10.04.2010, 17:14
Es hatte noch viele Tage in Anspruch genommen, das ganze Revier von oben bis unten, von Westen nach Osten und von strahlender Schönheit zu düster Bedrohlichem zu erkunden. Der Winter blieb, wie er begonnen hatte, warm, hell und voller Sonne. Nur selten verirrten sich Wolken in das Tal, manchmal regnete es dann auch, aber zumeist spannte sich ein blauer Himmel über den Wölfen. In der Nacht ließen sich wie früher die Sternenwinde betrachten, leuchtend zogen sie an ihren Brüdern, den Sternen, vorbei und verglommen in der Dunkelheit. Engaya war zurückgekehrt.
Unauffällig und ohne sich anzukündigen schlich sich der Frühling heran. Die ersten Blumen sprossen, doch schon vorher hatten viele Blüten in die Sonne gelacht. Es wurde ein wenig wärmer, doch nicht sehr auffällig und die Sonne schien wie eh und je. Der Körper der Fähen war verwirrt von diesen ungewöhnlichen Bedingungen und noch immer ein wenig geschlaucht von den vielen Strapazen – die Ranz blieb aus. Keiner bedauerte das, denn noch gab es zu viele Tote zu betrauern, als dass gleich neue Welpen geboren werden müssten. Zunächst galt es, sich das Tal erneut zueigen zu machen und das Alte endgültig hinter sich zu lassen.
Zudem wurde den Wölfen klar, wie viel die Welpen Tyraleens und Kaedes in ihrem turbulenten ersten Lebensjahr nicht hatten lernen können. Sie wurden in der Jagd kaum ausgebildet und auch die alten Geschichten der Götter wurden ihnen weniger erzählt, als all ihren Vorgängern. Das musste geändert werden – so der einheitliche Beschluss – also machten sich die Wölfe auf zu einer Lehrjagd. Das Ziel war nicht, Beute zu schlagen, sondern die Welpen – die mittlerweile zu Jungwölfen herangewachsen waren – auszubilden.
Seid dem letzten Plot sind fünf Wochen vergangen, das Rudel befindet sich im nördlichen Mischwald ganz in der Nähe von einer äsenden Herde Rothirsche. Einzige Ausnahme sind Chanuka, Tascurio, Turién, Tyraleen und Averic, die sich in der Nähe des Federbaums aufhalten. Ethelion, Jarèll Nathaniêl, Enmaku, Caleb und Minyala wurden in das Rudel aufgenommen. Es ist nur ganz leicht bewölkt und früher Abend, die Sonne ist gerade dabei unterzugehen. Da ein leichter Wind weht, fühlt sich die Temperatur, die 15 ° Celsius beträgt, wie circa 11 ° an.
Kleingruppen:
Aléya - Caylee - Avendal - Sheena - Kisha - Lyerra - Jakash Caiyé - Rakshee - Malakím - Parveen - Minyala
Neruí – Chardím - Takashi - Majibáh - Shariku - Katsumi - Shani Caiyé - Jarrèll Nathaniêl - Caleb - Malicia
Atalya – Liel - (Neytíri) – (Amúr) - Jumaana - Face Taihéiyo - Ahkuna Caiyé - Shaén Eleazer - Ethelion – (Enmaku)
Nihil – Cirádan – Krolock - Aszrem - Mochi Cake - Gani Amíra - Amáya - Liam - Lucina
Tyraleen - Averic - Turién - Chanuka – Tascurio
Achtung: Die Kleingruppen sind nicht streng voneinander getrennt und wenn sich jemand nicht an der Lehrjagd beteiligen möchte, kann er auch an der Seite herumlungern. Primäres Ziel ist es aber, den Jungwölfen in seiner Gruppe das Jagen beizubringen. Neueinsteiger gesellen sich dorthin, wo sie hinmöchten. Fett hervorgehoben sind die „Leiter“ der Kleingruppen.
(Wer vergessen wurde, muss schreien.)
Tyraleen hastete eilig an der Grenze des südlichen Nadelwalds dahin. Den Beschluss, eine Lehrjagd zu veranstalten hatte sie erfolgreich versucht durchzusetzen und musste dann feststellen, dass drei Welpen fehlten. Ausgerechnet drei ihrer Söhne, denen es zwar nicht verboten war, alleine im Revier herumzuwandern, die aber definitiv von der geplanten Jagd wissen mussten. Dennoch waren sie nicht gekommen und ihre Mutter hatte mittlerweile ihren Aufenthaltsort gewittert. Beim Federbaum, nicht weiter erstaunlich, schließlich war Chanuka einer von ihnen. Die Weiße würde ihn, Tascurio und Turién schnappen und eiligst zurück zum Rudel treiben, sodass sie zumindest nicht alles verpassten. Es wurmte Tyraleen, jetzt nicht dabei sein zu können und ihren anderen Welpen ein wenig wertvolles Wissen zu vermitteln. Sicher, andere taten es an ihrer Stelle und das sicher nicht schlechter, trotzdem hätte sie ihren eigenen Kindern gerne selbst etwas beigebracht. Anstatt dessen hastete sie hier zu Chanukas Federbaum. Immerhin suchte sie nicht mehr ohne einen Anhaltspunkt nach ihnen. Ob Averic auch schon so weit war? Sie waren beide suchend losgezogen, hoffentlich lief er nicht in eine ganz andere Richtung. Kurz hielt die Weiße inne, reckte die Schnauze in den Abendhimmel und stieß ein Heulen aus. Es teilte Averic mit, wo sie war und dass sie sie gefunden hatte. Chanuka, Tascurio und Turién würden wissen, dass ihre Mutter zu ihnen unterwegs war. Mit einem brummenden Laut sprang die Weiße weiter, erkannte mittlerweile den Federbaum in der Ferne und meinte auch drei kleinere Punkte an dessen Seite zu erkennen. Sie beschleunigte ihren Schritt noch einmal, erreichte die Blumenwiese und hatte doch ausnahmsweise keinen Blick über das farbige Blütenmeer, das sie nun eilig durchschritt.
“Chanuka, Tascurio, Turién!“,
rief sie schon von Weitem und klang dabei streng. Sie sollten ruhig ein schlechtes Gewissen haben, immerhin rannte ihre Mutter durch das halbe Revier, um sie zu finden und verpasste dabei eine schöne Situation mit dem Rest ihrer Welpen.
[ Nähe des Federbaumes | Turién, Tascurio, Chanuka ]
11.04.2010, 22:02
Viele Nächte hatte die Atalya die Sternenwinde beobachtet, hatte mit der Müdigkeit gekämpft und letz endlich doch immer wieder verloren. Oft hatte sie sich zu Liam gesellt, hatte mit ihm zusammen zum Himmel empor geblickt. Daran sollte man also Engaya erkennen? An diesen leuchtenden Dingen, die einfach wieder erloschen? Interessant war es gewiß, aber sie stellte immer wieder fest, dass ein anderes Thema sie viel mehr interessierte. Engaya war die Gute, niemand fürchtete sich vor ihr. Das Leben. Aber Fenris.. Bei den meisten Wölfen, die sie über Fenris reden hörte, glaubte die junge Wölfin, Angst in der Stimme zu erkennen. Angst vor dem Tod. Sie mochte sich das vielleicht nur einbilden, aber es machte dieses Thema so interessant. Ihr Pate hatte ihr nie etwas darüber erzählen können, er glaubte ja nicht an Engaya und Fenris. Lucina hatte ihr auch nicht weiter helfen können. Und mit jedem Wolf, der ihr nichts darüber erzählen konnte, wuchs ihr Neugier. Sie wollte mehr darüber erfahren, egal von wem. Aber anscheinend musste das erst ein Mal warten.
Jetzt saß die Graue scheinbar ruhig in der Nähe ihrer Gruppe, beobachtete die Wölfe und wartete ungeduldig, dass es losging. Eine Jagd, damit die Jungwölfe lernten, wie sie sich zu verhalten hatten. Unruhige Vorfreude hatte die junge Wölfin ergriffen, die sie sich nicht erklären konnte. Es war nichts großartiges Besonderes, dass sie zusammen jagen würden, aber sie freute sich einfach, endlich mal etwas neues zu erleben. Immer wieder blickten die Augen der Fähe zu den Tieren, die sie jagen sollten. Am liebsten wäre sie einfach mit dem Wind los gerannt, um vor allen anderen das Ziel zu erreichen. Aber Atalya riß sich zusammen, hibbelte ein wenig hin und her und stand schließlich doch auf, um sich ein bisschen zu bewegen. Nur wenige Schritte weiter saß Liel, mit der sie nicht wirklich viel zu tun hatte. Das musste man doch Mal ändern. Also setzte die Graue ein Lächeln auf, machte noch einen Satz und blieb dann direkt vor Liel stehen, sodass ihre Nase fast die der anderen Fähe berührte.
“Freust du dich auch so?“
Noch ein Mal wandte sie den Kopf zu den Hirschen, als wenn sie befürchtete, dass sie verschwinden würden, ehe sie los sprinten konnte. Aber sie waren da, also richtete sich ihr Blick wieder in die Augen ihres Gegenübers.
Ich kann es kaum erwarten!“
[Bei ihrer Gruppe – Liel]
11.04.2010, 22:49
Angestrengt versuche Liel ihren Kopf möglichst so zu verdrehen, dass sie durch die sprießenden Blätter des Waldes den Himmel erblicken konnte. Die untergehende Sonne hatte sich hinter einigen Wolkenfetzen versteckt und die Blätter zauberten ein witziges Spiel aus Licht und Schatten auf den Waldboden. Sie versuchte den wackelnden und hüpfenden Lichtpunkten mit den Augen zu folgen, hörte jedoch rasch wieder damit auf, als sie bemerkte, dass ihr davon schlecht wurde. Sie seufzte leise, kaum hörbar, auf. Sie waren des Öfteren ermahnt worden, sich leise zu verhalten, die Herde von Rothirschen äste noch immer friedlich auf der Lichtung, sie hatten sie noch nicht bemerkt. Und dabei sollte es auch bleiben, schließlich sollten sie, die Jungwölfe lernen, wie man richtig jagte. Doch irgendwie überkam eine große Langeweile und es fiel ihr immer schwerer die Pfoten still zu halten. Warum konnten sie nicht einfach beginnen?
Sie wusste nicht genau ob sie sich über die Jagd freuen sollte oder ob sie Angst haben musste, doch sie entschied sich recht spontan für Ersteres. Schließlich war sie kein ängstlicher naiver Welpe mehr, sondern mittlerweile eine angehende Fähe. Und sie war verdammt stolz. Ihr erstes Jahr ist ebenso chaotisch wie schnell vorüber gezogen. Sie konnte sich an alle Situationen haarscharf erinnern, das erste Verlassen der Höhle, der Tod der geliebten Mutter, der baldige Verlust des Vaters, die Freundschaft mit Chanuka und auch die Flucht vor dem seltsamen ‚Nichts’, welches sie letztendlich doch besiegt hatten. Die ersten Sonnenstrahlen in ihrem neuen Tal bis hin zu der heutigen ersten Jagd in ihrem Leben.
Ihre Augen bekamen ein interessiertes Glänzen, als einer der Hirsche ruckartig seinen Kopf hob. Hatte er etwas bemerkt? Einige lange Sekunden verstrichen und der Hirsch entschied sich, dass alles in Ordnung war. Langsam ließ Liel die Luft aus ihrer Kehle entweichen, welche sie unbewusst angehalten hatte.
Und noch ehe sie sich weitere Gedanken um die Hirsche machen konnte, kam plötzlich etwas großes Graues ruckartig und direkt vor ihrer Schnauze zum Stehen.
Eigentlich wäre Liel mit einem erstaunten Quieken nach hinten gesprungen, doch sie ermahnte sich dazu, still zu sein und so verharrte sie, stumm vor Schreck, auf ihrem Platz. Dann realisierte sie, dass es Atalya war, die da so munter angesprungen gekommen war und anscheinend nicht viel wert auf Lautlosigkeit legte, wie Liel selbst. Obwohl Atalya ein Stück größer war als sie selbst, war sie viel schlanker als sie. Ein weiterer Grund sich keine Sorgen machen zu müssen.
Die Jungfähe entspannte sich wieder und grinste Atalya frech an, obwohl sie die Fähe nicht kannte, hatte sie sofort ein warmes Gefühl im Bauch. Das musste sie von ihrer Mutter geerbt haben, ihr Vater hatte es ihr sicherlich nicht mitgegeben. Auch wenn sie die Trauer um ihre Eltern noch immer Innewohnend hatte, war der Schalk in ihr ebenfalls erwacht und sie hatte akzeptiert, dass sie nichts gegen diesen Verlust tun konnte. Sie behielt ihre Eltern im Herzen, trauerte um sie und versuchte ansonsten das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Nicht ganz so laut wie Atalya selbst, aber wesentlich lauter, als sie noch einen Augenblick zuvor gewesen war, machte Liel einen geschickten Hüpfer um Atalya herum, sodass sie etwas Abstand gewann und der Fähe schräg gegenüber stand. Sie wedelte freudig mit der Rute und wackelte, wie so oft ganz unbewusst, mit ihren Ohren.
„Ja, ich freue mich unheimlich auf die Jagd und hoffe, dass es gleich endlich losgeht. Nachher haben die Hirsche genug gefressen und laufen davon, bevor wir überhaupt angefangen haben…“
Sie grinste Atalya überdreht an, schielte dann aber wieder zu den Hirschen hinüber. Sie durften sie nur ja nicht hören. Beschwörend starrte sie einen Moment zu der Gruppe hinüber. Aber als ob eine Hirschgruppe die Gedanken ihrer Jäger empfangen und in die Tat umsetzen würden.
„Meinst du es ist schwer? Ich glaube ich werde eine ganz gute Jägerin…“
Damit wollte sie durchaus nicht angeben, es war ihr Bauchgefühl, welches sie zu dem Beschluss hatte kommen lassen und sie wusste, dass sie diesem Gefühl meistens vertrauen konnte. Vielleicht etwas, was sie von ihrem Vater geerbt hatte? Glücklich lächelte sie und ließ ihren Blick in den Himmel schweifen, bevor sie ihre Augen wieder auf Atalya richtete und sie neugierig anblickte.
[Bei ihrer Gruppe. Atalya.]
12.04.2010, 11:26
Die Augen der Jungfähe waren dem Horizont zu gewandt, an dem vereinzelte Wolken entlang zogen. In den vergangenen Wochen hatte die Weiße einen enormen Wachstumsschub hin gelegt und war schier wie ein Pilz in die Höhe geschossen. Die langen, sehnigen Hinterläufen waren nun wie Sprungfedern zusammen gezogen, als sich Aléya auf dem Waldboden nieder ließ.
Es herrschte eine angenehme Atmosphäre in diesem Mischwald und der Grund ihres Hier seins war ganz in ihrem Sinne. Heute sollten alle Jungtiere eine Lektion im Jagen erhalten. Warum sie dabei sowohl von Takashi als auch von Chanuka getrennt worden war, konnte die Helle so gar nicht verstehen.
Gut, in ihrer Gruppe befanden sich auch andere liebe Wölfe, nur ein paar, die sie weniger kannte. Munter legte sich die buschige Rute, die langsam aber sicher den dunkleren Fleck an der Spitze einbüßte, um die Pfoten.
„Warten wir eigentlich noch auf etwas bestimmtes?“, fragte sie in die Runde, vor allen Dingen aber an Sheena gewandt.
Die Weiße war so etwas wie die Leiterin des Trupps, an die sie sich immer wenden konnten. Irgendwie verspürte Aléya weniger große Lust dazu, länger als nötig hier zu sitzen und die potentielle Beute irgendwo zu wissen.
Zudem spürte sie ein seltsames Brennen in ihrer Kehle, als hätte sie lange nichts getrunken, wäre dafür aber schnell gelaufen, so weit der Wind sie trug.
Woher kam dieses Gefühl? Seltsamerweise hatte sie sich oft in der Nähe des Sees aufgehalten, um, wann immer dieses Brennen zurück kam, einen Schluck trinken zu können. Wurde sie etwa krank?
Die Jungfähe horchte still auf jedes Geräusch, welches von ihrem Körper aus ging. Nein. Jede Faser ihres Körpers sprach von Energie und Tatendrang. Kein Anzeichen für einen Makel oder eine Krankheit. Ihr Herz schlug schnell in ihrer Brust, doch war dies bestimmt nur die Vorfreude, endlich wieder laufen zu können. Ihre Muskeln verspannten und entspannten sich in regelmäßigen Abständen, als könnte sie es kaum abwarten los zu preschen, die Beute zu jagen und zu hetzen.
[bei ihrer Gruppe]
12.04.2010, 19:40
Nun also doch. Nach tagelangem einsamem Umherwandern und Beobachten hatte Ethelion sich schließlich doch dazu entschlossen, das Rudel um Aufnahme zu bitten. Und sie wurde ihm tatsächlich nicht verwehrt! Er hatte es kaum glauben können, hatte die Anderen zunächst eine Zeitlang misstrauisch beäugt. Doch er hatte weder Lüge noch Hinterlist in ihren Augen ausmachen können. Und so hatte er sich ihnen zu guter Letzt angeschlossen. Wölfe sind eben einfach nicht fürs Alleinsein geschaffen. Gut ein Mondumlauf war seit seiner Ankunft in diesem Tal vergangen und der Schwarze begann langsam, sich heimisch zu fühlen. Was nicht weiter schwierig war, wenn man bedachte, welch furchtbare Erfahrungen er in seiner eigentlichen Heimat hatte machen müssen.
Ethelion wandte den Kopf nach Westen, wo eine glutrote Sonne gerade dabei war, hinter den Bergen zu verschwinden. Sie färbte die Schleierwolken am Himmel rosa und rot. Die Wolken jedoch die weiter im Osten lagen, schimmerten schon violett. Bald würde die Dunkelheit gänzlich die Oberhand gewinnen. Der Schwarze freute sich auf die Nacht und auf einen erneuten endlosen Streifzug durch das Revier. Dort kam er zur innerlich Ruhe; fühlte sich frei und sicher zugleich. Zunächst aber stand eine Lehrjagd für die Welpen bzw. Jungwölfe auf dem Programm. Ethelion seufzte innerlich. Er konnte sich wahrlich etwas Interessanteres vorstellen, als hinter einem Hirsch her zu hetzen, nur damit irgendwelche Grünschnäbel sich die Technik abschauen konnten. Noch dazu, wo er grad selbst Beute geschlagen hatte und vollkommen satt war. Doch es gab noch etwas Schlimmeres: Die Jagd sausen zu lassen und stattdessen auf die Welpen aufpassen zu müssen. Also half es wohl nichts; der Schwarze würde sich an der Jagd beteiligen müssen. Behäbig erhob er sich von seinem Liegeplatz; einem Flecken, an dem die Sonne bis auf den Waldboden vorgedrungen war. Sein langes, samtenes Fell verhinderte zwar, dass er fror, dennoch hatte er die Sonne im Pelz genossen. Dann trottete er zu der Anführerin seiner Jagdgruppe hinüber. Jumaana, eine weiße Fähe mit strahlend grünen Augen. Etwas missmutig meinte er:
"Nun, wann wollt ihr anfangen? Und welchen Part soll ich übernehmen?"
Der Schwarze sah der Wölfin unverwandt in die Augen und machte durch seine Körperhaltung deutlich, dass er eigentlich keine Lust verspürte, sich an irgendetwas zu beteiligen.
[bei der Gruppe | Jumaana]
12.04.2010, 22:07
Die Zeit lief. Im Gegensatz zu ihm. Der Wanderer hatte seine Rast auf eine unbestimmte Zeit ausgedehnt. Zeit. Welch dehnbarer Begriff.
Für sich selber hatte der Schwarze beschlossen, dieses Rudel im Auge zu behalten. Nicht, dass ihm bisher noch keine merkwürdigen Dinge unter die Augen getreten war. Aber die Geschehnisse in diesem Tal waren mehr phänomenal, als naturell.
Sein feiner Instinkt verriet ihm, dass es noch interessant werden würde und in Anbetracht der bevorstehenden Ereignisse sollte er sich dies nicht entgehen lassen.
So kam es, dass sich der imposante Hüne den Sternenwinden angeschlossen und bei ihnen geblieben war. Sein junger Wegbegleiter hatte kürzlich das Tal wieder verlassen. Nach einem kurzen Gespräch war der Jüngling aufgebrochen. Shaén hatte ihn nicht aufgehalten. Er war in dem besten Alter, um eigene Erfahrungen zu sammeln und wandern war dazu hervorragend.
Die stahlblauen Augen wanderten wachsam von einem Mitglied seiner kleinen Gruppe zum nächsten. Längst hatte er sich jeden Einzelnen eingeprägt und in seinem Gedächtnis Witterung, Stimmfarbe und den Klang der Schritte abgespeichert, so dass er alle auseinander halten konnte, selbst wenn er sie nur witterte oder hörte.
Besonders die beiden Jungtiere hatte er sich eingeprägt, die nun ganz in seiner Nähe warteten. Worauf, war dem Schwarzen nicht sonderlich klar.
Dennoch wollte er die Gelegenheit nutzen, um sich etwas fester im Rudel zu integrieren. Eine Jagd stand an, eine Lehrjagd. Die Jungwölfe sollten von den älteren Mitgliedern das Handwerk und das Verhalten lernen und es selber ausprobieren. Es ging mehr um die Erfahrung, als um die Beute, die geschlagen werden sollte.
Mit geschmeidigen Schritten gesellte sich Shaén schlicht zu Atalya und Liel dazu, einen freundlichen Gesichtsausdruck auf dem dunklen Gesicht. Jungwölfe mochte er irgendwo mehr als Welpen, die ihm zu unruhig waren. Mit Jungtieren konnten man etwas mehr anfangen, auch wenn diese hier gerade erst dem Welpenalter entwachsen waren und weiter heran reifen würden.
„Hallo ihr beiden.“, grüßte er mit ruhiger, gelassener Stimme, ohne dabei den Hauch des Geheimnisvollen einzubüßen, der ihn schier schon immer umgeben hatte. „Wie fühlt ihr euch?“
Auch wenn es für einen Außenstehenden seltsam klang, so war es eine berechtigte und – was den Jagderfolg anging – eine nicht unwichtige Frage. Ein Wolf, der sich unwohl fühlte, der schwach wirkte oder eine Verletzung hatte, hatte in so gut wie allen Fällen weniger gute Chancen bei der Jagd. Auch wenn die beiden Fähen mehr danach aussahen, als wollten sie jeden Augenblick los stürmen.
„Ist dies eure erste Jagd?“
[bei seiner Gruppe – Atalya und Liel]
12.04.2010, 23:30
Cirádan saß unsicher im Hintergrund seiner Gruppe. Auch wenn er versuchte mit seinem einem Auge alles nötiger zu erfassen und auch zuhörte, was die Älteren ihnen erzählen würden. Dennoch stand er eher geduckt, schlich sich immer herum und möglichst weit weg von seinem Bruder Krolock.
Die Erinnerungen ans letzte Jahr. An sein erstes Jahr waren mehr als nur undeutlich. Schmerzlich erinnerte er sich nur ganz genau an den Tod seiner Mutter. Alles weitere schien in einem Schleier zu verschwimmen.
Und nun saß er schon hier. Bei einer Lehrjagd! Cirádan konnte überhaupt nicht jagen. Nicht einmal Kleinwild! Irgendwie... hatte er sich für all die kindlichen Spiele nicht interessiert. Immer noch fühlte er sich wie ein kleiner Welpe. Alle anderen sahen schon so erwachsen aus und er? Er sah bestimmt noch aus wie ein kleiner, dummer Welpe. Was er wohl auch war, seiner Meinung nach.
Was tat er hier nur? Er kannte ja nicht mal die Grundlagen! Und diese Hirsche sahen unglaublich gefährlich aus! Außerdem waren sie größer als ein Wolf. Cirádan konnte sich eigentlich gar nicht vorstellen, wie die Wölfe auch nur eines dieser Tiere erlegen konnte. Und doch taten sie es, denn er aß das Fleisch. Er kannte den Geschmack.
Doch er war unglaublich froh, dass sie heute wohl keine Beute erlegen mussten um sich zu beweisen. So würde er nichts verderben. Nichts hing davon ab. Sie mussten nur lernen und dazu war der Helle bereit.
[bei seiner Gruppe im Hintergrund]
13.04.2010, 06:48
Völlig in Gedanken versunken lag Jumaana da, den Kopf auf ihren Pfoten abgelegt, die Augen geschlossen. Das letzte Licht der Abendsonne erwärmte ihren dichten Pelz und schützte sie vor der Kälte der aufkommenden Nacht, in der die Lehrjagd mit den Jungwölfen stattfinden sollte. Jumaana hatte sich nicht direkt bereit erklärt, den Part einer Gruppenführerin zu übernehmen, doch Tyraleens Vertrauen in sie war wohl groß genug, um ihr diese Aufgabe ohne Widerspruch zu überlassen. Natürlich hatte die weiße Wölfin Banshees Tochter diese Bitte nicht ausgeschlagen, auch wenn sie darüber trauerte, nicht in der Nähe ihrer Schwester sein zu können, denn sie hatte schließlich eine ganze Gruppe von Jung- und Altwölfen anzuführen. Sie hatte noch keinen wirklichen Plan, wie sie dem Nachwuchs die besten Jagdtechniken vermitteln konnte, doch immerhin brauchte sie als ausgesprochen gute Jägerin keine Sorgen um ihre Fähigkeiten haben zu müssen. Außerdem hatte sie einige sehr kinderfreundliche sowie gute Jäger an ihrer Seite und die jungen Fähen und Rüden waren wohl genau das Gegenteil von faul und träge. Sie brannten nahezu darauf, endlich ihre eigene Beute erlegen zu können und zu dürfen und Jumaana verstand es, dass die Leitwölfin sie nicht länger warten lassen wollte.
Sie blinzelte, als sie die leise Stimme von einem der neuen Rudelmitglieder vernahm und blickte in die Augen des schwarzen Rüdens. Ethelion, meinte sie seinen Namen gehört zu haben, doch sie konnte ihn nicht wirklich zuordnen. Er hatte eine erschreckende Ähnlichkeit mit Takashi, doch Jumaana wusste es wie keine Zweite, andere Wölfe von ihrem Gefährten zu unterscheiden. Ethelions Frage hingegen brachte sie ein wenig aus dem Konzept und die Fähe hob den Kopf, um sich zu vergewissern, dass sich wirklich schon alle Wölfe um sie herum versammelt hatten. Sie schienen beinahe vollzählig zu sein und Aarinath schelte die Gefährtin ihres Sohnes leise, dass sie nicht besser auf ihre Gruppe achtgegeben hatte. Seufzend erhob die Wölfin sich und streckte sich träge. Das Herumliegen hatte sie müde gemacht und ihre Muskeln schienen eingeschlafen zu sein – nicht gerade vorteilhaft für das, was vor ihr lag. Jumaana blinzelte ein letztes Mal, stupste das Feenkind gedanklich liebevoll an und sah zu Ethelion hoch. Wie fast alle Wölfe dieses Rudels überragte er sie um etliche Zentimeter, doch das wissende Blitzen in ihren grünen Augen machte den Größenunterschied wieder wett. Was andere durch Kraft und Gewicht ausmachten, das machte die Polarwölfin mit ihrer schier unendlich scheinenden Intelligenz aus. Doch trotz dieser Stärke war sie noch nicht zu einem Ergebnis in Bezug auf den fremden Übeltäter in ihrem Kopf gekommen, was dazu führte, dass sie mit der Zeit wieder vergaß.
Jumaana riss sich aus ihren Gedanken und wandte sich an Ethelion.
„Ethelion“, begann sie sanft, „wenn du meinst, dass du für uns und die Jungwölfe keine große Hilfe sein würdest, dann gesell dich doch zu den anderen Zuschauern. Keiner wird gezwungen, den Nachwuchs zu unterrichten, wir machen es freiwillig und weil wir wollen, dass auch unsere Welpen die Chance haben, im Tal zu überleben. Die Beute über den Winter war knapp, doch jetzt kommen die Jungen der Beutetiere, was ich dir aber sicherlich nicht erklären muss. Wir wollen nur das Beste für die Jungwölfe und wenn du anderer Meinung bist, dann geh und schau zu. Ich kann dich nicht zwingen. Zu nichts.“
Sie neigte respektvoll den Kopf und trat dann zur Seite, um auf die kleine Gruppe zuzuschreiten, die sich um sie herum versammelt hatte. Sie schenkte ihnen allen ein aufmunterndes Lächeln, in der Hoffnung, dass sie sie unterstützen würden bei der Aufgabe dieser Dämmerung.
„Es ist mir eine große Ehre, heute diese Gruppe anzuführen“, begann sie mit den Worten, die sie sich zurechtgelegt hatte, „doch ihr habt alle freien Willen und ich werde niemanden bevormunden. Wie ich Ethelion schon sagte, ihr müsst nicht mithelfen – außer natürlich, ihr gehört zu den Schülern dieser Lehrjagd. Wir werden uns in weitere kleinere Gruppen einteilen und jede dieser Gruppen wird sich um einen der Welp- pardon – um einen der Jungwölfe kümmern. Wir bleiben alle zusammen, trennen uns aber soweit, dass die Möglichkeit besteht, verschiedene Beutetiere auszumachen und zu jagen. Jeder Wolf hier hat die Möglichkeit, sein Wissen an den Nachwuchs zu vermitteln. Jeder hat andere Fähigkeiten und Talente, Schnelligkeit oder besondere Techniken, und ich bitte euch, scheut nicht davor zurück, diesen Jungwölfen das beizubringen, was ihr einst gelernt und euch angeeignet habt. Wir wollen, dass die jungen Wölfe der Sternenwinde einmal so leben können, wie wir es heute tun, mit ausreichend Beute und einem gesunden, glücklichen Leben. Das, was wir haben, müssen wir weitergeben, wenn wir nicht wollen, dass es verloren geht. Tut einfach das, was ihr am besten könnt!“
Der letzte Satz der Fähe war leicht missverständlich, doch wenn man den Zusammenhang zu den Worten davor verstand, würde man wohl wissen, was Jumaana damit sagen wollte. Sie nickte der Gruppe zu und suchte den Blick Face’, dem sie ein aufmunterndes Lächeln schenkte.
[ bei ihrer Gruppe | alle ansprechend ]
13.04.2010, 17:53
Takashi hatte inzwischen genügend Zeit gehabt, um endlich das Revier zu erkunden. In den vergangenen Wochen hatte er viele schöne Naturwunder erblicken können, die ihn wirklich sehr beeindruckt haben. Es war doch wirklich bemerkenswert was die Wölfe des Rudels mit ihren Gedanken erschaffen konnten! Bestimmt hatte er aber noch nicht alles sehen können. Viele der wunderschönen Dinge waren meist an Orten verborgen, die man gar nicht in Verdacht hatte. Aber es war nun einmal so, dass die eigene Vorstellung wohl nie der Realität entsprach.
Nun wartete aber eine ganz andere wichtige Aufgabe auf Takashi. Es war endgültig an der Zeit, den Jungwölfen das Jagen und dessen verschiedenen Taktiken zu vermitteln. Immerhin waren sie schon ein Jahr alt und das Jagen war lebenswichtig. Der Schwarze musste zugeben, dass er ziemlich aufgeregt war. Immerhin war er ein guter Jäger, ob alleine oder in einer Gruppe. Doch er war sich bei der ganzen Sache überhaupt nicht sicher, ob er sein Wissen auch gut vermitteln konnte. Schließlich hatte er zuvor noch keinen Wolf ausgebildet, da er meistens alleine auf sich gestellt war. Nun kam aber etwas ganz neues auf ihn zu. Der Rüde würde sich sehr darüber freuen, wenn die bereits Jagderfahreneren auch zu Wort kämen. Sicherlich wusste jeder einen anderen Teil besser, als der andere.
“Ich freue mich sehr darüber, dass ich diese Gruppe übernehmen und mit euch zusammen arbeiten darf!“
Der Rüde lächelte freundlich und seine Rute pendelte ruhig hin und her, nachdem er seine Gruppenmitglieder begrüßt hat. Viele der Wölfe seiner Gruppe hatte er nur öfters beobachten können, es war noch kein Gespräch zwischen ihnen aufgekommen. Doch das sollte wohl niemanden daran hindern, den Jungwölfen etwas Leerreiches für das Leben beizubringen. Zudem bot sich die Gelegenheit, genau diese Wölfe besser kennen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten.
“Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass hier jeder freiwillig zu beitragen kann. Falls sich jemand aus irgendwelchen Gründen dazu nicht berufen fühlt, kann er sich gerne ein wenig abseits aufhalten und das Geschehen aus der Ferne betrachten.“
Obwohl Takashi dafür wäre, einige Hilfreiche Wölfe dabei zu haben, wollte er natürlich niemanden zur Hilfe zwingen! Sicherlich würde die Sache auch besser von statten gehen, wenn jeder freiwillig dabei war.
[nördlicher Mischwald |Seine Gruppe]
14.04.2010, 00:28
Zwei Welpen waren ihrer Gruppe zugeteilt worden. Besser gesagt zwei Jungwölfe, zwei Fähen. Caylee und Aléya. Die anderen aus der Gruppe sollten demnach theoretisch genügend Erfahrung im Jagen besitzen, als dass sie die Weiße im Notfall korrigieren könnten und, was viel wichtiger war, die im Notfall eingreifen könnten, sollten die beiden Jüngeren einen Fehler begehen, der sie in eine gefährliche Situation bringen konnte.
Die Weiße ließ ihre dicke Rute entspannt pendeln und schaute sich die Wölfe in ihrer Gruppe kurz aber intensiv an. Da war eine Reihe an Wölfen, die sie nur sehr flüchtig vom sehen kannte, unter anderem aber auch Rakshee und neben ihr Jakash. Kurz machte ihr Herz einen stolpernden Satz, den sie mit einem Stirnrunzeln quittierte. Was war denn das? Sie horchte in sich hinein, konnte aber nicht wirklich etwas finden, was dieses Herzstolpern hätte hervorrufen können. Sie war irritiert, kannte sie Jakash doch gar nicht so gut als das sie sich – nein, wie konnte sie nur daran denken. Sie spürte wie ihr ein wenig wärmer wurde, schlug beschämt die Augen nieder und schielte zu Rakshee. Obwohl sie beide sich bei der Verabschiedung von Banshee an ihrem Sterbeort zusammen gerissen hatten und Sheena sich sogar überwunden hatte, die Fähe zu sich zu rufen, würde sie nicht behaupten, dass sie wunderbar miteinander auskamen. War sie nicht kurz davor gerade wegen Jakash so sauer und eifersüchtig auf sie gewesen?
Nur nicht auffallen, sie war für diese Gruppe verantwortlich, also durfte sie auch keine Schwäche zeigen. Sie blinzelte kurz in eine unbestimmte Richtung, ehe sie die Worte der einen Jungfähe, Aléya war es, aufschnappte.
Ja, worauf warteten sie eigentlich noch? Wahrscheinlich darauf, dass Sheena eine kurze Einleitung von sich geben würde, die Herde würde nicht ewig grasen.
Und kaum erinnerte sie sich an ihre bevorstehende Aufgabe, überkam sie die Freude. Sie selber liebte das Jagen, es bereitete ihr großen Spaß und sie war eine geschickte Jägerin, sie würde den beiden im Notfall auch zur Hilfe eilen können.
Abermals ließ sie den Blick über ihre Gruppe schweifen.
„Möchte irgendjemand aus dieser Gruppe nicht an der Lehrjagd teilnehmen?“
Ihre Stimme durchbrach die erneut entstandene Stille, noch bevor sie über ihre Worte recht hatte nachdenken können. Nun, das war vielleicht nicht die freundlichste Einleitung die sie sich hatte aussuchen können. Also musste sie nun irgendwie die Kurve kriegen. Aber sie wollte eigentlich nicht mit dem Geschwafel anfangen, was jeder an ihrer Stelle von sich geben würde. Wie sehr sie sich geehrt fühlte die Leiterin der Gruppe zu sein. Aber vielleicht war es das, was die anderen hören wollten. Sie entschied sich für einen für sie akzeptablen Mittelweg.
„Ich freue mich, mit euch als Gruppe jagen gehen zu dürfen und ich denke ihr zwei“ mit den Worten blickte sie direkt zu Caylee und Aléya „könnt auch froh sein, in dieser Gruppe gelandet zu sein. Viele erfahrene Jäger von denen ihr nur Gutes lernen könnt“
Sie lächelte leicht. Das war okay gewesen, sie hatte sich nicht in den Mittelpunkt geschoben und das war es gewesen, vor dem sie sich hatte drücken wollen. Es war ihr wohl einigermaßen gelungen.
Doch was wussten die beiden bereits vom Jagen? War es selbstverständlich, dass man ganz genau auf die anderen Wölfe achten musste? Am Besten wäre es wohl, wenn sie die wichtigsten Punkte kurz erläutern würde.
„Am wichtigsten ist es, dass die Gruppe eins ist. Das heißt, auch wenn man mit einem Wolf in einer Gruppe ist, den man weniger sympathisch findet, ist dies in diesem Moment völlig unwichtig. Ihr müsst euch vertrauen können und instinktiv auf den anderen reagieren können.“
…
# Nicht nur Antipathie sollte zur Seite geschoben werden. Auch zu starke Sympathie…#
In Gedanken versunken verstummte die weiße Fähe kurz, nur um sich danach zu schütteln und fortzufahren.
„Guckt euch die Herde genau an, auch diese Tiere haben eine Rangfolge, am einfachsten ist es sich die schwächeren Tiere der Herde zu suchen und sie zu jagen. Könnt ihr zwei mir sagen, welche Tiere schwächer sind?
Danach ist es wichtig, dass man nicht einfach auf die Tiere losstürmt, man pirscht sich an sie heran, möglichst unentdeckt, kreist sie so gut es geht ein, nicht die Herde, sondern das einzelne Tier, und achtet darauf, dass man den anderen Tieren nicht im Weg steht. Sie werden panisch versuchen zu flüchten und man sollte nicht unter ihren Hufen landen.“
Sie grinste leicht. Eigentlich war es logisch, doch sicher ist sicher.
„Habt ihr sonst noch Fragen?“
[Bei ihrer Gruppe]
14.04.2010, 12:30
Die Trauer war noch da. Sie war noch da, und würde wohl nie wieder ganz fortgehen, aber man sah sie ihm nicht mehr an. Seine Mimik hatte auch den letzten Schleier von Traurigkeit und Sehnsucht abgelegt und war nun wieder so ernst und beherrscht wie eh und je. Wie vernarbt sein Inneres jedoch war, wusste keiner, nicht einmal Nerúi. Aszrem war dankbar, dass sie noch ein Welpe gewesen und nun noch immer eine Jungwölfin war. Die Wunden der Jungen heilten leichter als die der Alten, innerlich wie äußerlich. Und er war mittlerweile alt, gestand er sich ein. Mit sieben Jahren stand er im Herbst seines Lebens, ohne jeden Zweifel. Höchste Zeit, weise zu werden und sein Wissen an die Jüngeren weiterzugeben.
Unter anderem desshalb waren sie nun hier versammelt, auch wenn hier weniger Weisheit gefragt war als vielmehr Erfahrung. Sein Blick glitt über die Jungwölfe. Krolock, Ciradán, Nihil, Avendal. Eigentlich sollten sie sich schon selbst erprobt und in der Kleintierjagd geübt haben, aber das Nichts hatte alles durcheinander gebracht. Andere Prioritäte waren gesetzt worden, und nun gab es einiges nachzuholen. Nun, die Jungwölfe waren alt und eigentlich intelligent genug, um selbst zu lernen Mäuse und Kaninchen zu fangen. Die Jagd in der Gruppe war da schon die höhere Kunst und nur schwerlich von selbst zu erlernen. Es brauchte Unterweisungen und Vorführungen. Aszrems Blick wanderte weiter über die Erwachsenen, die ihm dabei helfend zur Seite stehen sollten. Bis auf den Fettwolf würden sie wohl alle von Nutzen sein. Aszrem unterdrückte ein abfälliges Schnauben. Er mochte Mochi nicht, aber er hatte sich auch nicht gegen ihn als Gruppenmitglied ausgesprochen. Der Schwarzbraune sah sich in einer Fast-Alpha Position, und demnach stand es ihm nicht zu, über die Gruppenverteilung nur wegen größerer oder fehlender Sympathie umzuentscheiden. Viel eher nahm er die Bürde des unnützen Wolfes auf sich, als sie einer der anderen Gruppen zuzuschieben. Nochimmer war eigentlich ungeklärt, wer nach dem Tod Banshees und Nyotas den Alpharang besetzte, aber bislang schien niemand weder ihm noch Tyraleen diesen Anspruch streitig machen zu wollen, und so akzeptierte der Schwarzbraune die Pflichten dieses inoffiziellen Ranges, mit demer sich betraut sah.
Aszrem erhob sich und begann, vor den Versammelten auf und ab zu laufen, in langsamen, kräftigen Schritten. Sein Blick glitt zu den Jungwölfen und erfasste dabei auch Ciradán, der sich scheinbar lieber versteckt hätte.
"Ihr seid hier, um zu lernen."
Sein Blick wanderte zu den Erwachsenen.
"Und wir sind hier, um zu lehren."
Seine folgenden Worte waren an alle gerichtet.
"Kleintiere zu erjagen ist eine Kunst, die sich jeder selbst beibringen kann. Man lässt sich von seinen Instinkten leiten und probiert sich aus. Zunächst entkommt die Beute stets, aber mit genügend Übung wendet man das Blatt und wird erfolgreich. Dagegen ist es viel schwieriger Großwild zu erlegen, und fast unmöglich, wenn man es alleine versucht. Rehe und Hirsche sind wendig und schnell, schneller als ein Wolf. Darum machen wir uns stets zwei Umstände zu nutze. Erstens, wir jagen nicht allein, sondern in einer Gruppe von drei Jägern oder mehr. Zweitens, wir versuchen nach Möglichkeit niemals, ein gesundes oder gar das stärkste Tier einer Herde zu erlegen. Stattdessen suchen wir uns die Alten, Schwachen und Kranken heraus. Sie sind langsamer und weniger gefährlich, sollte es zum Kampf kommen. Ja, manchmal entschließt sich das Wild, zu kämpfen, wenn es nicht mehr fliehen kann oder wenn eine Mutter ihr Kitz verteidigt. Seid auf der Hut und unterschätzt eure Beute nicht. Die Beine der Hornträger sehen dünn aus, aber sie sind kräftig, und ihre Hufe scharf, wenn das Tier ausschlägt. Und ausschlagen wird es, um sich zu verteidigen, auch mitten im Lauf. Ein solcher Tritt kann euch die Flanken aufschlitzen und euch die Knochen brechen, und die männlichen Tiere werden zudem mit ihrem Geweih auf euch losgehen. Befolgt daher die Regeln der Gruppenjagd, um das Risiko für euch und eure Mitjäger zu minimieren. Regel Nummer Eins: Der Jagdleiter wählt die Beute aus, manchmal vor der Hatz, manchmal erst währenddessen. Sofern ihr nicht selbst Jagdleiter seid, wählt niemals selbst die Beute aus, sonst verwirrt ihr eure Jagdgefährten und provoziert förmlich Fehlentscheidungen. Regel Nummer Zwei: Lauft niemals direkt hinter einem fliehenden Wild, denn wenn es ausschlägt, wird es euch treffen und das am Kopf. Und eigentlich wollt ihr doch euren Kopf behalten, oder? Regel Nummer Drei: Spielt niemals, niemals den Helden. Werft euch nicht auf ein Wild, das noch nicht erschöpft ist, und stürzt euch nicht blindlings auf Beute, die zu Kämpfen bereit ist. Eine Jagd ist kein Spiel, sondern ein Kampf um Leben und Tod. Wenn ihre die Regeln missachtet, erhöht sich die Chance, dass ihr der Tote hinterher seid, oder einer eurer Freunde, die mit euch gejagt haben!"
Aszrem hielt inne und stand nun wieder vor den Versammelten.
"Gibt es dazu noch Fragen, bevor wir mit den eigentlichen Jagdstrategien beginnen?"
Sein Blick wanderte über die Jungwölfe, dann zu den Erwachsenen.
"Möchte jemand etwas ergänzen?"
[Mischwald | Gruppe]
14.04.2010, 13:17
Aaina schaute in den Himmel und horchte. Seit einigen Tagen schon wanderte sie hier durch die Gegend und war keinem Wolf über den Weg gelaufen. Nun stand sie in einem Revier und wartete. Worauf, wusste sie selbst nicht so genau. Aber sie wartete. Alles war still, abgesehen von dem Vogelzwitschern und dem Rauschen der ersten Frühlingsblätter im Wind. Automatisch spitze Aaina ihre Ohren, als sie ein Heulen vernahm. Es klang irgendwie weit weg und doch ganz in der Nähe. Ohne sich jedoch weiter um dieses Heulen zu kümmern, senkte sie ihren Kopf und schaute nach vorn. Sie war nicht weit entfernt von einer Ebene und dort wollte sie gerne etwas jagen, denn ihr Magen hatte schon bestimmt den ganzen Tag grummeln müssen. Am gestrigen Abend war ihre letzte Mahlzeit gewesen, es wurde wirklich Zeit. Also trabte sie los und suchte sich ihren Weg durch das nicht allzu kurze Gras. Ihre Nase verriet ihr, dass nicht weit entfernt so einige Rehe und Hirsche weideten. Aber auch ein anderer Geruch schlich sich in Aaina’s Nase: Wölfe. Nun drängte sich eine Frage auf: Sollte sie erst fressen oder sich erst zu den Wölfen gesellen? Sie war nicht sehr gesellig und sehr hungrig, aber wenn sie jetzt einfach jagen ging, würde sie vielleicht Probleme mit den Leitwölfen bekommen und das wollte sie nicht. Schließlich wandte sich Aaina dann in die Richtung der Wölfe und erhöhte ihr Tempo. Kurz darauf sah sie schon die ersten Wölfe, darunter auch recht junge. Wahrscheinlich wollten sie ebenfalls jagen. Das traf sich sehr gut, vielleicht dürfte sie ja mitjagen. Aaina beschleunigte noch einmal ein wenig und kam dann bei den Wölfen an, wobei sie aber in ein paar Schritten Entfernung stehen blieb. Gerade bekam sie noch das Ende von den Worten einer weißen Wölfin mit. Aaina schaute in ihre Augen und sah das tiefe grüne Schimmern. Ihre Augen wirkten auf eine besondere Art und Weise beruhigend, schön und tiefgründig. Abwartend stand sie am Rand der – nicht kleinen – Gruppe und ihr Blick ruhte fortwährend auf der weißen Fähe, die eben gesprochen hatte. Nach kurzem Zögern ging sie dann auf die Fähe zu und neigte leicht den Kopf.
“Hallo, ich bin Aaina.“, begann sie. “Wie ich mitbekommen habe, wollt ihr jagen, dürfte ich mich euch anschließen?”
Aaina wusste nicht, ob ihre Frage aufdringlich erschien, aber jetzt war es eh zu spät und sie konnte nur hoffen, dass sie nicht abgewiesen und aus dem Revier vertrieben wurde. Auf eine Antwort wartend, schaute sie sich um und prägte sich die anderen Wölfe ein. Zu letzt wandte sie sich wieder der weißen Fähe zu und prägte sich auch ihr Aussehen ein.
[erst allein, dann gegenüber von Jumaana]
14.04.2010, 13:52
Ruhig stand Face Taihéiyo bei seiner kleinen Gruppe, bestehend aus vier Welpen und - ohne sich mit zu zählen - vier Erwachsenen. Recht ausgeglichen also. Unweit von Jumaana stehend, die Heute diese Übungsjagd leiten sollte, beobachtete der tiefschwarze Beta sehr aufmerksam die Gesichter der anderen. Auch wenn man sein direktes Mustern nicht erkennen würde. Die Jungwölfe waren natürlich ganz Feuer und Flamme den Erwachsenen schien es eher recht egal zu sein. Vielleicht fand es manch einer auch lästig, sich mit "Kinderspielchen" ab zu geben. So klang zumindest Ethelions Stimme, als dieser zu Jumaana hinüber lief und fragte, was sie - und er - nun tun würden. Jumaanas Antwort löste ein innerliches Stirnrunzeln bei Face aus, machte sie ihn doch gleich ganz direkt darauf aufmerksam, dass er nicht mitjagen brauchte, sollte er keine Lust haben und interpretierte auch noch seine Meinung vom Ganzen. Es mochte ein wenig harsch wirken, trotz des lieben Lächelns, und Face selbst hätte anders geantwortet, aber er und seine Verhaltensweisen ließen sich sowieso auf keinen anderen Wolf übertragen.
Als sich die weiße Wölfin wieder an die Gruppe wandte, ließ Face den Blick wieder über die anderen schweifen. Jumaana schlug vor sich in Gruppen auf zu teilen, was in Anbetracht dessen, dass Jungwölfe und Erwachsene fast die gleiche Anzahl hatten, wahrscheinlich recht gut funktionieren würde. Gleich alle auf einmal los zu schicken, würde chaotisch werden können und außerdem erinnerte sich Face immer noch gut an die erste Jagd von Banshees erstem Wurf vor 4 Jahren. Gott, wie die Zeit verging und er war immer noch hier. Damals hatte die Jagd jedenfalls in einer Tragödie geendet. Abschätzend sah Face von einem Wolf zum anderen, überlegte stumm und ohne dass man es ihm großartig ansah, welcher Wolf wohl ein guter Jäger war und wer zu Zweit einen Welpen nehmen würde. Verstand Face zwar immer noch nicht viel vom Leben im Gesamten; vom Jagen verstand er dafür um so mehr. Hatte er in den vergangenen 8 Jahren schon unendlich viele Lasten auf den Schultern getragen, wenigstens Hungern müssen hatte er dabei nie, wenn auch nur ein bisschen Beute vorhanden war. Die Indianer waren so gesehen hervorragende Lehrer gewesen und die Steppe der schwierigste Übungsplatz. Es gab keine Bäume, hinter denen man sich verstecken konnte, der Wind wehte wild umher, trug Witterungen endlos weit, genau so weit, wie man sehen konnte. Und doch hatte er mit ihnen zusammen viel gejagt. Etwas, was ihm wenigstens nie unangenehm gewesen war. Selbst Vögel hatte er ab und an erbeuten können. Im pechschwarzen Fell seiner Brust versteckt, spürte er noch immer den kleinen Saphirstein und die zwei Rabenfedern, die er seit vielen Jahren an einem Lederband um den Hals trug. Aber niemand hatte bisher genau genug hingesehen, um das zu erkennen.
Face wandte die genau so saphirblauen Augen wieder zu Jumaana herum und fing ihren Blick auf. Ruhig und zustimmend nickte ihr der Beta zu.
Plötzlich und ohne Vorwarnung kam eine fremde Wölfin auf ihre Gruppe zugelaufen, blieb ein paar Augenblicke lang stehen und ging dann direkt auf sie zu. Wieder ein Stirnrunzeln, dieses Mal war es jedoch kurz auf Faces Gesicht sichtbar. Mit ein paar leisen Schritten war der Tiefschwarze neben Jumaana und bei der Fremden angekommen.
"Vielleicht würdest du uns erst einmal sagen, wer du bist. Als Fremder ohne Ankündigung ein Revier zu betreten, einfach zu den Wölfen zu laufen und sie zu fragen, ob man mitjagen darf, ist ziemlich risikoreich."
Seine Stimme war ruhig und klar, wie immer. Kein Tadel war aus seinem Ton heraus zu hören, allerdings auch keine direkte Freundlichkeit. Sein Ton war neutral und von seiner gewohnten Art her etwas kühl, ebenso wie der Blick mit dem er die Fähe musterte.
( Nördlicher Mischwald / bei Jumaanas Gruppe, direkt neben Jumaana und vor Aaina )
14.04.2010, 20:51
Die Mittagssonne tanzte über die Blumen und den Federbaum, der am Rande stand. Im Schatten war es kühl, im strahlenden Licht jedoch warm, beinahe als wäre schon Sommer. Eine riesige Welt, die ganz in sich selbst funktionierte. Was scherte es die Sonne, was auf der Erde geschah? Sie brannte feurig für so viele Planeten. Und was scherte das Universum, ob dieser eine Stern brannte, oder verglühte? Am Nachthimmel gab es so viele Sterne, wie Sandkörner in der Wüste. Und was lag hinter diesem großen Ganzen? Spielte dieses eine Universum überhaupt eine winzige Rolle in irgendeiner überirdisch großen Geschichte?
Tascurio grinste schief. Was scherte ihn die Welt, die ohne ihn nicht anders war, als mit ihm? Und was scherte sich die Welt um ihn? Wenn er doch nicht einmal ein brennendes Sandkorn im Universum sein konnte? Wenn er noch viel viel kleiner und unscheinbarer und gänzlich unwichtig war? Was war er? Staub? Oder war er noch kleiner, im ewig großen Kreislauf des Lebens?
Wie immer lag er allein herum, in mitten der Blumen. Es war nichts Besonderes an ihnen, jeder hätte sie in seinen Gedanken tragen können, dennoch wusste er, dass sie aus ihm heraus entstanden war. Er kannte diesen Ort aus einem der einzigen Träume, die er je gehabt hatte. Hier auf dieser Wiese, würde er heute sterben. Jetzt, da der Tag gekommen war, fühlte er sich seltsam frei. Jeder Gedanke an die Welt, an ein Morgen, würde in wenigen Stunden für immer enden. Da blieb doch nichts mehr? Wenigstens darauf durfte er in seinem Leben hoffen, oder? Das mit dem Tod alles vorbei war? Würde es nicht so sein, hatte er sich allerdings auch damit abzufinden, wie mit so vielem anderen auch. Er hatte sich längst an diese merkwürdige Welt gewöhnt. Die Akzeptanz für den heutigen Tag war in den wenigen Monaten seines Lebens stets größer geworden, während sein Wunsch nach dem allein sein abnahm, schrumpfte und schließlich verschwand.
Nie hatte er das Nichts gefürchtet. In keiner Sekunde. Wieso auch? Er hatte doch gewusst, dass er hier sterben würde, in seinem jugendlichen, nicht völlig erwachsenen Körper. Im Sonnenschein, auf einer Blumenwiese, zwei Dinge die das alte Revier nicht bereithielt. Merkwürdig dass seit alles um ihn herum strahlte und blühte und die Meisten des Rudels vor Glück tanzen wollten, die Einsamkeit in seinem Inneren zu schmerzen begann. Es war ein langer Prozess gewesen und obwohl er gewusst hatte, dass er nicht für immer durchhalten musste, hatte er manchmal nicht geglaubt, sie alle auf Abstand halten zu können. Letztlich war es dann leichter gewesen, als erwartet, weil er zu lange alle von sich gewiesen hatte.
Und nun lag er hier und hätte durchdrehen können, weil die Sonne einfach nicht schneller wanderte. Die Zeit schien geradezu zu stehen. Ihm war, als hätte er jedes Durchhaltevermögen verloren. Seit Monaten wartete er geduldig und nun machte ihn das Warten wahnsinnig. Klar dass zu allem Übel schließlich noch Chanuka bei ihm herumschlich und seinen Federbaum anliebte! Und letztlich war der Frieden endgültig vorbei, als sich Turién zu ihnen gesellte. Den nicht sonderlich redseligen Schwarzen hätte er sicher noch ertragen, aber sein anderer Bruder war im Herzen zu jung. Welch Ironie dass es dann doch Chanuka war, der ihn ansprach und irgendwie kam es, wie es kommen musste. Tascurio brachte es nicht über sich, die beiden schroff davon zujagen. Friedlich, wie ein Altwolf bettete er seinen Kopf auf die Vorderpfoten und beobachtete die beiden Fremden, die seine Einsamkeit vertrieben, ohne dass er sie verlieren konnte. Viel eher weckten sie ein noch stärkeres Verlangen in ihm, sich an jemanden anzulehnen. Nie hatte es einen Wolf gegeben, den er dazu hatte missbrauchen können. Sicher nicht seine Eltern oder Geschwister, oder gar seine Patentante. Nicht einmal Shákru Minor, der komische Kerl. Eigentlich war dieser die Art von Wolf gewesen, die Tascurio als dummer Welpe gesucht hatte. Irgendeine unnahbare Gestalt, mit der er Zeit verbringen konnte, ohne gleich ein offenes Herz zu finden. Und was tat dieser Idiot? Fing an ihn zu mögen. Und so schnell wie er konnte hatte Tascurio sich entsprechend distanziert und war schließlich nie wieder mit dem Älteren ins Gespräch gekommen.
“Hast du dich je gefragt, wieso dein Baum gerade hier, auf dieser Wiese steht, Chanuka? Auf der Wiese aus meinen Gedanken?“
Es war keine ernsthafte Frage, schließlich wusste bis zu diesem Augenblick niemand, dass Tascurio Blumen mochte. Oder hatte er dies je erwähnt? Amáya gegenüber? Diese Närrin merkte sich solcherlei Dinge sicher nicht. Sie war so sehr mit sich und ihren Problemen beschäftigt, dass sie sich sicher keine Gedanken um andere Wölfe machte.
Und so fuhr er einfach fort und beantwortete seine eigene Frage. Er fing an zu reden, einfach so, weil jemand da war, der zuhörte.
“Meine Vermutung ist, dass unser Schicksal durch einen dummen Zufall miteinander verknüpft wurde und irgendwann so verworren war, dass man es nicht mehr trennen kann. Daher wächst dein Baum in mitten meiner Blumen.“
Und morgen würden die Blumen das einzige sein, dass an ihn erinnerte, mit Ausnahme einer wagen Beschreibung seines Aussehens und dem Namen, den er von seinen Eltern erhalten hatte. Eine großartige Geschichte, mit Einleitung, Hauptteil und einem schonungslosen Schlussteil, zusammengefasst in vielleicht 2 Zeilen. Name: Tascurio. Fell: weiß. Augen: dunkelbraun, fast schwarz. Ermordet, im Sonnenschein, auf einer Blumenwiese.
Würde irgendjemandem darüber hinaus noch etwas zu ihm einfallen? Und was bedeuteten schon Wort wie: „war lieber für sich…“ „ging anderen Wölfen stets aus dem Weg…“ „hatte keine Freunde…“ „… und keinen Kontakt zu Familienmitgliedern.“ Als hätte er sich sein Schicksal ausgesucht! Als hätte er dass alles gewollt! Wozu dieses sinnlose Leben leben? Wäre es nicht für alle beteiligten besser gewesen, er wäre nie geboren worden? Vor allem für ihn. Seufzend setzte er sich auf. Er wollte diese Gesellschaft jetzt nicht, hatte das Gefühl sie nicht ertragen zu können und andererseits lieber sterben zu wollen, als den Rest des Tages allein hier zu warten. Sein Selbstmitleid ging ihm auf die Nerven, nur Teilen konnte er seine Gedanken nicht. Er durfte gar nicht. Es war besser, seine Brüder davon zu jagen. Irgendein fieser Spruch… es wäre wahrscheinlich ganz einfach. Oder er ging. Was würde geschehen wenn er nicht hier wartete?
“Als wir geboren wurden…“
Er sah über Turién zu Chanuka.
“Ich sollte weg von unserer Mutter. Ich sollte zu Banshee, damit kein Unheil geschieht. Nicht du gehörst zu Fenris, sondern ich. Schon immer… ich spüre ihn… er war immer da.“
Überflüssig zu erwähnen, dass diese Anwesenheit des Todesgottes nicht von ihm gewünscht gewesen war, oder man ihm je die Wahl gelassen hätte. Spielte keine Rolle, denn heute würde er sterben. Der Fenrissohn, den Banshee wohl gefürchtet hatte, in ihrem kranken, schwachen Moment, den würde die Welt nie bekommen. Er würde nie geboren.
Mit einem diabolischen Grinsen starrte er seinen Bruder an.
“Ich weiß es, seit ich denken kann…“
Er wollte Chanukas Wut, wollte ihn provozieren und hoffte, irgendeinen empfindlichen Punkt bei ihm zu treffen. Wie oft hatte er den Schwarzen beobachtet, im Schutz Banhsee’s, wie er zu Averic und Tyraleen gesehen hatte und zur restlichen Familie, die nicht seine hatte sein sollen? Für Tascurio stand außer Frage, dass Zorn die einzige Antwort auf seine Offenbarung sein konnte, immerhin war er so etwas, wie ein Verräter. Ein Lügner, der die Wahrheit nicht ausgesprochen hatte, obwohl er sie kannte. Böse, falsch und dazu gefährlich für seine Mutter.
Nach einer Weile wurde ihm jedoch klar, dass die gewünschte Reaktion nicht kommen würde, so wie sein Verlangen nach Wut dahin war. Er begann, sich elend zu fühlen, schrumpfte, wo er war in sich zusammen und bettete den Kopf erneut auf die Pfoten. Vom ruhigen, seligen Altwolf war nichts mehr übrig. Verbitterung zog sich über seine Züge. Er sah nicht auf ein Leben zurück, das ihm viele Geschenke gemacht hatte. Nur sein Blick für die schönen Dinge in seiner Umgebung, auf den wollte er wahrlicht nicht verzichten. Blumen. Er liebte Blumen. Ihre Vielseitigkeit, ihre fröhlichen Farben und ihre selten einsame Existenz. Tascurio wusste nicht, ob sich Pflanzen einsam fühlen konnten. Sie waren es doch nie.
Die Sonne wärmte seinen Pelz, obwohl er dafür wohl kaum die optimale Farbe hatte. In seinem Traum war ihm nie so kalt gewesen, so elend. Er schwieg, während seine Brüder warteten. Wieso musste er noch mehr zu all dem sagen? Es war dumm gewesen, das Thema überhaupt anzuschneiden. Er hatte plötzlich einfach etwas erzählt, dass außer ihm niemand wusste. Den Anfang einer Geschichte von der man nach diesen wenigen Zeilen wusste, dass da noch mehr war, dass erzählt werden konnte. Aber er wollte nicht und wollte doch nichts lieber tun, als einmal alle Gedanken, mit denen er immer allein gewesen war, auszusprechen.
Die Erwartung der Beiden lag noch immer in der Luft. Scheinbar hatten sie sich entschieden zu warten, bis er von alleine zu reden anfing. Tascurio schloss die Augen.
“Können wir uns darauf einigen, dass dieses Gespräch heute nie stattgefunden hat? Könnt ihr mir versprechen, mit keinem Wolf je darüber zu reden, was ich euch nun erzähle?“
Am liebsten hätte er sie nun fort geschickt und die Geschichte den Blumen erzählt, in deren Mitte er lag. Die Augen ließ er fest verschlossen, als könne er dadurch vergessen, dass seine Brüder da waren. Sein ganzes Leben hatte er geschwiegen, er konnte nicht fassen, dass er nun alle Vorsätze über den Haufen warf und anfing zu überlegen, wo die Geschichte beginnen sollte. Seine Geschichte, die eigentlich nur aus wenigen Worten bestehen hatte sollen. Wenn er sie nun mit Chanuka und Turién teilte gab es zwei Wölfe, die mehr über ihn wussten. Zwei, die nie mit jemandem darüber reden sollten.
“Ich weiß nicht, wie genau es dazu kam… als du geboren wurdest, Chanuka, ist Fenris erschienen. Also haben sie dich in Banshee’s Obhut gegeben. Niemand hat bemerkt, dass er zu mir gekommen war. Zu dem weißen Würmchen, dass vor dir geboren wurde. Aber ich weiß auch nur, was ich aufgeschnappt habe. Keine Ahnung wie fatal der Fehler gewesen ist… ich weiß nicht, wie es geworden wäre, wenn alles seine Richtigkeit gehabt hätte. Du musstest gehen und ich durfte bleiben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich überhaupt verstanden hatte, dass ich der war, der nicht da sein sollte.
Wie viele Träume habt ihr in eurem Leben geträumt? Hättet ihr sie zählen können? Wenn ich schlafe, dann sind da genau zwei Albträume, die immer wieder kommen. Ich hab nie etwas anderes geträumt, jedenfalls nichts, woran ich mich erinnern kann.
Im ersten Traum bin ich erwachsen. Ich bin groß und stark. Überall in meinem Körper ist unbändige Kraft. Es ist finstere Nacht, ohne Mond und ohne Sterne und schneidend kalt. Sobald mir dass bewusst wird, nehme ich meine Umgebung war, in der nur ein Gesicht eine Rolle spielt. Averic steht vor mir und dann stößt sich mein Körper vom Boden ab. Ich spüre nichts als Hass und Wut in mir und eine unstillbare Gier nach Mord, nach Blut. Dem Blut meines Vaters. Ich zerbeiße seine Kehle, die Bilder des Kampfes sind chaotisch, unwirklich. Ich beobachte mich und ihn und ich fühle, was ich fühlen muss, in diesem Augenblick. Als er dann tot in meiner Schnauze hängt, spüre ich Genugtuung und als ich in Tyraleens Gesicht sehe, meine Mutter betrachte, die angerannt kommt, weiß ich, dass ich sie beide getötet habe. Und mein Traum-Ich freut sich, aber ich wache auf. Und dann bin ich wieder ich, sehe ihr Gesicht und schmecke sein Blut und frage mich, was für ein Monster ich eigentlich bin. Der Traum erklärt mir nie das WARUM. Warum werde ich morden?
Im zweiten Traum bin ich ein Jungwolf und der Tag ist strahlend schön. Um mich herum blühen tausend Blumen. Es ist warm und die Luft duftet nach Frühling. Es ist vielleicht der schönste Tag in meinem Leben. Die Natur wirkt so voller Energie und labt sich am Licht der Sonne, genauso wie ich. Und wenn mir dass alles bewusst ist, dann sehe ich Tyraleen und wie sie auf mich zukommt. Viel zu nah ist sie schon und ihre Zähne bohren sich in mein Fleisch. Es geht so schnell. Die Bilder sind chaotisch, aber es kommt nicht zum Kampf. Es ist vorbei, ehe ich es begriffen habe. Ich schlage auf dem Boden auf und spüre es nicht. Erst verschwinden die Gerüche, dann die Geräusche und schließlich das Bild der Blumen vor einem strahlend blauen Himmel, der im Westen langsam die verschiedensten Farben annimmt. Zuletzt vergehrt der Schmerz in meiner Brust über die Erkenntnis, dass ich von meiner Mutter getötet wurde.
Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass Tyraleen mich töten muss, damit ich nie die Gelegenheit bekomme, erwachsen zu werden. Sie muss mich jetzt töten, wo ich doch noch gar nicht verstehen kann, wofür, weil ich irgendwann zu stark sein werde. Nach dem ich es verstanden hatte, dauerte es noch mal so lange, bis ich mich damit abfinden konnte. Vielleicht wollte ich das nie ganz. Bis heute hab ich gewartet und manchmal geglaubt, es würde noch etwas geschehen, was mein Schicksal ändert. Aber alles ist bereits, wie in meinem Traum. Der Tag ist so unbeschreiblich schön.“
Wehmütig klang seine Stimme, als er die Augen öffnete und blinzelte. Die Schönheit dieses Tages hatte noch nie so wehgetan, wie jetzt. Wie wäre es wohl, sein Traum-Ich zu sein, dass nicht wusste, was geschehen würde? Wie würde es sein, wenn sie kam?
Sein Blick streifte die Brüder, ehe er ihn abwandte und die Blumen um ihn herum betrachtete.
“Als Welpe damit umzugehen war schwierig. Ich wusste nie so genau, ob ich vor mir oder meiner Mutter mehr Angst haben sollte. Ich hab mich gefühlt wie ein Verbrecher, als mir klar wurde, dass ich den Platz bei Banshee hätte haben sollen. Je mehr ich verstanden habe, desto öfter hab ich mich gefragt, ob es anders hätte sein können. Was wenn dieses Versehen nicht passiert wäre? Wenn Banshee meine Ziehmutter gewesen wäre… hätte ich dann leben dürfen, wie alle Anderen? Oder hätte sich Fenris früher oder später durchgesetzt? Ich hab nie mit ihm gesprochen, oder ihn gesehen, aber das Gefühl reichte mir aus. Beschreiben kann ich es eigentlich nicht… Es hat nie meine Fragen beantwortet, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Ich wusste nur irgendwann, dass ich Averic töten würde, wenn ich nicht vorher getötet werde.
Daher konnte ich sie nie richtig lieben, aber auch nicht hassen. Beide nicht. Es hat mir viel zu große Angst gemacht. Ich hab mich nie wie ein Welpe gefühlt. Mein Drang danach zu leben war viel zu groß, um mich mit Naivität und Vertrauen abzugeben. Ich wollte all die Dinge sehen, die ganze Welt entdecken. Und ich wollte nicht, dass irgendwer traurig ist, wenn ich sterbe. Also hab ich mich von allen fern gehalten. Ich hab mich dafür entschieden, dass es leichter sein würde, die Einsamkeit zu ertragen, bis der heutige Tag kommt, als ständig darüber nachzudenken, wie sehr ich jeden einzelnen von ihnen verletzen könnte.
Aber dass mit der Einsamkeit ist gar nicht so einfach. Manchmal war es unerträglich. Überall hab ich nach Auswegen gesucht. Ich dachte, die kalten Wölfe, die keine Gefühle zeigen, könnten mir ein bisschen was von der Nähe geben, die ich mir nirgendwo holen dürfte. Kein Vertrauen und keine Liebe, aber wenigstens das Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Die Unnahbaren schienen die perfekte Wahl. Also hab ich mich ihnen genähert. Zuerst Shákru Minor, der viel zu schnell anfing, mich zu mögen. Danach habe ich nie wieder mit ihm gesprochen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass die Kalten noch falscher waren, als alle Anderen. Weil diese Kälte kein Charakterzug ist, den man von Geburt an hat, sondern der sich entwickelt. Also hielt ich mich an die noch kälteren und vermeidlich bösen. Meine Patentante war da eine ziemlich gute Option. Mit keinem anderen Wolf hab ich soviel Zeit verbracht, wie mit ihr. Aber sie ist viel zu leicht zu durchschauen. Ihr schroffes, abweisendes Verhalten wirkte auf mich nie sonderlich überzeugend. Sie hat sich verdammt viel Mühe gegeben, den Schein zu wahren, aber mir wurde zu schnell klar, dass ich mich niemals auf sie stützen darf. Sie hat wirklich schon genug Probleme mit sich und der Welt. Also hielt ich mich letztlich auch von ihr fern. Sonst war da niemand. Manchmal hab ich überlegt, ob die sonnigen Gemüter besser gewesen wären, aber ich konnte den Gedanken nicht ertragen, ihre Lebensfreude zu zerstören, in dem ich es mal ausprobierte. Ich hab versucht, niemanden zu brauchen und nur noch einmal mit Amáya geredet, nach dem Banshee gestorben war.“
Er erinnerte sich zu genau an seine Patentante, die er kaum aus den Augen gelassen hatte, als die Leitwölfin starb. Tascurio war sicher, dass er in den wenigen Augenblicken das erste und einzige Mal einen Teil ihrer wahren Person gesehen hatte. Die Bestätigung seiner Vermutung. Amáya war nicht wie die anderen. Viel zu schwach. Doch was machte er nun aus seinen Brüdern? Wie egoistisch.
„Ihr Tod war der finsterste Tag meines Lebens. Ich hab geschlafen, bevor wir zu ihr gerufen wurden und so schmeckte noch alles nach Blut. Mein Gespür für den Tod ist sicher besser ausgeprägt, als das vieler anderer. Ich wusste, was geschehen würde, schon so viele Tage zuvor. Ich hab versucht nie darüber nachzudenken, dass es passiert. Der Tod ist merkwürdig. Er ist mir so vertraut. Wie oft hab ich ihn geschmeckt? Und wie viele male habe ich ihn gespürt? Wie nahe stehe ich Fenris?
Die ganze Familie versammelte sich trauernd um Banshee. Jeder nahm Abschied und alle waren unglücklich. Die kalten, die arroganten, die bösen, die sonnigen Gemüter. Sie waren alle gleich, in diesem einen Augenblick. Und niemand wird Banshee je vergessen. Sogar die, die sie nicht kennen, werden von ihr hören und sich an sie erinnern. Sie war gar nicht allein, als sie gestorben ist. Und Acollon… sogar ihn haben sie verabschiedet.
Was sollte ich schon da? Ich wusste, ich würde ihnen bald folgen, aber ganz anders. Nie habe ich daran gezweifelt, mich richtig verhalten zu haben, bis zu diesem Zeitpunkt. Ich werde sterben, aber niemand wird sich daran erinnern können, wer ich war, weil ich nie zugelassen habe, dass mich irgendjemand kennen lernt. Sie werden alle wissen, dass Tascurio tot ist und keinem wird der Name etwas sagen. ‚Der komische, weiße Welpe, mit den dunklen Augen, der immer die Distanz gewahrt hat.’ Wenn sie sich daran erinnern können, ist es schon viel! Sicherlich bin ich selbst schuld, weil ich es so haben wollte. Aber was hatte es denn überhaupt je für einen Sinn, dass ich geboren wurde? Ich hab nie gelebt, ich bin seit ich geboren wurde gestorben.“
Er atmete einmal tief durch, hielt den Blick starr auf eine Blume gerichtet, die er nicht wirklich zu sehen schien. Ein paar Herzschläge lang schwieg er, bis er seiner Stimme wieder traute.
“Wer wäre ich heute, wenn ich nicht gewusst hätte, was mit mir passiert? Oder wenn ich es nicht geglaubt hätte? Am Anfang wollte ich die Träume nicht ernst nehmen. Ich wollte, dass sie aufhören. Und nach jedem Schlaf wurden sie ein bisschen realer. Bis sie Gewissheit geworden waren. Nur ganz sicher konnte ich nie sein, bis heute…“
Sie konnten die tausend Fragen die er schon immer in sich trug genauso wenig beantworten wie er. Vielleicht wollte er auch gar nichts mehr davon wissen. Die Sonne war weiter gewandert. Das Ende rückte näher, nur noch nicht ganz nah genug. In seinem Traum hing der Schatten des Federbaums noch mehr im Osten. Den Baum selbst hatte Tascurio nie gesehen, nur das Grau dass er auf die Blumen warf.
Ein lächeln schlich über seine Lefzen, als er sich auf den Rücken drehte und seine Brüder ansah.
„Wenn ihr irgendwann einmal von eurem Bruder sprecht, dann erzählt doch, dass ich Blumen mochte und die Sonne, den Himmel, den Wald und den Regen. Von mir aus erzählt ihnen, dass ich alles Schöne in der Welt liebte, dass man allein genießen kann. Aber sagt ihnen auch, dass all die schönen Bilder keine Bedeutung haben, wenn man sie nicht mit jemandem teilen kann.“
Es wäre schön gewesen, wenn sein Herz nun einfach aufgehört hätte, zu schlagen und er friedlich hätte einschlafen können. Das große Geheimnis seines Lebens war nicht länger gefangen in ihm, sondern frei. Eine Erinnerung in zwei jungen Rüden, die damit aufwachsen würden. Er würde nicht ganz verschwinden. Nicht so unbekannt. Die Sonne wurde ein bisschen wärmer. Ein Teil der Einsamkeit war fort und ließ Traurigkeit in ihm zurück. Wie sollte er je wissen, ob er richtig gehandelt hatte? Es gab keine zweite Chance, er würde nicht noch einmal geboren werden und konnte ausprobieren, wie es wäre, wenn er vergnügt mir seinen Geschwistern umher tollte und seinen Eltern von der Großartigkeit der Welt vorschwärmte. Er musste sich darauf verlassen, dass er sich als Welpe richtig entschieden hatte, ohne viel vom Leben zu verstehen. Den Tod hatte er damals schon ziemlich gut gekannt, nur nicht seine Kehrseite. Viel davon konnte er auch nicht mehr kennen lernen.
“Vergesst nicht, dass ich sterben muss… ich will… ich will meinen Vater nicht töten und ich will nicht leben und Angst davor haben, dass ich es tun könnte. Nicht wenn ich das Tal verlassen würde, nicht wenn alle es wüssten, wäre sicher, dass ich es nicht tun kann. Es ist richtig so… aber ich will nicht, dass ihr dabei zuseht… ich möchte, dass ihr geht… lauft um die Wette, geht mit den anderen jagen… aber bitte… geht weit weg und kommt nicht so schnell zurück.“
Tascurio warf einen Blick auf den Federbaum. Wie mochte es sich für Chanuka in Zukunft anfühlen, wenn er hier her kam, an diesen Ort? Und Turién? Nichts davon würde er noch wissen. Nichts brauchte ihn mehr zu kümmern. Es war zu spät. Seine Geschichte war erzählt und Tyraleens Stimme klang aus der Ferne. Der weiße Jungrüde erhob sich.
“Verzeiht mir… aber geht!“
[Tascurio-Showdown auf der Blumenwiese beim Federbaum. Chanuka und Turién bei ihm, Tyraleen in Sichtweite, Averic in der Nähe]
Musik:
[URL=http://www.youtube.com/watch?v=95N-SSuPHRg]Musik[/URL]
[URL=http://www.youtube.com/watch?v=4IAgw-yQCtE]Musik1[/URL]
[URL=http://www.youtube.com/watch?v=99NELQgopIs]Musik2[/URL]
16.04.2010, 19:49
Atalya beobachtete die Graue vor sich, zuckte leicht mit den Ohren, während sie die Reaktion Liels analysierte. Sie reagierte nämlich gar nicht. Sie saß nur da. Das hatte sie nicht erwartet. Und dann kam doch eine Reaktion, ein Grinsen. Ein freches Grinsen. Und schon im nächsten Moment sprang sie auf, machte einen Satz und stand dann schräg zu ihr. Auf die Worte der Fähe hin neigte sie den Kopf leicht zur Seite, ließ die Worte einige Momente auf sich wirken. Darüber hatte sie noch nicht nachgedacht, aber Liel hatte Recht.
„Dann müssen wir umso schneller laufen, um sie zu fangen.“
Bestimmt nickend folgte ihr Blick dem der grauen Fähe, zu den Hirschen. Auf ihre folgende Frage grinste Atalya die Wölfin an. Sie glaubte, dass sie eine gute Jägerin sein würde. Die Graue nahm einen tiefen Atemzug, stand dann auf und schüttelte kurz den dunklen Pelz.
“Ich weiß, dass ich gut sein werde, selbst wenn es schwer ist. Und wenn es jetzt nicht klappt, habe ich bald bestimmt wieder die Chance, es besser zu machen!“
So war es doch. Man musste die Chance nutzen. Und all zu scher konnte es ja nicht sein. Und schon im nächsten Moment trat der nächste Wolf in ihr Blickfeld. Ein schwarzer Rüde, mit blauen Augen. Aber unverkennbar nicht ihr Vater. Sie lächelte dem Rüden zu, nickte dann begrüßend und lauschte auch seiner Frage, wartete mit ihrer Antwort aber noch, bis auch das letzte Wort seiner zweiten Frage den Fang des dunklen Rüden verlassen hatte.
“Mir geht es wunderbar! Ich kann es kaum erwarten, endlich jagen zu gehen. Mein ganzer Körper kribbelt und will los laufen. Und ja, das ist das erste mal das wir jagen gehen. Und ich bin sicher, es wird toll!“
Und irgendwie war es genau dieses Gefühl, das ihr versprach, dass alles gut gehen würde. Wie sollte da noch etwas schief gehen? Und kaum hatte sie geendet, hob Jumaana ihre Stimme. Noch ein Mal Liel zu nickend drehte sich die Graue zu der Leiterin dieser Gruppe, spitzte die Ohren und lauschte interessiert den Worten der weißen Fähe. Das tun, was sie am besten konnten. Atalyas Ohr zuckte leicht bei diesen Worten. Erst ein Mal musste sie heraus finden, WAS sie am besten konnte. Vielleicht das Anpirschen? So wie sie es bei den Erwachsenen beobachtet hatte. Oder das Hetzen der Beute, mit dem Wind laufen. Oh, wie die Vorfreude sie zum los rennen zwingen wollte. Ein weiterer, kurzer Blick zu Shaén und Liel, dann wandte sie sich an Jumaana.
“Wann fangen wir denn nun an?“
Geduld war wirklich nicht ihre Stärke. Also doch lieber Hetzen..
[Bei ihrer Gruppe]
17.04.2010, 14:12
Die Zeit verging, beinahe schon wie im Fluge, und aus dem einst kleinen Welpen, dem silbernem und niedlichem Rüden, war nunmehr ein Jungwolf geworden. Noch nicht so groß und stark wie die Erwachsenen, sein Fell noch etwas zerzaust und auch seine Statur war noch nicht die eines voll ausgewachsenen Wolfes – doch auch das würde noch kommen. Selbst der Winter war schon vorbei, einfach an ihnen vorbeigezogen und mit jedem Tag, an dem es wärmer wurde, freute sich der Silberpelz ein Stück mehr.
Heute war ein wunderbarer Tag, die Sonne schien vom Himmel, und man hätte meinen sollen der Rüde hätte sich allmählich an den Anblick dieses Wunders gewöhnen sollen, das fast seine gesamte Kindheit vom Nichts verschluckt worden war – immerhin waren es schon einige Wochen, viele Tage, an denen die Sonne auf sie alle herab geschienen hatte. Doch jedes Mal, wenn er erwachte, und den Sonnenaufgang beobachtete, staunte er wieder. Die letzten Tage hatte er oft auf oder in der Nähe des Himmelsfelsen verbracht. Es war sein Gebiet, er liebte diesen Felsen, und wenn man ihn suchte, dann wusste eigentlich jeder sofort – der Silberpelz befand sich in der Nähe des Himmelsfelsen. Besonders während der Nacht, konnte man dort am besten in den Genuss der Sternenwinde kommen. Auch etwas, was sie alle - also seine ganzen Geschwister und Nicht-Geschwister - erst spät in ihrem Leben entdeckt hatten, und auch diesen Anblick liebte der silberne Wolf. Er schaffte es einige Stunden bewegungslos auf dem Felsen zu liegen und einfach die vielen Sterne zu betrachten, alleine, auch in Gesellschaft, einfach nur ruhig da liegen, um und diese vielen Wunder der Welt zu bestaunen.
Heute Morgen war eine Lehrjagd angekündigt worden, alle anderen und auch der Silberne, hatten sich schon gefreut – endlich. Das Kleinvieh zu fangen, damit hatte der ein oder andere noch Probleme, aber mit Übung und Konzentration, hatte jeder mal einen Glückstreffer, hier war der Jagderfolg also schon erzielt worden. Der nächste Schritt war das erlegen großer und mächtiger Beute, die einen Wolf schwer verwunden konnte. Das Jagen in der Gemeinschaft, in der man auf jeden zählen, und sich stumm vereinbaren können musste, um alles ohne Verletzungen und Gefahr regeln zu können. Sie alle hatten schon viele Erzählungen gehört, waren auch bei der ein oder anderen Jagd dabei – aus solch großer Entfernung, dass man die Handlung eher erahnen, als erkennen konnte. Bevor es losgehen sollte, hatte Turién sich auf den Weg zur Blumenwiese gemacht, um dort den Anfang des Tages zu verbringen. Er mochte den Ort, die unzähligen Blumen und Farben verliehen diesem Ort etwas Ungreifbares. Erwarteterweise traf er dort auf Chanuka, der sich an seinem Lieblingsort aufhielt – dem Federbaum, wo auch sonst? Unerwartete Weise traf er dort aber auch Tascurio. Sein weißer Bruder, mit der er bis jetzt kaum ein Wort gesprochen hatte. Er wusste auch gar nicht, wo sich der Weiße immer aufhielt, kaum anwesend, immer wo anders. Er suchte nie die Gesellschaft, aber die Gesellschaft suchte anscheinend auch nicht wirklich nach ihm.
Es war ein seltsames Gefühl in der Luft, ein seltsamer Moment, der einfach in Stille gehüllt war, abgesehen von den Geräuschen der Natur. So ließ sich auch der Silberrüde kein Wort entlocken und ließ sich ruhig bei Chanuka und Tascurio nieder, so dass sie, wenn man es von weitem betrachten würde, ein ungenaues Dreieck bildeten. In dieser Art Trance hing zunächst jeder seinen eigenen Gedanken nach, während ihnen warm – im Vergleich zu den letzten Tagen -, die Sonne auf den Pelz schien, und der Wind ihr Fell und das Gras, sowie die Blumen sanfte wiegte. Die Zeit verging schnell und gleichzeitig langsam, sodass Turién bald nicht mehr wusste, wie lange er nun schon hier saß, mit geschlossenen Augen, einfach da war, bei seinen Brüdern und die Sonne genoss.
Bis Tascurio diese laute Stille durchbrach, sich aufrichtete und anfing zu reden. Hatte er ihn schon mal reden gehört? Er konnte sich kaum erinnert. Hatte er den Klang dieser Stimme überhaupt schon einmal so deutlich vernommen wie jetzt? Seine Augen öffneten sich, strahlend wie die Sonne, glitten von Tascurio zu Chanuka, der von dem Weißen angesprochen worden war. Seine Ohren spielten vor uns zurück, und auf seinem Gesicht machte sich der Ausdruck bemerkbar, dass etwas nicht stimmte. Turién mochte den Wortlaut nicht, die Stimm- und Tonlage nicht, in der Tascurio sprach. Doch erinnerte ihn seine Wortwahl in irgendeiner Weise an Chanuka. Die Wahrheit, von der er nicht wusste, ob es tatsächlich die Wahrheit war, raubte ihm für einen Moment die Fassung. Eine Verwechslung? Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, und ließ ihn seine Nackenhaare aufstellen, gleichzeitig, als ein leichter Windstoß über die drei Jungwölfe fegte. Mit einem Mal fühlte sich Turién fehl am Platz – dieses Gespräch war nicht das seine, es war ein Gespräch zwischen zwei Brüdern, die … ja wie solle man das auffassen? Konnte das überhaupt die Wahrheit sein? Banshee soll sich geirrt haben? Ihre Großmutter war eine Wölfin, die eigentlich immer Recht behalten hatte. Immer. Warum sollte man sie in Frage stellen, warum?
Das Grinsen, das von Tascurio ausging, machte die Sache nicht viel besser. Es ließ Turién seine Ohren an den Hinterkopf legen, und seinen Körper anspannen, er sollte aufhören zu grinsen. Dieser Ausdruck galt noch nicht einmal ihm, sondern dem Schwarzen und sollte ihn scheinbar provozieren – bei dem Silbernen gelang ihm das bis jetzt schon ziemlich gut. Er sollte aufhören zu grinsen, und zum Glück verebbte bald dieses Grinsen, als der Weiße vergeblich auf die Wut von Chanuka wartete. Chanuka wurde nicht wütend, auch er kannte den Dunklen nicht wütend. Er war so Herr über seine Gefühle, dass man ihn schon bewundern konnte – Turién selbst konnte das nicht. Er war ein Wolf der Gefühle, und so oft war das fatal.
Seine Augen ruhten nun auf Tascurio, der sich wieder auf seine Vorderpfoten bettete und mit einem Schlag so zerbrechlich aussah, wie eine vertrocknete Blume, die man nur zu berühren brauchte, damit sie zu Staub zerfiel. Seine eigene, aufkommende provozierte Wut, war mit diesem Anblick auf der Stelle verschwunden, und seine Züge und Körperhaltung entspannte sich wieder.
Er nickte sachte, kaum bemerkbar und irgendwie sprachlos Tascurio zu, blickte kurz zu Chanuka. Konnte er wirklich glauben was hier gerade geschah? Eine unglaubliche Verwechslung kam zu Tage, die das Leben von Chanuka auf höchste Weise verändert hatte, und dieser… blieb so erstaunlich ruhig. Während der weiße Jungrüde also von dem Gespräch erzählte, dass nie stattgefunden haben würde, umklammerte ein Gefühl sein Herz. Ein klammes Gefühl, dass etwas nicht richtig war. Die Stimme von Tascurio hatte einen schönen Klang, er konnte wunderbar erzählen. Er erzählte eine Geschichte, die man kaum glauben konnte, und doch verleitete den Silbernen etwas, es einfach zu tun. Er glaubte ihm auf Anhieb, auch wenn er es nicht glauben konnte. Er glaubte ihm einfach, weil seine Stimme glaubhaft war. Etwas aus dem innersten von Tascurio, etwas an seiner Art zu erzählen, ließ ihn einfach glauben.
Mehrmals wollte er ihn unterbrechen, ihm etwas sagen, doch er wagte es nicht. Er wollte ihn nicht unterbrechen, aus Angst, er würde dann aufhören zu sprechen, dabei wollte Turién ihm noch weiter zuhören. Zuerst erreichte immer der Klang seiner Stimme die dunklen, silbernen Ohren, bevor er verstand, was die Worte für einen Inhalt hatten. Zwischendurch wurde das Gefühl, dass sich um sein Herz schlich und tief aus seinem Bauch kam, immer wieder deutlich, und als Tascurio es ansprach, wusste er was es war: Schuld. Da machte sich Turién tatsächlich Schuldgefühle. Warum hatte er nicht schon längst gesehen, was mit Tascurio war? Dass der Wolf alleine war, nie anwesend war, oder überhaupt Kontakt suchte. Warum hatte er nie bemerkt, dass er sich doch eigentlich nach Gesellschaft sehnte, dass kein Wolf allein sein wollte, weil es in ihrer Natur lag, in Gesellschaft zu leben. Wie konnte er das einfach so geschehen lassen? Die Traurigkeit, die in den Worten seines Bruder mitschwang, machte ihn auch traurig, und als er geendet hatte und die unfassbare Wahrheit verlautet hatte, glaubte Turién ihm alles. Bis auf eines. Tyraleen würde nie ihren eigenen Sohn töten. Nie.
„Tascurio…“
Was sollte er sagen? Was nur? Er schüttelte sachte den Kopf, seine Schuld, auch für das Schicksal seines Bruders verantwortlich zu sein, drückte schwer auf ihm, vor allem jetzt, da er ihn direkt anblickte, in seine dunklen, braunen Augen.
„Woher willst du wissen, dass alles so geschieht, wie du es geträumt hast? Das… kann ich nicht glauben. Das geht nicht. Es ist nichts vorherbestimmt. Du hast einen Willen, du hast eine Entscheidungskraft. Wenn du nicht willst, dass es so geschieht, dann wird es nicht so geschehen. Hast du uns auch in deinem Traum gesehen? Chanuka und mich? Nein? Siehst du. Dann muss es nicht so geschehen, dann wird es anders. Wir selbst können den Lauf der Dinge gestalten, und nicht nur ein Traum. Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass du nur so gehandelt hast, weil du es im Traum so gesehen hast? Und dass alles sich nur so entwickelt hat weil du es gesehen hast und weil du es geglaubt hast? Dass alles nur geschieht, weil du dachtest, dass es geschehen würde, und sich damit alles auch so entwickelt hat?
Turién holte Luft, blickte kurz zu Chanuka um sich Hilfe zu holen, damit auch er ihn bekräftigte, dass es nicht so sein musste.
„Du wirst Averic nicht töten, wenn du es nicht willst. Was hast du für einen Grund, deinen Vater zu ermorden? Keinen! Warum solltest du es dann tun, wenn es doch nur ein Traum war? Und warum sollte deine eigene Mutter dich töten wollen, warum?
Nur weil du es im Traum gesehen hast? Nein… auch Tyraleen hat einen eigenen Willen, und was passiert, wenn sie sich dagegen entschließt dich…“, es fiel ihm schwer es aus zu sprechen, „zu töten? … was wenn sie gar nichts davon weiß? Sie kennt deinen Traum nicht, warum sollte sie so handeln? Sie wird dich nicht töten, Tyraleen ist gut. Sie tötet nicht ihren eigenen Sohn.“
Es war absurd so etwas überhaupt zu denken. Tyraleen war die beste Mutter, die er sich vorstellen konnte, auch in den schwersten Momenten, war sie für ihre Welpen, Kinder, da. Sie war selbstlos und immer freundlich, zu jedem. Sie hatte Geduld und eine beschützende Art, die man nur von ihr kannte, wenn man ihr Welpe war, und sich an ihr Brustfell gedrückt hatte.
Aber genau das hatte Tascurio nicht, genau das wusste er eigentlich gar nicht. Oder?
Als der Weiße sich erhob und anstallten machte sie fort zu schicken, schüttelte der Silberne seinen Kopf, während sich eine tiefe Traurigkeit, in ihm breit machte. Der Klang von Tascurios Stimme, die er so mochte, hatte etwas Endgültiges als er sagte: „Wenn ihr irgendwann einmal von eurem Bruder sprecht, dann erzählt doch, dass ich Blumen mochte und die Sonne, den Himmel, den Wald und den Regen. Von mir aus erzählt ihnen, dass ich alles Schöne in der Welt liebte, dass man allein genießen kann. Aber sagt ihnen auch, dass all die schönen Bilder keine Bedeutung haben, wenn man sie nicht mit jemandem teilen kann.“
Diese Worte brannten sich tief in ihn, es waren Worte eines Wolfes, der wusste, dass er sterben würde, und dass sich kaum einer an ihn erinnern würde. Und dieses Wissen tat weh.
„Es muss nicht so sein, es wird nicht so passieren, bitte Tascurio…“
Hilfesuchend blickte er zu Chanuka, er musste ihn doch auch dazu bewegen, etwas dagegen zu tun. Seine Ohren spielten hektisch vor und zurück, als Tyraleens Stimme eindringlich nach ihren Kindern rief. Mit leicht geweiteten Augen starrte er den Weißen an, der gewusst hatte, dass Tyraleen kommen würde. Sein Herzrhythmus beschleunigte mit einem Mal. Zweifel schlichen sich in seine eigenen Gedanken. Vielleicht hatte der Weiße doch recht gehabt, und es würde so geschehen. Sie hatten keine Zeit, wenn Tyraleen schon auf dem Weg war. Und mit einem Mal bekam er es tatsächlich mit der Angst zu tun, dass alles so werden würde, wie sein weißer Bruder es gesagt hatte.
„Nein. Komm mit. Es muss nicht so sein. Bitte.“
[Tascurio-Showdown auf der Blumenwiese beim Federbaum | Tascurio & Chanuka, Tyraleen in Sichtweite, Averic in der Nähe]
17.04.2010, 15:25
Chanuka hatte die Ankündigung vernommen, dass sie heute in Sachen Jagd unterrichtet werden sollten und er freute sich, dass er bald voller Stolz die Selbstständigkeit erlangen würde. Er spürte, wie seine Kindheit vorüber ging. Nie hatte er sich gewünscht, schneller erwachsen zu werden, dennoch schien es ihm das größte Glück auf Erden, dem Rudel bald eine Stütze sein zu können. Er würde alles für dieses Rudel tun, dass seine Mutter mit soviel Liebe geleitet hatte. Ebenbürtig würde er mit den Erwachsenen jagen und seine Familie und Freunde beschützen. Ans Kämpfen dachte er nicht. Es war nichts, dass er mit soviel Euphorie lernen wollte, wie die Fähigkeit Beute zu schlagen. Mochte sein dass irgendwann diese Lektion erteilt werden würde, vielleicht aber auch nicht. Er würde niemanden daran erinnern.
In heller Erwartung hatte er sich mittags bei seinem Federbaum eingefunden und die Blätterpracht bewundert. Eine Feder löste sich von einem der Äste und schwebte über ihn hinweg, tanzte kurz beinahe auf seiner Nase, die er gen Himmel gereckt hatte. Dann glitt sie hinüber zu seinem weißen Bruder, mit dem er diesen Ort hier von Zeit zu Zeit teilte. Nie jedoch für lange. Stumm traten sie manches Mal aneinander vorüber, als würden sie sich mit Absicht aus dem Weg gehen. Chanuka wusste nicht, ob dies auf Tascurio zutraf. Er wusste wenig über den Bruder, der vor ihm geboren worden war. Da aber die Feder genau zu ihm hinüber flog, folgte er ihr, ohne sie erblicken zu können, als er die Stelle erreicht hatte, an der sie sich nieder gelassen haben musste.
Auch Turién gesellte sich zu ihnen. Wie Fremde standen sie sich gegenüber. Gemeinsam aufgewachsen waren sie zwar irgendwie, dennoch erinnerte wenig daran, dass sie eigentlich Brüder waren. Kaum oder gar kein Gespräch, keine Spielereien, kein Toben. Chanuka mochte die Beiden dennoch, obwohl er nicht genau hätte erklären können, wie viel sie ihm bedeuteten. Und schließlich wurde aus diesem seltsamen fremden Schweigen ein noch merkwürdigeres Gespräch.
Der Schwarze entsann sich einiger unterschiedlicher Situationen, in denen er Tascurio beobachtet hatte. Unnahbar, kalt und distanziert. Heute, im strahlenden Sonnenschein wirkte sein Bruder bedrückt und verloren, in mitten der ganzen Blumen. Chanuka wusste nicht, wie er zu diesem Gedanken gekommen war, war es doch mehr ein Gefühl, für das sich die richtigen Worte kaum finden ließen. Und dann begann der Weiße davon zu sprechen, wie sie verwechselt worden waren. Nein, zunächst sprach er von einer Verbindung zwischen ihnen. Einem verknüpften Schicksal. Tascurio schien Informationen zu haben, von denen niemand außer ihm wusste. Über die Geburt, Banshees Entscheidung, den Fenriswelpen selbst großzuziehen, um Tyraleen nicht zu gefährden. Vor ein paar Wochen hatte er noch mit seiner Mutter gesprochen und darüber, wie unpassend er in dieser Rolle stets gewesen war. Nicht nur sie hatte es angemerkt, auch Averic hatte eine ähnliche Meinung. Diese ganzen Fragen die einen Großteil seines Lebens bestimmt hatten, klärten sich. Nur kurz tauschte Chanuka einen Blick mit Turién aus. Von außen betrachtet mochte es merkwürdig klingen, vielleicht sogar unfair. Der schwarze Jungrüde hingegen nahm die Worte an, wie sie gesagt wurden. Keine Antwort die man ihm je gegeben hatte, machte mehr Sinn. Es war ein versehen, daher konnte er Fenris nicht spüren. Die Gemeinsamkeit zwischen dem Todesgott und seinem Vater war dahin, ohne dass sie je da gewesen war. Er war einfach nur ein normaler Wolf, der bei seiner Oma und nicht bei seiner Mutter aufgewachsen war. Er hätte dazu gehören können, ein Teil seiner Familie sein, aber es war nicht so gekommen. Betrübte es ihn? Eigentlich nicht. Seine Eltern liebten ihn, Banshee hatte ihn geliebt. Er gehörte eben auf andere Art zu ihnen. Sie waren ein bisschen fremder, als sie sein sollten. Aber sie mochten sich, liebten sich. Und er hatte noch sein ganzes Leben Zeit, ihnen näher zu kommen. In ihm entstand keine Wut, kein Zorn. Diese Gefühle hatte er so selten empfunden. Aber er kannte sie. Und nichts was Tascurio sagte oder tat, würde sie hervor locken. Dazu hatte Chanuka zu sehr das Gefühl, dass da noch mehr dahinter steckte. Sein Bruder wollte ihn mit Absicht wütend machen. Vielleicht um sich selbst zu bestrafen? Es war nicht seine Schuld. Ein bisschen schon, aber er würde schon von einem Welpen erwarten, dass er zugab, der ‚Böse’ zu sein, um der Familie verwiesen zu werden? Es wäre nicht in Chanukas Interesse gewesen. Dieses Versehen, der Fehler, das Missverständnis war sein Leben und hatte ihn vom ersten Tag an bestimmt. Ohne diese ganze Geschichte könnte er nicht sein, wer er heute war. Und allein der Gedanke war unangenehm. Er wollte niemand anderes sein. Etwas Besonderes war er. Genauso fühlte es sich an und seine Mama hatte Recht gehabt. Irgendwie hatte er es ein bisschen schwer gehabt, aber er war glücklich. Immer wieder hatte er große Freude empfinden dürfen.
Sie schwiegen wieder. Schwiegen und warteten, jeder mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen kämpfend. Und als Tascurio ihnen das Versprechen abnahm, nie mit jemandem über das zu reden, dass er ihnen nun erzählen würde, nickte Chanuka. Ein stilles Einverständnis, dessen Konsequenzen er nicht abschätzen konnte. Immerhin wusste er nicht, welche Art von Informationen Tascurio nun noch für sie bereithalten konnte. Kurz spekulierte der Schwarze, wie viel von den Hintergründen sein Bruder wohl noch wusste, doch letztlich konnte er sich kein genaueres Bild davon machen. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf die Geschichte, die der nur wenig ältere Weiße zu erzählen begann. Eine bedrückende Stimmung lag zwischen ihnen, während Chanukas Augen sich immer wieder weiteten. Zunächst schockierte ihn, dass Tascurio geträumt hatte, Averic zu töten. Dies löste einen tiefen, brennenden Schmerz in ihm aus, allein als er in Erwägung zog, sein Vater könnte sterben. Es war eigentlich ganz selbstverständlich, dass jeder Wolf um ihn herum jeder Zeit irgendwie umkommen könnte, doch bei der Art, wie sein Bruder umschrieb, den eigenen Vater zu töten, stellten sich seine Nackenhaare auf. Beinahe hätte er ihn angefahren, hätte er nicht besser gewusst, dass es unsinnig war, jemandem zu verbieten, etwas Bestimmtes zu träumen. Abgesehen davon kam er nicht umhin, sich als nächstes in Tascurio hineinzuversetzen, der sich von seinem Traum-Ich distanzierte. Es musste sich scheußlich anfühlen, wenn man keinen Einfluss auf seinen Traum nehmen konnte und beim Aufwachen das Gefühl hatte, ein Monster zu sein. Ein Fehler. Der Fehler, den er selbst in sich vielleicht solange gesucht hatte? Tascurios zweiter Traum war nicht viel besser. Noch erschreckender. Seine Mutter sollte den eigenen Sohn töten? Sein Bruder würde heute sterben? Konnte man wirklich in die Zukunft sehen? Vielleicht irrte er sich?
Kaum dass die beiden Träume beschrieben waren, nahm Tascurio dazu Stellung, wie er sein Leben lang damit umgegangen war, wie er sich gefühlt hatte. Tiefes Mitleid erfüllte Chanuka, während er sich dieses trostlose Dasein vorstellte und mit dem verglich, was er immer beobachtet hatte. Diese albtraumhaft wirkende Geschichte hatte sich nicht irgendwo abgespielt, sondern direkt vor seiner Nase und während sein Bruder davon sprach, dass er sich schuldig gefühlt hatte, fragte sich der Schwarze, ob es nicht fair gewesen wäre, wenn Tascurio einen Retter an seiner Seite gehabt hätte. Einen Engel, der ihn begleitete, in dem kurzen Leben, das ihm angedacht schien. Zweifel, alles schien voller Zweifel.
Noch ehe Chanuka seine Gedanken hatte sortieren können, mischte sich Turién ein, der sogleich vortrug, was dem jüngeren Schwarzen auch zuerst in den Sinn gekommen war. Die Zukunft konnte sich ändern, oder?! Dennoch schwieg er, ließ die beiden Brüder allein reden, bis es still wurde und schließlich das Rufen seiner Mutter erklang. Er hatte das Gefühl, sein Herz hätte kurz ausgesetzt. Es geschah vielleicht wirklich! Und zwar jetzt gleich!
Mit einem Winseln erhob er sich und trat zu seinem weißen Bruder hinüber, um sich in dessen Fell zu drücken. Kurz schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, dass es vielleicht schön gewesen wäre, Tascurio eine Weile länger beizustehen, in der Angst und Erwartung auf den bevorstehenden Tod. Wenn sie diese Unterhaltung früher geführt hätten. Dennoch verstand er, wieso es nicht dazu gekommen war und wieso Turién und er nun gehen mussten. Sie durften dass nicht sehen und mussten hoffen, dass es nicht geschah.
“Wir könnten dich beschützen, oder Averic… wir könnten zumindest versuchen, die Zukunft zu ändern. Nur diese Entscheidung… dürfen wir dir nicht abnehmen.“
Wenig hoffnungsvoll betrachtete er das Gesicht seines Bruders und schleckte ihm zum Abschied – eine wirkliche Antwort erwartete er nämlich nicht – über die Schnauze. Er sah zu Turién, der seinen Satz, den er weniger an Tascurio als an ihn gerichtet hatte, hoffentlich verstanden hatte. Wenn sie gingen, legten sie das Leben ihres Bruders in die Pfoten ihrer Mutter und eigentlich konnte dies doch kein Fehler sein, oder?
“Du wirst nicht vergessen werden. Nicht vor mir, großer Bruder, der die Blumen so gern mag.“
In diesen Worten lag alles, was Chanuka sagen konnte, für den Fall, dass sie sich nie wieder sehen würden. Lebend. Vergebung, in dem er ihm jede Schuld nahm und ihm verzieh, wo seiner Ansicht nach eigentlich nichts zu verzeihen war. Ein Versprechen, dass er nicht vergessen würde, wie er befürchtet hatte und worunter er litt. Und ein verborgenes: du wirst mir fehlen, aber ich hab dich lieb.
Tyraleen kam näher und Chanuka fühlte sich elend, als er sich abwandte. Seine Mutter würde doch nicht… niemals!
[Bei Tascurio und Turién, Tyraleen zu ihnen kommend, Averic in der Nähe - sich abwendend]
17.04.2010, 16:59
Es war fast ungewohnt wieder inmitten einer so großen Gruppe zu sitzen. Er hatte sich so lange von den meisten Wölfen ferngehalten und gerade solche Versammlungen gemieden, dass es sich nun seltsam anfühlte, hier zu sein. Immer wieder ertappte er sich dabei, die anderen Gruppenmitglieder aus den Augenwinkeln heraus zu beobachten, ob sie IHN vielleicht beobachteten - ständig hatte er das Gefühl, dass man ihm ansehen musste, wie nervös er innerlich war. Nervös, aber nicht voller Angst, und das war fast noch viel seltsamer als dieses beisammen sein. Seit sie das Nichts besiegt hatten und nun in dieser neuen Heimat lebten, hatte sich etwas in ihm beruhigt. Genauer: seit er das erste Mal im Schatten des Gespaltenen Baumes gelegen hatte. Er konnte nicht direkt in Worte fassen warum, aber die Angst, die Kontrolle über sich zu verlieren, war nunmehr nur noch unterschwellig. Er glaubte nicht, dass Fenris inzwischen von ihm gelassen hatte, aber aus irgendeinem Grund fürchtete er nicht mehr so sehr, dass sich jeden Augenblick die Welt um ihn verzerren könnte. Und deshalb war er hier, war den Weisungen Tyraleens und Aszrems gefolgt und schwieg auch jetzt, da Sheena die Gruppe fragte, ob jemand nicht an der Lehrjagd teilnehmen wollte. Er wollte beteiligt sein und er wollte Teil dieser Gemeinschaft sein. Es war ein weiterer Schritt heraus aus der beständigen Angst.
Außerdem war nicht nur Rakshee bei ihm, sondern auch Sheena. Zusammen würde es den beiden Engaya-Priesterinnen sicherlich gelingen, jeglichen Übergriff von Fenris auf seinen Geist abzuwenden, bevor er irgendetwas Schreckliches tun konnte.
Jakash fing den Blick der Weißen auf und lächelte ihr zu. Kurz darauf schlug sie die Augen nieder, und ihr war anzusehen, dass sie aufgeregt war. Der Schwarze wäre nicht minder aufgeregt an ihrer Stelle, hätte er diese Lehrjagd anleiten sollen. Er würde Sheena unterstützen bei dieser Aufgabe, so gut er konnte. Er war nun ausgewachsen, sein Körper kräftig und seine Läufe ausdauernd. Er hatte auch bereits an Gruppenjagden teilgenommen, daher waren ihm die Abläufe vertraut, auch wenn sich seine bisherige Rolle stets auf die eines einfachen Treibers beschränkt hatte. Das Auswählen der Beute und das Abschneiden derselben vom Rest der Herde hatten erfahrenere Jäger übernommen, aber er hatte durch dieses Zusehen und Erleben schon einiges Lernen können. Und es juckte ihm in den Pfoten, diesmal vielleicht eine etwas verantwortungsvollere Aufgabe übernehmen zu dürfen, auch wenn das angesichts erfahrener Wölfe wie Sheena, Malakím und Malicia nicht allzu wahrscheinlich war.
Aufmerksam lauschte er Sheenas Ausführungen und schnippte mit den Ohren, als sie darauf zu sprechen kam, sich bei der Jagd nicht von den persönlichen beziehungen zu den Mitjägern beeinflussen zu lassen. Ein sehr wichtiger Punkt, wie er fand, und er konnte sich des Gefühls nicht erwähren, dass sie dieses Thema aus einem bestimmten Grund anschnitt. Nur kam er nicht darauf, dass Sheena und Rakshee ein schwieriges Verhältnis miteinander hatten, und das auch noch wegen ihm - was das anging, war er taub und blind gewesen, vereinnahmt von seinen eigenen Problemen.
"Ja klar: wann geht's los?",
lachte er auf Sheenas Frage hin und zwinkerte ihr zu, zum Zeichen, dass er es scherzhaft meinte und sie keinesfalls drängen wollte.
[Sheenas Gruppe]
17.04.2010, 19:15
Lyerra schaute Gedanken versunken in eine unbestimmte Richtung.
Sie erinnerte sich noch gut an den Fremden, der ihr vor einiger Zeit begegnet war. Er hatte leuchtende Augen. Sie konnte sich nur zu gut daran erinnern.
Als Sheena dann in die Runde fragte, wer nicht mitmachen wollte, rang sie mit ihrem Verstand und ihrem Herzen.
Ihr Verstand sagte ihr, dass es besser wäre, ihre Jagd Kenntnisse nocheinmal auf zu frischen, ihr Herz wollte sich wehren, da sie lange nur von kleinen Tieren gelebt hatte und ihr, bei dem Gedanken so wie früher zur Jagd zu gehen, sich alles in ihr zusammen zog. Teils vor wunderbarer, geballter Erwartung, teils vor der Angst zu Jagen und der Angst jemanden zu verlieren.
"Ich... ich bin mir nicht sicher..."
gestand sie.
"Ich würde wohl mitmachen, aber ich habe ein wenig Angst um ehrlich zu sein."
Die sonst so muntere und fröhliche Ly wurde ruhig und ein bisschen angespannt. Sie schaute einmal kurz in die Runde.
+Werden sie mich jetzt auslachen, oder über mich reden sobald ich sie nicht hören kann?+
Angstvoll starrte sie die Leiterin der Gruppe an.
Sheena. Sie war ihr schon einmal begegnet, in der Zeit in der sie Imiák getroffen hatte. Gemeinsam waren die beiden ins Rudel aufgenommen worden und gemeinsam waren sie dort glücklich, bis Imiák sie ohne Erklärung zurück gelassen hatte...
Lyerra hatte keine Lust, sich von Verzweiflung und Trauer auffressen zu lassen. Nicht jetzt.
Um sich abzulenken überlegte sie, wann sie das letzte mal richtig gefressen hatte. Keine gute Idee, denn sie musste feststellen, dass es schon länger her war und ihr Magen begonnen hatte zu knurren.
+Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mit zu jagen. Auch wenn es nur zum lernen ist, ich denke wir werden trotzdem richtig jagen und danach werde ich wieder für mich alleine Jagen und Shariku treffen.+
Bei der Erinnerung an ihre Freundin schlichen sich lauter schöne Bilder in ihren Kopf. Sie und Shariku während sie durch den Wald preschten. Als Ly das erste mal Sharikus Namen hörte und wie sie zusammen die Lichtung fanden.
+Es war so schön mit Shariku. Wir werden uns viel zu erzählen haben wenn wir uns wider sehen.+
"Sheena" mit Freude in den Augen ging sie ein wenig näher an die Fäher heran. "Ich denke ich werde mitmachen..."
Voller Vorfreude begann sie wild mit ihrer Rute zu schlagen.
Fast wäre sie, aus einem ihr noch unbekannten Grund, herum gehüpft, dann fiel ihr jedoch etwas ein.
+Ich bin vier Sommer alt. Da kann ich doch nicht wie ein Welpe herum hüpfen. Vier Jahre. Das ist viel... Ich laufe immer mehr auf meinen Tod zu. Mit jedem Atemzug den ich mache bin ich näher dran. Mit jedem Moment der verstreicht sterbe ich mehr. Mit jeder Sekunde komme ich meinem Tod näher...+
Die Gedanken breiteten sich in ihr aus und schlagartig war ihre gute Stimmung verschwunden.
+Ich will nicht sterben. Noch nicht so bald, nicht wo mein Leben gerade so schön ist.+
Deprimiert drehte sie sich um und ging ein wenig an den Rand der Gruppe.
[bei Sheenas Gruppe]
18.04.2010, 11:16
Als Jumaana ihm auf seine Fragen antwortete, stand sie leicht nach rechts versetzt neben ihm, sodass der Schwarze den Kopf wenden musste, um ihre Worte zu verstehen. Was er dann allerdings verstand, gefiel ihm gar nicht. Wenn er meinte, er sei keine Hilfe, könne er auch zuschauen? Was bildete sich diese Fähe denn ein!? Natürlich konnte er der Jagdgruppe eine Hilfe sein, und sei es nur wegen seiner Kraft, mit der er schon manchen Hirsch zu Boden gezwungen hatte. Oder wegen seiner… Gabe, mit der im wahrsten Sinne des Wortes todsicher feststellen konnte, welches Beutetier alt oder krank war. Freilich wussten die anderen Wölfe nichts davon, außer vielleicht Averic, und dabei wollte Ethelion es auch belassen. Dennoch musste man ihn ja nicht gleich als unnütz darstellen; noch dazu, wo die Fähe ihn kaum kannte! Fast hätte ein Knurren seinen Fang ob dieser Bemerkung Jumaanas verlassen, doch er riss sich zusammen und ließ lediglich seine abgeknickte Rute einmal kurz hin und her zucken. Wahrscheinlich ohne es zu beabsichtigen, hatte die weiße Wölfin einen flammenden Ehrgeiz in Ethelion entfacht. Hatte er sich vorhin noch vor dieser lästigen Lehrjagd drücken wollen, so wollte er nun um jeden Preis beweisen, dass er ein guter Jäger war.
Nachdem Jumaana ihre Ansprache an die Gruppe beendet hatte, wollte der Schwarze erneut einige Worte an sie richten und trat zu diesem Zweck wieder einen Schritt näher an sie heran. Doch er kam nicht dazu, die Stimme zu erheben. Plötzlich und unerwartet trottete eine weiße Fähe mit stahlblauen Augen auf sie zu und äußerte ebenso plötzlich und unerwartet einen Wunsch. Sie wollte sich an der Jagd beteiligen. Da der Fenrissohn erst einen Mondumlauf bei dem hiesigen Rudel weilte, wusste er nicht, ob sie zum Rudel gehörte. Die Reaktion des schwarzen Rüden Face allerdings sagte ihm, dass es wohl nicht so war. Ethelion hielt sich aus der sich anbahnenden Streiterei heraus; es betraf ihn ja nicht. Stattdessen ließ er den Blick über die Lichtung schweifen, auf der die Hirsche ästen. Er versuchte, seine Gabe heraufzubeschwören und das Tier auszumachen, das dem Tod am nächsten war. Es gelang ihm nicht; also gab es in der Herde kein Tier, das in den nächsten paar Tagen eines natürlichen Todes sterben würde. Die Jagdgesellschaft würde sich wohl oder übel auf ihre weltlichen Instinkte verlassen müssen, um das schwächste Exemplar herauszufiltern. Allerdings konnte er einige hochträchtige Hirschkühe entdecken, die bei einer Hetzjagd wohl nicht lange durchhalten würden. Und auch einige Kälber sprangen schon ungestüm auf der Lichtung herum.
'Hmm, eigentlich haben sie recht. Die perfekte Zeit für eine Lehrjagd.'
Er wandte sich erneut der Gruppe zu und meinte zu Jumaana und Face, der offensichtlich auch etwas zu sagen hatte:
"Ich kann das Reißen übernehmen – vielleicht mit Face zusammen –, wenn ihr mir die Beute zutreibt."
Ethelion schaute dem schwarzen Rüden auffordernd in die tiefblauen Augen. Er schätzte ihn als kräftigen Jäger ein; zu Zweit würden sie die Beute schon zu Boden zwingen können. Der Schwarze traute sich diese Aufgabe zwar auch allein zu, doch er wollte gern etwas Zeit mit dem Rüden verbringen. Dann würde er ihm nach diesem seltsamen… Ding fragen, was um seinen Hals hing. Der Fenrissohn hatte es vorhin bemerkt, als Face zu ihnen herübergekommen war. Zwei schwarze Federn und ein Stein, der so blau schimmerte wie die Oberfläche eines klaren Sees. Für ungeschulte Augen sicher beinahe unsichtbar; für seine Augen klar zu erkennen.
[Nördlicher Mischwald | bei der Gruppe | direkt bei Jumaana, Face Taiheiyo, Aaina]
20.04.2010, 22:46
Ein Jahr waren sie nun schon alt. Averic konnte selbst kaum glauben, wie schnell die Zeit vergangen war. Manchmal rauschte sie einfach nur so vorbei und der Pechschwarze wusste nicht zu entscheiden, ob es so gut, oder schlecht war. Egal wie er sich entscheiden würde, es würde eh nichts ändern. Sah er sich Gestern noch als Jungwolf am Abgrund, hoch oben in den Bergen, im ewigen Eis, so war er Heute ein ausgewachsener Rüde, stark, noch stärker als er damals schon war. Selbst Vater, mit Zöglingen, die bald auf eigenen Beinen stehen konnten. Und hatte er sich Gestern noch nach seiner Mutter umgesehen, so war es Heute schon lange her, dass sie gestorben war. Nein, er wusste wirklich nicht, ob er es als angenehm empfinden sollte, wie die Zeit dahin jagte.
Und auch jetzt schien wieder keine Zeit zu sein. Tyraleen war schon vorgerannt, ungeduldig und hastig. Eine Lehrjagd sollte veranstaltet werden und drei ihrer Söhne fehlten noch, obwohl sie längst anfangen wollten. Da es sich um Chanuka, Turién und Tascurio handelte, wusste Averic nicht genau, wo er nun hinlaufen sollte; es gab genau zwei Möglichkeiten. Hoffentlich mussten sie am Ende nicht auch beide wählen. Turién könnte es wieder einmal zum Himmelsfelsen hingetrieben haben, Chanuka jedoch vermutete er eher bei seinem Federbaum. Beides lag in völlig entgegengesetzten Richtungen. Averic entschied sich, etwas grimmig die Lefzen zurück ziehend, zuerst beim Federbaum nach zu sehen. Damit ging er zwar in die selbe Richtung, in die seine Gefährtin schon losgewetzt war, aber es wäre noch sinnloser, sich in gänzlich verschiedene Richtungen zu zerstreuen.
Längst nicht so eilig, wie seine Schwester, steuerte der Pechschwarze in den Nadelwald hinein und kaum das er zwischen den großen Tannen und Kiefern verschwand, hörte er auch schon Tyraleens Heulen. Na, bitte. Kein Grund, so ungeduldig zu sein. Averic lief trotzdem weiter auf die Blumenwiese zu. Die kalten Schatten, die die Bäume auf seinen Pelz warfen, erschienen ihm Heute irgendwie erdrückender, er ließ den dunkelblauen Blick ein wenig schweifen. Ein dumpfes Grollen verließ Averics Kehle, als er den eisigen Atem zwischen den Bäumen spürte, hörte. Alter Mann, auf dich kann ich grade gut verzichten.
Es war keine Besonderheit mehr für Averic, dass er manchmal da war. Er trieb sich gerne in den Schatten herum und seit Acollon tot war, kam es öfters vor, dass sie sich begegneten. Ob das seine persönliche Entschuldigung sein sollte? Früher war es nur geschehen, wenn ein Wolf starb, aber das befürchtete Averic grade weniger. Weshalb der Schwarze ihn einfach nicht weiter beachtete; Blumenwiese, Federbaum, Tyraleen, seine Söhne, alle waren schon in Sicht. Still trat der Pechschwarze ein paar Meter aus dem Wald heraus und beschloss dort zu warten. Tyraleen würde wohl kaum Verstärkung brauchen, um sie zurück zum Rudel zu treiben und abgesehen davon, würden sie ihn hier gut sehen können.
Immer noch strich ihm sein kalter Atem durch den Nacken.
[ Am Rand der Blumenwiese | In Sichtweite von Tyraleen, Tascurio, Chanuka und Turién ]
21.04.2010, 19:57
Mochi Cake hielt sich ganz in der Nähe von Aszrem auf - genau genommen stand er hinter Aszrem und betrachtete mit halb geschlossenen Augen den Po des Schwarzen. Während er die Augen immer wieder über After und Rute seines Gruppenleiters wandern ließ, versuchte er seine Gedanken zu sortieren. Ihm ging hier mehreres enorm auf den Keks. Und seine Stimmung war wahrhaftig im Keller.
Da war zunächst einmal die Jagd an sich. Mochi war dick und er war auch nicht sonderlich kräftig geschweige denn schnell. Er war schon stolz darauf, welche Leistung seine Beine jeden Tag erbrachten, indem sie seinen verfetten, übergewichtigen Körper trugen. Und nun sollten diese Beine also einem anderen, nicht so verfetten und übergewichtigen Tier nachjagen, womöglich über umgeknickte Baumstämme springen oder kleine Büsche. Mochi hatte dabei ein ganz ungutes Gefühl. Die meisten Tiere, die er so zu essen pflegte, waren schnell. Früher hatte sich der adipöse Rüde eine ganze Menge guter Strategien zurechtlegen müssen, wenn er allein auf der Jagd war. Heute suchte er lieber die Menschen, hielt sich in ihrer Nähe auf. Wenn sie abends ihr Essen zubereiteten, verbreitetn sie leckere Gerüche. Außerdem hatten sie das, was sie Kuchen nannten. Das war eine großartige Sache gewesen. Im Rudel war Mochi sowieso nie an der Jagd beteiligt worden. Er hatte andere Qualitäten. Jagen, das sollten doch die, die die körperlichen Voraussetzungen dafür hatten. Er, Mochi, hatte sie sicher nicht. Und jedem musste das klar sein. Er war gespannt, ob es auch Aszrem klar war.
Überhaupt, Aszrem - Mochi konnte Aszrem nicht leiden, aber er fühlte sich dabei überhaupt nicht unwohl, denn er wusste, dass auch Aszrem ihm gegenüber keine Sympathie empfinden würde. Er dachte zurück an ihre Begegnung, an den Moment, in dem Mochi klargeworden war, was im Rudel tatsächlich vor sich ging, das Wölfe wie Aszrem die Augen verschlossen hatten und selbstgerecht ihre Toten beklagt, aber sich niemals Gedanken darum gemacht hatten, wie es zu all den Toten gekommen war. Tatsächlich wollte Mochi immer noch eine Erklärung für all die Ereignisse. Dass das nun schon eine ganze Weile her war, ließ ihn persönlich zumindest nicht vergessen, dass das Ganze mal einer kollektiven Aufarbeitung bedurft hätte. Er wollte immer noch mit dieser weißen Fähe, die vermutlich dumm war und nun selbstgerecht durch das neue Revier latschte reden. Wirklich, das wollte er. Auch, wenn sie Avendals Mutter war. Wobei Mochi seine eigene Rolle bei der ganzen Geschichte auch noch einmal reflektiert hatte und zu dem Schluss gekommen war, dass auch er eine gewisse Schuld trug. Zunächst einmal war er abgehauen, als er schon wusste, dass diese ganze Sache mit dem Nichts zu nichts Gutem führen konnte - neues Revier hin oder her, es war kein Preis für diejenigen, die das Nichts offensichtlich verschlungen hatte. Er war abgehauen, dabei hätte er intervenieren müssen. Er hätte sich bei der alten weißen Fähe Gehör verschaffen müssen. Aber er war gegangen. Und als er zurückgekehrt war, hatte er ewig im Wald gelegen. Er hatte an Kuchen gedacht. Er hatte gedacht: Jetzt wollen wir doch einmal sehen, wie sie das Ganze hier zu lösen gedenken. Er hatte nicht gedacht: Ich darf nicht nur Beobachter sein, ich habe eine moralische Verpflichtung. Er hatte gefragt: wie sie das denn hätten zulassen können. Er hatte nicht gefragt: was er selbst hätte tun können, um alles zu verhindern. Dennoch: Die oder der Alpha hätte eingreifen müssen. Dies war nicht geschehen. Und Mochi wollte immer noch wissen warum. Er wurde allmählich dumm und eingeschränkt in seinem Denken wegen dieses ewigen Warum.
Während seiner Augen sich weiterhin in das Hinterteil Aszrems bohrten, dachte Mochi an Avendal. Er hatte sie viel beobachtet in letzter Zeit, häufig stumm, doch immer mal wieder hatte er sich an sie gewandt. Ihre Gedanken, ihre Wahrnehmung der kleinen Welt, die sie alle umgab. Doch heute musste sie in einer anderen Gruppe sein, denn Mochi konnte sie unter all den ihm mehr oder weniger bekannten Gestalten nicht ausmachen. Mochi schloss die Augen; Aszrems Hinterteil verschwand hinter einer Wand aus Dunkelheit.
[bei seiner Gruppe | hinter Aszrem]
02.05.2010, 23:27
Jumaana schluckte und ordnete erst ihre Gedanken, bevor sie ihren Blick über die Gruppe schweifen ließ. Niemand schien wirkliche Einsprüche zu erheben; doch gerade, als die Fähe wieder ihre Stimme heben wollte, trat eine fremde Wölfin aus dem Geäst und kam auf sie zu. Die Wölfin senkte leicht ihre Rute und setzte zu einem Knurren an, als die Unbekannte ihre Bitte äußerte. Der schwarze Betarüde trat an die Seite Jumaanas und sprach die Fremde mit distanzierter, kühler Stimme ruhig an. Jumaana nickte leicht und spürte zustimmendes Gemurmel in ihren Gedanken. Aarinath war wieder erwacht und hatte offenbar vor, der Gefährtin ihres Sohnes bei deren erster Gemeinschaftsjagd mit dem Rudel beizustehen. Ihr kühler Blick traf die stahlblauen Augen der fremden Wölfin, doch sie spürte deutlich, dass sie diese Angelegenheit fürs Erste dem schwarzen Rüden an ihrer Seite überlassen konnte. Face wusste, was er tat und das, was er tat, tat er für sein Rudel. So wie jedes andere Rudelmitglied es auch tun sollte.
Jumaana sah, wie die Jungwölfin Atalya auf sie zutrat und schenkte ihr ein freundliches Lächeln, als diese zum Aufbruch drängte. Sie machte einen Schritt auf die Graue zu und sagte mit leiser, weicher Stimme:
„Lass Face und mich eben diese Angelegenheit mit der Unbekannten klären, dann werden wir sehen, wie die Gruppen am sinnvollsten eingeteilt werden. Vergiss nicht, dass alles nur zu eurem Besten ist. Damit ihr heute so viel wie möglich dazulernt!“
Sie zwinkerte der jungen Wölfin leicht zu und trat wieder zurück, als Ethelion sein Wort an sie richtete. Jumaana hob ihren Kopf, spitzte die Ohren und lauschte den Worten des Schwarzen. Sie nickte kurz und bemerkte, dass sie den Wolfsgeist in dem Rüden geweckt hatte, indem sie ihm angeboten hatte, einfach faul dazuliegen und den anderen beim Jagen zuzusehen. Vielleicht war er kein geschickter und wortgewandter Lehrer, aber allein schon vom Zugucken konnten die Jungwölfe viel von ihm lernen. Jumaana kannte Ethelion nicht wirklich und wusste wenig über sein Jagdgeschick, doch allein seine Ausstrahlung zeigte ihr, dass er Worte mehr scheute als Taten. Was auch nicht unbedingt schlecht sein musste. Sympathie für den Tiefschwarzen durchströmte die Wölfin, doch es war nicht die Jumaanas – Aarinath hatte die Kontrolle über ihre Gefühle übernommen. Es zauberte ihr ein leichtes Lächeln aufs Gesicht, denn die Reinweiße konnte sich nicht gegen ihre eigenen Empfindungen wehren – auch wenn es nur die ihrer zweiten Seele waren.
„Danke, Ethelion“, wandte sie sich an den Rüden und betonte jedes Wort sorgsam, „Ich spreche den Dank des Rudels aus. Du wirst es nicht bereuen. Ich weiß es zwar nicht, aber ich denke, dass das Jagen dir eine Freude bereitet, dass du in diesen Momenten in deinem eigenen Element bist und allein schon dadurch kannst du den Jungwölfen das Jagdgefühl vermitteln. Nichts anderes als die Beute ist wichtig.“
Jumaana schenkte ihm ein schwaches Lächeln, das wiederum mehr von ihr selbst ausging als von Takashis Mutter, denn sie wusste, dass diese nichts mehr hasste, als sich in den Körper der Polarwölfin zu stehlen und die Kontrolle zu übernehmen. Es musste schlimm sein, gestorben zu sein und als zweite Seele weiterzuleben. Es musste schlimm sein. Das wusste Jumaana. Doch sie war dem Feenkind mehr als dankbar, dass sie diesen Unmut nie an ihr ausgelassen hatte. Wie schrecklich sie sich fühlen müsste. Geistesabwesend wandte die Weiße sich wieder zu Face und der Unbekannten um.
[ Bei ihrer Gruppe » erst Aaina betrachend » dann mit Atalya und Ethelion sprechend und letztendlich wieder zu Face und Aaina gewandt ]
06.05.2010, 21:41
Mit beinahe lautlosen Schritten schlich der Rüde dahin, seine Bewegungen waren noch etwas steif und ruppig, die Ohren waren aufmerksam gespitzt und die Augen leicht geweitet. Hin und wieder sog er die frische Abendluft tief ein, hob sogar seine dunkle Nase gegen den Wind, wie jeder normale Wolf es tat. Doch sein Ergebnis war frustrierend. Er roch nichts.
Auch wenn er bis jetzt auf keine fremden Wölfe gestoßen war, so wusste er nicht, was ihn noch erwarten konnte und wohin ihn seine blinde Nase wieder führen würde. Es war ein schönes Tal, mit vielen Flüssen und Wäldern bestückt und durch viel Beute ausgezeichnet und genau dies ließ ihn vorsichtiger werden - solch ein Tal konnte nicht unbewohnt sein, hinter jedem Baum konnte sich ein Fremder befinden, der ihn schon längst gerochen hatte. Doch dies versuchte er zu unterbinden, indem er in den meisten Fällen gegen den Wind anlief, doch nicht oft gelang ihm dies, denn der Wind hatte auch so seine Eigenarten. Während die Sonne am Horizont langsam unterging, erwachte sein vorgealteter Körper langsam zu neuem Leben, seine Bewegungen wurden mittlerweile fließend und sein ganzer Körper schien eine Einheit zu bilden.
Doch wo die Gefahr lauerte, dort fand er auch, was er zum leben brauchte. Beute. Sein Magen zog sich wie jeden Tag zusammen, von Mäusen und Vögeln wurde er nicht recht satt, jedoch hatte er meist nicht die Zeit, stundenlang am Tag bzw. in der Nacht auf der Lauer zu liegen und sie zu jagen, da er auch selbst vorsichtig sein musste. Diese Nacht wollte er sich an etwas Größeres wagen, als an ein Kaninchen oder Enten, es sollte ein Reh oder etwas ähnliches sein. Der Hunger nagte an ihm, was sich deutlich in seiner Laune widerspiegelte. Bevor er jedoch zu einer Jagd aufbrechen konnte, musste er feststellen, ob es noch fremde Wölfe in diesem Gebiet gab und wo sich die Beute befand. Dies war auch der Grund, warum er, der jeden Laubwald so gut es sich einrichten ließ großflächig umging, sich durch einen Laubwald bewegte, der von Lichtungen durchzogen war. Normalerweise war dies Gebiet, welches er nie freiwillig betreten würde, viel zu groß war die Chance, dass man ihn sehen könnte und dann begann das weiter wandern von Neuem.
Seine Schritte wurden etwas langsamer, sein Körper wirkte gelassen, einzig seine Ohren verrieten seine Aufmerksamkeit und hin und wieder ein nervöses Zucken. In den Schatten der Bäumen und der nähernden Dunkelheit versteckte er seine linke Gesichtshälfte und hoffte auf eine Beute diese Nacht.
[ Irgendwo alleine im Laubwald (Amáya darf es genau bestimmen xD)]
06.05.2010, 23:58
((Wehe er lacht sich kaputt ^^'' Mir war einfach so danach x3 ))
Die Vorderläufe überkreuzt lag die Dunkle im hohen Gras, die Ohren seitlich gestellt und den Blick unbestimmt ins Leere fließend. Obwohl die Schwarze mit den dunkelblauen Augen nach außen hin so gelassen wirkte, als würde sie schier in sich selber ruhen, war die Fähe innerlich aufgewühlt. Nicht nervös oder unruhig.
Es war etwas völlig anderes, was Amáya beschäftigte und das es sie so sehr beschäftigte stimmte sie nachdenklich und ungehalten. Warum um alles in der Welt sollte sie sich darum scheren, dass er gegangen war? Was waren sie schon füreinander gewesen?
Ein nervtötender Zeitgenosse, der immer selig gegrinst und sie damit fast in den Wahnsinn getrieben hatte. Es spielte nun absolut keine Rolle.
Mürrisch zuckte ein Ohr des Todesengels, der sich artig zu der Gruppe hinzu gesellt hatte – obwohl sie so gar keine Lust auf eine Lehrlektion der kleinen Blagen hatte. Das es sich dabei meistens um die Knirpse ihres älteren Bruders und ihrer Schwester handelte, war dabei unerheblich.
Das einzige Positive, dass sie im Augenblick vermerken konnte war, dass sich ihre Klette alias Patenkind Tascurio erfolgreich in Abstinenz übte. Na, welch ein Glück aber auch für sie.
Es hätte gerade noch gefehlt, wenn sie ihm oder einem seiner quirligen Geschwister Nachhilfe in Sache Jagdtechniken geben sollte. Kein Interesse.
So beobachteten die regenblauen Augen, wie der Fettwanst Mochi auf Aszrem Hinterteil starrte und genauso hilfreich in der Jagd sein würde, wie ein Kloß. Klößchen wäre die perfekte Betitelung für den Rüden, doch hielt Amáya es für überflüssig ihn oder sonst wen auf das Übergewicht aufmerksam zu machen.
Stattdessen erhob sich die schlanke Gestalt der Fähe, die ihrerseits vor rund einem Jahr eine vorzügliche Ausbildung genossen hatte – natürlich nicht in diesem Rudel voller Traumtänzer.
Mit Wohlbehagen dachte sie an die lehrreichen Übungskämpfe, die ihren Körper gestählt und sie endlich von der Last der Unterentwicklung befreit hatten, da sie als Zwilling auf die Welt kommen sollte.
Selbst die Erinnerungen an ihre Zwillingsschwester, der leise Herzschlag neben dem ihren, ihre wichtigste Erinnerung aus Welpentagen, war verblasst und in den Hintergrund gerückt.
Was in dem Rudel aus Kämpfern und Jägern wichtig war, war die Gegenwart und die Sorge, dass das eigene Leben vernünftig Fortbestand hatte. Obwohl sich die schüchterne Jungfähe erst an die neuen Regeln und den Lebensstil hatte gewöhnen müssen – und das auf die harte Tour – hatte sie ihre Ausbildung abgeschlossen. Dankbarkeit empfand sie für die Wölfe, die aus ihr eine völlig neue Persönlichkeit gemacht hatten.
Behaglich streckte Amáya den gelenkigen Körper aus, dehnte den kräftigen Rücken und alle anderen Gliedmaßen, ehe sie sich von der Gruppe abwandte und ohne ein Wort verschwand.
Was interessierte es sie, wie man über sie dachte, was man von ihr hielt und so weiter und so fort. Es war ihr egal, wenn die Blagen nichts von ihr lernten, nur weil ihre Eltern es verschlumpft hattemn, ihre Brut zu unterweisen. Familienbande hin und her.
Mit federnden Schritten lief Amáya zielstrebig in Richtung Wald, ohne in Wirklichkeit ein Ziel vor Augen zu haben. Hauptsache weg.
Mit Leichtigkeit kam die Fähe vorwärts, genoss mal wieder jede ihrer gleichmäßigen Bewegungen, die sie nur zu selten ausreizen konnte. Eigentlich war ihr das Leben in diesem Rudel sehr schnell überdrüssig geworden – spätestens aber nachdem Urion gestorben war. Ganz ohne ihr Zutun; wie öde. Mit sadistischer Freude erinnerte sich die Schwarze an die kämpferische Auseinandersetzung mit dem grauen Rüden, der schon aus allen Poren blutete, bevor sie auch nur in seine Nähe kam. Kein Gegner, er hatte sich ihr recht schnell unterworfen. Solche Wölfe mochte sie am liebsten als Vorspeise – sie zogen alles mit ihrem ach so bitterbösen Geschwafel hin, der eigentliche Akt war dann aber innerhalb von Minuten vorbei. Keine Spielerei, kein Nervenkitzel, kein harter Kampf auf Leben und Tod.
Dafür war die Begegnung mit der Grinsebacke von Wanderer genauso präsent wie Urions Blutstrom. Dieser Wolf... eigentlich hatten sie noch eine Rechnung zu begleichen, nachdem er sich ihr so dreist in den Weg gestellt und es an jenem Tag sogar gewagt hatte, sie zu Boden zu drücken.
Innerlich seufzte die Fähe. Sie hätte schlicht Nägel mit Köpfen machen und einfach alle drei zur Hölle schicken sollen: Zack, ihr dummer Pate, der sich ihr erstmalig in den Weg gestellt hatte, Urion, der olle Dummschwätzer und Yerik.
Mit einem Schwenk ihrer Rute verschwand das Bild des Honigwölfchens, dafür wurde ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, interessanteres gelenkt.
Ein Fremdling. Unangekündigt. Ganz in ihrer Nähe.
Ein Glimmen schlich sich in die blauen Augen und ein schiefes Lächeln huschte über die Züge Acollon’s Tochter.
Ein Gedanke und schon wurde gehandelt.
Es schien, als würde die Dunkle Eins mit dem Wald und der Natur werden. Das leise Trommeln ihrer Pfoten, während sie durch den Wald lief, war kaum zu vernehmen, kein Haar krümmte sich, sie lief mit dem Wind, so dass ihre Fährte verschwamm. Das dunkle Fell tarnte sie in den Schatten der Bäumen, das gedämpfte Licht tat sein Übriges. Als der Geruch immer stärker wurde, verlangsamte Amáya das Tempo, bewegte sich nun elegant und tonlos weiter. Eine Jägerin auf der Pirsch, ganz in der Nähe das ahnungslose Opfer.
Die blauen Augen hatten den Fremdling ausgemacht, kniffen sich ein wenig zusammen, während sie den Rüden einschätzte.
Nun, was auch immer er für ein Wolf war, er würde sein Fett weg bekommen (was Mochi in jedem Fall auch bitter nötig hatte) und es sich zwei Mal überlegen, sollte er je an ein Revier kommen, ob er es vielleicht unbemerkt betreten solle.
Fließend bewegte sich Amáya vorwärts, schlich sich weiter an ihre Beute heran, bis sie direkt hinter ihm stand.
„Buh.“
Ihre Stimme war kühl, trotz ihres albernen Verhaltens und ein kühler, beherrschter Unterton machte keinen Hehl aus ihrer sarkastischen, rauen Art
[erst bei der Gruppe um Mochilein und Aszrem, dann hinter Tarik im Wald]
08.05.2010, 13:37
Während Tariks Schritte langsamer wurden, spannte sich sein Körper leicht an, seine Ohren lauschten aufmerksam und seine Augen durchforschten den Wald. Er wusste, es würde etwas kommen, irgendwann, ob im nächsten Augenblick oder erst in vielen Stunden, aber dieses Tal konnte nicht unbewohnt sein. Abermals strecke er seine Nase in den Wind und sog die tiefe Luft ein, doch wie immer roch er nichts. Mittlerweile wurde er so langsam, dass er fast schon stehen blieb. Wie oft hatte er solche Situationen schon durchlebt? Anfangs hatte er es gehasst, das ständige Lauschen, Warten, Hoffen und Vorausrechnen. Doch mittlerweile kümmerte es ihn nicht mehr, er hatte gelernt mit unerwarteten Situationen umzugehen und nicht mehr die Fassung zu verlieren, egal was kam, er kannte es schon, seine Ruhe würde bestehen bleiben. Der Dunkle war schon einem ganzen Rudel in die Pfoten gelaufen, oder einem Bären, da konnte nichts Neues mehr kommen.
Ein Wolf ohne Geruchssinn. Er war etwas Nichtiges, etwas Unbedeutendes, hatte er es überhaupt noch verdient zu leben? Stolz konnte man nicht darauf sein sich nur von Mäusen, Kaninchen und Vögeln zu ernähren. Einzig der Gedanke daran, dass es nie jemand erfahren würde, ließ ihn aufatmen und sich beruhigen und den Gedanken abtun.
Plötzlich zuckten seine Ohren hoch, war da nicht eben etwas gewesen? Bewegte sich dort etwas, oder waren es nur seine Vorstellungen und seine schlechten Augen, die ihm da einen Streich spielten? Doch dann spürte er etwas hinter sich und im nächsten Moment vernahm er die Stimme einer Fähe. Sein Körper blieb stehen, während er schon den Kopf zu ihr drehte, ein wenig gesenkt, mit gespitzten Ohren und leicht zusammengekniffenen Augen. Dabei hatte Tarik darauf geachtet, dass sie seine linke Gesichtshälfte nicht sah, sodass er sie nur mit dem rechten Augen betrachtete und man nichts von seiner Narbe erahnen konnte.
Tariks Körper zeigte keinerlei Anspannung, seine Haltung war weder aggressiv, noch freundlich. Seine Ohren waren lauschend in ihre Richtung gestellt, seine hellen bernsteinfarbenden Augen betrachteten sie forschend und musterten die dunkle Fähe. Ein schwarzes Tier. So dunkel, wie man es nicht alle Tage zu sehen bekam, mit dunkelblauen Augen. Doch während er sie noch aufmerksam anblickte, wirkte er auch schon wieder desinteressiert. Der Rüde hob den Kopf wieder leicht an, richtete seinen Blick in die Ferne, bevor er sie wieder ansah, völlig kalt und unbeeindruckt. Ihr albernes 'Buh' brachte ihn nicht einmal in Gedanken zum Schmunzeln, er fragte sich nur, wieso eine erwachsene Wölfin noch verspielt war. War sie daraus nicht längst heraus gewachsen? Nur ihr sarkastischer Unterton ließ ihn zweifeln, aber es sollte ihm doch egal sein und damit interessierte es ihn nicht mehr.
"Das Begrüßungskomitee kommt aber reichlich spät."
Kühl ohne jegliches Gefühl und jeglichen Hintergedanken sagte er ihr dies, sah sie einen Moment lang an, bevor er den Kopf wieder abwandte.
[Irgendwo im Wald mit Amáya]
08.05.2010, 15:23
Chardím saß neben Nerúi, sie hin und wieder ein wenig piesackend, indem er der Jungwölfin sanft in ein Ohr zwickte, oder sie mit der Rute „anklopfte“.
Ihnen das Jagen beibringen, darum ging es Heute. Der Schwarzweiße hatte bisher noch nicht all zu viel Begeisterung dafür aufbringen können, auch wenn er nicht wirklich desinteressiert war. Eine Jagd halt. Und da sie trotz ihres Alters noch recht ungeübt waren, würden sie sicherlich nicht all zu viel zutun bekommen, sondern eher zugucken müssen. Da war es spaßiger, die etwas kleinere Fähe neben sich zu ärgern.
In den letzten Monaten hatte sich viel verändert. Seine Geschwister und er waren zu kräftigen Jungwölfen heran gewachsen und hatten ihre etwas anstrengende, nicht immer schöne Kindheit hinter sich gelassen. Die Sonne schien jetzt fast die ganze Zeit, als ob sie wieder wett machen wollte, was ihnen das Nichts angetan hatte. Im Großen und Ganzen hatten sie aber keinerlei Schäden davon getragen. Alle Welpen hatten das Jahr überlebt und es ging ihnen gut. Der früher etwas launische Chardím, hatte sich ebenfalls der Fröhlichkeit des Wetters angepasst. Er lächelte sehr gerne und sehr oft, trieb seine Späße mit den anderen, sprang noch gelegentlich in einem achtlosen Moment dieser, seine Geschwister über den Haufen. Manchmal etwas ruppig und zu übermütig, aber er meinte es ja nicht böse. Und wenn doch mal jemand genervt war, zog er sich geschickt, mit einem unschuldigen Lächeln und geducktem Kopf aus der Misere.
Nerúis Ohr loslassend, wandte Chardím den Kopf zu Takashi herum, der erst mal bekundete, wie er sich darüber freute, dass er die Gruppenjagd leiten durfte. Und er sagte noch etwas von der Freiwilligkeit dieser Veranstaltung. Eigentlich fand der Schwarzweiße, dass Takashi damit auch schon genug gefaselt hatte und sie endlich loslegen sollten. Ihm wurde schon fast wieder langweilig. Einmal ließ er den Blick über seine einschläfernd unaktive Gruppe schweifen. Er wusste schon, warum er sich neben Nerúi platziert hatte. Der Einzige, der nicht so aussah, als würde er gleich einschlafen, war Jarrèll, ein noch recht neues Mitglied des Rudels.
„Schön, schön ... also fangen wir jetzt endlich an? Was sollen Nerúi und ich machen?“
Sie Zwei waren die einzigen Jungwölfe der Truppe. Hoffentlich war das kein Nachteil für sie.
[ Bei Takashis Gruppe | neben Nerúi, in der Nähe von Jarrèll ]
(( Na los, Taka, Jarrèll, dann unterhalten wir unsere Gruppe eben alleine. :] ))
08.05.2010, 15:30
Caylee hatte eigentlich mäßiges Interesse an einer Lehrjagd, aber sie hatte verstanden, dass Jagen nun mal wichtig war. Außerdem hatten sie und ihre Geschwister die Welpenzeit hinter sich gelassen und nun fing er an – der Ernst des Lebens. Zumindest so ein bisschen, noch war sie ja Jungwolf, aber sie ahnte, dass sie trotzdem nicht mehr einfach so Erwachsene an der Rute ziehen und sich aufführen durfte, als wäre sie die Königin der Welt. Wobei sie das ja eigentlich war, aber dazu musste sie noch ein wenig wachsen, eben erwachsen werden. Denn eine Jungwolfkönigin gab es nun mal nicht. Somit hatte sie ein wenig murrend akzeptiert, dass sie nun jagen musste. Immerhin war ihre Gruppe toll, mit Rakshee und Jakash und Sheena. Einer ihrer Geschwister hatte sie nicht bei sich, aber das sicher nur, weil Chanuka, Tascurio und Turién – die Nasen – einfach nicht aufgetaucht waren. Deshalb hatten sich auch Mama und Papa nun verkrümelt und suchten sie Ausreißer. Vielleicht kamen sie ja schnell zurück, die Weiße hätte gerne noch mit jemandem aus ihrer Familie zusammen gejagt. So aber hatte sie immerhin Raki und Jaki, zu denen sie sich auch nun hoppelnd gesellte. Sie wäre gerne zwischen Rakis Läufen hindurch gewuselt, aber selbst geduckt hätte sie einfach nicht mehr unter den Bauch ihrer Patin gepasst. Sie war so schrecklich groß geworden. Also drückte sie sich nur unter Rakis Kopf an ihren Hals gekuschelt und huschte dann an Jakashs Seite. Kaum hatte sie ihre Nase an seine gedrückt begann Sheena zu sprechen und so beschloss die Weiße, erstmal ihrer Gruppenleiterin zuzuhören. Die lobte ihre Gruppe und schien Aléya und Caylee Mut machen zu wollen, oder so etwas in der Art. Bei der Weißen kam das nicht ganz an. Sie hatten irgendwie viele junge Wölfinnen, die nicht so aussahen, als hätten sie Ahnung. Wenn Caylee ehrlich war, sah nicht einmal Sheena danach aus, aber das sagte sie lieber nicht. Einfach lächeln und nicken, das sah sicher gut aus. Dann begann ihre Gruppenleiterin zu erklären und jetzt wurde Caylee doch ein wenig interessiert. War ihr jemand unsympathisch? Eigentlich nicht. Mit einem quietschenden Lachen zog sie zuerst Jakash, dann Rakshee am Ohr und flüsterte, sodass Sheena sie nicht hören konnte:
“Ich mag euch, ihr seid mir nicht unsympathisch. Also können wir uns vertrauen!“
Ihre Rute wippte freudig hin und her, dann stellte Sheena ihre erste Frage und schon hüpfte die Jungwölfin zwei Schritte nach vorne und rief übermütig und ohne lange nachzudenken:
“Sie sind klein und mager und vielleicht humpeln sie oder zittern.“
Das klang nach einer guten Antwort, wie sie fand. Die zwei Schritte trat sie wieder zurück, kuschelte sich an Jakash, als könne sie sich noch immer in seinem Fell verkriechen und versuchte sich, von seiner optimistischen Frage anstecken zu lassen. Sie war durchaus glücklich und lachte viel, aber Jagen war noch immer irgendwie außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. Sie hatte noch nie ein Tier getötet. Normalerweise sollte das bei Jungwölfin anders sein, aber Mama hatte erklärt, dass wegen dem Nichts vieles versäumt worden war. Das hieß also, dass Caylee und ihre Geschwister nicht so schlau und stark waren wie andere Jungwölfe und das ging der Weißen natürlich gegen den Strich. Dagegen galt es, etwas zu unternehmen!
“Jaaa, wann geht’s los?“
[ bei ihrer Gruppe | Jakash, Rakshee, Sheena ]
08.05.2010, 20:30
Jagen? Naja … das war irgendwie so ein bisschen gar nicht Minyalas Stärke. Ja, wenn sie ehrlich war: Sie hasste das Jagen. Nicht, dass sie darin sonderlich ungeschickt wäre oder schlicht ungeübt; nein, ihr Vater hatte ihr nur unglücklicherweise vermittelt, dass er das Jagen verabscheute, wie so viele Menschen. Er hatte ihr sogar erklärt, warum, auch wenn es ihr schwer gefallen war, zu verstehen. Menschen ekelten sich vor Blut, vor dem Töten, brachten sogar Menschen um, die andere getötet haben. Das fand Minyala sehr makaber, hatte aber noch mehr im Kopf behalten, mit welchem Abscheu ihr Vater über das „Schlachten“ geredet hatte. Schlachten, so hieß das, wenn Menschen Tiere töteten. Meist Tiere, die sie aufzogen und gefangen hielten um sie zu töten. Das hatte Minyala schrecklich verwirrt, weil ihr Papa dann noch mehr Worte wie „Massentierhaltung“, „Schlachttransporte“ und „Mastzucht“ eingeworfen hatte, was Minyala gleichermaßen abstieß wie verwirrte. Dieses ganze Schlacht-Thema schien ihr eine einzige Spirale der Qual zu sein … und seit dem hatte sie die Meinung ihres Papas geteilt. Jagen war nicht toll. Ebenso wie ihr Papa hatte sie ab und an jagen müssen und hatte sich damit abgefunden – doch wenn es sich verhindern ließ, so würde Minyala sich nicht in den Vordergrund drängen.
Ergo saß sie nun am Rande ihrer Gruppe und betrachtete aufmerksam die vielen ihr noch unbekannten Gesichter. Dass Caleb nicht in ihrer Gruppe war, fand sie zwar schade, aber vielleicht würde es dem alten Angsthasen auch mal ganz gut tun, auf sich alleine gestellt zu sein. Sie hatte seinen Geruch in der Nase, sollte er sich zu weit entfernen, würde sie das sofort mitbekommen. Man wusste ja nie, was in seinem noch immer etwas verwirrten Kopf vorging. Vorerst würde sich Minyala aber darauf konzentrieren, sich ein wenig zu integrieren, aber dennoch nicht mitzujagen. Immerhin war es nur eine Lehrjagd, wahrscheinlich würde es den Jungwölfen sowieso nicht gelingen, Beute zu machen. Sie hatten zwei Jungwölfe, Aleya, eine Elternlose Fähe und Caylee, die älteste Tochter von Tyraleen und Averic, die wiederum die Kinder von der ehemaligen Leitwölfin Banshee und Anwärter auf den Leitwolfposten waren – so viel hatte Minyala schon mitbekommen. Ganz durchblickt hatte sie die Rudelstruktur hier aber noch nicht, es schien ihr alles ziemlich verwirrend. Es gab nämlich noch die Tanten und Onkel von Caylee, die die Kinder von Hiryoga, einem toten Sohn von Banshee und einer Fähe namens Shani Caiyé waren. Von denen waren Jakash und Rakshee in ihrer Gruppe. Und dann waren da noch einige Fähen, mit deren Namen Minyala noch Schwierigkeiten hatte und ihre Gruppenleiterin Sheena, deren Familienverbindung vollkommen konfus war. So in etwa fühlte sich Minyala auch, wenn sie über dieses Rudel nachdachte. Also ließ sie es lieber bleiben und verfolgte das Geschehen. Sheena sprach, die Jungwölfe wuselten und eine weiße Fähe (Lyerra), deren Namen Minyala sicher irgendwann mal gehört aber ebenso wieder vergessen hatte, sprach zuerst recht optimistisch mit der Gruppenleiterin und trollte sich dann plötzlich irgendwie deprimiert zu Minyala an den Rand. Sofort kippte deren Kopf zur Seite und sie tappte die wenigen Schritte zu der weißen Fähe hin.
“Wolltest du nicht gerade noch mitjagen? Du schienst so begeistert und jetzt gehst du einfach weg?“
Sie lächelte um zu zeigen, dass sie ihre Worte nicht böse meinte und ihre geknickte Rute wedelte sachte hin und her. Ob sie wohl nach dem Namen der Fähe fragen sollte? Mh, naja, Namen waren ja nicht so wichtig und irgendwie käme ihr das jetzt unhöflich vor. Erstmal das Problem ermitteln, dann klären, dass man einander eigentlich gar nicht kannte. Offen auf andere zugehen war schon immer Minyalas Stärke gewesen.
[ nördlicher Mischwald // bei ihrer Gruppe, Lyerra ]
08.05.2010, 21:46
Amúr hatte sich bisher zurück gehalten. Im leben allgemein und auch in dieser Angelegenheit. Doch wollte sie dies so ewig verfolgen? Bedacht darauf nicht im Mittelpunkt zu stehen lauschte sie mit ihren Ohren sah mit ihren Augen und roch in der Ferne die Beute. Ihr Blick war gegen den Boden gerichtet. Ihr Fang lies kein laut heraus. Leicht wankte sie den Kopf hin und her. Ihr Herz pochte wie wild und ihre Flanken Zitterten leicht vor Aufregung. Sie fürchtete sich vor der Jagd. Sie fürchtete sich davor einen Fehler zu machen. Doch gleichzeitig freute sie sich darauf neues zu erlernen.
Langsam wanderten ihre Augen zu Jumaana sie hörte zu was die Weiße Wölfin mit den grünen Augen zu Sagen hatte. Was sie erklärte. Sie hörte die ungeduldigen Fragen wann es los ging und sie höhrte- wie so oft- die Stimmen aus den Boden. Doch sie selbst beteiligte sich nicht an der Wörterflut. Noch nicht. Aus der Ferne beobachten? Weiterhin nur ein Glotz sein? Nein das wollte sie nicht. Langsam hob sie ihren Kopf an und Lauschte aufmerksamer den Worten der anderen. Auch weitere meldete sich zu Wort und erklärte die wichtigsten Regeln. Langsam trat sie nun auf jene zu. Etwas schüchtern erhob sie nun ihr Wort.
„Wer... wer wird wem zugeteilt und was sollen wir Jungtiere genau machen?“
Fragte sie nun leicht verunsichert während sie versuchte sich die Gefallenen Worte einzuprägen. Die Regeln zu verfestigen. Sie musste sich selbst beweisen. Sie musste wissen ob sie Gebraucht wurde. Sie wollte Lernen um später zu Lehren. Sie wollte kein Klotz sein auch wenn sie Schüchtern war. Ihr Herz wurde wieder ein Stück schneller. Bald sollte es los gehen – los zur Jagd. Wie würde das Gefühl sein die Beute zu verfolgen? Wie Würde es sein... ja wie würde es sein die Worte der beute zu hören? Konnte sie das überhaupt? Sie verstand doch die Tiere! Konnte sie dann etwas Töten was zu ihr sprach? Innerlich schüttelte sie den Kopf um wieder Klarer zu werden. So durfte sie nicht denken. Töten um zu Leben. Das war doch der Lauf des Lebens oder? Warum hatte sie, nur sie diese Last? Warum niemand sonst? Sollte sie vielleicht sagen das sie die Stimmen der anderen Tiere Verstand? Würden sie sie verstehen oder würden sie sie gar für verrückt halten? Ach warum musste Banshee nur von ihr gehen. Sie hätte gewusst wie sie darauf Reagieren sollte. Sie schluckte kurz. Sie musste einfach ihr bestes Geben. Sie musste ja auch Zeigen das sie für etwas gut war. Tief Atmete sie nun ein während sie eine Antwort erwartete. Denn es musste und es würde schon irgendwie gehen. So ging es ja immer schon.
[Mischwald// bei der Gruppe neben Jumaana]
08.05.2010, 22:12
Shani beeilte sich, flog förmlich zwischen den Stämmen hindurch und hoffte, dass sie nicht zu spät kommen würde. Jetzt war doch die Lehrjagd und sie hatte sich von den Schmetterlingen am Wasserfall ablenken lassen. Sie waren ganz plötzlich da, mindestens hundert und hatten sich auf der Blumenwiese niedergelassen, waren wieder aufgeflogen und wieder gelandet; einige so nahe an der weißen Fähe, dass sie das verschlungene Muster auf den Flügeln der kleinen Wesen hatte betrachten können. Es war wunderschön. Rot, orange und gelb, an den Rändern fast schwarz. Shani hatte keine Ahnung, woher sie gekommen waren und wo sie hingezogen sind, aber als sie nach einiger Zeit die Wiese verließen, war ihr eingefallen, dass sie ja eigentlich etwas zu tun hatte. Und so rannte sie nun durch den Wald und hoffte, dass die Lehrjagd noch nicht begonnen hatte. Das wäre furchtbar peinlich, schließlich hatte sie sich so gerne um die Welpen, die mittlerweile zu Jungwölfen geworden waren, gekümmert und war für Kaedes Welpen zum Teil Ersatzmama. Und jetzt würde sie die Lehrjagd verpassen. Zumindest, wenn sie Pech hatte, aber immerhin beeilte sie sich wirklich und da vorne standen doch auch schon einige Wölfe. Etwas außer Puste und mit heraushängender Zunge kam sie an, schlitterte schon fast zu ihrer Gruppe und kam neben Takashi zu spät.
“Entschuldigung …“ Nach Atem ringend machte sie eine kurze Pause. “… da waren Schmetterlinge … ich war abgelenkt … aber jetzt bin ich da!“
Sie ließ ihren Blick über die Wölfe in der Gruppe gleiten und ihre zwei Jungwölfe, Chardím und Neruí gleiten, denen sie gleich noch ein strahlendes Lächeln schenkte.
“Was habe ich verpasst?“
Noch keine Gruppe schien irgendeine Bewegung in Richtung Herde gemacht zu haben und auch sonst wirkte niemand sonderlich angespannt. Fast ein wenig planlos sah das ganze aus, aber sie konnte auch nirgendwo Tyraleen oder Averic entdecken. Es war ein wenig seltsam, aber immerhin war sie nun da und konnte vielleicht sogar irgendwie helfen, wenn sich ihr Atem ein wenig beruhigt hatte.
[ bei ihrer Gruppe | neben Takashi ]
09.05.2010, 13:21
SL - Post für Aaina
Obwohl Aaina eigentlich die weiße, freundlich aussehende Fähe angesprochen hatte, wurde ihre Frage von einem großen, pechschwarzen Wolf mit kalten, tief blauen Augen beantwortet. Und das auch nicht sehr nett. Sofort hatte Aaina Angst vor dem seltsamen Rüden, die Ohren an den Kopf gelegt, die Rute zwischen die Hinterläufe geklemmt. Er wollte ihre Namen wissen und tadelte sie ob ihres Verhaltens. Und obwohl Aaina kurz abwartete, schien die freundlichere weiße Fähe ihr nicht zur Seite stehen zu wollen, viel eher musterte sie sie mit einem undefinierbaren Blick und wandte sich dann anderen Wölfen der Gruppe zu. Aaina trat einen Schritt zurück , die Augen wieder unsicher auf den großen Schwarzen gelegt. Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, hier her zu kommen. Es war niemand freundlich zu ihr und erwünscht schien sie auch nicht.
“Entschuldigung.“,
murmelte sie leise und trat noch einen Schritt zurück. Ob sie wohl einfach wieder davon laufen konnte? Eigentlich hatte sie das nicht mehr vorgehabt, aber hier würde sie wohl kaum glücklich werden können. Das waren keine Wölfe wie sie.
“Dann geh‘ ich wohl lieber wieder.“
Damit drehte sie sich flugs um die eigene Achse und stob in den Wald, Richtung Norden. Hier war die Reviergrenze nicht fern, erst vor wenigen Stunden hatte sie dort das Revier betreten. Vielleicht würde ein anderes Rudel ihr eine Heimat geben können, dieses sicher nicht.
[ verlässt das Revier ]
09.05.2010, 14:08
Face Taihéiyo blieb ruhig der Fremden zugewandt, auch als zwei von Tyraleens Töchtern zu ihnen traten und Fragen stellten. Die weiße Fähe hatte jetzt ihre Ohren an den Hinterkopf gepresst und die Rute eingeklemmt. Hatte er so harsch geklungen? Vielleicht war sich diese Wölfin keinerlei Regeln bewusst? Sie entschuldigte sich, klang aber ein wenig so, als wüsste sie nicht genau wofür. Sie entfernte sich rückwärts ein paar Schritte und verschwand genau so schnell wieder, wie sie gekommen war. Merkwürdige Wölfin. Aber er hatte jetzt keine Zeit, sich weiter darum zu kümmern. Wenn sie der Meinung war, lieber wieder zu gehen, sollte es so sein. Face warf Jumaana einen Blick zu und nickte kurz. Sollten sie die Fähe laufen lassen.
Schließlich wandte sich der Tiefschwarze zu Ethelion herum, der vorgeschlagen hatte mit ihm das Reißen der Beute zu übernehmen und danach von Jumaana mit Dank überschüttet worden war. Ein bisschen durcheinander ihre Truppe, aber der Schwarze mit den roten Augen hatte seiner Meinung nach einen ganz guten Vorschlag gemacht.
„Keine schlechte Idee. Jumaana, du, Ahkuna und Shaén könntet euch jeweils einen Welpen an die Seite nehmen und die Beute auf uns zutreiben. Was meinst du?“
Ruhig sah er die weiße Fähe an. Sie war die Leiterin dieser Gruppe; er wollte ihr keine Entscheidungen vorenthalten. Trotzdem sollten sie langsam auch voran kommen. Sie hatten drei Jungwölfinnen in ihrer Gruppe, Atalya, Liel und Amúr. Sie schon zum Reißen der Beute mit zu nehmen, wäre noch zu gefährlich, da sie bisher noch nie an einer Jagd teilgenommen, sondern nur zugesehen hatten. Vielleicht trauten sie sich auch noch nicht, sich auf ihre Beute zu stürzen, damit währen sie eher ein potentielles Ziel von Hufen und Hörnern. Ethelions Jagdversion bot sich also an.
[ Jumaanas Gruppe | Jumaana, Ethelion, Atalya, Liel, Amúr, Shaén, Ahkuna ]
09.05.2010, 14:40
Jarrèll Nathaniêl hatte sich etwas abseits der Gruppe, welcher er zugeteilt, worden war, niedergelassen und das Geschehen bisher aus der Entfernung verfolgt. Ein schwarzer, sehr großer Rüde hatte zu Anfang das Wort an die Gruppe von Wölfen gewandt. Er teilte ihnen mit das es heute seine Aufgabe sein sollte, die Gruppe zu leiten, sprach von Freude, Ehre und davon das niemand gezwungen sein sollte sich hier zu beteiligen.
Wäre ja auch gelacht, dachte Jarrèll bei sich, ihn würde sicher niemand zwingen können sich zu beteilige, sofern er das nicht aus freien Stücken wollten. Umsichtig ließ er seine Augen über den Rest der Gruppe schweifen. Es schien nur zwei Jungwölfe in dieser Truppe zu geben, einer davon war ein schwarz-weißer Rüde, der Jarrèll schon früher durch seine atypische Fellzeichnung aufgefallen war, der andere Jungwolf, war eine Fähe die ein bräunlich schwarzes Fell hatte. Die beiden schienen nicht allzu interessiert am Geschehen und hatten mehr Gefallen daran gefundenen, sich gegenseitig spielerisch zu ärgern. Jarrèll betrachtete sie für einen Augenblick, schmerzlich stiegen die Erinnerungen an sein Rudel auf, an seine Welpen, die er hatte heranwachsen sehen. Früher wäre es seine Aufgabe gewesen, die Lehrjagd zu leiten. Nun nicht mehr. Er versuchte die Erinnerungen zu unter drücken die in ihm hochbrodelten, im Anbetracht der Jagdgruppe. Schließlich meldete sich der junge Rüde mit der eigenartigen Fellzeichnung zu Wort. Mit ungeduldiger Stimme drängte er zum Aufbruch.
Der Silberne legte bedächtig den Kopf schief. Der junge Schwarz-Weiße konnte sich, dem Anschein nach, keine Minute länger gedulden. Worte eines leisen Tadels lagen Jerrèll Nathaniêl auf der Zunge. Er schluckte sie hinunter und warf dem Jungwolf lediglich einen kurzen Blick zu. Er solle sich gedulden. Es war nicht Jarrèll Nathaniêls Aufgabe diese Lehrjagd zu leiten, doch er würde sich keines Falls den Mund verbieten lassen, wenn es darauf ankommen sollte.
Plötzlich vernahm Jarrèll ein leises Knacken und Rascheln, nur Sekunden später kam eine weiße Fähe herangejagt und wäre fast in ihren Gruppenleiter hineingerannt. Außer Puste, begann sie eine Entschuldigung zu hecheln, die von Schmetterlingen erzählte. Jarrèll hob fragend die linke Augenbraue an. waren hier und heute denn alle voller Ungeduld? Nichts hatte die fähe verpasst, man hatte schließlich noch überhaupt nichts besprochen. So eine Jagd hatte wohl organisiert zu sein, wenn sie den gelingen sollte, das wusste der silberweiße Rüde aus Erfahrung heraus zu sagen. Hatte das hier noch niemand mitbekommen? Allem Anschein nach nicht.
Ein leichter Wind strich durch sein Fell und die Sonne versank lautlos hinterm Horizont. Obwohl es nun Frühling war, wurde es gegen Abend hin immer noch recht kühl. Der Moment des günstigen Aufbruchs nahte, doch niemand schien in Eile zu sein, einmal abgesehen von dem ungeduldigen Jungwolf, mit der unverkennbaren Fellfarbe. Nun denn, Jarrèll hatte genug untätig herumgesessen, es war ihm egal was die anderen nun von ihm denken würden, aber bei einer solchen Lehrjagt sollte sich doch möglichst jeder mit einbringen, oder nicht?
Wohlüberlegt, erhob Jarrèll Nathaniêl nun seine Stimme:
„Wie gedenkt man hier diese Lehrjagd zu organisieren?“
Er sprach in ruhigem, neutralem Tonfall mit fester Stimme. Er würde den ihm zugeteilten Part übernehmen. Und er würde sich mit seiner Erfahrung einbringen, sofern das gewollt war.
[etwas abseits von Takashis Gruppe | nahe Chardím und Nerúi]
09.05.2010, 17:18
Selbstsicherheit sprach aus der Haltung der Schwarzen, die dem Fremden weiter von hinten näherte, dabei jedoch einen leichten Halbkreis schlich. Als wäre er wirklich ihre Beute, die es zu schlagen galt. Musternd glitten die dunkelblauen Augen des Todesengels über den Körper des Fremden, die feine Nase nahm seine Witterung auf, wurde im Gedächtnis abgespeichert.
Ein schiefes Grinsen entblößte eine Reihe blanker Zähne, bis sie nach ein paar tänzelnden Schritten stehen blieb. Kühl ruhte der musternde Blick auf den bernsteinfarbenen Augen, analysierten ihren Ausdruck, ihre Tiefe.
Das Spiel der Emotionen zu beobachten war interessant, wenngleich auch nicht so spannend, als dass es sie fesseln würde.
Die Körperhaltung ließ auf nichts bestimmtes schließen. Keine Feindseligkeiten, keine Drohungen, kein überhebliches gebaren.
Die dunkle Rute schwenkte sachte über den Waldboden, den Kopf ein Stück weit erhoben erwiderte Amáya den musternden Blick. Gekonnt hielt sie das Wesen des Fremden auf Abstand, keiner sollte es mehr wagen ihr zu nahe zu kommen.
Nach den ersten Sekunden, in denen beide Tiere sich gegenseitig zu analysierten, ruhte nun Desinteresse in den Augen ihres Gegenübers. Eine Haltung, die sofort das Feuer der Schwarze entflammte. Wenn es diesen Tölpel so egal war, einfach in dieses Tal herein zu platzen...
In der Tat schien er es mehr auf ihren Geduldsfaden abgesehen zu haben, der manchmal schneller reißen konnte, als eine Seifenblase platzte.
Ihr schiefes Grinsen wurde noch eine Spur breiter, gehässiger.
„Das Begrüßungskomitee wäre vielleicht schneller da gewesen, wenn es einem gewissen Fremden vielleicht in den Sinn gekommen wäre, sich höflicherweise anzukündigen.“
Ein diabolisches Glimmen trat in die tiefen, kalten Augen und Amáya machte sich nicht die Mühe ihre Gedanken, die sich um ein mögliches Spiel drehten, zu verheimlichen.
Nach Urion hatte sie niemanden mehr gehabt, den sie etwas auf den Zahn fühlen konnte.
„Man könnte glatt annehmen, dass es sich um eine Provokation handelt, die uns zum Handeln zwingt. Wenn dem so ist, könnte ich glatt diejenige sein, die geschickt wurde, um mit einem gezielten Präventionsschlag alle möglichen Gefahren auszulöschen.“
[im Wald bei Tarik]
09.05.2010, 18:33
Je länger der Rüde die Fähe betrachtete, umso auffälliger wurde ihr Spiel, welches sie mit ihm treiben wollte. Doch Tarik wäre nicht Tarik, wenn er darauf eingehen würde. Anfangs hatte er gedacht, dass ihr albernes Verhalten wohl mehr ein Ausrutscher gewesen war, doch mittlerweile hatte er das Gefühl, dass diese Fähe kein Stück erwachsen und wenn nicht sogar schon verrückt war. Immerhin lieferte sie ihm die wichtige Information, dass dieses Tal von einem Rudel bewohnt war und sie vielleicht von ihm wissen konnten. Was mochte das wohl für ein Rudel sein, dass eine halbwüchsige Fähe zu ihm schickte um ihn abzufangen? Doch das wollte er gar nicht wissen und diesem Rudel erst recht nicht begegnen, genauso wenig wie er mit ihr spielen wollte. Aus dem Räuber-Beute-spielen-Alter war er heraus und ein Ventil für überschüssige Gefühle wollte er auch nicht sein. Warum musste man ihm das Durchqueren eines Tals immer so schwer machen? Lud er so dazu ein, dass man auf ihn eingehen sollte? Er wollte seine Ruhe, dass war alles. War das denn zu viel verlangt?
Mittlerweile war der Blick des Rüden abgeschweift und zum Wald hin gerichtet. Erstaunlich war, dass von all seinen Gedanken nach außen hin nichts zu sehen war, keine Regung in seinen Augen, in seiner Mimik und seiner Haltung. Da war nichts. Er wirkte ruhig, schien nicht einmal angespannt zu sein, obwohl er wirklich in einem fremden Revier war.
Und nun? Sollte er auf ihre Anspielung eingehen? Sollte er ihr sagen, dass ihm das Leben überdrüssig war und sie ihres Amtes walten sollte? Prävention...dazu würde man eine einzelne, verrückte Fähe schicken?
"Ich hielt es nicht für notwendig mich anzukündigen, ich passiere das Tal nur."
Während seine kühle aber ruhige Stimme ertönte, drehte er den Kopf zu ihr, es war ihm egal, dass sie nun seine Narbe sehen konnte. Damit verdeutlichte Tarik, dass er keinen Kampf wollte und erst recht nicht Ärger mit einem Rudel. Er blickte einen Moment in ihre dunkelblauen Augen, verharrte kurz, ehe er den Kopf abwandte und sich von ihr wegbewegte, weiter in Richtung Dunkelheit. Nun konnte er nur noch auf ihren Verstand oder ihr Verständnis hoffen, wobei er erstes bezweifelte und letzteres nicht wollte. Würde sie ihn nun attackieren, so würden es seine Ohren ihm sagen, dass wusste er. Außerdem hatte sie stolz gewirkt, solch eine hinterhältige Art den Gegner anzugreifen, während er einem dem Rücken zu kehrte, dürfte dann wohl nicht zu ihr passen. Und wenn doch, so wusste er sich zu wehren, ob er wollte oder nicht.
[Im Wald mit Amáya]
09.05.2010, 20:00
Lyerra hatte noch ein wenig über alles nachgedacht, als eine seltsam aussehende Fähe sie ansprach.
„Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher. Ich habe mich gefreut zu Jagen und dann… Dann wurde mir bewusst, wie alt ich bin und wie nahe ich dem Tod bereits bin. 4 Jahre…“
Sie brach ab. 4 Jahre lebte sie jetzt schon auf dieser wunderbaren, unerforschten Welt. Seit einiger Zeit, kannte sie Shariku.
„Es kann doch nicht sein, dass mein Leben so bald zu Ende gehen soll.“
Verzweifelt blickte sie die andere Fähe an.
„Ich.. ich will gerade nicht mehr darüber nachdenken. Tut mir leid. Wie heißt du?“
Sie wunderte sich selbst ein wenig, über ihren abrupten Thema wechsel, aber immerhin lenkte es sie ein wenig ab. Abwartend ließ sie sich auf dem Boden nieder.
„Von wo kommst du?“
Lyerra betrachtete die Fremde. Ziemlich verunstaltet sah sie aus. Das eine Ohr fehlte und sie hatte mehrere Narben.
„Was ist mit dir? Freust du dich auf das Jagen?“
Die Weiße schaute sich um, und schnappte nach einem Zweig, der ganz in ihrer Nähe lagund begann, darauf herum zu kauen.
Mit einem knackenden Geräusch gab der Zweig nach und zersplitterte. Ein wenig hustend, spuckte sie ihn weg, und sah die Wölfin ihr Gegenüber an. Sie hatte sher interessante Augen, wie Lyerra fand.
[nördlicher Mischwald l Sheenas Gruppe, Minyala]
09.05.2010, 21:55
Mit wachen Augen musterte Amáya den Fremden, der einen deutlich besseren Spielpartner abgab, als alle anderen zuvor. Mit innerlicher Zufriedenheit beobachtete sie, wie er überlegte, seinen Gedanken nach hing und dabei die Maske eines unbekümmerten Wolfes trug.
Sehr interessant, immerhin wäre Urion längst auf sie los gegangen, nachdem er wieder angefangen hätte, aus allen Poren zu bluten. Welch Lachnummer. Der Fremde hier war deutlich unterhaltsamer.
Jede Regung des Körpers wurde analysiert und sämtliche Möglichkeiten seines Verhaltens in Betracht gezogen. Was würde er nun tun?
Die Schwarze machte kein Geheimnis aus ihrem kaltblütigen Wesen, vermischt mit einer gewissen Art von sozialen Inkompetenz. Eine Antiseele, die mit Genuss der Empathie den Rücken kehrte und sich lieber anderen Gelüsten hin gab.
Das breite Grinsen wurde noch ein Stück weit breiter, als die Fähe mit weichen Bewegungen näher trat.
„So.“, ihre Stimme war kaum mehr ein Flüstern. „Soll ich dann behilflich sein?“
Ein leises, heiseres Lachen erklang aus ihrer Kehle, als sie kurz nach einem Lauf des Rüden schnappte, ohne es jedoch zu berühren.
„Soll ich einem Streuner Beine machen?“
Wieder erklang ein raues, kühles Lachen. Als der Rüde ihr seine andere Seite offenbarte, staunte Amáya innerlich nicht schlecht. Die Narben überzogen die gesamte Gesichtshälfte, die bisher im Schatten gelegen hatte. Das Fell fehlte bis auf ein paar klägliche Reste vollkommen und das rohe Fleisch schimmerte in der Dunkelheit und rief bei ihr unwillkürlich die Assoziation eines dahin siechenden Regenwurmes hervor.
Das Grinsen wurde zu einem schelmischen Schmunzeln, schon war die Dunkle halb neben den Fremden getreten und lief Seite an Seite mit ihm.
„Vielleicht sollte ich dich auch lieber begleiten, sonst verläufst du dich noch weiter im Tal.“
[im Wald bei Tarik]
09.05.2010, 23:03
Mochi verfolgte die Gestalt der Fähe, deren Namen er vergessen hatte, verfolgte mit seinen Blicken, wie sie im Wald verschwand, konnte den Geruch eines fremden Wolfes wahrnehmen und seufzte.
"Wieder nur Trottel unterwegs heute."
Er drehte sich zu der Fähe um, die sich soeben als Kantara vorgestellt hatte. Musterte sie von Kopf bis Fuß.
"Nope. Nichts wird sich jemals ändern. Niemals jemals. Jeden Tag das gleiche spaßige Theater, das man sich hier jeden Tag geben darf."
Mochi warf einen schnellen Blick auf Aszrems Hinterteil, ob es sich bewegt hatte, ob sich der Rüde umdrehen würde. Es reizte ihn so sehr, den Schwarzen einfach mal zu provozieren, ihn bis aufs Blut zu reizen, einfach um zu gucken, was passierte. Wie er reagieren würde, wann - und vor allem wie! - er versuchen würde, sich vor Mochi den nötigen Respekt zu verschaffen. Der fettleibige Rüde war nicht lebensmüde, er dachte zu keinem Zeitpunkt ernsthaft über die Konsequenz - das Ende von SORK, Situation, Organismus, Reaktion und Konsequenz, der Punkt auf den sich alles immer zubewegte - nach, darüber, dass Aszrem ihn vielleicht töten könnte. Es war das Konstrukt, das ihn reizte, jene experimentelle Anordnung der Charaktere Mochi und Aszrem innerhalb der durch Mochi herbeigeführten Situation, ihre möglichen Ergebnisse und die - nun ja: genannten Konsequenzen.
Der graue Rüde schüttelte sich, spürte seinem Herzschlag nach, längst war das Gewohnheit, und den Vibrationen, dem Nachschwingen seiner Körpermassen. Also Kantara. Schwarzes Fell, wirkte kräftig. Blutrote Augen, die gefährliche Hitze auszustrahlen schienen. Mochis Blick befingerte die dünne Narbenlinie, die das Auge der fremden Fähe zu zerteilen schien. Also war die Fremde kampferprobt und hatte bereits einstecken dürfen. Womöglich hatte es sie noch härter gemacht. Und womöglich musste sie das auch sein, denn wer eine solch unglaubliche Blödheit besaß, einfach so in ein fremdes Revier zu laufen, das überfüllt war von einem riesigen Haufen ausgewachsener, kräftiger Wölfe, die schwachsinnig genug waren, sich in einem Kampf halb umbringen zu lassen - natürlich nur für die, die sie liebten - durfte jedenfalls einen Kampf auf Leben und Tod nicht scheuen.
Kein guter Tag für Mochi, wirklich nicht. Trottel zogen Trottel magisch an. Er stöhnte leise, sagte dann gleichgültig:
"Hi. Ich bin Mochi. Aber ich hab nicht zu entscheiden, ob du bleibst oder gleich wieder rausfliegst. Das macht hier vermutlich mehr so er."
Mochi wies mit seinem Kopf auf Aszrem. Wieder musterte er Kantara, sah ihr in das durchteilte Auge.
.oO(Komm schon. Überrasch mich. Bitte. Es muss doch möglich sein, dass heute noch irgendetwas unendlich Cooles passiert.)Oo.
[Aszrems Gruppe | hinter Aszrem, bei Kantara]
10.05.2010, 10:28
Eigentlich war Minyalas Kopf schon zur Seite gekippt, aber nachdem die weiße, traurige Fähe ihr antwortete, kippte er noch ein wenig weiter, sodass er mittlerweile fast parallel zum Boden hing. Verwirrt hatte sich auch ihr Maul leicht geöffnet, wodurch sie insgesamt einen äußerst seltsamen Anblick abgeben musste. Ganz abgesehen davon, dass sie meistens schon ohne etwas dazu beitragen zu müssen seltsam aussah.
“Was hat denn Jagen mit deinem Alter zu tun? Und sowieso, vier Jahre ist doch nicht alt! Okay, ich bin erst ein Jahr alt und sollte vielleicht meine Klappe nicht so weit aufreißen, aber mit vier stehen dir doch noch alle Türen offen. Du stehst in der Blüte deines Lebens und dann sitzt du lieber deprimiert an der Seite, als das zu tun, auf das du dich gefreut hast. Das ist doch Humbug!“
Minyalas Kopf war wieder in seine normale Position zurückgeschnellt, ein wenig nach vorne gewandert und stupste nun sachte die Fähe an die Schulter. Noch immer lächelte sie und auch ihre geknickte Rute hatte nicht aufgehört hin und her zu pendeln. Vielleicht würde ihre kleine Motivationsrede die zwar viel ältere, aber eindeutig nicht alte Fähe aufmuntern.
“Wenn du nun darüber traurig bist, dass du alt bist, wirst du die Zeit, bis du wirklich alt bist nur vergeuden. Das wäre doch total Verschwendung.“
Ihre präzise Logik gefiel ihr, der konnte man eigentlich gar nicht entkommen. Wie es wohl wäre, wenn Minyala selbst einmal vier Jahre alt war? Würde sie dann genauso deprimiert darüber nachdenken, dass sie bald sterben könnte? Irgendwie lag das noch so weit in der Ferne, wie viel zu weit. Erstmal sollte sie darüber nachdenken wie es war, erwachsen zu sein. Bereitwillig ging sie auf die Ablenkung der Weißen ein und ergriff die Chance, selbst den Namen der Fähe herauszubekommen.
“Ich bin Minyala und du? Tschuldigung, mir wurde dein Name schon einmal gesagt, aber hier gibt es sooo viele Namen, die konnte ich mir unmöglich alle merken.“
Die nächste Frage der Fähe wollte Minyala zuerst ignorieren, entschloss sich dann aber doch dagegen. Sie hatte gewusst, dass solche Fragen zwangsläufig aufkommen würden, also sollte sie zumindest eine ganz nette, abspeisende Antwort auf Lager haben.
“Aus dem Westen, aus einem kleinen, gemütlichen Tal.“
Das klang wirklich nett. Wie als müsse sie der Fähe zeigen wo Westen war, deutete sie nach links und nickte dazu. Ein Glück stellte die Weiße gleich die nächste Frage. Das war Minyala nur Recht, auch wenn sie sonst gerne in der Position des Fragenden war.
“Nee, das ist nicht so mein Ding. Weißt du, mein Papa hat mir ziemlich viel beigebracht und irgendwie hatte der immer ein Problem mit dem Jagen und das hat er irgendwie an mich weitergegeben. Tiere töten und in ihnen mit der Schnauze herumfuhrwerkeln … und so … das mache ich nicht so gerne.“
Da war er wieder, ihr Papa. Sie hatte es ganze zwölf Sätze lang geschafft, ihn nicht zu erwähnen. War das ihr neuer Rekord? Naja, es war ja nichts dabei, von seinem Vater zu reden, der sollte doch eigentlich für jede Fähe ein Vorbild sein. Und für sie war es das eben ganz besonders gewesen.
[ nördlicher Mischwald // bei ihrer Gruppe, Lyerra ]
10.05.2010, 11:24
Der Schwarze legte den Kopf schief, als Jumaana ihn im Namen des ganzen Rudels mit Dank überschüttete, obwohl er noch gar nichts geleistet hatte. Vielleicht plagte sie ja doch das schlechte Gewissen, weil sie ihn vorhin als nichtsnutzigen Faulpelz hingestellt hatte. Ein zufriedenes Lächeln huschte ihm über die Lefzen, verschwand aber sofort wieder, als die fremde Fähe mit eingeklemmter Rute Reißaus nahm. Was sollte das denn? In Anbetracht der Tatsache, dass sie einfach in ein fremdes Revier gestürmt war und beinahe eine Gruppenjagd vermasselt hätte, war sie doch noch relativ freundlich begrüßt worden. Ethelion schnippte ungehalten mit den Ohren. Wie konnte man sich nur so aufführen!?
Sein Blick suchte erneut ihre Anführerin. Die Jungwölfe konnten den Beginn der Jagd kaum noch erwarten und kamen mit drängelnden Stimmen auf sie zu. Der Fenrissohn seufzte kaum merklich. Jumaana schien nicht gerade zu den entscheidungsfreudigsten Exemplaren ihrer Art zu gehören. Es dauerte alles eine halbe Ewigkeit. Offenbar war auch der tiefschwarze Rüde Face dieser Meinung, denn er befürwortete Ethelions Jagdstrategie und ergänzte sie um den Part der anderen Gruppenmitglieder. Doch die endgültige Entscheidung überließ auch er der weißen Fähe. Wieder fiel der Blick des Schwarzen auf den blauen Stein, der Face' Brustkorb zierte. Was das wohl zu bedeuten hatte? Da der Beginn der Jagd wohl noch etwas auf sich warten ließ, schweiften seine Gedanken weiter zu Lyerra. Er hatte seit jenem Treffen im Wald, das alles verändert hatte, nichts mehr von ihr gehört oder gesehen und auch jetzt waren sie in verschiedenen Jagdgruppen. Waren sie nun Gefährten? Oder doch nicht? Der Rüde wusste es nicht. Um wieder klare Gedanken fassen zu können, schüttelte Ethelion den Kopf. Er musste sich konzentrieren, sonst könnte es schlimm enden.
"Ja, ein guter Vorschlag, Face. Wenn Jumaana nichts dagegen hat, können wir uns ja schon mal auf den Weg zur anderen Seite der Lichtung machen. Es ist ein ganzes Stück zu laufen, und wir müssen leise sein."
Auffordernd sah er die Fähe an. Der Schwarze wusste nicht, ob er zu weit gegangen war; jedenfalls hatte er das Gefühl, Jumaana gerade mit der Nase auf ihr Zögern und ihre Langsamkeit gestoßen zu haben.
[Nördlicher Mischwald | bei der Gruppe | direkt bei Jumaana, Face Taiheiyo]
11.05.2010, 13:22
Enmaku streifte ziellos durch den Wald. Seit sie die beiden Fähen aus den Augen verloren hatte, schien sich der Wald gegen sie verschworen zu haben. Sie lief ständig im Kreis, obwohl sie das Gefühl hatte immer in ein und dieselbe Richtung zu gehen. Als sie nun schon zum fünten Mal an dem selben Felsen vorbeikam, kläffte sie entnervt einen Frosch an, der gerade das Pech hatte, ihren Weg zu kreuzen. Die weiße Fähe knurrte, als das grüne Wesen so schnell wieder verschwand, wie es aufgetaucht war. Sie war müde, ihr taten die Pfoten weh und sie war frustrierter als jemals zuvor. Schließlich entschied sie sich, auf den Felsen zu klettern um vielleicht von dort eine bessere Übersicht zu haben. Doch das war gar nicht so leicht. Ihre Pfoten fanden auf dem glatten Stein keinen richtigen Halt und sie rutschte immer wieder ab. Unter Fluchen und Keuchen hatte sie es aber irgendwann doch geschafft und sie ließ sich erstmal auf die Hinterbeine nieder und hechelte ein paar Minuten, bis sich die Temperatur in ihrem Körper langsam wieder normalisierte. Dann sah sie sich um, doch außer Bäumen, Gebüsch und einem kleinen Bach ganz in der Nähe. Die weiße Wölfin seufzte leise und ließ sich in eine liegende Position sinken. Wo war sie hier nur hereingeraten? Als ihr plötzlich der Geruch eines anderen Wolfes in die Nase stieg, hob sie den Kopf und sah sich wieder aufmerksam um. Doch sie konnte bei bestem Willen niemanden entdecken. Also erhob sie sich wieder und kletterte vorsichtig von ihrem Felsen herunter. Dabei wäre sie fast noch auf die Nase gefallen, was ihre Laune nicht gerade hob. Frustriert machte sie sich auf den Weg zum Bach, hinter dem leichten Wolfsgeruch her.
[Nördlicher Mischwald][Noch allein]
(OT: Sorry für den kurzen Post, ist ja erstmal nur für den Wiedereinstieg, der nächste wird bestimmt wieder länger >.<)
11.05.2010, 17:05
Endlich began Aszrem zu sprechen. Cirádan richtete sich ein wenig auf um den alten Wolf im Blick zu haben. Seine Ohren spitzte er und doch zuckten sie immer wieder in eine ängstliche Haltung zurück. Seine Rute war eng an seine Hinterbeine gedrückt.
Er spürte den Blick von dem schwarzen an sich und duckte sich wieder. Eher ungewollt. Dabei wollte er doch mitlernen.
Kleintierjagd musste er also selbst lernen? Na, das konnte ja heiter werden. Aber vielleicht sollte er es einfach mal versuchen? Aszrem meinte etwas von Instinkten leiten. Also musste der helle auch Instinkte haben. Unsicher blickte er sich um, während der Ältere weiter sprach. Ob die anderen schon kleine Tiere jagen und erlegen konnten?
Große Tiere musste man aber zusammen jagen. Das hatte er auch vorher gewusst. Dennoch war er froh, dass Aszrem dies noch mal erwähnte.
Dann folgten die Regeln. Cirádan hätte sowieso nicht gewusst, was für Beute geeignet war. Oder vielleicht doch? Nein, er wusste es nicht. Aber er musste es lernen. Damit er wenigstens etwas konnte.
Nicht hinter dem Wild jagen. Aber wie dann? An der Seite? Er würde sich gar nicht mal so nahe trauen, an ein solch riesiges Wesen.
Und den Helden würde er bestimmt nicht spielen. Ein Kampf um Leben und Tod. Warum konnten sie es nicht so einfach sein wie es die Grasfresser hatten? Sie hatten ihr Grünzeug und alles war gut. Sie mussten nicht zuerst jagen um was zu fressen.
Plötzlich schreckte der junge Rüde jedoch aus seinen Gedanken auf. Wo war auf einmal diese Wölfin her gekommen?
Kantara? Aber... durfte sie denn überhaupt hier sein? Zum Glück waren noch viele andere Wölfe anwesend, sonst hätte Cirádan sich wohl sehr weit zurück gezogen. So stand er aber immer noch im Hintergrund und beobachtete, was Aszrem zu diesem Verhalten von der Wölfin sagen würde.
Eine andere Wölfin war gegangen. Eine schwarze, die Cirádan sowieso nicht ganz geheuer war. Irgendwie überforderte ihn alles.
Doch anstatt dem schwarzen reagierte der fette Wolf. Überrascht darüber riss der Jungwolf, der sich immer noch für einen Welpen hielt, sein Auge auf.
Wieso wagte er es zu sprechen? Als erster was zu der Fremden zu sagen?
Cirás Herz klopfte ihm bis zum Hals.
Unsicher blickte er von Mochi zu der fremden Wölfin und zu Aszrem. Was war nun mit der Jagd? Sie mussten, sie würden bestimmt die Fremde weg schicken, damit sie lernen konnten, wie man jagd, oder etwa nicht?
[bei seiner Gruppe (Aszrem) im Hintergrund]
11.05.2010, 23:10
Während Tarik schon los getrabt war, ertönte wieder die kühle Stimme der Fähe, doch was sie äußerte, war nicht von Interesse und konnte überhört werden. Behilflich sein...wollte sie ihn umbringen? Der Rüde strich diese Gedanken schnell beiseite, das war jetzt nichts, worüber er nach zu denken hatte. Selbst das kühle Lachen, welches für ihn einen irren Unterton hatte, verwunderte ihn nicht, beeindruckte ihn noch weniger. Auch als sie nach seinem Lauf schnappte, war ihm das egal. Er war diese Art von Behandlung gewohnt, die ihm meist schlimme Fleischwunden zufügte.
Streuner...ja sie hatte sein Wandern wohl beim Namen genannt. Wenn er ehrlich war, hatte er noch nie darüber nachgedacht, ob er ein Streuner war. Immerhin fühlte er sich wie einer, ständig verjagt zu werden, gehetzt und vertrieben, herum zu streunern und keinen festen Platz zu haben, das war wohl das Leben eines Streuners.
"Nicht nötig..."
Doch schon lief die Fähe an seiner Seite, aber eine Reaktion auf sein vernarbtes Gesicht gab es nicht. Sie hatte es gesehen, registriert, aber mehr nicht. Kein Lachen, kein Schrecken, kein Mitleid. Nichts. Gab es das tatsächlich? Gab es Wölfe, die über seine Brandnarbe hinweg sehen konnten? Er rümpfte die Nase und seine Ohren zuckten. So etwas gab es nicht, niemand konnte darüber hinweg sehen, früher oder später würde auch sie ihr wahres Gesicht zeigen, da war er sich ziemlich sicher. Niemanden gab es. Niemanden. Tarik spürte ein Stechen im Kopf. Wirklich niemand? Niemand.
"...aber wie ich sehe, habe ich keine andere Wahl."
Er zog das Tempo etwas an, je eher er sie los war und dieses Revier verlassen würde, umso besser für ihn. Wer weiß, vielleicht trieb sie ihn gerade in die Fänge ihres Rudels, welches den Streuner schon erwartete, der ohne Ankündigung ihr Revier betreten hatte.
"Wenn du meinst."
Er hätte nun los lachen können, fast so, als wüsste sie, dass er keinen Geruchssinn mehr hätte. Doch dieses Geheimnis würde er mit ins Grab nehmen, nie würde jemand erahnen, dass er nichts roch. Da war er sich sicher. Hin und wieder sog er den Geruch tief ein, so wie es jeder seiner Artgenossen tat. Sein Lebensgeheimnis. Für immer.
[Im Wald mit Amáya]
13.05.2010, 14:57
Avendal trieb ihre kurzen Läufe an, ihre Zunge hing aus ihrem Maul und ihr Atem ging keuchend. Sie hatte es völlig vergessen, wie konnte sie nur! Heute war es Zeit die Jungwölfe der Jagdlehre zu unterziehen und sie hatte es tatsächlich vergessen. Die Weiße musste kurz anhalten um nach Luft zu schnappen, weit würde die Gruppe ja wohl nicht sein. Zumindest hoffte dies Avendal. Prüfend hob sie den Kopf und blickte in alle Richtung ehe sie sich wieder dazu zwang zu Laufen. Sie hasste es, sie hasste ihre kurzen Beine und fragte sich wie sie nur mit den anderen mithalten können würde. Die großen runden Ohren schnippten nach vorne und Avendal brachte ihre tiefblauen Augen auf die Gruppe die vor ihr sich langsam sichtbar machte. Na endlich! Sie waren nicht mehr weit.
Schlitternd kam Avendal zum stehen und blickte Sheena beschämend an, dabei legten sich ihre Ohren um und sie zog die rechte Pfote an versuchte zu Sprechen, schaffte es aber nicht da ihr der Sauerstoff ausblieb. Zwischen Keuchen und Hecheln brachte sie ein paar Wörter hervor.
"Die Verspätung tut mir wirklich Leid, Sheena. Ich habe es total vergessen, es tut mir soo leid. Hab ich was verpasst??"
Die Jungfähe blickte in die Runde und entdeckte Caylee und Aléya zuerst und wedelte erfreut mit der Rute. Na das könnte bestimmt spaßig werden! Vorsichtig wanderten ihre Pupillen zu Sheena um heraus zu finden ob sie wütend auf sie war, weil sie vergessen und zu spät gekommen war. Ein kläglicher Laut drang durch ihre Kehle, es tat ihr wirklich leid und das wollte sie zum Ausdruck bringen.
[Bei ihrer Gruppe]
13.05.2010, 15:58
(( *Töchterchen zuflüstert* Gesprochenes bei uns nicht fett, sondern kursiv und in Anführungszeichen. :] ))
14.05.2010, 08:49
Gähnend erhob sich der weiße Nichtsjungwolf und streckte sich erst einmal ausgiebig, bevor er seine Aufmerksamkeit Aszrem zuwandte, der gerade etwas über die Jagd erzählte. Ja, schön, durfte er gleich mitjagen, oder musste er bei den anderen hocken bleiben? Leicht erstaunt hob er seinen Kopf etwas weiter an. Das war doch eine Frage ... und Aszrem hatte eben nach Fragen seitens der Jungwölfe gefragt ... oder hatte sich Nihil verhört? Nein, er hatte sich definitiv nicht verhört. Also trottete er ganz langsam auf Aszrem zu, während dieser dazu kam, welche Beute man auswählen sollte. Nihil blieb stehen und überlegte. Da entdeckte er Cirádan, soweit er wusste, war das Krolocks Bruder. Er schien wegen irgend etwas verwirrt, als Nihil den Grund suchte, fiel ihm eine fremde Wölfin auf. Sicher, er kannte noch nicht einmal ansatzweise ein fünftel diesen Rudels, ebenso wenig kannte er diese Fähe. Nachdenklich setzte er sich wieder hin. Wo war Krolock? Suchend schaute er sich um, doch er konnte Krolock nirgends entdecken. Also beschloss er, einfach los zu gehen, so weit, bis es wieder wh tat. Im Hinterkopf war er am Grübeln, ob das alles mit Krolock zusammen hing, doch genau wusste er nichts, aber er würde es ja bald schon rausfinden. Nun wandte sich Nihil wieder Cirádan zu und trabte auf ihn zu, um sich neben ihm hin zu legen. Leise kommentierte er Aszrem's Worte zur 'Beuteauswahl'.
"Du musst mit der Beute spielen, spielen, nicht jagen. Nur dann kannst du heraus finden, wer das schwächste Herdenmitglied ist. Und dann kannst du anfangen, dieses Herdenmitglied zu jagen, nicht früher, nicht später."
Nihil hatte Cirádan nicht angeschaut, starrte die Tiere an, die sie jagen wollten, oder sollten. Somit wurden ihm seine Worte erst selbst richtig bewusst, als er Cirádan anschaute. Wer hatte ihm das noch mal gesagt? Es gab nur einen einzigen Wolf, der es je gekonnt hatte. Krolock und Takashi waren zu sehr mit der Flucht beschäftigt gewesen und groß mit anderen hatte er noch nicht gesprochen. Also konnte er nur eine einzige gewesen sein.
"Engaya sagte mir das.", fügte er also an.
[Aszrem's Gruppe | bei Cirádan im Hintergrund]
14.05.2010, 11:54
Krolock tauchte plötzlich, wie aus dem Nichts, zwischen Nihil und Cirádan auf und warf zunächst dem dämlichen Jungwolf, der seinen Fang geöffnet hatte, einen eisigen Blick zu. Im Anschluss schenkte er seinem Bruder ein böses Grinsen, ehe er neuerlich die Augen verdrehte und sich an den Nichtswelpen wandte.
“Wenn du nichts Intelligentes beizutragen hast, empfehle ich dir, die Klappe zu halten.“
Fuhr er ihn an. Die Stimme gedämpft, damit er die etwas klügeren Wölfe nicht störte, aber streng und hart.
“Wir sind keine Welpen mehr. Du solltest besser zuhören, wenn dir jemand etwas beibringt. Jagen ist kein Spiel. Wenn du anfängst mit deinen Beutetieren zu spielen, um herauszufinden, welches das Schwächste ist, hast du keine Puste und Kraft mehr, um es letztlich zu erlegen. Denn sie werden dir davon rennen, noch ehe du deine Wahl getroffen hast, du Idiot.“
Er kam sich vor, als müsste er hier die Erziehung dieses Schwachkopfs übernehmen. Wie konnte aus dem Maul eines Wolfs innerhalb von drei Sätzen soviel Stuss und Dreck kommen? Unwillig schüttelte Krolock den Kopf und warf seinem Bruder kurz einen Blick zu, einfach nur um diesen zu ärgern. Er wusste ja, wie Cirádan üblicherweise zu reagieren gedachte. Es war jedes Mal aufs Neue ein Vergnügen.
“Vielleicht sollten wir Nihil mal mit der Herde spielen lassen, bis er weiß, welches Beutetier schwächer ist, als die Anderen. Und wenn er dann noch lebt und die Herde nicht über alle Berge ist, dann können wir jagen gehen!“
Höhnte er, dieses Mal so laut, dass es alle hören konnten. Im Anschluss verließ er den Platz zwischen den beiden anderen Jungwölfen und entfernte sich. Dabei verringerte sich der Abstand zu Aszrem nicht, nur eben zu Nihil und Cirádan.
[Bei Aszrem's Gruppe - zwischen Nihil und Cirádan, dann entfernt der Beiden, aber immer noch bei Aszrem]
16.05.2010, 14:55
Als auf einmal der weiße Wolf neben ihm auftauchte, zuckte Cirádan unsicher. War das nicht Krolocks Anhängsel? Ob er wohl auch so böse wie Krolock war und ihn ärgern wollte?
Aber er legte sich nur neben ihn hin und fing an zu sprechen. Wie hieß er gleich noch mal? Nihil... zu wem gehörte er eigentlich?
Doch war es nicht weiter wichtig. Für Cirá klang das, was der Jungwolf da sagte richtig. Spielen um Raus zu finden, welche Beute gut war.
Dann sah er ihn auch an. Er sah verwirrt aus, so dass Cirádan den Kopf schief legte. Was hatte er nur?
"Engaya?", wiederholte er etwas verwirrt.
Stimmt. War dieser Jungwolf nicht erst seit dem da, seit das Nichts fort war? Er wusste es nicht.
Aber selbst wenn. Engaya exestierte doch nicht, oder?
Als auf einmal Krolock zwischen ihnen auftauchte, setzte das Herz des hellen Rüden für einen Augenblick aus. Seine beiden ungleichen Augen waren aufgerissen und er betrachtete seinen Bruder, der mit dem anderen jungen Wolf schimpfte.
Während er unauffälig von Krolock weg rücken wollte, hatte er die Ohren angelegt, sich aber dennoch etwas beruhigt. Doch als sein Bruder ihm wieder einen Blick zuwarf, schlug sein Herz aufs Neue bis zum Hals.
Cirádan zuckte von seinem Bruder weg und fiel auf die Seite. Die Läufte jedoch an den Bauch gedrückt.
Diesmal schien sein Bruder jedoch zu ihm zu sprechen, als er über Nihil redete. Zumindest sah er ihn dabei an. Und er sagte es laut. So laut, dass es jetzt jeder hören musste.
Als sich Krolock endlich wieder fortbewegte, atmete Cirádan erleichtert aus. Setzte sich nun wieder hin und rückte näher zu Nihil.
"Engaya exestiert doch nicht wirklich, oder?", flüsterte er unsicher zu dem anderen Jungwolf ohne ihn dabei anzusehen. Sein Blick lag immer noch auf seinem Bruder.
"Pfff... dir scheint es nichts auszumachen wenn er dich ärgert, oder?", wollte er von dem anderen wissen.
[Aszrems Gruppe - im Hintergrund mit Nihil (und kurz Krolock)]
16.05.2010, 21:11
Der leichte Wind strich durch das Fell der Fähe. Ihr Körper zitterte leicht, während sie erfolglos versuchte, sich etwas warmzuhalten. Wenn der Winter an ihr vorbeizog, ging ihr Kampf ebenso vorbei und sie ergab sich der Kälte. Der Dunkelheit, die immer zärtlich mit ihr spielte. Es waren Tage vergangen, seit sie das letzte Mal mit einem anderen Tier gesprochen hatte. Diese Zeit der Einsamkeit hatte sie zurückgeholt, wie wenn ihre Vergangenheit erneut ablief. Immer diese Stille, während man alleine und verloren umherstand, nach einem Ziel suchte, das man ohnehin nie finden würde. Wenn man eines hatte, ein Wunsch, ein Traum, ein Ziel, das einen in den schwersten Zeiten weiter trieb. Das einem Kraft gab und Hoffnung schenkte. Wie ein unsichtbarer Schutzengel in einem weißen Kleid, das in der Finsternis der Nacht deutlich hervorstach. Herumgewirbelt wurde wie ein wertloser Fetzen, bedeutungslos, verschwindend. Ja, sie hatte das Bild genau vor ihren Augen: Ein besorgniserregend dünnes Mädchen, das von der Schwärze des Todes umweht wurde, ihr Herzschlag langsam, schleichend, wie ein umherhuschender Schatten. Ihr Atem ging flach, es schien ihr schwer zu fallen, und doch lächelte sie. Es war absurd, irre, und dennoch war es echt. Sie schien vertraut mit ihrer Umgebung, mit dem Boden, auf dem sie ging, mit der Straße, die sie hinunterwanderte.
„Wenn ich helfen kann, will ich es versuchen, ich will dich aber nicht hindern und im Weg stehen“,
sprach die Fähe in einer leisen, schüchternen Stimme. Normalerweise war es ihr eher schwer gefallen, sich unter zu ordnen, doch sie hatte sich verändert. Einem würde sie immer treu bleiben. Majibáh, die Außergewöhnliche, Extravagante, Herausstechende. Die niemals verstecken konnte, was sie fühlte, das Gesicht ein Spiegel ihrer Seele. Die Orchidee des Winters, so vernichtend klein und doch unheimlich auffällig. Aber das war alles, was von ihr geblieben war. Die gute Laune war verflogen, kein Lächeln mehr, das nicht gespielt war. Nur ihre melancholische, nachdenkliche Art, ihr gedankenverlorenes Wesen. Zurückgefallen in schlechte Gewohnheiten, die sie sich niemals hatte aneignen wollen. Nicht noch einmal, diese negative Grundeinstellung, die pessimistische Denkweise. Die Weiße konnte nicht anders. Wie lange hatte sie ihre Schwester nicht mehr gesehen, nicht mehr ihre Stimme gehört, wie lange hatte sie nicht mehr gespürt, wie sie sanft mit der Schnauze über ihren Körper gestrichen war. Das war die einzige Liebe, die sie jemals bekommen hatte. Das einzige Vertrauen.
oO Du hättest wissen müssen, dass es niemals so sein wird, wie du es dir erträumt hast. Es war doch nur ein Wunsch, einer, der immer unerfüllt sein wird. Niemand kann für jemanden der einzige sein, nur für dich. Oo
Ein Moment Stille. Die Wölfin versuchte, sich zusammenzureißen und sich nichts mehr anmerken zu lassen, doch das fiel ihr sehr schwer. Mit einem leisen Seufzen schaute sie zu dem Leiter der Gruppe auf. Er war weitaus größer und schwerer als sie, mit einer dunklen Fellfarbe und einer dominierenden, tiefen Stimme. Es war nicht Angst, was sie spürte, man hätte es aber beinahe so nennen können. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass es niemand merken würde, wenn sie einfach weg wäre. Verschwinden würde. Wenn der Tod sie mit sich reißen würde mit seinen schönen Versprechen. Lockend vor ihr hergehend, während sie blind folgte.
Von einem Moment auf den anderen verwandelte sie sich komplett. Ihre Glieder wurden steif, als sie ihre Muskeln anspannte. Der Kopf hob sich langsam, sie stand in einer stolzen Haltung da. Die Augen waren weit aufgerissen, nicht panisch, sonder voller Interesse, sie waren wachsam wie die eines Adlers. Wie unter einer Maske hielt sie sich versteckt. Ihr Blick wanderte neugierig durch die Runde. Ein paar Jungwölfe saßen neben ihr, spielten in kindischer Übermut mit einander, rauften sich und lernten so den Kampf, die Jagd, das Überleben. So wurden aus einfachen Dingen lebensnotwendige Rituale. So wurde aus dem kleinen, mageren Mädchen ein gewaltiger, furchteinflößender Schutzengel...
17.05.2010, 19:22
Nihil schaute erstaunt auf, als Krolock sich zwischen Cirádan und ihn warf. Er hatte nicht im Geringsten mit diesem schwarzen Miesepeter gerechnet. Er hatte ihn nicht gehört, doch im Grunde genommen war es ihm gerade egal. Viel weniger egal war ihm seine abfällige Bemerkung über seine Aussage zur Beute. Knurrend starrte Nihil Krolock an, wirklich Respekt hatte er vor dem nicht, auch wenn sie sich kurz zuvor noch gestritten hatten. Mit einem leisen Schnauben beendete Nihil sein Knurren und schob die Worte Krolock’s beiseite. Zwar hatte dieser seine letzten Worte laut genug für alle ausgesprochen, doch das war ihm herzlich egal. Engaya musste schließlich wissen, was sie sagte. Und eben hatte Cirádan, bevor Krolock ihre ‚Unterhaltung’ unterbrochen hatte, noch Engaya ungläubig wiederholt. Und jetzt, da Krolock sich verzogen hatte, nahm Cirádan die Unterhaltung wieder auf, doch Nihil war das Zusammenzucken des weißen Halbblinden nicht entgangen. Doch bevor er antwortete, dachte Nihil nach. Welche Frage sollte er als erstes beantworten? Die zweite würde kürzer ausfallen, mit der ersten würde er beinahe sein komplettes Leben erzählen. Also, welche Frage zu erst? Vielleicht wäre es günstiger, die zweite zu erst zu beantworten. Gedacht, getan. Aber bevor er sich dann doch der zweiten Frage widmete, sagte er noch etwas zum Spielen mit der Beute, was er Krolock hinter herrief, so laut, das es wirklich nicht zu überhören war, für niemanden.
“Du sollst mit deiner Beute nur so weit spielen, wie es dich nicht erschöpft! Spiele gelassen und ohne Hast, teile deine Kraft ein und finde das schwächste Tier. Dann kannst du jagen gehen.“
Nihil schüttelte seinen Kopf kräftig, dann schaute er Cirádan wieder an und widmete sich seinen beiden Fragen.
“Nein, nicht wirklich. In meinen Augen tut der schwarze Herr da vorne nur so, als sei er der beste. In Wirklichkeit will er nur seine Schwächen überspielen.“ Nihil schaute Cirádan an und brachte dann doch sein zusammenzucken und wegrollen zur Sprache. “Vielleicht solltest du dich nicht gleich vor ihm verziehen und ihm klar zeigen, dass er dir Angst macht. Bleib doch mal ruhig und geh nicht auf sein Gefasel ein. Dann hört er schon irgendwann auf, dich stetig zu ärgern. Ärgert er dich nur, weil du zur Hälfte blind bist, oder weil du der Kleine bist?“
Neugierig schaute Nihil ihn an und wartete auf eine Antwort, bevor er mit der Beantwortung der zweiten Frage fort fuhr. Ob er dabei von jemand anderem gehört wurde, wusste er nicht, doch im Grunde genommen war ihm das egal. Würde nicht eh bald jeder wissen, dass er die Nichtswolf war? Derjenige, der aus dem Nichts kam? Ja, sicherlich würde das bald jeder wissen, warum auch nicht?
“Doch, Engaya existiert wirklich. Wenn es sie nicht geben würde, wäre ich jetzt nicht hier.“, begann Nihil. “Engaya erzählte mir später, wie ich zur Welt kam. Meine Mutter war auf dem Weg hierher und suchte Unterschlupf, fand aber keinen. Nahe dem Nichts brach sie zusammen. Das Nichts verschluckte sie allmählich, aber Engaya hat sie am Leben erhalten. Sie sagte mir, dass sie damals nicht gewollt hatte, dass der einzige Welpe meiner Mutter sterben sollte. Also wurde ich im Nichts geboren. Kaum auf der Welt, starb meine Mutter, wie jedes Lebewesen, das in das Nichts geriet. Doch ich konnte dort leben. Engaya kümmerte sich um mich, ich verdanke ihr, dass ich nicht verhungert bin. Aber mir scheint, als habe sie damals nicht gewusst, was mit mir passiert, wenn ich im Nichts geboren werde. Denn ich durfte und konnte das Nichts nie verlassen. Ich finde es sehr seltsam, dass ich jetzt hier sein kann. Warum, habe ich noch nicht raus gefunden, aber ungefähr ein ganzes Jahr im Nichts leben ist echt nicht unbedingt das, was sich ein Wolf wünschen sollte. Kein Himmel, keine Farben, Gerüche, Laute, andere Wölfe oder Tiere. Niemand. Manchmal habe ich mit Engaya gesprochen, sie kam zu mir, doch mehr nicht. Nie war jemand da. Aber dennoch habe ich das Nichts immer als meine Mutter, meinen Vater und meine Geschwister angesehen. Das Nichts war alles für mich, mein Rudel.“
Nihil verstummte. Sein Blick war leer, er starrte in die Ferne. Vor seinem Inneren Auge lief gerade in Rekordzeit seine gesamte Vergangenheit ab. Oh ja, das Nichts war sein Rudel gewesen. Sein Rudel.
Einen Moment später schaute er Cirádan an.
“Ich kann nur hoffen, dass du mich verstehst. Aber im Endeffekt ist es deine Aufgabe, das zu glauben, was du glauben willst. Nicht das, was andere wollen, dass du es glaubst. Glaube, was du glauben willst.“
Mit diesen Worten ließ Nihil seinen Kopf zwischen seinen Pfoten auf den Boden sinken und starrte wieder in die Ferne.
[Aszrem's Gruppe | erst Krolock und Cirádan | dann Cirádan]
18.05.2010, 15:05
Takashi beobachtete einen Moment lang Nerúi und Chardím, die sich gegenseitig ärgerten und rauften. Der Schwarze schmunzelte heimlich in sich hinein. Die beiden waren noch jung; das merkte man ihnen an. Sie waren voller Ungeduld und konnten kaum noch einen Moment länger abwarten. Dennoch stimmte es, dass sie hier schon eine Weile lang verharrten und das es nun endlich Zeit wurde, um aufzubrechen.
Auf die Frage, was die beiden Jungwölfe für eine Aufgabe übernehmen sollten, wusste der schwarze Rüde keine Antwort. Die Kleinen suchten zwar nach einer Beschäftigung, aber anfangs konnten sie wohl kaum mehr als aufmerksam zuhören oder beobachten. Es war wichtig, einige Vorkenntnisse zu haben, da auch eine Jagd nicht allzu ungefährlich sein konnte; selbst für den Jäger nicht.
Männliche Hirsche hatten Geweihe, denen man besser nicht zu nah kommen sollte! Da sie diese zum Kämpfen unter der eigenen Art benutzten würden sich bestimmt nicht davor zurückschrecken, einen Wolf mit ihrem Geweih wegzustoßen. In der Hinsicht hatte aber kein einziger Wolf einen Schutz oder konnte sich dagegen wehren.
Der Schwarze erschrak ein wenig, als eine völlig außer Puste geratene Fähe auf die winzige Gruppe zukam. Die Weiße mit den tannengrünen Augen war doch Shani Caiyé! Auch sie gehörte zu der kleinen Gruppe. Der Rüde Takashi freute sich über jeden weiteren Wolf, der dazu kam.
“Schön, dass auch du zu uns gefunden hast! Schmetterlinge? – Ach, das macht doch gar nichts! Wir haben ja auch noch gar nicht angefangen. Das heißt, dass du gar nichts verpasst hast.
…
Sollten wir vielleicht jetzt los gehen? Was meint ihr? Wir werden schon sehen, wie sich das aus der Situation heraus ergibt.“
Der Rüde mit den tiefblauen Augen blickte noch einmal freundlich in die Runde. Danach machte er einige Schritte in die Richtung zu, wo auch der Wald endete. Hier konnte man zwischen Bäumen, Sträuchern und vielen anderen Gewächsen hindurch eine große zerstreute Gruppe von Hirschen in der Ferne erkennen.
“Seid am Besten ganz leise! Ein knackendes Ästchen kann diese Hirsche dort vorne schon aufschrecken!
…
Alte, kranke oder verletzte Tiere stellen sich oftmals als einfache Beute heraus, da sie sich etwas langsamer fortbewegen. Könnt ihr vielleicht eines entdecken?“
Für den Anfang und die jagdunerfahrenen Jungwölfe war es doch wirklich das Beste, ein leichtes Testobjekt ausfindig zu machen. Einem gesunden und starken Tier hinterher zu jagen war schließlich schon schwieriger. Aber eigentlich war es ja gar nicht das Ziel, eine erfolgreiche Jagd zu absolvieren. Hierbei handelte es sich schließlich um eine Lehrjagd, bei der Fehler vorkommen durften.
Vielleicht waren die beiden Jungwölfe nun ein wenig beschäftigt, da sie die Hirsche genau beobachten mussten, um ein gutes Testobjekt ausfindig zu machen. Takashi atmete leise auf.
[nördlicher Mischwald | Hirsche beobachten | Neruí, Chardím, Majibáh, Shani Caiyé, Jarrèll Nathaniêl]
18.05.2010, 20:59
Nun stand Ahkuna hier. Auf diesem Stück Land. Was hier wohl früher einmal stand? Egal. Es gab in diesem Moment keine Vergangenheit und keine Zukunft. Nur das hier und jetzt zählte. Vor alle dem, da Ahkuna nun wieder mit dem ganzen Rudel jagen konnte. Das war ein so schönes Gefühl, das sie schon die ganze Zeit Schmetterlinge im Bauch hatte. Schon langsam machte sie sich darüber sorgen, dass sie vielleicht platzen könnte. Sie war so unglaublich aufgeregt, dass es schon fast schmerzte. Gerade schien ihr Magen sich umzudrehen und sich entleeren zu wollen-und das in dieselbe Richtung, in die vorher sein Inhalt reingekommen war.
Na klasse. Sie war also höllisch nervös, ihr Magen schmerzte und ihre Glieder zitterten. Was gab es schöneres? Wahrscheinlich würde jemand anderes eine Antwort darauf haben aber Ahkuna nicht. Sie mochte dieses Gefühl, auch wenn das nun merkwürdig klang. Es war so wundervoll angenehm, dass sie nicht genug davon kriegen konnte.
Vor Vorfreude hätte sie nun aufheulen können. Endlich. Voller Nervosität fing sie an zu tänzeln und lies ihre Rute immer wieder hin und her pendeln. Das Laufen war schon so aufregend, so musste die Jagd noch besser werden. Schon vorher war Ahkuna etwas aufgeregter hinter den anderen her gelaufen. Warum sie allerdings alle erst aufgeteilt werden mussten, war ihr ein Rätsel. Das wäre umso spaßiger geworden und sie hätte so gerne mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern gejagt, doch man konnte ja nicht alles kriegen. Vielleicht waren es auch einfach zu viele, sodass eine gute Lehrjagd nicht möglich gewesen wäre.
Nachdem sie alle wieder stehen geblieben sind und sich berateten hatte sich Ahkuna etwas abseits hingestellt und sah sich um. Nicht nur, um sich die Landschaft einzuprägen sondern auch, weil sie sich selbst wieder runter schrauben musste. Nachdem sie ein paarmal langsam ein- und ausgeatmet hatte, bewegte sie sich langsam wieder auf ihre Gruppe zu. Was sie wohl machen durfte? Sollte sie sofort fragen oder erst mal die anderen reden lassen? Hm. Vielleicht sollte sie nun erst einmal ihnen zu hören und vielleicht später ins Gespräch einfallen. Gute Idee. So stellte sie sich unauffällig dazu und versuchte, das Thema zu verstehen.
[Bei ihrer Gruppe l Hat sich unauffällig dazu gestellt.]
Wenn ihr was findet, was nicht so passt, sagt mir bitte bescheid ^^“
18.05.2010, 21:19
Still bewunderte Cirádan den anderen dafür, dass er sich von Krolock nicht unterkriegen ließ. Doch die Stille die entstand nachdem sein Bruder sich entfernt hatte, war für den Hellen unangenehm. Unsicher scharrte er mit den Vorderpfoten in der Erde, bis Nihil endlich zu sprechen begann. Erleichtert atmete Cirádan aus und stellte seine Ohren nun neugirig auf. Zwar war seine Rute immer noch eingeklemmt, doch interessierte es ihn ehrlich, was dieser Jungwolf zu sagen hatte.
Bewunderung lag in Cirás Augen als er den weißen ansah. Dieser hatte Krolock noch seine Meinung zugerufen. Wie man mit der Beute spielen sollte. Er schien klug zu sein und hatte keine Angst vor Krolock. Eigenschaften die Cirádan gerne selbst an sich hätte.
Doch seine nächsten Worte überraschten ihn. Sein Blick wurde erstaunt. Krolock und Schwächen überspielen?
"Krolock hat Schwächen?", entfuhr es ihm überrascht. Das klang in seinen Ohren so völlig absurd, aber gleichzeitig konnte sich Cirádan für diesen Gedanken schelten. Jeder Wolf musste irgendwelche Schwächen haben, sonst wär er ja nicht echt, oder?
Als Nihil jedoch auf seine Ängstlichkeit und Unterwerfung gegenüber seinen Bruder zu sprechen kam, sah Cirádan peinlich berührt zu Boden. Seine Pfoten waren nun steif durchgestreckt und die Ohren wieder zurück gelegt.
Natürlich hatte er leicht reden... Aber dennoch dachte er über diese Worte nach. Warum ärgerte Krolock ihn immer? ... Er hatte ihn schon geärgert bevor Cirádan blind wurde.
Aber dennoch sagte es nichts aus. Immerhin war er nicht so mutig wie Krolock oder auch Nihil.
Doch die nächsten Worte von dem jungen Wolf ließen ihn wieder diese Gedanken vergessen. Cirádan konnte nur mehr überrascht auf aufatmen.
Nicht weil der junge Wolf neben ihm an Engaya glaubte, sondern all das was er erzählte.
All das was er da erzählte, klang einfach unglaublich in seinen Ohren. Konnte es denn wirklich sein? Nihil wurde im Nichts geboren? Und er kannte Engaya?
Cirádan betrachtete den jungen Wolf, aber er schien es wirklich ernst zu meinen. Er sprang nicht gleich wieder auf und meinte, dass er ihn nur veräppeln wollte.
Ob er ihn verstehen konnte? Wohl nicht... oder vielleicht doch?
Doch an was er glauben sollte ... dass wusste Cirádan jetzt immer noch nicht.
"Weißt du. Ich kann dir das zwar nicht wirklich glauben, aber das was du gesagt hast, klingt so wahr. Doch... "
Der Helle schüttelte den Kopf. Sah dann wieder zu Krolock, zu Aszrem und zu dem Rotwild in der Ferne, bevor sein Blick wieder zu Nihil fand.
"Warst du da nicht furchtbar einsam? Ich hatte zwar das Rudel an meiner Seite, doch seit meine Mutter fort ist... fühle ich mich einsam. Und du. Du hattest ja gar niemanden da, oder?", wollte er wissen.
Er konnte einfach nicht verstehen, wie er hatte überleben können. So ganz alleine. Nur mit Engaya?
[Aszrems Gruppe - im Hintergrund mit Nihil]
18.05.2010, 21:39
Es war schwierig sich im Zaum zu halten, wenn gleich etwas spannendes passieren sollte, worauf man sich freute. Laufen, sprinten, hetzen – mit dem Wind um die Wette laufen, so schnell wie man nur konnte. Zumindest hoffte die Weiße darauf, dass den Jungwölfen diese Aufgabe übertragen wurde. Nur zu sehen, wie Erwachsene das machten – darauf konnte Aléya auch gut verzichten. So würden sie niemals selbstständig jagen können. Ihr Protest wäre ihnen sicher gewesen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit schien sich auch Sheena aufzuraffen und zugleich die wichtigste Frage zu stellen. Wer wollte denn schon nicht mit, vor allen Dingen von den Jungtieren? Schwachsinn.
Als dann allen ernstes eine weiße Fähe mit grünen Augen mit grünen Augen verkündete, dass sie sich nicht traute zu jagen, wäre Aléya beinahe die Kinnlade herunter geklappt. Aber sie beherrschte sich. Ein erwachsener Wolf, der sich nicht traute zu jagen! Wo gab es denn so etwas?!
Verdutzt blickte sie der Fähe hinterher, die sich zu der anderen ihr unbekannten, entstellten Fähe gesellte. Kurz kniffen sich ihre Augen zusammen, ihre Lefzen zuckten über diesen skurrilen Haufen, der sie betreuen und unterrichten sollte. Nun denn.
Sheena fuhr unbarmherzig mit ihrer Rede fort. Unwirsch zuckte die Rutenspitze der Fähe. Sie hatte dieses Herumsitzen satt. Immerhin war sie kein altersschwacher Wolf, der Geschichten erzählte. Sie stand nicht mal in der Blüte ihrer Jahre, still sitzen und immer nur warten war nicht ihr Gebiet.
Unruhig verlagerte sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere, wartete gespannt ab, dass es weiter ging, sie die ersten Informationen erhielten.
Oh nein, Sheena schien alles gelassen angehen zu wollen. Himmel, sie freute sich ja, dass sie in dieser Gruppe war, aber verstand die Ältere denn nicht, dass sie endlich los legen wollte? Das Interessante kam erst danach. Die Beutetiere hatten eine Rangfolge, genau wie ihr Rudel. Sie hatte schon ein Mal davon gehört.
„Außerdem hinterlassen sie manchmal eine Blutspur, wenn sie verletzt sind. Außerdem erkennt man kranke Tiere sehr deutlich an ihrem Geruch. Maden oder Würmer, die einem Tier zu schaffen machen verursachen einen bestimmten Geruch, den man nur an ihnen wahr nimmt, nicht am Rest der Herde.“, ergänzte sie Caylees Ausführungen und legte noch ein mal die Stirn in Falten. Hatte sie noch etwas vergessen?
„Leben sie vielleicht auch etwas abseits oder außerhalb der Herde? So wie ein rangniedriger Wolf?“
Erneut durchforstete sie ihr Gedächtnis, dann schlich sich ein leises Lächeln auf die Lefzen. Natürlich.
„Oder Jungtiere, die in dem Gedränge und der Panik von den Eltern getrennt werden. Sie geben auch eine ideale Beute ab, sind sie doch das schwächste Mitglied der Herde. Richtig?“
Auf die Nachfrage, ob es sonst noch etwas Unklares zu klären gab, gaben die anderen schon ein deutliches Signal: Es sollte endlich los gehen!
Kurz bevor die Weiße aufstand, um die Gruppe vielleicht etwas anzutreiben, tauchte wie aus dem Nichts Avendal auf.
„Ave!“
Der freudige Jauchzer ging in einem halben Kläffen unter, als sich die Schneeweiße ungestüm auf ihre beste Freundin mit den großen Ohren warf. Die Rute wedelte kräftig hin und her, während sie zärtlich nach einem der großen Ohren schnappte und neckisch dran zog.
„Schön das du da bist.“
Kurz noch über die Schnauze geschleckte, dann ließ Aléya auch wieder von ihrer Freundin ab. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin jagen – was konnte es schöneres geben?!
„Komm schon, Sheena. Lass uns nicht länger warten.“
[bei ihrer Gruppe, neben Avendal]
18.05.2010, 22:13
Der ruhige Gesichtsausdruck nahm einen Hauch an Güte und Wohlwollen an. Die stahlblauen Augen betrachteten die beiden Jungfähen, die ihn ein Stück weit an seine eigene Jugend erinnerten. Nun, mehr oder weniger. Seine Jugend hatte er fernab seines Rudels und seiner Familie verbracht, hatte gelernt, sich verbessert und war in der Zeit zu einem vollkommen anderen Wolf geworden. Niemand hatte es für möglich gehalten, dass dieser schwache Welpe, der er gewesen war, überleben würde und erstrecht hatte es niemand erwartet, dass er sich zu einem solchen Jungwolf entwickeln würde.
Innerlich musste er grimmig lachen. Welch Ironie.
Leicht schnippte ein schwarzes Ohr, als wollte es eine Fliege oder auch nur seine Gedanken, die in jenem Augenblick nicht weniger lästig waren, verscheuchen.
Mit gelassenem Ausdruck nahm es Shaén hin, dass die graue Jungwölfin nach einem Nicken und der Antwort auf seine Frage zu der Gruppenleiterin ging. Oh ja, er spürte, dass sie pure Energie und Tatendrang versprühte.
Mit einer solch positiven Einstellung würde gewiss auch eine schlichte Lehrjagd erfolgreich werden, dessen war er sich sicher.
Mit dem Kopf wandte sich der Dunkle nun an die helle Gruppenleiterin Jumaana, die voller Stolz verkündete, dass es eine große Ehre war, diese Gruppe zu leiten.
Innerlich schmunzelte der Rüde. Sollte die Weiße weiterhin so viele Worte, wie bei einer verlieren, würde sie schnell das Gehör der Jungtiere verlieren, die los legen wollten. Ungeduld und die daraus entstehende Eile konnte gefährlich werden. Jungwölfe, die nicht zugehört hatten, weil sie in Gedanken längst der Beute hinterher jagten oder sie gar schon im Fang hielten, gefährdeten letzten Endes sich selber und unter Umständen die ganze Gruppe.
„In der Kürze liegt die Würze, Jumaana.“, zwinkerte er ihr zu, hob dann aber witternd den Kopf.
Eine Fremde? Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gesponnen, da trat plötzlich eine weiße Fähe zu der Gruppenleiterin, die gleich reagierte. Ebenso der tiefschwarze Beta, Face, den er bisher nur flüchtig kennen gelernt hatte.
Leicht richteten sich die dichten Nackenhaare des Wanderers auf, die Augen leicht zusammen gekniffen wurde die Fremde gemustert. Anscheinend hatte sie entweder keinerlei Benehmen oder aber hatte es bisher noch nie mit einem fremden Rudel zu tun gehabt.
Nur zu gut erinnerte er sich an so manche Rudel, die nicht so tolerant mit Fremden umgingen und die Fähe entweder kurzerhand fort gejagt oder tot gebissen hätten.
Ruhig verhielt sich Shaén am Rande, lauschte nur Aufmerksam, doch die ungeplante Situation eskalierte nicht. Schnell zog sich die Fremde wieder zurück und die Planung für die Lehrjagd wurden in den Raum geworfen. Jeder sollte sich also einen Jungwolf zur Seite nehmen und der Rest sollte die Beute reißen. Warum nicht? Als Hetzer konnte er mal wieder seine Läufe ein bisschen ausstrecken und die Jungtiere waren ihm eigentlich alle recht.
„In Ordnung. Sollen die Jungtiere wählen?“
Sein fragender Blick wanderte zu den beiden Fähen, zu denen sic noch eine weitere hinzu gesellt hatte. Ebenso hörte er schräg hinter sich ein weiteres Quartett Pfoten auf dem Boden.
Der Blick aus den stahlblauen Augen traf den einer jungen Fähe, älter als die Jungwölfe, aber jünger als der Rest der Gruppe.
Die Helle machte auf ihn einen sehr nervösen Eindruck, sie roch nach Anspannung, zugleich aber auch Vorfreude. Sein geübtes Auge verriet ihm, dass sie ein ehemaliges Jungtier aus dem letzten Jahr sein musste. Innerlich ärgerte sich der Rüde ein wenig. Immerhin begleitete er das Rudel nun schon eine Weile und kannte noch immer nicht alle Namen. Zeit dies zu ändern.
Mit geschmeidigen Schritten lief Shaén auf die Jüngere zu, die ihm entgegen kam.
„Du wirst so nervös. Ist alles in Ordnung?“
[bei seiner Gruppe, bei Ahkuna]
19.05.2010, 15:57
Nihil hob seinen Kopf an, als er Cirádan’s erstaunte Aussage vernahm. Warum sollte Krolock keine Schwächen habe? Jedes Tier hatte Schwächen, niemand war perfekt. Ohne Schwächen war es doch gar nicht möglich, zu leben! Und wenn, dann war das außerhalb Nihil’s Vorstellungsvermögens.
Dann nickte Nihil zur Bestätigung.
“Ja, auch Krolock hat Schwächen. Du hast welche, Aszrem hat welche, alle anderen, die sich hier aufhalten, haben Schwächen. Ich auch, niemand ist perfekt, nicht einmal Engaya ist perfekt.“
Sein Blick schweifte über die Ebene. Seine Nase blähte sich auf, er hatte Lust zu jagen, aber die Unterhaltung mit Cirádan war jetzt sowohl für ihn selbst, als auch für den hellen Jungwolf sehr wichtig, diese Unterhaltung ging klar vor. Zumindest im Moment. Dann schaute Nihil den Jungwolf neben ihm wieder an, als er zu sprechen begann. Er brach ab, ließ seinen Blick schweifen, schaute wieder ihn an. Seine Worte waren berechtigt. Es war schon komisch gewesen.
“Ja, sicher, ich war einsam. Ich habe mich nie mit jemandem unterhalten können. Krolock war der erste, mit dem ich je Kontakt aufgenommen hatte, als ich noch im Nichts lebte. Ich habe es geschafft, Krolock und Takashi auf mich aufmerksam zu machen. Krolock hat mich im Nichts gesehen, er schien es nicht zu verstehen. Ich weiß aber nicht, ob er es jetzt versteht, oder ob es ihm noch immer unklar ist.“
Nihil hatte während seiner eigenen Worte seinen Blick auf Cirádan geheftet behalten, nun schaute er zu Boden. Sein Gesprächspartner hatte ebenso wie er selbst seine Mutter verloren, es gab nur zwei Unterschiede: Cirádan war mit Mutter aufgewachsen und hatte sie erst später verloren. Danach hatte er aber noch das Rudel gehabt, egal wie einsam er sich da gefühlt hatte. Nihil hatte nie eine richtige Wolfsmutter gehabt, auch wenn er Engaya ein bisschen als seine Mutter ansah, da sie sich um ihn gekümmert hatte, aber auch Nihil wusste, dass Engaya nicht seine richtige Mutter war, sein konnte. Sie war nicht immer für ihn da gewesen. Wie es eine richtige Mutter doch tun sollte, oder? Und Nihil hatte nach dem Verlust seine Mutter auch kein Rudel an seiner Seite gehabt.
Nihil hob seinen Blick wieder und schaute Cirádan in die Augen.
“Du kennst deine Mutter wenigstens.“, sagte er leise.
Er konnte Cirádan keine Vorwürfe machen, er hatte einen schweren Verlust erlitten, ebenso wie Nihil. Aber es machte Nihil dennoch traurig, niemanden zu haben. Nicht einmal seinen Vater.
[Aszrem’s Gruppe | im Hintergrund bei Cirádan]
19.05.2010, 17:58
Nihil erklärte, dass alle die hier waren Schwächen hatte. Und sogar Engaya. Aber war die nicht nach Meinung der anderen Wölfe eine Göttin? Völlig unfehlbar und perfekt?
Und Cirádan... ja, er war das Gegenteil von Perfekt. Immerhin hatte er nur Schwächen. Aber es gab wohl sowas wie eine Verteilung der Schwächen. Manche hatten davon mehr, andere weniger. Und Krolock hatte davon wohl eindeutig weniger, wie der Helle fand.
Cirádan beobachtete den Jungwolf neben sich. Er schien jagen zu wollen. Spielen zu wollen? Aber dennoch blieb er. Vielleicht war er auch einfach nur höfflich. Doch hätte sich Nihil ja auch von Cirádan wegsetzten können. Zumindest hätte der Helle es erwartet, dass dieser ihm aus dem Weg gehen würde. Zumindest noch vor einigen Augenblicken. Er hatte gedacht, Krolock hätte ihm gesagt, er sei ein Feigling... Ach, bestimmt hatte sein Bruder gesagt, dass er ein Feigling war.
Und dennoch war dieser junge Wolf, Nihil. So stark. Und das obwohl er vorher ganz allein gewesen ist.
Einsam und er hatte nichtmal eine Schwester. So wie Cirádan Liel hatte.
Doch irgendwie schien er diesem Nichts entkommen zu sein. Mit Hilfe von Krolock? Und auch Takashi. Nein, Cirádan hätte es an seiner Stelle wohl auch nicht verstanden.
Während Nihil den Blick abgewendet hatte, sah ihn der Helle immer noch an. Er konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wie sich Nihil fühlen musste. Immerhin war er so anders als er selbst.
Als der Jungwolf ihn wieder ansah, zuckte Cirádan leicht zurück. Doch sein Blick suchte immer noch den von Nihil.
Ja, er hatte seine Mutter gekannte.
Unsicher blickte Cirá weg.
"Tut mir Leid. Ich meine, dass du deine Mutter und deinen Vater nicht gekannt hast. Und auch keine Geschwister hattest. Aber..."
Cirádan stutzte. Er wusste selbst nicht so Recht was er sagen sollte, weshalb er Nihil nur unschlüssig anstarrte, bevor er langsam und stockend zu reden begann.
"Nun bist du ... ja hier. Es muss ja einen Grund gehabt haben. Also, das Krolock dich gesehen hat. Und das du nicht mehr im Nichts bist. Sondern hier... Also. Du hast ja jetzt viele Wölfe um dich herum und bist nicht mehr allein, oder?"
Er wusste nicht, ob er Nihil aufmuntern wollte. Oder warum er das sagte. Immerhin sprach Cirádan kaum mit jemanden und zog sich nur zurück.
[Aszrems Gruppe - im Hintergrund mit Nihil]
19.05.2010, 20:29
Och menno. Dieser Rüde war die Langeweile in Person. Keine Aktion, kein Temperament und vor allen Dingen kein Rückgrad. Der Rüde war kein ganzer Kerl und somit für die Dunkle mehr als nur uninteressant. Er war wertlos. Genauso wertlos, wie sie es alle irgendwo waren.
Im Laufen überlegte Amáya, wie sie nun am besten vorgehen konnte, um doch noch zu ihrem Spaßfaktor zu kommen. Provokationen brachten nichts, damit biss sie bei ihm auf Granit. Sticheleien klappten nicht, er hatte kein Gehör dafür.
Ö.d.e!
Ihn einfach nur durch das Revier zu schleusen empfand sie allerdings genauso ätzend, wo blieb da die Spannung? Das Revier war ihr bekannt, bot es doch genau das gleiche wie das alte auch. Gleiche Wölfe, gleiche Gestalten, gleiches Revier. Was interessierte es sie.
Vielleicht konnte sie etwas Spannung und Tempo in die Sache bringen, wenn sie den Schwarzen nicht nur irgendwo ablieferte, sondern die Situation noch etwas aufheizte.
So teilnahmslos wie er war konnte es doch durchaus sein, dass er schlicht alles mit sich geschehen ließ, egal ob es nun der Wahrheit entsprach oder ihrer Langeweile entsprang.
Möglicherweise würde er sich dann aufregen und sie konnte etwas Spaß haben. Ein Versuch war es immerhin wert.
Da Konsequenzen ihr sowieso gleichgültig waren, warum nicht.
Ein nun etwas freundlicheres Lächeln glitt auf ihre feinen Gesichtszüge. Munter zog sie an dem Wanderer vorbei, wies ihm sicher den Weg.
„Ach komm schon. War nur Spaß. Ich bringe dich hier heile raus, bevor dich andere Wölfe auffressen. Der Dicke könnte es glatt tun...“
Das Kichern aus ihrer Kehle erklang verhalten amüsiert und kokett zuckten ihre Ohren.
„Aber keine Sorge.“ Ein kurzes, angedeutetes Zwinkern. „In Ordnung, Wanderer. Während wir unterwegs sind, könntest du etwas von dir erzählen. Wie hast du dich hier verlaufen?“
[im Wald bei Tarik]
19.05.2010, 20:57
Die goldenen Seelentore lagen still und bewegungslos auf dem schwarzen Wolf vor ihm. Katsumi hielt sich im Hintergrund auf, atmete flach und gab kaum einen Laut von sich. Selbst die sonst so flinken Ohren bewegten sich nicht und die Rute hing erstarrt am schlanken Körper herab. Dennoch lauschte der Braune Takashi’s Worten. Es war freiwillig, die ganze Aktion hier, sie war freiwillig. Katsumi hätte sich nur umdrehen müssen und schon wäre er fort gewesen. Hätte hier nicht mitwirken müssen. Aber er blieb, wo er war. Als die Wölfe sich aufteilten um den Jünglingen das Jagen zu erlernen, tapste der Braune seiner Gruppe nach. Und dabei fasste er einen Entschluss! Katsu’s Augen erblickten Majibáh. Sie fröstelte, aus welchen Gründen auch immer. Ihr Gesicht wirkte traurig und einsam, ihre Haltung ähnelte der von Katsu - vor seinem Entschluss. Nun nahm sich der Rüde einen weiteren Entschluss und schritt zu der weissen Fähe. Sie war kleiner als er und durch ihre geknickte Haltung liess sie noch kleiner Erscheinen. Kaum an ihrer Seite kuschelte er sich in ihr Fell.
“Ist dir kalt..?“
Katsumi hatte sich für das Glücklich und gegen das Traurig sein entschieden. Er hätte den Rest seiner Tage mit Trübsal blasen verbringen können. Aber dann hätte er weder sich noch Nisha noch Akru einen Gefallen gemacht. Eigentlich niemanden. Auch Shani nicht, welche sich so lieb um ihn kümmerte. Aber Katsumi wollte nicht mehr trauern. Er wollte wieder lachen und Freundschaften pflegen. Hier in seiner neuen Heimat, bei seiner neuen Familie.
Der Braune war sich nicht 100%ig sicher, ob Majibáh wusste, wie sein Name lautete. Zwar wanderte auch sie schon lange hier mit, aber Katsu war mehrheitlich bei Akru und Isis und die letzten Tage alleine. Aber wahrscheinlich kannte sie ihn ja doch. Hoffentlich fürchtete sie seine Nähe nicht. Die Goldenen Augen glitten an dem weissen Fell entlang und so schielte der ehemalige Alpha über den Rücken der kleinen Fähe in Shanis Augen, lächelte ihr zu. Sie soll seine neu gewonnene Freude sehen, seine Entschlossenheit fühlen. Er wollte ihr nicht länger zur Last fallen. Und sich selber auch nicht. Katsumi wusste nicht, weshalb die Fähe unter seinem Kopf litt. Aber er schenkte ihr Trost. Ob sie es annimmt oder liess, war ihr selber überlassen. Der Rüde hob sein Haupt von dem schlanken Rücken herunter und sah wieder zu Takashi. Seine lehrreichen Worte ähnelten denen aller Eltern. Das Jagen, die wichtigste Prüfung eines jeden Welpen.
“Eine der Hirschkühe lahmt...“,
flüsterte der Braune Majibáh ins Ohr, so, dass nur sie es hörte. Schliesslich konnte er und sie jagen, aber die jüngsten noch nicht. Mit einer leichten Gewichtverlagerung wich Katsumi leicht von der Seite der Weissen, wollte sie seine Wärme, konnte sie zu ihm, doch wollte sie den Abstand so konnte sie es hierbei lassen.
[Bei seiner Gruppe | nördlicher Mischwald | nahe bei Majibáh]
20.05.2010, 00:19
Viel zu viel stürmte auf die recht unerfahrene Fähe ein. Zumindest zuviel für ihren Geschmack. Doch Tyraleen musste wissen, dass sie die Situation meistern konnte und sie würde ihr keinen Grund zum zweifeln bieten. Also musste sie sich eine Taktik überlegen um auf jeden Wolf einzugehen und den Kleinen ihre Position zuzuweisen. Am Besten eine Position in der nicht viel passieren konnte. Doch sie war sich nicht sicher, wie die Jungwölfe darauf reagieren würden, wahrscheinlich fanden sie den Part des Hetzens am spannendsten, doch den wollte Sheena ihnen nicht überlassen. Ihrer Meinung nach war das viel zu gefährlich.
Auf Jakashs Reaktion musste die Weiße leicht lächeln, verflog dieses Lächeln doch recht schnell wieder, als sie die Ungeduld der Jungwölfe vernahm. Diese wollten am liebsten einfach losrennen, doch sie durfte nichts überstürzen. Sie erinnerte sich vage an ihre erste Jagd, welche in einem großen Tumult geendet war, es hatte viele Verletzte gegeben, dies sollte nun nicht der Fall sein.
Sie blickte in die Runde, welchen Wölfen konnte sie wohl einen Großteil der Verantwortung übertragen? Sie ärgerte sich darüber, dass sie so wenig Kontakt mit den anderen hatte, sodass sie nicht wusste, an wen sie sich wenden konnte.
Neugierig betrachtete sie die weiße Fähe, die sich zu ihr gesellte. An sie konnte sie sich erinnern, Lyerra war ihr Name und sie hatte sie zusammen mit einer weiteren Fähe, die das Rudel bereits wieder verlassen hatte, aufgenommen. Anscheinend war Lyerra nicht sonderlich zuversichtlich, vielleicht hatte sie auch einfach nur Angst, ihr konnte sie also keinen hohen Posten zuteilen, genauso wenig wie der anderen weißen Fähe, die, wie sie erschrocken feststellen musste, einige Verunstaltungen aufwies. Aus dem Gespräch der beiden konnte sie entnehmen, dass auch Minyala, wie die Weiße sich vorstellte, keine oder nur wenige Erfahrungen im Bezug auf eine Jagd gesammelt hatte.
Da hatte sie der erste Eindruck wohl getäuscht, vielleicht hatte sie eine doch nicht ganz so gute Gruppe erwischt, wie sie zu Anfang gedacht hatte. Aber da musste sie nun durch.
Immerhin meldete sich nun Caylee zu Wort, auch ungeduldig, aber sie beantwortete ihre Frage, welche kurz darauf von Aléya weiter ausgeführt wurde. Auch Avendal war mittlerweile zu ihnen gestoßen und entschuldigte sich schuldbewusst für seine Verspätung. Sie fuhr im sanft mit der Schnauze über die Stirn.
„Alles in Ordnung Avendal, du hast noch nicht so viel verpasst, eigentlich hatte ich bis jetzt nur gefragt, woran man ein schwaches Tier unterscheiden kann…“
Danach nickte sie Aléya und Caylee zu. War Caylees Antwort doch recht knapp gewesen, so war die von Aléya deutlich ausführlicher. Anscheinend hatte sie sich schon ein wenig mehr mit dem Thema der Jagd auseinander gesetzt als Caylee es getan hatte, aber das war ja kein Problem, dazu waren sie schließlich hier.
„Genau richtig ihr zwei, dann könnt ihr mir sicher auch sagen, ob sich ein solches Tier in der Herde befindet, oder? Und nun sucht bitte nicht nach einem Jungtier, sondern einem älteren oder kranken Tier.“
Sie blickte selber hinüber zu den Hirschen und hatte schnell eines ausgemacht, was leicht zu humpeln schien. Gleichzeitig stieg ihr der Geruch einer kränkelnden Hirschkuh in die Nase. Nun, da hatten die drei Jungwölfe ja eine nette Auswahl.
Doch bisher kam Sheena sich weniger glaubhaft vor und sie meinte dies sogar in Caylees Augen gesehen zu haben. Sicher war sie sich jedoch nicht. Irgendwie musste sie mehr in die Tiefe gehen, doch wer hatte ihr schon das Jagen beigebracht. Nur sie selbst und nun sollte sie dies weitervermitteln.
Obwohl sie sich innerlich immer kleiner vorkam, richtete sie sich zu ihrer vollen Größe, was nicht sonderlich viel war, auf und blickte erneut in die Runde.
„Rakshee und Jakash. Ihr beide werdet mit mir treiben. Wir werden das Tier, was unsere drei Jungwölfe gleich hoffentlich richtig auswählen, von der Herde trennen. Dabei wird der Rest sich ein wenig im Hintergrund halten, Lyerra, Malakím und Parveen werden die restliche Herde im Auge behalten, während ich mit Kisha das Tier reißen werde. Ihr zwei werdet mir dabei auch helfen und die Wel… Jungwölfe werden sich beim Trennen noch ein wenig im Hintergrund halten, aber sobald wir es sicher abgeschnitten haben mit uns zusammen das Tier erlegen. Ich denke, dass sollte sie nicht in Gefahr bringen und sie können jede Position ein wenig kennen lernen.
Oder hat jemand Einwände?“
Ihr blickt glitt erneut über die Runde und bei Rakshee blieb er hängen. Sie hoffte, dass die Fähe genügend Erfahrung hatte um ihr widersprechen zu können, wenn sie irgendeinen Blödsinn von sich gab. Doch eigentlich erschien ihr der Aufbau recht gut. Doch man konnte nie wissen, sie hatte immer nur für sich selber gejagt, hatte sich dabei nur auf kleinere Tiere, allerhöchstens sehr schwache beschränkt.
Doch irgendwann musste es mal vorwärts gehen.
Ein etwas ungehaltener Blick wurde an Aléya geschickt, welche unruhig hin und her wippte. Die auffordernden Worte der Jüngeren gefielen ihr nicht sonderlich. Sie sollte ja nicht aufmüpfig werden, vielleicht waren sie einfach noch zu naiv um den Ernst einer solchen Situation zu erkennen, vielleicht hatte sie selber einfach zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Sie würde einen Mix aus beidem bevorzugen um niemanden schlecht dastehen zu lassen.
„Aléya, sobald wir die Einteilung klar haben können wir anfangen. Aber blind drauf los zu stürmen bringt niemandem etwas, außer einer hohe Gefahrenwahrscheinlichkeit.“
[Aléya, Caylee, Avendal, Lyerra, Minyala, Jakash und Rakshee, sowie Kisha, Parveen und Malakím - beobachtend]
(Entschuldigt...)
20.05.2010, 11:39
Mochi Cake betrachtete die fremde Fähe mit den roten Augen ungeduldig, während seiner Ohren immer wieder zur Seite zuckten. Er kriegte mit, dass bei den Jungwölfen Spannungen entstanden und bemühte sich, die Wortwechsel zu verfolgen, dabei aber die Fremde, diese Kantara nicht aus den Augen zu verlieren. Nach einer Weile jedoch riss ihm der Geduldsfaden, da die Fremde ihn nur stumm betrachtete. Ärgerlich sagte Mochi:
"Ja, also verzeih, dass ich unseren großartigen und unendlich spannenden starring contest so rüde unterbreche, aber irgendwie hab das Gefühl, das mit uns zweien, also das führt einfach zu nichts. Du hast nichts mitzuteilen und außerdem beginnt gleich die Jagd... Plus ich bin sowieso hier nicht der richtige Ansprechpartner, weil nur irgendein fetter Wolf aus einem riesigen Rudel, in dem ich nichts zu sagen haben."
Mochi blekte die gelben Zähne zu einem gequälten Grinsen und schloss kurz die Augen, dann nahm sein Gesicht einen seltsam gütigen Gesichtsausdruck an.
"Also nichts für ungut. Sprich mit Aszrem - dem Schwarzen hinter mir - oder geh wieder. Und wenn du dies tust, tu es leise."
Obwohl Mochi so bei sich dachte, dass eine gecrashte Jagd wirklich nichts war, wogegen er etwas einzuwenden gehabt hätte. Und wenn Aszrem die Fremde dafür getötet hätte... Ein feines Lächeln umspielte Mochis Lefzen und verschwand gleich wieder, als hätte der Wind es fortgetragen wie ein Blatt.
Der dicke Rüde drehte sich um, warf einen letzten Blick auf Aszrems After und trat dann neben den schwarzen Rüden, wobei er sich ein wenig duckte und die Ohren anlegte, um etwas Unterwürfigkeit zu signalisieren. Er hatte plötzlich die Lust verloren, den Rüden zu provozieren, außerdem konnte der all diese Dinge mit Mochis Kehle machen - indem er seinen Fang benutzte oder vielleicht auch seine mit Krallen bewehrten Pfoten, wenn Mochi schon am Boden lag oder so. Und dennoch konnte er nicht anders. Mit unterdrückter Lautstärke rief er:
"Hey - ihr Jungwölfe! Wollt ihr was lernen von dem Großen hier oder wollt ihr den ganzen Tag labern über irgendwelche Götter, über deren Existenz wir uns auch später streiten könnten?"
Mochi sah sich um, konnte irgendwo Nihil ausmachen. Natürlich, der einstige Welpe, den Mochi schon damals für einen Vollpfosten gehalten hatte, gleichwohl er diese unangenehme Ausstrahlung hatte, musste natürlich auch bei seiner Gruppe sein. Der fette Graue wippte auf seinen Pfoten hin und her und spürte den Schwingungen seinen enormen Bauches nach. Seine Gedanken wanderten wieder zu Avendal, die ihm seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Wie würde sie sich auf dieser Jagd anstellen?
[bei seiner Gruppe | erst hinter Aszrem bei Kantara, dann neben Aszrem]
22.05.2010, 12:54
Nihil gähnte herzhaft und schüttelte seinen Kopf einmal kräftig. Ihm war etwas langweilig, sicher, das Gespräch mit Cirádan war interessant, doch er wollte etwas tun! Laufen, rennen, spielen, jagen – was auch immer, Hauptsache etwas tun, außer reden. Der Wind strich durch das Gras ebenso wie er durch sein weißes Fell strich. Vor einiger Zeit noch hatte er nur einen Teil des Windes spüren können, als er sich am Rand des Nichts aufgehalten hatte, jetzt konnte er den Wind in seiner vollen Pracht spüren. Genauso wie das Gras unter ihm, die Steine, das Wasser. Er konnte die Vögel richtig singen und trällern hören, konnte sich sicher sein, dass sie da waren und nicht unerreichbar für ihn. Auf eine bestimmte Art und Weise machte das Nihil so glücklich, für ihn war das kaum noch zu beschreiben. Er grub seine Nase einen Moment in die Erde, hob sie wieder hoch und schloss die Augen einen Augenblick. Als er sie wieder öffnete, hockte ein Schmetterling auf seiner Nasenspitze. Auf seiner Nasenspitze! Nihil konnte es nicht fassen und blieb ganz starr. Zwar musste er etwas schielen, um den Schmetterling erkennen zu können, doch es faszinierte ihn so, dass ein Schmetterling auf seiner Nase saß, dass ihm das Schielen völlig egal war. Kurz darauf flog der Schmetterling wieder fort, Nihil schaute ihm hinterher. Einerseits war er traurig, dass der Schmetterling fort war, aber andererseits war er so glücklich wie nie zuvor.
Dann wandte er sich wieder Cirádan zu, der etwas sagte, und hörte ihm aufmerksam zu. Sein „Tut mir Leid“ kam bei Nihil an und er schätze es, wusste aber nicht sehr viel damit anzufangen. Brachten Wörter in dieser Lage überhaupt etwas? Nihil schaute in die Richtung, in die der Schmetterling verschwunden war. Er war nicht mehr allein? Nein, um ihn herum waren Wölfe, aber er kannte gerade mal Takashi flüchtig und sonst nur Cirádan und Krolock. Mit Aszrem hatte er bisher keine Worte getauscht, er wusste nur, dass Aszrem Aszrem hieß, und nicht anders. Er seufzte leise.
“Ja, hier sind Wölfe um mich herum, aber ich kenne kaum einen. Jeder, der mich sieht, sieht in mir einen Welpen, oder Jungwolf, der, bevor das Nichts kam, noch nicht da gewesen ist und während des Nichts eigentlich auch nicht gekommen war. Aber jetzt bin ich hier, und niemand traut sich, mich zu fragen, wo ich herkomme. Dir habe ich es erzählt, Takashi und Krolock wissen es. Aber sonst? Mochi Chake hat auch keinen Schimmer, sieht in mir irgendeinen miesepetrigen Welpen, glaube ich zumindest, und Avendal, na ja, sie kenne ich auch nicht wirklich. Eigentlich kenne ich niemanden. Ich bin immer noch alleine, auch wenn ich mich hier bei vielen Wölfen aufhalte.“
Nihil hatte, während er gesprochen hatte, in den Himmel gestarrt. Nun schaute er erneut Cirádan an, als er eine vertraute Stimme vernahm. Mochi Chake. Nihil grummelte leise und schaute zu Mochi Chake und Aszrem rüber, die nahe beieinander standen. Erneut grummelte Nihil, bevor er sich erhob und Cirádan freundlich anstupste.
“Komm, lass uns lernen, der Dicke hat gerufen.“, sagte er leise und mit einem scherzhaften Ton im Hintergrund.
Er grinste Cirádan an und ging langsam los. Er erblickte Krolock, schaute zu Cirádan zurück, dann schoss er auf Krolock zu und rempelte ihn lachend an. Nihil schlug eine Rolle, als er gegen Krolock stieß und kam auf der anderen Seite von Krolock wieder auf die Pfoten. Auf seinen Lefzen lag ein Grinsen, in seinen Augen ein spielerischer Ausdruck. Sollte Krolock sich doch ärgern, wie er es getan hatte, als er sich beim ersten Mal auf ihn gestürzt hatte!
[Aszrem’s Gruppe | im Hintergrund erst mit Cirádan | dann bei Krolock, etwas hinter ihm Cirádan]
22.05.2010, 20:59
Lyerra musste bei Minyalas Gesichtsaudruck laut lachen. Wie ihr Kopf halb auf dem Boden hing, das sah einfach zu lustig aus.
Als die junge Fähe zu erzählen begann, spitzte Lyerra aufmerksam die Ohren. Bei ihrer Erzählung vom Jagen verging Lyerra die Lust nun komplett.
"Minyala."
sagte sei vorwurfsvoll.
"Jetzt verdirbst du mir noch mehr die Lust aufs Jagen." Lyerra lächelte."Und Sheena... Habe ich was verpasst oder hast du Minyala vergessen?"
Vorsichtig und zurückhaltend wandte sie sich an die ältere Fähe.
+Ich soll die restliche Herde im Auge behalten? Nun gut.+
Mit einem leisen Seufzer ließ die Fähe sich auf ihr Hinterteil plumpsen. Gleich würde es also losgehen.
„Die Herde im Auge behalten. Ich nehme mal an, dass das auch bedeutet, das ich loslaufen muss wenn die Herde auseinander rennt, oder?“
Ihre Frage war wirklich nur eine Frage, und die Fähe legte viel Neugier in ihre Stimme. Sie hatte bis jetzt erst ein oder vielleicht zweimal in einer größeren Gruppe gejagt, aber nie musste sie die Herde beobachten…
+Hoffentlich denkt Sheena jetzt nicht, dass ich total verrückt bin oder so… Immerhin bin ich schon 4 Jahre alt. +
Vorsichtig musterte Lyerra die andere weiße Fähe, dann wandte sie sich wieder Minyala zu.
„Du musst aber auch nicht darüber reden, wenn du nicht willst.“
Fragend schaute sie die junge Fähe ihr Gegenüber an. In einem gleichmäßigen Rhythmus klopfte sie mit ihrer Rute auf den Boden.
[Bein Sheenas Gruppe l Nahe Minyala]
(Tut mir leid, wenn ich irgendwen übersprungen habe oder so, aber ich konnte keine richtige Reihenfolge erkennen und dachte, ich könnte einfach schreiben..)
23.05.2010, 17:43
Rakshee saß inmitten von Wölfen. Sie war mit ihrem Bruder, ihrer Priesterin-Kollegin Sheena und ihrer Patin in die gleiche Gruppe eingeteilt worden. Rakshee wand den Kopf zu Jakash, dessen schwarzer Pelz einen goldenen Glanz trug, den die untergehende Sonne ihm verlieh. Rakshee hatte sich bemüht ihn nicht zuviel alleine zu lassen. Es war lange nichts passiert, und das gab ihr umso mehr Mut. Vielleicht war es bereits vorbei.
Rakshee schluckte unmerklich bei einem Teil von Sheenas Erklärung - und senkte sogleich den Kopf zu Caylee, die zu ihnen gewuselt kam. Ihre kleine Patin mit den Sternenaugen war riesig geworden, so kam es der Braunen zumindest vor. Tragen konnte sie die junge Wölfin jetzt jedenfalls nicht mehr, und diese konnte sich nicht einmal mehr zwischen ihren Läufen verstecken - dafür war sie einfach zu groß.
Rakshee strich mit der Nase durch Caylees Fell, und knabberte sanft in ihrem Nacken.
Genau so leise wie Caylee zuvor gesprochen hatte, antwortete Rakshee nun.
"Das können wir. Aber das müssten wir auf einer Jagd auch dann wenn wir uns gar nicht mögen würde"
Meinte sie, und mit einem Zwinkern warf sie die Vorderläufe in die Luft und machte spielerische Anstalten die Jungwölfin damit umwerfen zu wollen. Auf Sheenas Frage hin tappte Caylee vor, und Rakshee trat etwas näher zu Jakash, schmiegte sich sanft an seinen vergoldeten Pelz, und badete selbst in der untergehenden Sonne.
"Gute Antwort"
Flüsterte sie Caylee zu, als sie wieder zu ihnen zurück kam, und stupste ihr mit der Schnauze gegen das Ohr.
Aléya meldete sich gleich darauf zu Wort, und Rakshee war überrascht von der Genauigkeit ihrer Ausführungen. Die Jungwölfin wusste mehr als die Braune erwartet hatte. Und dann kam Avendal plötzlich angestürmt, und entschuldigte sich zu erst für ihre Verspätung. Nun, viel hatte sie wahrlich noch nicht verpasst, und Rakshee wuffte der Weißen aufmunternd zu.
Sheena begann mit der Aufteilung der Aufgaben, und Rakshee hob den Kopf etwas an. Ihr Verhältnis zu Sheena hatte sich nie vollständig regenerieren können, aber es war im Moment weniger gespannt als üblich - zumal Rakshee Sheenas Anweisungen in dieser Situation so oder so unterstand. Andererseits bewies die Weiße mit dieser Aufteilung Konsequenz - sie setzte genau das um, was sie vorher erklärt hatte, und schenkte der Braunen mit dieser Aufgabe mehr Vertrauen als es ihr Verhältnis ansonsten zulassen würde. Rakshee warf der Weißen einen langen Blick zu, und ein anerkennendes Nicken. Mit einer auffordernden Geste in Richtung Caylee und Jakash trat sie zu Sheena vor, und gebot auch Aléya, Avendal und Minyala mit einem Nicken, näher zu treten.
"Keine Sorge ihr vier - ihr sollt schon noch zu eurer Jagd kommen"
versprach sie lächelnd, die Unruhe der Fähen war geradezu greifbar. Und Rakshee wollte sie aufessen. Die Fähe die vorhin mit ihrem plötzlichen Stimmungsumschwung an den Rand der Gruppe getreten war, meldete sich wieder zu Wort, und Rakshee warf ihr einen freundlichen, aber bestimmten Blick zu.
"Keineswegs, Lyerra. Minyala ist nicht älter als unsere drei Anderen, somit ist ihre Aufgabe doch klar"
Meinte sie, und wand sich freundlich an die entstellte Wölfin.
"Komm nur näher. Ihr müsst nun erst ein mal ausfindig machen welches wir erlegen"
Forderte sie die Fähen noch einmal auf, und zupfte Jalash wie beiläufig am Ohr. Es war alles in Ordnung - und es sollte nur so bleiben.
[Sheenas Gruppe | Direkt bei Jakash, Sheena, Caylee, Aléya, Avendal, Minyala]
23.05.2010, 18:16
Nerúi war froh, dass sie nicht allein geblieben war. Chardíms Ohren, seine Schnauze und das Nackenfell boten ihr gute Angriffspunkte, an denen sie immer wieder herumknabberte. Mit den Pfoten nach ihrem Bruder tapsen wehrte sie grinsend seine Ohrenfressattacken ab. Turién war nicht da, der Doofe würde noch die ganze Jagd verpassen, genau wie Chanuka und Tascurio. Wo waren die nur hin verschwunden?
Aber sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken, immerhin mussten sie jetzt wenigstens endlich anfangen. Nerúi war, wie auch ihre Geschwister, beständig gewachsen. Zwar war Chardím zum Beispiel ein ganzes Stück größer als sie - das fand sie gar nicht gut - aber sie war auch groß. Groß. Groß gezaubert.
Chardím hatte gerade erst nach ihrer Aufgabe gefragt, was auch Nerúi brennend interessierte, als Shani angestürmt kam. Sie lief so schnell als wäre sie selbst die Jagdbeute, und Nerúi sprang auf, und tollte auf sie zu, sprang halb auf ihren Rücken. Grinsend zerwuschelte sie Shanis Rückenfell mit der Schnauz.
"Hab was gefangen!"
Verkündete sie lachend, und lies dann wieder von der Fähe ab. Der große Takashi neben ihr schien sich über Shanis Verspätung auch nicht zu ärgern, und wedelnd hüpfte sie zu Takashis Schnauze hoch, mit der Zunge danach schlabbernd. Der Rüde der hinter ihr und Chardím gesessen hatte hatte eine Frage gestellt, bekam jedoch von Takashi keine Antwort. Nerúi sah sich auch zu Majibáh um, die ihre Hilfe angeboten hatte. Die Fähe kannte sie kaum näher, genau wie den Wolf hinter ihr. Aber egal, jetzt war erstmal das Jagen spannend, und Nerúi wand sich mit wedelnder Rute wieder zu Takashi um.
Ohne einen Moment zu zögern sprang sie hinter dem Rüden her als er losging, und erst nach zwei Sätzen begann sie ihre Schritte vorsichtiger zu setzen, nach dem Takashi sie zum Leise sein ermahnt hatte. Das war gar nicht so einfach, dem ganzen Zeug auf dem Boden auszuweichen, damit es keine Geräusche machte. Über einen Busch hinweg sah sie gespannt auf die Gruppe von Tieren dort in der Ferne - aber keins davon schien offensichtlich verletzt, sie konnte weder Blut erkennen noch roch sie bislang etwas besonderes. Den Kopf leicht senkend starrte sie umso angestrengter auf die Herde - aber sie konnte nichts ausmachen das auf Verletzungen oder hohes Alter hinweisen würde. Etwas frustriert wandte sie sich an Chardím.
"Hast du schon was? Ich finde die sehn alle gleich aus"
Ihre Enttäuschung über ihren ausbleibenden Sucherfolg hörte man ihr deutlich an. Turién sollte da sein. Der würde bestimmt eins für sie mit finden. Obwohl - vielleicht machte Chardím dass ja auch...
[Takashies Gruppe, Waldrand | Direkt bei Takashi und Chardím]
24.05.2010, 16:27
Zu ihrem Erstaunen – vielleicht war es auch Entsetzen – entschuldigte sich die Unbekannte und verschwand. Jumaana stutzte einen Augenblick und wusste nicht genau, was sie tun sollte. Dass eine Fremde sich dermaßen untergeben fügte, war ihr in ihrem Leben noch nie vorgekommen. Nun, vielleicht lag es daran, dass sie noch nie bei der Ankunft eines fremden Wolfes dabei gewesen war – abgesehen bei der Rückkehr ihrer geliebten Schwester. Und das zählte nicht, weil sie sich ja schon gekannt hatten. Verzweifelt rang sie nach Fassung und suchte nach den richtigen Worten. Prüfend glitt ihr Blick über die Gruppe, während sie sich sammelte. Die Weiße ignorierte das Protestgerede Aarinaths in ihrem Hinterkopf und warf dann einen kurzen Blick zu Face. Ihre Rute pendelte ruhig hin und her, während sie zum Sprechen ansetzte.
« Alles klar. Amúr kommt mit mir, », sagte sie mit erhobener Stimme und warf der Jungwölfin einen schnellen Blick zu. Vielleicht schaffte sie es, der stummen Fähe ein paar Worte zu entlocken oder ungeahnte Fähigkeiten aufzudecken. « Akhuna übernimmt Liel und Shaén kümmert sich um Atalya. Face und Ethelion werden die Beute reißen, die wir und die Jungwölfe ihnen zutreiben. Wenn es noch Fragen diesbezüglich gibt, könnt ihr sie jetzt stellen – ansonsten würde ich sagen, dass wir loslegen! »
Die Wölfin setzte sich und nahm eine abwartende Position ein – auch sie wollte so schnell wie möglich anfangen. Die Stimmen der Gruppenmitglieder summten in ihrem Kopf, sie spürte leichte Übelkeit aufsteigen, die sie jedoch wieder zurückdrängte. Ein Blick zum Himmel zeigte ihr, dass das Wetter sich nicht gebessert hatte - es hing irgendwo zwischen Sonne und Regen. Die Luft war etwas drückend und ließ Jumaanas Kopf pochen. Sie sah auf, als der Schwarze seine Stimme hob. Sie störte sich nicht an dem drängenden Ton in Ethelions Stimme, bedachte ihn dennoch nur mit einem kühlen Blick und wurde dann jäh durch Aarinaths Missbilligung unterbrochen. Manchmal nahm der Wunsch, diese Seele in ihren Gedanken einfach ausknipsen zu können, Überhand, doch immer wieder wurde Jumaana bewusst, dass es nicht ging. Und wenn Aarinath irgendwann des endgültigen Todes starb, würde die Wölfin sie wahrscheinlich schrecklich vermissen.
Du willst also wirklich mit diesen Bälgern durch den Wald rennen und ein paar mickrige Kaninchen fangen? Wenn ich es so sagen darf, Tochter - ich bin ein wenig enttäuscht von Dir. Nur weil diese Möchtegern-Leitwölfin von Tyraleen Dir aufgetragen hat, die Verantwortung für dieses jämmerliche Grüppchen zu übernehmen, musst Du Dich noch lange nicht fügen. Wo bleibt Dein Wille? Hast Du so etwas überhaupt noch? Nein, warte, Du hast doch aufgehört, eine eigene Meinung zu haben, als Du anfingst, meinem Sohn zu trauen, oder?
Ebenso wenig, wie sie auf den Inhalt der Worte reagierte, reagierte sie auf den Tonfall, in dem das Feenkind sie aussprach. Es war hoffnungslos, ihr zu erklären, dass es der Wille Jumaanas war, sich der Leitfähe zu fügen. Sie lebte für das Rudel der Sternenwinde. Aber jemand, der Takashis Mutter war, würde das wohl niemals verstehen können. Manchmal hätte sie die Verstorbene für ihr fehlendes Fingerspitzengefühl anfauchen wollen, doch sie wusste ganz genau, dass sie damit an der falschen Nummer sein würde - Aarinath interessierte sich nicht für die Meinung anderer und wenn es schon die Jumaanas war. Ein Knurren ließ sich vernehmen; Takashis Mutter hasste es mehr als die Tatsache, tot zu sein, wenn die junge Polarwölfin sie ignorierte. Erneut warf sie dem schwarzen Betarüden an ihrer Seite einen Blick zu.
[ bei ihrer Gruppe » ist doch nicht so lang geworden, weil ich mit ein paar Stromausfällen zu kämpfen habe. Ich hoffe, soweit ist alles klar! ]
25.05.2010, 23:31
Weiterhin strebte Tarik nach vorne. Ruhig und gleichmäßig bewegte er sich voran, zog das Tempo jedoch stetig an, da er dieses Tal endlich verlassen wollte. Wie lange würde sie ihm noch folgen, an seiner Seite bleiben? Wann würde er dem Rudel in die Arme laufen? Was hatte sie vor? Er hätte sich mit genug Fragen auseinander setzen können, doch es sollte ihm egal sein. Ja, langsam war er an dem Punkt in seinem Leben angekommen, an dem ihm alles egal war und er seinen Selbsterhaltungstrieb am liebsten abstreifen würde.
Ihren 'Scherz über den Dicken' beachtete er nicht weiter. Sie war doch so, wie er sie eingeschätzt hatte, sie war wie jeder andere. Auf Äußerlichkeiten bedacht, nur ein Auge für das Äußere, jemanden daran festmachen und verletzen. Ja, das konnte die Welt am Besten, nicht nur seine Artgenossen, sondern auch andere Tiere. Wer einen Wolf mit vernarbtem Gesicht sah, der hatte einen doppelt so guten Grund das Weite zu suchen, wie bei einem normalen Wolf.
Jedoch musste Tarik sich eingestehen, dass ihre 'lustig-kichernde' Seite ihn innerlich etwas verwunderte, schon fast verunsicherte. Die ganze Zeit schien sie kühl und abweisend und nun wirkte sie wie eine normale junge Fähe. Es war schon fast erschreckend, was sie wohl vor hatte, wenn sie sich nun so gab? Auch ihre folgenden Worte ließen ihn nur irritiert mit der Rute zucken. Was sollte er ihr schon erzählen? Dass er nicht wusste, dass er sich in einem fremden Revier befand, dass er hier sogar jagen wollte? Sicherlich nicht. Reden. Das war nicht seine Stärke.
"Du hast es selbst gesagt, ich bin ein Wanderer. Daher wandere ich umher und muss auch so manches Tal durchqueren. Und deswegen bin ich hier..."
Er seufzte. Was wollte sie von ihm hören? Sie sollte doch schon mitbekommen haben, dass er nicht gerade unterhaltsam war. Naja, vielleicht sollte er über seinen Schatten springen und ihr zumindest etwas Gesprächsstoff geben.
"Wohin führt unser Weg überhaupt?"
Der Rüde wählte bewusst das Wort 'unser', damit er ihr nicht das Gefühl gab, ihr zu folgen, was er ja auch nicht tat. Er strebte nach vorne, was ihn dort erwarten würde, wusste er nicht.
[Im Wald bei Amáya]
(sry dass ich erst so spät schreibe, hatte mündliche Prüfung...)
30.05.2010, 15:56
Amúr sah zu Jumaana auf als diese nun ihre Frage beantwortete. Sie sollte also bei der Fähe bleiben und mit ihr gehen. Das war schon einmal gut. Zu mindestens musste sie die Beute nicht Töten. Ihre Ohren klappten bei den Gedanken nach hinten. Was war sie doch für ein Wolf. Aber schließlich... die Beute würde doch um ihr Leben fürchten. Alleine der Gedanke an die verzweifelten Worte die sie hören könnte brachten sie dazu sich noch ein Stück angreifbarer zu fühlen.
Wieso nur wieso hatte sie dieses Schicksal? Was hatte man nur mit ihr vor? Sie starrte zu Boden und lies die Fragen immer wieder durch ihren Kopf laufen. Doch egal wie oft dies passierte sie fand keine Antwort. Die junge Fähe mischte sich bei den anderen nicht ein. Zu sehr war sie gerade mit sich selbst beschäftigt. Dann wenn auch nur langsam blickte sie zu Jumaana wieder auf.
“Ich hab verstanden.“
Sprach sie Zögerlich und verlagerte ihr Gewicht von einer Seite auf die andere, so nervös war sie. Sie hörte ihr eigenes Blut in den Ohren Rauschen. Dann setzte sie wieder zum sprechen an. Diesmal leiser ehr wispernd gleich.
“Jumaana ich .. ich...“
Sie brach ab und schüttelte den Kopf. Dann sah sie sich die Anwesenden an. Nein man würde ihr ja doch nicht glauben wenn sie nun sagte das sie die Stimmen der Tiere verstehen konnte. Auch das sie fürchtete das sie versagen könnte konnte sie doch so nicht einfach sagen. Wie würden denn die anderen Reagieren?! Sie würde sich lächerlich machen und sich schämen. Nein nein sie musste es einfach versuchen und sich der Angelegenheit stellen. Nur Mut – das brauchte sie. Schlieslich sie war eine Wölfin und sie ernährte sich auch von Fleisch – also musste sie auch Töten um an ihre Nahrung zu kommen. Auch wenn sie Gewissensbisse hatte.
– Einfach nicht hinhören--- könnte man sagen. Doch war es wirklich so einfach wie es sich anhörte? Bestimmt nicht. Doch sich nun von ihren Zweifeln zerfressen lassen brachte auch nichts. Sie musste es ja wenigstens versuchen. Sonst könnte sie auch gleich aufhören Wolf zu sein. Sie unterdrückte ein Seufzer. Wo war Banshee nur? Bei ihr könnte sie nun gewiss Rat ein hohlen – wenn sie noch leben würde. Erneut schüttelte sie den Kopf. Nein sie musste sich jetzt auf das Konzentrieren was vor ihr lag und das war die Jagt!
[bei ihrer Gruppe/ direkt neben Jumaana]
09.06.2010, 18:55
Cirádan sah genau, dass Nihil wohl gleich aufspringen und herum laufen wollte, aber er wollte auch mit ihm reden. Es gefiel ihm einfach so reden zu können. Ohne dass er ständig daran erinnert wurde, wie dumm er war.
Stumm beobachtete er, wie der Nichtswolf seine Aufmerksamkeit dem Schmetterling schenkte. Cirádan konnte Schmetterlinge jagen, aber er war von ihnen nicht so dermaßen fasziniert, wie Nihil jetzt.
Dann antwortete er ihm und irgendwie kam es Cirádan doch sehr bekannt vor. "Ich bin immer noch alleine, auch wenn ich mich hier bei vielen Wölfen aufhalte.“
Ja, so fühlte sich auch Cirádan, aber das wollte er nicht sagen. Es würde dumm klingen, immerhin wurde er hier geboren und kannte viele der Wölfe, obwohl er nicht mit allen näheren Kontakt hatte.
Doch vielleicht sollte er doch was sagen? Doch dann rief ihnen Mochi auch schon etwas zu. Vielleicht war es besser so.
Cirádan sah zu dem fetten Wolf und dann wieder zu Nihil, der meinte, dass der Dicke gerufen hätte und dabei auch frech grinste. Dies entlockte auch Cirádan ein unsicheres Lächeln.
Er war aufgestanden, doch als Nihil ihm plötzlich einen vielsagenden Blick zuwarf und dann davon schoss, blieb Cirádan wieder stehen.
Der traut sich was.
Doch irgendwie fand es Cirá auch toll, dass sich Nihil das traute. Einfach so auf Krolock zu springen und ihn zum spielen aufzufordern.
[Aszrems Gruppe - im Hintergrund mit Nihil, dann wieder allein]
14.06.2010, 21:23
Sie war in ihre Träume versunken, in Trauer, Angst, diese scheue Haltung, in der sie umherwanderte, ihre bedingungslose Unterwürfigkeit, die sie nicht mehr ertragen konnte. Alles erschien ihr wie tot, diese Stille wie Lügen, in ihr Schreie, die niemand hören würde, niemand hören sollte. Ihr entglitt ein leiser Seufzer, doch sonst bleib sie absolut regungslos, stand auf ihrem Platz und blickte mit leeren, traurigen Augen in die Runde. Der Kopf war leicht gesenkt, zeigte einerseits die Unsicherheit, andererseits die Treue gegenüber dem Gruppenleiter. Sein Name war Takashi, ihre Schwester hatte seinen Namen oft erwähnt, von ihm erzählt, doch Genaueres wusste sie nicht über den Schwarzen. Immer wieder blickte sie zu ihm auf, musterte seinen Körper genau, wenn sie sich allerdings dabei erwischte, wand sie sich beschämt ab. Wie sehr sie ihre Neugier doch hasste, dass sie immer alles wissen musste, immer über alle Neuigkeiten informiert sein musste; und hier kam sie sich absolut fehl am Platz vor, verlassen von Jumaana, und zugleich wollte sie ihr keine Schuld geben für ihr eigenes idiotisches Verhalten. So stand sie einige Minuten umher, vollkommen gedankenverloren, in einer anderen Welt, in der es nur sie gab und die unendlichen, schwarzen Weiten dieses Schmerzes, der ihren Körper zersprengen wollte. Als vollkommen plötzlich eine Stimme in ihrer Nähe zu sprechen begann, schrak sie hoch, die Augen aufgerissen. Voller Furcht drehte sie sich um und entdeckte einen für ihre Verhältnisse eindrucksvoll großes Tier, dessen Fell von einer brauen Farbe war. Unter dem linken Auge entdeckte sie eine Narbe, die anscheinend nicht verblasst war. Denn sie bezweifelte, dass er sie in diesem Rudel durch einen Kampf erhalten hatte. Hier nutzte niemand die scharfen Krallen, um andere zu verletzen. Das liebte sie an diesem Ort, den Frieden, keine ständigen Streite, kein Hass.
„Ich ... ich bin nicht gut im Jagen“,
entgegnete sie ihm stockend, schluckte einmal und riss sich dann wieder zusammen. Die Fähe beschloss, sich zu beruhigen und ihn dennoch genauer zu beobachten, ehe sie Schlüsse über ihn zog oder gar reagieren würde. Irgendetwas in ihr weigerte sich gegen diesen Kontakt, aber ein anderer Teil sehnte sich nach seiner Stimme, seinen Worten, mehr als die, die ihr ohnehin schon durch den Kopf ging. Keine Bewegung ging von ihr aus, kein Ausdruck lag in ihrem Gesicht, und trotzdem war sie sehr konzentriert. Der Kopf war leicht in die Höhe gerichtet, die Schultern etwas aufgerichtet, damit sie ihn besser erkennen konnte. Majibáh fühlte sich wie ein vernichtend kleines Wesen, wie Opfer, Beute, wie wenn ihr Schicksal bestimmt hatte, dass sie zerfleischt werden müsste, grausam zum Tode herangeführt. Szenen spielten sich ab, grausame, voller Brutalität, Blut, ununterbrochenem Heulen, Szenen, die einen Schauder durch ihren dünnen Körper jagten. Ja, tatsächlich, sie hatte einiges an Gewicht verloren in den Tagen, in denen sie alleine umhergestanden war, bis sie auf das junge Tier am See getroffen war. Die Unterhaltung war nur von kurzer Dauer gewesen und dann war sie wieder in ihre Einsamkeit gehüllt worden. Bis sie dann schließlich aufgeteilt wurden, viele Worte hatte sie nicht gewechselt mit den Jungtieren, von denen sie umgeben war, die spielend um sie herumrannten, nein, dafür war sie nicht mehr unter sich. Und nun war sie sogar angesprochen worden, von dem Rüden, dessen Aussehen sie nun beinahe auswenig aufsagen konnte. Wobei sie Gewicht, Größe und Ähnliches natürlich nur abschätzen konnte. Auf einmal spürte sie etwas ihren Körper berühren, es war weich, gab ihr Wärme, die sie schon lange nicht mehr gehabt hatte. Irritation prägte ihre Züge, verwundert bog sie ihren Kopf etwas, sodass sie neben sich schauen konnte. Katsumi hatte sich etwas an sie geschmiegt, er erschien ihr nicht aufdringlich, im Gegenteil, sie schätzte es, dass er ihr Trost geben wollte. Die Weiße kannte ihn nicht, kannte seine Vergangenheit nicht, aber eines war ihr sofort klar: Dieser Wolf verstand sie, er kannte das, was sie spürte, wie sehr man unter dieser melancholischen, nachdenklichen Art leiden konnte. Ein leichtes Lächeln verzog ihre Mundwinkel, es war nicht wirklich fröhlich, doch es war echt. Sollte ihm zeigen, dass sie es schätzte, was er tat. Sekunden verstrichen und beide verharrten in dieser Position, ehe er wieder einen Schritt beiseite trat. Die Fähe verstand seine Geste, er stellte sie auf die Wahl, wollte wohl nicht wirken, als ob er lediglich auf sie gierte. Ihr war bewusst, dass das nicht der Wahrheit entsprach, auch wenn sie ihn eben erst kennengelernt hatte und sie kaum ein Wort mit ihm gewechselt hatte. Sie fühlte es, seine Hilfsbereitschaft, eine, die sie dringend benötigte. Also zögerte sie nicht lange und ging wieder ein wenig auf ihn zu, berührte leicht mit der Schnauze seinen mächtigen Kopf.
„Aber ich versuche, dir eine Hilfe zu sein“,
brachte sie den Satz zu Ende, weitaus sicherer, das Vertrauen sprach aus ihr, dass er in ihr geweckt hatte, dass sie innerhalb von so kurzer Zeit aufbauen konnte. Nur Dank dieser Verzweiflung, wahrscheinlich wäre sie sonst nicht so offen, wenn man es denn so nennen konnte. Es spielte gerade aber keine Rolle, da waren die Zwei, dieser Moment und alles andere würde sich ergeben.
[Bei Takashis Gruppe l Katsumi]
15.06.2010, 21:48
„Gut.“,
schloss Face Taihéiyo knapp, nickte Jumaana zu und wandte sich um. Die saphirblauen Augen trafen kurz Ethelion, aber er würde den Schwarzen sicher nicht auffordern müssen, ihm zu folgen. Ein bisschen unkoordiniert alles. Unkoordiniert und unmotiviert. Aber irgendwann mussten die Jungtiere nun einmal lernen, wie man in der Gruppe jagte. Sie brauchten dies auch, um später überleben zu können, wenn Tyraleen und Averic nicht mehr für sie sorgten. Apropos. Face sah sich um, konnte sein Patenkind und ihren Gefährten aber immer noch nirgendwo entdecken. Seine „kleine“ Weiße war eben etwas entnervt losgelaufen, Averic hinterher. So weit Face das beurteilen konnte, fehlten noch drei Welpen. Hoffentlich war nichts passiert.
Der Tiefrabenschwarze beschloss diese Gedanken auf später zu verlegen und dann brauchte er sie wahrscheinlich auch schon nicht mehr, weil Tyraleen mit den Kindern im Schlepptau wieder da sein würde. Jetzt galt es sich darauf zu konzentrieren, ein geeignetes Beutetier zu finden, das Jumaanas Gruppe auf ihn und Ethelion zuhetzen würde. Hoffentlich bekamen sie das hin.
Zügig, aber völlig lautlos, wie er es gelernt hatte, lief er neben Ethelion über die Wiese, um die Herde herum. Eigentlich musste er sich nicht mal auf diesen Gang konzentrieren, er lief immer so. Es war ihm schon in Fleisch und Blut übergelaufen. Manchmal hatte er noch das Gefühl, er könne sich selbst nicht mehr hören, so wie damals. Damals, als es keinen Atem gegeben hatte, keinen Herzschlag, keine Witterung. Und somit auch kein Geräusch.
Sie liefen noch ein Stück, inzwischen außer Reichweite der anderen Gruppenmitglieder. Face sah aus den Augenwinkeln wieder zu Ethelion herüber. Er hatte wohl mitbekommen, dass der Schwarze ihn ein paar Mal angesehen hatte. Oder noch eher nicht direkt ihn. Sollte er tatsächlich in einem kurzen Moment einen Schimmer gesehen haben? Es wäre das erste Mal, neben Tyraleen.
[ Jumaanas Gruppe, sich entfernend | Ethelion ]
16.06.2010, 18:41
Was sollte sie nur mit diesem extrem wortkargen Rüden machen? Kurze Zweifel nagten an ihrem Entschluss, den Rüden einfach so beim Rudel vorbei zu bringen. Immerhin war die ganze Gruppe ein einziger Freudenhaufen, der sich um jeden dahergelaufenen Wolf kümmerte und naiv in den Reihen duldete. Welch eintöniges Leben hatte sie hier!
Das sich der Dunkle als kein sonderlich großes Sprachtalent heraus stellte, machte die Sache nicht sonderlich interessanter. Innerlich verdrehte Amáya die Augen. Na bravo. Das waren doch mal Neuigkeiten, mit denen sie ja niemals gerechnet hätte!
Leicht schnippte ein Ohr, rief sie sich zurück in ihr seltsames Verhaltensmuster, dass schlicht keinen Sinn ergeben wollte. Wer brauchte schon Sinn und Verstand, wenn alles drum herum ein einziges Chaos war?!
„Nun Wanderer...“, setzte sie an und legte kurz die Stirn in Falten. „Was trieb dich aus der Gemeinschaft? Ist das Leben in der Einöde nicht einsam und langweilig?“
Mit tänzelnden Schritten hielt sich die junge Erwachsene an seiner Seite, spielte nach ihrem eigenen Empfinden ein Spiel nach dem anderen. Solange es taugte, ihr die Monotonie zu vertreiben, die ihr Leben nach Urions Tod und Yeriks Weggang bestimmte. Der Neuling taugte in jedem Fall weder als großzügiger Gesprächspartner, noch konnte man mit ihm einen Streit anfangen. Keine Motivation und scheinbar auch kein Überlebenswille, sonst hätte er sich nicht so unvorsichtig dem Rudel genähert.
Auf seine Frage setzte Amáya ein bewusst unschuldiges Gesicht auf.
„Durch den Wald?!“
[im Wald bei Tarik]
17.06.2010, 15:52
Sie wich nicht zurück. Sie maulte nicht. Sie blieb stehen und nahm die Stütze dankend an. Nicht viele Worte fielen. Aber sie wurden auch nicht benötigt. Majibáh lächelte. Kein strahlendes Lächeln. Aber ein ehrliches. Katsumi schenkte auch ihr ein Lächeln und schloss für einen Moment die Seelentore und öffnete sie erst wieder, als die weisse Fähe zurück an seine Seite kam. Ihre feine Berührung stärkte Katsumi noch mehr. Ja, es war der richtige Entscheid gewesen, der Trauer den Rücken zu zukehren und endlich wieder Freude in sein Inneres zu lassen. Es war das einzig Richtige. Mit dieser neuen Einstellung konnte und wollte der Hüne der Weissen eine Stütze sein. Er drückte ihr Haupt in Richtung der zufrieden grasenden Tiere.
“Mach dir keine Sorgen. Jagen ist nur eine Frage der Geduld. Wir sind hier, um zu lehren und zu lernen.“
Aufmunternd zwinkerte Katsumi Majibáh zu. Dann aber glitten die Seelentore zurück zu lahmenden Hirschkuh. Takashi hatte die Jungwölfe aufgefordert, einen kranken oder geschwächten Hirsch ausfindig zu machen. Unwissend war dies eine schwere Aufgabe. Mit der Zeit und nach viel Übung ein leichtes Spiel. Verletzte oder eben kranke Tiere wurden oft ausgeschlossen. Ein Merkmal der Huftiere. Sie hatten keine Zeit, sich um solche Tiere zu kümmern. Ja, so waren sie, die Huftiere. Egoisten. Ein Wolf liess kaum einen Wolf im Stich. So war die Natur. Die Kuh war, wie es sein sollte, leicht ausserhalb der eng grasenden Hirsche. Auf der anderen Seite der Gruppe lag eine weitere Kuh. War sie krank? Neben den kranken Tieren waren auch junge und unerfahrene gute Opfer.
“Entspann dich Majibáh... Ich bin da und helfe dir.“
Erneut schwang das braune Haupt zu den blauen Augen, welche von dem reinen weissen Fell umrahmt waren. Erneut lächelte er ihr freundlich zu. Katsumi verlagerte sein Gewicht wieder in ihre Richtung und legte kur seinen Kopf auf den ihren.
[Bei seiner Gruppe | nördlicher Mischwald | bei Majibáh]
17.06.2010, 16:20
Tascurio betrachtete schweren Herzens seine beiden Brüder. Eine weile lauschte er nur all dem, was Turién ihm zu sagen hatte und er wollte ihm glauben. Hätte so gerne einfach gelacht und angekündigt, nun mit ihnen auf Jagd zu gehen. Aber das Rufen seiner Mutter riss ihn in die Realität zurück. Seine Wirklichkeit endete hier.
„Wenn es nicht so sein muss, gibt es keinen Grund, sich sorgen zu machen. Dann wird nun nichts geschehen und ich werde euch bald folgen.“
Er kämpfte ein hoffnungsvolles Lächeln auf seine Lefzen. Sollte sich Turién den Glauben bewahren, den er vor langer langer Zeit verloren hatte. Vor vielen Monaten hätte er diese Worte gerne gehört. Er konnte nur nicht mit Sicherheit sagen, ob sie auf lange Sicht etwas geändert hätten.
„Es gibt keinen Ort, an den ich gehen kann, ich kann nicht vor mir selbst davon laufen.“
Sein Blick streifte Turién und hielt bei Chanuka an, der viel länger still gewesen war und scheinbar zu dem Entschluss gekommen war, dass es nicht die Entscheidung der Brüder war. Er reagierte beinahe, wie Tascurio es sich gedacht hatte. Er hatte vermutet, dass Chanuka ihm nicht so leidenschaftlich widersprechen würde, wie Turién.
„Geht. Vielleicht jage ich gleich lachend hinter euch her…“
Seine Stimme brach nicht, wie er erst geglaubt hatte. Schmerz, Angst und Abschied konnte er aber nicht verbergen. Die fast schwarzen Augen des Weißen richteten sich auf den Wald. Es wäre interessant gewesen, herauszufinden, wie es sich anfühlte, ein richtiges Leben zu haben. Aber es wäre so niederschmetternd, dass Blut seines Vaters erneut auf seiner Zunge zu schmecken und diesen unwiederbringlich zu vernichten. Das war es nicht wert. Sein kurzes Leben musste reichen. Die Blumen blühten und die Sonne strahlte am farbenfrohen Himmel.
„Geht.“
Wiederholte er und sah kurz über seine Brüder und dann zu seiner Mutter, die sich ihnen näherte.
[Bei Chanuka und Turién, sich verabschiedend, seiner Mutter entgegen blickend, nahe Averic]
17.06.2010, 18:05
Scheinbar hatte Jumaana sich nun doch dazu durchgerungen, endlich eine Jagdtaktik zu verkünden. Beinahe hätte Ethelion ein erleichtertes 'Na endlich!' geseufzt, biss sich jedoch rechtzeitig auf die Zunge und schwieg. Schließlich würde es nun ja losgehen und damit gab es keinen Grund mehr, sich über mangelnde Entschlussfreude gewisser Rudelmitglieder zu beschweren. Der Schwarze spürte, wie ihn das Jagdfieber packte und seine Muskeln zittern ließ. Endlich wieder eine herausfordernde Beute und nicht immer nur Hasen, Ratten oder Rebhühner.
Der Blick des rabenschwarzen Rüden Face Taihéiyo traf kurz seine glühenden Augen, ehe dieser sich anschickte, die Lichtung zu umrunden. Ohne lange zu zögern, schloss Ethelion zu ihm auf und trabte dann rechts neben ihm her, um eventuell gesprochene Worte verstehen zu können. Zunächst jedoch liefen sie schweigend am Rand der Lichtung entlang. Selbst das Geräusch ihrer Schritte schien, sich diesem Schweigen anschließen zu wollen, denn es klang nur gedämpft an das gesunde Ohr des Rüden. Sie hielten sich in der Deckung des Waldrandes, wo die langsam versinkende Sonne ein farbenfrohes Spiel mit dem Unterholz trieb und die wogenden Silhouetten der beiden Wölfe fast unsichtbar machte. Von Zeit zu Zeit warf der Fenrissohn verstohlene, aber neugierige Blicke zu Face hinüber – genauer gesagt zu seiner Brust. Dort hing noch immer dieses seltsame Gebilde und baumelte bei jedem Schritt des Tiefrabenschwarzen leicht hin und her. Ethelion hätte zu gern wissen wollen, was das war, zumal dieses… Ding irgendwie so aussah, als sei es von Menschenhand gefertigt worden. Doch er würde nicht fragen. Wer wusste schon, welch grausame Erinnerungen mit diesem Gegenstand verbunden waren? Nein, der Schwarze wollte niemanden verletzen, indem er alte und möglicherweise längst verheilte Wunden wieder aufriss. Er wusste schließlich genau, wie quälend Erinnerungen sein konnten.
Um sich abzulenken, hob er im Laufen leicht den Kopf und hielt Ausschau nach einer passenden Stelle für den Hinterhalt. Auf der anderen Seite der Lichtung – ziemlich genau gegenüber von Jumaanas Gruppe – erspähte er eine kleine Senke, die recht hoch mit Gras bewachsen war. Der perfekte Platz. Erneut schaute er zu Face hinüber, doch diesmal suchte er dessen saphirblaue Augen.
"Schau mal, die Mulde! Ein guter Platz für einen Hinterhalt…",
meinte er und deutete mit dem Kopf in die besagte Richtung.
[Nördlicher Mischwald | bei Face Taihéiyo]
17.06.2010, 19:01
Majibáh beobachtete den Braunen genau, ihre Augen fixierten neugierig sein Gesicht, wartete auf eine Bewegung der Züge, das Aufblitzen einer Reaktion in seinen Augen, die dunkle und dennoch unheimlich sanfte Stimme, die ihr ebenso Hoffnung gab wie jede seiner Berührungen. Leicht spürte sie einen Druck in ihrer Seite, wie er seine Schnauze vorsichtig in ihren zierlichen Körper drückte. Ihr Atem stockte für einen Moment und wieder wanderte ihr Blick zu ihm hinauf. Schüchtern blickte sie ihm in die Augen, die sie so unheimlich fesselten, so viele Geschichten erzählten, von Trauer und Leid, in denen aber trotzdem Zuversicht schimmerte. Irgendwie beeindruckte seine Erscheinung sie, dieser gewaltige, mächtige Körper, hinter der aber eine gebrochene Seele verborgen war. Auch wenn sie seine Vergangenheit nicht kannte, spürte sie, dass ihm etwas widerfahren war, dass ihn sehr geprägt und sein Leben verändert hatte. Dass ihn einerseits stärker gemacht und andererseits auch seine Kraft genommen hat. Plötzlich spürte sie ein warmes Gefühl durch ihren Körper strömen, ihr Körper richtete sich langsam auf und sie lächelte ihn ein zweites Mal an. Dann senkte sie ihren Kopf wieder leicht, wollte ihm zeigen, dass sie sich als unterwürfig sah, ihm den Respekt zu schenken, den er verdient hatte, ihre Dankbarkeit über die Veränderung in ihren Gedanken, die er innerhalb von wenigen Stunden bewirkt hatte.
Als er begann zu sprechen, war sie sofort weitaus aufmerksamer. Ihre Ohren stellten sich augenblicklich auf, die Neugier sprach aus ihr. Der Rüde versuchte, sie zu beruhigen und bat sie, sich einfach zu entspannen, das Jagen erforderte für ihn lediglich Geduld. Wahrscheinlich hatte er noch nie diese Katastrophe erlebt. Sie musste leicht schmunzeln und fügte sich dann aber seinem Rat, nahm alle ihre Geduld zusammen und wartete darauf, dass er eine Pranke vor die andere setzen würde, in einem eleganten Gang losschreiten würde, genau so, wie sie es sich vorstellte. Ihr Kopf neigte leicht zur Seite, ein freches Grinsen tauchte auf ihrem Antlitz auf. Auch wenn sie bezweifelte, dass er es bemerkte, blieb sie einige Sekunden starr in dieser Position, ehe sie sich daraus wieder löste und einfach starr an seiner Seite stehen blieb. Mittlerweile fiel es ihr beinahe schwer, ein Gähnen zu unterdrücken, denn obwohl es nicht aus Langeweile, sondern aus Müdigkeit, entstanden war, würde der Wolf es bestimmt falsch deuten; und eines war der Weißen klar: sie würden bei ihm jede Form der Auseinandersetzung meiden, beinahe scheuen, selbst wenn es nur eine harmlose Diskussion wäre, wollte sie niemals eine schlechte Atmosphäre schaffen.
„Wenn es dich nicht stört, dass ich dir wahrscheinlich eher zur Last fallen werde, dann werde ich mich bemühen“,
gab sie zurück und setzte sich in Bewegung. Schritt für Schritt folgte sie ihm und hatte ihn bald darauf eingeholt. Ihre Sorgen konnte sie für einen Moment vergessen, als sie sich auf die Herde konzentrierte, die ganz in ihrer Nähe ruhig graste. Voller Konzentration versuchte sie, das Tier auszumachen, von dem Katsumi geredet hatte. Die Erinnerung kam langsam in ihr hoch, er hatte von einer Kuh geredet, eine, die etwas Schwierigkeiten damit hatte zu laufen. Bestimmt würden die Jungtiere, die in ihrer Gruppe dominierten, den lahmenden Hirsch nicht ausmachen. Lediglich Takashi, der leitende, Schwarzfarbene, hätte dazu noch eine Möglichkeit. Auch wenn sie bezweifelte, dass es nötig war und er es nicht schon ohnehin getan hatte, machte sie die zwei etwas kranken Lebewesen aus. Alles weitere würde sich ergeben, einfach geschehen, und sie würde sich einfach dem Lauf der Dinge fügen, sich darum bemühen, für ihn nicht lediglich ein Hindernis sein. In den ganzen Jahren, die sie allein verbracht und kaum auf ein anderes Rudel getroffen war, hatte sie sich meistens von den alten Kadavern ernährt, oft gehungert und sich selten selbst Beute gesucht. Alleine war das eine schwierige Aufgabe, da man sonst nur mit allen anderen Artgenossen zusammen jagen ging, eine, die sie sich nur dann hatte zumuten wollen, wenn es absolut unvermeidbar war. Trotz ihrer Einsamkeit, dem Sehnen nach Gesprächen, nach ihrer Schwester, trotz alldem war sie eine Kämpferin geblieben, eine, die zurückfinden wollte in die Welt, in der sie sich wohl gefühlt hatte. Nun war sie es, erneut schaute sie zu dem Rüden hinauf, stupste ihn ein weiteres Mal sachte an, sog den Duft des Felles auf, seinen Geruch. Und dann ging sie weiter, wie sie es immer getan hatte.
[Bei ihrer - Takashis - Gruppe l nördlicher Mischwald l mit Katsumi sprechend]
19.06.2010, 20:49
»Lasst es auf euch zukommen, wir werden uns danach richten was sich eben ergibt.«
So lautete die Antwort desschwarzen Gruppenleiters, auf seine Frage. Dabei war es nicht einmal eine wirkliche Antwort, dachte Jarréll Nathaniêl, der Dunkle war ihm einfach ausgewichen. Na dann nicht. Dann würde er eben warten bis sich »etwas ergab«. Es war ja nicht seine Aufgabe für den Erfolg, dieser Lehrjagd zu garantieren. Seine Augen wandten sich von Takashi ab, er hatte ein weiteres Mitglied seiner Gruppe erblickt, weiße Fähe, in deren Fell der kühle Abendwind spielte. Fast hatte man den Eindruck, die Weiße würde ein wenig frieren. Mit ihren Gedanken jedenfalls schien sie weit von diesem Waldstück entfernt, über welches sich langsam das dunkle samtige Tuch der Dämmerung senkte. Glücklich wirkte sie jedenfalls nicht, mehr als ob ihr etwas schmerzlich fehlen würde, ein Gefühle das Jarrél so gut kannte, diesen leisen immer anwesenden Schmerz, tief in seinem Innersten. Diese Wunde würde nie heilen, es war mehr als eine körperliche Narbe, es war ein Schnitt wessen Blutung nie ganz gestillt werden konnte. Energisch schluckte Nathaniêl den Kloß hinunter der sich in seinem Hals gebildte hatte. Die Haltung der Weißen mit den blauen Augen schien sich verändert zu haben, nicht mehr Trauer sondern Stolz sprach aus ihren Bewegungen und sie widmete ihre gesamte Aufmerksamkeit nun dem hochgewachsenen Anführer, welcher sich schließlich erhob und einige Schritte auf den Waldrand zu trat. Mit einer geschmeidigen Bewegung kam auch Jarrèll auf die Pfoten. Er hatte beschlossen sich im Hintergrund zu halten, es war nicht seine Jagd. Verdammt noch einmal, er musste sich endlich damit abfinden dass dies nicht sein Rudel, nicht seinen Welpen waren, dass es hier eigentlich nicht einmal einen wirkliche Aufgabe für ihn gab. Für einen kurzen Augenblick biss er die Zähne zusammen und kniff seinen Augenlieder aufeinander. Das war nun die Bürde seines Lebens, er hatte versagt und dieses Gefühl der Nutzlosigkeit und der Unfähigkeit seinen gerechte Strafe. Als er wieder aufblickte, sah er einen bräunlichen, großgewachsenen Rüden der neben die zierliche weiße Fähe mit den hellozeanblauen Augen getreten war. Leise Worte wechselten die beiden, so gedämpft, dass Jarrèll sie nicht verstehen konnte, oder vielleicht auch nicht wollte. Stattdessen wandte er seinen Aufmerksamkeit nun der Herde an Hirschen zu, welchen auf einer Lichtung am Waldesrand grasten und nichts von der nahenden Lebensgefahr ahnten. Mit kennendem Blick musterte er die Tiere der Reihe nach, die großen, männlichen Exemplare kamen keinesfalls in Frage, die Jagd nach ihnen konnte lebensgefährlich werden, denn ihre Geweihe konnten einen Wolf leicht tödlich verletzten, für eine Lehrjagd fielen sie also kategorisch aus dem Beuteschema, vielmehr musste man die Jungen warnen, sich nie mit einem Hirschbock und seinem prächtigen, scharfen Geweih anzulegen. Die Hirschkühe waren schon eher geeignet und es galt, das schwächste, bestenfalls verletzte Tier in der Herde ausfindig zu machen und dann gezielt anzugreifen. Es waren einige Hirschkühe, die in Jarrèll Nathaniêls nähere Auswahl kamen unteranderem auch ein Tier welches offensichtlich lahmte und ein Bein nur vorsichtig belastete. Eine leichte Beute, wenn man sich geschickt anlegte. Verstohlen blickte er sich um, mit forschendem Blick versuchte er herauszufinden ob andere Gruppenmitglieder ähnliche Beobachtungen gemachte hatte. Er würde sicher nicht wieder das Wort erheben und schlussendlich erneut als Idiot darzustehen, wenn niemand seinen Rat wollte, bitte, dann konnte er es sich ebenso gut sparen deinen Stimme zu erheben. Jarrèll Nathaniêl sprach ohnehin nicht gerne, es war als hätte er bei jedem Wort Angst zu viel von sich preiszugeben, zu viel zu sagen oder gar zu vertrauen. Er kämpfte allein, denn vertrauen bedeutete verletzlich zu sein. Er kämpfte allein, denn Vertrauen bedeutete enttäuscht zu werden. Er kämpfte allein, denn Vertrauen bedeutete die Niedelage.
[Takashis Gruppe | etwas abseits]
20.06.2010, 20:07
Nerúi sprang erst einmal um Shani, die grade dazu gekommen war, herum und schlabberte dann Takashi an der Schnauze herum. Chardím selbst blieb sitzen und spähte zu dem weißen Rüden hinüber, dessen Name ihm entfallen war. Oder hatte er ihn überhaupt schon mal gewusst? Egal, jedenfalls schien dieser nicht sonderlich begeistert und noch weniger begeistert, als Takashi ihm überhaupt keine Antwort auf seine Frage gab. Hm, hätte er wohl auch nicht toll gefunden. Allerdings erinnerte ihn Takashi ein bisschen an Nerúis Rumgehoppse. Es hätte nicht großartig irritierend gewirkt, hätte der Schwarze mitgehüpft, abgesehen davon, dass er doppelt so groß war wie Nerúi. Warum war der Dunkle denn auch so aufgeregt? Chardím dachte angestrengt nach. Also von Papa wusste er, dass man eine Jagd eher ruhig und leise angehen sollte. Irgendwie waren sie das nicht. Als es dann aber endlich losging, sprang auch Chardím auf. Allerdings versuchte er so leise wie möglich zu Nerúi zu huschen. Die suchte bereits die Herde nach einem verletzten Tier ab, fand aber keines. Auf Nerúis Worte hin, blickte er nach vorne und kniff leicht die zweifarbigen Augen zusammen. Hmm. Also Blut konnte er keines riechen. Und gleich aussehen, taten die Hirsche zusätzlicher Weise auch noch. Wie sollten sie das denn von hier erkennen?
„Äh, auf jeden Fall sollten wir bei den Kleineren schauen ... den ohne Geweihen.“,
antwortete er selbstsicher, um nicht ganz doof da zu stehen.
„Hast du denn schon eins gefunden, Takashi?“,
fragte der Schwarzweiße dann und sah ihren Gruppenleiter prüfend an. Wenn er wirklich ein verletztes Tier erspäht hatte, konnte Chardím ihn immer noch fragen, wie er es gefunden hatte.
[ Takashis Gruppe | neben Nerúi, nahe Takashi, Shani, Jarrèll, Majibah, Katsumi ]
23.06.2010, 20:43
Mit leisen Schritten trabte die weiße Fähe durch den Mischwald. Der Boden federte jeden ihrer Sprünge sanft ab. Ihre Ohren waren nach vorne gerichtet, während ihre Augen wachsam waren. Der Wind zerzauste der Wölfin ihr blütenweißes Fell. Immer wieder hielt sie an. Witterte und lauschte. Sie ging immer weiter und weiter. Wie eine kleine Tänzerin bewegte sie sich durch das Unterholz, auf der Suche nach etwas Nahrhaftem. Schwach hing der Geruch eines Hasen in der Luft. Das Rauschen der Blätter, die im Wind wehten ließen die Ohren der Wölfin hin und her zucken, dann galt ihre Aufmerksamkeit wieder der aufgenommenen Fährte.
Lunasolei hatte eine kleine Lichtung erreicht und auch hier endete die Spur des Hasen. Die Fähe verharrte in ihrer Bewegung und blieb wie versteinert stehen. Keine Regung war an ihrem angespannten Körper zu sehen. Während ihrer Verfolgungsjagd, hatte die Wölfin immer wieder nachgedacht, um eine geeignete Strategie für das Erlegen der Beute zu finden. Sie sprang ab. Der Hase flüchtete, sodass Luna ins Leere biss. Eine weitere Verfolgungsjagd begann. Wild hetzte die Fähe das Tier durch den Wald. Scheuchte es immer wieder auf, wenn es dachte, die Gefahr wäre vorüber. Dann passierte der entscheidende Moment. Sie setzte abermals zum Sprung an. Der Hase schoss davon, doch die Fähe hatte sich bereits in ihrem Opfers verbissen und versuchte, es zu töten. Leise knurrte sie und vergrub ihre Zähne im Hals des Tieres. Fest biss Luna zu und man hörte Knochen bersten. Das Genick war gebrochen. Sofort schlug die Wölfin ihre Reißzähne in das saftige Fleisch ihres Opfers. Bis auf den letzten Rest nagte die Fähe den Hasen ab, doch ihr Hunger war noch nicht gestillt, daher legte sie sich wenige Meter neben ihrer Mahlzeit auf den Boden. Ihren Kopf bettete sie sanft auf die Vorderläufe. Ihre Ohren waren wachsam gespitzt und auch ihre Augen waren noch leicht geöffnet, denn sie döste nur leicht unter einem Haselnussstrauch um wieder zu Kräften zu kommen. Richtig schlafen konnte sie nicht, denn man konnte nie wissen, wer einem hier über den Weg lief. Auch wenn sie bei einem Rüden keine Angst haben müsste, denn bis jetzt hatte sich jeder von ihrem Anblick hinreißen lassen.
Da sie ein Timberwolf war, hatte sie eine Größe von knappen 55 cm, jedoch wuch sie noch. Die Fähe war ja gerade mal 2 Jahre alt. Sie besitzt eine Rute, vier gesunde und stramme Beine, einen immer gepflegten Pelz und messerscharfe Zähne. Ihr ganzes Fell wird von einem einzigen Weiß durchzogen, was viele, die sie kennen lernen, an den Schnee erinnern lässt. Ihre Augen werden von einem durchdringenden Blau durchzogen, welches viele an das Meer erinnern lässt. Viele sind auch der Meinung, dass sie ein Wolf der Konturen sei, denn im Winter könne sie sich durch ihr Fell perfekt tarnen, sodass es für jeden schwer wäre, sie zu finden. Vor allem, wenn der Wind günstig stand und ihren Geruch nicht in die Richtung ihrer Beute oder Fremden trägt.
Doch auch dieses schöne Fell wird später einmal von einem grau durchzogen sein, wenn Luna älter wird. Wird man sie sie dennoch dann so akzeptieren? Es war ihr gleichgültig. Ihre Statur ist dem jeder anderen Fähe gleich, doch gleicht ihrer eher einem athletischen Rüden, der schon viele Kämpfe hinter sich hatte und viele um die Welt gekommen war. Jedoch sind ihre Schritte trotzdem anmutig und grazil, was auch bei jedem einen anderen Eindruck vermochte.
Lunasoleil erhob sich und machte sich wieder auf den Weg. Sie war schon zu lange allein gewesen und wollte nun endlich wieder einem Rudel angehören. Wachsam trabte sie los und streifte weiter durch das Unterholz. Natürlich hätte sie auch einfach auf dem Weg bleiben können, aber wo wäre da der Reiz geblieben? Die Fähe durchforstete nun schon sehr lange den Wald, obwohl sie sich nicht sicher war, ob es nun einer war oder mehrere, die immer wieder aneinender grenzten. Auch wusste sie nicht, wie viel Zeit vergangen war , seit sie ihr Rudel umgebracht wurde.
Ja ein Unterholz, es würde nie ein Ende haben , wie sie hoffte. Doch natürlich kam es mal wieder anders. Ja ihr Leben mochte sie nicht , schien gegen sie selbst zu rebellieren... Wobei die Wölfin sich nicht einmal sicher war , ob es das überhaupt konnte. Ihr Weg endete also an einer Lichtung , an der sie nichts ahnend ihren Kopf aus dem Gebüsch streckte. Luna war weiß , das Gebüsch grün ; ihre Tarnung also sehr passend. Sollte die Fähe weitergehen? Ihre halbwegs standhafte Tarnung ganz aufgeben? Sie handelte unüberlegt , schritt erst aus dem Gebüsch und sah sich dann um , bevor sie es sich anders überlegen konnte. Plötzlich erstreckte sich vor der Fähe eine Vielzahl von Wölfen, die sie noch nicht bemerkten.
//Na das ist ja auch mal wieder was. Du spazierst mir nichts dir nichts unüberlegt aus dem Gebüsch , und bleibst hier stehen als wenn du aus Stein wärst.//
Also gab sie sich einen Ruck und passierte den Abstand, Pfote für Pfote. Aber Luna war doch noch bei sich und stellte sich natürlich nicht in ihre Mitte , stellte sich vor und würde sich platzen... Nein! Die Wölfin ging ganz am Rand und blieb stehen. Sollte sie sich vorstellen? Die Fähe fragte sich , was solle denn passieren? Immerhin war sie doch sowieso schon hier aufgetaucht, nun musste sie auch etwas sagen.
"Seid gegrüßt, Wölfe. Dürfte ich mir eine Frage erlauben? Mein Name ist Lunasoleil und ich bin bislang durch Wälder gereist. Erst eben bin ich auf euch gestoßen. Könntet ihr mir netterweise verraten, wo ich hier bin und wer ihr seid?"
Ein Lächeln spiegelte sich in dem Gesicht der Fähe wieder, nachdem sie geendet hatte. Vorsichtig lies sie sich auf ihre Hinterläufe sinken und wartete ab, wer ihr antworten würde.
Während sie so da saß und wartete, ließ sie ihren Blick über das ganze Rudel schweifen. Es war ohne jede Zweifel eines. Oder täuschte sie sich jetzt?
[ trifft auf Jumaanas Gruppe ] [ Ich entschuldige mich schon jetzt mal für die Länge des Posts :D ]
27.06.2010, 12:38
Es war nicht das erste Mal, das Jumaana an ihre Zeit bei ihrer Mutter nachdachte. Sie tat es ständig, so gut wie immer. Jeder einzelne Wolf im Rudel der Sternenwinde erinnerte sie an ihre Vergangenheit, egal wie wenig sie den Wölfen der Vergessenheit glichen. Face Taihéiyo erinnerte sie an ihre Brüder, nur waren die beiden nie so ernst und schweigsam gewesen. Aber sie strahlten eine innere Stärke aus, die auch den alten Rüden auszeichnete. Jumaana hatte das Gefühl, neben ihm wie ein Niemand zu wirken, klein und unbeholfen - im Schatten seiner Erfahrung. Und als er mit Ethelion an der Seite von den anderen wich und sich langsam entfernte, erschien es ihr, als würde all ihr Wissen mit ihm ziehen. Die Wölfin strauchelte leicht, als sie sich erhob und ließ ihre Rute sinken. Ihr Herz klopfte aufgeregt in ihrem Brustkorb, völlig grundlos. Es knackte im Unterholz.
Ein weißer Wolf. Eine Wölfin. Schon wieder. Die Engelsgleiche warf einen kurzen Blick in die Richtung, in die Face und Ethelion verschwunden waren, dann richtete sie sich in ihrer vollen und doch noch recht geringen Größe auf und spielte wachsam mit den Ohren. Aarinath schien mit sich selbst und ihren wechselnden Launen zu kämpfen, doch noch nie war es Jumaana so gut gelungen, die - mal wütende, mal verängstige - Stimme in ihrem Kopf zu ignorieren. Das Rauschen der Blätter hoch über ihrem Kopf lenkte sie ab, während sie jede kleinste Regung der fremden Fähe mit scharfen Blicken verfolgte. Sie hatte nichts, rein gar nichts, an diesem Tage geleistet, doch es schien ihr, als wäre ihre Energie bereits verschwunden. Die Polarwölfin verlagerte das Gewicht auf das linke Hinterbein und ließ ihre Rute sanft hin- und herpendeln. Die Fremde sah nicht so aus, als wollte sie Böses. Dennoch beunruhigte Jumaana der Anblick der Wölfin direkt neben Wölfen der Sternenwinde. Sie konnten sich ebenso schon auf die Jagd begeben; mit Amúr musste sie ohnehin noch reden. Die junge Wölfin hob den Kopf und ließ ihren Blick über die zurückgebliebene Gruppe gleiten, fixierte jeden einzelnen von ihnen für einen Augenblick.
»Ihr könnt gehen. Ich will heute Abend müde und erfolgreiche Jungwölfe hier sehen, die sich an diesem Tag mehr Fähigkeiten angeeignet haben als jemals in ihrem kurzen Leben!«
Noch immer spielte ein leichtes Lächeln auf den Zügen der Weißen, als sie an die Seite der kräftigen Amúr trat und ihr einige beruhigende Worte ins Ohr flüsterte. Sie hatte Angst. Ihre Haltung zeugte von maßloser Angst. Und noch viel stärker war ihr Angstgeruch. Ein aufmuntender Stups an ihre Brust noch, dann trat Jumaana der fremden Fähe gegenüber. Ihr Lächeln schwand einem scharfen Blick. Irgendwo im Wald hörte sie eine Krähe rufen. Wie lange hatte sie nicht mehr an diese Verbundenheit gedacht. Krähen waren sozusagen ihr Lebenselixier. Und auch jetzt spürte sie das Blut durch ihre Adern strömen, ihr Herz kräftig schlagen - der Ruf hatte ihr Kraft gegeben. Sie musste ein Lächeln unterdrücken, als sie an die Begegnung Takashi plus Krähe dachte. Wie ihr Gefährte den Vogel reißen wollte und sie ihn abhalten musste. Er wollte ihn vom Himmel holen und Jumaana hatte nur lachend gesagt, dass er ihr lieber einen Stern vom Himmel holen sollte, weil ihr das besser gefallen würde. Es war völlig eindeutig, das alles passieren konnte, alles sich ändern konnte - sie würde ihn immer lieben. Auch diese Gewissheit gab ihr Kraft. Und die Tatsache, dass die kleine Amúr hinter ihr stand ohnehin. Jumaana war sich sicher, dass sie jemandem zum Reden brauchte, der nicht ihre Mutter war. Sie war da.
»Sei gegrüßt, Lunasoleil. Ich würde dich gerne im Segen Engayas Willkommen heißen, doch du hast das Revier ohne Erlaubnis betreten. Unsere Grenzen sind ausreichend markiert - was fiel dir ein, sie achtlos zu übertreten? Wir sind keine Informationsstelle, die dir immer und überall Auskunft über deinen Standort geben will, doch ich will dir sagen, dass du dich im Tal der Sternenwinde befindest. Triff nun deine Entscheidung - wirst du dich friedlich verhalten oder hattest du vor, dich gegen uns zu wenden?«
Manchmal hatte Jumaana das Gefühl, verrückt zu werden. Oder es bereits zu sein. Manchmal waren ihre Gedanken auch ohne Aarinaths Einfluss wirr und hilflos - wie die einer Verrückten eben. Und sie wäre nicht Jumaana, wenn sie sich nicht darum sorgen würde. Bei Gelegenheit musste sie einmal mit Shani oder Majibáh sprechen, in der Hoffnung, dass die beiden Fähen ihr in irgendeiner Weise helfen konnten. Sie wollte nicht verrückt werden. Es gab genug Gründe dafür, warum die Polarwölfin das nicht wollte. Einerseits wollte niemand völlig durchdrehen; andererseits hatte sie aber auch ständig das Gefühl, dass man sie brauchte. Wäre sie nicht mehr in der Lage, jemandem Hilfe zu bieten, würde sie sich nicht mehr vollständig fühlen. Sie brauchte diese Art von Normalität. Wer um Hilfe bat, sollte auch welche bekommen.
Stumm starrte Jumaana die Fremde vor sich an, bevor sie den Blick zu ihren Pfoten senkte und einen leisen Seufzer ausstieß.
[ Bei Amúr und Luna › wörtliche Rede bitte kursiv, nicht fett! (: Und für Länge wird hier niemand bestraft! ]
27.06.2010, 17:00
(Irgendwo hab ich den Anschluss verloren, ich hoffe, es stört keinen, dass das etwas kurz gefasst is ^^‘)
Atalya hatte den Worten der Gruppen Leiterin gelauscht, hatte sich alles gemerkt und sich schließlich zu Shaén gesellt. Sie war ihm zugeteilt worden, sollte von ihm das Jagen lernen. Zuerst hatte sie dem Schwarzen einen prüfenden Blick zugeworfen. Pfüfend, aber nicht unfreundlich oder misstrauisch. Einige Momente hatte sie schweigend bei ihm gesessen, ehe sie sich erhoben hatte, um ihm besser in die Augen blicken zu können.
“Geht’s los?“
Leicht neigte die graue Fähe den Kopf zur Seite, drehte sich dann von dem Rüden weg, um wenige Meter wieder stehen zu bleiben und den Kopf zurück zu drehen. Sie war gespannt, wie sich Shaén schlagen würde. Sie wollte alles über die Jagd wissen, und immerhin war es seine Aufgabe, ihr alles bei zu bringen. Dafür waren sie schließlich hier. Kurz schüttelte Atalya das graue Fell, drehte sich nun ganz zu dem schwarzen Rüden herum.
“Kommst du? Was machen wir denn jetzt?“
Atalya heller Blick schweifte herum, suchte die Gesichter ihrer Geschwister. Amúr war bei Jumaana, den Rest konnte sie für den Moment nicht ausmachen. Und auch Madoc war nirgends zu sehen. Was der Weiße gerade wohl tat? Sie würde ihn suchen gehen, wenn sie von der Jagd zurück war. Und dann hatte sie ihm sicher viel zu erzählen. Schnell lag ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihrem Lehrer, damit sie nichts verpasste.
“Ich will alles wissen!“
Atalya grinste dem Rüden munter und auffordernd entgegen. In ihr war die Vorfreude hoch gekocht, sie konnte es kaum erwarten, endlich los zu legen!
[Entfernt sich von Jumaana - Shaén]
28.06.2010, 09:21
Nachdem die Jungwölfe in Sheenas Gruppe ein kränkelndes Tier ausgemacht hatten, hatte sich die Konzentration bei ihnen erheblich gesteigert. Obwohl sie natürlich gleichzeitig noch ein wenig unruhiger geworden waren.
Nun war es wirklich nicht mehr an der Zeit große Reden zu schwingen.
„Jungwölfe, jetzt geht es los. Beobachtet die Herde genau, ich möchte nicht, dass einer von euch verletzt wird!“
Sie seufzte leicht. Wenn das Geschehen erst angefangen hätte, würde es schwer werden die Fehler auszubügeln, die sich in ihrer Logik eingeschlichen haben könnten. Hatte sie auch nichts vergessen. Sie hatte ihre Gruppe aufgeteilt, aber vielleicht war diese Aufteilung gar nicht so sinnvoll?
„Jeder Erwachsene sollte sich für einen der Welpen verantwortlich fühlen. Jakash du kümmerst dich bitte um Aléya, Rakshee um Caylee, Kisha um Avendal und ich werde Minyala im Auge behalten.
Es ist einiges was ich nun gleichzeitig von euch verlange, aber die Sicherheit der Kleinen steht wohl einstimmig über dem Jagderfolg.
So, und nun wollen wir das Reden lassen“
Ein letzter Blick in die Runde, sie blickte jedem Wolf prüfend in die Augen. Sie waren eine gute Gruppe, es würde keine Schwierigkeiten geben.
Dann schlich sie geduckt einige Schritte nach vorne, stand nun an der Spitze der Gruppe. Auf dem Weg hatte sie Minyala zugenickt. Sie solle mit ihr kommen.
Sie fixierte die Hirschkuh die etwas abseits der Herde auf der linken Seite stand. Nicht jedoch soweit abseits, dass die Treiber nichts zu tun gehabt hätten.
Ihr letzter Gedanke war, dass sie hoffte, die anderen Gruppen wären ebenfalls bereit, dann übernahm ihr Instinkt die Oberhand und sie schoss geduckt nach vorne.
Nun hatte es also begonnen.
Ihr Blick fixierte zwar die kranke Hirschkuh, aber gleichzeitig behielt sie die restliche Herde im Auge. Die Tiere wurden erst unruhig und als Sheena aus dem Gebüsch auf die Lichtung schoss dauerte es nicht lange, bis die Panik die Herde erfasst hatte.
Doch bevor die Hirschkuh sich in den Pulk der schützenden Herde begeben konnte, hatte Sheena sie bereits erreicht. Knurrend und Zähne fletschend machte sie ihr unmissverständlich klar, dass diese Chance vertan war und als die Kuh anfing zu rennen, passte sich Sheena ihren Bewegungen leichtfüßig an. Rechts, links, sie würde ihr nicht mehr entkommen.
Doch wo blieben die anderen?
[Bei ihrer Gruppe - In der Herde]
(Huh.)
Die Jagd hat begonnen
28.06.2010, 09:42
Nun war sie also dieser Ahkuna zugeteilt worden. Diese stand am Rande der Gruppe und sah so aus, als wäre sie sehr bemüht alles zu verstehen, was Jumaana erklärte. Also ging es ihr genauso wie Liel selbst. Na, das konnte ja lustig werden.
Aber Liel wollte die weiße Fähe nicht schlecht reden, wahrscheinlich konnte sie sehr gut jagen, sonst hätte Jumaana sie bestimmt nicht eingeteilt um auf einen unerfahrenen Jungwolf aufzupassen.
Dieser Gedanke beruhigte die Fähe und sie warf Atalya ein Lächeln zu, als sie an ihr vorbei stiefelte um zu ihrer Lehrerin zu gelangen.
Neben dieser blieb sie stehen und grinste sie verschmitzt an.
„Du sollst mir also zeigen, wie wir jagen. Das freut mich, wir sind bestimmt ein super Team. Und ich bin schnell“
Lächelnd wollte Liel noch weiter reden, als sie aus dem Augenwinkel bemerkte, wie die Tiere in der Herde plötzlich unruhig wurden und auseinander stoben.
Was war geschehen? Doch zeitgleich mit dieser Frage konnte sie eine weiße Fähe entdecken, die sich ihr Opfer bereits ausgesucht und es blitzschnell von der Herde getrennt hatte.
Wow, das sah wirklich gut aus. Aber, wollte sie alleine bleiben oder kam ihre Gruppe jeden Moment hinterher? Hieß das, sie mussten nun auch loslegen, bevor die Herde noch unruhiger werden würde?
Ein unsicherer Blick zu Jumaana. Aber keine fragenden Worte. Sie verließ sich auf ihren Instinkt und das, was sie über das Jagen bereits gelernt hatte. Damit ließ sie sich in eine geduckte Haltung fallen, jeden Augenblick bereit loszuhetzen.
[Bei ihrer Gruppe - Ahkuna]
(Hm...)
01.07.2010, 20:29
Wild schlug das Herz der Wölfin im unregelmäßigen Rhythmus. Die Situation war so ungewohnt und jeden Augenblick rechnete Luna mit einem Angriff. Nervös huschte ihr Blick über die Lichtung. Jetzt hatte sie eine unangenehme Gratwanderung vor sich. Luna schaute die Fähe an, welche ihr geantwortet hatte. Niemand konnte ihr sagen, ob die Entscheidung, die sie treffen würde die richtige war oder ob sie sich damit ihr eigenes Grab schaufelte. Sie erwiderte den Blick der Fremden. Dieser Gedanke gab den endgültigen Ausschlag.
"Es tut mir leid, dass ich einfach so hier eingedrungen bin. Ich habe die Markierungen nicht bemerkt, denn ich bin mehr durch den Wald als auf dem Weg gewandert. Und das schon sehr lange. Ich danke dir, dass du mir verraten hast, wo ich mich hier befinde, denn dieses Gebiet hier kenne ich nicht. Um jetzt jedoch deine Frage zu beantworten. Ich komme in friedlicher Absicht denn, wie schon erwähnt, streife ich schon sehr lange durch den Wald, seit mein Rudel..."
Ihre Stimme war leise und brach, doch sie war sich sicher das die Wölfin sie gehört hatte. Die Wunde, welche der Verlust ihres Rudels in ihrem Kopf brannte, schmerzte noch sehr. Immerhin war es erst ein paar Tage her, dass sie und ihr Rudel angegriffen wurden. Ihr Blick verriet sie zwar, doch versuchte die Fähe es mit einem schiefen Lächeln zu überspielen. Leider ging das etwas daneben. Luna war sich nicht sicher ob sie antworten würde. Es hatte sie Überwindung gekostet, zu fragen und überhaupt zu reden, den sie hatte etwas Angst vor Fremden.
Luna senkte den Kopf und nahm eine unterwürfige Haltung ein, in stiller Hoffnung, dass die Fremde sie nicht angreifen würde.
Etwas betrübt hatte sie ihren Blick auf den Boden der Lichtung gerichtet, denn bisher waren ihr keine Wölfe begegnet und sie wollte es sich mit diesem hier nicht verderben.
[ spricht zu Jumaana ]
05.07.2010, 14:34
Face Taihéiyo hatte den Blick wieder nach vorne gewandt, obwohl ihm natürlich nicht entging, dass Ethelion immer wieder zu ihm hinüber sah. Inzwischen war sich der Tiefrabenschwarze sicher, was das Rotauge dort fixierte. Aber er schwieg, würde nichts sagen und es einfach ignorieren, solange auch Ethelion nur starrte und nichts sagte.
Das schwindende Sonnenlicht spielte ihr spiel mit den zwei Wölfen, die dicht am Waldrand entlang liefen. Es ließ ihre Silhouetten mit den dunklen Stämmen der Bäume verschmelzen, ließ sie nur manchmal als seltsame Schattenbilder daraus auftauchen.
Kurz und prüfend drehte der Tiefschwarze den Kopf zurück, um nach dem Rudel zu sehen. Es hatte sich noch nichts verändert, seine Gruppe stand weiterhin so ziellos dort herum, wie die Zwei sie zurückgelassen hatten. Mehr noch, Jumaana schien nun mit etwas Anderem beschäftigt zu sein, einer weißen Fähe, die zuvor noch nicht da gewesen war. Die blanke Miene des Rüden verzog sich kurz zu einem unzufriedenen Ausdruck. So würde das doch niemals etwas werden! Face seufzte und als Ethelion ihn auf eine Mulde aufmerksam machte, die er einen Atemzug später ebenso erspähte, nickte der Schweigsame dem Schwarzen zu. Anschließend huschten die saphirblauen Augen wachsam zur Herde zurück, beobachteten, ob sie weiter sorg- und ahnungslos vor sich hingrasten. Der Körper des dunklen Wolfes machte sich kleiner, geduckt, zielstrebig und lautlos tauchte er für einen Moment aus dem sicheren Schattenspiel der Bäume auf, um in die Senke zu huschen. Er war sich sicher, dass Ethelion den selben Weg einschlagen würde.
Vorsichtig spähte Face durch die hohen Grashalme zurück in Richtung Rudel.
„Ich fange an zu bezweifeln, dass sie das packen.“,
sprach er leise zu Ethelion hinüber.
[ hinter der Herde | Ethelion - wartend auf Jumaanas Gruppe ]
05.07.2010, 23:25
Alles war so aufregend. Endlich wieder jagten sie gemeinsam. Zwar war sie nicht mit dem ganzen Rudel vereint aber das wäre auch zu viel gewesen. Niemand konnte es ihnen verübeln das sie das Rudel getrennt hatten. So konnten sie sich besser besprechen und auch so war die organisation der einzelnen Gruppen leichter. Trotzdem war sie froh darüber nicht den Platz von Jumaana zu haben. Es war immer noch am leichtesten.
Im Blickwinkel sah sie, wie sich etwas auf sie zu bewegte. Etwas Schwarzes. Etwas Großes. Jemand älteres. Älter als sie. Kurz war sie am überlegen ob sie sich nun einen Blick wagen kann. Vielleicht wollte er ja auch nicht zu ihr. Aber gucken wird man ja wohl noch dürfen. So hob sie ihren Blick und sah in zwei blaue Sterne. Auf dem schwarzen Fell des Rüden wirkten sie so als gehörten sie nicht hier hin. Nicht auf diese Erde. Sie faszinierten sie. Unglaublich. Plötzlich fiel ihr auf das sie vielleicht aussah als würde sie ihn anstarren deswegen senkte sie kurz den Blick nur um ihn dann wieder zu heben und seiner Worte zu folgen.
„Ja. Mir geht’s gut. Nur ist es einfach aufregend das wir nun endlich wieder in einer Gruppe zusammen jagen können vor alle dem wenn ich jemanden ausbilden muss. Vielleicht mache ich ja etwas falsch.“
Sie lächelte kurz wölfisch und sah zu Boden. Wie dumm sie sich doch nun wieder vorkam. Sie hatte alles gelernt was sie brauchte. Außerdem war ihre Aufgabe ja nicht so groß das sie das nicht schaffen konnte. Etwas sorgen machte ihr aber dabei das sie auch noch auf einen Jungwolf achten musste.
„Es hat sich halt alles verändert. Du scheinst keine großen Probleme damit zu haben. Ich hoffe ich werde auch mal so gelassen auf so etwas reagieren können.“
Wenn sie älter und erfahrener war. Kurz überblickte sie die Köpfe der anderen Wölfe und suchte ihren Schützling. Dort. Hoffentlich würde das nicht allzu schwierig werden. Doch sie glaubte an sich und an die anderen, somit konnte nichts passieren. Bestimmt.
Schon wurde sie wieder abgelenkt. Eine Fremde Witterung lag in der Luft und schon war da eine fremde weiße Fähe-es war sicher eine Fähe- die auf sie zu kam. Sie schienen wohl alle vom Duft des neuen Reviers angelockt zu werden. Dem Duft des Lebens. Engayas. Das war so wundervoll. Das Rudel wurde immer größer und immer mehr Geschichten versammelten sich an diesem Ort. Ahkunas Herz ging bei diesem Gedanken auf. Immer mehr Wölfe ohne Heimat beschlossen sich, dies hier als das anzusehen, was sie schon immer suchten. Eine Zufluchtsstätte.
Je näher die Fremde kam, desto mehr offenbarte sie. Schlussendlich sah sie fast genauso aus wie Ahkuna. Fast. Es war fast so als ob jemand ihr eine Doppelgängerin geschickt hätte. Aber war das wirklich möglich? Anscheinend ja. Aber das sollte die Weiße jetzt nicht mehr so sehr beschäftigen. Jumaana schien sich ja darum zu kümmern. Aber sie konnte den Blick nicht von der Fremden lassen. Später würde sie sich nochmal zu ihr bewegen und vielleicht ein paar Sätze mit ihr sprechen. Sie musste noch so viel über die anderen lernen. Über die Welt. Ob sie wohl auch irgendwann fort wandern sollte auf eine Reise? Das wäre sicherlich schön. Gerne hätte sie den Schwarzen neben sich gefragt wie es da draußen wohl aussah aber sie schluckte sich diese Frage runter und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder dem kleinen Wolf der auf sie zu kam. Liel also. Na das würde ja spaßig werden.
„Ich hoffe mal dass wir das sind! Wir müssen den anderen doch zeigen das wir das drauf haben!“
Motivation war der beste Weg zum Ziel. Also wandte sie sich ab und sah zur Herde die die beiden Rüden schon beobachteten. Da also würde irgendwo ihr Ziel liegen. Nur wo genau? Sollten sie sich mehrere Opfer aussuchen? Sollte sie jetzt fragen? Nein das war ein schlechter Zeitpunkt. Definitiv. Also würde sie sich an jemand anderes wenden oder darauf warten bis die andere Weiße fertig war.
[bei der Gruppe l zuerst mit Shaén redend l dann mit Liel]
06.07.2010, 19:12
Der große, schwarze Kopf neigte sich ein wenig, die Augen aufmerksam auf die junge Weiße gerichtet. Mit gelassener Belustigung nahm der Wanderer zur Kenntnis, dass sein Erscheinen wieder ein Mal mehr jemanden in den Bann schlug.
In seinem alten Rudel hatte er überwiegend negative Überraschung bezüglich seiner Veränderung erhalten. Nur auf seinen Reisen waren manche Artgenossen, vor allen Dinge junge, von der geheimnisvollen Ausstrahlung nahezu magisch angezogen worden.
Shaén lachte ein verhaltenes, kehliges Lachen, als die Jungfähe ihr Starren bemerkte und den Kopf senkte. Natürlich nahm er es ihr nicht übel.
„Mach dir keine Sorgen,“ murmelte er leise und stupste der Hellen aufmunternd mit der Nase gegen ihre Schnauze, die er so ein wenig anhob. „Immer den Blick nach vorne richten, dann wird alles glatt gehen.“
Kurz ließ er den Blick musternd über das sorgenvolle, junge Gesicht wandern. Die Anspannung, die von ihr ausging, war förmlich zu greifen, ihre Besorgnis einen Fehler zu begehen, konnte er schier mit all seinen Sinnen wahr nehmen. Nachdenklich runzelte der Rüde leicht die Stirn. Hatte man sie so sehr verunsichert oder fühlte sie sich nur selber noch nicht in der Lage, auf einen gerade mal ein Jahr jüngeren Jungwolf acht zu geben?
„Wir leben von Veränderung.“ Seine Stimme war leise, sein Blick ruhig und dennoch auf sanfte Weise eindringlich. Er wollte ihr Mut machen, dass sie ihr Potenzial erkannte und das Selbstvertrauen gewann, welches sie dringend brauchte. Auf ihre Worte lachte er leise. „Mich kann nur wenig überraschen und in einer Gruppe sogar noch weniger. Sieh es mal von dieser Seite: Selbst wenn es keine Beute gibt, sind unsere Mägen voll. Es gibt also keinen Grund sich im Vorfeld verrückt zu machen.“
Er deutete ein kurzes Zwinkern an und bedeutete ihr mit dem Kopf, dass sie gerne später weiter reden konnten, wenn sie es wollte.
Wieder erhob sich ein leises Grummeln, als wieder eine Fremde aufkreuzte, doch wollte sich Shaén nicht darum kümmern. Sein Schützling Atalya verlangte nach seiner ungeteilten Aufmerksamkeit.
Mit geschmeidigen Schritten lief der Rüde die letzten paar Meter auf die graue Fähe zu. Sie schien in ausgeglichener Stimmung und voller Tatendrang zu sein. Ein Lächeln huschte über seine Lefzen, während er mit langen Schritten folgte.
„Du sollst nicht mich, sondern die Beute hetzen.“ Er zwinkerte ihr kurz zu und verzog sein Gesicht zu einem schiefen Lächeln.
Bei ihr angekommen stieß er der Jungfähe freundschaftlich mit der Schulter an und trabte dann locker ein paar Meter weiter. Nur nebenher hatte er mitbekommen, dass Face und der Schwarze mit den roten Augen sich aufgemacht hatten. Ob sie bereits Stellung bezogen hatten, konnte Shaén aus der Entfernung nicht genau sagen, dazu brauchte er einen besseren Ausgangspunkt.
„Wir suchen uns eine gute Ausgangsposition für die Jagd.“ Seine Schritte wurde fast vollständig von dem Boden gefiltert und seine Erklärungen hielt er in einem leisen Ton. „Wir halten uns so lange bedeckt, bis wir uns nahe genug an die Beute heran geschlichen haben.“
Seine Augen suchten den Blick seines Schützlings, wanderte dann weiter und erkannte dann einige Meter weiter die Huftiere, an denen sie üben wollten.
„Unsere Aufgabe wird es sein, ein krankes, schwaches, verletztes oder altes Tier von der Herde zu trennen und es zu hetzen. In einer solch großen Gruppe übernehmen die schnellsten und ausdauernde Läufer meistens die Aufgabe des Hetzers, die das Beutetier vor sich her treiben, damit es müde wird. “ Wieder ließ er den Blick wandern, kniff kurz die Augen zusammen, bis er fort fuhr: „Die Jäger lauern in vielen Fällen im Hinterhalt. Dort hinten konnte ich gerade noch etwas Dunkles ausmachen. Ich denke, dass müssten unsere Jäger sein, die ihre Stellung bezogen haben. In unserem Fall sind Face und der andere Schwarze die Jäger. Sie nehmen praktisch die von uns ausgewählte Beute in Empfang. Ihre Aufgabe wird es sein, die Beute zu reißen. Oftmals helfen die Hetzer noch dabei, aber heute wollen wir es wohl erst mal dabei bei belassen, dass wir euch an die Vorgehensweise heran führen, wie man eine geeignete Beute erkennt, von der Herde trennt und vor sich her treibt. Nicht zuletzt natürlich, welche Gefahren auf Jäger und Hetzer warten. Kannst du dir vorstellen, welche Situationen das sein könnten?“
Vorerst beschloss er, seinen Vortrag so stehen zu lassen und überließ es Atalya Fragen zu stellen oder das eben Erklärte zu verarbeiten. Solange bis die anderen aus der Gruppe Stellung bezogen hatten und es endlich los gehen konnte, würden sie hier warten.
[bei der Gruppe l zuerst mit Ahkuna Caiyé redend l dann mit Atalya sich entfernend]
06.07.2010, 20:41
Volller Ungeduld hockte Aléya neben ihrer besten Freundin, die auf die Weiße etwas nervös wirkte. War sie wirklich so unsicher oder bildete sie sich da etwas ein? Avendal war immer schon eine sensible Seele gewesen und vielleicht fürchtete sie, dass etwas bei der Jagd schief gehen könnte.
Aufmunternd lächelte Aléya ihr zu, zwickte ihr freundschaftlich ins Ohr und trabte dann mit langen Schritten zu Jakash hinüber.
Ein breites Grinsen entblößte ihre Zähne, als sie kurz in seinem Fell knabberte, sich dann halb unter seiner Schnauze hinweg duckte. Die Jungwölfin brannte förmlich darauf, endlich ihr Geschick austesten zu können und nicht mehr kleinen Feldmäusen hinterher zu laufen. Sie wollte etwas richtiges, wollte beweisen, dass sie genau wie alle anderen das Talent und den Willen hatte.
„Dann wollen wir mal.“
Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie sich Sheena davon stahl, verfolgte jede ihrer leisen Bewegungen. Instinktiv bewegte auch Aléya sich unbemerkt nach vorne, ungeachtet, ob Jakash ihr folgte oder nicht.
Ein anderer Impuls hatte von der Weißen besitz ergriffen.
Ihr Herz schlug schnell in ihrer Brust, die Muskeln spannten sich an. Leicht kniffen sich ihre Augen zusammen, witternd verharrte sie eine Sekunde in ihrer Bewegung eingefroren.
Dort vorne war die Beute.
Sie konnte sie sehen, hören, wittern.
Der Geruch löste wieder dieses seltsame Brennen in ihrer Kehle aus. Aléya schluckte. Ihr Hals war trocken, sie wäre gerne zum Fluss gegangen, um sich an dem kühlen Wasser zu laben.
Der Körper der Jungfähe kauerte sich nieder, schlich geräuschlos weiter.
Ohne es zu wissen, wusste sie genau, was sie zu tun hatte, als würde eine Stimme, die nur sie hören konnte, ihr zuflüstern, was sie zu tun hatte.
Kein Blick zurück, die dunklen Augen fixierten die Beute.
Immer weiter kroch die Helle vorwärts, ließ die Gruppe bald hinter sich. Es gab von nun an nur noch sie und ihr Opfer.
Sie konnte es bereits vor ihrem geistigen Auge sehen, wie sie hinter dem armen Geschöpf her hetzte. Ihre Beine streckten sich durch wie Sprungfedern, als sie nach vorne schnellte. Ohne Mühe konnte sie mit dem Huftier Schritt halten, jagte in schnellen Sätzen hinterher, bis sie gleichauf mit ihm war, machte dann einen Satz, das Maul weit aufgerissen, die Zähne gebleckt.
Neben sich konnte Aléya eine kleine Bewegung von Sheena ausmachen, die anders war, als ihre bisherigen Schritte. Noch ehe Sheena los gesprungen war, ging ein Ruck durch den jungen Leib, der ohne nach zu denken, sondern nur von Instinkten geleitet, hinterher jagte.
Die schwarzen Augen taxierten die Hirschkuh, die einen penetranten Geruch von Krankheit absonderte, der ihr – immer näher kommend – förmlich ins Gesicht schlug.
Aléya unterdrückte den Reflex des Abblockens, es ging ausschließlich nur noch um das Opfer, welches sie zwischen ihren Zähnen wissen wollte.
[bei ihrer Gruppe l folgt dann Sheena]
07.07.2010, 23:38
Alles schien verworren. Die Fähe konnte ihre Gedanken nicht mehr ordnen und das Licht war schon lange aus ihren kalten, gefühlslosen Augen gewichen. Das Leben, welches sie einst liebte, schien ihr nichts mehr wert zu sein. Alles war egal. Beunruhigenderweise stellte die weiße Fähe sogar fest, dass sie lieber sterben würde. Nun lag sie dort am Boden, wo sie hingehörte. Staub und Dreck hatten ihr Fell beschmutzt. An einigen Stellen hatte der Sand bereits die Haut weggescheuert und ihre Ballen waren rau und entzündet. Still lag sie da, den Kopf auf dem Boden und die Augen weit ausgerissen gen Himmel gerichtet. Als wäre sie tot. Sie blinzelte nicht und wenn, nur langsam, als würde es sie ermüden. Die Fähe wollte sterben.
Nichts um sie herum schien noch zu stimmen. Die Stimmen der anderen waren in Watte gepackt und passten nicht zu ihren Körpern. Luna spürte bei jeder Stimme einen abgrundtiefen Hass. Sie alle hatten Glück. Manche hatten einen Gefährten gefunden und waren glücklich. Aber sie nicht. Sie würde niemals mehr glücklich sein. Nicht mehr ohne ihren Gefährten. Sie hätte heulen können, so schlecht ging es ihr. Nichts als Leere war in ihrem Körper. Alles war ihr egal.
Und dann erhob sich die Fähe. Ihre Augen waren in den Himmel gerichtet und sie öffnete den Fang zu einem tonlosen Heulen. Ihre Pfoten und Beine schmerzten unter dem knochigen und dreckigen Körper. Als hätte sie sie Jahre lang nicht bewegt. Langsam wand sie sich um. Sie blickte keinen von ihnen an. Nicht einmal mehr die Fähe, welche vor ihr stand. Aber niemand außer ihr hatte sich für sie interessiert. War sie denn nicht ... Fremd? Interessierte sich das Rudel denn für keinen mehr? Luna wusste, dass es auch niemand bemerken würde, wenn sie ging. Niemand würde sie sehen und niemand würde beachten. Nichts hielt sie hier mehr.
Langsam stackste sie durch die Büsche. Kopf und Rute berührten beinahe den Boden. Sie zeigte keine Emotion, nichteinmal mehr den Schmerz. Obwohl er tief in ihrem vereisten Herzen saß. So tief wie ein klaffendes Loch in den Felsen. Schon bald sah sie das Rudel nicht mehr. Sie hatte sich geirrt. Sie ... hatte ... sich ... geirrt! Luna atmete einmal keuchend. Ihre Pfoten schleiften über den Boden wie die eines Altwolfes. Und das, obwohl sie noch so jung. Es war eine Schande, eine so junge und einst hübsche Fähe so zerschunden zu sehen.
oO(Ich habe mich geirrt. Das, was ich suche, ist nicht hier. Sie werden mich nicht suchen. Und finden werden sie mich auch nicht. Als ob es das überhaupt wert wäre. Wozu ein Abschied? Wahrscheinlich sind sie erleichtert ... )Oo
Luna wusste, wie ungerecht sie dachte. Aber ihre Gedanken trieften vor Slebstmitleid und hass. Ihr Blick war sturr auf den Weg gerichtet, der ihre zerschundenen Pfoten magisch anzog. Sie würden ihren Weg gehen. Entweder in den Tod - was ihr bedeutend lieber war -, oder ins richtige Leben. Welchen Weg sie gehen wird, wird keiner erfahren ... keiner.
[Verlässt das Rudel | Letzter Post]
Immerhin ging mir das leicht von der Hand.
09.07.2010, 09:44
Mit einem Anflug von Genugtuung stellte Ethelion fest, dass Face seinen Vorschlag mit der Senke kommentarlos akzeptierte. Er ließ seinem Begleiter den Vortritt und löste sich dann selbst blitzartig aus dem Schattenspiel des Waldes. Mit gesenktem Kopf und angeklappten Ohren folgte er dem Rüden in die Mulde. Er legte sich auf der richtigen Seite neben ihm auf die Lauer und wollte ihm gerade einen Blick zuwerfen, als plötzlich Face' Stimme erklang. Der Tiefrabenschwarze zweifelte offenbar an den Fähigkeiten ihrer Jagdgesellschaft. Ethelion konnte ihm das nicht verübeln; es ging ihm selbst so. Mit noch immer angelegten Ohren, um sich so wenig wie möglich vom Hintergrund abzuheben, hob der Schwarze kaum merklich den Fang und spähte zurück zu ihrer Gruppe. Seine geschulten Augen erkannten ohne Verzögerung das Dilemma, das sich dort auf der anderen Seite der Lichtung abspielte.
"Eine fremde Fähe...",
murmelte er abwesend. In diesem Rudel ging es wahrlich zu wie im Bienenstock! Ständig kamen fremde Wölfe anspaziert und machten sich seelenruhig daran, ihnen die Jagd zu vermasseln. Gab es denn in diesem Rudel keine Grenzwächter, die sich um so etwas kümmerten? Ein leises, aber verächtliches Schnauben entfuhr seiner Kehle. Dann aber erkannte Ethelion, dass die ungefragt hinzugekommene Wölfin sich bereits wieder trollte. Vielleicht würde es ja doch noch etwas werden mit ihrer Jagd. Der Schwarze wandte den Kopf zu seinem Begleiter um und meinte schließlich:
"Wenn wir hier schon warten müssen, bis die Anderen endlich soweit sind, kann ich dich doch auch etwas fragen. Woher hast du dieses Gebilde um deinen Hals? Und was ist das überhaupt?"
Ethelion wusste nicht recht, warum er das gefragt hatte. Irgendwie hatte einfach seine Neugier gesiegt. Der Fenrissohn hoffte nur, dass er damit bei Face keine alten Wunden aufriss.
[Mulde jenseits von Jumaanas Gruppe | Face Taihéiyo]
11.07.2010, 17:11
„Bitte, verzeih Minyala, ich werde gehen. Ich.. kann nicht hier bleiben, frag nicht warum. Ich weiß es nicht.“
Mit einem weiteren Blick zu Sheena rief sie mit erhobener Stimme:
„Bitte entschuldigt, ich werde gehen. Seid mir nicht böse, aber ich habe nicht das Gefühl hier gebraucht zu werden.“
Mit einem nicken zu den anderen Wölfen und einem Stupser an Minyalas Schulter drehte die weiße Fähe sich um und verschwand.
Sie wusste selbst nicht genau warum, wusste in dem Moment nichts, doch ging sie immer weiter.
Eine Pfote vor die andere, immer und immer wieder.
Langsam fiel Lyerra in einen schnellen Laufschritt, bis sie schließlich rannte.
Sie achtete nicht auf ihre Umgebung, achtete nicht auf eine Richtung. Sie rannte einfach nur.
Der Gegenwind strich ihr sachte über ihr Fell und ihre Pfoten trommelten über den Boden.
Vereinzelte Erdklumpen wurden hoch geschleudert, prallten an ihrem Körper ab und fielen wieder auf den Boden.
Als Lyerra vor sich einen See sah, wurde sie langsamer und blieb stehen, als sie ihn erreichte.
Ein zwei Schritte noch, dann war sie am Wasser, stellte sich mit den Vorderen Pfoten ins Wasser und trank ein wenig.
Es schmeckte sauber und sah klar aus.
Kurz setzte sie sich hin um sich auszuruhen, dann setzte sie ihren Weg fort, weiter an einem Bach entlang, der vom See weg führte.
Sie bewegte sich auf die Berge zu, Berge, an denen sie schon einmal war.
(.Mit Imiák. .)
Lyerra trabte wieder los, nur um sich gleich darauf in einem gewagten Galopp reißen zu lassen.
Immer größer wurden die Berge vor ihren Augen. Als sie nur noch wenige Meter von dem Gebirge entfernt war, sah sie einen Baum.
Sie ging darauf zu und wollte sie unter ihm zusammenrollen, als ihr auffiel, dass er keine Knospen sondern Muscheln trug.
Derart fasziniert, da sie so etwas noch nie gesehen hatte, setzte sie sich und betrachtete verzückt den Baum.
[am Muschelbaum l Sheenas Gruppe, dann alleine]
20.07.2010, 01:37
Während sie also neben Ahkuna stand, die Muskeln zum zerreißen gespannt und darauf wartete, dass es endlich losging, passierte einfach nichts. Gar nichts. Nein, das war nicht ganz richtig. Im Bezug auf die eigentliche Jagd war nichts geschehen. Ein zweiter Wolf, Aléya wenn Liel es richtig gesehen hatte, war zu der weißen Fähe gestoßen und half ihr nun die Hirschkuh von der Herde zu trennen. In ihrer Gruppe jedoch rührte sich noch immer niemand. Es schien fast so, als wäre die Jagd uninteressant, schlimmer noch, gar nicht wichtig. Aber das war sie doch, oder?
Gleichzeitig hatte sie auch bemerkt, wie unsicher Ahkuna sich in ihrer Position fühlte. Doch sie ließ ihren Gefühlen keine Chance Unsicherheit aufkeimen zu lassen. Sie tat einfach so, als ob ihr nichts weiter aufgefallen wäre. Darin war sie besonders gut.
Langsam ließ sie sich aus ihrer angespannten Haltung fallen, blieb zwar geduckt, jedoch nicht mehr in der Position, dass sie sofort lossprinten könnte.
„Wann geht es denn nun los?“
Ein wenig Ungeduld schwang in ihrer Stimme mit. Nachher waren die Tiere verschwunden, ehe sich hier einer der Erwachsenen auch nur im Geringsten ein Stück vorwärts bewegt hatte.
Gleichzeitig wollte sie der älteren Fähe auch keinen Druck machen, also schlich sie sich ein wenig näher an die Weiße heran und stieß ihre Nase sanft in das Schulterfell. So verweilte sie einige Sekunden, dann trat sie zurück. Sie kannte die Fähe schließlich kaum. Außerdem war dies eine Geste der Liebe an ihre verstorbene Mutter gewesen. Als sie noch so klein war, dass sie an keine andere Stelle heranreichen konnte. Selbst die Schulter war nur mit großer Anstrengung zu erreichen gewesen. Ein Anflug von Wehmut überkam sie. Wo waren eigentlich ihre Geschwister abgeblieben? Die beiden Brüder waren nicht getrennt worden, soviel hatte sie mitbekommen. Warum war sie selbst dann in eine andere Gruppe gesteckt worden? Sie hatte sich doch um ihre Geschwister zu kümmern, die beiden kamen doch bestimmt nicht ohne sie aus. Oder sie würden sich die Köpfe einschlagen. Beides war keine wunderbare Vorstellung für die plötzlich sehr betrübte junge Fähe. Doch in sekundenschnelle hatte sie die trübseligen Gedanken wieder vertrieben. Fort, in den hintersten Winkel ihres Herzens. Und nun strahlte sie die Weiße an, als ob nichts geschehen wäre.
Er nach dieser weitaus übertriebenen Fröhlichkeit ließ sie den Blick wieder zu der unruhigen Herde gleiten.
Durfte sie sich nun endlich dazu mischen?
[Jumaanas Gruppe- Bei Ahkuna.]
27.07.2010, 22:28
Immer noch glitt er im selben Tempo voran, seine Pfoten setzten sich beinahe lautlos auf den Boden auf, umgingen jeden Ast und jedes Blatt, so gut es möglich war. Das Laufen war nicht anders als sonst, auch wenn er dieses Mal nicht alleine war. Die Fähe an seiner Seite behagte ihm nicht. Auch wenn sie jünger als er war und ihm sicherlich nicht sonderlich gefährlich werden konnte, hatte sie etwas an sich, dass es einem eiskalt den Rücken herunterlief. Er konnte nicht beschreiben, was dies war, aber sie war die Art von Wölfin, die ihn ohne zu Zögern umbringen würde, nur weil er anders aussah. Doch Tarik ignorierte dieses Gefühl und spitzte die Ohren, als sie von der Gemeinschaft sprach.
Man merkte, dass dieses Thema ihn nachdenklich stimmte und seine Nase sich daraufhin rümpfte.
"Was hält dich in der Gemeinschaft?"
Nicht wirklich interessiert, doch als ernst gemeinte Antwort darauf, fragte er die Dunkle dies und sah sie einen Moment lang an, bevor er noch einmal die Stimme hob.
"Ich war schon immer alleine, es ist das Leben, welches ich gewohnt bin."
Er klang weder betrübt noch erfreut, es war eine Feststellung für ihn, dass er schon immer dieses Leben gelebt hatte und meinte dies auch ernst. Das er nicht immer alleine gewesen war, hatte er verdrängt, wusste er letztendlich nicht mehr. Da ihm dies nicht mehr bekannt war, kannte er tatsächlich nur das Leben eines von Einsamkeit geplagten Wolfs, der ständig davon gejagt wurde. Wenn er sein Leben so betrachtete, bemerkte er wieder, wie nicht lebenswert es doch eigentlich war.
Ihre Antwort auf seine Frage ließ ihn nicht einmal schmunzeln. Also wollte sie es ihm nicht sagen. Na gut, dann würde er es wohl mit der Zeit sehen, wohin sie ihn führte. Tariks Schritte wurden plötzlich langsamer, er hob den Kopf und zuckte mit den Ohren. Vor ihnen, unter einem Baum, dessen Früchte äußerst merkwürdig aussahen, saß eine weiße Fähe, die ebenso die merkwürdigen Früchte betrachtete. Nicht viel trennte das seltsame Paar von der weißen Fähe. Daher brachte Tarik seine vernarbte Gesichtshälfte unweigerlich in den Schatten seines Körpers und zeigte der Fähe nur seine rechte Gesichtshälfte. Gleich würde die Hetze auf ihn wohl wieder beginnen, vielleicht würde sie ihn auch nur geschockt oder angeekelt anschauen. Alles möglich, alles egal. Denn alles gehörte zu seinem alltäglichen Leben dazu.
[Im Wald mit Amáya auf Lyerra und den Muschelbaum zugehend/treffend]
28.07.2010, 11:47
Unbemerkt von den Wölfen waren die leichten Schleierwolken langsam aber stetig von größeren, bedrohlich schwarzen Wolkentürmen verdrängt worden. Es war noch immer nicht dunkel und doch verdüsterte sich der Himmel nun als wäre es bereits Nacht. Die ersten Regentropfen die noch zögernd auf das Tal fielen blieben von dem jagenden Rudel im Wald fast unbemerkt. Doch schon kurz darauf begann ein Platzregen auf die Bäume zu prasseln und der Wind fing an durch die Stämme zu jagen. Als der erste Blitz über den Himmel schoss und ein Donner so schnell und so laut wie eine Horde brüllender Bären durch den Wald hallte, zuckten die ersten Wölfe bereits zusammen und zögerten. Noch war es nur ein Gewitter, doch gleich sollte es zu einem Sturm werden. Der Wind wurde stärker, erste Äste flogen durch den Wald und wurden zu Geschossen. Die nächsten Blitze jagten den Donner durch die Dunkelheit und langsam begannen sich die Wölfe im Wald zu fürchten. Die Probejagd war vergessen, es galt einen Unterschlupf zu finden und dem unberechenbaren Wind zu entkommen. Der schien derweil noch stärker geworden zu sein, irgendwo im Wald konnte man einen Baum umstürzen hören, während ein weiterer greller Blitz die Dunkelheit zerriss.
28.07.2010, 12:39
Minyala hatte sich ein wenig über Lyerra gewundert. Irgendwie war die Fähe seltsam. So richtig geantwortet hatte sie ihr nicht, schien aber wieder zum Jagen bereit gewesen, hatte dann ein doch ziemlich unpassendes „Du musst nicht darauf antworten, wenn du nicht willst.“ angehängt und war schließlich davon gelaufen. Sheena hatte herumgefuchtelt und schließlich die Jagd begonnen, was Minyala jedoch nicht weiter verfolgt hatte. Viel eher hatte sie versucht einen neuen Gesprächspartner zu finden, bis der Regen sie abgelenkt hatte. Der war plötzlich da gewesen – eben noch hatte die Sonne vom Himmel gelacht – und war ihr in die Ohren gelaufen, was sie gar nicht leiden konnte. Besonders ihr linkes Ohr hatte nun mal kein Ohr mehr, somit auch keinen Schutz und deswegen waren Minyala und der Regen große Feinde. Zunächst war sie näher an einen großen Baum gerückt, der sie auch brav beschützt hatte, doch ziemlich schnell kam er gegen den mittlerweile Platzregen nicht mehr an. Zudem begann der Wind zwischen den Baumstämmen zu jaulen und als der erste Donner brüllend laut durch den Regen heulte, zuckte die weiße Fähe zusammen und verzog das Gesicht. Nun war sie nass, ihr war kalt, der Wind zerrte an ihrem Fell und warf ihr Äste um die Läufe und zudem mochte sie Gewitter so gar nicht. Sie waren laut und grell. Winselnd zog sie die Rute ein, sah sich etwas orientierungslos nach Caleb um, konnte ihn nicht entdecken und beschloss, dass der Rüde die Situation auch alleine meistern würde. Leise winselnd drehte sie sich um und kroch zu einem Gebüsch, das danach aussah, als würde es sie zumindest ein wenig vor dem Unwetter schützen können. Den Kopf platt auf die Erde gedrückt, die Rute zwischen die Hinterläufe geklemmt und das einzig vorhandene Ohr eng an den Kopf angelegt lag sie zwischen den Ästen und Blättern und zuckte bei jedem neuen Blitz, Donner oder heftigem Windstoß zusammen.
>>Papa …<<, jammerte sie in Gedanken. >>… ich maaaag nicht alleine bei Gewittern sein.<<
Aber natürlich tauchte er davon nicht einfach zwischen den Baumstämmen auf. Vielleicht sollte sie ein wenig aktiver dazu beitragen, dass irgendwer sie hier in diesem Zufluchtsbusch bemerken und ihr beistehen würde. Ein wenig hilflos begann sie zu jaulen, wahrscheinlich kaum laut genug um den Wind zu übertönen. Vielleicht würde es ja irgendwer hören … zusätzlich dazu zwang sie sich ihre Rute unter ihrem Bauch hervorzuholen und ließ sie aus dem Busch hängen. Vielleicht würde ja jemand darüber stolpern und sich wundern, warum eine geknickte, silberweiße Rute so einfach in der Landschaft herumlag.
>>Du bist ein Feigling, Minyala, und ein hilfloser noch dazu. Liegst hier in einem Busch herum und wartest darauf, dass dich jemand bemerkt … das hat etwas lächerliches an sich.<<
Aber die silberweiße Fähe brachte es nicht über sich, aus dem Gestrüpp herauszukriechen, denn da draußen blitze und donnerte es munter weiter.
[ nördlicher Mischwald // allein in einem Busch ] ANSPIELBAR =)
28.07.2010, 13:32
Man hätte es für einen schlechten Scherz halten können. Ebenso wie die weiße Wölfin zuvor, verschwand auch die Zweite wieder von der Bildfläche, wie Face grade so in der Ferne erkennen konnte. Das Kommen und Gehen von Wölfen war er inzwischen ja mehr als gewöhnt, aber binnen von wenigen Minuten? Innerlich schüttelte der tiefschwarze Beta den Kopf. Seitlich von sich konnte Face Taihéiyo hören, wie Ethelion seinem Missmut darüber Ausdruck mit einem Schnauben verlieh. Er konnte es sogar ein wenig nachvollziehen.
Faces Ohren zuckten kurz, als der Schwarze die bis eben noch ungestellte Frage in den Raum warf. Blicke mit einem Schweigen zu erwidern war einfach gewesen, doch eine simple Frage sollte er in seiner Position nicht einfach wortlos übergehen. Einen Moment lang sah der einstige Flammentänzer Ethelion nur an, dann richtete er seinen saphirblauen Blick wieder nach vorne.
"Es ist ein Stein, den man Saphir nennt. Ich bekam ihn, zusammen mit den Federn und dem Lederband vor vielen Jahren umgebunden. Menschenwerk, wie du dir vielleicht denken kannst. Für mich ist es eine Erinnerung, an einen alten Freund."
Seine Stimme teilte wie immer keine Emotionen mit, aber auch innerlich spürte er keinen Schmerz mehr, so wie es vor Jahren der Fall gewesen wäre. Seine Zeit bei den Indianern, bei Cloud, lag so lange zurück, dass es wirklich nicht mehr mehr war, als eine ferne Erinnerung. Über 5 Jahre war es her. Er konnte seine Vergangenheit, eingeschlossen in einen Eisenkäfig, nun mit nüchternem Blick betrachten und Cloud hatte endlich seinen Frieden gefunden.
Face Taihéiyo blinzelte kurz, als ein Tropfen Wasser auf seine Schnauze platschte, richtete seinen Blick nach oben und dann fing es auch schon an wie aus Eimern zu schütten. Binnen weniger Sekunden - so schien es - hatte sich der Himmel komplett verdunkelt, vom Sonnenschein war nichts mehr zu sehen. Ein lauter Donner zerriss zeitgleich mit einem Blitz die Luft, brachte Face dazu die Ohren an zu legen. Ein starker Wind begann ihm ins Gesicht zu peitschen.
Face richtete sich auf, gab seinen Schutz auf, die weitere Jagd war nun eh ein Ding der Unmöglichkeit geworden.
"Wir sollten zurück gehen und nach den Jungwölfen sehen, Jagen macht jetzt keinen Sinn mehr.",
sprach er in Ethelions Richtung und musste seine Stimme etwas heben, um noch gegen den Sturm an zu kommen. Es war irrwitzig, mit was für einer Gewalt sich das Wetter geändert hatte. Der Wind war so stark, dass er bereits Äste von ihren Bäumen riss und durch die Luft schleuderte. Alarmiert trabte Face los, blieb aber nach ein paar Schritten stehen, um auf Ethelion zu warten. Es war seltsam, wie ein Rang einen Wolf verändern konnte. Früher hätte er keinerlei Sorge verspürt, nun fühlte sich der Beta quasi für das ganze Rudel verantwortlich. Denn über ihm stand seit Nyotas und Banshees Tod keiner mehr.
( Nahe des Waldes / Ethelion )
28.07.2010, 13:37
((Kleine Gruppenübersicht. Einwände an mich ^.- ))
Nach dem Amayá sich von der Gruppe entfernt hatte, war es an Aszrem die Führung zu unternehmen. Unterstützung fand er durch Mochi. Die drei Jungtiere folgten ihrer Gruppe, zu der außerdem Gani Amira, Lucina und Liam zählten. Sie hatten sich gerade in Bewegung gesetzt, als die ersten Wolken aufgezogen waren, doch der Wind hatte diese schnell über den Himmel gejagt, bis es dunkler und dunkler geworden war. Im anbrechenden Sturm hatte sich die Gruppe zerstreut. Es war unmöglich sich auf Geruch oder Gehör zu verlassen, so dass sie nicht mehr zusammen finden konnten, wenn sie sich nicht in nächster Nähe entdeckten.
Krolock folgte den Erwachsenen schweigend, ohne großes Interesse. Er sträubte sich nur nicht dagegen, weil er unabhängig werden wollte. Besonders bemühen würde er sich dennoch nicht. Bald aber fegte der Wind über sie hinweg und trieb schwarze Wolken über den Himmel. Der Jungrüde wusste gar nicht, wie ihm geschah. Plötzlich schien um ihn herum die Welt aus ihren Fugen zu geraten und während er einen Blitz beobachtete, war die Hälfte seiner Gruppe nicht mehr in Sicht. Als sich ein Ast von einem Baum löste und er auswich, hatte er dann schließlich auch seinen Bruder und das nervige Anhängsel Nihil verloren.
Er fand sich plötzlich völlig allein im Sturm. Das Brausen des Windes verschluckte alle Geräusche und die Gerüche, die er noch wahrnehmen konnte, wurden so wild umher geweht, dass er ihnen nicht mehr trauen konnte. Bald überdeckte der Duft des Regens alles andere.
Unschlüssig, was in einer solchen Situation zu tun war, irrte Krolock immer dort entlang, wo sich ihm die wenigsten Hindernisse in den Weg stellten. Es schien besser, sich von den Bäumen fernzuhalten, die mit Ästen und Blättern um sich warfen. Auf freiem Felde jagten die Blitze direkt über seinem Kopf hinweg, was ihn instinktiv dazu verleitete, einen Schutz aufzusuchen. Mal rannte er, mal robbte er. Nie hatte ihm jemand beigebracht, was zu tun war, wenn das Wetter plötzlich alle Fesseln sprengte. Er fühlte sich verunsichert, aber nicht verängstigt. Das Schauspiel faszinierte ihn, je länger und heftiger es tobte. Unbändige Energie musste in dieser Naturgewalt stecken, die sich einfach über ihnen ausgebreitet hatte. Aus heiterem Himmel war es losgebrochen und schien keine Gnade zu kennen. Die anderen Rudelmitglieder und die Lehrjagd waren schnell vergessen. Obwohl er sich eigentlich befreit fühlte und gänzlich allein unterwegs war, kehrte mehr und mehr die übliche Aggressivität in sein Inneres zurück, die er sich nicht erklären konnte. Der Himmel entlud sich über ihm und schien die immer stärker werdende Wut wiederzuspiegeln.
Krolock begann zu rennen, immer schneller und schneller, als hätte der Wind ihn vom Boden gelöst. Er jagte, mal gegen, mal mit dem Wind. Am liebsten hätte er sich mit sich selbst geprügelt, wenn nur der Zorn in ihm davon geringer würde. Aber dieser wuchs und wuchs und zwischenzeitlich hatte er komplett die Orientierung verloren. Da er kein Ziel verfolgte, machte er sich nichts daraus, wollte die Wut ihn sowieso nicht mehr klar denken lassen. Kurz blitzten seine Augen rot auf, ungesehen an diesem dunkel gewordenen Tag. Und während er durch ein kleines Waldstück wirbelte, scheinbar mit unsichtbaren Geistern kämpfend, rammte er plötzlich etwas, dass sich ihm in die Quere gestellt hatte. Mit einem drohend wütenden Knurren drehte er sich um und wollte den Baumstupf oder was auch immer da stand, angreifen. Es war Neruí.
„Kannst du nicht aufpassen wo du hinläufst, du flohverseuchter Krüppel!?!“
Er schrie ihr die Worte einfach ins Gesicht, mit vollem Einsatz seiner Stimme. Dennoch schien das Unwetter seine Worte einfach verschlucken wollen. Außer ihr würde ihn wohl niemand gehört haben. Krolock machte sich nicht die Mühe, dich umzusehen, um herauszufinden, ob sie allein war.
[Bei Neruí]
28.07.2010, 14:26
Etwas ärgerlich registrierte Tyraleen, dass keiner ihrer drei Söhne auch nur ansatzweise auf ihren strengen Ruf reagierte. Gerade wollte sie erneut ansetzen um den drei Jungwölfen klar zu machen, dass sie nun schleunigst zu ihr kommen sollten, oder ihre Mutter würde wirklich wütend werden, als sie nahe genug war um die Gesichtsausdrücke der drei zu erkennen. Fast gleichzeitig schlug ihr auch die seltsame Stimmung entgegen, die ihre Welpen umwaberte wie Nebel. Etwas stimmte nicht, in der Luft lagen seltsame Gefühle, die nicht auf diese Blumenwiese in diese Situation passten. Angst, Sorge, Traurigkeit, Verzweiflung und Widerwille. Sie sah Chanuka sich abwenden, aber er blickte nicht zu ihr, Turién stand vor Tascurio, als wolle er ihn zu irgendetwas überreden. Und Tascurio selbst sah ihr entgegen, auf eine Art, die plötzlich Tyraleen Angst machte. Ihre Schritte waren bereits langsamer geworden und nun überkam sie der seltsame Drang, umzudrehen und davon zu rennen so schnell ihre Pfoten sie tragen konnten. Die Weiße schüttelte innerlich den Kopf und zwang sich weiter zu gehen, was auch immer hier gerade vor sich ging würde sie doch nicht davon abhalten ihre Welpen zur Lehrjagd zu scheuchen. Doch bevor sie die drei Jungwölfe erreicht hatte, drehte sich plötzlich auch Turién um und gemeinsam mit Chanuka rannte er davon, in den Wald hinein. Verdutzt hielt Tyraleen inne, starrte ihren zwei Söhnen nach und fand doch keine Stimme sie zurückzurufen. Irgendetwas war falsch, ganz falsch und der Drang fortzulaufen wurde größer. Nunmehr stand nur noch Tascurio da, sah ihr weiterhin ausdruckslos entgegen und schien auf etwas zu warten. Ganz sicher nicht darauf, dass sie ihn zu Lehrjagd scheuchte. Sie hatte ihn nun fast erreicht und erwartete beinahe, dass gleich irgendetwas geschehen würde. Aber alles blieb ruhig, nur erste größere Wolken zogen am Himmel auf. Averic am Waldrand bemerkte sie nicht. Zögernd kam sie vor ihrem Sohn zum Stehen, sah ihn an und legte dann leicht den Kopf schräg.
“Was ist los? Wohin sind Chanuka und Turién? Warum seid ihr nicht bei der Lehrjagd?“
Sie klang weniger streng als gewollt, viel eher besorgt und auch ihr Blick sprach von dem eigenartigen Gefühl, dass sie überfallen hatte. Um ihn und sicherlich auch sich selbst zu beruhigen beugte sie sich leicht vor und wollte ihren Sohn an der Nase berühren, doch bevor sich die beiden Schnauzen der Wölfe trafen, zuckte ein Blitz durch Tyraleens Kopf und alles wurde schwarz. Im nächsten Moment tauchten vor den Augen der Weißen zwei Gestalten auf. Sie kämpften miteinander, zwei Rüden, der eine schneeweiß, der andere tiefschwarz. Auch wenn Tyraleen keinen Geruch aufnahm und nur verschwommen sah, wusste sie, dass sie dort Tascurio und Averic sah. Sohn und Vater waren ineinander verbissen und rasend im Kampf um das Leben des anderen. Noch bevor sie sich rühren konnte, erwischte Tascurio die Kehle seines Vaters, biss zu und ließ den schlaff gewordenen Körper Averics zu Boden fallen. Blutverschmiert und mit Wahnsinn in den Augen drehte er sich zu seiner Mutter und sah sie an, so wie er es eben noch, auf der Blumenwiese getan hatte. Eine Stimme begann zu sprechen, sie kam aus dem Nichts und hallte über die ganze Welt.
“Er wird ihn töten, Tyraleen. Du bist die einzige, die Averic noch retten kann. Töte deinen Sohn oder er wird dir deinen Gefährten nehmen.“
Furchterfüllt taumelte die Weiße zurück, wusste, dass Fenris sprach und rief nach Engaya. Flehend, strauchelnd wollte sie von Fenris und dem blutigen Blick Tascurios fliehen. Doch Engaya war nirgendwo, Tyraleen war alleine und die Angst drohte sie zu verschlucken.
“Was ist dir mehr wert, Tyraleen? Das Leben deines Sohnes oder das Leben deines Gefährten? Du kannst nicht beides haben, du musst dich entscheiden.“
Tyraleen sah sich gehetzt um, doch überall war nun Tascurio und neben ihm Averic, dessen gebrochene Augen sie anstarrten. Sie sprachen von der verlorenen Hoffnung auf Rettung, von dem Vertrauen, das er in sie gesetzt hatte.
“Wirst du deinen Gefährten opfern, Tyraleen? Meinst du, du kannst ohne ihn leben? Und für was wirst du ihn aufgeben? Für einen Sohn, der ihm das Leben nahm, der dir dein Leben nahm. Ist er das wert, Tyraleen, ist er das?“
“NEEEEEEEEEEEIN!“
Tyraleen merkte nicht, dass der Schrei von ihr gekommen war. Ihr Körper war nach vorne geschossen, sie hatte Tascurio umgestoßen, stand nun mit den Pfoten auf seinem Brustkorb, starrte auf ihren Sohn herab, dessen blutroter Blick noch immer in ihren Gedanken brannte. Ihr Fang schwebte über der Kehle Tascurios, einen einzigen Herzschlag lang sahen sich Mutter und Sohn noch in die Augen, dann schlossen sich Tyraleens Zähne um den Hals ihres kleinen Welpen. Als das Blut zu strömen begann und das reinweiße Fell der beiden Wölfe verklebten schoss ein Schmerz durch Tyraleens Körper, als hätten tausend Wölfe sie angefallen. Kraftlos fiel sie vom toten Körper ihres Sohnes, rutschte durch sein Blut und blieb leblos neben ihm liegen.
[ auf der Blumenwiese am Federbaum | allein mit dem toten Tascurio ]
28.07.2010, 14:53
Der helle Blick ruhte auf Shaén, wartend, ob er schnell antwortete. Voller Vorfreude wäre sie nun am liebsten los gesprungen, hätte alle hinter sich gelassen und wäre auf die Beute zugerannt. Aber sie hielt sich zurück, wußte sie doch, dass dies keine Idee sein würde. Als der schwarze Rüde zu sprechen begann, erwiderte die junge Fähe sein Lächeln. Sie verlangsamte kurz ihre Schritte, bis er sie aufgeholt hatte. Sie machte einen kleinen Schritt zur Seite, als sie angestoßen wurde. Damit hatte sie nicht gerechnet, hatte also keinen festen Stand gehabt. Einen Moment blieb Atalya stehen, setzte aber schnell wider mit einigen Schritten nach, um wieder neben Shaén zu laufen.
Als der Schwarze wieder zu sprechen begann, wandte die Graue den Kopf herum, um ihn anblicken zu können. Kurz erwiderte er ihren Blick, wandte den Kopf dann weg und blickte zu den Tieren, die langsam näher kamen. Atalyas Ohren zuckten leicht nach hinten, während sie noch ein paar Schritt vorging, und gleichzeitig den Worten des Rüden lauschte. Er erklärte den Ablauf dieser Jagd, und mit jedem weiteren Wort wurde Atalya unruhiger. Sie wollte anfangen, endlich etwas tun, anstatt nur darüber zu sprechen. Als der Schwarze zum Ende kam, und eine letzte Frage stellte, wandte sich Atalyas Blick auf die Huftiere, und neigte den Kopf leicht zur Seite. Welche Situationen konnten das sein? Stumm beobachtete die Graue die Beute, als konnten diese Tiere ihr eine Antwort geben. Wieder wandte sie den Kopf zurück, blickte Shaén an.
“Die Hufen.. man muss auf die Hufen aufpassen.“
Keine direkte Antwort auf seine Frage, aber irgendwie umschrieb diese eine genaue Antwort.
Ihre Worte hatten kaum ihren Fang verlassen, als ein Tropfen auf ihre Schnauze fiel. Atalya blinzelte, hob den Kopf zum Himmel. Sie hatte nicht ein Mal bemerkt, dass sich der Himmel mit dunklen Wolken zugezogen hatte. Blinzelnd beobachtete sie die Wolken, und schon im nächsten Moment prasselte der Regen auf sie hinab. Gerade wollte die junge Wölfin den Fang öffnen, als ein greller Blitz den dunklen Himmel erhellte und ein Donner die Stille zerschnitt. Atalya zuckte merklich zusammen, duckte sich ein wenig. Was war das nun wieder? Von unten herab blickte die Graue misstrauisch nach oben, drehte den Kopf dann zu Shaén und richtete sich langsam wieder auf.
“Was soll das nun?“
Fragend blickten die hellen Augen den schwarzen Rüden an, als wüßte er auf jede ihrer Fragen eine Antwort. Kurz schüttelte sie den inzwischen durchnässten Pelz und blickte zurück zu den anderen Wölfen. Einige Momente verharrte sie so, seufzte dann leise und blickte Shén wieder an.
“Und was machen wir jetzt?“
[Bei Sháen]
28.07.2010, 15:01
Tascurio wollte seine Brüder anschreien, sie sollen nun gehen, als diese sich doch noch von allein in Bewegung setzten. Die Szenerie veränderte sich und wirkte auf seltsame Weise nicht mehr vertraut. Es war anders als in seinem Traum, als hätte er die Welt verändert, allein dadurch, dass er mit Chanuka und Turién über all das gesprochen hatte. Seine Mutter kam auf ihn zugelaufen. Angst umfesselte sein Herz und das fühlte sich furchtbar falsch an. Er sollte sich nicht vor ihr fürchten müssen. Am liebsten hätte er sich in ihr Brustfell geworfen und an sie gekuschelt, als wäre er nur ein paar Wochen alt und bräuchte ihren Schutz mehr als alles Andere. Aber er blieb starr stehen und sah sie an. Ihre Worte klangen besorgt in seinen Ohren, irritierten ihn nur noch mehr. Er wartete, dass sie ihn angriff, so wie er es gesehen hatte, aber sie sprach zu ihm.
Über den Himmel jagten plötzlich dunkle Wolken. Kein Teil seines Traums, wie er nur zu genau wusste. Sein Herz schlug mit einem mal schneller, schmerzlich. Eine neue Woge der Hoffnung wollte ihn durchfluten, ohne dass er ihr nachgeben wollte. Er durfte und konnte nicht daran glauben, dass er ein Leben lang auf eine Illusion hereingefallen war. Was wäre, wenn er einfach am Leben bliebe? Nur für Sekundenbruchteile war er erfüllt von solchen Gedanken, ehe sich etwas an der Haltung seiner Mutter veränderte. Seine Hoffnung war in diesem Augenblick zerschlagen. Er konnte nicht sehen, was sie sah, wusste nicht, was nun anders war als vorher, aber sein Schicksal war besiegelt.
„M… Mama?“
Fragte er unschlüssig, als sie sich eine Weile nicht rührte. Und dann schrie sie auf. Sie wusste es nun, wusste soviel wie er. Er wusste nicht, was ihn so sicher machte, aber sie stand ihm nicht mehr als Mutter gegenüber, die ihn schützen musste. Seine Ohren fielen kraftlos nach hinten. Eigentlich wusste er nicht, was nun passieren würde und wie, obwohl er es so oft gesehen hatte. Den Sprung nahm er nicht bewusst war, erst als er unter ihr am Boden lag und es eigentlich vorbei war.
Tascurio blickte Tyraleen ein letztes Mal in die Augen.
„Es ist nicht fair…“
Für uns beide nicht. Der zweite Teil des Satzes ertrank im Blut und glitt noch kurz durch seine Gedanken. Es schmerzte gar nicht so sehr, wie in seinen Träumen. Mochte aber sein, dass er sich im Lauf der Zeit einfach daran gewöhnt hatte. Sein Herz pumpte fleißig weiter, den Lebenssaft aus seinem Körper. Atmen konnte er nicht wirklich, gelangte doch mehr Blut als Sauerstoff in seine Lungen. Zurück blieb der bittere Geschmack seiner Enttäuschung. Die Träume hatten rechtbehalten. Und so suchten seine Augen orientierungslos einen Halt, glitten über seine Mutter, die neben ihm lag, über die Blumen, die hin und wieder in einem Blitz aufleuchteten und hingen schließlich am Himmel. Es gab keine Gedanken mehr, aber er spürte, wie sein Herz unregelmäßiger zu schlagen begann. Es klopfte nur noch ab und an, wie ein müde gewordener Fisch an Land, der zunächst noch wild gekämpft hatte und sich nun resignierend in sein Schicksal fügte.
'Es ist kalt. So kalt.'
28.07.2010, 16:00
Eigentlich wollten sie doch jagen, oder etwa nicht? Do Cirádan verstand nicht, warum sie sich so viel Zeit ließen. Klar, da war diese fremde Wölfin gekommen und ... sie mussten auf günstigen Wind oder sowas warten. Ach, er verstand das ganze einfach nicht.
Das es langsam begann dunkler zu werden, merkte der Jungwolf zuerst nicht. Erst als der erste Regentropfen seine Nase erwischte, blickte er irritiert hoch.
Dunkle Wolken hatten sich am Himmel versammelt und irgendwo in der Ferne war Licht.
Eigentlich kein Grund, dass eine Jagd nicht trotzdem weiter gehen konnte, oder? Doch dann zerris ein lautes Donnern die Stille und das Herz des Halbblinden setzten für einen Moment aus.
Er drückte sich flach auf den Boden, wollte sich wieder beruhigen, doch dann folgte auch schon ein weiterer Blitz und ein weiteres Donnergrollen. Ach. Nur ein Gewitter.
Zwar zitterte Cirádan, doch richtete er sich halb wieder auf. Wollte sehen, ob sie bei einem Gewitter noch weiter machen wollen würden, doch ... der Wind begann stärker an seinem Fell zu ziehen und der plötzlich einsetzte Platzregen vernebelte ihm völlig die Sicht.
Ein weiteres Donnern und Blitzen und noch weitere Geräusche, dass sich nach einem umfallenden Baum anhörten, ließen den Jungwolf aufquicken und auch die anderen um ihn herum zerstreuten sich rasch.
Zumindest so viel er erkennen konnte.
Innerhalb weniger Sekunden war Cirádan völlig durchnässt und begann zu laufen. In den Wald. In der Hoffnung, dass es dort besser werden würde und der Regen und der Wind ihn nicht mehr so sehr zerrten.
[läuft allein in den Wald]
28.07.2010, 16:31
Mein Herz blutet. Weinend muss ich sehen wie meine Tochter taumelt, weinend, wie mein Enkel seinen einsamen Tod stirbt. So viele Fragen, die das Leben uns stellt werden nie beantwortet werden, so viele Wege nie begründet. Hätte eine andere Möglichkeit gegeben? Hätte Tascurio leben können, ohne Averic sterben zu lassen? Nicht einmal ich kenne die Antwort, vielleicht hätte es einen Weg gegeben. Doch meine Tochter hat ihre Entscheidung gefällt, sie hat den einfachen Pfad gewählt, den ohne Hindernisse. Aber sie weiß, sie muss wissen, dass gerade diese Pfade tückisch sind. Von nun an wird nichts mehr sein, wie es einmal war. Und blutend besiegelt mein kleiner Enkel dieses Verderben.
Doch keine Angst. Ich bin da, ich werde immer da sein, ich bin an deiner Seite, an eurer Seite, meine Liebe ist grenzenlos, meine Hoffnung wird euch stärken. Und auch dich, Tascurio, ich lasse dich nicht alleine. Komm her zu mir. Von nun an ist alles gut. Du musst nicht mehr einsam sein, hier gibt es keine Einsamkeit. Spürst du die Wärme? Und sieh nur, diese Welt ist voller Blumen; sie blühen immer und verwelken nie. Spürst du, wie die Kälte vergeht? Der Weg hier her ist kalt, aber nun bist du bei mir, du darfst vergessen, was Kälte bedeutet. Spürst du die Wärme unter deinem Pelz. Es ist die Liebe, die nun durch deine Adern fließt. Du musst nicht mehr traurig sein. Von nun an wird alles gut. Ich bin an deiner Seite.
28.07.2010, 17:05
Die plötzliche Erkenntnis tat fast schon weh. Nahe an Majibáhs Seite, wurde es ihm plötzlich Klar. Und nun verstand Katsumi auch das seltsame flüstern in seinem Kopf. Folge deinem Herz, Bruder. Akru hatte Recht. Wie schon immer. Isis war eine wunderbare Fähe, aber sie war, ob es nun gemein klang oder nicht, sie war nicht Nisha. Denn Nisha war die Fähe seines Lebens, die Mutter seiner Kinder. Noch ein letztes Mal lehnte sich Katsumi an den warmen Körper der Weissen. Er lächelte. Seelig, zufrieden. Sein Weg hatte endlich ein Ende gefunden. Fast. Er brauchte lediglich den letzten Teil zu bewältigen.
“Majibáh, verzeih mir. Ich muss meinen Weg fortsetzen. Gerade eben wurde mir bewusst, dass ich an einem anderen Ort mehr gebraucht werde...“
Katsumi spürte, dass er es ihr somit nicht leichter machte. Aber er musste diesen Schritt tun. Jetzt und keinen Tag später. Die Welpen konnten gut ohne ihn lernen und auch die Weisse neben ihm wird den Weg finden.
“Akru, achte auf Maji...“, flüsterte der Braune in den Wind ehe er sich von den Wölfen entfernte. Aber sicher, Liebster. Kurz blickte Katsu zu Shani, lächelte und warf ein Nicken als Abschied. Auch sie war eine wunderbare Freundin. Sie war da, als er niemanden mehr hatte. Jetzt geht er, aber sie wird es verstehen. Sie hat selber Kinder. Und auch wenn er ihr nie erzählt hatte, so wird sie es wirklich verstehen. Der Braune verliess den Platz, ohne sich ein einziges Mal umzudrehen. Die Richtung; Norden. Zurück an den Ort, an dem er beinahe sein Leben verloren hätte. Zurück zu seiner Fähe und seinen Kindern. Bis zum heutigen Tag wusste er nicht, ob die Liebsten noch lebten. Jetzt fühlte er es ganz deutlich. Sie lebten. Und sie warteten darauf, dass ihr Alpha zurückkam.
Lebe wohl, Tal der Sternenwinde.
[Bei seiner Gruppe | nördlicher Mischwald | bei Majibáh | Dann auf dem Weg nach Hause | Bitte nicht folgen, dies ist mein Ausstiegspost - Danke für die tolle Zeit hier]
28.07.2010, 17:33
Irgendwie war die Jagd seltsam. Keiner schien so richtig motiviert, nur Sheena versuchte sie ein wenig anzutreiben. Als sie dann eröffnete und losrannte wollte auch Caylee folgen, doch irgendwie hatte sie keine Ahnung wohin und was überhaupt tun. Zögerlich rannte sie einige Schritte hinter ihrer Jagdleiterin her, dann ließ sie sich von Aléya ablenken, die auf der anderen Seite dahinschlich. Die Weiße zögerte, war unsicher, was sie tun sollte, sah sich nach Rakshee um und blieb schließlich stehen. Sheena und Aléya hatten eine Hirschkuh erreicht und hetzten ihr nun nach – Caylee hatte den Anschluss verpasst. Kurz folgte ihr Blick den beiden weißen Gestalten, dann richtete er sich in den Himmel, aus dem es nun plötzlich regnete. Irgendwie fühlte sie sich etwas verloren, so alleine auf der Lichtung, abgehängt von den Jägern und ohne den Rest ihrer Gruppe oder sonst irgendjemanden aus dem Rudel. Zögerlich tappte sie zwei Schritte auf den Waldrand zu, sah sich dann um und setzte sich schließlich hin. Was nun? Der Regen wurde stärker und ein wenig betrübt schielte die Weiße erneut auf die dunklen Wolken über ihr. Es hatte ein ganzes Jahr nur geregnet, jetzt könnte doch noch ein wenig mehr die Sonne scheinen, das mochte sie so gerne. Als der erste Blitz aufzuckte, legten sich Caylees Ohren an ihren Kopf und sie zog die Schultern hoch. Mit Sonne würde das wohl heute nichts mehr werden, es sah eher nach einem Gewitter aus. Eigentlich mochte die Weiße Gewitter – Blitze faszinierten sie und sie wollte immer herausfinden, woher das Donnern kam. Ob Fenris grollte? Aber was war dann das Blitzen? Vielleicht seine Augen? Er musste ziemlich wütend sein … erstaunlicherweise fürchtete sich Caylee trotzdem nicht davor, nur jetzt gerade fühlte sie sich ein wenig einsam und das Gewitter machte es nicht besser. Mittlerweile tropfnass tappte sie auf den Wald zu und entdeckte Ciradán, der zitternd im Regen stand und ziemlich verängstigt wirkte. Er war nun nicht gerade eine sonderlich aufmunternde Gesellschaft – meist war er irgendwie seltsam – aber trotzdem besser als alleine zu sein. Zielstrebig steuerte Caylee auf ihn zu, als er sich umdrehte und zu laufen begann – offensichtlich hatte er sie nicht gesehen. Hin sich hineinbrummend stockte die Weiße zunächst, dann beschleunigte sie ihren Schritt und sprang ihrem Bruder-oder-so hinterher. Sie brauchte nicht lange um ihn einzuholen und schnappte im Laufen nach seinem Ohr.
“He, Angsthase, nicht wegrennen!“
Sie lächelte und rempelte ihn dann leicht an wie um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Eigentlich mochte sie den Halbblinden, aber irgendwie war es auch immer lustig, ihn zu ärgern. Nicht gemein ärgern, eher liebevoll … so wie sie das eben machte.
“Ich mag Gewitter. Wir könnten uns es anschauen, am See, auf einem der Felsen! Oder hast du Angst?“
Sie war langsamer geworden und blinzelte ihren Spielgefährten fast herausfordernd an. Ihr Oberkörper kippte nach vorne und ihre Rute begann auffordernd hin und her zu wackeln. Mittlerweile war das Gewitter zu einem waren Sturm geworden aber Caylee genoss den Wind, der durch ihr nasses Fell brauste. Naja, ein wenig stark war er schon, aber wegwehen würde er sie schon nicht. Sie war ja jetzt schon ein Jungwolf und kein kleiner Welpe mehr.
[ Im Wald | Ciradán ]
28.07.2010, 17:37
Aus dem Augenwinkel verfolgte Sheena die Bewegung in ihrer Gruppe. Eine Gestalt löste sich aus dieser hervor und kam zielstrebig auf Sheena zugelaufen. Oder besser gesagt auf die zu jagende Hirschkuh. Im näherkommen und durch die Witterung hatte sie schnell die weiße Jungfähe Aléya ausgemacht. Zu ihrem eigenen Erstaunen schien Aléya recht sicher in dem was sie tat und so sorgte sie sich nur kurz zu stark um das Wohlergehen der jungen Fähe.
Es wunderte sie, dass die Fähe eine solche Zielstrebigkeit an den Tag legte. Fast schien es ihr, als hätte die Weiße nie etwas anderes getan außer zu jagen. Kaum eine Unsicherheit war zu bemerken und so war Sheena schnell davon überzeugt, dass sie die Hirschkuh auch zu zweit würden erledigen können, sollte sich nicht noch einer der Wölfe entscheiden mit ihnen zusammen zu jagen.
Die Gruppenführerin entschloss sich, dass sie die kränkelnde Hirschkuh mittlerweile weit genug von der Herde abgeschnitten hatten und so setzte sie zum Sprung an, ehe dem Tier einfallen konnte, die Richtung zu wechseln um zurück zu der Herde zu gelangen.
Sie spannte ihre Muskeln und schnellte mit einem sicheren Satz in Richtung des Nacken der Kuh. Sie wollte dem Tier die Qualen eines langsamen Todes ersparen.
Im Absprung erklang der erste Donnerschlag in ihren Ohren, doch es blieb ihr keine Möglichkeit mehr ihren Sprung zu unterbrechen. So landete sie beim ersten Aufleuchten eines Blitzes auf dem Rücken des Tieres und biss beherzt zu. Sie hoffte, dass Aléya ihr auch weiterhin zur Seite stehen würde und wissen würde wie sie nun zu Handeln hatte.
Die Sorge um das Heranziehende Unwetter wuchs erst an, als sie den Regen bemerkte, der ihr Fell schon länger durchnässen musste. Das Blitzen und Donnern wurde häufiger, wenn der Wind noch stärker werden würde, mussten sie so schnell wie möglich von der Hirschkuh ablassen. Doch noch hatten sie die Möglichkeit ihre angefangene Jagd zu Ende zu bringen und sie wollte das Tier nicht so verletzt zurücklassen. Außerdem sollte Aléya ihren Jagderfolg wenigstens ein bisschen auskosten können.
Das die Fähe wie besessen war, war ihr noch nicht aufgefallen. Dazu war sie viel zu konzentriert auf den Ablauf der Jagd, die sich von einer Gruppen- und Lehrjagd zu einer Teamarbeit mit einem einzigen Jungwolf entwickelt hatte.
Die Hauptsache war ja wohl, dass ihnen beiden nichts passieren würde und da Sheena noch immer im Nacken des kranken Tieres hing, entging ihr anfangs der stetig zunehmende Wind.
Noch stellte er keine große Gefahr da, die Bäume schützen sie noch vor den starken Windböen, aber wie lange der Wald dem Sturm noch gewachsen war, konnte man nicht sagen. Bei einer weiteren Steigerung würden sich wohl so manch ein Ast von seinem Ursprungsplatz verabschieden und ungezügelt durch die Luft fliegen.
[Bei der Herde - kranke Hirschkuh mit Aléya]
28.07.2010, 18:00
Eigentlich wollte Cirádan dem Gewitter davon rennen. So schnell er eben konnte, auch wenn das wahrlich nicht schnell war.
Doch dann zog etwas an seinem Ohr und er musste stehen bleiben und den Kopf nach unten ziehen. Was war das, was ihn da so hinterhältig angriff?
Doch diese Stimme, die kannte er doch, oder?
Cirádan wollte aufblicken, doch da wurde er auch schon zur Seite gerempelt und platschte auf den Boden.
Seltsamerweise verspürte er keine Angst mehr und auch sein Zittern hatte für einen Moment aufgehört.
Stattdessen sah er Caylee vor sich, die anfing vom Gewitter zu reden.
"Natürlich habe ich Angst!",
meinte er unwisch zu ihr und stand auf. Doch gleich darauf besann er sich wieder.
"Tut mir Leid. Also eigentlich bin ich ja eh schon nass. Da ist es egal. Aber es ist kalt und so und du..."
Der Jungwolf vergass war er noch sagen wollte und blickte zu Calyee hoch. Er begann wieder zu zittern, dennoch zwang er sich sie zu beobachten und zu verstehen, was sie da gerade tat. Wollte sie tatsächlich mit ihm spielen?
Das waren zwei absurde Sachen auf einmal.
Ersten dass jemand mit ihm spielen wollte und zweitens dass jemand mit ihm spielen wollte bei einem Gewitter!
"Dir ist klar, dass es donnern und regnet und es nass und kalt und einfach nur ekelhaftes Wetter ist?"
Seine ganze Stimme zitterte, aber eigentlich war er auch ganz froh, nun nicht mehr alleine zu sein. Doch im Moment wusste er nicht, wie er sich Caylee gegenüber verhalten sollte. Also blieb er einfach stehen und starrte sie weiterhin an.
[im Wald / mit Caylee]
28.07.2010, 22:17
Als die Stimme des rabenschwarzen Rüden erklang, um seine Frage zu beantworten, wandte Ethelion ihm den Kopf zu. Er lauschte auf seine Worte und konnte doch nicht nachempfinden, was Face in diesem Moment fühlen mochte. Ein Mensch hatte ihm das also gegeben. Ein Mensch! Obgleich der Schwarze noch keine Erfahrungen mit Menschen gesammelt hatte, so hatte er doch Gerüchte gehört. Jedes Rudel kannte Geschichten über die Grausamkeiten der Zweibeiner. Sie töteten zum Spaß, entführten Welpen, stellten hinterlistige Fallen. Kurzum, man konnte ihnen nicht trauen. Face hatte aber anscheinend andere Erfahrungen gemacht, denn in seiner Stimme lag weder Groll noch Schmerz. Wenn überhaupt ein Gefühl in den Worten mitschwang, dann war es Melancholie; doch auch hier war sich Ethelion nicht sicher.
Während der Schwarze noch diesen Gedanken nachhing, zerriss plötzlich ein ohrenbetäubender Donnerschlag die Luft, kurz nachdem ein Blitz seine scharfen Augen geblendet hatte. Ethelion zuckte zusammen, so plötzlich brach das Gewitter los. Nur Augenblicke später goss es bereits in Strömen und ein böiger Wind zerrte unnachgiebig an seinem immer nasser werdenden Fell. Wieder erklang die Stimme von Face Taiheiyo und der Schwarze musste ihm angestrengt auf die Lefzen starren, um die Worte zwischen dem prasselnden Regen und dem Heulen des Sturms verstehen zu können. Dennoch gelang es ihm nicht vollständig. Als der blauäugige Rüde sich aber Richtung Rudel aufmachte und dann stehen blieb, um auf ihn zu warten, erkannte Ethelion schließlich seine Absicht. Mit einem Nicken erhob er sich und verließ ebenfalls die Mulde, die als Hinterhalt hatte dienen sollen. Nun aber war die Sicherheit des Rudels in Gefahr und die Lehrjagd wurde unwichtig. Geduckt, um dem Wind keine allzu große Angriffsfläche zu bieten, trabte Ethelion hinter Face her.
Dann blieb er plötzlich wie vom Donner gerührt stehen. Alles in dem schwarzen Rüden zog sich schmerzhaft zusammen, als eine bittere Erkenntnis vehement und gnadenlos in ihm Gestalt annahm.
'Fenris ist hier!'
Nicht so wie üblich, wenn ein Wolf den Weg in die andere Welt antrat, als latentes Gefühl oder schimmernder Nebel; nein, er war leibhaftig hier, in diesem Tal. Und er streckte seine gierigen Fänge nach einem Rudelmitglied aus. Schockiert von dieser allumfassenden Präsenz taumelte der Schwarze zurück. Er kniff die Augen zusammen, um die Bilder blutüberströmter Kehlen aus seinem Kopf zu verbannen, doch es gelang ihm nicht. Er war mit Fenris verbunden, und diese Verbindung ließ sich nicht lösen; nicht einmal unterbrechen. Ein pochender Schmerz breitete sich in seinem Brustkorb aus und raubte ihm den Atem. Um sich irgendwie gegen diese Bilder und Schmerzen zu wehren, warf Ethelion den Kopf in den Nacken und stieß ein langgezogenes Heulen aus, das von den Wänden des Tals widerhallte:
"Verschwinde aus diesem Tal, Fenris, und gib die Seelen frei, die du erbeutet hast!"
Erschöpft und verzweifelt sank der Schwarze zu Boden.
[auf dem Weg zurück zum Rudel | Face Taihéiyo]
(Ich hoffe, ich war nicht zu... freizügig.)
28.07.2010, 23:24
Sein Körper war wie versteinert. Er sollte gehen, er sollte wirklich. Aber sein Herz verbat es ihm, alles war falsch. Und aus dem schönen sonnigen Tag, sollte ein Sturm werden, wie sie es schon lange nicht mehr erlebt hatten. Die durchdringende Stimme Tascurios hatte etwas dringliches an sich. Turién Gedanken rasten. Er musste vertrauen, er musste nun einfach vertrauen – auch wenn sich alles in ihm dagegen zu widersetzen schien, weil alles falsch war.
Sein sonniger Blick glitt zu Chanuka, er schien fast hilfesuchend. Doch der Schwarze machte es ihm nicht leicht – er schien die Worte einfach zu akzeptieren, einfach alles hinzunehmen. Das konnte er nicht, nicht Turién. Sie mussten einfach alles ändern, dann würde alles anders werden, was war daran so schwer zu verstehen? Sie durften ihm diese Entscheidung nicht nehmen? Warum bitte nicht? Das war keine Entscheidung. Der Silberprinz wollte schreien, weil in diese Situation von innen zerfraß und er keinen Ausweg wusste.
Mit einem Blick zurück sah er, wie Tyraleen schon erschreckend nahe war – dann lief er los. Aber nicht ohne vorher noch etwas zu seinem weißen Bruder zu sagen.
„Wir werden dich nie vergessen, weil wir dich nicht vergessen können – denn du wirst da sein. Weil du nicht sterben wirst. Du wirst noch viele wunderschöne Blumen sehen werden…“
Damit wandte er sich ab und lief mit Chanuka an seiner Seite weg, hinein in den Wald, um sich wider Willen seiner Mutter, und seiner selbst dort versteckt zu halten.
Mit seiner Entscheidung hatte er vollstes Vertrauen in seine Mutter gesetzt. Vollstes Vertrauen. Sie würde niemals so handeln wie Tascurio es beschrieben hatte, wie er es geträumt hatte. Denn Träume blieben Träume, waren sie auch noch so real. Es widersprach jeden Erfahrungen, die der Silberne gemacht hatte. Sie war die Tochter Engayas, gütige Leitwölfin, liebevolle Mutter. Konnte so ein Wolf jemals ihren eigenen Sohn töten?
Erst ein markerschütternder Schrei ließ den Jungwolf innehalten, zwischen den Bäumen, mit dem Rücken zum geschehen schoss Panik durch seine Adern. Sein Blick suchte Chanuka, während er schnell atmend einfach nur an der von ihm erwählten Stelle stand. Unglauben war in seinen Augen zu lesen – dann schloss er seine Augen und drehte sich langsam um. In der Luft war die knisternde Anspannung des Gewitters zu spüren, dass so schnell aufgezogen war, wie seine Mutter auf sie zugerannt war. Schritt für Schritt näherte er sich wieder dem Waldrand, um zu sehen, was passiert war, wieso Tyraleen solch einen Laut von sich gegeben hatte… er wusste es schon, bevor er es sah, wollte es sich aber nicht eingestehen. Wie versteinert blieb er im Schatten eines Baumes stehen, mit freiem Blick aus das Gelände – und mochte er auch noch so weit entfernt sein, das stechende Rot des Blutes in den reinweißen Pelzen konnte er kaum übersehen.
„Nein-…“
Seine Stimme zitterte und brach am Ende zusammen.
[Tascurio-Showdown – am Waldrand | Chanuka – Tascurio & Tyraleen, Averic in der Nähe]
29.07.2010, 17:42
Plötzlich schienen die Götter der Meinung gewesen zu sein, dass diese sich dahin schleppende, nicht in die Gänge kommende Jagd einfach total langweilig war – Chardím war ihrer Meinung – und hatten einen Schalter betätigt. Auf einmal war die Sonne weg, hatte den blauen Himmel mitgenommen, dafür türmten sich nun große, schwarze Wolken über ihnen. Ein starker Regen hatte eingesetzt und es donnerte bedrohlich, während Blitze aus den Wolken schossen. Chardím hatte zwar keine Angst, das Dumme war nur, dass dieses Gewitter viel, viel zu laut für seine empfindlichen Ohren war und er nun irgendwie alleine in der Gegend herum stand. Plötzlich waren alle Wölfe auf und davon, die Lehrjagd interessierte keinen mehr. Und wo zum Teufel war Nerúi hin? Eigentlich hatte sie grade noch direkt neben ihm gestanden, nun war dieser Platz leer. Chardím fluchte und sah sich hektisch um. Wenn die Erwachsenen alle unfähig waren und selbst vor Angst davon rannten, wer passte dann auf Nerú und seine Geschwister auf? Etwas orientierungslos begann der Schwarzweiße los zu laufen, versuchte irgendwen von seinen Geschwistern zu entdecken. Als großer Bruder musste er das Aufpassen nun wohl in die Pfote nehmen, Papa und Mama waren ja bis eben nicht da gewesen.
„Nerúuuuu!“,
rief Chardím und bekam als Antwort einen kleinen, nadeligen Zweig ins Gesicht geweht und ein lautes Donnern hinterher geschmissen. Grimmig wischte er sich über die Schnauze. Okay, rufen brachte vielleicht nicht so viel. Er schüttelte kurz seinen nassen Pelz – was auch nicht viel brachte – und steuerte schließlich auf den Wald zu. Wenn auch etwas vorsichtiger, denn wo ein Zweig rumflog, konnten in einem Wald noch Hunderte mehr rumfliegen. Aber eventuell hatte sich ja jemand im Wald versteckt. Klang doch logisch. Da war man vor Wind und Regen etwas geschützter.
Chardím war grade im Wald angekommen, als plötzlich ein Schmerz durch seine Brust zuckte und sich ein Gefühl in ihm ausbreitete, als hätte sich grade sein Magen umgedreht. Keuchend taumelte der Schwarzweiße einen Schritt vorwärts, blieb stehen und biss die Zähne zusammen. Als nächstes wurde ihm schwindelig und alles fing an sich zu drehen. Falsch! Falsch! Das ist nicht richtig! Falsch! Das Gleichgewicht ist gestört! Blinzelnd versuchte Chardím seine Orientierung wieder zu finden, heraus zu finden, woher diese Stimmen kamen, während er das Gefühl hatte, etwas würde ihn zur Seite und gen Boden drücken. Seine Augen mussten in diesem Augenblick nahezu wahnsinnig wirken, Blau und Bernstein peitschten ineinander, als wolle eine Farbe die Oberhand gewinnen. Chardím schüttelte kräftig den Kopf und rannte wieder los. Irgend etwas wollte ihn kippen, alles war ganz komisch. Während er rannte, verflüchtigte sich der seltsame Moment und auch die Stimmen verstummten. Seine Augen beruhigten sich wieder, wenn auch seltsamer Weise nun das Blau zu überwiegen schien. Dafür war sich jetzt Chardím sicher, dass irgend etwas nicht stimmte. Irgendwas war falsch. Und dieses verdrehte Gefühl blieb. Jetzt musste er sich erst recht darauf konzentrieren seine Geschwister zu finden! Sie sollten nicht alleine bei diesem Sturm herum rennen, wenn zusätzlich etwas nicht in Ordnung war! Neuerlich zuckte der Schwarzweiße zusammen, dieses Mal aber wegen eines schaurigen Heulens, das durch den Wald heulte.
„Oh nein.“
Besorgt richtete Chardím den Blick gen Himmel. Fenris? Erbeutete Seelen? Was hatte das zu bedeuten? Irgend etwas war passiert! Abrupt wandte sich der Jungwolf zur Seite und begann in diese Richtung zu laufen. Er sollte nicht tiefer in den Wald, sondern am Besten zurück zum Rudelplatz. Er passierte grade ein ziemlich dichtes Gebüsch, als er stockte und wieder innehalten muss. Stirnrunzelnd lief Chardím die paar Schritte wieder zurück. Da hing etwas Weißes aus dem Gebüsch raus? Bei genauerem Betrachten erkannte der Jüngling, dass es sich um eine Wolfsrute handelte – die etwas komisch aussah – und wenn er es genau bedachte, roch es auch nach nassem Wolf.
„Heh!“
Er hatte jemanden gefunden! Auch wenn es keines seiner Geschwister sein konnte. Locker kniff er dem „Busch“ in seine Rute und steckte seinen Kopf anschließend durch das Gestrüpp. Eine weiße Wölfin hatte sich hier verkrochen.
„Warum liegst du hier so rum? Hast du das eben gehört? Wir müssen schnell zu den anderen zurück, irgendwas hat Fenris gemacht!“
[ nördlicher Mischwald | Minyala ]
(( Uaaah, großes Wirrwarr. xD ))
29.07.2010, 18:30
Der schwarze Rüde war in guter Stimmung, die quirligen Jungwölfe machten ihm einfach nur gute Laune. Auch, wenn sie noch arg verspielt und undiszipliniert waren, folgten sie dennoch des Rüden Anweisungen, am Besten ganz leise zu sein. Unter den Blättern eines Gewächses hatte es sich Takashi gemütlich gemacht und hatte auch somit einen sehr guten Blick in Richtung der Herde. Sein Blick galt aufmerksam den äsenden Hirschen, während auch seine Ohren aufmerksam lauschten. Neugierig wartete der Schwarze darauf, ob die beiden Jungwölfe schon etwas Besonderes entdeckt hatten.
Hier, direkt am Waldrand hatte Takashi einen ziemlich guten Platz für seine Lehrjagdgruppe ausfindig gemacht. Dank der grünen Pflanzenvielfalt würden die Wölfe wohl kaum vom Wild gesehen werden. Sicherlich würde auch schon eine Wolfsgestalt in der Ferne totale Panik auslösen! Der Wolfsgeruch würde durch die jetzige Windrichtung auch nicht in die Richtung der Hirsch Herde getragen werden – noch nicht. Und auch kein Wolf der Gruppe war so tollpatschig gewesen, auch nur ein winziges Ästchen des Waldbodens knacken zu lassen. Dies war nicht sonderlich einfach und deshalb umso lobenswerter für die unerfahrenen Jungwölfe. So hatte die Lehrjagd wohl schon einen ziemlich erfolgreichen Anfang errungen. Dennoch würde früher oder später noch der schwerste Teil folgen. Die Jagd selbst als eine Lehrjagd – wie stellte man denn bloß so etwas an?
Was war denn nun eigentlich aus dem gesuchten Hirsch geworden? Ein Tier ohne Geweih, klein und am Besten noch mit einer Verletzung? Geweihlose gab es dort so einige, doch sie schienen alle kerngesund und somit eine wahre Herausforderung in der Jagd zu sein!
Nerúi schien ziemlich enttäuscht darüber, dass sie noch keine zukünftige Beute ausfindig machen konnte. Aber selbst Takashi musste an diesem Punkt zugeben, dass bei dieser Herde keine großen Auffälligkeiten ausfindig zu machen waren. Dort gab es zwar eine lahmende Hirschkuh, aber diese war wohl doch für den Anfang zu groß und stark.
“Das stimmt wirklich, dass die Rehe alle ziemlich gleich aussehen! Da ich kein Blut wittern kann, werden sie auch wohl keine blutigen Verletzungen tragen. Vielleicht können wir etwas entdecken, wenn wir auf ihre Beine, den Gang oder die Körperhaltung achten!“
Ein Taktfehler während des Laufens oder ein einknickendes Bein währen wohl eindeutige Zeichen, dass das jeweilige Tier kaum Chancen zur Flucht hatte. Auch eine angespannte Körperhaltung könnte eine Verletzung verraten. Aber außer der lahmenden Hirschkuh konnte der schwarze Rüde nichts Weiteres entdecken.
“Chardím, schau, dort hinten! Dieser Hirsch hat kein Geweih, es ist also eine Hirschkuh. Außerdem hat sie Probleme damit, sich fortzubewegen. Aber ich finde, dass sie relativ groß und deshalb keine leichte Beute sein wird. Lasst uns noch etwas Ausschau nach einem kleineren Tier halten!“
Dieser Augenblick musste wohl wahnsinnig langweilig für die ungeduldigen Jungwölfe sein! Bestimmt wollten sie schon längt losjagen, einfach etwas tun, doch bis jetzt konnte man nur beobachten. Takashi konnte sich vorstellen, dass es für die Kleinen ziemlich enttäuschend war, nicht einmal ein gutes Testobjekt ausfindig gemacht zu haben. Der Schwarze schenkte den Jungwölfen ein ermutigendes Lächeln und nickte ihnen zu. Irgendwie mussten Nerúi und Chardím doch bei Laune gehalten werden!
Erneut versuchte der Schwarze Rüde mit seinen tiefblauen Augen eine leichtere Beute ausfindig zu machen, als plötzlich eine sanfte Brise wehte. Kurz darauf blickte der Rüde in Richtung Himmel und stellte dabei fest, dass dieser gar nicht gut aussah! Die Wolken hatten sich inzwischen sichtlich verdunkelt und weigerten sich schließlich, auch nur einen Sonnenstrahl hindurch zu lassen. Vorerst überging Takashi das, was er dort oben gesehen hatte und setzte seine Suche fort. Doch schon bald merkte er, dass die Wolken einfach nicht vorbei zogen und allmählich vereinzelte Wassertropfen auf die Erde fallen ließen. Doch kaum einen Moment später wurde der Regen sehr heftig und donnerte auf das Blätterdach des Waldes hinab. Auch die leichte Brise hatte sich inzwischen zu einem starken Wind entwickelt, der durch das Geäst fegte.
Takashi wurde allmählich unruhig und als er den ersten Blitz und seinen grollenden Donner vernahm, sah er sich dazu gezwungen, die Lehrjagd endgültig abbrechen zu müssen. Bei diesem schrecklichen Wetter machte dies einfach keinen Sinn mehr. Es war dunkel, nass und manchmal auch sehr laut! Selbst die Hirschherde hatte nicht lange gezögert und zog sich von der Wiese in den Wald zurück, wo sie Schutz suchte.
“Das sieht überhaupt nicht gut aus! Es tut mir leid, aber die Lehrjagd kann bei diesem Wetter nicht mehr stattfinden. Lasst uns lieber ruhig in den Wald zurückkehren und uns sicheres Plätzchen ausfindig machen.“
Auf keinen Fall durfte der Rüde den Fehler machen und nun auch noch für zusätzliche Unruhe sorgen. Kurze Zeit nach Takashis Worten schien das pure Chaos unter den Wölfen auszubrechen. Natürlich hatten sie Angst und liefen somit in den verschiedensten Richtungen in den Wald. Das Schlimmste war, dass der Schwarze somit auch seine beiden Schützlinge der Lehrjagd aus den Augen verloren hatte. Dem großen Schwarzen blieb jetzt aber auch nichts anderes mehr übrig, als weiter in den Wald zu gehen.
[Sucht Schutz im Wald | alleine]
29.07.2010, 19:43
Nihil hatte die Zeit vergessen. Nach seinem kurzen 'Angriff' auf Krolock war er schon kurz später der Gruppe einfach gefolgt. Immer wieder hatte er zum Himmel geschaut, sich nicht groß drum gekümmert, sich keine Gedanken gemacht. Auch, als es anfing, zu stürmen, kümmerte er sich kaum darum. Er war so sehr in Gedanken versunken, dass er kaum etwas mitbekam. Irgendwann schüttelte er nachdenklich den Kopf, schaute auf und sah diesen dicken Wolf vor sich, Mochi. Er seufzte und schaute sich um. Alle waren da ... fast alle. Verwundert blieb er stehen und drehte sich im Kreis. Wo war Krolock? Er war nicht da. Nihil legte die Ohren an, es krachte in seiner Nähe heftig, ihn interessierte aber nur noch, wo Krolock hin war. Einen Moment später hob er eine Pfote leicht an, streckte seine Nase in den Himmel und stieß ein langgezogenes tiefes Heulen aus. Als es verhallte, war er sich sicher, dass es ungehört blieb, aber auch das war ihm egal. Hauptsache er fand Krolock. Der konnte nicht alleine hier umher irren! Das ging nicht!
Ohne einen weiteren Blick zu den anderen - erwachsenen und somit auch erfahreneren - Wölfen zu werfen, lief er los. In irgendeine Richtung auf gut Glück. Beim ersten Mal waren diese seltsamen inneren Schmerzen, das Unwohlsein und das etwas zornig werden besser geworden, als er zu Krolock kam. Hing das überhaupt mit Krolock zusammen? Weder wusste Nihil das, noch hatte er jetzt Zeit, das rauszufinden. Geschickt schlängelte er sich durch den Wald auf der Suche nach Krolock, horchte nur seinem Inneren. Mit der Zeit wurden die Schmerzen schlimmer und Nihil drehte ab. Wieder ohne Erfolg. Erneut wandte er sich in eine andere Richtung - gleich bleibend. Verwundert blieb er stehen. Das musste entweder heißen, dass der Herr Krolock links oder rechts von ihm war.
Ein erneutes Donnern ließ ihn zusammen zucken und er warf sich auf den Boden. Nicht aus Angst, sondern nur, um einer möglichen Gefahr auszuweichen. Aber die Gefahr kam nicht. Dennoch blieb er still liegen und wartete. Nihil dachte nach - wo war Krolock?!
[alleine | im Wald]
30.07.2010, 11:25
Caylee war verblüfft, wie leicht sich Cirádan umrempeln ließ. Sie wusste ja, dass er in ihren Welpenspielen immer der Untelegene gewesen war und auch jetzt hatte er nicht gerade eine Kämpferstatur, aber irgendwie schien es ihr, als wäre er gerne ein Schwächling. Manchmal würde sie ihn gerne packen und schütteln, bis er sah, dass er sich seltsam benahm, aber dafür mochte sie ihn doch wieder zu gerne. Er war ja ein lieber Kerl … und außerdem hatte er seine Mama und seinen Papa verloren. Das tat der Weißen noch immer sehr leid. Nichts desto trotz war jetzt Zeit, Cirádan ein wenig herauszufordern … und ihm seine Angst vor Gewittern zu nehmen! Die waren nämlich wunderschön, man musste nur hingucken und nicht davonrennen.
“Ach, Ci. Es ist ein Gewitter, davor braucht man keine Angst zu haben! Fenris gibt ein wenig an mit seinem Knurren und seinem Blitzen und das war es auch schon wieder. Du bist doch kein Welpe mehr, nur Welpen haben Angst vor Gewittern!“
Naja, so ganz richtig war das nicht, einige Erwachsene hatten aus irgendwelchen Gründen noch mehr Angst, als Cirádan – vielleicht sollte Caylee sie mal fragen, warum. Doch dazu war jetzt keine Zeit. Sie überging die Entschuldigung des Halbblinden – warum entschuldigte er sich eigentlich dauernd? – und betrachtete aufmerksam mit einem Grinsen auf den Lefzen seinen Gesichtsaudruck. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, viel eher schien er wirklich entsetzt. Wegen einem kleinen Ausflug? Um Gewitter anzusehen? Maaaan, Cirádan war vielleicht ein Angsthase.
“Ci, jetzt sei nicht so ein Schlappschwanz. Es muss donnern und regnen und vor allem blitzen, wenn man sich ein Gewitter ansehen will! Und so kalt ist es gar nicht …“
Sie tänzelte hinter ihren Bruder-oder-so und schob ihn ganz leicht in Richtung See. Dann sprang sie wieder vor ihn, wackelte erneut mit der Rute und wuffte auffordernd.
“Ich zeig dir, wie schön ein Gewitter ist, aber wenn du zu wenig Mumm dafür hast, muss ich wohl zu deinem Bruder gehen.“
Krolock wäre schon drei Mal mitgekommen. Allerdings wäre er dabei auch irgendwie gemein zu ihr gewesen und hätte sich wahrscheinlich eine noch viel gefährlichere Mutprobe ausgedacht. Cirádan dagegen war sehr viel einfacher, auch wenn man ihn immer überreden musste.
[ Im Wald | Ciradán ]
30.07.2010, 11:48
Was für ein Hundeelend! Hier lag Minyala, zitternd, pitschnass, mutterseelenallein und sich vor diesem furchtbaren Gewitter fürchtend in einem Busch und tat sich selbst leid. So wäre ihr Papa nicht wirklich stolz auf sie und nicht einmal Caleb könnte sie damit beeindrucken. Und außer ihrer heraushängenden Rute und ihrem leises Gewimmer tat sie nicht einmal etwas gegen ihr Leid. Das war ja nicht zum Aushalten. Den Kopf noch immer platt auf die nasse Erde gedrückt schielte sie an den Zweigen vorbei, aber zu allem Überfluss war weit und breit kein Wolf zu sehen. Wo waren die denn alle hin? So schnell konnte das Rudel doch nicht in alle Himmelsrichtungen verstreut davongerannt sein. Winselnd gab sie das Schielen wieder auf und versuchte sich einen intelligenten Plan zu Recht zu legen. Aber so richtig wollte ihr nichts einfallen. Bevor sie noch weitere sinnlose Gedanken verschwenden konnte, kniff sie plötzlich etwas in die Rute. Vor Schreck schnellte ihr Kopf hoch, den sie sich so auch gleich an einem Ast stieß, was ihn wiederum auf die Erde platschen ließ.
“Autsch, verdammter Mist!“,
fluchte sie, bevor ihr klar wurde, dass dieses Zwicken eigentlich nur eines heißen konnte: Rettung! Hocherfreut wandte sie sich zu dem Übeltäter, der nun herangekrochen kam und stellte vielleicht ein klein wenig enttäuscht fest, dass es nur ein Jungwolf war … wobei … „nur“ war eine doofe Bezeichnung, sie war ja selbst einer. Aber eben kein großer starker erwachsener Rangwolf, dessen unermessliche Macht den Schrecken des Gewitters vertreiben würde. Oder so. Immerhin sah der Jungwolf lustig aus, seine Fellzeichnung zu betrachten war äußerst ablenkend. Was er sagte, verwirrte Minyala dagegen, was sollte sie denn gehört haben? Den Donner? Der war unüberhörbar, aber das konnte der Schwarze nicht meinen, zudem sollte ja dieser Fenris irgendetwas angestellt haben. Wer war das eigentlich? Sie hatte seinen Namen – wie so viele andere auch – hier schon einmal gehört, aber sie konnte sich doch nichts merken.
“Was gehört? Und was hat Fenris gemacht? Ist das ein Rudelmitglied? Tschuldigung, ich kann mir einfach keine Namen merken, deinen hab ich auch wieder vergessen.“ Stirnrunzelnd verzog sie die Lefzen und fügte dann mit einem schiefen Lächeln hinzu: “Ich bin Minyala.“
Zögernd blieb sie noch zwei Herzschläge lang liegen, dann befolgte sie unsicher die Aufforderung des Jungwolfs und kroch aus dem Busch heraus. Draußen empfingen sie der heulende Wind und der platschende Regen. Nass und mit hängender Rute und hängenden Ohren stand sie neben ihrem Zufluchtsbusch und betrachtete ihren „Retter“.
[ nördlicher Mischwald // Chardím ]
30.07.2010, 16:50
Chanuka legte die Ohren leicht zurück und entschied sich, dass er alles gesagt hatte, was es zu sagen gab. Im Augenblick war ihm nicht danach, noch irgendetwas hinzuzufügen, obwohl er nun wusste, das er wahrscheinlich keine Gelegenheit mehr haben würde, mit seinem weißen Bruder reden zu können. Schweren Herzens setzte er sich schließlich in Bewegung, wollte dem nachkommen, was Tascurio sich wünschte und konnte doch nicht anders, als an Turiéns Seite zu bleiben. Er wollte nicht umkehren, dennoch bewegte er sich mit langsamen Schritten auf den Waldrand zu.
Sein Blick ruhte auf dem Älteren, um aus dessen Augen zu lesen, was er wissen musste. Chanuka war überzeugt, dass er nie vergessen würde, was es bei seiner Mutter zu sehen gab, wenn er nun dort hin blickte. In seinem Herzen regten sich Trauer und Schmerz über diese Ungerechtigkeit, der er nichts entgegen zusetzen hatte. Am liebsten hätte er sich verkrochen, bei seiner Mama, die nicht mehr Teil seiner Welt war. Und genau in diesem Moment hatte er das Gefühl, ihr nah zu sein. Als hätte der bloße Gedanke ausgereicht, um sie zu rufen.
Aufmerksam suchten seine Augen den Himmel ab, flüchteten vor dem Anblick auf der Blumenwiese, bei seinem Federbaum. Dem Ort, der nie wieder derselbe sein würde.
‚Mama…’
Entfuhr es ihm stumm, ohne dass er seine Stimme erhob.
Er fühlte sich getröstet, obwohl er nicht wusste, ob er sich das Gefühl nur einbildete und näherte sich vorsichtig dem grauen Bruder, mit dem er das Geheimnis über das letzte Gespräch mit Tascurio teilen würde. Sanft schleckte er ihm über die Augen, als ließen sich dadurch die Bilder wieder vertreiben. Chanuka selbst wusste aber nicht, was nun zu tun war. Ob sie mit Tyraleen trauern würden, oder ob sie erst einmal gehen sollten. Um ihn herum erhob sich der Wind zu einem tosenden Sturm. Da war nichts was an den strahlenden Sonnenschein erinnerte, als wäre die ganze Welt betrübt, weil eine Mutter ihren Sohn hatte töten müssen.
[Bei Turien, Sichtweite Tyraleen und Tascurio. In der Nähe Averic]
30.07.2010, 17:09
In ihrem Jagdeifer bemerkte die Jungwölfin nicht, dass sich ihr Wesen veränderte, dass sich ihr ganzes Selbst gewandelt hatte. Sie war kaum mehr als die Jungwölfin wieder zu erkennen, die sie doch eigentlich war. Das Brennen ihrer Kehle, dieser unerklärbare Durst, weckte das Verlangen und das Verlangen kontrollierte ihren Geist, ihren Körper. Letzten Endes gab es nur noch ein primäres Ziel für sie: zu jagen um zu töten und zu töten um zu jagen.
Die schlanken Läufe bewegten sich mühelos und zielstrebig über den Boden, der ungeachtet von Aléya vom einsetzenden Regen durchweicht wurde. Hart schlugen sich ihre Krallen in den Boden, um den verlorenen Halt wieder auszugleichen. Geschmeidig spannten sich ihre Muskeln an, streckten sich und zogen sich ebenso schnell wieder zusammen, ließen die schnelle Läuferin immer näher an ihr Ziel heran kommen. Das Donnern ihrer Pfoten ging in dem immer lauter werdenden Grollen über ihren Köpfen unter. Der Wind frischte zusehends auf, riss an dem weißen Fellkleid, schleuderte kleine Äste in ihr Gesicht. Geschickt tauchte sie unter den dickeren Zweigen ab, ohne jedoch ihre rhythmischen Bewegungen auch nur für eine Sekunde zu unterbrechen. Ein harmonisches Bild, wäre der Ausdruck der schwarzen Augen nicht so unendlich falsch gewesen.
Das Brennen ließ die Jungwölfin schier rasend werden, obwohl sie unverändert mit kaltem Verstand hinter der Beute her jagte.
Der Hetzlauf erregte das Jungtier, leichter Geifer bildete sich um ihre Schnauze und immer wieder stellte sie sich den köstlichen Geschmack frischen Blutes vor, welches ihre unangenehm brennende Kehle hinab rann. Dieser Gedanke stachelte Aléya nur noch mehr an und mit kraftvollen Sprüngen setzte sie Sheena hinterher. Diese hatte die kranke Hirschkuh inzwischen soweit von der Herde getrennt, als dass ein Umkehren und Schutz in der Gruppe für das Tier unmöglich war. Damit ihre Beute auch wirklich nicht entkommen konnte, schnitt die Weiße dem Huftier den Fluchtweg zur anderen Seite ab.
Ein lautes Grollen kam aus ihrem Fang, während sie mit spitzen Fangzähnen nach den Läufen haschte. Ihre Bewegungen und auch das Schnappen nach den Beinen wirkte nicht im Geringsten wie ein Spiel, wie es Welpen und Jungtiere manchmal spielten.
Der Hellen war es bitter ernst und gnadenlos verfolgten die schwarzen, durstigen Augen der Jägerin die Bewegungen ihres Opfers.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie noch, wie Sheena absprang und sich im Nacken der Kuh zu verbeißen – der Rest ging in ihren erwachten Instinkten unter.
Als Aléya, wie aus einer Art Trance, in der sie das Tier zu Fall brachte und tötete, erwachte, hielt sie noch immer die Kehle der toten Hirschkuh felsenfest zwischen den Zähnen. Der schlaffe Körper versprühte noch immer Wärme und der Geruch von Panik vermischte sich mit dem Gestank ihrer Krankheit. In pulsierenden Strömen rann endlich das ersehnte Blut über ihre Kehle, benetzte ihre trockenen Lefzen und verklebte das reine Fell. Nach den ersten Tropfen der Lebensflüssigkeit, konnte sich die Weiße nicht mehr zügeln. Es reichte zu keinen Gedanken, keiner Moral mehr. Es war nur der Instinkt und das Verlangen, welches die Begierde und das Brennen kontrollieren sollte.
So ließ Aléya den Kadaver auf den aufgeweichten Boden fallen, senkte die Schnauze und leckte über die offene Wunde. Immer wieder bissen die Fangzähne zu, rissen die Wunde an der Kehle immer weiter auseinander, bis ein Rinnsal der roten Flüssigkeit daraus hervor sickerte. Diesen fing sie schnell mit der Zunge auf und labte sich daran, wie ein Verdurstender an einer Wasserquelle.
Erst nachdem das Verlangen gestillt, der Durst gelöscht und das Brennen erloschen war, hob die Fähe den Blick. Das Schwarz ihrer Augen hatte sich wieder in ihre klare, helle Augenfarbe zurück gewandelt. Mit unsicherem Glanz in den Augen versuchte der Verstand Erklärungen für diese Situation zu finden. Mit langsamen Schritten lief sie um die tote Hirschkuh herum, besah sich alles, witterte neben dem vielen Blut, welches noch immer ein seltsames Gefühl, einem kribbeln gleich, in ihr auslöste, auch etwas anderes. Ein süßlicher Geruch, den sie von Aryan kannte, klebte an dem toten Tier, besonders an der Stelle, wo sich vor wenigen Augenblicken ihre Zähne ins Fleisch gebohrt hatten.
Unschlüssig, ob sie sich nun über den offensichtlichen Jagderfolg freuen sollte oder lieber nachfragen sollte, wie es dazu gekommen war, blickte Aléya Sheena an.
[Bei der Jagd | Kadaver der Hirschkuh mit Sheena]
31.07.2010, 15:28
Jarrèll Nathaniêl hatte die düsteren Wolken nicht kommen sehen. Ein leichter Wind, der jedoch den Anschein machte, als wollte er es nicht bei dieser leichten Brise belassen, machte ihn aufmerksam, auf die dunkelgrauen, von Wasser getränkten Vorboten des herannahenden Sturms. Die kühle Brise wehte durch sein Fell und ließ die einzelnen Haare zu einem weißen Gewoge verschwimmen. Anfänglich hatte Jarrèll die unterschwellige Spannung des Gewitters nur wenig wahrgenommen, doch nun merkte er wie sich die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, wie ein klebrig-zäher Saft um ihn herum ausbreitete. Bisher hatten seine smaragdgrünen Augen keine Sekunde von den weidenden Hirschen abgelassen, doch nun wandte Jarrèll seinen Blick hinauf zum Himmel. Der Anblick der sich ihm bot gefiel ihm nicht. Dunkle Wolkenberge schoben sich wie eine schwarze Wand näher und näher heran um sich schließlich wie ein dunkles Meer über ihnen zu schließen. Der Wind gewann stetig an Kraft, als wollte er alle der Natur auferlegten Fesseln zerreißen. Kein Wetter für eine Jagd mehr, schon gar nicht für eine Lehrjagd, dachte Nathaniêl. Fast als hätte sich das Wetter plötzlich auf die Seite der Hirsche geschlagen.
Ein greller Blitz geteilt in drei Weiß glühende Arme, zerschnitt die Dunkle Wolkenwand und ließ ein gespenstisch grelles Licht über die Lichtung zucken. Nur wenige Augenblicke darauf, rollte ein Donnerschlag über sie hinweg, unmissverständlich kund tuend, dass die Natur gewillt war ihre unermesslichen Kräfte zu demonstrieren.
Es verwundete Jarrèll nicht im Geringsten, dass der Gruppenführer den Befehl gab, von den Hirschen abzulassen und stattdessen Schutz im nahen Wald zu suchen. Er hätte das an seiner Stelle ebenso angeordnet. Nur war er eben nicht an der Stelle des Schwarzen. Und irgendwie verärgerte es ihn fast ein wenig, dass dieser die richtige Entscheidung getroffen hatte. Jarrèll wusste nicht wieso es ihn störte, es war eben einfach so. Allerdings wusste er genauso gut, dass er sich im Falle einer Fehlentscheidung seitens des anderen lieber die Zunge abgebissen hätte, als das Wort zu erheben. Oder? Den Blick wieder von dem drohenden Gewitter abwendend, schüttelte er den Kopf, als wollte er so die konfusen Gedanken daraus vertreiben. Wahrscheinlich hätte er doch etwas gesagt, wahrscheinlich hätte er sich doch nicht zurückhalten können. Sein Instinkt - oder was auch immer es war - was ihn einst zu einem so zuverlässigen Leitwolf gemacht hatte, hätte wohl doch gesiegt. Der unnachgiebige Drang andere zu schützen. Wie sinnlos, dachte Nathaniêl im nächsten Augenblick. Was hatte er zu schützen vermocht? Nichts und niemanden. Verdammt, als es darauf ankam, hatte er versagt. Den selbigen Fehler würde er nicht mehr machen. Ende. Es galt sich selbst zu retten, niemanden sonst. Punkt. Die anderen schienen das wohl ähnlich zu sehen, denn nachdem Takashi die Jagd für beendet erklärt hatte, waren die meisten Wölfe in alle Richtungen hinweg verschwunden, auf der Suche nach einem trockenen, sicheren Unterschlupf. Mit geschmeidigen Sätzen bewegte nun auch er sich in Richtung Waldrand, ohne jedoch in panische Eile zu verfallen, trabte Jarrèll in die Richtung, aus welcher er vor nicht allzu langer Zeit gekommen war. Fast hätte er die weiße Fähe übersehen, die immer noch still da stand. Erst im letzten Augenblick konnte er einen Bogen machen, der dennoch nicht groß genug war. Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr ihn die sanfte Berührung. Jarrèll Nathaniêl zuckte zusammen, als hätte die Fähe ihn nicht ganz sachte gestreift sondern einen Harten Hieb mit den Krallen verpasst. Die Muskeln des Silbernen waren bis zum zerreißen gespannt, als er anhielt und sich zu entschuldigen suchte:
„‘tschuldigung.“
Der Tonfall seiner Stimme war abweisend und seine Stimme nicht mehr als ein leises Flüstern, als er sich umblickte und der Weißen mit den blauen Augen zunickte. Was wollte sie eigentlich noch hier? Wieso, verflucht nochmal hatte sie sich nicht ebenfalls in den sicheren Wald zurückgezogen? Jarrèll presste die Kiefer zusammen und biss sich auf die Zungenspitzte bis es weh tat. Es half nichts.
„Mach das du von hier wegkommst Fähe. Könnte haarig werden, “ seine Stimme war immer noch nicht viel mehr als ein Wispern. Der Ton war mürrisch und schroff.
Verdammt. Wieso tat er das eigentlich? Hatte er denn nichts gelernt? Nein, anscheinend nicht. Er war immer noch derselbe Idiot, wie an jenem verhängnisvollen Tag.
Er bereute seine Worte und presste nun umso heftiger die Zähne aufeinander, als könnte er so weitere Worte am verlassen seiner vorlauten Schnauze hindern. Was bitte hatte ihn dazu bewogen ausgerechnet dieser weißen Fähe helfen zu wollen? Sicherlich konnte allein auf sich aufpassen. Bestimmt genauso gut wie er auf sich und alle Male besser als er auf andere aufzupassen vermochte, dachte Nathaniêl sarkastisch. Das hatte die Vergangenheit ihm zur Genüge bewiesen. Er sah die Weiße noch einmal an, schnaubte dann, voller Verachtung für sich und die Welt und drehte den Kopf weg. Was stand er Blödmann eigentlich noch hier rum?!
[Am Waldrand | Majibáh]
01.08.2010, 18:05
Witternd und lauschend lief der silberweiße Rüde durch den dichten Wald, der mit den drohenden Geräuschen des tosenden Unwetters erfüllt war. Ständig blieb er stehen und schüttelte sich die kristallklaren Wassertropfen aus dem Fell, nur um sogleich ein weiteres Mal von den rauen Wassermengen durchsetzt zu werden. Er hatte das Gefühl, die Fährte zu verlieren, der er seit mehreren Tagen gefolgt war. Dass das Ziel unmittelbar bevorstand hatte seinen Schritt beschleunigt, doch die nun erschwerten Bedingungen ließen seine Suche stocken und dass der Abstand zum Rudel mit jeder vergehenden Stunde wieder ein erhebliches Stück gewachsen sein könnte ärgerte ihn. Madocs blutroter Blick scannte den Wald nahtlos ab, doch die einzigen Bewegungen waren auf die Bäume zurückzuführen, die sich unter der immensen Kraft des Windes tänzelnd in verschiedene Richtungen beugten. Als ein Blitz den tiefgrauen Himmel schlagartig erhellte, hob der junge Rüde sein Haupt zum Himmel empor und ließ ein grausiges Heulen erklingen, das das Rudel wohlmöglich nie erreicht hatte. Gnadenlos lief er weiter, während die wasserüberströmte Erde seine Pfoten in die Tiefe zu saugen schienen.
Seit das Nichts aufgetaucht war, hatte er den Anschluss zum Rudel verloren und war seither auf der ständigen Suche. Seine Erfolglosigkeit hatte ihn schon mit dem Gedanken spielen lassen, diese ewige Fahnung aufzugeben und vorerst ein Leben als Einzelgänger zu führen. Doch bei intensiverem Nachdenken liefen ihm doch immer wieder Anhaltspunkte durch den Kopf, die ihn an eben diese Gemeinschaft banden. Unter anderem war auch Atalya einer der Gründe, die ihn zum Zurückkehren animiert hatten. Es war schon geraume Zeit vergangen, seit Madoc das letzte Mal mit dem Rudel beisammen gewesen war, beinahe ein Jahr. Die kleine graue Fähe müsste inzwischen zu einer stattlichen Fähe herangewachsen sein und auch die anderen Welpen des Rudels hatten sich sicherlich in ihrem Wachstum verändert.
Der Silbergraue schüttelte entschlossen sein Haupt und zwang sich zur Konzentration. Von einer Vereinung zu träumen schien zwar verlockend, doch diese am lebendigen Leibe zu erleben war deutlich wünschenswerter als nach dieser sinnlosen Tagträumerei von Enttäuschung übermannt zu werden. Kurz hielt der Hüne inne und witterte abermals, indem er seine sensible Schnauze hoch in die Lüfte reckte. Mit einem Mal drang der durch den Regen verdünnte Geruch des Rudels zu ihm hindurch, der mit einer blitzschnellen Reaktion verfolgt wurde. Er preschte los, solange er die Witterung nicht ein weiteres Mal verlor und ignorierte die peitschenden Wassertropfen, die wie ein Ansturm aus Pfeilen auf ihn niederprasselten. Seine schlammigen Pfoten erhöhten das Tempo und schon bald glaubte er die Anwesenheit der verschiedenen Rudelmitglieder zu spüren. Er hatte sein Ziel erreicht! Unermüdlich lief Madoc weiter, bis er schließlich merkte, wie sich unbemerkt ein weiterer Geruch in die feuchte Luft eingeschlichen hatte. Hirsche. Die Tatsachen, dass die Wölfe auf der Jagd waren ließ ihn halten. Er wollte nicht ungebeten hinzustoßen und wohlmöglich versehentlich die Beute in die Flucht schlagen. Mit erhöhter Vorsicht drang er dennoch weiter vor, denn weder das Rudel, noch die Herde war bisher in Sichtweite.
Nach wenigen Augenblicken jedoch, tauchte die Silhouette eines Wolfes in einer gewissen Entfernung vor ihm auf. Der junge silberweiße Rüde kniff seine roten Seelenspiegel zusammen, in der Hoffnung besser sehen zu können, doch vergeblich. Trotz der Ungewissheit lief er auf die dunkle Gestalt zu und sog den allbekannten Geruch ein. Da er den schwarzen Rüden nicht sonderlich gut kannte, waren einige Augenblicke nötig, um ihm diesen zuzuordnen, denn immerhin war es schon beinahe ein Jahr her, seit er das Rudel verlassen hatte.
“Takashi!“
Rief der Sternentänzer durch den Sturm, als er die Identität seines Gegenübers erkannte. Seine langen Läufe begannen abermals wie wild über die Erde zu trommeln, als er auf den Rüden zu rannte. Erst als er bis auf wenige Schritte an diesen herangetreten war, kam er zu einem abrupten Halt, um den alten Bekannten zu beäugen.
“Endlich habe ich euch gefunden!“
Gab er schließlich erleichtert von sich und konnte sich nicht erinnern, wann er sich das letzte Mal so gefreut hatte. Der sonst so kühle, unnahbare Madoc schien außer Sicht vor Freude, nie hätte er sich träumen lassen, dass er beim Anblick Takashis, mit dem er bisher wenig Kontakt hatte, solch eine Glückseligkeit verspüren würde. Seite buschige Rute pendelte hin und her, als er den älteren Wolf ansah. Dass dieser seine positive Laune nicht zu teilen schien, störte ihn nicht, denn für dies machte er das tosende Wetter verantwortlich. Er hatte sein Ziel erreicht und das war es, was zählte.
[Im Wald | Takashi]
02.08.2010, 11:59
Unheil verheißend hingen dunkle Wolken über dem Himmel, bedeckten das dahinter gelegene Blau wie ein undurchdringlicher Mantel der Dunkelheit. Blitze zuckten vor und hinter dieser dunklen Front entlang, erhellten den sonst so dunklen Tag gelegentlich für Bruchteile von Sekunden. Fast stetig rollte der Donner über das Tal, grollend, zischeln, böse.
Zusammen mit diesen wütenden, tosenden Geräuschen war da diese unheilvolle Präsenz, so als wären die Götter selbst auf Erden gerückt. Tod lag in der Luft. Aber das mochte auch Einbildung sein. Eine Einbildung, die bei diesem Wetter gar nicht so unwahrscheinlich schien.
Triefend nass hing das Fell an Ráyon herab. Die Regenströme hatten ihn vollkommen durchweicht, denn er hatte es nicht geschafft einen Unterschlupf zu finden, bevor der plötzliche Regen eingesetzt hatte. Seine Augen spiegelten die Bedrücktheit wieder. Vor wenigen Stunden war es noch ganz anders gewesen...
Nun begann auch noch der Wind an ihm zu zerren. Ohnehin zitterte der Rüde schon, doch nun, da der Wind kam und die Kälte durch die letzten, trockenen Reste seines schützenden Fells trieb, geriet es außer Kontrolle. Sein Körper bebte förmlich unter den zittrigen Anfällen von Kälte, die er durchlebte.
Eines war klar: Er musste auf dem schnellsten Weg einen Unterschlupf finden, und das war so gar nicht das, was ihm passte. Bevor der Regen angefangen hatte, hatte er sich darauf gefreut dieses Tal zu betreten...
Er wusste nicht, ob es sein eigener Ruf war, der ihn hierher gezogen hatte, oder ob der Ruf eines anderen, ihm unbekannten Wesen seine Pfoten zum Tal der Sternenwinde gelenkt hatte, doch nun war er hier. Ráyon war klar, dass dies hier das Revier eines scheinbar sehr großen Rudels war. Seine Rute schwankte in einer Mischung aus Freude und Unbehagen zwischen seinen Hinterläufen hin und her, als er daran dachte, wie viele Bekanntschaften er hoffentlich machen würde.
Doch zuerst galt es in diesem Mistwetter jemanden zu finden. Man konnte kaum ein Dutzend Meter weit sehen. Nichts verriet, ob Feind oder Freund in der Nähe war. Auch die Gerüche wurden vom Regen schier erdrückt und so war es gänzlich unmöglich etwas auszumachen, dass nicht unmittelbar vor einem stand.
Schatten trügten ihm vor, dass er nicht allein war. Hier und da schien der Ast eines alten, verkrüppelten Baumes nach ihm zu greifen und kleine Sträucher rasselten wütend im Wind. Es viel dem Rüden schwer sich nicht unwillkommen zu fühlen. Der Wind, das Unwetter schien ihm zu sagen, dass er besser nicht hierher gekommen wäre, doch es führte kein Weg zurück. Und um keinen Preis würde Ráyon einen Weg zurück machen, bevor er verschnauft hatte.
Ráyon hatte gerade den Kopf gesenkt, um den Wind nicht an seine Augen zu lassen, als da plötzlich ein Widerstand war, der nicht zuließ, dass er weiter ging. Irritiert sah er auf und erkannte schnell, was vor ihm stand: ein anderer Wolf.
Sein Herz machte einen unglaublichen Sprung, setzte kurz aus und raste dann in fast unbändiger Geschwindigkeit weiter. Er hatte jemanden gefunden!
Ihm entglitt ein kläffen, seine Ohren schnellten herum, wippten mit seiner Rute zusammen fast freudig auf und ab, während der Sturm immer noch unablässig an ihm zerrte. Er wusste nicht wer die Fremde war, noch was sie hier, so gottverlassen allein in der Wildnis tat. Dass da noch ein weiterer Wolf war, sah er nicht. Der Regen raubte ihm die Sicht und ohnehin war er nicht in der Lage mit seiner Freude im Blut irgendetwas anderes zu erkennen, als der Wolf vor ihm, in den er hineingelaufen war.
Es gab nur zwei Dinge, die er auf den ersten Blick erkannte, während er das Tier musterte. Zum einen war das die Tatsache, dass es sich um ein Weibchen handelte, zum anderen, dass die Fähe noch nicht allzu alt war. Wieder musste er sich wundern, was sie hier drau0en tat. Ein Jungtier, so gottverlassen?
Erst als sein Herz begann wieder langsamer zu schlagen, fiel ihm ein, dass er vielleicht etwas sagen sollte. Nur was? Er befand sich in einem fremden Gebiet, mit vielen fremden Wölfen, die ihn alle als Gefahr ansehen konnten. Was, wenn diese junge Fähe, die da vor ihm stand gleich entsetzt aufsprang und nach Hilfe schrie? Wahrscheinlich würde Ráyon dann ableben, bevor er irgendetwas erklären konnte.
Die Euphorie verschwand. Seine Rute senkte sich, und lag nun still zwischen seinen Hinterläufen. Die Ohren dicht an den Kopf gedrängt neigte er untertänig, fast traurig den Kopf.
» Verzeih mir meine Unfreundlichkeit. «, entfuhr es ihm. » Ich weiß nicht wie du heißt, noch wer du bist, geschweigedenn zu wem zu gehörst und doch bitte ich dich nun darum, mich demjenigen vorzustellen, der für dieses Tal verantwortlich ist. Ich brauche, angesichts dieses Drecksw... dieses Sturms einen Unterschlupf. «
Obwohl die Fähe, die da vor ihm stand kleiner war als er, musste er nun zu ihr aufsehen, so tief wie er den Kopf gesenkt hatte. Er wollte nicht riskieren verjagt zu werden, oder von vorn herein in Ungnade zu fallen. Auch wenn dieser Wolf jung war, war er doch mit Sicherheit Auge und Ohr des Rudels. Jedes Wort, das gesprochen wurde, jedes falsche Detail mochte zu den 'Obersten' gelangen und dafür sorgen, dass Ráyon wieder der böse, böse Wolf war. Wie schon so oft.
02.08.2010, 13:49
Davor braucht man keine Angst zu haben? Aber ein Gewitter konnte doch auch Bäume kaputt machen! Das wollte er ihr sagen. Ja, weil diese Donnerdinger auch Bäume kaputt machten, hatte er Angst. Denn Cirádan war sehr viel kleiner als ein Baum.
"Aber ich bin doch ein Welpe... Und Gewitter machen Bäume kaputt! ... Manchmal."
Seine Stimme ging beinahe in den Regengeräuschen unter. Doch er musste sich eingestehen, dass es so kalt auch nicht war. Aber dennoch. Er brauchte irgendeine Ausrede, oder ... halt. Warum eigentlich?
Er spürte wie Caylee anfing ihn zum See zu schieben. Oder zumindest musste das die Richtung zum See sein.
Und dann meinte sie auch noch, sie würde zu seinem Bruder gehen.
"Krolock ist ja auch viel mutiger als ich.",
brummte er beleidigt. Vielleicht wäre es ja auch besser sie suchte Krolock und sah sich mit diesem dummer Bruder das Gewitter an. Er wollte sich verstecken.
Aber ... wer wusste schon, wann er wieder so eine Chance bekommen würde? Er mochte Caylee eigentlich. Da sie ihn gerade auch wie einen von den anderen behandelte. Als ob er ganz normal wäre.
Außerdem wollte Cirádan nicht allein sein. Eigentlich wollte er ja mitkommen, aber irgendwie hatte er auch Angst.
Der Jungwolf musste seufzen und brummte etwas unverständlich, bevor er etwas zaghaft mit seiner Vorderpfote nach Caylee tasten wollte.
Doch gleich darauf versteifte er sich wieder.
"Tut mir Leid... Irgendwie ..."
Wusste er gar nicht, was er hier tat.
"Also wenn du willst, dann denke ich ... dann können wir gehen oder so. Also zum See. Nur wenn du mit mir wirklich hingehen willst."
Was redete er so viel drum herum. Wenn er sich jemand anderen an seiner Stelle vorstellte, würde dieser sofort mit Caylee mitgehen ohne so viel doofes Zeug zu reden.
[im Wald / mit Caylee]
03.08.2010, 01:33
Die Hirschkuh ging zu Boden. Schneller als erwartet. Geschickt hatte die weiße Fähe von ihr abgelassen, damit sie nicht mit zu Boden ging und gar unter dem wuchtigen Körper begraben wurde. Ein wenig stutzig blickte sie zu der jungen Fähe hinüber. Sie musste sehr talentiert sein, noch nie hatte sie einen Jungwolf gesehen der so zielstrebig und sicher ein solch großes Tier wie einen Hirsch nur mit einer Jagdgenossin gemeinsam in so kurzer Zeit erlegt hatte. Doch ihrem musternden Blick entging nicht die darauffolgende Reaktion der Fähe und der Zweifel, dass nur Talent im Spiel war entflammte in ihr. Aléya schien nach dem blut zu lechzen. Begierig leckte sie die rote Flüssigkeit auf, die aus der Wunde rann. Irritiert beobachtete Sheena den Durst der Fähe. Anders war es nicht zu nennen. Sie hatte bereits gesehen, wie sehr hungrige Artgenossen über die Tiere herfielen, wenn diese erst zum Fall gebracht waren, aber diese verbissen sich in dem Fleisch und versuchten so viel wie möglich abzubekommen. In diesem Fall war es anders, Aléya schien ausschließlich an dem Blut interessiert zu sein und fasziniert schaute Sheena ihr dabei zu. Eine Unsicherheit überfiel die Fähe. So etwas hatte sie bis jetzt noch nicht gesehen. Zumindest nicht bei einer Fähe. Und dann noch bei einer so jungen. Natürlich hatte sie nicht ihren Ziehvater Urion vergessen, auch von Takashi hatte sie gewusst. Der Bruder Urions. Und wenn sie sich recht entsinnen konnte, war auch bei Aryan und Akru eine gewisse Neigung gewesen. Aber das waren alles Rüden gewesen. Aber wahrscheinlich war es naive eine zu naive Denkweise, dass dies dann automatisch keinen Fähen passieren konnte.
Auch der Wechsel der Augenfarbe entging der älteren Fähe nicht, doch so langsam konnte sie wieder klare Gedanken fassen und somit stand ihr die Fassungslosigkeit nicht mehr ins Gesicht geschrieben. Außerdem bemerkte sie nun auch den immer mehr zunehmenden Wind, der sich langsam aber sicher zu einem Sturm entwickelte. Sie realisierte die Äste welche bereits durch die Luft flogen und wie von Geisterhand getragen alles beschädigten, was nicht genügend Widerstand bot. Sofort war ihr klar, dass sie hier so schnell wie möglich wegmussten und als Aléya endlich den Kopf hob und ihre Augenfarbe Sheena wieder natürlich erschien, beschloss sie nichts mehr von der Hirschkuh mitzunehmen, sondern so schnell wie möglich den Rückzug anzutreten.
Ein hektischer Blick ging zurück zu ihrer Gruppe, doch durch den peitschenden Regen konnte sie nicht mehr weit sehen. Obwohl sie sich im Wald befanden, waren die Tropfen bereits zu viele um vernünftig erkennen zu können.
Doch noch bevor sie die andere Weiße ansprechen konnte, tauchte plötzlich ein weiterer Wolf auf. Ein Rüde, sein Geruch war ihr gänzlich unbekannt. Er konnte also nicht aus dem Rudel sein. Auch wenn sie nicht alle Wölfe persönlich kannte, dazu war das Rudel viel zu groß, wusste sie doch welche Wölfe Gefährten waren und welche nicht.
Wer war der Rüde also, dass er sich erlauben konnte einfach ein fremdes Revier zu betreten ohne sich anzukündigen? Oder war sein Ruf durch das Unwetter einfach nicht bis zu ihnen gedrungen? Aber eigentlich konnte das gar nicht sein. Das Unwetter tobte noch nicht lange, es war nur schnell sehr heftig aufgezogen. Bis der Rüde ihre aktuelle Position erreicht hatte, musste er einige Zeit gelaufen sein. Also hatte er sich nicht angekündigt.
Sheena gingen viele Gedanken durch den Kopf. Sie fühlte sich ihrer Freundin Tyraleen verpflichtet unter die Arme zu greifen. Sie war selber nicht älter und wollte Alphafähe werden. Dabei benötigte sie Unterstützung. Eine Unterstützung die Sheena ihr gerne geben wollte. Also würde sie sich um diesen Rüden kümmern. Der jedoch schien sie gar nicht zu bemerken sondern senkte nur demütig seinen Kopf vor Aléya. Man sah doch deutlich, dass es sich um ein Jungtier handelte. Er konnte ihre Blutgier nicht mitbekommen haben. Sie hätte ihn bemerkt. Im Gegensatz zu ihm, der sie noch immer nicht begrüßt hatte. Doch es war der falsche Zeitpunkt um ihm eine Standpauke zu halten.
Sie erwiderte Aléyas Blick ruhig. Auch wenn sie selber diesen Blutrausch nicht kannte, durch Urion hatte sie eine Menge mitbekommen und lernen können. Auch wenn sie natürlich niemals gedacht hätte, dass sie sich ein weiteres Mal mit so etwas auseinander setzen müsse.
Der unschlüssige und auch etwas hilflose Blick der Jüngeren berührte sie. Sofort war ihr Beschützerinstinkt geweckt und auch wenn sie nichts mit der Fähe zu tun hatte, wollte sie auch ihr zur Seite stehen. Automatisch ging sie einen Schritt nach vorne, erst langsam, dann sicherer und stand schließlich direkt bei Aléya und dem Fremden.
„Das hast du sehr gut gemacht Aléya.“
Sie lächelte leicht. Den Rest wollte sie vor dem Fremden nicht ansprechen. Und wegen des Sturms. Sie legte die Ohren ein wenig an, der Regen hatte ihr Fell bereits komplett durchnässt und somit lag das sonst so bauschige Fell eng an ihrem zu mageren Körper. Außerdem fing sie bereits an zu frieren.
„Wenn du magst unterhalten wir uns später noch mal über deine erste Jagd…“
Es war nur ein Angebot welches ihre Jagdgenossen annehmen oder ausschlagen konnte. Es war ihre freie Entscheidung, Sheena wollte ihr nichts aufdrängen. Das konnte niemals der richtige Weg sein.
Doch nun eilte die Zeit ihnen davon. Sie blickte den Fremden an. Eine gewisse Strenge hatte sich in ihre goldfunkelnden Augen geschlichen. Nicht unhöflich, auch nicht abweisend aber doch ein wenig tadeln und ermahnen.
„Nun zu dir. Ich nehme an, dir ist bewusst, dass du dich in einem fremden Revier befindest, ohne dass du um Einlass gebeten hast. Nun ist wahrlich nicht der richtige Zeitpunkt also biete ich dir an, dass du mir folgst, damit wir uns irgendwo einen Unterschlupf suchen können. Und zwar recht schnell. Aber dann würde ich doch gerne eine Erklärung von dir erhalten.“
Dabei lächelte sie den Rüden jedoch freundlich an. Ihre Worte klangen vielleicht ein wenig hart, diese Schärfe wollte sie mit dem Lächeln wieder nehmen. Sie nickte in Richtung des Waldes, sie meinte sich an eine recht geschützte Stelle erinnern zu können, die nicht weit von ihnen entfernt sein konnte.
[Bei der toten Hirschkuh. Ráyon und Aléya.]
03.08.2010, 10:46
Sie hatte längst das Gefühl für die Zeit verloren, all die Zuneigung und Liebe, der Hass und der Schmerz waren aus ihrem Körper gewichen. Sie war nur noch eine leere Hülle und wer in ihre eisblauen Augen sah, erkannte das Nichts in ihrem Körper. Das Herz, das in ihrer Brust ruhig und ebenmäßig pochte, war nur noch ein schwacher Abklatsch des alten Herzens. Ein Phantomherz, das sich verzweifelt um eine zweite Chance bemühte, die die Prinzessin ihm jedoch verwehrte. Sie wollte keine zweite Chance mehr, kein Leben ohne die beiden Rüden mehr. Anfangs war da diese Taubheit gewesen, die ihr die Hoffnung gab, die Trauer zu überwinden. Doch als sie in die Augen der anderen sah, wurde ihr bewusst, dass sie alle etwas hatten, was ihr nun fehlte. Das Glück. Es war von ihr gewichen, Stück für Stück. Als ihre Mutter starb. Als sie ihr Rudel verließ. Als die Leere sie langsam eingenommen hatte. Als Aryan erkannte, wer er war. Als Ethell zurückkehrte und im Kampf gegen das Nichts starb. Als Akrus Kinder tot geboren wurden. Als Aryan verschwand. Als ihr Vater ging. Und jetzt war nichts mehr übrig. Kein Lebenswille, keine Hoffnung. Sie wusste nicht mehr, wohin mit ihrer Hülle, ihrer äußeren Erscheinung. Überall fühlte sie sich fehl am Platze, nicht mehr erwünscht. Sie war die Tochter des abtrünnigen Zeitwächters, die Seelenverwandte des Psychopathen. Die beiden Wölfe, die ihr am meisten bedeuteten, wurden auf verschiedene Weise vom Rudel verabscheut. Und auch die blutrote Prinzessin wurde nie als Teil des Rudels aufgenommen. Nicht dass die graumelierte Fellhülle der Fähe sich noch in irgendeiner Weise darum scherte, was andere über sie dachten, aber es hatte sie verletzt, wie man sie angesehen hatte. Nach dem Verschwinden ihrer Familie, nach dem Tod der tanzenden Feder hatte ihr Herz für wenige Sekunden aufgehört zu schlagen. Als es dann in einem unregelmäßigem Rhythmus wieder einsetzte, war alles verschwommen und schwarz-weiß. Anders. Sie spürte nicht mehr die Schmerzen in ihrem Brustkorb, die Sorge um Aryan und Akru; nichts mehr. Alles war taub. Sie konnte nicht mehr laufen, stolperte hinter den anderen her und dachte an nichts mehr. Einen Tag lang hatte sie mit dieser Taubheit gelebt. Nichts gefressen, nichts gesehen, nichts gesagt. Und dann überrollte sie die Welle der Trauer, riss sie mit sich in einen endlosen Ozean des Schweigens und nahm ihr alle Sinne. Es hatte sie verrückt gemacht, schreien, gegen den Schmerz ankämpfen zu wollen, aber keine Pfote rühren zu können. Die Wellen schlugen über ihr zusammen, nahmen ihr den Atem und zogen sie in die Tiefe. Irgendwann, Stunden später, krachte sie gegen eine felsige Klippe und war wieder beim Rudel. Ihre Beine zuckten, ihre Kehle war ausgedörrt und zugeschnürt und ihr Atem ging stoßweise. Aber am schlimmsten hatte es ihr Herz getroffen. Es war, als würde es mit seinem verzweifelten Pochen nach den beiden Wölfen rufen, die sie zurückgelassen hatten. Es war, als wollte es sie mit jedem einzelnen Herzschlag wieder bei sich haben. In dem Kopf der Grauen spukten die Gedanken geisterhaft herum, ohne jeden Sinn und Zusammenhang. Doch im Grunde hatte sie nur zwei Namen im Kopf. Aryan. Herzschlag. Akru. Herzschlag. Aryan. Herzschlag. Akru. Herzschlag. Aryan. Herzschlag. Akru. Herzschlag. Ary-. Stille.
Irgendwie war sie nun wieder sie selbst. Ein kleines, verstümmeltes Wölfchen, das der Jugend abgedankt hatte und irgendwo zwischen Normalität und Vergessenheit waberte. Niemand, den man im Gedächtnis behielt. Sie war wie eine Schlafwandlerin, sich ständig danach sehnend, aufzuwachen und ihre Lieben neben sich zu sehen. Doch mit jedem Schlag ihres Phantomherzes wurde ihr bewusst, dass weder Aryan und Akru, noch Ethell Feamiliell je zu ihr zurückkehren würden. Sie hatten sich nicht verabschiedet, nicht ‚Auf Wiedersehen’ gesagt. Sie waren stumm und heimlich verschwunden, hatten das Elend zurückgelassen. Das Elend namens Gani Amíra. Sie war keine Prinzessin mehr, weil niemand mehr da war, der sie so nannte. Sie war nicht mehr die süße, kleine Gani. Das Lebenselixier Aryans. Die Verrückte, die ihm ihr Blut anvertraut hätte. Sie war ein Nichts. Ein unbedeutendes Nichts.
Die graue Wölfin war aus dem Trancezustand erwacht und hatte festgestellt, dass das Rudel sie akzeptierte, aber nicht brauchte. So hatte sie bei der Lehrjagd gemerkt, dass sie für die Augen der anderen zwar existierte, aber nicht für wichtig befunden wurde. Das gab ihr ein klein wenig Selbstbewusstsein. Auf eine seltsame Weise gehörte sie dazu und würde es auch immer tun, wenn sie sich nicht gegen die Wölfe der Sternenwinde entschied. Hier hatte sie die Chance, ihr Leben zu einem solchen zu machen – wenn sie nur wollte. Vor wenigen Tagen hatte sie noch gedacht, dass sie genau das nicht wollte – ihr Phantomherz hätte sich angewidert abgewandt, wenn Engaya ihr erschienen wäre und gesagt hätte, dass auch ihr Vater, der Zeitwächter, seine Chance genutzt hatte. Aber irgendwas war nun anders. Vielleicht sollte sie es einfach noch einmal versuchen. Akru und Aryan waren nicht mehr bei ihr, aber sie waren in ihrem Herzen. Früher waren sie auch nicht da gewesen, früher, bevor sie zum Rudel gestoßen war. Ein Funken Optimismus glomm in Gani auf. Es war nur ganz kurz, für wenige Sekunden, aber es reichte, um ihr Hoffnung zu geben. Akru schob seine Schnauze in ihr Nackenfell und murmelte ihren Namen, immer und immer wieder. Aryan saß vor ihr und hielt dem Blick aus ihren eiskalten Augen stand. Dann reckte er seinen Hals und drückte seine Schnauze für einen Moment gegen ihre. „Wir sind da.“
Die Vision, die Erinnerung verschwamm nicht, als Gani ihre Augen aufschlug und sich langsam erhob. Sie blieb in ihrem Kopf und die sanfte Stimme des schwarzen Hünen hallte in ihren Gedanken nach. Den Nachmittag und den frühen Abend hatte sie abseits des Rudels verbracht, mal schlafend, mal versuchend, den Schmerz abzublocken. Aber jetzt tat ihr nichts mehr weh; sie fühlte sich wie neugeboren durch den neuen Optimismus. Doch ein Blick nach oben machte das Glücksgefühl in ihr zunichte. Düstere, große Wolkenberge türmten sich am Himmelszelt und grummelten verheißungsvoll. In der Ferne sah die Wölfin die ersten Blitze zucken. Stumm warf sie einen Blick nach hinten, doch nirgendwo war ein Wolfskörper auszumachen. Die Schnauze gen Boden gerichtet, versuchte sie – ihrem Instinkt folgend – die Fährte der anderen auszumachen und schnell hatte sie die Richtung gefunden, in die Aszrems Gruppe sich aufgemacht hatte.
Doch sie fand nicht nur Wolfsspuren, sondern bald kitzelte sie auch der schwache Geruch nach Blut in der Nase. Sofort kehrte die Erinnerung an Ethell Feamiliell zurück und ließ sich nicht wieder verdrängen. Gani Amíra hatte ihre beste Freundin aus dem vom Nichts verschlungenen Wald gezerrt und zu den anderen gebracht. Die Weiße hatte neue Energie geschöpft und nur wenig später sah es in den Augen der Prinzessin so aus, als würde Ethell wieder gesund werden. Doch am frühen Abend, als die beiden glückselig beisammen lagen, als Gani noch nichts vom Verschwinden ihres Glücks wusste, sackte Ethell plötzlich in sich zusammen. Als die Graue auf sie zusprang und anstupste, stöhnte sie leise auf und tat ihren letzten Atemzug. Blut floss aus ihren geschlossenen Augenlidern und dem leicht geöffneten Maul. Akrus Tochter konnte nicht länger sehen, wie ihre Kindheitsfreundin und Schwester langsam verweste und ihr totes Fleisch Aasfresser und Insekten anlockte, und verließ sie nach einem letzten Gruß. Der Blutgeruch erinnerte sie an ihren Liebsten und sie stolperte zurück zu den anderen, völlig fertig. Kurz darauf erfuhr sie, dass Aryan und ihr Vater sie verlassen hatten.
In ihrem Blickfeld tauchten zwei Rüden auf – ein schwarzer und ein weißgrauer. Langsam und bedächtig schritt sie durchs Unterholz auf sie zu; Zweige und Äste knackten unter ihren wunden Pfoten, die das Laufen nicht mehr gewohnt waren. Sie stolperte und taumelte, aber irgendwie schaffte sie es doch, die beiden Wölfe zu erreichen. Der Donner grollte, dieses Mal direkt über ihr. Gani fürchtete sich nicht im Geringsten vor Gewitter, aber zusammen mit dem Schmerz und der Angst war es beinahe unerträglich. Mit gesenktem Kopf schlich sie die letzten Meter auf die beiden Rüden zu. Ihre Rute pendelte leicht hin und her – eine Geste, die sie seit ihrer Ankunft nicht einmal zu tun gewagt hätte. Sie war keine Unterworfene, die es nötig hätte, jedem zu zeigen, wie rangniedrig sie war. Aber im Moment sehnte die Prinzessin sich nach nichts anderem als Gesellschaft. Da musste sie auch den Schwarzen ertragen können, dessen Anblick in ihr sonst immer nur Abscheu erweckt hatte.
„Takashi, Madoc“,
murmelte sie kraftlos und spürte die Enge in ihrem Brustkorb. Der Schwarze hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Seelenbruder und in Madocs Augen sah sie die gleiche Erleichterung, die sie auch in denen ihres Vaters gesehen hatte, als sie aus dem Kreis zu ihm getreten war. Aber irgendwie schaffte die Prinzessin es, die Gedanken an die Verschwundenen zu vergessen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Ihr eisblauer Blick war starr auf den Boden gerichtet, während sich ihre Krallen ins nasse Laub bohrten. Ein Zittern durchlief ihren Körper, doch gleich darauf hatte sie sich wieder im Griff. Stille folgte. Dann hob die blutrote Wölfin den Kopf und richtete ihren Blick auf Takashi. Sie erkannte keine Gefühlsregung bei ihm, er war einfach nur … da. Es musste schön sein, sich keine Gedanken um etwas machen zu müssen. Aber vielleicht musste der schwarze Rüde das ja doch. Nur nicht um den Tod. Um den Tod des Allerliebsten in seinem Leben. Was das wohl war? Die Prinzessin war sich nicht sicher, ob sie das wissen wollte. Sie wusste kaum etwas über Takashi, nur dass er eine Weile als verschollen galt und dann wieder zurückgekehrt war. Ähnlich war es bei dem Wolf an seiner Seite. Behaupten, ihn zu kennen, wäre maßlos übertrieben. Und doch sah Gani die überschwängliche Freude in seiner Haltung, in seinen Seelenspiegeln. Sie stutzte. Er sah so glücklich aus, dabei hatte sie gedacht, nach dem Verschwinden ihrer Familie nie wieder dem Glück ins Antlitz sehen zu können. Aber es tat nicht wirklich weh. Madoc hatte das, was sie verloren hatte, aber sie wollte es nicht zurück. Man konnte auch ohne Glück leben, als ewiger Unglückrabe.
[ irgendwo im Wald » bei Takashi & Madoc ]
03.08.2010, 13:47
Es war inzwischen sehr dunkel geworden; ein wahres Unwetter! Die Sonne war schon lange von den Wolken verdrängt worden und nur Blitz und Donner hellten die Umgebung für einige wenige Sekunden auf; danach war alles wieder finster und grau. Es war erstaunlich, wie schnell sich das Wetter hatte ändern können. Zuvor war es so perfekt gewesen; perfekt für eine Lehrjagd. Doch nun konnte man diese nur vergessen, da das Wild längst schon auf und davon war. Doch was wurde nun aus den jagdunerfahrenen Jungwölfen? Es war schon längst Zeit, ihnen endlich das Jagen zum Überleben beizubringen, aber erneut wurden sie daran gehindert. Wichtig war es, dass sie es möglichst bald gelehrt bekamen, dachte sich Takashi.
Das heftige Gewitter machte dem Hünen kaum etwas aus. Eine Abkühlung des Klimas und auch der Regen waren bestimmt wieder einmal notwendig für die Natur. Der Rüde war die Ruhe selbst, fürchtete sich nicht vor dem stürmischen Wind und dem grollenden Donner. Bloß verursachten diese laut krachenden Geräusche oftmals Schmerzen in des Schwarzen empfindlichen Ohren. Es schmerzte und war so unerträglich laut, dass man für einen Moment nichts anderes mehr vernehmen konnte. In einem solchen Moment kniff der Rüde die Augen zusammen, bis der Donner verstummte und bald ein neuer darauf folgte. Aber wie kam es denn nur bloß zu solch einem plötzlichen Unwetter? Fenrir schien zu toben; er schien außer sich vor Zorn! Was hatte den Wolfsgott nur so entzürnt?
Der schwarze Rüde hatte in erster Linie nicht vor, Schutz im Wald zu suchen. Zwar hatte der erste knallende Donner seinen Herzschlag ein wenig beschleunigt, doch inzwischen hatte er sich wieder beruhigt und folgte bloß dem Rudel in den Wald. Hier alleine zu bleiben, würde keinen allzu großen Sinn ergeben. Später würde er hier noch ganz alleine stehen und der Regen hätte inzwischen die Fährten hinfortgespült! Vielleicht könnte sich der Schwarze auch nützlich machen und die aufgeschreckten Wölfe versuchen, zu beruhigen. Sicherlich war dieser Lärm nicht sonderlich angenehm, aber warum sollte man sich vor ihm fürchten? Warum sollte Fenrir an einem Ort strafen, an dem nichts geschehen war? Takashi war sehr überzeugt davon, dass hier an diesem Ort niemanden etwas geschehen würde.
Inzwischen war er nicht sonderlich weit gekommen. Der Rüde bewegte sich langsamen Schrittes fort, blickte umher und konnte hin und wieder in der Nähe oder Ferne einen Wolf erkennen, der sich allmählich im Wald verbarg. Bis jetzt hatte niemand die Ruhe gehabt, sich zu Takashi zu gesellen. Aber irgendwann würde auch er bestimmt auf andere Rudelmitglieder treffen.
Der Rüde mit den tiefblauen Seelenspiegeln schien ziemlich gelangweilt und unmotiviert: Sein Kopf war gesenkt, die Ohren weniger aufmerksam und die Rute schlaff herunterhängend. Doch dies änderte sich mit einem Mal, als Takashi das Gefühl hatte, dass sich ihm jemand näherte. Der Schwarze meinte, etwas gehört zu haben und drehte sich somit um. In seinen Blick fiel ein strahlend weißer Rüde, der auf ihn zu rannte; genau so hoch gewachsen, wie Takashi selbst! Rote, blutrote Augen blickten ihn an. Diese Augen erinnerten den schwarzen Hünen an sein früheres Erscheinungsbild. Doch wer war dieser Rüde dort überhaupt? Sehr interessiert begann Takashi den wahrscheinlich fremden zu Mustern. Bloß eines störte ihn dabei – dieser Geruch! Da der Schwarze diesen wiedererkannte, musste er wohl doch diesen Weißen kennen.
Nun war der Rüde selbst ziemlich nachdenklich geworden, verdrehte etwas den Kopf und spitzte die Ohren.
.oO(Meinen Namen kennt er, doch ich kann mich an den seinen nicht mehr erinnern. Auch seine Gestalt ist mir Fremd. Seit dem letzten Treffen muss er sich sehr verändert haben, dass ich mich nicht mehr genau an ihn erinnern kann. Aber sonderlich alt scheint er auch nicht zu sein. Er ist wohl gewachsen und hat sich zu einem erwachsenen Wolf entwickelt. Das mag der Grund sein, warum ich ihm keinen Namen zuordnen kann.)
“Sei gegrüßt! Was tust du hier? Fürchtest du dich denn nicht, wie die anderen? Und…“
Der Schwarze verstummte, als eine weitere Wolfsgestalt auftauchte. Die Fähe Gani – Gani Amíra – näherte sich den beiden Rüden. Diese hatte der schwarze Hüne sofort erkennen können, da er diese Fähe in Erinnerung hatte; bloß war es keine allzu Gute. Gani und Takashi hatten vor einiger Zeit eine Auseinandersetzung gehabt. Sie hatte ihn angeknurrt, worauf er nur noch böse Worte übrig hatte. Dies war auch dieser schreckliche Tag gewesen, als Bruder Urion starb.
Auf einmal blickte Takashi unruhig umher, als hätte er einen Geist oder eine andere fremdartige Gestalt entdeckt. Sein Blick blieb bei dem Albino Wolf, der überglücklich schien. Diese Erleichterung und dieses Glück konnten den Schwarzen wieder auf ganz andere Gedanken bringen, wobei er sich auch wieder allmählich beruhigte.
Der Kopf des Rüden drehte sich in Ganis Richtung, die sich ziemlich unbeholfen fortbewegte. Wenn man sie so sah, konnte man leicht denken, dass sie unter Schmerzen litt. Auch, wenn die beiden kein sonderlich gutes Verhältnis zueinander hatten, war der Hüne ein wenig besorgt.
“Gani…ist denn auch alles in Ordnung mit dir?“
Fragte Takashi vorsichtig nach. Dabei war ihm auch aufgefallen, dass die Fähe zuvor den Namen des Fremden genannt hatte. Sie erinnerte sich also.
.oO(Madoc also…ja, ich erinnere mich auch!)
[irgendwo im Wald | Madoc, Gani]
03.08.2010, 14:49
Face Taihéiyo hatte sich wieder umgewandt, als er registrierte, dass der Rotäugige ihm folgte. Der Tiefrabenschwarze sah sich um, hier und da konnte er noch einige Wölfe entdecken. Die Hornträgerherde ließ sich von dem Sturm nicht zu sehr beeindrucken, sie verschwanden langsam und würden irgendwo Schutz suchen. Immerhin gerieten sie nicht in Panik, womöglich hätte das Ganze sonst in einer Katastrophe geendet. Der Rüde, aus der Ferne nur noch als reinschwarze, konturlose Fläche zu erkennen, so verschleierte der Regen und sein nasses Fell die Erscheinung, seufzte kurz und sah sich noch einmal nach Ethelion um. Augenblicklich stockte Face, als der Schwarze plötzlich anfing zu taumeln und die Augen zukniff. Dann stieß er ein markerschütterndes Geheul aus, das selbst Face Taihéiyo sein Fell sträuben ließ, wie es nur selten in seinem langen Leben der Fall gewesen war. Verschwinde aus diesem Tal, Fenris, und gib die Seelen frei, die du erbeutet hast! Schnell stapfte der Beta zurück zu dem Rüden, der nun zu Boden gegangen war. Sein Herzschlag hatte sich etwas beschleunigt und ein furchtbar ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus. Er wusste nur zu gut, dass manche Wölfe Gaben besaßen; manch einer konnte spüren, wenn etwas Schreckliches passierte. Aber WAS war nun passiert? Fenris bedeutete Tod. Und Seelen war die Mehrzahl. Er schluckte.
Nicht grade zögerlich, oder übermäßig sanft stupste Face Ethelion gegen die Schnauze. Der Rüde sah verzweifelt aus.
"Ethelion! Ist etwas passiert?! Wessen Seelen hat Fenris erbeutet? Wieso?"
Er hatte keine Ahnung, ob Ethelion seine Fragen beantworten konnte, aber irgend etwas musste mit dem Dunklen passiert sein. Und als vertretende Führung des Rudel, musste er es wissen. Face spürte quasi, wie die Last dieser Verantwortung, für die er eigentlich nicht geschaffen war, auf seine Schultern drückte. Seine Gedanken huschten zu Tyraleen und ihrem Gefährten, die vor der Lernjagd verschwunden waren, um fehlende Jungtiere zu suchen. Sie waren seither nicht wieder aufgetaucht. Bei Engaya, bei Banshee, bitte lasst ihnen nichts geschehen sein. Selten hatte sich Face um irgendwen gesorgt ... das Gefühl war unerträglich.
( am Waldrand / Ethelion )
03.08.2010, 19:23
Er mochte den Regen nicht. Regen bedeutete immer etwas Schlimmes, zumindest dann, wenn er sich in reißenden Strömen vom Himmel ergoss. Heute war wohl so ein Tag. Die Luft bitter und aufgeheizt vom brodelnden Gewittersturm drückte unbarmherzig auf das junge Gemüt des Schwarzen. Es war seltsam allein zu reisen, aber nachdem er Baal getroffen hatte, schien der anfängliche Kummer wie weggewischt. Dieser Wolf war ein Fremder und denen musste er beweisen, dass er nicht zu diesen langweiligen Jungtieren gehörte, die vor einem Blitz davon sprangen, wie Kaninchen auf der Flucht. Aber der leuchtende Himmel und das donnernde Grollen sorgten nicht unbedingt dafür, dass er sich besser in Gesellschaft fühlte. Vor allem gab ihm rein gar nichts das Gefühl sicher zu sein. Wo waren sie hier? Irgendwo im Wald, ohne Orientierung, gefangen zwischen Bindfäden aus Wasser und dem schrecklichen grellen Zucken einer giftigen Himmelsschlange! Und er hatte sich nicht getäuscht. Auch wenn der Regen die Düfte dieses Landes verwusch, Grenzen mit Leichtigkeit zudrückte, hatte er die Markierungen wahr genommen.
Wieder zuckte die schwarze Nase, bevor sich seine honiggelben Augen auf den Weggenossen richteten. Es dauerte einige Minuten, bis er sich überhaupt Reaktion erhoffen konnte. Und er wusste nicht, wie er formulieren sollte, was ihm schon viel zu lange auf dem Herzen lag. Sein Vater hatte immer gesagt, Respekt war wichtig, besonders dann, wenn man sich in Gefilde begab, die man nicht abschätzen konnte. Galt diese goldene Regel dann auch für jetzt? In dem Moment, wo sie die Grenze überschritten hatten, um sich im Schutz der Bäume in Sicherheit zu wägen?
„Baal! Hör! Papa hat gesagt, dass man sich nicht in ein Revier wagen sollte ohne nicht einmal zu heulen? Aber wir haben nicht einen Ton von uns gegeben? Werden uns die Wölfe deswegen böse sein? Und hätten wir es nicht wenigstens versuchen sollen? Auch bei dem Regen?“
Etwas zerknirscht schnappte der Jungwolf nach den Regenfäden. Er hasste dieses Wetter. Ihm war kalt, er war durchnässt und hier gab es nichts außer dem Gewitter, den Bäumen, Baal und ihm selbst! Wie sollten sie überhaupt jemals Artgenossen finden, wenn er nicht einmal in der Lage war, den Weg zurück aus dem Wald aufzuspüren. Ihre Fährten waren wie weggewischt, fast so als hätten sie niemals existiert. Ein grusliges Gefühl, dass den jungen Rüden unweigerlich das Fell sträuben ließ.
Unruhig pendelte sein Blick wieder zu den Bäumen empor. Er musste die Seelenspiegel leicht zusammenkneifen, damit er überhaupt etwas sah, aber die vielen Blitze reichten, um ein Winseln aus seiner Kehle zu entlocken. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen! Sie hätten sicherlich noch einen Tag warten können, bevor sie die Reise zu den hiesigen Wölfen wagten. Wieso hatte Baal dann so gehetzt! Was brachten ein paar Stunden mehr, wenn sie stattdessen diesem Regen entkommen wären! Zumindest hätte er wahrscheinlich nicht ganz so spukvolle Auswirkungen gehabt, wie es sich im Moment darstellte. Pyotr jedenfalls brummte nur.
„O! Baal, sieh doch! Da vorn! Da ist ein dunkler Fleck! Vielleicht eine Höhle, oder ... oder ein Bär, der uns fressen wird.“
Fast kleinlaut verlor sich seine Stimme im stetigen Trommeln des Regens. Trotzdem war er dem anderen schwarzen Wolf vorausgelaufen, die Rute parallel zu seinem schmächtigen Oberkörper und die Ohren aufmerksam nach vorn gestellt. Er witterte, obgleich dieser Tatumstand ihm wenig Hoffnung brachte. Und er lauschte, obwohl es ihm kaum möglich war feine Geräusche zwischen dem Donnergrollen und den fallenden Bindfäden auszumachen. Aber ein Versuch war es immerhin wert und wenn er zumindest ein bisschen feststellen konnte, was sich da Stück für Stück vor ihnen aufbaute.
„Baal! Beeil dich! Wenn es wegrennt, dann müssen wir vielleicht auf ewig in diesem Regen herumirren!“
Aus dem Augenwinkel versuchte Pyotr den Weggenossen im Auge zu behalten. Das er dabei fast über seine eigenen Pfoten stolperte, weil er den Weg zu seinen Füßen nicht sonderlich beachtete, war eine Sache. Die andere war das Übel Bär, welches sich beim Näherkommen, als schwarzes Grauen entpuppte und den Rüden unweigerlich die Rute sinken ließ. Beide Ohren schnippten zurück und wieder glitt ein flüchtiger Blick in Richtung Baal. Wollten sie da wirklich hin?
„Entschuldigung?!“, rief er dem schwarzen Fellklotz zögerlich zu. „Wir haben uns verirrt! Und es regnet so stark, dass ich den Weg zurück nicht mehr finden kann. Wir ... haben uns nicht angekündigt, aber der Regen und das Gewitter macht es fast unmöglich, dass uns jemand auf diese Distanz noch hören kann. Ihr ... werdet uns aber deswegen jetzt nicht böse sein, oder?“
[am Waldrand | Face, Ethelion und Baal]
03.08.2010, 20:37
Oh, was liebte er dieses Wetter. Diese brodelnde Stimmung. Das Land getaucht in geheimnisvolle, unberechenbare Dunkelheit und geladen mit unheilvoller, zerstörerischer Energie. Ein Naturschauspiel der ganz besonderen Art. Prachtvoll und stark. Herrschend und unausweichlich. Einfach alles wurde in die Knie gezwängt. Die richtige Stimmung für den Dämonenfürsten. Er selbst würde sich sofortig mit dieser Wetterlaune identifizieren, aber nach Außen hin gab es sich ganz anders. Die Gefahr war still. Die Gefahr war uneinschätzbar. Und die Gefahr würde zuschlagen, wenn sie sich in ihren schwächsten und dunkelsten Stunden befanden. Baals jüngeren Weggefährten schien dieses wirre, grelle und unüberschaubare Spektakel um ein Vielfaches schlechter zu gefallen, als Baal es mochte.
Noch wusste der Rüde nicht, was er von Pyotr halten sollte. Er war so unglaublich naiv, er sprach dauernd von seinem Papa. Eine nervenaufreibende Angelegenheit, aber der Teufelssohn war auf Naivitäten angewiesen. Eigentlich gab es nichts besseres, was ihm passieren konnte. Leichtgläubige, manipulierbare, naive Artgenossen. Der andere schwarze Rüde war nicht einmal viel jünger als er selbst und dennoch war er im Kontrastprogramm enorm auf eine sicherere Führung angewiesen. Baal bietete sie ihm seit geraumer Zeit. Er bestimmte Richtung, Geschwindigkeit, Fressen und Rast. Und sein Weggefährte schluckte teils enorm bittere Pillen. Irgendwann würde er ihm sein jämmerliches Papa-Gequassel schon austreiben. Papa, Papa, Papa. Früher oder später würde eine Zeit anbrechen, in der es aus Pyotrs Maul nur noch Baal, Baal, Baal heißen würde. Und damit bliebe sein Weggefährte nicht der einzige, dafür würde er schon sorgen. Ja, der Höllenfürst musste zugeben, ihm gefiel Pyotr. Aufrichtig. So schnell würde er den Rüden nicht wieder hergeben, denn er brauchte ihn insgeheim auch.
"Säusel mir nicht so einen Stuss ins Ohr, Pyotr. Merke dir lieber endlich, dass dir nichts zustoßen wird, so lange du bei mir bleibst. Wieso sollten wir uns für einen Haufen Trottel ankündigen?! Soll es einer wagen uns böse zu werden und ich werde mit ihm Dinge anstellen, die du dir nicht einmal erträumen kannst. Das weißt du doch, Pyotr. Wir sind besser als das Gesindel."
Er drehte dem anderen Schwarzen schließlich gänzlich den Kopf zu um seine Reaktion aufgrund seines erblindeten Auges besser betrachten zu können. Doch es war zwecklos, der harte Regen nahm ihm jegliche klare Sicht. Doch sein Gehör war scharf und er vernahm zugleich die nächsten Worte Pyotrs, die ihn allerdings noch missmutiger stimmten. Ein Bär oder irgendetwas, was sie fressen würde. Nungut. Er musste noch einiges lernen. Auch ein Bär war sterblich und so schluckte er den bitteren Nachgeschmack von Pyotrs naiver Jugendlichkeit. Als dieser jedoch plötzlich an Tempo zunahm und beinahe so aussah, als würde er rennen, oder besser gesagt stolpern, versetzte es Baal schließlich einen Ruck und im Bruchteil einer Sekunde sprintete seine drahtige Gestalt dem Weggefährten mit geschickten und unglaublich sicheren Schritten hinterher. Was zum.... sollte das?! Schnell holte er Pyotr mit zornig verzogenem Gesicht wieder ein, überholte ihn wenige Zentimeter und schnappte im Vorbeiziehen mit einem dumpfen Geräusch zweier aufeinanderprallender Kiefer dicht an seinem Ohr vorbei. Und danach wandte er sich zu dem, was der eigentliche Grund für diesen geistigen Aussetzer seines Begleiters gewesen war. Artgenossen. Na Wunderprächtig. Und schon wieder erhob Pyotr das Wort. Konnte er nicht ein einziges Mal sein Maul halten?! ... Wahrscheinlich war es aber besser so. Baal konnte keine großen Reden schwingen. Keine großen Reden die nichts mit Machtdemonstration und Herrschaftsübernahme zu tun hatten. Sein metallfarbener Blick huschte über die beiden Fremden, ehe sich seine buschige schwarze Rute hoch über seinen Rücken erhob. Den Fang leicht geöffnet stellte er sich hechelnd quer mit der Breitseite vor Pyotr, angespannt, was in den nächsten Momenten passieren würde. Natürlich war es möglich, dass Baal in den nächsten Sekunden über zwei Leichen gehen musste. Oder aber nicht...
[Am Waldrand. Pyotr, Face, Ethelion.]
04.08.2010, 10:05
Mit geschlossenen Augen lag Ethelion bäuchlings auf den Boden gepresst und versuchte, seinen hämmernden Herzschlag zu beruhigen, der ihm den Brustkorb zu sprengen drohte. Blutgetränkte Bilder flackerten vor seinem inneren Auge auf, deren Bedeutung er jedoch nicht vollends fassen konnte. Viel mehr war es dumpfes Gefühl der Anwesenheit von Tod und Schmerz, das sich schwer und eiskalt über seine Seele legte. Obwohl es kalt war und der Sturm unablässig an seinem schwarzen Pelz zerrte, begann er, vor Anspannung und Stress zu hecheln. Es half nichts. In seinem Kopf wüteten Stimmen, die sich um die Seelen der Toten stritten. Eine davon war ihm bekannt, denn er war auf Gedeih und Verderb mit ihr verbunden. Es war Fenris. Die andere Stimme klang melodischer, trauriger, sanfter. Fast so, als würde sie sich mit dem Verlust abfinden. Sollte das etwa...
Noch ehe der Schwarze diesen Gedanken zuende führen konnte, stupste ihn jemand ruppig an der Schnauze an. Dankbar für diese Ablenkung, die die grauenhaften Empfindungen zumindest etwas in den Hintergrund drängte, schlug Ethelion die Augen auf. Face hatte sich zu ihm hinunter gebeugt und musterte ihn nun sorgenvoll. Dann fragte der Rabenschwarze ihn, was passiert sei. Der Fenrissohn schluckte hart; noch immer etwas benommen von den Eindrücken der Vision. Seine Augen versuchten, die des anderen Rüden zu halten, doch immer wieder glitt sein Blick ins Leere. Dennoch wusste er, dass es unausweichlich war, die Worte auszusprechen; die Bilder des Todes in Sprache zu kleiden. Mit brüchiger Stimme begann er:
"... Fenris ist hier... Ich... Ich spüre ihn..."
Ethelion stockte, denn seine Stimme versagte ihm den Dienst. Er wollte nicht in Worte fassen, was er empfand; er konnte es nicht. Wie hätte er das auch gekonnt? Etwas war falsch an diesem Gefühl; ganz falsch. Irgendetwas war passiert, das nie hätte geschehen dürfen. Wie konnte man das aussprechen? Unwillig wandte der Schwarze den Kopf ab. Doch er spürte Face' beunruhigten Blick auf sich gerichtet. Also fuhr er stammelnd fort:
"Tod... jemand stirbt... jemand tötet... Wölfe."
Der Fenrissohn wusste, dass seine Worte für Außenstehende merkwürdig, ja fast verrückt klangen. Doch er war nicht imstande, zusammenhängendere Erklärungen zu liefern. Dieser Klumpen der Verzweiflung, der schwer in seiner Brust lastete, hinderte ihn daran, einen klaren Gedanken zu fassen. Zitternd erhob er sich und stand nun auf wackligen Pfoten, als plötzlich zwei fremde Wölfe auftauchten. Das heißt, ob sie Fremde waren, wusste der Rüde nicht einmal, denn er kannte nicht das ganze Rudel. Er warf einen Blick zu Face und wartete dessen Reaktion ab. Auf die Fremden... und auf die beunruhigende Nachricht, die er ihm überbracht hatte...
[Waldrand | Face, Baal, Pyotr]
EDIT: Zu starken Magieeinfluss rückgängig gemacht
04.08.2010, 17:04
Fest starrte Face Taihéiyo dem schwarzen, am Boden liegenden Rüden ins Gesicht. Er sah ziemlich fertig aus und schien Mühe zu haben sich auf ihn zu konzentrieren. Der Tiefrabenschwarze knirschte innerlich leicht mit den Zähnen. Unruhe hatte ihn erfasst, wenn ein Wolf so zusammen brach und dann wirres Zeug redete, so musste seiner Erfahrung nach etwas geschehen sein. In diesem Tal gab es keine andere Bedeutung dafür. Die saphirfarbenen Augen des Wolfs hängten sich an Ethelions Lefzen, versuchten zu verstehen, was er ihm da durch Regen und Sturm entgegen flüsterte. Fenris. Hier. Spüren. Ja, so weit hatte er sich das bereits gedacht, aber was genau war passiert!? Als Ethelion schließlich weitersprach, fühlte Face, wie sich eine unsichtbare Faust in seinen Magen rammte. Der Tod. Jemand starb. Es war einer dieser Augenblicke, wie sie höchstens zwei, drei Mal in seinem Leben vorgekommen waren; in denen er gut Lust verspürte laut zu fluchen. Dennoch musste er ruhig bleiben, ihm blieb schließlich gar nichts anderes übrig.
Face Taihéiyo wollte Ethelion grade antworten, als er plötzlich eine weitere Stimme seitlich von sich vernahm. Der Tiefrabenschwarze entdeckte einen Jungwolf neben sich, einen, der allerdings nicht zum Rudel gehörte. Welch schlechter Zeitpunkt. Früher hätte sich Face vielleicht einfach abgewandt, weil jetzt etwas Anderes wichtiger war, aber jetzt ging das nicht mehr so einfach. Er versuchte sich auf die Worte des Jungtieres zu konzentrieren, während hinter ihm noch ein Rüde aus dem Wald trat. Ebenfalls jung, nicht mehr als ein Jahr älter, schätzte Face. Dennoch sah er nicht freundlich aus, im Gegenteil. Er war schnurstracks zu dem Jüngeren hingerannt und schnappte nach ihm. Face verengte leicht die Augen. Diese zwei Gesellen konnte er grade überhaupt nicht gebrauchen. Er sah kurz zurück zu Ethelion, jener hatte sich immerhin wieder aufgerappelt. Der Tiefschwarze wandte sich an die zwei jungen Fremden.
„Seid gegrüßt. Mein Name ist Face Taihéiyo, Beta des hier ansässigen Rudels. Ich habe grade leider keine Zeit, mich ganz um euch zu kümmern, solltet ihr einfach das Revier durchqueren wollen, seie es euch gestattet. Wenn ihr hier bleiben wollt, wäre es gut, wenn ihr mir eure Namen sagen und mir folgen würdet.“,
antwortete Face mit blanker Miene und ohne genauer auf die Worte des jüngeren Schwarzen ein zu gehen. Er hatte Recht, durch den Sturm wären sie wahrscheinlich eh nicht hörbar gewesen. Ob es Grund zum Böse sein geben würde, musste er noch feststellen. Von dem Kleinen ging mit Sicherheit keine Gefahr aus, aber den Größeren konnte er noch nicht einschätzen.
Der Tiefschwarze drehte sich um und trat ein paar Schritte näher an Ethelion heran.
„Ist bei dir sonst alles in Ordnung? Wir müssen schleunigst zurück zum Rudelplatz, dort werden sich hoffentlich die Meisten aufhalten. Jemand muss auf die Jungwölfe aufpassen, dann versuche ich heraus zu finden, was passiert ist.“
[ Am Waldrand | Ethelion, Pyotr, Baal ]
04.08.2010, 19:54
Die nun wieder klaren Augen der Fähe schienen nach einer Antwort im Gesicht der Weißen zu suchen. Abwartend stand die Jungwölfin still da, ließ den Regen durch ihr Fell gleiten, der ein paar Blutspritzer fort wusch, so dass der sonst reine Pelz eine verschwommene rötliche Färbung annahm. Was war nur mit ihr passiert? Der Verstand arbeitete zwar auf Hochtouren, die Gedanken blieben jedoch mehr wie ein zäher Sirup, so dass Aléya keinen klaren Gedanken fassen, noch erklären konnte.
Ihre Versuche eine Bedeutung zu finden wurden unterbrochen, als etwas gegen ihre Seite stieß. Obwohl die Helle eine schlanke, junge Fähe war, so stand sie doch fest, wie ein Fels in der Brandung und brauchte keinen Ausweichschritt zur Seite zu machen.
Neugierig beobachteten die Seelenspiegel den fremden Rüden, der da in sie hinein gelaufen war. Was war das denn für ein seltsamer Wolf, der, Schwanz wedelnd, einfach so in sie hinein marschierte? Dennoch war sie ihm keineswegs Böse, eher belustigt und so zierte ein sachtes Lächeln die blutigen Lefzen, während sie seine rasche Abfolge an Emotionen verfolgte.
Schnell hörte die Rute wieder auf zu wedeln und der Rüde erhob das Wort und senkte schon demütig den Kopf. Was war der schräg! Ebenso schräg legte sich Aléyas Kopf, der immer mehr waagerecht wanderte, bis es nicht mehr weiter ging.
„Ich bin Aléya und eine Tochter des hier lebenden Rudels.“ Völlig ungezwungen kniff sie dem Rüden freundschaftlich ins Ohr und zupfte daran. „Und wer bist du?“
Irgendwie erinnerte sie dieser plüschige Wolf an eine Art Bärchen, den man einfach nur lieb haben musste.
„Kein Problem. Sheena?“
Wie auf Kommando kam ihre Jagdführerin auf sie zu, die ihr angeboten hatte, später noch ein Mal über die Jagd zu sprechen. Ihr sollte es nur Recht sein, immerhin war konstruktive Kritik wichtig für ihr weiteres Jagdverhalten. Deshalb hatte die Weiße nur zustimmend genickt und hüllte sich in taktvolles Schweigen, während der Kuschelwolf von Sheena leicht gerügt wurde.
„Dann ift doch affes klar, Bärpfen“, nuschelte sie, noch immer mit dem weichen Ohr zwischen den Lefzen und zwinkerte dem Rüden locker zu. Woher dieses schlichte Vertrauen zu dem Fremden kam, konnte sie sich nicht erklären. Sein Geruch war angenehm, seine Wärme kam nicht nur von seinem pelzigen Leib, sondern auch von seinem Herzen und seine ganze drollige Art ließen an ihm nichts schlechtes vermuten.
[Hirschkuhkadaver | Sheena und Ráyon]
04.08.2010, 21:42
Verwirrung machte sich auf den Zügen des Jungwolfs breit, als sich Baal wieder seinen freien Raum schaffte und ihn auf irgendetwas hinweisen wollte. Was hatte er denn falsch gemacht? Mit einem leisen Winseln auf den Lefzen, senkte sich das Haupt des Schwarzen und glitt sein Blick gestraft zu Boden. Sein Papa hatte immer gemeint, dass es wichtig war Fehler frühzeitig zu erkennen, am Besten bevor man überhaupt in Erwägung zog sie zu begehen. Aber was störte den Weggenossen denn? Das Gewitter konnte es nicht sein, denn im Gegensatz zu ihm verhielt sich Baal, eben wie immer. Und dieser große Dunkle mit den schönen blauen Augen trug auch keine Schuld? Vielleicht der mitternachtige Fellberg, der hinter den stolzen Pfoten des anderen kauerte? Pyotr verstand es nicht.
Mit einem missmutigen Brummen richteten sich die Honiggelben wieder auf den ertappten Bär und musterten ihn fast schon reumütig. Beta? So sah er dann wohl auch aus! Außerdem hatte sein Papa gesagt, dass diese Wölfe wichtig waren. Aber er konnte sich nicht mehr genau erinnern, in welchem Zusammenhang Beta und ein Rudel stand. Trotzdem ließen ihn die Worte dieses Komischnamigen Hoffnung schöpfen! Mehr als Baal sie ihm im Moment gab jedenfalls! Die Ohren also wieder etwas mutiger nach vorn gestellt, hob sich die Schnauze einige Zentimeter und pendelte die Rute zaghaft einige Herzschläge lang freudig hin und her.
„Nein, nein … wir suchen einen Unterschlupf! Ich mag nicht mehr reisen und Papa hat mir gesagt, das ich unbedingt ein Rudel brauche, weil … weil … ich weiß es nicht so genau. Aber es ist wichtig. Denke ich.“
In freudiger Erwartung hob sich das Haupt des Jungwolfs schließlich gänzlich und er machte einen mutigen Schritt von Baals Seite weg, um an diesem Face vorbei schauen zu können. Da lag ja noch ein anderer Wolf! Und er war viel zu neugierig, als dass er ihn einfach ignorieren konnte. Außerdem hatte er blutrote Augen und -? Mit fragendem Blick wandte sich das Energiebündel zu dem Seeäugigen, obwohl er sich im ersten Moment überhaupt nicht wagte, ihm auch nur irgendeine Frage zu stellen.
„Achso! Das ist Baal. Baal ist irgendwie komisch, aber er hat gut auf mich aufgepasst und mir beim Jagen geholfen. Er hat komische Ansichten, erzählt wirres Zeug ist aber trotzdem total nett. Und ich bin Pyotr!“
Ein zögerliches Wolfslächeln spielte über die Lefzen des Schwarzen, bevor er sich wieder in eine geduckte Haltung begab und die Ohren seicht an das Kopffell schmiegte. Dieser Wolf war ein grusliger Wolfsbär! Er sah so viel stattlicher aus, als Baal! Was wenn sie ihnen doch böses wollten! Was wenn -?
Abgelenkt von den Worten des Seeäugigen wandte sich das Honigmeer an den Weggenossen. Wieder glitt ein fragendes Winseln aus seinem Fang. Der andere Wolf klang auf einmal so ernst! Ob das an ihm lag? Hatte er schon wieder einen Fehler gemacht? Wahrscheinlich wusste Baal die Antwort darauf. Wie immer! Baal wusste genauso viel wie Papa. Ob Papa das geahnt hatte.
„Was ist mit dem Schwarzpelz? Wieso sieht er so traurig aus? Wieso zittert er so? Und wieso -?“
Eigentlich hatte er die Frage mehr an Face richten wollen, oder vielleicht sogar an den Rotäugigen selbst, aber Baal irritierte ihn. Er war so still und das war doch sonst nicht seine Art! Baal war gesprächig und wieso kam er sich dann indem Moment so vor, als würde er jeden weiter verstreichenden Moment tiefer ins Verderben rutschen!?
Die Schnauze soweit zu Boden gesenkt, dass er fast die aufgeweichte Erde berührte, trat er wieder an den Weggenossen heran und schmiegte den Kopf leicht an den Pelz des Älteren. Er sollte nicht böse sein! Denn wenn diese Wölfe ihnen Unterschlupf geben konnten, dann hatte er doch die Möglichkeit mit diesen Wölfen zu sprechen! Und Baal wollte doch so gerne reden.
„Baal? Wieso hat der da so rote Augen? Sie machen mir Angst.“
[am Waldrand | Face, Ethelion und Baal]
04.08.2010, 22:07
Mit diesem Rüden war es absolut nicht spaßig und je länger Amáya den seltsamen Wolf ansah, desto langweiliger wurde er. Er schien so abgestumpft in seinen Emotionen zu sein, dass er selbst das nicht richtig mit bekam. Wie jämmerlich.
Irgendwie hatte die Schwarze keine Lust mehr, sich mit dem wortkargen Rüden zu unterhalten und auch auf ihr Spielchen hatte sie keine Lust mehr. Na bravo.
Jemanden zu finden, dass selbst ihr die Lust an ihren Spielen verging, dass war eine hervorragende Leistung, die man erst mal schaffen musste.
Seine läppische Antwort und auch seine Frage hatte sie demnach nur mit Schweigen quittiert. Sie hätte, wenn ihr der Sinn danach gestanden hätte, mit einer ebenso langweiligen Antwort daher kommen können. Aber ihr war schlichtweg der Appetit vergangen.
So umhüllte Schweigen und Stille die beiden schwarzen Wölfe, während sie sich im Groben immer weiter dem Rudelplatz näherten. Erst seine Frage nach ihrem Dasein ließ Amáya nur leicht mit den Ohren zucken. Genau. Was hielt sie hier eigentlich noch? Das Versprechen – wie schwachsinnig. Es hatte nie eines Gegeben, sie hatte nur versprochen, keinen Wolf mehr zu töten. Aber das Versprechen, welches sie ihrer Mutter gegeben hatte, existierte nun ebenso wenig mehr, wie die weiße Alphawölfin. Sie hatte es praktisch mit ins Grabe genommen.
Ebenso schien ihr Mord an Zack ungeschehen, keine Spur war mehr davon übrig. Einzig Sheena trug vielleicht noch eine Narbe in ihrem Herzen. Eine Tatsache, um die sich der Todesengel kein Stück scherte.
Reine Nächstenliebe wäre genauso stumpfsinnig und abtrünnige Familienbande hatte sie auch keine. Ihre Familie war ihr inzwischen gleichgültig, genau wie sich dieser Haufen Wölfe nicht um sie scherte, es niemals in ihrem Leben getan hatte. Gab es demnach überhaupt eine Antwort auf diese Frage.
„Eine gute Frage, über die es nachzudenken gilt. Ich habe keine Ahnung. Aber wo sollte ich sonst hin?“
Kurz warf die Jüngere dem Wanderer einen Seitenblick zu, grinste ein breites Lächeln.
„Ich möchte nicht melodramatisch klingen, aber ich habe nichts, was ich tun möchte und auch nichts, wonach ich mich sehne, was ich suche.“
Kurz zuckte sie im Gehen mit den Schultern und trabte weiter.
„Auch ein Einzelgänger. Verstehe.“
Inzwischen hatte das ungleiche Paar das Tempo wieder verlangsamt und den einen der seltsamen Gewächse erreicht. Aus dem Augenwinkel betrachtete Amáya die Reaktion des Schwarzen und grinste wieder.
„Interessanter Baum, was?“
Jetzt, beim näheren Hinsehen, bemerkte sie auch die weiße Wölfin, die unter dem Baum stand. Na prima. Da konnte sie den Schwarzen gleich dort lassen und sich wieder zurück ziehen. Warum sollte sie die Turteltauben in spe stören, was sollte sie hier eigentlich noch? Spaß haben sah für sie anders aus.
[mit Tarik am Muschelbaum angekommen]
06.08.2010, 00:02
Nerúi hatte grummelnd weiter nach dem Viehzeug Ausschau gehalten, versuchte auf Chardíms und Takashis Rat Acht zu geben. Aber die Bewegungsabläufe der Tiere waren flüssig...nur die alte Kuh konnte sie auch ausfindig machen, aber die hatte Takashi ja schon als zu kräftig aussortiert. Mit zusammengebissenen Fängen starrte sie die Tiere nieder, so als könnte sie mit stechenden Blicken ihre Läufe verletzen, und ihnen die Wunden zufügen, die ihnen als gute Beute fehlten.
Vor ihren Augen geschahen dann plötzlich mehrere Dinge zur gleichen Zeit - zum Ersten verschwand das Licht. Finstere Wolken bedeckten mit einem Mal den Himmel, schwer vom Regen, der auch schon im nächsten Moment auf sie herniederrieseln sollte. Zum Zweiten: Sheena verlies mit ihrer Gruppe ihre Deckung, und trennte mühelos die Hirschkuh von der Herde. Aber Takashi hatte doch gesagt... Sie kam nicht mehr dazu den Gedanken zu beenden, den mit einem schallenden Donnern brach der Sturm über sie herein, Blitze zuckten über den verfinsterten Himmel, schwere Äste brachen von den Bäumen, und mit einem hektischen Satz brachte Nerúi sich in Sicherheit vor einem schweren Holz dass vom Wind in ihre Richtung geworfen wurde. Im nächsten Moment hatte sie Chardím aus den Augen verloren. Der Regen hatte ihr Fell innerhalb von Sekunden durchnässt, er nahm ihr die Sicht, und der Sturm wehte alle Worte fort. Sie schrie dennoch gegen ihn an.
"Chardíiiiim!"
Sie konnte ihre eigene Stimme kaum hören, und machte einen Satz in die Richtung aus der sie gerade erst gekommen war. Kein Chardím. Kein Takashi. Verunsichert und verärgert wand sie sich in irgendeine Richtung - sie konnte noch in etwa sagen wo sie war, und intuitiv wand sie sich in Richtung Rudelplatz. Zwar war dort auch nicht mehr Schutz zu finden als hier im Gestrüpp, aber vielleicht würde sie dort die Anderen widerfinden. Zumindest wenn die den Weg auch wussten...ohne große Hoffnung darein zu setzen hob sie den Kopf in den Nacken, die windgepeitschten Ohren angelegt, und schickte ein Heulen in den Sturm hinaus.
"Turiéeeen! Cayleeee! Wo seid ihr?!"
Abermals konnte sie kaum ihre eigene Stimme hören, der Wind löschte ihre Worte, kaum dass sie ihre Zunge verlassen hatten. Mit aufeinandergebissene Zähnen lief sie weiter, gegen den Sturm und die wirbelnden Äste an, die ihr um die Ohren flogen. Ihr war nicht klar welcher verrückte Floh die Götter gebissen haben musste, dass sie ihnen so ein Unwetter schickten.
Unhörbare Verwünschungen vor sich hin knurrend lief sie weiter voran, in der stillen Hoffnung ihre Richtung nicht zu verlieren. Weit kam sie jedoch nicht, da plötzlich etwas hartes und nasses gegen sie rannte. Kampfbereit machte sie einen Satz zurück, die Zähne bereits gebleckt, als sie Krolock erkannte. Ihre Haltung änderte sich sofort, und sie trat näher zu ihm, um seine Worte verstehen zu können - eine Bemühung die seine Stimme nicht war, wie sie feststellen durfte. Ohne zu zögern schrie sie zurück.
"Sperr mal deine Augen auf du hässliches Stück Dreck!"
Ärger flutete ihre Venen, über dreierlei Tatsachen. Die erste war, dass das Wetter grausig war, und sie keine Ahnung hatte wo die anderen waren, die zweite war diese miese Ratte von Krolock, und die dritte war, dass sie sich über den Holzkopf überhaupt aufregte. Was ihren Zorn noch verstärkte. Knurrend stand sie ihrem Nicht-so-ganz Bruder gegenüber, der Sturm um sie herum schien nur zu tosen um ihrer Wut angemessen Ausdruck zu verleihen. Fast genoß sie den schneidenden Wind jetzt, der ihr das Fell zerwühlte und ihr wehtat. Denn er schürte ihren Ärger, trieb Blut und Adrenalin schneller noch durch ihre Adern, und das Grollen aus ihrer Kehle wurde deutlicher.
"Komm her du Feigling, und steh zu deinem Wort!"
Knurrte sie zwischen den Zähnen hindurch, nicht sicher ob er sie gehört hatte. Aber ihre Körpersprache war auch Einladung genug...
[Im Wald | Krolock und der Sturm]
06.08.2010, 09:12
Gelassen verharrte der Hüne auf seinem Platz, von dem er eine optimale Sicht auf die Herde hatte und im Hintergrund den Unterschlupf erkennen konnte, wo sich die Jäger verbargen.
Solange sie nicht das Zeichen bekamen, dass sich auch die Anderen in Bewegung setzten, wäre ein plötzliches los preschen eher unvorteilhaft und der schwarze Rüde wollte doch, dass sein Schützling am besten sogleich einen Jagderfolg erzielte.
Aufmerksam beobachteten die hellen Augen, wie die Jungfähe sich die ausgewählte Beute genauer ansah und schließlich überlegte. Innerlich lächelte der Schwarze, immerhin zeigte Atalya schon eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen: Beobachten und Analysieren der Beute.
Sobald sich die Jäger immerzu der Gefahr bewusst waren, der sie sich unter Umständen aussetzten, waren sie auf der sicheren Seite. Ein genaues Überlegen, wie eine Jagd anzugehen war, eine Art Strategie, zahlte sich in brenzligen Situationen meist zu ihrem Vorteil aus. Kopflos los zu stürmen brachte nichts, außer vielleicht einen enormen Energieverlust, demnach noch größeren Hunger und unter Umständen die Gefahr, vor lauter Hunger bei der nächsten Jagd noch schlimmere Fehler zu machen. Besser war es, den Jungtieren sogleich ein richtiges Verhalten bei zu bringen und ihnen, trotz des jugendlichen Temperaments, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Auf die Antwort der Grauen nickte er mit dem Kopf.
„Richtig. Die Hufe können uns sehr gefährlich werden. Ein Tritt, und wenn das Tier noch so krank ist, kann unsere Knochen zersplittern lassen. Von den Hufen sollte man sich also in jedem Fall fern halten. Das gilt vor allen Dingen für die Hetzer, die sich also besser nicht hinter dem Tier aufhalten sollten, aber auch für die Jäger.“
Noch ein Mal ließ Shaén den Blick über die Herde schweifen, nahm einen Augenblick die anderen Tiere in Augenschein.
„Aber es sind nicht nur die Hufe. Manchmal sind die gehetzten Tiere so verzweifelt und, verständlicher Weise, in Panik geraten, dass sie schließlich stehen bleiben, um uns mit ihren Geweihen anzugreifen. Auch davor müssen wir uns in Acht nehmen. Die Geweihe sind hart, so wie unsere Krallen, und manchmal ebenso tödlich, wie die Hufe.“
Ernst blickte der neu ernannte Mentor seinen Schützling in die Augen. Obwohl seine Worte vielleicht hart und besorgniserregend klangen, wollte er die junge Fähe nicht ausschließlich in Sicherheit wiegen, wenn ihre Beute auch gleichzeitig eine Gefahr darstellen und die Jäger leer ausgehen konnten. Auch wollte er ihr nicht verschweigen, dass schon so manche Jäger ihr Leben gelassen hatten. Das war der Lauf der Dinge, der Lauf des Seins.
„Aber hab jetzt keine Angst vor der Jagd. Es liegt uns im Blut zu jagen. Wir müssen nur die richtige Taktik erlernen und vor allen Dingen mit Ruhe und Geduld beobachten. Außerdem kann bei einer solchen Lehrjagd nichts passieren, es sind genug erfahrene Jäger anwesend.“
Ein Regentropfen, der auf die dunkle Schnauze platschte, unterbrach seine Erklärungen. Sofort hob Shaén den Kopf, blickte in den plötzlich dunklen Himmel, der zwischen den Baumwipfeln auftauchte. Das Unwetter war so plötzlich aufgezogen, dass selbst ihn mit seinem sensiblen Gespür etwas überrascht hatte.
Kurz nach dem einzelnen Tropfen, folgten in immer dichter werdenden Abständen immer mehr. Ein Blitz zerschnitt die Dunkelheit und kaum einen Herzschlag später ließ ein Donnergrollen sein Trommelfell erzittern. Um die empfindlichen Ohrmuscheln vor dem stetig stärker werdenden Regen zu schützen, legte der große Wolf die Ohren an, warf kurz einen Blick hinüber, wo er im dichten Regenschleier Face und den anderen Schwarzen vermutete, um dann seine Deckung aufzugeben. Auch Atalya richtete sich wieder auf und blickte ihn fragend an.
„Tjah, dass soll wohl heißen, dass die Lehrjagd frühzeitig beendet ist.“ Missmutig verzog der das Gesicht. „Wir bleiben vorerst bei der Theorie und kehren zu unserer Gruppe zurück.“
Damit schlug der Dunkle den selben Weg ein, den sie vorhin gekommen waren. So etwas ärgerliches. Aber irgendein seltsames Gefühl verriet ihm, dass dieser plötzliche Sturm nicht von ungefähr kam. Irgendetwas musste passiert sein. Ein schweres Gefühl der Wehmut lag in der Luft, welches er nicht genau identifizieren konnte. Obwohl er auf so viele Dinge eingestellt war, so viele Situationen erlebt hatte; dieses Tal war immer etwas Besonderes.
[mit Atalya auf dem Weg zurück zur Gruppe]
06.08.2010, 22:06
Langsam ließ der schwarze Zweijährige die buschige Rute gen Boden sinken. Nein, hier lag keine Gefahr in der Luft. Höchstens eine Geisteskrankheit. Seine Ohren zuckten vor und zurück, versuchten die Worte des Rotäugigen auszuwerten. Er faselte wirres Zeug. Jedenfalls für den ersten Moment... Sein metallfarbener Blick huschte zu dem anderen Schwarzen, musterte ihn stillschweigend. Er war kräftig und groß, wirkte stark und prachtvoll. Ob Pyotr dies beeindruckte? Vermutlich. Es war ganz bestimmt der Bär, den er vor einigen Moment entdeckt hatte. Und wahrscheinlich blieb dieser Fremde ein Bär für seinen Weggefährten. Für Baal war er allerdings uninteressant, oder sagen wir lieber: nicht besorgniserregend. Auch schien der Rüde, der sich selbst schließlich als Face vorstellte, nicht besonders interessiert an Pyotrs und seiner Anwesenheit. Er hatte wohl anderes im Sinn, was er schließlich auch gestand. Was für ein Zufall. Das machte die ganze Angelegenheit bloß noch leichter für den Dämonenfürsten. Ha. Sie würden ihrem Unheil desinteressiert die Pforten öffnen, was für ein Willkommensgruß. Noch mehr Naivität gab es nicht! Unweigerlich legte sich auf die markanten Züge Baals ein schiefes Grinsen. Ihm war es egal, was man dabei von ihm dachte. Dieses Rotauge war sowieso zehn Mal gestörter. Vielleicht machte ihn das aber brauchbar - wer wusste das schon.
Als seine abgerundeten Ohren schließlich Pyotrs Stimme wahrnahmen, warf er ihm einen strengen Blick zu. Doch trotz seiner wasserfallartigen Redeanfälle war er immer noch ... klug... wenn wahrscheinlich auch ungewollt. Hach, irgendwie war er sogar mehr als das. Baal, der komische schwarze Wolf, der die Welt aus den Augen eines Verrückten betrachtete. Wirklich Pyotr, das war gut, sehr gut. Die erste Vorlage hatte ihm sein Weggefährte gegeben und den anderen schönen Honig ums Maul geschmiert, was den Teufelssohn noch unteressanter werden ließ. Wer wollte schon etwas von einem Verrückten? Das Verschaffen von Zeit war enorm wichtig um diese ganzen dreckigen ungläubigen Heiden im Fegefeuer schmoren zu lassen! Baal ließ den Jüngeren sein Vordrängeln schließlich auch gewähren, er hatte scheinbar einen wirklich brauchbaren Instinkt. Immer wieder gab es Momente, wo etwas gar nicht mal so Unbrauchbares aus ihm heraussprudelte. Das änderte allerdings trotzdem nichts an der Tatsache, dass es sich bei über der Hälfte um absoluten geistigen Bockmist handelte. Achso... und natürlich hatte auch immer Papa seine Griffel im Spiel!
"Wir wären dankbar, Face, wenn wir euch begleiten dürfen. Mein lieber Freund hat es dir ja bereits verraten.."
Sprach er für den peitschenden Sturm und den prasselnden Regen in einer relativ ruhigen Tonlage. Dann wandte er sich einen kurzen Moment wieder zu Pyotr und trat näher an ihn heran, näher an sein Ohr, nach welchem er eben noch geschnappt hatte.
"Ich werde es dir sagen, aber danach sei still, hast du gehört?! .. Er ist ein Dämon, Pyotr. Aber du weißt, wofür Dämonen gut sind, ich habe es dir bereits erklärt. Ich habe dir gesagt, wer ich bin und dir gesagt, dass sie alle mir dienen werden!"
Er flüsterte halb, sodass nur Pyotr seine ganzen Sätze verstehen konnte und die anderen nur kurze Abrisse des Ganzen wahrnehmen konnten. Dann blitzten kurzzeitig ein paar weiße Zähne aus dem finsteren schwarzen Gesicht des Rüden hervor.
[am Waldrand | Face, Ethelion, Pyotr]
07.08.2010, 20:42
Ethelion stand schweigend im Regen und atmete einige Male tief durch, um die Kontrolle über Körper und Geist wiederzuerlangen. Langsam, Schritt für Schritt, gelang es ihm. Das Hämmern in der Brust wurde wieder zu einem gewöhnlichen, regelmäßigen Herzschlag und die Stimmen und Bilder verblassten, bis nicht einmal mehr ein Schatten an sie erinnerte. Die Worte, die Face an die Neuankömmlinge richtete, verstand er nicht. Sie waren nur ein Murmeln, das sich mit dem prasselnden Regen und vereinzelten Donnerschlägen zu einem wilden Potpourri vereinte.
Dann aber kam der Tiefrabenschwarze auf ihn zu und sprach ihn direkt an. Seine Miene verriet Besorgnis aber auch Ungeduld. Der Schwarze nickte nur.
"Mach dir keine Sorgen! Es... es geht schon wieder."
Ein letzter, tiefer Atemzug; dann straffte Ethelion sich innerlich. Er durfte nicht schwach wirken, auf gar keinen Fall! Der Schwarze hob den Kopf und stellte die Ohren auf. Vollständig aufgerichtet hatte er etwa die Größe von Face. Die Worte des jüngeren Fremden, der sich inzwischen als Pyotr vorgestellt hatte - was für ein seltsamer Name - drangen an sein funktionierendes Ohr. Der Kopf des Fenrissohn zuckte herum und mit seinen glutroten Augen fixierte er den Jungwolf.
"Wenn du den Tod gesehen hättest, Welpe, würdest du auch zittern."
Seine Stimme klang ruhig, doch der drohende Unterton war unverkennbar. Was war das überhaupt für ein seltsames Gespann? Ein junger, vorlauter Welpe und ein nur etwas älterer Rüde, den der Schwarze noch nicht recht einschätzen konnte. Seine Worte klangen freundlich und seine Haltung war offen und zugewandt; dennoch bewirkte irgendetwas an diesem schwarzen Jungwolf, dass sich Ethelion das Nackenfell sträubte. Die beiden Fremden tuschelten miteinander und warfen verstohlene Blicke zu ihm herüber. Das Gehör des Fenrissohns war zu eingeschränkt, um ihre Worte zu verstehen, und dennoch hinterließen sie ein ungutes Gefühl bei ihm. Der Schwarze schritt betont gelassen in Richtung des älteren Neuankömmlings. Als er auf gleicher Höhe mit ihm war, fixierten seine feurigen Augen den Fremden.
"Komm mir auch nur ein einziges Mal in die Quere oder schau ein Mitglied dieses Rudels auch nur schief an; dann töte ich dich! Verstehen wir uns?",
grollte er, ehe er einen fragenden Blick zu Face warf. Wie sollten sie nun weiter vorgehen?
[Waldrand | Face, Pyotr, Baal]
08.08.2010, 00:07
Lange hatte Madoc nicht mehr solch einen Schwall von Freude verspürt und trotz des tosenden Unwetters und der ungeteilten Emotionen ließ der Gedanke an eine nahtlose Vereinung sein junges Herz ein Stücken schneller schlagen. Seine buschige pendelnde Rute, die gleichsam mit Wasserperlen durchsetzt war unterstrich dieses herrliche Gefühl, während alte Erinnerungen an vergangene Zeiten aufzukeimen begannen, während er den tiefschwarzen Rüden vor sich musterte. Seit der letzten Begegnung, die schon viele verwegene Tage von der Wirklichkeit entfernt war, schien sich Takashi lediglich geringfügig verändert zu haben, von Alter und Schwäche war bei dem nun mehr schon ein Jahr älterem Rüden keine Spur. Dennoch schien er an jenem Tage nicht der Übermut in Person zu sein, es schien sich sogar eine seichte Spur von Sorge in sein prachtvolles Antlitz geschlichen zu haben, doch durch die hinderlichen Wetterbedingungen waren diese doch nur schwer zu erkennen. Dennoch dämpfte es die Ausgelassenheit des Sternentänzers nicht und selbst der weinende Himmel ließ diese lang ersehnte Begegnung nicht an Wert verlieren, wenngleich jene, die ihm besonders am Herzen lag noch nicht erschienen war. Doch Hoffnung war schließlich immer der Schlüssel zur wahren Freude und genau diese beförderte das aufwallende Glücksgefühl ins scheinbar unermessliche. Da Madoc sich jedoch zu zügeln wusste, kam lediglich ein winziger Teil zur Schau, während der größte noch immer hinter der scheinbaren Maskerade aus Neutralität und Souveränität gebändigt war.
Zu seiner Enttäuschung, die jedoch wenig aussagekräftig war, erkannte der dunkle Hüne ihn jedoch nicht, was seinen Blick für den Bruchteil einer Sekunde einen trüben Schleier versetzte, der jedoch durch besänftigende Gedanken sofort verweht wurde. Immerhin war schon ein ganzes Jahr vergangen und dieses hatte kaum merklich Veränderungen in den Junggesellen eingeschleißt, die sich nun vor allem an dem Körperbau und der Größe bemerkbar machten. Allerdings ließ auch ein leicht gewandeltes Verhalten grüßen, sodass der nur flüchtig bekannte Takashi wenig Chance hatte, diesen wahrlich fremden Wolf dem ehemaligen Jährling Madoc zuzuordnen. Um jedoch Peinlichkeiten jeglicher Art zu vermeiden, griff er nicht auf das Thema der Bekanntschaft zu sich, nachdem er in seiner Begrüßungsrede durch das Nahen einer weiteren Anwesenheit jäh unterbrochen wurde. Er ließ lediglich seine blutroten Seelenspiegel für den Fluss eines Augenblickes an den der tiefblauen hängen, bevor er sie schleunigst wieder abwandte, um eine mögliche Provokation zu vermeiden. Seine Aufmerksamkeit galt stattdessen der Fähe, die durch die triefenden Büsche und schlagenden Bäume strauchelnd und stolpernd zum Vorschein kam. Seine sensible Schnauze vernahm die etwas verschwommene Witterung einer bekannten Wölfin, dessen Geruch jedoch ebenfalls erst nach kurzer Nachdenkzeit mit der richtigen Persönlichkeit assoziiert werden konnte. Letztendlich konnte er die geschundene Gestalt jedoch als Gani identifizieren und zu seiner milden Begeisterung schien diese sich ebenfalls an ihn zu erinnern, trotz der vagen Veränderungen und er Macht der Zeit. Da die Graue jedoch kaum so aussah, als würde sie bei voller Gesundheit sein, verwandelte sich der überschwängliche Blick Madocs in Sorge und vielleicht etwas Schuld. War dem Rudel etwas zugestoßen? Sollte er Scham und Buße zeigen dafür, dass er in einer Periode der Schwierigkeit Freude und Übermut zeigte?
“Gani?“
Brachte er nur besorgt vor und erinnerte beinahe wieder an den naiven Welpen, als welcher er das Rudel betreten hatte. Und schließlich hatte auch Takashi seine Befürchtungen über das Wohlbefinden der Fähe kundgetan . Der Silberweiße trat einen Schritt näher an die wohlbekannte Fähe heran, um sie nach Verletzungen zu untersuchen, wagte jedoch nicht allzu sehr in die Szene einzugreifen, um keine Missgunst zu erregen. Nun schienen Takashis Worte auch Sinn zu ergeben, doch wovor sollten sie sich fürchten? War es das Gewitter? Nein, sicherlich nicht. Der junge Rüde wartete eine geraume Zeit ab, bis er glaubte mit seiner tiefen Stimme nicht zu stören, um seine Neugier nach der potenziellen Gefahr zu stillen.
“Takashi? Wovor sollten wir uns fürchten?“
Wollte er wissen und nun hatte sich seine Freude doch etwas gelegt. Es schien nicht so friedlich zu sein, wie er gehofft hatte.
[Irgendwo im Wald | Gani und Takashi]
08.08.2010, 00:38
Irgendwie hatte Avendal alles aus den Augen verloren. Der Sturm der Aufgezogen war hatte sie nicht kommen gesehen und es ist einfach alles viel zu schnell für sie gegangen. Jetzt suchten ihre dunklen Augen hastig nach irgendjemanden in ihrer Nähe, jemanden den sie kannte und bei dem sie bleiben konnte. Ihre langen Läufe trugen sie weiter, der Wind peitschte ihr unangenehm gegen ihren Fang und die Augen, sodass Avendal nur dazu in der Lage war zu sehen, wenn sie diese zu Schlitze formte.
Vor ihr entdeckte sie drei Gestalten, erfreut peitschte ihre Rute hin und her. Die Ohren angelegt kämpfte sie gegen den Sturm an um schneller bei dieser Gruppe zu sein und mit jedem Schritt erkannte sie die zwei Gestalten, es waren Sheena und Aléya.
„ Sheena! Aléya! Wartet auf mich!“
Rief sie durch den Sturm hindurch. Die dritte Gestallt konnte die Jungfähe jedoch nicht erkennen, ein Fremder wahrscheinlich? Egal, sie würde ihre Freundin später danach ausfragen, aber jetzt hieß es erst einmal sich in Sicherheit zu wiegen. Als die junge Fähe die beiden erreicht hatte, konnte sie sich den Fremden genauer ansehen. Er war eindeutig ein Rüde. Fragend legte sie den Kopf schief, beachtete ihn aber nicht weiter sondern wandte sich mit dem Kopf zu Aléya und Sheena, die bei der toten Hirschkuh standen.
Avendal drückte ihren Kopf gegen die Seite von Aléya und atmete erleichtert auf, allein irgendwo herum zu Streunern das wollte sie bestimmt nicht.
„ Wisst ihr wo die anderen sind? “
Die Frage war mehr an Sheena gerichtet, doch ihre dunkelblauen Augen ruhten auf ihrer Freundin, die sich an den Kadaver heran machte. Selbst etwas von der Beute zu nehmen traute sich die 1 Jährige nicht, sie würde lieber darauf warten das jemand etwas zu ihr sagte.
[Bei Sheena, Aléya und Ráyon]
(occ.: Sorry das es so wenig ist ._.)
08.08.2010, 18:33
Krolock legte die Ohren drohend an und tat, wozu sie ihn einlud. Angreifen. Ohne Nachzudenken. Denn nichts erschien ihm im Augenblick besser und richtiger, als sich mit ihr zu fetzen. Neruí, die er nicht wirklich kannte und bisher nie großartig beachtet hatte. Er wollte sie beißen und seine Kraft erproben, wollte Zorn und überschüssige Energie loswerden und Blut schmecken. Er wollte toben, wie der Sturm um sie herum.
Ohne besonderes Ziel schnappte er nach ihr und rempelte sie mehrfach an. Er war nie ein verspielter Welpe gewesen und zum Raufen hatte es meistens niemanden gegeben. Sein Bruder war unbrauchbar in jeglicher Hinsicht und seine Schwester war ein Mädchen. Ansonsten war seine komplette Welpenzeit überschattet mit den Schicksalsschlägen, die sie alle hatten erleiden müssen. Seine Eltern waren verstorben und das Nichts hatte die alte Welt verschlungen. Krolock hatte sich im Laufe des Älterwerdens in irgendetwas verrannt. Umso wohltuender, nun zu raufen. Aber er sah diese Sache nicht als Spiel, auch wenn er keinerlei Interesse daran hatte, mit Neruí auf Leben und Tod zu kämpfen. Es war etwas, dass er jetzt gerade brauchte.
Krolock lachte überheblich während er neuerlich nach der Wölfin schnappte. Bei ihr war es ihm egal, welchem Geschlecht sie angehörte. Er fühlte sich ihr überlegen, schlicht weil er besser war, als alle Anderen. Nichts was mit Arroganz zu tun gehabt hätte, sondern nur mit der Lüftung eines Geheimnisses: Das Leben ist sinnlos.
Jeder Wolf, der nicht zu dieser Weisheit gelangte, erlebte sein Leben lang Enttäuschungen. Was hatte er nur für ein Glück gehabt, genug Verstand zu haben, um gleich in jungen Jahren zu dieser Erkenntnis zu gelangen.
„Du stinkst!“
Schrie er sie an.
[Bei Neruí, im Sturm]
08.08.2010, 20:49
Wahrscheinlich war die kleine Fähe neben Ahkuna genauso aufgeregt wie sie selbst. Ist es in einer solchen Angelegenheit angebracht los zu stürmen und rum zu hüpfen? Wahrscheinlich nicht. Es wäre einer der größten Fehler die sie machen konnte. Damit hätte sie nicht nur die ganze Herde aufgerüttelt und sie verscheucht, sondern auch die ganzen Blicke der anderen auf sie gelenkt. Ein schauer über lief sie.
„NaNaNa. Wenn du zu voreilig bist, wirst du am Ende noch alles verscheuchen was sich fangen lässt.“
Kurz lächelte sie wölfisch, bewegte sich dann aber mit konzentrierter Miene auf die Gruppe Hirsche zu. Vielleicht war sie ja etwas eingerostet, was Jagden anging, aber so schlecht war sie nun nicht in diesem Fach. Langsam spannte sich ihr Körper an, während sie ihre nächsten Worte formte.
„Wie du sicherlich weißt, musst du immer die schwächsten Tiere aus der Gruppe heraus suchen und sie absondern. Meistens sind es die Alten, die Kranken oder die Jungtiere. Alles andere wäre alleine purer Selbstmord und auch so viel zu schwierig. Wir sind ja alle etwas zu faul, um uns mit einem Ausgewachsenen Hirsch anzulegen.“
Sie versuchte alles etwas aufzulockern. Wer zu viel ernst machen würde, würde den Spaß an allem vergessen und irgendwann als Eis klotz irgendwo in irgendeiner Ecke rumlungern und alles angrunzen, was an einem vorbei kam. Bei dieser Vorstellung, mit dem Bild von Liel musste sie schmunzeln. Es könnte sein. Könnte.
Nun durchbrach etwas ihre Gedanken. Ein Sturm. Sie kam mit ihrem Körper wieder hoch, entspannte ihn etwas und sah sich um. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein. Gerade wo sie anfangen wollte, musste ausgerechnet so etwas passieren! Sie ließ einen knurren ertönen. Auch wenn es nicht ihre Art war, so musste sie doch kurz ihrem Frust Luft machen.
„Los komm. Wir müssen uns in Sicherheit bringen, bevor wir noch vom Blitz getroffen werden.“
Sie sah sich um und trabte dann in den nächsten Waldrand, der ihr in Sichtweite kam. Es war wohl besser, sich zu verstecken. Auch wenn sie sich gerne dem Sturm entgegen gestellt hätte, aber so viel Kraft besaß sie noch lange nicht und sie hatte auch noch nie einen Wolf, der völlig bei Sinnen war, mit einem Sturm kämpfen sehen.
[Im nächstbesten Waldrand /Liel? (such es dir aus ob du noch weiter bei mir bleiben willst)]
09.08.2010, 11:40
Caylees Stirn krauste sich, als Cirádan ihr etwas zögerlich erklärte, warum man Angst vor einem Gewitter haben sollte. So ein Humbug! Eifrig begann sie den Kopf zu schütteln und tänzelte dabei von links nach rechts und zurück.
“Du bist ein Jungwolf, Ci! Und wenn du ein Jungwolf bist, kannst du kein Baum sein. Und damit macht dich ein Gewitter auch nicht kaputt, logisch, oder?“
Von ihrer zwingenden Logik begeistert drehte sie sich einmal um die eigene Achse und grinste breit. Sie fühlte sich schrecklich aufgedreht – wenn nicht überdreht – und ihre ganze Haut kribbelte. Das musste am Gewitter liegen, eine elektrische Spannung durchzog die Luft und stellte die Haare in ihrem Fell auf. Was für ein wunderbares Gefühl! Caylee begann so eben Gewitter zu lieben und wollte nun mit noch viel mehr Begeisterung Cirádan dazu bringen, dasselbe zu tun. Sein beleidigtes Brummen ignorierte sie lieber – natürlich war Krolock mutiger als sein Bruder, aber das erzählte sie ihm jetzt lieber nicht. Schließlich sollte er glücklich und begeistert sein und nicht darüber nachdenken, dass Krolock ihn in fast jedem Punkt übertraf. Natürlich war er dabei gemeiner, egoistischer und irgendwie … düsterer, aber auf eine Diskussion über die Vor- und Nachteile Krolocks wollte sich die Weiße jetzt sicher nicht einlassen. Er war eben einfach anders als Cirádan, Punkt.
Als der Jungrüde endlich zögernd seine Pfote hob und einen Schritt machen wollte – oder pfotete er nach ihr? – wollte Caylee schon freudig in Richtung See losspringen, doch der Weiße hielt wieder inne und … entschuldigte sich schon wieder. Caylee verzog die Lefzen, brummte leise und sprang erneut auf ihren Bruder-oder-so zu.
“Ciiiii! Natürlich will ich zum See und natürlich will ich mit dir zum See. Sonst würde ich nicht die ganze Zeit versuchen, dich dazu zu überreden. Also komm jetzt endlich, sonst ist das Gewitter vorbei, bis wir da sind!“
Zum Glück war die Weiße viel zu überdreht um genervt zu sein. Außerdem wusste sie ja, dass man ihren kleinen Freund einfach zu allem ein klein bisschen Mutigem überreden musste. So wie es aussah hatte sie es diesmal tatsächlich geschafft und das gab neue Motivationsschübe. Aufgeregt sprang sie einmal um Cirádan herum, blieb dann wenige Schritte entfernt mit dem Rücken zu ihm stehen und warf einen auffordernden Blick über die Schulter.
“Wer schneller da ist!“
Und schon sprintete sie los, so schnell ihre noch ein klein wenig zu großen Pfoten sie tragen konnten.
[ Wald - auf dem Weg zum See | Cirádan ]
09.08.2010, 12:48
Shani war ein wenig verwirrt. Irgendwie hatte nicht so geklappt wie es angekündigt worden war und nun ging plötzlich ein grauseliger Sturm los und alles rannte herum wie aufgescheuchte Waldhühner. Inmitten dieses Chaos’ stand die weiße Fähe und sah sich hilflos um. Jeder rannte in eine andere Richtung, über ihnen ging derweil die Welt unter und Shani war sich nicht sicher, was sie tun konnte. Vielleicht sollte sie ein Auge auf die Jungwölfe haben, insbesondere auf Liel. Und Krolock und Cirádan am besten auch. Doch leider war keiner der drei zu sehen. Der Sturm wirbelte alle möglichen Gerüche wild durch die Luft, sodass man das Wittern gleich sein lassen konnte und der Regen verschleierte die Sicht. Planlos setzte sie einen Schritt nach Norden, dann zögernd nach Westen und blieb wieder stehen. Schließlich entschied sie sich für Süden – da war immerhin der Rudelplatz – und trabte langsam los. Aufmerksam ließ sie ihren Blick immer wieder umherschweifen, aber weder Liel, noch Krolock, noch Cirádan, noch sonst irgendein Wolf lief ihr jetzt noch über den Weg. Allerdings sah sie auch kaum ihre eigene Schnauze in diesem Regen und der Dunkelheit. Irgendwann meinte sie ein Heulen zu hören, aber das könnte auch der Sturm gewesen sein. Zudem konnte sie nicht herausfinden, woher das Geräusch gekommen war, der Sturm hatte es zerfetzt und in alle Richtungen gestreut. Nach kurzem Zögern änderte die Weiße ganz leicht ihre Richtung und trabte dann weiter, fühlte sich irgendwann ziemlich einsam und ließ die Ohren hängen. Wie lange dauerte es zum Rudelplatz? Und würde da überhaupt jemand sein? Leise seufzend tappte sie weiter und merkte erst, als sie praktisch über den weißen Pelz stolperte, dass ein Jungwolf auf ihrem Weg lag. Nach kurzen Mustern stellte sie fest, dass es Nihil war, der seltsame Freund von Krolock. Und irgendwie sah er nicht gut aus. Vorsichtig stupste die Weiße den Jungwolf an und senkte ihren Kopf ein wenig um ihn ansehen zu können.
“Nihil? Alles in Ordnung? Warum liegst du denn hier so herum?“
Vielleicht hatte er Angst vor dem Gewitter? Ein sanftes, beruhigendes Lächeln erschien auf ihren Lefzen und ihre Rute begann leicht hin und her zu pendeln. Sie hatte zwar noch kaum ein Wort mit Nihil gewechselt, aber sie wusste, dass er selten von Krolocks Seite wich und ab und an ein wenig seltsam wirkte. Über seine Eltern wusste sie gar nichts, obwohl der Weiße als Welpe hier her gekommen war. Ob sich überhaupt jemand um ihn kümmerte?
[ Wald | Nihil ]
09.08.2010, 13:24
(( So. Baal, Pyotr, Ethelion, teilt euch eure Beiträge schön ein, ich bin nun erst mal eine Woche weg. x) ))
Face Taihéiyo warf zwischendurch noch einen Blick zu dem schwarzen Jungwolf, welcher munter weiter vor sich hinplapperte. Face hatte allerdings nicht vor, ihm noch großartig zu antworten. Dazu war jetzt keine Zeit. Er merkte sich die Namen der beiden - Pyotr und Baal, nach dem Hörsagen wohl keine Brüder, nicht mehr als Weggefährten - und nickte dem Kleinen noch einmal zu, um zu zeigen, dass er seine Worte zur Kenntnis nahm. Zwischenzeitlich meldete sich auch jener Baal einmal zu Wort und der Tiefrabenschwarze musterte ihn einmal kurz.
"Gut."
Ethelion regte sich neben ihm wieder, das Rotauge schien sich wieder gefangen zu haben und stand nun aufrecht. Face war der Meinung, das nun alles geklärt sein sollte und macht die ersten Schritte vorwärts, Richtung des Rudelplatzes. Ethelions weitere Worte, dieses Mal wohl an Baal gerichtet, ließen den Tiefschwarzen aber noch einmal innehalten. Face wandte den Kopf herum und bedachte Ethelion mit einem scharfen Blick.
"Ethelion, es steht dir nicht zu, derartige Drohungen von dir zu geben. Niemand wird hier getötet und sollte sich jemand nicht anständig verhalten, werden sich andere darum kümmern."
In seiner Stimme, die eh immer kühl und recht emotionslos klang, schwang dieses Mal noch ein härterer Unterton mit, der keinen Widerspruch duldete. Grade noch hatte der Schwarze einen Anfall erlitten und Fenris die Freilassung von Seelen abgefordert, gekeucht das jemand starb und nun drohte er selbst schon mit dem Tod.
"Es reicht mir, womöglich gleich eine Leiche finden zu müssen.",
endete Face und drehte sich wieder nach vorne. Warum mussten sich Wölfe nur gegenseitig töten. Wozu das Ganze? Es war sinnlos und brachte niemandem etwas, außer vielleicht Schmerz. Jemand der Freude dabei empfand, war für den Tiefschwarzen kein richtiger Wolf mehr, sondern nur noch ein zutiefst gestörtes Wesen. Die saphirblauen Augen suchten noch einmal kurz die Umgebung ab, dann trabte er wieder los. Eilig, denn sie hatten keine Zeit zu verlieren.
(( Waldrand / Ethelion, Baal, Pyotr ))
09.08.2010, 14:49
Atalya war nicht unbedingt begeistert, dass das Wetter nun umgeschlagen hatte. Warum ausgerechnet jetzt? Das machte alles doch nur komplizierter. Hatte es nicht heute Nacht anfangen können, zu regnen? Die Graue wandte den Blick von ihrem Lehrer ab, richtete den Kopf nach oben, Richtung Himmel. Na wunderbar. Es sah nicht danach aus, als wäre dies nur ein kleiner Schauer, der bald wieder vergehen würde. Der plötzliche Wetter Wechsel hatte ihre Aufmerksamkeit von Shaéns Worten abgelenkt, erst jetzt blickte sie ihn ein wenig vorwurfsvoll an. Angst vor der Jagd? Sie? Leicht hob die junge Fähe eine Augenbraue.
“Ich habe keine Angst. Wieso auch“
Ein wenig genervt von diesem Regen schüttelte Atalya den grauen Pelz, der sich fast schon im gleichen Moment wieder genauso nass anfühlte. Die Fähe schnaufte leise, richtete den hellen Blick dann wieder nach oben zu den dunklen Wolken, während der Schwarze erneut die Stimme erhob. Hmm. Eigentlich passte es ihr nicht, dass sie nun schon wieder zurück gehen sollten. Sie hatte sich so auf diese Jagd gefreut. Aber es ließ sich also nicht vermeiden, also nickte Atalya bloß stumm, blieb aber noch einen Moment länger stehen, als Shaén sich schon abgewandt hatte. Ihr Blick schweifte noch ein Mal über die Stelle, an der sie eben die Beute beobachteten hatten. Durch den dichten Regenschleier war es fast unmöglich, noch etwas aus zu machen. Zu gerne wäre sie einfach alleine los getrabt, um wenigstens ein bisschen zu testen. Aber bei diesem Regen würde es wahrscheinlicher nur noch schwieriger und gefährlicher. Sie hatte zwar keine Angst, aber vorsichtig sein konnte nie schaden.
Schließlich wandte sich auch Atala um, um dem Schwarzen zu folgen. Einige große Schritte waren nötig, um ihn auf zu holen. Neben ihm angekommen drehte sie noch ein Mal den Kopf zurück, und blickte dann zum Himmel. Es sah wirklich nicht nach einer Besserung aus. Aber irgendwann mussten sie diese Jagd nachholen. Und wenn sie es dann alleine probierte. Ruhig drehte die Graue den Kopf zur Seite, blinzelte Shaén durch den Regen an.
“An welchen Gott glaubst du überhaupt? Hast du auch Angst vor Fenris, so wie die anderen?“
Zumindest die meisten anderen. Atalya hatte nie verstanden wieso, und auch ihre Oma hatte diese Frage nicht klären können. Nur, weil Fenris der Gott des Todes war? Gerade das machte ihn doch irgendwie interessanter als Engaya.
[Shaén - Auf dem Weg zu ihrer Gruppe]
09.08.2010, 15:46
Die Fähe fühlte sich wie ein Stein, der unfähig war sich zu bewegen und dennoch gegen den Tod ankämpfen musste. Wie eine Gefangene, die verzweifelt in dem Käfig umherging, während die Menschen Speere durch die Lücke zwischen den Gitterstäbe warfen, um ihren Körper grausam zu zerbohren. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, um ihre Gedanken unter Kontrolle zu bringen, denn sie fühlte sich wie eine Verrückte, deren Verzweiflung sich durch ihre wirre Redenweise zeigte. Einige Sekunden lang breitete sich eine drohende Schwärze vor ihr aus, dann funkelten immer wieder kleine, weiße Sterne auf, und schließlich zog eine Reihe von Bildern vorbei. Auf ihnen war ein Tier abgebildet, das Fell von einer tiefroten Farbe. Ein leises Winsel verwandelte sich in ungehemmte Schreie des Schmerzes, die einen Hauch der grausamen Wirklichkeit mit sich trugen. Das Gefühl der Hilflosigkeit durchströmte sie, und sie richtete ihren Blick auf den Wolf. Es schien sich um ein noch relatives junges, aber trotzdem ausgewachsenes Tier zu handeln, von dem weiblichen Geschlecht. Einzelne Fetzen der ehemals weißen Haare, gesprenkelt mit einem hellen Grau, lagen herum, schienen grausam ausgerissen worden zu sein. Das traurige Jammern, das aus ihrer Kehle drang, kam ihr so bekannt vor, die Stimme, die ununterbrochen ihr Leid klagte. Und plötzlich erreichte sie die Erkenntnis, als ob sie sie in die Tiefe reißen wollte, bis sie keine Luft mehr bekam, während ihre Lungen brannten, nach Sauerstoff schrien: Bei der Wölfin handelte es sich um sie selbst.
Ihre Läufe fühlten sich plötzlich schwer an, sie stand vollkommen versteinert umher, zählte jede Minute, die verging, bis sie den Regen auf sich niederpeitschen spürte, bis sie sich komplett vollgesogen fühlte. Langsam wanderte ihr Blick zum Himmel, betrachtete die dunklen Wolken, die wie eine unheilvolle Ankündigung über ihr thronten. Das Bild des Sturmes verschwamm vor ihren Augen, als sie sich mit den Tropfen füllten, die in riesigen Mengen auf den Boden prasselten, das Bild der Harmonie in diesem Rudel zerstörten. Einige Sekunden lang hörte man ein lautes Grollen über das Land ziehen, immer wieder heftige Donnerschläge, begleitet von langen, weißen Streifen, die das Firnament erhellten. Blitze, die von allen unheimlich gefürchtet waren, welche alles mit ihrer Kraft durchschlagen konnten, was in ihrer Nähe kam. Wimmernd spürte sie die Furcht in sich aufsteigen, Furcht vor der Hitze, die auch sie jederzeit treffen und ihren Tod bedeuten könnte. Noch immer stand sie starr auf derselben Stelle, sah alle anderen an ihr vorbeirennen, die Lider voller Panik aufgerissen. Nur sie wagte es nicht, sich zu bewegen, weil sie sich selbst nicht retten wollte. Dieser Sturm kam ihr beinahe gelegen, nachdem Katsumi sie verlassen hatte, fühlte sie sich nur noch sinnlos. Früher hatte sie geglaubt, sich irgendwann an das Gefühl der Einsamkeit gewöhnen zu können, an dieses Sehnen, das einem das Herz zerbohrte. Heute erinnerte sie sich noch genau an den Tag, an dem sie jegliche Hoffnung aufgegeben hatte. Es war eine dunkle Nacht gewesen, und sie musste dabei zusehen, wie ihre Zuversicht langsam dahinschmolz, in der Finsternis zu verschwinden drohte. Vielleicht war das hier ihr Schicksal, zu sterben, an diesem Tag, verlassen von allem, was sie früher noch weitergetrieben hatte. Urplötzlich spürte sie einen festen Hieb in ihrer Seite, sie fuhr erschrocken herum, die Ohren bereits fest in den Nacken gelegt. Als dann eine Stimme sich entschuldigte, hatte sie sich schnell wieder unter Kontrolle, schloss ihr Maul, hinter dem sich die Zähne fletschend aufgestellt hatten. Interessierte musterte sie den Rüden, der sich vor ihr aufgestellt hatte, mit all seiner Körpergröße. Er schien sehr kräftig, sie erkannte es an seinem muskulösen Bau, und sie wollte ihm mit Respekt gegenübertreten, zumal sie an seinem schroffen Ton vermuten konnte, dass er nicht die beste Laune hatte. Wahrscheinlich wunderte er sich darüber, dass sie selbst noch nicht längst geflohen war. Ihre Gedanken waren nun vollständig auf ihn gerichtet, sie merkte eine lange Zeit gar nicht, dass ihre Antwort ausblieb, und auf diese schien er zu warten. Bevor sie sich dessen bewusst wurde, erklang seine Stimme wieder. Auf eine merkwürdige Weise ähnelte er Katsumi, denn sie glaubte nicht, dass sich hinter der harten Schale ein weicher Kern verbarg. Sonst würde er sich nicht so lange bei ihr aufhalten und sich weiter in Sicherheit begeben. Auch wenn er sich Mühe gab, sehr hart zu klingen, sprachen seine Züge eine andere Sprache. Für wenige Sekunden blitzte in ihnen beinahe eine Sorge auf, sie konnte es genau erkennen.
„Nein. Ich bleibe hier und erwarte das Ende“,
wisperte sie, und dennoch wirkte sie sehr fest und entschlossen. Mit ihrer Schnauze berührte sie ihn sehr vorsichtig, immer darauf vorbereitet, dass er sie angreifen würde, nicht verstehen würde, was sie mit diesem Stupser sagen wollte. Ohne Rücksicht auf sie zu nehmen sollte er gehen, während sie sich niederlegen und warten würde. Majibáh fühlte sich wie eine Tänzerin, in deren Kopf eine leise Melodie entstanden war, ein scheinbar perfekter Ablauf von Tönen, und sie fing an zu singen, vollkommen angezogen von dem Lied, das so verführerisch mit ihr spielte. Ein süßer Duft hing um ihr herum, und sie kannte die Gefahr dieses Geruches, konnte aber nicht mehr standhalten, konnte nicht widerstehen. Langsam kam sie näher, erkannte nicht den Abgrund, der sich dahinter verbarg. Wie das Wasser, das erbarmungslos gegen die Klippen schlug, wie eine wütend tobende Welle, die sie mit sich nahm, untertauchte, erstickte, sie und ihre Wünsche, ihre Träume, die mehr waren als nur Illusionen, mehr als nur Seifenblasen, die bei der geringsten Berührung zerplatzen konnten. Tief in ihr blieb das alles immer noch bestehen, doch man ließ es nicht aufsteigen, man unterdrückte das Gefühl, dass sich irgendwann alles erfüllen könnte, und sie selbst konnte nichts dagegen unternehmen, sie war dem Treiben hilflos ausgesetzt. Niemand würde ihr helfen, das hatte sie sich fest vorgenommen, selbst wenn einer den Willen hätte, selbst wenn einer sein Leben dafür opfern würde.
„Viel Glück.“
Diese zwei Worte waren nicht mehr als ein leises Flüstern, kaum zu verstehen, und trotzdem wusste sie, dass er diesen Satz verstanden hatte. Äußerst bedacht neigte sie sich etwas zum Boden nieder, wollte damit ihre Unterlegenheit zeigen. Eine kleine Geste, die bedeutete, dass sie inständig für seine Rettung beten würde, solange, bis sie selbst die Kräfte verließen, bis der Nebel sie komplett verhüllen würde, die Schwaden ihren leblosen Körper versteckend.
Kurz blickte sie noch zu dem Wald, in dem die meisten schon verschwunden waren. Hohe Bäume ragten aus ihm heraus, versprachen Wärme, Trockenheit. Sie allerdings sprach das nicht mehr an, sie wünschte sich ihren Untergang. Die Müdigkeit hing schwer in ihren Gliedern, ließ sie langsam zu Boden sinken. Mit letzter Kraft schaffte sie es, ein Gähnen zu unterdrücken, als sie auf der kalten, harten Erde lag. Eine selbstlose Tat, denn sie wollte nicht, dass die anderen ihr Leben für sie verlieren mussten, und sie wusste, dass sie nicht mehr die Kraft dazu hatte, sich auch nur wenige Zentimeter zu bewegen.
[In der Nähe des Waldes l Jarrèll Nathaniêl]
09.08.2010, 16:06
Caylee konnte sich gar nicht still halten. Wie musste es nur aussehen, wenn er hier so stocksteif da stand, leicht zitternd. Und sie fröhlich herum lief und zappelte und einfach fröhlich war?
Bescheuert musste es aussehen. Jawohl. Er musste ja völlig bescheuert aussehen.
Er war ein Jungwolf? Ja, war er. Er fühlte sich dennoch wie ein Welpe. Viel kleiner als die anderen fühlte er sich, obwohl er auch irgendwie normal groß war, oder? Und er war kein Baum. Nein, ein Baum war er wirklich nicht.
Logisch oder, fragte sie? Und Cirádan nickte. Sie hatte ja Recht. Oder, hatte sie doch?
Das war ja alles so furchtbar kompliziert.
Cirádan vergass Krolock schon wieder, als Caylee plötzlich wieddr auf ihn zusprang und er instinktiv zurück wich. Wieder sah er dabei aus, als wäre er von der Situation völlig überrumpelt. Und... er war ja auch völlig überfordert. Es war so anders. So fremd und doch irgendwie... toll?
Sie wollte tatsächlich mit ihm hin. Und es stimmt ja. Wenn sie nicht mit ihm hingehen wollen würde, dann hätte sie ihm doch gar nicht die Chance gegeben oder wäre schon weg. Wenn man es also so betrachtete, war es zwingend logisch.
Seine Irgendwie-Schwester sprang um ihn herum und als sie so plötzlich lossputete und rief wer schneller da ist, saß er immer noch zuerst stock steif da.
Was war denn los?
Doch er realisierte schneller, als gedacht, was hier nun eigentlich los war.
"HEY WARTE!",
rief Cirádan aufgeregt und erhob sich nun endlich, stolpernd, viel zu schnell. Er wollte Caylee nicht aus den Augen verlieren und außerdem... Er war noch nie mit jemanden um die Wette gerannt und jetzt rannte er seiner Irgendwie-Schwester hinterher.
"Ich bin doch nicht so schnell!",
rief er wieder, doch versucht mit Caylee mitzuhalten. Und ja... irgendwie genoss er das Gefühl. Es war wirklich toll. So in der düsternis, im Regen und dem Wind, im Wald und mit Blitzen und Donnern und alles einfach mit jemandem zu laufen.
Cirádans sonst so ängstlich angelegte Ohren richteten sich automatisch nach vorne. Ja, jetzt musste er ausnahmsweise mal wirklich wie ein richter junger Wolf aussehen.
[im Wald, unterwegs zum See / mit Caylee]
09.08.2010, 17:38
Wind und Sturm dreschten auf ihn ein.Sein Rücken war taub von den unaufhörlichen Aufschlägen, die die Regentropfen auf ihn ausübten. Er fühlte sich, als würde er schier von diesem Wetter erschlagen.
Schmerzen durchzuckten ihn, irgendwie. Er war zu lange gelaufen. Zu sehr getrieben von der Hast und dem Ruf der Stimme, die ihn hierher geleitet hatte, doch dies hatte jetzt keine Rolle zu spielen. Nein. Er musste sich darum bemühen das zu beachten, was um ihn herum geschah, und das war das reinste Chaos.
Erst war da die unvermittelt freundliche Antwort der Jungwölfen, in die er hineingelaufen war. Ziemlich gut gelaunt und freundlich knabberte sie an seinem Ohr und zupfte daran, so als hätten sie sich schon seit Ewigkeiten gekannt. Ruckartig begann er wieder zu wedeln und seine Haltung änderte sich sofort grundlegend. Von ihr würde er keinen Ärger dafür bekommen, dass er ohne Ankündigung in das Revier hereingelaufen war.
Freudig machte er einen kleinen Hüpfer mit den Vorderpfoten und versuchte sich so zu verdrehen, dass er auch ihr Ohr zwischen seine Fänge bekam, um nur aus Spaß leicht zu zwicken, doch er schaffte es nicht. Aufgeben kam jedoch nicht in frage. Vorsichtig lehnte er sich nach vorn, die Vorderbeine auf dem Boden, den Hals verdreht. Trotzdem erreichten seine Fänge gerade mal die Augenhöhe der Jungwölfin. Immerhin konnte er sein Ohr nicht aus ihren Fängen herausreißen, ohne, dass es möglicherweise Schaden nahm.
Aléyas Ruf nach einem anderen Wolf hatte er irgendwie überhört, als er damit beschäftigt war ihr Ohr zu erreichen. Um so mehr erschreckte er sich, als da plötzlich eine zweite Stimme war, die wie aus dem nichts gekommen zu sein schien. Es war eine zweite Fähe, nicht so jung wie Aléya und scheinbar von höherem Rang. Zumindest so hoch, dass es Ráyon wieder dazu brachte fast ängstlich die Rute zwischen die Hinterläufe zu pressen. Sein leicht geöffnetes Mal entblößte seine Fänge seit seinem Versuch das Ohr zu schnappen. Jetzt presste er seine Zähne aufeinander, nachdem seine Schnauze mit einem lauteren klacken schloss.
Die Fremde machte ihm Angst. Sie war streng und tat so, als wäre es ein unglaubliches Drama, dass er hier so plötzlich aufgetaucht war. Er hatte gar nicht daran gedacht sich anzukündigen, doch war dies auch noch nie wichtig für ihn gewesen. Alle Rudel, denen er auf seinem Weg zum Tal begegnet war, waren überschaubar genug gewesen, so, dass man sich nicht hatte ankündigen müssen, da man ihn schon von weitem vernommen hatte. Dieser Luxus hatte ihn seine Manieren vergessen lassen.
Dies war jedoch nicht die Zeit um lange seinen Gedanken zu folgen. Es war an der Zeit, dass auch er sich vorstellte. Er hatte immerhin schon vergessen Aléya eine Antwort auf ihre Frage zu geben.
» Mein Name ist Ráyon. Ich komme aus einem Rudel, dass südlich von hier liegt und ich habe eine weite, komplizierte und langwierige Reise hinter mir. «
Regen prasselte auf sein Haupt. Erst jetzt viel es ihm wieder auf. Ráyon hatte es fast vergessen, als er in das Spielchen mit der Fähe verwickelt gewesen war. Mittlerweile schien es ihm, als hätte der Sturm zugenommen, doch das war wahrscheinlich nur etwas, dass er sich einbildete, jetzt, wo er es fast vergessen hatte.
» Ich stimme dir zu, wenn du sagst, dass wir einen Unterschlupf suchen sollen. Das Wetter wird garantiert nicht besser. Ich denke, ich werde euch...«
Er verschluckte die Worte, die folgen sollten. Fast hätte ihn seine arrogante Ader wieder erwischt. Fast hätte er sich verplappert. Fast wäre er so dreist gewesen einem Rudeltier zu sagen, dass ER sich um einen guten Unterschlupf kümmern würde. Wahrscheinlich hätte ihm das den sicheren Tod gebracht. Es war immerhin enorm respektlos.
»... garantiert folgen.«
Ja, dieses Satzende war besser als das geplante. Aus den Augenwinkeln sah er Aléya zwinkern, nachdem sie irgendetwas getuscheltes von sich gegeben hatte. Er erwiderte es und schleckte ihr schnell, aber mit purer Begeisterung über die Leftzen, während seine Rute wie wild von einer Seite zur anderen peitschte.
Gerade wollte er vorschlagen sich auf den Weg zu machen, als auch schon die nächste Überraschung folgte.
Da war eine weitere Fähe, in etwa so alt wie Aléya und vor allem genauso weiß.
Etwas verwirrt schaute Ráyon zwischen den drei Weibchen hin und her. Gab es hier nur weiße Wölfe? War er in einem Rudel gelandet, bei dem man weiß sein musste, um mit dazu zugehören? Er unterdrückte sein eigenes Lachen.
Sein eines, freies Ohr zuckte in die Richtung des Neuankömmlings. Irgendwie ärgerte es ihn, dass sie hier war. Gerade hatte er sich darauf gefreut, endlich ins Trockene zu kommen, und dann kam sie daher und durchkreuzte diese wunderbare Vorstellung. Dennoch, Ráyon hoffte, dass die ältere Fähe so vernünftig war und die Frage des Neuankömmlings später beantwortete. Er wollte sich endlich ausruhen.
Und Kuscheln. Aber davon durfte niemand etwas mitbekommen. Sonst würden ihn noch alle für ein Monster halten, dass nur auf die Weibchen des Rudels aus war.
10.08.2010, 10:28
Die ersten paar rasant gesetzten Schritte hatte Caylee nur den Sturm, den Regen und ihren eigenen, pitschnassen, jeden Muskel bewegenden Körper im Kopf. Sie spürte den Wind um ihre Ohren brausen, fühlte den Regen in ihr Gesicht peitschen und die Gräser und Äste, die um ihre Läufe wirbelten. Nichts fühlte sich schöner an. Dann entsann sie sich Cirádan. Sie hatte zwar so etwas in der Art wie ein Wettrennen ausgerufen, aber ob ihr kleiner Freund da tatsächlich mitmachte war nicht sicher. Sie wurde ein wenig langsamer, öffnete die Augen und warf einen Blick über die Schulter. Ziemlich schlechte Sicht. Hatte er gerufen? Sie meinte sich zu erinnern, wusste aber nicht was. Sie wurde noch ein wenig langsamer, dann sah sie ihn. Er rannte! Und er rief irgendetwas, das der Wind zerfetzte, nur Bröckchen blieben übrig. “Ich … schnell.“ Was wollte er sagen? Egal! Er rannte mit ihr und – das sah die Weiße sogar durch den strömenden Regen – er schien glücklich. Sie Ohren aufgestellt, die Rute leicht gehoben und das Gesicht einmal nicht sorgenvoll gekraust. Calyee heulte glücklich auf, vor Freude ihren Bruder-oder-so so zu sehen und vor Freude an diesem Tag, dem Gewitter, ihrem Lauf und der Welt. Sie begann wieder schneller zu werden, war jetzt aber praktisch neben Cirádan. Glücklich schnappte sie erneut nach seinem Ohr, achtete aber diesmal darauf, ihn nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Im nächsten Moment setzte sie zum Sprung an, katapultierte sich in die Luft und genoss den kurzen Flug. Federleicht landete sie wieder auf ihren Pfoten, sprintete weiter und hielt die Nase hoch in den brausenden Sturm. So fühlte sich Leben an, da war sie sich ganz sicher. Wer sagte, Fenris wäre im Gewitter? Nein, Engaya schickte das Licht, die Blitze, und den stürmenden Wind. Nur das Grollen – vielleicht aus Zorn über das übersprudelnde Leben? – stammte ganz sicher von Fenris. Im Gewitter waren beide Götter und sie schufen gemeinsam ein brausendes Paradies! Wieder haschte Caylee nach Cirádan, diesmal nach seiner Schnauze. Das Wettrennen war so gut wie vergessen, gerade wollte sie lieber noch ewig rennen, anstatt als erste anzukommen! Doch natürlich tat sich schon bald darauf der Wald auf und sie liefen über die östlichen Ausläufer des Rudelplatzes, der im Süden in den See überging. Dort waren die Felsen, höher als ein auf den Hinterbeinen stehender Wolf und doch gut zu erklettern. Zumindest einige – im Regen war der Stein tückisch nass und die Pfoten der Wölfe waren nicht zum Klettern gedacht. Doch schnell hatte Caylee einen Felsen erspäht, der flach anstieg, dann einen kleinen Sprung machte und oben noch einmal anstieg, sodass sein höchster Punkt ein wenig über den See ragte. Ideal. Fröhlich bellend stürmte sie auf ihn zu, drehte kurz davor wieder ab, umkreiste Cirádan einmal und setzte dann ihre Pfoten auf den nassen Stein. Über ihnen schoss der nächste Blitz über den Himmel, erleuchtete die schäumende Seefläche, die für einen kurzen Moment aussah wie ein riesiger Kristallsplitter. Dann folgte der Donner, krachend laut, beinahe meinte die Weiße die Erde unter ihren Pfoten beben zu spüren. Es schreckte sie schon ein wenig, aber die Schönheit und die pulsierende, lebendige Luft war viel größer, viel erhabener als ihre Angst.
[ See - Felsen | Cirádan ]
10.08.2010, 16:21
Cirádan wusste nicht ob ihn seine Irgendwas-Schwester gehört hatte und deshalb langsamer wurde, oder ob er tatsächlich sie einholte. Doch in diesem Moment war es ihm auch egal. Denn der junge hellbraungraue Wolf genoss das Rennen, was wohl schon längst kein Wettrennen mehr war. Vielleicht auch nie eines gewesen ist.
Er hörte Caylees Heulen, zumindest glaubte er es zu hören. Denn obwohl er neben ihr her rannte und auch aus den Augenwinkeln die Bewegungen erkennen konnte, heulte auch der Wind wie ein Wolf. Ob es wohl tatsächlich Fenris war? Oder gar Engaya, die da mit Caylee heulten?
Immerhin wusste Cirá immer noch nicht, ob er an diese Götterwesen glaubte. Aber das Nichts...
Doch lange blieb der Jungrüde diesmal nicht bei seinen Gedanken.
Denn die Wölfin neben ihm versuchte nach seinem Ohr zu schnappen. Er spürte die Zähne seiner Sowas-wie-Schwester leicht an seinem Ohr streifen.
Daraufhin legten sich seine Ohren automatisch wieder an und er blickte Caylee überrascht nach, als sie plötzlich wieder schneller wurde und ihn überholte.
Sie sprang und flog und auch Cirá beschloss ein Heulen mit dem Wind auszusenden.
Ein bellendes Heulen, freudig, ungestüm, welches im rauschenden Wind unterging, aber in seiner Brust jedoch ein glückliches Kribbeln hinterließ.
Solch einen Sprung wie Caylee wagte Cirá nicht. Zu groß die Angst zu stolpern. Er musste ja nicht alles beim ersten Mal ausprobieren.
Nachdem seine Sowas-wie-Schwester wieder auf dem Boden gelandet war, holte er sie wieder ein und sie schnappte spielerisch nach seiner Schnauze. Cirádan unternahm jedoch keinen Versuch seinerseits auf das Spiel einzugehen. Aber er freute sich einfach zusammen mit Caylee.
Viel zu schnell waren sie am See gelandet und liefen nun ungebremst und ungeschützt, auf die brausende Wasserfläche zu.
Nun spürte er den Regen und den Wind stärker, als es noch im Schutze des Waldes der Fall war.
Zum Glück mussten sie nicht miteinader reden, denn nun war sich Cirádan sicher, dass er weder Caylee, noch sie ihn verstehen würde.
Doch ihr Bellen hörte er, weit entfernt, obwohl sie doch nah bei ihm war.
Cirádan stoppte, als seine Sowas-wie-Schwester nun direkt auf ihn zustürmte. Er beobachtete sie schwanzwedeln wie sie ihn umkreiste und dann wieder davon sauste um auf einen der Steine zuzusteuern.
Als es plötzlich gleisend hell über ihnen und ja beinahe auch unter ihnen wurde, weil der See ebenfalls nun alles erhellte, hatte Cirá noch keine Angst, auch wenn er sich Sorgen machte, dass Caylee ausrutschen könnte.
"Pass bitte auf!",
rief der Jungwolf sorgenvoll, kurz vergessend, dass diese Worte wohl völlig untergehen werden.
Und dann folgte auch schon das Donnern nach dem Blitz und Cirá war wieder der Alte.
Drückte sich panisch an den Boden und sein Herz pochte und pulsierte laute in seinen Ohren. Das Donnergrollen war so laut, so dass er fürchtete dass der Himmel gleich und hier über ihnen auf sie nieder fallen würde.
Eigentlich wollte er wieder in den Wald zurück....
[See - Felsen / mit Caylee]
10.08.2010, 19:37
Nihil wusste nicht recht, was er machen sollte. Dieser Krolock war verschwunden, er war allein. Er kannte sich hier nicht einmal aus! Kein Stück! Im Nichts hatte es einfach nichts gegeben, da war nur 'geradeaus' oder 'geradeaus' möglich. Da war es nie schwer gewesen, sich zwischen verschiedenen Richtungen zu entscheiden. Aber hier? Überall waren Bäume, Sträucher, Äste ... überall war etwas. Gab es nicht einfach mal einen Flecken, wo nichts war? Wirklich nichts?! Nein, überall war etwas. Hier musste er hinschauen, wo er hinlief. Sonst stolperte er und flog der Nase lang hin. War Engaya hier? Wachte sie über ihn? Stand sie neben ihm und er sah sie nicht? War sie wütend? Hatte sie für diesen Regen gesorgt? Hatte sie ihn hierher geführt? War es ihre Schuld, dass er nun hier lag und sich nicht gut fühlte? Wo war Engaya? Wer war Fenris? Und wo - verdammt noch mal - war Krolock? Konnte er nicht einfach einmal nicht weglaufen? Oder musste er immer verschwinden und dann wegbleiben?
Nihil war so sehr in seine Grübeleien vertieft, dass er die weiße Fähe gar nicht bemerkte, die auf einmal da war. Er japste erschrocken auf, ehe er die Fähe anschaute und erannte, wer es war. Es war Shani. Er hatte sie schon vorher gesehen, sich aber kaum um sie gekümmert. Er war eben zu sehr damit beschäftigt gewesen, sich bei Krolock aufzuhalten und ihn nicht zu verlieren. Aber jetzt war sie hier, warum? Ohne sich weiter darum zu kümmern, robbte er zu ihr, wedelte leicht mit seiner Rute und fing an, Shani's Schnauze abzulecken. Ein leichter winselnder Laut entwich seiner Kehle und leise antwortete er Shani.
"Es tut weh, es schmerzt. Ich weiß nicht, warum und wo."
Nihil schleckte noch mal über ihre Schnauze, dann schaute er ihr nur noch in die Augen. Seine waren groß und er blinzelte ständig. Der Regen tropfte immer wieder in seine Augen, er nervte ihn. Auf irgendeine Art und Weise nervte er ihn. Im Nichts war nie Regen ...
"Ich weiß nicht, ich habe Krolock gesucht. Aber ich finde ihn nicht. Und wenn ich mich in irgendeine Richtung bewege, dann tut es mehr weh oder der Schmerz wird weniger. Weißt du, wo Krolock ist?"
Mit großen Augen schaute er Shani an und wischte mit seiner Rute immer wieder über den matschigen Boden. Sein Fell war schon total verdreckt.
[Shani | Wald]
11.08.2010, 12:23
Innerlich musste der große Schwarze lächeln. Natürlich hatte er der Jungfähe keine Angst zugeschrieben, obwohl seine Worte eher beunruhigend als ermutigend geklungen hatten. Unerschrocken und furchtlos waren die meisten Jungtiere und wenn er an seine eigene Jugend dachte... Nun, sein Fall war allerdings auch ein völlig anderer gewesen. Niemals hatte jemand erwartet, dass der kleine, schwächliche Welpe den ersten kühleren Tag im Winter überleben würde. Zum Trotz aller Erwartungen hatte er sogar den gesamten Winter unbeschadet überstanden, während andere Jungtiere qualvoll verendet waren. Zumindest konnte es sich Shaén gut vorstellen, dass ein Erfrierungstod nichts der angenehmste war.
Nach außen verriet nichts seine Gedanken, die immerwährende ruhige, geheimnisvolle Ausstrahlung blieb. Es lag eine gewisse Selbstsicherheit in seinen Schritten, während die hellen Augen den Weg zurück zur Gruppe suchten. Geschickt duckte er sich aus reinem Instinkt unter einem größeren Ast hinweg, der wie ein Geschoss auf seinen Kopf zugesaust kam.
Unwirsch legten sich die Ohren des Rüden noch enger an den Hinterkopf an. Ein richtiges Unwetter, welches man lieber nicht im Wald zu brachte. Aufmerksam blickte sich der Rüde um. Sollte der Wind noch mehr zu nehmen und aus ihm ein richtiger Sturm werden, waren sie hier im Wald alles andere als sicher. Den kleinen Ästen würden viel größere folgen, denen man unter Umständen nicht mehr so leicht ausweichen konnte.
Kurz hielt Shaén inne, beobachtete, wie sich die Baumwipfeln im Wind hin und her bogen und das Tosen und Jaulen um sie herum immer lauter wurde. Sein Schützling hatte, nach kurzem Zögern, inzwischen wieder zu ihm aufgeschlossen und hielt sich nun an seiner Seite. Aus dem Augenwinkel beobachtete er, wie sie immer wieder den Kopf zurück wandte. Ein schiefes Lächeln verzog seine Lefzen.
„Lass uns die Lehrjagd bei besserem Wetter nach holen... unabhängig von den anderen.“
Es war ein unverbindliches Angebot, doch er war sich recht sicher, dass sie es annehmen würde. Alleine aus ihrer Reaktion konnte er darauf schließen.
Ein paar Schritte herrschte Schweigen zwischen den beiden Wölfen, nur vom Heulen des Windes und dem Geräusch des prasselnden Regens unterbrochen.
Als Atalya ihn auf seinen Glauben ansprach, runzelte Shaén nachdenklich die Stirn. In der Zwischenzeit hatte er etwas über den hier herrschenden Glauben an den Gott des Todes und die Göttin des Lebens gehört. Auch wusste er, dass sich sein Seelenbruder Aryan zu dem Todesgott hingezogen gefühlt hatte.
Doch was ihn selbst betraf, da war sich der Rüde nicht wirklich sicher. Finsternis prägte seine Vergangenheit, doch hatte er das Monster, welches auch heute noch in ihm schlief, in seinem Herzen versiegelt. Sprach ein solches Leben vom Todesgott, war seine Handlung doch mehr ein Zeichen der Lebensgöttin.
„Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Ich kann nicht genau sagen, dass ich mich zu einem von Beiden hingezogen fühle. Ich respektiere den hier herrschenden Glauben, habe mich bisher aber neutral gehalten. Ansonsten habe ich von keinem anderen Glauben gehört. Bevor ich hierher kam, wusste ich nichts von irgendwelchen Göttern.“
Einen Moment hielt er inne, dachte über seine Worte und auch über seine Welpenzeit und die Zeit, in der er auf Wanderschaft gewesen war nach. Tatsächlich war ihm sonst nie eine Art Glaube bekannt gewesen, bis er in dieses Tal kam. In seiner Jugend waren ganz andere Dinge von Belang gewesen.
„Nun... Ich wüsste nicht, warum ich einen der beiden Götter fürchten sollte. Die Lebensgöttin verspricht das positive im Leben. Sie würde mir also keinen Schaden zufügen. Der Todesgott hingegen wird mir dann das Leben nehmen, wenn es Zeit für mich ist. Ob man sich vor ihm für alle seine Taten rechtfertigen muss, was meinst du?“
[mit Atalya unterwegs zurück zur Gruppe]
11.08.2010, 20:21
Atalya blinzelte den Regen aus ihren Augen, der immer wieder ihre Sicht verwischte. Der Schlamm, der sich langsam unter ihren Pfoten bildete, erschwerte das Vorwärtskommen. Und nun war ihr auch vollkommen klar, wieso die Jagd abgebrochen wurde. So hätte wahrscheinlich nicht ein Mal der geschickteste Jäger etwas ausrichten können, wenn sie schon bei normalem Tempo leicht aus rutschte. Ihr Blick folgte dem Shaéns, als er die Baumwipfel und den Himmel betrachtete. Als der Schwarze dann die Stimme erhob, richtete sich ihr Blick wieder zur Seite und ein Lächeln zog sich auf die Lefzen der Grauen, als sie zustimmend nickte. Sie konnte es kaum erwarten, dass die Wolken sich verzogen und der Sonne wieder Platz gaben. Aber noch war es nur dunkel über ihnen, und mit jeder verstreichenden Sekunde zweifelte die Fähe daran, dass sie bald die Sonne wiedersehen würden. Sie seufzte leise.
“Wenn die Sonne die Wolken besiegen kann.“
Und wieder richtete sie den Blick zum Himmel, suchte ihn nach einem helleren Fleckchen ab, das vielleicht ein wenig Hoffnung verschaffen konnte. Aber wie auch zuvor deutete nichts darauf hin. Sie konnte nur hoffen, dass es nicht all zu lange dauern würde, bis sie die Jagd nachholen konnten. Sie hatte nicht unbedingt Lust, all zu lange zu warten.
Als Shaén wieder zu sprechen begann, richtete Atalya den Blick nicht auf ihn, achtete viel lieber darauf, nicht auf diesem rutschigen Boden aus zu rutschen. Aber sie vernahm seine Worte, dachte selbst noch ein Mal einen Moment über ihre Frage und seine Antwort nach. Liam hatte ihr von einem anderen Glauben erzählt. Buddhismus. Sie erinnerte sich gut daran. Ihr Pate hatte ihr erzählt, dass man wiedergeboren wurde. Sie konnte zum Beispiel als Vogel zurück auf die Welt kommen, bis sie ihre Aufgabe erfüllt hatte. Eine merkwürdige Vorstellung, anstatt hier unten auf der Erde zu laufen, durch die Lüfte zu fliegen und alles von oben zu sehen. Atalya lauschte auch den weiteren Worten des Schwarzen, schüttelte dann den nassen Kopf, ehe sie zu einer Antwort ansetzte. Seine Worte waren so wahr, aber so wenige verstanden sie. Fenris kam, wenn die Zeit eines Wolfes abgelaufen war. Und sie beharrte auf der Meinung, dass Fenris interessanter war, weil ihn einfach viel mehr Wölfe fürchteten. Engaya hingegen.. nunja. Wer hatte schon Angst vor dieser gütigen Göttin?
„Ich weiß nicht.. Oma Banshee könnte uns das bestimmt sagen, wenn sie hier wäre.“
Ihr tat sich die Frage auf, ob jeder Wolf dorthin kam, wo Banshee war. Zu Engaya. Oder gab es noch einen anderen Ort, für Wölfe, die nicht wie sie waren? Ihr heller Blick neigte sich nun zur Seite, wo Shaén neben ihr lief. Ob er ihr diese Frage beantworten konnte? Sie war mit der Geschichte der Götter aufgewachsen, und er kannte sie erst, seit er hier war. Aber war es nicht wenigstens einen Versuch wert? Eine kurze Frage, und wenn er keine Antwort wußte.. gab es viele andere Wölfe, die sie fragen konnte.
“Gibt es noch einen anderen Ort, als den, an den Oma Bani gegangen ist?“
[Shaén - Auf dem Weg zu ihrer Gruppe]
11.08.2010, 21:58
Dämonen? Wieso klang dieses Wort nur so böse. Abermals glitt das honiggelbe Augenmerk zu dem Schwarzen hinauf. Baal sprach immer so einen Unsinn. Sein Vater hatte ihm eingetrichtert, dass es so etwas überhaupt nicht geben konnte. Selbst wenn die meisten schnellen Läufer alle Schandtaten und Besonderheiten auf sie zu schieben pflegten, sollte er doch erst daran glauben, stände ein waschechter Dämon leibhaftig vor ihm. Und sein Weggenosse, der gute Baal, sah sich als so etwas wie ein Alpha für sie! Ja, genau! Er hatte doch einmal davon gesprochen sie zu führen … vielleicht in eine bessere Welt? So direkt wusste das der Jungwolf gar nicht zu sagen. Trotzdem schlich sich leiser Zweifel in seine noch entspannten Züge und ließ ihn unweigerlich zusammenfahren, als er das rote Augenmerk erblickte, das direkt auf ihn gerichtet war. Aus einem ihm inne wohnenden Schutz heraus, presste er die Ohren noch fester an den Kopf und ließ seinen Blick zur Boden gleiten. Das war nicht fair! Wieso behandelten sie ihn so grob! Was hatte er ihnen denn getan!
„Baal! Baal, wieso sagt er so böse Sachen. Wieso spricht er vom Tod! Hier ist nichts Lebloses außer seinen Augen! Und wieso ist er so gemein zu mir? Habe ich etwas Falsches getan?“
Murmelnd suchten die Honiggelben wieder den Blickkontakt des sicheren Weggenossen. Er hatte sich im Verlauf seiner Flut an Fragen weiter an den Körper des anderen gedrückt und die Lefzen für einen kurzen Herzschlag lang angezogen. Unsicherheit sprach aus seiner Körperhaltung deutlich heraus und eigentlich hatte er doch keinen Grund sich vor jemanden, wie diesem Rotäugigen zu fürchten. Aber er reagierte so sonderbar, so gefährlich!
„Wieso! Wieso kommt er auf uns zu! Er soll da bleiben, bei dem Bären. Der passt doch auf uns auf, oder?! Face hat doch gesagt, dass wir ihm folgen können!“
Wieder entfuhr dem jungen Schwarzen ein unsicheres Knurren, aber so leise, dass es wohl nur Baal hätte hören können. Während der Fremde immer näher kam, schien sich Pyotr innerlich zurück zuziehen. Auch der Oberkörper wich einige Schritte rückwärts. Sein Blick pendelte achtsam zwischen den zwei Älteren hin und her. Sie sollten sich nicht streiten! Wenn er einen Fehler gemacht hatte, würde er auch dafür sorgen, dass es wieder in Ordnung kam. Aber er durfte ihm Baal nicht wegnehmen! Baal hatte gut auf ihn aufgepasst, ihm geholfen, ihm viele lustige und schaurige Geschichten erzählt! Er hätte Papa bestimmt gefallen und wäre ihm ein guter Freund gewesen. Deswegen musste er auch Freund des Gelbäugigen bleiben! Keiner durfte daran rütteln! Das war einfach nicht in Ordnung! Unfair!
Unsicher glitt sein Blick zu dem Meerauge hinüber. Wieso stand er da und tat nichts für Baal! Er durfte doch nicht zulassen, dass dieser Dämon seinen Schwarzen zerfleischte! Er hatte ihnen Schutz gewährt, oder zumindest so etwas Ähnliches. Sie wollten ihm folgen, nichts unglaublich Dämliches anstellen und dem Gewitter entkommen … so gut es ging eben.
„Lass ihn! Lass Baal in Ruhe! Baal hat dir nichts getan! Du hast kein Recht ihn zu töten! Geh … geh weg du, du Rotauge! Er ist mein Freund. Niemand tut meinen Freunden Leid an. Auch wenn du so groß … und … und … unheimlich bist! Du … -“
Zum Glück, dachte sich Pyotr, war er immer leiser geworden. Face hatte sich eingemischt und den Dämon zurechtgewiesen. Also war der Bär doch kein böser Wolf! Er half ihnen, auch wenn er sich dafür recht viel Zeit ließ. Ein hoffnungsvoller Blick in Richtung Baal, dann hob sich die Schnauze des Jungwolfs und er setzte sich in Bewegung – Face folgend.
Wohin auch immer der große Schwarze wollte, es machte ihn unruhig! Nicht das sein Herz schon viel zu stürmisch gegen seine Brust polterte. Warum sprachen all diese Jäger von Tod! Papa hatte gesagt, dass Tod eine gefährliche Sache war und dass niemand etwas gegen sein Aufkommen tun konnte. Und Leiche hörte sich unglaublich tot an!
„Wieso redet ihr alle vom Tod! Tod ist gefährlich und böse … und nimmt uns nur die Familie weg!“
[am Waldrand | Face, Ethelion und Baal]
12.08.2010, 19:18
Lyerra hatte sich näher an den Baum gepresst als es begonnen hatte zu regnen. Der Muschelbaum hielt nicht alle Tropfen fern, aber viele. Einige tropften der Weißen dennoch ungehindert in ihr Gesicht und durchnässte ihr Fell. Kurz schüttelte die Fähe sich, da sah sie zwei Wölfe auf den Baum zu kommen. Sie konnte nicht genau sagen, ob die beiden sie schon gesehen hatten, aber vermutlich schon. Sie trat ein paar Schritte nach vorne und auf die Fremden zu.
„Hallo“
Begrüßte die Fähe die Neuankömmlinge. Sie wollte nicht übertrieben höflich oder so vorkommen, aber auch nicht unfreundlich erschienen.
„Wer seid ihr?“
Lyerra stand nicht direkt vor den Anderen, aber nicht weit von ihnen weg. Ihre Stimme war nicht sehr laut, aber laut genug um sie zu verstehen.
„Ich bin Lyerra.“
Ein dicker Tropfen klopfte auf ihren Kopf und fiel zu Boden. Etwas ärgerlich schüttelte sie ihren Kopf und kleine Wassertropfen flogen durch die Luft.
„Seid ihr neu hier? Warum seid ihr nicht bei einer Lehrjagd oder bei anderen?“
Fragend schaute sie die Beiden an. Eine Fähe und ein Rüde. Ob sie wohl zusammen waren? Grinsend betrachtete Lyerra das seltsame Gespann. Sie erinnerte sich noch an den schwarzen Rüden den sie vor kurzem gesehen hatte. Seine Augen leuchteten Blutrot. Sie konnte sich recht genau an ihn erinnern.
Ihr Blick klärte sich, denn er hatte einen leichten Schleier der Erinnerung bekommen als sie sich an Ethelion erinnert hatte.
Sie sah wieder die beiden Fremden vor sich und wich ein paar Schritte zurück, um sie auch unter den Baum zu lassen.
Ihr Fell war durchnässt und eher dunkelgrau als weiß.
„Was verschlägt euch eigentlich zu diesem seltsamen Baum?“ fragte die ältere Fähe die Fremden.
[am Muschelbaum l Amáya und Tarik]
13.08.2010, 22:13
Munter beobachtete die Helle, wie der Fremde reagierte und auf ihr Spielen einging. Der plüschige Wolf gewann bei ihr immer mehr und mehr an Sympathie; aber das musste ja niemand wissen.
Leicht pendelte auch ihre Rute hin und her, sein Ohr noch immer umsichtig zwischen den Zähnen, während er versuchte, auch ihr Ohr zu erhaschen. Immer, wenn er es fast schaffte, sie sich aber weg duckte oder einfach das Ohr weg klappte, kicherte sie leise. Sein warmer Atem kitzelte sie an den empfindlichen Ohren.
Als Sheena auftauchte und zu dem Wanderer sprach, schien er völlig aus den Gedanken gerissen zu werden. Da hatte er sich aber erschrocken. Dabei war Sheena sonst eine ganz liebe Fähe.
Kurz pfotete sie nach dem Rüden, stubste ermutigend mit der Schnauze gegen sein weiches Fell am Hals. Er brauchte sich keine Sorgen machen, hier würde ihm niemand was tun – zumindest niemand von den Anwesenden.
Ihre Aufmerksamkeit löste sich von dem Fremden, als ihre Freundin Avendal auf sie zu kam und ihren Kopf gegen die Seite der Weißen drückte. Ohne mit der Wimper zu zucken blieb Aléya stehen, gab ihrer kleinen Freundin den Halt, den sie brauchte. Auf ihre Frage wusste sie allerdings auch nicht so recht eine Antwort.
„Ich weiß nicht. Aber wir werden sie später wieder auf dem Rudelplatz treffen, oder Sheena?“
Damit hob sie den Blick aus den klaren Augen wieder auf die große Jagdführerin. Mit ihr würde sie später bestimmt noch ein Mal sprechen, vielleicht wusste sie eine Antwort auf ihre Fragen. Das, was die Jungwölfin jedoch innerlich quälte, ohne dass sie es wusste, dass konnte ihr niemand mehr erklären.
Der Kuschelwolf stellte sich inzwischen als Ráyon vor, der von weit her aus dem Süden kam. Gut, sollte ihr recht sein. Er hatte bestimmt ein paar spannende Geschichten parat, wenn er so lange gereist war.
„Ich bin Aléya und das hier ist übrigens meine beste Freundin Avendal.“ Kurz deutete der schmale Kopf zu ihrer Freundin an der Seite. „Sag’ Ráyon... wenn du viel gereist bist, dann hast du bestimmt viele Geschichten zu erzählen. Wie sieht es außerhalb des Tales aus? Gibt es dort auch so schöne Berge, wie hier in unserem Tal?“
Langsam setzte sich ihre Gruppe in Bewegung und Aléya passte auf, dass sie den Anschluss an ihren neuen Spielkameraden nicht verlor und zeitgleich Avendal nicht zurück blieb.
[bei Sheena, Ráyon und Avendal]
15.08.2010, 17:12
Amúr hörte sich die Worte von Jumaana an. Sie hielt sich zurück und hatte sich nicht bewegt. Jagen die Vorstellung darauf war einerseits Normal. Andererseits... konnte sie die Ängstlichen Worte ihrer Beute ertragen? Es war doch Ironie des Schicksals das sie diese Gabe hatte. Mit gekränkten Blick sah sie den anderen nach. Nein sie konnte nicht mit ihnen gehen zudem sollte sie ja bei Jumaana bleiben.
Ahnte die Wölfin etwa etwas? Wie Peinlich und enttäuschend musste sie wohl wirken. Ein Häufchen elend nicht mehr. Die Junge Fähe blickte auf als Jumaana zu ihr Trat und versuchte sie Aufmuntern. Doch Würde sie es verstehen? Wenn Amúr ihre Qual preis geben würde, würde man sie dann als verrückt bezeichnen? Oder es einfach als Ausrede abtun. Ach was war sie nur. Es musste doch auch einen Weg für sie geben.. ein nützlicher Platz. Auf den Anstupser von der großen Fähe hin zuckte sie kurz zusammen und sah jener dann nach.
Sie stellte sich der Fremden entgegen und so tat es Amúr gleich in der Hoffnung eine Ablenkung zu finden. Doch zu schnell holten die Zahlreichen Stimmen von Armeisen wieder zurück.
Amúr blickte zu ihren Pfoten und seufzte ehe sie zu mindestens ihre Haltung abänderte um nicht vor der Fremden ein schlechten Eindruck zu machen. Sie blieb etwas hinter Jumaana stehen. Sollte sie sich vielleicht der Fähe anvertrauen? Wenn die Fremde weg wäre. Vielleicht war es ja ganz gut wen zu mindestens einer es wusste. Ob man ihr dann Glaubte oder nicht sei dahingestellt. Schüchtern trat sie an Jumaana´s Seite und sah zu ihr auf.
“Jumaana... ich … können wir alleine reden „
Fragte sie leise wispernd und sah dann zu der Fremden. Es war Zeitlich ungünstig das wusste sie aber es musste sein. Sie musste wissen was sie als Wolf Taugte und erhoffte sich eine Antwort von Jumaana zu bekommen.
Doch würde ihr denn jene Antwort gefallen. Wer nicht wagte der nicht gewinnt oder? Dennoch ihr Blick war Richtung Boden geneigt. Und doch hatte sie versagt gehabt indem sie sich ihrer Angst nicht gestellt hatte und nicht Mit gejagt hatte. Doch wie sollte sie dies auch können? Wenn man mit den Gewissensbissen Leben musste. Eine Maus ging ja. Die hatte nicht viel Angst denn sie war zu schnell Tot aber etwas größeres. Wie gut wäre es wenn sie die Stimmen einfach Ignorieren könnte? Doch sie konnte es nun einmal nicht.
Aber etwas musste es doch geben können. Denn um zu Leben musste man eben Jagen und nur durch fressen ging ja auch nicht.
[bei Jumaana]
16.08.2010, 14:05
Irgendetwas bewegte Jarrèll dazu nicht sofort nachdem er seinen Rat ausgesprochen hatte seinen Weg fortzusetzten, irgendetwas hinderte ihn daran und verlangt erst einen mögliche Antwort der Fähe abzuwarten. Sie kam. Leise und schleichend, ganz sanft, doch ihre Worte schnitten wie eine scharfe Klinge. Sie wollte bleiben. Auf ihr Ende warten. Ungläubig weiteten sich die grünen Augen des Silbernen, für einen Moment, für einen kurzen Augenblick, war das blanke Entsetzen in seinem Blick zu sehn. Nein. Wie gelähmt verharrte der Rüde im Sturm, der mittlerweile mit immer kräftiger werdenden Böen an ihm zerrte, die Finger des Windes die sich in sein Fell krallten und daran rissen, der peitschende Regen, welchem es mithilfe des Windes noch schneller gelang den Silberpelz des Weißen zu durchdringen. Wie schäumende See, umfloss mittlerweile dichter Neben seine Pfoten, die Zentimeter für Zentimeter tiefer in den Schlamm einsanken, je heftiger die ungezügelte Gewalt der Natur den Regen der Erde entgegentrieb. Die sanfte Berührung der Fähe ließ eine schmerzhafte Wellen durch seinen Körper fließen, als hätten züngelnde Flammen Besitz von seinem Inneren ergriffen, doch Nathaniêl bewegte sich nicht, zu sehr hatten ihn die Worte der Fähe gefesselt. Wie töricht musste man sein? Einfach aufzugeben. Nicht zu kämpfen. Eine ohnmächtige Wut auf die Weiße brodelte in Jarrèll Nathaniêl auf, schien ihn von innen zerfressen zu wollen. Wie konnte sie? Wie konnte sie aufgeben? In Wut hoben sich seine Lefzen bedrohlich, die Ohren legten sich weit zurück, voller Abscheu senkte er den Kopf und funkelte die Fähe zornig an. Sie hatte doch so verdammt viel Glück in diesem Rudel. Wie konnte sie ihn Leben wegwerfen wollen? Funken blanken Hasses durchströmten den Silbernen. Was hatte er erduldet, was hatte er erlebt. Er hatte sein Rudel, allein gelassen. In höchster Gefahr. Sie waren tot. Tot, verdammt noch mal. In Angesicht des Sturms, heraufbeschworen von ohrenbetäubenden Donnerschlägen, blitzen die die Welt in Stücke zu zerreißen gewollt schienen, loderten die verdrängten Erinnerungen in Jarrèll auf, wie alte, tiefe, nur oberflächlich verheilte Wunden die gewaltsam aufbrachen und mit neuer Kraft zu bluten begannen. Er hatte Shayné sterben sehen, verbluten vor seinen Augen, doch in dem Moment ihres letzten Atemzuges war er nicht da gewesen. Nein, er hatte sie ebennicht sterben sehen, das wog noch viel, viel schlimmer. In ihrem dunkelsten Moment hatte er sie alleine gelassen. Im Regen, im Sturm. Genauso erschien ihm die Szene vor Augen. Das von Blut, Regen und Dreck durchtränkte Fell seiner Gefährtin, als er sie schließlich wiederfand, der Körper aus dem die Kälte längst alles Leben gesogen hatte, die geschlossenen Augen. Ein letzter Blick auf ihr eigentlich bemerkenswert schönes Antlitz, aus dem der Tod jegliche Magie geraubt hatte, die einst von ihr ausgegangen war. Jedes Detail hatte sich so fest in Jarrèlls Gedächtnis eingebrannt. Sie war tot. Sie alle waren tot. Verdammt, wieso warf diese Fähe ihr Leben so achtlos in den Dreck? Verdammt, was hätte er darum gegeben dass Shayné weiter hätte Leben können, er selbst hätte sein Leben dafür hingegeben. Er sagte kein Wort, behielt die drohende Haltung bei, als wolle er sie in ihre Rettung treiben, notfalls mit Gewalt in den Schutz zur eigenen Sicherheit zwingen.
Mit immer noch funkelndem Blick besah er sich der Geste, der Unterordnung der Fähe. Wieso tat sie das? Wieso fiel sie vor ihm nieder, vor einem Versager, einem Verräter, einem Mörder. Ja, er hatte Shayné umgebracht, er hatte sein Rudel in den Tod rennen lassen. Ohne es zu wissen, war er zum Mörder geworden. Wäre er da gewesen, hätte er etwas ändern können. Er war nicht da gewesen. Ebenso schnell wie seine Wut hochgekocht war, zerbrach sie in tausend Stücke und stieg in Rauch auf, als die folgenden Worte der Fähe zu ihm durchdrangen. Er brauchte kein Glück. Vor langen Jahren hatte dieses ihn verlassen, zu Recht, zur Strafe. Plötzlich durchströmte ihn Verständnis für die Fähe, wie oft war er so nahe am Abgrund gestanden, wie oft hatte der keimende Wunsch nach Erlösung bereits die ersten leisen Wurzeln in seiner Seele geschlagen. Einfach Schluss. Er würde nicht erneut gehen. Er würde nicht wieder davonlaufen. Er würde nicht noch einmal zum Mörder werden. Ein vielarmiger, gezackter Blitz zerriss den mittlerweile sehr dunklen Himmel, im gleichen Wimperschlag folgte ein tosendes Donnerkrachen, als wolle der Himmel die Erde erzittern lassen vor seiner übergroßen Macht. Das gleißend helle Licht des Blitzes erleuchte die Szene taghell. Die Silhouette des Silbernen sank langsam neben der weißen Fähe auf den durchweichten Boden. Kälte und Schlamm drangen durch sein von Regen getränktes Fell bis zu seiner Haut vor, aber an seiner Seite spürte er auch das Fell der Weißen mit den blauen Augen, deren Körper kraftlos an ihm anlag. Er spürte das leichte, gleichmäßige Heben und Senken ihres Brustkorbs, ein Zeichen, dass das Leben sie noch nicht verlassen hatte. Und er würde hoffen, beten, bangen, dass es soweit nie kommen würde. Er wollte nicht wieder zum Mörder werden. Es war als hinge sein Leben nun an einem ebenso seiden-dünn gesponnen Faden, obwohl er wusste, dass sein Körper auch diese Nacht in Kälte und Regen überstehen würde, so wusste er nicht ob seine geschundene Seele, die Bruchstücke seiner selbst, nicht hier im Schlamm versinken würden, im Nebel ertrinken. Vielleicht die entscheidende Schlacht die sein Wille zu kämpfen hatte, ein verzweifeltes Greifen nach einem Rettungsring im tosenden Wasser, bei welchem es keinerlei Gewissheit gab, dass die Rettungsleine seinem Gewicht standhalten würde.
„Du bist nicht allein“, Jarrèll Nathaniêl selbst wusste nicht, wieso ihm diese gewisperten Worte entschlüpften.
Sie verließen seinen Mund einfach. Ein letzter Blick zum Himmel, bevor er seine Augen wieder auf den Fähenkörper richtete der neben ihm zu Boden gesunken war. Er hoffte inständig, dass die Fähe ihn akzeptieren würde, den Wunsch der in ihm loderte, der Weißen ihr Leben zu erretten.
[In der Nähe des Waldrandes | Majibáh]
18.08.2010, 14:37
Aléya schien den Fremden zu mögen. Sie verhielt sich sehr offen und spielerisch, das kam bei dem Fremden gut an. Er schien ebenfalls mit ihr zu sympathisieren und einen kurzen Moment musste Sheena daran denken, dass sie sich mit ihrer kühlen und etwas abweisenden Art wohl weniger schnell Freunde machen würde. Ihr wurde bewusst, dass sie noch immer eine Menge lernen musste um eine gute ranghöhere Fähe zu werden. Denn dieses Ziel hatte sie sich in den Kopf gesetzt und sie würde ihr bestmögliches geben um dies zu erreichen.
Anscheinend hatte der Rüde auch ihr auflockerndes Lächeln nicht bemerkt, sodass er ihr sehr ängstlich gegenüber trat. Eine Begrüßung oder freundliche Worte erhielt sie von ihm dennoch nicht. Auch seine Vorstellung galt wohl eher Aléya als ihr.
Doch sie wollte ihn nicht schon wieder anfahren, auch wenn sie ihn als nicht besonders höflichen Wolf einstufte. Vielleicht waren es aber auch einfach nur die ungünstigen Gegebenheiten, die den Rüden so reagieren ließen. Wobei er ja trotzdem freundlich sein konnte. Zu Aléya zumindest.
Noch ehe sie sich von dem Strom der Gedanken mitreißen lassen konnte, kam plötzlich Avendal zu ihrer kleinen Gruppe. Anscheinend hatte sie die restlichen Wölfe verloren, doch jetzt blieb keine Zeit mehr nach ihnen zu suchen. Es waren noch genügend ältere Wölfe in ihrer Gruppe gewesen, sodass sie sich keine Sorgen machen musste, dass etwas passieren würde.
„Hallo Avendal, nein, ich weiß nicht wo die anderen Wölfe aus unserer Gruppe sind, aber ich bin mir sicher die sitzen im Gegensatz zu uns schon im Trockenen und kuscheln gemütlich. Das sollten wir also auch tun. Und wie Aléya sagt, spätestens auf dem Rudelplatz treffen wir sie!“
Mit den Worten machte sie sich auf den Weg, immer darauf bedacht, dass die kleine Gruppe, bestehend aus drei weiteren Wölfen, ihr folgte. Die letzten Worte des Rüden hatte sie gekonnt ignoriert. Sie war sich sicher, dass er anders hatte antworten wollen, es sich dann aber anders überlegt hatte. Nun, das war jetzt nicht ihr Problem, erstmal wollte sie schnell ins trockene.
Und wie sie so durch den Regen lief, der ihr Fell immer weiter durchnässte, bis es einfach kein Wasser mehr aufnehmen konnte, machte sie sich Gedanken darum, wie sie den Rüden wissen lassen konnte, dass sie nicht böse auf ihn war, er aber dennoch nicht unschicklich werden sollte.
Schneller als gedacht waren sie wieder am Waldrand angekommen und ab da war es nur noch ein Katzensprung bis zu der weichen Mulde die, wie sie in Erinnerung gehabt hatte, gut geschützt war. Obwohl der Regen so stark vom Himmel fiel, war der Boden kaum nass und so konnten sie es sich dort bequem machen ohne Angst haben zu müssen, dass sie irgendein Ast treffen würde.
Lächelnd drehte sie sich zu ihren Gefährten um und machte eine einladende Bewegung.
„Hier werden wir vorerst geschützt sein.“
Sie blickte die drei jungen Wölfe an. Avendal, Aléya und Ráyon. An letzterem blieb ihr Blick hängen. Aléya hatte ihn mit Fragen durchlöchert, er würde wohl erst ihr antworten, doch trotzdem wollte Sheena ihn nicht einfach so wieder fallen lassen. Er hatte sich vorgestellt, vielleicht nicht zu ihr, aber immerhin. Aléya hatte sich und auch Avendal vorgestellt, nicht jedoch sie, Sheena. Ein kleiner Stich ließ Sheena bewusst werden, dass sie sich unerwünscht fühlte. War das wohl Absicht gewesen?
Erschrocken wurde ihr bewusst, dass sich wieder Zweifel in ihr Herz geschlichen hatten und so rief sie sich ihre Göttin vor das innere Auge. Nein, niemals wieder würde sie zulassen, dass Fenris erneut eine solche Macht über sie erlangen konnte, wie er es früher getan hatte. Sie hatte sich ihren Weg erkämpft und würde keine Schritte rückwärts mehr akzeptieren.
Und kaum war sie in Gedanken bei Engaya, spürte sie wie die Wärme durch ihren ausgekühlten Körper strömte. Ihre Eifersucht verschwand langsam und sie fühlte, dass sie glücklich war.
In ihre Augen trat das Glänzen, welches in den Goldsprenkeln innewohnte und sie wusste, dass die drei Wölfe die Anwesenheit der unter ihnen weilenden Priesterin unweigerlich mitbekommen würden.
„Ráyon. Keine Sorge, ich bin dir nicht böse. Ich bin Sheena, die Gruppenleiterin der Jagdtruppe.“
Damit festigte sie noch mal ihren Stand und ließ durchblicken, dass er sie zu achten hatte, sie sich aber nicht bewusst über ihn stellen wollte.
„Auch ich bin sehr interessiert an deinen Geschichten, würdest du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lassen?“
Sie lächelte ihn erneut an und damit er es diesmal ganz gewiss nicht verpassen würde, stupste sie ihn zaghaft mit der Schnauze an. Nur ganz kurz, aber dennoch eine freundliche Geste des Willkommen heißen.
[trockene Mulde im Wald - Avendal, Aléya, Ráyon]
18.08.2010, 21:42
Gespannt beobachtete der Schwarze die Reaktionen und den Austausch seiner ebenfalls schwarzen Artgenossen. Als bunt gemischter Haufen hätte man sie nicht gerade bezeichnen können. Der Dämonenfürst hatte sich gerade wieder von Pyotrs Ohr abgewendet, als schließlich die Antwort auf seine verworrene Heimlichtuerei folgte. Dieses Rotauge, dieser dreckige, niedere Dämon wagte es eine Tatsache auszusprechen, die den Tod Baals voraussagte, sollte er sich in den blutend roten Augen des Wolfes eine Fehlhandlung erlauben. Lächerlich. Für dieses anmaßende Urteil über sein Wohlergehen würde er ihm irgendwann höchstpersönlich alle vier seiner Läufe herausreißen. Dieser Dämon würde merken, was es bedeutete an Fäden zu tanzen, würde noch sehen, was die wahre Macht für einen verheerenden Schaden an ihm und seinen hach so bedeutungsvollen Rudelgenossen anrichten konnte. Oh ja, er würde noch früh genug für den Fürsten tanzen. Doch vorerst verfinsterte sich bloß der Blick des Zweijährigen als er fixierend auf das tiefe Rot des fremden Rüden fiel. Erneut blitzten seine weißen Zähne für den Bruchteil einer Sekunde auf, dieses Mal allerdings nicht wegen eines schelmischen Grinsens, sondern weil die Lefzen Baals zitterten, bebten vor Wut. Er musste sich zusammenreißen, blähte die Nasenlöcher auf und atmete merklich schwerer. Ein Blick auf Pyotr verschuf Abhilfe. Dieser Dummkopf. Aber an diese verbalen Entgleisungen hatte sich Baal mittlerweile gewöhnt.
Die Ohren des Fürsten schnippten kaum merklich sachte nach vorne als der schwarze Face seinen vorlauten Begleiter mit Worten zurückpfiff. Besser so für ihn. Dass Pyotr versuchte ihn zu verteidigen, schob er einfach Beiseite. Wären sie allein gewesen, hätte er sich vermutlich über ihn lustig gemacht oder so etwas. Zugegeben war Pyotr aber gerade in solchen Situationen immer für eine Finte gut, auch wenn er selbst wahrscheinlich nicht die geringste Kenntnis über seine Nützlichkeit für Baal hatte. Seinen Körper leicht vor Pyotrs drängend, signalisierte er dem Rotäugigen, dass dieser auf die Worte des Jüngsten bloß nicht auf falsche Gedanken kommen sollte. Nein, er durfte nicht einmal mit der Wimper zucken. Viel fehlte nicht mehr. Denn als der Zweijährige erneut auf diese niedere Gestalt blickte, begann das innerliche Beben erneut.
"Es ist okay, Pyotr... er weiß nicht, was er da sagt."
Sprach er an Pyotr gewandt, den Blick aber immer noch auf Ethelion haltend. Nach einem kurzen Nicken in Face Richtung spannten sich die sehnigen Läufe des Höllensohns an, ehe er einen nicht zu kleinen Satz weg von dem Schauplatz machte und somit dem Jüngsten und Face hinterhersetzte.
[Waldrand | Ethelion, Face, Pyotr]
18.08.2010, 23:22
Vergangenheit und Zukunft waren zwei Dinge mit denen Liam sich immer seltener beschäftigte. Er hatte gelernt in der Gegenwart zu leben. Er war hier und jetzt. Und seine augenblickliche Situation war gut und schlecht gleichzeitig. Lange Zeit hatte er nun neben dem kleinen Fellbündel gelegen, welches Jumaana ihm anvertraut hatte. Eine junge Fähe mit der etwas geschehen ist, was er noch nie bei einem anderen Wolf gesehen hatte. Sie schlief. Lange und ohne aufzuwachen und er hatte sich bereit erklärt über diese Fähe zu wachen, während alle anderen auf Jagd gegangen waren. Er hatte keinen Hunger. Schon länger nicht mehr. Er ernährte sich eher sporadisch, wirkliche Lust zu fressen überkam ihn nur selten. Er war genügsam geworden und arrangierte sich so nur mit Kleinvieh welches ihm zufällig über den Weg lief und wie von selbst in seinen Pfoten landete. Eben so ein Tier, ein junger Hase, lag nun vor ihm. Doch er weigerte sich diesen zu verspeisen, er war noch frisch und irgendwie hatte er das Gefühl, dass irgendjemand sich sehr über ihn freuen würde. Ob es die kleine schlafende Fähe neben ihm war, vermochte er nicht zu sagen.
Als das plötzliche Unwetter einsetzte sprang er nicht panisch davon sondern blinzelte nur leicht in den Himmel. Es würde wohl genauso schnell wieder aufhören wie es gekommen war. Hier, an dem Ort an dem die beiden sich befanden würden sie nicht so schnell in Gefahr geraten. Es war recht trocken und geschützt. Trotzdem war er noch ein wenig näher an die ausgesprochen hübsche Jungfähe gerückt. Sie sollte schließlich nicht frieren. Und man fror schneller, wenn man schlief. Vor allem, wenn man so lange schlief. Sie würde bestimmt sehr hungrig sein wenn sie erwachen würde. Wenn.
Er vermochte nicht sich auszumalen wie es ihm gehen würde, wenn diese kleine Fähe nie wieder die Augen aufschlagen würde. Er kannte sie nicht. Zumindest nicht ihre Persönlichkeit. Ansonsten hatte er jedes kleinste Detail an ihr erforscht. Soviel man eben sehen konnte, wenn ein Wolf lag und die Augen geschlossen hatte. Er konnte sich nicht ihre Augenfarbe vorstellen, war sich aber sicher, dass sie wunderschöne Augen besaß. Würde er sie jemals zu sehen bekommen?
Sanft lächelte er. Hatten Kandschur und er nicht immer einen Welpen haben wollen? Nun hatte er einen Welpen. Nur keinen Kandschur mehr. Aber das war der Fluss des Lebens. Wölfe gingen und Wölfe kamen.
Dieses Wissen verstärkte seine Hoffnung, dass die Fähe ihre Augen erneut aufschlagen würde. Es kam ihm vor wie eine kleine Wiedergeburt.
Von Jumaana hatte er nur wenig über die Fähe erfahren können. Rakshee soll sie geheilt haben, von was wusste er nicht. Anscheinend hatte die Heilung nicht so viel geholfen. Aber vielleicht doch mehr als er wusste.
Fasziniert beobachtete er die leichten Atemzüge die den kleinen Körper hoben und senkten. Das mausbraune Fell welches leicht grau meliert war und eine wunderschöne, wenn auch schwache, Zeichnung aufwies kräuselte sich dabei jedes Mal. Ganz leicht nur und niemals gleich, auch wenn die Atemzüge gleich erschienen. Ihre langen Läufe zuckten hin und wieder. Ob sie wohl träumte? Und wenn ja, was? Träumte sie ihr Leben? Ein Leben welches sie lange Zeit nicht hatte leben können?
Fast versank er in seinen eigenen Träumereien. Der Pfad den er gegangen war, der Pfad seines Lebens der ihn zu diesem Rudel gebracht hatte, der ihm Kandschur geschenkt und auch wieder entrissen hatte.
Das ganze Auf und Ab in seinem Leben hatte ihn nur stärker und weiser gemacht. Er war bereit für einen nächsten Schritt. Er würde ihn nur vorwärts bringen können, egal wie er sich gestalten würde. Vorwärts, niemals rückwärts. Er kam der Erleuchtung immer näher. Und im Nirvana würde er auf seine Liebe treffen, gänzlich egal ob er in der Zwischenzeit erneut lieben würde.
Sanft pustete er gegen ein wild wirbelndes Blatt, welches der Sturm zu ihnen getrieben hatte. Das Unwetter tobte draußen, nicht aber hier bei ihnen. Hier war Frieden.
Das Blatt beruhigte sich, segelte langsam vor der Nase Neytíris zu Boden.
[Rudelplatz, geborgen- Neytíri]
19.08.2010, 01:01
Caylee versuchte blinzelnd den Regen aus ihren Augen zu vertreiben, sonst würde sie kaum erkennen, wo sie hintrat. Und auch wenn die Felsen nicht hoch waren und selbst ein Fall keine wirkliche Verletzung nach sich ziehen würde, wollte die Weiße nicht ausrutschen und möglicherweise hilflos mit den Läufen rudernd ins nasse Gras platschen. So ganz konnte sie die Situation noch nicht einschätzen und auf eine seltsame Art und Weise schreckte sie der hohe Felsen ein wenig. Es war ihr Instinkt, der sie warnte, aber die Jungwölfin war noch viel zu unerfahren und abenteuerlustig um auf ihn zu hören. Vorsichtig setzte sie ihre Pfote einen Schritt weiter und testete, wie rutschig der nasse Stein war. Weniger als erwartet, dennoch glatt. Sie wollte den nächsten Schritt wagen, als ihr auffiel, dass Cirádan noch immer nicht neben ihr war. Stirnkrausend drehte sie sich um und sah, dass er ihr irgendetwas zurief – sie verstand kein Wort. Im nächsten Moment krachte der Donner und ihr kleiner Freund klappte zusammen wie als hätte man ihm den Boden unter den Pfoten weggerissen. Caylees Ohren drehten sich leicht zur Seite und einige Sekunden tat sie nichts weiter, als ihren Bruder-oder-so seufzend zu betrachten. Gerade eben hatte es doch so gut angefangen. Mit zwei schnellen Hüpfern war sie bei dem Weißen, stand einen kurzen Moment unschlüssig vor ihm und ließ sich dann neben ihn fallen. Ein kurzer Knuffer in die Seite, dann schob sie ihre Schnauze möglichst nah an sein Ohr, sodass der Wind ihre Worte nicht zerreißen konnte.
“Ci, komm schon. Das ist doch nur Donner. Der ist zwar laut, aber er tut gar nichts.“
Aufmerksam betrachtete sie den Himmel, als ein weiterer Blitz über ihn zuckte und fragte sich, als der Donner im nächsten Moment losbrüllte, wo eigentlich Fenris steckte, wenn er so laut war. War er zwischen den Wolken? Oder ganz in ihrer Nähe? Wie konnte er nur so laut knurren? Und so furchteinflößend – selbstverständlich nur für Angsthasen. So einer, wie Cirádan nun mal einer war.
“Jetzt sind wir schon so weit, wir müssen nur noch auf den Felsen hoch. Es ist auch ganz einfach, du läufst mir genau nach und achtest darauf, da hin zu treten, wo ich vorher stand, ja? Dann schaffen wir das ganz bestimmt.“
Sie sprang wieder auf, drehte eine Runde um ihren kleinen Freund und zog an seiner Rute. Mittlerweile war sie patschnass und war sich sicher, keine einzige trockene Stelle mehr an sich zu haben. Ein wenig fror sie jetzt doch, aber wen kümmerte das schon, wenn sie gleich das Gewitter von dort oben betrachten konnten? Nur Ci müsste seinen Hintern endlich mal bewegen.
“Nun komm schon!“
Auffordernd stand sie vor ihm und schielte zu ihm hinunter.
[ See - Felsen | Cirádan ]
19.08.2010, 01:09
Das Bewusstsein kehrte in den schmächtigen Körper der Fähe zurück. Zunächst war es ihr nur, als befinde sie sich in absoluter Dunkelheit. Sie konnte ihren Körper nicht spüren, aber sie sorgte sich nicht darum. Wie von weiter Ferne erreichten sie dumpfe, gleichmäßige Schläge. Es dauerte eine Weile, bis ihre Gedanken soweit gesammelt waren, dass dies ihr eigenes Herz sein musste. ja, sie fühlte den Puls nun deutlich, aber sie konnte noch immer nicht recht die Grenze zwischen der Dunkelheit und ihrem Körper erfühlen. Kurz funkte der Gedanke in ihr auf, dass sie vielleicht gestorben war. Aber sie spürte ihr Herz, also lebte sie wahrscheinlich. Sie konnte sich nach und nach an einiges erinnern, an ihren Weg hierher, an diese beiden Wölfe, die sie gefunden hatten. Verschwommen nur. Dann war da nichts mehr. Und jetzt war sie hier, in der Schwärze, aber sie fühlte sich nicht einsam. Sie fühlte sich federleicht und ihr Kopf fühlte sich merkwürdig weich an, von innen. Als ob er mit Watte gefüllt wäre. Dann spürte sie ihren Körper, durch einen winzigen Reflex, den er auszuüben versuchte. Er versuchte, ihre Augenlieder zu heben, aber sie fühlten sich unglaublich schwer an. Zunächst wehrte Neytíri sich dagegen, aber dann wurde es immer leichter; ihr Wille, die Augen zu öffnen, wuchs. Und auch kehrte ein klein wenig Kraft in ihre Glieder zurück, die sich schwach anfühlten, als sie unwillkürlich ungelenk damit zuckte.
Neytíri wollte den Kopf heben, aber er schien auf ihren Pfoten, wo er lag, festgewachsen zu sein. Also gab sie dieses Vorhaben sogleich wieder auf. Ein leichtes Schwindelgefühl hatte sie erfasst - ein Zeichen dafür, dass ihr Körper durch Schwäche am Boden gefesselt war.
Denn den Boden spürte sie nun auch, hart und kühl. Wie vom Ende eines Tunnels konnte sie Wind hören, und Regen. Das Geräusch beruhigte sie und brachte sie dazu, ein wenig zu lauschen und sie Augen geschlossen zu halten. Sie atmete ruhig und gleichmäßig. Schließlich, sie konnte nicht sagen wie lange es tatsächlich dauerte, hob sie langam ihre Lider. Es war zwielichtig dort wo sie war, das Stück Himmel, das sie sehen konnte, war von bleiernen Wolken verhangen. Da sie trocken blieb während der prasselne Regen weiter vorn zu hören war, vermutete sie, dass sie in einer Höhle war, aber so richtig schärfen wollte sich ihr Blick noch nicht. Erst einiges langsames Blinzeln später erkannte sie alle Umrisse und Farben wieder. Neben sich vernahm sie ein leises Raschln, und ein Laubblatt landete leise genau vor ihrer Nasenspitze. Quälend langsam wandte sie den Kopf, hob ihn jedoch nicht wirklich an - in ihrem Kopf drehte sich schon alles von dieser kleinen Geste. Da saß ein großer Rüde. Er betrachtete sie schweigend, und leise fragte Neytíri sich, wie lange er wohl schon dort saß. War er wegen ihr hier? Ein kleines Lächeln schob sich auf ihre Lefzen, sie blickte den Fremden von unten herauf an. Ihre Augen, die so klar und silbergrau wie der Regen draußen waren, blinzelten einige Male langsam. Sie wollte etwas sagen, aber ihre Kehle fühlte sich zugeschnürt an. Sie war müde, so müde, aber mit jedem Augenblick schwand die Müdigkeit ein wenig. Sie atmete tief ein und aus, und nach ein paar Minuten traute sie es sich zu, den Kopf zu heben. Das wurde mit neuerlichem Schwindel quittiert, aber solange sie den Kopf nun ruhig hielt, würde es sich wieder legen. Sie brauchte einige Anläufe, aber schließlich konnte sie den Rüden sogar begrüßen. Alles drang nur sehr langsam in ihr Bewusstsein ein, wie durch einen Schleier, ab sie bemühte sich, ihre Konzentration beizubehalten.
"Hallo... Ich heiße Ney... Neytíri."
Sie sprach nur sehr leise und ihre Stimme klang rau und belegt. Dennoch lächelte sie. War sie krank gewesen, oder immer noch krank? Warum war sie hier, und wo war sie überhaupt? Nach und nach kamen ihr immer mehr Fragen in den Sinn, aber ihr Kopf stufte all diese Dinge vorerst als 'nicht so wichtig' ein, denn eine solche Flut an Informationen hätte sie ohnehin nicht verarbeiten können, wie sie dachte. Also wartete sie ab, regte sich nicht, und betrachtete den Rüden mit einem zarten Lächeln.
[Rudelplatz, geborgen | Liam]
19.08.2010, 01:16
Nihil schien Shani erst spät bemerkt zu haben, erschreckte sich dann zuerst aber schien sie danach zu erkennen. Dann robbte er zu ihr und leckte ihr über die Schnauze, wie ein Welpe, der froh war, wieder Beschützer um sich zu haben. Zuerst war die Weiße ein wenig perplex, doch schon wenige Herzschläge später ging ihr Herz auf. Jemand, um den sie sich kümmern durfte. Jemand, der ihre Hilfe brauchte. Nichts tat Shani lieber. Liebevoll fuhr sie dem Jungwolf mit der Zunge über die Stirn und lauschte dann angestrengt seinen leisen Worten, die der Wind beinahe verschluckte. Er hatte Schmerzen? Sofort glitt ihre Schnauze über seinen Körper, suchte nach Wunden oder irgendetwas nicht normalem, aber alles schien in bester Ordnung, jeder Knochen an seinem Platz und das weiße Fell unversehrt. Stirnkrausend kehrte ihre Nase wieder zu Nihils zurück.
“Was tut dir weh? Und wie? Brennt es? Oder juckt es? Ist es schlimm?“
Wie konnte der Kleine nicht wissen, wo es wehtat? Und wie sollte sie ihm helfen können? Erneut fuhr ihre Zunge über seine Stirn, dann spitzte sie wieder die Ohren um seine nächsten Worte aufzufangen. Sie verwirrten sie ein wenig und ergaben für sie keinen Sinn. Was hatte sein Schmerz mit Krolock zu tun? Und warum suchte er ihn eigentlich?
“Nein, ich weiß es leider nicht. Aber wir können ihn zusammen suchen, wenn du willst.“
Erstmals hob sie den Kopf und sah sich um. Natürlich gab es nichts weiter zu sehen als Regen und verschwommene Bäume und auch ihre Nase roch nur Feuchtigkeit und Sturm. Dennoch verharrte die Weiße einige Momente so und fragte sich, wo der schwarze Waise wohl hingelaufen sein könnte. Leider hatte sie mit ihm weit weniger zu tun, als mit seinen beiden Geschwistern. Krolock schien nie wirkliches Interesse an ihr als Ziehmutter gehabt zu haben.
[ Wald | Nihil ]
19.08.2010, 11:27
Der Tiefrabenschwarze wies ihn zurecht. Nun gut, das war wohl sein gutes Recht als Rangwolf. Dennoch würde Ethelion deswegen nicht blind werden für die seltsam wabernde Gefahr, die von diesem... Baal ausging. Etwas stimmte nicht mit dem Fremden und er konnte es so deutlich wahrnehmen, wie er den Blutgeruch frisch geschlagener Beute in den Nüstern fühlen würde. Er würde ihn im Auge behalten. Bei Fenris, das würde er! Doch es machte keinen Sinn, es jetzt auf eine ernsthafte Konfrontation ankommen zu lassen. Face war im Weg und auch den vorwitzigen Welpen, der ihn prompt angiftete, um seinen Kumpanen zu beschützen, wollte Ethelion nicht in Gefahr bringen. Er konnte schließlich nichts für seine kindliche Naivität. Nein, sollte es zum Kampf kommen, würde er mit dem Seeäugigen allein sein. Und es würde keine Zeugen geben, wenn dieser Baal seine letzte Reise antrat...
Beschwichtigend neigte der Schwarze den Kopf in Face' Richtung und meinte:
"Was immer du sagst, Face Taiheiyo, Beta des Rudels."
Doch Ethelions feuerrote Augen waren jede Sekunde auf Baal gerichtet und so entging ihm auch das kurze Zucken der Lefzen nicht, welches diesem entfuhr. Scheinbar hatte er Mühe, dem Fenrissohn nicht sofort an die Kehle zu springen.
'Na los doch, trau dich!', ging es dem Schwarzen durch den Kopf, 'Dann habe ich wenigstens das Recht, dich in Stücke zu reißen.'
Doch seine Gedanken erfüllten sich nicht. Baal murmelte einige verständnisvolle Worte, die so gar nicht zu den bebenden Lefzen passten und folgte dann Face und Pyotr Richtung Rudelplatz. Der Schwarze beschloss, es ihnen gleich zu tun. Anscheinend sah der Beta die Gefahr nicht, die sich wie die Gewitterwolken zuvor lautlos zu einer schwarzen Wand auftürmte. Doch Ethelion würde zu verhindern wissen, dass das Gewitter namens Baal über das Rudel hereinbrach...
[auf dem Weg zum Rudelplatz | Face, Pyotr, Baal]
19.08.2010, 15:42
Nerúi sah den Angriff kommen, und er kam. Knurrend begegnete sie ihm, und machte einen Satz zurück, bevor er sie erreichen konnte. Krolock warf sich gegen sie, und mit gezielten Bissen trieb sie ihn zurück, hielt seinen Rempeleien zuweilen stand oder versuchte ihnen durch schnelles Fortspringen zu entgehen. Sie erkannte in seinen Bewegungen die mangelnde Übung, an der es ihr selbst nie gefehlt hatte. Ihre Geschwister - Chardím, Turién, und die Anderen - hatten ihr immer genug Angriffsfläche geboten, und sie hatten voneinander gelernt. Diesen Vorteil an Erfahrung wusste sie auszunutzen, und rücksichtslos sprang sie Krolock entgegen, biss zu und versuchte, sich so in ihm zu verbeissen, dass er sie nicht mehr erreichen konnte. Aber er war zu wild, sie bekam ihn kaum ordentlich zu fassen, und hüpfte zurück, wenn er wieder nach ihr schnappte. Es machte ihr Spaß ihn ins Leere laufen zu lassen, aber der Sturm machte es schwieriger. Wieder setzte sie zurück, und wurde im halben Satz von einem Baumstamm gestoppt. Knurrend wand sie dem Anlauf des Rüden die Schulter entgegen, und versuchte sogleich wieder ihn mit Bissen auf die Nase und schiebender Körperkraft zurück zu drängen. Sie hatte noch nie einen der Anderen so doll gebissen, aber es hatte sie auch noch nie einder der Anderen auf diese Art angegriffen. Es fühlte sich richtig an.
"Du bist Madenfraß!"
Benatwortete sie sein Kompliment, und bleckte die Zähne, um ihm ja keine Pause zu gönnen. Die Einzelnen Kratzer und Bisswunden an ihrem Körper spürte sie zwar sehr deutlich - aber der Schmerz gab ihr nur umso mehr Adrenalin...
[Im Sturm | Krolock]
19.08.2010, 17:31
Im Takt seines Herzens wurden Glückshormone durch seinen Körper gespült. Aufwallende Wärme erfasste jedes einzelne Glied seines Körpers, jede Fellfaser fühlte schien vor Wärme zu vibrieren und auch die Augen begannen zu leuchten, wie man es sonst nur von frischgebackenen Eltern kannte. Aber es war ja wie eine Art von Geburt. Zwar war er keine Fähe und noch lange keine Mutter die ihren Welpen gerade zur Welt gebracht hatte, aber er fühlte sich ein wenig wie der stolze Vater der nach einigen Tagen in die Höhle gelassen wird und seine Welpen zum ersten Mal richtig sieht.
Die Augenlieder der Jungfähe flatterten, öffneten sich jedoch nicht sofort. Auch sonst bewegte sich nur wenig an der Mausbraunen. Der Atemzug hatte sich verändert, war ein wenig angestrengter geworden. Er kannte die Schwäche nicht, die von ihrem Körper Besitz ergriffen haben musste und er konnte sie sich auch nicht vorstellen, aber ihm war klar, wie anstrengend jede ihrer versuchten Bewegungen sein musste. Daher berührte es ihn noch mehr wie rasch sie schließlich doch die Augen öffnete und ihm kam es vor als hätte er nur einmal geblinzelt und schon hatte sie ihm ihren Kopf zugewandt. Dabei hatte es sicher viel länger gedauert.
Nun sah er endlich ihre Augen. Er blinzelte. Einmal, zweimal. Dann blickte er in den mit Wolken verhangenen Himmel. Er fixierte einen Regentropfen. Ja, genau das war die Farbe ihrer Augen. Sie hatte Augen wie Regentropfen. Verwundert blickte er sie wieder an, gleich jedoch wieder entzückt von ihrem Antlitz und ihrer Stärke. Sie hatte den Kopf mittlerweile weiter gehoben und blickte ihn nun aus diesen überraschend klaren Augen an.
Sie schien sich stark konzentrieren zu müssen, ob sie sich wohl quälte um das alles zu schaffen? Besorgt musterte er ihren Körper, bereit auf das kleinste Schwächeanzeichen zu reagieren und ihr zur Hilfe zu eilen. Aber es schien alles so zu funktionieren wie sie es wollte.
Letztendlich schaffte sie es sogar ihm ihren Namen zu nennen.
Ob sie wohl schon fressen konnte?
Langsam ließ er den Blick von ihr fallen, nicht jedoch ohne sich zu vergewissern, dass sie sich halten konnte wie sie war.
Der Hase war also doch zur rechten Zeit vorbei gekommen, noch immer war er ein wenig warm und als sich seine Zähne in das weiche Fleisch bohrten, spürte er ein leichtes Hungergefühl in seinem Magen aufkommen. Wie konnte das sein? Schon lange hatte er keinen Hunger mehr verspürt. Was tat diese Fähe mit ihm?
Eins war klar, sie tat ihm gut. Sehr gut.
Er riss ein kleines Stückchen des leckeren Bauchfleisches aus dem Hasen und wendete seinen Kopf wieder der Fähe zu.
„Schür disch. Itte. Isch!“
Er nuschelte die Worte, das Fleisch baumelte einladend frisch in seinem Maul, vorsichtig drapierte er es so auf dem Boden, dass es nur unwesentlich dreckig wurde. Das Stück war klein, die erschöpfte Fähe würde sich keine große Mühe geben müssen es zu verschlingen.
Bevor er ihr jedoch die Gelegenheit gab zu essen berührte er sie sanft mit seiner Schnauze unter der ihrigen. Eine leichte Stütze, die Geste, dass er für sie da sein würde. Dann zog er sich wieder ein wenig zurück. Und lächelte erfreut auf.
„Willkommen zurück kleine Neytíri. Schön, dass du es geschafft hast. Ich bin Liam…“
[Rudelplatz, geborgen - Neytíri]
19.08.2010, 17:37
Als Volk Zubami wieder zur Besinnung kam schmerzte sein Körper und als er versuchte aufzustehen, brach der Wolf wie ein Neugeborenes zusammen. Zu seinem Hunger kam nun auch noch die Tatsache das er sich scheinbar seine linke Vorderpfote verletzt hatte. Nach einem Weilchen rappelte sich der verletzte Wolf auf und schaute sich seine Umgebung an. Alles was man erblicken konnte war die triste,tote Landschaft die sich, mit einer Felswand zu seiner Rechten und flachem Land, mit Bäumen in weiter Entfernung, zu seiner Linken, in Richtung Nord-Nord-West erstreckte. Jetzt Realisierte der Wolf erst das er mit der Klippe herunter gestürzt sein muss, als der Hunger ihn und seine zwei Geschwister zur aufgabe zwang. Trotz der Schmerzen und des Hungers wollte der Schwarze sich nach den Geschwister erkundigen und heulte so laut wie nur irgendmöglich. Die Felswand warf das Echo zurück, sodass die Einöde lautstark beschallt wurde. Volk wartete auf eine Antwort, vergebens, doch wusste dieser nicht ob sie ihn nicht hörten oder ob die zwei schon tot waren.
Er musste weiter, konnte sich allerdings nicht von dem felsernem Massiv entfernen in der Hoffnung doch noch eine Antwort zu erhalten. Der Wolf hinkte, sparend mit seinen Kräften nach Norden, als er seinen Kopf hob sah er einen merkwürdigen Baum. Die eine Seite war lebendig, trug Blätter wiederrum die andere war tot, knorrig, geradezu abgenagt und genau unter dieser Seite lag ein kürzlich gestorbener Tierkadaver. Obwohl dieser schon ziemlichen Gestank verbreitete, sodass es die Fliegen nur so anzog, und auch nicht mehr viel übrig war, genoss der Geschundene denoch das Mahl. Nachdem der Schwarze Wolf mit dem fressen fertig war, legte dieser sich unter die lebendige Seite des Baumes um sich auszuruhen.
"Was mache ich jetzt nur?"
Doch jetzt stieg ihm der Geruch von Wölfen, Anderen, Fremden, in die Nase. Seine Sinne waren durch den Hunger und die Strapazen sehr stark getrübt, doch seine Lebensgeister, sein inneres Feuer erwachte wieder zu neuem Leben. Doch er entschied, sich noch etwas auszuruhen bevor die Reise weitergehen sollte.
[Einöde/Totes Land]
19.08.2010, 17:49
Ganz aufmerksam, na ja, zumindest fast ganz aufmerksam hatte Liel Ahkuna zugehört, als diese ihr noch mal die Taktik einer erfolgreichen Jagd vermittelte. War doch alles klar. Warum fingen sie nicht einfach an.
Trotz der ermahnenden Stimme Ahkunas, dass Ungeduld wenig bringen würde, trat sie erneut von einer Pfote auf die andere.
Bis sich das Tosen und Brausen erhob. Bis Ahkuna leise knurrte und etwas von in Sicherheit bringen erzählte. Und mit den Worten drehte sie sich auch um und lief davon. Feigling. Liel würde nicht so feige sein, so viel war klar.
In ihrem jugendlichen Übermut hatte sie noch nicht darauf geachtet, wie wild der Sturm sich ankündigte und welche Gefahren er mit sich bringen würde.
Sie wollte sich gerade nach einem anderen älteren Wolf umsehen, da kam ein Ast auf sie zu geflogen. Quietschend und zutiefst erschrocken machte sie einen großen Satz zur Seite. War das ein Scherz? Wollte Krolock sie mal wieder ärgern, so wie er es sonst immer nur mit Cirádan getan hatte?
Hektisch suchten ihre Blickte die Umgebung ab. Nein, ihr Bruder war nirgendwo zu sehen, allerdings auch keine anderen Wölfe mehr. Die hatten sich bereits alle in Sicherheit gebracht und niemand schien auf sie geachtet zu haben. Das stimmte natürlich nicht so ganz, schließlich hatte Ahkuna ihr mitgeteilt, dass sie gehen würden. Aber Liel nahm sich fest vor, dass sie keine Schuld traf.
Etwas anderes traf sie jedoch, kein Ast, etwas viel, viel Schlimmeres. Nämlich die Angst. Mit weit aufgerissenen Augen begann sie zu rennen. Ihre Beine holten weit aus, die Gelenke streckten sich, wie sie es nie zuvor getan hatten und würde sie jetzt auf der Jagd sein, hätte sie sicherlich gute Chancen eines der Tiere zu erwischen. Nur waren die natürlich cleverer als sie gewesen und hatten sich bereits vor dem Unwetter gerettet.
Sie, die einsame Seele preschte nun also quer über die Lichtung, auf der bis vor kurzem noch einiges an Futter herumgestanden hatte und selber gefressen hatte. Was für eine unglückliche Situation.
Vor Schreck vergas sie völlig in welche Richtung sie eigentlich laufen musste und so rannte sie einfach in die Richtung, in die ihre Beine sie trugen. Nur weg hier und das möglichst schnell.
Sonderlich weit kam sie jedoch nicht, durch den dichten Regen bemerkte sie die beiden kämpfenden Wölfe erst sehr spät und musste so eine Vollbremsung hinlegen um nicht einfach über sie hinweg zu rennen. Der rutschige Untergrund jedoch ließ ihr gar keine andere Möglichkeit, als die beiden als Bremse zu benutzen. Wieder quietschte sie leise auf, diesmal jedoch vor Überraschung denn einer der beiden Wölfe war niemand anders als ihr Bruder Krolock nach dem sie kurz vorher noch Ausschau gehalten hatte. Welch ein Zufall.
Der Zusammenprall war stärker als erwartet und er tat weh, doch nun biss sie ihre Zähne aufeinander. Krolock würde sie nur auslachen und sie war doch schließlich die stärkere von ihnen beiden. Ganz sicher.
[Erst Ahkuna, dann Nerúi und Krolock]
20.08.2010, 15:17
Cirádan war immer noch auf den Boden gedrückt, als er plötzlich etwas auf seiner Seite spürte. Er wusste, dass es Caylee war, auch wenn er dennoch ein wenig Angst hatte die Augen zu öffnen.
Vielleicht würde das Gewitter auch aufhören, wenn er nur lang genug in dieser Position verharrte... Was für ein alberner Gedanke.
Doch dann hörte er die Stimme seiner Sowas-wie-Schwester nach ein seinem Ohr.
Nur Donnern. Ach, wirklich? Wie konnte sie sich da nur so sicher sein, dass dieses Donnern sich nicht gleich und just in diesem Moment in einen überdimmensionalen Wolf verwandeln würde um sie alle aufzufressen?
Sie würden es schaffen? Warum wollte sie auch überhaupt auf den Felsen rauf? Dumme Caylee. Oder nein. Dummer Cirádan. Warum war er auch nur solch ein Angsthase?
Als Caylees Nähe wieder verschwand und er die Augen immer noch nicht geöffnet hatte, spürte Cirádan Zähne an seiner Rute. Erschrocken sprang er auf und konnte Caylee hinter sich entdecken. Und dann umkreiste sie ihn wieder.
Er betrachtete sie. Sah dass sie etwas sagte, konnte aber ihre Worte nicht verstehen. Zu laut das Rauschen des Windes.
Aber so wie sie dastand, wollte sie wohl, dass er mit ihr ging. Natürlich wollte sie das. Dazu forderte sie ihn schon die ganze Zeit auf.
Mit angelegten Ohren betrachtete er mürrisch Caylee, bevor er nickte und nun langsam zum Felsen trabbte. Von ihm tropfte es runter. Und es war schrecklich. Aber vielleicht, je eher sie das hinter sich brachten, desto eher konnten sie Schutz suchen. Vielleicht.
Nun war es an Cirádan sich umzudrehen und zu Caylee zu sehen. Nein, er wollte nicht vorraus gehen. Außerdem hatte sie gesagt, er sollte dorthin treten, wo sie hintratt, damit er nicht ausrutschte. Aber was ist, wenn sie beide ausrutschten?
Am besten gar keine Gedanken mehr machen. Nein.
Zitternd und leicht geduckt blickte er zu seiner Sowas-wie-Schwester. DIe Augen leicht zusammen gekniffen.
[See - Felsen / mit Caylee]
20.08.2010, 21:38
Die Fähe musterte den lächelnden Rüden mit Interesse. Sie nahm alles nur nach und nach wahr, ein wenig langsamer als sonst irgendwie. Ihr Atem und ihr Herzschlag gingen mittlerweile wieder regelmäßig. Über ihre geistige Aktivität vergaß sie ihre körperliche Schwäche ein wenig, auch wenn sie dennoch ruhig liegenblieb. Aus dem Augenwinkel konnte sie ihre Läufe sehen. Lang und spindeldürr. Sie fühlten sich an wie durchweichtes Moos, als ob sie sehr lange nicht mehr gelaufen wäre. Plötzlich sehnte sie sich danach, aufzustehen, sich zu strecken und zu springen, aber es blieb bei dem Versuch, auch nur eine Pfote zu heben. Ihre Muskeln rebellierten vollkommen. Neytíri nahm dies vorerst hin; diese Reaktion ihres Körpers bedeutete, dass sie ihn nicht beanspruchen durfte, das sagte ihr ihr Instinkt.
Sie wandte noch ein wenig mehr den Kopf; instinktiv, als der Rüde mit ihr sprach. Sie schloss kurz fest die Augen und verscheuchte die Übelkeit aus ihrem Kopf. Er bot ihr ein Stück Fleisch aus einem frischen Hasen an, aufgrund des Stücks in seinem Fang ein wenig nuschelnd. Es entlockte der Jungwölfin ein Lächeln, das ihre ein wenig schlaffen Züge erhellte. Sie fragte sich, ob sie Hunger hatte, und horchte auf ihren Magen. Schließlich beschloss sie jedoch, dass es ja nur eine Kleinigkeit war, und dass sie das allemal vertragen konnte. Mit einem dankbaren Blick zu dem Rüden, der ihr sanft unter die Schnauze stupste, wandte sie sich der Mahlzeit zu. Vorsichtig grub sie ihre Zähne in das warme Fleisch - es schmeckte so unfassbar wundervoll! - und zog es dann nach und nach in ihren Fang, bevor sie es schluckte. Das Fleisch befeuchtete ihre Kehle und gleich merkte sie, dass es ihr nun leichter fallen würde, zu sprechen. Der Wolf unterdessen stellte sich als Liam vor, maß sie dabei eines musternden Blickes. Lächelte sie an. Er war so ausgesprochen freundlich. So jemandem war Neytíri lang nicht mehr begegnet. Man hatte sie auf ihrem Weg als Welpe oft argwöhnisch beobachtet, wenn sie vorbeiging. Sie war allein gewesen, das war ungewöhnlich für Welpen. Und sie war schließlich eigentlich tot. Incantate Lilium. Sie hätte Engaya gehören sollen. Aber sie war geflohen, irgendwie. Die Erinnerung kehrte langsam zurück, und damit auch ihr Gewissen. Wieder griff die bohrende Frage nach ihr: war es richtig, dass sie lebte? Sie hätte Engayas Geschenk sein sollen. Aber sie bemühte sich, jetzt nicht daran zu denken. Stattdessen erwiderte sie das Lächeln des Rüden; ihr Schwindelgefühl verflog langsam aber sicher.
"Willkommen zurück...",
nuschelte sie leise, und versuchte zu ergründen was er damit meinte. Zurück aus dem Schlaf? Oder war sie weg gewesen? Nachdenklich blickte sie auf den verhangenen Himmel draußen; es fiel ihr jetzt viel leichter, den Kopf zu wenden und oben zu halten. Der Regen prasselte, der Wind hob zu einem monotonen Heulen an. Es stürmte, und sie lag geschützt hier drin in dieser Höhle. Vage nahm sie andere Fährten wahr. Es musste ein ganzes Rudel sein, das hier lebte.
"Ich fühle mich, als hätte ich lange geschlafen. Ich bin so durstig, und mir ist es zumute, als wäre ich in allem furchtbar langsam. Mein Körper fühlt sich so schwach an..."
Ein wenig fragend erwiderte sie nun den Blick des Rüden. Es war so verwirrend, hier zu sein, aber sie konnte sich nicht vorstellen, irgendwo anders zu sein. Das hier, das fühlte sie einfach, war genau das richtige, und deshalb blieb sie ruhig, auch wenn es hundert Fragen gab. Die Antworten würde sie schon noch erfahren, es hatte wohl keine Eile. Erstmal wollte sie wieder zu Kräften kommen.
[ Rudelplatz; geborgen | Liam ]
21.08.2010, 18:28
Tochter, spürst du nicht den Sog der Dunkelheit? Jumaana verneinte. Es war einige Zeit hier, dass Aarinath sich dazu durchgebracht hatte, die Wölfin anzusprechen. Einerseits war es angenehm, die eigenen Gedanken für sich zu haben, aber andererseits machte die gebrechliche, alte Wölfin Jumaana Sorgen. Was passierte, wenn ihre Kraft gänzlich verstarb und das Licht ihrer zweiten Lebenskerze erlosch? Würde Jumaana dann auch sterben oder würde sie das Feenkind ein weiteres Mal überleben? Denn wenn Ersteres zutreffend war, blieb ihr augenscheinlich nur noch wenig Zeit, denn von Tag zu wirkte Takashis Mutter schwächer und stiller. Möglicherweise war das aber auch gar kein Grund zur Beunruhigung, deswegen schaffte Jumaana es weitgehend, diese Sorgen von sich zu schieben und sich auf anderes zu konzentrieren. Auf Neytíris Zukunft zum Beispiel. Sie wusste, dass sie bei Liam in guten Pfoten sein würde, wenn sie erwachte. Wenn sie das denn tat. Von Tag zu tag war ihr Herzschlag schwächer gewesen und sie hatte sich kein bisschen bewegt. Als wäre sie beinahe tot. Es war der Polarwölfin schwergefallen, die Welpin allein zu lassen, aber letzten Endes hatte sie Verantwortung zu tragen und sie war bereit zu helfen. Deswegen wurde Liam angewiesen, das weiße Wölfchen zu hüten, bis die Zeit gekommen war, um zu entscheiden, ob sie weiterleben oder sterben wollte. Die Wölfin hoffte, dass Neytíri die richtige Entscheidung treffen würde.
Und dann kam der Sturm. Der Himmel war schon lange verdächtig zugezogen, doch die leichte Dämmerung hatte Jumaana getäuscht und erst als der Donner über ihren Köpfen grummelte, fiel ihr auf, dass die bekannte Ruhe vor dem Sturm dagewesen war. Ob sie es gemerkt hätte, wenn sie mit auf Jagd gegangen wäre? Die Wölfin wusste es nicht, aber sie handelte schnell. Mit einem Kopfnicken bedeutete sie der Jungwölfin, ihr zu folgen, doch durch den Regen erkannte sie nicht, ob Amúr gehorchte. Sie wusste nicht genau, wohin sie wollte, aber auf der Lichtung konnte sie schlecht bleiben, sonst würde das Gewitter sein Opfer schnell wählen. Aber im Wald war die Gefahr, von einem Ast getroffen zu werden, zu groß.
Jumaana stoppte, als ihr einfiel, dass die Jungwölfin an ihrer Seite ihr etwas sagen hatte wollen. Sie hatte so eingeschüchtert und ängstlich geklungen, dass das Herz der Wölfin beinahe geschmolzen war. Der Sturm hatte sie überrascht. Und nun war es schwer, über ernste Themen zu sprechen, falls es das war, was Amúr auf der Seele lastete. Die Weiße war einen Blick nach hinten, doch die dicken Tropfen, die unaufhörlich auf sie hinabprasselten, waren wie ein Schleier vor ihren seetanggrünen Augen. Ich würde sagen, die Kleine hat ein Problem. Ein ziemlich großes Problem. Das Feenkind bemühte sich redlich, die Schwäche aus ihrer Stimme zu verdrängen und munter zu wirken, doch Jumaana täuschte sie damit nicht. Diese merkte die hinterschwellige Furcht der Toten. Warum muss es auch gerade jetzt so einen Sturm geben!, dachte sie halb zornig und halb besorgt um den Rest des Rudels. Fenris ist wütend, entgegnete Aarinath trocken und klang, als würde sie unter Schmerzen leiden. Ihre Seelentochter erwiderte nichts, sondern versuchte weiterhin, durch die verschwommene Sicht Amúr auszumachen. Als sich nichts hinter ihr tat, drehte sie um und setzte vorsichtig Pfote vor Pfote, bis sie bei der völlig durchnässten, zitternden Amúr war. Sie schien nicht daran zu denken, sich von der Stelle zu bewegen.
« Amúr, Kleine, wenn du jetzt aufstehst, können wir später reden. Wahrscheinlich ist es dir sehr wichtig, was du erzählen willst, aber noch viel wichtiger ist, dass wir den Sturm überleben. Du musst nur aufstehen und mir folgen. Dann wird alles gut. »
Mit lauter, beschwörender Stimme rief die Wölfin gegen den Sturm an, in der Hoffnung, dass die Jungwölfin sie verschwand. Die Regentropfen verschleierten ihren Blick, doch nach mehrmaligem Blinzeln erkannte sie einen seltsamen Ausdruck in Amúrs Augen. Als würde sie gerufen werden und wollte diesem Ruf folgen, doch irgendetwas fesselte sie an ihren Standplatz. Sie wirkte abwesend. Mit einem zarten Stups gegen die Schulter versuchte Jumaana die Graue wieder in die Realität zurückzuholen, falls sie in ihrer Traumwelt verschwunden war. Beschwörung flüsterte sie ihren Namen, doch der Sturm trug in die falsche Richtung. Normalerweise war die Wölfin überhaupt nicht ungeduldig und konnte warten, wenn es sein müsste. Aber auf der kleinen Lichtung waren sie die höchsten Punkte in der Landschaft und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blitz sie traf, war höher als im Schutz der Bäume. Ein Ast wirbelte um Jumaana herum und knallte gegen ihr Hinterbein. Die Weiße taumelte und zupfte leicht an Amúrs Ohr. Nichts. Mit entschlossener Miene und zusammengebissenen Zähnen schob sie die Jungwölfin vor sich her, einfach nur weg vom Mittelpunkt der Lichtung. Sie will nicht, bemerkte Aarinath, Rette dich lieber selbst, bevor ihr zusammen in den Abgrund des Todes stürzt. Ein tiefes Grollen ertönte. Einmal aus Jumaanas Kehle und einmal aus den dunklen, bedrohlichen Wolkenbergen. Der Regen fiel schwer und kalt auf das Fell der Wölfinnen. Halt deine gottverdammte Schnauze, Aarinath, und sei nicht so herzlos! Sie hat verdient zu leben! Im Gegensatz zu dir! Ungehalten flossen diese Gedanken durch ihre zarte Verbindung zu Takashis Mutter und ließen deren gleichmäßigen Atem verstummen. Jumaana schwieg und schob Amúr weiter vor sich her.
- [ beim Sammelplatz ihrer Gruppe › versucht Amúr zu schützen ]
22.08.2010, 16:48
Avendal warf einen Blick auf den fremden Rüden, durch den Sturm und den Regen der ihr gegen die Augen prasselte und sie dazu zwang diese nur halb zu öffnen konnte sich nicht wirklich ein genaueres Bild von diesem Rüden machen. Sie war erfreut das Aléya ihr den Halt gab und sie ein wenig vor dem Sturm schützte, sie hasste solche Unwetter und schüttelte das Nass aus ihrem Pelz. Unnötig jedoch denn der Regen war immer noch vorhanden und befeuchtete ihr Fell nur noch mehr. Die Worte ihrer weißen Freundin ermutigten Avendal etwas, sie wollte so schnell wie möglich zu den anderen zurück. Als Aléya Sheena erwähnte, warf die Jungfähe einen vorsichtigen Blick auf die hochrangige Weiße und erhoffte sich auch von ihr eine Antwort, ehe sie ihre Seelenspiegel wieder zu dem Fremden wandte. Er stellte sich als Ráyon vor und auch Avendal wollte nicht so unhöflich sein und sich vorstellen, was ihr doch Aléya bereits abnahm, weshalb Avendal nur den Kopf etwas senkte und dabei ihre Rute wedeln ließ.
„ Freut mich, dich kennen zu lernen! “
Das blau ihrer Augen leuchtete auf als sie den Worten ihrer Nachbarin gelauscht hatte. Aléya schien diesen Rüden zu mögen und mit einem Blick auf Sheena, schien diese dieselbe Vermutung zu haben. Ihre Ohren zuckten aufmerksam als Sheena endlich ihr Wort an sie richtete und Avendal erleichtert den Kopf heben konnte, nur ein kurzes Nicken, als Zeichen das sie verstanden hatte. Und machte kehrt um der hochrangigen Fähe zu folgen. Zwischendurch warf sie einen Blick von Aléya zu dem fremden Rüden, schenkte diesem immer nur ein knappes freundliches Lächeln und zur Bestätigung das sie nichts gegen ihn hatte, pendelte auch ihre Rute sanft hin und her. Blind folgte sie der Spur von Sheena ehe sie bei einer Mulde ankamen. Fragend blickte sie in das scheinbar trockene Plätzchen und wartete auf die Anweisungen der Älteren. Bei dem Wort geschützt konnte Avendal nicht anders als mit der Rute zu wedeln und erfreut nach der Luft zu schnappen. Sie schien so in Gedanken versunken zu sein, das sie erst wieder zurückfand als Sheena Ráyon erwähnte und sie den Kopf in die Richtung des Rüden drehte.
„ Geschichten? Ich möchte auch Geschichten hören!“
Gab Avendal von sich und zog die Lefzen zu einem Lächeln zurück als sie mit ansah wie Sheena den fremden Rüden zaghaft mit der Nase an stupste.
[Bei Sheena, Aléya und Ráyon]
22.08.2010, 23:43
Tarik ignorierte die etlichen Worte der weißen Wölfin und richtete seinen Blick für einen Moment zum Himmel. Dunkle Wolken hatten sich über ihnen ausgebreitet, nach den ersten Tropfen setzte ein Platzregen ein und ein starker Wind zerrte an seinem Pelz. Als Blitze über den Himmel zuckten und der Donner immer lauter wurde, wurde ihm bewusst, dass sich da ein Sturm über ihnen zusammenbraute. Immerhin etwas Positives an diesem Tag, ein Sturm. Der konnte ihm zur Not Deckung geben und bot die perfekte Gelegenheit lautlos zu verschwinden. Sicherlich würde bald Panik im Rudel ausbrechen und ein Fremder wie er würde untergehen. Tariks Haltung entspannte sich minimal und nach langen Sekunden senkte er seinen Blick zur zweiten Fähe. Erst jetzt realisierte er den ganzen Wortschwall der Weißen und zuckte einmal mit den Ohren. Es schien so, als würde sie die Schwarze neben ihm nicht kennen, aber konnte das sein? Hatte sie ihn belogen? Aber welchen Grund hätte sie? Naja, es sollte ihn auch nicht interessieren.
Neu hier...was für eine unpassende Beschreibung, stellte er fest.
"Fremd, nicht neu..."
Eher unbedacht sprach er die Worte und sah kurz zu der Fähe, die wohl etwas freundlicher schien, als seine vorherige Begleitung. Der Regen durchnässte seinen Pelz, doch er sah keinen Grund darin sich unter dem Baum zu verstecken, Regen war nicht gefährlich, nichts wovor er sich verstecken musste. Aber er hatte die Geste von Lyerra gar nicht verstanden, er kannte es nicht, dass man ihm Platz machte.
Alles weitere Gesagte ignorierte er, ob es nun daran lag, dass er solch freundliche Worte nicht gewohnt war oder allgemein nicht gerne sprach und nicht wusste, wie man sich mit anderen unterhält, konnte man daraus nicht schließen. Vielleicht hatte sie auch einfach nicht die richtige Frage an ihn gestellt, wenn man das überhaupt konnte. Aber vielleicht war es auch etwas ganz anderes, was ihm plötzlich einen Schauer über den Rücken jagte. Lehrjagd. Lehrjagd. Woher kam ihm dies so vertraut vor? Das kannte er. Er musste es kennen. Er kannte es. Der Rüde spürte wie sein Herz sich zusammen zog und das Blut durch seinen Körper rauschte. Woher kam ihm dieser Begriff nur so bekannt vor, wieso hatte er das Gefühl, dass es da etwas Wichtiges gab, was ihn mit diesem Begriff verband? Seine Gefühlslosigkeit war für einen Moment vergessen, seine hellen Augen starrten in die Dunkelheit und sein Körper war angespannt. Tarik schüttelte seinen Kopf, da konnte es nichts geben, er musste sich zusammenreißen, er war schon immer allein gewesen. Ja genau, so war es.
"Stimmt, ein seltsamer Baum...der Weg ist das Ziel..."
Er brauchte einen klaren Gedanken, was stammelte er da vor sich hin? Beruhigen. Das war alles. Genau, ein- und ausatmen. Sein Puls verlangsamte sich und sein Körper fiel ihn sein altes Verhaltensmuster zurück.
[Mit Amáya und Lyerra unter dem Muschelbaum]
24.08.2010, 19:15
Es krachte, es donnerte, es blitze, der Regen prasselte hart auf die Erde herab. Erbarmungslos durchweichte der Regen alles, dass sich durchweichen ließ, durchnässte alles ebenso erbarmungslos. Und wenn sich etwas nicht durchweichen oder durchnässen ließ, dann wurde es von einem nassen Film überzogen. Blitze schossen auf die Welt herab und schlugen teilweise irgendwo ein. Es donnerte und raubte einem beinahe den Nerv. Das abwechselnde Dunkel und Hell strengte die Augen der Lebewesen an, auch die von dem Jährling Nihil, dessen eigentlich rein weißes Fell vom Matsch seiner Umgebung völlig verdreckt war, der etwas erschöpft vor Shani auf dem Boden lag und sie mit großen Augen beobachtete, als sie einen Rundgang um ihn machte und anscheinend nach Ursachen für seine Schmerzen suchte. Doch sie fand keine - wie auch? Die Schmerzen waren doch in ihm. Er hörte ihre Fragen, doch ehe er antwortete, schaute er zum Himmel - oder dorthin, wo der Himmel zu erkennen sein sollte. Er erkannte ... nichts. Ein grauer Schleier verdeckte den Himmel, machte die massigen Wolkenberge unkenntlich, Regentropfen schossen ihm so schnell entgegen, dass er seine Augen nicht rechtzeitig schließen konnte und einige ihm in die Augen fielen. Blinzelnd wollte er sie vertreiben, doch immer wieder waren neue da, die ihn erneut zum Blinzeln brachten. Irgendwo dort oben, hinter diesen tausenden und abertausenden Regentropfen, diesem grauen undurchdringbaren Schleier, dieser Lautstärke, diesen massigen unerkennbaren Wolkenmassen und diesen krachenden Blitzen, irgendwo dort oben war Engaya und schaute auf sie herab. Was sie dachte, war Nihil unbekannt. Wo genau sie war, wusste Nihil nicht. Ob sie alleine war, war Nihil ebenfalls nicht bewusst. Waren all diejenigen dort, die in ferner Vergangenheit einmal gestorben waren? Auch diejenigen, die in naher Vergangenheit gestorben waren? War seine Mutter bei ihr dort oben? Wo war seine Mutter? Was bedeutete Engaya? Wer war sie? Gab es ein "Gegenstück"? Wachte sie über alles, was passiert war, was gerade passierte und was noch passieren würde? Wusste sie das alles? Oder war sie nur eine weitere im Spiel der Zeit? Im Spiel der Götter? Waren sie einfach nur weitere Spielsteine im Spiel der Götter? Der Götter über ihr? Oder war sie selbst eine dieser Götter, die dieses Spiel spielten? So viele Fragen schossen durch Nihil's Kopf, er hatte auf keine dieser Fragen eine Antwort. Er senkte seinen Kopf und schaute Shani in die Augen. Wusste sie Antworten? Wusste sie etwas, was er nicht wusste? Wusste sie etwas über Engaya und das alles hier? Oder war sie genauso unwissend wie er und hatte keine Ahnung? War einfach auch nur ein unwissender Spielstein in diesem Spiel? Fragen ... Fragen ... Fragen ... Wieso immer nur Fragen? Das Leben bestand nur aus Fragen ... oder? Und wieder eine Frage. Nihil verfluchte seine Gedanken und widmete sich endlich doch Shani's Fragen und suchte eine Antwort auf ihre Fragen. Fragen, auf die er eine Antwort haben musste, sollte. Hatte er denn Antworten?
"Es sticht, da drinne. Da in meiner Brust, dort irgendwo. Mein Inneres tut weh, es ist nicht körperlich. Es ist nicht sehr schlimm, aber es wird schlimmer, wenn ich mich bewege - oder es wird besser. Ich weiß nicht, warum, es ist einfach so."
Nihil grub seine Nase in den Matsch, ehe er aufstand, nachdem er Shani erneut über ihre Schnauze geleckt hatte. Dann drehte er sich einmal im Kreis. Tappte in die eine Richtung, dann in die andere Richtung. Beide Richtungen gab er sofort auf und kehrte zu Shani zurück. Zweifelnd starrte er in die beiden verbliebenen Richtungen. Wo sollte er lang? Er schlich langsam in die eine Richtung. Nichts passierte. Minimal veränderte er die Richtung. Falsch, es stach. Augenblicklich blieb er stehen und wandte sich ein Stück wieder in die entgegen gesetzte Richtung. Vorsichtig und langsam mit angelegten Ohren ging er in diese Richtung. Es wurde leicht besser, minimal, kaum spürbar. Als Nihil das wahrnahm, schoss sein Kopf in die Höhe, seine Ohren nach vorne und seine Haltung veränderte sich ähnlich, wie wenn ein jagender Wolf eine Beute entdeckt hatte. Begierig schaute er zu Shani.
"Da lang! Da lang!"
Seine Stimme klang begierig und eifrig. Da mussten sie lang, dass wusste Nihil einfach. Wenn es weniger wurde, dann musste das die richtige Richtung sein.
[Shani | Wald]
25.08.2010, 18:50
Der Weg bis zu dem geschützten Platz, den Sheena versprochen hatte, war tatsächlich nicht so weit. Dennoch reichte es, um sein Fell weiter zu durchnässen. Wobei... Welcher Teil von ihm war mittlerweile eigentlich noch nicht durchnässt? Irgendwie gab es da keine Stelle, keinen einzelnen Fleck, sei er noch so klein, der nicht vom Regen berührt war. Man hätte vermuten könnten, dass zumindest sein Bauch trocken geblieben war, doch so war es nicht.
Und noch immer war kein Ende der Wolken in Sicht.
Er lächelte bei Aléyas Fragen, ob er Geschichten zu erzählen hatte, doch er hab ihr keine direkte Antwort. Er wurde das Gefühl nicht los, dass er Sheena gegenüber hätte anders auftreten sollen. Nur wie? Er hatte sie immerhin nicht gesehen, als er in Aléya hinein gerannt war. Es machte jedoch keinen Sinn sich nun den Kopf darüber zu zerbrechen. Er schenkte der Fähe, die Aléya ihm als Avendal vorstellte ein kurzes Lächeln zusammen mit einem Kopfnicken. Dann ging es auch schon los. Nach wenigen Metern spürte er, dass er erschöpft war. Seine Läufe zitterten unter seinem Gewicht und der Kälte und seien Augen fielen ihm fast zu. Es war an diesem Tag zu viel gereist. Trotz seiner hohen Ausdauer. Und langsam schaffte er es nicht mehr die Haltung zu bewahren, die er eisern hatte halten wollen.
Sein Kopf sank zwischen seinen Vorderläufe, schlapp und kraftlos, und seine Rute wedelte nur noch schwach zwischen den Hinterläufen hin und her. Auch das Gähnen ließ sich nicht mehr unterdrücken und so riss er die Leftzen auseinander und bleckte die Zähne, während sich seine Zunge kräuselte. Und Ráyon hoffte, dass es niemand gemerkt hatte, denn es war ihm peinlich.
Um so glücklicher war er, als er die Mulde erblickte, die ihm Schutz bieten sollte. Lang ersehnte Rettung vor dem Regen. Irgendwie war es für ihn unerklärlich, wie dieser Platz bei diesem Regen noch trocken geblieben war, allerdings machte er sich gar nicht erst die Mühe darüber zu sinnieren, wie es zu diesem Wunderwerk gekommen war. Hauptsache trocken.
Gerade als der Rüde sich mit einem zweiten, herzhaften Gähnen auf dem trockenen Boden niederlassen wollte, spürte er etwas, das seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Er wusste nicht was es war, und wie es zustande kam, doch trotzdem lenkte es ihn wenigstens für den Moment von seiner Erschöpfung an. Und ehe er irgendetwas zu diesem komischen, warmen Gefühl sagen konnte, dass von Sheena zu ihm hinüber schwappte, begann sie auch schon ihn anzusprechen. Er lauschte. Aufmerksam.
Ein gutmütiges Lächeln ergriff ihn, als sie sagte, dass sie nicht böse auf ihn war.
» Danke. «, sagte er nur, nicht wissen, was er noch hinzufügen sollte.
Die Fähe hatte also, ganz wie er zu Beginn geglaubt hatte, einen höheren Stand. Ráyon konnte nicht mehr genau zuordnen, wie es damals, in seinem Heimatrudel war, aber zumindest war der Jagdleiter immer eine wichtige Person gewesen. So beugte der Bunte auch vor der hiesigen Jagdleiterin ehrfürchtig den Kopf, ohne sie aus den Augen zu lassen - eine Geste der Dankbarkeit und dem Respekt, dem man jedem hochrangigen Mitglied zu zollen hat. Er hoffte, dass es ausreichen würde, denn er hatte keine Ahnung, welche Sitten man hier pflegte.
Und dann – endlich – kam die Geste, die ihn Willkommen hieß, denn die Jagdleiterin stupste ihn an, und teilte ihm so mit, dass er nicht verjagt werden würde. Welch eine Erleichterung. Sofort begann seine Rute wieder schneller zu wedeln. Dabei vergaß er fast die Frage, die dieser Geste vorangegangen war.
Auch sie wollte also eine Geschichte hören.
Alle wollten Geschichten hören.
Doch waren die Geschichten, die Ráyon erzählen konnte tatsächlich sonderlich interessant? Ein selbstsicheres Lächeln stahl sich auf seine Leftzen, während er sich auf den trockenen Boden fallen ließ. Während er sich langsam auf den Rücken drehte, entblößte er erneut seine Zähne und gähnte.
» Aber ich bin doch sooooo müde. «
Er sprach wie ein kleines Kind, dass früh morgens geweckt wurde, aber noch keine Lust hatte aufzustehen. Ein Lachen, das weniger kindlich klang, folgte seinen Worten. Etwas unsicher sah er zu Sheena. Sein Blick war nun eher flehend, als bittend.
» Ich weiß, dass es mir nicht zusteht um etwas zu bitten, denn ich bin nur ein Fremder in einem Revier voller Wölfe, doch ich muss sagen, dass der lange Weg bis zu diesem Tal sehr anstrengend war. Ich will nicht sagen, dass ich ein Schwächling bin, « - wieder dieses selbstsichere Lachen - » aber ich denke jeder Wolf wäre nach solch einer Reise geschafft. Wäre es verständlich, wenn ich nur die nötigsten Fragen beantworte und mich dann vorerst zur Ruhe legen würde? «
Es war eine freundliche Frage und die Selbstsicherheit die in seiner Stimme lag, schwang nicht in seinen Augen mit.
Er wollte Ruhe.
Er brauchte Ruhe.
Und Kuscheln.
27.08.2010, 22:26
Chardíms Ohren klappten automatisch nach hinten, als er grade noch erspähte, wie der Kopf der weißen Jungwölfin gegen einen Ast donnerte. Autsch. Das musste weh getan haben. Aber warum lag sie auch einfach so in einem Busch herum? Alleine, irgendwo im Wald? Falls es ihre Absicht gewesen war sich zu verstecken, so war der Versuch doch recht gescheitert. Immerhin gehörte so eine Rute, die aus einem Busch heraus hing, nicht wirklich zum üblichen Landschaftsbild. Langsam drehten sich die Ohren des Schwarzweißen wieder nach vorne, da sich die Weiße nun ihm zuwandte und glücklicher Weise nicht böse aussah. Dafür ließen ihn ihre Worte die Stirn runzeln. Fenris? Ein Rudelmitglied? Sollte das ein Scherz sein? Keine Namen merken? Aber jeder musste doch Fenris kennen, ebenso wie Engaya! Chardím blinzelte die Wölfin etwas verwirrt an, die sich nun als Minyala vorstellte und aus dem Busch heraus kam. Hm, na ja, vielleicht hatte sie wirklich eine Schwäche für Namen, aber vom Gott des Todes musste sie doch wissen.
„Ich bin Chardím. Hast du echt vergessen, dass der Gott des Todes Fenris heißt? Du weißt schon, Engaya und Fenris. Leben und Tod!“
Ein Grinsen zog sich auf seine Lefzen und er stupste Minyala aufmunternd an. Sie sah irgendwie ein wenig unglücklich aus. So tropfnass – nicht, dass er das nicht auch war – und mit hängenden Ohren.
„Tut mir Leid, wenn ich dich erschreckt habe. Aber ich glaube, wir sollten uns jetzt echt beeilen. Irgendwas stimmt nicht.“
Seine Miene wurde wieder etwas ernster und die blaubernsteinfarbenen Augen sahen in den Wald. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was nicht stimmte, aber es fühlte sich immer noch sehr verdreht und komisch an. Es war aber auch nichts verdächtiges zu sehen. Wald, Wald, Bäume, Regen. Und spüren konnte er ganz viel Wind – herumfliegende Äste auch, aber von denen wollte er nicht noch einmal getroffen werden.
[ Im Nadelwald | Minyala ]
27.08.2010, 22:53
Face Taihéiyo ließ seinen saphirblauen Blick noch ein paar Sekunden lang auf Ethelion hängen. Dieser ließ die Zurechtweisung zwar über sich ergehen und stimmte ihm so gesehen zu, aber visuell beachten tat er ihn dabei nicht. Face verengte kurz die Pupillen; die Situation gefiel ihm nicht. Er hatte das Gefühl, als könne sie jede Sekunde zwischen seinen Pfoten eskalieren. Der Jüngling verteidigte seinen Freund hysterisch, Ethelion schien gut Laune zu haben, diesem Baal an die Kehle zu springen und auch den Fremden umgab ein aggressives Knistern. Und Face war es doch, der jede Art von Aggression verabscheute, der niemals Zahn an einen Wolf angelegt hatte, egal, wie unfreundlich und aggressiv man ihm gegenüber gestanden hatte. Er wollte nicht, dass es nach 8 langen Jahren doch noch dazu kommen musste. Denn sich selbst nicht zu verteidigen, war etwas anderes, als einen Jungwolf, oder ein Rudelmitglied, das unter seiner Obhut stand, nicht zu verteidigen.
Face Taihéiyo warf Ethelion, aber auch Baal noch einen warnenden Blick zu. Dann beschloss er, sich doch noch dem Jüngling Pyotr zu zuwenden, auch wenn alles in ihm danach drängte nur schnell sein Patenkind, dessen Familie und das restliche Rudel zu finden und auf einen Platz zu bringen.
„Beruhige dich, Pyotr. Du hast mein Wort, er wird deinem Freund nichts tun. Und auch niemand anderes, solange es keinen Grund gibt.
Der Tod ist nicht böse und auch nicht gefährlich. Er ist einfach nur der Tod. Er ist da, wenn ein Leben endet. Böse und gefährlich kann nur ein lebendiges Wesen sein und ihn herbei rufen. Wir müssen jetzt sicher stellen, dass sich kein solches Wesen hier im Revier befindet.“
[ Auf dem Weg zum Rudelplatz | Pyotr, Ethelion, Baal ]
30.08.2010, 11:18
Caylee hatte nicht so Recht an den Erfolg ihrer Worte glauben können – umso erstaunter war wie über Cirádans Reaktion. Nachdem er aufgeschreckt war, als sie ihn an der Rute gezogen hatte, stand er nun tatsächlich auf und tappte an ihr vorbei, als hätte er schon die ganze Zeit darauf gewartet, dass es endlich losging. Kurz krauste sich die Stirn der Weißen, dann wischte sie die Gedanken mit einem fröhlichen Kopfschwenker fort und wuffte zufrieden. Ci stand am Felsen und wartete brav auf sie, so wie Caylee es ihm vorher gesagt hatte. Mit zwei Hüpfern war sie neben ihm, zog ihn spielerisch am Ohr und setzte dann die ersten vorsichtigen Schritte auf den nassen Stein. Ihr Blick war konzentriert und die Rute schwang ausnahmsweise mal nicht fröhlich, sondern viel eher das Gleichgewicht suchend hin und her. Als der Felsen ein wenig steiler wurde, versuchte die Weiße Tritte zu suchen, die weniger nass waren, aber ein kurzer Blick bestätigte die Aussichtslosigkeit. Der Felsen sah aus, als hätte man ihn in den See geworfen, keine einzige trockene Spitze ließ sich dort finden. Also weiter, eben noch ein wenig vorsichtiger. Wieder krachte ein Donner über ihnen und Caylee warf einen prüfenden Blick hinter sich, ob Cirádan auch nicht vor Schreck ausgerutscht war.
Jetzt kam der Absatz, sie musste einen kleinen Sprung machen, dafür wäre sie danach praktisch am Ziel. Ein wenig verunsichert betrachtete sie die Stufe, die ihr knapp bis zu den Schultern reichte. Unter normalen Umständen war das überhaupt kein Problem, aber es war alles so nass und Caylee konnte sich tausend schönere Sachen vorstellen, als auszurutschen und über diese Kante zu schrammen. Sie sollte aber auch nicht zu lange zögern, sonst könnte Cirádan auf die Idee kommen, ängstlich zu werden und den Sprung nicht zu wagen. Also nahm sie all ihren Mut zusammen, schluckte noch einmal und drückte sich dann so gut es auf dem rutschigen Stein ging ab. Schon im nächsten Moment stand sie oben, ihr linker Hinterlauf traf zwar ins Leere, aber das Gleichgewicht konnte sie dennoch halten. Erleichtert und hoch zufrieden mit sich selbst jaulte sie auf und drehte sich dann zu Cirádan um. Ihn musste sie hier auch noch hochbekommen.
“Das war total einfach!“
Sie brüllte so laut sie konnte, war sich trotzdem nicht sicher, ob ihr Bruder-oder-so sie hatte verstehen können. Hier oben war der Wind noch stärker und machte Anstalten, sie vom Felsen zu pusten. Um weniger Angriffsfläche zu bieten machte sie sich ein wenig kleiner und versuchte dennoch aufmunternd mit der Rute zu schlenkern. Ein weiterer Blitz zuckte über ihr und ihr Ohren drehten sich in Erwartung des Donners leicht zurück.
[ See - Felsen | Cirádan ]
30.08.2010, 16:32
Der Genuss der Fähe den der tote Hase ausgelöst hatte, war sichtlich zu erkennen. Und das freute Liam sehr. Also hatte er mal wieder intuitiv das Richtige getan. Und obwohl auch in ihm ein leichtes Hungergefühl aufgewallt war, beobachtete er freudig, wie die Fähe den Hasen langsam aber sicher verschlang.
Unsicher ob sie seinen Blick als aufdringlich empfinden würde, wand er seinen Blick dem Regen zu der unaufhörlich gen Boden fiel.
Große Tropfen, kleine Tropfen, Wasserspritzer wenn die Tropfen in einer Pfütze landeten. Der Waldboden verwandelte sich in ein Matschfeld und wenn es so weiter regnen würde, würde er wohl bald unter Wasser stehen. Spätestens dann wäre auch ihr Platz nicht mehr trocken und sicher. Doch soweit würde es hoffentlich nicht kommen.
Erst als die Fähe anfing zu sprechen, blickte er wieder zu ihr rüber. Noch immer zierte das sanfte Lächeln seine Lefzen.
„Da täuscht dich dein Gefühl nicht meine Liebe“
Er stupste die liebevoll an. Sie erschien ihm noch so klein und hilflos, dabei musste sie ungefähr so alt sein, wie die anderen Jungwölfe und die kamen ihm kaum noch hilflos vor. Aber wie sollte man auch anders wirken, wenn man die Hälfte seines kurzen Lebens bereits verschlafen hatte. Natürlich unbeabsichtigt. Konnte sie sich wohl daran erinnern, was davor war?
„Du hast sehr lange geschlafen. Deine Vorgeschichte kenne ich nicht, aber du kamst wohl verletzt und erschöpft zu dem Rudel. Rakshee, eine junge Priesterin, hat dich geheilt und dann musst du in einen langen erholsamen Schlaf gefallen sein. Da ist es ganz natürlich, dass du dich nun schwach fühlst. Deine Muskeln müssen sich erst langsam wieder an Bewegung gewöhnen und erneut aufgebaut werden. Aber ich bin mir sicher, dass du die innere Stärke hast, die du benötigen wirst. Oder bist du anderer Ansicht?“
Es war immer gut, nicht einfach nur klug daher zu reden, sondern den Gesprächspartner direkt mit einzubeziehen.
Sie hatte also Durst. Doch zum Bach zu gehen wäre nun zu gefährlich. Vor allem, da sie sich sicherlich nicht auf den Pfoten halten konnte. Das Unwetter würde den Weg nicht erleichtern. Doch was sollte er tun, sie würde baldmöglichst was trinken müssen. Er stand auf und schüttelte seinen dichten Pelz. Dann schielte er aus ihrem trockenen Unterschlupf hinaus in den Regen. War nicht irgendwo, recht nah, eine Pfütze zu finden?
Und wie, als wenn das Glück auf ihrer Seite stand, konnte er eine erspähen. Zehn, fünfzehn Schritte entfernt, sie würden kaum nass werden. Er blickte zu der Fähe hinunter. Würde sie laufen können oder würde er sie tragen können? Sie dürfte nicht schwer sein, keine Muskeln und eher abgemagert als zuviel Fett.
„Da vorne ist eine kleine Pfütze. Sie wird deinen Durst vorerst stillen können. Meinst du, du kannst zu ihr laufen, wenn ich dich stütze. Ansonsten werde ich dich wohl tragen können…“
Er hoffte sie würde das Angebot nicht als entwürdigend auffassen.
[Neytíri- geborgen, Rudelplatz]
03.09.2010, 22:35
Ganz still und unbeweglich harrte Averic am Waldrand und starrte über die Blumenwiese, hinüber zu seinen Söhnen und seiner Gefährtin, die auf die Drei zulief. Je näher Tyraleen seinen Söhnen kam, desto kälter schien es um ihn herum zu werden. Über ihm verdunkelte sich der Himmel, ein eisiger Wind begann an seinem pechschwarzen Pelz zu zerren. Etwas bahnte sich an. Averic verspürte das Bedürfnis los zu rennen, seine Gefährtin ein zu holen und mit ihr zusammen die Welpen zum Rest des Rudels zu bringen, wissend, dass ihnen so nichts geschehen würde. Aber sein Körper war steif und er regte sich nicht. Der kalte Atem in seinem Nacken beunruhigte ihn. Der Schwarze wandte den Kopf zur Seite und sein Blick stach zu der schwarzen Gestalt hinüber, die immer noch seitlich hinter ihm stand. Er schickte ihr ein stummes Zähnefletschen, doch der Tod stand dort, verzog sein Gesicht zu einer grinsenden Grimasse und der Farbenblinde konnte seine blutigen Augen glühen sehen. Mit einem Mal wurde die Szenerie, die eben noch von Sonnenschein und Vogelgezwitscher erfüllt gewesen war, so bedrohlich und düster; eine lauernde Gefahr klammerte sich langsam um seine Kehle und wollte ihm die Luft abschnüren. Hastig wandte Averic seinen Kopf zurück zu Tyraleen und seinen Söhnen, doch plötzlich war da nur noch ein Sohn. Tascurio. Er verstand nicht, was wurde hier gespielt?! Abermals wirbelte der dunkelblaue Blick zur Seite, als sich die riesige schwarze Gestalt an seiner Seite in Bewegung setzte. Wie elektrisiert stellte sich das Fell auf seinem Rücken auf und er fühlte, wie sein Herz anfing zu rasen, als Fenris, der Todbringende auf seine Geliebte und seinen Sohn zusteuerte. Entsetzen machte sich breit, er setzte die ersten Schritte hinter ihm her – leider viel zu zögerlich, zu ungläubig – da löste sich die Kreatur in schwarzen Nebel auf und schoss nur noch wie ein Pfeil auf seine Lieben zu.
„NEIN!“
Averic rannte los und war im nächsten Moment nicht mehr im Stande klar zu sehen. Sein graues Blickfeld wurde von der Farbe des Blutes geflutet, so stechend, dass seine Augen schmerzten, so viel, dass er darin fast ertrank.
Zittrig ging sein Atem aus und dann fühlte sich Averic komplett leer gefegt. Verständnislos, ungläubig und starr führte sein Blick auf seine Gefährtin hinab, die zu seinen Pfoten lag, das Maul mit Blut verschmiert. Daneben sein Sohn, die Kehle aufgerissen, die Augen gebrochen. Überall war Blut. Stechendes, grelles Blut, das auf seiner Netzhaut brannte. Es erstickte ihn. Aber noch viel mehr erstickte ihn, wie er schleichend begriff, dass Tyraleen gerade Tascurio getötet hatte. Ermordet. Seine Gefährtin seinen Sohn. Ihren gemeinsamen Sohn. Er konnte es nicht fassen, konnte es nicht begreifen. Das konnte nicht real sein, Fenris musste ein abartig grausames Spiel mit ihm spielen. Das konnte nicht sein. Seine herzensgute, geliebte Tyraleen, die für alles Leben stand, hatte ihren Welpen hingerichtet.
„Was ... was hast du getan ...“
[ Blumenwiese | Tyraleen, der tote Tascurio ]
04.09.2010, 01:30
Krolock knurrte drohend auf, ein tiefer, kehliger Laut, wie er noch nie von ihm erzeugt worden war. Wozu auch? Bisher hatte er sich nie mit jemandem derart auseinander gesetzt. Es war ihm so völlig gleich, was nun weiter geschah, solange er sich nur eine Weile länger mit der Jungfähe prügeln konnte.
„Du bist WURMFUTTER!“
Bisse über Bisse. Es war eklig, wie schmerzhaft die waren und er bemühte sich, das Winseln zu unterdrücken, dass ständig zwischen seinem Knurren hervor dringen wollte. Und dann, als er Neruí endlich ganz gut hätte packen können, krachte etwas gegen ihn. Es riss ihn geradezu von den Pfoten und so landete er im Schlamm. Der Boden war so schnell unter ihren Pfoten aufgeweicht und einer matschigen Pfütze gewichen, die alles rutschig machte.
Sein halber Kopf versank für Sekunden im Dreck und als er wieder auftauchte, war er nicht mehr nur schwarz. Seine Bewegungen waren hektisch, wusste er doch, dass er nun eine gute Zielscheibe abgab. Er trat aus, schlug wild um sich und kämpfte sich irgendwie wieder auf die Pfoten. Er fixierte ausschließlich Neruí und interessierte sich gar nicht dafür, warum er eigentlich im Schlamm gelandet war. Der Regen wusch den Dreck aus seinem Gesicht und verteilte ihn bis zu den Pfoten.
[Bei Neruí und Liel im Wald]
04.09.2010, 22:04
Baal hatte sich vor ihn geschoben, eine Handlung die Pyotr unweigerlich mit einem irritierten Zucken seiner Lefzen beantwortet. Doch er konnte sich nicht lange auf den Freund konzentrieren, denn seine Sinne waren viel zu sehr auf Ethelion gerichtet. Das Rotauge dem scheinbar noch immer diese gefährliche Drohung innewohnte – ein Umstand der zu erschreckend war, als das er Jungwolf es so einfach zu verarbeiten wusste. Was sollte er denn in einem Tal machen, wo er niemanden kannte außer den Schwarzen neben ihn! Auch wenn Baal seltsam war und verwirrende Sachen sprach, bot er ihm unweigerlich Schutz, eine Schultern zum Anlehnen und einen Zuhörer. Er gab ihm das unmissverständliche Gefühl nicht fehl am Platz zu sein! Wie konnte es dieser Schwarze dann wagen sie in so einen Engpass zu zwingen. Das hatte sein Vater ihm niemals gesagt. Keiner durfte sich das Recht herausnehmen einen anderen zu etwas zu zwingen.
Obwohl Ethelion nicht unbedingt zum Kampf (oder besser gesagt: zum Tod) verpflichtete, löste seine unmissverständliche Haltung Unbehagen in dem wild pochenden Herzen des Jägers aus. Nur behutsam konnte sich das Maul öffnen, während die Ohren noch immer an den Kopf gepresst, die gedämpften Worte Baals verarbeiteten.
„Er darf dir nichts antun, Baal. Wir waren doch nur auf der Suche nach einem Unterschlupf und einem Platz an dem wir bleiben können. Wieso reagiert er so! Wieso macht er mir so Angst?!“
Die Stimme noch immer gesenkt, wandte sich die Schnauze zum Boden. Er hielt den Blick gesenkt, um nicht nochmal einmal diesen bösen roten Augen begegnen zu müssen und starrte stattdessen auf die kräftigen Pfoten seines Weggenossen. Für Pyotr war es einfach nicht zu verstehen. Sein Vater hatte ihm einmal erzählt, das es genug Wölfe gab, die nicht wussten wo sie hingehörten und aus diesem Affekt heraus anderen Steine in den Weg schoben. Aber er hatte ihm auch gesagt, dass die meisten von ihnen harmlos waren. Er brauchte sich keine Sorgen zu machen. Selbst Baal schien den leisen Nachhall der Stimme seines Vaters zu bekräftigen.
Wieso fühlte er sich dann so elend, so beobachtet, so unbehaglich zwischen zwei gespannte Fronten gedrängt. Selbst wenn ihm der Schwarze versicherte und sich der große Bär mit Worten Gehör verschaffte, mochte es dieses zitternde Gefühl aus seinem Inneren nicht lösen. Es war wie festgekittet und machte ihn mehr noch als unsicher.
Erst jetzt schüttelte Pyotr den Kopf und wandte das honiggelbe Augenmerk zu dem Bären, der noch immer zu ihm sprach. Wie konnte er so reden? Wenn Tod ihnen doch Freunde und Familie nahm, wie konnte er nicht gefährlich sein? Natürlich wusste er, dass auch andere ihn herbeirufen konnten, zumindest dachte der Rüde das.
„Aber wie willst du die erkennen, die den Tod bringen? Sehen sie anders aus? Und wieso tun sie das? Sie leben doch auch! Sie dürfen anderen nicht den Tod wünschen! Das hat doch niemand verdient!“
Mit ein wenig mehr Elan kämpfte sich der Jungwolf aus seiner Starre und trabte mit geschmeidigen Sätzen zu Face hinüber; das Rotauge bewusst ausblendend und das neugierige Augenmerk noch immer auf dem stattlichen Antlitz des Bären haftend. Und wenn wirklich jemand in diesem Tal war, wie das Seeauge sagte, waren sie dann auch in Gefahr?
„Wo willst du überhaupt nach diesen Bösen suchen? Wo gehen wir hin?“
[zum Rudelplatz laufend | Face, Ethelion und Baal]
05.09.2010, 12:42
Tyraleen meinte zu ersticken. Der Schmerz loderte brennend in ihrem Kopf, versengte ihre Gedanken und zerstörte jede Absicht. Das Blut, in dem sie ertrank hatte einen roten Film über ihre Augen gelegt, war in ihre Kehle gelaufen und verschloss ihre Ohren. Rot war die Welt, rot jeder Atemzug und rot jede Sekunde ihres weiteren Lebens. Und immer mehr Blut kam nach, breitete sich über die Wiese aus, erreichte die Bäume, kroch sie hinauf und ließ sie kahl werden. Ein Sturm hatte es heraufbeschworen, Wind zerrte an ihrem verklebten Fell. Die ersten Regentropfen schlugen hart auf ihre Stirn und spülten das Blut fort. Jetzt sah sie Averic, er kam auf sie zu, rannte ihr zu helfen. Auf wackligen Läufen, immer wieder im Blut ausrutschend und schwankend wollte sie ihm entgegeneilen, prallte an seinem Blick ab, bevor sie einen Schritt getan hatte. Er hatte sie erreicht, sah sie an, als wäre sie ein Monster, berührte sie nicht. Seine Worte klangen kalt, entsetzt, voller Vorwurf. Das Blut rann tiefer in ihre Kehle, würgend schluckte sie es, wollte es wieder hervorwürgen und musste dabei doch Worte zum Sprechen finden. Sie trat einen Schritt zurück, rutschte in Tascurios Blut und fiel beinahe hin. Ihr Fell war über und über mit Blut bedeckt und aus ihren Augen rannen rote Tränen.
“Averic …!“
Schon setzte sie ihre Pfote wieder vor, wollte sich an ihren Gefährten drücken, wollte durch seine Nähe das Grauen vergehen lassen.
“Averic! Ich habe es für dich getan! Er hätte dich getötet! Ich habe ihn getötet, damit du leben kannst!“
Wieder prallte sie zurück, vor Angst, Entsetzen, Wut und Trauer stand ihr Maul offen, hechelnd hing ihre Zunge heraus, an der Blutstropfen hinabperlten.
“Sieh mich nicht so an! Wage es nicht, mich so anzusehen! Ich bin kein Monster, Averic! Ich habe es allein für dich getan!“
Mittlerweile peitschte der Regen um ihre Ohren und prasselte auf die Welt nieder, trotzdem konnte er das Blut nicht fortspülen. Noch immer hing es in Tyraleens Blick, Averic schien so rot wie diese Welt und die Blitze, die über den Himmel zuckten waren Flammenspeere. Und sie stand noch immer in Tascurios sprudelndem Lebenssaft, sie wusch ihre Pfoten in dem Blut der Unschuld.
[ Blumenwiese | Averic und toter Tascurio, Chanuka und Turién in Sichtweite ]
05.09.2010, 12:59
Der Jungwolf sah Minyala an, als wäre sie verrückt. Die Weiße bemerkte den Blick sofort und drehte die Ohren noch ein wenig weiter nach hinten. Achje … offensichtlich hatte sie schon wieder irgendetwas Dummes gesagt. Vielleicht hätte sie auch bemerken sollen, was dieser Fenris gemacht hatte, schließlich hatte es ja was zu hören gegeben. Aber der Donner war so verflixt laut, wie sollte man da denn irgendetwas anderes hören? Außerdem hatte sie in einem Busch gelegen, da konnte man noch schlechter hören. Diese ziemlich guten Ausreden – zumindest in Minyalas Augen – konnte sie aber nicht vortragen, weil der Jungwolf sich zuerst einmal vorstellte – Chardím! Klar, der Jungwolf mit den weißen Abzeichen, Chardím; diesmal würde sie es sich ganz bestimmt merken – und dann mit einer seltsamen Erklärung rausrückte. Fenris, Gott des Todes? Engaya und Fenris, Leben und Tod? Achje … Götter! Damit konnte die Weiße so gar nichts anfangen. Und dann soll sie auch noch hören, was dieser Gott des Todes gemacht hat? Chardím hatte wohl selbst einen leichten Knacks im Kopf.
“Ähm, nein … also … diese Götter sind mir nicht so bekannt. Aber weißt du, Götter sind ja sowieso so ’ne Sache, gell? Ist ja nicht ganz klar, ob’s sie nun wirklich gibt oder nicht.“
Wieder erschien das schiefe Grinsen auf ihren Lefzen. Im nächsten Moment fragte sie sich, warum sie ausgerechnet jetzt mit diesem Jungwolf über seine Götter diskutieren musste. Es stürmte fürchterlich und offensichtlich regte Chardím irgendetwas ziemlich auf. Sie hätte einfach ihre Klappe halten sollen. Wie so oft.
“Naja, ist ja auch egal. Wo willst du denn überhaupt hin? Und was soll nicht stimmen?“
Sie schüttelte sich ganz leicht um das Wasser aus ihren Ohren zu bekommen, kippte dann aber noch einmal den Kopf und ließ es aus dem linken Ohr laufen. Ohne Ohrmuschel war Regen echt zum Kotzen. Ob ein Wolf mit zwei Ohren das nachvollziehen konnte? Wahrscheinlich nicht. Unschlüssig setzte sie die ersten Schritte in irgendeine Richtung, nur um zu zeigen, dass sie mit Chardím mitkommen würde, wo auch immer er hingehen würde.
[ nördlicher Mischwald // Chardím ]
05.09.2010, 20:24
Munter trabte die Jungwölfin hinter Sheena her, die den Weg angab. Natürlich ließ sie ihren neuen kuscheligen Freund kaum aus den Augen, widmete sich aber auch immer wieder ihrer Freundin, der sie freundschaftlich am Ohr zog. Diese kleine Schlafmütze hatte das Beste der Jagd verpasst – obwohl dieses Ereignis bei ihr immer noch einige Fragen auslöste. Doch dazu später. Sheena hatte ihr ja versprochen, dass sie noch ein mal darüber reden würden.
Es dauerte nicht sonderlich lange, da hatten sie den Unterschlupf erreicht, der sie vor dem Regen bewahren sollte. Na endlich!
Sofort machte es sich die Helle gemütlich, ignorierte in ihrer Begeisterung Sheenas Worte. Ihre Rute klopfte munter auf den Boden. Sie wollte nun endlich von den spannenden Abenteuern aus fernen Welten hören! Doch Ráyon machte keinerlei Anstalten. Stattdessen ließ er sich nieder und benahm sich wie ein kleiner Welpe, der nur schlafen wollte. Was sollte das denn? Sie brannte schon vor Neugierde und nun sollte sie warten?! Das war ja so ungerecht!
Schon hatte sich Aléya wieder aufgerappelt – ja, sie verließ ihren gemütlichen Platz wirklich für den Kuschelwolf! – und sprang nun erbarmungslos auf Ráyons Rücken. Sie schnappte wieder nach seinem Ohr und zog daran.
„Geschichte, Geschichte, Geschichte!“, forderte sie lautstark an seinem Ohr.
Oh nein, sie würde ihm nun keine fünf Minuten Ruhe gönnen. Ihre Leidenschaft war geweckt und sie würde nicht eher Ruhe geben, bis sie bekam, was sie wollte.
„Na los, du bist doch kein alter Greis. Erzähl schon.“
Drängend schob sie ihre Schnauze unter seine, stupste ihn immer wieder liebkosend und auffordernd an, zwickte ihn leicht in die Seite.
„Bitte, bitte, bitteeee...!“
[mit Avendal, Ráyon und Sheena im Unterschlupf]
05.09.2010, 20:50
So ein verdammt, verkorkst langweiliger Tag.
Um es noch ein Mal fest zu halten: Sie war mit einem fremden Langeweiler unterwegs zu einer Art Pilgerreise, die sie zufällig an den Ort des Geschehens gebracht hatte, an dem nun nicht ihr Erlöser, dafür aber eine der dümmsten Wesen stand, die sie je zu Gesicht bekommen hatte. Oder aber naiv.
Was auch immer es war, es ließ Amáya die regenblauen Augen verdrehen. Die weiße Fähe benahm sich, trotz ihres Alters, mehr wie ein tollpatischer Welpe (wie sie diese Biester doch verabscheute) und nicht wie eine ehrbare Vertreterin ihrer Spezies. Was auch immer in die Rudelspitze geraten war, aber schon immer hatte man Torheit willkommen geheißen. In dem Rudel, welches sie für eine Weile begleitet hatte, war dem nicht der Fall gewesen. Man hatte sich dem Rang zu unterwerfen, aus Vertrauen und Respekt. Nicht aber wegen Dummheit. Stolz und Ehre hatten eine ebenso wichtige Rolle gespielt wie Verschwiegenheit und nicht zu letzt das eigene Denken.
Wer das unterdrückte, dem war wahrlich nicht mehr zu helfen. In diesem Tal traf man also von einem Jammerlappen auf den nächsten Volldepp.
Ein gespieltes Grinsen legte sich auf die Züge der Schwarzen, als sie schnell die Entfernung zwischen ihr und der Fähe überbrückte.
„Ah, Lyerra. Ich bin die gute Fee und will deine Freundin sein.“
Ein liebreizender Wimpernaufschlag und schon war die Fassade gefallen und entblößte nun absolute Missgunst.
„Ich bin so neu, wie das Rudel alt ist. Gestatten, ich gehöre zu der hier ansässigen Königsfamilie der Wölfe, die den Kopf in den Wolken haben. Ganz toll, was? Oder zumindest gehörte ich einst zu ihnen. Selber denken kann nicht schaden, sage ich dir.“
Die gut gemeinten Worte mit ungehalten bissigem Unterton schossen fast wie Giftpfeile aus ihrem Rachen. Wenn Amáya eins nicht leiden konnte, dann war es Dummheit. In diesem Augenblick befand sie sich nun in Gesellschaft von mindestens einem solchen Individuum.
Eine Antwort auf die Lehrjagdfrage erübrigte sich also. Wer denken konnte, war demnach nicht nur klar im Vorteil, sondern der wusste auch, dass Fremde nichts von einer Jagd wussten und auch nicht, wie groß dieses Rudel war. Jemand, der wie sie, nicht neu war, sondern einfach nur keine Lust hatte, der hatte demnach auch das legitime Recht, sich dort aufzuhalten, wo es ihr beliebte.
Der leicht weggetretne Gesichtsausdruck der Weißen entging Amáya kein Stück und innerlich brach sie in schallendes Gelächter aus. Dieser Blick passte perfekt zu dieser zurück gebliebenen Fähe. Aber auch der Schwarze schien ihr in nichts nachstehen zu wollen und faselte irgendetwas Unzusammenhängendes. Reden will auch gelernt sein.
„Ich rate dir, keine seltsamen Fragen zu stellen, denn mein ebenso seltsamer, wie schweigsamer Freund hier, ist ebenso wenig auf der Höhe, wie so manch andere hier...“
Jaja, wer nicht nur denken sondern auch sprechen kann, ist klar im Vorteil.
[mit Lyerra und Tarik am Muschelbaum]
06.09.2010, 08:43
Shani beobachtete Nihil genau. Der weiße Jungwolf war seltsam. Sein Blick in den kaum erkennbaren Himmel wirkte seltsam abwesend, als hätte er dort oben gerade etwas gesehen. Doch außer Regen, der einem in die Augen fiel und sie unter Umständen tränen ließen, war dort nichts. Nun gut, Blitze, die über den Himmel jagten und auf die Erde niederkrachten, aber sehenswert war das nur, wenn man in Sicherheit war. Hier, im Wald, fühlte sich Shani nicht gerade sicher. Ihr Instinkt riet ihr fort von den Bäumen, in einen Unterschlupf zu laufen, am besten in eine Höhle oder etwas ähnlichem, aber Nihil hatte andere Pläne. Er wollte Krolock suchen und auch wenn Shani davon nicht so begeistert war, stand für sie fest, dass sie ihm helfen würde. Der weiße Jungwolf hatte sich besonnen, sah sie nun fragend an, als würde er eine Antwort auf eine ungestellte Frage erwarten. Die Ohren der Weißen drehten sich leicht zurück, so ganz wusste sie nicht, wie sie mit Nihil umgehen sollte. Etwas stimmte nicht an ihm. Immerhin schien er sich jetzt an ihre Frage zu erinnern und beantwortete sie auch ganz brav – so richtig aufschlussreich waren seine Worte aber nicht. Es stach in seiner Brust, aber nicht körperlich? Es tat weh, wenn er sich bewegte oder auch nicht. Vielleicht bildete sich der Kleine den Schmerz einfach ein? Shani hatte mal davon gehört, dass man selbst richtig starke Schmerzen nur Kraft seiner Fantasie erzeugen konnte, solange man nur fest genug daran glaubte. Beispielsweise wenn man irgendwo hinunter fiel und ein Lauf ein wenig verdreht ist. Schnell könnte man dann erwarten, er sei gebrochen und schon würden Schmerzen da sein, dabei war er vielleicht nur leicht verstaucht. Irgendwie so. Ein wenig verwirrt legte die Weiße den Kopf schief und nickte dann einfach mal, nur um zu bestätigen, dass sie Nihils Worte gehört hatte.
“Das verstehe ich nicht.“
Doch Nihil schien jetzt von ihrem Vorschlag gepackt worden zu sein, sprang auf und lief in unterschiedliche Richtungen. Shani betrachtete das noch ein wenig verwirrter, fragte sich, was der weiße Jungwolf da eigentlich tat. Nach wenigen Versuchen schien er zufrieden, rief ihr etwas zu, dass sie durch den Sturm nur mühsam als Aufforderung verstand und wirkte aufgeregt. Shani beschloss, sich nicht zu wundern, sondern folgte dem Weißen und lief an seiner Seite in den Wald hinein.
“Wenn wir Krolock gefunden haben, suchen wir uns einen Unterschlupf, ja? Es ist gefährlich bei Gewitter im Wald herumzulaufen.“
Hoffentlich war der schwarze Jungwolf nicht mehr weit. Und hoffentlich würde er nicht bockig sein, sondern einfach mit ihnen kommen. Ob sie das von Krolock erwarten konnte?
[ Wald | Nihil ]
06.09.2010, 20:20
Dieser grausige Anblick umschloss seine Kehle mit kalten Fängen, raubte ihm die Luft. Ohne sich regen, oder abwenden zu können verfolgten die dunkelblauen Augen, wie seine Gefährtin im Blut seines Sohnes rutschte, selbst wie eine Geschlagene wirkte und dabei doch diejenige war, an dessen Zähnen das unschuldige Blut klebte. Es war ein Grauen und entsetzte ihn, wie ihn niemals zuvor etwas entsetzt hatte. Wann hatte ihn überhaupt je etwas entsetzt? Averic war in der Lage alles an sich abprallen zu lassen, mit Zorn und Zähnen, mit Worten sich zu wehren. Aber dieses Mal waren seine Zähne nutzlos, die maßlose Erschütterung erstickte jede Wut und zum ersten Mal fehlten ihm alle Worte. Ihm zeigte sich ein Horrorszenario und der Pechschwarze war zu keiner Reaktion fähig. Wie versteinert betrachtete er die roten Tränen, die wie Rinnsäle ihren Weg ihre Wangen hinab suchten. Averics Augen waren aufgerissen und nur langsam wurde ihm bewusst, dass er seine Zähne viel zu stark auf seine Lefzen presste. Der wahnsinnige Blick in den Augen seiner Schwester drehte ihm den Magen um, die toten Augen Tascurios schienen nur ihn an zu sehen und bohrten sich in seine Seele. Ihm war speiübel.
Als sie seinen Namen rief, ließ der Klang ihrer Stimme seine Nackenhaare zu Berge stehen und er verspürte das dringende Bedürfnis vor ihr zurück zu weichen, als wäre sie etwas Ekliges. In der Tat konnte er nicht glauben und es fühlte sich mit einem Mal auch nicht mehr so an, als wäre die Wölfin vor ihm seine Tyraleen, seine Gefährtin, die Schwester, die er kannte und die niemals so etwas Abscheuliches tun könnte. Doch ihre folgenden Worte schlugen ihm mit aller Heftigkeit ins Gesicht, drehten ihm den Hals um, schlugen ihre Krallen in sein Herz. So stark, dass er aufkeuchen musste.
„Für MICH!?“
Seine Stimme klang laut, donnerte fast genau so, wie das Gewitter, das nun über ihnen im vollen Gange war. Der strömende Regen schwemmte Tascurios Blut an seine Pfoten, er zuckte zurück und wollte der roten Flut ausweichen. Sonst würde sie ihn mitreißen.
„Du hast unseren Sohn ermordet! Einen unschuldigen Jungwolf! Mich hätte er sonst getötet?! Das ist Geisteskrank!“
Averic schüttelte den Kopf und wollte nicht wahr haben, dass das hier gerade wirklich geschah, passiert war.
„Du hast den Verstand verloren!“
[ Blumenwiese | Tyraleen und toter Tascurio, Chanuka und Turién in Sichtweite ]
07.09.2010, 13:43
„Kommt schon unter den Baum“
sagte die Fähe freundlich und betrachtete Amáya dabei ausgiebig.
Sie schien nicht viel von ihr zu halten, doch das war nicht wichtig.
Bei ihrer spöttischen Begrüßung kniff sie die Augen zusammen, sagte jedoch nichts.
Jedoch bei der nächsten Bemerkung knurrte sie kurz, die Lefzen zurück gezogen.
„Wie zieht dieses Rudel denn seine Welpen auf, wenn sie hinterher unfreundlich sind, keinen Respekt haben und nur spöttisch reden.
Wölfe die die Köpfe in den Wolken haben, so hörst du dich auch an.“ Erwiderte sie.
Der Rüde schien nicht wirklich böse oder unfreundlich zu sein, doch er war wohl sehr zurück haltend und ruhig, vielleicht etwas verwirrt.
Die Worte waren heraus gesprudelt, so redete sie doch nie. Sie war etwas verwirrt über sich selbst, ließ sich jedoch nichts anmerken.
Die letzte Bemerkung, ja fast Beleidigung nahm Lyerra mit einem letzten, kurzen Knurren hin.
Ihre Gefühle spielten verrückt, einerseits wollte sie die Fremde Fähe anknurren und mehr zu Recht weisen, andererseits wusste sie natürlich, dass es voll gegen ihren eigentlichen Charakter war.
Außerdem wollte den Rüden nicht noch mehr verwirren, er schien so…na ja, eben verwirrt zu sein.
Sie wollte ihm keine Angst machen.
Der Regen trommelte weiter hin auf die Erde und ab und an zuckten Blitze über den Himmel.
‚Was für ein verrücktes, kaltes Wetter.’
Die Ohren der weißen Fähe zuckten ungeduldig vor und zurück, kurz warf sie der anderen Fähe noch einen Blick zu, dann wandte sie sich an den Rüden.
„Komm schon.“
Forderte sie ihn auf.
[Tarik und Amáya l Muschelbaum]
08.09.2010, 16:54
Nachdem er sich ausgeruht hatte, unter diesem seltsamen Baum, begab sich Volk nach Nordenwesten und somit auch immer weiter in den Sturm hinein. Um etwas Schutz zu haben, lief er in den nahegelegenen Mischwald, doch dieser sogenannte "Schutz" war trügerisch. Äste stürzten in allen größen von den Bäumen, so musste man sich auf Schritt und Tritt vorsehen, um nicht erschlagen zu werden. Der Regen prasselte auf die Blätter des Waldes, der Boden war ganz aufgeweicht, sodass an Hängen die Erde in schlammigen Rinnsaalen zusammenfloss. Alsbald fand der Rüde einen Fluss, der vor lauter Wasser überschwellte und nahm einen kräftigen Schluck, obwohl es schon genügt hätte den Kopf zu heben, um den Regen aufzufangen. Der Wolf folgte dem Flusslauf, der alles mit sich riss, doch das vorankommen war sehr schwer aufgrund des Unwetters. Blitze zuckten auf, Stürme peitschten die Wasser und knickten Bäume, der Sturm ließ nicht nach, als wäre er die wahre Bösartigkeit, ein Monster. Doch dann stieg ihm der Geruch von anderen Wölfen in die Nase und der Drang nach Geborgenheit wurde zu einer unendlichen Sehnsucht, die in seinen Augen unausgesprochen lag. Der Geruch wurde stärker und so trotzte der Schwarze dem Sturm, denn die Sehnsucht war stärker als die Erschöpfung und der Hunger, eine Stimme flüsterte in ihm leise: ,Weiter musst du gehen, immer weiter´ und so folgte er seinem Herzen. Triefend nass kam Volk Zubami an einem See an. An seinem Ufern standen Felsen und Kiesel lagen überall. Der Wolf ließ den Blick schweifen, da sah er oder bildete er sich das ein, waren dort Wölfe, waren es vielleicht seine Geschwister? Er hörte einen Ruf von einem der beiden und dachte, dass dieser ihm galt, das war die Bestätigung, die ihm genügte los zu rennen. Der Rüde heulte so laut es ging, rannte auf die beiden freudig wedelnd zu. Der Schwarze merkte garnicht, dass sie für ihn fremd sind, die Freude ließ ihn erblinden, aber es zählte nur eins, er war glücklich endlich jemand gefunden zu haben. Der Wolf sprang auf die nassen Felsen und rutschte dabei beinahe wieder an der anderen Seite herunter. Er begrüßte beide Wölfe stürmisch.
"Endlich haben wir uns wiedergefunden, ich dachte ich würde euch nie wiedersehen"
sagte er. Natürlich hatte er immer noch nicht gemerkt das es nicht seine Geschwister sind.
[See-Felsen Cirádan, Caylee]
11.09.2010, 11:47
Es gab so viele Fragen, die sie sich gestellt hatte, als sie alleine gewesen war, auf der Suche nach ihrer lang verschwundenen Schwester, nach jemandem, der nur in ihrer Erinnerung leben durfte. Noch immer konnte sie sich an alles genau erinnern, wie das Sehnen immer weiter wuchs, wie sie immer verzweifelt versucht hatte, den Kampf gegen die Einsamkeit zu gewinnen, sie war immer solange siegessicher gewesen, bis sie das Vermissen wieder überkommen hatte. Egal, wo man hingeschaut hatte, es war ein ewiges Nichts, unendlich weiße Flächen, ein einziges, friedliches Bild, und sie war in all dem gefangen. Ja, es war ein Käfig gewesen, da jeder Schritt sinnlos erschien, da sie immer wieder ans Aufgeben dachte, weil ihr dort keiner eine zweite Chance gegeben hätte. Irgendwann kam dann die Nacht, die Dunkelheit küsste ihre Wunden, und sie wehrte sich dagegen, denn sie wusste, dass sie sonst ihre Seele verkaufen würde. Alles wurde in eine tiefschwarze Farbe getaucht, wie die ganze Welt ihr schon immer erschienen war. Alles Bunte war einem tristen Grau gewichen, alle Farben verbargen sich hinter einem Schleier der Hoffnungslosigkeit. Am Morgen hatte sie sich auf einen hohen Felsen niedergelassen, das weite Reich – ihr Reich – still beobachtend. Plötzlich hatte sie sich wie eine Königin gefühlt, die über ihre Untertanen wachte, auf dem gewaltigen Thron ruhten. Die Stille des Landes war das furchterfüllte Schweigen vor der Macht, die auf sie wachte. In diesen Momenten hätte nichts ihre Zuversicht nehmen können, hätte sie alles zum flüchten gebracht, was sich ihr in den Weg stellte. Dann war sie aufgestanden, von all ihrer Kraft angetrieben war sie losgegangen, ohne die einzelnen Schritte zu zählen, ohne stehenzubleiben oder zurückzuschauen. Ohne einen schlechten Gedanken. Wenn sich ihre Lider sanft senkten, konnte sie sich sehen. Die einzelnen Konturen verschwommen von den Schneeflocken, die auf sie niederrieselten. Auch wenn jede von ihnen so einfach schmelzen konnte, sie so schutzlos denen ausgesetzt waren, die sie vernichten wollten, waren sie dennoch schön, ein wahres Kunstwerk, jedes Detail genau ausgearbeitet. Viele von ihnen glitzerten, funkelten wie die Sterne an dem weiten Firnament. Wenn sie durch das tiefe Eis gegangen war, einen langen Weg vor sich, lag ganz selten eine Zufriedenheit in ihren traurigen Zügen, in der Gestalt, die so trostlos in der Gegend umherstarrte, weil sie die Jahreszeit so sehr liebte, denn sie bewies ihr immer wieder, dass sie doch etwas wert war. Dass auch sie einen Platz im Leben hatte, den sie nur noch finden musste, so viele Anstrengungen sie dafür auch auf sich nehmen müsste. Es lohnte sich weiterzumachen, weil alles wieder gutgemacht bekam, und auch wenn sie sich ständig wieder daran erinnern musste, es oft in Vergessenheit zu geraten drohte, trug sie dieses Wissen in ihrem Unterbewusstsein fort, würde es denen weitergeben, die sich Rat bei ihr suchten. Früher hatte sie es immer ihren eigenen Nachkommen vermachen wollen. Der Glaube daran, jemals Mutter zu werden, war allerdings schon lange gestorben, sie wusste, dass sie sich in dieser Rolle nicht wohl fühlen konnte, dass sie den Kleinen nicht das geben könnte, was sie wirklich brauchten. Die Liebe, auf die sie noch immer wartete. Zudem waren ihre Anforderungen an einen Vater viel zu hoch, als dass sie erfüllt werden könnten. Nein, dabei ging es nicht im Geringsten um sein Aussehen, einzig und allein um seinen Charakter. Darum, dass er seine Familie beschützen konnte, gegen alle, die sie auf irgendeine Weise belästigten. Die Fähe spürte es, dass niemand ihr so viel Glück gönnen wurde, und so hatte sie beschlossen, nicht ständig an solch eine wunderbare Situation zu denken, weil sie es sich dann herbeiwünschen würde. Und letztendlich wurde man immer wieder enttäuscht, da genau das niemals passiert, auch wenn man Jahre wartet. Mit einem leisen, beinahe stummen Seufzen riss sie sich selbst aus ihren Gedanken.
Irritiert drehte sie ihren Kopf zur Seite und entdeckte wieder den Rüden. Es machte nicht den Anschein, als würde er verschwinden wollen, im Gegenteil, er wich keine Sekunde vor ihrer Seite und in seinen Augen lag nicht die geringste Furcht vor dem Sturm, der noch immer über ihnen tobte, einer, der sie allerdings bisher verschont hatte. Als er dann noch diese Worte sprach, war sie beinahe überwältigt von seiner Hilfsbereitschaft, und gleichzeitig wuchs die Neugier darüber, an was er wohl denken mochte. Denn es schien so, als wäre ihm auch etwas passiert, irgendetwas in der Vergangenheit, an das er sich erinnert hatte, wegen dem er da stand und nicht gehen wollte. Wahrscheinlich hatte er auch immer auf einen Wolf gewartet, der ihm trotz des schlimmen Ereignisses, was wohl geschehen war, nicht verlassen hatte. Mit einem Hauch des Misstrauens musterte sie ihn genau, versuchte aus seinem Gesicht zu lesen, was ihn gerade beschäftigte, doch er hatte sich mittlerweile anscheinend unter Kontrolle. So beschloss sie, ihn einfach darauf anzusprechen. Bestimmt war es schmerzhaft für ihn, darüber zu reden, bestimmt würde er erst einmal ziemlich aggressiv reagieren, weil dieses Geheimnis ihn doch sehr belastete. Aber so leicht würde sie nicht aufgeben, bis er es erzählt hatte und sie bei ihm sein konnte, wie er es eben auch war. Langsam streckte sie ihre Schnauze zu seinem Fell, vergrub sie darin, eine kurze Botschaft, die sie ihm überbringen wollte, das Zeichen für eine Freundschaft, die ihren Anfang nahm und dafür, dass sie sehr dankbar war. Hätte sie etwas gesagt, hätte sie augenblicklich diesen Moment zerstört, den sie so sehr genoss, und so zog sie es vor zu schweigen, sog stattdessen seinen Duft genüsslich in ihre Lungen, prägte ihn sich ein, sie wollte ihn nicht vergessen, ihn wiedererkennen können, falls er mal verschwinden sollte. Als sie sich wieder langsam von ihm löste, warf sie ihm einen Blick zu, der mehr sagte als die längste Rede, voller Vertrauen, und sie schenkte ihm ein Lächeln, das in den letzten Wochen so selten auf ihrem Gesicht erschienen war, in den traurigen Zügen einer Verstoßenen. Ja, so hatte sie sich gefühlt, verlassen, und er machte das alles rückgängig, er war gerade dabei, all diese Wunden zu heilen, obwohl er spürte, dass es sehr tiefe Furchen waren, die man in ihre Seele gerissen hatte. Teilweise waren nur noch Narben übrig, doch sie waren hässlich und Majibáh hasste sie, verabscheute sie beinahe so sehr wie das Blut, das noch überall klebte und die Gefühle, die sie ertragen musste, immer wieder in ihr hervorriefen. Auf einmal tauchte in der Stille eine Stimme auf, sie klang sanft an und sprach in einer geringen Lautstärke, mit jedem Wort wurde sie kräftiger, aber die Freude verschwand nie.
„Nenne mir deinen Namen, Fremder. Erzähl mir deine Geschichte, was dir widerfahren ist.“
Es war ihre eigene, wie sie forderte, dass er ihr alles berichtete, so schwer es ihm auch fallen mochte, hinterher würde er sich besser fühlen, das wusste sie. Während sie ihn erwartend beobachtete, spürte sie die Tropfen auf ihr Fell niederregnen, wie die stechende Kälte immer weiter vordrang, um sie zu quälen mit einem Schmerz, den sie nicht vermeiden konnte. Ein kaum hörbares Winseln entdrang ihrer Kehle, und schon wenige Sekunden später verfluchte sie sich dafür, dass sie dieses Geräusch der Schwäche von sich gegeben hatte. Immerhin bestand die Chance, dass er nicht weiter darauf reagierte, und das beruhigte sie zumindest für eine Weile.
[Jarrèll Nathaniêl l In der Nähe des Waldes]
12.09.2010, 17:49
Verlegenheit überkam die weiße Fähe. Sie hatte gar nicht daran gedacht, dass der Rüde müde sein könnte. Dabei war das sicher kein Wunder, wahrscheinlich hatte er einen weiten Weg hinter sich und das Wetter machte seine Situation nicht gerade angenehmer. Sie verzog ihre Schnauze zu einem verlegenen Gesichtsausdruck. Das Gesicht wurde knautschig und sicherlich gab sie einen amüsanten Anblick ab. Sie blickte Ráyon entschuldigend an.
Auf seine bittenden Worte reagierte sie verwirrt. Warum sprach er so, es wäre doch an ihr gewesen, ihm Ruhe zu gewähren, oder etwa nicht?
Als Aléya so munter wie ein junger Welpe aufsprang und Ráyon bearbeitete, dass er doch endlich eine Geschichte erzählen sollte, musste sie unwillkürlich laut auflachen.
„Ruhig Aléya. Er hat sich eine kleine Verschnaufpause verdient. Meinst du nicht? Wir wissen schließlich nicht, wie lange er bereits unterwegs ist. Er sieht wirklich erschöpft aus.
Ich bin mir sicher, dass er die Geschichten noch besser erzählen kann, wenn er sich ein wenig ausgeruht hat.“
Sie lächelte dem Rüden erneut zu.
Als die drei Wölfe sich niedergelassen hatten, empfand auch sie das Bedürfnis sich ein wenig auszuruhen. Sie legte sich geschickt so an die drei Jungwölfe heran, dass sie diese gut im Blick hatte, aber auch das Geschehen draußen beobachten konnte. Sie wollte die drei wärmen und sie, vor allem Ráyon, ein wenig stärken.
Erneut tastete sie nach der Energie Engayas die in ihrem Körper schlummerte. Ihr fiel auf, dass sie deutlich schneller darauf zurückgreifen konnte. Anscheinend half es ihr, sich öfter damit zu beschäftigen.
Sanft ließ sie die Energie durch ihren Körper fließen und bettete ihre Schnauze vorsichtig und nicht zu aufdringlich auf dem Rücken Ráyons. Oder zumindest so halb auf dem Rücken. Aléya hatte sich schließlich auf diesem ihren Platz gesucht.
Vorsichtig, um den Grauen nicht zu erschrecken, ließ sie die Energie langsam frei und spürte, wie sie von ihr auf seinen Körper und damit auch auf Aléya überging. Na, ob die diese Energie nötig hatte?
Gleichzeitig überkam die weiße Fähe eine Entspannung, wie sie diese schon lange nicht mehr verspürt hatte und ein wenig schläfrig klimperte sie mit den Augenliedern.
Sie merkte, dass auch sie sich ausruhen musste, vor allem, wenn sie den Energiefluss noch ein wenig aufrecht erhalten wollte. Zwar wurde sie von Engaya unterstützt, das spürte sie ganz deutlich, aber trotzdem zehrte es natürlich an ihren Kräften. Wie gut, dass sie ihre Kräfte mittlerweile gut einschätzen konnte und sie diese gezielt einzusetzen wusste.
Nicht wie früher.
Wieder musste sie auflachen.
„Aléya, Avendal. Ich weiß nicht, ob ihr ihn noch kennen gelernt habt. Cyriell. Er war der erste Wolf, zu dem ich gerufen wurde um ihn zu heilen. Er hatte schlimme Verletzungen.“
Sie schauderte bei dem Gedanken an die große offene Wunde am Nacken des Rüden. Es hatte wirklich nicht gut ausgesehen und im ersten Moment hatte sie daran gezweifelt, ob sie ihn würde heilen können. Sie konnte sich an die Erleichterung erinnern, welche sie verspürt hatte, als sie es tatsächlich geschafft hatte. Doch darin baden hatte sie sich nicht können, schließlich war sie daraufhin an ihrer eigenen Erschöpfung zusammen gebrochen.
Wieder musste sie ein wenig schmunzeln.
„Sein Nacken war aufgerissen und die Rippen waren ebenfalls geprellt.
Wie ihr wisst, habe ich meine Priesterausbildung mittlerweile abgeschlossen, doch damals war alles noch ganz neu für mich. Auch der Weg dorthin war nicht einfach gewesen…“
Ein wenig versank sie in ihn eigenen Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen. Sie erinnerte sich an die Schweigepflicht, welche Banshee ihr auferlegt hatte.
Sie erinnerte sich an ihre Wutausbrüche, ihre verletzende Art und Weise mit der sie viele Wölfe von sich weggetrieben hatte.
Doch nun war alles anders.
„Auf jedem Fall habe ich diesem jungen Rüden Cyriell geholfen. Doch wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, ist nicht alles so glatt gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Erstens bin ich nach der Heilung von ihm selber einfach umgefallen und zweitens… Das Fell, also, naja“ Etwas verlegen lächelte sie. Ein wenig peinlich war es ihr noch immer. „Anstelle von seinem normalen grauen Fell sind ihm im Nacken Federn gewachsen. Nicht genauso wie bei Vögeln, aber doch recht ähnlich“
Wieder lachte sie ein wenig auf. Sie erinnerte sich an ihren eigenen ungläubigen Blick und das Gekicher der anderen Wölfe. Wie gut, dass Cyriell ihr den kleinen Fehler nicht übel genommen hatte.
„Letztendlich durfte ich erneut mein Glück versuchen und die gewachsenen Federn gegen sein ursprüngliches Fell eintauschen“
Wie glücklich und stolz sie in diesem Moment gewesen war.
Langsam rief sie sich das Bild von Cyriell vor Augen. Cyriell mit dem Federkranz.
Ein dunkelgrauer Wolf der im Nacken anstatt von normalem Fell kleine Federn hatte. Bei genauerem hinsehen konnte man erkennen, dass diese Federn keine wirklichen waren, sondern ebenfalls aus Fell bestanden. Trotzdem blieb der Anblick erstaunlich, seltsam und auch ein wenig lustig.
Dieses Bild ließ sie nun ebenfalls frei. Ein weiterer Versuch, wie weit konnte sie mit ihrer Kraft gehen? Würden die anderen drei das Bild ebenfalls sehen können?
[Geschütze Mulde- Avendal, Ráyon, Aléya]
12.09.2010, 18:59
Avendal konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und beugte ihren Körper etwas rüber damit ihre Freundin Narrenfreiheit hatte. Sie selbst war viel zu erschöpft um wirklich so herum tollen zu können wie ihre Freundin, weshalb sie ihren Kopf auf ihre Pfoten bettete und leise seufzte. Sie wollte zurück zu, zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern, wollte wissen wie es ihnen bei diesem Sturm erging und ob es ihnen überhaupt gut geht. Avendal klappte ihre Ohren zurück und lauschte dem Rausch des Windes der durch die Landschaft tobte. Auch sie wollte Geschichten hören, akzeptierte jedoch das der Rüde müde sein musste und wollte es ihm auch gönnen, doch Aléya war viel zu aufgebracht und aufgeweckt als das sie diesen Rüden auch nur irgendeine Erholung vergönnte. Diese Tatsache brachte Avendal zum Schmunzeln und ließ ihre Augen zu den dreien wandern.
Als Sheena auflachte, klappten ihre Ohren wieder nach vorne und sie stimmte der Fähe im Stillen zu. Avendal hob ihren Kopf und nickte leicht, ehe sie ihre Freundin ansah und den Kopf schief legte.
„ Genau Aléya! Ich würd Ráyon gerne herum hüpfen sehn und seinen Abenteuer lauschen, aber gönn ihm doch ne kleine Pause. “
Meinte sie und zwickte ihre Freundin in die Seite. Als Sheena sie beide ansprach, spitze die Jungwölfin ihre Ohren und lauschte gespannt den Erzählungen. Bei der Beschreibung wie Cyriell ausgesehen haben mag verzog sie unbewusst das Gesicht, hörte aber dennoch aufmerksam zu. Sie stellte es sich bildlich vor wie dieser Wolf vor Sheena’s Pfoten lag, blutüberströmt und tödlich verletzt und Avendal konnte ein leises Winseln nicht unterdrücken. Als sie weiter lauschte, quiekte sie amüsiert und stellte sich einen Wolf mit Federn vor. Ein Flugwolf sozusagen, ihre Rute wedelte und man hörte nur das schleifende Geräusch das es machte als es den Boden fegte.
„ Das hätte ich gerne gesehen, Sheena! So etwas würde ich auch gern können! “
Es war nicht nur faszinierend, das Sheena einem Wolf Federn wachsen lassen konnte, nein sondern auch die Tatsache das sie, wie sollte man das nennen, heilen konnte. Ihre dunkelblauen Augen schimmerten Sheena bewundernd an. Ja, sie würde so etwas wirklich gerne können, denn dann müssten Wölfe nie wieder irgendwelche Schmerzen haben.
[Bei Sheena, Aléya und Ráyon]
14.09.2010, 16:01
Sachte pendelte die pechschwarze Rute des Höllenkindes hin und her während ihn seine kräfti-gen und sehnendurchzogenen Läufe in einem geschmeidigen Wolfstrab geschickt durch das Un-terholz hindurch und über den vollkommen aufgeweichten Boden trugen. Die Wetterlage schien sich in den nächsten Stunden nicht bessern zu wollen. Noch immer waren seine Sinne und vor allem seine Sicht durch das Unwetter und den prasselnden Regen stark eingeschränkt. Doch die Orientierung konnte er stets behalten, jedenfalls soweit, dass er diesem Fremden folgen konnte und seine Reaktionen und Blicke ganz genau analysieren konnte. Irgendein saurer Beigeschmack auf seiner Zunge verriet Baal, dass er sich vorerst extrem zurücknehmen sollte, da dieser Face zwar sehr friedfertig schien, aber der Dämonenfürst war sich sicher, dass sich hinter dieser Fas-sade zum Teil auch Etwas verbarg, mit dem nicht zu spaßen war. Jedenfalls jetzt noch nicht. Was er früher oder später mit diesen Schwarzen anstellen würde, wusste er noch nicht. Vielleicht würde er Pyotr einen Gefallen tun und ihm Ethelion zum Fraß vorwerfen. Sofern sich sein kleiner schwarzer Weggefährte denn irgendwann mal dazu entschließen würde, den richtigen Werten und Mächten zu folgen.
"Du brauchst keine Angst haben, Pyotr. Nicht so lange ich hier bin."
Gab er dem schwarzen Jüngling zur Antwort und warf einen scharfen Blick in Richtung des be-sagten bösen Rotäugigen. Ja, zurücknehmen wollte er sich, aber wenn dieser niedere Dämon sich erdreistete sich gegen ihn oder Pyotr zu wenden, dann würde er sich behaupten müssen. Aber vorerst erhöhte der Schwarze kurzzeitig sein Tempo um näher an den anderen Schwarzen heran-zukommen.
"Wir danken dir, dass du uns mit nimmst, Face. Wer weiß, wie lange wir ohne euch hier draußen zurechtgekommen wären."
[Bei Pyotr, Ethelion, Face]
14.09.2010, 21:47
Einen ganzen Moment lang schwieg Tarik und sah an den beiden vorbei, nur selten schlich sein Blick zur Dunklen hinüber, das Theater welches sie nun abzog, hatte ihn nicht zu interessieren. Aber es war schon erstaunlich, wie sich ihre Maske ablegte und sie sich plötzlich veränderte. Aus der 'guten Fee' wurde plötzlich eine weniger freundliche Fähe, die ihre Krallen ausfuhr. Immerhin konnte er nun sicher sein, jemanden gefunden zu haben, der zum Rudel gehörte und dass es hier wirklich eines gab. Doch anscheinend hatte das Rudel Probleme mit einigen Mitgliedern, wie sich an der Schwarzen zeigte. Ihre Missgunst über die helle Fähe und das Rudel war nicht zu überhören. Es war erstaunlich, dass die Weiße immer noch so ruhig war, obwohl sie grade verspottet wurde.
Wichtiger jedoch war, dass sie ihn bis jetzt noch nicht verspottet hatten und auch seine Brandnarbe nicht angesprochen hatten, keine von beiden hatte das getan, nicht einmal eine wirklich große Reaktion hatte es gegeben. Aber Tarik täuschte sich nicht in der Dunklen, die nun auch ihm Spott an den Kopf warf. Doch ihn sollte das nicht stören. Er war weit aus Schlimmeres gewohnt, als Dumm betitelt zu werden. Er antwortete nichts auf ihre Aussage, es lohnte sich nicht, auf die pubertären Launen der Dunklen einzugehen, sollte sie doch denken und sagen was sie wollte.
Nachdem die helle Fähe ihn wieder darum bat unter den Baum zu treten, gab er nach und stellte sich dazu, achtete aber darauf, genügend Distanz zwischen sich und die anderen beiden zu bringen.
"Danke..."
Da er nun schon im Revier eines fremden Rudels war, sollte er sich auch langsam Gewissheit darüber verschaffen, wo das Rudel steckte und wie viele es waren. Nicht jeder würde ihn so freundlich behandeln, wie die beiden hier. Zumindest was die helle Fähe betraf. Bei der Dunklen war er sich nicht sicher, was er von ihr halten sollte.
"Was ist mit dem restlichen Rudel?"
Es fiel ihm schwer zu sprechen, was man vielleicht sogar heraus hören konnte, da er es nicht gewohnt war, sich zu unterhalten. Reden. Das wurde überbewertet. Eindeutig.
[Mit Amáya und Lyerra unter dem Muschelbaum]
15.09.2010, 15:40
Gerade hatte er die Augen für einen kurzen Moment der Ruhe zugeschlossen, als Aléya plötzlich auf seinem Rücken herum zuspringen begann Sie zog an seinem Ohr, hüpfte auf ihm herum als wäre er ein nasser Sack und grölte ihm ins Ohr. Wehmütig schnaubend rollte er sich ein Stückchen zusammen, wie ein Igel, der sich vor seinem Todfeind schützte.
Diese Ruhestörung war ungeheuerlich.
So hätte es geheißen, wenn er ein Wort von sich gegeben hätte. Natürlich mit einem grinsen auf den Leftzen.
Er kam sich sichtlich gefoltert vor, schnaubte immer wieder, rollte sich hin und her, um sich vor Aléyas Attacken zu schützen, doch letztendlich blieb er nur noch still liegen. Irgendwann, als sie ihn in die Seite zwickte, zuckte er kurz, stupste sie für einen Bruchteil einiger Sekunden an und riss sie dann zu sich hinunter, um ihr gutmütig ins Ohr zu kneifen – und um sie endlich davon abzuhalten auf ihm herum zuspringen wie ein Flummi.
Für einen Moment überlegte er, ob er sie so festhalten sollte, wie sie gerade lag, und ob er sie somit zum Kuscheln zwingen würde. Dieser Gedanken währte allerdings nicht lange. Schnell ließ er sie wieder los und ermöglichte ihr damit auch sich wieder aufzurichten – nur in der Hoffnung, dass sie nicht wieder so auf ihm herum sprang.
Vorerst sagte er gar nichts. Er reagierte nicht auf Aléyas Gedränge, denn dies wurde schnell von den Worten Sheenas abgelöst, die ihrerseits begann zu erzählen. Bevor er jedoch ihren Worten lauschen konnte, registrierte er die Wärme und Energie, die von Sheena aus ging. Diese hatte ihren Kopf auf seinem Rücken gebettet und schien irgendetwas zu tun, das diese seltsame Ruhe und Entspannung ausstrahlte. Eigentlich wollte der Rüde aufspringen und sich irritiert umsehen, doch dazu kam es kaum noch; er hatte sich dazu entschlossen liegen zu bleiben und sich dem, was auch immer Sheena da tat, hin zu geben. Immerhin tat es gut!
Ohnehin erübrigte sich Ráyons Frage, im Verlauf der seltsamen Geschichte, die die ranghöhere Fähe erzählte. Eine Priesterausbildung? Das klang interessant. Er hatte noch nie zuvor von etwas wie einer Priesterausbildung gehört. Auch konnte er sich nicht direkt etwas darunter vorstellen, aber sicherlich hatte es etwas mit dieser Wärme und Energie zu tun, die von Sheena durch seinen Körper floss.
Auch Ráyon versuchte sich vorzustellen, wie ein Wolf mit Federn wohl aussehen würde. Ein hüstelndes Lachen entwich ihm, als er das Bild vor seinen Augen sah. Hatte er sich das allein so vorgestellt, wie es nun vor seinem geistigen Auge erschien? Es war so detailliert und genau, dass der Rüde das nicht anzunehmen wagte. Es konnte nicht sein, dass er sich eine Situation, der er sich nie gegenüber gesehen hatte, so deutlich vorstellte. Auch dies musste irgendeine Art von Zauber sein. Was Sheena wohl noch alles konnte?
Längst fühlte sich der Rüde hier wie zu hause. Und auch, wenn er noch nicht so lange hier lag und ruhte, kam die Kraft in seine Glieder zurück. Trotzdem würde ihn nichts so schnell zum aufstehen bewegen.
Ráyon schwieg für eine kurze Weile. Eine Frage brannte ihm auf der Seele. Fürwahr, nicht nur eine, sondern hunderte, doch irgendwie wusste er nicht so recht wie und ob er sie formulieren sollte. Letztendlich konnte er sich aber doch überwinden.
» Sheena? «
Seine Stimme war zaghaft und leise. Er war sich nun zwar sicher, dass er die Frage stellen würde, aber das hieß nicht sofort, dass es auch erlaubt war diese Frage zu stellen. Diesmal war auch die Unsicherheit in seiner Stimme zu hören. Deutlicher, als vorher. Es mochte vielleicht nicht so schlimm sein diese Frage zu stellen, aber vielleicht war da ja ein ungelüftetes Geheimnis, dass hinter der ganzen Sache mit der Energie und er Wärme stand. Und Ráyon wollte sich da ungern einmischen.
» Was ist das, was du da machst? Was ist ein Priester, was macht der? «
Seine Stimme schwoll an, als er ansetzte um weitere Fragen zu fragen. Jetzt, wo er die ersten zwei Sätze der ganzen Kolonie von Fragen in seinem Kopf gestellt hatte und noch kein tödlicher Blitz vom Himmel herab geschossen war, um seine Fragerei zu beenden, wuchs der Mut.
» Was ist das hier überhaupt für ein Tal? Irgendetwas seltsames ist hier in der Luft. Ich war schon immer feinfühlig, was die Atmosphäre in Rudeln und vor allem in Revieren angeht, aber so etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. Ich kann es nicht definieren, was ist es? Es ist... wie eine höhere Macht, aber irgendwie auch nicht und... Ich weiß nicht. Es ist seltsam. «
Eine kurze Pause fragte diesem Erzählschwall, der viel zu schnell von seinen Leftzen gerutscht war.
» Es war so, als hätte mich das Tal gerufen... «
Ráyon schwieg wieder.
Sein Blick lag irgendwo in weiter Ferne im Regen.
Das Tal hatte ihn gerufen.
17.09.2010, 16:55
Chardím sah die weiße Jungwölfin noch ein wenig irritierter an. Sie kannte die Götter nicht? Der Schwarzweiße erinnerte sich nicht, jemals jemandem begegnet zu sein, der nicht wusste, wer Engaya und Fenris waren. Nun, sie schien nicht von hier zu kommen, aber das taten viele Wölfe in diesem Rudel nicht. Und trotzdem kannten sie die Götter. Na, da musste bei Minyala einiges versäumt worden sein! Als sie dann aber behauptete, man wüsste gar nicht, ob es die Götter wirklich gäbe, musste er energisch den Kopf schütteln.
„Natürlich gibt es sie! Ohne Engaya wäre dieses Tal hier schon nicht mehr. Wir Wölfe auch nicht. Das Nichts hätte alles verschluckt. Ich habe das alles miterlebt.“
Oh, ja. Jemand, der das alles miterlebt hatte, würde sicher nicht mehr an der Existenz der Götter zweifeln. Und woher käme der Muschelbaum, wenn Engaya ihn nicht für Nerúi geschaffen hätte? Oder Chanukas Federbaum? Minyala musste doch wohl merken, dass dieses Tal nicht normal war. Immerhin, sogar er selbst sah ziemlich unnormal aus. Aber Minyala war, soweit sich Chardím erinnerte, erst später zum Rudel gekommen.
Als die weiße Jungwölfin einen ersten Schritt machte, nickte der schwarzweiße Rüde ihr zu und trabte gemächlich los.
„Wenn du willst, erzähle ich dir von den Göttern. Ich bin quasi eng mit ihnen verwandt.“,
meinte er etwas grinsend und senkte dann seine Schnauze zu Boden, um eine Spur ausfindig zu machen, die sie zum Rudelplatz führen würde. Auf die Idee, das eher Minyala ihn nun für komplett durchgedreht halten würde, kam er nicht. Für ihn waren die Götter immerhin etwas ganz Natürliches, durch seine Familie sogar fast irgendwie greifbar. Sie waren für ihn keine unsichtbaren Hirngespinste, sondern ganz real. Wenn auch nicht mehr auf der Erde. Aber Mama hatte doch erzählt, Oma Banshee wäre nun wie Engaya, oder nicht? Also war seine Oma nun eine Göttin und es hatte sie wirklich gegeben.
Sich wieder auf Minyalas letztere Frage besinnend, hob Chardím wieder den Kopf und wandte sich zu ihr. Jetzt mit ernster Miene.
„Ähm, das weiß ich nicht genau ... ich will zurück zum Rudelplatz, meine Geschwister suchen und in Sicherheit wissen. Klingt vielleicht blöd, aber ich habe ein sehr ungutes Gefühl. Der Ruf klang so, als wäre etwas passiert. Fenris bedeutet Tod.“
[ nördlicher Mischwald | Minyala ]
20.09.2010, 11:47
Wie das Blut sickerte ganz langsam und doch in alles umstürzender Grausamkeit ein Gedanke in Tyraleens Bewusstsein. Er wurde von dem Blick ihres Gefährten geboren, von seiner Haltung, von dem Entsetzen und dem Ekel in seinen Augen und von seinen Worten, die ihr nun entgegengeschleudert wurden. Er würde ihr nicht beistehen, sie nicht trösten, er würde ihr das Blut nicht aus dem Fell waschen und ihren zitternden Körper stützen. Er würde sie nicht halten und wiegen, das Grauen verscheuchen. Nein, er ließ sie alleine. Ließ sie im Stich, in diesem Moment, in dem ihre Welt im Blut ertrank. Und warum? Weil er … sie … für … g.e.i.s.t.e.s.k.r.a.n.k … hielt. Das Wort tropfte ganz langsam, Buchtstabe für Buchstabe in ihre Gedanken, rann wie Tascurios Blut über ihren verschleierten Blick und schlug schließlich in ihre Seele ein.
Sie taumelte einen Schritt zurück, entblößte jetzt ihr blutverschmiertes Gebiss, knurrte entsetzt. Immer wieder peitschte ihr Averics Blick um die Ohren, jeden Herzschlag, den er sie ansah, bohrten sich die messerscharfen Zähne seiner Abscheu tiefer in ihr Herz. Er glaubte ihr nicht. Er ließ sie im Stich. Nie hatte sie jemand tiefer enttäuscht.
“Wie kannst du es wagen, mich als geisteskrank zu bezeichnen?“
Sie knurrte erneut, die lodernde Trauer war zu flammender Wut geworden; Schmerz stand in ihrem trüben, noch immer rot verhangenen Blick. Wie konnte Averic ihr nicht glauben? Wie konnte er sie so alleine lassen, sie in ihrer alles verschluckenden Einsamkeit noch einsamer machen? Wie konnte er sie im Blut ihres Sohnes ertrinken lassen? Sie biss die Zähne fest aufeinander, heulte im nächsten Moment voller Schmerz auf und schrie dabei, wie noch nie ein Wolf geschrieen hatte. Ein Schrei, so voller Schmerz und Enttäuschung, dass der Wind für einen kurzen Moment verstummte.
“Ich hasse dich, Averic! Wie kannst du mir das antun? Du bist nicht besser, als Acollon, du warst immer wie er! Du lässt die, die du liebst im Stich, wenn sie dich am meisten brauchen!“
Noch immer war die Welt in ein dunkles Rot getaucht, Averics Augen waren nicht mehr blau wie der unendliche Nachthimmel, sondern flammend rot, wie Fenris selbst. Und sein Gesicht eine verzerrte Fratze, hässlich, ohne Zuflucht für sie. Er ließ sie im Blut ihres Sohnes alleine. Er hatte sie verraten.
[ Blumenwiese | Averic und toter Tascurio, Chanuka und Turién in Sichtweite ]
20.09.2010, 16:06
Der Regen fühlte sich an wie Millionen von Messerstichen, das Blut um ihn herum war Gift und ihr Blick verbrennender als das Fegefeuer. Averic konnte nicht glauben, dass er sich in der Wirklichkeit befand, es musste ein Wahn sein, eine Odyssee, ein Albtraum, aber doch nicht die Realität! Tyraleens Gesicht verzog sich mehr und mehr zu einer Fratze, die nicht mehr zu seiner Gefährtin gehören konnte. Fenris spielte ein übles Spielchen mit ihm, er wollte ihn innerlich zerstören, nichts anderes konnte er sich vorstellen. Das war nicht sie, es war nicht echt.
Doch lange konnte sich Averic nicht an diesen Gedanken krallen, dass die Welt um ihn herum für diesen Moment nur noch eine surreale Verzerrung der Weltengefilde sein konnte. Irrsinn, der durch Fenris hervorgerufen wurde. Denn zu echt war der Schmerz, der in seiner Seele explodierte, als Tyraleen ihm Hass entgegen spie und auf ihn schimpfte, als wäre er verantwortlich für alles Schlechte in der Welt. Die Worte „Ich hasse dich!“ zwängten sein Herz in einen Schraubstock und drehten mit einem solchen Ruck, dass es augenblicklich zerbersten musste. Gleichzeitig erblühte unbändiger Zorn in ihm, reagierte mit endloser Verzweiflung, mit Hilflosigkeit und ließen eine ausschließlich bösartige Mischung entstehen. Wie konnte sie es wagen!
„Sieh dich an, sieh dich an! DU rutscht im Blut UNSERES Sohnes herum! DU hast ihn skrupellos ermordet! DU! DU! DU! Wie kannst du es wagen mich mit Acollon zu vergleichen, während du Banshee und alles wofür sie stand mit Füßen trittst und in den Dreck ziehst! DU hast Banshee verraten und dich an den Tod verkauft!“,
schrie der Pechschwarze zurück und wollte ihr am Liebsten die Zähne in die Schnauze rammen, damit sie nicht mehr weitersprechen konnte. Er wollte nichts mehr hören!
Averic verschluckte allen Schmerz, verursacht durch das, was sie ihm gerade angetan hatte, verursacht dadurch, dass sie gerade ihr beider Leben mutwillig zerstört hatte und schloss ihn weg. Er hätte ihn sonst gebrochen. Seine Geliebte hatte ihn einfach so verraten und klagte ihn nun dafür an!
[ Blumenwiese | Tyraleen und toter Tascurio, Chanuka und Turién in Sichtweite ]
20.09.2010, 18:53
Cirádan ließ sich am Ohr ziehen, nahm es gar nicht Recht wahr, beobachtete lieber die gute Caylee, wie sie den Felsen rauf kletterte.
Seine helle Sowas-wie-Schwester schien unschlüssig stehen zu bleiben und leise rührte sich etwas in ihm, dass sie vielleicht jetzt doch vernünftig werden würde und umkehrte.
Doch dem war nicht so. Natürlich nicht. Sie kletterte weiter und er versuchte nun ihr zu folgen.
Als plötzlich ein Donnern über ihm zusammen krachte, durchfuhr ein Zittern seinen Körper. Doch er versuchte einfach still zu bleiben. Er hatte zu viel Angst auszurutschten.
Und dann konnte er auch schon seine Sowas-wie-Schwester dabei beobachten, wie sie sprang.
Erschrocken riss Cirádan die Augen auf und hielt den Atem an. SIe war verrückt. Ganz einfach verrückt.
Doch schon im nächsten Moment schien Caylee sicher auf dem höchsten Punkt angelangt zu sein. Erleichtert atmete der Jungwolf aus. Das war echt zu viel Aufregung.
Und nun wartete sie auf ihn. Sie rief ihm etwas zu, aber er konnte nur Brocken verstehen.
Cirádan kletterte soweit voran, bis er an der Stelle stand, wo es nicht mehr so einfach weiter ging. Hier war sie abgesprungen. Verunsichert blickte er hoch und konnte sich nicht so Recht trauen, diesen Sprung ebenfalls zu wagen.
Doch dann glaubte er ein Heulen im rauschenden Wind zu hören. Verwirrt presste er sich an den nassen Felsen und versuchte sich umzusehen.
Da lief ein Wolf auf sie zu. Trotz Regen und schien zu heulen.
Er kam immer näher und war innerhalb kurzer Zeit bei den Felsen, auf dem Caylee und er kletterten. Da erkannte der Halbblinde, dass er diesen Wolf noch nie zuvor gesehen hatte. Erschrocken darüber, richtete er sich wieder auf und wagte doch endlich den Sprung.
Neben Caylee fegte der Sturm ihn beinahe von den Füßen und er drückte sich nun eng an seine Sowas-WIe-Schwester.
Cirádan dachte im Moment gar nicht daran, dass er ohne Schwierigkeiten hinauf gekommen war. Aber runter wollte er auch nicht.
Denn der fremde Wolf kletterte unaufhaltsam weiter und schien etwas ihnen zuzurfen. Er wirkte so glücklich und fröhlich auf ihn, aber das entspannte den Jungwolf nicht.
Eng drückte er seine Schnauze in Caylees Ohr.
"Wer ist das? Was sollen wir tun?",
wollte er von ihr wissen und beobachtete weiter den Wolf, der ihnen irgedwas zurief, was er kaum verstehen konnte.
[See - Felsen / mit Caylee und Volk Zubami]
21.09.2010, 11:01
Das Gewitter hatte ihn dazu veranlasst, sich auf die Suche nach einem Unterschlupf zu machen. Der Sturm hatte ihn dabei von den anderen getrennt, war doch das Heulen des Windes zu laut, um Mitwölfe zu hören und der Regen zu dicht, um weiter als ein paar Wolfslängen zu sehen. Nun, auch Gewitter hatten ihre schönen Seiten. Man konnte spielerisch durch Pfützen springen, sonderbare Schattenmonster im gleißenden Licht der Blitze suchen und natürlich die zarten und zackigen Verästelungen der Blitze selbst bewundern. Der Schwärzling brauchte keinen Sonnenschein für gutes Wetter - er brauchte lediglich Spass daran. Trotzdem wäre ein trockener Unterschlupf eine gute Ergänzung, und so begab Malakím sich in die Richtung, in der er einen solchen zu wissen glaubte. Der lange Weg würde ihn dabei durch den Wald und um die weite Grasfläche herum führen, der kurze mitten durch die Blumenwiese. Malakím entschied sich für Letzteres. Es war einfach herrlich, über eine sturmgepeitschte Wiese zu jagen und Fangen mit den Blitzen zu spielen...
Die Szenerie inmitten der wogenden Blumen hatten ihn dann doch innehalten lassen. Kein freudiges Springen, dem ein Schweif aus sprühenden Wassertropfen folgte. Stattdessen nur Rinnsale in seinem Fell und ein stetiges Tropfen von den Bauchzotteln, die das Wasser formte. Einerseits war es, als hätte ihn die Muttergöttin selbst wiedereinmal zu der Weißen Schönheit geführt. Andererseits konnte dieser Moment nicht von der Geflügelten herbeigeführt worden sein. Die wunderschöne Tyraleen verdiente es nicht, in blutiges Rot getaucht zu sein, schreiend vor Verzweiflung und Entsetzen. Ihr zu Pfoten lag eine kleinere Gestalt, aber mehr konnte der Schwärzling auf diese Entfernung nicht erkennen. Ein anderer Schwarzer stand der Weißen gegenüber - ihr Gefährte Averic. Nur Fetzen seiner Worte trug der Sturm herüber, aber auch seine Stimme war voll Entsetzen und Abscheu. Abscheu vor seiner Liebsten? Was war geschehen? Hatten sie einander angefallen? Im Fell des Schwarzen würde Blut nur schwerlich zu sehen sein...
Malakím stand stumm in einiger Entfernung und wusste nicht, was er tun sollte. Er würde nicht einfach hinüberschlendern und gute Laune verbreiten können, selbst der Versuch zu Trösten oder zu Schlichten mochte von sehr fragwürdigem Erfolg gekrönt sein. Er fühlte sich hilflos, und er mochte das nicht. Er wollte doch helfen, dafür lebte er. Er wollte IHR helfen. Doch was konnte er tun, außer abzuwarten und zu hoffen, dass die Situation nicht eskalierte?
[Blumenwiese | in der Nähe Tyraleen und Averic]
21.09.2010, 11:20
Irgendwie hatte er die anderen verloren. Er hatte genau nach Sheenas Anweisungen seinen Platz innerhalb des Jagdtrupps eingenommen und seine Rolle auch gut gespielt - seiner Meinung nach. Doch während er die Herde im Auge behielt und sie hetzte, waren die anderen irgendwie aus seiner Sicht geraten. Vielleicht hatten sie Beute geschlagen und er hatte es bei diesem Sturm nicht mitbekommen? Hatte die Herde sich vielleicht unmerklich aufgefächert und geteilt? Er wusste es nicht, aber sicherlich würde sich das aufklären lassen, sobald er Sheena und die anderen gefunden hatte. Vermutlich waren sie alle zum Rudelplatz zurück gekehrt, um dort in der Nähe Schutz zu suchen, also wandte auch er sich in diese Richtung. Er konnte nur hoffen, dass es den anderen gut ging, andererseits hatte er keine Veranlassung, vom Gegenteil auszugehen. Rakshee und Sheena hatten die Jungwölfe bestimmt gleich zum Rudelplatz getrieben, auf die beiden war Verlass. Und besonders Sheena hatte ihre Sache als Jagdleiterin wirklich gut gemacht!
Seine Pfoten trugen ihn am See vorbei und ließen Jakash inne halten. Im Licht eines Blitzes glaubte er, zwei, nein drei Gestalten gesehen zu haben, war sich aber nicht ganz sicher. Der Schwarze beschloss, kurz genauer nachzusehen, wer da so viel Freude am Nasswerden hatte, dass er sich noch keinen Unterschlupf gesucht hatte. Im Näherkommen erkannte er Caylee und Cirádan - was, bei Fenris und Engaya, taten die beiden JETZT am See?! - und einen Erwachsenen. Einen Lidschlag später wurde Jakash bewusst, dass er Letzteren nicht deshalb nicht erkannte, weil er zu weit weg war, sondern weil er FREMD war! Jakash Läufe wechselten aus einem lockeren Schritt in einen Sprint, während seine Lefzen die Zähne bloßlegten. Schlitternd, mit gebleckten Zähnen, gesträubten nackenfell und einem dunklen Grollen in der Kehle kam er vor dem Fremden zu Stehen.
"Wer, bei Fenris, bist du?! Und was willst du hier? Sprich schnell, oder ich gehe davon aus, dass du den beiden Böses wolltest!"
Nur leicht wandte er den Kopf zur Seite, sodass er den Fremden nicht aus den Augen lassen musste, als er sich an die beiden Jungwölfe wandte:
"Cayle, Cirádan, was macht ihr hier? Wollt ihr unbedingt vom Blitz erschlagen werden? Kommt da schleunigst runter!"
[See |Cirádan, Caylee, Volk Zubami]
21.09.2010, 11:31
Ebenso plötzlich und heftig wie er gekommen war, flaute der Sturm auch wieder ab. Mit einem letzten, lautstarken Donner verabschiedeten sich die pechschwarzen Wolken und zogen nach Westen weiter. Noch immer regnete es leicht und auch der Wind fuhr noch ab und an durch den Pelz der Wölfe, aber das Gewitter war vorbei. Es hinterließ einige umgeknickte Bäume und einen aufgewühlten See, an dessen Ufer allerlei Äste, Algen und tote Fische angespült worden waren. Mittlerweile war die Nacht über das Tal gekommen, sodass die Dunkelheit des Sturms weitestgehend erhalten blieb, nur der Mond bestritt einen erbitterten Kampf gegen die leichten Regenwolken. Ab und an schaffte es ein Schimmern zwischen zwei Wolkenbergen hindurch zu schlüpfen und spiegelte sich in der unruhigen Seefläche. Es war wieder auffallend ruhig, kein heulendes Getöse mehr und auch die Jäger der Nacht hatten sich noch nicht aus ihren Verstecken hervor gewagt.
21.09.2010, 12:05
Caylee war selten so stolz gewesen. Sie hatte nicht nur gerade diesen halsbrecherischen Sprung auf den glatten Felsen gewagt und bravourös gemeistert, sondern schien auch ihren kleinen Ci soweit überredet zu haben, dass er ihr brav nachfolgte. Er schien zwar ängstlich und verunsichert wie eh und je, aber er lief weiter und darum ging es doch hauptsächlich. War er erstmal oben bei ihr, würde er vielleicht sogar seine Angst vergessen, denn es war wirklich schön hier. Man sah die Blitze über dem Wald leuchten und man konnte den ganzen schäumenden See überblicken. Ein Geräusch lenkte sie ab, zuerst konnte sie es nicht zuordnen, dann sah sie Cirádan einen Blick zur Seite werfen und folgte ihm. Da kam ein Wolf auf sie zu gerannt, in einem beachtlichen Tempo, immerhin stand ein rutschiger Felsen direkt vor ihm. Die Weiße kniff die Augen zusammen und versuchte durch den Regen zu erkennen, wer das war, aber es gelang ihr nicht. Kannte sie den überhaupt? Ci schien derweil äußerst unerfreut über ihren unbekannten Besuch zu sein, drückte sich zuerst an den Felsen und dann – schwuppdiwupp, einfach so – sprang er neben sie. Erstaunt und hoch zufrieden blinzelte Caylee zu ihm, aber ihr Bruder-oder-so hatte nur Augen für den seltsamen Fremden. Der sprang mittlerweile den Felsen hoch, ziemlich gewagt, wie Caylee fand, aber er hielt das Gleichgewicht. Cirádan neben ihr drückte sich eng an sie und fragte eine sehr berechtigte Frage. Was, wenn dieser Fremde verrückt war? So wie er hier hochsprang, schien er das zu sein und schon im nächsten Moment machte er Caylee wirklich Angst. „Endlich haben wir uns wiedergefunden, ich dachte ich würde euch nie wieder sehen!“ … Hä? Sie kannte diesen schwarzen Zottelwolf nicht und seine stürmische Begrüßung hätte sie beinahe den Felsen heruntergeschubst. Sie wich so weit es ging zurück – ihre Hinterpfoten berührten schon die Kante des Felsens, der über den See hing – und erinnerte sich dann daran, dass sie mutig und selbstbewusst war. Zumindest musste sie das jetzt für Cirádan sein, denn der schien noch unbegeisterter von ihrem unerwarteten Besuch. Also richtete sie sich ein wenig auf und machte ein abweisendes Gesicht.
“Keine Ahnung, wer du bist, aber ich kenn’ dich nicht und du bist komisch. Außerdem hättest du mich beinahe vom Felsen geschubst, pass mal auf, wo du deine Schnauze hinstreckst!“
Sie versuchte so stark und erwachsen zu klingen, wie sie nur konnte. Der Fremde sollte denken, dass er kein leichtes Spiel mit diesen zwei Jungwölfen haben würde. Ein wenig schützend hatte sie sich jetzt vor Cirádan geschoben, nicht, dass der noch vor Angst vom Felsen purzelte. Schon im nächsten Moment sah sie den nächsten Schatten auf sie zu kommen und jetzt bekam die Weiße es wirklich mit der Angst zu tun. Noch so ein Fremder? Ihre Ohren legten sich eng an ihren Kopf an und ein wenig verzweifelt zeigte sie ihre noch ungeschliffenen Jungwolfzähne. So etwas wie ein verunglücktes Knurren kam aus ihrer Kehle, aber bei dem Sturm hatte man es wohl sowieso nicht hören können. Jetzt sprang der andere Schatten auf den Felsen und im gleichen Moment erkannte Caylee ihn.
“Jaki!“
Pure Erleichterung überkam die Weiße, als sie ihren Cousin erkannte. Kein besser, als Jaki hätte ihnen nun passieren können. Mutig und ohne zu zögern knurrte er schon den Fremden an und schleuderte ihm direkte Worte ins Gesicht. Caylee wäre am liebsten sofort zu ihm gesprungen, um sich in seinem Fell zu verstecken – Stolz hin oder her, jetzt war sie viel zu erleichtert. Aber leider stand der Fremde zwischen ihm und ihr, als verharrte sie vor Cirádan und starrte mit großen, erleichterten Augen zu ihrem Cousin. Der warf ihnen nun einen Blick zu und klang auch nicht so nett, offensichtlich hatten sie irgendetwas falsch gemacht. Caylee ließ den Kopf hängen und schielte zu ihrem Bruder-oder-so.
“Geht nicht.“,
murmelte sie leise und merkte im gleichen Moment, dass sie ihre eigenen Worte hatte verstehen können. Der Sturm war abgeflaut, der Regen peitschte ihr nicht mehr um die Ohren und sie konnte alles wieder viel deutlicher erkennen. Leider waren die schönen Blitze auch weg, bevor sie sie richtig hatten betrachten können, aber das wäre jetzt wohl sowieso nicht mehr möglich. Jakis Aufforderung folgen konnte sie aber nicht, der Fremde stand zwischen ihr und dem Abstieg vom Felsen.
[ See - Felsen | Volk Zubami, Cirádan und Jakash ]
21.09.2010, 14:04
Plötzlich rannte ein dritter, ihm unbekannter Wolf auf ihn zu. Dieser fuhr ihn leicht grob und mit dem Willen die Jungwölfe zu beschützen an. Was bei Wem? Seine Gedanken überschlugen sich bei dem, was der dritte sagte. Naja, mehr oder weniger keifte er ihn an und das Knurren wollte ihm auch nicht gefallen, sodass ihm ein leicht dumpfes ‚Wuff´ entfuhr. Der Schwarze hatte vor zu antworten, obwohl er dem leicht übereifrigem keine Antwort schuldig wäre.
"Ich will meine Geschwister begrüßen oder ist das hier nicht erlaubt."
Kaum dass er diesen Satz beendete, fiel ihm auf, dass die beiden viel zu jung waren und damit nicht sein Brüderlein und sein Schwesterlein sein konnten. So schreckte er zurück, denn Volk hatte schon wieder einen Versuch gestartet, sich der jungen Fähe zu nähern. Nun konnte er sich ihre Reaktion, von vorhin erklären, obwohl dieses eindeutige ‚Keine Ahnung, wer du bist, aber ich kenn´ dich nicht und du bist komisch.´ hätte eigentlich genügen sollen. Das war für den Rüden ein Schock und er brach innerlich zusammen. Er legte sich nieder, stützte den Kopf leicht auf die Vorderpfoten und begann auf die Fragen des Wolfes, den die Weiße ‚Jaki´ nannte, zu antworten.
„Es tut mir leid, ich wollte euch beide nicht bedrängen. Ich hab euch Verwechselt."
Vorsichtig stand er auf und sprang auf den Felsen, wo der Erwachsene stand, mit eingekniffenem Schwanz und gesenktem Kopf. Mit etwas Abstand zu ihm fuhr er fort.
„Entschuldige bitte mein Verhalten. Mein Name ist Volk Zubami und ich komme von einem Ort, der Jenseits der Eismeere liegt. Ich habe meinen Bruder und meine Schwester vor einiger Zeit verloren, als ich durch einen abrutschenden Vorsprung vom Berg hinabstürzte. Ich wollte nicht in euer Revier eindringen, doch der Hunger trieb mich weiter und auch die Hoffnung meine Geschwister wieder zu finden."
Volk Zubami wendete seinen Kopf und blickte zu den Jungwölfen. Dann schweifte sein Blick wieder zu dem schwarzen Wolf vor ihm. Insgeheim hoffte Volk eine neue Heimat gefunden zu haben, aber das er sich so schnell missgünstig darstellen könnte, hätte er von sich selbst nicht erwartet.
[See-Felsen | Cirádan, Jakash, Caylee]
21.09.2010, 14:18
Die alten Wunden waren aufgerissenwie lange verschlossene Schleusen, hinter denen die Macht der Erinnerung wie eine unaufhaltsame Sturmflut hervorzubrechen drohte. Die Dämme waren gebrochen worden, das was er auf der langen Zeit der einsamen Wanderung immer wieder aus seinem Bewusstsein gedrängt hatte, hatte durch die kleinsten Risse zu sickern begonnen und bahnte sich seinen Weg mit unvorstellbarer Kraft, durch Spalten und Risse in seiner tiefen Seele, hervor an die Oberfläche. Kälte und Nässe perlten an seinen Innersten ab, an der wiedergewonnen Zuversicht der Fähe, die von solcher Macht war, dass sie vermochte einen funkelnden Sonnenstrahl gespiegelt in tausend niemals geweinten Tränen, auf die Splitter seiner Seele zu zaubern. Wie in einem Zeitlupenfilm begannen die Bilder vor seinem inneren Auge zu laufen. Flash-Back. So lebendig wie damals und doch hatte er plötzlich das Gefühl dieser Albtraum wäre nicht ihm wiederfahren, mit einer fast erschreckenden sachlichen Distanz vermochte er nun diese vielen Tage und Monde, bis hin zu den zwei Wintern die er allein, auf der Flucht vor seiner Vergangenheit durchlebt hatte. Die lange Zeit in der er sich selbst durch die dunkelsten Schluchten und über die einsamsten, steilsten Berghänge, getrieben hatte, in der Hoffnung irgendeine Macht würde ihm vergeben. Würde verzeihen, sein Versagen und die Fehler die er begangen hatte. Seine Verbrechen die nach Vergeltung geschrien hatten, so laut, das sie Jarrèll Nathaniêl beinahe um den Verstand gebracht hatten. Jede Nacht, alsbald er nur die Augen geschlossen hatten, waren die Bilder zurückgekehrt, hatten ihn heimgesucht und ihm immer und immer wieder die gleichen Szenen vor Augen geführt hatten, Szenen deren Ausgang er von Beginn an gekannt hatte, aus deren Bann er sich doch nie hatte befreien können, wie ein Fluch, der ihn Zwang den Tod seiner Gefährtin und seines Rudels und seiner Familie erneut mitzuerleben, in ohnmächtiger Verzweiflung, konnte er doch nie in das Geschehen eingreifen, konnte er doch nie einen anderen Weg einschlagen, als wären seine Pfoten gelenkt von einer übergroßen Macht. Seine Schreie waren niemals erhört worden, immer und immer wieder, war er aufgewacht, allein, mit einem Gefühl der Taubheit, die all seine Sinne zu beherrschen schien. Es war nicht mehr sein Leben gewesen, es war als hätte jemand Fremdes für ihn weiter gelebt, von dem Moment an, als er den leblosen Körper seiner Gefährtin in der Schlucht zurückgelassen hatte und allein eine Wanderung eingeschlagen hatte, in eine unbekannte Richtung, mit dem Gedanken bald einen einsamen Tod zu sterben. Lange Tage, lange Nächte war er gelaufen, ohne Rast und ohne Ziel, ohne den Glauben, dass ihm auf dieser Welt noch Glück vergönnt sein sollt. Eine eiskalte Welle der Verzweiflung überkam Nathaniêl, als er die sanften Berührungen der Fähe spürte, wie sie zärtlich ihre Schnauze in seinem Fell vergrub und sie für ein paar Atemzüge an seinen Körper schmiegte. Für einen kurzen Augenblick senkte er die Augenlieder und kniff sie verbissen zusammen. Mit einem Ruck öffnete er sie wieder und besah sich der Weiße mit einem langen Blick, verschlossen blieben ihr jedoch die Flammen lodernden Schmerzes in seinem Inneren. Er konnte ihr Hoffnung schenken, doch ihm, ihm vermochte nichts und niemand die Freude zu erretten die sich das Schicksal einst auf grausame Weise genommen hatte. Ein bezauberndes Lächel zierte schließlich die Gesichtszüge der Fähe und ließ die Trauer aus ihrem Antlitz verschwinden, die sie so traurig hatte aussehen. In Jarrèll Nathaniêl ließ es ungeahnte Sehnsüchte aufkommen, vertrieb für einen Moment das Gefühl der dumpfen Verbitterung, die alle seine Sinne vernebelt hatte und ihn in eine tiefe Schlucht hatte fallen lassen, mit der Gewissheit er würde nie wieder in der Lage zu sein etwas wie Glück oder gar Liebe verspüren zu können. Er konnte es das hatte ihm die Fähe ihm bewiesen, doch wollte er auch? Würde er sich dem Gesehenen stellen können? Fast als hätte die Blauäugige seinen inneren Zweispalt gefühlt, erklangen ihre leisen, aber freundlichen Worte. Die Worte die er so gefürchtet hatte, dass sie ihn wie Dämonen verfolgt hatten. Die fragenden Worte nach seiner Vergangenheit. Nach all dem, was er so verbissen zu verdrängen versucht hatte. Die Frage nach seinem Versagen, nach seiner unverzeihlichen Niederlage. Mit einem langen durchdringenden Blick sah er sie an. Wollte sie es wirklich wissen? Sie würde voller Abscheu davonlaufen. Jarrèll war sich sicher. Oder? Sie selbst hatte sicher eine Geschichte mit sich zu tragen, die vermutlich viel mehr kannte als nur die schönen Seiten des Lebens, doch würde sie es ertragen neben einem Verräter, einem Mörder zu liegen und ihn zu trösten? War ihr Glaube an das Gute so groß, dass sie ihn mit seinen Fehlern ertragen können würde? Und war er selbst bereit sich ein für alle Male dem Erleben zu stellen? Würde er es ihr erzählen, würde er für sie erneut durch die Hölle gehen müssen. Würde sie seine wieder aufgerissenen Wunden zu heilen vermögen, bevor er an ihnen zugrunde gehen würde? Jarrèll Nathaniêl kannte zu wenig Antworten auf zu viele Fragen.
„Jarrèll Nathaniêl. Fremd mag ich dir sein und fremd bin ich mir selbst geworden…“,
die Worte klangen heiser und tonlos, dennoch wahrten sie die Fassade der Beherrschtheit.
„Welche Geschichte möchtest du hören?“
Sein Tonfall wurde schärfer, ein qequältes, heiseres Lachen verließ seine Kehle, klang mehr wie ein trockenes Husten,
„Niemand erzählt die Geschichte eines Mörders. Man hasst sie.“
Seine Worte waren lauter geworden, eisige Kälte, bittere Härte, tönten aus seiner Stimme. Verachtung und Abscheu klangen in den letzten Tönen die sein Maul verließen.
Am Rand seines Bewusstseins nur, nahm Nathaniêl das leise fast unhörbare Winseln der Fähe wahr, welches sie vermutlich vor ihm hatte verbergen wollen. Er deutete es nicht als Zeichen der Schwäche, nur als einen leisen Ausdruck ihrer Empfindungen. Der Regen hatte an Kraft verloren und nur noch kleine Tropfen fielen dich vor ihm auf den Boden und flossen über sein Fell welches der Sturm von Nässe getränkt hatte. Ganz bewusst zwang sich der Silberne ruhig zu atmen. Die schöne Weiße hatte nun zu entscheiden. Nathaniêl erschrak selbst darüber wie ruhig er die ausgesprochene Wahrheit ertragen konnte. Immer noch tobte die Verzweiflung in ihm, und nicht zuletzt die kalte Angst von der Fähe fortgeschickt zu werden, doch die eisigen Stiche blieben aus, genauso der flammende Schmerz. Es war erträglicher als es sich je hatte vorstellen können. Jarrèll sah die Fähe aus seinen smaragdgrünen Augen an, fest, nicht fixierend aber fest. Er würde ihre Entscheidung ertragen. Jedenfalls äußerlich. Gefasst würde er nicken, sich erheben, seinen Schritt in die Ferne richten und in kommender Zeit einen Abstand zu der Blauäugigen wahren. Doch innerlich würden seine letzten Splitter der Hoffnung zerspringen, zu Scherben so fein wie Staub. Es würde besiegeln, dass sein Leben vorbei war, vielleicht nicht vorbei was seinen Körper anging, doch vorbei, zerschlagen und zerstört von den Dämonen seiner Vergangenheit, die ihm überallhin wie ein dunkler bleischwerer Schatten folgte, vorbei in seiner Seele. Nur noch Vergangenheit. Er würde Geschichte sein, ein Buch vollgeschrieben, bis auf die letzte Zeile, selbst wenn er noch viel Monde seines Lebens vor sich hatte. Jarrèll Nathaniêl, verloren und verfolgt, niemals wieder. Eine Geschichte geschrieben in nachtschwarzer Tinte, die letzten Zeilen blutrot.
21.09.2010, 15:19
Was für ein verrückter Tag. Zuerst missglückter Jagdunterricht. Dann ein Rennen im Unwetter mit Caylee und nun auch noch ein merkwürdiger, fremder Wolf. Was war hier nur los?
Merkte er denn nicht, dass Caylee beinahe runter rutschte, weil er ihr so an den Pelz rückte?
Ängstlich zog Cirádan die Lefzen hoch und legte seine Ohren noch enger an, falls das überhaupt noch möglich war.
Doch Caylee versuchte mutig zu sein oder war es auch sogar. Denn sie richtete sich wieder auf und geigte dem Fremden die Meinung.
Und er konnte sie besser verstehen als noch vorhin, doch das war dem Jungwolf in diesem Moment gar nicht mal wirklich bewusst.
Schon im nächsten Moment rannte ein weiterer Wolf auf die Felsen zu. Gehörte er etwa zu diesem merkwürdigen Fremden?
Caylee und er waren hier doch eingekesselt. Mit einem Fremden wären sie schon fertig geworden, aber gleich zwei? Das war unmöglich!
Erst als seine Sowas-Wie-Schwester Jaki rief, sah Cirádan erstaunt zu dem Wolf. Was für ein Glück. Jemand aus dem Rudel! Erleichtert atmete Cirádan aus. Jakash würde mit dem Fremden schon klar kommen, doch auch zu den beiden Jungwölfen war sein Ton nicht gerade sanft. Vielleicht lag es an der ganzen Situation, aber vielleicht hatte er auch die selben Bedenken wie auch Cirádan. Immerhin hatte er furchtbare Angst, aber Caylee hatte ihn überredet und er wollte nicht schon wieder als Feigling dastehen.
Aber Recht hatte sie. So leicht runter konnten sie nicht, so lange der Fremde ihnen den sichersten Weg nach unten versperrte.
Zum Glück zog er sich nun langsam zurück und versuchte eine Erklärung abzuliefern.
Er hatte sie also verwechselt? Und er entschuldigte sich? Nichts destotrotz hätte er sie doch nicht so bedrängen dürfen! Sie hätten ausrutschen und sterben können!
Aber er schien von weit her zu kommen. Vielleicht war in diesem Weit her, dass so Sitte... Stürmische Begrüßung im Sturm.
Er hätte ja auch vorsichtiger sein können, fand Cirá.
Erst jetzt wurde im so richtig bewusst, dass der Sturm abzuflauen schien. Der junge Wolf stellte die Ohren auf und sah zum Himmel. Er war immer noch dunkel und es regnete immer noch, aber der Wind war abgeflaut und er konnte wieder besser verstehen, was die Wölfe redeten, auch wenn sie weiter weg von ihm waren.
Das war wunderbar. Jetzt würden sie auch hoffentlich nicht mehr vom Blitz getroffen werden, so wie Jakash es gesagt hatte. Denn das hatte dem Jungwolf doch etwas Sorgen gemacht.
[See - Felsen / mit Caylee, Jakash und Volk Zubami]
21.09.2010, 15:32
Minyala betrachtete interessiert Chardíms Gesichtsausdruck, der ihr recht offenherzig mitteilte, was der Jungwolf von den skeptischen Worten der Weißen hielt. Nämlich gar nichts. Na toll. Sie hatte ja gar nichts gegen Wölfe, die ihren Glauben stark vertreten, aber so was wie Religionsfreiheit herrschte doch auch unter Wölfen. Zumindest hatte ihr Papa da mal irgendetwas erzählt, von wegen Grundrechte der Menschen auf erstaunliche Art und Weise auch unter Wölfen vertreten und so. Naja, Minyala hatte es nicht so richtig interessiert, all dieses theoretische Zeug mit Recht und Unrecht, Gesetz und Gewalt. Jetzt überlegte sie sich, ob sie nicht doch ein wenig in ihrem Gedächtnis kramen sollte, um Chardím damit ein wenig zu verwirren, aber sie entschied sich vorerst dagegen. Er wollte ihr ja seinen Glauben nicht aufzwingen, war nur sehr überzeugt davon. Durfte er ja auch sein. Also nickte die Weiße gutmütig und grinste weiterhin schief vor sich hin.
“Weißt du, jedem sein eigener Glaube, nicht wahr? Ich weiß nicht, was du mit Nichts meinst, aber falls du nichts meinst, dann sind wir uns ja einig, nicht wahr?“
Sie schwenkte vergnügt die geknickte Rute und begann in einen lockeren Trab neben Chardím herzulaufen. Der schien noch immer damit beschäftigt, dass Minyala es nicht so mit Göttern hatte, was sie ein wenig verwirrte. Was störte ihn denn so daran? Es juckte sie doch auch nicht, dass er nicht ihrer Meinung war. Um dem ganzen ein glitzerndes Krönchen aufzusetzen schlug er ihr – sicher nett gemeint – vor, ihr von seinen Göttern zu erzählen. Zuerst wollte sie rasch ablehnen, um dieses Thema endlich loszuwerden, dann zögerte sie aber doch. Hatte ihr Papa ihr nicht auch viel über Jahwe erzählt? Und war das nicht immer spannend gewesen, zu verstehen, warum so viele Menschen an ihn glauben?
“Mit ihnen verwandt, soso.“ war zunächst ihr Kommentar, dann warf sie dem Jungwolf einen prüfenden Blick zu und wippte leicht mit dem rechten Ohr. “Was würdest du mir denn da erzählen?“
Dass ihre Begleitung ein wenig verrückt war, hatte sie bereits akzeptiert, das war auch vollkommen in Ordnung. Caleb hatte ja auch nicht mehr alle Tassen im Schrank und die Wölfe hier mit ihren seltsamen Göttern mussten wohl alle ein wenig neben der Spur sein. Minyala mochte das, normal war sie ja auch nicht. Interessiert betrachtete sie Chardím beim Spursuchen und ließ dann ihren Blick über den Wald gleiten. Der Sturm hatte nachgelassen, es regnete nur noch leicht und wenn sie nicht schon taub von dem ganzen Lärm geworden war, hatte auch das Gewitter aufgehört. Immerhin eine gute Sache.
“Gut, dann lass uns mal dein ungutes Gefühl aus der Welt räumen. Welcher Ruf eigentlich? Ich hab nicht’s gehört.“
Die Sache mit Fenris überhörte sie mal. Außerdem sah Chardím jetzt echt ernst aus, seine Sorgen waren sicher nicht ganz unbegründet. Zum Rudelplatz konnte es nach Minyalas ziemlich miserablen Ortskenntnissen eigentlich nicht mehr weit sein, also trabte sie höchst motiviert weiter.
[ nördlicher Mischwald // Chardím ]
21.09.2010, 17:08
Wo war Minya?! Wo waren alle anderen? Naja, Letzteres war nicht so wichtig, aber wo zur Hälle war die zerlumpte Wölfin? Caleb hatte Angst und wusste nicht, was er tun oder wohin er sich wenden sollte. Als der Sturm losbrach, hatte er sich unter einen umgestürzten und schräg angelehnten Baumstamm verkrochen, was aber auch nur einen mehr als notdürftigen Schutz dargestellt hatte. Caleb hatte eigentlich nie Angst vor Gewittern gehabt, aber er hatte auch noch nie so einen Sturm erlebt - und war dabei selbst unter freiem Himmel, wenn auch im Wald, gewesen. Noch nie hatte ihn sein Zimmer NICHT vor Blitz und Donner geschützt oder ein anderes Gebäude. Genau das hatte er sich sehnlichst gewünscht: einen von Menschenhand errichteten Unterstand, das sprichwörtliche Dach über dem Kopf. Die Angst hatte sich in seinen Geist gefressen wie das kalte Regenwasser durch seinen Pelz. Schließlich hatte er natürlich die Kontrolle verloren, sofern man das bisschen Selbstbeherrschung, dass er über seine Verwandlung besaß, denn 'Kontrolle' nennen konnte. Zweimal hatte er die Gestalt gewechselt, war Mensch und wieder Wolf und wieder Mensch und wieder Wolf geworden. Das zwischenzeitliche Fehlen des Fells hatte ihn ganz der Kälte und dem Schlamm ausgeliefert. Der Sturm hatte, so schnell er gekommen war, nun auch wieder nachgelassen, aber Caleb fror noch immer und sein Fell war schlammverschmiert. Nur zögerlich wagte er sich aus seinem 'Versteck', aber das Verlangen, Minyala wieder zu finden, wuchs und wuchs. Er brauchte jemand, an den er sich halten konnte. All die anderen, echten Wölfe waren ihm einfach zu fremdartig.
Im nachhinein verfluchte er seine Entscheidung. Er war kaum ein paar Minuten unterwegs, als er auf drei Jungwölfe stieß. Zwei waren schwarz und ineinander verbissen, der dritte grau und fast ebenso schlammig wie Caleb selbst. Für einen Moment stand der junge Werwolf wie angewurzelt da.
'Ach du Sch... Was ist denn hier los?',
war sein erster Gedanke.
'Prügeln die sich? Die prügeln sich!'
Valeb war kein Freund von Prügeleien unter Jugendlichen. Es war kleingeistig und verachtenswürdig und machte ihn jedesmal wütend, wenn er so dumme, rohe Gewalt sah.
'Okay, Caleb, denk nach! Wenn du dazwischen gehst, kriegst du was ab - und die hier beschränken sich nicht auf Fäuste! Desweiteren kriegst du sicher ärger, wenn du diesen Streithähnen irgendwas tust - wer weiß, wie Wölfe denken? Vielleicht ist das auch normal?'
Caleb kannte Hunde, aber was er hier sah, war anders als alles, was er von Hundebalgereien kannte, selbst solchen, die ernster waren als nur Spielerei. Er konnte nicht anders, er musste hier einschreiten, bevor einer dem anderen noch ein Auge ausbiss oder so.
"Hey, hey hört auf mit dem Mist!"
Es blieb ein kläglicher Versuch, aber wenn caleb ehrlich war, hatte er nichts anderes erwartet. Er musste wohl dazwischen - zwischen zwei zähnefletschende, bis aufs Blut beißende Halbstarke, denen er an Größe und Kraft ebenbürtig, aber wohl kaum überlegen war.
"Scheiße!",
fluchte er noch, dann warf er sich zwischen die beiden schwarzen Leiber und versuchte, sie mit ungeschickten Pfotenhieben auseinander zu treiben. Hoffentlich mischte der dritte Jungwolf sich nicht auch noch mit ein.
'Minya, wo bist du nur?!'
[Wald | Nerúi, Liel, Krolock]
21.09.2010, 18:22
Er konnte die Erleichterung in Caylees Stimme hören, als seinen Kosenamen rief. Das machte Jakash nur noch misstrauischer gegenüber dem Fremden, denn irgendetwas hatte dieser ja offensichtlich getan, dass die Jungfähe froh war, nicht länger mit ihm allein zu sein. Sein Knurren wurde noch etwas lauter, während er wiederum kurz zu den beiden Jungwölfen sah. Caylee hatte recht, sie konnten nicht von dem Felsen herunter, solange der Fremde ihnen noch im Weg stand. Das Licht- und Schattenspiel des gewitters hatten ihn genarrt und ihn glauben lassen, dass hinter den beiden noch weitere Felsen zum hinabklettern seien, aber da hatte er sich geirrt. Nur am Rande wurde ihm bewusst, dass der Sturm sich gelegt hatte und das Gewitter weitergezogen war, immerhin war das jetzt nicht mehr wichtig. Caylee und Cirádanwaren wichtig und sie saßen in der Falle, aber Jakash würde nicht zulassen, dass den beiden etwas passierte. Nur eine falsche Bewegung des Fremden, und er würde Jakashs Zähne schon in seinem Leib haben bevor er merkte, dass er einen Fehler gemacht hatte.
Tatsächlich gab der Fremde ihm zunächst Widerworte, allerdings in einer Art, die Jakash nicht erwartet hatte. Er drohte nicht etwa, sondern schien vielmehr beleidigt - und erschrack dann, als er erneut zu den beiden Jungwölfen sah. Jakash hatte schon sämtliche Muskeln gespannt und sich auf einen riskanten Sprung gefasst gemacht, als der schwarze Fremde plötzlich zurückwich und sich entschuldigte. Wie? Eine Verwechslung? So ganz glaubte Jakash ihm ja noch nicht! Und so blieben seine Zähne auch weiterhin gebleckt, als der andere Rüde sich von Caylee und Cirádan entfernte und zu Jakash herab kam.
"Und ganz nebenbei hast zufällig die Reviermarkierung übersehen, nehme ich an?!",
entgegnete er sarkastisch, entspannte sich aber endlich langsam. Die Geschichte Volk Zubamis vermochte ihn derzeit nicht zu rühren, zu groß war noch seine Sorge um seine Cousine und Cirádan.
"Nun, sei es wie es sei, es steht mir nicht zu, ein Urteil über dich zu fällen - aber ich werde dich zu jemandem bringen, der das darf. Wenn dir das nicht passt, solltest du schleunigst wieder verschwinden, andernfalls komm mit und mach keine Dummheiten!"
Er trat ein wenig zur Seite und wies Volk mit einer Kopfbewegung an, Platz für die Jungwölfe zu schaffen. Er wollte nicht, dass sie dem Fremden nochmal zu nahe kamen - sicher war sicher.
"Alles okay mit euch?",
flüsterte er den beiden zu, als sie von ihrem felsen herab geklettert waren. Er würde später nochmal mit den beiden über ihr törichtes Verhalten während des gewitters reden, aber im Augenblick waren seine Prioritäten anders gesetzt.
"Ach ja - man nennt mich Jakash",
fügte er lauter und an Volk gewandt hinzu.
[See | Caylee, Volk Zubami, Cirádan]
23.09.2010, 18:13
Der fremde Schwarze war verrückt, befand Caylee nach diesen kurzen Momenten ihres gemeinsamen von-Jaki-gerügt-Werdens. Er hielt sie noch immer für seine Geschwister, dabei musste er doch eine Nase im Kopf haben! Die Weiße sah sie ganz genau, vorne an seiner Schnauze saß sie wie bei jedem Wolf und schien gut zu funktionieren. Ein Spinner, entschied sich die Jungwölfin und wandte ihrem Leidensgefährtin Ci den Kopf zu. Er schien ebenfalls erleichtert über Jakis Auftauchen und schien ihr auch in der Problematik des versperrten Abgangs zuzustimmen. Während sie sich noch überlegte, was sie ihm über den verrückten Fremden zuflüstern könnte, kam eine schwarze Schnauze schon wieder erschreckend nahe. Fast wie eine Katze – Caylee wusste gar nicht, dass sie das konnte – fauchte sie diese erschrocken an drückte sich instinktiv eng an Cirádan.
“Pfoten weg, du Spinner!“
Dann schien es endlich Klick im Hirn des Schwarzen gemacht zu haben und er wich zurück. Wie ein frustrierter Welpe legte er sich auf den Felsen, bettete den Kopf auf seinen Forderpfoten und murmelte eine Entschuldigung in Cis und ihre Richtung. Caylee entspannte sich ein wenig und trat einen Schritt nach vorne. Wie der Schwarze da so lag sah er schon fast lustig aus.
“Du bist zwar ein Spinner, aber vielleicht verzeihe ich dir. Wenn du weiterhin nett bist.“
Schon wieder ganz die Alte schwenkte sie die Rute und betrachtete zufrieden wie der Schwarze nun auch den Weg frei räumte. Noch immer ein wenig vorsichtig – es regnete ja noch und trocken war der Felsen noch lange nicht – tappte sie den Stein runter und sprang schließlich neben Jaki ins Gras. Vertrauensvoll drückte sie ihren Kopf in den Nacken ihres Cousins und betrachtete dann den Schwarzen, der mittlerweile seinen seltsamen Namen preisgegeben hatte. Volk Zubami. Mh … vielleicht dürfte sie ihn ja auch weiter Spinner nennen, das gefiel ihr besser. An Jaki gewandt, der sich jetzt um ihr Wohlergehen sorgte zauberte sie ihr altes Strahlelächeln auf die Lefzen und nickte.
“Alles super. Wir hatten die Lage voll im Griff, hättest nicht kommen müssen.“
So locker wie sie sich jetzt gab, war sie vorher natürlich nicht gewesen, aber vielleicht hatten das weder Jaki noch dieser Volk mitbekommen. Nur Ci konnte es nicht entgangen sein, aber der würde ja nicht gleich herausplärren müssen, dass sie beide vor Angst beinahe vom Felsen gekullert wären. Ihr Blick huschte wieder zu Volk.
“Ich bin Caylee und meine Eltern sind die größten und stärksten Wölfe auf der ganzen Welt. Wenn du nicht nett bist, dann fressen sie dich.“
Naja, Tyraleen würde wahrscheinlich niemanden fressen, aber Averic vielleicht schon. Sie wusste, dass er richtig böse werden konnte, auch wenn er das zum Glück noch nie auf sie gewesen war.
[ See - Felsen | Volk Zubami, Cirádan und Jakash ]
24.09.2010, 17:23
SL-Ausstieg für Ethelion
Ethelion, eben noch aufmerksam und entschlossen, Baal nicht aus den Augen zu lassen, begann leicht zu zittern. Ein stechender Schmerz zog sich von seinem Kopf über den Nacken in seine Brust hinein zum Herzen. Die Schritte des Schwarzen wurden langsamer, er stolperte beinahe und sein Atem wurde zu einem Keuchen. Er verstand nicht, was mit seinem Körper geschah und für wenige Sekunden lag sein Blick hilfesuchend auf Face. Dann erreichte der Dorn des Schwindels sein Herz und explodierte in ihm in tausend Kaskaden des Schmerzes. Augenblicklich zog sich Ethelions ganzer Körper zusammen, ein unterdrücktes Stöhnen kam aus seinem Maul, dann klappte er zusammen, als hätte man ihm den Boden unter den Pfoten weggerissen. Bevor sein Körper auf der feuchten Erde aufschlug, war er tot.
24.09.2010, 19:46
Die Unsicherheit der beiden, zumindest des Grauen Jungwolfes, war ihm endlich aufgefallen. Die weiße Jungfähe hingegen war zwar erleichtert, schien aber allerdings mutiger zu sein. Auf Anweisung des Rüden machte er den beiden Platz, diese kamen auch sofort von den Felsen. Ihren Blicken konnte man die Erwartung einer Strafe entnehmen, aber auch die Erleichterung. Nun ja, von Volk konnte man das aber nicht behaupten. Ein fremdes Revier und dann noch als Eindringling und Spinner beschimpft. Geschunden, Hungrig, und Schwach. Wenn es jetzt zu einem Kampf kommen würde, wäre er verloren, deshalb würde er gezwungener Maßen erst mal mitgehen. Vielleicht sind sie doch nett und nehmen ihn ins Rudel auf, oder sie geben ihm wenigstens etwas zu beißen, dann würde er auch wieder verschwinden. Volk hielt sich einen Fluchtplan bereit, sobald es brenzlich werden sollte, könnte dieser versuchen zu fliehen. Wenigstens ließ der Sturm nach und bis auf einen leichten Regen hatte sich das Wetter gebessert. Nun verrieten ihm auch die anderen Wölfe ihre Namen. Der schwarze Rüde hieß Jakash und die weiße Fähe hieß Caylee, diese Namen erinnerten ihn an die alten Geschichten seines Rudels. 'Vielleicht bin ich endlich daheim' dachte er nun. Was Caylee dann sagte, beunruhigte ihn allerdings nicht nur etwas. Der Rüde schluckte schwer, was wenn sie ihn für das übertreten der Reviergrenzen töten würden. Zum Kämpfen war er zurzeit zu schwach. Jetzt war sich der Schwarze seiner Sache unsicher und er konnte sich noch mehr in die beiden Jungen Wölfe hineindenken. Es war sowieso gegen seinen Stolz und seine Ehre, sich einfach von einem anderen Gefangen zu nehmen und ihm dann auch noch blind in eine Falle zu folgen. Aber warum sollte ausgerechnet jetzt alles zu Ende sein, jetzt wo er so weit gekommen ist und dem Tod in die Augen blicken musste. Volk versuchte aus dem Heranwachsenden, der ihn nun „festgenommen“ hatte, ein paar Informationen heraus zu holen.
„Es tut mir wirklich Leid, ich wollte euch wirklich keine Angst machen und eure Reviergrenzen wollte ich auch nicht verletzen. Aber, wenn ich fragen darf, wo bin ich eigentlich, welches Rudel habe ich betreten? Zu wem wirst du mich bringen? Wird mich eine schwere Strafe erwarten? Entschuldige bitte meine vielen Fragen Jakash.“
Nun musste sich Volk von seiner besten Seite zeigen. So konnte gar nichts mehr schief gehen. Mit einem wachen Verstand und einer inneren Ruhe. So wollte er dem ganzen entgegen treten. Stolz und Stärke wollte er ausstrahlen. Das sagte der Rüde sich nun immer wieder vor, um sich zu beruhigen.
[See – Cirádan, Jakash, Caylee]
25.09.2010, 14:56
Wäre Tyraleen nicht in dieser surrealen, dennoch grausam wirklichen Situation gefangen, hätte sie verzweifelt über sich selbst den Kopf geschüttelt. Anstatt dass sie erklärte und Averic eine Erklärung forderte, waren sie beide in ihrer eigenen Welt des Schmerzes, der Trauer und mittlerweile auch der Wut umzingelt von Vorwürfen und vom Zorn getriebenen und hochgestachelten Worten. Sie beide verrieten in diesem Moment Banshee und ihre Lehre, sie beide verrieten Engaya und folgten Fenris’ Weg der Wut und des unkontrollierten Hasses. Und selbst wenn Tyraleen das hätte erkennen können, wäre sie nicht mehr in der Lage gewesen zurück zu gehen; Worte waren gefallen, die die Welt umdrehten und das Licht in Dunkelheit stürzte.
Skrupellos ermordet … . Banshee verraten … . An den Tod verkauft …. Das Grollen in Tyraleens Kehle wurde tiefer, mittlerweile ging ihr Atem keuchend vor Wut und blindem Zorn. Wie tief wollte Averic die Zähne seiner Vorwürfe noch in ihr Herz treiben? Wie sehr die Verzweiflung ausschöpfen und sich an ihrem Leid laben? Ihre Läufe zitterten und sie spürte die Muskeln, die nur danach schrieen, sich auf ihn zu stürzen.
“Du bist derjenige, der Banshee immer und immer wieder verrät, genauso wie du alles nachmachst, was Acollon je getan hat! Ich versuche wie Banshee den richtigen Weg zu finden, aber anstatt dass du mir hilfst, versuchst du alles, damit ich scheitere! Ich wollte dich schützen, aber jetzt sehe ich, dass du es nicht wert bist!“
Für wenige Herzschläge lang huschte ihr Blick – erstmals seit Averic gekommen war – zu ihrem toten Sohn. Schweigend lag er mit der klaffenden Wunde am Hals neben seinen streitenden Eltern. Er war gestorben, damit Averic leben konnte. Damit kein Leid diese Familie heimsuchen konnte. Sie hatte einen Teil ihres Herzens getötet, für ihn, für das Rudel. Ihr Blick glitt wieder zurück zu ihrem rot verschleierten Gefährten. Der Schmerz über seinen Verrat verbrannte jeden Gedanken, nur das Bild von Tascurios gebrochenen Augen war eingebrannt in ihren Kopf. Mit ihm vor Augen gab sie ihren Muskeln nach und ließ sich von ihnen mit weit geöffnetem Maul und gebleckten Zähnen auf Averic zukatapultieren.
[ Blumenwiese | Averic und toter Tascurio, Chanuka, Malakím und Turién in Sichtweite ]
26.09.2010, 11:29
Das Gewitter war so plötzlich und mit solcher Macht über sie gekommen, dass die Lehrjagd hatte abgebrochen werden müssen. Aszrem hatte seine Gruppe aufgefordert schleunigst Schutz zu suchen, aber ob jeder dieser Aufforderung nachgekommen war, wusste er nicht. Zu schnell hatte er die Mitglieder seiner Jagdgruppe im dichten Sturmregen aus den Augen verloren, und das Heulen des Windes hatte verhindert, durch Rufen Kontakt zu halten. Er konnte nur hoffen, dass es allen gut ging und niemand von herab brechenden Ästen oder dergleichen verletzt wurde. Dass es Nerúi gut ging. Denn gefunden hatte er sie bislang noch nicht, und so blieb ihm nichts anderes übrig als zu hoffen und weiter zu suchen.
Der Schwarzbraune zwang sich dazu, ruhig zu bleiben und sein Tempo nicht weiter zu erhöhen als bis zu einem lockeren Trab. Die Furcht, auch noch seine Tochter zu verlieren, saß tief. Aszrem sagte sich immer wieder, dass es nur ein Gewitter war - das inzwischen sogar merklich abflaute und weiterzog - und dass die Wahrscheinlichkeit, dass ihr etwas passiert war, äußerst gering war. Es half nicht viel, aber es gelang ihm, sich unter Kontrolle zu behalten.
der Geruch einer Fährte brachte ihn schließlich dazu, seinen Kurs zu ändern. Die Spur war frisch, andernfalls hätte er sie wohl kaum bemerkt. Aszrem wandte sich in die entsprechende Richtung. Vielleicht wusste Rakshee ja, wo Nerúi war und ob es ihr gut ging. Sie waren zwar nicht in der gleichen Gruppe gewesen, aber wenn sich alle Gruppen so zerstreut hatten wie seine eigene, standen die Chancen doch nicht allzu schlecht, dass rakshee etwas wusste.
"Rakshee!",
rief er die junge Engayapriesterin an, kaum dass er sie erspäht hatte, damit sie ihn bemerkte..
[Wald | Rakshee]
27.09.2010, 16:25
Die Wut kribbelte in seinen Adern wie Tausend Ameisen. Womit, womit nur hatte er es verdient so behandelt zu werden!? Warum taten die Götter ihm das an!? Warum bekam er Hass entgegengeschleudert, der so schwer wog, dass er nicht mehr richtig atmen konnte!? Warum tat SIE ihm das an?! Wie nur konnte Engaya so etwas zulassen!? Averic merkte nicht einmal, dass seine Läufe angefangen hatten zu zittern, in der endlosen Rage, die sich mehr und mehr in seinem Körper anstaute. Die Szenerie rauschte an ihm vorbei, viel zu schnell stürzte alles auf ihn ein, als dass er überhaupt hätte registrieren können, verstehen können. Wahrscheinlich würde er es niemals verstehen können, denn jedes ihrer Worte waren ein weiterer Dolchstoß in sein Herz. Ein lautes, kehliges Grollen entwich seiner Kehle, sein ganzes Fell hatte sich gesträubt, nachdem sie einfach weitergeredet hatte und ihm Unfassbares an den Kopf warf. Die Wucht ihrer Worte war fast so schwer wie die des Hasses; sie warf ihm vor seine geliebte Mutter immerzu verraten zu haben, und behauptete falsch er hätte Acollons Taten immerzu nachgeahmt. ER, der sein ganzes Leben seiner Familie verschrieben hatte, der jeden in der Luft zerrissen hätte, der es gewagte hätte ihnen zu schaden, er, der IMMER da gewesen war und NIEMALS seine Lieben im Stich gelassen hatte, so wie Acollon. Nun war sie es jedoch, die ihrer Familie nicht nur geschadet, sondern sie zerstört hatte, sich dabei mit Banshee vergleichend. Er konnte nicht glauben, dass sie so etwas ernsthaft sagen konnte. Der Pechschwarze verspürte Abscheu für seine Gefährtin – er hätte niemals gedacht überhaupt ein negatives Gefühl für sie empfinden zu können, aber das war zu viel. Zu viel auf einmal.
„Du elende LÜGNERIN! Banshee hätte NIEMALS, NIEMALS ihr eigenes Kind umgebracht, ebenso wenig wie ich!“
Sein Herz raste in der Brust, schnell und schmerzhaft hämmernd, doch den Schmerz spürte er in diesem Moment nicht mehr, nur noch Zorn.
In dem Moment, als Tyraleen ihn angriff, hatte Averic jeden Glauben an die Gutmütigkeit und Liebe der Göttin des Lebens verloren.
Blind vor Wut stieß sich der Pechschwarze vom Boden ab, ihr entgegen und riss das Maul auf. Ihm war egal, wo er sie treffen würde, ihm war egal, ob sie ihn treffen würde. Hauptsache, sie würde genau die selben Schmerzen erleiden, wie er.
[ Blumenwiese | Tyraleen und toter Tascurio, in der Nähe Malakím, Chanuka und Turién ]
27.09.2010, 17:15
(Ich hab mal versucht, das ein wenig zu beschleunigen, damit nicht alle springend in der Luft verharren ^^" Sagt bescheid, wenn ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt habe, dann editier ich es!)
Das Gewitter war abgeflaut und damit auch der Wind, der nun nicht länger die hasserfüllten Worte von dannen riss, die Averic und Tyraleen einander zuschrien. Der Schwärzling glaubte fühlen zu können, wie Eiskristalle sein Herz zu umschließen begannen. Was war nur geschehen, dass so viel Blut vergossen worden war, dass es die Blumen und das Fell der Weißen so tränkte? Was war geschehen, dass die beiden Götterkinder, in Liebe und Blutsbande doch eigentlich so tief verbunden, einander Abscheulichkeiten an den Kopf warfen? Malakím konnte es nicht fassen, was er da hörte und sah.
'Oh, Geflügelte Göttin, was passiert hier? Warum lässt du das zu? Wo ist deine Güte, deine Gnade, deine Vergebung?'
Und es war in eben diesem Moment, da er stumm vor Verzweiflung nach seiner Göttin rief, dass er erkannte, warum er hier war. Warum die Geflügelte seine Pfoten hierher gelenkt und sein Herz an die weiße Schönheit gebunden hatte. Er war nicht zufällig hier in diesem Rudel, und er war nicht zufällig hier, in diesem Augenblick, um Zeuge zu sein. Denn Zeuge war er, Zeuge eines großen Unglücks, das noch viel größer werden würde, wenn er es nicht verhinderte. Dafür war er hier, das wollte die Muttergöttin von ihm, er war gant sicher. Malakím hatte immer nur helfen und gute Laune verbreiten wollen, auch trösten, so es denn erforderlich war. Und er hatte es nie nur als seine Aufgabe angesehen, sondern mehr noch als Pflicht, als Preis, den er für sein Leben zu bezahlen hatte und den er gerne zahlte. Dies hier würde wohl nun seine schwerste Prüfung sein. Er war nie kämpferisch gewesen, hatte Gewalt gemieden und sah sich jetzt einem Unglück gegenüber, in dem sich zwei Liebende anschickten aufeinander los zu gehen. Aber das war das Opfer, das er diesmal würde bringen müssen. Ein Schritt weiter für eine größere Aufgabe.
Der Schwärzling sprintete los, kaum das die beiden Kontrahenten zum Sprung angesetzt. Er hatte das Gefühl, noch nie so schnell gerannt zu sein. Schon war er heran und setzte nun seinerseits zu einem Sprung an. Averic oder Tyraleen? Er wollte keinen von beiden verletzen, aber es würde nichts bringen, direkt zwischen sie zu springen und von dem Aufprall beider Wölfe auf ihn zerquetscht zu werden... Er entschied sich nicht einmal bewusst, als seine Beine ihn vorwärts katapultierten. Nur Momente später prallten seine Vorderpfoten gegen Averics Körper, drückten ihn fort. Nur einen Lidschlag später spürte Tyraleen gegen sich prallen und einen weiteren, scharfen Schmerz in der Schulter, während nun wiederum er selbst zu Boden geschleudert wurde. Malakím stieß einen schmerzerfüllten Laut aus, der abrupt abbrach, als der Aufprall auf dem Boden ihm die Luft aus den Lungen presste.
"Bitte.... bitte... h-hört... bitte..."
Der Schwärzling schnappte hastig nach Luft. Er musste mit ihnen reden, musste sie zur Vernunft bringen!
"Bitte.. hört auf... alle beide! Hört auf!"
[Blumenwiese | Tyraleen, Averic, in Sichtweite Chanuka und Turién]
27.09.2010, 18:11
Tyraleen hätte gelacht, wäre auch nur noch ein winziger Funken Freude in ihr gewesen. Sie hätte sich über Averics hochtrabende Behauptung wegschmeißen können, so lächerlich war sie. War er doch allen Ernstes stolz darauf, niemals eines seiner eigenen Kinder umzubringen. Er!
“Aber deinen eigenen Vater? Den Großvater deiner Welpen?! Grundlos, nur aus deinem lächerlichen welpischen Zorn! Du kapierst gar nichts, Averic, und du warst schon immer grausamer, als ich es je sein könnte!“
Irgendwo zwischen seinen Worten, ihrem Sprung und seinem Sprung hatte sie ihre Wut noch herausbrüllen können, dann passierte etwas Unerwartetes, das sie kurz ablenkte. Eine schwarze Gestalt kam angesprungen, traf Averic in die Seite und riss ihn mit sich. Tyraleens Zähne striffen die Schulter des Schwarzen, dann landete sie im nassen Gras, wenige Schritte von ihr entfernt lag Malakím halb auf Averic. Sofort stand die Weiße wieder auf den Pfoten, zitterte noch immer vor Wut, hatte sich aber wieder unter Kontrolle. Die wimmernden Worte Malakíms kamen bei ihr an, aber sie wollte und konnte den Schwarzen nicht ansehen. Sie wusste für was er stand, was ihn und sie verband und sein Auftauchen erschien ihr beinahe wie ein Zeichen. Ihre Schultern strafften sich. Mit einem Satz war sie neben Tascurio, berührte mit der Nase seine Schnauze, leckte ihm kurz über die Wunde und richtete ihren kalten Blick auf Averic.
“Hau ab, Averic. Hau einfach ab!“
Noch immer ignorierte sie Malakím, als hätte ein Windhauch Averic und sie sich verfehlen lassen. Ihre Augen fixierten Averic, noch immer schien sein Blick viel röter, als sonst. Ihre Lefzen waren leicht hoch gezogen, entblößten einen Teil ihrer Zähne und ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihre Aufforderung ernst meinte. Beinahe schützend stand sie nun bei ihrem toten Sohn, als könnte sie jetzt den Todessohn von ihm fernhalten. Als könnte sie ihn jetzt noch vor jedem Leid beschützen, wie es eine Mutter zu tun hatte. Eine Mutter, die eher selbst sterben würde, als ihre Kinder im Stich zu lassen.
[ Blumenwiese | Averic, Malakím und toter Tascurio, Chanuka und Turién in Sichtweite ]
27.09.2010, 21:56
‚Ethelion’
Lyerra nahm die beiden Wölfe um sie herum gar nicht mehr wahr.
Was war los? Was verdammt noch mal war mit ihrem Gefährten passiert.
„Entschuldigt“ wandte sie sich an die Wölfe „ich muss gehen“
Sie schlitterte unter dem Baum hervor, wäre auf dem feuchten Boden beinahe ausgerutscht, fing sich dann jedoch wieder und stürmte los.
Sie hatte das Gefühl in Zeitlupe zu rennen, dabei verschwamm sie fast mit dem Rest der Welt so schnell lief sie. Schon nach kurzer Zeit atmete sie sehr schnell und ihr Puls raste.
Ihre Pfoten preschten über den Boden, mehrmals wäre die weiße Fähe beinahe hingefallen.
Ihr helles Fell war über und über mit braunen Schlamm Spritzern verziert und Wassertropfen rannen durch ihr Fell.
Lyerra hatte jegliches Zeitgefühl verloren, aber war es wichtig? War es denn nicht egal wie lange sie rannte?
Nach einer endlosen Zeit kam der Rudelplatz in Sicht. Was war nur mit Ethelion? Was war aus ihrem liebsten Gefährten geworden?
Panisch beschleunigte sie Fähe ihre Schritte für die letzten Meter noch einmal, dann kam sie hecheln zum stehen, blickte sich suchend um.
‚Ethelion.’ „Ethelion“
Brüllte die Weiße aus Leibeskräften. Ihr Blick flog über ihre Umgebung, auf der Suche nach etwas, was weg zu sein schien. Hatte man ihr Ethelion fortgenommen? War er…?
‚Nein’ Schrie sich die Fähe in Gedanken zu ‚NEIN’
Tränen liefen ihr über das Fell während wie durch die Gegend hetzte und ihren liebsten Gefährten suchte. Eine böse Vorahnung machte sich in ihr breit, ließ ihr alle wärme aus dem Körper weichen.
Dann sah sie ihn, wie er auf dem Boden lag, der Körper seltsam starr.
„Ethelion“ Brüllte sie. „Ethelion“
Doch der schwarze Rüde antwortete nicht.
Natürlich antwortete er nicht, er war tot.
‚Tot?’ „Nein“
Brüllte die kleine Fähe abermals. Ihre Läufe knickten unter ihr zusammen als sie neben ihrem Gefährten war.
„Nein, nein, nein, nein, nein“
Sagte sie sich immer wieder, doch dann konnte sie nicht mehr sprechen, ihr Körper wurde von Schluchzern geschüttelt.
Sie kuschelte sich nah an Ethelion, vergrub ihre Schnauze in seinem Fell. Was sollte sie nur ohne ihn tun? Sie gehörten doch zusammen…?
Tränenüberströmt stupste sie den Rüden an, starrte in seine vor Schmerzverzerrten, Feuer- roten Augen. Es konnte nicht sein, das war nur ein schlimmer Traum.
Immer und immer wieder stupste die entkräftete Fähe ihren Gefährten an, immer und immer wieder suchte sie seinen Blick, schaute jedoch nur in leblose, leere Augen die in die Ferne zu starren schienen.
Warum? Vor einiger Zeit war doch noch alles gut gewesen, was war nur passiert?
‚Liebster Gefährte, irgendwann werde ich zu dir stoßen’
Waren die letzten Gedanken der weißen Fähe, bevor sie völlig erkaltet und ermüdet neben dem toten Ethelion einschlief.
[am Boden bei dem toten Ethelion l allein l am Ende ihrer Kräfte]
27.09.2010, 23:51
Ein kräftiger Ruck riss Averic aus der Bahn, von Tyraleen weg, deren Schnauze er nur um Haaresbreite verfehlt hatte. Ein wütender Laut verließ seine Kehle und kaum das er aufschlug, sprang der Pechschwarze auch schon wieder auf die Pfoten, wirbelte dabei herum und schnappte nach dem Wolf, der ihn von der Weißen weggestoßen hatte. In diese Gelegenheit hatte sich niemand ein zu mischen, das ging nur ihn und sie etwas an! Averic schenkte dem Wolf – Malakím – ein mehr als eindeutiges Zähnefletschen und ignorierte sein Flehen. Die dunkelblauen Augen wandten sich wieder zu Tyraleen um, während er sich zu seiner vollen Größe aufbaute und der Hass jetzt auch in seinen Blick trat, sich mehr und mehr verfinsternd. Ein paar Sekunden lang sah er sie so einfach nur an. Verrat. In alten Wunden stochern. Behauptete sie doch das alles für ihn getan zu haben, so glaubte er nun kein Wort mehr. Das Einzige was sie tat, war ihn zu beleidigen, sich das Schlimmste aus zu suchen, was man ihm nur vor den Kopf werfen konnte, zu spotten und dabei nur unfassbar ekelhaft zu sein. Da war nichts. Nichts mehr für ihn übrig. Sie sprach davon, dass er nichts kapieren würde, aber andersherum wurde Averic klar, dass seine Gefährtin, die er eigentlich über alles geliebt hatte, von der er immer geglaubt hatte, sie wäre die Einzige, die ihn jemals verstanden hätte, NICHTS verstanden hatte. Nichts. Und das sie nichts begriff. Nicht einmal, wer er war. Niemand hätte sich tiefer in jemandem täuschen können.
Vor Wut noch bebend atmete er aus, stand jetzt jedoch bedrohlich, unfassbar ruhig da, ohne ihrem „Befehl“ Gehör zu schenken.
„Ich bin der Sohn des Todes und nicht die Tochter des Lebens. Aber DU bist es auch nicht.“,
zischte er eiskalt und grollend. Sie hatte ihn verraten. Sie hatte Banshee verraten – eine Wölfin die er nie hätte verraten können, da ihre Wege niemals seine gewesen waren. Das Leben war nicht sein Pfad und nicht sein Ziel. Es war stets der Tod gewesen, das war seine Bestimmung. Etwas, das Tyraleen scheinbar nie verstanden hatte. Sie war es, die von ihrem Pfad abgekommen war, nicht er. Sie hatte alle verraten und wollte in ihrer Blindheit ihm alle Schuld aufbürden. Ihm, der sowieso sein Leben lang immer der Angeklagte sein musste, egal aus welchem Grund. Der ach so schlechte Tod. Heute hatte Tyraleen bewiesen, dass das Leben noch viel schlechter sein konnte. Oh, wie falsch sie war. Nun stand sie bei seinem unschuldigen, toten Sohn, schützend, als wäre er es gewesen, der ihn getötet hatte und nicht sie. Das war nicht nur krank, es war abartig.
Averic wandte sich ab, keine Sekunde länger wollte er mehr dieses falsche Spiel ertragen. Wahrscheinlich würde er sich ewig Vorwürfe machen, dass er Tascurio bei dieser Wahnsinnigen zurück ließ, aber er wollte sie nicht mehr ansehen. Und um sie von ihm fort zu bringen hätte er sie wahrscheinlich umbringen müssen, etwas, dass er nicht konnte.
Mit großen, schnellen Schritten näherte sich der Pechschwarze dem Waldrand, konnte dort Chanuka und Turién entdecken. Es versetzte ihm einen Stich, gleichzeitig alarmierte es ihn. Hatten sie alles mit angesehen? Er musste jetzt dafür sorgen, dass sie bei ihm blieben, er musste seine restlichen Kinder zu sich rufen, damit diese Wahnsinnige nicht noch auf die Idee kam einen weiteren Jungwolf zu „opfern“. Ihm wurde übel von dieser Abscheulichkeit.
„Turién, Chanuka, wir holen jetzt eure Geschwister. Ihr bleibt dicht bei mir, habt ihr verstanden?“,
sagte er, sobald er bei den Jungwölfen angekommen war. Er bemühte sich erst gar nicht um eine freundlichere Stimme, sie klang hart, schneidend und keinen Wiederspruch duldend. Und der Zorn war nicht verschwunden.
[ Blumenwiese - Wald | Tyraleen & Malakím, dann Chanuka & Tascurio ]
28.09.2010, 09:50
Dem Schwärzling war, als habe seine letzte Stunde geschlagen, so dicht war das Grollen an seinem Ohr und so zornig. Doch die Zähne bohrten sich nicht ins einen Hals, sondern seine Lende, als Averic sich befreite und wuterfüllt herumfuhr und seine Zähne wohl in das erstbeste schlug, dass er zu fassen bekam. Ein erstickter Schmerzenslaut entfuhr Malakím und er krümmte sich furchtsam zusammen wie zu einem Embryo, aber keine weiteren Bisse hagelten auf ihn ein. Dafür flogen wieder Worte durch die Luft, genauso verletzende Wunden schlagend wie Zähne, nur nicht im Körper, sondern in der Seele. Tödlich, vielleicht sogar. Tödlich für die Liebe, die die Götterkinder doch zuvor verbunden hatte.
Malakím zwang sich wieder aufzustehen, aber es gelang ihm nur langsam und mühevoll. Er wollte schneller wieder auf den Beinen sein, musste es doch, falls die beiden wieder aufeinander losgehen sollten. Aber sie taten es nicht. Seine Worte waren wohl kaum zu ihnen durchgedrungen, dafür spieen sie einander noch immer zu viel Gift entgegen. Aber seine Einmischung hatte zumindest bewirkt, dass sie nicht das Blut des jeweils anderen vergossen hatten. Apropos... Sein Blick wanderte zu Tyraleens Läufen und dem, was dazwischen lag. Der Grund all diesen Blutes, der Grund dieses Unglücks. Ein Jundwolf, kalt und seelenlos. Malakím erkannte ihn als Tascurio - einer von Tyraleens und Averics Welpen. Ein Blick in die toten Augen, und Malakím fühlte, wie sich erneut Kälte um seine Seele legte und sein Herz schwer von Trauer schlug. Ein so junges Leben, ausgelöscht. Von Averic? An seinem Fell hatte kein Blut gehangen. Von Tyraleen etwa? Der Schwärzling wollte es nicht glauben. Aber was sonst sollte den Todessohn dann zu seinen Worten über einen Verrat an Banshee und der Göttin des Lebens bewogen haben? Es musste eine andere Erklärung daür geben! Die Sicht verschwamm ihm vor Tränen. Tränen für Tscurio, aber auch Tränen für Tyraleen.
'Du hast mich hergeschickt, damit ich helfe. Damit ich nicht zulasse, dass sie einander töten. Damit ich Tyraleen beistehe. Und du selbst, Geflügelte? Stehst du ihr noch bei, oder hast du dich schon abgewandt? Bin ich zu spät gekommen? Nein, nicht wahr? Es gibt noch Hoffnung, es gibt immer Hoffnung, denn das ist es, wofür du stehst, Muttergöttin. Ich weiß es. Ich soll Tyraleen helfen, nicht wahr? Ich soll sie auf deinen Pfad zurück führen, oder aber, ihr lediglich beistehen, dass sie alleine weitergehen kann und diese Prüfung besteht. Dafür bin ich hier. Hast du mich daür gerettet?'
Averic ging, kehrte ihnen den Rücken - kehrte Tyraleen den Rücken. Den Schwärzling hatte er nicht weiter beachtet, ebenso wenig wie Tyraleen dies bislang getan hatte. Malakím sah ihm mit tränenden Augen nach, dann wandte er den Kopf zu der Weißen, ohne sich weiter zu rühren. Er würde sich ihr nicht nähern, bis sie nicht bereit dafür war. Und das war sie noch nicht. Aber er würde sie auch nicht mehr allein lassen, damit er da war, wenn sie ihn brauchte.
[Blumenwiese | Tyraleen]
28.09.2010, 12:13
Tyraleen nahm am Rande wahr, dass Averics Zähne sich nun anstatt in ihre Kehle, in Malakíms Lende versenkten und hatte dafür nur ein verächtliches Schnauben übrig. Sein kalter Blick traf sie erneut, aber jetzt verletzte er sie nicht mehr. Sie hatte verstanden, dass er seine Überheblichkeit, seinen Hass und seinen Hang zu Fenris über ihre Liebe stellte. Dafür sollte er in Fenris’ Fängen schmoren, bis er starb. Auch seine Worte ließen sie nur leicht die Lefzen anheben, dann wandte er sich endlich endlich ab und steuerte auf den Waldrand zu. Hasserfüllt folgte ihr Blick seinen Schritten.
“Und du, Averic, bist du noch das, was du zu sein vorgabst? Mein Gefährte, der in guten und schlechten Zeiten an meiner Seite steht? Der mir Liebe geschworen hat und der versprach, immer bei mir zu sein? Auch dann, wenn die Welt untergeht? Du hast dein Versprechen gebrochen, Lügner, und dafür wird es nie eine Entschuldigung geben!“
Sie zischte die Worte hinter ihm her, ohne zu wissen, ob er sie noch verstehen konnte. Dann richtete sie sich erneut auf und erstmals wagte sich ihr Blick zu Malakím. Er weinte. Seine Tränen ließen sie kurz erzittern, dann schluckte sie jeden Gedanken runter, ihr stand jetzt viel mehr bevor. Sie durfte nicht dem Scherz, den Averic tief in ihre Seele gerissen hatte, nachgeben. Sie war Tyraleen, Tochter Banshees. Sie würde weitergehen, so wie ihre Mutter es immer getan hatte. Aber war nicht Nyota für sie da gewesen? Immer? Wo war ihre Nyota? Ihr Blick glitt erstmals in den wolkenverhangenen Himmel. Engaya? Die Weiße wehrte sich dagegen, was Averic ihr an den Kopf geworfen hatte. Nicht sie – Tyraleen – hatte Engaya verraten, sondern die Muttergöttin hatte sie alleine gelassen. Können Götter schuldig sein? Sie atmete einmal tief aus, sah wieder Malakím an und trat dann einen Schritt auf ihn zu.
“Malakím, ich wünschte, du wärest nicht hier gewesen. Doch jetzt muss ich dich um einen Gefallen bitten. Bring mit mir meinen toten Sohn zum Fluss. Er verdient es ebenso wie jeder andere Wolf in die Pfoten der Göttin getragen zu werden.“
Wieder senkte sich ihre Schnauze zu den gebrochenen Augen Tascurios. Sie fuhr über seine Lider, sodass sie sich schlossen und begann dann seine Wunde rein zu waschen. Das Blut war bereits geronnen, es war nicht mehr schwer, seinen Pelz von ihm zu befreien. Eine erste Träne perlte nun auch über ihre Schnauze, erst ganz langsam wurde ihr bewusst, dass ihr kleiner Tascurio nie wieder sein würde.
[ Blumenwiese | Malakím ]
28.09.2010, 13:41
Er hob den Blick, als er seinen Namen hörte. Der Regen wusch ihm die Tränen von den Wangen, die noch immer nicht aufhören wollten zu fließen ob der Tragödie, die sich hier zugetragen hatte. Das alles war so falsch. Tyraleen und Averic sollten nicht in Hass miteinander verbunden sein. Sie wollten nicht scheitern an der Prüfung, die die Götter ihnen gestellt hatten, sondern obsiegen und gestärkt daraus hervorgehen. Es war noch nicht zu spät, der Schwärzling glaubte fest daran, aber es würde ein so langer und harter Weg werden entlang eines Abgrundes, dem sie schon ganz nahe waren.
Kurz verzogen sich seine Lefzen zu einem wehmütigen Lächeln, das sogleich wieder von Trauer erstickt wurde.
"Und ich bin froh, dass ich es doch war. Es ist genug Blut vergossen worden. Es musste nicht... nicht auch auch noch deines sein..."
Er hatte 'eures' sagen wollen. Ihrer beider Blut, Tyraleens und Averics. Sein Herz war ihm zuvor gekommen, aber das war nicht schlimm. Mehr noch als diese Tragödie nicht noch weiter eskalieren lassen zu wollen, war er vor allem um Tyraleens Wohl besorgt gewesen. Die Weiße gehörte an Averics Seite und da durfte er sich nicht einmischen, aber er musste nun für sie da sein. Wer sonst würde denn an ihrer Seite bleiben, wenn erst das Rudel hiervon erfuhr? Vielleicht ihre Priesterschülerinnen. Vielleicht niemand, außer ihm.
Malakím nickte nur als Zeichen, dass er ihrer Bitte nachkommen wollte. Seine Schulter- und Lendenwunden brannten, und so musste der Schwärzling an Tyraleens Seite humpeln. Seine blauen Augen lagen auf ihrem Gesicht und sahen die ersten Tränen, während Tyraleen ihren toten Sohn säuberte. Ein gutes Zeichen. Trauer war besser als Zorn und Hass. Trauer war eine Gabe Engayas.
"Ich bin bereit, wenn du es bist",
sagte er leise und gab ihr damit die Zeit, die sie brauchte, um den nächsten Schritt zu wagen.
[Blumenwiese | Tyraleen]
28.09.2010, 14:07
Nachdem die erste Träne Tyraleens Herz verlassen hatte, hielt nun auch die anderen nichts mehr zurück. Sie begannen zu strömen und mit der gleichen kriechenden Geschwindigkeit wurde ihr eine Wahrheit nach der anderen bewusst. Sie hatte Tascurio getötet. Averic hatte sich gegen sie gewandt. Er hatte sie für wahnsinnig erklärt, ohne einmal nachzufragen, was geschehen war. Er hatte alle seine ausgesprochenen und alle seine unausgesprochenen Versprechen gebrochen. Sie war nun allein. Sie hatte vorerst niemanden mehr und sie musste dem Rudel, oder zumindest ihrer großen Familie, berichten, was geschehen war. Beinahe wurde sie ängstlich bei der Vorstellung, wie ihre Freunde und Verwandten das Gesicht verziehen, ihr kein Wort glauben und sich von ihr abwenden würden. Wie könnte sie ihnen klar machen, dass sie keine andere Möglichkeit gesehen hatte? Dass sie das nur für Averic getan hatte? Für jemanden, der ihr nun so schmerzlich bewiesen hatte, dass er es nicht wert war.
.oO(Oh Engaya, könnte ich meine Entscheidung doch nur rückgängig machen. Könnte doch Tascurio wieder leben. Engaya, wo bist du nur?)Oo.
Sie schluchzte leise, ihre Tränen vermischten sich nun mit dem Blut des Toten und dem immerwährenden Regen. Sie schmiegte ihren Kopf an den ihres Sohnes, spürte die letzten Reste der Wärme des Lebens in ihm und erinnerte sich für wenige Momente an den lebendigen Tascurio. Er war schon immer anders gewesen, schon immer fern von ihr und doch war er ihr Sohn und sie hatte seine Trauer und seine Liebe gesehen, in dem Moment, da sie ihn töten musste. Erneut schluchzte sie wehmütig.
Sie sah erst auf, als Malakím ihr antwortete. Er klang ruhig, kein Vorwurf stand in seinen Worten, nicht einmal die Frage, was geschehen war oder die Ahnung, dass Berge von Schuld auf Tyraleens Schultern lasteten. Er schien nur froh, Schlimmeres verhindert zu haben und da musste die Weiße ihm Recht geben. Was wäre erst geschehen, hätten Averic und sie tatsächlich miteinander gekämpft? Sie wollte es sich nicht vorstellen. Der Schwarze kam humpelnd auf sie zu und stellte sich an ihre Seite, ganz so, als gäbe es nichts weiter zu klären. Vielleicht war es gerade Malakíms Schweigen und die Tatsache, dass er nicht einmal mit den Augen fragte, was geschehen war, was in Tyraleen das Verlangen auslöste, zu erklären. Und wer, wenn nicht Malakím, könnte verstehen? Wieder schmiegte sie ihre Schnauze an Tascurio.
“Ich habe meine Kinder gesucht, Chanuka, Turién und Tascurio. Sie sind nicht zur Lehrjagd gekommen, dabei wussten sie davon. Ich fand die drei hier, Chanuka und Turién sind fortgelaufen, als ich kam, nur Tascurio hat auf mich gewartet. Ganz so, als hätte er schon vorher gewusst, was geschehen würde.“
Sie stockte, atmete zitternd ein und schluckte das aufkeimende Entsetzen hinunter.
“Als ich ihn erreichte, seine Nase berührte, wurde plötzlich alles dunkel um mich herum. Fenris war bei mir, ich habe ihn deutlich gespürt. Und ich sah Tascurio und Averic kämpfen, bis mein Welpe seinen Vater tot im Fang hielt. Es war eine Prophezeiung, Fenris hat sie mir geschickt und dennoch musste sie die Wahrheit sein. Er hat mich vor die Wahl gestellt, Tascurio oder Averic.“
Ihr Gesicht verzog sich schmerzerfüllt, ihre Kiefer pressten sich aufeinander.
“Ich habe mich entschieden, ich musste mich entscheiden. Wie konnte ich nur so falsch liegen? Wie konnte ich das meinem Sohn nur antun?“
Mehrere Momente lag sie wie leblos neben ihrem toten Welpen, dann erhob sie sich zitternd und sah in Malakíms traurigen Blick. Ob er sie verstehen würde? Ob er die alles umstürzende Trauer mittragen würde? Sie senkte den Kopf, schob ihn vorsichtig unter Tascurios Brustkorb, streckte sich vor und hoffte, dass Malakím ihr nun noch zur Hilfe kommen würde.
[ Blumenwiese | Malakím ]
28.09.2010, 15:15
Die Tränen flossen jetzt schneller, während malakíms versiegten, ganz so, als habe er sie an die Weiße abgegeben. Wie gern hätte er den Kopf an ihren hals geschmiegt um ihr zu zeigen, dass er für sie da war, und ihr Trost zu spenden. Doch noch getraute er sich dieses Schrittes nicht. Zu frisch waren die Wunden in Tyraleens Seele, als das sie jetzt wohl eine Brührung - gleich von wem - akzeptiert hätte. Er konnte nur nah bei ihr stehen und ihr Zeit, musste auf ein Zeichen ihrerseits warten, dass sie die Hilfe, die er ihr stumm anbot, annehmen würde.
Das Zeichen kam in Form eines Geständnisses. Sie erzählte ihm alles - wie sie ihre Kinder gesucht und gefunden hatte, und wie der Dunkle Gott über sie gekommen war. Er hatte sie vor die grausamste Wahl gestellt, die man einem liebenden Wesen überhaupt stellen konnte. Aber er hatte es nicht einmal dabei belassen, selbst nachdem Tyraleen über Leben und Tod entschieden hatte. Nein, der Dunkle Gott war noch weiter gegangen...
Der Schwärzling schloss die Augen, neue Tränen ließen seine Sicht verschwimmen. Er blinzelte sie fort, während sein Blick auf dem toten, jungen Körper lag, dann hob er ihn zu den goldenen Augen Tyraleens, darin nicht den Hauch einer Anklage.
"Du hast nicht 'falsch gelegen', Tyraleen. Es gibt kein Richtig oder Falsch bei einer Wahl, die so grausam ist, dass niemand je vor ihr gestellt sein sollte. Der Dunkle Gott hat dich entscheiden lassen, wissend, dass du darunter leiden würdest, egal für was du dich auch entscheidest. Du liebst deine Kinder und du liebst deinen Gefährten, und eine andere Entscheidung als die, die du getroffen hast, hätte dich nicht glücklicher gemacht, als jetzt. es ist nicht Averics Schuld, dass du jetzt leidest, und es ist auch nicht deine Schuld. Der Dunkle Gott hat euch beiden Gift auf die Zunge gelegt und euch verleitet, es euch gegenseitig in die Herzen zu säen."
Er sprach ganz ruhig und sanft, jedes Wort vorsichtig abwägend. Ein falsches Wort konnte den Einfluss des Dunklen Gottes wieder erstarken lassen und Tyraleen dazu verleiten, auch ihn fortzuscheuchen.
"Nicht Hass sollte jetzt deine Gedanken leiten, Engayastochter. Hass ist die Waffe des Dunklen Gottes. Lass aufrichtige Trauer diesen Hass fortspülen, denn Trauer und Tränen kommen von der Geflügelten. Sie heilen Wunden. Hass lässt sie nur eitern. Und mehr denn je musst du dich an Engaya halten, die dich stets geleitet hat, dann wirst du Vergebung finden. Vergebung, die dir zuteil wird, und Vergebung, die du zuteil werden lässt. Aber zunächst trauere, Tyraleen. Das ist es, was dein Sohn verdient, denn er ist das Opfer des Dunklen Gottes..."
Er konnte nur hoffen, dass seine Worte zu ihr durchdrangen und dass sie sich nicht von ihren momentanen Gefühlen für Averic dazu verleiten ließ, sie in den Wind zu schlagen. Aber vielleicht würde sie dafür auch einfach mehr Zeit brauchen.
Malakím rückte wieder etwas von der Weißen ab und erhob sich, da Tyraleen begann ihren toten Sohn aufzunehmen. Als sie seine Brust mit dem Kopf anhob, nam der Schwärzling sachte das Rückenfell Tascurios zwischen die Zähne und zog ihn behutsam auf den Rücken seiner Mutter, sodass sie ihn würde tragen können, wenn sie sich erhob und langsamen Schrittes lief. Ihnen stand ein gefühlt endloser Weg bevor.
[Blumenwiese | Tyraleen]
28.09.2010, 16:34
Face Taihéiyo sah den schwarzen Jüngling nachdenklich an.
„Ich weiß es nicht Pyotr. Ich selbst habe nie verstanden, wie ein Wolf einen anderen umbringen kann. Sie sehen auch nicht anders aus, sie sind genau wie wir. Du kannst sie nur erkennen, wenn du genau darauf achtest, was sie sagen und wie sie Handeln. Wie sie mit anderen umgehen.“
Der Tiefschwarze wusste nicht, wie er es dem Jungwolf besser erklären konnte. Er war kein Wolf der Worte. Pyotr würde sich auf sein eigenes Gespür verlassen müssen, um die vermeintlichen Bösen von den Guten zu unterscheiden. Auch wenn sich Face nicht sicher war, ob etwas überhaupt nur böse, oder nur gut sein konnte. Die saphirblauen Augen huschten zu Baal, als dieser zu ihm und Pyotr aufschloss. Seinen Dank erwiderte er mit einem Nicken.
„Wir werden jetzt zum Rudelplatz gehen, vielleicht erfahren wir dort schon mehr.“,
sagte Face noch und sah zum Himmel hinauf. Der Sturm hatte sich gelegt, nur noch nieselnder Regen fiel auf sein Gesicht. Aber da war kein Wind mehr und auch sonst kein Laut. Inzwischen war es fast beunruhigend still geworden. Der schwarze Beta wollte seine Schritte gerade wieder beschleunigen, als das Geräusch von unregelmäßig keuchendem Atem an sein Ohr drang. Alarmiert hielt Face Taihéiyo sofort wieder inne und drehte sich um. Ihm bot sich ein ähnliches Bild wie schon eben: Ethelion stand da, zitterte, atmete schwer, doch dieses Mal war etwas anders. Der Tiefrabenschwarze spürte, wie ein kalter Schauer seinen Rücken hinab lief, als er den Ausdruck in Ethelions roten Augen sah. Und dann fiel der Schwarze einfach um.
„Ethelion!“
Face machte einen Satz auf den Schwarzen zu und sah dann schon, dass dessen Augen immer noch weit aufgerissen waren, sein Körper sich aber nicht mehr regte. Die Zunge hing ihm aus dem Maul und kein Atem war mehr da. Ethelion war einfach tot umgefallen. Fassungslos starrte Face seinen Rudelgefährten an, nicht wissend, was er nun tun sollte. Zu allem Überfluss drang dann auch schon eine laute Stimme an sein Ohr und eine weiße Fähe stürmte direkt auf sie zu, schmiss sich neben den toten Rüden. Lyerra. Face wusste nicht, was für eine Beziehung die Weiße zu Ethelion gehabt hatte, aber die Situation glitt ihm nun entgültig aus den Pfoten. Schnell warf er einen prüfenden Blick zu Baal und Pyotr, dann senkte er den Kopf und stupste Lyerra vorsichtig, aber doch recht energisch an, da sie so schien, als würde sie ebenfalls gleich das Bewusstsein verlieren. Das konnte er nun nicht auch noch gebrauchen, musste er doch erst mal seine Gedanken ordnen und versuchen, wieder Herr der Lage zu werden.
„Lyerra, wach wieder auf.“
Wie sollte er mit so einer Situation umgehen? Er war nicht gut im Trost spenden, im Grunde genommen war er nur zu den wenigsten Gefühlsregungen überhaupt fähig. Und noch dazu fehlte ihnen gerade jede Zeit. Es fühlte sich an, als würde Damokles Schwert genau über ihnen hängen.
[ Wald | Pyotr, Baal, toter Ethelion, Lyerra ]
28.09.2010, 18:54
Tyraleen lauschte Malakím stumm. Obwohl er viel sagte, kam hauptsächlich eine Nachricht bei ihr an, eine wichtige, eine, die ihr half und die ihre Läufe für den letzten Gang mit ihrem Sohn stärkten. Er verurteilte sie nicht für ihre Entscheidung, er warf ihr nicht vor, verrückt zu sein, er verstand sie. Sie spürte das Verlangen sich vor lauter Erleichterung an den Schwarzen zu schmiegen, hielt sich aber zurück. Es war nicht angebracht und zudem durfte sie nicht vergessen, wer Malakím war. Sicher hielten ihn einige für einen Spinner, einen Engayaschützling, der traumtänzerisch und ein wenig realitätsfremd durch sein Leben hüpfte. Sie hatte ihn immer gemocht und die meisten seiner Ansichten geteilt, auch wenn sie sich noch gut an den Tag auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Nichts erinnerte, an dem er ihr hatte weismachen wollen, dass es gut war, wenn ihre Welpen nun sterben würden. Er war ein wenig verrückt und seine Zustimmung war noch lange nicht die des Rudels. Und … vielleicht auch nicht genau die, die sie sich wünschte. Er war nicht so wie Averic, in keinster Weise.
Im nächsten Moment riss sie sich zusammen und wäre vielleicht böse auf sich selbst geworden, wäre nicht zu viel Trauer in ihr gewesen. Malakím stand ihr bei und verstand sie, sie war ihm unendlich dankbar. Er schrie sie nicht an und er würde an ihrer Seite sein. Sie dankte Engaya stumm für dieses Geschenk und versuchte sich dabei gleich an den Rat des Schwarzen zu halten. Nicht den Glauben verlieren, Engaya vertrauen, auch wenn es ihr jetzt noch schien, als wäre sie von ihr im Stich gelassen worden. Sie versuchte eisern diesen Gedanken zu verdrängen.
“Malakím, wir sind nicht nur hilflose Marionetten im Spiel der Götter. Wir sind Wölfe, die denken, fühlen und handeln – selbstständig. Du kannst nicht alle Schuld auf Fenris’ Schultern laden. Es ist Averics Schuld, dass er nicht einmal gefragt hat, dass er nicht einmal in Betracht gezogen hat, dass ich nicht wahnsinnig bin. Und es ist meine Schuld, dass ich Fenris’ Weg gefolgt bin und mich nicht dagegen gewehrt habe. Ich hätte Tascurio nicht töten dürfen. Es gibt immer einen anderen Weg … Engayas Weg.“
Ihr Gesicht verzog sich schmerzerfüllt, dann straffte sie sich erneut und ließ sich von Malakím helfen, ihren toten Sohn auf ihren Schultern zu halten. Er war schwer, auch wenn er schon immer kleiner und schmächtiger als seine anderen Geschwister gewesen war. Vorsichtig setzte sie erste, langsame Schritte, dann hatte sie die richtige Balance gefunden und schritt schneller aus. Sie wollte sich beeilen, zum Glück war der Fluss nicht all zu fern.
“Ich kann nicht trauern, Malakím. Ich muss meiner Familie von dem Vorgefallenen erzählen, ich muss mich rechtfertigen, ich muss stark sein. Ich will nicht noch meine anderen Welpen verlieren, ich will nicht, dass sie mich fürchten.“
Ihr Gesicht hatte sich im Laufe ihrer Worte versteinert. Keine Träne floss mehr und auch ihre Augen waren leerer geworden. Nur ihr Blickfeld war noch immer röter, als sonst. Das Blut schien in ihrem Blick zu hängen und sich weder von Regen noch von Tränen fortspülen lassen. Es tauchte die Welt in eine dunklere Farbe und nahm dem Lachen der Blumen und dem fröhlichen Grün des Grases ihre Freude.
[ auf dem Weg zum Fluss | Malakím ]
28.09.2010, 19:22
Sie teilte seine Sicht der Dinge nicht, aber das war verständlich und er hatte das voraus gesehen. Niemand hatte je seine Ansichten geteilt und niemand würde das je tun - niemals zur Gänze. Aber das war normal, das war richtig so. Niemand lebte jemals das exakt gleiche Leben wie ein anderer, keine zwei Wölfe dachten oder fühlten jemals auf identische Weise. Und es war gut so, denn nur so konnte man teilen, was man sah und dachte und was das Leben einen gelehrt hatte. Es war nicht schlimm, dass Tyraleen die Dinge anders sah als er - es war nur wichtig, dass sie etwas in seinen Worten fand, das sie annehmen konnte und das ihr half. Im Gegenzug konnte auch sie ihn etwas lehren, nämlich ihre Sicht der Dinge: das man sich nicht ergeben durfte an die Götter, und das man immer auch selbst für sich verantwortlich war. Das konnte und wollte der Schwärzling nicht abstreiten. Aber für ihn hatte die Bestimmung durch die Götter einfach mehr Gewicht als für die meisten anderen.
"Dann verurteile auch nicht die Muttergöttin, deren irdische Tochter du bist, dass sie die Gefahr nicht von dir abgewandt hat. Ich weiß, dass es in Zeiten der Not schwer fällt zu glauben, Tyraleen. Gerade jetzt. Ich habe das schon so oft gesehen. Es ist nur natürlich. Gerade das macht es zu einer der schwersten Prüfungen, seinen Glauben zu bewahren."
Sie näherten sich dem Fluss, dessen Wasser sie leise glucksend begrüßte. Dem Schwärzling schien, dass sogar dieses Geräusch heute irgendwie schwerer war und traurig statt fröhlich plätschernd Klang.
"Trauer ist keine Schwäche, Tyraleen",
entgegenete er sanft.
"Wen sollen sie sehen, deine Welpen, dein Rudel? Eine Mutter, die keine Träne zu vergießen scheint? Oder eine Mutter, die den Tod ihres Sohnes ehrlich beweint? Vor wem werden sie sich mehr fürchten? Ja, du musst stark sein, Tyraleen, aber das bedeutet nicht, dass du dein Herz nach außen und innen verschließen sollst. Das ist nicht Engayas Weg."
Seine Worte endeten gleichsam mit seinen Schritten. Kleine Wellen benetzten seine Vorderpfoten mit Wasser. Es war Zeit, Tascurio in Würde zu bestatten.
[Fluss | Tyraleen]
28.09.2010, 22:01
Tyraleen war froh, dass sie Malakím jetzt nicht ansehen musste, nicht ansehen konnte. Er hatte Recht, sie durfte die Schuld nicht Engaya geben. Sie zwar zweifelsohne nicht da gewesen, aber vielleicht war es auch eine Prüfung … in der sie meisterhaft versagt hatte. Dafür musste sie nun die Konsequenzen tragen und dem musste sie mir Stärke begegnen. Aber … war Trauer keine Schwäche? Wenn sie weinend im Regen stand und ihrem Schicksal hinterhertrauerte, war das Schwäche. Aber vielleicht würde Trauer auch anders gehen … vielleicht. Die Weiße wusste es nicht. Doch ihr Gesicht wurde wieder weicher und sie fühlte sich seltsam willenlos.
“Ich weiß nicht, ob ich so stark sein kann, Malakím. Trauern, stark sein und die Kraft haben, die Trauer ehrlich zu zeigen, ohne schwach zu wirken.“
Sie war froh, als das noch ein wenig ungemütlich schäumende Wasser des Flusses vor ihnen auftauchte und kurz danach ihre Pfoten benetzte. Die Stelle war nicht tief und auch wenn der Fluss nach dem Sturm höher stand, als sonst, konnte sie problemlos bis zu seiner Mitte waten. Sanft ließ sie ihren Sohn von ihrem Rücken gleiten und stellte sich dann zwischen ihn und den Lauf des Flusses, sodass er nicht sofort mit der Strömung fortgerissen wurde. Ihre Augen streiften kurz Malakím, dann senkte sie die Schnauze zu Tascurios Stirn, berührte ihn leicht, fuhr ihm erneut mit der Zunge durchs Fell und begann dann leise die uralten Worte zu sagen, die Banshee ihr beigebracht hatte. Sie wurden bei jeder Flussbestattung gesprochen und waren dennoch stets angepasst an den Wolf, den sie in die Pfoten Engayas begleiteten.
„Tascurio, Sohn Averics und meiner selbst, Bruder, Neffe, Großneffe, Enkel und guter Freund. Wir haben dich als Mitglied unserer Gemeinschaft sehr geschätzt, du warst ein geliebter Sohn und auch wenn du oft alleine warst, hast du zu unserer Familie gehört. Nun fehlt ihr ein großes Stück. Dich zu verlieren, trifft uns hart, es werden viele Wölfe um dich trauern.“
Langsam trat sie zur Seite und ließ die Fluten Tascurios Körper mitnehmen.
“Doch Engayas Pfoten werden dich empfangen und dieser Fluss wird dich zu ihr spülen. Freude und Wärme erwarten dich, deine Oma Banshee erwartet dich. Und wir alle hoffen, dass du auf uns wartest und uns empfangen wirst, wenn wir eines Tages in die ewigen Hallen kommen werden.“
Im schäumenden Wasser ließ sich der weiße Körper ihres Sohnes kaum mehr erkennen. Immer wieder wurde er auf den Grund hinabgerissen und kam viel weiter hinten wieder zum Vorschein.
“Möge dich jeder Augenblick des Glücks begleiten und dir deinen Pfad zu den Göttern ebenen. Mögen die Stimmen deiner Lieben für immer in deinem Gedächtnis bleiben, bis wir wieder von Angesicht zu Angesicht mit dir sprechen können. Möge die Sonne jeden Tag auf deinen Pelz scheinen, deine Glieder wieder zu alter Stärke zurückfinden und deine Welt erblühen im Glanz unserer Göttin. Mögest du deinen Frieden finden und Zorn, Angst und Verzweiflung in dieser Welt zurücklassen. Möge keine Dunkelheit mehr auf dich niederkommen und keine Sorgen mehr dein Herz belasten. Wir nehmen Abschied von dir, mein Sohn.“
Und leise fügte sie noch einen Satz zu den uralten Bestattungsformeln hinzu.
„Und bitte … verzeih mir. Ich werde jeden Tag in Demut darum bitten.“
Er war nicht mehr zu sehen. Eine einzige Träne suchte sich ihren Weg über ihre Wange, fiel in den Fluss und folgte Tascurios totem Körper. Langsam wandte sich die Weiße zu Malakím, nun wieder ganz von ihrer Trauer gefangen genommen.
[ Fluss | Malakím ]
28.09.2010, 22:13
Die Schwarze war zufrieden mit sich, zufrieden mit dem Sturm und zufrieden mit Krolock, der - auch wenn sie ihn längst nicht als würdigen Gegner einstufte - doch erwähnenswerte Gegenwehr leistete, und ihren Fängen ein ums andere Mal ein gutes Ziel gab. Leider tat auch er sich nicht mit Rücksicht hervor, und ihr Knurren und Schnappen wurde immer wilder, je mehr Schmerzen er ihr gab. Sie würde ihm heute rein gar nichts schuldig bleiben.
Hatte sie in den Kämpfen mit Turién oder Chardím stets nur so stark zugekniffen das sie es merkten, versuchte sie nun so kräftig zu zu beissen bis Krolocks Fleisch nachgab. Und sie tat es. Einzig sein Widerstand und die Notwendigkeit auch seinen Angriffen auszuweichen hielten sie davon ab ihm ernsthaft wehzutun. Doch plötzlich rutschte der Schlamm unter ihren Pfoten fort, zog sie hinab und gab ihren Nacken schutzlos frei. Doch der erwartete Biss blieb aus, dafür knallte etwas voller Wucht in sie hinein und warf sie nun gänzlich in den Dreck. Überrascht aufjaulend zappelte sie los und kämpfte sich zurück auf die Läufe, wie es auch Krolock soeben wieder getan hatte. Ihr Blick striff Liel nur, die nicht weniger überrascht zu sein schien wie sie beide, dann sprang sie bereits wieder auf Krolock los. Er blutete noch immer nicht genug für sie!
Aber kaum hatte sie wieder die Zähne in sein Fleisch versengt, sein Blut auf der Zunge gespürt und den Schmerz in ihrer eigenen Schulter willkommen geheißen, warf sich plötzlich etwas zwischen sie. Grollend machte sie einen Satz zurück, und und besah sich den Wolf. Wer war dass denn? Besonders glücklich wirkte der aber nicht. Während sie den Rüden musterte hatte sie stets ein halbes Auge für Krolock. Was sollte das überhaupt? Erst Liel und dann er.
"Was willst du?!"
Fuhr sie ihn unwirsch an, nahm er ihr doch gerade die einzige Möglichkeit den Schmerz all der kleinen Wunden zu vergessen.. Nur der bittere Ruf von Mama Tyraleen hatte ihre Wut umgeleitet, sie in Besorgnis gewandelt. Und so führte sie nun hektisch den Trupp zum Rudelplatz, ohne auf die Antwort ihrer Frage gewartet zu haben..
[Im Wald | Krolock, Caleb, Liel]
28.09.2010, 22:35
Er antwortete nicht auf ihre Erwiderung, noch nicht. Es gab jetzt Wichtigeres, dass seiner und vor allem ihrer Aufmerksamkeit bedurfte. Der Schwärzling sah zu, wie Tyraleen ihren toten Sohn sanft ins Wasser herab ließ, und fing den Blick auf, den sie ihm kurz zuwarf. Er erwiderte ihn stumm und lauschte dann den den zeremoniellen Bestattungsformeln, den Kopf dabei gesenkt und die Ohren demütig nach hinten zurück gelegt. Seine Augen folgten dem dahinschwindenden Körper, bis dieser nicht mehr zu sehen war.
"Die Göttin schenke dir Flügel",
murmelte er leise, seine ganz persönlichen Totenworte an den verstorbenen Jungwolf. Erst dann hob er den Kopf und wandte sich wieder der Weißen an seiner Seite zu. In ihrem Blick stand nun wieder die Trauer, die sie vor kurzem noch in ihrem Herzen hatte einschließen wollen.
"Dir steht jetzt ein schwerer Gang bevor, Tyraleen, und danach eine schwere Zeit. Aber denk immer daran, du bist nicht gänzlich allein. Ich werde ihn an deiner Seite gehen, und Engaya ebenso, auch wenn es dir momentan schwer fallen mag, daran zu glauben. Sie wird dir helfen, die Kraft zu finden, die du brauchst, wenn du es nur zulässt. Jetzt und immer."
Sein Lächeln war schwach und noch immer traurig, aber ehrlich. Kurz zögerte der Schwärzling, dann wagte er es sich vorzubeugen und für einen kurzen Moment mit der Nase ihre Wange zu berühren. Er wollte ihr zeigen, dass er es ernst meinteund für sie da sein wollte, gleichzeitig war die Berührung so flüchtig, als wolle er beteuern, sich nicht aufdrängen zu wollen.
"Sei jetzt stark, Tyraleen - aber nicht wie der Fels, der nie eine Regung zeigt, sondern wie das Schilf, dessen Biegung Schwäche zu sein scheint, aber das selbst im Sturm nicht bricht."
Sie würde es schaffen, er glaubte fest daran. Auch wenn sie selbst nicht daran glaubte - er tat es.
[Fluss | Tyraleen]
28.09.2010, 23:22
Nicht lange hatten sich die vier Wölfe in der trockenen Mulde aufgehalten, als der Regen plötzlich nachließ und genauso schnell wieder verschwand wie er aufgezogen war. Sheena war etwas verwirrt, so einen Wetterumschwung hatte sie bis jetzt noch nicht erlebt, aber natürlich wusste sie ebenso, dass niemand das Wetter beeinflussen konnte und es immer freien Willen zeigen würde.
Trotzdem erschien ihr die Stille plötzlich unheimlich und bedrohlich. Wäre sie nicht in Begleitung von drei Jungwölfen, einer davon auch noch ein Neuling, dann wäre sie sofort losgelaufen und ihrer dunklen Vorahnung gefolgt. Doch so riss sie sich am Riemen, zügelte ihr Unbehagen um Ráyon weitere Zeit zum ausruhen zu geben.
Zudem hatte nicht nur er, sondern auch Avendal die Stimme erhoben, er, im Gegensatz zu ihr, um weitere Fragen zu stellen. Diese wollte sie ihm nun bestmöglich beantworten. Schließlich war eine weitere Aufgabe ihres Priesterseins ihr angesammeltes Wissen zu vermitteln. Die Anwendung alleine würde zwar anderen Wölfen helfen, ihnen aber nicht die Chance geben sich weiterzuentwickeln und das war eindeutig auch das Ziel ihrer Ausbildung.
„ Avendal, vielleicht bekommst auch du die Chance dich ausbilden zu lassen. Ich weiß nicht nach welchen Kriterien das ausgewählt wird, vielleicht steht das auch schon bei der Geburt fest oder... ich weiß es nicht. Aber das kann man sicherlich in Erfahrung bringen, wenn von deiner Seite aus Interesse besteht.“
Sie lächelte die Jungfähe ermutigend an. Sicherlich wäre es nicht schlecht schon jetzt neue Priester auszubilden. Schließlich dauerte die Ausbildung ihre Zeit, so fest konnte man das gar nicht sagen, das variierte schließlich auch je nach Charakter eines jeden Wolfes.
Sie nahm sich fest vor Tyraleen zu fragen. Wenn sie diese dann wieder antreffen würde. Und wenn sie das unheimliche Gefühl in ihrem Körper endlich losgeworden war.
„Priester...“ sie murmelte nur leise. „Priester sind Gesandte der Götter. Entweder von Engaya oder von Fenris. Das ist nicht unbedingt immer von Anfang an klar. Diese beiden Götter lebten einstmals vor langer, langer Zeit in diesem Tal. Bis sie eben zu Göttern wurden. Diese schickten ab dann immer und immer wieder ihre Töchter und Söhne in das Tal. Zuletzt waren es Banshee und Acollon. Diese beiden haben uns erst vor kurzem verlassen... Deshalb kann es auch passieren, dass von den Göttern in ihren Namen gesprochen wird. Nun, diese Kinder können Priester ausbilden. Dies sind sozusagen ihre Helfer. Sie können meistens eine starke Verbindung zu den Göttern aufbauen und somit auch heilen und andere Kleinigkeiten.
Durch den Tod Banshees und Acollons ist das ganze Rudel in Aufruhr versetzt worden, noch immer ist nicht ganz klar, wer das nächste Alphatier wird. Natürlich gibt es eine Anwärterin. Tyraleen, die Tochter Engayas und ebenfalls eine ausgebildete Priesterin. Eine Gottestochter. Aber, wer weiß, vielleicht gibt es Wölfe, die sie nicht unterstützen wollen...
Ráyon, das Rudel durchlebt eine schwierige Zeit...“
Wieder seufzt die weiße Fähe auf. Außerdem fühlt sich ihr Hals mittlerweile sehr kehlig an. Sie hat zu viel gesprochen. Noch immer spürt sie manchmal die Nachwirkungen ihrer lang anhaltenden Schweigepflicht. Außerdem nahm die Angst in ihr zu. Die Luft um sie herum schien zu vibrieren. Irgendetwas Schreckliches war geschehen. Nur was?
Nervös witterte sie in der Luft. Regen, nasses Laub, nasse Erde. Und... Tod? Ihre Ohren schnippten umher, die Pfoten zuckten verdächtig. Sie musste los, sie musste zu Tyraleen.
(In einer trockenen Mulde, Avendal, Ráyon, Aléya)
29.09.2010, 11:05
Chardím sah wieder zu Minyala zurück und blinzelte nach ihren Worten kurz etwas verwirrt. Der Schwarzweiße war sich nicht ganz sicher, was sie ihm mit dieser Aussage mitteilen wollte, schließlich aber schüttelte er lachend den Kopf.
„Weißt du, es ist mir vollkommen egal, was man von den Göttern hält. Man kann sie hassen, lieben, sie ignorieren – ihnen ist es ebenso egal, solange alles im Gleichgewicht bleibt. Ich wollte damit nur sagen, dass es sie trotzdem gibt. Ja, das Nichts war in der Tat nichts. Aber dafür ziemlich viel.“,
konterte er schließlich noch mit einem frechen Grinsen und trabte munter weiter in die Richtung, in der er den Rudelplatz vermutete. Dann überlegte er, was er der weißen Jungwölfin nun am Besten von den Göttern erzählen sollte. Sie schien nicht übermäßig interessiert und ihr auf die Nerven zu fallen war gewiss nicht Chardíms Absicht.
„Hm, ich könnte dir davon erzählen, wie sie Leben und Tod, Freude und Schmerz, Farben und Jahreszeiten, Tag und Nacht in die Welt brachten. Aber die Geschichte ist recht lang ... Dann gäbe es da noch –“
In diesem Moment spürte Chardím ein heftiges Ziehen in seiner Brust und sein linker Vorderlauf knickte nach dem Auftreten einfach so weg. Halb zu Boden fallend stützte sich der schwarzweiße Jungwolf gerade noch so mit den restlichen Pfoten ab, um nicht gänzlich um zu kippen. Grade wollte er sich noch fragen, was zur Hölle das war, als wieder diese Stimmen von eben laut wurden und er das Gefühl hatte, als zöge ihn etwas nach unten. Chardím biss die Zähne zusammen und knurrte kurz leise, als würde es ihm helfen das klagende Weinen in seinen Gedanken zu verscheuchen. Mühevoll stemmte er sich wieder gänzlich hoch und schüttelte den Kopf.
„Woah, verflucht! Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.“,
meinte er ärgerlich, taumelte noch leicht zur Seite, dann gelang es ihm wieder fest zu stehen. Die Stimmen waren wieder leiser geworden, so, dass er sie kaum noch hörte. Doch das Schwindelgefühl verschwand nicht mehr, auch, wenn es nicht mehr so stark war. Chardím warf einen unsicheren Blick zu Minyala hinüber, die ihn nun wahrscheinlich für völlig bescheuert hielt. Leider konnte er daran nichts mehr ändern.
„... Lass uns jetzt einfach schnell die anderen aufsuchen, ich hoffe, dann wissen wir, was der Ruf zu bedeuten hatte.“
Etwas musste passiert sein, etwas so Schädliches, dass es über die irdischen Grenzen hinaus ging. Ein paar Sekunden lang sah er Minyala noch vorsichtig an, ob sie noch irgend etwas zu sagen hatte wie: „Du bist komplett durchgedreht“, dann lief er wieder weiter, diesmal um Einiges zügiger. Er wollte jetzt bei seiner Familie sein und wissen, dass es ihnen gut ging.
[ Nördlicher Mischwald | Minyala ]
29.09.2010, 14:52
Tascurio war längst verschwunden und doch hingen Tyraleens Gedanken an ihm. Es würden die letzten Momente vor ihrem schweren Weg sein, in denen sie stumm im Regen stehen und an ihn denken durfte. Noch einmal sah sie sein weißes Fell, seine dunklen, beinahe schwarzen Augen und seinen Blick, der auf ihr gelegen war, als sie sein Leben beendet hatte. Es war Wissen gewesen und die Trauer darüber, dass dieses Wissen zu Wahrheit wurde. Wie viele Tage hatte er es bereits gewusst? Wie viele Nächte hatte er unter diesem Albtraum gelitten? Die Gedanken schmerzten mehr, als die Weiße erwartete hätte. In einer ersten, trostsuchenden Geste drückte sie ihre Schnauze kurz an Malakíms Hals, gleichsam Dank und Sehnsucht nach Hilfe. Dann stand sie wenige Momente stumm da, um schließlich die Augen zu öffnen, die Schultern zu straffen und einen Blick zum nur noch wenige Schritte entfernten Rudelplatz zu werden.
“Ich danke dir, Malakím. Du bist ein Geschenk Engayas.“
Sogar ein schwaches Lächeln tauchte auf ihren Lefzen auf, dann begann sie zu laufen. Wenn der Schwarze an ihrer Seite sein würde – und sie war sich sicher, dass er sein Versprechen nicht brechen würde – war der Weg, der vor ihr lag schon um so vieles leichter. Und sie … sie könnte vielleicht wirklich wie Schilf sein, das auch jetzt noch am See stand und sowohl dem Wind, als auch den stürmischen Wellen getrotzt hatte. Es war ein schöner Vergleich und wenn sie es schaffen würde, dann wäre Malakím ihre feste Erde, in der ihre Wurzeln den nötigen Halt finden konnten.
Tyraleen und Malakím erreichten nach kurzer Zeit den Rudelplatz. Dort angekommen hob die weiße Fähe die Schnauze in die Nacht und rief das Rudel herbei. Es war kein einfacher Ruf, wie ihn eine Leitwölfin geheult hätte, sondern ein Gesang, der von Trauer und Schmerz handelte, von Furchtbarem, das geschehen war und von der Dringlichkeit, alle Wölfe der Sternenwinde hier her kommen zu lassen. Er war laut und hallte klar durch die Dunkelheit, erreichte die Berge und die Reviergrenze, ging selbst über sie hinaus und ließ alle Wölfe mit einem seltsam befangenen Gefühl aufhorchen.
Alle folgten diesem Ruf, selbst die, die Tyraleen normalerweise nicht gehorcht hätten. Neugierde, Angst, Sorge und stille Ahnungen trieben die Wölfe auf den Rudelplatz. Unterwegs trafen sich manche Gruppen, die vorher alleine im Wald herumgestreunt waren; alle Jungwölfe wurden eingesammelt und eilig gescheucht. Die Gewissheit, dass etwas Weltumstürzendes passiert war, lag deutlich spürbar in der Luft. Ethelions Leichnam wurde zu einem der Bäche gebracht, die dank des starken Regens hoch genug angeschwollen waren um ihn mit sich zu tragen. Die kleine Gruppe rund um Lyerra und Face mussten sich beeilen, dennoch wurde dem schwarzen Toten eine würdige Verabschiedung geschenkt. Danach brach die kleine Gruppe eilig auf. Es dauerte nicht lange, da war auch der letzte Wolf eingetroffen, das ganze Rudel saß und stand versammelt um Tyraleen und – wenige Schritte neben ihr – Malakím. Tyraleens Pelz war deutlich von viel Blut gekennzeichnet, auch wenn der Fluss das meiste fortgespült hatte.
Tyraleen hatte stumm mit angesehen, wie ein Wolf nach dem anderen eingetroffen war, Blicke über ihr rot getränktes Fell gewandert waren und sich Gedanken in den Köpfen gebildet hatten. Auch Averic war unter ihnen, die Weiße spürte seine Anwesenheit mehr denn je und war froh, ihn nicht sehen zu müssen. Einige ihrer Welpen sah sie auch, doch sie kamen nicht zu ihr, vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Furcht. Um ihre gerade gesammelte Stärke nicht zu verlieren, dachte sie nicht darüber nach und bewegte sich auch nicht vom Fleck. Starr, aber aufgerichtet saß sie im Gras, hinter sich der unruhige See und einzig Malakím an ihrer Seite. Einige fremde Gesichter blickten ihr entgegen und auch wenn sie sich eine bessere Willkommensgeste hätte vorstellen können, wollte sie erst sprechen, bevor sie sich ihrer annehmen würde. Als nach und nach die letzten Wölfe eintrafen und schließlich keine schlanke Schnauze mehr zwischen den Bäumen auftauchte, entschloss sich die Weiße, nicht mehr länger zu warten. Sie hätte sich lieber versteckt, wäre lieber fortgelaufen, doch wenn sie schon hier sitzen und ihre Blicke ertragen musste, wollte sie auch sprechen. Ganz leicht hob sie ihre Schnauze, versuchte jeden Blick zu erwidern und begann zu nächst zögernd, dann sicherer mit klarer Stimme zum Rudel zu sprechen.
“Rudel der Sternenwinde, Familie der Sternenwinde, ich musste euch alle rufen, weil etwas Schlimmes geschehen ist. Jeder von euch soll die Wahrheit erfahren und wissen, was passiert ist und warum. Deshalb bitte ich euch, mir zuzuhören, danach dürft ihr gerne Fragen stellen oder … mir eure Meinung mitteilen.“
Sie stockte kurz, riss sich aber schnell genug von der Vorstellung los, einem prasselnden Hagelsturm von Vorwürfen ausgesetzt zu sein.
“Wie ihr vielleicht wisst, sind drei meiner Kinder nicht zu unserer Jagd gekommen. Ich habe sie gesucht und gefunden, Tascurio war einer von ihnen. Ich traf ihn auf der Blumenwiese im Süden an, er schien mich zu erwarten. Ehe mir bewusst wurde, was geschah, war ich in einer schwarzen Welt gefangen, in der Averic und Tascurio miteinander kämpften. Mein Sohn … tötete seinen Vater. Es muss eine Prophezeiung gewesen sein, die Fenris mir schickte, ich hörte seine Stimme und die Aufforderung mich zu entscheiden. Ich könnte nur einen von ihnen erhalten. Meine Entscheidung … fiel. Ich wusste nicht, ich musste doch …“
Sie stockte erneut, rang um Fassung und spürte die erste Träne ihre Wange hinabperlen. Zuerst wollte sie weitere zurückhalten, dann erinnerte sie sich an Malakíms Worte und hob erneut leicht den Fang.
“… ich habe mich für Averic und gegen Tascurio entschieden. Ich habe einen furchtbaren Fehler begangen, ich bin Fenris’ Pfad gefolgt. Ich habe meinen Sohn getötet.“
Jetzt verschwamm ihre Sicht auf das Rudel, sie biss die Zähne zusammen und versuchte verzweifelt das Gleichgewicht zwischen Schwäche und Stärke zu finden und dabei die Trauer nicht alle Ufer übertreten zu lassen.
“Dafür werde ich ihn ewig um Verzeihung bitten. Ebenso wie ich euch, seine Familie, darum bitte. So etwas wird nie wieder vorkommen, es gibt keinen Wolf mehr, für den ich einen anderen opfern würde. Und selbst wenn es einen gäbe, würde ich niemals den gleichen Fehler erneut begehen. Ich bitte euch … um Vergebung und darum, mich nicht zu hassen oder zu fürchten.“
Ihre Zunge fühlte sich pelzig an, als hätte sie lange kein Wasser mehr auf sich gespürt. Einen Satz gab es noch, den sie sagen musste, ihre Familie hatte ein Recht darauf, es zu erfahren.
“Averic und ich sind nicht mehr länger Gefährten. Unsere Wege haben sich getrennt.“
Endlich war es vorbei und Tyraleen spürte sich selbst erleichtert aufatmen. Nun war sie dem Rudel ausgesetzt und innerlich versuchte sie sich gegen einen erneuten Ansturm wie den Averics zu wappnen. Sie blinzelte die Tränen aus ihren Augen, warf Malakím einen kurzen Blick zu und flehte stumm zu Engaya, das nun nicht das Ende ihres Lebens im Kreis ihrer Familie gekommen war.
[ Rudelplatz am See | beim gesamten Rudel ]
29.09.2010, 15:48
Munter hatte Atalya das letzte Stück an Shaéns Seite zurück gelegt, hatte sich seine Worte genau eingeprägt, war sie immer wieder im Kopf durch gegangen. Irgendwann hatte der Regen ausgesetzt, und sie hatten de Gruppe erreicht, die sie zuvor verlassen hatte. Und dann, ganz plötzlich hallte die Stimme ihrer Mutter über das Tal. Und fast gleichzeitig hatte ein merkwürdiges Gefühl die graue Wölfin ergriffen. Sie hatte es nicht definieren können, ob es Angst, oder etwas anderes war. Sie zögerte nicht einen Moment, folgte dem Rufen Tyraleens sofort. Mit schnellen Schritten hatte sie sich von ihrer Gruppe entfernt, hatte den schnellsten Weg zurück zum Rudelplatz genommen. Aber sie hatte kaum auf ihren Weg geachtet, viel mehr konzentrierte sie sich auf die Gedanken, die durch ihren Kopf wirbelten. Was war passiert? Wieso hatte die Stimme ihrer Mutter so voller Schmerz geklungen? Während Atalya lief spürte sie ihr Herz schneller schlagen, sodass ihre Läufe ihr Tempo ebenso erhöhten. Einige andere Wölfe begegneten ihr, aber die Fähe hielt nicht an. Sie bahnte sich ihren Weg, bis sie den Rudelplatz erreicht hatte und ihre Mutter sehen konnte.
Und was sie sah, ließ ihr Herz für einen Moment erstarren. Das wunderbar weiße Fell Tyraleens war voller Blut, zudem wirkte sie kalt und geschwächt. Ruckartig war die Graue stehen geblieben, die Augen weit aufgerissen und auf ihre Mutter gerichtet. Wessen Blut klebte in ihrem Fell, verunreinigte dieses reine weiß? Atalyas Gedanken wirbelten umher, und sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Zumindest schien ihre Mutter nicht verletzt. Und dennoch blieb die Frage, wessen Blut dies war.. und wieso es ausgerechnet den Pelz ihrer Mutter besudelte. Einige Atemlose Momente verstrichen, ehe sich die junge Wölfin der Weißen näherte. Inzwischen waren die meisten Wölfe eingetroffen, sodass die Graue in einiger Entfernung stehen blieb. War das der Grund, wieso sie sie alle hier her gerufen hatte? Würden sie eine Antwort bekommen? Es schien endlos viel Zeit vergangen zu sein, als endlich alle Mitglieder des Rudels eingetroffen waren, und ihre Mutter die Stimme erhob. Sie hatte das Gefühl, dass das Schlagen ihres Herzens die Stimme Tyraleens übertönte. Etwas Schlimmes war passiert. Sie sollten die Wahrheit erfahren? Atalya verharrte ruhig, auch als ihre Mutter stockte. Das, was die Weiße dann sagte, traf Atalya wie Steine, die man nach ihr warf. Ohne es wirklich zu bemerken, hatte sie sich erhoben, war einige Schritte nach vorn gegangen. Nun verstand sie jedes Wort, mit dem das Stechen in ihrem Herzen schmerzhafter wurde. „Mein Sohn tötete seinen Vater.“ Die Graue schüttelte langsam den Kopf, Unglauben machte sich in ihr breit. Das.. das hätte Tascurio nie getan. Nein.. Die nächsten Worte ihrer Mutter schlugen sie nieder, ließen sie nach Luft schnappen.
„Ich habe meinen Sohn getötet.“
Atalyas Welt stand still. Schmerzhaft zog sich ihr Herz zusammen. Die anderen Worte, die den Fang ihrer Mutter verließen, hörte sie kaum noch, immer wieder hallten diese in ihrem Kopf wieder. Tascurio.. tot. Das Blut, welches das Fell ihrer Mutter verschmutze.. war das Blut ihres eigenen Sohnes. Ihres Bruders. Ihre Mutter hatte ihren Bruder getötet. Dann fiel der Name ihres Vaters. Sie würden getrennte Wege gehen. Es schien, als prallten die Worte an der Grauen ab, als sie vor schnellte und in kurzer Distanz zu ihrer Mutter stehen blieb. Wut spiegelte sich in ihrem Blick. Enttäuschung und Unglauben. Aber auch Trauer. Ihre Läufe zitterten, als sie eine weitere Pfote auf die Weiße zu setzte.
„Nein nein nein! Sag‘, dass das eine Lüge ist! Du lügst! Sag‘ uns, dass das eine Lüge ist! Das darf nicht sein!“
Sie schrie ihrer Mutter entgegen, als wäre sie selbst dadurch befreit. Nur kurz wandte sich ihr heller Blick auf das Blut im Pelz ihrer Mutter. Ihr Herz raste, als sie den Blick wieder in die Augen ihrer Mutter bohrte.
“LÜGNERIN!“
Sie wollte das nicht glauben.
[Beim Rudel – direkt vor Tyraleen]
29.09.2010, 16:06
Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, zitterte durch sein Fell, pulsierte, zusammen mit dem warmen Blut durch seine Adern, bis er selbst zu bibbern begann. Es war, als würde um ihn herum alles kalt werden, während der Gesang ertönte. Eine Melodie, die von Schmerz und Trauer zeugte und sich wie ein kalter, schwerer Stein auf sein Herz legte.
Es war Nacht geworden und der Regen hatte abgenommen. Dennoch war kein Stern zu sehen – noch immer war der Himmel mit Wolken zu gehangen, ließ nicht erahnen, was sich dahinter befand. Es war, als hätte ein schwarzer, kalter Mantel die Welt verschluckt. Und mit seinem Kommen war alles Licht, alle Hoffnung, jede Glückseligkeit vergangen. Auch der so verspielte, fröhliche Rüde konnte dem Gewicht von Trauer und Schmerz, von Dunkelheit und Bedrückung nur schwer standhalten.
Irgendetwas musste passiert sein. Irgendetwas schreckliches, was ihnen allen im tiefsten Herzen wehtun würde. Zumindest denen, die diesem Rudel von Beginn an angehört hatten. Ráyon wusste jedoch, dass auch er sich betroffen fühlen würde. Ja, die Trauer, die über die anderen gehen würde, würde auch ihn in seinen Bann ziehen, denn er würde mit jedem von ihnen fühlen. Und ebenso wie der Rüde wusste, wie es um ihn geschehen würde, wusste er auch, dass er dem Ruf zu folgen hatte. Folgen würde.
Ohne auf ein Reaktion von den Wölfen um ihn herum zu warten stand er auf und folgte dem Gesang, der Stimme, die ihn leitete. Er fand den Weg.
Ráyon war einer der ersten Wölfe, die sich an dem Ort eingefunden hatten, zu dem alle gerufen worden waren. Es musste der Rudelplatz sein. Ein weißer Wolf stand in seiner Mitte. Eine Fähe mit strahlend schönen Augen. Doch diese Augen wahren kaum erfüllt von Fröhlichkeit und Frohsinn. Kummer und Leid standen in ihnen. Auch das Fell der Fähe war nicht so weiß, wie es hätte sein sollen. Blut verklebte es. Blut, dass ihr Fell verunreinigte wie Schlamm eine Perle.
Der Rüde wusste nicht, was er mehr empfand. Entsetzen oder Mitgefühl. Irgendwie war da beides. Welche blutigen Pfade war dieser Wolf gegangen, dass er hier nun so stand, Geprägt vom Geschehenen?
Die Wölfe scharrten sich um ihren Platz herum. Scheinbar hatte die unbefleckte Wölfin einen hohen Rang. Natürlich, wie hatte er das nur bezweifeln können. Er war ihrer Stimme gefolgt. Eine Stimme, die ein trauriges Lied gesungen hatte, dass dennoch genug Autorität bot um einem Alphatier gehören zu müssen. So fügte er sich in die Reihen der Anderen ein, besaß jedoch die Dreistigkeit sich nach vorn zu stellen. Er wollte nichts von allem verpassen, was er hier erfahren würde.
Und so lauschte er aufmerksam den Worten Tyraleens.
Erst als sie geendet hatte wagte er es wieder aufzuatmen.
Die erste Träne hatte sich in einen Augen gebildet und er wusste, dass er sie nur schwer zurückhalten könnte. Es war übertrieben, das wusste er. Er schien zu weich. Immerhin hatte er kaum einen Tag in dem Revier dieses Rudels verbracht und niemanden außer Sheena, Aléya und Avendal kennen gelernt. Und doch nahm es ihn mit, als wäre dies schon ewig seine Familie gewesen. Eine Familie, die er liebte, und um die er immer trauern würde.
Bilder stiegen in ihm auf. Bilder von der weißen Fähe, wie sie ihrem kleinen Welpen die Kehle zerriss. Bilder davon wie der rote Lebenssaft das Fell und dann das grüne Gras benetze. Ein grauenvoller Anblick, der ihm einen weiteren Schauer über den Körper trieb.
Dennoch wallte kein Zorn in ihm auf. Keine Spur von Unverständnis und Hass folgte auf die Ansprache der weißen Fähe. Engaya hätte nicht gewollt, dass man jemanden verabscheut, der die Prophezeiung Fenris vernahm und sie zu verhindern gesuchte. Auch, wenn es in diesem Fall möglicherweise ein Fehler gewesen sein mochte.
Mitgefühl spiegelte sich in seinen Augen, als er die blutbefleckte Fähe ansah. Man konnte sehen, dass sie ihr Tun bereute und wünschte alles rückgängig zu machen. Sie litt und daran sah man, dass man ihr keine Schuld zuschreiben konnte. Doch wer konnte sicher schließen, dass alle hier anwesenden Wölfe dies so sahen?
Ráyon kannte niemanden von ihnen und so konnte er nicht beurteilen, wie die anderen Wölfe dieses Rudels über das Tun ihrer Alphafähe urteilten. Würden sie sie verachten oder konnten auch sie verstehen, weshalb sie zu so einer grauenvollen Tat fähig gewesen sein konnte.
» Oh Engaya...«
Seine Stimme war nur ein leiser Hauch, der eher für ihn selbst galt, als für die Weiße, oder die anderen Wölfe die sich um ihn herum befanden.
» … bitte lass nicht zu, dass die Schicksalsfäden sich zu einem Strick verdichten. «
Nur schwer gelang es ihm dem Drang zu widerstehen, der ihn dazu antrieb diese Fähe, die da voller Kummer vor ihm stand zu trösten. Es stand ihm weder zu der Alphafähe zu nahe zu kommen, noch kannte er sie genug.
Dennoch – hätte er gekonnt, würde er sie trösten.
29.09.2010, 16:39
((Hoffe es ist okay, Chardím, dass ich dich ein klein wenig geschoben habe.
Und hoffe es ist okay, Ráyon, dass ich dich umrenne ^.~))
Irgendwie war plötzlich alles ganz schnell gegangen. Eben noch war Chardím ziemlich witzig auf Minyalas Scherz eingegangen und die Weiße hatte sich doch nicht mehr so unverstanden gefühlt. Dann war der Schwarze gestolpert, oder so etwas in der Art, hatte geflucht und war sehr seltsam geworden. Dabei hatte er vorher einigermaßen interessant angefangen, mit Göttern, die alles Mögliche in die Welt gebracht hatten. Nach seinem Stolperer hatte Chardím dafür aber keine Geduld mehr gehabt und dann hatte auch noch jemand geheult. Es war ziemlich gruselig gewesen, eine Art Ruf, aber irgendwie unheimlich, so traurig und schmerzerfüllt und … düster. Minyala hatte sich platt auf den Bauch gelegt und das verbliebene Ohr an ihren Kopf gepresst. Chardím schien erschüttert, dann war er losgerast, wie ein Besessener. Minyala hatte noch ein „Hey, warte Cha …“ gerufen, dann war der Jungwolf auf und davon. Die Weiße fand das wenig begeisternd, aber wenn ihre Ohren sie nicht sehr täuschten musste das Tyraleen gewesen sein, die da gerufen hatte und Tyraleen wiederum war die Mutter von den meisten Jungwölfen hier. Also wohl auch von Chardím und der hatte ja sowieso schon was von schrecklichen Vorkommnissen gefaselt. Das musste ihn jetzt gänzlich bestätigt haben.
Die Weiße schickte ihrem vorherigen Begleiter noch ein .oO(Armer Chardím.) mit auf den Weg, dann machte sie sich selbst daran, zum Rudelplatz zu kommen. Aber … wo war der denn? Orientierungslos sah sich Minyala um, dann ergab sie sich in ihr Schicksal und drückte die Schnauze ins nasse Gras. Sie würde wohl Chardíms Spur folgen müssen. Das hieße gleichzeitig, dass sie nur im Schneckentempo vorankommen würde und wenn der Jungwolf mal zu große Sprünge hingelegt hatte, dürfte sie auch noch wie eine Irre im Kreis rennen. Mittlerweile doch ein wenig schlecht gelaunt trabte sie los, manchmal verlor sie den Anschluss, rannte nach links und rechts bis sie die Spur wieder fand und murmelte ab und an fluchend vor sich hin. Einmal verfing sich ihr linker Hinterlauf in einer Pflanze und durch das nasse Gras folg sie der Länge nach hin.
“AUTSCH!“,
entfuhr es ihr und gleich danach wurden noch ein paar Flüche hinterhergeschickt. Was für ein verdammter Scheißtag. Das ließ sich wirklich nicht anders ausdrücken. Mühsam rappelte sie sich auf, zog missmutig den Lauf an und schüttelte dann wie ein Spastiker ihre Pfote hin und her. Ein Glück, dass das niemand sah. Endlich befreit schüttelte sie sich den Dreck aus dem Pelz, stieß einen tiiiiiiefen, selbstmitleidigen Seufzer aus und machte sich wieder auf den Weg. Nach kurzer Zeit war der Regen nicht mehr stark genug um den Geruch der vielen Wölfe auf dem Rudelplatz von ihr fern zu halten, sodass sie nicht mehr Chardíms Fährte folgen musste. Ihre empfindlichen Ohren fingen Worte auf und sie begann zu rennen – es sah ganz so aus, als hätten die schon ohne sie angefangen. Sie verfiel in einen schnellen Spurt, erreichte das Waldende, schnappte letzte Worte “… Wege haben sich getrennt.“ auf und rannte volle Kanne in einen Rüden, der mit dem Rücken zu ihr stand (Ráyon ist der Glückliche ^^). Sie kippte zurück, landete auf dem Rücken, wandte sich hektisch wieder hoch und sah dann schuldbewusst zu dem Rüden auf. Sie erkannte Tränen in seinen Augen und vor Schreck zuckte sie zurück und legte ihr verbliebenes Ohr eng an.
“Tschuldigung, war nicht meine Absicht, hab’ dich nicht gesehen. Musst doch nicht gleich weinen, hab’ das wirklich nicht extra gemacht.“
Sie schielte zu den anderen Wölfen, aber zwischen den ganzen Leibern konnte sie nichts erkennen.
“Haben die schon angefangen? Schon wieder aufgehört? Was ist passiert?“
.oO(Verdammt, Minyala, das hast du ja mal wieder super hinbekommen. Kommst viel zu spät, rennst einen Rüden um, der daraufhin anfängt zu weinen und verpasst das wichtige, das eine Fähe zu einem solchen Ruf verleitet hat.)
Höchst schuldbewusst blieb sie zusammengekauert sitzen, die geknickte Rute eingezogen und in der Hoffnung, der Rüde wäre ihr nicht böse – oder noch schlimmer – nahm das persönlich und war nun traurig.
[ Rudelplatz // direkt bei Ráyon ]
29.09.2010, 17:23
Zusammen mit Rakshee war er eiligst dem Unheil verheißenden Ruf gefolgt, der sie und alle anderen Rudelmitglieder zum Rudelplatz geführt hatte. Dort hatte er endlich Nerúi angetroffen - zerzaust und aus etlichen Schrammen und kleineren Wunden blutend. Alamiert war er sofort an ihre Seite geeilt und sich vergewissert, dass ihr nichts Ernsthaftes fehlte. Eine Erklärung, warum sie in diesem Zustand war, blieb seine Tochter ihm jedoch zunächst schuldig. Er und Rakshee gehörten zu den letzten eintreffenden Wölfen, sodass Tyraleen unvermittelt mit ihrer Rede begann und Aszrem sich zunächst darauf konzentrierte. Ihr Fell war mit Blut getränkt und ihr Blick so schmerzerfüllt, dass es ihn prompt zurück versetzte an den schwärzesten aller Tage, als Nyota von ihm gegangen war. Was immer sie auch zu sagen hatte, der Schwarzbraune ahnte, wie sie sich fühlte, vermutlich besser als jeder andere im Rudel. Und dennoch war er in keinster Weise auf das vorbereitet, was sie dem Rudel offenbarte.
Mord. Sie hatte ihren eigenen Sohn ermordet, in einer Wahl auf Tod oder Tod, wie sie behauptete. Aszrem stand wie erstarrt, während vor seinem inneren Auge sich Bilder formten und in roten Farben nachzeichneten, was sich da ereignet hatte. Es dauerte nur einen Herzschlag lang, dann hatten die Bilder sich schon gewandelt und zeigten eine nunmehr viel schrecklichere, weil viel persönlichere Version dieses Unglücks. Szrem bleckte die Zähne und blinzelte voller Abscheu die Bilder fort. Nyota hätte niemals...
Für einen Moment glitt sein Blick zu seiner Tochter. Nerúi, sein ein und alles. Er könnte ihr nie etwas antun, und häte nie gedacht, dass Tyraleen - ausgerechnet Banshees Tochter - zu so etwas fähig sein sollte. Aber hier stand sie und gestand ihre furchtbare Tat vor dem ganzen Rudel. Und wenn sie zu diesem Mord fähig, was war ihr dann noch zuzutrauen? War die Trauer echt, oder war sie am Ende nur geheuchelt? Nur Welpenmord stand für den Schwarzbraunen noch unter dem Mord an einem Jungwolf, umso schwerwiegender, wenn die eigene Mutter die Täterin war. Sie hatte diese Grente bereits überschritten, wieviel leichter mochte es ihr fallen, zu lügen?!
"Das ist abscheulich! ABSCHEULICH! Einen Jungwolf zu ermorden, der sich nichteinmal richtig wehren konnte, deinen SOHN, der dir vertraut hat?! Von der eigenen Mutter ermordet! Was erwartest du von uns, Tyraleen?! Verständnis? Vergebung?! Für einen Mord an einem unschuldigen Jüngling?! Ist das dein ERNST?!"
Aszrem hatte sich zu voller Größe aufgebaut, die Zähne gebleckt und das Nackenfell gesträubt. Er rührte sich nicht, würde Tyraleen nicht anrühren, aber er würde nicht verheimlichen, was er von ihr hielt.
"Wage es nicht meiner Tochter zu nahe zu kommen, hörst du?!",
grollte er drohend und wandte sich dann an Nerúi.
"Nerúi, komm!",
befahl er und stieß seine Tochter bereits mit der Schnauze an, um sie aus der masse der Anwesenden zu dirigieren.
[Rudelplatz | Rudel, (Tyraleen), Nerúi]
29.09.2010, 18:54
Es zerriss Ráyon das Herz.
Die junge, schwarze Fähe, die als erstes öffentlich auf die Weiße reagierte, schrie sie an. 'Lügnerin' nannte sie sie. Wollte nicht glauben, was die Wahrheit war.
Der Rüde wandte den Blick ab, konnte nicht mehr ertragen wie grauenvoll diese Situation war. Ein Seufzer entfuhr ihm, gerade als etwas seitlich gegen ihn prallte.
Vollkommen perplex machte er einen kleinen Satz zur Seite und fühlte sich, als hätte ihn jemand aus einem Traum geweckt. Und tatsächlich, für den Bruchteil einer Sekunde fühlte er sich auch so. Für diesen Bruchteil glaubte er fest daran, dass das alles nur ein Traum war, dass er gerade aufgeweckt wurde und nun alles wieder normal und schön war und dass er in einer Welt voller rosa und blauer Gummibärchen war. Doch dieser Moment war kurz. Schnell holte ihn die Wirklichkeit wieder ein und er fühlte sich um so elender.
Das erste was dem Rüden an der Jungwölfin, die ihn halb um gerannt hatte auffiel, war, dass sie nur ein Ohr hatte. Das nahm er sogar noch war, bevor er registrierte, dass sie mit ihm sprach. Sie entschuldigte sich. War es paradox? Nun, vielleicht ein wenig. Auf jeden Fall schien sie wohl zu denken, dass er weinte, weil sie ihn um gerannt hatte. Oh wie schön wäre es, wenn es nur das wäre...
» Nein... nein... «
Seine Stimme war rau vor Traurigkeit. Kein Ton klang noch nach dem fröhlichen Spaßvogel, der so verkuschelt und verspielt wie er war immer alle aufmuntern konnte. Von dem war im Moment nichts mehr übrig. Da war nur dieses raunen von seiner tiefen Stimme, dunkler als ohnehin schon.
Er räusperte sich, damit wenigstens die nächsten Worte zu hören waren.
» Nein, kleines Wölfchen, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich weine nicht deinetwegen. «
Er fühlte sich plötzlich alt und viel zu ernst, um er selbst zu sein, doch es war wie eine Schranke vor seinem Gewissen, die nicht zuließ, dass er in diesem Moment der war, der er schon immer gewesen war. Er hatte schon viele Tote gesehen. Hatte schon viele Tode erlebt und so viele Trauerfeiern besucht, dass er sie nicht mehr an zwei Pfoten abzählen konnte. Vieles hatte ihn mitgenommen, aber noch nie war die Stimmung so bedrückend gewesen, wie hier.
Ráyon wusste, woran das lag.
Es war die Masse der Wölfe. Die Masse der vielen Arten, die hier saßen und alle unterschiedlich reagierten. Die kleine schwarze Jungwölfin, die die Alphafähe als 'Lügnerin' beschrie, die Alphafähe selbst, wie sie dort stand, ihrer Schuld bewusst.
Und dort kam schon der Nächste. Ein schwarzbrauner Rüde schälte sich aus der Masse, als er begann die Fähe zu beschimpfen. Jedoch nicht als Lügnerin, sondern als abscheulich. Und er knurrte, bleckte die Zähne.
Wieder entfuhr Ráyon ein Seufzen und er musste wegsehen. Sein Blick wand sich jedoch nicht auf einen leeren Fleck weit in der Ferne, sondern auf den Jungwolf, der schuldbewusst am Boden kauerte. Mit dem Kopf deutete er in die Richtung der weißen Fähe, die da blutbefleckt inmitten des Platzes stand.
» Sie hat ihren Sohn, Tascurio war sein Name, getötet, weil Fenris ihr gezeigt hat, dass ihr Welpe ihren Gefährten, Averic?, töten wird. «
Ein ernster und trauriger Blick musterte die kleine Fähe. Er wollte wissen, wie sie auf das reagierte, was er gesagt hatte. Würde sie die Weiße verurteilen, so wie der, der gerade versuchte seine Tochter vom Platz zu treiben, um sie vor dem Monster zu schützen, dass ihren eigenen Sohn getötet hatte?
Glaubte die junge Fähe überhaupt an Engaya und Fenris? Wusste sie, was es mit diesen auf sich hatte?
Oh, welch grausamer Tag.
29.09.2010, 19:50
Nerúis Sorgen waren nicht abgeflacht als sie den Rudelplatz endlich erreicht hatten. Sie hatte sich wortlos von den Anderen getrennt, hatte Papa Aszrem und Rakshee gefunden. Und immer wieder, immer wieder, zu Mama Tyraleen hinübergesehen. Sie sah seltsam aus, so voller Blut, und Malak stand an ihrer Seite. Nerúi konnte Papa Averic nirgendwo ausmachen, aber sie gab die Suche auch recht bald auf, musste sie doch Aszrem zuerst beruhigen. Zu einer genaueren Erklärung für den Ursprung ihrer Wunden kam sie jedoch nicht mehr, da erhob Tyraleen schon das Wort. Genauso gebannt wie gespannt haftete Nerúis Blick an ihr, und Unglauben trat in ihre Augen. Schwarze Welt? Es gab keine Schwarze Welt, oder? Sie kannte eine Graue Welt - aber die hatten sie verlassen...
Aber dennoch - wie konnte dass sein? Nerúi wollte nicht glauben, konnte nicht glauben was sie da hörte. Eine Prophezeiung - was sollte das überhaupt sein?
Nerúi verstand nicht, bis sie es sagte.
Und dann hatte sie es gesagt. Die Worte schienen für Sekunden einfach so in der Luft zu hängen, ungebrochen dadurch dass Tyraleen längst weitersprach. Sie hatte Tascurio getötet. Einfach so, weil irgendeine Erscheinung die Fenris sein sollte es ihr gesagt hatte. Das konnte nicht sein. Atalya sprach aus was Nerúi dachte, nur drastischer. Auch sie wünschte sich nichts mehr als dass Tascurio nun hinter einem Baum hersprang, und ihnen ein 'Wir haben euch alle reingelegt!' entgegenwarf. Aber da war kein Tascurio. Da war nur Blut. Das Blut eines ihr fremden Bruders, der nie ihr wirklicher Bruder gewesen war. Das Blut im Fell ihrer Mutter, die sie nie gewesen war. Und nun auch niemals mehr sein würde.
Der letzte Satz, mehr Randnotiz, stieß sie umso heftiger um. War ihr Weltbild erschüttert, so verlies sie bei diesen, unbedeutenden, nichtswürdigen, Worten der letzte Halt. Papa Averic war doch...wie konnten sie...Liebe. Das war doch alles nur eine große Lüge! Genau so wie Atalya es sagte!
Neben hatte Aszrem die Zähne gebleckt, und der Klang seiner Stimme lies sie zurückschrecken. Er wirkte deutlich größer als sonst, und Nerúi war sich sicher ihn noch niemals so zornig gesehen zu haben. Und als er sie erwähnte machte sie einen kleinen Satz zurück, die Ohren zurückgelegt, die Augen unsicher auf Tyraleen fixiert. Nicht was er sagte erschreckte sie - sondern dass er es sagte. Ohne sie zu fragen, ohne...aber Tyraleen war immer...nein, jetzt war sie nicht mehr ihre Mama. Nie mehr. Nie mehr.
Wie ein gehetztes Tier folgte sie blind der Anweisung, und schob sich geduckt und hektisch an Rakshee vorbei, die neben ihnen gestanden hatte, zwängte sich durch die Leiber hinter ihr, und begann zu rennen, noch bevor sie den Waldrand erreicht hatten. Sie wagte es nicht nocheinmal zurück zu sehen, fürchtete sie doch, den toten Körper Tascurio dann unter der weinenden, lächelnden, blutverschmierten Tyraleen wiederzusehen...
[Waldrand | Aszrem]
29.09.2010, 20:20
Lyerra dachte etwas zurück. Es war nicht viel Zeit vergangen seitdem Face sie geweckt hatte, oder?
Auf jeden fall war danach alles viel zu schnell gegangen. Sie hatten Ethelions Körper in den Fluss geworfen, Lyerra hatte die ganze Zeit weinend und verzweifelt daneben gestanden.
Wieso passierte nur ihr das? Warum verlor nur sie alle ihr Liebsten?
Immer wieder sah sie Ethelion vor sich als sie sich kennen gelernt hatten. Er war stark, mutig und dann so zärtlich und einfühlsam und jetzt…war er tot.
Die weiße Fähe lauschte gebannt Tyraleens Worten und dann verwandelten sich all ihr Angst und all der Schmerz in Zorn.
„Wie kannst du es wagen Tyraleen? Kannst du nicht nachdenken? Hast du kein Herz? Du opferst deinen Sohn für deinen Gefährten. Hätte es den keinen anderen weg gegeben? Weißt du, du tötest um deinen Gefährten zu retten. Er ist da, aber hat dir das was gebracht? Nein. Ich tat gar nichts, ich liebte nur. Liebte und lebte und meine Gefährte ist gestorben.“
Lyerra schrie all ihren Schmerz heraus, froh nicht alleine zu sein. Tränen durchnässten ununterbrochen ihr Fell und Neue Schluchzer ließen sie schwanken und am ganzen Leibe zittern.
Dann verpuffte ihr Wut und zurück blieben nur die Tränen und die Trauer. Was blieb ihr auch sonst noch? Die Weiße fühlte sich in der Menge so verloren und so allein.
Dann schritt sie langsam af die Alphafähe zu, blickte ihr direkt in die Augen.
Als sie bei ihr und Malakím angekommen war flüsterte sie:
„Bitte entschuldige Tyraleen. Ich bin nur so verwirrt und… ich habe angst. Ich weiß nicht wie ich gehandelt hätte wenn ich du wäre. Ich weiß nicht für wen ich mich entschieden hätte. Es war bestimm schwierig und grausam für dich deinen eigenen Sohn zu töten.“
Sie warf Malakím einen Blick zu, betete stumm um Vergebung, sie wollte jetzt nicht auch noch streit bekommen, wo ihr doch ihr geliebter Ethelion genommen wurde.
Erneut wollte sie etwas sagen, doch nichts als ein Schluchzer drang aus ihrer Kehle, ein Schluchzer der ihren ganzen Körper erbeben ließ.
[Rudelplatz am See l gesamtes Rudel l Tyraleen und Malakím]
29.09.2010, 23:51
Avendal wedelte aufgeregt mit der Rute und doch spürte sie die angespannte Präsenz die den Rudelplatz umgab, immer mehr Wölfe versammelten sich auf den Ruf hin und Avendal verlor mit der Zeit einfach den Überblick, wer alles nun Anwesend war. Ihre blauen Augen richteten sich auf ihre Mutter, auf das blutgetränkte Fellkleid und generell auf die starre Gestalt. Tyraleen saß dort wie eine Statue gemeißelt aus kaltem Marmor. Angespannt versuchte die junge Fähe den Worten ihrer Mutter zu lauschen. Als Tyraleen den Namen des Gottes Fenris nannte zuckte sie zusammen, winselte leise und schlich sich nach vor. Dabei stieß sie gegen einige pelzige Körper, doch es interessierte sie nicht wessen Körper es war sondern ihre Ohren waren angestrengt nach vorne gerichtet um kein einziges Wort zu verpassen. Als Tyraleen ihr kurzes Schweigen brach schnappte Avendal nach Luft. Tascurio hätte doch niemals ihren Vater getötet, das konnte sie sich nicht Vorstellen. Die Worte ihrer Mutter brannten in ihrem Herzen, sie hatte sich gegen ihren Bruder entschieden. Aber hatte sie vielleicht somit das Leben ihres Vaters gerettet? Zweifel überkamen die junge Fähe und sie drängte sich immer Weiter nach vorne, doch was Avendal letztendlich das Genick brach war das ihre Mutter und ihr Vater nun getrennte Wege gehen wollten. Die Fähe jaulte auf und suchte nervös unter den vielen Wölfen ihren Vater, ehe Atalya ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Trauer über ihren toten Bruder und das was ihrer Mutter getan hatte verwandelten sich in Wut und brannten in ihrer Seele. Sie verurteilten ihre Mutter viel zu schnell! Knurren, Zähne all dieser Zorn. Avendal konnte nicht mehr inne halten, sie preschte nach vorne und blieb vor Tyraleen stehen, fletschte die Zähne und wandte den Kopf ihrer Schwester zu.
„ Wie kannst du es wagen, unsere Mutter eine Lügnerin zu nennen! Hast du ihr überhaupt zugehört, oder warum verurteilst du sie so schnell! “
Avendal ist eigentlich niemand, der schnell mal wütend wird oder zur Kampflust neigt, doch die Wut richtete sich nun gegen all jene die sich gegen ihre Mutter stellten und selbst wenn es ihre eigenen Geschwister waren. Sie stieß ein Knurren aus und ihre Augen funkelten ihre graue Schwester an. Wie konnte sie es wagen! Wie konnten es alle wagen Tyraleen so zu verurteilen, wo sie doch immer nach dem richtigen Wege gesucht hatte.
„ WIE KANNST DU NUR! “
Niemand sollte glauben das sie nicht traurig darüber war das Tascurio tot war, in ihren blauen Augen schimmerten die Tränen und brachten Avendals Seelentore zum glitzern. Avendal schnappte nach der Luft und sträubte ihr Nackenfell, sie würde ihrer Mutter beistehen, wenn auch kämpfend! Hilflos warf sie einen Blick in die Menge, nach einem Wolf suchend der ihrer Meinung war, der Avendal beistehend würde. Tief in ihrem Herzen hoffte sie das Engaya sie erhörte.
„ Ihr seid Fenris näher als euch lieb ist, wenn ihr jemanden verurteilt, der nur das beschützen will was einem Wichtig ist! Was hättet ihr getan, wenn Tascurio unseren Vater ermordet hätte? WAS? “
Bellte sie und richtete ihre Augen auf Atalya die als erste das Wort gegen Tyraleen erhoben hatte. In der ganzen Zeit hatte Avendal ihrer Mutter nicht einen Blick geschenkt, sie hatte Angst vor dem was sie sehen würde. Trauer, Verzweiflung, Angst? Was würde es sein das in den Augen der Mutter schimmerte.
[Rudelplatz – Tyraleen, Atalya]
30.09.2010, 00:35
Rakshee war froh gewesen, ihren Paten im Sturm anzutreffen. Aber kaum hatten sie einander gefunden, lies der Sturmwind nach, und noch während sie auf dem Weg zum Rudelplatz waren erreichte sie Tyraleens Ruf. Sie hatte aszrem nur einen kurzen Blick zugeworfen und ihre Schritte beschleunigt, dennoch waren sie unter den Letzten die den Rudelplatz erreichten. Und voller Fragen sah sie zu der Priesterin am See, deren Fellkleid von einer roten Farbe geziert war, die nichts Gutes verheißen mochte. Und warum, fragte sie sich, stand Malakím an ihrer Seite wenn sie etwas zu berichten hatte - und Averic nicht?
Die Anwesenheit des Schwärzlings überraschte sie weniger als das Fehlen von Averic. Ihn jedoch konnte sie ein Stück entfernt ausmachen. Am Rudelplatz hatten sie auch Nerúi aufgelesen, die übel zugerichtet aussah, Schlammreste hingen ihr noch im Fell. Rakshee hatte nach den anderen Jährlingen Ausschau gehalten, hatte durchgezählt, und hatte nur Tascurio nicht ausmachen können. Auch Krolock kein gutes Bild abgab, und nicht nur er, sondern auch Liel und - Caleb war sein Name? - mit Schlamm verschmiert waren...
Aber für weitere Gedanken war keine Zeit, denn Tyraleen begann ihre Rede, und mit schiefgelegtem Kopf lauschte sie Banshees Tochter.
Ihre Augen weiteten sich erschrocken als sie von der dunklen Welt sprach, von der Prophezeiung des Totengottes - wer, der nicht selbst solche Erfahrungen gemacht hatte, könnte sie verstehen? Aber diese Sorge wurde nach dem nächsten Satz der Weißen völlig nichtig.
Sie hatte Tascurio getötet. Ihren eigenen Sohn.
Rakshee stand völlig reglos da, fassungslos und erschüttert, unsicher in sich. Wie konnte sie wirklich...was wen...warum...
'Und was hättest du getan?'
Klang es leise in ihr nach, während die bernsteingelben Augen noch immer auf Tyraleen geheftet waren. Atalya schrie ihre Mutter an, nannte sie Lügnerin, und flehte zugleich darum zu hören dass das alles nicht wahr wäre. Aszrem erhob neben ihr die Stimme, so laut und klar dass sie erschrak und leicht zusammenzuckte. Niemals hatte sie ihren Paten so finster gesehen, niemals hatte er so deutlich eine Drohung ausgesprochen. Instinktiv huschte ihr Blick zu Jakash herüber, sie suchte verzweifelt seinen Blick, hilfesuchend und voll stummer Fragen. Neben ihm war Caylee, und ohne sich rühren zu können, warf sie auch ihrer Patentochter einen hilflosen Blick zu. Ihre Augen suchten nun Sheena, huschten über die Wölfe hinweg wie ein Fluss über Felsen. Neben ihr verschwanden Aszrem und die sichtlich eingeschüchterte Nerúi im Gewusel der Wölfe, und die Braune suchte auch Sheenas Blick, fragend, ohne zu verstehen. Hilfesuchend. Wie, wie nur?
Rakshee wollte etwas sagen, aber ihre Zunge gestattete es ihr nicht, auch nur ein einziges Wort über die Leftzen zu bringen. Sie glaubte einen Knoten in der Zunge zu haben, aber auch die Worte flohen ihr. Sie wusste nicht was sie glauben sollte, wusste nicht was sie tun, sollte, wusste nicht...wie sie so eine Tat vergeben konnte. Und verzweifelte an sich selbst. Denn wer, wenn nicht sie, wer, wenn nicht eine Priesterin, sollte es können..?
Tränen striffen sanft und warm ihre Wangen herab, den Blick nun wieder klar nach vorne gerichtet, sah sie zu Tyraleen, die inzwischen von Atalya und Lyerra belagert war. Avendal stürmte vor, knurrte ihre Schwester an. Stumm seufzte die Braune. Das konnte nicht richtig sein. Sie kannte den Weg nicht. Sie wusste nicht wohin. Und schloss die Augen.
Sie hatte sich nicht konzentrieren müssen. Diesmal hatte sie sich nicht sammeln müssen, denn sie war gesammelt. Alle Schwäche, alle Hilflosigkeit war in ihr versammelt, und somit auch sie. Diesmal kam nicht sie zu Engaya...Engaya kam zu ihr. Wolken trugen ihre Pfoten, und die weiße Göttin strahlte ihr aus einiger Entfernung entgegen, saß auf einer anderen Wolke, unerreichbar, weil dazwischen bloß Leere war. Ein Fünkchen von Wärme entzündete sich in der Braunen. Und sie ging los.
Die Braune schlug die Augen auf, und das Bild verlosch sofort - sie wusste dennoch, dass ihre Schritte nicht ins Leere gehen würden.
Mit ruhigem Schritt trat sie an Tyraleen heran, anders als Atalya, anders als Lyerra und anders als Avendal, denn Rakshee wirkte dabei leise. Worte fanden sich noch immer nicht auf ihrer Zunge, aber ein Hauch von Wärme umgab die Braune nun wie eine schützende Aura. Sie trat unverwehrt an Avendal, Atalya und Lyerra vorbei, direkt auf die Priesterin und Mutter zu, die dort in Weiß und Blut gekleidet saß. Sie wusste, dass sie nicht fallen würde.
Ohne ein Wort, den Blick ruhig und ohne Wertung auf die gelben Augen Tyraleens gelegt, streckte sie die Nase zu ihr hin, beugte sich zu ihr und berührte sie sanft, vorsichtig geradezu an er Schnauze, so vorsichtig als könne sie ihre Tante mit einer groben Berührung zerbrechen. Etwas helles, hoffnungsschweres lag in ihrem Blick, die Tränen rannen noch immer sanft an ihrem Gesicht herab. Doch der Weg lag klar vor ihr. Sie musste ihn nur gehen.
[Rudelplatz | Direkt bei Tyraleen, Avendal, Atalya und Lyerra, Rudel dahinter]
30.09.2010, 09:16
Die Streithähne hatte er auseinander treiben können, nur um sich im nächsten Moment selbst mit Zähnen konfrontiert zu sehen. Naja, das hatte er erwartet. Trotzdem hatte er keinen Plan, wie er jetzt möglichst heil an Leib und Seele - vor allem an Leib! - wieder aus dieser Sache heraus kam. Ein schauriges Heulen klärte schließlich die Situation. Die drei Wölfe machten sich eilig davon und Caleb folgte ihnen zögerlich. Er hatte kein Wort verstanden von dem, was da in die Nacht hinausgeschrien worden war, aber er wollte ein Auge auf die jungen Halbstarken haben. Nicht, dass sie sich hinterm nächsten baum gleich wieder prügelten! Wofür war er sich denn dazwischen, he?!
Beim sogenannten Rudelplatz angekommen, stockte er. Wölfe strömten von überall herbei und versammelten sich vor einer weißen Wölfin, deren Fell - war das etwa BLUT?! Ehe Caleb es sich versah, war er von Wölfen eingeschlossen, die alle gebannt auf die Blutbeschmierte starrten.
'Um Himmels Willen, hier wird doch nicht gleich jemand geopfert?! Was ist hier los?!'
Caleb duckte sich, denn er wollte auf keinen Fall auffallen. Nicht, dass die weiße Zereminienmeisterin sich am Ende noch IHN herauspickte! Seine Augen suchten derweil nach der zerzausten, vertrauten Gestalt Minyalas, fand sie jedoch nirgends. Und es wurde immer noch besser...
Die Weiße begann zu reden. Caleb hörte erst mit wachsender Verwirrung zu, dann mit wachsendem Entsetzen. Die Hälfte der Namen konnte er nicht zuordnen, aber er bekam auch so mit, worum es ging. Kindsmord. Sie hatte ihren eigenen Sohn getötet, wegen... ja was eigentlich? Einer Prophezeiung? Von diesem..äh.. Fenris? Irgendetwas klingelte da bei diesem Namen, und es war kein wölfisches Wissen, aber Caleb kam nicht drauf, was dieser Name ihm sagte. Dafür wusste er umso sicherer, dass er in einem Rudel steckte, dessen Anführerin eine Irre war!
Jetzt erhoben andere Wölfe ihre Stimmen. Eine schwarze junge Wölfin trat vor und bezeichnete die Weiße als Lügnerin. Dann sprach ein Wolf, bei dessen Auftreten und Tonfall sich Caleb noch etwas tiefer duckte. Caleb hätte ihm beigepflichtet, hätte er sich getraut. Immer mehr Stimmen wurden laut - darunter auch eine, die leise blieb, von hinter ihm kam und ihre Worte nicht an die weiße Mörderin richtete. Und das beste: er kannte diese Stimme!
"Minyala?",
flüsterte er und sah sich suchend um. Er entdeckte sie ein Stückchen hinter sich, im Gespräch mit einem anderen Wolf.
"Tschuldigung... Tschuldigung... dürfte ich kurz, danke... Tschuldigung..."
Caleb bahnte sich vorsichtig seinen Weg zu der zotteligen Wölfin.
"Minya! Oh Gott sei Dank, bist du hier!",
raunte er erleichtert und brach ab. Sein Zögern galt dem Wolf, der Minyala gerade über die Sachlage aufklärte und dabei Tränen vergoss. Caleb war dagegen nicht zum weinen zu Mute, eher zum Weglaufen. Er senkte seine Stimme zu einem noch leiseren Flüstern.
"Die Fähe da vorne ist total geisteskrank! Sie hat aufgrund von irgendwelchen Halluzinationen und Stimmen ihren Sohn ermordet! Die ist total schizophren oder schlimmer! Wir sollten hier schleunigst abhauen!"
[Rudelplatz | Minyala, Ráyon]
30.09.2010, 10:38
Caylee hatten nur wenige Schritte von ihrer Mutter und Malakím getrennt, immerhin war sie mit Jakash, Cirádan und dem Spinner auf dem Felsen am Rande des Rudelplatzes gewesen. Als sie den Ruf gehört hatte, war sie sofort aufgesprungen und die erste, die die Rufende erreichte. Sie hatte das weiße Fell voller ausgewaschenem Blut und den seltsam zwiespältigen Ausdruck aus Trauer, Wille und Angst im Gesicht ihrer Mutter gesehen. Zögernd hatte sie inne gehalten, die Ohren unsicher zurückgedreht und nicht gewusst, was sie nun tun sollte. Zu ihr gehen? Sie wirkte nicht wie eine Mama, die ein offenes Ohr für ihr Kind hatte, insgesamt wirkte sie nicht so, als würde sie sich um welpischen Unsinn kümmern wollen. Also war sie stehen geblieben und hatte sich hinter den langsam eintrudelnden Wölfen gehalten. Ein wenig ängstlich, unruhig und voller Sorge hatte sie nicht still stehen können, war von rechts nach links getrabt, die Ohren mal zurück, mal nach vorne gedreht. Endlich hatte ihre Mutter angefangen zu sprechen und ab da war die Weiße wie versteinert. Tascurio. Nun, Caylee war eine ehrliche Haut, sie hatte ihren Bruder nie leiden können. Er war gemein, hinterhältig, griesgrämig und wollte sowieso immer alleine sein. Aber … er war ihr Bruder. Und … ihre Mama hatte ihn getötet. Wegen Fenris, weil der ihr gezeigt hat, dass Tascurio sonst Averic getötet hätte. Oh ja, das konnte sie sich gut vorstellen. Das würde sie Tascurio sofort zutrauen. Sie riss sich zusammen, Entsetzen und der jungwölfische Drang, alles locker zu nehmen kämpften in ihr und während andere Wölfe schon Reaktionen ausspuckten, hatte Caylee nicht mal entschieden, was sie davon halten sollte. Bis Aszrem anfing seine giftigen Worte zu speien, Neruí herumschubste und sich verkrümeln wollte. Caylee starrte ihn mit aufgerichteten Ohren an, die Lefzen ganz leicht angehoben. Ob ihre Mutter nun grausam war oder nicht, dumm oder schlau, falsch oder richtig; niemand sprach so mit ihr. Denn sie war noch immer eines: ihre Mama! Und ihre Mama hatte stets versucht, das Richtige zu machen. So wie Oma Banshee. Und um dem ganzen ein Krönchen aufzusetzen tappte Neruí hinter ihrem Vater her, als hätte sie keine eigene Meinung. Als wäre sie seine blinde, taube, dumme Puppe, die dem jähzornigen und ungerechten Aszrem alles nachmachte. Caylee machte einen Satz nach vorne und hetzte dann dem Vater und der Tochter nach, erreichte sie am Waldrand und stellte sich ihnen knurrend in den Weg.
“Aszrem“,
spie sie den Namen aus, als wäre er eine ungenießbare Wurzel.
“Du bist abscheulich! Hast du Tomaten auf den Ohren? Bist du zu dumm um zuzuhören? Meine Mama hat erklärt, was passiert ist und du hast nicht besseres zu tun, als widerliche Worte in die Runde zu werfen und dann abzuhauen? Du elender Feigling, du Widerling! Du warst immer ein Vorbild, du warst Mama Nyotas Gefährte, aber ohne sie bist du nur noch ein ekelhafter, dummer Weghörer. Wenn sie jetzt hier wäre, würde sie dich hassen, für das, was du tust! Und du …“
Sie fuhr zu Neruí herum.
“… du bist keinen Deut besser. Hast du auch eine eigene Meinung? Tappst du immer blind deinem Vater hinterher? Du bist nicht mehr Neruí, die ich kenne. Die würde niemals wegrennen, wie ein dummer Welpe anderen gehorchen und nicht darüber nachdenken, was sie gehört hat.“
Wut und Enttäuschung spiegelte sich in ihrem Blick, ihr kleiner Körper war leicht geduckt, die Lefzen hochgezogen, die Ohren eng angelegt. In ihrem Zorn merkte sie nicht, dass sie viel zu weit ging, dass sie Aszrem tief beleidigte und dass ihr dies in keinster Weise zu stand. Sie war nun die heldenhafte Verteidigung ihrer Mutter und für kurze Zeit ging sie in dieser Rolle auf. Doch wie lange das dauern würde, war nicht klar, denn den letzten Satz, den Tyraleen gesprochen hatte, hatte die Weiße bis her voll und ganz ausgeblendet, verdrängt. Die Zeit würde ihn langsam in ihre Gedanken tröpfeln und dann würde die kleine Welt Caylees zerbröckeln.
[ Waldrand | Aszrem und Neruí ]
30.09.2010, 10:52
Trauer, Verzweiflung, Zorn, Hilflosigkeit - niemals hatte er sich so fühlen, geschweige denn sich einem dieser Gefühl hingeben wollen. Er mochte es nicht un hätte es gehasst, hätte er sich nicht auch des Hasses verweigert. Er hatte gelernt, in allen Situationen das Positive zu sehen, auch wenn das nicht immer leicht war und in manchen Angelegenheiten sogar auf Ablehnung stieß. So wie jetzt. Seine Gedanken musste er für sich behalten, würde sie doch niemand als angemessen empfinden, selbst - oder gerade - Tyraleen nicht. Und das bedeutete wiederum, dass er diese Gefühle, die er immer hatte vermeiden wollen, an sich heran lassen musste. So wie vorhin, als er um Tascurio geweint hatte. So wie vorhin, als er sich zwischen Tyraleen und Averic gestellt hatte. Es war nicht leicht. Sein ganzes Leben lang hatte er sie unterdrückt, und jetzt musste er aufpassen, nicht von ihnen fortgerissen zu werden. Er musste stark sein, so wie er es von der Weißen verlangt hatte, denn er musst für sie da sein und ihr seine Stärke zuteil werden lassen.
Auch das war nicht leicht angesichts dieser erdrückenden Masse an Augen, die auf Tyraleen, aber auch auf ihm lasteten. Ganz zu schweigen von dem Entsetzen, der Trauer und der Wut, die spürbar in der Luft lagen und sich immer weiter ansammelten. Ein Sturmwind, der Bäume brachen und entwurzeln konnte, wenn er losbrach, aber das das Schilf nur biegen konnte. Hoffentlich war sie wie Schilf. Hoffentlich war er es auch.
Erste Stimmen wurden laut. Unglauben und Verleugnung war das Erste. Wut und Abscheu das Nächste. Malakím sah Aszrem betrübt nach, der Tyraleen den Rücken kehrte und seine Tochter mit sich nahm. Dann wandte er sich der weißen Fähe zu, die als nächste ihre Wut heraus schrie. Der Schwärzling machte einen kleinen Schritt näher an Tyraleen heran, als Lyerra sich sodann in Bewegung setzte. Er wollte Tyraleen bedeuten, dass er noch immer bei ihr war und zu ihr hielt - und dass er bereit war, sich erneut zwischen sie und einen Angreifer zu werfen. Aber stattdessen entschuldigte sich die Weiße. Ein erster Lichtblick. Würden weitere Folgen? Sein Blick glitt durch die Menge, suchte Averic. Was mochte er denken, der ehemalige Gefährte? Über Tyraleen und ihre Erklärung, über die bisherigen reaktionnen des Rudels, über ihn, Malakím, der hier stand, wo der Todessohn hingehörte?
Eine weitere Tochter Tyraleens kam hinzu, ihre Mutter zu verteidigen. Und noch jemand trat heran. Rakshee, die junge Priesterin. Sie sagte nichts, berührte Tante jedoch kurz. Eine Geste, die vermutlich mehr aussagte als alle Worte es konnten.
Malakíms Blick kehrte zu der Weißen zurück. Fand sie schon Kraft darin, dass nicht jeder gegen sie stand? Oder ließ sie sich davon zu Boden reißen, dass nicht jeder für sie sprach? Der Schwärzling sandte ihr ein kurzes Lächeln, sagte aber nichts. es war nicht an ihm, zu sprechen - noch nicht. Er würde es tun, sollte Tyraleen keine Kraft mehr finden, aber nach Möglichkeit würde er ihr nur beistehen, nicht aber den Weg für sie gehen. Sie hatte die Kraft, das durchzustehen. Er glaubte fest an sie. Mochte die Geflügelte geben, dass auch Tyraleen an sich glaubte.
[Rudelplatz | neben Tyraleen, (Atalya, Avendal, Lyerra, Rakshee)]
30.09.2010, 11:11
Minyala hatte kurz Zeit, sich ihr Opfer ein wenig genauer zu betrachten. Ein Rüde, ihr unbekannt, mit ziemlich langem Fell und verdammt traurigen Augen. Er wirkte ein wenig geistesabwesend, als hätte sie ihn aus einem Traum gerissen und seine Stimme klang ziemlich rau, irgendwie so, als könnte er sie gerade nur schwer zum Sprechen bewegen. So traurig, wie er war, konnte das eigentlich gar nicht an ihr liegen und netterweise bestätigte er das auch. Dabei nannte er sie allerdings ‚kleines Wölfchen’, was ihr verbliebenes Ohr nach vorne schnippen und ihre Stirn sich kräuseln ließ.
“He, he, kleines Wölfchen? So klein bin ich nun auch wieder nicht und selbst wenn, muss man da jetzt echt nicht drauf rumreiten …“
Auch wenn ihre Worte gewitzt wie immer waren, klang ihre Stimme weit weniger forsch oder lustig. Sie war noch immer ein wenig erschrocken über den traurigen Anblick des Rüden und wenn er nicht wegen ihr weinte, musste irgendetwas verdammt Trauriges vorgefallen sein. Und davor hatte die Weiße durchaus Respekt. Deshalb war ihre Stimme relativ leise und durchaus zurückhaltend. Nach ein paar Momenten des Schweigens – zumindest zwischen dem Rüden und ihr, andere verkündeten lautstark ihre Meinung zu diesem wichtigen Ereignis, zu dem Minyala dummerweise zu spät gekommen war – entfuhr dem Braunen ein tiefer Seufzer, dann entschied er sich, sie aufzuklären. Und – holla die Waldfee – das war mal eine Nachricht. Die herzensgute Tyraleen, die wirklich nett zu Caleb und ihr gewesen war, hatte ihren Sohn um die Ecke gebracht, weil hier alle ein wenig mit ihren Göttern herumspannen. Du meine Güte … irgendwie total verrückt. Der Rüde schien es sehr sehr traurig zu finden und irgendwo hatte er auch Recht. Offensichtlich fand es Tyraleen auch sehr sehr traurig, der Hacken an der ganzen Sache war nur, dass sie alle komplett verrückt waren. Ihr Papa hatte ihr erzählt, wie viele Menschen andere Menschen wegen ihren Göttern umbrachten. Da gab es nämlich nicht nur Jahwe sondern auch noch so einen anderen … mit A oder so und die Gläubigen konnten sich gar nicht leiden. Na gut, das war jetzt nicht exakt das Gleiche, aber irgendwie erinnerte es sie daran. Erstaunlich, wie ähnlich sich Wölfe und Menschen doch waren. Das hatte ihr Papa auch immer gesagt.
“Und deshalb weinst du? Naja, es ist wirklich traurig, aber … auch ein wenig verrückt, oder?“
Sie versuchte schief zu grinsen, aber es misslang ihr. Ihren Witz konnte sie in dieser Situation einfach nicht finden. Im nächsten Moment kam von irgendwo weiter vorne ein ziemlich unpassendes ‚Tschuldigung... Tschuldigung... dürfte ich kurz, danke... Tschuldigung...’ und im nächsten Moment stand Caleb bei ihr, der ziemlich entsetzt und ziemlich verängstigt aussah. Nebenbei registrierte die Weiße erleichtert, dass er noch immer ein Wolf war, das war doch mal etwas Gutes. Sie sollte ihn wohl beruhigen, sonst würde noch ein Unglück geschehen, aber ein wenig schwer fiel ihr das schon. Ihr war auch mulmig zu Mute, diese ganze Göttersache nahm hier definitiv zu viel Platz in ungesunden Wolfsschädeln ein.
“Caleb, Caleb, erst Mal ganz ruhig. Einatmen, ausatmen. Wir sind hier hinten sicher, keine Angst. Einatmen, ausatmen.“
Entschuldigend sah sie zu dem weinenden Rüden und fand es irgendwie unangenehm, dass er trauerte und Caleb so unnette Worte fand. Auch wenn sie ihm nicht direkt widersprechen konnte.
“Das ist Caleb, er ist manchmal ein wenig verrückt. Und äh … du bist … ?“
Sie hatten sich ja noch gar nicht vorgestellt, sie selbst ja auch nicht.
“Minyala.“,
fügte sie hinzu und kräuselte leicht die Nase. Das war ihr alles ein wenig zu viel gerade.
[ Rudelplatz // Ráyon und Caleb ]
30.09.2010, 11:30
Er sah den Schrecken in den Augen seiner Tochter, aber er wusste nicht zu sagen, ob er ihr diese Angst einjagte oder das, was sie eben von Tyraleen gehört hatte. Er wusste nur, dass er sie raus haben wollte aus dieser Vorhölle, in die sich die Versammlung langsam aber sicher verwandeln würde. Er konnte höhren, wie weitere zornige Stimmen erklangen, aber er verstand schon nicht mehr, was gesagt wurde oder gegen we sich die Worte richteten. Er war jedoch sicher, dass er nicht allein dastand mit seiner Meinung. Wenn doch, war dies kein Ort mehr für sie. Er würde nicht dulden, dass seine Tochter weiterhin an einem Ort lebte, indem Mord an den eigenen Kindern so leicht verziehen wurde, als handele es sich um einen leicht wieder gut zu machenden Fehler.
Er war froh, dass Nerúi sich fügte und seinen Anweisungen ohne Widerspruch Folge leistete. Er wusste nicht, was er getan hätte oder wie weit er gegangen wäre, hätte sie ihm widersprochen. Sie sollte das Gehörte in Ruhe verarbeiten können, und nicht in einer aufgewühlten Menge, die sich wohlmöglich mit gegenseitigen Streitereien um Weltanschauungen gegenseitig hochpeitschte.
Schneller Schritte näherten sich ihnen von hinten, um mit einem Mal stellte Caylee sich ihnen in den Weg. Knurrend und mit gesträubten Fell stand sie ihnen gegenüber und setzte zu einer Tirade an, die Aszrems Blut abwechselnd zum Gefrieren und wieder zum Kochen brachte.
"Und du glaubst, das macht es besser?! Selbst wenn Fenris ihr erschienen ist, wie sie es behauptet, rechtfertigt das den Mord an ihrem Sohn?! Deinem BRUDER?! Sie hat sich Engaya verschrieben, nicht Fenris! Und wage es ja nicht, über Nyota zu urteilen! Du kennst sie nicht halb so lange wie ich! Nyota hätte niemals, NIEMALS Nerúi etwas angetan, eher hätte sie Fenris selbst zum Kampf gefordert! Und sie ist KEINE Engayapriesterin! Aber deine Mutter, die es hätte besser wissen sollen, hat den leichteren Weg gewählt und nun fleht sie um Vergebung?! Nicht mit mir! Und wenn du auch nur einen Funken Verstand hast, denkst du besser darüber nach, wen oder was sie vielleicht das nächste Mal zu opfern bereit ist, wenn Fenris es von ihr verlangt! DU könntest die Nächste sein!",
fuhr er sie grollend an, nur wenig beherrschter als Caylee. Zu ihren Vorwürfen gegenüber Nerúi sagte er nichts - was das anging, musste seine Tochter wirklich für sich selbst sprechen oder es sein lassen, dann würde er auch das übernehmen. Und Caylee sollte es nicht wagen zu versuchen, einen Keil zwischen ihn und dem verbliebenen Rest seiner familie zu treiben.
[Waldrand | Nerúi, Caylee]
30.09.2010, 11:50
Nachdem Tyraleen endlich alles gesagt hatte und nur noch schweigend warten konnte, schien die Welt für einen kurzen Moment still zu stehen. Die Ruhe vor dem Sturm, das langsame Verstehen. Es waren die wenigen Sekunden, die ein Wolf brauchte um eine Wahrheit aufzunehmen und zu verarbeiten, sich eine Meinung zu bilden und diese in Worte oder Taten zu fassen. Noch einmal warf die Weiße einen flüchtigen Blick zu Malakím, wieder versuchte sie an das Bildnis des Schilfs im Sturm zu denken, dann brach eben jener los. Als erstes hatte Atalya ihre Meinung in Taten umgesetzt. Sie kam auf sie zu gerannt, mit zitternden Läufen und einem Blick, den auch Tyraleen vor kurzer Zeit auf Averic geworfen hatte. Und dann forderte sie eine Lüge, wollte hören, dass Tyraleen einfach nur einen dummen Scherz gemacht hatte, dass sie so einen Spaß an diesem Tag für lustig befand. Leicht öffnete sich der Fang der Weißen, im ersten Moment überrumpelt. ‚Lügnerin!’ wurde ihr entgegen geschrieen und sie fühlte sich endlos hilflos. Wie schön wäre es, wenn es eine Lüge wäre …
“Atalya“
Leise und zögernd war ihre Stimme, nicht wissend, was sie ihr sagen sollte. Wollte die Schwarze wirklich hören, dass es eine Lüge war? Wohl kaum … sie wusste nur selbst nicht, wie sie reagieren sollte. Wie gerne wäre die Weiße den letzten Schritt auf sie zugegangen und hätte sie an der Nase berührt, aber sie wagte es nicht. Zu viel Angst hatte sie vor der Reaktion. Und noch bevor sie sich entschließen konnte, wie sie nun mit ihrer Tochter umgehen sollte, stand ein hoch aufgerichteter Aszrem vor ihr, so zornig, wie sie ihn noch nie gesehen hatte. Und er spie ihr Worte des Hasses entgegen. Sie trafen sie hart, war Aszrem doch immer der starke Rüde gewesen, der ihr geholfen und sie durch die schwierige Zeit nach Banshees und Nyotas Tod geführt hatte. Er war nie emotional an ihrer Seite gewesen, aber er war dennoch eine Stütze und seine Meinung und sein Wissen hatten ihr stets viel bedeutet. Umso schlimmer war es nun, da er ihr kein Wort zu glauben schien, da er nur den Tod Tascurios sah und keine Sekunde daran zweifelte, dass sie ihn nicht aus Vergnügen und Mordlust getötet hatte. Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Unfähig eine Erwiderung zu finden und auch viel zu langsam dafür starrte Tyraleen dem älteren Rüden nach, der nun mit seiner Tochter aus dem Kreis des Rudels trat. Zitternd atmete sie ein und aus, versuchte sich zusammen zu reißen und schluckte das aufkeimende Entsetzen hinunter. Wie gerne wäre sie ihm nach gelaufen, aber sie musste nun hier bleiben, weitere Meinungen über sich ergehen lassen. Eine Träne lief ihr über die Wange.
“Aszrem, Neruí, bitte nicht …“
Aber die beiden waren wohl bereits zu weit fort um sie noch zu hören. Nicht nur körperlich, auch geistig. Voller Schmerz senkte die Weiße kurz den Kopf, doch natürlich wurde ihr diese kurze Pause nicht gegönnt. Lyerra schrie ihr ihren Zorn entgegen und Tyraleen war zunächst vollkommen perplex. Sie kannte die Weiße kaum und war auf eine solche Reaktion nicht gefasst gewesen, doch noch viel mehr verwirrten sie ihre Worte. Es schien gar nicht um Tyraleen und Tascurio zu gehen, sondern viel eher um Lyerra und Ethelion. Ethelion war tot? Wäre sie nicht in einer solchen Situation gefangen gewesen, hätte sie sich entsetzt geäußert, doch so war es nur eine Information, die ungedeutet in ihrem Kopf zur Seite geschoben wurde. Lyerra schien noch nicht fertig, kam direkt auf sie zu und kurz wollte die Weiße in eine Abwehrhaltung springen, dann war dort nur noch Trauer und Schmerz und sie fühlte sich ebenso überrumpelt wie zuvor.
“Ja, Lyerra. Es ist okay, ich danke dir, dass du nicht voll Verachtung auf mich siehst. Und … es tut mir leid.“
Vielleicht hätte die Weiße noch mehr Worte zu Ethelion gefunden, vielleicht sogar gefragt, was passiert war, auch wenn es sie in diesem Moment nicht interessierte, doch sie wurde von Avendal unterbrochen. Ihre weiße Tochter stürzte zu ihr, stellte sich schützend vor sie, als müsse sie sie vor dem Übel des Rudels beschützen und fuhr ihre Schwester wütend an. Wieder war Tyraleen kurz zu erstaunt um sich zu rühren, dann trat sie hinter Avendal vor, an ihre Seite und drückte ihre Schnauze sanft an die ihrer Tochter. Es war ein Funke Erleichterung darüber, dass sie sie nicht verurteilte, dass sie sie nicht eine Lügnerin nannte und dass sie ihr beistand. Mehr hatte sie sich nicht wünschen können.
“Avendal, Avendal!“ Sie berührte sie mit der Nase an der Stirn. “Es ist in Ordnung. Ich kann nicht nur Verständnis erwarten, aber ich danke dir, dass du mir glaubst. Meine Tochter, ich bin dir so dankbar.“
Jetzt reckte sie leicht die Schnauze vor, hin zu Atalya, auch wenn sie noch immer nicht wagte, sie zu berühren.
“Ich habe nicht gelogen, ich würde nie lügen. Es tut mir so leid, Atalya.“
Bemüht sich zu fassen, richtete sie sich leicht auf und sah im gleichen Moment Rakshee, die langsam zu ihr kam. Sie wirkte anders, nicht rasend in Wut oder Trauer, wie die anderen Wölfe sondern so ruhig, als wäre der Sturm des Entsetzens an ihr vorbeigezogen. Sie kam zu ihr, blieb stehen und berührte sie so sanft an der Schnauze, als hätte sie nur ein Windhauch gestreift. Tyraleen erwiderte stumm ihren Blick und fand Kraft in ihm, die sie nicht erwartet hatte. Da war keine Zustimmung, aber auch keine Ablehnung, keine Wut aber auch kein Verständnis. Nur Ruhe und Hoffnung. Ein ganz leichtes, kaum wahrnehmbares Lächeln erschien auf Tyraleens Lefzen.
“Danke, Rakshee, Schwester.“
Sie bemerkte Malakím, der einen Schritt auf sie zu gemacht hatte, einen Schritt näher zu ihr, als würde er sich bereit machen sich zwischen sie und weitere Vorwürfe zu werfen. Auch von ihm ging eine Ruhe und Beständigkeit aus, die Tyraleen labten und sie war froh, ihn an ihrer Seite zu haben. So war es leichter, Schilf zu sein und weder zu Gras zu sein, das unter jedem Schritt einknickte noch Stein zu werden, der das Geschehen um sie herum ohne Regung zur Kenntnis nahm.
[ Rudelplatz | direkt bei Atalya, Lyerra, Avendal, Rakshee und Malakím ]
30.09.2010, 12:40
(Tyrali.. deine Tochter ist grau, nicht schwarz ;) )
Jeder neue Herzschlag pumpte mehr Wut durch Atalyas Körper, verdrängte die Trauer und machte sie rasend. Es musste eine Lüge sein, ein dämlicher Scherz, den ihre Mutter wunderbar schauspielerte. Sie konnte ihn nicht getötet haben. Das durfte nicht sein. Die Ohren der Grauen wandten sich zurück, als die leise Stimme der Weißen ihren Namen sprach. Sie wich einen Schritt zurück, als wenn sie befürchtete, dass Tyraleen auf sie zu kommen würde. Dann hallte die nächste Stimme über den Rudelplatz, Aszrem schrie ihre Mutter an, und verschwand schließlich mit seiner Tochter. Inzwischen hatte sich ihre Mutter von ihr selbst abgewandt, ihr hellen Augen waren trotz allem fest auf sie gerichtet. Sie blickte dem Schwarzen und Nerúi nicht nach, es war, als wenn es für den Moment nur sie und ihre Mutter gab. Und den Zorn, der langsam ihr Herz umschloß. Die weiße Fähe, deren Namen sie nicht kannte, wurde nicht beachtet, nur beiläufig nahm sie die Worte wahr, die diese Fähe Tyraleen entgegen spie. Aber all diese Wölfe, und ihre Meinung, waren ihr für den Moment so furchtbar egal. Sie wollte eine Antwort, Worte, die dieses Chaos beenden würden. Sie erkannte die Träne, die durch das Fell ihrer Mutter rann. Aber sie regte sich nicht, und auch die Wut ebte nicht ab. Atalya wollte erneut den Fang öffnen, nach einer Antwort verlangen. Aber einen Herzschlag später stand Avendal zwischen ihr und ihrer Mutter.
Zuerst blickte die Graue ihre Schwester an, als wollte sie nicht glauben, was aus ihrem Fang kam. Nun wurden ihr Vorwürfe gemacht, die den Zorn in ihrem Inneren nur noch mehr auflodern ließen. Sie hörte Tyraleens beruhigende Worte an die Weiße, und dann die Antort, die an sie gerichtet war. Aber statt auf die Worte ihrer Mutter zu reagieren, bohrten sich die hellen Augen Atalyas in die blauen Seelenspiegel ihrer Schwester. Nun zog sie die Lefzen hoch, grollte der weißen Fähe zornig entgegen.
“SEI STILL! Sie hat unseren BRUDER ermordet! Sie hat ihn eiskalt umgebracht!“
Ihre Stimme überschlug sich fast, während sie einen kurzen, drohenden Schritt auf Avendal zuschritt. Auch ihr Nackenfell stellte sich auf, und ihre Fänge waren nun deutlich zu erkennen.
“Sie hat nicht nachgedacht! Sie hat ihn einfach angegriffen, ohne darüber nach zu denken! Es hätte einen anderen Weg geben können, aber das war ihr egal! Sie hat nur das gesehen, was sie wollte. Sie hat unsere Familie zerstört, indem sie ihn einfach getötet hat! VERSTEHST DU?! Er ist tot! Unsere eigene Mutter hat unseren Bruder ermordet! Was tust du, wenn es wieder passiert?! Was würdest du tun, wenn sie noch einen deiner Geschister umbringt?!“
Wütend schnappte sie nach Avendal, grollte ihr drohend entgegen. Verstand sie überhaupt, worum es ging?! Hatte sie begriffen, dass das Blut, welches das Fell ihrer Mutter befleckte, das ihres Bruders war?! Atalyas Blick wandte sich kurz zu Rakshee, die nun zu ihrer Mutter trat, sie berührte. Dann richtete sich ihr Blick wieder zornig auf Avendal.
“Woher willst du wissen, DASS Tascurio ihm etwas getan hätte?! Wieso kannst du dir da so sicher sein? Und was wirst du tun, wenn SIE die ist, die unseren Vater tötet?! Hast du darüber einmal nachgedacht?! Wenn sie nicht vor unserem Bruder zurück schreckt, glaubst du dann nicht, dass sie auch Averic töten würde?! “
Sie schrie lauter, als ihre Stimme je geworden war. Dann, voller Zorn wandte sich ihr Blick von Avendal ab, die Lefzen noch kraus gezogen bohrte sich ihr Blick wieder in die Augen Tyraleens.
“Du bist widerlich! Du hast ihn umgebracht, ohne Rücksicht! Er war dein SOHN! Unser Bruder! Du bist blind, wieso konntest du nicht nachdenken?! Es hätte einen anderen Weg gegeben, niemand hätte sterben müssen! Was glaubst du, würde Banshee dazu sagen?! Ich ertrage deinen Anblick nicht!“
Während die Graue gesprochen hatte, waren auch ihr Tränen in die Augen getreten, die nun über ihre Wangen rannen. Tränen voller Zorn, Trauer und Verzweiflung. Sie war sich sicher, dass es einen anderen Weg gegeben hätte. Aber ihre Mutter hatte den einfachen Weg gewählt, und damit all den Respekt und die Liebe verloren, die Atalya ihr entgegen gebracht hatte. Sie erkannte ihre Mutter kaum wieder, als wenn eine vollkommen Fremde vor ihr stehen würde, das Blut voller Tränen und Blut eines unschuldigen Jungwolfes. Ihres Bruder.
[Rudelplatz - Tyraleen, Avendal, Rakshee, Lyerra, Malakím]
30.09.2010, 13:35
Nerúis Pfoten flohen vor den Worten Tyraleens. Tränen fielen bei jedem Satz von ihren Wangen, und bereit darauf in die Düsternis des Waldes einzutauchen erschrak sie abermals, als plötzlich Caylee vor ihnen stand. Die Schwarze stoppte abrupt, unterdrückte den Drang Caylee einfach über den Haufen zu rennen. Das Knurren drang unwirklich zu ihr, und bitter starrte sie Caylee an, die ihr die Flucht aus dieser grausigen Wahrheit verwehrt hatte. Caylee schmiss mit Worten um sich, und all die Verzweiflung in Nerúis Brust wandte sich zu Zorn, der in glühender Wut unterging, als sie zuletzt sogar von Nyota sprach! Wie konnte sie es wagen so von ihrer Mutter zu reden! Ihrer einzigen Mutter!
Ein tiefes Grollen lies ihren ganzen Körper erbeben, der nun gespannt und kampfbereit vor Caylee stand, das Nackenfell gesträubt und die Zähne drohend entblößt. Aszrems Worte stachelten sie bloß weiter an, und mit einem winzigen, drohenden Schritt zuckte sie Caylee entgegen, bedeutete ihr zu schweigen und wollte sie zurücktreiben. Die Wunden die Krolock ihr zugefügt hatten brannten in ihrem Fleisch, aber sie waren nichts, im Vergleich zu dem was Tyraleen, was Caylee ihr antaten.
"Woher willst DU Miststück wissen wen MEINE Mutter gehasst hätte!? Du bist erbärmlich!"
Schrie sie, Wut und Aggression lagen klar verständlich in jedem Wort.
"Und was habe ich gehört?! Dass Tyraleen ihren SOHN ermordet hat! Für Fenris! Für Averic! Für den Gefährten den sie nicht mehr hat! WAS hält mich noch hier, ausser ihrer wahnsinnigen Tochter, die offenbar kein Problem damit hat ihre Geschwister zu verlieren?! Was, wenn sie Turién ermordet hätte, Chanuka, DICH? Was dann? Denkst du, Tascurio hätte ihr 'vergeben'? Denkst du, Averic wird es? Wie könnte er!"
Sie schrie noch immer, war immer lauter geworden, zu all der Wut, der brennenden Raserei in ihrem Inneren war nun Enttäuschung getreten. Und winzige Funken bilddeten sich in ihrem Fell, glommen auf und schwebten zu Boden, wo sie die Grashalme versengten. Die Schwarze bemerkte es nicht einmal.
"Ich dachte, du wärst meine Schwester! Aber dir wäre es völlig egal wenn ich tot wäre, genauso wie es dir bei Tascurio egal ist! Du bist nichts, bloß eine Verräterin! Und jetzt geh aus dem Weg!"
Forderte sie brüllend, die Spannung in ihren Muskeln, in jeder Sehne und auch in ihrem Innersten kaum noch ertragend. Ihre Position war klar. Würde Caylee nicht augenblicklich aus dem Weg gehen, würde Nerúi dafür sorgen dass sie es tat!
[Waldrand | Aszrem, Caylee]
30.09.2010, 15:47
Ráyon hatte sich also kaum geirrt. Die kleine Weiße glaubte weder an Fenris, noch an Engaya, sonst hätte sie vermutlich nicht gesagt, dass es verrückt sei. Das alles hier.
Auch dem Rüden wurde es langsam zu viel. Es erschien ihm fast, als würden all die verschiedenen Emotionen der Wölfe dieses Platzes auf einmal auf ihn eindreschen, in dem Versuch ihn zu erschlagen. Und eben so fühlte er sich auch – erschlagen.
Kaum war er hier angekommen, war er auf die Priesterin und Jagdleiterin gestoßen, bei der er das Gefühl hatte einen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben. Er war sich mittlerweile zwar sicher, dass das nicht stimmte, aber dennoch, es zog ihn hinab. Dann war da noch diese Wärme & Kraft, die sie ihm gegeben hatte. Er verstand jetzt, weshalb das hatte Geschehen können, doch wie das alles zustande kam, wollte er noch nicht recht glauben. Und jetzt?
Jetzt stand er hier auf dem Rudelplatz inmitten von all den Rudelwölfen und erfuhr, dass die Alphafähe eben diesen Rudels ihren Sohn getötet hatte. Zu allem Überfluss war er nun auch gezwungen mit anzusehen, wie alle Familienbande, alle Konflikte in eins zur Katastrophe für das arme Alphatier wurde. Zwischen all dem Geschrei fiel ihm beispielsweise Avendal auf, die eines ihrer Familienmitglieder anschrie und beteuerte, dass deren Mutter keine Lügnerin sei.
Oh, wie gern wäre der braune nun zu ihr nach vorn gegangen, um ihr beizustehen? Was würde er dafür geben es zu können! Doch er war ein Fremder dieses Rudels, nur wenige kannten ihn, und so war es für ihn nicht erlaubt das zu tun. Er wollte sich keine Feinde machen, auch wenn er von der kleinen Fähe jetzt schon einen schiefen Blick riskierte.
Welch Chaos würde das Treiben dieses Tages, oder dieser Nacht, noch weiter in den Ruin ziehen?
» Vielleicht hast du Recht... «, entgegnete er ihr.
Doch bevor er das sagen konnte, was er eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, unterbrach ihn die Ankunft eines weiteren Jungwolfs. Sein Name schien Caleb zu sein und die Fähe, die sich gleich als Minyala vorstellen würde, schien ihn zu kennen.
Ráyon verstand nicht jedes geflüsterte Wort des Jungwolfs, doch er konnte sich denken, was er seiner Bekannten mitteilte. Sie müssen ja alle verrückt sein. Ja, vielleicht war das gar nicht so unwahr.
Nachdem Minyala sich selbst als auch Caleb vorgestellt hatte, war der Rüde gezwungen auch seinen Namen zu nennen.
» Ráyon. «, antwortete er knapp.
Nachdenklich musterte der Rüde die beiden Wölfe. Sie schienen nicht wirklich zum Rudel zu gehören, oder zumindest noch nicht allzu lang hier zu sein, denn sonst würde der kleinere Rüde wohl kaum so... aufgebracht reagieren. Sicher war sich Ráyon nicht, doch das würde ihn nicht davon abhalten das Thema wieder an zuschneiden, von dem Calebs Ankunft ihn abgebracht hatte.
» Vielleicht habt ihr Recht und wir alle sind verrückt. «
Seine Stimme war noch immer rau und vor allem tief. Er hatte sie außerdem leicht gesenkt, weil er sich wie ein Verräter vor kam, wenn er so ohne weiteres über Andere sprach, die er nicht kannte.
» Vielleicht sind wir alle verrückt, doch seht euch die Fähe an. Sieht sie aus, als würde sie Lügen, wenn sie sagt, dass sie es bereut? Sieht sie aus, als würde sie noch viele weitere Wölfe töten? «
Er machte eine kurze Pause und ließ seinen Blick langsam über die vielen Wölfe bis hin zu Tyraleen wandern. Für eine Weile ruhte sein Blick dort, während er sich die kommenden Worte zusammenlegte. Nein, sie sah tatsächlich nicht so aus, als hätte sie vor eine Massenmörderin zu werden und ihre ganze Sippe auszulöschen. Ganz im Gegenteil.
» Glaubt ihr nicht, dass sie genug der Strafen erhält? Seht euch ihr Rudel an. Seht, wie manche sie voller Hass anstarren. Voller Hass für das, was diese Fähe dort verbrochen hat. Würdet ihr wollen, dass die ganze Welt euch den Rücken kehrt, nur weil ihr einen Fehler begangen habt? Habt ihr denn noch nie einen Fehler begangen, dass ihr nicht wisst, wie schuldig man sich fühlen kann? «
Seine Stimme hatte sich schmerzvoll verzogen, sein Blick war weit in die Ferne gewandert, abwesend, verträumt.
» Fehler passieren und niemand hat die Macht sie rückgängig zu machen. «, fuhr er fort und wandte den Blick wieder zu den beiden Jungwölfen. » Wollt ihr sie für etwas verantwortlich machen, bei dem sie nicht Herr der Lage war? «
Ráyons ernster Blick musterte beide, wie sie da vor ihm standen.
Noch hatte er keine Ahnung, ob die beiden verstehen würden, was er ihnen mitzuteilen versuchte.
30.09.2010, 16:19
Starr stand Averic am Rande des Rudelplatzes, sah mit eisiger Kälte zu, wie die Wölfe herbei strömten und auf das warteten, was seine ehemalige Gefährtin zu verkünden hatte. Bis eben hatte ihn noch genug Wut durchströmt, dass er selbst sofort die Stimme erhoben und Tyraleen des Mordes an seinem Sohn angeklagt hätte. Schuldig, schuldig, schuldig auf ganzer Linie! Doch nun umklammerte das Eis sein Herz und seine Fänge hielt er geschlossen, weil der Pechschwarze wusste, dass er sich nicht würde beherrschen können. Und es war schon genug Blut unnötig vergossen worden. Auch sein Blut, dass genau so wie Tyraleens in Tascurios Adern geflossen war.
Als die Weiße anfing zu sprechen, herrschte nur tödliche Stille in ihm. Es widerte ihn an, dass sie ihr Geständnis einleitete, als handele es sich nur um eine kleine Lappalie, die man, wenn man noch ein paar Fragen gestellt und Meinungen verkündet hatte, einfach wieder glatt Bügeln könnte.
Und dann erzählte sie von einer Prophezeiung. Vor Averics innerem Auge tauchten zwei Wölfe auf, die miteinander kämpften, erbittert, um Leben und Tod. Sie befanden sich in einer Wüste aus Eis und Schnee, aus denen ihre Felle pechschwarz hervor stachen. Er sah, wie sie sich an die Kehle gingen und das Blut spritzte. Er sah eine weiße Fähe mit bernsteinfarbenen Augen, die vor einem schwarzen Jungwolf stand. Und ihre Fänge schlossen sich um die Kehle des Jünglings.
Averic musste einen Moment lang die Augen zusammen kneifen und atmete zittrig aus. Nein, nein. Es gab keine Entschuldigung für das, was Tyraleen getan hatte. Nein. Banshee hätte ihn niemals getötet. Niemals. Nicht seine Mutter.
Während das Inferno losbrach, blieb Averic einfach stehen und sah zu denen, die das Wort erhoben. Als Erstes war es Atalya, die ihre Mutter als Lügnerin betitelte, wie er es zuvor getan hatte. Dann war es Aszrem, in dem er ein Stück des Zorns sah, den er vorhin verspürt hatte. Dann Lyerra, der es jedoch scheinbar nur um sich selbst ging. Und dann war da Avendal, die herbei kam, um ihre Mutter zu schützen und von Atalya niedergeschrieen wurde. Averics Blick verdunkelte sich. Der Todessohn war sich mehr als bewusst, zu was die Götter in der Lage waren. Er kannte Fenris’ Macht besser als jeder andere Wolf auf dieser Welt, nun, da Acollon tot war. Und doch änderte es nichts daran, dass sein Sohn heute sinnlos gestorben war. Denn Tyraleen hatte nicht das beschützt, was sie liebte. Nein, sie, die Tochter des Lebens, die hätte stark genug sein müssen ihm zu widerstehen war der Stimme Fenris’ bedingungslos und ohne nach zu denken gefolgt. Und nun wurde er dafür mit Hass überschüttet.
„Mein Sohn musste Heute völlig umsonst sein Leben lassen. Es ist widerlich, dass du deine Tat damit rechtfertigst sie für mich begangen zu haben, mir, dem du nichts als Hass und Abscheu entgegen gespieen hast, sobald du Tascurios Kehle durchtrennt hattest. Du hast dich von Fenris vergiften lassen.“
Ertönte seine Stimme laut und ohne mehr Emotionen als eisiger Kälte preis zu geben. Sie hatte seine Liebe mit Füßen getreten und sein Herz zu Scherben zerschmissen. Nun stand schon ein anderer Rüde an ihrer Seite. Sie war so verlogen. Wie konnte sie nur immer noch lächeln?
„Banshee hätte mich niemals getötet.“,
fügte er noch hinzu, leiser und er konnte es nicht ganz verhindern, dass seine Stimme dabei erzitterte. Nein, Banshee hätte sich niemals von Fenris verführen lassen und niemals ihn getötet. Nein.
(*noch was vergessen hatte*)
[ Rudelplatz | Chanuka und Turién in direkter Nähe; Tyraleen und Rest des Rudels ]
30.09.2010, 16:43
Als er das traurige Lied seiner Mutter vernommen hatte, konnte sich Chardím nicht mehr halten. Es mochte äußerst unhöflich gegenüber Minyala sein, doch diese hatte der Schwarzweiße in jenem Moment vergessen. Blind stürzte der schlaksige Jungwolf durch das schlammige Unterholz und kam schließlich atemlos am Rudelplatz an. Hechelnd sah er sich um und entdeckte seine Mutter augenblicklich. Das blutig verfärbte Fell stach ihm sofort in die Augen, blendete ihn, tat weh. Kurz stockte ihm der Atem. Was war geschehen? Was nur!? was nur?! Hektisch sah sich Chardím zu allen Seiten um, die Wölfe des Rudels strömten herbei und eine drückende Stille hängte sich über alles. Das Gesicht seiner Mutter war versteinert, die Augen traurig. Als der Schwarzweiße den Kopf weiter drehte, konnte er auch seinen Vater sehen, dessen Miene ebenfalls starr und furchtbar eisig war.
Dann fing Tyraleen an zu reden und Chardím verschlug es den Atem. Als schon das Schreien und Brüllen und die Verurteilungen und Klagen über den Platz wüteten, stand der Schwarzweiße noch starr da und musste verarbeiten, was er da gerade gehört hatte und was es bedeutete. Seine Mutter hatte Tascurio, seinen Bruder getötet, weil Fenris es ihr befohlen hatte. Weil Tascurio sonst eines Tages seinen Vater umgebracht hätte. Und von nun an, gingen sie und sein Vater getrennte Wege. Ungläubig schüttelte Chardím den Kopf. Er spürte wieder das Ziehen in seiner Brust und wurde sich in dem Moment klar, was es und die weinenden Stimmen zu bedeuten hatten. Es war falsch. Es war alles so falsch. Es zog ihn zu Boden. Der Schwarzweiße spürte förmlich, wie das Leben, dass er bisher glücklich mit seiner Familie geführt hatte, zerbröckelte und zu Tausend Scherben zerfiel. Doch nicht nur seine Welt war ab dem Heutigen Tag kaputt, das Gefüge der ganzen Welt hatte Heute einen Riss bekommen. Und deshalb weinte Engaya, deshalb weinte sicherlich auch Banshee. Weil das alles so falsch war.
Chardím spürte Tränen in seinen Augen, ein Kloß saß in seinem Hals und er fühlte sich hundselend.
„Aber das ist doch falsch! So falsch! Das Leben darf doch nicht töten und erst recht nicht, wenn es der Tod ihm befielt! Nein, nein ... das ist so furchtbar falsch ...“,
rief er laut in das Gemenge hinein und hörte dann die eisigen Worte seines Vaters. Chardím schluchzte und spürte die ersten Tränen über seine Wangen kullern. Es war falsch, das war alles falsch! So durfte es nicht sein. Wie hatten die Götter das zulassen können? Warum hatte es niemand verhindert? Nun hatten sie ihre Familie zerstört!
„Das Leben und der Tod dürfen sich doch nicht bekämpfen ...“
Er sah von seinem Vater zu seiner Mutter. Niemals hatte er sich so schrecklich gefühlt. Nicht mal beim Tod seiner Großmutter. Sie war alt gewesen, es war natürlich gewesen, dass sie starb. Aber mit Tascurios Tod und der Trennung seiner Eltern, war für Chardím alles aus seinen Fugen geraten. Er senkte den Kopf und schluchzte noch einmal leise. Es war nicht richtig. Seine Augen wiesen inzwischen schon fast kein Bernstein mehr auf, er fühlte sich schwach. Das Leben war Heute stark geschwächt worden.
[ Rudelplatz | alle, außer Aszrem, Nerúi und Caylee ]
30.09.2010, 17:32
Er war nicht dazu gekommen, Caylee und Cirádan eine Predigt bezüglich ihres leichtsinnigen Verhaltens während des Gewitters zu halten. Ebenso wenig hatte er sein Vorhaben umgesetzt, Volk Zubami zu einem Rangwolf zu bringen, damit er offiziell vorstellig werden konnte. Tyraleens unheilsschwangerer Ruf hatte ihn von beidem abgehalten, und nun war es vergessen. Alles war so unwichtig geworden. So unwichtig und falsch. Verdreht geradezu. Als ob die Sonne fortan im Westen aufgehen und im Osten versinken würde, falls die Welt an sich sich überhaupt noch drehte. Vielleicht stand sie auch still. Es hätte ihn nicht überrascht.
Der Tod Tascurios war so unglaublich, irgendwie fern und unbegreiflich. Nicht etwa, weil Jakash keine Trauer zu empfinden vermochte, sondern weil Tyraleen es war, die den Mord begangen hatte. Er zweifelte nicht an der Wahrheit ihrer Worte. Über soetwas machte man keine Scherze. Aber er konnte es dennoch nicht fassen. Oder besser gesagt, er konnte es doch - aber er wollte nicht glauben, dass auch Tyraleen so leicht ein Opfer Fenris' werden konnte. Stumme TRänen rannen von seinen Wangen, aber sein Blick war seltsam leer, als Jakash sich in der Menge umsah. Wut und Zorn und Trauer waren spürbar, und schon schrien die ersten ihre Verzweiflung hinaus. Der Schwarze hörte keinem von ihnen zu. Sein Blick blieb auf seiner Schwester hängen, gerade, als sie sich zu ihm umwandte. Einen Moment sahen sie einander an, und er wusste, dass sie auch an den Tag dachte, da auch er im Namen Fenris' beinahe etwas Schreckliches getan hätte. Keiner von ihnen konnte sagen, wie weit der Todesgott ihn getrieben hätte, aber wäre Engaya nicht gewesen... Und nun Tyraleen. Was sie erzählte passte zwar nicht genau zu dem, was Jakash erlebt hatte, aber es war ähnlich genug, als dass der Schwarze Verständnis aufbringen konnte. Gleichteitig meinte ein Teil von ihm, dass er ihr dennoch nicht so einfach diesen Mord an ihrem eigenen Sohn vergeben durfte. Gerade weil es offenbar nicht so gewesen war wie bei ihm selbst damals. Er hatte sich nicht wehren können, aber Rakshee hatte es gekonnt, als Priesterin Engayas. Hätte nciht auch Tyraleen sich hätte wehren können müssen? Gerade Tyraleen, die Tochter Banshees, die Tochter des Lebens?! Jakash wusste nicht, wie er sich entscheiden sollte. Fast hilfesuchen glitt sein Blick erneut über das Rudel und blieb auf der schwarzweißen Gestalt Chardíms hängen. Der junge Rüde litt sichtlich unter dem, was hier offenbart worden war. Er weinte, und die Last dieser Tragödie, das Zerbrechen seiner Familie, schien ihn schier zu Boden zu drücken. Jakash erhob sich und lief zu seinem Patensohn. Sie hatten bisher nicht allzuviel Zeit miteinander verbracht, und der Schwarze bereute das jetzt. Aber vielleicht konnte er jetzt für ihn da sein, jetzt da es wichtig war. Vielleicht wollte Chardím seine Hilfe nicht, vielleicht wies er ihn ab. Aber Jakash wollte ihm wenigstens die Möglichkeit geben, sich an ihn zu wenden.
"Du hast Recht, Chardím",
sagte er tonlos und ließ sich neben dem Jungrüden nieder. Niedergeschlagen sah er zu Boden, während noch immer zwei Stimmen in seinem Inneren miteinander stritten.
"Es ist alles so... falsch..."
Jakash dachte dabei nicht in der Größenordnung von Leben und Tod als Entitäten, aber nichts desto trotz hatte der schwarzweiße Recht.
[Rudelplatz | Rudel, Chardím]
30.09.2010, 18:00
Chanuka entdeckte Averic bei Tyraleen und musste an Tascurios Worte denken. Wie er davon sprach das Blut des eigenen Vaters schmecken zu können und es zu genießen, diesen getötet zu haben. Und auch daran, dass all dies seinen Bruder erschreckt hatte, dass er von sich selbst erschrocken war. Aber Tascurio hatte nicht mehr gesehen als das, was während seiner Lebzeit geschehen war. Das Tyraleen ihn töten würde, nicht, was danach geschah. Er hatte wahrscheinlich nicht gewusst, dass Averic kommen würde und er hatte nicht gewollt, dass Turién und er noch hier standen. Aber sie waren noch da und Chanuka beobachtete seine Eltern. Das kurze Gefühl von Geborgenheit, dass Banshee ihm gegeben hatte, war nicht mehr als eine Erinnerung, die genauso gut hätte Einbildung sein können. Er wusste, dass sie da war, oder war vielmehr davon überzeugt, aber er fühlte keine Wärme mehr. Alles war kalt geworden, ganz kalt. Er verstand die Worte nicht, die gewechselt wurden und wusste auch die Gestik nicht zu deuten, anfangs. Aber seine Eltern stritten. Auch wenn er nicht erklären konnte, wie, er spürte es einfach. Dann sprang seine Mutter vor und Chanuka fiel im selben Augenblick vor schreck nach hinten um. Halb sitzend, halb liegend starrte er auf die Blumenwiese. Unter seinem Federbaum war heute ein Wolf gestorben und nun kämpften seine Eltern miteinander. Sein Körper fühlte sich taub an und die Geschehnisse die sich abspielten rückten in weite Ferne. Er realisierte Malakím zwar, aber er wusste die Bilder nicht mehr zuzuordnen. Angst flutete ihn, ein ungeahnter Schmerz und ein Gefühl unendlicher Hilflosigkeit machten sich in ihm breit. Ein Zittern durchfuhr ihn und er glaubte, jeden Wimpernschlag auseinander brechen zu müssen.
Völlig verwirrt blickte er schließlich Averic an, der plötzlich bei ihm stand und sie beide mit sich befehligte. Und Chanuka folgte, weil er gar nicht anders konnte. Es war gut, dass ihm jemand sagte, was er tun sollte, denn er hätte sich selbst nicht so schnell wieder regen können. Nun lief er seinem Vater nach, mit gesenktem Kopf. Da war kein Halt und er wusste, dass er nun nicht erwarten konnte, von irgendjemandem getröstet zu werden. Nicht von jemandem aus seiner Familie. Sie alle würden nun mit sich und ihrem eigenen Schmerz beschäftigt sein.
Das Laufen tat gut, jedenfalls ein bisschen. Es ermöglichte dem Jungrüden, die erste Schockstarre hinter sich zu lassen und wenigstens ansatzweise wieder zu funktionieren. Vielleicht wäre es jedoch besser gewesen, wenn er nichts von dem mitbekommen hätte, was sich da schließlich am Rudelplatz abspielte. Für ihn bestand alles nur noch aus lauten Schreien, Stimmen, die sich gegenseitig Schuld zuschoben, sich gegenseitig für verrückt erklärten oder sich schlicht beschimpften. Das Zittern das von ihm Besitz ergriffen hatte, wollte nicht mehr aufhören. Er konnte sich nicht wieder unter Kontrolle bringen. Im Gegenteil. Die angespannte Stimmung verschlimmerte seine Unruhe noch.
Tascurio… Turién… Chanuka sah sich um. Den einen Bruder würde er nie wieder sehen, aber wo war der Andere abgeblieben? Wusste denn niemand, wie man das, was sich hier tat, aufhalten konnte?
„IHR HABT ALLE UNRECHT! JEDER VON EUCH!“
Schrie er über die Wölfe hinweg, ohne sich wirklich gewahr zu werden, dass er überhaupt den Fang geöffnet hatte. Er erstarrte und erhob sich. Plötzlich hatte er das Gefühl, so schnell wie möglich fort laufen zu müssen. Weg von Urteilen und Anschuldigungen und einer sinnlosen Diskussion über Richtig und Falsch. Er musste einfach gehen.
Sein Weg führte zum Federbaum, seinem Ort der Zuflucht, zurück. Unruhig lief er eine Weile auf und ab, drehte Kreise um den Baum herum und betrachtete die zu Boden gefallenen Federn. Er hatte nicht gewusst, dass Federn sterben konnten, aber sie taten es. Sie lösten sich einfach auf und zerfielen zu Staub. Wie kleine, schöne Erinnerungen, die von Hass und Wut zerstört worden waren. Hier konnte Chanuka keinen Frieden finden. Der Geruch des Todes lastete über dem Ort und Bilder des Schreckens hatten sich in die Atmosphäre gebrannt. Und so zog er schließlich ziellos weiter. Weg vom Federbaum, weg vom Rudelplatz… nur wohin?
[Averic zum Rudelplatz gefolgt, dort verweilt und schließlich auf der Flucht beim Federbaum... danach ziellos im Revier unterwegs]
30.09.2010, 18:18
Eigentlich war es erstaunlich, wie Aszrem auf Caylees unfreundliche und ihrem Rang absolut nicht angemessene Beleidigungstirade reagierte. Er behandelte sie wie eine Gleichgestellte, eine Wölfin, die ihm in Wissen, Weisheit, Rang und Erfahrung ebenbürtig war. Möglicherweise hätte das Caylee gefreut, hätte sie daran auch nur einen winzigen Gedanken verschwendet. Das tat sie aber nicht, sie dachte allgemein nicht nach, denn das hätte zwangsläufig dazu geführt, dass sie auch über Tyraleen, Tascurio und Averic hätte nachdenken müssen. Das wollte sie nicht, das konnte sie nicht. Also regte sie sich lieber über Aszrems Worte auf, tobte innerlich und fauchte wie eine Katze.
“Ja, verdammt noch mal, sie hat einen Fehler begangen, aber hat sie das auch nicht bereits zugegeben? Hat sie sich dafür nicht aufrichtig entschuldigt? Und anstatt das zu hören, schimpfst du lieber dumm und schubst deine Tochter durch die Gegend! Meine Mama hat versprochen, nie wieder etwas Ähnliches zu tun und ich glaube ihr, denn sie hat noch nie nie nie gelogen! Du bist grausam, Aszrem!“
Mittlerweile waren Tränen in ihre Augen getreten, sie wusste gar nicht, warum. Sollte die Wut sie in ihren Blick getrieben haben, wären sie nur ein Zeichen von überschwellendem Zorn in ihrer Brust, trotzdem blinzelte sie sie ärgerlich fort. Durch den noch ganz leichten Tränenschleier sah sie Neruí vortreten, sich ihr nun entgegenstellen, als wollten sie gleich anfangen sich zu bekämpfen. Auch wenn Caylee furchtbar wütend war, spürte sie kein Verlangen danach, irgendjemandem ihre Zähne ins Fleisch zu rammen. Das wäre … grausam. Nicht angebracht. Doch Neruí sprang nicht los, sie brüllte nur, mehr Schimpfworte noch, als Caylee zuvor für Aszrem gefunden hatte. Erstaunlicherweise war die Wirkung eine ganz andere. Sie liefen wie eiskaltes Wasser über ihren Kopf, den Rücken hinab und tröpfelten ins Gras. Und so wie ein Sprung in den See einen plötzlich klaren Kopf und ein Erwachen des ganzen Körpers zur Folge hatte, wirkten auch Neruís gesamten Worte so. Nicht, dass sie etwas neues oder besonders intelligentes gesagt hätte. Viel eher spie sie Beleidigungen und unangebrachte Vorwürfe ebenso wie Caylee aus und sprudelte über vor Zorn. Doch die weiße Jungwölfin stand wie vom Donner gerührt da, zurück in der Realität der Gedanken. Alles strömte auf sie ein, glasklar sah sie jeden Wolf um sich herum, sah die Tränen in Tyraleens Augen, sah die Funken in Neruís Fell, roch das Entsetzen, das so viele Leiber ausdünsteten und spürte die Hitze ihrer eigenen Wut in ihr lodern. Sie sah Averic und Tyraleen weit weit entfernt von einander stehen, sah plötzlich sogar Tascurio, der blutend im Gras lag und daneben ihre Eltern, wie sie sich mit gebleckten Zähnen entgegen sprangen.
Wie als hätte man ihr den Boden unter den Pfoten weggezogen, kippte Caylee um. Hart und doch ohne einen Reflex schlug sie auf der Seite auf, die Augen geschlossen. Blut lief aus ihrer Nase ins feuchte Gras. Regungslos lag sie nun zwischen Aszrem, Neruí und dem Wald.
[ Rudelplatz | Aszrem und Neruí ]
30.09.2010, 18:27
Krolock beobachtete seit geraumer Zeit das Szenario dass sich am Rudelplatz abspielte. Mit jedem Wort schien das Ganze lächerlicher zu werden, bis er nicht mehr an sich halten konnte und bitter in schalendes Gelächter ausbrach. So ein blödes Pack! Er für seinen Teil fühlte sich in der zum zerreißen gespannten Stimmung wohl. Die Hilflosigkeit der Wölfe gab ihm ein Gefühl absoluter Überlegenheit. Seine Augen blitzten amüsiert auf, als er die Streitereien beobachtete. Das war die Gelegenheit, Unruhe zu stiften. Voller Elan sprang er auf die Pfoten und stolzierte mitten durch die Wölfe hindurch.
„Als wäre Tascurio der erste Wolf, der in den Reihen diesen Rudels stirbt…“
Er konnte sich nicht erinnern, dass sonst schon jemals so ein Aufsehen erregt worden war. Dass seine Eltern nicht mehr lebten juckte außer ihm, Liel und Ciradán doch auch keinen? Er konnte sich nicht entsinnen Tascurio je mit irgendjemandem von den Anwesenden gesehen zu haben. Freundschaftlich, oder etwas in der Art. Der weiße Rüde war doch wie er ein Einzelgänger. Die etwas ruhigere Variante.
„Regt ihr euch eigentlich aus Prinzip auf, oder geht’s euch tatsächlich um den gekillten Jungwolf? Hatte der Freunde? Hat sich bis vor seinem Tod jemand um den geschert?“
Er fühlte jegliche seiner Lebenstheorien in einem Mal bestätigt. Jegliche Beziehung, egal ob Liebe oder Freundschaft war nichts als pure Heuchlerei. Wenn es darauf ankam tötete auch die Mutter ihren Welpen. Mittel zum Zweck.
„Ihr liefert das perfekte Bild für eine glückliche Familie… die Schwestern fressen sich schier gegenseitig, die Eltern gingen mit bestem Beispiel voran und die ganzen restlichen Armleuchter hauen ihre überflüssigen Kommentare raus, als gäbe es sonst kein Morgen mehr. Der Rest versinkt in purer Verzweiflung und bemitleidet sich selbst. Ein Hoch auf die Liebe, ein Hoch auf die Freundschaft, ein Hoch auf die Familienbande, die nichts und niemand erschüttern kann. Und wisst ihr was das Beste daran ist? Wenn ihr fertig seid und alles kaputt gemacht habt, wird der Jungwolf ja doch nicht wieder lebendig davon!“
Er lachte noch einmal auf, ehe er abwartend stehen blieb, um zu sehen, was nun geschehen würde.
[Mitten im Rudel, sich prächig amüsierend]
30.09.2010, 18:31
Dieses Rudel war riesig. Er fühlte sich plötzlich so nichtig, so klein und unbedeutend zwischen all den Fremden, diesen stattlichen Geschöpfen, diesen spürbaren Familienbanden. Und der Schwarze wusste nicht, wie er überhaupt reagieren sollte. Seine Aufmerksamkeit war geteilt. Musste (zwangsläufig) und wollte er doch den Worten der Hellen folgen, die, wie sich vielleicht vermuten ließ, mehr zu sagen hatte, als irgendjemand anderes, schweifte seine Aufmerksamkeit immer wieder über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Pyotr wollte jedes noch so kleine Detail ins sich aufnehmen, niemanden missen und alle auf seine verdrehte Weise einschätzen – damit er sich Peinlichkeiten ersparte; damit er nicht ganz so danebenlag. Aber es war dem Jungwolf noch ein Rätsel, wie er es schaffen sollte die Merkwürdigkeiten jedes einzelnen zu behalten. Es schien unmöglich, so verkorkst, so grausam ungerecht.
Mit einem leisen Wimmern pendelte sein reumütiger Blick zu dem Bären. Immerhin hatte es der Schwarze geschafft einen Wolf zu finden, der ihm zumindest das Gefühl gab nicht ganz von der breiten Masse abzudriften. In der kurzen Zeit hatte er es auf eine, und eine halbe und eine tote Bekanntschaft geschafft. Eine Erinnerung, die sein Magen noch immer nur schmerzlich wahrhaben wollte. Trotzdem konnte Pyotr einfach nicht Ruhe finden. Sein Herz hämmerte unablässig gegen seine Brust, ließ ihn unruhig von einer Pfote auf die andere treten.
Die Aufregen, die sich auf dem Rudelplatz ausgebreitet hatte, war nicht nur greifbar, sie war überspringend, entfachte und verlockte, auch wenn ihr Hintergrund kein schöner war.
„Wieso erzählt sie das? Ich versteh das nicht! Gehört sie etwa auch zu den bösen Wölfen von denen zu erzählt hast?“
Die Schnauze leicht gesenkt und den Fang geöffnet, starrten die Honiggelben in Tyraleens Richtung. Sie sprach von Nehmen, von Geben, von Fehlern und von Trennung. Das klang alles so negativ, so gemein und traurig. Und Pyotr wusste wirklich nicht, wie er mit der überschwappenden Flut an Gefühlen umgehen sollte. Er tat nichts weiter als die Ohren an den Kopf zu pressen und sich kleiner zu machen, als er eigentlich war. Ein Häufchen Elend, dass den Trubel bedachte und sich fragte, wieso eigentlich Grausamkeit an einem Ort, wie diesen, einkehren musste.
„Sie sind so wütend. Aber gehören sie denn nicht zusammen? Wieso streiten sie sich. Wieso sind sie so gemein zueinander?“
Seine Stimme wurde leiser, bedachte die von Zorn verzerrten Körper. Sie schauten genauso düster wie das Rotauge. Wie … ? Erst jetzt hatte der Jungwolf die andere Weiße entdeckt. Das war die Wölfin gewesen, die so traurig war, die genauso viel Schmerz ausstrahlte, wie er es in den Augen von Tyraleen vermutete. Aber er wollte es wahrscheinlich nicht begreifen.
Wieder ein Jammern, dass seinen Fang umspielte und ihn unschlüssig einen Schritt zurück machen ließ. Und wenn diese Wölfe alle böse waren? Das konnte doch nicht sein! Sie waren doch eine Familie, ein Rudel, eine Gemeinschaft die das Leid trug und gemeinsam Blütezeiten durchlebte. Etwas anderes kannte er nicht. Er kannte keine Schicksalsschläge, keine Verzweiflung. Das machte ihn nervös, so unsicher, dass er sogar aufhörte zu Reden wie ein Wasserfall.
[bei Face und den anderen]
30.09.2010, 20:04
Nihil war mit Shani los gelaufen um Krolock zu suchen und sie suchten auch nach ihm. Doch nicht lange, da drang ein Ruf an seine Ohren. Er blieb stehen, stellte seine Ohren auf und horchte, bis der Ruf verklang. Das Auf und Ab erzählte so viel und doch so wenig. Was war los? Er japste auf, dann drehte er sich zu Shani um, schaute sie einen Moment an, dann lief er in die Richtung des Rufes. Es dauerte nicht sehr lange, da erreichte Nihil einen wunderbaren Platz, wo sich viele Wölfe versammelten. So viele Wölfe hatte er noch nie auf einmal gesehen, staunend klappte sein Unterkiefer herab. Und dann spürte er, dass seine inneren Schmerzen weg waren - Krolock musste hier sein. Erst dann wurde er sich der Worte der weißen Fähe bewusst, die dort vorne von ein paar Wölfen umringt wurde. Einerseits kam sie ihm bekannt vor, andererseits auch wieder nicht. Langsam tappte er auf die kleine Gruppe zu, Shani hatte er vergessen. Dennoch wusste er unterbewusst, dass er sich bei ihr mindestens nochmal bedanken musste, aller mindestens. Doch jetzt schlich er sich zu der Gruppe, ließ sich eine Wolfslänge hinter ihr auf seinen Hintern plumpsen und saß schweigend da, während er ihrer Auseinandersetzung zuhörte. Irgendwann hielt er es nicht mehr aus und schlich sich heran. Auch wenn ihn hier von den Wölfen wohl kaum einer kannte, so würde er dennoch seine Meinung äußern. Mit ruhiger Stimme sprach er also aus, was er dachte.
"Ich stimme Krolock zu. Egal, wie sehr ihr euch auch zanken möget, und egal, zu welchem Schluss ihr kommen solltet, so wird das Tascurio nicht zurück bringen. Er ist tot und wird nie wieder kommen, so wie viele vorher auch. Irgendwie ist doch alles vorher bestimmt - oder? Es gibt so viele Möglichkeiten, was passieren könnte. Und sie (Tyraleen) hat sich nun mal für diese eine Möglichkeit entschieden. Ob bewusst oder unbewusst. Es ist passiert. Akzeptiert es oder nicht, aber ändern könnt ihr eh nichts dran. Schaut doch lieber in die Zukunft."
Nihil schaute die weiße Fähe (Tyraleen) fest in die Augen. Stumm stand er hier zwischen ihm so vielen fremden Wölfen, und dennoch hatte er seine Meinung geäußert, als wäre er schon lange hier gewesen. Aber er kannte das Gefühl, jemanden zu verlieren, niemanden zu haben und ewig allein zu sein. Lange genug hatte er sich damit auseinander setzen müssen. Und allein Engaya hatte ihm damals zur Seite gestanden.
Noch einmal erhob er die Stimme, sein Blick blieb auf die weiße Fähe gerichtet.
"Du hast das getan, was du für richtig gehalten hast."
Erst dann schaute er die anderen Wölfe noch einmal an, ehe er seinen Kopf unterwürfig senkte.
"Ihr braucht nicht auf mich zu hören, ihr kennt mich ja nicht. Aber ich würde es gegrüßen, wenn ihr meine Worte beherzigen würdet."
Mit weiterhin gesenktem Kopf stand der Nichtswolf da und blinzelte die Wölfe von unten her an. Er wartete auf ihre Reaktion.
[Rudelplatz | Tyraleen vor sich und alle, die bei Tyraleen sind (???)]
(sry, dass es so lange gedauert hat x.x läuft hier gerade alles einfach nur echt ungut)
30.09.2010, 20:26
Die weiße Fähe hatte Tyraleen zugehört und dankbar genickt.
„Nun ja, ich werde mich wohl jetzt verabschieden. Ich gehe... woanders hin. Viel Glück Tyraleen“
Sagte sie noch zur Leitfähe, bevor sie im Getümmel der anderen Wölfe verschwand. Die anderen Wölfe die nach und nach dazu gekommen waren hatten geschrien oder die Alphafähe verteidigt. Es war so ein Chaos. Auch sie selbst hatte geschrien, das war Lyerra nur allzu bewusst, aber was sollte sie schon tun?
Sie kämpfte sich aus der Masse und atmete tief durch. Frische Luft strömte in ihre Lungen und sofort fühlte sich die Fähe etwas besser.
Abseits von all den anderen, abseits von jedem saß sie da, beobachtete das Geschehen das sich vor ihren Augen abspielte.
Wenn es zum Kampf käme oder noch mehr Wölfe sterben müssten würde die Fähe das Rudel vielleicht verlassen, doch diese Entscheidung sollte nicht jetzt fallen. Außerdem würde sie dann nicht nur wegen einem Kampf oder Toten fliehen.
Lyerra würde fliehen um Ruhe zu bekommen, vielleicht einsam und allein sterben, sie würde fliehen um nicht immer an ihre verstorbenen Gefährten denken zu müssen und sie würde fliehen um bei ihm zu sein.
Momentan gab es doch nichts was sie hier hielt. Nur Shariku, immer wieder war es ihre beste Freundin. Natürlich, die weiße Fähe hätte einfach gehen können aber was sollte aus ihrer Freundin werden?
Kopfschüttelnd saß sie da, während sie darüber nachdachte ob sie bleiben oder gehen sollte. Es war doch niemand da, den es stören würde. Nur ihr Gefährte, er hätte sie vermisst, aber er war tot. Schon wieder liefen Lyerra Tränen über das Fell, Tränen die in schwachen Lichtreflexen glitzerten und leuchteten.
‚Oh Ethelion mein Geliebter. Bald werden wir für immer vereint sein’
[Nahe des Rudelplatzes l erst Tyraleen, dan alleine]
30.09.2010, 22:30
Blanker Hass stieg in Avendal auf, doch nicht gegen ihre Mutter sondern gegen Atalya und gegen alle die sich gegen ihre Mutter stellten. Avendal war taub und blind von dem Entsetzen was um sie herum geschah auch die Stimme ihrer Mutter drang nur schwach zu ihr, doch sie spürte ihre Nähe und das gab ihr Kraft und Halt, so als wäre Engaya selbst bei ihr um sie zu unterstützen. Die junge Fähe wusste, dass die Göttin ihrer Mutter verzeihen würde und das sie wusste wie gemein und hinterhältig Fenris sein konnte. Genau so hatte Avendal auch ihrer Mutter vergeben und das erwartete sie jetzt auch von ihrer grauen Schwester und den anderen Rudelmitgliedern. Die helle Fähe drängte ihr Knurren aus der Kehle und klappte ihren Fang auf, so das ihre graue Schwester die Zähne die darunter hervor blitzten sehen konnte.
„ Wäre dir lieber das Averic gestorben wäre! “
Avendal lehnte ihren Körper etwas zurück so als wäre sie kurz davor ihrer Schwester entgegen zu springen. Niemand würde es wagen so mit ihrer Mutter zu reden. Niemand! Nicht einmal ihre eigene Schwester. Die Jungfähe knurrte, fauchte und grollte ihrer Schwester entgegen.
„ NEIN, das würde Tyraleen niemals tun. Sie wollte nur unseren Vater beschützen! Sie hat versucht, das richtige zu tun! Dir wäre es lieber gewesen wenn unser Vater drauf gegangen wäre! SO sieht es aus! Ich verachte dich, genau so wie Averic. HÖRST DU MICH VATER, ICH VERACHTE DICH DAFÜR DAS DU UNSERE MUTTER ALLEINE LÄSST. Ihr seid ein elendes Pack! “
Avendal spie die Worte ihrer Schwester entgegen, auch die Worte an ihren Vater hatte sie laut aufgejault. Sie hatte noch nie so viele Gemeinheiten in nur einen einzigen Satz gesagt und doch spürte sie nicht das Geringste von Reue. Als Atalya nach ihr schnappte, reagierte ihr Körper automatisch darauf, wie unter Strom stellte sich ihr gesamtes Fell auf und sie machte einen Satz nach vorne. Wütend öffnete sie ihren Fang und grub es in das graue Fell ihrer Schwester, dabei drängte sie diese einige Schritte weg von ihrer Mutter. Die helle Jungwölfin ließ von Atalya ab und machte einen Schritt zurück.
„ Ich hoffe ich MUSS DICH NIE WIEDERSEHEN. Unsere Mutter hat es für unseren Vater getan und er ist dieser feige Köter der sie jetzt in die Höhle Fenris treibt! Wage es nicht Tyraleen zu nahe zu kommen! “
Spuckte Avendal vor ihr aus und wich zurück, zurück zu ihrer Mutter und den Wölfen die ihr beistanden. Die Fähe war blind vor Zorn und musste erschreckend feststellen das Fenris wohl sein Ziel erreicht hatte. Er hatte seiner Mutter eine Vision gesandt, weil er wusste wie sie reagieren würde nur um somit ihre Familie zu zerstören.
[Rudelplatz – Tyraleen, Atalya]
01.10.2010, 00:15
Er hatte innerlich so gebangt und gefleht, dass seinem „kleinen“ Patenkind nichts widerfahren war. Das es ihr bloß gut ginge und Ethelions unheilvoller Ruf nichts mit ihr und ihrer Familie zutun hatte. Er hatte alle in Sicherheit wissen wollen, auch den Rest.
Und dann hatten sich die Ereignisse überschlagen und Face Taihéiyo jeglichen Boden unter den Pfoten weggerissen, der sich über die Jahre so langsam gefestigt hatte. Ethelion war einfach, direkt neben ihm gestorben und nun saß er hier auf dem Rudelplatz, ganz starr und sah eine binnen von Sekunden völlig zerstörte Rudelgemeinschaft vor sich. Der Tiefrabenschwarze konnte nicht glauben, dass dies gerade wirklich passierte. Sein saphirblauer Blick klebte an dem blutdurchtränkten Fell Tyraleens, der Wölfin, die für ihn zu einer Art Tochter geworden war. Der Wölfin, um die er eben noch gebangt hatte. Doch das Blut in ihrem weißen Pelz war nicht ihr eigenes, es war das ihres Sohnes. Ihres eigenen Kindes, das sie mit ihren eigenen Fängen getötet hatte. Er konnte es nicht glauben. Es zerschlug ihn schier, vernichtete das ganze Weltbild, dass er sich in den letzten 4 Jahren langsam aufgebaut hatte. Seine kleine Tyraleen hatte einen Wolf umgebracht, ihr eigenes Fleisch und Blut. Faces Kopf war auf einen Schlag völlig leer gefegt, er wusste nicht mehr, was er denken sollte, nicht mal, was er fühlen sollte. Sie sah furchtbar traurig aus und gleichzeitig so versteinert, wie er sie noch nie gesehen hatte. Ihre Worte erzählten davon, dass alles, wirklich alles kaputt war. Sie erzählte von Fenris, der ihr den Tod ihres Gefährten prophezeite, sollte Tascurio nicht sterben. Sie redete davon sich für Averic entschieden zu haben und fuhr dennoch fort, dass sie beide nicht länger Gefährten waren und getrennte Wege gehen würden. Face verstand nicht. Es war, als hätte man die Welt in die falsche Richtung gedreht. Es war falsch. Schreie gellten über den Platz, Worte wurden seinem Patenkind entgegen geschleudert, die auch ihn furchtbar schmerzten, obwohl Tyraleen in der Tat etwas furchtbar Schreckliches getan hatte. Und dann gingen plötzlich sogar die Geschwister aufeinander los. Face konnte in diesem Moment einfach nur dasitzen und dem Ganzen mit innerlichem Entsetzen zusehen.
Erst Pyotr riss ihn aus seiner Starre, er sah zur Seite zu dem Jungwolf, der wieder Fragen über gute und böse Wölfe stellte. Der Tiefrabenschwarze spürte Verzweiflung in sich aufflammen.
„Nein. Nein, sie ist keine böse Wölfin.“,
antwortete er und klammerte sich selbst an seine eigenen Worte. Tyraleen war nicht böse. Nicht sie. Er sah wieder nach vorne, betrachtete das Spektakel mit großem Bedauern.
„Weil sie nicht wissen, wie sie sonst reagieren sollen. Sie können nicht anders.“
Die saphirblauen Augen landeten auf Krolock, der in der aufgekommenen Zerrissenheit wohl eine Chance sah sich aufspielen zu können. Er war ein törichter Jungwolf, so kalt und scheinbar ohne jegliche Gefühle. Als Welpe war er noch so anders gewesen. Und dennoch musste Face Taihéiyo schmerzhaft feststellen, dass er zu einem kleinen Teil Recht hatte. Wenn alles kaputt war, würde sich doch nichts mehr rückgängig machen lassen. Es würde alles nur schlimmer werden.
Plötzlich wurde es wieder laut, wirklich grauenhafte Beleidigungen flogen über den Platz, und als Avendal dann auf ihre Schwester los ging, war das Fass übergelaufen. Face sprang auf.
„HÖRT AUF!“
Laut klang Stimme des Wolfes, der eigentlich immer so leise und ruhig in jeder Handlung, in jedem Wort war. Er stellte sich zwischen Atalya und Avendal, sah beide einmal an. Aus seinem Gesichtsausdruck ließ sich wie immer kein Gedanke ablesen, was man jedoch gut sehen konnte, war die tiefe Enttäuschung, die in seinen blauen Augen glitzerte.
„Genug! Seht euch an, was ist nur in euch gefahren? Was werft ihr euch nur für schreckliche Dinge an den Kopf? Warum sagt ihr so furchtbare Dinge zu den Wölfen, die eure Eltern sind? Was ist nur in dieses, Banshees Rudel gefahren? Warum wirft jeder plötzlich so mit Hass um sich und dann auch noch gegen die, die er eigentlich lieben sollte? Ihr macht alles nur noch schlimmer, ihr solltet euch schämen. Wenn Banshee euch so sehen würde ... es bräche ihr das Herz.“
[ Rudelplatz | zwischen Atalya und Avendal, Tyraleen und Co. ]
01.10.2010, 12:00
Als die vier Wölfe sich auf den Weg machen wollten, hörten sie einen traurigen Gesang. Er fiel ihnen sichtlich durch Mark und Bein, nur Caylee war schneller als die anderen drei und sprintete als erstes los danach folgte Jakash und Volk rannte ihm hinterher. Bald kamen sie auch am Rudelplatz an, dieser lag nah am See und es versammelten sich schon viele Wölfe, doch aus den Wäldern strömten immer mehr. Als alle vereint auf dem sehr klein gewordenen Platz standen, fing die weiße Fähe, die scheinbar einen Alpharang hatte, an zu reden. Ihr Fell, von reinem Weiß, war besudelt mit Blut, das leicht eingetrocknet, in Strähnen vom Körper herunterhing. Etwas furchtbares muss ihr passiert oder hatte gar sie etwas furchtbares getan. Tyraleen, wie Volk aus den Gesprächen und Anschuldigungen der anderen mitbekam, war ihr Name. Sie hatte ihren Sohn getötet, nur um ihren Gefährten zu schützen. Schon wieder verfiel er in Gedanken zu seinem toten Bruder, suchend schweifte sein Blick in die Gesichter der Geschwister und Verwandten des verstorbenen Tascurio´s. Dabei war der schwarze Wolf vor dem Tod davon gelaufen und nun stand er ihm schon wieder gegenüber und das musste eine Prüfung sein und diesmal würde er nicht davonlaufen. Immer mehr staute sich in ihm auf, mit jedem der Tyraleen verurteilte. Die einen, die mit der ganzen Situation nicht klar kamen und es nicht war haben wollten, sie bezeichneten die Weiße als Lügnerin, wiederum andere die den eigenen Nachwuchs anleiteten sie zu meiden und diesen dann mitschleiften. Allerdings versuchten einige sie zu schützen und stellten sich an ihre Seite, verteidigten sie mit Wort und Tat. Diese gaben ihm den Mut seine Stimme zu erheben.
„Genug, ist genug! Seht euch an wie Ihr jemanden verurteilt, ohne auch nur eine Sekunde lang sich in ihre Situation hinein zu denken!“
Eine Gasse bildete sich bis zu Tyraleen und der schwarze Rüde ging diese knurrend und mit aufgestellter Mähne entlang. Bei jedem Schritt konnte er die Blicke spüren und er bildete sich ein das jemand sagte: ,Egal wer das ist, er wird den nächsten Morgen nicht erleben.‘. Auch das schreckte ihn nicht ab und er lief weiter die Gasse entlang, seine Schritte waren Federleicht und Frei. Er stellte sich vor Tyraleen und plusterte sich auf.
„Was hättet ihr getan? Hättet ihr euch für das Leben oder den Tod entschieden? Was hättet ihr gemacht, wenn der Sohn den Vater angegriffen hätte, was wenn der Vater den Sohn angegriffen hätte. Einer von beiden wäre Tod, denn man kann keinen totgeweihten von seinen Taten abbringen! Hättet ihr nichts gemacht wären vielleicht beide Tot! Ohne Fehler seid auch ihr nicht und Tyraleen hat es aus Liebe getan und ich glaube nicht das sie ihren Sohn weniger geliebt hat! Das ist ein Schmerz den sie für immer mit sich tragen wird, eine Strafe, die Strafe genug ist.“
Er drehte sich zu Tyraleen, sah die Trauer und die Tränen und versuchte sich für sein auftreten zu entschuldigen.
„Es tut mir Leid, ich weiß das ich vom Stande her lange nicht berechtigt war soetwas zu tun, ich hoffe du verzeihst. Ich wollte dir nur sagen, das es manchmal schwer ist auf das Herz zu hören. Wir müssen manchmal Fehler machen um daraus zu lernen, auch wenn das eine schwerwiegendere Situation ist.“
[Rudelplatz | Nah bei Tyraleen, Atalya, Lyerra, Avendal, Rakshee und Malakím]
01.10.2010, 12:17
Aszrem schloss für einen Moment die Augen und sog langsam und tief die Luft ein. Er musste sich beruhigen, musste sich unter Kontrolle behalten. Eigentlich war ihm das nie schwer gefallen, aber seit Nyotas Tod war er wesentlich leichter aus dem Gleichgewicht zu bringen als jemals davor. Der Tag, an dem er seine Gefährtin verloren hatte, hatte etwas Essentielles in ihm zerbrochen, das er nur mit dem Wort 'Seelenfrieden' umschreiben konnte. Er hatte selbst gemerkt, dass er wesentlich leichter die Geduld verlor und besonders empfindlich reagierte, wenn es um die Sicherheit seiner Tochter ging. So wie jetzt.
Allerdings - und deshalb rief er sich selbst zur Ordnung - war sie jetzt nicht in unmittelbarer Gefahr. Nicht durch Tyraleen, denn die musste sich noch mit dem Rest des Rudels auseinander setzen, und vor allem nicht durch Caylee. Die weiße Jungwölfin vor ihm war eben das: eine Jungwölfin. Ihr Wissen um die Welt war begrenzt, und demnach war es auch ihr Urteilsvermögen. Sie mochte nicht mehr wie ein Welpe aussehen, aber eine Erwachsene war sie deshalb noch lange nicht. Er musste das berücksichtigen. Er hätte sich nicht so von ihr provozieren lassen dürfen...
Was er falsch begonnen hatte, musste er jetzt besser zuende bringen. Also schwieg er und ließ sich von Caylee weiter Gift und Galle entgegen speien. Er wollte sich schon in Bewegung setzen, um einfach an der Weißen vorbei zu treten, als Nerúi die Stimme erhob und ihrerseits Caylee ihren Zorn entgegen schrie. Für einen Moment stand der Schwarzbraune wie erstarrt, plötzlich entsetzt über die Unbeherrschtheit seiner Tochter und sogleich auch entsetzt über seine eigene. Nerúi sollte nicht so mit den Wölfen umgehen, die sie als Freunde und sogar Geschwister bezeichnete. Sie sollte nicht den gleichen Fehler machen wie Caylee, wie er. Er war ihr kein gutes Vorbild. Aszrem trat einen Schritt vor und stellte dabei seinen einen Lauf direkt vor seine Tochter, ihr damit den Weg verstellend. Für einen Moment hatte er den Eindruck den Geruch von schwelendem Gras wahrzunehmen.
"Nerúi!",
mahnte er in befehlendem Tonfall.
"Das reicht, Nerúi",
fügte er sogleich hinzu, immernoch streng, aber milder als zuvor. Er wandte sich zu Caylee um, wollte etwas sagen - und zögerte. Die Jungfähe stand wie erstarrt, ihr Blick seltsam leer. Dann kippte sie mit einem Mal zur Seite, ohne Vorwarnung.
"Caylee?!"
Mit einem Satz war er an der Seite der Weißem und stieß sie vorsichtig mit der Nase an.
"Hey, Kleines, hörst du mich? Wach auf!"
Blut sickerte in einem dünnen Rinnsal aus ihrer Nase. Aszrems Blick glitt zurück zu den versammelten Wölfen am Rudelplatz. Dort waren die Heilerinnen des Rudels versammelt: Sheena, Rakshee... und Tyraleen.
"Verdammt!"
Noch einmal versuchte er sachte, Caylee zu wecken. Dann wanderten seine Augen zu seiner Tochte.
"Wenn sie nicht in ein paar Momenten wieder aufwacht, rufen wir eine der Priesterinnen",
beschloss er. Was war nur mit Caylee passiert?!
[Waldrand | Nerúi, Caylee]
01.10.2010, 12:35
In seinen Pfoten begann ein Kribbeln einzustzen, dass Caleb genauso gut kannte wie er es fürchtete.
"Oh Mist, oh Mist!",
hauchte er und begann, sich eilig nach einem Versteck umzusehen. Minyala erzwang sich jedoch schon im nächsten Moment seine Aufmerksamkeit. Der junge Werwolf versuchte, sich auf ihre Augen zu konzentrieren und ruhiger zu atmen, so wie sie es von ihm verlangte. Sie hatten das geübt und er wusste, dass es half. Leider wusste er aber auch, dass es nicht immer funktionierte, und dieses Wissen flüsterte ihm ein schadenfrohes Stimmchen beständig zu.
"Okay... okay.... geht schon..."
Sein Blick glitt zu dem anderen Wolf, als er sicher war, dass sich das Kribbeln nicht weiter ausbreitete. Verschwinden tat es aber leider auch nicht. Was musste der Andere wohl von ihm denken? Caleb errötete unter seinem Fell. Zum Glück sah es niemand.
"Hey, ich bin nicht verrückt!",
zischte er aufgebracht, als Minyala ihn vorstellte und verkniff sich die Erwiderung, dass er hier wohl der Normalste war. Erstens wäre das unklug gewesen und zweitens stimmte das nicht ganz. Er war nur nicht geisteskrank, so wie scheinbar alle außer Minyala hier.
"Also da, wo ICH herkomme, reicht eine Entschuldigung nicht aus, um die Richter milde zu stimmen. Dann könnte das ja jeder machen und käme ungeschoren davon, oder was? Wäre das etwa gerecht? Und jemand mit solchen Halluzinationen würde glatt in eine geschlossene Anstalt geste-... ähh... vergiss es!"
Caleb warf einen unsicheren Blick zu Minyala. Sie wussten ja mittlerweile, dass es in diesem Rudel früher schonmal einen Werwolf gegeben hatte, aber sie wussten inzwischen auch, dass damals andere Alphas das Sagen gehabt hatten. Es war vielleicht keine gute Idee, einer geisteskranken Mörderin zu offenbaren, was er war - besonders nicht jetzt! Und demnach auch noch niemand anderem aus dem Rudel.
[Rudelplatz | Minyala, Ráyon]
01.10.2010, 13:03
Malakíms Blick richtete sich auf Krolock, sobald dieser auch nur eine Pfote vor die andere setzte. Das Lächeln des schwarzen Jünglings ließ ahnen, dass jedes Wort, das seinen Fang verlassen würde, nur Unheil bringen würde. Krolock war in vielerlei Hinsicht das Gegenstück zu Malakím. Mit dem Unterschied, dass der Schwärzling auch die Gefühle empfinden konnte, die er sonst nicht bei sich zuließ. Krolock dagegen wusste nichts von dem, was er ablehnte, und glaubte sich dennoch erhaben über alle anderen.
Der Schwärzling trat einen Schritt vor, als Krolock seine destruktiven Weisheiten von sich gab. Im folgte, wie einem hellen Schatten gleich, der junge Nihil. Was den Jüngling mit Krolock verband, wusste Malakím nicht, aber wenn es Freundschaft war, dann wusste der junge Schwarze offenbar nichts davon.
Malakím schenkte Krolock ein sanftes Lächeln. Es war so ziemlich das einzige, mit dem man ihm widerstehen konnte.
"Krolock, wenn du dereinst im Reich Engayas bist, so möge die geflügelte Göttin dir zeigen, wessen duch dich in deinem irdischen Leben verweigert und damit nie kennen gelernt hast",
erwiderte er und wandte sich dann an Nihil.
"Es stimmt, kein hier gesprochenes Wort kann Tascurios Tod ungeschehen machen. Aber es wäre unrecht, darüber hinweg zu gehen, als wäre sein Lebens nichts wert gewesen. Jedes Leben ist kostbar und daher wert, beklagt zu werden, wenn es erlischt",
entgegnete er, ohne dabei auch nur ansatzweise die Situation miteinzubeziehen, in der sie sich derzeit befanden. Das hätte zu weit geführt und war für einen Jungwolf ohnehin nicht zu erfassen. Im Grunde konnte niemand, der nicht selbst Kinder hatte, in Gänze diese Tragödie begreifen.
Zu niemand anderem richtete er noch Worte. Er wollte sich nicht mehr in diese Streitereien stürzen als unbedingt erforderlich. Mit jeder neuen Stimme, die sich erhob, würde es schwieriger sein, ein Ende zu finden. Doch er spitzte die Ohren, als der Schrei Chanukas erklang. Offenbar hatte der junge Rüde sich noch eine dritte Sicht der Dinge zu eigen gemacht und war von dieser auch überzeugt, doch teilte er sich niemandem mehr weitergehend mit, sondern lief davon. Der Schwärzling sah ihm nach. Zu gern hätte er gewusst, was Chanuka gemeint hatte.
Sein Blick glitt zu Averic. Er glaubte zu ahnen, was der Todessohn über ihn dachte. Es wäre nur allzu verständlich.
[Rudelplatz | neben Tyraleen, Krolock, Nihil, (Avendal, Atalya)]
01.10.2010, 14:48
Madoc hatte das grausige Heulen vernommen, dass auf einmal die Lüfte zerrissen hatte und sein Enthusiasmus verschwand schlagartig. Kaum ein Augenzwinkern trennte die Gefühle Trauer und Freude zeitlich voneinander und doch erstreckten sich zwischen ihnen mentale Welten. Welch ungünstige Stunde hatte er doch erwählt um das Angesicht des Rudels aufzusuchen, welch tragische Szenen hießen ihn willkommen und nahmen ihn wehleidig zurück in die Gemeinschaft auf. Der Silberne schüttelte sein prächtiges Haupt und für den Bruchteil einer Sekunde glitzerte grenzenlose Reue in seinen blutroten Seelenspiegeln. War es ein Fehler gewesen, zurückzukehren? War ihm Glück und Liebe nicht vergönnt? Grollend wandte er sich an Takashi und Gani und bedeutete ihnen mit einem knappen Nicken seinen Aufbruch. Doch wohin? Hinein ins Geschehen? Oder fern in jene Ländereien, die das letzte Jahr seine Heimat gewesen waren? Er musste zum Rudel zurück, er war gekommen um Atalya zu sehen und ein Ziel wurde niemals aufgegeben, niemals. Er begann zu rennen, unermüdlich und unaufhaltsam.
Als er den Rudelplatz erreichte, blieb er ruckartig stehen. Die Szene die sich ihm darbot war erschreckend und entsetzlich, niemals hatte er das Rudel so verdrossen gesehen, niemals hatte er das Rudel so verloren gesehen. Madoc ließ seinen Blick schweifen, verletzte Wölfe, gebrochene Körper und als letztes sah er den tosenden Konflikt, der größtenteils in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt war. Tyraleen sah er, Face, Avendal und … Atalya! Doch der Anblick erweckte keine Freude, keine Erleichterung in ihm, nur blankes Entsetzen und gähnende Ungewissheit. Welches Ereignis mochte so boshaft sein, dass es solch einen verheerenden Familienstreit zur Folge hatte. Erstarrt verblieb der Sternentänzer in seiner Position und beobachtete fassungslos das erbärmliche Treiben. Wie in einem Alptraum drang Atalyas grollende Stimme an seine Ohren, gefolgt von Avendals Knurren und Tyraleens melancholischen Worten. Der silberne Hüne wollte eingreifen, doch er wagte es nicht. Er wusste nur wenig über die Situation, doch war ihm nun zu Bewusstsein gekommen, dass die weiße Fähe ihren eigenen Sohn getötet hatte. Wieso? Der Sternentänzer konnte sich nicht vorstellen, dass Tyraleen grundlos so etwas zu Stande bringen konnte, sie hatte ihre Gründe, davon war er fest überzeugt. Doch Atalya, sie hatte sich gegen ihre Mutter gewandt, hatte sie Recht? War es Grausamkeit, Unachtsamkeit und Lieblosigkeit? Er verstand es nicht und die Freunden eines Tages zersplitterten unter dieser gewaltigen Last. Madoc schüttelte sein Haupt, fasste sich, um sich den Ereignissen zu stellen und Gewissheit zu erlangen. Doch eben in diesem Moment schoss ein schwarzer Schatten auf die Bühne des Schauspiels und offenbarte den dunklen Rüden Face, der bereits als Streitschlichter zwischen die Geschwister getreten waren. Noch immer von Unglauben gepackt, versuchte sich der Silberne von den mentalen Fesseln zu lösen und bahnte sich schließlich rücksichtslos und grollend einen Weg durch fremde und bekannte Mitglieder zum Ort des Geschehens. Er erblickte einen weiteren schwarzen Rüden, der sich ebenfalls schlichtend in die Menge mischte. Er war unbekannt, wie auch viele andere und er schenkte ihm keine weitere Beachtung.
"Atalya"
Rief er aus, als er in Hörweite war und lief auf sie zu, bis er an ihrer Seite stand. Tyraleen und Face achtete er mit einem respektvollen Nicken, hielt es in dieser Situation jedoch für unangemessen weitere Floskeln der Höflichkeit zu erbringen. Avendal betrachtete er teils fragend, das verständnislos, nickte jedoch auch ihr kurz angebunden zu. Wie sonderbar musste es in ihren Augen erscheinen, dass ein Rüde, der vor gut einem Jahr ihre Reihen verließ sich gerade in einem solchen Konflikt wieder blicken ließ.
"Verzeiht für mein ungelegenes Aufkreuzen"
Murmelte er nur, erwartete jedoch keine Antwort.
Seine blutroten Augen funkelten düster, als Madoc sich schließlich wieder zu der Grauen wandte.
"Atalya, beruhig dich, was auch immer geschehen ist, deine Mutter hat ihre Gründe und mögen sie noch so unverständlich auf dich wirken. Sprich mit Ruhe, versuche sie zu verstehen und wenn du ihre Erklärung erhört hast, ist es immer noch nicht zu spät zu entscheiden, ob sie deinem Bruder Recht oder Unrecht tat."
Seine Stimme klang wie immer ruhig, neutral und bestimmt. Er glaubte nicht daran, dass sie sich seiner Worte respektvoll zeigen würde, vielmehr glaubte er an Missmut und Ärger über seine lange Abwesenheit und das plötzliche Erscheinen. Dennoch fühlte er sich verpflichtet, sie in ihre Schranken zu weisen und den Respekt gegenüber ihren Familienmitgliedern wieder herzustellen. Was war bloß aus dem freudigen, sorglosen Welpen geworden, den er hier zurückgelassen hatte? Schlummerte er noch immer tief in ihr oder war er verschwunden? Wehmütig dachte er an jene Tage, doch sein blutroter Blick blieb ungerührt. Konnte er sie wiederholen? Er musste und er wollte, seine Sätze formten sich dementsprechend, egal, ob sie erhört oder ignoriert wurden, sie brannten auf seiner Zunge um suchten das freie.
"Deine Mutter liebt euch und sie handelt aus dieser Liebe. Ihre Absichten sind gut, doch das Ergebnis kann manchmal das Gegenteil sein. Dennoch solltest du lernen zu vergeben, denn sie hat all ihre Kräfte in euch investiert. Ein guter Wille zählt."
Seine Stimme war beinahe ein Flüstern geworden, ob die Anwesenden sie vernahmen, konnte er nicht sagen, doch Atalya hatte sich mit Sicherheit gehört, wenngleich sie in ihrer Rage wohl nur die Hälfte verinnerlicht hatte. Er störte sich nicht daran, sie würde zur Besinnung kommen, es war nur eine Frage der Zeit. Madoc blickte in die Runde, der weise Face und die gebrochene Tyraleen, sowie die knurrende Avendal und der Fremde. Welch ein Erlebnis am ersten Tag seiner Heimkehr.
[ Rudelplatz | direkt bei: Tyraleen, Atalya, Face, Avendal, Volk Zubami ]
((Hoffe ich hab alles richtig gemacht, sagt bescheid, wenn ich was ausgelassen hab ^^))
01.10.2010, 17:55
Minyala hatte langsam aber sicher das Gefühl, respektlos gegenüber dem braunen Rüden zu sein. Er weinte, er strahlte aufrichtige Anteilnahme aus, trauerte um den toten Sohn und litt mit der weißen Leitfähe mit. Und nun musste er sich mit zwei seltsamen Jungwölfen herumschlagen, die das ganze Rudel als verrückt bezeichneten und nebenbei noch irgendwelche Probleme zu haben schienen. Minyala hatte aber nicht nur ein schlechtes Gewissen, sie wollte eigentlich auch den Braunen trösten. Nur so richtig funktionieren würde das wohl nicht, wenn Caleb und sie rumkrakelten, wie geisteskrank sie diese ganze Sache fanden. Also hatten sie zwei Möglichkeiten. Die erste wäre weggehen und den armen Rüden alleine lassen, was die Weiße nicht so ganz übers Herz brachte. Die zweite wäre, weniger respektlos herum zu schimpfen, dazu müsste sie allerdings Caleb bekommen. Naja … ein Versuch war es wert. Der schien sich immerhin im Griff zu haben, murmelte, dass es wieder gehen würde und Minyala richtete sich leicht auf. Ráyon nannte sich der Braune und Minyala versuchte sich den Namen ausnahmsweise mal zu merken. Ihr miserables Namensgedächtnis war bei diesem riesigen Rudel ein verdammt blödes Handycap, aber sie arbeitete an sich.
“Ráyon, ich muss mich bei dir entschuldigen. Caleb und ich wollen nicht respektlos sein, weder gegenüber deiner Trauer, noch gegenüber den schrecklichen Vorkommnissen hier.“
Man, Minyala war ganz verwundert über sich selbst. So einen toll formulierten und höchst erwachsenen Satz hatte sie noch nie gesagt. Ihre Zunge fühlte sich jetzt zwar ein wenig verdreht an, aber wahrscheinlich bildete sie sich das nur ein. Sie ignorierte dezent Calebs aufbegehren gegen ihre Vorstellung und versuchte sich dann der Meinung Ráyons anzunehmen.
“Naja, aber das Problem ist ja, dass bereit ist, ihren eigenen Sohn umzubringen, nur weil sie sich einbildet, einen Gott gesehen zu haben. Das ist … whoa … das ist … erschreckend. Zu was sind denn die Wölfe hier noch so bereit, wenn einer ihrer Götter es ihnen angeblich sagt? Ein bisschen Angst darf man da doch haben …“
Sie schielte zu Caleb und verstand nicht ganz, was er da gerade sagte, aber vermutete, dass er ihr zustimmte. Er schien ihr wieder ein bisschen zu sehr in seiner Menschenwelt zu hängen, wenn er nun noch mit seinem ‚Ketchup’ und seinem ‚Bett’ anfangen würde, müsste sie ihm die Schnauze zu halten. Also ging sie lieber nicht weiter auf ihn ein.
“Also, sagen wir so, wenn das nun wirklich nicht mehr vorkommt, hab’ ich kein Problem damit, ihr zu verzeihen, ist mir eigentlich egal. Aber das muss sie jetzt erstmal beweisen und bis dahin hab ich doch ein bisschen Angst, ihr im Dunkeln zu begegnen.“ Jetzt sah sie sich auch um und betrachtete die aufgebrachten Wölfe vor ihnen. “Ein bisschen übertrieben reagieren die aber schon alle. Warum schreien die sich denn so an? Irgendwie keine gute Art, ihrem toten Sohn zu gedenken.“
Sie betrachtete Ráyon und fragte sich, ob er seinen Sohn getötet, wenn sein Gott es ihm gesagt hätte. Wie viele von denen, die hier um sie herum waren hätten es getan? Irgendwie beängstigend …
[ Rudelplatz // Ráyon und Caleb ]
01.10.2010, 20:14
Vor ihr standen gefühlte tausend Wölfe. Zumindest der Lautstärke nach. Bewusst hatte Liel sich abseits gehalten. Schon der Ruf Tyraleens hatte gereicht, damit sich all ihre Nackenhaare zu Berge stellten. Aber natürlich war sie ihm gefolgt, dem Ruf eines Leittiers, oder eines Wolfes der dies anstrebt, widersprach man nicht. Vielleicht war auch winziges bisschen Neugierde dabei. Warum hatte Tyraleen so traurig geklungen?
Und nun stand sie hier, eben noch war sie zusammen mit Krolock, Neruí und einem weiteren Wolf, welchen sie nicht kannte unterwegs gewesen. Auch wenn man das so vielleicht nicht nennen konnte, sie war in ihren Bruder und seine Kampfpartnerin hineingerannt, der andere Wolf war erst danach dazu gestoßen. Doch selbst die beiden Streithähne hatten ihre Meinungsverschiedenheiten fallen gelassen, als sie das Heulen vernommen hatten und so hatte sich ihre kleine Gruppe schließlich auf den Weg gemacht um so schnell wie möglich, sofern es der nasse und schlüpfrige Boden denn zuließ, zum Rudelplatz zu gelangen.
Jetzt versperrten ihr viele erwachsene Wölfe die Sicht auf die weiße Fähe, welche ihren Sohn getötet hatte.
Liels Gefühle gegenüber ihrer Tat waren gemischt. Einerseits konnte sie nicht verstehen, wie man überhaupt einen anderen Wolf töten konnte, und dann auch noch den eigenen Sohn, andererseits hatte sie großen Respekt vor der weißen Fähe und war sich sicher, dass sie, zumindest für sie als einzelne Fähe, richtig gehandelt hatte. Und wenn jemand in seiner Sicht richtig handelte, konnte man ihm dies doch nicht vorwerfen. Oder doch? Handelte nicht jeder Wolf nach dem, was er für richtig hielt? Also war Tyraleen vielleicht doch gar nicht im Recht?
Verwirrt blinzelte Liel. Warum musste sie sich auch immer in einen solchen Topf voller Fragen werfen und so komplexe Gedankengänge haben, denen sie hinterher selber nicht mehr folgen konnte.
Während sie noch über das Recht und Unrecht eines einzelnen Wolfes philosophierte, hatte sich schon wieder eine ganze Menge getan. Während man sie eher als stille Randfigur bezeichnen würde, hatten sich einige der Rudelmitglieder zu Tyraleen vorgearbeitet um diese, in den meisten Fällen zumindest, wüst zu beschimpfen. ¬¬¬¬¬–Das wiederum fand Liel auch nicht richtig. Vielleicht hatte die Fähe einen Fehler begangen, aber soweit sie sich an ihre Erziehung erinnern konnte, und das konnte sie noch recht gut, es lang schließlich nicht weit zurück, war sie niemals derartig beschimpft worden. Und sie hatte sicherlich eine Menge Fehler begangen. Wenn auch nicht so gravierende wie Tyraleen. Wenn es denn ein Fehler war.
Stop.
Sie spitze die Ohren und horchte. Ihr Herz pockerte wild in ihrer Brust. Es würde jetzt gleich noch etwas passieren.
Sie verbat sich weitere Gedankengänge zu der Schuld- und Fehlerfrage und wartete. Und horchte.
Eine Stimme würde sie überall und auf jede Entfernung erkennen. Die ihres Freundes Chanuka. Und schon bevor er richtig angefangen hatte zu sprechen, wusste sie, dass sie nun eine neue Aufgabe hatte.
Seine Worte durchbrachen das laute Stimmengewirr, so laut hatte sie ihn noch nie bellen gehört. Sonst war er immer so zurückhaltend. Still.
Dann fiel ihr ein, dass Tascurio ein Bruder von ihm gewesen war. Nicht ein Bruder oder so, wie es bei ihr der Fall war. Außerdem hatte sie mit ihm nie viel zu tun gehabt. Überhaupt etwas?
Aber für Chanuka war es ein Bruder, ein richtiger. Sie vergaß dies schnell, da für sie nicht Tyraleen sondern Banshee die Mutter von Chanuka war. Deshalb waren sie beide ja auch Elternlos obwohl er noch beide Eltern hatte. Auch wenn diese sich im Zuge der Ereignisse getrennt hatten. Konnte man Eltern zweimal verlieren? Das wäre ja ungerecht!
Schluss mit den unrechten Gedanken.
Gerade noch konnte sie sehen, wie Chanuka sich abwendete und den Rudelplatz verließ. Das hatten die Erwachsenen nun davon.
Sie überlegte kurz, konnte sie es wagen den Platz ebenfalls zu verlassen? Waren sie dazu verpflichtet hier anwesend zu sein? Sie hatte die wichtige Mitteilung schließlich vernommen und wollte nun zu ihrem Freund. Ihm den Trost geben, dem ihm sonst niemand geben konnte. Und würde.
„Werdet nicht nur Erwachsen, sondern benehmt euch auch so!“
Auch sie hatte ihre Stimme erhoben und sie war sich sicher, dass man diese glockenhelle Stimme ebenso gut verstehen konnte, wie eben Chanukas gerufene Worte.
Damit drehte auch sie ab, lief einmal um alle Wölfe herum und verschwand dann im Wald. Sie schlug dieselbe Richtung ein, wie ihr Freund es getan hatte, sie konnte seine Witterung deutlich in der Luft wahrnehmen. Seine Fährte lenkten ihre Schritte in Richtung des Federbaums, von welchem ihr ein ekelhafter Gestank nach Tod in die Nase stieg. Hoffentlich wollte er nicht an diesem Ort verweilen. Aber als ob er ihre Gedanken vernommen hätte, drehte er ab und lief weiter. Hatte er ein Ziel vor Augen oder lief er einfach nur. weg.?
Sie folgte ihm, er lief nicht sehr schnell, so konnte sie sich ihm immer ein Stück nähern, auch wenn ihr Herz noch immer wild pochte. Langsam erreichte sie ihn also, trat an seine Seite um mit ihm im Gleichschritt weiterzulaufen.
„Was denkst du?“
[Abseits Rudelplatz. Rudel | Wald. Chanuka]
02.10.2010, 14:14
Tyraleen fühlte sich mehr und mehr überfordert. So viele Reaktionen prasselten auf sie ein, es klangen laute Schreie über den Rudelplatz, Wölfe, die sich gegenseitig beschimpften auf Grund von Tyraleens Tat. Warum stritten sie sich? War es nicht sie, die alle Schuld auf sich genommen und ihren Fehler eingestanden hatte? Warum schrieen sie nicht sie an? Sie verstand nicht, wie es zu einem solchen Chaos hatte kommen können und war doch machtlos es zu verhindern. Ihr Blick huschte über die Wölfe, sah so viel Zorn in ihren Gesichtern und das Verwirrendste war, dass einiger Zorn sich nicht einmal gegen sie richtete. Während sie stumm im Gemetzel der Worte saß überkam sie das Gefühl, einen Moment lang in eine tiefere Ebene ihrer Welt blicken zu dürfen. Zusammenhänge und Widersprüchlichkeiten zu sehen und verstehen zu können, warum es Krieg und Hass gab und akzeptieren zu müssen, dass Urteile wie ‚richtig’ und ‚falsch’, ‚böse’ und ‚gut’ einzig und alleine vom Blickwinkel des Betrachters abhing. Es gab keine bösen Wölfe. Es gab nur Wölfe, die einen anderen Blickwinkel hatten. So wie Fenris nicht böse oder falsch, sondern notwendig war, so musste es auch verschiedene Blickwinkel geben. Nur … warum war sie nun in eine Situation geraten, in der sich die Blickwinkel so sehr voneinander unterschieden? Und die unterschiedlichen Meinungen die Herzen so aufrüttelten?
.oO(Engaya, schick uns Frieden, Akzeptanz und Respekt. Mach, dass dieses Chaos ein Ende nimmt. Lass doch endlich den Zorn verschwinden.)
Doch erstmal sah es nicht danach aus, als würde sich das Rudel beruhigen wollen. Atalyas giftiger Blick bohrte sich zuerst in sie, dann in Avendal und die beiden begannen sich zu streiten, wie Schwestern nicht streiten sollten. Fassungslos lauschte die Weiße den Anschuldigungen, die sich die beiden Fähen ins Gesicht schrieen und fühlte sich furchtbar hilflos. Es war falsch, so schrecklich falsch.
“Atalya, Avendal, bitte hört auf, so hört doch auf. Euer Vater und ich haben uns schon genug gestritten, macht es uns nun nicht auch noch nach. Ihr seid eine Familie!“
Und dann … kam Face. Augenblicklich rutschte Tyraleens Herz einige Pfotenlängen nach unten. Sie sah ihm entgegen und erzitterte vor Angst, in seinem Blick Hass, Abscheu oder Vorwürfe zu finden. Nicht ihr Pate, bitte nicht ihr Pate. Er stellte sich zwischen Atalya und Avendal, doch sein Gesicht war ausdruckslos wie immer. Nur Enttäuschung war darin zu sehen, aber Tyraleen war es nicht möglich zu erkennen, ob er enttäuscht war über den schrecklichen Zorn, der über das Rudel gekommen war, oder über seine Patentochter, die nicht stark genug gewesen war, dem Schrecken Fenris’ zu widerstehen. Nach kurzem Zögern trat sie zu ihrem Paten, harrte noch einmal kurz mit der Schnauze neben seiner aus, dann vergrub sie ihr Gesicht in seinem Pelz – eine verzweifelt hilfslose Geste und der unausgesprochene Wunsch, wieder ein kleiner Welpe zu sein, der sich in das Brustfell seines Paten kuscheln kann und sicher ist vor der ganzen Welt. Aber weder dieser Wunsch, noch dieser Moment wurde ihr gewährt. Averics Stimme klang kalt und klar über den Rudelplatz. Langsam zog Tyraleen ihren Kopf zurück, sah auf und entdeckte ihren ehemaligen Gefährten zwischen den anderen Wölfen. Bittere Enttäuschung breitete sich über ihre Zunge aus und auch der Zorn wollte sich wieder regen.
“Ich habe auf deine Hilfe gehofft, Averic, aber anstatt dass du mir beistehst, hast du mich für verrückt erklärt und mir deine Abscheu entgegen geschleudert. Ich habe einen Fehler begangen, aber du hast mich im Stich gelassen und deine Versprechen gebrochen. Ich bin nicht die einzige Schuldige, an diesem Tag.“
‚Und wage es nicht, mich noch weiter zu beleidigen, sonst werde ich dich aus diesem Tal vertreiben und du weißt, dass ich das kann. Ich bin deine Leitwölfin.’
Noch einen kurzen Moment lang hielt sie den Blick auf Averic gerichtet, die Tränen um Tascurio noch in den Augen, doch die Enttäuschung füllte ihren ganzen Körper mit bitterer Galle. Sie wandte sich ab, gerade rechtzeitig um Chanuka zu sehen, wie er laut einen Satz brüllte und dann davon rannte. Machtlos sah sie ihm nach und hoffte, dass ihm jemand folgen würde, der ihn wirklich trösten könnte. Und sie hoffte, dass sie ihn nicht verloren hatte; erneut. Die widerlichen Worte Krolocks überhörte sie weitest gehend. Was hatte der Tod seiner Eltern nur aus ihm gemacht? Herzlos und kalt war er geworden, auch wenn es natürlich stimmte, dass dieses ganze Chaos hier nur grausam und schmerzlich war. Doch meinte er wirklich, es mit solchen Worten verhindern zu können? Er war ein einfacher Jungwolf, auch wenn er sich für mehr hielt. Tyraleen hätte ihn gerne für seine Respektlosigkeit bestraft, aber es gab ganz andere Dinge, die sie beschäftigten. Sie war viel zu gefangen in ihrer Trauer, ihrer Enttäuschung, ihrem Entsetzen.
Den Kopf noch immer leicht an Face gedrückt sah sie nun zwei Fremden entgegen, der eine ein Jungwolf, der schon länger bei ihr weilte, der andere ein vollkommen Unbekannter. Ihre Stirn krauste sich leicht während sie sich fragte, was die beiden bezweckten. Meinten sie, sie würden etwas sagen, was ihnen nicht klar war? Und diejenigen, denen es nicht klar war, waren viel zu sehr in ihrem Zorn gefangen, als dass sie ihnen zuhören würden. Es waren verschwendete Worte und auch wenn sie Tyraleen in Schutz nahmen, konnte sie sich nicht darüber freuen. Sie betrachtete den Jungwolf und den Fremden eine kurze Zeit lang, nickte dann und berührte beide an der Nase.
“Sie sind in ihrem Zorn gefangen und nur Engaya alleine kann dieses Chaos beenden. Ich hoffe, sie wird es bald tun.“
Ihr Blick lag auf dem Jungwolf, einem Freund von Krolock.
“Geh du zu Krolock und versuche ihn an den Wert des Lebens zu erinnern. Erinnere ihn auch an Respekt und Achtung vor dem Leben und anderen Wölfen. Ich wäre dir sehr dankbar.“
Dann wandte sie sich an den Fremden, der sich nun bei ihr entschuldigte. Vielleicht wäre es ihre Aufgabe gewesen, ihn zu fragen, warum er in ihr Revier eingedrungen war und was er hier tat, aber sie wollte nicht, sie konnte nicht.
“Ich danke dir, für deine Unterstützung, Fremder, auch wenn du uns unbekannt bist. Wie du siehst, herrscht Chaos in meinem Rudel, deshalb würde ich dich bitten, dich zurückzuziehen.“
Ihr Blick glitt zu Malakím, der nun mit Krolock und dem weißen Jungwolf sprach und sie war froh, dass er ihr half. Ohne ihn stände sie vielleicht nicht hier und wäre auch nicht in der Lage, all dem Zorn stand zu halten – dabei gefangen in ihrer Enttäuschung, Trauer und Einsamkeit. Einen kurzen Moment lang dachte sie wieder an das Schilf, richtete sich dabei leicht auf und erinnerte sich auch an die Ruhe und Zuversicht in Rakshees Augen. Dann sah sie einem weißen Rüden entgegen, der ihr bekannt vorkam. War das nicht Madoc? Sie erinnerte sich nicht mehr richtig, aber er schien Atalya zu kennen. Auch er versuchte sie zu beruhigen und Tyraleen war ihm dankbar. Vielleicht würde er ihrer rasenden Tochter Einhalt gebieten können, sie war nicht dazu fähig. Ihr Blick suchte erneut den Faces, sich nichts mehr wünschend, als sein Vertrauen nicht verloren zu haben.
[ Rudelplatz | zwischen allen möglichen Wölfen ^.~ ]
02.10.2010, 20:30
Krolock drehte sich zu Nihil um, als dieser ihn bestätigte und dabei allen Honig ums Maul schmierte. So eine elende Nervensäge. Doch wirklich aufregen konnte er sich nicht. Es war komisch, aber die Wut schien einfach verschwunden. Wahrscheinlich, weil er sich gerade erst mit Neruí geprügelt hatte. Ihm ging es blendend. Letztlich rührte ihn das kriegerische übereinander herziehen nicht. Von ihm aus konnten sie sich alle an die Kehle gehen und sich auslöschen, es ging ihn nichts an. Krolock wusste nicht, aus welchem Grund er hier blieb, aber er sah weder im Bleiben, noch im Gehen einen größeren Sinn. Es war egal.
Er grinste zu Nihil, der sich so ungeschickt für den Frieden ausgesprochen hatte. Er hielt den jungen Rüden nicht gerade für sonderlich intelligent. Geistig war er ihm schlicht unterlegen. Bei Neruí fühlte er so etwas nicht, auch nicht bei Liel oder Caylee. Nihil aber war eben nicht der Hellste. Eigentlich interessierte Krolock das nicht. Es störte ihn nicht einmal. Überlegen war er ihnen immerhin dennoch allen, weil er nicht den Traum von Freundschaft, Liebe und Glück träumte. Er war wach.
Sein Blick glitt zu Malakím. Dieser vermochte ihn nicht zu reizen. Seltsamerweise schien ihn alles gerade ziemlich kalt zu lassen. Wie friedlich. Er verstand nichts davon, hatte aber auch keine Lust, die Sache zu ergründen. Dass alles änderte nichts daran, dass er Malakím ätzend fand, mit dessen haltlosen, dummen Geschwätz.
"Du Pessimist!"
Er lachte auf. Das sollte wohl offensichtlich ein böser Schlag gegen ihn sein.
"Als Träumer steht es dir gar nicht, mich so böse zu verfluchten, du Fiesling! Wenn es die Macht der Göttin ist, mich gefügig und zu einem Dummschwätzer deines Kalibers zu machen, muss ich mich wohl fügen. Schließlich können die Götter auch dazu aufrufen, Jungwölfe zu töten. Ganz schön beschissen, findest du nicht?“
Krolock hatte sich nur an Malakím gewandt, fand den Gedankengang aber so gut, dass er unbedingt noch mal zum Rudel sprechen wollte. Während Malakím Nihil mit seinen dummen Weisheiten bombardierte, tappte Krolock davon um neuerlich durch das Rudel zu streifen.
"Seht ihr, wohin der Glaube an die Götter führt? Mutter tötet Sohn! Und wo war die Göttin des Lebens, als der Gott des Todes Tyraleen die Vision schickte? Ohne dämlichen Götterglauben wäre der arme Tascurio noch am Leben! Vielleicht solltet ihr euer Weltbild überdenken?! Die Götter schaden doch nur! Wenn Tyraleen nicht an die Götter glauben würde, hätte sie ihren Sohn nicht getötet. Es ist doch ziemlich dämlich sich von seinem Glauben dazu treiben zu lassen, Dinge zu tun, die man danach schrecklich bereut. Und nur die Götter sind schuld, nicht wahr?"
Er hatte schon immer eine ungeheure Wut auf die Götter gehabt und nun konnte er vielleicht den ein oder anderen von seiner Meinung überzeugen!
"Wahrscheinlich war es sogar der Wille der Götter, dass sich das Rudel streitet... Oh, wollt ihr eine Mutter, die ihren Sohn getötet hat, als Rudelmitglied akzeptieren? Und wie wäre das überhaupt, wenn das halbe Rudel sich fürchten muss, dass sie uns anspringt und uns die Kehle durchbeißt?"
Krolock lebte richtig auf, während er sprach. Es fühlte sich so richtig an, die Wölfe aus ihrer Traumwelt zu reißen und ihnen die Realität vor Augen zu führen.
[Mitten zwischen den Wölfen]
02.10.2010, 20:40
Chanuka wollte nicht verfolgt werden. Er wollte allein sein. Er fühlte sich so schrecklich verwirrt, dass ihm jeglicher Gedankengang wieder entglitt, kaum dass er sich auf ihn konzentrierte. Der junge, schwarze Rüde drehte die Ohren nach hinten, nicht wissend, wer ihm folgte, sich vornehmend, denjenigen fortzuschicken. Er konnte sich jetzt nicht auf ein Gespräch konzentrieren.
Als er zur Seite blickte, sah er in Liels Gesicht. Es war merkwürdig, aber mit ihr hatte er einfach nicht gerechnet. Es war ihm gar nicht in den Sinn gekommen, dass sie es sein könnte, die ihm gefolgt war, obwohl es nun so selbstverständlich wirkte. Wer sonst war immer für ihn da? Automatisch begann er, darüber nachzudenken, was er ihr antworten wollte, schnell vergessend, dass er hatte mit niemandem reden wollte. Niemand betraf alle, alle außer Liel. Mit keinem Wolf konnte er wirklich über alles reden, außer mit ihr. Nur bei ihr fühlte er sich immer sicher. Aufgefangen. Und es machte ihm vor allem nichts aus. Sie durfte seine Traurigkeit in ihrer Vollkommenheit sehen, ohne dass er sich schämte. Ihr gegenüber konnte und wollte er sich gar nicht verstellen.
"Dass ich meinen Lieblingsplatz nicht mehr besuchen können werde..."
Gab er schließlich zurück, nicht wissend, ob er überhaupt je mit Liel über seinen Federbaum gesprochen hatte.
"Weißt du noch, die Feder die Isis mir geschenkt hatte? Als sie meine Patin wurde?"
Es war keine Frage, auf die er eine Antwort erwartete. Mehr war es eine Einleitung, in die Geschichte über den Ort, an dem er sich so wohl gefühlt hatte und der nun immer der Platz sein würde, an dem sein Bruder verstorben war und sich seine Eltern getrennt hatten. Er schluckte.
"Als ich ein Welpe war, habe ich die Feder eingepflanzt, damit aus ihr ein Vogel wachsen kann... das war das erste Mal, dass ich mit Averic Zeit verbringen konnte, ganz allein... dieser Tag ist mir unglaublich wichtig, auch heute noch. Es wird immer eine besondere Erinnerung sein, ein schönes Erlebnis. Und als das Nichts unsere Welt verschluckt hatte und wir unser neues Zuhause unter unseren Pfoten wachsen sahen, da entstand der Federbaum. Er gehört zu mir. Er fühlt sich an als wäre er ein Teil meines Herzens. Die Feder war ein Geschenk von Isis, aber die Feder selbst hatte nie einen besonderen Wert für mich. Der Tag mit Averic aber schon und so liebte ich meinen Federbaum, mit seinen Blättern, so als stünde jede seiner Federn für eine wunderschöne Erinnerung."
Wehmütig dachte er darüber nach, wie geborgen er sich stets unter dem Baum gefühlt hatte. Ein Frieden der für alle Zeit zerstört schien.
"Mein Bruder Tascurio... er liebte Blumen. Der Federbaum ist gesäumt von einer Blumenwiese und so lagen wir oft dort, jeder für sich. Tascurio hat nie die Nähe zu Anderen gesucht, aber er liebte die Blumen und die Bäume, die Sonne, den Himmel, Regentage und den Wind. Er mochte alles in der Welt, dass einfach da ist und dennoch, für sich betrachtet, ein kleines Wunder bedeutet."
Chanuka erinnerte sich an die Worte des weißen Jungwolfs. Es kam ihm vor, als wären sie aus einem anderen Leben, dabei waren sie an diesem Nachmittag gesprochen worden: Wenn ihr irgendwann einmal von mir erzählen wollt und euer Zuhörer mich nicht kennt, dann erzählt ihm, dass ich Blumen mochte. Ich mochte alles, dass man allein genießen kann.
Hilflos sah er zu Liel.
"Turién und ich waren bei ihm, bevor Tyraleen kam. Aber wir sind gegangen... wir sollten an der Lehrjagd teilnehmen... wir waren schon fort, doch wir kehrten zurück... wir sahen... ich sah wie Tyraleen auf Averic zusprang... und wie sie sich ineinander verbissen... neben meinem toten Bruder."
Der Schmerz holte ihn ein und jagte durch seinen sich verkrampfenden Körper. Seine Eltern waren nicht mehr zusammen. Es gab sie nicht mehr als Ganzes, nur noch als zerrissene, wütende, traurige Einzelteile. Er hatte noch immer Vater und Mutter, aber nie wieder beide zusammen. Überhaupt wusste er nicht, was nun aus seiner Familie werden würde. Würden sie getrennte Wege gehen? Würde einer von Beiden das Rudel verlassen? Und was war mit seinen Geschwistern? Auch diese hatten sich zerstritten und waren uneins geworden.
Unendlich traurig blieb er stehen und sah zu Liel. Sie waren immer weiter gelaufen und Chanuka konnte sich nicht erinnern, schon einmal hier gewesen zu sein.
"Wie soll es nur weiter gehen, Liel? Wird Averic wütend, wenn ich mit Tyraleen rede und was wird Tyraleen sagen, wenn ich Zeit mit Averic verbringe? Meinst du sie werden versuchen, mich auf ihre Seite zu ziehen? Werden sie böse Sachen übereinander sagen? Ich glaub ich würde das nicht aushalten... ich konnte es so schon kaum ertragen... und was ist mit Atalya, Avendal und Caylee? Mit Neruí und den Anderen? Werden sich nun alle für immer hassen? Ich meine... ich denke ganz viel ist heute gesagt worden, ohne darüber nachzudenken, allein aus Wut und Schmerz heraus... Enttäuschung und Verzweiflung... aber was ist, wenn all das nie wieder gut wird? Was... was wird dann aus allen werden?"
Und was wird aus mir? Er fühlte sich so schrecklich zerrissen und wenn Liel nicht dagewesen wäre, hätte er vermutlich vergessen, dass es immer jemanden geben würde, der an seiner Seite war. Wäre sie nicht gekommen, hätte er sich einsam und allein in seinen trüben Gedanken verirrt und den Weg nicht mehr zurück gefunden. Vielleicht wäre Wut in ihm geboren worden, stark genug, ihn zu zerstören. Zorn machte alles kaputt.
Erschöpft vergrub er die Nase in Liels Pelz, wissend, dass seine Welt untergegangen war und er dennoch nicht fallen würde. Weil sie da war.
[Bei Liel, fernab des Rudelplatzes, vorbei am Federbaum und nun in den weiten des Reviers]
03.10.2010, 00:18
(( Okay, das ist jetzt ein bisschen blöd, aber ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen. ^^'' Ist leider zu spät geworden.
Hier ist nur das Gesprochene aus Avis Beitrag - der Rest wird dann (falls es geht) Morgen nacheditiert, ansonsten Freitag. ))
„Ha, und was hast du gemacht!? Hast du mir irgendwelche Zeit dazu gelassen!? Was hättest du denn gedacht, wenn ich unserem Sohn die Kehle durchgebissen hätte, keine weiteren Erklärungen als "Es war für dich!" abliefere und dich dann wüst beschimpfe!? Willst du mir etwa weis machen du hättest anders reagiert!? Das ich nicht lache! Das kaufe ich dir jetzt, nachdem du mir dein wahres Gesicht gezeigt hast, nicht mehr ab! Ich bin gewiss nicht Schuld daran, dass Tascurio nun tot ist und sich alle anderen das Maul übereinander zerreißen!“
Avis wütende Antwort auf Tyra, danach hört er Avendals Beschimpfung auf ihn. Ein paar Augenblicke bleibt er noch fassungslos und entsetzt stehen, dann sagt er ausdruckslos:
„Ihr Engaya-Wölfe seit so falsch.“
und verschwindet im Wald hinter sich. Krolock hört er nicht mehr.
03.10.2010, 14:56
Mit von den Tränen verschleiertem Blick musterte die Graue ihre Mutter, Aber bevor die Weiße reagierte, prasselten noch einmal Worte des Zorns ihrer Schwester auf sie nieder. Atalya zog die Lefzen hoch, so wie Avendal selbst es auch tat. Die Graue rechnete nicht mit einem Angriff der Weißen, und trotzdem war sie vorsichtig. Ein kühles Lachen veröieß die Kehle der Fähe. Avendal glaubte, dass ihre Mutter das nicht tun würde?! Sie hatte ihren Sohn ermordert, sie war zu allem fähig! Sie grollte laut auf, als die Weiße nun auch ihrem Vater verachtende Worte entgegen grollte. Woher zum Teufel wollte sie wissen, dass es so gekommen wäre, wie ihre Mutter es erzählt hatte? Es hätte alles anders kommen können, aber das würden sie nun nie erfahren. Aber noch bevor sie den Fang öffnen konnte, um der Weißen die passende Antwort dazu zu geben, hatte sich diese auf sie gestürzt, ihre Fänge kurz in ihren Pelz gegraben. Atalya jaulte auf, wurde zurück gedrängt und konnte doch nicht schnell genug reagieren, um sich zu wehren. Statt dessen knurrte sie wieder auf, trat einen Schritt nach vorn, hielt inne, bei den Worten, die ihre Schwester ihr als nächstes entgegen spie.
“Sieh dich an! Du bist kein bisschen besser! So, wie du sprichst, bist du selbst Fenris genau so nah, wie wir! Sieh dich an!“
Noch immer rannen Tränen über Atalyas Wangen, während ihr heller Blick sich fest in die dunklen Augen ihrer Schwester bohrten. Sie zeugten von Hass, den sie empfand. Und sie glaubte, sie wäre etwas besseres?! Hah! Dann drang die Stimme ihrer Mutter an ihre Ohren, die bat, dass sie aufhören sollten. Eine Familie?! Eine Familie sollte zusammen halten. In einer Familie tötete der eine nicht den anderen. Wütend über diese Worte wandte sich ihr Blick wieder auf ihre Mutter. Stumm, mit vorwurfsvollem Blick. Ein Schrei zerschnitt förmlich die Luft, die Spannung, die über ihnen lag. Die Stimme des Rüden, der schon im nächsten Moment zwischen ihnen stand, und dessen Stimme sie zuvor nie so laut gehört hatte. Atalya stolperte einen Schritt zurück, den Blick nun in die dunklen Augen des Schwarzen gerichtet. Sie sollten aufhören. Sie erkannte die Enttäuschung in seinen Augen, von der sie glaubte, sie auch in Banshees Augen sehen zu können, wäre die Weiße nun bei ihnen. Seine Worte ließen sie leicht die Ohren anlegen und den Kopf zur Seite wenden. Noch immer kochte die Wut in ihr, aber sie blieb still. Kurz kniff die Graue die Augen zusammen, als könne sie so den Zorn vergessen, der um ihr Herz lag und sie nicht klar denken ließ. Sie hörte die Stimme ihres Vaters, die Worte ihrer Mutter. Und der Schmerz, den ihr ihre Worte zufügten, verwandelten sich nur in neue Wut, die ausbrechen wollte, um sich gegen jemanden zu richten. Dabei war es egal, ob gegen ihre Mutter, Avendal oder sonst wen. Sie wollte sich von dieser Wut befreien.
Die Graue zuckte zusammen, als eine so bekannte Stimme ihren Namen nannte. Ihr Blick richtete sich zur Seite, als ein weißer Schatten neben ihr auftauchte, und sich zuerst bei ihrer Mutter und Face entschuldigte. Ungläubig blickten die hellen Augen Atalyas Madoc an. Er war wieder hier. Aber alles andere als Freude nahm sie ein. Sein Blick schien auch nicht sehr begeistert, als er sich wieder ihr zu wandte. Atalya zog die Lefzen hoch, wollte der Wut, die in ihr loderte, Luft machen. Er tauchte hier auf, und tat so, als wenn er eine Ahnung hätte, was zu diesem Zeitpunkt in ihr vorging?!
“Über was soll ich da nachdenken?! Wenn sie uns liebt, wieso tut sie dann so etwas? Du weißt nichts, Madoc! Du tauchst hier auf, und sprichst von etwas, was du nicht verstehen kannst!“
Die Graue wich einen Schritt von seiner Seite, noch ein Mal wandte sich ihr Blick voller Wut, Verzweiflung, Trauer und Enttäuschung auf ihre Mutter. Nur ein kurzer Blick galt Krolock, der sich inmitten der Wölfe befand. Sie wollte das alles nicht mehr hören. Es war zu viel für sie. Ein letzter Blick huschte zu Madoc, ehe sich die graue Fähe abwandte. Der Zorn sog an ihren Kräften, ließ sie müde werden. Sie blickte nicht zurück, wandte den Wölfen nur den Rücken zu. Und dann rannte sie los, die Worte ignorierend, die über den Rudelplatz hallten. Sie rannte einfach, während die Tränen noch immer ihr grauer Fell benetzten. Sie hatte kein Ziel, wollte einfach den Zorn loswerden, der wild in ihrer Brust loderte. Sie verstand nichts mehr, und dabei wollte sie doch nur, dass ihre Familie zusammen hielt. Und schon jetzt bereute Atalya, was sie gesagt hatte. Und das, wo sie sich doch immer unter Kontrolle gehabt hatte.
[Beim Chaos auf dem Rudelplatz - dann alleine irgendwo im Wald]
03.10.2010, 16:36
Es war erschreckend zu zusehen, was sich vor seinen Augen abspielte und Madoc konnte kaum glauben, dass dieses Rudel ihm einst ein Zuhause gewesen war. Selbst er, ein solch kaltherziger Rüde hatte Wärme und Geborgenheit empfunden, selbst wenn er es selten und ungern gezeigt hatte. Doch wo war diese Herzlichkeit? Wie konnte sich so viel verändern, seit er diesen Ort verlassen hatte? Noch immer fassungslos beobachtete er den tobenden Familienstreit voll Abscheu und Reue, welch tragisches Bild, welch tragischer Tag.
Als Atalyas Aufmerksamkeit schließlich auf ihm ruhte, funkelten seine blutroten Augen voll Entsetzen und Schmerz. In ihrem Blick war keine Freude, nicht einmal ein winziger Hauch von Zuneigung. Sie hatte sich so sehr verändert. Wo war die naive, lebensfreudige kleine Fähe geblieben, die sein Herz ein weiteres Mal zu schmelzen gebracht hatte? Die in ihm so unwiderruflich den Beschützerinstinkt hervorgerufen hatte und sein Antlitz mit einem Lächeln bescherte? Ihre Reaktion war genau wie er erwartet hatte und doch verspürte er innerlich das Gefühl von Trauer und Wut. Der Weiße hatte es kommen sehen und doch wollte er es nicht wahr haben. Er mochte kein ausgeprägtes Verständnis für diese Situation haben, doch glaubte er dennoch an die Richtigkeit seiner Worte. Die mütterliche Liebe war etwas so starkes, etwas so bindendes, dass selbst der Tod sie nicht zersplittern konnte und Tyraleen war soweit er beurteilen konnte keine grausame, erbarmungslose Fähe, die unmoralisch und undurchdacht handelte. Atalya wusste nicht ihre Mutter zu schätzen, wusste nicht um ihr Glück, dass sie noch eine Mutter hatte. Madoc blickte sie wehleidig an, in Gedanken bei seinen eigenen Eltern, die beide ihr Leben ließen um das seine zu bewahren. Den Groll und das Entsetzen über den Tod des Bruders konnte er verstehen, doch blickte er nun die weiße Fähe an, so war die Trauer doch deutlich abzulesen.
Bevor der Silberne jedoch etwas auf ihre Anschuldigung erwidern konnte, wandte sie sich bereits von der Menge ab und suchte schnellen Schrittes den Schutz der Wälder. Er blickte der Grauen nach und zögerte einen Augenblick. Schließlich sah er Tyraleen, Face und Avendal mit seinen rubinroten Seelenspiegeln an und nickte kurz, bevor er sich gewandt umdrehte und Atalya hinterher lief. Ihrem Geruch folgend sprintete er mit grazilen Sprüngen in den Wald hinein, bis er sie langsam aber sicher einholte.
"Atalya"
Rief er aus, als er neben ihr herlief und unermüdlich darauf wartete, bis sich stehen blieb. Stunden schienen zu vergehen, bevor der Rhythmus ihrer trommelnden Pfoten sich beruhigte und schließlich in einem keuchenden Stand erstickt wurde. Madoc stellte sich an ihre Seite, sah sie einige Minuten lang reglos an, um ihr Zeit zum Nachdenken zu geben und sich nicht aufzudrängen. Es war immerhin ein Jahr her, seit sie sich das letzte Mal sahen und offensichtlich war nichts so geblieben wie es war. Der Hüne seufzte und blickte auf die Graue hinab, die kaum mehr etwas mit dem Welpen gemein zu haben schien, den er hier zurückließ. Sein einziger Gedanken war nun jedoch, sie zu beruhigen, zur Besinnung zu bringen und mit ihr zu reden. Sanft stieß er sie mit der Schnauze an, so liebevoll wie er es zuvor nur sein nun verstorbener Bruder jemals von ihm verdient hatte. Er erwartete, das Atalya ihn wegstieß, dass sie ihn anschreien würde und doch blieb seine innere Ruhe unzerstört, seine Geduld unerschöpfbar. Er konnte sie verstehen, obgleich er anders gehandelt hätte.
"Beruhig dich, auch wenn es schwer scheint, versuch mir zu erzählen, was geschehen ist"
Durchbrach der Silberne schließlich die Stille, seine Stimme war wie immer ruhig, neutral und wissend. Seine blutroten Augen funkelten verständnisvoll und doch ein wenig fordernd, ohne jedoch Aufdringlichkeit und Ungeduld zu übermitteln. Was würde sie nun tun? Ihn anschreien? Erneut weglaufen? Madoc wusste es nicht und erst jetzt wurde ihm richtig bewusst, dass er sie nicht einmal mehr so gut kannte, dass er sie richtig einschätzen konnte. Sein Einschätzungsvermögen war für gewöhnlich enorm, doch nun schien er blind zu sein, unwissend und verloren. Und doch wirkte er äußerlich wie immer gefasst, ruhig und bestimmt. Konnte sich seine körperliche Ruhe auf sie übertragen? Der Sternentänzer verharrte reglos, vor ihm stand nicht die Atalya, die er kannte.
[Zuerst beim Rudel | dann bei Atalya im Wald]
03.10.2010, 17:01
Atalya rannte, spürte ihr Herz rasen und den Wind an ihrem Fell ziehen. Und doch konnte sie nicht ignorieren, was für ein Feuer in ihrem Inneren loderte. Sie wollte weg, weg vom Rudel, ihrer Familie, Madoc. Für einen Moment wollte die Graue allein sein. Allein, um Ruhe zu finden, um sich zu beruhigen und ihre Gedanken zu ordnen. Immer wieder flackerte vor ihrem Inneren Auge das Bild ihrer Mutter auf, wie sie vor ihnen saß. Gebrochen, und mit blutverschmiertem Fell. Das Blut ihres Bruders. Tascurio. Sie selbst hatte nie viel mit ihm zu tun gehabt.. und doch hatte es sie wie ein eiskalter Schlag getroffen. Sie bereute, was sie gesagt hatte, und wußte doch nicht anders zu reagieren. Gab es eine Entschuldigung dafür, was ihre Mutter getan hatte? Konnte man den Göttern die Schuld geben, so wie Krolock es gesagt hatte? Knurrend schüttelte Atalya den Kopf, kleine Tränen flogen durch die Luft. Aber sie hielt nicht an, lief weiter, auch wenn langsam die Erschöpfung an ihr zog. Aber sie wollte nicht stehen bleiben. Sie wollte niemanden sehen, nicht einmal ihren besten Freund wünschte sie sich nun an die ihre Seite. Sie wollte allein sein, bis alles wieder in Ordnung war. Auch wenn sie nicht glaubte, dass nun alles wieder gut werden würde.
Während sie nachgedacht hatte, war sie langsamer geworden, ohne es selbst wirklich zu merken. Und dann stieg ihr ein bekannter Geruch in die Nase, der sie leicht aufknurren ließ. Er war ihr gefolgt -–gegen ihren Willen. Er sollte weg bleiben! Sie wollte ihn nicht sehen. Aber.. dann war er schon an ihrer Seite, und abrupt blieb sie stehen, das Nackenfell aufgestellt. Auch Madoc kam an ihrer Seite zum stehen, sodass sie leicht die Lefzen zu einem Knurren verzog, ohne, dass ein solches ihre Kehle verließ. Stumme Tränen rannen über ihre Wangen, als der Weiße sie berührte. Sie zuckte zusammen, sprang zur Seite. Und nun verließ doch ein leieses Grollen die Kehle der jungen Fähe. Wütend legte sich ihr heller Blick auf den Rüden, sie wich noch einen Schritt zurück, um mehr Platz zwischen sich und ihn zu bringen. Sie wollte ihm nicht wehtun.
“Wieso mischt du dich ein?! Sie hat meinen Bruder ermordet, wie soll ich mich beruhigen?! Sie hat meine Familie zerstört!“
Ihre Stimme zitterte unter den Tränen, die noch immer über ihr Fell rannen. Mehr gab es nicht zu sagen, damit er verstand. Die Graue atmete schwer, wandte den Kopf zur Seite, im Madoc nicht ansehen zu müssen.
“Geh. Ich will allein sein!“
[Im Wald - Madoc]
03.10.2010, 18:03
Er hatte es nicht anders erwartet, Atalya beruhigte sich nicht. Der sonst so ignorante, arrogante Madoc spürte nun zum ersten Mal ein Gefühl, dass ihm noch nie begegnet war und sich unwiderruflich in den Tiefen seine Herzens einbrannte. Es war das sonderbare Gefühl durch jene die man liebt, verletzt zu werden, das Gefühl, als hätten sich ihre knurrenden Fänge um sein Herz, um seine Seele geschlossen. Doch er ließ es sich nicht anmerken, wie immer. Vielleicht wusste die Graue um sein Empfinden, vielleicht war sie aber auch zu verzweifelt, zu aufgebracht um überhaupt an ihn zu denken, er wusste es nicht. Der Rüde verharrte in seiner Position, als sie vor ihm zurück wich, als hätte er sie nicht sachte berührt, sonder gebissen. Er wollte sich nicht aufdrängen, wollte ihr Spielraum lassen und doch fiel es ihm schwer mit einer solchen Situation umzugehen. Noch nie hatte jemand ihn so behandelt und die, die es taten hatten es mit einer blutigen Kehle gebüßt. Und doch stand er jetzt vor einer Fähe, die er problemlos hätte außer Gefecht setzten können und doch konnte er es nicht. Ihre Worte bedeuteten ihm mehr als die eines jeden anderen Wolfes, ihre Drohung nahm er persönlicher als einen Angriff um Leben um Tod. Was war das bloß für ein Widersehen? Wieso hatte sich Atalya so verändert? Und mit einem Mal fühlte sich Madoc schuldig, er hätte sie niemals verlassen dürfen. Er war nicht für sie da gewesen, als sie ihn brauchte und nun lehnte sie seine Unterstützung, seine Anwesenheit ab. Vielleicht hatte er es sich verdient, vielleicht war es sein eigenes Verschulden, doch so einfach wollte der Silberweiße diese Tatsache nicht hinnehmen. Doch er wusste nichts zu erwidern, für den Bruchteil einer Sekunde war er wie gelähmt, seine Zunge klebte ihm am Gaumen, es wollten sich keine vernünftigen Worte formen. Als die Graue ihn jedoch wegschickte, reichte es ihm. Er konnte sich nicht mehr zurückhalten und er würde nicht nach ihren Wünschen handeln. Sie hatte einen großen Verlust erlitten und Madoc verstand die Trauer, hatte er doch bei Llywarchs Tod nicht weniger energisch reagiert. Und der Tod durch den Fang ihrer Mutter war ein Schlag für sie und dennoch musste man lernen, dem Schicksal ins Auge zu blicken und Tatsachen einzusehen.
"Wieso ich mich einmische? Ich mische mich ein, weil du mir wichtig bist, weil ich dein Leid teile und weil ich dir helfen möchte."
Sagte er mit ruhiger Stimme, den Schmerz den er bei jedem Wort verspürte hielt er verborgen wie immer. Doch seine Gedanken tobten wie ein Orkan in seinem Kopf, den er nicht zu beruhigen vermochte. Er musste ihr klar machen, dass er für sie da war, jedoch nicht, um von ihr angeschrien zu werden. Sie trug Groll im Herzen, doch sie musste lernen, sich zu beherrschen, und nicht unschuldige für etwas strafen was sie nicht begangen haben.
"Ich weiß, dass ich lange weg gewesen bin, doch ging unsere Freundschaft wirklich nicht mal so weit, um diesen Zeitraum zu überbrücken? Ich hoffe, dass du mir vertrauen kannst, Atalya, doch wenn dir meine Gesellschaft so sehr zuwider ist, werde ich deinen Wunsch respektieren."
Er war noch immer ruhig, machte keine Anstalten näher zu treten. Er wusste nicht, was innerhalb des eines Jahre mit der Grauen geschehen war, er hoffte, dass er irgendwann die alte Atalya wiedersehen würde.
[Im Wald | bei Atalya]
03.10.2010, 18:18
Die helle Jungwölfin schnippte mit ihren Ohren und wich einige Schritte zurück als ihre Schwester auf sie zu kam. Sie drückte ihren Kopf tief nach unten so das ihre Schnauze den Boden berührte, was sich jedoch nicht vermeiden ließ das, das Knurren aus ihrer Kehle weiter nach draußen grollte.
„ Ich habe NIE behauptet, das ich Fenris nicht näher wäre! “
Spie sie aus und wollte erneut auf ihre Schwester los gehen als sich ein schwarzer Rüde ihnen in den Weg stellte. Seine tiefblauen Augen zeugten von reiner Enttäuschung und Avendal zuckte zusammen, dabei weiteten sich ihre Augen und sie legte ihren Ohren an. Auch ihren Schweif klemmte sie zwischen ihren Hinterpfoten, seine Worte verletzen Avendal, schnitten tiefe Wunden in ihre Seele und brachten ihr Herz zum Bluten. Die Helle winselte auf, der Schwarze hatte Recht! Vorsichtig warf sie einen Blick auf ihre graue Schwester, gegen die sie eigentlich nie etwas gehabt hatte, dann drehte sich ihr Kopf zu ihrer Mutter die ebenfalls Wort an sie beide gewandt hatte. Hilflosigkeit sah sie in den goldenen Augen Tyraleens und Avendal fühlte sich mit einen mal richtig Schlecht. Tränen sickerten in ihr Fell und sie schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen, Familie… was hatte dieses Wort denn noch zu bedeuten? Hatte es denn überhaupt noch an Bedeutung? Ihre blauen Augen blickten fragend von Face zu Tyraleen und schweiften dann über das restliche Rudel von Banshee. Was sollte sie tun? Was konnte sie tun um es richtig zu machen? Ihre Augen glitten zu ihrer Schwester, sie sollte sich bei Atalya entschuldigen. Sie war nicht sie selbst, alle waren nicht sie selbst. Die helle Jungwölfin hob den Kopf etwas und wollte einen Schritt auf ihre Schwester zu machen als sich dieser weiße Rüde mit den blutigen Seelentoren einmischte. Fragend blickte sie den Rüden an, sein Antlitz kam ihr vertraut vor aber sie konnte ihn nicht wirklich zuordnen. Seine Worte waren nur an Atalya gewandt und erneut war Avendal dazu gezwungen ihre graue Schwester anzusehen. Doch diese Schrie ihn an, ihre Augen sprühten dabei Funken und Avendal wich kurz davor zurück obwohl es mehr an den Rüden namens Madoc gerichtet war als an sie selbst.
Sie beobachtete ihre Schwester genau, konnte sehen wie sie litt und fühlte denselben Schmerz. Tascurio war auch ihr Bruder gewesen! Avendal richtete sich nun auf, der Klos in ihrem Hals wuchs und wuchs und auch die Tränen die aus ihren Augen flossen wollten nicht versiegen. Als ihre graue Schwester ihnen den Rücken zukehrte und davon lief, machte Avendal einen Satz nach vorne wurde aber von Madoc abgehängt. Sie selbst zögerte dadurch, nicht wissend ob sie den beiden folgen sollte. Sie wollte sich bei ihrer Schwester entschuldigen, mehr wollte sie doch gar nicht. Kurz warf sie ihren Kopf zurück, der Blick huschte zwischen Face und ihrer Mutter hin und her, ehe sie sich wieder nach vorne richtete und der Spur von Atalya und Madoc folgte. Sie wollte nicht den gleichen Fehler machen wie ihre Eltern, wollte sich nicht von Fenris hinreißen lassen sondern nur auf Oma Banshee’s Weg laufen.
„ Atalya! Atalya! Warte doch! “
Sie erblickte sofort das silberweise Fell des rotäugigen Rüdens und wusste, dass ihre Schwester nur in seiner Nähe sein konnte. Als sie die beiden erreicht hatte wurde sie langsamer und blieb zwischen beiden stehen. Ihr Blick glitt zu Atalya die sich von ihnen abgewandt hatte und mehr an den Rüden gewandt sagte das er sie allein lassen sollte, doch diese Worte würden wohl für jeden gelten der ihr zu Nahe käme. Avendal senkte den Kopf und wartete darauf was der Rüde sagen würde. Welche Worte er für ihre Schwester hatte um sie zu trösten. Seine Worte die der Rüde an die Fähe richtete rührten Avendal, doch die Frage war wohl eher ob Atalya auch das gleich dafür empfand. Jetzt war sie an der Reihe ihre Stimme zu heben.
„ Atalya, es tut mir so schrecklich Leid. Tascurio war auch mein Bruder und ich trauere sehr um ihn… Ich möchte dich als Schwester nicht auch noch verlieren. Bitte vergib mir … “
[Wald – Atalya, Madoc]
03.10.2010, 18:50
Er schien es nicht zu verstehen. Sie wollte, dass er ging. Sie wollte ihn nicht sehen, ihm nicht in die Augen blicken. Aber er blieb. Er blieb hier, und blickte sie an. Die Graue kniff die Augen fest zusammen, biß die Fänge fest aufeinander. Sie war froh, dass er nicht auf sie zukam, sondern an der Stelle stehen blieb, von der sie weg gesprungen war. Langsam öffnete sie die hellen Seelenspiegel, warf dem Weißen einen vorwurfsvollen Blick zu. Sie wollte ihn jetzt nicht sehen. Und doch schnitten seine Worte in ihre Seele, schienen zumindest für den Moment den Schmerz aus ihrer Seele zu schneiden. Was blieb, war die Wut. Wieder machte die Graue einen Schritt zurück, als befürchtete sie nach diesen Worten, dass er zu ihr kommen würde, und ihre Nähe suchte. Aber er blieb stehen, schien ihren stummen Wunsch in ihren Augen zu erkennen. Sie wollte seine Nähe nicht. Nicht jetzt. Aber er verstand es nicht. Stattdessen redete er weiter auf sie ein, ließ in ihr das Bedauern wieder aufflammen. Atalyas Ohren legten sich zurück, und ihr Kopf senkte sich gen Boden. Wieder traten ihr Tränen in die Augen, während ihr schon wie zuvor bewußt wurde, was sie gesagt hatte. Zu ihrer Mutter. Zu Tyraleen, ihre Mama. Die Krallen der jungen Wölfin bohrten sich in die Erde, die Augen geschlossen, überlegte sie einen Moment, ob sie wieder fliehen sollte. Sie wollte ihn nicht noch einmal wegschicken. Aber sie wollte ihn auch nicht sehen.
“Es.. tut so weh..“
Ihre Stimme zitterte, hatte jegliche Sicherheit verloren, die einst in ihr mitgeschwungen war. Ohne es wirklich bewußt wahr zu nehmen, machte sie einen kleinen Schritt auf den Weißen zu, hielt aber schon im nächsten Moment inne, als ein weiterer, sich nähernder Geruch in der Luft lag, und wenige Herzschläge später ihr Name gerufen wurde. Avendal war ihnen gefolgt, betrat nun die Stille des Waldes. Atalya verfolgte mit den Augen die Bewegungen ihrer Schwester, erinnerte sich an den Moment, bevor Face sich zwischen sie gestellt hatte. Dieser winzig kleine Moment, in dem sie geglaubt hatte, Avendal könnte sie angreifen. Er war verschwindend gering gewesen, aber da. Und nun stand sie vor ihr, den Kopf gesenkt. Atalyas Nackenfell stellte sich auf, und die Wut brachte die kleine Wunde an ihrer Schulter zum brennen. Einen kleinen Moment wandte sich ihr heller Blick zu ihrem besten Freund, dann wieder auf ihre Schwester. Mit wütendem Blick trat sie nun auf die Weiße zu, dieses Mal ohne jegliche Drohung, ohne zu grollen. Stumm, und irgendwie strafend. Auch das aufgestellte Fell hatte sich gelegt. Sie war keines Falles besser gewesen, daran dachte sie nicht einen Moment. Und in ihrer Stimme schwang dann doch ein leises, kaum hörbares Knurren mit.
“Wieso sollte ich dir verzeihen? Unsere Familie ist kaputt! Es ist egal, wer Schuld ist. Ob die Götter, unsere Mutter oder sonst wer. Selbst wenn ich dir verzeihen würde, würde es nichts ändern. Unser Bruder ist tot, unsere Familie gespalten. Nenn mir also einen Grund, den ich haben sollte, um dir zu verzeihen. Um unserer Mutter zu vergeben, ebenso wie mir selbst.“
Bei den letzten Worten hatte ihre Stimme wieder an Sicherheit verloren, an Stärke. Sie wollte es noch immer nicht wahr haben, dass ihre Familie zerstört war. Sie hatte erlebt, wie ihre Eltern miteinander umgegangen waren. Und doch wollte sie nicht glauben, dass dieser eine Tag ihr aller Leben so auf den Kopf gestellt hatte.
[Im Wald - Madoc & Avendal]
03.10.2010, 19:26
Es herrschte ein heilloses Durcheinander und man konnte seinen eigenen Gedanken kaum noch hören, weil jeder den anderen übertönen wollte. Die Leitfähe bat Volk sich zurückzuziehen und dieser wollte ihr den Gefallen auch tun. Doch bevor er ging sollte sie noch seinen Namen erfahren und das er Beileid für das Unglück, welches geschehen ist, empfand.
„ Es tut mir wirklich Leid um deinen Sohn und um das Geschehene hier. Ich, Volk Zubami stehe dir zur Verfügung. Natürlich werde ich mich beugen und mich erst einmal zurückziehen. “
Mit diesen Worten verließ der Rüde den Rudelplatz. Er zog sich in den Wald zurück und dabei stolperte der Schwarze über die Spur von Lyerra, die er vorhin beim Rudelplatz kennenlernte und er folgte der Spur. Durch den Wald lief Volk, bis der Rüde auf sie traf. Sie saß Kopfschüttelnd da, tränen ronnen ihr über die Lefzen. Volk Zubami hätte sie zu gern getröstet, doch da er schon schlechte Erfahrungen, mit den Jungwölfen, gemacht hatte, ging er die Sache diesmal langsamer an. Der schwarze Rüde näherte sich ihr langsam und setzte sich etwas hinter ihr auf den Boden.
„Geht es dir nicht gut? Soll ich dir zuhören oder soll ich dich lieber allein lassen?“
Volk dachte so bei sich, dass er ein guter Zuhörer sei und dass es eventuell helfen könnte. Er wusste ja schon, dass es um ihren Gefährten ging, aber der Schwarze dachte das es besser wäre das Thema nicht selbst anzuschneiden. Die Ohren gespitzt, hoffte der Rüde, das die weiße Fähe sein Angebot annehmen würde. Volk wollte ja nicht, dass der Stress, vom Rudelplatz und ihr eigenes Anliegen Lyerra zu viel werden würde.
[nahe Rudelplatz, im Wald | Nah bei Lyerra]
03.10.2010, 20:35
Mittlerweile war das Chaos auf dem Rudelplatz annähernd perfekt. Ein junger Rüde stolzierte durch die Reihen und verkündete lauthals sein Hass auf die Götter, vorn, bei Tyraleen stritten die Geschwister gegen- und miteinander, schrien ihren Hass oder ihre Fürworte aufeinander ein. Einige waren schon gegangen. Einige, weil sie der weißen Fähe entfliehen wollten, andere, um dem Streit aus dem Weg zu gehen. Es war eine Frage der zeit, bis auch Ráyon diesen Platz verlassen würde.
Vorerst ruhte seine Konzentration noch auf den beiden Jungwölfen – und das war auch mehr als gut so. Wären die beiden nicht hier, so wäre er wohlmöglich schon verrückt geworden, weil er wusste, dass es gegen diese schreckliche Situation nichts ausrichten konnte. Oh, welch graus.
Der Blick des ausgewachsenen Rüden ruhte für einen kurzen Moment auf Caleb. Der Jungwolf verhielt sich seltsam, auf irgendeine Weise, die Ráyon nicht kannte. Die Worte, die er wählte waren ihm vollkommen unbekannt. Er hatte weder von etwas, dass sich Richter nannte, noch von einer Anstalt gehört. Konnte er ihm dann noch beipflichten, wenn er vorgab, dass der Kleinere nicht verrückt war? Ráyon beschloss einfach nicht weiter auf den Rüden einzugehen, zumindest vorerst. Er wollte ihn nicht weiter in Verlegenheit bringen, denn es schien ganz so, als wäre ihm die Situation nicht recht. Aber das war schon ganz richtig so. Der Größere wäre zu diesem Zeitpunkt auch lieber an einem anderen Ort gewesen.
Die junge Fähe zeigte jedoch ein ganz anderes Verhalten auf. Sie entschuldigte sich bei ihm, und das wiederum ließ ihn ein schlechtes Gewissen bekommen. Hatte er so ausgesehen, als wäre er bös', nur weil diese beiden rudelfremden Wölfe nicht so recht an Fenris und Engaya glaubten? Nein, das musste ein Irrtum sein, denn obwohl sein Glaube an Leben und Tod aufrichtig und vollkommen war, so gab es bei ihm nie den Fauxpas eines anderen Glaubens.
Langsam schüttelte er den Kopf.
» Nein, nein, kleine Minyala. Hier muss sich niemand bei mir entschuldigen. «
Seine Stimme war wieder nur ein raues Raunen, was dieses Mal jedoch durch das Andeuten eines Lächelns etwas... aufgewertet wurde. Dieses Lächeln erreichte seine Augen allerdings nur halb. In ihnen lag immer noch jene Traurigkeit, die die Weiße vermutlich in Verlegenheit gebracht hatte.
Auch Minyalas Einwand gegenüber dem Verhalten der Alphafähe leuchtete ein. Mit angelegten Ohren schwang sein Blick hinüber zu Tyraleen, deren Leib von den Gestalten der Anderen verdeckt worden war.
» Natürlich ist es erschreckend! Und es ist auch keinesfalls rechtens, wenn man ihr Verhalten ungestraft lassen würde. Kein Wolf dieses Rudels würde sagen, dass das, das sie getan hat in Ordnung war. «
Er schwieg und lauschte abermals den Worten, die die weiße Jungwölfin von sich gab. Auch die klangen logisch. Und langsam, aber sich wurde Ráyon klar, dass sie recht hatte – natürlich brachte ihn das keinesfalls von dem Glauben an Engaya ab!
Gerade hatte er etwas sagen wollen, als der schwarze Ketzer an ihm vorbei schritt und lauthals verkündete wie dumm es doch war an die Götter zu glauben. Eine Mischung aus Knurren und Schnauben drang aus seiner Kehle. Er musste hier weg. Und zwar schnell, bevor er hier doch noch irgendwem an die Kehle ging. Ja, auch dem friedlichen Kuschelwolf konnten auch mal die Nerven ausgehen. Und gerade bei so einem Exemplar, einem Wolf, der offensichtlich versuchte das Rudel von der Richtigkeit seiner Worte zu überzeugen, wurde es dem Braunen zu viel.
Sichtlich gestresst wandte sich der Rüde zu den beiden Jungwölfen um.
» Ich glaube ich muss fürchten, dass ihr jetzt Angst vor mit habt, oder? «
Zähneknirschend war er einen Seitenblick zu dem Schwarzen, der ihn sichtlich zur Weißglut brachte. Eigentlich war das so gar nicht Ráyons Art, aber an diesem Tag schien ohnehin nichts so zu sein, wie es eigentlich war. Eigentlich brachten Mütter nicht ihre Söhne um. Eigentlich sollte ein Rudel in Harmonie leben. Eigentlich war es überhaupt nicht gut, dass es hier drunter und drüber ging.
Mit Mühe hielt er seine Stimme nun etwas ruhiger.
» Ich würde euch trotzdem bitten mit mir zu kommen. Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, die mir einmal passiert ist. Es geht um die Götter, an die die Wölfe dieses Tals glauben. «
Ja, das klappte ganz gut. So gut, dass sich der Rüde schon fast wieder beruhigt hatte. Er brannte sogar förmlich darauf die Geschichte zu erzählen. Er wollte wissen, was die Jungwölfe anschließend dazu sagen würden.
» Aber macht euch keine Sorgen. Ich werde nicht versuchen meinen Glauben zwanghaft an euch zu übertragen. «
Er zwinkerte den beiden freundlich zu. Ja, freundlich. Mit Mühe und Not hatte er sich wieder in sein eigenes Ich zurück geprügelt.
Nun war er wieder er.
Der Kuschelwolf.
03.10.2010, 22:28
Aufmerksam beobachtete Madoc die graue Fähe, die gerade einen unverkennbaren Wunsch hegte: alleine sein. Es füllte ihn teils mit Trauer, teils mit Reue, wäre er bloß nicht zurückgekehrt, bloß nicht. Wäre er fern geblieben, wäre er damals stark genug gewesen dem Ruf des Rudels zu widerstehen, so stünde er nun nicht hier und musste sich so was nicht anhören und nicht ansehen. In seinem Leben gab es bisher selten Ereignisse, die er wirklich bereute, doch in jenem Moment übermannte ihn dieses Gefühl regelrecht und er wusste nur wenig damit anzufangen. Er hatte sich auf Freude eingestellt beim Wiedersehen, hätte das Rudel in fröhlichem Treiben erwartetet, doch niemals so etwas.
Seine silberweißen Ohren schnippten, als er Atalyas Stimme abermals vernahm, ihr Ton hatte sich gewandelt, nicht mehr laut und anschuldigend, sondern leise und zitternd. Am liebsten wäre er an ihre Seite getreten und hätte sein Haupt auf ihre Schultern gelegt, um sie zu beruhigen, doch er wusste, dass sie ihn ablehnen würde. Kopfschüttelnd sah Madoc sie an, zum ersten Mal seid er denken konnte wirklich hilflos. Vielleicht war es das Beste, ihr einfach zu zuhören, sie einfach bei ihr zu sein, ohne es wirklich zu sein. Er wurde noch nie mit solchen Situationen konfrontiert und sie verzweifelten ihn. Als die Fähe jedoch anstalten machte, auf ihn zu zukommen, erhellte sich sein Blick minimal, denn die aufkeimende Freude wurde sofort wieder erstickt. Denn bevor er seinen Fang öffnen konnte, drangen bereits die Geräusche von trommelnden Pfoten an seine Ohren, gefolgt von einer bekannten Witterung: Avendal. Das silberne Nackenfell des Rüden sträubte sich. Wieso war sie ihnen nachgelaufen? Hatten sie etwa noch nicht genug von der Auseinandersetzung, von der Gewalt? Ein leises, kaum hörbares Grollen stieg in seiner Kehle auf, als er der Jungwölfin entgegensah, seine blutroten Augen funkelten bedrohlich und doch war er mit einer grausigen Ruhe erfüllt. Dennoch wartete er ab, er würde erst beobachten, bevor er urteilte und seine Seelenspiegel bargen eine durchbohrende Intensität, als er die helle Schwester musterte. Zu seinem Erstaunen schien kein Groll mehr von ihr auszugehen, kein Hass. Was war der Grund für diesen Sinneswandel? Madoc beäugte sie weiterhin skeptisch. Ihre Worte schienen jedoch ehrlich und aufrichtig, das Grollen in seiner Kehle erstarb. Nun wanderte sein Blick zu Atalya, würde sie die Entschuldigung akzeptieren? Er versuchte sich in ihre Lage zu versetzten, könnte er einer Schwester vergeben, die sie so verbissen beschuldigt und letztendlich noch angegriffen hatte? Was hätte er getan? Llywarch … er hätte ihm vergeben. Die Graue schien sich jedoch von ihm zu unterscheiden, denn sie blieb standhaft in ihrer Position, wenngleich ihre Stimme sich gesenkt hatte und die Wut aus ihr entwichen schien. Der Silberne sah schließlich wieder zu Avendal, ein respektvolles Nicken galt ihr, denn er achtete ihr Handeln. Ihre Entschuldigung war nobel, wäre es doch auch ihm schwer gefallen, als erster in die Knie zu gehen.
"Was passiert ist, ist passiert, warum solltest du Avendal nicht verzeihen, Atalya? Du hast Recht, egal wer Schuld ist der Verlust bleibt ein Verlust, ein riesiger Verlust. Doch zersplittert ihr die Familie nicht noch mehr, in dem nicht einmal ihr als Überlebende zusammenhaltet? Ihr, die die lebt, ihr seid es, die etwas verändern können, ob Gut oder Schlecht, es steht euch offen."
Wandte sich Madoc wieder an seine Freundin, der Ton wie immer ruhig, wissend, aber doch sachte. Er wusste, dass es schwer für sie war und er würde auch verstehen, würde sie seine Worte verwerfen, dennoch fühlte er sich verpflichtet, ihr seine Meinung zu sagen. Er war selber noch jung, seine Erfahrungen waren begrenzt, doch das, was ihm das raue Überleben gelehrt hatte blieb unvergesslich, eine bittere Erinnerung.
Nun richtete er seine Worte an beide Fähen.
"Ihr solltet lernen, eure Familie zu schätzen, denn egal was passiert, ihr bleibt eine Familie, nichts kann euch trennen. Vielleicht glaubt ihr, dass es einfach gesagt ist, von einem Außenstehenden wie mich? Doch ich rate euch, meine Worte zu Herzen zu nehmen. Es gibt viele, die haben niemanden mehr auf dieser Welt, keine Eltern, keine Geschwister, nicht einmal Onkel oder Tanten, niemanden."
Er blickte die Schwestern seufzend an. Sie sollten verstehen, wie wichtig Zusammenhalt innerhalb einer Familie war, welch unschätzbarer Wert die Liebe der Blutsverwandtschaft innehatte. Und er wollte es ihnen sagen, er hatte noch nie von seiner Vergangenheit erzählt und würde es auch jetzt nicht tun, doch Tatsachen waren Tatsachen, wieso verheimlichen? Jene, die zu dem Zeitpunkt im Rudel gewesen waren wussten es und die Einsamkeit die von jenem Tod ausging war bis heute eine Last für ihn, wenngleich er nicht darüber sprach und nichts von ihr zeigte.
"Ich zum Beispiel habe keine Eltern mehr. Sie starben aus Liebe zu uns. Meinen Bruder, der letzte mit gebliebene Vertraute, habe vor gut einem Jahr verloren"
[Im Wald | Atalya, Avendal]
03.10.2010, 23:10
Avendal zuckte zusammen durch das Knurren das aus Madoc’s Kehle ging, sie blinzelte und richtete ihre Augen hoffnungsvoll an Atalya. Dabei kam sie nicht ohne hin, hin und wieder ihre Augen auf den silberweißen Wolf zu richten. Doch die Stimme ihrer Schwester ließ die Weiße zusammen zucken, schmerz breitete sich in ihrem Herzen aus und Tränen benetzten ihr Fell, sie winselte und mit jedem Laut den Atalya von sich gab duckte sich Avendal mehr und mehr zu Boden das Winseln wurde dabei von mal zu mal lauter. Nein, sie wollte nicht im Streit mit ihrer Schwester auseinander gehen, das würde sie sich niemals verzeihen.
„ Atalya bitte… “
Ihre Stimme war mehr ein Hauch, ein zarter wenn auch zitternder Ton den die Fähe aus ihrem Mund brachte und sie blickte die Graue mit großen blauen Augen an. Nein… bitte nicht! Atalya musste ihr vergeben, sie wollte sich nicht Fenris hingeben und all den Hass versprühen wie die Wölfe auf dem Rudelplatz. Sie wollte Frieden, Frieden mit ihrer Schwester, Banshee und Engaya!
„ Bitte vergib mir… ich will dich nicht verlieren. Atalya… “
Ihre Stimme wurde von etlichem Winseln unterbrochen, ihre Ohren schnippten zur Seite als Madoc das Wort ergriff. Ihre Augen wandten sich dankbar zu ihm und sie öffnete ihr Maul ein wenig um stoßweise Luft ein und aus zu atmen. Die Trauer und der tiefe Wunsch darauf das die Graue ihr vergeben würde zerrte an ihren Kräften, machten sich Schwach und Verletzlich. Nichts sehnlicher wünschte sie sich als das Atalya ihr Vergeben würde. Sie hatte Fehler begangen, die nicht wieder gut zu machen waren. Vielleicht hätte sie anstatt Tascurio sterben sollen. Als sie weiter den Worten Madoc’s lauschte erstarrte sie und richtete ihren Blick auf den silberweißen Schönling. Entsetzten lag in ihren tiefblauen Augen, sie fand keine Worte dafür. Was sollte sie auch schon zu einem Rüden sagen den sie kaum kannte? Ihre Augen suchten den Blickkontakt des Weißen und sie legte beschämt die Ohren zurück.
„ Das… das tut mir sehr Leid, Madoc. Ich bin sicher sie sitzen jetzt bei Engaya. “
Avendal hoffte das Madoc ihre Worte nicht für zu Aufdringlich empfand oder gar als dummes Geschwätz um irgendetwas zu sagen, ihr Blick wurde traurig und Tränen sickerten weiter in ihr Fell.
[Wald – Madoc, Atalya]
03.10.2010, 23:55
Atalya wußte nicht, wie sie sich in solch einer Situation verhalten sollte. Sollte sie die Entschuldigung der Weißen annehmen, wo sie selbst doch kein bisschen besser gewesen war? Sie wußte es nicht, behielt den Blick aber weiterhin auf ihre Schwester gerichtet. Die Graue atmete seufzend aus, als die Worte Madocs an ihre Ohren drangen. Wieso sie ihr nicht verzeihen sollte? Immerhin hatte sie ihren Vater und sie als elendes Pack bezeichnet. Und ihnen Vorwürfe gemacht, wo auch sie sich nicht besser verhalten hatte. Außerdem war es die Weiße gewesen, die ihr diese Wunde verpasst hatte. Sie war wahrlich nicht groß, aber da. Tief einatmend schloß Atalya die hellen Augen, vergas für einen Moment die Wölfe um sie herum. Sie hörte auf ihr inneres, suchte nach der Wut, die sie eben noch beherrscht hatte. Sie war abgeklungen, aber noch immer zu spüren. Als sie die Augen wieder öffnete und erkannte, wie ihre Schwester sich zusammen kauerte, verließ erneut ein Seufzen die Kehle der Grauen. Die Worte die sie sprach, die nicht mehr als ein Flüstern waren, drangen in ihr innerstes, löschten zumindest einen kleinen Teil der Wut in ihrem Herzen. Ihr Kopf wandte sich zu Madoc, und ohne jegliche Regung im Gesicht blickte sie den Rüden an. Was sollte sie nun dazu sagen? Das alles wieder in Ordnung war? Wie gerne hätte sie dies getan. Aber nichts war in Ordnung. Selbst, wenn sie Tränen getrocknet waren und nicht mehr ihr Fell benetzten.
Kaum hatte der Weiße geendet, senkte sich ihr Blick wieder auf ihre weiße Schwester hinab. Wieder schloß sie die rot-braunen Augen.
“Meinetwegen. Vergessen wir, was passiert ist.“
Zumindest, was zwischen ihrer Schwester und ihr passiert war. Was ihre Mutter anging.. konnte sie nicht vergessen. Schmerz legte sich wieder um ihr Herz, bei dem Gedanken an die Fähe, die ihr Vorbild gewesen war. Und die sie nun so bitterlich enttäuscht hatte. Dann nahm sie wieder Madocs ruhige Stimme wahr, schlug die Augen auf und richtete sie auf die roten Seelenspiegel des Weißen. Seine Worte ließen die Graue seufzen. Bisher wußte sie nichts über den Weißen, was ihr mit einem Mal bewußt wurde. Nun wußte sie, was mit seinen Eltern, und seinem Bruder geschehen war. Avendal reagierte dementsprechend. Sie selbst wußte nicht weiter. Was sollte sie nun dazu sagen? Sie wußte nicht, wie er sich fühlte. Sie wußte nur, wie es sich anfühlte, seine Mutter verloren zu haben, ohne dass sie tot war. Und was war mit ihrem Vater? Sie wußte es nicht.
Ein kurzer Blick galt noch ihrer Schwester, direkt in ihre blauen Augen. Dann wandte sie sich ab, trat an Madoc vorbei und öffnete auf seiner Höhe kurz den Fang.
“Tut‘ mit Leid.“
Mehr wußte sie nicht dazu zu sagen. Nicht in solch einer Situation, nicht jetzt, wo ihr wieder Tränen in die Augen stiegen. Nur wenige Schritte folgten, ehe sie sich auf den Boden sinken ließ und den Blick auf die beiden Wölfe gerichtet ließ. Sie konnte nicht sagen, ob sie nun allein sein wollte, oder ob sie sich jemanden an ihrer Seite wünschte. Es war ihre Entscheidung, ob sie gehen würden, oder ob sie blieben. Atalya selbst wollte nicht zurück zum Rudelplatz. Sie wollte noch einen Moment die Stille des Waldes genießen. Sofern ihr das überhaupt möglich war.
[Wald - Madoc & Avendal]
04.10.2010, 15:53
Schweigsam beobachtete Madoc die beiden Schwestern und stellte mit Erleichterung fest, dass beide sich nun etwas beruhigt hatten. Die Klärung dieser Auseinandersetzung war außer seiner Pflicht und außer seiner Macht und er würde sich nicht weiter einmischen. Er hatte gesagt, was ihm auf dem Herzen lag, hatte ihnen gesagt, wie er über die Situation dachte. Was sie jedoch aus diesen Worten mitnahmen, ob sie einflussreich waren oder nicht, sie waren die Überlebenden und bemächtigt zu handeln. Wie ungern er es auch zugab, er war ein Außenstehender, er gehörte nicht zu dieser Familie, auch wenn Atalya wie eine jüngere Schwester für ihn war. Und doch, gerade in diesem Moment schien sie fremd, schien er fremd. Hatte er sich verändert, oder war es sie? Der Silberweiße hatte das quälende Gefühl, diese graue Fähe nicht mehr zu kennen und dennoch stand ihm sein Stolz im Weg und hinderte diesen Schmerz daran, in sein Bewusstsein hindurchzudringen. Er mochte äußerlich noch so beherrscht wirken, innerlich war er in Aufruhr, sein Geist war verwirrt und seine Seele wund. War es eine Strafe für die Sünden die er beging? Für die Intoleranz, Ignoranz die ihn sogar schon zum töten verleitet hatte? Madoc schüttelte sein Haupt, sein Blick noch immer kühl und Stolz erhoben, doch es lag kein Elan in ihm. Erst als er Atalyas vergebende Worte vernahm, schlich sich eine winzige, kaum sichtbare Zufriedenheit in die blutroten Seeletore, die sich einen Augenblick lang schlossen. Die Stille des Augenblickes gab ihm Zeit zum Nachdenken, doch es war nicht die akustische, sondern die mentale Ruhe, die seine Gedanken wieder zu ordnen vermochte und die für ihn so gewöhnliche Selbstbeherrschung und Selbstsicherheit wieder herstellte.
Avendals Worte würdigte er lediglich mit einem Nicken, wollte er mit der Offenbarung seiner Verluste doch nicht nach Mitleid heischen, sondern den Jungwölfinnen lehren, welch sonderbare Liebe Elterntiere für ihre Jungen hegten und welch ein Glück sie hatten, dass Vater und Mutter noch an ihrer Seite standen. Außerdem glaubte der Hüne weder an Engaya noch an Fenris, denn sein Volk kannte keine Götter. Jeder Wolf ist sein eigener Gott und jeder ist verantwortlich für seine eigenen Taten, so war er aufgewachsen und selbst wenn nur blasse Erinnerung an jene Zeiten verblieben waren, so hielt er sich dennoch an die Bräuche seines uralten Geschlechts, dessen einziger Erbe er war. Auch als Atalya ihr Mitgefühl bekundete, verharrte er in Schweigen. Er wandte sein Haupt nicht, als sie an ihm vorbei schritt, er verblieb in seiner Position, seine Miene unergründlich. In seinem Inneren tat sich jedoch abermals ein niederrangiger Konflikt auf, es schien ihm unpassend, dass diese Fähe solche Worte zu ihm sprach. Verdrießlich peitschte die Rute des Rüden ein einziges Mal durch die Luft, beinahe als wäre er in Rage. Doch schon im nächsten Augenblick stand er dort, ruhig und mysteriös wie je zuvor. Seine Gedanken begannen abermals zu toben, doch sein Körper zeugte noch immer von Gelassenheit, Madoc stand im Zwiespalt mit sich selbst, unbemerkt und ungeholfen. Niemals wurde er so behandelt und niemals hatte er sich so behandeln lassen, wieso war Atalya in der Lage ihn so zu zerspalten? Alles, was er für sie empfand war brüderliche Liebe und ein sehr ausgeprägter Beschützerinstinkt. In seinen Augen war sie noch immer der großspurige Welpe, Atalya die Furchtlose. Doch ihr Verhalten konnte er nicht mit jenem Welpen vereinbaren! Seit wann war sie so melancholisch geworden?
Mit einem Seufzen ließ er seine Ohren schnippen, als diese vernahmen, wie der zierliche Körper auf den Boden sank. Erst jetzt wandte er seinen rubinroten Blick nach ihr. Was hatte sie nun vor? Beinahe instinktiv trabte er an ihre Seite und senkte sein Haupt, so dass seine Schnauze ihr weiches Nackenfell streifte. Avendal beachtete er nicht weiter, erkannte sie nicht und er hatte ihr nichts zu sagen, wenn auch ihr Handeln beeindruckend war.
"Wenn wir am Ende angelangt sind, was kommt dann?"
Flüsterte Madoc und der Grauen zu und stieß sie nun sachte an. Er glaubte nicht daran, dass sie seine Berührung noch einmal ablehnen würde, doch er war auf alles vorbereitet. Er dachte an jene Tage, in denen er sich selber vor der Schlucht des Todes glaubte, umzingelt von blutrünstigen Fängen, die ihm nur einen Ausweg gaben: springen. Und doch lebte er nun. Was kam nach dem Ende? Natürlich ein neuer Anfang, denn das Leben war ein Kreislauf, unendlich und unaufhaltsam.
[Im Wald | Atalya, Avendal]
04.10.2010, 19:27
Ein grauer Wolf saß still an der Reviergrenze und starrte auf die Ebene desselben. Keinerlei Regungen zeugten davon, dass er wirklich anwesend war, doch diese junge Fähe war so anwesend wie kaum ein anderer wahrscheinlich. Ihr Blick war auf das Revier gerichtet, welches sie nur vor allzu kurzer Zeit verlassen hatte. Wenn auch nur für wenige Tage oder Wochen – sie hatte nicht mitgezählt – so war diese Zeit doch für sie lange gewesen und sie sehnte sich nach Heimkehr. Also hockte sie jetzt hier und überlegte, ob sie sich bemerkbar machen sollte, oder nicht. Doch schließlich wurde ihr dann wieder bewusst, dass sie ja stumm war und ein Bemerkbarmachen damit nicht in Frage kam. Für wenige Sekunden hatte sie vergessen können, dass sie stumm war. Stumm seufzend erhob sie sich dann doch und trottete voran. In einem gleichmäßigen Tempo durchschritt die graue Fähe das Revier und suchte mit ihrer Nase nach den Spuren anderer Wölfe. Bald schon nahm sie die Fährte einiger auf, die sie nach kurzer Zeit, auch für sie erkennbar, zum Rudelplatz führten. Erst die aufgebrachten Stimmen, die an ihre feinen Ohren drangen, ließen sie langsamer werden. Ihre Gedanken schweiften zu Lyerra und sie fragte sich, wie sehr sie von ihr vermisst wurde. Hatte Lyerra um sie getrauert? Was war mit ihrem Gefährten geworden? Und ihre Mutter … Was war mit Shani? Ging es ihrer Mutter gut? Oder hatte auch sie noch mehr gelitten? War Lunar wieder gekommen?
Sharíku blieb stehen, während sie über diese Dinge nachdachte. Ihr Blick ging zu Boden und sie erfassten einen kleinen Marinenkäfer, der sich auf einem Grashalm wiegte und langsam seine feinen Flügelchen ausbreitete. Ganz langsam näherte sich ihre schwarze glänzende Nase dem Grashalm. Beinahe hätte sie den Halm berührt, als der kleine Käfer davon flog. Traurig schaute sie ihm hinterher. Der kleine war frei und konnte hingehen, wohin er wollte. Sicher konnte er mit seinen Freunden lachen und dergleichen. Aber sie? Sharíku? Nein, wie gerne würde sie Lyerra doch sagen, dass sie Marinenkäfer toll fand. Diese kleinen roten Wesen mit ihren schwarzen Pünktchen faszinierten sie auf eine seltsame Art und Weise. Ebenso diese weißen Schmetterlinge. Sie waren einfach nur schön. Passten zu Lyerras Fell.
Ein Grinsen stahl sich über die Lefzen der jungen Fähe und sie setzte ihren Weg fort in die Richtung des Rudelplatzes. Doch weit genug entfernt, um von hoffentlich keinem bemerkt zu werden, blieb sie stehen. Sekunden später ließ sie sich zu Boden sinken, rollte sich auf ihren grauen Rücken und schaute in den Himmel, wo die Wolken sich ihren Weg suchten und der Wind die fetten Regenwolken in die Ferne trieb. Ihre verschieden farbenen Augen blitzten auf und sie strampelte wie ein kleiner Welpe, der auf den Rücken gefallen war, mit ihren Pfoten, als könne sie die Wolken berühren und sie verändern. Und wie durch ein Wunder wirbelte eine der Wolken, die einen Hieb abbekam, auf. Erstaunt hielt sie inne und dachte an ihre geliebte Oma Banshee. Hatte sie für sie diese eine Wolke aufgewirbelt? Oder war das Opa Acollon? Nein, Banshee muss es gewesen sein. Erfreut lächelte sie erneut und wackelte mit ihren Ohren. Sie fand es irgendwie echt sehr schön, wieder zu Hause zu sein.
Und später würde sie dann auch Lyerra und Shani suchen gehen.
[nahe des Rudelplatzes | alleine]
04.10.2010, 19:44
Erschrocken wirbelte die weiße Fähe herum als sie die Stimme hinter sich hörte. Es war Volk Zubami. Lyerra hatte ihn schon ein paar Mal gesehen, doch die beiden kannten sich eigentlich noch nicht. Es wunderte sie Fähe zwar, dass der Rüde sie so ohne weiteres ansprach und gleich wissen wollte ob alles okay sei, doch sie blinzelte ein paar mal und antwortete dann leise, die Stimme rau vom vielen weinen:
„Du kannst gerne bleiben wenn du magst“
Etwas verlegen verlagerte die Weiße ihr Gewicht, stand auf und setzte sich anschließend so hin, dass sie nicht mit dem Rücken zu Volk Zubami saß.
„Du hast es sicher gehört… mein Geliebter Gefährte ist vor einigen Stunden verstorben…Er hat mich einfach so alleine gelassen, vielleicht sogar ohne an mich zu denken“
Gerade dachte die Fähe sie hätte sich wieder unter Kontrolle, da kamen schon neue Tränen.
Sie schüttelte den Kopf, wollte jetzt nicht mehr daran denken, aber immer wieder sah sie den Rüden vor sich, sah ihn bei ihrer ersten Begegnung, wie sein blick sie streifte, sah immer wieder seine schmerzerfüllten, leuchtend roten Augen. Vermutlich würde sie diese Bilder nie vergessen, in jedem Traum würde die Fähe von ihnen heimgesucht werden.
„Bitte entschuldige..“ sie gähnte „Ich bin so müde, der Tag war so schwierig… ich kann nicht mehr“
Halb legte sich die Fähe hin, halb brach sie zusammen. Die letzten Stunden hatten ihr alle Kräfte geraubt, hatten sie traurig und zermürbt allein gelassen.
Der Boden war plötzlich da, er erschien so weich und bequem. Die Weiße konnte nicht verhindern das sich ihre Augen schlossen und sie schon mit neuen Tränen in den Augen einschlief.
Es war keine tiefen Schlaf, eher ein erschöpftes Dösen. In ihrem Traum sah sie nur Ethelion. Die ganze Zeit sah sie seine Augen, seinen Leblosen, toten Körper.
Sie warf sich auf dem Boden herum, rief im Traum nach ihrem Geliebten, vergaß den Rüden der neben ihr saß.
[Nah am Rudelplatz, im Wald l Volk Zubami]
04.10.2010, 21:34
Shani und Nihil hatten sich auf schnellstem Wege zum Rudelplatz begeben, nicht nur wegen dem grauenhaften Ruf, der durch die Dunkelheit gehallt war, sondern auch, weil Nihils Schmerz sich dort zu reduzieren schien. Shani hatte nicht mehr gefragt und sich auch nicht mehr gewundert, viel zu verwirrt war sie von der Stimme Tyraleens, die sie so trauerschwer gerufen hatte. Auf dem Rudelplatz angekommen hatte sie dann die blutbesudelte weiße Schönheit gesehen und ihr Herz hatte zu schmerzen begonnen. Nihil war zu Krolock gelaufen, Shani wollte ihm nicht folgen. Viel zu gebannt war sie von Tyraleens Anblick und ihrer weltumstürzenden Ausstrahlung. Und dann hatte sie lauschen müssen. Zunächst dem Geständnis ihrer Schwägerin, das Wellen des Grauens in Shani auslöste. Ihren eigenen Sohn zu töten … automatisch hatte sie sich nach Jakash umgesehen, als wäre er in Gefahr. Doch eigentlich waren nicht Tyraleens Worte die wirklich schlimmen, was danach folgte, verstärkte den Schmerz in ihrer Seele mit jeder Sekunde, die sie hier erleben musste. Ihre Familie – ihre geliebte Familie, an die sie sich gehalten hatte, seit dem Hiryoga und Lunar sie verlassen hatten – wandte sich gegen sich selbst. Schreie, Beleidigungen und Wut hallten über den Rudelplatz und obwohl ihre Kinder dazwischen wie Meere der Stille wirkten, konnte es Shani nicht trösten. Sie war stolz auf Rakshees stummen Beistand, auch wenn Shani selbst ihn nicht hätte leisten können, und Jakashs ruhiger Verzweiflung, die sie nachempfand. Doch der Rest der Familie, zu der Shani doch endlich auch gehörte, begann sich selbst zu zerstören. Nur wenige Momente hielt es die Weiße aus, dann drehte sie sich um und lief erst langsam, dann immer schneller in den Wald, fort von den anderen. Was sie gesehen und gehört hatte, war nicht zu ertragen. Entsetzen umklammerte ihr Herz, das so schnell klopfte, als hätte sie einen anstrengenden Lauf hinter sich. Dabei war sie gerade einmal so weit gekommen, um die Stimmen nur noch undeutlich durch die Nacht zu hören. Hechelnd und mit hektischen Bewegungen sah sie sich um, hatte das verzweifelte Verlangen danach, sich zu verstecken und fand doch nur das Unterholz im Wald, das kaum Schutz vor dem hasserfüllten Zorn ihrer Familie bieten konnte. Trotzdem kroch sie zunächst hinein, legte sich in, drückte die Schnauze fest auf die Erde, kniff die Augen zu und drückte die Pfoten auf ihre Ohren. Sie wusste, dass sich eine erwachsene Fähe und noch dazu Mutter so nicht benehmen sollte, aber es gab doch niemanden, der nach ihrer Stärke verlangte. Wäre eines ihrer Kinder zu ihr gekommen, sie wäre unerschütterlich im Sturm des Zorns gestanden, aber so …
… ihre Nase zuckte. Der Geruch Sharíkus hing in der Luft, verwaschen durch den Regen und seltsam unwirklich durch all das Chaos dieser Nacht hindurch. Vielleicht war es eine alte Spur? Noch immer mit geschlossenen Augen wanderte Shanis Nase mal hier, mal dorthin, fand aber am Boden keinen Geruch. Er hing in der Luft, spielte im Wind und wurde vom Regen geschwächt. Sie ob leicht den Kopf, öffnete nun auch die Augen und drehte die Ohren vor und zurück. Außer den nach wie vor wütend klingenden Stimmen vom Rudelplatz und dem leisen Rauschen des Regens war nichts zu hören. Die weiße Fähe robbte aus dem Unterholz, trippelte ein paar Schritte in die Richtung der Witterung und stellte aufgeregt fest, dass sie stärker wurde. Wieder begann sie zu laufen, dem Geruch ihrer Tochter nach und dem aufweckenden Gefühl der Freude im Herzen, der zusammen mit der Verwirrung, dem Entsetzen und der Traurigkeit zu einer seltsamen Mischung wurde. Mittlerweile war der Geruch so stark, dass sie, wäre es Tag gewesen, Sharíku sicher schon gesehen hätte, so aber stolperte sie beinahe über ihre auf dem Rücken liegende und mit den Pfoten schlenkernde Tochter. Kurz vorher stoppte sie, erkannte die blauen Augen Sharíkus im schwachen Licht der Nacht und begann glücklich zu winseln. Ihre Schnauze, an der noch immer einzelne Erdklumpen hingen, fuhr über den Körper ihrer Tochter, schnüffelnd und knabbernd, berührte sie an der Nase, schleckte ihr über die Schnauze, knabberte an ihrem Ohr und vergrub sich dann im dichten Halspelz.
“Sharíku, Sharíku, wo warst du nur? Ich dachte schon, du wärest für immer fort gegangen.“
Ihre Stimme klang dumpf aus dem Fell der Schwarzen hervor.
“Aber du wärest nicht gegangen, ohne dich zu verabschieden, nicht meine Sharíku, nicht mein kleiner, stiller Engel.“
Für einen kurzen Moment hatte sie den Schrecken des gerade Erlebten vergessen, doch schon nach kurzer Zeit kroch er über ihre Schultern, trübte ihren Blick und umklammerte eiskalt ihr Herz.
[ nahe des Rudelplatzes | Sharíku ]
04.10.2010, 21:59
Avendal drückte ihren Körper gegen den Boden und zog den frischen, feuchten Duft des Waldes ein, während ihre tiefblauen Augen auf ihre Schwester gerichtet waren. Als Atalya diese erlösenden Worte von sich gab erhellte sich die Miene der Hellen und sie sprang auf ihre Pfoten um einige Schritte auf ihre Schwester zu zumachen. Sie beobachtete wie ihre graue Schwester nach Madoc’s Worten ihre Augen geweitet hatte und konnte mit ihr Mitfühlen, oder wahrscheinlich auch nicht, immerhin schien sie den weißen Schönling besser zu kennen als Avendal. Auch wenn er ihr ein wenig bekannt vorkam. Als sich ihre Schwester ebenfalls mit einer entsprechenden Geste an Madoc wandte, japste die junge Fähe auf und drehte ihren Körper um, so das sie mal eine andere Position einnehmen konnte. Kurz richtete sie ihre Seelenspiegel auf ihre Schwestern.
„ Ich danke dir Atalya… “
Erleichtert seufzte sie auf und drehte ihren Kopf so, das sie Madoc ansehen konnte der sich jedoch in Schweigen hüllte. Sie drehte ihren Kopf schnell wieder zurück, konnte aber nicht umhin ihn aus den Augenwinkeln zu beobachten. Auf ihre Worte hin hatte der Rüde nur genickt, glaubte er etwa nicht an Engaya? Nun, sie konnte nicht über andere Wölfe entscheiden an wen oder was sie glaubten und nicht. Falls er überhaupt an etwas glaubte, doch auch das kümmerte Avendal nicht wirklich. Auch als Atalya an ihm vorbei Schritt wandte sich der Rüde nicht um sondern verharrte wie eine schön gemeißelte Statue. Als die silberweiße Rute durch die Luft sauste, schnippten Avendal’s Ohren kurz nach hinten nur um sich wieder neugierig nach vorne zu richten. War er wütend über etwas, das Atalya mit ihrer Gestik gemacht oder mit ihren Worten gesagt hatte? Doch seine ruhige Handlung brachte Avendal dazu von diesen Gedanken wieder abzulassen und ihre Augen huschten nur kurz zu Atalya. Als sich der Rüde letztendlich dann zu ihrer Schwester wandte um sie zu berühren, bekam auch sie den Wunsch ihrer Schwester nahe zu sein. Sie tappte einige Schritte vorwärts, legte sich wie zuvor auf den Boden und kroch auf sie zu. Als sie bei ihr in der Nähe war leckte sie Atalya versöhnlich über die Lefzen, ihre Augen waren dabei auf den Rüden gerichtet. Das Blau in ihren Seelentoren funkelte. Sie fand den Rüden seltsam… seltsam beeindruckend.
[Wald – Madoc, Atalya]
04.10.2010, 22:20
Leichtfüßig setzte die weiße Fähe ihre großen Pfoten auf den Waldboden. Sie hatte kurze Zeit am Rande der Wiese am Sternensee verweilt um sich einen Überblick über das Rudel verschaffen zu können. Natürlich hatte sie Tyraleens Ruf als äußerst dringlich aufgefasst und war so schnell ihre Pfoten sie hatten tragen können, zum Rudelplatz geeilt, doch sie wollte nichts überstürzen und sich ganz in Ruhe das Geschehene anhören. Und schon am Anfang der Erzählung war ihr klar geworden, dass ein Tumult losbrechen würde, wenn Tyraleen ausgeredet hätte. Und es war nicht anders gekommen. Sheena registrierte die verschiedenen Meinungen über die Taten der jungen Mutter, doch sie machte sich ihr ganz eigenes Bild. Gab es jemanden in diesem Rudel, der Tyraleen genauso nahe stand wie sie. Außerhalb ihrer Familie? Sheena verneinte diese Frage. Sie konnte sich bildlich vorstellen, was für einen Konflikt die Weiße mit sich ausgetragen haben musste. Dennoch konnte sie die Tat nicht billigen. Wie auch. Es war ein Wolf, ein sehr junger Wolf ums Leben gekommen. Doch Sheena war sich sicher, dass andernfalls Averic ums Leben gekommen wäre. Nicht sofort, zu einem späteren Zeitpunkt, aber sie wusste, fühlte, dass Tyraleens Vision war geworden wäre.
Sie wusste, was eine innige Bindung mit Engaya alles zum Vorschein bringen konnte. Hatte sie nicht gerade eben noch diese Kräfte eingesetzt um einen erschöpften Wolf zu stärken und ihm Bilder zu zeigen?
Kurz glitt ihr Blick über das Rudel. Ja, sie konnte Ráyon entdecken und er sah deutlich ausgeruhter aus, als zu dem Zeitpunkt zu dem er angekommen war.
Als die Beschimpfungen immer wüster wurden und die ersten Wölfe bereits wieder den Platz verließen, entschied sich Sheena zu ihrer- einzigen- Freundin zu eilen um ihr beizustehen. Es war kaum Zeit vergangen, doch sie wollte nicht allen zuvorkommen. Tyraleen wollte Alpha werden. Sie würde sich in nächster Zeit viel durchsetzen müssen. Und nicht immer würde Sheena für sie da sein können. Sie glaubte, dass es wichtig und richtig gewesen war, nicht sofort zu der anderen weißen Fähe zu gehen und ihr beizustehen.
Nun betrat sie die Wiese und trabte locker zu der großen Gruppe hinüber. Geschickt bahnte sie sich ihren Weg durch die große Wolfsmenge. Hier hörte man schimpfende Stimmen, dort wütende. Trauer und Unverständnis säumten ihren Weg.
Jeden Wolf den sie auf ihrem Weg berührte nahm sie ein Stück seiner Gefühle. Sie nahm sie in sich auf, als ob sie sich so ihr ganz persönliches Gefühl mixen wollte. Dabei wusste sie schon längst, wie sie zu dem Tod Tascurios stand.
Sie drängte sich durch die letzten, Tyraleen eng umstehenden Wölfe und blieb links neben der Weißen stehen. Nicht gleichauf mit ihr, ein wenig versetzt, schräg, sodass sie diese ohne Probleme angucken konnte, aber auch die umliegenden Wölfe im Auge behalten konnte.
„Wölfe.“ Sie sprach laut, klar und ruhig. „Wölfe der Sternenwinde. Besinnt euch. Kommt einen Moment zur Ruhe und überdenkt eure eiligen Worte.“
Wie, als wollte sie ihnen zeigen, wie man zur Ruhe kommen konnte, schloss sie die Augen für einen kurzen Moment und holte tief Luft. Noch nie hatte sie zu so vielen Wölfen gesprochen. Sie wusste nicht, wie diese ihre Worte auffassen würden. Würde überhaupt jemand auf sie hören? Eigentlich waren die Wölfe viel zu verschieden, als dass sie diese mit ein und denselben Worten erreichen konnte. Einigen würde sie damit eine neue Angriffsfläche bieten, andere würden sich womöglich über sie lustig machen. Aber trotzdem sprach sie weiter. Sie spürte diese Reinheit in sich, diese vollkommene Übereinstimmung ihres Körpers mit ihrem Geist, wie sie diese Kraft noch nie zuvor gespürt hatte.
„Ich kann eure Wut verstehen, ebenso wie eure Trauer und euer Unverständnis. Doch trotzdem solltet ihr eure Worte überdenken. Ihr sprecht ohne zu denken, ihr beschimpft ohne die Konsequenzen zu sehen. Und noch viel schlimmer, ihr greift an, wo es niemanden zum angreifen gibt. Nicht jeder wird sie verstehen können, noch weniger werden ihr diese Tat verzeihen. Aber jeder Wolf macht in den Augen der anderen Wölfe Fehler. Kein einziger Wolf kann so handeln, dass alle anderen damit zufrieden wären. Der eine Fehler ist größer, der andere kleiner.“
Sie blickte in die Runde. Wollte ihnen Zeit geben. Aber auch nicht zuviel.
„Meine Meinung ist unwichtig für die Eure. Trotzdem möchte ich sie euch mitteilen. Ihr seid Mitglieder dieses Rudels, dieser Familie und jeder sollte sich anhören, was ein anderer denkt. Aber bedacht. Und in Ruhe.“ Und damit begann eigentlich ein Teil ihrer eigenen Geschichte. „Ich kenne die Macht der Götter. Fenris, ebenso wie Engaya. Es gab eine Zeit, da kämpften diese beiden Mächte in mir. Die einen mögen diese Zeit kennen, die anderen nicht. Letztendlich hat Engaya gesiegt. Ich wurde eine Priesterin, bin noch immer auf dem Lehrpfad. Und ich weiß, wie mächtig die Götter sind. Ich glaube Tyraleen, dass sie diese Vision hatte. Und deshalb weiß ich, dass diese Vision wahr geworden wäre. Denn auch Tyraleen ist eine Priesterin, sie ist nicht nur das, sie ist die Tochter Banshees, die Tochter eines Gotteskindes.
Sie wollte ihre Liebe beschützen. Denkt an die Macht der Liebe. Kann die Liebe zu einem Welpen größer sein als die Liebe zu einem Gefährten. Hat man nicht eben diesen Welpen mit diesem Gefährten gezeugt? Wen soll man dann bevorzugen? Letztendlich würde ich sogar soweit gehen, dass es egal wäre. Hätte sie Tascurio nicht getötet, hätte dieser seinen Vater umgebracht. Wäre dies weniger verwerflich gewesen? Hätte Tyraleen dann nicht gleich Averic umbringen können anstatt des Welpens? Wäre sie damit besser?“
Sie holte tief Luft, blickte zu Tyraleen und wieder zu den anderen Wölfen. Nun mussten ihre Worte wirken. Und sie musste mit der Reaktion der anderen Wölfe leben.
Sie tat einen Schritt zur Seite, berührte Tyraleen und gab ihr damit Kraft und Halt. Und nahm sich damit Kraft und Halt.
[Direkt neben Tyraleen; zu allen Wölfen sprechend]
05.10.2010, 17:19
Nerúi brannte vor Zorn, und ihr Körper sehnte sich zurück in den Wald zu Krolock, wo sie all ihren glühenden Ärger hätte an ihm auslassen können. Aber Krolock war irgendwo hinter ihr, und Caylee stand ihr im Weg. Mit gebleckten Zähnen ruckte ihr Kopf nach oben, und sie sah widerspenstig zu Aszrem auf, der sich ihr - mehr andeutungsweise, aber klar zu deuten - in den Weg stellte und sie ermahnte. Sie wollte darauf nichts sagen, hatte darauf nichts zu sagen. Sie wartete dass Caylee ihr aus dem Weg ging - aber Caylee stand bloß da, wirkte mit einem mal so kalt wie Eis und so leer wie ein See ohne Wasser.
Und noch während Nerúi plötzlich schwieg, den Nachklang der eigenen Worte aus den Ohren verlor, kippte die Weiße plötzlich um. Einfach so.
Da war kein weiches Moos um sie aufzufangen, und so knallte sie bloß starr auf den Boden, der plötzlich viel zu hart schien. Nerúi machte einen erschrockenen Satz zu Caylee hin, starrte sie einige Sekunden bloß an, und stieß sie dann mit der Nase gegen die Wange, gegen die Stirn, an den Hals. Sie roch das Blut noch bevor sie es sah, und sah erschrocken zu Aszrem herüber. Was passierte mit ihr? Sie konnte doch nicht auch einfach sterben! Nicht Caylee! Mit bebenden Läufen sah sie sich um. In dem Tumult hatte gar keiner bemerkt was mit der Weißen passiert war. Das war doch alles furchtbar! Nerúi wurde ein weiteres Mal daran erinnert warum sie weg gewollt hatte. Aber jetzt ging das nicht mehr.
Unruhig lief sie um Caylee, stieß sie immer wieder an, und bekam doch keine Reaktion.
Papa Aszrem hatte gesagt sie sollten die Priesterinnen rufen, aber Nerúi hatte es gänzlich die Sprache verschlagen, sie bekam kein Wort heraus, starrte nur Caylee an, fiepste, winselte und stieß sie wieder an.
Wenn nur dieser Tag bald zu Ende wäre...
[Am Waldrand | Aszrem, Caylee]
05.10.2010, 17:46
Wirre Träume hatten Caylee heimgesucht. Wirr und beängstigend, Blut und Hass war in ihnen gewesen, Zorn und Fenris hatten sie beherrscht. Sie hatten Caylee furchtbare Angst gemacht, Bilder waren vor ihren Augen vorbeigezogen, die keinen Sinn gemacht hatten, aber so schrecklich waren, dass die Weiße verzweifelt versucht hatte, nicht hinzusehen. Doch vor den wutverzerrten Gesichtern ihrer Eltern, den toten Augen Tascurios und dem Hass in den Augen ihrer Familie hatte sie sich nicht verschließen können. Doch jetzt, jetzt endlich war der Traum vorbei. Ja, sie war wieder wach, spürte das Gras an ihrer Seite und den sanften Regen auf ihrem Fell; sie hatte nur die Augen noch geschlossen. Sofort riss sie sie auf, sah direkt in Neruís schrecklich besorgte Gesicht und winselte vor Erleichterung. Direkt neben ihr stand Aszrem, auch er sah besorgt aus – wegen ihr? Aber sie hatte doch nur geschlafen, schrecklich geträumt und war nun zum Glück wieder aufgewacht. Vielleicht hatte sie im Traum gewinselt oder geschrien, aber jetzt war sie nur noch froh, ihre Schwester-oder-so und ihren Papa-oder-so bei sich zu haben. Hastig und ein klein wenig ungeschickt strampelte sie sich auf die Pfoten, drückte winselnd und voller Erleichterung ihre Schnauze erst in Aszrems und dann in Neruís Nackenpelz und blieb mit dem Kopf auf ihrer Schulter, den Körper eng an sie gekuschelt stehen.
“Ich hab‘ ganz furchtbare Dinge geträumt, wie gut, dass ihr da seid. Ich hatte so schreckliche Angst.“
Sie schniefte leise und drückte sich noch enger an Neruí. Ihr war es egal, dass sie gerade nicht sonderlich stark und mutig war, viel zu verwirrt war sie von ihrem Traum und viel zu froh war sie, dass sie nun wieder wach war und dass ihre Schwester-oder-so da war.
“Tascurio war tot und Mama und Papa haben sich fruchtbar gestritten. Alle haben sich gestritten, auch wir, aber ich würde dich niemals beleidigen, Neru, du bist meine Schwester, ich hab‘ dich lieb. All das würde niemals passieren, der Traum war nur so schrecklich. Ich bin so froh, dass ihr da seid.“
Im sicheren Pelz ihrer Schwester versteckt lugte sie erstmals umher, sah den Aufruhr auf dem Rudelplatz und lauschte den vielen Stimmen. Es roch nach Entsetzen und Trauer. Caylee duckte sich ein wenig. Es roch auch nach Blut … verwirrt fuhr ihre Zunge über ihre eigene Nase und schmeckte kaum geronnenes Blut.
“Ich blute!“
Wieder winselte sie, sah aus großen, verängstigten Augen zu Papa Aszrem, als könnte der große schwarze Wolf ihr alles erklären und diese beängstigende Situation beenden. Irgendwie war doch nicht alles so gut.
“Warum schreien sie denn so? Warum sind sie so aufgebracht?“
[ Waldrand | Aszrem und Neruí ]
05.10.2010, 20:18
Still lag Atalya auf dem Boden, den Blick auf die zwei Wölfe in ihrer Nähe gerichtet. Sie hatte auf die Worte ihrer Schwester hin nur genickt, war aber nicht weiter darauf eingegangen. Wenigstens das wollte sie hinter sich haben. Wo sie sich doch sicher war, dass der Vorfall mit ihrer Mutter sie noch lange beschäftigen würde. Einige Momente schloß die graue Fähe die hellen Augen, konnte im letzten Moment noch erkennen, dass Madoc nun den Blick auf sie gewandt hatte. Und dann spürte sie ihn näher kommen, und mit dem nächsten Herzschlag fühlte sie seine Berührung in ihrem Nacken. Atalya hielt die Augen geschlossen, hatte sogar einen Moment die Luft angehalten und atmete nun tief durch. Mit einem leichten Schnippen ihrer Ohren fing sie die Worte des Rüden auf, öffnete daraufhin die hellen Augen, hob jedoch nicht den Kopf. Einen kleinen Moment dachte sie nach, was sollte sie nun antworten? Was kam nach dem Ende, nach dem Tod? Ihre Oma war bei Engaya.. im Himmel. Aber was kam auf andere Wölfe zu, wenn sie starben? Sie wußte nicht, wie sie darauf antworten sollte, hob deswegen den Kopf und blickte den weißen Rüden an, der sie kurz zuvor noch einmal angestubst hatte.
“Sag du es mir.“
Atalya blinzelte, und schon im nächsten Moment wurde ihr Aufmerksamkeit wieder auf ihre Schwester gelenkt. Diese kam auf sie zu, den Blick auf Madoc gerichtet und schleckte ihr vorsichtig, als könne sie etwas falsch machen, über die Lefzen. Wieder entfloh ein leises Seufzen ihrer Kehle. Sie wußte nicht, wie sie nun mit der Weißen umgehen sollte. Unsicher neigte sie den Kopf zu ihr, berührte sie vorsichtig an der Wange. Aber kein Lächeln zog sich auf ihre Lefzen, dafür fühlte sie sich zu geschwächt. Sie war froh, dass sie den Tumult vom Rudelplatz nicht bis hier her hören konnte. Hier war die wunderbare Stille des Waldes, und nur gelegentlich das leise Tropfen von Regentropfen, die von den Blättern fielen. Mit einem tiefen Atemzug reckte die Fähe den Kopf, neigte diesen An Madocs Kopf. Einige stille Sekunden verharrte sie so, ehe sie den Kopf zurück zwischen ihre Läufe sinken ließ, den Blick auf Avendal gerichtet. Wieso konnte das alles nicht ein Traum sein? Ein Traum, den man einfach so vergessen konnte und seiner Mutter wieder mit einem Lächeln gegenübertreten konnte.
[Wald - Madoc & Avendal]
06.10.2010, 09:45
Mit jedem verstreichenden Herzschlag wuchs Aszrems Unruhe, und umso schneller jagten die Gedanken durch seinen Kopf und machten es umso schwerer abzuwägen, was jetzt das Beste. Caylee schien nicht mehr aufzuwachen und demnach bedurfte sie schneller Hilfe durche eine Heilerin. Sie war Tyraleens Tochter, und so wäre es nur angemessen, auch eben Tyraleen selbst zu verständigen - aber nach dem, was Banshees Tochter eben erst dem Rudel offenbart hatte, wollte er kein Risiko eingehen, was die Weiße betraf. Dazu kam, dass das Rudel offenbar noch immer stritt und Tyraleen sich demnach noch immer den Anfechtungen der Rudelmitglieder ausgesetzt sah, und da konnte - da wollte- er sie nicht vorzeitig herausreißen. Blieben nur Rakshee und Sheena, und wo genau die beiden sich in der Menge befanden, wusste er nicht. Er würde also einfach nach 'einer Priesterin' rufen und sehen, wer zu ihnen kam.
Aszrem hatte schon den Kopf gehoben, als plötzlich Bewegung in die Jungfähe kam. Sie rappelte sich auf und kuschelte sich eiligst erst an ihn, dann an Nerúi. Aszrem war zu erstaunt über den plötzlichen Sinneswandel Caylees, dass er erst gar nicht reagierte. Die Worte der Weißen lösten schließlich seine Starre - und auch seine Überraschung, deren Platz augenblicklich durch einsickernde Traurigkeit und Verzweiflung gefüllt wurde. Ein bitterer Geschmack lete sich auf seine Zunge. Nur zu gern hätte er über ihren 'Traum' die Stirn gerunzelt ob der irrigen Situation, von der sie da erzählte. Aber diese 'irrige Situation' war die bittere Wirklichkeit. Ein wahrgewordener Albtraum.
Er fand erstmals wieder Worte, als Caylee ihr Nasenbluten bemerkte.
"Keine Sorge, du bist nur hingefallen."
Es hatte nichts mit diesen schrecklichen Ereignissen direkt zu tun und war damit ein Ankerpunkt, an dem er ansetzen konnte. Er hatte jtzt plötzlich eine schwere Aufgabe vor sich, und er brauchte selbst noch ein paar Momente um die richtigen Worte zu finden.
Aszrem erhob sich und setzte sich dicht neben Nerúi und Caylee. Mit einem Lauf zog er die Weiße etwas zu sich heran und verdeckte ihr gleichzeitig den Blick auf das Rudel hinter ihnen.
"Caylee, du weißt, wir beide sind für dich da",
begann er und wünschte sich, er hätte es auch vorhin schon sein können. Sei Tonfall war sanft und väterlich - etwas, dass er vor ein paar Momenten nicht für möglich gehalten hätte - aber doch von Trauer gezeichnet.
"Das Rudel... ist aufgebracht. Deine Eltern... haben sich wirklich getrennt. Und Tascurio ist wirklich tot. Es tut mir so leid, Caylee."
Er vermied es mit Absicht einfach zu sagen, dass ihr Traum wahr war, denn ihr 'Traum' beinhaltete schließlich auch ihren Streit mit Nerúi und ihm. Und wenn sie zumindest das aus Caylees Gedächtnis löschen könnten, wäre das schon ein kleiner Erfolg. So sehr wie Caylee sich bei ihnen Schutz erhoffte, wollte er ihr nicht auch noch das Vertrauen in ihre Fast-Schwester nehmen, wenn er das vermeiden konnte. Es hätte gar nicht erst zu diesem Streit kommen dürfen.
Über Caylee hinweg war er seiner Tochter einen warnenden Blick zu. Er hoffte inständig, dass sie die Größe besaß, sich nicht erneut der blinden Wut hinzugeben und Caylee an diesen Streit zu erinnern...
[Waldrand | Nerúi, Caylee]
06.10.2010, 19:11
Als Volk die Fähe ansprach, erschrak sie, was allerdings nicht verwunderlich war, da sie in Gedanken vertieft schien. Zusätzlich hatte er den Erfolg, immer in den Momenten aufzutauchen, in denen nicht damit gerechnet wurde. Doch an ihn zu stören, schien sie sich nicht. Auf ihren Satz hin, das er bleiben dürfte, ließ er sich ein und legte sich auf den noch nassen Boden. Sie stand auf, drehte sich zu dem Rüden um und setzte sich wieder hin. So konnte er zum ersten mal richtig in Lyerras Augen sehen. Diese wurden von Tränen umspült und die weiße Fähe erzählte davon, dass ihr Gefährte, erst vor kurzem gestorben sei. Sie redete sich ein, das ihr Gefährte nicht an sie gedacht hätte. Schon folgten noch mehr Tränen und der Schwarze versuchte Worte des Trostes zu finden.
„Ach, rede dir nicht so einen Blödsinn ein. Ich denke er hat dich geliebt und er hat dich sicher nicht mit Absicht allein lassen wollen. Aber er lebt in deinem Herzen und in deinen Gedanken weiter und wird immer an deiner Seite sein.“
Im nächsten Moment gähnte sie, sie musste sehr Müde sein, nach all diesen Schicksalsschlägen. So ganz sicher war sich der Rüde allerdings nicht, ob es ihr wirklich gut ging, denn als sie sich hinlegte schien Lyerra zusammenzubrechen. Volk wollte sich erkundigen, ob es ihr gut ging und berührte sie leicht und sanft mit der Nase. Sie rief im Traum nach ihren Gefährten, Ethelion. Als die Fähe sich auf der Erde wälzte traf sie Volk an der Nase. Dieser machte einen Satz nach hinten. Er konnte Lyerra nicht einfach hier so liegen lassen, so allein wie sie war. Vorsichtig, um nicht noch eine verpasst zu bekommen, näherte er sich und legte sich neben sie um die Fähe zu wärmen.
„Ich verspreche für dich da zu sein und ich hoffe, dass ich dieses Versprechen bis zu meinem Ende halten kann.“
Nun hielt der schwarze Rüde neben ihr Wacht, um sie vor der kälte und nässe zu schützen.
[nahe Rudelplatz, im Wald | Nah bei Lyerra]
06.10.2010, 20:09
Als wenn Lyerra die Worte des Rüden im Traum verstehen könnte wurde sie ruhiger, atmete gleichmäßig und schlief traumlos.
Als sie erwachte lag Volk Zubami neben ihr und wärmte sie. Vorsichtig blickte sie sich um, sah dem Rüden ins Gesicht.
„Vielen Dank Volk Zubami. Danke“
Ein trauriges, aber auch aufrichtiges Lächeln umspielte ihre Lefzen.
„Danke, dass du für mich da bist, auch wenn wir uns kaum kennen“
Vorsichtig legte sie ihren Kopf auf die Vorderbeine, blieb einfach ganz ruhig liegen und lauschte ihrem Atem. Was hätte es auch gebracht jetzt wieder durch zu drehen?
„Ich verspreche für dich da zu sein und ich hoffe, dass ich dieses Versprechen bis zu meinem Ende halten kann.“ Hätte so etwas nicht Ethelion sagen sollen? Hätte das nicht ihr Gefährte sagen sollen?
Die weiße Fähe konzentrierte sich nur auf ihren Atem, hörte nur den Klang ihres Klopfenden Herzens.
Warum lag Volk eigentlich neben ihr? Klar, um sie zu wärmen aber er hätte sie doch auch alleine lassen können…
‚Wie hart diese Welt doch ist. Wie hart und einsam, und ausgerechnet ich habe das Glück einem so warmherzigen Wolf wie Volk Zubami über den Weg zu laufen..’
Still lächelte sie.
‚Ethelion mein Geliebter. Ich verspreche dir, ich werde mein Leben weiter leben. Ich werde nicht aufgeben. Alles wird gut, mein Leben lohn sich, egal wie sehr ich leiden muss. Es lohnt sich, denn wenn ich sterbe sind wir für immer vereint’
Diese Worte, oder auch dieses Versprechen sollten die letzten Gedanken sein. Die Weiße wollte nicht jeden Tag weinen, wollte nicht so eine deprimierte, nervige und alte Fähe werden. Liebe das Leben genießen und Lächelnd sterben. Lächelnd weil man weiß das alles gut wird.
Hätten Vol und Ethelion diese Worte gehört, bestimmt hätten sie gelächelt und gedacht dass jetzt alles gut werden würde. Vielleicht hätten sie aber auch gedacht, dass Lyerra sich jetzt lächelnd eine Schlucht runter schmeißen würde. Wäre das nicht irgendwie ein guter Weg lächelnd zu sterben?
[nahe Rudelplatz, im Wald l Volk Zubami]
06.10.2010, 21:01
[Shani - Sharíku ist dunkelgrau mit hellgrauen Fellstellen (;]
Wolken schubsend lag die dunkel graue auf dem Boden. Zumindest wollte sie Wolken schubsen, doch leider bewegten sich die Wolken nur in ihrer Fantasy nach ihren Wünschen. Glücklich wackelte sie mit ihren Ohren, dann schrubbte sie mit ihrem Rücken über den Boden und mit ihrer Zunge schleckte sie über ihre Nase. Ein paar Mal klackte sie mit ihren Zähnen und schon wollte sie weiterhin Wolken durch die Gegend schubsen, als ihr der Geruch eines Wolfes in die Nase geriet. Weiter spielend wartete sie, bis ihr bewusst wurde, wessen Geruch ihr hier in der Nase hing! Schon wollte Sharíku aufspringen und ihrer Mutter entgegen sprinten, da stolperte diese auch schon beinahe über sie. Freudig stubste die junge Fähe ihre weiße Mutter, ehe sie die Augen schloss und die Untersuchung, die sie sichtlich genoss, abwartete. Erst als sie mit ihrer Tätigkeit fertig war, rappelte sich Sharíku auf und knuffte ihre Mutter liebevoll in die Seite, ehe sie ihren Kopf an ihrer Schulter rieb und dann auch mit ihrer Zunge über ihre Nase schleckte. Dann fing sie an zu hecheln, während sie breit grinste. Auf ihre Frage hin schüttelte sie ihren Kopf und machte nickende Bewegungen in die Richtung, aus der sie gekommen war. Und auf ihre zweiten Worte schloss sie die Augen, schüttelte den Kopf und vergrub wieder ihren Kopf in Shani's weichem Schulterfell. Endlich war sie wieder zu Hause bei ihrer Mutter! Überglücklich hüpfte sie ein Stück zurück und warf sich schließlich mit ihrem Vorderkörper zu Boden, ihre Rute pflügte durch die Luft und in ihren Augen glänzte die Spiellust. Sharíku wollte mit ihrer Mutter spielen und hiermit forderte sie sie auf. Ihre Zunge hing weit aus ihrem Maul, während ihr Hinter mit ihrer Rute umherwackelte.
[Shani | nahe des Rudelplatzes]
06.10.2010, 22:21
Schweigend verharrte der Silberne Rüde in seiner Position dich bei Atalya. Sein Haupt noch immer Gesenkt, seine Schnauze berührte beinahe das Nackenfell der Grauen und seine blutroten Seelenspiegel funkelten wie zwei Rubine. Eine Welle von Erleichterung durchspülte jede Faser seines Körpers, als die Fähe seine Nähe duldete und ruhig liegen blieb. Während Madoc auf eine Antwort wartete, spürte er regelrecht, wie Atalya über seine Frage nachdachte und schließlich keine Entgegnung wusste. Ihre Stimme klang wie immer sachte, lieblich, so wie er es kannte, seine kleine Schwester. Offensichtlich dachte sie aber nicht wie er. Er glaubte jedoch zu wissen, was sie dachte, so wie die Meisten es taten. Doch er sah es anders, das Ende bedeutete nicht unbedingt den Tod, es symbolisierte eine Niederlage, eine Sackgasse, aus der es keinen Ausweg zu geben schien, genau die Situation, in der sie sich befand. Sie wusste nicht, wie sie ihrer Mutter verzeihen sollte, wusste nicht, wie sie mit ihrer Schwester umgehen sollte, wusste nicht, wie sie den Tod ihres Bruders verarbeiten konnte und war verzweifelt über die zerstörte Familie. Doch konnte man für immer Groll, Trauer und Verzweiflung im Herzen tragen? Half es, die Schwierigkeit der Lage zu überbrücken? Nein, gewiss nicht. Es mochte schwer klingen, doch es war das Beste, von neuem zu beginnen, eine neue Basis zu finden, die den gebrochenen Familienverband wieder zusammen führte und ein neues Leben ermöglichte. Madoc überlegte mit ausdrucksloser Miene. Wie sollte er seinen Standpunkt erklären ohne sie damit zu belasten oder überfordern? Sein lodernder Blick wandte sich einen Augenblick lang zu Avendal, vielleicht waren die Worte auch ihr eine Hilfe. Gerade in diesem Augenblick sah er allerdings, wie sie sich Atalya näherte und ihr schließlich sachte mit der Zunge über die Lefzen fuhr. Welch erfreuliche Geste, die weiße hatte definitiv Mut, Mut, die nicht auf physischer, sondern psychischer Stärke beruhte und manchmal sogar stärker und einflussreicher war als kämpferische Gewagtheit.
Als die Graue ihren Kopf an seinen lehnte, konnte er nicht anders, als ihr ebenfalls sachte über die Schnauze zu schlecken, sein kühler Blick wurde schließlich weicher, angenehmer. Und erst als sie das Haupt auf die Pfoten ablegte, räusperte sich der Hüne, um die Worte zu sprechen, nach denen gefordert wurde.
"Das Ende ist nicht dem Tod gleichgestellt, immerhin sehe ich das so. Das Ende symbolisiert Aussichtslosigkeit, eine Niederlage, es beschreibt eine Situation, wo du so geschwächt bist, dass du kaum mehr aufzustehen vermagst. Doch was tut man? Aufgeben? Nein, nach dem Ende kommt ein neuer Anfang"
Der silberweiße Hüne machte eine Pause, um die richtigen Worte zu finden. Er war sich nicht sicher, ob die Schwestern seine Gedanken nachvollziehen konnten, ob sie einen Neuanfang solcher Art für möglich hielten nach dem heutigen Ereignis. Vielleicht war es auch ein Fehler, ihnen bereits so unmittelbar nach dem Geschehen solche Worte zu vermitteln, doch er wollte keinen späteren Zeitpunkt wählen. Man konnte schließlich nie wissen, ob die Zeit einem Streiche spielte, niemand wusste, was der Morgen bringen würde, niemand wusste, ob er am nächsten Tag noch bei ihnen war, alles war möglich.
"Es mag schwer nachzuvollziehen sein, doch wenn ihr nicht ewig im Krieg mit eurer Familie leben wollt, so braucht ihr ein neues Fundament, auf dem eine neue Beziehung, regelrecht ein neues Leben aufgebaut werden kann. Es scheint zwar aussichtslos, doch zu jedem Problem gibt es einen Weg."
Sprach Madoc schließlich mit ruhiger, beherrschter Stimme. Er lächelte nicht, er lächelte fast nie, doch verspürte er Erleichterung darüber, dass er diese Worte, die ihm auf der Seele lasteten nun mit den beiden Fähen teilen konnte. Sie mochten sie nachvollziehen oder nicht, ernst nehmen oder verwerfen, er glaubte seine Pflicht erfüllt zu haben, wenn denn eine als solche je bestanden hatte. Wenn sie wollten, so würden sie einen Weg finden, die gebrochene Familie zusammenzuflicken, wenn sie es denn vom ganzen Herzen wünschten und nach diesem starken Wunsch handelten.
[Wald | Atalya, Avendal]
06.10.2010, 22:42
Das Seufzen das aus der Kehle ihrer Schwester drang verleitete Avendal dazu mit den Ohren zu schnippen und ihre tiefblauen Augen auf sie zu richten. Nur für einen kurzen Moment verspürte sie die Berührung auf ihrer Wange und die Rute der Hellen wischte dabei ein paar Mal über den Boden und auch sie stieß die Luft aus ihren Lungen um sich den schmerzvollen Druck zu entledigen. Leicht skeptisch beobachtete sie wie Atalya ihren Kopf gegen den von Madoc lehnte und fragte sich nun zum ersten Mal was die beiden füreinander waren. Sollte sie sich darüber überhaupt schon Gedanken machen? Die Fähe schüttelte leicht den Kopf und riss ihr Maul zu einem Gähnen auf. Dieser Tumult hatte an ihren Kräften gezerrt und Avendal verspürte diese Müdigkeit, träge schloss sie kurz ihre Seelentore nur um sie wieder zu öffnen und dieses Wolfspaar anzublicken. Ihre Gedanken schweiften kurz zu ihrer Mutter und dem toten Tascurio, viel hatte sie mit ihren Bruder nicht zu tun gehabt und doch spürte sie diese Kluft in ihrem Herzen der davon zeugte das sie ihn schrecklich vermisste. Doch sie konnte ihrer Mutter nicht so böse sein, wie die anderen aber auch ihren Vater gegenüber verspürte sie keinen Groll mehr. Avendal seufzte und winselte leise, dabei legte sie die Ohren an und lauschte den Worten des weißen Schönlings. Nach seinen Worten richtete sie ihre Ohren wieder nach vorne, neigte ihren Kopf etwas und ließ ihren Blick von ihnen weggleiten. Avendal hatte einen Entschluss gefasst, wenn sie ihren Vater begegnen würde, dann würde sie sich auch bei ihm entschuldigen.
„ Auf verdorrtem Land besteht immer noch ein Funken Hoffnung auf frisches Gras… “
Dachte Avendal laut und hob ihren Blick, der auf den dichten Wald gerichtet war. Sie hob den Kopf weiter so das sie zu den Baumwipfeln hinauf blicken konnte und spürte wie ein Regentropfen auf ihre Nase viel. Es war so klein und doch konnte es große Wunder vollbringen.
„ man muss nur auf den Regen warten. “
Langsam richtete sie ihre Augen auf den Weißen, hatte sie seine Worte richtig verstanden? Sie wusste es nicht, doch es hatte die Helle zum Nachdenken gebracht und sie wollte mit jedem wieder in Frieden leben, nie wieder würde sie die Wege Fenris beschreiten sondern immer auf dem Pfad bleiben den Engaya für sie vorbereitet hatte. Man musste nur die Steine überwinden, nicht einfach Umkehren nur weil etwas oder jemand einem den Weg versperrt. NEIN! Man sollte für seine Ziele, für seine Wünsche und für seine Träume kämpfen! Das hatte Avendal gelernt.
[Wald – Madoc, Atalya]
07.10.2010, 22:38
Und während nur eine Minute verstrich, fühlte es sich an wie eine ganze Stunde, und doch nur wie eine Sekunde. Zum einen war alles im Zeitlupe, alles schien so erschreckend langsam, dass man sich in Ruhe jedes Detail anschauen konnte und schien so hoffnungslos real – gleichzeitig aber war alles so schrecklich schnell, in der Zeit gerafft und so unwirklich, dass es einfach nicht sein konnte.
Seine Welt war gerade vor seinen Augen zerbrochen. Das unendliche Vertrauen, dass in dem Sohn verankert gewesen war, fiel unsichtbar zu Boden und zerbarst in tausende Splitter. Tyraleen hatte das getan, was der Silberprinz nie für Möglich gehalten hätte. Sie hatte ihren eigenen Sohn, seinen Bruder, getötet.
Er bildete sich ein den faden Geschmack von Blut im Maul zu schmecken, während er mit ansah, wie sein – und Chanukas, als auch Tascurios Vater zu Tyraleen und dem weißen, mit Blut beflecktem und toten Körper am Boden, trat. Seine sonnengelben Augen sahen die Auseinandersetzung mit an, doch bewegen konnte er sich nicht. Nur einzelne Worte erreichten ihn, als seine Eltern anfingen sich anzuschreien. Irgendwann konnte er sich von dem schrecklichen Anblick lösen, der ihn in Bann genommen hatte. Man wollte, aber konnte auf seltsame Art und Weise nicht wegschauen. Seine Augen suchten seinen Bruder, Chanuka, den er hilfesuchend anblickte, der jedoch vom gleichen Bann befallen war wie er – er konnte nicht wegsehen.
Als er den Blick wieder abwandte, zuckte er erschrocken zusammen, und duckte sich, als Averic plötzlich über ihnen stand. Turiéns Blick zeugte davon, wie verstört er war, als er seinen Vater entgeistert anstarrte und sich fragte, wie schnell er hier hin gekommen war... doch sein Ton ließ keine Widerworte zu. Und so fügte er sich, als der Schwarze ihnen befahl mit ihm zu gehen. Noch ein letzter heller Sonnenblick musterte den Federbaum, die Blumenwiese, Tyraleen in ein rotes Kleid getaucht. Aus den Augenwinkeln konnte er auch Malakím erkennen, und sich keinen Reim darauf machen, was er bei seiner Mutter wollte. Der Mutter, die ihren eigenen Sohn getötet hatte.
Er folgte stumm seinem Vater und Chanuka, der sich ebenfalls wortlos dem Befehl des Vaters untergeben hatte.
Als sie am Rudelplatz angekommen waren, schien er wie in Watte gepackt. All die Wölfe die sich versammelt hatten, der trauernde Gesang Tyraleens, die Diskussionen die sich bildeten, als die Weiße tatsächlich allen erzählt hatte, was wirklich passiert war. Immer wenn ein lauteres Geräusch in seiner Nähe ertönte, zuckte der Jungwolf zusammen, und blickte erschrocken in die Richtung, aus der er meinte das vermeintlich schreckliche Geräusch vernommen zu haben. Seine Gedanken überschlugen sich und er war einfach nicht in der Lage darüber nachzudenken, was Tyraleen gesagt hatte. Es war zu viel. Es war... wie konnte das sein? Er konnte nicht darüber nachdenken. Es war einfach zu viel.
Als Chanuka in seiner Nähe plötzlich seine Stimme mit einem Donnern ertönen ließ, legte der Rüde seine Ohren unzufrieden an, weil er nicht wusste, wie er sich sonst ausdrücken sollte. Der Dunkle stürmte an ihm vorbei, und verschwand in die Richtung aus der sie gekommen waren.
Und er? Er ertrug das alles nicht. Sein Kopf schmerzte. Er wollte nicht, dass das geschehen war. Wieso musste das alles ihm passieren? Wieso musste er all diese Wölfe verlieren, wieso musste das ausgerechnet ihm passieren? Er wollte am liebsten zu Nerúi. Seine Augen suchten nach ihr. Sie verstand ihn, an ihrer Schulter hätte er bestimmt Trost gefunden. Doch sie würde nicht verstehen, was in ihm los war. Sie würde leider nicht verstehen, was wirklich passiert war. Und er hatte etwas versprochen. Seine Augen suchten nach Averic, der in seiner Nähe stand, doch von ihm konnte er ebenso wenig Trost erwarten. Sein Vater war nicht der Typ für sowas. Er war nicht so weich wie Turién es war... als die maskierten Augen bei Tyraleen hängen blieben fixierte er sie einige Zeit lang. Schmerzvoll. Dann wandte er sich ab und rannte. Er rannte in den Spuren von Chanuka.
Sein Bruder würde der Einzige sein, der ihn verstehen würde. Kein Anderer wusste, was sie wussten. Niemand sonst. Tascurio...
Als ein Widerstand seinem Körper nicht erlaubte sich weiter fortzubewegen, er mit dem Kopf gegen etwas – oder jemanden – stieß, prallte er verwirrt ab und blickte mit erschrocken geöffneten Augen hoch. Er war nur bis zum Waldrand gekommen, und dort in – eine Wölfin gerannt. Es war Rakshee, die braune Fähe... seine Cousine. Er blinzelte ein paar mal, trat einen Schritt zurück.
„E-Entschuldige.“
[Erst beim Tascurio-Showdown mit Chanuka | auf dem Weg zum Rudelplatz mit Averic und Chanuka | dann am Waldrand | Rakshee]
08.10.2010, 12:33
Still ruhte Atalyas heller Blick auf ihrer Schwester, Einige stille Momente trafen sich ihre Blicke, ehe Madoc Worte an ihre Ohren drangen. Atalya blieb liegen, wandte nur leicht die Augen zu dem Rüden. Kaum hatte er geendet, hob ihre weiße Schwester den Kopf, blickte gen Himmel und antwortete auf ihre Art und Weise auf Madocs Worte. Atalya selbst verharrte stumm, auch als die Stimme ihrer Schwester verklungen war, regte sie sich kaum, nur ihre Ohren zuckten einmal vorsichtig durch die kühle Luft. Ein Ende brachte einen neuen Anfang. Das hieße, sie solle also neu anfangen. Noch einmal von vorne anfangen. Leicht hob die Graue den Kopf an, atmete seufzend aus, und ließ ihr Haupt wieder zwischen die Läufe sinken. Sie fühlte sich nicht stark genug, für einen neuen Anfang. Nicht jetzt, nicht in dieser Situation. Sie wollte ihre Mutter jetzt nicht sehen, war sie sich doch sicher, dass dieses Treffen erneut Wut in ihr aufkommen lassen würde, die sie nicht kontrollieren konnte. Es war besser, wenn sie nicht sofort wieder Tyraleen gegenüberstand. Vielleicht in einigen Tagen. Aber nicht jetzt.
Mit einer langsamen Bewegung drückte sich die graue Fähe vom Boden ab, blieb im feuchten Gras sitzen und blickte auf den Boden vor ihren Läufen. Die Bilder der vergangenen Minuten wollten nicht vor ihrem inneren Auge verschwinden. Immer wieder sah sie ihre Mutter, die Tränen, das Blut, die Reue in ihren Augen. Und dann sich selbst, mit all dem Zorn, der ihr Herz verhüllt hatte. Einige Momente schloß Atalya die Augen, schüttelte leicht den Kopf. Aber es half nichts, sie wurde diese schrecklichen Bilder nicht los. Und noch immer stand eine Antwort auf Madoc Worte offen. Ihre Schwester hatte es mit einer vertrockneten Wiese verglichen, die sehnsüchtig auf Regen wartete. Aber was war, wenn kein Regen kam? Wenn die Pflanzen vergeblich warteten? Kurz richteten sich die rot-braunen Augen Atalyas auf ihre Schwester, dann auf Madoc. Und schließlich hob sie den Kopf zum Himmel, hielt die Augen dabei geschlossen. Tief atmetet sie die frische Luft ein, die noch nach Regen roch. Sie hatte verstanden, was der Weiße gemeint hatte. Und doch fiel ihr nicht viel ein, was sie antworten konnte. Außer weniger Worte, die ihr auf der Zunge lagen.
“Zeit, neu anzufangen.“
[Wald - Madoc & Avendal]
08.10.2010, 16:39
Wie zuvor die Angst ihren Ärger vertrieben hatte, flutete nun Erleichterung den Körper der Schwarzbraunen und lies ihren Hinterkörper auf den Boden sacken. Sie war wieder wach, sie war noch am Leben! Auch ihre Worte waren gänzlich unerwartet - ein Traum? Was denn für ein Traum? Sie war doch nur Momente nicht wach gewesen? Aber wo eben noch Erleichterung war, war vom einen Rutenstreich zum Anderen vorallem Verzweiflung. Caylees Worte jagten ihr einen eiskalten Schauer den Rücken herab, und wie sie sich so in Nerúis Fell schmiegte, ging ein Beben durch den ganzen Körper der Jungwölfin. Leise winselnd reckte sie den Kopf zu Caylee, leckte ihr sanft über die Schnauze und warf einen kurzen Blick zu Aszrem, abermals jeder Worte beraubt. Es stimmte. Das Ganze war ein furchtbarer Alptraum. Aber viel schlimmer war, dass sie wirklich so gemein zu Caylee gewesen war. Und Caylee zu ihr. Sanft drängte sie sich anwusste nicht was sie sagen sollte, was sie sagen konnte - ohne alles zu zerstören. Papa Aszrem setzte sich zu Ihnen, sodass Caylee die Mitte bildete. Nerúi drückte sich sogleich eng an sie, legte den Kopf gegen den Hals der Weißen.
Vor der hilfesuchenden, verängstigten Schwester, die ihr so fraglos ihr Vertrauen aussprach, fühlte sie sich so furchtbar klein.
Sie hörte die Worte ihres Vaters wie zähes Wasser über sich fließen, vergrub ihre Schnauze in Caylees Fell und leckte ihr sanft über das Fell. Sie konnte nicht länger schweigen, und Trauer trug ihre Stimme.
"Meine kleine große Schwester! Das ist alles so furchtbar! Ich hätte dir fast noch mehr wehgetan!"
Tränen rannen haltlos von ihrem Gesicht, perlten an ihrem Fell ab und verloren sich in ihrem Pelz. Nerúis Blick verlor sich, während sie den Kopf ganz gegen Caylee drängte, leise winselnd das weiße Fell beweinte.
"Was macht das mit uns? Ich habe Angst Caylee! Ich kenne Tascurio kaum, aber was wäre wenn du tot wärst?! Ich will niemanden mehr an Fenris verlieren..."
War ihre Stimme zuvor noch klagend und klar, so hatte sie sich bei ihrem letzten Satz zu einem Flüstern gesenkt, dass einem bitteren Geständnis gleich, ein geheimes Band um die drei Wölfe zog. Mit verrinnenden Tränen schmiegte sie sich nun in den strahlend weißen Pelz, und schloss die Augen einen Moment lang vor der furchtbaren Welt dort hinter ihr.
[Am Waldrand | Caylee, Aszrem]
09.10.2010, 02:14
Der Ruf hatte Lunar gelockt, in zurück geholt in ein Land das er vor gut einem Jahr verlassen hatte. Doch es hatte ihn in die Nähe getrieben. Warum? Lunar wollte nichts über dieses Wort über diese Fragestellung hören. Er hatte genug und er würde jedem dieselbe Antwort geben auf dieses ‘Warum?‘. Es ging niemanden etwas an, warum er gegangen war und warum er sich nun bei diesem Rudel wieder blicken ließ. Und doch hing dieses elende Wort an ihm wie das Wasser an seinem Fell nach einer stürmischen Regennacht. Lunar schnaubte und senkte sein Haupt so tief das seine Nase fast den Boden berührte. Sachte öffnete er seinen schmalen Fang und zog den Geruch ein der in der Luft hing, doch nur der Geruch des feuchten Bodens steuerte in seine Nase. Der schwarze Rüde schnaubte abermals und hob sein Haupt etwas, seine Ohren legten sich dabei leicht zur Seite. Der Regen hatte viele Gerüche verwaschen, doch er wusste welches Land er betreten hatte. Das Land der Sternenwinde, die Heimat von Banshee’s Rudel. Stahlblaue Augen blitzen aus halb geöffneten Augen hervor und der Blick schweifte über die Umgebung, der Wald war dicht und er musste sich nahe des Rudelplatzes befinden, denn die Laute waren selbst für einen tauben Wolf nicht zu überhören. Es war ein Stimmgewirr aus Gekläffe, Gejaule und Beleidigungen die in seine empfindlichen Ohren drangen. Lunar zog seine Lefzen zu seinem schelmischen Grinsen zurück und setzte sich weiter in Bewegung, seine Pfoten trugen ihn leichtfüßig über den nassen Boden, der bei seinem Gewicht leicht einsank. Dabei war Lunar nicht einmal schwer, er war schlank und sehr hoch gewachsen. Beeindruckend für jeden Fremden der ihn zum ersten Mal vors Gesicht bekommt. Die Geräusche um ihn herum wurden langsam lauter und Lunar’s Augen funkelten, was genau verursachte solche Aufregung? Gebührte die etwa ihm? Hatten sie herausgefunden das zurück sei? Der Hüne schüttelte den Kopf, niemals würde man solch einen Aufstand machen, obwohl er es manchen vielleicht zutrauen würde. Immerhin war Lunar nicht der Liebling des Rudels gewesen, erneut zeigt sich ein Grinsen auf seinen Lefzen als seine Gedanken über die vergangen Geschehnisse kreisten. Er war wahrlich kein Engel gewesen aber man musste ja nicht immer sofort den Teufel an die Wand malen, immerhin fand sich Lunar gar nicht so schrecklich wie alle von ihm dachten. Gut, er kannte kein Mitleid mit armseligen Geschöpfen seiner Rasse, er hätte auch kein Problem damit einem frisch ins Leben gerufene Welplein zu töten, wahrlich nicht. Doch es gab zwei Wölfe die würde ihn von all dem sicherlich zurückhalten. Seine Schwester Shani und seine Nichte Sharíku. Ob er sie jemals wiedersehen würde, ob sie überhaupt noch lebten?
Lunar zog die Luft ein und riss die Augen auf, als würde ihm jemand mit der Pfote auf seine Schnauze schlagen, dieser Geruch! Übelkeit überkam den Hünen als er den Geruch vernahm, so vertraut und doch schien es ihm mehr wie ein Traum. Seine Augen huschten über die Umgebung und er trieb seine langen Pfoten weiter immer weiter. Der Blauäugige streckte seine Zunge aus dem Maul und sein Atem ging keuchend, saugte den Duft auf nur um ihn nicht wieder zu verlieren. Zwischen zwei dicken Baumstämmen machte der Hüne halt und richtete seine Augen auf die zwei Fähen vor ihm. Das Blau darin funkelte und er lehnte seinen Körper leicht gegen den linken Baum. Seine Ohren schnippten nach hinten und er senkte seinen Kopf. Prüfend beobachtete er das Spiel der beiden Fähen, der Mutter und der Tochter. Das Fell der Mutter war von einem strahlenden Weiß und überall würde er diese Augen erkennen, diese tannengrünen Augen die ihn als Welpe immer so treu angesehen hatten. Lunars Blick schweifte zu der stummen Fähe, dessen Fell fast so ähnlich dunkel war wie seines. Sharíku und Shani, die einzige Wölfe zu denen er je Kontakt gehabt hatte und die er vor einem Jahr verlassen hatte. Kurz öffnete er seinen Fang nur ihm in mit einen Knacken wieder zu zuklappen, dabei drehte er seinen Kopf etwas seitlich und ließ seine Ohren wieder nach vorne drehen. Was sollte er ihnen sagen? Sollte er ihnen überhaupt etwas erklären? Wozu auch, Lunar war sich nicht bewusst ihnen irgendetwas erklären zu müssen! Er war ein freier Wolf und nicht mit Ketten an sie gefesselt.
„ Ich hätte nicht erwartet euch wieder zu sehen, wenn ich dieses Land betrete. “
Schneidend kamen die Worte aus seinem Maul und Lunar trat aus dem Schutz der beiden Bäume hervor. Er senkte sein Haupt, seine Pfoten trugen ihn langsam und elegant auf die Beiden zu während seine Rute einmal durch die Luft sauste, als würde ihm etwas missfallen. Nichts konnte man ihn den blauen Seelentoren entdecken die auf die Zwei gerichtet waren, weder Freude noch Ärgernis. Sie waren tote Spiegel die nichts verraten würde, die das was in dem Rüden schlummerte gut verbergen konnte. Ja ihm war Übel von diesem freudigen Tänzchen zwischen Mutter und Tochter. Er wollte nicht auf sein Herz hören, das unregelmäßig zu Schlagen begann und auch das Rauschen in seinen Ohren wollte er überhören, ja er wollte regelrecht Taub davon sein. Eigentlich hätte er sich sogar Gewünscht sie noch nicht zu sehen, ihnen keine Erklärung geben zu müssen, weshalb er verschwunden war und warum er so ganz plötzlich wieder erschien. Und wieder war da dieses ‘Warum?‘. Wie er dieses Wort hasste.
[Nahe Rudelplatz – Shani & Sharíku]
09.10.2010, 20:15
Kaum das der Tiefschwarze zuende gesprochen hatte, zeigten seine Worte tatsächlich eine Wirkung, die Face nicht erwartet hätte. Beide Jungwölfinnen schreckten zusammen, legten die Ohren an und wurden still. Zumindest vorerst. Denn anstatt es dabei beruhen zu lassen, redeten andere Wölfe einfach weiter, redeten auch auf die kleinen Fähen ein, die dies gerade wohl am Wenigsten gebrauchen konnten. Fremde sprachen über Tyraleens Tat als beträfe es sie persönlich, als wüssten sie alles, wie sich sein Patenkind fühlte, den Grund und sowieso. Face verstand nicht, was sie bezwecken wollten. Sie urteilten, wo sie nicht zu urteilen hatten. Die Sache betraf zwar sie alle und ging doch die Wenigsten etwas an. Er wusste nicht, was in dem Kopf seines Patenkindes vorging, was sich tatsächlich zwischen ihr, Tascurio und wohl auch Averic abgespielt hatte und er würde auch nie wagen irgend etwas zu behaupten. Er konnte nur abwägen, was ihn noch lange nicht dazu befugte irgend etwas zu erklären, wo er nichts erklären konnte. Und es ging schließlich nicht um ihn. Nur Tyraleen konnte erklären und das hatte sie bereits getan. Was dachten diese Wölfe würden ihre Worte bewirken? Sie rauschten doch einfach nur so vorbei, im Stimmgewirr.
Face Taihéiyo sah aus den Augenwinkeln, wie sein Patenkind auf ihn zutrat, erkannte nun die Unsicherheit in ihrem Blick, welche ihn an damals erinnerte, als sie noch ein Welpe war. Auf genau die selbe Weise drückte sie ihre Schnauze in seinen Pelz und das Herz wurde ihm schwer. Sie war doch seine kleine Tyraleen, warum hatte es ausgerechnet sie sein müssen, die ihren eigenen Welpen tötete? Face schloss kurz die Augen. Auch er konnte nicht über sie richten. Obgleich es vielleicht feige erscheinen würde, dass er sich allen Urteilen enthalten wollte. Der Grund war sie. Kurz drehte Face den Kopf und berührte Tyraleen leicht an der Stirn. Er war noch da. Nur wie sollte er, wie sollte das Rudel in Zukunft damit umgehen? Möge die Macht der Götter groß und noch größer sein, das änderte leider nichts daran, dass Tyraleen wegen ihnen ihren Welpen umgebracht hatte. Face sah kurz zu Averic hinüber, der schließlich im Wald verschwand. Und wie sollten die Kinder damit umgehen?
Face zuckte leicht mit einem Ohr, als Atalyas wütende Stimme wieder ertönte. Nichts anderes hatte er erwartet. Das alle aufeinander einredeten brachte rein gar nichts. Auch die dunkelgraue Jungwölfin verschwand vom Rudelplatz, gefolgt von ihrem Paten und ihrer Schwester. Face seufzte leise. Immerhin erschien Avendal nun nicht mehr so, als wetzte sie Atalya hinterher, um sie wieder an zu greifen. Aber auch Krolock hatte noch immer nicht genug. Auf dessen Worte hin verengten sich die saphirblauen Augen des tiefschwarzen Rüden. Törichter Jüngling. Er verstand wohl nicht, dass es den Göttern egal war, wer an sie glaubte und wer nicht. Das änderte nichts an ihrer Macht. Und es änderte nichts daran, dass ausgerechnet Tyraleen Banshees Nachfolgerin war und sie sich somit den Göttern gar nicht entziehen konnte. Andererseits – wenn es die Götter wollten konnte dies keiner. Auch Krolock würde das lernen müssen. Ebenso, wie Face es vor langer Zeit tat.
Als dann auch noch Sheena zu ihnen kam und viele, viele Worte an die Wölfe richtete, schloss Face erneut kurz die Augen und schüttelte verständnislos den Kopf. Als sie geendet hatte, erhob der Tiefschwarze noch einmal das Wort. Allerdings nicht, um noch mehr sinnlose Worte in die eh schon überfüllten Köpfe der Wölfe zu pressen.
„All dieses Gerede ist sinnlos und überflüssig. Hört auf anderen eure Meinung aufzwingen zu wollen, Worte über das Warum und Wieso helfen hier niemandem weiter. Sie machen nichts besser und sie ändern nichts. Hört auf erklären zu wollen, was ihr gar nicht erklären könnt. Tyraleen ist selbst in der Lage zu sprechen.“
Es war sinnlos darüber zu reden, welche Erfahrungen jemand mit den Göttern gemacht hatte. Darum ging es nicht. Die Götter waren mächtig, ja. Aber es war leider auch nicht richtig Tyraleen deshalb von aller Schuld frei zu sprechen. Denn gehandelt hatte immer noch sie selbst.
„Die Frage ist die, wie wir nun damit umgehen ...“,
fügte er noch hinzu. Diesmal deutlich leiser ... denn er hatte keine Antwort auf diese Frage. Face richtete den Blick auf sein Patenkind dicht neben sich; er fühlte sich hilflos.
[ Rudelplatz | direkt neben Tyraleen, Wölfe und Co! ]
09.10.2010, 20:50
Schweigend blickte Madoc die beiden Schwestern an. Hatten sie seine Worte verstanden? War ein Neubeginn nach solch einem Ereignis noch möglich? Wäre er selber in solch einer Lage, so wäre sein rationaler Teil dem emotionalen zuvorgekommen, selbst wenn es Llywarch gewesen wäre. Sterben gehörte zum Leben und letztendlich ist es keine Schande durch die Fänge der eigenen Mutter zu sterben, wohl aber eine Sünde. Er wusste noch immer nicht, welche Gründe Tyraleen dazu bewegt hatten, den eigenen Sohn zu töten und doch zweifelte der Hüne nicht daran, dass sie Tascurio ebenso geliebt hatte wie Atalya und Avendal.
Als die weiße Fähe zu sprechen begann, schnippte Madoc mit den Ohren und hob schließlich sein Haupt. Zufrieden lauschte er den metaphorischen Worten und nickte schließlich, als sie in der Stille des Waldes verhallten. Sie schien zu verstehen, war sie also auch bereit zu vergeben und zu vergessen? Vielleicht. Vielleicht würde es ihr aber auch schwer fallen das gesprochene Wort in Realität umzuwandeln, doch der Silberne würde nicht urteilen, er kannte sie nicht.
"Genau das ist es, was ich meinte, Avendal"
Erwiderte er nach einer Weile des Schweigens. Die tiefe Stimme war wie immer ruhig und neutral, urteilslos und kühl. Seine blutroten Seelenspiegel musterten nun die zierliche Wölfin, die ihren Kopf zum Himmel erhob, als würde sie tatsächlich auf die heiligen Tränen des Lebens warten, von denen ihre poetischen Sätze handelten. Es erstaunte Madoc, dass sich die Fähe so leichtfertig auf die Lehren eines Fremden einließ und keine Anzeichen von Antipathie ihm gegenüber zeigte, der sich doch so schamlos in Familien Angelegenheiten eingemischt hatte. Es wäre nur gut und recht gewesen, hätte sie ihn verflucht und verscheucht, doch nichts der gleichen geschah, wie sonderbar. Mit einem leisen Seufzen schloss der Silberweiße schließlich seine Augen, nur um sie im nächsten Moment auf Atalya zu richten, dessen grauer Körper sich von der Erde erhob und an selbiger Stelle sitzend verweilte. Beinahe hoffnungsvoll wartete der Hüne auf ihre Meinung und als sie zu sprechen begann, wurde sein Blick weicher. Doch ihre Antwort ließ ihn ebenso ratlos wie zuvor, war ihrer Mimik doch nicht zu entnehmen, dass sie wirklich mit einem Neuanfang zurecht kommen würde.
"Und selbst wenn kein Regen auf die trockene Erde prasselt, selbst wenn keine Pflanzen wachsen, so siedeln sich dennoch andere Lebeweisen an. Ein neuer Beginn ist immer möglich"
Fügte Madoc hinzu, da er glaubte, Atalya zweifelte an der Richtigkeit seiner Worte. Bewusst verwendete er das Beispiel von Avendal, denn es war eine gute Veranschaulichung für den Sinn seiner Gedanken. Irgendwann würde all das vorbei sein, irgendwann würde all das vergessen sein, da war er sich sicher.
[Wald | Atalya und Avendal]
09.10.2010, 22:06
Avendal hob den Kopf an und blickte ihre Schwester an, als die sich von dem feuchten Gras abhob und im sitzen verharrte. Sie legte den Kopf leicht schief und beobachtete sie eine weile. Atalya jedoch schon nach den Worten Madoc‘s und nach ihren Worten sich mehr in Schweigen gehüllt zu haben. Sie seufzte leise und legte ihre Ohren zurück während sie ihre Augen schloss, dabei ließ sie ihren Körper auf den Boden fallen und presste ihre Rute eng an ihren Körper. Ihre Ohren zuckten leicht als ihre graue Schwester zu sprechen begann. Neu Anfangen? War das denn wirklich möglich. Sie seufzte schwer, winselte sogar leicht bei dem Gedanken an Averic. Sie war böse und gemein zu ihm gewesen und hoffte, dass er ihr Verzeihen würde.
„ Ich möchte mich bei unserem Vater entschuldigen… “
Winselte sie leise und ließ ihren Blick zu Atalya schweifen, ehe sie zu Madoc weiter wanderten. Sie hatte in der kurzen Zeit schnell ihre Pfoten auf Fenris Pfad gelegt… aber Dank Face auch schnell wieder verlassen, dem schwarzen Rüden mit den saphirblauen Augen würde sie auch nochmal einen Dank aussprechen. Als Madoc seine tiefe Stimme erhob zuckte sie leicht zusammen und fuhr zu dem Schönling herum, das er sie gemustert hatte war ihr aufgefallen doch sie hatte es ignoriert. Sie mochte es nicht wenn man sie Ansah wie ein Stück Holz an dem etwas Falsch war. Sie neigte ihren Kopf etwas und erwiderte den Blick des weißen Rüden’s ehe ihre Ohren nach vorne schnippten um seinen weiteren Worten zu lauschen. Sie nickte sachte, auch diese Worte hatte sie verstanden und vor allem lächelte Avendal darüber das er ihre Metapher verwendet hatte.
[Wald – Madoc, Atalya]
09.10.2010, 22:10
Shani hatte natürlich keine Worte von Sharíku erwartet – viel eher wäre sie wahrscheinlich vor Schreck und Erstaunen umgefallen, hätte ihre Tochter ihr plötzlich geantwortet. Wobei das natürlich das falsche Wort war – Sharíku antwortete sehr wohl, nur eben auf ihre Art. Mit Gesten, Blicken und dem Schimmern in ihren Augen. Sicher würde die Weiße niemals erfahren, wo ihre Tochter gewesen war, aber was machte das schon? Kam es nicht nur darauf an, dass sie nun wieder da war? Und sie wirkte glücklich, es konnte nichts Schlimmes gewesen sein, das sie erlebt hatte. Also war sie zurückgekehrt, weil sie zurück wollte … zu ihrer Familie. Es war so schön, ihre Schnauze wieder in ihrem Pelz zu spüren, ein klein wenig so wie damals, als Sharíku noch klein und ängstlich war, sich nicht einmal eine Wolfslänge von ihr entfernt hätte. Jetzt war sie groß und fort gewesen … erwachsen geworden. Aber noch immer ihre Tochter.
Sharíku sprang einen Schritt zurück, senkte den Vorderkörper und wackelte mit der Rute, forderte ihre Mutter zum Spiel auf und nichts lieber hätte die Weiße getan. Doch der Schreck und das Entsetzen von dem gerade auf dem Rudelplatz Erlebtem spiegelte sich nun wieder deutlich in ihrem Blick. Zögernd machte sie zwei Schritte auf ihre Tochter zu, haschte nach ihrem Ohr und hielt dann ohne es zu erreichen inne. Ihr ganzer Körper erzitterte.
“Sharíku, es ist so schön, dich wieder zu sehen, aber … du kommst an einem furchtbaren Tag. Unsere Familie ist in großes Unglück gestürzt. Tyraleen … hat ihren Sohn Tascurio getötet …“ Ihre brüchige Stimme schien kurz keine Worte zu finden. “… und nun werfen sie sich alle schreckliche Dinge an den Kopf – ich fürchte, dass wir nie wieder eine vereinte Familie haben werden.“
Sie trat wieder einen Schritt auf die Dunkelgraue zu, legte ihren Kopf gleichzeitig tröstend und trostsuchend auf die Schultern ihrer Tochter und schloss die Augen. Bemüht ruhig atmete sie ein und wieder aus, konnte nicht einschätzen, wie schwer diese Nachricht Sharíku treffen würde, schließlich hatte sie nie eine große Bindung zu ihrer Familie aufbauen können. Zumindest nicht zu Hiryogas zahlreichen Geschwistern und deren Welpen. Und sie war nicht auf dem Rudelplatz gewesen, hatte nicht mit ansehen müssen, wie alles zerbrach. Shani war froh darüber. Dann tauchte aus der dunklen, verwaschenen Nachtluft ein Geruch auf, der sie erstarren ließ. Ihr Kopf hob sich leicht, lag nicht mehr auf Sharíkus Schultern und ihr Blick blieb an zwei stahlblauen Punkten im Schatten der Bäume hängen. Lunar. Jetzt zerschnitt seine Stimme die Stille und Shanis Ohren drehten sich zurück. Der schwarze Pelz löste sich aus den Schatten der Bäume, kam auf sie zu und ganz automatisch trat Shani einen Schritt zurück.
“Luuu~.“,
kam es leise von ihr, der gleiche kindlich langgezogene Kosename wie immer, aber ihre Stimme war weder freudig noch kindlich. Starr blickte sie auf ihren Bruder und schien diesen doch nicht in dem schwarzen Wolf vor ihr zu sehen.
[ nahe des Rudelplatzes | Sharíku und Lunar ]
10.10.2010, 17:42
Aszrem schien, anders als Caylee gehofft hatte, die Situation nicht mit einem Ohrschlackern beenden und sie aus dieser kalten, finsteren Nacht zurück in den warmen Sonnenschein holen zu wollen. Nein, das war falsch gesagt, wahrscheinlich wollte er das sehr gerne, aber er schien es nicht zu können. So etwas wie Traurigkeit flackerte in seinem Blick und das machte Caylee nur noch mehr Angst. Sie hatte Aszrem genau ein einziges Mal wirklich traurig gesehen – damals, als Mama Nyota und Tante Kylia in den Abgrund gestürzt waren. Da war Papa Aszrem sehr sehr traurig gewesen. Jetzt war es nicht ganz so schlimm, aber dennoch konnte sie die Traurigkeit und sogar Verzweiflung wittern und in seinen Augen sehen. Seine Stimme war kratzig, als er ihr erklärte, dass sie hingefallen war. Das hatte sie gar nicht bemerkt. War sie vielleicht gestolpert und hatte sich dann den Kopf geschlagen? Deshalb blutete sie nun und deshalb hatte sie diese schrecklichen Träume und deshalb hatten Neru und Aszrem so besorgt geguckt. Eifrig nickte sie.
“Tut gar nicht mehr weh.“
Ganz so, als wäre die Traurigkeit in den Augen ihres Papas-oder-so, weil sie gestolpert war und als könne sie ihn nun trösten, indem es ihr wieder gut ging. Tatsächlich spürte sie einen stechenden Schmerz in der Stirn und ihre Läufe fühlten sich ein wenig wackelig an. Doch das alles wäre nicht weiter schlimm, würde der Blick des großen Schwarzen nur nicht so schrecklich traurig wirken und würde Neruí an ihrer Seite nicht ab und an erzittern, als wäre ihr kalt. Sie spürte wie sich ihre Schwester-oder-so enger an sie kuschelte und genoss die sanfte Geste. Nun kam auch Aszrem, zog sie ein wenig näher zu sich wie als wäre sie noch ein Welpe, der im warmen Schutz der Großen glücklich einschlafen konnte und hüllte sie in eine sichere Decke aus schwarzem Fell. So umgeben von dem vertrauten Geruch Neruís und Aszrems und eng an die beiden Körper geschmiegt hätte sich die Weiße am liebsten hingelegt und die Augen geschlossen. Hier drinnen war alles gleich viel weniger schrecklich. Und wie um das zu bestätigen, versprach auch ihr Papa-oder-so, dass sie für Caylee da wären. Das merkte sie ja gerade, das wusste sie doch sowieso. Wohlig hatten sich ihre Augen geschlossen, alle beunruhigenden Gedanken wurden hinter die große Aszremmauer vertrieben. Bis diese rücksichtslos und von eben jenem eingestürzt wurde. Wie als hätte jemand Caylee gebissen, fuhr sie zusammen, riss die Augen wieder auf und starrte in den schwarzen Pelz – war es Aszrems oder Neruís? – der sie noch immer so schützend umgab und dennoch die Schrecklichkeit der Wahrheit nicht mehr abhalten konnte. Unkontrolliert begann sie zu zittern, kletterte mit ihrem Blick mühsam über so viel dunkles Fell und fand endlich Neruís goldgelbe Augen. Wie eine Ertrinkende klammerte sie sich daran fest.
“Aber … aber sie können doch nicht einfach so … aufhören sich zu lieben. Ich höre doch auch nicht damit auf! Das dürfen sie doch nicht! Sie sind doch meine Eltern!“
Ihr Blick huschte zu Aszrem, der trotz allem noch immer stark aussah und Caylee war irgendwo froh darüber.
“Meine Mama ist doch die Tochter Engayas, sie darf doch nicht Fenris gehorchen! Sie haben doch alle alles falsch gemacht!“
Verzweiflung breitete sich über ihr Gesicht aus und schnürte ihr die Kehle zu. Das war doch nicht richtig! Das konnte doch keiner von ihnen machen! Neruí vergrub ihre Schnauze in dem Fell der Weißen und Caylee sah sie mit einem hilflosen Blick an, überfordert von der Trauer, die ihrer eigenen ähneln würde, wenn die Tochter Tyraleens sie zuließ.
“Nein, Neru, wir machen nichts falsch, wir würden uns nie wehtun. Wenn wir zeigen, wie es richtig geht, sehen es Mama und Papa vielleicht auch, dann wird alles wieder gut!“
Caylee hob leicht die Rute, wollte optimistisch damit wackeln, doch je mehr Tränen aus Neruís Augen in ihr Fell perlten, desto hoffnungsloser wurde sie. Jetzt musste auch sie leise schluchzen.
“Meine Mama hätte mich doch nie getötet … nein, das hätte sie nie nie gekonnt! Nicht meine Mama, nicht …“
Wieder floh ihr Blick zu Aszrem, als wolle sie von ihm hören, dass Tyraleen ihren Sohn, nicht aber ihre Tochter töten konnte.
“Wenn wir zusammenhalten, dann brauchen wir keine Angst haben. Du und ich, Neru, wir passen auf uns auf. Wenn wir nur gut genug auf uns achten, dann kann uns niemand etwas tun! Und Papa Aszrem ist auch noch da, der wird uns auch beschützen. Aber wichtig ist, dass wir immer auf den anderen achten und ihn nur alleine lassen, wenn er in Sicherheit ist. Dann kann nicht mal Fenris etwas gegen uns tun! Denn dann müsste er gegen Neruí und Caylee bestehen und das kann niemand. Weil wir uns lieb haben. Das hat Oma immer gesagt.“
Wieder schniefte sie, jetzt auch noch in der Erinnerung an ihre Oma Banshee. Aber sie war froh, etwas gefunden zu haben, an dem sie sich festhalten konnte. Zum dritten Mal sprang ihr Blick zu den Augen Aszrems, jetzt in der Hoffnung auf Bestätigung, dass ihr Plan wirklich gut war und dass dann alles besser werden würde. Es musste doch besser werden, es konnte doch nicht so schrecklich bleiben. So wie in einem Albtraum. Ihrem Albtraum.
[ Waldrand | Aszrem und Neruí ]
10.10.2010, 23:22
Einstiegspost
Wie lange war er nun schon unterwegs gewesen? Kiburi wusste es nicht genau aber es mussten doch schon mehrere Sonnenläufe gewesen sein. Jedes mal lief der junge Wolf so schnell und weit ihn seine Pfoten trugen. Er lief bis zur absoluten Erschöpfung und hatte er geschlafen, lief er wieder los. Er verlor jegliches Zeitgefühl. Laufen war früher für ihn nur ein unheimlicher Spaß, doch nun war es mehr eine Qual und trotzdem, lief er immer weiter. Was Kiburi suchte? Er wusste es nicht. Nicht einmal ob dass, was er suchte überhaupt zu finden war.
Unwissend über seinen Standort schlief er erneut vor Ermüdung ein und rastete eine Weile. Er träumte wie nahezu jedes Mal von der Insel Ishbar, von der er stammte. In seinen Träumen war er noch dort und alles war wie es sein sollte. Herumtollende Welpen, der Blick hinauf zum Berg in der Mitte der Insel und das Feld mit Makarolebeersträuchern, das nicht weit vom See war. Doch wie jedes Mal, wenn er erwachte, war dies alles nicht mehr da. Keine Welpen, kein Berg und keine Beeren. Allerdings war sein Erwachen nicht wirklich wie jedes Mal. Irgendetwas war anders. Für gewöhnlich stand der Jungwolf sofort auf und lief einfach weiter, oder suchte sich etwas zu Fressen. Doch diesmal blieb er liegen. Er hatte keine Erklärung dafür, warum er an diesem Tag einfach unter dem Baum liegen blieb, unter dem er eingeschlafen war. Aber Kiburi hatte auch sonst nicht immer eine Erklärung für alles was er tat. Vielleicht schmerzten ihn die Pfoten, oder er wusste einfach nicht wo genau er nun hin laufen sollte. Ein Ziel hatte er ja nicht. Und so lag er einfach nur da und schloss gelegentlich die Augen, allerdings ohne erneut einzuschlafen. Er dachte einfach nur nach. Über das, was er verloren hatte und über seinen weiten Weg. Auch dachte Kiburi erneut an die Wesen, die ihn von Ishbar vertrieben hatten. Er hatte keinen von ihnen genau gesehen. Nur viele Tote, denen niemand mehr helfen konnte. Kaum hatte er zu Ende gedacht, kniff Kiburi seine Augen fest zu und Tränen kamen, wie schon oft in der letzten Zeit.
[Rand des Nördlichem Mischwaldes | Kisha ; Kiburi]
11.10.2010, 10:54
Scheinbar hatte sie ihn verstehen können, da sie plötzlich viel ruhiger atmete und der Frieden in sie zurückzukehren schien. Bald erwachte Lyerra aus ihrem Erschöpfungsschlaf und sie blickte sich vorsichtig um. Sie schaute Volk Zubami an, bedankte sich bei ihm und schenkte ihm ein Lächeln. Das Lächeln brachte dem Rüden auch einen gewissen Frieden, dem man ihm auch ansah. Lyerra hatte zwar recht, als sie sagte, dass die beiden sich kaum kennen, doch er sah es als Pflicht an bei ihr zu bleiben. Und wenn der Schwarze ganz ehrlich war, die weiße Fähe hatte etwas besonderes, was dieser nicht so leicht hätte beschreiben können. Der Rüde lag noch eine ganze Weile neben ihr und war in Gedanken versunken, versuchte sie einzufangen, doch der Blick schweifte zu ihr, Lyerra. Sein Magen knurrte, das war dem Rüden so peinlich, dass er sich räusperte.
„Entschuldige, ich wollte die Ruhe nicht stören, aber ich hatte seit Tagen nichts Richtiges zu beißen, weißt du vielleicht einen Ort, wo man leicht Beute schlagen könnte?“
Volk hatte wirklich lange nichts mehr zu fressen gehabt und in der ganzen Aufregung von vorhin hatte er seinen Hunger auch vergessen, doch nun war es wirklich Zeit. Die letzte Mahlzeit war Aas, welches unter diesem komischen Baum lag. Ach ja der Baum, vielleicht sollte er Lyerra darüber befragen.
„ Weißt du, als ich dieses Tal betrat, irrte ich in der Ödnis umher. Da stand dieser Baum, von seltsamer Gestalt, ich meinen er war Tot und wiederrum auch nicht. Allgemein gefasst war es seltsam oder irgendwie Magisch. Meine Mutter erzählte mir viel über Magie und auch über Menschen die diese beherrschten. Ist das nicht seltsam?“
[nahe Rudelplatz, im Wald | Nah bei Lyerra]
11.10.2010, 15:05
Stumm saß die schwarze Fähe am Rudelplatz, zwischen all den Wölfen, die Tyraleens Ruf gefolgt waren. Die Jagd hatte sie nur beobachtet, war dann schnell zum Rudel geeilt, als der Ruf voller Schmerz und Reue an ihre Ohren gedrungen war. Nun saß sie hier, beobachtete die weiße Fähe, die vor ihnen saß. Ihre.. Schwester. Noch immer fühlte sich dieser Gedanke.. merkwürdig an, als wäre er falsch. Und doch.. schien das das einzig wahre zu sein. Ein leises Seufzen drang aus ihrer Kehle, als Tyraleen zu sprechen begann. Aufmerksam lauschte sie den Worten der Weißen, und erstarrte. Die Worte, die die Fähe sprach, klangen so.. unwahr. Und kaum hatte sie geendet, stürmten unzählige Wölfe auf sie zu, schreien sie an, andere stellten sich vor sie, um sie zu schützen. Sie selbst saß da, blickte nur in die Richtung der Weißen. Sie kannte diese Wölfin nicht, obwohl sie sie kennen sollte. Und doch stachen ihre Worte in ihr Herz. Sie hatte ihren Sohn getötet. Um ihren Gefährten zu retten.. Kisha biß die Fänge fest aufeinander, schloß einen kleinen Moment die hellen Augen, und blickte dann wieder zu Tyraleen. Sie wußte nicht, wie sie reagieren sollte. Sollte sie zu ihr gehen? Oder sich abseits halten? Unsicher neigten sich die Ohren der Schwarzen ein wenig zurück. Mochten die Götter ihr verzeihen. Und.. vor allem hoffte die Schwarze für sie, dass sie selbst sich verzeihen konnte. Sie konnte sich nur vorstellen, welche Last nun auf den Schultern der Weißen lag. So saß die Fähe nur da, beobachtete den Trubel um Tyraleen, als ein sachter Windhauch einen fremden Geruch zu ihr trug. Ihre Ohren stellten sich wieder auf, und sie wandte den Kopf herum. Niemand sonst schien es bis jetzt bemerkt zu haben. Kurz zuckten Kishas Ohren, ehe sie den Kopf noch einmal zu ihrer Schwester wandte. Ein sanftes Lächeln zog sich auf ihre Lefzen, ein Versuch, sie auf zu muntern. Es fühlte sich nicht gut an, aber sie wußte nicht, wie sie sonst reagieren konnte. Vorwürfe konnte sie ihr nicht machen, aber auch freundliche Worte, die in diese Situation passten, kamen nicht über ihre Lefzen.
Dann erhob sich die Schwarze, der Blick nachdenklich auf den Boden gerichtet. Sie folgte der Fährte, die ihr eben in die Nase gestiegen war. Und nur nach wenigen Schritten, die sie vom Rudel trennten, fand sie ihn. Unter einem Baum lag ein junger Wolf, die Augen zusammen gekniffen. Kisha trat einen Schritt näher an ihn heran, erkannte nun die Tränen, die in seinem Pelz glitzerten. Die Schwarze blinzelte, machte einen halben Schritt auf den Rüden zu und berührte ihn sanft mit der Pfote.
“Hey.. was ist denn los? Was machst du hier?“
Besorgnis schwang in ihrer Stimme mit. Kurz blickte die Schwarze zurück zum Rudel, ließ den braunen Blick dann wieder auf dem fremden Jüngling ruhen.
[In der Nähe des Rudels – Kiburi]
12.10.2010, 01:24
[tut mir Leid dass es so viel wurde >__> ich konnte nicht mehr aufhören]
Es war nicht richtig. Er hörte die kräftige Stimme von Tyraleen nicht weit von sich. Und eher er sich entsinnen konnte, was geschah, lief auch schon Caylee davon. Näher zu ihrer Mutter und auch Jakash entfernte sich, so folgte auch Cirádan. Er war einerseits froh darüber, dass sie alle gerufen wurden, weil er genau wusste, dass man ihn wohl für sein Verhalten bestrafen würde. Oder zumindest das Jakash es vorgehabt hatte. Immerhin waren sie einfach so leichtsinnig gewesen im Sturm zu spielen... Aber es hatte auch furchtbar viel Spaß gemacht. Das musste er doch zugeben.
Aber andererseits. Etwas unheilvolles klang in der Stimme der Weißen Anführerin mit. Eigentlich wollte er gar nicht hören was sie zu sagen hat, aber brav und stumm setzte er sich neben Caylee hin und wartete, bis auch der Rest des Rudels hier eintrudelte.
Und dann begann sie auch schon. Unheilvoll. Schwermütig.
Anfangs begriff Cirádan nicht, was sie mit den Worten sagen wollte. Nein ... er wollte sie nicht begreifen. Das, was Tyraleen da von sich gab war einfach so absurd!
Sie hatte eine Vision von einem Gott und der sagte ihr, sie solle sich entscheiden?
Nein... nicht einmal. Aber, hätte es denn nicht eine andere Möglichkeit gegeben diese... Vision abzuwenden?
Er war verwirrt. Nachdem sie geendet hatte, war es erst für einen kurzen Augenblick still. So still, dass Cirádan sich fragte, ob sie noch atmeten.
Aber dann brach das Chaos aus. Er bekam gar nicht alles mit, was die da alle redeten und schrien. Und vor allem Tyraleen anknurrten und...
Vorher hatte Cirádan eigentlich kaum auf das Blut geachtet, aber jetzt. Inmitten dem Tumult viel es ihm auf. Ihr Fell war voller Blut! Vorher hatte er das vielleicht auf die Jagd geschoben, aber nun begriff auch sein Kopf, dass der Regen es weggewaschen hätte, wäre es wirklich Blut von einem Beutetier gewesen.
So viel Blut... Cirádan wollte sich nicht vorstellen, was passiert war. Was genau passiert war. In diesem Augenblick war er einfach nur froh, nicht dabei gewesen zu sein.
Er war darüber froh, dass es weit weg geschehen war. Es hatte nichts mit ihm zu tun.
Als Cirádan so stumm dasaß und fern von dem ganzen Rudel schien um die Information zu begreifen. WIe eine Mutter ihren eigenen Sohn hätte töten können. War das überhaupt möglich? Aber warum? Nur aufgrund dessen was sie geträumt hatte? Das ergab doch alles keinen Sinn. Also gab es tatsächlich die Götter, oder etwa nicht... Nihil war da. Und die Vision von Tyraleen. Engaya und Fenris. Aber dies hatte nichts mit ihm zu tun. Rein gar nichts.
Nur schemenhaft drangen die anderen Geräusche wieder zu ihm durch. Wie zeitverzögert. Er sah Wölfe aufspringen. Gehen wollen. Auch Caylee war aufgesprungen, aber in ihm hallten erst noch andere Worte nach. So, als ob seine Welt langsamer laufen würde, als die der anderen.
Jemand schimpfte Tyraleen als Lügnerin.
Verständnis? Vergebung?! schrie jemand und Cirádan blickte auf, aber Aszrem hatte schon längst beendet, was er gesagt hatte und schien fort zu wollen. Er schien die weiße Fähe so hasserfüllt anzusehen, dass sich der graue Jungwolf wieder abwenden musste.
Und irgendwo rief nun auch eine andere Fähe etwas zu. Einen anderen Weg. Ja, wieso hatte es keinen anderen Weg gegeben? Und es hatte nichts gebracht. Stimmt ja. Die letzte Worten von Tyraleen. Sie hatten sich getrennt. Einfach so. Nichts weiter. Sie wollte ihn beschützen und hatte ihn doch verloren. Aber es hatte noch immer nichts mit Cirádan zu tun.
Irgendjemand verteidigte sie sie. Avendal verteidigte sie. Sie war wütend. Natürlich... Es war ihre Mutter, auch wenn sie ihren Bruder getötet hat.
Cirádan fragte sich, wie er sich fühlen würde, wenn seine Mama Krolock oder Liel getötet hätte. Aber er konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen. Er wusste nicht mal, ob er sich darüber freuen würde, wenn Krolock gestorben wäre.
Energisch schüttelte der Graue den Kopf. Nein. Das war falsch. Seine Geschwister lebten. Aber seine Eltern waren tot. Einfach so. Und um sie wurde nicht so viel Wind gemacht! Warum eigentlich nicht? Ja, Tyraleen hatte ihren Sohn getötet, aber er war nur ein einziger. Es waren doch so viele im Nichts verschwunden. Oder war es schlimmer, wenn jemand tötete, als wenn jemand im Nichts verschwand oder anders starb?
Anscheinend...
Alle waren so aufgebracht, dass Cirádan sich völlig fehl am Platz fühlte. Es schien gar nichts mit ihm zu tun haben. Es hatte auch ja nichts mit ihm zu tun. Ja, es ging um die anderen Jungwölfe, aber nicht um ihn oder sonst etwas, was ihn berührte... Außer Caylee. Es war doch ihre Mutter...
Dan ertönnte Averics Stimme. Er war doch der Gefährte gewesen, oder? Und er sagte... er hasste auch. Dass es nicht hätte sein müssen. Er war nicht froh über diese Tat. Das heißt, sie hat ihn nicht beschützt und war nur blind irgend einem Traum. Einer Prophezeihung hinter her gelaufen und hatte einfach getötet. Für Nichts und wieder Nichts. Aber hatten sie das Nichts denn nicht erst vor kurzem hinter sich gelassen?
Und für was? Das Rudel schien zu zerbrechen, einfach so. Die Wölfe splitterten sich in Gruppen und welche, die liefen fort. Andere waren da. Andere, die Cirádan noch nie zuvor gesehen hatte.
Es schien ein anderes Rudel zu werden!
Es war merkwürdig, wie ruhig sich Cirádan unter all diesen brodelnden Gefühlen fühlte. So als sei dies alles nur ein Traum und er würde es von weitem beobachten. Er war der Beobachter und es hatte noch immer nichts mit ihm zu tun.
Auch nicht als er die Stimme seines Bruders hörte, der sich über die anderen lustig machten. Auch wenn Cirádan in diesem Moment nichts fühlte, wusste er doch, dass Krolocks Worte hier unangebracht waren. Auch wenn er Recht hatte.
Ja, Tascurio war nicht der Einzige der in diesem Rudel gestorben war. Worüber sie sich aufregten? Cirádan fixierte seinen Bruder und versuchte über seine Worte nach zu denken.
Rechtfertigte es denn den Tod, wenn niemand einen mochte? Aber was war dann mit ihm? Nein. halt.. er hatte Liel und vielleicht auch Caylee.
Und was war mit Krolock? ... Er hatte auch jemanden, glaubte Cirádan, auch wenn er sich da nicht sicher war. Nihil. Nihil, mit dem er zuvor ein wunderbares Gespräch gehabt hatte.
Nihil... auch er war hier. Und er stimmte Krolock zu.
Ja, Tascurio würde nicht mehr zurück kommen. Genauso wenig wie Cirádans Eltern es tun würden. Ihm wurde gesagt, er solle dies akzeptieren. Aber wieso hielten sie sich nicht an ihre eigenen Ratschläge.
Ein paar der anderen seiner Sowas-wie-Geschwister wollten sich zerfetzten. So schien es zumindest für Cirádan. Nein. SO wütend war nicht mal Krolock auf ihn gewesen. Mit solch einem Blick. Es war anders... Es schien als wollten sie gar nichts mehr miteinander zu tun haben. Als wollten sie gar keine Geschwister mehr sein.
Und dann schritt jemand weiterer ein. Es ging nicht mehr um Tyraleen. Nicht mehr um Tascurio. Es ging um das Rudel!
Selbst der fremde Wolf, der sie zuvor so völlig merkwürdig auf dem Felsen überrascht hatte, ergriff das Wort. Das durfte doch eigentlich gar nicht sein, oder?
Nein. Das durfte so nicht sein, aber die Situation war so anders, als das was der Halbblinde bis dahin gekannte hatte... nichts passte. Er konnte es mit Nichts vergleichen.
Cirádan hörte seine Schwester. Liel. Wie sie meinte, sie sollen erwachsen werden und sich auch so benehmen. Aber sie waren doch erwachsen... aber... benahmen sich erwachsene so?
Liel lief um das Rudel herum, wobei Cirádan ihr mit seinem Blick folgte. Doch schnell hatte er seine Schwester verloren in dem Augenblick als er den Kopf drehen musste um sie weiter zu sehen. Sie war fort. Fort um ... um Chanuka nachzulaufen? Ja... Oder sie war geschockt. Auch das könnte sein. Er wusste es ja nicht. Er kannte seine Schwester kaum, wie ihm wiedermal schmerzlich bewusst wurde.
Aber schnell schüttelte er dieses Gefühl wieder von sich. Alle stritten sich. Nur er nicht.
Aber er fühlte sich von dem ganzen Chaos einfach nur erschlagen.
Erschöpft sank Cirádan auf den Boden. Legte sich bequem hin und beobachtete weiter die Situation.
Er fühlte sich irgendwie schuldig. Andere, die ebenfalls nichts damit zu tun hatten, versuchten die Lage zu beruhigen. Und er? Er selbst fühlte sich nicht dafür verantwortlich. Es hatte noch immer nichts mit ihm zu tun.
Doch Krolock sprach wieder. Cirádan verstand ihn nicht. Warum wollte er, dass die anderen die Götter hassten? Nur, weil man nicht wusste, ob etwas wirklich exestierte, durfte ... aber Halt.
Es war ja die Schuld der Götter. Sein Bruder hatte irgendwie Recht. Irgendwie hatte er Recht... Krolock hatte immer Recht. Aber eben auch nicht immer.
Während Cirádan seinen Bruder beobachtete, wie er selbstbewusst durch das Rudel schritt, versuchte er sich an den Moment zu erinnern, an dem seine Mutter gestorben war. Daran konnte er sich erinnern. Alle waren so erschrocken gewesen, aber da war nicht solches Chaos. Es wurde niemand beschuldigt. Sie waren alle nur unendlich traurig gewesen.
Er auch. Auch wenn er damals nur seine eigene Trauer und Leere spüren konnte, erinnerte er sich leise daran, dass sie alle zusammen waren. Dass sie sich alle zu trösten versucht hatte. Sie waren eine Familie gewesen und jetzt? Jetzt waren alle so zornig und das obwohl jemand gestorben war... und vielleicht noch jemand?
Egal. Tascurio war tod und niemand betraurte seinen Tod, sondern verurteilte nur Tyraleen.
Und noch jemand lief fort. Wie gerne wäre Cirádan jetzt aufgestanden und wäre so mutig gewesen zu sagen, dass sie sich nicht bekriegen sollten. Nicht streiten. Sie waren doch alle eine Familie oder so? War es denn nicht so? Wurde ihm das nicht immer gesagt? Dass sie doch nie alleine waren?!
Weitere Wölfe folgten Atalya. Immer weniger Wölfe blieben auf dem Rudelplatz zurück. Irgendwie fühlte sich das Ganze so anders an. Cirádan konnte nicht so Recht verstehen, was hier gerade geschah. Ja, Tyraleen hatte wohl einen Fehler gemacht. Einen furchtbaren Fehler. Aber sollten die Erwachsenen dass nicht ruhig miteinander besprechen? Und die Jungwölfe da außen vor lassen? ... Sie waren doch noch Welpen! Naja, nicht ganz..
Und doch fühlte er sich gerade so. Er sah weiter entfernt im Wald Caylee die sich wieder mit einer anderen ihrer Sowas-Wie-Schwester vertrug und Cirádan wollte sich auch vertragen.
Es schien, als sei der Sturm nun auch hier wieder veerrüber, denn alle sprachen nun davon sich zu beruhigen, aber nicht alle waren beruhigt, oder?
Und doch war es besser, auch wenn es immer noch merkwürdig war.
Cirádan fühlte sich immer noch so völlig außen vor. Es ging ihn alles immer noch nichts an. Aber... aber...
"Ich will dass es mich was angeht.",
flüsterte er leise. Er wollte kein Außenseiter sein, jetzt wo alle so zerstreut waren. Es war nicht richtig. Nein, er hatte als einziger außerhalb des Rudels zu sein, aber doch nicht die anderen. Sie waren doch alle so stark. Und er war nur ein kleiner Welpe und genau so fühlte sich Cirádan auch.
Zu gerne würde er sich jetzt einfach wortlos in Liels Fell kuscheln und sich an seine Mutter Kaede erinnernt fühlen.
Aber Liel war gegangen. Sie war nicht hier.
Und Caylee wollte er nicht stören. Sie versöhnte sich gerade, dessen war er sich ganz sicher.
Und seine Patin? Jumanna? Er konnte sie nirgens entdecken.
Der einzige, den er sah war Krolock. Sein Bruder, der so böse war und Cirádan nicht leiden konnte.
Aber Cirádan wollte hier nicht mehr allein im Regen liegen. Und er wollte auch nicht zu Tyraleen und den anderen gehen. Er wollte jetzt zu Krolock gehen und auch wenn Krolock ganz furchtbar wütend auf ihn werden würde, wollte er sich jetzt zu ihm setzten.
Entschlossen stand Cirádan auf und schüttelte sein immer noch triefend nasses Fell mal richtig aus. Er war immer noch vom Sturm völlig durchnässt, dennoch fror er nicht. Er hatte das Frieren vergessen über all die Geschehenisse auf dem Rudelplatz.
Doch nun pochte sein Herz lautstark und Cirádan fühlte sich wieder klein.
Er sah wieder zu Krolock, in dessen Nähe Nihil war. Ihn verließ wieder der Mut. Krolock würde ihn ganz sicher weg scheuchen. Aber Krolock hatte was mit ihm zu tun. Er war doch sein Bruder!
Nein, er durfte jetzt keinen Rückzieher machen. Wie sieht ein starker, entschlossener Wolf aus?
Cirádan richtete sich auf. Stellte die Ohren auf, versuchte sie gerade zu halten und den Blick fest auf Krolock gerichtet bei zu behalten.
Noch einmal tief durchatmen, dann stackste Cirádan auch schon Richtung Krolock... und RIchtung Nihil und Malakim. Seine Beine waren ganz weich, also durfte er jetzt nicht stehen bleiben, sonst würde er wieder zusammen brechen und sein Bruder würde ihn auslachen. Nein, dass wollte er jetzt nicht. Er konnte auch stark sein. Nur dieses eine Mal. Wo er noch die Extase des Rennens im Gewitter mit Caylee verspürte. Cirádan versuchte sich wieder das Gefühl völliger Grenzenlosigkeit und Unbesiegbarkeit ins Gedächnis zu rufen. So Recht wollte es nicht klappen, aber ein Anfang war geschafft.
Er war fast bei Krolock angekommen, doch was dann? Darüber hatte Cirádan gar nicht nachgedacht. Sollte er was sagen? Was machen?
Während er noch in Gedanken versunken war, ging der graue Jungwolf mit der weißen Maske einfach weiter. Und blieb dann direkt vor Krolock stehen. Immer noch unschlüssig was er sagen sollte.
Aber er sah seinem Bruder fest in die Augen. Versuchte da drin seine Mutter oder zumindest... zumindest seinen Vater zu sehen, welcher ihn am Ende doch noch lieb hatte. Er wollte nicht, dass Krolock ihn erst am Ende seines Lebens lieb hatte.
[ Rudelplatz am See | beim gesamten Rudel | stakst auf Krolock zu]
14.10.2010, 18:36
Auf seinem langen Weg hatte Kiburi kaum mit jemandem gesprochen. Mit wem auf? Alle die er kannte waren tot und mit dem Essen unterhält man sich nicht. Einmal allerdings, wie lange genau das nun her war konnte Kiburi nicht sagen, er hatte jedes Zeitgefühl verloren, hatte er eine kurze Unterhaltung mit einer Füchsin. Diese hielt ihn allerdings für jemand anderes und das Gespräch verlief seltsam.
Jedenfalls hatte der Jungwolf seit gut einem halben Mond keine andere Stimme als seine eigenen gehört. Und von einem Moment zum anderen, änderte sich dies. Kiburi sollte Gesellschaft bekommen. Eine Fähe mit schwarzem Fell entdeckte den jungen Wolf. Sie stupste ihn sanft an, doch davon nahm Kiburi noch keine Notiz. Wie oft bildete man sich ein jemand wäre hier wenn doch keiner in der Nähe war. Auf seine Sinne konnte der Jungwolf sich nicht mehr verlassen. Nicht in seinem derzeitigen Zustand. Er hatte ja auch nicht gerochen, dass er in ein Gebiet gekommen war, das von Wölfen bewohnt wurde. Erst als die sanfte Stimme der Wölfin ihn seine Ohren drang, realisierte er, dass er nicht länger alleine hier war. Schon beim ersten Ton der aus dem Maul der Schwarzen kam, stellten sich Kiburis angelegte Ohren auf. Für eine Sekunde bildete er sich ein, dass die Stimme die einer Freundin von Ishbar war. Doch als er seine Augen öffnete, sah er keine Vertraute sondern eine Fremde. Kiburi war weniger enttäuscht als erschrocken. Denn kaum hatte der Jungwolf der schwarzen Wölfin in die Augen gesehen, erhob er sich ruckartig und wich vor ihr zurück, als würde sie ihm etwas Böses wollen. Sein Herz shlug heftiger als nach einem langen Lauf. Dabei hatte die fremde Fähe sich eben nur nach seinem Wohlergehen erkundigt. Er ging zwar auf ihre Frage ein, aber in seiner Stimme lag klar die Nervosität.
„E-Es ist gar nichts! Ich h-hab mich nur ausgeruht.“
Es gab zwar nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass die Fähe ihm feindlich gesinnt sein könnte oder auch nur über seine Anwesenheit erbost war. Doch dennoch verhielt Kiburi sich so als stünde er unter Anklage.
Langsam beruhigte sich das Pochen in Kiburis Brust wieder. Seine Reaktion war zwar etwas übertrieben aber er war eben enorm vorsichtig geworden seit... Er brachte sogar eine Frage heraus ohne zu fürchten er würde gleich davon gejagt werden.
„Wo… Wo bin ich hier? Kannst du mir das verraten? … Bitte!“
Auch der Klang seiner Stimme war ruhiger und weniger nervös geworden. Immer noch unruhig aber schon etwas besser. Sein derzeitiger Standort interessierte ihn tatsächlich brennend. Und das zum ersten Mal seit er losgelaufen war. Er würde dann zwar immer noch nicht wissen, wie lange und weit er genau gelaufen war, aber er hätte zumindest die Gewissheit nicht mehr im Nirgendwo zu sein.
[In der Nähe des Rudels – Kisha]
14.10.2010, 22:31
Rakshee hatte sich an der Seite von Tyraleen postiert, ein stummer Stützpunkt im tosenden Meer. Aber die See um Tyraleen war längst nicht mehr darauf erpicht die Weiße in sich zu ertränken. Wellenschlag auf Wellenschlag stürzten die Wölfe übereinander her, und Rakshee, unsichtbar an der Seite Tyraleens und irgendwie völlig ausserhalb des Geschehens, wollte nicht länger hier verweilen. Die Bewegung der Welt um sie herum konnte sie nicht beunruhigen, aber sie wollte mehr tun. Und dafür brauchte sie zuallererst etwas mehr Übersicht. Mit einer weichen Geste strich sie über Tyraleens Seite, gab ihr mit einem kurzen Blick zu verstehen dass sie nicht weit sein würde. Aber sie musste aus dem Sturm, um ihn zu verstehen, in sich zu spiegeln und um zu versuchen einen Weg zu finden ihn zu beruhigen. Am Liebsten hätte sie Tyraleen einfach mit sich fortgenommen.
Mit federnden Schritten wand sie sich aus der Menge an Wölfen die stritten, standen, starrten oder in Trauer und Wut zu Grunde gingen. Rakshees Augen fanden Sheena, die ihren Platz neben Tyraleen einnahm. Es war gut, und Rakshee warf ihr ein schweres Lächeln hinüber, nicht sicher ob sie es gesehn haben mochte. Die Worte der ihrer Priesterinschwester flirrten nur noch an den braunen Ohren vorbei, als Rakshee den Waldrand erreichte. Die Gruppe um Tyraleen zerfledderte sich, ohne sich aufzulösen. Was nur-
Sie wurde unsanft aus ihren Gedanken gerissen, als plötzlich etwas in ihre Seite stürmte. Sie machte einen Ausfallschritt um nicht zu fallen, und fing sich geschickt. Ihre Augen fanden Turién, und verwehrten ihr das Lächeln dass sie ihm gerne gezeigt hätte. Es war zuviel Schwermut darin.
"Turién. Ist...ist schon gut"
Antwortete sie, etwas perplex, wie falsch das klang. Nichts war in Ordnung, für niemanden hier. Das wusste und spürte sie so deutlich, wie die Nähe Engayas und die Wärme unter ihrer Haut.
"Wohin gehst du?"
Fragte sie leise, und trat an die Seite des jungen Rüden, den Blick kurz zum Hexenkessel abgleitend. Sie konnte nur zu gut verstehen wenn er sich von diesem Ort entfernen wollte. Sie hätte es selbst gern getan, aber Tyraleen hier alleine lassen konnte sie nicht. Gerade sie nicht.
"Wie fühlst du dich?"
Hängte sie, noch leiser, an. Es war nicht die Frage, auf die sie eine Antwort brauchte - was sie in Erfahrung bringen wollte, war allein ob er ihren Trost annehmen mochte - konnte - oder nicht...
[Waldrand | Turién]
15.10.2010, 00:11
Es war erschreckend still um ihn herum, und doch so laut. Und irgendwie schien er einfach nicht in dieses Geschehen zu passen. Wie eine Fremde starrte er Rakshee an, als diese seinen Namen nannte und sagte, dass alles gut wäre. Lüge. Es war nämlich nichts gut. Es war das Ende. Das Ende des Lebens, dass er gekannt hatte. Mit einer einzigen Tat hatte sich alles verändert, alles verschoben und würde nie wieder so sein, wie es war.
Und auch wenn er oft tönte, dass er schon so groß war, ausgewachsen und stark - das war er nicht. Wie gerne wüsste er nichts, von den Geschehnissen dieser bitterbösen Welt, und hätte sich in den Pelz seiner Eltern, gemeinsam, gekuschelt. Dort konnte ihm nichts böses geschehen, alles wäre - dort - gut.
Sein Herz pumpte stark, sein Brustkorb hob und senkte sich rasch und er rang nach Luft, um auf die Frage von Rakshee zu antworten. Sie war Priesterin, glaubte nur an das Gute. Wie konnte sie das denn jetzt noch, was war so gut an den Geschehnissen dieses verfluchten Tages?
"Ich... I-Ich? W-Weg."
Was stotterte er hier herum? Er konnte nicht mehr sprechen, die Gefühle überwältigten ihn. Vielleicht weil er gar nicht darüber reden wollte. Vielleicht weil er einfach nicht mehr denken wollte, nicht mehr denken, sich einfach nur fallen lassen und nichts mehr denken. Frei sein von all den Sorgen, die ihn plagten. Dem schlechten Gewissen und der Furcht.
Der Silberprinz ließ sich auf seine Hinterläufe nieder und wich dem Blick seiner Cousine aus - er hatte nicht viel mit ihr zu tun. Sie lebten beide eher an einander vorbei, als miteinander. Sie grüßten sich und konnten miteinander reden, aber nicht so wie er es mit Tyraleen - gekonnt hatte. Oder mit Averic konnte, oder Nerúi. Was sie wohl über all das dachte? Aber es war egal...
"Fühlen...?"
Seine Stimme war ziemlich leise, leiser als die Stimme von Rakshee gewesen war, als sie ihre Frage formuliert hatte. Die sonnengelben Augen blickten gen Boden, weil er Rakshee nicht in die Augen blicken wollte.
"Am liebsten würde ich gar nicht fühlen."
Behütet in den Pfoten seiner Eltern, als Welpe. Blind und Taub für das Böse dieser Welt. Seine Eltern waren Engel, Heilige, die nie im Leben etwas Schlechtes tun konnten. Sie waren gut, die besten auf der ganzen Welt. Warum konnte das Leben nicht so sein?
[Waldrand | Rakshee ]
16.10.2010, 11:57
Caleb hatte sich wohl entschieden, lieber die Klappe zu halten und Minyala befürwortete das sehr. Ihr schien es einfach nicht der geeignete Zeitpunkt, den armen Ráyon damit zu überfallen, dass der braune Jungwolf in Wirklichkeit ein Mensch und zu seinem großen Unglück zu einem Werwolf geworden war. Sicher würden sie das irgendwann aufklären müssen, aber nicht jetzt, wo doch alle ganz andere Dinge im Kopf hatten. Ráyon schien sich zwar ein bisschen über Calebs seltsame Wörter zu wundern, doch zum Glück ging auch er nicht darauf ein. Viel eher fing er wieder mit seinem ’kleine Minyala’ an, was ein tiefes Stirnkrausen ins Gesicht der Silberweißen zauberte. Er war zwar wirklich nett und meinte, dass man sich bei ihm nicht entschuldigen müsste, aber Minya konnte es sich doch nicht verkneifen.
“Hey, nicht schon wieder dieses ’kleine’!“
Sie machte ein leicht beleidigtes Gesicht und hätte Ráyon gerne am Ohr gezogen, traute sich aber nicht, dem älteren Rüden so frech und ungefragt näher zu kommen. Das gehörte sich eben nicht. Schade. Zudem war der Blick des Braunen schon wieder zur Mitte des Rudelplatzes gewandert, wo irgendwo Tyraleen sein musste. Die Silberweiße war ganz froh, das blutverschmierte Fell der Fähe nicht sehen zu müssen.
“Bestrafen? Aber wie und besonders … wer? Ist sie nicht so was wie die Leitwölfin? Wer darf denn die Leitwölfin bestrafen?“
Sie wollte sich eigentlich noch ein wenig eingehender mit der Frage beschäftigen, was für eine Strafe auf Verrücktheit und irren Glauben ausgestellt werden könnte, als ein schwarzer Blitz laut zeternd an ihnen vorbeirauschte. Ein wenig irritiert sah Minyala ihm hinterher und betrachtete dann interessiert Ráyons Gesicht, der deutlich ungehalten über diese Worte war. Schon hatte Minyala Mitleid mit ihm, für jemanden, der die Götter liebte, war hier kein guter Ort. Dabei war dieses Tal doch so was wie die Heimat von … ähm … Dings, der Göttin. Minyala hatte mal wieder den Namen vergessen. Auf die Frage des Braunen schüttelte die Jungfähe sofort den Kopf, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben.
“Oh nein, keine Sorge. Zumindest nicht mehr, als vor dem Rest dieses Rudels. Weißt du, ich bin vielleicht ein wenig leichtgläubig, aber wenn Wölfe so nett zu mir sind, kann ich mir schlecht vorstellen, dass sie mich gleich umbringen würden. Außerdem können Caleb und ich einfach immer zusammen bleiben, dann wird’s für einen möglichen Mörder sowieso schwer.“
Ein Bild tauchte vor ihrem inneren Auge auf, ein gesichtsloser Wolf, der mit aufgerissenem Fang auf sie zu stürmte, Caleb neben ihr, der sich vor lauter Stress verwandelte und der gesichtslose Wolf blieb mit weiterhin offenem Maul vor Schreck stehen. Das war schon beinahe lustig … eigentlich brauchte sie sich nicht zu fürchten. Auch als Ráyon sie bat, mit ihm zu kommen, hatte sie keine Angst. Sein Angebot erinnerte sie an Chardím – wow, sie hatte sich den Namen gemerkt! – der ihr auch etwas hatte erzählen wollen. Kurz glitt ihr Blick suchend über die Wölfe, doch es waren so viele, dass sie den Schwarzweißen nicht entdecken konnte. Hoffentlich ging es ihm gut. Ihre Nase wanderte zu Caleb, ermutigend stupste sie ihn erst gegen das eine, dann gegen das andere Ohr und erhob sich.
“Super Idee, hier wird es mir langsam aber sicher auch ein wenig stressig. Und ich mag Geschichten, also erzähl nur.“
Sie schwenkte schon wieder etwas vergnügter die geknickte Rute, ließ ihr verbliebenes Ohr schlackern und machte die ersten Schritte in Richtung Wald, Caleb neben sich.
[ Rudelplatz // Ráyon und Caleb ]
16.10.2010, 12:52
Irgendwann war Tyraleen erstarrt. Es war so viel auf einmal, so viele wütende Stimmen, so viel Verletzendes, dass ihre Ohren begannen sich zu verschließen. Wenn die Wölfe etwas zu sagen hatten, warum kamen sie dann nicht zu ihr und teilten ihr das mit? Warum mussten sie es über den Rudelplatz schreien und sich dabei an ihrer grenzenlosen Weisheit erfreuen? Tyraleen fand sie alle widerlich, aber sie konnte, sie durfte es nicht zeigen. Sie war die Schuldige und jetzt musste sie sich auch so verhalten, sie durfte nicht anklagen und Wut zulassen. Erst Recht nicht, weil sie irgendwann damit beginnen musste, das Rudel zu beruhigen. Nur wie? Es war ihre Aufgabe, schließlich … hatte sie doch irgendwann Leitwölfin werden wollen. Sie war es schon beinahe, obwohl sie den Platz nie gefordert hatte, war es damit nun vorbei? Aber wer sollte es sonst werden? Sie brauchten doch jemanden, der sie gerade durch diese schwere Krise führte. Konnte Tyraleen sich einbilden, dies zu meistern? Als Ursache dieses Übels? Sie schluckte schwer, als hätte sie eine große, ungenießbare Wurzel im Hals und sah erstmals auf, als Atalya sich umdrehte und davon rannte. Hilflos folgte auch jetzt nur ihr Blick ihrer Tochter und wanderte dann zu Avendal. Die Augen der Weißen waren mit Tränen gefüllt. In einer liebevollen und doch machtlosen Geste wischte die Schnauze der Mutter über die Wangen der Tochter, dann lief Avendal hinter Atalya her, ebenso wie Madoc. Tyraleen war froh darüber, vielleicht würden sie es schaffen, sich zu beruhigen und wieder zu vertragen. Sie wünschte es sich so sehr. Weder Averic noch Krolock schafften es in Tyraleens bewusste Wahrnehmung und das war auch gut so. Sie wäre voller Zorn gewesen über die Ungerechtigkeit und die falschen Schlüsse, die die beiden Wölfe so gleichsam blind und dumm zogen. In diesem Tal war Glauben keine Frage … das Nichts war ein letzter Beweis gewesen, den niemand hatte übersehen können. Außer natürlich Krolock, der nur das sah, was er wollte. Wäre doch Kaede noch hier. Und Banshee … Die leichte Berührung Faces an ihrer Stirn ließ die Weiße aufsehen. In dem Blick ihres Paten stand noch immer nichts, trotzdem hatte er ihr in diesem kurzen Moment gezeigt, dass er da war. Egal, ob er ihre Tat verurteilte oder verstand und akzeptierte – er war da. Wieder drückte sich ihre Schnauze in sein Fell, leicht erzitternd. Wie dankbar war sie ihrer Mutter, dass sie ihr damals Face geschenkt hatte. Keinen besseren Wolf auf dieser Welt konnte es für sie geben, egal wie stumm der Schwarze auch sein mochte. Er hatte ihr so viel geschenkt, ohne jemals etwas zu verlangen und war immer da gewesen, egal wie sehr die Welt beben mochte. Mit seiner Unterstützung würde sie auch diesen Kampf bestehen. Dankbar und mit neuer Zuversicht hob sie den Blick, streifte die blauen Ozeane ihres Paten und richtete sich dann wieder auf das Rudel.
Der Fremde, der sich eben noch für sie ausgesprochen hatte, stellte sich jetzt vor und bot ihr seine Hilfe an. Sie nickte ihm leicht zu und er drehte sich wie erhofft um und verschwand. Kurz folgte der Blick der Weißen seinem schwarzen Fell, dann war er fort und Tyraleen wurde von Sheena abgelenkt, die langsam auf sie zukam. Mit klopfendem Herzen sah die Weiße ihrer Priesterinnenschwester und Freundin entgegen. Sie fürchtete ebenso wie bei Face das Urteil, das über sie gefällt wurde, war Sheena doch zu einer Vertrauten geworden. Doch die Weiße hatte keine Wertung in den Augen, war ebenso stumm wie Face und stelle sich an ihre Seite. Sie war nicht wie Rakshee, die sich mit einer weichen Geste von ihr gelöst hatte wie um Sheena Platz zu machen. Kurz darauf begann diese zu sprechen und Tyraleen senkte leicht den Kopf. Die Worte Sheenas waren erleichternd, schien sie doch in gewisser Weise auf ihrer Seite. Doch gleichsam machten sie Tyraleen traurig, waren es doch wieder so weise Lehren, die kein Wolf hören würde. Das Rudel wollte jetzt nicht belehrt werden, die Gefühle brodelten noch in ihnen und keiner konnte verlangen, dass sie ebenso ruhig und bedächtig wurden, wie Rakshee und Sheena als Priesterinnen zwangsläufig sein mussten. Als die Weiße sie leicht berührte, hob Tyraleen den Kopf und sah ihrer beinahe Schwester in die Augen. Traurigkeit aber auch Dank stand in ihrem Blick.
“Danke, Sheena, aber ich fürchte, all das bringt nichts. Sie wollen dich nicht hören. Keinen von uns. Sie müssen erst verarbeiten, was geschehen ist. Bis dahin muss ich wohl ausharren.“
Auch Face regte sich nun und bedachte Sheena mit seinem ausdruckslosen Blick. Als er endlich sprach, drehten sich Tyraleens Ohren leicht zurück, aber er bestätigte mehr oder weniger ihre Gedanken. All diese Worte konnten nichts mehr ausrichten. Selbst wenn Tyraleen selbst sich erneut an das Rudel wenden würde … es gab doch nichts mehr zu sagen. Vielleicht sollten sie sich alle einfach zurückziehen und dem Rudel Zeit geben. Face fügte leise Worte hinzu, Hilflosigkeit klang in seiner Stimme mit. Dass nicht einmal er wusste, wie es nun weiter gehen sollte, machte Tyraleen Angst, trotzdem versuchte sie stark zu bleiben. Heute konnte keiner von ihnen mehr viel tun.
“Vielleicht … sollten wir nun einfach allen die Chance geben, sich zu beruhigen. Vielleicht sollte ich vom Rudelplatz verschwinden, bis sich die Wogen geglättet haben.“
Ihr Blick lag fragend zuerst auf Face und wanderte dann zu Sheena. Die Entscheidung, nun zu gehen war in ihr bereits fest gereift, doch nun fürchtete sie mehr denn je das Alleinsein. Würden diese beiden Wölfe an ihrer Seite bleiben? Durfte sie darum bitten?
[ Rudelplatz | direkt bei Face und Sheena ]
16.10.2010, 16:10
Still saß Atalya da, die Augen geschlossen, die Schnauze Richtung Himmel gehoben. Sie lauschte dem leisen Tropfen des Regens, der von den Blättern perlte. Ihre eigenen, leise gesprochenen Worte hallten in ihren Ohren nach. Neu anfangen. Aber wie? Sie konnte ihrer Mutter jetzt nicht gegenüber treten. Noch nicht. Aber.. würde es später alles wieder in Ordnung kommen? Sie konnte es drehen und wenden wie sie wollte.. sie kam zu keinem Entschluss. Eine elende Zwickmühle, aus der es kein Entkommen gab. Die Graue spürte Madoc und Avendals Blick auf sich ruhen, jedoch blieb sie weiter stumm sitzen, öffnete nur langsam die hellen Augen. Als Avendal zu sprechen begann, senkte sie den Kopf, wandte ihn herum zu der Weißen. Nun war sie es, die sich auf den Boden gelegt hatte, die Rute eng um ihren Körper gelegt. Die Worte ihrer Schwester ließen die Graue leicht mit den Ohren schnippen. Noch einen Moment blickte Avendal sie an, dann wandte sich ihr blauer Blick zu Madoc, der nun auch zu ihnen sprach. Seine Worte entlockten der grauen Fähe nur ein leises Seufzen.
“Ich wünschte.. es wäre so..“
Nun hatte sich auch ihr Blick auf den Weißen gelegt, ehe sie sich langsam erhob, und kurz das feuchte Fell schüttelte, um sich von den restlichen Tropfen zu befreien. Dann schritt die Graue langsam auf ihre Schwester zu, blieb bei ihr stehen. Einen Atemzug blickte sie Avendal in die blauen Augen, senkte dann mit geschlossenen Augen den Kopf. Sanft berührte sie die Stirn ihrer Schwester, verharrte einige Momente so. Aber noch immer zierte kein Lächeln ihr Lefzen.
“Geh zu ihm.“
Leise flüsterte die Graue diese Worte, hob dann wieder den Kopf und blickte kurz zu Madoc. Sie wollte, dass dieser Tag vorbei ging. Oder am besten, dass es diesen Tag nie gegeben hätte.
[Wald - Madoc & Avendal]
16.10.2010, 16:36
Geduldig stand die Schwarze da, auch wenn es ihr so vorkam, als wenn dieser Wolf sie nicht wirklich bemerkt hatte. Ihr Kopf neigte sich leicht zur Seite, während sie wartete. Und doch hatten sich seine Ohren aufgestellt. Dann hob der Dunkle den Blick, und sah sie an. Ein winziger Moment verging, und der Fremde machte einen Satz nach hinten, weg von ihr. Die Schwarze blieb still stehen, deutete nicht einmal an, ihm zu folgen. Als er sprach, zuckten die Ohren der Fähe kurz durch dir kühle Luft, sie konnte seinen Worten nicht wirklich Glauben schenken. Und dennoch stand sie einfach da, lächelte dem dunklen Rüden sanft und aufmunternd entgegen. Sie würde ihm nichts tun, sicher nicht. Dann schien er sich beruhigt zu haben, brachte jedoch nur stotternd eine Frage hervor. Die dunkle Fähe seufzte leise, wandte den Kopf lächelnd und freundlich ein wenig zur Seite. Noch immer den Fremden vor sich musternd.
“Du bist hier im Tal der Sternenwinde, in dem die Göttin Engaya über uns wacht..“
Ihre Stimme war wie zuvor ruhig, und das Lächeln auf ihren Lefzen sollte ihn ein wenig beruhigen. Sofern es ihr möglich war, ihn so zu beeinflussen. Vorsichtig setzte sie nun einen Schritt nach vorn, weiterhin ein Lächeln auf den Lefzen.
“Mein Name ist.. Kisha. Möchtest du mir deinen Namen verraten? Und sei dir sicher, niemand wird dir hier etwas tun.. du brauchst keine Angst zu haben..“
Und noch immer hörte sich dieser Name aus ihrem Fang so unendlich merkwürdig an. Ein leises Seufzen war von der Schwarzen zu vernehmen, ehe sie sich langsam auf die Hinterläufe sinken ließ, um den fremden nicht noch weiter zu bedrängen. Sie kannte dieses Gefühl nur zu gut, wenn man niemanden so nah an sich heran lassen wollte.
[Nähe des Rudels – Kiburi]
16.10.2010, 17:04
Malakím wusste, er würde nie begreifen können, wie Krolock zu seinen Gedanken kam. Nie nachvollziehen können, was den Jüngling dazu veranlasste, sich dem Glück des Lebens zu verschließen. Aber es war von den Göttern auch nicht vorgesehen, dass einjeder uneingeschränkt die Gedanken und gefühle eines jeden anderen Wolfes verstand, denn sonst würden sich diese vielen unterschiedlichen Charaktere, diese unendlichen Facetten der Götter schnell zu einer einheitlich grauen Masse vereinigen. Individuen, aufgelöst im grenzlosen Verständnis. Und das war etwas, das nicht zu wünschen war.
"Ein Fluch käme nie über meine Lefzen",
erwiderte er leise an den schwarzen Jungrüden gewandt, obwohl er wusste, dass er ins Leere sprach. Krolock und er waren so verschieden, so gegensätzlich, dass sie immer nur aneinander vorbei statt miteinander reden konnten.
"Du armer Jungwolf, du bist zu bemitleiden",
fügte er flüsternd hinzu, aber Krolock hörte ihn wohl schon gar nicht mehr, zog er doch wieder seine Kreise durch das Rudel wie eine Krähe, die sich an Aas laben wollte.
Sein Blick glitt zu Tyraleen zurück, dann zu den streitenden Geschwistern, die sich im Zorn trennten, um wiederum bei Averic zu enden. Er ahtte nichts zu dem zu sagen, was sich die ehemaligen Gefährten vorwarfen - dergleichen Worte waren bereits gewechselt worden, und auch wenn er sie daran hatte hindern können zu kämpfen, so konnte er doch ihre giftigen Worte nicht aus der Luft fischen wie zuvor Averics Körper.
Sheenas Worte zogen die Aufmerksamkeit des Schwärzlings auf sich. Es waren weise Worte, die da gesprochen wurden, aber es war fraglich, ob das auch der Rest des Rudels so sah. Längst waren nicht mehr alle Wölfe hier, um die Ansprache der Engayapriesterin zu hören, und wer noch hier weilte, schien gefangen im Entsetzen und unsicher ob der Entscheidung, die er oder sie zu fällen hatte. Kaum gedacht, war es Face, der diese Gedanken Malakíms in Worte fasste - Debatten halfen hier nicht mehr weiter. das Unglück war verkündet worden und Tyraleen hatte sich dem Sturm gestellt. Es war damit noch nicht vorbei, würde noch lange nicht vorbei sein, aber die schwierigste Hürde war genommen. Es galt, jetzt voran zu schreiten, und nur die Zeit konnte zeigen, wie es weiterging.
Rakshee ging davon. Aber sie floh nicht, soviel konnte der Schwärzling erkennen an dem Blick, den sie Tyraleen noch sandte, ohne ihn vollends deuten zu können. Malakím nickte der Braunen dankend zu, dann trat er zu Face und Sheena heran.
"Ich danke euch",
sagte er, ohne genauer darauf einzugehen, wofür. Es war ein umfassender, allgemeiner Dank, den weitere Worte nur hätten einengen statt ausdrücken können. Dann sah er Tyraleen an, genau wie zuvor am See. Sie hatte sich so tapfer gehalten - er würde nicht zulassen, dass sie jtzt noch strauchelte.
'Bereit, wenn du es bist',
schien sein Blick zu sagen.
[Rudelplatz | direkt bei Sheena, Face, Tyraleen]
16.10.2010, 19:20
Lyerra spürte den Blick des Rüden auf sich ruhen, wusste nicht ob es einfach nur ein Blick war, oder ob es etwas bedeutete. Als der Magen des schwarzen knurrte musste Lyerra erst ein paar Tränen hinunter schlucken bevor sie milde lächelte und sagte:
„Wir könnten im Wald unser Glück versuchen. Was meinst du?“
Die letzt wirkliche Jagd hatte sie mit Ethelion gemacht. Damals war sie außer Kontrolle geraten und dann vollkommen schockiert und verängstigt über sich selbst, doch Ethelion hatte sie wieder gerade gerückt, ihr erklärt was passiert war und ihr Mut gemacht.
Mit einer geschmeidigen Bewegung stand die weiße Fähe auf und schüttelte ihren Pelz, schüttelte die Gedanken an Ethelion aus ihrem Kopf. Ein paar Dreckklumpen fielen aus ihrem Pelz du landeten in einigem Abstand zu Lyerra auf dem Boden.
„Komm, lass uns was zu fressen suchen“
Sagte sie zu Volk Zubami und ging ein, zwei staksige Schritte bevor sie noch einmal stehen blieb um auf den Rüden zu warten.
Als dieser dann etwas über einen Baum sagte, der halb tot und halb lebendig war blickte Lyerra ins Nichts während sie nach dachte.
„Ja, ich glaube ich weiß was du meinst. Der Baum wurde mal von einem Blitz gespalten. Glaube ich. Seitdem soll er so sein. Die eine hälfte blüht immer, auch im Winter“
Blinzelnd sah sie Volk Zubami an, ihr Blick wie die reine Unschuld.
"Komm schon. Ich dachte du hast Hunger."
Lyerra wusste selbst nicht so genau warum, aber sie wollte weg vom Rudelplatz, weg von den anderen Wölfen. EInfach nur Rennen. Rennen bis in den Himmel, rennen bis ihre Lungen krapfartige Geräusche machen würden. Rennen, um an nichts denken zu müssen.
Erwartungsvoll sah sie den Rüden an. Würde er mitrennen?
[Nahe des Rudelplatzes, richtung Wald l Volk Zubami]
17.10.2010, 10:34
Stark sein. Er musste stark sein. Für Caylee, für Nerúi. Nur die beiden Jungwölfe durften sich vom Strom der Trauer mitreißen lassen, er dagegen musste ausharren und ihnen der Fels im Strom bleiben, an dem sie sich festhalten konnten. Wie gern wäre er noch mehr gewesen, hätte einen Wall um diese beiden jungen Seelen errichtet um sie abzuschirmen von all dem Leid und dem Schmerz, von dem sie schon mehr erlebt hatten als Jungwölfe in ihrem Alter erfahren sollten. Das Nichts. Banshees und Acollons Tod. Nyotas Tod. Und jetzt dies. Es war natürlich utopisch zu hoffen, dass die eigenen Welpen in Kindertagen nie etwas Schreckliches erfahren mochten. Aber soviel Schrecken...
In gewisser Weise fand Aszrem Kraft und Ruhe darin, dass Nerúi und Caylee ihren Gefühlen freien Lauf ließen. Es war, als weinten sie auch für ihn mit, da er stark sein musste und sich nicht gehen lassen durfte. Aber nichtsdestotrotz schmerzte es sehr zu sehen, wie Entsetzen und Unglauben sich einander abwechselten und immer wieder neue Facetten des Schreckens in das Bewusstsein der beiden Jungfähen trieb. Aszrem sah es am Zittern ihrer jungen Körper, hörte es in ihren verzweifelten Worten und sah es in Caylees blauen Augen, die sich immer wieder zu ihm flüchteten und um Antworten flehten. Wie gern hätte er ihr gegeben, wonach sie so verzweifelt verlangte. Aber wie konnte er ihr sagen, dass ihre Mutter nicht auch sie getötet hätte, wäre sie an Tascurios Stelle gewesen, wo sein Herz doch daran zweifelte, dass es einen Unterschied gemacht hätte? Wie konnte er seiner Tochter versprechen, dass Fenris ihr niemanden mehr entreißen würde, wo doch die Sonne seines eigenen Lebens sich immer weiter dem Horizont zuneigte? Und doch würde es nicht ausreichen, nur hier zu sitzen und zu versuchen, Nerúi und caylee Halt zu geben. Er musste mehr tun, musste ihnen Mut machen, so gut er konnte. Er durfte nicht länger schweigen, auch wenn alle Worte wie Blei auf seiner Zunge lagen.
"Ja, Caylee, es ist alles falsch. Aber ihr macht es richtig, ihr haltet zusammen und müsst auch zukünftig für einander da sein. Versprecht mir das. Versprecht mir, dass ihr aufeinander aufpasst und immer für einander da seid!"
Es war ein Versprechen, das für die Zukunft gelten sollte, für ihr ganzes Leben. Ein Versprechen, dass besonders für Nerúi wichtig sein würde. Denn wenn er einmal nicht mehr war, brauchte seine Tochter jemanden, an dem sie sich halten konnte.
"Und bestimmt finden deine Eltern auch wieder zueinander, Caylee. Aber das wird etwas Zeit brauchen, und in der Zwischenzeit müsst ihr ein gutes Beispiel sein und es richtig machen."
Warum hörte sich diese Worte für seine eigenen Ohren wie Lügen an? Tyraleen und Averic hatten sich getrennt, und er konnte sich nicht vorstellen, dass diese Trennung friedlich abgelaufen war. Vor seinem geistigen Auge sah er Tyraleen, das Rudel, und sich selbst. Hatte er richtig entschieden? Hatte er nicht im Grunde entgegen dem gehandelt, was er den beiden nun auftrug zu tun? Und war nicht gerade das wiederum auch vernüftig gewesen? Tyraleen konnte er nicht so ohne Weiteres verzeihen. Aber vielleicht hätte er sich auch nicht einfach abwenden dürfen.
Aszrem schloss die Augen. Er brauchte Zeit zum Nachdenken, aber hier und jetzt konnte er keine Ruhe dazu finden.
"Kommt, lasst uns zu den Gräbern von Banshee und Acollon gehen und zu Engaya beten. Ich bin sicher, sie hat einen Rat für uns..."
Und seien es nur klarere Gedanken...
[Waldrand | Nerúi, Caylee]
17.10.2010, 17:48
Chardím wollte das Geschrei nicht mehr hören und presste die Ohren ganz fest an den Hinterkopf, als könne er so verhindern, dass noch irgend etwas in seinen Gehörgang drang. Natürlich klappte das nicht ganz, immerhin dämpfte es ein bisschen. Es verhinderte aber nicht, dass er immer noch hörte, wie sie alle schrieen. Plötzlich schrie sogar Chanuka und rannte dann weg. Entsetzt sah Chardím zu, wie sich seine Schwestern beinah an die Kehle sprangen. Sein Herzschlag holperte und seine Beine waren wackelig. Er kam sich vor wie ein Zuschauer, der eigentlich nicht richtig in die Szenerie gehörte, aber trotzdem da war. Nach dem Geschreie kamen die ach so weisen Worte. Gesprochen von jenen, die eigentlich nichts verstanden. Chardím war auch noch recht jung, konnte die Zusammenhänge noch nicht genau verstehen. Der Schwarzweiße verstand, warum seine Mutter so gehandelt hatte. Aber er konnte patu nicht verstehen, warum sie sich von seinem Papa trennte, für den sie das eigentlich doch getan hatte? Und trotz allem wusste er tief in sich – es war falsch. Es gab keine Rechtfertigung dafür. Das Leben durfte sich nicht für den Tod entscheiden. Das sprach gegen jede Regel, es war ein Widerspruch in sich. Sie hatte nachvollziehbar gehandelt, aber dennoch falsch. Chardím wurde ein wenig kleiner. Sein Vater war furchtbar wütend. Auch seine Worte verwirrten ihn – passten sie doch gar nicht zu der Mutter, die er kannte. Es musste sich weitaus mehr abgespielt haben als das, was Tyraleen ihnen erzählt hatte. Chardíms Gedanken wanderten zu Tascurio und es erschreckte ihn, dass er kaum Trauer über seinen Tod empfand. Unsicher suchte er nach einem Funken Traurigkeit, fand aber nur ein kleines bisschen Bedauern. Wenn er eines Tages wirklich Averic umgebracht hätte, wäre das genau so falsch gewesen. Die entsetzliche Schlussfolgerung davon war, sein Tod hatte sein müssen. Doch durch Tyraleen verursacht war er falsch. Die Gedanken, die ihm da durch den Kopf huschten fühlten sich fast so an, als wären sie gar nicht seine. Und die Komplexität, die sein Jungwolfgehirn noch völlig überstieg, ließ ihn schwächeln. Wie seine Mutter gehandelt hatte war nachvollziehbar, aber falsch. Was mit Tascurio geschehen war, war nicht nachvollziehbar, aber richtig. Ihm war ganz schwindelig. Die einzige, übergroße Traurigkeit bestand in der Absurdität an der ganzen Sache, daran, dass sie seine Familie zerstört hatte und nichts mehr so sein würde, wie vorher. Er hatte das Gefühl, dass die Wärme, die ihm seine Familie früher immer gespendet hatte in weite Ferne rückte. Aus der Gemeinsamkeit wurde Einsamkeit. Deshalb rollten immer noch Tränen über seine Wangen. Weil alles kaputt war.
Schniefend sah Chardím auf, als sich ein Wolf neben ihn setzte. Der Schwarzweiße erkannte Jakash, seinen Paten, mit dem er bisher nie viel zutun gehabt hatte. Auch er sah sehr traurig aus. Nicht wütend. Und er bestätigte seine Worte. Nun saßen sie beide hier, als ungesehene Beobachter der Szenerie. Der Rudelplatz war inzwischen schon leerer geworden und keines seiner Geschwister war noch anwesend. Auch Papa war weg. Da begann sie schon – die Einsamkeit.
Obwohl er Jakash wirklich nicht gut kannte, fühlte sich der Schwarzweiße in dem Moment mit ihm verbunden und er lehnte seinen Kopf auf dessen Rücken. Sein Kopf versperrte so die Sicht zu den anderen und er musste nichts mehr sehen.
„Kann es je wieder richtig werden?“
[ Rudelplatz | direkt bei Jakash ]
18.10.2010, 09:43
Die Welt ist grau geworden, farblos, und gepeitscht von einem falschen Wind, der sich kreisförmig um den Rudelplatz schließt. Die zornigen Stimmen sind zu einem Flüstern verschmolzen, der zischenden Stimme des Sturmes, der gar nicht da ist. Fast im Auge des flüsternden Orkans sitzen Chardím und Jakash. Eigentlich sollte ihn dieser Anblick erschrecken, kam diese Veränderung der Welt, die nur er zu sehen scheint, doch stets mit dem Todesgott selbst einher. Damals, als Amáya gegen Urion kämpfte. Damals, als Fenris ihn dazu verleitete, seine Schwetser anzugreifen und er nicht mehr Herr seiner Selbst war. Wie lange hat ihn danach die Angst erfüllt, wiederum jemand Geliebtes anzugreifen? Eigentlich ist diese Angst noch immer da.. nur diesmal, diesmal ist es anders. Er kann die Anwesenheit Fenris' Fühlen, ja - aber von außen, nicht in sich.
Jakash hebt den Blick in Richtung Tyraleens. Ihr weißes Fell leuchtet nicht mehr, und obgleich ihn diese Beobachtung nicht überrascht, so stimmt sie ihn doch traurig. Dafür strahlt das weiße Fell der drei Wölfe bei ihr in hellem Licht. Eine innere Stimme flüstert ihm die Namen zu: Face, Malakím, Sheena. Nur letztere sollte weißes Fell haben, aber diese Erkenntnis - diese Erinnerung - ist unwichtig. Ein weiteres Licht entfernt sich, durchbricht den Sturm. Rakshee. In die entgegengesetzte Richtung flieht die schwarz leuchtende Atalya. Ein mattes Grau und eingetrübtes Weiß folgen ihr, Madc und Avendal. Und auch andere schwinden aus dem Sturmkreis. Ein Licht wie eine schwarze Sonne. Averic. Graue Schatten, kaum zu erkennen im Grau der Welt, nur durch die Nähe zu einem matte Weiß bemerkbar. Minyala, Caleb, Rayón.
Zuletzt richtet sich Jakashs Blick auf seinen Paten. Chardím ist noch immer schwarz-weiß, aber seine bizarre Musterung windet sich immer wieder neu um seinen Körper, als wäre sie lebendig. Wieder fühlt er keine Überraschung, aber das Wissen um dieses Phänomen bleibt in einem verborgenen Winkel harren. Zuletzt kehren seine Augen zu seinen Pfoten zurück, wo ihre Reise begonnen hat. Sie sind nicht länger schwarz. Nicht im Augenblick, nicht für ihn.
Jakash lächelte leicht, als sich sein Patensohn an ihn lehnte. Zumindest das war richtig. Wenn er auch nicht viel tun konnte, so konnte er doch für Chardím da sein. Und gleichzeitig war auch er dankbar, dass der Schwarzweiße seine Hilfe nicht zurück wies. Auch Jakash selbst konnte jetzt etwas Beistand gebrauchen, obwohl mit dem Verlust der Farben und dem aufkommen des unsichtbaren Sturmwindes auch eine seltsame Ruhe in ihn eingekehrt war. Ruhe, und tiefe Traurigkeit, die weit über das Beklagen Tascurios hinaus ging, die Jakash jedoch selbst nicht benennen konnte. Er fühlte ähnlich wie Chardím ohne es zu wissen, und - wie auch sein Patensohn - ohne es in Worte kleiden zu können. Nur undeutlich erklang die Stimme des Jungrüden, aber Jakash verstand ihn dennoch.
"Es wird nie wieder wie früher werden, dazu müsste man ungeschehen machen, was angerichtet wurde."
Seine Stimme war voll der Trauer, aber nicht länger verzweifelt, sondern ruhig und klar.
"Aber es kann dennoch wieder richtig werden. Vielleicht ist dafür jedoch etwas Hilfe nötig..."
Mit jedem Wort wuchs in Jakash die Unsicherheit über das, was er da sagte. Ihm war nicht so recht klar, wie er auf diese Behauptungen kam, hatte er doch keinerlei Vorstellung, WIE alles wieder 'richtig' werden konnte. Und selbst was dieses 'richtig' anging, war er nicht sicher, was es bedeutete. Als würden ihm die Worte in den Mund gelegt werden.
In Jakash keimte Angst. Er tat nichts Schlimmes, aber irgendwie entzog sich ihm dennoch die Kontrolle über sich selbst. Er wollte nicht im Namen eines Gottes handeln! Nicht für Fenris. Aber auch nicht für Engaya.
Und die Welt ist noch immer ergraut.
[Rudelplatz | Chardím]
19.10.2010, 19:41
Lyerra meinte, das die beiden, im Wald, nach Beute Ausschau halten könnten. Was Volk Zubami richtig gefiel, war das „WIR“, was er schon lange nicht mehr gehört hatte. Sehr elegant stand sie auf und schüttelte sich den Dreck und die Nässe aus dem Fell. Die Fähe forderte den Rüden auf mitzukommen. Dieser sprang nach der Aufforderung auf, denn er wollte sie nicht warten lassen, obwohl sie nach zwei Schritten schon anhielt und sich nach dem Schwarzen umdrehte.
„ Ich bin mir sicher das wir Jagdglück haben werden, schließlich war ich der beste Jäger in meinem alten Rudel. Versteh mich nicht falsch, ich will nicht prahlen oder so, aber alles was ich über das Jagen weiß hab ich von meinem Papa. Er war mein Vorbild und sehr stark."
Sie erzählte Volk was es mit dem Baum auf sich hat. Aha, ein Blitz also, aber das die eine Hälfte immer blüht, das könnte nicht sein. Das wäre ja ewiges Leben, was allem wiedersprechen würde, was er kannte. Naja, sein Hunger war jetzt erstmal stärker und der Schwarze hätte auch noch später Zeit darüber zu Philosophieren. Lyerra blinzelte ihn an und sie sah so schön aus, so weiß und so unschuldig. Im nächsten Moment, sah sie den Rüden so an, als wenn sie ihn zu einem Rennen herausfordern wollte.
„ Drei, Zwei, Eins, Los!"
: sagte der Rüde spielerisch und hoppste hin und her. Volk machte sich bereit und sprintete, mit einem Lächeln los. Er merkte, wie die Fähe aufholte und letztendlich an ihm vorbeizog. Sie war schnell, sehr schnell sogar. Das machte Spaß so frei durch den Wald zu sprinten und den Wind zu Spüren, noch dazu mit einem anderen Wolf. Jetzt fehlte nur noch etwas essbares, dann wäre der Abend Perfekt. Und schon hatte Volk wieder etwas Vorsprung.
[Nahe des Rudelplatz, Richtung Wald | Lyerra]
19.10.2010, 20:34
Auf Volk Zubamis ‚Prahlerei’ musste die weiße Fähe lächeln, ehrlich diese mal.
Als er dann von drei runterzählte und offenbar ein Wettrennen machen wollte war Lyerra etwas verwirrt. Hatte ihre Miene nach einem Wettrenn start ausgesehen? Eigentlich wollte sie einfach so laufen, doch dann sah sie wie der Rüde glücklich umher hüpfte und rannte los.
Ihr Läufe waren stark und sie war sehr, sehr gut im rennen. Mit ein paar schnellen Sätzen zog sie an Volk vorbei, der etwas früher losgerannt war als sie. Er mochte vielleicht ein guter Jäger sein, aber sie war eine gute Läuferin.
Als sie sich ablenken ließ holte der Schwarze auf, schoss an ihr vorbei, doch das wollte sie Lyerra nicht gefallen lassen. Sie konzentrierte sich nur auf ihre Sprünge, nur auf das Laufen und den feuchten Boden unter ihr.
Der Boden wurde mit einem befriedigenden Matschen unter ihren Pfoten zusammengequetscht, und der kalte Boden kühlte die Pfoten der Fähe.
Schneller und schneller bewegte sie ihre Läufe, mehr und mehr ließ sie Volk Zubami hinter sich zurück.
Das Laufen beruhigte sie irgendwie. Mit grimmiger Miene wurde sie noch etwas schneller. Ihre Gedanken von eben schienen sich fast zu erfüllen, die Fähe rannte, bis ihre Lungen so schnell Luft ein und aus pumpten, dass es sich grauenhaft anhörte.
Mit schauerlicher Befriedigung blieb sie schlitternd stehen und wartete auf den ach so guten Jäger.
Bevor dieser jedoch kam, erschnüffelte Lyerra schon mal ein paar Nager, um gleich stolz berichten zu können wo welche waren.
Ihr Lungen pumpten weiter Luft, einatmen ausatmen, einatmen ausatmen. Die Zunge der Fähe hing aus dem Maul und Lyerra hatte schon fast Angst nicht genügend Luft bekommen zu können, aber sie war von Freude erfüllt, auch wenn sie nicht wusste warum, immerhin war der Tag wahrlich grauenhaft gewesen.
[im Wald l Volk Zubami]
20.10.2010, 13:08
Als der Rüde davon erzählte, dass er der beste Jäger in seinem Rudel war, fing die Fähe an zu Lächeln. Sie schien ihm nicht so richtig zu glauben. Aber das würde sich sicher ändern, wenn er ihr das beste Fleisch überreichen würde. Als die beiden so durch den Wald sausten und scheinbar immer schneller zu werden schienen, war etwas Unbeschwertheit zurückgekehrt und er konnte sehen, das Lyerra wieder etwas glücklicher war. Das freute auch Volk und als sie so rannten und sich gegenseitig antrieben, war er glücklich, endlich wieder ein Zuhause. Schon wurde er wieder überholt, doch diesmal konnte der Rüde nicht mehr aufholen. Er atmete tief und schwer, hektisch ein und aus. Der Schwarze wurde langsamer und blieb letztendlich stehen. Die Zunge weit aus dem Hals gestreckt, hechelte er nach Luft.
„Warte,... ,hechel´ auf mich…"
,Lyerra ist wirklich verflixt schnell´ :dachte er, bevor er weiter nach Luft rang. So trottete er etwas langsamer ihrer Spur hinterher. Allerdings hatte der Schwarze auch eine andere Spur in seiner Nase. Volk spürte Beute auf, doch er wollte Lyerra nicht benachteiligen und machte sich auf den Weg zu ihr. Trabend kam er auf sie zu, sie war noch aus der Puste und atmete schwer. Ihre Zunge hing ihr aus dem Maul und sie hechelte wie Volk es vorhin tat.
„ Du bist wirklich sehr schnell, das muss ich dir lassen. Bevor ich es vergesse, als ich nicht mehr hinterherkam, habe ich eine Spur aufgenommen. Es roch nach leichter kleiner Beute."
Volk hatte wirklich großen Hunger und hoffte das sie genug fangen könnten. Aber den ersten Bissen würde er sowieso Lyerra überlassen.
[ Wald | Lyerra]
20.10.2010, 15:38
Lyerra sah, das Volk nicht mehr gelaufen war, wie lange konnte sie nicht genau sagen, doch er hechelte schon nicht mehr.
Als er erzählte eine Spur gewittert zu haben schnippte sie mit ihrer Rute und sagte:
„Hier in der Nähe sind auch welche. Nichts Großes denke ich, aber immerhin…“
Schon bevor Volk Zubami bei ihr angekommen war, hatte Lyerra eine leichte Spur in der Nase gehabt, vermutlich Hasen und andere Kleintiere.
„Wir können auch gerne zu deiner Spur zurück kehren, aber hier lang wäre es kürzer.“
Ihre Stimme war beherrscht und ruhig, ihr Vorschlag war nett gemeint, sie hatte keineswegs etwas dagegen zurück zu seiner Spur zu laufen.
Mit der Schnauze deutete sie in die Richtung, aus der der Geruch kam, den sie gewittert hatte. Es würde einfach sein einen Hasen fangen. Langsam trottete sie etwas näher zu Volk und wartete ab, was er sagen würde.
Freundlich lächelte sie ihn an.
Es wäre doch zu einfach wieder glücklich zu sein, oder?
Aber immer und immer wieder verhinderte Ethelion das. Erst hatte er ihr Herz im Sturm erobert, und nun wollte er es nicht mehr verlassen. Ein riesiger Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus.
‚Ethelion’ flehte sie stumm, ihr Gesicht Richtung Himmel, leicht erhoben ‚Ethelion, bitte lass mich glücklich sein. Lass mir mein Leben. Ich trauere um dich, und das werde ich wohl auch für immer tun, aber willst du nicht tief in deinem inneren auch dass ich glücklich bin? Findest du es besser wenn ich leide bis ich sterbe und wir wieder vereint sind?’
Immer noch hatte Lyerra ihr Gesicht dem Himmel zu gewandt. Es war dunkel, am Himmel konnte die Wölfin keinen Stern sehen. Leichter, feiner Regen fiel auf die beiden Wölfe herab, doch es war still. Es war stiller als sonst nach starken Stürmen.
Verzweifelt starrte die Fähe in die Dunkelheit, dann sah sie einen Schemen. Um besser sehen zu können kniff sie etwas die Augen zusammen. Für Volk Zubami würde es nicht seltsam aussehen, er würde denken die kniff ihre Augen wegen dem Regen zusammen.
Angestrengt schaute sie ins dunkle.
‚Ethelion’
War er eine Erscheinung? Aber es waren ganz klar seine Augen. Lange blickten die beiden Wölfe, das alte Paar, sich an. Dann lächelte der Wolf, kam zu Lyerra und schmiegte sich kurz an sie.
„Ich werde immer an dich denken und du bleibst auf ewig in meinem Herzen“
Flüsterte die Fähe ihrem geliebten ins Ohr. Sie genoss die ‚Berührung’ . Dann richtete Ethelion sich auf und verschwand wieder in der Dunkelheit.
Lyerra hatte ein Versprechen gegeben, und sie würde es einhalten.
[im Wald l Volk Zubami]
21.10.2010, 12:19
Ein längeres Schweigen gatte sich zwischen ihr und Liam aufgebaut, in dem sie versuchte, zu ergründen, ob ihre Kraft ausreichte um sie auf ihren langen, schmalen Beinen zur Pfütze zu tragen. Der Regen draußen wurde immer stärker, und in Neytíris Herz zog sich etwas zusammen. Sie spürte, dass hier seltsame Dinge geschahen, Dinge die Verzweiflung und Trauer bringen würden. Als sie nach draußen blickte, sah sie einzelne schemenhafte Wölfe an der Höhle vorbei laufen. Es wurden immer mehr, die plötzlich schnell in die gleiche Richtung liefen. Die Graue fragte sich, wohin sie wohl liefen. Gingen sie gemeinsam auf die Jagd? Oder versammelten sie sich zum Gespräch? Sie wäre gern dabeigewesen um die anderen kennenzulernen. Ihre Lage erforderte es jedoch, dass sie sich ruhig verhielt, und so versuchte sie wortlos, sich auf ihre Pfoten zu stemmen. Ihre Läufe zitterten unaufhörlich wie Espenlaub, ihr Ausdruck war vor Anstrengung verzerrt. Ihre Muskeln rebellierten gegen diese scheinbar unmögliche Aufgabe, aber ihr Wille war der stärkere Draht, und einige Minuten später stand sie schwankend vor Liam.
"Kannst... Kann ich mich bei dir anlehnen?"
Sie fürchtete, jeden Moment wieder auf den Boden zu gleiten. Ihr Wille war stark, aber sie konnte ihren Körper nicht zu Dingen zwingen, die er schlichtweg nicht ausführen konnte. Noch nicht. Neytíri sah zu Boden.
Plötzlich zitterte sie noch stärker, ihr Puls raste. Das hier war zu viel! Taumelnd überbrückte sie die kurze Distanz zu Liam mit zwei, drei kleinen Schrittchen und ließ sich dann mit ihrer Schulter gegen die seine sinken. Es war ihr unangenehm, seine Hilfe so in Anspruch zu nehmen, aber das Zittern ließ augenblicklich nach, wenn es auch nicht ganz verschwand. Immer wiedewr hob sie einzelne Pfoten, drehte und streckte sie, um wieder ein Gefühl für sie zu bekommen. Die plötzliche Höhe ihrer Sicht hatte sie verschreckt. Sie hatte fast die komplette Wachstumsphase ihres Körpers verpasst. Sie konnte sich einfach nicht daran erinnern, jemals so hoch über dem Boden geschwebt zu haben.
Langsam bewegte sie sich mit dem großen Rüden zu der Wasserquelle, und ließ sich dort wieder auf den Bauch sinken. Hier lag sie noch trocken, konnte mit der Schnauze aber gut die Pfütze erreichen, die sich kurz vor dem Höhleneingang gebildet hatte. Bedächtig stillte sie ihren Durst, dann blickte sie Liam ins Gesicht.
"Ich danke dir, dass du hier bist. Aber musst du nicht auch der Versammlung beiwohnen?"
Mittlerweile war Neytíri sich ziemlich sicher, dass es eine Versammlung sein musste, denn es schien als bewege sich das gesamte Rudel zu einem Punkt. Es musste etwas geschehen sein. Aber dann sah sie bereits die ersten Rückkehrer, die sich auf dem großen Rudelplatz vor der Höhle zurückzogen. Ein Rüde sprang ihr sofort ins Auge, er war etwa so alt wie sie selbst. Seine Augen... sie konnte sie aus dieser Entfernung nicht genau betrachten, aber sie fand sie sofort interessant. Und dann erst diese Fellzeichnungen! Er war wirklich außergewöhnlich, aber er schien sehr verzweifelt zu sein. Neytíri hörte ihn leise schniefen. Sie wollte zu ihm und ihn trösten, sie hatte das Gefühl, dass ein Geschöpf wie er es nicht verdient hatte, so fühlen zu müssen. Der schwarze Wolf bei ihm schien mit ihm zu reden, ihn trösten zu wollen. Das beruhigte Tíri ein wenig. Lange Zeit beobachtete sie den schwarzen Wolf mit den weißen Fellzeichnungen und den seltsamen Augen. Sie hatte irgendwie im gefühl, dass sie ihn kennen lernen wollte.
[ Rudelhöhle | bei Liam | schafft es zur Pfütze | bekommt mit, dass es eine Versammlung gibt | beobachtet Chardím und Jakash]
22.10.2010, 19:50
Sie hatte also auch eine Fährte aufgenommen und diese war frischer, so konnte die Beute nicht weit entfernt sein. Es schienen Hasen zu sein, diese Spuren würde Volk überall auf der Welt erkennen. Wobei er sich nicht sicher war, ob es ,überall´ Hasen gab. Diese schienen vom Gras, welches auf den Lichtungen wuchs, zu Leben. Lyerra hatte zwar angeboten, zurück zu Volk´s Spur zu gehen doch dies verneinte er.
„Nein, Danke. Du hast eine frischere Spur entdeckt und ich denke, dass wir hier unser Glück versuchen sollten. Hasen sind allerdings keine allzu leichte Beute, doch da wir zu zweit sind, ist das, denke ich, kein Problem."
Sie zeigte ihm die Richtung der Spur, doch er hatte schon einen Plan, wie sie mehr als einen erjagen könnten. Dazu müsste einer der beiden sich am Rande der Lichtung, an einem Engpass, positionieren und der andere könnte sich anschleichen, die Meute zum Engpass treiben und dann selbst noch einen Hasen packen. So wären zwei oder drei Hasen gesichert. Als Volk zu Ende geplant hatte, bemerkte er, das Lyerra abwesend zu sein schien und in den Himmel schaute. Der Rüde lies ein Ohr etwas hängen, hielt seinen Kopf etwas schief und sah dann auch zum Himmel auf. Er versuchte zu erkennen was Lyerra wohl sah, aber da war nichts. Egal wie sehr sich der Schwarze anstrengte, er konnte nichts erkennen.
„Lyerra, bist du noch da oder hab ich dich gelangweilt? Ich wollte dir eigentlich noch meine Jagdstrategie erläutern. Wenn wir einen Engpass finden, können wir mehr Beute machen. Da du schneller bist als ich, wäre es toll, wenn du treiben könntest, natürlich nur wenn du willst."
Als er ihre Aufmerksamkeit wieder hatte, erläuterte der schwarze Rüde, ihr nochmal den Jagdplan in allen Einzelheiten. So hoffte er Eindruck schinden zu können, schließlich wollte er sich, nach seiner großen Rede, vom ,besten Jäger sein´ , nicht blamieren. Aber Volk ging stolz und selbstbewusst wie immer, die Sache an. Schließlich weiß der Rüde ja, was er kann.
[Wald | Lyerra ]
22.10.2010, 23:05
Aufmerksam beobachtete Madoc die beiden Geschwister und spürte mit jedem Atemzug, wie sich die Atmosphäre um ihn herum entspannte. Mit ihr gelang es auch ihm, seine bedrückenden Gedanken beiseite zu schieben und einen seichteren Glanz in die rubinroten Augen zu befördern, der dennoch eine kühle Neutralität bewahrte. Wer ihn nicht kannte, mochte wohl denken, dass er nicht über Emotionen verfügte, dass er selbst in solch einer Situation keine erkennbaren Anzeichen an Freude und Erleichterung zeigte, doch tatsächlich schien sich in seinem inneren ein Knoten der Sorge gelöst zu haben, die ihm die Wiederkehr ins Rudel ein wenig angenehmer erscheinen ließ. Er war froh darüber, dass Atalya sich beruhigt hatte, froh darüber, dass die Bindung zu Avendal wieder hergestellt war. Er wusste, wie stark das Band zwischen Geschwistern war und diese so leichtfertig zu verwerfen wäre beinahe frevelhaft gewesen. Er dachte abermals an die starke Brüderschaft, die ihn und seinen Bruder einst verbanden und wie der Tod diese gnadenlos durchtrennte und eine gähnende Leere in ihm hinterließ, die noch heute deutlich zu spüren war. Doch die Vorstellung, seinen Bruder zu verlieren, obwohl er noch lebte war für ihn unvorstellbar. Die Freude und Erleichterung, die Madoc nun verspürte war gewaltig, wenngleich nur der geringste Teil zum Vorschein kam.
Als Avendal abermals zu sprechen begann, galt sein blutroter Blick ihr. Mit ihrem zierlichen Körper, der zu Boden sank, senkte sich auch dieser und seine Ohren schnippten lauschend nach vorne, als die zarten Worte über ihre Lippen perlten. Ihre Charakterstärke beeindruckte ihn, denn würde er nach ihrem nun beinahe gebrechlichem Äußeren urteilen, so hätte er kein solch entschlossenes Innenleben vermutet. Denn wusste er doch aus Erfahrungen, dass es viel einfacher, Probleme und Konflikte zu ignorieren, zu umgehen, als sich diesen gegenüber zu stellen. Der silberne Hüne bedachte sie mit einem anerkennenden Nicken, verharrte jedoch weiterhin in Schweigen. Sein wachsamer Blick wandte sich währenddessen zu Atalya, als diese nun ebenfalls zu sprechen begann. Ihren Worten entnahm er noch immer Zweifel, schien sie doch nicht wahrlich an das zu glauben, was er ihr zu vermitteln versuchte. Madoc erhob allerdings keinen Einspruch, schließlich hatte sie noch den Wunsch danach, dass es so werden würde. Wer noch Wünsche hatte, der war noch lange nicht verloren, dass wusste der Rüde und ich blieb noch immer Stumm.
Etwas zurückziehend beobachtete er nun die Interaktion zwischen der Grauen und der Weißen, denn er glaubte sich als ein Außenstehender, der in einer solch intimen Situation nicht verloren hatte. Bereits hier zu stehen erschien ihm falsch, doch war es nötig, denn möglicherweise wäre es nie zu einem friedlichen Ende gekommen, wäre er nicht als schlichtender Außenseiter eingetreten. Und doch machte der Rüde einige Schritte zurück, um sich in noch immer geringer Entfernung von Atalya und Avendal auf seine Hinterläufe zu sinken. Als der Blick seiner grauen Freundin jedoch nach ihm suchte, erwiderte er diesen mit Aufrichtigkeit und nickte zustimmend.
"Ja, Atalya hat Recht, denn nur so kannst du einen Konflikt lösen und deine wahre innere Stärke zeigen. Ihr solltet euren Eltern vielleicht ein wenig Zeit geben, sich zu fassen, bevor ihr dem Problem mit offenen Augen begegnet."
Madocs Stimme war ruhig, er wusste, dass Atalya ebenfalls stark war, er glaubte an sie, an beide Schwestern.
[Im Wald | Atalya, Avendal]
23.10.2010, 00:33
Avendal seufzte leise und schloss ihre Augen nachdem Atalya ihre Stirn mit der Schnauze berührte. Es prickelte auf ihrem Fell und doch schmerzten ihre Worte in den Ohren, obwohl sie nichts gehässiges oder herablassendes an sich hatten, es waren einfache Worte die die Weiße dazu animieren sollte zu ihrem Vater zu gehen, doch Avendal konnte es noch nicht. Natürlich war sie von ihrer Mutter enttäuscht, doch Averic hatte sie im Stich gelassen, hatte zugelassen das Tyraleen von allen so beschuldigt, geschimpft und regelrecht gedemütigt wurde. Die Helle zog ihren Kopf zurück um die Schnauze ihrer Schwester nicht mehr auf sich spüren zu müssen, sofort drehte sie auch ihren Kopf weg. Ja sie wollte sich bei ihrem Vater für die Worte entschuldigen, doch es war unmöglich im wirklich so schnell zu verzeihen, genau so wie es unmöglich war das sie die zu ihrer Mutter wieder aufsehen konnte in nächster Zeit. Ihre Gedanken brachten Avendal Übelkeit und ihr Magen schien sich schier umzudrehen. Oh Tascurio, wieso musste er so früh sein Leben lassen? Ihre Ohren zuckten aufmerksam zurück als sie die tiefe Stimme von Madoc vernahm. Langsam, zögernd und sachte drehte sie ihm den Kopf zu.
„ Meine innere Stärke? “
Avendal fühlte sich alles andere als Stark. Sie war nicht stark, sie war klein, zierlich, gebrechlich und vor allem ängstlich. Sie war von ihren Geschwistern eines der schwächsten Glieder und leicht zu beeindrucken, zu unterdrücken. Mühsam kämpfte sich Avendal auf die Pfoten und wandte sich von den zwei Wölfen ab, ihre Schwester hatte ihr eigenes Leid und Madoc stand ihr bei. Träge hob sie eine Pfote an und setzte sie etwas weiter vorne wieder ab, so machte sie es ständig bis sie eine gewisse Distanz zu ihnen geschaffen hatte, bevor sie sich auf die Seite fallen ließ. Dumpf schlug ihr Körper am Boden auf und presste der Fähe die Luft aus den Lungen, was mehr nach einem erschöpften Stöhnen klang. Sie war müde und dies zerrte an ihren Kräften. Sie wollte jetzt einfach nur ihre Augen schließen und schlafen, in eine Traumwelt flüchten in der alles wieder in Ordnung war.
„ Ich weiß nicht… ob ich so etwas besitze. “
Flüsterte die Fähe jedoch mehr an sich selbst gewandt. Innere Stärke, woran konnte man erkennen das man so etwas hat? Nur weil sie vielleicht den Mut gehabt hatte und sich wieder mit Atalya versöhnt hat und das gleiche nun bei ihrem Vater tun wollte? Avendal sah dies nicht als innere Stärke…
[Wald – Madoc, Atalya]
23.10.2010, 18:15
Als Volk Zubami ablehnte zu seiner Spur zurück zu laufen neigte Lyerra nur leicht den Kopf, beobachtete Volk. Ebenfalls schweigend hörte sie ihm zu, als er ihr erklärte wie er jagen wollte. Musste sie das wirklich tun? Musste sie ein Kaninchen töten? Die weiße Fähe konnte einfach nicht den Mut aufbringen und fragen ob es denn sein musste, stumm nickte sie abermals, dann sah sie sich auf der Lichtung um, ob sie einen Engpass oder etwas Ähnliches finden konnte. Da sie nichts entdeckte sagte sie frech:
„Tja Volk, dann musst du dich eben als zweiten Baum ausgeben und hoffen, dass das Kaninchen trotzdem auf dich zu rennt und dann hoffen, dass deine super Jagdkünste dich nicht im Stich lassen.“
Leise lachte sie.
„Okay, du wartest hier und stellst die zu einem Baum. Am besten da vorne, von da komme ich dann mit deinem Nachtimbiss.“
Sie deutete, so wie eben schon, mit der Nasenspitze in eine Richtung. Die kühle Nachtluft umschmeichelte sie und Lyerra fühlte sich beinnahe wie eine Nachtkönigin. Wie eine weißer, leuchtender Fleck in der finsteren Nacht.
Leicht fiel der Regen auf ihren Pelz und die Stille tat ihrem Kopf gut, nachdem es vorhin so laut gewesen war. Auf samtig leisen Pfoten huschte sie ins Unterholz, verfolgte die Spur von den Hasen. Es dauerte nicht lange, da fand sie den Bau der kleinen Nager.
Schliefen Kaninchen nicht nachts? Wie dumm sie und Volk doch waren. Auch Beute schlief irgendwann mal. Leise schlich sie zurück zu Volk Zubami.
„Tja schwarzer super Jäger, deine Beute schläft in ihrem Bau“
Grinsend schaute sie ihn an und erwartete Reaktion von ihm. Tja, das war jetzt wohl etwas peinlich, auch für Lyerra selbst. Kaninchen schliefen zwar nicht die ganze Nacht und auch nicht lange, aber sie hatten wohl beschlossen dass es besser ist um diese Uhrzeit sicher im Bau zu sein und keine Angst haben zu müssen.
Unsicher was sie jetzt tu sollte lief sie auf und ab, überlegte sich etwas Lustiges wie sie die Zeit tot schlagen konnten. Um nichts in der Welt wollte sie den Bau der armen kleinen Tierchen aufbuddeln. Sie wollte nicht einer ganzen Hasenfamilie das Heim klauen.
23.10.2010, 18:59
Face wurde nur mit einem kurzen Blick gewürdigt. Er war Tyraleens Pate, nur deshalb duldete sie ihn auch an ihrer Seite. Ansonsten wäre sie ihm aus dem Weg gegangen. Sie kannte ihn kaum,eigentlich nur durch ihre Freundin Tyraleen und das Einzige, was ihn aus Sheenas Augen sympathisch machte, war die Fürsorge für seinen Patenwolf. Aber sie wollte nicht über ihn urteilen. Und irgendwo hatte er ja auch Recht, die anderen Wölfe waren nicht in der Lage ihre Worte aufzunehmen und über diese nachzudenken. Trotzdem.
Sie brummelte, kaum merklich war ihre Unzufriedenheit die in diesem lag.
Doch dann konzentrierte sie sich auf Tyraleen. Sie wollte sich zurückziehen. Würde sie dann nicht als Feigling dastehen? Andererseits mussten sich die Wogen glätten, die Wölfe würden Ruhe brauchen um zu entscheiden, wie sie zu der Situation standen. Also war ein wenig Abstand vielleicht gar nicht so verkehrt. Und natürlich würde sie mit Tyraleen gehen. Auch wenn sie davon ausgehen musste, dass dann auch Face bei ihnen sein würde.
Als ein weiterer Wolf sich zu ihnen gesellte und zusicherte, dass er zu Tyraleen halten würde und sie ebenfalls begleiten würde, lächelte sie erleichtert. Vier Wölfe zusammen waren besser als drei. Zumindest ihrer Meinung nach.
„Einige Wölfe werden dich wohl als Feigling sehen, wenn du nun gehst. Andererseits denke ich, dass es das Beste ist ihnen Bedenkzeit zu geben. Ich werde dich natürlich begleiten. Und unterstützen. Wir finden einen Weg.“
Fast schon fürsorglich berührte sie die Weiße an der Stirn. Natürlich würden sie einen Weg finden. Es würde nicht der bequemste sein, aber sie würden zusammenhalten und so konnten sie jeden Berg bezwingen, welcher sich auf ihrem Pfad auftun würde.
Sie lächelte einmal in die Runde. Sie wollte aufbrechen, es brachte nichts, noch weiter hier zu verweilen. Allerdings wusste sie nicht, ob Tyraleen ohne weitere Worte gehen wollte. Doch was sollte sie noch sagen ohne, dass erneut ein großer Tumult ausbrechen würde. Allerdings hielt Sheena auch nicht viel davon, sich einfach heimlich davon zu schleichen. Vor allem, weil sie sowieso von irgendwelchen Wölfen bemerkt werden würden. Tyraleen stand im Zentrum der ganzen Aufregung, sie war die Verursacherin und sie wusste nicht, wie die Wölfe auf ein stilles Verschwinden reagieren würden. Sie hoffte nur, dass die anderen Mitglieder so vernünftig waren um sich nicht gegenseitig anzugreifen. Die Meinungen gingen schließlich sehr offensichtlich weit auseinander. Selbst Wölfe, die sich ansonsten gut verstanden, schienen sich nicht einig werden zu können, viele hatten den Platz wutentbrannt, traurig oder enttäuscht verlassen.
Es ging darum einen kühlen Kopf zu behalten, doch wenn man einige Wölfe beobachtete, sah man sofort, dass ein kühler Kopf ganz sicher nicht zu ihren Stärken zählte. Man musste nur Krolock angucken. Wobei dieser natürlich auch ein Extrem darstellte.
Sie schüttelte leicht den Kopf. Wie unterschiedlich sich jeder entwickelte und was für starke charakterliche Unterschiede es sogar innerhalb einer Familie geben konnte war wirklich erstaunlich. Oder aber auch nicht. Schließlich war der Charakter nicht direkt vererblich. Zudem musste man die Hintergründe eines Wolfs kennen um ihn besser verstehen zu können.
Zu viele verwirrende Gedanken, die sie in dieser Situation nicht weiter brachten. Sie würde Tyraleen zur Seite stehen, egal wie ihr nächster Schritt aussehen würde. Also sollte Tyraleen handeln. Sie würde ihrem Gefühl folgen und das würde die richtige Entscheidung sein.
Es gab so viele Wendepunkte im Leben, so viele Weggabelungen an denen man sich entscheiden musste. An denen man zwischen richtig und falsch unterscheiden musste. Und vielleicht war das Falsche doch das Richtige. Aber dann musste man daraus das Beste machen.
Klang ganz einfach...
[Rudelplatz, Rudel- Face, Tyraleen, Malakím]
24.10.2010, 09:54
Ihre Rute wedelte immer noch heftig hin und her, als ihre Mutter zwei Schritte auf sie zu kam und nach ihrem Ohr haschte. Doch noch ehe sie es erreichte, hielt sie inne und Sharíku viel der traurige, beinahe schon gequälte Ausdruck in den Augen ihrer Mutter auf. Und dann horchte sie auf ihre Worte. Eben noch hatte ihre Rute heftig hin und her gewackelt, jetzt wurde sie langsamer und schließlich sank sie langsam hinab. Es wirkte zögernd, als wolle sie das nicht wahr haben. Die stumme Fähe wollte ihrer Mutter irgendwie nicht glauben. Sicher, sie hatte Tascurio hatte sie nie richtig gekannt, ebenso wie alle anderen des Rudels, mal von ihrer Mutter, Lyerra und Lunar abgesehen. Die hatte sie gekannt. Wirklich gekannt. Aber die anderen? Und dennoch wollte diese Fähe nicht, dass eine Gemeinschaft, die so lange bestanden hatte und immer gemeinsam durch dick und dünn gegangen war, nun so einfach zerbrach, nur weil eine Mutter ihrem Sohn das Leben genommen hatte. Aber Tyraleen musste ihre Gründe gehabt haben. Anders konnte Sharí sich ihr Handeln nicht erklären. Sie musste einfach einen driftigen Grund gehabt haben, der sie dazu veranlasst hatte, so etwas zu tun. Und nun zerbrach dieses Rudel nur wegen dieser einen Entscheidung? Hatte Sharíku dieses Rudel wirklich so falsch eingeschätzt? Wie gerne würde sie jetzt ihrer Mutter mitteilen, was sie dachte, doch wie? Ohne Stimme? Nein, das ging nicht. Egal, welche Möglichkeiten ihr blieben: Ihre Gedanken konnte sie nicht mitteilen, sie waren zu kompliziert. Traurig sank ihr Hinterkörper schließlich auch zu Boden und sie wischte mit ihren Pfoten über ihre Augen und hielt ihre Pfoten schließlich über ihre Augen, in dem Versuch ihrer Mutter deutlich zu machen, dass sie das alles nicht sehen wollte. Und dann hielt sie ihre Pfoten über ihre Ohren, um deutlich zu machen, dass sie das alles auch nicht hören wollte. Dann schaute sie zu ihrer Mutter auf. Schon wollte sie aufstehen, um sie zu trösten, doch in dem Moment ertönte eine schneidende Stimme. Sie wusste sofort, wer das war, und doch schoss ihr Kopf herum und sie erblickte Lunar. Shani gab nur ein langgezogenes "Luu" von sich, doch dann verstummte sie wieder. Sharíku ließ ihren Fang ein paar Mal auf und zu schnappen, ehe sie ihren Kopf schüttelte und ein leichtes begrüßendes Lächeln auf ihre Lefzen trat. Doch dieses Lächeln erreichte ihre Augen, die in zwei unterschiedlichen Farben glänzten, nicht. Stumpf starrte sie Lunar entgegen, ehe sie zu Shani schlich und ihren Kopf in ihrem Schulterfell vergrub. Einerseits wollte sie gehen, andererseits wusste sie nicht wohin, weshalb sie blieb. Ihre Mutter brauchte sie jetzt ... oder?
[nahe des Rudelplatzes | Lunar und Shani]
24.10.2010, 16:17
Lyerra neigte den Kopf und hörte schweigend zu als Volk seinen Plan erklärte. Nebenbei sah sich die Fähe um, ob man den Plan umsetzen könnte, doch musste sich der Rüde mit den Gegebenheiten, der Lichtung, abfinden. Als wenn das nicht reichen würde, musste er sich noch zusätzlich mit einem fiesen Satz von ihr zufrieden geben. Daraufhin gab der Schwarze einen abwürfigen Blick an Lyerra weiter. Er stellte sich an die Stelle, die Sie andeutete und wartete darauf, dass sie mit der Beute angerannt kam. Ihr weißes Nachtgewand war trotz der widrigen Lichtverhältnisse gut zu sehen. Was für ein Glück das Volk ihr begegnet war, denn sie war, irgendwie, ohne das er es sich erklären konnte, toll. Der Regen tröpfelte noch leicht, klopfte auf Volk´s Kopf und floss, über die Stirn, den Nasenrücken hinunter. Das kitzelte ihn, sodass er sich erstmal abschüttelte. Lyerra kam inzwischen zurück geschlichen, leider ohne Beute. Sie erzählte, dass die Hasen schliefen, Volk hatte die Hoffnung, dass sie noch nicht zurück könnten und ihr Bau wegen des starken Regens noch überflutet sei.
„Schade, eigentlich. Naja dann wollen wir sie in Ruhe lassen. Ich hab eine andere Idee, lass uns zu meiner Spur zurückgehen, da hatte ich den Geruch von größeren Tieren in der Nase. Bei uns gab es Rentiere, wie heißen die bei euch? Egal, Hauptsache sie schmecken."
Er grinste glücklich, wedelte etwas mit seinem Schwanz und schüttelte sich nochmals den Regen aus dem Fell. Es musste sicherlich lustig ausgesehen haben, da der Schwarze spürte, dass sein Fell vom Körper abstand. Zusätzlich nieste er eine ganze Salve. ,Oh Mama´ :dachte er. ,Kaum lern ich ein nettes Weibchen kennen, schon mach ich mich lächerlich´ .
„Entschuldige…(schnief). Das macht das nasse Wetter. Ein was Gutes hat der Regen ja, man wird wieder Sauber und Regenrein."
Der Rüde lachte laut um seine Unsicherheit zu kaschieren. Er drehte sich in die Richtung, in der er, seine Spur gefunden hatte und hob seine rechte Vorderpfote leicht verspielt und freundlich lächelnd.
[Im Wald | Lyerra]
24.10.2010, 16:36
Lunar’s Augen funkelten aufmerksam, er hatte sowohl diesen ausweichenden Schritt von Shani bemerkt. Er hob seinen schmalen Kopf etwas an und seine Zunge strich sanft und langsam über seine Lefzen. Er hatte es sowieso gewusst, das er nicht erwünscht war, weder von den Mitgliedern des Rudels hatte er es erwartet noch von seiner Schwester oder Nichte. Er war gegangen und es wär ihnen anscheinend lieber Gewesen wenn er auch fort geblieben wäre. Sein Blick glitt von Shani zu Sharíku, die nur ihren Fang klappern ließ und ein begrüßendes Lächeln auf ihren Lefzen, doch ihre Augen waren genau so wie die ihrer Mutter, freudlos. Sachte drehte der schwarze Hüne seine Ohren zur Seite und betrachtete die beiden Fähen eine kurze stille Minute, ehe er seinen Fang leicht öffnete die seine langen Mordwaffen preisgaben, doch seine Stimme war nicht so scharf wie zuvor.
„ Ich habe mir diese freudige Begrüßung erwartet. “
Das Herz des Rüdens verkrampfte sich leicht, doch Lunar konnte es erfolgreich ignorieren. Er hatte seine Schwester im Stich gelassen, da brauchte er doch nicht ernsthaft eine noch freudigere Begrüßung erwartet. Dieser Kosename, den Shani immer für ihn verwendete hallte noch immer in seiner Ohrmuschel wieder. Ruhig beobachtete der Hüne wie seine Nichte zu ihrer Mutter schlich, als würde diese einen Beistand brauchen. Seine Augen huschten in die Richtung aus der laute Stimmen kamen.
„ So wie es aussieht habe ich den falschen Moment erwischt um zurück zu kommen. “
Seine Stimme war eisig und doch ruhig, als er seine eisblauen Augen wieder auf ‘seine Familie‘ richtete.
[Nahe Rudelplatz – Shani & Sharíku]
24.10.2010, 16:59
Ráyon war zufrieden mit der Antwort, die er von Minyala bekommen hatte. Es beruhigte ihn ungemein, dass man ihn nicht für einen kaltblütigen Killer hielt, weil er Mitleid mit Tyraleen hatte. Die Tatsache, dass er locker mit den beiden fertig werden würde, egal, ob nun zu zweit oder allein, verschwieg er ihr. Ohnehin stand es gar nicht erst zur Debatte den beiden Jungwölfen etwas anzutun. Er, Ráyon, würde nie jemandem einfach so wehtun.
Mit einem letzten Blick über die Wolfsgruppe – irgendwie waren es mittlerweile erstaunlich wenig, oder irrte er sich da? - wandte er sich vom Platz ab und lenkte seine Schritte in Richtung des Sees. Er ging einfach mal davon aus, dass die beiden Jungwölfe ihm folgen würden.
Zunächst wollte er sich Minyalas Frage widmen, wer denn die Möglichkeit haben konnte, Tyraleen als Alphafähe zu bestrafen.
» Weißt du, Minyala, Tyraleen ist zwar die Alphafähe, aber auch nur, weil sie bisher noch keine Schwäche gezeigt hat. Gut, das kann ich nicht bewerten, immerhin bin ich erst seit heute hier, aber in anderen Rudeln ist das so: Die Alphawölfe haben einen so hohen Rang, weil das restliche Rudel glaubt, dass sie stark genug sind, um es zu leiten und durch die katastrophalste Krise zu führen. Jetzt, da Tyraleen in den Augen vieler Rudelmitglieder einen Fehler begangen hat, ist es möglich, dass das Rudel beschließt sie nicht mehr als Alphafähe anzuerkennen. «
Ráyons Blick war leer und hing in weiter ferne, als er den Kopf hob und über den See sah, der nichts als die grauen Wolken spiegelte, der den Sternenhimmel verdeckte. Das alles erinnerte ihn sehr an das Rudel, dem er auf seiner Reise begegnet war. Die Erinnerungen waren immer noch frisch, obwohl es schon so lange Zeit her war, dass er dieses Rudel gesehen hatte.
Mit einem Seufzen kehrte er zurück in die Gegenwart und ließ seinen Blick kurz über die Zwei kleineren streifen. Es war Zeit die Geschichte zu erzählen.
» Bevor ich hier, in diesem Tal angekommen bin, bin ich lange gewandert. Ich habe viele Täler und Berge gesehen, wanderte an scheinbar endlosen Flüssen entlang und erkundete die dunkelsten Wälder. Auf meinem Weg bin ich auch vielen Rudeln begegnet. Es waren viele verschiedene Rudel. Welche, die fremdartig erscheinen, manche, die durch und durch böse sind, andere, in denen die pure Harmonie herrschte. Ich möchte euch von einem... sehr eigenartigen Rudel erzählen.
Es ist schon einige Monde her, dass ich bei diesen Wölfen war, doch es erscheint mir, als würden all die Bilder von diesem wundersamen Treffen noch immer bei mir sein. Es waren Wölfe, wie es auch hier einige gibt, doch schien , als wären sie alle von diesem Virus befallen. Möglicherweise ist das Wort Virus falsch, doch ich weiß nicht, wie ich es anders bezeichnen sollte. Nun war ich also bei diesem Rudel, und mir fiel sofort diese Atmosphäre auf. Es war, als würde man von Hass und Zwiespalt erdrückt. Ich kündigte meine Ankunft an, und als ich das Heulen eines Wolfs vernahm, von dem ich glaubte, er sei der Alpharüde, betrat ich besagtes Revier. Auf meinem Weg zu der Stelle, an der ich den Alpha vermutete, traf ich viele Wölfe. Sie trugen den Geruch des Rudels, schienen aber doch nicht zu ihm zu gehören. Sie alle erschienen aggressiv und dominant, als wären sie selbst der Alpharüde. Oft verwirrten sie mich mit dem, was sie sagten, bis ich endlich auf den Rüden traf, der meiner Bitte geantwortet hatte.
Sein Name war Zeytan. Er war groß, vernarbt und sein Gesicht zeugte von Alter und Weisheit. Nur sein Verstand, die Worte, die er von sich gab, passten nicht zu diesem Gesicht. Er verhielt sich wie ein kleiner Welpe, der nur an sich selbst dachte. Obwohl er mich so freundlich, wie es ihm möglich war dazu einlud für ein paar tage zu bleiben, fühlte ich mich unwohl. Ein kalter Schatten, der von Anfang an über dem Revier gelegen hatte, griff immer wieder nach meinem Herzen. Dennoch; ich blieb, um die Gastfreundschaft nicht zu verachten. Und um ehrlich zu sein war ich auch sehr erschöpft und brauchte Ruhe. Da die Sonne mittlerweile schon hinter den Horizont gesunken war, entschloss ich mich mit Erlaubnis des vermeintlichen Alphas dazu in der Höhle Platz zu nehmen und zu ruhen. Diese Ruhe sollte allerdings nicht lange dauern...
Es war nur wenige Stunden her, dass ich mich niedergelassen hatte, als ein pochender Schmerz in meinem Nacken mich jaulend aufwachen ließ. Augenblicklich war ich hellwach, sprang auf und betrachtete den Übeltäter, der meinen Schlaf gestört hatte. Es war eine Fähe, groß, stark und außerordentlich hübsch. Das Einzige, das mich an ihr irritierte, waren die gefletschten Zähne und das dominante Auftreten. Sicherlich, ich hielt sie im ersten Moment für die Fähe des vermeintlichen Alpharüden, doch das hatte keine Logik in sich. Ich fragte sie, was das solle. Mit eiskalter Stimme erklärte sie mir, dass ich nicht befugt wäre in dieser Höhle zu liegen. Als ich erwiderte, dass der Alpharüde mir die Erlaubnis gegeben hätte, lachte sie. «
Ráyon machte eine Pause, in der er seinen Weg zum Seeufer bahnte. Es tat gut das kalte Wasser auf seiner Zunge zu spüren. Das sollte dabei helfen, weiter zu erzählen.
» Sie erklärte mir, dass es in diesem Rudel keinen Alphawolf gab. Zugegeben, ich konnte ihr anfangs nicht glauben. Das war doch paradox, oder irrte ich mich da? Es konnte doch kein Rudel geben, in den kein Alphawolf existierte. Als ich ihr meine Zweifel äußerte, beäugte sie mich seltsam. Sie schien nicht zu verstehen, was ich meinte. Stattdessen erklärte sie, dass hier jeder sein eigener Herr war, sein eigener Alphawolf.
Noch immer hatte ich meine Zweifel. Ich musste ihr die Frage stellen, was ihre Götter nur davon hielten, dass sie sich selbst als wichtig sahen, jeder für sich, ohne sich jemand anderem als ihrem Gott unterzuordnen. Ihre Antwort bestand zuerst nur aus einem Knurren. Beunruhigt schaute ich mich um, um sicherzugehen, dass es im Notfall einen Ausweg für mich gab, eine Möglichkeit zu entkommen, ohne von einem Dutzend wütender, dominanter Wölfe zerfleischt zu werden. Es gab glücklicherweise einen. Das Knurren der Fähe wurde langsam zu einem Grummeln, das Worte darstellen sollte, die ich nur schwer verstand. Es gab nur eine Tatsache, die sich letztendlich herauskristallisierte; Dieses Rudel glaubte, dass jeder sich selbst der wahre Gott ist. «
Kopfschüttelnd senkte Ráyon für einige Sekunden Selbigen. Die Erinnerung an die damalige Zeit war enorm, und es war eines jener Ereignisse, die man nie wieder vergessen würde. Zwar war ihm selbst nie etwas geschehen, doch die Vorstellung allein, dass man sich selbst für einen Gott halten konnte, schien gleichzeitig erbärmlich wie auch faszinierend. Es blieb für Ráyon nur zu hoffen, dass die beiden Jungwölfe sich von dieser Vorstellung nicht zu angezogen fühlten, und begannen sich selbst für Götter zu halten. Götter konnten so grausam sein, selbst wenn sie noch so sehr versuchten es allen Recht zu machen...
Den beiden galt ein prüfender Blick, ehe der Braune seine Geschichte weitererzählte.
» Ich konnte von Glück reden, dass ich nicht zerfleischt wurde. Fortan beachtete man mich nicht weiter, wenn doch, dann nur, um mich anzuknurren oder herumzukommandieren. Trotz dieser Demütigung ließ ich all das über mich ergehen. Nicht nur, weil ich die Ruhe, sofern man es so nennen konnte, brauchte, um weiterzureisen, sondern auch, weil mein Interesse an dieser eigenartigen Lebensweise geweckt war. Obwohl der... 'Glauben' dieser Wölfe eigenartig war, schaffte ich es mich mit der Fähe anzufreunden. Sicherlich war das keine einfache Freundschaft. Wer schafft es schon sich durchgehen sagen zu lassen, was richtig und was falsch ist, und dass man ohnehin ja nur eine niedere Kreatur wäre? Wie dem auch sei, ich schaffte es ihr Vertrauen zu gewinnen.
Nach einigen Tagen war die Nacht kühl und warm genug, um auf einem einsamen Hügel den wolkenlosen Sternenhimmel zu betrachten. Es war ruhig, nur einige Käuzchen riefen hier und da, und der Wind strich leise mit seinen Finger durch das Geäst der Bäume. Eine Weile lang war ich allein, doch dann gesellte sich die Fähe zu mir. Ihr Name war übrigens Rhaki. Sie präsentierte sich anders als sonst. Nicht so... dominant und rechthaberisch. Eher müde und erschöpft. Und auf eine traurige Art niedergeschlagen. Anfangs wehrte sie ab, als ich fragte, was mit ihr sei, doch letztendlich erzählte sie mir alles... «
Wieder unterbrach sich Ráyon. Sie waren mittlerweile ein ganzes Stück vom Rudelplatz entfernt. Für den Bruchteil einer Sekunde ließ der Mond sich zwischen zwei Wolkenfronten blicken, ehe er von diesen wieder verschlungen wurde. Sein Antlitz spiegelte sich im Wasser, bevor es verschwand.
Der Rüde war plötzlich von eben dieser Traurigkeit erfasst, die Rhaki damals verspürt hatte. Er erinnerte sich genau an das, was sie gesagt hatte und mit einem Blick zum wolkenverhangenen Himmel begann er sie zu zitieren.
» „Ráyon“, begann sie. „Dieses Rudel war nicht immer so hasserfüllt und gottlos, wie du es nun kennengelernt hast. Einstmals waren auch wie stolze und glückliche Wölfe, die viel wert auf den Zusammenhalt gelegt hatten. Unsere Götter waren Fenris und Engaya, die auch du kennst und verehrst. Sie haben uns verlassen, weil unser Schicksal andere Pläne mit uns hatte...
Granú, der damalige Alpharüde und ein Anhänger Fenris, hat seine Fähe getötet. Er liebte sie, mehr als alles andere auf dieser Welt und niemand kann bis heute sagen, aus welchem Grund er diese Schandtat begangen hat. Nach ihrem Tod sprach er kaum noch, sprach nicht mehr zu den Göttern, nicht zu seinem Rudel. Man sah ihn oft allein auf diesem Hügel liegen, so wie wir es jetzt tun. Es dauerte keine drei Monde, bis er spurlos verschwand. Keiner wagte die Frage auszusprechen, wohin unser Alpharüde gegangen war und so begann das, was du heute hier siehst. Jeder Wolf dieses Rudels lebte für sich allein, grenzte sich von den anderen ab und wollte nicht mit jemandem reden. Nach wenigen Tagen würde Granús Leiche gefunden. Zerrissen und mit vielen gebrochenen Knochen lag er am Fuße der Gebirgskette. Es brauchte keine Worte um zu wissen, dass er sich das Leben genommen hatte, weil er mit seiner Schuld nicht leben konnte...
Unter uns im damaligen Rudel war ein Rüde, der von Grund auf etwas anders dachte, als die anderen. Doch so anders er doch dachte, schaffte er es oft den Rest zu manipulieren und von seiner eigenen Meinung zu überzeugen. Er war ein Ketzer. Eines Tages rief er uns alle zu sich. Er verkündete, dass die Götter unser Revier verlassen hätten und von nun an nicht mehr unter uns Weilen würden. Er, Fyakre, würde jedoch nicht zulassen, dass dieses Rudel wegen den Göttern untergehe. Von einem Tag auf den Nächsten hatten sich alle Wölfe verändert. Niemand wusste, was tatsächlich geschehen war, aber es wagte auch niemand darüber zu sprechen. Schon zuvor hatte jeder für sich selbst gelebt, doch nun spitze sich die Situation zu. Jeder war sich selbst der Liebste und glaubte immer Recht zu haben. Es kommt dem nahe, das du hier kennengelernt hast. Jeder fügte sich diesem Schicksal, niemand fragte. Bald ernannten wir uns selbst zu den Göttern, weil unsere Alten uns verlassen hatten.“
Die traurige Geschichte hatte mich in ihren unglaublichen Bann gezogen. Immer wieder krochen mir Schauer über den Rücken, bei dem Gedanken an so ein unschönes Leben voller Hass, Missgunst und Gottkomplexen.
„Ráyon, bitte versprich mir etwas.“, setzte sie nach Minuten des Schweigens wieder an. „Egal, wohin dich dein Weg führt, egal wie blutig und schlecht der Weg ist, den du gehst, glaub an deine Götter, denn sie sind das Einzige, was bleibt, wenn du allein gelassen wirst.“ Mit diesen Worten stand sie auf und ging. Ich war zu gefesselt von dem, was ich gehört hatte um ihr zu folgen. Am nächsten Tag war sie verschwunden. Niemand konnte, oder wollte mir sagen, wohin Rhaki gegangen war. Die Gastfreundlichkeit nahm ab und ich sah mich gezwungen dieses Revier zu verlassen. Ihre Worte folgen mir bis heute und sie haben mir vieles klar gemacht.
Es wird immer Ketzer geben, Wölfe, die durch und durch den Göttern abgeneigt sind. Doch nur diejenige, die ihnen folgen, sind dafür verantwortlich, dass sie schlecht werden und ihre Seele sich schwarz färbt... «
Mit diesen Worten beendete Ráyon seine Geschichte. Es gab noch vieles, was er hätte sagen können. Das er auch Rhakis Leiche bald fand und wie er versuchte ihren leblosen Körper den Göttern anzuvertrauen, auf dass sie in Frieden bei Fenris ruhen konnte, doch das wäre zu viel gewesen. Es war schon schwer genug das zu begreifen, was in der Geschichte steckte, die Ráyon erzählt hatte.
24.10.2010, 20:06
Als Volk von Rentieren sprach schaute Lyerra fragend. Gab es hier welche? In ihrer alten Heimat hatte es sie gegeben, aber hier hatte sie noch nie eines gesehen.
„Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob es hier überhaupt Rentiere gibt. Ich habe bis jetzt noch nie welche gesehen…“
Erklärte sie. Dann sah sie Volk Zubami lachend an als er sich geschüttelt hatte und sein Fell in alle Richtungen abstand.
‚Regenrein? Ah ja..’
„Kein Problem, du kannst ja nichts dafür. Nach einem schönen Lauf wird dein Fell wohl wieder normal sein“
Sagte die weiße Fähe freundlich. Sie hörte Volks Unsicherheit, wusste nicht genau warum er unsicher war, beließ es aber dabei. Es wäre doch irgendwie unfreundlich, einen starken Rüden auf seine Schwächen hinzu weisen, oder? Vermutlich wusste er selbst nicht genau warum er unsicher war, dann wollte sie jetzt nicht als nervende Fragentante erscheinen und ihn vertreiben.
Also setzte sie sich langsam in Bewegung um zu Volk Zubamis Spur zurück zu kehren. Sie drehte sich zu dem schwarzen Rüden und sah seine verspielt, freundlich angehobene Pfote, lachte leise.
Volk Zubami war ein wenig wie sie selbst es war, bevor ihr geliebter Gefährte starb, freundlich, manchmal verspielt und eigentlich immer lachend, vielleicht ein wenig tollpatschig, aber so war er bis jetzt noch nicht rübergekommen.
Langsam schüttelte sie den feuchten Kopf und einige Wassertropfen folgen umher. Es war doch verrückt, dass man in einem Rudel Wölfe finden konnte, die einem in allen Lebenslagen halfen. Shariku, als sie eine Freundin brauchte, Ethelion um ihr ewig in Erinnerung bleibende Momente zu verschaffen und ihr zu zeigen was wahre Liebe ist und nun Volk Zubami, der sie tröstete, mit dem sie lachen konnte.
‚Warum musste Ethelion eigentlich sterben? Soll ich jetzt sterben? Ohne Welpen? Oder soll ich noch jemanden treffen?’
Etwas überrumpelt von ihren Fragen, die wohl sonst niemand anderen zu interessieren schienen, schüttelte die weiße Fähe abermals ihren Kopf und brummte leise vor sich hin.
Leise, ohne in dem Wald auch nur eineinziges Geräusch zu verursachen, schlich sie einige Schritte, wartete auf den schwarzen Rüden, der mit der Nacht zu verschmelzen schien.
Angestrengt blickte sie zurück, konnte den Rüden aber nicht entdecken. Vielleicht stand er noch hinter einem Baum oder sie schaute einfach in die falsche Richtung.
Ärgerlich stieß sie einen Seufzer aus und wartete auf Volk Zubami.
[im Wald l Volk Zubami]
26.10.2010, 21:36
Sharíkus Reaktion auf Shanis knappe Schilderung der Situation im Rudel, fiel in etwa so aus, wie die Weiße es erwartet hatte. Traurigkeit schlich sich in die Augen ihrer Tochter, alle Zeichen des Spiels fielen von ihrem Körper ab, als wären sie trockene Herbstblätter. Ein wenig hilflos berührte Shani die Graue an der Schnauze, betrachtete dann die Gesten Sharíkus und nickte, als hätte sie wirklich verstanden, was ihre Tochter ihr sagen wollte. Sanft leckte sie ihr über die Ohren und strich dann mit der Nase über ihre Augen, tröstend und doch ohne wirklich sagen zu können, was in der Grauen vorging. Wie schwer traf sie der Verlust eines ihr praktisch unbekannten Cousins? Wie schwer, dass ein Rudel und eine Familie, deren Teil sie nie wirklich gewesen war, zerbrach? Vielleicht war auch für Sharíku das schlimmste, dass ihre Mutter und ihre Geschwister darunter zu leiden hatten.
“Aber wir haben noch uns, Sharí. Du und ich und deine Geschwister, wir sind für einander da. Sie werden sich sehr freuen, dich wieder zu sehen.“
Ein schwaches Lächeln wollte sich auf ihr Gesicht stehlen, doch es verlor den Kampf gegen die Traurigkeit. Es spielte keine Rolle mehr, weder würde es die Fröhlichkeit der Ankunft Sharíkus zurückholen, noch die Gedanken bei ihrer Familie halten. Denn Lunar war wieder da. Auch Shanis Tochter hatte ihn nun bemerkt, doch ebenso wie ihre Mutter schien sie ihn nicht fröhlich begrüßen zu wollen. Vielleicht war auch sie von seiner Art plötzlich vor ihnen zu stehen verwundert und enttäuscht? Vielleicht hatte auch er sie im Stich gelassen, irgendwann und irgendwo, wo es Shani nicht mitbekommen hatte? Die Reaktion Sharís viel sogar noch ein wenig kälter aus, sie schlich zu ihrer Mutter, vergrub ihren Kopf im weichen Nackenpelz Shanis und schien Lunar nicht sehen zu wollen. Liebevoll und behütend, fast so, als müsse sie ihre Tochter vor ihrem Bruder schützen, fuhr Shanis Zunge über den grauen Pelz Sharíkus. Ihr Blick lag weiterhin auf Lunar, zurückgezogen, abgekapselt. Der Schwarze beobachtete sie und ihre Tochter genau, schien jede Geste wahrzunehmen und in sich aufzusaugen wie ein schwarzes Loch. Kalt und abweisend war sein Blick, ohne jenen beschützenden Luuu~ preiszugeben, der doch früher und auch damals, als er zurückgekehrt war, in ihm gelegen hatte. Seine Stimme klang wie der kalte Wind aus dem Norden.
“Dann hast du sie also mit Absicht provoziert, Luuu~. So wie damals, als du mich verjagt hast.“
Kaum ausgesprochen, war Shani über ihre eigenen Worte entsetzt. Sie hatte ihm nichts vorwerfen wollen und einen Streit wollte sie erst Recht nicht anzetteln. Nur diese bittere, brennende Enttäuschung lag wie ein ganzer Berg voll Steine in ihrem Magen und wollte nach oben, raus aus ihr. Ihre Kiefer pressten sich aufeinander. Schützend legte die den Kopf über Sharíkus Rücken auf ihre Schulter, schien sie vor dem Blick Lunars verbergen zu wollen. Wo war ihr Luuu~?
[ nahe des Rudelplatzes | Sharíku und Lunar ]
27.10.2010, 00:03
Die ganze Zeit über waren sie weiter gelaufen. Er hatte mit ihr gesprochen. Hatte seine Gedanken geschildert, das Geschehen welches sie verpasst hatte. Glücklicherweise mutmaßte sie. Auch wenn er nur knapp beschrieb, was vorgefallen war, konnte sie sich ausmalen, was für ein grausames Bild er vor Augen haben musste, wenn er darüber sprach. Trotzdem gab es eine kleine Stimme in ihr, die es gut gefunden hätte, wenn sie anwesend gewesen wäre. Sie hätte noch ein wenig mehr Schmerz und Leid mit ihm teilen können, als sie es jetzt vermochte.
Innerhalb dieser kurzen Zeit des laufens waren mehr Worte aus seinem Fang gekommen, als sie ihn je auf einmal hatte sprechen hören. Aber er war auch sehr verstört. Das war wohl nur verständlich in einer Situation wie der, in der er sich nun wiederfinden musste.
So richtig konnte sie sich dazu auch nicht äußern, welche Worte waren schon die Richtigen um einen Freund zu trösten, der soeben ein weiteres Familienmitglied verloren hatte. Es war ja nicht so, als ob sie beide sich nicht mit Verlust auskennen würden. Aber irgendwann gingen einem die Worte aus, irgendwann gab es einfach keine Worte mehr um das weitere Schicksal zu beschreiben. Irgendwann musste auch mal gut sein mit dem ganzen Sterben.
Sie kam zu dem Entschluss, dass sie sich dazu nicht äußern musste. Er würde ihre Anteilsnahme spüren. Er würde wissen, dass sie ihm zuhörte, auch wenn sie nicht antwortete. Er konnte immer auf sie zählen.
Vor ihren Augen tauchten Bilder auf. Bilder von einem jungen Wolf, der es genießen konnte einfach alleine zu sein. Der die kleinen Dinge im Leben zu schätzen wusste. Liel selbst hatte durch ihre Mutter mit die beste Lehrerin gehabt um eben dies zu erlernen. Und sie fühlte sich sofort ein wenig mehr mit dem toten Tascurio verbunden.
Außerdem fand sie es wunderbar wie Chanuka ihr von ihm erzählte. Obwohl sie den Toten kaum gekannt hatte, hatte sie nun das Gefühl ihn doch gekannt zu haben. Was ein Widerspruch. Doch Chanuka hatte seine Worte so präzise formuliert und ihr wirklich vermittelt, was für ein Wolf Tascurio gewesen war. Das konnte nicht jeder, vor allem nicht in einer solchen Situation.
Als Chanuka stehen blieb um seine Nase in ihrem Fell zu versenken, blickte sie nur kurz um sich. So ganz genau wusste sie nicht, wo sie gelandet waren. Diesen Teil des Reviers hatte sie selber noch nicht betreten, doch die Atmosphäre erschien ihr ein wenig unheimlich. Aber vielleicht kam das auch nur durch die anwesende Trauer.
„Und dabei dachte ich anfangs, Erwachsene würden keine Fehler machen. Sie erschienen mir immer so weise und vernünftig“
Ihre Worte kamen leise aus ihrem Fang, sie wurden eher in Chanukas Fell genuschelt, da sie ihre Schnauze kurz nach seiner Berührung auf seinem Nacken platziert hatte.
Ehrlich gesagt konnte sie sich nicht vorstellen, dass seine Befürchtungen wahr werden würden und dass Tyraleen und Averic sich so unreif verhalten würden. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Eltern, auch wenn sie sich trennten, ihre Kinder so beeinflussen würden. Allerdings hatte sie sich auch nicht vorstellen können, dass so viele Todesfälle innerhalb einer kurzen Zeit und in einer Familie geschehen würden. Und sie hatte auch noch nicht direkt mitbekommen, dass zwei Wölfe sich trennten. Außer durch den Tod. Oder durch den Fortzug des einen Gefährten. Und dazu kam dann noch, dass sie nicht einmal von einer Mutter gehört hatte, die ihren Welpen getötet hatte.
Ihr wurde bewusst, wie wenig sie über das richtige Leben eigentlich wusste. Obwohl ihr selber schon so viel widerfahren war, hatte sie eigentlich keinen blassen Schimmer, was in der Welt alles vor sich ging.
„Ich wünsche es dir, dass die beiden sich dir und auch sich selbst gegenüber fair verhalten. Ich glaube nicht, dass sie dich versuchen auf eine Seite zu ziehen oder, dass einer von beiden sauer ist, wenn du mit dem anderen sprichst.
Aber ich bin noch immer viel zu gutgläubig. Das Leben hat mir, uns, schon so viele Schattenseiten gezeigt und noch immer versuche ich das Gute zu sehen. Vielleicht versuche ich dies bereits krankhaft. Ich weiß es nicht. Es ist auf jeden Fall idiotisch. Vielleicht machen meine Brüder doch mehr richtig als ich.“
Auch sie war ein wenig verzweifelt. Trotzdem lächelte sie leicht. Einfach, weil sie wusste, dass sie Chanuka hatte. Für immer.
[Irgendwo im Revier. Chanuka]
29.10.2010, 14:07
Minyala trabte brav hinter Ráyon her und fragte sich, was in Calebs Kopf wohl vorging. Er kam genauso artig mit wie sie selbst und ließ auch keines seiner seltsamen Wörter mehr verlauten, trotzdem war es untypisch, dass er nun so komplett schwieg. Und ohne ein Wort mit einem ein wenig schrägen Rüden mitging, der ihnen etwas über die Götter erzählen wollte. Sie stupste ihn gegen sein rechtes Ohr und rempelte ihn sachte mit der Schulter an.
“Alles klar bei dir?“
Sie sprach leise, sodass Ráyon, der ein wenig vorausging, sie wohl nicht gehört hatte. Nicht, dass er nicht mitbekommen dürfte, dass Minyala sich Sorgen über ihr schweigsames Werwölfchen machte, aber Calebs Antwort könnte vielleicht weniger hörenswert werden. Deshalb war leise reden sicher ein Vorteil. Sie erreichten den See, der noch immer ein wenig ungemütlich vor sich hinschwappte und sich sichtlich noch nicht von dem plötzlichen Sturm und dessen ebenso plötzlichem Ende erholt hatte. Ein wenig abseits vom Ufer, sodass auch eine stärkere Welle sie dennoch nicht erreichen würde, ließ sich die Weiße auf ihr Hinterteil fallen und betrachtete den braunen Rüden, der nun erstmal ihre Frage beantwortete und dabei ziemlich abwesend in den Himmel starrte. Minyala hatte das sichere Gefühl, dass ihm andere Gesellschaft besser tun würde – aber er hatte ja sie gebeten mitzukommen, nicht andersherum.
“Naja, mega Bestrafung würde ich das aber dann nicht nennen. Keine Alphafähe mehr zu sein … klingt jetzt nicht wirklich schrecklich. Aber wer wird es denn dann? Ich kenne ja kaum jemanden, aber so wirklich leitende Persönlichkeiten sind mir noch nicht über den Weg gelaufen. Vielleicht beißen die sich auch selbst ins Bein, wenn sie Tyraleen nun absetzen.“
So viel zur jungwölfischen Einschätzung zum Leitwolfdasein und –eignung. Minyala selbst war nicht der Typ zum leitwölfeln, nicht ernsthaft genug, viel zu offen und geschwätzig und große Verantwortung wollte sie auch nicht haben. Caleb reichte ihr da eigentlich schon vollkommen. Sicher, so etwas wie Welpenhaben klang ganz gut und von jedem ehrfürchtig angesehen zu werden, fühlte sich mit Sicherheit auch nicht schlecht an, aber das war es trotzdem nicht wert. Ihre Gedanken zu diesem Thema wurden jedoch von Ráyon unterbrochen, der nun begann, seine angekündigte Geschichte zu erzählen. Mit einem entspannten Gesichtsausdruck und ausnahmsweise mal still lauschte die Weiße der angenehmen Stimme des Rüden. Es war eine lange Geschichte und zwischendrin machte Ráyon immer wieder schwermütige Pausen, ganz offensichtlich gefangen in seinen Erinnerungen. Auch die Geschichte an sich war ziemlich schwermütig, voll von Bedeutung und irgendwie auch ein bisschen verrückt. Sie gefiel Minyala. Nur die Lehre, die Ráyon ihnen wohl hatte vermitteln wollen, nahm sie nicht ganz so frohmütig an. Nicht jeder, der nicht an Götter glaubte, wurde zu so einem irren Pseudogott. Und auch ohne Götter ließ es sich ganz gut leben, solange man kein Schwächling war und sich von jedem kleinen Problem unterkriegen ließ. Sie wippte leicht mit der geknickten Rute, legte den Kopf schief und schielte noch kurz warnend zu Caleb. Er sollte nicht auf die Idee kommen, irgendetwas Unsensibles zu sagen.
“Eine schöne Geschichte, ich hätte dieses Rudel auch ganz gerne kennengelernt. Ein wenig verrückt waren die auch. Ein bisschen so wie hier. Aber ich denke nicht, falls du dir darüber Gedanken machst, dass etwas Ähnliches hier passieren könnte. Denn auch wenn die Götter die Wölfe hier zu schrecklichen Taten treiben, machen sie den Göttern keine Vorwürfe, sondern nur sich selbst. Ich meine, das ist ja auch richtig so, weil Götter nun mal eher zweifelhaft sind, aber von einem Götterverlassenen Tal kann man ja nicht gerade sprechen.“
Sie machte eine kurze Nachdenkpause, in der sich ihre Stirn leicht krauste.
“Aber auch ohne Götter kann man gut leben. Ich glaube nicht, dass da irgendjemand ist, der die Welt erschaffen hat und alles lenkt, das braucht es gar nicht. Alles begann nämlich mit dem Urknall, da ist das Univer…“
Ein wenig wie ein ertappter Welpe unterbrach sie sich und hätte sich am liebsten selbst gegen den Kopf gedatscht. Wölfe wussten nicht, was der Urknall war und über das Universum hatte ihnen auch noch nie jemand was erzählt. Sie sollte besser aufpassen, wie viel Wissen, das sie von ihrem Papa bekommen hatte, im Rudel herumerzählte. Sonst würde sie nicht nur für eine totale Spinnerin gehalten werden, sondern obendrein auch noch Dinge erzählen, die einfach nicht in einen normalen Wolfskopf reingehörten. Ihr Papa hatte sie davor gewarnt, all zu offen mit dem umzugehen, was er ihr erzählte.
“Ist ja auch egal, ich meine einfach nur, dass nicht jeder Götter braucht und als Gläubiger sollte man akzeptieren, wenn andere ohne Glauben glücklich sind. So wie man ohne Glauben akzeptieren muss, dass jemand mit Glauben glücklich ist. So.“
Sie grinste schief und war froh, wieder die Kurve bekommen zu haben. Wieder huschte ihr Blick zu Caleb, ob er darüber nachdachte, was Wölfe wohl so wussten und was nicht? Er war ein Mensch, er musste von der Sache mit dem Urknall, den vielen Planten und Sonnen, der Gravitation, den schwarzen Löchern und so weiter wissen. Vielleicht sogar mehr als sie, ihr Papa war ja auch kein Weltraumspezialist gewesen, auch wenn Minyala das Thema wahnsinnig spannend gefunden und immer wieder nachgebohrt hatte. Wie war das mit der Relativitätstheorie noch mal? Sie würde Caleb fragen, wenn sie alleine waren. Erfreut begann ihre Rute zu wackeln.
[ am See // Ráyon und Caleb ]
29.10.2010, 14:58
Brav und artig hinter Minyala und diesem Ráyon herzutraben war auch das klügste, dass er machen konnte. Ohja. Es war sicherlich klüger als sich nicht darauf zu konzentrieren, ganz ruhig zu atmen und sich auf seinen wölfischen Körper zu besinnen, damit dieser auch wölfisch blieb. Seine Ohren hatten sich ganz von selbst langsam nach hinten gefaltet, und nur am Rande bekam er mit, dass Minyala und der andere Wolf sich noch immer unterhielten. Dafür spürte er ganz deutlich das Kribbeln in seinen Pfoten. war es schon höher gekrochen oder nicht? Es ging jedenfalls nicht so einfach wieder weg. Es war wie mit dem Niesen: in einem frühen Stadium konnte man das Niesen recht leicht verhindern, aber wenn ein gewisser Grad an Kribbelintensität erreicht wurde, war es ganz schwer, dem nicht nachzugeben. Caleb wusste nicht, wie weit er noch von der Schwelle entfernt war, an er sein Körper nicht mehr auf seinen Kopf hören würde, aber er hatte auch keine Lust, das jetzt auszutesten.
Der sachte Rempler an seiner Schulter war da nicht unbedingt das, was ihm half, die Verwandlung zu unterdrücken. Caleb biss die Zähne aufeinander und schüttelte nur den Kopf, den Blick starr auf seine Vorderpfoten gerichtet. Nein, es war nicht alles klar. Ganz und gar nicht.
Beinahe wäre er dann in Ráyon hineingelaufen, als dieser inne hielt und sich setzte. Caleb sah sich flüchtig um. Sie waren am See, der Rest des Rudels kaum mehr zu sehen. Sofern man den kleinen Haufen, der sich noch auf diesem sogenannten Rudelplatz befand, denn als 'Rudel' gezählt werden konnte. Er setzte sich nicht direkt neben Ráyon und Minya, sondern hielt etwas Abstand und ließ seine kribbelnden Pfoten dafür vom kalten Seewasser umspülen. Die Kälte tat gut, sie betäubte seine Pfoten. Fast könnte man vergessen, dass sie kribbelten. Derweil hatte der andere Wolf mit seiner Geschichte begonnen. Caleb hörte anfangs nur flüchtig zu, dann aber mit steigendem Interesse. Ein Rudel, das nicht als Rudel lebte, sondern jeder für sich mit sich selbst als seinem Herren? Das klang doch ziemlcih menschlich... zumindest, was einen großen Teil der Menschen betraf. Dem entgegen stand der andere große Teil, der einen oder auch meherer Götter verehrte und in deren Namen Verbrechen beging. Ha, und so schloss sich der Kreis. Aber welchses Leben war nun besser? Oder, was für die meisten Menschen wichtiger war: Welches Leben war richtig? Für seinen Vater war man ohne den Glauben nichts - ein Tier.... Caleb schloss die Augen. Jahwe hatte ihm bewiesen, dass Er existierte. Er hatte ihn zu einem Tier gemacht, gemäß den Worten seines Vaters. Er hatte ihn verflucht, bestraft für seinen Unglauben. Und trotzdem hatte er ein Problem damit, seinen Gott zu verehren. Seine Freunde waren größtenteils Atheisten gewesen. Warum hatte Jahwe nicht sie auch bestraft? Warum gab es so viele Ungläubige, wenn Gott die Macht hatte, sie alle zu bestrafen und ihnen seine Macht, seine Existenz zu beweisen? Wenn nach dem Tod Himmel oder Hölle auf einen warteten, wieso sollte man sich dann nicht für die Hölle entscheiden dürfen?
Minyalas Worte ließen ihn schließlich den Kopf umwenden. Für einen Moment sah er sie unglaubig an, dann erinnerte er sich daran, was sie ihm über ihren vater erzählt hatte. Insofern war es nicht verwunderlich, wenn sie dieses Wissen besaß. Das war auch noch so eine Sache: die Wissenschaft. Die Kirche lief seit Jahrhunderten Sturm gegen die Wissenschaft, aber hatte Jahwe sich auch nur einmal gezeigt, um Seinen Anhängern beizustehen? Wie egal musste Ihm sein, wieviele an Ihn glaubten udn wieviele nicht? Und wofür, zur Hölle nochmal, wurde er dann eigentlich bestraft?!
"Da, wo ich herkomme, leben viele ohne einen Gott",
hörte er sich sagen, während seine Augen schon wieder zu seinen Pfoten gewandert waren. Minyalas warnenden Blick hatte er völlig übersehen.
"Sie glauben die Wissenschaft... ähm, ich meine, die Naturgesetze. Zu Glauben ist nicht das gleiche wie einen Gott zu verehren oder sich nach seinen Regeln zu richten."
Warum nur ließ ihn Jahwe nicht glauben, was er wollte?
[See | Ráyon, Minyala]
29.10.2010, 15:07
Atalyas Augen ruhten sanft auf Madoc, so vergingen einige stille Momente. Sie zuckte jedoch leicht zusammen, als Avendal sich mit einer schnellen Bewegung von ihr entfernte. Die Graue legte leicht die Ohren zurück, musterte ihre weiße Schwester, die nun in die andere Richtung blickte. Zuerst wußte sie nicht, wie sie sich verhalten sollte, in solch einer Situation. Hatte sie nun etwas falsches gesagt? Oder wieso wandte sich ihre Schwester auf einmal von ihr ab? Ihr Kopf neigte sich leicht zur Seite, dann wandte sie ihn herum, blickte wieder Madoc an, der als nächstes seine Stimme erhob. Er hatte ihr zugenickt, bevor er den Fang geöffnet hatte. Nun konnten sie beide seinen Worten lauschen. Kaum war seine Stimme verstummt, drangen die leisen Worte ihrer Schwester an ihre Ohren und entlockten ihr ein leises Seufzen. Kurz schüttelte sie den Kopf, beobachtete dann, wie Avendal sich auf die Läufe mühte, und sich von ihnen fort bewegte. Die Graue schloß langsam die Augen, atmete dann einmal tief durch. Als sie die hellen Seelenspiegel wieder aufschlug, konnte sie erkennen, dass ihre Schwester sich ein wenig von ihnen entfernt hatte fallen lassen. Die dunkle Fähe war hin und her gerissen. Wollte Avendal, dass sie ihr folgte? Oder sollte sie weg bleiben? Hilfesuchend ruhte ihr Blick wieder auf dem weißen Rüden, als wenn er auch für dieses Problem eine Lösung hätte. Erneut verließ ein Seufzen die Kehle der Grauen, ehe auch sie sich langsam vor bewegte. Ihre Schritte hielten auf Madoc zu.
Mit wenigen Schritten war sie bei ihrem Freund, blickte ihn einen Moment stumm an, und neigte dann den Kopf zu seinem Nacken. Mit einer ruhigen Bewegungen versteckte sie ihr Gesicht in seinem Fell, als wenn so alles Leid der Welt nicht zu ihr vordringen konnte. Einen Moment Schutz, Geborgenheit. Einen winzigen Moment die Dinge vergessen, die in den letzten Minuten auf sie eingeschlagen hatten. Wieder schloß Atalya die Augen, spürte die Tränen, die langsam in ihre Augen traten und dann über ihre Wange hinab ins Madoc Pelz rannen.
“Ich wünschte, es wäre nie so passiert.. Es hätte sie nie so weit kommen dürfen..“
[Wald - Madoc, in der Nähe Avendal]
29.10.2010, 16:20
Face Taihéiyo blieb ruhig und schützend neben seinem Patenkind stehen, als wolle er nie mehr von ihrer Seite weichen. Zwar konnte er weder gutheißen, noch verurteilen, was Tyraleen getan hatte, für sie da sein wollte er aber trotzdem. Manchmal gab es Situationen im Leben, die man zu keiner Einigung bringen konnte. Manchmal gab es Geschehnisse, denen man weder Gut, noch Böse zuordnen konnte. Die Welt war nicht schwarzweiß, sondern wahrlich nuancenreich. Es half weder zu klagen, noch zu wüten. Man musste lernen damit umzugehen und akzeptieren. Nach dieser Denkweise war das ganze Leben des Tiefschwarzen verlaufen. Er hatte es nie beklagt, noch gegen andere gewütet. Er hatte den Hass seines Vater, ohne ihn zu verstehen, hingenommen und ebenso den Tod seines besten Freundes. Auch wenn dies eine viel längere Zeit gedauert hatte. Face hatte akzeptiert, wie das Leben und auch der Tod mit ihm spielten. Denn etwas anderes konnte man nicht tun – es half nichts. Zwar fehlten ihm viele andere Nuancen, die eigentlich jeder Wolf besaß, aber auch damit konnte er zurechtkommen.
Sheena wurde nur mit einem kurzen Blick bedacht. Das ihr seine Worte nicht gefielen konnte er ihrem Brummeln abnehmen, wirklich scheren tat ihn das trotzdem nicht. Auch mit Kritik musste sich ein Wolf abfinden können. Er kannte die Weiße kaum, obwohl sie schon damals, als er hier her kam, als kleiner Welpe dem Rudel angehört hatte. Ihr Gemüt war allerdings nie mit dem von Banshee, Tyraleen, oder der jungen Rakshee vergleichbar gewesen, obwohl sie auch Priesterin geworden war. Ihm war ein zu hitziges, unfreundliches Wesen noch in Erinnerung, dass Banshee damals gestoppt hatte, indem sie ihr das Sprechen verbat. Spuren davon schienen noch übrig zu sein. Die saphirblauen Augen verengten sich kurz, als Sheena annahm, man könnte Tyraleen als Feigling bezeichnen, wenn sie jetzt ging. Da sie das einfach so sagte, schien wohl auch sie es teilweise zu denken. Ein unnötiger Kommentar, wie er fand. Tyraleen hatte massenweise widerliche und wütende Worte über sich ergehen lassen, war standhaft geblieben, während im Gegenteil andere in ihrer Wut nahezu vom Rudelplatz geflohen waren. Face überging Sheenas Worte also mit einem Schweigen und ließ den Blick über den Rudelplatz schweifen. Die Versammlung hatte sich wieder ziemlich zerstreut. Eigentlich konnte er direkt nur noch Jakash und Chardím ausmachen. Beide hatten sich an dem Gewüte von eben nicht beteiligt, sie schienen nur sehr traurig zu sein. Der schwarzweiße Sohn Tyraleens verhielt sich damit deutlich anders, als dessen Geschwister. Weiter hinten konnte er die Schemen von Rakshee und Turién ausmachen, Liam und eine andere Jungwölfin schienen jetzt erst hinzu zu stoßen.
Tyraleen wollte sich zurück ziehen; was sollte er tun? Sehr gerne würde er sie begleiten, andererseits waren da auch schon Sheena und seltsamer Weise Malakím, die diesen Part so selbstlos übernehmen wollten. War es klug, den Rest des Rudels jetzt ganz sich selbst zu überlassen? Konnten sie sich darauf verlassen, dass es nicht an anderer Stelle Streitigkeiten geben würde? Face wandte sich wieder zu seinem Patenkind um.
„Wenn du es wünschst, komme ich mit dir ... Allerdings weiß ich nicht, wie ratsam es ist, das Rudel jetzt ganz sich selbst zu überlassen ...
Er hatte Banshee einst versprochen für Tyraleen da zu sein, ihr in jeder Situation zur Seite zu stehen und ihr den Rücken zu stärken. Doch auf der anderen Seite war er in gewisser Weise der einzige, verbliebene Wolf mit hohem Rang und trug eine große Verantwortung für das Rudel. Sein Patenkind hatte sich auf dem Weg zur Rudelspitze bisher gut gemacht, doch mit dem Heutigen Tag – man konnte es nicht anders sagen – hatte sie sich selbst ins Bein geschossen.
[ Rudelplatz | direkt neben Tyraleen, dann Sheena & Malakím ]
30.10.2010, 14:48
Nerúi hatte Caylees Blick aufgefangen als er zu ihr hinauf fand. Ihre Augen waren genauso voller Trauer wie Caylees, aber sie wollte doch stark sein, stark und groß. Sie musste doch auf Caylee aufpassen. Mit einer sanften Geste drückte sie ihre Nase gegen Caylees Gesicht, strich mit der Wange an Caylees entlang.
Den Worte der Weißen hatte sie jedoch nichts entgegen zu setzen, und schluchzend drückte sich wieder an sie, sammelte Kraft unter all der Verzweiflung an, mit jeder Träne etwas mehr.
"Vielleicht...vielleicht haben sie gar nicht damit aufgehört...und sind nur böse auf einander?"
Versuchte sie sich an einer zaghaften Erklärung, gestützt
allein von ihrer Hoffnung. Nerúis Augen folgten den Worten von Caylee und Aszrem, und als ihr Vater das Versprechen von ihnen forderte, war sie völlig ernst. Mit einem Beben straffte sie ihren Körper und strich Caylee mit der Nase am Gesicht entlang, sah kurz zu Aszrem auf, und dann wieder zu ihrer Schwester. Tränen begleiteten ihre Worte, aber ihre Stimme hielt ihnen stand ohne zu brechen.
"Ich verspreche dir dass du immer meine Schwester sein wirst. Ich werde auf dich aufpassen, dann kann dir nichts geschehen."
Ihre Stimme war leise gewesen, aber klar zu verstehen. Ihre eigenen worte hatten ihr Hoffnung gegeben, und sie streckte den Kopf wieder in Caylees Fell, als könnte sie sich darin verbergen und der Welt ein Stück weit entkommen. Und sie konnte es, denn in der Wärme ihrer Schwester war sie sicher vor jedem Sturm.
Nerúi erhob sich auf Papa Aszrems Aufforderung hin, und zupfte sanft an Caylees Halsfell, wie um sie zu dem Gang einzuladen. Ihr Blick fand über Caylee herüber zum Rudel zurück, aber sie konnte nichts erkennen, als dem Getummel dem sie hatte entkommen wollen. Sie musste hier weg, und sie musste aufpassen dass die ganze Wut, die sich dort drüben mit all den aneren Gefühlen vermengte, nicht überschwappte und zu ihnen drang. Für heute hatte sie genug gekämpft. Und das Brennen unter ihrem Fell erinnerte sie daran, wie sehr sie Caylee hätte weh tun können...oh Engaya...
[Waldrand | Caylee & Aszrem]
30.10.2010, 15:25
Volk Zubami war etwas entäuscht, aber auch ebenso Neugierig. Der schwarze Rüde kannte ja bis jetzt eigentlich nur Rentiere. Aber solange es seinen Hunger stillen würde wäre es ihm recht.
„Ich meinte ja auch nur, ich kenne mich hier noch nicht so gut aus wie du.“
Und wie erwartet lachte sie ihn aus, weil sein Fell nicht so akurat wie sonst war. Aber sie meinte es nicht böse, sondern eher scherzend, wie eine Schwester oder gute Freundin. Nichts würde er sich mehr Wünschen, als gute, treue Freunde.
„Nach einem guten Lauf?! Du willst mich doch aber nicht wieder so abhängen, wie vorhin, oder? Sonst muss ich annehmen, dass du mich loswerden willst.“
Er musste freudig strahlen, weil er auch irgendwie diese Befürchtung hatte und dieser fand das nunmal so lustig. Was für ein Abend und schon so viel erlebt, in der kurzen Zeit in der er hier war. Volk konnte es garnicht abwarten noch anderen Wölfen zu begegnen, ihre Geschichten zu hören und endlich wieder ein Leben zu führen, in denen man Kontakte pflegt. Natürlich gehört ein wenig Raufen, mit den anderen auch dazu, aber etwas Ruhe wäre vorerst das, was der Rüde wöllte. Lyerra war schon ein paar Schritte gelaufen, also trottete Volk hinterher. Die beiden liefen eine ganze Weile, mit etwas Abstand, nebeneinander, Lyerra drehte sich allerdings um und schaute in die Richtung, aus der die beiden kamen. Der Rüde lief noch ein, zwei Schritte und sah dabei zu ihr. Er drehte um, lief zu der weißen Fähe zurück und versuchte herauszufinden, was so sehenswert war, doch er konnte nichts sehen.
„Wartest du auf jemanden oder werden wir verfolgt. Ich hab nichts bemerkt und sehen kann ich auch keinen.“
Ausserdem wollte er nicht noch eine Spur verlieren und wieder leeren Magens weiterlaufen. Der Rüde hatte Hunger und es wäre schade die Beute mit einem Verfolger teilen zu müssen.
Also hoffte er, dass Lyerra keine schlechte Neuigkeiten hatte.
[Wald | Lyerra]
30.10.2010, 19:45
Freundlich lächelte die weiße Fähe.
„Nein, ich werde dich nicht abhängen, versprochen“
Die paar Schritte die sie gegangen war, versteckten Volk Zubami in der Dunkelheit. Angestrengt starrte Lyerra weiterhin ins dunkle. Sie konnte den schwarzen Rüden nicht entdecken.
Erschrocken wirbelte sie herum, als er dann plötzlich hinter ihr auftauchte und sie fragte ob jemand sie verfolgte.
Ein leises Quieken war zu hören gewesen, mehr nicht. Die Weiße warf Volk Zubami einen bösen Blick zu.
„Erschrick mich doch nicht so. Warum schleichst du dich von hinten an mich heran?“
Doch dann musste sie lächeln. Es war doch ihre eigene Unachtsamkeit gewesen, nur sie war Schuld. Sie war in Gedanken, hatte nicht aufgepasst.
In diesem Moment hätte alles passieren können. Der Schwarze hatte sie ungeduldig angehört, vermutlich lag das an dem Hunger. Langsam schüttelte die Fähe den Kopf. Da sah man es mal wieder: Sie wurde langsam alt.
Um nicht geistesverwirrt oder so zu wirken legte die Fähe ein lächeln auf ihre Züge und meinte:
„Komm schon, nicht dass deine Fährte sich immer weiter entfernt und du, als talentierter Jäger, ihr ewig hinterherlaufen musst
Grinsend sah sie ihn an und stupste ihn spielerisch an.
„Na komm“
Vorsichtig tapste sie ein paar Schritte, achtete aber sorgfältig darauf den Rüden nicht aus den Augen zu lassen. Dann sah sie ihn blinzelnd an. Er schein etwas verloren zu sein, kannte wohl außer ihr nur wenige Wölfe. Wie war es wohl bei seinem alten Rudel, wie hatte er gelebt, warum war er gegangen?
Da waren sie wieder, sinnlose Fragen, Fragen die kamen wenn sie niemanden interessierten. Aus reiner Neugier fragte sie trotzdem:
„Volk, wo kommst du eigentlich her? Und warum? Wieso bist du hier?“
In ihren Augen spiegelte sich ehrliche Neugier.
[im Wald l Volk Zubami]
31.10.2010, 20:23
Es war erleichternd für Tyraleen, dass sich der Sturm um sie herum langsam zu legen schien. So viele wütende Wölfe waren bereits vom Rudelplatz geflohen, andere hatten sich ein wenig beruhigt und diejenigen, die ihre Gefühle nicht haltlos preisgegeben hatten, waren noch immer still. Erstmals huschte ihr Blick über die gelichteten Reihen der Wölfe; striff Chardím und Jakash, zu denen sie so gerne gegangen wäre, es aber nicht wagte; wanderte über Aszrems großen Körper der schützend hinter sich Caylee und Neruí verbarg und sie fragte sich, was dort vorgefallen war und ob Aszrems glühender Zorn noch immer sprühte; und hielt schließlich bei Malakím inne, der die wenigen Schritte, die er sich von ihr entfernt hatte nun wieder zurück kam. Er dankte Face und Sheena, wohl für die Unterstützung, die sie ihr, Tyraleen, und damit auch irgendwie ihm, Malakím, zukommen ließen. Es war seltsam, plötzlich so selbstverständlich zu einem ’Wir’ zu werden, dabei hatte sie vorher nicht viel mehr als ihre Liebe zu Engaya und einige Gespräche mit dem Schwarzen verbunden. Nun waren sie eine Art Team, zusammen mit Sheena und Face und vielleicht einigen wenigen, die gewillt waren, Tyraleen noch immer zu unterstützen. Es schmerzte die Weiße mehr als alles andere, dass sie bisher niemanden aus ihrer Familie an ihrer Seite wusste.
Sie fing den Blick Malakíms auf und schenkte ihm ein kleines, schwaches Lächeln, das sich schnell wieder auflöste. Er war da und doch konnte sie ihm nicht die Dankbarkeit dafür erweisen, die er verdient hätte. Wünschte sie sich doch, dass andere an seiner Stelle wären, ihre Welpen, ihre Geschwister oder … Averic. Sheena gab ein leises Brummeln von sich, was Tyraleen erneut ablenkte und aus der düsteren Welt ihrer Ängste und Wünsche holte. Es war so normal, so typisch Sheena, so eigentlich unpassend und doch endlich nicht Hass, Trauer oder Entsetzen, dass Tyraleen in einer beinahe erleichterten Geste andeutungsweise nach Sheenas Schnauze haschte – nur ganz leicht, nicht ernst gemeint und doch ebenso unpassend wie das Brummeln der Weißen. Auf ihre Anmerkung hin verdüsterte sich das Gesicht Tyraleens jedoch schnell wieder.
“Ich habe mich all ihren Worten gestellt, ich sehe nichts Feiges darin, ihnen nun Zeit zum Nachdenken zu geben. Zudem werde ich mich kaum verstecken, wer mich finden will, wird keine Schwierigkeiten haben.“
Ihr Blick huschte zu Face, doch ihr Pate schien nichts zu sagen zu haben. Viel eher wirkte er abgelenkt, als würde er über seinen eigenen Gedanken grübeln müssen, bis er sich schließlich zu ihr wand und seine eigenen Bedenken mitteilte. Glaubte er, dass es noch weiteren Streit geben würde? Oder brauchten die Wölfe nun einfach einen starken Wolf, der wenigstens so wirkte, als würde er sie durch diesen schrecklichen Tag führen können? Ein wenig hilflos zog sie die Schultern hoch.
“Vielleicht solltest du hier bleiben. Hab ein Auge auf sie und wenn sie sich fürchten … kannst du vielleicht Sicherheit geben, die ich nicht mehr vermitteln kann.“
Dann würde sie nur mit Malakím und Sheena gehen, es war in Ordnung. Sie konnte nicht nur an sich denken, das Rudel war nun wichtiger. Es musste zusammengehalten und bewacht werden. Sachte berührte sie erst Malakím, dann Sheena an der Nase, bleib noch einmal wenige Sekunden an ihren Paten geschmiegt neben ihm stehen, dann löste sie sich von dem Schwarzen und schritt langsam auf den Waldrand zu. Sie versuchte keinen Blicken auszuweichen, ebenso wenig starrte sie einem Wolf in die Augen. Sie ging aufrechten Hauptes, aber nicht als Sieger, sie ging als Wölfin, die ihren Sohn verloren hatte und dennoch nicht gebrochen war.
[ auf dem Weg zum Waldrand | Sheena und Malakím ]
01.11.2010, 11:48
Zwischen Neruís und Aszrems dichtem Pelz, eingehüllt und wohl versteckt fühlte sich Caylee weit fort von der Welt, die hinter den starken Schultern ihres Papas-oder-so war. Beinahe könnte sie wieder glauben, dass das alles gar nicht geschehen war, dass sie schon wieder träumte und wenn sie aufwachte, würden ihr Tyraleen und Averic Seite an Seite entgegenkommen, besorgt, weil ihre Tochter aus der Nase blutete. Für wenige Sekunden war sie tatsächlich versucht daran zu glauben, ihre Tränen schluckend und ihre Trauer verdrängend, doch dann hörte sie wieder Neruís Schluchzen, spürte, wie sich die Schwarze an sie drückte und wurde ihrer bittersüßen Illusion beraubt.
“Ja, vielleicht, vielleicht muss man einfach ein bisschen warten, so wie ich warten muss, wenn ich mal auf dich böse bin. Das ist manchmal so, weißt du, aber lieb hab ich dich trotzdem immer.“
Ein wenig hoffnungsfroher wippte ihre Rute irgendwo zwischen dem ganzen schwarzen Fell und sie versuchte sich sogar an einem Lächeln. Es scheiterte nur knapp. Aszrem, der auf viele ihrer Fragen nicht geantwortet hatte – wahrscheinlich wären es keine Worte gewesen, die sie hören wollte – sah sie jetzt beide ernst an und forderte ein Versprechen. Wieder hob sich Caylees Rute leicht, jetzt ein wenig stolz und sich bewusst, dass sie nun sehr wichtige Worte hören und sagen durfte. Versprechen konnte man nicht brechen, nie niemals, so wie sie Oma Banshee versprochen hatte, sie nie zu vergessen und das könnte sie auch nicht. Neruís Nase strich ihr Gesicht entlang und dann versprach sie, dass sie immer auf Caylee aufpassen würde und sie Schwestern sein würden, dabei hatten sie ja eigentlich andere Eltern. Jetzt lächelte die Weiße. Auch ihre Schultern strafften sich, dann tat sie es ihrer Schwester nach, fuhr ihr mit der Nase die Schnauze entlang und sah in ihrer sonnenfeuerstrahlenden Augen.
“Und ich verspreche dir, dass ich immer für dich da sein werde, dass du meine Schwester und meine Freundin bist, egal was passiert.“
Caylee wusste nichts von dem Packt, den Nyota und Banshee einst in einem verschneiten Winterwald inmitten von Banshees Blut und ihren toten Welpen geschlossen hatten – doch die Götter hatten beide Versprechen miterlebt, kannten die klaren Worte der wirklichen Schwestern, die sich Stärke und Treue bis in den Tod geschworen hatten; und kannten nun die in Trauer und Schrecken und doch in klarem Wissen gesprochenen Versprechen der Großcousinen, die sich verschwesterten und Zusammenhalt schworen, auf das ihnen niemand mehr Leid zufügen konnte. Wenn Götter lächeln konnten, so taten sie es nun. Ein warmer Wind strich über den Rücken Aszrems, erreichte Neruí und Caylee, hüllte sie kurz ein und verflüchtigte sich dann in die kalte Nacht.
Caylee fühlte sich für einen kurzen Moment federleicht, als wäre nun wirklich aller Schrecken von ihr abgefallen. Irgendetwas Besonderes war geschehen und sie lächelte mit klopfendem Herzen in die Nacht. Aus irgendeinem Grund musste sie an Nyota und Banshee denken, ihre Großtante und ihre Oma, Schwestern, die immer zueinander gehalten hatten. Viel einfacher als vorher konnte sie sich auf ihre Pfoten stellen und Neruí und Aszrem folgen. Der Schwarze wollte zu Banshees und Acollons Grab und Caylee freute sich auf ein Wiedersehen mit ihrer Oma und ihrem Opa. Gerade jetzt, wo alles so schrecklich war und doch irgendwie nicht so schlimm, wie die Weiße noch vor wenigen Momenten gedacht hatte.
[ auf dem Weg zum Trauerweidenhain | Aszrem und Neruí ]
01.11.2010, 23:36
Zärtlich hatte er die Jungfähe beim trinken beobachtet. Obwohl sie schwach auf den Beinen war, schien ihr Geist mittlerweile wach zu sein und so entging ihr auch nicht, wie sie alle zu einer Versammlung gerufen wurden. Er rechnete sich kurz seine Chancen aus, rechtzeitig zu den anderen Wölfen zu kommen, doch da er Neytíri tragen musste, standen diese nicht sehr hoch.
„Ja, wir werden zu ihnen gehen, ich trage dich das Stück.“
Zum Glück war die Entfernung zwischen ihrem Aufenthaltsort und dem Rudelplatz nicht so groß, also konnte er es locker schaffen die magere Fähe hinüber zu transportieren. Allerdings würde sich dafür weniger der eben angewandte Nackengriff eignen. Kurzerhand schob er seine Schnauze unter den schmächtigen Körper und hob diesen vorsichtig an. Zusammen mit ihrer schwachen Hilfe, gelang es ihm sich unter ihren Körper zu robben. Langsam erhob er sich schließlich und balancierte sie so zu den anderen Rudelmitgliedern. Doch wie er es sich schon gedacht hatte, kam er nur schleppend voran.
Dies störte ihn jedoch nicht, wie hieß es so schön: In der Ruhe liegt die Kraft. Außerdem war die Sicherheit und das Überleben eines Jungwolfes doch sowieso das Wichtigste.
Dadurch, dass die beiden erst so spät an die anderen Wölfe herantraten, hatte er natürlich auch nicht mitbekommen können, was denn eigentlich erzählt worden war. Er blickte umher, nachdem er die Fähe wieder auf den Boden gelassen hatte. Er spürte die große Verwirrung, die Wut und die Trauer unter den flüchtenden Wölfen. Die Versammlung hatte sich fast vollständig aufgelöst und als dann auch Tyraleen den Platz verließ, gefolgt von Sheena und einem Wolf dessen Namen er nicht kannte, war auch er verwirrt. Er strich Neytíri mit der Zunge über den Kopf, ließ sich neben ihr auf seine Hinterpfoten nieder und blickte über den Platz und die sich verstreuenden Wölfe.
„Was wohl passiert ist. Ich werde mal nachfragen gehen. Bleib du hier Kleine, ruh dich aus. Einige Wölfe sind ja noch hier und ich bin auch nur ein paar Schritte entfernt.“
Damit erhob er sich wieder und verfiel in einen langsamen Trab, hin zu einem der Wölfe der mitbekommen hatte, was vorgefallen war.
[Rudelplatz, Neytíri. Ende.]
03.11.2010, 14:24
Lunar hob den Kopf sachte und bestimmt an, seine Augen ruhten allein auf Shani. Den Sharíku versteckte sich im Pelz seiner Mutter. Ein schelmisches Lächeln schlich sich auf seine Züge und er setzte eine Pfote nach vorne. Ja, er hatte sie ein zweites Mal verlassen und sein Herz war wieder versteinert, Lunar selbst wusste nicht ob man dies erneut reparieren konnte, ob er das überhaupt wollte. Für Shani allein vielleicht schon, aber es würde seine Zeit brauchen. Langsam und bedacht schritt der große schwarze Hüne auf sie zu, dabei senkte er seinen Kopf wieder und hielt seine blauen Augen auf die Weiße gerichtet. Schritt für Schritt tastete er seinen Weg nach vorne, klapperte leise mit seinem Gebiss und blieb letztendlich vor Shani stehen.
„ Wirfst du mir das immer noch vor? “
Schnitt seine kalte Stimme durch die Luft und der Hüne hob den Kopf so, dass er in Augenhöhe mit ihr war. Ja, er hatte seine Schwester vertrieben um sie zu schützen. Und er würde es jederzeit wieder tun, das war Lunar sich gewiss. Langsam reckte er den Kopf nach vor so das er seine Schwester fast berühren konnte, doch Lunar hielt sich zurück. Seine Augen funkelten sachte, ließen nichts durch von dem Gefühlschaos das er versuchte zu verdrängen. Tief in sich wünschte sich der Schwarze das Shani ihm vergeben würde. Das sie ihm zutraute das er es provoziert hatte ließ den Wolf schmunzeln, doch er fand es nicht für nötig darauf etwas zu antworten.
[nahe des Rudelplatzes | Sharíku und Shani]
03.11.2010, 15:30
Weder Face noch Sheena reagierten auf seinen Dank. Vielleicht kam er zu unerwartet, vielleicht waren sie mit ihren Gedanken woanders gewesen und hatten es gar nicht richtig mitbekommen. Dem Schwärzling war es einerlei, er brauchte weder Geste noch Wort von der weißen Priesterin oder dem schwarzen Beta. Er hatte ihnen seinen Dank ausgesprochen, weil das wichtig und richtig gewesen war, und somit war er es zufrieden, auf Tyraleens Entscheidung zu warten. Sheena und Face brachten ein jeder Bedenken vor, doch jeweils völlig verschiedene. Erstere sorgte sich um Tyraleens Ansehen beim Rudel, wenn sie nun ginge, Letzterer gab zu bedenken, das Rudel nicht gänzlich ohne Führungsperson zu überlassen. Malakíms Meinung nach spielte beides keine wirklich große Rolle. Das Rudel hatte sich bereits zerstreut, die allermeisten waren auf die eine oder andere Weise und vor dem einen oder anderem Wolf geflohen, und so war kaum jemand hier verblieben, vor dem Tyraleen nun ihrerseits hätte flüchten können. Gleichzeitig befand er, dass die Rudelmitglieder demnach nun selbst Zeit für sich brauchten, so wie auch die weiße Engayastochter, und erstmal der Hilfe oder des Rates des Betas nicht bedürfen würden. Doch verlor er kein Wort über seine Gedanken und überließ Tyraleen gänzlich das Wort zu diesen Anmerkungen, waren diese auch an sie und nicht an ihn gerichtet worden. Und so fügte es sich, dass Face beim Rudelplatz zurück blieb und er sich mit Tyraleen und Sheena auf den Weg machte. Er wusste nicht, wohin sie gehen würden, aber das wusste vielleicht nichtmal Tyraleen selbst, geschweige denn Sheena. Mit einem zuversichtlichen Lächeln wandte er den Kopf zu Tyraleen, als sie sich ein Stückchen schon entfernt hatten.
"Gut gemacht, Tyraleen. Ich habe nie stärkeres Schilf gesehen. Doch nun gib ihnen Zeit, wie du es selbst sagtest - aber gib auch dir Zeit."
Er wandte den Blick wieder geradeaus und dann zum See. Im matten Licht des wolkenverhangenen Mondes wogte das Schilf flüsternd im aufkommenden kalten Nachtwind.
[Auf dem Weg zum Waldrand | Sheena Tyraleen]
03.11.2010, 15:32
Lyerra erschrack sich als der Rüde sie ansprach, sie hatte ihn wohl nicht bemerkt als er neben ihr lief. Die Weiße warf ihm einen etwas bösen Blick zu, dabei wollte er, sie, nicht erschrecken. Sowas passierte ihm andauernd. Aber schon lächelte sie wieder und stupste den Schwarzen an, sie forderte ihn auf wieder in Bewegung zu kommen. Als die Zwei wieder ein paar Schritte gegangen waren, fragte die Fähe, Volk die ihn so schmerzenden Fragen und er blieb kurz stehen, schaute auf den Boden und fing an zu sprechen.
„Weißt du, das ,Wieso´ kann ich dir nicht erklären, denn das war reiner Zufall. Das du mich allerdings nach dem ,Warum´ fragst ist Schicksal. Ein Schicksal was ich ewig allein mit mir herumtragen werde."
In seinen Worten lagen Trauer und Wut zugleich, die Wut war allerdings auf sich selbst gerichtet. Doch die Trauer übernahm ihn und eine Träne bahnte sich ihren Weg.
„Ich komme aus einem Rudel, das an einem großen See, viel größer als der eure, lebte. Ich bin mit meinem Bruder auf die Welt gekommen, er hieß Samtpfote. Ich weiß das, dass kein Typischer Name für einen Rüden ist, aber er war nunmal sehr zierlich, also hat ihn meine Mutter aufgezogen. Ein Jahr später starb meine Mutter nach der Geburt meiner zwei Geschwister mit denen ich hier her kam. Sie wurden von unserer Tante aufgezogen und sie hielten sie, auch noch lange für ihre Mutter. Als unser Vater und unser Onkel bei einer Hetzjagd starben, war der Aufschrei nach einen neuen Rudelführer groß und mein Bruder, der mit mir das Kämpfen trainierte, hatte den anderen bewiesen, das er es wert war. Alle unterschätzten ihn aufgrund seines weiblichen Körperbaus, nur ich glaubte an ihn. Das Leben war schön, ich genoss einen Sonderstatus, dank meines Bruders und er, war mit seiner Gefährtin ein guter Anführer und brachte Ruhe in das Rudel und hatte immer ein offenes Ohr für die schwächeren Mitglieder. Samtpfote nahm sich alle Dinge zu Herzen die ihm unsere Mutter beibrachte. Er war sehr Weise und hatte immer eine Lösung parat. Doch eines Nachts, während eines schrecklichen Sturms, wurde er vor meinen Augen von einem Baum erschlagen. Er war nicht sofort Tot, doch in dieser schweren Stunde, habe ich das schlimmste getan, was man hätte tun können, ich hab ihn allein gelassen."
Der, achso Starke Rüde schluchzte und musste weinen.
„Ich habe ihm nicht beigestanden, ich war so erschrocken von seiner Qual, dass ich davon rannte und ihn allein lies. Es war einfach grausam ihn so zu sehen, ihn röcheln zu hören. Ich hatte Angst dem Tod zu begegnen, immer wenn einer meiner Familie verstarb, doch diesmal stand ich daneben und der Tod sah mich an. Ich hätte ihm beistehen sollen. Ich floh aus Angst vor dem ganzen und lies mein Rudel zurück. Meine Geschwister holten mich nach einigen Tagen ein und wollten das ich zurükomme, aber das ging nicht. Als sie merkten, dass sie, mich nicht umstimmen könnten, haben sie mich begleitet. Wir wanderten nach Nordenosten, liefen dann über das große Wasser, als es gefroren war, und als wir das Festland erreichten, wanderten wir wieder in Südöstliche Richtung. Wir fanden nur wenig Beute und wurden immer seltener Satt. Als wir das Tal in der Ferne schon sehen konnten, waren wir alle drei zu geschwächt und brachen zusammen, nur ich lag zu weit auf einem Felsvorsprung und stürzte ins Tal hinab, allerdings passierte mir glücklicherweise nichts. Ich irrte umher und landete unter diesem komischen Baum und seither sind meine Geschwister leider verschollen. Hoffentlich geht es ihnen gut."
Volk war immer noch sehr in seiner Trauerhaltung gefangen. Zusätzlich war ungewiss wie Lyerra damit umgehen würde, schließlich könnte sie ihn jetzt einfach stehen lassen und schlecht von ihm denken, weil er so feige war. Deshalb sprach er seine Angst aus, um Gewissheit zu haben.
„ Denkst du jetzt schlecht von mir? Wirst du mich jetzt meiden? Ich weiß, dass ich etwas schlimmes getan habe,doch du bist so anders, du bist… . Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber ich will einfach nicht, dass du deshalb schlecht von mir denkst. Es würde mir zu weh tun."
[Im Wald | Lyerra]
03.11.2010, 19:05
Mit ruhigem Blick hatte Lyerra den schwarzen Rüden gemustert, ihm aufmerksam zugehört. Als er erzählte seinen Bruder allein gelassen zu haben musste sie doch wieder an Ethelion denken. Sie hatte ihn auch alleine gelassen, war nicht da gewesen um ihm die Angst zu nehmen die er verspürt haben musste.
Einige Tränen glitzerten in ihren Augen, doch sie wollte nicht für immer an der Vergangenheit festhalten. Sie musste ihr Leben genießen, Fragen nach gehen und einfach leben.!
Kurz schaute auch sie auf den Boden, doch dann hob sie ihren Kopf, blickte Volk Zubami in die Augen und machte ihren Blick stark, baute sich auf, wollte stark aussehen.
„Volk Zubami“ sprach sie dann. Es wunderte sie selbst dass sie seinen vollständigen Namen benutzte. „Du musst loslassen. Du hast um deinen Bruder getrauert und das ist gut, aber du musst los lassen können. Was ist an deinem Leben denn noch lebenswert, wenn du dir auf ewig Vorwürfe machst? Was ist denn noch toll daran lange zu laufen, wenn du nur an deinen Bruder denkst? Was bringt es denn von der Zukunft und von schönen Dingen zu träumen wenn du eigentlich immer ein schlechtes Gefühl hast?“
Ihre Stimme klang stark und so fühlte sich die weiße Fähe auch. Sie wusste sie sagte das Richtige, auch wenn sie sich vielleicht etwas falsch ausdrückte.
Volk Zubami musste loslassen, sonst wäre sein Leben unwichtig. Im Versuch ihm das beizubringen sagte sie:
„Volk, sicherlich ist es richtig was du denkst, aber mal ehrlich, wie willst du jemals glücklich werden, wenn du immer ein schlechtes Gewissen hast? Dein Bruder wird dir schon längst verziehen haben wenn er dich liebt. Wer weiß, vielleicht ist er froh dass du nicht mit ansehen musstest wie er stirbt. Er liebt dich Volk, auch wenn du ihn damals verlassen hast und du wirst ihn ja auch wiedersehen. In der Ewigkeit.“
Bei den letzten zwei Sätzen war ihre Stimme deutlich leiser geworden, aber immer noch blickte sie mutig und entschlossen.
Als ihr noch etwas einfiel fügte sie noch schnell hin zu:
„Es ist nicht wichtig wer du warst. Wichtig ist wer du jetzt bist.“
Sanft lächelte sie dem Rüden zu.
„Und nein, ich denke nicht schlecht von dir. Du kennst meine Meinung jetzt. Denk darüber nach, lass dich nicht stören. Du kannst ja auch etwas alleine umher gehen wenn es dir hilft.“
[Wald l Volk Zubami]
03.11.2010, 19:41
Schweigend beobachtete Madoc die beiden Schwestern, die nun allmählich wieder den Weg zueinander fanden. Er beobachtete die sachte und doch vorsichtige Interaktion und spürte einen inneren Frieden, der von diesem Akt ausging. Daher wunderte es den Silbernen, als Avendal sich mit einer unerwarteten, beinahe wehmütigen Geste abwandte, um die Berührung zu ihrer Schwester zu unterbrechen. Er stutzte, denn Atalyas Worte waren weder fordernd, noch provokant gewesen, lediglich eine Spur von Verständnis und Achtung war mit ihr mitgeschwungen und rechtfertigte ein solches Verhalten nicht. Doch er verstand. Sie brauchte Zeit, jede Wunde brauchte Zeit, um zu heilen, jede Seele brauchte Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Innere Stärke war immerhin etwas, was aufgebaut werden musste und die wallenden Gefühlswelten waren doch häufig in der Lage, neuerworbenes Selbstvertrauen zu zerstören.
Als die weiße Fähe schließlich zu ihm sprach, schnippten Madocs Ohren nach vorn, sein Antlitz war noch immer ausdruckslos, während er den klagenden Worten lauschte. Kurz schloss er die blutroten Seelenspiegel und schüttelte kaum merklich das Haupt. Schon immer hatte es den Rüden beschäftigt, weshalb so viele Wölfe die eigenen Fähigkeiten nicht zu würdigen schätzten und so beharrlich an sich selber zweifelten. Welchen Vorteil brachte es, das eigene Gewissen zu belügen und die eigenen Stärken zu übergehen? Beinahe ein wenig hochmütig dachte er an seine Erfahrungen und jene Schwierigkeiten seiner Vergangenheit, die weitaus herber waren als die, der die beiden Fähen nun gegenüber standen. Hätte er ebenfalls solch ein schwaches Selbstwertgefühl gehabt, so hätte ihn nicht einmal seine innere Stärke zum Ziele geführt. Die Kraft lag nicht darin, Niederlagen zu vermeiden, sondern vielmehr darin, wieder aufzustehen, nachdem man eine erlitt. Seufzend blickte er Avendal an, er glaubte eine gewisse Kraft in ihr zu sehen, doch hatte er sich geirrt? Hatten ihre Schwächen doch die Oberhand?
"Ob du so etwas besitzt, das weiß du nur selber. Ob Atalya daran glaubt, ob ich daran glaube, das spielt keine Rolle, denn solange du nicht selber davon überzeugt bis, diese Stärke in dir zu tragen, so kann sie niemals zum Ausdruck kommen. Nicht einmal dann, wenn sie tatsächlich in dir schlummert. Was schadet es also, sie herauszufordern, um herauszufinden, ob du wirklich über sie verfügst?"
Meinte der silberne Hüne, seine Stimme war tief und melodisch, mit der gewohnten, etwas kühlen Neutralität, die schon lange Teil seines Daseins geworden war.
Schließlich spürte er Atalyas Bewegungen, sein rubinroter Blick wandte sich zu ihr und blieb an ihr hängen, während sie immer näher trat. Schweigend blieb er sitzen, seine ganze Anwesenheit strahlte Ruhe und Harmonie aus, denn sein besänftigt durch die positive Wendung, die diese Konversation angenommen hatte. Als seine graue Freundin ihren Kopf an ihn schmiegte, stieß er ein leises, zufriedenes Seufzen aus. Liebevoll schleckte er ihr über den Schnauzenrücken und zum ersten Mal, seit er das Heimatrevier wieder betreten hatte, schlich sich ein seichtes, sanftes Lächeln auf seine silberweißen Lefzen. Ein sorgsamer Ausdruck schlich sich in die Neutralität seiner Mimik und ließ ihn ganz anders erscheinen, als nur wenige Sekunden davor. Die stillen Worte der Fähe nahm er mit großer Aufmerksamkeit auf, ließ sich jedoch Zeit mit einer Antwort. Madoc spürte die Tränen, die kaum merklich sein samtigen Pelz benetzten.
"Du magst vielleicht nicht daran glauben, aber jede Niederlage, jede noch so aussichtslose Situation hat auch ihre guten Seiten. In diesem Falle mögen die negativen Aspekte überwiegen, doch vielleicht hast du die wenigen Vorteile, die mit diesen einhergehen bloß noch nicht bemerkt. Fehler sind Lehren, Lehren die verhindern, dass so etwas noch einmal passiert"
Sprach der junge Rüde und wandte seinen Blick kurz zu Avendal, die eventuell auch Nutzen von diesen Worten beziehen konnte. Dann widmete er sich wieder Atalya und stieß sie sachte mit an. Er hasste es, sie so zu sehen und er vermisste die lebensfrohe kleine Fähe, die weder Sorgen noch Reue in sich trug. Sein Ziel war es, ihr zu helfen.
[Im Wald | Atalya, Avendal]
07.11.2010, 17:02
- Ausgeschriebener Abschnitt vom 03.10. -
Sie war nicht die einzig Schuldige an diesem Tag? ER war auch schuld?! Averic konnte nicht fassen, was sich Tyraleen erdreistete; wie grausam unfair jene Wölfin war, die er so geliebt hatte.
„Ha, und was hast du gemacht!? Hast du mir irgendwelche Zeit dazu gelassen!? Was hättest du denn gedacht, wenn ich unserem Sohn die Kehle durchgebissen hätte, keine weiteren Erklärungen als "Es war für dich!" abliefere und dich dann wüst beschimpfe!? Willst du mir etwa weis machen du hättest anders reagiert!? Das ich nicht lache! Das kaufe ich dir jetzt, nachdem du mir dein wahres Gesicht gezeigt hast, nicht mehr ab! Ich bin gewiss nicht Schuld daran, dass Tascurio nun tot ist und sich alle anderen das Maul übereinander zerreißen!“
Der Zorn wallte nur so in seiner Blutlaufbahn. Er hatte beschützen wollen, was sich letztendlich als Mörder entpuppt hatte, war von nicht enden wollendem Entsetzen geschüttelt, für das er verurteilt wurde und langsam, aber sicher war er noch viel mehr von dem erschüttert, was seine Schwester ihm anhängen wollte. Ja, es war immer gut sich von Schuld wenigstens erleichtern zu können, wenn man sie schon nicht ganz abstreifen konnte. Schob man einen möglichst großen Teil doch einfach jemand anderem zu! Und wer wäre besser dafür geeignet, als der Sohn des Todes – welcher bekanntlich für alles Schlechte und Böse in der Welt stand – höchst persönlich? Er hatte zu früheren Zeiten einige Fehler begangen. Daran erinnerte man ihn noch einmal recht unsanft, befand dies als Indiz genug für eine weitere Mitschuld, denn einmal Schuld, gleich immer Schuld. Ganz nach dem Motto. Das Averic seine Fehler aber immer eingesehen und sich dafür entschuldigt hatte, wurde im Protokoll nicht erwähnt. Er bekam den optisch äußerst passenden Schwarzen Peter zugeschoben. Natürlich – er hatte mit ansehen müssen, wie seine geliebte Gefährtin seinen Sohn tötete und war ob dieser Tatsache nicht locker und ruhig geblieben. Und mit ihren Hassbekenntnissen hatte er auch nicht verständnisvoll umgehen können. Welch’ schreckliche Tat, wie konnte er nur!? Eine ganz offensichtliche Mitschuld!
Averic würde niemals beschreiben können, wie groß und tief die Enttäuschung saß. Er fühlte sich verraten und belogen. Scheinbar hatte sie nie wirklich verstanden, was in ihm vorging, warum er wie handelte, welche doch so triftigen Gründe ihn stets angetrieben hatten. Sie schmiss mit ihren Vorwürfen wahllos um sich, ohne über sie nach zu denken.
Ein neuerlicher Schrei ertönte – doch dieser fuhr ihm durch Mark und Bein.
„HÖRST DU MICH VATER, ICH VERACHTE DICH DAFÜR DAS DU UNSERE MUTTER ALLEINE LÄSST!“
„Unsere Mutter hat es für unseren Vater getan und er ist dieser feige Köter der sie jetzt in die Höhle Fenris treibt!“
Es durchlief ihn eiskalt, Averics Blick wirbelte zu seiner Tochter herum, die entsetzte Fassungslosigkeit stand nur zu deutlich in seinen Augen geschrieben. Warum ... warum dachte sie so von ihm!? Was zur Hölle hatte er getan, dass er das alles verdiente?! Scheinbar schien niemand mehr zu bedenken, dass der Todessohn durchaus in der Lage war genau die selben Gefühle zu empfinden, wie jeder andere Wolf! Dass er ebenso leiden und von Worten verletzt werden konnte, wie sie alle. Und diese Worte töteten ihn nahezu, wie eben schon Tyraleen ihre Fangzähne aus Worten in sein Herz gerammt hatte. Aus einem liebenden Vater, der immer nur das Beste für seine Familie gewollt hatte, wurde einfach so der Buhmann gemacht, weil es gerade passte. Er hatte niemanden alleine gelassen – sie ließen ihn allein.
Averics Blick verfinsterte sich, das Entsetzen wurde hinter einer kalten Fassade weggesperrt und Ausdruckslosigkeit blieb zurück.
„Ihr Engaya-Wölfe seid so falsch.“
Oh ja, sie waren so falsch. Er trieb sie in die Höhle Fenris’? Wie blind sie waren; taten sie dies doch schon selbst! Sie konnten es nicht ertragen selbst diejenigen zu sein, die dadurch, dass sie das Gute darstellen wollten, noch viel böser sein konnten als der Tod und leugneten es einfach. Selbst in der Sekunde, wo sie sich genau so präsentierten. Man hätte ihnen einen Spiegel vorhalten sollen. Es gab da eine essentielle Sache, die den Tod von den Anhängern des Lebens unterschied: der Tod log nicht. Zu lügen war für ihn ganz und gar unsinnig, denn meistens schmerzte eine Wahrheit noch viel mehr. Der Tod gab niemals vor zu sein, was er nicht war. Scheinbar hatte seine Familie nie verstanden, was er war.
Averic wandte sich um und verließ den Rudelplatz gen Wald, ohne die Wölfe noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Er wollte sie nicht mehr sehen.
- Abschließender Nachtrag vom 07.11. -
Die starken Läufe des Pechschwarzen trugen ihn ganz von selbst. Sie hatten ihren Weg von sich aus eingeschlagen, ohne dass Averic sie lenken musste. Mit jedem Schritt den er tat, spürte er langsam und kalt den Zorn aus seinem Körper verschwinden, bis außer der Kälte nichts mehr übrig war. Schatten umhüllten sein Herz und hielten es fest, wehrten jeden Schmerz ab, der es erreichen wollte. Beschützten es vor der niederschlagenden Bedeutung, die dieser Tag mit sich trug. Als Tyraleen ihm zum Vorwurf machte die im Stich zu lassen, die er liebte, ihn mit Hass beschenkte und sich von ihm abwandte, hatte sie ihn ebenso im Stich gelassen.
Seine Pranken führten ihn direkt zum Fluss, welcher die letzte Ruhestätte für jeden Wolf in diesem Tal war. Heute war sein Sohn in diesen Fluten verschwunden. Ein Sohn, der ihn eines Tages getötet hätte. Auch das Gefühl um dieses Wissen hätte ihn geschmerzt, doch die Dunkelheit wehrte es leise ab. Er hatte niemals so sein wollen wie Acollon. Niemals einem seiner Kinder einen Grund geben ihn zu hassen. Aber was, wenn dies alles von den Göttern ausging? Was, wenn sie als Fenriswölfe dazu verdammt waren nicht nur Leid zu sähen, sondern es auch zu ertragen? Er hatte einst diesen Fehler begangen und war seinem Hass nicht mehr entkommen. Sie alle machten Fehler. Selbst die Götter. Und es hätte ihn fast wieder wütend gemacht, dass er nun mit dem höchsten Preis für diese Fehler bezahlen musste, doch in ihm blieb es kalt.
Ja, selbst zu erkalten würde ihn davor retten an dem Hass seiner Gefährtin zu erfrieren.
Averics dunkelblaue Augen huschten den Fluss hinab. Tascurio. Sein weißer Sohn war immer ein Außenseiter gewesen, hatte sich von ihnen fern gehalten. Er bereute nun, nicht mehr auf ihn geachtet zu haben, nichts von dem zu wissen, was in ihm vorgegangen war. Wie ähnlich waren sie sich vielleicht gewesen? Ähnlich genug, dass sie beide das Ende für ihre Eltern bedeutet hätten, wenn die Götter nicht ihre Hand im Spiel gehabt hätten. Oder auch gerade deswegen? Der Pechschwarze biss die Fänge fester aufeinander.
„Mein Sohn, der schwarze Gott hat uns betrogen.“
[ Am Fluss | allein ]
08.11.2010, 15:19
Als er, Lyerra seine Geschichte erzählt hatte, schien sie mit einem Mal, von Trauer, auf Stärke zu wechseln. So baute sie sich auch vor ihm auf, mit starren, starken Blick und nannte ihn beim vollen Namen, als wäre sie enttäuscht oder verärgert. Doch die dann folgenden Worte, bauten den Rüden auf und gaben ihm eine Sicherheit. Diese Sicherhiet hatte er gebraucht. So kam es also, das sich der große Schwarze, von der zarten Fähe, die er zuvor trösten wollte und ihr einen sicheren Halt geben wollte, jetzt ihre Hilfe gebraucht hatte um mit dem Vergangenem abzuschließen. Er müsse loslassen, wie sie schon sagte und sie hatte recht. Sie taten sich gegenseitig gut, denn auch Lyerra dürfte mit ihren eigenen Worten, die Vergangenheit ruhen lassen, die ihr Schmerz und Unsicherheit bescherten. Ihre Worte hallten nach, bohrten sich in den Kopf des Rüden und gaben ihm inneren Frieden. Volk konnte auch erkennen das es Lyerra mit ihren Worten besser ging und das war schließlich auch das was der Schwarze wollte. Sie war stark in jedem Moment ihrer Rede, so als wäre sie mit einer gewissen Fähigkeit auf die Welt gekommen, das gute in jeder noch so schweren Situation zu sehen. Die weiße Fähe strahlte für ihn weißer und heller als zuvor, sie war nun erstrecht etwas besonderes für den Rüden. Doch die Frage, wer er ,IST´ , die sie ihm stellte lies ihn Grübeln und alsbald fiel ihm eine Lösung ein. Die Antwort lautete, ein Beschützer des Lebens zu sein, er musste die Antwort in die Welt hinausschreien.
„Ich möchte ein Beschützer des Lebens sein, es bejahen und weitertragen! Ich möchte dein Beschützer sein!"
Mit einer Träne im linken Auge beendete er diesen Satz. Er sah Lyerra an, ging einen Schritt auf sie zu und wiederholte den letzten Satz.
„Ich möchte dein Beschützer sein. Ich wollte dir helfen, doch hast du mir geholfen. So hast du unser beider Problem gelöst. Ich möchte dir danke, auch dafür das mich nicht verurteilst."
[Im Wald | Lyerra]
08.11.2010, 20:47
Lyerra lächelte glücklich, als sie bemerkte dass Volk Zubami viel besser und stärker aussah. Er schien bereit für die Zukunft zu sein.
Als er grübelte wartete sie geduldig bis er fertig war, lächelte ihm aufmunternd zu, doch als er seinen Satz beendet hatte stockte sie, ihr Lächeln verschwand.
‚Warum denn mein Beschützer? Brauche ich denn einen?’
Dankbar lächelte sie Volk Zubami zu, schenkte ihm einen liebevollen Blick.
„Vielen Dank Volk, ich fühle mich geehrt.“
Ihre Stimme klang ruhig und freundlich, keineswegs spöttisch oder ähnlich gemein. Sie sah seine Träne, wollte zu ihm eilen und ihn beschützen und trösten wie eine Mutter. Abermals erhob der Rüde die Stimme und abermals lauschte Lyerra ihm. Tatsächlich, er wollte ihr Beschützer sein.
„Du brauchst dich nicht zu bedanken, es ist doch selbstverständlich, dass man hilft wenn man kann und andere nicht wegen einer Tat verurteilt.“
Abermals lächelte sie liebevoll. Dann ging sie einen Schritt auf den Rüden zu, stand jetzt direkt vor ihm und berührte ihn sachte mit der Schnauze, bevor sie ihre Nase in seinem Fell vergrub. Es fühlte sich gut an bei ihm zu sein, es gefiel ihr auf irgendeine Weise. Die Fähe dachte nicht an Liebe, viel mehr an tiefe, tiefe Freundschaft die die Beiden verband.
Dann sah sie auf, beendete den Moment und sagte:
„Wolltest du jetzt eigentlich noch jagen?“
Der Bauch des Rüden musste jawohl knurren. Fragend blickte die Weiße Volk Zubami an, richtete ihre grünen Augen auf ihn. Es konnte nicht mehr all zu weit sein bis zu der Spur die er vorhin gerochen hatte, oder? Lyerra wusste nicht genau wie viel und wie lange sie gelaufen war, theoretisch gesehen könnte es auch sein dass sie noch ein ganzes Stück laufen mussten.
Langsam stand sie auf, drehte sich ein wenig und wartete auf den Rüden.
[Wald l Volk Zubami]
03.12.2010, 16:28
Shanis Blick lag aufmerksam auf ihrem Bruder, dem nun ein Lächeln über die Lefzen huschte, das die Weiße nicht verstand. Sharíku neben ihr hob den Kopf, sah von Lunar zu ihrer Mutter und trat dann einen Schritt zurück – weg von Shani und ihrem Bruder. Der tannengrüne Blick der Weißen lag kurz auf ihrer Tochter, dann nickte sie und die Schwarze drehte sich um. Shani war ihr dankbar, dass sie sie nun alleine ließ, diese Unterhaltung sollte Sharíku nicht hören. Sie ging nur Lunar und seine kleine Schwester, die er im Stich gelassen hatte, etwas an. Er kam jetzt näher, klapperte auf seltsame Art mit den Zähnen, was Shanis Augen leicht verengte. Wollte er ihr Angst machen? Sie wich nicht zurück und ihr Blick blieb fest, auch wenn ihr schleierhaft war, was Lunar im Sinn hatte. Knapp vor ihr blieb er stehen, hob den Kopf und sah sie wieder mit diesem kalten Blick an.
“Nein, das werfe ich dir nicht mehr vor. Aber ich werfe dir vor, dass du in all der Zeit, in der du hättest da sein können, nicht da warst. Du kamst so heldenhaft zurück, oben in den Bergen, und versprachst mir die Sterne vom Himmel … und dann warst du fort. Warst fort, als Hiryoga starb, warst fort, als das Nichts uns verschlang und warst fort, als ich dich brauchte. Jetzt kommst du wieder wie ein Dorn, der sich in meinen Pfotenballen bohrt.“
Noch nie hatte Shani so mit ihrem Bruder gesprochen, noch nie so hart, noch nie so rebellisch, noch nie so direkt. Sein Auftreten verletzte sie, so abweisend und kalt war er nie gewesen, nicht einmal damals in den Bergen. Sicher, andere hatte er stets abgewehrt und unfreundlich behandelt, jedoch niemals sie. Sie war doch seine kleine Schwester und er war ihr Luuu~.
Als Lunar sich leicht vorbeugte, wirkte, als wolle er sie berühren starrte sie einige Sekunden auf seine Schnauze, als wüsste sie nicht, was sie damit tun sollte. Dann, ganz langsam, streckte auch sie ihren Kopf nach vorne, berührte die Nase ihres Bruders und sah ihn an. Kein Lächeln lag auf ihren Lefzen oder in ihrem Blick.
[ nahe des Rudelplatzes | Lunar ]