Atalya
25.12.2009, 13:43

Nach der panischen Flucht hatte sich das Rudel relativ schnell zusammenrotten können, zunächst hatten sie, noch immer flüchtend, die Reviergrenze angesteuert, bis ihnen klar wurde, dass es dort keine Zuflucht gab. In dieser fruchtbaren Region grenze Revier an Revier, überall würden sie verjagt werden, es würde keinen Platz für sie geben. Und sie hatten Welpen, sie konnten nicht ewig herumwandern. Auf der Flucht begann sich die einzige Möglichkeit abzuzeichnen … sie würden hier bleiben, jedoch nicht im Tal, sondern in die Berge fliehen, so hoch wie sie nie zuvor gegangen waren, so hoch, dass kein anderer Wolf ihnen folgen würde. Bis sie im nächsten Jahr stark genug sein würden, um ihr rechtmäßiges Tal zurückzuerobern. Hoffnung keimte auf und mit ihr neue Stärke für den Weg, den sie nun vor sich hatten. Drei Tage waren die Wölfe unermüdlich gelaufen, hatten keine Rast eingelegt, keine Sekunde gezögert. Sie mussten den gesamten See umrunden, waren immer wieder lange Zeit in Bachbetten gelaufen, damit ihre Spuren verwischt wurden und hatten scheu jede Lichtung umrundet, als würde die fremde Schar, die nun das Rudel vom Tal der Sternenwinde war, überall lauern. Der Aufstieg war anstrengend und mühsam gewesen, besonders für die Paten, denn die Welpen konnten schon lange nicht mehr mitlaufen, mussten getragen werden. Bald hatten sie den Wald hinter sich gelassen, verließen ihre bekannte Welt und kamen in eine andere, den meisten Wölfen vollkommen fremden. Die wenigen, die schon einmal in den Bergen gewesen waren, waren nie höher als 2000 Höhenmeter gestiegen, aber auch diese Grenze ließ das Rudel hinter sich. Bei etwa 2500 Höhenmetern hielten sie endlich an, die erste Pause nach drei Tagen war nicht mehr aufschiebbar. In diesen drei Tagen war der Herbst herein gebrochen, hatte den ohnehin milden Sommer verdrängt und zeigte sich jetzt mit tiefhängenden, grauen Wolken, einer Luft, die nach Regen roch und kalten Temperaturen.

Banshees müden Schritte wurden langsamer, erschöpft setzte sie noch einige Herzschläge lang Pfote vor Pfote, bis sie schwer atmend anhielt und den Kopf hob. In dieser Höhe fiel es viel schwerer zu atmen, jeder Atemzug gab weniger Kraft, die Luft war seltsam dünn. Trotz der Müdigkeit und der schwerer Trauer, fast Verzweiflung, die sich über ihr Herz gelegt hatte, war sie erleichtert. Sie waren endlich auf einer Höhe angekommen, auf der sie keine Angst vor der fremden Schar haben mussten. Ihr schien es, als hätte sie schon viele Sonnen lang keinen Wald mehr gesehen, ihr ganzes Leben hatte sie unter den schützenden Kronen verbracht, jetzt sehnte sie sich danach, wollte nicht mehr nur noch endlose Weite über sich, vor sich und hinter sich haben, hatte das Gefühl schon jetzt daran zu zerbrechen. Es war Herbst geworden, aber dieses Jahr würde sie nicht die flammenden Blätter der Laubbäume zu Boden segeln sehen, ihre Welpen würden nicht in Laubhäufen spielen können. Hier oben, wo sie endlich in Sicherheit waren, gab es nichts als Stein und so wenig Grün, dass sie meinte, vergessen zu haben, wie Gras roch. Das war nicht ihre Welt, hier sollten keine Wölfe leben, ein Land aus Stein und Kälte, sogar Schnee konnte man weiter oben erkennen. Langsam drehte sie den Kopf zu ihrem Rudel, ließ ihren Blick über die erschöpften Gesichter gleiten und fragte sich, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte, ob sie hier oben wirklich so lange ausharren konnten. Aber jetzt war nicht die Zeit, die Entscheidung anzuzweifeln, sie mussten zunächst eine Rast einlegen. Später würden sie noch weiter hinauf steigen, zu unsicher war die Weiße, ob man sie hier nicht doch entdecken könnte.

“Ruht euch aus. Hier sind wir zunächst in Sicherheit.“

Sie hätte sich gerne auf weiches Gras gelegt, den Kopf auf der von der Sonne gewärmten Erde gebettet, aber hier sprossen nur ein paar braun-grüne Gräser zwischen den Steinplatten hervor, kein süßlicher Duft ging von ihnen auf, kein Leben schien in ihnen zu sein.
.oO(Banshee, auch dieses Land hat Engaya erschaffen, auch hier lebt ihre Schönheit, du musst nur lernen, sie zu sehen.)
Traurig blinzelte sie in den bewölkten Himmel und sah zu der Fähe, der es schon zu Anfang der Flucht nicht gut gegangen war, Thila Reycou. Sie tappte die wenigen Schritte zu ihr und ließ sich langsam auf die Hinterläufe nieder, wollte sich um andere kümmern, als könnte sie sich dadurch trösten.

“Geht es dir gut? Oder zumindest den Umständen angepasst gut? Du schienst sehr schwach.“

Dass es jetzt, nach drei Tagen endlosem Laufen, niemandem richtig gut ging, was klar. Aber sie machte sich Sorgen um die schwächeren Mitglieder des Rudels, die möglicherweise einer totalen Erschöpfung nicht mehr fern waren. Hier oben, in dieser unwirtlichen und wolfsfeindlichen Gegend konnte man sich nicht gut erholen, sie musste aufpassen, dass sich keiner überanstrengte. Gerne hätte sie helfende Pfoten gehabt, die sich um die anderen Rudelmitglieder kümmerten, aber sie wusste nicht, wen sie da fragen sollte. Acollon … oh, er hätte so viel gewusst, was sie nun noch tun sollten. Aber er war nicht da und Banshee wurde schmerzhaft klar, dass er sie möglicherweise hier oben nicht mal finden würde. Tiefe, alle Ufer übertretende Trauer umspülte ihr Herz und ließ ihre Kehle rau werden. Sie hatte so viel verloren, sie wollte nicht auch noch die Hoffnung verlieren, ihn jemals wieder zu sehen.


Die vielen, unzähligen Schritte haben Leyla alle Kräfte aus den Läufen gesogen und der Boden ihre Pfoten wund gemacht. Erschöpft ließ sie ihr Haupt hängen, müde ihr Blick. Mehrmals schon wollte sie einfach stehen bleiben und die Reise beenden, alles einfach nur sein lassen, sah keinen Sinn in dieser verrückten Wanderung. Sie hatte sich dem Rudel etwas genähert, hatte aber immer noch einen Abstand, der gut zwei Baumlängen betragen konnte. Sie hatte immer darauf geachtet, den Blickkontakt zu halten, auch wenn sie sie vielleicht noch hätte wittern können, zumindest die, dessen Gerüche sie schon in Erinnerung hatte.
Auch jetzt wußte sie noch nicht so recht, wozu diese Flucht gut sein wollte. War es wirklich so schlimm? Vielleicht hatten sie auch schon schlimme Erfahrungen gemacht und hatten es bewusst vorgezogen, zu fliehen. Sie hatte sich zum Schluß kaum noch angehört, was die einzelnen Rudelmitglieder vorgeschlagen hatten, was man tun sollte, um der drohenden Gefahr zu entkommen.
Die dünne Luft erschwerte das Atmen, das jetzt so wichtig war, sie konnte aus ihr nur wenig Kraft gewinnen und musste immer wieder daran denken, tiefere Atemzüge zu nehmen, um ausreichend Sauerstoff zu erhalten.
Was gab es ihr oben nur, was das Leben noch lebenswert machen sollte? Die Gegend war rauh und kalt und Leyla vermißte schon jetzt die Landschaft, die sie zuvor einzig gekannt hatte. Berge..das war immer nur etwas, was sie in den Erzählungen anderer gehört hatte oder wenn jemand seine Phantasie spielen ließ, was sie nicht getan hatte. Ihr Blick reichte kaum noch bis nach unten, was aber auch daran lag, daß sie einfach zu müde war. Erschöpft legte sie sich hin und wartete ab, was als nächstes geschehen sollte.
Doch das, was geschah, hatte sie sich weniger gewünscht. Ein Duft..ein Duft lag in der Luft, in der schwachen Luft, so schwach, daß man es für ein Hirngespinst halten mußte. Sie zog noch ein Mal mehr Luft en, so gut das möglich war, doch der Gedanke bestätigte sich leider, weil er Geruch wirklich vorhanden schien. Sie war übermüdet, das mußte es sein. Dieser Einfall war nicht real. Daß sie die Wanderung weiter kaputt bekommen würde, so zermürben würde, war eine sehr unschöne Tatsache, die sie dazu veranlassen ließ, daß sie es im Nachhinein bereute, mitgekommen zu sein. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, der Gefahr zum Opfer zu fallen, als für ein Leben zu kämpfen, daß in Mosaikstücken lag, die Leyla nicht mehr richtig zusammenzusetzen vermochte.
Und nun war ein Teil hinzugekommen, daß sie erst recht nicht mehr einordnen konnte. Ein Teil, das eigentlich dazugehörte und doch ungewollt war. War es Einbildung..oder war es wirklich wahr? Sie legte sich hin und versuchte einzuschlafen, doch auch wenn der Geruch wieder schwächer geworden war, was sie gern als Vorwand genutzt hätte, um es sich selbst auszureden, so ließ sie der Gedanke doch nicht mehr los, daß es so sein könnte. Plötzlich fiel ihr der Name wieder ein, der Name, der für „unser“ stand. Ja, genau, jetzt wusste sie es wieder, jetzt konnte sie dieses Mosaikstück zuordnen. Doch gern hätte sie alle noch einmal gemischt, um zu sehen, ob man es nicht auch auslassen konnte und das Mosaik nicht auch so zusammenlegen konnte, vervollständigen konnte. Aber wie sie es auch drehte und wendete, gedanklich, es war Bestandteil dieses Bildes, das ihr Leben ausmachte, ihr Ich widerspiegelte. Sie konnte Gefühle nicht einfach so unterdrücken und somit sich selbst vereinbaren, ohne zu leben oder künstliche zu erschaffen, es war doch nicht so. Sie hob den müden Blick an und ließ ihn ein Mal herumfahren. Sehen konnte sie nichts. Also doch nur Einbildung? Die an deren sahen beschäftigt aus, die Alphafähe sprach gerade, die Wölfe hatten auch mit sich zu tun und Leyla konnte sich frei genug fühlen, sich doch noch ein Mal ein Stück zu entfernen. Sie sammelte noch ein Mal all ihre Kräfte und stellte sich auf ihre Läufe. Erst nachdem sie einige Augenblicke ausgeruht hatte, konnte sie noch ein Mal ein paar Schritte machen, von denen sie selbst noch nicht wußte, wo sie sie hinführen sollten. Immer mit der Furcht, einfach zusammenzubrechen, vor Erschöpfung, war sie zu einem etwas größeren Stein gekommen, fast so groß wie sie selbst. Den Geruch hatte sie sich sicher nur eingebildet, weil ihre Gedanken sie nicht mehr losgelassen hatten. Momentan witterte sie jedenfalls keinen. Irrsinnig, allein der Gedanke. Wie ein Fluch lastete es auf ihr, raubte ihr noch das letzte Bißchen Verstand und hinderte sie daran, ein neues Leben zu beginnen und vernünftige Dinge zu tun, sich dem Rudel anzuschließen. Sie sah sie gar nicht mehr, nur wen sie ganz still war, hörte sie noch schwach ein paar Stimmen. Sie konnte nur hoffen, hin und wieder ein bißchen wittern zu können, in welcher Richtung sie waren, um zurückzufinden..allein würde sie hier nicht überleben können, in diesem so fremden Gebiet. Leicht war es wirklich nicht, bei der dünnen Luft. Fast hechelnd setzte sie sich hin. Doch da war er wieder, nur ganz kurz, beinahe unmerklich, der schwache Geruch..sie hoffte inzwischen fast schon, daß es nur Einbildung war. Sie beschloß, so bald sie wieder ein paar Kräfte zusammenkratzen konnte, zurückkehren zu können, sie wollte wieder zurück zu den anderen, es wurde schon ein wenig unheimlich. Es war kein schönes Gefühl, eine Provokation, in einem fremden Gebiet it..Vergangenheit..konfrontiert zu werden. Wie nur sollte sie diesen Gedanken je wider loswerden? Sie hatte gar nicht das Ziel, es real zu machen, doch ihr Inneres trieb sie dazu, doch ein Mal nachzusehen, ob es sich bewahrheiten würde. Aber viel mehr als ein schwacher Geruch, den sie sich sicherlich nur eingebildet hatte, war es dann halt auch nicht. Sie wollte wieder umkehren und stand auf, um in unmittelbarer Zeit wieder zu gehen.


Aliennas Kopf lag schwer wie Blei auf ihren abgemagerten Läufen, die ohnehin schon viel zu dünn waren. Jetzt schienen sie nur noch knorrigen Ästen zu gleichen, auch wenn das Fell, das sich weich und glänzend um sie schmiegte, noch immer wunderschön aussah. Alienna hatte geschlafen, hier, auf diesem kalten Stein gelegen, umringt von nur noch mehr Steinen, seit Ewigkeiten. Wie lange lag sie hier schon? Waren es Tage, Wochen, Monate? Sie wusste es nicht mehr, genauso wenig, warum sie hier lag. Hatte sie auf ihren Tod gewartet, oder einfach nur darauf, dass etwas geschehen würde. Etwas, dass sie aus ihrem Schlaf reißen würde und ihr vielleicht sogar die Kraft geben würde, aufzustehen und dorthin zurückzukehren, wo sie hin gehörte. Aber nichts war gekommen, in der Einöde der Berge hatte kein Leben ihren Schlaf gestört, bis sie meinte, für immer zu schlafen. Jetzt aber war sie wach, etwas war gekommen. Ihre sogar jetzt noch fröhlich funkelnden Augen schlugen sich auf, ihr Blick glitt über die Landschaft, aber große Steinbrocken versperrten ihr die Sicht, auf etwas, das möglicherweise dahinter sein könnte. Langsam hob sie den Kopf, war erstaunt, dass sie dazu die Kraft besaß. Wenige Sekunden verharrte sie so, dann musste sie husten, fast röcheln, bis sich die monotone Stille wieder über sie legte. Aber es war auch kein Bild und kein Ton gewesen, der sie geweckt hatte … nein, es war ein Geruch. Wölfe … nicht nur irgendwelche Wölfe … es war das Rudel. Sie konnte keine einzelnen Gerüche herausfiltern, aber das Rudel als ganzes hatte sich aus dem Tal der Sternenwinde hier oben eingefunden. Verwunderung regte ihre müden Gedanken an, ließ ihre Aufmerksamkeit wieder leben und erweckte sie ganz aus dem stumpfsinnigen Dahindämmern. Waren sie gekommen, um sie zu suchen? Kamen sie, um sie zu retten? Oh, süße Gedanken der Einsamkeit, wer hatte sie schon vermisst? Das Rudel kannte sie kaum … nur Leyla, die weiße Wölfin, die für sie zu einer Freundin geworden war und vor der sie davongerannt war. Aber niemals wäre das ganze Rudel Leyla gefolgt und sowieso … die Weiße war wohl auch fortgezogen, was hatte sie in diesem Rudel gehalten? Schmerz überkam sie und tiefer Kummer, Sehnsucht nach dieser Freundin und wohl der einzige Grund, dass sie noch lebte und nicht bereits für immer eingeschlafen war, ohne auf jenes Etwas zu warten, das sie wecken würde. Aliennas Läufe bewegten sich wie von selbst, stemmten ihren abgemagerten Körper nach oben, dennoch unendlich mühevoll. Doch es floss nicht nur Schwäche darin, Hoffnung durch jenen Duft erweckt und der leise, halb vergessene Wunsch, nicht mehr alleine zu sein. In unendlicher Langsamkeit setzte sie Pfote vor Pfote, schien, als müsse sie das Laufen erst wieder erlernen, hielt immer wieder inne, wenn ihr Körper vom Husten geschüttelt wurde. Doch es erstaunte sie selbst, wie gut ihre Läufe sie noch trugen, dass sie nach diesem schier ewigen Schlaf doch noch laufen konnte, noch wirklich lebte. Sie ließ sich blind von dem Geruch führen, kam nur so mühevoll langsam voran, nahm jedoch mit immer weiter aufkeimender Hoffnung den Geruch des Rudels immer stärker wahr. Und dann irgendwann konnte sie ganz deutlich Banshee wittern, auch die weiße Wölfin Ayala und Banshees Welpen, zumindest den größeren Bruder ihres Patenwelpen. Cylin … sie hatte in kläglich versagt, sich nie um ihn gekümmert, aber dieser Schmerz war nur einer von so unendlich vielen, dass er unterging in ihrer verzweifelten Welt. Und dann war da noch ein Geruch … ein Geruch, der ihre Schritte schneller werden ließ, auch wenn sie noch immer so langsam war und ihr Herz erschütterte. Sie hatte sich so danach gesehnt, aber nun kam wieder die schreckliche Angst hoch, jene Angst, vor der sie geflohen war. Dennoch ging sie weiter, schwankte zwischen den Felsen, bis sie wusste, dass Leyla ganz nahe war. Schon begann sie zu zögern, fragte sich, ob sie nicht zu ihrem Stein zurückkehren sollte, einschlafen sollte, diesmal für immer. Aber ihre Läufe trugen sie weiter, bis sie einen großen Stein umrundete und Leyla sah. Sie stand mit dem Rücken zu ihr, schien gehen zu wollen, das Rudel lag weiter entfernt, es waren wirklich alle, aber sie zogen nicht Aliennas Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Blick lag alleine auf Leyla, sie war wie eine Lichtgestalt in der Einöde, ein Engel, doch ebenso süß wie die Gedanken der Freundschaft waren, so bitter und kalt war die Angst, die sie umfing, Leyla nur eine Wolfslänge von ihr entfernt.

“Leyla …“

Ihre Stimme hatte sie so viele Monde nicht mehr benutzt, sie klang rau und unwirklich, müde und zerschlagen, nicht mehr zum Sprechen geeignet. Dennoch lauschte Alienna dem Wort hinterher, ihren Namen ausgesprochen, nach so langer Zeit … mit einem Winseln drehte sie den Kopf leicht seitlich, schluckte schwer und unterdrückte ein Husten.


Etwas war hier..etwas, daß sie unsicher machte. Sie hatte den Gedanken noch nicht verloren, daß es damit zu tun haben konnte. Aus welchem Grund ließ es sie nicht los? War es pure Einbildung oder hatte es doch etwas Reales, daß diese Erinnerungen hervorrief? Leyla war schon wieder aufgestanden um loszugehen, selbst wenn hier etwas war..jemand..sie wollte denjenigen gar nicht sehen. Aus Angst, daß sie es nicht verkraften würde, aus Angst, enttäuscht zu werden oder aus Angst, völlig durchzudrehen. Spielte die Natur ihr einen Streich? Die Luft war schwach und man konnte nur schwer atmen, das hätte zu Folge haben können, daß das Denken schwerer fiel und man phantasierte. Genau wußte Leyla das natürlich nicht, doch so etwas in dieser Richtung, das dachte sie sich, das erklärte sie damit. Sie suchte eine Rechtfertigung dafür. Es war unnütz geworden, nach Erklärungen zu suchen, die Tatsachen ließen sich dadurch nicht beeinflussen. Aus irgendeinem Grund kam sie nicht fort, sie kam nicht von der Stelle. Es war, als wäre sie gelähmt, als würde etwas ihren Körper am Weitergehen hindern..am..Flüchten? Sie wollte vor dem flüchten, mit dem sie abgeschlossen hatte. Es war absurd, daß es sie ausgerechnet hier oben, in dieser fremden Gegend, verfolgen sollte, daß SIE sie verfolgen sollte. So schwer konnten ihre Sinne sie nicht trügen, der Geruch war eindeutig. Wie war das nur möglich? War das ein Traum? War sie zusammengebrochen und träumte wirres Zeug? Plötzlich hörte sie kaum vernehmbare Geräusche, etwas Sanftes traf auf etwas sehr Hartes. Das Harte konnten nur die Steine sein, das Sanfte..wagte sie nicht zu denken. Es war kaum ein Laut und doch hörten ihre guten Ohren etwas. Etwas, daß sie nicht sofort einordnen konnte. Erneut bekam sie den Geruch in die Nase. Dabei hatte er sich zeitweilig wieder zurückgezogen, nun war er wieder da. Leyla wurde nervös. Als sie die Stimme hörte, die Stimme, die ihren Namen aussprach, wie nie eine andere zuvor, schrak sie zusammen. Sie drehte sich nicht um. Es war wohl Gewissheit und doch wagte sie nicht, einfach nur den Kopf ein Stück umzudrehen, vielleicht noch den Leib etwas, das hätte gereicht, das hätte gereicht, um der Vergangenheit in die Augen zu blicken. Sie hatte Angst. Sie hatte Angst, daß sie sich das nur einbildete und auch Angst, daß es keine Einbildung war. Sie hatte überhaupt Angst. Aber was hätte es schon gebracht, weiter ahnungslos zu tun.. Ob sie sich nun umdrehte oder nicht, würde keine Rolle spielen. Sie hoffte, dieser Situation ein Ende setzen zu können, in dem sie sich davon überzeugte, daß es ein Irrtum war, daß..Alienna gar nie gewesen war, so, wie sie es sich eingeredet hatte. Sie kannte den Wolf nicht, der nun hinter ihr stehen mochte. Bestimmt nicht. Bestimmt würde sich alles erklären. Also drehte sie sich um.
Es traf sie wie einen Schlag, als sie die blauen Augen sah und erneut zuckte sie in sich zusammen, als würde sie vom Blitz getroffen. Ängstlich wich sie ein paar Schritte zurück, nur weg, wenigstens etwas Abstand, es war höchstens eine Wolflänge, die zwischen ihr und dem lag, daß sie in letzter Zeit für ein Teil ihrer Phantasie erklärt hatte. Nun kam alles wieder hoch, alles, was sie gerade zu verarbeiten versucht hatte. Die schönen Momente, die sie zusammen hatten, waren in diesem Moment ein Alptraum für sie. Sie ging weitere Schritte zurück, aus der Wolfslänge war nun gut und gern das dreifache geworden und Leyla kam erst zum Stehen, als sie an einen kleinen Stein ließ, der kaum bis zu ihrem Knöchel reichte, den sie aber dennoch gespürt hatte. Gespürt, als wäre es eine ganze Wand, ein Berg, irgendetwas, das sie aufhalten wollte, daran hindern wollte, einfach nur zu fliehen. Zu fliehen vor ihrer Vergangeheit. Hre Gefühle spielten verrückt. Sie hatte Angst vor dem, das sie doch so mochte. Angst vor sich selbst und Angst vor der Situation. Sie hatte das Gefühl, daß es kein Entweichen gab. Sie fühlte sich eingeengt, fast gefangen. Aus dem schönen und netten Wesen war eine Bedrohung geworden, in ihrem Geist. Das kam zu schnell, es war einfach zu viel für diesen Moment. Entgeistert und mit weiten Pupillen blickte sie auf die Gestalt, die ihr unheimlich erschien. Es konnte doch nicht wahr sein. Hatte die Illusion sie schon so sehr zu ihrer Gefangenen gemacht? Fast unmerklich begann sie zu zittern, dann schloß sie die Augen. Sie hoffte, daß, wenn sie sie wieder öffnen würde, sich alles nur als ein kurzer Tag-Alptraum herausstellen würde, als ein Produkt ihrer Phantasie. Also öffnete sie sie wider, ganz langsam, sie wollte sich Zeit geben, sie vergessen zu haben, um nach dem Öffnen der Augen vergessen zu haben, warum sie sie überhaupt geschlossen hatte. Doch selbst wenn sie das hätte..ihr wäre es sofort wieder eingefallen. Sie stand immer noch da. Ein leichtes Kopfschütteln, vielleicht zwei Mal in jede Richtung, sehr langsam, begleitete ihre Ungefaßtheit.

„Nein!“

Flüsterte sie, als wolle sie ihr verbieten, überhaupt hier zu sein, ihr verbieten, überhaupt je existiert zu haben..


Es war genau das eingetreten, was Azag hatte vermeiden wollen: das Sternenwindrudel war weit, weit von seinem Standpunkt aus dem Revier ausgebrochen. Und er war ihnen gefolgt, die ganze Nacht hindurch und den nächsten Tag und den darauf auch. Er wusste nicht, ob er den Alphawolf dieses Rudels bewundern oder verfluchen sollte. Aber er konnte ihm keine Gestalt zuordnen, die er brauchte, um ordentlich zu verfluchen, denn er hatte noch keinen Blick auf sein zukünftiges Rudel erhaschen können, er war nichtmal ihrem eigenen Duft gefolgt, sondern nur dem ihrer Fährten. Der Wind war tückisch geworden, zumindest für Azag, denn er drohte immer wieder seinen Geruch zu den Vertriebenen zu tragen. Also wahrte er Abstand und wurde erneut vor die Bewunderungs- oder Verfluchungsfrage gestellt, als er erkennen musste, dass dieses Rudel Täuschungsmanöver, ein Verwischen ihrer Spuren unternommen hatte. Nicht, dass es ihn von seinem Weg abgebracht hätte, aber er fühlte sich repräsentativ für alle Verfolger angesprochen von dieser ... Frechheit. Ach Quatsch, Azag konnte das Verständnis für das fremde Rudel nicht aus seinem Kopf verbannen, es handelte eigentlich viel nachvollziehbarer, als sein eigener paranoider Alpha, den er dann statt des Fremden gedanklich auf den Steinboden vor sich projizierte und über ihn drüber trampelte.
Manches mal hatte er zum Zeitvertreib gezählt, aber er hatte keine realistische Ahnung, wie oft er in diesen 3 Tagen die Pfoten voreinander auf den rauen Fels gesetzt hatte, der Sonne entgegen, die sich noch weiter hinter Grau versteckt hatte. Die Monotonie, der er im Wald hatte entfliehen wollen, war hier oben noch viel präsenter. Alles war grau, der Fels, der Himmel, der Tag. Ja, die Tage waren aus Blei und die Nächte aus Kohle. Kein goldener Herbst am Tag, kein Sternenhimmel in der Nacht, keine der Sternschnuppen, von denen er so viel gehört hatte. Er hätte sowieso keine Zeit gehabt, sie zu beobachten, sein Blick war für den Felsweg vor ihm bestimmt. Allerdings hatte die absolute Abwechslungslosigkeit Azag in einen der Zeit entrückten, mechanischen Trott verfallen lassen, so dass er erst in der letzten Nacht bemerkt hatte, wie angestrengt seine Glieder waren. Von da an hatte sich die sorglose Leere auch nicht mehr blicken lassen und die letzten Stunden waren wirklich kein Spaß mehr gewesen. Aber jetzt, endlich, als Azag schon übel wurde von all dem Grau, das durch die immer kürzer werdenden Atemzüge dort oben manchmal sogar zu wirbeln begann, machte es den Eindruck, als würden die Sternenwindler rasten wollen.

"Engaya sei Dank",

flüsterte Azag entnervt und verdrehte die Augen. Obwohl er wusste, dass er sich allmählich wohlgewählte Worte zu seiner Ankunft zurechtlegen sollte, ging er einfach weiter, getrieben von dem lebendiger werdenden Geruch. Er hatte genug von der durchdringenden Stille und dem ausschließlichen Grau. Sein Herz meldete sich hastig und sein ohnehin kurzer Atem wurde zusätzlich flach, als er merkte, dass ihn nur noch eine einzige Felskante von seinem neuen Rudel trennte, von dem Job, den er gut oder schlecht erfüllen würde, von seiner ruhigen Spionage oder von der drohenden Lynchjustiz. Er schluckte und trat dahinter hervor und wusste mit dem Anblick dieser vielen Wölfe garnichts anzufangen. Wen sollte er ansprechen? Bevor er noch wirkte, als hätte er sich angeschlichen, rief er kurz angebunden in die Runde:

"Hey!"

Er musterte mit angespannter Miene die erschöpften Gesichter und konnte einige Welpen zwischen den Wölfen hervorlugen sehen.

"Gibt es nicht wesentlich nettere Orte, um seine Welpen großzuziehen?"

Azag war überrascht, wie er sein eigentlich verboten großes Wissen über all das hier aus seiner Stimme hatte verbannen können ... er hatte es nicht gewagt, zu fragen, was ihnen denn zugestoßen sei, da hätte es vielleicht weniger gut funktioniert.


Thila ließ sich erschöpft sinken. Als sie noch unten im Tal waren hatte ihr die Angst die Läufe gefesselt und sie wäre fast dort geblieben, um ihrem Leiden ein Ende zu machen, aber die Hoffnung endlich ein beseres Leben führen zu können hatte sie befreit. Thila erinnerte sich nur schwach an die letzten Tage, sie waren lange gelaufen, am Rande des Zusammenbruchs gewesen, aber Banshee hatte sie weitergetrieben. Sie hatte Recht, entweder flohen sie dorthin, wo niemand ihnen hin folgen würde, oder sie starben, denn im Kampf waren sie den Fremden Wohl oder Übel unterlegen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht, das sah Thila ein, vorallem wenn sie nicht ewig herum wandern wollten. Sie beobachtete von ihrem Liegeplatz aus die anderen Wölfe und wie sehr sie auch suchte, sie konnte kein Flämmchen Hoffnung finden, nur Erschöpfung und Verzweiflung, selbst die Welpen verbreiteten keine Heiterkeit, ihre kleinen Körper waren schwach und Thila überlegte, ob die neusten Ereignisse sie auf einen ähnlichen Pfad lenken würden wie sie. Aber zwischen ihr und den Welpen gab es einen bedeutenden Unterschied, sie hatten noch ihr Rudel, ihre Mutter und Geschwister, aber als die Graue ein Welpe war hatte sie niemanden. Thila schüttelte sich als ob sie so die bösen Gedanken vertreiben könnte, aber diese saßen tief, so tief, dass Thila glaubte sie niemals vergessen zu können. Um sich abzulenken hob sie den Kopf und nahm zum allerersten Mal die neue Umbebung in Augenschein. Öde war es hier, wenig Gras und Grün, die Luft in 2500 Meter Höhe war dünn, die Jungwölfin musste sie tief einsaugen, um überhaupt ihre wichtige Energie zu erhalten. Erschöpft schloss sie kurz die Augen, natürlich sie müsste wachsam sein, die Fremden konnten ihnen auch bis hierher folgen, aber die Müdigkeit und die Erlebnisse der letzten Tage lasteten schwer auf ihren Schultern. Plötzlich knackte es leise und Banshee ließ sich neben ihr nieder.

"Es geht schon. Die letzten Tage waren wohl etwas zu viel für mich. "

Thila lächelte leicht und versuchte sich mehr zu öffnen, allerdings hinderte die Mauer aus Angst und Misstrauen sie daran. Ihre Stimme würde leiser und sie ließ den schmalen Kopf sinken, in diesem Moment hasste sie sich selbst für die gedankliche Schutzvorrichtung, die sie selbst erbaut hatte in all der Zeit. Sie lies keine Gefühle nach außen dringen, nur die Angst, die sollte jeder zu sehen bekommen. Die Graue versuchte sich aufzurichten, jedoch schmerzte ihr rechter Vorderlauf und so legte sie sich wieder hin, immer darauf bedacht ihr Bein nicht zu belasten. Sie fuhr einmal kurz mit der Zunge darüber und hoffte innerlich, dass sie bis zum Aufbruch, der wohl nicht zu umgehen war, wieder schmerzfrei war. Sie wollte das Rudel nicht behindern, oder gar von der weiteren Flucht abhalten, entweder würde sie mit ihnen gehen, egal wie sehr ihr Körper litt, oder sie blieb und ... Wieder fielen Thila die graublauen Augen zu, einen Moment wurde sie blind und taub für die Welt und wieder tauchten diese Bilder vor ihrem inneren Auge auf. Blut. Tod. Hass. Sie wollte nicht, dass dieses Rudel genauso endete, im Moment galt es wohl abzuwarten und auf Banshee zu vertrauen. Thilas schmale Glieder zitterten leicht und holten sie aus ihren Gedanken, die Bilder waren verflogen, aber die Angst blieb.


Schmerzhaft rasend schlug Kaedes Herz gegen ihren Brustkorb. Drei Tage lang waren sie gelaufen, waren immer höher gestiegen und Kaede hatte gemerkt, wie die Luft immer dünner wurde. Die rauen Steine, welche ihre Pfoten zerschunden haben wurden immer kühler und man konnte immer weniger Gras auf ihnen spüren. Verwirrt war Kaede immer wieder auf viele spitze Kanten gelaufen, da sie ihnen ja nicht wie die anderen Wölfe ausweichen konnte. Vor Müdigkeit torkelnd merkte sie, wie das Rudel immer langsamer wurde und passte sich automatisch diesen Schritten an. Auch wenn es hier oben eine karge Landschaft sein musste, spürte sie doch auch hier Engayas sein. Dankbar entlastete sie ihre Pfoten, als alle stehenblieben und setzte sich langsam und vorsichtig etwas abseits des Rudels hin um neue Kraft zu schöpfen. Kaede wusste nicht, wie sie hier oben den Winter überleben sollten, denn schon jetzt wo es Herbst wurde roch sie den Schnee von den Hohen Gipfeln und sie konnte sich kaum vorstellen, dass es hier viele Tiere geben würde, welche sie erfolgreich jagen konnte, erst recht nicht, wenn alles vereist war und bitterkalt. Sie fragte sich, dass das Leben noch für Proben mit ihr vorhatte und hoffte, dass sie wenigstens noch einmal in das ursprüngliche Sternenwind Tal gelangen würde. Und wenn es nur wäre um Abschied zu nehmen und in die ewigen Jagdgründe zu ziehen. Doch so weit wollte sie jetzt noch gar nicht denken. Auch hier oben konnte es in einem großen Rudel schön werden, dass wusste sie ganz genau. Schnaufend atmete sie aus, ehe sie sich in eine bequemere Position brachte und schließlich ganz auf dem Boden lag. Ihre Pfoten brannten schon nicht mehr ganz so doll.

Blind getragen von ihrer Angst hatte sie es geschafft, trotz ihres mageren _Körperbaus mit dem Rudel mitzuhalten. Und trotzde mwar sie alleine gelaufen. Niemand war in ihrer Nähe gewesen der sie mal aufgemuntert hatte oder ihr Mut zugesprochen hatte. Nun war sie vollkommen fertig von dem drei tägigem Marsch hinauf in die Berge. Es war merklich kühler geworden und hier oben spürte man schon deutlich, dass es Herbst geworden war. Sollte dies der letzte Sommer gewesen sein, welchen dieses Rudel erleben sollte? Verzweifelt blickte die weiße um sich, als das rudel zum stehen gekommen war und entdeckte Neyla und Zack recht bald. Vorsichtig bahnte sie sich ihren Weg zu den beiden rüber. Auch sie sahen angeschlagen aus, die Flucht war ihnen allen in die Knochen gefahren. Keiner war davon verschont worden, dass sie so lange unterwegs gewesen waren. Und das auch noch in unbekanntem Gebiet in welchem einem das Atmen schwererfiel als sonst. Die Luft war dünner und man musste viel mehr einatmet hatte sie das GEfühl um die richtige Menge Sauerstoff zu bekommen, welche sie gewöhnt war. Aber vielleicht würde sich ihre Lunge auch umstellen auf die Bergluft!?

Banshee hatte die Augen halb geschlossen, als könnte sie so mehr Kraft tanken, dabei war sie selbst hellwach, die Trauer und der Schmerz überwiegten die Erschöpfung. Sie hätte gerne ein wenig geschlafen, doch musste sie nach dem Rudel schauen und die Angst um die Zukunft, die hier in diesen Bergen liegen würde, würde sie nicht schlafen lassen. Sie wusste nicht, wie bitterkalt die Winter werden würden, wie schwierig die Suche nach Nahrung, wie gefährlich die Abgründe und Felskanten. Gerade die Welpen würden in dieser unbekannten Welt noch viel besser bewacht werden müssen, wer wusste schon, was hier oben noch für Gefahren lauerten. Sie versuchte die Gedanken zu verscheuchen, darum konnte sie sich auch noch sorgen, wenn sie erst wirklich da waren. Doch was an ihrem Zielpunkt auf sie warten würde, war ebenso unklar, keine Wolfspfote hatte dieses Land je betreten. Sie blinzelte, als Thila ihr mit leiser Stimme antwortete, ihr Blick senkte sich zu der erschöpft liegenden Wölfin und blieb müde auf ihr liegen. Die Fähe schien Probleme mit ihrem rechten Vorderlauf zu haben, klagte jedoch mit keinem Wort darüber, hatte auf der Flucht die Zähne zusammengebissen und nicht war immer weiter gelaufen. Banshee war vielleicht sogar ein wenig stolz auf die Jungwölfin, einfach, weil sie nicht aufgegeben hatte. Ihr schüchterner und still zurückgezogener Charakter ließ Raum für viele unschöne Dinge, die in ihrer Vergangenheit hatten passieren können, sie waren sogar wahrscheinlich, schließlich ging kein Jungwolf grundlos aus seinem Rudel, bevor er erwachsen war. Aber die weiße Leitwölfin wollte nicht spekulieren und eigentlich ging es sie auch nichts an, es kam auf das Hier und Jetzt an und darum musste sie sich jetzt auch kümmern.

“Ja, ich denke, sie waren für die meisten von uns zu viel, wir sollten die Pause nutzen, um neue Kraft zu tanken. Ich finde dennoch, dass es viel Stärke beweist, trotzdem nicht aufzugeben. Jeder von uns kann stolz auf sich sein. Warst du schon einmal in den Bergen?“

Ihr Blick wanderte zu den Gipfeln, die vor ihnen lagen, se würden dort hinein laufen, die Berge nicht ersteigen, aber die Grate dazwischen, mitten hinein in die wirkliche Welt der Berge, wo ihr Blick nicht mehr ab und an eine Felswand hinabfallen und Wald und Wiesen erkennen können würde. Vor ihnen wären Gipfel, hinter ihnen und neben ihnen … und sonst wäre da noch Stein. Kurz drehte sie den Kopf zur Seite, als müsste sie ihr trauerverzerrtes Gesicht vor Thila verstecken, als sie wieder zu ihr sah, hatte die Fähe die Augen geschlossen.

“Entschuldige, wenn du schlafen willst, werde ich dich in Ruhe lassen.“

Die Weiße fuhr sich mit der Pfote über die Schnauze und wollte sich erheben, zögerte dann aber doch und blieb sitzen, auf eine Antwort der Grauen wartend.


Roxana hatte anfangs gezweifelt, ob es gut gewesen war dem Rudel zu folgen und alles hinter sich zu lassen, aber der Hass dieser Schar hatte sie gezerrt und nun fühlte sie sich einigermaßen gesichert. Doch diese Flucht, die das Rudel angeschlagen hatte, war keine leichte gewesen und Roxana wusste, dass man die Stärke nun testen wollte. Die Welt wollte wissen, ob sie stark genug waren, diesen Pfad hinauf in eine bessere und sichere Welt zu gehen. Und dabei war die Sorge um ihre Schwester Hazúki, die schwach war und vielleicht diesen Weg nicht schaffen würde. Und der Weg zog sich lange hin. Drei ganze Tage dauerte es, bis sie hoch oben auf einem Berg zur Ruhe kamen und Roxana sich immer noch mit ihrer Schwester im Hintergrund hielt. Wie konnte man sich richtig vor einer Alphafähe vorstellen, der gerade das Tal genommen wurde? Roxana wusste, dass sie ehrlich sein musste und ihr sagen musste, woher sie kamen. Aber sie hatten nichts Böses im Sinn und Roxana hoffte, dass man ihrem weißen Fell, welches frei von Schmutz und Schande war, vertrauen würde. Deshalb trat sie nun auch unsicher in den Vordergrund, glaubte, dass man sie beobachtete und sie als die Fremden vom bösen Rudel identifizierte.

„Hazúki. Ruh dich aus und versuch Anschluss zu finden, ich kläre die Formalitäten und werde zur Alphafähe gehen. Hab keine Angst, ich bin bald zurück.“

Sie stupste ihre Schwester liebevoll an und gab ihr einen Blick, der von Vertrauen und Zeit sprach. Das brauchten sie nun. Sie brauchten Zeit und mussten Vertrauen gewinnen, damit sie nicht mehr falsch eingeschätzt wurden. Man durfte ihnen vertrauen, Roxana hatte niemals etwas Böses im Sinn gehabt und Hazúki wäre die Letzte, die lügen würde. Aber das zu erreichen kostete eben diese Zeit, die man oft nicht hatte. Roxana blickte noch einmal in die Runde, dann drehte sie sich um und trat auf die weiße Fähe zu, die vorhin die erlösenden Worte von Ruhe und Schlaf gesprochen hatte. Sie stand bei einer Grauen, Roxana wartete, wollte in kein Gespräch eindringen, aber auch ihr riet sie Schlaf und Ruhe.

„Verzeiht meine Störung, Alphawölfin.“

Roxana blieb auf respektvollem Abstand vor der weißen Banshee stehen, setzte sich hin und neigte etwas den Kopf. Sie blickte die Fähe freundlich und ohne Hinterhalt an. Mit nötigem Respekt und einer gewissen Spur von Hoffnung.

„Meine Schwester Hazúki…“, sie deutete auf ihre graue Schwester, „…und ich, Roxana, sind eurem Rudel auf der Flucht gefolgt. Einst gehörten wir diesen Wölfen voll Hass und Wut an, aber sie haben sich verraten und wir haben niemals Vertrauen in sie gehabt. Unsere Angst war immer groß und eure Flucht hat uns den Anstoß zu einem neuen Leben gegeben. Doch nun haben wir erneut Angst, von Euch verstoßen zu werden.“

Roxana blickte Banshee nun ehrlich und direkt an.

„Wir möchten zu euren Freunden werden und ich weiß, dass es Zeit brauchen wird, aber bitte gebt uns die Chance und lasst uns eine Zeit in diesem Rudel weilen. Sollten wir euer Vertrauen brechen, so übergebt uns diesen grässlichen Wölfen, doch sollten wir eure Wünsche erfüllen, so lasst uns bitte bleiben und bei euch hausen.“

Nun schloss die Schneeweiße die Augen und hoffte.


Tyraleen saß stumm und mit großen Augen um sich blickend auf dem harten Steinboden, das Maul leicht geöffnet, die Ohren hoch aufgestellt. Ihr Nacken schmerzte von dem lange getragen werden, aber das spürte sie jetzt kaum. Zwischen den Läufen von Face Taihéiyo sitzend starrte sie auf die Welt, die sich vor ihr ausbreitete. Fort waren die riesigen Bäume, die jede Sich versperrt und ihr manchmal sogar Angst gemacht hatten, fort waren hohe Gräser und das Geräusch von tausenden Lebewesen, Flirren, Zwitschern, Brummen, Rascheln, Knacken, Sirren, Plätschern, Quaken, Flattern, Piepen, Summen. Hier oben herrschte Stille, beruhigende, herrliche Stille, die ihr junges Herz mit einem seltsamen Frieden erfüllte. Und hier oben war alles unendlich. Eine endlose Weite, überall um sie herum, nichts mehr versperrte ihr die Sicht, es war … wunderschön. Der Wind, der ihr sanft um die Ohren Strich, schien ihr leise das Wort Freiheit zuzuflüstern und alles in ihr schien daran zu erblühen. So verstört sie noch vor einigen Tagen gewesen war, so müde und ängstlich auf der Flucht, so glücklich und fasziniert war sie nun, nachdem sie im Dämmerschlaf von Face getragen wurde und erst die Augen geöffnet hatte, als ihr Pate sie abgesetzt hatte. Jetzt machten sie Pause und Tyraleen wäre so gerne gelaufen, einfach hinein in diese Landschaft, über Steine und kalte Erde, vorbei an starken Grashalmen, die hier noch immer wuchsen. Aber das traute sie sich doch wieder nicht, staunte stumm und genoss dieses Gefühl … was sich wohl dann einstellte, wenn man merkte, dass man endlich zu Hause war. Sie lächelte, so ehrlich und voller Freude hatte sie das wohl noch nie gemacht und sie wollte so gerne die Freude teilen. Ihr Blick suchte den ihres Paten, blieb aber an einem schwarzen Wolf hängen, der auf sie zu kam, eben gerade noch nicht da war. Sie kannte das Rudel nicht, aber der Wolf schien ihr fremd, er gehörte sicher nicht zu ihnen. Normalerweise hätte sie sich hinter den Läufen Faces versteckt und abgewartet, jetzt aber war sie plötzlich glücklich, wollte wissen, wer das war, wollte sich nicht verstecken und abwarten. Und der Fremde schien ihnen nichts Böses zu wollen, vielleicht lebte er ja hier? Waren sie einfach in sein Revier gekommen, wo sie schon aus ihrem eigenen hatten fliehen müssen? Das wäre nicht nett … aber vielleicht liebte er die Welt hier oben dann genauso wie sie. Langsam wagte sie sich zwei Schritte von Face weg und blinzelte zu dem schwarzen Fremden hinauf.

“Es ist der schönste Ort, den ich kenne und ich will nirgendwo anders groß werden!“

Als sie es ausgesprochen hatte, war sie kurz selbst verblüfft, wie sie gesprochen hatte. Es klang so erwachsen … und sie hatte es ohne Zögern gesagt, hatte sich nicht mal richtig gefürchtet. Ob es an diesem wundersamen Land lag? An dem Gefühl, endlich dort zu sein, wo sie hingehörte? Oh, sie wollte, dass Face auch glücklich war, hier oben, dass er merkte, dass sie glücklich war und dass er merkte, dass sie sich getraut hatte, mit einem wildfremden Wolf zu sprechen. Ja, Face war nicht nur ihr Pate, sondern auch ihr größtes Vorbild und nach Art der Welpen, brauchte sie Aufmerksamkeit und Anerkennung und von niemandem wünschte sie es sich mehr, als von Face.


Anfangs hatte Parveen den Befehl von Neyla noch eingehalten, auch wenn sie sich nicht gerne von tieferrangigen Wölfen irgendetwas befehlen ließ, Sheena hatte schwach gewirkt und Neylas Pflicht war eben ihre Patenwelpin gewesen. So war Parveen Seite an Seite mit Sheena mitgelaufen und hatte sich anfangs auch noch wohl gefühlt bei einer Jungwölfin in ihrem Alter, mit der sie laufen konnte. Aber Sheena hatte auf sie einen seltsamen Eindruck gemacht und irgendwann war Parveen schneller als die Weiße geworden und hatte die Jungwölfin aus den Augen verloren. Nach den drei Tagen hatte Parveen viele Wölfe aus den Augen verloren und wusste nicht, ob sie noch lebten oder vom Weg abgekommen waren. Doch nun machten sie ganz andere Dinge nervös. Sie hatten auf einem Berg Halt gemacht und Parveen wagte es gar nicht, einen Blick herunter zu werfen, die Höhe machte sie nervös und zittrig. Außerdem herrschte hier oben ein unbezwingbares Klima, welches ihr gar nicht zusagte.

„Viel zu hoch…“

Klagte sie für sich, dann schüttelte sie ihr Haupt und sah zu ihrer Mutter. Ruhe. Sehr gute Idee. Sie blickte sich um, wollte diese Ruhe nicht alleine genießen und warf einen Blick auf verschiedene Wölfe, mit denen sie sich gut verstand und bei denen sie sich jetzt etwas ausruhen konnte. Dabei würden sie sich gegenseitig von ihren Gefühlen erzählen. Sheena lag dort, aber sie schien in der Gesellschaft anderer Wölfe zu sein. Sollte sie trotzdem zu ihr hingehen? Sich entschuldigen? Ja, das sollte sie tun. Parveen lächelte und ging müde zu Sheena. Sie nickte zu Zack und Neyla und blickte die weiße Jungwölfin an.

„Sheena. Hey.“

Parveen stupste die Fähe leicht an, legte sich dann zu ihr.

„Tut mir leid, dass ich nicht mehr mit dir gelaufen bin. Aber der Weg war hart und ich hatte das Gefühl, dass es dir schwer fiel mitzuhalten. Also bin ich bereits vorgelaufen. Ich hätte wohl eher Hilfe holen sollen oder mit dir langsamer laufen sollen. Tut mir wirklich leid.“

Sie blickte Sheena schuldig an und seufzte leise.

„Geht es dir jetzt einigermaßen gut? Hier oben ist es total gruselig oder?“

Die schwarze Fähe versuchte leicht zu lächeln und das ganze mit ein wenig Humor nicht ganz so schlimm darzustellen wie es war. Aber ob das auch wirklich gelingen würde?


Fort, fort, fort. Sie war weg. Weit weg. In einem Teil des Reviers, das sie nicht kannte, nicht kennen lernen wollte. Und alles war so schnell gegangen. Gedankenverloren hatte sie praktisch gerade noch mit ihrer großen Schwester am See gesessen, als ihre Patin hinzu kam, sie im Genick gepackt hatte und gelaufen war. Immer weiter, als würde sie nie wieder stehen bleiben wollen. Vor Schreck hatte die kleine Schwarze die ganze Zeit keinen Mucks von sich gegeben. Hatte nur stumm miterlebt, wie das Rudel geflohen war und sie entweder von ihrer Patin, ihrem Gefährten oder ihrer großen Schwester getragen worden war. Sie hatten auch gut daran getan, denn vermutlich wäre das Regenkind zurück gelaufen, egal was auch passierte. Sie wollte ihr zweites Ich nicht zurück lassen. So ganz alleine. Ihre Zwillingsschwester... Warum hatte sie sich bloß versteckt. Merkte sie denn nicht auch, das etwas fehlte? Amáya fühlte sich so unvollkommen, so alleine. Als würde nur die eine Hälfte eines ausgewogenem Ganzen existieren. Schlaff hingen die Ohren der Schwarzen herab, stumpf ihr Blick auf den Boden gerichtet. Es war ihr egal, wenn sie noch weitere Tage durchlaufen würden. Der Hunger, der mittlerweile an ihren Eingeweiden nagte, spürte sie nicht mehr. Alles wurde von einer erdrückenden Leere übertüncht. Eine Leere, die man nicht füllen konnte. Ein wenig zusammen gesunken hockte das Fellbündel, das sie immerhin noch war, auf dem harten Steinboden, der ihr ein wenig in die kleinen Pfoten piekste. Sie stellte keine Fragen, sie wollte nicht wissen, wo sie hier waren, warum sie hier waren. Sie wusste bloß, das sie hier nicht hin gehörte. Niemand tat dies. Sie fühlte sich unwohl, fremd. Ein Fremdkörper, der hier nichts verloren hatte. Starr blickten die blauen Augen zu Boden. Sie war bloß Dreck und Dreck hatte nichts zu sagen, hatte niemandem zur Last zu Fallen, also tat sie dies auch nicht. Leicht leckte sich Amáya über die Lefzen, ließ dann den Kopf gänzlich auf den Boden sinken, spürte, wie aus weiter Ferne, wie ein dicker Stein sich in ihre Stirn bohrte und nahm es doch nur halb wahr. Das Neue hinzugekommen waren, vielleicht noch welche fehlten, das ein fremdes Rudel ihre Heimat gestohlen hatte, bekam sie in ihrem tranceartigen Zustand nicht mit.
Irgendwann jedoch, was auch immer sie dazu verleiten ließ, hob die Kleine müde den Kopf und blinzelte. Neyla musste sie irgendwo im Nirgendwo abgesetzt haben und erst jetzt realisierte sie ihre Umgebung richtig, die ihr absolut nicht zusagte. Überall nur Geröll und Felsen. Ein Ödland. Scheu legte sie die Ohren an und schlich geduckt zu ihrer großen Schwester, die sich bei ihrer Patin aufhielt.

"Ich mag es nicht..."

Leise waren die Worte des Nachtregens gewesen, kaum zu vernehmen und nur zu verstehen, der wahrlich verstehen wollte. Sie blickte Parveen von unten in die Augen, leckte sich erneut über die Lefzen und ließ den Blick kurz über Neyla und Zack, sowie Sheena und schließlich den anderen Mitgliedern gleiten. Was machten sie hier? Und was machte man mit ihr?


Parveen hatte Sheena noch eine Weile angesehen, bis Amáya auf sie zukam und die Schwarze leise seufzte. In den Augen der Nachtschwarzen konnte man erkennen, dass sie sich hier nicht wohl fühlte und nicht hier bleiben wollte. Parveen ging es ähnlich, niemand aus diesem Rudel gehörte hier her und es tat ihr weh, Amáya so zu sehen, die noch ein ganzes Leben vor sich hatte und kaum verstehen konnte, warum man sie so jung und verlassen hierhin brachte. Parveen verstand auch so vieles daran nicht, aber ihre Mutter war derzeit mit Fremden beschäftigt und deshalb wollte sie nun nicht fragen. Nachdenklich ließ Parveen den Blick über Neyla, Zack, Sheena und Amáya gleiten und dachte nach. Sie hatte hier eine kleine Runde gefunden, in der sie sich wirklich wohl fühlte und die sie nicht so schnell verlassen wollte. Aber dennoch war hier oben nicht der richtige Ort und sie war nicht die Einzige, die so empfand. Parveen spürte den Blick dieser strahlenden blauen Augen ihrer kleinen Schwester und erwiderte ihn liebevoll und auch etwas entschuldigend. Sie konnte nichts dafür, dass das Rudel hier war, aber Parveen fühlte sich verantwortlich für ihre kleine Schwester und die sollte hier nicht sein.

„Ich mag es auch nicht. Es ist schrecklich hier.“

Flüsterte Parveen und senkte den Kopf. Sie seufzte leise und ließ den Blick über die Berge, über den Stein und den Dreck auf dem Boden wandern. Ihr fehlte das saftige Grün, die fruchtigen Gerüche der Heimat und das klare und stille Wasser. Ihr fehlte einfach alles, hier war es fremd, kalt und einsam. Hier konnten keine Welpen leben. Niemals.

„Wie fühlst du dich, Kleine?“

Fragte Parveen zärtlich zu Amáya und legte den Kopf auf die Pfoten, um ihre kleine Schwester besser ansehen zu können. Nebenbei sah sie aber auch auf die bisher sehr schweigsame und sicherlich schwer erschöpfte Sheena, die eben sehr mager war und wie die weiße Wölfin Neyla darunter litt. Und nicht nur die Zwei, noch viele andere magere Wölfe waren hier, die all ihre Stärke gezeigt hatten und sich nun unwohl fühlten und Parveen glaubte, dass dazu auch die Fähe bei ihrer Mutter gehörte. Die Graue, deren Name ihr fremd war. Seufzend sah sie wieder zu ihrer kleinen Schwester.

„Wir müssen das Beste aus dieser kalten und fremden Gegend hier machen. Wir können nicht zurück in unser Tal. Leider. Es tut mir so leid, Amáya. Ich hätte dir das gerne erspart..“

Sie fühlte sich einfach schuldig…


Schweigend hockte Amáya einfach nur da, starrte vor sich hin und wünschte sich woanders hin. Egal wohin. Nur nicht hier. Am Besten mit einem klaren Gewässer in der Nähe. Sie hatte nicht erwartet, dass man ihre leisen, dahin gemurmelten Worte verstanden hatte, so dass sie den Kopf ein wenig ruckartig hob, als Parveen antwortete. Ein wenig verwundert blieb sie erst Mal nur so sitzen, ehe sie anfing, sich die Worte ihrer großen Schwester klar zu machen und auch ihren Unterton bemerkte. Sie fühlte sich schuldig, das konnte sie spüren. Also nahm die Kleine allen Mut zusammen, warf ihre Zweifel über Board, reckte den Kopf ein wenig und berührte ihre Schwester an der Schnauze.

"Es ist nicht deine Schuld, Parveen. Mama hat uns hierher gebracht..."

Leise wisperte sie die Worte in das Ohr der Großen, die sich zu der Kleinen herab gelassen hatte. Die Frage nach ihrem Befinden ließ sie unbeantwortet, war sie sich sicher, dass ihre große Schwester sich genauso unwohl hier fühlte, wie sie selber. Leise seufzend ließ sie sich auf den Boden sinken und ließ erneut den Blick schweifen. Das Beste draus machen. Aus dieser Gegend?

"Und was ist das Beste?"

Fragend blickte sie Parveen an, die neben ihr ruhte. Nein, sie hatten es alle wahrhaftig nicht leicht. Die Ohren des Nachtregens drehten sich ein wenig hin und her, ehe sie sich wieder an den Hinterkopf drückten. Die Rute schlang sich um den schmächtigen Körper und für einen Augenblick schloss sie die Augen. Nur für einen Augenblick wollte sie träumen, wollte sie wieder mit ihrer anderen Hälfte vereint sein. Nur für einen kleinen Augenblick im Traum.


Alienna stand stumm da, den Kopf zur Seite gedreht, scheinbar unzählbar viele Herzschläge, schien im Stehen wieder in ihren Schlaf gefallen zu sein, schien nicht zu atmen, nicht zu leben. Ebenso still und leblos verharrte Leyla, sie beide schienen wie in einem Tanz, nur war der Vorhang noch nicht gefallen und sie mussten dem tosenden Applaus lauschen. Doch Alienna hörte nur die endlose Stille, die sich wieder über die Steinwüste gelegt hatte, so wie sie es schon seit tausenden von Monden gewöhnt war, in ihrem Wachschlaf ihr nachgelauscht hatte. Jetzt schien ihr das alles so unwirklich, als wäre sie wirklich in einem Schauspiel, als würde Leyla gleich zeigen, dass sie nicht Leyla war. Oder hoffte sie das nur, weil die Weiße sich nicht umdrehte, ihr entgegenkam, sie in Empfang nahm wie der Vater den verlorenen Sohn? Aber was hatte sie erwartet? Sie war vor ihr geflohen, hatte sie im Stich gelassen, ohne eine Erklärung. Und jetzt, da sie sie wieder traf, kam wieder die Angst … war das eine Freundin? Hatte sie nicht noch viel mehr verdient, angeschrieen werden, vertrieben werden … sterben?
Der Vorhang fiel. Leyla drehte sich um, es war fast wie ein Tanz, als sie zurückwich, eine Wolfslänge, noch eine, nur der Ausdruck in ihren Augen passte nicht. Es war fast Entsetzen. Vielleicht war sie, Alienna, ja tot und Leyla sah nun ihren Geist, entsetzt von diesem Bild? Aber hob und senkte sich nicht noch immer diese magere Brust, spürte sie nicht noch immer den eiskalten Steinboden unter ihren wunden Pfoten? Sie lebte, einzig wegen der Wölfin, die nun vor ihr stand und sie doch mit diesem Ausdruck ansah. Sie hätte sterben sollen. Dort, auf dem Felsen, warum hatte sie sich von dem Geruch wecken lassen? War sie nicht mit der Absicht hier hoch gekommen, für immer hier zu bleiben, nicht ihre Seele, aber ihr Körper? Oh, warum waren sie gekommen? Das Rudel und Leyla, warum haben sie sie nicht sterben lassen? Leyla hatte Recht, sie musste so reagieren, jeder andere hätte es ihr gleichgetan und gerade sie, die so verletzliche, schwache Leyla, hatte noch mehr Recht darauf. Als die Weiße den Kopf schüttelte und leise ein Nein flüsterte, schien auch Alienna aus ihrer Starre erwacht zu sein. Sie drehte den Kopf wieder zu Leyla, musste leise husten, ein Keuchen, und trat dann rückwärts zwei Schritte nach hinten. Sie hätte nie aufstehen sollen.

“Es … es tut mir leid … ich … verschwinde wieder. Ich … ich hatte dir nur sagen wollen …“

Sie zögerte, sie war nicht gekommen, um Leyla etwas zu sagen. Aber jetzt wollte sie es doch, bevor sie auf ihrem Felsen starb, wollte sie es ihr sagen, auch wenn die Weiße dadurch nicht mehr verstehen würde. Dass sie noch da war, in diesem Rudel, zeigte, dass sie wohl Freunde gefunden hatte. Sie würde dort in Sicherheit sein. Nur für sie, Alienna, war kein Platz mehr, ihr Platz war bei den Sternen, in den Pfoten der Göttin.

“… dass … dass ich für immer deine Freundin hatte sein wollen. Und dass ich es mir nie verzeihen werde.“

Ihre Stimme war ein wenig sicherer geworden, sie war leise und ernst, von Trauer getränkt. Das ewige Glitzern in ihren Augen erlosch, der Blick wurde stumpf. Ohne es zu wagen, Leyla noch einmal anzusehen, drehte sie sich langsam um, trat den Weg zurück zum Felsen an, jetzt wie in Zeitlupe, für jeden Schritt eine Unendlichkeit brauchend.


Shanis mageren Läufe knickten ein und ihr erschöpfter Körper fiel fast wie in Zeitlupe zu Boden. Schwer atmend blieb sie liegen, konnte sich in ihrer Erschöpfung sogar einbilden, dass sie auf weichem Gras lag und nicht auf dem harten Stein, aber eigentlich war es ihr egal. Zwei Dinge zählten jetzt noch, erstens, dass Hiryoga, Tyel und der Rest des Rudels lebten und bei ihr waren und zweitens, dass sie jetzt endlich hier liegen durfte und nicht mehr immer und immer weiter gehen musste. Der Schrecken hatte am Anfang der Flucht ihre Läufe gelähmt, die Angst und die schmerzhaften Erinnerungen ihr Übriges dazu beigetragen, bis die Lähmung einer ewigen Erschöpfung wich, der sie sich jedoch nicht hatte hingeben dürfen. Die drei Tage der Flucht waren schrecklich gewesen, oft war es ihr vorgekommen, als würde sie nur noch taumeln, in einem Albtraum, die zweite Flucht, nur ein Jahr später … dann wieder hatte sie ein wenig Hoffnung schöpfen können, weil Hiryoga und Tyel noch immer neben ihr liefen. Jetzt, da sie hier lag, war sie nur noch erleichtert, egal wie fremd und schrecklich die Berge auch sein mochten. Langsam schlug sie die Augen wieder auf und in ihren Augen stand fast so etwas wie Zufriedenheit, trotz der Lage. Ihr Blick glitt zu Hiryoga, sah ihn zu Kaede schauen und lächelte sogar leicht.

“Geh zu ihr, los. Jetzt oder nie.“

Ihre Stimme klang müde und ausgelaugt, dennoch meinte sie es ernst. Wie um das noch mal zu verdeutlichen, drehte sie sich weg von ihm, ihm den Rücken zuwendend schaute sie nun zu Tyel, der sie ebenfalls ein Lächeln schenkte. Sogar ihre Rute begann matt ein wenig auf den Stein zu schlagen und ermüdete dann wieder. Sie hatten auf der Flucht kaum ein Wort gewechselt, mit niemandem hatte sie geredet, trotzdem mochte sie die Fähe schon jetzt sehr gerne, seit jenem verhängnisvollen Tag, an dem sie hatten fliehen müssen. Sie blinzelte zwei Mal, legte den Kopf dann wieder auf den kalten Stein und ließ nur ihren Blick auf Tyel ruhen. Zuerst wusste sie nicht genau, was sie sagen sollte, dann lächelte sie wieder und meinte leise:

“Danke.“

Sie wusste selbst nicht so genau, für was sie sich bei der Braunen bedankte, aber sie war sich sicher, dass sie es verdient hatte.


Zuerst waren sie gerannt ... dann gelaufen. Drei Tage. Und die Meisten lebten die ganze Zeit in der Angst, das feindliche Rudel könnte sie finden. Er zählte allerdings nicht zu diesen. Der Tiefschwarze hatte nicht angehalten und sich nicht umgesehen, einzig und allein auf sein Versprechen fixiert, welches lautete die Kleine zu retten. In gewisser Weise hatte er das ja schon, aber in Sicherheit war sie noch lange nicht. Der große Wolf brauchte keine Sicherheit ... was war das schon? Aber sie war ein Welpe, ein Kind. Es war wichtig, dass sie all das bekam, was man ihm niemals gegeben hatte. Er erinnerte sich noch genau ... Flucht, Hetzerei, Leid. Sein eigener Vater hatte Face Taihéiyo halb tot gebissen. Es hatte so schrecklich weh getan ... nicht nur seine Hülle war dabei so schwer verletzt worden, dass immer noch Narben unter seinem seidigen Fell von dieser Grausamkeit zeugten. Auch sein Innerstes wurde halb getötet. Tiefe, tiefe Narben. Dann war er geflüchtet. Mit einem zarten Alter von 1 ½ Jahren hatte sich der stille Ozean bereits den Tod gewünscht. In seinem ganzen Leben war er nun schon so oft geflohen, dass es ihn nicht mehr berührte. Face verspürte nicht mehr diesen unaussprechbaren Schmerz, diese grenzenlose Verzweifelung. Vielleicht lag es daran, dass er nun nicht alleine flüchtete, vielleicht lag es daran, dass sein erneutes Leben mit dieser Flucht nicht wieder sinnlos wurde. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass er das Sternenwindtal nie als einen Ort angesehen hatte, der ihm sehr am Herzen hing, so wie die anderen, wie Banshee. Ein Zuhause hatte der rabenschwarze Wolf ja eh nie gehabt und auch nie irgendwas als solches angesehen. Face Taihéiyo hatte kein Problem damit die drei Tage durch zu laufen, auch der Aufstieg in die Berge hatte ihn wenig Anstrengung gekostet. Es mochte zwar sein, dass er noch nie in seinem Leben so hoch gewesen war, dass die Wolken nun teilweise unter ihnen hingen, aber dafür war er schon weitaus längere Strecken rastlos gewandert. Um genau zu sein hatte er als Untoter ein ganzes Jahr lang nicht ruhen können. Was waren da schon drei Tage?
Als das Rudel schließlich hoch oben im Gebirge eine Rast machte, hatte der gezeichnete Wanderer sein Patenkind endlich wieder hinunter gelassen. Alle sahen sie in irgendeiner Weise erschöpft aus, er verspürte nicht das kleinste Anzeichen von Müdigkeit. Ruhig beobachtete Face Taihéiyo, wie Tyraleen ihre neue Umgebung aufnahm, wie fasziniert sie sich umschaute. Dabei glitt sein tiefer, saphirblauer Blick ebenfalls ein wenig ab, driftete über die Felsen, den Stein. Der Tiefschwarze war bereits einmal in seinem Leben in einem ähnlichen Terrain gewesen, in einer Felswüste. Dieses riesige Monument, dass plötzlich aus einer dieser endlosen Steppen ragte ... gelber Stein, unglaublich hohe Plattformen. Dennoch lange nicht so hoch, wie dieses Gebirge. Vielleicht ein paar hundert Meter. Auf einem hatte er sogar gesessen, hatte um ihn herum hinauf steigen können. Face erinnerte sich noch ganz genau an diesen wunderbaren Ausblick. Jeder Sonnenuntergang war genau zu verfolgen gewesen und hatte alles in ein goldenes Licht getaucht. Diese Schönheit würde er hier jedoch nicht erwarten können. Dafür gab es hier so viel anderes. Sich von diesen fernen Erinnerungen losreißend senkte Face den Blick wieder zu der kleinen Weißen hinab. Obwohl auch sie müde sein musste, sah sie im Gegensatz zu den anderen richtig glücklich aus. Der große Rüde schnippte leicht verwundert mit den Ohren. Aber nun ja, jeder sah die Situation aus anderen Augen. Wenn es ihr hier gefiel, war das schön. Oh ja, denn es half ihr, machte den Verlust des Geburtsortes nicht so schmerzhaft. Vielleicht war es für sie aber auch gar kein Verlust? Er wusste es nicht. Die Welpen waren alle noch recht jung, in gewisser Weise etwas Gutes, sie würden sich leichter auf die neue Umgebung einstellen können, oder?
Plötzlich aber lenkte ein fremder Geruch seine Aufmerksamkeit ab. Wachsam prüfte sein Blick erst Tyraleen und wanderte dann weiter. Tatsächlich war dort plötzlich ein fremder, schwarzer Rüde aufgetaucht. Sofort drehte sich Face dem Fremdling frontal zu und er verengte die Augen. Noch bevor der Flammentänzer in irgend einer Weise auf die Worte des Wolfes reagieren konnte, war Tyraleen ihm schon zuvor gekommen. Das es ihr hier gefiel bestätigte sich nun, sie wollte hier sogar groß werden. Also hatte er Recht gehabt? Nun denn. Die zwei Schritte, die sich die Kleine von ihm entfernt hatte, holte er rasch wieder auf und stellte sich leicht über sie. Misstrauisch beäugte er den Fremden. Vor allem in dieser Situation, in der sie sich befanden, mussten sie furchtbar vorsichtig sein. Irgendwer der Feinde hätte ihnen folgen können, das war durchaus logisch.

Wer seid Ihr und was sucht Ihr hier?“,

fragte Face kurz angebunden, mit einer recht ausdruckslosen Stimme. Trotzdem ließ er seinen saphirfarbenen Blick eindringlich auf dem Rüden ruhen.


Als Banshee zur Ruhepause aufrief, hob Shit den Kopf und ließ den Blick schweifen. Eine seltsame Gegend, die unwirklich auf ihn wirkte. Kaum andere Tiere, wenig Bäume und wenn, andere Arten als im Tal der Sternenwinde. Aber das Rudel war geflohen, in Sicherheit und alle Welpen hatten es geschafft. Zufriedenheit legte sich auf seine Lefzen. Auch sein Schützling war ihm nicht abhanden gekommen. Von seiner Aufgabe bereit umrundete erst einmal das Rudel. Wohin würde die Reise seines Lebens jetzt hinführen? Würden sie bleiben? Was plante Banshee, in deren Kopf er nicht schauen konnte?

.oO(Kann Shit sich nützlich machen? Aber wobei denn?)

Suchend sah er sich um. Die aufmerksam nach vorne gerichteten Ohren signalisierten, dass er angestrengt nachdachte und alles genau in Augenschein nahm. Eigentlich wäre ihm eher danach gewesen, mit dem Wind um die Wette zu laufen und sich irgendwo in das Meer von Blättern zu werfen, dass der Herbst mit sich bringen würde, aber stattdessen war da noch der Ernst in seinen Knochen. Der andere Teil von ihm. Shitani, er selbst und alles, was er nicht leiden konnte. Er wollte ihn loswerden, diese Zeit seiner Jugend, die Erinnerung an sein Geburtsrudel, seine Familie und an die Wölfe, für die nur Kämpfen zählte. Seufzend ließ er sich zu Boden sinken und schloss, wo er war die Augen. Erst einmal abschalten und schlafen, damit er wieder er selbst wurde. Die Müdigkeit übermannte ihn schon bald und nach den anstrengenden Wandertagen tat ihm der tiefe Schlaf gut. Es tanzten keine Bilder von Träumen vor seinen Augen, jedenfalls keine, die sein Bewusstsein aufgenommen hätte. Da war nicht mehr, als ein leichtes Zucken seiner Pfoten und hin und wieder ein Schnippen seiner Ohren, wenn er ein Geräusch wahrnahm. Auf die wenigsten reagierte er bewusst. Um ihn herum tat sich zwar so manches, dennoch schlief er friedlich.


Fast all ihre Worte strichen ungehört an ihr vorbei. Sie klangen so flach, so..perfekt, als ob sie sie schon lange vor der Begegnung bereitgelegt hatte, als ob alles schon immer so geplant war. Aber ganz gleich ob es das war oder nicht, hier beschäftigte sie nur eine Frage..warum? Warum war sie weg und nun wieder da? Oder war sie das gar nicht? Es gab keine Regel, die Leyla jetzt sagen konnte, wie sie zu handeln hatte. Nach wie vor unter Schock sah sie die Braune an und folgte dem Blick ihrer Augen, sah sich selbst darin widerspiegeln. Es war wie, als wäre sie in einem Kreis gefangen. Um eine Frage beantworten zu können, mußte eine andere schon beantwortet sein, die wiederum weitere ihrer Art aufwarf, weitere ungeklärte Fragen, weitere verletzende Mißverständnisse. Das alles konnte doch nicht real sein. Oder hatte sie nur für kurze Zeit geschlafen und gar nicht gemerkt, wie lang es wirklich war, Alienna war also nie weg? Doch ihre Worte hallten zurück, ihre Ohren hatten doch einen Teil aufgenommen und so konnte es noch einmal durch ihre Gedanken gehen. Der Sinn der Worte, der für sie sowieso alles andere als leicht zu verstehen war. Alienna sprach von Vergangenheit, die Gegenwart..war Vergangenheit, für sie. Bedauern untermalte ihren Stimmenklang, Vorsicht lag in ihrer Mine, Vorsicht beim Ausdruck, bei dem, was sie sagte. Womöglich war der Fehler doch nicht auf Leylas Seite. Sie hatte sich die ganze Zeit gefragt, was sie nur getan hatte, daß es vorbei sein sollte. Warum war sie zurückgekehrt? Wollte sie ihr noch ein Mal sagen, wie unfähig sie war? Diese Worte machten nichts besser, sie verletzten Leyla wie tausende Stiche, machten sie noch unsicherer. Es mußte doch aber einen Grund geben..irgend einen, auch wenn er nicht einfach ersichtlich war. Es schmerzte so sehr. Die Vergangenheit sollte das bleiben, was sie war, Vergangenheit, doch jetzt wühlte sie alles wieder auf, die Wunden waren wieder frisch. Bitterkeit zeichnete sich in Leylas Blick ab, sie öffnete die Lefzen leicht, ein winziges Bisschen Weiß ihrer Zähne war zu sehen, sie waren aufeinandergepreßt, ein Spiegelbild des Drucks, der auf ihr lag. Lange aber hielt sich dieser stechende Augenblick nicht. Bald wandelte sich die Bitterkeit in Trauer um, war sie wirklich dieselbe? Hatte sie sich in ihr getäuscht und alles, was sie erlebt hatten, was sie gesagt hatte, war nur Luft? Alles schien so unwirklich. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. Leyla glaubte an nichts mehr, alles konnte nur Illusion sein, sie wollte sich auf nichts mehr verlassen.
Vorwurfsvoll wurde ihr Blick und zittrig ihre Läufe, sie spürte die Härte der Steine, ein Brennen in der dünnen Luft. Sie wußte nicht mehr, wen sie vor sich zu stehen hatte. War diese Person nur eine Lügnerin? Hatte sie nie etwas..empfunden? Hatte sie ihre Worte nie für wahr genommen? Was sie über Gaben und persönliche Gegebenheiten erzählt hatte? Sie wollte nichts mehr sagen, nur noch fragen. Alles drohte zusammenzubrechen, so bald sie wieder begann, etwas aufzubauen. Sie wollte gar nichts mehr sehen, schon der Ausdruck in ihren Augen konnte eine Lüge sein. Fragen quälten sie, die sie nie beantwortet bekommen konnte, weil niemand verstehen würde, woher sie kamen.
Als Alienna begann, fortzugehen, wurde Leyla nervös. Ging sie nun wieder? Einfach so? Wieder ohne jeglichen Grund? Nein, noch ein Mal wollte sie sie nicht..entkommen lassen.

„Warte!“

Gab sie mit hoher Stimme zu hören, lauter als ihr vorheriges Wort. Es war..ein Befehl. Sie wollte nicht, daß sie einfach so ging, bevor Leyla nicht eines wußte. Schwach und brüchig, zitternd und gedrückt..verließ eine alles überdeckende Frage Leylas unsichere Seele.

„Warum?“


Azag, mach die Schnauze zu, du siehst blöd aus.
Azag klappte die Schnauze zu, konnte die großen Augen, die er machte, aber nicht weiter beeinflussen. Diese Welpin würde er sich ins Gedächtnis rufen, wenn er irgendwann einmal ein schlechtes Gewissen weger seiner Machenschaften bekommen sollte. Nicht, dass er das zu tun beabsichtigte. Wenigstens haben wir eine glücklich gemacht. Die Verblüffung in Azags Gesicht erstarrte, als er vier schwarzen Läufen, die die kleine Welpin nun umgaben, mit dem Blick folgte und sich am Ende von zwei blauen, misstrauischen Augen ins Visier genommen erkannte. Welch trügerischer Anfang von einem offenherzigen Welpen begrüßt zu werden, um dann big und garnicht so begeistert Mama zu treffen.

"Ich war überrascht nach langer, eher einsamer Wanderschaft ausgerechnet hier Wölfe anzutreffen. Ich war nur neugierig ... und fand die Idee ganz schön, mal wieder unter Leute zu kommen."

Azag hielt dem Blick des nachtschwarzen Sternenwindwolfes stand, vielleicht etwas zu angespannt für einen ausgelassenen, nichtsahnenden Wanderer. Aber er wollte wachsam bleiben, um Spuren möglicher Ahnung in dem Gesicht seines Gegenübers aufzufangen. Er blickte nun etwas lockerer drein.

"Also, soll es bald weitergehen oder seid ihr angekommen, wo ihr ankommen wolltet?"

Azag sah sich zweifelnd in der kargen Landschaft um. Er wusste es ja wirklich nicht und es war ihm ein Anliegen über das weitere Vorgehen bescheid zu wissen. Als zukünftiges Rudelmitglied, wenn denn, und auch als Spion. Die Augen wieder auf den Fremden gerichtet, hellte sich sein Gesichtsausdruck ein wenig auf, immerhin durfte er seinen echten Namen bei dieser Mission behalten. Beinahe fröhlich stellte er sich mit einem leichten Senken seines Kopfes vor.

"Ich bin Azag Moraé. Freut mich eure Bekanntschaft zu machen."


Jetzt war die Flucht vorbei und Hazúki schmerzten die Pfoten. Es war anstrengend gewesen und in ihrem Herz tanzte immer wieder die Angst, dass irgendwer aus diesem fremden Rudel gefolgt war und sie nun erledigen wollte. Aber es hatte sich bisher niemand gezeigt, der diesen Willen hatte. Doch jetzt blieben die Verzweiflung und die Hoffnung übrig. Ein großes Rudel lebte hier und Hazúki war sich gar nicht mehr so sicher, dass sie hier bleiben durften. Vielleicht würde man sie hassen und sie wegschicken. Sie verachten und sie verurteilen. Die grauweiße Fähe schüttelte leicht ihr Haupt und ließ ihren Blick über die vielen verschiedenen Wölfe gleiten. Erst, als die Stimme ihrer liebsten Schwester an ihre Ohren glitt, blickte Hazúki zu ihr auf und legte den Kopf schief.

„Ich schenke dir mein Glück, Roxana. Bis gleich, liebste Schwester.“

Sie seufzte leise und sah der weißen Fähe, die ihrer Familie angehörte, nach. Ob Roxana es schaffen würde, in diesem Rudel aufgenommen zu werden? Hazúki war sich wirklich nicht ganz sicher und sie wusste nicht, ob es etwas nützen würde, wenn sie nun Anschluss finden würde. Aber einen Versuch war es sicherlich wert oder? Ihre Art war es nicht, viel zu reden, aber sie mochte Gesellschaft und wenn sie einen Grundstein gesetzt hatte, konnte sie immer noch Freundschaften aufbauen. Aber was war mit dieser Gegend hier? Wollte das Rudel hier verbleiben? Es war schrecklich und Hazúki war sich sicher, in ihrem Leben noch nie so etwas schreckliches gesehen zu haben. Wie auch immer. Mit einem nachdenklichen Blick sah sie sich um und entdeckte beim Rudel einen Rüden allein schlummernd liegen [Shit]. Ob er ihr weiterhelfen konnte? Ob er wirklich etwas von dem wusste, was hier geschah? Langsam tapste die Fähe mit dem grauweißen Fell auf den Rüden zu und blieb bei ihm stehen. Ein sanfter Schatten strich sein Gesicht und Hazúki senkte etwas die Schnauze.

„Entschuldigung? Kann ich dich etwas fragen, Rüde?“

Hazúkis sanfte Stimme berührte die Ohren von Shit und sie wartete, ob der Rüde wohl reagieren würde oder lieber seine Ruhe und die heimliche Stille genoss. Sie blickte ihn freundlich, aber eigentlich ohne jede Regung an und wartete geduldig, ob etwas geschehen würde.


Nach seinem etwas vulgären Gefühlsausbruch hatte der Pechschwarze kein Wort mehr gesagt, war stumm hinter seiner Mutter hergelaufen und hatte sich einen Scheißdreck um seinen Möchtegernbeschützer gekümmert. Diese verdammten Bastarde ... Während die anderen die ganze Lauferei über immer müder wurden, zeigte sein Gesicht nur stählerne Kälte, keinen Funken Schwäche. Wenn man ganz genau hinsah, konnte man jedoch in dem gefrorenen Licht seiner Augen pure Verbitterung lesen. Dieser Vollidiot, was war er auch einfach verschwunden!? War doch klar gewesen, dass dieser blöde Jungwolf nicht auf sich selbst aufpassen konnte, Cylin hatte einfach immer bei ihm zu sein! Bloß das konnte er nun nie wieder, weil er einfach zu bescheuert gewesen war, das zu checken! Dabei war es doch so einfach gewesen, schließlich hätte sein kleiner Träumer nun schon vor Hundert Bäumen geklebt, wenn er ihn nicht vorher darauf aufmerksam gemacht hätte, dass da gleich was kam.
Okay, das war jetzt maßlos übertrieben, aber Averic war das doch scheiß egal! Sein Bruder war tot, sein geliebter, kleiner Bruder! Er biss sich leicht auf die Lefzen, dann fester um es auch zu spüren. Dieser verdammte Schmerz in seinem Inneren sollte verschwinden, weggehen! Cylin hatte ihm eindeutig zu viel bedeutet. Mit dem Traumtänzer war nicht nur ein Bruder von ihm gegangen, sondern auch der Einzige, der ihn jemals verstanden hatte. Wohl auch der Einzige, dem er je alles erzählt hatte. Sein einziger, richtiger Vertrauter. Warum machte er sich da nun bloß so viele Gedanken drüber? Er war weg, hatte ihn allein gelassen, das alles hatte er selbst zu verschulden, pah! ... Es tat so weh ... Und dieser Mistkerl, der sich Fenris, Tod oder wie auch immer nannte, hatte ihn einfach nur scheiße angegrinst, als er seinen Bruder geholt hatte. Diese glühenden Augen, dessen Farbe er sogar hatte erkennen können. Die Blutsfarbe. Er hätte irgend einem Rudelblag das Maul stopfen sollen und den Tod so von Cylin ablenken sollen! Vor allem dieses depressive, schwarze Vieh hätte sich doch wunderbar dafür geeignet. Nun war es zu spät ... Es war vorbei, sein geliebter Bruder war tot.
Auch als sie schließlich 3 Tage gewandert waren, hoch und höher ins Gebirge, hatte Averic noch immer den Geruch von Blut in seiner Schnauze. Das Blut seines Bruders. Die Witterung war nur ganz schwach gewesen, doch je mehr er sich in der ganzen Zeit darauf fixiert hatte, umso schärfer war es geworden und nun plagte es ihn die ganze Zeit.
Stumm ließ der Pechschwarze den Blick über das müde Rudel schweifen. Alle waren sie da, jeder hatte es geschafft, nur Cylin nicht. Nur das, was ihm am Meisten bedeutete war zerstört worden. Das Leben war so unfair ... obwohl, so konnte man es gar nicht sagen, diese Sache Leben und Tod war ja ziemlich vertrackt und er könnte ja auch die Gestalt meinen. Egal, er hatte keine Lust sich jetzt darüber wieder den Kopf zu zerbrechen, es war im Moment so unwichtig ... Sein tiefblauer Blick blieb an seiner Mutter hängen, die sich grade bei irgend einer Jungwölfin aufhielt. Ob sie es bereits wusste? Einen Moment verspürte Averic den tiefen Drang zu seiner Mutter zu gehen, es ihr zu erzählen und sich trösten zu lassen. Aber Erstens war da diese fremde Wölfin und Zweitens passte das absolut nicht zu ihm. Auch wenn er in der Praxis ja noch ein Kind war. Wahrscheinlich verdiente er auch gar keinen Trost. Besessen ... Kalt und unnahbar. Ja genau. Averic machte sich ein wenig größer, richtete sich grade auf und streckte die Brust stolz nach vorne, blickte irgendwo in die ausschließlich graue Landschaft und fiel gleich im nächsten Moment wieder in sich zusammen. Gott, er war so albern. Mit gesenktem Kopf trabte der Pechschwarze langsam weiter, weiter und weiter. Er konnte jetzt einfach nicht stolz, kalt, stark und unnahbar sein.
Schließlich ganz abseits vom Rudel blieb Averic stehen. Der Jungwolf wollte und konnte nicht mehr weiterlaufen. Vor ihm hatte ein tiefer Spalt die Erde aufgerissen. Er spürte den Wind um seine Ohren flattern, so als säße dort unten ein riesiges Ungetüm und würde ruhig vor sich hinatmen. Langsam ließ sich der Pechschwarze auf die Hinterläufe sinken und starrte weiterhin hinab. Wieder spürte er diesen widerlichen Kloß im Hals und schluckte schwer. Warum hatte ihn Cylin nur verlassen?

Atalya
25.12.2009, 13:44

Ein Wall wahrer Erleichterung überschwemmte ihn, als sie endlich stehen blieben und Banshee das Wort Sicherheit erwähnte. Hiryoga wandte seinen Körper in die Richtung, aus der sie gekommen waren, zum Sternenwindtal hin, leicht verengten sich seine Augen und seine Ohren schnippten nach vorne, waren sie nun wirklich in Sicherheit? Wahrscheinlich, sonst hätte seine Mutter dies nicht gesagt, sie schien ihre Worte ernst zu meinen, das fremde Rudel wollte doch nur ihr Tal, sie würden sie sicherlich nicht in die Berge verfolgen. Noch nicht wirklich, hatte Hiryoga realisiert, was vor drei Tagen geschehen war, doch es würde noch kommen, aber nicht jetzt. Vorsichtig drehte er seinen Körper wieder zu Shani und Tyel, alles schmerzte ihn, doch er war recht zufrieden mit sich, er hatte die gesamte Strecke durchgehalten, war nicht in Selbstmitleid gesunken, hatte den Mut nicht verloren, zwar hatten sie alle geschwiegen, doch der Hellbraune hatte die Kraft gehabt, den gesamten Weg durchzuziehen, nicht zuletzt ihretwegen. Er wusste nicht woher, doch irgendetwas sagte ihm, dass wenn er stehen geblieben wäre, sie es auch getan hätte, wenn er schwach gewesen wäre, sie sich mit ihm aufgegeben hätte, und selbst wenn er sich nun irrte, es war Ansporn genug gewesen, durchzuhalten.
Mit einem sachten Lächeln blickte er zu Tyel, danach zu Shani, sie hatten es alle geschafft, waren mehr oder wenig gesund und konnten nun ihre Rast in vollen Zügen genießen, wollte er zumindest. Doch wie magisch angezogen, glitt sein Blick zu Kaede, die etwas abseits da lag. Seine eben noch ganz gute Laune verstrich in wenigen Sekunden, die großen Ohren klappten an den Kopf, ein recht missmutiger Blick schlich sich auf sein Gesicht, während er die graue Fähe weiterhin musterte. Sie war blind, sah nichts, musste wohl schon fast am meisten geschafft sein, niemand war da, der sich um sie kümmerte, niemand, der auf sie acht gab, ihr sagte, wann sie ausweichen müsse, weil sich etwas vor ihr befand, niemand, der neben ihr lief und ihr Halt gab, einfach für sie da war. Und er wusste, dass es eigentlich seine Aufgabe war, sie hatte ihn beschützt und geliebt, als er klein war, und nun war er schon ein Jungwolf, er sollte für sie da sein, ihr die Liebe zurückgeben, die er von ihr erhalten hatte. Doch was tat er? Feige drückte er sich vor einem Gespräch mit ihr, mied ihre Nähe und umging sie, so gut er es konnte. Jetzt war ein guter Augenblick gekommen, um mit ihr zu reden, wo sie dort alleine war, doch kaum nahm er sich vor, mit ihr zu reden, spürte er wieder den Klos im Hals, merkte, wie seine Läufe steif wurden und sein Körper unbeweglich. Hiryoga wandte den Kopf zu Shani und betrachtete sie einen Moment lag, vielleicht auch fragend, Hilfe suchend. Als er ihre Worte vernahm und wenige Sekunden später, nur noch ihren Rücken zu sehen bekam, hatte er gar keine andere Wahl, als zu der Grauen zu gehen.
Mit steifen Bewegungen trat er auf sie zu, die Ohren nach außen gedreht, blieb er vor Kaede stehen, betrachtete die Fähe, es war ein anstrengender Aufstieg gewesen, auch für ihn, doch sie hatte es wohl sehr mitgenommen. Ein stechender Schmerz durchbohrte sein Herz, kurz wandte er den Blick ab, ehe er die Graue wieder ansah, er hätte wirklich da sein müssen.

"Darf...darf ich mich zu dir setzen? Ich weiß, ich bin dir immer noch eine Entschuldigung und ein Gespräch schuldig..."

Jetzt war er der kleine Jungwolf, der er wirklich war, seine Stimme war leise und unsicher, seine Augen suchten gegebener maßen Halt, in diesem Augenblick fühlte er sich so klein, wie schon lange nicht mehr. Ja, er war ihr all das schuldig und noch viel mehr, doch im Moment galt es, erst einmal sich zu beruhigen, sie würde ihm schon nicht böse sein...oder?


Tyraleens Blick hing noch immer an dem großen schwarzen Wolf, der Face Taihéiyo sogar fast ein wenig ähnlich sah. Er sah ihm nicht nur ähnlich, er war es auch. Zumindest in dem einen Punkt, dass die kleine Weiße ihn mochte, so spontan wie sie bis jetzt nur Face Taihéiyo gemocht hatte. Und vielleicht Leyla. Es war dieses Gefühl, dass sie nur dann bekam, wenn sie meinte, einen Wolf vor sich zu haben, der anders war, als so viele andere. So wie sie selbst. Vielleicht war sie auch nur zu euphorisch von dieser Welt, in der sie nun leben durfte, aber soweit dachte ihr kleiner Kopf noch nicht. Sie sah nur zu dem Wolf auf und hoffte dabei, dass Face oder er etwas sagen würden. Aber so ganz geschah nicht das, was sie gewollt hatte … neben ihr tauchten wieder zwei tiefschwarze Läufe auf und verdeckten ihren Blick auf den Fremden. Seine Stimme erklang, sie war nicht gerade freundlich, aber auch nicht unfreundlich. Tyraleens Nase zuckte, mit gespitzten Ohren lauschte sie den Worten, die der Fremde zu Face sagte und war fast ein wenig enttäuscht, dass er nicht auf sie einging. Sie sollte es wohl aufgeben, zu versuchen, sich mit anderen Wölfen zu unterhalten … sie konnte nicht viel und gut reden und was sie sagte, musste wohl nicht sehr sinnvoll sein. Wäre sie nun unten im Tal gewesen, hätte sie wohl den Kopf hängen lassen und etwas verloren unter Face sitzen geblieben. Hier jedoch ließ sie ihren Blick über die karge und doch so leuchtend schöne Landschaft gleiten und schöpfte noch einmal Mut. Wieder tappte sie einige Schritte nach vorne, da Face schon recht nahe an den Fremden herangetreten war, stand sie fast unter dem Kopf Azag Moraés. Zu ihm aufsehen wurde schwieriger, blinzelnd sah sie praktisch nur die Unterseite seiner Schnauze.

“Ich bin Tyraleen. Mich freut es auch.“

Wieder verblüffte sie ihr eigener Mut und als sie nun so dastand und doch recht weit weg von Face wurde sie unsicher, zu ihrem Paten fliehen wollte sie aber auch nicht. Der Schwarze würde ihr schon nichts tun, er war nett und wie er gerade gesagt hatte, ein Wanderer, der sicher auch müde war.

“Azag Moraé ist ein schöner Name.“

Sie meinte es zwar auch, aber eigentlich sagte sie es hauptsächlich, damit sie einfach irgendetwas gesagt hatte und sich nicht so klein und unsicher vorkam. Sie lächelte sogar leicht und blinzelte wieder nach oben. Eigentlich reichte sie den Erwachsenen schon fast bis zur Schulter, sie war ja auch gar nicht mehr so klein. Und ihr Pate musste sich auch keine Sorgen machen. Machte er sich denn welche? Wollte sie, dass er es tat? Ihre Ohren drehten sich ein wenig unsicher mal nach vorne und dann wieder zurück.


Thila sah zu Banshee auf, dann ließ sie ihren Blick von der Weißen über ihre Umgebung schweifen. Karg war alles hier, kaum ein Baum oder Busch. Umso mehr sie in die Weite starrte, umso mehr Emotionen wurden in ihr wach. Die Angst herrschte natürlich vor, was sonst? Langsam driftete die Graue in ihre Erinnerungen ab, dunkle Erinnerungen. Sie sah sich selbst vor sich, odere zumindest wie sie vermutete damals, als sie eine Flüchtende war, ausgesehen zu haben. Sie hatte offende Flächen umgangen, lieber war sie im Unterholz unterwegs, auch wenn sie sich dort die Pfoten und Schnauze aufgerissen hatte. Lieber als getötet zu werden, wenn man sie entdecken würde. Viel lieber. Ein eiskalter Schauer jagte ihr über den Rücken und endete erst an ihren Ohrenspitzen. Ihr Blick wanderte weit in die Ferne, während sie sich an dunkle Nächte erinnerte, in denen sie nicht schlafen konnte, immer bereit zur Flucht sein musste. Für ein paar Wochen war das vorbei gewesen und sie dummes Ding hatte geglaubt es wäre für immer so gewesen. Eine Träne bildete sich in einem ihrer graublauen Augen und in diesem Moment holte sie Banshees klare Stimme in die Wirklichkeit zurück. Es dauerte einen Moment bis ihr Herz aufhörte zu rasen und sie überhaupt einen Ton heraus bringen konnte.

"Nein ..."

Thila holte tief Luft, die Furcht klebte ihr noch immer die Kehle zu. In all der Zeit war ihr Herz misstrauisch geworden und die dicke Mauer aus Angst wabte darum, bereit jeden abzuwehren, der versuchte ihm zu nahe zuv kommen.

"Nein, du kannst gern bleiben. Ich ... Ich war noch nie in den Bergen, jedenfalls nicht in solchen Höhen. Nur einmal, als wir ..."

Thila stockte wieder. Blitzartig schlugen Bilder in ihre Gedanken. Als wir verschleppt wurden, ich und meine Brüder und Schwestern. Als ich den letzten Blick auf unser kleines Tal warf, dass mit Blut besudelt war. Als das blieben unausgesprochene Worte. Thila schüttelte sich und sah die Weiße wieder an. Konnte sie die rabenschwarze Angst in ihren Augen sehen? Plötzlich tauchte eine andere weiße Fähe bei ihnen auf. Thila spitze die Ohren und lauschte den Worten der Fremden. Aus dem Rudel jener kam sie also, die sie aus dem Tal der Sternenwinde vertrieben hatte. Die Jungwölfin wusste bei bestem Willen nicht, was sie davon halten sollte. Sie wandte den schmalen Kopf ab und blickte wieder umher. Ihr Blick fiel auf einen der Welpen, sie konnte sich nichtmehr an dessen Namen erinnern, so unwichtig war dies in den letzten Tagen gewesen, dass sie soetwas völlig ausgeblendet hatte. Natürlich war diese Flucht ein schwerer Schlag im Leben des Welpen, aber bei weitem nicht so schlimm wie all das, was sie erleben musste. Kaum erinnerte sie sich an ihre glücklichen Kindheitsstunden. Natürlich, es waren wenige, sehr wenige. Thila seufzte. Sie hatte nie eine richtige Kindheit, nie hatte sie unaufmerksam und leichtsinnig sein können. Ihr wurde dies alles gestolen an jenem Tag, an den sich die Graue nie mehr erinnern wollte und es doch so oft tat. Sie blickte wieder zu Banshee und der Fremden hinüber, die anscheinend nicht allein war. Die Weiße wies zu einer schmächtigen Fähe, die kaum ein paar Schritte weiter lag. Würde Banshee sie aufnehmen? Thila seufzte erneut. Sich machte sich einfach zu viele Gedanken, dass viel ihr in diesem Moment zum aller ersten Mal auf.


Die Augen der Fähe glitten über das Tal. Es war zwar nicht so schön wie das alte aber sie konnte sich vorstellen hier zu leben. Nicht nur das sie nun vollkommen erleichtert war, nein sie freute sich auch für die anderen Wölfe. Tyel war noch nicht lange genug im Rudel um das ganze Revier zu kennen aber die anderen Wölfe würden es bestimmt vermissen. Auch sie vermisste es schon wo sie sich doch so fest vorgenommen hatte mehr zu sehen als nur den Rudelplatz und den See. Doch all ihre Gefühle waren wieder hinter der üblichen Mauer verschwunden. Keiner hatte bisher diese Mauer überwunden, selbst Tyel fiel es manchmal schwer sie zu sehen. Ihr Blick wanderte zu Shani und Hiryoga die beiden schienen erschöpft von der langen Reise zu sein. Ein flüchtiges Lächeln flog über die Lefzen der Fähe. Wie lange war es her das sie so schnell gelaufen war? Sie wusste es genau und sie wusste auch was vorher geschehen war. Und doch war es damals anders gewesen. Sie war allein gewesen und hatte auf niemanden warten müssen. Es war nicht schlimm zu warten, den beiden war es wahrscheinlich gar nicht aufgefallen wenn sie ihr Tempo geändert hatte. Sie freute sich das sie die beiden als Freunde gewonnen hatte und auch das sie während der gesamten Flucht nicht von ihren Seite gewichen waren. Tyel ließ sich erschöpft auf den Boden fallen und schloss einen Moment die Augen. Ihre Läufe zuckten noch immer so als würden sie am liebsten weiterlaufen. Doch die junge Fähe hatte sie bald wieder unter Kontrolle. Immerhin wusste sie nur zu genau wie es war tagelang einfach durchzulaufen und sie wusste auch wie es war plötzlich damit aufzuhören. Sie öffnete ihre Augen erst wieder als Shani zu Hiryoga sprach und ihn aufforderte zu Kaede zu gehen. Einen Moment glitt der Blick der Fähe suchend über die versammelten Wölfe, sie kannte noch immer keinen außer Banshee und den beiden neben sich. Auch Kaede kannte sie nicht und trotzdem versuchte sie den Namen einer der Fähen zuzuordnen. Es war sinnlos sie wusste es sowieso nicht, auch deshalb gab sie nach einiger Zeit einfach auf und schloss die Augen wieder. Ihr ganzer Körper schien sich jetzt zu beruhigen. Wobei sie sich doch gerade daran gewöhnt hatte wieder die Tage durchzulaufen. Neben ihr erklang plötzlich ein "Danke“ von Shani. Überrascht gingen die Augen der Fähe wieder auf und starrten Shani eine weile an. Sie verstand nicht ganz für was sich die Fähe bedankt hatte und doch wusste sie, dass es einen Grund hatte und ging deshalb nicht weiter darauf ein.

"Was auch immer du meinst, es ist doch selbstverständlich unter Freunden"

Sie schaffte es sogar ihre Worte mit einem aufmunternden Lächeln zu unterstreichen. Dann huschte ihr Blick wieder über die vielen Wölfe. Und wieder einmal viel ihr die Stärke Banshees auf. Und doch erlosch ihr lächeln als ihr Blick auf die Fähe fiel. Sie währe auch gerne so ein Vorbild, oder zumindest so aufgeschlossen und einfühlsam. Sie sah es ein, dass sie nicht so werden konnte, sie hatte dazu zu viel erlebt und zu viel durchgemacht. Aber woher wusste sie, dass es mit Banshee nicht das gleiche war?

"Denkst du wir bleiben nun für immer hier oder werden wir irgendwann weiterziehen?"

Eigentlich stellte sie die Frage nur um sich selbst damit abzulenken und nicht wieder in ihre Vergangenheit abzurutschen. Selbst sie hatte schon verstanden das es nichts brachte sich über die Vergangenheit sorgen zu machen. Es brachte nur Ärger und genau den wollte sie vermeiden.

"Wer sind eigentlich die anderen Wölfe alle? Und wie sind sie so? Ich kenne die meisten noch gar nicht außer dir Hiryoga und Banshee."

Auch auf der langen Reise hatte sie keinen der Wölfe mehr kennen gelernt, sie war immer nur bei Shani und Hiryoga geblieben. Und auch wenn sie es gewollt hätte so wäre sie wahrscheinlich viel zu schüchtern gewesen einfach zu ihnen zu gehen.


Nelya und Zack sahen wirklich mitgenommen aus, denn beide regten sich kaum und schienen eine Pause wirklich zu benötigen. Amayá war ebenfalls sehr still und Sheena wusste nicht, was sie sagen oder tun sollte. Dann kam Parveen jedoch zu ihnen. Die Fähe war anfangs mit ihnen gelaufen doch irgendwann war sie weiter vorne gelaufen und Sheena hatte sie aus den Augen verloren. Sie hatte sie gestützt, worüber sheena im nachhinein wirklich froh drüber war. Ansonsten hätte sie die lange anstrengende Strecke sicherlich nicht geschafft. Parveen redete kurz mit ihr, eher sie sich ihrer kleinen Schwester zuwand und mit ihr redete. Amayá und Parveen mochten es hier also auch nicht, doch ging es ihnen so nicht allen? Kein Wolf aus diesem Rudel würde die Berge mögen, da war Sheena sich sicher, keiner war bisher so weit oben gewesen. So weit oben, wo das Atmen sogar schon schwer war und es nichts gab als eine graue und sehr eintönige Steinwüste. Dazu war es so kalt. Sheena schüttelte sich kurz eher sie eine sich eine Antwort zurechtlegte.

"Nein, es war nicht schlimm das zu vorgelaufen bist Parveen. Jeder sollte sein eigenes Tempo laufen und ich habe es schließlich auch so geschafft. Vielen Dank aber, dass du mir am Anfang geholfen hast"

Ihr Maul verformte sich zu einem schüchternen Lächeln in Parveens Richtung. Dann verließ es sie wieder, als ihr klar wurde, dass Parveen dort mit ihrer kleinen Schwester stand. Hatte sie wohl auch noch weitere Geschwister bekommen? Geschwister von denen sie nichts wusste und auch nie etwas erfahren würde?

"Ihr seid in eurer Meinung nicht alleine, mir gefällt es hier oben genauso wenig wie euch"

Setzte sie noch hinzu, ehe sie einen Schritt in Neylas Richtung tat und sich neben ihr zu einer kleinen Kugel zusammen rollte. So war ihr wenigstens nicht mehr so kalt.
Doch kaum hatte sie sich zur Ruhe gelegt machte sich ihr Magen bemerklich. Stimmt, wie lange hatte sie schon nichts mehr gegessen? Doch wo sollten sie hier oben denn etwas herbekommen?

oO{Werden wir hier oben verhungern müssen? Eigentlich gibt es überall Lebewesen . . . Doch was soll hier oben denn schon freiwillig leben? Und überleben können? Wie sollen wir hier oben überleben?}Oo

Geschockt über diese Erkentniss rollte sie sich noch enger zusammen und ignorierte ihr Magenknurren. Sollte er sich doch lieber melden, wenn sie wirklich Futter benötigte. Sie hatte doch schließlich schon immer wenig gehabt. War immer mit wenig ausgekommen, so sollte sie dies jetzt auc hschaffen. Irgendetwas musste es hier oben schließlich geben. Es würde ja keinen Sinn ergeben eine Gegend zu erschaffen in der nichts lebt oder nichts leben kann. Nein das konnte nicht sein. Schläfrig schloss Sheena die Augen und kuschelte sich an Zacks und Neylas Pfoten.


Müdigkeit hatte die graue Fähe überfallen und sie war bereits dabei wegzudösen, als ein altbekannter Geruch ihr in die Nase stieg. War Hiryoga etwa zu ihr getreten? Hatte sie ihn etwa nicht gehört? Doch auch jetzt konnte sie nichts vernehmen. Sollte er etwa stumm vor ihr stehen? Gerade als sie fragend ihre Schnauze hob ertönte seine Stimme. Leise und unsicher, so wie er früher immer geredet hatte. Seufzend lauschte sie dem vertrauen Klang und blickte ihn dann erstaunt mit schiefgelegtem Kopf an.

"Du bist mir gar nichts schuldig! Und natürlich darfst du dich zu mir setzen mein Kleiner!"

Freude überrollte Kaede und sie richtete sich etwas auf um ihn mit ihrer Schnauze zu berühren. Kurz vergrub sie ihre Schnauze in seinem Brustfell ehe sie ihn anstupste und sich zurück sinken ließ.

oO{Ob er ein schlechtes Gewissen hat? Warum sollte er sonst so reden? Aber warum sollte er ein schlechtes Gewissen haben? Irgendetwas ist mit ihm los . . .}Oo

Verwirrt wartete Kaede. Sie freute sich, dass er zu ihr gekommen war, doch seine Art, wie er sich verhielt ergab ihres Erachtens keinen Sinn.

"Ich freue mich, dass du zu mir gefunden hast, doch ich habe das Gefühl dich betrückt etwas!? Was ist denn los?"

Fürsorge lag in ihrer Stimme. Sie würde immer für ihn da sein, er war schließlich ihr Pate und soetwas wie ein Sohn für sie. Und genauso liebte sie ihn, wie einen Sohn, den sie selber nie bekommen konnte. Doch sie hatte ihn, den kleinen großen Hiryoga. Und sie hoffte, dass alles gut werden würde und sie wieder zurück kehren können.

"Ich weiß ja nicht wie du es hier oben findest, aber auch wenn ich es nicht gerade als mein Lieblingsort bezeichnen würde, denke ich dass wir hier überleben können und hierdurch gestärkt werden, sodass wir irgendwann wieder zurück ins Tal kehren können und das andere Rudel verjagen können nicht wahr?"

Nun hatte sie ihm schon wieder so viel gesagt, dass er gar nicht zum reden kam. So lächelte sie nun nurnoch und wartete auf seine Worte.


Stumm hatte er nur da gestanden, auf eine Antwort gewartet und sie sogleich erhalten, ihre Worte erleichterten es ihm zwar, sich zu ihr zu setzen, aber sein Gewissen rebellierte immer noch, sie schien nicht böse zu sein, aber war es ihr denn völlig egal gewesen, dass er weg gewesen war, diese lange Zeit? Für ihn war es eine lange Zeit gewesen, denn er war erst ein Jährling und schon einige Monate getrennt von seinem Rudel gewesen. Die großen, spitzen Ohren drehten sich nach außen, nicht wirklich eingeschüchtert oder verwirrt, aber unwissend, ein wenig verletzt. Schon fast wäre es ihm lieber gewesen, dass sie sauer war, als dass sie ihn kaum vermisst hatte, so kam es nun rüber. Kurz schüttelte er den Kopf, nein, er tat ihr unrecht, sicherlich hatte Kaede ihn vermisst, sie hatte oft an ihn gedacht, das wusste er, er durfte sich nur nicht so etwas einreden. Ihre kurze Berührung eben, hatte sein Herz höher schlagen lassen, es war so, als ob das, was ihm so lange gefehlt hatte, plötzlich wieder da war, so als ob er langsam wieder seinen Platz einnahm, den er damals verlassen hatte, als ob nun Stück für Stück, sein Leben einen Sinn erhielt. So viel Liebe ging von dieser Fähe aus, und er hatte sie einfach verlassen, und sie wollte ihn immer noch? Welch Kraft sie besaß, sie war wirklich stärker, als sie aussah, blind und trotzdem, hatte sie noch den Mut und die Kraft weiterzuleben und so viel zu geben.
Langsam ließ er sich auf die Hinterläufe sinken, hörte ihrem wahren Wortschwall zu, doch so war sie nun einmal und er war froh, dass sie so viel redete, denn Reden war nicht seine Stärke, er schwieg lieber, doch nun würde er reden, er musste. Vorsichtig schob er seine Vorderläufe in Richtung der Grauen und legte sich somit vor sie, der Länge nach hin, sodass seine Pfoten fast die Fähe berührten, aber auch nur fast. Kurz schob er seine Schnauze unter ihre, schleckte ihr durch das Halsfell, ehe er den Kopf zurückzog und sie betrachtete, einen Augenblick schweigend, ehe seine Stimme leise erklang.

"Ich hoffe es, das ist nicht der beste Platz, für ein Rudel, denn unser Zuhause ist das Sternenwindtal."

Schnell verklang seine Stimme wieder, eigentlich wollte er nicht um das eigentliche Thema herum sprechen, doch er fand es unhöflich, nicht auf ihre lieb gemeinten Fragen einzugehen, sodass er sie vorweg kurz beantwortete. Einen Moment lang blickte er konzentriert auf den harten Boden, bevor er den Blick wieder auf Kaede richtete, zaghaft begann er zu sprechen.

"Auch...wenn du sagst, ich bin dir keine Erklärung schuldig, so finde ich doch. Du hast Recht, es liegt mir etwas auf dem Herzen. Du weißt sicherlich noch, ich bin damals gegangen, ohne mich zu verabschieden, ich kam wieder, ohne dich zu begrüßen und habe dich gemieden, ich weiß, dass du es gemerkt hast....und genau dafür wollte ich mich entschuldigen, genau dafür, möchte ich dir den Grund nennen..."

Die Stimme des Hellbraunen wurde immer leiser, bis er die letzten Worte wirklich herauspressen musste, er zwang seinen Körper regelrecht dazu, zu sprechen. Seinen Kopf senkte er etwas, presste die Ohren an diesen und richtete den Blick in die Ferne.

"Ich weiß nicht, wieso ich das getan habe...ich meine, ich komme mir so dumm vor, wenn ich sage, mir hat das alles hier nicht gereicht, ich selbst reiche mir nicht, ich will so viel mehr, weißt du was ich meine? Ich weiß, ich hätte sterben können, aber so etwas fällt einem erst im Nachhinein auf. Das war so selbstsüchtig von mir, so verantwortungslos…
Ich hab ständig daran gedacht, was ich dir sagen soll, aber jetzt macht das alles ehrlich gesagt keinen Sinn mehr für mich, also das, was ich dir gerade erzähle. Es lag nicht an dir, an niemandem, nur an mir, deswegen bin ich gegangen und ich kam mit ihr...und es war so leer da drin, jetzt ist es aber ganz anders, jedoch kann ich auch nicht leben ohne das Rudel, ohne Mutter und ohne dich erst recht nicht..."


Hiryoga wandte den Kopf ab, leicht jappte er nach Luft, fast so, als ob es ihn furchtbar anstrengen würde zu reden, mehr als zu laufen. Sein Körper zitterte leicht, was erzählte er da eigentlich? Vorsichtig richtete er seinen Blick auf die Fähe, ein leises Fiepen verließ seine Kehle, aber nur ganz leise, sodass einzig Kaede es vernehmen konnte.

"Ich rede nur wirres Zeug, was ich eigentlich sagen wollte ist...es tut mir leid, ich will dich nicht enttäuschen und dich nicht verletzen..."


Nächste Runde. Alles festhalten bitte. Aber wenigstens würde diese Partie ein Heimspiel werden. Langsam wanderte der mitternachtsblaue Blick des Rüden über die karge Felsenlandschaft. Irgendwie schien er ein Bergwolf zu sein, denn nun befand er sich nach einer dreitägigen Wanderung schon wieder hier. Eine interessante Feststellung. Er kam praktisch gerade erst von hier, auch wenn sich der Nachtsohn genau wie das Rudel nun ein ganzes Stück höher befand, als er es mit Shit gewesen war. Nur die Eiswüste, sein Exil, konnte mit dieser luftigen Höhe ein wenig mithalten. Er hatte keine Ahnung, wie hoch dieses Tal gelegen hatte, aber diese Umgebung entsprach fast der selben wie jenem Tal, in dem er gelebt hatte. Zum Jagen ein Abstecher in die Tundra, um dort eine magere Ausbeute zu erlegen und sonst nur Felsen und Geröll, im Winter alles meterdick mit Schnee bedeckt und zugefroren. Dies war nicht der Ort für ein Rudel, erstrecht nicht mit Welpen. Aber wenn sie hier in Sicherheit waren. Als das fremde Rudel angriff und sie fliehen mussten, hatte der Schwarze etwas vertrautes gespürt. Was es war, hatte er beim besten Willen nicht deuten können. Auch hatte sich seine Muskulatur angespannt, sein klarer Blick die Eindringlinge fixiert, das Nackenfell hatte sich gesträubt und ein leises Knurren war seiner Kehle entflohen. Was mit ihm los gewesen war, war ihm nach wie vor ein Rätsel. Warum hatte sein vereistes Herz plötzlich so schnell geschlagen? Aber so oft er auch die Fragen in seinem Kopf herum warf, beantworten konnte er sie nicht. Nun hockte der große Rüde auf einer niedrigen Steinplatte und ließ den Blick schweifen. Nichts, was ihm neu wäre, von der Höhe mal abgesehen. Er bezweifelte, wenn er sich so recht um sah, das sein Exil so hoch gelegen hatte. Bis ans Ende der Welt und nie wieder zurück. Eine fein bemuskelte Pfote schob sich nach vorne und die harten Krallen kratzten über den Stein. Wie lange würden sie wohl hier bleiben? Wie lange würde er das Rudel noch begleiten? Seine Gedanken wanderten zu Shit, nach einer Weile folgte ihnen sein Blick. Er war eingeschlafen. Midnight erstaunte es nicht. Er musste völlig müde sein, bei dem, was er geleistet hatte. Zuerst hatte er den Nachtsohn von seinem Vorhaben abgehalten, war mit ihm dann lange Zeit alleine unterwegs gewesen, jetzt hatte er die Aufgabe der Alpha gemeistert und war mit dem Rudel geflohen. Wenn das sogar bei ihm nicht an die Substanz ging, wusste er auch nicht weiter. Eine Fremde war zu ihm hinzu getreten. Das man das Rudel hier oben noch hatte aufspüren können... Schweigend beobachtete er, wie sie versuchte ihn anzusprechen. Ließ man noch nicht mal ihm ein bisschen Ruhe? Ob er dazwischen gehen sollte? Aber schon ruhten seine Gedanken wieder bei dem verrückten Rüden. Er erinnerte sich an die Zeit, in der er hier im Tal auftauchte, wie er sterben wollte, springen wollte, es aber nicht vor den Augen Shits tun wollte. Die erste Begegnung dieser beiden so verschiedenen Rüden. Unter welchem Stern sie auch immer stand, hier im Tal der Sternenwinde. Abwarten. Langsam erhob er sich dann doch, lief leise zu de Schlafenden hinüber, stellte sich an dessen Seite, sein Blick war nun auf die Fremde gerichtet.

"Kann ich euch helfen, Fremde?"

Ruhig waren seine Worte, nicht von übermäßiger Freude, aber auch nicht kalt und abweisend. In solchen Zeiten sollte man besser wachsam sein und diesem Rüden der neben ihm lag, würde man kein Unrecht tun. Nicht solange der Nachtsohn hier stand. Denn etwas hatte er bemerkt: Shits Art mochte sehr ungewöhnlich sein, war dafür aber ebenso einzigartig und einmalig. Niemals würde er es zulassen, das er sich änderte. Solange ihm dieser Rüde etwas sagte, auch wenn es eine Lüge war, wenn er es mit seinem unschuldigen Lächeln tat, war es ihm egal.


Hazúki wartete etwas ob der Rüde ihr antwortete, aber er hielt die Augen geschlossen und schien in einem tieferen Schlaf zu sein. Sie wollte nicht stören, aber es machte sie mehr nervös, wenn sie alleine herum lief als wenn sie nun mit irgendwem reden konnte. Seufzend hob sie ihr Haupt wieder und die kleine Fähe blickte den Rüden der dort so friedlich lag eine Weile an. Dann ging ihr Blick hinüber zu ihrer Schwester, die sie nun aber nicht stören wollte. Würde ja doch nichts bringen, das würde nur Misstrauen erwecken und das konnten sie sich nicht leisten. Immerhin hatten sie nichts Böses vor. Sie wollten Abstand, Ruhe und Frieden. Plötzlich spitzte die junge Fähe die Ohren und neben ihr tauchte ein nachtschwarzer Rüde auf. Seine tiefblauen Augen stachen sehr hervor und Hazúki zuckte kurz, ehe er sie neutral ansprach und sie schluckte. Diese Angst…diese unendliche Angst…

„Verzeiht…ich wollte den Rüden nicht wecken…“

Hazúki senkte ihr Haupt, obwohl sie so schon viel kleiner war als der Nachtschwarze, schämte sie sich etwas und wollte sich noch kleiner machen.

„Meine Schwester und ich sind neu hierher gestoßen. Es würde mich nur interessieren, was das hier für ein Rudel ist und warum es vertrieben wurde. Einst waren wir in diesem Rudel, das euch vertrieb, doch nur um uns selbst Schutz zu gewähren. Wir hatten Angst unter den mächtigen Wölfen, sie sind stark und intelligent…zumindest habe ich mich vor jeder Begegnung mit ihnen gefürchtet. Ist es hier…sicher? Ist dieses Rudel ein friedliches Rudel? Ich möchte diese Qualen hinter mir lassen…“

Hazúki schluckte, sie gab vielleicht sehr viel von sich preis, aber wenn sie etwas verschwieg, würde es nur einen falschen Eindruck erwecken. Und das wollte sie nicht. Der Rüde hier sah aus, als wenn er ebenfalls stark wäre und vor allem würde er wohl nicht einmal vor einer mageren und kleinen Fähe wie sie zurück schrecken. Nein. Das hätte sich auch nicht gelohnt, oft war der Tod ja doch eine gewisse Erlösung gewesen. Hazúki seufzte, blickte den Rüden nun unsicher und von unten an, weil sie sich immer noch etwas fürchtete, aber sie wirkte friedlich und hatte keines Wegs den Körper einer Kämpferin. Dass sie bei den Feinden gewesen waren war wohl das größte Problem. Und vielleicht würden einige nicht damit klar kommen. Das befürchtete sie.


Banshees Blick lag, während sie auf eine Antwort von Thila wartete, gedankenverloren in der kargen Landschaft. Sie sah nicht die kalten Steine, die wenigen, halb toten Gräser und die tiefhängenden tristen Wolken. Vor ihrem Auge sah sie eine sonnenüberflutete Wiese, sie sah Acollon auf sich zu kommen und umschwirrt von schillernden Flügelwesen tollten ihre Welpen im Licht. Fast meinte sie den süßen Duft von Sommerblumen zu riechen. Das sanfte Gezwitscher von Vögeln erfüllte die Luft und von irgendwoher plätscherte und gluckste ein Bach. Jäh wurde ihre tröstende Vorstellung durchbrochen, als Thila ein seltsam klingendes Nein antwortete. Sie blinzelte, da war keine Wiese, kein Licht und weder spielende Welpen noch … sie meinte ihren Augen nicht zu trauen, als ihr gewahr wurde, dass sie schon die ganze Zeit auf einen tiefschwarzen Wolf starrte, zuvor nur, ohne ihn zu sehen. Konnte es wirklich sein … Acollon? Sie wollte schon fast aufspringen, als sie jäh die Erkenntnis aus der Luft sog … Averic. Da saß nur Averic, etwas entfernt, an einer Spalte, seltsam in sich zusammengesunken. Sie schämte sich für ihre Gedanken und ihre blühende Phantasie, ihren eigenen Sohn nicht erkennen können … aber vielleicht war es auch die Müdigkeit, die sie dazu brachte, sich Dinge einzubilden; so realistisch hatte die Wiese gewirkt. Wieder sprach Thila und diesmal drehte Banshee ihren Kopf gleich zu der Jungwölfin. Was sie erzählte, war seltsam und der Ausdruck in ihren Augen erschreckte die Weiße. Es war Angst, Schrecken und tiefe Trauer. Es musste etwas passiert sein, das dachte sie nun schon zum zweiten Mal.

“… als ihr?“

Ihre Stimme war sanft und nicht fordernd, Thila musste nicht antworten. Nach kurzer Überlegung fügte sie mit ebenso ruhiger und einfühlsamer Stimme hinzu:

“Viele von uns haben eine schwere Vergangenheit … und manchen hat es geholfen, darüber zu reden.“

Sogar ein leises Lächeln brachte sie kurz zustande, drehte den Kopf dann aber weg, um nicht drängend zu wirken. Es geriet dabei eine weiße Fähe in ihr Blickfeld, die auf sie zusteuerte. Sie war eine Fremde und Banshee wurde klar, dass sie ihnen die ganze Zeit gefolgt sein mussten, ohne dass sie es bemerkt hatte. Sicherlich, sie war erschöpft, unendlich traurig und in großer Sorge, aber dennoch war es nicht gut, dass ihre Aufmerksamkeit so darunter litt. Immerhin sah die Fremde freundlich aus und blieb schließlich auch mit leicht gesenktem Kopf vor ihr stehen. Schweigend lauschte sie den Worten der Weißen, bei der Erwähnung der Vertreibung zuckten ihre Ohren leicht zurück, sonst erschien keine Emotion auf ihrem Gesicht. Als die Fähe namens Roxana geendet hatte und die Augen schloss, dabei seltsam hilflos und hoffend aussah, hatte Banshee ihre Entscheidung schon gefällt. Dennoch ließ sie noch ein wenig Zeit verstreichen und musterte zunächst die Weiße vor ihr mit einem sanften Blick, dann ihre Schwester, die mittlerweile bei Shit und Midnight stand. Schließlich nickte sie langsam und lächelte wieder leicht.

“Ich glaube dir, denn ich wüsste nicht, warum du und deine Schwester uns sonst gefolgt sein könntet. Hier oben ist kein Lebensraum für einen Wolf und erst Recht nicht für ein ganzes Rudel. Dessen müsst ihr euch bewusst sein. Möglicherweise könnte es uns allen hier oben sehr schlecht gehen, wollt ihr dennoch bleiben? Aufnehmen werde ich euch gerne, jeder von uns wird versuchen, euch die Gemeinschaft zu geben, die euch sonst verwehrt blieb. Ich bin Banshee … und das ist Thila Reycou, den Rest des Rudels werdet ihr sicher noch kennenlernen.“

Sie berührte wie um ihre Worte zu bestätigen die Weiße leicht an der Stirn, eine Geste, die mittlerweile ein Teil von Banshee geworden war. Sie war sich sicher, dass sie mit der Aufnahme der beiden Schwestern keinen Fehler begangen hatte.


Blitzschnell waren die Ohren zu der Wölfin gedreht, die ihn ansprach und die Augen wieder aufgeschlagen. Der Schlaf verzog sich und Shit sah, verhältnismäßig wach zu jener, die ihn geweckt hatte. Mit einer schnellen Bewegung sprang er auf die Pfoten und streckte sich erst einmal. Wie lange mochte er geschlafen haben? Ein paar Minuten vielleicht? Egal. Irritiert blickte er in das wildfremde Gesicht.

„Äh, ja, natürlich. Shit ist der Alpha des Rudels! Öh, nein, wäre er nur gern.“

Wedelnd betrachtete er die Wölfin und wandte den Blick dann Midnight zu, der sich ebenfalls zu ihm begeben hatte. Wie konnte es denn soweit kommen?

„Nicht Rüde. Shit ist der Name!“

Keck grinste er sie an und kuschelte sich im Anschluss in das Fell seines schwarzen Freundes. Der Geschichte lauschte er, mit schiefgelegtem Kopf. Dieses Rudel tollwütiger Wölfe hatte also auch Wesen in seinen Reihen, die normal waren? Interessant.

„Dieses Rudel ist ein friedliches Rudel, mit einer sehr lieben Alphawölfin.“

Natürlich schaffte er es nicht, einmal keine Werbung für Banshee zu machen. Prüfend sah er sich um, neugierig. Die andere Wölfin war bereits bei der Leitwölfin.

“Wieso stellst du dich nicht, wie es sich gehört, der Leitwölfin vor? Sie kann dir alles sagen, was du über dieses Rudel wissen musst. Vertrieben wurden wir, weil das Rudel, das du begleitet hast, mächtiger ist, als wir. Für intelligent halte ich sie nicht, oder zumindest nur für hinterlistig und nicht weise. Hier ist es so sicher, wie es für ein Rudel in einer fremden Umgebung eben sicher sein kann. Die Gemeinschaft ist stark, der Einzelne kann nicht viel ausrichten. Redet Shit schon wieder zuviel?“

.oO(Auch egal.)

Amüsiert betrachtete er die Wölfin, die zu ihm gekommen war und ihn sogar geweckt hatte. Wieso zu jemandem wie ihm? Merkwürdig.

“Shits schwarzer Freund hier, ist übrigens Midnight. Ein toller Wolf.“

Er grinste und freute sich scheinbar seines Lebens, weil er wieder Werbung machen durfte. Naiv wie immer strahlte er ihn an und schleckte ihm dann überschwänglich wie ein kleiner Welpe um die Schnauze.


Und wieder wollte der Vorhang nicht fallen. Aber jetzt hatten sie ihre Rollen getauscht. Wie erstarrt stand Alienna da, spürte Leylas Blick in ihrem Rücken so wie zuvor Leyla den Blick der Braunen gespürt haben musste. Aber anders als vorher hatte Alienna nicht vorgehabt sich umzudrehen, wenn der Applaus erst verklungen war. Sie hatte nicht mal darauf warten wollen, sie hatte die Bühne ohne Abschied verlassen wollen. Aber dann hatte Leyla sie aufgehalten, mit einer Stimme, die so gar nicht zu ihr gepasst hatte. Es war keine Bitte, kein Flehen gewesen … sie hatte es ihr befohlen, und Alienna hatte gehorcht. Danach, viel leiser und gebrochen war dann wieder die wirkliche Leyla gekommen, mit der Frage, die die Braune gefürchtet hatte. Gleichzeitig wusste sie irgendwo in ihrem Unterbewusstsein, dass allein die Tatsache, dass die Fähe sie stellte, zeigte, dass sie ihr nicht egal war. Doch diese Erkenntnis, zudem unterbewusst, machte nichts besser. Wieder schien es eine Unendlichkeit zu dauern, bis Alienna ganz langsam den Kopf wandte, Leyla ansah, mit einem so stumpfen Blick, dass es doch aussehen musste, als würde sie durch die hindurchblicken. Wie in Trance drehte sich dann auch ihr Körper, schräg zu Leyla hielt sie inne, schien, als hätte sie vergessen, was sie ursprünglich beabsichtigt hatte.

“Angst. Es war einfach nur Angst, vor dem was passierte, vor dem Rudel, vor dir, vor der Tatsache, dass ich vor einer Freundin Angst hatte, vor mir selbst, vor dem Tal, vor … vor dem Glück, das ich so plötzlich erleben durfte. Erst hier oben wurde mir zu spät klar, was ich mit der Flucht für immer verloren hatte.“

Ihre Stimme war leise und rau, dennoch klang sie nicht unsicher oder zögernd. Weder ihre Wortwahl noch ihre Art zu sprechen passte zu ihrem leeren Blick und den apathischen Bewegungen, wie immer schien sich beides zu widersprechen. Und auch in ihrem Inneren waren nur Widersprüche. Sie wollte noch immer zurück zu ihrem Felsen gehen, sterben, gleichzeitig wollte sie bei Leyla bleiben, ihre Freundin sein, obwohl sie doch wusste, dass sie jede Chance verspielt hatte. Sie spürte große Müdigkeit und Erschöpfung, Schmerzen, die aus ihrer Seele kamen und ihren Leib zu verschlingen drohten, gleichzeitig konnte sie hier stehen und laufen und reden ohne inne zu halten und erschöpft nach Atem zu ringen.


Aliennas Worte verwirrten sie nur noch mehr. Sie klärten nichts auf, die warfen nur neue Fragen auf. Wieder hätte sie das einfache Wort „warum“ aussprechen können. Warum konnte man immer fragen, besonders dann, wenn man eigentlich gar nicht zum Reden in der Fassung war, und das war sie jetzt gewiß nicht. Viel lieber hätte sie ihr so lange in die Augen gestarrt, bis sie selbst alles aus sich heraus erzählt hätte, einfach alles. Alles was es zu sagen gab, alles, was sie hätte wissen müssen, um diese Handlung zu verstehen. Niemals hätte sie es verstehen können. Sie waren doch verschiedener, als es Leyla erschienen war. Sie konnte keinen Schritt weit nachvollziehen, wie man vor jemandem wegrennen konnte, oder schlimmer noch, wie man vor demjenigen Angst haben konnte, den man doch so mochte. Wohin war sie dann geflüchtet? In die Einsamkeit? Hatte sie dieses schöne Gefühl, diese schöne Zeit, diese ganze Freundschaft und das Zusammensein gegen Einsamkeit, Melancholie und krank machende Depressionen eintauschen wollen? Leyla hatte sich immer an alles geklammert, was ihr auch nur einen Hauch von Liebe schenkte, all das, was ihr Mut zum Leben gab. Alienna hatte ihr all das geben können, Wärme und vor allem das Gefühl, nicht umsonst auf dieser Welt zu sein, den Gedanken, daß es noch weiter geht und daß noch lange nicht der Weg ins Reich des Todes anzutreten war. Das hatte mehr Gründe, als nur ihr junges Alter, es hatten Gründe, die sie allein nicht erkennen konnte, wozu sie einfach jemanden wie Alienna gebraucht hatte. Jetzt sollte sich herausgestellt haben, daß sie in Wirklichkeit Angst hatte? Für Leyla war das keine Entschuldigung. Es war schwer für sie, zu verstehen. Sie wußte nicht, was sie anderes fragen sollte, als noch ein Mal warum. Sie mußte sich damit nur dumm vorkommen, doch es war nicht die Zeit um mit Worten zu reden, würde sie es verstehen? Aber wie sollte sie es auch mit Worten sagen? Worte konnten neuen Haß keimen lassen, Schuldgefühle hervorrufen. Es schien ihr, als widerspräche sie sich selbst. Sie sprach von Angst und trotzdem von diesen schönen Gefühlen, wie konnte beides zusammenkommen? Sie war ein Mal so glücklich, wie nie, das alles schien kaputt zu sein. Sie zweifelte daran, daß es jemals wieder so werden konnte, wie es einst war. Leyla wandte den Blick ab, drehte den Kopf um und drehte ihn so weit rum, daß sie mit der Nase in ihr weißes Fell kam. Am liebsten wollte sie sich in sich selbst verstecken. Es sollte gar nicht so aussehen, als wäre sie traurig. Sie sollte nicht traurig sein, dazu gab es keinen Grund. Doch in Wirklichkeit überwog die Trauer doch und die Wut ging darin unter, anders war es bei ihr nie. Sie versteckte sie ihr Gesicht, ihren Blick, die sie sowieso nicht verstellen konnte, um nicht zu zeigen, wie traurig sein das machte. Das, was sie von Alienna hören wollte oder zu spüren bekommen wollte, konnte man nicht mit einfachen Worten verlangen, zumindest sie nicht. Entweder war ihr das klar..oder sie drehte um und ging für immer, dann würde Leyla noch mehr Trauer empfinden und die Wut würde sich gegen sie selbst richten. Vielleicht war es auch alles Lüge und in Wirklichkeit war sie gegangen, weil sie mit ihr gar nichts mehr zu tun haben wollte..

Der kühle Stein unter ihrem Kopf tat Shani irgendwie gut, dabei war ihr sonst eher kalt. Es war wie ein plötzlich kalter Wind, der Sorgen, Ängste und Schmerz zumindest für kurze Zeit aus dem Kopf blies und einen auf eine wunderschöne Art und Weise frei machte. Auch jetzt fühlte sie sich viel besser, vielleicht aber auch nur, weil sie endlich hier liegen durfte und weder Angst hatte, dass ihre Läufe sie bald nicht mehr tragen würden, noch, dass ein fremder Wolf auftauchte. Auf der ganzen Flucht hatte sie kein einziges Mal einen der schwarzen Wölfe gesehen, vielleicht hatte sie nie aufmerksam genug den Wald danach abgesucht, aber vielleicht waren sie auch einfach nicht gekommen. Weil sie behütet war? Weil um sie herum ihre Freunde waren und kein schwarzer Wolf ihr etwas antun konnte? Abgesehen davon, dass ein eingebildete Wolf einem sowieso nichts antun konnte, aber das war zweitrangig. Vielleicht war auch dafür das Danke … Als Tyel dann etwas von Freunden sagte, musste Shani wieder lächeln … ein Lächeln, das ganz tief aus ihrer Seele kam und nur ein Bruchteil davon zeigte, was dieses Wort ihr bedeutete. Freunde … so etwas hatte sie nie zuvor gehabt. Oder was waren sie und Hiryoga? Sie kannte doch die Bezeichnungen nicht … aber … einerlei. Tyel als eine Freundin. Das war ein so schöner Gedanke.

“Ja … Freunde. Ich … ich hatte noch nie eine Freundin.“

Jetzt lächelte sie unsicher, sah etwas verschüchtert aus, ganz so wie eine Jungwölfin eben, die anfing, das Leben richtig kennenzulernen. Sie robbte ein wenig nähe zu Tyel, sodass sie nun neben ihr lag und folgte ihrem Blick zu Banshee. Was sie von der Leitwölfin halten sollte, wusste sie noch nicht, aber sie hatte es geschafft, sie alle sicher hier hoch zu führen und dafür war die junge Wölfin ihr sehr dankbar. Auf die Frage der Braunen, ob sie hier länger bleiben würden, wusste sie keine Antwort. Banshee hatte am Anfang der Rast etwas gesagt, aber Shani hatte nicht richtig hingehört, war zu froh gewesen, sich einfach fallen lassen zu können.

“Ich weiß es nicht … aber dort oben sieht es noch ein wenig ungemütlicher aus.“

Sie deutete mit der Schnauze auf die schneebedeckten Gipfel, die oberhalb der Steinwüste lagen. Sollten sie dort noch hineingehen, würden sie wohl jedes auch noch so wenig bekanntes Land hinter sich lassen. Einerseits hatte sie davor Angst, andererseits schien es ihr, als würden sich die schwarzen Wölfe schon hier nicht mehr blicken lassen … kein Wald, keine Bäume … waren sie dort oben für immer verschwunden, gab es sie nur im Wald? Es wäre das schönste, was ihr passieren könnte, aber so ganz konnte sie nicht daran glauben. Sie schüttelte leicht den Kopf um alle bösen Gedanken zu verscheuchen und lächelte dann zu Tyel, ein wenig bedauernd.

“Oh, ich habe keine Ahnung. Ich bin nicht viel vor dir hier angekommen. Ich kenne Hiryoga und seine Patin Kaede und seine Mutter Banshee aber sonst niemanden. Ich glaube aber, dass sie sehr nett sind, zumindest hat Hiryoga das immer gesagt. Schade nur, dass wir so wenige kennen …“

Sie verlagerte ihr Gewicht so, dass ihr Kopf nun auf ihren Vorderläufen lag, so konnte sie sich besser umsehen und sich auch besser mit der Braunen unterhalten. Ihr Blick glitt über die einzelnen Grüppchen von Wölfen … jeder schien sich irgendwie zu unterhalten. Viele namenslose Gesichter, aber keines, das Shani Angst machte … was sie glücklich machte.


Mit wachsamen Blick schaute der Nachtschwarze die Fähe schlicht an, musterte ihren zierlichen Körperbau und betrachtete ihre geduckte Haltung. Sie war unsicher, ganz eindeutig. Dabei war er gar nicht so Furcht erregend. Nur ein stiller Rüde, der bisher nur eines im Leben wollte: Das Glück der Anderen. Einzig als er springen wollte, hatte er nur an sich selbst gedacht. Dafür hatte jemand anderes seine Ansprüche und Wünsche zurück gestellt und ihn mit genommen. Kurz huschte sein Blick zu Shit, der noch immer friedlich schlief. Er wollte ihn gerne schlafen lassen und die Fremde ein wenig abseits bringen, damit sie antworten konnte, allerdings kamen ihm die beiden zuvor. Shit erwachte, streckte sich und die Fähe antwortete, noch ehe er etwas erwidern konnte. Stumm lauschte er ihren Worten; die ersten kamen leider etwas zu spät. Als sie erklärte, das sie und ihre Schwester zu dem Rudel gehörten, das die Sternenwinde vertrieben hatte, wurde der Nachtsohn hellhörig und seine Körperhaltung straffte sich etwas. Aber auch nur für eine Sekunde lag. Hier hatte er es nicht mit einem zwielichtigen Rüden zu tun, der sich nun hier einschleichen wollte, sondern um zwei heimatlose Fähen, die einen Platz suchten, wo sie hin gehörten. So wurde seine Haltung wieder lockerer, blieb aber aufmerksam. Zu einer Antwort kam er jedoch auch nicht, denn Shit hatte sich erhoben und sich sogleich wieder an ihn gekuschelt. Etwas, an das er sich schon hätte gewöhnen müssen, doch noch immer war es ihm neu und so fremd. Aber er wich nicht zurück, schon Mal ein kleiner Fortschritt.

"Ich kann nur Shits Worte bestätigen. Banshee ist eine wahrhaft gütige Alpha und wird euch weiter helfen können. Viel kann ich nicht über dieses Rudel sagen, dazu verweile auch ich noch nicht lange genug hier."

Kurz zuckte die Rutenspitze des Nachtsohnes, während er Stirn runzelnd zu der weißen Alpha blickte, die mit zwei weiteren Fähen sprach. Die eine kannte er vom Sehen, er hatte sie während der Flucht kurz ins Auge geschlossen, die Andere war ihm völlig unbekannt. Vielleicht die besagte Schwester? Als er von seinem selbsternannten Freund vorgestellt wurde, wanderte sein Blick erst zum Sprecher neben ihm, dann zu der Fremden. Kurzzeitig verengten sich die Augen von mitternachtsblauer Farbe, ehe er sich wieder entspannte. Shit hatte eine wahrlich seltsame Wirkung auf ihn und er begann, den Rüden interessant zu finden. Denn obwohl er den lieben langen Tag einen zu groß geratenen Welpen mimte, hatte er bei der Übernahme einen völlig anderen Shit erlebt und er würde der Sache vielleicht Mal auf den Grund gehen. Wobei ihn dies nicht wirklich etwas anging. Aber es hatte verdeutlicht, das sein Begleiter auch anders konnte. Leicht wandte Midnight den Kopf um in die naiven Augen zu blicken. Er nahm immer alles so locker und einfach. Die beiden Rüden waren wahrlich komplett verschieden. Wie...Tag und Nacht. Welch eine Ironie.


Zögernd setzte sich die Schwarze. Das wandern ermüdete sie. Jedoch nicht so sehr, wie es andere wohl empfanden. Sie mussten ihre Heimat verlassen, was viele mit Trauer plagten. Doch für die Schwarze waren die Berge eine Erlösung ihres inneren Druckes. Sie war überzeugt dass sie hier Stille fand. So überzeugt, als wäre sie hier schon einmal gewesen. Doch das war unmöglich. Geboren im Tal der Sternenwinde konnte sie die Bergen nur aus großer Entfernung sehen. Und auch da hatte sie sich nie gewünscht, hier zu sein. Doch nun war es anders. Er hatte es ihr gesagt. Sie müsse hier oben versuchen die Stille finden. Auch versprach er ihr, dass sie hier den Grund für die Gefühle erkennen würde. Malicias Augen schlossen sich, als wäre sie furchtbar Müde. Sie versuchte sie wieder zu öffnen. Doch da war keine Kraft... Sie schwankte.
Ihre stahlblauen Augen wanderten über die Gesichter des Rudels alles war verschwommen. Nun spürte sie ihr Herz...Bumm bumm...bumm bumm... Malicias Ohren legten sich flach an den Kopf, ihre Rute schlang sich um das linke Hinterbein. Sie ahnte das Unheil, was gleich darauf folgen würde. Ihr Herz schlug schneller. Immer schneller. Sie atmete seltsam abgehakt, schloss die Augen. Da waren sie... Die Gefühle der anderen. Ein kühler Luftzug fuhr durch ihr pechschwarzes Fell. Wie der Kühle Atem Zug dessen, was sie so fürchtete. Sie biss ihre Zähne fest aufeinander und presste die Augen zu. Auf einmal fiel alles in sich zusammen. Verzweiflung, Hass, Wut, Trauer, Müdigkeit. Malicia öffnete die Augen ruckartig und rang nach Luft, zugleich winselnd. In ihr schoss das Blut durch die Adern und nun glaubte sie es zu spüren. Langsam drehte sie sich um. Blickte nun auf die unendliche Weite der Berge und fand etwas in sich wieder, das sie nie geglaubt hätte. Ruhe. Ihre Augen blitzten auf. Der Atem beruhigte sich. Ihre Gedanken beruhigten sich. Doch die Gefühle der anderen waren noch immer in ihr. Es zerdrückte ihr Herz förmlich. Ein innerer Druck breitete sich aus und ein hässlicher Kloß saß ihr im Hals. Auf einmal packte sie die Wut. Wieso war sie nicht so wie die anderen. Was ist passiert, dass nur sie dafür bezahlen musste.

Schweig!

Malicia zuckte zusammen. Diese Stimme... Ein gehässiges Knurren drang aus ihrer Kehle. Starr stand sie da.

„Warum...“

Es drang so leise aus ihrer Kehle, dass sie es selbst kaum wahrnahm. Ihre Worte waren nicht als Frage gedacht. Es war mehr eine Feststellung, oder eine Bitte, die zuwenig Kraft beinhaltete um eine Frage zu werden. Die Stimme schwieg. In der Ferne konnte sie die Gestalt eines Vogels ausmachen. Eines Raubvogels. Kreisend überwachte er das Gelände. Die kargen Gräser, welche an manchen Stellen ihren Weg aus dem Gestein fand, zitterten im Wind.


Den Blick in die graue Ferne gerichtet, bemerkte Azag nur aus dem Augenwinkel die Bewegung. Sie spielte sich auf zu niedriger Ebene ab, als dass sie ihm ernsthaft gefährlich werden konnte, doch seine Muskeln spannten sich trotzdem an. Mit großer Beherrschung drehte Azag langsam, um nicht verdächtig aufgebracht zu wirken, seinen Kopf. Jetzt machte sein Herz doch einen Sprung, als er bemerkte wie nah der weiße Schatten an ihm dran war, Azag senkte den Kopf, so nah tatsächlich, dass er schielen musste, um das Gesicht dieser unangemessen gutgelaunten Welpin zu erkennen. Er trat einen Schritt zurück und musterte sie skeptisch, dann gab er sich einen Ruck, der eigentlich gar nicht nötig war, und schmunzelte ihr zu.

"Tyraleen, der Sonnenschein dieses Rudels?"

Das war längst nicht so ironisch gemeint, wie es klang. An sich garnicht. Er war nur nicht so gut in Komplimenten ... wenn er denn mal eines von sich gab, dann kam es nie so rüber, wie er es gemeint hatte. Er konnte sich vorstellen, wie der schwarze Wolf jetzt schauen musste und deshalb sah er auch nicht zu ihm, Azag selber hätte für den Spruch auch nur eine mitleidige Grimasse übrig gehabt. Er räusperte sich, den Blick also lieber zur Seite gewandt, um die peinliche Beklemmung los zu werden, doch er hielt inne, als Tyraleen wieder zu sprechen begann, auch wenn er sie nicht ansah. Einen Moment wirkte er so, als hätte er ihre Worte garnicht mitbekommen, doch dann blinzelte er zu ihr rüber und bekam sogar noch das unsichere Lächeln mit.

"Tyraleen auch.",

meinte er nach kurzer blinzelnder Stille, dann lächelte er. Netter Empfang.

"Und wie ist Euer Name?",

wandte Azag seine Aufmerksamkeit auf den schwarzen Wolf. In seinen blauen Augen wohnte ein sehr wachsamer Blick, ihn würde er nicht unbeobachtet lassen, denn es konnte gut sein, dass dieser Rüde genau das gleiche bei Azag beschließen würde.


Es gab so vieles was Tyel sich jetzt wünscht und doch wollte sie nichts anderes als einfach nur da zu liegen und sich auszuruhen. Sie spürte das Shani sich über ihre Worte freute und auch Tyel freute sich das Shani diese erwiderte. Die sonst so ruhige Wölfin schien in der Nähe von Shani irgendwie aufzublühen und so wollte sie nun auch die anderen Wölfe endlich kennen lernen. Noch eine Weile lag sie reglos auf dem kalten Stein und beobachtete Shani die nun näher gerückt war. Wie Shani hatte auch Tyel nie eine Freundin gehabt. Nur ganz früher das kleine Mädchen was sie aus dem Fluss gezogen hatte. Tyel hatte sie gemocht aber als Freundin konnte sie das Mädchen nicht bezeichnen, immerhin hatte sie sich weder mit ihr verständigen können, noch mit ihr wirklich ernsthaft spielen. Nicht das ihr die Spiele des Mädchens keinen Spaß gemacht hatte, aber sie hatte nichts dabei gelernt. Ein kurzes trauriges Schmunzeln erschien auf dem Gesicht der Fähe. Es war lange her und sie vergas es viel zu oft. Nie wieder hatte sie einen Menschen getroffen der sie nicht wie ein Ungeheuer behandelte. Sie verstand es einfach nicht das eine Schaf was sie sich von den Menschen geholt hatte würde sie wohl kaum zu verhungern bringen. Die Menschen hatten genug zu essen die ganze Zeit. Und doch holten sie sich noch immer das Wild der Wölfe. Sie brauchten sich nicht zu wundern wen sie dann plötzlich ein Schaf weniger hatten. Sie hatte die Fähe neben sich ganz vergesse während sie so über sich nachdachte das sie nun schnell antwortete.

"Ich auch nicht..."

Die Vorderläufe ausstreckend schaute sie nun zu den schneebedeckten Bergen. Vielleicht würden sie länger bleiben, vielleicht auch nicht, aber mittlerweile vertraute sie Banshee. Die Leitwölfin würde schon wissen was zu tun war und wen nicht würden ihr die anderen starken Wölfe helfen. Wie gerne währe sie auch einer der Starken Wölfe die alle bewunderten. Es wr einfach ein wunsch den sie nicht abstellen konnte. Vor einiger Zeit einmal, überlegte die Fähe, währe sie einfach durch die Wölfe gesprungen und hätte alles aufgewühlt. Doch diese Zeit war nun auch vorbei sie würde wohl nie wieder kommen vielleicht würden manchmal einige Teile ihrer jungend in ihr hochkommen aber so fröhlich und aufgeschlossen wie damals würde sie nie wieder werden. Und trotzdem fasste sie sich jetzt ein Herz und schenkte Shani ein kurzes Lächeln.

"Dann lass uns ein paar kennen lernen, immerhin sind wir jetzt ein Teil der Gemeinschaft oder?"

Sie stützte sich auf die Vorderläufe und streckte sich erst kurz so, dass es aussah als würde sie sich verbeugen. Wieder musste sie an die Vergangenheit denken, doch verscheuchte sie den Gedanken schnell wieder. Sie musste endlich aufhören in der Vergangenheit zu wühlen und sich auf die Zukunft konzentrieren. Sich nun mit dem ganzen Gewicht auf die Vorderläufe stützend sie auch ihre Hinterläufe hoch. Sie stand selbstbewusst da, den Kopf zwar etwas gesenkt, um erst Shani und dann die anderen Wölfe zu mustern, doch sonst gerade. Der Blick der Fähe schwebte über die einzelnen Wölfe und über die verschiedenen Gruppen. Irgendwie scheinen alle beschäftigt. Der mut der Fähe sank und sie schaute nun Shani fragend an. Vielleicht um sich selbst eine Bestätigung zu holen vielleicht aber auch einfach nur um wieder neuen Mut zu schöpfen.

"Was meinst du? Wen sollen wir als erstes kennen lernen?"

Wieder huschte ein Lächeln über Tyels Gesicht. Voller Zuversicht waren ihre Augen nun, doch noch immer hing ihre Rute unbeteiligt zwischen den Läufen einen der Wölfin. Was blieb ihr auch anderes übrig als einfach mal spontan zu sein?


Ohne eine Miene zu regen ließ Face Taihéiyo seinen Blick auf dem Fremden ruhen. Der Tiefschwarze von Natur aus ein misstrauischer Kerl, vielleicht hatte man ihn aber auch ein wenig dazu erzogen, wenn man das so sagen konnte. Eigentlich war alles, was er Heute wusste, selbst angeeignet. Er fand es auf jeden Fall seltsam, dass ein Wanderer hier hoch kam, wo noch keine wölfische Seele vorher gewesen war. Jetzt, wo ein verjagtes Rudel auch hier war.
Mit zuckenden Ohren beobachtete Face Tyraleen, die plötzlich so mutig geworden und näher zu dem Schwarzen herantrat. Ihm gefiel das nicht, trotzdem bewegte er sich nicht weiter. Sollte sie doch machen was sie wollte. Stopp. Der Flammentänzer blinzelte kurz. Diesen Gedanken musste er zurücknehmen, nicht wieder in das Schema verfallen, das sonst galt, wo ihm alles egal war. Außerdem war sie ein unerfahrener Welpe, noch dazu die Tochter der gutmütigsten Wölfin, der er bisher begegnet war. Trotzdem war Face einen Schritt zurückgetreten und ließ Tyraleen machen. Sein saphirblauer Blick heftete sich wieder auf die Augen seines Gegenübers, der sich eben als Azag Moraé vorgestellt hatte. Face würde keine Antwort darauf geben, ob sie angekommen waren oder nicht. Das ging diesen Typen überhaupt nichts an und seine kleine Patenwelpin hatte glücklicher Weise eh abgelenkt.

Mein Name lautet Face Taihéiyo.“

Kurz, knapp, tonlos. Trotzdem nickte er Azag noch grüßend zu.

Tyraleen ist übrigens mein Patenkind.“

Nach der recht ironisch klingenden Bemerkung des Rüdens eben, hatte er das Gefühl gehabt, das noch irgendwie erwähnen zu müssen. Dieser Kerl sollte ja vorsichtig sein. Für Tyraleen würde er schneller die Zähne zeigen, als es dem Fremdling lieb sein konnte. Azag Moraé noch eine Sekunde länger im Blick behaltend, ließ Face den Blick schließlich suchend wandern. Banshee befand sich bei zwei anderen Fähen, eine davon hatte er noch nie gesehen. Seltsam wie viele neue Gesichter plötzlich auftauchten. Die weiße Leitwölfin schien also grade genug zutun zu haben. Innerlich seufzte er kurz auf und wandte sich wieder dem Schwarzen zu. Großartig und nun? Er war noch immer kein Wolf der Gemeinschaft und wusste nicht wirklich etwas mit diesem Wanderer anzufangen. Irgendwelchen unsinnigen Smalltalk beginnen, wo er doch eh lieber die Klappe hielt? Die Ohren wachsam nach vorne gerichtet beschloss Face nun einfach auf irgend eine Reaktion zu warten.


Hazúki beobachtete das Aufwachen des anderen Rüden und blickte ihn entschuldigend an, aber er schien sehr gut gelaunt zu sein und sie seufzte leise. Gut, sie durfte sich nicht von so etwas beunruhigen lassen, sie mussten lernen zu leben. Er stellte sich vor und Hazúki legte etwas den Kopf schief. Dann nickte sie zu ihm. Das Kuscheln der zwei Rüden konnte sie nicht ganz verstehen, aber das war ja auch gar nicht das Thema. Shit sprach von der Leitwölfin und Hazúki nickte, dann hatten sie ja vielleicht die Chance, einfach hier zu leben und zu lieben.

„Danke Shit…“

Die Antwort, die er ihr gegeben hatte, hatte ihr wohl kaum weitergeholfen, aber sie war trotzdem Dankbar, dass man sie nicht verstoßen wollte und sie seufzte leise. Natürlich hatte sie Angst, sich der Leitwölfin vorzustellen, aber Roxana hatte sicherlich alles im Griff, deshalb musste sie sich keine Gedanken machen. Shit stellte den schwarzen Rüden vor und Hazúki schenkte dem mit den tiefen blauen Augen einen freundlichen und dankbaren Blick. Auch er fing an, sich dazu zu äußern und er hatte ja genauso Recht wie Shit. Midnight war aber auch noch nicht sehr lange im Rudel, das hatte Hazúki sofort aufgenommen und sie nickte. Dann würde sie eben zu ihrer Schwester gehen und sich einmal vorstellen, wenn sie Glück hatten, durften sie ja sogar bleiben und dann hätten sie etwas Glück in ihrem Leben gehabt. Mit einem müden Lächeln nickte sie.

„Midnight…Shit…danke für eure Hilfe.“

Hazúki blickte beide Rüden noch einige Sekunden an, dann tapste sie vorsichtig in Richtung ihrer Schwester und stupste diese sanft an. Sie schielte zur Alphafähe hinauf und lauschte den Worten, die sie nur noch halb mitbekam. Aber die Worte ließen ihr Herz kurz aufspringen.

„Gütige Alphafähe…Danke…“

Hazúki blickte die weiße Fähe an.

„Ich bin Hazúki, die Schwester von Roxana…sagt, dies ist ein recht großes Rudel oder? Wie konnte dann nur diese Flucht geschehen? Es ist doch…zum verzweifeln…“

Hazúki hoffte, dass es die Alphafähe nicht zu sehr traf, wenn sie dieses Thema ansprach, auch, dass sie nun einfach in das Gespräch von Roxana und Banshee platzte und diese Frage stellte, aber sie hatte so viel Neugier in diesen Sekunden.


Aufgeregtes Hecheln und das Trommeln von Pfoten durchbrach die friedliche Idylle die eben noch geherrscht hatte, zuerst sah man bloß eine weiße Wölfin aus den Büschen brechen, dann kurze Zeit später, zwei große schwarze, jene nicht gerade freundlich aussahen. Es war klar, die kleine Wölfin, der diese Jagd golt, rannte um ihr nacktes Leben! Der Name der weißen Fremden war Corvina, eine kleine Rabenseele, welche sich nichts anderes wünschte als endlich ein Rudel zu finden, in dem sie glücklich sein konnte! Sie war erst heute hierhin gekommen, alles war ihr fremd und unbekannt, doch schon bald hatte sie ein Rudel erreicht, hatte fragend Geheult und Antwort bekommen, sogleich war sie umringt von größeren fremden Wölfen, von jenen jedoch eine gewisse Feindseligkeit ausging, so dass Corvina meinte, es würde sie schon nur durch die Blicke der fremden töten. Schließlich hatte man dann aber der Wölfin das Angebot gemacht dem Rudel beizutreten, doch Corvina hatte abgelehnt, denn in solch ein Rudel wollte sie nicht, was ein Nein bei diesem Rudel hieß, erfuhr sie kurze zeit später, als sie weiterziehen wollte.
Geradewegs in einen Hinterhalt war sie gelaufen und nun war sie auf der Flucht, unverkennbar die Absicht des fremden Rudels! Die weiße Wölfin war müde, die Pfoten schmerzten und der Pelz war auch nicht gerade der säuberste, durchsät mit kleinen Ästen und Schmutz. Schließlich rannte die Wölfin durch einen Bach und versteckte sich unter einem Busch, das Herz flatterte als sie die Pfoten der beiden Jäger nahe bei sich durchschreiten sah, weshalb rochen sie sie nicht? Weshalb hörten sie das pochen des rasenden Herzens nicht? Corvina war es nur recht so und so verharrte sie, bis die beiden endlich abgezogen waren. Noch immer zitterte sie am ganzen Leib und die Müdigkeit schien sie zu überwältigen, doch sie konnte nicht hierbleiben, hievte sich wieder auf die geschundenen Pfoten, blickte sich aufmerksam um, es schien als hätten die Fremden aufgegeben, doch welcher Weg stand nun noch offen, ein schmaler Pfad führte in die Berge, die restlichen durch das Rudelgebiet!
So machte sich die Wölfin auf, immer karger wurde das Gras und auch die Bäume schwanden, ebenso wie auch die Kondition der Fähe, nur noch reiner Wille schien die abgespannte Wölfin weiterzutragen. Der Schmerz der in ihren Pfoten wütete, spürte sie längst nicht mehr, ebenso das Knurren des Magens, welcher sich wieder meldete! Die Luft schien immer wie dünner zu werden und die Wölfin schien sich nun endlich in Sicherheit zu befinden, denn niemals würde ein Wolf sich in solch hohe Gebiete wagen, es sei denn er war in solch großer Not wie Corvina! Die erschöpfte Fähe zitterte leicht, ob vor Kälte oder der endgültigen Erschöpfung, dies wusste sie nicht zu deuten!

„Ach, wo bin ich denn hier bloß wieder hereingeraten?“

seufzte sie leise, dann schnüffelte sie, als ein eisiger Schwall des Windes an ihr zerrte, das war doch eindeutig Wolfsgeruch und es schienen gar allzu viele Wölfe zu sein. Corvina jedoch mochte nicht mehr, völlig entkräftet legte sich die Weiße auf den kahlen Stein, egal was noch passieren sollte, schlimmer konnte es nicht mehr kommen! Der Blick verschwamm und die Wölfin war weggetreten.


Banshee, würdige Alphawölfin und vielmehr noch Begleiterin meiner Seele, mir zutiefst verbundene Schwester, ich werde gehen … ich werde Euch und dies geliebte Rudel verlassen müssen.

Beim bloßen Gedanken an die Worte, die sie würde aussprechen müssen in der Kürze der Zeit, wurde Ayala, die weiße, zierliche Wölfin, erfüllt von einer unendlichen Trauer. Ihr Atem ging stoßweise, so, als bäume er sich gegen einen Teil, den sie in sich selbst trug, auf. Sie quälte sich; es war nie ihre Stärke gewesen, Entscheidungen zu treffen. Dies war nur ein geringer Anteil, der ihr glauben machte, für die Position, die sie inne hatte, nicht geeignet zu sein. Sie war gewissermaßen schwach – zumindest körperlich. Von innen her mochte sie zwar eine bestimmte Stärke besitzen, dennoch war sie alles andere als fehlbar. Sie trug ein Maß an Stolz in sich, das man übersehen konnte, es wirkte nichtig, wenn nicht sogar unexistent. Ihre Offenheit und Güte ließen die dunklen Seiten schrumpfen. Da waren sie jedoch nach wie vor. Würde war ein ebenso unwichtiger Teil ihrer selbst – und doch gab es Momente in dem eben diese zum Vorschein kam und sie handeln ließ, wie sie es sonst nicht gewagt hätte. Sie war unvollkommen und sie wusste darum. Doch sie hatte es geschafft, eine Entscheidung zu treffen. Sicherer in ihrem Standpunkt als je zuvor. Hier hatte das Gefühl gesiegt. Ihr Verstand sagte ihr, das Rudel brauchte sie – schließlich war sie Beta. Doch ihr Herz erzählte ihr eine Geschichte, in der es unbegrenzte Möglichkeiten gab – Lösungen für alles. Ein anderer würde ihren Platz übernehmen, sie würde nicht unverantwortlich handeln, ginge sie jetzt. Sie ließe niemanden im Stich – nur sich selbst, wenn sie jetzt nicht ihrem Herzen folgte. War es Egoismus der sie leitete? Oder blinde Verzweiflung, deren Keim in der Sehnsucht lag?
Sie wusste es selbst nicht. Bewusst darüber, dass sie einen Weg wählen musste, zumindest vorübergehend, hatte sie entschieden. Was nicht bedeutete, dass es ihr leicht gefallen war. Sie trug eine Last mit sich und die würde sie auch nicht ablegen können, wenn sie ihrer Schwester im Geiste mitgeteilt hatte, dass sie losziehen werde, Falk zu suchen. Diese Last würde bleiben, ewiglich in ihren Gedanken verankert, was sie auch tat – solange sie nicht zurückkehrte.

Banshee, ich werde dich und dieses Tal, dieses Rudel, das mein Zuhause ist, nie vergessen – ich werde unzählbar viele Flüsse überqueren, Strecken des Durstes und des Heimwehs hinter mich bringen, Neues, Spannendes erleben, Freiheit fühlen, Ängste überwinden und den Sternen lauschen und schließlich meinen Geliebten wieder finden, wo auch immer er sein möge – doch in all diesen Zeiten werde ich niemals vergessen, was wir uns versprochen. Ich werde nicht da sein können, zu erfüllen, was eigentlich meine Aufgabe wäre und wofür ich gelobt habe meinen Dienst zu tun, doch ich werde mir stets dessen bewusst sein und in Gedanken bei Euch weilen. Ich will euch Kraft geben, doch Ihr müsst bereit sein, sie zu empfangen. Dann trennt uns nichts, und stünden Dutzende Berge mit den tiefsten Schluchten zwischen uns.

Ein innerliches Seufzen erfasste Ayalas gesamten Körper, löste sich in einem Zittern auf und endete damit, dass die Weiße ihre Schnauze gen Himmel hob und ein Geheul anstimmte, das einem Gesang glich. Es war gezeichnet von Schmerz und Abschied und dennoch lag darin etwas, das sie befreite und sie nach vorne blicken ließ. Sie musste es tun; sie musste Falk von Scharfenberg finden, er konnte sich überall und nirgends aufhalten, doch sie konnte es nicht länger ertragen in der Ungewissheit zu leben, die sie seit mehreren Monden verspürte. Sie wollte mit ihrer Alpha alleine sprechen, mit Sicherheit hatte ihr Geheul, dessen Bedeutung jedem klar war, Ausschlag genug gegeben, dass Banshee verstand. So wie eh und je.
Ein letztes Mal blickte die weiße Fähe in die Richtng, aus der sie gekommen waren. Die Lichtung, die sie sofort vor ihrem geistigen Auge hatte, weckte so viele Erinnerungen in ihr, dass sie für einen Moment wie gelähmt war.

Stets bedacht ihr Bild zu wahren
lächelt sie und zwinkert scheu.
Angst das Dunkel doch zu seh’n,
träumt sich sanft in ihre Welt
- hoffend, dass man zu ihr hält:
Vergangenes bleibt lange steh’n

Liebevoll schenkt sie den Sternen
stolze Namen, denkt den Fernen,
webt in Stille Melodie;
schenkt sie denen, die sie halten
lässt nur Gutes, Wahres walten,
sehnt sich nur nach Harmonie.



Ayala wandte sich um, um letzte Worte auszutauschen mit dem Wesen, das sie zumindest gefühlsmäßig ein Leben lang begleitet hatte. Sie würde schweren Herzens gehen, doch sie würde wiederkommen. Irgendwann.

Atalya
25.12.2009, 13:45

Kaum fühlte er sich richtig wach und frisch, war das Gespräch auch schon wieder beendet und die Neue tat, was sie sowieso hätte tun müssen. Sie ging, um sich Banshee vorzustellen. Shit nickte zufrieden, auch wenn er stehen gelassen worden war. So etwas hatte ihn noch nie gestört, abgesehen war Midnight auch noch da. Die Ohren aufmerksam aufgestellt, betrachtete er seinen schwarzen Freund und grinste diesen übermütig an. Für sein jugendliches Wesen schienen schon wieder alle Sorgen und Bedenken verflogen zu sein. Sie waren hier hoffentlich sicher, aber schwarz sehen war nicht seine Stärke, dazu hatte er zuviel Mut, in die Zukunft zu blicken. Midnight machte nun auch schon Werbung, für die Alphawölfin, sie hätten schon fast einen Fanclub gründen können.

„Und Midnight, viel hast du vom Rudelleben noch nicht mitbekommen, aber gefällt es dir hier, schwarzer Freund? Shit muss zugeben, dass sich alles ein wenig negativ entwickelt hat, aber da wir alle am Leben sind, war es doch nicht so schlimm, oder?“

Er streckte sich erneut und hoppelte dann ungestüm um Midnight herum. Als ein Heulen an seine Ohren drang, hielt er inne und setzte sich, den Blick aufmerksam schweifen lassend, um Ayala auszumachen, der die Stimme gehört hatte. Die Worte, die sie sprach, wurden erst von seinem Kopf und dann von seinem Herzen verarbeitet. Sehr wenig hatte er mit ihr zu tun gehabt, allerdings kannte er ihren Wert für Banshee und das versetzte ihm einen kleinen Stich. Unschlüssig sah er zu Midnight, wie ein Welpe, der wollte, dass man etwas an den Gesetzen der Welt änderte, doch tief in seinem Inneren hatte er längst eingesehen, dass solche Entscheidungen jedem Wolf selbst überlassen waren und dass womöglich jeder, der zu diesem Rudel zählte, eines Tages verschwinden würde. Der Lauf der Welt. Sogar Banshee und Midnight konnten jeder Zeit wieder verschwinden. Traurig, aber was konnte er schon daran ändern? Nichts, außer bei ihnen zu sein, so lange er die Gelegenheit dazu hatte.

„Wie traurig…“

Bemerkte er am Rande und kuschelte sich wieder in den Pelz seines schwarzen Freundes. Ob es ihn eines Tages auch wieder fort ziehen würde? Weg von dem Rudel, das ihn so freundlich aufgenommen hatte? Ein Leben lang hatte er sich nach dieser Geborgenheit gesehnt, wie konnte er sich da überhaupt fragen, ob es einen Grund geben könnte, wieso er gehen sollte? Die Zeit würde es zeigen, dass war ihm schon klar, aber noch mochte er nicht darüber nachdenken, was dies für sein Leben bedeutete. Weg von Banshee und Midnight und all den Anderen. Aufmerksam sah er sich nach Averic um. So genau wusste er nicht warum, doch noch immer wollte er ein wenig auf diesen aufpassen. Behüten, beschützen, genau wie den Schwarzen neben sich und seine Leitwölfin. Wie schwer würde sie es nehmen, dass ihre Beta sie verließ?


Das Heulen ihrer Schwester hatte Banshee aufgeschreckt, ihr Herz erstarren und ihren Atem stocken lassen. Sie hatte Thila und Roxana kurz an der Schnauze berührt, Hazuki ein verzweifeltes Lächeln geschenkt und gehofft, dass sie ihre Frage auch von anderen beantworten ließ und war dann davon geeilt, der Stimme Ayalas nach. Schwer hatte die Trauer sie umfangen, sie hatte bereits gewusst, was geschehen würde und hatte gespürt, wie der Boden unter ihren Pfoten endgültig weggezogen wurde. Es hatte keine Worte gebraucht, schweigend hatte die weiße Leitwölfin ihre Schwester noch viele Schritte begleitet, hatte schließlich umkehren wollen, doch ein weiteres Grauen hatte auf sie beide gewartet. Merawin, seinem schwachen Herzen erlegen, hatte tot an einem Stein gelegen – und die Sonne war versunken und kein Stern hatte mehr leuchten können. Dennoch hatte Banshee im Taumel der Trauer Ayala zum Gehen gedrängt, hatte keine Schuldbekenntnis hören wollen und hatte schließlich alleine, nur mit ihrem tote Sohn und ihrem Schmerz den Weg zurück zum Rudel angetreten.
Jeder Schritt war so unendlich mühsam, die weiche Haut Merawins wurde mit jedem Herzschlag kälter und jeder Stein war ein unüberwindliches Hindernis. Immer wieder gaben ihre Läufe nach und sie sank zu Boden, nicht aus Schwäche, sondern aus dem Glauben heraus, jetzt sterben zu müssen. Schützend rollte sie sich dann um den toten Körper ihres Sohnes, wärmte ihn und beschützte ihn vor allen Gefahren, die sie zuvor nicht hatte abwehren können. Er war gestorben, weil sie versagt hatte. Aber auch Ayala war gegangen, weil sie ihr Falk nicht zurückbringen hatte können, weil der Hüne nicht in diesem Rudel bleiben wollte. Der kühle Stein an ihrer brennenden Stirn vermochte nicht, sie zu trösten, welcher Schmerz tiefer saß, der um den Verlust Ayalas oder der um den Tod Merawins, wusste sie nicht, aber es war auch nichtig. Es waren zwei Tode und mit ihnen meinte auch Banshee zu sterben. Erst nach tausend Herzschlägen richtete sie sich wieder auf, fuhr mit der Zunge immer und immer wieder über den toten Welpen, nahm ihn dann sanft hoch und ging wieder weiter, bis sie nach vielen Schritten wieder zu Boden sank und meinte nicht mehr aufstehen zu können.
.oO(Oh, grausames Schicksal des Todes, wie viele Schritte bin ich gegangen und wie viele werde ich noch gehen, nur um deinetwillen? Wenn du mir alles nimmst, was mir je etwas bedeutet hat, Heimat, Schwester, Sohn - und in meinem Herzen keimt die Furcht, dass es noch viel mehr ist - warum nimmst du mich nicht auch? Welch erbarmungslose Absicht trägst du in dir, welch schreckliche Gedanken lassen dich mir dies antun? In dieser finsteren Stunde der Nacht, in der kein Licht mehr zu leuchten vermag, nimmst du mir sogar Engaya, lässt mich ihrem Weg nicht mehr vertrauen, nimmst mir jeden, alles. Oh, Engaya, hilf! Leuchte mir den Weg aus dieser Finsternis, schenke mir Hoffnung, so wie du es so viele Male getan hast. Gib mich in dieser verzweifelten Stunde nicht auf, nur weil der Tod und der Schmerz mir alle Sinne und jedes Vertrauen nehmen. Lass mich wissen, dass du an mich glaubst, dann kann auch ich an mich glauben.)
Doch kein Zeichen kam, niemand erhörte ihr stummes Flehen, warum sie immer wieder aufstand, nu um wenige Herzschläge später erneut zu Boden zu sinken, wusste sie nicht, aber kein Gedanke versucht es zu ergründen, im Taumel des Schmerzes, einem Fieber gleichend sah, roch und dachte sie nichts mehr, spürte nur die Kälte, die mit jeder Sekunde mehr von Merwains Körper zu ihrem kroch und das Wissen, dass Ayala nie wieder an ihrer Seite laufen würde. Es vergingen Unendlichkeiten, in der Dunkelheit war jedes Zeitgefühl verschwunden, bis Banshee, ihre Läufe waren wieder eingeknickt und ihr Körper zu Boden gesunken, etwas außerhalb ihrer Welt aus Schmerz und Trauer wahrnahm. Ihr Rudel war ihr ganz nahe. Wie in Trance hob sie den Kopf, ihr verschleierter Blick glitt über die Wölfe, die dort erschöpft und schutzlos lagen und ihr schien, als würde ein Licht über ihnen leuchten. Lange Zeit starrte sie benommen auf dieses Bild, bewegte sich nicht, bis ihr Kopf schließlich wieder auf den harten Stein sank und sie sich eng um Merawin rollte.
.oO(Engaya … hab Dank.)
Sie schloss die Augen, nicht um zu schlafen oder wie zuvor, um auf ihren Tod zu warten, sondern um nur noch ein einziges Mal bei ihrem Sohn zu sein und in Gedanken Ayala zu begleiten, über die Felsen und Klippen, über die dahinrollenden Hügel und tausenden von Wiesen … und um neue Kraft zu finden, in Engaya und in sich selbst, um aufzustehen und dem Rudel entgegen zu treten, um für ihren Sohn einen Fluss zu finden und ihn in Engayas Pfoten zu legen.


Tyraleen blinzelte wieder, als Azag Moraé einen Schritt zurücktrat. Kurz schien sich die weiße Welpin nicht sicher zu sein, ob sie das nun als Ablehnung oder als einfache Schutzmaßnahme sehen sollte, verwarf den Gedanken aber dann so übermütig wie sie es zuvor nie getan hätte. Als der Schwarze dann von einem Sonnenschein sprach, verharrte sie dann aber fast verwirrt in der Bewegung und warf der Schnauze Azags einen verblüfften Blick zu. Sie war ein Sonnenschein? Wollte der Fremde sich über sie lustig machen, oder meinte er das wirklich ernst? Tyraleen, das war die kleine, einsame Welpin, die niemand kannte und die niemanden kannte, die sich unverstanden fühlte und meist irgendwo alleine herumsaß, ungefähr so strahlend wie eine tiefhängende Regenwolke. Aber der Schwarze schien es ernst zu meinen und wenn Tyraleen genau darüber nachdachte, dann verhielt sie sich gerade wirklich wie eine glückliche, mit ihrem Leben voll und ganz zufriedene Welpin. Plötzlich war sie wie zerrissen. Das war sie doch gar nicht, sie machte sich doch gerade etwas vor … oder war sie das wohl, nur hatte sie es nur nie sein können? Weil dort unten im Tal alles so bedrückend war, der Himmel schwer auf ihren Schulter gelastet hatte und jeder Baum sie nur eingezwängt hatte? Verwirrt trat sie einen Schritt zurück, überhörte das halbe Kompliment des Fremden und flüchtete dann zu ihrem Paten zurück, der gerade davon sprach, dass er ihr Pate war. Neben seinen Läufen fühlte sie sich wohler und konnte wieder lächeln, von den Gedanken kam sie aber nicht weg. Sie ein Sonnenschein?

“Ich glaube nicht, dass ich ein Sonnenschein bin. Ich bin nur irgendwie glücklich, weil es hier oben so schön ist.“

Sie lächelte zaghaft und nickte dann, fast als Bestätigung für sich selbst. Ja, so war es … es war die Euphorie, die sie angesichts dieser neuen Welt gepackt hatte, aber wie Daylight oder Kisha würde sie nie werden. Bei dem Gedanke an ihre Schwestern sah sie sich suchend um, hier oben fühlte sie sich so wohl, dass sie sogar mit Daylight gerne spielen würde. Spielen … ja, sie wollte überhaupt wissen, wie das ging. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Sie hatte fast das Gefühl, dieses Glück ausnutzen zu müssen. Die Weiße erspähte ihre Schwester nur wenige Schritte entfernt von sich und lächelte ihr zu, wohl das erste Mal.

“Daylight … magst du mitkommen, unsere neue Heimat erkunden?“

Sogar ihre Rute wippte leicht hin und her, fast einladend. Kurz huschte ihr Blick zu Face, er würde es doch erlauben?


Daylights Honigaugen, die zuvor noch neugierig die Umgebung betrachtet hatten, huschten nun rasch zu ihrer Schwester, als diese ihren Namen rief. Einen Moment schien die Welpin verdutzt und runzelte kurz die Stirn, dann huschte ein breites Lächeln über ihre Lefzen. Nie hatte Daylight ihre Schwester so glücklich erlebt, sie wirkte viel freier und losgelöster als sonst. Freudig tapste sie ihr auf ihren Welpenpfoten entgegen, aufgeregt mit der Rute wedelnd. Immer schneller lief sie über den Fels bis sie schließlich in langen, ungeschickten Sprüngen auf ihre Schwester zu rannte. Sie wunderte sich nicht länger über ihr seltsames Verhalten, sondern war einfach froh, weil Tyraleen glücklich war.

„Tyraleen!“

Wuffte sie ihr entgegen und bremste schlitternd vor ihr ab, sodass sie halb zwischen Faces Pfoten landete. Schnell sprang sie wieder auf und blickte ihre Schwester aufgeregt mit der Rute wedelnd an.

„Natürlich komme ich mit! Es ist so wunderschön hier. Fast wie im Himmel!“

Ihr Lächeln wurde immer verträumter und ihr Blick wanderte zum Himmel hinauf, er schien immer noch fern, doch das störte Daylight nun nicht mehr. Sie wollte spielen und die Gegend erkunden, auch wenn sie nur aus Stein und Fels bestand und sie wollte das auch die anderen glücklich waren. Vor übermutig jaulend drehte sie sich im Kreis und begann ihre eigene Rute zu jagen. Hielt schließlich hechelnd inne und blickte von Face, zu dem fremden Schwarzen (Azag Moraé) schließlich wieder zu Tyraleen, ehe ihr Blick an Face hängen blieb. Wieso schaute der Schwarze denn immer so ernst drein, sie wollte das auch er glücklich war, also tappte sie auffordernd mit der Pfote nach ihm.

„Face! Wieso lächelst du nicht? Wieso bist du nicht froh, so wie Tyraleen und wie ich?Es ist doch wunderschön hier!“

Es war mehr eine Aufforderung der Welpin als eine Frage und dennoch schaute sie prüfend zu ihm auf. Er war so riesig im Gegensatz zu ihr selbst, doch sie hatte keine Angst vor ihm, sie hatte vor niemandem Angst schließlich war sie eine Heldin.


Katara duckte sich ein klein wenig und machte sich zum Sprung bereit. Der Wind stand gut. Der Hase konnte sie nicht riechen und somit auch nicht vor der drohenden Gefahr flüchten. Seit Tagen hatte Katara kaum mehr etwas gefressen, war nur durch die Gebirge gestreift auf der Suche nach einem neuen Rudel. Zu schlimm waren die Erinnerungen an ihr altes Rudel. Dort wollte sie nicht mehr bleiben, hatte sie dort doch ihre Eltern und ihre 2 Brüder verloren. Niemand war wichtiger gewesen als ihre Familie. Obwohl das Rudel auch eine Art Familie für sie war, fehlte ohne ihre Eltern und ihre Geschwister etwas. Sie fühlte sich immer seltsam leer, das war auch der Grund, warum sie den Entschluss fasste ein neues Leben in einem neuen Rudel anfangen zu wollen. Doch bisher blieb sie erfolglos auf ihrer Suche, denn welches Rudel bis auf ihr altes- das Gebirgsrudel, doch dieses war es gewohnt- wollte schon in diesen Höhen und dieser Kälte leben?
Kataras Muskeln spannten sich an und dann sprang sie mit einem Satz nach vorn. Mit ihrem Maul packte sie zu und hielt den zappelnden Hasen so lange darin fest bis er sich nicht mehr rührte. Die Beute war erlegt, die Jagd erfolgreich, so sollte es sein. Aber ein Hase war ein karges Mal. Lieber wäre ihr ein Steinbock gewesen, doch sie hatte keinen wittern können und musste sich nun mit einem Hasen zufrieden geben. Leider musste das fürs Erste reichen. Sie blickte sich um und suchte einen geeigneten Platz um die Beute in Ruhe verzehren zu können. Sie erblickte einige Steinblöcke, die nicht weit entfernt waren und trabte auf sie zu. Katara ging ein Stück zwischen ihnen hindurch und blieb stehen. Wolfsgeruch hing in der Luft, er schien ganz nah zu sein, doch da war noch ein anderer, vielleicht von einem Rudel? Sie hielt ihre Schnauze in die Luft und schnüffelte noch einmal. Ganz klar irgendwo hier musste sich ein Wolf befinden. Zögernd ging Katara, den Hasen noch immer im Maul, in die Richtung aus die der Geruch zu kommen schien. Sie musste nicht weit gehen, da entdeckte sie eine Wölfin. Sie lag auf dem Boden und regte sich nicht. Doch am Heben und Senken ihres Brustkorbes konnte Katara erkennen dass sie noch lebte. Katara legte den Hasen neben der Wölfin ab.

"Hier, das brauchst du dringender als ich!"

Obwohl sie wusste, dass der Wolf sie womöglich nicht hören würde, sagte sie diese Worte. Warum? Das wusste sie selber nicht so genau. Katara legte sich neben die Wölfin und wartete, sie würde solange warten, bis diese Wölfin aufwacht. Denn tief in ihrem Inneren wollte sie diese Wölfin beschützen und das tat sie auch, denn sollte Gefahr drohen, hätte diese Wölfin allein keine Chance.


Die Läufe der Wölfin zuckten, sie japste und jaulte, dann durchdrang ein Heulen ihre Träume, zum Glück es waren gar schreckliche Träume gewesen jene die Wölfin verfolgt hatten! Doch trotzdem, dass die schneeweiße Fähe wach war, durchdrang immer noch ein verabschiedendes Heulen die Luft und noch etwas anderes,... Blutgeruch, von welchem nicht weit entfernt die Ursache fand,...ein toter Hase lag neben ihr,er war schon starr und kalt, wie lang er wohl schon da lag, wie lange hatte sie überhaupt geschlafen? Sie blickte sich um, denn der Hase hatte nicht einfach so hierhin hoppeln können und dann tot umfallen, in der Tat lag nicht weit von Corvina eine schwarze Wölfin auf dem kahlen Fels, welche sie beobachtete, die eisblauen Augen lagen auf der weißen Wölfin und Corvina schüttelte etwas unbehaglich den Kopf, senkte den Blick zum Boden und sagte nichts, ließ die Stille auf sich einwirken.
Die Wölfin fühlte sich trotz den Strapazen der Flucht und der langen Reise wieder einmal etwas ausgeruht und zum wiederholten Male fragte sie sich, wie lange sie hier so still ausgeharrt hatte, weshalb hatte man sie nicht eher entdeckt, in der Nähe vermeinte sie nämlich den Geruch von vielen Wölfen wahrzunehmen!
Nachdenklich blickte sie auf den toten Hasen, die fremde Wölfin musste wohl freundlich gesinnt sein, denn hätte sie gar böses anrichten wollen, so hätte sie lange genug Gelegenheit dazu gehabt! Corvina hob den Blick wieder und sah die fremde mit ihren grün leuchtenden Augen an.

„Guten Tag fremde Gefährtin!“

erklang die leise und zaghafte Stimme Corvinas inmitten der Steinblöcke, es schien, als würden die Worte tausendfach immer wie leiser werdend zurückkommen. Immer noch lag der Blick der jungen Wölfin auf der ebenfalls fremden, ob sie auch schon zum Rudel gehörte?

„Sagt, weshalb nehmt ihr dieses Geschenk der Jagd nicht an und verzehrt es, sondern lasst es hier starr und kalt werden?“

fragte Corvina nun und deutete auf den Hasen, welcher sein Leben gelassen hatte um einem anderen das Leben zu ermöglichen, fressen oder gefressen werden, so nannte man das, doch die Beute dann liegen lassen, dies war nicht im Sinne der Natur!
Der kleine Rabe schwieg wieder und versank in ihre Gedanken, ein Sumpf ohne Inseln, sie konnte ihm nicht entfliehen, egal wie sehr sie sich wehrte!


Mit ruhigem Gang, geradeso als hätte er es nicht sonderlich eilig, schlenderte der Schwarze auf seinen Weg dem Ziel entgegen. Obwohl er eigentlich Grund genug hätte in Unruhe zu sein. Schon einige Tage lang hatte er immer wieder Rufe ausgesendet um sich zu vergewissern, dass seine Vorahnung Recht behält. Vielleicht hatte das Rudel den Standort gewechselt. Oder es war einfach nur die Vorahnung einer Verlegenheit, die in ihm aufkeimte. Schließlich hatte er seiner Gefährtin noch ein Kind geschenkt und hatte sich dann aus dem Staub gemacht. Auch wenn es durch den Ausdruck auf seinem Gesicht nicht so deutlich erschien, der Rüde war ein wenig angespannt. Schließlich würde er seinen eigenen Welpen wieder gegenüberstehen. Nun gut, das war ja noch gut zu verkraftet, doch würde Banshee ihm dieses Fehlen wieder verzeihen. Ihn würde es ehrlich nicht wundern, wenn sie ihm den Kopf abreißen wollte. Auch wenn das Leben so etwas nicht wagen würde, aber in diesem Fall konnte man gut eine Ausnahme machen.
Ein anderer Grund für sein ungutes Gefühl; sofern man von so einer minimalen Reaktion der Synapsen als eine Handlung eines Gefühls sprechen konnte; war die Tatsache, dass es bald soweit sein würde. Acollon musste sich dem schwächlichen Zerbrechen des sterblichen Körpers hingeben. Nun gut, so alt war er noch nicht, doch er merkte, wie es ihm nach etwas Neuem dürstete.

Wieder einmal stieß er die Schnauze in die Luft und ließ ein kurzes, dunkles Heulen ertönen.
Hoffentlich würde er nun diesmal eine Antwort erhalten. Und so schritt er weiter, der Rüde.


Sanft schob Kaede ihre Pfote ein Stückchen nach vorne, sodass sie Hiryogas Pfoten sanft berührten. Sie hörte ihm zu, wie er leise und langsam zu sprechen begann. Immer wieder stockte er und doch brachte er es schließlich zu Ende. Seine Worte berührten Kaede, obwohl sie nicht genau wusste warum, vielleicht lag es einfach daran, dass sie diesen Jungwolf so sehr liebte. Sie schüttelte sich kurz, ehe sie seufzte und das Wort ergriff.

"Weißt du, ich habe dich so sehr vermisst, ich habe Anfangs so lange getrauert, mich schließlich damit abgefunden, dass du deinen eigenen Weg gehen musst. Bis jetzt haben mich eigentlich alle Wölfe verlassen, welche ich liebe. Einer kam zurück und verließ mich wieder. Nun bist du auch zurück gekehrt und ich hoffe, dass du mich so schnell nicht wieder verlässt. Da hat diese Steinwüste hier oben wohl etwas gutes, denn so schnell kommen wir hier nicht weg denn der Weg durch unser Revier, unser altes und hoffentlich bald wieder neues Revier ist viel zu gefährlich, als dass man ihn wagen sollte. Und ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie froh ich war als du wieder zurück kehrtest. Natürlich ich war unheimlich enttäuscht, dass du mich gemieden hast, aber nun haben sich unsere Wege wieder vereint und ich habe keinen Grund auf dich sauer zu sein, denn du hast das einzige getan, was für dich das Richtige war, du bist deinen Weg gegangen. Hast ihn mutig beschritten und bewältigt und dabei sogar jemanden kennen gelernt wie es aussieht. Und das ist doch wichtig, neue Kontakte knüpfen, lernen zu lieben. Oder findest du das nicht wichtig? Denkst du etwas im nachhinein, dass es falsch war fortzugehen? Nein mein lieber du brauchst dir keine Vorwürfe machen!!

Räuspernd legte Kaede ihren Kopf auf die Pfoten. Langsam bekam sie hunger, lange hatten sie nicht mehr richtig gegessen. Doch das war nur ihr kleinstes PRoblem, ihr Körper schrie mittlerweile vor Schmerzen. Das ständige Laufen hatte ihre "Wunden" noch empfindlicher gemacht und nun da selbst die Bewegung fehlte, welche sie in Schach gelassen hatte meldeten sie sich lautstark.

oO{Es dauert nicht mehr lange meine Liebe/i>}Oo


Aliennas Blick lag stumpf und ohne Hoffnung auf Leyla. Sie hatte es fast erwartet, spürte aber doch irgendwo in ihrem Herzen einen Stich, als die Weiße nicht antwortete. Sie drehte sich sogar weg, wandte den Kopf ab von Alienna, als könnte sie ihren Anblick nicht ertragen. Und wieder … wie oft würden sie noch atemlos verharren, die Zeit anhalten und damit keine Bewegung zulassen, bis der Vorhang fiel. Doch längst war die Vorstellung von einem tosenden Applaus vergangen, Grölen und Schreie hatten sie abgelöst und ließen Alienna diesen Moment noch weniger ertragen. Also bewegte sie sich, wieder unendlich langsam, drehte sich wieder weg, begann wieder Pfote vor Pfote zu setzen um ihren letzten Weg anzutreten, den Weg des Todes. Aber ebenso wie zuvor, hielt sie schon nach wenigen Schritten inne, hob den Kopf und verharrte mit einem Ausdruck tiefen Schmerzes im Gesicht. Sollte es das gewesen sein? Wusste sie denn nicht, dass in Leyla noch so viel mehr vorging, als die Weiße sagte? Wusste sie denn nicht, dass ebenso wie sie Berührungen scheute, so scheute Leyla die Worte? War es nicht schon immer so gewesen, dass sie geredet und die Weiße ihr mit dem Körper geantwortet hatte? Was war jetzt die Antwort, die Alienna nur sehen konnte, wenn sie sich bemühte? Zum zweiten Mal wandte sie sich um, nur kaum schneller und ließ ihren Blick über Leyla wandern. Sie sah einen zusammengesunkenen Körper, ein Gesicht, das von ihr abgewandt war, aber in einer schmerzhaften Geste. Oh, sie war nicht gut darin, noch nie gewesen und gerade jetzt, wo Körper und Geist in ihr so seltsam verschwammen, wusste sie sich nicht zu helfen. Dann würde sie es noch einmal versuchen, noch ein einziges Mal … und wenn darauf kein Zeichen kam, dann würde sie sich mit ihrem Tod abfinden, sich ihm hingeben.

“Ich würde es so gerne noch einmal versuchen, will keine zweite Chance verlangen, nur dir und mir noch einmal so etwas wie Freundschaft schenken. Auch wenn ich es nicht gut kann und es so viele bessere Freundinnen auf dieser Welt gibt. Vielleicht, kannst du mir ja verzeihen, wenn ich es schon nicht kann.“

Sie wollte wieder die Zeit anhalten lassen, wieder in der Bewegung verharren, den Kopf leicht abgewandt. Aber dann wurde ihr klar, dass Worte für Leyla so wenig Bedeutung hatten, dass sie die Sprache des Körpers viel besser verstand. Was waren tausend herrliche Worte gegen wenige Schritte auf sie zu? Sie, die wusste, dass Alienna nichts schwerer fiel? Es war nicht nur die Angst, die die Braune zurückhielt, auch das vorherige Zurückweichen Leylas, dennoch setzte sie langsam eine Pfote vor die andere, so weit, bis nur noch eine halbe Wolfslänge sie beide trennte und die Läufe Aliennas leicht zitterten, die Angst in ihr Herz kroch und ihr Atem hektischer ging. Dennoch war es nicht so schlimm wie sie erwartet hatte … es war Leyla …


Und nun lag es wieder bei ihr, wie sie damit umging. Ob sie ihre Erwartungen erfüllen konnte? Welche Erwartungen stellte sie? Wollte sie hören, daß sie ihr verzieh? Wie sollte sie ihr das sagen, wenn sie es denn konnte? Leyla hatte so gehofft, endlich..ein Mal in ihrem Leben jemanden gefunden zu haben, der sich für sie interessierte und sich nicht von ihren Schwächen abschrecken ließ.
Aber vielleicht hatte sie sich einfach getäuscht. Sie drehte den Kopf wieder nach vorn, sah aber nur für einen Bruchteil von einem Augenblick in Aliennas Gesicht, danach nur noch vor sie, obwohl das kaum möglich war, sie mit ihrem Blick dabei nicht auch teilweise anzusehen, so nah, wie sie ihr nun stand.
Sie wußte nicht, ob es schlimmer war, wenn jemand ganz offensichtlich böse war oder wenn jemand durch ungewollte Tätigkeiten verletzte, wie sie es getan hatte. Fast konnte dies noch so viel schlimmer sein, weil Leyla Erwartungen gestellt hatte, wonach sie nur enttäuscht wurde. Ihre Worte klangen so leer. Sie waren es sicher nicht und bestimmt meinte sie, was sie sagte, doch Leyla hatte Mühe, ihnen auch nur teilweise Glauben zu schenken. Wie stellte sie sich das alles vor?
Diese Freundschaft war kein Ding, das man nach Belieben immer wieder herrichten konnte. Eher war sie wie eine Blume, sie sollte ewig blühen, doch sie war viel zu früh verfallen und keiner beherrschte, sie wieder zum Blühen zu bringen. Viel hätte es vielleicht gar nicht gebraucht. Vielleicht hätte sie nur sagen müssen, was sie wollte, um ihr klarzumachen, daß es sie verletzt hatte und daß es mit dieser Ungewissheit nicht ging. Doch das klang so leicht, wenn man es sich vornahm. In Wirklichkeit konnte sie so nicht reden. Doch nicht nur, weil sie ihr Vorwürfe machte, war alles so schwierig, sondern auch, weil Leyla so große Angst hatte, noch mehr zu zerstören und sollte sie doch wieder ein Mal bereit sein für diese Freundschaft, daß es dann zu spät sein könnte, weil sie sie in ihrer Wut so verletzt hatte, daß es keinen Weg mehr gab, daß er zugeschüttet war durch eine Reihe von emotionalen Erschütterungen, die den Weg für immer versperrten. So tat sie nichts. Sie sah sie in ihrer Unentschiedenheit nicht an, neutralisierte ihre Miene und ließ die Worte Aliennas in ihren Ohren verklingen. Mußte sie jetzt stopp sagen, damit es nicht ganz vorbei war? So wie es jetzt verlief, würde Alienna es als das Ende werten, gehen, das war’s. Dabei wußte sie noch nicht ein Mal, ob es das gewesen sein wollte. So etwas konnte man sich nicht einfach vornehmen oder ausschließen, man mußte seine Gefühle fragen und das brauchte in erster Linie viel Zeit. Um einen verfrühten, nun wohl ewigen Abschied abzuwenden, mußte sie wohl ein paar Worten über die Lefzen bringen. Sie immer noch nicht richtig ansehend, sprach sie mit zittriger Stimme.

„Ich..weiß nicht. Gib mir..Zeit..“

Dann aber schwenkte sie den Blick noch ein Mal kurz hoch, direkt in ihre Augen, entlud ihre ganzen Gefühle, die sie bei den Worten hatte, die so schwer auszusprechen waren, mit einem Mal und sah dann wieder weg, drehte sich sogar völlig um, setzte sich aber hin. Als Zeichen, daß sie nicht vorhatte, von hier fortzugehen, daß sie ihr vertraute und daß sie Ruhe brauchte, um eine Entscheidung treffen zu können. Nicht jetzt während des Sitzens, aber symbolisch sollte es das aussagen, hoffentlich verstand sie es. Zumindest die Worte sollten unmißverständlich sein, auch für sie. So richtig wußte sie es immer noch nicht, warum sie so lange und so plötzlich fort war. Das ließ den Raum für quälende Spekulationen offen. Sie konnte Wahrheit von Lüge nun noch schlechter unterscheiden, als bisher schon. Sie mußte sich rein auf das verlassen, was ihre Gefühle sagten. Diese aber waren jetzt nicht im Stande, so zu fühlen, daß sie hätte klare Gedanken fassen können.


Den noch folgenden Worten der neuen Fähe lauschte Midnight nur mit halbem Ohr. Sie war ungefährlich und wirkte schüchtern, unsicher. Genau so, wie er es im Inneren war, nur nicht nach Außen durchdringen ließ. Unsicher, verwirrt und aufgewühlt. Vor allen Dingen letzteres. Sachte blinzelte er. Bei den vielen Gedanken, die nun wieder in seinem Kopf ihre Kreise drehten, wurde er wieder so müde, ihm war schwindelig und schlecht. Seine Augen brannten, als wäre er übermüdet. Dabei hatte ihm die Wanderung nicht viel ausgemacht. Er war viel und lange gewandert. Wohl sein ganzes Leben lang, doch was wusste er schon von seinem Leben? Einen kleines Puzzelstück., gar nur ein Fragment. Und was war das schon im Vergleich? Nichts. Absolut nichts. Was war er schon, außer ein erbärmlicher Schatten seiner Selbst, den man jeder Zeit wegpusten konnte? Ein Spielball mit dem man machen konnte, was man wollte, ohne eine Gegenwehr befürchten zu müssen. Man konnte ihn treten so viel man wollte. Der Rüde glaubte dann noch, der Henker tat gut daran, ihn für sein Nichtstun und überhaupt für alles zu bestrafen. Dabei hatte er doch nie...Ach, was zählte es schon was er wollte? Seine Gedanken wurden jäh von Shit unterbrochen, der sich noch immer in das schwarze Fell gekuschelt hatte. Ein Weilchen lag der Blick des Rüden auf seinem jüngeren Begleiter, ehe er zu einer Antwort ansetzte.

"Nun, man scheint an bestimmte Orte mindestens zwei Mal zu gelangen.

Wie wahr, denn nun waren sie beide schon wieder in den Bergen, wenn auch um ein vielfaches Höher und dieses Mal nicht alleine, beziehungsweise in Zweisamkeit, sondern das ganze Rudel war hier versammelt. Ob es nun schlimm war oder nicht, konnte er nicht Bestimmtheit sagen und er wollte sich da auch nicht festlegen. Er war noch immer der Meinung das es egal gewesen wäre, wenn er irgendwann drauf gegangen wäre, andererseits wollte er, nein, konnte er das Shit nicht antun. Er hatte gesehen, wie sich die Mimik des sonst so ausgelassenen Wolfes verändert hatte. Es gehörte mit dazu, aber den Ausdruck dieser Augen, die sonst so sanft und fröhlich drein schauten...dieser neue Ausdruck passte einfach beim besten Willen nicht zu ihm. Wenn er doch...Ach wenn er doch nur ein einziges Mal in seinem Leben etwas zustande brächte, nur diese einzige Kleinigkeit. Er wollte bloß das Lächeln Shits bewahren, auch wenn er noch so naiv, chaotisch und welpenhaft war. Jedes Lebewesen war einmalig, doch dieser schien noch etwas Besonderes unter den Individuen zu sein. Wie man es betrachtete, war dies eigentlich auch bei jedem so, für den Nachtsohn jedoch nicht. Das Lächeln seines selbsternannten Freundes war unvergleichlich. Auch hier wurde er wieder von seinen Gedanken unterbrochen, lauschte er einem Heulen, eine Fähe die von Abschied sprach. Schweigend saß Midnight nur da und lauschte, bis die nächsten Worte an seine Ohren drangen. Traurig. War dies nicht so viel auf dieser Welt? Trauer, Scherz, Leid. Alles alltäglich. Sachte schüttelte er den Kopf, schloss die Augen, während ihm seine eigenen Worte wieder einfielen. Man gelangt zwei Mal an einen Ort. Ob er dann auch wieder von hier fort gehen würde, wen die Zeit gekommen war? Würde er zurück in die Eiswüste gehen, die ihm viel versprochen, aber nichts gegeben hatte? Würde...würde Shit dann vielleicht sogar...

.oO(Vergiss es!)Oo.

Diese Reise wäre eine Sache, aber dieses lebensfeindliche Gebiet...Hier oben gab es noch etwas wie abwechselnde Vegetation und es lag nicht immer Schnee. Ganz anders als in diesem Tal, das nur aus Schnee und Eis bestand und zwar das ganze Jahr. Es wurde im Verlauf des Tages erst spät hell und dann meist noch nicht Mal so hell, als das man wahrlich erkennen konnte, das es Tag war. So als wollte die Nacht sich ein eigenes Domizil halten. Von den Lebensbedingungen und Qualität wollte er erst gar nicht anfangen. Es war ganz gewiss keine Gegend für ein Lebewesen, erstrecht nicht von jemanden, dessen Lächeln man bewahren und nicht erfrieren lassen wollte. Ein tonloses Seufzen verließ die Kehle des Schwarzen, der nun scheu seinen Kopf an Shit lehnte und die brennenden Augen ein wenig schloss. Er schlief nicht, auch wenn er sich Müde fühlte. doch dies war keine Müdigkeit, die man mit etwas Schlaf heilen konnze.Er wollte sich nur nicht weiter im Kreise drehen und vielleicht, aber nur vielleicht, kannte Shit die Notbremse.


Der immerkälter werdende Körper ihres kleinen Sohnes ließ Banshee sich nur noch enger um ihn rollen, ihn vor der Welt und stechenden Blicken beschützen. Aber vor dem kalten Hauch Fenris’ konnte sie ihn nicht verstecken, sein kleiner Körper wurde immer steifer und schien immer weniger ihrem Sohn zu ähneln. Wie Ayala. Auch sie verschwand und ließ Leere und Kälte zurück. Aber anders als zuvor ließ Banshee diesen Schmerz jetzt nicht mehr schutzlos an sich heran. Engaya war bei ihr, irgendwo, irgendwie. Sie wusste, das sie wieder aufstehen sollte, das Rudel sollte seine Alpha nicht so schwach und gebrochen am Boden liegen sehen. Dennoch fehlte ihr die Kraft, ihren Sohn herzugeben, wenn sie ihn jetzt aus ihrer schützenden Umarmung entließ, würde Fenris ihn ihr endgültig nehmen. So lag sie dort, nicht mehr verzweifelt, nur kraftlos, scheinbar tausend Herzschläge lang. Und dann geschah das Wunder. Eine Stimme drang an ihr Ohr, so süß und wunderschön, dass ihr ein Schauer über den Rücken raste. Ihre Läufe erzitterten und ihr Fell richtete sich wie unter pulsierendem Strom auf. Acollon.
.oO(Oh bittersüße Verführung, oh wunderschönes Traumbild. Engaya, warum lässt du mich jetzt Wunschträume sehen, nur damit ich später noch schwächer zu Boden gehe, wenn ich verstehe, dass es nur ein Fiebertraum war?)
Wie erstarrt lag sie da, jetzt atemlos und angespannt, die Ohren aufgestellt, jeden Laut erhaschend, obwohl sie doch wusste, dass das Heulen ihres Gefährten ebenso eine Illusion gewesen sein musste wie zuvor die sonnengeflutete Wiese. Aber dann kam de Geruch. So erfüllend und herrlich, so sanft und himmlisch. Sie hob den Kopf ganz leicht an, versuchte noch mehr von dem süßen Duft in sich aufzunehmen. Es war wirklich. Ihr benebelter, von Trauer verblendeter Kopf spielte ihr keinen bitteren Streich … er war da. Er war zurückgekehrt … zu ihr.
.oO(Oh Engaya, welch strahlendes Licht schickst du mir in dieser düsteren Nacht. So viel Glück hatte ich nicht verlangen wollen, doch du schenkst mir alles wofür ich lebe.)
Langsam öffneten sich ihre Augen, ihr müder und doch glänzender Blick glitt über die Landschaft, noch keine schwarze Gestalt lief auf sie zu, aber Acollon war nun so deutlich zu wittern, dass eine leise Thräne der Freude ihre Schnauze hinabperlte. Mehr als ein halbes Jahr war es her … der Abschied, der nicht mal ein richtiger Abschied gewesen war. Sie würde ihn wieder sehen. Mit einer kraftvollen und trotzdem erschöpften Bewegung hob sie die Schnauze zum Himmel und antwortete Acollon. Zunächst war es nur eine Nachricht, dass sie hier waren, doch dann konnte sie nicht einfach verstummen. Sie sang von Ayala und Merawin, von Trauer und Leere, Abschiedsschmerz und Tod, von der kalten Welt hier oben und die triste Dunkelheit die darüber lag, schwang jedoch ebenso schnell um, sang von Liebe und Freude, von Willkommensgrüßen und Glück, von Widersehen und gemeinsamen Zeiten. Als sie schließlich verstummte, sie wusste nicht, wie lange sie heulend dagelegen hatte, sank ihr Kopf wieder auf ihre Pfoten. Sie hatte noch immer nicht die Kraft Merwain herzugeben und Acollon entgegen zu laufen, dennoch pulsierte die Freude in ihrem Körper, ließ gemischt mit der tiefen Trauer ein seltsames Gefühl zurück … und tiefe Erschöpfung. Aber sie wusste … es würde alles gut werden. Er war wieder da.


Lange war keine Antwort zu hören. Acollon grollte leise und zog die Stirn in enge Falten. Der Geruch seiner Gefährtin war doch so deutlich zu wittern, Aber warum in dieser Gegend, warum hier in den Bergen, wo es doch im Tal viel schöner war? Hier waren die Leere und der Tod zu Hause, hier war es dem Hünen angenehm. Aber Banshee war es hier sicherlich nicht angenehm. Etwas zügiger schritt er voran, wollte endlich Klarheit haben und die Gewissheit, dass alles in Ordnung war.
Doch so schnell er sein Tempo angezogen hatte, so schnell blieb er auch wieder stehen. Dort war die Stimme Banshees. Seiner Gefährtin. Sie sang, Trauer und Glück vermischten sich. Der Hüne verstand nur schwer, was sie ihm erzählten. Erst als seine Gefährtin aufgehört hatte ihm zu erzählen; und es kam ihm vor als wären es Stunden gewesen; glitt ein Ruck durch den Körper des Rüden. Und er begann zu laufen, schnell, dabei wirbelte er viel Schnee auf, hier und da prallte er gegen einen kargen Baumstumpf. Es scherte ihn jedoch nicht. Banshee war Fenris zu nahe. Sein Sohn war tot und Ayala, die Betawölfin des Rudel- was war mit ihr geschehen? Zuviel Unglück war auf seine kleine, süße Gefährtin niedergegangen. Wobei er doch das Versprechen sich selbst gegeben hatte, sie nie in Not zu lassen.
Was war geschehen während seiner Abwesendheit? Er hatte seine Pflicht verletzt, er war doch für das Wohl des Rudels verantwortlich. Er war für das Wohl seiner Gefährtin, seiner Banshee und seiner Kinder zuständig. Eine Woge von Hass überkam den Hünen, doch zugleich bebte sein Körper vor Freude.
Während er stürmisch auf die Stelle zu rannte, wo die Stimme seiner Gefährtin zu hören gewesen war, gab er ihr eine Antwort. Er stieß erneut die Schnauze in den Himmel, doch diesmal klang seine Stimme kräftig, laut und gewaltig. Rau und durchdringend. Er sang kurz von der Hilfe, die er ihr bringen würde. Und von der Liebe, die Banshee von ihm erwarten konnte. Aber auch davon, dass sie ihren Sohn allein lassen muss. Fenris würde die Gelegenheit nutzen, um das Leben noch mehr zu trügen.
Ein weiter Ruck glitt durch den Schwarzen. Er sprang einen Abhang hinunter und wäre beinahe gestürzt. In einem wahnsinnigen Tempo raste er voran.
Die Gedanken wurden wieder klarer. Vorwürfe an sich selbst zu richten, war jetzt nicht unbedingt angebracht. Banshee war verzweifelt.
Ich bin gleich bei Dir. Halte durch. Vergiss nicht, Du bist eine starke Fähe. Und wir gehören zusammen.
Einen weiteren Abhang sprang er hinab und konnte nur knapp bremsen. Dort lag sie, den Kopf auf die Pfoten gestützt. Und dort lag noch ein Körper, ein kleiner und lebloser Körper. Nur verhalten konnte er die Gier nach dem Tod unterdrücken. Es war sein Sohn. Sein toter Sohn. Und seine weiße Gefährtin, die nicht von seiner Seite weichen konnte.
Verharrend stand er dort und sah auf das Szenario hinab. Kälte umwogte ihn. Seltsam leer war der Aufdruck auf seinen Lefzen.

“Banshee“,

flüsterte er und die halbgeöffnete Schnauze ließ wieder einen Laut ertönen. Diesmal klagend. Er setzte sich in Gang, der Weg zu Banshee schien noch länger als zuvor.
Als er sich erreichte zögerte er keine Sekunde und sank ebenfalls zur Erde. Er drückte seinen Kopf auf ihren, zog sie an sich heran. Roch den süßlichen Duft, der Zimt ähnelte. Er verdeckte ihr die Sicht auf den Sohn. Die Ohren waren leicht an den Kopf angelegt.

“Ich bin wieder hier. Keine Angst, ich gehe nicht mehr fort. Ich bin wieder bei Dir!“

Worte, die eigentlich aus der Schnauze des Schwarzen unglaubwürdig klingen mussten, doch sie waren ehrlich gemeint und genauso ehrlich lächelte er. Er unterdrückte jegliche Kälte und Leere, die er wieder einmal aufleben lassen hatte. Das leichte Lächeln verschwand in einem heiseren Lachen. Ja, der Tod war wieder zurückgekehrt an die Seite des Lebens.


Katara beobachtete die Wölfin aufmerksam.Sie war endlich aufgewacht, Katara konnte von Glück reden, dass diese sie nicht sofort angegriffen hatte, denn sie war ja immerhin eine Fremde für die Wölfin. Die Wölfin betrachtete nun den Hasen, der schon starr und kalt dalag. Aber sie rührte ihn nicht an. Woran das wohl liegen mag?

„Guten Tag! Dürfte ich wohl Euren Namen erfahren?"

Katara lag immer noch auf dem kahlen Stein und beobachtete die weiße Wölfin, welche ihr einen Blick zuwarf. Es war ein eher fragender Blick. Was sie wohl denken mag? Der Wind zerzauste Kataras Fell. Sie rührte sich nicht, wartete noch immer darauf, dass die Wölfin nun endlich den Hasen fressen mag.

„Ursprünglich wollte ich ihn verzehren, doch als ich mir einen ruhigen Platz suchen wollte, da sah ich Euch auf dem kahlen Stein liegen. Nun, ich denke, Ihr habt es nötiger etwas zu fressen, immerhin habt Ihr zwei Nächte lang geschlafen bei dieser Kälte. Nun esst schon, Ihr müsst wieder zu Kräften kommen, Ihr seht ganz erschöpft aus. Ich werde schon noch etwas anderes zu Fressen finden.“

Katara stand auf und schob mit der Schnauze den toten Hasen etwas näher an die weiße Wölfin heran.

„Nun esst schon!“

befahl sie der Wölfin mit einem höflichen Ton. Sie selber legte sich vor die Wölfin um ihr Schutz vor dem Eiskalten Wind, der jetzt blies, zu bieten. Sie zitterte ein wenig vor Kälte, doch sie hielt durch. Die weiße Wölfin war immerhin noch zu erschöpft um aufzustehen und sich einen geschützten Platz zu suchen und so sah Katara es als Pflicht an, sie zu schützen.
Sie hielt ihre Schnauze in Richtung des Windes. Es roch immer noch nach vielen Wölfen, sie hatten also ihren Standort noch nicht gewechselt, vielleicht erholte sich die weiße Wölfin ja noch schneller als gedacht, sodass sie das Rudel, bevor es womöglich weiterzog, noch erreichen konnten? Katara rief sich zur Vernunft. Sie musste der weißen Wölfin Zeit geben, damit sie sich wieder vollständig ausruhen konnte. Das Rudel konnten sie danach bestimmt auch wieder einholen.


Banshee fühlte sich seltsam befreit während sie jetzt seltsam ruhig dalag, den Blick erschöpft aber aufmerksam in die Richtung gerichtet, in der Acollon jede Sekunde auftauchen würde. Der Schmerz und die tiefe Trauer, die zuerst da gewesen waren, waren verdrängt worden von unbändiger Freude und exstatischem Erzittern und jetzt, da sie wusste, dass er bald bei ihr sein würde kehrte große Ruhe und Gelassenheit zurück, im Vertrauen auf ihn und auf Engaya. Sie fragte nicht, warum ihre Mutter ihr Ayala und Merawin hatte nehmen müssen, damit sie endlich Acollon wiedersehen durfte, sie fragte nicht, warum erst auf so viel Leid so viel Glück folgen konnte … sie erwartete einfach mit einem sanften Lächeln auf den Lefzen ihren Gefährten. Und er kam. Zunächst antwortete er ihr, versprach ihr Hilfe und Liebe und Banshee wusste, dass er diese Versprechen halten würde. Das erste hatte er bereits eingelöst, allein seine Stimme und sein Geruch und das Wissen, dass er bald wieder ein seiner Seite laufen würde, hatte ihr bereits so sehr geholfen, dass ihre Nacht zum Tag geworden war. Sie hob leicht den Kopf, wusch Merawins Fell sauber, als müsse er noch einmal wunderschön aussehen, zärtlich umsorgte sie ihn ein letztes Mal. Und dann kam er. Bröckelnde Steine verrieten ihn, bevor sie ihn sehen konnte, bis er schließlich auf einer Anhöhe auftauchte, inne hielt, ihren Namen flüsterte; auch wenn sie ihn nicht hören konnte, so las sie es von seinen Lefzen ab; und schließlich auf sie zu kam. Sie hob den Kopf, sah ihn mit einem Ausdruck an, der so viele Gefühle vereinte, dass man wohl nichts darin lesen konnte … nur das Lächeln sprach von Freude und ihre Augen von Schmerz. Als er sich endlich neben ihr niederließ, sie seinen Körper an ihrem spürte und sein Duft sie ganz umfing spürte sie nur noch grenzenlose Geborgenheit. Genau hier hin gehörte sie, in seine Umarmung. Die Schnauze in seinem Fell vergraben und die Stirn an seinen Hals drückend spürte sie ihn überall und wollte dieses Gefühl nie wieder hergeben. Glück umspülte sie und ließ sie den Verlust Ayalas und Merawins verstehen und akzeptieren, allein Acollons Anwesenheit reichte dafür. Als er schließlich sprach, gab sie zunächst keine Antwort, drückte sich nur noch enger an ihn und genoss den stillen Moment der Zweisamkeit, bis sie den Kopf hob und Acollon in die Augen sah.

“Ich weiß. Ich liebe dich.“

Mehr brachte so noch nicht über die Lefzen, musste ihn auf die Schnauze küssen und ihren Kopf wieder an seinen Hals drücken. Einige Herzschläge lang verharrte sie so, erneut rannen Thränen ihre Schnauze hinab und verloren sich in Acollons Fell, keine Worte konnten ihre Freude ausdrücken. Schließlich löste sie sich erneut und sah auf die Stelle, an der Merawin lag, auch wenn Acollon ihn nun verbarg. Es war das erste und letzte Mal, dass er ihren Sohn sehen durfte … und wusste nicht Mal seinen Namen. Ihr Lächeln wurde traurig, dennoch war es jetzt eine ruhige Trauer, die nicht mehr schmerzhaft nach Antworten verlangte.

“Er hieß Merawin …“

Wieder legte sich ihr Kopf an Acollons Hals, jetzt mit dem Blick auf die Stelle gerichtet, an der ihr Sohn verborgen lag. Oh, es war nur ein Welpe von vier … Acollon würde seine Welpen kennenlernen und sie ihn. Sie würden endlich einen Vater haben.


Lange verharrte der Schwarze in seiner Position, sagte nichts. Ein schöner Name für seinen Sohn. Zu schade, dass er nicht wusste, wie er war. Sicherlich kam er eher nach Banshee. Nun gut, jetzt wo er so reglos da lag, erschien er eher Acollon einem Ebenbild.
Jetzt wo er langsam begriff, dass es doch sein eigen Fleisch und Blut war, tat es ihm sehr leid diesem Welpen keinen Schutz geboten haben zu können.
Nur schwerfällig löste er sich aus der Starre und wandte den Blick zu dem kleinen Körper.
Woran er jedoch gestorben war, wollte er gar nicht wissen, er spürte nur die Anwesendheit von Fenris. Dies genügte ihm schon.

“Banshee, wir sollten ihn schnell begraben, damit er seine letzte Ruhe finden kann ohne, dass Fenris ihn noch weiter zu sich ziehen kann. Er hat es nicht verdient. Merawin hat es nicht verdient.“

Kalte Worte in einer Zeit, wo Banshee eher etwas anderes hören sollte. Sie würde jedoch verstehen. Er war der Tod, ihm zerrte es nach jenem.
Mit viel Leidenschaft küsste er sie auf die Lefzen, schloss sogar genüsslich die Augen. Drückte ihren Kopf energisch an seinen Hals und versuchte sich an das Gefühl der vollkommenen Hingebung zu erinnern.

“Wir sollten Merawin dort begraben, wo die Sternenwinde tanzen. Unten am See.“

Damit erhob er sich, jedoch nicht ohne die Augen von seiner Gefährtin zu lassen. Unpassender Augenblick sie attraktiv zu finden. Aber wie sie dort so lag sah sie sehr unschuldig aus, gar hilfebedürftig.
Wieder trat er näher an sie heran, knabberte leicht an ihrem Ohr und hauchte:

“Ich liebe Dich auch“.

Die Kälte in seinen Augen verharrte und ein Lächeln huschte wieder auf seinen Lefzen. Wie schlimm der Verlust Merawins für Banshee sein musste, sie sah trotzdem glücklich aus. Und der Hüne konnte kaum glauben, dass dies sein Werk sein mochte.

Mit einer sanften Bewegung umschloss die schwarze Schnauze den leblosen Körper und hob ihn vom Boden. Er roch stark nach Banshee. Sie musste hier lange geweilt haben, ihn lange umsorgt haben. Der Schwarze wartete, dass die weiße Fähe an seine Seite treten würde, dort, wo sie Jahre lang gewesen war. Als eine glückliche Mutter, als eine Gefährtin, die nichts zu befürchten haben musste.


Die Wölfe hatten sich schon mutig über die Steinwüste verteilt und erholten sich von dem langen Marsch über die spitzen Felsen. Thylia war die Strecke nicht anstrengend vorgekommen. Natürlich, so hoch in den Bergen war sie noch nie gewesen, aber hatte es nicht sonderlich an ihren Kräften gezehrt. Die Zeit, welche sie im Tal verbracht hatte, hatte ihr sehr gut getan. Ihre Kräfte waren wie früher und auch dieser Weg hatte ihre Muskeln nur gestärkt. Aber sie war traurig, dass sie das Tal verlassen mussten. Sie wäer bereit gewesen zu kämpfen, selbst wenn sie dann dieses bösartige Monster geworden wäre und selbst wenn sie dann einige Zeit wieder als Kind herumgelaufen wäre, solange sie im Tal hätten bleiben können wäre es ihr egal gewesen, doch Banshee war der Ansicht, dass sie lieber fliehen sollten. Wollte sie etwa für immer weglaufen und lieber hier oben wohnen? Thylia hoffte doch nicht, vielleicht würden sie schon im nächsten Frühjahr, solange sie es hier oben überlebten, zurückkehren und ihr altes Revier einfordern. In diesen Träumen versunken stand sie da und ließ sich den Wind durch das Fell pusten. Noch immer hatte sie kaum Kontakt zu anderen Wölfen aufgebaut und stand demenstprechend alleine rum, doch kümmerte sie dies nicht sonderlich, sie war froh in einer Gemeinschaft zu sein, welche sie wenigstens ein wenig angenommen hatte und erfreute sich daran Wölfe in ihrer Nähe zu haben. Mehr brauchte die Fähe nicht um glücklich zu sein. Und sicher war es auch am besten, wenn sie niemanden richtig gut kennen lernte, denn es wäre grausam wenn sie sich dann verwandeln würde. Das würde doch niemand aushalten. So, redete sie sich ein, war schon alles ganz richtig und gut, wie es war.

Mit einem etwas verklärten Blick sah die weiße Wölfin auf, als die fremde schwarze sie höflich ansprach. Sie brauchte einen Moment um sich wieder zu orientieren, denn gar zu lange war sie in den Gedanken ausgeharrt, hatte auf Stimmen gehorcht, welche der Wind doch nun endlich zu ihr tragen mögen, jene jedoch niemals an die flauschigen Ohren der Wölfin drangen,...weil es sie nicht gab? Es waren die Stimmen der Eltern, welche sie zu hören glaubte, obschon sie nicht sehr alt gewesen war, hatte sie doch schon eine enge Verbindung mit den Eltern gehabt, welche nun weg waren und doch in ihren Gedanken verweilten!

„Nennt mich Corvina, doch sagt, mit wem habe ich die Freude?“

fragte dann Corvina etwas leise, sie traute ihrer Stimme noch nicht, welche lange in ihrem innern geruht hatte, sie war lange alleine herumgewandert, hatte lange niemanden getroffen, erst die Wölfe unten im Tal, doch jene mochte sie nicht besonders nachdem, was alles geschehen war!
Der Wind umspielte die beiden Wölfinnen, es schien als würden sie sich kennen und doch, waren sie einander fremd, Corvina war sich bloß sicher, dass auch die schwarze nicht von hier stammte, doch verspürte sie tiefe Dankbarkeit als sie die Worte der fremden vernahm, so war der Hase also für sie, ja für Corvina, bestimmt!
Die weiße Wölfin erhob sich langsam und blieb dann einen Moment etwas wankend stehen, sie musste erst einmal wieder etwas Gefühl in ihre Pfoten bekommen, nachdem sie glaubte dieses wieder zu haben, schüttelte sie sich sachte und trat dann um die, mittlerweile vor ihr liegende Wölfin herum, um zu dem etwas weiter entfernten toten Hasen zu gelangen, sie sah ihn gierig an, doch ehe sie zubiss, wandte sie sich noch einmal der fremden zu, welche immer noch am Boden lag,

„Ich stehe in Ihrer Schuld, doch will ich nicht, dass Sie wegen mir den Hunger ertragen, schaut Euch den Hasen an, er vermag es zwei Wölfe am Leben zu erhalten!“

sprach die Weiße nun mit etwas festerer Stimme, ehe sie dann die Gier doch übermannte und sie die Zähne in das kalte aber zarte Fleisch schlug, gierig fraß sie, ohne innezuhalten, doch dann erinnerte sie sich wieder an die schwarze und trat etwas schuldbewusst von dem Kadaver zurück, Corvina hatte nicht den ganzen Hasen gefressen, so dass es auch noch für die andere reichen würde. Der Wind war eiskalt, doch das flauschige Fell der weißen schütze die Wölfin, hingegen schien die fremde zu zittern,...vor Kälte oder weil diese ebenfalls wieder diesen Wolfsgeruch aufnahm, welcher über dem ganzen Gebiet hing!

„Ihr friert, wie mir scheint?!“

meinte Corvina dann, mit nachdenklichem Blick, bald schon würde der Winter hereinbrechen und dann würde ein Kaninchen nicht mehr reichen, sie mussten irgendwo Anschluss finden, doch vielleicht wollte die schwarze ja weiterziehen?


„Mein Name ist Katara, freut mich sehr Euch kennen zu lernen“

antwortete sie. Sie blickte Corvina an. Was sie wohl denken mag? Es war ein rätselhafter Blick, den Katara nicht so recht deuten mochte. Aber sie freute sich...freute sich, dass sie endlich wieder mit einem Wolf sprechen konnte, ohne Gefahr zu laufen, gleich angegriffen zu werden. Das konnte Corvina zwar auch tun, aber man sah ihr an, dass sie dankbar für den Hasen war. Katara blickte hoch zum Himmel, etwas komisches lag in der Luft, es würde bald etwas passieren, das spürte sie und sie fing an zu zittern. Es lag aber nicht an der Kälte, das keines Wegs, Katara war ja dies Kälte gewöhnt, sie selbst kannte ja eigentlich nichts anderes. So weit sie zurückdenken konnte, hatte Katara immer in solch einer Umgebung gelebt, sie hatte noch nie Wälder gesehn, war noch nie über weite prächtige Wiesen gerannt. Woher sie wusste dass es so etwas gab? Nun ja, obwohl sie immer alleine durch die Gebrige gestreift war, hatte sie doch so manches mitbekommen. Jetzt klang Corvinas Stimme an ihr Ohr.

„Nein, dieser Hase vermag es nicht zwei Wölfe am Leben zu halten, seht ihn Euch doch mal an, es ist ein magerer Hase, auch wenn er nach mehr aussieht, so besitzt er nicht viel Fleisch! Nun esst schon, ich finde schon etwas anderes zum Fressen, glaubt mir!“

Katara sah wie Corvina nun gierig zu Fressen begann. Die weisse Wölfin aber ließ etwas liegen. Sollte Katara dies etwa fressen? Nein das würde sie nicht tun, denn sie sah der Wölfin an, dass sie überhaupt nicht satt war, daran würde auch nicht der ganze Hase etwas ändern, aber das sollte immerhin ausreichen, dass sie wieder einigermaßen zu Kräften kam. Katara zitterte wieder. Dieser Geruch...er hing über dem gesamten Gebiet und jetzt war sich Katara sicher, dass etwas passieren würde. Würden sie vom Rudel weggejagt werden? Oder würden sie sogar aufgenommen werden? Aber was war mit Corvina? Vielleicht hatte sie ja ganz andere Pläne, als sich einem Wolfsrudel anzuschließen?

„ Ich zittere nicht vor Kälte, nein das tu ich wahrlich nicht. Ich bin diese eisige Kälte gewöhnt, schon als Welpe hab ich nichts anderes kennengelernt. Ich weiß nicht einmal wie ein Wald aussieht und die grünen Wiesen, von denen andere Wölfe voller Freude berichten...Nein ich zittere, weil ich etwas spüre...etwas wird geschehen, doch ob es etwas Gutes ist oder etwas Schlimmes, das vermag ich beim besten Willen nicht zu sagen. Sagt mir, Ihr riecht diesen Wolfsgeruch doch auch?! Es ist ein Rudel. Lange habe ich darauf gewartet, endlich eins zu treffen und mich ihm anzuschließen...doch was ist mit Euch? Zieht Ihr alleine weiter?“

fragend blickte Katara die weiße Wölfin mit blitzenden Augen, die dabei wie Kristalle aussahen an und wartete auf die Antwort.


Alienna betrachtete mit Augen, die nun vor Angst geweitete waren und einem zitternden Blick, wie Leyla ihren Kopf wieder nach vorne drehte, ihr ganz kurz einen Blick zu warf, aus dem sie nichts, nicht mal den Ansatz eines Gefühls lesen konnte und sah dann nur noch auf den kalten Stein. Eine lange Zeit. Eine zu lange Zeit. Alienna hielt es nicht mehr aus und stolperte wieder viele Schritte zurück, brachte genug Abstand zwischen sie beide und spürte erstmals Enttäuschung über das Verhalten Leylas. Vielleicht nicht berechtigt … sie hatte nichts mehr zu erwarten, sie war es schließlich, die Leyla so sehr enttäuscht hatte, aber dass die Weiße … ach, es war egal. Nichts hatte sie zu erwarten, gar nichts … nur den Tod. Wieder rückte er näher, doch erneut wurde er abgewendet, von leisen Worten von Leyla, die sie immer noch nicht richtig ansah. Zeit … das war vielleicht das Einzige, das Alienna nicht mehr hatte, aber ihr blieb doch nichts anderes übrig. Zeit … was war das? Ein Tag? Ein Mond? Ein Winter? Viele Winter? Verzweiflung keimte auf, obwohl die Antwort Leylas doch eigentlich hoffnungsvoll gedeutet werden sollte … sie schien ihr doch eine Chance geben zu wollen … dennoch fühlte sich Alienna unglücklich, Leylas Worte waren so wie Aliennas Worte wohl auch für sie sein mussten … unerfüllend. Sie wusste nicht, was sie tun sollte … plötzlich meinte sie sogar so etwas wie Sehnsucht nach ihrem Stein zu verspüren, dort musste sie nicht diesen Schmerz in der Seele verspüren, in dem Wissen, dass er nicht berechtigt war. Dort war alles einfach. Sie spürte, wie ein weiterer Teil ihres Selbst irgendwo in ihr zerbrach und fühlte sich schrecklich fehl am Platz. Aber dann kam der Blick. Für wenige Augenblicke hob Leyla ihren Kopf und sah ihr in die Augen. Es stand so unendlich viel darin, dass selbst wenn sie diese Sprache perfekt beherrschen würde, nicht alles hätte aufnehmen können … so verstand sie noch viel weniger und dennoch genug. Aus irgendeinem Grund gab ihr das etwas Kraft, nahm ihr dieses schreckliche Gefühl und ließ sie bleiben. Seltsame Fügung, dass sie in diesem Fall wie Leyla war … dabei hatte sie immer an Worte gehalten. Selbst als Leyla sich umdrehte und ihr den Rücken zuwandte war es nicht so schlimm. Sie verstand zwar nicht, was die Weiße damit bezwecken wollte, aber vielleicht einfach ihre Worte verdeutlichen … sie brauchte Zeit. Der Blick gab der Braunen genug Kraft um zu versuchen, ihr diese zu geben. Merklich viel etwas Anspannung von Alienna ab, sie hustete wieder, ein leises Keuchen, und auch das Zittern hörte auf. Sie war nicht glücklich und auch nicht überzeugt von dem guten Ende, eigentlich gar nicht, dennoch nahm sie es jetzt hin. Sie verstand Leyla irgendwo … Alienna war doch ihre Freundin. Auch wenn Leyla nicht mehr ihre sein sollte.

“Ich lege mich einfach dort hin …“

Ihre Stimme klang wieder müde und schwach, aber schien dabei doch ehrlicher zu sein. Sie wollte damit einfach nur zeigen, dass Leyla die Zeit bekommen würde. Langsam tappte sie neben den hohen Felsen, hinter dem sie zuvor hervorgekommen war und ließ sich kraftlos fallen. Sie wollte nicht schlafen, schloss nur langsam die Augen und versuchte alle Gedanken abzuschalten … nach so langer Zeit von endloser Leere waren es jetzt zu viele. Es gelang ihr sogar, dafür sah sie wie in einer Vision eine schwarze Gestalt auf sich zu kommen. Sie erzitterte leicht, spürte einen eiskalten Hauch und meinte das Dunkle nach ihr greifen zu sehen. Sie winselte leise auf und öffnete ruckartig die Augen. Plötzlich war Angst wieder da, aber ganz andere. Mit leerem Blick starrte sie in die Landschaft, wollte sie Lider nicht mehr schließen. Wollte nicht mehr alleine dort liegen.


Banshee lag noch immer still an Acollons Hals und genoss die kurze Ruhe, die nur noch kurz halten würde, da war sie sich sicher. Noch einmal die Eltern mit ihrem Sohn vereint, dann wäre es vorbei … Schon Acollons Worte durchbrachen sie, auch wenn er indirekt Recht hatte. Sie durfte ihn nicht länger in ihrer Umklammerung halten … sie würde den Kampf gegen Fenris verlieren, vorher musste der kleine Köper zu Engaya fließen dürfen. Aber begraben wollte sie ihn nicht. Sie wusste, dass viele Wölfe die Körper der verstorbenen unter die Erde gruben aber das würde sie niemals zulassen. Der Fluss musste sie mitnehmen, sonst würden sie doch für ewig unter der Erde, in den Klauen Fenris’ bleiben. Aber sie widersprach nicht sofort, erwiderte zunächst den zärtlichen Kuss Acollons und lauschte dann wieder seinen Worten. Unten am See? Oh, er wusste nicht einmal, warum sie hier oben waren? Oh, sie musste ihm so viel erzählen … so viel, was sie niemals hatte aussprechen wollen, denn wie viel Schmerz könnte es wieder aufwirbeln? Sie blinzelte, schluckte einmal und ließ ihren wieder trauriger wirkenden Blick kurz in der Steinwüste verweilen. Acollon erhob sich, sie spürte seinen Blick und fühlte sich wunderbar dabei, dennoch drückten die Worte, die sie nun aussprechen musste, schwer auf ihre Seele.

“Acollon … wir können nicht zurück ins Tal. Wir müssen hier oben, in dieser kalten, toten Landschaft bleiben, vielleicht ein halbes Jahr, vielleicht ein ganzes … oh, vielleicht für immer!“

Sie senkte den Kopf, schluckte wieder und versuchte dann rational alle wichtigen Informationen für ihn zu sammeln. Sie musste ihm klar machen, dass er wirklich nicht dort hinunterlaufen durfte … Acollon war oft all zu leichtsinnig, all zu sehr von seiner Stärke und der Fenris’ überzeugt. Auch diese Eigenschaft liebte sie an ihm, aber in diesem Fall würde sie tödlich werden.

“Wir sind vor einer fremden Schar geflüchtet … sie waren uns weit überlegen, haben uns aus dem Revier vertrieben. Aber wir hatten Welpen und hier überall grenzt Jagdgebiet an Jagdgebiet … wir konnten nicht einfach loswandern auf der suche nach einem neuen Revier! So sind wir hier hoch geflohen … aber wir dürfen keinen Schritt zu weit hinunter setzen … sonst entdecken sie uns und nicht mal du kannst uns beschützen. Nicht jetzt schon … wenn deine Söhne ausgewachsen sind … vielleicht ändert sich dann ja alles.“

Sie verstummte atemlos und mit erstickter Stimme, die Ereignisse noch einmal zu wiederholen, machte ihr noch deutlicher klar, was sie verloren hatte … Heimat. Hier oben würde sie sie niemals finden. Nur langsam konnte sie ihren Blick heben und ihren Gefährten wieder ansehen, wie er dort stand, mit seinem toten Sohn in der Schnauze, schmerzte es noch mehr, gleichzeitig kam auch wieder das warme Glückgefühl … Langsam erhob sie sich und trat an die Seite ihres Gefährten, nicht aber um mit ihm ins Tal zu gehen … nur, um ihn wieder bei sich zu spüren. Sanft rieb sie ihre Schnauze an seiner wie um sich selbst zu trösten und deutete schließlich auf die Schlucht, die sie schon zuvor gesehen hatte, mit Averic, der daneben saß.

“Vielleicht ist dort unten ein Fluss …“

Die Vorstellung ihren Sohn einfach in die Schlucht fallen zu lassen ließ sie frösteln … dennoch, hinunter steigen würden sie nicht können, die Schlucht war kaum zwei Wolfslängen breit … damit steile Klippen. Und dort unten würde das Wasser Merawin sanft auffangen, es würde gut sein.


Welches Verhalten war in diesem Fall angebracht? Sie konnte nicht so böse sein mit ihr, weil die Gefühle noch nicht vollständig gewichen waren, wollte sie aber auch nicht begrüßen, als wäre sie durch Zufall verschwunden und alles vergessen. Es schmerzte sehr, verlassen zu werden und dann die Erwartung gestellt bekommen, zu verzeihen. Das war kaum möglich, jedenfalls nicht für Leyla, nicht nach dem. Was sie alles erlebt hatte, noch bevor sie auf Alienna gestoßen war.
Als die Braune immer weiter zurückging und Abstand nahm, fühlte sie ein Gefühl von Kälte in ihrem Körper, das sie blitzartig durchfuhr. Es war fast, als würde eine Lawine von Steinen auf sie herabkommen, in dessen Schutt sie nun gefangen war, noch lebte, aber nicht mehr weg konnte und mit ansehen mußte, wie sich die, die sie so gemocht hatte, immer weiter entfernte, weil sie nichts dagegen tun konnte. Auch wenn man sagen mochte, daß sie das konnte, so stimmte es nicht. Sie hatte nicht den Mut, auf sie zuzugehen und es endlich klar zu stellen. Ihr Keuchen und Husten wirkte auf Leyla wie ein Stechen, wie ein Schmerz, den sie ihr zufügte, um sie dazu zu bringen, mit aller Gewalt, ihr zu verzeihen. Es mußte ihr nun so vorkommen, als sei sie schuld, daß es jetzt so war, wie es war. Warum ließ sie das nicht sein? Warum tat sie das? Warum ließ sie sie jetzt leiden, vielleicht auch einfach unwissend. Natürlich konnte sie nichts für ihr Husten, aber es kam wohl an einem völlig falschen Zeitpunkt. Sie hustete leidvoll und Leyla glaubte in ihrem Unterbewußtsein, schuld zu sein. Sie hätte sicher nicht gehustet, hätte sie ihr verziehen und sie wären glücklich aufeinander zugegangen, geistig, nicht körperlich, das ging ja nicht. Aber so stand ein großer Berg zwischen ihnen und sie kamen nicht mehr aneinander heran, weil dieser unsichtbare Berg sie voneinander abhielt, Leyla aber trotzdem jedes Wort mitbekam, das von der anderen Site ausging, auch das schwächliche Husten, das ihr Vorwürfe machte.
Alienna war ein Stück weg gegangen und hatte sich auf die kalten, groben Steine gelegt. Nun konnte Leyla sie ansehen, weil sie die Augen geschlossen hatte. Sie mußte sie sogar ansehen, um zu verstehen, daß sie immer noch Alienna war, ihre Freundin, auch wenn sie sich verändert zu haben schien und das fiel Leyla so schwer. Sie hatte das Gefühl, es war genau der Teil von ihr nicht mehr vorhanden, der ihr am meisten fehlte, den sie am meisten an ihr gemocht hatte. Wie viel war an der Entschuldigung dran? Was hätte sie getan? Sie wäre wohl gar nicht gegangen, war das einzige Argument. Leyla nutzte die Situation fast etwas aus, als sie die Augen geschlossen hatte, um fast lautlos ein paar sehr kleine Schritte, kaum größer als ein paar mittelgroße Steine, auf sie zuzugehen. Sie wußte, daß sie ihr nicht zu nahe kommen konnte, auch wenn sie das schon mehrmals getan hatte. Wie würde sie jetzt reagieren, wenn sie diese Sache nicht beachtete und es trotzdem tat? Damals war sie ihr nicht böse gewesen, wie sie sich dabei genau gefühlt hatte, wußte sie aber nach wie vor nicht. Sie ging noch ein paar sehr kleine Schritte näher an sie heran. Bis sie von einem Stechen in der linken Vorderpfote aufgehalten wurde, so daß sie die Augen zusammenkniff und ein leises Ächzen von sich gab. Es war vielleicht fast wie eine Strafe, jedenfalls kam es ihr so vor, weil sie ihr zu nahe gekommen war. Noch immer herrschte ein Abstand, er war sogar größer, als der, den sie vorhin schon hatten. Doch dieses Mal war es ein Ausnutzen der Gegebenheit, sie nutzte aus, daß sie sie nicht sah. Doch umso näher sie ihr kam, umso größer wurde natürlich die Gefahr, daß sie es merkte. Zu gern hätte sie sie doch noch einmal gespürt..nur noch ein letztes Mal..um sich zu vergewissern, daß sie wirklich echt war, daß sie lebte, daß sie sie war. Sie wollte noch ein Mal die Wärme Aliennas spüren. Fast etwas zittrig setzte sie ihre rechte, vordere Pfote ein kleines Stück in ihre Richtung. Sie setzte sie etwa eine Pfotenlänge vor ihr ab, sah sie mit hoffnungsvollem Blick an. Sie hielt inne, sah fast flehend auf sie. Vielleicht war das die Chance, noch ein Mal den gemeinsamen Stoß von Gefühlen auszutauschen? Damals hatte Leyla ihre Pfote dargeboten und ihr somit gezeigt, daß sie die Berührung fast wünschte. Dieses Mal war der Wille noch viel stärker. Sie hätte es gern gewollt. War diese Wärme in ihr noch immer vorhanden, war sie nicht kalt, so würde sie immer noch Gefühle empfinden. Das konnte ein erster Schritt sein, mit dem Leyla noch ein Mal die Sympathie für sie spürte.


„Die Freude liegt ganz bei mir!“

meinte Corvina höflich und blickte die neue Bekanntschaft an, prägte sich jedes einzelne Haar der schwarzen ein, den eigenen individuellen Geruch, an dem sie die schwarze wohl immer wieder zu erkennen vermochte. Die Wölfin spitzte die flauschigen Ohren, als Katara zum Himmel blickte, sie tat es ihr gleich, doch nichts zu sehen außer einigen schwarzen Raben die am Himmel ihr missratenes Krächzen hinunter auf die Erde sendeten. Doch war nicht Corvina selbst auch ein Rabe, oder besser eine Rabenseele!
Ob Katara ebenfalls die Spannung in der Luft verspürte, es schien als wäre sie wie elektrisch aufgeladen, doch von wo mochte es herrühren, würde es schon Schnee geben? Doch es war noch zu früh für Schnee,...oder? Die dichten grauen Wolken die die Berggipfel umhüllten schienen etwas anderes auszusagen, doch wer vermochte schon den Lauf der Dinge zu bestimmen, wenn es Schnee geben würde, dann würde es eben schneien!
Corvin horchte auf, als die Wölfin wieder auf den Hasen zu sprechen kam, welcher noch immer zu den Füssen der schneeweißen Wölfin lag, halb aufgefressen und dennoch rührte sie ihn nicht mehr an!

„Nein Katara, ich habe genug gefressen! Es ist mein Wunsch, dass auch Ihr etwas zu Euch nehmt, sicherlich ich zweifle nicht an den Fähigkeit Eures zu jagen, doch die Bergwelt ist karg und geizig was Futter betrifft!“

sprach Corvina nun etwas energischer, man traute es der Wölfin nicht recht zu, doch auch sie konnte stur und widerspenstig sein, so wie jetzt! Dann jedoch wurde sie wieder still und sie setzte sich auf den nackten Fels zu ihren Pfoten und begann den Worten der schwarzen zu lauschen, die eine Geschichte erzählten, welche Corvina nicht kannte, welche sie jedoch kennenlernte...

„Dann müsst Ihr in dieser Bergwelt aufgewachsen sein, weshalb zogt Ihr nicht in das Tal, es wäre doch so einfach eine Wiese zu finden, glaubt mir, Wiesen, Wälder und Seen, dies alles ist mehr als man glaubt, erst jetzt wo ich hier bin bemerke ich, wie sehr das Gras fehlt, meine Pfoten sind wund von der Wanderung über Fels und Stein, anders als bei einer Wiese, denn jeder Tritt wird abgefedert und leichtfüßig kann man hindurchtanzen...“

Corvina hätte noch mehr erzählen können, doch sie brach ab, sie musste endlich begreifen, dass sie nicht zurück konnte, doch es gab Hoffnung, denn immerhin schien in dieser kargen Welt ein Rudel zu hausen, doch ob es freundlich oder feindlich gesinnt war, dass wussten weder Katara noch Corvina!

„Nein, ich werde nicht weiterziehen, ich war zu lange alleine und habe mich vor allem versteckt, nein ich will mich irgendeinem Rudel anschließen, nicht länger ertrage ich die Einsamkeit welche mich von Stunde zu Stunde mehr umgibt!“

sprach Corvina bedacht, innerlich freute es sie, dass auch Katara nach einer Heimat suchte.

„Nun, ich denke ich bin nicht alleine mit dieser Meinung, dass hier in der Nähe ein Rudel haust, wenn sie freundlich gesinnt sind und gewillt sind Wanderer und Vagabunden aufzunehmen, dann könnten wir,...dann könnten wir vielleicht beide um Aufnahme, Schutz und Heimat bitten?“

Es war eine Frage, sie war etwas zögerlich gestellt, da Corvina nicht wusste ob Katara bloß hier war, weil sie das Gefühl hatte, dass man die Weiße nicht alleine lassen konnte, oder ob sie hier bei ihr verweilte, weil sie ebenfalls Gesellschaft suchte! Mit ihren grünen Augen blickte die weiße Wölfin bedacht die schwarze Wölfin an.


Der Hüne lauschte den Worten seiner Gefährtin. Er verstand, ohne genau zu wissen, was passiert war. Doch so schnell er sich ein Bild machte, umso schneller kam auch der Hass in ihm auf. Ein Hass, der sein schwarzes Fell weit aufstehen ließ. Ihn juckte es in den Pranken, am liebsten würde er ins Tal stürzen, egal was es kosten mochte. Selbst wenn er nur drei oder vier töten würde und seinen Sohn begraben konnte, es wäre ihm ein unheimliches Vergnügen. Seine Flanke spannte sich an, wie bereit zum Sprung. Weit ragten nun die Schulterblätter hinaus. Der Zorn umschwelgte den Rüden so stark, dass er seinen Kiefer schwer zusammen presste. Lange stand er so angespannt da und musste sich beherrschen. Er durfte seinem Verlangen nicht nachgeben. Einweigerlich ertönte ein Knurren aus seiner Kehle.
Nur langsam und tief atmend riss er sich zusammen. Schließlich entspannte sich sein Körper.

“Aber wenn auch nur einer dieser Dreckswölfe sich hier nach oben verirrt, töte ich ihn.",

diese Worte waren ein weiter Schritt zum vollkommenen Entspannen. Nun gut, er würde sich auch mit diesem Revier zufrieden geben. Klar, ihm machte es nichts aus in so einer Landschaft zu leben. Aber Banshee behagte die Sache nun ganz und gar nicht. Er konnte gut nachvollziehen warum. Ob er sich aber zu dem Bild durchringen wollte, dass er eines Tages Seite an Seite mit seinen Söhnen kämpfen würde, war ihm nicht ganz klar. Eigentlich hatte er immer gehofft, dass seinen Kindern so etwas erspart bleiben konnte.

“Nun gut, dann werden wir ihn halt hier zur Ruhe kommen lassen."

Banshee hatte sich an seine Seite gestellt. Ein seltsames Gefühl der Erleichterung durchströmte ihn. Es wird einfach schon eine Lösung geben. Und einen Überblick wird er sich später verschaffen. Auch wenn seine Gefährtin nicht wollte, dass er nach dort unten geht, er würde es wohl machen müssen. Später. Heimlich. Der Schwarze wollte nur wissen, mit wem er es zu tun hat. Aber nun war es nicht an der Zeit sich mit Solchem auseinander zu setzten.

“Dann soll es so sein, Banshee“,

sagte er leise und lächelte verhalten. Es war etwas Abschließendes. Beendendes. Langsam bewegte er sich vorwärts. Eine komische Darbietung, der Vater selbst musste sein Kind „begraben“, hergeben.

“Wollen wir die Anderen zusammenrufen? Somit können auch sie ihm die letzte Ehre erweisen. Und das ist wohl das Mindeste.“,

Acollon sah seine Gefährtin von der Seite her an.

Atalya
25.12.2009, 13:46

Azag sah wie sein schlechtes Kompliment die kleine Tyraleen aus dem Gleichgewicht brachte. Du hast es echt drauf, Tiger, spöttelte ihm seine eigene Stimme durch den Kopf. Erst zwischen den Läufen des großen Schwarzen fing sich die weiße Welpin wieder und lächelte sogar. So veloren hatte er bei ihr dann doch nicht. Mit zur Seite gewandtem Kopf lauschte er ihren Worten und musste erstaunt feststellen, dass sie sich wirklich ernsthaft mit diesem blöden Kompliment auseinandersetzte und dann auch noch selbstkritisch. Sehr reif für so ein kleines Wesen. Azag blickte ihr mit gerunzelter Stirn entgegen.

"Naja, jeden Tag eine neue Chance ein bisschen von sich zu zeigen. Und es steckt ja offensichtlich so etwas wie ein Sonnenschein in dir, wenn du so glücklich rumstrahlen kannst."

Auch wenn ihm nicht wohl dabei war, den peinlichen Sonnenschein-Vergleich weiterhin zu benutzen, fand er, dass man das richtig stellen sollte. Nicht, dass diese kleine Welpin irgendwann an mangelndem Selbstbewusstsein zu knabbern hatte. Und da war sie schon mit einem anderen Welpen am fröhlich davon Trappeln. Er blickte ihr etwas verwundert nach, wandte sich dann aber schnell dem Schwarzen zu und war ganz froh, sich jetzt den Erwachsenengeschäften widmen zu können. Face Taihéiyo. Azag prägte sich den Namen dieses aufmerksamen Wolfes ein und versuchte nebenbei die unterschwellige Mahnung in seinem nächsten Satz locker zu nehmen. Er hatte ja garnicht so falsch gelegen mit Big Mama, Patenonkel war ja immerhin schon Ersatz-Big Mama ... Papa. Die Nervosität verscheuchte er aus seinem Blick, bevor er dem Wolf nun das erste Mal als Face Taihéiyo ins Gesicht sah, vielleicht schoss er dabei ein wenig über das Ziel hinaus, denn sie wurde durch eine fast überheblich selbstbewusste Spur ersetzt. Diesem Ausdruck gab der Grauschwarze sofort wieder einen Dämpfer und wurde plötzlich müde bei der Vorstellung, dass er womöglich nur solch misstrauischen Gesellen begegnen könnte. Die müde Tonlage behielt er bei, als er sich nun bei dem Schwarzen erkundigte:

"Könntet Ihr mir sagen, wo ich den Alpha dieses Rudels finde?"

Dann redete er lieber gleich mal mit den zuständigen Stellen, als hier noch große Verdachtsmomente aufkommen zu lassen.


Katara blickte die weiße Wölfin mit ihren Eisblauen Augen an. Sie war etwas gereizt, was ihrem Blick einen bösartigen Ausdruck verlieh. Zusätzlich stellten sich ihre Nacken- und Rückenhaare auf. Insgesamt hatte sie nun ein bedrohliches und angsteinflößendes Aussehen. Diese Wölfin hatte ihr nichts, aber auch rein gar nichts zu sagen, was es hier in der Bergwelt reichlich und was es fast gar nicht gab! Sie war nicht von hier, dass wusste Katara. Sie hatte ja keine Ahnung, was sie schon alles durchmachen musste! Zudem kannte sie reichlich Orte, an denen es sich gut jagen ließ. Sie war eine ausgezeichnete Jägerin und bisher waren ihr Jagden nie erfolglos geblieben! Sie stand auf, ging zu der weißen Wölfin hinüber und blieb dicht vor deren Schnauze stehen, sodass Corvina ihr direkt in die bösartig schimmernden Augen blicken konnte. Als sie nun zu ihr sprach, drang ein leises aber dennoch tiefes Knurren aus ihrer Kehle. Nun sprach sie aus, was sie zuvor gedacht hatte. Ihre Rede wurden durch das Knurren noch verstärkt.

„ Du hast keine Ahnung, was ich schon alles durchgemacht habe! Ich bin hier aufgewachsen und kenne mich sehr gut aus! Ich weiß wie man im Gebirge zu jagen hat, also erzähl mir nichts von der Geizigkeit der Gebirgswelt! Wenn ich mich nicht so gut auskennen würde wie du und nicht sehr gut Jagen könnte, wäre ich wahrscheinlich schon längst verhungert! Merk dir das! Und außerdem ist das meine Beute und ich entscheide, was damit geschieht! Ich habe gesagt Ihr sollt den ganzen Hasen fressen! Ich selber werde mich weigern etwas davon anzurühren, denn mein Entschluss steht fest!“

Mit noch einem etwas lauteren und bedrohlicheren Knurren wandte sich Katara ab. Dabei blickte sie noch einmal zu Corvina und sagte, jetzt nicht mehr in so einem gereizten Ton, denn sie hatte sich abgeregt:

„Seht ihn als Zeichen der Freundschaft! Aber passt auf, was Ihr über die Gebirgswelt erzählt. Denn sie hält mehr Überraschungen bereit als Ihr denkt. Auch die Gebirgswelt kann schön sein.“

Sie legte sich genau gegenüber der Wölfin und starrte sie mit ihren Eisblauen Augen an, in dem noch ein kleiner Schimmer der Bedrohlichkeit lag und wartete ab, was Corvina nun tun würde. Würde sie Katara angreifen? Oder verstand sie ihre Reaktion? Das war in beiden Fällen egal, denn wenn Corvina sie wirklich angreifen würde, wäre das ein leichtes Spiel für Katara. Bis jetzt hatte noch kein Wolf und auch keine Wölfin sie je besiegt. Im zweiten Fall jedoch wäre ihr das auch recht, denn dann musste sie nicht kämpfen, denn Kämpfen war etwas grauenvolles und Katara kämpfte nur in bestimmten Situationen, aber dann kannte sie keine Gnade...


Corvina hatte den Kopf auf die Pfoten gelegt und wartete immer noch die Antwort der schwarzen ab, als sie den Blick hob und zu Katara blickte, erschrak sie beinahe ein bisschen, denn die schwarze Wölfin schien sich gerade ziemlich verändert zu haben, das gesträubte Nackenfell und der böse Blick verliehen der Wölfin eher das Aussehen eines Feindes als der einer Freundin, ob sich die weiße Wölfin in ihr getäuscht hatte, war ja schon oft genug vorgekommen. Geschmeidig erhob sich die zierliche Fähe während Katara auf sie zukam,zuerst wollte sich Corvina unterwerfen, doch dann blickte doch der Gerechtigkeitssinn durch, denn schließlich hatte sich Corvina nichts zu Schulden lassen kommen und auch ihr Nackenfell sträubte sich und die Ohren lagen dicht am Kopf! Das Knurren der nun nahe stehenden Kantara schüchterte die Wölfin ein, doch sie ließ es sich nicht anmerken, denn schließlich hatte sie wirklich nichts getan, erst als sie die Worte des schwarzen vernahm, vermeinte sie zu verstehen, doch war dies ein Grund sie gleich so anzuherrschen, denn schließlich hatte auch Corvina nicht immer ein leichtes Leben gehabt! Außerdem konnte immer noch Corvina alleine bestimmen, was sie fraß und was nicht, doch sie schwieg, blieb stumm und sagte nichts, sondern legte sich wieder auf den nackten Felsen als sich Katara wieder abwandte, nicht ohne noch einmal drohend zu knurren, doch Corvina ließ sich nun wirklich nichts mehr anmerken, drehte bloß den Kopf so weg, dass sie die schwarze nicht mehr anschauen musste, sie vernahm die anschließenden Worte, die nun etwas freundlicher klangen und doch die Weiße war zutiefst verunsichert über das Verhalten der Freundin??
Sie grummelte nur einige unverständliche Worte von wegen Hase und ausflippen, doch dann schwieg sie endgültig, sie verspürte die eisig blauen Augen auf sich ruhen, doch die Weiße nahm sich nicht die Freundlichkeit und drehte den kopf wieder zu ihr, denn dieser blieb stur auf den Pfoten liegen, abgewandt von Katara!


Shani genoss die Situation, die entspannte Ruhe und das Vertrauen zwischen Tyel und ihr. Es war so wunderschön zwanglos, sie musste nicht versuchen glücklich zu sein, sie war es. Eigentlich sehr seltsam, wenn man die drei zurückliegenden Tage und die Flucht bedachte, aber jetzt waren sie doch in Sicherheit und die Worte von der Braunen … Freundinnen … klangen ihr noch immer in den Ohren, wie ein leises Lied der Freude. Kurz blieb ihr Blick an Hiryoga und Kaede hängen, das was sie an ihren Gesichtsausdrücken ablesen konnte, war Wärme und Liebe … seine Patin schien ihm zu verzeihen und ihn noch immer zu lieben. Sie freute sich für ihn, auch sein Leben kam wieder in Ordnung, gleichsam mit ihrem … es war eine schöne Welt. Als Tyel leise antwortete erwiderte Shani das traurige Schmunzeln und ließ dann aber ein optimistisches Lächeln auf ihren Lefzen tanzen. Sanft nahm sie das Ohr der Braunen in den Fang und zog ganz leicht daran, genauso wie sie es so gerne bei Hiryoga tat, eine liebevolle Geste, auch tröstend gemeint. Jetzt sollte sie Tyel auch zeigen, dass sie beide zwar zuvor oft alleine waren, jetzt aber einander hatten. Da musste man nicht mehr traurig sein. Langsam ließ sie das Ohr wieder los und vergrub ihre Schnauze für einen kurzen Augenblick im Fell ihrer Freundin, dann drehte sie den Kopf wieder zum Rudel und nickte leicht. Ein Tiel der Gesellschaft … seltsam.

“Ja, das sind wir wohl …“

Sie klang ein wenig unsicher, ganz anders als sonst, wenn es darum ging, andere kennenzulernen. Vielleicht lag es daran, dass sie gerade so ruhig und fröhlich von innen heraus war, aber eigentlich hatte Tyel Recht. Sie sollten gemeinsam jemanden kennenlernen. So war es auch viel einfacher, alleine war man doch oft mutlos. Leicht streckte sie noch einmal ihre Läufe und folgte Tyels Beispiel, setzte sich erst auf und stellte sich schließlich auf alle vier Läufe, die sie doch recht gut trugen. Die Müdigkeit hatte sich trotz der Kürze des Liegens ein wenig zurückgezogen, wahrscheinlich war es auch einfach die Erleichterung, dass sie nun in Sicherheit waren. Der fragende Blick der Braunen entmutigte sie nicht, sie würden das gemeinsam schon schaffen. Beschwingt warf sie ihr ein Lächeln zu und ließ ihren Blick zum wiederholten Mal über das Rudel gleiten. Banshee war nicht mehr bei den beiden weißen fremden Fähen, die vorher nicht beim Rudel gewesen waren. Suchend schaute sie sich um und entdeckte die Leitwölfin weiter weg mit einem schwarzen Rüden. Interessiert richteten sich ihre Ohren auf … war das Hiryogas Vater? Schnell aber drehte sie den Kopf wieder weg, die beiden sollte man jetzt nicht stören und sowieso wollten sie ja jemand neues kennenlernen. Ihr Blick blieb auf den beiden Fremden liegen, dabei lag noch eine Graue, die schon länger im Rudel war, die sie aber nicht kannte.

“Schau mal … dort drüben. Die drei Fähen, die zuvor mit Banshee geredet haben. Sie sind doch auch neu … und scheinen recht nett?“

Fragend sah sie zu Tyel, versuchte aber nicht unsicher zu wirken. Sicher würden alle Wölfe hier freundlich zu ihnen sein, es schien keinen zu geben, der etwas gegen andere hatte. Es war ein schönes Rudel, in dem sie jetzt leben durfte.


Green , die kleine weiße Fähe, lief durch einen Wald ,über hohe schneebedeckte Gletscher an vielen kleinen Bächen vorbei bis sie an einen großen See kam. Sie schaute sich um und erblickte bis jetzt noch niemand, oder besser noch keinen einzigen Wolf. Die kleine legte sich ans Ufer rollte sich etwas zusammen und musterte die Gegend in dem Sie etwas herum schnüffelte ihre kleinen geschwungenen Öhrchen spitze und den Geräuschen des Wassers zu hörte und über ein Rudel nachdachte das sie auf nahm ohne Ärger ohne Feinde ohne Jammern und ohne große Streite einfach. Sie entrollte sich, strecke sich etwas und trank etwas aus dem See.

„Ah...schön frisch...“

Murmelte Green und drehte sich um, sie wollte endlich nicht mehr alleine sein. Sie wollte sich endlich mit andren Wölfen austoben mit ihnen spielen und vielleicht sogar irgendwann einmal mit ihnen heulen, aber das was sie am meisten wollte war das sie endlich ein Rudel fand. Sie schaute sich erneut um und konnte niemanden erkennen. Sie fühlte sich allein, so allein wie sie die ganze Zeit schon über war. Die kleine Fähe legte sich erneut ans Ufer lauschte der Melodie der Natur und schlief ein.Das Geräusch eines lauten großen und vorallem gefährlichen Vogels weckte die dann aber auf.Green schaute den Vogel kurz an und ihr Herz raste.Sie sprang sofort auf und rannte irgendeinen Weg entlang.Zwischendurch schaute sie in den Himmel um zu schauen ob der Greifvogel noch da war der gerade einen schrei aus stoß.Das kleine Herzchen der Fähe raste als sie in einer Steinwüste ankam und sich einen Weg suchte sich zu verstecken.Sie grub eine kleine Höhle unter einen Stein in die sie dann sofort rein schlupfte und nur noch die großen Krallen des Vogels sah.

"Das war knapp.."

Keuchte die kleine und schaufelte weiterhin den Sand herraus.Sie saß total verängstigt unter dem Felsen und dachte nach wie sie hier je wieder raus kommen sollte.Sie schnupperte etwas musste dann aber sehr laut niesen weil sie Sand in die Nase bekam.
Wobei sie dann den Geruch von Wölfen aufnahm und doch noch Hoffnung bekam.


Mórion Manve hatte sich schon ein wenig in das Rudel einleben können, doch hielt er sich bisher noch immer sehr im Hintergrund und hatte so auch kaum Kontakte geknüpft. Er beobachtete die andere Rudelmitglieder jedoch präzise genau und achtete auf deren Verhaltensweisen. Allerdings hatte er noch niemanden heraus finden können, der ihm besonders vertrauenswürdig aussah. Er hatte also keine Ahnung, an wen er sich wenden sollte - außer der Alphawölfin. Der Beigefarbene lag etwas abseits vom Rudel und machte das, was er sich als neue Hauptbeschäftigung ausgesucht hatte - beobachten. Nichts Besonderes fiel ihm auf, eigentlich war alles noch immer gleich. Bis auf das neue Gebiet, das das Rudel sich als neue Bleibe gesucht hatte. Dass ein anderes Rudel dabei war, das ehemalige Revier an sich zu reißen, schien Mórion ein wenig dumm. Immerhin war das Rudel hier nicht besonders klein. Aber man musste auch bedenken, dass es recht viele Welpen in diesem Rudel gab. Also war ein Angriff als Verteidigung wahrscheinlich ein großer Fehler.
Leise seufzte der Rüde in sich hinein. Ihm fehlte seine Schwester, von der es noch immer keine einzige Spur gab. Die Hoffnung war in dem großen Rüden zwar noch nicht gestorben, dennoch hatte er immer weniger Zuversicht. Vielleicht war sie auch inzwischen gar nicht mehr am Leben. Die andere Hälfte seiner stillen Seele. Der Rüde bettete seinen Kopf sorgfältig auf seine großen Vorderpfoten. Er hielt Ausschau nach jemand, der sich ihm vielleicht annehmen würde. Doch er fand wieder keinen, der ihm wirklich so sympathisch war. Nun ja, sympathisch waren sie eigentlich alle samt, aber es gab keinen, der Mórion ansprach. Zumindest im Augenblick nicht. Vielleicht würde sich das Ganze auch noch wenden. Vielleicht würde irgend jemand von dieser Wolfschar auf ihn zu kommen. Dies aber bezweifelte Mórion, denn auch er war wohl niemand, der besonders vertrauenswürdig aussah. Obwohl er eigentlich ein recht angenehmer Zeitgenosse war. Streitereien ging er aus dem Weg, war stets ehrlich... nur ein wenig verschlossen und auf den ersten Blick vielleicht etwas kühl. Doch er war ein außerordentlich guter Zuhörer, das musste man ihm lassen.
Der beigefarbene Wolf legte leicht seine Ohren an. Es war nicht einfach, auf jemanden zu zugehen, den man überhaupt nicht kannte. So würde er einfach weiterhin etwas abseits des Rudels liegen bleiben und die Mitglieder beobachten. Vielleicht würde ja irgendwann jemand zu ihm kommen. Die Gedanken des Rüden schweiften wieder ab. Er dachte darüber nach, was geschehen würde, wenn er seine Schwester sehen würde. Er hatte sich diese Begegnung in seinen schönsten Träumen bereits ausgemalt. Doch ob sie so schön werden würde, war zweifelhaft. Ob sie sich überhaupt noch an ihn erinnern konnte ? Wieder seufzte Mórion und ihm war, als hätte sich ein zäher Kloß in seiner Kehle gebildet. Es war verletzend... er konnte sich noch gut an sie erinnern. Selbst ihr Duft war ihm noch im Gedächtnis. Naja, es machte keinen Sinn, sich weiterhin Gedanken zu machen. Es würde sich schon irgendwie irgendwann alles zum Guten wenden.


Banshee spürte den Hass und die Wut Acollons so deutlich, als würden sie in ihrer eigenen Seele brodeln. Es war eigenartig, aber dieses Gefühl gab ihr Kraft, vielleicht, weil es zeigte, dass auch die lange Abwesenheit ihres Gefährten nichts an ihrer Verbindung geändert hatte, vielleicht auch, weil diese Gefühle zu Acollon gehörten wie die Liebe und die Sanftmut zu ihr gehörten … es war alles beim Alten, es war alles wie vorher … als war es gut. Erneut rieb sie ihre Schnauze an seiner, diesmal um ihm zu zeigen, dass sie bei ihm war und dass sie um seine Gefühle wusste. Sein Hass und ihre Liebe würden zusammen den Ausgangszustand schaffen, so wie es sein musste. Auf seine Worte musste sie aus irgendeinem Grund leicht lächeln, dann nickte sie sanft und antwortete leise, als könnte es noch jemand hören außer Acollon.

“Ja, das sollst du dürfen. Und das musst du wohl auch … sonst wäre das Versteckspiel wohl vorbei.“

Sie fragte sich ganz leise im Inneren, ob es nicht gut wäre, dann müssten sie nicht hier oben bleiben … verscheuchte die Gedanken aber schnell wieder. Soetwas durfte sie nicht denken, hier oben lag ihre einzige Chance, egal wie unwohl sie sich hier fühlte. Als Acollon ihr zustimmte, lächelte sie fast dankbar, er widersprach ihr nicht, bestand nicht darauf, ins Tal zu gehen … auch wenn sie das ungute Gefühl hatte, dass der Schwarze seine Pläne schon entwarf … sie kannte ihn zu lange, um sich in dem Glauben zu wägen, dass er alles auf sich beruhen lassen würde. Dennoch sagte sie nichts mehr dazu, sie hatte ihm ihren Teil gesagt und ließ alles andere in seinen Pfoten … sie vertraute ihm. Seite an Seite schritten die beiden langsam auf die Schlucht zu, unsicher ließ sich die Weiße den Vorschlag ihres Gefährten durch den Kopf gehen. Die anderen zusammenrufen … sie alle würden um ihren tiefen Schmerz wissen, um die Tatsache, dass sie es nicht geschafft hatte, ihren Sohn zu beschützen. Andererseits hatte Acollon Recht, Merawin verdiente einen würdigen Abschied … das war sie ihm schuldig. Zögernd nickte sie.

“Ja, rufen wir das Rudel … es ist die erste gemeinsame Geleitung eines Toten.“

Es war nicht so, dass nicht bereits einige Wölfe im Tal gestorben waren. Aber stets hatte Banshee alleine mit nur ein paar anderen Wölfen die toten Körper in Engayas Pfoten geleitet … Nygero nach dem Erdbeben, die zwei Rüden nach der missglückten Jagd. Wie würde sich das Rudel verhalten? Besonders, wo es ihr Sohn war und seine Patin, Ayala, gegangen war … oh, es fiel ihr nicht leicht. So hob sie auch nicht die Schnauze um das Rudel zu rufen, sondern überließ es Acollon. Zögernd trat die Weiße an die Kante der Schlucht und blickte hinab. Sie war nicht übermäßig tief, dennoch erfasste sie ein Gefühl des Schwindels und sie trat schnell einen Schritt zurück. Dort unten floss tatsächlich ein Fluss, gerade so breit wie die Schlucht und nicht so reißend wie einige Gebirgsbäche. Er war gut. Langsam ließ sie sich auf die Hinterpfoten nieder und wartete … auf was, wusste sie selbst nicht.


Ein leichtes Zucken huschte durch seinen Körper, als er Kaedes Pfoten an seinen spürte, die wohlbekannte Wärme durch seinen Körper floss, die ihm jede Angst nehmen konnte, bei ihr fühlte er sich immer so beschützt, seine Ängste schienen vergessen, er wusste, sie würde immer für ihn da sein, so lange sie lebte, die graue Fähe, die seine Mutter damals zu seiner Patin ernannt hatte. Während er seine Gedanken darauf fixierte, zog sich ein sanftes Lächeln um seine hellen Lefzen, die smaragdfarbenen Augen richteten sich auf Kaede, er hatte ihre Worte zwar vernommen und fast verinnerlicht, aber noch wollte er nicht auf sie antworten.

"Erinnerst du dich, der Tag, an dem Banshee die Paten zugeteilt hat? Ich kann mich noch daran erinnern, so als ob es gestern gewesen wäre. Das einzige, was mich interessiert hatte, war meine Mutter und der Gedanke daran, dass du, damals eine völlig fremde Fähe, nun für mich verantwortlich warst, hat mich dem Grauen ausgesetzt. Aber ich konnte dir vertrauen, weil meine Mutter dir vertraut hat und ich bereue es an keinem Tag, dass ich dir mein Vertrauen geschenkt habe. Nie hast du mir Unrecht getan, mich immer in Schutz, mir immer die Angst genommen, du warst immer da, wenn ich dich gebraucht habe. Immer..."

Seine Stimme, eben noch so unsicher und leise, war nun von einer gewissen Stärke beschwingt worden, er war sich sicher seiner Worte, Liebe lag in ihnen. Eine seltsame Sinneswandlung, allein hervorgerufen, durch diese eine Erinnerung. Sie war ihm nicht sauer, im Gegenteil, es schien schon fast, als wäre die Graue stolz auf ihn gewesen, dass er seinen eigenen Weg gegangen war, auch wenn er dabei 'Opfer' lassen musste, in diesem Fall seine Mutter und seine Patin im Stich lassen musste, doch er war zurückgekehrt, um zu bleiben. Nicht nur für sich, auch für sie, Shani. Kurz wandte er den Blick nach hinten, die smaragdfarbenen Augen suchten die weiße Fähe, ein sachtes Lächeln huschte über die Lefzen, ehe er seinen Kopf wieder zu seiner Patin wandte. Vorsichtig schob er seinen Körper nahe an sie, sodass seine Schnauze, fast ihren Kopf berührte.

"Ich danke dir, für all das, was du für mich getan hast. Und dass du mich unterstützt. Nein, ich halte es immer noch für richtig, ich habe es gebraucht, diesen Abstand, um endlich zur Vernunft zu kommen, ich musste raus, es ist fast so, als hätte Shani auf mich gewartet. Also, das hat sie nicht wirklich getan, aber so kommt es mir manchmal vor, so als ob es gewollt wäre, dass ich sie traf....zumindest, ich weiß, dass es falsch war, zu gehen, ohne mit dir zu reden, dass es falsch war, nicht mit dir zu sprechen, nachdem ich wieder zurückgekommen war. Aber ich wusste nicht, wie ich mit dir reden sollte, was ich sagen sollte, ich hatte Angst, dich zu verletzten, ich weiß doch, dass du schon einiges an Leid in deinem Leben erfahren hast und ich wollte, nicht ein weiteres Leid sein, ich wollte nicht dazugehören...
Jedoch..."


Ganz vorsichtig schob er seinen Kopf vor, berührte ihre Schnauze, ihre Stirn, so wie es die Art seiner Mutter war, legte die Ohren an, ehe er sich zurücksacken ließ und den Blick wieder hob.

"Jedoch...ich werde dich nicht verlassen, nie mehr! Das musst du mir glauben...so wie du für mich da warst, lass mich nun für dich da sein, lass mich dein Augenlicht sein, lass mich dir zur Seite stehen, wenn du nicht weiter kannst, wenn du Hilfe brauchst... bitte..."

Plötzlich hatte der Hellbraune seine Stimme ernorm gehoben, mit vollkommener Sicherheit zu ihr gesprochen, bis er am Ende wieder zusammensackte, die Worte verschluckte, würde sie seine Hilfe annehmen? Würden sie ihn immer noch beschützen wollen? Doch wie sollte sie das tun? Sie waren hier in einer völlig fremden Gegend, sie kannte sich hier nicht aus, sie würde seine Hilfe brauchen. Natürlich, völlig ohne ihre Hilfe konnte er nicht leben, aber nun musste er für sie da sein, es würde sich umkehren müssen, damit sie dies hier gesund überstand. Wirklich, er hatte sich verändert, aus dem ängstlichen, fast egoistischen, hilflosen Jungwolf, wurde langsam ein verantwortungsbewusster, mitfühlender Rüde.


Auch der Schwarze trat an den Rand der Schlucht und sah hinab. Ideal war es sicherlich nicht, doch immerhin besser als im ewigen Eis konserviert zu werden. Grollend wandte er sich ab. Die kalten Augen auf Banshee gerichtet. Sie zweifelte einen Moment lang, das wusste der Hüne. Allerdings willigte sie ein und so nickte er nur stumm.
Etwas grob ließ er Merawins Körper zu Boden gleiten. Er weilte nur kurz und stieß dann seine Schnauze dem grauen Himmel entgegen und ließ ein lautes und langes Heulen ertönen.


Rudel der Sternenwinde, findet euch zusammen. Gebt einem ehemaligen Rudelmitglied die letzte Ehre.

Eine ganze Zeit lang rührte sich der Schwarze nicht, lauschte, war aufmerksam. Er zweifelte nicht daran, dass auch nur einer nicht an dieser Zeremonie teilnehmen würde. Lange hatte sich der Schwarze nicht mehr mit anderen Wölfen beschäftigt. Eigentlich war er nur Banshee vollkommen vertraut. Seine Kinder kannte er kaum. Den zweiten Wurf gar nicht. Nachdem er sie gezeugt hatte, war er einfach verschwunden.

“Sie werden kommen.“,

sagte er zu seiner Gefährtin und ein Lächeln war auf seinen Lefzen zu sehen. Ein Lächeln, das eigentlich nichts Gutes verheißen konnte. Doch die Weiße würde verstehen. Mit einem raschen Blick besah der Rüde sich seiner Umgebung, packte Merawins Körper und sprang auf einen Felsvorsprung. Von hier aus würde jeder den Toten die Ehre erweisen können. Mit einer Kopfbewegung deutete Acollon an, dass Banshee an seine Seite kommen sollte.


„Ihr weist mir einen Weg, Götter, doch er kommt mir zu hart und kalt vor, als dass ich euch wirklich glauben möchte!“

Hart wurden die Worte ausgesprochen, verzweifelt gar. Erschöpft war Siléo stehen geblieben und hatte den Kopf gesenkt, als sei er kurz davor, aufzugeben. Siebzehn Tage lang war er gewandert, und er spürte, dass er kurz vor dem lang ersehnten Ziel war… doch dies hier, hatte er sich nicht erhofft. Mit verzweifeltem Blick hob er nun den Kopf in die Höhe, blickte gen Himmel. „Engaya! Dies ist nicht euer Tal! Geführt hast du mich in eine Öde von Stein und Fels, wo kein Gras wächst und kaum ein Vogel singt!“ Er blinzelte in den Himmel, eher er betrübt den Kopf erneuert senkte und voller Unwohlsein ein wenig auf der Stelle trat.

„Doch in die Irre geleitet habt ihr mich nie.“

Entschuldigend klangen die Worte leis’ aus seinen Fängen, unterwürfig war seine Haltung. Er hatte nie an den Götter gezweifelt, doch das hier, das konnte nicht gut sein. Ein lauer Windhauch, wie ein letzter Gruß des Sommers, strich nun sanft über sein Fell, liebkoste seinen Körper… und seine Haltung straffte sich wieder. Nur langsam wagte er es, den Blick wieder zu heben und einen kurzen hinauf zum Himmel zu werfen.

„Ich folge.“

Der Weg hinauf war beschwerlich und ermüdend, Meter um Meter stieg sein Weg, mehr und mehr rissen seine schon geschundenen Pfoten auf, doch er konnte nicht aufgeben, er durfte es einfach nicht. Wie in einer Trance murmelte er Gebete vor sich her, bat die Götter, ihm Kraft zu geben, ihn durchhalten zu lassen… und es schien zu funktionieren. Egal wie nah er an der Grenze zum Aufgeben war, er tat es nicht. Er wusste, er spürte, dass er sich nun dicht bei den Wölfen befand, die er aufsuchen sollte. Er spürte ihre Unruhe, den Zweifel, die Angst… Und er verstand es nicht. Warum hielten sie sich hier oben auf? Der graue Rüde wandte sich zurück, spähte hinab in das Tal, welches ihm als Aufenthaltsort viel willkommener gewesen wäre. Was hatte sie dazu getrieben, hier hinauf zu steigen und ihr Leben aufs Spiel zu setzen? Fragen über Fragen flogen durch seine Gedanken, während er ruhig atmend weiterhin die Gegend betrachtete. Er war sich sicher, von niemandem entdeckt zu werden… doch er hoffte gleichermaßen, dass sie ihn spürten… die Götterkinder. Für viele andere Wölfe würde er sicher nur ein normaler Rüde sein, der auf das Rudel traf… doch Banshee und Acollon, sie würden sicher spüren, dass er anders war, einer der wenigen Wächter, die überleben konnten. Ein leises Seufzen, ein flehentlicher Blick gen Himmel, dann lief er weiter, seinem Gespür nach. Und je weiter er lief, umso bedrückter wurde ihm um das Herz… und der Grund dafür, trug ihm der Wind zu.


Gebt einem ehemaligen Rudelmitglied die letzte Ehre.

„Genau rechtzeitig, hm…“

murmelte er sich zu. Es war kein guter erster Auftritt… als Wächter in ein Rudel zu kommen und einem Toten den letzten Gruß zu entsenden. Sicher, er könnte trödeln. Doch er wollte es nicht. So spannte er seine Muskeln kräftige an und hoffte, rechtzeitig zum Rudel zu gelangen.


Träumend, in die alte Zeit zurückversetzt hatte sie auf seine Antwort gewartet. Wusste, dass er antworten würde. Sie kannte ihn, er brauchte Zeit. Und dann sprach er, sprach erst von dem Tag, als sie seine Patin wurde. Doch auch da wusste sie, dass er ihr nicht auswich. Es gehörte dazu, es musste gesagt werden und als Kaede sich erinnerte, lächelte sie. Anfangs hatte sie gemischte Gefühle gehabt, als Banshee ihr sagte, dass sie Patin werden sollte. Sie hatte gezweifelt, ob sie das alles schaffen würde. Damals, als sie noch vage Schatten erahnen konnte. Und sie hatte es geschafft. Aus dem kleinen ängsltichen Welpen war ein Jungwolf geworden. Und noch eins nahm Kaede wahr. Hiryogas Stimme hatte sic hverändert während er gesprochen hatte. Anfangs war sie leise und verzagt gewesen. So wie er schon als Welpe gesprochen hatte, doch je mehr er redete, desto kraftvoller wurde sie. Destomehr konnte sie einen stolzen Wolf aus ihr hören. Einen Wolf, der langsam seinen Weg fand. Einen, welcher selbstbewusster geworden war und verantwortungsbewusster.
Diese Erkentnis freute Kaede. Sie spürte seine Schnauze an ihrem Kopf und unbewusst schmiegte sie sich kurz an ihn.

"Weißt du. . . Anfangs habe ich sehr gezweifelt, ob ich es wirklich schaffen würde eine Patin zu sein. Als ich dich dann gesehen habe, habe ich dich sofort in mein Herz geschlossen. Und trotzdem war ich unsicher. Würde ich es schaffen dich genügend zu beschützen? Würdest du mir vertrauen können? Doch ich glaubte an Banshee, ich glaubte, dass sie wissen würde was sie tut und das hat mir die Kraft gegeben. Ebenso wie deine zaghaften Schritte nach vorne. Jeden Tag hast du dich ein kleines bisschen weiter entwickelt. Jeden Tag konnte ich spüren, wie du mir mehr vertraust!"

Seufzend schaute sie in den Himmel. Es war eine schöne, wenn auch schwere Zeit gewesen, doch sie hatte all ihre Kraft und Liebe in diesen Welpen gesteckt. Sie hatte ihn geliebt, wie man eigentlich nur einen eigenen Sohn lieben konnte. Einen eigenen Sohn, den sie nie hatte und nie haben würde. Doch sie hatte ihn und das war eigentlich noch schöner als eigene. Er war so ein wunderbarer Wolf und nun hatte er es geschafft. Hatte sein alte Hülle wieder ein Stückchen weiter fallen lassen.

"Ich bin so stolz auf dich. Hast du gemerkt? Du bist viel selbstbewusster geworden, das merkt man an deiner Stimme und ich glaube dir, dass du mich nicht mehr verlässt. Das du mein Augenlicht sein möchtest. Bei jedem anderen Wolf hätte ich es nicht geglaubt, zu oft wurde es mir schon gesagt, doch ich merke es, ich höre es an deiner Stimme, dass du es Ernst meinst! Ich danke dir!

Verstummend lauschte sie. Da hörte sie ein Heulen, Acollons, welcher sie zu sich rief. Ein Mitglied ehrenvoll lebwohl sagen. Die Fähe rappelte sich auf.

"Dann machen wir uns wohl mal auf den Weg um unserem Rudelgefährten die letzte Ehre zu erweisen!"

Sie stupste Hiryoga leicht an und tappte dann langsam los in die Richtung aus der das Heulen gekommen war. Kurz blieb sie stehen um auf ihren Paten zu warten. Sie würden hier oben leben können, überleben können!


Green saß verängstigt unter dem Stein,ihre Ohren waren aufgestellt, so dass man die schon etwas helle Linie auf ihrem Rücken gut erkennen konnte.Sie fühlte sich wie damals als ihr fast ganzes Rudel unter der Höhle eingequescht lag und Green sich grade noch so befreien konnte und davon lief, fast so als hätte sie ihr Rudel verraten. Plötzlich sah sie wie die großen Adlerfüße abhoben und verschwanden, im selben Moment hörte sie wie ein Wolf etwas heulte.Green meinte dass es ein etwas strengerer Rüde sein musste und da er von einem Rudel heulte war er bestimmt keine unwichtige Rolle.Green lächelte fröhlich auf und streckte das Köpfchen unterm Stein durch nach drausen wo es viel kälter war.Sie schaute sich etwas um spitze die Ohren legte sie dann aber wieder an nud schlüpfte aus dem Stein hervor.Sie schüttelte sich etwas den Sand vom Fell und zitterte danach am ganzen Körper.Sie setzte ihre Schritte, einen nach dem andren und wurde immer schneller immer dem geheule des Wolfes nach.Als sie ein paar Wölfe sah wurde sie plötzlich langsamer und sie verzweifelte in ihren Gedanken.Sie wusste nicht ob sie willkommen war oder gehasst wurde aber sie ging immer weiter auf die Wölfe zu und verfolgte jede Bewegung jeden neuen Geruch der ihr in ihre schware Nase stieg bis sie ein paar Meter entfernt stehen blieb.

Einem ehemaligen Rudelmitgleid die letzte Ehre erweisen? Was bedeutete das? Die kleine Welpin legte fragend den Kopf schief und schaute zu Azag Moraé auf. Wusste er was das bedeutete? Vorsichtig berührte vertrauensvoll sie seinen schwarzgrauen Vorderlauf, höher kam sie nicht.

"Fremder, was bedeutet das?"

Wer sprach dort überhaupt? Sie kannte die Stimme nicht hatte sie nie gehört und wieso rief nicht ihre Mutter sie, wieso hatte ein Fremder in ihrem Rudel etwas zu sagen? Verwirrt über all die seltsamen Dinge machte Daylight ein paar unschlüssige Schritte und ließ sich dann wieder auf den kalten felsigen Boden fallen. Was hattete das alles überhaupt zu bedeuten, wieso war alles anders? Wieso sprachen plötzlich fremde zu dem Rudel, wieso gab es hier oben kein Gras und keien Schmetterlinge, wieso war es so kalt hier und wieso waren sie überhaupt hier oben? Ein trotziges Knurren kam aus ihrer kleinen Schnauze, ihre Rute fuhr lustlos über den Boden. Sie würde keinen Schritt machen, ehe Banshee persönlich das Rudel rufen würde. Nein, keinen einzigen Schritt würde sie tun. Nicht einen. Sie ließ sich von einem Fremden bestimmt nichts befehlen.

"Ich gehe keinen Schritt, nicht wenn Mama uns nicht ruft. Ich lasse mir von einem Fremden nichts befehlen."

Erklärte Daylight ihre Unzufriedenheit, die Pfoten in den steinigen Boden gestemmt. Sollten sie doch mal schauen was sie machten, sie würde nicht gehen, sollten sie sie doch hintragen und dann würde der Fremde etwas zu hören bekommen. Wenn die anderen auf ihn hörten. Schön. Aber nicht mit ihr.


Banshee beobachtete Acollon schweigend wie er Merawin wieder zu Boden ließ und die Schnauze in den grauen Himmel hob. Während er heulte, beugte sie sich leicht vor und fuhr ihrem Sohn zum tausendsten Mal mit der Zunge über das weiche Fell. Er war eiskalt. Dennoch berührte sie ihn ein letztes Mal segnend an der Stirn und ließ sich dann wieder zurückfallen. Acollon verstummte und nahm ihren toten Sohn erneut auf, trat an ihr vorbei an die Schlucht. Mit langsamen Schritten folgte sie ihm, ihre Pfoten schienen auf einmal endlos schwer.

“Gib ihn mir.“

Wisperte sie leise und fast flehend. Sie wollte ihn in Engayas Pfoten fallen lassen, als Sohn des Todes fürchtete sie fast, dass die Göttin den toten Körper von ihrem Gefährten nicht annehmen würde. Sie verstand Acollon, dass er seinem Sohn wenigstens die letzte Ehre schenken würde, aber gerade das würde ihm vielleicht ein Fluch werden. Trotzdem schmerzte es, dem Vater den Sohn wieder fortnehmen zu wollen … wo sie sich doch Merawins ganzes Leben lang gewünscht hatte, dass er bei seinem Vater sein durfte. Sie lebten in keiner schönen Welt. Ein lauer Windstoß lenkte sie ab, er schien aus dem Wind zu kommen und ließ sie erzittern, obwohl er ihren Körper wärmte. Langsam hob sie den Kopf und spitzte die Ohren, kein verdächtiger Laut drang an ihre Ohren, aber ein Gefühl der Geborgenheit keimte in ihrem Herzen.

“Ein Wächter …“

Wieder flüsterte sie, die Worte hatte sie nicht geformt, erst als sie sie gesagt hatte, war ihr klar, dass sie Recht hatte. Engaya musste ihre Lefzen bewegt und ihr damit die Erkenntnis geschenkt haben. Ihr Blick eilte zu Acollon, er musste es ebenso spüren und wissen. Wächter … das waren Wölfe aus Legenden, die es vor vielen Jahrtausenden gegeben haben mussten … dass sie noch immer existierten war wie ein Wunder. Und es war weit mehr als das. Ein Zeichen Engayas, ein weiteres. Stumm dankte Banshee ihrer Mutter, sie schickte ihr nicht nur Acollon, sondern auch einen Fremden, der ihr doch so vertraut war. Sie lebte in einer schönen Welt. Ganz automatisch hob sie die Schnauze in den Himmel und heulte.

“Fremder Wächter, wir erwarten dich. Möge Engaya deine Pfoten eilig leiten.“

Ein Lächeln erschien auf ihren Lefzen und sie berührte Acollon sanft an der Schläfe, sie waren nicht alleine. Zwei Seelen hatte sie verlieren müssen um zwei andere geschenkt zu bekommen. Und dafür war sie dankbar.


Unerkannt verschwand die Sonne hinter den höher gelegenen Gipfeln, verborgen von den dunklen Wolken erst wahrnehmbar mit der Dunkelheit, die erschreckend schnell zwischen den Steinen hervorkam. Bald tauchte sich die Steinwüste in tiefe Schwärze, doch obwohl kein Mond und kein einziger Stern durch die Wolken durchschimmern konnten, schien es hier oben heller zu sein, als im Tal.

Wie es so seine Art war, schwieg der schwarze Rüde, wollte er seinen Begleiter nicht in seinen Gedanken stören, war dieses Reich doch das Einzige, das nicht erobert werden konnte. So blieb Midnight ruhig sitzen, beobachtete die anderen des Rudels, wobei die Geschäftigkeit stark eingeschränkt war, so wie er es sah. Kein Wunder, wenn man bedachte, das dieses Rudel gerade erst seine Heimat verloren hatte. Wie hatte er sich wohl gefühlt, als er seine Heimat verloren hatte? Was für ein Witz, er hatte nie einen Platz gehabt, an dem er richtig hin gehörte. Seit dem Moment an dem er in einem Tal aufgewacht war und sich an nichts erinnern konnte. Verletzt hatte er in einem großen See gelegen, war von dem Fluss, der den See speiste angespült worden, seine Seele völlig zerrissen, seine Erinnerung verloren. Er konnte sich nur schwach daran erinnern, wie er damals in der Schlucht aufwachte. Seine ganze Seite war zerfetzt gewesen und noch heute zogen sich kleine feine Narben über seinen Körper, versteckt unter dem dichten Fell. Ein paar Tage hatte er sich nicht rühren können, dann war er aufgestanden, war davon gehumpelt. Es folgte der nächste Filmriss, worauf er in dem See erwachte. Ab diesem Tag begann seine Wanderung über die verschiedenen Teile der Erde. Da! Ein Schimmer! Ein neues Puzzelstück, das nächste Fragment. Kurz tauchten vor seinem inneren Auge eine rasche Bildfolge auf: drei Wölfe. Ein schneeweißer, ein pechschwarzer und ein kleiner schwarzer Welpe, der rasch wuchs und wuchs und...Der Nachtsohn zuckte innerlich zusammen, als er sich seiner Umgebung wieder bewusst wurde. Sachte stellten sich ihm die Nackenhaare auf. Was war denn bitte das gewesen? Verwirrt und fragend richteten sich seine Augen für einen Augenblick auf Shit, ehe er sich dann doch wieder abwandte. Er musste mit offenen Augen geträumt haben. Wozu er seine Tagträume behalten hatte, wusste er nicht. Sie waren sinnlos, überflüssig und für ihn nicht mehr wichtig. Belanglos. Tief atmete der Nachtsohn die kalte Bergluft ein, mittlerweile war es dunkel geworden. Seine Zeit. Mit klarem Blick sah er sich um. Ein paar Rufe waren erklungen, durch die Nacht geschallt, aber waren von ihm nur nebenher registriert worden. Sachte schlossen sich die blauen Augen des Nachtsohnes, allerdings nur zur Hälfte. Und er ließ sich fallen, in einen Zustand zwischen Traum und Realität, Wachsein und Schlafen.

Aliennas Augen waren langsam wieder zugefallen. Ganz automatisch, obwohl sie es doch nicht gewollt hatte. Trotzdem schlief sie nicht, wollte nur die müden Augen ausruhen lassen, ihr Geist selbst war nach dem ewigen Schlaf wach, auch wenn der Körper scheinbar noch immer halb schlief. Obwohl sie sich sagte, dass sie die Augen aufmachen sollte, wollten ihre Lider ihr nicht gehorchen, obwohl sie in der Luft schnuppern wollte, bewegte sich ihre Nase nicht. Also blieb sie reglos liegen und war nur froh, dass kein weiteres Traumbild sie ängstigte. Ihre Gedanken ließ sie frei wandern, wollte über nichts nachdenken, gerade nicht über Leyla und die Tatsache, dass diese Zeit brauchte. Sie fühlte sich auf ihren Stein zurückversetzt, spürte wieder die wohlige, schwere Wärme, die sie dort umhüllt hatte und merkte nur durch einen dumpfen Schleier hindurch, dass sie wieder begann abzudriften, fort aus dieser Welt, hinein in die, die sie schon so bald erwartete. Aber noch nicht. Noch hatte sie doch gesagt, dass sie warten würde und sie wollte Leyla kein zweites Mal enttäuschen. Nein, sie würde es nicht. Plötzlich hatte sie die Kraft, ihre Augen fast aufzureißen und den Kopf leicht anzuheben, was sie jedoch dann sah, ließ sie erschrocken zurückzucken. Leyla stand wie aus dem Nichts vor ihr, sehr nahe, fast so nah, wie sie sich ihr zuvor zwar freiwillig aber doch nur mit Überwindung und für wenige Sekunden genähert hatte. Jetzt war Leyla es, die ihr nah gekommen war und in einem Zustand, in dem es Alienna nicht gemerkt hatte. Den Rücken an den Stein gedrückt konnte sie vor der Nähe kaum fliehen, zog nur ihre Läufe eng an sich und krampfte sich in sich zusammen. Gleichzeitig versuchte sie rasend schnell, bevor eine unkontrollierbare Reaktion ihres Körpers kam, die Gründe Leylas ermitteln, warum sie sich ihr nun so sehr genähert hatte, in einer Situation, in der Alienna damit nicht gerechnet hatte. Es fiel ihr nichts ein.

“Was …?“

Ihre Stimme klang erstickt und fast wie die eines Welpen, wenn er gerade für etwas bestraft worden war, was er als nicht falsch angesehen hatte. Sie versuchte ruhiger zu atmen, den Augenblick des Schocks zu verdauen und sich daran zu erinnern, dass es Leyla war, die da vor ihr stand. Es war sie … die Wölfin, die Aliennas Pfote bereits auf ihrer gespürt hatte. An jenem Herbsttag, der zu einem der schönsten ihres Lebens geworden war. Freundschaft ...
Sie schaffte es wirklich, sich etwas zu entspannen, auch würde sie jetzt nicht mehr überreagieren, ihre Läufe würden sie nicht von selbst davontragen und schwarz vor Augen würde ihr auch nicht werden. Trotzdem zitterten ihre Pfoten und ihr Atem ging stockend. Ihr Blick lag fragend, verwirrt und ängstlich in Leylas Augen, bis sie des Blickes gewahr wurde, den die Weiße ihr zuwarf. Wieder konnte sie ihn kaum deuten, aber fast schien eine Bitte darin zu stehen. Sie verstand nicht, senkte den Blick wieder und blinzelte als die weiße Pfote in ihr Blickfeld geriet. Kaum eine Pfotenlänge von ihr entfernt und wie damals ein Punkt, der sie anzog und gleichzeitig abstieß. Alle Empfindungen die sie damals gespürt hatte, strömten wieder auf sie ein, ihr Maul öffnete sich wehmütig, aber kein Ton kam aus ihrer Kehle. Damals war es die Bestätigung ihrer Freundschaft gewesen, ein einmaliges Zeichen, es jetzt zu wiederholen erschien ihr so ... kalt. Sie beide hatten seit diesem Herbsttag so viel erlebt und durchgemacht, waren nicht mehr die Wölfinnen von damals. Zitternde Läufe stämmten ihren mageren Körper hoch, ein vor Angst flackernder Blick richtete sich wieder in die Augen der Weißen. Was damals gewesen war, musste jetzt erneuert werden ... aber durch die gleiche Geste? Das reichte nicht ... das reichte ihr nicht, sie musste sich selbst verzeihen, sich selbst beweisen, dass sie die Freundschaft Leylas wert war. Kurz schloss sie die Augen, schluckte und versuchte sich selbst so gut wie möglich zu beruhigen, suchte in ihrer geschundenen Seele nach so viel Mut wie sie nie zuvor hatte aufbringen müssen. Als sie die Augen wieder öffnete war ihr Blick seltsam glasig und doch entschlossen, ein Ausdruck der Sehnsucht lag auf ihrem Gesicht als sie sich langsam vorbeugte und Leylas Nase berührte, unter der Wärme erzitterte, scheinbar tausend Herzschläge lang verharrte und dann für einen tausendstel Bruchteil eines Herzschlages vorrutschte und ihre Schnauze an die Leylas drückte bevor sie zurückzuckte und in sich selbst verkrochen wie ein streng bestrafter Welpe neben dem riesig aufragenden Felsen saß.

Atalya
25.12.2009, 13:46

Katara rührte sich nicht. Sie starrte die weiße Wölfin immer noch an und wartete ab, was sie tun würde. Aber Katara wusste dass sie zu forsch gewesen war. Corvina hatte sich unterwerfen wollen und Katara hatte sie zudem noch eingeschüchtert, obwohl sich das die weiße Wölfin, so wie es schien, nicht anmerken lassen wollte. Doch Katara hatte es gerochen und gespürt, so wie sie die Angst ihrer Beute roch, kurz bevor sie von einem ihrer kräftigen Bisse getötet wurde. Und ihr war bewusst, dass Corvina sie nun sehr misstrauisch beäugen würde. Was hatte sie nur wieder angestellt? Sie war endlich wieder in der Gesellschaft einer Wölfin und dann tat sie das?! Sie hatte wieder mal alles zerstört. Warum musste so was ausgerechnet immer ihr passieren? Nur schlimme Sachen waren bis jetzt in ihrem bisherigen Leben passiert. Als die Erinnerungen an den Tod ihrer Eltern zurückkamen, wie sie aggressiv wurden und sich kaum noch zurückhalten konnten Katara anzugreifen, wie sie mit Angsterfülltem jaulen in der Ecke gestanden hatte, wie ihren Eltern der Schaum vor dem Mund gestanden hatte und sie zum Schluss dann verstarben, wurde ihr Blick traurig. Der ganze Schmerz in ihrem Herzen spiegelte sich nun in ihren Augen wider, während sie Corvina immer noch anschaute. Sie war sich sicher, dass Corvina nun wusste, was alles in ihrem bisherigen Leben geschah, denn es war als würden ihre Augen diese Geschichte erzählen. Katara wusste: es war nun Zeit sich zu entschuldigen für ihr Benehmen.

„ Es tut mir Leid, dass ich Euch vorhin so angeherrscht habe! Ihr müsst wissen, ich war schon seit langer Zeit nicht mehr in der Gesellschaft eines anderen Wolfes und da ich nur durch die Wildnis gestreift bin, in der man sich immer behaupten muss, bitte ich um Euer Verständnis, denn ich muss mich erst einmal wieder daran gewöhnen, dass ich mich nicht mehr so oft behaupten muss und ich denke ich muss auch wieder lernen, wie man sich in der Gegenwart eines Wolfes zu verhalten hat.“

Katara machte eine kleine Pause dann sprach sie weiter:

„Wir wollten doch das Rudel auffinden nicht wahr? Dann wird es doch langsam mal Zeit sich auf den Weg zu machen. Wenn Ihr wirklich satt seit dann lasst den Hasen liegen, aber dennoch soll er ein Zeichen der Freundschaft sein! Und ich werde mich immer noch weigern, etwas davon zu fressen.“

Katara schnüffelte gen Wind und machte die Richtung aus, aus der, der Geruch kam, stand auf und ging schon mal voraus.


Face Taihéiyo beobachtete mit regungsloser Mimik, wie sich Tyraleen schließlich doch wieder neben seine Läufe flüchtete. Auch wenn er es nicht zeigte, so war ihm die Situation schon um einiges wohler. Wenn er nun so über die Bezeichnung Sonnenschein nachdachte ... vielleicht passte sie wirklich ein wenig. Zumindest für ihn war sie doch ein kleiner, aber heller Schein, der in sein Leben getreten war. So wie die Sonne, wenn sie nach langem Kampf mal wieder durch die Wolken hervor brach, oder wenn sie die Nacht besiegte. Ein kurzes Zucken ging durch seine Ohren und sein saphirblauer Blick folgte weiterhin seinem Patenkind, die sich nun ihrer Schwester zugewandt hatte. Das sie nun die Gegend erkunden wollten quittierte Face dann aber doch mit einem leicht skeptischen Blick. Aber er sagte nichts. Rings herum waren immerhin noch überall die anderen Wölfe und den Fremden hatte er ja im Blick. Den Kopf leicht schief neigend betrachtete Face dann Daylight, die sich vor seinen Pfoten im Kreis drehte. Irgendwie erinnerte die Welpin ihn ein wenig an die ältere Schwarze, genau so aufgedrehte Wölfin. Als sie dann mit der Pfote nach ihm tappte, zuckte der Tiefschwarze unweigerlich zurück und hob den Kopf wieder höher. Warum er nicht lächelte? Eigentlich hätte er wissen müssen, dass man ihm diese Frage irgendwann stellen würde, aber dennoch hatte er nie damit gerechnet. Warum auch? Es war einfach so. Nun wusste er aber nicht recht, was er antworten sollte und konnte, wo er doch nie zu viel von sich preisgeben wollte. Aber auch auf ihre Aufforderung hin verzog er nicht gezwungen die Lefzen, wie es wohl die Meisten taten, wenn man sie zu einem Lächeln aufforderte. Seine Miene blieb starr, aber dennoch bemüht um Freundlichkeit.

Du hast Recht, es ist schön hier. Aber zu Lächeln habe ich wohl leider verlernt.“

Zögernd stupste er Daylight mit der Pfote an, abwinkend, das war nicht so wichtig. Sie sollten sich lieber mit sich selbst beschäftigen und den Spaß haben, den er niemals verspürt hatte und nicht verspüren konnte.
Nun wandte sich Face Taihéiyo wieder ganz dem Fremden zu, grade hatte er auch noch eine Frage gestellt. Die Alphas, in diesem Fall also Banshee ... ja, wo war sie eigentlich? Kurz blickte sich der große, tiefschwarze Wolf um, konnte die Weiße aber nun nicht mehr erkennen. Keine Sekunde später erfüllte die Luft immer wieder ein Heulen von zwei Wölfen. Einen konnte er ganz klar als die weiße Leitwölfin enttarnen und bei dem anderen Wolf sträubte sich fast sein Nackenfell. Der Schwarze war also wieder da. Wer hätte das gedacht. Face erinnerte sich noch immer an die erste Begegnung mit dem Leitrüden und sie war nicht sehr freundlich ausgefallen, im nachhinein konnte man sie als fast schon lächerlich bezeichnen. Ein finsterer Funke glomm kurz in seinen Augen auf. Er mochte ihn nicht sonderlich.
Schließlich hörte der Flammentänzer nur noch die Aufforderung, dass sich alle versammeln sollten um einem Mitglied die letzte Ehre zu erweisen. Es war also schon wieder jemand gestorben? Ohne sich weiter den Kopf zu zerbrechen, um wen es sich handeln könnte, stellte Face entgültig Blickkontakt zu Azag Moraé her.

Immer dem Heulen nach.“

Dann wandte er sich den Welpen zu.

Ich fürchte, ihr müsst euren Rundgang verschieben ...“

Er beobachtete Daylights Trotz und plötzlich wurde ihm klar, dass die Welpen ihren eigenen Vater gar nicht kannten. Einen Moment zögernd trat er dann ein paar Schritte vor, um die beiden voran zu treiben.

Und auf deinen Vater hörst du nicht? Nun kommt ...“

Der stille Ozean hätte jetzt auch lang und ausführlicher erklären können, dass es ja gar kein Fremder war, der sie da rief, oder zumindest indirekt, weil ihr toller Vater ja zurück gekommen war und nun konnten sie ihn endlich kennen lernen! Ach nein, er behielt diesen Sarkasmus lieber für sich. Das war eigentlich auch nicht so sein Ding. Inzwischen war es auch schon viel dunkler geworden, was er gar nicht bemerkt hatte. Da wäre es sowieso sehr unverantwortlich Tyraleen und Daylight alleine rumlaufen zu lassen. Sie waren immer noch Fremde in dieser Gegend und kannten ihre Gefahren nicht.


Langsam war die Sonne hinter den hohen Bergen versunken, beinahe unmerklich da hier oben immer etwas trübes Wetter herrschte, doch nun kam die Dunkelheit ziemlich schnell und mit der Dunkelheit, erklang ein Ruf welcher von Trauer aber dennoch von einem herrischen Ton durchzogen war, es schien einen Todesfall im Rudel gegeben haben, so hatte also Fenris wiederum ein Opfer gefordert, zwischen den beiden Wölfen herrschte eine etwas gespanntere Stimmung, doch langsam beruhigte sich Corvina wieder, das Fell glättete sich und der Blick wurde weicher ja gar entschuldigend, war sie es wieder einmal gewesen welche einen Fehler begangen hatte?! Doch es war ja wahrlich nicht die Absicht der Wölfin gewesen Katara zu verärgern! Sie setzte sich wieder auf den Fels, Katara verschmolz in der Dunkelheit, bloß die eisblauen Augen funkelten durch die Nacht, wohingegen Corvina wie ein Fleck in der Landschaft auffiel, ihr Fell schimmerte und die Bernsteinaugen fixierten diejenigen der Freundin, sie schienen eine Geschichte zu erzählen, geprägt von Leid und Schicksal, nicht alles verstand die weiße Wölfin, doch konnte sie nun etwas besser nachvollziehen, weshalb Katara so reagiert hatte, schlussendlich erklang dann die Stimme der schwarzen durch die Nacht, einsam aber gehört durch die pelzig, flauschigen Ohren Corvinas, verklangen sie in der Nacht.

„Es ist schon gut, es ist ja schließlich nicht bloß Eure Schuld, denn schließlich trifft es auch mich! Ich reagierte etwas impulsiv, doch mir geht es ebenso wie Euch, auch ich war lange, viel zu lange alleine!“

ließ sich dann Corvina verlauten, die Stimme war wieder freundlich und aber auch entschuldigend, nein sie wollte es wahrlich nicht verderben mit Katara, denn Corvina spürte, auch die schwarze hatte vieles durchgemacht, ebenso wie die Weiße selbst!

„Wahrlich, mich dünkte es, wir verweilen hier nun schon lange! Glaubt mir, ich bin satt und verspüre den Hunger nicht mehr, doch ich nehme an, dass wir auch so Freundinnen sind!“

klang die Stimme der Weißen dann hell durch die Nacht. Die schwarze hatte sich bereits aufgemacht und nun erhob sich auch Corvina auf ihre Pfoten, sie schüttelte sich kurz und trottete der schwarzen dann hinterher, das Rudel schien nicht mehr weit entfernt zu sein, doch Corvina war sich nicht sicher, ob sie nicht stören würden, da sich das Rudel doch von einen der ihrigen verabschiedeten! Dennoch trabte sie flott durch die Nacht immer Katara hinterher, denn tief im innern war sie froh, dass sie nicht alleine war und Katara alles in die Pfoten nahm.


Es war dunkel geworden. Die Sonne verschwand hinter den hohen Bergen, genauso wie Katara es schon Hunderte Male gesehen hatte. Die beiden Wölfe hatten ein Heulen vernommen, es schien von demjenigen Rudel zu sein, das Katara und ihre neue Gefährtin auffinden wollten. Es hatte anscheinend einen Todesfall gegeben. War es wirklich richtig, das Rudel bei der Trauer um den Tod eines Rudelmitglieds zu stören? Ein Ort an dem Fenris sein Werk verrichtet hatte, weckte bei Katara immer die Erinnerungen an die Wölfe, die sie damals getötet hatte, da ihr nichts anderes übrig geblieben war. Katara hatte sie sogar gekannt, es waren ihre zwei Freunde gewesen...warum nur hatte sie, sie getötet?... Sie hatte es getan als sie rasend war vor Wut. Aber warum war sie so wütend gewesen?... Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern und dieses Unwissen zerfraß sie immer wieder aufs neue, wenn sie einen Ort betrat, an dem Fenris zuvor gewesen war, denn dann kamen die ganzen Erinnerungen wieder hoch. Kataras Ohren zuckten aufmerksam hin und her, als sie die Worte der weißen vernahm.

„Es freut mich das zu hören! Und um Ihre Frage zu beantworten: Ja wir sind auch so Freundinnen!“

Die Weiße erhob sich, schüttelte sich und schloss sich Katara an. Kataras Augen waren das Einzige was man von ihr noch in der Dunkelheit sah, denn ihr schwarzes Fell war mit der Dunkelheit verschmolzen und so starrten zwei blitzende, Eisblaue Augen die weiße Wölfin an, die neben Katara hertrottete.

„ Ich habe darüber nachgedacht, ob wir das Rudel bei der Trauer um das verstorbene Rudelmitglied stören sollten und da es sich nicht gehört dies zu tun finde ich, dass wir abwarten sollten bis die Trauer zu Ende ist und dann noch eine Weile warten, bis wir zu ihnen stoßen. Wir könnten allerdings auch durch Heulen ihnen die Botschaft überbringen, dass wir kommen. Was meint Ihr darüber?“

Während Katara geredet hatte, hatte sie immer nur starr geradeaus geschaut. Sie konnte es kaum noch erwarten sich endlich wieder einem Rudel anzuschließen und ein neues Leben anzufangen, mit ihrer neuen Freundin Corvina.


Offenbar schien Katara in tiefe Gedanken versunken, an was sie wohl dachte an ihre Familie, so wie es auch Corvina auf ewig tat, doch es war nicht gut ständig an diese zu denken, es führte dorthin wo nun nämlich auch Corvina stand, es führte zu einer Rabenseele jene nicht weiß, wo ihr Platz ist, die kein Zuhause hat und Irrgespinsten hinterher rennt, das durfte Katara nicht geschehen, sie schien es nicht verdient zu haben, doch das Schicksal ging manchmal gar seltsame Wege!

„Katara, Ihr denkt an früher,...als Ihr noch nicht alleine wart, nicht wahr?“

fragte Corvina dann etwas zögerlich, sie würde keine Antwort erwarten, denn schließlich hatte Kantara sie erst kennengelernt und auch Corvina vertraute sich schließlich nicht jedem an, doch wer wusste schon was der andere als nächstes tat?! So trottete Corvina dann wieder stumm und flott an der Seite der schwarzen Wölfin mit, die grünen Augen durchleuchteten die Dunkelheit, waren jedoch neben den eisblauen Augen Kataras beinahe schon lächerlich, der Geruch nach anderen Wölfen wurde immer intensiver und die weiße Wölfin wurde etwas langsamer, bis sie schließlich nach den Worten der schwarzen Fähe kurz stehen blieb und nachdachte.

„Wisst Ihr, ich habe leider keine Ahnung von solchen Ritualen, ich weiß bloß, dass Fenris sich eines Opfers dieses Rudels bemächtigt hat, deshalb weiß ich nicht ob es angemessen ist, zu ihnen zu gehen, doch andererseits finde ich es auch unhöflich, nichts zu sagen wenn wir schon hier sind,...ich wäre dafür, dass wir ihnen unser Beileid mitteilen!“

meinte Corvina dann leise in die Nacht hinein, wie würde Katara auf diese Worte reagieren? Es würde bedeuten, dass es noch länger gehen würde bis die beiden das Rudel auffinden konnten, doch Corvina wusste einfach, es war nicht richtig sich in die Trauer eines Rudels einzumischen,...oder?

„Auch Ihr verspürt die Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit eines Rudels,...habe ich recht?“

erklang wie von weitem die leise Stimme der kleinen Rabenseele.


Tyraleen betrachtete mit großen Augen, wie Daylight auf ihre Aufforderung reagierte. Mit rotierender Rute und strahlendem Gesicht kam sie auf sie zu gerannt und purzelte vor ihr und Face herum. Sonst hatte Tyraleen auf diese Art Verhalten mit Ablehnung reagiert, hatte sich zurückgezogen und ihre Schwester lieber alleine herumtoben lassen, aber jetzt ließ sie sich von der Fröhlichkeit anstecken. Spielerisch aber etwas unbeholfen tappte sie nach ihrer Schwester und hopste dann ein paar Sprünge um sie herum. Wie im Himmel? Ja, sie hatte Recht … hier oben war der Himmel! Dem fremden Azag warf sie ein Strahlelächeln zu, ja, seine Erklärung klng gut. Mit der Rute wedelnd wollte sie schon los, weiter hinein in den Fels, als Daylight sich ihrem Paten zuwandte und eine seltsame Frage stellte. Face Taihéiyo lächelte nie … das war er, ein Teil von ihm. Aber jetzt, wo ihre Schwester es sagte, fiel es auch Tyraleen richtig auf. Die übermütige Fröhlichkeit fiel von ihr ab, sie tappte wieder näher zu dem Schwarzen und sah zu ihm auf, als er antwortete. Es waren traurige Worte und auch er schien traurig … aber vielleicht bildete sie sich das nur ein, weil sie deswegen traurig war. Zögernd richtete sie sich auf, die Pfoten an der Schulter ihres Paten abgestützt reichte ihre Schnauze schon fast bis zu seinem Ohr und schnappte vorsichtig danach. Es rutschte ihr gleich wieder aus dem Maul, aber es sollte trotzdem eine liebevolle Geste sein, so wie sie es bei den erwachsenen Wölfen gesehen hatte. Er sollte wieder lächeln können … sie wollte dafür sorgen. Mit einem leisen Japsen ließ sie sich wieder auf alle vier Pfoten fallen und überlegte, was sie nun tun sollte. Sie hatten die neue Welt erkunden wollen … aber jetzt wurde es langsam dunkel und zudem war sie jetzt nicht mehr so überdreht. Ihr die Entscheidung abnehmend erklang ein Heulen, jemand rief sie alle zusammen, wegen irgendeinem Anlass, den sie nicht verstand. Der Fremde klang selbstsicher und befehlend … aber wieso durfte ihnen ein Fremder etwas vorschreiben? Verwirrt sah sie zu Face und setzte sich erst einmal hin. Daylight verkündete lautstark, dass sie nicht gehorchen würde und drückte sich an den Stein und die Weiße dachte kurz darüber nach, es ihr gleich zu tun. Dann aber wartete sie lieber auf eine Reaktion von ihrem Paten, er wusste sicher, was sie jetzt machen sollten. Der regte sich jetzt auch und bestätigte zuerst, dass sie nicht weggehen durften, das wollte sie ja sowieso nicht mehr und sagte dann … etwas von ihrem Vater. Ihr Vater? Tyraleens Augen wurden groß und starrten Face an, als würde er so noch mehr erklären. Ihr Vater? Natürlich hatte die Weiße schon immer gewusst, dass sie nicht nur eine Mutter, sondern auch einen Vater hatte … aber irgendwie war das unwichtig, es gab ihn praktisch nicht, obwohl sie ja gewusst hatte, dass es ihn gab. Und jetzt sollte er plötzlich da sein? Einfach so? Sie schüttelte den Kopf, das war zu viel für sie, dann aber spürte sie ein Kribbeln unter ihrer Haut. Ihr Vater … sie würde ihren Vater kennenlernen!

“Doch, ich höre auf meinen Vater! Komm, Daylight, unser Vater! Wir haben einen Vater!“

Noch immer verwirrt, aber plötzlich wieder überglücklich sprang sie auf ihre Schwester zu und zog sie an der Rute, wuffte einmal leise und doch glücklich und lief schon die ersten Schritte voraus, sah sich nach den anderen um, sprang wieder zurück, wuffte wieder, lief wieder vor und tänzelte so hin und her, euphorisch bei dem Gedanken, endlich ihren Vater kennenlernen zu dürfen.


Lange, so lange war die kleine Schwarze in Gedanken versunken, das sie gar nicht mitbekam, das es schon dunkel geworden war. Erst eine ganze Weile später sah sie auf, erhob und entfernte sich. Keiner schien dem Gespräch etwas hinzu fügen zu wollen und auch Amáya hatte dem Gespräch nichts mehr anzumerken. Und nun? Vorsichtig stelzte die Kleine über die felsige Landschaft, bemüht nicht das Gleichgewicht in einer solchen unebenen Umgebung zu verlieren. Ihre regenblauen Augen wanderten von einem Wolf zum nächsten, doch ihre Patin konnte sie nicht entdecken. Dafür aber ihre beiden Geschwister Tyraleen und Daylight, zudem noch Tyraleens Paten Face und ein Fremder. In jenem Augenblick erklang ein Heulen, das sie alle rief. Herrisch und befehlend. Stirn runzelnd trat das Regenkind näher, unschlüssig, was sie davon halten sollte. Ein wenig unsicher näherte sich die Kleine, bis sie schließlich nah genug bei der Gruppe war.

"Was war denn das für ein Heulen?"

Fragend sah sie erst ihre Geschwister an, dann reckte sie ein Stück den Kopf, um in die Gesichter der beiden Erwachsenen zu blicken. Sie hatte nicht mitbekommen, was die Gruppe vorher besprochen hatte, wusste also auch nicht, worum es ging. Sie beobachtete nur das ausgelassene, euphorische Verhalten Tyraleens und die trotzige Haltung von Daylight.

"Was...was ist denn überhaupt los?"

Sachte schüttelte die Kleine den Kopf und sah ratlos von einem zum nächsten. Sie fühlte sich so dumm, aber das war ihre eigene Schuld. Wenn sie nicht nur herum gesessen und geträumt hätte. Vielleicht sollte sie sich mal ein wenig mehr an ihre Geschwister halten, immerhin wussten die scheinbar, worum es ging.


Erst zögernd, dann ein wenig kräftiger schob der Schwarze den leblosen Körper seines Sohnes zu den Pfoten Banshees. Er wusste, was die Weiße befürchtete. Der Segen Acollons würde Merawin direkt in die Pfoten Fenris´ schicken. Trotzdem ein seltsames Gefühl seinen Sohn nicht einmal gekannt zu haben und ihn schon wieder hergeben zu müssen. Doch die kühlen Augen blickten schon wieder auf und sahen von vielen Seiten dunkle Gestalten auftauchen. Das Rudel fand sich schon bald hier zusammen.
Die Schwärze, die sich in der Steinwüste verbreitete, bot dem Rüden unweigerlich Behaglichkeit. Die leichte Kühle, die sich auf die kahlen Felsen drückte, ließ den Schwarzen kurz frösteln. Angenehm von diesem Wandel der Tageszeit überrascht, lächelte der Hüne. Schloss für einen Moment die Augen und atmete die schwere Luft tief ein. Die Herrlichkeit legte sich aber auch schon bald wieder. Ein Wächter. Eine Seltenheit, wohl wahr. Aber Freude war keines Wegs in Acollons Gesicht geschrieben. Sicher, die Wächter sollten eigentlich immer etwas Gutes verheißen, der Schwarze machte allerdings schon ganz andere Erfahrungen mit ihnen. Für einen Moment schien Acollon in die Vergangenheit zurückgesetzt, Bilder, die er nie wieder sehen wollte, tauchten auf. Knurrend sträubte er sein Nackenfell. Die Schulterblätter drückten sich aus dem schmalen Gebilde hervor. Die Lefzen spannten sich weit nach hinten und entblößte scharfe, lange, weiße Reißzähne. Der Fang öffnete sich leicht, so war ein deutliches Grollen zu vernehmen.

“So einer hat mir gerade noch gefehlt. Den mache ich kalt“,

doch als er einen kurzen Seitenblick zu seiner Gefährtin warf, verschluckte er sich beinahe. Ein lautes Husten befreite die zugeschnürte Luftröhre. Die Weiße antwortete ihm. Freundlich und wohl gesonnen. Als wäre er ein Mitglied der Familie. Banshee freute sich auf den fremden Wächter. Der Schwarze schaute seine Gefährtin fassungslos an. Der Fang immer noch geöffnet, aber nicht damit das Grollen sich den Weg ins Freie suchen konnte, nein, es war ein Ausdruck der Verwunderung, der Verwirrung. Die Augenbrauen leicht angezogen verharrte er eine ganze Weile, bis er die Fassung wieder fand.

“Du bittest ihn zu uns?“,

fragte er ein wenig heiser. Die übliche Kühle legte sich wieder um Acollon. Er hatte allerdings ein wenig Mühe, seiner Gefährtin richtig in die Augen zu sehen. Der Adrenalinschock reduzierte sich, alles wurde wieder auf „Normal“ geschaltet. Vielleicht hatte das Alles eine Erklärung.


Katara blickte die weiße Wölfin an, als diese ihr eine Frage stellte. Es klang so als ob die weiße Wölfin keine Antwort erwartete, doch Katara fühlte, dass sie sich dieser Wölfin anvertrauen konnte und so beantwortete sie die Frage.

„Es stimmt ich denke an früher, jedoch denke ich nicht daran als ich nicht alleine war...ich denke an das was ich damals getan habe, bevor ich das Rudel verlassen habe...etwas das ich mir niemals verzeihen werde! Immer wenn ich einen Ort betrete an dem Fenris zuvor sein Werk verrichtet hat, kommen diese Schuldgefühle wieder hoch...sie zerfressen mich innerlich fast. Doch es ist nicht mehr so schlimm, diesen Schmerz kann ich mittlerweile ertragen, jedoch möchte ich das nicht, denn ich habe es verdient innerlich von diesen Schuldgefühlen aufgefressen zu werden! Es ist einfach unverzeihlich, was ich damals getan habe!“

In Kataras Stimme schwang tiefe Trauer mit. Corvina war inzwischen stehen geblieben. Katara tat es ihr gleich.

„ Ja das wäre wohl am besten! Es scheint mir, dass das Rudel sich das Rudel der Sternenwinde nennt?! Ich werde ihnen die Botschaft von unserem Beileid überbringen und sogleich fragen ob wir zu ihnen stoßen können, nachdem sie getrauert haben!“

Katara sprang auf einen Felsen und setzte sich. Sie hob das Maul und ein lautes und klangvolles Heulen durchbrach die Stille der Nacht.


Rudel der Sternenwinde, wir möchten, Corvina und Katara, euch unser Beileid aussprechen doch sagt, dürften wir zu euch stoßen, nachdem ihr um euer Rudelmitglied getrauert habt? Wir bitten freundlichst um eine Antwort!

Verwirrt von all den Dingen die nun auf die kleine Welpin einprasselten wandte sie sich zuerst noch einmal Face zu. Noch immer zeigte sich in seinem dunklen Gesicht keine Regung, auch seine Saphiraugen schienen leer. Konnte er etwa gar nicht… fühlen. Fast enttäuscht blickte sie zu dem riesenhaften Rüden auf:

„Face Taihéiyo…“

Sagte sie nachdenklich, einen Moment schien es als wolle sie ihn erneut mit der Pfote berühren, entsann sich jedoch anders und ließ sie wieder sinken. Ihre Stimme klang anders als sonst, nicht so unbesorgt und glücklich wie sonst.

„Wie kann man das Lächeln verlernen?“

Sie legte den Kopf schief und betrachtete ihn ausgiebig, als wolle sie das Lächeln in seinen ausdruckslosen Zügen finden. Dann sprang sie mit einem Satz auf und ihre rute wedelte aufgeregt hin und her. Ein breites Lächeln trat auf ihre dunklen Lefzen, als sie ihn nun immer noch anblickte, nicht mehr suchend, nur glücklich.

„Vielleicht… vielleicht kann ich es dir wieder beibringen oder Tyra oder Amá. Oder wir alle zusammen? Du wirst schon sehen Face, bald wirst du wieder fröhlich sein.“

Dann hielt sie erneut inne und betrachtete den Schwarzen nur. Was sagte er gerade? Ihr Vater? Sie würde ihrem Vater nicht glauben? Ihr Blick glitt kurz zu Tyraleen, die nun aufgesprungen war und ihr in die Rute biss. Vater. Sie schnappte spielerisch knurrend zurück und lächelte noch breiter. Ja Vater. Sie hatten einen Vater und er war zurückgekehrt. Vielleicht würde Banshee nun endlich wieder fröhlich sein.

„Ja.“

Daylights Stimme klang fast feierlich, als sie nun wieder sprach und ihre Schwester zu umtanzen begann.

“Wir haben einen Vater.“

Glücklich legte sie die Vorderpfoten auf Tyraleens Schulter und sprang immer wieder an ihr empor. Umtanzte nun auch Face, vergaß die seltsame Leere die seine Anwesenheit ausstrahlte und vergaß, dass sie Azag Moraé ja gar nicht wirklich kannte, als sie nun auch ihn zu umtanzen begann. Als nun auch noch Amáya zu ihnen stieß schleckte sie ihrer Schwester glücklich über das schwarze Gesicht.

„Wir haben einen Vater, Amáya.“

Erklärte sie, als würden diese Worte alles erklären.


Dicht an den rauen, kalten Fels geschmiegt, begann die Weiße nun ihre blutigen Pfotenballen zu lecken. Sie zuckte schmerzerfüllt zusammen, als ihre Zunge über die Wunden fuhr. Wie weit war sie nun gelaufen, um bis hier her zu gelangen? Wie viele schmerzhafte Tage, voller Einsamkeit, in denen nur die Hoffnung blieb, als ihr ständiger Begleiter... und die Trauer.
Ein leiser Windstoß zerzauste das schneeweiße Fell, verriet ihre Anwesenheit jedoch nicht. Das fremde Rudel hatte sie nicht bemerkt, noch nicht, doch es konnte nicht mehr lange dauern, wenn sie noch weiter hier hinter dem Felsblock liegen würde und wartete. Doch das redete sie sich nur ein, sie wartete nicht auf eine günstige Gelegenheit, um auf das Rudel zu stoßen.

oO(Warum fürchtest du dich so vor ihnen Akai? War es nicht dein Wunsch sie zu finden? Jagen zu lernen und mit ihnen eine Gemeinschaft zu bilden? War das dein Wunsch Akai?)Oo

Fragte sie sich selbst, während sie den wohlgeformten Kopf mit den zierlichen Gesichtzügen auf die Vorderpfoten sinken ließ. Ja es war ihr Wunsch gewesen. Doch was, wenn sie sie nicht aufnehmen würden? Wenn sie sie ablehnen würden. Sie vielleicht sogar töten würden. Ein leiser Seufzer drang über ihre dunklen Lefzen. Warum? Ihre Goldaugen fixierten irgendeinen unbestimmten Punkt am bereits dunkel werdenden Himmel. Mit der Dunkelheit würde die weitere Angst kommen, Angst vor dem Ungewissen, das sich in ihr verbarg. So viele Ängste und niemandem konnte sie von ihnen erzählen.

oO(Oh Ryuko, wie sehr vermisse ich dich doch. Wärst du hier, bräuchte ich keine Angst haben, keine Angst vor den anderen Wölfen und vor der Dunkelheit…)Oo

Erschöpft schloss die junge Fähe die Augen, ihre Gedanken schweiften weit fort und sie sah Ryuko vor sich. Ryuko, seine blauen Augen funkelten in der Dunkelheit. Sie versuchte sich selbst zur Vernunft zu bringen, doch es half alles nichts, um das Bild von ihm zu verscheuchen. Sein schwarzes Fell schimmerte im kalten Mondlicht, weich wie Seide war es.
Ryuko. Die Traurigkeit überkam sie, ehe sie sie zurückhalten konnte. Still lag sie da, die Augen geschlossen als schliefe sie und kämpfte innerlich mit dem Schmerz, der ihr Herz zu zerreißen drohte.


Corvina ließ die Ohren lauschend spielen, nahm dabei jedoch auch allerlei andere Geräusche wahr, so hörte sie von weitem die Misstönenden Schrei der Krähen und der Raben, andererseits vernahm sie das Blöcken der Alpenschafe oder der Schneeziegen, die Weiße kannte sich ja nicht besonders aus in der Gebirgswelt, doch was blökte musste etwas mit Schaf oder Ziege am Hut haben! Nun war es still geworden und die Weiße hatte trotz ihrer Aufmerksamkeit nicht bemerkt, dass die schwarze Freundin geendet hatte mit ihren Worten. Corvina musterte sie mit einer leisen Bewunderung, ja wahrlich, Katara hatte schon viel durchleben müssen wenn sie sich das so anhörte und anscheinend schien sie auch noch zu trauern, doch wer tat das nicht? Das fremde Rudel tat es, Corvina selbst tat es, ob schon sie nicht einmal wusste, ob es ihre Familie überhaupt noch gab, doch die Hoffnung würde bei der weißen Wölfin zuletzt vergehen!

„Nein Katara, niemand hat das verdient, auch wenn es unverzeihlich erscheinen mag, was Ihr getan habt, Ihr seit nicht auf ewig schuldig, Ihr müsst leben und das Leben auch genießen, Ihr könnt die Zeit nicht zurückdrehen,...niemand vermag dies!“

meinte Corvina dann sanft und schüttelte leicht den Kopf, doch diese Worte kamen ausgerechnet von Corvina aus, sie die doch auch die ganze Zeit wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können, sie die noch immer tief in der Trauer um Verlust und vergehen schwelgte! Noch heute dachte sie an die Zeit welche sie bei ihrer Freundin dem Menschenmädchen verbracht hatte, es war angenehm gewesen, sie hatte niemals lernen müssen um ihr Leben zu kämpfen, ebenso wenig wie sie hatte im Winter auf Futtersuche gehen müssen, dies hatte sich alles geändert als sie sich für den Ruf der Wildnis entschieden hatte, doch es war einfach an der Zeit gewesen die Menschen zu verlassen,...für immer! Corvina vernahm eben noch die Worte der schwarzen und wollte diesen zustimmen, als die schwarze Wölfin schon einen Felsen erklommen hatte und von dort aus losheulte, eine Botschaft an das fremde Rudel der Sternenwinde schickend, nach einer Weile fiel auch Corvina in das melodische Heulen der schwarzen ein und hell erhob sich ihre Stimme gegen den sternenübersäten Himmel. Die Rute hing entspannt gegen den Boden und der Windhauch zerzauste das Fell der Wölfin, es war eher eine liebkoung als dass es ein Zausen war, noch immer heulten die beiden Wölfinnen im Chor, bis Corvina dann zum Schluss kam und abbrach, den Blick gegen die Richtung gedreht aus dem sie vor einiger zeit das Heulen hatten vernehmen können, die Ohren gespannt gespitzte, wartend auf Antwort.


Banshee lächelte dankbar, als Acollon ihren toten Sohn zwischen ihren Pfoten absetzte. Als sie aufblickte und sich wieder in seinen Augen verlor, wusste sie, dass er ihre Motive für diese Bitte kannte und war ihm noch dankbarer. Erneut musste sie ihre Schnauze an seine drücken, bekam nicht genug davon, seine Nähe zu spüren. Aber für die lange Zeit, in der sie sich nicht gesehen, nicht gespürt und nicht berührt hatten, schien ihr keine Berührung genug. Langsam löste sie sich wieder von ihm und sah in den Himmel, fast unbemerkt hatte er sich verdunkelt und schickte nun lange Schatten, die Steinwüste tauchte sich in Schwärze. Plötzlich fröstelte Banshee wieder und drückte sich noch enger an Acollon, hier war es zwar seltsam heller in einer mondlosen Nacht als im Tal, aber die Kälte war schlimmer und schien nicht nur von Außen zu kommen. Aber sie hatte ja jetzt Acollon und zudem war ein Wächter auf dem Weg zu ihnen, was sie noch immer mit wohliger Wärme erfüllte. Als plötzlich Acollon neben ihr ein Grollen ausstieß und sein Gebiss entblößte, zuckte sie unweigerlich zurück. Seine Worte ließen erst Entsetzen auf ihrem Gesicht erscheinen, dann Unverständnis.

“Was sagst du da? Es ist ein Wächter, Acollon, Liebster! Niemanden wirst du kalt machen.“

Ihr Tonfall war aber nicht befehlend und fest sondern eher erschrocken und bittend. Sie verstand seine Reaktion nicht, sicher war ein Wächter eher ein Gesandter Engayas, aber ebenso stand er auch mit Fenris in Verbindung und war ein Seelenbruder für sie beide. Wie konnte er da seinen Tod wünschen? Ihr Gesichtsausdruck wandelte sich, wurde fast empört, mit einem deutlichen Schmerz darin. Noch nie hatte Acollon so unverständlich für sie reagiert, jede ihr noch so fremde Tat hatte sie verstehen können, diese aber nicht. Nun sah aber Acollon sie ebenso verwundert an, wie sie es zuvor getan hatte. Seine Frage verblüffte sie noch mehr, selbst wenn er aus irgendeinem unverständlichen Grund einem Wächter nicht wohlgesonnen war, so musste ihm doch klar sein, dass sie jeden Wächter als einen Segen ansah. Er war ein Gehilfe – von ihnen beiden – und ein Geschenk Engayas … auch an ihn, Acollon. Sie verzog leicht die Lefzen und sah nun fast verletzt zu ihrem Gefährten.

“Ja, natürlich bitte ich ihn zu uns. Er ist ein Geschenk.“

Unsicher drehten sich ihre Ohren leicht zu Seite, klappten dann aber wieder nach vorne. Sie wollte sich nicht mit Acollon streiten, viel zu glücklich war sie darüber, dass er endlich wieder bei ihr war und außerdem wollten sie ihrem Sohn gerade die letzte Ehre erweisen. Sie sah kurz zu Boden, auf ihre schimmernden Pfoten und den Leib Merawins, dann hob sie ihren Blick wieder und fuhr Acollon sanft über die Schnauze.

“Ich will mich nicht streiten. Was ist los? Warum willst du einen Wächter nicht ebenso freudig empfangen wie ich?“

Sie sah ihm traurig in die Augen, spitze dann aber die Ohren, als schon wieder ein Heulen ertönte. Der Inhalt der Botschaft verwunderte sie etwas, hätte aber fast ein kurzes Lächeln auf ihren Lefzen erscheinen lassen. Zwei Fremde sprachen ihr Beileid aus und baten um Aufnahme … in dieser kalten Welt. Sie küsste Acollon auf die Schnauze und hob dann ihre in die Finsternis.

“Ich danke Euch, Corvina und Katara. Ich dürft zu uns kommen.“

Seltsam, wie viele Wölfe sich hier hoch verirrten, scheinbar musste es an ihnen liegen, denn dass zuvor noch nie eine Wolfpfote diese Steinwüste betreten hatte, spürte man.


Die Sonne sank langsam tiefer während Tyel und Shani einfach nur so nebeneinander lagen. Sie wusste nicht mehr wann sie das letzte Mal jemandem vertraut hatte, es musste lange her sein, doch Shani hatte es irgendwie geschafft die Mauer in Tyels Herzen zu überwinden und Freude in das Herz der Fähe zu bringen. Trotz all dem war Tyel ein wenig traurig. Traurig darüber wie die Welt war, traurig was aus ihr geworden war. Wo sie so gemütlich bei ihren Eltern hätte bleiben können. Sie verstand es einfach nicht warum es so war wie es war. Warum hatten ihre Eltern sie so einfach abgeschoben? War sie nicht gut genug gewesen? Hätte sie ein Rüde werden sollen? Die bernsteinfarbenen Augen schlossen sich und der Kopf der Fähe viel traurig auf die Vorderpfoten.
Shanis Schnauze riss sie schlagartig aus den Gedanken. Das sanfte ziehen an ihrem Ohr zauberte fast sofort ein Lächeln auf ihre Lefzen. Sie freute sich über Shanis Worte sie waren eine Bestätigung für die junge Fähe. Nun wollte sie nicht mehr weg von dem Rudel der Sternwinde, sie hatte schon mit dem Gedanken gespielt wegzulaufen, als das fremde Rudel kam, doch warum sollte sie jetzt weg? Sie hatte eine Freundin gefunden. Shanis Stärken waren wohltuend für Tyel. Die junge Fähe konnte es einfach nicht fassen wie schnell, die weiße, die Mauer in ihrem Herzen überwunden hatte. Der Blick der Fähe flog über das Rudel und blieb auf den drei Fähen hängen die Shani meinte. Sie war nicht ganz sicher doch sie überwand die Unsicherheit einfach, indem sie sich an ihre Eigenen Worte klammerte. Ein Teil des Rudels. Sie waren es, das stand außer Frage.

"Du hast recht lass uns zu ihnen gehen"

Tyel erhob sich langsam und selbstverständlich. Ihre Läufe trugen das Gewicht mit Leichtigkeit und ihre Rute richtete sich ein wenig auf. Freudig schwang sie ein zweimal nach rechts und links, dann blieb sie einfach in der Luft stehen und wirkte wie eine Fahne, die hinter der jungen Fähe wehte. Tyel streckte die Nase kurz in den Wind und schnüffelte. Es war ein wunderbarer Geruch, der Geruch der Freiheit und der Erde. Die Augen richteten sich kurz auf zum Himmel. Bald würden sie Sterne kommen und mit ihnen auch Freunde die sie für immer verloren hatte. Ein kurzes Seufzen stieg aus ihrer Kehle. Dann drehte sie den Kopf zu Shani.

"Na los komm"

Ein Lächeln lag auf ihren Lefzen sie schüttelte den Kopf kurz und fing dann an zu laufen sie lief nicht besonders schnell, doch sie rannte. Sie liebte es einfach den Wind zu spüren und alles zu vergessen. Außerdem waren sie ziemlich weit von den drei Fähen entfernt. Und Tyel wollte sie kennen lernen bevor sie den Mut verlor. Doch ihre Geschwindigkeit die zuerst so voller Hoffnung war wurde immer langsamer bis sie schließlich stehen blieb und sich umschaute. der Wind wisperte Worte zu ihre und sie vernahm einen Ruf er war nicht sehr laut doch alle Wölfe schienen auf diesen zu hören und auch Tyel drehte sich zu dem schwarzen Wolf, der die Worte gerufen hatte. Eine Weile tänzelte sie auf der Stelle dann drehte sie sich um und schlug einen Weiten Bogen.

"Lass uns lieber erst ein Mal auf den Ruf hören"

Die Worte waren nicht sehr laut und Tyel bezweifelte das Shani sie gehört hatte, doch hoffte Tyel, dass Shani ihr folgen würde, auch wen sie die Worte nicht verstanden hatte. Immer wieder trafen die Pfoten der Fähe auf den Boden wirbelten etwas Staub auf und hinterließen einen Abdruck. Wie schön es doch war einfach frei zu laufen. Tyel lächelte leicht sie ließ ihren Blick über die Steine schweifen bis sie eine weiße Rute hinter einem Stein versteckt sah. Der Kopf der Fähe legte sich schief und schaute eine Weile einfach nur auf die Rute. Ihre Pfoten waren stehen geblieben und tapsten nun wieder langsam weiter, doch hatten sie mal wieder die Richtung geändert. Sie umkreiste einige der Steine bis sie vor dem Stein stand, hinter dem die Rute zu sehen war. Ihr Kopf schob sich um die Ecke und erblickte eine weiße Fähe. Sie schien ziemlich abwesend zu sein und Tyel wollte sie nicht erschrecken. Ein Lächeln legte sich auf die Lefzen der Fähe und sie zog der Weißen sanft am Ohr um sie aus ihren Gedanken zu befreien.

"Hallo"

Ihre Stimme war freundlich und trotzdem ängstlich. Tyel wusste nicht was mit der Fähe war sie sah nur das Blut an den Pfoten der Weißen.


Green saß in der Nähe von Acollon und Banshee und sie verstand reni gar nichts was sich vor ihr abspielte.Sie spielte mit ihren Ohren in dem Wind sodass das Fell immer wieder kurz aufblitze.Sie schaute kurz in den Himmel sah schwarze Krähen oder Raben über ihr fliegen un blickte dann wieder zu Banshee.Green stand auf setze paar kleine tapsige Schritte legte sich dann aber wieder un aufällig hin.Sie legte den Kopf in ihre kleinen Pfoten und ihre Blicke wechselten zwischen Banhsee Acollon und den schwarzen Vögeln am Himmel die ihr auf irgendeine Art und Weise Angst einflösten.Green nieste leise als der Wind ihr Dreck Sand und ein Blatt an die Nase wehte.Sie schüttelte das Köpfchen und schielte etwas auf das Blatt das ihr anscheinend auf der Nase klebte.Sie legte eine Pfote auf den Kopf und wollte sich etwas verstecken.Ihr war es schon fast peinlich das sie noch nicht mal ein winziges Blättchen von ihrer Nase bekam.Die kleine Welpin fühlt sich hilflos, unbeobachtet und würde am liebsten grade so auf die Fremde Wölfe los hüpfen und mit ihnen spielen wollen.Aber sie blieb aus purer Höflichkeit sitzen.Sie traute sich weder etwas zu sagen noch sich zu bewegen.Sie schaute erneut zu Banshee und dann schaute sie wieder auf das Blatt das immernoch auf der feuchten Nase klebte.Sie wedelte etwas mit dem Schweif hin und her schüttelte den Kopf erneut.Dann legte sie aber den Kopf wieder auf die Pfoten die schon blutig gelaufen sind und machte sich keine weiteren Sorgen mehr, auser die Sorge sie würde nicht aufgenommen werden.

Weiterhin etwas verwundert sah der Schwarze seine Gefährtin an. Er ist ein Geschenk, nur langsam verstand er die Situation. Ein Gesandter war für Banshee etwas Wertvolles. Etwas worauf man sich freuen konnte. Sie kannte also nicht die Kehrseite, sie hatte es nicht durchleben müssen. Gut so. Und Acollon wollte es auch dabei belassen. Ihr die Sorgen nehmen. So trat wieder ein Lächeln auf die Lefzen, vielleicht etwas gezwungener als zuvor, dennoch ein ehrliches. Er reckte seine Schnauze nach Banshee aus und leckte ihr über die Schläfe, bis hin zu ihren Ohren. Ihre Lauscher waren samtig und sehr flauschig. Der Hüne wollte seine Weiße nicht verunsichern und sicherlich nicht im Unwissen lassen, doch jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt. Später vielleicht, wenn sie alleine waren und Merawin endlich das Zeitliche gesegnet hatte.
Der Wind wurde etwas eisiger, das schwarze Fell wehte hin und her. Acollon machte aber keine Anstalten der Unbehaglichkeit, fühlte sich irgendwie gleich viel wohler. Auch die Schwärze die über die Steinwüste hereinbrach, die Alles verschluckte, was in der Umgebung noch eben zu sehen war, machte dem Rüden nichts. Gut, hier in den höheren Bergregionen war die Dunkelheit nicht ganz so kräftig, wie in den Tälern. Nachdem Banshee den zwei Fremden den Eintritt und das Beisein gewährte sprach auch Acollon wieder:

“Lass uns nicht jetzt darüber reden. Es ist für diesen Moment nicht angebracht.“,

er sah ihr in die schönen Augen. Sie waren voller Wärme, aber etwas hatte sich verändert. Unstimmigkeit. Sie war voller Erwatung wegen des Wächters, und er, Acollon, war nicht so erfreut über dessen Ankunft. Sie schien etwas verwirrt, verstand nicht recht. Für diesen Ausdruck in ihren Augen war allein der Schwarze verantwortlich. Es gefiel ihm nicht seine Gefährtin so zu sehen. Der Kopf wandte sich ab. Er knirschte ein wenig mit den Zähnen. Es war einmal. Und es wird nie wieder so werden. Alles wir sich ändern, stetig. Die Zeit steht nicht still.
Mit einem Mal wurde dem Rüden klar, dass er nicht einmal stark genug war, sich der Wahrheit zu stellen. Er hatte es verdrängt. Ihm war es nicht wichtig. Zeitweilig hatte er alles vergessen, brauchte sich dessen keine Vorwürfe mehr zu machen. Irgendwann werden sich Dich in der wahren gestalt sehen, Schwarzer, irgendwann wird der Tod nicht einmal mehr die verlorenen Seelen um sich haben. Er wird allein sein. Ganz allein. Hast Du Angst davor, Welpe?, genug, rief Acollon innerlich. Banshee schien von seinem inneren Gedanken und Erinnerungen nichts bemerkt zu haben, so wisperte der Rüde kurz:

“Ich werde wohl gleich auf meine anderen Nachkömmlinge stoßen. Wie hat sich Averic entwickelt? Prächtig schätze ich. Er hat sicherlich ein Auge auf seine Geschwister geworfen“.

Eigentlich sprach Acollon mehr zu sich selbst, als dass er mit seiner Weißen sprach.
Er reckte seinen Kopf zur Seite und ließ sein Genick knacken. Acollon richtete kurz seinen Körper auf, ließ ihn aber beim nächsten Atemzug wieder in sich zusammenfallen. Seine Erscheinung war irgendwie lässig und ganz und gar nicht gradlinig. Dennoch war er für sein Alter ein recht hübscher Wolf.

“Weißt Du, Banshee, Du bist immer noch die schöne Wölfin, die ich kennen gelernt habe. Du bist keinen Tag gealtert.“,

er lächelte verschmitzt. Lachte leise. Wohl wahr. Banshee war immer noch sehr schön, auch wenn man doch schon leichte Ansätze des Älterwerdens sehen konnte. Aber das machte sie nicht unbedingt unattraktiver. Nein, es machte sie irgendwie anziehender.

Etwas schmunzelnd blickte er zur Seite und entdeckte einen kleinen Welpen , seltsam, er hatte sich so sehr mit Banshee beschäftigt, dass er ihn nicht bemerkt hatte.


Der Wind zerzauste Kataras Fell. Es wurde durch das Mondlicht beschienen und schimmerte deshalb in einem Silbrigen Glanzton in der Nacht. Sie blickte nach oben und betrachtete die Sterne... sie würden für immer dort sein, doch das Leben hier auf Erden war vergänglich. Katara sog die kühle Nachtluft ein. Sie ordnete ihre Gedanken und machte Platz für neue. Ewig hätte sie so da sitzen können, doch dann horchte sie auf. Sie und Corvina bekamen doch tatsächlich eine Antwort! Sie durften zu dem Rudel stoßen! Wenn das nicht einmal eine erfreuliche Nachricht war! Katara sprang von dem Felsen herunter und lief wieder zu Corvina. Voller Freude hüpfte sie um Corvina herum wie eine kleiner Welpe.

„Ich freue mich ja so! Ist das nicht fantastisch? Wir bekommen wirklich die Chance von diesem Rudel aufgenommen zu werden!“

Langsam beruhigte Katara sich wieder. In ihren Augen konnte man ihre immense Freude ablesen. Voller Motivation ging sie schon voraus ohne auf Corvina zu warten. Ihr größter Wunsch wieder in einem Rudel aufgenommen zu werden wurde ihr endlich, nach einer langen Zeit erfüllt. Sie blieb kurz stehen und hob wahrscheinlich das letzte Mal während dem Weg zu diesem Rudel, das Maul und heulte in die Stille Nacht hinein:

„ Wir haben ebenfalls zu danken!“

Sie trabte nun weiter blickte sich noch einmal mit einem auffordernden Blick zu Corvina um und setzte dann den Weg fort, immer der Nase nach...


Stumm vor sich hinstarrend, hatte Averic sich keinen Zentimeter mehr gerührt. Noch immer hockte der pechschwarze Jungwolf an dieser Felsspalte, sah hinab und hörte nichts weiter als den Wind, roch nichts weiter als Cylins Blut. Und da es schließlich um ihn herum immer dunkler geworden war, sah er nun nur noch Schwärze. Sein Inneres fühlte sich kalt und verkrampft an, noch immer kämpfte er gegen diesen Schmerz und den dicken Klos in seinem Hals. Sein kleiner Bruder ... dieses zarte, kleine Geschöpf mit dieser warmen, hellen Lebensfarbe. Er wusste nicht, wie sie hieß, aber die Farbe hatte sich für immer in sein Gedächtnis gebrannt. Wie oft hatte er an seinem Ohr herum gekaut, wie oft hatte der Träumer ihn schon beruhigen können, wenn Averic mal wieder kurz vorm Ausrasten war. So viele Male waren sie zusammen gewesen, irgendwo, immer und immer, sodass er sich gar nicht mehr bewusst gewesen war, was er da eigentlich hatte. Nun, wo es für immer fehlen würde, schien auch er gestorben zu sein. Der Pechschwarze tastete sich durch seine Erinnerungen und suchte nach Cylins Bild. Dann schlich er weiter und suchte nach irgend etwas anderem Wichtigen. Aber da war nichts, niemand. Nur dort, seine Mutter, zu der er nun so gerne gehen würde um Trost zu finden und nicht allein zu sein, aber er konnte einfach nicht, obwohl er sie liebte. Das Bild seines Vaters war verzerrt, gleichzeitig verhasst und doch musste er es immer wieder hervorholen. Ja genau. Dieser verdammte Bastard ... es war seine Schuld. Nur seine! Wäre er da gewesen ... bei seinem Rudel und denen, bei denen er einfach zu sein hatte, dann ... dann wäre sein kleiner Bruder vielleicht noch am Leben, sie hätten vielleicht eine Chance gehabt. Aber er war nicht da, er war NIE da!
Averic kniff die tiefblauen Augen fest zusammen, der dicke Klos schnürte ihm fast die Luft ab und er spürte, wie etwas heißes in seine Augen stieg und anfing zu brennen. Nun hielt der Pechschwarze wirklich den Atem an, während er versuchte die Tränen hinunter zu kämpfen, aber jetzt gelang es ihm einfach nicht mehr. Cylin war tot, er würde nie wieder kommen und seinen Vater hatte er sich als Schuldigen ausgesucht. Zum ersten Mal in seinem Leben rannen Tränen Averics Wangen hinab und tropften in den eisigen Abgrund hinab, verloren sich in der Schwärze. Schließlich presste er die Luft wieder aus seiner Schnauze hervor und in diesen Laut mischte sich ein leiser Schluchzer. Verdammt, er war so schwach ... nun weinte er um seinen Bruder, schämte sich dafür und war doch so unsagbar traurig. Hoffentlich wurde das salzige Wasser in seinen Augen zu Eis und niemand würde es je sehen. Noch einmal blinzelte der junge, aber schon sehr große Rüde und versuchte neue Tropfen zu verscheuchen. Aber dann schließlich, drang ein Heulen an seine Ohren, dass Averic erstarren ließ. Ruckartig schoss sein Kopf in die Höhe, die Augen weit aufgerissen, aber trotzdem geradeaus ins Nichts starrend. Acollon ... dann seine Mutter. Und wieder, hin und her, sodass sich langsam das Fell des Schwarzen aufstellte und in alle Richtungen sträubte. Aha? Er war also wieder da? Und als schließlich dieses letzte Heulen eine Trauerversammlung ankündigte, spürte Averic, wie jäher Hass seine Trauer besiegte und brodelnd in ihm aufstieg. Dieser verfluchte Mistkerl wollte jetzt also wieder einen auf Bigboss machen, nachdem er EWIGKEITEN nicht da gewesen war? Nachdem er sich mal wieder wortlos verpisst hatte?!
Der Pechschwarze wirbelte herum, die Lefzen hochgezogen und sein messerscharfes, weißes Gebiss entblößt. Jetzt wollte er, sein Vater, zu einer letzten Ehre zusammenrufen!? Für einen Sohn, den er niemals kennen gelernt hatte! Und Banshee, seine Mutter, machte da mit?! Natürlich, sie war doch das Leben, die gute Seele, die alles und jeden liebte, natürlich würde sie diesen Bastard mit offenen Armen empfangen! Averic verengte die Augen, bebend vor Zorn und seine Reißzähne knirschten fest aufeinander. Er konnte sie in der Ferne sehen, ebenfalls am Abgrund auf einem Felsen, ganz und gar möchtegern majestätisch. Sie beide, machten jetzt so einen Wirbel um diesen dreckigen, kleinen Welpen, und an Cylin wurde nicht der winzigste Gedanke verschwendet!? Cylin hatte man vergessen und verrecken lassen!?
Haltlos preschte Averic los, blind in seiner grenzenlosen Wut raste er auf seine Eltern zu, ignorierte jedes andere Geschöpf und sah nur noch sie – die Verräter neben einer für alle unsichtbaren, schwarzen Bestie, dem Tod.

DU!“,

schleuderte der Jungwolf seinem Vater entgegen, gleich als er eine ruckartige Bremsung hingelegt hatte. Noch immer zitternd und bebend starrte der Pechschwarze zu Acollon hinauf und in seinen tiefblauen Augen konnte man nichts anderes lesen als Hass, Wut und Abneigung.

Jetzt kommst du also wieder an, nachdem du dich Wochen, nein MONATE einfach verpisst hast!? Und gleich wieder einen auf großen Alpha machen, so als ob nie was gewesen wäre?! Sag mal bist du bescheuert!? Ach, was frag’ ich so blöd, NATÜRLICH! Du verdammter Mistkerl! Am Besten sieht’s natürlich aus, wenn ich dann ganz toll das Rudel zusammen rufe um meinem armen, jüngsten Sohn die letzte Ehre zu erweisen – achja, wie heißt er eigentlich? Wieso ist der überhaupt tot? ICH KENNE IHN JA GAR NICHT!“

Averic brüllte so laut er nur konnte, verlagerte all die erdrückenden Emotionen in seine Stimme. Jetzt sah er auch seine Mutter an.

Und Cylin! Den habt ihr einfach unten im Tal verrecken lassen, verschwendet keinen Gedanken an meinen kleinen Bruder! Wahrscheinlich habt ihr noch nicht einmal bemerkt, dass er fehlt, während er schon in seinem eigenen Blut ertrunken ist!“

Atemlos und mit immer noch gesträubtem Fell fixierte er die Weiße und den Schwarzen, ignorierte Fenris’ Gestalt neben dem Felsen. Die Verdammnis stand kurz davor sich seinem Vater an die Kehle zu schmeißen, so rasend war sie. So konnte Averic nicht einmal mehr sagen, ob die Tränen, die nun wieder über seine Wangen liefen, von Hass oder Verzweifelung zeugten.


Schon von der Ferne her konnte man schnelles Pfotengetrommel hören, das sich immer weiter auf die Weiße und Acollon zu bewegte. Ein schwarzer Schatten, mit tiefblauen Augen. Der Geruch verriet die schwarze Gestalt, es war Averic.
Der Hüne wandte sich ihm zu. Der Jüngling brüllte, tobte vor Hass und Wut. Seine Worte hallten in der Schlucht wider. Emotionen wurden Acollon um die Ohren geworfen, Vorwurf über Vorwurf. Und erst lange nachdem die Welle der lauten Worte verebbt war, bewegte sich der Schwarze.
Die Augen nun auf seinen Sohn gerichtet schritt er etwas auf ihn zu. Der Ausdruck auf seinem Gesicht schien erkaltet zu sein. Kein Funken, nicht einmal ein Anflug von Gefühlen oder Launen, waren in den dunklen Augen zu erlesen. Der Hüne bewegte sich so gewandt, dass man hätte meinen können, er würde sich an sein nächstes Beutetier anschleichen. Doch Muskeln und Sehnen verweilten ruhig. Sie spannten sich nicht an. Und auch das Nackenfell ruhte noch.
Sein Fang allerdings öffnete sich einen Spalt und entblößte seine Zähne, die nicht gezeigt wurden um zu zerreißen.

“Prächtig hast Du Dich tatsächlich entwickelt“,

er musterte seinen Sohn. So, auch Cylin hatte der Tod nicht verschont. Eigenartig, für das Wegsterben war nicht Acollon verantwortlich gewesen. Ein verhärtender Verdacht erschlich sich ihm. Er musste zugeben, er konnte Averics Verzweiflung um seinen kleinen Bruder verstehen. Sein Sohn war wahrscheinlich der Einzige, der das aussprach, was alle dachten. Der Rüde war nicht der perfekte Familienvater und mit Sicherheit würde er auch keine Auszeichnung für seine Alphaqualitäten erzielen. Es hatte schließlich einen Grund. Er war der Tod. Er war nicht für Familie und Rudel gemacht worden, und dennoch hatte er den Sprung in dieses kalte Wasser gewagt. Das er nun Verluste und mehr Abneigungen ertragen musste, war von Vorne herein klar gewesen.

“Nun reg Dich ab“,

zischte der Schwarze nun etwas herrschender. Die Augen hatten sich kurz verengt. Wollte Averic seinem Vater ehrlich einen Vorwurf aus dem Sterben Cylins machen? Ja, vielleicht hätte Acollon den Tod verhindern können, vielleicht hätte er ihn selbst getötet, was war die bessere Lösung? Und war es nicht in dieser Hinsicht egal?
Der Kopf ruckte kurz ein Stück nach unten, und das Nackenfell sprang auf. Averic würde nicht zögern seinen Vater anzugreifen. Ob er ihn auch töten wollte, wusste der Rüde nicht. Es war auch nicht wichtig. Es wäre unsinnig den Tod sterben zu lassen.

“Ich denke, Du willst keine Antwort auf das, was Du mir an den Kopf geworfen hast. Aber eines interessiert mich, siehst Du sie immer noch? Die Gestalt?“,

sagte er in einem rauen Ton. War sein Sohn immer noch im Stande, das Wesen Fenris´ zu sehen? Faszinierend welche Wirkung der Todesgott auf Sterbliche machte.
Weiterhin ignorierte Acollon den Hass, der aus jeder Faser Averics zu lesen war. Wenn jeder seiner Abkömmlinge einen solchen Stress veranstaltete, konnte das echt zum Desaster werden. Gut, der Schwarze konnte Wut und Hass verstehen, doch wer konnte nachvollziehen, warum ER gegangen war? Nur er selbst kannte die Antwort. Und für diese Wahrheit war ein Verlust zweier Welpen gerade noch zu ertragen. Doch das würde er seinem Sohn nicht erzählen. Auch wenn es sicherlich eine Erklärung für das Alles war. Nein, er würde diesmal schweigen.

Und erst jetzt sah er die Tränen, die Averics wangen herunterliefen. Schuld keimte in dem Schwarzen auf. Wie gerne würde er seinem Sohn helfen. Doch es würde nichts nützen. Er war darauf versessen, seinen Vater den Part des Schuldigen anzuhängen- war okay. Schließlich war Acollon gerne die Fußmatte jener Gefühle.


Umso länger sie ihre Pfote darbot, ausharrte und wartete, hoffte, dass sie darauf eingehen würde, desto mehr tat es ihr weh. Erst nur die Pfote, weil sie sie zu ihr hin ausstreckte, um nicht mit dem gesamten Körper so nah an ihr stehen zu müssen, sie hätte es nicht ertragen, wäre sie ihr ausgewichen, weil sie sie nicht so nahe haben wollte. Wäre sie..geflohen, vor ihr und ihrem Körper. Wenn auch nur wenige Kieselsteinlängen, es wäre schrecklich, dieses Gefühl, daß derjenige, den man so mochte, vor einem floh, das Weite suchte, alles suchte, nur nicht den anderen, dann auch die inneren Gefühle. Langsam begann sie zu zittern, wieder erst nur die Pfote, dann sie. Sie schien nicht zu wollen, nicht zu können, nicht zu dürfen, von ihrem Ich heraus.
Es war schlimm das mitzuerleben, so zu erleben. Sie schloß die Augen und versuchte, die letzten, wenigen Augenblicke, die sie das noch aushalten wollte, ohne Bewußtsein oder mit wenig Bewußtsein zu überbrücken und abzuwarten. Es war ein Warten, das der Folter gleichkam. Doch während sie sie nicht sehen konnte, spürte sie ihre Nase an ihrer eigenen. Augenblicklich riß sie die Augen auf und sah ihr ins Gesicht. Sie sah sie..so nah, so nah, wie sie ihr wohl noch nie gekommen war, wie sie sich noch nie gekommen waren. Die Pupillen Aliennas wirkten so ausdrucksstark, wie sie sich das nicht hätte vorstellen können. Es war ein sehr seltsames Gefühl, den Blick des anderen so nah an sich zu spüren, sich bewußt sein zu müssen, daß sich beide Seelen nun auch physisch so nah waren, die wohl in ihren Köpfen waren.
Die Sache, die sie so mochte, was der Seele entsprach, so nah bei sich, bei der eigenen. Es tat fast schon weh. Vielleicht vermochte sie nun zum ersten Mal nachzuempfinden, wie es für Alienna sein mußte, die Berührung, die Nähe. Sie glaubte sogar ihren Atem für einen Bruchteil einer Sekunde gespürt zu haben, danach entfernten sie sich wieder. Es war ein Gefühl, das durch den ganzen Körper ging, nicht eindeutig als schlecht einzuordnen aber sich nicht als absolut positiv zu beurteilen. Es war etwas, das erst wirken mußte, bevor man es beurteilen konnte. War das nun gut oder schlecht? Sie wußte es selber nicht. Daß sie so plötzlich so nahe gekommen war, sie berührt hatte, ihre Nase auf ihrer spüren konnte..mußte..etwas, das sie nicht geahnt hatte, worüber sie vorher nie nachdenken konnte. Das Gefühl hielt an, das innere Zittern, das Summen in den Knochen. Wie konnte das solch globale Auswirkungen auf ihren gesamten Körper haben, wenn sie doch einfach nur ihre Nasen berührt hatten?
Vielleicht war es auch nur Einbildung und ihr Körper gab gar keine anderen Reaktionen, außer, daß sie eben ihre Nasen berührt hatten, zu spüren. Aber es schien sehr real. Auch Leyla mußte danach etwas Abstand nehmen. Daß sich ihre Gesichter so nahe waren, war vielleicht das Ausschlaggebende für diese verwirrenden Gefühle, die durch ihren Körper schossen und weniger die Tatsache, daß sie sich sogar ganz berührt hatten. Leyla hatte nunmehr einen Abstand von etwa zwei Wolfslängen erreicht. Sie berührte mit ihrer Nase ihre Vorderpfote und spürte sich selbst. Alles war in Ordnung, warum auch nicht? Sie hatte es so gespürt, wie sie alles gespürt hätte, was ihre Nase berührte. Sei es ein Blatt oder etwas Erde..es wurde kaum anders in ihre Gefühle übertragen. Doch woher kamen dann diese Gefühle, die wie Blitze in ihr zuckten? Wohl die Tatsache, daß es eben nicht nur etwas Erde oder ein altes Blatt war, sondern das, was sie am wenigsten erwartet hatte, die jenige, die sie immer noch so mochte. Sie hatte sie mit dieser Geste ein Stück weit aus der Besinnung gebracht und ihre Gedanken ins Unklare getrieben, durcheinandergewirbelt, daß sie für einen Moment schon vergessen hatte, daß sie ihr eigentlich ein wenig sauer war.
Nachdem das Gefühl langsam verstrichen war, konnte sie darüber nachdenken, wie sie darüber wohl nachgedacht hatte, falls sie es hatte. Es schien ihr eher, als hatte sie das gar nicht wollen, weil sie es dann nicht gekonnt hätte, weil sie sich dann daran gehindert hätte, es zu tun, denn es war nicht ihre Art. Daß sie wohl nicht darüber nachgedacht haben wollte, zeigte, daß es aus dem Innersten ihrer Gefühle kommen mußte, daß sie ihre Angst übergangen hatte, wenigstens ein Mal kurz, um noch mehr geben zu können, als Leyla verlangt hatte..daß sie lediglich ihre Pfoten spüren würden. Vielleicht hatte sie gemeint, das würde nicht mehr ausreichen und es war wichtiger, daß sie sich ein Mal anders spürten. Doch diese unerwartete Flut von Gefühlen..darauf war sie nicht vorbereitet gewesen. Es war so überraschend und auch ohne, daß sie ähnliche Ängste vor Berührungen hatte, hatte es sie zum Erschrecken gebracht. Im Nachhinein mußte sie sich eingestehen, daß es wohl keine gute Sache war. Und doch mußte sie ihr dankbar sein. Es war vielleicht der größte Beweis von Reue und Freundschaft, den Alienna erbringen konnte. Es war nicht die Tatsache, daß sie sich an den Nasen berührt hatten, die ihr mißfiel, sondern diese Überraschtheit, diese Spontanität und dieser Schrecken. Sie sah sie an. Ihr Blick war gezeichnet von Fragen, Ratlosigkeit und Leere. Sie wußte nun, daß sie es absolut ernst meinte, daß ihre Reue echt war, daß sie keine Lügnerin war.
Leyla mußte sich etwas zurücknehmen. Sie wäre ihr gern wieder näher gekommen, vielleicht sogar hätte sie sie noch einmal berühren wollen und vielleicht auch wieder mit der Nasenspitze. Doch das war unmöglich. Obwohl sie sich vorstellen konnte, daß sie das Gefühl beim zweiten Mal empfinden konnte, das es womöglich hervorrufen sollte, das unbeschreiblich schöne, war ihr klar, daß das von ihr aus nicht gehen würde. Zumindest nicht jetzt. Ob es noch einmal zu einer Berührung kommen würde und ob ihre lebensvollen, gefühlsstarken Augen sich je wieder so nahe kommen würden, war in diesem Moment absolut unklar.


Eine Weile hatte die weiße Fähe nur dagelegen, als schliefe sie. Den zierlichen Kopf auf die Pfoten gelegt und die Goldaugen fest geschlossen. Doch ihre Ohren verrieten, dass sie nicht schlief, sie zuckten angespannt und nahmen die Laute auf, die das fremde Rudel verursachte. Erst das Heulen der beiden fremden Fähen, die Antwort der Alphawölfin, die sie willkommen hieß. Sollte sie auch einfach Heulen? Einfach die Schnauze zum Himmel heben und um Aufnahme bitten, wie sie es so oft getan hatte? Nein. Sie würden sie verachten, weil sie das alles nicht konnte, sie kannte die Regeln einer Wolfsgemeinschaft nicht, konnte nicht jagen, sie war ihnen nur eine Last. Sah man es ihr denn so leicht an, dass sie anders war? Ein trauriges Seufzen drang über ihre Lefzen und sie versank wieder in ihre Träumereien.

oO.(Ryuko? Warum bist du nicht bei mir? Warum hast du mich verlassen?).Oo

Sie sah, wie er auf sie zutrabte, hörte das Geräusch seiner Schritte auf dem Fels, das leise Tap-Tap seiner Pfoten. Es klang so wirklich. Spürte seinen warmen, beruhigenden Atem auf ihrem Gesicht. Sie stieß die Luft durch die Nase aus. Fühlte plötzlich, wie er sanft in ihr Ohr biss. So wirklich war es noch nie gewesen. War er etwa von den Toten zurückgekehrt? Hatte Fenris ihm sein Leben zurückgegeben? Nein. Fenris ließ niemanden zurück. Akais Augenlider zuckten, sie traute sich nicht die Augen zu öffnen und da klang plötzlich eine sanfte, schüchterne Stimme an ihr Ohr, die gewiss nicht Ryuko gehörte. Und für einen Moment hoffte sie doch, dass sie sich irrte, dass es nur ein Traum gewesen war. Aber sie hörte die Stimme ganz deutlich, sie klang nicht unfreundlich und trotzdem spürte sie, wie ihr die Angst die Luft abschnürte. Schreckliche Erinnerungen liefen an ihrem inneren Auge vorbei, sie hatten sie gejagt, hatten sie töten wollen, nur weil sie anders war. Wieso sollte es bei diesem Rudel anders sein?

oO(Du musst es einfach versuchen, Akai, irgendwann wird ein Rudel kommen, dass dich akzeptiert, so wie du bist… Ryuko hätte nicht aufgegeben…)Oo

Das sagte sich die Weiße jedes Mal, Mal um Mal, wenn sie fortgejagt worden war, weil das Rudel sie für nutzlos hielt. Außerdem… noch wusste die fremde Fähe schließlich nicht, wen sie da vor sich hatte. Akai zwang sich die Augen zu öffnen und den Kopf zu heben, nur einen Moment lang konnte man die Angst in ihnen sehen, dann verbarg die Fähe sie hinter einer Maske aus Erstaunen. Sie musterte die Fremde einen Moment eindringlich, ihr Blick huschte über das braune Fell, die bernsteinfarbenen Augen und verharrte schließlich auf dem Gesicht der Fähe.

„Hallo… Wer seid Ihr? Ihr gehört doch bestimmt zu dem Rudel hier in den Bergen nicht wahr?“

Akais Stimme klang ruhig und sanft, wie immer, wenn sie mit anderen Wölfen sprach, man konnte ihr die Bewunderung und das Verlangen, genauso zu sein wie diese Fremde, jagen zu können, zu einem Rudel zu gehören, nicht ansehen. Sie musterte die Fähe nur aus neugierigen, goldenen Augen und schenkte ihr ein leichtes, gespieltes Lächeln. Sie spürte jetzt auch wieder den Schmerz in ihren blutigen Pfoten, doch sie versuchte ihn nicht zu beachten, sondern musterte immer noch die fremde Wölfin, die dort vor ihr stand und sie ebenfalls schüchtern anschaute. Vielleicht, ja vielleicht würde dieses Rudel sie tatsächlich aufnehmen? Der Streit zwischen zwei Wölfen des Rudels, drang plötzlich an ihre Ohren und sie lauschte neugierig, sie lag so nah an bei den Wölfen versteckt, dass sie jedes Wort verstehen konnte. Doch den Sinn der Worte verstand sie nicht. Sie wusste nicht genau wovon der junge Rüde sprach, von Tod und wegbleiben, ja das verstand sie, doch ihr war der Sinn nicht klar und trotzdem lauschte sie den Worten. Das fremde Rudel hatte wohl schon genug Probleme, sie hatten zwei ihrer Wölfe verloren, so viel hatte Akai verstanden, da mussten sie sich nicht auch noch mit ihr herum schlagen. So aggressiv, wie der Jungwolf klang, würde er sie wohl mit einem Biss töten, wenn sie sich ihnen näherte und der Leitwolf schien auch nicht gerade der verständnisvollste von ihnen zu sein. Er hatte den fremden Wächter, der sich dem Rudel angeschlossen hatte, in Stücke reißen wollen. Und Wächter waren schließlich noch zu etwas gut, im Gegensatz zu einer schwächliche, bemitleidenswerten Fähe, der es nicht einmal gelang eine Maus zu fangen. Für einen Moment hatte die Weiße die Fremde beinahe vergessen, ihr Blick war glasig geworden, als sie ihren Gedanken nachgegangen war. Jetzt schaute sie die Braune wieder richtig an, ein trauriger Schleier lag über ihren golden Augen, den sie jedoch mit dem nächsten Blinzeln fortwischte.

„Entschuldigt mich, Fremde. Ich war in Gedanken.“

Akais Stimme klang formell und abwesend und sie ließ den Kopf wieder auf die Pfoten sinken, als sei er zu schwer um ihn länger aufrecht zu halten. Und schaute nun die Fähe von unten herab an. Schön demütig bleiben, dachte sie, vielleicht töten sie dich dann nicht, sondern jagen dich nur wieder fort.


Shit beobachtete Averics Bewegungen und folgte dem Jungwolf schließlich, in einigem Abstand. Banshee und Acollon verabschiedeten ihren Welpen, doch der ältere Sohn hatte mit Sicherheit anderes im Sinn, als noch ein paar schöne Worte zum Besten zu geben. Klar und deutlich vertrat er seinen Standpunkt und warf mit Anschuldigungen um sich. Es wunderte ihn, dass er bei dem Sprint, den er wohl hinter sich gebracht hatte, nur schrie und nicht noch mit seinen Zähnen für Recht und Ordnung sorgen wollte. Shit trat näher zu dem schwarzen Jungwolf, auf den er hatte aufpassen sollen. Ohne Scheu, die Rute leicht hin und her schwenkend. Nicht aus Freude. Es berührte ihn, die Verzweiflung des Jüngeren zupfte an seinem Herzen, der Schmerz, der von Averic Besitz ergriffen hatte, hielt auch in Shits Gemüt Einzug. Er schleckte dem Schwarzen die Träne weg, die sich dort ihren Weg aus den Augen zum Boden gebahnt hatte.

„In deinem Herzen, junger Freund, wirst du deinen Bruder tragen, bis ans Ende der Zeit. Für ihn gibt es keinen besseren Platz, weil du ihm alle Liebe geschenkt hast, die dir innewohnt. Niemand könnte seine Seele besser behüten, als du.“

Shit berührte Averic mit der Nase an der Schnauze und huschte wieder davon, sich ein wenig entfernt hinsetzend. Er betrachtete Banshee, wie sie mit Acollon umging und die Blicke die sich die drei zuwarfen. Wie Feinde standen sich die Rüden gegenüber, statt wie Vater und Sohn, wie eine Familie. Sie passten nicht zur liebevollen Leitwölfin. Oder vielleicht mehr als jeder Andere?


Ganz plötzlich setzte ein Wandel ein, in der Stimmung, in der Gemeinschaft, im Licht, ein Wandel, der in seiner Geschwindigkeit so unerwartet war, dass man keine Chance hatte, sich ihm irgendwie zu entziehen. Wie bei rinnendem Wasser, zu perplex, weil es keine Sekunde auf einen wartet, so dass schon die Hälfte fort oder versickert ist, ehe man einen klaren Gedanken fassen kann. Doch diese kopflose Panik, die Azag das Herz so hoch im Hals schlagen ließ, konnte niemand nachvollziehen, nur für Azag hätte es überhaupt eine Chance geben können, dem Wandel zu entkommen und einen Sinn, alle anderen gehörten zum Rudel und es hätte ihnen nichts gebracht, die Augen davor zu verschließen und irgendwie ... irgendwie hatte das alles viel mehr und doch weniger Bedeutung für sie, als für Azag. Diese Gedanken rasten einmal durch seinen Blick, dann musste er sich zusammenreißen und schwer schlucken. Kopflose Panik, eigentlich kopflose Panik, er hätte sie gern rausgelassen, aber sie musste eben gerade in seinem Kopf bleiben. Wie überlegt und kühl er plötzlich reagierte, er war absolut in die Rolle des Spions eingetaucht. Aber das muss ich ja auch, das ist kein Spiel.
Eine Berührung an seinem Vorderlauf ließ ihn heftig zusammenzucken und mit wildem, irritiertem Blick suchte er den Auslöser zu erfassen. Und wieder musst er erkennen, dass es nur ein Welpe war und er viel zu stark reagierte, zum Glück aber nicht gegen den Welpen, sondern gegen sich selbst. Es war in der Tat erneut eine Welpin und zwar die Schwester von Tyraleen, die, die eigentlich mit ihr spielen sollte, nach der letzten Situationsanalyse Azags. Als sie ihre Frage stellte, machte Azag große Augen, genau wie bei Tyraleen vorhin, warum hatten sie so viel Macht, einen aus dem Konzept zu bringen?

"Ich ..."

Erst denken, dann reden, musste Azag sich maßregeln. Allererste, allerwichtigste Regel. Sonst hätte er gerade seine ehrliche Vermutung geäußert, die allerdings Informationen enthalten hätte, die er nicht wissen sollte.

"Ich weiß es nicht. Das scheint ja euer Alpha zu sein und ..."

Da knurrte die Welpin aber schon und entschied sich laut dagegen, auf den Ruf eines, und das erstaunte Azag doch sehr, Fremden zu hören. .oO(Auf einen, warum auch immer, fremden Ruf hört sich nicht, aber sie fragt mich nach einer Antwort?) Sie erhoffte sich aber schon keine wirkliche Klärung mehr, Tyraleen hatte ihre Frage sehr viel souveräner aufgegriffen, als er selber. Sie gab eindeutig den besseren Erwachsenen ab.
Er blieb in der Halbdunkelheit, die langsam alles in Besitz nahm und sich dunkler färbte, stehen, während sich die drei Gestalten Face Taihéiyo, Tyraleen und ihre Schwester in Bewegung setzten, so wie sich das ganze Rudel in Bewegung setzte. Die vielen, pflichterfüllten, vielleicht trauererfüllten Schritte auf dem unnachgiebigen Boden, die Prozession in der blassen Dunkelheit waren gespenstisch und Azag war froh, als es langsam ruhiger wurde. Wegen seines Bedürfnisses nach Ruhe musste er jetzt jedoch doppelt so schnell denken. Zuerst, was aber zugleich am Schwierigsten war, musste er den Spion aus seiner Denkweise schieben. Wie soll sich ein ganz normaler Neuankömmling verhalten, wenn ein altes Rudelmitglied des ganz neuen Rudels sein Leben gelassen hat ... das er hat lassen müssen, weil er auf der Flucht umgekommen ist, die mein Rudel in Gang gesetzt hat., dachte er hart. Nein, schon vergeigt. Aber bitte, er war doch indirekt an dem Tod schuld, wie konnte er das verdrängen? Verdrängen. Ein normaler Neuankömmling würde aus reinem, grundsätzlichem Taktgefühl die letzte Ehre erweisen. Also muss ich das auch tun. Ich will das nicht tun. Er fing langsam an die Pfoten voreinander zu setzen. Niedergeschlagen von seiner Aufgabe überquerte er mit schweren Schritten das kahle Feld, das keine kleinste Nische für ein Gefühl von Beschütztheit übrig hatte. Er hatte es wirklich nicht eilig zu dem Zusammentreffen zu kommen. Dass die Trauerfeier noch viel mehr zu Trauern bereithielt, als nur das Vertreibenwordensein aus der Heimat, hatte Azag nicht gedacht.
Als er an einer Klippe zu dem Ring aus betroffenen Gesichtern traf, der sich um den Toten gebildet hatte, blieb er in einigem Abstand stehen. Er hatte da nichts zu suchen und er traute sich selbst nicht, wie er reagieren würde, wenn er dieses tote Gesicht sehen würde. Er durfte nicht zu aufberacht sein, wenn er dem Alpha gegenübertrat und seine Bitte äußerte.

Atalya
25.12.2009, 15:02

Corvina wartete geduldig neben der schwarzen Wölfin von welcher sie nur noch die Umrisse wahr nehmen konnte, auf eine Antwort des Rudels, welches es sich hier Platz gesucht hatte, ob es Bergwölfe waren, dann würde Corvina wohl eine der wenigen Wölfe sein, die sich hier oben niemals richtig einleben würde, denn ihre Welt war, das Gras unter ihren Pfoten zu spüren, das Rauschen der Blätter im Wind zu hören, aber niemals war es ihr Zuhause, die Bergdohle statt das Blätterrascheln zu hören oder den kahlen Stein unter den Pfoten zu verspüren, nein es war ganz und gar nicht ihre Heimat! Vielleicht war es die Heimat Kataras, aber diese kannte das Tal nicht, ihre Heimat war in den Bergen! Endlich erklang von fern her die Antwort des Rudels, sie waren erwünscht, sie konnten sich zu ihnen gesellen, Katara sprang sogleich auf und ihre Freude war nicht zu übersehen, doch auch Corvina freute sich und ein erleichtertes Lächeln spiegelte sich auf ihren Zügen wieder.

„Seht Ihr,wir bleiben nicht mehr länger alleine, lasst uns gehen und uns zu ihnen gesellen“

meldete sich schließlich Corvina zu Wort, der Blick war erfüllt vor Freude, endlich es schien, als hätten die beiden umherziehenden wieder eine Familie gefunden, sie war auf jeden Fall zum greifen nah, sie mussten bloß noch danach greifen! Katara hatte es auf einmal ziemlich eilig und sie lief sogleich los, die Schritte verhallten schon in der Dunkelheit, als sich auch Corvina aufmachte, vor ihr hörte sie das letzte Heulen Kataras und dann war es still im Gebirge, bloß die Krähen krächzten und ab und zu fiel ein leichter Schatten auf das Fell der weißen Wölfin, die hinter der schwarzen herging, welche jedoch wohl immer schneller wurde, denn bad konnte Corvina vor sich nichts mehr erkennen, sie lief bloß nur noch der Witterung hinterher, welche Katara hinterlassen hatte.

„Wartet nicht auf mich, geht und kündigt uns an!“

bellte Corvina dann schließlich in die Nacht hinein, in der Hoffnung die Freundin würde sie noch gehört haben! Die pelzigen Ohren drehten sich nach allen Seiten und der Blick durchforschte die Dunkelheit. Nein, Katara sollte nicht auf sie warten, sie wollte der schwarzen keine Belastung sein und so sollte sie schon einmal gehen, auch Corvina würde ankommen, vielleicht dann eben etwas später!


Banshee blinzelte leicht, als Acollon die Unterhaltung über den Wächter hinauszögerte, verschob. Sie hätte gerne jetzt darüber geredet, wo doch der Wächter nahte und das Rudel sowieso noch nicht bei ihnen war. Dennoch akzeptierte sie seine Worte, er würde seine Gründe haben und erwiderte seine Zärtlichkeiten ebenso sanft und zufrieden. Es mussten viele Gedanken in seinem Kopf herumschwirren, aber jetzt blieben sie Banshee verborgen, vielleicht auch, weil Acollon sie verbergen wollte. Auch diesen Umstand akzeptierte sie schweigend, eigentlich wünschte sie sich jetzt nichts mehr, als Merawin endlich in die Pfoten Engayas zu entlassen und noch eine kurze Rast zu genießen, bevor sie wieder aufbrechen würden. Seine Frage nach Averic quittierte sie zunächst mit einem leicht vorwurfsvollen Blick, sie beide wussten doch um den Zustand ihres schwarzen Sohnes. Auch, dass zwischen Acollon und ihm nie Einigkeit geherrscht hatte … aber das musste Averic für ihn nur umso interessanter machen.

“Er ist groß geworden. Aber er hat sich auch sehr zurückgezogen. Er ist fast immer allein, Cylin ist nicht unter uns, ich weiß nicht, wo er ist, und außer ihn mochte Averic ja niemanden.“

Sie seufzte leise und sah sich dann um, als würde sie nach Cylin suchen, obwohl sie doch wusste, dass er nicht bei ihnen war. Sie hatte keine Ahnung, wo er sich aufhielt, aber möglicherweise war er nicht mal mit ihnen auf die Berge geflohen. Vielleicht war er aus dem Revier gewandert, so wie es doch viele Jungwölfe taten. Nur hatte es keinen Abschied gegeben, was die Weiße traurig stimmte.
Auf Acollons Komplimente lächelte sie nur, überlegte, ob sie antworten sollte, verstummte dann aber bei dem Anblick eines eilig auf sie zustürmenden Averic. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt und schon bevor er angefangen hatte zu sprechen, wusste sie, warum. Er schleuderte seinem Vater rasend vor Wut Worte ins Gesicht, aber er ließ es nicht dabei, auch sie wurde angeschrieen und eine Nachricht mitgeteilt die ihre Augen sich weiten ließ. Cylin … Dass Averic sie nicht anlog, wusste sie und dass er manchmal Dinge erfuhr, die ihr verborgen blieben, war ihr ebenso klar, so zweifelte sie seine Worte keine Sekunde an. Cylin tot … Sie schluckte schwer und öffnete den Fang, brachte aber kein Wort heraus. Während sie Averics Thränen beobachtete begannen ihre eigenen sich in ihrem Fell zu verlieren. Cylin war unten im Tal gestorben, wohl von dem fremden Rudel getötet und sie hatte es nicht erfahren, hatte nicht bei ihm sein können, konnte ihn nicht einmal zu Engaya geleiten. Ein wehmütiges Schluchzen drang aus ihrer Kehle, die Thränen verschleierten ihren Blick. Wie gerne wäre sie neben ihren Sohn getreten, hätte ihm Trost gespendet und selbst Trost gefunden, aber Acollon war vorgetreten, redete mit ihm rau und kalt. Shit eilte heran, redete ebenfalls auf Averic ein aber auch seine Worte drangen nicht bis zu Banshee durch. Wie in einer anderen Welt beobachtete sie das Geschehen und wünschte sich nichts mehr, als dass sie aufhören und mit ihr um Cylin trauern würden. Warum stritten sie jetzt, wo sie gerade erneut einen Sohn verloren hatte, kaum hatte sie den Tod Merawins akzeptiert? Wie konnte ihnen der kleine Träumer so unwichtig sein?

“Hört auf.“

Sie flehte leise, kaum hörbar, ihr schien es, als hätte keiner der Umstehenden ihr leises Wispern gehört. Sie wollte weg von ihnen, weg von den wütenden Stimmen, aber noch immer lag Merawin zwischen ihren Pfoten und sie würde ihn nicht alleine lassen. So glitt sie zu Boden, es schien fast, als würden ihre Läufe einfach einknicken, und lag dort zwar aufrecht, aber mit dem Kopf auf den Pfoten, scheinbar weit weg von all den anderen. Erst nach einer längeren Zeit wurde ihr der Welpe bewusst, der dort lag. Durch die Thränen, die sie noch immer leise weinte konnte sie ihn nicht richtig erkennen, aber es war eine Fähe, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Stumm sah sie ihn an, konnte kein Wort sagen und fragte sich, was noch real, was irreal war.


Green musterte die große nun vor ihr sitzende Fähre mit großen Augen.Sie bemerkte wie schön ihr Fell war und wie sie atmete konnte die kleine Weiße auch hören.Sie musste nun so stark niesen dass das Blatt auf ihrer Nase weg flog direkt in die Richtung in der Banshee saß. Green musste sich ihr grinsen verbergen,als das Blatt weg flog.Sie streckte den Kopf kurz hoch in den Himmel schaute die Vögel an und schaute dann wieder zu der Fremden.Green schnupperte etwas an der Fähe,sie stand auf ging einmal kurz um die weiße Fähre und legte sich dann wieder vor sie.Der Welpe legte langsam den Kopf in ihre Pfoten und traute sich kaum etwas zu sagen,weil die Fähe vor ihr sehr traurig wirkte als ob sie gerade einen Streit zu schlichten hätte.Sie wusste nicht ob sie jemand wichtiges vor sich hat,oder überhaupt wen sie vor sich hat.Sie stellte kurz ihre Ohren und lauschte den Blättern die im Wind tanzten.

"Ich bin Green..."

Murmelte sie sehr leise,schon fast ein winseln kam aus ihr herraus.Ja,Green winselte nach ihrer Mutter.Sie wusste schlieslich nicht wer genau ihre Mutter ist ob sie noch lebt oder ob sie in diesem Rudel sei.Green schaut kurz auf den Boden und dann zu Banshee,mit ihren großen grün funkelnden Augen.Sie lekcte sich kurz das bereits eingetrocknete Blut ihre Pfoten und blickte immer und immer wieder zu den anderen Wölfen.Sie bemerkte das die Stimmung nicht gerade fröhlich zu sein schien,und sie wollte am liebsten wieder weg rennen.


Irgendetwas lag in der Luft, der Wächter spürte es genau. Und es verhieß nichts gutes. Ein unangenehmer Druck legte sich um das Herz Sileo’s, der nach Luft drang, doch er brauchte einen Moment, bis er erkannte, woher diese Last kam. Eben noch hatte er gespürt und gehört, dass Banshee ihn bemerkt hatte und voll freudiger Erwartung war… doch nun wurde die Bindung schwer, kalt und trauernd. Für einen Moment war er kurz davor, anzuahlten, denn nun spürte er, dass nur Banshee wirklich gewillt war, den Wächter aufzunehmen.

…(Acollon… Wächter brachten dir nie Glück)

Kopfschüttelnd lief er jedoch weiter, er nahm weitere Wölfe war, doch keiner von ihnen war sich wirklich bewusst, dass sich ihnen ein Wächter näherte.
Das Atmen wurde schwerer, irgendetwas bedrückte seine Seelenschwester schwer… doch er sprang weiter, beschleunigte seine Schritte sogar, bis sie endlich in sicht kamen. Eine kleine Ansammlung von Wölfen. Und von dreien von ihnen ging ein Schimmer aus, den wohl nur er wahrnahm. Die Weiße dort, mit der reinen Aura, musste Banshee sein. Ein kleines Lächeln legte sich auf seine Züge, er verlangsamte seine Sprünge und trabte nun gemächlich voran. Dann glitt sein Blick weiter – zu einem hünenhaften Rüden mit kaltem Blick und einer bedrohlich dunkel wirkenden Aura. Acollon. Nocheinmal huschte sein Blick zu Banshee. Ihre Aura schien zu flackern, zu wanken. Und er sah schon von hier deutlich, dass etwas nicht stimmte.

…(Dummkopf! Einer der Rudelmitglieder ist gestorben!)

Er tadelte sich in Gedanken selbst und hatte noch keinen Schimmer davon, dass es nicht nur irgendein Mitglied war, sondern einer der Welpen. Und dass sie soeben eine weitere Todesnachricht erhalten hatte, war ihm ebenso unklar.
Erst jetzt wandte er seinen Blick zu dem dritten Wolf, der eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so starke Aura besaß. Jeder Wolf besaß eine, natürlich, doch die der Götterkinder war herrlicher, erkennbarer und fühlbarer.
Der schwarze Wolf, den Sileo nun betrachtete, wies eine seltsame Mischung der Auren von Acollon und Banshee auf. Er wusste wohl noch nicht, wem er eher zugewandt war – Fenris oder Engaya. Keine Aura, hell oder dunkel, vermochte es, überhand zu gewinnen. Sileo vermutete, dass dies einer der Kinder der Götterkinder selbst sein musste… und doch wirkte er auf Siléo seltsam. In gebührendem Abstand nun hielt er inne, die Haltung stolz und doch nicht bedrohlich. Er hielt seinen Blick an Banshee gefesselt, die vor einem Welpen saß. Ihrem Welpen? Er blieb stumm und irgendwie machte sich in ihm die Angst breit, dass Acollon auf ihn losstürmen würde. Doch nach außen hin wirkte er wie die Ruhe selbst.


Je länger Averic seinen Vater ansah, desto größer wurde der Hass in seinem Inneren, gewaltig, sodass er fast das Gefühl hatte, daran zu zerbersten. „Prächtig hast Du Dich tatsächlich entwickelt“ In solch einer Situation besaß dieser Mistkerl tatsächlich die Nerven, so etwas an ihn zu richten?! Ein fauchartiges Knurren drang aus seiner Kehle, während der Pechschwarze sich gleichzeitig auf die Lefzen biss, immer stärker. Er sollte sich abregen!?

DU hast mir überhaupt nichts mehr zu sagen!“

Er war blind, blinder und wollte nichts weiter als all seine Wut und seinen Schmerz heraus zu schreien. Als dann auch noch Shit herbei kam, ihm tatsächlich über das Gesicht leckte und irgendwelche Worte an ihn richtete, die nicht mal richtig durchkamen, wich er ruckartig zurück.

Fass mich nicht an!“

Seine Tränen stoppten nicht, der junge Wolf merkte gar nicht mehr, dass sie immer noch über seine Wangen strömten und damit doch seine ganze Trauer und Verzweifelung verrieten. Averics tiefblaue Augen verengten sich, er sah nur Acollon und konnte einfach nicht fassen, dass Cylins Tod ihn so sehr berührte, dass er nicht einmal auf ihn einging, sondern nach einer Gestalt fragte. Ein erneuter Kurzschluss ließ ihn wieder schreien.

Scheiß auf Fenris! Behaupte nicht, dass ich keine Antworten wollen würde, du bist nur zu feige um sie von dir zu geben! Dich interessiert es einen Scheiß, einen Scheißdreck, dass er tot ist! Mein kleiner Cylin ist tot, DEIN SOHN, ermordet und es ist dir vollkommen egal! Du bist ABARTIG!“

Das er sich noch nicht auf Acollon gestürzt hatte, lag allein an seiner Mutter. Sie würde ihm das niemals verzeihen und doch wollte Averic ihm alles Schlechte dieser Welt an den Kopf werfen, jede Beleidigung, die ihm einfiel, doch in seinem Kopf raste alles durcheinander. Plötzlich nahm er aber eine Bewegung neben seinem Vater wahr und erst jetzt wurde er sich wieder dessen bewusst, dass sie nicht allein auf dieser Welt waren. Sein verhangener Blick huschte zur Seite und traf seine Mutter. Nun konnte er sehen, dass auch sie weinte und schlagartig schloss sich sein Fang komplett. Als sie dann auch noch zu Boden sank, kniff der Jungrüde die blauen Augen zusammen und ließ den schlaff Kopf hängen. Jetzt, wo es passiert war, hatte er es doch nicht mehr gewollt. Sein Vater war ihm egal, nicht aber seine Mutter. Trost hatte Averic irgendwo suchen wollen und doch nur noch mehr Schmerzen beschert. Fast wollte er sich bei ihr entschuldigen, aber das brachte er nicht über sich. Außerdem war noch so ein verdammter Welpe aufgetaucht. Die Augen matt wieder öffnend und doch nur verschwommen sehend, verließ ein leises Schluchzen seine Kehle. Er war so traurig und jetzt, wo er allen Zorn von sich geschrieen hatte, kam die Leere, die Kraftlosigkeit. Sein kleiner Träumer hätte ihn längst beruhigen und aufmuntern können, doch nun war das alles wegen ihm und außer Banshee schien niemand Anteilnahme zeigen zu wollen. Nicht mal der Vater. Den Blick immer noch zu Boden gerichtet, perlten auch weiterhin langsame Tränen über seine Schnauze und verloren sich irgendwo.


Der Schwarze holte tief Luft. Bemerkte, dass seine Gefährtin zu Boden gesunken war. Sie war nun von schwerer Trauer erfüllt. Doch der Rüde bewegte sich nicht, sah nur seinen Sohn an. Seine Augen waren immer noch ausdruckslos. Ja, Averic hatte Recht, er war abartig. Nicht aus einer Laune heraus, es ist in seiner Natur. Mit einem verdorbenen Herzen geboren und mit diesem auch wandeln müssen, so war seine Existenz.
Wie sollte sein Sohn auch wissen können, was Acollon zu einem kaltschnäuzigen und ‚abartigen’ Wolf gemacht hatte?

“Konnte ich Dir denn jemals etwas sagen, Averic? Du hast schon von Anfang an Abneigung gegen mich gehegt.“

sagte der Rüde leise, fast flüsternd. Immer noch war seine Haltung sehr entspannt. Der Tod Cylins ließ ihn nicht kalt, doch Tränen hatte Acollon noch nie geweint. Er wusste nicht einmal wie es geht, das „Weinen“. Der Wolf mit den tiefblauen Augen brach in seinem ganzen Hass zusammen. Nun schien das Bild sich zu ändern. Die Trauer nahm Überpfote.

“Antworten wirst Du kriegen, aber nicht jetzt. Nicht jetzt, wo Du sowie so nur wütend und traurig über Cylins Tod bist.“,

abermals holte der Schwarze tief Luft. Sein Atem wurde ein wenig flacher. Irgendetwas regte sich in dem Schwarzen, die Tränen Averics ließen ihn nicht zurück in seine Starre. Das Gefühl der vollkommenen Leere wollte einfach nicht mehr durch die Zellen des Schwarzen fließen. Die Augen verengten sich kurz.

“Hass mich ruhig. Du bist nicht der Erste, der es tut.“,

sagte er knapp. Ließ seinen Blick noch eine Weile auf seinem Sohn ruhen. Unweigerlich keimte Stolz in seiner Brust auf. Averic war ein stattlicher Rüde geworden. Mit einer beträchtlichen Schulterhöhe; er überragte Acollon zwar noch nicht, aber es würde nicht mehr lange dauern, bis er dies tat.
Irgendwann war es soweit. Sie würden Seite an Seite kämpfen. Nicht nur um das Revier zurück zu erobern, sondern auch, um Cylins Tod zu rächen. Egal wie es zwischen Sohn und Vater stand.
Langsam trat er auf Averic zu. Die Schulterblätter ragten leicht aus dem schwarzen, langen Fell hervor. Er blieb vor dem Jüngling stehen und sah auf seinen Kopf herab, der sich dem Boden zugewandt hatte.
Acollons Fang nährte sich den schwarzen großen Ohren. Er flüsterte etwas, das nur Averic vernehmen konnte:

“Ich bin traurig über Cylins Tod. Der kleine Träumer wird auch mir fehlen, Averic. Er war mein Sohn.“

Das erste Mal in seinem Leben bezeugte der Schwarze echte Trauer. Und sein Sohn würde ihm glauben, denn er wusste genau, der Tod konnte seinen Erben nicht anlügen. Acollons Fang zog sich wieder zurück, sein Blick wanderte zu dem Wächter. Abermals verengten sich die Augen. Dieser Wächter schien die Geschichte seiner nicht zu kennen, aber zu erahnen. Vorerst würde der schwarze Alpha ihn dulden. Sein Blick huschte weiter und erspähte seine weiße Freundin. Zügig schritt er auf sie zu. Beugte sich zu ihr herunter. Er leckte ihr einige Tränen weg. Kuschelte seinen Kopf an ihren.

.oO(Oh, Banshee, womit hast Du das verdient? So sterben Deine Träume.)Oo.

Sein Gesicht verzog sich zu einem düsteren und grimmigen Ausdruck. Die Anderen würden bald erscheinen und eine Alphawölfin verzweifelt und einen Alphawolf, der alles andere als gesellig war, vorfinden.

“Banshee, Du musst jetzt stark sein.“,

hauchte er ihr ins Ohr.


Shit saß da, wartete, fand es falsch zu warten, wartete wieder. Er sah zwischen der Familie hin und her. Dann ruhte sein Blick eine unendlich lange Zeit auf Banshee, im Anschluss ebenso lange auf Averic. Als es stiller wurde, erhob er sich wieder und trat neben den Jungwolf.

“Shit wollte noch bemerkt haben, dass dieser Streit unsinnig ist. Wenn jeder seinen Standpunkt bis aufs Blut verteidigen möchte, wird daraus nie ein Gespräch! Und Shit findet, das ein Gespräch bitter nötig wäre. Eine Aussprache.“

Er sah zwischen den beiden Rüden hin und her. Sie taten seiner Banshee weh! Etwas, was er absolut nicht zulassen konnte. Er für seinen Teil, verstand alle drei Seiten ein wenig und gleichzeitig verstand er wieder sehr wenig. Acollon schien nicht so ganz deutlich machen zu können, wie er zu seiner Familie stand, Averic musste sich Luft machen und Banshee kam sich vermutlich so hilflos vor, wie er selbst. Wenn es nach ihm ging, müssten sich nun alle lieb haben. Aber sie provozierten sich mit ihren Worten gegenseitig und schienen dies noch nicht einmal zu merken. Averic beabsichtigte es wahrscheinlich, aber vielleicht wusste er auch gar nicht, was genau er gerade wollte. Und Shit hatte keine Ahnung, wie er da helfen sollte. Er kannte Acollon kaum, nur als den Gefährten seiner geliebten und verehrten Banshee, als Alpha, der nie da war. Averic kannte er nicht, nur als Jungwolf, den er beschützen würde und dessen Bruder hatte er nie gesehen. Banshee war die Leitwölfin, in seinen Augen eine Heilige, aber wenn er ehrlich war, wusste er über sie genauso wenig, wie über die beiden Anderen. Er konnte mutmaßen. Mehr nicht.

„Ihr begreift nicht ganz, wo euer Gegenüber steht. Ihr geht miteinander um, wie Feinde.“

Er sah von Acollon zu Averic und wieder zurück zum Alpharüden. Dieser war lieb zu seiner Gefährtin. Shit fand nur, dass er sich gerade auf etwas anderes konzentrieren sollte, statt es aufzuschieben. Er merkte, wie er neben Averic stand und gegenüber des Alphas. Sein Standpunkt war derselbe. Der Jungwolf hatte mit einigen Dingen mehr Recht. In seinen Augen. Eigentlich hatte er sich nur dezent einmischen wollen, nun stand er mitten drin. Es gab kein Zurück mehr, also blieb er, wo er war.


Tausend Ewigkeiten saß Alienna zusammengesunken neben dem Stein, wagte kaum zu atmen. Den Kopf eng an den linken Vorderlauf gedrückt und die Augen fest geschlossen nahm sie in diesen Sekunden nichts wahr und war erneut ganz alleine in der Welt. Doch dieses Mal dauerte dieser Zustand viel kürzer als vorher, sie wollte aufsehen und Leyla anschauen, ihre Reaktion nicht verpassen. Trotzdem löste sich ihr Körper nur sehr langsam aus dieser Starre, die Angst schien sie nicht gehen lassen zu wollen. Als sie jedoch aus dem Augenwinkel sah, dass die Weiße sich entfernte, entspannten sich ihre Muskeln ganz automatisch, obwohl sie sich doch irgendwo gewünscht hatte, dass sie es auch in unmittelbarer Nähe schaffen würde. Leyla war sie trotzdem dankbar, die Weiße achtete ihre Angst und versuchte nicht, sich fegen sie aufzulehnen. Mit vorsichtigen Bewegungen hob sie wieder den Kopf, streckte die Vorderläufe durch und stellte sogar leicht die Ohren auf. Mit einem müden aber aufmerksamen Blick beobachtete sie die Bewegungen Leylas, wie sie ihren Kopf senkte und mit der Nase sachte ihre Pfote berührte. Es war eine Geste, die Alienna nicht verstand, auch wenn sie sich sicher war, dass sie für die Weiße eine Bedeutung hatte. Aus irgendeinem Grund hatte sie aber das Verlangen, die nachzuahmen und beugte ebenfalls den Kopf, spürte kurz ihr eigenes Fell an der Nase, stellte sich vor, dass es Leylas Fell war und verharrte etwas länger, bis sie den Blick wieder zu der anderen Fähe wandern ließ und ruhig da saß, wohl zum ersten Mal seit langer Zeit. Sie fühlte sich nicht direkt gut, auch wenn ein ganz klein wenig Stolz aufgekommen war. Als sie dann der Blick Leylas traf, kam kein neues Gefühl auf, ihr wurde nur klar, dass sie Leyla wirklich kannte. Aus dem Blick selbst konnte sie aber wieder nur wenig lesen, nur Verwirrung stand ganz eindeutig darin. Alienna hatte das Bedürfnis zu sprechen, endlich alles auszusprechen, was sie nicht in Gesten und Blicken zeigen konnte und was sie glaubte, aus Leylas Festen und Blicken zu lesen, aber nicht wusste und ihrem inneren Gefühl kaum vertraute. Sie wollte ein wenig Klarheit aber dazu fehlte ihr der Mut. Eine ganze Weile saß sie schweigend und fast hilflos da, bis sie schließlich langsam und zögernd anfing zu sprechen.

“Und … jetzt? Wie soll es … nun weitergehen? Du weißt … wie wenig ich nur aus … aus Gesten von dir lesen kann … ich habe keine Ahnung, was in deinem Kopf vorgeht … und würde es doch … doch so gerne wissen. Ich … ich kann damit nicht umgehen … brauche deine Hilfe.“

Ihre Stimme war leise und unsicher, immer wieder stockte sie, schien erst die richtigen Worte zu suchen und fuhr dann langsam fort. Als sie geendet hatte, senkte sie den Kopf, schien ihre Worte noch mehr abschwächen zu wollen, als hätte sie Angst, dass Leyla sie falsch aufnehmen könnte. Der kalte Stein an ihrer Seite tat ihr gut, zeigte nicht nur, dass sie noch immer alles spürte, sondern hielt sie auch in der Gegenwart, ließ sie nicht wieder abdriften.


Um dieses Gefühl der wiederentdeckten Sympathie aufrecht erhalten zu können, brauchte sie, hungerte sie nach Reaktionen von ihr. Sie brauchte klare Zeichen. Und auch wenn sie nicht so gut mit Worten umgehen konnte, so verstand sie sie doch meist, oder zumindest glaubte sie, daß sie sie verstand. Sie hatte Hoffnung, sich im Klaren zu befinden und weniger Fehler zu machen, wenn sie die Worte des anderen vernahm. Sie beobachtete sie, sie studierte ihre Bewegungen, in der Hoffnung, eindeutige Symbole daraus lesen zu können, die Aufschluß darüber geben konnten, wie es nun weitergehen sollte. Doch ihre Worte waren nicht dieser Art, die sie sich erhofft hatte. Es waren Fragen, Fragen die an sie gerichtet waren. Und selbst wenn sie die Antwort kannte, falls sie das tat, so würde sie ihr nicht auf derselben Ebene antworten können. Doch bevor sie die Fragen ihrerseits beantworten konnte, mußte sie selbst welche an sich richten, sich etwa fragen, ob sie sie beantworten sollte, die, die von außen her kamen. Außerdem fragte sie sich, und das beschäftigte sie in diesem Moment am meisten, ob sie ihr überhaupt verzeihen durfte. Sie hatte versucht Einsicht zu übernehmen und nachzuvollziehen. Die Begegnung eben war aus dem Herzen heraus, das stand außer Frage und doch wich der Unmut, der nun aufgekommen war, nachdem sie verschwunden war, nicht völlig von ihr. Sie hatte nach wie vor das Bedürfnis, sich darüber zu ärgern, auch wenn sie das kaum ausdrücken konnte, jedenfalls nicht mit eindeutigen, starken Reaktionen. Natürlich mochte sie sie, nach wie vor. Sie mochte sie sehr, wahrscheinlich so, wie sie nicht ein Mal ihre Mutter gemocht hatte und sie war die Einzige in ihrem Leben gewesen, der sie nie böse war. Sie konnte ihre Mutter nicht mögen, weil sie sie nie kennen gelernt hatte. Es war eine Abwechslung aus Frage, Ausdruck und Irrtum, vielleicht sogar Spinnerei. Sie hatte sich in den Jahren eine Mutter ausgedacht, wie es sie wahrscheinlich so nie gegeben hatte. Jetzt aber hatte sie wirklich jemanden kennen gelernt, von dem sie sich sicher sein konnte, daß sie gemocht wurde. Wäre es nun dumm gewesen, sie dann abzuweisen oder wäre es dumm, ihr schon zu verzeihen? Ihre Gefühle sprachen eindeutig für sie, für das Zusammensein. Wohl war die Gefahr geringer, es zu bereuen, ihr verziehen zu haben, als wenn sie nun ging und sie sich selbst überlassen würde. Alienna würde womöglich so viele Dinge tun und sagen, daß diese..Liebe..vielleicht ganz neu aufkam, fast stärker noch, als sie es beim ersten Mal tat. Doch an welchem Platz in dieser Konstellation sie sich befinden sollte, war weiterhin ein Ding der Unklarheit für sie. Ein trauriges Seufzen ging von ihr aus. Sie sah zu Boden, dachte über ihre Worte nach. Sie hatte gehofft, sie würde etwas über sich sagen, etwas, daß ihr helfen würde, einzusehen, zu verstehen, die Wut zu vergessen. Doch stattdessen kamen Fragen..Fragen, die sie nicht beantworten konnte. Sie schien dem Glück so nah, es stand leibhaftig vor ihr, in seiner ganzen Schönheit, und doch erreichte sie es nicht, beinahe im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man ihre Angst vor Berührungen als eine Mauer sehen wollte.

„Ich..weiß nicht.“

In ihren Worten stand Verzweiflung und Entscheidungslosigkeit darüber, daß sie sich auf der einen Seite so gern freuen wollte, auf der anderen Seite Angst hatte, daß sie wieder einfach weg war, wenn sie sich im Glück zu befinden glaubte.
So lange sie nicht wußte, was sie genau dazu bewegte hatte, fort zu gehen, würde sie die ständige Unsicherheit begleiten. Auch wenn sie sich erklärte, welche Gefühle sie dazu bewegt hatten, konnte nur sie selber wissen und wenn sie es auch nicht tat, wurde die Angst, daß es wieder so kommen konnte, nur noch größer.


Face Taihéiyo wandte den Kopf zu Daylight herum und ein leises Schuldgefühl fing an in ihm zu nagen, als wegen seiner Worte die Fröhlichkeit aus dem Gesicht der Welpin fiel. Es war doch einfach besser, wenn man nichts sagte, oder nur das, was der andere hören wollte. Aber das konnte er nicht tun, der Tiefschwarze war kein Lügner. Deswegen erwiderte Face auch nichts auf die Frage, wie man sein Lächeln verlieren konnte. Es war auch gar nicht erklärbar. Und innerlich lächelte er sogar wirklich ganz traurig über das welpische vorhaben ihm seine Fröhlichkeit zurück zu geben. Aber was nie genommen wurde, konnte man auch nicht zurück geben. Was nie da gewesen war, fehlte nicht. Zumindest nicht bewusst, er wusste ja gar nicht, wie es sich anfühlte.

Es reicht schon, wenn ihr euer Lächeln immer behalten könnt.“

Dann sah er wieder auf, die Welpen waren nun ganz auf den Gedanken an ihren Vater fixiert, nur ob diese Freude bleiben würde? Irgendwie hatte er das Gefühl, dass das große Zusammentreffen nicht so toll verlaufen würde, dass gleich alle eine große, fröhliche Familie waren.

Na los, nun kommt.“

Seine Ohren schnippten nach vorne, während er sich in Bewegung setzte. Dieser Azag Moraé war nun auch vorgegangen, obwohl er fast schon ein wenig unsicher ausgesehen hatte? Wie auch immer. Je näher er der Schlucht kam, desto mehr bestätigte sich für ihn die Vermutung – von wegen Happy Family. Aber welche war schon perfekt? Er kannte keine Einzige. Und die Welpen hier hatten wenigstens eine gute Mutter, auch wenn sie grade eines ihrer Kinder verloren hatte. Sie trauerte – Faces eigene Erzeuger hatten sich nie um einen Verlust geschert. Leise schnaubend trat er näher und hielt schließlich in einigem Abstand inne, sich wieder nach den 3 Welpen umschauend.


Banshees Thränen wollten nicht versiegen. Obwohl sie aufhören wollte, wusste, dass sie es sollte, perlte immer neue Trauer über ihre schmale Schnauze. Sie weinte nicht nur um Cylin, sondern ließ nun auch alle Thränen für Ayala und Merawin sich in ihrem Fell verlieren. Dabei schwirrten kaum Gedanken in ihrem Kopf herum, eine große Leere hatte sich ausgebreitet. Selbst die kleine Welpin drängte sich erst wieder in ihr Bewusstsein, als sie leise etwas sagte, winselte und ihre Pfoten, die mit Blut befleckt waren, leckte. Mitleid und Fürsorge kamen wie bei jeder Mutter, automatisch auf, dennoch zögerte sie, gerade zwei Welpen verloren, verursachte der Anblick der kleinen Fähe Schmerzen. Green schien Angst zu haben und ihr Winseln ließ Banshee trotz allem ihre Schnauze vorrecken und die Kleine an der Stirn berühren.

“Hab keine Angst, Green. Es ist alles gut.“


Doch auch während ihren Worten weinte sie weiter und ließ die Situation unabsichtlich grotesk werden. Deutlich spürte sie aber, dass sie sich jetzt nicht um die Kleine kümmern konnte, wollte jemanden erspähen, der ihr helfen konnte, das durch die Dunkelheit und die Thränen jedoch nichts.

“Kaede! Komm zu mir und der kleinen Green. Bitte.“

Sie wusste nicht, wie nahe oder fern ihre Freundin war, hofft einfach, dass sie sie hören konnte. Während sie vergeblich nach Kaede gesucht hatte, war ihr jedoch etwas anderes aufgefallen, nicht direkt, weil sie es gesehen hatte, sondern viel mehr gespürt. Der Wächter war ganz nahe, stand nur wenige Wolfslängen entfernt. Leise wisperte sie drei Worte, sprach sie so unendlich leise, dass nur sie selbst sie hören konnte und wusste doch, dass sie den Wächter erreichen würden.

“Komm zu mir.“

Während all dieser Geschehnisse schrieen neben ihr noch immer alle durcheinander, sie hatte ihren Gefährten und ihren Sohn vollkommen ausgeblendet, spürte immer nur die Wogen des Hasses und des Schmerzes, die gegen ihre immer schwächer werdende Mauer prallten. Erst der Blick Averics, der sie so deutlich traf, dass sie ihn sofort spürte ohne zu ihm hinsehen zu müssen, ließ sie ihnen wieder gewahr werden. Ihr kleiner Sohn weinte noch immer, so viel Schmerz und Trauer lag in seinem Blick, er schluchzte, ließ dann den Kopf hängen und löste damit so viel Qual in Banshee aus, dass sie kurz nicht mehr atmen konnte.

“Averic …“

Ihre Stimme klang erstickt und kraftlos, langsam streckte sie ihre Schnauze zu ihm, flehte darum, dass er zu ihr kommen würde. Auch Acollon war ruhiger geworden, die eben noch eskalierte Situation schien sich wieder zu normalisieren. Ihr Gefährte kam zu ihr, fing ihre Thränen auf und war einfach bei ihr, tat genau das, was sie jetzt brauchte. Jemand, der sie in ihrer Trauer nicht alleine ließ. Fast meinte sie seine Gedanken zu hören, schöpfte Trost aus ihnen und fuhr ihm mit der Zunge über die Schnauze.
.oO(Aber ich habe dich.)
Seine Worte holten sie endgültig in die Realität zurück, sie waren nicht schön, aber er hatte Recht. Das Rudel würde sich bald einfinden, zwei Fremde hatten sich angekündigt und ein Welpe saß vor ihren Pfoten, in schrecklichem Kontrast zu dem toten Welpen zwischen ihren Pfoten. Sie nickte ganz langsam, blinzelte zwei Mal und schaffte es nach einigen Herzschlägen, dass keine Thräne mehr über ihr Gesicht rann. Stark sein … So wie immer. Sie hatte es schon so oft geschafft und auch wenn noch nie zuvor zwei Welpen von ihr gestorben waren, hatte sie auch noch nie so viel Beistand gehabt. Sie hob langsam den Kopf, sah Shit neben Averic und lauschte schweigend seinen Worten. Er hatte Recht, sie beide sollten zusammenhalten, gerade weil sie sich so ähnlich waren. Ein Gedanke an Tyraleen flackerte durch ihren Kopf, jetzt ließ sie ihn aber nicht an sich heran.

“Merawin … er soll endlich wieder laufen dürfen.“

Sie sprach mit den Worten einer Priesterin, ganz unabsichtlich, aber Acollon würde sie schon verstehen, sie wollte ihren Sohn endlich zu Engaya schicken. Ihre Stimme hatte einigermaßen gefasst geklungen, als ihr Blick jedoch wieder auf Averic fiel, zog sich alles in ihr zusammen. Nichts tat mehr weg, als ihn so zu sehen.


Ungläubig hatte die schwarze Welpin ihre Geschwister betrachtet und irgendwie kaum ein Wort verstanden, um was oder wen es ging. Sie runzelte ein wenig nachdenklich die Stirn, sagte aber weiter nichts dazu. Was sollte sie groß sagen? Sie spürte keine freudige Erwartung auf das, was sie erwartete. Sie vermisste nichts und dennoch wurde ihr Leben halbwegs über den Haufen geworfen. Ein seltsames Gefühl. Sie drehte die Ohren zur Seite und blickte zu den beiden Erwachsenen hinauf. Ob diese Rat wussten? Schließlich wandte sich der eine ab und ging schon Mal vor, dann rief auch Face Taihéiyo, der Pate ihrer Schwester Tyraleen, zum Aufbruch. Schon merkwürdig nun auf ein Mal hier neben ihnen entlang zu gehen. Sie kam sich so fremd und unerwünscht vor. Doch sprach sie ihre Gedanken nicht aus. Hatte ihre große Schwester Parveen wirklich Recht gehabt mit dem, was sie gesagt hatte? War es wahr, das ihre Familie sie gern hatte? Nur warum erkannte sie dann kaum Anzeichen einer solchen Liebe? Sachte schüttelte sie den Kopf, lief ein wenig schneller, gerade so, das sie sich an der Flanke des Tiefschwarzen halten konnte. An der Schlucht angekommen erkannte Amáya sofort das weiße Fell ihrer Mutter, ihren großen Bruder Averic in der Nähe, der mit dem Rücken zu ihr Stand und neben Banshee... Unsicher blieb sie stehen. Was sollte sie machen? War dies...? Sie schluckte, als sie sich die Gesprächsfetzen durch den Kopf gehen ließ. Durch das freudige Lachen hatte sie kaum etwas verstehen können. War dies etwa ihr Vater? Wenn das wahr war, wieso kam er erst jetzt? Verwirrt blickte sie fragend zu Face Taihéiyo auf, in der Hoffnung bei ihm eine Antwort auf ihre Fragen zu kriegen.

.oO(Was mach ich jetzt?)Oo.

Vielleicht sollte sie erst Mal abwarten, wie ihre Geschwister reagierten?


Shani bemerkte, dass sich Tyel über ihre freundschaftliche Geste freute und freute sich sofort mit ihr. Sie liebte es, einem Freund auf diese Art und Weise zu zeigen, wie sehr sie ihn mochte und fand es noch viel schöner, wenn dieser es verstand es in irgendeiner Art erwiderte. Mit einem Lächeln betrachtete sie die Reaktion der Braunen auf ihren Vorschlag und wippte mit der Rute, als sie ihn bestätigte. Schon lief Tyel los, die Weiße folgte ihr etwas langsamer, verwundert von dem plötzlichen Elan ihrer Freundin. Es war schön, sie vor sich laufen zu sehen, die Rute aufgestellt und die Nase im Wind, es machte Shani glücklicher als das meiste, was sie vorher je erlebt hatte … zu wissen, dass sie einen Teil dieser Freude verursacht hatte und diese Freude teilen zu können. Als sich die Braune umdrehte und sie rief packte sie auch der Übermut und sie begann ebenfalls zu rennen, eher ein springendes Tänzeln. Sie holte Tyel ein, tappte im Laufen mit der Pfote nach ihr, strahlte sie an und hätte beinahe ihr Ziel, die drei Fähen, aus den Augen verloren. Schlagartig wurde diese kurze Freude von einem Ruf durchbrochen und stoppte damit den Lauf der Fähen. Shanis Blick richtete sich auf den nun noch ein wenig weiter entfernten Schwarzen, ein wenig unsicher klappten ihre Ohren zurück, dann sah sie zu Tyel. Die sagte etwas, eher sehr leise und begann dann schon wieder zu laufen, Shani meinte trotzdem verstanden zu haben, was sie gesagt hatte.

“Ja, du hast wohl Recht …“

Es klang ein wenig Enttäuschung daraus, sie wäre gerne zu den drei Fähen gegangen und neue Freundschaften geschlossen, aber natürlich hatten sie auf einen Ruf zu hören. Sie hatten ja schon festgestellt, dass sie ein Teil des Rudels waren und als ein solcher mussten sie auch zu ihm halten. Sie seufzte leise und folgte erneut ihrer Freundin, wieder viel langsamer, jetzt nicht mehr ganz so leicht von der Freude ansteckbar. Als die Braune dann plötzlich stehen blieb und hinter einigen Steinen verschwand, weckt das aber wieder die Neugier der Weißen und sie tappte etwas schneller. Schon war der leichte Unmut vergessen, Stimmen kamen hinter den Steinen hervor und dann bemerkte sie auch den Geruch einer Fähe. Neue Freundschaften! Mit einem Strahlelächeln auf den Lefzen sprang sie die letzten Schritte um die Steine herum und sah dann Tyel vor einer weißen Fähe stehen. Die Fremde lag am Boden, sah zu Tyel auf, als hätte diese vor, sie gleich zu zerfleischen und wirkte sehr erschöpft. Langsam, mit einem freundlichen Lächeln auf den Lefzen, Neugierde in den Augen und einer wippenden Rute, trat sie neben ihre Freundin und legte den Kopf leicht schief.

“Du hast schon eine neue Freundschaft ohne mich geschlossen?“

Sie lächelte dazu, meinte es nicht im Mindesten anklagend und eigentlich auch nicht ernst, denn die Fremde sah bei weitem nicht so aus, als würde sie in Tyel eine Freundin gefunden haben. Seltsam, warum lag sie hier so alleine? Mit einem vergnügten Schnauben hatte sie wieder Tyels Ohr in die Schnauze genommen und zog sanft daran, ließ sich dabei zu Boden sinken und forderte die Braune damit auf, es ihr gleich zu tun. Jetzt war sie auf Augenhöhe mit der Weißen und schenkte ihr einen lieben Blick, vielleicht fast mutspendend. Tyel und sie waren wirklich nicht gefährlich und furchteinflößend sahen sie auch nicht aus.

“Ich bin Shani. Magst du mir auch deinen Namen sagen? Tut mir leid, wenn du ihn Tyel schon verraten hast, ich war nur etwas langsam.“

Freundlich strahlte sie sie an, wischte mit ihrer Rute wieder über den kühlen Stein und sah kurz zu Tyel, hoffentlich hatte sie sich schon vorgestellt, sonst wäre die Weiße möglicherweise auch noch verwirrt. Sie wäre gerne wieder aufgesprungen, das Auftauchen der Fremden und damit das Kennenlernen von weiteren Artgenossen, hatte sie wieder glücklich gestimmt und nun war die Freude wieder im Körper, wollte hinausgelaufen werden. Trotzdem blieb sie liegen, wippte nur ein wenig mit den Pfoten und ließ ihre Rute nicht stillstehen.


Nachdem alle Rudelmitglieder gebeten wurden zu Banshee und Acollon zu kommen war die Fähe erst noch kurze Zeit bei Neyla und Zack geblieben, ehe sie sich umgewand hatte und in die Richtung tappte, aus der gerufen wurde. Sie wusste nicht genau, was Neyla und Zack machten, aber da die beiden sich nicht wirklich beteiligt hatten wollte die junge Fähe die beiden vorerst alleine lassen. Sie blickte sich abermals um und bemerkte, dass sie schon viel ruhiger war und ihr auch das Atmen leichter viel. Sollte sie sich so schnell umgewöhnt haben? Und selbst wenn, es war ja nicht falsch, da sie lange hier oben bleiben würden. Sheena straffte sich und ging zu Banshee und Acollon, welche mit einigen anderen Wölfen um einen toten Wolf herumstanden. Dieser Anblick stimmte sie zwar traurig, riss sie aber nicht in einen Abgrund, aus welchem sie nicht mehr zu entkommen drohte. Sie dachte an ihre Familie, an ihre Eltern und Geschwister, die entweder irgendwo glücklich lebten unter den ihrigen, den lebenden oder sie verweilten in den ewigen Jagdgründen und warteten auf sie. Und wenn es so sein sollte, dann hatten sie Zeit konnten ihr Leben miterleben denn sie hatte nicht vor so bald dieses Leben zu verlassen. Ihr Überlebensinstinkt war geweckt und sie schwor sich, dass sie hier oben überleben würde, dass sie mit in das alte Tal kehren würde und ein wundervolles Leben führen würde. Vielleicht würde sie ja sogar selbst einmal Welpen haben? Doch sie musste sich auf das jetzt konzentrieren. Alles ruhig angehen.

"Banshee? Wir sollten hierher kommen? Ihn verabschieden?"

Sie deutete auf den Wolf, welcher bereit war zu gehen. In die ewigen Jagdgrüne gelassen zu werden. Oder wohin die Wölfe auf immer gehen mochten.

"Banshee, , , Ich weiß das ist jetzt eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt aber glaubst du meiner Familie geht es gut? Sag mir nur dies eine und ich werde weiter abwarten, dich in Ruhe lassen, doch du kanntest sie so gut. So gut wie ich. Vielleicht sogar besser in mancher Hinsicht. Und es bedeutet mir viel!"

Die Fähe stand vor Banshee. Nun etwas zögerlich. Doch sie hatte sich vorgenommen stark zu sein. Nur so konnte sie nach vorne blicken. Nur wenn sie etwas wagte. Und wenn sie eine Antwort bekam auch wenn sie sah, dass Banshee viel zu tun hatte. Es erschien ihr wichtig und richtig in diesem Moment auch einmal in ihrem Leben an sich zu denken. Vielleicht würde Banshee dies ja verstehen. Hoffte sie zumindest.
Sheena blickte nach vorne, bemerkte den Abgrund und es schauderte ihr. Jedoch nur kurz. Hier oben war jetzt ihr Platz. Und sie hoffte, dass alles gut gehen würde. Hier in und mit ihrem geliebten Rudel.

oO{Neyla? Neyla! Komm zu mir ja?}Oo


Eng schmiegte sich der Rüde an Neyla. Er stupste sie zaghaft an. Die Flucht war für sie alle anstrengend gewesen und jetzt wo sie hier oben waren war auch schon viel passiert. Er sah, wie Sheena sich aufrappelte und in die Richtung aus der sie gerufen worden waren ging. Er seufzte leise. Die Fähe schien anfangs so hilflos gewesen zu sein. So ängstlich, als sie hier oben ankamen, doch jetzt schien sie wie verwandelt. So als ob sie von irgendwoher Kraft geschöpft hatte. Er schmunzelte und blickte noch kurz der Weißen hinterher. Dann wendete er sich seiner Geliebten zu.

"Neyla. Mein geliebter Engel. Komm wir haben den weiten Weg überlebt. Aber nicht um hier oben jetzt schlapp zu machen! Wir machen uns auch hier eine schöne Zeit! Komm schon das wird echt toll. Schließlich sind wir beide doch zusammen! Und guck auch Sheena sieht aus, als ob es ihr besser gehen würde. Wollen wir ihr folgen? Zu Banshee? Ja meine Hübsche?"

Aufmunternd stupste er seine Fähe abermals an. Er war zwar ebenfalls erschöpft von dem Weg, doch war er nicht bereit deswegen jetzt schlapp zu machen. Und er wusste wie stark Neyla innerlich war. Und äußerlich auch. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte dann führte sie dies auch zu ende. Und er war in dieser Hinsicht genauso. Und da er sich jetzt in den Kopf gesetzt hatte hier zu überleben würden sie es auch schaffen. Es wäre doch gelacht wenn nicht.
Er schmiegte sich eng an Neyla, ehe er sich erhob und sich schüttelte. Der Wind fuhr durch sein weiches Fell und erfrischte ihn. Dank seinem dicken Pelz frohr er auch nicht. Dabei hatte sein Winterfell noch nicht stark zugenommen. Er grummelte liebevoll und knabberte an Neylas Ohr.

"Ich bin so froh, dich hier zu haben! Ich liebe dich"

Murmeld lächelte er sie an, ehe er in die Richtung blickte in die Sheena vorgegangen war. Es war Zeit ihr zu folgen sagten ihm seine Instinkte. Doch er wollte nicht ohne Neyla gehen.


Aufmerksam hatte er ihr zugehört, die Ohren gespitzt, hatte er sie betrachtet, während sie zu ihm gesprochen hatte. Ein unverkennbares Lächeln hatte sich um seine Lefzen gezogen, für sie nicht sichtbar, doch war die sonst so stark verspürte Unsicherheit aus ihm gewichen und die Angst, ein Gefühl von angenehmer Wärme überströmte ihn. Als sie sich kurz an ihn schmiegte, wusste er, er hatte es geschafft, er hatte mir ihr geredet, sie hatten das überwunden, was zwischen ihnen gestanden hatte und dies erleichterte den Hellbraunen. Hiryoga wusste nicht warum, doch es gefiel ihm, dass sie von früher erzählte, zu gerne hätte er gewollt, dass sie mehr davon berichtete, in den alten Erinnerungen zu schwelgen, doch da durchbrach ein Ruf die vertraute Nähe.
Direkt streckte der Braune seinen Kopf in die Luft, spitzte die großen Ohren und lauschte der ihm schon fast fremden Stimme. Das war doch sein Vater? Ohne es zu wollen, sträubte sich sein Nackenfell, die Ohren legte er leicht an den Kopf, er war also wieder da. Als Kaede aufgestanden war und losging, hatte er sich nicht bewegt, ein leichtes Zittern überflog seinen Körper, wie lange hatte er sich nun nicht blicken lassen? Ein halbes Jahr, oder? Er kannte nicht einmal seine neuen Welpen, sie sahen ihren Vater zum ersten Mal, er traf ihn zum zweiten Mal an. Was war das nur für ein Vater? Erst jetzt registrierte er Kaedes Worte, blickte sie einen Moment lang unentwegt an, ehe er den Kopf schüttelte und sich erhob, neben sie trat, sie mit der Schnauze am Hals berührte und langsam in die Richtung ging, aus der der Ruf gekommen war. Seine Schritte wurden schneller, bis er in einen gemütlichen Trab fiel, kaum einen Blick warf er zu der Grauen, starr war sein Gesicht nach vorne gerichtet. Leicht öffnete er das Maul, bereit schlecht über seinen Vater zu sprechen, doch dann schluckte er die Worte nur hinunter, wie konnte er es wagen, so schlecht von seinem Vater zu denken, erst daran zu denken, von ihm so zu sprechen? Wie kam es, das seine bloße Anwesenheit ihn so bestürzte, ihn so verletzte? Der Braune erschrak über sich selbst, über seine Aggressionen, woher kam das alles nur? Sein Vater hatte weg müssen, damals, oder? Er brauchte sich nicht zu rechtfertigen, der Schwarze hatte sicherlich seine Gründe gehabt, aber was wenn nicht? Die ganze Zeit über war seine Mutter alleine gewesen, seine Welpen hatten nie einen Vater gehabt, er hatte nie einen Vater gehabt, als er ihn vielleicht gebraucht hätte.
Vorsichtig lugte er zu Kaede hinüber, ob sie etwas merkte? Warum folgten sie dem Ruf nun eigentlich? Einem Rudelmitglied die letzte Ehre erweisen? Hiryoga spitzte die Ohren, wer war gestorben und wann? Mit etwas schnelleren Schritten überwand er das letzte Stück, ehe er auf eine weitere, recht offene Fläche trat, seine Mutter und seinen Vater erkannte und einige andere Rudelmitglieder. Aufmerksam ließ er den Blick über die Anwesenden gleiten, wo war Shani? Kurz sog er die Luft ein, ehe er ihren Geruch in der Nase hatte und ihm mit den Augen folgte, sie stecke also hinter diesem Stein dort drüben? Neben ihrem Geruch, lagen noch einige andere Gerüche in der Luft, wahrscheinlich hatte sie schon wieder eine neue Freundschaft geschlossen. Fragend legte er den Kopf leicht schief, ehe er den Blick wieder zu seinen Eltern gleiten ließ. Da stand er also, der Schwarze, hatte wieder wohl seinen alten Platz eingenommen, Alpha der nie da war, Alpha der ihnen in der größten Not nicht zur Seite gestanden hatte. Beinahe wäre ihm ein Grollen entwischt, als er wieder zu seiner Mutter sah und die Ohren an den Kopf legte. Sie wirkte, trotz allen Umständen, glücklich und das hatte er wohl nur ihm zu verdanken. Liebevoll berührte er Kaede an der Schnauze, blickte ihr auf das dichte Fell, ehe er leise die Stimme erhob.

"Tut mir Leid, aber ich kann hier nicht bleiben, dass ist...ich muss ein wenig nachdenken..."

Sie würde wissen, dass er allein sein wollte, sodass er mit einem kleinen Satz zur Seite wieder dorthin lief, wo er herkam. Er musste sich beruhigen, einfach einen klaren Kopf kriegen, er konnte ihm nichts vorwerfen, aber warum tat er es dann? Seine Mutter hatte das Glück verdient, sie brauchte den Schwarzen, dies musste er akzeptieren, wenn sie ihm verzeihen konnte, dann konnte er es auch, wie in guten, alten Zeiten.


Averic starrte stumm den Boden an, sagte nichts mehr zu dem, was noch von Acollon kam – dieser Vollidiot verstand ihn eh nicht und hatte Ahnung von Nichts. Seine Ausreden waren mehr als schlecht und unwahr. Ganz am Anfang, ja da hatte der Welpe seinen Vater noch bewundert, ihn toll gefunden. Er wusste noch ganz genau, wie er ihn zum ersten Mal sah, auch da war dieser Mistkerl irgendwo anders gewesen und irgendwann mal wieder gekommen, genau wie jetzt. Aber es hatte ihn gefreut, Cylin und er hatten ihn gefunden und waren so stolz gewesen. Kinder eben. Seine Abneigung hatte sich doch erst entwickelt, Acollon hatte selbst zu verschulden, dass aus ihr Hass geworden war. Und trotz allem hatte er nicht einmal versucht mit ihm zu sprechen, seine Ausreden waren einfach nur feige. Die Antworten, die er eh nie bekommen würde, wurden verschoben und seine Wut, seine Trauer nur auf Cylin bezogen. Oh, er war ja so ein Arschloch! Averic biss die Zähne fester zusammen, sagte aber keinen Ton mehr. Er sah auch nicht auf, als der Pechschwarze hörte, wie sein Vater näher kam. Die einzige Regung, die von dem Jungwolf ausgingen, wurde von seinen Tränen verschuldet, sonst schien er überhaupt nicht anwesend. Als Acollon dann die Trauer über Cylins Tod bekundete, öffnete er nur kurz den Fang, auch weiterhin ohne ihn anzuschauen.

Du hast ihn nicht mal richtig gekannt.“

Seine Stimme klang nun tonlos, vielleicht sogar ein wenig müde. Averic hatte keine Ahnung, was er diesem Todessohn noch glauben sollte, wollte oder konnte. So hob er den Blick erst wieder, als Acollon bereits zu seiner Mutter zurück gegangen war. Er achtete auch nicht auf Shit, was der von sich gab war ihm schon längst bewusst. Sie gingen miteinander um wie Feinde, aber wer konnte schon noch sagen, ob sie es vielleicht nicht sogar waren? Er hatte doch keine Ahnung und so langsam interessierte es den Pechschwarzen auch nicht mehr. Seine tiefblauen Augen richteten sich blinzelnd wieder auf seine Mutter, sie sah so unglücklich aus, dass auch das weh tat. Als sie dann seinen Namen so aussprach, konnte Averic nicht verhindern, dass er kurz erzitterte.

Mama ...“

Die Weiße streckte seine Schnauze nach ihm und zögerlich trat er einen Schritt voran. Noch einen, noch einen Kleinen ... aber Acollon stand direkt neben ihr. Unweigerlich drehte sich der schwarze Jungrüde so, dass er zwar auf Banshee zusteuerte, aber dabei doch nicht zu nah an seinen Vater herankam. Nicht das er sich fürchtete, im Gegenteil. Er kannte keine Angst, aber diese Abneigung trieb ihn von ihm weg. Averic wollte aber zu seiner Mutter, ganz nah, sie hatte ihn gerufen, so traurig, doch nun kam wieder jemand anderes dazwischen. Sheena, eine Welpin aus seinem Jahrgang fragte plötzlich so ganz unpassend nach ihren Eltern, närrisch, idiotisch. Die Verdammnis blieb stehen, fast wie ein scheuer Fremder, den man mühsam anlocken musste, der durch ungemochte Gesellschaft wieder vertrieben wurde. Er war nicht scheu, er wollte nur nicht. Seine tiefblauen Augen fixierten die junge Wölfin kurz mit einem undefinierbaren Ausdruck, der aber ganz bestimmt nicht sympathisch erschien. Dann ließ er sich auf die Hinterläufe sinken, wischte sich mit einer Pfote über die Schnauze, als wolle er so seine Tränen vertreiben, die nun zwar nicht mehr flossen, dessen Spuren aber noch deutlich in seinem Gesicht standen. Ihn trennte zwar nicht mehr viel von dem Felsen, auf dem seine Eltern waren, aber nun konnte er einfach nicht mehr näher treten. Da waren zu viele um sie herum.


Green saß immernoch vor der großen weißen Fähe die sehr traurig zu sein schien. Green wusste im diesem Moment gar nicht was ihr Geschieht. Sie saß einfach nur so in der Gegend rum und ihr Kopf schien wie blockiert zu sein.Warum konnte sie in solchen Situationen nie klar denken?! War es wegen ihrem Geburtsrudel das bei einem Erdrutsch ums Leben kam, oder dies das sie so einsam war?!Sie schüttelte kurz das Köpfchen und schaute alle Wölfe direkt in die Augen.Sie sah nur große Blicke aber etwas erkennen konnte sie nicht. Ihre Blicke schweiften um das ganze Feld, bis sie endlich auf stand. Sie tappste mit den Pfoten etwas auf der Stelle und ging dann näher zu Banshee als sie leise winselte:

"Wer bist du..und woher kennst du meinen Namen!?"

Sie rieb ihre Nase in dem weichem Fell der weißen Fähe in der Hoffnung Banshee würde die Trauer vergessen und die Gegenwart leben. Green setze sich direkt neben Die Alpha und kuschelte sich etwas an.Jetzt konnte sie die Wärme spüren,aber die kleine wusste immernoch nicht wohin sie gehen sollte, denn sie wusste ja schlieslich sehr wenig von den Göttern beziehungsweise von einem Rudel und was es alles in einem Rudel gab.Sie wolte am liebsten mit jedem Wolf etwas zu tun haben, durch die Gegend springen, spiele, irgendwann einmal Jagen und mit den großen Wölfen heulen.


Mit langen, geschmeidigen Sprüngen folgte die kleine Welpin dem Tiefschwarzen und ihrer Schwester, überholte erst Amáya und huschte dann zwischen Faces Pfoten hindurch und bellte fröhlich:

„Face!? Warum hat Papa uns gerufen?“

Daylight wartete gar nicht erst auf eine Antwort sondern begann nun an dem Schwarzen empor zuspringen und schnappte frech nach seiner buschigen Rute, lief einige Schritte voran und blieb dann stehen, um dem Kopf nach dem Paten ihrer Schwester drehen. Ihre honiggoldenen Augen funkelten schelmisch.

„Fang mich, wenn du kannst!“

Flink, wie ein kleiner Wirbelwind, war sie auch schon zwischen der Menge der Wölfe verschwunden, schlängelte sich zwischen den vielen Leibern hindurch, setzte mit übermütigen Sprüngen über Ruten und liegende Wölfe hinweg und huschte schließlich zwischen Averics Pfoten hindurch, wie zuvor zwischen Faces und hielt schließlich inne, genau zwischen den Pfoten ihrer Mutter. Eigentlich hatte sie Banshee fragen wollen, warum ihr Vater sie gerufen hatte und wieso er so lange fort gewesen war. Doch jetzt spürte sie die Zwietracht zwischen Averic und dem großen Schwarzen, der neben ihrer Mutter stand und zum ersten Mal in ihrem Leben erblickte Daylight ihren Vater. Ihre hellen Augen huschten über seinen kräftigen, jedoch schlanken Körper und blieben schließlich an seinen stechenden blauen Augen, die Augen die so viele ihrer Geschwister geerbt hatten. Dann glitt ihr Blick zu ihrem großen Bruder empor, wie ein Spiegelbild seines Vaters und ebenso groß und mächtig stand er da. Sie spürte seinen Hass, seine Verachtung und seinen Zorn in sich selbst. Das Vermächtnis der Sternenwinde hatte ihr diese Fähigkeit verliehen, sie konnte spüren, was andere empfanden. Doch Averics Wut war so groß, dass sie zurückzuckte, es war als wollten seine Gefühle ihr kleines Herz zerreißen. Doch nun sah Daylight die Tränenspuren auf seinem Gesicht. Jetzt wo sie so zwischen seinen und Banshees Pfoten saß, hätte sie ihn am liebsten angestupst und getröstet. Doch er hasste sie, ihr großer Bruder hasste sie so sehr, wie er alle ihre Wurfgeschwister hasste. Doch sie empfand trotzdem geschwisterliche Liebe für ihn, wie könnte sie nicht? Es tat ihr weh ihm nicht helfen zu können und wie um seinen Schmerz nicht länger ertragen zu müssen senkte sie den kleinen Kopf. Und dort zwischen Banshees Pfoten lag Merawins lebloser Körper. Sie machte einen Schritt auf ihn zu, ein Lächeln zierte ihre dunklen Lefzen. Da war er also, wie hatte sie ihn vermisst, hatte schon befürchtet, er sei fort, fort wie Cylin und wieder spürte sie Averics Schmerz vermischt mit ihrem eigenen. Sie blinzelte, von dem ganzen Schmerz verzehrt, wandte sie sich wieder Merawin zu und stupste ihn sanft mit der Schnauze an.

„Merawin, mein Bruder. Wo warst du nur so lange? Liegst hier und schläfst. Hast du Vater schon gesehen? Er ist groß und stark, wie Averic, aber er wird uns nicht hassen.. Er ist wieder zurückgekommen.“

Sie flüsterte die Worte in Merawins graues Ohr, erwartete, dass er sich regte, die aquamarinblauen Augen öffnete und sie anschaute. Doch er blieb reglos, sie stupste ihn noch einmal ein wenig auffordernder an.

„Merawin? Wach auf, Brüderchen, und schau dir unsern Vater an, jetzt kann auch Mama wieder glücklich sein, sie war doch sie traurig die ganze Zeit… als er fort war.“

Vorsichtig sank sie auf den rauen Steinboden, dicht bei ihrem Bruder, wollte seine Wärme spüren, doch da war nichts, keine Wärme. Zärtlich fuhr ihre Zunge über sein regloses, ruhiges Gesicht, so friedlich. Mit sanften Worten versuchte sie ihn zu wecken, wusste nicht, dass er nie mehr aufwachen würde.

„Merawin, nun wach schon auf, ich bin es Daylight, deine Schwester!“

Noch immer regte sich der kleine Leib nicht und sie drängte sich näher an ihn, presste ihren Körper schon fast an sein weiches, graues Fell. Dann entfuhr ihr die schreckliche Wahrheit, fuhr durch ihre Gedanken, wie ein Messer, und machte alles kaputt, sie fühlte wieder den Schmerz, so stark, wie einst nur Averics gewesen war, doch diesmal war es ihr eigener, nur ihrer. Ein Schmerz, der zu stark war um ihn ertragen zu können und sie wollte ihn loswerden. Wollte ihn nicht länger ertragen müssen. Plötzlich begann sie zu zittern und drückte ihren Körper fester an den Merawins, legte den Kopf auf seine kalte Schulter und Tränen funkelten nun in ihren honigfarbenen Augen. Sie schaute hinauf, erkannte zwischen einem Schleier aus Tränen Banshee, vorsichtig streckte sie die Pfote nach ihr aus, konnte sie aber nicht erreichen, ließ sie wieder sinken und sank zurück.

„Mama… warum? Sag, dass das nicht wahr ist, er ist nicht fort, nicht wahr Mama? Er wird gleich aufwachen und dann werden wir spielen, wie früher im Tal, nicht wahr? Oder ich werde aufwachen und dann werde ich dort unten im Gras liegen. Ich werde Merawin sehen, wie er in der Sonne liegt, träumend. Dann werde ich zu ihm gehen und ihn anstupsen, er wird die Augen aufschlagen, ich werde rufen: Fang mich. Und er wird mir nachjagen, so wie es immer gewesen ist. Und dort am See werden Averic und Cylin stehen, schweigend. So wird es sein, nicht wahr Mama?“

Es war mehr eine hoffnungsvolle Reaktion, kaum mehr als ein vor sich hin Flüstern, doch Banshee würde die Worte ihrer kleinen Tochter trotzdem verstehen, auch wenn sie ihr nicht helfen konnte. Silbrige Tränen tropften auf Merawins graues Fell und funkelten geheimnisvoll, wie die Sterne am Himmel. Die Welt war finsterer als zuvor, zumindest wirkte es auf Daylight so. Leise winselnd schmiegte sie sich an den kalten, leeren Körper ihres Bruders. So groß war die Welt der Tränen und voller Schmerz, den man mit niemandem teilen konnte. Sie wollte die Schuld an dem Tod ihrer beiden Brüder nicht einfach irgendjemandem zuschieben und trotzdem glitt ihr Blick kurz zornfunkelnd zu dem Schwarzen an der Seite ihrer Mutter, ihrem Vater. Die Bewunderung und die Freude waren fort. Währe er früher gekommen, dann hätten die Fremden sie nicht vertreiben können, dann hätte er sie vertrieben und Merawin und Cylin wären nicht hier oben in den Bergen gestorben. Es war alles seine Schuld, doch Daylight schwieg, schrie ihn nicht an, wie zuvor Averic. Auch wenn es ihr vielleicht geholfen hätte, sie blieb einfach liegen wandte den Blick nun angewidert von ihrem Vater ab, schloss die Augen und ließ sich fallen, in eine Welt aus Schmerz und Trauer. Fort, er war fort, nie mehr würde sie mit ihm spielen können. Ihr kleiner Körper zitterte und wurde wieder ruhig. Doch sie wollte sich die Wahrheit nicht eingestehen, fort.


Katara preschte durch die Dunkelheit der Nacht, der Witterung des Rudels folgend. Nur ihre leuchtenden blauen Augen waren noch zu sehen, sie funkelten geheimnisvoll und gefährlich...der Rest verschmolz mit der Dunkelheit der Nacht und machte somit einen Teil aus ihr. Sie fühlte sich auch so, sie hatte es schon immer gemocht so durch die Nacht zu rennen, einfach nur zu rennen ohne nachzudenken wohin sie eigentlich rannte. Zwar hatte sie dieses mal ein Ziel, jedoch änderte dies nichts an ihre Freude am Rennen. Sie war auch schon immer schneller als die meisten Wölfe gewesen, sie war einfach eine spitzen Sprinterin und dieses Talent machte sie sich öfter, vor allem bei der Jagd, zu Nutze. Nun nahm sie eine neue Witterung auf. Es war die eines Hasen. Sie blieb abrupt stehen., schnüffelte in die eine Richtung und stellte fest, dass die Witterung aus dieser Richtung kommen musste. Sie duckte sich ein bisschen und setzte ihren Weg Richtung Hase fort. Keinen Laut hinterlies sie. Trat immer bedächtig mit ihren Pfoten auf. Sie hatte Hunger, das hatte sie ja schon die ganze Zeit gehabt, nur hatte sie es vor lauter Vorfreude vergessen und es war ihr erst wieder eingefallen als sie den Geruch des Hasen mit ihrer feinen Nase eingesogen hatte. Katara hob ruckartig ihren Kopf gen Sternenhimmel. Er ließ ihre Augen glitzern, wie die Oberfläche eines Sees im Sonnenlicht, während sie Corvinas Bellen vernahm. Sie hatte sie völlig vergessen! Wie konnte das nur passieren? Es war wahrscheinlich schon wieder diese Vorfreude, endlich wieder von einem Rudel aufgenommen zu werden, gewesen. Ihre neue Freundin meinte sie solle vorgehen und sie schon einmal ankündigen...aber das wollte Katara nicht, sie wollte dass sie mit ihrer Freundin gleichzeitig bei diesem Rudel eintraf.

„Es tut mir Leid dass ich dich vergessen habe ich werde hier auf dich warten, folge einfach nur meiner Witterung!“

heulte sie in die Nacht. Dann nahm sie wieder ihre geduckte Position ein und bewegte sich langsam in Richtung Hase. Ganz ahnungslos stand er da. Wusste nicht dass gleich etwas geschehen würde. Er witterte. Nun bemerkte Katara dass es schlecht um ihr Abendessen stand. Sie hatte Rückenwind, was bedeutete dass der Hase sie riechen würde. Und genau in diesem Moment, als sie den Gedanken dachte, hoppelte der Hase weg. Doch so leicht würde er ihr nicht entwischen! Sie rannte hinterher. Er schlug viele Haken. Zum Glück war Katara sehr wendig und somit hatte sie auch keinen Nachteil. Er war nur noch einen Sprung weit entfernt und deshalb sprang sie auch. Der Hase wollte noch einen Haken schlagen, doch da war es um ihn geschehen...Katara biss ihm ins Genick und tötete ihn mit diesem Biss. Leblos baumelte dieser in ihrem Maul und Katara legte sich hinter einen niedrigen Stein und begann zu fressen und auf Corvina zu warten, bis Corvina da ist hatte sie den Hasen ganz gewiss schon längst gefressen und war gestärkt für den weiteren Weg, der den beiden Wölfinnen noch bevor stand.


Unsicher trat die junge Fähe von einer Pfote auf die andere während sie auf eine Antwort wartete. Es dauerte eine weile bis die weiße Fähe endlich ihren Kopf hob und Tyel antwortete. Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht der Fähe doch verlosch es eben so schnell wieder wie es gekommen war. Es war nicht wegen der Fähe vor ihr sondern wegen dem Streit der sich oben auf dem Felsen zutrug. Sie kannte den schwarzen Wolf nicht. Die Worte des Streites flogen hinüber zu der Braunen sie wollte es nicht hören und doch verstand sie einige Worte sehr deutlich: Und gleich wieder einen auf großen Alpha machen, so als ob nie was gewesen wäre?! Tyel stutzte der Schwarze oben auf dem Fels war also Alpha? Oder nicht mehr, immerhin war er wohl für eine Weile nicht da. Beinahe hätte sie die Frage der Weißen überhört als sie so in ihren Gedanken war.

Ja, wir gehören zu dem Rudel...

Sie überlegte eine Weile. War es den wirklich schon o das sie vollständig zu dem Rudel gehörten oder waren sie noch immer fremde für das gesamte Rudel. Tyel schaute sich vorsichtig um und entdeckte Shani hinter sich. Ein lächeln erschien wieder auf den Lefzen der Fähe. Natürlich war es noch nicht so weit das man Freundschaft dazu sagen konnte. Doch Tyel merkte das die Weiße sich wahrscheinlich nicht weiter zu dem Rudel vorgetraut hätte. Es waren die ängstliche Blick die ihr immer wieder zuflogen. Tyel merkte den Druck auf ihrem Ohr und ließ sich fallen. Shani schaffte es doch immer wieder sie zum Lächeln zu bringen. Doch jetzt wo dort oben auf der Anhöhe der Streit in vollem Gange war konnte auch sie nicht mehr viel machen. Sie freute sich darüber das Shani erst einmal das reden übernahm. Sie hatte es vollkommen vergessen sich vorzustellen. Sie schaute den beiden weißen kurz ins Gesicht dann stupste sie Shani freudig an.

"Hast du denn etwas dagegen?"

Sie versuchte ihre Stimme freudig klingen zu lassen doch ein Blick auf ihre Rute verriet das sie gerade nicht so gut gelaunt war. Sie war eher verwirrt, verwirrt über alles war gerade dort oben geschah. Sie konnte es nicht Unterdrücken sie wollte mit dort hoch gehen, auf den Ruf hören doch hatte sie genauso viel Angst davor. Ein Blick auf die fremde weiße zeigte ihr das es ihr wohl genauso ging. Doch diese wusste noch nicht wie es sonst in dem Rudel war. Sie musste entsetzliche Angst davor haben das es immer so war. Aber so war es doch nicht dieser große Schwarze tauchte auf und brachte alles durcheinander, für diesen Moment jedenfalls. Leise Seufzte die Braue.

"Keine Angst es ist nicht immer so..."

Woher wusste sie das den. Sie war doch selber noch nicht so lange im Rudel. Sie kannte den Schwarzen Alpha nicht. Sie wusste noch nicht einmal, ob er überhaupt der Alpha war und warm er erst jetzt auftauchte. Warum kannte sie ihn nicht wen er doch der Alpha war? Ihr Blick huschte hinüber zu Shani. Ob sie den Schwarzen kannte immerhin war sie schon etwas länger im Rudel als sie selber. Die Brauen fuhr der weißen kurz durchs Fell um ihre Aufmerksamkeit zu erringen.

"Sag mal Shani kennst du den Schwarzen der hier gerade alles durcheinander bringt?"

Sie überlegte kurz was sie der Fremden noch sagen könnet damit sie keine Angst vor dem Rudel hatte. Sie wusste selber wie es war einfach neu dazuzukommen und niemanden zu kennen. sie wusste sogar wie es war nicht als vollwertiger Wolf in ein fremdes Rudel zu kommen. Tyel hatte zwar einiges auf ihrer Reise gelernt doch nicht genug um eine Gemeinschaft zu kennen und in ihr angesehen zu werden. Sie lächelte der Fremden kurz zu.

"Banshee nimmt jeden freundlich auf...es ist nur gerade nicht der beste Zeitpunkt...lass uns noch ein wenig warten bis wir zu ihr gehen. Sie wird sich bestimmt über ein neues Mitglied freuen..."


Nun war Kaede also Hiryoga zu Banshee und den anderen gelangt. Doch plötzlich wirkte Hiryoga so anders. Anders als eben, als sie zusammen geredet hatten. Kaede blickte ihm verdutzt nach, als er sich umdrehte und ihr sagte, dass er fort musste, nachdenken musste. Es stimmte sie traurig, doch sie wusste, dass er jetzt alleine sein musste und sie respektierte sein Verlangen. So blieb sie einfach still bei den anderen stehen. Sie witterte ein paar Wölfe, welche ihr neu erschienen. Und ein Geruch davon kam ihr so bekannt vor, obwohl sie ihn in diesem Rudel noch nie gerochen hatte. Er erinnerte sie an ihre Schwester. An ihre geliebte Schwester, welche sie vor so langer Zeit verlassen hatte. Aber wie konnte das denn sein? Es konnte doch nicht sein, dass sie pötzlich hier auftauchte oder?

oO{Leregana? Wie kann es sein, dass du hier auftauchst. . . Das kann doch gar nicht sein oder?}Oo

Nein das konnte sie nicht sein, außerdem war der Geruch auch etwas anders. Doch wie konnte es denn sein, wenn sie es nicht war, dass es so eine ähnlichkeit gab. Oder spielte ihr ihre Sinne etwa einen Streich? Sie bemerkte, dass diejenige die diesen Geruch hatte ganz nah bei Banshee stand und so wagte die Fähe es nicht näher zu treten. Aber irgendetwas musste sie doch tun oder? Die anderen Wölfe bekam sie gerade gar nicht mehr mit. Sie hatte kurz noch Averics wütende oder verletzte Worte mitbekommen, hatte bemerkt, wie ein kleiner Welpe zu dem toten Merawin sprach und dann schalteten sich all ihre Sinne auf den Geruch ein. wie konnte es sein, diese eine Frage geisterte durch ihren Kopf und ihr fiel nichts ein, wie sie es herausfinden konnte, ohne dass sie zu derjenigen ging und sie leise fragte. Hielten sie nicht alle für verrückt, wenn sie laut sprach und es dann nicht ihre Schwester war? Nein, das sollte ihr doch egal sein oder?
Da kam ihr ein Gedanke, welchen sie vorher gar nicht in erwägung gezogen hatte. Vielleicht war es eine Verwandte von Leregana. Vielleicht sogar ein Welpe von ihr? Nun fasste sie wieder Mut. Irgendetwas in diese Richtung musste es sein, schließlich hatte sie kurze Zeit mit ihrer Schwester zusammengelebt.

"Entschuldigung. Du kleine da bei Banshee!? (Green) bist du. . . kennst du eine Leregana?"

Nun war er raus. Gespannt wartete Kaede auf die Antwort, hoffte, dass sie diese schnell erhalten würde. Nun nahm sie auch wieder die anderen Wölfe wahr. Wartete ebenso auf Banshees Antwort zu Daylight. Banshee hatte echt viel zu tun und warum war eigentlich noch immer nicht das ganze Rudel versammelt. Wie lange sollten sie Merawin denn noch warten lassen? Langsam erschien es Kaede unhöflich.


Aliennas Blick war weiterhin zu Boden gerichtet, hätte sich Leyla bewegt, hätte sie es aber aus dem Augenwinkel gesehen … doch Leyla rührte sich nicht. Sie spürte den Blick von ihr ganz deutlich auf sich, nur wusste sie nicht, was die Weiße sich wünschte, was sie nun tun sollte. Sie ließ sich Zeit mit dem Antworten und je länger das Schweigen dauerte, desto größer wurden Aliennas Hoffnungen, dass eine Antwort kam, die ihr wirklich half. Als die Weiße jedoch schließlich etwas sagte, stürzte Alienna zum zweiten Mal heute in ein tiefes Loch der Enttäuschung, diesmal noch viel weiter, als vorher. Sie hatte um Hilfe gefleht, hatte Leyla so deutlich gesagt, dass sie das so nicht schaffte, dass selbst die Weiße es verstanden haben musste … und bekam doch nichts zurück. Selbstverständlich hatte sie nach wie vor nichts zu erwarten, es war noch immer sie, die Leyla verlassen hatte, aber musste die Weiße sie deshalb so quälen? Wollte erst Zeit und kam ihr dann doch ganz nahe, flehte nach einer Berührung und verlangte von Alienna alles, was sie ihr geben konnte und wenn sie dann endlich den Mut fand, ihre Ängste und Sorgen auszusprechen und Leyla um Hilfe anzuflehen, die sie in jedem Fall brauchte, dann kam von ihr doch nichts zurück. Sie hörte durchaus die Verzweiflung und die Entscheidungslosigkeit aus Leylas Stimme heraus, aber was half ihr das? Schwächte das die Folter ab, der sie von ihrer Freundin unterzogen wurde? Nein, kein bisschen und jede Sekunde, in der sie länger hier so saß, zerbrach mehr von ihr. Wäre sie nicht so schwach und endlos traurig, hätte sie vielleicht sogar Wut verspürt, doch so fiel sie nur immer tiefer in die Enttäuschung. Es hatte keinen Sinn, ihr Stein rief nach ihr. Langsam drückte sie ihre Hinterläufe durch und stand eine kurze Zeit zitternd neben dem Fels, dann hob sie den Kopf und sah Leyla an, der Blick wieder stumpf und leblos.

“Ich habe so endlos viel Glück empfunden, als ich dich traf. Einen Freund verloren, wusste ich nicht mehr weiter, fand keinen Platz in dieser Welt, bis ich dich fand, wie du dort lagst, so schwach wie ich selbst und ebenso hoffnungslos. Wir haben uns gegenseitig Kraft gegeben, haben Stärke im anderen gefunden, zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich jemanden berühren können, ohne das Bewusstsein zu verlieren. Wir haben Freundschaft geschlossen, wir haben ein „wir“ erschaffen und die Freude entdeckt. Die Angst, die schon viele Monde vorher in mir zu keimen begonnen hat, habe ich nicht bemerkt und nicht verstanden, noch heute kann ich es nicht. Es war die Angst vor dem Verlust des Glücks, ohne zu verstehen, dass man durch sie es erst verlieren würde. Und so habe ich es auch verloren, weil ich vor der Angst floh. Jetzt aber ist es plötzlich wieder aufgetaucht, schien mir zum Greifen nahe, aber anstatt Glück, finde ich nur Qual und Folter, was ich jetzt nicht mehr ertragen kann. Lieber sterbe ich. Leyla, du wirst immer meine Freundin sein, auch wenn ich nicht mehr die deine bin. Leb wohl.“

Sie hatte an keiner Stelle gestockt, hatte mit fester Stimme gesprochen und die ganze Zeit Leyla angesehen. Keines ihrer Worte war vorher zurechtgelegt, sie kamen aus ihr hervor, aus dem Innersten ihrer Seele und waren ehrlicher, als jedes andere Wort, was sie je zuvor gesprochen hatte. Damit drehte sie sich um, anders als zuvor wartete sie nicht darauf, ob Leyla noch etwas sagen würde, denn wenn, waren es wieder nur knappe Worte, um sie aufzuhalten, doch erneut gefoltert zu werden, das würde Alienna nicht mehr ertragen. Sie lief erstaunlich sicher, nicht eilig, aber auch nicht langsam, verschwand hinter dem Stein und spürte, wie sie bereits jetzt zu sterben begann.


Die kleine noch graue Wölfin schaute zu Banshee und ihr Blick wanderte zu einem totem Wolf direkt zwischen ihren Pfoten.Green legte ihre Ohren an und ging ein paar Schritte zurück. Wieder einmal wusste sie nicht genau wer es war oder was sie machen sollte.Sie war total verwirrt. Schlieslich wanderte irh Blick zu Daylight, sie versuchte den toten Wolf zu bewegen oder mit ihm zu reden.Green schaute sehr traurig legte die Ohren an und setze sich neben Kaede. Die kleine Green schaute mit einem fast lehrem Blick zu der größeren hoch und lauschte der wohltuhenden Stimme.

"...Ja..sie ist meine Mutter..."

winselte sie schlieslich und schaute noch trauriger denn Je. Sie legte sich ab und versteckte ihren Kopf in den Pfoten damit man ihre Tränen nicht erkannte. Die Graue rollte sich zusammen bis man sie nur noch als einen kleinen grauen Haufen wahrnehmen konnte,schon fast wie ein Stein wirkte sie.Auser ihr
Herzschlag, ihr Fell wipte auf und ab so aufgeregt und so traurig wie sie war. Sie kannte nur die Namen ihrer restlichen Famlilie aber Gerüche oder Gesten kannte sie nicht. Noch nicht einmal die Fellfarbe oder das Aussehen. Sie schaute zu den anderen Wölfen kurz hoch und ihr Fell unter den Augen war schon ganz nass. Dann weichte ihr Blick zu Kaede die sehr nachdenklich und in sich hinein wirkte. Green stellte sich auf und ging näher zu Kaede, Green schnüffelte etwas an Kaede und irgendetwas in diesem Geruch kam ihr sehr bekannt vor. Sie schnupperte erneut. Nein, sie wusste es nicht. Das einzige was sie wusste ist das sie den Geruch kannte. Da sie keinen Erfolg hatte beim Erschnüffeln einer Information über die Fähe setze sie sich wieder hin und versteckte wieder den feuchten Kopf in die kleinen Pfoten.

"Du kommst mir bekannt vor..."

brach ihr plötzlich hervor und Green´s Gesicht sah ein wenig erschrocken aus. Sie drückte ihren Kopf immer fester immer fester in die Pfoten.


Eine leichte Bewegung neben sich erschreckte die Fähe und sie zuckte leicht zusammen, doch als sie sich in die Richtung wand, an der sie berührt wurde witterte sie den vertrauten Geruch ihrer Schwester. Nein, schon wieder musste sie sich verbessern, witterte sie einen ähnlich vertrauten Geruch wie der ihrer Schwester. Und dann begann die junge Fähe zu sprechen. Die paar Worte krempelten Kaedes inneres total um. Sie hatte einen Verwandten gefunden. Eine kleine Verwandte, ihre Nichte. Eine Tochter Lereganas. Sie hörte ein leises Winseln und merkte, wie das kleine Bündel sich neben ihr regte und sich eng zusammen rollte. Kaede konnte ihr kleines Herz pocken spüren, so dicht lag die Kleine neben ihr. Und zitterte sie nicht sogar, weinte sie etwa? Die Graue hatte ein gutes Gespür für so etwas. Ihre Blindheit hatte ihre Sinne schließlich noch ein wenig mehr geschärft.
Eine leichte Bewegung neben sich ließ ihren Kopf wieder in die Richtung der Kleinen pendeln. Die Fähe schien an ihr zu riechen, wahrscheinlich überlegte sie, woher sie Kaede kennen konnte. Dann kamen zaghafte Worte blitzschnell. Sie waren an Kaede gerichtet und sie spürte wie sich das zitternde Bündel wieder zusammen rollte, als ob es Angst vor der Antwort hätte. Oder es war einfach so eher zaghaft und unsicher.

„Ja und weißt du auch warum ich dir bekannt vorkomme? Leregana ist meine Schwester. Das heißt, wie beide sind verwandt, du bist meine kleine Nichte und ich bin deine Tante. Es freut mich dich kennen zu lernen . . . Ah ja!? Wie heißt du denn Kleine?
Mein Name ist Kaede. Ich bin schon etwas länger hier im Rudel, du bist ja gerade erst dazu gestoßen richtig? Wirklich unglaublich, jemanden hier zu treffen, der mit mir verwand ist! Bist du erst kürzlich von Leregana fort oder? Wie alt bist du eigentlich?
Ein Glück bin ich gerade jetzt hierher gekommen. Und habe dich gewittert! Und du kamst mir ebenfalls bekannt vor und so habe ich eben überlegt woher und als einzige ist mir meine Schwester eingefallen . . .“


Kaede unterbrach sich in ihrem Wortschwall und ließ die Kleine erst mal ihre Gedanken ordnen. So viel wie Kaede ihr jetzt schon erzählt hatte. Sie schmunzelte, das war ja mal wieder typisch für sie, doch so war es eben wenn sie sich freute. Auch wenn sie die Kleine nicht sehen konnte erahnte sie, dass sie schwarz sein musste. Oder eben grau. So wie sie selber vielleicht sogar. Und wie ihre Schwester. Sie und ihre Schwester hatten sich früher nämlich einmal sehr geähnelt, doch schon lange hatte sie Leregana nicht mehr gesehen, es konnte sich vieles geändert haben. Kaede wendete ihren Kopf und schob ihn langsam in Richtung des kleinen Bündels. Sie stupste die Kleine leicht an und pustete ihr, ihren warmen Atem in das Fell. Und sog ihren Geruch ein, damit sie ihn auch niemals wieder vergessen würde. Oder verwechseln würde, zum Beispiel mit dem ihrer Mutter, so wie es ihr am Anfang fast passiert ist. Denn so etwas fand Kaede entsetzlich peinlich, es konnte ja nicht angehen, dass sie gerade Familien angehörige verwechselte. Bei den anderen fremden Wölfen war es ja wenigstens noch entschuldbar (??!) aber nicht bei Verwandten jeglicher Art. Oder zumindest nicht bei den Nahestehenden Verwandten aus erster Linie. Kaede lächelte leicht. Um was sich ihre Gedanken schon wieder spannen. Dabei war das doch jetzt eigentlich nebensächlich oder? Eigentlich war doch jetzt das einzig wichtige, dass sie dieses Fellbündel kennen lernte und dass das Fellbündel sie kennen lernte. Zumindest für sie war das gerade das wichtigste. Obwohl sie sich auch Sorgen um Hiryoga machte, doch sie wusste, dass er alleine sein wollte und auch alleine seinen Weg finden würde und. . .

oO{ Stopp jetzt mal Kaede!!!}Oo

die Fähe atmete einmal tief durch und ihre Aufmerksamkeit galt nun voll und ganz der Fähe neben sich.

„Also Kleine? Willst du mir nicht sagen, wie du heißt?“

Atalya
25.12.2009, 17:09

Tyraleen stoppte ihr wildes Herumgelaufe, als sich ihnen eine tiefschwarze Welpin näherte, ihre Schwester. Mit unschlüssigen Augen wurde sie verfolgt, wie sie auf sie zu lief und schließlich stehen blieb, nach dem Ruf ihres Vaters fragte. Tyraleen war sich nicht sicher, was sie von Amáya halten sollte. Eigentlich war die Schwarze ebenfalls ganz anders, als ihre anderen, aufgedrehten Geschwister, also so, dass Tyraleen sie mögen könnte, aber da war noch etwas anderes an ihr, dass die Weiße nicht ertragen konnte. Eine ewige Traurigkeit, kein Lächeln, immer Alleinesein, aber anders als sie, sich nicht mal nach Gesellschaft sehnend. Zumindest schien es so. Außer zu ihrer Mutter … bei der war sie öfter, aber das verbesserte das Verhältnis der Schwestern auch nicht gerade. Jetzt, da Tyraleen aufgeblüht war und sogar mit Daylight zu Recht kam, wollte sie eigentlich auch Amáya eine Chance geben, aber jetzt gerade hatte sie keine Zeit, ihr Vater hatte sie gerufen! Aber die anderen ließen auf sich warten, Daylight hatte sich wieder Face Teihéyio zugewandt und sagte gerade etwas, was Tyraleens Euphorie heftig dämpfte. Sie wollte ihrem Paten das Lächeln beibringen? Die einzige, die das würde und konnte, war doch wohl sie, Tyraleen! Ein trotziger Ausdruck schlich sich auf ihr Gesicht, Face war ihr Pate, ihr Freund, Daylight sollte weg von ihm bleiben. Als diese begann, sie alle zu umtanzen und auch an ihr hochsprang, konnte die Weiße aber ihre Trotzhaltung nicht ganz halten, musste doch lächeln, denn ja … einen Vater! Oh, sie war so aufgeregt, wie er wohl sein würde? Da setzte sich Face endlich in Bewegung und mit eiligen Schritten tappte sie ihm hinterher, tänzelte fast, vor lauter Erwartung, ihren Vater sehen zu dürfen. Und dann, endlich, tauchte er in ihrem Blickfeld auf. Zuerst sah sie nur das strahlende Fell ihrer Mutter, was sie nicht groß interessierte, und das pechschwarze ihres Bruders Averic, aber dann … dann entdeckte sie hinter Averic und neben Banshee eine weitere, tiefschwarze Gestalt mit blauen Augen. Vater … Ihre kleine Rute stellte sich auf, er sah so vollkommen gegensätzlich zu ihrer Mutter aus, dass sie es kaum glauben konnte, aber kein anderer konnte es sein, außer den dreien waren nur Welpen und Shit bei ihnen. Als Face wieder anhielt und Amáya unsicher zu ihm sah, schüttelte sie leicht den Kopf, sie wollte zu ihrem Vater! Daylight begann auch noch an ihm herumzuspringen, was Tyraleen plötzlich ein heftiges Stechen in ihrem Brustkorb spüren ließ. Sie konnte es nicht benennen, aber ein Brennen in der Kehle und Thränen, die plötzlich geweint werden wollten, ließen sie eilig den Blick abwenden und sich ganz auf ihren Vater fixieren.

“Amáya, jetzt kommt schon, das ist unser Vater!“

Ihre kleinen Augen glänzten, als sie ihre Schwester anstrahlte und dann einfach losraste, auf den Schwarzen zu und das ganze Getümmel vollkommen missachtend. Sie bemerkte wirklich nicht, dass gerade ein Streit im Gange war und auch das Weinen ihrer Mutter und ihr toter Bruder lag außerhalb ihrer Wahrnehmung, ebenso Daylight, die schon bei Merawin stand und die ganze Zeit redete … alles war auf ihren Vater konzentriert.

“Papaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!“

Sie versuchte so laut zu schreien, wie es nur irgendwie ging, kam sich trotzdem sehr leise vor und erreichte dann endlich den Schwarzen, blieb schlitternd vor ihm stehen und sah zu ihm hinauf. Dann stellte sie sich, an seinem Vorderlauf abgestützt, auf, schnüffelte und winselte dann leise, strahlte dabei so ein großes Strahlelächeln, dass es die Nacht erhellen musste. Das war ihr Vater … und oh, er war wundervoll.


Der grau melierte Pelz des Rüden war zerzaust und hier und da verunzierte getrocknetes Blut seine Fellspitzen, verklebte sie wie dunkler Schlamm. Der Rüde hatte es nicht leicht gehabt, der Fährte des Rudels zu folgen. Seit geraumer Zeit hielt er sich bereits in der Nähe der Reviergrenzen auf, kundschaftete die Ausreißer des Rudels aus und grübelte, ob es ihm erlaubt sein würde, einen Platz in ihrer warmen, familiären Mitte einzunehmen. Gezögert hatte er, war unsicher gewesen. Er hatte sich nicht aufdrängen wollen, denn er wusste, dass aus Höflichkeit in den seltensten Fällen ein Wolf abgelehnt wurde. Doch er wollte wissen, ob er wirklich dazugehören konnte, durfte, ob sie ihn nicht nur zu einem ungeliebten, aus Höflichkeit geduldeten Mitglied des Rudels machen würden. Doch dann war etwas geschehen. Er hatte nicht genau mitbekommen, was passiert war, doch das Rudel war weitergezogen, hatte den Wald verlassen und war ins Gebirge gegangen. Wie eine Flucht hatte es zuweilen sogar ausgesehen, und Rasmús hatte nurmehr gezögert. Als er sich dann entschlossen hatte, ihnen zu folgen, war es zu spät gewesen. Er hatte die Fährte verloren und musste den Wald allein durchqueren, um das Rudel wiederzufinden. Zunächst war alles ruhig, hier und da stieß er auf vereinzelte Wölfe, die ihn neugierig, fast ein wenig misstrauisch beäugten. Dann fingen sie an, ihn über kurze Wegstrecken zu verfolgen, in gemächlichem Tempo, immer im gleichen Abstand zu ihm. Es war ihm unangenehm, aber er duldete es. Schließlich schien er sich in ihrem Revier aufzuhalten, da war das nur berechtigt. Auch er hätte an ihrer Stelle wissen wollen, was genau er da tat. Irgendwann wurde Rasmús zunehmend misstrauischer, denn sie rückten näher heran, und als sie bemerkten, dass er auf die ersten Ausläufer des Gebirges zuwanderte, fielen sie über ihn her. Mit Mühe nur konnte der Grau sich ihren Fähen entringen, wand sich aus der Überzahl knurrender und geifernder Wölfe los und flüchtete in die steinige Felslandschaft, in der er sich nun befand.

Das Rudel stand zerstreut, in kleinere Gruppen aufgeteilt, in der Landschaft. Der Rüde war noch immer leicht außer Atem, das Pack hatte ihn fast bis zur Baumgrenze verfolgt. Zum Glück war er ein guter Läufer und allein, die anderen hatten zusammenbleiben wollen und waren dadurch erheblich langsamer gewesen. Nun überlegte er. Unsicher ging der Graupelz ein paar Schritte auf die Wölfe zu, die ihm am nächsten standen. Seine honigfarbenen Augen verriten seine Scheu und die Angst, vertrieben zu werden. In geduckter Haltung verharrte er, mit dem deutlichen Zeichen friedlicher Absicht, und wartete darauf, dass sie ihn entdeckten. Doch er überlegte es sich anders.

"Ich mache mich lieber gleich bemerkbar... Ich erlaube mir zu behaupten, dass die Flucht des Rudels mit meinem netten Begleit-Komitée zusammen hängt. Wenn sie nun denken, dass ich einer von ihnen bin. Außerdem sieht es nicht gerade danach aus, als würde ich nur hier herumstehen. Eher als würde ich spionieren wollen oder mich anpirschen. Da gehe ich besser kein Risiko ein, sollte das Rudel wirklich aus dem tal vertrieben worden sein, sind sie wahrscheinlich ohnehin gereizt und verunsichert."

Also japste Rasmús ein paar mal leise, ehe er heulte, um die Aufmerksamkeit zu erregen. Er stellte sich, völlig ohne Absichten und ganz allein, damit sie gleich sehen konnten, dass er nicht auf Angriff sinnte. Im Kopf ging er bereits Formlulierungen für eine höfliche, redegewandte Vorstellung durch, strich Floskeln und veränderte, ersetzte und verbesserte seine kleine Rede an vielen Stellen ein wenig. Er wollte nicht ungepflegt und dahergelaufen wirken, wie dieses blutrünstige Vieh dort unten im Wald. Diese Streuner hatten ihm eine unglaubliche Schmach auferlegt. Vor solchen Artgenossen lief er nicht gern davon.


Green drücke immer weiter ihr kleines Köpfchen in ihre kleinen Samtpfoten, die noch imer voll Blut waren weil die kleine Fähe für sie einen sehr weiten Weg laufen musste durch die viele verschiedenen Täler.Doch als sie die wohl klingenden Wörter hörte schaute sie mit sehr großen intressierten Augen hoch zu der großen Fähe.Green´s Gedanken überschlugen sich gerade nur noch und sie wollte wie immer vor allem udn ihren Problemen wegrennen. Doch dieses Mal blieb sie wie angewurzelt auf dem Boden stehen und schaute Kaede einfach nur an. Kann es wirklcih sein das diese Wöflin ihre Tante sein könnte?Green schaute Kaede sehr genau an und ging dann auf die Weiße zu. Die Welpin achtete in diesem Moment gar nicht mehr auf Leichte die etwas weiter zwischen Banshee´s Füßen Lag. Nun schaute sie zu Kaede hoch und ging einen weiteren Schritt auf sie zu, der Schritt war aber nur ein sehr kleiner Tapser.

"..Ich bin Green...und...eh..."

fragte die kleine mit einer sehr leisen und ruhigen aber dennoch etwas krätzigen Stimme. Danach fuhr sie fort.

"..Wie alt ich bin?!..Das weiß ich gar nicht..ich zähle die Tage nicht.."

kam von ihr hervor. Sie ging erneut einen Schritt weiter zu der Fähe und kuschelt sich zwischen ihre Beine. Sie stand jetzt genau zwischen ihren forder Pfoten und schaute zu Kaede hoch. Green wusste das ihre Tante auf irgendeine Art und Weise anders ist als die anderen Wölfe hier in dem Rudel. Es wirkte als würde die Große, Green gar nicht sehen können oder Wahrnehmen könnte. Green stand zwischen den Beinen und musste erst mal ihre Gedanken ordnen. Sie war sehr verwundert, dass überhaupt noch Jemand von ihrer Verwandschaft lebte.


Es war Zeit. Zeit zu was? Zeit, das er handelte und sich endlich von hier fort bewegte. Wie und warum wusste der Nachtschwarze nicht so recht, aber er setzte sich in Bewegung, ja ganz allmählich kam wieder Leben in den Körper des Nachtsohnes, der lautlos über die Felsen schritt und den anderen folgte. Er folgte keinem Rufen keinem Schreien, er nahm die Laute nur schwach wahr, als würde etwas um ihn herum alle Geräusche davon abhalten, zu ihm durch zu dringen. In der tat spürte er sich in jenem Augenblick selber nicht. Ausgehöhlt und leer, eine wandelnde Marionette, deren Fäden niemals rissen.
Ehe er sich versah, war er schon dort angekommen, wo schon einige aus dem Rudel versammelt waren. Er kannte außer Banshee und Shit keinen Einzigen von ihnen, nur flüchtig vom Sehen, als sie in die Berge flohen. Ansonsten waren sie ihm alle fremd, genau wie er allen fremd war. Ein Fremder in der Fremde und es gab wohl nichts, das dieses Gefühl in ihm auszulöschen vermochte. Wo gehörte er hin? So unvollkommen und schattenhaft er war. Er ging nicht schnell, ging umsichtig, damit er sich nicht die Pfoten verletzte, die ihn schon etliche Meilen getragen hatten. Wo war das Ende seiner Reise? Vielleicht der Ort, an dem er umkippen und für immer liegen bleiben würde. Schnell schlossen sich die blauen Augen. Er hatte es Shit doch gesagt. Versprechen hatte er es nicht können, aber das er mit ihm gegangen war, war seine stumme Antwort gewesen. Die Antwort, das er es noch ein Mal versuchen wollte, auch wenn ihm immer wieder verdeutlich würde, das es keinen Sinn hatte und dieser pessimistische Kern noch immer nicht ausgerissen war. In der zeit war einfach zu viel passiert, was nicht hätte passieren sollen, was nicht ungeschehen gemacht werden konnte und den Optimisten in ihm hatte verstummen lassen. Wenn er es denn jemals gewesen war.
Midnight hielt inne, abseits der Versammlung, denn er hatte eigentlich bei einer solchen nichts zu suchen. Er gehörte nicht hier hin, war irgendwie fehl am Platze, hob sich doch so drastisch von den anderen Mitgliedern ab. Langsam ließ sich der Schwarze auf die Hinterläufe sinken, legte die Rute neben sich und öffnete die Augen. Auch wenn es hieß, das man besser mit dem herzen sah. Doch sein herz schlug nur, um das Blut durch seine Adern zu pumpen, aber nicht um zu fühlen. Ruhig ließ er den klaren Blick wandern, versuchte die Situation zu erfassen, die auf den ersten Blick klar und verwirrend zugleich war. Und dennoch blieb er vorerst schweigend dort sitzen. Er würde keinen stören, denn seine Anwesenheit fiel allgemein erst dann auf, wenn er etwas sagte.


Langsam war die Zeit vergangen bis die Fähe Kaede endlich antwortete. Green hieß ihre kleine Nichte also. Und sie wusste nicht wie als sie war, weil sie die Tage nicht zählte? Aber man musste doch ungefähr wissen wie alt ma nwar oder? Kaede wunderte sich. Naja vielleicht war der Kleinen ja etwas schlimmes passiert und sie hatte sich nicht mehr um die Zeit gekümmert. Aber letzendlich war das Alter ja gar nicht so wichtig. Sie spürte, wie Green sich zwischen ihre Vorderpfoten stellte und merkte seinen Blick auf ihr. Ob er wohl merkte, dass sie blind war? Sie wollte es ihm auf jeden Fall nicht sagen, sie war es Leid immer und immer wieder zu erzählen, denn eigentlich war es ja nicht schwer zu erkennen. Es stimme sie traurig und nachdenklich davon zu reden und so hatte sie beschlossen es zu unterlassen.
Kaede bemerkte einen anderen Wolf(Midnight Sayrán), welcher auf ihre einigermaßen große Gruppe gestoßen war. Sie konnte sich nicht wirklich an seinen Geruch erinnern, jedoch spürte sie, dass er etwas abseits saß und zwar alleine. Traute er sich etwas nicht zu ihnen? Sollte sie ihn vielleicht ansprechen? Aber nicht, dass sie ihn dann störte...

"Green, meine Kleine, guck mal nach dort drüben, da müsste ein Wolf stehen oder sitzen. Alleine, er ist erst gerade eben dazugestoßen."

Sie überlegte noch einmal kurz ehe sie wieder zu sprechen begann.

"Hey. Du da drüben, du bist gerade erst zu uns gestoßen stimmt das? Komm doch ruhig näher, Banshee ist gerade beschäftigt, wie du ja siehst oder merkst. Aber komm doch hierher und gesell dich zu uns beiden hier. Dann musst du nicht so alleine sitzen!"

Kaede legte ihren Kopf leicht schräg. War es richtig, was sie getan hatte? Vielleicht hatte der Wolf gar nicht bemerkt werden wollen? Nun ja jetzt war es sowieso zu spät und so konnte sie nichts mehr ändern. Sie strich kurz mit ihrer Schnauze über Greens Kopf, ehe sie ihn ein Stückchen nach vorne schob um sich zu erheben. Als sie stand, schüttelte sie sich kurz und machte einen Schritt in die Richtung des Wolfes, ehe sie wieder stehen blieb und sich hinsetzte.

"Komm zu mir Green..."


Lange saß der Nachtsohn nicht, denn schon erklang eine Stimme in seiner Nähe, aber nicht unmittelbaren Umgebung. Zuerst fühlte er sich nicht angesprochen, denn wer sollte ihn aus welchem Grund ansprechen? Mit seiner ruhigen, stillen Art wirkte er wie ein Schatten und mit seinem dunklen Pelz fiel er in der Nacht auch nicht viel mehr auf. Und dennoch schimmerten die blauen Augen aus dem Dunkel, wanderten langsam über die Versammelten und konnte schließlich eine Fähe ausmachen, die ungefähr in seine Richtung blickte, ehe sie sich an einen Welpen zu ihren Pfoten wandte. Viele hatte Midnight noch nicht vom Rudel kennen gelernt, es war aber gut möglich, das er auf der Wanderung einen Blick auf sie hatte erhaschen können. Sicher war er sich jedoch nicht und den Welpen sah er in jedem Fall zum ersten Mal. Schnell blickte sich der Nachtsohn um, drehte den Kopf nach hinten, um unter Umständen einen anderen Wolf zu erblicken, seiner Erwartung nach einen vertrauten, ein Mitglied des Rudels, das gerufen wurde. Doch hinter ihm war niemand, er saß dazu zu abseits. Er drehte den Kopf wieder nach vorne, verdeutlichte sich ihre Worte in seinem Geist. Er hatte zu vorschnell gehandelt, denn er war es, den man rief. Ruhig erhob er sich, lief über die Felsen, wobei sich kleinere Steinchen lösten und sein Ankommen verrieten und er wieder die scharfen Kanten mied. Noch ein paar Schritte, dann blieb er stehen. Sein Seelentore betrachteten den Anblick, der sich ihm bot und im Stillen schloss er seine Schlüsse.

Ihr habt mich gerufen, Fähe.

Seine ruhigen, leisen Worte waren keine Frage, sondern eine schlichte Feststellung, was durch seine ein wenig monotone, klangvolle Stimme verdeutlicht wurde. Midnights Augen suchten den Blick der Fähe, doch diesen würde er lange suchen können, denn ihr Augenlicht war gestohlen worden, was er an der Leere festmachen konnte. Trotzdem war da etwas in ihren Augen, was manche andere Blinde nicht hatten, doch ehe er sich zu sehr mit diesen Nebensächlichkeiten beschäftigte, es interessierte ihn nicht, wie sein Gegenüber aussah oder andere Dinge, ließ er sich wieder auf die Hinterläufe sinken, abwartend, ob es nicht doch nur ein Scherz gewesen war.


Der graue Rüde lachte leise. Sein Lachen war heiser und rau, etwas boshaftes ging von diesem aus. Alles lief nach Plan. Die Kinder des Schwarzen reagierten genauso, wie es sich Gregory ausgemalt hatte. Wie leicht es war Averic zu manipulieren. Wie einfach es doch war, die weiße Banshee zum weinen zu bringen. Mit Leichtigkeit hatte er Acollon ins Zwielicht geführt.
Sein Lachen verebbte langsam. Doch die Augen waren immer noch voller Schadenfreude auf das Spektakel gerichtet. Keiner hatte ihn bemerkt, wie auch? Das war unmöglich. Gregory konnte man nicht finden oder durchschauen, wenn er es selbst nicht zuließ.

Es ist soweit, Vater. Mein Plan ist aufgegangen. Es war leichter als gedacht. Jetzt kommt aber der schwierigste Teil. Von der Ferne her musste ich nicht viel machen. Nur zur rechten Zeit den kleinen Träumer töten, zur rechten Zeit Acollon auf eine falsche Fährte locken. Es war verdammt einfach. Doch jetzt muss ich mich unter die Wölfe mischen. Vorsichtiger sein. Aber mach Dir keine Sorgen, ich bin Dein Erbe. Das Zwielicht ist auf meiner Seite.

Der Graue setzte sich in Bewegung. Leicht waren seine Schritte, der Blick nicht mehr so kühl. Ganz im Gegenteil, seine Augen strahlten eine große, herzliche Wärme aus. Seine Lefzen zogen sich zu einem freundlichen, aufmerksamen Lächeln. Sein ganzes Erscheinen war auf einmal ein ganz Anderes.
Mit einem kräftigen Heulen kündigte er sich an. Gregory lief den steilen Abhang hinunter, erst als er wieder die Ebene erreicht hatte, verfiel er in ein leichtpfotiges Traben.

Er blieb vor der weißen Alphawölfin und dessen schwarzen Gefährten stehen. Der Fang war leicht geöffnet.

Ich weiß, mein Auftreten ist unpassend und ich werde mich auch gleich zurückziehen, doch ich wollte mich nur vorstellen und um Einlass bitten.“,

er legte den Kopf schräg und zwinkerte der Weißen zu. Etwas provozierend für Acollon, aber vielleicht legte Gregory es auch darauf an?!

Mein Name, Teuerste, ist Gregory Soeh“,

seine leise, ruhige Stimme schien sich schnell Gehör verschaffen zu können. Hier ging einiges drunter und drüber. Die vielen fragenden Welpen starrten auf den toten Körper ihres Bruders. Sein gespieltes Mitgefühl brachte er mit einem kurzen Seitenblick auf den toten Welpen zum Ausdruck.


Der Schwarze ignorierte Averics Worte, es war zwecklos ihm überhaupt noch etwas zu sagen oder zu erklären. Sollte er doch weiterhin in seinen falschen Gedanken leben. Acollon konnte es eh nicht ändern. Es war auch gar nicht die Zeit etwas zu ändern, erst war es Daylight, die ihrem Vater die Schuld ebenso zuwies und im nächsten Moment begrüßte Tyraleen ihn sehr stürmisch. Seltsam, die weiße Welpin war ihrer Mutter verblüffend ähnlich, auf der anderen Seite hatte sie die Augen von ihm. Ein leichtes Gefühl der Freude kehrte zurück. Er war wenigstens bei einem seiner Kinder willkommen. Wie lange dies wohl anhalten würde?
Die große schwarze Pranke hob sich vom Boden und drückten den kleinen weißen Körper an die schwarze Fessel. Lächelte kurz der Tochter zu.


“Rudelmitglieder und Fremde“,

der Schwarze hatte die Stimme erhoben, um sich kurz Gehör zu verschaffen. Ein kurzer Seitenblick sah auf Banshee.

“Ihr seid diesem Ruf gefolgt, um Merawin die letzte Ehre zu erweisen. Doch leider ist es nicht der einzige schmerzvolle Verlust. Auch Cylin, so wurde uns zugetragen, verweilt nicht mehr unter uns“,

Acollons Blick ruhte kurz auf Averic. Eigentlich waren immer noch nicht alle aufgetaucht und immer mehr Fremde fanden den Weg hierher. Ein grauer Wolf stellte sich kurz in der Pause vor, wo der Hüne schwieg. Mit einem knappen, sehr entnervten Nicken brachte er sie zum Schweigen.

“Merawins Körper ist hier, doch Cylin können wir nicht in Engayas Pfoten geben. Sein Körper liegt unten im Tal.“

Es herrscht Stille, alle Wölfe haben sich eingefunden und der Mond taucht langsam und in voller Größer hinter dem Horizont hervor. Die Dunkelheit wurde ein wenig schwärzer und drückender. Ein eisiger Wind pfiff um die kahlen, weitflächigen Steinfelsen.


Der Schwarze hatte mit seinen Worten geendet und sah wieder zu Banshee, war sie bereit Merawin zu verabschieden?

Banshee hatte sich langsam aufgesetzt, zuerst unsicher, ob ihre Läufe sie überhaupt tragen würden, saß sie dann doch ruhig da, wirkte viel gefasster, als sie sich fühlte. Langsam war wirklich Bewegung in das Rudel gekommen, einer nach dem anderen kam näher, voller Dankbarkeit betrachtete sie Kaede, die ihrem Ruf wirklich gefolgt war und sich Green annahm. Die Frage der kleinen verwirrte Banshee, wo sie doch soeben verkündet hatte, dass sie Green hieß. Vielleicht war sie krank oder sehr verwirrt, aber diesen Umständen würde sie sich jetzt nicht mehr annehmen, Kaede hatte die Welpin bereits zu dich genommen und würde sich um sie kümmern, in dieser Situation war ihr alles damit zusammenhängende zunächst egal … schließlich lag Merawin noch immer zwischen ihren Pfoten. Sheena kam zu ihr, die arme kleine Sheena, die trotz dem Verlust ihrer Eltern und aller Geschwister noch immer bei ihnen war und sich, das musste man sich eingestehen, zu einer schönen Fähe entwickelt hatte. Banshee schien es, als hätte sie sie schon eine lange Zeit nicht mehr gesehen, dabei musste sie immer bei ihnen gewesen sein. So etwas wie Schuldbewusstsein kam auf, wo sie Hanako doch versprochen hatte, sich um ihre Tochter zu kümmern. Aber der Zeitpunkt war so endlos schlecht gewählt, wie gerne hätte sie sich in einer ruhigen Minute mit ihr unterhalten, über ihre Eltern geredet, die Sheena doch nie richtig verstanden hatte und ihr von so vielem erzählt. Jetzt aber war ihr das nicht möglich, sie musste Mutter, Gefährtin und Leitwölfin auf einmal sein, eine Art Tante, oder was sie auch immer für Sheena war, bekam sie nicht auch noch unter einen Hut.

“Ja, Sheena, das Rudel soll mit uns gemeinsam meinen Sohn verabschieden. Deshalb kann ich nun auch nicht mit dir über deine Familie reden, auch wenn ich das sehr gerne tun würde. Wenn das alles vorbei ist und sich der Knoten gelöst hat, kommst du dann wieder zu mir und ich werde dir viel über deine Eltern erzählen? Jetzt aber kann ich dir sagen, dass es deiner Familie sicher gut geht. Hidoi ist ein starker Rüde.“

Sie lächelte der Weißen leicht zu, musste dann aber wieder den Blick abwenden, als Averic leise Mama sagte und ihr damit einen Stich ins Herz gab. Wie lange hatte er sie nicht mehr so genannt? Es schien ihr ewig her … wehmütig lag ihr Blick auf ihrem Sohn, auch er erzitterte, kam näher, und blieb dann doch entfernt von ihr stehen. Sie spürte, dass er zu ihr wollte, jedoch nicht zu all den anderen Wölfen, die um sie herum standen. Am liebsten hätte sie sie alle vertrieben, sie, die ihren Sohn und sie selbst trennten, aber sie tat es doch nicht und sah nur unendlich traurig zu ihrem schwarzen Sohn. Sie konnte nicht zu ihm, Merawin lag zwischen ihren Pfoten, alle standen um sie herum, es ging nicht … und doch wollte sie so unendlich gerne, alles in ihrem Herzen sehnte sich danach, zu Averic zu gehen. Doch schon kamen Welpen angestürmt, Tyraleen und Daylight. Ihre weiße Tochter stürzte sich auf ihren Vater und Banshee ließ sie mit einem kleinen Drücken in der Kehle, Daylight dagegen kam sofort zu ihr, wandte sich aber ihrem toten Bruder zu. Es zerriss ihr das Herz, als sie mit ihm zu sprechen begann, ihn aufwecken wollte und er sich doch nicht rührte. Plötzlich waren die Thränen wieder da, unendlicher Schmerz, dass ihre Tochter ihren Bruder so sehen musste, ihn wecken wollte, nur langsam verstand und dann sie ansah, mit so vielen Thränen in den Augen.

“Daylight … er ist jetzt … in einem guten Land.“

Sie sah den Blick ihrer Tochter zu Acollon, versuchte ihn aber zu missachten, senkte die Schnauze, fuhr ihrer Tochter über das Fell und meinte, noch nie so traurig gewesen zu sein. Keine Mutter sollte jemals diese Trauer ihrer Tochter erfahren müssen, keine Schwester sollte verzweifelt versuchen, ihren toten Bruder aufzuwecken. Es war alles falsch. Immer wieder leckte sie über das graue Fell, wusch es rein, obwohl es schon längst glänzte und beobachtete dabei, wie sich ihre eigenen Thränen mit denen ihrer Tochter auf dem Fell ihres Sohnes vermischten.

“Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du wieder mit ihm spielen, wir werden alle gemeinsam über blühende Wiesen laufen und die Sonne wird in unserem Fell spielen. Bis dahin wird er auf uns warten, genauso wie Cylin auf uns warten wird. Weine nicht, meine Tochter, es ist gut so. Engaya liebte die beiden und jetzt sind sie sicher in ihren Pfoten. Nur weine nicht.“

Tröstende Worte zu finden, wo doch selbst so viel Trauer in ihr herrschte, schien ihr so endlos schwer, sie wollte nicht, dass Daylight das alles erleben musste, sie wollte doch, dass sie genauso glücklich aufwachsen durfte, wie ihre älteren Geschwister. Doch Zeit für weiteren Trost blieb nicht, Acollon erhob seine Stimme und endlich war es so weit, Merawin würde seinen letzten Weg antreten. Es tat so unglaublich weh, als sie Daylight sanft zur Seite schieben, weg von ihrem Bruder, und dessen leblosen Körper langsam aufheben musste. Schweigend wartete sie, bis ihr Gefährte geendet hatte, dann beugte sie sich leicht vor, sah noch einmal in den reißenden Fluss tief unten und senkte den Kopf in die Schlucht, so tief wie sie nur konnte um schließlich mit einem wehmütigen Heulen den Körper ihres Sohnes loszulassen und ihm nachzusehen wie er dem Wasser entgegentaumelte. Man hörte nur ein leises Platschen, dann war Merawin verschwunden, von den Fluten verschluckt und doch endlich auf dem Weg zu Engaya. Es war gut. Sie richtete sich wieder auf, beugte sich zu Daylight, musste ihr wieder durchs Fell fahren, versuchte Trost zu spenden und hob schließlich die Schnauze in den tiefschwarzen Himmel. Sie stimme das Lied der Trauer und des Verabschiedens an, es würde Merawin begleiten und ihn sicher führen, gleichzeitig schwang darin immer Hoffnung mit, auf ein Wiedersehen in einer besseren Welt. Das ganze Rudel fiel ein, selbst die Welpen mit ihren dünnen Stimmen. Einige Zeit lang heulten sie hingebungsvoll, dann verstummte ein Wolf nach dem anderen, stumme Trauer zurücklassend. Banshee sah wieder auf ihre Tochter, dann zu Acollon und richtete sich schließlich an das ganze Rudel. Ihre Stimme klang seltsam leblos, aber gefasst.

“Ich danke euch allen. Mein Sohn Merawin ist nun in den Pfoten Engayas. Jetzt nehmt noch die restliche Rast wahr, bei Sonnenaufgang werden wir wieder aufbrechen und in höhere Gebiete vordringen, hier ist keine Sicherheit garantiert. Wir werden euch dann rufen, gute Nacht.“

Sie hoffte, dass sich die Wölfe bald zerstreuen würden, besonders weg von der Schlucht und den schrecklichen Gedanken, die an ihr hingen. Sie stupste Daylight sanft an, tröstend und doch gleichzeitig auffordernd und sah dann zu Acollon. Liebevoll berührte sie seine Nase, lächelte traurig und doch irgendwie anders als zuvor. Schließlich erhob sie sich, sprang von dem Felsvorsprung und eilte die wenigen Schritte bis zu Averic. Sie vergrub die Schnauze im Nackenfell ihres Sohnes, drückte sich an ihn und spürte, wie sich sein Kummer mit ihren verband. Sie winselte leise, fuhr ihm dann mit der Zunge über die Schnauze und sah ihn wehmütig an. Er verdiente so viel mehr, als er bekam, war aber dabei nicht fähig, es anzunehmen. Er war ihr schwierigster Sohn und doch liebte sie ihn genau dafür. Sie wollte etwas sagen und fand doch keine Worte dafür, was sie dachte und empfand, spürte sogar ein leises Glücksgefühl, weil es schien, als hätte sie einen verlorenen Sohn wiedergefunden. Aber wie immer musste ein solcher Moment unterbrochen werden, wäre Banshee nicht Banshee, wäre sie nun wohl wütend geworden, so aber sah sie den grauen Rüden vor sich nur mit einem müden Blick an.

“Ich grüße Euch, Gregory Soeh. Um Einlass bitten ist übertrieben, wir sind Vertriebene. Solltet Ihr jedoch bei diesem Rudel verweilen wollen, so ist es Euch gestattet. Ich bin Banshee, Leitwölfin wie Ihr wohl schon von selbst angenommen habt, dies ist mein Sohn Averic und dort vorne ist Acollon, mein Gefährte und Mitleitwolf.“

Sie verstummte, wollte aber auch nicht sonst viel mehr mit diesem Gregory Soeh anfangen. Er kam wirklich in einem unpassenden Moment, gerade hatte sie ihren Sohn verabschiedet, einen anderen nicht verabschieden können und den letzten wiedergefunden – sie würde sich jetzt über nichts Gedanken machen, auch nicht über seinen seltsamen Grauen, der wie aus dem Nichts erschien. Nicht mal sein Zwinkern nahm sie richtig wahr, lediglich am Rande, wunderte sich vielleicht für Sekundenbruchteile darüber und schloss dann doch an Averic geschmiegt die Augen.


Einige Sekunden lag hatte die Schwarze noch da gestanden, unschlüssig, was sie tun sollte und hoffte auf eine Antwort, doch diese wurde schon von ihrer Schwester Tyraleen übernommen, die sie rief. Sie sollte mit kommen und ihren Vater begrüßen?! Fasziniert blickte Amáya in die Augen ihrer Schwester, die sie anlächelte. Vielleicht hatte Parveen nicht ganz Unrecht? Sie wollte ihnen eine Chance geben und ihre Chance nutzen, die man ihr soeben anbot. Mit einem Satz setzte sich die zierliche Jungfähe in Bewegung, beschleunigte immer mehr, bis sie mit großen Sätzen hinter der Weißen zum Stehen kam. Auch wenn sich ihr Gesicht aufgehellt hatte, so war noch immer kein breites Strahlen zu sehen, wie bei ihrer Schwester und auch der Funke der Unsicherheit lag noch in ihren Augen, der noch verstärkt wurde, als sie ihre Mutter sah. Warum war sie so traurig. Wie in einem Traum sah sie Daylight zu, bis ihr der Schrei durch Mark und Bein ging. Aber es war nur Tyraleens überschwängliche Freude, bei der selbst Amáya unwillkürlich mitlächeln musste. Der traurige Ausdruck in den Augen ihrer Mutter war in die Ferne gerückt.

Hallo Papa.

, murmelte sie leise und sah zu dem großen Wolf hinauf, der von ihrer weißen Schwester gerade in Augenschein genommen wurde. Dann schwieg sie wieder, denn es passierten einige Dinge in rascher Abfolge. Ihr Bruder Merawin wurde verabschiedet, genau wie ihr großer Bruder Cylin. Welcher Verlust sie mehr schmerzte, wusste sie nicht und es war in diesem Augenblick auch völlig unerheblich. Als ein Heulen angestimmt wurde, hob auch sie ihren Kopf, schloss die Augen und ließ alle ihre Gefühle in dieses Heulen fließen, dessen heller, melancholischer Klang sich unter die Stimmen des Rudels mischte.
Danach sah sie noch zu ihrer Mutter, die schon bald zu ihrem großer Bruder ging und das Regenkind wollte sich nicht dazwischen drängen. Ihre regenblaue Augen suchten den Blick von ihrer Schwester, aber ehe sie Blickkontakt herstellte, blickte sie schnell wieder zur Seite. Wenn sie dem Blick Tyraleens begegnete, wie sollte sie diesem entgegen gehen? Ein Lächeln war in dieser Situation eher unpassend. Also blieb ihr erstmal nichts anderes übrig, als zur Seite zu sehen und sich auf die Lefzen zu beißen.


Lange Zeit war nichts geschehen. Sie war sich nicht sicher, ob der Wolf sie überhaupt wahrgenommen hatte. Von der Entfernung die sie schätze musste er sie auf jeden Fall gehört haben. Da Green sich nicht rührte, machte sie es sich auf den Steinen so bequem wie möglich und wartete. Dann hörte sie leise Steine klackern und merkte, wie der Geruch des Wolfes immer näher zu ihr getragen wurde. Sie nickte leicht, lächelnd und blickte zu dem Wolf.

„So habt ihr mich also doch gehört, ich dachte schon, ihr wärt so abwesend, dass ihr mein Rufen nicht wahrgenommen habt. Ich habe euch gerufen, weil ihr dort so einsam saßt, oder bin ich da im unrecht?“

Sie hatte bemerkt, dass der Wolf sie kurz angeschaut hatte und wusste, dass er bemerkt hatte, dass sie blind war. Manchmal war es für sie selber unerklärlich, wie viel sie mitbekam ohne zu sehen was die anderen Taten, wie sie sich verhielten oder wie ihre Mimiken waren. Sie lächelte immer noch.

„Ich hoffe ich habe euch nicht gestört und ich möchte euch auch sicher nicht belästigen“

Hob sie an, als sie von Acollon unterbrochen wurde. Er teilte ihnen mit, wer gestorben war, wer sie verlassen hatte und wen sie hier verabschiedeten. Ihr tat Cylin leid, da er nicht ehrenvoll verabschiedet werden konnte, doch sie wusste, dass er die Verabschiedung trotzdem mitbekommen würde. Sie erhob ihre Schnauze zu einem kraftvollen Heulen. Es lag Trauer darin, jedoch ebenso Hoffnung, Hoffnung für die beiden, welche gestorben waren und nun in Engayas Pfoten wandelten. Langsam senkte sich ihr Heulen und verstummte dann ganz. Sie würden bei Sonnenaufgang weiterziehen. Eine lange Pause konnten sie sich anscheinend nicht leisten, Kaede fragte sich, ob alle Wölfe durchhalten würden und sie konnte es nur hoffen, denn sie wollte nicht, dass noch irgendjemand einen Verlust erleiden würde. Sie seufze leise und wandte sich dann wieder dem Wolf neben sich zu.

„Sagt mir, seid ihr neu hier?“

Sie hatte ihre Stimme gesenkt, einige wollten vielleicht noch Trauern. In Ruhe. Kaede hatte sich ehrenvoll verabschiedet. Sie hatte die beiden kaum gekannt und trotzdem hatte sie das Gefühl, dass etwas fehlte. Doch der Wolf neben ihr kam ihr so interessant vor.

„Sagt ihr mir euren Namen? Vielleicht interessiert es euch ja, vielleicht auch nicht. Ich bin jedenfalls Kaede.“

Sie hatte nicht das Gefühl, als ob der Wolf an irgendetwas wirklich interessiert war, zumindest nichts, was gerade hier war oder hier vor sich ging. Es war jemand, den sie nicht gut einschätzen konnte und das reizte sie irgendwie. Vielleicht verbarg sich irgendetwas hinter diesem Wolf, vielleicht auch nicht auf jeden Fall freute sie sich immer, wenn sie das Rudel besser kennen lernte, vor allem wo bei der Flucht so viele Neue Wölfe dazu gestoßen waren. Sie schüttelte sich wieder und legte ihre Ohren ein wenig nach hinten um nach Green zu lauschen, welcher sich entweder nicht zu dem anderen Wolf traute, oder welcher zu benommen von der Verabschiedung war. Doch er würde schon zu ihr kommen, sie hatte ihm angemerkt, wie froh er war als er gehört hatte, dass er noch Verwandte hatte. Das würde ja heißen, dass ihre Schwester nicht mehr lebte. Im Stillen verabschiedete sie sich von ihr und klappte die Ohren wieder nach vorne.


Sheena hatte lange auf die Antwort von Banshee gewartet und doch war es nicht so eine Antwort wie sie es gewollt hatte. Aber sie konnte Banshee verstehen, sie war wirklich zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt zu ihr gestoßen. Und doch ängstigten sie die Worte Banshees etwas, sie waren ihr so aggressiv vorgekommen. Oder hatte sie sich dies nur eingebildet? Sie sollte wiedergekommen wenn alles gelöst war. War irgendwann einmal alles gelöst? Passierte diesem Rudel nicht immer irgendetwas?
Verschüchtert legte sie die Ohren an und trat einige Schritte zurück. Sie vernahm nur von Fernem die Worte Acollons und Banshees. Plötzlich fingen alle Wölfe ein trauriges Heulen an, welchem Sheena kläglich zustimmte. Sie trauerte nicht nur um die beiden Wölfe, welche eben genannt wurden, sondern auch um ihre Familie, von denen sie nichts wusste. Nicht wusste ob sie noch lebten und wo sie lebten wenn es so sein sollte. Natürlich war Hidoi ein starker Rüde aber auch er konnte seine Familie nicht ständig verteidigen, wenn etwas sein sollte. Auch ihr Papi war nicht perfekt, so wie es sich aus Banshees Mund angehört hatte. Und Hanako, ihre geliebte Hanako, ihre Mutter hatte sie wohl noch weitere Welpen zur Welt gebracht? Wenn dann alles gut gegangen war? Und ihre Geschwister was war mit denen? Viele Fragen für eine Kleine Fähe. Morgen sollte es schon weitergehen? Schlotternd ließ Sheena sich auf den harten Boden sinken, achtete nicht auf spitze Felsen welche sie verletzen könnten. Der Marsch jetzt war so anstrengend für sie gewesen und jetzt sollte es noch höher gehen? Das würde sie nicht durchhalten aber sie wollte doch, sie musste doch. Seufzend ließ sie ihren Kopf auf ihre Pfoten sinken. Er kam ihr so schwer vor, so unglaublich Schwer. Und auch ihre Augenlieder waren so schwer und ihr ganzer Körper schmerzte so geschunden war er. Nur ein wenig schlafen, nur ein wenig schlafen wollte und musste sie, damit sie morgen überhaupt vorwärts kommen würde. Sie schloss die Augen und befand sich schon in dem Land ihrer Träume.

oO{„Mamaaaa, Papaaaaa, was tut ihr denn hier? Wie geht es euch?“ Oo

Ungestümt lief die kleine Fähe auf die beiden Wölfe zu, welche bei jedem Schritt den sie tat immer mehr verblassten.

Mama?

Winselnd erklang der kleine Schrei aus ihrer Kehle, sie schlug die schweren Augen auf und bemerkte, dass sie nicht lange geschlafen haben konnte, kaum etwas hatte sich verändert eigentlich gar nichts. Sie hatte nur schlecht geträumt redete sie sich gut zu, jetzt hatte sie Angst ihre Augen wieder zu schließen und dabei war doch alles so schwer.
Doch sie hatte sich vorgenommen es zu schaffen, sie würde bei dem Rudel bleiben, würde morgen weiter hinaufsteigen, koste es was es wolle. Entschlossen legte sie sich bequemer hin um dann mit Augen offen etwas in sich zu versinken, dachte über alles Mögliche nach um ja nicht wieder einzuschlafen und zu träumen.


Sich eingeengt fühlend, von der Menge, von den Wölfen, trat Averic ein paar Schritte rückwärts, ließ den tiefblauen Blick kurz hin und her huschen und noch einmal seine Mutter wehmütig ins Visier nehmend, ließ er ihn schließlich wieder zu Boden gleiten. Ach, die anderen, sie waren doch alle scheiße. Waren unwissend, dumm oder gar sehr anteilnahmslos. So wie sein toller Vater zum Beispiel. Seine Worte, wie er jetzt zum Rudel sprach und von schmerzlichem Verlust sprach, fing es wieder an in ihm zu toben. Schmerzlich, ja und wie! Aber doch nicht für diesen Mistkerl, der kannte die Opfer ja nicht mal genau, obwohl es zwei seiner Söhne waren! Das konnte Averic ihm einfach nicht verzeihen. Als Acollon schließlich zu der Stelle mit Cylin kam, der unten im Tal lag, zerschunden und verblutet, kniff er kurz die Augen zusammen und presste leise einen Fluch zwischen seinen Zähnen hervor. Wieder drückte es ihm die Kehle zu, brannte in seinen Augen, doch er weinte nicht mehr. Er wollte nicht mehr, er wollte nicht mehr, er war so verdammt schwach. Was hatte Cylin ihm da Gott verdammt nur angetan?! Ach, wenn er nur seinem Mörder jemals gegenüber stände ... er würde ihn in der Luft zerreißen, ihm nicht einfach die Kehle aufreißen, er würde ihn leiden lassen, so lange es ging. Dieser Bastard sollte nachempfinden, wie es seinem Träumer ergangen sein musste. Unbändiger Hass loderte wieder in ihm auf. Der Pechschwarze spürte den Blick seiner Mutter auf ihm liegen und hatte dann aber das Gefühl, darunter kleiner zu werden, wieder zu dem kleinen Welpen, der er noch vor gar nicht so langer Zeit gewesen war. Als das Rudel dann anfing zu Heulen, drehten sich die spitzen Ohren des Jungwolfes zurück und er drückte die Lefzen fest aufeinander. Erst kämpfte er den Drang, mit in den Gesang zu fallen, hinunter, da er nicht für Merawin heulen wollte, doch als er dann das lachende Gesicht seines Bruders vor Augen hatte, warf Averic den Kopf in den Nacken und stimmte mit tiefer, dunkler, aber klarer Stimme mit ein. Das war nur für ihn, nur für seinen kleinen Träumer allein. Ein Lied für seinen kleinen Bruder Cylin. Und all seine kalte Härte, Wut, Unnahbarkeit und den Hass vergessend, legte er in dieses Lied jede brüderliche Liebe, die der Pechschwarze je besessen hatte. Als die Wölfe schließlich nach und nach verstummten, ließ Averic seinen Kopf noch einen Augenblick in den Himmel gerichtet, suchte irgendwo in der Schwärze nach den Sternen.

.oO°( Wir sehen uns irgendwann wieder, mein kleiner Träumer. )

Ein leises Seufzen, das fast schon einem Wimmern glich, verließ Averics Kehle und er senkte den Kopf wieder, schluckte stark. Es sollte ihm jetzt bloß keiner von diesen blöden Wölfen zu nahe kommen, sie sollten weg. Zu Banshee huschten die tiefblauen dann aber trotzdem fast klammheimlich und da sie plötzlich ganz schnell auf ihn zukam, hob der Pechschwarze unwillkürlich den Kopf und überlegte fast einen Moment, ob er zurückweichen sollte, als befürchtete er, dass nun der Ärger kam, weil er seinen Vater so angeschrieen und beleidigt hatte, wie er es auch verdient hatte. Doch dieser Gedanke zerstreute sich in Windeseile, nicht seine Mutter, die ihn eben so traurig und mitfühlend angesehen hatte. Nein, sie kam zu ihm, damit sie den Kummer und gleichzeitig auch Trost teilten. Und Averic würde niemals in Worte fassen können, wie dankbar er ihr nun dafür war – so unglaublich das auch klingen mochte. Wer den Jüngling nun sah, der sich ganz eng an seine Mutter drückte, würde niemals glauben, dass es sich wirklich um ihn handelte – den Pechschwarzen, von dem man nie ein gutes Wort hörte, der jedem aggressiv und kalt gegenüber trat. Naja, fast jedem, wie man nun sehen konnte. Und es scherte ihn jetzt grade einen feuchten Dreck, was die anderen dachten. Die Verdammnis erinnerte sich nicht daran, Banshee, seiner Mutter jemals so nah gewesen zu sein und obwohl grade wieder so viel Trauer über ihn herein brach, fühlte er sich doch gut dabei. Sie schleckte ihm über die Schnauze und ihren wehen Blick konnte er nur mit einem zurücklegen der Ohren entgegnen. Vielleicht sollte er irgendwas sagen, aber ihm fiel nichts ein, nichts Passendes und grade er sollte nun danach suchen? Das konnte er doch gar nicht, er würde niemals fündig. In Averics tiefblauen Blick mischte sich beinahe etwas Entschuldigendes, obwohl er nicht richtig wusste warum. Vielleicht, weil er oft, viel zu oft scheiße war, mit Unnettigkeiten um sich schleuderte und jeden kläglichen Annäherungsversuch – zum Beispiel die von Shit – niedermachte? Aber das war nun einmal er. Einen auf nett tun, er würde sich falsch dabei vorkommen. Aber das war nun auch überhaupt nicht relevant. Vielleicht später wieder. Was dachte er überhaupt ... sich dafür entschuldigen ... nein, stopp. Jetzt nicht diese Gedanken, der alte Ego sollte jetzt in seiner dunklen Ecke bleiben. Cylin war tot – wie oft war ihm das nun schon durch den Kopf gegangen? – und Banshee war hier um ihn zu trösten, um selbst traurig zu sein. Dicht schmiegte sich Averic wieder an den Hals seiner Mutter und versuchte, so gut es eben ging, diesen Vollidioten zu ignorieren, der jetzt grade dastand und meinte sich vorstellen zu müssen. Hatte der denn keine Manieren? Als ob es grade irgendwen interessierte, wer er war. Im Normalfall wäre der Pechschwarze jetzt richtig wütend geworden, allein diese schleimische Art, wie dieser Gregory die Weiße begrüßte. Bäh, widerwärtig. Er sollte weggehen, woanders hin, von ihm aus in die Arme seines Vaters, bei dem könnte er das ja auch mal versuchen. „Mein Name, teuerster Acollon, ist Gregory Soeh ...“ Urgh ...
Aber seine Mutter tat natürlich ihren Job und obwohl er mit vorgestellt wurde, machte Averic keinerlei Anstalten, sich zu bewegen oder gar zu dem Fremden hin zu schauen. Diesen Moment, wollte er nicht, wie schon so viele, kaputt gehen lassen. Deshalb schloss er auch die Augen, als sich Banshee wieder an ihn drückte und fuhr ihr, fast wie ein Welpe, der nach den Zitzen seiner Mutter suchte, durch das Fell, bis er seinen Kopf an ihren lehnte. Langsam öffnete er die Augen wieder, den Vollidioten bereits vergessend und stierte an ihrem weißen Fell vorbei, irgendwo hin. Es war schon krank. Warum musste man erst so viel verlieren, damit man etwas anderes wiederfand, oder gar erst anfing? Warum hatte Cylin erst sterben müssen, damit er seiner Mutter wieder näher treten konnte, damit sich eine Bindung stärkte? Warum musste das nur so schrecklich weh tun? Er wollte das doch gar nicht, er wollte nicht schwach und jämmerlich sein. Verletzlich. Trotzdem spürte Averic, wie ihm wieder Tränen in die Augen stiegen. Erbärmlich ...


Stumm saß Midnight da, ließ den Blick über die anderen Anwesenden schweifen, die immer mehr wurden. Zu der blinden Fähe hielt er aus dem Augenwinkel Blickkontakt. Auch wenn sie nichts sehen konnte, so war er sich sicher, das sie seinen Blick spüren konnte. Wo ein Sinn fehlte, waren die anderen umso sensibler. Als sie erneut die Stimme erhob, wandte er sich ihr wieder gänzlich zu. Auf ihre ersten Worte antwortete er nichts, denn er wusste auch nicht, was er darauf nun antworten sollte. Daher runzelte er nur leicht die Stirn und ließ dies offen stehen.

Nein.

Sehr einfallsreich war seine Antwort nun nicht gerade, aber mehr fiel ihm nicht ein. Er war noch nie der Gesprächige gewesen, zumindest seit er denken konnte. Sich verstellen und ein völlig anderer sein konnte er nicht. Der Blick aus den mitternachtsblauen Augen traf für einen Moment den Welpen in der Nähe, ließ dann aber auch wieder von diesem ab, als in seinem Geiste das Bild eines kleinen, schwarzen Welpen auftauchte. Und wieder wuchs und wuchs und wuchs dieser... Seltsam. Auch wenn er diesmal nicht das Gefühl hatte, er würde von der Größe dieses Wolfes erdrückt werden, war es noch immer merkwürdig und verwirrend. Seine Gedanken wurden allerdings vom Abschiedsgesang des Rudels unterbrochen, das nach und nach die Luft erfüllte. Zuerst blickte er sich um, als immer weitere Stimmen einfielen, von Trauer und Schmerz erfüllt, das er es nicht nur hören, sondern auch spüren konnte, als wäre es seine eigene Trauer. Er kannte weder die Toten und doch hob er schließlich ein wenig zögernd die Stimme an und stimmte in den Gesang leise ein, bis das Lied verstummte. Wie betäubt saß der Totenwandler da, spürte das pulsieren seines Blutes in den Adern, fühlte sich aber weder lebendig noch richtig tot, als würde die Melancholie ihn mit nehmen, seinen Geist weg spülen. So dauerte es etwas, bis er die Worte der Blinden in sich aufnahm und darauf antwortete.

Ich kam, bevor das Rudel hierher fliehen musste.

Seine Stimme war noch leiser, als sie sowieso schon war, aber für die Fähe doch klar zu vernehmen, die sich ihm als Kaede vorstellte.

Midnight Sayrán.


Es war schwer für ihn, verdammt schwer. Er vermochte nicht, Banshees Bitte zu folgen und zu ihr zu gehen, zu sehr lastete seine Trauer auf ihr und zu viele andere standen bei ihr. Für alle hätte es sicher mehr als nur seltsam gewirkt, hätte er die Schritte zu ihr getan und sie begrüßt, als ob er kein Fremder wäre. Er betrachtete die Szene wie von weit fort, dabei stand er beinahe mittendrin. Vieles war ihm unklar, vieles, was sich dort abspielte konnte er nicht nachvollziehen und beachtet hatte ihn auch niemand mehr. Ein Gutes Zeichen, dass nur Acollon und Banshee wussten, dass er ein Wächter war, so konnte er höchstens von ihnen aus diesem Grunde vertrieben werden. Starr und ohne Regung hatte er die ganze Zeit verweilt, wie eine Statue, doch als Acollon nun verkündete, dass sie den Toten in die Pfoten Engayas geben würden, senkte er den Kopf. Er hatte sich lange davor gedrückt, Rudel zu besuchen und Toten den letzten Gruß zu schenken, doch dieses Mal würde er nicht drum rum kommen, allein schon, weil man wusste, was seine Aufgabe war. Er betrachtete Banshee eine Zeit lang, und als sie nun den toten Welpen aufnahm, bewegte sich der Wächter in ihre Richtung, folgte jeder ihrer Bewegungen in selber Ausführen, als wäre er ein Schatten von ihr, der ein paar Meter von ihr weggerutscht wäre. Und in dem Moment, als die Weiße nun ihren Kopf senkte, blendete der Graue alles andere aus, nur Banshee und den Welpen sah er, wie sie ihn losließ und er, so furchtbar leblos und kalt, den Fluten entgegen schwebte. Alles schien in Zeitlupe abzulaufen und nun war es Zeit, das Wort zu heben.

“Du kennst diesen Welpen, Engaya,
er entstammt deinem Blut.
Die tiefen Fluten dieser Welt
Hat man zu seinem Grab erwählt.
Ein unschuld’ger Welpe, gib auf ihn Acht.
Niemand hat so früh an den Tod gedacht.
Ein letzter Gruß wird an ihn gesendet:
Zu früh wurde dein zartes Leben beendet.“



Und alles um ihn herum wurde wieder klarer, deutlicher. Er sah neben sich, erspähte die Weiße jedoch nicht und sah noch kurz hinab in die Fluten, ehe auch er sich umwandte und in das Geheul mit einstieg. Er endete seinen Gruß jedoch schnell wieder, er wollte abstand nehmen von dieser Schlucht und vor allem Abstand zu Acollon gewinnen, so stahl er sich etwas fort, sein Blick fuhr missmutig zu Banshee. Irgendwann würde er mit ihr reden können, doch nicht jetzt. Sie musste sich um so viel mehr kümmern, er würde hier verweilen und wachsam sein, noch konnte er sie nicht unterstützen. Und vielleicht war es besser so, sie würde mit seinem Auftauchen immer den Tod verbinden. So wie… er mit Acollon. Er ging weiter fort, bis er eine recht gute Sicht auf das Tal hatte, das jedoch nurnoch schemenhaft zu erkennen war. Dort unten lag immer noch ein toter Leib eines Nachkommen Engayas und der Gedanke schmerzte in seiner Brust.

.oO(Du wirst ihn nicht vergessen, dort unten, Engaya?! Sag ihm von mir, dass es mit Leid tut. Sag ihm, dass ich ihn nicht vergessen habe.)

Er senkte den Kopf und auch in ihm breitete sich die Trauer aus, schwer und düster.


Der Graue wartete eine ganze Weile, fast ein wenig betroffen über die gedrückte Stimmung, die sich auf schleichenden Pfoten an ihn herangepirscht hatte und ihm nun durch den Pelz striff wie eine kalte Hand. Dann legten die Wölfe den Kopf in den Nacken, und heulten. Rasmús konnte nicht wirklich etwas sehen, doch er wusste, es musste einer von ihnen gegangen sein. Die Trauer in dem geisterhaften Ruf hallte über die kahle Steinwüste, strich im Tal durch die Baumwipfel, stellte ihm das Nackenfell vor Unbehagen auf. Ein Beben lief durch seinen Körper. Soviel Schmerz hatte er noch nie aus Wolfsgeheul herausgehört, wie in dieser klaren, eisigen Vollmondnacht. Völlig unbewusst neigte der Wolf seinen Kopf, zollte den Toten stumm Tribut und seine Beeindrucktheit darüber, wie sehr sie geliebt worden waren. Sie mussten in dieser Familie ein wunderbares Leben gehabt haben. Eine unnatürliche Stille schien sich über das Rudel zu senkne, als auh der letzte Wolf die Stimme mit einem klagenden Ton ausklingen lassen hatte.

Der Rüde kam sich seltsam fehl am Platze vor. Er gehörte nicht dazu, wusste nicht, wer in dieser Nacht sein Leben gelassen hatte. Er wusste nicht einmal, ob er bleiben sollte, das Rudel nicht doch lieber im familiären Kreise trauern lassen sollte. Die vermutliche Alpha redete kurz mit einem grauen Rüden, das Gespräch war kurz angebunden. Auch er schien gerade erst dazugestoßen zu sein. Rasmús beschloss, die Nacht abseits zu verbringen. Er wollte sich wirkjlich nicht dazudrängen, während sie alle ihren Gedanken nachhingen, um ihre Lieben weinten. Er hatte einfach nicht das Recht dazu.

Niedergeschlagen ließ Rasmús sich nieder, seine Knochen waren müde und seine Muskeln erschlafften, kaum dass er sich auf den Bauch gelegt und die Vorderpfoten ausgestreckt hatte. Sein Blick ruhte auf einer kleinen Gruppe von Wölfen [Tyel Tinuviel, Shani & Akai], die zwar nicht in seiner unmittelbaren Nähe, jedoch auch nicht allzu weit von ihm entfernt waren. Runde hundert Schritte mochten es allerhöchstens sein. Die Ohren des Rüden spielten leicht, als er den Kopf auf die Pfoten legte, seine Hinterbeine zu sich zog und sich im Halbkreis zusammenrollte. Die spaltige Felskuppe war ein unbequemer Schlafplatz, und der üde konnte beinahe fühlen wie die Temperaturen abfielen. Sein Atem hing als dunstige Wolke über seinem Kopf, verfüchtigte sich nur langsam. Seufzend bereitete sich Rasmús auf eine lange, schlaflose Nacht vor. Während sein Blick weiterhin die kleine Truppe von Wölfen, die sich ein wenig abgeschieden hatte, studierte, versank er in Gedanken. So viele Wölfe...

"Vielleicht kann ich sie hier finden... meine Schwester... Ja, ich weiß! Es ist unwahrscheinlich!"

Er wehrte sich gegen seinen eigenen Kopf - denn sein Herz und seine Seele hatten immernoch Hoffnung, nur sein Verstand hatte längst aufgegeben. Sie war in eine völlig andere Richtung gezogen, die Welt war unermesslich groß. Das war einfach unmöglich, zu viel vom Schicksal verlangt.

"Aber es wäre schön... jemanden zum Reden zu haben, zum kuscheln..."

Seine Gedanken mochten kindlich sein, und obwohl er seine Mutter verachtete, vermisste er die Wärme, die man verspürte, wenn man sich in das Fell eines Artgenossen kuscheln durfte. Eine vertraute Seele um sich haben... das wollte er im Grunde doch nur.


Karge Antworten hatte sie von dem Wolf erhalten. Midnight Sayrán hatte er sich vorgestellt. Ein schöner Name, auch wenn er etwas hart in Kaedes ohren klang. Nur Midnight würde hoffentlich reichen. Sie lächelte wieder, also war er doch schon etwas länger bei ihnen, komisch das sie ihn nicht wahrgenommen hatte, aber sie musste zugeben, dass sie bis zu der Flucht auch noch ihren alten Gedanken menlancholisch hinterher gehangen hatte und sich erst jetzt nach der Flucht wieder dem Rudel zugewand hatte. Welch eine komische Fügung das doch war, ein Unglück passierte und sie wandte sich wieder lebensfroh dem Rudel zu. Vielleicht war es so vorher bestimmt gewesen, denn eigentlich würden solche Erlebnisse einen ja noch mehr runterziehen. Kaede grummelte leicht, morgen würde es also weitergehen, ein wenig geschafft war sie doch aber sie würde es schon packen.

"War der Anstieg sehr schwer für euch? Ihr seid nicht sonderlich am reden interessiert kann das sein? Ihr seid nicht so ein großer Redner. Lieber kurze Antworten als zu weit auszuschweifen und zuviel von sich Preiszugeben oder?"

Sie hatte gemerkt, dass sein Blick die ganze Zeit ein wenig auf ihr geruht hatte, auch als sie nicht mit ihm gesprochen hatte. Außerdem hatte er ebenfalls in das heulen eingestimmt, wenn auch leise und zögerlich. Sie ging davon aus, dass er ebensowenig wie sie die beiden gekannt hatte. Sie räusperte sich.

"Macht dir die Gegend hier oben etwas aus? Einige Wölfe fühlen sich sicher beklommen hier! Ich kann mich nicht recht entscheiden, ich sehe nicht wie es hier oben aussieht. Ich kann es mir nur vorstellen, wie . . . Eine öde LAndschaft. Alles scheint so hart zu sein und die spitzen Felsen können einen leicht verletzen. Außerdem habe ich hier oben außer uns noch nichts lebendes wahrgenommen. doch ich denke es mus hier oben Leben geben, sonst würde es solche Orte gar nicht geben, überall gibt es Leben."

Sie schleckte sich über ihre Schnauze und blickte gen Himmel. Der Wind schien von weiter oben zu kommen, er erzählte ihr ein wenig davon, was sie erwarten würde. Er erzählte ihr, dass dort oben Schnee lag, erzählte ihr, dass unzälige Felsen seinen Weg erschwerten. Sie lächelte, der Wind war ihr zu einem guten Freund geworden, er schilderte ihr dinge, welche ihr früher als sie gesehen hatte nicht wichtig vorgekommen waren. Nicht so wichtig wie jetzt.

"Es richt nach Schnee, spürst du das? Der Wind hat es mir erzählt. Redet er auch mit dir? Oh ich muss mich entschuldigen, wenn ich zu viel Rede sagt mir Bescheid. Es soll ja Wölfe geben, die es nicht so mögen viel zu Reden und wenn ich viel Rede und sie höflich sind antworten sie ja trotzdem..."

Wieder lächelte sie Midnight zu.


Daylight spürte die Trauer Banshees und den Schmerz, der auch ihr eigener war. Fest drückte sie ihren kleinen Körper an das warme, weiße Fell und begann leise zu schluchzen, während ihre Mutter ihren Pelz rein wusch. Genoss die Warme Zunge, die über ihr Fell fuhr, immer wieder und wieder. Und gleichzeitig tat es ihr weh, ihrer Mutter so viel Trauer bereitet zu haben, noch mehr Trauer. Als Banshee sie sanft von sich weg schob setzte sie sich stumm auf, die buschige Rute um die Pfoten gelegt. Schweigend schaute sie der Weißen nach, wie sie Merawins Körper aufhob und zur Schlucht lief. Nein, hatte sie schreien wollen, so laut wie sie nur konnte, doch sie tat es nicht, sie hatte Banshees tröstenden Worten gelauscht. Er würde warten und dann würden sie wieder miteinander spielen können und auch Cylin würde zurück sein. Ihr Blick folgte den vielen Wölfen, die sich nun um sie herum versammelten und obwohl sie so eng standen, fühlte sich die Kleine seltsam allein, so allein, wie sie sich noch nie in ihrem Leben gefühlt hatte. Sie sang mit, als sie ihren Bruder verabschiedeten, mit ihrer hellen, melodischen Stimme, wollte ihrem Bruder den Weg zum Himmelsland weisen, doch sie sang auch für Cylin und für Averic, damit ihr Bruder nicht mehr so traurig sein musste. Als alle verstummt waren und sich die Menge wieder trennte, blieb sie immer noch sitzen, so verloren, am Rande der Schlucht. Sie fühlte eine seltsame Leere, als sei all der Sonnenschein in ihrem Herzen mit einmal erloschen. Sonnenkind. Sie schüttelte stumm den Kopf, Tränenkind wäre wohl passender. Ihr Blick huschte zu Tyraleen und ein Hass flackerte in ihr auf, so wie sie ihn noch nie verspürt hatte. Wie konnte sie ihren Vater nur lieben? Wie konnte sie? War es nicht seine Schuld, dass Merawin und Cylin nun nicht mehr bei ihnen waren. Hasserfüllt musterte sie den riesigen Schwarzen und wandte den Blick angewidert von ihm ab, er hatte alles kaputt gemacht. Seine Schwärze hatte den Sonne in ihr erstickt. Kurz flackerte ihr Blick zu Averic, sie wusste das er dasselbe fühlte wie sie, doch sie fürchtete ihn, er hasste sie doch genauso wie er ihren Vater hasste. Die Tränenspuren waren getrocknet und noch immer fühlte Daylight nur Leere, als sie sich mit vorsichtigen Schritten den Abgrund näherte. Ihr Blick flog in die Tiefe und mit einem Mal packte sie der Drang zu springen, nur einen Schritt, dann würde sie wieder mit Merawin spielen können, nur einen Schritt, dann könnte sie Cylin sagen, wie sehr sein Bruder ihn liebte. Nur ein Schritt…
Stattdessen hob sie die kleine Schnauze zum Himmel und brach in ein klägliches Jaulen aus, das sich mit dem Nachtwind vereinte und mit leiser Melodie über die Ebene hallte.
Es drückte allen Schmerz und alle Trauer aus, die sie empfand und es gehörte Merawin allein, oder vielleicht war es auch ein wenig für Cylin und für Averic. Sie hörte erst auf zu heulen, als alle Kraft aus ihrem Körper gewichen war und sank schließlich auf die Hinterläufe, ihr Blick glitt erneut hinab in die schwarze Leere.

„Merawin mein Bruder,
immer hast du gedacht du müssest perfekt sein,
nie warst du mit dir zufrieden,
und nie habe ich dir gesagt, wie falsch du damit lagst.
Du warst perfekt, so wie du warst,
denn genau so haben wir dich geliebt.
Versprich mir, dass du nicht länger an dir zweifeln wirst.
Wir alle vermissen dich,
versprich auf uns zu warten.
Und sag auch Cylin das wir ihn vermissen,
und das er warten soll,
vor allem auf Averic, der an seiner Trauer zerbricht,
sag ihm er soll Averic sagen, dass wir ihm nur helfen wollen,
das er uns nicht hassen soll, das wir ihn lieben,
so wie wir euch lieben.
Denn ich weiß, dass dies nur Cylin vermag,
und du Bruder, vergiss nie,
dass wir dich lieben, so wie du bist.“


Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch es hallte hin der Schlucht wieder, sodass jeder der Wölfe es verstehen konnte, auch Averic und sie wusste nicht, was er davon halten würde. Erschöpft sank sie auf dem Fels zusammen, ihr Kopf schlug dumpf auf, eine letzte Träne schimmerte in ihren honigfarbenen Augen, so verloren, wie die Welpin, die allein in der Dunkelheit war, so allein.


Die kleine weiße wusste in dem Moment als der große schwarze Wolf heulte gar nicht um was es ging und sie ging auf Kaede zu. Sie platzierte sich erneut genau zwischen ihren Pfoten um sich etwas warm zu halten. Sie merkte wie der kalte Wind ihr Fell aufwirbelte und ein frisches aber dennoch sehr kaltes Gefühl aufwies. Als sie dann endlich zwischen den Beinen stand wurde ihr schon gleich ein ganzes Stück wärmer und Green schaute hoch zu Kaede. Kaede musste blind gewesen sein, sie wirkte anders, aber da Green höflich bleiben wollte lies sie die ewigen Fragereien sein. Die kleine schaute dann zu einem weiterem Wolf der sich näherte. Green zog ihren Schweif und legte sich zwischen die Beine udn winselte leise. Wie fast immer war sie verwirrd und wusste nichts, nicht wie die Lage war noch um was es gerade geht. Sie schmiegte sich etwas an Kaede an damit sie auch merkte das Green noch da sei.

"..Tante.... ich darf dich doch so nennen..oder..kannst du mir mdas alles erklären..!?"

winselte sie leise zu der Großen hoch und eine Träne kullerte ihr Gesicht hinunter. Der Welpe wusste im Moment selbst nicht wieso sie weinen musste sie tat es einfach velleicht war es auch der schon kältere Wind der ihre Augen Tränen liesen. Sie hörte dem Klang der verschiedenen Stimmen, lauschte dem Wald , schaute sich die verschiedenen Wölfe an und legte dann wieder den Kopf in die Pfoten.


Wieder ließ der Rüde eine Weile verstreichen, während er Kaedes Worten lauschte. Das was er womöglich zu wenig sprach, machte sie locker wieder wett. Aber vielleicht war es das, was ihn ins Rudel integrierte? Gewöhnt war er schon daran, Shit war nicht ohne gewesen und hatte ihn noch mehr mit ihm gesprochen, als die Graue hier. Tief atmete der Rüde die Luft ein, blinzelte, als der kalte Wind ihm durch den Pelz fuhr, dann setzte er zu seiner Antwort an.

Ich bin an die harten Lebensbedingungen größtenteils gewöhnt, daher macht es mir nicht so viel aus.

In der Tat machten ihm körperliche Wunden kaum etwas aus, die seelischen waren Schlimmer. Verirrt in der Dunkelheit einer endlosen Nacht. Ihm fiel auf, das er die ersten Worte Kaedes wieder nicht beantwortet hatte, aber was sollte er dazu sagen? Sie hatte sich ihre Fragen praktisch selber beantwortet und eine Bestätigung von ihm fand er völlig überflüssig. Es stimmte. Er war kein großer Redner, beschäftigte sich mit anderen Dingen als andere und war überhaupt so anders, so fremd. Es war nicht das erste Mal, das man ihn daraufhin ansprach. Ein Ohr drehte sich langsam nach hinten, genau wie der Kopf mit den feinen Gesichtszügen. Für einen Moment schlossen sich die Seelenspiegel und er lauschte. Lauschte über die Wortfetzen des Rudels hinweg und hörte dem Brausen des Windes einen Moment zu. Nein, das dieser zu dem Nachtsohn sprach konnte er nicht finden, aber er konnte feststellen, das es bestimmt noch ein Mal schneien würde, wann wusste er jedoch nicht. Dieser kalte, schwere Geruch war ihm vertraut, sehr vertraut. In der Eiswüste hatte er ihn fast nur in der Nase gehabt und konnte demnach damit rechnen, das es jeden Augenblick zu schneien anfing. Hier sah die Sache schon ein wenig anders aus, denn so hoch die eiswüste auch gelegen haben mochte, so steile Berge hatte es dort nicht gegeben. Hier war das Wetter nicht so berechenbar wie dort, wo er sein Exil verlebt hatte.

Es wird bestimmt noch schneien. Auch wenn mir das nicht der Wind, dafür meine Erfahrung das mitgeteilt hat.

Die Augen hatten sich in der Zwischenzeit geöffnet und musterten nun den Himmel, viel sehen und dadurch die Lage besser abschätzen konnte er nicht. Er drehte den Kopf wieder nach vorne, beobachtete die Welpin, die sich an Kaedes Pfoten drückte und wandte sich dann auch schon wieder ab. Mit Welpen wusste er kaum etwas anzufangen und ein richtiges Gesprächsthema hatte er auch nicht. Für eine richtige Konversation war er wohl einfach nicht geschaffen.


Der Wind pfiff nun stärker um sie alle herum. Er fuhr Kaede in ihr dichtes Fell, jedoch störte sie dies nicht, denn da sie bereits dickes Winterfell hatte berührte der Wind ihre Haut nicht. Doch Green musste bestimmt frieren, sie war doch noch so jung und zart. Außerdem schätzte Kaede, dass dies Greens erster Winter war und so konnte sie bestimmt nicht begreifen, was hier vor sich ging. Die Kleine schlüpfte auch schon wieder zwischen ihre Vorderpfoten und so vermutete Kaede ganz stark, dass ihr kalt war. Sie merkte, wie etwas Nasses auf ihrer Pfote landete, nachdem sie gesprochen hatte und berührte Green zaghaft mit der Schnauze oben auf der Kopfmitte.

„Hey meine Kleine, natürlich darfst du mich Tante nennen, das bin ich doch schließlich und auch wenn wir uns nicht lange kennen habe ich kein Problem damit. Du brauchst nicht weinen, alles wird gut. Weißt du, eben haben wir zwei Wölfe verabschiedet, welche von uns gegangen sind, doch auch wegen ihnen brauchst du dir keinen Kopf machen, sie gehen in eine Welt, die wir auch betreten werden, wenn wir sterben. Eine Welt in der wir uns alle wieder treffen werden. Eine Welt, die so wundervoll ist, dass du sie dir nicht ausmalen kannst. Glaube ganz fest daran! Schau dir den Himmel an, noch ist alles grau, die Wolken verschleiern deine sicht, aber wenn der Himmel frei ist, kannst du diese andere Welt sehen. Alle kleinen glitzernden Sterne dort oben sind Wölfe, Wölfe welche auf uns herunter schauen und uns das aller beste Wünschen. Sie freuen sich immer wenn wir glücklich sind. Und wenn sie traurig sind, dann regnet es. Dann sind es ihre Tränen, welche auf deinem Haupt landen und welche dein Fell durchnässen. Morgen werden wir weiterziehen, noch weiter hinauf. Es wird noch kälter werden und du wirst ein dickes Teddybär Fell bekommen, damit wirst du nicht mehr frieren. Dort oben wird es nicht regnen, sondern es werden weiße Flocken vom Himmel rieseln, so schön das auch aussehen mag, du solltest dich davon nicht täuschen lassen meine Liebe. Der Schnee ist tückisch und man muss genau aufpassen wohin man seine Pfötchen setzt, damit man nicht ausrutscht und irgendwo hinein schliddert, doch du brauchst keine Angst haben, hier sind viele Wölfe welche auch auf die aufpassen!
Und jetzt versuch ein wenig zu schlafen meine Liebe, ruh dich aus für den morgigen Tag. Wage zu träumen, denn Träume sind die Sprache der Seele.
Höre genau hin, was sie dir zu sagen hat,
und deiner Seele werden Flügel wachsen.“


Mit diesen Worten drückte Kaede ihre Schnauze abermals in das noch relativ dünne Fell, ehe sie ihren Kopf hob und Midnight ansah. Er hatte ihr wieder nur mit knappen Worten geantwortet, doch jetzt schwieg Kaede erst. Sie hatte lange mit Green gesprochen und hoffte die Kleine würde ihre Worte berücksichtigen und sich jetzt erst einmal ausruhen. Kaede hatte Angst, dass die Strecke morgen sonst zu hart für sie werden würde. Sie nickte Midnight zu. Ihre Augen drückten so einiges aus. Sie hatte sie für ihn geöffnet. Sie strahlten verstehen und Weisheit aus. Doch ebenso war Trauer, Wut in ihnen zu sehen. Freude und Angst schien sich einen Wettstreit zu liefern. . . Zögernd blickte sie ihn weiterhin an, ehe sie ihre Gefühle wieder verschloss, ihr Herz vor Gefühlen verschloss und diese weit in sich verpackte. Nun glänzten ihre Augen nur noch unscheinbar grau. Ein Schleier hatte sich wieder über sie gelegt und ihr Blick war hart geworden. Sie träumte davon am Meer zu sein, wie sie es schon so oft geträumt hatte.

„Midnight, sag, willst du mir erzählen, was dich so sehr bedrückt? Es ist nicht schön zu wissen, dass es einem anderen Wolf nicht so gut geht, wie es ihm gehen könnte. Sag, warst du schon einmal am Meer?“

Fragend richtete sie ihren Blick auf ihn.

„Das Meer, ein Platz voller Ruhe. Innerlicher Ruhe. Von weitem schon riechst du das Salz im Wind, welcher dir neckisch durch das Fell fährt. Er trägt Vögel mit sich, Vögel die immer wieder laut kreischen und dir Geschichten erzählen. Vögel, welche sich von dem Wind mitnehmen lassen und welche von dem Meer gespeist werden. Vögel, welche auf dem Wasser schwimmen können. Sie landen in dem Meer und lassen sich einfach treiben. Sie haben Zeit und kein Ziel. Sie tun immer das, was ihnen gerade in den sinn kommt. Sie sind wirklich frei. Du spürt den feinen Boden unter dir, im Sommer brennend heiß unter deinen Pfoten. Dann bewegt sich der Wind kaum, du hörst nur das leise Plätschern des Meeres, wie es langsam immer wieder über den Sand rollt. Ihn mit sich zieht und andere Dinge zurücklässt. Wenn du auf einer Düne stehst kannst du das Meer überblicken, du kannst sehen, wie die Sonne in dem Meer versinkt. Es scheint, als wäre das Meer nur eine Trennung zu einer anderen Welt, wenn hier die Sonne untergeht, geht sie in der anderen Welt auf. Wenn du im Sommer näher an das Wasser trittst erfrischt es dich, ist jedoch nicht erschreckend kalt. Wenn du jedoch im Winter oder im Herbst, manchmal auf im Frühjahr dorthin kommst, peitscht der Wind nur so durch dein Fell. Es scheint, als wollte er dir sagen, dass du wieder gehen sollst, oder zumindest darauf achten sollst, dass du nicht zu nah an das Wasser kommst. Denn das Wasser scheint sich aufzubäumen, so als ob in der anderen Welt etwas Schlimmes passiert, so als ob das Wasser jeden Moment etwas ausspucken würde. Schaumkronen tanzen dann auf den Spitzen der Wellen. Das Wasser klatscht auf den Sand, manchmal bis an die Dünen heran. Das Wasser ist eisig kalt, manchmal treffen dich harte Tropfen. Und du hast den salzigen Geruch noch lange an dir. Kannst dir immer wieder die Bilder hervorrufen. Die Bilder, die du dort gesammelt hast. Es ist ein schöner Ort weißt du. Das einzige was schade ist, dass du das Wasser dort nicht trinken kannst, das ist echt schrecklich. Doch das andere wiegt dieses Fehlen wieder auf. Ich träume gerne davon, wie es früher am Meer war und hoffe auch, dass ich es noch einmal schaffe zum Meer zu kommen. Was meinst du würde es dich auch reizen? Oder wie schon gesagt, warst du sogar schon einmal dort?“

Lange hatte sie nun wieder gesprochen und verstummte. Hing ihren Gedanken nach. Sie blinzelte und schaute Midnight freundlich an, hob ihre Schnauze in seine Richtung, als wollte sie ihn zum sprechen auffordern. Doch sie wollte nicht nur hören, ob er schon mal am Meer war, oder ob er dorthin gerne gehen würde. Sie wollte, dass er wenigstens zugab, dass ihn etwas bedrückte, sie würde es verstehen, wenn er es nicht erzählen wollte. Auch wenn er es ihr nie erzählen wollen würde, es war seine Sache und Kaede akzeptierte dies, doch sie wollte ihm wenigstens zeigen, dass sie für ihn da war. Er kam ihr nämlich sehr anders vor als einige Wölfe hier. Auch wenn in diesem Rudel viele Wölfe waren, welche anders waren. Gab es da nicht zum Beispiel die Fähe Thylia. Sie war auch anders, wenn Kaede sich nicht irrte roch sie nach Mensch. Vielleicht kannte Midnight sie ja. Sie lächelte. Wo war Thylia eigentlich? Es gab nur wenige Wölfe, die Kaede wirklich zuordnen konnte. Ebenso wie Thylia roch auch Face Taihéiyo. Doch so roch Midnight nicht, er roch schon nach Wolf. Kaede runzelte ihre Stirn. Und doch war er kein normaler Wolf, doch was war er dann? Sie kannte die Antwort auf diese Frage nicht. Aber vielleicht lautete sie auch nicht, was war er dann sondern vielleicht besser, was war mit ihm passiert? Was hatte ihn zu einem so stillen und verschlossenem Wolf gemacht, der er jetzt war. Denn das war nicht sein natürliches Ich, das wusste Kaede.


Shit richtete den Blick kurz auf Averic, als dieser zurück trat. Nicht nur dem Jüngeren war dieser Aufmarsch von Wölfen zuviel, auch ihm, obwohl er eigentlich nicht zu der Sorte gehörte, die sich vor der Nähe zu Anderen fürchteten. Jedenfalls nicht, was diese Art von Nähe anging. Die Größe des Rudels wurde ihm wieder einmal deutlich und mit dieser Erkenntnis wurde ihm auch klar, dass er kaum einen der Wölfe kannte. Er schnappte die Namen der Neuen auf, ohne dass es ihn des Weiteren interessierte. Ganz kurz sah er sich nach der Wölfin um, mit der er sich vor einer Weile unterhalten hatte und die dann zu Banshee lief. Es erschreckte ihn fast, dass er nicht mehr genau wusste, wer dieser Vielen sie gewesen war. Eine Weile musste er suchen. Der neuste Rüde nannte seinen Namen und im gleichen Moment hätte Shit ihn vergessen, wäre er nicht vor ihnen gestanden. Niemand hier sagte ihm wirklich etwas. Nicht Midnight, nicht Banshee, nicht der Alpharüde, niemand. Kein Grund, dies zu ändern. Es beruhte immerhin auf Gegenseitigkeit.
Er stimmte in die Totenmesse mit ein, bedauerte die beiden jungen Leben, aber er kannte sie nicht. Nicht einmal ein Gesicht konnte er ihnen wirklich zuordnen. Er verspürte Trauer, weil sie ihr Leben noch vor sich gehabt hätten und, weil so mancher sie vermissen würde. Nachdem das Lied des Rudels verklungen war, trat Banshee an ihm vorbei, zu Averic, um sich ihm anzunehmen. Shit trat beiseite, auch wenn es nicht unbedingt nötig war. Er ließ die Beiden allein, soweit dies hier möglich war. Ein paar Schritte entfernte er sich, um sich zu setzen. Mitten zwischen ihnen allen und doch am Rande platziert. Solch eine Totenfeier war nichts, für sein sonniges Gemüht, es hatte hier nichts verloren und vielleicht fühlte er sich schon allein deshalb fehl am Platz. Bei all dem Abschied fiel ihm auf, dass es noch nie einen Wolf in seinem Leben gegeben hatte, den er länger betrauert hatte. Gestorben war so mancher, aber sie hatten ihm nichts bedeutet. Seine Ohren schnippten, Kaedes Worte drangen zu ihm hindurch und er lauschte ihnen, mit geschlossenen Augen. Ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinen Lefzen aus und als sie geendet hatte, betrachtete er die Wölfin, Midnight und Green, die in seiner Nähe saßen. Er hüllte sich in Schweigen, als könne ein Wort von ihm, die schönen Sätze zerstören.


Jetzt hatte sie klare Zeichen, klarer würden sie wohl nicht mehr werden. Sie hoffte fast, sie verstand ihre Worte falsch, doch das lag nicht nah. Sie brauchte sich nicht einreden, es nicht verstanden zu haben, es war nicht so und für Alienna spielte es keine Rolle denn sie hatte sicher gewußt, daß es verständlich für sie war. Es war nicht mißverständlich, sie hatte den klaren Vorteil, nur selten mißverstanden zu werden, mit den deutlichen Worten, die sie aussprechen konnte. Den hatte Leyla nicht, weil Worte nicht ihre Sprache waren, nicht mehr. Früher wurden ihre Worte nur verachtet, verhöhnt und nicht für ernst genommen, so daß sie diese, für sie immer nutzlos gewesen Sprache, einfach verlernt hatte. Sie hatte ihr nie weitergeholfen und jetzt, da sie sie brauchte, sprach sie sie nicht. Innerlich versuchte sie sie festzuhalten, als sie ging. Sie griff nach ihr, doch war sie unerreichbar. Sie entfernte sich immer weiter und es gab scheinbar nichts, was sie aufhalten konnte. Selbst wenn Gewalt sie hätte aufhalten können, ihr Geist wäre weiter gegangen, fort von hier, also verschwand sie einfach, unaufhaltsam, so bestimmt wie die Naturgewalten. Nur weg von hier. Sie schien es nicht auszuhalten, zu warten, auf ein klares Ja oder Nein von ihr. Die Zeit hatte sie verändert. Die beiden Stücke paßten nicht mehr zusammen, die Böden, auf denen sie gelegen hatten, hatten sie unterschiedlich geschliffen, rauh gemacht, so daß sie jetzt nicht mehr Eins sein konnten. Aliennas Worte machten ihr Angst. Nun standen die Gewissensbisse wohl auf ihrer Seite. Wieder erschien sie ihr stärker, als sie es womöglich in Wahrheit war. Sie hatte klare Worte gesprochen, hatte verständlich gemacht, wie und warum, all das, was Leyla nicht konnte. Sie war nun an dem Punkt, der den Abgrund des Lebens ausmachte. Alienna hatte es vollbracht, ihre Wut über diese Willkür von damals in eine reine Trauer umzuwandeln. Welchen Sinn sollte das noch haben, wenn sie sich nur immer mehr wehtaten? Jedes weitere Wort, jeder weitere Blick war wie ein Stich ins Herz. Nach einer Weile, sie konnte sie noch immer sehen, wollte sie sie auch gar nicht mehr festhalten. Sie fühlte sich so machtlos. Es bedufte sicher nur ein paar einfache Worte, wie.. „Laß uns wieder Eins sein“ oder „Ich nehme deine Entschuldigung an“. Aber dies erschien gleich unrealistisch wie ein Leben nach diesem Drama. Alles das, wo für sie gehofft hatte, wo für sie zuletzt gelebt hatte, stellte sich nun als Scheinbild heraus, als etwas, das gewollt war, aber unerreichbar war, wie die Sterne. Obwohl sie wußte, daß es ihr später wehtun würde, wie eine Narbe, so drehte sie sich doch um. Sie versuchte ihre anfänglichen Gefühle, nachdem sie sie wieder getroffen hatte, aufrecht zu erhalten, anstatt diese Liebe am Leben zu erhalten, die später Vergeltung an ihren Gefühlen ausüben würde, weil sie diesen Stein nicht am Fallen hatte gehindert.
So sollte sie nicht mitbekommen, daß sie traurig war, daß ihre Worte, jedes einzelne, sie getroffen hatte und verletzt hatte, daß sie die Tatsache, daß es nun vorbei war, in tiefe Trauer stürzte, daß sie eben nicht länger sauer sein konnte. Ihre Liebenswürdigkeit hatten Leylas viel zu zartes Ärgernis, wohl das einzige jemals in ihrem Leben, einfach erstickt, verdeckt und verschleiert, überblendet und übertönt, gar nicht mehr existent gemacht, als wäre es nie da gewesen.
Doch es würde wieder kommen, und sie selbst quälen. Warum hatte sie ihre Stärke nicht angewandt, um dieses Zusammensein mit aller Gewalt aufrecht zu erhalten? Waren Stärke und Gewalt nicht immer das selbe? Es schien wohl so.
Warum war es so schwer, denjenigen, den man mochte, einfach festzuhalten, ihm einfach zu sagen, daß man ihn immer noch so mochte, wie einst? Warum ließ man zu, daß solch ein Glück unterging, obwohl es so einfach gewesen wäre, es festzuhalten? War es etwa an der Zeit? Weil nichts ewig war? Doch wenn man davon ausging, ging man in der Regel auch davon aus, es würde schon ein neues kommen und das tat sie gewiß nicht, viel zu stark war ihre Trauer und ihr ewig andauernder, neu aufkeimender Pessimismus. Leyla wandte sich ab, drehte um und lief, wie mit schweren Steinen belastet, unter tiefen, innerlichen Schmerzen in eine Richtung, in irgendeine, nur nicht in ihre. Die Steine waren rauh und kalt, ihre Spitzen wie Dornen und die Luft so schwer zu atmen. Das konnte nicht ihre Alienna sein..oder wenn sie das war, dann nicht mehr die, die sie verehrte. Sie hatte ihr doch so viel zeigen wollen, so viel Glück mit ihr teilen wollen, schließlich besaß sie die gleiche Gabe, hatte ein ähnliches Schicksal erlebt, die selben Orte betreten und war doch ganz anders. Vielleicht sollte es einfach nicht so sein, vielleicht lag auch nur ein Fluch auf ihr und vielleicht war sie zur ewigen Trauer verdammt, zum Sterben im Schatten des ewigen Pechs. Ihr langsamer Trott führte sie ungewollt zurück in die Richtung des Rudels, das sie nach scheinbar endloser Zeit wie ein Ufer nach dem Meer des Vergessens erreichte. Kein einziges Mal mehr drehte sie ihren Blick um, um in die Vergangenheit zu sehen. Das, was sich Glück nannte, würde sie dort nicht mehr erblicken, das Feuer war aus. Dunkelheit tötet Licht. Licht ist nur eine Zeit, Dunkelheit die Ewigkeit.

Atalya
25.12.2009, 17:10

Die Gedanken der Weißen schwebten weit fort, stumm lauschte sie dem Lied der Wölfe, die ihr Rudelmitglied verabschiedeten. Einen kurzen Moment spürte sie den Drang ebenfalls mitzusingen, dem Welpen einen sicheren Weg ins Himmelsland zu gewähren, doch sie widerstand ihm. Sie hatte den Kopf kurz gehoben, um die weiße Jungwölfin zu mustern, legte ihn jedoch gleich wieder auf die Pfoten zurück. Aufmerksam war sie den Worten der beiden fremden Fähen gefolgt. Doch es dauerte sehr lange, bis sie antwortete. Ein tiefes Seufzen drang über ihre dunklen Lefzen und erneut hob sie den Kopf, ihre goldenen Augen blickten erschöpft und müde drein, als sie die schicksalhaften Worte formte.

„Mein Name ist Akai, ich habe ihn noch niemandem genannt. Ich bin ein gefallener Engel und ich falle noch immer. Doch will ich mich auch Hoffnungskind nennen, denn es ist die Zeit gekommen mich Eurer Alphawölfin vorzustellen, die Zeremonie ist beendet…“

Die junge Wölfin richtete sich auf und legte die buschige Rute um die Pfoten. Kurz musterten ihre Goldaugen die beiden Wölfinnen, die einander vertraut schienen. Sie war ihnen fremd. Was würde sie alles dafür geben dazu zu gehören, endlich Frieden zu finden? Sie senkte leicht den Kopf, damit die Fremden ihre Trauer nicht sagen.

„Wir bekommen Besuch.“

Ihr Blick entschwand in die Ferne und sie sog den Geruch eines fremden Rüden ein, er ähnelte dem Tyels, so hatte doch die weiße Jungwölfin die Braune genannt. Und nun huschte ihr Blick wieder zu den Bernsteinfarbenen Augen, ihre nächste Frage kam sanft, jedoch unvermittelt:

„Habt Ihr einen Bruder?“

Schon stand die schlanke Fähe auf allen vier Pfoten, den Blick gen Himmel gerichtet beobachtete sie die funkelnden Sterne. Sie selbst war ein Stern in der Schwärze der Nacht, so hell, als leuchtete sie von innen heraus. Ein Hoffnungsstern in der Finsternis.


Ihre Pfoten hatten sie verlässlich getragen, das Fell sie stets vor dem Wind geschützt, ihre Nase hatte ihr den weg gewiesen und ihre Augen hatten die Beute erspäht die sie zum Überleben brauchte. Ihre Läufe hatten sie schnell vorangebracht, ihre Zähne hatten sich an den Knochen ihrer Nahrung geschliffen, und ihre Ohren hatten sie stets zuverlässig vor Gewittern gewarnt. Sie war immernoch sie selbst, keine neuen Narben und keine alten Wunden - nur die kräftige, kämpferische Fähe, die in ihre Heimat zurückkehrte.

Das Tal der Sternenwinde.

Sie war nicht mehr weit davon entfernt, sie kannte die Gegend, und ihr Lauf wurde schneller. Die Alpha kam zurück zum Rudel... An der Reviergrenze hielt sie, roch den schwindenden Geruch von Banshees Spuren, und übertrat sie völlig selbstverständlich. Sie kam aus dem Nordwesten, durch den Wald, und ihre Pfoten wurden kaum müde von ihrem weiten Weg. Dennoch blieb sie nun stehen, reckte den kopf gen Himmel und sand ein lautes Jaulen gen Himmel. Es war kein Anklopfen, keine Bitte um Einlass, es war der stolze Gruß der Leitwölfin, der Ruf nach ihrer Schwester, ein Wilkommensgruß für sie selbst, in gewisser Weise. Einige Minuten stand sie so da, senkte schliesslich wieder den Kopf und schloss die Augen. Wärme stieg in ihr auf, und warm schoss das Blut durch ihre Venen.

~Zuhause~

Es war dieses Gefühl von Zugehörigkeit, von Heimat, dass sie umfing, und dass ein seliges Lächeln auf ihre dunklen Leftzen zauberte - bis sie plötzlich einen fremden Geruch in der Nase spürte. Doch sie öffnete die Augen nicht. Sicher waren viele Neue zum Rudel gestossen...sie war lange fort gewesen...ob es den schwarzen Todbringer noch gab, ihren Konkurrenten im Kampf um Banshees Zeit und Liebe? Und, ja, was war wohl aus Banshee geworden? War sie immernoch so freundlich und vernünftig, so gewaltlos und selbstbeherrscht, wie sie selbst es nie sein würde? Das Lächeln schwand nicht von ihren Leftzen, doch langsam öffnete sie die Augen wieder.


Das Heulen einer fremden Fähe hallte über das Tal, das die große Schar erst vor wenigen Tagen zu ihrem Eigentum ernannt hatte. Cariya, die Leitwölfin, schreckte bei dem unerwarteten Durchbrechen der friedlichen Stille, übertrieben auf und legte dann die Ohren an. Sie alle waren darauf vorbereitet, dass das Rudel, das sie vertrieben hatten, möglicherweise zurückkommen würde, doch noch einen Kampf wagen würde, wenn es bemerkte, dass dort draußen keine Chance zum Überleben bestand … aber stattdessen erreichte sie nun der Ruf einer Wölfin, die so stolz und selbstsicher auftrat, dass sie sich nur für eine Leitwölfin halten konnte und die jemanden grüßte, der nicht mehr hier lebte. Cariya ahnte bereits, dass es ein Problem geben würde. Allerdings war die fremde Fähe allein und würde schnell verstehen, dass sie schleunigst das Weite suchen sollte. Die schwarze Leitwölfin setzte sich auf und dachte kurz nach … sie könnte die fremde Fähe herlocken und sie dann überwältigen, möglicherweise wurde ihnen auch gerade eine Falle gestellt, im Überlebenskampf war alles möglich … aber der Ruf hatte ehrlich geklungen und Cariya hielt nichts von übertriebener Grausamkeit. Sie hatte zwar ein Rudel mit Welpen aus ihrem Revier vertrieben und sie in diesem Land damit in den Tod geschickt, zumindest einige von ihnen, aber damit wollte sie nur ihr eigenes Überleben und das ihres Rudels retten und damit war es natürlich, keines Falls grausam. So hob sie die Schnauze in den klaren Nachthimmel und antwortete mit einer stolzen und ein wenig überheblich klingenden Stimme.

“Verschwindet, fremde Wölfin, hier gibt es nicht das, was Ihr sucht. Solltet Ihr es wagen, Euch noch mehr zu nähern, werden wir euch mit allen Mitteln vertreiben.“

Es klang drohend genug und Cariya war zufrieden. Wenn sie Wölfin intelligent war, würde sie nun wieder umdrehen und ihr Rudel suchen, sie selbst musste dafür sorgen, dass ihr eigenes Rudel in Bereitschaft lag, falls nun irgendetwas Unvorhergesehenes geschehen sollte.


Die Antwort war nicht die Gewünschte. Die Stimme war fremd, unfreundlich der Ton, und kalte Wut stieg in der Fähe auf. Wer wagte es, ihr in ihrem eigenen Revier zu drohen, sie gar vertreiben zu wollen?! Ein dunkles Grollen eilte ihrem Knurren vorraus, und mit gebleckten Zähnen und komplett gesträubtem Fell jagte sie los in Richtung Rudelplatz. Ihre Pfoten peitschten den Boden unter ihnen geradezu, und ihr Knurren verhallte nicht.
Wer war diese Fähe, und was erwartete sie vom Tod, dass sie ihn so heraufbeschwor? Das Blut schoss nun glühend heiß durch ihren Körper, die Läufe durchbrachen das Unterholz durch welches sie lief, und eine Art Jaulen, nur viel dunkler, kürzer und lauter würde der Fähe dort hinter den Bäumen schon sagen, wen sie zurechtzuweisen versucht hatte.
Und dann der Ton! Stolz wie eine Alpha, eitel wie eine Prinzessin!
Sie würde schon sehen, wem sie da gegenüberstand.
Mit weiten, sprungartigen und schellen Schritten kam sie vorwärts, schon lichteten sich vor ihr die Bäume, und das Feuer in ihren Augen war an dem Punkt da es zu Weißer Glut wurde. Als ihr ein Gedanke kam, der ihren Lauf nur noch mehr beschleunigte, der das Feuer in ihr nur noch anfachte.

~Wenn diese Fähe hier ist - wo ist dann Banshee?~

Aus der stolzen Heimkehrerin war ein tobendes Fegefeuer geworden, eine vernichtende Flamme in ihrem blutigen Element, getrieben von Stolz, Hochmut, Dominanz, Angst und Geschwisterliebe.
Wer ihre Banshee verletzt hatte, verdiente nichts als den Tod.


Aliennas Schritte wurden immer schwerer. Sie hatte nicht wahrgenommen, wie Leyla sich umgedreht hatte und langsam in die entgegengesetzte Richtung davon lief, auch nicht ihren Blick zu vor und schon gar nicht die Verzweiflung, die in ihren Gedanken lag. Sie war wieder nur bei sich allein, aber jetzt war es anders, als all die Wochen zuvor auf ihrem Felsen. Jetzt wusste sie, dass sie zu ihm zurückkehrte, um nie wieder aufzustehen. Wie alle Wölfe, wenn sie wussten, dass ihre Zeit gekommen war, hatte auch Alienna weder Angst vor dem Tod noch trat sie ihm mit übermäßigem Schmerz entgegen. Die unendliche Pein in ihrer Brust rührte nicht von ihrem baldigen Sterben sondern von der Tatsache, dass sie Leyla wirklich verloren hatte und dass das ihr Abschied für immer gewesen war. Für ihre einzige Freundin, die sie je in ihrem Leben gehabt hatte, waren diese Worte und das knappe Herumdrehen so wenig, so unglaublich wenig, gewesen. Sie hätten beieinanderstehen müssen, sich durch das Fell fahren, noch einmal den Geruch und die Nähe der Freundin genießen und dann nur ganz langsam, rückwärtsgehend sich voneinander lösen. Aber diese Vorstellung war genauso irreal wie die Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen. Der zweite Wunsch, der diesen Schmerz auslöste. Aber über all dies machte sie sich nur irgendwo in einem kaum erreichbaren Teil ihres Kopfes Gedanken, der Rest war bereits am sterben. Ihr Blick war so trüb, dass sie ihre eigenen Pfoten nicht mehr sehen konnte, sie war taub, kein Laut drang an ihr Ohr und auch ihre Nase nahm nichts mehr wahr. Wie sie trotzdem den Weg zu ihrem Felsen finden konnte, wusste sie nicht, aber irgendwann spürte sie unter ihren Pfoten die leichte Erhebung und dann der recht glatte, einladende Stein, auf dem ihr Körper in sich zusammenfiel. Gebrochen lag sie da, die Augen geschlossen, das Maul leicht offen, trotzdem setzten ihre Atemzüge und ihr Herzschlag manchmal viel zu lange aus, bei jedem Mal aufs Neue dachte sie, er würde nicht wieder anfangen und plötzlich spürte sie doch wieder das leichte Klopfen in ihrer Brust und die eiskalte Bergluft, die sich in ihre Kehle schnitt. In diesen Sekunden, in denen der Tod ihr so nah war, jede Sekunde nach ihr greifen konnte und endgültig alles zerstörte, waren ihre Gedanken doch plötzlich wieder fast klar bei Leyla. Sie meinte die weiße Fähe zu sehen, wie sie sie anlächelte, am See, auf dem Felsen, im Wald. Wehmütig verblasste das Bild und nur ein leiser Gedanke blieb zurück.
~* Auf Wiedersehen, Leyla. Wir sehen uns dann im Paradies, ich warte auf dich. *~
Dann setzte jeder Gedanke aus und kein Atemzug ließ die schmale Brust sich heben, kein Herzschlag ließ den Körper erzittern und kein Gedanke störte ihre Ruhe. Federleicht stand sie auf einer blühenden Wiese und ein im hellen Licht erstrahlendes Tor winkte sie zu sich. Erst beim Näherkommen erkannte Alienna die Gestalt, die dort stand, sie war hochgewachsen und doch zierlich, von so einer atemberaubenden Schönheit, dass sie ehrfürchtig stehen bleiben musste. Zwei weite Flügel spannten sich über ihrem Körper und wirkten so einladend, so eine süße Sicherheit gewährend, dass sich die Läufe der Braunen doch wieder bewegten und auf sie zu liefen, in die Pfoten der Göttin, dem Glück entgegen.


Shani blinzelte zu Tyel und wollte eine freudige Antwort auf das ebenso spaßhaft gemeinte Hast du etwas dagegen? geben, als sie bemerkte, dass ihre Freundin nicht sehr glücklich schien. Sie wirkte traurig, die Rute lag bewegungslos auf dem Stein und ihr Blick sprach von Sorge, ein wenig Angst und einfach … Unglücklichsein. Shani winselte leise, fuhr Tyel mit der Schnauze durch das Nackenfell und verharrte eine Zeit lang so. Sie wusste nicht, warum die Braune traurig war, aber es musste schon einen guten Grund haben, so übermütig, wie sie eben noch geschienen hatte. Dann sprach ihre Freundin wieder und Shani verstand. Sie redete von den Wortfetzen, die zu ihnen herüberwehten und nicht gut klangen. Jemand stritt sich und es war ein bösartiger Streit, der nach Hass und bitterer Trauer klang. Was war denn nur los? Sie hob den Kopf wieder, sah, nun auch betrübt, kurz zu Akai und dann um sich, als ob sie irgendetwas erwartete und erkannte dann wirklich Hiryoga, der davon lief, weg von dem Streit.

“Hiryoga!“

Heulte sie auf und wollte ihn damit eigentlich zurückhalten, aber so leise wie ihre Stimme war, hatte er sie wohl gar nicht gehört. Was auch immer an der Schlucht vorging, es war nicht schön, so unschön, dass ihr Freund sich davonmachte, traurig und irgendwie geknickt. Mit hängenden Ohren sah sie wieder zu Tyel und schüttelte leicht den Kopf, obwohl ihr schon vorher eine Vermutung gekommen war.

“Es könnte … Hiryogas Vater sein. Der Gefährte von Banshee.“

Sie war sich nicht sicher, aber einiges deutete darauf hin, gerade die Flucht des Jungrüden bestätigte es, er hatte ihr erzählt, dass er mit seinem Vater nie wirklich zu Recht gekommen war. Wie und warum der schwarze Rüde nun zurückgekehrt war und was dort oben vorging, konnte sie aber auch nicht sagen. Schmerzhaft war es sicher. Sie senkte den Blick, heute glitt sie fast nahtlos von Hoch- zu Tiefphasen und gerade rutschte sie wieder in ein Tal hinein. Sie hätte doch so gerne gehabt, dass sie die Fremde fröhlich begrüßten und sie in ein glückliches Rudel bringen konnten. Aber das, was sie sich wünschte, hatte sich bis jetzt nur sehr selten mit der Realität zusammengetan. Sie schreckte erst wieder auf, als ein leises Heulen erklang und sie einen Rüden, erschreckend nah bei ihnen, bemerkte. Wie er da aufgetaucht war, konnte sie nicht sagen, aber er schaute zu ihnen her, traute sich wohl nur nicht, näher zu kommen. Sie wurde von der Fremden abgelenkt, die sich nun endlich als Akai vorstellte und etwas von einem Engel und Hoffnungskind redete, das Shani nicht verstand. Aber offensichtlich war es keine glückliche Geschichte und sie schien auch traurig. Aber immerhin wollte sie sich der Leitwölfin vorstellen, also dennoch bei ihnen bleiben und das war immerhin schon ein erster Schritt. Auch Akai bemerkte jetzt den Fremden und setzte sich dabei auf, sodass Shani ihren Bewegungen folgte, sie hatte sich ja nur hingelegt, um mit der Weißen auf einer Augenhöhe zu sein. Als diese dann aber etwas von einem Bruder sagte, wurde der Blick der Jungwölfin erstaunt und sie öffnete leicht perplex den Fang. Tyel hatte einen Bruder? Und das sollte dieser Rüde dort sein? Sie sog den Geruch ein, war sich unsicher … ähnelte er dem Tyels oder ließ sie sich nun täuschen? Zuerst sah sie unsicher aus, dann aber machte sie sich klar, dass sie doch alle eigentlich glücklich sein sollten und setzte ein, zumindest anfangs, ein wenig gezwungenes Lächeln auf.

“Finden wir’s heraus! Wer’s zuerst weiß, hat gewonnen!“

Sie grinste Akai an und war schon davongestoben, auf den fremden Rüden zu. Der Mut, der sie gerade noch gepackt hatte, verließ sie wieder, als ihr klar war, dass sie gleich mit einem wildfremden Rüden reden würde und das ganz alleine. So blieb sie schon nicht zu nahe stehen und blinzelte zu dem Grauen.

“Hallo …“

Eigentlich hatte sie ja nach seinem Namen oder gleich nach seinen Verwandtschaftsverhältnissen fragen wollen, aber das traute sie sich jetzt nicht mehr, eigentlich wünschte sie sich nichts mehr, als dass Tyel und Akai einfach zu ihr kommen würden, dann wäre sie viel mutiger. So aber stand sie ein wenig gebückt da, hatte nur ihr Lächeln behalten können, das aber auch ziemlich verkrampft wirkte.


Cariya merkte sofort, dass sich die Fremde Fähe rasant näherte. Ihre Drohung hatte also nichts genützt, sie würden die Fremde eben vertreiben müssen. Eigentlich sollte ihr das keine Sorgen machen, eine einzige Fähe gegen ihre große Schar, die ein ganzes Rudel hatte vertreiben können, das würde für die Fremde ein aussichtsloses Unterfangen sein, aber irgendwie lag Misstrauen in der Luft. Sie lief von einem Wolf zum anderen, scheuchte ihn auf, knurrte und bellte herum, kommandierte Befehle und versetzte jeden in Alarmbereitschaft. Bald schon hatte sich ihr Gefährte neben ihr eingefunden und der größte Teil ihres Rudels sich hinter sie gestellt, es musste bedrohlich aussehen und genau das wollte Cariya auch. Wieder kam eine Art Heulen von der Fremden, diesmal noch stolzer und fast schon eitel. Was bildete sich die Fähe ein? War sie wirklich so dumm, zu glauben, dass sie sie vertreiben konnte? Armes Wesen. Dann tauchte sie langsam auf, in vollem Lauf stürmte sie auf sie zu, strahlte so viel Hochmut aus, dass es Cariya schon verblüffte und tat tatsächlich noch immer so, als wäre sie eine Leitwölfin … wohl nur ohne Rudel.

“Verschwinde, Fähe! Wir werden dich töten müssen, wenn du nicht gehst!“

Die Drohung war noch deutlicher als zuvor und die Haltung und das Knurren ihres Rudels untermalte sie eindrücklich. Jeder Schritt näher zu ihnen, würde die Fremde ihrem Tot ein wenig näher bringen. Elende Närrin.


Das Heulen des Wolfes lag ihr noch immer in den Ohren, sie war aufgesprungen und sah sich nun ein wenig hilflos um. Ihre Rute schwenkte leicht von links nach rechts und wieder zurück. Die Ohren gespitzt schaute sie zu den beiden Fähen vor ihr. Sie kam sich ein wenig komisch vor, da die beiden sich nicht bewegten. Vielleicht war es auch einer der Wölfe die etwas länger um den Toten Welpen getrauert hatten vielleicht hatte sie sich nur verhört? Nach einiger Zeit setzte sie sich wieder und schaute die beiden Fähe aus großen Augen an, natürlich hatte sie sich verhört. Sie nickte kurz als sie die Worte Akais hörte. Sie hätte viel darauf antworten können doch sah sie an Akais Gesicht das es zu schmerzhaft währe zu fragen warum sie ein gefallener Engel sei. Tyel begnügte sich also damit einige Zeit zu überlegen. Sie legte den Kopf ein wenig schief und stellte die weichen Ohren dann wieder auf.

"Sollen wir dich zu Banshee begleiten wen es so weit ist?... Im Moment schient sie sehr beschäftigt."

Banshee schien nicht bloß beschäftigt sie war es auch. Tyel sah es, sie sah wie viel Banshee gerade zu tun hatte und wen der Schwarze Rüde dort oben wirklich Hiryogas Vater war, dann war die Situation nicht gerade einfach. Die junge Fähe wusste nicht wie es bei den Wölfen war aber sie wusste ganz genau das die Menschen sich danach immer Stritten und das ganze viel zu kompliziert behandelten. Es war nicht einfach wen der Mann wiederkam der früher einmal einfach gegangen war. Tyel musste an ein Lied denken was sie so oft von dem kleinen Indianermädchen vorgesungen bekommen hatte. Frei leb ich dieses Leben... Tyel überlegte war es nicht ganz natürlich das jeder einmal die Welt kennen lernen will? Jeder ist neugierig auch sie währe irgendwann aus dem Rudel ihre Eltern gegangen um die Welt kennen zu lernen. Sie hatte es vielleicht sogar gut gehabt. Durch die voreilige Entscheidung ihrer Mutter sie aus dem Rudel zu werfen hatte sie wohl schon die besten Voraussetzungen die Welt kennen zu lernen. Doch warum hatte ihre Mutter sie rausgeworfen als sie noch ein Welpe war? Hätte sie nicht einfach noch warten können? Die Worte die um die brauen Fähe gesprochen wurden erscheinen ihre mit jeden Herzschlag leiser. Immer und immer leiser bis sie nur noch ein flüstern waren. Tyel dachte so angestrengt über ihre Familienverhältnisse nach dass sie alles um sich herum vergaß. "Habt Ihr einen Bruder?“ Die Frage wirbelte plötzlich durch die Gedanken der Braunen. Immer und immer wieder bis sie verstand, dass die Frage an sie Gerichtet war.

"Nicht das ich wüsste"

Sie war noch immer nicht ganz aus ihrer Erstarrung erwacht. Die Antwort war eher ein flüstern oder ein Rufen in einen tiefen Wald. Nur diejenigen die sich mit ihr in dem Wald befanden konnten den Ruf verstehen. Tyel brauchte noch einige Minuten um sich zu fragen ob sie wirklich einen Bruder hatte. Konnte das sein? Sie hatte fast alle Erinnerungen an ihre Familie aus ihrem Gedächtnis verbannt. Und nun wo sie diese gebrauchen konnte kamen sie nicht. Sie blieben verbannt, ganz tief in ihrem innersten. Wie sollte sie sich den an einen Bruder erinnern wen sie doch so ziemlich alles vergessen hatte was sie an ihre Familie erinnerte? Sie sah nun nur noch ihre Mutter über sich wie ihre Schnauze immer näher kam. Den kleinen Welpen immer näher an den Fluss schob. Ein leises Wimmern entstand in der Kehle der jungen Fähe, sie schaffte es nicht sich an irgendeinen Bruder zu erinnern. Sie sah nur immer wieder ihre Mutter. Die große Fähe, die über ihr stand. Die Schnauze leicht geöffnet, sodass ein leises bedrohliches Knurren zu vernehmen war. Tyel versuchte aus der Erinnerung zu flüchten. Versuchte auf das Eis zu laufen was sie vor sich sah. Ein Eis was so dicht schien und so vertraut doch schaffte sie es nicht dieses zu erreichen. Sie wollte doch nur frei sein, Frei auf dem dicken Eis laufen. Immer weiter weg von ihren Erinnerungen. Die Vorderläufe der Fähe knickten ein. Sie lag nun wieder auf dem kalten Stein. Lag da und wimmerte. Immer weiter. Immer und immer wieder. Doch die Erinnerungen gingen nicht einfach. Sie fingen immer wieder von vorn an. Auch ihren Vater konnte sie nun sehen er stand hinter ihrer Mutter schaute Tyel so unendlich vorwurfsvoll an. Als ob die Fähe an irgendetwas Schuld währe...


Der Brand in ihr war nicht kleiner geworden. Die Bäume lies sie mit kraftvollen Schritten hinter sich, sah das vor ihr formierte Rudel, und machte einen abschliessenden Sprung näher. Mit komplett aufgestelltem Felll, mehr als nur hoch getragener Rute, gebleckten Zähnen und einem lauten Grollen kam sie vor ihnen zum Stehen, und mit glühendem, stechendem Blick bedachte sie die Alpha dieser Truppe. Wie töricht sie war! Niemand vermochte Nyota zu töten, ohne dabei selbst in den Tod zu gehen! Dabei war sie sich sicher.

"Wo, ihr verfluchte Teufelsbrut, ist das Rudel, welches hier lebt?!"

Hielt sie ihnen entgegen, die Stimme ein einziges Knurren, der Blick nun warnend vom einen zum anderen springend, die Haltung nach wie vor angriffsbereit. Ihre Ohren lagen drohend am Kopf, noch immer präsentierte sie ihr tödliches Gebiss. Ein Rudel gegen sie - dann bestand keine Chance zum Überleben, aber zumindest für die Alpha würde es reichen...

"Ihr könnt mich nicht töten"

fügte sie mit einem finsteren Flüstern hinzu,

"Denn mein Blut würde eure Mäuler verkleben und euch ersticken!"

Pure Drohungen, oder vielleicht eine Verwünschung - nie hatte sie sich Fenris so nahe gefühlt, nie hatte sie ihn so sicher in ihrem Rücken gewusst...


Azags Mauer hielt nicht lange. Als sie einsetzten, wollte er noch seelischen Widerstand gegen sie leisten, aber die Trauergesänge drangen durch seine Ohren ein und ohne Kampf umspülten sie seinen bemühten Widerstand, ließen Azag mit ihrer kraftvollen Wirkung merken, wie lächerlich sein Versuch war. Sie konnten ihn nicht dazu bringen mitzusingen und ihn auch nicht zu Tränen rühren, aber er hörte zu und ließ seine Gedanken für den Moment ruhen. Als die letzten Stimmen verstummt waren ließ Azag die Augen noch etwas geschlossen, öffnete sie aber noch rechtzeitig, bevor die Wölfin mit ihren Abschlussworten endete, um zu erkennen, wer nun die Alpha war. Er blinzelte durch eine Lücke der Trauernden. Eine weiße Wölfin war sie, so weiß, dass sie bestimmt gestrahlt hätte, wäre er ihr eines anderen Tages begegnet. Aber die graue Trauer, die ihr jetzt ins Gesicht geschrieben stand, verschluckte das Strahlen.
Als Azag langsam auf sie zuging, fiel ihm auf, dass ihm kein einziges Mal bei seiner Verfolgung der Gedanke gekommen war, dass es eine Fähe sein könnte, die das Rudel leitete. Jetzt war ja auch ihr Gefährte wieder da, aber der war erst nach Azags eigener Ankunft dazugestoßen, also war sie die ganze Verfolgung über alleinige Alpha. Ihm gefiel der Gedanke, dass sie so tough war. Nicht nur bei der Wanderung, auch jetzt, sie hatte alles recht der Welt, einfach nur trauernde Mutter zu sein, aber sie vernachlässigte den Alphaposten trotzdem nicht.
Bei ihr angekommen stellte er sich stumm ein paar Schritte entfernt hin, weil er nicht der einzige Neuankömmling zu sein schien. Der graue Rüde bot aber selber an, sich sogleich zurückzuziehen, also nutze Azag die Chance, um auch seine Bitte schnell loszuwerden. Lieber alles auf einen Schlag und dann durfte die weiße Alpha in Ruhe trauern.

"Ich weiß, Ihr habt Eure Ruhe verdient, es tut mir leid. Ich bin vor kurzer Zeit hier angekommen und habe schon mit ein paar Rudelmitgliedern geredet, einem gewissen Face Taihéiyo und einer Welpin, Tyraleen, aber bis zu Euch konnte ich mich nicht durchfragen, bevor Ihr Eurer trauriges Anliegen an das Rudel verkündet habt."

Azag gefiel seine hochgestochene Sprache zwar nicht, das war nicht er selbst, aber als er meinte, es tue ihm leid, war das sein ernst, da hatte der Spion in ihm kein Mitspracherecht.

"Lange Rede kurzer Sinn ... ich bin auf der Suche nach einem Rudel. Könnte ich mich, zumindest probeweise, Eurem Rudel anschließen?"


Leicht ein Ohr zurückdrehend verfolgten die saphirblauen Augen des tiefschwarzen Rüdens das Herumgehoppse von Daylight und als sie schließlich an ihm hochsprang und versuchte nach seiner Rute zu schnappen, wich er sogar unmerklich einen Schritt zur Seite. Ihm behagte dieser Trubel nicht, gleich drei Welpen dackelten neben und vor ihm her. Das Tyraleen dabei war machte Face Taihéiyo ja nichts aus, aber die anderen beiden kannte er kaum und die Graue war ein so lebhaftes Wesen – ihm einfach zu viel. Trotzdem regte sich keine Miene in seinem ausdruckslosen Gesicht, kurz huschte sein Blick zu seiner kleinen Patin hinüber. Irgendwie wirkte sie überhaupt nicht begeistert darüber, dass Daylight so um ihn herumsprang. Nein, dieser Blick ... wie nannte man das? Aber da waren sie auch schon alle losgerannt, hinüber zu den Eltern und Face biss sich leicht auf die Lefzen. Eigentlich schien ihm das grade kein so guter Zeitpunkt. Und dann verhielten sich alle Welpen plötzlich ganz gegensätzlich. Daylight war bei ihrem toten Bruder, traurig und wohl noch nicht ganz verstehend, Tyraleen war zu Acollon gegangen und sprang an ihm hoch. Nun war es Face, dem dieses Szenario nicht ganz so gefiel. Fast ein wenig mürrisch blickte - auch wenn es doch eher genau so kühl und leblos wie sooft schien - er zu dem schwarzen Alpha hinüber, hätte Tyraleen irgendwie lieber bei sich gehabt. Er war kein guter Wolf, seine Patin hatte einen besseren Vater verdient. Der Schwarze war nur jemand, der dann und wann mal auftauchte und dann meinte sich aufblasen zu müssen. Genau die Art von Wolf, die Face so kannte und verachtete. Ihr erstes Zusammentreffen würde ihm immer im Gedächtnis haften bleiben, er der Untote, Verbrannte und Ertrunkene vor diesem Monster, das besseres zutun gehabt hatte, als ihn wie ein Objekt zur Schau zu stellen. Sachen zu sagen, obwohl noch kein Laut aus Faces Schnauze gedrungen war, der irgendetwas über ihn hätte verraten können. Nein. Und was danach geschehen war, hatte eher einem albernen Albtraum geglichen. Aber so hatte er es gesehen – Leben und Tod. Der, der ihn nie haben wollte, der ihn lieber an seiner Pein hatte ersticken lassen. Faces Krallen drückten sich ein wenig fester auf Stein unter seinen Pfoten. Hatte seine Großmutter nicht einst gesagt, er könne nicht hassen? Was war es dann? Also mögen, tat er diesen Wolf in keinem Fall. Aber schon, er entwickelte zu viel, seit er hier war. Zu viele Gefühle, die er lieber wieder loswerden wollte. Zu verletzlich. Er war der Unnahbare, von dem niemand etwas wusste, kein bisschen, nicht wie er gestorben war, und auch nur die Leitwölfe hatten gewusst, dass er überhaupt tot gewesen war. Falls sie es so realisiert hatten. Nicht tot, nicht lebendig – das Nichts.
Face Taihéiyo ließ sich auf die Hinterläufe sinken und starrte kühl zu dem Felsen hinüber, wo dann die Trauerorgie stattfand. Die Wölfe erhoben ihre Stimmen zu einem Geheul, während er schwieg und sich zu keinem Laut verleiten ließ. Genau so wie er nicht lächelte, hatte er kaum in seinem Leben geheult und selbst diese wenigen Male lagen lange, lange Zeit zurück. Er hatte die zwei Kinder der Alphas nicht gekannt, es währe Heuchelei für sie zu Singen, wenn man gar nicht trauerte. Face wandte den Kopf ab. Dieser viele Schmerz, der hier in der Luft lag und durch immer wieder erneute Gesänge noch vertieft wurde, bekam ihm nicht. Es riss an seinen Eingeweiden. Unweigerlich flogen so viele Gesichter an seinen Augen vorbei – Meraya, Cloud, Alail, Aki ... sie waren auch alle tot und keiner war gebührend verabschiedet worden. Nur für Cloud hatte er Geheult, nur er war Jahre nach seinem Tod in die ewigen Hallen gelassen worden. Überall diese grausamen Tode ... und als er selbst gestorben war, hatte man ihn nicht gelassen. Nur brennen, brennen bis überall nur noch schwarze Asche lag. Jetzt strömte das Leben wieder durch seinen endlos schwarzen Körper, schwärzer als die Asche, schwärzer als der dunkelste Nachthimmel. Aber er hatte so entschieden. Wenn auch widerwillig.
Als Daylights Heulen an Face Taihéiyos Ohren drang, wandte sich der Flammentänzer schließlich ganz ab und trottete ein paar Schritte in die entgegengesetzte Richtung. Es war doch eine falsche Annahme gewesen, dass diese Kinder wenigstens glücklich sein durften und nun lächelten sie nicht mehr. Aber er gehörte da nicht zu, es war nicht seine Trauer, er war kalt. Schließlich ließ sich der Stille auf die Hinterläufe sinken und richtete den leeren Blick hinauf in den schwarzen Himmel.


Mit gesträubtem Fell, gebleckten Zähnen und hoch aufgerichtete Rute blieb die fremde Fähe vor ihnen allen stehen und Cariya fragte sich, ob sie ihr gleich das Maul stopfen lassen, oder sie noch ein wenig herumfauchen lassen sollte. Die Frage zudem regte in ihr großen Stolz und das Wissen, dass diese Fähe also das vertriebene Rudel nur suchte. Die schwarze Leitwölfin reckte den Kopf leicht in die Höhe und grinste ein schon fast bösartig anmutendes Grinsen.

“Das Rudel ist fort. Wir haben es vertrieben, dies ist nun unser Revier. Euer Pack streift dort draußen herum und wird nach und nach anderen Rudeln zum Opfer fallen, bis der Winter ihnen den Rest gibt.“

Cariya war nicht grausam, aber diese Arroganz der Fremden brachte sie auf und sie wollte sie ärgern, sie verletzen und sehen, wie Entsetzen über diesen Umstand ihre Gedanken gefangen nahm. Vorher aber stieß die Schwarze noch allerlei lächerliche Drohungen aus, über die Cariya nur lachen konnte, was sie auch tat, auf eine hohle, keckernde Art.

“Verschwinde Fähe, such dein Rudel.“

Sie warf einen Blick zu ihrem Gefährten und dann zu ihrem Rudel, die ersten spannten bereits ihre Muskeln an, Cariya hatte nicht vor, diese Fremde noch länger zu dulden. Sie hatte alles erfahren, was sie wissen musste, um sie nicht weiter zu belästigen.


Bei den Gebärden der Fähe verengten sich Nyotas Augen, und auf das Schlimmste gefasst duckte sie sich zunehmend, um sprungbereit zu sein, bevor sie ausgesprochen hatte. Doch ihre Haltung wurde, kaum hatte die Fähe geendet, wieder gerader, stolzer, und auch herabwürdigender. Hass füllte ihre Augen, dass dieses Weib solche Worte wagte, und sich noch nichteinmal daran zu stören schien. Mit kleinen, schleichenden Schritten trat sie näher, aller Drohungen ungeachtet, bis kaum noch ein Meter die zwei Fähen trennte.
Glühendes Eis schien sich nun in ihren Augen zu formen, Kälte und dahinter brennender Zorn, und mit leiser, drohender Stimme sprach sie zu ihr.

"Wir sind hier noch nicht fertig..."

Ihr Blick schwiff über das Rudel. Das sollten Kämpfer sein?

"Ihr habt mich nicht zum letzten Mal gesehen..."

knurrte sie, rannte dann direkt vor ihnen los, und begann sich den Weg in die Berge zu suchen. Irgendwie würde sie schon hinauf kommen, und dann würde sie Banshee schon finden...
Immernoch quoll ihr Kopf über voll Rachegedanken, die sie allein gegen die fremde Fähe richtete. Sie gehörte ihr...


Die Dunkelheit umfing die weiße Fähe immer noch mit fester Macht, doch schien sie ein Punkt zu sein, ein weißer Punkt in der Dunkelheit,...ein Irrlicht?! Corvina trabte weiter über den kahlen Fels, der Wind war stärker geworden und zerzauste ihr Fell, die Rute hing zwischen den Beinen und immer noch trugen sie die Läufe weiter, der Mond schien das Fell noch mehr zum schimmern zu bringen, von weither vernahm sie Kataras Bellen und sie schüttelte lächelnd den Kopf, welch eigenstirnige Wölfin die schwarze doch war, sie schien undurchschaubar aber auch treu, denn sie hätte nun weitergehen können, unermüdlich, doch sie wartete auf die weiße, wollte dass die beiden zusammen ankommen würden! Seufzend schritt sie schneller aus, als sie innehielt, deutlich vernehmbar hallte der Trauergesang durch das dunkle Tuch der Nacht und auch der kleine Rabe hob den Kopf gegen die Sterne und heulte einige Töne mit, es hörte sich gespenstisch an, ein Chor an einem Ort und einige Stimmen, welche von weit her einsetzten.
Schließlich jedoch seufzte sie leise und trabte weiter durch die Kälte und Dunkelheit der Nacht. Eine Weile lief sie unbeirrt von dannen, doch dann vernahm sie den Geruch nach blutfrischem Blut, sie schnüffelte und schritt etwas langsamer, als Katara unmerklich neben sie trat, Corvina machte einen unverhofften etwas erschrockenen Satz zusammen.

„Wie schön, Katara dass Ihr auf mich gewartet habt, doch nun, lasst uns weitergehen, ich spüre deutlich es ist nicht mehr weit!“

meinte Corvina mit heller Stimme und fuhr der schwarzen Wölfin kurz durch das Fell, als wolle sie sich vergewissern, dass sie hier war. Dann aber trabte sie voran, einen Hang hinauf, einige Steinchen kamen ins Rollen und sprangen leise auf die Steinebene, doch endlich war es geschafft und die Wölfin stand oben, ein weißer Punkt in der Landschaft. Auch Katara schien nun neben ihr angekommen zu sein. Unter ihnen befand sich eine große Anzahl von Wölfen, das Rudel, sie hatten es endlich erreicht, freudestrahlend blickte Corvina zu Katara.

„Seht Freundin, wir haben es geschafft!“

sprach sie bedenklich, ehe sie etwas weitertrottete um dann wieder auf die schwarze zu warten, schließlich wollten die beiden das Rudel zusammen erreichen, erst jetzt bemerkte sie, dass sie schon näher am Rudel dran waren als gedacht, offenbar schien es ein ziemlich großes Rudel zu sein, welches etwas weiter verteilt schien.


Green bekam sehr viel mit. Sie kuschelte sich wieder zwischen die Beine Kaede´s und hatte immernoch den Kopf in den Pfoten liegen. Sie schaute immer abwechselnd zu den größeren Wölfen und gähnte kurz. Sie sollte wohl auf ihre Tante hören und etwas schlafen. Nein, Green stand auf und stellte sich aufrecht neben Kaede. Sie stand sehr wackelig da weil ihre Pfoten und Beine eingeschlafen waren. Sie schaute zu Kaede hoch winselte kurz und schaute wieder zu Boden.

"..Tante...was geht hier vor..im Moment..und wohin wird es als nächstes gehen?!"

Fragte die kleine laut sowas die große Fähe sie auch gut hören konnte. Sie stellte sich dann direkt vor Kaede und schaute zu ihr hoch. Der Wind fuhr ihr durch das noch undichte Fell und Green schreckte kurz zusammen. Sie zitterte sogar schon und stellte sich wieder zwischen die Beine ihrer Tante. Sie stand somit im Windschatten und kuschelte sich etwas an die Beine. Sie lauschte kurz den vielen Gesprächen der Wölfe legte sich dann aber hin. Sie legte den Kopf in die Pfoten und wartete auf eine Antwort. Sie schloss die Augen und merkte wie der Wind und die Kälte um sie fuhr. Sie merkte wie ihr warm wurde und sie lag richtig entspannt da. Sie lauschte dem Wald den schreienden Vögeln der aufgebrachten Leitwölfin und schlief schlieslich ein.


Nur noch die kalten Augen des Rudels verfolgten Nyotas Schritte, die sie von ihnen forttrugen. Die Fähe war ebenso dem Untergang geweiht wie der Rest des Rudels, keiner machte sich darüber Sorgen und schon bald hatte sich die Lage einigermaßen normalisiert, ein unangenehmer aber unwichtiger kleiner Zwischenfall.

Nyotas Pfoten wurden gelenkt, die schwarze Leitwölfin konnte nicht wissen, dass ihr einstiges Rudel in die Berge geflohen war, aber es gab jemand, der sie es wissen lassen wollte. Engaya lenkte die Schritte Nyotas zu dem kleinen Bachlauf, den das Rudel zur Flucht in die Berge genutzt hatte, der Duft war nur noch schwach, aber die gesamten Spuren des Rudels endeten hier abrupt, auf dem anderen Ufer kamen sie nicht mehr heraus.


Kataras Maul und ihre Pfoten waren noch immer vom Blut des Hasen verschmiert, als sie so auf dem Hang stand und auf das zahlreiche Rudel hinabblickte. Corvina war schon etwas weiter vorausgegangen und wartete nun auf sie. Mit federnden Schritten, stolz erhobenen Kopf und lockerer Rute trabte sie den Hang hinunter zu Corvina und stellte sich neben sie. Kataras Augen glitzerten wie die kleinen Sterne am Himmel, ihr Fell, beschienen vom Mond, nahm einen leichten Perlmut Glanz an und betonte ihre schlanke, sportliche aber dennoch kräftige Figur und ihre langen, durchtrainierten und somit hervorragend zum Sprinten geeigneten Läufe. Sie war wahrlich eine graziöse Fähe, die trotz ihres Aussehens sehr viel Selbstbewusstsein und Kraft ausstrahlte, was durch ihre ausdrucksstarken Augen noch sehr viel mehr verstärkt wurde. Sie blickte noch mal in die Menge. So viele Wölfe! Alle hatten sich versammelt um diesem ehemaligen Rudelmitglied die letzte Ehre zu erweisen. Sie erblickte eine weiße Fähe, welche wahrscheinlich die Leitwölfin sein musste. Zwischen ihren Pfoten lag ein kleines lebloses Bündel. Es war ein Welpe. Das versetzte Kataras Herz einen heftigen Stich und sie stoß unerwartet einen kurzen jaulenden Laut aus. Warum musste er jetzt schon sterben? Warum war Engaya nicht stärker als Fenris gewesen? Katara leckte sich nervös die Lefzen. Das Blut aber blieb immer noch an ihrem Maul kleben. Sollte sie die weiße Wölfin jetzt ansprechen? Wo sie doch in tiefster Trauer um diesen Welpen, wahrscheinlich ihres eigenen Welpen war? Katara entschied sich trotzdem sie anzusprechen.
Mit einem etwas hängenden Kopf und traurigen Augen ging sie auf die weiße Fähe zu.

„ Ihr habt mein tiefstes Mitleid und ich schätze meine Gefährtin und ich kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt um, um Einlass zu bitten in dieses Rudel. Doch sagt mir seid Ihr gewilligt uns dennoch aufzunehmen?“

Nun musste Katara nur noch die Antwort abwarten. Ihre Nervosität ließ sie sich nun nicht mehr anmerken. Sie stand nur da und blickte voller Mitleid und Trauer auf die weiße Fähe und den kleinen Welpen der zwischen ihren Pfoten lag und wartete...


Rasmús schnippte leicht mit den Ohren. Schon lange hatte er beobachtet, wie sich einer nach dem anderen von der kleinen Gruppe, an der sein Blick hing, erhob. Doch er registrierte es nur als eine kleine, unwichtige Regung am Rande seines verträumten Bewusstseins. Er dachte lange nach, konnte ja nicht ahnen, dass die junge Fähe die gleichen Gedanken wie er hegte, lediglich aus einem anderen Blickwinkel. Und mit dem Unterschied, dass er definitiv darum wusste, eine Schwester zu haben.

Verwirrung trat in den sich aufklärenden Blick des Rüden als er eine Fähe [Shani] aus der Gruppe auf sich zukommen sah, erst im Spurt, schließlich mit eher zaghaften Schritten. Aufmerksam blickte der Graue ihr entgegen, hob leicht den Kopf. Plötzlich war ihm, als hätten sie über ihn gesprochen. Und fast im selben Moment kam er sich schrecklich unerwünscht vor. Fast reflexartig spannte er seine Muskeln an, fühlte nach seinen Beingelenken, sprungbereit. Seine Auffassungsgabe hinkte ein wenig hinterher, denn erst jetzt dachte er wieder an die herannahende Fähe, die wirklich nicht so aussah, als würde sie ihn anfallen wollen. Im Gegenteil, sie wirkte verschüchtert. Vielleicht hatte sie gehofft, die anderen Beiden würden mitkommen, oder sie hatte einfach nur der Mut verlassen, der sie anfänglich zu diesem überraschenden, flinken Aufbruch getrieben hatte. Ziemlich verloren stand die Fähe da, blickte ihn an, und murmelte dann ein schüchternes "Hallo". Vielleicht würde es ihr helfen, dass Rasmús eigentlich ziemlich redselig war. Er hörte gern zu, aber an und an ergriff der Drang von ihm Besitz, gehört zu werden, und dann sprach er ziemlich viel, vielleicht zu viel. Aber es kam auch eher selten vor, dass er wirklich von sich sprach.

"Hallo... Ich..."

Andererseits wusste er nicht, ob das hier angebracht war. Einfach das Wort zu ergreifen. Woher sollte er denn um den Rang der Fähe wissen?!

"Ich..."

Schließlich fasste er sich doch. Er hatte schließlich lange über seine Worte nachgedacht.

"Ich bin Rasmús, und trage den alten Namen Tinuviel in meinem Pelz. Hierher trage ich ihn, zu Euch, denn ich bin ein Heimatloser, wohl wissend, dass eben jene oft nicht erwünscht sind. Ich bitte darum, nachsichtig mit meinem unverschämten Eindringen zu sein. Ich wurde im Tal von einigen schändlichen Vertretern unserer Art verfolgt und erlaubte mir, die Flucht hierher anzutreten, da ich schon geraumere Zeit dem Gedanken, mich Euch anzuschließen und so Familie und Freunde zu finden, Wohlwollen schenke. Bitte erlaubt mir, vorerst unter Euch zu weilen und mich zu erklären, wenn es die Zeit vorsieht."

Ja... das musste es sein, wenn sie ihn nun verstieß, konnte er sich zumindest sicher sein, nichts falsches gesagt zu haben. Ein wenig unsicher erhob er sich, neigte den Kopf, wie es seine Art war, und verharrte unter den Blicken der Fähe. Allerdings, so beschlich ihn nun der Gedanke, konnte dies keine ranghohe Fähe sein - sie war sehr schüchtern und ungestüm, wie es schien. Jung.

Eine unerklärliche Aufregung ergriff von dem Rüden Besitz. Er wandte den Kopf, blickte an der Fähe ihm Gegenüber vorbei und fasste eine andere , zurückgebliebene Fähe ins Auge [Tyel]. Sein Puls klang laut in seinen Ohren, und eine Fährte wehte ihm seicht um die Nase, die ihn vollkommen irritierte - seine Fährte?!


Sie war schon ein gutes Stück gelaufen, hatte Spuren gefunden und war ihnen gefolgt, sich immerwieder fragen, zu wem die fremden Spuren gehörten, die sich ins Rudel mischten. Es musste sehr viel gewachsen sein vielleicht hatten sie gar Welpen aufgenommen oder welche bekommen? Etwas in ihr glomm auf, als sie daran dachte, dass Banshee bereits Kinder haben könnte...

Und dann war da ein Bach, nun, mehr ein Bächlein, aber es beendete die Spur, und auch als sie herübergehüpft war, konnte sie keine weiteren Spuren finden. Sie würde also dem Lauf des Baches folgen, immer wieder die Nase prüfend über den Boden schweifen lassen, und sehen, wohin das Wasser sie führen würde.
Ihre Augen folgten dem Wasserlauf bis er in den Bäumen unsichtbar wurde, und sie hob auch an den Bäumen entlang noch den Blick, bis sich ihr die Gipfel der Berge zeigten, in ihrem ewigen Weiss und unermesslich hoch...

Langsam schüttelte sie den Kopf, es war ihr unerklärlich wie sich Banshee von diesem dreisten Pack hatte vertreiben lassen können - aber sie würde es schon bald herausfinden, und das Tal dann zurückerobern, wie gefallene Könige es so gerne taten. Und so tat sie den ersten Schritt neben dem Bächlein her, und begann ihre Reise zum Rudel von neuem.


Nach der langen, seltsamen Zeremonie; denn nie zuvor hatte Acollon für die Ruhe im Tod gebeten; seufzte der Schwarze leise. Alles würde seinen Weg gehen, jeder würde sich von der Zeit trösten lassen. Denn keiner würde den kleinen Träumer reden hören. Nur der Tod hörte die Stimmen der gegangenen Seelen. Er konnte sie alle hören.
Ein weiterer Welpe, sein Kind, tauchte auf. Der Blick glitt über den Welpenkörper. Ein kurzes Lächeln glitt über seine Lefzen. Was tat der Schwarze eigentlich hier? Er versuchte sich in eine Familie einzufinden, die ihn nur teilweise wollte. Warum ging er nicht entgültig? Er musste es eh bald tun, er würde wieder gehen, doch niemals wiederkehren. Die Gedanken in seinem Kopf beginnen zu rasen. Er stand etwas ruckartig auf, drückte flüchtig den Kopf an den Leib seiner Welpen:

“Entschuldigt mich“,

sein Lächeln war fast gezwungen. Natürlich liebte Acollon jeden seiner Welpen, egal wie sie zu ihm standen, doch etwas bewegte den Schwarzen. Der Geruch einer alten Bekannten. Nyota. Die Schwester Banshees. Sie fand sich auf den Weg hierher. Endlich Hilfe, die Banshee richtig gebrauchen konnte. Langsam, ein wenig hektisch bewegte sich der Schwarze vom Rudel weg. Aber auch etwas anderes beunruhigte ihn. Eine Rastlosigkeit breitete sich in ihm aus. Diese Mauer, die ihn weitere Gedanken verbot, wollte einfach nicht brechen. Der Schwarze ließ sich niederfallen und starrte in die Leere. Zuviel Stress, er brauchte erst einmal seine Ruhe von Vielem. Sicherlich, er war froh über seine Welpen. Der Stolz über solche Kinder war groß, doch er konnte es nicht zeigen. Erneut seufzte er und schloss die Augen.


Aki holte seinen Bruder mit großen Sprüngen ein. Die schwarzen schmalen Pfoten suchten sich festen Halt, während er sich, genau neben Shakar, die Schneeklumpen aus seinem Fell schüttelte. Der junge Wolf schien Gefallen an der weidenden Weite zu finden. Mit einem verschmitzten Lächeln warf er sich seinem Bruder immer wieder in den Weg, drehte ihm die Rute zu und begann mit den Hinterläufen seinem Bruder den Schnee ins Gesicht zu schaufeln. Er ergriff die Flucht, wollte damit vor Shakars Rache entgehen.

“Na komm schon, Sha, beweg Dich!“,

er zwinkerte seinem Bruder zu und hüpfte voran. Doch das Glück war nicht auf seiner Seite. Ohne es bemerkt zu haben, war an einer Stelle die Schneedecke nicht ganz so vereist. Und mit einem verdutzten:

“Oh“,

versank er bis zur Schnauze und das kalte Weiß. Entnervt, dennoch lachend versuchte er sich zu befreien. Ein eisiger Kampf entwickelte sich. Der schwarze Rüde versuchte sich zu befreien und sich seiner Falle zu entreißen. Nach wenigen Minuten hatte er es geschafft und lag, etwas erschöpft, neben dem großen Loch, das entstehen lassen hatte. Auf dem Rücken liegend sah er zu seinem großen Bruder. Sein Lachen klang frei und unbeschwert und seine ganze Körperhaltung zeigte, dass er entspannt war und nichts zu befürchten hatte.

“Ich bin froh, dass wir endlich von unserm Alten weg sind, Sha. So geht es uns viel besser, nicht wahr?“,

eigentlich wusste Aki, dass Shakar nichts mehr davon hören wollte, wie es damals war. Dennoch wollte der schwarze Rüde sich Shakar mitteilen. Doch schon in der nächsten Sekunde fürchtete Aki, dass sein Bruder sich auf ihn stürzen könnte. Schnell drehte er sich auf den Rücken und legte ein wenig, entschuldigend die Ohren an den Kopf.


Mit geschlossenen Augen sog sie den Geruch des Fremden ein und hatte einen Moment das Gefühl ihn die ganze Zeit eingeatmet zu haben. Ihre Nase hatte sie nicht getäuscht, der Fremde trug denselben Geruch mit sich wie die Braune. Akais Rute wippte leicht hin und her, sie öffnete die goldenen Augen und blickte Tyel offen an. Lange verweilte ihr Blick auf den bernsteinfarbenen Augen, während ihre Ohren den Worten des Rüden folgten. Eine lange Zeit schwieg sie, dann huschte ihr Blick zum Himmel und verweilte dort. Sie schaute Tyel nicht an, während sie zu sprechen begann. Ihre Stimme war sanft und melodisch, doch ihre Wort endgültig, als spräche sie eine bittere Wahrheit aus.

„Tyel Tinuviel.“

Einen Moment hielt sie inne, die Augen auf einen unbestimmten Punkt in der Schwärze gerichtet. Ihre. Rute hielt inne. Die Weiße stand nun ganz still, unbeweglich wie eine Statue, deren Blick zum dunklen Nachthimmel gerichtet war. Ein leichter Wind strich durch ihr Fell und ein stummes Lächeln huschte über ihre dunklen Lefzen. Sie freute sich für die Fremde, denn sie selbst würde ihre Vertrauten niemals wieder sehen, das wusste sie, doch im Moment war dies nicht von Bedeutung und Akai wusste, dass sie ihr Schicksal nicht ändern konnte. Ihr Blick huschte über die Sterne hinweg als suche sie eine Bestimmten.

.oO(Ryuko… irgendwo dort oben bist du und schaust auf mich hinab. Bist du nun stolz auf mich?)Oo.

Weiter huschte ihr Blick zum Mond. Er war der Einzige, der sie auf ihren Reisen begleitet hatte, immer. Egal wo sie auch gewesen war, er war immer da gewesen und er würde immer da sein, solange sie auch lebte. Eine einzelne Träne schimmerte in ihren Augen. Der Mond, ihr Gefährte in Ewigkeit. Sie lächelte, als sie wieder zu sprechen begann. Ihre Stimme war noch immer leise, doch nun so laut, das der Fremde es auch verstehen konnte.

„Tyel Tinuviel. Lauft, begrüßet Euren Bruder und nehmt Euer Schicksal an. So wie auch ich es nun tun werde… doch… Ich muss es allein tun.“

Sie bedachte Tyel mit einem freundlichen Blick, einem traurigen Lächeln auf ihren Lefzen und der Schicksalsergebenheit in ihren Augen, dann wandte sie sich schweigend ab und trat hinter dem Stein hervor. Eine blutverschmierte Spur kennzeichnete den Weg, den ihre geschundenen Pfoten genommen hatten und schimmerten silbrig im Mondschein.


Shani blickte dem Rüden weiterhin viel zu unsicher entgegen, dafür, dass er ein Fremder war und sie Rudelmitglied benahm sie sich sicher nicht richtig, aber irgendwie wollte kein neuer Mut aufkommen. Erstrecht nicht, als der Fremde deutlich sichtbar ebenfalls angespannt wurde, allerdings legte sich das kurz darauf wieder, sonst wäre Shani wohl gerade wieder zurückgelaufen, was aber sicher keinen besseren Eindruck hinterlassen hätte. Er begrüßte sie und aus seiner Stimme kam plötzlich ebenso viel Unsicherheit wie sie es empfand und aus irgendeinem Grund ließ sie das ein wenig sicherer werden. Mit übermäßig selbstbewussten Wölfen konnte sie nicht umgehen, aber bei jemand, der so war wie sie selbst, musste sie ja nicht so schüchtern sein. Auch der Rüde schien sich zu überwinden und sprach dann, so viel und mit so hohen Worten, dass Shani ganz verwirrt aussah und kurz nach dem Aussprechen des Namens Tinuviel unfreiwillig abschaltete. Tinuviel? Tyel Tinuviel … Akai, die fremde Fähe, sie hatte wirklich Recht gehabt? Stand da etwa Tyels Bruder vor ihr? Sie drehte sich zu ihrer Freundin um, aber entgegen ihrer Vermutung lag sie wieder auf dem Stein und sah nicht so glücklich aus. Was war denn los? Akai redete mit ihr, hoffentlich war alles okay, aber die Weiße wandte sich schon ab und ging davon. Shani sah einige Sekunden unsicher auf die jetzt alleine daliegende Tyel, drehte sich dann aber zu Rasmús, sie sollte ihm das wohl alles erklären. Und, ah, er hatte etwas von einer Flucht geredet … und das Wort Freunde hatte sie auch gehört, das reichte doch schon. Sie kam ein bisschen näher und lächelte, zuerst fröhlich, aber dann doch eher ins traurige gleitend, irgendetwas war mit Tyel und Shani verstand es nicht.

“Rasmús Tinuviel, es freut mich, dich kennen zu lernen. Aber, oh, es tut mir leid, ich bin ein wenig aufgeregt. Die Fähe, die dort so unglücklich liegt, ich weiß auch nicht warum, ich mache mir Sorgen, aber gleichzeitig sagst du mir nun, dass du Tinuviel heißt und … entschuldige, ich rede zu wirr. Tyel Tinuviel heißt sie und die Weiße, die gerade verschwunden ist, Akai, fragte sie eben schon, ob sie einen Bruder habe, kaum bist du aufgetaucht. Und nun sagst du mir, dass du Rasmús Tinuviel heißt und ich glaube fast, dass das die Annahme von Akai bestätigt …“

Sie hatte atemlos geredet und den Rüden dabei mit großen Augen angesehen. Er müsste doch seine Schwester erkennen … aber Tyel müsste doch auch fröhlich auf ihn zustürmen, ihn begrüßen. Da war irgendetwas verquer, auch wenn Shani keine Ahnung hatte von einer glücklichen Familie. Vor lauter Aufregung hatte sie sogar vergessen, sich vorzustellen und klappte nun leicht die Ohren zurück.

“Ich bin Shani … Tyels Freundin.“

Sie sah sich wieder nach der Braunen um, die hatte sich nicht geregt und nun winselte die Weiße leise. Schon lief sie unsicher zwei Schritte vor, als wollte sie so Rasmús dazu bekommen, jetzt gleich mit ihr zu Tyel zu laufen. Also drehte sie sich um, sprang zwei Schritte vor, entschloss sich um, ging wieder einen in Rasmús Richtung und blieb so etwas verloren stehen. Den Kopf leicht gesenkt, das Gesicht unsicher und besorgt.


Banshee hatte, die Augen schon wieder geschlossen, den Fremden und alle anderen ausgeblendet, niemand, nein, kein einziger, sollte ihr diesen Moment nehmen. Dass sie sich überhaupt von diesem Gregory Soeh hatte unterbrechen lassen, tat ihr jetzt schon leid, wo sie Averics Schnauze in ihrem Fell spürte und jede einzelne Nuance seiner Trauer in ihrem Herzen nachzufühlen vermochte. Seit er ein Welpe gewesen war, war er ihr nicht mehr so schwach und verletzlich vorgekommen. Sie wusste, dass er es nur ihr alleine zeigen wollte, dass niemand wissen sollte, dass er nicht der große starke Averic war und sie versprach ihm stumm, es niemals jemand zu verraten. Auch spürte die die Entschuldigung die in seinem Herzen und in seinen Augen stand, für das, was er immer tat, aber Banshee hatte ihm bereits bei seiner Geburt jede Untat verziehen, jede Schuld aufgewogen. Er war ihr Sohn und ihre Liebe war ihm weit über ihren Tod hinaus gewiss, kein Streit und auch nicht tausend hässliche Worte gegen seinen Vater oder gegen die Götter konnten diese Liebe vernichten. Auch das versuchte sie ihm stumm zu zeigen, drehte den Kopf zu ihm und fuhr ihm mit der Zunge über die Stirn, immer wieder, als wollte sie ihn von all seinen Sünden reinwaschen. Schließlich verharrte sie, die Schnauze in seinem Nacken und atmete den ihr doch noch so ähnlichen Geruch ein, wollte Averic all die Liebe schenken, die er nie hatte annehmen können. Lange verharrte sie so, bis die eindeutige Präsenz eines Fremden aufdringlicher wurde und sie Averic entlassen wollte. Ihr Sohn war lange alleine gewesen, sollte er jetzt in ihrer Nähe bleiben wollen, so würde sie bei ihm sein, aber sie konnte sich gut vorstellen, dass er sich ein wenig zurückziehen wollte. Diese Chance würde sie ihm geben. Langsam öffnete sie die Augen und nahm ihren Kopf aus seinem Fell, wie schon viel zu lange nicht mehr, berührte sie ihn sanft an der Stirn und lächelte ihm ein trauriges Lächeln, bis ihr Kopf sich wegdrehte und ihr müder Blick auf einem fremden Schwarzen landete. Sie richtete sich ein wenig auf, blinzelte einmal und erweckte dadurch ihren Blick zu neuem Leben. Schon aufmerksamer musterte er kurz den schwarzen Rüden und wartete dann geduldig in seinen Augen ruhend, bis er zu Ende gesprochen hatte. Wenn er mit Face Taihéiyo gesprochen hatte und der ihn nicht verjagt hatte, so würde er bleiben können, Banshee vertraute dem schwarzen Rüden, was sie schon gezeigt hatte, als sie ihm ihre so besondere kleine Tochter anvertraut hatte.

“Willkommen, Ihr könnt bleiben, ich hoffe, Face Taihéiyo hat Euch schon einiges erklärt. Jedoch wüsste ich gerne noch Euren Namen, den ihr noch nicht erwähnt habt. Ich bin Banshee.“

Ihre Stimme war zwar fest und sicher, aber so deutlich von Müdigkeit und Erschöpfung durchtränkt, dass ihr um dies zu verbergen die Kraft fehlte. Aber jetzt war es nicht nötig, zum ersten Mal hatte sie nicht das Gefühl, für das ganze Rudel die starke Alphawölfin spielen zu müssen. Es war ein schönes Gefühl. Und zudem war noch immer jene Präsenz, die ihr versprach, ihr zu helfen, ihr beizustehen auf eine Art und Weise, auf die ihr niemand in diesem Rudel beistehen konnte. Ein Wächter war Engaya näher, als irgendwer anderes mit Ausnahme ihrer Selbst. Und er hatte gesprochen, als sie Merawin in die Schlucht entließ, sie hatte ihn ganz deutlich gehört, obwohl sie sich nicht sicher war, ob es laut gewesen war, oder nur in ihrer Seele. Für beides war sie ihm dankbar und als sie jetzt ihren Blick über die dunkle Steinwüste gleiten ließ, erkannte sie eine schemenhafte Gestalt weiter abseits, das musste er sein. Sie schickte ihm ein Lächeln durch die Nacht und obwohl er nicht zu ihr sah und sie keinen Laut von sich gab, wusste sie, dass es ihn erreichen würde. Als sie ihren Blick von ihm abwandte, fiel er ganz von selbst auf zwei herannahende Fähen, die sie nach kurzem Nachdenken eindeutig der Stimme vor einiger Zeit zuordnen konnte. Katara und Corvina, die zwei Fähen, die bei ihnen bleiben wollten. Auch jetzt sprach wieder nur Katara, sie schien die mutigere von den zweien zu sein und bestätigte durch den Klang ihrer Stimme die Vermutung Banshees.

“Ich grüße euch, Katara und Corvina. Wie schon vorhin, werde ich euch auch jetzt gerne aufnehmen, bleibt, solange ihr wollt. Mein Name ist Banshee.“

Sie lächelte ihnen zu und ließ sich schließlich auf die Hinterläufe nieder, sie hoffte, dass der Storm der Ereignisse nach diesen vier Wanderern endlich abbrechen würde, sie wollte sich ausruhen, allzu lange hatten sie nicht mehr Zeit, die höheren Gebiete mussten erklommen werden, zu sehr war die Angst in ihr Herz gekrochen, dass die fremde Schar sie hier noch entdecken konnte, vielleicht wenn der Winter hart wurde und sie in höhere Gefilde stiegen, um Nahrung zu finden. Das durfte sie nicht riskieren.


Aliennas süßer Todestraum wurde von Etwas unterbrochen, sie schlug die Augen wieder auf, sah in die Dunkelheit der Nacht und spürte wieder das schwache Klopfen ihres Herzens. Warum waren die Wiese und das Strahlen wieder verschwunden, was hatte sie ihrem Wunsch entzogen? Sie wollte den Kopf heben, aber kein Muskel gehorchte ihr mehr, ihr Körper war viel zu schwach, er schien schon gestorben zu sein. Aber was hielt ihren Geist am Leben, warum verschwand die Göttin wieder? Ihr Herz setzte aus, sie wurde blind, konnte nicht einmal mehr die Dunkelheit sehen, aber die Wiese erschien nicht. Ihre Nerven reagierten nicht mehr, sie hatte das Gefühl, als würde sie schweben, in einem rieseigen Nichts, ähnlich einer Ohnmacht. Aber was hier geschah war die Ohnmacht des Todes. In dieser alles verschlingenden Dunkelheit suchte sie nach dem Sonnenlicht, nach dem Geruch blühender Blumen und dem Anblick der Göttin, die sie erwartete … aber nicht geschah, sie trieb nur immer weiter und wartete, auf was, wusste sie nicht. Bis ihr plötzlich ein Gedanke durch den nicht mehr denkenden Kopf blitzte, eine Erkenntnis, die ihr ihr eigenes Warten erklärte. Sie hatte zwar sterben wollen und hatte auch gewusst, dass sie es nun würde … aber irgendwo in ihrem tiefsten Inneren hatte sie doch damit gerechnet, dass Leyla kommen würde, dass sie sie retten würde und dass alles wieder gut werden würde. Aber Leyla war nicht gekommen und nun gab es keine Möglichkeit mehr dazu. Sie musste diese bittersüße Hoffnung loslassen, sonst würde zwar ihr Körper sterben und vergehen, aber ihr Geist niemals, die ewigen Hallen würden ihre Pforten für sie geschlossen halten und Engaya würde sie nicht in ihren Pfoten beschützen können. Diese Erkenntnis war schmerzhaft, denn sie hatte Leyla loslassen wollen, in ihrem Tod ihr nicht nachtrauern, aber sie hatte es nicht geschafft, mehr noch, sie hatte wirklich erwartet, dass sie kommen würde, obwohl sie sich doch selbst davon überzeugt hatte, dass dies nicht geschehen konnte, sie meinte doch Leyla zu kennen. Wäre es ihr noch möglich gewesen, so hätte sie gewinselt und die Pfoten über die Augen gelegt, so aber schlossen sich nur ihre Lider, sie selbst schon weit fort. Im Tod noch so viele Gefühle zu spüren war falsch, sie musste Ruhe finden, sich selbst und den Tod akzeptieren, nie hätte sie gedacht, dass Sterben so schwer sein würde. Nein … sie machte es sich so schwer, denn sie wollte den Tod nicht akzeptieren, wollte doch, dass Leyla kam. Sie versuchte aufzuhören zu denken, ließ nicht nur ihren Körper hinter sich zurück, sondern auch ihren Kopf, war nur noch ihre Seele. Und in ihr fand sie die Akzeptanz und den Frieden. Sie würde kein Glück mehr auf dieser Welt finden und sie würde endlich all die Schmerzen des Körpers hinter sich lassen, sie müsste nicht mehr so viel Trauer erleben, keine Freundschaft enttäuschen und selbst von keiner enttäuscht werden. Sie kam in eine viel schönere Welt mit einer Mutter, die sie nicht enttäuschen konnte und von der sie auch nie enttäuscht werden würde. Als sie die Augen aufschlug lag die Wiese wieder vor ihr, das Sonnenlicht wärmte ihr glänzendes Fell und die weiße Wölfin erwartete sie noch immer in dem Tor aus gleißend hellem Licht. Erneut lief sie auf sie zu, aber jetzt zerstörte nichts mehr das Bild, sie erreichte die Fähe und wurde lächelnd von ihr empfangen, segnend berührte die Göttin ihre Stirn, dann wandten sie sich gemeinsam um und traten in das Licht, bis die Wiese und das Tor verschwunden war und ihr Paradies zu entstehen begann.
Nur Aliennas Körper lag nun leblos auf dem kalten Stein, wurde eins mit ihm, aber hinterließ doch für jeden, der ihn entdecken sollte, eine stumme Nachricht, die die kleine Wölfin in ihrem Tod bei ihrem Körper zurückgelassen hatte.

Jetzt da ich sterbe
Hätte nicht am Ende
Ein Fragezeichen stehen sollen
Sondern einfach
Ein Punkt

Wir hätten
In der Kürze der Zeit
Zeit genug gehabt
Wenn wir
Sie uns geschenkt
Hätten

Atalya
25.12.2009, 17:11

Die ehrlichen, sehr sanften Augen entschuldigten sich nochmals bei Banshee. Er nickte verständnisvoll, sah knapp zu Averic und zog sich zurück. Unauffällig entfernte er sich von der Gruppe, direkt auf den Schwarzen zu. Ein vertrauenserweckende Lächeln zeigte seine „guten“ Absichten. Erst als er vor Acollon zum Halt gekommen war und ihn lange angesehen hatte, sprach er:

“Deine Kinder halten Dich für schuldig. Kein schönes Gefühl. Dabei wolltest Du sicherlich nur ihr Bestes.“

Doch in seinen Gedanken spielte sich schon was ganz anderes ab. Er versuchte erneut Acollons Geist in den Körper zu bannen und seine Erinnerungen zu löschen. Die Mauer, die ihn das weitere Denke verhindert, wurde kräftiger, standhafter.

Dein Verhalten war gut. Du musst Dich zurückziehen. Sie brauchen Dich nicht mehr. Du bist schuldig. Doch sie sehen doch gar nicht, warum Du fortgegangen bist. Du wolltest sie doch nur schützen. Und was machen sie? Sie hassen Dich. Du brauchst sie nicht mehr. Vergiss sie. Vergiss Alles.

Die Abwehr war groß, doch niemand, nicht einmal der Tod, kann dem Zwielicht entfliehen. Doch der Kopf war schwer. Er musste den Schwarzen immer nur stückweise an die Lügen heranführen. Es war schon damals so schwer und da hatte er nicht einmal ein Ziel vor den Augen. Gregory legte leicht die Ohren an. Für heute musste das genügen.

“Du eine bezaubernde Fähe, sie wird sich um Dich kümmern“,

sagte der Graue und war schon auf dem Weg, sich wieder unter die Gesellschaft zu mischen. Doch irgendetwas bewog ihn, noch einmal den Schwarzen anzusehen. Eine ungewollte Welle des Zorns überwolfte ihn fast. Es kostete einige Sekunden, in denen er sich fassen musste. Schon seit langem verbannte er Hass und Wut, Zorn und Trauer. Seltsam, dass ausgerechnet jetzt, wo die Aufgabe sehr wichtig wurde, seine Gefühle das machten, was sie wollten. Es gefährdete Alles. Mit einem letzten kurzen Lächeln trabte er auf die Anderen zu. In einem gebührenden Abstand ließ er sich auf die Hinterläufe. Beobachten und abwarten.


Der Rüde hob ein wenig den Kopf, als er spürte, wie unsicher die Fähe ihm gegenüber selbst war, und wie sie langsam Mut fasste, als auch er sich in seiner Unsicherheit verriet. Entschuldigend war seine Miene, schuldbewusst ob seines ungefragten Eindringens. Doch die Begrüßung der Wölfin war freundlich, beinahe nachdenklich. Die Aufregung sprang ihr aus der Stimme, ließ diese sich fast überschlagen. Es fiel Rasmús schwer, ihren verwirrenden Erläuterungen und ihrer Atemlosigkeit aufmerksam zu folgen. Er hörte Allerlei von einer Fähe namens Tyel Tinuviel, von Akai und einem Bruder, den die erste Fähe haben sollte. Dazwischen viele Entschuldigungen und neue Ansätze, verdrehte Erklärungen. Aber eines hörte der Graue dennoch deutlich heraus - er sollte dieser Bruder sein.

"Freut mich, Shani...",

erwiderte er abwesend, seine Gedanken rasten, er blickte mit glasigem Blick an der Fähe vorbei, fixierte wiederrum die graue Fähe, und witterte leicht. Es war die Wahrheit, sie duftete nach ihm. Dabei hatte er sie nie zuvor gesehen. Er witterte ein weiteres Mal. Die Facetten ihrer Fährte waren anders, zarter, weiblicher. Jedoch stimmte die Grundnote so sehr überein, dass Rasmús ganz unwohl zumute wurde. Konnte das denn die Möglichkeit sein?

"Sag, Shani... Ich soll der Bruder dieser Fähe sein?",

fragte er fast ungläubig nach. Jetzt, wo ihm sein ewiges Ziel, seine Schwester zu finden, in Aussicht stand, glaubte er es einfach nicht. Wehrte sich dagegen, die Hoffnung, die er in sich getragen hatte, strafte ihn plötzlich Lügen. Die Fähe im Blick, bemerkte er, wie Shani unruhig vor ihm hin und her tänzelte. Sie schien den Drang, ihn zu der Fähe hinzuführen, zu verspüren. Unruhe und Ungeduld sprangen den Rüden an, rüttelten an seinen Läufen, und fast gehorsam neigte er wieder ein wenig den Kopf. Langsam setzte er eine Pfote vor die andere, das Haupt tief gesenkte, die Schulter sehr langsam und stetig in einer fließenden Bewegung arbeitend. Auch seine Gedanken fingen nun an, sich, wie die Stimme der jungen Fähe gerade, zu überschlagen, hin und her zu wirbeln und in ihm eine Unruhe auszulösen, die ihn ganz verrückt machte. Nefvosität war ihm aus den Augen zu lesen, er hatte fast Angst davor, seiner... ja, war es denn nun seine Schwester...? Jedenfalls traute er sich kaum, der Fähe vor die Augen zu kommen, einzig, weil er ihre Reaktion nicht absehen konnte. Sie beide hatte, sofern sie Geschwister waren, gelernt, ohne einander zu leben. Vielleicht war er unerwünscht? Rasmús schnaufte leise, verharrte kurz ein ganz kleines Stück vor Shani, ehe er ihr, mit den Ohren spielend, einen zermürbten Blick zuwarf und leicht mit dem Schweif schlug. Er ergab sich - seine Hoffnung war so groß gewesen, und seine Angst, jetzt enttäuscht zu werden, war umso größer.

"Wisse, Shani, dass ich eien Schwester habe, oder hatte. Ich weiß nichts über sie, wir wurden als Welpen getrennt, das ist das Einzige, was ich im Moment wirklich weiß. Ich suche schon mein ganzes Leben unablässig, und die Enttäuschung, diese Fähe dort so vertraut und fast selbstverständlich nach so langer Zeit als Schwester vorgesetzt zu bekommen und hinterher erkennen müssen, dass es nicht so ist..."

Er brach kurz ab.

"Die ganze Zeit über war der einzige Sinn meines Lebens, den fehlenden Teil meines Herzens zu finden. Meine Hoffnung war sehr groß, auch, wenn sie manchmal in die Knie zu gehen drohte. Und plötzlich... Plötzlich erklärt mir diese Hoffnung, dass es eigentlich unmöglich ist, dass ich ein lausiger, naiver Bruder bin, der seine Schwester niemals finden wird. denn mein Verstand sagt mit, die Welt ist zu groß, zu weit für ein Wiedersehen."

Er selbst hatte es gar nicht bemerkt, doch seine Augen waren nass geworden, glänzten nun verräterisch im Mondlicht. Rasmús senkte den Kopf noch ein wenig mehr, schnaufte wiederrum, um die Tränen zurückzuhalten. Wollte diese Schwäche nicht zeigen, die im Moment das Loch in seinem Herzen ausfüllte, dort, wo eigentlich seine Schwester hätte sein sollen.

"Tinuviel..."


Worte hallten durch die Dunkelheit. Worte die sie nicht verstand oder nicht verstehen wollte. Aus allen Ecken kamen sie und setzten sich in Tyels Kopf fest doch noch immer lag die Fähe auf dem kalten Stein. Zusammengekauert und zitternd. Sie hatte die Pfoten über die Schnauze gelegt. Wollte sich schützen. Schützen vor etwas was sie nicht verstand. Wie kleine Lichter tanzten die Worte in ihrem Kopf. Ergaben keinen Sinn. Wollten nicht, dass Tyel verstand was sie bedeuteten. Sie hörte Akais Stimme, die leise zu ihr sprach. Ihren Bruder erwähnte. Und ihr etwas riet. Auch Akai wand sich von ihr ab. Tyel sah es nicht aber sie hörte die weiße Fähe von ihr fortlaufen. Ein leises Wimmern drag aus der Kehle der Brauen und sie kroch etwas näher an den großen Stein. Vielleicht gab er, ihr Schutz vor den Erinnerungen und ließ sie zurück in die Gegenwart. Alles was geschah sah Tyel entweder verschwommen oder so wie jetzt in Zeitlupe. Es war grausam zu sehen wie Shani dort mit dem Braunen Rüden redete und nun mit ihm näher kam. Tyel schloss ängstlich die Augen. Sie wusste nicht einmal warum sie eigentlich Angst hatte. Doch schon im nächsten Moment kam sah sie wieder das Gesicht ihrer Mutter vor ihr. Die Fähe sah doch so freundlich aus doch schon im nächsten Augenblick hatte sie die Schnauze wieder weit geöffnet und schnappte nach Tyel. Nun war es keine Erinnerung mehr. Es war Einbildung. Eine Fatahmorgana der Angst. Doch Tyel konnte nicht mehr unterscheiden was Realität und was Einbildung war. Wieder Winselte sie Ängstlich und versuchte sich noch flacher auf den Boden zu drücken während sie gleichzeitig rückwärts kroch. Wieder versuchte die Braune in Gedanken auf das Eis zu laufen. Sie wusste das ihre Mutter sich vor Wasser gefürchtet hatte. Schon immer hatte sie im Gegensatz zu Tyel das Wasser gemieden. Immer dann, wen es geregnet hatte waren ihre Eltern in die höhle gelaufen während Tyel draußen geblieben war und gespielt hatte. Gespielt. Aber mit wem? Das Gesicht ihrer Mutter war einem anderen Gewichen. Einem freundlichen, kindlichen Gesicht. Sie standen im Regen spielten miteinander. Tyel wusste zuerst nicht wer es war doch immer deutlicher kamen die so lange vermissten Erinnerungen zurück. Erinnerungen an eine Familie die zerbrochen war und doch war es eine gute Familie. Die ganze Zeit über hatte sie Gedanken an ihre Mutter verschwendet anstatt einfach mal zu versuchen den Sachen auf den Grund zu gehen. Waren es die Vorlieben für das Wasser gewesen? Der Grund dafür das die Geschwister verstoßen worden waren? Tyel verstand zwar noch immer nicht warum sie deswegen verstoßen worden sind aber sie hatte einen Schritt vorwärts gemacht. Hinauf auf das rettende Eis. Doch jetzt konnte sie nicht weitergehen. Für die Nächsten Schritte brauchte sie Hilfe. Hilfe die sie noch nicht hatte.
Langsam erhob sich die Braune Fähe. Strich sich mit den Pfoten über die Schnauze und drückte sich nochmals an den Stein. Fast sah es so aus als würde sie sich bei dem Stein bedanken. Vielleicht traf das sogar in einem gewissen Sinn zu. Bevor sie jedoch eine Pfote vor die andere setzte und anfing auf die beiden Wölfe zuzugehen schloss sie noch ein letztes Mal die Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Sie hatte ihren Bruder lange nicht gesehen und sie hatte ein wenig Angst. Dennoch roch auch sie jetzt was die andern schon lange vor ihre gerochen hatten. Ihren Geruch von seinem Körper. Ein Lächeln umspielte die Lefzen der Fähe. Er war ihr Bruder sein Geruch unterschied sich lediglich durch sein Geschlecht. Und mit jedem Schritt den Tyel nun ging wurde der Geruch etwas stärker und Tyel gleichzeitig ängstlicher und mutiger. Es war eine außergewöhnliche Mischung von Gefühlen doch Tyel konnte sie noch beherrschen. Sie ging langsam und bedächtig auf Shani und ihren Bruder zu. Sie überlegte den Ganzen Weg wie sie ihrem Bruder gegenübertreten sollte. Hörte gleichzeitig seine Worte. Es machte sie traurig. Ließ sie stocken. Einen Augenblick lang sah sie den Braunen Rüden anstelle ihrer Mutter vor sich. Auch seine Lefzen geben ein tiefes Knurren von sich und verscheuchten sie. Doch diese Erinnerung war nicht echt sie wusste das der Rüde vor ihr es noch nicht getan hatte vielleicht war es eine Zukunftsvision gewesen. Doch wie sollte sie es herausfinden wen sie ihn nicht kannte und vor ihm weglief? Zögernd ging sie weiter bis sie direkt vor Shani und ihrem Bruder stand. Der weißen warf sie einen kurzen Blick zu und zog ihr dann dankbar und zärtlich am Ohr. Dann wand sie sich dem Braunen zu. Sie ließ ihre Schnauze durch das Fell des Braunen gleiten. Sog seinen Geruch ein und knabberte gelegentlich freundschaftlich an ihm herum.

"Willkommen zurück....Bruder"

Ihre Stimme war sanft und freundlich, ein wenig gedämpft von seinem Fell und doch konnte man eine Spur ihrer Nervosität hören. Sie ließ von ihm ab und stellte sich wieder vor ihn und Shani.

"Du hast dich verändert"

Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lefzen. Sie wusste nicht was sie sagen sollte versuchte ihre Nervosität zu überdecken doch als sie die Tränen in seinen Augen sah wusste sie was zu tun war. Vorsichtig ging sie wieder einen Schritt auf ihn zu kuschelte sich kurz an ihn und hob seinen Kopf ein wenig an. Sie schaute ihm einige Momente in die Augen und leckte ihm dann zärtlich die Tränen aus den Augen.


Shani betrachtete Rasmús Tinuviel, seine Reaktion auf ihre sicher etwas verwirrenden Worte. Er sollte endlich mitkommen, aber natürlich musste er zunächst verstehen, was sie ihm da erzählt hatte. Sein Gesichtsausdruck und der Blick, den er an ihr vorbei auf Tyel warf, ließ darauf schließen, dass er es ebenfalls kaum fassen konnte, dass die braune Fähe seine Schwester sein sollte. Seine abwesend gemurmelte Antwort ließ noch mehr darauf schließen, aber die Weiße hatte keine Geduld mehr, sie wollte zu Tyel. Also drehte sie wieder um, wurde aber aufgehalten von der verwundert gemurmelten Frage, die sie ein wenig verwirrte. Das wusste sie doch nicht sicher. Die einzigen, die es wirklich wissen konnten, waren er und Tyel. Sie hatte doch nur die Worte Akais gehört und den Namen Tinuviel eindeutig mit Tyel in Verbindung gebracht. Sie wandte den Kopf zu dem braunen Rüden und sah fast ein wenig hilflos aus.

“Das … solltest du doch eigentlich wissen …?“

Es klang wie eine Frage, dabei war es eigentlich gar keine. Sie verstand nur nicht, warum die beiden sich nicht sofort erkannten, wenn sie denn Geschwister waren. Wären ihre Geschwister nicht alle tot, würde sie einen von ihnen schon Meilen entfernt wittern und ihm so überglücklich entgegenlaufen, dass die ganze Welt mit ihr strahlen würde. Aber dieses Glück war ihr nicht vergönnt, da sollte sich doch wenigstens Tyel freuen! Oh, und wie gerne hätte Shani sich mit ihr gefreut, aber alles war verquer, nichts passte zueinander. Sie war im höchsten Maße verwirrt und wünschte sich, mit ihrer Freundin sprechen zu können, aber Rasmús redete schon wieder und sie wollte nicht unhöflich sein, zudem war er doch möglicherweise der Bruder Tyels, sie wollte auch seine Freundin werden. Seine Worte waren traurig, plötzlich spürte sie ebenfalls tiefe Trauer und Verständnis für diese ganze Verwirrung. Sie drehte sich wieder um, tappte die paar Schritte zu Rasmús und zog ihm sanft am Ohr, eine spontane Reaktion, einfach tröstend, obwohl sie ihn doch eigentlich gar nicht kannte.

“Es muss schrecklich sein, sein Leben lang jemanden zu suchen und irgendwann die Hoffnung beinahe zu verlieren … aber schau, vielleicht hast du sie nun wirklich gefunden, dann solltest du nicht traurig und niedergeschlagen sein. Lächle lieber und hoffe, denn die Wahrscheinlichkeit ist so groß …“

Sie blieb leicht seitlich von ihm stehen und sah ihn zwar traurig an, lächelte aber leicht dabei, wollte ihn ein wenig aufmuntern und ihn endlich zu Tyel bringen, denn sie glaube immer noch daran, dass sie beide Geschwister waren. Aber die Braune kam ihnen schon zuvor, sie bewegte sich bereits auf sie zu und sah … traurig und vielleicht sogar ängstlich aus, gleichzeitig war aber auch ein Funken Glück zu erkennen. Zärtlich wurde Shani am Ohr gezogen und erwiderte das mit einem sanften Stupser und einem glücklichen Lächeln. Tyel redete ganz selbstverständlich von einem Bruder, er war es also wirklich, und liebkoste ihn dann. Shani war zwar unglaublich glücklich, schließlich durfte Tyel gerade ihren Bruder wieder finden, aber gleichzeitig kam sie sich ein ganz klein wenig fehl am Platze vor. Unsicher trat sie einen Schritt zurück, lächelte noch immer, aber wollte sich eigentlich zurückziehen, traute sich nur nicht, einfach wegzugehen.


Die aufmunternden Worte der jungen Fähe weckten in dem Rüden ein unerklärliches Vertrauen. Ja, vielleicht hatte sie recht, vielleicht würde es diesmal wirklich gut ausgehen. Er konnte ja nichts von ihrem eigenen Schmerz ahnen, von ihrer Trauer, all ihre Geschwister verloren zu haben. Doch auch die so unmittelbar bevorstehdende Wiedervereinigung der Sternengeschwister konnte ihn nicht gänzlich blind machen für die Trauer, die sich in den Zügen Shanis abzeichnete. Irgendetwas berührte sie, tief in ihrem Inneren, und ließ sie verstehen, was er fühlte. Dann die Bestätigung: die Jungwölfin hielt zu ihm, versuchte, ihm Mut zu machen, ihn dazu zu bewegen, doch endlich mitzukommen, sich seiner Schwester in die Pfoten zu geben.

Doch ihr Drängeln war überflüssig. Die Fähe, die die ganze Zeit über dagelegen hatte, sich in scheinbaren Alpträumen gewunden hatte und deren leises Winseln ihm die ganze Zeit über wie Nebel durch die Gedanken gekrochen war. Eben diese braune Fähe hatte sich erhoben, und schritt nun gemächlich auf sie zu. Aus ihren Augen konnte Rasmús die Gewissheit, die Sicherheit lesen. Ihr Duft umgab ihn, und doch bemerkte er es kaum, denn es war seine Fährte. Diese Augen, golden wie Honig, es waren die gleichen Augen, mit denen er den Blick nun erwiderte, und alle Zweifel verschwanden. Die Nuancen ihres Fells glichen sich bis aufs letzte Haar, allein ihre Statur war aufgrund ihres Geschlechts ein wenig anders. Ihre Schnauze, die Form ihrer Beine, der buschige Schweif, die tatzigen Pfoten, der gerade, sprungkräftige Körperbau... Es war dem Grauen, als blicke er in einen Spiegel, als sehe er sich selbst vor sich stehen, und die Vertrautheit war so groß, dass er tief in sich spürte, wie etwas in ihm heil wurde.
Wärme, flüssige Sonnenstrahlen durchfluteten ihn, an seinem Herzen wurde etwas schwer, jedoch nicht dieses erdrückende Gefühl der Last, sondern das gefühl eines Teils seines Herzens, der sich wieder angefügt hatte, mit glühender Balsam-Naht. Weicher, süßer, gleitender Honig umschlang sein Herz, von der Sonne gewärmt, golden und glänzend. Das Licht kehrte in Rasmús zurück.

"Schwesterherz... Ich..."

Er wollte ihr so vieles sagen - dass er nach ihr gesucht hatte, sein ganzes Leben lang schon, dass er sie vermisst hatte, dass er immer gewusst hatte, dass es sie gab, und dass er sie finden würde, wenn er nur suchte... dass er sich seltsamerweise an regen erinnerte, wenn er über seine Kindheit nachdachte, und an spitze Zähne und ein tiefes Knurren. Dass er sich nicht an seienn Vater erinnern konnte, dass er sie liebte, wie nichts anderes auf der Welt, obwohl er sie nicht kannte...
Doch er brachte kein einziges Wort heraus, öffnete vergebens die Schnauze, und als sie die Schnauze in seinem Fell vergrub, ihn 'Bruder' nannte... da flatterte sein warmes Herz wie ein kleiner Vogel, der sich aus einer Wasserlachje zu befreien versuchte. Seine Brust schwoll vor Freude leicht an, und die warme Zunge seiner Schwester befreite ihn von den bitteren, salzigen Tränen, machte sie vergessen. In einer unerklärlichen Anwandlung von Zärtlichkeit zwisckte er sie leicht ins Ohrn, gab leise, warme, winselnde Laute von sich und kuschelte seinen Kopf unter ihr Kinn, leckte ihr die lefzen, und versuchte dann, ihr das Gefühl zu geben, einen Bruder um sich zu haben, der sie beschützen, geborgen halten konnte, ihr Zuwendung und vorallem ein familiäres Gefühl bieten konnte. Zu Shani glitt ein dankbarer Seitenblick herüber. Der Mut, den sie ihm zugesprochen hatte, hatte dieses Glühen in ihm entfacht, und er war sich sicher - ohne die Fähe, die so unvermittelt und direkt auf ihn zugekommen war, ihre Vermutung frei geäußert hatte... ohne sie wäre Rasmús vielleicht eine ganze Weile länger unter den Rudelmitgliedern gewesen, unwissend, wer mit ihm war.

"ich kann mich nicht mal erinnern, wie du früher ausgesehen hast... Aber ich stelle fest, Du bist Ich."

Und plötzlich fand er das Lächeln wieder, er strahlte, srahlte wie der volle Mond am Nachthimmel, seine Augen glänzten, doch diesmal nicht vor Tränen. Nein, das Glück hatte seinen Weg in seine Augen, die aus Honigmurmeln zu bestehen schienen, zurück gefunden. Mit einem Mal wünschte Rasmús sich Regen, der in sanften Perlen in sein fell drang und ihm wiedergab, was sein Kopf ihm an Erinnerungen genommen hatte: Regen.


Der graue Rüde stellte sich vor Acollon. Seine Worte waren nur Gewäsch. Irgendwie wollte der Schwarze sie nicht hören, er wollte alleine sein. Viele Gedanken sprudelten durch seinen Kopf. Ein Wunsch, ein unerklärlicher Wunsch machte sich in ihm breit. Er wollte seine Familie hassen. Er hatte es doch nur gut gemeint und sie haben es nicht verstanden. Er, der sie doch nur schützen wollte, vor dem was sie alle töten konnte, was sie ihn Gefahr brachte. Aber wovor wollte er sie schützen? Vor wem? Vor sich selbst? Nein, es war etwas anderes, aber er hatte es vergessen. Dieser Hass, der unbegründet in ihm anstieg, wurde unerträglich. Acollon kannte nicht einmal den richtigen Grund für seinen Hass, doch er wusste, er musste diesen Hass aufrecht halten. Etwas anderes kämpfte sich ins Bewusstsein. Wie sollte er seine Familie hassen? Warum denn? Er liebte sie doch und sie mehr oder weniger ihn. Das war Alles so ein Schwachsinn. Woher kamen diese Gedanken? Und warum konnte dieser Gregory Soeh nicht einfach verschwinden? Und bevor der schwarze Rüde sich aufraffen konnte, um den Grauen zu verjagen, ging dieser freiwillig. Nur zu seinem eigenen Wohl, dachte Acollon. Dass der Graue ihn noch hasserfüllt ansah, fiel ihm nicht auf. Er war damit beschäftigt sich wieder zusammen zu reißen. Mit einer großen Portion Ungewissheit raffte sich auf. Seine Läufe fühlte sich seltsam schwer an.

“Oh Acollon, wo sind Deine Träume hin?“,

sein Atem war unruhig und der Kopf schien ihm gleich bersten zu wollen.

“Sie sind schon lange fort, verloren auf dem Weg“,

beantwortete er seine eigene Frage. Die stahlgrauen Augen verweilten ein wenig auf der weißen Fähe, die lange ihren Sohn berührte. Leicht schmerzvoll lächelnd drehte er dem Anblick den Rücken zu. Unbemerkt und heimlich stahl er sich davon. Seine Pfoten suchten sich nur schwerlich einen eigenen Weg, immer noch benommen von den falschen Gefühlen und Gedanken. Doch mit einem Ziel vor dem inneren Auge, war das Alles ein wenig leichter zu verdauen. Schnell war er aus den Bergregionen und fand sich im Sternenwindtal wider. Ein seltsam trostloser Ort ohne Banshee und dem Rudel. Viele fremde Gerüche schlugen sich ihre Wege durch die Luft. Lautlos bahnte er sich den Weg durch das vertraute Gehölz. Die Umgebung war ihm vertraut. Was er eigentlich suchte, war ihm nicht ganz klar. Aber eine Anzahl von Feinden war schon einmal hilfreich. So konnte Acollon die Chance für die Rettung des Tals genau festlegen. Eigentlich war es nicht allzu klug den Weg hierher aufzusuchen. Denn schon morgen wollte das Rudel weiterziehen. Er hatte also nicht mehr viel Zeit, der Abstieg war schon nicht ganz ohne. Doch nicht ohne Grund hatte es auch lohnenswerte Seiten der Tod zu sein. So würde er bei Morgengrauen wieder an der Seite seiner Banshee stehen können. Vergessen waren die seltsamen Gedanken und Gregory Soeh. Er war in einer Mission. Vielleicht würde er der Nyota über den Weg laufen.


Greens Augen öffneten sich beim rauschen der Blätter. Sie blinzelte mehrmals und schaute abwechselnd zu den anderen Wölfen. Die Welpin streckte ihren Kopf etwas gegen den Himmel. Sie schloss dabei die Augen und stellte ihre Ohren etwas auf um zu lauschen was die Anderen so erzählten. Sie regte ihren Kopf eine ganze Zeit und schnüffelte dabei etwas den Geruch ab. Schlieslich drückte sie ihre Pfoten gegen den Boden und stemmte sich hoch. Die Kleine schüttelte erst mal schwach ihren Kopf und schaute sich erneut um. Sie sah so viele Wölfe so viele verschiedene Gesichter die sie sich ab sofort wohl merken musste. Sie dachte nach. Sie wusste nicht genau ob sie jetzt dem Rudel angehörte oder ob sie die fremde kleine Welpin war. Green drehte sich weg von Kaede und ging auf Banshee zu. Sie drehte sich aber vorher noch kurz zu Kaede ging langsam auf sie zu streifte kurz wie eine Katze an ihrem Bein vorbei und drehte sich wieder zu Banshee. Green schaute erst mal eine Weile zu Banshee und eine schwarze Fähe(Katara). Sie sah intressiert zu den Beiden und fand die ganze Umgebung grade sypatich. Die Kleine ging auf die beiden Fähen zu, sie lief sehr langsam aus Angst. Sie schaute dabei auf den Boden weil sie doch noch sehr müde war. Sie lief immer weiter und wusste gar nicht genau wo sie überhaupt hinlief. Sie ging noch ein kleines Stück weiter und ihr Kopf stieß. Sie merkte das es sehr flauschig war. Sie schaute erschrocken hoch und sah die schwarze Fähe. Green ging sofort ein ganzes Stück zurück und schaute die Fremde mit großen Augen an. Sie legte sich hin und ihren Kopf so wie fast immer in die Pfoten. Jetzt saß Green genau gegen über der Fähe und schaute sie noch immer an.

"..Endschuldige mich ich schaue oft nicht auf den Weg den ich gehe..."

winselte die kleine Fähe und schaute zu der Fremden. Sie legte ihren Kopf auf die Pfoten und schaute weiter zu der Fremden.


Corvina hatte sich nun wieder an die Fersen Kataras geheftet, diese hatte sich während Corvina kurz stehen geblieben war wieder an die Spitze gesetzt, doch ehrlich gesagt machte dies der weissen Fähe nichts aus, sie war eher zurückhallten und erst etwas mutiger wenn sie sich auskannte und wusste was sie sich zuschulden lasten konnte und was nicht! Als sie auf die Mitglieder des Rudels stiess, fiel Corvina in einen langsamen Trott und blickte sich um, aufmerksam und sich die Gesichter einprägend lief sie weiter durch das Rudel, ihr war einerseits wohlig zu Mute, da sie wusste, dass sie willkommen waren, doch andererseits war es doch mulmig durch ein Rudel zu laufen und einige Blicke auf sich liegend zu haben.Vielleicht war dies der Grund, weshalb sie sich etwas näher an Katara schob und sich dann neben sie drängte, als die schwarze, vor Selbstsicherheit strahlende Fähe anhielt. Ein leises Jaulen drang aus dessen Fang und erst als Corvina den Welpen erblickte, stiess auch sie ein kurzes Winseln aus, so wäre es ihr auch ergangen, hätte sie nicht die Rettung bei einem Menschen gefunden, eigentlich war sie genauso wie ihre Eltern, auch sie hatte das Mädchen alleine gelassen, als der Ruf der Wildnis stärker wurde, genauso wie ihre Eltern sie im Stich gelassen hatte! Sie neigte leicht den Kopf um die Ehrbietung an die weisse Wölfin, die anscheinend eines der Alphatiere war, annzuerkennen.Auch an die Versammelten Mitglieder welche in der unmittelbaren Nähe standen, schickte sie ein zaghaftes freundliches Nicken. Sie hörte Katara sprechen und wartete dann geduldig auf die Antwort, welche nicht auf sich warten liess und mit dieser Antwort war es beschlossen, dass das umherirren der beiden Fähen ein Ende hatten, sie waren auf neue Heimat gestossen und waren nun die Mitglieder eines grossen Rudels!

„Es freut mich, Sie begrüssen zu dürfen Banshee und ebenso möchte ich Ihnen mein Beileid aber auch meine Dankbarkeit aussprechen, welche ich in mir fühle. Vielen Dank, dass wir bleiben können!Es ist mir wahrlich eine Ehre, mich nennt man übrigens Corvina.“

die letzten Worte waren eine Wiederholung der vorderen, doch die Dankbarkeit die die weisse gegenüber der Fähe verspürte war gross und sie mussten einfach raus. Banshee sah leicht ermüdet und abgespannt aus, es stimmte die beiden Neuankömmlinge waren wahrlich an einem ungünstigen Zeitpunkt angekommen, doch schien es nicht nur das zu sein, was die Wölfin belastete! Ein Welpe kam angewackelt, doch vernahm Corvina ihn erst bloss aus den Augenwinkeln und nahm ihn erst wahr, als die junge Fähe die Stimme erhob, anscheinend hatte sie Katara übersehen und war in sie hineingelaufen. Corvina senkte leicht den Kopf und stupste Katara leicht an, die beiden hatten nun ein Zuhause gefunden, und nun?


Wie lange mag es nun schon her sein, seitdem er mit seinem Bruder Aki alleine unterwegs war? Jegliches Zeitegfühl schien er irgendwie verloren zu haben, aber hatte er auch nicht vor, über soetwas nachzudenken - nein, er hatte immerhin besseres zu tun, wie zum Beispiel seinen Bruder beobachten, das er eigentlich immer tat. Shakar schwieg die letzten Stunden, und ließ Aki ruhig machen, immerhin schien dieser gefallen, oder eher Spass zu haben. Bei dessen ersten Worten dachte der nicht daran, zu antworten. Ja, Worte kamen nur wenige aus ihm heraus, wenn er einmal sprach. Ein Schmunzeln zierte seine Lefzen, als er sah, wie Aki in dem Weiss versank. Er beobachtete ihn weiter, blieb kurz vor diesem schließlich stehen, streckte fast schon genüßlich seine Glieder, von vorne, nach hinten. Shakar würde wirklich gerne wissen, wo die beiden hier eigentlich waren. Weit gereist sind sie auf jedenfall, dem ist schon mal nicht zu widersprechen. Schließlich erklangen die letzten Worte in seinem Ohr, woraufhin er fast schon ruckartig zu seinem Bruder sah. Als er dessen Position schließlich mit den Augen sah, verbreitete sich das Schmunzeln auf seinen Lefzen etwas, und er näherte sich Aki langsam. Was dachte Aki denn? Es sah für einen kurzen moment aus, als hätte hier fast schon jemand Angst. Ein Stupsen an die Schnauze Aki's folgte.

"Himmel... steh' auf, und denke an deine eigenen Worte, Aki. Na komm' schon, beweg dich."

Geflüsterte Worte, fast schon so leise, das man diese kaum vernehmen konnte. Doch war er sich sicher, das Aki diese Worte sehr gut vernehmen konnte. Ein kaltes Lächeln folgte diesmal, und schon lief er an Aki vorbei. Froh war jedoch nicht nur Aki gewesen, aber das würde er ja sicherlich wissen.

"Oder meinst du, wir sollten erstmal eine kurze Pause machen und uns etwas... ausruhen?"

fragte er schließlich, wandt sich komplett zu Aki herum, und wartete ab, was dieser antworten würde. Shakar wäre eine Pause natürlich lieber, aber das würde er wohl niemals zugeben. Er würde also der Entscheidung des Bruder folgen.


Sie wusste einfach nicht mehr wie schön es war jemanden zu haben dem man voll und ganz vertrauen schenken konnte. zwar vertraute sie Shani auch doch das war ein bisschen etwas anderes. Shani war ihre beste Freundin und somit ihr mit am Vertrautesten doch Rasmús war ihr Bruder. Er hatte das gleiche Blut wie sie. Hatte das gleiche erlebt jedenfalls zum Anfang. Er spiegelt ihr Glück wieder. Tyel verdrängte die Erinnerungen sie hatte das Glück nie gehabt. Doch nun wo ihr Bruder endlich wieder da war. Wo sie sich endlich wieder an ihn erinnerte war es als ob sie fliegen könnte. Ihre zarten Liebkosungen wurden schwächer und sie ließ kurz von ihm ab. Sie spürte seine warme Zunge an ihren Lefzen. Spürte wie er ihr ins Ohr zwickte und schüttelte daraufhin kurz den Kopf. Nicht weil es ihr unangenehm war. Eher weil es unerwartet gekommen war. Ein Lächeln lag auf ihrem Gesicht und am liebsten hätte sie ihre Freude laut aus sich herausgeschrieen.

"Im Gegensatz zu dir konnte ich mich bis eben gar nicht an dich erinnern"

Sie warf ihm einen entschuldigenden Blick zu und machte sich dann von ihm los. Einige Schritte tänzelte sie rückwärts, dann ging sie zu Shani und leckte ihr dankbar über die Lefzen.

"Du bist eine tolle Freundin...danke"

Sie flüsterte die Worte in Shanis Ohr und zog zum Abschluss noch kurz daran. Noch immer strahlte das Lächeln auf ihren Lefzen. Sie nahm die Streitigkeiten die oben auf dem Berg vor sich gingen gar nicht mehr wirklich wahr. Wieder tänzelte sie zurück schaute die beiden an. Dort standen sie die beiden wichtigsten Wölfe in ihrem Leben. Und beide waren sie da und unterstützten die Braune.

"wisst ihr was ich nun gerne Machen würde?"

Sie schaute sie erwartungsvoll an. Wartete auf eine Antwort oder eine Vermutung doch war sie viel zu aufgeregt um lange zu warten. Ihre Augen leuchteten während sie die beiden so anschaute.

"Fangen"

Das Wort sprang nur so aus den Lefzen der Fähe. Auch ihre Augen wurden ein wenig größer während sie auf die Reaktionen der beiden wartete.

"Und Rasmús fängt an"

Sein Name war ihr wieder eingefallen als sie an ihn gekuschelt da gestanden hatte und nun nutzte sie die Gelegenheit ihm zu zeigen, dass sie ihn nicht vergessen hatte.


Shanis warmer Blick lag glücklich und fast zärtlich auf den beiden Geschwistern. Tyels Freude schien ebenso durch ihren Körper zu pulsieren, nur die Scheu, die Zweisamkeit der beiden zu unterbrechen, ließ sie einen weiteren Schritt zurücktreten. Dann spürte sie den Blick Rasmús’ auf sich, er sprach von Dankbarkeit und ihr Lächeln wurde noch ein wenig strahlender. Sie hatte ihnen also zumindest ein wenig geholfen und die unbändige Freude darüber, es geschafft zu haben, Freude auszulösen, ließ sie ein wenig zur Seite tänzeln. Die Trauer darüber, dass ihr dieses Glück nie vergönnt sein würde, trat ganz in den Hintergrund, warum sollte sie daran wieder verzweifeln, wo sie es doch schon seit vielen Monaten wusste, diese Freude der wiedergefundenen Geschwister aber nur jetzt erleben konnte? Zudem kam nun auch Tyel wieder zu ihr, flüsterte leise etwas in ihr Ohr und ließ damit endgültig Shanis Zurückhaltung verschwinden.

“Ich bin so froh darüber, dass ihr beide so glücklich seid.“

Sie japste leise und glücklich und fuhr fröhlich schnaubend durch das Fell ihrer Freundin, blinzelte dann Rasmús an und lachte auf den Vorschlag von Tyel. Fangen … sie hatte noch nie in ihrem ganzen Leben fangen gespielt, aber das Wort selbst sagte genug über das Spiel aus. Sie schnappte spielerisch nach dem Bruder Tyels, wirbelte dann herum und brachte schon ein paar Meter Sicherheitsabstand zwischen sich und ihn. Ihre Rute wippte fröhlich auf und ab und sie schien vor lauter Freude gar nicht stillhalten zu können, sprang vor und zurück, tänzelte hin und her und war fast schon überdreht. Wenn doch nur Hiryoga hier wäre! Sie hätte sich so darüber gefreut, aber er hatte nicht auf ihr Heulen reagiert und dann war die ganze Sache mit Tyel und ihrem Bruder passiert. Sie würde ihn bald suchen gehen, aber jetzt wollte sie wissen, wie man spielte … ausgelassen und glücklich.


Lieber hüllte sich der Nachtschwarze in Schweigen, als sich angeregt irgendwelchen Gesprächen zu beteiligen. Aber abwürgen würde er Kaede nicht. Das hatte sie nicht verdient, denn sie gab sich Mühe, ihn einzugliedern, auch wenn es vielleicht vergeblich war. Er war nicht wie die Anderen, würde niemals so sein. Lange Zeit saß Midnight nur stumm da, ließ die Worte der Bilden an sich herab tropfen, wie ein Regenschauer der an seinem Fell abperlte. Es gab nicht, was sein herz berührte, auch ihre Worte nicht, es blieb in ihm Leer, stumm, dunkel. Sein Innerstes hatte sich zusammen mit seinen Erinnerungen schlafen gelegt und es stand nicht fest, das sie jemals wieder erwachen würden, das er aus diesem Albtraum aufwachte. Dabei war das Leben hier nicht so schlecht. Die Wölfe hier waren anders, als wie die, die er auf seiner schier endlosen Reise kennen gelernt hatte. Und dennoch... Er war keiner von ihnen und er würde auch nie einer von ihnen werden. Der Nachtsohn ließ den Blick wandern, während noch immer der Regen an ihm herab tropfte. Obwohl er aufmerksam lauschte, lange blieben die Worte nicht in seinen Gedanken, dazu war es zu unwichtig. Stattdessen tauchte eine Reihe von Bildern vor seinem geistigen Auge auf. Während Kaede sprach, wurden die Bilder immer klarer, immer realer, nahmen Form und Farbe an, bis er meinte, das sogar das sanfte, monotone Wellenrauschen an seine Ohren drang. Er erinnerte sich! Der Wind umspielte seine Schnauze, strich ihm durch das Fell, verwehte er sachte und die salzige Luft füllte seine Lungen, während seine Pfoten ein Stückchen in dem weichen Sand einsanken. Ja, hier war er gewesen. Langsam trat der Schwarze auf das riesige Gewässer zu, das von einem so klaren Blau war, so rein wirkte, wie es nirgendwo sonst war. Der Rüde blickte auf das Salzwasser hinab, das seine Knöcheln umspülte, bei jeder Welle, die den Strand erreichte. Und bei jeder Welle konnte er ein paar wenige Sekunden sein Spiegelbild erkennen. Da war er. In de glitzernden Wasser, nachtschwarz und von den Bewegungen verzerrt. Genaue Konturen konnte er nicht erkennen, nur als er den Kopf senkte blickte ihm für einen kurzen Augenblick ein strahlendes blaues Auge entgegen. Langsam wandte er sich ab, drehte sich um und lief gemächlich über den hellen Sand, die mit dürren Sträuchern bewachsenen Dünen hinauf. Hinter den Dünen wuchs üppiges Gras, soweit das Auge reichte. Nur ein kleiner Wald bot einen schattigen Platz. Mit einem Mal trommelten seine Pfoten über den Waldboden. Warum konnte er sich nicht erklären, spürte nur an seinem Atem und dem ziehen seiner Muskeln, das er schon eine ganze Weile in diesem Tempo lief. Er setzte mit einem geschmeidigen Sprung über einen Fuchsbau, schlängelte sich durch die Baumreihen hindurch, ohne das er langsamer wurde. Wieso rannte er? Er warf einen Blick zurück, doch da war niemand, der ihn womöglich verfolgte. Auf der Jagt war er auch nicht. Seltsam. Doch noch ehe er sich weitere Fragen zu dem seltsamen Erlebnis stellen konnte, saß er auch schon wieder neben der Grauen.

Ich...Ich kenne das Meer...

Seine Stimme war leise, wie immer, leicht monoton, wie immer und dennoch war da etwas anderes. Etwas, was vorher noch nicht gewesen war. Er hatte sich erinnert. So viele Bilder und Details... Langsam schüttelte er den Kopf. Es versetzte ihn in eine leichte Unruhe, wobei noch nicht ein Mal das. Nur ein seltsamer Druck erfüllte nun seine Brust. Was sollte er von all dem halten? Er hatte keine Ahnung. Er wusste ja noch nicht ein Mal, ob es denn auch so stimmte. Vielleicht spielte man ihm nur wieder einen Streich?!


Irgendwann war er stehen geblieben, hatte die Vorderläufe gegen den kalten Boden gestemmt, mit aller Kraft, die er nun in die Pfoten stecken konnte, presste er die Krallen in den harten Boden, und zog sie so, in die Erde gedrückt, zu sich zurück. Nur eine leichte Spur, feine Kratzer waren zu sehen, erbärmlich. Der Boden war zwar hart, schon fast Stein, doch trotzdem hätte er gerne mehr Stärke bewiesen, aber im Moment zeigte er keine Stärke, nichts. Wie ein Feigling war er davon gelaufen, hatte sie alle einfach zurückgelassen, er wollte für Shani und Kaede da sein, aber wie wollte er das machen, wenn er ständig weglief? Nicht einmal für sich selbst konnte er stark sein, wie dann für andere? Kaum türmte sich eine Hürde auf seinem Wege auf, drehte er um, suchte sich einen neuen Weg.

"Schwächling! Verdammter Feigling! Du solltest zurückgehen, ihm ins Gesicht sehen, du du du solltest so viel tun...alles, nur nicht hier sein!"

Laut ertönte seine Stimme, er schrie es schon wahrlich aus sich hinaus, doch was brachte ihm das, wenn niemand ihn hörte? Der Hellbraune war alleine, nur mit sich selbst hier in der Weite. Oder? Den eben noch gesenkten Kopf zog er hoch, die smaragdfarbenen Augen verengten sich und suchten das triste Gebiet nach etwas Lebendigem ab. Plötzlich bewegte sich dort etwas aus der Ferne auf ihn zu, kräftige Flügelschläge trieben das schöne Tier immer schneller auf ihn zu, es kam von Zuhause. Hiryoga brauchte nicht lange hinzuschauen, er wusste, wer ihm da entgegen geflogen kam. Die eben noch gespürte Trauer war wie verschwunden, vertrieben von der Freude, die in ihm aufstieg. Mit einem leisen Fiepen stürmte er auf die Eule zu, als sie sich langsam zu ihm hinab begab, sprang er in die Luft, wollte die altbekannte Freundin begrüßen. Bei all der Freude fiel ihm jedoch auf, dass sie kein Ton von sich gab, sie war wie verstummt und auch ihre Züge hatten nichts Freundliches an sich. Die Augen zu sehr angestrengt, zwinkerte er einige Male, doch im nächsten Augenblick war er alleine. Sie war nicht da, er hatte geträumt, halluziniert. Verwirrt drehte Hiryoga den Kopf nach allen Seiten um, ließ die eben wild umherwirbelnde Rute leblos zwischen den Hinterläufen baumeln.
In diesem Moment hatte er das Verlangen, die Schnauze zu heben und seine Trauer dem Himmel mitzuteilen, doch er blieb stumm, wie immer. Missmutig legte er die Ohren an den Kopf, blickte in Richtung des Sternenwindtals, ehe er den Kopf abwandte und zurück sah. Was sollte er nun tun? Sie hatte traurig ausgesehen, gespenstig, sicher, es war auch nur Einbildung gewesen. Erst jetzt fiel ihm ein, dass sie hier oben gar nicht leben konnte, keine Bäume, kein Futter für sie, sie würde hier eingehen. Nein, sie durfte hier nicht hin und er würde wiederkommen, sie würden alle irgendwann nach Hause zurückkehren. Doch bis dahin würde er stark sein müssen, seinem Vater und seiner Mutter entgegentreten müssen. Nicht heute, aber bald. Mit einem leisen Seufzer setzte er sich in Bewegung, reckte die Nase in den Wind und erhöhte sein Tempo.
Auch wenn er nicht alle 'seine Probleme' an einem Abend beseitigen konnte, auch wenn er nicht über Nacht zu dem Wolf werden würde, der er gerne wäre, er konnte sich zumindest wieder zu den anderen Gesellen und seinem Bruder ein wenig Respekt entgegen bringen. Es dauerte nicht allzu lange, bis er die ersten Wölfe erblickte, er hatte sich vorhin nicht weit entfernt. Aber er wollte nicht zu seinen Eltern, mit langsamen Schritten folgte er dem Geruch Shani's, mehr versteckt als gesehen war sie dort mit anderen Wölfen, darunter auch die neu erworbene Freundin Tyel. Sie waren alle so glücklich und auch Shani schien sich vor Glück nicht halten zu können, ein sanftes Lächeln zog sich über seine Lefzen, als er die junge Fähe so ausgelassen und glücklich sah, sie war in diesem Augenblick das, was sie war: eine Jungwölfin. Hiryoga blieb stehen, betrachtete sie völlig ruhig, aber aufmerksam, ließ sich auf die Hinterläufe nieder und seufzte zufrieden. In diesem Augenblick schien es die heile, wundervolle Welt zu gebe, vergessen waren die letzten Tage, das letzte Jahr und das wollte er nicht zerstören.