bild. Sie und diese fremde Wölfin, die sie nun ansah und von der sie nicht wußte, was nun.


(Ayala / nördlicher Wald (an einer Quelle))

Der schmale schwarze Kopf drehte sich nach hinten, einen letzten Blick auf die vergangenen Geschehnisse. Ein leichtes Seufzen hauchte er in die Luft. Ein vertrauter tiefer Geruch stand ihm in der Nase. Eindeutig, hier verweilte seine Familie, sein Rudel. Er stellte sich ein letztes Mal seiner eigenen Persönlichkeit. Wieder einmal seine Gefährtin verlassen. Doch immer war er in Gedanken bei ihr geblieben. Er brauchte diesen Kampf, er hatte es spüren müssen. Jetzt kehrte er nicht aufgeklärt zurück, sondern besonnen und sich selbst vertraut. Als akzeptierender Vater und wissender Alpha.

Die schweren Pfoten sammelten einige Staubreste und wirbelten sie auf. Die blutenden Lefzen zu einem leicht herablassenden Lächeln verzogen. Er wirkte ruhig, der Atem war gleichmäßig, die Rute locker zwischen den Hinterläufen hängend.

Das Heulen seiner Ankündigung klang ein wenig stumpf und rauer als sonst. Der Jüngste war er nicht mehr, der Sohn des Todes.
Guter Dinge bewegte er sich in Richtung des Geruches seiner Gefährtin, Banshee.

Banshee, meine Schöne, meine Gefährtin. Ich bin wieder zu Hause, ich bin wieder bei Dir und unseren Kindern.


Sachte wiegte sie den Kopf, hörte Banshee ruhig zu und merkte sich alles. Ein besonderes Tal. Engaya. War das vielleicht der Grund warum sie aufgenommen worden war? Und wenn schon, es störte sie nicht sie freute sich hier sein zu dürfen. Sie lächelte leicht. 2 andere neue Wölfe noch. Und Banshee wollte doch zu ihrem Rüden. Wieder schmunzelte Thylia. Tja so war das eben in der Zeit der Ranz.

„Nein, von Engaya habe ich noch nicht wirklich was gehört, ab und zu war der Name gefallen. Aber wirklich was genaues kann ich dazu nicht sagen.“

Sie wartete. Wusste nicht genau was sie sagen sollte. Sie würde sich wohl den anderen Wölfen anschließen, sollten diese nicht Ruhe haben wollen. Ansonsten konnte sie aber sicher bald zu dem restlichen Rudel stoßen.

„Ich hoffe ihr erschreckt euch nicht, wenn ich dann zu eurem Rudel stoße aber eigentlich müsstet ihr euch ja an meinen Geruch erinnern, der verändert sich schließlich nur ein wenig“

Nun guckte die kleine Ernst. Ja ein wenig veränderte er sich, unbedeutend für einen Menschen, aber für einen Wolf wahrscheinlich sehr bedeutend. Auch wenn da ein bisschen Falschheit in dem Geruch liegt. Kein richtiger Wolf riecht so. Das hatte sie gelernt.



(Banshee/ nördlicher Wald- Reviersgrenze)

Banshee genoss die Ruhe, die jetzt von Thylia ausging, die Fähe hatte sich beruhigt und war nun aufmerksam und gelassen, genau die Eigenschaften, die Banshee sonst unabdingbar anhafteten … nur jetzt, heute, in dieser Zeit verloren sie sich im Nebel der aufkommenden Frühlingsdüfte. Der Schnee zu ihren Pfoten mochte so gar nicht mehr zu ihrer Stimmung passen und auch wenn sie jetzt ruhiger geworden war, so wünschte sie sich doch die Sonne herbei. Dass Thylia von Engaya gehört hatte, erstaunte sie fast ein wenig … aber es war umso schöner. Sie wiegte sachte den Kopf ein wenig hin und her und lächelte dann. Sie würde nicht viel erzählen, ein paar Worte, das würde reichen.

“Du bist in Engayas Tal … wir sind ihre Wölfe, ich bin ihre Tochter. Ich habe mich dem Leben verschrieben, so wie auch sie, manche Gesetze sind hier anders. Man kann sie schwer in Worte fassen, aber wenn du das Leben ehrst und es liebst und den Kreislauf des Lebens verstehst, dann wirst du alles richtig machen. Engaya, die Göttin des Lebens hält ihre Pfoten über unser kleines Tal, manchmal passieren seltsame Dinge hier, aber zur Zeit ist es sehr ruhig. So viel sei gesagt, du wirst es irgendwann selbst bemerken.“

Das geheimnisvolle Lächeln, das immer kam, wenn sie über Engaya sprach, tanzte wieder auf ihren Lefzen, sie genoss es, darüber zu sprechen, einer Fähe etwas Wissen weiterzugeben. Auf die schwache Besorgnis Thylias reagierte sie mit einem leichten Kopfschütteln und berührte sie dann ganz sachte an ihrer felllosen Haut an den Schultern.

“Ich denke, wir werden dich erkennen, auch wenn der Geruch ein wenig anders ist. Jeden Wolf kann man auch anders als am Aussehen, Geruch der Stimme erkennen. Man muss nur aufmerksam sein.“

Sie verfiel wieder in Schweigen, schreckte dann aber hoch, als ein leises Zittern aus dem Westen kam, es schwoll zu einem Heulen an und sofort stand sie auf den Pfoten. Acollon … am liebsten wäre sie sofort losgestürzt, dennoch war wenigstens noch ein wenig von der alten Banshee übrig geblieben.

“Thylia, es tut mir leid, ich muss dich jetzt wohl verlassen. Leyla und Ayala sind ganz in der Nähe … geh ruhig zu ihnen.“

Sie berührte die Fähe an der seltsam runden Stirn und wandte sich dann ab, zögerte noch einmal und hob dann die Schnauze in den bewölkten Himmel.

“Zack, Shit … sorgt mir für die Fremden, wenn sie nichts Böses im Schilde führen, so können sie vorerst bleiben.“

Noch einmal lächelte sie Thylia zu, schon trugen ihre Pfoten sie eilig durch den matschigen Schnee, behänd schlängelte sie sich durch die Bäume und schon bald war ihr ganzer Körper angefüllt von Acollons Duft. Schon sah sie sein rabenschwarzes Fell zwischen den Bäumen, schon berührten sich ihre Nasen und ihre Schnauze vergrub sich in seinem dichten Nackenfell.


(Thylia/ nördlicher Wald- Reviergrenze
dann Acollon/nördlicher Wald)

Aufmerksam hatte der junge Rüde den Blick nach oben gerichtet und jedem Wort des Tiefschwarzen gelauscht, hier lebte er glücklich mit seiner Familie? Was wusste er schon, der Dunkle war nicht klein und schwächlich, er war nicht hilflos und auf alle anderen angewiesen, er war groß und stark, er konnte für sich selbst sorgen, er konnte hingehen, wohin er wollte, nichts und niemand hielt ihn fest. Aber er musste hier bleiben, bei seiner Familie, seinen Eltern, seinen Geschwistern und seiner Patin zu liebe, für sie alle musste er hier bleiben, weiterleben, versuchen glücklich zu sein, aber wenn er das nicht sein wollte? Wenn er nicht ihre Nähe wollte, sie nicht brauchte? Er wollte mehr, er wollte alleine auf seinen Pfoten stehen und sein Leben so leben wie er es wollte, er wollte nicht auf das Wort von Alphawölfen hören, er wollte nicht im Schatten seiner Eltern leben, mit dem Gedanken an die Zukunft, dass er sowieso nichts wurde, er konnte das Rudel nicht übernehmen, er würde dazu auch nie die Chance bekommen, er wollte sie gar nicht, er würde nie einen hohen Rang bekommen, sondern würde ewig das lästige Anhängsel bleiben, doch er wollte mehr, er wollte das wovon er träumte, doch wie sollte er das erreichen, einfach weglaufen? Nein, das konnte er nicht, er musste sich verabschieden, ihnen sagen das er gehen wollte, er musste ihnen zeigen das er sie liebte, das er gehen musste, denn er wollte mehr von seinem Leben. Er würde auch nicht alleine gehen, die Eule würde ihn begleiten, da war er sich sicher, seine gefiederte Freundin, die ihm die Hilfe geschickt hatte, irgendwie hatte sie es getan, er wusste nicht wie und wahrscheinlich war es dem Tiefschwarzen nicht bewusst, aber sie war es. Da war mehr für ihn, als das Leben in einem Rudel, in dem er eh nichts erreichen konnte, in dem er schwach sein konnte, doch er wollte nicht immer schwach sein, er wollte sich einmal stark fühlen, einmal zeigen, dass er es alleine schaffen konnte. Hiryoga schüttelte nur den Kopf, jetzt sollte er sich nicht mit solchen Gedanken befassen, erst musste er hier raus, bevor er von seiner Zukunft träumen konnte.
Wie Face gesagt hatte, erhob sich der Welpe langsam und drückte sich an die Wand des Loches. Er setzte sich auf die Hinterläufe, der Blick der smaragdfarbenen Augen huschte über die kleine Blutlache im Schnee die von ihm war, die Ohren legte er flach an den Kopf und beobachtete den Tiefschwarzen, wie er versuchte ihn zu retten. Ja, wäre er größer und stärker, intelligenter und aufmerksamer, dann wäre er erst gar nicht in diese Misere geraten bzw. hätte sich selbst herausholen können aus dieser Situation. Immer war er eine Last für die anderen, aber das wollte er verändern, er würde es verändern. Er wusste zwar nicht, ob er es schaffen würde, ob er nicht nach einer Woche schon zurückkommen würde, aber es war einen Versuch wert, er musste es sich selbst beweisen, dass er zumindest den Mut hatte zu gehen.



(Face / weit entfernt von den anderen in den Wäldern des Sternensees)


Ayala hätte die Fremde gerne angelächelt, es schien ihr jedoch zu unsicher, welche Bedeutung dies für Leyla haben könnte. Es ging jener schließlich nicht so gut, da konnte ein lächeln schnell verletzend und unverstehend wirken. Dennoch hatte die Weiße plötzlich das wärmende Gefühl von Verständnis, ohne zu wissen und von Verbundenheit, ohne zu kennen. Ihr Gegenüber, im Wasser leicht verzerrt und doch schön flimmernd, wollte offenbar nicht sprechen; doch es war unwichtig, sie würden auch eine Zeit lang miteinander Schweigen können. Ayala erinnerte sich an jene Nacht mit Falk, die Sterne hatten ihnen Zeichen gesendet und sie hatten geschwiegen, den Augenblick genossen; kaum hatten sie gesprochen war der Zauber auf eine gewisse Art und Weise nicht mehr derselbe gewesen. Er war nicht entschwunden, doch er war auch nicht unverändert geblieben – er war noch immer schön, aber mit anderem Gefühl gelebt. Wo ihr Gefährte wohl sein mochte? Verweilte er noch immer in den Nebelbergen? Er dachte an sie, das konnte sie spüren, so, als seien sie durch ein unsichtbares Netz untrennbar miteinander verwoben. Diese Sehnsucht, die jedes Mal von neuem aufkam, hatte ihre Beziehung von Anfang an geprägt. War es nicht schon immer so gewesen, dass sie öfter getrennt als zusammen gewesen waren. Nun lächelte Ayala.
Doch es war ein trauriges, wissendes Lächeln. Ein Lächeln, das die Zukunft kannte und ebenfalls die Unmöglichkeit, etwas zu ändern.
Sie blickte auf zu Leyla. In Gedanken sprach sie ihr beruhigende Worte zu: Silben des Trostes und des Verständnisses und gleichzeitig fragende Laute, die die Distanz schaffende Fremde zwischen ihnen untermalte. Was hast du erlebt? Woher kommst du?
Ayala würde ihr stummes Versprechen, auf einen Anfang Leylas zu warten, nicht brechen. Sie musste ihr nur deutlich machen, dass sie einander vertrauen konnten.
Natürlich war dies viel erwartet und würde einiges an Überwindung kosten, dennoch schien es Ayala der einzig richtige Weg. Die Fähe beugte sich etwas nach vorn, nun berührten die beiden Wasserbilder einander an den Schauzen.


(Ayala / nördlicher Wald (an einer Quelle))



Was auch geschah und was sie auch tat, es munterte Leyla nicht auf. Die Veränderungen gingen einfach zu schnell. Die Welt lebte an Leyla vorbei. Sie brauchte mehr Zeit. Zeit, die ihr das Jetzt nicht gab. Sie beobachtete das neue Spiegelbild im Wasser. Als sie es sah, wandte sie sich ab. Sie drehte sich um. Sie konnte nicht länger. Die Fähe verstand mit absoluter Sicherheit nicht, was sie hatte und konnte ihr Auftreten nicht nachvollziehen. Gern hätte sie es ihr erklärt. Aber das ging nicht mit Worten. Man musste schon hellsehen können um nachvollziehen zu können, was sie alles erlebt hatte, auch vor der Zeit mit Alienna. Das konnte nicht einfach repariert oder ersetzt werden. Dazu waren die Momente zu kostbar gewesen. Leicht konnte es zu Mißverständnissen kommen, wenn sie sich nun umdrehte und ihr nicht länger in die Augen sah und die Realität mied. Doch über sich ergehen lassen konnte sie es auch nicht, Augen zu und durch. Man sah doch nicht nur mit den Augen. Den Schmerz bekam sie trotzdem mit, da half es auch nichts, wenn sie die Augen verschloß. So war es ganz egal, ob sie sich umdrehte, um das Spiegelbild im Wasser nicht zu sehen, oder nicht. Die weiße Wölfin war da, Alienna nicht. Sie konnte die Realität, die Schmerzen nicht mit einem Augenschließen oder einem Wegdrehen abtun. Das alles war trotzdem. Sie musste es akzeptieren, früher oder später musste sie ihr neues Schicksal hinnehmen. Sie war am Leben. Also bestand sie Chance, einen Neubeginn zu wagen. Aber was, wenn der Neubeginn auch eines Tages wieder zunichte war, wenn alles wieder kaputt ging oder sich einfach im Nichts auflöste? Sie hatte Angst davor, noch etwas Neues zu beginnen. Angst davor, vielleicht diese Fähe mögen zu lernen und später wieder zu verlieren. Diese oder jemanden anders. Die Angst vor der Zukunft und vor dem, was sie mit sich brachten, war allgegenwärtig. Egal was sie tat, es konnte sie verletzten oder alte Wunden von Neuem aufreißen. Wenn sie nun begann, der Fähe ihre Geschichte zu erzählen, war es, als würde sie sich damit abfinden, dass es all das Schöne, dass sie in letzter Zeit erlebt hatte, nicht mehr gab. Schon wenn sie in der Vergangenheitsform sprach, kam es ihr vor, als wäre es schon unzählige Monde her. Vielleicht war es das sogar schon und es kam ihr nur so vor, als wären die Wunden noch so frisch und unverheilt. Sie hatte kein Zeitgefühl mehr nachdem, was alles passiert war. Und doch war es an der Zeit etwas Neues zu beginnen Sie hatte es schon begonnen. Mit dem Kennenlernen Banshees und der Begegnung Ayalas hatte sie schon eine neue Seite in ihrem Leben entdeckt und begonnen zu leben. So lange sie am Leben war, geschah für sie immer etwas Neues, etwas, daß mit jedem Atemzug wieder zu einer Vergangenheit gehörte, wieder ein Schritt näher am Morgen, an dem, was als nächstes passierte. Es brachte nichts sich der gegenwärtigen Realität zu verschließen und den jetzigen Standpunkt zu verurteilen. Sie hatte die Aufgabe, sich wieder etwas Neues aufzubauen. Von wem? Sie wusste es nicht. Vielleicht von ihrer Mutter, die sie ihr Leben lang als eine Art guter Geist in ihr begleitete und weiterhin Teil ihrer Seele war. Daß sie etwas von ihrer Mutter in sich trug war klar. Nur was sie damit anfing und ob sie nun mehr ihrer Mutter ebenfalls die Chance gab weiterzuleben, lag an ihr. Nie wieder wollte sie versuchen sich das Leben zu nehmen. Wes war nicht nur eine Strafe für sich und ihre Mutter sondern auch eine Strafe gegen all jene, die ihr Gutes getan hatten und die dafür gesorgt hatten, daß sie noch immer am Leben war- Alienna gehörte dazu. Sie gab einen leisen Seufzer von sich und schloß nun doch die Augen. Das alles war einfach sehr viel und sie mußte erst ein Mal wieder zu Bewußtsein kommen. Was für ein Bild hatten Banshee und Alienna, und die anderen, hinzugekommenen Wölfe, nun von ihr? Sie hatten sofort einen Eindruck dessen, wie es ihr zurzeit erging. Sie machte schlaflose Nächte durch und dachte über sich und die Vergangenheit nach, zerbrach sie den Kopf über die Zukunft und gab einem Neuanfang noch keine so rechte Chance, durch die Zeit, die sie zum Nachtrauern aufbrachte und nicht darüber nachdachte, wie sie Kontakt zu den neu kennen gelernten Wölfen bekommen konnte. Sie wußten noch überhaupt nichts über ihre Stärken, kannten nur ihre Schwächen und waren doch nett zu ihr und zumindest Ayala brachte sehr viel Geduld auf, sonst würde sie nicht immer noch bei ihr sein und sie mit Blicken zum Aussprechen bewegen wollen. Angst hatte sie nicht mehr vor ihr und vor Banshee brauchte man sicher auch keine Angst haben. In dieser Sache war sie sich recht sicher. Es gab einfach nichts, wofür man sie noch ausbeuten konnte oder wo für man sich so lange mit ihr gedulden mußte, um etwas zu bekommen, was man rauben musste. Trotz, daß sie nur ihre Schwächen kannten, gaben sie sich mit ihr ab. Schon bemerkenswert. Von dem Trubel derzeit unter den Wölfen bekam sie nicht viel mit. Innerlich war es doch so- die Zeit war in ihr stehengeblieben und sie hatte das Gefühl der Zeit verloren und lebte in der Vergangenheit. Nur ihr Körper war im Hier und Jetzt und alterte weiter.

Der schwarze Kopf drückte die Weiße fest an das Brustfell. Eine plötzliche Erleichterung durchströmte Acollons Körper, die ganze innere Anspannung fiel ab. Seine Gefährtin hatte wieder auf ihn gewartet, sie hatte ihn nicht vergessen, sie machte ihm nicht einmal einen Vorwurf. Bedenkenlos hatte sie ihn begrüßt. Ein Lächeln; vor welchem man sich eigentlich fürchten müsste; zierte die angegrauten Lefzen.
Sollte der Schwarze seiner Geliebten erzählen was passiert war? Was dem Todessohn bald bevorstehen würde?

Nein, mahnte er sich selbst. Jetzt ist erst einmal die Nähe wichtig. Alles andere muss wohl noch ein wenig warten.

“Banshee“[/],

die Worte fehlten ihm. Zum ersten Mal verspürte er Ratlosigkeit. Vielleicht war sie doch wütend auf ihn, weil er sich wieder einmal zurückgezogen hatte. Als er sich von seiner Gefährtin löste, senkte er sofort den Blick. Die Weiße sollte seine fast erblindeten Augen nicht sehen. Sie würden sich nur unnötig Sorgen machen. Er würde ihr am nächsten Abend von seiner Reise erzählen, zuerst aber wollte er wissen, wie es ihr erging, was passiert war. Wie es ihren Welpen ging.

“Ich habe Dich vermisst“,

wie seltsam sich Fürsorge anfühlte. Es war ein schönes, wenn auch hitziges Gefühl. Es brannte im Gesicht und ließ das alte Herz schneller und schneller schlagen. Die grauen erblindeten Augen sahen auf die weißen Pfoten seiner Gefährtin. Er kuschelte sich erneut in ihr Nackenfell und atmete den süßlichen Duft ein. Banshee befand sich in der Ranz, oder es war zumindest bald soweit. Das Rüdenherz schlug auf, er würde jetzt vorerst nicht mehr von ihrer Seite weichen.



Acollon und Banshee zogen sich zurück und paarten sich zum zweiten Mal.