30.12.2009, 19:03
Zuerst hatte man es kaum glauben können, doch je öfter die Sonne klar am Himmel hing und einer der doch so fest zugefrorenen Gebirgsbäche plötzlich munter anfing zu sprudeln, desto klarer wurde, dass es tatsächlich Frühling geworden war. Der Frühling in den Bergen hatte nichts mit dem Frühling im Tal gemeinsam. Wo sonst üppige Blumen sprießen, Vögel zwitschern, der Duft von Leben einem jeden fröhlich in der Nase kitzelt und jede Faser im Körper sich freut, blieb es kalt und öde. Es fiel nicht mehr so oft Schnee und auch der eisige Wind hatte nachgelassen, aber kein Lebewesen feierte das Leben und kein Duft außer der des schweren Schnees lag in der Luft. Es war enttäuschend für Wölfe, die das Feuerwerk des Lebens im Frühling so sehr liebten, doch mit ein wenig Feingefühl und dem Herz am rechten Platz, konnte man auch in der fortwährenden Kälte das Leben spüren. Die Bäche tauten auf, lag man draußen in der Sonne, konnte es passieren, dass einem fast warm wurde und der Schnee war nicht mehr ganz so hart gefroren, an manchen Stellen sank man bis zur Brust in das weiche Nass. Und streckte man die Nase in den Wind, konnte man mit ein bisschen Geduld irgendwann den Frühling riechen, selbst hier.
Ein ganz anderer Frühling hatte sich in der kleinen Höhle, weit weg von der großen Rudelhöhle, ereignet. Fünf putzmuntere Welpen wurden geboren, in aller Heimlichkeit und voller Angst. Die einzigen Eingeweihten neben den Eltern selbst, waren Tyel Tinuviel und ihr Bruder Rasmús, die Wölfin Hima und der gutmütige, ältere Rüde Akriyo. Die beiden jungen Eltern brauchten die Hilfe dieser vier dringend, wurden die Welpen doch langsam älter. Mit 6 Wochen kam die Zeit, in der normale Welpen reif für die Welt außerhalb ihrer Geburtshöhle waren … ein Problem, auf das es noch keine Lösung gab. Der Rest des Rudels wähnte sich in völliger Ahnungslosigkeit und freute sich am Frühling. Mit ihm kam auch die Hoffnung, Gedanken an ihr Tal und ob die Zeit nicht reif sein könnte, sich endlich zurückzuholen, was das Herz so sehr verlangte.
Das Rudel tummelt sich vor der Rudelhöhle, es ist strahlender Sonnenschein, so etwas wie Wärme scheint in der Luft zu liegen.
Hiryoga und Shani sind bei ihren Welpen, Tyel, Rasmús, Hima und Akriyo können frei entscheiden, wo sie sind; bei Kaede, Lunar und Nyota wäre ein zufälliger Standpunkt nahe der Welpenhöhle praktisch. Vielleicht habt ihr eine kleine Jagd zu dritt gemacht?
Banshee lag mit geschlossenen Augen im Schnee, die schmale Schnauze der Sonne zugewandt und machte den Anschein, irgendwo zwischen Melancholie und tiefer Zufriedenheit zu schweben. So in etwa sah es auch in ihrem Inneren aus. Einerseits hatte sie das Glück des Frühlings gepackt, so schwach es hier auch war, sie hatte es sofort gespürt und war machtlos gegen die aufwallenden Wellen der Freude gewesen. Doch gerade jetzt sehnte sich ihr Herz so sehr nach ihrem Tal, nach den Blumen, die dort jetzt überall hervorlugen mussten, nach den eifrig zwitschernden Vögeln, die sicher schon ihre Nester gebaut hatten und nach dem See, ihrem See, auf dem jetzt Scharen von geflügeltem Wasservolk eine Zwischenlandung auf ihrem Flug in den Norden machten. Jede Faser ihres Körpers sehnte sich nach dem Gras, über das sie nun munter springen würde, nach dem Duft der blühenden Bäume und nach dem Frühlingswind, der einem verspielt durchs Fell fuhr, in der Nase kitzelte und ein gegen jeden Schmerz der Welt resistentes Lächeln auf die Lefzen zauberte. So schön es auch war, die Bergwelt sich verändern zu sehen … es war so fern der Schönheit ihres Tals, dass sie manchmal nicht wusste, ob sie nicht lieber weinen sollte, als sich an dem leise plätschernden Wasser eines gerade aufgetauten Bachs zu erfreuen. Die Sehnsucht war in manchen Stunden so groß, dass sie schon gen Westen blickte, dort irgendwo lag ihr Tal, viele viele Berge tiefer und viele Tage entfernt und doch nur eine Wanderung wie sie schon einmal eine überstanden hatten. Doch die Entscheidung, die relative Sicherheit der Berge zu verlassen und sich dem Kampf mit der fremden Schar zu stellen, konnte sie nicht von heute auf morgen aufgrund ihrer weltenverschlingenden Sehnsucht fällen. Sie würde mit Acollon, mit Face und Kaede und mit Nyota reden … doch die unauslöschbare Hoffnung, dass diese vielleicht vielleicht ihrer Meinung sein könnten, keimte immer mehr. Das Rudel war stärker geworden, die Jungwölfe ausgewachsen und die Welpen zu Jungwölfen geworden, sie hatten keine neuen Welpen, es gab niemand vollkommen hilfloses. Könnte es nicht an der Zeit sein?
Mit einem leisen Seufzen öffnete sie die Augen und sah sich um. Das Rudel hatte sich über die Schneefläche vor der Höhle verstreut, es war ein friedliches Bild, erinnerte nicht mehr an das Chaos nach der Lawine, ließ sogar an dem fortwährenden Hungergefühl zweifeln. Mit einem angedeuteten Gähnen, sie war nicht direkt müde, eher zufrieden, richtete sie sich auf und strich mit der Rute durch den weichen Schnee, der jetzt fröhlich aufwirbelte und in der Sonne glitzerte. Das halbe Jahr, das sie nun hier oben verbracht hatten, hatte Banshee die Schönheit der Berge gelehrt, ihre Heimat würde es jedoch niemals sein.
Der Albtraum hatte begonnen. Zunächst war es für Shani die Hölle gewesen, sie hatte sich verstecken müssen, hatte reden müssen, Tyel und Rasmús etwas erklären, das sie nicht erklären konnte und dann Hiryoga … sie war sich bis zu dem Tag, an dem die Welpen schließlich geboren worden waren, nicht sicher, ob er verstanden hatte, was passiert war. Dieser Tag lag nun sechs Wochen zurück, die verwirrendste Zeit in Shanis noch recht kurzem Leben. Als sie zum ersten Mal gespürt hatte, dass es nun so weit sein würde, dass die Welpen kommen würden, hatte sie wieder daran gedacht, dass es jetzt noch möglich war, dass sie jetzt noch auf den Gletscher gehen konnte und eine Spalte hinabstürzen … wenn die Welpen erst da waren, würde sie es nicht mehr schaffen, es würde nicht gehen. Aber sie war nicht auf den Gletscher gegangen, sie hatte in der Höhle ausgeharrt, bis die Schmerzen ihre Gedanken verscheuchten und ehe sie sich versah fünf Welpen an ihrem Bauch lagen. Es war keine leichte Geburt, aber wohl einfacher als man es in ihrem Alter erwarten würde. Sie war froh, dass Hima und Tyel bei ihr gewesen waren, die beiden Fähen waren zwar nicht so erfahren wie andere aus dem Rudel, dafür waren sie Freundinnen und die brauchte Shani noch dringender. Denn als sie aus dem Schlaf der Erschöpfung nach der Geburt aufgeschreckt war und die kleinen Leiber wieder sah, erblühte und zerbrach gleichzeitig etwas in ihr. Zum einen spürte sie Liebe, Mutterliebe war bedingungslos, nicht einmal in einer solchen Situation ließ sie sich abwenden. Egal war geschehen würde, Shani würde zu ihren Welpen halten. Andererseits war mit dieser Geburt endgültig ihr Verrat und ihr Vertrauensbruch besiegelt, sie hatte sich gegen die Alpha gestellt, ein strenges Verbot so dreist überschritten … sie könnte dafür sterben oder zumindest vertrieben werden. Aber eine andere Tatsache war noch weit aus schlimmer … eine Alpha würde oder sollte sogar diese Welpen töten, waren sie doch zum einen nicht von ihr und zum anderen eine Gefährdung des Wohlergehens des gesamten Rudels. Und obwohl Banshee so ganz anders war, als viele Alphas, hatte Shani doch panische Angst vor ihr. Sie wusste nicht, was sie tun würde, sollte die Weiße ihren Welpen etwas antun wollen.
Shani schlug die Augen auf. Sie hatte nicht geschlafen, eher gedöst, aber selbst während dessen verfolgten sie Albtraumbilder von einer wütenden Banshee und einem Acollon, dem jede Gnade fremd war. Sie spürte schon wieder Tränen in ihren Augen glitzern, schluckte sie jedoch hinunter. Noch schliefen die Welpen an ihrer Brust, doch es würde nur wenige Herzschläge dauern, bis sie wieder hellwach waren und nach draußen, ins Licht wollten. Und sie hatten ja Recht. Es war an der Zeit, sie sollten in die weite Welt, erkunden und entdecken, leben lernen … aber es ging doch nicht. Sie standen in einer Sackgasse, in dieser Höhle würden sie nicht für immer bleiben können, aber wenn sie nach draußen gehen würden … wie lange würde es dauern, bis Banshee sie entdeckte? Oder gleich Acollon? Angst lähmt kurz ihre Läufe, die verzweifelte Mutterliebe war ihr noch so fremd und doch wollte sie nur, dass es ihren Welpen gut ging, in dem Wissen, dass ihr Überleben an einem seidenen Faden hing, nicht nur wegen der so knappen Nahrung, sondern noch viel mehr wegen der immer drohenden Gefahr aus dem Rudel. Und es gab noch etwas, das Shani verzweifeln ließ. Sie hatte Lunar noch immer nichts gesagt. Wie sie es geschafft hatte, das alles zu verbergen, schließlich sogar sich selbst, konnte sie sich nicht mehr erklären, aber jedes Mal, wenn sie mit ihrem Bruder sprechen wollte, war ihre Zunge gelähmt. Sie war doch seine kleine Schwester. Eine kleine Schwester bekam keine Welpen. Aber sicher hatte er schon Verdacht geschöpft, wahrscheinlich nicht mal er, vielleicht sogar Banshee. Möglicherweise suchten sie schon nach ihnen! Leise wimmernd vergrub sie die Schnauze unter ihren Pfoten. Es war nicht nur eine hoffnungslose Situation, sie war auch noch eine schlechte Mutter. Was konnte sie den Welpen schon geben? Sie war klein, verzweifelt und traurig, hatten die Kleinen sie jemals Lachen sehen? War es nicht so wichtig, dass man lachte und fröhlich war, damit die Welpen es nacheiferten und auch glücklich wurden? Was tat sie ihren Welpen schon alles an, weil sie einfach nur sie war? Die Gedanken plagten sie so sehr, dass ihr Kopf davon fortwährend schmerzhaft hämmerte, immer wieder war ihr schlecht und manchmal waren ihre Läufe gelähmt. Dabei wünschte sie sich doch nur, dass es ihren Welpen gut gehen würde, dass sie glücklich waren und dass sie irgendeinen Weg finden würden, ihnen ein schönes Leben schenken zu können.
Jakashs kleiner Körper zuckte, während er sich im Traum bewegte. Ein wirrer Traum, wahllose Bilder aus den vergangenen Tagen, verändert und verschwommen. Nur manchmal erkannte er das Gesicht seiner Mutter oder seiner Geschwister, selten auch das der beiden anderen Wölfe, die immer mal wieder in die Höhle gekommen waren. Jakash winselte leise und unbewusst, aber dieser eigene Laut weckte ihn. Verschlafen blinzelte er in das Dämmerlicht der kleinen Höhle, und die Traumbilder verblassten. Nur wenige Herzschläge später waren sie bereits vergessen, und der kleine Welpe hellwach. Als Erster, wie er zufrieden feststellte. Dann würde er die Zitzen seiner Mutter vorerst für sich alleine haben, ohne Gedrängel und Geschubse!
Jakash mühte sich aus dem flauschigen Fellknäul, das seine vier Schwesern darstellten und zudem er eben noch gehört hatte, und kroch über die kleinen Leiber zum Bauch seiner Mutter. Ihre Körperwärme und das strahlende Weiss ihres Fell leiteten ihn zielsicher. Oh, er hatte ja solchen Hunger! Mit der kleinen Schnauze vergrub er sich in das weiche Bauchfell und wühlte sich zu einer Zitze durch. Instinktiv stemmte er die kleinen Vorderpfoten gegen den weissen Leib und drückte etwas, während er gleichzeitig saugte. Zufrieden schloss er die grünen Augen und trank sich satt. Wenn er hier fertig wäre, würde er seine Schwestern wecken und mit ihnen herumtollen! Sharíku würde er dazu bringen, etwas zu sagen, jawohl! Heute würde er das schaffen! Es war ihm ein Rätsel, warum sie nie mit ihm oder den anderen redete. Er fand das gemein. Aber heute, oh ja...!
Jakash leckte sich die kleinen dunklen Lefzen, als er satt war. Ihm fiel ein, dass er seiner Mutter noch gar nicht guten Morgen gesagt hatte, und das wollte er schleunigst nachholen - er sagte ihr das doch immer! Also kraxelte er über die kleinen schlafenden Leiber hinweg zum Kopf seiner Mutter und kuschelte sich an ihre Wange.
"Guten Morgen, Mama!",
sagte er dann und störte sich nicht an ihrer betrübten Miene - sie war fast immer so, also war das normal...
Rakshee schwebte. In einem Zwischenzustand von Schlaf und Wachsein flog die kleine Welpin mit riesigen Schwingen über die Welt. Die Welt, das war die Welt da draussen, da wo alles so schön weiß war, da wo das Licht herkam. Mit schlagenden Flügeln flog sie darüber lang, so wie die dunklen Wesen, die sie schon ganze zweimal ganz weit weg gesehen hatte. Da wo die waren wollte sie auch hin, da wollte sie auch langfliegen. Es ging bestimmt auch nur da. In der Höhle hatte sie es schon versucht, aber nicht nur dass ihr die Flügel fehlten, die sie im Traum immer parat hatte, nein, es ging auch einfach nicht - sie fiel immerwieder herunter.
Und nun zerstoben ihre Traumschwingen zu einem Federregen, und Rakshee trat aus der Traumwelt in die der Wachenden über.
Sie hob den kleinen Kopf und erkannte bereits Jakash, der bei Mamas Kopf lag. Mit leuchtenden Augen rappelte se sich auf, und lief mit pendelnder Rute bis zu Shanis Bauch, um sich eine Zitze zu schnappen und genüßlich saugend ihren Hunger zu stillen.
Sie brauchte nicht lange, da die Konkurrenz noch im Schlaf lag, und tappte erst zu Mamas Kopf und Jakash.
"Hallo Mamaah und Jakash"
meinte sie fröhlich, und sprang dann zu Hiryoga weiter, um ihm ihre großen kleinen Pfötchen mühsam auf die Nase zu legen.
"Papaaah...darf ich raus?"
Begann sie im typisch flehentlichen Welpenton, und setzte einen Blick auf, der jeden Dackel vor Neid erblassen lassen hätte.
Shani Caiyé spürte, wie sich die ersten Welpen zu regen begannen. Eine kleine Schnauze fuhr durch ihr Bauchfell und begann an einer der so auffällig und ungewohnt geschwollenen Zitzen zu saugen, winzige Pfötchen traten in einem regelmäßigen Rhythmus gegen ihren Bauch, ein angenehmes Gefühl, das sie aus ihren düsteren Gedanken riss. So war es immer, die Welpen schafften es, sie abzulenken und doch waren gerade sie es, die all diese Probleme machten, wobei Shani ihnen niemals irgendwelche Schuld geben würde. Das Massieren hörte auf und der wachgewordene Welpe, obwohl sie ihn nicht angesehen hatte, war sie sich sicher, dass es Jakash war, kletterte an ihrer Schulter entlang nach vorne, zu ihrem Kopf. Der Kleine war pechschwarz, der einzige, bei dem die Fellfarbe des Vaters durchgekommen war und gleichzeitig auch der einzige Rüde. Shani liebte ihn von ganzem Herzen, unter anderem auch deshalb, weil er einen so aufgeweckten Geist hatte, der ihrem ähnlich war oder ähnlich sein würde, wäre sie noch sie selbst. Jetzt spürte sie seinen Kopf an ihrer Wange, eine liebevolle Geste, die ihre geschundene Seele streichelte. Langsam schob sie ihre Pfoten von ihrer Schnauze und versuchte blinzelt Jakash in ihr Blickfeld zu bekommen, was bei dem kleinen Köper und der eng an sie gekuschelten Position nicht so einfach war. Sie erinnerte sich an ihre Gedanken, das Lächeln, das sie ihren Welpen schenke sollte und versuchte es gleich mal. Es sah noch immer nicht direkt fröhlich aus, aber doch liebevoll, glich der Freude über diese sanfte Geste ihres Sohnes.
“Guten Morgen, Jakash. Hast du gut geschlafen?“
Sie klang noch nicht wie eine Mutter, Mütter sprachen mit ihren Welpen in diesem ganz besonderen Ton, ein wenig wie das Schnurren einer Katze, nur noch fröhlicher. Sie dagegen hörte aus ihrer eigenen Stimme so viel Sorge, dass es sie selbst erdrückte. Und dass gerade jetzt Rakshee, die zuvor ebenfalls ihren Hunger gestillt und ihren Bruder und ihre Mutter fröhlich begrüßt hatte, zu ihrem Vater lief und ihren einfachen Wunsch in so bedrückende Worte verwandelte, machte sie nur noch sorgenvoller. Wie sollte sie das schaffen? Wo war die Lösung, die sie doch sonst irgendwoher hatte zaubern können? Wo war sie selbst? Das Lächeln auf ihren Lefzen war verblasst.
Nachdem Ahkuna Caiyé auch endlich erwacht war musste sie erst einmal öftere male blinzeln bis sie verstand wo sie gerade üerhaupt lag. Ihr Köpfchen drehte sich und schnell verstand sie das sie dicht angekuschelt an ihrer Mutter lag. Die Kleine hob langsam den Kopf hoch und drehte die Ohren leicht nach hinten ehe sie schon angelegt waren. Ihre Eisblauen Augen lagen mit einem schweren Blick auf ihrer Mutter, wärend Ahkuna versucht auf zu stehen. Nach kurzer zeit war ihr das auch gelungen, sie blickte erneut mit ihren eisblauen Augen zu Shani Caiyé , die sich gerade um Jakash kümmerte. Ahkuna fiel sofort die traurig klingende Stimme auf, als die Welpin mit ihrer feuchten Nase durch das Fell Shanis fuhr. Ahkuna empfand dieses Gefühl einfach als schön. So konnte sie genau riechen wer zu hir gehört und wer nicht.
Die kleine Welpin drehte den Kopf hoch zu Jakash und ihre winzigen Lefzen formten sich zu einem Lächeln um, auch wenn Jakash eher der Rüde war, der immer rum tollte. Ahkuna war eher das Gegenteil, außer wenn es um ihr Schwesterchen Sharíku ging. Ahkuna Caiyé mochte es einfach bei Sharíku zu sein. Auch mochte sie es, etwas auf sie auf zu passen eben weil sie stumm war. Die noch graue Welpin kümmerte es eigentlich nicht warum sie nie redete. Warum sollte sie auch? Man kann eigentlich auch alle Gefühle und Emotionen in Handlungen und Gesten ausdrücken. Ahkuna blickte erneut hoch zu Shani. Ihre Augen funkelten leicht grünlich in dem Licht der so kalten Wintersonne. Die Welpin schüttelte sich kurz als sie eine kalte Windböe erwischte. Ihr Fell, so flauschig wie es war, stand zwar sowieso immer schon in alle Richtungen aber nun schaute sie aus wie eine kleine Wollkugel. Ahkuna drückte wie ein Reflex ihren kleinen Körper an ihre Mutter und gegen den Boden in der Hoffnung ein Ort zu finden in dem Windstille herscht. Den hatte sie nun auch gefunden. Noch kurz fröstelte sie aber danach konnte sie schon die Wärme ihrer Mutter spüren.
"Guten Morgen Mama.."
War das einzigste was man von der Kleinen gerade hören konnte. Ein kurzes Gähnen zwichen den Wörtern konnte man auch finden. Ihre Blickte huschten über die andere Wölfe die endweder nur still da lagen oder noch schliefen. Fast wie Automatisch legte de kleine Fähe den Kopf auf ihre Pfoten und schaute zu Rakshee herrüber.
Dunkelheit. Alles war schwarz um die kleine Fähe herum. Sie wusste nicht einmal ob es Tag oder Nacht war, doch bei dieser Dunkelheit musste es wohl noch Nacht sein. Vorsichtig drehte sie sich etwa herum irgendwie wurde ihr Rücken plötzlich so kalt. Irgendetwas fehlte. Ihr Rücken lag jetzt auf dem noch warmen Boden doch war dort keiner der anderen Welpen. Aber es war doch noch Dunkel! Warum war dort keiner ihrer Geschwister? Wie um ihre Gedanken noch einmal zu überprüfen drehte sie sich nun vollständig um. Lag nun wieder auf der Seite. Irgendetwas war hier faul. Alle waren weg obwohl es noch Dunkel war. Was sollte das denn jetzt schon wieder für ein Spiel sein? Spiel ja! Nein, kein Spiel. Sie hatte etwas entscheidendes Vergessen. Ihre Augen. Sie musste sie schon öffnen um etwas zu sehen. Wie konnte man so etwas Wichtiges nur vergessen? Fast hätte die kleine Fähe laut gelacht doch rettete sie sich in ein kurzes Kopfschütteln bevor einer der anderen etwas mitbekommen konnte. Schnell schlug sie die Augen auf, blinzelte. Es war bei weitem gar nicht mehr Dunkel. Strahlende Helligkeit stach ihr in die dunkelroten Augen. Schnell schloss sie die Augenlider wieder, schützend vor der grauenhaften Helligkeit. Was war sie denn? Versteckte sie sich wirklich vor dem Sonnenlicht? Hoffentlich bekam keiner ihrer Geschwister etwas davon mit. Was würden sie wohl dazu sagen. Ihre Schwester traute sich nicht der Helligkeit entgegenzutreten. Wie lächerlich. Mit neuem Mut schlug Kursaí wieder die Augen auf, hielt dem Licht stand. Mit einem triumphierenden Grinsen stellte sie fest, dass es jetzt irgendwie nicht mehr ganz so hell war. Woran das wohl schon wieder lag? Vielleicht sollte sie einmal irgendjemanden danach fragen, aber das würde erst später geschehen. Jetzt wollte sie erst einmal essen. Sie hatte entsetzlichen Hunger und wenn sie sich nicht schnell zur Futterstelle aufmachte, würden alle in der Höhle davon erfahren. Schnell sprang sie auf die Beine und hüpfte auf ihre Mutter zu. Sie kam gar nicht erst dazu irgendetwas zu sagen, so schnell schlossen sich ihre Lefzen schon um die Zitze ihrer Mutter. Was für eine Wundervolle Erfindung. Warme Milch. Ohne wirklich etwas dafür zu tun. Sie hatte von einigen anderen Wölfen etwas von der jagt gehört. Gerne nur zu gerne würde sie auch einmal mit zu Jagt gehen, doch bezweifelte sie, dass ihre Eltern sie gehen lassen würden. Etwas stärker als sonst trat sie mit ihren kleinen Pfoten in den Bauch ihrer Mutter, um noch etwas der warmen Flüssigkeit dazu zu bewegen sich in ihren Mund zu begeben. Leider half auch das nicht mehr viel. Welch Schande, wieder einmal war sie viel zu spät gekommen, um alles voll auszunutzen. Mit einem Seufzer ließ sie die Zitze aus ihrem Mund gleiten und schaute zur Seite. Fast alle waren schon wach. Kein Wunder, dass sie nicht mehr so viel abbekommen hatte. Ein zweiter leiser Seufzer entfuhr ihrer Kehle, dann machte sie sich auf den Weg zum Gesicht ihrer Mutter. Sie wusste schon, was sie heute als Begrüßung machen würde. darauf war bestimmt noch keiner der anderen gekommen. Die keinen Pfoten stellten sich auf die Läufe ihrer Mutter. Vorsichtig krabbelte sie auf den Rücken ihrer Mutter, versuchte dort oben ihr Gleichgewicht zu halten, ohne gleich wieder herunterzufallen. Irgendwie schaffte sie es sogar bis zum Kopf ihrer Mutter zu balancieren und es sich dort bequem zu machen. Direkt zwischen den weichen Ohren ihrer Mutter. Wie schön es hier war.
"Guten Morgen Mama"
Sie flüsterte die Worte nur doch ihre Mutter würde sie schon verstehen, immerhin lag sie mitten zwischen deren Ohren. Vorsichtig richtete sie sich ein Stück auf und probierte mit ihrer kleinen Schnauze das Ohr ihrer Mutter zu erreichen. Sie merkte nicht einmal wie sie abrutschte. Plötzlich sah sie nur noch eine wirre Zusammenstellung verschiedener Bilder, dann lag sie auch schon wieder auf dem Boden und schaute verwirrt in der Gegend herum. Kopfschüttelnd versuchte sie die Bilder zu ordnen, die sie gerade so schnell hintereinander gesehen hatte, versagte jedoch kläglich. Wie Schade, sie hätte so gerne einmal an dem Ohr ihre Mutter gezogen, so wie es die bunte Fähe immer tat, die so oft neben ihrer Mutter war. Tyel war ihr Namen so weit sie sich das gemerkt hatte. Natürlich hatte sie es sich gemerkt. Immerhin hatte sie bis jetzt noch nie etwas vergessen, auch wenn niemand davon wusste.
"Das war wohl nichts..."
Ihre Stimme war ein wenig enttäuscht, jedoch hielt diese Stimmung nicht lange an. Schon stand die kleine wieder auf den Beinen und wedelte so sehr mit der Rute, dass sie mit den Hinterpfoten mit der Bewegung mittänzeln musste. Ein kleines Feuerkind, welches man nicht löschen konnte.
Die zuckenden Ohren der jungen Fähe spielten mit dem Wind, immer wieder zuckten sie nach vorne, zurück und wieder hoch. Irgendwie war es langweilig. Nur hier rum zu sitzen und sich den Schnee an zu gucken. Wenn man das zu lange machte schien es wirklich dieses Besondere zu verlieren. Interessant war das eklig schmeckende Zeug dennoch. Verwirrend, irgendwie. Aber ein anderer Nachteil war, das es hier anscheinend nichts gab, was wirklich spannend war. Unten gab es Vögel denen man nachjagen konnte und anderes Getier, was kleiner als man selbst war, was also perfektes Spielzeug war. Ein freches Grinsen huschte über die Lefzen Kisha's. Irgendetwas würde sie schon finden, was Spaß machte. Und wenn sie irgendwen darum anflehte.((Das nahende Unheil.. xDDD)) Ruhig drückte sie den schwarzen Körper auf den Boden. Sie lag etwas abseits von den anderen, so das sie in Ruhe einen Plan aushecken konnte. Ihr war danach, mit irgendetwas zu spielen. Es musste etwas kleines sein. Eine Maus oder so etwas.. Suchend huschte der Blick der braunen Augen umher. Hier musste es doch wenigstens etwas geben! Beide Ohren nun aufmerksam aufgestellt schaute sie die Wölfe des Rudels an. Einige Momente blieb der Blick an ihrer Mutter hängen. Ob die wohl wußte was man gegen diese Langeweile tun konnte? Zweifelnd neigte sie den Kopf etwas zur Seite. Gelangweilt drehte sich die Schwarze auf den Rücken und streckte die Pfoten gen Himmel. Vielleicht..? Sie hielt inne. Das war es! Hah! Mit einer schnellen Bewegung drehte sie sich wieder auf den Bauch und drückte sich vom Boden ab, so das sie mit einigen Sätzen hektisch durch den Schnee springen konnte. Vor sich hin grinsend sprang sie über die weiße Maße dahin, bis sie sich in den Schnee fallen ließ, sich etwas herum kugelte und wieder aufsprang. Einige Male wiederholte sie diesen Vorgang, den Blick flehend zum Himmel gerichtet. Das war der letzte Ausweg! Ruckartig blieb sie stehen, starrte zu den Wolken empor.
"Engaya? Kannst du mir einen Gefallen tun? Kannst du mir einen Käfer schicken? Mir ist langweilig! Bitte schick mir einen Käfer! Bitte bitte! Ich war doch immer brav!"
Flehend und gleichzeitig bittend stand sie nun da, schaute verträumt zum Himmel.
Das Flehen der kleinen Wölfin zog mit dem schwachen Wind gen Himmel, verfing sich in den leichten Schleierwolken und wurde noch höher getragen, in ein Land, das kein lebender Wolf betreten durfte. Nur Gebete der Lebenden fanden einen Weg hierher und trafen auf Ohren, die sie erfüllen wollten. Aus dem strahelnden Blau des Himmels, hier oben so viel näher als unten im Tal, schwebte etwas Schillerndes herab. Das Sonnenlicht reflektierend, türkisblau schimmernd und emsig mit den Fühlern vibrierend flatterte ein kleiner Käfer herab, landete vor den Pfoten der schwarzen Fähe und drehte sich orientierungslos im Kreis.
Mit stetig wachsender Erwartung verharrte Kisha wie zuvor, den Blick nicht vom Himmel abwendend, immerhin wollte sienicht verpassen. Sie blinzelte nur, wenn es wirkluch nicht mehr anders ging. Als dann etwas leuchtendes in ihrem Blickfeld auftauchte klappte ihr Fang auf. Wow! Es hatte wohl wirklich geolfen! Mit hochkochender Freude sprang sie um das Wesen herum, was da nun vor ihr im Schnee vor sich hin kroch.
" Ein Käfer! Ich habe einen Käfer! Juhu!! Danke Engaya, wenn ich was für dich tun kann, sag Bescheid!"
Mit einem dumpfen Plumpsen ließ sie sich in den Schnee fallen, die Schnauze platzierte sie genau vor dem kleinen Körper des Insektes. Das war unglaublich! Ein Käfer, hier in den Bergen, im Schnee! Vor Freude wimmernd drehte sie sich auf den Rücken, hielt jedoch nicht inne sondern drehte sich gleich wieder auf den Bauch, nur um dann ruckartig auf zu springen und mit einem Satz wieder auf den Käfer zu zu springen. Ihre Rute pendelte ohne auch nur die geringste Unterbrechung hin und her, zeugte von der puren Begeisterung, die der jungen Wölfin durch jeden Winkel ihres Körpers jagte. Wow! Einfach unglaublich, was sich hier abspielte! Ohne noch einen Moment zu zögern beugte sie sich über das Insekt, packte es sanft mit dem Fang und sprintete los. Ihr erstes Ziel war die weiße Fähe ganz in ihrer Nähe. Mit riesigen Sprüngen rannte sie auf ihre Mutter zu. Sie war die erste die diese tolle Nachricht bekommen sollte. Mit dem Insekt im Maul versuchte sie sinnvolle Sätze von sich zu geben, musste sich jedoch stark anstrengen, damit das kleine Wesen nicht wieder weg flatterte.
"Mama! Guck Mal! Ich hab nen Käfer! Ich hab nen Käfer! Engaya hat mir nen Käfer geschenkt!"
Mit weiter wachsender Begeisterung sprang sie herum, drehte ein paar Runden um ihre Mutter bis ihr fast schon schwindelig war und sie sich entschied, dieses Tierchen noch anderen zu präsentieren. Mit hektischen Sprüngen ließ sie von ihrer Mutter ab und suchte sich den nächsten. Sofort fiel ihr ein schwarzer Wolf auf. Midnight! Und wieder erhöhte sie ihr Tempo, blieb jedoch keines Falles bei dem Rüden stehen.
"Midnight! Midniiiight! Guck Mal! Ich hab nen Käfer! Ist das nicht toll? Ein Käfer!"
Weiterhi war sie bedacht, das Tierchen nicht frei zu lassen, auch als sie ihre Runden um den Schwarzen drehte. Es war wirklich wunderbar! Ein Käfer für sie alleine! Und schon fiel ihr das nächste Opfer ein. Mit weiten Sprüngen ließ sie von dem Schwarzen ab und ihr Blick suchte ihre kleine Schwester Daylight. Kaum war sie gefunden stürmte die Schwarze los.
"Dayyyyyyliiiiiiggggghhhttt! Komm schnell her! Na los! Ich hb etwas ganz ganz tolles gefunden!" Sie sprang um die Graue herum. " Guck Mal was mir Engaya geschenkt hat! Einen Käfer! Ist das nicht toll? Ist sie nicht wunderbar? Ich weiß das sie wunderbar ist!"
Total überzeugt drehte sich die Schwarze im Kreis, es sah ein wenig so aus, als wollte sie ihre Rute fangen. Dabei war der Käfer doch um einiges interessanter! Letz endlich neigte sie den Kopf zum Boden und ließ das Insekt aus ihrem Fang fallen. Als dieses sich dann surrend in die Luft erhob zögerte Kisha nicht einen Moment. Sofort hetzte sie dem Tierchen über die Ebene nach. Erst hier hin, dann zurück und noch ein Mal im Kreis. Nun war sie wohl erst ein Mal beschäftigt.
Schon lange stand die Bunte Fähe vor der Welpenhöhle, beobachtete die Umgebung, achtete darauf, dass keiner der anderen Wölfe sich hier her verirrte. Sie hatte sich selber entschieden diese Aufgabe zu übernehmen. Ihr war es relativ egal gewesen, was sie machen musste um Shani zu schützen. Natürlich verstieß sie damit genauso gegen die Regeln der Alpha, wie Shani selbst und auch Hiryoga und alle anderen, die von den Welpen wussten und es weiter verheimlichten, doch machte es ihr viel weniger aus, als Shani. Sie wusste aus zahlreichen Gesprächen mit ihrer Freundin, dass diese Angst hatte. Angst vor Banshee und der Strafe für das neue Leben, dass sie in die Welt gesetzt hatte. Tyel wusste selber, dass es gefährlich war, sich gegen die Alpha zu stellen, doch konnte sie es viel gelassener sehen als die meisten anderen die davon wussten. Sie hatte nie in einem richtigen Rudel gelebt, wusste wie sie allein zurechtkam. Von Hiryoga wusste sie, dass er immer schon im Sternwind Rudel war und Shani war auch schon viel länger hier als sie selber. Natürlich war es viel schwerer für die beiden, immerhin hatte sie die Regeln gebrochen. Schnell schüttelte Tyel den Kopf, nein, darüber durfte sie sich keine Gedanken mehr machen. Es war doch nun mal passiert und ändern konnte man daran auch nichts mehr. Schnell ließ sie ihren Blick über den Schnee gleiten. Bis jetzt hatte sich noch keiner hierher verirrt. Keiner der anderen Wölfe aus dem Rudel wusste etwas von den kleinen flauschigen Pelzknäule, welche in dieser kleinen Höhle herumwuselten. Schon huschte wieder ein Lächeln über die Lefzen der Bunten. Eigentlich möchte sie Welpen gar nicht so gerne, doch jetzt wo ihr beste Freundin die kleinen Pelzknäule zur Welt gebracht hatte, konnte sie gar nicht anderes als immer wieder zu ihnen zu gehen und ihnen bei ihrem Gewusel zuzuschauen. Leise seufzend erhob sich die Bunte Fähe und schüttelte den Schnee aus ihren Pelz bevor sie ihre Schritte in die Höhle lenkte. Sie sollte Shani ein wenig helfen gehen. Die Welpen würden bald aufwachen und dann würde sich keiner mehr retten können. Alles würde erkundet werden egal wie klein es war oder welche Gefahren sich dahinter verborgen. Ein letztes Mal drehte sich Tyel herum und schaute über den Schnee. Noch immer war kein Wolf zu sehen, sie konnte sich jetzt mal eine kleine Pause gönnen. Obwohl Pause wohl wieder ein Mal das falsche Wort war. Mit vorsichtigen Schritten betrat die Fähe die Welpenhöhle. Ließ ihren Blick abschätzend über alle anwesenden gleiten und schaute dann zu Hiryoga.
"Du solltest dich vielleicht mal wieder unten bei der Rudelhöhle blicken lassen. Sie fragen sich langsam alle wo ihr seid und warum ihr immer so lange weg seid...."
Sie machte sich ernsthaft Sorgen um die beiden und vor allem um das Rudel, welches langsam aufmerksamer wurde. Es war nicht gerade normal für die beiden über Tage hinweg so lange weg zu sein. Sie nickte dem Rüden kurz zu und bedachte auch Rakshee mit einem kurzen Lächeln. Schon wieder wollte die kleine Fähe an die frische Luft, wie sie lautstark verkündete. Kopfschüttelnd ging die Bunte Fähe weiter zu Shani. Wie sie etwas überrascht feststellte waren schon fast alle der Welpen wach und tobten um ihre Mutter herum. Mitten im Gewühl fand sie Ahkuna und ging wortlos auf ihre kleine Patentochter zu. Kurz ließ sie ihren Blick über die kleine Fähe schweifen, dann senkte sie die Stimme und flüsterte ihr etwas zu.
"Guten Morgen Ahkuna, ich hoffe du hast gut geschlafen. Hattest du einen schönen Traum?"
Vorsichtig ging die Bunte Fähe weiter auf Shani zu, ließ ihren Blick über die weiße Fähe schweifen und auch über die anderen Welpen, die überall um ihre Mutter herumliefen. Besorgt schaute sie in das Gesicht ihrer Freundin zog aufmunternd am Ohr der weißen.
"Es wird schon alles gut gehen. Mach dir nicht so viele Sorgen."
Wie oft hatte sie den Satz jetzt schon zu Shani gesagt? Es mussten schon einige Male gewesen sein, denn irgendwie verloren die Worte ihre Wirkung. Selbst Tyel wusste nicht mehr genau woran sie eigentlich glauben sollte.
Es war die Erlösung und die Strafe zugleich gewesen, als er erfahren hatte, dass Shani trächtig war. Erleichtert nun den Grund für ihr seltsames Verhalten zu erfahren, zornig über seine Unwissenheit, verängstigt über die neue Situation, die ihn überfordern würde, bedrückt über all die Lügen, die er so vielen Geliebten erzählen musste.
Die Wochen waren vergangen und seine Gefährtin hatte fünf gesunde Welpen zur Welt gebracht, unterschiedlicher wie sie nicht sein konnten. Von weiß über braun zu schwarz, war wohl jede Farbe unter seinen Welpen vorhanden. Sie waren ein Gemisch aus ihren Eltern und Großeltern. Ein leichtes Schmunzeln zog sich über die Lefzen des braunen Rüden, der in der kleinen Höhle lag, den Kopf zwischen seinen Vorderläufen gebettet hatte, die smaragdfarbenen Augen jedoch geschlossen. Aus Erfahrung heraus konnte er sagen, dass es sich nur noch um wenige Augenblicke handeln würde, bis einer der Welpen erwachen würde und bald darauf alle anderen. Und tatsächlich, schon hatte Jakash sich erhoben, der einzige Rüde in diesem Wurf, sein einziger Sohn, schwarz wie sein Großvater. Ein leichter Schauer lief dem frisch gebackenen Vater über den Rücken, wenn Acollon von seinen Enkeln erfahren würde, wie würde er reagieren, würde er sie töten? Hiryoga schnaubte leise, er traute dem Schwarzen alles zu, höchstens seine Mutter würde ihn davon abhalten können, aber würde sie es tun? Nach all dem, was er ihr angetan hatte. Wochenlang hatten sie sie belogen, hatten andere in ihr Geheimnis eingeweiht, nur sie nicht. Sie hatten sich gegen ihren Befehl gestellt und dann noch gewagt, alles zu verheimlichen. Der Rüde mochte sich nicht ausmalen, wie verletzt und wütend diese Tatsache sie machen würde, er würde auch nicht anders empfinden, also was konnte man Banshee verübeln?
Die smaragdfarbenen Augen öffneten sich, mittlerweile waren fast alle seine Welpen wach, begrüßten ihre Mutter und wuselten, wie schon viele Morgen davor, aufgeweckt durch die Höhle. Sein Blick huschte zu Shani, sie hatte sich in den letzten Wochen und Monaten drastisch verändert, selten zog sich ein Lächeln um ihre Lefzen, auch wenn sie diese Welpen zu lieben schien, machten sie sie doch unglücklich. Obwohl, nein, das war falsch, nicht die Welpen machten sie unglücklich, sie konnten nichts dafür, sie waren nur das Ergebnis ihrer Tat. Aber die Tatsache, dass es verbotene Welpen waren, die Tatsache, dass sie alle belogen und dieses Leben verstecken mussten, das saß ihr schwer auf der Seele. Hiryoga verstand ihren Missmut und ihre Angst, aber das machte alles auch nicht besser, im Gegenteil, für ihn machte es noch alles schlimmer. Sein Körper war in den letzten Wochen immer schwächer geworden, Nahrung hatte er der Weißen gegeben, einen ruhigen Schlaf hatte er schon seit Monaten nicht mehr geschlafen, ständig war da der Gedanke, wenn sie jemand finden würde, wenn einer der Welpen hinaus laufen würde, wenn sich die Witterung verändern würde, stets war er im Halbschlaf gewesen, wenn Shani und die Welpen in der Nacht geschlafen hatten. Jedoch verbarg Hiryoga diese Tatsachen so gut es ging, sein wieder stark abgemagerter Körper wurde von einem äußerst dichten und langen Fell versteckt, sein Kräftemangel zeigte sich erst dann, wenn er sich außerhalb der Höhle befand, sodass sich die Weiße zumindest darum keine Sorgen machten sollte.
Plötzlich stand Rakshee vor ihm und riss ihn somit aus seinen Gedanken. Bei ihrer Frage sträubte sich unmerklich sein Nackenfell, kurz legte er die Ohren an, sein Blick huschte zu seiner Gefährtin, was sollte er ihr denn nun antworten? In letzter Zeit kam diese Frage öfter vor, natürlich, die Welpen waren sechs Wochen alt, niemand konnte es ihnen verübeln, dass sie nach draußen wollten, aber die Gefahr, dass jemand sie sehen konnte war zu groß, außerdem was würden sie erblicken, außer Schnee und Kälte? Nichts! Es würde sie unglücklich stimmen, es gab hier nichts zum Entdecken, nichts aufregendes, einfach nichts. Liebevoll fuhr Hiryoga mit seiner Zunge über das Gesicht seiner Tochter, stupste ihr mit der feuchten Nase vorsichtig gegen die Brust und schnaubte in ihr Fell.
"Was hältst du davon, dass du erst einmal was isst und in der Zeit überlege ich es mir?"
Ein liebevolles Lächeln zog sich um seine Lefzen, nicht immer fiel es ihm leicht, ein Vater für sie zu sein, und wenn er einer war, dann wohl ein miserabler. Nicht einmal eine Entscheidung konnte er treffen, ihnen ein eindeutiges ja oder nein geben, aber so war er schon immer gewesen. Nachdem Tyel die Höhle betreten hatte, vernahm er ihre Worte, spitzte die Ohren und drehte seinen Kopf leicht in ihre Richtung, dabei den Blick nicht von Rakshee abwendend.
"Ja, du hast Recht. Ich werde nachher wieder hingehen."
Nur ganz kurz blickte er zu Tyel, die Fähe war in den letzten Wochen ein Teil dieser kleinen Familie geworden, ähnlich wie eine Schwester, war sie für ihn, für Shani wohl der einzige Halt, den er ihr irgendwie nicht geben konnte, egal wie sehr er es auch versuchte.
Seine Mutter lächelte ihn an, und Jakash kuschelte sich erneut eng an sie. Wenn er spielte, war er meistens stürmisch und einfach nicht zu bremsen, ein Energiebündel, das nicht selten über gewisse spielerische Grenzen hinausschoss. Aber in den ersten Minuten nach dem Erwachen,wenn alles noch ruhig war und seine Geschwister noch schliefen oder selber gerade erst vom Schlaf sich lösten, dann war er wie ausgewechselt. Ja, dann war er noch ruhig und liebte es, bei seiner Mutter oder seinem Vater dicht angeschmiegt zu liegen. Aber im gleichen Maße, wie seine Geschwister erwachten und die morgendliche Ruhe verklang, wurde auch der kleine Rüde unruhig voll neuer und unverbrauchter Energie.
"Hm-hm",
gab er als Antwort von sich und nickte energisch. Rakshee, die in diesem Moment ihnen ebenfalls einen guten Morgen wünschte, grinste er nur grüßend an. In seinen Augen funkelte es, als er sich von seiner Mutter löste und eine lauernde Haltung einnahm, kaum das seine Schwester ihm den Rücken zugewandt hatte. Langsam setzte er eine übergroße Pfote vor die andere, um sich an Rakshee heranzuschleichen, als es plötzlich Geschwister regnete. Kursaí purzelte von Shanis Kopf herunter und landete genau neben Jakash. Erschrocken über diese hinterhältige Attacke, die er nicht hatte kommen sehen, machte der kleine Welpe einen riesigen Satz nach hinten, prallte gegen die weisse Schnauze seiner Mutter und purzelte rücklings darüber hinweg. Er hatte nichtmal Zeit, überrascht zu fiepen. Eilig rappelte er sich wieder auf und sprang über Shanis Schnauze hinweg und begab sich sogleich in spielerischer Angriffshaltung.
"Na warte!",
drohte er mit einem Grinsen und versuchte sich an einem Knurren, dass leider noch lange nicht so klang wie es sollte, hier aber seinen spielerischen Zweck erfüllte. Dann sprang er und 'griff' seine Schwester an. Er würde ihr schon zeigen, wer hier der Stärkere war! Sich so von hinten anzuschleichen! Von Tyels Ankunft bekam er nur am Rande etwas mit, ebenso von Rakshee Gespräch mit ihrem Vater, das ihn dann doch seeehr interessiert hätte...
Leben. Mitten in der Schneewüste. Der Rüde hatte lächeln müssen, als die Geburt vorrüber gewesen war, auch, wenn ihn genau die selben schrecklichen Gedanken erfüllten wie Shani und Hiryoga. Er konnte sich gut vorstellen, dass sie glücklich über den Nachwuchs waren, und dass sie auch genauso große Angst und Verzweiflung verspürten wie Freude. Aber er konnte es nicht im Geringsten nachfühlen, und das wusste er auch. Es gab niemanden, der sich so fühlen konnte wie die unglücklichen Eltern. Es war ein wenig wärmer geworden, draußen im Schnee, jedoch noch immer kalt genug für eben diesen. Doch hier in der Höhle herrschte eisige Stimmung. Die Mutter der fünf Welpen blickte fast unablässig drein, als wüsste sie nicht mehr weiter, und vermutlich war dem auch so. Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Sie war noch jung, und fürchtete die Worte Banshees, wie sie ihm und Tyel gestanden hatte. Natürlich... Die Alpha hatte jeglichen Nachwuchs verboten, seit sie sich in dieser lebensunfreundlichen Umgebung befanden. Verständlich war es auch, denn hier oben war es schwer, Welpen großzuziehen. Es herrschte chronischer Futtermangel und die Kälte und die triste Landschaft riefen in niemandem wirklich Glücksgefühle hervor. Unwillkürlich musste Rasmús an Aradis denken, bei der er sich nur knapp abgemeldet hatte, ehe er aus der Rudelhöhle verschwunden war, um Shani und Hiryoga beizustehen. Langsam aber sicher kamen ihm Zweifel. Er hatte sie nun lange nicht mehr gesehen, und dennoch hatte er noch nicht begonnen, sie zu vermissen. Seit sechs Wochen ließ er sich selten beim Rudel blicken, und auch stets nur für ein paar Momente, damit er seine Abwesenheit nicht rechtfertigen musste. Denn die verbotenen Welpen existierten im Unwissen des restlichen Rudels. Und ebenso existierte das Rudel im Unwissen der Kleinen. Zu viele Fragen häten sich gegenseitig aufgeworfen, und eben dies wusste die kleine Wolfsgemeinschaft nur durch Schweigen zu verhindern. Und mittlerweile würden die Welpen unrihig. Jakash, der das Los, der einzige Rüde im Wurf zu sein, gezogen hatte, und somit der Hahn im Korb war, nicht zuletzt als Ältester der Fünflinge, drängte immer öfter, die Höhle verlassen zu dürfen, und seine Schwestern taten es ihm nun bereits gleich, verlangten lautstark nach Freiheit. Und keiner konnte es ihnen verdenken, wenn es sich auch als schwierig erweisen würde, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen. Schließlich war die Gefahr, vom Rudel gesehen zu werden, sehr groß. Und sie alle würden als Mitwahrer des Geheimnisses als Verräter dastehen. Rasmús sah dies eher gemeinschaftlich: lieber ging er mit Shani und Hiryoga durch die Hölle, als zusehen zu müssen, und ein Blick zu seiner Schwester Tyel bestätigte ihm, dass auch sie es tun würde - schließlich war sie ebenfalls hier.
Immer wieder war der Graue zu seiner kleinen Geistesschwester gelaufen, um sie aufmunternd anzustupsen und ihr einen Blick zuzuwerfen, der so vieles sagte: Las den Kopf nicht hängen...', 'Wir schaffen das schon irgendwie...', 'Mach dir keine Sorgen um die Kleinen...' und so vieles mehr noch, dass es schien, als würden die gemischten Gefühle der Fähe sich in den Augen des Rüden wiederspiegeln. So trat er nun erneut zu Shani heran, legte ihr den Kopf auf die Schulter und rieb ihn an ihrem Hals, legte sein Kinn dann auf ihrer Stirn ab und atmete tief ein und aus. Stumme Worte, die ihr Mut zusprechen sollten. Als sie ihm erzählt hatte, was vorgefallen war, hatte Rasmús zunächst nicht gewusst, was er sagen sollte. Er hatte sie beruhigen wollen, ihr sagen wollen, dass er sich ebenfalls Sorgen machte, und auch, dass er zu ihr halten würde,... doch er hatte nichts gesagt, weil er Shani angesehen hatte, wie sehr sie unter dem Geständnis ihrer Situation gelitten hatte. Also hatte er sie nur sanft angestupst, und geschwiegen. Wahrscheinlich beinhaltete diese Geste mehr, als er je sagen konnte. Erneut wanderte sein Blick kurz zu Tyel, dann über jeden einzelnen der kleinen Caiyé-Bande: Jakash, Kursaí, Akhuna, Sharíku und Rakshee... er mochte ihre Namen, und er mochte die Kleinen noch mehr. Nichts erfüllte ihn mehr, als sie zwischen seinen Pfoten umzustubsen, und ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich loswinden wollten und dabei lachten, mit ihm zu kämpfen versuchten. Sechs Wochen lang lebten die Wölfe nun schon mit den Welpen überwiegend in dieser Höhle, und ab und an verließ Rasmús die Gruppe nur, um kurz beim Rudel aufzutauchen, oder sich bei der Jagd zu versuchen. Doch die Beute war rar, und nicht nur einmal war er ohne Erfolg zurückgekehrt. Langsamlöste Rasmús sich von Shani.
"Ich weiß, ich wiedrhole mich, aber... Wir sind für dich da, ebenso wie für Hiryoga. Ihr habt es beide nicht leicht. Sei dir sicher, dass ich nicht von eurer Seite weichen werde."
Er lächelte, wieder dieses Lächeln mit einem lachenden, und einem weinenden Auge. Dann lief er ein paar Schritte weit in der Höhle umher, legte sich auf den Boden und blickte nach draußen. Aradis schwirrte ihm im Kopf herum. Sie wusste nicht wo er war, und wahrscheinlich wartete sie einfach, dass er zurück kam. Er hoffte es. Wenn sie ihn hier fand, gab es kein Zurück. Er musste alles daran setzen, es zu verhindern. Und dann war da noch der Zweifel an sich selbst, an seinem Herzen. Er wusste, wie es um Aradis stand, doch es schien ihm langsam nicht mehr sicher, ob er genauso fühlte. Noch hatte es nicht richtig begonnen, es würde ihm dennoch nicht leicht fallen, es zu beenden. Er mochte die Fähe, sie war hübsch und freundlich. Doch ihre Eifersucht stellte ihn vor ein echtes Problem, genauso wie ihr Drang nach Aufmerksamkeit. Er wollte sie nicht verletzen, doch manchmal wünschte er sich, ihr einfach ins Gesicht sagen zu können, wie sehr es an ihm nagte, dass sie so war. Und er wusste genauso gut wie sie, dass ein Wolf nun mal war, wie er war, und dass sich daran auch mit mehreren Versuchen nichts ändern würde. Rasmús seufzte leise. Vielleicht war es das beste, mit Aradis zu sprechen, wenn er sie wiedersah. denn so sehr sich auch alles in ihm sträubte, das zu tun - er spürte, dass er sie wissen lassen musste, das die anfängliche Verliebtheit seinerseits sich in einem Gefühl tiefer Zuneigung ausgelaufen hatte. Aber nicht Liebe. Wie weh es ihm nur tat, das zu sich selbst zu sagen. Was sollte er erst tun, wenn sie vor ihm stand, ihn ansah, Enttäuschung, vielleicht Wut in den Augen, und verletzend konterte, wie es abgewiesene Liebende nun mal unfreiwillig taten? Der Rüde schüttelte nur kurz den Kopf, dann blickte er in der Höhle umher. Er musste sich ablenken. Und er liebte die Welpen.
"Wer will spielen? Zu mir!"
Der ruhige Atem Jakashs an Shani Caiyés Wange blieb nicht lange, ihr Sohn war nie lange leise und schläfrig, schon schien er durch Rakshees Auftauchen, der Meinung zu sein, dass es nun genug der Zärtlichkeiten war und zauberte damit doch wieder ein kleines Lächeln auf ihre Lefzen. Die typisch unausführliche Antwort war doch zufriedenstellend, immerhin ging es den Welpen körperlich gut und kaum hatte sie diese erhalten, war Jakash aus ihrem Blickfeld vorübergehend ganz verschwunden. Dafür meldete sich Ahkuna, irgendwo zwischen ihrem Bauchfell lugte eine graue Schnauze hervor und murmelte ein müdes Guten Morgen. Mit einem letzten wehmütigen Blick zu dem kleinen Lichtpunkt, der den Eingang der Höhle darstellte (nicht, weil Shani gerne nach draußen gegangen wäre, viel eher, weil das Licht ihr manchmal wie eine Hoffnung auf irgendeine Besserung erschien, auch wenn sie nicht wusste, wie diese aussehen sollte), fügte sie sich ihrer Aufgabe als Mutter. Sie reckte die Schnauze nach hinten und stupste Ahkuna leicht an ihre Nase.
“Guten Morgen, mein Schatz.“
Immer noch lächelte sie, wie könnte sie auch nicht, bei dem Anblick ihrer eigenen Tochter, irgendwo zwischen dem dichten weißen Winterpelz und noch so müde wie der junge Morgen. Doch kaum hatte sie sich wieder zurücksinken lassen, für diese verrenkte Haltung fehlte ihr schlichtweg die Kraft, war das Lächeln auch schon wieder verschwunden. Sie sollte sich üben – immer lächeln, für ihre Welpen. Jetzt kraxelte etwas auf ihrem Rücken herum, zunächst hielt sie es für Ahkuna, doch deren Graupelz war noch immer im Weiß verschwunden, dann spürte sie schon winzige Pfoten zwischen ihren Ohren und sie hielt still, um ihren Welpen nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein weiteres fröhliches “Guten Morgen, Mama.“ wurde in ihre Ohren geflüstert und erweckte das Lächeln zu neuem Leben. Kursaí war aufgewacht. Sie wollte ihr eigentlich gerade antworten, da schien sich die Graue zu weit vorgewagt zu haben und purzelte quer über ihre Schnauze gen Boden. Kurz stand Shanis Herz starr vor Schreck, hatte sich die Kleine etwas getan? Ihre Schnauze schnellte zu dem kleinen Körper, der so eher aussah wie ein buschiger Fellball, als dieser sich schon wieder bewegte und ihre Tochter im nächsten Augenblick auf allen vier Beinen vor ihr stand und zwar etwas enttäuscht wirkte, trotzdem wie wild mit der Rute wedelte. Liebevoll knuffte die Weiße ihre Tochter ganz sanft in die Seite und lachte, auch wenn es freudlos klang.
“Guten Morgen, du Energiebündel. Das musst du wohl noch ein bisschen üben.“
Aber Kursaís Aufmerksamkeit wurde schon von ihrem Bruder gefordert, der jetzt wieder aufgetaucht war, offensichtlich von seiner herabstürzenden Schwester getroffen. Aber auch er schien putzmunter, anders als Shani gedacht hatte, schienen Welpen bei solcherlei Dingen robust zu sein. Sie überließ die zwei ihrer Tollerei und sah auf, als Tyel die Höhle betrat. Ihre Worte zu Hiryoga, ließen Shanis Gesicht vor Sorge verzerrt zurück, sie selbst war schon mehr als 6 Wochen nicht mehr beim Rudel gewesen. Wie sollte das denn unauffällig sein? Und Lunar, oh Lunar … sicher suchte er nach ihr. Sie sah zu Boden, wollte nicht, dass Tyel all diese Sorgen aus ihren Augen lesen würde, obwohl sie sie wohl sowieso kannte. Schon spürte sie die weiche Schnauze an ihrem Ohr, das sanfte Ziehen, eine Geste, die Shani so geliebt hatte – jetzt war es nur noch Tyel, die sie damit tröstete. Sie war so froh, dass die Fähe bei ihr war, ohne sie und ihren Bruder hätte sie die Zeit zwangsläufig nicht überstanden. Sie stützen diese kleine Welt, in der sie nun leben müssten und Shani war ihnen endlos dankbar dafür. Auch Rasmús tauchte auf, seine warmen Gesten taten ihr gut, waren sie doch anders als die ihrer Welpen, voll von Wissen und Verständnis, gaben ihr auf eine ganz andere Art und Weise das Gefühl nicht alleine zu sein. Sie drückte ihren Kopf gegen seinen und dankte ihm damit stumm, traurig sah sie aus, sehr traurig. Langsam glitt ihr Blick über die beiden Geschwister, die doch schon fast zu ihren Geschwistern geworden waren.
“Ich bin so froh, dass ich euch habe. Ohne euch, hätten wir das alles nicht geschafft. Aber … selbst zusammen haben wir doch keine Lösungen.“
Sie verstummte, ihre Stimme hatte schwach und so sorgengetränkt geklungen, dass sie nur hoffte, dass die Welpen weder ihren Tonfall noch ihre Worte verstanden. Sie waren viel zu jung, um die Probleme zu verstehen, wohl aber waren sie dazu in der Lage, zu verstehen, dass es Probleme gab und das wollte Shani von ihnen fernhalten. Ihr Blick folgte Rasmús, der sich jetzt wieder als willkommene Abwechslung anbot. Die Weiße war froh, dass er so viel tat, ohne ihn, wären die Welpen vor Langweile schon umgekommen. Traurig lächelnd sah sie nun doch zu ihrer Freundin berührte sie sanft an der Nase und ließ ihren Blick dann zu Hiryoga wandern. Obwohl sie gerade jetzt zusammenhalten und sich gegenseitig stützen sollten, versagten sie darin. Er hatte seine gesamte Familie verraten, für ihn musste es wohl noch schwerer sein, aber ihn zu trösten oder sich von ihm trösten zu lassen, war so seltsam schwer. Trotzdem war sie unglaublich froh, dass er fast immer hier war und sich ebenso um die Welpen kümmerte, auch wenn er es wohl nicht sehen würde, schenkte sie ihm ein schwaches Lächeln.
Die Kälte des Schnees drückte sich unangenehm gegen Tyraleens Brust während von oben die strahlende Sonne sie zumindest ein bisschen wärmte. Ihr weißes Fell verschmolz fast vollkommen mit ihrer Umgebung, gleichzeitig zog es keine Sonnenstrahlen an, so wie zum Beispiel … sie ließ den Gedanken fallen, als wäre er uninteressant geworden. Ihr Kopf bewegte sich ganz leicht nach rechts und sie berührte mit der Nase einige Eiskristalle, die unter ihrem Atem dahinschmolzen. Sie schloss die Augen. Seit dem Tag, an dem sie gestorben war, war alles anders geworden. Averic hatte sie umgebracht und Engaya hatte ihnen das Leben zurückgeschenkt, nicht, weil sie Averic verzieh, sondern weil sonst ihre Welt untergegangen wäre. Diese Gedanken bohrten sich wie Eiskristalle in ihr Herz, Averic hatte nicht nur sie, ihre Mutter und ihren Vater umgebracht, sondern auch die Welt in die Knie gezwungen, so kurz davor war er gewesen, jedes Lebewesen zu töten. Es war ein Schrecken, der so tief in ihrem Körper saß, dass sie ihn bis jetzt nicht hatte überwinden können. Allein Engayas Güte und ihre Macht über Leben und Tod, hatten sie alle gerettet. Und nun lastete auf Averics Schultern eine Schuld, die zwar nur ihn betraf und die doch wohl noch viel mehr als ihn selbst Tyraleen niederdrückte. Sie hatte kein Wort mehr mit ihm gewechselt, hatte sich von ihm und allen anderen fern gehalten, war so oft in der Schneelandschaft herumgewandelt und die Stille genossen. Sie liebte die Berge, jeden Gipfel, jede Schneeflocke und jedes Stück unbarmherziges Eis und doch konnten sie alle den Schmerz in ihrer Seele nicht tilgen. Die feinen Bänder der Zuneigung, die Averic und sie gewoben hatten, hatte er mit seinen Zähnen durchgebissen, doch die Sehnsucht die sie nun ergriffen hatte, konnte sie nicht abtöten. Sie sehnte sich nach seinem Blick, sie sehnte sich nach seinen rauen Worten und den doch so sanften Gefühlen dahinter, die ihr Herz erwärmten. Sie sehnte sich danach, an seiner Seite zu sitzen und mit ihm zu schweigen, alles sehnte sich hin zu ihm und doch erinnerte sie sich immer wieder an das Gefühl zu sterben, der Moment, in dem einem die Läufe nicht mehr gehorchten, man zu Boden fiel, das Herz nicht mehr schlug und alles schwarz und weiß zu gleich war. Die plötzliche Gewissheit, nie mehr zu atmen, nie mehr im Schnee zu liegen, nie mehr zu lächeln, die plötzliche Kälte, die alles erfrieren ließ.
Langsam öffnete sie die Lider, ihr Hals war wie zugeschnürt, Thränen standen in ihren Augen ohne jeden Grund. In ihrer Welt pochte ein Schmerz, der unheilbar jeden Atem nahm, der die Einsamkeit wie ein Tuch über sie breitete und der wohl für immer in ihr existieren würde, als Gestorbene und doch Lebende. Sie dachte an Engaya, ihre Göttin, die ihr das Leben zurückgeschenkt hatte. Liebte sie Averic? Hatte sie ihrem Sohn vergeben, in dem Wissen, das er ihre wunderschöne Welt getötet hatte? Und Banshee, liebte sie ihren Sohn auch noch? Er hatte sie getötet, ebenso wie ihren Gefährten. Konnte so viel Liebe in dieser Fähe sein, dass sie noch immer bedingungslos zu ihm hielt? Und sie selbst?
Nachdem sich die weiße Fähe von ihrem Zusammenbruch erholt hatte, der jetzt schon längere Zeit zurücklag, fühlte die Fähe sich immer wohler. Sie hatte jedoch noch nicht sehr viel Zeit mit den anderen Wölfen verbracht. Nur Rasmús war da. Tyel war auch sehr nett zu ihr gewesen. In letzter Zeit hatte Aradis jedoch bemerkt, dass Rasmús sich zurück zog; von ihr zumindest. Sie lag in der Höhle. Geduldig wartete sie auf seine Rückkehr. Die Fähe lag schon seit Stunden in der Höhle. Die Fähe hatte ein ungutes Gefühl im Bauch. Rasmús ... sie dachte an ihn. Dabei lief ihr leise eine Träne die Wange hinunter. Es war anders gekommen, als sie gedacht hatte. Wahrscheinlich hatte der Rüde gedacht, er könnte sie täuschen. Aradis war eine kluge Fähe, und sie wusste einfach, dass Rasmús etwas bedrückte. Die Fähe wollte es sich zwar nicht eingestehen, doch letztendlich schlussfolgerte sie, dass es an ihr selbst lag. Da sie niemanden anderen richtig kannte aus dem Rudel, hatte sie sich an ihn geklammert. Unbewusst. Sie begrub ihr Gesicht unter der rechten Pfote. Sie hatte ihn fast nie allein gelassen. Anfangs war Aradis Rasmús zugetan gewesen, dann verliebt. Doch während sich anscheinend die Gefühle Rasmús in eine andere Richtung eingeschlagen waren, war aus der anfänglichen Verliebtheit Liebe geworden. Vielleicht liebte Rasmús sie auch. Aradis rief sich immer wieder seine Gestalt vor ihr geistiges Auge. Seine schöne Gestalt, sein Gesicht, seine Augen... Aradis schüttelte sich. Sie weinte heftiger. Sie hatte ihr altes Rudel verlassen. Und war hier her gekommen, sie dachte, sie hätte einen Partner für ihr Leben gefunden, doch scheinbar hatte sie sich geirrt. Sie musste mit Rasmús reden. Schnell. Jetzt. Aradis erhob sich schweren Herzens. Sie wollte nicht mit ihm sprechen. Aber hatte sie eine Wahl? Aradis schaute auf ihre Pfoten. Verschwommen sah sie ihre Krallen. Die erste Träne tropfte auf die rechte Pfote. Die zweite auf den Steinboden in der Höhle. Tiefe Trauer erfüllte sie. Sie würde ihn anlügen müssen.
Sie würde ihr Herz brechen. Doch das war der jungen Fähe inzwischen egal. Ein Zittern schüttelte ihren ganzen Körper. Sie schluckte. Und trotzdem weinte sie weiter. Sie brauchte insgesamt fünf Anläufe, um sich zu beruhigen. Man würde ihr ansehen, dass sie geweint hatte. Aradis sehnte sich nach den kleinen Pfoten, die jedoch viel zu groß für den restlichen Körper waren, die über sie krabbelten, nach kleinen kalten Schnauzen... Aradis seufzte. In ihrem alten Rudel hatte es jedes Jahr neuen Nachwuchs gegeben. Natürlich, es war dort ja nicht so ein harter Winter, wie hier. Trotzdem war sie ein wenig betrübt. Ihr Fell war immer noch schneeweiß, es war nicht schmutzig geworden. Dann ging sie mit festen Schritten auf den Eingang der Höhle zu. Sie hatte zugenommen, und sie sah noch schöner aus. Außerdem hatte sie in den letzten Wochen dazu gelernt, sie hatte die Regeln, die in diesem Rudel galten, gelernt. Der sanfte Sonnenschein traf ihre grünen Augen, als sie aus der Höhle trat. Schon in ihrem alten Rudel musste sie manchmal lügen, wenn sie etwa mit auf die Jagd wollte, oder etwas zu fressen haben wollte. Wollen. Das war wichtig. Sie wollte sich nichts anmerken lassen. Sie konnte sich gut verschließen. Es war jedoch schwer, sich jemandem zu verschließen, der einem ein neues Leben sozusagen gegeben hatte, oder zumindest einen neuen Lebensabschnitt... wie zum Beispiel Rasmús. Ihre Augen funkelten in der Sonne auf. Das Grün leuchtete stark auf, und ihr Fell glänzte schön. Sie rief in die Berge hinaus. Sie wusste nicht, wo er war. Sie hatte ihm alles gesagt. Alles. Aber er schien immer mehr Geheimnisse vor ihr zu haben...
"Rasmús, kann ich dich sprechen? Bitte komm!"
Die Fähe hatte versucht, ihren üblichen, lieben Klang beizubehalten, doch trotzdem schwenkte ein leichter Ton der Härte und der Angst mit. Mitlererweile war sie sich sicher, dass er sie nicht liebte. Es würde schon das zweite Mal sein, das ihr das Herz gebrochen werden würde. Wie schon vor einem Jahr... Aradis riss sich schnell zusammen und kam wieder in die Gegenwart zurück. Immer noch wartete sie auf Rasmús. Wo er wohl war? Traurig ließ sie ihren Kopf hängen. Sie würde jagen gehen. Sie war so lange nicht mehr auf der Jagd gewesen...
Und es ward Stille.
Averic konnte die Geräusche praktisch noch hören. Noch riechen – ihn und all das Blut. Den Hass spüren und diese unbändige Wut, mit der er praktisch die ganze Welt in Schutt und Asche hätte legen können. Nicht können ... denn genau das ... hätte er beinahe geschafft. Brennende Wunden, die seinen ganzen Körper zierten, ein grausamer Schauplatz, der aus rotem Schnee bestand. Er hatte ihn nur noch zerreißen wollen, jedes Mal, wenn sich seine Zähne in sein Fleisch gebohrt hatten, war es die reinste Genugtuung gewesen. Eine Genugtuung, von der er mehr wollte. Seinen eigenen Körper, hatte dieses Gemisch aus purem, blindem Hass, Wut, Verachtung und Verlangen nach Blut beinahe gesprengt. Er konnte nicht mehr aufhören, einer von beiden musste einfach sterben. Und dann war doch so viel mehr gestorben. Averics Reißzähne vergruben sich in der Kehle des Vaters, während er seine Zähne im Hals spürte. Eine Sekunde aus ohrenbetäubendem Schmerz, in der er Banshee und Tyraleen sehen konnte, wie sie auf ihn und Acollon zukamen, plötzlich aber fielen. Es war, als wäre er aus seinem Körper hinaus geschossen und hätte beiden direkt ins Gesicht sehen können. Und dann war alles fort gewesen. Für einen Augenblick war seine Welt stehen geblieben, in jedem anderen Fall wäre es wohl für immer gewesen. Er – Averic und Acollon hatten sich gegenseitig umgebracht. Damit verbunden auch Banshee und Tyraleen, wenig später hätten sie die ganze Welt auf dem Gewissen gehabt. Noch viel eher, er selbst. Denn alles war seine Schuld, nur seine, seine alleinige Schuld. Oh, wäre er doch nie wieder aufgewacht. Dann hätte er dort bleiben können, bei Cylin, seinem über alles geliebten Bruder. Averic hatte ihn tatsächlich gesehen, ganz kurz hatte er ihn, richtig gesehen. Nicht schwarzweiß, wie sonst. Tatsächlich hatte der Pechschwarze seinen Bruder für einen kurzen Augenblick in voller Farbe sehen können. Das sein Fell nicht nur schwarz war und das seine Augen die selbe Farbe hatten, wie seine Flammen. Zwei Worte, nur zwei Worte hatte Cylin zu ihm gesagt. „Noch nicht.“
Danach riss ihn eine übermächtige Gewalt zurück ins Leben. Das Leben.
Averic hatte sich bei seiner Mutter entschuldigt, obwohl doch niemals etwas seine Tat entschuldigen würde können. Und sie hatte ihm verziehen, obwohl man so etwas doch gar nicht verzeihen konnte. Die Schuld lastete noch immer auf seinen Schultern und war mindestens noch genau so schwer. Tonnenschwer. So schwer, dass es ihn manchmal fast in die Knie zwang. Er hatte seiner Mutter seit ihrem Tod noch nicht wieder in die Augen sehen können. Eigentlich hatte er keinem mehr in die Augen sehen können und sich fern gehalten von allem. Allein mit der Verzweifelung und dem viel zu klarem Bewusstsein darüber, was er getan hatte. Aber noch am Grausamsten war es für ihn, dass sich seine Schwester ebenso fern hielt. Auch bei ihr hatte er sich entschuldigen wollen, dennoch war es noch nicht dazu gekommen. Das sie ihn mied, hatte er schnell gemerkt und ehrlich gesagt – er war einfach zu feige. Etwas, dass der Pechschwarze noch nie zuvor gewesen war. Er würde auf ewig allein mit dem Gefühl der Schuld bleiben. Mit einer Last, die ihn erdrückte und mies fühlen ließ, wie noch nie. Nicht einmal direkt nach Cylins Tod, hatte er sich so ... verzweifelt gefühlt. Die Wochen flogen dahin und er wandelte wie ein Geist durch die Schneelandschaft. Manchmal überlegte er sogar, ob er nicht einfach ganz gehen sollte. Oder vielleicht eine Klippe hinunter zu springen, doch würde dann vielleicht noch einmal so etwas geschehen? Nein. Sicher nicht. Dazu war er zu unwichtig. Und Cylin ... er hatte doch gesagt, dass es noch nicht Zeit war. Aber wann war es Zeit? Wenn ihn die Schuld umgebracht hatte?
Averic atmete schwer aus, betrachtete müde den farblosen Dunst, der sich in der Luft abzeichnete. Langsam setzte er seine Pfoten vorwärts. Die Höhle lag irgendwo hinter ihm, er bekam nicht mit, was sich dort abspielte. Er wollte es auch gar nicht wissen. Aber er wollte wissen, wo sie war. Das alles war noch schlimmer zu ertragen, weil Tyraleen vor ihm flüchtete. Wie hatte er nur Zuneigung zu einer Jungwölfin aufbauen können, wo er doch ihrem Wurf damals den ewigen Hass geschworen hatte? Es war nicht Zeit darüber nach zu denken, war auch gar nicht wichtig. Seine Pfoten bewegten sich wie von selbst, während sein tiefblauer Blick haltlos über die Landschaft flog. Nicht einmal mehr in den Himmel konnte er schauen, in dem Wissen, dass er dann zu Engaya hoch schauen würde, deren Kinder er getötet hatte.
Schließlich meinte er wirklich eine weiße Gestalt im Schnee ausmachen zu können und Averic blieb stehen. Da war Tyraleen. Einen unschlüssigen Moment konnte er sich nicht bewegen, dann setzte er – viel langsamer als eben – wieder eine Pfote vor die andere.
„Tyraleen ...“
Der Pechschwarze biss leicht die Zähne aufeinander. Sie lag mit dem Rücken zu ihm und er wusste nicht direkt, was er sagen sollte. Er musste sich entschuldigen, wie bei seiner Mutter. Aber er wusste doch, dass das einfach nicht zu entschuldigen war. Vielleicht würde sie ihm das auch nie verzeihen, aber jetzt musste er einfach zu ihr.
„Verzeih mir ...“
Gerne währe die kleine Fähe wieder auf ihre Mutter geklettert. Hätte noch einmal versucht ihr Ohr zu erreichen. Sie konnte jetzt doch nicht einfach aufgeben. Sie hatte nicht viel mitbekommen als sie auf dem Boden gelandet war. So war ihr zum Beispiel gar nicht aufgefallen, wie sie ihren Bruder mit sich gezogen hatte. Die kleine Rolle die sie nach ihrem Sturz vollzogen hatte war ihr selber gar nicht aufgefallen. Erst als sie eingerollt lag hatte sie wieder mitbekommen was geschehen war, doch sollte dies natürlich niemand erfahren. Immerhin war sie gerade von ihrer Mutter gestürzt. Vorsichtig tat sie einen Schritt auf ihre Mutter zu wollte ihr damit zeigen, dass alles in Ordnung war, doch hatte Shani es sowieso schon gemerkt und versuchte sie nun aufzumuntern. Kursaí schüttelte leicht den Kopf. Sie brauchte doch nicht aufgemuntert werden. Eher musste es anders herum sein. Ihre Mutter war immer so traurig. Sprach nur mit den Welpen in fröhlichem Ton. Zeigte ihnen kein wirkliches Lächeln. Selbst die kleine Fähe merkte es schon, doch kam es wahrscheinlich eher von ihrem kleinen Talent sich alles zu merken. Irgendein Erwachsener hatte es einmal erwähnt und nun zerbrach sich die kleine Fähe dauernd den Kopf, was sie den tun könnte um ihre Mutter wieder aufzuheitern.
"Energiebündel?"
Fragend legte die kleine Fähe den Kopf schief. Irgendwie war sie jetzt verwirrt. Was meinte ihre Mutter damit? Eigentlich war es auch egal. Ihre Mutter hatte gelächelt, sogar gelacht, doch nicht so wie Rasmús immer lachte. Es klang irgendwie anders, so als währe sie nicht wirklich bei der Sache. Schnell drehte die kleine Fähe sich um, schaute zu Tyel hoch, ha war es wieder. Dieses an den Ohren ziehen. Das war ja so gemein. Warum schaffte sie es nicht auch einmal ihre Mutter am Ohr zu ziehen? Nein sie musste natürlich gleich wieder einen kleinen Flug wagen und auf ihrem Bruder landen. Plötzlich waren die fehlenden Momente vom Sturz auch wieder da. Sie war auf ihrem Bruder gelandet! Deshalb tat ihr nichts weh. Also hatte sie mal wieder Glück gehabt. Aber was war mit Jakash? Na warte!" Schnell drehte die Fähe sich um, schaute ihren Bruder direkt an. Legte den Kopf etwas schief und wartete auf seinen Angriff.
"Komm doch Feigling!"
Auffordernd drehte sie sich einmal im Kreis und wartete auf ihren Bruder. Wieder schwang ihre Rute so sehr hin und her, dass sie mittänzeln musste. Aufmerksam beobachtete sie ihren Bruder, versuchte vorauszuahnen wann er springen würde. Wie oft hatten sie dieses Spiel jetz schon gespielt? Fast immer schaffte sie es rechtzeitig auszuweichen. Kursaí hatte sich einfach gemerkt, was ihr Bruder tat bevor er absprang und auch dieses Mal konnte sie wieder rechtzeitig zur Seite springen.
"Ha, von wegen!"
Die kleine Fähe wartete nicht erst bis er sich wieder kampfbereit gemacht hatte, sie stürzte sich gleich auf ihn, wollte sich über ihn stellen und ihm zeigen, dass er verloren hatte. Sie ließ sich nicht so leicht von ihm niederringen, hatte sie ihn doch schon kämpfen gesehen. Ihn ihrer kleinen Welt hatte sie die Bewegungen tief gespeichert und rief sie immer wieder ab wenn er mal wieder versuchte sie zu überlisten, er müsste sich schon eine neue Taktik einfallen lassen, um sie zu überraschen. Rasmús Worte bemerkte die kleine Fähe erst gar nicht. Sie hätte sowieso nicht wirklich darauf geachtete, da sie schon beschäftigt war. Sie musste ihren Bruder besiegen! Auf keinem Fall würde sie ihm den Sieg gönnen.
Ahkuna gähnte kurz bei der Berühung mit ihrer Mutter, sie war eigentlich noch ziemlich müde. Sie hob ihren Kopf und schon hörte die Kleine die Stimme Shanis. Ein kleines Lächeln legte sich auf die winzigen Lefzen der kleinen Ahkuna. Die Fähe drehte den Kopf und so gleich hörte sie wie ihre Patin, Tyel Tinuviel, etwas zu ihr sagte. Das leichte Grinsen verformte sich schnell um zu seinem richtig Breitem. Ahkuna fühlte sich ziemlich gut in ihrer Lage im Moment. Im Windschutz ihrer Mutter, dicht angekuschelt an das Schneeweise Fell. Die Bewegungsfreude in ihr wurde immer größer, auch wenn ihr die Position recht gut gefiel. Die Kleine schaute hoch zu Tyel und stemmte sich so gleich hoch. Ihre Rute wedelte so stark vor Freude das ihr Körper etwas mit wippte. Die kleine Welpin war voller Freude. Sie wusste eigentlich nicht wieso. Sie setzte einige Schritte. Ersrt langsam und dann wurde sie immer schneller, bis ihre Pfoten über den Boden tänzelten. Zumindest schaute es so aus. Ihre Pfoten trieben sie geradewegs in die Richtung Tyel's. Verwirrt drehte sich Ahkunas Kopf herrum und suchte nach ihr. Die Welpin hob ihren Kopf etwas in die Luft und wollte eigentlich etwas herrum schnuppern. Aber ihre Nase hing im Fell. Etwas eingeschüchtert senkte sie den Kopf un drückte sich mit ganzer Kraft gegen den Boden. Ihre Ohren waren nun leicht angelegt.
"Ehm..Guten Morgen Tyel..ja ich habe von dir geträumt..."
War das einzigste was sie in diesem Moment herraus brachte, wärend Ahkunas Blick durch Tyels Beine hindurch ragte. Ihre Rute lag am Boden un wedelte etwas Schnee auf. Ihr Körper zitterte leicht von der Bewegung. Aber was war wohl weider größer?
Die Spielfreude natürlich. Also stemmte die Kleine sich hoch und tänzelte etwas spielerisch vor Tyel herrum. Langsam ging sie auf eines von Tyels Beinen zu un drückte ihren Kopf gegen das Bein. Da ihre Wegschieb Versuche nach kurzer zeit keine Wirkung zeigten setzte sie ihre Pfoten an die Beine von Tyel Tinuviel und stand nun an ihr gelehnt. Ihre Rute vibrierte imernoch fast vor sich hin als Ahkuna leicht mit ihrer Nase durch das bunte Fell fuhr.
Er flog, ein kleines Stückchen weit, und direkt auf seine Schwester zu. Und sie tat, was sie jedes Mal getan hatte, seit er sie das erste mal auf diese Weise aufs Kreuz gelegt hatte: sie wich einfach aus! Jakash landete auf dem Boden anstatt gegen Kursaí zu prallen und musste sich mächtig abmühe, nicht das Gleichgewicht zu verliren und vornüber zu purzeln wie beim letzten Mal. es gelang ihm, und er grinste angesichts seines Triumphes über diese Kraft, die ihn nach unten hatte ziehen wollen. Der kleine Rüde wandte sich um - oder wollte das zumindest. Sein Kampf gegen die Schwerkraft hatte ihn zuviel Zeit gekostet, die seine Schwester für sich genutzt hatte. Er war noch nichteinmal halb herum, da prallte sie schon gegen ihn und schaffte, was der Gravitation eben noch misslungen war. Jakash wurde umgeworfen, ein empörter Laut klang aus seinem kleinen Maul. Er zappelte hin und her und versuchte sich derart strampelnd, von der kleinen Welpin über sich zu befreien. Wie er so wild herumzappelte und in alle Richtungen pfotete, bekam er zufällig einen seiner Hinterläufe zwischen sich und seine 'Gegnerin'. Noch mitten im Strampeln trat er zu und warf Kursaí dabei halb von sich. Jakash pfotete nun energischer nach ihr, ermutigt von seiner Fast-Befreiung, und konnte sich schliesslich von ihr weg rollen. Im Nu stand er wieder auf allen Vieren, machte einen Satz davon, um etwas taktischen Abstand zu gewinnen, und wirbelte herum. Das machte Spass! Kursaí war immer eine würdige Gegnerin, an ihr konnte er sich richtig austoben! Jakash grinste wild, seine kurze Rute pendelte ungestüm hin und her und brachte - wie bei Welpen üblich - gleich sein ganzes Hinterteil zum Wackeln. Geduckt stand er da, lauernd und begann dann, seine Schwester mit schleichenden Bewegungen zu umkreisen.
Zumindest solange, bis er Rasmús' Aufforderung zum Spielen hörte. Blitzartig fuhr sein kleiner Kopf herum, die Ohren aufgeregt hoch aufgestellt und die Augen leuchtend.
"Komm!",
rief er Kursaí noch kurz zu, dann war er schon auf und davon und stürmte dem großen Wolf entgegen, der es gewagt hatte, sie herauszufordern. Kaum in Reichweite, gab der kleine Schwarze wieder sein welpisches Knurren von sich und sprang Rasmús an, wie er es zuvor bei seiner Schwester getan hatte. Nur war sein neues Opfer viel zu groß, um es zu verfehlen...
Sharíku hörte Stimmen. Schöne, angenehm klingende Stimmen, die ihr vertraut waren. Ihre verhältnismäßig großen Ohren zuckten und ihre Augen öffneten sich einen Spalt breit, um gleich wieder zusammengekniffen zu werden. Und wieder auf. Und wieder zu. Und das Gleiche nochmal schneller. Sharíku hatte manchmal wirklich Spaß am Blinzeln, es war lustig, den Anblick der Umgebung nie lange genug an die Augen zu lassen, um klar sehen zu können, man konnte die faszinierensten Dinge in die Schemen hineinfantasieren.
Schließlich aber verdrängte ein anderes Bedürfnis den Spaß. Hunger! Ihre tiefblauen Augen öffneten sich endlich ganz und suchten nach ihren Eltern und ihren Geschwistern. Na wunderbar, ihre Schwestern und ihr Bruder waren alle schon wach! Ob sie noch genug Milch von ihrer Mama abkriegen würde? Wenn nicht, dann müsste sie eben etwas warten. Toll, dass die Milch nach einer Weile immer wieder da war. Warum das wohl so war? Wie kam die Milch eigentlich in die Zitzen? Na gut, das war nicht so schwierig zu beantworten, davor musste sie in Mamas Bauch sein. Aber wie kam die leckere warme Milch dorthin? Trank Mama sie? Wenn Sharíku Milch trank, landete sie in ihrem Bauch, das spürte sie immer. Hatte ihre Mama etwa auch eine Mama, an deren Zitzen sie trinken konnte? Ach, so viele Fragen! Und Sharíku wusste immer noch nicht, wie sie sie stellen konnte. Warum konnten ihre Geschwister ihrer Mama Fragen stellen und sie selbst nicht? Wie machten sie das nur? Sie blickte ihnen, ihren Eltern und den anderen netten Wölfen, die öfter vorbeikamen, ständig auf die Lefzen und versuchte, sie genau so zu bewegen, wie sie es taten, wenn sie sprachen, aber sie brachte trotzdem keinen Ton hervor!
Sie setzte sich auf, stolperte zu einer Zitze und saugte daran. Wie wunderbar die Milch doch schmeckte! Aber es gab wirklich nicht mehr viel. Wirklich schade, Sharíku hatte riesigen Appetit. Sie tapste nach vorne, zum Kopf Shanis, und steckte die Schnauze in das weiße, weiche, duftende Fell an ihrem Hals. Vor einer Weile hatte die Graue bemerkt, dass sich an der Kehle der Anderen etwas bewegte, wenn sie ihre Stimme erklingen ließen. Eine Art Vibrieren, es fühlte sich lustig an. Seitdem versuchte sie ständig, ihre Kehle genau so vibrieren zu lassen, aber sie schaffte es nicht. Sie warf einen kurzen Blick zu ihren Geschwistern, Kursaí und Jakash, die herumtollten, Ahkuna, die bei Tyel war und Rakshee, die mit ihrem Papa Hiryoga sprach. Dann schmiegte sie ihren Kopf wieder eng an Shanis Kehle. Es würde bestimmt ein schöner Tag werden, auch wenn sie bestimmt wieder von Jakash geärgert werden würde. Aber ihre Mama oder Sharíkus liebe Schwester Ahkuna würden ihr bestimmt helfen.
30.12.2009, 19:04
Es war einiges vorgefallen in der letzten Zeit, und Nyota hatte noch immer nicht völlig durch alles geblickt. Averic und Acollon hatten sich gegenseitig in den Tod gerissen, und mit ihnen waren, trotz äusserlicher Unverletzheit, Banshee und Tyraleen gestorben. Nyota war viel zu geschockt gewesen um die Trauer zu empfinden die der Anblick ihrer Leblosen Schwester ausgelöst hatte, und als ihr Verstand wieder klar genug dazu war, hatte Engaya den Vieren ihr Leben zurückgegeben. Nyota hatte die Göttin nie sosehr geliebt wie in diesem Moment, als Banshees Ohren wieder zuckten, sie wieder Luft in ihre Lungen gezogen hatte. Die Schwarze war in freudiges Geheul ausgebrochen, und hatte Banshee an diesem Tag nicht mehr alleine gelassen.
Jetzt allerdings hatte sie sich, zusammen mit der Beta Kaede, die die zwei Schwarzen nicht alleine gehen lassen wollte, Lunars angenommen. Der Rüde war Shanis Bruder, soweit war sie bereits gekommen. Dennoch gab es für ihn noch einigse zu lernen, wenn er im Rudel bleiben wollte, denn respektvoller Umgang mit anderen war nicht gerade seine Königsdisziplin.
So war das Dreigespann also durch den Schnee gezogen, um ungestört zu reden. Es war kein Zufall, dass die blinde Fähe zwischen den zwei Schwarzen lief... Lunar war unbelehrbar, und die drei waren bereits weit gelaufen, ohne jedoch irgendwelche Ergebnisse vorweisen zu können.
"...du kannst verdammt nochmal so arrogant sein wie du willst - aber halt die Schnauze wenn wir reden! Und lass das ewige Geknurre, du hast nichts zu sagen Schwarzfalter, nur weil du dich nicht benehmen kannst!"
Schwarzfalter war nur einer von vielen abschätzigen Begriffen die Nyota sich bereits für Lunar ausgedacht hatte, nachdem er sich damals als 'Schwarzer Engel' vorgestellt hatte. Rabenschwinge, Schwarzflügel, Flattervieh und Möchtegernvogel gehörtn ebenso zu ihrem Repertoire.
Wäre Kaede nicht gewesen hätten die zwei Schwarzen sich wohl längst an den Kehlen gehangen...
Rakshee hatte ihren Welpenbettelblick nicht lange durchgehalten - es war einfach zu anstrengend dies überniedliche Lächeln auf ihre Leftzen zu zwingen, und als sie Papas Antwort hörte schüttelte sie den Kopf.
"Aber Papa! Ich habe doch schon gegessen...kannst du nicht schneller überlegen?"
fragte sie, und wirbelte herum als Tyäl in die Höhle kam. Tyäl war ein komischer Name, wie Rakshee fand, er klang viel zu kurz. Und zu..äh..naja, seltsam.
Sie stellte die großen Ohren auf und lauschte beinahe andächtig den Worten der braungemusterten Fähe, und sprang wieder herum, als sie das Wort 'Rudelhöhle' fallen lies.
"Papa, was ist eine Rudelhöhle?"
fragte sie, setzte sich und legte den Kopf bedenklich weit schief, ihre großen Ohren schienen es sich zum Ziel gemacht zu haben den Boden zu berühren.
Ihre Rute begann, in unregelmäßigem Takt über den Boden zu wischen, und sie sprang auf als ihr Vater Tyäl antwortete.
"Papaaah..? Wenn du dahin gehst, darf ich dann mit? Dann kannst du ja auf mich aufpassen, dann mache ich auch nichts was ich nicht darf, ja Papa, darf ich mit?"
Ihre gelben Augen hatten begonnen zu leuchten, während sie Hiryoga so mit ihrem Wortfluss überfiel, und der Rüde könnte wohl Banshee in diesen strahlenden Augen sehen, wenn er genau hinsähe...
Ihre Ohren drehten sich zu Rásmus, als er zum Spielen rief, aber erst musste sie ihr Ja von Papa haben...
Sorgen, auf jedem Gesicht der Erwachsenen konnte die Fähe sie lesen. Sie alle hatten ihre Probleme und Ängste und doch waren es irgendwie alle die Selben. Angst davor, dass die Welpen entdeckt wurden. Sorgen darüber was danach geschehen würde. Tyel wusste, dass ihr Bruden sich um Aradis sorgte, doch wusste sie nicht was sonst noch in seinem Kopf umherschwirrte. Mit einem Nicken hatte sie Hiryoga zu verstehen gegeben, dass sie die Zeit, in der er weg war auch alleine klar kommen würden. Sie selbst war vor zwei Tagen das letzte Mal beim Rudel gewesen. Doch machte sie sich viel mehr Sorgen darüber, dass Banshee die Abwesenheit ihres Sohnes zur Kenntnis nahm. Schnell schüttelte sie den Kopf und schaute wieder zu ihrer Freundin. All die Wochen war sie bei ihr gewesen, hatte ihr Beistand geleistet und auf sie aufgepasst. Sie hatte mit angesehen, wie aus ihrer fröhlichen, munteren Freundin eine traurige, sorgenvolle Wölfin wurde. Es tat der bunten in der Seele weh, dass mit anzusehen, doch hatte sie bisher kein einziges Wort darüber verloren, hatte stumm ihre Hilfe angeboten und war geblieben. Keinem von allen viel das alles hier sonderlich leicht, doch hatte es Tyel wohl noch am besten getroffen, immerhin musste sie keinen ihrer Freunde oder ihrer Familie belügen. Rasmús, Shani, Hiryoga sie alle waren hier, nur Miral konnte sie von all dem nichts erzählen. Es tat ihr weh, doch zerbrach sie nicht daran. Wieder schüttelte die bunte Fähe den Kopf, wollte nicht, dass Shani ihre düsteren Gedanken erriet. Immerhin waren sie und Rasmús doch die, welche den beiden halfen und ihnen immer ein Lächeln schenkten. Wieder nickte die bunte Fähe, doch dieses Mal galt es Shani. Sie erwiderte lieber nichts auf die Worte, welche sie gerade von Shani vernommen hatten. Zwei Antworten hatte sie parat gehabt, doch würden beiden der Weißen nicht weiterhelfen. Zu oft hatte sie die Worte schon vernommen und auch Tyel wurde es langsam Leid sich immer wieder zu wiederholen. Leise seufzend schaute sie auf die kleine Fähe unter ihr und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Wie jedes Mal, wenn sie die kleinen sah. Es stimmte nicht, dass nur sie und Rasmús die Stützen dieser kleinen Welt waren, viel mehr waren es diese kleinen Fellkugeln, welche jedem ein Lächeln auf die Lefzen zauberten.
"Von mir?"
Die bunte war ehrlich überraschte, als sie Ahkunas Worte vernahm, doch fing sie sich schnell wieder und lachte leise, als sie die kleine Fähe an ihrem Bein spürte. Eigentlich hatte sie vor gehabt nach einer kurzen Zeit nachzugeben, doch gab ihre Patentochter eher auf und versuchte etwas Neues. Dieses Mal war die Bunte jedoch schneller und ging langsam rückwärts.
"Wie stark du schon geworden bist!"
Vorsichtig stupste sie die kleine Fähe mit der Nase an.
"Willst du nicht mit Sharíku deinen Geschwistern helfen, meinen Bruder zu überfallen?"
Sie Lächelte aufmunternd und stupste die kleine Fähe ein weiteres Mal in die Richtung ihrer Schwester. Sie drehte sich noch ein Mal zu Hiryoga um und konnte sich ein grinsen nicht verkneifen, bevor sie wieder zu ihm ging. Rakshee belagerte ihn, wie immer, wollte mit nach draußen. Mit schnellen Schritten war die Bunte bei ihrem Freund und schaute auf die kleine Fähe hinunter.
"Ich will dir ja den Spaß nicht verderben, aber ich glaube kaum, dass dein Vater dich mitnehmen wird. Es ist ein langer Weg dorthin und du bist noch viel zu klein. Du würdest wahrscheinlich im Schnee stecken bleiben, ohne etwas zu essen und das willst du doch nicht oder?"
Leicht Lächelnd schubste die Bunte Rakshee in die Richtung ihres Bruders.
"Helfe deinen Geschwistern...Zeigt Rasmús, dass ihr stärker seit als er"
Als Nienna aufwachte zuckte ihr Körper leicht, geplagt von einem Alptraum. Sie lag so wie immer: Der Kopf auf den Pfoten und ihre Rute dicht am Körper. Nienna musste erst einmal blinzeln bis sie richtig war war. Ihre Ohren drehten sich leicht mit einer Windbriese die geradewegs in die Höhle kam. Ihr Herz schlug noch ziemlich schnell von dem unangenehmen Traum. Es ging um ihren Vater. Die Schwarze Schüttelte nur den Kopf um sich den Gedanken aus dem Hirn zu schütteln. Es half ihr eigentlich auch ziemlich gut. Nun lagen ihre Gedanken bei Balthasar. Der Rüde, der erste der sich so richtig mit der Schwarzen unterhielt. Niennas Lefzen zogen sich nach oben und sie formten ein weiches Grinsen. Ein Grinsen wie es nur einmal geben kann. Es war warm un fröhlich. Niennas Fell wirbelte etwas auf. Sie hatte gerade den Kopf zur Seite gedreht und bemerkte das der Rüde, Balthasar, direkt neben ihr lag. Mit einer zärtlichen Geste versuchte sie ihn auf zu wecken. Ihre Nase stubste das Fell des Rüden leicht an, doch das Fel von ihm gab einfach nur nach. Niennas Grinsen wurde ein wenig breiter.
"..Wow...Guten Morgen Balthasar..."
War das einzigste was sie in dieser Situation herraus bringen konnte. Sie hob den Kopf hoch, aus seinem Fell herraus und schnupperte etwas in der Höhlenluft. Es roch immernoch gleich. Nienna senkte den Kopf leicht entäuscht und beobachtete aus dem Augenwinkel her Balthi. Ihre Rute fing an leicht zu wedeln, vor Freude natürlich.Kurz darauf spannte sie alles Muskeln an un drückte die Vorderbeine gegen den Boden. Das einzigste was man hören konnte war ein kleines knirschen, weil ein morscher Stock unter ihr lag. Sie hob kurz ihre Pfote an und setzte sie so gleich auch wieder auf den Boden. Nienna Singollo senkte kurz den Kopf hinunter zu Balthasar. Ein erneutes Anstubsen sollte er nun verspüren. Ungeduldig, auf der Fläche tänzelnd wartete sie nun.
Nun waren sie schon lange zu dritt durch die Schneelandschaft gewandert. So weit war Kaede noch nie herausgekommen und nun fand sie es teilweise direkt unheimlich. Vor allem, weil keiner der beiden, wie sie wusste, schwarzen auch nur irgendwie daran dachte ihr irgendetwas zu sagen. Sie konnte nur ihren Worten horchen, die sie sich gegenseitig an den Kopf schmissen. Freundlich ging es dabei nicht gerade zu. Sie spürte wie immer wieder einer der beiden Wölfe sich näherte, nie der gleiche, denn die Plätze hatten sie nicht getauscht. So wusste Kaede zusätzlich, dass sie richtig lief. Sie hörte es an ihrem Schall der Schritte, an dem Gerede der zwei und spürte es an ihren Körpern. Teils war sie froh nichts zu sehen, denn so wusste sie nicht wie die beiden sich anschauten, doch war ihr etwas mulmig zumute, da die beiden ohne Probleme sich gegenseitig angreifen konnten und auch sie leicht verletzten konnten. Doch dann würden sie wahrscheinlich nicht mit so einer Reaktion rechnen, wie Kaede dann starten würde. Innerlich lächelte sie. Die beiden waren wirklich wie Kleine unbelehrbare Welpen.
Es war das erste mal, dass sie sich überhaupt wieder wegbewegte. Es war schwer gewesen Nyota nach dem überraschenden Tod Banshees und ihrer Auferstehung wieder von ihr loszueisen, doch es hatte geklappt und nun war sie quasi die Anstandsdame in dieser Runde voller Hass. Mittlerweile waren sie so weit gelaufen, dass sie bezweifelte, dass sie schnell und alleine zurück finden würde. Sie wartete außerdem gespannt auf die Antwort Lunars, nachdem Nyota ihn so angepflaumt hatte. Sie konnte sich ein leises grinsen nicht verkneifen.
„Nyota, nun mäßige dich doch mal ein bisschen. Du bist doch schließlich kein kleiner Welpe mehr! Sonst würde ich doch glatt sagen, geselle dich zu denen die jetzt eigentlich geboren wären. Wenn wir nicht hier oben wären. Dann gäbe es jetzt um diese Zeit nämlich Welpen, da hätte ich euch beide dann zugepackt. So wie ihr euch benehmt“
Nun musste sie sogar etwas mehr grinsen. So starrsinnige Wölfe. Nyota hatte wahrscheinlich ihren Spaß an der ganzen Geschichte und war bestimmt auch nur deshalb von Banshee gewichen. Wahrscheinlich hätte sie noch mehr Spaß an einem Kampf gehabt, aber das musste jetzt ja nun wirklich nicht mehr sein. Es war doch genug passiert. Auch wenn sie das ganze nicht so verstand und nicht so den Durchblick hatte wie das eigentlich alles gekommen war.
Leichtes Schnarchen erklang aus der Schnauze des Rüden. Niedergelassen, dich neben Nienna lag er. Seine Augen hatte er fest zu gekniffen, jedoch lag er nur im Halbschlaf. Eine feuchte Schnauze stubste ihn an. Ein zweites Mal. Balhtasar strechte seine Vorderläufe von sich, öffnete leicht die Augen und bemerkte dann, dass Nienna zu ihn herunterblickte. Der Graue lächelte, er richtete sich auf und gähnte. Nun musste er erstmal richtig aufwachen. Die Augen an die Helligkeit gewöhnen lassen. Er schüttelte den Kopf und tritt ein Stück näher zu der Schwarzen, setzte sich.
"Morgen..Nienna. Hast du gut geschlafen?"
Balthasar leckte der Schwarzen über ihr Ohr, lächelte sie an und tat die Rute ihresgleichen. Kurz sah er an Nienna vorbei. Der Frühling war nun wahrhaftig eingetroffen. Der Schnee hatte sich gelegt, der Wind war stumm und die Welt schien erstarrt. Außer den Zwitschern von Vögeln, die warmen Strahlen der Sonne, war die Gegend völlig vereist. An manchen Stellen, sprießten kleine Knospen hervor. So zart und harmonisch. Wieder betrachtete der Graue Nienna. Er sah tief in ihre grünen Augen. Sie glänzten strahlendgrün, mit wirklich nichts zu vergleichen. Einfach nur einzigartig, wie der Mond. Die Schwarze hatte etwas eigenes, etwas, was Balhasar zu ihr zog.
"Ich hoffe du hast dich nicht gestört von mir gefühlt. Als ich dich gestern so allein gesehen habe, dachte ich mir, dass dir bestimmt kalt wäre. Weshalb ich mich zu dir legte."
Diese Nacht hatte Balhtasar bei Anbruch der Dämmerung einen ruhigen Platz gesucht. Dann in der Rudelhöhle hatte er die Schwarze aufgefunden. Sie war so allein, zitterte ein wenig, worauf sich Balhasar zu ihr gelegt hatte. Nun hoffte er, dass es Nieanna nicht gestört hatte. Er wollte nicht als "Draufgänger" bezeichnet werden. Außer dass er oft Witze machte, war er im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr liebevoller und stiller Wolf, auf der Suche nach einer eigenen Familie. Eigenen Welpen, jemanden, den er seine Liebe schenken konnte.
Kaede war tatasächlich soetwas wie eine weise Oma zwischen den zwei Schwarzpelzen, und Nyota konnte nicht anders, als ein sachtes Lächeln auf ihren Leftzen spielen zu lassen, als sie ihre Worte hörte. Ja, sie säße gerne zwischen Welpen, so wie sie selbst gern welche großgezogen hätte. Doch mit wem? Neben dem Platz den Banshee in ihrem Herzen einnahm befand sich ein leerer Fleck, der in all den jahren niemals besetzt worden war. Banshee war und blieb Siegerin in diesem Wettbewerb der Schwestern.
Die plötzliche Reaktion Lunars lies auch Nyota herumfahren, und seine Worte entlockten ihr ein dunkles Grollen, sie merkte kaum wie sich ihre Leftzen hoben, ihr Leib sich spannte und wieder lockerte, ihre Rute begann in angriffslustigem, lauernden Takt zu pendeln. Aber sie blieb stehen, beließ es in diesem Moment noch bei der Geste, und hörte seine anderen Worte. Sie lies ihn noch 'Missgeburt' aussprechen, bevor sie die Läufe kräftig in den Schnee stieß und dem Rüden mit einem Knurren, dass mehr einem lauten Brüllen glich, entgegensprang.
Feuer glommen in Nyotas Augen, und der Hass der ihr aus Lunars Blick entgegensprang, wurde mit glühendem Zorn beantwortet. Den Schmerz dahinter erkannte sie nicht, aber es wäre ihr auch egal gewesen. Es waren genug der Worte gewesen, jetzt war ihr auch Kaedes Anwesenheit egal - wer so sprach verdiente nichts als den Tod!
Noch im Sprung riss sie die Kiefer auf, ihr Ziel war Lunars Hals. Niemand im Rudel würde dieses Dreckstück, diese Ausgeburt an Unwürde jemals vermissen, und so dachte die Schwarze nichteinmal im Traum daran sich zurückzuhalten. An Shani dachte sie nicht.
Noch eben hatte sie sich zwischen den beiden einigermaßen wohl gefühlt, doch von einer Sekunde auf die andere spürte sie die Anspannung in der Luft. Lunar hatte sich versteift, war stehen geblieben, ja herum gesprungen und sie spürte die Wut, die von ihm ausging. Anfangs dachte sie noch, dass wenigstens Nyota ihr helfen würde, so ein wenig, doch nachdem Lunar angefangen hatte zu sprechen und sie hörte, was er da von sich gab, war auch Nyota nicht mehr zu halten. Vorher war sie schon sauer gewesen, das war nicht zu übersehen aber nun fuhr auch sie herum. Stolpernd war Kaede stehen geblieben. Tränen rannen durch ihre Toten Augen hindurch. Sie eine Missgeburt. Jetzt hatte ein Wolf in diesem tollen Rudel das ausgesprochen, was sie früher so oft gehört hatte. Er hatte das gesagt, was sie immer nur dachte. Er hätte sie getötet. Und ja zu Recht hätte er sie getötet und doch trafen diese Worte sie sehr hart. Sie schluckte ihre Trauer hinunter. Merkte noch wie Nyota an ihr vorbei sprang und sich wohl auf Lunar stürzte. Sie hörte das dunkle Grollen aus beiden Kehlen und fühlte sich total hilflos. Was sollte sie denn schon großartig tun. Wenn die beiden kämpfen würden konnte sie doch sowieso nichts machen. Was heißt kämpfen würden, sie fingen ja schon an. Verzweifelt drehte sich Kaede um. Sie hörte die beiden laut genug, folglich müsste sie es schaffen die beiden irgendwie zu erreichen, zu berühren. Nun wurde sie böse. Lunar hatte sie verletzt, obwohl er Recht hatte und Nyota war so von ihrer Wut beseelt, dass sie auch nicht mehr daran dachte, wie hilflos sie sich nun fühlen musste.
Ihre Lefzen zogen sich nun automatisch nach oben. Ihr ganzer Körper spannte sich an und nun entfuhr auch ihrer Kehle ein tiefes Grollen. Sie stürzte vorwärts, hatte ihre Blindheit vergessen und vertraute ganz auf ihre Sinne. Vielleicht war es eine Notreaktion, vielleicht hatte sie sich sonst nur nicht genügend vertraut. Sie traf auf die beiden, weiter tief grollend und zwickte leicht in irgendeine Schulter. Sie konnte sie nun leider keinem der beiden Wölfe genau zuordnen, vermutete aber, dass es Nyota war, da der andere Wolf eher rechts von ihr sein musste.
Seid ihr denn total bescheuert? Lunar, es interessiert mich ebenfalls einen Scheiß, ob dich interessiert was wir sagen oder nicht. Wir sind verdammt noch mal ein Rudel und wenn du dazu gehören willst und irgendwen beeindrucken willst, dann benimm dich gefälligst auch so, wie man sich benehmen sollte. Und Nyota, lass dich nicht so einfach provozieren, es stimmt ja teils was er sagt. Verdammt!“
Durch ihre Wut beseelt kamen diese Worte brüllend aus ihr. Nach ihrer Attacke sprang sich schnell und nicht minder geschickt wieder zurück. Die beiden würden sich so oder so attackieren, egal was sie da sagte. Vor allem da Lunar sie ja sowieso verachtete. Doch so hatte sie ihrer Wut wenigstens etwas freien Lauf lassen können. Noch immer bebte ihr Körper von der Anspannung und ihrer Wut auf die beiden. Ja nicht nur auf Lunar. Auch auf Nyota war sie sauer. Super, dass sie mit ihnen mitgegangen war, eigentlich hätte ihr doch klar sein müssen, dass so etwas in die Richtung passieren würde. Der Auslöser war wohl Lunars Trauer gewesen, die die ganz kurz aber sehr klar wahrgenommen hatte. Warum auch immer er genau traurig gewesen war.
Schon wenige Minuten, nachdem die Welpen erwacht waren, herrschte um Shani herum wieder reges Treiben. Es wurde getollt, gequietscht, gehüpft, gebalgt und besonders ganz viel gefragt und geredet. Die Weiße erinnerte sich daran, wie sehr sie das an einem Rudel geliebt hatte, nachdem sie so lange alleine oder nur mit Hiryoga herumgezogen war. Die Aktivität, das Leben, alle die Geräusche und Gerüche, ein pulsierend schlagendes Herz, das nie zum Stillstand kam. Auch ihre Familie, ihre Welpen und alle Wölfe um sie herum waren nun zu einem solchen pulsierenden Herz geworden, aber Shani genoss diesen Umstand nicht mehr. So sehr sie sich nach sprudelndem Leben gesehnt hatte, so sehr wünschte sie sich nun Ruhe und Zeit für sich alleine, um sich wieder zu finden, hatte sie doch das Gefühl, sich irgendwo zwischen ihren Welpen und all ihrer Trauer verloren zu haben. Aber Ruhe würde es hier nie geben. Schon kam wieder eine Frage, Kursaí wollte wissen, was ein Energiebündel war, aber Shani wusste darauf keine gute Antwort. Zudem tollte die Kleine auch schon mit ihrem Bruder herum und achtete gar nicht mehr auf ihre Mutter. Kursaí würde auch ohne eine Erklärung irgendwann wissen, was ein Energiebündel war, Shani würde ihr nicht schaden, wenn sie sie jetzt einfach spielen ließ. Es forderten auch viel zu viele auf einmal ihre Aufmerksamkeit, Ahkuna hatte ihren Platz verlassen, dafür war Sharíku aufgewacht. Ihre kleine Tochter machte Shani am meisten Sorgen, hatte sie doch noch kein einziges Wort gesagt. Sie schien zu hören, zumindest reagierte sie auf Stimmen, aber selbst blieb sie stumm. Die Weiße hatte keine Ahnung, woran das liegen könnte – vielleicht ging es ihrer Tochter nicht gut und deshalb schwieg sie? Nur wenn sie nicht wusste, was der Kleinen fehlte, wie konnte sie ihr dann helfen? Eine weitere Sorge im Meer ihrer Ängste. Jetzt kuschelte sich Sharíku an ihren Hals und verschwand im dichten Winterfell fast vollkommen. Shanis Schnauze fuhr sanft von ihrem Kopf aus über ihren Rücken und küsste sie dann auf die Stirn.
“Guten Morgen, meine Kleine.“
Ob sie nun wirklich die Worte verstand, wusste die Weiße nicht, aber zumindest die liebevolle Tonlage musste auch Sharíku verstehen können. Mit einem traurigen Lächeln ließ sie ihren Blick durch die Höhle wandern, Rasmús wurde bereits als Opfer beansprucht und Tyel stand mittlerweile bei Hiryoga und Rakshee, ihre kleine Tochter, in der sie so oft das Erbe von Banshee gesehen hatte. Obwohl sie darauf stolz sein sollte, machte es ihr doch noch viel mehr Sorgen, würde ihre Tochter doch niemals so geachtete werden wie die weiße Leitwölfin … Rakshee war doch nur eine verbotene Welpin von einem eher unwichtigen Sohn der Leitwölfin und einer schwächlichen kleinen Fähe. Nein, keiner von ihnen hatte eine große Zukunft zu erwarten. Das machte sie nur noch trauriger. Gerade wollte sie den Umstand genießen, dass alle mehr oder weniger beschäftigt waren, als sie Geräusche von draußen hörte. Sofort waren alle Sinne angespannt, ihr Kopf hatte sich unwillkürlich zum Höhleneingang gedreht. Wirklich … da waren Stimmen. Nicht zu nahe und nicht zu verstehen, aber offensichtlich stritt sich jemand, deshalb auch die Lautstärke, sonst hätte man es in dieser Höhle gar nicht erst gehört. Aber besser machte das gar nichts. Das waren ganz sicher keine Wölfe, die hier sein sollten und wenn sie noch näher kommen sollten, würde man vielleicht sogar das Geschrei hier drinnen hören. Schützend schob sie ihre Pfoten näher an sich und beugte leicht den Kopf so dass Sharíku vollkommen zwischen ihrem Fell verschwand. Ihre Augen huschten angstvoll über Rasmús zu Hiryoga und Tyel. Hatten sie es auch gehört? Konnten sie es wagen, einen von ihnen nach draußen zu schicken? Oder lieber hier drinnen ausharren und hoffen?
“Tyel, Hiryoga?“
Sie sprach schon leise, als fürchtete sie, dass ihre Worte nach draußen zu den ungebetenen Gästen fliehen würden. Hoffentlich hatten die beiden sie gehört. Angst lag jetzt ganz deutlich auf ihrem Gesicht, wer auch immer dort draußen war, er wurde plötzlich zu einer Gefahr für ihre Welpen. Und wenn es Banshee war? Wenn sie das Geheimnis herausgefunden hatte und jetzt geradewegs auf die Höhle zumarschierte? Was würde sie dann tun?
Sein Blick war mit jedem Augenblick liebevoller geworden, in dem Rakshee ihn betrachtete, seine großen Ohren legten sich einen Augenblick an den Kopf, die Rute wischte über den Boden, es herrschte reges Treiben in der Höhle, wie es wohl seit einigen Wochen so war. Ihre erste Frage überging Hiryoga mehr oder weniger, denn schon schenkte seine kleine Tochter Tyel ihre volle Aufmerksamkeit, richtete ihren Blick zu der Bunten um doch im nächsten Moment wieder neue Fragen zu stellen, Fragen die ihn Schlucken ließen und sein Nackenfell erneut sich sträuben ließen. Wie sie ihn plötzlich so mit ihrem Wortschwall überfiel, die Art, wie ihre Augen zu Leuchten begannen, schien so oft Banshee in ihr durchzukommen. Eigentlich eine wunderbare Sache, doch da gab es noch die Tatsache, dass es verbotene Welpen waren, würde es Banshees Schmerz über diesen Fakt lindern? Der Braune wusste es nicht und nun war auch keine Zeit da, um darüber nachzudenken, denn er musste seiner kleinen Tochter antworten, die ständig darauf drängte, hinaus zu dürfen. Hilflosigkeit überfiel den unerfahrenen Vater, doch nicht lange hielt diese an, denn schon stand Tyel an seiner Seite und antwortete für ihn, forderte Rakshee auf mit Rasmús zu spielen. Ein erleichtertes Seufzen verließ seine Kehle, gerade als er den Blick der Bunten erhaschte, formte er ein tonloses 'Danke' auf seinen Lefzen, schenkte ihr ein sachtes Lächeln und ließ den Blick zu Shani weiter wandern.
Ihre kleine Sorgentochter, Sharíku, war erwacht und kuschelte sich an die Weiße, sie wollte nicht sprechen, zumindest tat sie es nicht und sie wussten keinen Grund warum. Eigentlich fehlte es ihr doch an nichts? Aber es musste nicht immer an solchen Gründen liegen, vielleicht dauerte es einfach nur länger als normal? Es gab doch immer Ausnahmen. Der Rüde wollte sich eben erheben und sich zu Shani legen, doch da ertönte draußen, in der Nähe der Höhle, plötzlich ein fürchterlicher Lärm, jemand schien sich zu streiten und dies lautstark. Überrascht spitzte Hiryoga die Ohren, er saß relativ Nahe am Höhleneingang, im Gegensatz zu Shani und den anderen, sodass er die Stimmen von draußen am ehesten hatte vernehmen können. Es handelte sich auf jeden Fall um mehrere Wölfe, war vielleicht Banshee unter ihnen oder jemand anderes, der sie finden und verraten konnte? In leichter Panik sprang der Braune auf, ließ den Blick zu seiner Gefährtin hetzten, der das Entsetzten ins Gesicht geschrieben war. Die Ohren nach hinten gedreht versuchte er sich auf die unterschiedlichen Stimmen zu konzentrieren und tatsächlich...befand sich etwa Kaede dort draußen?! Hatte er die Stimme seiner Patin vernommen? Warum war gerade die blinde Graue in einem Streit verwickelt? Rakshee mit der Schnauze vorsichtig ein Stück nach hinten schiebend, drehte er sich um und trat an den Höhlenausgang und reckte die Nase in den Wind.
In einem leichten Anfall aus Angst und Unsicherheit, spürte er den Schnee unter seinen Pfoten nicht, geradewegs in die Richtung aus der das Stimmengewirr zu kommen schien, war sein Körper gerichtet, jeder Muskel in dem schmächtigen Körper war angespannt, als er wieder einige Schritte in die Höhle machte, seinen Blick kurz über Tyel und Rasmús huschen ließ, ehe er bei Shani hängen blieb.
"Ich werde rausgehen und nachsehen. Bleibt ihr hier."
Kurz nickte er den Dreien zu, gerade als er sich zum Gehen drehen wollte, sah er wieder die Angst in Shanis Augen aufglimmen.
"Sie ist nicht dabei, keine Sorge…"
Seine Stimme wirkte wie so oft in solchen Situationen leicht gequält und sorgenvoll, er kannte die Ängste seiner Gefährtin, dass sie sich gerade vor der weißen Leitwölfin in dieser Hinsicht fürchtete, dass sie riesige Angst hatte, dass sie entdeckt werden würden, doch großartig beruhigen konnte er sie nicht, er wollte nach draußen und sie von der Höhle fernhalten, wer sich da auch immer befand. Er versuchte nicht ihnen ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, es hätte eh nicht geklappt und niemanden würde ein Lächeln wohl nun erheitern, sodass er mit eiligen Schritten aus der Höhle stürmte und auf die streitenden Wölfe zusteuerte. Noch bevor er in ihre Sichtweite geriet, ließ er sich in den relativ nassen Schnee fallen und begann sich in der weißen Masse zu wälzen, rieb seine Schnauze im Schnee, ehe er sich erhob, ausschüttelte, tief durchatmete und wieder loslief. Deutlich spürte er den Kräftemangel im Moment, doch nun galt es, die mögliche Gefahr abzuwenden, in der Weite konnte er drei Gestalten ausmachen.
Rakshees Blick wurde mit jedem Moment zu einem breiteren Grinsen. Sie freute sich über die Art wie ihr Papa sie ansah, sie mochte es wenn er lächelte, denn das war weder bei ihm noh bei Mama etwas selbstverständliches. Aber vielleicht musst es so sein, denn wenn sogar Mama so selten lächelte, sollte sie selbst es vielleicht auch nicht so häufig tun. Vielleicht musste man sich das Lächeln für ganz besondere Momente bewahren? Rakshee würde Mama einmal dazu befragen, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt - jetzt wollte sie hinaus in die weiße Weite.
Tyäl kam wieder zu ihr, und Rakshee begrüßte sie mit wedelnder Rute, aber als sie hörte was die bunte Fähe ihr sagte, verschwamm das Wedeln allmählig.
"Aber Tyäl! Papa würde mich doch nicht ohne Essen im Schnee liegen lassen!"
Ihr Blick glitt zu Rasmús herüber, der schon von Jakash und Kursaí in Beschlag genommen zu werden drohte, und fand dann nachdenklich wieder zu ihrem Papa und Tyäl zurück.
"Es ist leichter einen großen Wolf zu besiegen als zur Rudelhöhle zu gehen? Dann muss es wirklich ein sehr weiter Weg sein"
überlegte sie, und lies sich dabei auf die Hinterläufe sinken, um die Gedanken besser ordnen zu können. Schliesslich wand sie sich wieder an Hiryoga.
"Vielleicht solltest du dann auch nicht hingehen Papa. Du könntest auch im Schnee stecken bleiben, oder?"
Ein fremdes, interessantes Geräusch aus Richtung Höhleneingang lenkte Rakshee ab, noch bevor sie auf Antworten drängen konnte. Hiryoga schob sie zurück, aber sie lief gleich wieder zwischen seinen Beinen hindurch zum Höhlenusgang, um den Kopf und die großen Ohren herauszustecken.
"Bleib nicht im Schnee stecken Papa!"
rief sie Hiryoga noch nach, und tappte dann zu Shani, die ihr Schwesterchen Sharíku in ihrem Fell verbarg. Der ängstliche Blick ihrer Mama fiel Rakshee sofort auf.
"Papa kommt gleich wieder Mama, und wenn er im Schnee stecken bleibt holt Tyäl ihn zurück, du brauchst dir keine Sorgen machen!"
versicherte sie voller Überzeugung, und versuchte nach Shanis Nase zu pfoten. Wovor sonst sollte Mama auch Angst haben, als das Hiryoga im Schnee steckenblieb? Eben. Dass sie soeben eine ganz neue Vokabel gelernt hatte, war ihr gar nicht aufgefallen. Aber jetzt musste sie auf Mama aufpassen, damit sie nicht zu traurig guckte. Mit Rasmús konnte sie nachher immernoch spielen, aber der Stich den ihr, ganz sanft und unbewusst, Shanis Traurigkeit versetze, verspürte sie zu stark um darüber hinwegzusehen.
Die junge Fähe lauschte angestrengt, doch sie hörte keine Pfoten, die ein wenig in den pappigen Schnee einsackten, keine Regung in den weißen Bergen... einfach nichts. Aradis ließ sich in den Schnee nieder und wartete. Und wartete. Hatte Rasmús sie überhaupt gehört?! Die Fähe schaute in den Himmel. Er war blau. Himmelblau. Die Fähe schloss ihre Augen und versuchte sich einzubilden, die Sonne würde sie ein wenig wärmen. Vergeblich. Sie stand auf und schüttelte den Schnee von ihrem Bauch. Es war ziemlich unangenehm, wenn er pappen blieb und dann unter einem in der Höhle schmolz; sie hatte damit schon Erfahrungen gemacht. Sie schnüffelte ein wenig herum, obwohl sie genau wusste, dass es nichts zum Schnüffeln gab. Aradis sehnte sich sehr nach Sonnenschein, wie wahrscheinlich auch die vielen anderen im Rudel. Doch es ließ sich ja doch nichts ändern. Aradis war ausgeruht, sie hatte fast den ganzen Tag gedöst oder geschlafen. So schritt sie langsam davon, entfernte sich immer weiter von der Rudelhöhle. Es war an der Zeit, sich ein wenig umzusehen. Sie hatte diesen Moment eigentlich mit Rasmús erleben wollen, doch er war nicht gekommen. Die Fähe fühlte sich zwar nicht hundertprozentig sicher, doch es war ihr schon sehr viel schlechter gegangen. Als sie auf der Reise war, zum Beispiel. Oder als sie vor der Höhle lag.
Dann war Rasmús gekommen... sie dachte an diese Momente zurück, als ob sie vor Jahren geschehen wären. Dabei waren es nur Wochen gewesen. Oder? Aradis hatte hier schon oft Tag und Zeit vergessen, indem sie mit Rasmús geredet hatte oder mit Tyel. Ein kleines Lächeln zog sich über ihre Lefzen. In dieser Zeit war sie zwar schon öfter jagen gegangen, doch bisher hatte sie nie etwas erbeuten können, es war beinahe unmöglich in dieser Einöde! Langsam setzte sie eine Pfote vor die andere. Sie sank ein wenig in den Schnee ein, aber inzwischen machte ihr die leichte Kälte an ihren Pfoten nichts mehr aus. Sie zog eine ganze Weile umher und hörte aufmerksam in die Wildnis hinein, doch das wilde Land ließ keine Geräusche zu, die ihre kleineren Bewohner verrieten, es war einfach schrecklich! Normalerweise konnte sie sich auf ihr Gehört verlassen. Sie hatte, selbst für einen Wolf, ein sehr ausgeprägtes Höhrvermögen. Es hatte sie schon öfters vor dem sicheren Tod beschützt.
Einmal, sie war erst wenige Monate alt, hätte sie fast ein Wildschwein aufgespießt. Als sie noch jünger war, Aradis musste sich nun sehr anstrengen, um diese Erinnerung sich zurück zu holen, hätte sie fast ein Uhu gefangen. Zum Glück hatte ihre Mutter den Räuber gerade noch wegscheuchen können. Daraufhin war sie für mehrere Wochen in der Höhle geblieben. Aber nicht freiwillig. Ihre Eltern hatten dafür gesorgt, dass sie erst einmal nicht mehr ans Tageslicht gehen durfte. Sie waren ziemlich wütend auf sie gewesen. Die Fähe schmunzelte. Sie setzte ihren Weg weiter fort. Die Höhle war schon lange außer Sicht geraten. Es umgab sie nur noch Schnee. Weiter setzte sie ihre Tatzen voreinander. Hinter sich hinterließ sie eine kleine Schneise zwischen dem neuen und älterem Schnee. Ihre Pfoten waren bestimmt 5 Centimeter eingesunken, doch immer noch sah man keine Erde, geschweige denn einen Grashalm. Einen kleinen, saftig grünen Grasmhalm, ja nicht mal ein Hälmchen gab es hier! Plötzlich verspürte sie Zorn in sich aufsteigen, sie rannte los, um ihre flanken sprangen die kleinen Schneekristalle. Genauso schnell, wie sie losgelaufen war, blieb sie stehen. Denn sie sah etwas. Etwas, was sich bewegte. Aradis duckte sich. Ihre ganzen Muskeln spannten sich an. Dieses Etwas war ein Kaninchen. Es war ziemlich abgemagert und klein. Doch für die junge Fähe war es wie ein Festmahl. Das Kaninchen war anscheinend ziemlich arm dran- es saß vor seinem zugeschüttetem Bau. Außerdem war es ein wenig dumm. So, wie Aradis angestürmt war, hätte es doch etwas bemerken sollen- müssen!
Pech für das Kaninchen. Leise, schlich sich die Fähe von hinten an die Beute an. Es lebte. Sie sah es an der zittern Nase und an den Löffeln, die sich leicht bewegten. Aradis leckte sich hungrig über die Lefzen. Es durfte nichts schief gehen. Das wäre zu schade gewesen. Sie wusste, dass, wenn dsa Kaninchen sie bemerken würde, sie nur noch eine minimale Chance hätte, es fangen zu können.Sie kauerte sich in den Schnee. Sie passte sich perfekt der Umgebung an, fast wie das Kaninchen vor ihr, ein Schneekaninchen. Doch die dunkel Nase hatte es verraten. Dann sprang Aradis. Die Fähe konnte später nicht mehr sagen, warum sie solches Glück gehabt hatte. Es gab eine Rangelei, das Kaninchen wehrte sich, es wäre fast weggelaufen. Oder eher weggehumpelt, was auch nicht hilfreich gewesen wäre. Doch die Fähe war hungrig, und so schnell würde sie nicht aufgeben, sie stürzte sich auf ihre Beute und biss kurzerhand ins Genick des Tieres. Sie sah ein braun-blaues Auge. Oder war es gelb? Die Fähe ließ sich nicht weiter aufhalten. Es knackte, dann war es still. Aradis hüpfte wie ein junger Welpe um ihre Beute herum im Kreis. Sie war außer sich vor Freude. Natürlich hatte sie sich alles ausgemalt, aber das dieses einzig artige Erlebnis sobald geschehen würde...! Sie fauchte das Kaninchen an, sie hatte gesiegt. Dann schnappte die Fähe sich ihre Beute. An dem Kampplatz blieben nur einzelne rote Flecken zurück. Sie würden morgen nicht mehr dort sein, wenn es mal wieder schneien würde. Und das würde es zu fast hundertprozent. Die Fähe hatte ein sehr feines Gefühl bekommen, was das Wetter anging. Irgendwie ahnte sie vorraus, welches Wetter wohl kommen würde. Meistens. Sie nahm ihre Kaninchen ins Maul und ging weiter. Wo waren eigentlich die anderen Wölfe? Die Blinde. Ka... Kaede? Ein komischer Name, aber irgendwie schön. Das Kaninchen zwischen den Lefzen schritt sie weiter. Hm... würde sie die Bete gleich fressen? Sie beschloss, sich das Festmahl aufzuheben. Außerdem wollte sie es gerne teilen, auch wenn es nur so wenig war. Sie war bestimmt eine Stunde gegangen, da kamen plötzlich Gestalten in sicht. Es waren Wölfe... das eine Fell sah so aus, wie ds von Kaede. Die junge Fähe ließ sich mit ihrer Beute nieder und wartete. Sie wartete mit Respekt. Dann erhob sie sich und ging ein Stück weiter auf die kleine Gruppe zu. Es waren drei Wölfe. Aradis legte ihren Kopf schief. War da hinten etwa noch ein Wolf? Dann hörte sie ein Bellen. Stritten die Wölfef sich etwa? Aradis wurde immer interessierter. Um was ging es da? Sie ging noch ein wenig weiter. Das da hinten war doch Hiryoga! Jetzt war ihre Neugier wirklich geweckt. Sie legte sich hin und schaut den streitenden Wölfen zu. Sie war vielleicht fünfzig oder hundert Meter entfernt.
Wieder einmal hatte die kleine Fähe es geschafft ihrem Bruder auszuweichen, sogar über ihm stand sie jetzt. Sein empörter Laut erfüllte Kursaí nur mit Stolz, sie hatte es geschafft! Hatte sich über ihn gestellt und ihn dazu gezwungen sich zu ergeben. Obwohl, nein ergeben hatte er sich noch nicht. Schade eigentlich, wo sie doch nur einmal hören wollte, dass er sich ergab, doch stattdessen strampelte er nun wild um sich. Fragend legte die kleine Fähe den Kopf schief. Was wollte er denn damit bezwecken? Das es für sie schwerer war über ihm zu stehen? Nein, das war albern, er erreichte doch noch nicht einmal ihren Bauch. Wie wollte er sich denn so von ihr befreien? Wie als Antwort auf ihre Frage traf ihr Bruder sie plötzlich was sie fast aus dem Gleichgewicht brachte. Schnell fing die junge Fähe ihr Gleichgewicht jedoch wieder, stellte sich wieder gerade hin und schaute auf ihren Bruder hinab.
oO So ein Mist, jetzt schafft er es doch noch mir zu entkommen bevor er sich ergeben kann. Oo
Ein weiterer Tritt ließ die Fähe nun vollends das Gleichgewicht verlieren. Ungebremst rollte sie noch ein bisschen weiter auf dem Boden bis sie endlich flach liegen blieb. Wütend schaute sie zu ihrem Bruder auf. Das konnte doch wirklich nicht wahr sein. Wie hatte er es den auf einmal geschafft ihr durch so einen einfachen Trick zu entkommen? Das war nun wirklich unfair. Er war so schön unter ihr gefangen gewesen. Ihr hätten ein paar Worte schon gereicht, damit sie ihn gehen ließ. "Ich gebe auf" oder "Du hast gewonnen". So schwer war das doch gar nicht und trotzdem hatte sie die Worte noch nie aus ihrem Bruder herausbekommen. Es war mindestens genauso schwer, wie Shani zum Lachen zu bringen. Ohne, dass sie unecht Lachte und schon wieder an traurige Sachen dachte. Oder wenn sie versuchte mit Sharíku zu reden. Sie verstand es nicht, warum ihre Schwester ihr nie antwortete. Wahrscheinlich musste sie sich mehr anstrengen um sie zum reden zu bewegen oder sie sollte jemanden danach fragen. Vielleicht war es ganz normal, dass ihre Schwester nicht sprach und sie machte sich unnötig Gedanken darüber. Schnell schüttelte die kleine Fähe den Kopf. warum machte sie sich denn jetzt darüber Gedanken? Ihr Bruder könnte ihre kleine Abwesenheit prima zu Angriff nutzen und dann hätte sie verloren. Doch sie würde sich auch nicht geschlagen geben. Niemals! Schnell sprang Kursaí wieder auf die Beine. Fixierte ihren Bruder.
"Ein toller Trick den du dir da ausgedacht hast! Wer hat ihn dir verraten? vielleicht hat derjenige auch noch ein paar Tricks für mich."
Die Worte waren nicht böse gemeint, doch Kursaí glaubte einfach nicht, dass ihr Bruder sich das Ganze selber ausgedacht hatte. Auf solche Ideen war er doch sonst auch noch nicht gekommen. Wieder musste sie denn Gedanken durch ein kopfschütteln vertreiben. Sie musste sich doch unbedingt auf den Kampf konzentrieren! Wo ihr Bruder doch schon dazu ansetzte auf sie loszugehen. Nein, das war es auch nicht. Er umkreiste sie, wie immer wenn sie nicht aufeinander lagen oder sich ansprangen. Wie sinnlos dieses umkreisen doch war, immer weiterlaufen und versuchen den anderen anzugreifen wenn er gerade nicht hinschaute. Kursaí stand viel mehr auf den direkten Kampf. Erst dann konnte sie sich richtig austoben. Dieses Umeinanderschleichen war doch echt sinnlos und trotzdem machte sie jedes Mal mit, egal wie lange sie es auch tun musste. Dieses Mal hatte sie Glück, ihr Bruder reagierte auf die Spieleinladung, die Rasmús gestellt hatte, verschwand einfach, lud sie auch ein. Wollte er jetzt etwa mit Rasmús kämpfen? Er war doch viel größer als sie. Das konnte doch nicht gut gehen! Wieder einmal schüttelte die Fähe den Kopf, doch diesmal über ihren Bruder. Erst dann rannte sie ihm hinterher, auf Rasmús zu. Sie würde ihrem Bruder zeigen, dass sie keine Angst hatte und sei es nur vor einem Spielgefährten der größer was als sie selber. Schnell huschte sie über den Boden auf den Rüden zu, vorbei an ihrem Bruder. Etwas verwundert darüber, dass sie so schnell von der Idee zu begeistern war, blieb sie stehen und schaute zu Rasmús auf. Was tat sie da überhaupt? Was sollte sie den schon gegen diesen Riesen ausrichten? Langsam ging sie weiter. Irgendetwas würde ihr schon einfallen. Irgendeine verrückte Idee, die sie davor bewahrte sich lächerlich zu machen. Schon hatte sie auch schon ihren Gedankenblitz, ging weiter, langsam, vorsichtig. Schaute immer wieder zu Rasmús auf. Wie er es wohl geschafft hatte so groß zu werden? Alle Erwachsenen waren so groß und alle waren irgendwie langweilig, auch wenn sie ihr bestes versuchten. Kursaí wollte nicht Erwachsen werden. Sie wollte groß und stark werden, doch nicht langweilig und erwachsen. Schon stand die Kleine am rechten Vorderlauf des Rüden. Schaute ihn bewundernd an, schüttelte dann jedoch nur den Kopf und ging weiter. Er war einfach viel zu groß, sie würde nichts ausrichten können. Viel lieber wollte sie jetzt die Welt erkunden. Begeistert von dieser Idee schaute sie zu ihrem Vater. Wedelte aufgeregt mit ihrer Ruten und versuchte sogar dabei nicht gleich ihr Hinterteil wackeln zu lassen. Es gelang ihr nicht. Mit einem weiteren Satz war sie an Rasmús vorbei, schaute noch einmal zurück zu ihrem Bruder. Nein, er sollte sein Glück mit Rasmús versuchen. Sie würde alleine ihrem Vater folgen. Mit klopfendem Herzen nahm sie ihren Lauf wieder auf. Noch nie war sie ihrem Vater gefolgt, wenn er sie verließ. Es machte ihr irgendwie ein wenig Angst und doch zugleich war sie auch Stolz darauf, als erstes auf diesen Gedanken gekommen zu sein. Schnell war sie hinter ihrem Vater, stand im Schnee. Schüttelte sich vorsichtig und blickte der Sonne entgegen. Sie hatte es doch tatsächlich geschafft!
"Papa, Papa…schau ich stehe im Weiß! Was ist das denn?"
Der Rüde lächelte, als Jakash schweifwedelnd auf ihn zusetzte, und stemmte sich unwillkürlich ein wenig auf die Vorderpfoten. Dass er der Erstgeborene und dazu der einzige Rüde des Wurfs war, zahlte sich für ihn in seinem Körperbau aus. Er war wirklich kräftig, kräftiger als seine Schwestern. Und der Graue würde ihm irgendwann beibringen, was es hieß, der große Bruder zu sein, und seine Schwester zu lieben wie nichts anderes auf der Welt. Er konnte seine Liebe schon jetzt, doch vor allem später mit vielen Fähen teilen, die ihn genauso liebten, auf eine Art und Weise, wie es nur Geschwister vermochten. Rasmús ließ ein drohendes Knurren hören, das möglichst echt klingen sollte, jedoch fiel ihm dies beim Anblick des kleinen Rüden sichtlich schwer. Wild schüttelte er mit dem Kopf und versuchte spielerisch, nach Jakash zu schnappen. Als dann Kusaí hinzukam, fühlte er sich fast ein wenig überwältigt. Mit ihren sechs Wochen waren die Kleinen nun doch schon sehr kräftig und aufgeweckt. Im Spiel brach der 'Onkel' der Welpen immer wieder in schallendes Gelächter aus. Wie sehr er sie doch alle liebte; Shani, Hiryoga, Tyel, Kursaí, Sharíku, Jakash, Rakshee und nicht zuletzt Akhuna. Den ganzen Caiyé-Clan eben. Und er mittendrin. Dieser Gedanke entlockte ihm ein weiteres Lächeln, ehe er sich den beiden Welpen mit seiner vollen Aufmerksamkeit zuwandte. Kusaí verschwand kurze Zeit später wieder, zum Höhleneingang. Er machte sich ein wenig Sorgen, dass man sie sehen könnte. Schließlich war die Rasselbande neugierig wie eh und je, und irgendwann würde es ihnen nicht mehr gelingen, sie mit Worten davon abzuhalten, draußen zu spielen. Sie versuchten nur noch, den Moment möglichst lange hinauszuzögern. Die kleine Shariku war sehr still, noch immer, als der Graue zu ihr herrübersah. Sie saß da, bei ihrer Mutter, und sagte kein Wort. Die Stimmen der anderen Welpen vermengten sich in der recht warmen Höhlenluft, sprachen und lachten durcheinander. Shani und die anderen waren eher still. Verständlich. Besorgt warf er der weißen Fähe einen Blick zu.
Ein Ruf hallte durch die schneeweiße Landschaft und drang gedämpft in die Höhle. Rasmús schauderte, er wusste, dass es soweit kommen würde, und doch hatte er sich nicht mental darauf vorbereitet. Er hatte Angst ihr in die Augen zu sehen und ihr das Herz brechen zu müssen. Zumal er wusste, was sie zuvor durchlebt hatte. Doch sie verdiente klare Fronten, er konnte nicht länger vor ihr flüchten. Aradis... der Name einer exotischen Wölfin, für ihn klang er wie ein ferner, vergessener ägyptischer Traum. Eine schlanke Gestalt, lebend unter tausend Sonnen, geboren im ewigen Sand. Aradis. Doch sie war keine Exotin, auch, wenn der Name dem Rüden das Gefühl immer wieder eingab. Er hatte nichts zu befürchten, auch, wenn ihm sein eigenes Gewissen wie ein großer schwarzer Vogel im Nacken saß.
Also erhob er sich, schubste Jakash sanft mit der Schnauze von sich, und blickte zu den anderen, zu Tyel und Shani, und zu Hiryoga, der die Höhle verließ, Verzweiflung im Blick. Wie schon so lange, als würde sie in ihm wohnen wie ein nagendes Graupelzchen. Vermutlich tat sie das auch. Also folgte der Graue dem anderen Grauen, nickte ihm zu, eine Art 'Ich komme gleich wieder', um zu sagen, dass er kurzfristig etwas anderes zutun hatte. Er entfernte sich ungern von der Höhle, und mit jedem Schritt, den seine Pfoten ihn durch den weichen Schnee trugen, wurden sie ihm schwerer. Schließlich kam Aradis in sein Sichtfeld, eine schlanke, weiße Gestalt in der Schneewüste. Ihre grünen Augen blickten in die Richtung, aus der er kam, hinüber zu Hiryoga und - wer stand da noch? Rasmús hatte keine Zeit, sich Gedanken darüber zu machen. In ihm schrie alles nach Flucht, doch er zwang sich, ruhig zu bleiben. Es musste so sein.
"Hallo, Aradis... Schön dich zu sehen."
Zugegebenermaßen, es war ein sehr unbeholfener Anfang, seine Worte klangen mitleidig und irgendwie verschüchtert. Doch was sollte er anderes tun als Mitleid mit ihr zu haben? Er konnte nicht anders, schließlich war er es, der sie verletzen würde, und zwar jeden Augenblick. Auf ihre Frage hin. Wenn sie fragte, wo er gewesen war, was los war, würde er antworten müssen, und zwar die Wahrheit. Er würde ihr nichts von den Welpen erzählen. Das konnte er einfach nicht. Es war nicht sein Geheimnis, und es stand ihm nicht zu, es weiterzugeben. Er atmete tief durch, und betrachtete das Kaninchen, das sie gefangen hatte. Es war schneeweiß, ebenso wie sie. Reinweiß, bis auf die leichten Blutspuren. Wie hatte sie das Tierchen hier oben aufgetrieben? Niedergeschlagen blickte er sie an, die Sorge um die Kleinen und das Mitgefühl mit Shani und Hiryoga, und sein Betrug ihr gegenüber hatten tiefe Spuren in seinem Blick hinterlassen. Keine unvergänglichen vermutlich, aber tiefe, moentan deutlich erkennbare Spuren. Er seufzte kaum hörbar, und wartete ab.
Die Fähe höhrte ihn, bevor sie ihn sah. Endlich! Es war Rasmús! Doch dann schlug wieder alles auf sie ein, ihre Gedanken wurden weggerissen von ihrer Beute und den sich angreifenden Wölfen. Da war plötzlich nur der männliche Wolf mit den bernsteinfarbenen Augen. Sie tat erst so, als ob sie ihn nicht sehen würde. Sie wollte es heruaszögern und doch nicht länger warten. In ihrer gewohnt lieben Stimme sprach sie schließlich zum Rüden:
"Schön, dass du gekommen bist. Ich würde gerne mit dir reden- und dir, wenn es dir nichts ausmacht, einige Fragen stellen..."
Die junge Fähe schaute im direkt in die Augen. Nur noch eine Spur der Wärme war in ihnen zu sehen, der Rest war verlorengegangen. Sie schaute auf ihre Beute hinab, doch sie wollte sie nicht mit Rasmús teilen. Sie war verletzt, so verletzt. Dieser Ort schien passend zu sein, sich zu streiten. Auch die drei anderen Wölfe stritten sich hier. Wie passend! Sie setzte sich auf ihre Hinterläufe und hob den Kopf. Stolz war sie immer schon gewesen, und sie würde es, in diesem entscheidenten Moment noch mehr, als je zuvor sein. Sie wählte ihre Worte in Gedanken, dann fuhr sie fort:
"Ich denke, es hat sich etwas verändert. Mehrere Wölfe sind nicht mehr da, deine Schwester, Shani, Hiryoga...Aber nicht nur das hat sich geändert. Hast du geglaubt, ich hätte nichts gemerkt? Hast du geglaubt, auf meiner Reise hierher hätte ich nichts dazugelernt?! Ich war lange unterwegs, zu lange um jemandem zu vertrauen. Ich weiß, dass du mein Vertrauen nicht misshandelt hast. Inzwischen kenne ich dich ein wenig. Oder zumindest meine ich, dich zu kennen. Doch ich habe mich anscheinend geiirt? Du bist in letzter Zeit anders geworden. Sehr anders. Du warst lange weg, ich habe schon von der Höhle aus dich gerufen. Als du nicht kamst, bin ich losgelaufen. Ich wollte einfach weg. Ich wollte jagen. Nun, ich hatte Erfolg... alleine. Ich bin nicht mehr die schwache Fähe, wie am Anfang. Ich weiß, was du von mir denkst. Warum hast du es mir nicht gleich gesagt?"
Nun musste Aradis doch schlucken, um die Tränen hinunter zu zwingen. Ob Rasmús sie gesehen hatte? Sie drehte ihm den Rücken zu, als sie weitersprach. Sie wollte nicht sein Gesicht sehen, sie wollte kein Mitleid sehen. Das hatte sie schon gehört, als er sie begrüßt hatte. Sie senkte traurig den Kopf. Sie würde wohl nie wirklich glücklich werden. Dabei dachte sie, sie hätte so etwas, oder zumindets so etwas ähnliches, in ihm gefunden. Sie hatte sich wieder geirrt. Eine Träne tropfte in den Schnee. Ein kleines Loch blieb. Aradis war, als ob dieses Loch sie hinabziehen würde, weiter, immer weiter...
Im letzten Moment riss sie sich zusammen. Gerade noch rechzeitig. Ihre Stimme klang dunkler, tiefer und ganz ruhig. Nichts war ihrer Stimme anzumerken. Sie slebst hatte sich noich nie so gehört. Doch sie war sehr dankbar.
"Du warst weg. Ich habe dir alles anvertraut. Du hast mir ein neues Leben gegeben. Aber du vertraust mir wohl nicht ganz."
Es war eine Feststellung gewesen, keine Frage. Sie hatte es laut festgestellt. Vielleicht würde Rasmús es endlich auch begreifen, jetzt, wo sie es laut ausgesprochen hatte.
"Du irrst dich, wenn du denkst, ich hätte nichts bemerkt. Ich bin jung, aber..."
Sie vollendete den Satz nicht weiter. Was sollte sie noch sagen? Das sie erwachsener war, als er, dass sie allein verstand, was hier gerade gespielt wurde? Das wäre ihm gegenüber unfair gewesen, denn er verstand, zumindest zum Teil, was sie sagen wollte. Sie drehte sich um, schaute ihm in die Augen und küsste ihn. Jetzt wusste er, wie es um sie stand. Eine Träne rollte auf seine Nase, dann wandte sich die Fähe ab, schluchzend, und rannte davon. Das Kaninchen blieb im Schnee liegen. Aradis rannte weiter, in ihrer Brust schien nichs mehr zu pochen. Apprupt blieb sie stehen und warf sich in den Schnee. Ihre Augen waren blau-grün, der Himmel spiegelte sich in ihren Augen wieder. Wenn Rasmús ihr nachkam, würde sie ihn angreifen. Sie musste ihrer Trauer Luft machen. Sie würde verlieren, das war klar. Aber es war ihr egal. Womöglich würde Rasmús kein Problem haben, sie umzubringen... Zwar wusste sie, in ihrem tiefsten, zerbrochenem Herzen, dass er sie nie umbringen würde, doch sie wollte es sich nichteingestehen. Sie lag im Schnee und wollte sterben. Sie wollte nicht mehr hier sein, sie wollte weg, einfach weg von der Welt... und Rasmús mitnehmen, den Rasmús, wie er früher gewesen war, vor ein paar Jahren, so schien es ihr, doch es waren doch nur wenige Wochen... Ihre Augen verlebten ein wenig, von dem gefrierendem Schnee. Auch gut, dann würde sie blind werden, wie Kaede. Sie lag auf der Seite, ihr Brustkorb bewegte sich fast nicht.
Mit Rasmús zu toben machte ungeheuer viel Spass. Der graue Rüde mochte zwar wesentlich größer sein, aber etliche Balgereien mit ihm hatten gezeigt, dass er viel langsamer war als Jakash oder seine Schwestern, und auch wesentlich schlechter zielen konnte. Seinen Pfotenhieben oder Schnappen konnte man - im wahrsten Sinne des Wortes - spielend leicht ausweichen. Jakash wuselte zwischen den Läufen seines Gegner herum, sprang ihm gegen den Bauch oder von hinten auf den Rücken, wenn Rasmús lag, überwältigt von den welpischen Ungeheuern. Immer wieder versuchte er wie Rasmús zu knurren, dessen kehliges Grollen viel besser klang als bei ihm selbst und verbiss sich in dessen dichtem Pelz, um dann wir ein Irrwisch daran zu zerren und zu ziehen. Jakash lachte und Quietschte vergnügt, als der große Rüde nach ihm pfotete, ihn aber wie immer nicht traf.
Und dann, sehr zu Jakashs Bedauern, hörte Rasmús auf zu spielen. Der kleine Welpe liess sich enttäuscht auf die Hinterläufe plumpsen und zog ein betrübtes Gesicht, auf das jedoch weder Rasmús, noch irgendein anderer reagierte. Der graue Spielgefährte trabte nach draussen, Jakash blickte ihm nach - und sah gerade noch Kursaí verschwinden. Dem kleinen Welpen klappte vor Überraschung der Fang auf. Sie durften RAUS? Und er hatte das NICHT MITBEKOMMEN?! Für einen Moment war Jakash regelrecht schockiert über diesen Umstand. Und warum hatte Kursaí ihm das nicht gesagt? Er wäre doch mitgekommen, er wollte doch auch schon seit Tagen raus aus der Höhle! Das war gemein von Kursaí!
Jakash rappelte sich eilig auf und stürzte seiner Schwester mit grimmiger Miene nach, um ihr genau das zu sagen. Er rannte aus dem Halbdunkel der Höhle und fand sich plötzlich in einer blendend hellen Welt wieder. Jakash stoppte augenblicklich, als die vielen Eindrücke auf ihn niederprasselten. Alles war hell, weiss wie das Fell seiner Mutter. Er stand in dem Weiss, und es war kalt und nass und er sank darin ein. Dinge ragten zum.. zum... zur Höhlendecke empor, die so weit oben war, dass Jakash sie gar nicht mehr sehen konnte. Sein Vater und seine Schwester waren irgendwo in der Nähe, aber der kleine Rüde vergaß sie und alles andere sofort, als er die Anderen entdeckte: zwei schwarze und eine hellere Gestalt, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Auf die Entfernung wirkten sie kleiner, sodass Jakash sie für Welpen hielt. Und sie spielten miteinander! Jakashs Beine trugen ihn von ganz allein, seine Augen leuchteten und sein Fang stand offen, die Lefzen zu einen breiten Grinsen verzogen, als er in weiten Sätzen springend auf die Dreiergruppe zu wetzte. Er wollte mitspielen und nicht, auch nicht das weisse Zeug, würde ihn davon abhalten! Je näher er kam, desto mehr wurde klar, dass die Anderen doch keine Welpen waren, sie wurden immer größer und größer! Aber der kleine Rüde hatte keine Angst, gab es für ihn doch auch keinen Grund dazu. In seinem kurzen Leben hatte er nur freundliche Wölfe kennen gelernt, ausser vielleicht, dass seine Schwestern häufig nervten. Jakash stoppte, seine Rute pendelte so schnell hin und her, dass der ganze kleine Welpenkörper von der Bewegung erfasst wurde und drohte, sich im Kreise zu drehen. Sein kleines Maul stand immernoch weit grinsend offen, die Augen leuchtend vor Freude.
"Hey!",
rief er. Mehr viel ihm vor Begeisterung nicht ein...
Sharíku kuschelte sich zufrieden in Shanis wunderbar weichen Pelz. Sie hörte gedämpft die Kampfgeräusche, die Jakash und Kursaí verursachten. Sie selbst mochte dieses Rumgetobe nicht so sehr, zumindest nicht mit Jakash, er übertrieb es immer maßlos, wie sie dachte. Und da ihr Bruder in praktisch jedes Gerangel verwickelt war, tobte sie nur selten mit den anderen. Kuscheln war viel gemütlicher. Und man konnte den großen Wölfen viel besser zuhören und bekam viel, viel mehr mit. Die unscheinbare Welpin wusste, dass ihre Eltern sich vor irgendjemandem fürchteten und sich vor diesem Jemand versteckten. Sharíku konnte nur nicht verstehen, was an diesem Jemand so furchteinflößend war. Mussten sie und ihre Geschwister sich auch vor ihm fürchten?
Sharíku vermutete, dass die Welpen deshalb nicht aus der Höhle raus durften, aber was war so gefährlich, dass sie immer hierbleiben mussten, dass sie nie hinausdurften? Sie hätte doch so gerne ein einziges Mal den Himmel gesehen... Irgendeiner der Erwachsenen hatte einmal vom blauen Himmel gesprochen. Die kleine Fähe konnte sich darunter nichts vorstellen, sie hatte nur mitbekommen, dass dieser Himmel hoch über einem Wolf schwebte. Aber wie sollte das funktionieren? Auf einmal hörte Sharíku unter all den Spielgeräuschen und Unterhaltungen der Erwachsenen ein sehr merkwürdiges Geräusch. Ähnlich wie die Laute, die ihre Geschwister von sich gaben, wenn sie miteinander rangelten, aber irgendwie...unspaßiger. Sie merkte, wie der liebevolle Tonfall Shanis wieder ängstlicher wurde und ihr ganzer Körper in Mamas warmen Pelz versank. Einen Moment lang genoß sie die Wärme in vollen Zügen, dann wurde es ihr zu warm und stickig und sie machte ein paar Hüpfer nach hinten. Sie sah grade noch, wie ihr Papa nach draußen verschwand. Eigentlich unfair, dass die Großen nach draußen durften. Die kannten das doch bestimmt alles schon! Dann wurden Sharíkus Augen riesig groß, als Kursaí und Jakash auch hinausgingen.
oO(Aber...Das ist doch gefährlich!)
Vor lauter Aufregung konnte sie nichtmal mehr richtig laufen, sie stolperte zu ihrer Schwester Ahkuna und begann damit, sie wie wild anzustubsen und mit einer Pfote zum Höhlenausgang zu deuten.
Schon lange lebte die weisse Wölfin ein wenig in ihrer eigens erschaffenen Traumwelt, auch wenn man dies nicht gross bemerkte, so nahm sie doch dann und wann doch noch am Rudelleben teil, dass hiess, wenn sie nicht gerade irgendwo unter der milden Frühlingssonne lag und sich diese auf den Pelz scheinen liess. Sie sehnte sich nach weichem Erdreich unter ihren Pfoten und auch nach den blühenden und duftenden Wiesen, auch wenn sie die Berge kannte, schliesslich waren diese lange genug ihre Heimat gewesen und doch war die Sehnsucht nach Wiesen und Wälder grösser als je zuvor.
Das Herz der weissen Wölfin schien jedes mal zu flattern, wenn sie auch bloss daran dachte über einen grünen Grasteppich zu schüren und dabei dem glucksen eines munteren Baches zu lauschen. Vielleicht war diese Sehnsucht auch erst aufgekommen, als das Rudel diese Katastrophe mit der Lawine hatte hinweg nehmen müssen, denn in dieser Lawine waren nicht bloss Rudelmitglieder in den Tod gerissen worden, nein auch ihre Freundin war als Opfer gefordert worden, Corvina hatte ihre schwarze Gesellin niemals wieder gesehen nach dem die Schneemassen zum Grabe von einigen Wölfen geworden war. Sie hatte lange getrauert und immer wieder hatte sie versucht endlich über den Tod Kataras hinweg zu kommen. Auch heute noch schien der Schmerz tief in ihrem Herzen zu sitzen und warf dann und wann mit kleinen, aber spitzen Scherben herum, wenn auch nicht mehr so oft und so scharf wie zum Anfang dieser Tragödie. Und endlich, als die milde Frühlingssonne sich hinter den Bergen erhoben hatte, schien nun auch Corvinas Lebensfreude zurückgekehrt zu sein. Denn wenn sie nun in der Wärme lag, so sah man, wenn man genau hinsah ein kleines aber feines Lächeln auf ihren Gesichtszügen, auch wenn dies kaum zu sehen war, so strahlte es doch eine Herzlichkeit und eine leicht ansteckbare Munterkeit aus. So wie auch heute, doch war die weisse Wölfin mit den Bernsteinaugen alleine und liess die Stille auf sich wirken, hatte den Körper ausgestreckt und es sich auf dem kargen Fels gemütlich gemacht, der weisse Kopf lastete auf den Vorderpfoten und die Augen waren leicht geschlossen, doch die weissen Plüschohren schienen jedes Geräusch wahrzunehmen. Ab und zu erhob Corvina träge den Kopf, sah dann und wann einen Wolf in einiger Entfernung vorbeitrotten, doch blieb sie weiterhin still du ruhig liegen, wie sie es meist tat, wenn sie nicht wusste, was sie tun sollte.
Der Rüde stand da, und als Aradis zu reden begann, da stellte ihm sich das Nackenhaar auf. Sie machte ihm Vorwürfe, und er begann zu beben. Seine Läufe zitterten, er senkte den Kopf, versuchte, seinen Körper ruhig zu halten. Er litt furchtbar unter den Anschuldigungen und auch unter den Sticheleien. Doch tief in seinem Inneren bestätigten ihre Worte nur, was er dachte - sie war einfach nicht die Richtige, mit ihrer ewigen Eifersucht und ihrer geritzten Art. Er hatte gelernt, damit umzugehen, und doch... doch belastete es ihn ständig, wenn sie ihn so anfuhr, und nun war es zu viel. Seine Augen zeugten von Schmerz und Trauer, und vor allem von Schuldgefühlen, doch seine Haltung sprach von etwas ganz anderem. Den Schweif straff von sich gestreckt, zu einer Flaschenbürste gesträubt, erhob sich nun auch sein Nackenfell zu einem drohenden Kranz. Sie machte ihn nieder, nur das tat sie. Beschuldigte ihn, an allem allein Schuld zu sein. Rasmús neigte die Läufe, spreizte sie leicht, sie gruben sich tief in den weichen Schnee. Aradis war schön, so wüunderschön. Doch sie war eine von den schrecklichen Schönheiten, die man im Leben treffen konnte. Egal, was sie durchgemacht hatte, geal, was ihr widerfahren war. Sie hatte nicht das Recht darauf, ihn niederzumachen, nicht in dieser Weise.
Der Rüde schnaubte leicht, als die Weiße geendet hatte, und sie ließ das Kaninchen liegen und wandte sich ab, um zu Gehen. Der Rüde stand da, Nackenkrause, die Augen voll von Schmerz. Und er neigte den Kopf, hob das Kaninchen sacht am Nackenfell vom Boden und stapfte der Wölfin nach, immer der Spur ihrer Pfoten nach. Er hasste sich dafür, dass er so war. Beschwichtigend, und manchmal trieb er die anderen Wölfe mit seiner ewigen Ruhe in den Wahnsinn. Er wollte lieber reden als zu streiten, lieber diskutieren als zu kämfen. Hätte er geahnt, wie Aradis reagieren würde, wenn er ihr nun nachlief, hätte er es dann vielleicht nicht getan? Vermutlich doch. Er ließ sich leber beißen, als sie so voller Zweifel und unbeantworteter Fragen von dannen ziehen zu lassen. Er erblickte die Wölfin, nicht weit war er gelaufen, da lag sie im Schnee, fast reglos. Rasmús kam sich vor wie in einem Theaterstück, so dramatisch wie Aradis sich hatte fallen lassen, in das weiche Weiß um sie herum, dass neben ihr fast grau aussah. Der Rüde schnaubte erneut, trat zu ihr heran, und ließ das Kaninchen in den Schnee gleiten.
"Das hast du vergessen, Aradis."
Er klang ernst, viel zu ernst für sein Gemüt. Doch er konnte es nicht abstellen. Er wünschte sich so sehr, nicht mehr nachdenken zu müssen, über sie und ihn, über sie beide. Der Rüde seufzte kurz, dann erwiderte er endlich den Ansturm von Wiorten.
"Es tut mir Leid, aber ich glaube nicht, dass ich dir das geben kann, was du brauchst. Du brauchst jemanden, der dich in deine Schranken weist, die du selbst noch nicht gefunden hast. Du brauchst jemanden der dir sagt, wann du zu weit gehst, oder was ihm an dir nicht gefällt. Ich bin nicht so jemand. Ich werde es auch nie sein. Nur einmal werde ich es dir sagen: Es gefällt mir nicht, was du tust. Eifersucht, theatralisches abziehen... damit komme ich nicht zurecht. Jeder ist wie er ist, und für jeden Tanenzapfen gibt es einen Zweig. Nur ich bin es nicht. Nicht für dich."
Kein Vorwurf lag in seiner Stimme, nur Ernst. Und einen Moment lang wollte er sich umdrehen und gehen, doch er ließ es bleiben, schließlich war er nicht wie sie. Er konnte sich ruhig anhören, was sie dazu zu sagen hatte, ohne davonzulaufen.
Ahkuna Caiyés lehnte noch einen kurzen Moment an ihrer Patin Tyel Tinuviel, als sie schon angestupst wurde. Ahkuna schaute herraus fordernd zu ihr hoch als sie schon nach hinten umfiel. Tyels Worte zauberten einfach immer wieder ein kleines Lächeln auf Ahkunas Lefzen. Ihre Stimme klang immer voller Leben und Heiterkeit. Die Kleine war ja auch hart im nehmen. Sie rollte sich einfach wieder richtig herum auf den Bauch und stemmte sich schnell hoch. Sie schaute um sich herum und erblickte auch gleich ihr un gesprächiges Geschwisterchen Sharíku. Ahkuna Caiyé's Schritte fingen wieder an zu tänzeln und schon flog sie über den Boden. Sie wirbelte so sehr herum, es sah fast aus wie eine kleine Daunenfeder, welche vom Wind getragen wird. Nun stand die kleine Fähe schon wieder bei ihrer Mutter. Sie lächelte kurz zu ihr hoch und ihre Blicke fixierten danach Sharíku. Ahkuna wollte auch endlich das sie etwas mit spielt. Sie sollte auch ihren Spaß haben.
Ahkuna stupste sie leicht mit der Nase an und wartete auf eine Antwort. Aber was sollte sie bitte antworten wenn sie eh nicht reden will oder kann? Ahkuna schaute leicht enttäuscht. Aber die Verspieltheit war natürlich wieder größer. Genau deswegen trieben ihre Schritte sie nun wieder rüber zu Tyel. Ahkuna schlich dieses mal aber förmlich am Boden. Ihre Augen lagen direkt auf der Rute Tyels die immer hin und her sprang. Die Welpin pirschte sich langsam voran bis sie genau hinter ihr stand. Ahkunas lächeln wurde immer größer. Mit einem gekonntem Sprung, heftete sich Ahkuna Caiyé kurz an die Rute und Hinterläufe rutschte dann aber wieder ab.
"...Hui...Ja ich habe geträumt wie du mich rettest...bei ...mh..vieel Schnee der runter rollt..."
Sagte die Welpin kurz als sie auf dem Boden aufkam. Ahkunas Blicke wanderten zu ihrem stummen Schwesterchen rüber die gerade versuchte auf etwas zu deuten. Die Lefzen der Kleinen zogen sich leicht grinsend nach oben. Ein fröhliches Grinsen. Ahkuna Caiyé würde auch viel lieber drausen herräum tollen wie hier in der Höhle zu liegen, aber sie hatte etwas Verantwortungsbewusstsein aufgebaut für Sharíku.
Niennas Lefzen zogen sic grinsend nach oben als sie die Stimme des Rüden endlich wieder hören konnte. Es war ein sanftes Lächeln das für einen kurzen Moment unterbrochen wurde. Nämlich genau dann als er ihr über eines der Ohren leckte. Als der Rüde fragte ob sie sich gestöhrt fühle konnte sie nu sanft den Kopf schütteln. Sie mochte es sogar in einer kleinen Gemeinschaft zu sein. Sie fühlte sich sogar ein klein wenig geschmeichelt.
"...Natürlich habe ich gut geschlafen...und nein ich war nicht gestört von dir..."
Konnte man Nienna Singollo nun sagen hören mit einer weichen freundlichen Stimme. Mit dem Grinsen auf den Lefzen blickte sie zu ihm. Die Schwarze legte sich auf den Boden, den Kopf auf die Pfoten und ihr Blick lag auf Balthasar. Um genau zu sein auf seinen Augen. Nienna mochte den Rüden jetzt schon auf irgendeine Art und Weise. Sie kniff die Augen für einen kurzen Moment zusammen um zu überlegen. Sie dachte über ihren Vater nach. Sie wusste genau das Hass ein ziemlich starkes Gefühl sein kann. Aber es hat ihr Leben gerettet. Dieser Gedanke blieb ihr für einen Moment im Kopf hängen, doch dann dachte sie an ihre Reise. Noch als kleine Welpin ausgestoßen, gehasst, ausgesetzt. Das Grinsen verschwand nach einiger Zeit. Denn aus dem eigentlich kleinem Moment wurde nun eine ganze Weile. Wieder verfiel Nienna Singollo in ihre Gedankenwelt. Mit zusammen gekniffenden Augen lag sie nun da. Ganz stumm und ohne Bewegung, nur ihr Atem lies ihren Körper ein klein wenig Zittern. Dran war ihr Vater. Ein Charakter wie es sonst keiner haben könnte, schrecklicher denn je. Ein kurzer Wind fuhr um Niennas Körper herum. Dieser Wind war die Rettung für sie gewesen. Sie schüttelte kurz den Kopf und schlug so die Gedanken aus ihrem Kopf. Mit einem leicht traurigem Blick schaute die Fähe zu Balthasar.
"Wie wäre es wenn ich dich der Alpha vorstelle...?"
Fragte Nienna mit einer leicht betrübten Stimme, es hörte sich fast an wie eine krächzende Welpen stimme. Ihre Vorderläufe drückten sich schon gegen den Boden und sie stand oben. Nienna Singollo blickte raus. Zu dem Höhlenausgang. Es war kaum noch Schnee da aber warm war es auch nicht. Es packte sie die Sehnsucht raus zu gehen. Etwas zu toben. Ihre Kindheit nach zu hohlen die ihr genommen wurde. Erneut schüttelte die Fähe den Kopf un ihr Blick wanderte zu dem Rüden ihr Gegenüber. Ein leichtes Grinsen legte sie auf, dieses mal sah es aber unglücklich aus. Mit ihrer Nase stupste sie ihn leicht an und setzte ihre Schritte tänzelnd in die Richtung Banshees. Balthasar sollte sich nun auch endlich vorstellen.
Müde drehte die Fähe ihren Kopf und sah ... Rasmús- mit ihrem Kaninchen zwischen den Lefzen. Sie seufzte. Dieser Idiot! Sie war nun eigentlich schon viel zu erschöpft, um groß weiter zu machen. Kämpfen? Nein. Aradis hatte zwar gerade noch Lust darauf gehabt, doch jetzt nicht mehr. Sie war nicht so primitiv. Wenigstens hatte Rasmús ihr endlich mal etwas gesagt. Es war aber auch langsam mal Zeit dazu gewesen. Dennoch hätte er icht wie mit einem Welpen sprechen sollen. Sie war erwachsen, fast genauso alt wie er. Aradis ärgerte sich. Er hatte sie weder angeknurrt, noch sonst irgendeine Aggresivität vorgezeigt, als sie ihn provoziert hatte. Und seid wann war sie theatralisch? Außerdem brauchte er ihr nicht zu sagen, dass man sie in die Schranken weisen solle. Allerdings... vielleicht hatte er Recht? Sie war gekränkt. Ihr sonst so stolzes Benehmen war von ihr abgefallen. Sie wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie hatte keinen Hunger. Sie wollte mit Rasmús reden. Oder ihm etwas sagen. Sofort!
"Warum knurrst du mich nicht an? Ich provoziere und verletzte dich. Nicht, dass du dsa nicht auch tätest, aber... ich werde aggresiv, und du bleibst weiter ernst. Ich glaube, dein Problem ist, dass du nie streitest. Dabei solten gerade Wölfe wie du auch mal richtig kämpfen, ich meine... hast du nicht schon unendlich viele Gefühle in dir verborgen gehalten, ohne sie herauszulassen?"
Nichts war mehr von der aggresiven Fähe übriggeblieben. Nachdenklich schaute sie den Rüden an. Er hatte schon viel Kummer erlebt, hatte er nicht einmal geglaubt, seine Schwester wäre gestorben? Er war sehr geduldig, ließ eigentlich alles über sich ergehen. Warum ließ er sich das gefallen? Die Fähe wunderte sich, dass er nicht gegangen war. Er hatte ihr doch gesagt, was er sagen wollte. Ein kleines, ja, fast unsichtbares Lächeln schliss sich um ihren Mund, bei dem Gedanken mit dem Vergleich, der er gemacht hatte. Vielleicht würde sie ihren Tannenzweig ja auch nie finden... Beosrgt schaute sie zu Rasmús. Sie wollte böse auf ihn sein, schaffte es jedoch nicht. Dieser Wolf war wirklich unmöglich!
Plötzlich machte sie einen Sprung auf den Rüden zu, tat so, als ob sie ihn angreifen würde. Sie versuchte möglichst überzeugend zu wirken. Sie ließ ein tiefes Grollen in ihrer Kehle aufsteigen und schnappte nach Rasmús. Sie warf sich auf ihn, stupste ihn an und fragte froh, aber auch mit schwerem Herzen:
"Können wir Freunde bleiben?"
Ihre ganze Hoffnung steckte in diesem Satz. Sie schaute ihm in die Augen. Sie wollte sich nicht weiter mit ihm streiten. Freunde zu bleiben war jetzt ihr größter Wunsch, nicht mehr, aber auch auf keinen Fall weniger. Sie sprang von ihm und schnappte sich das Kaninchen.
"Teilen?"
Nach dem ihr der Sprung nach hinten gelungen war, war sie überglücklich wieder fest auf allen vieren zu stehen. Doch die beiden hörten, wie sie geahnt hatte nicht auf und so ging Kaede vorsichtig noch ein paar Schritte zurück. Sie versuchte, dass ihre Pfoten auf dem weicher werdenden Schnee nicht wegrutschten, doch konnte sie nicht verhindern, dass sie ein wenig taumelte. Vielleicht auch von der Wut erschöpft, die sie so schnell verlassen hatte. Auf jeden Fall tat sie einen ungeschickten Schritt, als sie ein zartes Stimmchen wahrnahm, welches sie sehr erschrak. Woher konnte das denn jetzt kommen? Und wieso… Es hörte sich an wie eine Welpenstimme.
Erstaunt und die beiden kämpfenden vergessen drehte die Weiß-Graue sich zu schnell um und taumelte dabei ein wenig. Dadurch spürte sie dann, wie etwas weiches und warmes ihr Bein streifte. Aufs Neue erschrocken blieb sie stocksteif stehen. Sie hatte Angst den Welpen, wie sie sich nun sicher war, irgendwie zu verletzten, oder ihm Angst einzujagen. Schnuppernd senkte sie nun ihren Kopf und ja, eindeutig es war ein kleiner Welpe. Und wenn sie sich nicht irrte… Sie hob ihren Kopf wieder und witterte in den Wind. Doch da war abermals der Geruch eines Welpen, und von Hiryoga. Außerdem aus einer anderen Richtung von noch zwei Wölfen. Diese waren unwichtig entschied Kaede. Auch Nyota und Lunar mussten nun sehen, wie sie alleine zu Recht kamen. Sie legten anscheinend sowieso keinen Wert auf ihre Anwesenheit.
Hiryoga war lange weg gewesen, konnte es etwas sein, dass es seine Welpen waren? Oh ihr kleines Patenkind, so lange hatte sie schon nicht mehr miteinander geredet. Vor allem, er war nicht mehr klein, er war nun groß. Aber trotzdem noch ihr Patenkind. Und ob er nun der Vater war oder nicht, hier saß anscheinend ein Welpe vor ihr und dann würde sie diesen nun auch begrüßen.
„Hallo du, wo kommst du denn her?“
Fragend und mit schief gelegtem Kopf blickte Kaede aus der Richtung, aus der das kleine Stimmchen gekommen war. Hatte sie nicht vorhin noch gedacht, wie schön es wäre wieder Welpen im Rudel zu haben, aber das es hier oben eher unwahrscheinlich war? Das es hier oben viel zu gefährlich war? Und da hatte sie den Welpen, von dem sie geträumt hatte. Und wo ein Welpe war, und wo man noch einen Welpen witterte, waren vielleicht auch noch andere. Neugierig geworden lächelte Kaede den Welpen an.
„Ich bin Kaede, und wer bist du?!
Sie wollte ja nicht schon wieder vergessen sich vorzustellen. Einmal, war schon einmal zu viel hatte sie nach der Begegnung mit Leyla entschieden. Leyla, vielleicht würde sie in diesem schönen Frühling auch noch mal mit ihr sprechen. Doch nun galt all ihre Aufmerksamkeit dem Welpen vor ihr.
Die Heftigkeit des Angriffs überraschte ihn, es lag etwas darin, dass eine Erinnerung in ihm wach rief. Eine Erinnerung, die er längst zu vergessen geglaubt hätte.
[Er sah seinen Gegenüber nur durch einen Schleier aus tanzenden Schneeflocken. Der tiefe Schnee erstickte ihre Schritte und ihr Atem malte weiße Wölkchen in die Nacht. Die Zeit schien still zu stehen, als die beiden Wölfe innehielten. Sie fixierten einander. Stille legte sich über sie, selbst der Wind schien für einen Moment inne zu halten, als müsse er von neuem Atem schöpfen. Eine Ewigkeit schien zu vergehen in der sich keiner der beiden regte. Schwarz und weiß. Blau und Rot. Nacht und Tag. Der Herzschlag des jeweils anderen klang ihnen in den Ohren, wie Donnerschläge. Sie wussten, dass sie einander töten mussten, denn keiner von beiden konnte existieren, solange der andere noch existierte. Der weiße Wolf setzte zum Sprung an…]
… er spürte den Aufprall, spürte schwarzes Fell, spürte spitze Fänge, die sich in seine Haut bohrten. Bruchstücke von Erinnerungen rieselten auf ihn hinab, wie Schneeflocken und fügten sich langsam zu einem großen Ganzen zusammen. Er spürte das Feuer das in ihrem Angriff steckte… er hatte dieses Feuer schon einmal gespürt. Und er spürte sein eigenes Feuer, dessen Flammen, wie eisige Ketten sein zerbrochenes Herz umzüngelten, es war so kalt… kälter noch als der gefrorene Schnee unter seinen Pfoten. Er spürte den Schmerz kaum, fühlte sich wie betäubt und wusste nicht, woher dieses Gefühl kam. Nach einem Moment, der ihm wie eine Ewigkeit erschien, erwachte der Schwarze aus seiner Erstarrung. Blitzschnell fuhr er herum, seine Muskeln spannten sich, er entwandt sich dem Griff der Fähe und befand sich schon im selben Augenblick über ihr. Die Fänge in ihrer Nackenkrause vergraben. Blut, wie dunkelrote Regentropfen benetzte den zuvor makellosen Schnee, sein Blut und das Blut der Fähe. Ein Grinsen huschte über Lunars blutverschmierte Lefzen und er bohrte seine Fänge tiefer in das Fleisch der schwarzen Fähe.
„Du kannst nicht gewinnen, kleine Fähe, niemand kann das.“
Dieser Kampf war unfair, dass wusste er. Doch… das Leben war auch nicht fair… also wieso sollte es dieser Kampf? Hatte ihm das Leben je eine Chance gegeben? Nur einen einzigen Lichtblick? Ja… das hat es, flüsterte eine Stimme in seinem Kopf. Es hat dir Shani geschenkt, doch du hast deine Chance verschenkt. Er ignorierte die Stimme. Das Leben hatte ihm NIE eine Chance gegeben, also musste er dieser Fähe auch keine geben. Nein, sie war es nicht wert am Leben gelassen zu werden. Keiner dieser Schwächlinge war es wert.
Er lief geradewegs auf den Abgrund zu, in die falsche Richtung. Zurück. Rief etwas in ihm. Es schrie. Doch er hörte ihm nicht zu. Diesmal würde er fallen, diesmal würde es niemanden geben, der ihn auffing. Er verstärkte den Druck seiner Fänge, erwartete den schmerzerfüllten Aufschrei der Fähe, seine Krallen bohrten sich tiefer in die Schneedecke. Er durfte den Halt nicht verlieren. Er gab ihr keine Chance, keine Chance zu leben. Die anderen Wölfe, nahm er gar nicht wahr.
Konsequenzanalyse… sie werden dich töten, wenn du sie tötest. Na und? Er schmeckte das Blut der Fähe auf der Zunge, die Wunde an seinem Hals begann im Takt seines Herzens zu pochen. Welchen Herzens. Alles schien ihm so unwirklich. Er rannte dem Abgrund entgegen und hinter ihm zerbrach die Welt.
30.12.2009, 19:40
Sie flog. Wenige Momente lang flog sie, ein Phönix mit einem Feuerschweif, stieß dann gegen den Rüden und rammte die Zähne in sein Fleisch. Wenige Momente geschah schlicht nichts, bis auf Kaedas Worte, die nur leise in ihren Ohren nachklangen, und dann wirbelte der Dunkle herum, stand über ihr und bohrte die Zähne in ihren Nacken. Der Schmerz lies sie aufknurren, lies sie toben - und seine Worte brachen das letzte Siegel ihres Zornes.
Mit einer schnellen Bewegung drehte sie sich unter ihm, lies ihm ihren Nacken, lies das Blut in ihr Fell rinnen und in den Schnee rieseln, und grub die Zähne in seine Schulter, eine Bewegung in der sie sich selbst mithilfe seiner Zähne beinahe den Nacken aufriss.
Mochte er noch soviel größer sein, kein verdammter Wolf auf Erden könnte sie zu Boden ringen - das brauchte man nichtmal als solches festzuhalten, sie hatte es so beschlossen und darum war es auch so.
Das Blut des Rüden rann ihre Leftzen herab und ihr Blut an seinen - in seinen Augen würde Hass liegen, und in ihren das vernichtende Feuer ihres unbändigen Zorns, ihrer aufkeimenden Raserei. Nyota genoß das Gefühl von fliessendem Blut, das Gefühl von Schmerz, das Adrenalin dass durch ihren Körper peitschte - es war der Kampf, in dem sie ihre Erfüllung fand.
"Falsch."
klang es zwischen ihren Zähnen hindurch, in einem fröhlich-tödlichen Tonfall, der mehr als unangebracht schien.
"Ich bin es, die nicht verlieren kann"
Damit riss sie die Zähne wieder aus seiner Schulter, drehte sich nun, auf dem Schnee schon fast rutschend, ganz, riss somit das Fleisch in ihrem Nacken auf, und riss ihn mit einem gezielten, schnellen und unangekündigten Sprung von den langen Beinen.
Das Blut rann ihr nun in Strömen aus den zerrissenen Adern, der Schmerz machte sie blind, und doch brach sie die Bewegung, mit der sie ihn tödlich zu treffen gedachte, ab noch bevor sie in seiner Reichweite war.
Sie huschte zwei schnelle Schritte zurück, funkelte ihn an und trabte schnell an ihm vorbei - auch sie hatte den Welpen gesehen. Der Schmerz ihres zerrissenen Fleisches wurde unerträglich, aber es gab nun wichtigeres.
~Engaya, Liebes, ich verlasse mich auf dich~
Mit zusammengebissenen Zähnen und bluttriefendem Fell tart sie zu dem Welpen - ein ganzes Stück entfernt konnte sie den braunen Sohn Banshees ausmachen.
"Wer bist du denn?"
es kam etwas mühsam aus ihrem Maul, denn auch Götter waren noch nie für ihre zügigen Reaktionen bekannt gewesen - aber Nyota verlies sich nicht zum ersten Mal erfolgreich auf Banshees Mutter, und verschwendete nichteinmal mehr einen Blick an Lunar.
~...es stimmt ja teils was er sagt...~
Den Blick nicht von dem Welpen wendend, bewegte sie den Kopf zu Kaede - es fiel ihr reichlich schwer, ihn anzuheben, und so lies sie ihn dicht am Boden - mit ihrer Selbstzerstörungstaktik hatte sie auch ein paar Muskeln angerissen...
Sie flüsterte nun, und ihre Stimme kam abermals sehr gepresst über ihre Leftzen.
"Nein, es stimmt nicht."
Ein kurzes Lächeln huschte über die Züge der Bunten Fähe als sie Rakshee´s Worte hörte. Natürlich würde keiner der Wölfe einen der Welpen im Schnee verhungern lassen, doch musste das doch keiner wissen oder? Immerhin brauchten die Erwachsenen zusehends Druckmittel um die Welpen daran zu Hindern die Höhle zu verlassen. Sie schaute die kleine Fähe nur etwas mitleidig an. Ein Blick der viel bedeuten konnte, zum einen konnte er der Fähe ihre Worte bestätigen zum anderen jedoch auch widerlegen. Die Bunte konnte gerade noch ein leises Seufzen unterdrücken, als sie die nächsten Worte vernahm. Worte die von Angst zeugten. Shanis Worte an sie und Hiryoga. Schnell drehte sich die Fähe herum und ging zu Shani. Dabei streifte sie ihren Bruder kurz mit einem Blick. Auch er war inzwischen aufgestanden, doch nicht aus Angst wie sie glaubte. Fast wollte sie ihren Bruder davon abhalten hinaus in den Schnee zu Aradis zu gehen, doch hielt sie sich zurück. Es stand ihr nicht zu über das Leben ihres Bruders zu bestimmen. Jetzt musste sie erst auf die Welpen acht geben und vor allem auf Shani. Ihre Freundin war sah so unendlich allein aus, wie sie da lag und ihre stumme Tochter an sich drückte. Schnell flog Tyels Blick durch die kleine Höhle. Ahkuna war in der Nähe ihrer Mutter. Tyel liebte die kleine Fähe. Sie fand es schön mit ihr zusammen zu sein. Kurz schweiften ihre Gedanken ab. Ihre kleine Patin hatte davon geträumt, dass sie von ihr gerettet wurde. Die Bunte hatte nicht gewusste, was sie darauf antworten sollte, hatte einfach nur kurz inne gehalten und war dann weiter gegangen. Sie war ihr noch immer eine Antwort schuldig. Schnell schüttelte Tyel den Kopf. Sie hatten jetzt andere Probleme. Wieder nahm sie ihre kleine Bestandsaufnahme wieder auf. Kursaí und Jakash waren nicht mehr in der Höhle. Dafür stand Rakshee jedoch bei ihrer Mutter.Tyel stand vor ihrer Freundin, schubste die Rakshee und Ahkuna zu dieser.
"Ich gehe Kursaí und Jakash suchen, bleib hier. Es wird nichts passieren. Bleib ruhig...Es tut mir Leid"
Der letzte Satz hatte irgendwie bitter geklungen. Tyel wollte es nicht doch konnte sie es nicht verhindern. Schnell war sie wieder am Höhleneingang. Sah Kursaí und stellte sich hinter diese. Sie sagte kein Wort, ließ ihren Blick nur über den Schnee gleiten. Suchte Jakash, fand ihn, neben Kaede und zwei schwarzen Wölfen die sie nicht gleich erkennen konnte. Die beiden waren in einen ziemlich harten Kampf verwickelt, jedoch konnte die Bunte nicht viel mehr sehen. Es war sowieso zu spät. Kaede musste den Welpen schon längst wahrgenommen haben.
"Bleib hier stehen."
Ihre Worte waren bestimmt und doch wusste die Bunte, dass sich Kursaí nicht daran halten würde. Die kleine Fähe war einfach zu abenteuerlustig um sich das ganze entgehen zu lassen. Trotzdem lief Tyel schnell durch den Schnee auf die kleine Gruppe zu. Jedoch hatte sie irgendwie das Gefühl etwas falsch zu machen. Im Lauf schüttelte die Bunte den Kopf, nein sie musste zu der kleinen Gruppe. warum auch immer. Ein irrsinniges Gefühl trieb sie hinüber. Zu den beiden schwarzen. Sie konnte doch nicht einfach zusehen wie jemand starb. Und je näher sie den beiden kam des so ernster wurde der Kampf in ihren Augen. Schliddernd kam sie bei der Gruppe an. Bedachte Jakash mit einem knappen aber strafenden Blick und wand sich dann den beiden Schwarzen zu. Vorsichtig lief sie auf die kämpfenden zu, sah Blut und roch es sogar. Sie hatte Angst, auch wenn sie nicht wusste warum sie das eigentlich tat. Sie hatte Angst davor in den Kampf verwickelt zu werden. Natürlich war sei eine starke Fähe doch wenn die beiden gleichzeitig auf sie losgingen würde sie wohl kaum eine Chance haben. Entschlossen schüttelte sie den Kopf und knurrte leise. Vielleicht war es nur eine Warnung für die beiden doch eigentlich war es ein Mutzuspruch für Tyel selbst. Die Muskeln der Fähe spannten sich als sie zum Sprung ansetzte. Sie schaute noch einmal auf, bemerkte erst jetzt, dass die Fähe sich befreit hatte und der Rüde im Moment unterlegen war. Unterlegen war vielleicht das falsche Wort, eher besiegt. Schnell ging die Bunte zwischen die beiden schwarzen. Wollte damit den Blickkontakt der beiden unterbrechen. Was auch immer das helfen sollte. Sie hatte es immer bei den Menschen getan. Sie machten es bei den Hunden, wenn diese aufeinender losgehen wollten. Schnell schüttelte sie den Gedanken ab und trat zu dem Rüden. Stupste ihn kurz an. Wartete auf eine Reaktion. Sie wusste nicht was sie tun sollte, doch drehte sie sich vorerst um. Sie fixierte die schwarze Fähe.
“Was sollte das denn jetzt?“
Ihre Worte waren sowohl an die Fähe als auch an den Rüden gerichtet, doch konnte sie nicht beide zugleich ansehen und da der Rüde hinter ihr lag und die Fähe noch stand richteten sich die Worte wohl mehr an diese. Die Stimme der Bunten war dabei jedoch nicht fest und vorwurfsvoll, wie sie eigentlich hätte sein sollen. Sie klang ausgelaugt und traurig. Was tat sie hier überhaupt? Spielte sie jetzt auch schon die Heldin? Was für ein Irrtum. Alles Mögliche konnte sie sein, doch bestimmt keine Heldin. Ihre Rute senkte sich ein wenig. Jetzt zeigte sie auch noch Schwäche. Nein, sie war keine Heldin.
Blinzelnd blickte die schwarze Jungfähe in den Himmel. Es hatte aufgehört zu schneien und es wurde langsam wärmer, selbst hier oben. Die Zeit zerrann zwischen ihren Pfoten und stand niemals still. Niemals. Ein wenig legten sich die schwarzen Ohren an den Hinterkopf, als Amáya den Kopf zur Seite wandte, um ihrer grauen Schwester ein zaghaftes Lächeln schenkte. Seit damals hielt sie sich irgendwie gerne in der Nähe des Sinnenscheins auf, warum konnte sie sich nicht erklären. Die schwarze buschige Rute wischte ein wenige Schnee beiseite, der immer wässriger wurde, aber doch noch nicht auftaute. Ob der Schnee wirklich ganz weg bezweifelte sie, aber stören tat sie sich nicht daran. Überhaupt war die Erinnerung an das Tal unten immer mehr und mehr verblasst. Natürlich waren sie noch da, aber irgendwie so weit weg und so schwammig. Fast schon unreal.
„Was meinst du, wann werden wir…“
Weiter kam Amáya allerdings nicht, denn ihre ältere Schwester Kisha kam aufgeregt zu ihnen rüber gewetzt und nuschelte etwas, was die Schwarze nicht verstehen konnte, da sich die Ältere vor Aufregung fast überschlug. Sie runzelte die Stirn und blickte kurz fragend zu Daylight, dann sah sie zurück zu Kisha.
„Mach erst Mal den Mund leer und atme tief ein und aus und rede dann noch Mal mit uns.“
Ein leichtes Lächeln zierte ihre Lefzen, was ihr gar nicht mal schlecht zu Gesicht stand. Es kam nur zu selten vor.
Rasend schnell folgten die Bilder in seinem Kopf aufeinander, die zwei Kämpfenden, daneben seine alte Patin, etwas weiter weg Rasmús und Aradis, weiter hinter war Kursaí aus der Höhle gelaufen, Jakash war ebenso hinaus gelaufen, nur er stand ganz nahe bei den schwarzen Kämpfern. Hiryoga dachte nicht mehr nach, sein Körper schob sich blitzschnell nach vorne, vergessen war die Tatsache, das Geheimnis um die verbotenen Welpen zu wahren, jetzt galt es Jakash vor den Zweien zu schützen, sodass er sich über ihn stelle, seine Brust leicht zum Boden senkte, ihm damit zwar den Blick versperrend, jedoch war dies dem Braunen egal, er musste seinen Sohn vor möglichen Gefahren beschützen und dieser sollte es nicht wagen, von seiner Seite zu weichen. Erstaunlicherweise sträubte sich das Nackenfell des Rüden, die großen Ohren legte er schräg nach hinten, die Rute war straff von seinem Körper gestreckt, es sollte nicht unbedingt aggressiv wirken, jedoch sollten die zwei sich zurückhalten. Plötzlich mischte sich Tyel in das Geschehen ein, unterbrach Nyota und Lunar, stellte sich wagemutig zwischen die beiden und versuchte sie auseinander zu bringen. Brachte das etwas? Nein, nicht mit solchen Worten würde sie die zwei voneinander Trennen können, sicher nicht.
"Lunar, bist du nun völlig übergeschnappt?! Shani hat schon genug Sorgen, mach du ihr nicht auch noch Kummer!"
Hiryoga zuckte zusammen, als er merkte, dass er die Stimme erhoben hatte, dass sie alles andere als freundlich geklungen hatte, ernst, aggressiv und zurechtweisend. Und verdammt, er hatte zu viel gesagt! Wie konnte er es wagen, Lunar anzugiften? Aber das musste ihm nun egal sein, zwei seiner Welpen waren unmittelbar in der Nähe und alle drei hatten zumindest Jakash gesehen, er konnte es eh nicht mehr ändern, Hauptsache die zwei würden aufhören.
"Wir haben es hier oben schon schwer genug, Nyota, grade du solltest das wissen und Banshee nicht durch unnötige Machtspielchen belasten!"
Nochmals hatte er die Stimme erhoben, redete sich um Kopf und Kragen, das merkte er selbst, aber es hatte sich so viel in ihm angestaut, über die letzten Wochen, er musste dem irgendwie Luft machen und die Zwei hatten ihm die perfekte Situation dafür dargeboten. Die smaragdfarbenen Augen fixierten die zwei Schwarzen, ein empörtes Schnauben verließ seine Schnauze, hier war ein kleiner Welpe und sie hätten sich weiter zerrissen, wäre Tyel nicht dazwischen gegangen! Waren sie denn völlig von Sinnen?! Hatte ihnen die kühle Luft das Gehirn erfroren? Kurz huschte sein Blick zu Kaede, die Graue hatte sich sicherlich schon ihre eigenen Gedanken über ihn und die Welpen gemacht, das war er sich bewusst, aber an dieser Tatsache konnte er nichts mehr ändern, die Welpen waren hinaus gelaufen, sie waren gesehen worden, nun mussten sie sich ihrem Vergehen stellen. Hiryoga machte einige vorsichtige Schritte nach hinten, seine Schnauze fuhr liebevoll durch das Fell des kleinen Rüden, prüfend ob ihm nichts geschehen war, den Rücken entlang über den Kopf, leckte ihm kurz über die Augen, ehe er den Kopf wieder anhob und seinen Blick zu Tyel gleiten ließ, was sollten sie nun tun? Langsam verließen ihn der Mut und die Wut wieder und er fiel in seine alte Unsicherheit zurück. Auch merkte er plötzlich, wie die Kälte, der Schnee und die Anstrengungen ihn übermannten, sein Körper war schwach und solch eine Wut verlangte viel Energie, Energie die er eigentlich benötigte und nicht für solch unnötige Wut verbrauchen sollte.
Geduldig hörte der Rüde sich an, was Aradis zu sagen hatte. Zwischen ihnen war noch nicht allzu viel passiert, als das er hätte sagen müssen, dass sie sich aus dem Wege gehen mussten. Und doch sagte ihm sein Herz, dass er nun allein sein wollte, wieder zu der Höhle laufen wollte, und das der einsame Weg in der Höhle bei der Gemeinschaft enden würde, wo er hingehörte. Denn der Rüde fühlte sich im Moment nur einem Ort wirklich zugehörig, und dieser war beweglich und veränderlich. Dort wo Tyel, Shani, Hiryoga und die Kleinen waren, da war auch er. Nirgendwo anders wollte er sein. Nicht einmal bei einer Fähe, die er noch nicht gefunden hatte. Sollte er sich eines Tages wirklich verlieben... er wusste es nicht genau, aber er vermutete, wenn die Entscheidung wirklich von Nöten sein würde, würde er die Liebe hinter sich lassen, denn es gab Wölfe hier, die ihm so viel mehr geben konnten.
Als Aradis auf ihn zusprang, vollkommen unvermittelt, da zuckte Rasmús zurück, wollte zur Seite ausweichen. Doch der Überraschungsmoment war zu groß. Erst jetzt drangen ihre Worte wirklich zu ihm durch. Streiten? Was ergab das schon für einen Sinn? Er war niemand der Stritt, er war ein Rüde der Diskussion, des Redens. Nicht des Kampfes. Obschon er wusste, dass er keinesfalls ein verachtenswerter Gegner war. Oft hatte er Rüden schon geschlagen, wenn sie ihn grundlos angefallen hatten. Immer mit dem Gefühl im Herzen, das es falsch war. Und nun stürzte Aradis sich grollend auf ihn, schnappte nach ihm. Und es war ihm nicht möglich, auch nur ein ansatzweise abwehrendes Knurren auszustoßen. Er ließ sich in den weichen Schnee fallen und öffnete die zusammengekniffenen Augen, als er ihre Zähne nicht zu spüren bekam. Sie fragte, ob sie Freunde bleiben würden. Sie Schnee schüttelte er die Fähe von sich, rappelte sicbh auf, den Pelz weiß vom echten Schnee um sie herum. Doch es störte ihn nicht. Seine Beine hingen ebenfalls voll von dem pulverigen Weiß. Er schaute der weißenj Fähe in die Augen, und sein Ausdruck war noch immer ernst, so ernst. Unbeweglich.
"Wir werden sehen."
Es war keine Drohung, es war ein Ausdruck darüber, dass er es noch nicht genau wusste. 'Vermutlich', setzte er in Gedanken hinzu, und lächelte ihr kurz zu. Ihr nächstes Angebot überhörte er, auch, wenn es unhöflich war, und wandte sich um, trat den Weg zurück an. Seine langsamen Schritte vermengtren sich mitdenen von Aradis und den seinen, die er auf dem Wege zzu ihr gemacht hatte. Eine schmale, verwirrende Spur im Schnee, eine Linie zum Ende und zurück. Klopfenden Herzens blickte er nach vorn, vor der Höhle hatten sich einige Wölfe versammelt. Was war denn da los? Er erkannte Nyota, die schwarze Schwester Banshees, und Lunar, den schwarzen Rüden, der eine Vergangenheit mit Shani teilte. Mehr wusste er nicht. Aber was wollten sie? Und... waren das da bei ihnen nicht Kusaí und Jakash?! Erschrocken sprang Rasmús los, auf die Grúppe zu, und blieb bei ihnen stehen. Tyel war auch da.
"Was ist denn hier los, Nyota, Lunar, Kaede?"
Die Überraschung stand offen auf seinem Gesicht. Er wüprde sich beide Parteien anhören, bevor er wieder etwas sagte. Sein Herzschlag dröhnte ihm in den Ohren. Was, wenn sie Bescheid wussten? Was, wenn sie verraten wurden? Besorgt sah er Kaede an, die blinde Fähe, und wuffte irh leicht zu. Sie war freundlich. Vielleicht würde sie schlichten können? Denn offenbar wurde hier gestritten.
Fasziniert beobachtete Jakash die Balgerei der beiden Schwarzen. Auf diese Weise hatte er selbst noch nie mit seinen Schwestern gespielt, nicht einmal mit Kursaí oder Rakshee, oder gar mit Rasmús! Seine kleine Rute wollte gar nicht mehr aufhören herumzuwedeln und wischte immer wieder Schnee in alle Richtungen. Ob die Großen ihn wohl mitspielen ließen? Vielleicht, wenn er lieb danach fragte? Bei Rasmús hatte das immer funktioniert. Jakash kam jedoch vorerst nicht dazu, denn die nicht kämpfende Fähe hatte sich ihm jetzt zugewandt. Ihr Stimme klang freundlich, und ihr Blick war... war so ganz anders, als der kleine Rüde je gesehen hatte. Fast vergaß er über diese Faszination heraus, zu antworten.
"Ich heisse Jakash... Warum hast du so helle Augen? Alle, die ich kenne, haben in der Mitte was ganz Dunkles!",
antwortete er und fügte gleich noch die Frage hinzu, die ihn gerade am meisten beschäftigte. Oh, abgesehen vielleicht von den beiden spielenden Schwarzen. Jakash beobachtete wieder das Toben der beiden, und langsam aber bestimmt legte sich seine Begeisterung. Er konnte nicht sagen, woran das lag - vielleicht an dem Tonfall, wenn die beiden sprachen, denn die Worte selbst beunruhigten den kleinen Schwarzen nicht weiter. Ähnliches warfen seine Geschwister und er sich auch beim Balgen an den Kopf. Oder es lag an dem seltsamen Geruch, den Jakash nicht zuordnen konnte, der aber einen fremden, kupfernen Geschmack auf der Zunge hinterließ. Jedenfalls wurde seine Rute nun endlich langsamer und sein Gemüt unsicherer, und das änderte sich auch nicht, als die beiden Schwarzen ihr Spiel beendeten und einer der Beiden - die Fähe - auf ihn zugetrottet kam. Für einen Moment verblasste sogar sein Grinsen, aber es kehrte sogleich zurück, als die Fähe ihn ansprach. Sie klang jetzt viel netter, und das beruhigte ihn.
"Jakash Kaijeh",
sagte er und stellte sich diesmal mit seinem vollen namen vor, der für ihn noch immer recht kompliziert in der Aussprache war. Er wusste, dass nicht alle seiner Geschwister einen zweiten Namen hatten, und daher war er stolz darauf, ihn zu tragen. Und dann geschah vieles auf einmal. Tyel tauchte auf und stellte sich zwischen die Schwarzen. Sie schien böse zu sein, auch auf ihn selbst, was der kleine Welpe sich gar nicht erklären konnte. Er hatte doch gar nichts gemacht! Sie hatten doch raus gedurft, er hatte Kursaí gesehen! Jakash fühlte sich sofort ungerecht behandelt und zog eine betrübt-trotzige Miene. Seine gute Laune war dahin. Plötzlich war sein Vater über ihm. Auch er schien wütend zu sein - so hatte Jakash ihn noch nie erlebt, und das verunsicherte ihn nun wirklich. Aber sein vater schien nicht böse auf Jakash selbst zu sein, denn er leckte ihm sanft über Rücken und Gesicht. Trotzdem... Dann kam auch noch Rasmús. Jakash drückte sich gegen einen der Vorderläufe seines Vaters und sah besorgt zu him empor.
"Papa...?",
fragte er leise, aber vernehmlich,
"...bin ich böse gewesen..?"
Traurig schaute die Fähe dem Rüden nach, der ihr kühl den Rücken zugedreht hatte und weggeagngen war, zu den anderen Wölfen. Sie schaute auf ds Kaninchen. Was war hier eigentlich los?! Drüben gingen sich Lunar und Nyota an die Kehle. Besorgt betrachtete die Fähe das Schauspiel über ihre Schulter hinweg. Sie konnte nicht viel tun, trotzdem machte sie ein paar unbegolfene Schritte auf die beiden Streithähne zu. Um die beiden waren mehrere Blutflecken auf dem weißen Schnee zu sehen. Nocheinmal schaute sie die beiden Wölfe an. Nyota war plötzlich an Lunar vorbeigetrabt. Aradis riss ihre Augen vor Erstaunen auf, als sie den kleinen Wolf sah. Es war ein Welpe! Er war schwarz und hatte grüne Augen. Hiryoga. Er sah sehr zornig aus. Aradis hatte ein wenig Angst vor diesem Wolf. Sie hatte Respekt vor ihm. Sie schüttelte den Kopf, doch der Welpe war immer noch da! Es war also keine Sinnestäuschung... Aradis war ein wenig geschockt. Es hatte doch keine Welpen geben sollen, wegen der Kälte. Und trotzdem stand da ein kleiner Welpe, der alle breit anlächelte. Sie hätte den Welpen gerne kennengelernt, doch Rasmús war auch zu den Wölfen gegangen, und die Fähe wollte erst einmal nichts mehr mit ihm zutun haben. Sie wollte ihm aus dem Weg gehen, es war besser so. Er hatte ihren Versöhnungsversuch abgewiesen, sie konnte sich nicht mehr helfen. Sollte er doch eingeschnappt sein, wie ein kleiner, unerfahrener Welpe. Gleich taten ihr die Worte wieder leid, beim Anblick des Welpen Meter vor ihr.
Sie lächelte, eine wohlige Wärme breitete sich in ihr aus. Sie hatte sich so nach Nachwuchs gesehnt, und jetzt war er plötzlich aufgetaucht! Doch wo war der Rest des Wurfes? Es konnt doch nicht sein, dass nur ein Wolf ...? Nein, das konnte nicht sein. Bestimmt hatte der oder die Kleine noch Geschwisterchen. Langsam ging die Fähe, einen großen Bogen um die Gruppe machend, an ihr vorbei. Als sie ein wenig weitergegangen war, sah sie von der Ferne plötzlich eine Höhle. Als sie näher kam, sah sie etwas im Schnee sitzen. Es war noch ein Welpe! Langsam, um ihm kein Angst zu machen, kam die Fähe näher. Als sie noch etwa zwie Meter vor dem Welpen entfernt war, setzte sie sich hin und fragte:
Hallo! Wie heißt du denn? Ich bin Aradis."
Sie lächelte den kleinen Welpen an, und versuchte, das tote Kaninchen hinter sich zu verstecken.
"Wo sind denn deine Eltern?"
Sie wusste schon, wo sie wahrscheinlich waren. In der Höhle hinter dem kleinen Welpen vielleicht? Neugierig wartete die Fähe auf eine Antwort. Die Wärme in ihrem Herzen ließ sie die Kälte von draußen vergessen. Plötzlich sah sie einen größeren Schatten in der Höhle auftauchen, die Fähe machte erschrocken einen Sprung weg von der Höhle. Die kauerte sich tief in den Schnee. Der große Schatten wurde zu Shani... Aradis verstand überhaupt nichts mehr.
Nun war vieles auf einmal geschehen. Erst war Nyota zu ihnen gestoßen. Zu ihr und dem Welpen. Dann war plötzlich auch noch Hiryoga angekommen. Lunar lag nicht unweit hinter ihnen im Schnee. Eine Fähe stand hinter Nyota und vor Lunar, das konnte sie noch ausmachen. Zwischen einigen Wortwechseln tauchte auch noch Rasmús auf. Nun war Kaede etwas verwirrt. Über allem lag der schwere, metallische Duft von Blut. Es roch nach viel Blut, warum hatte sie nur nichts machen können.
Nun musste sie sich erstmal selber sortieren. Sie wollte Nyota eigentlich nicht hier vor den anderen antworten, doch wann sollte sie ihr sonst antworten. Es hatte keinen Sinn, dieses Thema später noch einmal aufzugreifen. Doch nun wollte sie zuerst wissen, was mit Nyota los war. Denn vor ihr war der kleine Welpe, anscheinend von Hiryoga und wenn Nyota wirklich stark bluten sollte, dann war das sicher kein schöner Anblick für den Kleinen, der dann auch noch fragte, ob er etwas falsch gemacht hatte.
Ruhig ließ Kaede ihren Kopf hin und her pendeln, ehe sie versuchte allen der Reihe nach zu antworten.
„Nyota, du musst nicht versuchen mir etwas einzureden, was nicht stimmt. Ich weiß, dass es stimmt was Lunar gesagt hat. Ich bin nicht mehr als eine behinderte Fähe. Ich kann nichts daran ändern, ich würde aber auch nicht versuchen mein Leben zu retten, wenn jemand wie Banshee beschließen würde mich zu töten. Auch würde ich nicht betteln in dem Rudel bleiben zu dürfen wenn sie mich vertreiben wollen würde. Natürlich wäre ich enttäuscht, aber es wäre ihr gutes Recht. Ich bin total unselbstständig, schleiche nur noch durch die Gegend. Und so etwas ist dann auch noch Beta des Rudels. Ich weiß selber nicht genau, warum Banshee mich auserwählt hat. Ich kann ihr kein bisschen helfen. Guck doch nur hier, ihr beide kämpft und was mache ich? Am Rand stehen, ich kann gar nichts machen. Ich bin ungeschickt und langsam, wenn wir ernsthaft auf der Flucht wären, dann hätte ich keinerlei Chance und es wäre schrecklich wenn mir jemand helfen wollen würde und dann verletzt oder gar getötet wird. Also, bitte versuche nun nicht mir sagen zu wollen, dass es nicht schlimm. Auch du weißt, dass es nicht falsch ist, was er gesagt hat. Doch nun Schluss damit, wobei man hier auch deutlich sieht, dass ich zu nichts in der Lage bin. Was ist mit dir? Es riecht, als ob du schwer verletzt wärst, außerdem hörst du dich auch nicht sonderlich fitt an. Wir müssen irgendwohin, dass du dich ausruhen kannst!“
Energisch hatte sie diese letzten Worte ausgesprochen. Vielleicht sah Nyota es ja anders, aber ihrer Meinung nach sollte sie sich wirklich dringend irgendwo ausruhen. Vor allem sollte sie von Lunar wegkommen, was auch immer mit diesem war. Nun wand sich Kaede Hiryoga und seinem Welpen zu.
Hiryoga, ich glaube es waren nicht direkt Machtspiele. Na, vielleicht schon auf irgendeine Art und Weise, aber wir waren unterwegs um Lunar etwas zu erklären. Da er so wütend war und es auch immer noch ist, ist es eben eskaliert und wie eben schon gesagt, konnte ich halt nichts tun. Lunar hat die unschöne Wahrheit ausgesprochen und das war der Auslöser für Nyota. Es war nichts bedeutendes, nichts wofür sie ihn hätte angreifen müssen, aber es brachte sie eben zum explodieren. Natürlich ist es nicht klasse, aber eigentlich wäre es meine Aufgabe gewesen die beiden versuchen zu trennen. Das ist nur leider gescheitert.“ Betrübt blinzelte sie Hiryoga zu, ehe sie ein Lächeln auf ihre Lefzen zauberte und zu dem Welpen schaute „Jakash Caiyé, das ist aber ein hübscher Name! Schade, dass du das nun mit angesehen hast. Und meine Augen, die sind so ohne das dir bekannte schwarz in der Mitte, weil ich, wie du vielleicht im Gespräch schon mitbekommen hast, blind bin. Das heißt, dass ich nichts sehen kann. Es ist, als ob vor meine Augen, die früher auch mal schwarz in der Mitte hatten, ein Schleier gelegt wurde, weißt du. Das ist aber gar nichts schlimmes!“
Weiter lächelnd blickte sie runter, auf den Welpen der, wie sie die Situation einschätzte mittlerweile unter Hiryoga saß und diesen nun auch etwas zurückhaltender fragte, ob er etwas falsch gemacht hatte. Und sie hatte wohl Recht gehabt. Warum auch immer, Hiryoga war der Vater. Außerdem hatte Hiryoga, wie ihr jetzt erst klar wurde, gerade ganz schön wütend geklungen. Durch seine Vaterrolle, hatte er sich wohl mehr getraut als früher. Das freute Kaede und sie nickte ihm liebevoll zu. Dann wendete sie sich endlich Rasmús zu, der ihr schon freundlich zugewufft hatte. Sie bellte begrüßend und freundlich zurück um dann auf seine Frage hin zu antworten.
Wie ich eben schon gesagt habe, die beiden haben sich etwas in die Haare bekommen und ich konnte nichts dagegen tun. Der Kleine hier war plötzlich da, ich bin fast über ihn gestolpert, als ich den beiden Platz gemacht habe um sie nicht irgendwie zu behindern, da ich ja sowieso nichts machen konnte. Ich fühle mich wirklich nicht so klasse, aber ich verstehe Lunar schon. Auch wenn er lernen sollte seine Wut besser zu kontrollieren, genauso wie Nyota. Ich kann es nicht besser erklären. Wir wollten eigentlich nur reden, sind dann eben ein wenig umhergelaufen. Das wir hier so viele treffen würden, Nein damit haben wir wirklich nicht gerechnet.
Seufzend wendete Kaede ihren Kopf in Rasmús Richtung. Er war der einzige, der sie direkt angesprochen hatte, sie freundlich begrüßt hatte und Kaede war froh, dass es wenigstens einer getan hatte.
Nachdenklich fuhr die schwarze Pfote über den feuchten Schnee, strich die oberste Schicht zur Seite auf einen kleinen Haufen. Den Boden konnte er noch immer nicht sehen, aber erahnen. Auch hier gab es Leben, man musste es nur finden. Überall gab es Leben, man musste nur die Augen auf machen. Nein, noch nicht ein Mal das. Man brauchte nur einen Augenblick still sein, in sich hinein lauschen. Man selbst war einst aus der Quelle des Lebens entsprungen. Das Blut rauschte durch die Adern, das Herz schlug und die Lungen füllten sich mit Luft. Das alles wusste er, es war nichts Neues mehr für ihn, denn auch wenn es nicht den Anschein hatte, aber der Nachtschwarze erkannte Leben, rannte er doch nicht mit Scheuklappen durch die Welt. Oft saß er nur still da, beobachtete. So auch jetzt. In jedem Winkel war das Leben, füllte und nährte diese Welt. Und die Lebewesen lebten, als wäre es eine reine Selbstverständlichkeit.
Aber war das alles, was Leben ausmachte? Freunde, Familie, Emotionen. Waren das nicht auch Dinge zum Leben dazu gehörten? Natürlich würden jetzt die Meisten antworten. Glück und Leiden, Trauer und Freude, Liebe und Hass, all das gehörte mit dazu. Begegnungen brannten sich in die Herzen ein, hinterließen jede eine andere Spur. Jedoch was ist mit denen, deren Spuren verblasst waren, deren Leben nichts als die Leere beinhaltete? Geblieben war nur die Frage nach dem eigenen Selbst. Wer wusste schon alles über sich, kannte jede einzelne Seite, jedes noch so kleinste Detail? Wohl niemand. Aber wer war er, was war er, der von sich so rein gar nichts wusste, alleine das seine Pfoten ihn stets weiter trugen, sein Herz in seiner Brust – taub vor einsamer Kälte und leer wie es war – noch weiter schlug. Mit diesem hohlen Körper war er bis hierher gekommen, hatte den Pfad zurück ins Leben gewählt, aber einen Lichtschein gab es dennoch nicht für ihn. Alleine und vergessen stand er in der Dunkelheit, hatte sich in der Finsternis verirrt.
Langsam hob sich der Kopf Midnights, in dem genauso viele Fragen vorherrschten, wie sonst auch. Obwohl er eine interessante Unterredung mit Lumen geführt hatte, begriffen hatte, so hatte es jedoch nichts verändert. Er war und er blieb ein Schatten. Ein Schatten seiner Selbst wie er einst war und nicht ein mal mehr dies. Nichts war von dem Rüden von damals übrig geblieben. Alles war verloschen, sein Stern untergegangen und es gab nichts, was das Schicksal, wenn es so etwas gab, daran hinderte, weiter mit ihm zu spielen. Es gab auch nichts, was das Triste in ihm übermalte, ihn mit etwas ausfüllte. Jedes Lebewesen fragte sich nach dem Sinn seiner Existenz. Einen Sinn, einen Grund, eine Aufgabe, etwas, was Hoffnung gab und einem das Gefühl vermittelt wurde, gebraucht zu werden. Und wenn es den nicht gab? Manche erschufen dich ihren eigenen Grund, den Ast, der sie vorm Ertrinken bewahrte. Aber an ihm war das rettende Ufer vorbei gezogen. Es gab einfach nichts, was er tun wollte, tun musste. Niemanden interessierte es ob er lebte oder starb. Wer kannte schon den wortkargen Rüden, der schlicht seinen Weg verloren hatte?
Als sich Schritte näherten, sehr rasch näherten, öffnete der Nachtsohn die blauen Augen, blickte der jungen Erwachsenen nach, die eine Runde um ihn drehte und etwas von einem Käfer nuschelte, um dann zu verschwinden. Sachte schüttelte er den Kopf. Manch einer hätte jetzt mit gelacht oder spätestens nach diesem seltsamen Auftritt angefangen zu lachen, wenigstens den Ansatz eines Lächelns gezeigt. Midnights Mimik jedoch blieb regungslos und still. Einen Grund zum Überreagieren wie die Fähe es tat hatte er nicht, Grund zur Freude irgendwo auch nicht. Es war doch irgendwo alles eintönig und monoton. Langsam hob der Rüde wieder seine Läufe an, bewegte sich gleichmäßigen Schrittes durch den nassen Schnee, bis er inne hielt. In Gedanken versunken hatte er nicht recht gemerkt wo er hin ging, nun war er in der Nähe des Rudels schräg vor der Alphawölfin. Die Ohren drehten sich nach vorne, er schenkte ihr einen kurzen Blick, den Ansatz eines Nickens, ansonsten reagierte er nicht, ließ sich nur auf die Hinterläufe sinken. War es der Drang nach Gesellschaft, die ihn hierher gebracht hatte? Dabei war er die Einsamkeit doch irgendwo gewöhnt. Innerlich konnte er nur den Kopf schütteln, er verstand sich ja sowieso nicht. Und noch weniger seit dem er den unterschiedlichsten Persönlichkeiten hier über den Weg gelaufen war.
Alles ging unglaublich schnell. Eben noch hatte Shani von draußen Stimmen gehört und sich gefragt, ob sie sich nicht lieber alle verkriechen sollten, da war Hiryoga schon auf den Beinen gewesen und hatte ihr die Entscheidung abgenommen. Und er versicherte ihr, dass Banshee nicht dabei war … ein bisschen Erleichterung, aber nicht viel. Aber dann war Rakshee kurz am Höhleneingang, Shani war starr vor Schreck gewesen, nicht ahnend, dass gleich alles noch viel schlimmer werden würde. Kursaí war viel schneller, als sie es ihr zugetraut hätte, Jakash schon hinterher, Rasmús plötzlich ebenso. Vorbei. Wie gelähmt lag Shani noch immer an ihrem Platz und starrte auf den Höhleneingang, aus dem soeben einfach so zwei Welpen gerannt waren. Rakshee sagt etwas, aber der Blick ihrer Mutter ging starr an ihr vorbei. Jetzt erhob sich auch Tyel, wieder Worte, aber Shani hörte auch sie nicht. Ihre Freundin verschwand, wahrscheinlich um zu retten, was nicht mehr zu retten war. Der Moment, vor dem sie sich so sehr gefürchtet hatte, war mit einem Mal eingetroffen und hinterließ doch nichts als gähnende Leere. Vorbei, alles vorbei. Dann begannen ihre Instinkte die Kontrolle über ihren gelähmten Körper zu übernehmen. Flucht! Schneller, als man ihr zugetraut hätte, war sie auf den Beinen und stand schon am Höhleneingang, linste vorsichtig nach draußen. Irgendwo im Schnee konnte sie viele Gestalten erkennen … auch die beiden Welpen. Es war wirklich zu spät. Schon stand sie vor den drei zurückgebliebenen. Sie hatte keine Wahl.
“Rakshee, Ahkuna, Sharíku. Ihr müsst mir jetzt sehr gut zuhören. Es ist etwas sehr sehr schlimmes passiert und jetzt müssen wir zusammenhalten. Wir müssen in eine andere Höhle gehen. Ich werde Sharíku tragen, sie ist die kleinste, aber ihr beiden, Rakshee und Ahkuna, ihr müsst ganz nahe neben mir herlaufen. Könnt ihr das? Wir müssen ganz leise und unauffällig sein, bleibt einfach immer unter meinem Bauch, dann wird euch nichts passieren. Habt ihr das verstanden? Es ist sehr wichtig, dass ihr jetzt das tut, was ich euch sage.“
Es war nur noch der reine Instinkt, der Shani diese Worte sagen ließ und der die verrückte Idee von Flucht in ihren Kopf gezaubert hatte. Sie hatte kein Ziel und es gab keine Zukunft in der Flucht, trotzdem trieb ihr ganzer Körper sie dazu an. Dass sie Jakash und Kursaí zurücklassen musste, schmerzte, aber sie sah keine andere Möglichkeit. Wenigstens Rakshee, Ahkuna und Sharíku musste sie retten. Vorsichtig nahm sie ihre Kleinste im Nacken und hob sie hoch, vielleicht hätte sie noch eine weitere Tochter tragen können, aber niemals alle drei, sie konnte nur hoffen, dass die beiden anderen ihr gehorchten. Mit einer Pfote schob sie Rakshee und Ahkuna zum Höhleneingang und spähte dann erneut voller Argwohn zu den Gestalten im Schnee. Sie dürften sie nicht sehen, nur wenn jemand zufällig genau in ihre Richtung blicken würde, könnte man sie entdecken.
“Jez los.“
Nuschelte sie leise und begann, eng an die Schneewehe die die Höhle umgab gedrückt, loszuschleichen, nicht zu schnell, versuchte Rakshee und Ahkuna irgendwie im Blick zu behalten und ihnen genug Zeit zulassen mit ihren kleinen Pfoten ihre großen Schritte aufzuholen. Sie durften keine Zeit verlieren.
Tyel kam, stellte sich wie eine schützende Mauer zwischen sie und Lunar, und fragte nach Gründen. Aber das sollte doch Lunar erklären, sie hatte gerade wirklich andere Sorgen. Eine Beta mit Minderwertigkeitskomplex, Welpen hier oben im Schnee, und dann noch ein ziemlich aufgebrachter Hiryoga. Und ein sehr süßer Welpe zu seinen Pfoten.
Kaedes Worte konnten Nyota nicht überzeugen. Es war falsch, einfach falsch. Denn schon im nächsten Augenblick zeigte Kaede ihr wieder wieso Banshee diese Entscheidung getroffen hatte. Mochte Kaede es auch selbst nicht sehen, war Nyota im Moment wirklich glücklich über jedes Wort dass man ihr ersparrte, und da die Graue ihr die Antwort für Hiryoga abnahm - auch wenn Nyota selbst es wohl 'etwas' anders formuliert hätte - schob sie nur in einer beruhigenden Bewegung die Nase an Kaedes Seite entlang. Diese Diskussion würden sie einandermal fortsetzen.
Auch Rásmus kam dazu, aber Nyota hatte nun keine Zeit für ihn. Wieder kümmerte sich Kaede, und die Schwarze spürte, wie die letzten Adrenalinschübe nachliessen - der Schmerz ihrer Wunde drang immer stärker in ihr Bewusstsein, genauso wie die Tatsache dass es Welpen gab, wo keine sein sollten.
Sie lies die Vorderläufe etwas auseinander rutschen, um etwas angenehmer zu stehen, lächelte Jakash noch zu und wand sich dann an Hiryoga und Kaede zugleich.
"Tatsächlich würde ich mich gerne ausruhen...aber ich denke, ersteinmal sollten wir uns über etwas anderes unterhalten..."
begann sie, und lies sich nun ganz in den Schnee sinken. Lunar hatte sie komplett aus ihren Gedanken gestrichen, es gab bloß noch Schmerzen, Kadede, umstehende Schemen, Hiryoga und Welpen die es nicht hätte geben sollen.
"Weder du noch der Kleine sehen sonderlich vollgefressen aus. Ich nehme an ihr könntet Jagdhilfe gebrauchen, wenn ihr sie durchbringen wollt."
Ein leises Aufwinseln und ein verbissener Bluck verriet wie ungern sie in diesem Moment ihre Zunge gebrauchte, und ihr Blick lag nun ernst auf dem braunen Vater, noch immer sickerte leuchtendrotes Blut aus der Wunde, in ihr dunkles Fell und vom Fell aus in den Schnee, der sich in rosarot verfärbte. Ihr Blick wanderte nocheinmal zu Jakash, dann wieder zu Hiryoga herauf.
"Warum habt ihr es uns nicht gesagt? Ich weiß dass es nicht erlaubt war, aber das geschah nicht aus Banshees Willkür, sondern um Welpen das Aufwachsen an so einem Ort zu ersparen. Da sie nun da sind, müssen wir sie auch versorgen. Das geht besser, je mehr Jäger wir sind."
Die Worte waren wieder sehr gepresst über ihre Leftzen gekommen, den Kopf hatte sie in den Schnee sinken lassen, denn ihn zu heben war beinahe unmöglich, und allein der Gedanke daran recht schmerzhaft. Die goldgelben Augen schienen geradezu lauernd auf Hiryoga zu liegen, und suchten seinen Blick. Es würde schon seinen Grund haben dass sie sich hier so einsam versteckt hatten, und eigentlich war es ein Wunder dass die Kleinen dass überlebt hatten - wobei - sie ash gerade bloß einen Welpen - vielleicht waren seine Geschwister schon verstorben?
Mit langen Schritten lief die abgemagerte Mähnenwölfin durch den Schnee. Sie zitterte nicht bloß, sie bebte durchgehend am ganzen Leib, und unter dem schneeverklebten, roten Fell erkannte man einen Köper der ganz und gar nicht für diese Gegenden gedacht war. Die großen Ohren lauschten suchend in die Ferne, die Augen huschten beständig über das endlose Weiß - wohin sie auch sah, alles war glich. Und nirgends gab es eine Spur von Beute. Kein Wunder, gab es doch an diesem Ort kaum etwas auffälligeres als eine Fellfarbe wie die ihre, jedes noch so blinde Beutetier musste sie über Kilometer hinweg sehen.
Mit jedem Schritt, jeder Bewegung verbrauchte sie wichtige Energie, die ihren Körper irgenwann nicht mehr warm halten könnte, und darum setzte sie jeden Schritt mit Bedacht, um ihn nicht noch einmal setzen zu müssen. Hier oben gab es nichts, aber auch gar nichts für sie, aber auch den Weg herunter würde sie nicht finden. Entweder geschah ein Wunder, oder sie würde hie- der Körper der Roten erstarrte, und auch ihr Gedankengang blieb unvollendet - sie hatte ein Gestalt ausgemacht, etwa von ihrer Größe, nur deutlich breiter, und ganz in Schwarz. Die Ohren drehten sich augenblicklich in Richtung des Femden, die dunklen Augen fixierten ihn wie ein Stück Beute - wenn er hier oben lebte, hatte er dann hier oben etwas erlegt, dass ihm die Kraft zum Überleben gab?
Und wenn ja, musste sie ihn bloß noch überzeugen es mit ihr zu teilen! Mit langen, schneller werdenden Schritten lief sie näher, erkannte die seltsam breite und kleinohrige Gestalt des Wolfes, und stellte sich ihm einfach in den Weg.
"He du! Hast du Fleisch für mich?"
Trotzdem sie am liebsten viel mehr gesprochen hätte, belies sie es bei wenigen Worten, denn auch Sprechen verbrauchte Energie die ihr Körper vorerst brauchte um sich auf den Beinen zu halten. Mit hoffnungsvollen und zugleich fordernden Augen sah sie den Schwarzen an.
Die Stille hing wie dichter Nebel über Tyraleen und schien sie tief in den kalten Schnee zu drücken. Obwohl sie die Stille sonst liebte und sich in der Einsamkeit der Berge mehr als in dem lauten Tal erkannte, nahm sie ihr jetzt den Atem und ließ ihr noch junges Herz immer langsamer und schwerer schlagen. Für wenige Sekunden hatte sie den Eindruck wirklich wieder am Ende ihres Lebens angekommen zu sein, zum zweiten Mal und doch noch so viel trostloser, als an jenem zerreißenden Tag. Noch nie in ihrem ganzen Leben, nicht mal in ihrem Tod, hatte sie sich so alleine gefühlt. Doch zu wem sollte sie schon gehen? Sie musste sich eingestehen, dass sie keine Freunde hatte, dass sie nicht mal in ihrer Familie jemanden hatte, bei dem sie sein wollte. Hatte sie Averic nicht immer dafür kritisiert, dass er sich von allen fernhielt und dass er es nicht zuließ, Freunde zu finden? War sie nicht genauso wie er? Nicht aggressiv, nicht laut, nicht aufbrausend aber doch ebenso alleine und unverstanden. Und da wäre sie wieder beim Thema, Averic sollte bei ihr sein, sie sollte bei Averic sein – und doch waren sie beide alleine. Sie waren zwei Einsame, die nicht einsam sein müssten, würde sie nicht das absurdeste der Welt trennen – der Tod.
Ihre Augen schlossen sich wieder, sie wollte sie strahlende Sonne nicht sehen. Sie war doch nur eine Jungwölfin, lebte gerade erst ein Jahr auf dieser Welt und hatte doch Dinge zu ertragen und zu verstehen, die die meisten erwachsenen Wölfe niemals erleben würden und könnten. Manchmal wünschte sie sich, einfach so zu sein wie ihre Schwestern, Daylight oder Kisha, die nur das Glück in der Welt sahen, in denen nicht das Blut ihrer Großeltern zu fließen schien. Es wäre so einfach, aber ihr Leben war nicht dazu bestimmt, einfach zu sein.
Schritte durchbrachen so plötzlich die Stille, dass Tyraleen zusammenzuckte und die Augen aufriss. Obwohl der Schnee vor ihrer Nase jeden Geruch schluckte und sie den Ankommenden nicht sah, wusste sie, dass es Averic war. Stumm lauschte sie dem Schnee, der leise unter seinen Pfoten knirschte. Er wurde langsamer. Als er ihren Namen aussprach, zeigte sie zum ersten Mal eine Reaktion. Ihre Ohren drehten sich langsam zurück, legten sich an ihren Kopf, als wollten sie so die Worte aussperren. Sie wusste, was kommen würde, ahnte die Worte bereits voraus und spürte sich daran zerbrechen. Noch immer sah sie ihn nicht, aber sie hörte seine Entschuldigung ganz genau, konnte sich seinen Gesichtsausdruck vor sich sehen und biss die Zähne zusammen. Sie wusste sehr genau, wie besonders es war, fast ein Geschenk, dass Averic sich bei ihr entschuldigte und doch war sie nicht dazu fähig, sie anzunehmen. Er hatte sie getötet. Er hatte ihre Mutter getötet. Er hatte ihren Vater getötet. Wie würde sie das je vergeben können? Es war so viel mehr, sein Hass, der aus seinen Augen wie Eiskristalle in ihr Gesicht geschlagen hatte, sein Wille, der die Welt zerstört hätte. Wie? Er war ihr wieder so endlos fremd, fremder noch als vor ihren vielen Gesprächen in der Einöde der Berge.
“Geh bitte.“
Ihre Stimme war leer, ließ keinen Willen dahinter erahnen und war doch nicht schwach. Nur leer, gähnend leer. Sie wusste nicht, was sie wollte. Weiterhin in dieser Einsamkeit, in diesem haltlosen Trauer zu liegen würde niemals ihr Wunsch sein, doch Averic in die Augen zu sehen, sich an so ganz andere Augen, von Hass verzerrt, zu erinnern und an seinen Biss in Acollons Kehle, der gleichzeitig der Biss in ihre Kehle gewesen war.
Rakshee war gerade dabei gewesen mit der Pfote nach Shanis Nase zu zielen, als ihre Mama sich plötzlich erhob und schon am Höhlenausgang stand. Und dann war sie wieder da und ihre Simme klang so ganz anders als sonst, so absolut, so endgültig, und so unendlich besorgt! Es machte Rakshee irgendwo Angst, ihre Mutter so sprechen zu hören, aber umso besser hörte sie zu, und nickte mit wippenden Ohren.
"Ja Mama, klar können wir das! Komm Ahkuna, jetzt sehen wir auch was da draussen ist."
Rakshee machte einen Satz in Richtung Höhlnausgang, verharrte und wartete auf Mama und Ahkuna, aber Shani schob sie schon nach draussen.
Sofort postierte Rakshee sich unter Mama, und lief mit Ahkun unter ihr entlang, ohne uner ihr aufzutauchen. Der Schnee fühlte sich seltsam an, und Rakshee wäre viel lieber neben Mama gelaufen um besser sehen zu können, aber sie war diszipliniert genug ihre Posten nicht zu verlassen. Wie eine Geheimniswahrerin flüsterte sie Ahkuna zu.
"Guck mal, alles ist ganz weiß, so wie Mami!"
Voller Begeisterung stapfte sie noch etwas schneller durch den Schnee, der sie immer wieder fast zum Stolpern brachte, und sah plötzlich durch Mamas Läufe hindurch noch eine Fähe. Einen mühsamen Satz machend und zwischen Shanis Läufen im Schnee einsacknd sah sie die andere Fähe an.
"Guck mal Ahkuna, die sieht ja aus wie Mama!"
Meinte sie ganz erstaunt, und drückte sich sanft an Shanis Vorderläufe. Hier draussen wr es zwar schön, aber mittlerweile war es ihr viel zu kalt geworden...
Allein stand die kleine Fähe im Schnee schaute sich neugierig um. Wirklich sie konnte es nicht fassen da war sie als erstes draußen und dann kommt ihr Bruder einfach und tut so als wäre er der erste gewesen. Frustriert ging sie einige Schritte vorwärts und schaute sich nach ihrem Bruder um. Anscheinend hatte er schon Freunde gefunden. Hätte sie es gekonnt, dann hätte die kleine wahrscheinlich geknurrt, doch konnte sie sich nicht daran erinnern es schon einmal geschafft zu haben. Viel konnte die kleine Fähe nicht sehen doch als sie hinunter rennen wollte stand Tyel hinter ihr. Neugierig schaute sie zu der Bunten Fähe hinauf. Was sie wohl wollte. Leicht bewegte sich die Rute der Kleinen doch wurde ihre gute Laune gleich durch Tyels Worte gedämpft. Hier stehen bleiben? Was sollte das sie war kein Welpe mehr. Moment doch sie war noch ein Welpe, aber sie konnte doch schon alleine durch den Schnee gehen. Wollte sie doch ihrem Bruder zeigen, dass sie mutiger war als er. Es konnte doch wirklich nicht sein, dass Jakash dort unten einen interessanten Kampf miterlebte und sie hier oben einfach stehen bleiben sollte. Die Gesichtszüge entglitten Kursaí für einen kurzen Augenblick, doch fing sie sich gleich wieder und schaute Tyel mit einem Hundeblick hinterher. Wie schade jetzt konnte sie gar nicht mehr bei der Erwachsenen um die Erlaubnis betteln. Warum eigentlich betteln? Immerhin war sie doch auch ohne Erlaubnis herausgelaufen oder? Glücklich wedelte die Rute der kleinen hin und her. Sie würde einfach herunter laufen und sich zwischen die Kämpfenden stellen. Damit würde dann wohl auch bewiesen sein, dass sie die Mutigere war. Ein triumphierendes Lächeln huschte über die Züge der kleinen Weißbraunen Fähe. Das war der beste Plan seit langem. Schon hob die kleine die Vorderpfote und wollte loslaufen als plötzlich Tyel zwischen die beiden schwarzen Wölfe sprang. Wie gemein. Jetzt wurde ihr schöner Plan vereitelt und das ausgerechnet von einer Erwachsenen. Frustriert sackte die kleine einen Zentimeter tiefer.
oO Manno Oo
Jetzt brauchte sie unbedingt einen neuen Plan um ihrem Bruder zu zeigen wie mutig sie war. Es wäre wohl nicht gerade mutig sich einfach neben Tyel zu stellen. Vielleicht sollte sie sich einfach auf einen der beiden Schwarzen stellen. Ja! Das war die Idee. Wieder hob die kleine Fähe die Vorderpfote, streckte die Schnauze erwartungsvoll in die Höhe und wollte gerade loslaufen. Ihr Plan wurde schon wieder vereitelt. Plötzlich ertönte hinter ihr eine Stimme. Erschrocken fuhr die Kleine zusammen und stolperte einige Schritte rückwärts. Was war das denn jetzt schon wieder eine Teufelei? Hinter ihr stand doch vorhin gar keiner. Verwirrt tänzelte sie im Kreis und schaute sich um. Alles war hier so weiß, doch stand da eine weiße Wölfin und schaute sie an. Verwirrt kniff die weißbraune die dunkelroten Augen zusammen. Was wollte sie denn von ihr? Freundlich schwenkte die Rute hin und her. Sie hatte doch nach ihrem Namen gefragt oder?
"Ich bin Kursaí..."
Ihre Stimme war stolz und auch neugierig. Selbst jetzt merkte man, wie neugierig die kleine war, auch wenn sie nur ihren Namen gesagt hatte. Kursaí Akihiko legte den Kopf schief und schaute die Weiße an. jetzt fiel ihr auch wieder ein was sie genau gesagt hatte. "Hallo! Wie heißt du denn? Ich bin Aradis." Wie sie ihr Gedächtnis doch liebte! Ihr Lächeln würde ein wenig breiter als sie wieder zu Aradis schaute. Aradis. Kursaí ließ sich den Namen immer wieder durchs Gedächtnis gehen. Ein schöner Name, dass würde sie der weißen noch sagen.
"Papa ist unten bei den schwarzen Kämpfern, genau wie Tyel auch und Mama ist in der Höhle."
Die kleine wusste nicht ob sie es sagen sollte, doch sprudelten die Worte nur so aus der Fähe heraus. Genau in diesem Augenblick machte Aradis einen Erschrockenen Sprung zurück. Was war denn nun los? Verwirrt drehte sich Kursaí um.
"Du hast einen schönen Namen, Aradis"
Rief sie der Weißen noch zu bevor sie zu ihrer Mutter rannte. Wieder schwang die Rute der jungen Fähe hin und her. Ein breites Lächeln lag auf den Lefzen der kleinen.
"Mama...Mama...schau doch nur wie mutig Papa ist...und dann ist da noch Aradis...sie war gerade noch hier bei mir, doch ist sie jetzt irgendwie verschwunden. Schau doch mal..."
Abrupt brach Kursaí ab. Der Gesichtsausdruck den ihre Mutter hatte gefiel ihr ganz und gar nicht.
"Was ist los Mama?"
Sie hatte die Stimme ein wenig gesenkt, wollte nicht, dass Aradis gleich alles mitbekam. Vorsichtig lief sie auf ihre Mutter und ihre Schwestern zu und schaute sie an. Sharíku, Rakshee und Ahkuna. Sie alle waren bei ihrer Mutter. Irgendwie fand Kursaí es langweilig, dass sie immer dort waren, doch brauchte Shani auch eine Gesellschaft wenn alle sie allein in der Höhle ließen.
"Wollen wir nicht auch runter zu Jakash, Tyel, Papa und den anderen Wölfen gehen? Währe das nicht aufregend?
Schnell sprang die Fähe zurück, die letzten Worte der UNterhaltung mit Kursaí hörte sie gerade noch. Sie lächelte, was man jedoch nicht sehen konnte, denn sie hatte sich tief in den Schnee gedrückt. Man würde sie nicht so schnell sehen. Und dann kam Shani. Und um sie herum, Aradis Hezr machte einen kleinen Freudeshüpfer, waren noch weitere drei Welpen. Verzückt starrte sie auf diese kleine Familie. Sie hatte also Recht gehabt, es gab mehr als diesen einen schwarzen Welpen bei den anderen Wölfen unten! Dann hörte sie erneut Stimmen. Kursaí war anscheinend bei ihrer Mutter angekommen. ja, jetzt sah die schneeweiße Fähe sie auch. Wiedereinmal konnte sie sich bei ihrem guten Gehört bedanken, denn nur deshalb konnte sie hören, was gesprochen wurde, und das apprupte Schweigen ebenfalls. Shanis Gesichtsausdruck war steinern geworden. Kursaí schaute ihre Mutter ein wenig erschrocken an. Wahrscheinlich wusste sie nicht, was sie falsch gemacht hatte. Eigentlich hatte die kleine Fähe ja auch nichts falsch gemacht, sie hatte eher endlich die Wahrheit ans Licht gerrückt. Was auch wirklich lange genug gedauert hatte. Langsam wurde Aradis kalt. Sie hatte sich zwar einigermaßen aklimatisiert, doch in einer solchen Lage da zu liegen, wäre auch im Sommer nicht gerade angenehm gewesen. Ganz langsam erhob sich die Weiße und machte ein paar Schritte zurück. Sie überlegte, was sie wohl machen sollte. Sich Shani zeigen? Oder doch lieber verschwinden? Die Fähe hatte einen Entschluss gefasst, und der ließ sich jetzt auch nicht mehr rückgängig machen. Mit großen, aber langsamen Schritten ging sie auf die weiße Fähe zu.
"Shani, wie schön, dich zu sehen."
Aradis hatte zuvor noch nie richtig mit Shani geredet, doch die weiße gefiel ihr, sie war nicht laut und aufdringlich. Aradis lächelte sie freundlich an.
"Shani..."
begann sie auf neuem.
"... bitte nimm es mir nicht übel. Ich war nicht auf der Suche nach dieser Höhle... es ist doch eine Welpenhöhle, nehme ich an? Da unten sind Hiryoga, Tyel, Rasmús, Nyota, Nienna und Kaede, Nyota und Nienna hatten eine ziemlich heftige Auseinandersetzung, dann haben sie voneinander abgelassen. Ein kleiner schwarzer Rüde kam aus dem Nichts dahergelaufen. Dann kam Hiryoga... Shani, man weiß nun, dass es Welpen gibt, flüchte nicht. Es würde dir,- uns allen nichts bringen. Oder?"
schloss sie und schaute nocheinmal ins Gesicht der ebenso weißen Fähe, wie sie selbst war.
"Mit Kursaí habe ich schon Bekanntschaft gemacht, übrigens danke, Kursaí, dein Name ist auch sehr schön!"
Sie zwinkerte der kleinen Fähe zu.
"Wollen wir wieder in die Höhle gehen?
Hier draußen ist es so kalt, ich glaube, hier frieren auch noch andere... darf ich mitkommen?"
Sie war unendwegt freundlich geblieben, und hatte versucht, Shani zu sagen, was nun sinnvoll war, und was nicht. Weglaufen half nichts. Man sah ja, was dann kam: Vielleicht würde ihre Freundschaft mir Rasmús verenden. Sie schaute Shani und die Welpen an. Der kleine Rüde unten bei den vielen Großen war anscheinend der einzige Schwarze gewesen. Dann blickte sie wieder in das Gesicht der Mutter, und wartete auf eine Antwort.
Nach Neylas Tod war Zack noch ruhiger geworden, als er es ohnehin schon gewesen war. Er war vorher kein überdrehter Wolf gewesen, ruhig und gelassen hatte er mit Neyla zusammen gelebt. War immer freundlich gewesen und hatte ihr all seine Liebe geschenkt. Bis Sheena zu ihnen gestoßen war und er auch sie in seine Liebe mit eingeschlossen hatte. Doch nun hatte Neyla ihn verlassen und Sheena, ja wo war Sheena eigentlich? Er wusste es nicht, sie war sicherlich enttäuscht, dass auch ihre zweite Mutter sie nun verlassen hatte. Auf eine, unter diesen Umständen, sogar schrecklichere Art und Weise, als ihre richtige Mutter es getan hatte. Doch er war noch hier, ihn hatte die Lawine nicht mit überrollt. Und er musste, er wollte etwas aus seinem Leben machen, also sollte er auch endlich mal damit anfangen. Allerdings wusste er nicht Recht wie. Er hatte so mit dem Rudel mit gelebt. Hatte das getan, was er tun musste um zu überleben. Doch es war kein richtiges Leben gewesen. Nun war es endgültig an der Zeit wieder richtig zu leben. Er streckte sich und merkte, dass er mit der Zeit etwas träge geworden war. Das sollte sich nun ändern. Wenn er den Kopf aus der Höhle streckte roch er sogar schon den Frühling. Also war es höchste Zeit. Er tappte aus der Höhle, sah all den Schnee und erinnerte sich an seine Zeit in seinem alten Rudel. In dem Rudel in dem er so behütet gelebt hatte. Damals hätte er es sich nicht vorstellen können, dass ihm einmal so etwas passieren würde. Aber er war froh, dass er nun sein eigenes Leben lebte. Auch wenn er gerne seine Eltern mal wieder getroffen hätte. Sie waren gewiss noch am Leben, sie waren schließlich selber noch jünger gewesen, als sie ihn aufgenommen hatte. Er lächelte bei der Erinnerung an sie.
Als er endgültig die Höhle verlassen hatte schaute er um sich. Er fühlte sich wie neugeboren, spürte wie seine Kräfte wieder zu ihm zurückkehrten und stolz, den Verlust besiegt zu haben hob er seinen Kopf und heulte dem Frühling zu. Natürlich lebte Neyla noch in ihm weiter. Er würde sie nie vergessen und er würde sie auch immer weiter lieben, doch war er bereit ein neues Leben anzufangen. Das alte Kapitel war beendet. Doch nicht sein Leben. Sein Buch würde weiter gehen. Seine goldenen Augen betrachteten alles um ihn herum genau. Jetzt sah es hier oben schon viel freundlicher aus, als damals als sie hier oben angekommen waren. Natürlich lag jetzt im Frühling immer noch viel Schnee, doch es war weniger geworden. Auch war es weniger kühl. Er fragte sich, wo die vielen Wölfe geblieben waren und doch fühlte er sich nicht einsam. Vielleicht würde er ja schon bald wieder mit jemandem sprechen können.
Cumará Tumaan setzte eine Pfote vor die andere in den Schnee. Schneeweiß passte hier sehr gut. Mit hoch erhobenem Kopf musterte sie ihre Umgebung. Was sie sah, beeindruckte sie. Es war anders, als alle anderen Orte, die sie jemals gesehen hatte! Es roch anders. Diese Gegend war kalt, nach Cumas Meinung ein wneig zu kalt. Zwar war sie schon viel herum gekommen, aber sie konnte sich nicht erinnern, jemals in ein so kaltes Gebiet gekommen zu sein. Verwundert schaute die Fähe sich um. Es war überall weiß! Ob hier überhaupt jemand lebte? Oder etwas lebte? Cuma hatte lange geschlafen, sie war ausgeruht und hatte erst gestern gegessen. Sie war schon lange allein unterwegs- nicht, dass sie etwas dagegen hätte, aber langsam sehnte sie sich nach anderen Wolfsstimmen. Sie hatte knapp ein halbes Jahr keine Wölfe mehr gehört. Gesehen sehr wohl. Nun, sie hatte sie auch gehört. Aber was sie gehört hatte,... sie wollte nicht weiter darüber nachdenken. Nach vorne schauen! Ermahnte sie sich im Stillen. Wenigstens hatte sie noch nicht damit angefangen, mit sich selbst zu reden, das beruhigte sie ein wenig. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie stehen geblieben war, und so war sie überrascht, als sie anfangs gar nicht mehr loskam. Verwundert schaute sie auf ihre Pfoten. In der kurzen Zeit, in der sie gestanden hatte, war sie ein wenig festgefroren! Festgefroren!
oO Wo bin ich denn hier gelandet?! Ich klebe am Schnee, obwohl ich gerade mal ein paar Sekunden nachgedacht habe... das ist faszinierend, aber auch... beängstigend... Oo
Das waren die gerade gedachten Gedanken von der schönen grau-braunen Wölfin. Ihre grau-blauen Augen, die die Farbe eines gerade gefallenen Schneekristalles hatten, blitzen über die Eiswüste. Sie hatte gute Augen. Ja, ihre Augen waren sogar besser geworden, nachdem sie für über ein Jahr erblindet war! Sie wunderte sich immer wieder, doch sie hinderte sich daran, wieder darüber nach zu grübeln. Sie hatte keine Lust mehr drauf, am Ende würde sie eh wieder keine Antwort bekommen, wozu dann das ganze Grübeln? Mit der Nase auf dem Boden ging sie weiter, doch sie schaffte es nicht, einen klaren Wolfsgeruch zu ergattern. Hier ließ sie ihre Nase ausnahmsweise im Stich. Doch sie war nicht sauer. Jetzt wären die meisten Wölfe wahrscheinlich schon ausgeflippt, doch Cumas wahrscheinlich größte Stärke war es, dass sie vollkommen ruhig blieb- und zwar in allen Angelegenheiten. Es hatte ihr schon oft geholfen, und nicht nur in Situationen, wie eben. Nein, sie hatte ihr auch schon in Kämpfen geholfen. Oft hatte die ruhige Art, wie Cuma ihren Gegnern gegenübertrat eine entwaffnete Wirkung- und eine überraschende. Statt wütend zu werden, wie andere Wölfe, war sie ganz ruhig und schaute ihrem Gegner einfach in die Augen. Völlig verunsichert waren ihre Feinde geflüchtet. Ihre Augen hatten eine etwas hypnotische Wirkung. Sie hatte es schon an ihrem früheren Gefährten Cei ausprobiert. Es wurde ihr ein wenig schwindelig, als sie daran dachte... sie hatte ihn dazu gebracht, etwas zu tun, was er nicht wollte. Sie hatte ihn dazu gebracht, sie zu beißen. Sie wusste damals, dass er sie nie, nie im Leben beißen würde. Doch dann hatte er es getan. Sie musste sich erst einmal erholen, Cei hatte sich immer wieder bei ihr entschuldigt, wobei sie wusste, dass sie es doch gewesen war, die ihn dazu gebracht hatte. Er hatte sie herausgefordert. Und natürlich war sie auf ihn eingegangen. Und so war es passiert, sie hatte zum Glück nur eine kleine Narbe unter ihrem rechten Auge bekommen. Sie war fast nicht zu sehen, nur wenn man davon wusste oder sehr nahe vor ihrem Gesicht war. Schon wieder war sie ein wenig festgeklebt. Seufzend riss sie sich aus ihren Gedanken. Plötzlich sprang sie mit allen vieren in die Luft. Dann musste sie lachen, sie musste sehr lachen. Denn sie hatte Angst vor einem schwarzen Stein gehabt! Aber dieser Stein hatte so aus der sonst so schneeweißen Landschaft herausgestochen, dass er sie erschrocken hatte. Sie musste immer noch glucksen, als sie weiter ging. Sie horchte auf- hatte sie etwa Schritte gehört? Sie schüttelte den Kopf und ging weiter. Sie musste immer noch kichern. Sie ließ sich von einem Stein erschrecken- also wirklich. Nachdenklich schaute sie zum hellblauen, eiskalten Himmel hinauf. Wiedereinmal fing sie an zu grübeln, ob ihre Familie schon dort oben war. Oder verstreut über die ganze Welt war, oder...? Rechtzeitig riss sie sich los. Ob sie heute noch jemanden kennen lernen würde? Sie bezweifelte es stark.
Kensharion erhob sich wieder. Seine Gedanken waren nicht ganz bei seinen Pfoten, die ihn einen Schritt nach dem anderen über das weite Land trugen. Schattenhaft und beinahe katzenartig wie er war, schlich er dahin, allein. Keiner begleitet ihn auf seiner Reise, er fühlte sich einsamer denn je und doch sehnte er sich nicht nach der Gesellschaft seiner Artgenossen, nein er sehnte sich nach seiner Familie, den Bären. Wie lange war es schon her, dass er sie verlassen hatte? Fast ein halbes Jahr. Ob er sie jemals wieder sehen würde? Unwillkürlich witterte Kensharion in die frische Frühlingsluft, sie war kalt, genau wie der Boden unter ihm, aber es störte ihn nicht. Bekümmert stellte er fest, dass er nicht die geringste Witterung der Bären vernehmen konnte. Wieso nur musste er sie verlassen? Es war doch so schön gewesen! Der Rüde trauerte schon so lang und doch konnte er seine Familie nicht vergessen. Er hatte, seitdem er bei ihnen war, selten über seine leibliche Familie nachgedacht, aber nun… Ständig grübelte er, wo er wohl herkam und was seines Gleichen passiert war, doch seiner Erinnerung hatte nichts hinterlassen, was diese Fragen beantwortet hätte. Der Schwarze Schatten schüttelte sein Fell, als könne er dadurch all seine Sorgen und seinen Kummer von sich abschütteln. Sein Stolz ließ es einfach nicht zu, dass er so in seinen Gedanken verkümmerte. Er hob sein Haupt wieder und setzte mit unheimlicher Anmut seine Wanderung fort. Er wusste nicht recht, wonach er suchte, aber er folgte seinem Herzen auf die Suche nach dem Ungewissen. Kensharions Ohren schnippten in alle Richtungen, kein Geräusch entging seine Aufmerksamkeit. Seine übernatürlich scharfen Sinne nahmen alles wahr, was um ihn herum geschah, aber es war nicht viel. Die ganze Landschaft bestand aus Eis und Schnee und wäre er bei den Bären, so wären sie wahrscheinlich jetzt gerade aus ihrem Winterschlaf erwacht. Er schüttelte sich wieder je mehr er an seine Mutter und seine Geschwister dachte, desto trauriger wurde er und das ließ er nicht zu. Plötzlich hielt der Schwarze inne. Er witterte. Was war denn das? Der Geruch war sehr weit entfernt und jeder andere Wolf hätte ihn wohl noch nicht gewittert, aber Kensharion tat es. Er streckte seine Schnauze noch etwas weiter in die Luft, seine Ohren schnippten nach vorn und er konzentrierte sich voll und ganz auf die Fremde und dennoch aus irgendwelchen Gründen ihm bekannte Witterung. Nach einer Weile ließ er seinen Kopf wieder etwas sinken und schnupperte auf dem Boden. Er sah Pfotenabdrücke, die höchstens eine Stunde alt waren und seinen etwas ähnlich sahen. War es möglich? War es möglich, dass es hier andere Wölfe gab? Kensharions Herz schlug schneller und er witterte erneut. Ja, es war überdeutlich. Er lief in die Richtung, aus der der Geruch kam. Einerseits freute sich der Schatten, seines Gleichen gefunden zu haben, aber anderseits scheute er den Anblick dieser, mit denen er schon kurz nach seiner Geburt die Beziehung abgeschlossen hatte. Der junge große junge Rüde war unschlüssig, er lief mal langsamer mal schneller und kam dem Fremden Wolf immer näher. Schließlich sah er ihn, oder besser gesagt sie, denn es war eine Fähe. Grau war sie und kleiner als Kensharion, aber sie schien etwas älter zu sein als er. Der Schwarze wurde misstrauisch, wie zu jedem Fremden und vor allem, wenn es ein Wolf war, dem er gegenüber stand. Einer Spezies, der er angehörte und dennoch fühlte er sich nicht so. Seine Gedanken spielten verrückt und er drohte die Selbstbeherrschung zu verlieren, obwohl er nur einer normalen Fähe gegenüber stand. Er unterdrückte seine unergründlichen Gefühle und versuchte mit normaler Stimme zu sprechen.
“Wer bist du Fremde“
Fragte Kensharion und man hörte deutlich, wie kühl und unfreundlich die Worte waren. Aber dennoch waren sie höflich und nicht provokativ. Aufmerksam musterte der Rüde die Fähe mit seinen eisblauen Augen. Sie schienen alles durchbohren zu können und wer ihm in die Augen sehen würde, würde es wohl als sehr unangenehm empfinden. Es schien, als könne der Schatten Gedankenlesen. Die Fähe wirkte aufrichtig und ehrlich auf ihn, aber dennoch war er misstrauisch und unfreundlich, er zeigte nie, was er dachte, denn er fürchtete, sich dadurch zu verraten. Seine Augen waren immer noch auf die Graue fixiert, genauso wie sein rechtes Ohr, während das linke alles andere wahrnahm, was um sie herum geschah. Kensharion wartete geduldig aber kühl auf die Antwort seines Gegebübers.
Verwundert drehte die Grau-Braune sich um. Sie hatte sich nicht erschreckt. Das war nicht ihre Art. Dennoch stand sie schon einen Augenblick nach seinen Worten genau vor ihm. Seine Augen beeindruckten sie. Vermutlich hätte sein Blick andere Wölfe verschreckt. Doch Cumarás Blick war dem ihres Gegnübers ebenbürtig. Sie fixierte ihn zurück; sie hatte weder Angst noch ein gutes Gefühl. Dieser Wolf verbarg seine wahren Gefühle, außerdem... Cuma überlegte ein wenig. Ihr war aufgefallen, dass er sie komisch ansah. Als ob er zuvor noch nie eine andere Fähe gesehen hätte. Sie schaute ihn ein wenig auffordern an, denn sein Ton hatte ihr nicht gefallen, dennoch sah sie ihn gerne an. Er war sehr groß. Sie kam sich direkt winzig vor. Wiedereinmal konnte sie nicht sauer werden, und sie packte eine ihrer größten Waffen aus: Sie verzog ihre Lefzen zu einem leichten Lächeln. Ihr Lächeln war ein wenig magisch, sobald sie lächelte oder lachte, fröhlich war oder traurig, empfanden andere es fast gleich wie sie. Da sie fast immer glücklich war, obwohl sie nicht immer dazu einen Grund gehabt hatte, war es ein sehr positiver Charakterzug, von dem sie jedoch nichts wusste. was vielleicht auch gut war, denn so war es aufrichtig und nicht gespielt. Sie schaute ihrem Gegenüber festg ins Gesicht. Sie bohrte nicht wie er mit ihren Augen, sondern schaute ihn mit wärme an.
"Cumará Tumaan. Und du, Fremder?"
Die Fähe hatte das letzte Wort besonders betont. Er sollte ruhig merken, dass sie zuhörte, und es nicht gerade höflich fand, wie er mit ihr umging. Dennoch, Cuma freute sich einfach riesig über diesen Wolf. Sie schätze ihn ein wenig jünger als sie selbst ein. Doch er sah nicht wie ein etwa zwei- oder knapp dreijähriger aus. Für sie sah er ein wenig älter aus, als sie selbst. Sie legte ihren Kopf schief und strahlte ihn an, dann legte sie sich auf den Boden. Im nächsten Moment sprang sie jedoch schon wieder auf. Sie lachte aus voller Kehle. Wie viel würde sie nur dafür geben, dass der schwarze Rüde vor ihr mitlachen würde.
"Es ist einfach zum Verzweiflen, nicht wahr? Ich konnte mich vorhin gerade noch loseisen, bevor ich gänzlich festgefroren bin...! Das ist wirklich verrückt hier, in der Gegend- findest du nicht auch?"
Sie ließ sich nicht von der kalten, abweisenden Miene des Rüden abschrecken. Irgendwo hinter dieser Fassade steckte eine Seele. Eine liebe, freundlich, ängstlich oder mutige Seele? Sie wusste es nicht.
"Du musst mir nicht antworten, falls du nicht willst. Ich habe nur sehr lange keine Wölfe mehr gesehen... Und jetzt bist du hier! Mir ist irgendwie kalt, und dir? Ich komme eigentlich aus einem warmen Land, und du? Oh... hab ich zu viele Fragen gestellt?"
Entschuldigend blinzelte sie den Rüden an. Seine Reaktion, die jetzt sicher kommen würde, ob er seine Fassade nun endlich fallen lassen würde, würde entscheiden, ob Cuma ihn mochte oder nicht.
Stumm verharrte Averic im kalten Schnee, den müden Blick auf Tyraleen gerichtet, die sich zwar regte ... aber nicht umwandte. Langsam, aber stetig sah er, wie sich der Dunst aus seinem Atem bildete und wieder verflog. Und die Zeit schien so viel langsamer zu laufen ... als würde langsam alles einfrieren.
Tyraleens Ohren hatten sich nach hinten gedreht und einen Moment wünschte sich der Pechschwarze, er könne ihre Gedanken lesen – was sie nun über ihn dachte. Sehr schnell verflüchtigte sich dieser Wunsch aber wieder, wahrscheinlich ... würde er das gar nicht wissen wollen. Dann kam ihre Antwort. Die Weiße wollte, dass er ging.
Averic sagte kein Wort, bewegte sich nicht und hatte doch ein Gefühl, als würde sie sich entfernen. Weiter und immer weiter. Unerreichbar. Bei Fenris, es ging ihm so schlecht ... Seine Pfoten waren schwerer als Blei, wie hinunter gedrückt von den Lastern seiner Schuld. Der Schwarze sollte gehen. Averic drehte den Kopf weg, eine Pfote zur Seite setzend und bereit, genau das zu tun. Aber was dann? Er würde entgültig alles verloren haben. Nein, hatte er das nicht schon? Sollte er? Konnte er? ... Der Pechschwarze senkte die Schnauze ein wenig und schloss die leeren Augen. Ein paar unscheinbare Sekunden später öffnete er sie wieder und ließ sie zu Tyraleen hinüber wandern. Wenn er jetzt ging, dann stand er am Ende der Welt. Ohne einen Weg zurück. Niemals mehr nach Hause kommend. Was gab es überhaupt noch, außer der Schuld, der Kälte, der Kraftlosigkeit, des Schmerzes, endloser Farblosigkeit, Hass, Verzweifelung? Nichts. Fast nichts. Und genau das Bisschen verlor er. Was sollte also noch geschehen? Was sollte sie jetzt schon noch kaputt machen können? Er war es doch, der bereits alles zerstört hatte.
Averics Pfoten bewegten sich langsam, allerdings wieder einen Schritt auf Tyraleen zu.
„Nein ...“
Es war nicht sehr laut ausgesprochen, aber deutlich. Und doch nicht kraftvoll. Jetzt ließ er sich auf die Hinterläufe sinken, blinzelte kurz.
„Du glaubst wohl, dass mir vollkommen gleichgültig ist, was ich getan habe ... Aber in Wirklichkeit kann ich niemandem mehr in die Augen sehen. Nicht mal mehr in diesen immer farblosen Himmel kann ich schauen. Ich weiß, dass keine Entschuldigung der Welt je reichen wird, aber ... das wollte ich nicht.“
Klanglos und irgendwie müde, war der Ton seiner Stimme. Für Hass oder Wut war kein Platz mehr. Immerhin war auch Acollon wieder fort. Nichts, wirklich nichts auf der Welt würde wohl verhindern können, dass dieser Bastard immer wieder alle im Stich ließ. Er war auch nicht wichtig. Nicht für Averic. Dafür aber für jeden und alles andere. Der Pechschwarze könnte so viel erklären, aber er versuchte es gar nicht erst. Er war sich dessen, was er getan hatte, so sehr bewusst, dass es ein anderer an seiner Stelle wohl nicht ausgehalten hätte. Er, Averic, war der einzig Schuldige, obwohl genauso Acollons Fang die Kehle der Welt beinahe zerrissen hätte.
Die Fähe schaute den Rüden halb fasziniert, halb erschrocken an. Warum alchte er nicht? Dann sah sie das leichte Lächeln in seinen Augen. Die Fähe schaute ihn an, sie war sehr verwundert. Dann musste sie losprusten.'Schatten der Finsternis'. Glucksend schaute sie zum großen Rüden auf. Die richtige Farbe hatte er ja, aber... war er nicht ein wenig zu jung, um sich solche Titel zu geben?
" Tja, was soll ich sagen? Ich bin das genaue Gegenteil von dir,... Schatten der Finsternis!"
Cuma musste abbrechen, sie konnte einfach nicht mehr. Ihr Lachen brach aus ihr heraus und sie war sehr erleichtert. Sie wollte sich zwar nicht über den Rüden lustig machen, aber das war einfach zu viel.
"Nenn mich doch bitte Cuma, Kensharion."
Wieder betonte sie das letzte Wort. Sie hätte ihn liebend gerne Kenshi genannt. Das passte viel besser zu ihm. Sie dachte nach. Er hatte noch ie Fähen gesehen? Das war komisch. Sie wollte ihm zwar nichts aufdrängen, aber sie wollte ihm zeigen, dass sie mit offenen Karten spielte.
"Wenn du denkst, du wärst der einzige, der ein ... miserables Schicksal hat, hast du dich geirrt. Oder warst du etwa blind?"
Sie taxierte ihn nun doch mit ihren Augen, die wie Eissplitter waren. Sie wollte ihm zeigen, dass sie keine dumme Fähe war, die dauernd kicherte. Sie war immer noch freundlich, aber ernst. Sehr ernst. Sie seufzte.
"Ich bin mit einem Jahr, etwa, erblindet. Es war schrecklich, du kannst dir gar nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist, wenn man das Tageslicht nicht mehr von der Nachtfinsternis ausmachen kann. Man hat das Gefühl, man könnte nie mehr glücklich werden, alles war dunkel... wenigstens konnte ich so mein Gehört bessern. Ich höre erstaunlich gut, und du? Nun, meine Familie hat mich verlassen, ebenso, wie bei dir... nehme ich an..."
Sie schaute ihn fest an. Sie war zwar offen, aber normalerweise behielt sie ihr Schicksal doch eher für sich. Sie wollte kein Mitleid. Es ging ihr doch gut, warum sollte sie Mitleid bekommen?
"Nun, ich wäre fast gestorben."
Noch ein Blick zu Kenshi, wie sie ihn jetzt schon heimlich nannte.
"Aber dann traf ich einen anderen Wolf, der mir half. Er hieß Cei, er war ein sehr liebevoller Rüde, er war für mich wie ein großer Bruder. Doch ebenso wie meine Familie... verließ er mich. Er schloss sich einem anderen Rudel an. Inzwischen konnte ich wieder sehen. Es war ein Wunder. Ebenso, wie es gekommen war, ging es auch. Auch wenn es über ein Jahr dauerte. Ich war stark von ihm abhängig, er war jedoch immer gut zu mir. Ich wollte mich nicht dem Rudel anschließen. Ich mochte es nicht und das Rudel mochte mich ebensowenig. Also ging ich weiter, wanderte. In meinem Herzen bin ich wohl eine Nomadin, wie meine Urgroßeltern. Und wie hat es dich hierher geführt? Warum bist du nichtbei deiner Familie geblieben? Sag mir, wenn ich dir zu nahe trete, ich kann es verstehen."
Sie sagte den letzten Satz sanft und leise, aber bestimmt. Es sollte keine Zweifel geben. Sie machte einen kleinen Schritt vor und stupste ihn ganz sanft an, dann ließ sie wieder ihr schönes, helles Lachen hören. Sie zwinkerte ihm zu und setzte sich schließlich. Mitlererwiele war es ihr ziemlich egal, dass sie festklebte. Oder eher: festgefroren war.
"Hattest du eigentlich schon mal Angst vor einem Stein?"
Fragte sie interessiert, biss sich jedoch genau danach auf die Zunge. Sie war doch kein Freak! Was er wohl von ihr dachte? Er hatte sie schon ein wenig... komisch gemustert, auch wenn er das anders rechtfertigt hatte. Egal. Sie war so, wie sie war. Sie lächelte ihn an, und versuchte nicht allu drängend zu wirken. Neugierig war sie trotzdem.
01.01.2010, 17:25
Banshees Blick lag ruhig auf der weiten Schneeebene, die im Westen nur von den aufragenden Bergspitzen unterbrochen wurde. Es könnte so schön sein. Langsam drehte sie ihren Kopf weg von der Weite der Berge hin zu ihrer Rudelhöhle. Es war still. Viele, sonst meist das Rudel auf Trab haltende Gesichter waren irgendwie vom Erdboden verschwunden. Hiryoga und Shani, Nyota und dann Kaede, ebenso Face, Lunar, Tyraleen und Averic. Und Acollon. Sie fühlte sich fast ein bisschen verlassen, solche Ruhe war sie nicht gewohnt. Und wenn Acollon nicht an ihrer Seite war, so fehlte etwas. Es war ihr Schicksal, nur mit ihm vollständig zu sein, ein Geschenk, wie sie früher gedacht hatte. Mittlerweile verstand sie, wie grausam diese unabwendbare Tatsache war. Wo Acollon auch immer sein mochte, er war am Leben und würde zurückkommen, aber das reichte ihr nicht. Sie liebte ihn. Für alle Ewigkeiten.
Gerade wollte die Weiße aufstehen und sich irgendjemand suchen, bei dem sie ihre Gedanken verscheuchen konnte, als ein schwarzer Wirbelwind auf sie zugerast kam. Kisha strahlte, als wäre ein Wunder passiert und wirkte wie die lebendige Freude. Wie ein gleißend heller Glücksball sprang sie um sie herum und erzählte etwas von einem Käfer, den Engaya ihr geschickt hatte. Halb belustigt halb skeptisch versuchte Banshee den Käfer im Herumgewirbel zu erkennen und musste erstaunt feststellen, dass ihre Tochter tatsächlich ein schillerndes, ziemlich großes Insekt zwischen ihren Zähnen trug. Schon war die Schwarze wieder davon gewuselt, suchte sich andere denen sie ihr Geschenk zeigen konnte. Banshee blieb mit einem Schmunzeln zurück.
.oO(Engaya, du schenkst jedem Freude, egal auf welche Weise. Schenk sie auch deiner Tochter, auf welche Art auch immer. Schenk mir Glück.)
Sie schloss langsam die Augen und sog die kalte Bergluft ein und fragte sich, ob Engaya ihr nicht schon das größte Glück geschenkt hatte, als sie ihr ihr Leben zurückgegeben hatte. Sie war sich nicht sicher. Als Schritte sich näherten, öffnete sich ihre Lider und sie wandte den Kopf zu dem Wolf, der sich zu ihr gesetzt hatte. Midnights tief blaue Augen sahen zurück und der große Rüde deutete ein leichtes Nicken an. Wenig hatten sie bis jetzt miteinander zu tun gehabt, der Schwarze war still und zurückgezogen, hatte sich kaum in das Rudel eingegliedert. Umso mehr freute es Banshee jetzt, dass er ihre Gesellschaft gesucht hatte.
“Midnight, ein schöner Tag, nicht wahr?“
Sie lächelte ihn an, ein Lächeln, das offen zeigte, dass sie sich freute, ihn zu sehen. Sie wusste viel zu wenig über ihn, um ihn gleich in ein interessantes Gespräch zu verwickeln, aber das war auch nicht nötig. Ihr kam es so vor, als würde auch der Schwarze Ablenkung suchen, ebenso wie sie nicht weiter alleine im Schnee liegen wollte. Gedanken, besonders ihre, waren oft genug scharf wie spitze Eiskristalle, deren Kälte alles einfror und einem den Atem nahm. Gesellschaft war wie Sonne, die jedes Eis dahinschmelzen ließ.
Hiryoga fiel es schwer dem gesamten Geschehen zu folgen, so viel passierte auf einmal, so vieles, was eigentlich nicht hätte geschehen dürfen. Doch in erster Linie schenkte er nur dem kleinen Welpen unter sich seine ganze Beachtung, sein Sohn der ihn nun etwas fragte und von all der Aggressivität, die in der Luft lag, wohl übermannt wurde. Die Wut war verflogen, geblieben war ein unsicherer Wolf, der zu schnell erwachsen geworden war. Der Rüde legte die großen Ohren etwas nach hinten und senkte seinen Kopf wieder zu Jakash, stupste ihn liebevoll in die Seite und schenkte ihm ein sanftes Lächeln, flüsternd und beruhigend ertönte seine Stimme.
"Nein Jakash...keine Sorge, du hast nichts angestellt, es ist alles wieder in Ordnung... "
Um seine Antwort zu bekräftigen schwang er die Rute für einen Augenblick hin und her, ehe er den Kopf hob und teilweise Kaedes Worte aufschnappen konnte. Die aufgeschnappten Informationen hatten gereicht, um sich ein kleines Bild zu malen, er nickte der Grauen zu, obwohl er wusste sie würde es nicht sehen, dennoch würde sie seinen Blick auf sich spüren und das würde ihr Antwort genug sein, sie kannte ihren Patensohn. Plötzlich tauchte Nyota auf, ihr Erscheinen ließ Hiryoga kurz zusammen zucken, seine Ohren legten sich nun gänzlich an den Kopf, die Rute zog er ein Stück ein, er kannte ihre Position im Rudel und sie war zudem noch die Schwester seiner Mutter, sie hatte die Verpflichtung Banshee von den Welpen zu unterrichten und damit ihr Urteil zu sprechen. Doch ihre Worte waren überraschend für ihn, selbst in dieser Situation wirkte sie noch freundlich, zwar ernst, jedoch kam nicht die gedachte Tadelung zum Einsatz.
"Du...aber...wie?"
Der Rüde schaffte es nicht klare Worte zu formulieren, nur sehr leise ertönte sein Gestammel, ehe er den Kopf schüttelte und einen Moment still verharrte, ehe er nochmals die Stimme erhob, dieses Mal mit etwas mehr Selbstsicherheit.
"Ich weiß...es war keine bewusste Handlung und wir wussten nicht, was wir tun sollten, also hielten wir das Geheimhalten fürs erste als eine Lösung...natürlich war das dumm...wir können die Welpen nicht ewig verstecken und nun ist es zu spät. Du wirst es Banshee sagen müssen, nicht? Warum bietest du uns dann noch Hilfe bei der Jagd an? Ihr solltet uns eher verjagen..."
Und plötzlich redete er so viel, so viel wirres Zeug, welches er eigentlich nicht hatte sagen wollen, aber wieder überkamen ihn die Gefühle und er wusste nicht weiter, sie wussten nicht weiter, die Situation war eskaliert, er schüttelte nur den Kopf und fühlte sich so elendig, sein Körper schien sich etwas zum Boden zu senken, jedoch achtete er darauf, dass er Jakash nicht zu nahe kam.
Hiryoga schien von ihrer Anwesenheit plötzlich äusserst verunsichert, und sie sah ruhig zu wie der junge Vater sich mit angelegten Ohren optisch verkleinerte und die Rute einzog. Also wirklich, als ob das nötig wäre, sie lag doch eh schon sehr gemütlich..nunja, gut, eigentlich war es überhaupt nicht gemütlich sondern grausam schmerzhaft, aber zumindest deutlich besser als zu stehen.
Auf die Worte des Rüden hin zuckte sie leicht mit den Ohren, bevor sie ein leises, raues Lachen hören lies. Verflucht, sogar dass tat weh, und es klang scheußlich.
"Mein lieber Neffe, hast du vergessen wer hier Alpha ist?"
Sie machte eine kurze Pause, und gab dem Lächeln Zeit, sich auf ihren Leftzen auszubreiten.
"Deine Mutter würde dich nie fortschicken, und wenn du ihr an die Kehle gingest"
Mit etwas Mühe robbte sie näher, stupste grinsend Jakash mit der Pfote an, und sah dann, mit nunmehr sehr sanftem Blick, zu Hiryoga auf.
"Du siehst aus als hättest du dem Teufel in die Augen gesehn. Du solltest lieber lächeln, immerhin hast du wunderbare Welpen! Ich werde Banshee Bescheid geben, und wir werden dafür sorgen dass ihr etwas Fleisch zwischen die Zähne bekommt"
Recht umständlich erhob sie sich nun, den Kopf so tief haltend wie möglich, um die angerissenen Sehnen nicht noch mehr zu belasten. Sie trat noch etwas vor, und stieß sanft die Nase gegen Hiryogas Brust.
"Macht euch keine Sorgen. Ich kümmere mich um alles. Nimm du nur deine Kleinen wieder mit in die Höhle, und pass auf dass die Kälte ihnen nichts antut. Ich werde ...nun, nein, ich werde fürs erste nicht jagen, aber ich werde Jäger losschicken und euch nachher die Beute bringen."
Damit schloss sie, und wand sich nocheinmal an Jakash.
"Machs gut Jakash Kaijeh, wir sehn uns bald wieder."
Mit einem etwas schmerzhaften Lächeln stupste sie auch nocheinmal Kaede an, und wand sich dann um, um, so schnell ihr Zustand es eben erlaubte, den Rückweg zur Rudelhöhle anzutreten. Jeder elendige Schritt tat weh, und war die Blutung gestoppt als sie lag, so würde sie spätestens jetzt wieder weitergehen, weil die Bewegungen an der Wunde rissen. Lunar...naja, immerhin wusste sie nun woran sie war.
Schnee...Schnee...hinter ihr blieb eine Spur aus unregelmäßigen, mal größeren und mal kleineren Blutstropfen, die ihr aus dem Fell fielen. Schnee... Witterung!
Nyota war nicht mehr allzu weit von der Rudelhöhle entfernt, aber auch noch nicht in Sichtweite - und Banshee war hier vor nicht allzu langer Zeit langgekommen...also folgte sie der Fährte. Ein, zwei mal blieb sie stehen, lies sich für ein paar erholsame Momente in den Schnee gleiten und erhob sich sogleich wieder.
Da vorne...den Schwarzen hatte sie deutlich eher gesehen, aber nun erkannte sie auch ihre Schwester neben ihm, und beschleunigte die schmerzhaften Schritte etwas. Vor den beiden angekommen lies sie sich ohne Umschweife wieder in den Schnee fallen, und legte den schwer gewordenen Kopf auf die Läufe.
"Wunder dich nicht, Schwesterchen, aber stehen ist gerade etwas unangenehm...ich hatte eine kleine Meinungsverschiedenheit mit Lunar, weißt du?"
Ihre Stimme war wieder gepresst, es war einfach nicht gut jetzt soviel zu reden. Aber es musste sein. Zwinkernd sah sie zu der Weißen auf, und schenkte auch Midnight ein Lächeln, bevor ihr Blick wieder ernst wurde.
"Aber...etwas ganz anderes. Wir haben Welpen"
Die gewohnte Kunstpause würde die Worte wirken lassen, und seelenruhig betrachtete sie Banshee dabei. Sie wollte ihr einen Moment Zeit lassen, und fuhr dann fort.
"Hiryoga und seine hübsche Gefährtin sind die Eltern. Sie sind sehr mager, wir müssen sofort ein paar Jäger losschicken und ihnen etwas zu Fressen besorgen. Besonders Shani wird es sehr nötig haben."
Sie endete, und schloss die Augen. Welch beruhigende Dunkelheit...für einen winzigen Moment verging der Schmerz, aber er kam sofort wieder zurück, und sogleich öffnete sie die Augen wieder.
"Ich hoffe, ich habe euch nicht im Gespräch unterbrochen"
Der schwarze Rüde blickte die Fähe verwundert an, als diese anfing zu lachen. Was gab es denn zu lachen? Er hatte doch nichts anderes getan, als seinen Namen gesagt. Doch langsam dämmerte es ihm wieso sie sich so verhielt und dieser Verdacht bestätigte sich an ihrer Art, wie sie in ihrem nächsten Satz ‚Schatten der Finsternis’ aussprach. Was war denn an seinem Namen nicht in Ordnung? Er war halb beleidigt, halb verärgert. Man sollte alles mit ihm machen, aber nie sollte man sich erlauben, sich über ihn lustig zu machen! Kensharion mochte das nicht, aber er sagte nichts, den er wollte sie nicht verletzten. Zu genau wusste er, dass seine Worte nicht immer freundlich waren, ganz im Gegenteil, kalt wie Eis konnten sie sein. Bevor der Schwarze also etwas Falsches sagte, schwieg er und wartete die Reaktion von Cumará ab.
Die Graue forderte ihn auf, sie Cuma zu nennen. Der Rüde überlegte, aber für ihn wirkten Spitznamen immer aufs Vertrauen aus. Nur wenn jemand ihm besser bekannt war, oder gar ein guter Freund und Verwandter war, nannte er diesen oder diese mit Spitznamen. Schmerzvoll erinnerte er sich daran, wie er seine Bärengeschwister liebevoll Brachi und Bricha genannt hatte. Er erinnerte sich, wie er das erste Mal, als er diese Spitznamen genannt hatte, gelacht hatte, weil sie so ähnlich klangen. Und sie hatten ihn immer Kenshi genannt, der Name hatte ihm gefallen. Es klang viel liebevoller, als Kensharion, obwohl dieser sein richtiger Name war. Der schwarze Schatten seufzte. Diese Zeiten waren wohl für immer vorbei.
Mit einem Ruck riss er sich zurück in die Realität. Cumará Cuma nennen? Er sah sie das erste Mal und er sollte sie schon mit Spitznamen nennen? Kensharion würde es wohl nicht tun, aber vielleicht würde er es einfach vermeiden, ihren Namen zu nennen, es störte ja wohl nicht. Der Rüde schmunzelte in sich hinein. Es erschien ihm lächerlich, was für Gedanken er hatte, aber dennoch fand er, dass es einen tieferen Sinn hatte.
Kenshis Ohren zuckten, als er hörte, wie die sanfte Stimme der Fähe seinen Namen besonders betonte. Was sollte das bedeuten? Fand sie auch diesen komisch? Er war schon beinahe etwas empört. Denn diesen Namen hatte ihm seine Bärenmutter Sharanta gegeben und es traf ihn, dass man sich über diesen lustig machte, dennoch sagte er nichts, denn seine Selbstbeherrschung war gut. Er blickte wieder zu Cumará, schwieg weiterhin und wartete ab, was sie noch zu sagen hatte. Er hoffte innenständig, dass sie nicht noch mehr beleidigendes auf der Zunge hatte, sonst würde er vielleicht doch die Kontrolle über sich selbst verlieren. Aber dann dachte Kensharion anders. Irrte er sich vielleicht in ihr? Meinte die Fähe es wohlmöglich gar nicht so? Die sanfte Gestalt sah nicht danach aus, als hätte sie eine giftige Zunge. Mit diesen Gedanken, lauschte er, was die Graue noch zusagen hatte.
Ihre Worte erschreckten ihn. Wieso meinte sie das? Er hatte nichts davon gesagt, dass er eine elende Vergangenheit hatte, denn er hatte eigentlich auch keine. Er war glücklich gewesen mir den Bären, das einzige Traurige daran war nur, dass er seine leiblichen Eltern nie wirklich kennen gelernt hatte, aber seine Welpenzeit war schön gewesen. Was ihn jetzt traurig machte war, dass er die Bären verlassen musste. Er verstand nie wirklich wieso, aber er wusste dennoch, dass sie Einzelgänger waren. Und Brachi und Bricha waren bei weitem nicht so traurig wie er, als sie ihre Mutter verlassen hatte und ihn, Kensharion. Und Sharanta, sie war auch nicht sonderlich traurig, als sie Ihren einzigen Wolfsohn verlassen musste. Der schwarze Schatten hatte sich nicht gewünscht, dass seine Familie wegen ihm traurig war, aber es hatte ihn dennoch traurig gemacht. Denn tief in seinem inneren war er immerhin noch ein Rudeltier, nur wusste er es nicht.
Wieder merkte Kenshi, dass seine Gedanken in die Ferne schweiften. Er riss sich abermals zurück in die Gegenwart, aber konnte seine Vergangenheit einfach nicht vergessen. Dann stieß sein Gedächtnis wieder auf die Worte, die Cumará gesagt hatte. Sie hatte selber ein elendes Schicksal, das war der Grund, warum sie davon ausging, dass auch das des Rüden elend war, weil er nicht mit Wölfen aufgewachsen war. Dann stellte sie noch eine merkwürdigere Frage. Ob er blind war? Nein! Sonst würde er sie doch jetzt nicht sehen können. Dieses ‚war’ in ihrem Satz störte ihn. Wie konnte er denn blind gewesen sein und jetzt wieder im Stande zu sehen? Kannte sie etwa jemand, dem so etwas widerfahren war? Oder… nach ihrem Ton zu schließen, hielt Kenshi es sogar für möglich, dass sie es selbst erlebt hatte.
“Ich weiß nicht wovon du sprichst, aber mein Schicksal war nicht elend und ich war auch nicht blind, wie kann es denn sein, dass ich blind war und es jetzt nicht mehr bin?“
Fragte der Schwarze dennoch, denn er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass man wieder an das Augenlicht gelangen kann, wenn man es verloren hatte.
Bevor sie ihm antwortete, schaute sie ihm in die Augen, nicht wie am Anfang so freundlich und sanft, sondern ernst. Er begegnete ihrem Blick auf selber Weise, darauf bedacht, nicht zu hart zu sein. Aber Cumarás Antwort bestätigte in der Tat Kensharions Vermutung, aber er konnte es dennoch nicht fassen. Dann fing sie an von ihr zu erzählen und der Schatten wunderte sich über ihre Offenheit. Er hätte es nicht geschafft einem Fremden so viel von sich selber zu erzählen. Dennoch hörte er ihr gespannt zu. Ihr bericht endete damit, dass sie ihn fragte, welches Schicksal ihm widerfahren war.
Aber zu seiner Erleichterung fügte sie noch hinzu, dass sie es verstehen würde, wenn er es nicht tun würde. Die Fähe sagte diese Worte sanft und leise, aber erhrlich und aufrichtig. Kenshis Ohren schnippten abermals, bei dem Vernehmen ihrer schönen Stimme. Er war sehr dankbar für ihre Worte und blickte sie mit seinen eisblauen Augen, die vor wenigen Augenblicken noch Kälte ausgestrahlt hatten, freundlich an.
Wie schon einige Male tat Cumará wieder was Unerwartetes. Sie kam auf Kenharion zu und stupste ihn sanft mit der Schnauze an. Der schwarze Rüde ließ es über sich ergehen, denn obwohl er fand, dass sie ihm schon ein wenig zu nahe trat, sagte er nichts. Schließlich war es keine böse Absicht und er befürchtete sie zu kränken, wenn er abweisend auf diese liebevolle Geste reagieren würde. Aber er erwiderte die Liebkosung nicht, um zu zeigen, dass er noch immer eine neutrale Stellung zu ihr hatte. Der Rüde würde sie noch besser kennen lernen müssen, bevor er über sie urteilen konnte. Dennoch weigerte sich Kensharion, ihr von seiner Vergangenheit zu erzählen, aber was ihn hierher geführt hatte, wollte er ihr mindestens verraten, denn das war er Cumará schuldig, nachdem diese so viel von sich selber erzählt hatte. Immerhin empfand er es so, denn er war stets gerecht.
“Ich wandere allein und suche nach irgendwas, von dem ich nicht weiß, was es ist. Einfacher gesagt, ich habe kein festes Ziel vor Augen, aber wenn es dir nichts ausmacht, wandere ich mit dir, denn du hast doch ein Ziel, oder?“
Er stoppte kurz und blickte hinauf in den Himmel. Ein großer Raubvogel zog seine Kreise über ihnen. Kensharion witterte kurz. Ein totes Tier, ganz weit in der Ferne. Er wusste, dass die Fähe es vielleicht gar nicht mehr vernehmen konnte, aber weil er mit den Bären gelebt hatte, war er imstande es zu tun. Er hatte immer schon von ganz weitem den Honig gewittert, den sie im Sommer zu verzehren pflegten. Wie er sich doch nach diesen Zeiten sehnte. Er war weit weg von seiner Familie, sie wohnten, immerhin im Sommer, am Fuße der Gebirge. Er dachte an den herrlichen Geschmack von Honig und musste sich zwingen, sich wieder Cumará zuzuwenden. Er fuhr fort.
“Über mein Schicksal möchte ich jetzt nicht so gern sprechen, später werd ichs dir erzählen“
Er meinte es wirklich so, denn er war sich ziemlich sicher, dass diese Fähe sein Vertrauen schon bald gewinnen würde, aber er musste sich wirklich sicher gehen, dass sie vertrauenswürdig war. Er sah sie an und nahm derweil auch wieder die Witterungen der Natur auf, die er für einen Moment fast vergessen hatte. Die Bären hatten ihn immer gelehrt, sie seien eins mit der Natur, sie musste mit ihr verschmelzen und alles von ihr in deren Körper eingehen lassen. Nun besaß er diese Gabe, alles wahrnehmen zu können. Er schmunzelte und war gleichzeitig traurig, als er merkte, dass er in Gedanken wieder bei seiner Familie war. Dann blickte der Rüde die Fähe an. Sie öffnete ihr Maul um etwas zu sagen und was daraus kam, verblüffte ihn, wie schon viele Male in deren Gespräch. Ob er mal Angst vor einem Stein hatte? Nein! Wie sollte er denn, so ein stolzer Bär, nein, er war ein Wolf, konnte doch keine Angst vor Steinen haben!
“Nein, wie kommst du darauf?“
Fragte Kenshi verwirrt und blickte die Fähe aus seinen eisblauen Augen an. Im Einklang mit der Natur wartete er auf die Antwort von Cumará. Sie wurde ihm immer sympathischer.
Wieder musste Cuma lachen. Sein verwunderter Gesichstausdruck war wirklich lustig. Ersteinmal musste sie ihm etwas klar machen:
"Du, ich wollte mich nicht über dich lustig oder so machen, okay? Nicht dass du denkst, dass ich deinen Namen lustig finde. Kensharion ist ein sehr schöner Name."
Sie blinzelte ihn verlegen an, den letzten Satz hatte sie eher gedacht! Nicht, dass er gleich dachte, sie würde... sie dachte den Satz lieber nicht zu Ende.
Er hatte sie erst missverstanden, sie meinte doch nicht ihn mit der Blindheit, sie hatte von sich gesprochen! Hatte sie nicht die 'ich'- Form benutzt? Doch, eigentlich schon! Verwundert betrachtete sie den Rüden. Er schien eine Last mit sich zu tragen, für die ein Rüde von seinem Alter vielleicht noch nicht bereit zu tragen war. Doch dann schaute sie ihm in die Augen, und vergaß alles. Seine Augen waren nicht mehr kalt und abweisend. Zugegeben, ein wenig kalt und abweisend schon, aber nichts im Vergleich vor ein paar Minuten. Minuten? Vielleicht auch Stunden. Es fröstelte Cuma am ganzen Körper, sie versuchte sich jedoch zusammen zu reißen. Es war sehr schwer. Wieder fing sie an zu zittern, diesmal unkontrolliert und heftiger. Ihr war wirklich sehr kalt, ihre Fußballen frore stark und an ihrer Nase hing ein winziger Eiszapfen. Sie lächelte immer noch zum Rüden, doch ihr Lächeln gefror langsam. Zu schaute auf den Boden. Er war so weiß... so weiß... Jetzt vermisste sie aufeinmal doch ihre alte Heimat, das sonnendurchflutete Tal, die saftig grünen Wiesen, die Vogelstimmen, und noch so viel mehr. Ein wenig Kummer breitete sich in ihr aus. Sonst war sie doch immer eine solche Optimisstin, und jetzt wollte sie auf einmal aufgeben? Hatte das vielleicht mit Kenshi zu tun? Ein Blick genügte, und ihr Vorwand hatte sich erledigt. Kenshi war nicht schuld, wie hatte sie nur so etwas denken können! was sollte sie nun sagen, auf seine Frage wegen dem Stein? Sie beschloss, ehrlich zu sein. Sie war die ganze Zeit ehrlich gewesen, dann war sie es auch jetzt.
"Weißt d-du, mir setzt di-di-diese Kälte glaub ich st-stärker zu als-s dir! Da-as mi-t..."
sie unterbrach sich. Sie konnte ja kaum noch sprechen! Nocheinmal riss sie sich zusammen und sagte mit fester, kaum bebener Stimme:
"Ich bin an-n diese Landschaft nicht gewöhnt, des-deswegen hat mich dieser grau- schwarze Stein so erschrocken, ich dachte, es wäre ein Tier oder s-so...!"
Sie schloss mit einem entschuldigem Lächeln. Sowohl für ihr Stottern, wie auch für ihre mehr als peinliche Geschichte. Die Geschichte mit dem Stein. Sie würde sie wohl nie mehr vergessen. Bisher hatte Kenshi nich gar nicht gezittert. Ihm war wohl nicht kalt. Wie gerne würde sie sich jetzt an ihn schmiegen und eine Höhle suchen, in der sie sich, eng aneinander gekuschelt, ausruhen konnten von der Eiseskälte. Ihr Blick huschte kurz über Kensharion. Der Name war wirklich schön. Ken-sha-ri-on. Jede Silbe ließ sie sich auf der Zunge zergehen. Sie lächelte matt.
oO Habe ich ein Ziel? Nicht, dass ich wüsste... obwohl... eine Höhle zu suchen, zählte das auch als Ziel? Ich werde ihn fragen Oo
Die Fähe schaute an ihm vorbei, wahrscheinlich war ihm ein wenig unbehaglich, wie sie ihn anschaute. Fordernd? Cuma hoffte, dass er es nicht so aufnahm. Außerdem spürte die Hübsche, dass sie keine Chance bei ihm hatte. Er war zwar ein wenig offener geworden in den letzten Minuten, aber Körperkontakt war nicht drin. Sie hatte auch gespürt, dass er es nicht mochte, wenn sie ihn berührte. Er hatte es ihr nicht gesagt, dennoch wusste sie es. Sie seufzte- warum war dieser Wolf nur so leise, warum redete er nicht? Es half ungemein, sich seine Sorgen einfach wegzureden. Mit jemandem zu reden. Aber natürlich traute er ihr nicht. Eine Schwäche vo Cuma war wohl, dass sie sehr schnell Vertrauen fasste. Manchmal war es auch eine Stärke, aber nicht immer. Vermutlich hatte Kenshi eine schwere Trennung durchlebt, oder zumindest so etwas ähnliches. Eigentlich war er nur hier, bei ihr, wenn sie mit ihm sprach. Wenn Stille einkehrte, wie es fast die ganze Zeit war, wurden seine Augen irgendwie... anders. Er war weg. Mit seinen Gedanken, seiner Seele? Beides möglich. Sie wollte nur noch eines zu ihm sagen, was das Vertrauen betraf:
"Kensharion, egal, ob du mir dein Schicksal erzählen willst oder nicht, egal ob jetzt oder irgendwann oder vielleicht auch nie... du hast mein Vertrauen. Du kannst mir vertrauen. Ich weiß, es ist nicht einfach. Vermutlich fasse ich viel zu schnell Vertrauen in andere Wölfe, ich möchte nicht aufdringlich sein, bitte sag mir, wenn ich zu weit gehe. nd jetzt würde ich gerne eine Höhle oder so suchen, mir ist wirklich kalt.!
sie schaute ein letztes Mal auf sein schönes Fell, das sie vielleicht nie spüren würde. Nocheinmal seufzte sie, dann fragte sie:
"Und, kommst du mit?"
Die Stille dieses Ortes harmonierte mit der Stille, die der Rüde in sich trug und die mit trister Monotonie und Einsamkeit verschmolzen war. Nur mit dem Unterschied, das es hier überall Leben gab, obwohl diese Region so lebensfeindlich wirkte. Trotzdem lebten sie schon eine Weile hier und waren nicht zu Grunde gegangen. Er selber hatte Monate in einer Eiswüste gelebt, in der es das ganze Jahr bitterkalt war und immerzu geschneit hatte. Auch dies hatte er überlebt, wie bestimmt schon einige Dinge, an die er sich jetzt nur nicht mehr erinnern konnte. Wie hatte er vergessen können? Alles, was ihn einst ausgemacht hatte, war im Dunst der Vergangenheit verschwunden und nicht ein Mal ein kleiner Schleier, ein Hauch war zurück geblieben. Alles was war, war die Tatsache, das er weiterhin seine Existenz hier bei diesem Rudel in den Bergen verbrachte, ohne den Blick darauf, das er lebte. Zum Leben gehörte doch so viel dazu, alleine an ihm schien es immer vorüber zu schreiten, den Nachtsohn zu meiden.
Nachdem Midnight den Blick der tiefblauen Augen hatte wandern lassen, galt seine Aufmerksamkeit der Leitwölfin, um die es neuerdings recht ruhig geworden war. Sonst gab es immer etwas, was sie zu tun hatte oder jemand, der ihre Aufmerksamkeit verlangte. Dies war wohl einer der seltenen Momente, in denen Banshee auch mal für sich sein konnte, in denen sie nicht gestört wurde, ein wenig Zeit alleine hatte. Da wollte er eigentlich nur ungern stören, allerdings machte die Alpha keinerlei Andeutungen, dass er ungelegen kam. Oder sie überspielte dies nur sehr gut. Obgleich des leichten Zweifels, blieb Midnight an seinem Platz, nicht zu nah und nicht zu weit entfernt. Als sie ihn begrüßte, sah er ihr einen Augenblick in die Augen, wandte dann den Blick ein Stück zur Seite, so als fürchte er den direkten Blickkontakt. Seinen Blick ließ er jedoch in ihrer Richtung hängen, während er über ihre Worte nachdachte. Ein schöner Tag? Was machte einen solchen tag aus und unterschied ihn von anderen Tagen? Er schloss einen Augenblick die Augen, lauschte in sich hinein, denn es hieß, wenn man auf eine Frage keine Antwort wusste, sollte man in sich hinein lauschen. Aber da war nichts. Alleine die Ruhe, eine endlose Winternacht, still und alles war unter einer Schneedecke begraben. Einzig sein Herz schlug dumpf, es dröhnte schon fast, so sehr bildete es einen Kontrast der Geräuschlosigkeit.
„Was unterscheidet einen schönen Tag von anderen Tagen? Nicht jeder Tag ist gleich, vom Ablauf jedoch schon. Was macht also einen schönen Tag so besonders?“
Kensahrion zog unmerklich die Stirn kraus, als Cumará schon wieder anfing zu lachen? Sie wirkte nicht so, als hätte sie ein elendes Schicksal erlitten, ganz im Gegenteil, sie wirkte fröhlich und gelassen. Dann begann sie wieder zu sprechen. Sie fand seinen Namen gar nicht komisch? Die Graue sagte sogar, sie fand ihn schön. Aber wieso hatte sie denn so gelacht? Der große Rüde überlegte kurz, bis auf sich damit begnügte, dass sie einfach so zu nehmen war, wie sie war. Als er sie wieder anblickte, entging ihm nicht, dass sie ihn etwas verlegen anblinzelte, nachdem sie gesprochen hatte. Auch dafür fand er keine Erklärung, aber suchte auch nicht weiter nach einer. Der Schwarze blickte die Fähe an und schwieg weiterhin, während er abermals auf die Reaktion seines Gegenübers wartete. Er war eben wortkarg, doch beobachteten konnte und mochte er. Er musterte Cumará erneut und merkte, dass sie anfing zu zittern. Es wurde immer heftiger, es war kaum zu übersehen, dass sie fürchterlich fror. Kensahrion spürte nichts dergleichen, obwohl er eigentlich am Fuße des Gebirges aufgewachsen war, wo es allemal wärmer war als hier. Aber vielleicht schützte ihn sein rabenschwarzes Fell, was Wärme und Licht absorbierte einfach besser. Als die graue Fähe wieder zum sprechen ansetzte, stotterte sie fast nur. Kenshi verstand kaum ein Wort und Cumará, die das zu merken schien, unterbrach sich selbst. Erst als sie sich ein wenig gefasst hatte, startete sie einen neuen Anlauf, dieses Mal verständlicher.
.oO(Ein Stein mit einem Tier verwechseln? Wie kann das denn möglich sein? Man spürt doch ganz deutlich, dass kein Leben in ihm pulsiert!)
Der schwarze Schatten war ein wenig verwirrt. Die Graue war älter als er, wie konnte es sein, dass sie einen Stein mit einem Tier verwechselte? Oder überschätzte er die Wölfin? Er wusste es nicht, schließlich hatte er nicht sehr viel mit seinen Artgenossen zu tun gehabt. Er fragte Cumará deshalb auch nicht, denn es interessierte ihn ehrlich gesagt auch nicht sonderlich. Er schwieg weiterhin und wartete ab. Wenn die Fähe nichts mehr zu sagen hatte, wollte er losgehen, denn schließlich konnte er nicht den ganzen Tag hier verbringen. Kensharion warf der Fähe einen höflichen Blick zu und ihm entging nicht, dass die Graue ihn etwas verträumt ansah. Stimme etwas mit ihm nicht? Er schüttelte sich wieder, in der Hoffnung, ihrem Blick entgehen zu können, ließ sich aber kein bisschen anmerken, was er empfand. Doch Cumará hatte ihren Blick schon abgewandt und sah in die Ferne. Der große Schwarze sah sie noch immer schweigend an, würde sie noch was sagen? Er entfernte sich in Gedanken wieder von der Realität, wobei er dennoch auf alles achtete, auf jede mögliche Gefahr, doch man sah es ihm überhaupt nicht an. Er schien wirklich abwesend zu sein, was aber nur täuschte. Aber seine Ohren zuckten unwillkürlich, als er das Wort Vertrauen vernahm. Er sollte ihr vertrauen? Aber wie denn? Sie kannten sich doch noch gar nicht richtig. Was sagte sie noch?
.oO(Was will sie denn von mir? Ich fasse eben nicht so schnell Vertrauen, wie sie es tut und jetzt wiederholt sie sich auch schon. Hatte sie nicht schon gesagte, dass ich mein Schicksal nicht erzählen muss? Hab ich nicht auch schon darauf geantwortet?)
Der Rüde verstand die Fähe nicht ganz, aber er fand sie dennoch nicht abstoßend. Für Cumará wirkte es vielleicht nicht unbedingt so, aber sie konnte schließlich nicht Gedanken lesen und erste recht nicht seine.
Schließlich beendete die graue Wölfin das Gespräch, indem sie sagte, sie würde eine Höhle suchen wollen. Kensharion wollte sich schon zum gehen wenden, als Cumará fragte, ob er mit ihr gehen wollte. Er hatte doch schon gesagt, dass er mit ihr reisen würde, falls es sie nicht störte. Aber die Fähe schien es überhört zu haben, deshalb nickte der der Große einfach und lief voraus. Er war wohl eher im Stande eine Höhle zu finden, als die halb erfrorene Wölfin. Mit einem letzten Blick auf Cumará setzte er sich in Bewegung. Seine Geschmeidigen Pfoten trugen ihn mit bewundernswerter Eleganz. Ein Ohr war nach hinten zur Fähe gerichtet, das andere vernahm alles andere. Er sog die frische Luft ein und verfiel in einen leichten Trab.
Die Graue hatte keine Lust mehr, zu reden. Er schien sie nicht für sehr intilligent zu halten, aber was konnte sie denn dafür, dass sie den Stein mit einem Tier verwechselt hatte? Es gab doch auch tote Tiere... Sie schaute ihn mit ihren Augen an, oder versuchte es, eher gesagt. Denn er hatte sie prompt überholt und an die Spitze gesetzt. Verärgert schnaubte die Fähe. Normalerweise war sie doch so ruhig, warum war es bei diesem Rüden anders als bei anderen Wöfen? Sie starrte verbissen auf den Rücken des Schwarzen. Sie würde sich nichts mehr anmerken lassen. Mit gelassener Miene, wenn auch nur aüßerlich, setzte sie mit fast lautlosen, geschmeidigen Sätzen an dem Rüden vorbei. Nun war sie vor ihm. Wenigstens musste sie nicht mehr seine Rute begutachten. Das durfte er nun bei ihr tun. Sie hatte das ungute Gefühl, dass der Rüde sie nicht mochte. Nein, das war das falsche Wort... dass er sie einfach seltsam fand, ja das war das richtige Wort. Kurz blickte sie sich zu ihm um. Als sie ihn vorhin beobachtet hatte, und auf sein Fell gestarrt hatte, hatte er das seltsam gefunden, das spürte sie. Er war es überahupt nicht gewohnt, mit anderen Wölfen um zu gehen. Langsam wurde die Fähe auch ein wenig traurig.
Was sollte sie nur mit einem so wortkargen Rüden anfangen, der bisher nur wenige Sätze gesprochen hatte und sie dann immer wieder irritiert gemustert hatte. Entschlossen drehte die Fähe sich um. Wenn er nicht schnell genung war, würde er total in sie hinein krachen, was die Fähe bezweifelte, denn er hatte eine schöne Fortbewegungsart, geschmeidig und elegant. Sein Stil war ein wenig ähnlich wie ihr eigener und doch ganz anders.
"Hör mal, wenn du mich komisch findest, dann würde ich gerne wissen, warum. Ich kann es verkraften, weißt du? Also sag mir einfach, was du blöd findest und verdammt nochmal sprich drüber, okay? Wie soll ich es denn aushalten... wie sollst DU es aushalten, mit mir zu reisen, wenn ich nicht meine Fehler verbessern kann?!"
Sie schnaubte nocheinmal und schritt weiter. Sie lief nicht, sie schritt. Mit einer Eleganz, wie noch nie. Mit leichten Sprüngen lief sie weiter. Es lieg an ihm, ob er mitkommen wollte oder nicht. Sie würde allein überleben, dass hatte sie auch davor geschafft- und zwar alleine, ohne ihn. Schon bereute sie ihre Gedanken wieder. Denn auf eine bestimmte Art verstand sie ihn. Sie nahm sich vor, nicht mehr ganz so offen zu sein. Er schien davon ziemlich irritiert, was Cumará zwar nicht verstand, aber dennoch akzeptierte. Vermutlich hatte sie sich zu sehr ihm aufgedrängt. Sie seufzte leise und blieb stehen. Da hinten sah sie doch was, war das etwa eine Höhle?!
"Schau, da, Kenshi... ähm, Kensharion! Dort oben ist eine Höhle... das ist doch eine Höhle oder? Komm!"
Cuma hatte den kleine 'Streit', wenn man es so bezeichnen konnte, in diesem Moment vergessen und sie hatte auch vergessen, dass die Kensharion nur in ihren Gedanken Kenshi nannte. Mein Gott, musste sie sich jetzt schon Gedanken machen, wie sie ihn rief?
"Tut mir leid, dass ich dich 'Kenshi' genannt habe, das war keine Absicht."
rief sie, dann machte sie sich weiter auf den Weg. Dann- plötzlich- sprang etwas an ihr vorbei. Ein... Kannchen?! Wie angewurzelt blieb die Fähe stehen. Wasser lief ihr im Mund zusammen. Sie brauchte nun Kenshi, er musste ihr helfen, die Beute zu fangen, hoffentlich hatte er ebenso wie sie, es gesehen. Sie blickte sich wortlos um, um ihm zu bedeuten, dass er kommen sollte, und zwar leise. Würden sie das Kaninchen erlegen können? Hoffentlich, denn Cuma verspürte in diesem Moment großen Hunger.
Kensharion lief voraus, in der Hoffnung schnell eine Höhle für die frierende Cumará zu finden. Er empfand nichts für sie, immerhin jetzt noch nicht, aber so wie sie zitterte, tat sie ihm wirklich leid. Seine äußerst elegante Gangart trug ihn so schnell voran, dass er sogar im Trab ein ordentliches Tempo drauf hatte. Er hatte es sich angewöhnt, denn schließlich musste er mit Bären mithalten, die zwar schwerfälliger waren, aber dennoch viel größere Schritten gemacht hatten als er. Er kümmerte sich nicht darum, ob Cumará mitkam, denn es war ohnehin besser, wenn sie schneller ging, dann wurde ihr immerhin warm. Er spielte mit seinen gespitzten Ohren, damit ihm nichts entging. Doch plötzlich sah er, wie die Graue an ihm vorbei lief, vor ihn.
.oO(Was hat sie bloß? Will sie sich vielleicht wirklich aufwärmen?)
Kensharion sah sie verwundert an, aber sie sah ihn nicht, denn sie stand mit dem Rücken zu ihm.
Und plötzlich, wieder ohne jegliche Vorwarnung begann sie zu sprechen. Ihre Stimme bebte nicht mehr so, aber sie klang erregt. Der schwarze Schatten war erschrocken und irritiert zu gleich, ließ sie aber wieder nichts anmerken, denn wenn es darum ging, seine Gedanken zu verbergen war er ein Meister. Was sagte sie denn da? Kenshi wunderte sich über ihre Worte.
.oO(Hab ich jemals gesagt, dass ich sie komisch finde? Hab ich jemals gesagt, dass sie etwas flasch gemacht hatte? Nein! Wie kommt sie denn darauf?)
Der Rüde verstand es mal wieder nicht, denn die Gedanken anderer zu erraten konnte er umso weniger. Er schaute ihr verwirrt ins Gesicht. Was sollte er sagen? Er wollte gar nichts sagen, obwohl die Fähe ihn dazu aufgefordert hatte. Zum Zeichen, dass er nicht gesagt hatte, dass sie etwas falsch gesagt hatte, schüttelte er nur seinen schönen fein geformten Kopf und blickte sie mit seinen eisblauen Augen an. Beim besten Willen, Kensharion wusste nicht, was er sagen sollte! Er lief einfach weiter und holte sie mit seinen großen Schritten ein. Eine Weile liefen sie schweigend weiter, bis Cumará wieder zu sprechen begann. Sie hatte eine Höhle gesehen? Unmöglich, sonst hätte er sie auch gesehen. Er blickte in die Richtung, in die auch die Fähe blickte und lachte innerlich. Nein, das war keine Höhle, das war nur so groß wie ein Loch. Denn das Echo das es zurück warf war viel zu gering, es ließ mit Sicherheit keine zwei Wölfe hinein. Doch Kenshis Ohren zuckten unwillkürlich zusammen, als er seinen Spitznamen vernahm. Er wollte schon fragen, wieso sie ihn so nannte, aber da entschuldigte sie sich schon. Er schüttelte seinen edlen Kopf und beantwortete somit die Frage der Höhle. Dennoch fügte der Rüde hinzu.
“Nein, viel zu klein.“
Plötzlich hörte der Kensharion ein leises Scharren und kurz danach sprang auch schon etwas an ihnen vorbei, ein Kaninchen. Er beobachtete es, genauso wie er Cumará beobachtete. Sie schien Hunger zu haben, denn sie sah das kleine Tier unentwegt an. Dann machte sie Andeutungen auf eine kleine Jagd. Kensharion sah sie wieder einmal verwundert an, dafür musste man doch nicht zu Zweit jagen! Der Schatte war ein hervorragender Jäger, schnell, wendig, geschickt und leise, außerdem so unauffällig wie ein Schatten. Mit einem Letzten Blick auf Cumará setzte er sich in Bewegung und setzte mit lautlosen und großen Sprüngen dem Kaninchen nach. Schon nach kurzer Zeit erschlaffte es zwischen seinen Fängen und Kenshi spürte, wie das warme Blut in sein Maul lief. Der große Rüde lief damit zurück zu der Grauen und ließ es wortlos vor ihren Füßen fallen. Sie brauchte es wohl dringender als er. Er schnippte wieder mit den Ohren, um ja nichts zu verpassen, was hinter ihm geschah. Er sah die Fähe an, das Kaninchen lag ihr noch immer zu Füßen.
Jakash lächelte schwach, als sein Vater ihm versicherte, dass er nichts falsch gemacht habe. Natürlich glaubte er imh, trotzdem fühlte er sich unwohl. Nicht zuletzt wegen der Kälte, die inzwischen durch sein schwarzes Fellchen sickerte und ihn immer mehr zittern ließ. Der kleine Welpe kuschelte sich dichter an den Vorderlauf seines Vaters, während dieser sich mit der schwarzen Fähe unterhielt, deren Namen Jakash noch nicht kannte. Aufmerksam lauschte er dem Gespräch, konnte so recht aber keinen Sinn erkennen. Es blieb nur die vage Ahnung, dass es auch um ihn ging, und dass es damit zu tun hatte, dass seine Mutter kaum lächelte und alle Erwachsenen oft mit gesenkter und kummervoller Stimme gesprochen hatten. Hätte Jakash schon mehr von der Welt gewusst, hätte er sich auf all das sicherlich einen Reim machen können, aber so blieb ihm nichts als Verwirrung. Mehrmals setzte er dazu an, Fragen zu stellen, aber es ergab sich keine rechte Gelegenheit, und ausserdem wusste er gar nicht mal genau, was er eigentlich fragen sollte.
Dann verabschiedete sich die Schwarze von imh, und Jakash grinste als Antwort bloß zurück, als er seinen Namen hörte. Seine Rute wedelte freudig hin und her, bis die Fähe sich umwandte und ging. Jakashs Freude ebbte ab, und die Kälte kehrte zurück. Er wollte jetzt zu seiner Mutter und sich an sie kuscheln, wollte sich bei ihr wärmen und ihr erzählen, was er heute schon alles erlebt hatte.
"Papa? Gehen wir jetzt zu Mama und den anderen zurück? Mir ist so kalt...",
fiepte er und sah zu seinem Vater empor, der ihn riesig - wie ihm schien - überragte...
Langeweile hatte sich breit gemacht. Der Grau-Weiße Rüde stand blinzelnd an dem Höhlenausgang. Er wusste einfach nicht wohin mit seiner Zeit. Ein Gähnen entfuhr ihm. Dieses rum stehen würde ihn nur wieder müde machen. Dabei hatte er doch so lange gelegen und nichts gemacht. Doch was sollte er hier oben schon machen ohne Neyla? Egal, sie war tot, es war eine endgültige Sache, an der er sowieso nichts ändern konnte. Also musste er nun irgendetwas unternehmen. Er beschloss zum See zu laufen, ein wenig zu trinken und dort den kleinen Gletscher Bächen zu folgen. Er würde nachdenken können, oder sich ablenken können, wie auch immer. Also begann er in einem leichten Zuckeltrab in die Richtung des Sees zu laufen. Er kam an einigen Wölfen vorbei, ließ jedoch nur ein schwaches nicken als Gruß gelten. Er hatte keinerlei Lust sich irgendwo mit hin zu stellen. Etwas plagte ihn sein schlechtes Gewissen. In seinem alten Rudel wäre er ausgeschimpft worden. Es wäre zu unhöflich den anderen gewesen. Aber er wusste schließlich nicht wie es hier war. Vielleicht würden sie sich nur gestört fühlen, wenn er sie freundliche grüßen würde und würden sich gezwungen fühlen zu antworten. Nein, es war gewiss okay so. Er ließ ein unbestimmtes Lächeln auf seinen Lefzen erscheinen. Obwohl er innerlich um Neyla trauerte schien er fröhlich und gut gelaunt. Etwas müde vielleicht. Aber er tat eigentlich nicht nur, als ob er gut gelaunt wäre. Er meinte es ehrlich, denn er wusste die Vergangenheit war passiert.
Als er nach einiger Zeit am See angekommen war, blieb er leichtfüßig stehen und beugte seinem Kopf dem Wasser zu. Er war erstaunt über das Bild des Wolfes, welches sich in dem klaren, kalten Wasser spiegelte. Er hielt kurz inne bevor er trank. Er betrachtete sein Gesicht einige Zeit in dem ruhigen Wasser. Wie froh seine Augen aussahen. Aber auch irgendwie nachdenklich. Vielleicht war es schon zur Gewohnheit geworden. Vielleicht sahen sie immer so aus. Auch wenn er nicht glücklich war. Schließlich versteckte er sich selbst. Auch diese nicht so schöne Eigenschaft hatte er im alten Rudel gelernt. Er hatte Sehnsucht nach seinen Eltern. Seinen Zieheltern. Und auch seine Geschwister fehlten ihm. Er unterbrach seine Gedanken, in dem er seine Schnauze weit in das kalte Wasser tauchte und dann anfing zu trinken. Als er seinen Kopf hob, tropften einige Wasserperlen von seiner Schnauze zurück in den See. Die Sonne durchbrach diese Tropfen, glitzerte in ihnen, ehe die Perlen die Wasseroberfläche berührten und diese zart kräuselten. Feine Ringe breiteten sich auf dem See aus. Dann schleckte Zack seine Schnauze ab und noch während er die Ringe beobachtete merkte er wie sich die zarte Frühlingssonne in dem See reflektierte. Fasziniert von dem Bild was ihm sich bot blinzelte er in die Sonne.
oO{Der Frühling kommt . . . }Oo
Er wendete sich dann abrupt ab und ging am Seeufer entlang zu einem der kleinen Wasserläufe die sich durch den weniger werdenden Schnee schlängelten. Seine Pfoten hinterließen klare Abdrücke in dem weichen Schnee. Leise knirschte dieser und sackte etwas weg, als er seine Pfoten vorsichtig auf ihm bettete. So ging er langsam und in Gedanken versunken vor sich hin.
oO{I walked across an empty land
I knew the pathway like the back of my hand
I felt the earth beneath my feet
Sat by the river and it made me complete
Oh simple thing where have you gone?
I'm getting old and I need something to rely on
So tell me when you're gonna let me in
I'm getting tired and I need somewhere to begin
I came across a fallen tree
I felt the branches of it looking at me
Is this the place we used to love?
Is this the place that I've been dreaming of?}Oo
Plötzlich schreckte er aus seiner Traumwelt auf. Da war doch ein anderer Wolf? Verwundert hier jemanden zu treffen blickte er um sich. Er war weit gelaufen. Dafür, dass er die letzte Zeit nichts gemacht hatte. So weit war er hier oben noch nie gelaufen. Er bellte leise auf, der Fremde würde es wohl merken. Er trabte einige Schritte weiter und erblickte den Grau-Braun-Schwarzen Wolf. Zack hatte ihn in diesem Rudel noch nie gesehen, vielleicht war es ein Neuer, vielleicht war er aber auch schon länger hier, nur etwas umhergewandert, wie er selber es auch getan hatte. Zack hatte schließlich länger nichts mehr mit jemandem aus dem Rudel zu tun gehabt. Nun lächelte er leicht und trat auf den Wolf zu. Er nahm sich etwas in Acht, der Wolf hatte eine Ausstrahlung, die Zack in Achtstellung brachte. Doch er wusste trotzdem um sein benehmen und nur weil der Wolf so eine Ausstrahlung hatte musste das ja noch lange nichts heißen. Er wedelte leicht mit der Rute.
„Sei gegrüßt du mir Fremder. Ich werde Zack genannt.“
Nun würde er ja sehen, wie der Rüde auf ihn reagieren würde
Ahkunas Blicke folgten ihrer Mutter Shani die schon nach drausen ging. Die kleien Welpin schaute nur verwirrt und ging ihr mit großen tollpatischigen Schritten nach. Sie ging direkt unter dem weich befelltem Bauch von Shani. Ahkuna Caiyé verschwand schon fast, ihr Fell war grau und der Schnee weiß. Kurz darauf sah sie das ihr Schwesterchen Sharíku getragen wurde. Ihr Blick wurde etwas säuerlich, sie wollte auch getragen werden. Sie gab ein leises krächzendes Knurren von sich. Es sollte wohl eher ihre Anwesenheit bestätigen. Ahkunas Rute wedelte in einem Gleichmäsigem Takt, das ihr wenigstens etwas wärmer wurde. Sie fröstelte sogar etwas, auch wenn sie unter Shani lief. Ahkunas Ziel war es nun sich an eines der vier Beine zu hängen oder eines zu fangen. Die Kleine hatte nämlich gar keine Lust irgendwie weit durch den Schnee zu stapfen von allen anderen weg, sie wollte spielen.
Dann stolperte sie über eines der Beine, sie war gerade hängen geblieben. Dann lag sie im Schnee, hob sich schnell wieder hoch und schaute begeiestert zu Rakshee. Vielleicht wollte ihr Geschwisterchen spielen? Ahkuna drehte sich zu Rakshee hin und drückte sanft ihren Kopf gegen ihren Körper.
"..Mama wo wollen wir hin? Mir ist kalt..ich will nicht laufen...und wie lange dauert es..ich will spielen..."
Winselte die kleien Fähe nun vor sich hin und drückte weiter gegen den Körper ihres Schwesterchens. Ahkuna achtete gar nicht darauf was Rakshee gerade gesagt hätte von wegen es würde wer genau so aussehen wie ihre Mama.
Banshees Blick lag freundlich auf Midnight und schien zu lächeln, auch wenn der Schwarze sie nicht direkt ansah, eine Geste der Höflichkeit, die sie zu schätzen wusste. Er schien über ihre Worte nachzudenken und sie ließ ihm Zeit. Der große Rüde hatte nie den Eindruck gemacht, leicht dahin geredete Konversation führen zu können, so würde auf ihre Worte sicher kein “Ja, die Sonne ist wunderschön.“ kommen. Erwartungsgemäß antwortete Midnight schließlich auch mit einer Frage, die wie geschaffen für Banshee war.
“Ein schöner Tag, ist ein Tag, an dem das Leben in der Luft liegt. An dem man sein Herz schlagen spürt und es genießt. Ein schöner Tag, ist ein Tag, an dem man glücklich ist. Aus sich selbst heraus.“
Sie legte den Kopf leicht schräg, lächelnd. Ein schöner Tag, war ein Tag Engayas. Wie viel Midnight von ihrer Göttin wusste und fühlte, konnte Banshee nicht einschätzen, jedoch machte er den Eindruck, tiefen Glauben zumindest empfinden zu können. Vielleicht hätte sie ihn danach gefragt, doch bevor sie noch weitere Worte formulieren konnte, stieg ein metallischer Blutgeruch in ihre Nase. Sofort schnellte ihr Kopf herum – das Weiß der Schneelandschaft wurde von einem schnell näher kommenden schwarzen Klecks unterbrochen, der sich zu Nyota entwickelt. Entsetzt und tief besorgt sah die Leitwölfin ihrer Schwester entgegen und war so erschrocken, dass sie sich nicht von ihrem Platz bewegte. Schließlich hatte die Schwarze sie erreicht und lag deutlich schwach und blutend vor ihnen im Schnee. Ihren Nacken hinab rannen immer mehr Blutfäden und färbten den Schnee um sie herum feuerrot. Nyotas Worte klangen zwar etwas gepresst, waren aber doch wie immer, alles sah doch eigentlich schlimmer aus, als es war. Endlich löste sich Banshee aus ihrer Starre und sprang zwei Schritte vor, berührte mit ihrer Schnauze zuerst die Nase ihrer Schwester und besah sich dann die Wunde.
“Meinungsverschiedenheit …“
Es lag ein Schmunzeln darin, welches sich jedoch nicht auf ihrem Gesicht zeigte. Was Lunar da angestellt hatte, sah nicht gut aus. Leise Wut regte sich in der Weißen, Lunar war ein großer, starker Wolf, ihre Schwester dagegen war zwar sehr charakterstark, aber an Größe hatte sie weit weniger zu bieten. Banshee würde mit ihm reden. Und es würde kein angenehmes Gespräch werden. Jetzt aber musste sie die Blutung stoppen, wenn Nyota zu viel Blut verlor, könnte es gefährlich werden. Langsam kehrte sie sich nach innen und blendete ihre Umwelt aus. Stumm rief sie nach Engaya und nach Kraft, nach Leben. In sanften, fast zärtlichen Bewegungen fuhr ihre Zunge über das aufgerissene Fleisch ihrer Schwester. Zunächst schmeckte sie Blut, es vergiftete ihre Zunge und verschmutzte ihr weißes Fell, doch irgendwann verflüchtigte sich der Geschmack und ihr Fell erstrahlte wieder. Kein Blut war mehr zu sehen, nur der rot getränkte Schnee zeugte von der Not. Banshee blinzelte zweimal und befand sich wieder an ihrem Platz in der Schneelandschaft, die Wunde war noch zu sehen, doch kein Blut quoll mehr daraus hervor und kein Schmerz sollte jetzt noch durch Nyotas Körper zucken. Erst jetzt war Banshee für die weiteren Worte Nyotas bereit, Worte, die sie jedoch nie erwartet hätte. Welpen. Verwirrung war das erste, was Banshee empfand. Welpen? Von wem? Warum hatte jemand ihr Verbot missachtet? Warum? Nyotas Kunstpause dauerte nicht zu lange, sodass ihre Frage schnell beantwortet wurde. Hiryoga. Shani. Wäre die Lage nicht so ernst, hätte sie wohl gelacht. Ihr kleiner Sohn und seine ebenso kleine und unerfahrene Gefährtin. Das Warum war ihr damit beantwortet worden und das auf eine Art und Weise, die sie eigentlich hätte schmunzeln lassen. Wäre nicht das Ergebnis da … Welpen. In dieser Umgebung, in diesem ihnen so feindlichem Land, in einer Lage, in der sie keine Welpen gebrauchen konnten. Ihr Gesichtsausdruck war irgendwo zwischen Lächeln, tiefer Sorge und einer Spur Erleichterung. Jetzt galt es ganz geordnet vorzugehen. Sie würde mit Hiryoga und Shani reden müssen, ihnen klar machen, dass es nicht richtig war, was sie getan hatten – auch wenn sie das mit Sicherheit schon wussten – und ihnen gleichzeitig zeigen, dass sie nicht alleine waren und dass auch sie, Banshee, sie unterstützen würde. Immerhin war sie jetzt Oma. Jetzt musste sie doch ein wenig mehr lächeln, ihr Sohn hatte Welpen. Neues Leben und zudem ihre kleinen Enkel. So etwas wie Stolz erfüllte sie, auch wenn der nicht angebracht war, was sie sehr genau wusste.
“Wo sind sie?“
Es war zwar knapp, aber klang nicht unfreundlich oder gar böse … sie wollte es sich nicht eingestehen, aber sie freute sich darauf ihre Enkel zu sehen. Dann erinnerte sie sich wieder an Nyotas Worte, wie dringend Nahrung gebraucht wurde. Schon schnellte ihr Blick zu Midnight.
“Midnight … wäre es dir möglich, eine kleine Beute aufzutreiben? Wenn du willst, kannst du dir auch Hilfe holen.“
Sie machte eine ausschweifende Geste mit der Schnauze, die auf das ganze Rudel zeigen sollte und schenkte dem Schwarzen noch ein bittendes Lächeln. Welpen … sie spürte Freude, wollte sie sich verbieten und musste doch Nyota erwartungsvoll ansehen.
Shani war unglaublich erleichtert, dass Rakshee sie verstand, oder es zumindest versuchte, und ihr gehorchen wollte. Die Kleine schien manchmal schon so viel weiter, als ihre Geschwister, hatte sie doch jetzt den Ernst der Lage sofort begriffen. Jetzt waren sie hier draußen, mussten sich durch den Schnee kämpfen und flohen einer Zukunft entgegen, die keine war. Shani hätte so gerne geweint, hielt ihre Tränen jedoch konsequent zurück. Sie war jetzt Mutter und Mütter durften nicht vor ihren Welpen weinen. Sie mussten stark sein, damit auch ihre Welpen stark wurden, doch gerade an Stärke hatte es Shani immer gemangelt. So sehr wünschte sie sich Hiryoga oder Tyel oder Lunar an ihre Seite, aber jetzt musste sie alleine dadurch kommen. Starr hielt sie den Blick nach vorne, sah sich nicht um und konnte damit auch nicht sehen, was mit Jakash und Kursai war. Sie konnte nur hoffen, dass ihnen nichts geschehen würde. Es zerriss ihr das Herz. Die beiden Welpen unter ihr waren zunächst noch ganz stumm, jetzt aber begannen sie sich zu regen, Rakshee flüsterte etwas, Ahkuna quängelte, was Shani in diesem Moment einfach überhören musste. Doch als nächstes geschah etwas, das sie nicht so einfach überhören konnte. Rakshee sprang nach vorne und rief etwas von einer Fähe, Shani zuckte zusammen und ihr Kopf zuckte zunächst in die eine, dann in die andere Richtung und entdeckte dann eine ihr unbekannte Fähe. Bitte nicht. Oder nein, nicht ganz unbekannt. Es war die Freundin von Rasmús, ihren Namen wusste sie nicht mehr. Stumm drückte sich Shani an die Schneewehe an ihrer Seite und schob Rakshee wieder unter sich. Bitte,bitte, geh einfach wieder, komm nicht hier her. Aber ihr Flehen wurde nicht erhört. Ein Welpe, den Shani zuvor gar nicht gesehen hatte tauchte plötzlich auf und rannte auf sie zu. Kursaí. Voller Begeisterung sprudelten Worte aus der kleinen Fähe, die Shani nicht richtig hörte. Als nächstes änderte sich der Gesichtsausdruck von ihrer Tochter und die Kleine wollte wissen, was los war. Zu lange hing diese Frage jedoch auch nicht in der Luft, schon redete sie weiter, doch mittlerweile achtete Shani nicht mehr auf sie. Die andere Fähe kam auf sie zu. Vorbei. Nicht mal mehr fliehen konnte sie. Doch was jetzt? Vorsichtig setzte sie Sharíku ab und sah der anderen Weißen entgegen, ihr ganzes Gesicht war voller Trauer, ihre Augen leer. Sie kannte ihren Namen und schien bereits alles zu wissen. Natürlich. Und …Nyota. Das war die Schwester der Alpha. Der Untergang war besiegelt. Sie ließ die Weiße ausreden, versuchte ihr zwar zuzuhören, schaffte es aber nicht, alles aufzunehmen.
“Ja …“
Ihre Stimme klang tonlos, es war keine Antwort auf irgendeine Frage. Viel mehr eine Zustimmung zu allem, was die Weiße gesagt hatte, eine Kapitulation, bedingungslos und ergeben. Vollkommen hilflos stand sie im Schnee, drei Welpen zwischen den Läufen, einen davor und dazu mit einer Fähe vor sich, die ihr gesamtes schreckliches Geheimnis kannte und doch nicht nachempfinden konnte, was es für Shani bedeutete. In die Höhle gehen? Wozu? Bald schon würde Banshee hier sein und ihr kleines Gericht halten. Mutlos, erfüllt mit untröstlicher Trauer und mit den ersten Tränen in den Augen beugte sie sich zu ihren vier Töchtern und begann sie liebevoll zu waschen. Zunächst glitt ihre Zunge zärtlich über Sharíkus Fell, dann kam Ahkuna, Rakshee sah sie sogar kurz in die Augen, bis auch Kursaí von ihrer Zunge gestreichelt wurde, Gesten des Schmerzes und doch der haltlosen Liebe.
Es war wieder die Stille, die Tyraleen einhüllte und erstickte. Sie merkte, wie sie auf Averics Atem lauschte, wie sie fast hoffte, seinen Herzschlag, regelmäßig und tief, zu hören, doch die Stille schluckte jedes Geräusch. War Averic schon wieder fort? Sie ließ diesen Gedanken kurz in sich rumoren und gestand sich ein, dass sie darüber enttäuscht wäre. Ein leises Knirschen durchbrach das tiefe Schweigen, ein Schritt – Averic war da und ging nicht. Sein Nein durchschnitt die Stille wie ein Eiskristall, obwohl er nicht laut war. Wieder knirschte Schnee, Averic hatte sich gesetzt. Er würde wirklich nicht gehen. Aber was wollte sie? Seit wann sagte sie das Gegenteil von dem, das sie meinte? Sie wollte ihn nicht ansehen, wollte nicht mit ihm reden, würde seine Entschuldigung nicht annehmen können … aber sie wollte seinen Herzschlag spüren. Stumm lauschte sie seinen Worten, er wollte sich erklären, wollte, dass sie verstand. Aber hatte sie das nicht schon? Natürlich hatte er das nicht gewollt, natürlich war er sich seiner Schuld bewusst. Aber das änderte nichts an seinem Hass, der in ihm gelodert hatte oder noch immer loderte, der Hass, der die Welt zerstört hätte und den sie gespürt hatte, so deutlich, als hätte die ganze Welt sie gehasst.
Warum ging er nicht? Hatte sie es ihm nicht gesagt? Hatte sie ihn nicht darum gebeten, sie alleine zu lassen? Glaubte er, dass sie keinen Grund dazu hatte, ihn darum zu bitten? Glaubte er, er könnte, wenn nicht durch Entschuldigen, dann durch Erklären, ihr die Einsamkeit nehmen, die Trauer, den Schmerz, das Gefühl, gehasst zu werden, das Gefühl deshalb zu sterben? Bildete er sich ein, sie zu verstehen, nachzuempfinden, was sie empfand, diese Einsamkeit zu kennen? Wer war er, dass er sich all dies erlaubte?
Plötzlich wirbelte sie herum, in einer Schnelligkeit, die sie sich nicht einmal selbst zugetraut hätte. In ihren Augen blitzte plötzlich Wut, ihr Gesicht war schmerzverzerrt. Sie konnte ihm nicht in die Augen sehen, es ging nicht, starrte ihn aber trotzdem an.
“Warum gehst du nicht, wenn ich es dir sage? Warum erzählst du mir das alles, wenn ich es nicht hören will?“
Sie war losgestürzt, auf Averic zu, bereits ihre noch ungeschliffenen Jungwolfzähne gebleckt. Ohne Verstand, System oder Sinn biss sie ihm in die Schulter, in den Hals, in seine Läufe, in die Flanke, jede Körperstelle, die sie erreichen konnte, trommelte mit ihren Pfoten auf ihn ein, warf sich mit aller Kraft gegen ihn und konnte ihren Schmerz doch nicht aus ihm herausprügeln.
“Warum hast du das getan? Woher kommt der Hass? Warum hat er sich in mein Herz gebohrt? Warum hast du alles kaputt gemacht? Warum? Warum?“
Ihre Bisse und Schläge erlahmten, sie sank zu Averics Pfoten zu Boden, die Augen unter den eigenen Pfoten verborgen.
“Warum? Warum nur …“
Er war Averic.
Nyota musste Lächeln, und schloss nun doch die Augen als Banshee über ihre Wunde leckte. Sie sah das Blut an Banshees Fell nicht, und auch nicht wie es wieder verschwand, aber sie spürte ganz dicht bei sich ein inneres Glänzen, wie blendendes Sonnenlicht, bloß dass sie es nicht sah, sondern bloß spürte.
~Mhm...danke~
Ein sichtlich entspanntes Lächeln hatte sich nun auf die Leftzen der Schwarzen gelegt, und sie öffnete die Augen erst wieder mit einem Grinsen.
"Danke Schwesterchen...aaah, viel besser...ich wusste, auf euch zwei ist Verlass"
Sehr vorsichtig hob sie den Kopf etwas an, nur ganz leicht um Banshee wieder zu zu zwinkern, und lies ihn sogleich wieder sinken. Schmerzfrei, sehr schön - aber zu sehr sollte sie die Wunde vielleicht fürs erste nicht strapazieren.
"Ein gutes Stück von hier...ich führe dich hin. Aber es ist auch nicht gerade schwer zu finden, wir müssen bloß der Spur im Schnee folgen"
grinsend erhob sie sich, schob sanft den Kopf gegen Banshees Brust - viel höher kam sie nicht, ohne ihn zu heben, und das wollte sie noch nicht riskieren - und wand sich dann um, nur um sich sogleich wieder an Midnight zu wenden.
"Nimm vielleicht Nienna mit wenn sie gerade da ist, die macht sich ganz gut und kann dabei was lernen."
Ein zweites Mal wand sie sich in die Richtung aus der sie kam, und bedeutete Banshee mit einer vorsichtigen Kopfbewegung ihr zu folgen. Im gegenteil zu ihrer Schwester hinderte Nyota nichts daran, sich über die Kleinen zu freuen.
"Sie sind herrlich! Einer von ihnen, er ist ganz schwarz, heißt Jakash. Der ist noch soo klein!"
mit der Pfote deutete sie Jakash Größe an, und strahlte Banshee an.
"Ich glaube, Hiryoga ist ein wenig verschreckt durch das alles...er wirkte sehr...mh...durcheinander, gelinde gesagt. Aber...ach, lass uns schneller gehen, ich kann es kaum erwarten den est dieser Rasselbande zu sehen"
Tatsächlich beschleunigte sie ihren Schritt etwas, und legte dann die Stirn in Falten, ein bei ihr seltener, etwas unglücklicher Ausdruck trat auf ihr Gesicht.
"Für dich ist das schon die zweite Generation..."
Eigentlich war das schon alles, was sie sagen wollte, und sie lächelte nun wieder. Ja, verdammt, seit Banshees Sieg in einer ganz gewissen Disziplin hatte Nyota niemals wirklich aufgeholt - und selbst die Ranz, die ja perfekt gewesen wäre, hatte dem keine Abhilfe geschafft. Natürlich, das war alles nicht so einfach - aber warum bekamen andere Wölfe das auf die Reihe, und sie nicht? Es war ein etwas bedrückender Gedanke, und deswegen striff sie ihn wieder ab, und rief sich dagegen das Bild eines grinsenden Jakash vor Augen.
"Kaede und Lunar sind übrigens auch da - also, Lunar nur in der Nähe, Kaede hat auch den Kleinen gesehen. Und Tyel lief da rum, aber die schien das eh schon zu wissen."
schloss sie ihren kleinen Bericht, und lief weiter ihrer unregelmäßigen Blutspur nach.
Die Welt schien sich zu drehen und zu kippen. Würde Averic seine Pfoten nicht in den Schnee krallen, stürzte er vielleicht von ihr hinunter. Die Stille wurde zu dem Feind, der sein Trommelfell zerfetzen würde. Jeder Atemzug eine stärkere Qual, als wäre die Luft um ihn herum vergiftet. Es ging nicht. Sie würde ihn nicht verstehen. Niemand konnte das. Er war der Würgeengel, der alle ins Verderben stürzte. Ohne es zu wollen.
Als Tyraleen plötzlich herumwirbelte, zuckte der Pechschwarze zusammen und wollte aus einem Reflex heraus grade aufspringen, als sie ihm Worte zuschmiss, die sich wie Messer in seine Seele hinein bohrten. Als sie mit gefletschten Zähnen auf ihn zurannte, sah er Acollon vor sich, wie er das selbe tat und seine Muskeln verkrampften sich. Es fühlte sich an, als hätte in dieser Sekunde sein Herz wieder aufgehört zu schlagen, alles, bis auf sie, stand still. Er sprang nicht zurück, als die Weiße ihm in die Schulter biss, wehrte sich nicht, als er erneut Zähne in seinem Hals spürte, Averic war wie gelähmt.
Du hast es verdient ...
Ein Ruck riss ihn nach hinten und er fing sich mit den Vorderläufen wieder auf, stolperte ein wenig mit ihnen, saß aber immer noch. Ihre Worte schlugen genau so auf ihn ein, wie ihre Zähne. Er hatte alles kaputt gemacht, er war hasserfüllt, er war an allem Schuld, verdammt er WUSSTE ES DOCH! Averic kniff die Augen zusammen und biss die Fänge fest aufeinander. Und was tat sie? Sie machte ihn kaputt! Was er fühlte, war unbeschreiblich, was sich auf ihn schleuderte, war ein Schmerz, der ihn fast zerriss. Woher der Hass kam, wollte sie wissen? Das fragte sie noch? Er blutete. Überall. Seelisch. Seine Lefzen bluteten, weil er zu stark zubiss. Die Stellen, in die sich Tyraleens Zähne gebohrt hatten bluteten. Seine Läufe zitterten und die Gedanken brachten seinen Schädel fast zum explodieren. Er hatte es verdient.
Als seine Schwester schließlich nur noch zu seinen Pfoten lag, sackte sein Kopf tiefer und seine Miene verzog sich vor Verzweiflung. Bei Gott, warum hatte sie ihm die Kehle nicht gleich wieder aufgerissen? Warum war er überhaupt wieder aufgewacht? Er brachte doch eh jedem nur Unglück. Keine Chance etwas besser zu machen, es gab Dinge, die man nicht ändern konnte. Hatte das Leben ihn betrogen, damit der Tod seine grausamsten, schlimmsten Qualen noch vergrößerte? Wenn die Welt ihn von ihrem Ende gestoßen hatte, dann schlug er jetzt auf dem Boden auf.
Averic konnte seine Augen nicht öffnen und die Wölfin ansehen, die er jetzt direkt vor sich spürte. Er fühlte, wie sie sich mit brennenden Salzwasser füllten, aber er wollte doch nicht weinen.
„Er hat schon in mir Wurzeln geschlagen, als du noch nicht mal geboren warst. Und ich kann sie nicht mehr herausreißen, ich kann es einfach nicht, er wächst immer weiter! Aber wie soll er auch aufhören zu wachsen, wenn man ihn immerzu gießt!? Ich will nicht mehr ... ich will und kann einfach nicht mehr ...“
Nach diesen Worten, schlug er dann doch die tiefblauen Augen auf, die irgendwie gebrochen auf Tyraleen hinab sahen. Dachte sie etwa, er ertrüge all diesen Hass in seinem Inneren freiwillig? Dafür, dass ihm keine andere Möglichkeit gelassen wurde, verurteilte sie ihn? Averic hatte nicht nur alles kaputt gemacht, er war schon kaputt. Es gab keine Worte dafür. Und sie ... sie ...
„Ich habe wohl alles verloren ...“
Wahrscheinlich sollte er wirklich gehen. Nie mehr zurück kommen, zum Wohle aller. Es konnte ihm ja egal sein. Er stürzte sie ins Leid, sie stürzten ihn ins Leid. Es ging so nicht, er sollte weggehen. Und doch erkämpfte sich eine einzige Träne ihren Weg nach draußen und fiel auf die weiße Jungwölfin hinunter. Er wollte doch bei ihr sein.
Abwartend wartete der Nachtsohn auf der Erklärung der Alpha, lauschte und verstand. Aber nur mit dem Kopf, nicht mit seinem einsamen Herzen. Ihre Erklärung war für einen Pessimisten wie ihn nur fadenscheinig, nicht stichhaltig und überzeugend, nur ein kleiner Sonnenschein für jemanden, der Trost und Bestätigung suchte. Nichts davon wollte Midnight, nichts davon war sein Wunsch. So schloss er einen Augenblick wieder die Augen, ließ Banshees Worte nachklingen, dachte noch ein Mal darüber nach. Wie er es auch drehte und wendete, eine Antwort bekam er dennoch nicht. Da war einzig das Meer aus fragen, welches sich wieder aufbäumte, eine Antwort würde er wohl niemals erhalten und auch nie mehr werden, wie er einst war. Wobei er sich nicht erinnern konnte, wie er mal gewesen war, diese Zeit lag weit zurück, war verblasst und völlig verloren gegangen. Die Erinnerungen an sein Leben in der Eiswüste erinnerte er sich, aber was davor war... Eines Tages war er aufgewacht, benommen und erfüllt von Schmerzen. Er lag seitlich auf einem Dornenbusch, der seinen Körper gefangen hatte. Nur schwer hatte er wieder zu sich gefunden, war nach Stunden mit Mühe aufgestanden, wobei die Äste sein schwarzes Fell zerrissen und feine Narben auf der Haut darunter hinterließen, die heute unter dem dichten, seidigen Pelz versteckt waren. Dann war er los gelaufen, langsam und schleppend kam er voran, es hatte ihn weiter gezogen, immer weiter. Auf seiner Reise waren seine Wunden verheilt, seine Erinnerung kam dennoch nicht zurück. Lange war er gereist, es hatte ihn nirgends gehalten, er hatte so viel gesehen, in der Hoffnung eines Tages zu erkennen, wer er war. Vergeblich.
Der stechende Blutgeruch veranlasste den Rüden, die blauen Augen wieder zu öffnen, die Ohren aufmerksam nach vorne zu drehen. Ein schwarzer Punkt näherte sich, der sich schließlich als die Schwester Banshees heraus stellte. Die blauen Augen musterten die harten Verletzungen, aus denen Blut hervor quoll, er wollte schon aufstehen, doch Banshee hatte bereits reagiert und ihrer Schwester die Wunden sauber geleckt. Der Schwarze wollte einfach keine Toten hier sehen, dazu hatte er schon zu viel Leid erleben müssen. Wie ein Schatten lauschte er schweigend, nickte nur kurz zu der Anweisung, Jagen zu gehen. Aber wer aus dem Rudel war geeignet dazu? Er hatte keine Ahnung, denn mit so vielen war er bisher noch nicht in Kontakt getreten, wobei er schon eine ganze Weile hier lebte. Er war wie der stumme Begleiter, der da war, wenn man ihn unbedingt brauchte und sonst, wenn alles in Ordnung war, auf ihn und seine Anwesenheit verzichtete. Midnight drängte sich niemandem auf, konnte verstehen, wenn man ihn mied, selbst wenn sogar sein Herz ab und an nach ein wenig Gesellschaft verlangte.
„Ich werde sehen, was ich tun kann.“
Seine ruhige Stimme verklang nur im Vorüber gehen, denn er hatte sich bereits erhoben und aufgemacht. Kurz ließ er seinen Blick über das Rudel schweifen, doch mit den ganzen, ihm völlig fremden Gesichtern, wusste er nichts anzufangen. Locker trabte er also hinein in die Eiswüste, auf der Suche nach einer sinnvollen Beute.
Urion war mit hängenden Kopf einfach durch die Gegend gelaufen. Wenig bekam er von seiner Umgebung mit, wie sie sich veränderte, doch ließ ihn eine Tatsache kurz aufblicken: Es war merklich kühler geworden.
Der ausgedörrte Körper des Rüden blieb geduckt stehen. Felsig war es hier, kleine Bäche voll Gletscherwasser schlängelten sich durch den Schnee. Urion atmete tief ein. Er kannte diese Kälte, den eisigen Wind, der das Fell zauste, die Knochen klappern ließ. Plötzlich durchzuckte ein leiser Schmerz den Körper des Grauen und Urion warf sich jaulend auf die Steine.
o.O(Geh weg! Verschwinde! Lass mich!)
o.O(Ich bin wieder da... bin wieder bei dir, Urion. Siehst du deinen Bruder vor dir? Willst du dich nicht rächen? Jeder könnte einer von Ihnen sein.)
Urion hörte die Stimme in seinem Kopf kreischen, laut und schrill. Winselnd legte der Rüde die Ohren an, aber sie wollte nicht verstummen. Der Graue war lange gewandert. Zum Beginn seiner Reise konnte man noch unterscheiden, wann er wieder nicht er selbst war, doch nun gab es nur noch kleine Unterschiede. Verbissen, verborrt, kalt und schweigsam war Urion geworden. Mörderisch, tödlich, brutal wird er mit dem Fluch. Urion bekam Durst. Langsam kroch er auf dem Bauch zu einen der Bäche uns trank gierig von dem kalten Nass. Die Witterung von einem anderen Wolf ließ ihn erstarren.
o.O( Weg! Ich muss weg hier, bevor der Fluch ihn sieht.)
Jedoch war es schon zu spät. Urion wollte sich gerade aufrichten, als der Fremde auf der Bildfläche erschien und der Graue spürte, wie er regelrecht zu ihm gezogen wurde. Gedanken wurden leiser, das Herz schien ausszusetzen.
o.O(Töten, beißen, quälen. Er könnte einer von Ihnen sein.)
Es raunte in seinem Kopf. Urion versuchte dagegen anzukämpfen, klare Gedanken zu fassen... einen Letzten noch. Der Fremde war schön, ein Weißer, er konnte keiner von Ihnen sein. Jetzt wurde der Graue auch noch angesprochen. Urion versuchte sich zurück zu ziehen, doch der Weiße kam auf ihn zu. Der graue Rüde legte sich flach auf den Boden, knurrte leise und fauchte:
"Bitte geh, ich weiß gleich nicht mehr was ich machen werde."
Da war der erste Anflug, die erste Attacke. Urion biss sich tief in die Pfote um nicht den Weißen anzugreifen, dann blickte er mit wirren Blick wieder auf. Wann würde er wieder er selbst sein?
01.01.2010, 17:26
Innerhalb von wenigen Sekunden war es tot. Das Kaninchen lag der Fähe vor den Pfoten, bevor sie richtig begriffen hatte, was gerade geschehen war. Sie runzelte ein wenig die Stirn. Gerne hätte sie ihre steifen Glieder noch ein wenig mehr auf Trab gebracht, damit sie sich endlich lockerten und die Starre ihres ganzen Körpers abfallen konnte. Egal.
oO Ob er immer so schnell ist- und so leise? Er hat das Kaninchen wirklich erstaunlich schnell erlegt, aber seine Bewegungen...Oo
Cuma unterbrach ihre Gedanken, denn gerade hatte er ihr gesagt, dass die Höhle zu klein wäre. Sie sah ihn ein wenig zweifelnd von der Seite an. Meinte er es ernst? Langsam verfloss die Zeit, und die, wenn auch nur sehr dürftige, Wärme floss wieder aus ihrem muskolösen Körper. Sie schüttelte sich.
"Ich weiß, dass du das nicht so gerne machen möchtest, aber mir ist wirklich kalt. Also... könnten wir vielleicht doch zur Höhle laufen- schnell? Ich glaube, Bewegung würde meinen eingefrorenen Muskeln ganz gut tun. Und schlafen wäre vielleicht auch nicht schlecht. Das Kaninchen können wir ja teilen...- wenn du willst, versteht sich, also... ich werd mir die Höhle mal ansehen wenn sie doch vielleicht groß genug ist für uns beide, kann ich dich ja auch rufen, du musst nicht mitkommen."
Diesesmal sparte sie sich das Lächeln, sondern schaute ihm einfach ins Gesicht. Sie hatte das bestimmte Gefühl, dass er Emotionen nicht sehr gerne mochte. Und dann musste sie ihm doch ein kleines, winzig kleines Lächeln schenken. Sie konnte einfach nicht anders! Unsicher setzte sie eine Pfote in den Schnee, neben das eben erlegte Kaninchen. Mit einer geschmeidigen Bewegung nahm sie es zwischen ihren gefährlichen Kiefer und ging los. Er konnte ja nachkommen, wenn er wollte. Sie gluckste leise. Dieser Wolf war wirklich seltsam! Sie würde ihm ziemlich viel beibringen müssen. Wenn er sie ließ, was sie stark bezweifelte. Im Gehen drehte sie ihren Kopf mit den eisblauen Mandelaugen noch einmal zu ihm und zwinkerte kurz, bereute es danach jedoch sofort. Obwohl... sie hatte nichts zu bereuen. Sie war, wie sie war. Ebenso, wie er. Er war auch anders, anders als sie. Und das war verdammt nochmal gut so, fügte sie in Gedanken hinzu. Leise summend machte sie sich auf den Weg.
Als sie bei der Höhle angekommen war, seufzte sie erleichtert. Da hatte sich dieser kalte Wolf doch mal geirrt! Die Höhle war in der Tat nicht riesig, von weiter weg betrachtet sah sie sehr klein aus, doch aus näherem betrachtet sah man, dass sie weit in die Erde hineinführte. Sie war schmal, es konnten höchsten drei Wölfe gleichzeitig nebeneinander liegen, doch hintereinander ein ganzes Rudel. Mit bedächtigen Schritten näherte sie sich der Höhle. Sie schnüffelte ein wenig, doch die Kälte hatte ihre Nase zugefroren, zumindest dachte Cuma das, denn im Moment hatte die Kälte ihr wirklich alle Sinne geraubt. Langsam kam wieder ein Gefühl in ihre Beine. Sie schritt nun weit aus, und bald war nur noch ihre Rute zu sehen. Sie schnupperte hier und da, und langsam roch sie auch wieder. Hier hatten andere Tiere gehaust. Wölfe? Es roch fast danach. Unsicher trat sie einen Schritt zurück, doch dann schalt sie sich in Gedanken selber. Diese Höhle war verlassen, dass sah man auf den ersten... oder zweiten Blick. Sie schmunzelte. Sie konnte sich sehr gut selbst zum Lachen bringen, mit ihren komischen, teils skurrilen und absurden Gedanken. Erfreut erblickte sie ihn einer Ecke der Höhle ein wenig Heu. Es duftete zwar nicht mehr, dennoch wurde Cuma wieder kurz in ihre Kindheit zurück versetzt, der Duft des Grases, der blühenden Wiesenblumen und das Zwitschern der Vögel... sie lächelte zufrieden. Dann erwachte sie wieder aus ihrem kurzen Tagträumereien. Es passierte ihr immer wieder, es war wirklich ärgerlich, wenn auch schön, wieder die alten Zeiten in sich aufsteigen zu lassen. Sie seufzte zufrieden und kuschelte sich in das wenige Heu. Nur ein paar Sekunden darauf schrak sie auf und lief zum Höhleneingang.
"Kensharion! Komm! Die Höhle ist nicht so klein, wie du dachtest, sie ist zwar nicht breit, aber lang! Es gibt sogar ein wenig Heu!"
Fast hätte sie den Rüden vergessen. Fast. Wenn sie nicht auf das Kaninchen geblickt hätte. Wartend stand sie am Eingang, sie wollte nicht so unhöflich sein und sich hinlegen. Das Kaninchen duftete verlockend, doch Cuma bekämpfte ihre Gier; sie wollte es teilen. Mit Kensharion.
Automatisch hatten sich Zacks Ohren leicht nach hinten gedreht und eine leichte Anspannung war durch seinen Körper gezogen. Äußerlich war nichts zu bemerken, doch war er bereit auf jede noch so kleine Bewegung seines Gegenüber zu reagieren. Also hatte ihn sein erster Eindruck nicht getäuscht. Als der Rüde nun knurrend in einiger Entfernung vor ihm auf den Boden lag und ihm sagen wollte, was er zu tun hatte musste Zack erst einmal realisieren und begreifen wie da mit ihm geredet wurde. Natürlich waren ihm schon viele Wölfe begegnet, die nicht so gebildet waren, wie die aus seinem Rudel. Er hatte auch kein Problem damit, er wollte vor allem nicht eingebildet werden, nur weil er so liebevoll gelehrt wurde. Aber dieser Wolf, das verschlug ihm doch glatt die Sprache. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Wolf dies ohne einen triftigen Grund tat, vor allem nicht wenn er neu war und dessen war Zack sich mittlerweile sicher. Er bemerkte, dass dieser sich nachdem er zu ihm gesprochen hatte in die Pfoten biss. Immerhin hatte er bitte gesagt. Aber warum musste er sich in die Pfote beißen.
Zack kam es vor, als ob der Fremde Probleme hätte sich unter Kontrolle zu halten. Doch warum, was konnte sein, dass ihm dies so schwer viel? Ob er auch so ein Werwolf war, die Thylia einer war? Thylia, die das Rudel hier oben verlassen hatte aus Angst dem Rudel zu schaden. Dabei hatte sie bevor sie weiter gezogen war noch für das ganze Rudel einen riesigen Bären erlegt. Zusammen mit weiteren Fähen, aber er konnte sich denken, dass es eher ihr Verdienst war. Die anderen hätten es sonst sicher nicht gewagt einen Bären anzugreifen. Auf solche Ideen konnte man nur kommen, wenn man total ausgehungert war oder ein riesiges Rudel war. Und da sie nur eine kleine Truppe gewesen waren und auch nicht kurz vor dem verhungern gestanden hatten konnte nur der Wahnsinn einer andersartigen Fähe dahinter stecken. Er lächelte, das Rudel war froh gewesen. Einmal hatten sie sich wieder satt essen können. Doch Zack glaubte nicht, dass der Rüde wie Thylia war. Sie war ihm anders vorgekommen. Zwar noch unberechenbarer als dieser Wolf, zumindest nachdem wie er es jetzt beurteilen konnte, aber irgendwas war mit diesem Wolf ebenfalls nicht normal. Zack wusste nicht wie weit er gehen würde. Er wusste auch nicht ob er selber eine Chance hätte, wenn er angegriffen werden würde. Aber er hatte ja keine Angst vor dem Tod. So blieb er weiter stehen, näherte sich dem Wolf nicht, ging aber auch nicht weiter auf Abstand.
Ruhig begann er abermals mit seiner melodischen Stimme zu sprechen.
„Ich will dir nichts tun und ich hoffe du tust mir auch nichts. Ich weiß nicht wer du bist und woher du kommst und warum du so reagierst. Doch du solltest wissen, dass wir ein sehr friedliebendes Rudel sind. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, lass es mich wissen. Und merke dir, dass ich dir nichts antun will.“
Er lächelte leicht. Der Wind spielte sachte mit seinem seidig weißen Fell. Er wusste, er begab sich auf dünnes Eis, indem er nicht davon ging sondern bei diesem Wolf verweilte, doch wäre es ihm nie in den Kopf gekommen einen Wolf der augenscheinlich Hilfe brauchte, ob er sie ihm geben konnte oder nicht, alleine zu lassen.
akshee hatte sich mit jedem Schritt der weißen Fähe mehr verspannt, denn sie spürte nur zu deutlich wie Shani weniger und weniger glücklich schien. Die Weiße musste eine große Gefahr sein, wenn Mama so verstört war...aber weder Kursaí noch Ahkuna, die sich nun sanft an Rakshee kuschelte, schienen etwas davon mitbekommen zu haben. So war es also an ihr, auf ihre Mami und ihre Schwestern aufzupassen.
Aradis sagte viel, nannte seltsame Namen, sprach von einer komischen Auseinandersetzung - was war denn das? - und wollte zuletzt mit in die Höhle. Und Mama...Mama sah so furchtbar traurig aus, so hoffnungslos - aber was machte sie denn nur so traurig? Es musste die Weiße sein, und nachdem Shani sie sanft abgeleckt hatte, womit sie auch ein wenig die Kälte aus Rakshees Gliedern vertrieb, trat die Kleine vor, sah mit ernstem Blick zu Aradis auf, und begann.
"Du, kannst du vielleicht weggehen? Du machst meine Mama traurig, aber ich will gar nicht dass sie traurig ist. Könntest du nicht lieber jemand anders traurig machen?"
Mit all der Unschuld die sie besaß sah sie zu Aradis auf, legte den Kopf schief um ihre Frage mit der Geste zu untermalen, und wartete. Es war keineswegs böse gemeint, sondern bloß dass was Rakshee sich dachte. Wenn Mama in ihrer Nähe traurig war, so war sie bestimmt viel glücklicher wenn die Weiße weg war. Aber genauso waren bestimmt auch andere unglücklich, wenn die Fähe bei ihnen war.
Etwas leiser, und immernoch sehr ernst zu Aradis hinaufblickend, fügte sie hinzu:
"Bitte?"
Kensharion sah Cumará an, die anscheinend etwas verwirrt war. Hat er etwas Falsches getan? Wollte sie nicht, dass er ihr das Kaninchen erlegt hatte? Dieses Mal gelang es dem jungen Rüden seine Verwunderung zu unterdrücken. Er hörte Cumará zu, die scheinbar wieder etwas zu sagen hatte. Sie wollte dennoch zur Höhle gehen? Es sollte ihn nicht stören, notfalls könnte er sich auch vor den Eingang legen, das würde ihm nichts ausmachen. Außerdem sah er der Fähe wirklich an, dass sie fror. Bevor sie losging, sah sie den Schwarzen noch einmal an und er meinte, wieder ein winziges Lächeln zu sehen, das ihre Lefzen umspielte. Normaler Weise war er relativ gut im einschätzen, wenn auch nicht unbedingt bei Wölfen. Aber bei dieser Grauen war es irgendwie anders. Kenshi wusste nicht genau, wie er sich der Fähe gegenüber verhalten sollte. Mit einem unsicheren Lächeln antwortete er und hoffte, dass sie es nicht falsch deuten würde. Schließlich hegte er keine bösen Absichten und Cumará sollte dies schon merken. Dann zwinkerte sie ihn sogar an, was er aber nicht zurückgab.
Endlich wandte sie sich von dem Schatten ab und lief in Richtung Höhle. Kensharion blickte ihr nach. Einerseits wollte er ihr folgen, um sie vor unnötigen Gefahren zu schützen, obwohl er nicht wusste, was für Gefahren sich in der Höhle befinden könnten. Für Bären war sie zu klein und andere Tiere konnten ihr wahrscheinlich sowieso nicht anhaben. Andererseits hielten seine Pfoten ihn dort, wo er sich befand, denn er wollte Cumará nicht das Gefühl geben, dass er sie verfolgte. Vielleicht empfand sie es sogar als lästig, dass er andauernd an seiner Seite war? Sie war nett zu Kenshi, aber der Schwarze wusste schließlich gar nicht, was sie in Wirklichkeit über ihn dachte. Sicher war sicher, so viel stand fest. Lediglich ein unsichtbares kurzes Zucken ging durch seine Beine, dann stand er ruhig da und wartete auf die Reaktion der Fähe.
.oO(Wieso fühle ich mich nur so unsicher?!)
Der schwarze Schatten verstand sich selbst nicht mehr. Nie zuvor war er so unschlüssig gewesen, doch es war nichts zu ändern. Nach so langer Zeit begegnete er wieder einem Wolf. Der junge Rüde hatte schon beinahe vergessen, dass er selber einer war und wie man sich ihnen gegenüber verhielt wusste er so gut wie gar nicht mehr. Er lauschte einem Vogel in der Ferne und einem in der Nähe, dessen Flattern er überdeutlich vernahm. Seine Augen jedoch waren noch immer auf die Höhle gerichtet, in die die Graue Fähe verschwunden war. Hatte er sich vielleicht wirklich getäuscht? War die Höhle vielleicht doch groß genug für sie beide? Und wenn ja, kam es davon, dass er selber einfach nicht der Stimmung war, faul herum zu liegen? Er liebte die Bewegung, einfach herumliegen konnte er dagegen überhaupt nicht ab. Wieder schweiften seine Gedanken zu seiner Adoptivfamilie. Bei den Bären musste er immer schnell laufen, um mit ihnen Schritt zu halten, denn sie machten so große Schritte, mit seinen Eigenen waren diese wohl kaum zu vergleichen. Cumarás Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Er hatte sich wirklich getäuscht, die Höhle war wohl doch größer, als er gedacht hatte. Nun, da die Fähe ihn auch wirklich aufforderte zu ihr zu gehen, setzte sich der Rüde in Bewegung. Er setzte seine großen Pfoten anmutig auf den weißen Schnee und lief in einem raschen Trab zu der Grauen. Schattenhaft bewegte er sich und war schon nach wenigen Augenblicken bei der Höhle angekommen. Bevor er aber überhaupt Zeit hatte, dieser Beachtung zu schenken, fiel sein Blick auf das Kaninchen, dass Cumará noch immer nicht verzehrt hatte. Sie sah ziemlich dünn aus und außerdem spürte er, dass sie Hunger hatte. Aber wieso fraß sie denn nicht? Lag das daran, dass er das Kaninchen erlegt hatte? Kensharion wusste es nicht, aber stieß das kleine Tier mit der Schnauze zu ihr, zum Zeichen, dass sie es verspeisen sollte. Schließlich war er wohlgenährter als die Fähe, die sich in der kalten Umgebung gar nicht auszukennen schien. Er lebte zwar auch am Fuße der Gebirge, aber im Winter, wenn die Bären Winterschlaf hielten, war er oft auf die Berge geklettert, der junge Rüde hatte es immer toll gefunden, alles zu beobachten und erkunden. Er konnte stundenlang dasitzen und sich mit seiner Umgebung verschmelzen lassen, nie wurde es langweilig. Kenshi schüttelte sein Fell und ärgerte sich beinahe, dass er wieder in seinen Gedanken versunken war. Dann lief er an Cumará vorbei in die relativ schmale Höhle hinein. Er schnüffelte, sie war wohl früher bewohnt gewesen, aber das war schon so lange her, dass der Geruch kaum noch auszumachen war. Vielleicht auch Wölfe? Der Schatten machte sich keine Gedanken darüber und blickte zu der grauen Fähe.
“Die Höhle ist sicher, du kannst dich hier ausruhen, ich warte auf dich.“
Sagte Kensharion an Cumará gerichtet und wartete, bis sie sich hinlegen würde. Er ging wieder zum Höhleneingang, denn es wäre sicherer für Cumará Tumaan, wenn sie im hinteren Teil der Höhle schlafen würde.
Es verlief nie alles positiv. Seltenst.
Face Taihéiyo wanderte ein wenig abseits des Rudels durch die Schneelandschaft, etwas, dass bei ihm wohl nun schon zum Alltagstrott gehörte. Nach wie vor konnte er es einfach nicht ertragen, dauerhaft in Gesellschaft zu sein. Und nun war wieder etwas geschehen, etwas, dass zuerst das finale Unheil bedeutet hätte und nun scheinbar vollkommen schadlos geblieben war. Von außen. Wie das Innere der Beteiligten aussehen mochte, konnte der Tiefschwarze sich vorstellen, war aber froh, dass er das nicht auch noch mitempfinden musste. Er war einfach nicht für dieses Leben geschaffen, obwohl er es inzwischen 2 Jahre aushielt. Ein totes Jahr und ein Lebendiges. Wo nun beides im Gleichgewicht lag, hätte er eigentlich Schluss machen können. Aber was hätte das Leben sonst für ihn zu bieten? Nichts. Und das Nichts war er ziemlich leid. Außerdem ... war er nach wie vor Beta der Sternenwinde. Er sollte der einzig vorhandenen Leitposition eine rechte Hand sein und schaffte es doch nicht so, wie man es wohl verlangen würde. Ein Seufzen entglitt Faces Kehle. Er hatte viel gelernt und doch nichts, was ihm half. Kein Lächeln. Keine Freude. Und Ninniach ... wo war sie? Die schwarze Wölfin mit den blassgrünen Augen, deren direkte Nähe er sogar ertrug? Er wusste es nicht. Und jetzt wollte er wieder einmal allein sein. Allein mit der Hölle seiner Gedanken. Und dabei wollte er sie doch ... er wollte Hilfe. Er wollte ... leben. Richtig leben. Es hatte eine Steigerung gegeben, warum stoppte sie jetzt? Die Steigerung von lebloser Hülle zum Pulsschlag. Und doch war es noch nicht das, was man als eine wahre Existenz bezeichnen konnte. Wie nur?
Face Taihéiyo wandte den Kopf herum, ließ den saphirblauen Blick zurück zur Höhle gleiten. Dort waren sie alle. Und irgendwo sein kleines Patenkind, das nun groß war und ihn nicht mehr brauchte. Hätte er gekonnt, so hätte sich jetzt vielleicht ein bitteres Lächeln auf seine Lefzen gelegt. Wer tat das schon wirklich? Seine Mimik blieb regungslos – leer. Der Wolf, dessen Fell so schwarz war, wie nichts anderes auf der Welt, wollte grade wieder nach vorne schauen, als ihm ein Geruch in die Nase drang. Nicht der Geruch eines Wolfes. Keine Sekunde später drang von Rechts eine seltsame Stimme an sein Ohr. Ebenfalls ganz und gar unwölfisch. Face wandte sich um und betrachtete irritiert die Gestalt, welche nun bei ihm stand. Ein ... Wesen, wie eine Wölfin mit viel zu lang geratenen Beinen, zu kleinem Kopf und noch mal überdimensionalen Ohren. Schmale Schnauze, struppiges Fell, magerer Körperbau. Eine Kreatur, die nicht hier her gehörte. Sie erinnerte ihn an die Steppe, an Wildhunde, die doch viel breitere Schnauzen hatten, an Schakale und Kojoten, doch nichts davon schien sie direkt zu sein. Was war sie dann? Er kannte viele verschiedene Wesensarten, wohl mehr als die Meisten. Aber dieses Rotfell? Face musste sie wohl eine Weile fragend angeschaut haben, als hätte er sie nicht verstanden und wäre über ihr Auftauchen noch völlig weg, dann schüttelte er sachte den Kopf.
„Nein, leider nicht.“,
antwortete er knapp und emotionslos, stellte jedoch fest, dass das nicht ausreichen würde. Die hochbeinige Gestalt sah wirklich unterernähert aus. Konnte er sie einfach zum Rudel bringen?
„Du gehörst nicht in diese Kälte, was machst du also hier? Vielleicht kann ich dich zu meinem Rudel bringen, dort könnte es noch Beute geben.“
Die Stimme, die aus seinem Fang kam, wirkte in seinen Ohren fast so, als gehöre sie nicht zu ihm. Es war ... seltsam. Und alles anders.
Die schlanken Läufe trugen die Fähe noch ein paar schritte näher an den Schwarzen heran. Bildete sie sich das bloß ein, oder waren dadrüben noch mehr von seiner Sorte? Also konnte man hier doch leben, wenn man bloß dickeres Fell trug... Der Roten war der abwesende Blick des Rüden nicht verborgen geblieben, und mit verdrehten Augen und schiefgezogenen Mauliwnkeln sah sie ihn an. Und was war dass denn für eine Antwort! Sie hätte jetzt eher ein 'Ich hole sogleich meine Jäger zusammen' oder 'Natürlich! Dort drüben, da liegt ein ganzer Tapir' vertragen können. Aber nein...
"Tatsächlich bin ich auch nicht gern hier, aber wenn dein Rudel etwas zu Fressen hat dann darfst du mich gerne dahinführen"
Ihre Stimme war spitz, nicht so freundlich oder wenigstens höflich wie es einem halbverhungerten Wesen vielleicht zuträglicher gewesen wäre. Und nun war sie an der Reihe den Wolf zu mustern - unnatürlich blaue Augen sahen sie an, wie von einem großen Wasser, und sowohl erscheckt als auch fasziniert beoabchtete die Rote den Lichteinfall in diesen blauen Sternen. Ungewollt schob sie die großen Ohren nach vorne und trat noch etwas näher heran, um ihn besser inspizieren zu können.
Endlich, endlich konnte sie sehen, wie die Welt außerhalb der Höhle aussah! Sharíku verdrehte den Kopf soweit es Shanis Griff zuließ, um etwas von dieser weißen, kalten Wunderwelt zu sehen. Ihre Ohren rotierten fast, wippten vor und zurück, lauschten den knirschenden Schritten ihrer Familie im Schnee. Sie verdrehte die Augen nach oben, um zu sehen, wie hier draußen die Höhlendecke aussah. Der Anblick war schwindelerregend. Blaue Weite war dort oben, blau wie Akhunas Augen. Die Welpin verrenkte sich, um noch besser zu sehen.
oO( Das also ist der blaue Himmel...)
dachte sie staunend. Sie bewunderte den Himmel einige Sekunden, wandte sich dann aber wieder ab. Sie wollte MEHR sehen! Sharíku musterte den weißen Schnee, die Großen hatten in ihrem Fell immer wieder etwas davon in die Höhle geschleppt, aber dieser wenige Schnee war immer viel zu schnell zu Wasser geschmolzen. Aber hier draußen gab es Unmengen davon, und der Schnee blieb die ganze Zeit da. Auf einmal sah sie in dem vielen Weiß eine Bewegung. Konnte der Schnee etwa laufen? Sie blinzelte und erkannte eine Wölfin, und zwar eine Große. Die Anderen hatten die Fähe schon bemerkt.
Die Fremde verwirrte die kleine Fähe. Diese vielen fremden Namen...Wie viele Erwachsene gab es denn? Sharíku spürte, wie sie abgesetzt wurde, in den kalten Schnee. Sie drehte sich um und sah ihrer Mama ins Gesicht. Was sie sah, versetzte ihr einen Stich, ganz tief in ihrem Herzen. Seit sie auf dieser Welt lebte, war Shani immer traurig gewesen, aber das, was ihre kleine Tochter nun in ihren Gesichtszüge las, war mit dieser alltäglichen Trauer nicht zu vergleichen. So verzweifelt, so unendlich verzweifelt und traurig! Die liebevolle Berührung mit der Zunge tat der Kleinen gut, gleichzeitig schmerzte es tief in ihr drin. Ihre Mama, ihre verzweifelte, traurige, mutlose Mama gab ihnen trotz ihres Zustands immer noch so viel Liebe! Sharíku kuschelte sich ganz eng an Shani, stubste mit der Nase in das warme Fell und schleckte sie genauso liebevoll ab, wie Shani es grade eben noch getan hatte. Sie hörte Rakshee sprechen und ihre Worte und ihr Mut erfüllten Sharíku mit Bewunderung für ihre Schwester, doch sie hielt nicht inne und drehte sich nicht um, um die Reaktion der Fremden zu sehen.
Sharíku versuchte, ihrer Mama mit zärtlichen Gesten zu zeigen, wozu ihr die Stimme fehlte.
oO(Mama, Mama, hab keine Angst. Wir lieben dich, wir beschützen dich. Mama, liebe Mama, alles wird gut, sei nicht mehr traurig...)
Die kleine Graue spürte, wie ihr etwas aus den Augen floss. Ein kleiner Teil ihres Geistes, der nicht von tröstenden Worten an ihre Mama erfüllt war, wunderte sich, was das sein konnte. Es roch merkwürdig salzig. Doch Sharíku kümmerte sich nicht weiter darum, versuchte weiter, ihre traurige Mama zu trösten, während die Tränen in das schneeweiße Fell sickerten.
Cuma schaute ein wenig verwirrt. War es denn nicht klar, dass sie teilen wollte? Sie wollte immer teilen, denn Kensharion hatte sicher auch Hunger.
"Ich möchte es mit dir teilen, Kensharion. Bitte!"
Sie sprach zu seinem Rücken, da er fast am Höhleneingang stand. Sie dagegen hatte sich wenige Meter hinter ihn gelegt. Das Kaninchen hatte sie noch nicht angerührt. Jetzt versuchte sie, es gerecht auf zu teilen. Er sollte nicht sehen, wie sie alles aß, wärend er aufpasste- er passte doch auf? Cumará teilte also das Kaninchen. Die Knochen splitterten unter ihrem kraftvollen Kiefer. Es machte ihr keine Mühe, es zu zerbeißen. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen, solange hatte sie kein gutes Fleisch mehr gegessen. Oft kleine Mäuse oder dumme Hühner, aber saftiges Kaninchenfleisch... Nun war sie fertig. Sie war ziemlich leise vorgegangen. Nun nahm sie die eine Hälfte zwischen ihre Zähne und stand auf. Sie musste kurz niesen, da ein wenig Staub aufgewirbelt war. Auf leisen Pfoten ging sie auf Kensharion zu. Er durfte sie sehr wohl hören, aber sie ging immer leise, egal wann, wie und wo.
"Hey, du! Also... also, ich möchte nicht allein das Kaninchen essen, du hast sicher auch Hunger...und außerdem,"
fuhr sie mit ein wenig lauterer Stimme fort, um ihren Wort noch mehr Ausdruck zu verleihen.
"Hast du schließlich das Kaninchen erlegt! Bitte, ich möchte gerne teilen- so viel Hunger habe ich ja gar nicht, dass ich das ganze Kaninchen aufessen könnte. Hier!"
Schloss sie und schaute ihn freundlich von der Seite an. Seine blauen Augen waren schön, sie hatten ein besonderes blau. Sie riss sich los und schaute aus der Höhle. Die Landschaft, jetzt, wo sie ein wenig Überblick über die ganze Ebene hatte, war eigentlich schön. Eine ungebändigte Landschaft, wie sie Cumará mochte. Sie legte das Kaninchen direkt vor Kenshis Pfoten, so dass kein Missverständnis aufkam. Sie wollte, dass er es annahm, und schaute ihn nocheinmal intensiv in die Augen.
"Bitte, nimm es an. Ach, was ich noch sagen wollte... wie wäre es, wenn ich mich jetzt ein wenig hinlegen würde, und später löse ich dich ab, damit du dich auch mal ein bisschen ausruhen kannst? Das wäre doch besser, als wenn die ganze Zeit nur einer aufpasst. Okay? Ich gehe jetzt ein wenig hinter, wenn es dir nichts ausmacht. Und is doch- bitte!"
Sie lächelte ihn freundlich an und drehte sich dann um. Die Höhle wurde hinten ein wenig breiter, sie scharte sich eine kleine Kule und begann, das Kaninchen zu verputzen. es schmeckte wunderbar! Sie schlang das Fleisch hinunter, aber sie konnte sich einfach nicht zusammenreißen. Glücklich seufzend ließ sie sich in ihre Kule nieder. Sie schaute noch einmal Kensharion an. Er war schön. Und so groß... Schläfrig schaute sie sich noch ein wenig um, dann legte sie ihren schönen Kopf auf ihre Vorderpfoten und schloss die Augen. Sie sank in einen Halbschlaf. Sie hörte mit einem Ohr noch, was in der echten Welt geschah, mit ihren gedanken jedoch war sie schon längst ins Reich der Träume gesunken. Sie träumte davon, dass Sommer war. es war sehr warm, aber es wehte eine leichte Brise. Das erstaunlichste war, dass neben ihr Kensharion lief. Er war nicht mehr nachdenklich, sondern froh und unbekümmert. Außerdem, und das war das erstaunlichste am ganzen Traum, lachte er! Er lachte! Cuma seufzte glücklich, dann versank sie in einen traumlosen Schlaf. Sie wusste es zwar nicht, aber die lange Wanderung hatte ihr doch mehr zugesetzt, als sie gedacht hatte.
Am Eingang der Höhle blickte Kensharion auf Cumará zurück, die sich inzwischen in hingelegt hatte. Die Höhle war noch dunkler, als sie schon gewesen war, denn der große Rüde verdeckte den größten Teil des Lichts, der in die kleine Höhle einstrahlte. Ein Ohr von Kenshi war nach innen zu der Fähe gerichtet, das anderen nach draußen, ständig in Bewegung, um ja nichts zu verpassen. Schließlich waren sie jetzt in einer Höhle drin und falls eine Bedrohung von außen kommen würde, müssten sie rechtzeitig nach draußen fliehen. Der Blick des schwarzen Rüden fiel wieder auf das Kaninchen, das die Graue noch immer nicht angerührt hatte. Er wollte schon aufs Neue Gesten machen, dass sie es fressen sollte, doch das war nicht mehr nötig, Cumará beantwortete bereits seine Fragen. Sie wollte das Kaninchen mit ihm teilen? Wieso wollte sie es denn nicht allein fressen? Man sah ihr deutlich an, dass sie an Hunger gelitten hatte und nun wollte sie so eine kleine Beute, es war eigentlich nur ein Fleischhäppchen wenn es nach Kenshi ging, mit ihm teilen? Der dunkle Schatten war verwundert, sagte jedoch nichts denn ihm war nicht entgangen, dass sie ihn sogar darum gebeten hatte. Bevor er noch irgendetwas anderes tun konnte machte sich die Fähe auch schon an das Kaninchen und teilte es in zwei Hälften. Mit der einen kam Cumará auf ihn zu und legte ihm die andere Hälfte vor die Pfoten. Kensharion sah sie aus seinen eisblauen Augen an, während sie anfing zu sprechen. Sie bestand also noch immer darauf, ihm von der Beute abzugeben, sie wollte es unbedingt tun. Er hörte der Grauen aufmerksam zu, denn sie redete viel, für Kenshi immerhin wäre es viel gewesen.
.oO(Also, dass ich Hunger habe stimmt nicht.)
Dachte der Rüde und musterte Cumará. Sie war dünn, abgemagert konnte man schon fast sagen, wogegen der Rüde wohlgenährt war. Seine Erscheinung strahlte Zuversicht und Stärke aus.
Es fiel dem Rüden nicht schwer im Winter zu jagen, denn als er noch mit seinen Bärenfamilie gelebt hatte, musste er gerade im Winter alleine jagen und dies erwies sich nun als Vorteil. Außerdem sagte sie noch, dass er das Kaninchen erlegt hatte und sie hätte auch nicht so hungrig, doch das glaubte Kensharion ihr nicht. Sie sah eindeutig so aus, als hätte sie in letzter Zeit nicht viel gefressen. Der große Rüde verstand sie einfach nicht, aber wenn es ihr Wunsch war, so wollte er ihn erfüllen. Wieso auch nicht, sie verlangte schließlich nicht viel. Und da der Schwarze noch immer nicht antwortete, betonte sie ihre Worte noch einmal, er konnte ihr diese Bitte gar nicht abschlagen, sie war so hartnäckig! Er ließ sie noch zu Ende sprechen, bevor zu einem kurzen knappen Satz ansetzte.
“Du brauchst mich später nicht abzulösen, ruh die lieber aus“
Er sah, wie sich die Fähe wieder in die Höhle zurückzog, um das Kaninchen zu fressen. Er wandte seinen Kopf wieder nach draußen und sah in die verschneite Landschaft. Tief sog er die kühle Luft ein und streckte seine pechschwarze Schnauze in den schneidenden Wind. Seine Ohren spielten noch kurz und suchten die Gegend nach verdächtigen Geräuschen ab, dann blickte er wieder in die Dunkelheit der Höhle, wobei seine Augen sich erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen mussten, denn draußen erhellte der Schnee die ganze Landschaft.
Da er nun Cumará den Wunsch erfüllen wollte, nahm er das halbe Kaninchen zwischen die Kiefer und schlang es mit einem mal hinunter. Er leckte sich genüsslich über die Lippen. Es war nicht viel, aber er schmeckte köstlich. Außerdem war es das erste Mal, nachdem er die Bären verlassen hatte, dass er wieder teilte. Es war ungewohnt, vermittelte ihm aber dennoch ein Gefühl von Wärme. Kensharion blickte wieder nach draußen und verharrte eine Weile in dieser Position. Als er seinen schönen Kopf wieder zu der Grauen wandte, sah er, dass diese schon in einen leichten Schlaf gefallen war. Auch er legte sich hin, dich am niedrigen Eingang, wodurch er sogar den schneidenden Wind für Cumará abschirmen konnte. Der Rüde legte sein Haupt auf seine ausgestreckten Pfoten und blickte in der Höhle umher. Nichts Besonderes. Der Schwarze seufzte einmal tief und wartete nun auf die Fähe, die nur wenige Schritte entfernt von ihm lag.
Die junge weiße Fähe schaute Shani an. Hatte sie sich falsch entschieden? Shani war schön, sie hatte ebenso weißes Fell, wie sie selbst. Ihre Zunge glitt zärtlich über das Fell ihrer Welpen. Wenn da nicht diese unbeschreibliche Trauer in ihren Augen gelegen hätte... Aradis stupste die Fähe vorsichtig an. Sie wollte ihr nicht zu nahe treten. Sie wusste, dass sie eine unsichtbare Grenze überschritten hatte- wenn auch unabsichtlich. Die Welpen sollten versteckt gehalten werden. Und jetzt wusste Aradis auch, warum mehrere Rudelmitglieder in letzter Zeit nicht mehr so häufig bei der Rudelhöhle gewesen waren; sie waren hier, in der Eiswüste, bei Shani und den Welpen. Sie hätte gerne gewusst, wer der Vater von den süßen Kleinen war. aber sie traute sich nicht, sie zu fragen. Sie sah Tränen in den Augen Shanis. Es tat ihr plötzlich so unendlich leid, dass sie sich gezeigt hatte. Aber wäre es besser gewesen, wenn Shani sich auf und davon gemacht hätte? Ganz sicher nicht.
.oO Soll ich sie trösten...?
Die Fähe wusste auf ihre eigenen Gedanken keine Antwort. Still musterte sie die Weiße vor sich.
Bei Rasmús war sie wütend davon gestapft, aber seit diesem Streit hatte sich etwas in ihr, ganz tief in ihrem Herzen, verändert. Sie war ruhiger geworden, und... erwachsener. Außerdem hatte sie sich ja nicht mit Shani gestritten. Doch was sollte sie denn in so einer Situation tun? Das war eine ganz andere Art von Konfrontation, als sie es je erlebt hatte. Dieses stille 'Ja' klang in ihren Ohren so mutlos. Dabei war doch nicht alles vorbei; im Gegenteil, sie hatte diese Welpen bekommen! Doch genau das war anscheinend das Problem... vielleicht hätte sie diese Welpen nicht bekommen dürfen, oder wollte es nicht? Alle Welpen waren hübsch. Und sie waren nicht mehr ganz klein. Die kleine Rakshee kannte sie ja schon. Sie lächelte die Welpen an. Dann fiel ihr auf, dass ein Welpe weinte. Sie erschriek ein wenig. Hatten die Welpen Angst vor ihr?
"Ist euch sehr kalt?"
fragte sie in die Runde. Sie sprach leiser als sonst, ihre Mutter schien kurz vor dem Zusammenbruch. Das hatte sie nicht gewollt. Dann sagte plötzlich Rakshee etwas zu ihr. Sie sah die Kleine ein wenig traurig an, denn der Welpe schien zu glauben, dass sie ihre Mutter trauri machen würde, was sie ja nicht wollte! Nun wandte sie sich an Shani.
"Shani, wenn es dir lieber ist, dass ich gehe, so sag es mir. Aber... gehe nicht fort. Bitte."
Still wartete sie auf eine Antwort der weißen Fähe. Sie wollte, dass die Welpen und Shani sich wohlfühlten. Und sie kannte Shani ja eigentlich gar nicht, und die Welpen, natürlich, ebenso wenig. Sie zwinkerte Rakshee zu und schaute dann wieder zu ihrer Mutter. Die Trauer in ihrem Gesicht machte sie selber traurig... Shani musste doch irgendeine Hoffnung haben!
.oO Es muss eine ungeheure Last sein, Welpen zu haben, wenn andere es nicht wissen dürfen. Eigentlich ist es doch klar, dass sie so bedrückt ist!
flüsterte ihr ihre innere Stimme ins Ohr. Aradis dachte darüber nach. Natürlich stimmte das. Wie sollte man sich denn über solch schöne Geschöpfe freuen, wenn niemand es wissen durfte? Sie schaute nocheinmal Rakshee an.
Vorsichtig legte die kleine Weiße den Kopf in den Nacken. Warum war Shani jetzt so traurig? Sie alle waren doch so nett zu ihr gewesen. Aradis, welche inzwischen schon wieder aus ihrem Versteck gekommen war und auch ihre Schwestern waren so lieb zu ihr. Vorsichtig tänzelte die kleine auf ihre Mutter zu und sah sie mit großen Augen an. Völlig überraschend fuhr die Zunge ihrer Mutter über ihren Rücken. Mist. Ihre Mutter hatte sie vollkommen überrumpelt. Vorsichtig schüttelte Kursaí sich, wobei ihr kleiner Körper hin und her pendelte. Sie hasste es, wenn ihre Mutter sie abschleckte. Danach war sie immer so verflixt nass und klebrig. Sie mochte ihr weiches Welpenfell doch so! Kurz schüttelte sie sich noch einmal und schaute dann wieder ihre Mutter an. Resigniert beobachtete sie die Züge Shanis. Noch immer war sie traurig. Und Rakshee machte jetzt Aradis dafür verantwortlich. Warum Aradis? Sie war doch so nett. Aber andererseits könnte ihre Schwester auch durchaus recht damit haben. Immerhin war ihre Mutter erst so unendlich traurig geworden, als sie die anderen Wölfe hatte reden hören. Wie schade. Dabei war sie doch schon ohne die anderen Wölfe so traurig. Kursaí hatte nicht gedacht, dass es noch schlimmer werden könnte.
"Mama... Mama... lass uns runter zu Papa gehen... oder wieder in die Höhle... sei nicht mehr traurig... bitte."
Vorsichtig ging sie wieder einen Schritt zurück und schaute ihre Schwestern an. Warum waren die drei nur so langweilig? Alle standen sie unter dem Bauch ihrer Mutter und warteten bis diese weiterging. Kurz schüttelte die kleine den Kopf und drehte sich dann wieder um. Langsam ging sie auf Aradis zu, legte den Kopf schief und musterte sie eine Weile. Nein sie war bestimmt nicht an dem Gemütszustand ihrer Mutter Schuld. Es war etwas anderes. Etwas, was sie und ihre Schwestern nicht verstanden. Schnell senkte Kursaí ihre Stimme und schaute Aradis in die Augen.
"Es ist nichts gegen dich, aber vielleicht ist es besser wenn du wirklich gehst. Wir sehen uns bestimmt wieder aber jetzt ist ein ungeeigneter Zeitpunkt."
Ein leichtes Lächeln zog sie über die Lefzen der Weißen. Sie hatte die Erwachsenen belauscht und sich dadurch angeeignet ihre Wortwahl imitieren zu können. Sie sprach wie eine Erwachsene, auch wenn sie noch ein Welpe war.
"Du bist sehr nett und es wäre wohl für alle gut, wenn du die ganze Sache hier nicht weitererzählst."
Noch wusste Kursaí den eigentlichen Grund ihrer Bemerkung nicht, dass sie damit absolut recht hatte. Sie nahm an, dass ihre Eltern vor irgendwem geflüchtet waren, was ja in gewissem Sinne auch stimmte. Vielleicht würde die Kleine noch auf den Wirklichen Grund für das ganze Theater kommen, doch im Moment nahm sie noch nicht an, dass es mit ihr oder ihren Geschwistern zu tun haben könnte. Vorsichtig stupste sie die große Weiße an um sie zum gehen zu bewegen.
"Bitte...es ist sehr wichtig für meine Eltern"
Ihr Ton war leicht flehend aber trotzdem ernst. Ihre großen dunkelroten Augen schauten sie traurig und flehend an. Welpenaugen, welche bettelten. Ob Aradis dem widerstehen konnte?
Verstand denn dieser junge Rüde nicht? Urion hatte Mühe sich auf dem Boden zu halten. Seine Glieder zitterten vor Anstrengung, sein Fang bebte, die Augen huschten unkontrolliert umher. Dann wurde es plötzlich ruhig in ihm, trotzdem getraute Urion es sich noch nicht zu erheben. Mein Wolf, es war wirklich besser, wenn Zack sich fortbewegen würde.
"Du wirst gehen, sonst werde ich dich töten!"
Es war nicht zu übersehen, dass diese Stimme nicht Urion gehörte. Es war auch nicht zu übersehen, dass dieser widerwillig nur seinen Fang zum Sprechen geöffnet hatte. Schließlich verspürte der Grau sein Herz wieder schnell in der Brust schlagen, seine Seele sprach beruhigend zu ihm. Er war wieder er selbst, aber war er das wirklich? Urion beschloss sich wieder zu erheben. Langsam und vorsichtig. Einmal wollte er nicht wieder zusammensacken und zum Anderen den Rüden nach der gerade dargebotenen Show verschrecken. Dem Grauen brach kurz ein Lauf weg, doch er fing sich schnell wieder.
"Fremder, mein Name ist Urion. Ich komme aus dem kalten Norden und ich möchte dich warnen darüber zu schweigen, was du gerade eben gesehen. Es gibt da etwas in mir, was ich nicht unter Kontrolle habe. Geh nun deines Weges, wenn du möchtest oder verweile bei mir, jedoch mit gebürtigen Abstand. Nun habe ich genug verraten."
Urion stand mit ablehnender Haltung vor Zack. Er hatte keine Kraft sich voll aufzurichten, die Ohren waren scheu angelegt, die Muskeln angespannt. Bereit zu fliehen, wenn der Fluch ihn wieder übermannte.
oO(Ich lasse dich nie mehr alleine, mein liebstes Herzstück.)
Der Graue ließ ein kurzes Grollen vernehmen, was dem Wolf in ihm galt, dann blickte er in Zacks ruhige Augen... ja, sie waren ruhig... so still... so offen. Urion versank darin und entspannte sich merklich. Er verließ seine Deckung.
Natürlich hatte Zack nicht übersehen, dass er sich in Gefahr begeben hatte und auch immer noch in Gefahr war, doch es kümmerte ihn nicht sehr viel. Nicht, dass er keine Lust mehr an seinem Leben hatte, nein, nur keine Angst vor dem Tod. Doch er bekam auch mit, dass der Wolf vor ihm sich etwas entspannte, trotz der aggressiven Worte, die er von sich gab. Und auch diese kamen nur quälend über seine Lefzen. Doch dann schien, als ob ihn etwas loslassen würde. Er wurde ruhiger und versuchte sich hoch zu stemmen, was ihm aber nur teilweise gelang. Nun stellte er sich auch vor, mit einer ruhigeren Stimme und wies ihn auf die Gefahr hin, die er sowieso schon wahrgenommen hatte. Natürlich würde er, wollte Urion mit ihm zum Rudel kommen, Banshee darauf hinweisen müssen, aber das musste er ihm ja nun nicht unter die Schnauze reiben und vielleicht würde sie es auch schon von selber bemerken. Nun war er auf jeden Fall nicht gewillt den Rüden zu verlassen, vor allem weil er selber ihm ja nichts getan hatte. So ließ er Urion nicht aus den Augen und bemerkte so, dass er nach einem kurzen grollen wie gefangen in seine Augen blickte. Dabei entspannte er sich merklich und er selber bemerkte, wie er schon wieder einen Wolf wenigstens etwas beruhigte. Wie er das machte war ihm nicht wirklich klar, aber es störte ihn auch nicht. Er freute sich, wenn er anderen seiner Art helfen konnte, wenn auch nur für kurze Dauer. Und nicht nur seiner Art half er, auch anderen Wesen hatte es schon öfter mal geholfen, er musste jedoch aufpassen, dass er wenn er jagen ging nie in so eine Situation kam, denn sonst kam es ihm gemein vor ein Tier, welches glaubte in ihm einen vertrauten gefunden zu haben, einfach zu töten. Doch nun hing er wieder seinen Gedanken nach.
„Nein, natürlich werde ich vorerst nichts sagen. Sei gegrüßt Urion. Wenn du magst, werde ich dich zu meinem Rudel geleiten, natürlich können wir auch noch weiterhin hier verweilen. Ich werde dir auf jeden Fall Gesellschaft leisten, solange du damit kein Problem hast.
Freundlichkeit lag in seinen Augen. Er wollte Urion zeigen, dass er ganz sicher nicht gegen ihn vorgehen würde und, dass er hoffte, dass er, von was auch immer, so schnell nicht mehr befallen werden würde.
Cumará schlug ihre Augen auf. Ihr ganzes Fell reflektierte die orangeroten und gelben Töne der letzten Sonnenstrahlen. Ihr Fell leuchtete gelb und glitzerte. Sie gähnte leise, und ohne das Maul zu weit aufzureißen. Sie blinzelte und ihre eisgrauen Augen mit den langen schwarzen Wimpern erblickten Kensharion. Auch auf sein Fell fielen die letzten Strahlen. Cuma legte ihren Kopf auf ihre Pfoten und schaute zu Kensharion. Die Farbe seines Felles war das genaue Gegenteil zu ihrer jetzigen Stimmung; sie fühlte sich, nach langer Zeit, geborgen. In dieser Höhle mit dem Rüden... der obendrein nicht einmal schlecht aussah... Sie drehte ihren Kopf ein wenig, um aus der Höhle blicken zu können. Ihre Augen spiegelten die kühlen Sonnenstrahlen wieder.
.oO Hatte ich Glück? Bin ich am Ende meiner Reise angekommen, jetzt? Werde ich hier wieder richtig glücklich werden so wie ich es früher war...?
Sie schloss die Augen und sah nocheinmal, nur für wenige Sekunden ihren Traum. Sie mit Kensharion und alles blühte, was für eine wundervolle Vorstellung. Eine Musik war in ihrem Kopf, es war eine ruhige und sehr schöne Musik. Cuma erinnerte sich plötzlich, ihre Mutter hatte es ihr vorgesummt. Es war sehr beruhigend. Hatte ein neuer Lebensabschnitt für sie begonnen? Sie wusste es nicht, aber hoffte es, sie wollte endlich ankommen, in einem neuen Leben und nocheinmal beginnen. Nicht von neuem, sie hatte ihr Leben geliebt, aber sie wollte wieder sicher sein und nicht diese ... Unwissenheit in sich sitzen haben. Unbewusst fing sie an, das Lied zu summen. Sie wünschte sich gerade sehr, dass Kensharion sich zu ihr legte- aber er würde es nicht machen, sie wusste es. Außer wenn er Mumm hatte. Hatte er Mumm? Cuma war sich nicht sehr sicher. Er hatte einfach überhaupt keine Erfahrungen mit anderen Wölfen- und erst recht nicht mit Wölfinnen. Sie erwartete zu viel von ihm. Dennoch sollte er ein wenig lockerer werden, dass würde ihm gut tun. Er sollte langsam ein neues Leben anfangen, sie sah ihm an, dass er es schwer gehabt hatte, irgendwann. Vor kurzem oder langem? Sie wusste es nicht. Es war auch egal. Er musste von neuem anfangen. Wie sie. Er durfte nicht immer zurück denken, dass war sein größtes Problem, und sie sah immer wieder, wie er nachdachte. An seinen Augen. Außerdem sah er ein wenig... bekümmert aus und traurig. Aber sie war eenso traurig wie er, dass Cei sie verlassen hatte! Aber das Leben ging weiter, verdammt noch mal! Cumará Tumaan war niemand, der gerne zurück blickte. Oder zumindest blickte sie nicht in die 'Guten alten Zeiten' zurück. Sie sah Dinge, die sie schön fand, und damit fertig, sie versank nicht immer wieder in ihren alten Erinnerungen, sie wäre nicht Cuma, wenn sie so wäre. Genau das war ihre Stärke. Aber sie traute sich nicht, es ihm zu sagen. Er war nicht so weit wie sie. Vielleicht hatte er sich noch nicht abgefunden? Sie hatte die Augen immer noch geschlossen. Sie summte auch noch. Jetzt drehte sie sich auf den Bauch und Staub flog auf. Sie lächelte. Dann schlug sie die Augen auf und lachte. Sie war gerade wirklich froh.
Wie freundlich der Andere zu Urion war. Wusste er denn überhaupt auf was er sich da einließ. Urion leckte sich kurz über die Leftzen und stellte sich aufrecht hin. Es war anstrengend so stehen zu bleiben, sodass der Graue sich wieder auf seine Hinterkeulen setzte und die Umgebung kurz betrachtete. Der raue Wind zauste an seinem Fell, klopfte an den Knochen an. Ein paar Geräusche drangen an die Ohren des Rüden, jedoch war es nur das Gebirge, welches von seinen Qualen berichtete. Urion ließ den Kopf hängen, dann wanderte sein Blick wieder zu Zack.
“Du möchtest mich mit zu deinem Rudel mitnehmen. Möchtest du ihnen wirklich dieses unberechenbare Wesen antun, welches hier vor dir hockt und nicht mal seiner selbst ist? Denk doch nur an die Welpen, die bei euch sein werden, jedoch würde es mich... wie nennt man das, wenn einem etwas gefällt?“
Worte wie Freude, Schönheit, Glück hatte Urion unlängst vergessen. Im Gegenzug dazu war er recht redegewandt, wenn es um schlechte Dinge ging. Zack schien zu gut für diese Welt zu sein. Ob er es bemerkte wie Urions Kopf kurz zur Seite schnellte und sein Gesicht zu einer Grimasse verzog, als wenn ein anderes Wesen zum Vorschein kommen möchte? Der Graue hoffte nicht, versuchte den Fluch in sich zu sperren. Sein großer, aber zu schmächtiger Körper erhob sich von den Steinen, bewegte sich erstaunlicher weise recht sicher zu dem Bach. Die Schnauze bewegte sich Richtung Wasser und zuckte kurz zurück. Wann hatte Urion sich das letzte Mal selbst betrachtet? War er schon immer so schwarz gewesen, hatte er etwa rote Augen. Es dauerte ein Bisschen bis der Rüde erkannte, dass es die Grimasse des Fluches war, die ihn da angrinste. Schnell trank Urion ein paar Schlucke und entfernte sich von dem Spiegel.
o.O(Hasse diese Welt, die nur fragen stellt. Mich nicht liebt und akzeptiert so wie ich bin. Sich für mich geniert, es nicht interessiert was mit mir passiert. Schneiden mir dir Adern auf, hängen mich und schlagen drauf. Schmerz und Kummer mich verzehrt bis der Zug des Lebens mich überfährt. Diese Welt ist so leer. Ich will und kann nicht mehr.)
Wenn ein Wolf ein Lebensmotto hat, so ist dieses Urions. Nachdenklich setzte er sich mit Abstand zu Zack auf seine Hinterkeulen und betrachtete diesen.
“Wenn du nichts dagegen hast, würde ich hier noch etwas Weilen. Du kannst hier bleiben oder gehen, aber erwarte nicht, dass ich ein guter Gesprächspartner für dich bin.“
Wieder zuckte der Kopf des Grauen und ein qualvolles Quietschen verließ seinen Fang, dann kauerte Urion sich an den Bach nieder, schlang seine Rute um seine Beine und legte den Kopf auf die ausgestreckten Vorderläufe. Angenehm rauschte das Wasser. Ein Element was Urion beruhigte, wo er angenehme Gedanken im Kopf hatte, wo er etwas gesprächiger wurde. Urion schloss die Augen, jedoch blieben seine Ohren weiter aufgerichtet und schnippten umher, der Körper bebte weiter, als ob ein Vulkan in ihm brodelte.
“Nutze die Chance der Ruhe, wenn du mit mir reden willst, aber erwarte nicht zu viele Antworten von mir. Bitte, erzähl mir etwas von dem Rudel, welchem du angehörst.“
Kensharion lag noch immer am Eingang der Höhle und wartete auf Cumará Tumaan, die nun eingeschlafen war. Er sah die Fähe an und wartete geduldig, während sie noch immer ruhte. Seine scharfen Sinne tasteten die ganze Umgebung ab und zwischendurch ging er sogar einmal hinaus, um sie die Beine zu vertreten. Seine Läufe zuckten unruhig, denn er hasste es, faul herum zu liegen und nichts zu tun. Er hasste es, wenn er so viel Zeit hatte wie jetzt, so viel Zeit, in der er immer an seine Familie denken musste… Dieser Gedanke versetzte ihm einen stechenden Schmerz, die Trauer war der schlimmste Schmerz für ihn. Lieber würde er mit Messern und Speeren durchstochen sein, als traurig zu sein, denn wunden am Körper konnte man heilen, aber die Wunden des Herzen würden für immer bleiben. Auch wenn er über diesen Verlust hinweggekommen war, würde der Gedanke an seine Familie ihn doch wieder in Trauer versetzten.
Kenshi schüttelte resigniert seinen Kopf. Wie sollte es mit ihm weitergehen? Er wusste es wirklich nicht und das machte ihm Angst. Seine Unwissenheit über die eigene Zukunft brachte ihm noch zusätzliche Verzweiflung. Was war das denn nur für ein Leben, das er lebte? Es war doch kein richtiges Leben, es war nur, Der Schwarze kannte keine Worte dafür. Doch er riss sich zusammen. Was vergangen war, konnte nie mehr wiederkommen, wenn er ständig in Trauer lebte, dann hatte das Leben doch keinen Sinn. Er hob seinen schönen Kopf und nahm sich vor, ein neues Leben zu beginnen, er musste die Vergangenheit vergessen, egal wie schwer es ihm fallen würde. Kensharion beobachtete den schönen Sonnenuntergang, so lange lag er nun schon hier, aber dennoch war es so kurz. Plötzlich bemerkte der Rüde, dass Cumará ihre Augen geöffnet hatte. Sie war also schon wach. Wie lange? Er hatte es gar nicht wahrgenommen. Sie begann eine Melodie zu summen und der Schatten spitzte die Ohren. Sie klang hübsch. Dann fing sie plötzlich an zu lachen. Was machte sie so glücklich? Kenshi verstand ihn nicht. Er sah die Graue erwundert an und spürte wieder einen kleinen stich im Herzen. Wie lange war es her, dass er das letzte Mal gelacht hatte? Es war zu lange her, zu lange hatte er nicht mehr glücklich gelebt. Wann würde sich sein Schicksal wieder zum Guten wenden? War die Begegnung dieser Fähe ein gutes Omen? Der Rüde wusste es nicht, er würde es noch früh genug erfahren. Dann sah er Cumará in die Augen und sagte mit ernster Stimme.
“Wollen wir nun aufbrechen? Hast du dich genug ausgeruht, oder wünschst du noch zu bleiben?
Kensharion hatte jegliche Lust am Liegen verloren, aber er wusste, dass die graue Fähe die Ruhe brauchte. Er würde ihren Wunsch respektieren. Seine eisblauen Augen fanden die ihre und suchten nach einer Antwort. Zum ersten mal konnte man seinen Blick als freundlich bezeichnen. Diesen Blick hatte er immer nur seiner Familie gezeigt, Cumará war wohl der erste Wolf, indem er einigermaßen Vertrauen gefasst hatte. Doch er zeigte es nicht, nur seine Augen sollten sein Wohlwollen widerspiegeln. Er würde sein Urteil nicht zu voreilig fällen, alles brauchte seine Zeit, genau wie auch das Vertrauen und… die Freundschaft.
Erst verfolgte er den Gang Urions zum Bach nur mit den Augen, er bemerkte die unterschiedlichsten Reaktionen, des ihm immer noch kaum bekannten Wolfes. Als der Graue sich mit einem kleinen Quietschen nahe des Baches auf den Boden legte wendete Zack seinen Kopf, drehte sich insgesamt ein wenig mehr in die Richtung des anderen Wolfes und ließ sich auf seine Hinterläufe sinken. Alle Worte, die der andere gesagt hatte, hatte er mitbekommen und aufgenommen und doch äußerte er sich nicht sofort dazu. Natürlich hatte Urion recht, es wäre gefährlich diesen Rüden mit zu dem Rudel zu nehmen, aber sollte er ihn einfach abweisen und ihn hier alleine zurück lassen. Er könnte ihn ja wenigstens zu Banshee bringen und ihn ihr vorstellen, schließlich war sie die Alphafähe und musste wissen, was man mit so einem Wolf machen musste. Es war dann ihre Entscheidung, er alleine hatte keinerlei Recht dazu irgendwie ihn abzuweisen. Und auch wenn er das Recht hätte, er würde nie einen Wolf abweisen ohne versucht zu haben ihm zu helfen.
oO{ Sage niemals nie . . . }Oo
Seine Augen huschten über den Boden, blickten in den glitzernden Schnee, in welchem er ebenfalls saß und gingen dann weiter, beobachteten das treiben des größer werdenden Baches. Ein Zeichen dafür, dass Frühling wurde, der Schnee schwand ein wenig und die Bäche wurden größer, das Wasser versuchte aus den Bergen zu fliehen. Vielleicht würden sie alle ihm bald folgen? Urion kannte kein Wort, das etwas beschrieb was einem gefällt? Als Zack dies bewusst wurde drehte er besorgt den Kopf wieder in Urions Richtung und fixierte ihn, freundlich aber verwundert und besorgt.
„ Es würde dir gefallen, es würde dich freuen. Meinst du das? Es würde dich glücklich stimmen, dir zeigen, dass sich jemand für dich interessiert, es würde dir Freude bereiten. Ist es das was du meinst? Vielleicht würde dir sogar ein wenig warm in dir drin werden, so geht es mir zumindest immer, wenn ich mich freue, aber das ist natürlich von Wolf zu Wolf unterschiedlich. . .“
oO{ Aber bei ihm . . . er kennt so etwas sicherlich nicht. Das tut mir Leid für ihn.}Oo
Wieder huschte ein strahlendes Lächeln über Zacks Lefzen.
„Wir werden sehen, bleiben wir doch erst mal hier. Mir macht es nichts aus, wenn du nicht soviel sprichst. Ich soll dir etwas über das Rudel erzählen. Ich werde mich bemühen, doch weiß ich vieles nicht, obwohl ich schon seit einiger Zeit bei ihm lebe. Ich habe vieles verpasst. Wir sind eigentlich recht viele Wölfe, so um die dreißig denke ich. Aber ich habe viele noch nicht gesehen und kenne die meisten nicht bei Namen. Wir sind soweit ich es beurteilen kann ein sehr friedliebendes Rudel, auch wenn wir einige schnell aufbrausende Wölfe haben und auch schon immer hatten. Einige haben das Rudel wieder verlassen, wenn ich mich Recht erinnere hatten wir bis vor kurzem noch eine Werwölfin unter uns weilen.
Banshee ist unsere Alphafähe, einer sehr weise, freundliche aber bestimmte Fähe. Ich weiß nicht, was ich genau erzählen soll, willst du irgendetwas Bestimmtes wissen?“
Er betrachtete kurz seine Pfoten, wand sich dann abermals Urion zu um seine Reaktionen aufmerksam zu verfolgen. Hier war es noch wichtiger, denn sollte Urion wieder „nicht mehr er selbst sein“ würde er es sicher rechtzeitig bemerken und erkennen. Eigentlich brannte ihm die Frage nach Urions Schicksal auf der Zunge, doch er wollte nicht unhöflich erscheinen. Er kannte diesen Rüden schließlich kaum und da schickte es sich nicht gleich so persönliche Fragen zu stellen.
Leise schlich Jumaana durchs Unterholz. Sie wollte bei den Tieren kein Aufsehen erregen, sie war schwach vom langen Lauf. Fast kraftlos grub sich Jumaana eine kleine Mulde, in die sie Blätter zum Polstern legte. Müde ließ sie sich sinken.
Nach einiger Zeit wachte sie auf. Die Nacht war bereits eingebrochen, bemerkte die Fähe und streckte sich. Sie stand auf und schaute sich die Umgebung etwas genauer an. Sie stellte fast erschrocken fest, das das Tal, in dem sie sich befand, ein Gletschertal war. Leise schlich Jumaana um die Bäume. Bald kam sie an einen kleinen Bach. Zufrieden ging sie ins eiskalte Wasser und wusch ihr Fell.
Urion hatte wieder die Augen geöffnet, als Zack sein Gefühl beschrieb.
Froh... glücklich? Welch unbekannte Worte, die der Rüde erst wieder lernen musste. Dankbar hob der Graue seinen schlanken Kopf und legte diesen leicht schief.
"Diese Worte kenne ich nicht, aber dankeschön, dass du sie mir gesagt hast."
Urion brummte die Worte, jedoch schätzte er seinen Gegenüber so ein, dass er etwas mit dem daher geworfenen Satz anfangen konnte. Sowieso war sein Gesprächspartner ein besonderer Wolf, der sich anscheind um den Rüden bemühte, ihn nicht zurücklassen wollte. Zack wusste also nicht viel von dem Rudel, aber sie hatten eine recht große Anzahl. Ein Rudel Zahllos, wie er damals einem Innewohnte. Banshee, eine Fähe als Alpha. Urions Ohren schnippten... wohl aus vergbügen, wenn er das Wort gewusst hätte. Urion ließ sich zur Seite kippen und strecke die Läufe von sich. Endlich konnte er sich mal entspannen.
"Was da in mir drin wohnt, Zack, ist ein anderes Wesen, dass ich selten unter Kontrolle habe. Man nennt es einen Fluch..."
Urion stockte und war mit einem Schlag aufgesprungen. Er witterte einen anderen Wolf ganz in der Nähe. Kurz blickte er zu Zack, während sein Nackenfell aufrichtete.
o.O(Eins zwei, drei, dein Fluch kommt herbei. Hallo mein Freund. Wow!)
Urions Fang verließ ein donnerndes Knurren, sein Fell richtete sich wirr auf, machte in größer, während der Fang weit geöffnet war und die Zähne blitzten hervor. Es war mit einem Schlag gekommen, der Fluch. Urion hatte keine Chance sich zu wehren, sodass er nun da stand mit tosenden Stürmen in seinem Schädel, einer in die Ecke gedrängten Seele, der Dunkelheit in seinem Körper. Kein Herzschlag mehr, kein reiner Gedanke. Der Fluch fixierte durch Urions Seelenspiegel die Richtung aus der der Duft kam.
Wie konnte es nur passieren, dass man solche Worte wie Glück, Freude nicht kannte? Es verwirrte ihn, er konnte sich nicht vorstellen, wie er selber ohne solche Begriffe leben können sollte. Natürlich waren es nur Begriffe, welche, die sein empfinden, seine Gefühle in Worte packten. Aber wenn er diese Worte nicht kennen würde, dann könnte er seine eigenen Gefühle auch nicht deuten und . . . Hieß das wohl, das Urion seine Gefühle, seine Regungen nicht deuten konnten, sobald sie in eine positive Richtung gingen? Verwirrung machte sich in Zacks Kopf breit. Wie schade es sein musste, wenn man nicht wusste was man fühlte. Er sah mit Freude zu, wie Urion sich auf die Seite fallen ließ und sich völlig entspannte. Ruhig erklärte er ihm dabei, dass er etwas in sich hatte, etwas was er nicht kontrollieren konnte und was ihm sein Leben schwer machte. Ein Fluch. Zack wollte gerade etwas erwidern, als Urion plötzlich wie besessen aufsprang.
oO{ Jetzt verstehe ich auch seine Reaktionen . . . Er ist wirklich besessen . . . Ob er das jemals wieder los wird?}Oo
Er witterte und nahm ebenfalls den Geruch eine Fähe wahr. Aber Urion würde ihr gewiss Angst einjagen, wenn sie ihn jetzt sofort so sehen würde. Er hörte das Knurren, was aus seiner Kehle kam. Vorsichtig trat er ein wenig näher, um sich dann aber mit genügend abstand auf gleiche Höhe mit ihm zu stellen.
„Ganz ruhig Urion, schau mich an, atme tief durch, alles ist okay. Wenn du willst gehen wir zu der Fähe, oder ich hole sie hierher. Aber beruhige dich erst einmal. Konzentrier dich und sei stark, setzt dich gegen diesen Fluch zu Wehr, ich glaube an dich, du schaffst das.“
Leise hatte er mit seiner leisen, klingenden Singsangstimme auf den wilden Rüden eingesprochen. Er wusste nicht, ob es irgendwie helfen würde, dass er sich beruhigte, wenn auch nur etwas. Er hoffte es einfach. Mit so einem Wolf hatte er noch keinerlei Erfahrung. Viele kranke Wölfe, psychisch krank, viele auch aggressiv aber nie einer, der besessen war, nicht von einem Fluch. Er wedelte leicht mit der Rute, versuchte die nun wieder angespannte Atmosphäre zu lockern, er wollte Urion gerne helfen, er hatte ihn neugierig gemacht und außerdem konnte er ihn nun nicht mehr zurück lassen. Nicht, nachdem er mit ihm gesprochen hatte und von seinem Problem wusste.
Die schwarze Fähe ruhte im Schnee, wartend - auf irgendwas. Ungewöhnlich eigentlich, dass Ninniach auf irgendwas wartete - sogar auf etwas bestimmtes, was sie aber nicht zeigen konnte. Sie wartete auf ihn - den schwarzen Rüden mit den saphirblauen Augen. Ungewöhnlich. Ein Rüde, der ein scheinbarer Einzelgänger ist, abgeschottet von der Welt und eine kleine, schwarze Fähe, die zu niemandem Kontakt pflegte... durchaus nicht ganz alltäglich. Ruhig pendelte sie mit der Rute, einige Wölfe in ihrem Blickfeld; keiner von ihnen wirklich... wichtig. Irgendwo witterte sie ihn, aber sie wusste nicht, ob es gut wäre, zu ihm zu gehen... vielleicht geriet sie dann wieder in eine unangenehme Situation. Wie ein Dorn, der sich tief in sie gegraben hatte, malte sie sich die abnormsten Bilder aus, die sie kochen ließen. Im einen Moment war ihr heiß im nächsten wieder kalt - eins tetiges hin- und herschwanken das sich in ihr manifestierte. Murrend vergrub sie die Schnauze im Schnee und schloss für einen Moment die Augen und mahnte sich dazu, all diese Gedanken von sich abzuwerfen. Sich zu Sorgen war eine Sache. Aber dieses Gefühl... es war ihr fremd, kam ihr aber bedeutsam vor. Vielleicht sollte sie doch gehen... vielleicht sollte sie mit ihm reden. Es erschien ihr auf der einen Seite gut auf der anderen aber auch nicht. Sie drückte sich auf die Pfoten und trottete anfangs langsam durch den Schnee, wurde dann aber schneller, je intensiver Faces Geruch wurde. Jedoch nahm ein unbekannter Geruch gleichsam zu, wieder zwickte es sie schmerzhaft in der Brust. das Geschöpf bei ihm... es hieß nichts Gutes, wenn jemand bei ihm war und sie hinzutraf... Allerdings... sie wollte doch zu ihm. Ruhiger wurden die Schritte, langsam pendelte die Rute, die Ohren nach vorn gestellt und leise knurrend. Diese ewige Unentschlossenheit, dieses Zerrissensein. Sie fasste den Entschluss auf die beiden zuzugehen. Langsam trat sie auf die beiden zu und senkte, der Höflichkeit nach, den Kopf.
"Hallo, Face...",
murmelte sie leise und sah zu der... entfremdet wirkenden Wölfin die ihr fremd war.
"Hallo.."
Sie rang sich ein verzerrtes Lächeln ab und musterte dann Face, etwas auf Distanz bleibend. Sie wollte nur sichergehen, dass sie nicht ungelegen kam - was ihr jedoch im ersten Moment so vorkam.
Face Taihéiyo zuckte leicht mit den Ohren. Was für ein Wesen auch immer er da vor sich hatte, sonderlich höflich war es nicht. Nun ja. Ihm war bekannt, dass eine hungernde Kreatur so ziemlich zu allen Stimmungslagen fähig war. Er zeigte keine Regung. Dieses folgende, eindringliche Mustern allerdings, war ihm dann doch etwas unangenehm. Das Rotfell trat ja auch noch näher – und er unweigerlich einen Schritt zurück.
„Ich bringe dich hin ... aber ich kann dir leider nichts versprechen.“
Der Tiefschwarze senkte den Kopf ein wenig und neigte ihn schief, sodass er die Fähe etwas seitlich betrachtete. Er war kein schlechter Wolf. Er war nicht sein Vater. Er würde niemanden sterben lassen.
„Mein Name ist übrigens Face Taihéiyo. Und da ich kein mieser Jäger bin, werde ich dir im Notfall wohl etwas Futter beschaffen können.“
Den zweiten Satz sprach er etwas zögerlicher, war sich nicht so recht klar darüber, ob er hier freiwillig handelte, oder einfach seinem Gewissen nachgab. Seine Art war es auf jeden Fall nicht.
Keine Sekunde später, noch bevor er ihre Anwesenheit gerochen hatte, nahm er schon etwas hinter sich wahr und drehte den Kopf herum. Da war sie wieder, die zierliche, schwarze Wölfin. Ninniach Favéll, der farblose Regenbogen. Und inzwischen konnte Face Taihéiyo sagen, dass es ihm in der Tat nicht unangenehm war, wenn sie auftauchte. Im Gegenteil. War da nicht irgendwie ein leichtes Gefühl in ihm? So etwas wie „Freude“, wenn er sie sah? Wie konnte man solche Gefühle bei ihm schon definieren, er war ja nicht mal zu einem Lächeln im Stande. Er war ein verdammtes Nichts, nicht fähig zu lachen, oder zu weinen. Aber doch ... und doch fühlte er. Wo er schon nicht lächeln konnte, breitete sich so etwas, wie ein sanfter Ausdruck in seinen blauen Augen aus, während er Ninniach entgegen sah.
„Hey, Ninniach ...“
Und doch war es wieder nur eine übliche, unkommunikativ wirkende Begrüßung. Was sollte man auch sonst sagen? Face war kein Redner. Er würde es nie sein. Ihm entsprachen Taten.
Uralt fühlte Sheena sich. Sie war so lange durch das ihr unbekannte Gebiet gewandert. Angekommen war sie nun an einem Ausläufer eines noch höheren Gebirges als auf dem sie sich befanden. Dieser endete direkt an dem See. Sie war froh weit ab des Rudels zu sein. Sie wollte vor allem nicht Zack begegnen. Sie war nicht direkt sauer auf ihn, verstand auch, dass er seine Ruhe brauchte, sich von Neyla verabschieden musste, um sie trauern musste, doch sie verstand einfach nicht warum er ihr nicht trotzdem Beistand. Natürlich hatte sie Neyla nicht so lange gekannt wie er und auch nicht so geliebt wie er es getan hatte. Aber sie hatte sie fast wie eine Mutter geliebt. Eben geliebt auf eine andere Weise als Zack es getan hatte und sicher auch immer noch tat. Auch sie fühlte noch die Liebe für Neyla in sich, die sie so plötzlich verlassen hatte. Das zweite Mal, dass eine „Mutter“ sie verlassen hatte. Trübsal blasend achtete sie nicht richtig wohin sie ging. Aber sie schlenderte sowieso nur durch die Gegend, ein langsames Tempo, sie hatte keine Kräfte mehr für einen schnelleren Gang. Sie fühlte sich so elendig und so alleine gelassen. Außerdem spürte sie schon wieder den nagenden Hunger in ihrem Magen. Sie war froh, dass sie in der Zeit hier oben, in der sie noch ein kleines Stückchen gewachsen war, dickes Winterfell bekommen hat. Zwar sahen ihre Pfoten damit noch unbeholfener aus, doch verdeckte es immerhin ihren so mageren Körper. Leider war das Fell durch die dicke nicht regelmäßiger geworden und sah so immer noch sehr zerzaust aus, doch das interessierte die junge Fähe kein bisschen. Sie war froh, dass sie wenigstens etwas gewärmt wurde, denn sie fror immer noch viel zu schnell, obwohl langsam Frühling wurde. Sie konnte es sich nur durch ihren Körperbau erklären, dadurch dass sie so dünn und geschwächt war. Sie wusste, dass sie sich eigentlich stärken musste, mehr essen musste, doch verspürte sie keinerlei Drang dazu. Nicht, dass sie nicht mehr leben wollte, nein so war es nicht, aber ihr war einfach alles egal geworden.
Ein leises Plätschern vom See riss sie aus ihren Gedanken und sie sprang erschrocken zur Seite, trat dabei auf einen Spitzen Stein und quietschte leise und erschrocken auf. Taumelnd versuchte sie ihr Gleichgewicht wieder zu finden, sprang dabei ein wenig den Berg hinauf und blieb auf einer leichten Schräge zutiefst erschrocken und zittern stehen.
Sie spürte ihr Herz rasen, merkte wie ihre Beine zitterten und spürte ihren Herzschlag pochend in ihren großen Pfoten. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie zu dem See herunter. Nichts Außergewöhnliches war zu sehen, nur die kleinen Ringe verrieten, dass das Wasser durch irgendetwas aufgewühlt worden war. Was konnte das nur gewesen sein, sie sah kein Tier in der Nähe. Panisch klemmte ihre Rute zwischen den Hinterläufen, ihr Kopf pendelte hektisch hin und her. Es konnte doch keine komischen Wesen geben, die in dem See lebten. Hier gab es doch nichts, was ihr irgendwie Schaden könnte, außer sie selber. Und wenn es doch irgendein Ungeheuer war, was nur darauf wartete, dass sie wieder zu nah an den See trat? Wenn es sie packen und in das kalte, nein eisige Wasser ziehen würde. Dann würde sie dort unten jämmerlich verenden. Ihr war nicht klar, dass ihre Fantasie mit ihr durchging und auf die Idee, dass es nur ein harmloser Fisch oder ein Stein, der sich gelöst haben könnte, gewesen sein könnte kam sie nicht. Sie steigerte sich eher immer weiter in diese Angst vor der Angst hinein. Regungslos verharrte sie auf ihrer kleinen „Insel“ und wagte kaum Luft zu holen. Leise und hart zog sie die Luft ein und ließ sie ebenso wieder hinaus. Noch immer schien ihr Herz, ihre Brust sprengen zu wollen und das stetige Zittern der Beine ließ auch nicht nach. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Ilias wollte alleine sein, zumindest für einige Zeit. Andererseits sehnte er sich nach Nähe, Kommunikation und Körperkontakt, doch schon zu oft wurde er verletzt, bei dem Versuch eine nähere Beziehung zu anderen Wölfen aufzunehmen. So zog er alleine durch die Gegend, an dem Hang eines großen Berges vorbei, der an einem See grenzte. Schon wieder knurrte sein Magen, denn es waren schon einige Tage vergangen, ohne dass er etwas richtiges zwischen den Zähnen hatte. Er machte sich auf den Weg näher zu dem großen See zu kommen. Seine Pfoten trugen ihn über die seichte Schneeschicht, immer weiter am Hang des Berges vorbei zu dem großen See. Dieser barg eine Spiegelung des Mondes, der so prächtig im vollen Glanz schien, dass die Nacht nicht ganz so dunkel und trostlos wie die letzten war. Die ruhe die ihn umgab, ließ Ilias für einen kurzen Augenblick an seine Familie denken. Schön war die Zeit gewesen, als er noch respektiert wurde und zu den anderen dazugehörte. Um auf andere Gedanken zu kommen, begab sich Ilias ins seichte Gewässer um sich zu waschen. Ein Geräusch! War das etwa ein anderer Wolf?Ist er doch nicht allein, so wie er es dachte?
Er begab sich hinter einem Stein, um sich zu verstecken. Vorsichtig schnupperte Ilias, um zu prüfen, ob es wirklich ein anderer Wolf war, doch nichts, der Wind kam aus seiner Richtung. Er wurde neugierig, hatte aber Angst. Viele Gedanken schossen ihm durch den Kopf, sein Herz fing an schneller zu Pochen. Doch er nahm sich ein Herz, seine Neugier siegte und er trat leise und geräuschlos hinter seinem Versteck hervor. Ein leichter Wind bahnte sich seinen Weg über den See, ging durch Ilias Fell und ließ ihn frösteln. Aus seinem Versteck hervorgekrochen, konnte er nichts erkennen. Kein Geräusch war zu vernehmen, mit Ausnahme das Plätschern des Sees. Langsam bekam er das Gefühl, er hätte sich das kurze aufjaulen eines Wolfes nur eingebildet, da er schon zu lang alleine war. Spielte ihm sein Gehör etwa einen Streich? Als er zu dem Entschluss kam, dass es doch nur der Wind war, suchte er sich einen weicheren Untergrund aus Laub zusammen, drehte sich noch einmal um sich selbst, um sich dann müde darauf niederzulassen.
01.01.2010, 17:26
oO{Wohin? Wohin nur? Lauf kleine Fähe, lauf wie der Wind. Lauf vor deiner Angst davon, lauf vor deinem unsichtbaren Gegner davon, versuch alles hinter dir zu lassen. Lauf einfach und blicke dich nicht um. Renn um dein Leben!}Oo
Gehetzt rollte Sheena ihre Augen, unbewusst, hin und her. Die Stimme in ihr schien nicht aufhören zu wollen ihr Vorschriften zu machen, was sie tun und lassen sollte. Doch es lag gar nicht in ihrer Hand, was sie nun machte und was nicht. Es schien, als ob sie von irgendeiner höheren Macht geleitet werden würde. Eine höhere Macht, die aus ihrer Sicht nicht fair gegenüber ihr war. Denn sie selber wäre ihrer inneren Stimme gefolgt und wäre gerannt bist sie, ja wahrscheinlich bis sie einfach umgefallen wäre vor Erschöpfung. Doch dieses ihr Unbekannte hielt sie hier fest, an diesem Ort, von dem so viel grauen ausging. Zumindest für Sheena. Ihre Ohren lagen flach an den Kopf gepresst. Dumpf dröhnte ihr Herz und in ihrer Fantasie hörte sie den Widerhall aus den Bergen zurückschallen. Nun wusste sie, jeder würde sie hören und sie war ein noch leichteres Ziel für Angreifer geworden.
Ein leichter Windstoß klärte ihre Gedanken ein wenig mehr auf. Lag da nicht der Geruch eines Wolfes, eines Rüden in der Luft? Und sie war doch so fest davon überzeugt gewesen, dass kein anderer Wolf in ihrer Nähe war, woher war er nun gekommen? Ob er sie schon bemerkt hatte? Dann hätte er sich sicher schon längst gemeldet. Oder etwa nicht? Vielleicht war dieser Wolf ihr aus irgendeinem Grund nicht gut gesinnt? Vielleicht stammte das eben gehörte Geräusch von eben diesem Wolf, welcher sich an sie anschleichen wollte.
oO{REEEEEEEEEEEENN!}Oo
Sie blinzelte verwirrt und legte den Kopf schräg, als sie den Rüden unterhalb ihres „Versteckes“ entdeckte. Er kam vorsichtig hinter einem großen Stein hervor, blickte wachsam um sich und legte sich dann vorsichtig auf die kalte Erde. Er schien sehr erschöpft und irgendwie kam es Sheena vor als ob sie so etwas wie Trauer, Verzweiflung aber auch Neugier in seinem Blick gesehen hatte. Doch sie war stark verunsichert, noch immer schien alles um sie herum dumpf zu sein, nur ihr Herz hörte sie klar und deutlich und dieser Laut machte sie verrückt. Sie musste sich eingestehen, dass es ein hübscher Rüde war, doch war es eher ihr Unterbewusstsein, welches diese Information aufnahm, da sie selber weiterhin wie festgenagelt dort oben verharrte. Das starke, unkontrollierte Zittern war kurzzeitig stärker geworden. Sie wurde von Krämpfen geschüttelt, doch nun wurde es immer weniger und kurz darauf konnte man nur noch bei genauem hinsehen, entdecken, dass sie nicht gerade sicher auf ihren Pfoten stand. Diese Angst, diese Panik machten sie noch total fertig. Sie konnte einfach nicht mit ihr fertig werden, dabei wollte sie doch so gerne, so gerne so fröhlich sein wie die anderen Wölfe. Sie war so froh gewesen, als sie sich zusammen gerissen hatte und Neyla und Zack kennen gelernt hatte und nun waren ihr diese Personen genommen worden. Warum nur, warum denn immer sie, die doch sowieso so schwach und hilflos war? Enttäuscht und voller Wut entfuhr ein weiterer Laut ihre Kehle, erschrocken hielt sie die Luft an. Nun würde dem Rüden klar sein, dass er nicht alleine war, sollte er es vorher nicht bemerkt haben. Und er würde sie auch sofort sehen, sobald er die Augen aufmachte. Sie hatte Glück gehabt, dass er sie eben noch nicht erblickt hatte. Nun spürte sie abermals, wie die nackte Panik sie zu überrollen drohte. Dröhnend schien die Welt sich unter ihr aufzutun, sie schwankte stark, blieb aber dennoch stehen und gab ihrem Körper keine Chance sie einfach fallen zu lassen. Sie krallte ihre Pfoten, ihre Krallen so auf die Felsen, dass sich weiße Striemen über den schon schneefreien Stein zogen. So hörte das Schwanken auf, ihre Angst konnte man jedoch trotzdem sehen. Der steife Körper mit der eingezogenen Rute. Die flach angelegten Ohren, die rollenden Augen und die schon leicht gebleckten Zähne taten ihr übriges.
Urion schüttelte es. Er musste würgen, wollte alles ausspucken. Wie grässlich doch dieses bescheidene Leben war, was er führte.
Der Graue wollte sich wieder hin legen, doch stattdessen wurde sein Kopf nach oben gerissen, als wenn man ihm am Nackenfell gepackt hätte. Der Fang wurde auseinander gedrückt, ein Heulen verließ seine Kehle, jedoch hatte der Rüde es geschafft sich etwas unter Kontrolle zu bekommen und das Jaulen klang weniger erschreckend. Schließlich war es wieder mit einem Mal vorbei. Der reine Terror war das. Wenn der Fluch wollte, so konnte er ihn die ganze Zeit in seinen Fängen behalten. Urion torkelte in den Fluss und ließ sich in das kalte Nass fallen. Leise ertönte Zacks sanfte Stimme in seinem Kopf. Die Wogen glätteten sich, langsam legte sich der Sturm. Urion blieb im Wasser liegen, jedoch schimmerte sein Blick zu dem Anderen. Er war dankbar, dankbar dafür, dass Zack bei ihm geblieben war. Urion trank hastig ein paar Schlucke, bevor er sich wieder aus dem Wasser schleppte und am Ufer liegen blieb.
Noch war der Graue verschreckt, fixierte Zacks ruhige Augen, ließ den Klang der beruhigenden Stimme in seinem Kopf nachhallen. Langsam fuhr der Puls wieder herunter, das Herz war wieder zu spüren.
Urion konnte sich nicht wörtlich bei Zack bedanken, wie hätte er das mit diesem fehlenden Wortschatz machen sollen?
"Ich...es tut mir sehr leid. Manchmal bemerke ich es früher, aber gerade eben..."
Die Zunge hing aus seinem Fang, noch huschten die Augen unsicher umher, doch Urion fasste etwas neue Kraft, wie er so Zack betrachtete.
"Jetzt, wie ich dich hier so sehe. Du scheinst ein ruhiger Rüde zu sein. Mir fällt da etwas ein, was man mir in vergangenen Zeiten, als ich noch nicht zu zweit war, erzählte. Es war meine... eine Fähe, die auf mich achtete, ich kenne dieses Wort nicht mehr. Ich kenne nur noch Vater... das Wort, voll Hass."
Der Graue spuckte "Vater" nur so aus seinem Fang und kurz richtete sich das Nackenfell wieder auf. Doch dann glättete es sich wieder.
"Zurück zu den Worten, die ich treffend für dich finde:
Nun zieh ich los, lass alles liegen
Das was ich brauch ich bei mir trag
Dies Gefühl kann nichts aufwiegen
Denn heute weiß ich das wird
mein Tag
Neues Glück liegt auf den Wegen
Die Welt ist groß und sie ist mein
Alte Träume die brach gelegen
Ich lass die Sorgen Sorgen sein
Neue Städtchen, andere Mädchen
Es steht nie still das Rädchen
Einerlei an welchem Ort
Einfach von zu Hause fort
Meine Tür die lass ich offen
Raste nur dort wo man singt
Und jeder Meter lässt mich hoffen
Dass kein Zweifel mich bezwingt
Ich seh die Wolken weiter ziehen
Weiß nicht woher, weiß nicht wohin
Will wie ein Vogel mit ihnen fliehen
Und weiß nun dass ich glücklich bin
Urion hatte Probleme alles flüssig wiederzugeben. Er kannte kaum noch die Aussprache der Worte, inhaltslos war der Text für ihn, nur schwach konnte er sich an derer Bedeutung erinnern, sodass er darauf gekommen war, dass Zack diese Worte gefallen könnten. Der Graue hatte sich wieder entspannter zur Seite fallen lassen. Bei diesem ewigen hin und her mit dem Fluch genoss er jeden Augenblick der Ruhe.
o.O(Mit deinen Augen möchte ich sehen, wenn der Blick mich in die Ferne treibt und von deiner Zuversicht möchte ich zehren.)
Der Rüde richtete seine Seelenspiegel auf Zack, während dieser Gedanke in seinem Kopf auftauchte.
"Wenn du möchtest, kannst du die Fähe holen. Ich denke für heute hatte der Fluch sein Trauerspiel beendet. Jedoch locke sie mit Rufen, denn wenn du fort gehst, wirst du bei deiner Rückkehr nur noch eine leere Hülle hier vor finden."
Oh ha! Ein Geständnis... versteckt und doch so offen. Urion klammerte sich an Zack, tatsache... an seine Gesellschaft. Urion hatte Angst davor alleine zu sein. Diese Angst mit dem Fluch allein zu sein. Welch sonderbare Entwicklung nach so kurzer Zeit der Zweisamkeit und der langen Zeit voller Abstinenz. Lag es vielleicht daran?
Stumm hatte Zack abgewartet, was Urion nun machen würde. Er hatte keine Bemerkung fallen gelassen, als er sich in den kleinen Bach legte, er hatte einfach gewartet, auf dass er wieder ruhiger werden würde. Er musste sich doch nicht bei ihm entschuldigen. Verlegen blickte Zack Urion an und wiegte leicht den Kopf. Der Rüde vor ihm hatte ein Problem mit seinem Vater gehabt, so viel konnte man aus den Worten entnehmen.
„Bitteschön. Ich denke, dass Wort, welches du suchtest, ist das Wort „Mutter“.“
Wie konnte einem nur eines der wichtigsten Wörter fehlen? Eine Mutter war eigentlich immer für einen da. Er konnte sich wunderbar daran erinnern, wie viel Wärme und Liebe seine Mutter ihm geschenkt hatte. Allerdings verband auch er nicht so viel Hass mit dem Wort Vater, wie Urion es anscheinend tat. Doch wollte Zack nicht so nachbohren, wenn musste Urion von sich aus erzählen. Er würde ihn nicht drängen, nicht nur aus Respekt vor dem Fluch, den er so ja wieder reizen könnte. Den Spruch den Urion stockend vortrug prägte er sich gut ein. Er würde später darüber nachdenken, jetzt fand er einfach nicht die Ruhe und die benötigte Zeit dazu, jedoch freute er sich, dass Urion etwas für ihn zitierte. Und das obwohl es ihm wie es aussah nicht so leicht viel.
Lächelnd nickte er ihm zu. Er freute sich, dass er ihm soviel vertrauen schenkte.
„Vielen Dank, für diese tollen Worte, ich werde ein anderes Mal über die genaue Bdeutung nachdenken, doch so wie es sich vom ersten hören her anhörte klang es schön. Außerdem danke, dass du mir so viel freiwillig erzählst, es freut mich sehr, außerdem fühle ich mich etwas geschmeichelt. Ich werde sie also einfach rufen, wenn sie mag, kann sie dann zu uns kommen.“
Mit diesen Worten legte er seinen Kopf in den Nacken und öffnete die Schnauze. Das Heulen verließ seine Kehle und war in ihrer Umgebung kräftig zu hören. Es war an die Fähe gerichtet, welche nicht unweit von ihnen war und es war einladend und zeigte ihr, wo sie hingehen musste, wenn sie zu ihnen kommen wollte.
Erstaunen, aber im positiven Sinne, hatte sich über sein Gesicht gelegt, die trist und krank erscheinenden Augen erhielten plötzlich einen sanften, ja fast hoffnungsvollen Ausdruck, warum wollte sie das für sie tun? Okay, sie waren eine Familie, immerhin war sie seine Tante und die Welpen waren ihre Nichten und Neffen und rückgängig konnte man es eh nicht mehr machen. Hiryoga seufzte, nickte Nyota nur dankend zu und sah ihr nach, als sie sich auf den Weg zu Banshee machte. Er schluckte, wie würde sie wohl die Neuigkeit aufnehmen? Sie war bestimmt verletzt, er hatte nicht den Mut gehabt, ihr die Wahrheit zu sagen, hatte Angst gehabt, sie würde ihn verjagen, immerhin hatten sie ihr Verbot missachtet, Welpen in diese schreckliche Eiswüste gesetzt. Was waren sie nur für Unwölfe? Rücksichtslos waren sie ihren Trieben gefolgt, hatten nicht stark genug sein können, hatten sich von Gefühlen hinreißen lassen. Sein Blick huschte zu Jakash, dem sichtlich kalt war, was er seinem Vater auch noch mitteilte. Der Braune legte die Ohren für einen Moment an den Kopf, sie waren so wunderbar, so klein und noch schutzbedürftig, doch dies würde sehr bald vorbei sein, wollte er das? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber das war nun egal, er musste ihn wieder in die Höhle bringen, Shani würde sich Sorgen machen und er wollte nicht, dass sein kleiner Sohn krank wurde. Shani…er hatte völlig vergessen, dass sie noch mit den anderen Welpen in der Höhle wartete, auf eine gute oder schlechte Nachricht. Nun konnte er ihr wohl eine relativ erfreuliche Nachricht überbringen, vorläufig war alles gut geendet, wenn doch nur seine Mutter genauso darüber denken würde, wie Nyota, dann hätten sich all ihre Sorgen in Luft aufgelöst. Hoffentlich… Hiryoga senkte die Schnauze und strich Jakash fürsorglich durch das Fell, schnippte mit den Ohren und stupste ihn an.
"Dann lass uns wieder zur Höhle gehen, Mama macht sich bestimmt schon Sorgen..."
Es war so seltsam nicht Shani zu sagen, sondern Mama. Der Rüde rümpfte kurz die Nase, ehe er sich umdrehte und die ersten Schritte in Richtung Höhle machte, kurz verharrte und den Blick zu Jakash gleiten ließ, darauf wartend, dass er ihm folgte. Sein Sohn, Shanis Sohn, ihr gemeinsamer Sohn, ihre gemeinsamen Welpen, ihre Familie. Ein leichtes Lächeln zog sich bei diesem Gedanken um seine Lefzen.
Urion blieb weiter liegen und beobachtete Zack wie er die Fähe anheulte, dann legte der Rüde den Kopf schief. Er kam sich nach den Attacken so unglaublich alt vor.
"Mutter...ja, stimmt. Ich entsinne mich."
Urions Gesichtsausdruck ließ mit einem Schlag den jungen Rüden durchblicken. Die Züge entspannten sich, die Augen ließen den jugendlichen Leichtsinn druchblitzen. Um Jahre jünger musste der Graue für zwei Augenblicke wirken, jedoch erschien dann wieder das alte eingekerbte Gesicht mit den müden giftgrünen Augen. Urion streckte sich und gähnte ausgiebig.
"Du kannst dich auch geschmeichelt fühlen. Ich bin nur so offen zu dir, weil du den Eindruck machst, dass du mir mit deinem Wissen über mich nicht schaden wirst."
Der Graue hatte die leichte Warnung etwas grollend ausgedrückt um sich etwas zu untermalen, aber es war keine wirkliche Drohung. Auf Aufregung hatte der Graufang wenig Lust nach diesen Attacken.
Ob die Fähe wohl zu ihnen kam? Mehr als warten konnte man nicht, aber das machte Urion nichts aus. Er wartete lieber, als das er durch die Gegen hetzte.
"Leg dich ruhig zu mir, Zack. Am Tage ist es meist nicht so schlimm wie des nachts, wenn der Fluch mich im Schlafen überrascht."
Urion hatte seinen Kopf auf die Vorderläufe gelegt und seufzte leise.
"Magst du mir etwas über dich erzählen?"
Während Urion gesprochen hatte, hatte Zack sich genüsslich gestreckt und als ihm angeboten wurde, sich doch auch zu legen, zögerte er nicht lange. Er ließ sich vorsichtig auf die Hinterpfoten sinken, eher er sich dann ganz hinlegte, ausgiebig gähnte und seine Rute um die Hinterläufe wickelte. In seinem Hinterkopf schwirrte noch immer die Frage umher, ob Urion Angst vor dem alleine sein hatte. Vielleicht hatte er Angst davor, weil der Fluch dann noch eher zum Vorschein kam?
„Dankeschön. Ich werde dir auf keinen Fall mit meinem Wissen über dich schaden. Warum sollte ich auch so etwas tun. . . Du willst etwas über mich erfahren? Da gibt es nichts wirklich spektakuläres. Ich weiß ja auch nicht genau, was du hören möchtest . . . Vielleicht fange ich einfach an dir etwas zu erzählen, wo ich her komme und so.“
Er wusste nicht, was es Urion bringen sollte, wenn er über sein Leben erzählte, doch er wollte ihm den Gefallen tun und etwas beitragen. Er redete nicht oft über sein früheres Leben. Seufzend richtete er den blick wieder auf Urion. Sein Ausdruck hatte sich etwas verhärtet, zeigte keine Regung mehr.
„Ich weiß nicht in welchem Rudel ich geboren bin, ich war als kleiner Welpe alleine unterwegs, bis ich von dem Sinii Roni Rudel aufgenommen wurde. Ein Rüde, Kaspar Sten und seine Gefährtin Pinja Kia nahmen mich auf. Sie erzogen mich und schenkten mir unglaublich viel Liebe.“ Nun musste er doch leicht lächeln, eher er fortfuhr. „ Ich hatte ein wohlbehütetes Leben, ich wurde alles gelehrt was meine Eltern und die anderen aus meinem Rudel wussten. Irgendwann beschloss ich fortzuziehen und meine eigene Liebe zu finden. Das war ein schrecklicher Tag, als ich das Rudel verlassen wollte. Eigentlich wollte ich mich kurz verabschieden und von dannen ziehen, aber wir waren wie eine große Familie, viele bedauerten meinen Entschluss und jammerten lange rum. Einzig meine Eltern wussten, dass es das richtige war, auch wenn sie ebenfalls enttäuscht waren. So machte ich mich also auf den Weg. Kurze Zeit später schon traf ich eine Fähe die mich unglaublich bezauberte. Ich reiste mit ihr zusammen weiter und wir lernten uns zu lieben. Dann führten unsere Wege jedoch wieder getrennte Wege. Einmal noch habe ich meine Eltern besucht, ehe ich auf dieses Rudel und somit auch wieder auf Neyla, meine Liebe, traf. Dann sind wir hier hoch in die Berge gezogen und da endet meine Geschichte auch schon wieder. . ."
Keine weitere Regung hatte sich in Zacks Gesicht gespiegelt. Sollte Urion fragen wo Neyla nun war, würde er es ihm auch noch erzählen, doch von sich aus schaffte er es nicht. Er brachte es nicht übers Herz einfach so auszusprechen, dass Neyla tot war. Innerlich versank er in Trauer, doch äußerlich war davon nichts zu sehen. Noch immer umspielte das lächeln, welches er auf die Lefzen gesetzt hatte als er von seiner Familie sprach, seine Lefzen. Er blickte Urion an. Es war sicher total langweilig für ihn gewesen, doch mehr hatte Zack einfach nicht zu bieten, er hatte kein aufregendes Leben, wie andere gehabt. Er spielte leicht mit seinen Ohren, ließ sie hin und her schnippen, beobachtete Urion aber weiterhin. Es schien ihm, als ob er Urion mochte. Was natürlich nicht abwegig war, aber Zack hatte außer zu Neyla die tiefe Bindung keinerlei richtige Freunde gehabt seitdem er sein Rudel verlassen hatte und somit auch seine Geistes Geschwister aufgegeben hatte. Er wusste auch nicht warum es so gekommen war. Er hatte keinen Wolf hassen gelernt, nein er wusste nicht einmal mit diesem Wort etwas richtig anzufangen, dass konnte Urion wohl um einiges besser. Aber so eine richtige Zuneigung, dass er sagen konnte, dass er jemanden mag hatte er noch nicht gehabt. Nett finden, das war es was auf die anderen Wölfe zutraf. Außer, Sheena, ja Sheena mochte er auch, wo auch immer die Kleine sich momentan aufhielt. Ihm fiel auf, dass er sie gar nicht erwähnt hatte. Beschämend merkte er außerdem, dass er sie schon lange nicht mehr gesehen hatte, er eigentlich gar nicht wusste wie es ihr ging und was sie machte. Anscheinend war er kein guter Vater, sie musste schließlich auch unter dem Tod Neylas leiden. Und das wo die Kleine sich doch sowieso so stark von ihm unterschied. Gefühlsmäßig und verhaltensmäßig. Er hoffte, dass er bald auf sie stoßen würde.
"Außerdem habe ich eine Tochter. Also ich meine, ich habe sie hier in diesem Rudel adoptiert, nachdem ihre Eltern davongezogen sind und sie hier ließen. Sie heißt Sheena."
Es ging ihm immerhin schon etwas besser, jetzt wo er dies noch gesagt hatte. Er fühlte sich nicht mehr ganz so schuldig wie vorher.
Nachdem sich die kleine Versammlung aufgelöst hatte und Kaede etwas verwirrt über die vielen Neuigkeiten war, hatte sie sich erst mal alleine auf den Weg gemacht um ein wenig nachzudenken. Sie war nicht lange gegangen, fühlte sie sich doch viel zu unsicher so weit ab der anderen und so hatte sie sich rasch ein gemütliches Plätzchen gesucht, auf welchem sie sich niedergelassen hatte. Sie seufzte leise auf.
Welpen im Rudel, Nyota verletzt von Lunar. Lunar war nun auch irgendwo, wo wusste sie nicht genau, aber sicherlich auch verwundet. Sie schüttelte den Kopf. Warum hatte sie nur nichts machen können? Sie hätte die beiden irgendwie abhalten müssen, auseinander treiben müssen. Der Stachel, welchen die Worte Lunars hinterlassen hatten ließ sich nicht einfach rausziehen. Sie wusste, dass sie ein Nichtsnutz war, eine Missgeburt wie er es genannt hatte. Doch war es hart dieses Wissen auch noch direkt ins Gesicht geschleudert zu bekommen. Natürlich hatte sie es lieb von Nyota gefunden, dass diese ihr einreden wollte, dass das alles nicht stimmen würde, aber auch sie wusste dass Lunar Recht hatte. Genauso wie Kaede es wusste und das war eigentlich noch das Schlimmste. Alle wussten es und doch sprach es niemand aus und tat es dann einer, war es, als ob ihre ganze Welt zusammen brechen würde. Das durfte doch nicht sein, sie war trotz allem Beta dieses Rudels geworden und musste sich auch so verhalten. Einfach aufzugeben war doch nur lächerlich. Sie wusste doch, dass sie stark sein konnte.
oO{ Aber du weißt auch, wie schwach du sein kannst. Denk nur an alte Zeiten zurück}Oo
Bei diesem Gedanken zuckte sie zusammen. Ja, die alten Zeiten, die sie erst vor kurzem wieder eingeholt hatten. Bis dahin hatte sie gedacht es endlich alles endgültig hinter sich gelassen zu haben und dann war sie einfach so in ihr altes Verhalten zurück gefallen. Sie ärgerte sich immer noch darüber, obwohl sie es schnell geschafft hatte wieder alles dahin zu verdrängen wo es her gekommen war. Aber es war eben nicht so einfach unterdrücktes ganz wegzubekommen, es schien als ob es einfach immer da bleiben wollte, wo es war und wenn man sich nicht richtig damit auseinander setzte würde es auch immer in ihr wohnen. Immer so stark in ihr bleiben, doch sie fühlte sich einfach nicht in der Lage einen Konflikt mit ihrem alten selbst zu führen. Sie wusste, dass sie über einen gewissen Zeitraum nur verlieren würde und das sie dann zu nichts mehr in der Lage wäre. Und das wäre auch mies Banshee gegenüber, die auf ihre Hilfe zählte. Natürlich wusste Banshee auch, dass sie sich sehr verändert hatte, das sie nicht immer so gewesen war wie jetzt, schließlich hatte sie gleich, als sie diesem Rudel beigetreten war ein langes Gespräch mit ihr geführt und doch dachte Banshee wahrscheinlich, dass sie diese Kaede nun endgültig hinter sich gelassen hatte. Und das wollte sie doch auch so gerne, nichts lieber als das. Wenn sie sehend gewesen wäre hätte sie sogar gesagt, dass man ihr das Augenlicht nehmen könnte nur damit sie ihre Vergangenheit, ihr altes Verhalten nicht mehr mit sich rumtragen müsste. Aber dies war ein Ding was ihr unmöglich war. Wenn sie doch wenigstens wieder sehen könnte . . .
oO{Jetzt hör schon auf dich selber so fertig zu machen, das hilft dir auch nicht weiter. Es ist eher negativ, weil es dich noch weiter runterzieht. Also Schluss damit, genieß dein Leben solange du es noch kannst!}Oo
Sie räusperte sich, sie wusste doch das ihr Inneres eigentlich recht hatte. Sie blickte um sich, als ob sie etwas suchen würde. Sie hoffte, dass einfach jemand bald kommen würde, mit dem sie sich unterhalten könnte, der sie ablenken würde, doch noch war niemand in ihrer Witterungsnähe. Vielleicht würde sich das ja bald ändern. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert.
Die Augen wurden immer schwerer, langsam vielen sie zu. Doch da war doch ein Laut! Ilias erschrak. Es war eindeutig ein anderer Wolf in seiner nähe, der ihm evtl. sogar etwas antuen möchte. Der Rüde fing an zu zittern, traute sich nicht seine Augen zu öffnen. Doch wieder gewann seine Neugier. Langsam aber vorsichtig beschloss er seine Umgebung wahr nehmen zu wollen. Erst schnupperte er wieder, doch wieder nichts. Auch war wieder nichts zu hören. Langsam aber fest entschlossen, das Rätsel endlich zu lösen öffnete er seine Augen. Eine Fähe, weiß und mit wunderschönen gold leuchtenden Augen stand vor ihm auf einer Anhöhe. Die Angst war ihr deutlich anzuerkennen. Er hatte endlich einen Wolf gefunden, fühlte sich sehr unsicher, wie er reagieren sollte. Vielleicht hatte der Rüde endlich wieder Nähe gefunden. Seine Angst war verflogen, die Unsicherheit hingegen blieb. So kam es, dass sich beide eine Weile anstarrten und nichts machten, ausser sich beobachten. Er bemerkte, wie sein Herz anfing zu rasen. . . Eine Fähe! Sie hatte zerzaustes Haar und sah ein wenig unproportioniert aus, jedoch machten ihre wunderschönen Augen ihr mageres Aussehen locker wieder weg. Ilias war sich bewusst, dass er etwas tun musste. Seine Unsicherheit wuchs an.
Was solle er nur tun? Es war eine weile her, dass er einen Wolf in unmittelbarer Umgebung hatte. Noch länger ist es her gewesen, dass er Nähe zu einer Fähe hatte. Langsam ging Ilias auf die Fähe zu.
Erschrocken hatte Sheena mitbekommen, wie der Wolf langsam seine Augen öffnete und dann letztendlich aufstand und sich kurze Zeit suchend umblickte. Noch immer hatte sie die leichte Hoffnung, dass er sie nicht erblicken würde, nicht sehen würde, doch eigentlich wusste sie, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit war. Sich selber verfluchend, weil sie so laut gewesen war, blickte sie sich gehetzt um. Wäre eine Flucht nicht doch das beste? Zu spät, er hat sie gesehen. Sie versteifte sich noch mehr, obwohl sie nicht gedacht hätte, dass das noch geht. Doch vorerst blickte er sie nur stumm an. Weiter rollten ihre Augen und ihre Lefzen zogen sich noch ein Stückchen weiter hoch, sodass ihre Zähne hervor blitzten. Sie knurrte leise, drohend, vielleicht auch eher warnend. Sie sah Unsicherheit in seinen Augen, aber diese wurde kurz von der Neugier besiegt und er trat ein paar Schritte auf sie zu. Wieder quietschte und knurrte sie gleichzeitig ängstlich und nun aggressiver auf. Dabei trat sie einige Schritte rückwärts, strauchelte aber bei dem unebenen Gelände und schlidderte ungewollt einige Schritte wieder vorwärts und nähere sich so dem Abgrund welcher sie unweigerlich näher an den Rüden heran brachte. Nun sah sie keinen anderen Ausweg mehr. Ihr Verstand setzte aus, es war als ob alles plötzlich mechanisch ablief, sie es nicht mehr selber kontrollieren konnte. Von ihrer Angst beseelt sprang sie von ihrer kleinen Anhöhe herunter und kam unten taumelnd, unweit des Rüden auf den Pfoten auf. Sie machte einen Satz vorwärts und schnappte dich neben seinem Ohr in die Luft, ein bitterböses aber ebenso ängstliches grollen verließ ihre Kehle. Sie umtänzelte ihn etwas, weiterhin knurrend, schnappte ab und zu, ehe sie begriff was sie da tat und erschrocken einige Schritte zurück wich. Winselnd klemmte sie ihre Rute zwischen ihre Hinterpfoten. Sie wusste sich nicht mehr zu helfen, so schmiss sie sich förmlich auf den Boden, rollte sich auf den Rücken und streckte die Pfoten von sich. Sie hoffte, dass sie sich, wenn sie sich unterwarf, retten konnte. Das der Rüde nicht böse auf sie war und ihr vielleicht nichts tun würde. Sie rollte ihre Augen, sodass man fast nur noch das weiße sehen konnte und verharrte so, weiterhin zitternd auf dem Rücken liegend.
oO{ Was tue ich da? Warum unterwerfe ich mich diesem Rüden, den ich nicht mal annäherungsweise kenne. Gerade deshalb, er soll dich bloß in Ruhe lassen. Warum bist du nicht geflüchtet? Nun musst du sehen, wie du mit deiner Angst zurecht kommst und kannst dich nicht mehr raus reden, indem du sagst, dass du nichts dafür kannst und nicht mehr flüchten konntest. Du hattest genügend Zeit, Sheena!!}Oo
Die Fähe fing an zu knurren, sodass Ilias aus Angst, langsamer wurde. Stehen bleiben wollte er nicht, dafür hatte es ihm zu viel Kraft gekostet, sich zu Überwinden. Ihre Zähne waren nun deutlich zu sehen, doch auch, dass sie es nicht aus Wut tat, sondern aus Angst. Ilias fühlte, wie Mut in ihm aufstieg, endlich war er mal nicht der ängstlichste, sondern konnte zeigen, dass er Selbstbewusstsein hatte. Zumindest ein wenig, ein wenig mehr als viele von ihm glaubten. Wenige Schritte war er noch von ihr entfernt, konnte schon fast ihren Atem spüren, oder war dies doch nur der Wind, der ihm durch sein Fell glitt? Sein Mut verließ ihn, als plötzlich die weiße Fähe neben ihn sprang. Sie musterte ihn kurz und unterwarf sich zu Ilias verwunderung. Moment mal, sie unterwarf sich? Ihm gegenüber? Noch nie in Ilias Leben ist es passiert, dass sich jemand von ihm bedroht fühlte. Lag es daran, dass er zu lange alleine war und alles gesellige an sich verloren hatte? Völlig überfordert von der Situation fing Ilias an eine Konversation aufzubauen, um seine Schüchternheit zu verstecken.
"Hallo . . . Alles in Ordnung bei dir? Du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin ein einsamer Wanderer, auf der Suche nach Nahrung und Anerkennung. Was machst du hier so ganz alleine? ... Du hast mir aber einen gewaltigen Schrecken eingejagt. . ."
Neugierig wartete er auf ein paar Antworten, immer auf den Gesichtsausdruck der Fähe achtend, wie sie reagiert.
Kaum hatte der Rüde gesprochen, hatte sie sich schon wieder auf ihre Pfoten gerollt, war rasch aufgestanden und hatte sich geschüttelt. Nun stand sie geduckt, nahe dem Rüden, tappte vorsichtig einige Schritte rückwärts, stoppte aber als seine Worte sie erreicht hatten. Sie hatte ihm Angst eingejagt? Sie hatte ihn verschreckt? Sie erinnerte sich an ihr Verhalten zurück und schämte sich dafür. Sie wollte doch niemanden erschrecken. Sie war doch die, die Angst hatte, die sich nur schützen wollte, aber gewiss wollte sie niemandem Angst einjagen. Oder ja eigentlich schon, in der Hoffnung, dass man sie alleine lassen würde aber, ach es war ihre einfach zu viel. Sie spürte schon wieder diese zweite Art in sich. Sie wusste nicht warum sie so war, auf der einen Seite so voller Angst und auf der anderen Seite so aufgeschlossen. Sie würde es beschreiben, als ob noch jemand in ihr wohnen würde, der aber aus der gleichen Person sprechen und handeln wollte. Und damit fühlte sie sich immer überfordert. Sie merkte gar nicht, dass sie unhöflich war, da sie dem Rüden nicht antwortete. Sie starrte ihn eigentlich nur an, fast schon starrte sie durch ihn durch und so nahm sie jetzt sein äußeres gar nicht mehr wahr. Ihre Haltung war noch immer nicht einladender geworden, doch hatte sich ihr knurren gelegt und auch ihre Lefzen waren wieder entspannter. Doch war ihr Körper weiterhin auf Flucht eingestellt. Sollte er es auch nur irgendwie wagen ihr etwas anzutun, oder etwas zu tun was ihr nicht gefiel, so konnte sie jeder Zeit umkehren und abhauen. Nach einer Zeit der Stille kam ihr der Gedanke, dass sie wenigstens etwas sagen könnte, damit der Rüde nicht völlig vor den Kopf gestoßen wurde, doch was sollte sie ihm großartiges sagen?
„ Mh . . .“
Damit endete es dann auch vorerst schon wieder. Unruhig trat sie von einer Pfote auf die andere. Sie wollte ihm eigentlich erklären, dass sie ihm keine Angst einjagen wollte, auf der anderen Seite wollte sie ihm sagen, dass sie keine Angst hatte. Er sollte sie nicht für einen Schwächling halten, denn dann wäre sie noch angreifbarer als sie es ohnehin schon war. Einen Kampf konnte sie sich in ihrem Zustand nicht leisten, nicht dass sie eine Chance hätte, wenn sie etwas im Magen hatte und so gestärkter war, sie war einfach viel zu mager für einen Kampf, hatte kaum einen geeigneten Muskelaufbau. Ihr Vater wäre bestimmt enttäuscht von ihr gewesen. Vielleicht sollte sie anfangen zu trainieren, damit sie wenn es einen Ernstfall geben sollte, wenigstens eine geringe Chance hatte. Aber vielleicht würde sie sich auch so ein wenig wehren können, wenn sie nicht mehr wusste was sie tat, vielleicht tat ihr Körper dann auch Dinge, die sie ihm sogar nicht zutraute. Über diese verschiedenen Gedanken hatte sie schon wieder vergessen zu antworten. Verschüchtert blickte sie den Rüden nun erstmals richtig an.
„Ich wollte dir keinen Schrecken einjagen, entschuldige bitte“
Da war sie wieder, die freundliche, mitfühlende Sheena, im gleichen Moment schien ihre Stimmung zu wechseln und wieder, weniger freundlich und sehr geladen fauchte sie ihn an.
„Ich habe keine Angst vor dir, was bildest du dir ein du aufgeblasener... Dummkopf“
Sie wusste nicht was sie sagen sollte, der Rüde kam ihr eigentlich gar nicht wie ein Dummkopf vor, doch musste sie ihm irgendetwas an den Kopf werfen, damit es ihr wenigstens etwas besser ging, auch wenn sie sich irgendwie nicht besser fühlte. Eigentlich kam ihr der Rüde sehr lieb vor, hinter seiner Maske aus Unsicherheit und Neugier.
Eine Antwort bekam er nicht, zumindest bekam er es vorerst garnicht mit. Er war zu sehr darauf fixiert, sie zu beobachten, ihre Charakterzüge an ihrer Haltung zu erkennen. Klar zu sehen war, dass ihr ziemlich viele Gedanken durch den Kopf schossen. Mit interesse sah er ihr dabei zu, vergaß gänzlich, dass er wartete. Ilias war zu tief in Gedanken um eine Reaktion der Fähe mit zu bekommen. Seine Gedanken umwarben ihn, ließen ihn für eine Weile komplett aus der realität abschweifen, gedanklich an vergangene Tage. Lyras, sein Vater, ein Beta um genau zu sein, hatte ihm gezeigt, dass man Gefühle verstecken sollte, damit Feinde nicht zu viel von einem Wissen. Doch genau dies tat Ilias nie. Offen wie er war hatte er ihr gesagt, dass er auf der Suche nach Anerkennung sein.
"Ein Fehler"
Dachte er zu sich selbst. Sie könne ihn deswegen auslachen, ihn niedermachen, wie so viele Wölfe zuvor. Doch sie entschuldigte sich, dass sie ihn erschrak. Es tat gut zu hören, dass sie sich entschuldigte. Gerade wollte er Antworten, dass es kein Problem sei, dass er es nur so gesagt habe, doch die Fähe beschimpfte ihn plötzlich und nannte ihn einen "aufgeblasenen Dummkopf". Wieder an die alte Zeit erinnert, wurde er traurig, ja sogar etwas wütend. Der Rüde verstand nicht, warum er beleidigt wurde. Selbstzweifel kamen in ihm auf. Seine Emotionen köchelten und seine Hormone spielten verrückt. Von so einer kleinigkeit aus dem Konzept gebracht, so leicht war sein Charakter zerstörbar. So zerbrechlich. Zu den Selbstzweifeln kam Scham in ihm auf. Es war ihm peinlich, was für ein schwächling er doch war. Dier kalte Wind ließ ihn wieder im Hier und Jetzt sein. In einem aggresiveren Ton fragte er sie:
Wieso bin ich ein Dummkopf? Wieso? Ich habe dir nichts getan und wenn doch, so war es nicht meine Absicht!
Ein Augenblick später, dachte er daran, wie er von so vielen Wölfen verstoßen wurde. Erst wurde er auf Grund seines sehr Emotionalen Charakters bei gleichaltrigen verachtet, wollte sich dann Rechtfertigen, wieso er so war und hat sich somit mehr fertig gemacht als es ohnehin von Nöten war. Wenn er zu sehr geärgert wurde, lief er immer einige Tage weg, komplett allein, zumindest, als er alt und stark genug war, auf sich Acht zu geben.
Knacksend und knackend zermalmten die Wirbel des Reptils zwischen den kräftigen Fängen des grauen Rüdens. Es schmeckte eigentlich ganz passabel, zumindest war es mal eine Abwechslung zu den dauernden dürren Mäusen, von denen er sich den vergangenen Mond über ernährt hatte. Der Winter war hart gewesen, die meisten Beutetiere waren von diesen Höhen abgewandert oder hatten sich tiefer in ihre Verstecke zurückgezogen und nur durch Glück hatte er die nötige Beute gefunden, um nicht zu verhungern.
Ja, Glück war es wirklich gewesen das er die von einer plötzlichen Steinlawine erschlagene Gämse gefunden hatte... und vor allem das kein anderes Raubtier sie vor ihm gewittert hatte. So konnte er beinahe den ganzen Winter vom Fleisch des Kadavers zehren... nun zeugten nur noch einige Knochensplitter und Fellreste von der Mahlzeit, die ihn über den Winter gebracht hatte. Doch war es ebensolch eine Lawine, die beinahe seinen eigenen Tod bedeutet hätte. Wieder hatte die Kälte das poröse Gestein der Felswand gesprengt, an deren Fuß er eine kleine, aber umso tiefe Spalte im Fels als Zuflucht erwählt hatte. Nur wenige Körperlängen seitlich des Zugangs zu dieser krachte Geröll und Felssplitter unter gewaltigem Getöse herab und zerschmetterten alles, was ihnen im Weg stand. Aber er, der er sich zu dem Zeitpunkt in seiner sicheren Felsspalte befand blieb unversehrt und auch der Zugang zu seiner sicheren Behausung wurde nicht verschüttet. Mal wieder hatte er überlebt... und mal wieder hatte er dies weder seinem Können, noch seiner Erfahrung sondern einzig und allein purem Glück zu verdanken. Nun war nur die Frage ob er darüber erleichtert sein sollte oder nicht. Sein eigenes unterbewusstes knurren riss den Rüden wieder aus seinen Tagträumen. Er sollte wirklich aufhören sich über Vergangenes Gedanken zu machen... und besser zu Ende fressen. Genüsslich schmatzend machte er sich noch über die etwas zähen Reste schuppiger Haut und Muskelfleisch her, die als einzigstes von der braunen Schlange geblieben waren, die er während ihrer Winterstarre aus dem harten Boden ausgegraben hatte. Anschließend streckte er sich schmatzend auf dem harten Felsen, erhob und schüttelte sich, während er sein Maul zu einem lauten Gähnen aufriss und im Anschluss schnappend die Kiefer aufeinanderprallen lies. Es war Zeit sich auf den Weg zu machen... die vergangenen Tage war er hier ganz in der Nähe auf vergleichsweise frische Reviermarkierungen gestossen, die von anderen Wölfen hier oben berichteten. Mal sehen wer und wieviele sich nun genau dort aufhielten...
Langsam drehte Cumará sich um. Kensharion hatte sie etwas gefragt. Sie dachte nach. War sie ausgeruht? Wahrscheinlich schon. Sie schnüffelte noch ein wenig in der Höhle herum und wirbelte abermals Staub auf, so dass sie wieder niesen musste. Sie musste lachen. Dann schaute sie weider zu Kensharion, der sie ernst musterte.
"Schon gut, wir können weiter. Ich wünsche nicht mehr, mich auszuruhen."
sie grinste Kenshi an. Sie hatte es sich einfach nicht verkneifen können, seine seltsame Ausdrucksweise zu verspotten. Aber sie hatte es nicht böse gemeint, und das wusste Kensharion sicher auch. Trotzdem lächelte sie ihm nocheinmal zu, bevor sie an ihm vorbei ging, aus der Höhle hinaus. Verwundert schaute sie hinaus. Es war immer noch weiß! Sie würde sich daran gewöhnen müssen. Ihre grau-blauen Eiskristall- Augen wanderten über die kleinen Hügel.
oO Weiß... weiß... weiß
Seit mehreren Tagen, Wochen oder Monaten...? spiegelte sich ein wenig Trauer in ihren schönen Augen. Sie waren plötzlich so unendlich tief. Man hätte in sie hinein fallen können, wäre man nur nahe genug vor ihr. Langsam drehte sie sich zu Kenshi um. Sie schaute ihm ins Gesicht. Dann wandte sie sich wieder nach draußen.
oO Keine Blumen... keine Gräser... keine Bäume oder... Tiere... kein LEBEN!!
Das letzte Wort schrie sie innerlich. Sie war plötzlich zum Zerreißen gespannt, lange hatte sie das Bedürfnis nach grünem, nach Bäumen und Sträuchern, Wiesen und Kräutern, Blumen und Erde, nach Schmetterlingen und Vogelgezwitscher, nach der Wärme der Sonnenstrahlen die sie an der Nase kitzelte, und ... Leben unterdrückt. Doch bei diesem Anblick der völligen Kälte und Leblosigkeit der Hügel war es in ihr zum Siedepunkt gekommen. Sie setzte sich auf ihre Hinterläufe und senkte den Blick. Lange schon war sie nicht mehr traurig gewesen, oder, so wie sie gerade war, verzweifelt. Etwas in ihr bäumte sich auf. Es war ihre Freude, die Selbstbeherrschung und die Disziplin die sie wieder aufrichtete. Sie schnaubte innerlich, und war wütend auf sich selbst. Wie konnte sie nur in solch eine Selbstbemitleidung gefallen sein! Sie richtete sich auf, ihre muskeln spannten sich und man sah sie durch ihr weiches Fell hindurch. Sie war zwar schlank, aber sehr drahtig und muskolös. Sie schob ihre Hinterläufe energisch hoch und stand wieder auf allen Vieren.
"Worauf warten wir? Ich bin nicht mehr müde. Und ich habe auch keine Hnger, soweit, so gut... Lass uns nur Abends eine Höhle oder einen Wald finden, ok?"
Sie wartete gar nicht erst auf eine Antwort, diese konnte sie auch auf dem Weg bekommen. Sie trabte los, je schneller sie loskamen, umso besser. Cumará wollte einen Teil schaffen.
oO Einen Teil von WAS eigentlich...? Wir wissen doch überhaupt nicht, wo wir hinwolllen. Wann wir ankommen werden. Wie wir ankommen werden.
Sie setzte zu einem langsamen Galopp an, ihre Pfoten wirbelten frischen Pulverschnee auf. Langsam machte ihr diese Landschaft sogar ein wenig Spaß! Sie fuhr ihr Tempo ein wenig runter, denn Kenshi musste auch noch kommen. Außerdem mussten sie immer gleichmäßig laufen, damit sie nicht so schnell müde wurden. Cuma war ausgeschlafen, der Hunger war so weit gestillt und ihre abgezerrten Muskeln waren ein wenig entspannter. Sie lächelte der untergehenden Sonne zu. Wenigstens konnte man sie hier sehen. Ihre Strahlen konnte man ja nicht fühlen, aber sehen, das konnte man sogar hier...
Hier! Witternd drückte der Rüde seine Schnauze in den pulvrigen Schnee, der hier an der Reviergrenze die rauen Felsen bedeckte. Ein kräftiges schnaufen des Rüden erzeugte ein kleines Schneegestöber um seine Schnauze. Ohne Zweifel, ungefähr hier befand sich die Grenze zum Rudel. Zumindest konnte seine empfindliche Nase die Spuren einer vorhandenen, wenngleich nicht mehr ganz frischen Markierung auf einem der groben Felsbrocken erkennen.
Einige Momente lang wiegte er seinen Kopf von einer Schulter auf die andere, um schlussendlich mit leicht auf die Seite geneigtem Kopf zu verharren. Eigentlich war es unsinnig jetzt noch über seine Entscheidung nachzugrübeln. Auch wenn er sich nun noch umentscheiden würde, die ersten Anzeichen seiner Ankunft waren bereits unwiderruflich hier hinterlassen. Der leichte Wind, der hier am Berghang entlangstrich zerzauste sein Nackenfell, glitt an seinen Flanken entlang und trug seine Witterung bis tief ins Revier hinein. Ein kurzer Schauer rann seinen Rücken herab. Dieser Gedanke wollte ihm nicht gefallen, schon gar nicht wenn er bedachte das zusammen mit der kräftigen Witterung die ihm zu eigen war und die grobe Informationen wie über sein Geschlecht und sein ungefähres Alter mit sich trug, auch eine andere Witterung ins Revier getragen wurde. Zwar nur schwach, doch untrennbar verbunden mit den anderen Gerüchen. Süßlich und vertraut, wie die Reste einer geschlagenen Beute die einige Sommertage "reifte".
Besser war es sich anzukündigen, dieses Mal direkt und unmissverständlich. Tief einatmend straffte der Rüde seine Brust, streckte sie etwas vor und sog tief die kalte Frühlingsluft in seine Lungen. Noch einige Sekunden hielt er seine Körperspannung aufrecht, um dann seinen Kopf in den Nacken zu werfen und ein weittragendes Heulen den Berghang hinauf zu senden. Ein unbestimmter Gruß, ohne genaue Bedeutung, nur eine grobe Ankündigung. Lang hielt der Rüde den Ruf aufrecht, lies ihn einige Male ansteigen und dann melodisch ausklingen. Nun hieß es warten.
Doch, es war interessant, was Zack von sich berichtete. Er hatte anscheind nicht viel erlebt, aber doch genug um davon mit Erfahrung heraus zu gehen.Urions Blick ruhte die ganze Zeit auf seinem Zeitgenossen, der ihn an seiner Seite aktzeptierte. Langsam spürte der Graue seine Kräfte wieder zurückkehren, fast soweit, dass man los laufen könnte.
"Es ist wirklich spannend was du erzählt hast. Nach deiner Gefährtin werde ich nicht fragen, aber meinst du ich kann deine Tochter kennen lernen?"
Ach! Hatte er das gerade wirklich selber gesagt? Wie... wie? Von sich aus einen anderen Wolf kennen lernen? Urion schloss kurz die Augen und horchte in sich. Nein, da war alles ruhig. Also doch sein eigener Willen. Wurde er wieder etwas wie früher? Oder war das nur ein Trick?
"Ich meine es wirklich so wie ich es sagte."
Urion achtete genau auf seine Stimme. Kein krächzen, kein versteckter Unterton. Er hatte ganz vergessen wie er wirklich klang. So, normal mit einer recht angenehmen sanften Tonlage. Hatte nicht so sein Bruder auch geredet? Urion richtete sich auf. Nein, vor Kraft strotzte er nicht, aber der Graue hatte beschlossen die Hochphase zu nutzen. Wer weiß, in der Nacht konnte es ganz anderes aussehen.
Der Rüde hatte bemerkt, dass Urion plötzlich in einer ganz anderen Tonlange mit ihm gesprochen hatte, ganz entspannt hatte es geklungen. Und auch Urion schien darüber etwas verwundert zu sein, wenn Zack das richtig mitbekommen hatte. Er lächelte. Es freute ihn für Urion, dass es ihm jetzt gerade wenigstens einigermaßen gut ging. Der andere Rüde hatte gesagt, dass er nicht nach seiner Geliebten fragen würde und doch kam es ihm so vor, als ob es eine indirekte neugierige Frage war, er würde ihm einfach erzählen, was vorgefallen war.
„Neyla, meine frühere Geliebte wurde hier oben von einer Lawine erfasst und von ihr mitgenommen. Sie hat es sicher gut dort, wo auch immer sie nun ist. Und Sheena, natürlich könnten wir sie suchen, wenn du sie gerne kennen lernen möchtest. Aber ich will dich warnen. Nein nicht direkt warnen, sie ist nicht böse aber sie hat Eigenschaften. Die erschrecken mich doch leider des öfteren. Als wir sie aufgenommen haben war es ganz schlimm, uns gegenüber hat es sich ein wenig gebessert. Oder, jetzt mir gegenüber. Aber ich habe sie länger nicht gesehen, ich hoffe es geht ihr gut. Du siehst aus, als ob du aufbrechen möchtest. Die Fähe hat uns nicht mehr geantwortet. Sollen wir sie suchen gehen oder hast du irgendein anderes bestimmtes Ziel?“
Zack stand noch nicht auf, das konnte er später immer noch tun. Er blickte Urion nur freundlich an. Anscheinend war ihm seine Geschichte nicht auf die Nerven gegangen, auch wenn es nichts wirklich besonderes gab. Er würde gerne wissen, wieso Urion so geworden war, vielleicht würde sich die Zeit noch mal ergeben um in Ruhe mit ihm zu sprechen, vielleicht würde er von alleine anfangen zu erzählen, denn Zack war kein Wolf der jemanden zum reden drängte. Er hörte zwar gerne zu aber es machte ihm auch nichts aus in einer angenehmen Stille zu sitzen und den anderen einfach zu beobachten, die Natur zu betrachten und zu sehen, was es alles zu entdecken gab. Er blickte verträumt auf den Boden vor sich. Würde es hier oben überhaupt mal eine Schneefreie Phase geben? Und würden sie wohl in ihr Tal zurück kehren? Es war ja schön, dass sie hier oben überhaupt leben konnten und es gab ja auch einiges zu entdecken aber auf Dauer wurde hier oben alles so melancholisch. Es war immer nur weiß und grau und man musste aufpassen, wo man seine Pfoten hinsetzte. Zudem kam noch die Gefahr der Lawinen sowie die erschwerte Jagd, da es hier oben nicht viel Kleinvieh gab, was man irgendwie gut erlegen konnte. Urion war sicher ein guter Jäger, doch es konnte bestimmt leicht passieren, dass der Fluch dann Überhand gewann und ihn in eine Art Rauschzustand versetzte. Als er seinen Kopf wieder zu ihm hob lächelte er wieder leicht. Blinzelnd ließ er seine Augen vor Freude sprühen.
„Ich glaube ich mag dich. Wenn man das jetzt schon so sagen kann. Ich finde dich auf jeden Fall nett. Und das sage ich selten jemanden. Eigentlich haben diese Worte nur meine alte Familie, Neyla und natürlich Sheena gehört.“
Seufzend schloss er kurz die Augen und verharrte so einige Sekunden. Als er sie wieder öffnete war die kurze Trauer die hinter seinen verschlossenen Augen aufgeleuchtet hatte wieder verschwunden und die endlose Ruhe und Güte war wieder an ihren Platz getreten.
Sheenas Miene hatte sich schlagartig verändert. Sie war wieder weicher und liebevoller geworden. Sie beobachtete den ihr gegenüber stehenden Wolf und sah, wie die Traurigkeit über ihn herfiel. Sie wollte ihm so gerne helfen, wusste jedoch nicht wie. Sie war es doch gewesen, die ihn da hinein gestürzt hatte. Wahrscheinlich hatte er sowieso schon schlechte Erfahrungen gemacht. Sie hasste sich dafür, dass ihre Stimmungen immer mal beliebig wechselten. Sie konnte einfach nichts daran ändern. Sobald sie Angst bekam, besonders dann übernahm einfach die andere Person in ihr die Kontrolle und machte mit ihr Dinge, die sie gar nicht wollte.
oO{ Engaya, hörst du mich? Warum passiert dies nur immer wieder? Warum bin ich sowie ich bin? Was soll denn aus mir nur werden? Ich würde doch so gerne helfen, und doch kann ich es nicht . . . }Oo
Schon lange hatte sie nicht mehr wirklich mit Engaya gesprochen, dabei war es früher immer ihre Rettung gewesen. Sie hatte sich akzeptiert und verstanden gefühlt auch wenn sie nie eine richtige Antwort erhalten hatte. Sie hatte oft genug das Gefühl gehabt ein Zeichen bekommen zu haben. Vielleicht hatte sie sich diese nur eingebildet, aber sie hatten ihr geholfen und so glaubte sie weiter hin fest daran, dass Engaya sie nicht im Stich ließ. Doch nun musste sie erst mal diesem Wolf da vorne erklären warum sie so etwas gemeines gesagt hatte. Dabei wusste sie noch nicht mal seinen Namen und er wahrscheinlich auch nicht den ihren. Es wäre jedoch feige einfach vom Thema abzulenken, aber genau deshalb kam Sheena der Gedanke in den Kopf. Eigentlich wollte sie so gerne stark sein, aber sie konnte es einfach nicht.
Schon wieder merkte sie, wie sie ihre Ohren an den Kopf presste, das Zähne fletschen unterdrückte sie, doch wich sie mindestens fünf Meter weiter zurück, bis sie an einen kleinen Busch stieß der sich aus dem Schnee kämpfte. An ihn gedrückt blickte sie den nun weiter weg stehenden Wolf an und ließ wieder ein Knurren verlauten. Noch halbwegsfreundlich fing sie an zu sprechen.
„Ich bin übrigens Sheena, darf ich deinen Namen auch erfahren?“
Diese paar Worte hatte sie noch durch ihre zusammen gebissenen Zähne quetschen können, dann wurde ihre Stimme wieder zu einem bösen fauchen.
Du hast mir nichts getan? Du bist hier, reicht das nicht? Du machst mir keine angst, nein du machst mir keine Angst, sieh dich vor, tust du nur irgendetwas falsches, dann zerfleische ich dich. Dann reiße ich dich in tausend kleine Stücke und du wirst Schmerzen haben, großartige Schmerzen
Grollend lachte sie ihm ins Gesicht, gleichzeitig stiegen ihr Tränen in die Augen. In ihr tobten die zwei verschiedenen Personen. Beide von ihnen wollten nicht nachgeben und schienen die Fähe fast von innen zu zerreißen.
oO{ Papa? Zack? Wo bist du? Warum lässt du mich alleine? Gerade dann wenn ich dich am meisten brauche?}Oo
Enttäuscht, wütend und verängstigt heulte die Fähe nun auf. Lang war der Schall dieses schmerzvollen Schreis noch zu hören. Wieder stärker zitternd presste sie sich weiter gegen den Busch und blicke den Fremden aus großen Augen an.
„Sie ist krank, sie ist irre, merkst du das nicht? Lauf solange du noch kannst... Es tut mir Leid, wirklich, ich kann doch nichts dafür, ich will dich nicht verschrecken. Warte bis mein Papa kommt, er kommt bestimmt bald. Er wird mich retten. Er ist nett“
Sie wusste nicht warum sie dies sagte, sie wusste überhaupt nicht warum sie diesem Wolf so viel indirekt verriet, sie konnte nicht anders, wollte doch nicht gemein sein.
Ilias verstand die Fähe vor sich nicht! Kurz zuvor noch beleidigend, ließ sie Ilias in große Selbstzweifel kommen und sich selbst hassen, doch nach einem Knurrer fragte sie nun höflich nach seinem Namen und gab ihm zu Wissen, dass sie Sheena hieße.
"Ich bin Ilias!"
antwortete er rasch zurück, um herauszufinden was noch passiert. Der Rüde erschrak als er bemerkte, wie Sheena plötzlich wieder zornig aussah. Wieder schrieh sie ihn an. Ilias, beleidigt und sich selbst hassend, drehte ihr den Rücken zu und trat einige Schritte zurück. Er wollte sie nicht länger angucken, denn er wollte seine Trauer nicht zeigen. Sie hätte gewusst, was für ein einfaches Ziel er ist. Einfach zu Beeinflussen und einfach zu kontrolieren. Als er ein kurzes schnauben hörte drehte er sie wieder um. Auch Sheena hatte Tränen im Gesicht, obwohl sie lachte.
Ich habe dir wirklich nichts getan! Wollte doch nur meine Ruhe, weit abseits der anderen, abhauen aus meinem alten alltäglichen Leben, dass echt zum kotzen war. Und hör endlich auf mir zu drohen! Körperlich bin ich dir deutlich Überlegen und wenn ich böse Absichten hätte, hätte ich dich längst erlegt! Tut mir leid, auch ich kann ausrasten, obwohl ich ein friedlebender Wolf bin. Weisst du, ich Versuche allem Stress und Wölfen aus dem Weg gehen die mich verletzten, bin endlich alleine und dann kommst du. Erst freute ich mich, doch du hast mich beleidigt... Immer läuft es darauf hinaus. Ich werde nun gehen! Du behandelst mich einfach unfair.
Traurig und zutiefst verletzt entfernte sich Ilias einige Schritte von Sheena. Doch er erkannte, dass auch Sheena mit ihrem Leben nicht mehr klar kam. Das Angebot auf ihren Vater zu warten nahm er Schlussendlich an, nachdem sie ihren Zwiespalt offen zeigte. Seine Augen tränten immer noch. Er war häufig beleidigt worden, doch bei Sheena schien es etwas anderes zu sein. Es hatte einen Grund, warum sie so war. Bei ihr war es nicht unbegründet. Demnach verzieh er ihr, nahm nicht mehr alles so ernst, was sie sagte, da sie sich eh nach kurzer Zeit dafür entschuldigen würde.
Ich verzeihe dir alles, was du bisher je zu mir gesagt hast, doch würde ich gern mehr über dich heraus finden!
oOIhr Vater kam also bald? Vielleich gab es Hoffnung, dass er aufgenommen werden könnte?0o
Ilias versuchte sich nicht zu früh zu freuen, doch nach langer Einsamkeit, war es gut, wieder unter Wölfen zu kommen, auch wenn er die Einsamkeit vorerst wollte. Er versank wieder in Gedanken... Viele einzelne Gedanken schossen ihm durch den Kopf:
oOZusammenhalt, Vertrauen, Liebe, Nähe0o und noch viele mehr.
Ilias, der Name hörte sich hübsch an. Der ganze Wolf sah eigentlich recht hübsch aus, jetzt wo sie etwas ruhiger geworden war konnte sie ihn auch besser betrachten. Sie hoffte einfach, dass ihr Papa kommen würde, dann würde alles gut werden. Er würde für sie da sein und sie würde keine Angst mehr haben müssen. Die unsagbare Wut würde auch fern bleiben und sie konnte einfach sie selbst sein. Sie beobachtete ihn, wie er sich abwendete, wie er ihr wütende Worte an den Kopf warf und obwohl sie wusste, dass er dies zu Recht tat spürte sie wie sich alles in ihr sträubte und nichts diese Worte annehmen wollte. Sie schnaubte, als er ihr dann erklärte, dass er ihr verzeihen würde. Aber er wollte mehr über sie erfahren. Was gab es da schon zu erfahren? Er dachte doch nicht ernsthaft, dass sie jedem daher gelaufenen Wolf einfach so ihre Geschichte erzählen würde. Denn mehr war er nicht. Ein dahergelaufener, schwacher Wolf, der eigentlich seine Ruhe haben wollte, doch durch seine Neugier wurde er weiter getrieben.
„Wenn du dir einbildest, ich würde dir jetzt mein ganzes Leben erzählen hast du dich aber echt geschnitten. Ich erzähle doch nicht jedem der dahergelaufen kommt und sagt, dass er was über mich erfahren will, was passiert ist. Es geht doch schließlich niemanden etwas an, außer mir und meiner Familie oder siehst du das etwa anders? Wenn ja, dein Pech. Ich bin so auf jeden Fall nicht, ich muss mir nicht irgendeine Blöße geben, so als ob ich sagen würde, hier so bekommt ihr mich am besten. Als ob ich keine Chance gegen dich hätte, schau dich doch an, warum bist du weggegangen, daher wo du herkommst? Du bist viel zu schwach um alleine durch die Welt zu reisen, du siehst es doch, alle machen dich fertig und warum? Weil du einfach nichts auf die Reihe bekommst. Pass bloß auf, dass du jetzt nicht anfängst zu weinen! Das wäre nämlich wirklich peinlich!“
Sie grinste ihn an. Warum auch immer kamen nur gemeine Worte aus ihr heraus. So gehässig hatte sie schon lange mit niemandem mehr gesprochen, aber es tat ihr gut, es verbarg ihren eigenen Schmerz und sie fühlte sich irgendwie leichter damit. Dabei dachte sie nicht wirklich daran, wie es Ilias damit ging. Es war ihr genauso genommen sogar recht egal. Was kümmerte sie es schließlich wie es irgendeinem fremden Wolf ging, wenn sie doch selber unbewusst in ihrer Trauer und Wut versank? Da blieb gar kein Platz mehr für andere Wölfe.
„Ich weiß nicht ob Zack wirklich kommt, ich hoffe es nur. Wenn du für nichts wartest, mich trifft keine Schuld!“
Urion musste sich erstmal setzen, als Zack diesen unglaublichen Satz aussprach. Dies weckte Gefühle in dem kalten Rüden, Gefühle, die ihm zum Kollabieren brachten, mit denen er nichts anfangen konnte.
"Zack, bitte, halte dich mit solch einer Aussage mir gegenüber zurück. Ich... ich... ach egal."
Urion konnte nicht ausdrücken, dass er dem Anderen trotzdem dankbar war, sodass er es ganz bleiben ließ um sich wieder schnaufend aufzurichten. Er schritt mit hängendem Kopf zum Wasser und trank mit geschlossenen Augen, weil er Angst davor hatte wieder den Fluch zu sehen, anstelle seines Spiegelbildes. Schließlich hob er den Kopf, leckte die restlichen Tropfen von seinem Fang und schüttelte sich. Schließlich schlenderte er zu Zack, der noch am Boden lag. Urion senkte den Kopf um ihn anzustupsen.
"Ich habe auch Eigenschaften und ich meine es nicht böse. Lass uns zu ihr gehen. Die andere Fähe kann unseren Fährten folgen, wenn sie dazu in der Lage ist."
Der Graue lief weiter, wandt sich mit pendelnder Rute um und legte fragend den Kopf schief.
"Wenn du möchtest, kann ich dir ein bisschen von mir erzählen. Nicht wirklich viel, aber vielleicht etwas, jedoch möchte ich dabei in Bewegung sein, will spüren, dass ich lebe."
Urion empfand Zack als wirklich angenehm, aber er konnte es ihm nicht sagen.
Immer verfolgte der Rüde Urion mit seinen Augen. Er sah, dass es ihm unangenehm war, das wahrzuhaben was er selber ausgesprochen hatte und doch schien es ihm irgendwie zu gefallen. Nachdem Urion in Ruhe getrunken hatte kam er zu ihm, stupste ihn vorsichtig an um ihn aufzufordern doch los zu gehen. Also auf zu Sheena. Er stemmte sich hoch, streckte sich und nickte Urion zu.
„Ja, wenn sie mag und kann wird sie uns folgen können. Und, du kannst mir gerne etwas über dich erzählen, ich werde nur einmal nach Sheena rufen, in der Hoffnung sie macht uns mit einer Antwort den Weg leichter. Und dann kannst du anfangen zu erzählen, was auch immer du erzählen magst!“
Als er mit diesen Worten geendet hatte legte er seinen Kopf in den Nacken und öffnete die Schnauze ein wenig. Dann ließ er ein melodisches Heulen erklingen, welches er als Zeichen für Sheena mit ihr abgemacht hatte. Er steigerte sich in die höchsten Töne, welche jedoch nicht unangenehm anzuhören waren. Dann endete er langsam, ließ die Töne ausklingen und senkte den Kopf wieder. Er schritt los um zu Urion zu gelangen, welcher schon ein paar Tritte gelaufen war und nickte ihm zu.
„Von mir aus können wir los“
Er witterte, vielleicht konnte er ja schon ungefähr erahnen wo Sheena hingelaufen war. Doch vorerst konnte er nur seinen Instinkten vertrauen, in der Hoffnung, dass sie ihn nicht weiter weg von seiner Tochter bringen würden. Was würde nur aus dieser Begegnung werden? Er hoffte, dass sie wenigstens ihm gegenüber noch normal war. Dass sie nicht sauer war, weil er sie alleine gelassen hatte. Weil wenn sie ihm gegenüber auch ausrasten würde, wusste sie nicht wie er es schaffen sollte ihr auch Urion vorzustellen. Außerdem hoffte er, dass dieser es schaffen würde nicht wieder von seinem Fluch ergriffen zu werden. Aber warum machte er sich eigentlich solche Gedanken darum. Er konnte jetzt sowieso nichts so verschieben, dass er das Ergebnis sehen konnte. Es würde alles seinen Lauf nehmen, wenn sie aufeinander treffen würden. Dann würde man weiter sehen. Er war neugierig, wie sie sich entwickelt hatte. Zuletzt war sie ein magere, gerupfte Fähe mit wenig Winterfell gewesen, welche auf großen Pfoten durch das Leben stapfte. Hoffentlich hatte sie wenigstens ein dickeres Fell bekommen, sonst musste sie ja furchtbar frieren hier oben. Warum hatte er an so viele Dinge nicht gedacht? Was für ein schlechter Vater er doch war. So in Gedanken versunken wartete sein Unterbewusstsein nur darauf, dass Urion wieder sprechen würde und ihn so aus seiner Gedankenwelt ziehen würde.
Ihr Kopf war hochgeschnellt, als sie etwas entfernt ein melodisches Heulen vernahm. Froh, aus ihren Gedanken gerissen zu werden, stand sie, sich streckend auf, und schüttelte sich, als sie sicher auf allen vieren Stand. Nun, da war wohl wieder jemand Neues angekommen. Sie fragte sich, wie Wölfe sich nach hier oben verlaufen konnten, wenn sie nicht gerade wie sie als Rudel vertrieben worden waren. Sie hoffte, dass sie gut ankommen würde und den Neuen dann auch sicher zu Banshee geleiten konnte. Doch erstmal sollte sie sich überhaupt auf den Weg machen, denn sonst würde sie gar nicht ankommen und der Wolf würde lange warten müssen, denn sie war sich nicht sicher ob Banshee momentan Zeit hatte einen Wolf zu empfangen. Ebenso wenig Face, ihn hatte sie sowieso schon länger nicht mehr gesehen. Eigentlich komisch, sie waren beide Beta des Rudels und hatten noch nicht mal wirklich miteinander gesprochen.
Nun trabte Kaede vorsichtig in Richtung des Rufes los. Sie war gespannt, was für einem Wolf sie gegenüber treten würde, hoffte das es keiner wie Lunar war. Schnell verschob sie diesen Gedanken wieder. Gerade bei Neuen brauchte sie ein sicheres auftreten und dies wurde sicher geschwächt, wenn sie sich weiter mit solchen Gedanken abgeben würde. Sie bemerkte, dass der Fremde, welcher anscheinend ein Rüde war, sich an der Reviersgrenze aufhalten musste und war froh, dass die Welpenhöhle nicht zu weit von seinem Standpunkt entfernt war. Sie hielt kurz inne, als sie ein kleines Rinnsaal bemerkte, senkte den Kopf und trank einige Schlucke des eisigen Wassers. Es schien ihren Körper und ihren Geist zu beleben, sie leckte sich die abperlenden Tropfen von der Schnauze, hob den Kopf und heulte dem Rüden eine Antwort zu. Sie fing mit einem tiefen, melodischen Ton an und steigerte diesen nur sachte. Gerade so, dass er sie hören konnte, dass er wusste, dass ihn jemand holen würde. Es war ein freundliches, aber auch bestimmtes Heulen, damit der Rüde gleich wusste, woran er war. Als sie geendet hatte trabte sie weiter, ihren Kopf aufrecht haltend und auf jeden ihrer Schritte lauschend. Sie spürte, wie der Schnee immer weicher wurde, hörte wie sich der Klang ihrer auf den Schnee aufkommenden Pfoten veränderte und stellte sich sogleich darauf ein, sodass sie ein Hindernis auch sofort erkennen konnte.
Nachdem sie einige Zeit gelaufen war, nahm sie auch den Geruch des Rüden immer stärker war. Sie bellte noch einmal kurz und freundlich auf, damit er sich nicht erschreckte, sollte er sie nicht bemerkt haben. Doch auch half ihr dieses Bellen zu orten wo genau sich noch etwas befand, sodass sie nicht direkt vor einem Stein zum stehen kam und dann anfing mit dem Rüden zu sprechen. Das würde ihr Ansehen nicht gerade steigern. So realisierte sie, dass sich ein kleinerer Felsen links von ihr befand und so drehte sie sich ein wenig nach rechts, blieb dann stehen und blickte den Rüden aus noch einiger Entfernung an. Zumindest dachte sie, dass sie ihn anblickte. In Wirklichkeit blickte sie jedoch leicht an ihm vorbei, doch dies lag nur daran, dass sie ihre Augen nicht so fixiert hatte, wie sie es hätte machen sollen. Achtete man also nicht auf die Augen, würde man meinen, dass sie den Rüden wirklich sah. Ihre Unsicherheit hatte sie geschickt verbannt, schon lange hatte sie keinen Wolf mehr in das Rudel geleiten müssen, erst recht nicht hier oben und unten im Rudel, hatte sie dies schon gemacht als sie noch kein Beta war, aber da hatte sie auch noch ein wenig sehen können. Ab da wo sie blind war, hatte sie dies nicht mehr gemacht. Glaubte sie zumindest, sie konnte sich nicht an eine solche Situation erinnern.
„Sei gegrüßt Fremder. Um mich zu Anfang mal vorzustellen, ich bin Kaede. Ich hoffe du bist gut gesinnter und nicht böser Absicht hier.“
Sie lächelte den Rüden freundlich und gleichzeitig warnend an. Gleich würde sie wissen, wie er reagierte. Gleich würde sie grob wissen wie sie mit ihm umzugehen hatte.
Ilias fiel auf, das die Fähe vor ihm, die sich ihm als Sheena vorgestellt hat, viel ruhiger als zuvor wirkte. Er freundete sich schnell mit dem Gedanken an, dass seine dirkete offene Art, nicht immer nur Nachteile mit sich brachte. 0oAnfangen zu weineno0 schwirrte ihm noch durch den Kopf, doch er war irgendwie glücklich. Ilias fühlte sich so, als ob er den Wolf vor sich verstand, ihr nachempfinden könnte.
"Natürlich geht es auch noch anderen etwas an, zumindest die, die du mit deiner Wortwahl verletzt"
Er hoffe insgeheim sie damit etwas zu bendigen, sie etwas zu fügen, wusste aber, dass ihm dieser Versuch wahrscheinlich misslingen würde.
"Schwach bin ich in der Tat! Doch nicht körperlich, und seelisch erst recht nicht, wo du wohl noch einige Probleme hast... Doch bin ich hungrig und habe seit Tagen nicht richtiges zwischen den Zähnen gehabt."
Ihm selbst gefiel, dass er etwas frecher wurde, er wollte sie aber auch nicht beleidigen, sondern sie einfach nur direkter offen ansprechen. Er versuchte ihre Gedanken in einer Art zu lesen, zumindest wollte er wissen, was sie gerade fühlte, ob sie über ihn ähnlich dachte, wie er über sie. Ilias mochte sie, dass stand ausser Frage...
0o Irgendwie ist sie süß o0
Ilias mochte ihre Art, ihren Zwiespalt... Sie war launisch, nicht immer gleich. Denn von gleichheit hatte er die Nase voll.
"Natürlich werde ich warten, wir könnten uns ein wenig die Zeit vertreiben... gucken, ob wir etwas Nahrung finden"
0o Zack war der Name ihres Vaters?o0
Ilias brannte regelrecht darauf, ihn kennen lernen zu dürfen. Er musste sich aber gut presentieren, immerhin sucht er einen neuen Zusammenhalt. Schnell nahm er einen Schluck Wasser aus dem klaren See, schluckte hastig, da er durstig war. Anschließend ging er mit seiner Pfote durch sein Fell um es etwas sauberer zu machen.
"Bereit für die Jagd!" rief er und wartete nurnoch auf eine oder mehrere Antworten.
Fasslungslos schien Sheena nach Luft zu schnappen. Was viel diesem aufgeblasenen Rüden eigentlich ein. Meinte er, er könnte ihr irgendwelche Sachen an den Kopf schleudern? Ihr sagen wie psychisch schwach sie doch war und was sie damit für Probleme hatte? Das war ja wohl eine Unverschämtheit. Sie schüttelte gereizt den Kopf, sie wusste ja nicht was in diesem Wolf vorging, aber er war sehr komisch. Es schien, als ob er sich immer mehr über sie lustig machen würde, nicht auf eine böse Art und Weise aber so als ob ihr Verhalten ihn belustigen würde. Sie schnaubte genervt. Und jetzt wollte er auch noch jagen gehen? Sie spürte den, nun schon fast stechenden Schmerz in ihrem Bauch, wollt jedoch nicht nachgeben.
„Ich für meinen Teil werde nicht jagen gehen, erst recht nicht mit dir!
Wieder giftete sie ihn an. Zwar hatte sich ihre Haltung etwas gelockert, aber sie stand noch immer dicht an den Busch gedrängt. Plötzlich spitzten sich ihre zuvor an den Kopf gepressten Ohren und ein Beben schien durch ihren Körper zu gehen. Da, sie hatte ihren Vater gehört. Zack hatte gerufen, er wollte wissen, wo sie war. Das heißt er war wirklich auf dem Weg zu ihr. Glücksgefühle durchströmten den Körper der kleinen Fähe. Ihre Rute find sachte an zu schlagen und sie hob ihren Kopf um ihrem Vater zu antworten. Das leise Heulen, steigerte sich so, dass sie wusste ihr Vater würde sie hören, den Wolf in ihrer Nähe hatte sie fast vergessen.
„Papa, Papa, hier bin ich, bei dem See, da wo der Berg auf ihn trifft!“
Sie senkte ihren Kopf wieder und erblickte so wieder Ilias. Sofort verdüsterte sich ihre, eben noch freudestrahlende Miene und sie bleckte die Zähne.
„Wage es ja nicht mir etwas zu tun, Zack, mein Papa ist gleich hier... Er würde es nicht gutheißen, wenn du mich irgendwie belästigen würdest!“
Drohend knurrte sie ihn an, fletschte ihre Zähne und presste die Ohren wieder flach an den Kopf.
„Warum bist du überhaupt noch hier, findest du es toll dir anzuhören wie aufgeblasen und blöd du doch bist? Wenn ja, kannst du doch trotzdem weiterziehe, wenn ich es richtig verstandne habe wurdest du anderswo ja auch fertig gemacht!!“
Hämisch grinsend blickte sie zu ihm rüber. Doch nur ihr grinsen sah aus, als ob es ihr Spaß machte ihn zu beleidigen. Der Rest ihres Seins war wieder in einer panischen Stellung versteckt.
Auf Nyotas Dank hin schwenkte Banshee nur leicht ihre Rute und pustete ihrer Schwester ganz leicht gegen ihre großen flauschig schwarzen Ohren. Leben zu spenden war ihre Aufgabe, ihr Leben, und wenn es dabei um Nyota ging, war dies umso einfacher. Ihre Gedanken drehten sich aber viel mehr um die Welpen, um ihre Enkel, die irgendwo in der Einöde der Schneewüste lagen und höchstwahrscheinlich nicht in bester Verfassung waren. Sie mussten so schnell wie möglich dort hin. Ein Blick auf den weiterhin gesenkten Kopf ihrer Schwester, eine äußerst untypische Haltung für die Schwarze, ließ sie jedoch daran zweifeln, ob es für Nyota so gut sein würde, sich weiterhin viel zu bewegen. Andererseits gab es hier wohl niemanden sonst, der sie zu der Höhle hätte führen können. Stumm bat sie Nyota um Verzeihung, oder vielleicht eher Engaya, dass sie ihre Schwester so strapazierte, die Schwarze selbst würde das sowieso mit einer Pfotenbewegung abtun. Nyota erhob sich, immerhin schwankte sie nicht und schob kurz ihren Kopf zu Banshee, die die Geste mit einem Schnauzenkuss beantwortete. Erst dann wurde ihr klar, dass sie Schwarze Recht hatte, sie hatte eine so breite Blutspur hinterlassen, dass sie eigentlich keinen Führer mehr brauchte.
“Vielleicht solltest du eher …“
Doch der Ansatz von Vernunft wurde unterbunden, als Nyota sie anstrahlte und mit der Pfote die Größe eines ihrer Enkelkinder zeigte. Es lag so viel Freude darin, dass Banshee bewusst wurde, dass ihre Schwester die Welpen genauso gerne wieder sehen wollte wie sie selbst. Also folgte sie Nyota, die Rute hin und her schwingend, im Gesicht ein Lächeln. Verwirrt über ihre eigene Gedankenlosigkeit blieb sie jedoch gleich wieder stehen und wandte sich zu Midnight um.
“Ich danke dir, Midnight. Anhand der Blutspur wirst du sicher ebenfalls zu der Höhle finden.“
Sie lächelte ihm zu und wünschte ihm innerlich von ganzem Herzen Erfolg, es stand doch relativ viel auf dem Spiel. Mit einem freudigen Hopser brachte sie sich dann wieder auf die Höhe ihrer Schwester und versuchte einigermaßen ruhig neben ihr her zu laufen. Je länger sie über die Welpen nachdachte, desto mehr freute sie sich auf sie und desto weniger konnte sie auf ihren Sohn böse sein, auch wenn er sich über Verbote hinweggesetzt hatte und nicht nur das Leben seiner Welpen und seiner Gefährtin, sondern auch streng genommen das des ganzen Rudels aufs Spiel gesetzt hatte. Und immer noch setzte. Es gab wieder mehr Mäuler zu füllen, allein die Tatsache, dass sie im Moment meist einigermaßen gut genährt waren, konnte die Bedrohung entschärfen. Und zudem … vielleicht waren sie schon bald wieder im Tal. Darüber hatte sie mit Nyota reden wollen, jetzt gab es allerdings wichtigeres. Nyota erzählte von Hiryoga und Banshee konnte sich gut vorstellen, wie hilflos ihr kleiner Sohn in dieser Situation war. Shani würde es wohl kaum anders gehen und schon regte sich erste Sorge um die Welpen in ihrer Brust. Die Eltern ihrer Enkel waren selbst noch halbe Welpen, zumindest Jungwölfe, ihre Kinder würden erfahrenere, ältere Wölfe brauchen, die sie an der Pfote nehmen würden. Irgendwie freute sie sich auch darauf. Nyotas nächster Kommentar ließ sie aufhorchen. Nur zu gut erinnerte sie sich an die ersten, sorglosen Tage am Sternenwindsee … damals war sie noch so jung, so ausgelassen, frei von allen drückenden Gedanken. Und damals hatten sie sich um Rüden gestritten … nicht gestritten, es war alles spaßhaft gewesen, trotzdem hatte sie ihren Acollon gefunden, Nyota dagegen war alleine geblieben. Sie wünschte ihrer Schwester einen Wolf an ihrer Seite, würde sich so sehr darüber freuen, aber die Schwarze schien wählerisch. Eigentlich gut so, wer war schon gut genug für ihre Schwester? Eigentlich hatte sie niemand verdient. Liebevoll fuhr sie Nyota mit der Zunge über die Stirn, auch wenn die Schwarze ihre Gedanken nicht hören konnte.
“Für dich auch. Du bist Tante und jetzt bist du Großtante. Und ich wünsche mir von Herzen, dass du dich mit mir um die Welpen kümmern wirst. Du kennst doch Hiryoga und Shani … noch müssen sie lernen, Eltern zu sein.“
Banshee würde dem jungen Paar nichts wegnehmen, viel eher wollte sie sie leiten, ihnen alles zeigen, ihnen lehren, wie man mit Welpen umging und dabei darauf achten, dass es den Welpen gut ging. Dass war sie Engaya schuldig, ebenso wie den Welpen selbst und eigentlich auch Hiryoga und Shani. Die nächsten Informationen sprudelten aus Nyota. Kaede war da, Lunar selbstverständlich, schließlich hatte er Nyota so zugerichtet und auch Tyel … natürlich, Hiryoga und Shani waren mit Sicherheit nicht ganz allein. Dass sie Tyel eingeweiht hatten, lag nahe, möglicherweise auch Rasmús. Scheinbar aber weder Kaede noch Lunar, was Banshee verwunderte. Immerhin war der Schwarze Shanis Bruder und Kaede Hiryogas Patin. Aber vielleicht machten es gerade diese Verwandtschaftsbeziehungen … sie war immerhin die Mutter und wusste auch nichts davon.
“Wie viele sind es? Und wie heißen sie? Hast du Shani schon gesehen – geht es ihr gut?“
Sie hatte noch mehr Fragen, würde sich diese aber wohl bald selbst beantworten können. Oh, sie freute sich.
02.01.2010, 14:22
Shani wartete, zitternd und in die Situation ergeben, darauf, dass irgendetwas passieren würde. Vielleicht würde schon Banshee hinter Aradis auftauchten, vielleicht würde die Weiße auch weiterreden und sie von etwas überzeugen wollen, was sie nicht verstand. Vielleicht würde Aradis auch einfach die Welpen dazu antreiben in die Höhle zu gehen und wenn sie gehen würden, würde Shani mitkommen. Es war doch alles egal. Das Schicksal hatte schon seinen Lauf genommen und alles stürzte nun unaufhaltsam auf das eine Ende zu. Schließlich passierte etwas, Rakshee trat ein Stückchen vor und bat Aradis zu gehen. Shani musste lächeln und doch stand kein Funke Freude in ihrem Gesicht, nur Liebe. Es war kindliche Unschuld und der schlichte Wunsch, eine glücklichere Mama zu haben, der aus ihrer Tochter sprach und etwas tief in ihr berührte. Trotzdem sagte sie ganz leise
“Rakshee …“
Es war als Ermahnung gemeint, hatte aber kein Tadeln und sonst irgendeine Spur von Bösem in sich. Es klang wohl viel eher Liebe heraus, Liebe zu ihrer Tochter, die noch so klein war und doch genau wusste, was sie wollte und wie sie es ihrer Meinung nach bekommen könnte. Aradis machte Shani wirklich traurig. Aber auch wenn die Weiße weggehen sollte, würde sie nichts mehr besser machen können. Sie spürte Sharíku, die sich an sie kuschelte, die ihr ihre Geste zurückgab und sie trösten wollte. Auch ihr würde es nicht gelingen, so gerne Shani sich von ihrer Tochter all den Schmerz nehmen lassen würde, aber sie gab ihr doch ein bisschen Kraft. Aus ihren blau schimmernden Augen tropfte eine Träne und versetzte Shani damit einen Stich … ihre kleine Tochter durfte nicht weinen, nicht jetzt schon. Sie wusch die Träne mit der Zunge von der Wange ihrer Tochter und nahm ganz kurz und sanft das Ohr Sharíkus in ihr Maul, ließ es wieder entwischen und berührte sie an der Nase. Sie verstand, was die kleine Graue ihr sagen wollte und auch wenn es ihr den Schmerz nicht nahm, stärkte es doch das feste Band zwischen ihr und ihren Welpen und die Gewissheit, was auch immer kommen würde, sie würde nicht zulassen, dass ihren Welpen etwas geschah. Jetzt regte sich auch wieder Aradis und Shani hatte erstmals das kleine bisschen Kraft, den Blick zu heben und die weiße Fähe anzusehen. Sie fragte, ob den Welpen kalt war, sicher war es wohl so, aber Kälte spielte jetzt keine große Rolle mehr. Jetzt sprach sie sie an, fragte sie, ob sie gehen sollte. Aber Shani war es doch egal, es war doch so furchtbar trostlos egal, ob Aradis gehen oder bleiben würde … zu guter Letzt redete jetzt auch noch Kursaí, wollte, dass sie nicht mehr traurig war. Das wollten sie alle … auch Shani wünschte es sich so sehr, aber sie konnte es nicht ändern. Sie könnte nur ihren Welpen sagen, dass sie möglicherweise kein Zuhause mehr hatten, dass sie möglicherweise durch all den Schnee und die Kälte in eine andere Welt wandern mussten … aber das würde sie niemals sagen. Etwas erstaunt lauschte die Weiße, wie Kursaí mit Aradis sprach, wie sie sie ebenfalls bat zu gehen nur auf eine ganz andere Art. Und wie sie wollte, dass niemand hier von erfuhr. Ach Kursaí, kleine Tochter, es war doch schon viel zu spät. Trotzdem erfüllten auch diese Worte Shani mit unendlicher Liebe.
“Kursaí.“
Rief sie ihre Tochter zu sich, kaum stärker als zuvor Rakshee aber vielleicht mit ein klein wenig mehr Mut. Es war die Macht der Liebe, die ihr ihre Töchter schenkten. Dennoch versiegten die Tränen nicht und all die Hoffnungslosigkeit konnte sie nicht von ihrem Gesicht verbannen. Sie schluckte, hob den Kopf ein wenig an und sah Aradis in ihre eisblauen Augen.
“Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du Jakash zu mir bringen könntest.“
Wenigstens sollten alle ihre Welpen bei ihr sein, sicher würde auch Hiryoga kommen. Und vielleicht sollten sie in die Höhle gehen. Ihr Blick wanderte die kurze Strecke, die sie zu vier zurückgelegt hatten entlang und blieb an dem kleinen Höhleneingang hängen. Aber eigentlich war es egal. Es war doch schon vorbei.
Der kleine Schwarze lächelte zu seinem Vater empor, als dieser ihm antwortete und ihn liebkoste. Spielerisch pfotete er nach dessen großer Schnauze, bevor er sich umwandte und begann, der Spur im Schnee zurück zur Welpenhöhle zu folgen. Es war mühsam, so durch das hohe Weiß zu stapfen, dass so hoch war wie der kleine Welpe selbst. Als er zuvor seinen Weg durch Springen zu den Erwachsenen gebahnt hatte, war ihm das leichter erschienen. Sicherlich würde das doch wieder so sein, wenn er das einfach wiederholte?
Und so sprang der kleine Rüde von Pfotenstapfen zu Pfotenstapfen der alten Spur seines Vaters, im Zickzack hin und her. Das machte Spaß! Und ihm wurde warm dabei! Breit grinsend hüpfte Jakash nun absichtlich in den unberührten Schnee und fand es urkomisch, wie weich er landete und wie tief er jedesmal einsank. Geradeso konnte er immer noch über die weiße Kante luken.
"Guck mal, Papa! Guck mal!",
rief er lachend zurück und sprang erneut hierhin und dahin und tobte durch den Schnee. Warum hatte er vorhin nicht schon gemerkt, wieviel Spaß das machte? Oh, ja, natürlich - da waren ja die spilenden Erwachsenen gewesen, und das war ja viel spanender gewesen! Gut nur, dass ihm das jetzt noch aufgefallen war. Er musste unbedingt Rakshee und Kursaí erzählen, wie toll es hier draussen war, und wie wunderbar man hier spielen konnte! Das dunkle Loch der Welpenhöhle kam in Sicht. Jakash hielt geradewegs darauf zu, bis er etwas abseits die Gestalten bemerkte. Hey, da waren seine Geschwister und-... zwei Mamas?! Verdutzt blieb der Kleine stehen und runzelte die Stirn. Von den beiden weißen Wölfen konnte doch sicherlich nur eine seine Mama sein - oder? Doch, ganz bestimmt! Die andere sah bestimmt nur aus, wie seine Mama. Immerhin hatte die Wölfin Nyota doch auch fast so ausgesehen wie der andere Schwarze... Jakash grinste wieder und setzte seinen Weg in Richtung seiner restlichen Familie fort.
PLOFF.
Weiße Wände umgaben den kleinen Welpen, höher als er selbst. Überrascht starrte er den Schnee vor sich an. Hey, das war geschummelt! Der kleine Schwarze stellte sich auf die Hinterläufe und tatzte mit den vorderen nach dem oberen Rand, aber er reichte kaum heran. Schnee brach ab und nieselte ihm entgegen. Zielsicher hatte er den höchsten Punkt einer Schneewehe erwischt.
"Papa?!"
Geduldig hatte der Rüde an der unsichtbaren und doch deutlich wahrnehmbaren Grenze des Reviers ausgeharrt, nachdem er die geheulte Antwort auf seinen Ruf vernommen hatte. Etwas anderes blieb ihm nun ja auch nicht mehr übrig, sich einfach umdrehen und einfach den Weg den er gekommen war wieder zurückzugehen kam nun nicht mehr in Frage. So nutzte er die Zeit des Wartens zur Fellpflege und begann damit in langen Strichen sein Fell glattzulecken, hier und dort einige kleine Knoten aus dem dichten Pelz knabbernd und auch noch vereinzelte, angetrocknete Blutflecken seiner letzten Mahlzeit wegzulecken. Eigentlich könnte er auch mal wieder ein ordentliches Staubbad vertragen, doch dafür war auch später noch Zeit. Abgesehen davon beschäftigte er sich im Moment nicht deshalb mit der Körperpflege um einen guten ersten Eindruck zu machen, sondern nur um sich abzulenken und seine innere Unruhe zu überspielen. Bei einer oberflächlichen Betrachtung würde er ohnehin nicht allzu gut abschneiden, da war es ziemlich egal ob sein Pelz rund um das verwachsene Narbengewebe nun glatt und glänzend war oder so struppig wie sonst auch immer.
Mitten in seinem Tun hielt der Rüde inne, hob witternd den Kopf und lies seine Ohren leicht im Wind spielen. Leicht zuckte seine Rute und stellte sich halb auf, während er selbst sich auch von seiner bequemen, halb eingerollten Ruheposition aufrichtete. Noch einmal schüttelte er sich leicht, schüttelte seine Unruhe ab als wäre sie nur Wasser, welches seinen Pelz durchnässte. Ab da an war er vergleichsweise entspannt, seine gesamte Körpersprache wie auch sein Verhalten drückte Gelassenheit, aber auch Selbstsicherheit aus. Dies änderte sich auch nicht als die Fähe nähergekommen war und ihn ansprach. Witternd hatte er die Schnauze ein Stück vorgeschoben und den Kopf leicht zur Seite geneigt. Die Fähe hatte wohl einen vergleichsweise hohen Rang im Rudel, allerdings war sie nicht die Alpha, dazu fehlte der Witterung einige Gerüche. Das sie ihn nicht sehen konnte war ihm bisher nichtmals aufgefallen, im Moment war er zu beschäftigt damit ihre Witterung aufzuschlüsseln. Normalerweise hätte er wohl an ihrer Reaktion oder vieleher dem fehlen einer Reaktion bemerkt, dass sie ihn nicht komplett wahrnahm. Doch da er ihr von Beginn an nur seine linke Flanke zugewandt hatte, hätte sie auch sonst nicht die hässliche Narbe auf seiner rechten Flanke erkennen können. So blieb dem Rüden zumindest vorerst die Blindheit der Fähe verborgen.
"Frekur.... ich grüsse auch. Was führt ein Rudel solcher Größe hier ins Gebirge..?"
Auf die Frage nach dem Grund seiner Ankunft und ob er mit guter Absicht die Grenze des Reviers aufgesucht hatte, ging er nicht ein. Er wusste selbst nicht genau zu sagen wieso er das Revier aufgesucht hatte, nur das es ihn interessierte wieso sich hier ein Rudel eingefunden hatte... und zumindest darin, dass sich hier oben im letzten Jahr außer ihm kaum ein Wolf aufgehalten hatte, wusste er mit ziemlicher Sicherheit zu sagen.
Nyota begann mit jerdem Schritt mehr zu tänzeln. Noch immer hielt sie den Kopf tief gesenkt, wollte der frisch verschlossenen Wunde noch ein paar Stunden der Ruhe gewähren, doch ihre Freude vermochte sie nicht zu bändigen. Mit pendelnder Rute und schlackernden Ohren folgte sie ihrem Blut im Schnee, und war doch überrascht, noch am Leben zu sein, nachdem sie soviel Blut verloren hatte. Tatsächlich beruhigten sich ihre Pfoten wieder, nachdem sie ein seltsam schwankendes Gefühl in ihrem Kopf bemerkt hatte, das wohl auf den Blutverlust zurückzuführen war.
~Und endlich gibt es Welpen, denen ich all die Geschichten erzählen kann~
dachte sie, uns sah grinsend zu Banshee auf. Natürlich, irgendwie auch für sie. Ach, sie beide waren doch nicht alt, aber jung konnten sie neben den Welpen auch nicht sein - was waren sie also?
"Ich habe nur zwei gesehen, aber Shani war nicht dabei, darum denke ich werden es noch mehr sein - sonst hätte sie sicher auch auf diese beiden aufgepasst. Hiryoga war schon dürr, so ist sie vermutlich nicht besser dran..."
sie beschleunigte abermals ihre Schritte, als sie die näherkommenden Umrisse von Lunar und Tyel sah, da bei ihrem Kampfplatz, wo auch Hiryoga noch stand, während etwas kleines Dunkles von ihm weg und wieder auf ihn zu hüpfte. Das musste der Kleine sein.
Ein leises, mehr an den Schnee den an den Himmel gerichtetes Heulen rief nach dem Welpen und kündigte sie beide somit an. Ein Ziepen in ihrem Nacken verriet, dass es eine gute Idee war, sich noch zu schonen...
"Guck mal, davorne ist schon Jakash! So sah ich bestimmt auch mal aus, so klein, haha!"
Kensharion blickte Cumará an, die sich nun zu ihm undrehte. Er beobachtet sie dabei, wie sie Staub aufwirbelte und sich dadurch selber zum Niesen brachte. Schließlich antwortete sie doch noch auf seine Frage. Ihre Stimme klang irgendwie spöttisch und der Schatten hätte sich schon beinahe wieder darüber gewundert. Dann bemerkte er jedoch, dass es nicht ernst gemeint war. Er wusste selber nicht, wie er darauf kam, aber er hatte das Gefühl. Es war wirklich schwierig, mit seines Gleichen umzugehen. Seines Gleichen… Aber irgendwie war er doch nicht wie sie! Alles war so verwirrend, wieso konnte er nicht einfach ein ganz normaler Wolf sein? Aber nein, das wollte er auch nicht, denn das würde ja heißen, dass er nie auf die Bären getroffen wäre und das konnte sich Kenshi gar nicht vorstellen. Cumará, die plötzlich an ihm vorbei ging riss ihn aus seinen Gedanken, er sah der Grauen zu, wie sie an den Höhleneingang trat. Noch war immer alles weiß draußen. Genau das Gegenteil seiner Fellfarbe, hell. Doch die Kälte war irgendwie schön. Es gab dem Schwarzen das Gefühl, als könne er damit seine Gedanken einfrieren, all die Trauer, die er mit sich herumtrug. Als würde der schneidende Wind die schlechten Erinnerungen aus seinem Geiste herausschneiden, als könnten die tanzenden Schneeflocken seine Schmerzen verführen. Kensharion seufzte, denn er wusste, das war nur das Gefühl eines winzigen Augenblickes, der so schnell vorbei ging, wie der Bruchteil einer Sekunde.
Nach einer weiteren Weile des Beobachtens stemmte auch er seine Pfoten in den Boden und hob seinen Körper hoch. Seine Beine sehnten sich regelrecht nach Bewegung, obwohl er kaum eine Stunde still gelegen hatte. Er sah Cumará an, die sich allmählich in Bewegung setzte und er bildete sich ein, eine Spur von Verzweiflung in ihrem Gesicht ablesen zu können. Sicher war er sich nicht, denn schließlich kannte er die Fähe noch gar nicht. Vielleicht hatte er sich aber auch einfach nur verguckt. Sie fing wieder an zu sprechen und die Ohren des schwarzen Rüden schnippten leicht in ihre Richtung. Dennoch achtete er auf jede Regung, die sich in der einsamen Eiswüste tat.
.oO(Hat sie denn wirklich keine Hunger mehr? Ein halbes Kaninchen ist wirklich nicht viel… Tut sie nur so, weil sie mich nicht warten lassen will? Sie sieht doch relativ ausgehungert aus…)
Dachte der Schatten und musterte die graue Fähe von oben bis unten. Er wollte sie schon fragen, ließ es aber lieber sein, um nicht so viel Zeit zu verschwenden und um nicht das Risiko einzugehen, sie zu reizen. Er konnte sich zwar selber nicht erklären, wieso sie dadurch gereizt sein sollte, aber sicher war eben doch sicher. Als sich Cumará schließlich in Bewegung setzte, folgte Kenshi mit federnden Schritten. Wie ein Schatten tanzte er durch die Schneeweiße Landschaft, beinahe, als würde er schweben. Als die Graue in einen gemäßigten Galopp überging, beschleunigte auch Kensharion und holte sie schon bald ein, Er war eben ein unschlagbarer Läufer, wie schnell Cumará auch war… An ihrer Seite lief er schweigend weiter und spielte aufmerksam mit den Ohren. Sein Blick wanderte umher auf der Such nach einer Höhle für den Abend, in dieser kahlen Landschaft waren Höhlen selten zu finden, deshalb wollte er lieber aufmerksamer und gezielter nach einer suchen.
Ilias hatte sie verletz, nicht körperlich, auf keinen Fall, dazu wäre er viel zu friedlebend, doch seelisch und es schmerzte ihm, da es nicht seine Absicht gewesen war. Er wollte lediglich mit ihr reden, wie sie es mit ihm tat. Trotzdem war er nicht überrascht von ihrer Reaktion.
0o Das ist ihre Art o0
Dachte er sich, gab sich damit zufrieden und antwortete schließlich.
"Nun das ist Schade! Ich bin auf jeden Fall sehr hungrig, könnte mir vorstellen, dass es dir ähnlich geht. Aber wenn du nicht mit willst, ist das kein Problem, ich würde selbst jagen gehen können, etwas fressen, bevor dein Vater kommt."
Die folgende Stille wurde von einem Heulen eines Wolfes unterbrochen.
"Ich freue mich für dich, dass du jemanden hast, der sich um dich Sorgt, beneide dich sogar ein wenig dafür."
Neid war für Ilias eh ein großes Thema, er wurde schnell eifersüchtig, auch wenn er es nicht wollte. Insgeheim erhoffte er sich, dass sein Neid akzeptiert würde, aufgefasst würde und ihm gegeben werden würde, worüber er Neidisch war.
"Du willst einen Grund hören, warum ich hier bin? Ich habe die Einsamkeit gesucht, nachdem ich schlecht behandelt wurde, habe sie auch vorerst bekommen. Habe es dann später bereut, wollte wieder Nähe und habe es vermisst unter anderen Wölfen zu sein, und dann kamst du. Nun du hast mir einen kleinen Wunsch erfüllt und ich bin dir darüber sehr dankbar. Ich würde gerne noch mit auf deinen Vater warten, denn du bist ein interesannter Wolf und ich würde dich gerne etwas näher kennen lernen. Nun entschuldige mich für kurze Zeit, ich würde gerne etwas fressen!"
Der Rüde ging einiger Schritte von ihr weg und wartete noch auf eine Antwort, bevor er ging.
"Ich werde früh genug wieder da sein, um deinne Vater kennen zu lernen" versprach er und entfernte sich von ihr
„Du beneidest mich? Mich beneidet keiner! Man braucht mich wirklich nicht zu beneiden. Wenn du wüsstest was alles passiert ist würdest du mich kein bisschen mehr beneiden. Ich weiß auch nicht was in ihn gefahren ist, dass er sich plötzlich meldet. Aber ich bin ihm sehr dankbar, er ist ein lieber und toller Wolf! Und es ist gut, dass er hier hin kommt, denn dann muss ich mich nicht mehr mit Dreck wie dir abgeben. Hörst du überhaupt noch zu? Du und dein dummer Hunger, hier oben findet man sowieso nichts, was seinen Hunger stillt, guck mich an, schau dir mein dickes Fell an und das was da drunter liegt. Nichts, gar nichts. Und dieses Fell wärmt meinen mageren Körper auch nicht mehr, alles ist eingefroren. Ich will wieder zurück ins Tal. Da gab es genug zu essen und es war nicht so blöd kalt wie hier oben. Außerdem...„
Sie brach ab. Es ging diesen dummen Wolf wirklich nicht an, was früher war, was jetzt war. Er wollte sie näher kennen lernen. Da schätze er sie aber falsch ein, was sollte sie mit einem wie ihm anfangen? Gar nichts, er hielt sich sowieso nur für etwas besseres. Auch wenn er vielleicht einiges durchgemacht hatte, war er wahrscheinlich ein wohlbehüteter Wolf, welcher niemals so ein Schicksal hatte wie sie es nicht nur einmal erlebt hatte. Und sie wünschte dieses Schicksal auch niemanden, aber dann sollten die anderen nicht so verdammt unzufrieden rüber kommen, wenn sie wirklich nicht einen klitzekleinen Grund dazu hatten. Sie wusste dass sie unfair über den ihr eigentlich unbekannten Wolf dachte, doch sie sah keinen Grund das zu ändern, so war sie nun mal. Oder so war eben ihre andere Hälfte die sie nicht einfach abschalten konnte. Warum kam ihr Papa denn nicht einfach. Er könnte doch viel schneller hier sein. Warum hielt er sich so lange auf? Es war doch wohl nicht noch ein Wolf bei ihm? Doch wer sollte schon bei ihm sein? Er kannte doch eigentlich niemandem im Rudel wirklich, da er so an Neyla gehangen hatte, dass er kaum Kontakt zu anderen Wölfen aufgebaut hatte. Ebenso wie sie selber. Sie war auch bis auf die beiden völlig alleine im Rudel. Und so etwas nannte sich dann noch Rudel?
„Ja, dann geh dir doch was zu essen suchen, wenn du doch ach so hungrig bist. Ich hoffe du bleibst lange weg, dann verpasst du nämlich Zack und belästigst mich nicht länger! Und das ist doch echt was gutes, findest du nicht? Dann kann ich nämlich normal mein Leben weiterleben und einfach vergessen das du jemals aufgetaucht bist. Vielleicht fällst du ja auch in einer der tiefen Schneisen, die es hier oben so oft gibt. Oder du findest nichts was du jagen kannst und verhungerst jämmerlich. Oder du findest einen wütenden Bären, das sind die besten. Bis auf Thylia hat es niemand geschafft einen zu töten, bei der Jagd war ich dabei, das war echt klasse, richtig viel zu essen! Aber so was schaffst du nicht, dass schafft noch nicht einmal ein ganzes Rudel. Du wirst wohl sehen müssen was du auf die Reihe bekommst, auch wenn ich mich frage, ob du überhaupt irgendetwas auf die Reihe bekommst“
Gehässig blickte sie zu dem jungen Rüden herüber. Sie wollte auf seine Reaktion achten, obwohl er sich schon etwas abgewandt hatte. Aber vor allem wollte sie damit ihren nagenem Hungerschmerz vertreiben, der sich bei dem Gedanken an den Bären noch mehr bemerkbar gemacht hatte. Aber sie wollte sich keine Blöße geben.
„Nein ich habe keinen Hunger, ich bin schließlich nicht so ein verwöhnter, jammernder Wolf wie du!“
Nun drehte Kaede den Kopf leicht. Sie hatte, als er mit dem Sprechen angefangen hatte, gemerkt, dass sie ihn wohl doch nicht direkt angeschaut hatte und hoffte, dass er nichts gemerkt hatte. Nicht, dass es ihr peinlich war, aber nach der Unterhaltung mit Nyota und Lunar wollte sie weitere, dumme Bemerkungen vermeiden.
Sie bemerkte sehr wohl, dass der Fremde, welcher sich mit dem Namen Frekur vorgestellt hatte ihr eine Antwort schuldig blieb, als er ausweichend fragte, was sie als ganzes Rudel hier oben suchten, doch sie nahm es ihm nicht übel. Jedem das seine, so war er wahrscheinlich nicht bösen Willens hier. Sie näherte sich ihm, bis noch ungefähr fünf Schritte zwischen ihnen waren und lächelte ihn an.
„Es gab einige Unstimmigkeiten mit einem anderem Rudel, so kann man es wohl nennen. Ich bin, ohne mich damit nun wichtig zu tun der Beta des Rudels. Vielleicht möchtest du das ja wissen. Ansonsten heiße ich dich schon mal stellvertretend Willkommen, natürlich wirst du erst richtig zu dem Rudel gehören wenn Banshee, unsere Alphafähe dich kennen gelernt hat und ihr Einverständnis gegeben hat. Natürlich nur, wenn es das ist was du willst.“
Sie wedelte leicht mit der Rute um ihm zu zeigen, dass er wirklich willkommen war, solange er sich dann wohlgesittet an die Regeln eines Rudels hielt und niemandem Böses tun wollte.
oO Ich bin wirklich zu misstrauisch geworden, nachdem ich miterlebt habe, wie auch ein Rudelmitglied unheil anrichten kann. Ich sollte es einfach vergessen, verdrängen und mich mit den schönen Seiten des Lebens wieder anfreunden. Wo sie mir doch so lange fern geblieben sind! Oo
Sie sog tief die kühle, aber nicht mehr eiskalte Luft ein. Ja, eindeutig es war Frühling, fast schon Sommer. Wie wunderbar, vielleicht würde es dann wieder ein wenig mehr Leben hier oben geben. Sie wünschte es sich so sehr. Apropos Leben, es gab viel Leben hier oben, schließlich hatten sie die Welpen im Rudel, welche nun auch gewiss Banshee bald sehen würde, denn Nyota war ja zu ihr gelaufen um ihr von ihrem Fund zu berichten. Wie süß der kleine Welpe doch gewesen war, welchen sie fast umgelaufen hatte. Es war ihr wirklich unangenehm, sie hatte ja nicht ahnen können, dass plötzlich ein Fellbündel im Schnee liegen würde, doch hätte sie sich besser konzentriert hätte sie es rechtzeitig bemerken können. Doch sie hatte sich nicht konzentrieren können weil Nyota und Lunar ja kämpfen mussten. Lunar, er hatte doch nur die Wahrheit gesagt, etwas zu übertrieben aber es war die Wahrheit gewesen. Und Nyota wusste dies, wollte es aber gut reden. Kaede war ihr einerseits dankbar, andererseits fand sie es schade, dass Nyota nicht einfach auch ehrlich zu ihr war. Doch, da waren sie schon wieder, die Gedanken die sie einfach immer mit sich rissen, ob sie es wollte oder nicht. Sie schüttelte sich, wollte diese blöden Gedanken endlich einfach aus ihrem Kopf verscheuchen, als wären sie lästiges Ungeziefer, was sich in ihrem Fell breit gemacht hatte, doch sie wusste das sie weder die Gedanken noch das zum Glück nicht vorhandene Ungeziefer damit los werden würde.
Langsam kam Ilias runter von seinem hohen Ross. Sein Selbstvertrauen wurde auch wieder weniger.
0o Was hast du nur getan?o0
Ilias hätte es niemals gewollt sie blöd anzumachen, ganz im Gegenteil, er wollte, dass sie ihn mochte. Er hatte sich scheinbar wieder falsch angsestellt und bekam jetzt die Konsequenzen dafür zu spüren.
Seine Bedrücktheit, ließ er nicht zum Ausdruck werden und verbag es indem er verständnissvoll nickte und nur sagte:
"Warts ab, vielleicht treffe ich wirklich auf einen Bären und würde ihn erlegen, vlt. würde ich dabei sterben... Ist es das was du willst? Diesen Wunsch könnte ich dir leicht nachkommen, aber im moment hänge ich zu sehr daran. Vielleicht finde ich aber einige Hasen oder etwas anderes für Zwischendurch, könnte dir auch einen mitnehmen wenn ich was finde... Nur Versprechen kann ich nichts."
Er brach die Konversation mit einem
"Bis später"
ab. War vorerst froh darüber, in Ruhe über Sheena nachzu denken. Sie war ein sehr interessanter Wolf mit wunderhübschen Augen,
0o Rechtfertigten diese aber ihren Charakter? o0
Er war sich unsicher, seufzte einmal und stampfte weiter. An einem See, in der Nähe eines Berges musste es einfach Nahrung geben. Ilias schaute sich um, war dann aber entäuscht, von der trotslosen, leblosen tristen Welt, die vor ihm lag.
Urion schloss zu dem wartenden Zack auf. Endlich, endlich konnte er sich wieder bewegen. Gemütlich schlenderte er neben dem Anderen über das steinige Gelände.
o.O( Keine Eile, nur keine Eile)
Zack wirkte so beruhigend auf den grauen Rüden, als sei der Zauber gelegt, jedoch wähnte Urion sich lange nicht in Sicherheit. Sei drei Jahren plagte er sich mit diesem Fluch herum. Eigentlich grenzte es an einem Wunder, dass er noch nicht zu Grunde gegangen war. Seufzend blickte der Graupelz sich um. Trostlos mutete die Umgebung an, jedoch für Urion nicht besonders beeindruckend. Dort, wo er aufgewachsen war, dort war es beeindruckend. Wenn man wollte, könnte man sagen, dass der Rüde aus einem mittelalterlichen Rudel stammte. Wären diese Wölfe alles Menschen, würden dort Könige, Bauern und Ritter leben. Urion würde man wahrscheinlich verbrennen, als Zauberer deklarieren.
Der Graue öffnete kurz seinen Fang um etwas Blut herauszuwürgen. Nichts neues für den Rüden. Wahrscheinlich blutete er innerlicht oder eine andere Krankheit hatte seinen eigentlich noch recht jugendlich anmutenden Körper erfasst.
“Keine Sorge, das ist nichts neues. Wird öfters passieren.“
Urion leckte sich seinen Fang sauber, bevor er nun Zack offen betrachtete. Die grünen Augen ruhten ausdruckslos auf den Weggefährten, dann drehte der Graue den Kopf wieder weg. Er schloss kurz seine Seelenspiegel um das Gefühl des freien Laufens zu genießen, doch dann begann es wieder in seinem Kopf zu tanzen. Urion lief weiter, versuchte sich nichts anmerken zu lassen, nur sein Fang kräuselte sich leicht.
o.O(Niemand hat in dir einen Gott gesehen, niemand hat in dir den Gott gesehen. Komm her zu mir... komm her zu mir...la,la,la!)
o.O(Halt deine verdammte Klappe!)
Urion presste die Ohren fest an seinem Kopf und jaulte gequält auf, dann war es wieder still. Der Graue schüttelte sich kurz um schließlich normal weiter zu laufen.
“Es ist so verwirrend. Es in mir. Irgendeine Bedeutung müssen die Dinge haben, die er mir
sagt. Oh, Zack, sei froh, dass du nicht ich bist.
Nun, was kann ich dir von mir erzählen. Geboren wurde ich in einem Rudel im höchsten Norden mit einem anderen Welpen. Meine Mutter nannte sich Feenkind, mein gehasster Vater Death Walker, mein Bruder Kioku. Als ich auf die Welt kam vergrub ein in sich zusammenbrechender Gletscher die Hälfte des Rudels. Es passierte genau, als ich meine erste Pfote auf den vereisten Boden setzte. Seitdem nennt man mich Urion oder auch der Auserwählte des Fluches.
Du musst wissen, dass mein Vater ein kalter gefühlsloser Wolf war, der jeden im Rudel terrorisierte. Natürlich hatte er seine Anhänger, die Verfluchten. Bei jedem einzelnen ist etwas schreckliches passiert, wenn sie geboren wurden.
Kioku und ich konnten meinem Vater lange aus dem Weg gehen bis wir zwei Jahre alt waren. Er führte uns in eine Höhle, in den Gletscher, wo Es hauste. Er tötete Kioku um mich anzugreifen. Kioku war ein normaler Wolf, deshalb unwürdig weiter in diesem Rudel zu leben. Ich aber war besessen, als ich die Höhle betrat.
Urion seufzte, während seine Augen weiter kalt vor sich her starrten. Sein Herz verhärtete sich wieder, als die Trauer über seinen Bruders Tod ihn erfasste. Eine bekannte Melodie tauchte in seinem Kopf auf. Ein Lied, welches sie zusammen von einem sehr alten Wanderer gehört hatten. Er rastete in dem Rudel, versammelte alle Wölfe um sich, besonders die Kleinen, und erzählte von seinen Erlebnissen. Er kam jedes Jahr zur Sommersonnenwende. Ob er auch dieses Jahr wieder da war.
o.O(Wie nannte sich jener Wanderer? Marjogo.)
Urion berührte kurz Zacks Schulter um nur zu überprüfen, dass er sich nicht in seiner Vergangenheit verloren hatte.
“Eigentlich wollte ich ein Streuner werden. Ungebunden, frei. Ein Draufgänger wie jener Wanderer, der jedes Jahr zur Sommersonnenwende unser Rudel aufsuchte um Geschichten zu erzählen.
Mit drei Jahren wollte ich gehen, mein altes Leben hinter mir lassen. Einkehren, wo man Lieder sang und immer mit dem Lied des alten Wanderers im Ohr. Von einem Rudel zum Anderen ziehen, andere Fähen kennen lernen, jeder das Herz brechen. Zack, nun siehst du was mein Traum war, wie ich früher wirklich war, doch heute ist es nur mein Sehnen frei von falschem Stolz zu sein, mit einer anderen Seele einig zu sein und dort zu Leben, wo mich auch jemand vermisst. Ich habe mein Leben soweit gelebt, aber was für ein Leben, Zack. Was für eins?“
Der Graue seufzte und blickte kurz hinter sich. Die Landschaft hatte sich etwas verändert und eine leichte Witterung war zu vernehmen.
“Schade, dass du diesen alten Wolf nicht kennen lernen durftest. Er war wirklich wunderbar, hätte in unser Rudel gepasst. Seine Stimme, solch eine möchte ich auch mal haben, so rau, vom Wind zerfressen. Wenn dir so eine Stimme Geschichten von fremden Welten auf anderen Sprachen erzählt, beginnst du deine Welt zu verlassen und in die seine zu gehen. Er wäre ein toller Rudelrat gewesen, aber seine Bestimmung ist es umher zu ziehen und Dinge zu erleben, die er weitergeben kann.“
Aradis ging noch immer nicht weg, und Mama rief nach ihr, und Rakshee wand sich zu ihr um, sah zu ihr hoch, aus Augen die sich bloß nach einem Lächeln auf dem weißen Gesicht sehnten, und nach weiter nichts. Mama hatte oft gelächelt, aber sie hatte noch nie so gelächelt wie Jakash, wenn er Rásmus an der Rute zog, oder wie Sharíku, wenn Akhuna sie vor Jakash beschützt hatte. Mama lächelte oft, aber es war so ein Lächeln dass Rakshee nur noch trauriger machte. Aber das machte Mama auch wieder tarurig, und dann lächelte sie gar nicht mehr. Diesen Kreis musste man irgendwie unterbrechen.
Rakshee hörte Kursaí aufmerksam zu, aber sie verstand nicht was ihre Schwester wollte. Sie redete so seltsam, so wie die Erwachsenen, und das klang so komisch in Rakshees Ohren! Die junge Stimme ihrer Schwester so reden zu hören als sei sie schon hundert Jahre alt war befremdlich, und Mama rief auch nach Kursaí, so liebevoll wie sie zuvor auch ihren Namen ausgesprochen hatte. Es war so ein schöner Klang...
"Oh, dann bring auch bitte Papa mit, ja Araradis?"
meinte sie, und sah wieder mit freundlichen Augen zu der weißen Fähe auf, die kleine Rute pendelte sanft hinter ihr, und dann hüpfte sie auf Sharíku zu, und legte ihre große Pfote auf die kleine Nase ihrer Schwester.
"Guck mal, das alles ist so weiß wie Mama, und Araradis ist auch so weiß. Und da oben...!"
sie reckte den Kopf in die Höhe und legte ihn dabei in den Nacken, um zum weißblauen Himmel hinaufzusehen, der so schrecklich fern und so lockend schön wirkte. Sie wollte da auch hin!
"Mama? Wie kommt man dahin? Kann man da oben auch gehen? Sind da auch Wölfe?"
Zack hatte schon erschrocken anfangen wollen zu sprechen, als Urion Blut spuckte, doch dieser erklärte ihm gleich, dass dies öfter vorkommen würde. Ekel überfiel ihn selbst. Nicht vor Urion, doch war ihm der Gedanke unangenehm, dass er selber vielleicht einmal Blut spucken würde. Aber wahrscheinlich gewöhnte man sich auch an so etwas mit der Zeit, wenn es öfter vorkommen würde. Er hörte ihm in Ruhe zu, Urion hatte viel zu erzählen und hatte viel schlechtes erlebt. Er empfand Mitleid für diesen Rüden, wo er eben noch erzählt hat, wie behütet er selber aufgewachsen ist. Es war ihm etwas unangenehm, dass er Urion mit seiner langweiligen und für ihn vielleicht auch beneidenswerten Geschichte gelangweilt haben musste, doch nun konnte er es sowieso nicht mehr ändern und so wollte er sich darüber nicht den Kopf zerbrechen. Urion stellte ihm Fragen, auf welche er, traurigerweise, nicht antworten konnte. Wahrscheinlich konnte es niemand, nicht einmal Urion selber. Er konnte es sich fast schon bildlich vorstellen, wie der Wanderer über den er erzählte vor jungen Wölfen sitzt und ihnen Geschichten erzählt. Er konnte sich den jungen Urion gut vorstellen, wie er aufmerksam den Geschichten und Liedern lauschte und so beschloss auch einmal so etwas zu machen. Doch dies wurde ihm durch seinen Vater, wenn er es richtig verstanden hatte, ordentlich vermasselt. Es tat ihm Leid, dass er anschauen musste, wie sein Bruder getötet wurde, und dass auch noch von dem eigenen Vater.
Zack betrübte es immer wieder, wenn er Dinge wie diese hörte und war nur noch froher, so aufgewachsen zu sein wie es bei ihm der Fall war.
Er freute sich, als er die Schnauze des Rüden kurz an seiner Schulter spürte und nickte ihm so freundlich lächelnd zu.
„Als erstes möchte ich dir sagen, auch wenn es dir nicht weiterhilft, dass es mir Leid tut, was dein Vater damals getan hat und dass nun dieser Fluch auf dir lastet. Wenn ich fragen darf, gibt es eine Möglichkeit ihn wieder los zu werden, außer dem Tod? Oder würdest du ihn nicht einmal dann loswerden?
Die Erzählung über den Wanderer finde ich sehr schön, es muss ein klasse Erlebnis gewesen sein, da bin ich mir sicher. Ich habe einige wandernde Geschichtswölfe auf meiner Reise getroffen, doch leider hatte ich nie die Zeit ihnen länger zu lauschen, aber das meiste was ich gehört hatte gefiel mir sehr gut. Wie hieß euer Wanderer?“
Er konnte sich nur schwach an Wanderer erinnern, welche er getroffen hatte. Er hatte zwar viele getroffen, aber wie er eben schon gesagt hatte, er hatte nie ihren Geschichten lauschen können, weil er weiter ziehen musste. Oder wollte, wie auch immer. An einen Wanderer erinnerte er sich jedoch recht gut, es war eine Fähe gewesen, die eigentlich mit ihm ziehen wollte, bis er ihr deutlich machen konnte, dass er schon eine Fähe hat und diese unglaublich liebt. Nachdem er ihr dies gesagt hatte, zitierte sie nur noch ein trauriges Gedicht und ging beleidigt davon, weil sie meinte man könne nicht nur eine Fähe haben. Einerseits fand er es damals amüsierend, nicht nur weil es sein Selbstbewusstsein gestärkt hatte, andererseits war er immer betrübt, wenn er aus solchen Gründen andere Fähen verletzen musste. Er konnte doch auch nichts dafür, dass ihm die Fähenherzen oftmals zuzufliegen schienen. Und doch musste er es ausbaden. Doch er wollte nicht solchen banalen Dingen hinterher hängen. Urion hatte gesagt, dass er so mit zwei Seelen lebte. Dieser Satz hatte Zack aufgerüttelt. War es nicht auch so ähnlich bei Sheena? Nicht direkt zwei Seelen vielleicht, aber wenn er alles richtig aufgenommen hatte war es doch so, als ob sie aus zwei verschiedenen Wölfen bestand, die jedoch in einem Körper wohnen wollten oder mussten. Warum auch immer.
„Wo du das sagst, dass du mit zwei Seelen leben musst. Das erinnert mich an Sheena, wohin wir ja auf dem Weg sind. Sie ist auch so, als ob sie zwei Wölfe ist. Sie wird total aggressiv wenn man ihr falsch kommt und beleidigt ohne irgendwie aufzuhören, erst wenn sie dann wieder . . . Ja wie soll ich das sagen, dann plötzlich ist sie total lieb und entschuldigt sich und dann kann sie dich schon wieder beschimpfen. Ebenso ist dann ihre Körperhaltung und ihr ganzes Verhalten halt. Ich hoffe, dass sie sich gleich ruhig benimmt damit dein Fluch keinen offiziellen Grund hat um hervor zu kommen. Oder was meinst du? Ist es ihm egal was passiert und er kommt und geht wann er will oder kommt er wann er will aber immer in bestimmten Situationen?“
Er hob seine Nase ein wenig und sog die Luft ein. Er hatte ihre Witterung aufgenommen, sie schien gar nicht mehr so weit entfernt zu sein, da hörte er auch schon ihre Rufe. Sie schien irgendwie aufgeregt zu sein und das beunruhigte ihn nun doch. Er hoffte auf eine ruhige Fähe, welche auch ihn normal begrüßen würde und erst Recht Urion. Doch nach diesem Rufen zu urteilen, war dies nicht gerade wahrscheinlich. War sie einfach sauer auf ihn oder war etwas vorgefallen? Und wenn zweiteres, was hätte passieren müssen um sie so aufgeregt klingen zu lassen? Er bemerkte, dass er sich schon wieder das schlimmste ausmalte, denn eigentlich wusste er doch, wie ängstlich und schreckhaft Sheena war, da klang sie auch gleich aufgeregt, wenn sie ein plötzliches Geräusch hörte und es nicht einordnen konnte. Er lächelte leicht und sagte sich, dass sie sich sicher wieder nur erschrocken hatte und alles gut war und auch gut bleiben würde. Sie waren nicht lange gelaufen, da erspähte er den Berg, welcher bis an den See hinunter ging. Und da, war da nicht seine kleine Sheena? Er bellte zur Begrüßung leise auf und wand sich abermals an Urion.
„Da vorne, die weiße Fähe ist es. Jetzt sind wir am besten etwas vorsichtig und nähern uns langsam, nicht dass sie sich erschreckt oder gar Angst bekommt. . .“
Innerlich konnte er sich schon das Theater vorstellen, was zum Vorschein kommen würde, wenn sie ihr Angst einjagen würden oder sie erschreckten. Doch das erschrecken war ja eigentlich ausgeschlossen, da er sich früh genug angekündigt hatte und ihr auch jetzt Bescheid gegeben hatte. Er näherte sich ihr auf ungefähr zehn Wolfslängen und blieb dann ruhig stehen und blickte sie freundlich lächelnd an.
„Hallo meine kleine Sheena. Es tut mir Leid, dass ich erst jetzt zu dir komme. Das hier ist Urion, ich habe ihn eben kennen gelernt“
Er hoffte, dass er durch die sofortige Vorstellung der beiden schlimmes verhindern konnte und stand freundlich mit der Rute wedelnd neben Urion und vor Sheena. Schwach nahm er den Geruch eines anderen Wolfes war und fragte sich, wo er hin war und warum er überhaupt hier war. Denn er musste sicher auf Sheena getroffen sein, das würde auch ihre aufgeregte Stimme vorhin erklären. Spätestens jetzt hätte ihm klar werden müssen, dass Sheena einen Aufstand machen würde, doch er nahm diesen Gedanken nicht wahr und hoffte auf die Vernunft in seiner Tochter.
Beruhigt lief die Graue weiter. In gleichmäßigem Trab liefen Kensharion und sie nebeneinander her, hätte man sie von oben sehen können, so hätte man wahrscheinlich nur Kensharion richtig sehen können. In gleichmäßigem Tempo liefen sie dahin. Cumará betrachtete aufmerksam ihre Umgebung. Sie veränderte sich fast nicht. Nur manchmal stachen graue Felsen aus dem sonst schneeweißen Schnee heraus. Ihre Pfoten strichen leicht über den Schnee. War während sie geschlafen hatte, etwa nocheinmal Schnee gefallen? Sie schnupperte, ihre Ohren schwenkten von vorne nach hintern, von rechts nach links. Doch es gab eigentlich keine Geräusche, die sie hätte auffangen können. Nun setzte Cuma zu einem weitausgreifenden Galopp an. Man sah es ihr zwar nicht sofort an, doch unter ihrem, zur Zeit mageren Körper steckten Kräfte. Erstaunliche Kräfte. Natürlich, Kensharion war ein ausgezeichneter Läufer, doch Cumará stand ihm in nichts nach. Sie lächelte so, dass Kensharion es nicht sehen konnte. Das war eine Genugtuung. Er glaubte wahrscheinlich, dass sie sehr geschwächt war. Aber ein halbes Kaninchen war sehr viel für Cuma. Sie hätte zwar noch mehr essen können. Hätte. Sie hatte es aber nicht getan. Sie war dazu erzogen worden, nicht gierig zu essen. Nicht zu viel zu essen, sodass die anderen, die vielleicht noch Hunger hatten, oder noch mehr Hunger hatten als sie, sich sattfressen konnten. Cumará war also an kleinere Portionen gewöhnt. Die letzte Zeit hatte sie außerdem dazu gezwungen, sich bescheiden zu ernähren. Ihr Körper war sehniger geworden. Ihre Muskeln waren stärker. Sie war ausdauernder geworden, im Grunde genommen, hatte sich ihr Körper neu erfunden. Als sie so darüber nachdachte, immer noch sehr schnell laufend, erblickte sie in der Ferne dunkle Flecken.
Waren das etwa... andere Wölfe? Aufgeregt blickte sich Cuma zu Kensharion um.
"Kenshi-Kensharion- sieh!! Dort sind andere Wölfe! Ob sie uns eine Höhle zeigen können, in der wir übernachten können? Komm, schnell!"
rief sie ihrem Gefährten zu. Eigentlich kannte sie ihn erst so kurz. So kurz... und trotzdem war seine Anwesenheit ihr so vertraut, als ob sie schon Jahre lang nebeneinander hergelaufen waren... War das nun gut oder schlecht? Nun, im Moment wollte sich Cuma keine großen Gedanken darüber machen.
oO Um ehrlich zu sein... interessiert mich das gerade herzlich wenig...
dachte sie nur. Die Aussicht, neue, fremde... und vorallem lebendige ihres Gleichen kennen zu lernen, stellte alles in den Schatten. Nun waren sie nur noch etwa fünfzig Meter von den anderen Wölfen entfernt. Es waren nur zwei. Ein grau-weißer und ein grau-brauner Wolf mit weißem Bauchfell. Der eine Wolf- oder war es eine Fähe?- hatte sehr helle Augen. Es war der weiß-graue. Nun wurde Cumará langsamer. Sie achtete nicht groß auf Kensharion. Sie blickte nur auf die zwei Wölfe. Langsam, nun nur noch gehend trat sie näher. Nun war sie noch etwa fünf Meter von den zweien entfernt.
"Seit gegrüßt, ihre zwei! Wir kommen von weit her, und würden gerne eine Unterkunft für die Nacht bekommen... kennt ihr euch hier aus?"
Bei ihrer Begrüßung hatte sie kurz den Kopf gesenkt. Es war bei ihr so Brauch gewesen. Obwohl... bei Kensharion hatte sie nicht groß mit ihrem Kopf geschwenkt. Schon musste sie wieder lächeln. Sie schaute auf und sah den beiden in die Augen. Und nun erschrak sie.
Der eine Wolf war blind. Nein, es war eine Fähe. Nun sah Cuma es. Schreckliches Mitgleid ergriff die Graue. Warum war sie blind geblieben? Sie selbst war doch wieder gesund geworden...! Erstaun sah sie den anderen Wolf an.
"Habt ihr irgendein Rudel oder so? Ich meine..."
Jetzt musste sie lachen. 'Irgendein Rudel oder so', das klang wirklich bescheuert. Sie drehte sich langsam in die Richtung Kensharions. Sie grinste ihm verschmitzt zu.
"Ähm... also, das hier ist mein Freund, ich meine... Gefährte, Wegbegleiter... ihr könnte euch aussuchen, was er ist. Er heißt..."
sie schaute ihm auffordernd in die Augen. Womöglich würde sie seinen Stolz brechen, wenn sie ihn vorstellte. Kensharion war wirklich eigenartig. Und einzigartig. Sie grinste schon wieder. Konnte sie denn nie aufhören?! Doch Cumará konnte nicht auf ihre Fähigkeit böse sein. Sie hatte sie schon zu oft gerettet. Seelisch und körperlich. Nun blickte sie wieder zu den Wölfen. Sie war sehr gespannt. Wer waren sie? Was taten sie hier, in dieser Einöde? Sie hatte tausend andere Fragen. Und doch blieb sie ruhig und gab Kensharion ersteinmal Zeit, eventuell seinen Namen zu nennen.
oO 'Schatten der Finsternis'...
dachte Cuma nur, ein wenig spöttisch.
Ilias, nun wieder allein, durchstreifte die Gegend weiter nordwestlich von Sheena, ein Stück weit den See hoch. Seine Ohren lauschten, machten aber nichts ausfindig. . . Ebenso wie seine Augen. Nur riechen konnte er noch Sheena und,
0o Und zwei weitere Wölfe?
Ihr Vater musste angekommen sein, zusammen mit einem anderen Wolf.o0
Er bedauerte es ein wenig, dass Sheena nicht mit auf die Jagd gekommen ist, aber andererseits war es vielleicht auch gar nicht so schlecht über Sheena in Ruhe nach zu denken. Doch auch das mit der Ruhe konnte er jetzt streichen. Er wollte doch unbedingt ihren Vater kennen lernen und wenn er jetzt schon da war, wie sollte er ihn dann noch erwischen? Ilias tempo erhöhte sich.
0o Mach schnell Ilias o0
Sagt sein inneres Ich. Doch er witterte keine Beute und ohne erwas wollte er nicht zurück kommen, da ihn Sheen daraufhin wieder als schwächling abstempeln würde und ihr Vater somit ein schlechtes Bild von ihm hätte. Er versuchte einen klaren Kopf zu fassen und trank aus dem See. Kurz darauf stieg er einen kleinen Hügel hoch. Von dort aus hatte mein einen guten Überblick Wieder streckte er die Nase in die Luft und schnupperte. Tatsächlich, er witterte Beute.
0o Es müssten kleinere Beutetiere sein, etwa wie Kaninchen.o0
Er entdeckte den Erdbau, der Kaninchen, konnte zwei von ihnen Problemlos erlegen, sprintete trotzdem noch hinter einem dritten her. Auch dieses Kaninchen hatte er nach kurzer Zeit überwältigt. Sein Magen knurrte bei dem Anblick der Nahrung, sodass Ilias direkt anfing zu fressen. Er aß zwei von ihnen, transportierte den übrig gebliebenden in seinem Maul. Er machte sich auf den Weg zurück zu Sheena und ihrem Vater, und dem fremden Wolf, die er eben gerochen hatte. Endlich fühlte er sich satt, hatte Kraft und konnte so, den Weg in einem gutem Tempo hinter sich bringen. Während er auf dem Rückweg war, hatte er endlich Zeit gefunden, seine Gedanken auf Sheena zu konzentrieren.
0o Was finde ich nur an ihr so aufregend? o0
Ilias wusste nicht, was mit ihm los war. Noch nie hatte er so gemischte Gefühle für eine Fähe, oder überhaupt so viele Gefühle für einen sehr fremden Wolf gehabt. Er dachte an das Gespräch mit ihr und versuchte zu Verstehen, warum sie so war. Doch dafür wusste er einfach zu wenig von ihr. Er muss ihren Vater unbedingt treffen, zum einen um mehr über Sheena zu erfahren und zum anderen, wollte er eh wieder ein Rudel als Bezugspunkt haben und nich immmer alleine durch die Gegend streifen, obwohl er dies gern tat. Damit Ilias Sheenas Vater nicht verpassen würde, fing er fast an zu laufen, sodass er die wenigen Kilometer, die er sich von Sheena entfernt hatte, schnell überbrücken könnte. Endlich waren Sheena, und wie er schon vermutet hat, zwei weitere Wölfe in der ferne zu erkennen. Damit sie nicht erschraken bellte er kurz auf und lief dann weiter auf sie zu. Endlich angekommen, schmiss er den Kadaver des Kaninchens vor ihr und sagte:
"Tut mir leid, es ist nicht der Bär den du dir gewünscht hast und ich lebe auch noch, aber ich hoffe du Verzeihst mir und nimmst mein Friedensgeschenk an"
Augenblicklich waren die Ohren des Rüdens nach oben geschnellt bei den Worten der Fähe, deutlich zu schnell... und eine viel zu hoffnungsvolle Geste, wie sich der Rüde insgeheim ärgerte. Zugegebenermaßen fehlte ihm das Leben und die Gesellschaft eines Rudels, doch zugeben würde er dies auf keinen Fall, schon gar nicht sich selber. Als Einzelgänger zu leben war zwar nicht unbedingt angenehm, allerdings nahm es eine gewisse Last von seinen Schultern... doch ob dies als Grund ausreichte war fraglich.
"Zum Rudel gehören? Mal sehen... bloß nichts überstürzen."
Ein feines schnaufen begleitete seine Worte. Er ahnte schon worauf das hinauslaufen würde. Nachdem er erstmal mitgekommen war, gab er mit Sicherheit bald seinen Widerstand auf und schloss sich nach Möglichkeit dem Rudel an. Und anschließend würde mit Sicherheit wieder irgendetwas verdammt schiefgehen, so dass er erneut alles verlieren würde. Nun denn, wenn das sein Schicksal war...
Kurz hob er wieder seinen Blick, der bei den düsteren Gedanken abgeschweift war und musterte erneut die Fähe, die nun näher herangetreten war. Verwirrt stockten seine zuvor wieder in Bewegung geratenen Gedanken und er trat nun selbst noch einen Schritt näher, um sie genauer in Augenschein nehmen zu können. Ihre Augen... Auch diesen Gedankengang brach ab und der Kopf des Rüden ruckte schnell herum, als seine im Wind spielenden Ohren die Geräusche der beiden sich nähernden Wölfe eingefangen hatte. Warnend drang ein tiefes, drohend ansteigendes Grollen aus seiner Kehle in Richtung der Neuankömmlinge und er trat instinktiv einen Schritt vor die Fähe. Erst im Anschluss fiel ihm auf zu was für eine Handlung ihn sein Instinkt grade getrieben hatte.
oO Verflucht... na, zum Glück ist sie blind und hat das eben nicht gesehen. Oo
Die stärkeren Mitglieder eines Rudels schützen die schwächeren... manchmal hasste er seine Instinkte wirklich, besonders wenn sie ihm so wie jetzt dazu brachten etwas zu tun, worüber er sich noch nicht sicher war ob er dies wirklich wollte. Ganz abgesehen davon was für ein Bild sie beide nun abgaben und wie sie auf die beiden anderen Wölfe wirken mussten. Eine blinde Fähe und ein Rüde, dem ein klaffendes und leicht nach Verwesung riechendes Loch aus Narbengewebe in der Flanke prangte. Das musste ja wirken, als bestünde dieses Rudel nur aus Aussätzigen und Ausgestoßenen. Leise schnaubte der Rüde unwirsch, zum Teil um sich selbst dafür zu rügen das er schon wieder mit dem Gedanken gespielt hatte zu dem Rudel hier zu gehören, allerdings auch um den Redefluss der anderen Fähe zu stoppen.
"Frekur... alles weitere..."
Mitten im Satz brach der Rüde ab, trat wieder einige Schritte zurück und bedeutete den anderen beiden Wölfen mit einem leichten Kopfnicken sich an Kaede zu wenden. Schließlich hatte sie hier bedeutend mehr Mitspracherecht und Einfluss als er selber.
Aradis schaute aufmerksam zu den kleinen Welpen. Sie sprachen, wie Welpen sprachen, und Aradis Herz zog sich zusammen vor Freude. Sie lächelte. 'Araradis' würde jetzt natürlich Jakash suchen. Der kleine schwarze Welpe war es vermutlich.
"Shani, Rakshee, ihr anderen... ich werde jetzt zu Jakash gehen, und ihn euch wieder bringen. Shani..."
sagte sie und nickte zu Shani. Immer noch lächelnd. Sie schaute nocheinmal zu Rakshee und zwinkerte ihr kurz zu, dann trabte sie los. Doch sie kam nicht sehr weit. Sie war vielleicht dreißig oder vierzig Meter gelaufen, da hörte sie plötzlich eine kleine Stimme 'Papa?' rufen. Sie blieb stehen. Dann ging sie noch wenige Meter weiter- und sah den kleinen schwarzen Jakash. Er war tief in den Schne eingesunken. Er war mitten in einer Schneewehe gelandet. Aradis musste stark dagegen ankämpfen, nicht laut los zu prusten. Dieser kleine, tapsige Welpe war wirklich urkomisch. Sie lächelte ihn freundlich an.
"Na, Jakash? Wie ist du da denn reingekommen?"
fragte sie den Kleinen.
"Komm, ich helf dir raus... halt dich an meiner Nase fest!"
meinte die junge Fähe. Sie wollte ihn nicht am Genick packen. Obwohl sie das eigentlich hätte tun sollen. Sie streckte dem Schwarzen ihren Kopf entgegen. Ihre freundlichen grünen Augen blinzelten ihn an.
"So, komm jetzt. Und lass nicht los, sonst fällst du wieder runter, und der Schnee ist nicht nur neben und unter dir, sondern auch über dir!"
meinte sie schmunzelnd. Jakash war anscheinend im Schnee herum getollt, denn sein Fell war an manche Stellen schneebedeckt. Und plötzlich war er eingesunken. Als sie slebst noch ein kleiner Welpe war, war ihr genau das gleiche passiert. Sie war im Schnee herumgerannt, und hatte mit ihrer Schwester gespielt. Und dann war sie unter dem Schnee. Sie hatte geprustet, denn Schnee war in ihre Nase gekommen, zum Glück hatte ihre Schwester sie wieder herausgezogen.
"Übrigens vermisst dich deine Mutter. Und deine Schwestern natürlich auch. Ich soll dich wieder zu ihnen bringen; sie warten schon auf dich. Wenn du oben bist, kannst du auf meinen Rücken klettern und ich trage dich zur Höhle. Dann geht es, glaub ich, ein wenig schneller. Und noch einmal einsinken möchtest du doch nicht, oder?"
All diese Worte waren in wenig dumpf, da Aradis ihre Nase ein wenig in den Schnee gedrückt hatte, damit Jakash sich besser festhalten konnte. Sie wartete darauf, dass er auf ihre Nase kletterte. Man sah nun nur noch den Ansatz ihres Halses, und ihren Körper. Ihr Kopf war im Loch verschwunden.
Kaede hatte die anderen beiden Wölfe ebenso wie Frekur bemerkt und hatte sich mit schnippenden Ohren ein wenig umgedreht. Als die Fähe anfing zu sprechen, schnellte Frekur vor und stellte sich schräg vor sie. Also hatte er auch bemerkt, dass sie blind war. Natürlich war dies ja auch eigentlich nicht zu übersehen. Einerseits fühlte sie sich durch seine Geste tief berührt, es zeigte, dass er versuchte die Schwächeren zu schützen, allerdings kam nun wieder das Wort „die Schwächeren“ zum Vorschein und das gefiel Kaede ganz und gar nicht. Dass sie als so hilflos angesehen wurde, wo sie doch schon alleine den Weg hier hin gefunden hatte. Und doch wollte sie den Rüden nicht rügen und nickte ihm lächelnd zu.
„Dankeschön Frekur. Und nein, wir werden nichts überstürzen.“
Sie berührte ihn leicht mit ihrer Schnauze an der Schulter, ehe er wieder zurückgetreten war, vielleicht war es ihm nun doch etwas unangenehm, was er getan hatte. Doch nun sollte sie erst mal die anderen beiden Wölfe begrüßen, wobei der Rüde sich immer noch nicht vorgestellt hatte. Auch die Fähe hatte noch keinen Namen genannt, vielleicht hatte sie es vergessen. Sie lächelte auch ihnen beiden freundlich zu.
„Willkommen ihr beiden.“ Sie wand sich an die Fähe, die eben schon gesprochen hatte. „Wo du schon so viel gesagt hast, willst du mir vielleicht auch deinen Namen verraten? Ich bin Kaede und das hier neben mir ist Frekur. Und ja, ich kenne mich hier aus und wir haben auch irgendein Rudel“
Kaede grinste. Durch die kleine Pause, die zwischen der Rede der Fähe entstanden ist hatte sie bemerkt, dass ihr der Satz unangenehm gewesen war. Wahrscheinlich hatte sie nicht gewusst, wie sie es formulieren soll, doch sie machte sich nicht über sie lustig, das war ja nichts schlimmes, es amüsierte sie nur ein wenig und so hatte sie ihre Redewendung in einem lockeren und freundlichen Ton übernommen.
„Genau genommen lebt hier oben das Sternenwind Rudel. Ich bin die Beta in diesem Rudel. Doch sagt, was treibt euch hier hoch, natürlich nur, wenn ihr es mir erzählen wollt.“
Der letzte Satz, oder besser gesagt die Frage war auch wieder an Frekur gerichtet. Sie drehte sich so, dass die beiden ihr noch völlig unbekannten Wölfen zu ihrer Rechten standen und Frekur stand dicht, schräg links neben ihr. Sie fragte sich, was einen solchen Geruch an einem Wolf ausströmen konnte, wie sie es von Anfang an, an Frekur gerochen hatte, doch fand sie es unhöflich ihn direkt darauf anzusprechen und so ließ sie es bleiben. Vielleicht würde er es später einmal erzählen, vielleicht auch nicht. Sie spielte mit dem Gedanken, dass sie die drei wenn sie sich alle ein wenig ausgeruht hatten zur Rudelhöhle bringen würde, in der Hoffnung, dass sie Banshee dort antreffen würden.
Schon eine ganze Weile liefen schweigend nebeneinander her. Die Zeit verstrich so schnell, wie er es sich nie gedacht hätte. Sie hatten schon einen weiten Weg hinter sich gebracht, doch Kensharion war nicht müde und nicht erschöpft. Er war unermüdlich und verfügte über endlose Kraftreserven, die er jedoch verbarg. Jeder der ihn sehen würde, würde ihn für einen ganz normalen, wenn auch relativ großen Rüden halten. Äußerlich war er es auch, aber innerlich war er ein Bär, so stark genauso voller Energie. Während er so neben der Grauen lief, merkte er, dass auch sie eine gute Läuferin war. Dafür, dass sie so mager war, wie jetzt, war es doch eine außerordentliche Leistung. Sie hatte kein einziges Mal gesagt, dass sie sich ausruhen wollte und war sogar zwischendurch in einen flotten Galopp verfallen. Sie schien einfach nicht viel Nahrung zu brauchen, um bei Kräften zu bleiben. Er Kensharion war anders, er brauchte Nahrung, aber seine perfekte Jagdtechnik ermöglichte ihm auch, immer genug Nahrung zu Verfügung zu haben. Natürlich konnte er auch bei Hunger zurecht kommen, doch er brauchte es noch nie. Seine Ohren schnippten und seine glänzende Schnauze nahm alles wahr, was es in dieser kahlen Landschaft gab, es war nicht viel, aber dennoch gab es viele unterschiedliche Gerüche. Plötzlich stieg ihm aber auch ein anderer Geruch in die Schnauze. Die Witterung war wieder so bekannt und dennoch unbekannt, genau, wie es gewesen war, als er Cumarás Witterung vernommen hatte… Waren es etwa andere Wölfe? Ja, nun war er sich ganz sicher, es waren seines gleichen, immerhin körperlich glichen sie ihm.
Nach einer ganzen Weile erst, fing Cumará an zu sprechen. Sie hatte die Wölfe nun auch gewittert, oder besser, gesehen, denn sie erschienen schon als kleine Flecken am Horizont. Kenshi hatte sie früher gewittert als sie, denn seine Sinne waren so perfektioniert, wie es bei einem normalen Wolf unmöglich gewesen wäre. Er konnte sogar schon feststellen, dass es sich um einen Rüden und eine Fähe handelte. Als sie ihn aufforderte, schneller zu laufen, fing auch sie selber an, schneller zu laufen und Kensharion wunderte sich, wie schnell sie sein konnte. Sie kannte Wölfe nicht, aber man sah ihr an, dass sie wirklich außerordentlich schnell war. Zwar konnte sie ihn nicht übertreffen, aber vielleicht lag es auch nur daran, dass er größer war und längere Beine hatte, als sie und außerdem kräftiger, schließlich war er ein Rüde und sie eine Fähe. Doch jetzt war nicht die Zeit, Cumarás Laufkünste zu bewundern. Sein Blick wanderte zu den beiden Wölfen, während Cumará anfing zu sprechen. Sie begrüßte die Fremden freundlich, genauso, wie sie auch Kenshi begrüßt hatte. Der Schatten der Finsternis blickte die beiden Wölfe an und sah, dass eine von ihnen blind war, es war die Fähe. Sie tat ihm Leid und er musterte seine Weggefährtin, die auch schon einmal blind gewesen war, sie hatte es früher bemerkt als er. Nun merkte er auch, dass der fremde Rüde sich schützend vor die Blinde gestellt hatte. Sie kannten sich wohl schon länger, aber was für eine Beziehung die beiden verband, wusste der Schwarzen nicht. Wie immer, wenn er Fremden begegnete, stellte er sich dominierend vor sie und erhob stolz sein Haupt und seine Rute. Er knurrte nicht, wie der andere Rüde, denn er brauchte es nicht. Der Schatten war überzeugt, dass er überlegen war, zumal er auch ein ganzes Stück größer war, als der andere Rüde. Ihm entging der Geruch nicht, der von diesem Wolf auszugehen schien, doch er ignorierte es. Er lauschte mit einem Ohr den Worten der Grauen Fähe, die noch immer neben ihm stand, das andere war wie immer in die Ferne gerichtet und widmete sich den Geräuschen, die um sie herum ertönten und vielleicht auch welche, die die anderen Wölfe gar nicht mehr vernahmen. Seine Aufmerksamkeit glitt wieder zu Cumará, als sie gerade ihn vorstellen wollte. Doch bevor sie seinen Namen aussprach, zögerte sie und Kenshi verstand, dass sie es ihm überlassen wollte, sich vorzustellen. Sie hatte richtig gehandelt, denn schließlich hatte er selber sprechen.
“Mein Name ist Kensharion“
Sagte er mit gebieterischer und kühler Stimme. Man konnte nicht sagen, dass er unfreundlich sprach, misstrauisch würde vielleicht besser passen, denn nach alldem, was er nun erlebt hatte, war er etwas durcheinander. Während der Fremde Rüde etwas zurück trat, begann nun die Fremde Fähe zu sprechen. Kensharion lauschte ihren Worten aufmerksam und fand so einiges, was er nicht verstand.
.oO(Betawölfin? Was ist denn das?)
Er fragte nicht, denn er hatte das Gefühl, als wäre es etwas, was ein normaler Wolf wissen sollte. Nun gut, er war kein normaler Wolf, aber dennoch wollte er nicht zeigen, wie unwissend er war. Die Fähe gehörte also einem Rudel an, dass sich das Sternenwind Rudel nannte. Kensharion war sich nicht ganz sicher, ob er wirklich mit einem Rudel Wölfe leben wollte. Es war alles so fremd und ungewohnt! Was ist, wenn ihm das Leben um Rudel nicht gefallen würde? Was ist, wenn er durch seine Unwissenheit gar nicht in der Lage war, ein Leben im Rudel anzutreten?
“Was uns hierher treibt? Es ist eine lange Geschichte und ich bevorzuge, sie nicht jetzt zu erzählen“
Antwortete der Schatten der Finsternis knapp auf die Frage von der Blinden Fähe, die sich als Kaede vorgestellt hatte. Er redete nicht gerne, aber das mussten die anderen wohl so hinnehmen, wie es eben war. Der schwarze Rüde blickte wieder zu Cumará, die aufgefordert wurde, ihren Namen zu nennen. Vielleicht würde sie ihre Geschichte erzählen? Im Kensharion hatte sie sie mindestens erzählt, nur einen Teil, aber sie schien so, als würde sie schnell Vertrauen fassen. Vielleicht war diese Eigenschaft ja gar nicht so schlecht… Der Schatten hatte sie aber nicht und wusste nicht, ob er es bedauerte oder nicht. Schließlich sah er wieder zu den beiden Fremden und wartete auf Antworten. Sein Haupt und seine Rute waren noch immer stolz erhoben und seine Erschienung strahlte Selbstbewusstsein, aber auch Dominanz aus.
Mit einem freundlichen Gruß hatte der Rüde sich schließlich endgültig umgewendet und war in der Landschaft verschwunden. Nun konnte sie sich also ein wenig entspannen und sich darauf vorbereiten, dass ihr Papa eintreffen würde. Das einzige was sie an dieser Verabschiedung gestört hatte war das unvermeidliche Bis gleich.
oO Bis gleich, was bildet er sich denn ein? Merkt er denn nicht, dass ich nichts mit ihm zu tun haben will? Oo
Mürrisch wendete sie ihren Kopf zum See und trabte rasch an seinen Rand. Sie wollte noch ein paar Schlücke trinken, bevor Zack vor ihr stand. Sonst würde ihr Mund viel zu trocken werden. Während sie sich über die Schnauze leckte, nachdem sie den Kopf gehoben hatte und sich wieder umdrehte, trug der Wind ihr eine Witterung zu. Zack schien fast da zu sein, doch war da noch ein fremder Geruch, der ihr gar nicht gefiel. Sie schnellt herum, gerade als die beiden in Sichtweite traten. Ihr Nackenfell richtete sich auf, die Rute war wieder zwischen die Hinterpfoten geklemmt und wütend hatten sich ihre Lefzen hochgezogen. War Zack etwa so feige, dass er sich nicht alleine zu ihr traute? Als er anfing zu sprechen knurrte Sheena drohend.
oO Meine kleine Sheena? Was denkt er sich eigentlich?? Erst lässt er mich alleine und jetzt traut er sich nicht alleine zu kommen! Dabei weiß er wie ängstlich ich bin. Du hast doch wohl keine Angst junge Sheena. Du hast doch keine Angst! Das wäre ja jämmerlich, zeig ihnen, was passiert, sollten sie dir etwas tun, sie mögen dich nicht, niemand mag dich. Mach sie fertig. Nur ich mag dich, ich werde immer für dich da sein! Oo
Das Knurren verwandelte sich zu einem grollen und mit einem Satz sprang sie ein Stück nach vorne. Schnappte warnend in die Luft und spie einige böse, grollende Sätze aus.
„Von wegen deine kleine Sheena. Pass auf, wenn du so feige bist und nicht mal alleine zu deiner angeblichen Tochter kommen kannst, dann werde ich auch nicht zulassen, dass du an mich heran kommst. Ich weiß wozu ich fähig bin und wenn du nicht aufpasst haben wir hier gleich ein tolles Blutbad!“
Augenrollend und schnappend wich sie wieder zurück, ehe sie bemerkte, dass Ilias wieder gekommen war, doch leider aus der anderen Richtung, sodass dieser so genannte Urion und Zack nun vor ihr standen, Ilias sich aber von hinten näherte. Er hatte ein Kaninchen im Fang und warf es ihr zu, sprach ein paar gehässige Worte, die Sheena nur noch mehr auf die Palme brachten. Zusätzlich fühlte sie sich in die Enge getrieben, in ihr brach wieder diese panische Angst aus. Sie sprang so herum, dass sie beide Seiten aus den Augenwinkeln heraus betrachten konnte, die Ohren waren flach an den Kopf gepresst.
„Ich will dein scheiß Kaninchen nicht. Ich habe dir gesagt, dass ich keinen Hunger habe. Ich habe dir gesagt, dass ich nicht so ein scheiß verwöhntes Wölfchen bin wie du. Habe ich dir nicht auch gesagt oder zumindest gezeigt, dass du mich einen Dreck interessierst? Schade, dass du nicht auf einen Bären gestoßen bist, aber nein stattdessen hast du dir deinen verwöhnten Bauch voll geschlagen und bist auch noch zurückgekommen. Warum? Damit du Zack kennen lernen kannst? Meinen ach so tollen Vater, der nicht mal mein richtiger Vater ist? Der sich viel zu schade ist, der viel zu feige ist um alleine zu mir zu kommen? Weißt du, er ist auch so scheiße verwöhnt aufgewachsen wie du. Tut euch zusammen und lasst mich alleine! Ich will euch nicht hier haben. Ich hasse euch, euch beide.“
Sie setzte zu einem Sprung in Ilias Richtung an, stoppte aber auf halben Weg und knurrte ihn nur wütend an. Mit ihrer Pfote hatte sie kurz vor seiner Schnauze durch die Luft gehauen und sie bedauerte es stark, dass sie ihn nicht wenigstens ein bisschen berührt hatte. Dann drehte sie sich fauchend und knurren wieder in Zacks Richtung.
„Bist du taub oder was? Du bist ja immer noch da! Hau ab, verschwinde endlich!“
Nun bebte wieder ihr ganzer Körper, Speichel tropfte auf den Boden, ehe sie ihn von ihrer Schnauze schleckte, die Lefzen wieder in eine normale Position brachte und alles Kämpferische an ihr verschwand. Nun war sie wieder die panische Sheena. Ihre Ohren verschwanden fast schon in ihrem dicken, zerzaustem Fell, da sie sie so sehr an den Kopf presste. Der Körper schien fast zu zerbreche, so sehr zitterte sie und nun stand sie mit dem Hintern an den Felsen gepresst auf welchem sie gestanden hatte als sie Ilias erblickt hatte. Die Rute war fest zwischen die Hinterläufe geklemmt und ihr magerer Körper hatte sich noch kleiner gemacht.
„Ich will doch nicht, Papa... Papa! Ich wollte doch nicht... Sei mir nicht böse ja? Ich kann da doch nichts für... Papa bitte... Bitte Papa!“
Und dann mit einem panischen Seitenblick auf den Wolf neben ihrem Vater fing sie wieder an zu sprechen. Denn wenn ihr Vater einen Wolf mitbrachte würde er ihr wohl nichts tun oder.
„Hallo Urion...“
Ihr Verhalten war ihr peinlich, doch bevor sie weiterdenken konnte erschallte schon wieder diese ätzende Stimme in ihrem Kopf.
oO Nur weil dein komischer Papa einen Wolf mitbringt grüßt du ihn gleich, wer weiß was die beiden aushecken. Nun hast du dir schon wieder eine Blöße gegeben. Nun wissen sie, wie feige DU bist. Und nicht dein Vater, sondern DU! Oo
Cumará schnippte ungeduldig mit ihren Ohren. Warum musste Kensharion denn immer so kühl sein? Sie verdrehte die Augen ein wenig, drehte ihren Kopf jedoch zur Fähe, sodass Kensharion es nicht sehen konnte. Sie war immer freundlich. Sie konnte gar nicht anders. Es war etwas ... unterbewusstes. Sie schaute den beiden Wölfen freundlich ins Gesicht. Der eine Wolf, der Rüde, hatte sich vor die Fhe gestellt, und nun roch Cumará es. Ein schaler Geruch. Verwesend? Cuma ging nicht weiter auf den Geruch ein, der vom Rüden herströmte, ihm wäre es sicher unangenehm gewesen. Und so tat Cuma so, als hätte sie nichts bemerkt. Nun bemerkte sie auch, dass sie gar nicht ihren Namen genannt hatte. Sie holte es rasch nach.
"Oh, tut mir leid... ich war nur so froh, wieder andere Wölfe zu sehen, außer Kensharion hier habe ich seit Ewigkeiten niemanden mehr gesehen, und jetzt seit ihr plötzlich aufgetaucht und ich... oh, tut mir Leid, jetzt hätte ich schon wieder fast vergessen- ich heiße Cumará Tumaan. Ich komme aus einer sehr, sehr anderen Gegend. Sonnich und grün- viele Geräusche. Vögel zwitschern, Bächlein plätschern, Blätter rauschen, Kaninchen... oh nein. Ich kann einfach nicht aufhören, zu reden!"
meinte Cuma lachend. Ihr Wesen zeigte sich einmal wieder. Sie lachte den beiden Wölfen ins Gesicht. Dabei sah sie auch den Wolf neben sich an; Kenshi. Er stand aufrecht da, Brust raus und mit kühlem Blick musterte er die anderen. Sie stupste ihn kurz an und murmelte so leise dass sie anderen Wölfe es nicht verstehen konnten
"Kensharion, Schatten der Finsternis, kannst du bitte ein bisschen weniger kühl sein? Ich bin so froh, bitte... verdirb mir nicht die Freude."
Sie stupste ihn nocheinmal an. War es... liebevoll? Sie erschrak ein wenig. Hoffentlich war sie ihm nicht zu Nahe getreten.
oOMein Gott, soll er sich doch nicht so anstellen!
dachte sie nun. Ihre Geste war vermutlich wirklich liebevoll gewesen, doch Cumará hatte mal wieder frei heraus gehandelt, hatte also nicht lange nachgedacht. Nun wandte sie sich wieder an die anderen Wölfe.
"Seit ihr hungrig? Wie wäre es... wollen wir zu viert auf die Jagd gehen? Oder...geht das nicht, Kaede? Wie ist dein Name"
wandte sie sich nun an den anderen Wolf, deren Geruch sehr seltsam war.
"Zu meiner Geschichte... sie ist sehr lang. Ich würde jetzt gerne erst eine Unterkunft suchen. Wir sind ziemlich lange gelaufen. Ich bin noch nicht geschwächt, aber ich habe keine Lust auf einen Schneesturm. Gibt es hier überhaupt so etwas?
Kaede... wir haben was gemeinsam. Nicht nur du... bist blind. Ich war auch einmal blind."
die letzten Worte sprach sie ein wenig leiser aus, aber immer noch sehr warm.
Das Gesicht, dass da über ihm erschien, gehörte nicht seinem Vater. es gehörte auch nicht seiner Mutter, obwohl auch ihr Fell ganz weiss war. Nein, das war ganz gewiss nicht seine Mama! Jakashs Blick war zunächst verwirrt, dann freudig. Die Stimme der Weissen Fähe klang freundlich. Seine kleine Rute wedelte hin und her, und ein Schweif aus Schnee schien ihr jedesmal zu folgen.
"Gesprungen!",
antwortete er begeistert, als wäre müsste man stolz auf diese Fähigkeit sein - ws auch für das Einsinken zu gelten schien. Er grinste und das Grinsen wurde noch breiter, als die Weiße von seiner Mutter und seinen Geschwistern sprach.
"Ich war bei Papa! Da waren noch gaaaanz viele andere, und sie haben gespielt!",
verkündete er und unterbrach sich nur deshalb, weil er sich daran machte, auf Nase und Kopf der Fähe zu klettern. Das war nicht einfach, aber Jakash sah auch hierin ein Spiel, und es machte Spass! Als er endlich mühselig bei ihren Schultern angelangt war, gelang es ihm noch irgendwie, sich umzugrehen. Fast fiel er dabei herunter, und er musste der Fähe in ihr zotteliges Halsfell beissen, um sich festhalten zu können, aber er blieb letztendlich oben.
Dieses 'Oben' war für einen Welpen eine schier berauschende Höhe. Staunden betrachtete der kleine Schwarze die Welt aus dieser neuen Perspektive. Das sah aber alles komisch aus jetzt! Und die Erwachsenen kamen wirklich damit zurecht?!
"Papa,Papa! Guck mal, ich bin jetzt ganz grooooß!",
rief er zu seinem Vater herüber, als er diesen kommen sah, und posierte regelrecht auf dem Rücken der Weissen. Das war ja alles sooooooo toll!
Dann fiel ihm etwas ein und er sah zu der Fähe herunter.
"Ähm, wie heißt du eigentlich?"
06.01.2010, 14:01
Aradis lächelte bei seiner Frage, sie war völlig logisch. Sie hatte sich noch gar nicht vorgestellt. Als der Kleine sich in ihr Halsfell verbissen hatte, um nicht herunter zu fallen hatte sie nichteinmal gezuckt. Denn es war ja Winter und sie hatte sehr dickes Fell. Sie prustete und der Schnee fiel von iher Nase. Sie richtete sich wieder auf und wäre fast wieder ausgerutscht und wie Jakash ins Loch gefallen. Doch sie sprang schnell einen Schritt zurück, doch Jakash hielt sich gut fest und rutschte nicht ab. Jetzt fing er sogar an, auf ihrem Rücken herum zu tollen. Sie gluckste.
"Hey, halt dich fest,sonst fällst du nochmal fast runter!"
meinte sie schmunzelnd und drehte ihren Kopf zu Jakash.
"Mein Name ist Aradis. Aradis Zei Morad. Sag einfach Aradis zu mir, Zei Morad ist nur mein Nachname. Hast du auch einen Nachnamen? Nicht alle Wölfe haben einen... viele haben keinen. Die meisten Wölfe haben nur einen Namen. Halt dich fest, ich laufe jetzt zu deinem Vater. Möchtest du, dass ich dich in mein Maul nehme, oder möchtest du auf meinem Rücken bleiben? Beiss einfach in mein Halsfell. Dann musst du gut aufpassen, aber... du bist ja nicht schwach, oder? Gewinnst du beim Kämpfen oft gegen deine Geschwister?"
fragte sie nun. Sie war wirklich interessiert. Langsam setzte sie sich in Bewegung. Sie ging nicht schnell, so dass Jakash sich gut festhalten konnte. Sie setzte bedächtig einen Fuß vor den anderen. Sie kamen den anderen Wölfen immer näher. Oder sollte sie wieder zu Shani? Sie war ein wenig verwirrt. Sie war kurz stehen geblieben, doch dann ging sie wieder weiter.
"Wenn du dich richtig gut festhalten kannst, laufe ich jetzt schneller, Jakash!"
meinte Aradis zum kleinen Rüden. Und schon trabte sie los. Selbst wenn der Kleine herunterfallen würde, würde sie ihn entweder auffangen, oder er würde im weichen Pulverschnee landen. Das wäre ja auch nicht weiter tragisch. In einem weichen Trab lief sie weiter, ihre Pfoten berührten fast nicht den Schnee, so schnell hatte sie sie schon wieder gehoben. Wie lange war es her, dass sie auf dem Rücken eines anderen Wolfes getragen worden war? Sie waren noch wenige Meter von den anderen Wölfen entfernt, als sie wieder langsamer wurde. Der Schneestaub, der ein wenig aufgewirbelt war, war nun verschwunden. Hinter sich zog Aradis eine lange Schneise. Es schneite im Moment zum Glück nicht, und sie könnten wieder zurück zu Shani gehen, ohne allzu erfrieren zu müssen. Sie ging weiter, und wieder einmal betrachtete sie interessiert die Landschaft um sie herum. Es war weiß, weiß. Und der Himmel war grau, aber an manchen Stellen hellblau. So gerne würde sie sich jetzt in die Luft schwingen und einfach losfliegen... Aradis seufzte sehr leise, so dass Jakash es nicht hören konnte. War es wirklich so kurz her, dass sie sich mit Rasmús gestritten hatte? Die Zeit verging einfach so schnell, sie bemerkte es überhaupt nicht. Sie kamen den anderen immer näher...
Urion hob seinen Kopf. Nein, natürlich half es ihm nicht weiter, dass Zack sein Mitleid kund tat, aber trotzdem schenkte es dem grauen Rüden ein Gefühl, das er noch nicht kannte.
Ob Urion den Fluch wieder los werden konnte? Das war eine schwere Frage, die er selbst kaum beantworten konnte. Der Graupelz aus dem Norden blickte nachdenklich in die Ferne.
"Ich weiß es nicht, Zack. Ich habe nur davon gehört, dass ich ihn los werden kann, aber ich muss dafür wohl einen Tod sterben. Aber ob den körperlichen oder seelischen Tod... nein, dass weiß ich nicht."
Urion legte verstört seine Ohren an den Kopf, doch dann kam schon die nächste Frage, die die dunklen Gedanken ablenkte. Ah, Zack wollte wissen wieder Wanderer sich nannte. Vielleicht kannte er ihn ja selber. Welch Wunder wäre dies. Urions Rute pendelte sanft umher, als Zeichen, dass er sich halbwegs wohl fühlte... eine unbewusste Geste, die im Instinkt eines Wolfes verankert war.
"Der Wanderer nannte sich Marjogo. Ein wirklich sonderbarer Wolf."
Schweigend trabte Urion neben Zack her, berührte ihn immer mal wieder mit der Schulter, wie er es einst mit seinem Bruder machte, wenn sie über die großen Eisflächen rannten. Der Duft wurde stärker und der Graue etwas aufgeregter. Eine Fähe... Midnight Crash war die Letzte mit der er Kontakt hatte. Nein, die letzte Fähe hatte er umgebracht. Sein Fell stellte sich etwas auf, legte sich jedoch, weil Zack nun auf einen weißen Wolf deutete. Oh ha, das war also Sheena und Urion durfte sie sofort kennen lernen so wie sie war und das war gar nicht gut. Als sie völlig frei drehte, begann die junge Fähe ihr Leben zu riskieren.
o.O(Sie ist so wie du, so wie du.)
o.O(Aber sie doch nur Urion, wie sie deinen neuen Freund angeht. Denk an das Blut, welches aus ihr fließen wird! Blut... Blut... Blut..)
Urion hatte keine Kraft sich dagegen zu wehren. Es war ein einfacher Sieg für den Fluch, der sich über das Gesicht des Grauen ausbreitete, wie eine Gewitterwolke den Himmel verdeckte. Sie wetterte umher, wollte sogar angreifen und dann näherte sich noch ein fremder Wolf. Aus Urions Kehle kam ein dumpfes, aber noch leises Grollen. Ja, ein Blutbad würden sie gleich haben, wenn die Kleine so weiter machte und das tat die Fähe. Sie schürte den Zorn des Fluches, die Lust auf den roten süßen Saft. Und dann plötzlich glitt sie in die Opferrolle. Sie hatte unwissentlich alles falsch gemacht, was Sheena nur falsch machen konnte. der Jagdinstinkt war geweckt. Urions Hinterläufe waren leicht gespreizt, die Muskeln angespannt, das Fell gesträubt. Nun war das Grollen so laut wie der Donner, die Zähne blitzten aus dem weit geöffneten Fang. Das Gesicht des Grauen war so bösartig verzerrt, wie kein anderer Wolf es jemals hätte verzerren können und dann brach der Sturm los. Kaum, dass Sheena die Begrüßung ausgesprochen hatte, sprang Urion los, warf sie zu Boden und stand knurrend über ihr. Wieder würgte er Blut, knapp neben den Sheenas Körper tropfte es zu Boden. Grollend öffnete Urion weit sein Maul um Sheena den Gar auszumachen.
o.O(Zeig mir deine Kehle, zeig mir bitte deine Kehle! Dann kann selbst der Fluch nicht beißen.)
Gerade noch hatte sie sich über die Stimme in ihr geärgert und war froh, dass sie wieder etwas ruhiger geworden war, da schnellte der Rüde, welchen sie gerade erst begrüßt hatte auf sie zu und stieß sie brutal um. Ein Jaulen entwich ihrer Kehle, als sie hart auf dem Boden aufkam und ehe sie richtig gucken konnte stand der Rüde schon über ihr. Er spuckte Blut aus. Es landete dicht neben ihrem Kopf und sie blickte in seine Augen. Sie blickte in ein grotesk verzogenes Gesicht, was eher einer Maske glich. Sie blickte in die Hasserfüllten Augen, welche sie so böse anstarrten, dass sich ihr Herz zusammen krampfte. Dabei wusste sie gar nicht, was sie falsch gemacht hatte. Sie konnte doch nichts für ihr Verhalten, dafür konnte sie doch niemand einfach so anmachen. Aber vielleicht war der Wolf über ihr krank, er hatte schließlich auch Blut gespuckt. Aber vielleicht wollte er ihr auch einfach Angst machen, er wusste schließlich nicht wie verhängnisvoll es war, wenn man ihr Angst machte. Ihre Augen waren vor Schreck weit aufgerissen, noch lag sie durch den Rüden auf den Boden gepresst und das würde sie so schnell auch nicht ändern können. Ihr magerer Körper war viel zu schwach um sich hier irgendwie durch Kraft heraus zu bringen. Doch durch ihre Angst beflügelt musste sie es wenigstens irgendwie versuchen. Der kleine, dünne, fast zerbrechlich wirkende Körper spannte sich an, sie versuchte sich unter dem großen Rüden aufzubäumen, wollte nur noch flüchten. Was war denn los, warum geschah ihr denn heute schon wieder so viel Schlimmes? Verzweifelt versuchte sie weiter ihren Körper hochzustemmen, begann krampfartig zu zittern, da sie viel zu schwach war um irgendwie einen Kampf auszufechten. Mit einem letzten geschafften Aufbäumungsversuch brachte sie ihre Schnauze nah an die Kehle des Rüden heran und schnappte kurz vor der Haut dann enttäuscht mit den Zähnen zusammen. Ihre Kraft hatte nicht gereicht. Schon spürte sie, wie alle Kraft aus ihr wich. Sie hatte sich angestrengt, hatte doch alles versucht was in ihrer eingeschränkten Macht stand um sich zu befreien. Und doch hatte es nicht gereicht, Urion war einfach stärker, egal was sie machen würde. Sie sah und spürte, wie ein großes Schwarzes Loch auf sie zukam und ihr Körper sich ein letztes Mal anspannte, sich aufbäumte aber wieder nur gegen den Wolf stieß, welcher immer noch drohend über ihr stand. Dann erschlaffte ihr Körper, der Kopf fiel rücklings auf den Boden, schlug hart auf und so entblößte sie unbewusst ihre Kehle. Ihre Beine, mitsamt der dicken Pfoten klappten zur Seite und sie merkte, wie das Loch sich wie ein schwarzes Tuch über sie senkte. Es lullte sie ein und sie hatte nichts dagegen. Sie war so geschwächt und wollte einfach nur noch schlafen. Vielleicht würde sie dann aufwachen und merken, dass sie alles nur geträumt hatte. Ganz weit entfernt hörte sie noch die Stimme in ihr, welche brüllend, drohend und klagend auf sie einschrie. Sie wurde beschimpft und das erste mal in ihrem Leben störte es sie nicht. Gar nichts störte sie mehr, wenn der Wolf sie jetzt töten würde, würde sie es wenigstens nicht merken. Der schlimmste Gedanke hierbei war eigentlich nur, dass die andere Seite in ihr meinte, dass Zack diesen Wolf angeheuert hätte. Unbewusst rannen Tränen aus Sheenas Augenwinkeln, während sie bewusstlos unter Urion lag.
oO Warts nur ab kleine Sheena, du kannst nicht davon laufen. Du wirst wieder aufwachen, du wirst wieder in diese grausame, graue Welt zurück müssen und dann wird niemand mehr da sein der dir hilft. Niemand wird gut zu dir sein, überall wirst du verstoßen werden. Und das nur weil du so schwach bist, weil du einfach nichts kannst. Sheena . . . hör mir zu! Oo
Doch Sheena konnte gar nicht zu hören, unregelmäßig presste sie die Luft aus ihrem Brustkorb und pumpte wieder neue hinein. Ihr Herz raste in ihrer kleinen Brust und der Körper wurde von Krämpfen geschüttelt. Immer wieder stieß sie an den Körper des Rüden, sie selbst merkte jedoch nichts davon. Einzig ihr Kopf lag still, weit nach hinten gebogen, als würde er nicht zu ihrem Körper dazu gehören.
Ilias war entäuscht, er hätte nicht gedacht, dass Sheena immernoch so seien würde, hatte geglaubt, sie nehme das Friedensangebot an und wäre netter zu ihm.
0o Tja falsch gedacht Ilias, du musstest dich ja mal wieder blamieren und zur Sau machen lassen o0
Mit lauter Stimme sprach er zu ihr:
"Wie kannst du es wagen? Ich bemühe mich extra für dich ab, versuche dein inneres Ich zu verstehen, es zu besänftigen und du ziehst mich nur weiter in den Dreck? Was hat das ganze denn bitteschön mit verwöhnt zu tun, wenn man frisst? Wie ich aufgezogen wurde weisst du garnicht, sodass du das schonmal getrost hättest weglassen können! Ich weiss jetzt, dass ich dir einen Dreck bedeute, und tja tut mir leid, ein Bär war nicht da, und selbst wenn, hätte ich diesen erledigt, und dann hättest du jetzt kein so vorlautes Maul mehr."
Getrost hatte Ilias das mit ihrem Vater weggelassen, denn er hat sie vor Wut schon zu sehr angeschrien und hätte er ihren Vater erwähnt, würde sie noch beleidigter sein. Als sie sich dann bei ihrem Vater entschuldigte, nicht aber bei ihm, wand er sich ab und ging fort. Er wagte keinen Blick, er wollte kühl wirken und ihr nicht nocheinmal hinterher schauen, doch nach wenigen Minuten musste er sich einfach umdrehen. Etwas schien geschehen zu sein. Einer der fremden Wölfe, derjenige mit dem Namen Urion griff die kleine Fähe an und spuckte Blut
0o Das kann doch garnicht sein. Was passiert dort?
Ist das grad real oder ist das nur ein böser Gedankengang, der mir vorspielt, was ich mir grade für sie wünschen würde?o0
Dieser Gedanke hinderte Ilias daran zurück zu laufen und einzuschreiten, bis Sheena umfiel und sich nicht bewegte. Seine Miene verfinsterte sich, er zeigte Zähne, wurde sauer.
0o Das war kein böser Gedankenstreich, jemand versuchte wirklich Sheena umzubringen. Das hatte sie nicht verdient, ich mag sie doch eigentlich o0
Schnell rannte er die paar Meter, die er fortgegangen war, zurück, bis er vor Urion stand, biss ihn so fest er doch nur konnte, ließ ihn aber direkt wieder los.
"Was soll das? Was ist in dich gefahren? Was hat dir Sheena getan? "
Er blickte zu Sheena.
"Sheena, Sheena sag doch etwas, lebst du noch?"
Sein Herz raste, schneller als je zu vor, er wusste nicht, was gerade passiert und was er machen sollte.
Er wand sich an ihren Vater.
"Zack, du bist Sheenas Vater oder? Jetzt unternimm doch endlich was! Deine Tochter liegt bewusstlos unter einem gefährlichen Wolf"
Er versuchte noch halbwegs höflich zu klingen, was ihm unter diesen Umständen aber nicht einfach fiel.
Ilias blickte stürmisch umher, wusste nicht was er tun sollte.
0o Sheena, dir muss es wieder besser gehen, ich mag dich o0
Ilias war sich nicht sicher, ob er dieses gerade nur gedacht oder gesagt hatte, doch es war ihm nurn auch egal, er musste etwas unternehmen. Er atmete tief ein, und zählte beim ausatmen dann bis drei. Sein Herz raste nicht mehr ganz so und er konnte wieder etwas besser denken. . .
Urion hätte sich beruhigen können, er hätte losgelassen, denn Sheena schien diese Welt, wenn auch nur für einen Augenblick, verlassen zu haben. Ihre Kehle lag frei vor ihm. Nein! Selbst der Fluch konnte nicht beißen. Der verfluchte Graupelz legte resigniert die Ohren an, senkte den Kopf und schloss die Augen, während der Fluch sich zurück zog, doch dann verspürte er plötzlich einen stechenden Schmerz. Wer wagte es, in Götters Namen, ihn zu beißen! Da war er wieder. Vor Urions innerem Auge baute sich ein Wald auf, der durch einen langen Schatten verdunkelt wurde. An der Spitze schritt böse lächelnd der Fluch... schwarz wie die Nacht, glühend die roten Augen. Zitternd stand Urion frontal zu ihm, seine Beine gaben nach, er spürte die Dunkelheit, die sich wie ein schwarzes Tuch über ihn legte. Der Rüde fühlte seinen Körper schwer zu Boden fallen, aufgeschreckt flatterten Insekten in die Höhe, das Gras wippte umher.
Urion konnte sich einfach nicht mehr wehren, sodass er nun mit gesträubten Fell, weit hochgezogenen Lefzen und tiefem Grollen mit dem Rücken zu Illias stand. Er würde warten bis dieser wieder zurückkehren würde. Welch Qual ihn umher trieb. Urion war bei vollem Bewusstsein, während der Fluch in seinem Körper waltete. Zum ersten Mal spürte er diese Schmerzen, von denen er bis jetzt immer nur geträumt hatte. Illias kehrte zurück, nachdem er eindringlich auf Zack eingeredet hatte. Urion riss angespannt die Augen auf.
o.O(Bleib wo du bist!)
Urion wirbelte mit einem Satz herum. Kurz, nur ein paar Sekunden lang, war die schmerzhafte Qual über die Folter in seinem Gesicht zu lesen, dann war es wieder boshaft verzerrt. Der Fluch stürzte sich hasserfüllt auf Illias und verbiss sich fest in seiner Kehle, die er mit einem weiteren Biss zerfetzen könnte, doch Urion wollte das alles nicht. Er hatte seinen geliebten Bruder gesehen. In einer anderen Dimension stand er diesem verhassten Fluch gegenüber. In einem dunklen Raum, wo kein Leben existieren konnte. Die Wesen stürzten sich grollend aufeinander, bissen sich, kratzten sich, rissen sich Fell aus den Leibern. Die Anderen konnten nur Urion sehen, der aus heiterem Himmel blutende Wunden auf seinem zitternden Körper bekam, dem das Blut aus dem halb offenen Fang lief, der am liebsten laut schreien würde, wenn er könnte. In der anderen Dimension wurde Urion gerade durch diese dunkle Welt geschleudert, landete unsanft und regte sich kaum noch.
o.O(Kioku, geliebter Bruder. Wo bist du nur? Helfe mir bitte)
Der Fluch baute sich vor Urion auf. Eine große Pfote erhob sich und verpasste dem Graupelz einen deftigen Schlag in das Gesicht. Die langen Krallen rissen dem Rüden die linke Gesichtshälfte auf. Urion flog von Illias durch die Kraft des Schlages durch die Luft und landete direkt vor Zacks Pfoten. Schwummerig nahm er nur war, wie Kioku auftauchte, mit dem Fluch verschmolz und diesen zu fall brachte.
"Nein! Nein! Nein!!!!!!!!"
Urion schrie es laut aus. Sein Bruder war auf immer verloren. Nie würde er ihn in den Jagdgründen sehen, in dem Land, das man Himmelreich nannte. Dort, wo die Götter des Lichtes und des Lebens wohnten. Erschöpft, blutend, zerfleddert lag Urion schwer atmend auf dem Boden. Er konnte nicht mehr, wollte nicht mehr. Diese Leere in ihm machte ihn Angst.
"Zack, es ist... es ist... denke ich..."
Weiter kam Urion nicht, denn die Erschöpfung hatte überhand genommen.
o.O(Wasser...)
Bewegungsunfähig hatte er alles über sich ergehen lassen, er hatte zugehört, wie Sheena ihn beleidigte, es verletzte ihn schon ein wenig, aber er wusste ja, dass sie es nicht ganz so hart meinte, wie sie es jetzt ausdrückte und dass der Kern der aussage stimmte. Er blickte sie liebevoll an, als sie stammelte, dass sie doch alles gar nicht gewollt hatte. Als er sich kurz zu Urion umdrehte, sah er, dass Sheenas Ausbruch ihn völlig überrumpelt hatte. Der Fluch hatte sich anscheinend wieder über ihn gelegt. Und nun wendete sich das Blatt. Mit aufgerissenen Augen verfolgte er, wie Urion Sheena angriff, welche irgendwann bewegungslos, nein bewusstlos unter ihm lag. Der andere Wolf, den Sheena ebenfalls angemacht hatte sprang vor, gerade noch wollte Zack ihm zurufen, dass er sich nur in Lebensgefahr brachte, da war es schon passiert. Urion heulte unter dem Biss auf, wurde noch wütender und als Ilias auch ihn, Zack angebrüllt hatte und wieder zurück gelaufen war, fiel Urion ihn an. Zack konnte einfach nichts tun, wieso passierte das alles, er konnte doch nicht schon wieder eine geliebte Person verlieren. Er schüttelte sich, er wollte das alles vertreiben und doch ging es nicht.
Doch dann, ganz plötzlich, war es vorbei, Urion kam auf ihn zu gekrochen. Lag schwer verletzt vor ihm auf den Boden und murmelte nur einige Worte.
Wollte er ihm etwa sagen, dass er seinen Fluch losgeworden war? Die Aura um ihn herum hatte sich verändert. Doch nun mussten erstmal die Wunden versorgt werden, Sheena hatte keine Verletzungen, das sah er schnell, sie war wohl nur vor Erschöpfung zusammen gebrochen. Er stupste Urion liebevoll an und begann dann vorsichtig seine Wunden auszulecken. Als die gröbsten Blutungen gestillt waren, schob er Urion ein Stück vorwärts, sodass er problemlos an das Wasser heran kommen konnte, wenn er wollte. Leise wisperte er in Urions Ohr.
„Bist du deinen Fluch los? Deine Aura fühlt sich so anders an, so befreit.“ Lauter dann „Ich werde uns das Kaninchen erlegen, was dieser Rüde da vorne zerlegt hat, dann kannst du etwas davon essen, sowie Sheena ebenfalls.“
Er lächelte Urion noch mal liebevoll zu, ehe er sich zu Sheena drehte und diese leicht anstupste.
„Kleine Sheena... Wach auf...
Er beschmuste sie vorsichtig mit seinem Kopf, stupste sie immer wieder aufmunternd an und leckte ihr über den Kopf. Dann wendete er sich kurz von ihr ab, blickte den Rüden an und lächelte dann dankbar.
„ Sei gegrüßt. Es ist sehr lieb von dir, dass du etwas zu fressen mitgebracht hast, ebenso finde ich es sehr toll, dass du versuchst hast Urion von Sheena wegzubekommen, ich habe leider nicht schnell genug reagiert sonst hätte ich dich gewarnt, aber so ist es ja zum Glück gut ausgegangen. Hast du irgendwelche ernsthaften Verletzungen davon getragen?
Während er auf eine Antwort wartete zog er das immer noch am Boden liegende und noch leicht warme Kaninchen zu sich heran und riss einige Stücke hinaus. Es war nicht viel, aber es war auf jeden Fall besser als nichts. Nachdem er das Kaninchen in mehrere Teile zerlegt hatte, schlang er selber ein Stück hinunter nur um seinen knurrenden Magen zu beruhigen. Er blickte fragend zu dem Rüden und schob auch ihm noch ein kleines Stückchen hin. Nach einem Kampf war etwas zu essen immer gut. Den Rest nahm er mit seinem Maul auf und trug es erst zu Sheena und dann zu Urion. Den beiden gab er eine gleich große Portion.
„Iss ein wenig Urion, es wird dir gut tun! Ich schaue noch mal bei Sheena, aber komme gleich auch wieder zu dir.“
Er tappte zu Sheena, stupste sie abermals an und stemmte sie dann so hoch, dass er sie ebenfalls zum Wasser schieben konnte. Er legte sie vorsichtig neben Urion ab, aufpassend, dass die Pfoten ihn nicht irgendwie treten konnten, da ihr Körper sich immer noch ein wenig selbstständig und unkoordiniert bewegte. Er machte sich Sorgen um sie, nahm etwas Wasser in sein Maul und ließ es über ihre Schnauze laufen.
„Wach doch wieder auf Kleines. Ich weiß, dass du erschöpft bist, aber ausruhen kannst du dich auch, wenn du normal schläfst... Stärk dich erst einmal meine Kleine“
Sacht spielten und drehten sich die Ohren des Rüden im Wind, schnellten immer wieder herum, damit ihm auch ja nichts entging was um ihn herum geschah. Doch eines hatte er nicht kommen gesehen. Als hätte ihn ein Schlag getroffen oder wie wenn die blinde Wölfin an einer ansteckenden Krankheit litt war er ruckartig zurückgezuckt bei der kaum spürbaren Berührung.
oO Knapp... ganz knapp... Oo
Erschöpft fiel sein zuvor reflexartig aufgestellte Nackenfell wieder locker zurück, nachdem der erste Schreck verflogen war. Erst jetzt hatte er selbst bemerkt wie empfindlich er mittlerweile auf Nähe reagierte... nun gut, eventuell hätte er nicht so überreagiert, wenn die Berührung nicht so dicht neben dem ausufernden Gebilde aus sehnigen Narbengewebe gewesen wäre.
oO Dreck, was benehme ich mich weichlich! Oo
Erneut klang ein leises Grollen in seiner Kehle an, wenn auch unbestimmt und nicht unbedingt als Drohung oder Warnung aufzufassen, eher als unterbewusster Ausdruck seines Missfallens bezüglich dieser Situation. Noch einige Schritte trat er zurück, um sich scheinbar desinteressiert niederzuhocken und sich damit zu beginnen sich über seine Pfoten zu lecken. Er war den Umgang mit anderen Wölfen einfach nicht mehr gewöhnt, zudem war er hier definitiv in der Unterzahl was Wölfe betraf denen er vertrauen konnte... genauer gesagt war er selbst der einzige hier, der ihm nicht sonderlich suspekt war. Alle anderen der Anwesenden hatten zumindest eine Eigenschaft aufzuweisen, die ihm auf den ersten Blick unangenehm auffiel, auch wenn dies nicht sonderlich viel bedeutete. Schließlich war er bisher kaum einem seiner Artgenossen begegnet, der nicht irgendeinen Zug an sich gehabt hatte wegen dem er sich am liebsten sofort wieder abgewandt hätte, um wieder dahin zu gehen wo er hergekommen war.
Beginnend bei dem Wortschwall der ihm von der fremden Fähe entgegenströmte und den er fast augenblicklich mit dem Bild eines rasend schnell strömenden Baches verglich, von dem jeder der so töricht war das sichere Ufer zu verlassen hinfortgespült wurde. Fortgeführt wurde dies noch vom Verhalten des fremden Rüdens, wobei ihm bei diesen seine knappen und unmissverständlichen Aussagen sogar noch gefallen könnten. Nun ja, allerdings wurde dieser aufkommende Funke der Gemeinsamkeit schnell von seiner Stimmlage erstickt wurde. Ein Schneesturm war nichts dagegen, auch wenn man von diesem zumindest erwarten konnte das er sich nicht für allzu wichtig hielt. Und zu guter Letzt war da auch noch die Beta zur erwähnen, die ihm zwar nicht durch ihre Art, sondern eher durch seine gezogenen Schlüsse als nicht sonderlich vertrauenswürdig schien. Zwar wirkte sie vergleichsweise freundlich, doch wie eine durch ihre Blindheit derart körperlich beeinträchtigte Wölfin es schaffen konnte, einen solch hohen Rang im Rudel zu bekleiden machte ihm dann doch Sorgen. Wie schon einige Male zuvor wurde er wieder aus seinen trüben Gedanken gerissen, nur um die Fähe, die sich als Cumará Tumaan vorgestellt hatte verständnislos zu mustern. Meinte sie tatsächlich ihn...? Nur mit Mühe konnte er sich einen recht bissigen Kommentar dazu verkneifen, ob die Fähe nicht doch eher zuvor taub war.
"Nun... wie bereits erwähnt ist mir der Name Frekur gegeben."
Kurz ruckte sein Kopf herüber zu Kaede, um dann wieder ein Stück weit abzuweichen und über die beiden anderen Wölfe zu streichen.
"Vergangenes... vor allem die Suche nach Einsamkeit, was eine Weile ganz gut geklappt hat."
Die letzten Worte lies der Rüde in einem leisen schnauben ausklingen, aus dem man jedoch nicht schließen konnte ob er nun die momentane Entwicklung bedauerte oder nicht. Nun ja, zumindest waren sowohl der als Kensharion benannte Rüde, wie auch die Fähe die sich als Cumará Tumaan vorgestellt hatte bisher nicht so indiskret gewesen die ausufernde, große Teile seiner rechten Flanke bedeckende Narbe anzustarren oder ihn darauf anzusprechen, auch wenn sie diese mittlerweile mit Sicherheit entdeckt haben müssten.
Ilias verstand nichts mehr, sein Herz raste immer noch und er war der Ohnmacht nahe. Tief atmete er ein und wieder aus, wiederholte dies ein paar mal, sodass er wieder Reden konnte.
"Mir geht es gut soweit! Mit geht es gut. Ich bin noch etwas wackelig auf den Beinen, aber das liegt eher am Schock."
Dann wurde seine Stimmer lauter und aggresiver, denn er war wütend, dass er nichts dagegen getan hat:
"Aber wieso zur Hölle hast du nicht Unternommen, wo Sheena doch deine Tochter ist? Und jetzt bemitleidigst du diesen Wolf hier mehr als deine Tochter? Was ist los? Wer ist er?"
Verachtend knurrte er den Wolf, der nun K.O. auf dem Boden lag an. Sein Gehirn rekonstruierte was geschehen war, und ein Gedanke von dem Geschehenen, schoss ihm immer wieder durch den Kopf und ließ ihn nicht mehr los:
o0 Fluch? Hatte er da eben in dem Flüstern das Wort Fluch gehört? War Urion verflucht gewesen, war er desshalb so bessesen gewesen Sheena zu zerfleischen? 0o
Fragend blickte er Zack an und wunderte sich, dass dieser keine Antwort gab, bis Ilias endlich merkte, dass er das Gedachte noch nicht ausgesprochen hatte.
"Was hat das ganze mit dem Fluch auf sich? Du bist mir einige Antworten schuldig!"
Während er dieses sagte, nahm er das Stück Kaninchen, was ihm Zack gegeben hatte, legte es zu Sheena und stubste sie vorsichtig an.
o0 Sheena, liebste Sheena, wach wieder auf, es ist alles vorbei, du hast das schlimmste Überstanden 0o
Er wagte einen Blick auf Urion, mussterte diesesn kurz und konnte nicht verstehen, wieso er das eben getan hat. Und was er von der Sache mit dem Fluch halten sollte, wusste er sowieso nicht.
Wieder drehte er sich zu Zack.
"Nun rede endlich!"
Die dürre Wölfin hatte die Nase gerümpft als der Schwarze sich einfach ihrer Näherung wiedersetzt hatte, aber sie sagte nichts. Noch nicht. Erst sollte er ihr Fleisch besorgen, wie es sich für Männer gehörte. Sie nickte bloß schnippisch, drehte die Ohren zurück. Nichts versprechen, pfff. Das war aber kein guter Spruch, wirklich nicht. Als er dann noch anfing seinen Kopf zu senken und seinen Hals zu verrenken zog sie mit zerknirschtem Blick die Leftzen schräg. Sowas albernes!
Als er seinen Namen nannte nickte sie bloß wieder, und reckte ihren Kopf in die Höhe. Fleisch, jetzt! schien in ihren Augen zu stehen, aber sie lies sich dennoch zu einer Antwort herab.
"Gut. Mich darfst du Nevide nennen"
klang es arrogant zu ihm herüber, und sie nickt abermals, nun jedoch mehr für sich selbst. Immerhin konnte er jagen. Nevides Blick veränderte sich nicht, und mit abwertend-arroganten Augen sah sie der schwarzen Fähe entgegen, die zu ihnen trat.
"Hallo"
war alles, was sie ihr zur antwort gab, ehe sie Face wieder einen auffordernden Blick zuwarf.
Grinsend und dabei seufzend blickte Kaede in die Runde. Jetzt hatte sie eine komische Truppe um sich herum, der erste Rüde, der sich eben noch beschützerisch vor sie gestellt hatte, wich nun zurück, nachdem sie ihn berührt hatte. Wahrscheinlich mochte er dies nicht, doch Kaede konnte nicht anders, schließlich war ihr das sehen genommen worden, so brauchte sie wenigstens die Bestätigung des Fühlens. Die Fähe gegenüber von ihr war entweder so aufgeregt, dass sie überhört hatte, dass sie den Namen des Rüden schon genannt hatte oder, sie wusste auch nicht woran es sonst liegen konnte, denn taub konnte sie schließlich nicht sein. Auf jeden Fall schien sie ebenso gerne zu reden wie sie selbst. Dieser Gedanke brachte ein frohes Lächeln auf ihre Lefzen. Und der zweite Rüde, welcher sich als Kensharion vorgestellt hatte kam ihr ziemlich arrogant und kühl vor. Doch sie wollte nicht zu voreilig alle irgendwie bewerten, so nickte sie ihnen nur abermals zu.
„Nun gut, dann sollten wir uns vielleicht auf den Weg machen. Ich als Beta habe die Aufgabe euch zu meiner Alpha zu bringen, schließlich hat sie zu entscheiden wie alles weitere verläuft, auch wenn ich ebenfalls ein hohes Ansehen genieße, steht sie doch noch deutlich über mir. Ich hoffe ihr seid alle ohne böse Absichten hierher gekommen, wie auch immer es euch nach hier oben verschlagen hat. Und ich hoffe ihr denkt nicht, dass ihr mich irgendwie, nur weil ich blind bin, übers Ohr hauen könnt.“
Mit dem letzten Satz war ihre Stimme etwas härter geworden, sie wollte nur einmal klar stellen, dass auch wenn sie durch ihren fehlenden Sinn eingeschränkt war, nicht völlig hilflos war.
oO Aber zu hilflos...
Sie wand sich nun an die Fähe, welche sich mit dem Namen Cumara vorgestellt hatte. Ihre Worte hatten ihr Interesse geweckt. Wie konnte es sein, dass diese Fähe blind war und nun wieder sehen konnte? Es wäre ein schlechter Scherz gewesen, wenn sie ihre Welpenblindheit gemeint hatte und sie hoffte einfach, dass die Fähe nicht so war, dass sie einen solchen Scherz einer Blinden ins Gesicht schleudern würde.
„Du warst auch einmal blind, Cumara? Wieso bist du es nicht mehr? Wenn ich fragen darf... Wie lange warst du blind? Und, warum, und...“
Sie verstummte, hoffte das Cumara antworten würde, in ihr glimmte ein Fünkchen Hoffnung auf ein wieder farbenfroheres Leben, doch verbot sie sich diesen Gedanken gleich wieder, da sie doch eigentlich wusste, dass es nicht ging, es war ein Ding der Unmöglichkeit. Das sollte sie nie vergessen.
Urion spürte dankend Zacks Zunge, die über seine Wunde leckte, spürte schon bald das kühle Nass des Bergsees und trank zögerlich etwas. Es tat dem geschändeten Körper gut. Der Graue fühlte regelrecht das Wasser, das seine trockene Kehle herunter rann. Langsam öffneten sich seine grünen Seelenspiegel, die auf Sheena gerichtet waren. Die junge Fähe tat ihm leid, hoffentlich würde sie wieder zu Bewusstsein kommen. Das hatte der Graupelz nicht gewollt, wahrlich nicht. Betrachtete man Urion so, wie er da lag, schien sein Körper zu sehend zu altern. Der Fremde aus dem Norden war zwar so schon nicht mehr der Jüngste, jedoch durchzogen nun überwiegend weiße Strähnen sein zotteliges Fell. Würden Wölfe Falten bekommen, hätte er einige in seinem Gesicht. Zack richtete seine sanfte Stimme an ihn. Mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen richtete er seine müden Augen auf ihn.
“Ja, es ist ausgestanden lieber Zack. Ich bin frei, ich bin ein König.“
Urion leckte sich über den Fang. Seine Stimme klang schrecklich rau, als wäre er drei Jahre lang durch ein Salzmeer geschwommen. Der Duft des anderen Rüden drang Urion in die Nase, aber er hatte keine Kraft sich nun auch noch um diesen zu kümmern.
Viel lieber biss er in das Stück Kaninchenfleisch und konnte nun endlich genießen ohne Angst vor einen Blutrausch zu haben. Der Rüde zerkaute die Beute nicht mal, sondern schlang gierig bis zum letzten Fetzen. Langsam erhob sich der Wolf und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Die eingerosteten Gelenke, die das krumme Laufen gewöhnt waren, knackten etwas. Urion schüttelte sich kurz und wollte nach Sheena sehen, als er die unbedachten Worte Ilias vernahm. Eigentlich würde er jetzt vollkommen ausrasten, doch sattdessen blieb Urion kurz stehen, dann drehte er sich um und blickte dem jungen Rüden fest in die Seelenspiegel.
o.O(Er kann es ja nicht wissen, er mag die kleine Sheena. Kein Wunder, dass er Angst um sie hat.)
Bedächtig schritt Urion auf Ilias zu um kurz vor ihm stehen zu bleiben.
“Ich kenne deinen Namen nicht, Fremder, der ich auch bin. Mir tut es selber leid, was geschehen ist, doch habe ich nicht minder gelitten.“
Der Graupelz wollte wieder gehen, als er sich noch mal umdrehte.
“Du weißt nichts über meine Geschichte, du weißt nichts über Zacks und Sheenas Geschichte, also halte dich bitte mit vorschnellen Urteilen zurück. Lass dir doch lieber die Dinge aus zwei verschiedenen Blickwinkeln erzählen und dann bilde dir deine eigene Meinung.“
Nun ging er wirklich zu Sheena und berührte sie kurz mit seiner Schnauze, dann war sie nicht weiter von Interesse für ihn. Er musste erst lernen für jemanden Gefühle zu hegen. Bei Zack hatte es schon geklappt. Urion gähnte etwas, dann setzte er sich vor den See und starrte in den Himmel. Seine Rute lag locker an seinen Keulen, die Vorderläufe waren leicht gespreizt.
o.O(Danke Kioku, danke mein liebster Bruder. Ich werde dich vermissen, aber ich weiß, dass du trotzdem bei mir bist. Sogar ganz in der Nähe, näher als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Ich bin doch nicht umsonst in Zacks Arme gelaufen.)
Der Nordwolf senkte leicht den Kopf, lächelte mit den Augen, jedoch konnte das leider kein Anderer sehen.
Urion beschloss endlich das Leben zu führen, wie er es sich immer gewünscht hatte, jedoch nicht als Wanderer. Nicht noch mal. Zu Erzählen würde er genug wissen, würde die Welpenschar vor seinen Pfoten versammelt sehen, wenn die Nachtscheibe mit ihren Kindern den Nachthimmel erhellte. Urion würde seine raue und doch angenehme Stimme erheben um zu Berichten von anderen Rudeln, Ländern, Welten und vor allem von seiner eisigen Heimat aus dem nördlichsten Norden, wo trotz der Kälte das Leben Einzug gehalten hatte. Als der Rüde seine geschlossenen Augen öffnete, sah er alles nur noch verschwommen, denn der scheinbar älter gewordene Wolf weinte vor Erleichterung. Vor Glück endlich allein diesen Körper zu beherrschen. Kurzerhand reckte Urion die Schnauze gen Himmel, öffnete den Fang und sang ein altes Lied, welches in seinem Rudel von Alpha zu Sohn weitergetragen wurde.
“Wenn ich diesen Herzschlag hör’
Geht es Hand in Hand
Und werf die Fesseln
In den weißen Sand
Schlag an die Trommel
Tanz zum hellen Mond
Für Ewigkeiten
Hat es sich gelohnt
Niemand hat in dir einen Gott gesehen.
Niemand hat in dir einen Gott gesehen.
Komm her zu mir und hör mir zu
In diesem Licht stehst nicht nur du
Komm her zu mir und sieh mich an
Durch dieses Licht ziehst du mich
In deinen Bann
Wenn du zum Augenblick
Die Zeit verpasst
Hast es nie verwunden
Wozu die Hast?
Spür ich deinen Herzschlag
Geht es Hand in Hand
Und werf die Fesseln
In den weißen Sand.“
Zack lächelte dem aufgeregten Rüden müde zu. Es schien als ob dieser Wolf seine Sheena mehr mochte. Natürlich durfte er sich Sorgen machen, doch wie Urion nun schon zu ihm gesagt hatte, sollte er erstmal wissen wie die Dinge lagen bevor er irgendwelche wütenden Reden schwang. Zack drehte sich also zu ihm um und blickte ihn lange und nachdenklich an ehe er seinen Fang öffnete.
„Mein Lieber, was hätte ich denn tun sollen? Hätte ich mich auch noch verletzen lassen sollen? Dann wären wir nun alle kaum in der Lage irgendetwas zu tun. Und genutzt hätte es doch nichts. Man muss die Dinge erst abwägen bevor man in das Geschehen eingreift. Doch du bist da wahrscheinlich noch etwas zu jung für. Lerne, so zu handeln wie es richtig ist, denke vorher nach. Ein unbewusstes handeln kann eher mehr schaden als retten. Ich denke nicht, dass es dich etwas angeht über den Fluch bescheid zu wissen. Vor allem wird es dir auch nicht weiter helfen. Es ist nicht meine Geschichte ich kann nicht einfach mit ihr umher schmeißen wie es mir beliebt. Wenn Urion es nicht erzählen möchte, dann erzählt er es auch nicht. Und nun beruhige dich erst einmal wieder und iss das Stück Fleisch was ich dir hingeschoben habe. Ich kenne Sheena gut genug, da sie jetzt noch am leben ist wird sie wieder aufwachen, sie ist keine schwache Fähe. Und essen wird sie sowieso nicht so viel, also nimm endlich.“
Nach so einer langen Rede seufzte Zack erst einmal auf und ließ seine Schnauze in das kühle Wasser gleiten. Er trank ruhig und besonnen einige Schlücke des kühlen Nass. Als er seine Schnauze hob, lächelte er Urion liebevoll zu, ehe er die Tropfen aus seinem Pelz leckte. Er freute sich, dass Urion es überstanden hatte und er war sich sicher, dass Sheena im Leid tat. Das merkte er auch schnell, als Urion sie kurz berührte, sich dann aber brüsk umwand. Er wusste wahrscheinlich einfach noch nichts mit Gefühlen anzufangen. Das hatte er ihm doch erzählt. Er kannte doch die meisten schönen Worte gar nicht. Zack schloss kurz die Augen, als Urion anfing ein schönes Lied zu heulen, dann wand er sich wieder zu Sheena, tappte zu ihr und legte sich dicht neben sie. Er schob ihre Schnauze mit der seinen auf seine Pfote und schmiegte dann seinen Kopf dicht an ihren Pelz. Wahrscheinlich würde Sheena, wenn sie wieder genügend Kräfte gesammelt hatte sich darüber empören, aber sicher liegen bleiben, denn eigentlich war sie eine so verschmuste Fähe. Und nun wusste sie hoffentlich auch, dass diese beiden Rüden ihr nichts tun würden. Er hoffte einfach, dass sie ruhig bleiben würde, denn er war geschafft, er hatte nicht viel getan und trotzdem war er geschafft und hatte keine Lust auf ein weiteres Theater der kleinen und manchmal hysterischen Fähe. Aus dem Augenwinkel betrachtete er den anderen Rüden, er schien gar nicht so viel jünger als er selber zu sein, vielleicht in Sheenas Alter. Das würde heißen sie trennte nur ein kleines Jahr. Schließlich war er als Vater nicht viel älter als Sheena seine Tochter. Urion war sicher der älteste hier, doch das war ja kein Problem, schließlich hatte Alter nicht viel zu bedeuten, wenn man erstmal zu den Erwachsenen Wölfen gezählt wurde. Und doch hatte er gemerkt wie viel reifer sein Verhalten im Gegensatz zu dem von dem fremden Rüden war. Wie hieß er gleich noch mal? Hatte er den Namen überhaupt gehört? Blinzelnd hob er vorsichtig den Kopf, blickte zu ihm herüber.
„Ich weiß nicht, ob ich es irgendwie überhört habe oder hast du dich noch gar nicht vorgestellt? Unsere Namen müsstest du ja nun wissen, aber ruhig noch einmal. Ich bin Zack, Sheenas Vater und das dort ist mein Freund Urion. Und Sheena selbst, kennst du ja anscheinend schon“
Aller er Urion Namen genannt hatte, hatte er mit der Schnauze auf ihn gezeigt, nun legte er seinen Kopf wieder sanft an Sheenas Pelz und blinzelte aber zu dem ihm noch unbekannten Wolf hinüber. Er hoffte, dass er seinen Namen noch nicht genannt hatte sonst war diese Frage sehr unhöflich, aber in einer solchen Situation durfte es gewiss einmal passieren, dass man nicht alles mitbekam
31.10.2010, 14:45
Das schwarze Tuch, welches sich über Sheena gelegt hatte, schirmte sie zwar vor dem Rest der aktuellen Welt ab, jedoch hinderte es ihr Unterbewusstsein nicht daran, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen.
oO Sanft berührt eine Schnauze die kleine Welpin, ihre Mutter ist es, welche sie dazu auffordert noch etwas Geduld zu haben, bevor sie endlich die Welpenhöhle verlassen durfte. Dabei war die Kleine doch so gespannt auf die Welt da draußen, auf ihren Namen, welchen sie nun, wie alle großen Wölfe als sie klein waren, bekommen würde. Außerdem war es echt langweilig die ganze Zeit in dieser blöden Höhle eingesperrt zu sein...
Du bekommst den Namen Sheena.
Vorsichtig erkundigten ihre Pfoten den Weg, welchen sie entlang trabte. So weit war sie noch nie von ihren Eltern entfernt gewesen, doch ihre beiden Brüder tobten sowieso nur immer durch die Gegend, das war ihr viel zu viel. Lieber erkundete sie die Gegend, sie wollte doch so vieles lernen. Außerdem war die Freude auf das Wiedersehen und das Kuscheln mit ihren Eltern viel größer, wenn sie etwas besonders aufregendes und Neues kennen gelernt hatte. Dann konnte sie nämlich von ihren abenteuerlichen Erlebnissen erzählen, während sie an ihre Eltern geschmiegt war. Hanako und Hidoi. Oo
Die dunklen Erinnerungen, welche wie Schatten, wie Gewitterwolken zwischen den schönen Erlebnissen lagen wurden vorgespult, nichts davon wollte ihr Unterbewusstsein ihr nun in diesem Zustand antun. Als ob das böse, zweite sie nur zum Vorschein kam, wenn sie wirklich wach war. Vielleicht musste sie einfach mehr schlafen? Auf jeden Fall entspannte sich ihr Körper völlig, als sie all die schönen Momente vor Augen geführt bekam. Sie spürte zwar nicht, dass Ilias sie anstupste, ja sogar Urion zu ihr kam und auch nicht wie Zack sich an sie schmiegte, aber ihr Unterbewusstsein spülte eine wohlige Wärme durch ihren Körper.
oO Neyla und Zack, was für eine schönes Paar sie doch waren. Neugierig war sie damals aus dem Gebüsch gekrochen, hatte ihre Angst überwunden und sich mit den beiden angefreundet. Sie wurden ihre neuen Eltern.„ Du bist so ein süßer, kleiner, junger Wolf, wir wollen immer für dich da sein“
Freudig hatten sie zusammen gelebt, waren eine kleine Einheit gewesen, immer für einander da, auch bei der Reise nach hier oben . . . Oo
Und da sollten die schönen Erinnerungen schon enden? Nein, eine gab es noch, bevor sie erfahren hatte, dass ihre Mama gestorben war, ein Gespräch mit Banshee.
oO „Du bist etwas besonderes Sheena“ Oo
Und, war sie das wirklich? Sie wusste es nicht, doch langsam merkte sie, wie der dunkle Schleier sich lichtete, wie die Wolken sich von ihrem benebelten Geist verzogen und sie sanft in das Jetzt gezogen wurde. Doch wollte sie das überhaupt? War es in ihren schönen Erinnerungen schwelgend nicht viel angenehmer gewesen als hier, in der tristen Schneelandschaft in der sie sowieso kein Glück und keine Freude erwartete?
Zu gerne wollte sie wieder zurück gleiten, in die Erinnerungen, welche sie in einer Rosa Welt erlebte. Doch anscheinend war ihr dies nicht möglich, denn immer näher kam sie der kalte, grauen Welt, welche sie vor nicht allzu langer Zeit so erschöpft verlassen hatte. Sie spürte nun bereits den matschigen Schnee unter sich und sie spürte ebenfalls . . . einen warmen Körper an ihrer Seite, welcher den Geruch von Zack trug. Was war denn geschehen? Warum lag er hier neben ihr und strahlte so eine Besorgnis aus? Und warum roch es hier so lecker nach etwas zu essen? Blinzelnd schlug sie nun die Augen auf und erblickte zuerst undeutlich, doch dann immer besser sehend die Umgebung. Direkt vor ihr lag etwas Fleisch, welches zwar schon erkaltet war, sie aber sicher noch stärken würde. Dann ein Stück weiter war schon das Wasser des kalten Sees, welches sicher auch seinen Teil zu ihrer Belebung dazu helfen würde. Wendete sie den Kopf etwas sah sie einen ihr fremden Rüden, welcher ein Lied heulte. Und blickte sie über Zacks Rücken hinweg war da ebenfalls ein Rüde. Was war denn hier für eine Großversammlung? Sie versuchte sich daran zu erinnern, wie sie hier her gekommen war, doch kam sie einfach nicht darauf. Doch es störte sie nicht sonderlich, auch war sie froh, das Zack bei ihr war, denn so konnte sie ihre Angst leichter unterdrücken und dann blieb auch ihr zweites Ich viel leichter im Verborgenen. Wie lange hatte sie nicht mehr mit jemandem gekuschelt? Es war schon viel zu lange her.
Leise seufzte die Fähe auf, schleckte Zack liebevoll über die Schnauze, eher sie langsam anfing das bisschen Fleisch zu verzehren, welches vor ihr lag. Auch wenn es nicht viel war, aß sie vielleicht nur ein wenig mehr als sie hälfte und dann schloss sie erst kurz wieder die Augen, ehe sie das Rest Fleisch vorsichtig mit der Pfote zur Seite schob.
In ihrem vorher so knurrendem Magen breitete sich langsam aber sicher ein völliges Völlegefühl aus, sie reckte sich ein wenig, trank einige Schlücke des köstlichen Wassers und wusch sich bei der Gelegenheit auch gleich die Schnauze von dem Fleisch sauber. Sie blinzelte wieder zu Zack hinüber, welcher sie liebevoll betrachtete und wärmte. Sie schob ihre eine Pfote auf die seine und ließ ihren Kopf wieder gegen seine Schulter fallen, während sie die Augen wieder schloss murmelte sie nur einige leise Worte zu ihm hinüber.
„Warum auch immer du hier bist, wie auch immer du hierher gekommen bist, wer auch immer das hier noch bei uns ist. Ich bin froh, dass du hier bist, denn du hast mir sehr gefehlt . . . Papa. Ich liebe dich so sehr, es ist schön hier mit dir zu liegen und einfach zu kuscheln“
Dann verstummte sie wieder, schlief nicht mehr ein, aber lauschte dem singenden Wolf mit geschlossenen Augen. Sie war froh einfach hier zu liegen und nichts machen zu müssen. Ein Friede erfüllte die junge Fähe, wie sie ihn schon lange nicht mehr gespürt hatte.
„Ich liebe dich Papa. . .“
Urions Jaulen verstummte. Noch mals schüttelte er den Kopf, dann stand er auf und betrachtete Zack mit seiner Tochter. Das muss ein wunderschönes Gefühl sein. Wärme... Geborgenheit... Liebe. Urions Herz schmerzte und sein Magen zog sich krampfhaft zusammen. Nur ganz schwach erinnerte er sich an das Gefühl, als Midnight Crash sein Weg begleitete. Eine Gefährtin, ein Schatz, jemand, der ihn vermisste. Ein leises Winsel verließ Urions Fang. Langsam erhob der Graupelz sich um gemächlich zu Zack zu laufen. Vorsichtig stupste er seinen Freund an.
"Danke mein Freund, aber ich muss erstmal etwas wandern. Ich denke... nein, ich weiß wie werden wir uns sehen. Ich kenn deinen Duft, du meinen Ruf. Freund, Zack, Freund."
In Urions rauer Stimme flog ein Schimmer Sanftheit und Dankbarkeit. Grenzenloser Dankbarkeit. Der Graue leckt kurz über Zacks Schnauze, dann stupste er vorsichtig Sheena an. Sie war so wie er. Nein, wie er gewesen ist. Zwei Seelen in einem Wolf, welche Qual.
"Sheena, bitte lass dich nicht unterkriegen."
Urion überlegte, ob er noch etwas sagen sollte, doch dann hob er seinen Kopf wieder und musterte Ilias. Langsam, mit pendelnder Rute schritt er auf den jungen Rüden zu. Der Schalk saß dem älteren Grauen in den Augen, kumpelhaft berührte er die Schnauze des Anderen.
" Kämpfe um sie junger Freund."
Urion wuffte, dass er sich freute wieder alle zu sehen und rannte in den Wald hinein. Es trieb ihn an die Reviergrenze, er spielte mit dem Gedanken, dass Rudel zu verlassen bevor er überhaupt wirklich dabei war. Ein Wanderer werden, dass würde er machen. Urion beschleunigte wieder, als ein Duft in seine Nase stieg und wie von einem Magneten angezogen schlug er die Richtung ein. Es dauerte nicht lange, da erkannte der Graupelz eine Gruppe Wölfe. Sofort wusste der Rüde von wem dieser Duft ausging, die Fährte, die ihn gelockt hatte. Eine Fähe, schien sein Alter zu sein unterhielt sich mit einigen Anderen. Urion wusste nicht, was ihn so anzog, jedoch wagte er sich auch nicht weiter heran und als er feststellte, dass der Wind direkt seinen Duft zu der Gruppe trug, kehrte der Graue kurzerhand zurück um wieder zu Zack zu gelangen. Aufgeregt, ja fast aufgelöst und trotzdem ruhig. Sheena wegen.
"Zack, ich hab eine Fähe gesehen. Sie muss mein Alter sein. Wer ist sie?"
Anfangs noch verschüchtert wirkte die kleine Fähe nun selbstbewusst wie eh und je. Ihre Ohren richteten sich auf und ihr Blick traf Nevide mit Abscheu. Als Fremdes Glied in dieser Gegend konnte man ruhig einen freundlicheren Umgang pflegen, wo doch jeder ums Überleben kämpfte. Wenn ihr das alles nicht passte, durfte sie gehen. Ninniach riss sich am Riemen und trabte ruhig aber nicht unbedingt entspannt zu Face, dem sie ihre angespannte Schnauze an der Flanke entlang rieb. Wieder traf ein wenig freundlicher Blick die Mähnenwölfin, fast als wolle sie Face für sich beanspruchen. Ja, so konnte man das ganz sicher auslegen. Und es passte der Schwarzen ganz und gar nicht, wie sie ihn ansah und mit ihm redete.
Eine Geschichte für sich, diese Fähe - immer wieder für eine Überraschung gut. Allerdings würde dieses Selbstvertrauen, wie immer, nur von kurzer dauer sein.
Die Rute pendelnd um nicht ganz so verspannt zu wirken, wie sie es in Wirklichkeit war. Sie suchte Faces Nähe indem sie sich eng an ihn drückte. Später würde sie das ganze... hoffentlich wieder vergessen oder sich in Grund und Boden schämen und nie, nie wieder zu Face zurückkommen.
"Komm wir bringen sie zum Rest... ein wenig Fleisch lässt sich sicherlich auftreiben. Für... unsere nette, neue Gesellschaft."
Die Kleine war gereizt und ließ ihre Worte mit einer Hand voll Sarkasmus zu der 'netten Gesellschaft' herüberklingen, begleitet von einem grimmigen Blick.
.oO( Dann klebt sie vielleicht nicht mehr so lange an dir dran... dafür bin schließlich ich verantwortlich.)
Sie schluckte schwer, dieses Gefühl, als hätte sie einen Klos im Hals, überkam sie von Schlag auf Schlag. Die Zeit in der sie ständig an seiner Seite hing... konnte ganz schnell wieder vorbei sein. Diese Aktion war schließlich keine Glanzleistung. Aber die Nähe anderer Fähen in der Nähe von Face.. kränkte sie irgendwie. Aus Angst, dass sie bald nicht mehr in seiner Nähe bleiben durfte? Aus Angst, dass er... sie vergessen würde? Sie war verwirrt, angespannter - was nun deutlicher war als zuvor. Trotzdem verlor sie nicht ihren festen Stand und das viel zu sichere Auftreten; auch wenn in ihr alles voller Fragen war, mit denen sie sich in stiller Stunde wieder allein rumschlagen durfte. Sie kehrte den beiden den Rücken zu und trabte ein paar Schritte voran, bloß um einen Blick über die Schulter zu werfen.
"Was denn? Kommt ihr jetzt, oder wollt ihr weiter stehen bleiben."
Je mehr sie nachdachte, desto grimmiger und zickiger wurde sie...
Face Taihéiyo drehte eines seiner Ohren leicht zur Seite. Was auch immer das für ein Wesen war, sonderlich höflich schien sie nicht zu sein. Nevide hieß sie also. Der Tiefschwarze ersparte sich jeglichen Kommentar und wurde dann schon von Ninniach abgelenkt, deren Schnauze er nun an seiner Flanke spürte. Eine Berührung, die ihn leicht zusammenzucken ließ, vor der er zurück weichen wollte, weil sie Verwirrung in ihm auslöste. Dieses Gefühl. Irritiert sah er die Wölfin an, die sich nun eng an ihn drückte. Er verstand nicht, was das sollte. Selbst ihre Worte klangen anders, fast feindselig, wenn auch nicht ihm gegenüber. Seine saphirblauen Augen huschten zu Nevide hinüber, irgendwie fühlte Face sich grade überfordert. Mal wieder. Vielleicht hätte er es in einer anderen Situation als angenehm empfunden Ninniach Favéll so nah bei sich zu haben, aber grade war dieses Gefühl unangenehm. Es passte nicht. Es passte nicht in ihr Schema, nicht in die Situation. Aber was wusste er schon? Inzwischen hatten sich beide Ohren zur Seite gedreht und die schwarze Wölfin entfernte sich ein paar Schritte von ihnen. Nach ihren nächsten Worten fiel der verwirrte Ausdruck förmlich aus seinem Gesicht heraus, härtete sich wieder und wurde ausdruckslos wie eh und je. Hart. Die Ohren drehten sich nach vorne und mit tonlosem Blick wandte er sich an Nevide.
„Bei der Rudelhöhle sehen wir weiter.“,
erklärte er knapp und trabte vorwärts. Stummen und schnellen Schrittes hatte er Ninniach bald eingeholt und warf ihr noch einmal einen Blick zu. Fragend. Vielleicht nach einer Erklärung suchend. Dann aber bewegte er sich an ihr vorbei. Der Rabenschwarze hatte gut Lust sich einfach von beiden zu entfernen, seine Ruhe zurück zu finden und seine Gedanken zu ordnen. Da waren Gefühle gewesen, als Ninniach ihn berührt hatte. Doch im Verhältnis zu ihrer Art und Weise grade, kam ihm alles so falsch vor. Er ... war verwirrt. Er hasste es.
Die Fähe schaute Frekur entschuldigend an. Sie hatte es nicht mitbekommen, als sein Name genannt wurde.
"Ihr denkt jetzt sicher, dass ich eher... taub war, als blind? Tut mir leid... ich habe es nicht gehört!"
meinte sie nun in entrschuldigendem Ton. Dann senkte Cumará den Kopf bei Kaedes Fragen. Sie mochte dieses Thema nicht, jedoch hatte sie den kleinen Hoffnungsschimmer in Kaedes Stimme gehört, als sie sie gefragt hatte, warum sie nun nicht mehr blind wäre. Diese Frage war nur verständlich. Sie selbst hätte es wahrscheinlich viel eher gefragt, als Kaede es getan hatte. Sie mochte die Grau- weiße von Anfang an, sie war ihr sympathisch.
"Ich werde dir davon erzählen, Kaede, versprochen- aber erst, wenn wir eine Höhle gefunden haben. Oder irgendeine Unterkunft. Und... nennt mich Cuma, das reicht schon. Äh... Gibt es hier eigentlich Bäume?"
fragte sie, ernshaft interessiert, denn sie wusste, dass ihre Frage bestimmt komisch geklungen hatte. Doch sie wollte es nun mal wissen, es war wirklich wichtig für sie. Sie war diese Art von Landschaft nicht gewohnt. Sie hob eine Pfoten und schaute sie an. Sie war voller Eisklumpen und sehr, sehr kalt. Sie seufzte kurz auf und lächelte dann in die Runde. Ziemlch komisch zusammen gewürfelt, die Runde von Wölfen! Sie schnupperte ein wenig, konnte jedoch keine Witterung aufnehmen. Hier gab es wirklich erstaunlich wenig Leben.
"Riecht ihr Kaninchen oder so...? Im Moment bin ich noch nicht sehr hungrig, aber später hätten wir dann etwas zu Fressen. Und müssten nicht nocheinmal los laufen, um etwas zu besorgen... Kensharion hier ist ein guter Jäger. Fast so gut wie ich! Oder wollen wir alle los, jagen gehen? Kaede, wären unsere Chancen auf Essen größer, wenn mehrere jagen würden?"
fragte sie nun Kaede. Dass sie besser als Kenshi wäre, hatte sie gesagt, um ihn ein bisschen zu ärgern. Sie lachte leise in sich hinein. Sie liebte es einfach, ihn ein wenig zu trizen. Aber sie machte es ja nicht auf eine böse Art, sondern auf eine liebe Weise. Sie schaute ihn kurz an, dann wandte sie sich wieder an die Beta. Nun musterte sie die Fähe das erste mal richtig. Ihre Augen waren ein wenig milchig. Doch sie war nicht hässlich dadurch. Ihr Fell sah weich aus und es hatte eine schöne Farbe. Sie schaute auch Frekur unauffällig von der Seite her an. Schnell schaute sie wieder weg. Er hatte gelbe Augen. Und hatte graues Fell. Und... eine Wunde. War es eine Wunde? Cuma wusste es nicht genau. Auf jedenfall verströmte es keinen angenehmen Duft, wie sie schon vorhin festgestellt hatte. Sie legte den Kopf ein wenig schief und wartete auf Kaedes Antwort.
Ilias war verwundert, wie Glücklich Sheena plötzlich über das Erscheinen ihres Vaters war und darüber, dass sie auch Urion gegenüber nett war. Es schien fast so, als sei nie etwas dergleichen Passiert, als ob Ilias sich das eben Gesehene nur eingebildet hatte. Doch musste es wohl passiert sein, da die Gespräche sonst nicht passen würden. Er schaute Urion an und antwortete ihm:
"Ok Urion, ich verzeihe dir, so wie es Sheena scheinbar tut und ich hoffe auch du verzeihst mir mein voreiliges Eingreifen. Ich hätte mir das Geschehen, wie Zack es schon sagte erst anschauen sollen, doch ich muss zugeben, dass Sheena mein Interesse geweckt hat und ich mir nicht mit angucken konnte, wie sie jemand verletzt. Desweiteren, bin ich mir Unsicher was das ganze jetzt sollte und warum du jetzt plötzlich wieder lieb bist und ich hoffe, das dieses nicht nochmal anders wird!
Achja und bevor ich es Vergesse. . . Mein Name ist Ilias!, Sohn des Lyras und meiner Mutter Ajia"
Als er die Namen seiner Eltern nannte konnte er nicht anders und driftete in Erinnerungen ab.
o0 Vor ca. einem Jahr bin ich fortgelaufen von dem Rudel, indem meine Eltern waren, mit einem Jahr nahm mein Schicksal als Umherziehender, seinen Lauf.
Ich vermisse dieses Gefühl der Geborgenheit, das Gefühl, welches Sheena jetzt auch wieder bekam. . . Dieses füreinander da sein! Ich bin doch eigentlich ein Familientier, und ich brauche unbedingt diese Nähe, aber ich wurde auch so häufig verletzt. Vielleicht sollte ich ein neuen Versuch starten, wieder einmal ein Rudel zu finden und Zack ist doch ein guter Anhaltspunkt. . . 0o
Also wand er sich zu Zack, der sich nun rührend um seine Tochter kümmerte, während er sie eben noch nicht beschützt hatte.
"Meinen Namen kennst du nun und nein, genannt hatte ich ihn dir gegenüber noch nicht. Ich fande es einfach nur Mieß gegenüber Sheena, denn ich dachte ernsthaft, dass Urion sie töten wollte, und dieses versuchte ich zu Verhindern. Ja ich war voreilig und es tut mir leid, ich bin wirklich noch nicht so erfahren."
Seine Worte "Ein unbewusstes handeln kann eher mehr schaden als retten" gingen ihm dabei die ganze Zeit durch den Kopf.
0o War es das, was ich immer falsch mache, handel ich zu häufig zu spontan und unüberlegt? o0
Er beendete diesen Gedankengang vorerst. und sprach weiter zu Zack:
"Ich werde nicht weiter nachhaken, wenn Urion es denn nicht will und das Fleisch werde ich essen, vielen Dank. Du bist ein ruhiger Wolf, ein Wolf der gelassen und erfahren wirkt, ich mag das, zumal ich selbt in manchen Situationen so bin. . . Ich hoffe aber, dass du gemerkt hast, dass ich ein Wolf bin, der Fürsorge zeigt, für jemanden da ist, und dass obwohl Sheena nicht unbedingt nett zu mir war, aber das spielt ja jetzt keine Rolle"
Dann sprach er zu allen drei:
"Es tut mir Leid, dass ich so zwischen euch stand, es komplizierter gemacht habe als es scheinbar letzendlich ist, trotzdem bin ich immernoch ein wenig verwirrt, aber das ist ja jetzt nicht von Bedeutung. Wichtig ist nur, dass du Urion, dein bestiales Verhalten los bist und dass es Sheena wieder besser geht."
Er überlegte weiter, was er noch sagen könnte, wie er Zack zeigen konnte, dass er gerne in ein Rudel aufgenommen würde, doch erst wollte er noch einmal nach Sheena sehen.
o0 Was ist, wenn sie gleich wieder fieß ist? Was würde dann passieren? Würde ein Streit ausbrechen? Würden mich diese drei Wölfe verjagen, obwohl ich nichts getan hätte? 0o
Er fraß sein Fleisch, wie es Zack ihm befohlen hatte, spürte sättigkeit und einen zufriedenen Magen und trank einen Schluck Wasser aus dem klaren See. Sheena schien wieder fitt zu sein und Urion machte sich auf dem Weg um ein wenig zu wandern. Seine Worte "Kämpfe um sie junger Freund." ermutigten ihn letzendlich doch Sheena anzusprechen.
"Sheena, du bist wieder bei Bewusstsein. . . , ist alles in Ordnung bei dir? Soll ich dich in Ruhe lassen? Ich würde aber zuvor noch gerne mit dir Reden. Alleine. . ."
Nun war sie endlich wieder zu Bewusstsein gekommen. Freudig beobachtete er, wie sie, wie er sich schon gedacht hatte, nur die hälfte des Fleisches aß und sich danach vorsichtig die Schnauze wusch und etwas trank. Als sie ihre Pfote auf seine legte wurde ihm so warm ums Herz, wie schon lange nicht mehr. Er seufzte erleichtert auf, als sie dann anfing zu sprechen, so voller Liebe. Gerührt seufzte er gleich noch mal, konnte sich einige Tränen nicht verkneifen. Er war so glücklich, dass sie wieder wohl auf war und anscheinend auch wieder nur sie selbst. Er wusste, es war immer noch in ihr drin, aber da sie nun etwas gestärkter war, fiel es ihr auch leichter, so zu sein, wie sie jetzt war. Anscheinend hatte sie alles vergessen was passiert war, denn sie wusste nicht mehr warum er hier war und wer die anderen waren, er fand es schade, doch vielleicht war es besser so. Er fuhr ihr mit der Schnauze sanft durchs Fell, pustete ein wenig hinein und begann sie dann leicht mit seinen Zähnen zu kraulen. Als sie die letzten Worte murmelte brach er ab, stupste sie an und begann mit einer Stimmte zu sprechen, die er sonst nur Neyla geschenkt hatte.
Melodisch, sanft, voller Liebe und ganz ruhig kamen die Worte aus ihm heraus.
„Alles ist gut Sheena. Es freut mich, dass es dir besser geht... Ich liebe dich auch.
Er wuffte leicht, eher er seinen Kopf zu Urion wandte, welcher nun zu ihm gesprochen hatte. Er berührte ihn ebenfalls leicht mit der Schnauze und nickte ihm aufmunternd zu.
„Geh nur mein Freund, erkunde ein wenig die Umgebung, sortiere deine Gedanken. Lass es dir gut ergehen, natürlich treffen wir uns wieder!
Er schenkte dem Rüden, den er doch erst so kurz kannte ein warmes, strahlendes lächeln und beobachtete, wie er sich von Sheena und dem anderen Rüden verabschiedete. Er freute sich, dass er seinen Fluch los war und nun alles so wunderbar harmonierte. Man merkte es richtig, wie befreit er war, vor allem wenn man ihn vorher kennen gelernt hatte. Er blickte Urion so lange nach, bis dieser in der weißen Einöde hinter Felsen verschwunden war. Dann drehte er seinen Kopf nachdem er den Blick über Sheena gleiten lassen hatte zu dem Rüden, welcher sich mit dem Namen Ilias nun auch vorgestellt hatte. Er redete, schien dann von Gedanken gefangen zu werden.
oO Er zeigt viel, was ich nicht zeige. Vielleicht zu viel, aber eigentlich ist es nicht schlecht Oo
Zack hörte ihm aufmerksam zu, wie er erklärte, sich vielleicht auch rechtfertigen wollte. Er hörte, wie unsicher Ilias war, wie verwirrt er über die Dinge war, welche vorgefallen waren. Ja, er war nicht viel jünger, aber doch noch unwissender als er. Aber das war ja nichts schlimmes, das konnte sich ja noch alles ändern.
Er zeigte sehr viele Gefühle, es war als ob sich seine Seele in seinem Verhalten wieder spiegelte. Er war Zack sympathisch, auch wenn er nicht sofort das zu ihm sagen würde, was er zu Urion gesagt hatte. Nein, das war nur bestimmten Wölfen vorbehalten und doch musste er sagen, er war ihm sympathisch.
oO Wie viel Bedeutung diese Worte ´ich mag dich´ haben können. Urions Reaktion darauf war sehr . . . überrascht. Aber bei ihm, kein Wunder . . . Oo
Die ganze Zeit über hatte er Ilias zugehört, ihm war nicht anzumerken, dass ihm nebenbei Gedanken durch den Kopf schossen und außer seinem nun immer noch liebevollen Blick, waren auch seine Augen so, wie sie immer waren. Weich, aber nicht bereit irgendetwas zu zeigen. So eben, wie er immer war. Nun schleckte er sich über das Maul, griff mit den Zähnen nach dem Fleisch und warf es Ilias zu.
„Schön Ilias. Nun weiß ich auch, wie du heißt. Hier iss, Sheena hat nichts dagegen, sie isst es sowieso nicht mehr, also lass es nicht verkommen. Natürlich, es ist verständlich, dass du rein instinktiv gehandelt hast, da ist ja auch nichts dran auszusetzen.“
oO Vor allem, wenn man eine Fähe so sehr mag, wie er Sheena anscheinend, obwohl sie ihn, wie ich heraushöre sehr verletzt hat. Und er will mit ihr reden, alleine, schade, dass Sheena das jetzt wahrscheinlich noch nicht machen wird. Er ist ein lieber Wolf. Gut für Sheena. Oo
„ Nun, ich entschuldige mich für das Verhalten meiner Tochter, wie du vielleicht gemerkt hast, kann sie nur bedingt etwas dafür. Es tut ihr immer aufrichtig Leid, dass weiß ich und irgendwann wird sie auch alles besser unter Kontrolle haben. Jetzt wo sie zwar immer noch geschwächt ist, geht es ihr doch schon besser, weil das Fleisch sie etwas gestärkt hat, wie du ja auch selber siehst. Ich habe auch das Richtige getan, auch wenn du vielleicht denkst, dass ich als ihr Vater etwas hätte tun müssen, es hatte schon seine Gründe warum ich nichts getan habe. Ich hätte gemerkt, wenn er sie umgebracht hätte und glaub mir, da hätte ich nicht mehr tatenlos zugeschaut. . .“
oO Zuviel ist schon von mir gegangen weil ich nichts gemacht habe. Okay, wo ich nichts tun konnte. . .
Neyla . . . Oo
Er nickte ihm wieder freundlich zu, blinzelte und ließ seinen Blick auf dem Rüden verharren. Erst als er wieder Urion in der Nähe vernahm schwenkte sein Blick herum zu ihm und er grinste ihm zu, als er seine Worte hörte. Da schien jemand unbewusst Begeisterung in seine Worte mit hineingebracht zu haben.
„Das ging aber Schnell mein Lieber. Eine Fähe in deinem Alter? Anscheinend auch nicht zu weit von hier? Grau?“
Witternd streckte er seine Schnauze in die Luft und sog die verschiedenen Gerüche auf, welche in der Nähe umher schwirrten. Er bekam sofort eine Antwort. Drei ihm unbekannte Gerüche und einer ihm gut bekannter Geruch. Er kannte die Fähe kaum, doch natürlich kannte er ihren Duft, schließlich war sie die Beta Fähe des Rudels. Und wahrscheinlich hatte sie Fremde, Neulinge aufgesammelt so wie Urion und Ilias es auch waren. Oder aber er kannte sie einfach nicht, aber da sie sich sehr nah, wie er vermutete an der Reviersgrenze aufhielten, tippte er eher auf ersteres. Wieder schenkte er Urion ein breites Lachen, schelmisch blitzten seine Augen kurz auf, ehe sie sich wieder mit der Wärme füllten, welche sein Herz am Leben hielt, welche Sheena wieder wach gerufen hatte.
„Also, wenn ich mich jetzt nicht irre ist die Fähe, welche du gesehen hast Kaede. Es befindet sich noch eine Fähe unter den vier Wölfen die dort versammelt sind, doch ist Kaede die einzige dort die ich kenne und die einzige die in deinem Alter ist, soweit der Duft der anderen es mir verraten hat. Wie kann es sein, dass sie dich so schnell . . . auseinander nimmt? Du scheinst ja ganz, verwirrt, aufgelöst, ja bezaubert von ihr zu sein.
Sie müsste fünf sein, wie du nehme ich an. Grau – weiß. Eine hübsche Fähe. Sie hat einen tollen Charakter, doch ich kenne sie eigentlich kaum, will sie also nicht weiter beurteilen. Sie ist unsere Beta Fähe, ein hohes Tier wenn man es so sagen will. Doch sie bildet sich nichts darauf sein, du musst wissen“ Seine Stimme wurde ein wenig mitleidiger und leiser. „Sie ist blind.“
Er lächelte weiterhin, doch in seinem Kopf stellte er fest, wie hart es sein musste blind zu sein. Nicht, dass er sich irgendwie ein Bild davon machten konnte, gewiss nicht, aber es war bestimmt unheimlich schwer so zu leben. Er wusste nicht einmal, ob sie schon immer blind gewesen war oder erst erblindet war. Wenn Zweiteres der Fall war, dann hatte sie das Leben, ihre Umwelt wenigstens in voller Pracht genießen können, eine Zeit lang. Aber vielleicht war das eher noch deprimierender? Und bestimmt gab es genügend Wölfe, welche eine blinde Fähe, die noch dazu Beta Fähe war mit Argwohn betrachteten, sie vielleicht sogar verachteten. Wieder hatte man nicht sehen können wie er in Gedanken gewesen war, nur Neyla hatte es gekonnt, es gemerkt und hatte ihn immer ganz rasch versucht aus seinen Gedanken zu reißen, weil sie wusste wie oft diese schwermütig waren.
oO Ach Neyla, du fehlst einfach Oo
Lächelnd hatte sie zu dem grauen Wolf augeschaut, der doch einiges älter war als sie. Er sprach mit ihr, als ob er sie verstehen würde. Sie nickte ihm freundlich zu. Er schien lieb zu sein, nein sie würde sich nicht unterkriegen lassen. Egal, ob er nun wirklich ihre zweite Hälfte meinte, oder irgendetwas anderes, was sie nicht begriff. Sie würde sich auf keinen Fall unterkriegen lassen. Sie blickte ihm ebenso nach, wie auch Zack es tat und drehte dann den Kopf um den Wolf, welcher sich mit dem Namen Ilias vorgestellt hatte zu betrachten. Als sie hörte, was sie anscheinend getan hatte und Zack sich dann für sie entschuldigte senkte sie beschämt den Kopf.
oO Warum kann ich mich denn nicht mehr daran erinnern? Oo
„Wie Zack schon gesagt hat, es tut mir wirklich sehr Leid, ich meine ich kann mich gerade nicht mehr daran erinnern was geschehen ist, aber ich kann es meist wirklich nicht steuern. Wenn ich so rumgifte, dann darfst du dir das nicht zu Herzen nehmen.“
Sie lächelte ihn versonnen an. Es war ein hübscher Wolf und er kam ihr sehr nett und freundlich vor. Doch schon sein nächster Satz brachte sie aus der Fassung, gut, dass sie neben Zack lag. Sie kuschelte sich noch enger an ihn und blickte Urion mit nun etwas geweiteten Augen an.
„Nein, nein, nein, nein, nein. Ich will aber nicht mit dir alleine reden gehen. Nicht jetzt! Nein, nein, nein. Ich will nicht, Papa bleib hier! Bitte Papa bleib hier und lass mich nicht alleine“ Leiser murmelte sie. „Ich habe doch solche Angst, Papa du weißt was für eine Angst ich habe, Papa bitte, noch nicht jetzt, später vielleicht, aber, nein nicht jetzt!“
Sie zwang sich wieder ein lächeln auf die Lefzen, war froh, dass Zack ihr sagte, wie er sie liebte. Klammerte sich so an die Hoffnung er würde nicht einfach gehen, wenn sie schon nicht mit Ilias gehen wollte. Sie hatte nichts gegen Ilias, nein auf keinen Fall, aber sie traute sich einfach nicht mit ihm zu gehen. Nicht jetzt. Später, ja, sie würde sich überwinden müssen. Aber nicht so rasch, nicht so schnell. Was würde er ihr bloß sagen wollen? Wollte er sie fertig machen, weil sie sich so gemein benommen hatte und sich jetzt nicht einmal mehr daran erinnern konnte? Aber so schätzte sie ihn eigentlich nicht ein, doch was konnte es sonst sein? Sie drückte sich regelrecht an Zack, nein ihr Papa würde sie nicht alleine lassen, vor allem nicht jetzt. Sie versuchte sich durch Urions wiederauftauchen abzulenken. Er schien wirklich etwas aufgelöst zu sein, wie ihr Papa schon richtig erkannt hatte. Doch warum? So wie sie Zack verstand fand Urion eine Fähe wohl toll. Kaede, ja die kannte Sheena auch. Doch er hatte sie doch nur gesehen, oder hatte sie etwas verpasst? Vielleicht wusste Zack ja mehr als sie, wo sie sowieso von allen erleichtert angestarrt wurde als sie die Augen aufgemacht hatte. Hatte sie nicht einfach nur geschlafen? Und dabei schön geträumt, ja wahrlich sie hatte seit langem mal wieder schöne Träume gehabt. Wobei es eigentlich keine Träume waren, sondern nur schöne Erinnerungen, schöne Momente in ihrem Leben. Bei dem Gedanken musste sie wieder lächeln und entspannte sich gleich wieder. Sie dachte nicht mehr an die Aufforderung von Ilias. Doch dann plötzlich, konnte es etwa sein, dass Ilias sie toll fand. Wenn sie so an das dachte, was Urion gesagt hatte? Wenn sie die kleinen Bruchstücke zusammen setzte, welche sie aufgeschnappt hatte. Aber nein, dass konnte ja nicht sein, er kannte sie schließlich kaum und schließlich war sie eine kranke Fähe. Und dadurch dass sie ihn Beleidigt und mit Worten angegriffen hatte, vielleicht sogar richtig, konnte er sie ja nicht toll finden. Erleichtert verschob sie diesen Gedanken in das hinterste Eckchen ihres Kopfes. Wobei es natürlich schön wäre, wenn sie daran zurück dachte wie Neyla und Zack zusammen gelebt hatten. Sie war immer ein wenig eifersüchtig gewesen, obwohl sie eine so tolle Familie gewesen waren. Es war so traurig, dass Neyla weg war und Zack ging es bestimmt genauso, eher noch schlimmer. Wenn sie an das Ende dachte, wollte sie nie, niemals einen Rüden so nah an sich heran lassen. Aber auf der anderen Seite gab es eine gewisse Liebe und Nähe die Zack ihr nicht geben konnte, die Zack ihr Herz nicht aufblühen lassen konnte. Vielleicht war es eben die Liebe, die Zack von Neyla bekommen hatte, die sie auch von einem Rüden bekommen konnte, die Ilias ihr vielleicht geben könnte?
oO Jetzt hör schon auf, er kennt dich kaum du kennst ihn kaum. Und du weißt über so etwas rein gar nichts, nein du hast Angst vor allem Neuen und Fremden. Bleib bei Zack und belass alles beim alten. Oo
Beruhigt und bezaubert von der Idee, alles dabei zu belassen wie es jetzt war lächelte sie wieder und schenkte allen in der Runde ein strahlendes bisschen von diesem Lächeln.
Sheenas Angst war deutlich zu sehen, er fand es schade, dass sie nach allem was er für sie getan hatte, so mit Abneigung reagierte. Es war aber sehr süß von ihr, wie sie sich entschuldigte und ihm in die Augen blickte. Noch nie zuvor war es ihm so aufgefallen wie in diesem Augenblick, wie sehr er sie doch mochte. Dieser Augenblick, indem sich beide Blicke trafen, verharrten und wieder auseinander gingen, ließen sein Herz zum rasen bringen. Er wurde verlegen und kratze aus Schüchternheit mit der Pfote den Boden. Auch war Ilias sehr angespannt und musste sich zusammenreißen, ihr nichts von seiner Nervosität zu zeigen. Er führte einen Dialog mit seinem Gewissen:
o0 "Was ist nur los mit dir Ilias? Du bist doch sonst so ein aktiver Wolf, wieso bist du jetzt so still und in dich gekehrt. . . Was ist nur los mit dir?" 0o
o0 "Ich weiß es nicht, ich bin mir unsicher. . . in allem, in Bezug auf Sheena. Ich hab sie gern, ihre "liebe Seite" ist einfach nur toll und hach ich weiß doch auch nicht . . ." 0o
o0 "Du empfindest eine Menge für sie oder?" 0o
o0 "Ich weiß es nicht, ich denke schon, aber ich bin überfordert, ich weiß doch garnichts über sie, ich fühl mich auch ein wenig ausgenutzt, ich meine ich habe schon so einiges für sie gemacht und dafür bisher nichtmals wirklich ein Dankeschön bekommen. Außerdem ist ihr Herz bestimmt schon vergeben, allerdings Urions Worte: " Kämpfe um sie junger Freund." Soll ich es wirklich wagen? Ich weiß das ich nicht der schlechteste Wolf bin und ich bin ein sehr offener und emotionaler Wolf. . . das ist nicht unbedingt immer etwas schlechtes" 0o
Er kehrte langsam zur Realität zurück und bemerkte, dass er scheinbar, gar einige Minuten abwesend war, da er fragend angestarrt wurde.
"Oh mit dir reden. . . Ehm natürlich. . . aber das eilt ja auch nicht, wenn du es denn nicht möchtest. Und das von vorhin und davor und alles mögliche, dass Verzeihe ich dir natürlich"
Er lächelte sie verlegen an, während sein Gewissen sich wieder zu Wort meldete:
o0 "Verzeihst du ihr wirklich alles? Wie war das eben noch mit Ausnutzen und das du von ihrer Art schon verletzt wurdest ist dir wohl auch entgangen. . ." 0o
Er schüttelte seinen Kopf, nahm einen Schluck des klaren und kalten Seewassers um diesen bösen Gedanken zu vergessen. Trotzdem nahm er sich diesen an und wusste nicht, wie er über Sheena denken sollte. Er hatte Gefühle für sie, dass stand fest.
Er wandte sich an Zack, überlegte kurz und sagte schließlich:
"Vielen Dank nochmal für das Fleisch, aber auch ich denke, dass ich kurz alleine sein muss. Ich habe grade keinen klaren Kopf und muss mir nochmal so einiges durch den Kopf gehen lassen. Ich bin in Kürze wieder da, deshalb wär ich dir sehr dankbar, wenn ihr auf mich warten würdet. Es ist nämlich noch nicht alles geklärt, doch auf jeden Fall möchte ich mich nochmal bedanken und dir meine Zuneigung zeigen. . . Du bist ein toller Wolf, von dem ich gerne noch so einiges lernen möchte."
Nachdem er diese Worte in den Mund gelegt hatte, drehte er ab und ging ein Stück weit, bis er ca. einen Kilometer entfernt war. Er war wieder allein, so wie schon eine Ewigkeit zuvor, merkte schnell, sein Bedürfnis zurückzukehren, um die Gesellschaft zu genießen. Vorallem wollte er wieder in Sheenas Nähe sein.
Leise sang er ein Lied vor sich her:
"Today is gonna be the day that they're gonna throw it back to you. By now you should've somehow realized what you gotta do. I don't believe that anybody feels the way I do about you now."
Ilias sang gerne, wenn er alleine war. Er tat dieses, um die Gedanken die er hatte, mit der richtigen Stimmung zu versehen, indem er Lieder sang, die zu seinen Gefühlen passten.
Doch seine Gedanken waren von zwiegespaltenen Gefühlen umfasst. Sollte er sie lieben, ihr verzeihen, was sie getan hat? Wahrscheinlich konnte sie wirklich nichts dafür, da etwas in ihr war, aber trotzdem fühlte er sich so ausgenutzt, so als ob er für sie bedeutungslos wäre.
o0 Sie hat doch gar keine Gefühle für dich, zumindest keine ernsten. Wieso machst du dir Hoffnung? Wieso tust du dir selbst dieses Leid an? Du könntest so viel haben, aber immer bremst dich etwas. . . Jetzt sei doch Selbstbewusster! Du bist doch sonst so Zielstrebig und verlierst deine Ziele nie aus den Augen! Wenn du sie willst, hol sie dir, wenn nicht, dann belasse es dabei. 0o
Ilias Gefühle für Sheena waren ziemlich stark, trotzdem war da noch diese verletzende Art an ihr, dieses etwas böse, welches manchmal zum Vorschein kommt. Er stapfte noch ein wenig weiter, heulte einmal auf, um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr er doch im Moment litt und machte sich dann langsam auf den Rückweg, ohne das ihm dieser Ausflug etwas gebracht hätte.
Kensharion sah Cumará an, als diese ihm zuraunte, nicht so kühl zu sein. Er fand sein Benehmen eigentlich ganz normal, aber die Fähe schien es anders zu sehen. Verständnislos und erstaunt blickte er sie an. Bei ihrer Berührung wich er etwas zurück, sagte aber nichts, sein Blick war immer noch auf die beiden Fremden gerichtet und seine Haltung zeugte von Stolz und Dominanz.
.oO(Wieso sollte ich ihr die Freude verderben? Sie muss mich doch nicht beachten! Bin ich denn wirklich so kühl?)
Er wusste es nicht und beobachtete die Reaktion der anderen Wölfe. Die Einzelgespräche entgingen ihm nicht, aber sie interessierten ihn auch nicht wirklich. Nur der seltsame Geruch des anderen Rüden stimmte ihn etwas skeptisch. Was mochte es wohl sein, was diesen Geruch ausmachte? Kenshis Blick streifte die Narbe an der Schulter des Rüden. Konnte es sein, dass dieser Geruch von der anscheinend schon länger verheilten Wunde stammte? Der Schatten wandte seinen Blick schnell wieder ab, um nicht unhöflich zu wirken, denn obwohl er immer kühl war, wollte er bei anderen Wölfen nicht schon am Anfang verspielen.
Seine Ohren schnippten wieder in die Richtung der beiden Fähen, die sich nun unterhielten. Das Gespräch interessierte ihn nicht weiter und er musterte alle, die seine Aufmerksamkeit nahmen. Frekur reagierte ziemlich unfreundlich auch Cumarás wiederholten Nachfrage seines Namen, doch er schien ein ähnliches Temperament zu besitzen, wie Kensharion selber.
Schließlich begann Kaede zu sprechen und der Schwarze schenkte nun ihr seine Aufmerksamkeit. Sie redete viel, was der Rüde nicht verstand, aber er ließ sich dennoch weiterhin nichts anmerken.
.oO(Was zu Teufel ist denn nun ein Alpha? Und wer hat eigentlich gesagt, dass wir mit ihnen mitgehen wollen?)
Dachte Kenshi, schaffte es aber weiterhin, sein Maul zu halten. Als sich die Blinde seiner Weggefährtin zuwandte, wandte er seinen Blick wieder ab. Sie unterhielten sich nun über ein Thema, dass ihn nichts anging und obwohl er seine Ohren in die entgegen gesetzte Richtung schnippen ließ, vernahm er jedes Wort. Als sie schließlich ihre Unterhaltung beendeten, fragte Cumará, ob sie Hunger hätten. Kensharion verstand nicht, wieso sie das fragte, denn sie hatten doch schon gefressen! Dies war nur ein Beweis dafür, dass der Fähe das halbe Kaninchen doch nicht gereicht hatte. Er sagte nichts und blickte sie nur an, wobei er grinsen musste, als sie sagte, sie könne besser als er jagen. Bei einem anderen Wolf hätte er vielleicht widersprochen, doch bei der Grauen war es anders, er wusste, dass es nicht ernst gemeint war und genauso gut wusste er, dass er selber ein hervorragender Jäger war, er musste sich also nicht mir ihr um so eine Kleinigkeit streiten. Schließlich hatte sie auch in einem anderen Sinne Recht, denn der Schatten war eine Niete, wenn es darum ging, im Rudel zu jagen. Er hatte es noch nie getan und wusste nicht, mit anderen zu kooperieren. Er beachtete die Fähe nicht weiter und schüttelte sich sein seidenes Fell. Dann blickte er wieder zu den anderen und wartete deren Reaktion ab.
Urion neigte leicht den Kopf und knickte ein Ohr ab. Was gab es denn da so zu kichern? Na ja, vielleicht war es schon eine komische Situation, dass ein vor wenige Minuten verfliuchter Wolf, so plötzlich von Gefühlen überrannt wurde. Ilias entfernte sich etwas.
o.O(Er muss nachdenken. Ah ja, es ist nicht einfach mit solch einem Wolf zusammen zu sein, nicht wahr Midnight Crash.)
Der Graupelz drehte sich langsam um und schlenderte zu Zack. Er bewegte sich vorsichtig, damit Sheena nicht verschreckt wurde. Es war schön die junge Fähe so lächeln zu sehen, ein wenig wurde in Urions Herz warm. Kurz lief er an seinem Freund vorbei zu dessen Tochter, legte sich vorsichtig neben sie und lächelte sie auf Wolfsart zusammen. Kurz dachte der Nordwolf nach, bevor er mit leiser sanfter Stimme sprach:
"Sheena, ich weiß nicht, ob du die Worte verstehst, die ich dir jetzt sagen werde. Vor sehr langer Zeit gab es mal zwei Wölfe. Eine junge Fähe, wunderschön war sie anzusehen, und einer hübscher Rüde. Sie liebten sich, sie lebten glücklich miteinander, jedoch wurde alles mit der Zeit selbstverständlich. Eines Tages musste der Rüde, sein Name war Djala, fort. So war seine Bestimmung, die er hatte. Von den Göttern wurde ihm aufgetragen, er solle in das Sternenreich im Himmel um dort über die Anderen zu wachen. Liu verstand es nicht, sie wollte ihn nicht gehen lassen, denn es würde für immer sein, so dachten die Beiden. Zum Vollmond erhellte das silbrige Licht einen Pfad zu einem See. Liu schlief zu der Zeit, als Djala diesen Pfad zu einem See folgte. Zögerlich betrat er das kühle Nass, jedoch lief er schließlich immer weiter hinein. Irgendwann verloren seine Pfoten den Boden und er schwamm weiter in die Mitte des Sees. Sein Fell wurde dem Rüden zu schwer. Mit wehmütigen Augen legte er den Kopf in den Nacken, heulte sein letztes Lied und betrat den leuchtenden Pfad in das Sternenreich.
Liu eilte, geweckt von dem Heulen, zu dem See. Dort fand sie nicht einmal mehr die Hülle ihres Gefährten, doch erschien ihr am Himmel ein neuer Stern.
Mit weinendem Herzen und tapferen Stolz stimmte sie ein Lied für ihren Geliebten an:
You took me by surprise
Just like a rainbow in the night
When I looked in your eyes
I could see diamonds shining bright
I never realized
Youd be the one to make it right
You got me hypnotized
Before my life was black and white
You and me make a team
I want you near me every day
Last night I had a dream
You went away
Dont break my heart
Dont let me down
Dont break my heart
Dont make me frown
Were getting serious
Life by your side can be so nice
Youre so mysterious
Yesterday you were cold as ice
I wonder how you feel
If all your feelings are the same
When are your smiles for real
Or is it a game
Dont break my heart
Dont let me down
Dont break my heart
Dont make me frown.
Sie wusste, dass der Abschied nicht für immer war."
Urion schloss kurz die Augen, dann blickte er zu Zack.
"Kaede also. Fünf Jahre sagtst du? Ich würde sie gerne kennen lernen. Aber warum sprichst du es so mitleidig aus, dass sie blind ist? Sicherlich möchte sie kein Mitleid haben, ich denke sie möchte einfach nur verstanden werden."
Der Graue bettete seinen Kopf auf seine Pfoten. Wenn Ilias wieder da ist, würde er den Vorschlag machen, ob man aufbrechen wolle. Der Rüde schlang seine Rute um seine Beine. Kaede, irgendwas war an ihr, dass ihn faszinierte.
Ein Hügel lag in der Schneelandschaft, grau-weiß gesprenkelt. Ein schneebedeckter Felsen, so sah es aus.
Doch dann ging ein Zittern durch den Fels, der weiße Schnee fiel in Flocken hinunter. Der große, graue Wolf gähnte herzhaft, streckte seine müden und kalten Glieder und stand auf. Er ließ den Blick seiner traurigen Augen über die weiße Landschaft schweifen.
.oO( Schön, dass es wieder wärmer wird. )
Akriyos Miene veränderte sich nicht, er sah genauso traurig aus wie immer. Doch ganz tief in seinem Herzen loderte eine kleine, wärmende Flamme auf.
.oO( Freude... )
Nachdem er für lange Zeit die Bedeutung dieses Wortes vergessen hatte, flammte die Freude zur Zeit immer häufiger in seinem Herzen auf. Zu einem großen Teil lag das wohl an Hiryogas und Shanis Welpen. Ja, die Welpen!
Gedankenverloren setzte er sich in Bewegung, Richtung Welpenhöhle.
Als er von der Trächtigkeit der jungen Fähe erfahren hatte, war er zunächst entsetzt gewesen. Welpen in dieser Kalten Wüste! Wie unverantwortlich war das!
Sie hatten ihn gefragt, ob er Pate werden wollte und ohne wirklich darüber nachzudenken, hatte er Ja gesagt.
Später, als er alleine gewesen war, war der Graue Wanderer zu dem Schluss gekommen, dass er das Rudel unbedingt verlassen musste. Das war für ihn selbst besser, denn er würde es nicht ertragen, wieder den Tod eines Welpen mitzuerleben, was in diesem unwirtlichen Revier sehr wahrscheinlich war. Für die Welpen war es auch besser, davon war er überzeugt gewesen, er glaubte immer noch ein bisschen daran. Es musste doch garantiert schädlich für so einen kleinen, verspielten Welpen sein, mit einem Wolf zusammen zu sein, der vor Trauer überlief! Ein Wolf, so wie er. Oder Shani. Er empfand tiefes Mitleid mit der jungen, ängstlichen Mutter.
Wie war es weitergegangen? Ach ja, Akriyo hatte sich dazu entschlossen zu gehen. Er hatte es wirklich vorgehabt. Aber dann hatte er noch einmal mit Kische reden wollen. Und mit Hiryoga. Und er hatte Shani Mut machen wollen. Es war schwierig gewesen, Gelegenheiten zu finden, mit den jungen Eltern alleine zu reden. Er wollte schließlich auf keinen Fall, dass irgendjemand, der nicht eingeweiht war, misstrauisch wurde. Es hatte einige Zeit gedauert, bis er diese Gelegenheiten bekommen hatte. Und dann war dem Rüden immer wieder noch etwas eingefallen, das er noch erledigen wollte. Schließlich war es zu spät gewesen. Er hatte die kleinen Welpen das erste Mal gesehen und sofort war ihm klar gewesen, er würde nirgendwo mehr hingehen.
Akriyo war den Welpen mit Haut und Haaren verfallen.
Er stutzte und schnupperte in die kalte Bergluft. Er war nun ser nahe an der Welpenhöhle, aber Etwas stimmte nicht. Die Witterung anderer Wölfe lag in der Luft. Wölfe des Rudels. Wölfe, die hier nicht sein sollten, nicht sein durften, so nahe am Versteck des verbotenen Nachwuchs.
Die Freudenflamme in seinem Herzen gefror zu stechend kaltem Eis, als er einen Geruch erkannte.
Nyota, die Schwester und enge Vertraute der Alpha, mit der Akriyo schon ein paar wenige Worte gewechselt hatte. Der Wind wehte ihm noch eine weitere bekannte Witterung um die Nase und der Graue begann, am ganzen Leib zu zittern. Es war geschehen, die größe Angst der kleinen Gemeinschaft war Realität geworden. Bnshee, die Alphafähe, hatte sie gefunden.
.oO( Nein...Oh Götter, Nein! )
Akriyo rang mit dem Atem. Verloren. Sie waren verloren. Wenn ein Alphawolf etwas aussprach, war es Gesetz. Und wer ein Gesetz brach, insbesondere eines, das das Überleben des Rudels sichern sollte, hatte sein Leben verwirkt.
So war es im Rudel der Frostsänger gewesen und Akriyo zweifelte keine Sekunde daran, dass dies auch hier so war. Mit zitternden Läufen setzte er seinen Weg fort. Die Welpen, er musste zu den Welpen!
Wenn es sein musste, würde er sie mit seinem Leben beschützen. Dann würde er auch Juri und Nakiri wiedersehen... Da waren sie. Normalerweise loderte die Freude in ihm auf, wenn er die Kleinen sah, doch nun fraß sich die Verzweiflung tief in sein Herz. Nur das Mitleid mit der jungen Mutter hatte daneben noch Platz. Akriyo sah ihr in die grünen Augen.
"Shani...Es tut mir so leid."
Nun bereute sie schon, dass sie so panisch auf die Anfrage des Rüden reagiert hatte. Ihr Vater hatte sich bis jetzt noch nicht geäußert und schien von ihr zu erwarten, dass sie das richtige tat. Doch wusste sie doch gar nicht was das richtige war. Sie war doch innerlich ein noch jüngerer Wolf als äußerlich, und dabei war sie doch erst zwei Jahre alt. Sie nickte Ilias also nur stumm zu, innerlich rang sie einen schweren Kampf aus, sie wusste einfach nicht was zu tun war und blickte, Hilfe suchend, zu Zack, welcher aber eher Urion und Ilias zuhörte die beide auf ihn einredeten und so verbarg sie ihren Kopf in seinem dichten und warmen Pelz. Sie seufzte unhörbar und bekam gerade noch mit, wie Ilias sich für eine Weile verabschiedete und erklärte, dass er nachdenken müsse und sie doch auf ihn warten sollen.
oO Wenn er dann meint, dass wir das müssen, da es noch was zu klären gibt, dann muss ich ja gewaltig was verpasst haben Oo
Sie blickte Ilias nicht nach, als er sich gemächlich und wahrscheinlich mit brummendem Schädel von ihnen entfernte, sondern begann Urions Worten zu lauschen. Sie konzentrierte sich, wollte so gerne verstehen was er sagte, wo er doch schon meinte, sie würde vielleicht nicht alles verstehen.
Nun, wo sie zwischen zwei größeren Wölfen als sie selber lag merkte sie erst wie sehr sie gefroren hatte und nun wurde ihr endlich etwas wärmer, denn das was ihr eigener Pelz ihrem mageren Körper nicht geben konnte gaben ihr nun die beiden Körper der Rüden in guten Mengen dazu. Sie seufzte glücklich auf und steckte ihre Schnauze nun in Urions Fell und pustete leicht an seine Brust. Sie liebte es so zu schmusen.
oO Fast wie früher mit Mama und Papa . . . Nur das ich nun zwischen zwei Rüden liege. Und keiner davon zu meiner richtigen Familie gehört . . . Oo
Sie schloss die Augen, ihre eine Pfote auf dem Bein von Zack und ihre Schnauze an Urions Brust, sie war zwar noch erschöpft, fühlte sich aber wesentlich besser als vorher und sie war auch nicht so müde, dass sie einfach wegdämmern würde. Ihre Ohren waren aufmerksam aufgestellt, keines der weisen Worte Urions sollten ihr verloren. Auch wenn sie nicht verstehen würde was er sagte, sie würde es bei sich behalten und vielleicht würde sie irgendwann verstehen, was er ihr sagen wollte.
Nachdem er geendet hatte und zu Zack gesprochen hatte, öffnete sie die Augen und blickte nun zu ihm hoch.
„Du kannst wunderbar erzählen Urion, wie du schon am Anfang gesagt hast, jetzt kann ich noch nicht viel mit deinen Worten anfangen, auch wenn sie mich auf ihre Art und Weise berührt haben. Ich werde sie in meinem Herzen tragen und vielleicht wenn ich älter und hoffentlich auch weiser werde, verstehe ich was du der damals so kleinen und hilflosen Sheena sagen wolltest.“
Nun zerbrach sie sich erstmal nicht weiter den Kopf darüber, ihre Gedanken waren mit Zack und Urions Gesprächsthema mitgewandert. Die graue, blinde Betafähe des Rudels. Auch ihr war aufgefallen wie mitleidig Zack dies ausgesprochen hatte und fragte sich verwundert wieso er dies tat. Nie, nein selten zeigte er irgendeine Regung und wenn dann schon gar nicht mit Worten sondern nur mit seinem Blick und seinen Bewegungen, welche ihr mittlerweile sehr vertraut geworden waren und welche sich sicherlich in der letzten Zeit, die sie sich nicht gesehen hatten, nicht geändert hatten.
Sie verstand Urions etwas irritierte Frage, denn ihr ging es nicht anders, auch wenn ihre Irritation vielleicht aus einer etwas anderen Richtung herrührte. Auf jeden Fall war sie trotz allem auf eine Antwort gespannt.
Doch dann, plötzlich wie von einem inneren Reflex getrieben stand sie vorsichtig auf um die beiden Wölfe nicht zu erschrecken, strich beiden mit ihrer Schnauze, die ihrigen hinaus bis zum Kopf und drehte sich mit murmelnden Worten um.
„Ich werde mal nach Ilias schauen, so wie ich es herausgehört habe, habe ich ihn unheimlich stark verletzt und wahrscheinlich auch nicht minder beleidigt. Ich bin es ihm schuldig mit ihm zu reden, wenn er mit mir reden möchte. Ich schaffe das glaube ich, er ist nicht allzu weit weg, wenn etwas ist rufe ich einfach.“
Sie fiel in einen leichten Zuckeltrab und entfernte sich von den beiden, ihrer Meinung nach sehr weisen, Rüden. Dabei war Zack nur ein Jahr älter als sie und trotzdem erschien ihr seine Weisheit unantastbar, sein ganzes Verhalten schien so klar und sicher, als wenn er schon tausende von Jahren auf der Erde wandelte.
Sie hatte Angst davor alleine mit Ilias zu reden, das konnte sie nicht verleugnen. Sie wusste nicht was er ihr sagen wollte, vielleicht wollte er ihr auch nur ihre Gemeinheiten zurückzahlen und wollte in Sicherheit sein vor den anderen beiden rüden.
Doch ihre Neugier trieb sie weiter voran und besiegte ihre Angst, wenn auch nicht mit einem großen Abstand. Sie schritt nun vorsichtiger aus, wusste ihn in ihrer Nähe und blieb stehen, als sie ihn entdeckte. Sie stand vielleicht 10 Meter von ihm entfernt und wollte diesen Abstand auch wahren, so trat sie nicht weiter vor.
„Hallo Ilias, ich hoffe es stört dich nicht, dass ich dir nun gefolgt bin. Es tut mir Leid, dass ich eben so panisch reagiert habe, überhaupt tut mir alles Leid, ich muss dich ziemlich fertig gemacht haben, nicht wahr? Auf jeden Fall sollst du wissen, dass das gewiss nicht meine Absicht oder mein Ziel war. Ich kann nur bedingt etwas dafür, näheres kann und will ich jetzt gar nicht erläutern.
Du fragst dich sicherlich ob ich dir gefolgt bin um dir das mitzuteilen, weil ich das ja eben eigentlich auch schon getan habe.“
oO Was zum Teufel erzählst du ihm da eigentlich alles, redest drauf los, kein Wunder das du Zack so weise findest, er redet selten unnötiges Zeug Oo
„Also was ich eigentlich meine, du wolltest mit mir reden, nun bin ich hier“
So, nun war es also endlich hinaus, anstatt, dass sie gleich Klartext geredet hatte, wahrscheinlich konnte Ilias sich sowieso denken wieso sie hinter her gekommen war, warum sollte sie ihm schließlich sonst hinter her gehen?
oO Weil er wahrscheinlich sehr nett ist, wenn ich Papa richtig verstanden habe hat er das Kaninchen erlegt. Und so wie Papa und auch Urion mit ihm reden, scheint er einiges getan zu haben und auch einiges ertragen haben müssen. Oh wie er mir Leid tut, wie ich mich schäme für dieses komische . . . Ding Oo
Er musste lächeln als er Ilias Worte vernahm, er fühlte sich etwas geehrt, er zeigte es nicht aber in ihm drin fühlte er sich sehr wohl, vor allem da er nicht viel älter als der Rüde war und es freute ihn, dass man ihn als einen Wolf ansah, von dem man noch lernen konnte. Aber es lag gewiss nur an seiner Erziehung, ob er auch so geworden wäre, wenn er in einem anderen Rudel aufgewachsen wäre bezweifelte er. Um Sheena nicht zu stören, welche sich nun, da Urion sich auf ihre andere Seite gelegt hatte, an ihn kuschelte und seine eigene Pfote liebevoll berührte, nickte er Ilias freundlich zu.
„Natürlich warten wir auf dich, kläre erst mal deine Sicht und vertreib die dunklen Nebelschleier aus deinem Geist, dann sieht alles gleich viel fröhlicher und besser aus.“
Er wand sich nun an Urion welcher Sheena eine Geschichte erzählte und ihr ein Lied sang. Er freute sich immer noch für ihn, nun war er viel aufgeschlossener, vorher hätte er nicht so entspannt liegen können, vor allem nicht so nah an einer Fähe und auch so nah an ihm. Er hätte es niemals zugelassen, dass Sheena ihn so berührte wie sie es jetzt, da sie ihm lauschte, tat. Er lächelte bei ihren Worten, er spürte, dass sie es ehrlich meinte und dann, als sie aufgestanden war um Ilias hinterher zu gehen wusste er, dass sie das richtige tat. Er hatte extra geschwiegen, sie sollte alleine auf den richtigen Weg kommen, er würde ihr immer helfen, natürlich, aber sie sollte sich nicht unter Druck gesetzt fühlen. Er robbte ein wenig an Urion heran und blickte ihn aus sanften Augen an.
„Natürlich kannst und natürlich wirst du sie kennen lernen! Ich weiß auch nicht . . .“
Beschämt senkte er seinen Blick. Er hatte selber gesagt, wie mitleidig er gesprochen hatte, er konnte sich nicht vorstellen wie es war blind zu sein und sie tat ihm Leid, denn was er mitbekommen hatte stimmte ihn traurig. So eine Fähe wie sie hatte etwas besseres verdient, aber natürlich hatte Urion Recht, Mitleid wollte sie gewiss nicht. Er hob den Kopf, man hatte ihm nicht ansehen können, dass er sich geschämt hatte. Er stupste Urion an.
„ Nein, du hast Recht, sie will kein Mitleid, das weiß ich und ich werde es ihr auch nie zeigen, es ist mir so heraus gerutscht, weil sie ist eine so lebensfrohe Fähe wie ich mitbekommen habe und liebte die Welt mit all ihrer Fülle und Farbe. Und deshalb tut es mir Leid. Aber das ist kein Grund das offensichtlich zu zeigen, vor allem weil es ihr nicht weiter hilft.
Schau nur, Sheena hat sich wirklich über deine Worte gefreut, sie ist so süß, mal sehen was Ilias ihr zu sagen hat. Auch wenn ich mir einiges denken kann. Es wird Sheena verschrecken, aber vielleicht schafft sie es ihn nicht noch weiter zu verletzen. Es wäre wünschenswert. Und dir, wünsche ich auch alles Gute wenn du Kaede kennen lernst. Du bist ein toller Wolf!“
Er stupste Urion abermals an und legte dann seinen Kopf auf die Pfoten um auf die Rückkehr der beiden jüngeren Wölfe zu warten. Alles um ihn herum schien voller Liebe zu sein. Er empfang Liebe für Sheena und er hatte Urion wahrlich gern gewonnen, auch Ilias kam ihm nett vor, auch wenn er ihn nicht so ins Herz geschlossen hatte wie er es bei Urion sagen konnte. Warum auch immer. Urion schien Kaede zu gefallen, mal sehen was daraus werden würde. Und Ilias hatte sich augenscheinlich in Sheena verliebt, und sie, war sie wohl abgeneigt von ihm? Sicher nicht, denn sie wäre ihm nicht nachgegangen, bestimmt konnte sie noch nicht von Liebe sprechen, sie war schließlich vorsichtig geworden, aber er konnte sich vorstellen, dass sich daraus einiges entwickeln konnte, wenn beide nur richtig handelten. Es war Frühling, fast schon Sommer, das wurde ihm nun bewusst.
Ilias, der nun auf dem Rückweg zu Zack, Urion und vor allem Sheena war, ließ seine Gedanken wie schon zuvor schweifen. Ausnahmsweise dachte er mal nicht an Sheena und sich, sondern nahm die Landschaft viel eher war, ließ sie auf sich wirken, wollte die Atmosphäre dieses Ortes spüren. Er bemerkte das er dies tat, weil ihn Zack dazu inspiriert hatte, ruhiger und gelassener zu wirken. Und ja, er war beherrschter, ließ sich nicht mehr ganz so sehr von Gefühlen leiten. Der kühle Wind der ihm durch sein Fell blies, stärkte ihn, gab ihm irgendwie kraft eines schnelleren Schritts einzulegen. In kurzer Entfernung erblickte er Sheena, alleine! . . .
o0 Was macht sie hier, soweit abseits der anderen? 0o
Er bemerkte, wie sie einen Abstand einlegte, gönnte ihr diesen und blieb auch stehen. Er atmete einige male tief ein und wieder aus und fing dann an mit klarer, ruhiger, aber trotzdem nervöser Stimme zu antworten.
"Hallo Sheena, schön dich zu sehen! Und das auch noch alleine. "
Er lächelte sie freundlich an, um ihr seine Freude über ihr Erscheinen zu vermitteln.
"Entschuldigt hattest du dich bereits und angenommen hatte ich diese auch. Trotzdem hatte ich noch die ein oder andere kleine Narbe in meinen Herzen, die du mir hinterlassen hast, doch auch diese werde ich dir Verzeihen."
Er überlegt kurz ob er noch weiter drauf eingehen sollte, ob sie das mit den Narben überhaupt verstand, wusste er nicht, unterließ es allerdings darauf einzugehen, da er sie nicht niedermachen wollte, sondern eigentlich genau das Gegenteil bewirken wollte.
"Das du mir gefolgt bist, überrascht und erstaunt mich zugleich, so hätte ich es nicht gedacht, dass du es mit deinem Gewissen vereinbaren hättest können, den Spuren eines merkwürdigen fremden Wolfes aufgrund dessen, was er gesagt oder getan hat hast zu folgen. Hierfür will ich dir noch einmal meine Anerkennung zeigen."
Wieder brauchte er eine kurze Atempause um seine Gedanken zu sortieren, denn das, was er ihr jetzt sagen würde, war ihm viel zu wichtig, um es vermasseln zu dürfen. Langsam fing er wieder an zu reden:
"Jetzt hör mich an, ich fange schon wieder an zu schwafeln. . . Ich werde es versuchen, auf einen Punkt zu bringen, denn es gibt schließlich einen besonderen Grund warum ich mit dir sprechen wollte. Und das auch alleine.
Weißt du Sheena, es ist mir bisher nie schwierig gefallen, von meinen Gefühlen zu sprechen, ich könnte täglich die ganze Zeit davon erzählen, doch finden solche Worte nur wenige Zuhörer. Doch jetzt bin ich an einem Punkt, an dem es mir wesentlich schwieriger fällt meine Gefühle zu zeigen, sie dir zu offenbaren."
Er fing schwerer an zu atmen, es fiel ihm nicht mehr ganz so leicht eine geeignete Tonlage zu finden, die zudem passte, was er ihr jetzt sagen würde, doch er schaffte es, indem er ein wenig leiser, redete. Er wünschte sich, er dürfte es ihr ins Ohr flüstern, doch sie war zu weit weg und er wollte ihr diesen Freiraum auf jeden Fall geben, um sie nicht noch mehr zu Stressen!
"Sheena? Ich kenne dich noch nicht lange, nicht lange genug um dich beurteilen zu können, wer du wirklich bist, doch habe ich schon viele Eindrücke von dir erhalten. Ich habe deine böse Seite kennen gelernt, habe sie zwar nicht verstanden, doch konnte ich ihr in einer Hinsicht nachempfinden und dir Verzeihen.
Ich konnte dir gar nicht böse sein, es war so, so berechtigt auf irgendeine Art und Weise.
Auf jeden Fall nehme ich dir nichts böse.
Doch viel wichtiger ist, dass ich auch deine "gute" Seite kennen gelernt habe. Und du hast schon zuvor mein Interesse geweckt. Wie du eben zu Zack gesprochen hast, mit welcher weichen Stimme, mit welcher Liebe. . .
Du hast mir damit gezeigt, wie es ist, jemanden zu haben. Wie es ist, jemanden zu lieben und ich musste eben einfach für mich alleine sein, damit ich meine Gedanken fassen konnte, um über uns nachzudenken. Sheena? Ich habe gemerkt, dass ich mich schon sehr lange nach Nähe sehne und eben habe ich gemerkt, dass ich so schnell wie möglich wieder zurück wollte. Ich wollte wieder zu dir.
Sheena? Ich glaube, nein ich weiß es, Sheena, ich habe mich in dich verliebt."
Während er ihr dies sagte, raste sein Herz, seine Nervosität war ihm bestimmt deutlich anzusehen, doch machte es ihm in diesem Moment nichts aus. Er zeigte ihr offen seine Gefühle, warum sollte er dann verstecken, wie er sich fühlte, während er ihr diese Worte zukommen ließ?
o0 Du hast ihr wirklich gestanden, dass du sie liebst? Wieso redest du jetzt schon von Liebe? Du hattest noch nie eine richtige Beziehung zu einer Fähe, woher sollst du Wissen, was Liebe ist? Und überhaupt, was soll sie dir schon sagen? Sie ist mit Sicherheit nicht interessiert, wie so viele zuvor auch. Warum soll es überhaupt ausgerechnet sie sein? o0
Seine Gefühle gemischt mit Gedanken, flogen durch seinen Kopf, es waren Bilder vergangener Tage, schöne Erinnerungen, aber auch schlechte, die ihn ihm immer schneller aufflackerten, sie ließen ihn nicht mehr los, sodass ihm leicht schwindelig wurde.
Er war zum einen sehr erleichtert gewesen, ihr es so gesagt zu haben, und sich nicht blamiert zu haben, doch war er auch sehr gespannt darüber, was ihm Sheena antworten würde. In gleicherweise machte er sich Sorgen um sich selbst. Würde er eine Abfuhr ertragen? Käme er damit klar?
Ilias wusste es nicht. Auch wollte er ihr noch sagen, wie schön sie doch sei, ihre besonderen Charaktermerkmale hervorheben, all das, all das was für ihn selbstverständlich gegenüber ihr war, doch er tat es nicht, weil er sich schämte. Er war einfach zu schüchtern und zu unerfahren in solchen Dingen und wusste nicht genau, wie er sie einbringen sollte, ohne das sie sich zu gezwungen anhörten.
"So, nun weißt du warum ich mit dir alleine sprechen wollte. Ich hoffe es überfordert dich jetzt nicht und deine Antwort muss auch nicht direkt kommen.
Wenn du erst noch nachdenken musst, so wie ich vorhin, so steht dem nichts im Wege. Wir sollten allerdings nicht zu lange wegbleiben, da ich nicht Verantwortlich dafür sein will, dass sich Zack sorgen macht, auch wenn es mir den Anschein hat, als ob dies eher selten der Fall ist."
Dann endlich verstummte er und wartete mit großer Nervosität und Unsicherheit aber trotzdem mit Geduld auf eine Antwort.
Erleichterung überrollte sie, als auch Ilias stehen blieb und sie so nicht bedrängte. Es war für sie sowieso schon eine spannungsgeladene und nervöse Situation und sie war froh, dass er so einfühlsam war und ihr nicht zu nahe getreten war. Auch als er anfing zu sprechen näherte er sich nicht weiter. Dankbar nickte sie ihm zu.
Sie hörte aus seiner Stimme heraus, dass er nervös war, war sich aber immer noch nicht sicher, was er ihr sagen wollte und sie hatte sich gehütet irgendwelche Spekulationen auf dem Weg aufzustellen, denn das hätte sie nur noch mehr aus der Fassung gebracht.
„Vielen Dank das du mir einfach verzeihst!“
oO Wieso tut er das? Oo
Einen Moment später hatte sich ihre Frage wohl erledigt. Anfangs redete er noch drum herum, doch als er meinte, dass es ihm nun schwer viel von seinen Gefühlen zu sprechen, wo er es doch sonst so gut konnte, schien es ihr, als würde die ganze Welt anfangen zu wanken. Sie blinzelte heftig.
oO Er kann doch nicht wirklich meinen, er will doch nicht etwas sagen? Oo
Und dann sagte er es, redete auch hier erst wieder etwas um den heißen Brei und dann sprach er von Liebe zu ihr, die, die er noch gar nicht wirklich kannte. Von der, die ihn ohne ende beleidigt hatte, die ihn verletzt hatte.
oO Deshalb hat er mir alles so schnell verziehen? Das er jetzt schon von Liebe sprechen kann, ich weiß noch nicht einmal was das genau ist? Ich liebe meine Eltern, ich liebe Neyla und ich liebe Zack. Über alles liebe ich Zack. Aber das hier, das muss, das ist eine andere Liebe von der er spricht. Das ist die Liebe, genau die über die ich vorhin erst nachgedacht habe. Und er scheint sie schon kennen gelernt zu haben? Ist es etwas . . . Was man einfach so kennen lernt? Das ist doch dämlich, als ob es sagen würde ‚Hallo, ich bin die Liebe und wer bist du?’ Oo
Nun musste Sheena lachen, sie konnte einfach nicht mehr aufhören, sie wusste, dass es bei Ilias falsch ankommen würde, sie wusste das sie dieses irre Lachen, was hysterisch aus ihr herauskam gestoppt werden musste und doch schaffte sie es nicht sofort.
Dann, als sie ihre Sinne wieder einigermaßen geordnet hatte verstummte sie, riss ihre Augen weit auf und blickte ihn lange Zeit erst mit ihren riesigen Kulleraugen an. Ihr fehlten einfach die Worte, als ob sie nie sprechen gelernt hätte, als ob sie gar nicht denken könnte, denn auch da fehlten die Worte, in ihrem Kopf war ein riesig großes Loch entstanden, für etwas anderes schien gar kein Platz mehr zu sein.
Sie schüttelte sich, einmal, zweimal, dreimal. Erst dann war sie fähig wieder irgendwas zu denken, es vielleicht auch irgendwie zu formulieren, auch wenn sie wusste, es würde ihr schwer fallen, sehr schwer. Langsam, fast schleppend erhob sie ihre Stimme welche leicht krächzend erklang, so als ob sie lange Zeit nicht geredet hätte oder als ob sie lange Zeit durchgejault hätte. Doch beides war ja nicht der Fall gewesen.
„Liebe . . Also ich? Ich meine du . . . mich? Warum? Weil ich meine . . . Ich . . . Nein . . Liebe? Was . . . kann das sein? Woher weißt du. Das kann doch nicht sein . . . Ich meine . . Was meine ich denn? Ich weiß gar nicht was ich meine. Ich glaube ich meine gerade gar nichts. Ich glaube . . . glaube ich denn? Weiß ich nicht, dass ich nichts weiß? Gerade . . Aber wie kann ich wissen, dass ich nichts weiß? Dann glaube ich, dass ich nichts weiß. Aber kann ich glauben wenn ich nicht wissen kann? Und wenn ich nicht glauben kann? Kann ich überhaupt irgendwas? Und wie kannst du wissen, oder glauben, oder beides!?“
Sie verstummte, versunken in stiller Verzweiflung. Was genau redete sie da eigentlich. Redete sie überhaupt oder hatte sie das alles nur gedacht? Sie schielte zu Ilias, wahrhaftig er war da doch hatte er sie auch gehört? Das war doch nicht ihre Stimme gewesen, dieses raue, krächzende, fast schon röchelnde etwas?
„Er sorgt sich immer, immer und immer ein wenig zu viel. Doch er weiß was er tut, er weiß was ich tue. Er ist mein Papa“
Sie blickte ihn nun offen an. Es überforderte sie, es war ihr deutlich anzumerken, natürlich wusste sie, hatte sie genau gemerkt wie nervös Ilias war, also atmete sie nun tief durch um wenigstens einen klaren Satz heraus zu bringen der auch etwas mit dem Thema zu tun hatte.
„Also, das, du merkst. Das überfordert mich, ich muss auf jeden Fall darüber nachdenken, denn ich kenne dich seit . . Wenigen Minuten. Ich weiß nicht was vorher war, vielleicht will ich es nicht wissen. Ich gehe nun zurück, gerne auch mit dir. Auch wenn Zack weiß wo ich bin und wahrscheinlich auch warum. Sicher wusste er es bevor ich mich entschlossen habe zu dir zu kommen.“
Sie schenkte ihm ein schiefes, halb erzwungenes Lächeln, drehte sich auf der Stelle um und hastete zurück zu Zack und Urion. Etwas aufgelöst kam sie bei den beiden an und drängte sich stürmisch aber sanft und bestimmt wieder zwischen Zack und Urion, welche nun näher aneinander lagen als eben. Hier fühlte sie sich sicher, hier konnte ihr nichts passieren. Sie freute sich, wenn Ilias ihr folgen würde. Doch sie wollte jetzt nicht mit ihm allein sein, denn das ganze machte ihr Angst, doch diese Angst kannte sie noch nicht und das machte ihr fast noch mehr Angst.
oO Ich muss mich beruhigen, eigentlich sollte ich mich freuen, dass mir so etwas gesagt wird. Ausgerechnet mir. Ich verstehe es nicht und ich werde es so schnell wie möglich klären müssen, doch erstmal muss ich all meine Gedanken sortieren und wieder klar denken können, sonst klappt da sowieso gar nichts. Oo
„Da bin ich wieder“
Murmelte sie den anderen beiden Wölfen zu, welche sich sicher etwas über sie amüsieren würden, doch sie wollte nicht darüber sprechen, nicht jetzt, vor allem da die beiden wahrscheinlich sowieso wussten was Sache war. Außerdem war es wohl nicht übersehbar und auch nicht überspürbar gewesen, dass sie wieder gekommen war. Ihr entfuhr ein überfordertes und sichtlich verzweifeltes seufzen, sie schloss die Augen und ließ ihren Kopf auf ihre Pfoten fallen. Hoffentlich unterhielten die beiden großen sich weiter, vielleicht konnte sie sich bei ihren Gesprächen erst etwas ablenken und beruhigen und vielleicht konnte sie dann, danach besser über ihre Probleme, waren es denn Probleme?, nachdenken. Sie schüttelte leicht den Kopf, legte sich zurecht und klappte die Ohren so, dass sie Ilias wahrnehmen würde sobald er in hörweite war und dass sie aber auch Urion und Zack lauschen konnte. Beide waren so unheimlich weise. Doch Urions Worte waren erstmal ein wenig in den Hintergrund gerückt, viel mehr turnte der Satz ‚Sheena, ich liebe dich’ in ihrem Kopf umher. Sie konnte nicht wirklich etwas damit anfangen, wollte vielleicht auch vorerst nichts damit anfangen können.
oO Aber du MUSST dich bald sowieso auseinander setzten, du DARFST ihn NICHT so lange warten lassen. Das wäre gemein. Und das willst du nicht.
Aber du willst auch jetzt nicht darüber nachdenken müssen. Er hat die angeboten, dass du ihm nicht sofort antworten musst. Wenn er hierher kommt werde ich ihm sagen, dass ich noch Zeit brauche. Das alles erst verstehen muss. Wenn die beiden großen sich nur nicht darüber lustig machen. Aber sie werden wohl so einfühlsam und verständnisvoll sein, dass sie es nicht machen. Oo
12.11.2010, 15:14
Seine Schwindelkeit wurde größer, durch sein immer schneller schlagendes Herz und seinen Gedankenströmen. Da stand er nun wieder, alleine, hatte keine richtige Antwort bekommen und war sich nicht sicher, was er nun machen solllte. . .
"Was war das gerade?"
Sagte er zu sich selbst und eine Antwort darauf kam auch kurze Zeit später von seinem Gewissen:
o0 War doch klar, ich habs dir gesagt, habe dich vorgewarnt, aber du musst wieder alles zu früh auspacken. Und was jetzt? Willst du ihr die ganze Zeit hinterherlaufen, bis sie von dir genervt ist? o0
"Aber ich liebe sie wirklich und ja ich werde ihr natürlich hinterherlaufen. Sie ist ein toller Wolf! Hübsch und hat einen tollen Charakter, ihr böses ich dagegen ist interessant und lehrt mich nicht immer alles so direkt ernst zu nehmen, sodass auch das seinen Vorteil hat."
Also machte sich Ilias auf den Weg, stimmte ein Lied an, um auf andere Gedanken zu kommen und um den Heimweg interessanter zu gestalten.
"My soul starts spinning again
I can't stop feeling
No, I won't stop feeling
And the fun's not fun anymore
I can't stop feeling
No, I won't stop feeling
And you leave me here on my own
Yeah you leave me here on the floor
You can't feel it
And you can't feel it
You can't feel it
And you can't feel anymore
Dooo-doo-doo, doo-doo-do-doo...
Soul boy, down and alone
And his soul is broken again
But you can't stop moving
No you won't stop moving along
Aaaaah...
My soul starts spinning again
I can't stop feeling
No, I don't stop feeling
And we're not 'us' anymore
I can't stop feeling
No, I won't stop feeling
And you leave me dancing alone
Yeah you leave me to die on the floor
You can't feel it
No you can't feel it
You can't feel it
And you can't feel anymore
Feel anymore, feel anymore
Feel anymore"
Urion, Sheena und Zack hatten ihn bestimmt singen hören und er schämte sich ein wenig dafür.
Leiser singend lief er weiter, entdeckte Sheena und co da, von wo er auch los gegangen war und war erfreut darüber, dass sie Wort gehalten haben.
o0 Sprichst du Sheena nochmal drauf an?
Ich würde raten es zu Unterlassen, zumal du ihr eh ein wenig Zeit zum Überlegen geben wolltest. Und du hast gesehen wie überfordert sie war.0o
Ilias fand, dass es süß von ihr war, dass sie beim ersten Anlauf keinen vernünftigen Satz rausgebracht hatte, hatte sich die komplette Szene trotzdem irgendwie anders vorgestellt. Er selbst wusste auch nicht, was er erwarten sollte, doch das sie direkt flüchtete, fand er etwas schade. Endlich kam er an.
"Hey Zack, Urion, alles klar? Ich bin wieder zurück und Sheena hats auch überstanden."
Er bemerkte, dass er sich etwas scheute ihr in ihre schönen gelben Augen zu blicken.
"Ist was in der Zwischenzeit passiert? Eher unwahrscheinlich, so kurz wie ich weg war oder?
Wie gehts jetzt überhaupt weiter? Denn ich will vorerst nicht mehr alleine reisen, nicht jetzt, wo ich so tolle Wölfe kennen gelernt habe. Desweiteren habe ich dir ja schon angedeutet, dass ich mich gerne ein wenig von dir inspirieren lassen will."
Er stubste Urion kurz an, lächelte ihn an und tat das selbe dann bei Urion.
Urion war etwas verwirrt, als er Sheenas Schnauze in seinem Fell spürte, aber schließlich legte er vorsichtig seinen Kopf auf den ihren und er berichtete weiter von der Fähe, die von ihrem Gefährten verlassen wurde. Als Sheena ihm auch noch sagte, dass er wunderschön erzählen könne, zeigte Urions Gesicht keine Regung, jedoch blitzte kurz in den alten Augen ein kleiner Funke der Freude auf. Langsam nur konnte sich der Graupelz an diese ganzen Gefühle gewöhnen und dazu kamen auch noch die Eigenen, welche im Frühling sich gerne auftaten. Schließlich erhob sich Sheena. Wurde auch mal Zeit, dass sie mit Ilias sprach.
o.O(Der Arme weiß wahrscheinlich gar nicht wohin mit seinen ganzen Gefühlen.)
Der Rüde blickte der jungen Fähe lange nach bis sie verschwunden war. Schön, dass er auch mal wieder allein mit Zack zugange war. Dieser machte sich auch gleich daran seine Reaktion zu erklären warum er so mitleidig über Kaede sprach. Urion legte aufmerksam den Kopf schief. Zack war noch ein junger Wolf, sprach aber wie ein weiser Alter und das bewunderte Urion sehr an seinem Weggefährten. Der Graue reagierte wieder nicht, als er als toller Wolf bezeichnet wurde, jedoch erwiderte er den Stupser von Zack, legte ebenfalls seinen Kopf auf seine Pfoten. Nah lag seine Schnauze an der von Zack.
"Lieber Zack, ich weiß, dass es nur eine kurze Zeit ist, die wir uns kennen, aber mir kommt es vor, als sei es eine Ewigkeit. Trotzdem möchte ich dich fragen, ohne dir zu nahe treten zu wollen... vielleicht könnte ich eine Patenschaft... also, sowas wie ein... na ja... du bist ja der richtige Vater... ich meine... vielleicht der zweite Papa werden... oder guter Freund... wie auch immer."
Urions eh schon raue Stimme versagte fasst noch mehr. Sein Herz klopfte gespannt und er hoffte, dass er Zack nicht zu nahe getreten war. Gerade wegen seiner verstorbenen Gefährtin. Sheena war sichtlich verwirrt zurück gekehrt. Hätte sie Haut, so würde diese jetzt knallrot schimmern. Es schien, dass Ilias ihr etwas gebeichtet hatte, was die Kleine völlig überrumpelt hatte. Sie legte sich seufzend zwischen die beiden Rüden, sodass Urion wieder etwas Platz machte. Mit einem aufmunternden Fiepen stupste er Sheena sanft an.
Schließlich war auch Illias lautstark zu vernehmen. Urion lächelte mit den Augen und klopfte sanft mit der Rute auf dem Boden. Endlich waren sie wieder versammelt, vielleicht konnte es nun auch Richtung Kaede gehen.
Vorsichtig erhob der Graue aus dem Norden sich und reckte seine Glieder.
Ilias wirkte ebenfalls wie ein kleiner Teenager.
Urion umrundete ihn langsam um neben dem jungen Rüden stehen zu bleiben.
"Vielleicht können wir ja alle gemeinsam weiter reisen. Außerdem denkt es sich beim Laufen besser, weil Sauerstoff ins Gehirn kommt."
Urion blickte mit einem gewissen Schalk in den Augen zu Zack.
"Vielleicht befinden sich an der Reviergrenze noch ein paar Wölfe des Rudels."
Madoc lief mit leichfüßigen Schritten über den weichen Schnee, immer darauf bedacht, möglichst elegant zu wirken. Doch mehr wert legte er darauf, dass er Llywarch nicht aus den Augen verlor. Nebeneinander trabten sie immer weiter, sie waren schon lange unterwegs, wie lange, das konnte sich der Welpe nicht merken, das einzige, was ihm so langsam bewusst wurde war, dass seine Beine langsam erschöpften. Vielleicht kam es ihm auch nur so vor, weil er nicht mehr laufen wollte, aber natürlich ließ er sich nichts anmerken, ein starker Wolf durfte schließlich keine Schwächen zeigen!
Alles um die beiden Albinos herum war schneebedeckt und bergig. Wieso er sich ausgerechnet für diesen beschwerlichen Weg entschieden hatte, wusste er selber nicht. Als sie vor das Gebirge gekommen waren, wollte Llywarch ihn auch schon zurückhalten, auf der Art, auf der er ihn immer vor Gefahren warnt. Meistens hörte Madoc auch auf seinen taubstummen Bruder, aber dieses Mal hatte er es nicht getan. Eine innere Stimme hatte ihm gesagt, dass er nur hier sein Ziel erreichen würde, dass es ein wichtiger Ort in seinem Leben war. Er ist dieser Stimme nun gefolgt und bereute es sogar beinahe. Wie schon öfters wünschte er sich, auf seinen Bruder gehört zu haben, aber er ließ sich nichts anmerken. Sein Magen knurrte und er war sich sicher, dass auch Lly Hunger hatte, schließlich hatten sie schon seit zwei ganzen Tagen nicht mehr gefressen. Auf dem Weg auf die Berge hatten sie Murmeltiere und Steinböcke gesichtet, aber was konnte zwei Welpen schon tun? Auch wenn einst ein Wanderer sie im Jagen unterwiesen hatte, konnte zwei so kleine Wölfe unmögliche Beute erlegen.
Ihren Durst stillte sie, indem sie Schnee im Mund schmelzen ließen. Seine Ohren spielten in alle Richtungen, um kein einziges Geräusch außer Acht zu lassen und seine Schnauze nahm eine Reihe neuer Gerüche war. Für den Bruchteil einer Sekunde sehnte er sich nach seinem alten Leben, die spielerischen Kämpfe mit seinen Geschwistern, seine Eltern… Doch nein, ein Abenteurer wie er konnte schließlich nicht ewig im Schutz eines Rudels leben!
Sie wanderten nun schon beinahe zwei Wochen und suchten nach einem Ziel, von dem sie nicht wussten, was es war, aber an Aufgeben hatte Madoc bisher keine Sekunde lang gedacht.
Allmählich wurde der junge Rüde aber doch müde. Benommen wandte er seinen schönen Kopf Llywarch zu und sah ihn aus seinen Rubinroten Augen an. Er schien auch müde zu sein, schließlich war er sogar schwächer als er selber.
.oO(Sollte ich vielleicht eine Pause einlegen? Lly sieht ziemlich erschöpgt aus…)
Daran, dass er selber es auch war, wollte er natürlich gar nicht denken, er wollte es einfach nicht wahr haben, dass er selber am Ende seiner Kräfte war. Immer mit dem Gedanken daran, dass er es für seinen geliebten Bruder tat, sagte er.
“Sollten wir vielleicht eine Pause einlegen, Lly? Wir sind schon lange gegangen und sollten unsere Kräfte schonen, schließlich wissen wir nicht einmal, wann wir wieder Beute finden…“
Er wusste zwar, dass sein Bruder ihn nicht hörte, aber es war zu seiner Gewohnheit geworden, dennoch mit ihm zu sprechen. Madoc wusste auch zu genau, dass sein Bruder beinahe seine Gedanken lesen konnte. Ein besonderes Band verband die beiden, ein Unsichtbares Band, so unscheinbar wie ein Schatten und dennoch so stabil. Um seine Worte zu unterstreichen verlangsamte der schneeweiße Rüde sein Tempo und sah dabei Llywarch unverwandt an. Wartend sah er den anderen Albino an, wartend auf eine Geste, die seine Worte bejahen sollten. Wie er solche Gesten verstand, wusste er selber nicht, es lag wohl an der besondern Bindung zwischen ihnen und daran, dass er sehr sensibel auf Gefühle anderer reagieren konnte, dass Ergehen andere sehr gut einschätzen konnte.
Plötzlich hob er aber seine feine, pechschwarze Schnauze und schnupperte in die Luft. Es kam ihm so vor, als würde der sanfte Geruch von Wasser in der Luft hängen. Waren sie tatsächlich in der Nähe eines Gewässers? Bestimmt, aber dennoch wollte er sich erst einmal ausruhen. Vielleicht war es ja doch noch weit bis dorthin? Vielleicht verliefen sie sich sogar? So viele Sorgen wollte sich Madoc nun gar nicht machen. Er war inzwischen stehen geblieben und spürte, wie der weiche Schnee unter seinen Ballen zu schmelzen begann. Immer noch galt seine Aufmerksamkeit seinem Bruder.
Überall Schnee. Und Madoc hetzte herum. Wie dumm, das waren verschwendete Kräfte. Der Schwächere Rüde stieß einen stummen Seufzer aus und blieb stehen. Er legte den Kopf schief, wartete. Er stieß ihm die Pfote in die Flanke, spürte die Vibration. Madoc hatte Hunger- gut dass Lly ein totes Bergschaf gerochen hatte. Sie mussten nur den Weg verlassen und etwas nach rechts laufen dann würden sie es schon finden.
oO(Ich muss ihn dazu bekommen nach rechts zu laufen. Da liegt Futter)Oo
Ohne weiter auf irgendwelche Gesten zu achten sprang der kleinere nach rechts durch den Schnee davon und war bald außer Sichtweite seines Bruders. Allein die Spuren verrieten wo er hin war. Sie waren unsichtbar im Schnee. Das war gut so denn es gäbe wohl viele Raubtiere die stark genug waren Wolfswelpen zu töten wenn sie denn allein waren.
Er tauchte die Schnauze in den Schnee, wühlte ihn auf und wälzte sich darin um seine Freude zum Ausdruck zu bringen. Seine dunkelroten Augen blickten zu Madoc rüber der immer noch auf dem Weg ins Tal stand.
Lly’s Vorderpfoten hob sich kurz in die Luft ehe er sich umdrehte und ein Stück Fleisch aus dem Bergschaf riss. Er wedelte mit der Rute. Sie waren gerettet. Futter bedeutete Kraft und Kraft war ein Teil des Weges den sie bewältigen mussten um ins Tal zu gelangen.
oO(Komm her zu mir Bruder. Ich habe Futter gefunden)Oo
Er tobte um den Kadaver herum und wirbelte Schnee auf. Dann packte er das Stück Fleisch und rannte zurück zu seinem Bruder. Er nahm Spielhaltung ein und schüttelte das Fleisch vor Madocs Nase hin und her.
oO(Sieh nur, sieh nur… Futter… Fleisch….ganz viel)Oo
Er schnappte nach Madoc, wollte seine Aufmerksamkeit und nur das denn sie waren gerettet
Er lächelte als Sheena sich wieder zwischen sie drängte, also hatte er mit seiner Vermutung Recht behalten, indem was Ilias wohl sagen wollte und gesagt hatte. Er stupste Ilias auch freundlich an, als dieser wieder kam und freute sich, dass der etwas jüngere Rüde sich von ihm inspirieren lassen wollte.
„Es freut mich, dass du so über mich denkst Ilias, ich hoffe ich bin dir ein gutes Vorbild, doch solltest du wissen, dass nicht alles so geschickt ist was ich mache und wie ich mich verhalte.“
Er stand ebenfalls auf, als Urion sich streckte und blickte ihn freudig überrascht an. Er meinte wohl Sheena, wen auch sonst. Er blickte auf Sheena herunter, sie hatte bestimmt kein Problem damit, er hatte das Gefühl, dass sie ihn ebenfalls mochte und da sie ihm ja auch vertraute hatte sie sicher kein Problem damit wenn er nun für sie beide antwortete. Natürlich wäre Urion kein Mutterersatz, nicht für Hanako und auch nicht für Neyla, aber es war bestimmt noch mal etwas anderes ob sich nur ein Wolf oder zwei um sie kümmerten. Vielleicht kam es wenigstens einer Familie wieder näher als die jetzige Situation. Er blickte Urion also wieder an und legte den Kopf leicht schief. Wenn müsste er ihm auch sagen, dass Sheena nicht seine richtige Tochter war.
„Du meinst gewiss ein zweiter Papa für Sheena, oder? Dann musst du aber noch eins wissen, aber keine Angst, ich bin nicht abgeneigt von der Idee. Doch auch ich bin nur ihr Ziehvater, ihre Eltern haben dieses Rudel nach einer schicksalhaften Jagd verlassen, ebenso ihr noch lebender Bruder. Neyla und ich haben sie irgendwann getroffen und sozusagen adoptiert. Nun weilt Neyla auch nicht mehr unter uns, doch ich bin mir sicher, dass sie nichts dagegen hat, wenn wir eine Art kleine Familie bilden, oder Sheena? Ich denke, wir kommen schließlich gut miteinander aus und auch wenn wir zwei Rüden sind, die, ich sage jetzt mal, nur gut befreundet sind, ist es bestimmt etwas Familien ähnliches, das sie dann wieder zwei Ansprechpartner hat, auch wenn sie ja nicht mehr ein kleiner Welpe ist. Ich würde mich also sehr freuen, wenn du ihr auch eine Art Vater wirst.“
Er ließ seinen Blick wieder zu Sheena gleiten, wanderte dann weiter zu Ilias und wieder zurück zu Sheena, welche er auffordernd anstupste. Sie wollten weiter ziehen, die Lage war entspannt, sie hatten sich ein wenig ausgeruht und gestärkt und Urion wollte gerne Kaede kennen lernen und dann konnten sie doch einfach zur Reviersgrenze laufen und ihr hallo sagen. Vielleicht würde sie sich auch wohler fühlen wenn sie mit ihm und Sheena noch zwei weitere Mitglieder des Rudels hatte und nicht mit drei anscheinend Fremden alleine war. Außerdem würden Ilias und Urion dann auch gleich die Betafähe kennen lernen und sie würden mit fünf Fremden Banshee aufsuchen können. Das wäre zwar anstrengend für sie, doch bestimmt auch besser, als wenn sie sie alle einzeln aufsuchen würden. Er trat also neben Urion, berührte ihn kurz mit der Schnauze und fing dann an zu sprechen.
„Nun, Sheena, Ilias, Urion, dann wollen wir doch losgehen. Wie Urion vorgeschlagen hat können wir zur Reviersgrenze gehen, dort ist Kaede anscheinend mit drei ebenfalls Neuen, dann lernt ihr gleich die Betafähe kennen und vielleicht können wir uns dann alle zusammen auf den Weg zum Rudel machen.
Mit diesen Worten fing er langsam an in die Richtung der anderen Wölfe zu gehen, so dass die anderen gut Schritt halten konnten, denn wenn sie hier noch länger stehen bleiben würden könnte es sein, dass Kaede sich ebenfalls auf den Weg machen würde und dann würden sie nur sinnlos dorthin laufen.
Sie hatte Urions Worte vernommen und ebenso die Antwort welche Zack von sich gegeben hatte. Und er hatte Recht, sie hatte kein Problem damit, wollte Urion sich wirklich um sie kümmern und ebenfalls wie ein Papa zu ihr sein, natürlich war es dann keine normale Familie, denn es waren zwei Rüden, welche sich um sie kümmern würden, doch das störte sie nicht im geringsten. Ihr war Urion sympathisch und wenn auch Zack ihn mochte, dann musste er in Ordnung sein, schließlich war Zack ihr Papa und ihr großes Vorbild.
Verwunderlicherweise stimmte es sie kaum traurig als er ihm erzählte, dass er nicht ihr richtiger Vater war, obwohl er von der Jagd sprach und davon wie sie verlassen wurde, auch als er Neyla erwähnte verfiel sie nicht in große Trauer. Vielleicht hatte sie es verarbeitet und endlich so akzeptiert wie es einfach war. Das war es doch, was sie sich immer gewünscht hatte, hoffentlich war es jetzt endlich eingetreten. Nicht, dass sie, sie alle nicht trotzdem vermisste, aber sie fühlte sich nicht schlecht dabei, nicht so wie sonst wenn sie an all das Vergangene dachte. Sie erhob sich ebenfalls und streckte und schüttelte sich genüsslich.
„Wie Papa schon gesagt hat, Urion ich würde mich freuen, wenn du das wirklich machen willst. Natürlich bin ich kein kleiner Welpe mehr und doch denke ich ist eine Familie immer etwas wichtiges, auch wenn es nun zwei Rüden sind die sich anscheinend um mich kümmern. Ich mag dich und das ist wohl sehr wichtig und auch sehr schön.“ Sie wand sich an Ilias „Und wir werden später reden, du hast gesagt du lässt mir etwas Zeit und die werde ich auch brauchen, aber denkt nicht, dass ich es vergesse!“
Sie lächelte ihm etwas schüchtern zu und drehte sich dann in Zacks Richtung welcher schon langsam vorgelaufen war. Freudig verfiel sie in ein etwas schnelleres Tempo und holte so schnell zu Zack auf, sie knuffte ihn spielerisch in seine Seite und hüpfte dann um ihn herum. Endlich spürte sie wieder diese Lebensfreude in sich, welche sie das letzte mal gespürt hatte, als sie mit ihrem Bruder durch den Wald getobt war. Doch genug der alten Erinnerungen, sie wollte das Schicksal schließlich nicht herausfordern und sicher war es nicht zu gut, wenn sie die ganze Zeit an früher dachte. Sie war sich nämlich nicht sicher, dass alles schon so verarbeite war, wie es verarbeitet sein musste um sie gar nicht mehr aus der Bahn werfen zu können.
oO Nun ja, alles wird vorbei gehen und nun beginnt anscheinend ein neuer Abschnitt meines Lebens. Wenn es dann so sein soll, soll es so sein und ich bin wirklich froh, dass wir Urion kennen gelernt haben, ebenso Ilias. Mal sehen was daraus wird. Oo
Madoc sah noch immer seinen Bruder an, als dieser ihm plötzlich mit einer Pfote in die Flanke stieß. Er hatte sich daran gewöhnt, dass Llywarch nicht sprach und konnte auch gut seine Körpersprache deuten. Jede Geste des anderen Rüden beobachtete er genau, bis er plötzlich davon lief, nach rechts. Zuerst wunderte sich der kleine Albinowelpe, doch dann witterte er es auch. Es war Fleisch, ein totes Bergschaf, wenn er sich nicht irrte. Doch eigentlich wollte er doch dem Wasser folgen! Jetzt blieb ihm natürlich nichts anderes übrig als seinem Bruder zu folgen, er durfte ihn schließlich nicht aus den Augen verlieren, er musste ihn doch beschützen! Mit kräftigen Sprüngen setzte er Lly nach, holte ihn jedoch nicht mehr ein, da er zu lange mit dem Folgen gewartet hatte. Als er den Spuren Llywarchs folgte, sah er, wie dieser gerade mit einem Stück Fleisch im Maul zurückkehrte. Madoc musste grinsen, als sein Bruder ihn spielerisch ansah und das Stück Fleisch hin und her schüttelte. Freudig ließ er sich auf das Spielchen ein und wedelte mit seiner Rute.
Mit einem Satz stürzte er sich auf Llywarch drauf, jedoch nicht so, dass er umfiel, denn er wusste, dass er selber der Stärkere war. Spielerisch lief er um seinen Bruder herum und tat immer wieder so, als wolle er ihm das Stückchen Fleisch abjagen. In Wirklichkeit hätte er es ihm natürlich überlassen, schließlich war es doch sein geliebter Bruder. Augenblicke darauf wich er dem schnappenden Lly aus und sah ihn wieder grinsend an. Wie er es doch liebte, mit seinem Bruder herum zu tollen!
Nach einer weiteren Weile des übermütigen Spiels ließ Madoc von seinem Bruder ab und lief zu dem Kadaver. Er lag wohl schon lange hier, denn es hatte sich bereits eine Eisschicht gebildet. Dies störte ihn jedoch nicht, sie waren gerettet, bis sie weitere Beute fanden, würde dieses Bergschaf ausreichen.
“Komm, lass uns erst einmal Fressen“
Sagte Madoc schließlich und tat so, als wäre der Welpe neben ihm mit den für einen Wolf normalen Fähigkeiten ausgestattet. Dann deutete er mit seinem Kopf auf die Beute und lief dorthin, Llywarch hatte ihn bestimmt verstanden. Als er bei dem halb gefrorenen Kadaver ankam, sah er noch einmal zu seinem Bruder zurück und versenkte dann seine Schnauze ins hart gewordene Fleisch. Es war schon recht kalt geworden und nicht sonderlich schmackhaft, aber immerhin füllte es seinen knurrenden Magen.
Als er endlich sein Mahl beendet hatte, setzte er sich neben dem toten Bergschaf auf den Boden und leckte sich über die Lippen. Er spürte, wie ihn neue Kraft durchströmte und mit ihr auch neue Entschlossenheit. Sie würden es schon schaffen, dieses Gebirge hinter sich zu bringen und vielleicht war es wirklich ein wichtiger Ort? Er ließ seine Ohren nochmals in alle Richtungen schnippen, bevor er sich wieder an Lly wandte.
“Wollen wir nun eine Pause machen?“
Um seinem taubstummen Bruder noch deutlicher zu machen, was er wollte, legte er sich auf den kalten Boden und deutete neben sich, zum Zeichen, dass sich sein Bruder dort hinlegen sollte. Wartend blickte er ihn an und ein warmherziges, wölfisches Lächeln umspielte seine Lefzen.
Madoc ließ sich auf das Spiel ein, aber als er das Interesse verlor und zum Kadaver rannte, blieb der kleinere erstmal zurück und schlang das Fleisch herunter. Dann erst folgte er dem anderen. Seine Ohren zuckten auch wenn er nichts hören konnte. Ein Kurzer Blick zum Himmel, so lausig sein Gehör war, umso schärfer waren die roten Augen.
oO(ich glaube nicht dass es ok wäre hier zu rasten. Es könnten Raubtiere kommen)Oo
Er trat neben Madoc, fraß noch etwas ehe er wieder zurück zum Pfad rannte. Hier war es gefährlich, selbst für Albinos. Es gab keine Möglichkeit auszuweichen
Sie mussten hier weg und zwar schnell, denn so ein Kadaver lockte schnell Stärkere Tiere an.
Ilias war von der Stimmung ihrer kleinen Gruppe hell auf begeistert und freute sich sehr, wie sehr Zack und Urion ihn doch akzeptierten.
Das Sheena noch eine Weile brauchte um zu Antworten, fand er nicht weiter schlimm, da er ohnehin damit gerechnet hatte. Ausserdem waren da noch ein paar Gedanken, die ihn immernoch davon überzeugen wollten, dass eine Beziehung nichts für ihn sei, vorallem nicht mit Sheena, doch diese konnte er fast gänzlich ausblenden. Sie schwächten lediglich das Gefühl von Liebe, die er Sheena eben gegenüber gestand. Doch seine Gedanken waren jetzt eher auf das Gerichtet. was vor ihnen lag. Nämlich das Treffen mit anderen Wölfen, unter anderem der Betafähe und das sie zusammen zum Rudel zurückkehren würden. Endlich einmal sah seine Zukunft rosiger aus, als je einmal zuvor und er war sehr erfreut darüber. Endlich verspürrte er ein Gefühl der Zufriedenheit, welche ihm solange verwehrt gewesen blieb. Der Weg der vor ihnen lag, war nicht all zu lang und beschwehrlich, wodurch Ilias Freude noch gestärkt wurde.
o0 Wow, wie Plötzlich das alles jetzt kam!
Ohne Sheena, nein noch viel wichtiger, ohne Zack und ohne Urion, wäre ich niemals da, wo ich jetzt bin. Ich werde ihnen meinen Respekt zeigen, werde ihnen helfen, wo ich auch noch kann und werde bestimmt noch viel von ihnen lernen. Und dann bin ich bald wieder in einem Rudel, keine einsame Seele mehr, wieder glücklich, aber so richtig! 0o
"Hey Zack, ein gutes Vorbild bist du auf jeden Fall! Du hast mir praktisch den Weg zum Glück eröffnet, so war ich bevor ich euch kennen gelernt habe, häufig unzufrieden und lebte in ständiger Einsamkeit. All das hat sich nun dank dir, nein, danke euch geändert."
Er trat einen Schritt näher an Zack heran und flüsterte ihm dann:
"Du bist trotzdem der Hauptgrund, warum es mir jetzt besser geht. Achso und was ich Sheena erzählt habe, oder sagen wir eher gebeichtet, kannst du dir sicher denken. Ich hoffe damit hast du keine Probleme und überhaupt, bin ich mir doch nicht ganz so sicher, wie ich für sie empfinde, obwohl ich ihr eben gegenüber wahrlich von Liebe gesprochen habe."
Seine Rute wedelte, er lächelte Zack an und auch seine Zunge ließ er aus seinem Mund hängen, um ihn seine Freude zu zeigen. Dann blickte er zu Urion rüber:
"Urion, ich will mich bei dir nochmal entschuldigen, du warst am Anfang sehr merkwürdig und ich habe vieles nicht Verstanden, von dem, was du Zack, Sheena und auch mir erzählt hast. Ich wusste nicht, was ich von dir halten soll, doch hast du mir nun gezeigt, dass du ein fürsorglicher sympatischer Wolf bist. Verzeih mir meine verfrühte Meinung."
Auch zu Sheena sagte er etwas:
"Sheena, kein Problem, lass dir alle Zeit die du brauchst und felle bloß keine Voreiligen Schlüsse. Wir kennen uns noch nicht all zu lang und vielleicht solltest du erstmal einen Eindruck von mir bekommen, ehe du dich entscheidest."
o0 Oh ja, geb ihr zu viel Zeit zum Überlegen, damit sie deine schlechten Seiten kennen lernt. . .
Deine anstrengende Seite, deine zu Gefühlsvolle Seite... 0o
o0 Hör auf mir Vorwürfe zu machen Gewissen! Ich habe eine Entscheidung getroffen, habe auf mein Herz gehört, nicht auf dich und fühle mich gut dabei!
Vorerst zumindest . . ." o0
Zufrieden von sich, seiner Meinung, der Welt und allem was es gab, stapfte er weiter, dem Ziel entgegen, immer mehr in Richtung Glück.
Madoc hörte seinen Bruder nicht sprechen, aber er wusste, was er dachte. Vielleicht lag es sogar zum Teil daran, dass ihm es plötzlich auch bewusst geworden war. Im Unterbewusstsein hatte sich dieser Gedanke schon lange eingeschlichen, aber er war eben ein Draufgänger. Wäre nicht sein Bruder ständig bei ihm, wäre er sein noch relativ kurzes Leben wohl schon los gewesen…
Doch da Llywarch das jetzt deutlich machte, blieb dem Sternentänzer nichts anderes übrig, als zu gehorchen. Schließlich ging es doch um die Sicherheit seines Bruders… und um die seine… Madoc musste grinsen, als er sich wieder dabei ertappte, sich als den starken großen Bruder zu betrachten, wobei er sich gar nicht daran zu erinnern wagte, dass er ohne die Warnungen von Lly ziemlich viel Pech haben würde. Der kleine Albino stand auf und setzte mit schnellen, federnden Schritten seinem Bruder nach.
“Ich wittere Wasser, Lly, sollten wir vielleicht dort hin gehen? Irgendwie hab ich das Gefühl, dass wir es tun sollten…“
Um seine Worte verständlicher zu machen, schnupperte er in die Luft und deutete mit seiner pechschwarzen Schnauze in die Richtung, aus der die Witterung kam. Dann trabte er los, in einem gemäßigten Tempo, dass relativ Kraft sparend war. Er blickte abermals auf seinen Bruder zurück und wartete auf seine Reaktion. Nur eine minimale Veränderung seiner Mimik würde ihm all seine Gedanken verraten. Während er seinen Bruder betrachtete, tasteten seine Sinne mal wieder die Landschaft ab. Schließlich waren sie noch nicht weit von der Beute entfernt und sogar größere Raubvögel wären eine Bedrohung für zwei Welpen.
Alles war ruhig, kein Laut, nur das entfernte Schlagen von Flügeln war zu vernehmen, doch das war so weit weg, dass sie sich darum keine Sorgen zu machen brauchten. Wichtiger war nun, dass sie einen sicheren Unterschlupf für die Nacht fanden, etwas wie eine Höhle, oder auch ein Bau würde reichen, nur nicht im freien. Sowie Madoc seine Gedanken nachhing, wusste er, dass sein Bruder schon von seinen Sorgen wusste. Vielleicht war es doch keine so gut Idee, zum Wasser zu gehen? Schließlich zog Wasser auch anderen Lebewesen und damit auch Raubtiere an. Genau das wollte er seinen Lly jetzt auch fragen.
“Oder meinst du, dass es doch zu gefährlich ist, am Wasser?“
Er legte seinen Kopf schief und auf seinem schönen Gesicht machte sich ein fragender Ausdruck breit. Madoc war sich sicher, dass sein Bruder ihn verstanden hatte. Zufrieden blickte er ihn an, stolz darauf, dass er auch einmal an Gefahren gedacht hatte, die möglicherweise drohten.
Urion blickte die drei Wölfe um sich an. Er konnte nicht glauben, dass er mit einem schlag so viel Glück haben sollte. Der Graue spitzte horchend die Ohren, jedoch schien alles in völliger Harmonie zu leben. Urion ließ Sheeba den Vortritt, damit Ilias und sie sich weiter beschnuppern konnten. Nur kurz lehnte er seinen Kopf an den ihren um seine väterliche Zuneigung kund zu tun. Der Nordwolf trabte gemütlich neben Zack her, berührte ihn manchmal mit der Schulter um zu prüfen, dass er nicht in einem Traum lebte.
"Lieber Zack, alles scheint in völliger Harmonie. Das ist alles Wirklich, oder?"
Nochmal witterte Urion in die Luft. Ob die Wölfe an der Grenze schon von ihrem Glück wussten. Gelassen pendelte seine Rute umher, die Pfotenballen schwebten
fast über den Boden. Der Augen des Graupelzes nahmen jede kleinste Bewegung war. Ihm fiel ein, dass Zack mit
seinem freundlichen Wesen wunderbar in diese Harmonie passte.
"Ich danke dir, dass du mir wegen Sheena vertraust... nach solch kurzer Zeit. Ich versuche mein bestes, auch wenn ich selber noch wandel wie ein Welpe."
Dankbar stupste Urion seinen Freund an und spielte dabei zufrieden mit seinen Ohren. Je näher sie der Reviergrenze kamen, desto gespannter wurde der alte Wolf. Die Seelenspiegel des Wolfes wanderten zu Ilias. Irgendwie knuffig der Wolf, wenn Urion solche Worte in die Schnauze nehmen würde. Hoffentlich würde der junge Rüde mit Sheenas Gesichtern klar kommen.
"Zack, du sagtest, dass Kaede die Betafähe sei. Meinst du, sie hätte Interesse an einen dahergelaufenen Strolch?"
Urion witterte kurz in die Luft.
"Frühling liegt in der Luft."
Plötzlich tat er mit allen vier Läufen einen Satz in die Luft und kläffte übermutig, dann wedelte seine Rute aufgeregt umher. Fröhlich zwickte er Zack in das Ohr, zog sanft daran und sprang um ihn herum. Mit einem Schlag wurde der Rüde wieder ruhiger. Lächelnd zwinkerte er seinen Freund an.
"Verzeih mir Zack. Ich freu mich schon auf die hübschen Fähen zum Gucken, denn eigentlich liegt mein Augenmerk auf Kaede."
Da war er, der freche Wanderer mit dem Schalk im Nacken, der einen Narr gefressen hat.
Sein Kopf drehte sich zu Madoc zurück. es war nur ein kurzer Blick aber er wollte nicht hierbleiben denn er schien etwas wahrgenommen zu haben, etwas das Madoc in seiner Aufregung wieder übersehen hatte. Ohne zu Zögern begann er zu rennen. immer seiner Nase nach. Warum auch sollte er warten? es gab nichts das ihn dort oben hielt. Außerdem hatte er es satt, das Wasser nur zu bekommen indem er Schnee fraß. Nein er wollte zu dem See, den er gewittert hatte. Ob Madoc ihm nun folgte oder nicht war nicht Lly's Ding aber er wollte unbedingt weg vom Schnee, er hatte einfach genug davon.
Auch auf die Gefahr hin dass ihn am See jeder sehen könnte. Er hatte sehr wohl gemerkt dass dort andere Wölfe waren aber wozu sich aufregen? er könnte sich sowieso nicht eher bemerkbar machen. wie denn? seine Stimme war tot, seine Ohren voller Stille. Er vermochte nicht jemals etwas von sich preiszugeben.
Stumm rannte er den Hang hinab, seiner neuen Heimat entgegen, die Rute wehte im Wind als Llywarch den Hang hinabsauste.
Viel zu abgelenkt von dem See und dem Glitzern bemerkte er daher auch das Loch im Boden zu spät, es schien von Murmeltieren zu stammen. aber das war grad egal denn Lly stolperte und schlitterte über den Boden, kippte und rollte weiter. Ein Ball aus weißem Fell bis er mitten in einer Gruppe Wölfe liegenblieb. Er entwirrte seine Füße und blickte auf. Unerschrocken stellte er fest dass dort drei Erwachsene Rüden und eine Fähe standen. er musterte sie eine weile ehe er sich aufsetzte, noch immer schweigend
Kaede drehte ihre Ohren, ganz kurz hatte sie vorhin schon einen anderen Rüden wahrgenommen, etwa noch ein Neuer? Doch er war so schnell verschwunden gewesen, wie er aufgetaucht war und so wollte sie sich erst Cuma widmen, welche mit ihr gesprochen hatte.
„Es freut mich sehr, wenn du mir davon erzählen willst. Jagen ist hier nicht so einfach, natürlich sind die Chancen einerseits größer wenn wir zu mehreren jagen, da wir dann ein größeres Gebiet durchstreifen können, natürlich fallen wir auf der anderen Seite aber auch schneller auf. Ich würde sagen, solange wir keinen Hunger haben, jagen wir auch nicht, denn das Futter hier oben ist Recht knapp und wir können es uns nicht leisten einfach zu essen, auch wenn wir noch keinen Hunger haben, und ich für meinen Teil esse nicht so gerne altes Fleisch.“
Sie grinste leicht, natürlich aß auch sie älteres Fleisch, aber nichts war gegen einen noch waren Tierleib einzuwenden, wenn man ihn denn haben konnte. Gerade wollte sie wieder anfangen zu sprechen, dass sie doch losziehen konnten zu der Rudelhöhle, da Cuma den Wunsch geäußert hatte zu einer Höhle zu ziehen, da nahm sie die Witterung von vier Wölfen auf. Zwei davon kannte sie, Zack und Sheena, doch die anderen beiden waren ihr fremd, nur viel ihr auf, dass der eine Rüde der war, welcher eben auch schon hier in der Nähe umhergegeistert war. Sie lächelte den anderen beruhigend zu.
„Wie es scheint bekommen wir noch ein wenig mehr Besuch. Da kommen Zack und Sheena, sie sind auch aus diesem Rudel sowie zwei Wölfe die ebenfalls neu scheinen, so wie ihr. Wir wollen noch auf sie warten, vielleicht wollen sie mit uns zur Rudelhöhle ziehen, sich ausruhen oder sie haben andere Gründe um zu mir zu laufen. Ich nehme an, dass sie vom Bergsee aus kommen.“
Da wo noch mindestens ein Wolf schien. Kaede lauschte dem Wind, ließ ihn ihr willig erzählen, was er dort gesehen hatte und ja, wenn sie sich nicht irrte war da noch mal ein Wolf, welchen sie nicht kannte.
oO Ach du meine Güte, warum haben wir denn ausgerechnet hier oben so einen Zuwachs?Oo
Konnte es sein, dass das Rudel in ihrem Tal alle Wölfe sie ihrem Revier zu nahe kamen nach hier oben verscheuchten, in der Hoffnung, dass sie hier oben nicht überleben konnten? Es wäre ein genialer Plan gewesen, denn es war schwer hier zu leben und wenn es nicht so wäre würden nicht alle hier hoch gescheucht kommen, denn dann würden sie ihr Rudel ja nur zusätzlich verstärken. Aber vielleicht waren sie gar nicht alle auf das Rudel im Tal getroffen, vielleicht kamen sie auch von selber hier hoch, warum auch immer. Es ging sie nichts an und sie fragte auch nicht noch einmal danach.
Frekur hatte längere Zeit nichts mehr gesagt und auch Kensharion sagte nichts, sie spürte aber seine etwas gehässige und sehr von sich selbst überzeugte Ausstrahlung. Mal sehen, ob es mit ihm Probleme geben würde.
„Kensharion, ich weiß nicht, ob du einfach nicht weißt wie man sich höher gestellten Wölfen verhält oder ob du es einfach nicht für nötig empfindest ihnen den gebührenden Respekt entgegen zu bringen. Mir als Betafähe und erst Recht Banshee als Alphafähe solltest du eigentlich mit Respekt entgegen treten, schließlich ist Banshee die Leiterin des Rudels und ich so etwas wie ihre rechte Hand. Es stört mich keinesfalls, wenn du ein stolzer Wolf bist, aber du solltest zeigen, dass du die Leute über dir akzeptierst und ihnen auch gehorchst wenn dies gefordert ist. Hast du verstanden was ich meine, oder ist dir irgendetwas noch unklar?“
Sie tappte ein paar Schritte auf der Stelle und drehte sich dann so, dass sie Frekur immer noch neben sich stehen hatte, aber nun ihrerseits etwas vor ihm stand. Dann tat sie ein paar Schritte weiter, trat auf seine andere Seite und blickte Cuma und Kensharion die nun schräg rechts von ihr standen lächelnd an. Frekur stand nun fast direkt rechts neben ihr. Sie hatte diese Position gewählt, damit sie sich nur umdrehen brauchte und direkt den Fremden gegenüber stehen würde. Damit sie ihren Rang auch zeigen konnte und nicht unbedingt wieder sagen musste wer genau sie war, aber vielleicht hatte auch Zack dies schon getan. Nun hieß es auf die vier anderen warten, und schauen, was Kensharion von ihrer Rede halten würde.
Sania war jetzt nun seit Tagen ohne etwas zu fressen unterwegs. Der Geruch fremder Wölfe hing stark in der Luft. Ihre Wunde eiterte, schmerzte, machte ihr das Gehen schwer und das Jagen unmöglich. Ihre Rippen wären zusehn, wenn ihr Fell nicht so dicht wäre. Der Hunger und ihre Verletzung schwächten ihre Sinne. Deshalb bemerkte sie den Welpen erst, als sie kaum einen Meter von ihm weg stand. Er war schwer zu erkennen mit dem weißen Fell in all dem Schnee. Allerdings war sie genauso schwer zuerkennen. Sie humpelte noch ein paar Schritte auf den kleinen Rüden zu, dann beugte sie sich zu ihm runter und richtete das Wort an ihn:
" Hey, was macht denn ein Welpe wie du hier draußen? So ganz alleine. Lebst du in diesem Rudel? "
Sie richtete den Blick nach vorn und konnte nocheinen Welpen erkennen. Ebenso weiß wie sie und der andere Welpe, war er nur schwer zu sehn. Sie wand den Blick wieder an den Kleinen neben ihr. Betrachtete ihn. Er war ein kräftiger und schon ziemlich großer Welpe. Sania wusste zwar nich wie alt der kleine vor ihm war, aber er schien ein gutes Stück größer zu sein, als der andere Welpe. Er hatte tief rote Augen. Soleche Augen hatte sie noch nie gesehn. Sie erhob wieder das Wort:
" Wie heißt du denn? Wie Alt bist du? "
Der kleine Rüde sah müde aus. Sania stupste den Kleinen liebevoll an und lächelte dabei sanft. Dann humpelte sie ein paar Schritte voraus, in Richtung des anderen Welpen. Sie wollte mit den Kleinen gehn. Einerseits damit sie nicht so allein ist und andererseit brachte sie es auch nicht übers Herz die Kleinen allein zulassen, schließlich war es gefährlich für zwei kleine Welpen.[/COLOR]
Hell auflachend knuffte Zack Urion gegen die Schulter. Er war froh, dass er nun so viel Spaß am leben hatte. Es war toll in dieser kleinen Gruppe zurück zum Rudel zu gehen, Freude hatte sich in ihm breit gemacht. Er war von Ilias Worten gerührt, hatte er es noch nie so gesehen, dass er ein Vorbild für andere war. Zwar hatte er schon vielen Wölfen geholfen und sie glücklich gemacht, doch noch nie war jemand dabei so offen zu ihm gewesen wie Ilias es war. Mit glänzenden Augen blickte er Urion an, welcher kurzzeitig um ihn herum gesprungen war.
„Ja es ist harmonisch und schön. Fast wie in einem Traum und doch kann ich dich beruhigen, es ist echt. Wir alle hier sind echt!“
Kaum hatte er geendet und abermals seine Nase an Urions Schulter geführt, da spürte er, wie ein anderer Wolf, ein Welpe hinter ihnen aufgetaucht war. Er blieb stehen und drehte sich ruhig um. Da, knapp hinter ihnen rappelte sich gerade ein schneeweißer Welpe auf die Beine. Als er zu ihm hochblickte bemerkte er die roten Augen und beschloss dass dieser Welpe ein Albino sein musste. Oder zumindest das es sehr wahrscheinlich ein Albino war. Er wollte nicht zu voreilig irgendwelche Schlüsse ziehen. Er ging einfach davon aus, dass die anderen auch stehen bleiben würden, und wenn nicht war es nicht weiter schlimm, da sie schon fast bei Kaede angekommen waren und Sheena sie ebenfalls kannte.
Nachdem er den Welpen in Ruhe gemustert hatte fiel ihm auf, dass er bis jetzt noch kein Wort gesprochen hatte. Wenn er sich nicht irrte konnte dieser Welpe nicht hören und vielleicht auch nicht sprechen. Er wusste nicht wie er darauf gekommen war irgendetwas hatte der Welpe an sich. Da er jedoch sicher gehen wollte und den Welpen trotzdem nicht sinnlos mit Worten bombardieren wollte musste er viel mit Körpersprache arbeiten. Dies viel ihm deutlich schwerer, natürlich benutzte auch er viel Körpersprache, doch nur so, dass man aus ihr keinerlei seiner Gefühle oder Regungen erkennen konnte. Zumindest keine deprimierenden Regungen.
Vorerst wedelte er sachte mit der Rute und setzte sich hin um dem Welpen nicht ganz so riesig zu erscheinen. Seine Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet und er ließ seine Augen ganz weich werden. Der Welpe sollte merken, dass von ihm keine Bedrohung ausging. Er wiegte leicht den Kopf.
„Ich weiß nicht ob du mich hören kannst, ich vermute nicht, ebenso vermute ich, dass du nicht sprechen kannst und doch sage ich dir nun einmal Hallo nur damit ich weiß ob ich richtig liege oder nicht.“
Er stand auf und trat vorsichtig an den Welpen heran und drückte seine Schnauze kurz in das weiße, weiche Welpenfell, ehe er wieder zurücktrat, den Kopf wendete und auf die anderen deutete. Er wollte dem Welpen zeigen, dass sie unterwegs waren, er aber gerne mitkommen konnte, wenn er wollte.
Belustigt hatte Sheena mitbekommen wie Ilias neben ihr herlief, sie hatte genau gemerkt, dass Urion sie nur vorgelassen hatte, damit sie neben Ilias lief, doch es störte sie nicht, schließlich war er wirklich ein sehr netter und freundlicher Wolf und jetzt wo die anderen dabei waren fühlte sie sich auch gar nicht mehr bedrängt, vor allem als er ihr nochmals versicherte, dass er ihr Zeit zum nachdenken ließ. Laut lachte sie auf, als sie sich umdrehte und Urion neben Zack her springen sah, als wäre er ein kleiner, verspielter Welpe. Dabei war er doch fast schon uralt. So kam es Sheena jedenfalls vor, aber das war bei jedem Wolf, der älter als sie war. Auch Zack fand sie unglaublich alt, obwohl er nur ein Jahr älter war als sie.
Sie fand es lustig, dass Urion so einen Spaß am Leben hatte und amüsierte sich köstlich über ihn und über das was er sagte. Er war ein ausgesprochen aktiver und, dass musste Sheena sich eingestehen attraktiver Wolf. Er sprach von Frühling, war es vielleicht einfach die Zeit, die diese komischen Gedanken in ihrem Kopf auftauchen ließen. Nicht, dass sie sich zu Urion als Gefährtin hingezogen fühlte, dazu fand sie ihn viel zu alt, außerdem hatte er ja nun auch eine Papa Rolle eingenommen, so wie Zack, na nicht ganz so, aber so in die Richtung, aber dieses warme Gefühl, was sich in ihrem Bauch ausgebreitet hatte, als Ilias ihr gesagt hatte, dass er sie sehr mochte, war noch immer nicht gewichen und sie musste sagen, dass sie sich sehr darüber freute, auch wenn es sie stark verunsicherte. Das war es doch, im Frühling sprachen immer alle über Frühlingsgefühle und es schien als ob selbst die ganzen alten Wölfe ein neues Leben begannen, so bewegten und verhielten sich zumindest viele von ihnen. Als ob das Winter Ende irgendwie berauschend war. Sie wusste nichts wirklich mit dem Wort Frühlingsgefühle anzufangen, außer sie bezog es auf ihren kribbelnden Bauch, und doch fand sie es etwas peinlich nachzufragen, so beließ sie es einfach dabei. Sie hielt an, als sie Zacks Stimme vernahm der anscheinend mit jemanden sprach. Und ja, als sie zurückblickte sah sie, dass er mit einem kleinen weißen Welpen sprach, den sie noch nie gesehen hatte. Ein wenig wurde sie eifersüchtig, als sie sah wie Zack mit dem Welpen umging, doch sie wollte sich nichts anmerken lassen, sie wusste dass er sie liebte und er war schließlich ein immer höflicher Wolf und damit musste sie sich abfinden.
Doch sie waren nun schon fast bei Kaede angekommen, er würde ihnen sicherlich folgen, vielleicht würde Urion auch bei ihm bleiben, wie auch immer, Kaede und die anderen Wölfe die bei ihr waren, hatten sicher schon mitbekommen, dass sie auf dem Weg zu ihnen waren und sie fand es unhöflich sie warten zu lassen.
„Papa, ich warte bei Kaede auf dich oder auf euch wie auch immer.“
Sie blickte Ilias an, vielleicht würde er ja schon mit ihr mitkommen. Sie hüpfte einmal noch zu Urion rüber, quietschte freudig auf und versetzte ihm einen lieben, aber auch neckischen, leichten Schlag mit der Pfote, ehe sie herumwirbelte und wieder zu Ilias preschte, aber nicht bei ihm zum stehen kam, sonder nur ihr Tempo mäßigte und in einem Zuckeltrab Kaede und den anderen entgegenlief, welche sie nun schon erspähen konnte. Übermütig legte sie noch ein paar Sprünge auf ihrem Weg ein und kam dann prustend und ein wenig außer Atem bei den vier Wölfen an. Vorsichtig neigte sie ihr Haupt etwas vor Kaede, ihr war bewusst, dass sie es nicht sehen konnte, aber sie würde es spüren. Sie nickte auch den anderen drei Wölfen freundlich zu, ehe sie ihre Stimme anhob.
„Seid gegrüßt ihr vier. Kaede, wie du sicher schon mitbekommen hast waren wir auf dem Weg zu dir, ich bin schon mal vorgelaufen, die anderen werden gleich kommen. Zack und mich kennst du ja, die anderen beiden Rüden sind Neue, welche wir aufgegabelt haben, beide sehr liebe Wölfe, Urion und Ilias. Und Zack spricht gerade noch mit einem Welpen, der soeben zu uns gestoßen ist, wahrscheinlich wird dieser also auch noch mitkommen.“
Sie war darauf bedacht ruhig zu sprechen, sodass Kaede alle Informationen aufnehmen konnte. Sie hoffte, dass diese Erklärung reichen würde, sie war nicht scharf darauf noch mehr zu reden, es war ihr etwas unangenehm so im Mittelpunkt zu stehen.
Madoc sah seinen Bruder noch immer an, als dieser plötzlich in die Richtung, aus der die Witterung des Wasser kam lief und nicht einmal auf ihn antwortete, so fern er es denn konnte, in Gedanken. Bei jedem anderen hätte der Albino wohl wütend und unzufrieden reagiert, aber nicht bei Llywarch. Er war eben doch eine Ausnahme, ihm konnte er einfach nicht böse sein, er war schließlich sein Bruder… Verdattert blieb der Welpe also stehen, sah dem anderen jungen Rüden nach, wie dieser den Hang hinunter lief und seinem Blicke entschwand. Schlagartig wurde ihm jedoch bewusst, dass er ihn nicht schützen konnte, wenn er ihn nicht sah.
“Warte Lly! Ich komme ja schon!“
Schrie er seinem Bruder hinterher, was diesmal jedoch nicht viel brachte, denn er hörte ja nicht. Madoc wollte ihm gerade nachlaufen, als er plötzlich eine andere Witterung vernahm, der aus der anderen Richtung kam, es war ein Wolf, schon ganz nah. Wie konnte es sein, dass der Jungrüde ihn nicht bemerkt hatte? Er verfluchte sich selber dafür, ein starker Wolf musste schließlich auch aufmerksam sein! Dann stutzte der Albino. Ihn? Nein, es war eine Fähe, man erkannte es am Geruch. Ruckartig drehte er sich um und für einen Augenblick war sogar Lly in Vergessenheit geraten. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Gestalt, die auf ihn zukam. Immer größer schien sie zu werden, bis sie bei ihm ankam.
Sie sprach ihn an und erschrak bei ihrer Stimme. Sie klang nicht abschrecken, aber es war einfach schon so lange her, seit er das Letzte mal die Stimme eines anderen Wolfes vernommen hatte. So lange war der Sternentänzer nur mit seinem Bruder zusammen gewesen, so lange hatte er niemanden außer sich selber sprechen hören. Und seit der Wanderer sie vor zwei Monaten verlassen hatte, war diese weiße Fähe der erste Wolf, dem sie begegneten. Es hing noch der Geruch anderer Wölfe in der Luft, aber gesehen hatte er noch keine. Vielleicht würde hier sein neues Zuhause sein?
Bevor Madoc der Weißen antwortet, musterte er sie genau, skeptisch. Sie war schneeweiß, nah wie er und hatte jedoch grüne und nicht rote Augen. Schließlich war sie auch kein Albino… Sein Blick schien die Fähe regelrecht zu durchbohren, man hätte einem so jungen Wolf wohl niemals zugetraut, dass er so gucken konnte. Dann warf der Weiße noch einen besorgten Blick über die Schulter, um einen Blick auf seinen Bruder zu erhaschen. Erleichtert stellte der Welpe fest, dass er noch nicht allzu weit entfernt war. Erst dann setzte er zur Antwort an, frech wie immer klang seine Stimme, obwohl er sehr erschöpft war. Doch beim Umgang mit anderen Tieren, erwachten all seine Lebensgeister wieder und sein Blick belebte sie, frech, aber selbstsicher.
“Wir, mein Bruder und ich sind auf Reise, wir wollen viele Abenteuer erleben, aber eigentlich sind wir auf der Suche nach… einem neuen Zuhause.“
Die Ohren des Sternentänzers spitzten sich, als sie das Wort ‚Rudel’ vernahmen. Gab es hier also tatsächlich ein Wolfsrudel? Sein Herz schlug schneller und helle Aufregung überkam ihn. Hieß es, dass er ein neues Zuhause gefunden hatte? Begierig nach mehr Information fragte er nach und erst jetzt merkte man, wie erwachsen Madoc schon sein konnte.
“Was für ein Rudel? Kannst du mir sagen, wo das ist, weiße Fähe?“
Sagte er, beinahe unfreundlich, doch bei einem Welpen bemerkte man es wohl kaum oder beachtete es mindestens nicht. Dann stellte sie noch mehr Fragen, der Welpe war schon beinahe zu ungeduldig, um sie zu beantworten. Er wollte endlich zu seinem Bruder. Also antwortete er so knapp es ging.
“Madoc ist mein Name und ich zähle vier Monate.“
Er blickte sie verwundert an, als sie ihn anstupste. Er mochte es nicht, wenn andere ihn berührten, sagte jedoch nichts. Still wandte er sich ab und lief neben der Fähe zu seinem Bruder.
Erschrocken setzte er sich auf, blickte den Wolf vor sich neugierig an. Er wusste dass der Rüde mit ihm sprach. Er neigte den Kopf leicht. Scheinbar versuchte er es nun auch mit Körpersprache. Es war lustig anzusehen wie er sich abmühte um Lly glauben zu machen dass er ihm nichts tun würde. Dumm nur dass Lly das längst gecheckt hatte. Denn...wäre der Rüde bösartig wäre er allein unterwegs und nicht in einer Gruppe. Er gähnte, eine Pfote leicht erhoben. Er wollte nicht unhöflich erscheinen. Einen Moment noch verweilte sein Blick auf Zack ehe er diesen über Urion, Ilias und Sheena huschen ließ. Dann merkte er wie Zack die Nase in sein Fell drückte. Für einen Moment wurde sein Blick unsicher. Zögerlich zuckte er mit den Ohren dann war der Moment vorbei und der Rüde bedeutete ihm dass er mit ihnen gehen könnte wenn er wollte. Das würde er auch tun, Madoc würde ihn schon wiederfinden. da war er sich ganz sicher, denn sein Bruder war ja nicht dumm oder so.
Lly erhob sich, schüttelte sich etwas Schnee aus dem Fell und streckte sich, bereit sich der Gruppe anzuschließen. Es gab nichts besseres als aus den Gesten der anderen zu lesen. Er kam besser mit seinem Handicap klar als viele dachten
Urion gefiel die gelassene Stimmung und eines gefiel ihm noch viel mehr:
Zwar war er jetzt sowas wie der zweite Papa von Sheena, jedoch war diese Bindung nicht so tief wie zu Zack, sodass der graue Rüde interessiert den Kopf neigte, als die junge Fähe im einen neckischen Schlag gab. Urion kniff ihr sanft in das Fell um sie dann gehen zu lassen. Es erleichterte den Alten ungemein, dass sie anscheinend die anderen Wölfe kannte. Urion war schon dabei ihr nach zu laufen, als er bemerkte, dass Zack mit einem wirklich äußerst hässlichen Welpen sprach. Der Graupelz blieb stehen um seinen Kopf soweit zu drehen, dass er dieses rotäugige Wesen misstrauisch betrachten konnte. Verwundert spielten seine Ohren und einen kurzen Moment richtete sich sein Fell auf.
o.O(Der Fluch hatte auch rote Augen!)
Urion wollte schon weitergehen, als das kleine Wesen sich anschickte ihnen zu folgen. Vorwurfsvoll betrachtete der Rüde kurz seinen Freund, dann wanderte sein Blick zu Ilias und wieder zu dem Welpen. Ein dumpfes Grollen entwich ihm. Wahrscheinlich meinte der Graue das nicht böse, jedoch hatte er Panik davor, dass der Fluch ihn zurückholen wollte. Schließlich begriff der Nordwolf auch noch, dass der Welpe taub-stumm war. Verflucht! Urion warf noch einen prüfenden Blick zu Llywarch, knurrte ihn kurz warnend an um dann hinter Sheena her zu traben.
Er erblickte sie in der Mitte von einigen anderen schnellen Läufern, darunter auch Kaede und wo Urion sie nun betrachten konnte, war der Rüde wahrlich beeindruckt. Mit langsamen Schritten trat er zu Sheena, neigte zwar auch sein Haupt, jedoch nicht sehr tief... eigentlich kaum zu bemerken, da er es nicht einsah sich noch mal irgendeinen zu unterwerfen. Jedoch war der Graupelz sich relativ sicher, dass die Betafähe das Spüren würde.
"Seid gegrüßt, man nennt mich Urion. Ich komme aus dem nördlichsten Norden, ein Wanderer."
Urion hob sein Haupt und betrachtete Kaede. Er bemitleidete sie nicht im geringsten, sondern musterte sie interessiert. Ihm war bewusst, dass die Fähe dies sicher spüren würde. Sie war hübsch, keine Frage. Welche Augenfarbe wohl die ihre war? Urion kam kaum mit den Gefühlen klar, die er empfand, sodass er die Augen nur gen Himmel richtete, kurz einatmete und schließlich mit einem unendlich sanften Lächeln auf Wolfsart Kaede betrachtete. Er betete dafür, dass sie es wahrnahm, auf irgendeine weise.
Urion richtete seinen Blick auf Sheena und wedelte leicht mit der Rute. Kurz reckte er seine Schnauze zu ihrem Ohr und flüsterte:
"Ich möchte dir nur eins noch sagen, liebe Sheena. Ich weiß, dass du sicher schon enttäuscht wurdest in dieser Beziehung, aber du bist bisher das Einzige für das ich väterliche Gefühle hege. Sicher nicht so wie Zack... nein, seinen Platz möchte ich nicht streitig machen, aber betrachte mich wie einen klapprigen, alten Freund, der für dich da sein wird, wann immer du magst und noch eins... wenn dich jemand verletzt, dann werde ich das Gleiche mit ihm machen."
Urion untermalte seine Worte mit einem herzlichen Lächeln, dann setzte er sich auf seine Hinterkeulen, legte die Rute um seine Läufe und nahm zum ersten Mal, die Anderen war, doch lange konnte er seinen Blick nicht von Kaede reißen. Er betrachtete sie nicht gierig, nicht anzüglich, sondern nahm sie als Ganzes wahr... als eine schöne Fähe. Urions Ohren waren aufmerksam aufgerichtet.[/Color]
Frühling lag in der Luft hatte Urion gesagt, und tatsache, auch Ilias fiel dies auf. Frühling war seine Lieblingsjahreszeit, es war die Zeit des Neuanfangs, der Zeit, indem das Leben zurückkehrt. . .
Erfreut darüber, dass er neben Sheena herlief, fand er es süß, dass Zack sie extra neben ihn gelenkt hatte. Nach einer Weile dachte er sich, dass er seine Dankbarkeit irgendwie zeigen sollte, sodass er Zack lächelnd zu blickte, erhoffte, dass dieser ihm seinen Blick erwiderte um ihm dann letztendlich zu zuzwinkern! Doch Zack schien abgelenkt, blickte auf irgendetwas, auf einen Welpen, mit dem Zack dann auch redete. Doch all dies interessierte Ilias nun gar nicht, er war viel zu sehr auf Sheena und auf das neue Rudel, wenige Meter weiter fixiert. Nachdem Sheena los ging, schließlich auch Urion, folgte Ilias ihnen auch. Er war endlich wieder unter Wölfen und durfte diese Chance nicht verpassen.
o0 Das also ist Kaede, die blinde Betafähe! Sie sieht erfahren aus, man erkennt ihren Stolz und sie scheint eine gute Betafähe zu sein. 0o
Zumindest, ist es das, was Ilias in ihr sehen konnte.
Urion hatte sich Vorgestellt, hatte dies beeindruckend in einem Satz gemeistert. . . Ilias dagegen, war sich nicht so sicher, ob er einen so guten Eindruck hinterlassen konnte. Vorsichtig fing er an:
"Auch ich möchte mich Vorstellen. . . Mein Name ist Ilias, ich bin zwei Jahre alt und bin durch Zufall auf Sheena, Urion und Zack getroffen, als ich alleine auf der Jagd war. Mit meinen neuen Freunden bin ich nun hierher gewandert und bin erfreut noch so viele weitere Wölfe zu sehen, da ich ein geselliger Wolf bin. Ich war leider häufig allein unterwegs, habe dafür aber gelernt alleine klar zu kommen, wenn es drauf ankommt, jedoch vermisse ich das Rudelleben. Ich würde mich freuen, einen Platz in euren Reihen zu bekommen."
Um ihr seinen Respekt zu zeigen, neigte er sein Haupt.
o0 Ui, ich glaube das hab ich doch ganz gut hinbekommen, nur hoffentlich hab ich nicht Übertrieben. . . 0o
Es war wahrlich Frühling, Zeit der Verliebens, Zeit für Neuanfänge, es war Zeit für eine bessere Zeit für Ilias
Zack lächelte, also hatte er Recht gehabt, der Welpe war taub und auch noch stumm, doch schien ihn dies nicht so zu stören, wie er angenommen hatte. Wahrscheinlich war es wie bei Kaede, oder sie zeigte nur nicht wie sehr es sie störte. Apropos Kaede, die anderen drei waren schon bei ihr angekommen, nun sollte er auch mit dem Welpen ankommen. Es war gewiss eine interessante Begegnung, Kaede, welche blind war und nun Lly der taubstumm war.
Zack drehte sich wieder um und trabte zu den anderen, welche sich anscheinend alle schon vorgestellt hatten.
Er nickte den drei Fremden, sowie Ilias, Urion und Sheena zu und senkte dann sein Haupt ein wenig vor Kaede. Nicht zu weit, er wusste dass es sie nicht störte und es ihr einfach nur um die Geste ging und dann erhob er sich und setzte sich wie Urion auf seine Hinterläufe.
„Liebste Kaede, nun bin auch ich, Zack dazu gestoßen. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, haben die beiden Neuen die ich mitgebracht habe sich schon vorgestellt und wie ich weiter sehe hast auch du Fremde getroffen und wolltest sie sicherlich zum Rudel bringen. Wir würden uns dir gerne anschließen, genauso wie der kleine Welpe der gleich zu uns stoßen müsste. Er ist eben noch aufgetaucht, er ist taubstumm, schickte sich aber an mitzukommen.“
Er schlang die Rute um seinen Körper und stupste Urion, neben welchem er nun saß freundlich an. An seiner anderen Seite weilte Ilias und erst daneben Sheena, so stupste er auch diesen freundlich an ehe er seinen Kopf wieder zu Urion wand und diesen lächelnd beobachte. Er war anscheinend sehr auf Kaede fixiert, auch wenn er die anderen Wölfe auch angeschaut hatte, nun war sein Blick eindeutig hängen geblieben. Doch er wusste sicherlich, das Kaede dies spüren konnte und hoffte wohl sie auf sich aufmerksam zu machen.
Zack hoffte für Urion, dass die beiden sich näher kommen konnten, der Rüde hatte eine Fähe verdient und auch Kaede hatte einen lieben Rüden verdient. Eigentlich hatte jeder Wolf der wollte, einen lieben Partner verdient. Ebenso Ilias und Sheena, auch für sie hoffte Zack, dass die beiden sich näher kommen würden, miteinander auskommen würden und sich so dann vielleicht lieben lernen würden. Wobei Ilias damit ja schon ansatzweise angefangen haben muss, sonst hätte er mit Sheena ja nicht so aus dem Konzept bringen können. Na, es war ihre Sache und er hoffte einfach nur das beste für seine kleine Tochter.
Kaede hatte sich, als Sheena zu ihnen gekommen war rechtzeitig umgedreht und so fast zwischen den anderen dreien gestanden, aber immerhin noch etwas vor ihnen. Sie schenkte der jungen Fähe ein liebevolles lächeln, sie kannte sie kaum, wusste aber was sie durchgemacht hatte, schließlich war sie von Anfang an dabei gewesen. Sie freute sich, dass Sheena sie ohne Probleme akzeptierte und lauschte ihren Worten. Da kurz nachdem sie geendet hatte schon der nächste Wolf folgte entschied sie, dass es einfacher war zu warten, bis alle angekommen sind und dann zu sprechen, so müsste sie sich nicht immer wiederholen. Also wand sie sich dem zweiten Wolf zu, ein Rüde, welcher ihr ebenfalls Respekt zollte. Das war also Urion, Sheena hatte ihn eben ja auch schon kurz erwähnt. Sie hatte ihn und den anderen Rüden als liebe Wölfe bezeichnet und Kaede konnte gut glauben, dass dies so war.
Sie betrachtete Urion neugierig, so wie er es anscheinend auch tat. Leicht legte sie ihren Kopf schief. Es kam ihr vor, als ob der Rüde irgendetwas beflügelndes an sich hatte. Er fühlte sich so, frei, befreit an. Sie nickte ihm zu und wand sie gleich dem nächsten Wolf zu.
Hatte Urion sich kurz und knapp in einem Satz vorgestellt so schweifte der nächste Wolf aus als ob er gar nicht mehr aufhören wolle zu reden. Sie schenkte ihm ein lächeln, er war also in Sheenas alter. Und er strahlte eine Atmosphäre aus, die sie zum schmunzeln brachte. Hatte sie an Sheena vorhin eine wage Verunsicherung gespürt wusste sie jetzt auch womit diese zusammenhing.
Belustigt wandte sie ihren Blick schließlich Zack zu, der nun auch zu ihnen gestoßen war. Als er sein Haupt leicht senkte trat sie einen Schritt vor und berührte ihn sanft mit der Schnauze auf der Stirn und trat vorsichtig zurück, als er sich setzte und anfing zu sprechen. Es sollte also noch ein Wolf, nein ein Welpe folgen? Und er sollte taubstumm sein. Na, da war er bei ihr ja genau richtig. Ein Gedankenfetzen flog durch ihren Kopf und sie war erschüttert über seine Aussage.
oO Da ist er ja richtig, Krüppel zu Krüppel. . . Oo
Sie ließ sich nichts anmerken und fing an ihre Worte zu wählen, nachdem nun auch Zack geendet hatte. Sie mochte Zack, er war ein lieber, ruhiger und immerzu freundlicher Wolf. Sie hatte mit bedauern zusehen müssen wie Neyla von ihm getrennt wurde, getrennt wurde durch den Tod. Sie hatte diese unerschütterliche Liebe zwischen den beiden bewundert, auch wenn sie nicht viel mit ihnen zu tun hatte. Dabei hatte sie gemerkt, dass man auch trotz eines Gefährten Kontakt zu anderen Wölfen halten musste. Denn Zack war, wie sie es mitbekommen hatte nach Neylas Tod alleine gewesen, nur Sheena hatte er gehabt und diese war natürlich schon wieder verschwunden gewesen. Umso mehr erstaunte es sie nun, dass Sheena, anscheinend fröhlich, mit Zack und zwei anderen wieder aufgetaucht war, doch freute sie sich für sie. Zack schien den Wolf namens Urion sehr gerne zu mögen und auch von Ilias war er zumindest nicht abgeneigt. Und dieser, war ja anscheinend ganz angetan von Sheena, welche sich wohl noch unsicher war. Und dieser Urion, mochte sie wohl alle drei auf ihre Weise. Sie hatte die geflüsterten Worte von ihm an Sheena wahrgenommen. Anscheinend war er nun auch zuständig für die junge, leider etwas unsichere Fähe.
„Nun, seid ihr ebenfalls gegrüßt. Sheena, es freut mich dich so wohl gelaunt wieder zu treffen.
Urion, euch grüße ich, es freut mich, dass ihr auf die drei getroffen seid und nun mit ihnen zu mir gekommen seid. Das gleiche gilt für dich Ilias, ich hoffe du findest hier das was du suchst, Geborgenheit, Liebe, Kontakt zu anderen Wölfen. Es ist schwer für einen geselligen Wolf alleine zu leben, also hoffe ich, dass du dich rasch in dem Rudel einfindest, aber damit hast du anscheinend keiner Probleme wie ich sehe. Und Zack, schön, dass du die beiden und auch gleich vielleicht den Welpen zu mir gebracht hast. Ja, du liegst richtig, ich wollte zum Rudel und somit auch hoffentlich zu Banshee aufbrechen, wenn ich sie dann finden kann. Wenn der Kleine bei uns angekommen ist können wir uns ja hoffentlich auf den Weg machen. Bevor ich es vergesse, auch diese drei hier sind Neulinge, zu denen ich vor kurzer Zeitgestoßen bin. Dies hier" sie deutete links schräg neben sich "ist Frekur und die anderen beiden“ sie wand ihren Kopf in die andere Richtung "sind Cumará Tumaan und Kensharion"
Sie hatte jeden Wolf mit dem sie gesprochen hatte angeschaut und nachdem sie die anderen drei forgestellt hatte glitt ihr Blick wieder zu Urion. Sie hatte das Gefühl einem waren Kämpfer gegenüber zu stehen, aber dies, gepaart mit dem närrischem Spaß den viele Wanderer an sich hatten. Sie nickte ihm zu und schenkte ihm ein bezauberndes lächeln. Seine Ausstrahlung gefiel ihr, vielleicht hatten sie Zeit miteinander zu reden, wenn sie gleich weiterzogen.
Nach Kaedes Worten schaute Cumará ihren Gefährten oder Weggefährten, wie sie in mittlerer weile in Gedanken schon nannte, ein wenig traurig an und senkte den Kopf. Er hatte sich nicht richtig benommen-oder? Die junge Fähe hatte nicht wirklich verstanden, warum Kaede Kensharion so angefahren hatte. Sie legte den Kopf schief nd schaute der Beta in die Augen. Kensharion hatte keine Ahung, wie man mit anderen seines gleichen zusammen lebte. So viel hatte sie mittlerer weile verstanden, auch wenn Kenshi es ihr nie wirklich gesagt hatte. Sie machte ein wenig unsicher einen Schritt auf die Beta zu, und flüsterte ihr so leise ins Ohr, dass nur sie es hören konnte.
"Es tut mir leid, dass er so kühl ist. Aber ich würde eher sagen, dass er... nun ja... sehr unsicher ist, und es hinter dieser Fassade verbirgt. Er hat davor noch nie andere Wölfe gesehen, geschweige denn von 'Alphas', 'Betas' oder sonst irgendetwas gehört. Bitte sei nicht zu streng mit ihm, für ihn ist das alles sehr neu."
schloss sie, drehte sich um und setzte sich neben Kensharion. Sie berührte kurz seine Schulter- sehr kurz, und lächelte ihn an. Dann wandte sie sich den näher kommenden Wölfen zu. Es waren vier. Wieder machte ihr Herz einen kleinen Hüpfer. Wie konnte es sein, dass sich hier her so viele Wölfe... ja, was denn? Verirten? Oder herkamen? Cuma wusste es nicht. Aber eine tiefe Ruhe legte sich plötzlich um sie, sie wurde ruhig, und aller Stress, alle Aufregung war wie weggeblasen. Sie lächelte ihr kleines Lächeln in sich hinein, und fing sehr leise an zu summen.
Er war erstaunt über Kaedes Kraft, welche sie ausstrahlte. Ihr stand das Leitwölfin sein wirklich gut, obwohl sie blind war. Sie meisterte dies, wie es schien, mit Leichtigkeit und hatte gar keine Probleme damit. Sie hatte einen sehr starken Charakter, einen guten. Ilias war glücklich, von ihr akzeptiert worden zu sein.
o0 Hier werde ich Glücklich 0o
Er schaute Urion zu, sah ihm seine Freude über Kaedes Anblick an, und musste grinsen. Er schien wirklich verliebt zu sein, verliebt, wie Ilias es selber war, nur dass Urion viel stärker diese Gefühle vernehmen musste, zumindest verriet ihm dies, Urions Körpersprache. Auch war er erfreut, wie Glücklich Sheena doch war. Sie kannte diese Wölfe scheinbar auch mehr schlecht als recht, fühlte sich aber trotzdem direkt wohl.
o0 Wie lange sie wohl noch zum Überlegen braucht 0o
fragte sich Ilias und bemerkte dabei gar nicht, dass er sie so sehr anstarrte, dass es ihr mit Sicherheit auffiel.
Verschämt blickte er weg. Er beäugte die anderen Wölfe, die Kaede mit dem Namen Frekur, Cumará Tumaan und Kensharion bekannt gegeben hatte.
Auch sie begrüßte er
"Hallo, Wie ihr eben vielleicht schon mitbekommen habt, ist mein Name Ilias und ich freue mich euch kennen zu lernen."
Er blickte weiter in die Runde, wollte wissen, ob er jemanden vergessen hatte, doch dem war nicht so.
Auch war er verblüfft, unter wie vielen Wölfen er jetzt war und musste ein befremdliches Gefühl vernehmen.
Es war sehr ungewohnt unter vielen Wölfen zu sein, wenn man Tage, nein sogar Wochen, allein durch die Gegend lief. Umso glücklicher war er nun, wo er eine Gemeinschaft gefunden hatte. Doch was lag als nächstes an und wann würde Sheena mit ihm sprechen wollen?
o0 Ob das mit Sheena noch was wird? Hmm. . . 0o
In Gedanken vertieft, blieb sein Blick auf einem Punkt in der Landschaft gerichtet, wartend darauf, dass ihn jemand aus seinen Gedanken und Tagträumen zurückbringen würde. . .
Jumaana schaute sich wenig interessiert die Landschaft um sie herum an. Die zerklüfteten Felsen, die spitz aus den Hügeln herauswuchsen, machten ihr wenig Angst. Langsam schlich die Fähe zum Fluss und trank ein paar Schlucke.
oO Es ist so einsam hier - und kalt Oo
dachte Jumaana und ließ sich neben einen moosbedeckten Stein nieder. Den Kopf bettete sie auf ihren langen Vorderbeinen und sie schlief sofort ein.
Nach längerer Zeit wachte die Weiße wieder auf, umgeben von Schneegestöber.
oO Wann wird diese Qual wohl ein Ende haben Oo
fragte sie sich und wusste keine Antwort.
oO Wenn ich doch wenigstens sterben würde. Oo
Sie stand auf und schüttelte den Schnee aus ihrem dicken, warmen Fell. Dann rief sie ihre Gedanken zur Ordnung und suchte nach einer Möglichkeit, etwas Essbares zu finden. Das Überleben schien der Fähe gar unmöglich hier, aber sie ließ sich nicht ablenken.
oO Fische werden hier wohl kaum zu finden sein... Aber etwas anderes noch weniger! Oo
Jumaana streunte durch die Gegend, fand hier und da ein paar Pflanzen, von denen sie weder wusste - ob sie schmeckten oder ob sie giftig waren.
Cumará wandte sich zu den Neuankömmlingen um. Es waren mehrere.
oOBald haben wir ein kleines Rudel zusammen, wenn es so weiter geht dachte Cuma oOAber ich möchte jetzt wirklich losgehen... wie sollen wir es denn sonst schaffen, eine Höhle zu finden, bevor es dunkel wird?
Sie schaute Kenshi an. Ob er beleidigt war? Sie war sich nicht sicher. Er sollte sich nicht so haben. Dann bekam sie wieder ein wenig Mitleid mit ihm. Er konnte nichts dafür. Sie räusperte sich kurz, und fing dann an, mit ihrer sanften perlenden Stimme zu sprechen
"Also... ich würde sagen, wir gehen jetzt einfach los, Kaede? Wenn wir noch länger warten, wird es bald dunkel, und dann können wir es vergessen. Kaede, ihr habt doch sicher so etwas wie eine ... Höhle...?? Aber sie ist sicher etwas entfernt, daher schlage ich jetzt einfach vor, dass wie eine näher gelegene suchen. Seit ihr der gleichen Meinung? Ich... ähm... möchte jetzt nicht drängeln, wenn ihr noch hier bleiben wollt, kein Problem..."
schloss sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie schaute in der Runde herum. Sie drehte sich kurz zu Kensharion um und flüsterte, so dass sie anderen Wölfe es nicht bekamen
"Kensharion, ich kann dich nicht zwingen mitzukommen. Du hast vorher so komisch geguckt. Eine Alpha oder ein Alpha ist übrigens der Leitwolf, er oder sie bestimmt über das Rudel, ob es Welpen bekommt oder nicht, wo es hingeht und so was... komm doch einfach mit, und... schau es dir wenigstens an. Ich würde mich freuen..."
schloss sie, sodass die letzten Worte fast nicht mehr zu hören waren. Sie ging ein paar Schritte weg und lächelte in die Runde. Urion, Ilias, Kaede, Kensharion, Frekur und... wie wohl die anderen Wölfe hießen...? Sie setzte sich in den Schnee auf ihre Hinterläufe. Kalt war ihr inzwischen fast nicht mehr.
Sheena trippelte ungeduldig auf der Stelle. So gut hatte sie sich lange nicht gefühlt, sie wollte endlich weiterlaufen. Nicht nur, weil ihr immer noch recht kühl war sondern einfach weil sie diese unbeschwerte Stimmung nicht irgendwo verlieren wollte, sie hatte das Gefühl, dass sie länger anhalten würde, wenn sie sich bewegte, denn wenn sie sich bewegte hatte sie einfach nicht so viel Zeit zum nachdenken, wie wenn sie sich einfach irgendwohin legte und nichts tat.
So hibbelte sie neben ihren beiden Vätern hin und her und stupste nur Kaede noch mal freundlich an, als diese ihr sagte, dass sie froh war sie so zu sehen. Ja, sie selber war auch sehr froh und sie wusste, dass die Graue Fähe das genau spürte.
„Dann lass uns doch endlich losziehen. Sonst schlagen wir hier noch Wurzeln und werden hier, an diesem nicht sonderlich spannenden Plätzchen so uralt, dass wir uns nicht mehr wegbewegen können. Wir müssen doch die anderen finden und irgendwann auch zurückkehren!“
Hüpfend umkreiste sie die größer werdende Gruppe der Wölfe die sich hier versammelt hatten, schnappte sie noch gerade die Erklärung der Fähe auf, welche unter dem Namen Cumará Tumaan vorgestellt wurde. Wieso musste sie dem Rüden erklären was ein Alpha war, kannte er denn kein Rudel?
Sheena konnte es sich gar nicht vorstellen nicht in einem Rudel zu leben, sie hatte schon immer in einem gelebt, auch wenn sie zeitweise sehr alleine gewesen war. Sie hatte auch nicht verstanden warum Cumará, Kaede eben gesagt hatte, dass sie nicht so hart zu ihm sein sollte, Kaede hatte doch eigentlich gar nichts schlimmes gesagt, sie hatte ihm nur erklärt, wie man sich gegenüber höher gestellten verhielt, wobei Sheena fand, dass dies in diesem Rudel sowieso sehr locker gehalten wurde. Was sie so aus Erzählungen mitbekommen hatte, war das nicht überall der Fall. Aber das war ja eigentlich nicht ihr Problem, sie wollte nun einfach nur endlich weiter kommen und wieder zu dem Rest des Rudels stoßen.
. . . Weiterträumend, dachte Ilias, dass es Zeit war aufzubrechen. Er war nie lange an einem Ort und hasste es lange halt zu machen, wenn es denn nicht notwendig war.
Er lebte gerne wie ein Nomade, hatte trotzdem immer einen Ort an dem er gerne zurückkam, um sich dort zu erholen. Doch nur für so etwas, denn nur zu gerne war er unterwegs um die Welt um ihn herum zu erkunden. . . .
Von Sheenas lieblicher Stimme aus seinem Tagtraum und Gedanken gerissen, musste er erfreut feststellen, dass es ihr wohl ähnlich ginge. Auch sie wollte schnell weiter, sodass sich Ilias Kaede zu Wort meldete:
"Auch ich bin der Meinung, wir sollten nicht mehr lang verweilen. Wie Cumará Tumaan schon sagte, wird es bald dunkel und dieser Ort ist nicht der geeignetste zum Rasten. Auch würde ich schnellstmöglich gerne den Rest des Rudels kennen lernen, da ich es nicht mehr erwarten kann, wieder in einem zu leben."
Er blickte noch einmal in die Runde und musste erstaunt bemerken, dass sein altes Rudel nicht sehr viel größer war, als sie es im Moment waren. Sein Blick blieb wieder bei Sheena, die ihm seit dem persönlichen Gespräch keines Blickes würdigte.
o0 Mh, ein schlechtes Zeichen? Oder einfach nur ihre Unsicherheit? Mh. . . o0
Es trübte seine Laune aber nicht, denn er wusste, wer solange zögerte, hatte entweder wirklich keine Meinung oder wollte nichts von einem, und beides war nicht ganz das, was er wollte. Er wollte einfach wieder geliebt werden, geliebt von einer Fähe, die er auch lieben könnte, alles andere, könnte er vergessen. Und wenn auch Sheena, so hatte er kein Problem damit, es würde nur seine Zeit dauern. Zeit, die sie zum reden benötigte. Für Ilias hieß es jetzt nur noch abwarten. Warten, darauf, dass es weitergehen würde und warten darauf, dass Sheena eine Entscheidung getroffen hatte.
Also wartete er. . .
Urion lächelte sanft Sheena an. Wie ungeduldig doch die Jugend war.Liebevoll zwinkte der Graue ihr ins Ohr und wuffte:
"Meinst du etwa, dass du dich in unserem Alter nicht mehr bewegen kannst?"
Doch Sheena, Ilias und die andere Fähe hatten recht. Cumará nannte sie sich. Urion warf ihr einen musternden Blick zu um sich schließlich ganz zu ihr zu wenden. Seine Augen schimmerten abenteuerlustig und auf einen kleinen Flirt hatte er nichts einzuwenden. Er war halt so, der Rüde aus dem Norden. Und trotzdem würde er Kaede treu bleiben, wenn sie seine Gefährtin werden würde. Urion warf dem schwarzen Rüden einen kurzen Blick zu... keine Konkurrenz für ihn. Wahrscheinlich ihr Gefährte. Urions Rute pendelte gelassen umher, während er sich so neben die junge Fähe stellte, dass es nicht aufdringlich wirkte. Somit sprach er in die Runde und direkt sie an.
"Ich denke auch, dass wir allmählich los gehen sollten."
Schließlich musterte er auch die anderen Wölfe, die sich noch nicht vorgestellt hatten. Sprich Frekur und nochmal Kenshairon. Schließlich lief er langsam zu Kaede, striff nur knapp ihr Fell um ihr zu bedeuten, dass der Graupelz neben ihr stand. Sie war blind, aber dieser Umstand machte sie so besonders. Urions Blick ruhte auf ihr, auf dieser fantastischen Fähe mit der er auf einer anderen Ebene zu schweben schien... weit weg zwischen den hellen Himmelslichtern und derer Geheimnisse. Der Rüde legte vorsichtig seine Schnauze an ihr Ohr. Falls Kaede es nicht wollte konnte sie somit zurück weisen.
"Kaede, es wäre schön, wenn ich einige Worte mit Euch wechseln könnte. Somit wäre es schön, wenn Ihr mir den Platz neben Euch einräumen könntet... vielleicht nicht gleich in Eurem Herzen... aber ich würde mich gerne dafür anstellen."
Au backe, das war wirklich gewagt. Hoffentlich hatte er sie nicht überrumpelt. Urion legte den Kopf schief und blickte lächelnd Zack an. Vielleicht verstanden sie sich schon so gut ohne Worte, dass sein Freund verstand, was er gerade für einen Schritt gewagt hatte.
Nachdenklich war sie geworden, als Cuma ihr sagte, dass sie doch nicht so hart mit Kensharion sein sollte. War sie etwa unfreundlich gewesen? Sie wollte den Rüden doch nur darauf hinweise, wie man sich zu verhalten hatte, da sie sich gedacht hatte, dass er es nicht wirklich wusste und so war es anscheinend auch. Sie lächelte Cuma sanft an, und nickte Kensharion dann entschuldigend zu. Sie schüttelte sich, alle wollten sie los, also würden sie wohl aufbrechen.
„Kensharion, sollte ich unhöflich geklungen haben, dann entschuldige ich mich dafür, es war auf keinen Fall böse gemeint. Und wenn ihr alle so darauf pocht weiter zu ziehen, dann können wir das natürlich gerne machen, die Rudelhöhle ist gar nicht so weit entfernt, wir werden es also noch schaffen bevor es für euch dunkel wird.“
Sie lächelte einmal in die Runde. Ehe sie melodisch auflachte und Sheena zunickte. Die Jugend. Viele junge Wölfe waren einfach noch so unruhig und hassten es, gar nichts zu machen. Doch sie freute sich für sie alle, schließlich sollte man so lange wie es ging so viel wie möglich unternehmen. Man durfte sich dabei nur nicht übernehmen.
Gerade wollte sie sich umwenden da spürte sie, wie der Rüde namens Urion an sie herantrat und seine Schnauze an ihr Ohr drückte. Sie verzog ihre Lefzen zu einem lächeln, gespannt horchte sie den Worten, die er von sich gab und konnte sich dann ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Gleichzeitig schmeichelten ihr die Worte sehr, welche ihr Ohr empfing.
Sie wendete ihren Kopf so ein wenig und stupste den Rüden freundlich an.
„ Eure Worte schmeicheln mich sehr, natürlich dürft ihr an meiner Seite laufen. Es ist immer schön jemanden zum reden zu haben und sowieso neuere Wölfe kennen zu lernen. Vor allem wenn es so freundliche Wölfe sind wie du einer bist“
Sie grinste ihn schelmisch an und zwickte ihn leicht in die Schulter, ehe sie sich wieder an alle wandte.
„Also, nun dann, werden wir mal loslaufen“
Mit diesen Worten drehte sie sich um und begann zielsicher durch die Schneelandschaft zu laufen. Nicht zu schnell, sodass ihr alle folgen konnten. Wenn sie die Höhle erreicht hätten könnten sie sich dort erst einmal ausruhen und sie würde schauen wo Banshee sich aufhielt. Weil soweit sie alles mitbekommen hatte war Nyota ja losgelaufen um Banshee von den Welpen zu unterrichten. Was war eigentlich mit Lunar geschehen?
Genervt schüttelte Kaede ihren Kopf, über diesen Rüden wollte sie jetzt gar nicht nachdenken, kränkten seine Worte sie doch noch immer sehr und wusste sie doch um den wahren Kern in ihnen. Sie hoffte das Urion gleich neben ihr auftauchen würde und sich mit ihr unterhalten würde, damit sie von diesen trüben Gedanken wegkam. Außerdem fand sie ihn sehr charmant und unterhaltsam, sie fand es süß, wie er sich ausgedrückt hatte und schon merkte sie wie ein kleiner Hoffnungsschimmer in ihr wuchs.
oO Ob dies ein weiterer Rüde ist, welchem ich vertrauen kann? Ob er mich dann auch so verlässt wie Tyrael? Oo
Sie lächelte bei dem Gedanken an ihren alten Freund, vermisste sie ihn doch noch sehr, hoffte sie, dass er jetzt ein schönes Leben führte, genauso wie Bastar. Sie beide hatten es verdient. Umso mehr freute sie sich nun, dass ein Rüde sie so freundlich angesprochen hatte. Beschwingt setzte sie ihre Pfoten voreinander und wartete auf Urion
Kensharion, Frekur und die anderen Wölfe folgen Kaede auf dem Weg zur Rudelhöhle.
Urion war erleichtert, dass Kaede so locker reagiert hatte und er bewunderte es, dass die blinde Fähe so leichtpfotig über den Boden lief.
Es dauerte nicht lang und der Rüde schloss zu ihr auf.
o.O( Soll ich ihr erzählen, dass ich ein Mörder bin? Einer, der Fähen und Welpen getötet hat?)
Urion entschloss sich diese Tatsache gekonnt zu übergehen und suchte nach einen Thema über das er erzählen konnte. Ihm blieb es nicht verborgen, dass Kaede grade in düsteren Gedanken schwelgte.
Sanft stupste er sie an um schließlich mit den Ohren zu spielen.
"Ich komme aus dem eisigsten Land, aus dem nördlichsten Norden, wo Eis die Welt bedeckt.
Dort gab es keine Steine, sondern Schnee und große Gletscher. Weisst du, was Gletscher sind? Wie Berge nur aus Eis. Oftmals stürzen große Teile von ihnen... ab..."
Der Graupelz stockte kurz. Erinnerungen kamen hoch, übermannten sein Gedächtnis. Wölfe, die starben, als er das Licht der Welt erblickte. Lag es vielleicht doch in seiner Natur zu töten? Egal, nicht darüber nachdenken!
"Die Seen sind viel größer, als hier. Man sieht nicht mal, was danach kommt und wo sie enden. Du kannst aber auch kein Wasser erkennen, denn das ist fest wie Stein und wieder findest du Schnee darauf. Obwohl alles sehr trostlos klingt gibt es dort Leben. Hasen, die Fell reiner, als das eines Weißfanges haben; große Fische... mit glatter Haut. Sie können Singen und sind fast so riesig wie ein Berg. Kaede, ich muss dir diese Landschaft mal zeigen... du spürst sie. Die Kälte, das Leben und die Trauer. Ja, auch diese gibt es dort."
Wieder dachte Urion nach. Über seinen toten Bruder, seinen toten Vater und seiner Mutter... ob diese noch lebt? Leise seufzte der Rüde. Nein, seiner Vergangenheit war nicht schön... kalt wie das Land war sie.
"Mein altes Rudel besteht vorwiegend aus schwarzen Wölfen. Dabei bin ich ein Graupelz... sonderlich, nicht wahr? Mein Bruder war auch schwarz wie die Nacht... er schlug nach meinem Vater."
Wenn es nicht nötig war, so würde er von der Mordkette nicht erzählen. Es würde die Fähe schocken zu hören, dass Wölfe instande waren ihre eigenen Familienmitglieder zu töten. Aber eins musste er ihr beichten, sonst...ja, was sonst... sonst kam er sich falsch vor.
"Als ich meine Pfote das erste Mal auf die vereiste Fläche legte, stürzte ein großer Teil von einem Gletscher lautlos auf den größten Teil des Rudels und tötete es. Du musst wissen, dass sich solls eim Sturz meist durch lautes Knirschen ankündigt, weil das Eis vorher bricht. Aber es war leise, lautlos..."
Urion kannte keinen von diesen Wölfen, jedoch hatte sein Vater ihm klar gemacht, was er da angerichtet hatte und dies wirkte noch 5 Jahre später nach.
13.11.2010, 19:55
Wieso sah der Kleine sie denn so durchdringend an? Sah sie etwa so seltsam aus? Dann gab der Welpe vor ihr Antwort. Der andere Welpe war also sein Bruder und sie wollten sich auch einem Rudel anschließen. Sania blickte den Welpen erstaunt an, als er seine Frage stellte. Ob es hier ein Rudel gibt? Ein Lächeln trat auf ihre Lefzen und sagte mit sanfter Stimme:
"Riechst du die vielen Wölfe denn nicht? Sie müssen ganz in der Nähe sein."
Seine nächsten Antworten waren so knapp wie es nur ging. Er schien auf heißen Kohlen zu sitzen. Ohne ein weiteres Wort schritt Sania mit dem Welpen vorran. Sie konnte den Schritt des Welpens noch mithalten. Es fiel ihr allerdings etwas schwer, schließlich musste sie ihren abgemagerten und genauso kraftlosen Körper auf drei Beinen tragen. Sie sah Madocs Burder inzwischen nicht mehr. Hoffentlich war ihm nichts zugestoßen.
Nach einigen Metern schienen sie einen Platz erreicht zuhaben, an dem noch vor wenigen Minuten Wölfe standen. Pfotenabdrücke und Gerüche waren noch gut zuerkennen. Sie blickte Madoc an und meinte:
"Sie können nicht weit weg sein. Ich denke dein Bruder ist bei ihnen. "
Sie beschleunigte mit letzten Kräften zu einem schnellen Trab, achtete aber darauf das Madoc bei ihr war.
Takashi streifte schon einige Zeit durch Fremde Wälder und Gegenden. Glücklicherweise hatt ihn bis jetzt keiner an seiner Reise gehindert. Dieses mal wäre er auch chancenlos gewesen. Nach dem Mord seiner Familie hatte die Alphawolfin ihm eine schwere verletzung zugezogen. Sein rechter Hinterlauf besaß eine große Wunde, die nur sehr langsam verheilte. Er konnte die Pfote nichtmals mehr aufsetzen und mit dem Bein normal weiterlaufen. Die Schmerzen waren dazu viel zu groß. Deshalb hielt er das Bein angewinkelt. Es sah ein wenig komisch aus, wie er da von Ort zu Ort humpelte. Doch was die anderen dachten, war ihm in diesem Moment einfach egal.
Der Schnee wurde ihm langsam zum Verhängnis. Takashi sackte immer wieder ein. Dann versuchte er nochmal den verletzten Hinterlauf aufzusetzen. Es war so schmerzhaft, dass er nichtmals dazu kam, ein wenig Gewicht auf diese Pfote zu verlagern. Leise jaulte er auf.
.oO(So ein Mist! Wie soll ich denn jetzt noch voran kommen!)
Dachte er und knurrte wütend. Der kalte Wind blies im ins Gesicht und einige Schneeflocken folgten ihm. Kalt war ihm nicht, doch er empfand es als sehr lästig. Er konnte schon einen See in der Nähe wittern. Doch dieser war bestimmt zugefroren. Trotzdem beschloss er, dort hinzugehen. Desto näher er kam, desto mehr konnte er wittern. Da schienen noch andere zu sein...andere Wölfe! Takashi grinste fies.
.oO(Na sie mal an...!)
Er lachte böse und wurde ein wenig schneller. Es sah komisch aus, wie sein gesunder Hinterlauf immer nach vorne hopste. Doch anders konnte er sich schließlich nicht fortbewegen. Dann erblickte er eine weiße Fähe. Sie schien auf der Suche nach Futter zu sein.
"Pass auf, dass du nicht als mein Futter endest!"
Er lachte erneut. Vorsichtig ging er auf sie zu und hielt zuerst einige Meter Abstand. Dann begann er, um die Fähe herumzuschleichen. Seine Blicke fielen nur auf die Weiße. Alles andere um sich hatte er bereits vergessen.
Die Weiße starrte den großen Wolf an. Er war groß, um nicht zu sagen riesig.
oO Was will er hier Oo
fragte sich Jumaana und entdeckt die Verletzung am Hinterlauf. Die Fähe dachte an ihre Familie, die sich nie um sie gekümmert hatte.
"Pass auf, dass du nicht als mein Futter endest!"
knurrte der Schwarze und lachte grimmig. Jumaana ließ sich nicht im Mindesten davon beeindrucken.
"Warum sollte ich auch? Ich habe bei weitem Besseres zu tun, als von einem Einzelgänger gefressen zu werden!"
Sie schnaubte und schaute dem Wolf, der jetzt um sie herum ging, direkt in die Augen. Dann passierte in ihr etwas, was sie weder einordnen konnte, noch jemals gefühlt hatte.
Die roten Augen des Schwarzen starrten die Weiße mit durchdringenden Blicken an. Er blieb stehen. Sie anzugreifen wäre jetzt nicht ganz ungefährlich. Er hätte aber bestimmt eine Chance gegen sie gehabt, denn sie war kleiner als er und bestimmt nicht so stark. Doch er spürte Unsicherheit, als er die Anwesenheit anderer Wölfe in der Umgebung witterte. In diesem Zustand würde er als Futter enden. Langsam begann sein noch gesunder Hinterlauf zu zittern. Er war schon sehr lange unterwegs gewesen und die eine Pfote hat so viel Gewicht tragen müssen. Die Kraft der Muskeln ließ nach und das Bein rutschte weg. Takashi landete unsanft auf dem Hinterteil.
.oO(Zeig jetzt bloß keine Schwäche! Das könnte ein Fehler sein!)
"Ein Einzelgänger sagst du? Ja das bin ich...sollte es soetwas nicht geben oder was?!
Knurrte er sie böse an. Er wusste jetzt nicht, was er noch tun sollte. Aufstehen konnte er für einige Zeit nicht mehr. Es war an der Zeit, sich auszuruhen. Aber warum ausgerechnet an so einem Ort? Sein knurren verstummte. Einen Moment fielen seine Blicke zu Boden, dann sah er wieder die Weiße an und musterte sie kurz.
"Willst du Streit oder was?"!
Fragte er und grinste fies. Takashi setzte sich aufrecht hin, um groß zu wirken.
"Wie du meinst. Aber ja, Einzelgänger sollte es geben, was wäre denn die Welt ohne mich?
Die Fähe schnaubte leise. Sie musterte den großen Schwarzen nocheinmal. Sein verletzes Bein sah nicht gut aus, sein gesünderes aber auch nicht. Jumaana wiegte den Kopf. Sie hörte den Ruf einer Krähe - aber wie sonst immer, wusste sie nicht, was es zu bedeuten hatte.
oO Er will dich einschüchtern, da sist doch eindeutig Oo
Jetzt war es Jumaana, die ausprang und den Schwarzen umrundete.
"Was machst du eigentlich hier? Jagen kannst du hier nicht. Leben also auch nicht. Zum Durchziehen ist es die falsche Jahreszeit ... Also, was machst du hier?
Fragte Jumaana und knurrte. Wieder schrie die Krähe und landete in unmittelbarer Nähe neben den Beiden.
"Weißt du, was die Krähe bedeutet? Nein, sicherlich nicht. Du wirst es auch so nie erfahren!"
Ärgerlich schlug sie mit ihrer Rute und knurrte nocheinmal.
Der kleine Rüde blickte Sania patzig an. Was für eine Unverschämtheit, dass sie zu wagen fragte, ob er denn die vielen Wölfe nicht roch, natürlich tat er es, aber es musste ja noch immer nicht sein, dass es auch wirklich ein Rudel war! Sicherlich hatte er nicht daran gedacht dass es selten so viele Rudel an einem Ort gab, wenn es kein Rudel war. Doch diesen Fehler wollte er natürlich nicht einsehen, ein starker Wolf durfte schließlich keine Fehler machen! Doch der Sternentänzer hielt es für besser, gar nicht auf ihre Frage zu antworten, bevor sie auf den Gedanken kam, ihm gerade diesen Fehler unter die Nase zu reiben. Ungerührt ging er weiter.
Natürlich war ihm ebenfalls nicht entgangen, dass die weiße Fähe abgemagert war und zudem auch noch humpelte. Jeder normale Wolf hätte wohl sein Tempo gezügelt, aber Madoc kannte das Wort Rücksicht nicht und lief in unvermindertem Tempo weiter. Außerdem hielt er es für selbstverständlich, dass eine Fähe, die so viel größer war als er, auch in diesem Zustand mit ihm mithalten konnte.
Nach wenigen Augenblicken hörte er die Stimme der Weißen wieder. Sie sagte Worte, die der junge Sternentänzer für völlig überflüssig hielt. Am liebsten hätte er gesagt Als ob ich es nicht selber wüsste, so etwas musst du mir nicht sagen! Doch der Welpe hielt sich zurück, immerhin war es Sania, die ihn zu dem Rudel geleiten wollte und diese Dankbarkeit wollte der Sternentänzer doch noch zeigen, egal wie unfreundlich er war.
Dann fiel ihm plötzlich ein, dass er den Namen der weißen noch nicht einmal erfahren hatte. wie immer in einem barschen Ton fragte er danach.
“Übrigens, du hast mich viel über mich selber gefragt, aber wer du bist, das weiß ich noch gar nicht. Vielleicht tätest du besser damit, mit deinen Namen zu verraten.
Und noch eine Frage, kennst du die Wölfe, zu denen du mich gerade führst oder triffst du sie heute auch zum ersten Mal?“
Vielleicht klangen diese Worte etwas erwachsen für einen so jungen Wolf wie Madoc, aber das war es ja gerade, was er sein wollte. Er wollte erwachsen sein, groß, stark und stolz. Mit aufmerksamen und intelligenten Blick, nach vorn gerichteten Ohren und ständig in die Luft witternd suchte er die Landschaft nach seinem Bruder ab. Was dachte er sich denn dabei, einfach so wegzugehen, ohne auf ihn zu warten? Kopfschüttelnd blickte er gegen den blendenden Schnee. Die Fährte von Llywarch hing in der Luft, er war bald wieder bei ihm. Auch die weiße Fähe schien dies gemerkt zu haben, denn sie beschleunigte ihre Schritte und zum ersten Mal stieg in Madoc etwas, das man mit Bewunderung vergleichen konnte gegenüber dieser Weißen auf. Wie konnte sie ihre Schritte noch beschleunigen, wenn sie doch schon so verletzt und abgemagert war. Etwas verwundert tat der Welpe es ihr gleich und übernahm wieder die Führung.
Und dann sah er sie endlich. Es waren viele Wölfe und mitten unter ihnen war auch ihr Bruder! Freudig wedelte Madoc mit der Rute, blieb jedoch bei Sania.
"Du willst also wissen, warum ich hier bin?"
Vorsichtig richtete Takashi sich wieder auf und stellte sich der Weißen Fähe in den Weg. Er machte einige Schritte auf sie zu und sah sie an. Er hob die Rute, um der Fähe seine Überlegenheit klarzumachen.
"Nun...ich weiß es auch nicht genau."
Begann er leise zu reden und knurrte erbost.
"Ich kenne keinen Ort, wo ich hin kann...denn ich habe...mein altes Rudel verlassen...und...meine Familie getötet!"
Verstummte sein Geknurre. Dies alles zu erzählen ließ ihn kalt. Auch der Gedanke an die Toten brachten ihm nicht zur Vernunft. Takashi grinste die Fähe fies an. Er blickte zu der Krähe, die eben erst gelandet ist. Finster blickte er zu ihr rüber.
"Was hat dieses etwas denn zu bedeuten...?"
Er sprang auf die Krähe zu und bekam sie gerade noch an den Schwanzfedern zu packen. Doch dies hinderte sie nicht am Davonfliegen. Nur eine einzige schwarze Feder blieb von ihr zurück. Takashi warf sie zu Boden. Wütend kläffte er der Krähe nach. Dann machte er noch einen Schritt auf die Fähe zu. Ein wenig unsanft stupste er sie an.
"Muss mich so eine Krähe interessieren?"
Langsam schien er ein wenig zur Ruhe zu kommen. Jedenfalls vergaß er den Gedanke, die Fähe zu töten. Er setzte sich wieder, da sein Hinterbein langsam nicht mehr wollte.
.oO(Sie ist anders als die Anderen...sie will nicht kämpfen? Warum...?)
Er verstand dies nicht. Die Fähe war nicht wie wild auf ihn losgegangen, um ihm die Kehle durchzubeißen. Aber warum tat sie das nicht? Er senkte wieder für einen Moment den Kopf. Dann schaute Takashi wieder die Weiße an.
"Also doch ..."
Murmelte die Fähe und ließ sich nicht beeindrucken. Sie duckte sich, schüttelte den Kopf und richtete sich wieder auf. Es war anders als sonst. Der Wind fegte um sie herum, doch der Fähe war nicht kalt.
"Ich weiß nicht, ob du die Sache verstehst ... Doch, doch, es wird schon gehen!"
Jumaana schaute Takashi geradewegs in die blutroten Augen.
"Die Krähe ist ein Geschöpf der Macht - wie ich! Auch wenn du es nicht wissen willst, ich sollte die Alphawölfin meines Rudels werden. Und? Was habe ich gemacht? Ich war traurig darüber. Dann wurde mein Rudel aufgelöst und ich fand mich alleine wieder. Ich wanderte den langen Weg aus dem Norden hierher und bin kein einziges Mal auf Gleichgesinnte getroffen. Die Krähe ist meine Helferin, um nicht zu sagen, dass ich die Krähe der Nacht bin."
Jumaana grummelte leise und starrte weiterhin den Schwarzen an. Sie wurde langsam nervös, aber sie blieb standhaft und ließ den Blick nicht locker.
"Ich bin übrigens Jumaana, das steht für silberne Perle. Aber für dich bin ich weiterhin eine Fremde - die Krähe der Nacht!"
Die Fähe sah Verwirrung im Blick des Wolfes. Sie deutete es anscheinend richtig.
"Warum sollte ich dich angreifen? Ich verhungere hier schon nicht und blutrünstig, das bist du ja schon. Aber wenn du meine Leiche willst, bitte, ich werde dich nicht daran hindern"
Verächtlich warf sie ihm noch einen letzten Blick zu und trat dann ans Wasser, um ein paar Schlucke zu trinken.
Für einen Moment dachte Takashi über die Worte der Fähe, die sich als Jumaana vorstellte, nach. Er verstand nicht ganz. Jedoch hatte er dieses Mal aufmerksam zugehört. Sonst wären die Sorgen und alles andere der Wölfe ihm egal gewesen. Doch bei dieser Fähe war das alles irgendwie anders für ihn. So sehr verachtend konnte er da einfach nicht sein.
.oO(Warum zeige ich bei ihr Erbarmen? Noch nie war ich zu einem anderem Wolf so...was ist bloß los mit mir?)
Fragte er sich im stillen nervös. Er hatte das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Es war für Takashi einfach nicht zu verstehen, dass er doch anders konnte. Nur es war einfach sehr neu für ihn und er musste lernen, damit umzugehen.
"Sei froh, dass du überhaupt jemanden bei dir hattest...!"
Sagte er und blickte ins Leere.
.oO(Wer hätte schon so etwas wie mich begleitet...)
Er schüttelte den Kopf. Was dachte er da bloß? Dann sah er Jumaana mit gierigen Augen an.
.oO(Sie will doch meine Beute sein?)
Erneut begann er fies zu grinsen. Einen Moment zögerte er noch. Dann lief er der Weißen zum Wasser hinterher und biss sie. Es war kaum zu fassen für ihn, doch er konnte es einfach nicht übers Herz bringen, fester zuzupacken. Verwirrt ließ er sie los und taumelte einige Schritte rückwärts.
Ungerührt saß die Fähe da und starrte ins Leere.
oO Wenn er dich umbringt, bist du erlöst Oo
Dachte sie und sah, wie der Schwarze verwirrt zurücktaumelte.
"Was hast du? Bring mich um! Ist es nicht das, was du wolltest?"
Jumaana's Blick entfernte sich, ihre Augen wurden schwarz. Sie spürte nicht den stechenden Schmerz, der von der Bisswunde ausging. Sie wehrte sich nicht, sie saß stocksteif da. Immer wieder geisterten Gedanken durch ihren Kopf, die sie nicht bemerkte.
oO Es wird dein Ende sein! Oo
Sagte sie sich und saß da, als wäre nie etwas mit ihr geschehen.
Der Schwarze knurrte wütend.
.oO(Was ist los mit mir? Ich verstehe nicht...Warum kann ich sie nicht töten?)
Bis jetzt bestand sein Leben nur aus Töten. Nie hatte er vor irgendeinem Wolf halt gemacht. Es war ihm auch egal, ob es ein Jung- oder Altwolf war. Er hatte nie Erbarmen gezeigt. Sollte sich dies vielleicht doch ändern? Sein Blick huschte zu Jumaana. Sie ließ sich nichts von dem Biss anmerken.
Langsam wurde es Takashi kalt. Der viele Schnee auf seinem Körper schmolz langsam. Das kalte Wasser sickerte langsam durch sein Fell. Dann blies auch noch der kalte Wind. Das geschmolzene Eis schien wieder an seiner Haut zu gefrieren. Er begann zu zittern.
.oO(So ein Mist! Jetzt wird mir auch noch kalt...!)
Was sollte er jetzt tun? Irgendwie musste er sich wärmen. Er legte sich vorsichtig hin und rollte sich ein. Doch das half nicht besonders viel. Dann kam ihm eine Idee. Er setzte sich neben die Weiße und kuschelte sich an sie.
.oO(Wärme...aber warum?
Er schreckte zurück. Was tat er da wieder? Entsetzt schüttelte er den Kopf. Er sah nach seiner Wunde, um irgendwie beschäftigt auszusehen. Sie war wirklich groß. Aber glücklicherweise konnte sie nun nicht mehr aufreißen. Die obere Schicht bestand aus geronnenem Blut. Takashi leckte die Wunde sauber, obwohl gar nichts an ihr war. Er hoffte, dass die Fähe seine Annäherungsversuche auch nicht bemerkt hatte. Ihre Wunde blutete ein wenig. Irgendwie tat ihm das leid, doch dies würde er natürlich nicht zugeben. Erneut setzte er sich neben sie und begann, ihre Wunde sauber zu lecken.
Nun waren sie endlich alle wieder weitergekommen und unterwegs zu ihrer Rudelhöhle. Ihr fiel auf, dass sie selber auch schon lange nicht mehr in der Rudelhöhle gewesen war, sie war sowieso lange nicht in der Nähe des Rudels gewesen und so freute sie sich nur noch mehr, dass sie bald ankommen würden. Jetzt, wo sie sich bewegte wurde sie auch wieder ruhiger und grinste in Zacks Richtung, als Urion zu Kaede trabte, sich zu ihr gesellte und anfing mit ihr zu reden. Seine schelmischen Worte vorher hatte sie mitbekommen und sie wünschte den beiden, dass alles gut werden würde und sie vielleicht die Liebe zusammen finden würden.
Apropos Liebe, sie hatte da doch auch noch einiger zu finden und zu klären, mit sich selbst und mit Ilias.
Gereizt verzog sie ein wenig ihre Schnauze, wie sie es hasste, über solche Dinge nachzudenken, wie sie es hasste bei so etwas Entscheidungen zu treffen. Mit gerunzelter Stirn zwang sie sich all das was Ilias ihr gesagt hatte wieder in ihr Gedächtnis zu rufen und alles auszubreiten, dabei aber nicht die Übersicht, über ihre eigenen Gedanken und Gefühle, zu verlieren. Sie musste einen recht kläglichen und gequälten Anblick angeben, wenn man sie jetzt angeschaut hätte, doch sie lief so hinter Zack, dass Ilias sie nur von hinten sehen konnte, so konnte wenigstens er nicht mitbekommen womit sie sich gerade beschäftigte, denn nicht, dass er sich hinterher über sie lustig machen würde.
oO Eigentlich ist er ja schon ein süßer, und lieb scheint er auch zu sein. Vielleicht würde ich mir keinen Gefallen tun, wenn ich aus Angst absage? Oo
Sie kniff die Augen zusammen und wurde dann langsamer, ließ sich absichtlich zurückfallen um neben Ilias zu landen.
Scheu glitt ihr Blick zu ihm hinüber.
„Hey Ilias, . . .“
Sie blickte schnell wieder zur Seite, senkte den Blick und musterte konzentriert den abwechslungsreichen weißen Schneeboden unter ihren Pfoten, der bei manchen Schritten leise knirschte. Wenn man genau hinhörte konnte man auch mal ein Knacken und ein Quietschen vernehmen, genau dann wenn man auf Eis lief. Sie spürte wie ein dämliches Grinsen ihre Lefzen nach oben zog und blickte wieder schnell zu Ilias hinüber. Was musste er denn jetzt bloß von ihr denken? Jetzt sah er sie mit diesem bescheuerten Grinsen was sie einfach nicht mehr loswurde. Es machte sie sicher noch dümmlicher vom Aussehen her. Gequält wand sie wieder den Kopf ab, blickte dann unsicher und mit geduckter Haltung zu ihm hoch.
„Ahm . . . Ilia . . . Also . . . Öh . . . Was ich eigentlich sagen will . . . . Ich glaube . . . .“
Ihre Worte schienen sich einfach in ihrem Maul umher zu drehen, sie schienen sich so zu winden, dass sie sie einfach nicht hinaus bekam, egal wie sie sich die Worte zuvor im Kopf hingelegt hatte. Sie wollten ihre Schnauze einfach nicht so verlassen, wie sie alles eingeplant hatte.
oO {Bist du vielleicht eine feige Sau Sheena} Oo
Knurrend befahl die Fähe ihrer inneren Stimme ruhe zu geben und sie nicht noch mehr aus dem Konzept zu bringen, als sie es selber schon geschafft hatte. Dann blinzelte sie wieder kurz und blickte Ilias dann mit etwas erschrocken geweiteten Augen an, welche aber eine Sanftmut ausstrahlten, wie man sie bei der alten Hanako ebenfalls gesehen hatte. Diese Sanftmut wurde aber aus ihnen getrieben und wurde ersetzt durch ein fürchterlichen Schreck und ein leises Quietschen, was aus ihrer Kehle hinausrutschte, als sie plötzlich nur noch ein leichtes Stechen in ihrem Kopf verspürte und erst kurz danach bemerkte, was eigentlich passiert war.
Beschämt über ihre Blindheit, durch die Verwirrung hervorgerufen, schaute sie auf den Boden, schlich um den Felsen herum, gegen welchen sie gelaufen war und schüttelte sich ihr Fell, sodass ihre Ohren ihr um den Kopf schlackerten.
„Warum muss da auch so ein blöder Felsen stehen“
Maulig kam ihre Stimme hinter dem Felsen hervor, ehe sie wieder hervortrat und sicher knallrot gewesen wäre, wenn es denn in dem Bereich der Möglichkeiten eines Wolfes gelegen hätte. Doch noch immer nicht hatte sie das geschafft, was eigentlich ihr Vorhaben gewesen war, bevor der Felsen sie etwas von ihrem gedanklichen Weg abgebracht hatte. Nun blickte sie Ilias wieder vorsichtig an, lächelte ihm schüchtern zu.
„Ich glaube . . . Ichmagdichauchsehrgern…“
So schnell hatte Sheena die Worte aus ihrer Schnauze flitzen lassen, dass es sicher selbst für Ilias schwer war sie richtig zu verstehen. Nun schloss Sheena kurz die Augen, wendete ihren Kopf wieder ab und als sie die Augen öffnete lief sie wieder normal neben Ilias weiter, auf eine Reaktion von ihm wartend und mit leicht brummelndem Schädel.
Grinsend hatte auch Zack sich hinter Kaede angeschlossen und war ihr mit etwas Abstand gefolgt. Dieser Schelm, hatte sich Urion doch mit neckischen Worten an Kaede heran gemacht. Aber Zack hoffte und glaubte, dass Urion es Ernst meinte und so hoffte er auch noch, dass Kaede die wahre Seite von Urion kennen lernen würde und ihn lieben lernen würde. Dann würde es wieder einen Grund zur Freude geben, den er mit Freunden teilen konnte. Er seufzte, so war halt der Frühling, alles schien sich irgendwie in irgendwen zu verlieben, nur er tappte alleine nebenher.
Vielleicht würde auch bei ihm noch mal die Zeit kommen, in welcher er jemanden fand, in den er sich verlieben konnte. Und wenn nicht, sollte es wohl nicht sein.
Aber nicht nur Urion hatte sich in Kaede verliebt, auch Ilias fand Sheena, seine und Urions Tochter süß und diese Cumará Tumaan, die sich vorhin ihnen vorgestellt hatte, schien auch irgendwie so, als ob sie den Rüden an ihrer Seite, wie hieß er gleich, Kensharion, mehr mochte als gute Freunde es taten. Also waren er, Frekur und Lly die einzigen, die nun niemanden direkt hatten. Aber er glaubte nicht, dass die zwei sich davon stören ließen, also störte es ihn noch weniger.
Er lauschte Urion, wie er Kaede ehrlicherweise einiges von ihm erzählte und hoffte, dass die Betafähe dadurch nicht abgeschreckt wurde. Doch schrecke Kaede eigentlich irgendetwas ab? Wieder merkte er, wie wenig er seine Betafähe doch kannte, genauso wenig wie er seine Alphafähe gut kannte, aber das musste wahrscheinlich auch nicht sein, es konnte ja nicht überall so eine intime Atmosphäre herrschen, wie in seinem alten Rudel. Er sollte aufhören alles damit zu vergleichen, doch er hatte Angst, dass er sich dann irgendwann nicht mehr richtig an früher erinnern konnte.
Er merkte, wie Sheena sich zurückfallen ließ, anscheinend hatte sie den Mut gefunden mit Ilias zu sprechen. Stammelnde Wortfetzen erreichten ihn, verkniff er sich ein grinsen um sie nicht insgeheim auszulachen, so waren die jungen Wölfe nun mal, sie waren sich unsicher was sie mit diesen neuen Gefühlen anfangen sollten, dabei war Sheena eigentlich mit so viel Liebe aufgewachsen. Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass es damals eine familiäre Liebe war und nun war es die Liebe der Großen, die Liebe die keiner anderen gleichkam.
Als er ein Aufprall vernahm, drehte er sich schnell um, blicke aber sogleich wieder weg, ja es war seine Tochter gewesen, doch an der mauligen Stimme konnte er hören, dass sie sich nicht stark verletzt hatte sondern es ihr einfach nur peinlich war und er wollte dies nicht noch erhöhen indem sie merkte, dass er es ebenfalls bemerkt hatte. Also trabte er etwas schneller, jedoch nicht so schnell, als das er zu dicht an Kaede und Urion heran kam. Er fand es unglaublich süß, dass Sheena gegen den Felsen gelaufen war, sicher hatte sie sich so auf das konzentriert, was sie sagen wollte, dass sie zu wenig auf die Umgebung geachtet hatte. Er hoffte, dass keiner der anderen die Fähe auslachen würde, denn das wäre wieder ein Grund um Sheena auf die Palme zu bringen, immer wenn ihr etwas peinlich war und sich andere darüber lustig machten, regte sie sich tierisch auf um das peinliche dahinter zu verstecken und um ihr beschämtes Gefühl zu überspielen. Doch sicher waren die anderen Wölfe so einfühlsam oder aber sie hatten es gar nicht richtig mitbekommen.
Lächelnd nickte sie Urion dankbar an, durch sein stupsen hatte er sie aus ihren düsteren Gedanken gerissen um ihr gleich danach etwas über sich zu erzählen. Sie stellte sich sein Land so ähnlich vor wie das, in welchem sie sich gerade befanden, dabei hatte sie so ein Land noch nie mit eigenen Augen gesehen. Sie war nur durch viele Wälder gestrichen, hatte das Meer kennen gelernt. So verglich sie die Seen, von denen er sprach mit dem Meer, denn auch dort konnte man das Ende nicht sehen und man konnte nicht wissen was danach kam. Nur, war das Meer nicht mit Eis bedeckt gewesen. Sie war froh, dass er so offen zu ihr redete, auch wenn sie das Gefühl nicht loswurde, dass er ihr irgendetwas verschwieg.
Langsam formte sich ein Bild von dem Wolf, der ebenso leichtfüßig neben ihr her lief, wie sie selber. Er war also ein Graupelz, wie sie auch. Was er wohl für eine Augenfarbe hatte? Etwas erschrocken war sie über den Unfall von welchem er ihr erzählte, warum war Eis abgebrochen ohne, dass es sich vorher angekündigt hatte? Hier hatte sie gelernt, wie verheerend solche Brüche sein konnten, doch hatte sie auch immer ein tödliches Grollen vernommen, welches das Eis begleitete. In Massen stürzte es dann zu Boden, tosend grollte alles um einen herum und meist hatte man danach große Verluste zu beklagen. So wie es auch hier passiert war. Vielleicht war das, dass Geheimnis welches Urion verbarg, denn sie war sich sicher, dass er etwas verschwieg. Doch sie wollte ihn nicht darauf ansprechen, wenn er es nicht erzählen wollte, dann würde sie ihn nicht dazu zwingen.
Sie wendete den Kopf, bewusst dass ihr sowieso alle folgten, vergewisserte sie sich nicht noch einmal extra, dass dem wirklich so war.
„Es freut mich, dass du mir das alles so offen erzählst, ich stelle mir dein Land aus dem du herkommst so ähnlich vor, wie es hier oben ist, dabei habe ich eine Landschaft wie diese hier oben noch nie mit eigenen Augen gesehen, genauso genommen auch noch nicht mit anderen. Ich habe mir alles selber zusammengereimt. Doch die Seen von denen du sprichst stelle ich mir wie ein zugefrorenes Meer zu. Warst du schon einmal am Meer? Es ist ebenfalls so, dass du das Ende nicht sehen kannst, ja nicht einmal erahnen kannst du es. Und die Fische die du meinst, sind es vielleicht Wale? Im Meer gibt es Wale, sie sind riesengroß. Und auf ihre eigene Art und Weise wunderschön. Und singen können sie auch, auf ihrer eigenen Sprache und doch ist es großartig ihnen zuzuhören. Es klingt als ob sie etwas vermissen würden. Es stimmt einen traurig und fröhlich zugleich, so ein Gefühl bekomme ich selten. Doch immer wenn sie gesungen haben, hatte ich es. Es war alles so glücklich und zufrieden in mir und doch hatte ich das Gefühl, als ob irgendetwas fehlen würde.“
Sie seufzte. Wahrscheinlich wusste sie auch, was ihr damals gefehlt hatte. Jemand mit dem sie all die schönen Erinnerungen, die damaligen Momente hätte teilen können. So jemanden, wie Urion vielleicht war. Vielleicht für sie werden würde, wer wusste das jetzt schon. Er schien auf jeden Fall angetan von ihr, zumindest dachte sie dies, so wie sie seine neckischen Worte vernommen hatte.
„Ich weiß nicht, warum sich der Einsturz des Eises nicht angekündigt hat, dass wird schon seine Gründe haben. Es erschreckt mich, dass so etwas immer wieder passieren muss, doch auch ich kenne diese Einstürze, allerdings immer mit lautem Tosen. Natürlich ist es gruselig, wenn man denkt oder auch weiß, dass es seine Schuld ist, aber man muss wohl damit leben, sonst kommt man nicht weit in seinem Leben. Genauso wie ich mit meiner Blindheit leben muss. Es ist nicht vergleichbar aber auf die eigene Weise eine schwere Last, die man sein Leben lang mit sich umhertragen muss.
Welche Augenfarbe hast du Urion? Du bist wie ich ein Graupelz, langsam formt sich ein Bild, auch wenn es nie an das reale heran kommen wird, möchte ich doch trotzdem gerne einige Merkmale in meinem Kopf abspeichern. Ich selber hatte früher strahlend blaue Augen, vielleicht kannst du es dir vorstellen, vielleicht kannst du dir dann auch die Lebhaftigkeit und die Fröhlichkeit in ihnen vorstellen die immer mehr aus ihnen gewichen ist. Doch auch jetzt, wenn man ganz genau hinschaut kann man sie manchmal noch entdecken. Ich weiß nicht ob sie jeder sehen kann, aber ganz besonders ist es glaube ich, wenn ich dieses Gefühl intensiv verspüre, so wie jetzt gerade.“
Sie wand Urion ihr Gesicht zu und lächelte ihn versonnen an. Sie hoffte, dass ihr Redefluss den Rüden nicht einschüchtern würden, doch glaubte sie nicht, dass es ihn störte, er schien nicht einer zu sein, der allzu wenig redete.
Urion blieb kurz stehen, als er den Rumms hinter sich hörte. Neugierig drehte der Graue den Kopf und musste fasst laut anfangen zu lachen, als Sheena gegen den Stein lief. Leise kichernd blickte er feixend zu Zack um sich dann wieder Kaede zu widmen.
"Wale, ja genau. Bei uns haben sie große Hörner auf dem Kopf... wir nennen sie Mitaka Jonri... das bedeutet soviel wie 'Einhorn aus dem Meer'. Daher, wir haben ein großes Meer und keinen See. Unglaublich, nicht?"
Sie spürte, dass der Wanderer aus dem Norden ihr was verschwieg, sein dunkles Geheimnis, welches er in sich trug... trug er es denn noch in sich. Seufzend wand Urion seinen Kopf in die andere Richtung. Seine Augen wanderten gen Himmel, während die Pfoten leichtfüßig über den Schnee glitten.
"Woher kennst du die Wale, Kaede? Ja, sie singen. Sie wissen alles über ihre Welt, ihr Leben. Sie wissen, was da unten noch existiert und uns wird immer verborgen bleiben, welche Geschichten sie sich erzählen, aber es bewegt etwas in unseren Herzen, somit sind wir alle Verwandt... man kann kein Lebewesen von dem anderen differenzieren."
Er hatte schon wieder zu fiel geredet, aber Urion musste einfach diesem Bedürfnis nachkommen. Zu lange hatte der Raustimmige geschwiegen. Kaede griff noch mal die Sache mit dem Gletschter auf. Im Grunde hatte die Fähe nicht unrecht, Urion war dies bewusst.
"Weißt du, ich denke, dass es von etwas Höherem bestimmt wurde, dass der Eisblock auf das Rudel stürzte. Es gibt Engel wie Dämonen und jeder hat eines von beidem in sich."
Nun klang Urion verbittert, leises Knurren mischte sich in seine Stimme, jedoch vertrieb er schnell wieder den Gedanken an das Vergangene und bestätigte Kaede, dass ihre Vorstellung von seinem Heimatland korrekt war.
Es schien, dass seine Gesprächspartnerin auch aus solch einem Land stammte.
"Ich glaube dir, dass du blaue Augen hast. Ich sage bewusst 'hast', weil man eigentlich immernoch den Schimmer wahrnehmen kann und keine andere Farbe hätte zu dir gepasst. Es ist unglaublich wie du in der Welt klar kommst. Du hast eine wunderbare Mischung aus Ernsthaftigkeit und doch verlierst du nicht die Lust am Leben und am Sein. Das erstaunt und beeindruckt mich zu tiefst. Ich sehe die Lebhaftigkeit und die Fröhlichkeit, Kaede. Ich sehe sie und ich spüre sie in deinen Augen, in deinem Körper."
Der Graupelz aus dem Norden betrachtete kurz den Boden, dann blickte er mit neckischem Blick zu der Fähe neben ihm.
"Ich muss bei meiner Augenfarbe kurz überlegen. Ich sah mich zu selten selbst, keiner sagte mir ihre Farbe und wenn ich mich sah, waren sie rot wie Blut, aber das hatte einen anderen Grund... Meine Augen sind grün. Ich fühle mich wie ein alter, grauhaariger Wolf, wie ein Wanderer, aber ob ich so aussehe... keine Ahnung. Ich hab da eine Idee.
Urion blieb stehen und führte vorsichtig seinen Kopf an Kaedes Schulter, er strich über ihr Fell an ihre Gesicht, fuhr über die Schnauze und verharrte ganz in ihrer Nähe.
"Vielleicht spürst du ja wie ich aussehe."
flüsterte der Graue.
Was für ein frecher kleiner Welpe das doch war. Alleine sein Blick konnte Sania auf die Plame bringen. Die junge Fähe mochte Welpen eigentlich. Aber dieser war so nervig und tat sowas von "erwachsen". Aber Madoc war noch ein Welpe und sollte sich auch so verhalten. Er tat ja schon fast erwachsener als Sania. Er fragte sie nach ihrem Namen. Das wäre vollkommen ok gewesen, wenn er nicht schon wieder so hochnasig gesprochen hätte! Sie antwortete ihm mit hochgezogener Augenbraue, ernstem Blick und zorniger Stimme:
"Sag mal Madoc willste du mir drohen? Wenn ich dir meinem NAmen nicht sage was wird dann geschehen?! Willste du mich etwa zwicken? Naja ich will ja nicht von dir zu Tode geschleckt werden also ... mein Name ist Sania. Du tätest besser damit nicht so frech zusein, denn ich könnte dich trotz Verletzung locker töten."
Was tat sie da? Er war noch ein Welpe, aber sie war ja auch noch jung und gerade ziemlich verärgert.
Sie schwieg.Ihr Blick wurde wieder normal und sie fuhr mit leiser Stimme fort:
" Tut mir Leid Madoc... Ich meinte das nicht so... Nein ich kenn diese Wölfe nicht. Ich bin hier auch eine völlig Fremde...."
Als die anderen Wölfe in Sichtweite waren blieb sie kurz stehen. MAdoc's Bruder war auch bei ihnen. Sania sah zu der Wolfsgruppe und wusste nicht wirklich was sie machen sollte.
"MAdoc... lauf schon zu deinem Bruder... es gibt hier nichts was dich hält!"
meinte sie und stupste den Kleinen sanft nach vorne, ehe sie selbst langsam voran humpelte. Sie ließ ein kurzen Jaulem hören um auf sich aufmerksam zu machen.
Madoc lief noch immer neben der weißen Fähe her, die er als Wegweiser respektierte, aber dennoch nicht wirklich freundlich zu ihr war. Noch immer wartete er auf ihre Antwort auf seine Frage. Schließlich hatte sie sich wirklich noch nicht vorgestellt. Mit erhobenem Haupt blickte er nach vorn und konnte in der Ferne sich bewegende Punkte erkennen. Es waren bestimmt die Wölfe, mit denen Lly nun zusammen war!
Doch plötzlich riss Sanias Stimme ihn wieder aus den Gedanken. Ihre Stimme klang zornig und ihre Reaktion kam so unerwartet, dass der Welpe sie skeptisch und auch etwas verwirrt ansah. Was sagte sie da? Sie könnte ihn töten? Ja gewiss könnte sie das, mit der Vorraussetzung, dass sie mit diesen Verletzungen so schnell laufen konnte, wie er. Schon immer galt er als sehr schneller und flinker Welpe. Wie schon viele Male gewann sein Stolz die Oberhand über seine Furcht und er erwiderte Sanias zornigen Blick. Ein mutiger und starker Wolf durfte sich so etwas doch nicht bieten lassen! Trotzig wollte er antworten, doch die Weiße kam ihm zuvor. Ihre Stimme klang plötzlich ganz anders als vorhin, was der Sternentänzer überhaupt nicht verstand. Er wusste nicht was er darauf erwidern sollte, am besten wäre wohl er würde nachfragen.
“Ähm… gut… Aber wieso hast du eben so gereizt reagiert? Und wieso hast du mir deinen Namen noch immer nicht gesagt? Hab ich etwas falsch gemacht?“
Fragte der Welpe, seine Frechheit war abgeklungen und übrig blieb nur die reine Verwunderung. Er wusste nicht wieso, aber gegenüber dieser Fähe wollte er nicht mehr frech sein. Sie hatte es sich nicht verdient. Aber wieso? Wie konnte er selber so etwas sagen? Er war doch schon immer zu allen frech und direkt gewesen! Nun, direkt war er auch jetzt noch, aber …
Madoc schüttelte resigniert den Kopf. Er verstand sich selber nicht mehr und das lag alles an dieser Fähe, dessen Namen er noch immer nicht wusste.
Dann erklang Sanias Stimme erneut. Sie erwähnte seinen Bruder. Sofort blickte der Welpe wieder nach vorne und tatsächlich konnte er Llywarch deutlich erkennen. Die weiße Fähe hatte ihn dazu aufgefordert zu ihm zu laufen, aber er tat es nicht. Er blieb an ihrer Seite, schließlich war sie verletzt und konnte nicht so schnell laufen. Das erste Mal, dass der Sternentänzer Rücksicht auf jemanden nahm, der nicht Lly war. Sie hörte ein jaulen aus der Kehle der Fähe dringen und machte sich ebenfalls auf sich aufmerksam.
“Lly, warte!“
Rief er, sehr wohl wissend, dass sein Bruder ihn nicht hörte, aber spürte. Er machte einen Freudensprung, als hätte er den anderen Welpen Jahrelang nicht gesehen, dabei war keine Stunde vergangen, seitdem sie sich getrennt hatten. Dann blickte sie wieder auf Sania, die noch immer neben ihm herlief.
Vorsichtig grinste Kaede Urion zu, als dieser sich wieder zu ihr gedreht hatte. Sie hatte Sheenas "Wie-laufe-ich-am-geschicktesten-gegen-den-Fels" ebenso mitbekommen wie er auch. Natürlich war die Situation lustig, auch wenn Kaede sich darüber nicht so amüsieren konnte wie Urion. Wahrscheinlich hatte es einen vernünftigen Grund warum es ihr passiert war und diesen kannte sie nur nicht. Natürlich war es auch so lustig, wenn man danach ihre maulige Stimme hinter sich hörte. Peinliche Aktion. Doch sie wollte sich nicht über die junge Fähe lustig machen. Schließlich war es ihr, als sie blind geworden war nicht anders gegangen. Natürlich sah Sheena noch genug, sie wurde nicht blind, aber sie konnte die Beschämtheit, welche Sheena erfasste genau nachvollziehen.
Sie wunderte sich, warum Urion von Walen mit Hörner sprach und warum es bei ihm ein eingefrorenes Meer gab, vor allem da er davor noch von einem See gesprochen hatte, aber das war sicher nur ein Missverständnis gewesen. Und das ein Meer gefriert und das es Wale mit Hörnern gab hatte sie nicht gewusst. Wahrscheinlich hatte sie einfach andere Wale gesehen und war an andere Meeren oder eben an anderen Stellen des Meeres gewesen.
"Ich finde den Namen, den ihr euren Walen gegeben habt, sehr schön. Er hört sich genauso friedvoll an wie Wale es sind. Allerdings kenne ich keine Wale mit Hörnern, ich kenne nur welche, die riesengroß sind und wunderschön aussehen. Ich weiß natürlich nicht wie du das siehst, für mich gibt es keine hässlichen Dinge auf der Welt. Es liegt immer im Auge des Betrachters und wenn manche Wölfe sagen, dass etwas hässlich ist, kann ich es nicht nachvollziehen, denn dann stört nur einen selbst etwas an dem Gegenstand oder Wesen, und das kann für jemand anderen schon wieder ganz anders aussehen und ich finde es sehr oberflächlich und gemein so etwas zu sagen nur weil einem selbst etwas nicht passt, aber ich kann es schließlich niemandem verbieten. Vor allem, weil ich zugeben muss, dass ich dieses Wort auch manchmal in den Mund nehme. Was ich eigentlich sagen wollte, viele Wölfe die die Wale auch kennen, haben mich für verrückt erklärt als ich verlauten ließ, dass ich sie schön finde. Und um nun nicht ganz so weit auszuschweifen, werde ich einfach schnell auf deine Frage antworten. Ich kenne die Wale, weil ich früher sehr oft am Meer war. Genaugenommen sooft es ging. Nun, wo ich blind bin, habe ich es mich nicht mehr getraut. Aber so lange wie ich sehen konnte war ich immer wieder am Meer gewesen. Ich liebe das Meer, ich finde es wunderschön und ruhig dort. Man kann super nachdenken und als ich einmal verträumt am Strand saß, habe ich eben die Gesänge vernommen. Und kurze Zeit später habe ich dann die Wale, die sanften Riesen wie ich sie nenne, gesehen. Leider etwas weit weg, aber immerhin."
Da sie gemerkt hatte wie verbittert Urions Stimme klang, als er nochmal auf sein Rudel und das Drama was passiert war, eingegangen war, bechloss sie, diese Informationen ersteinmal zu verschieben und zu dem anderem Thema überzugehen. Es gefiel ihr, wie Urion sie sah. Auch wenn sie wusste, dass es zu schön wäre, wenn sie immer so lebensfroh wäre. Sie konnte tagelang deprimiert und nachdenklich rumliegen, meist fragte sie sich dann, warum sie überhaupt noch am Leben war. Doch bis jetzt hatte sie immer wieder die Freude im und am Leben gefunden. Sie war mit der Zeit sehr willensstark geworden und das war gut so, denn sie brauchte viel Kraft.
Langsam begann sich auch in ihrem Kopf ein Bild zu bilden, von dem Graupelz mit dem sie umherlief. Grüne Augen hatte er nun also, obwohl er früher rote hatte. Warum sie wohl eine so aggressive Farbe gehabt haben?
Als er ihr erklärte, dass er sich leider nicht weiterbeschreiben konnte, war sie zuerst enttäuscht, aber als er ihr dann erlaubte, dass sie ihn doch einfach ertasten konnte, freute sie sich und setzte ihre Schnauze vorsichtig an seine. Langsam glitt ihre Schnauze nun an seinem Kopf entlang und über seinen ganzen Körper weiter, während sie alles was ihr auffiel kommentierte.
"Du bist auf jeden Fall nicht viel größer als ich, jedoch wirkst du um vieles muskulöser als ich. Du hast einen sehr großen Kopf und einen breiten und kurzen Fang. Deine Ohren sind ebenfalls viel größer als die meinen"
Grinsend drehte sie ihre plüschigen Ohren umher.
"Wie ich schon sagte, spüre ich viele Muskeln unter deinem eher struppigem und drahtigem Fell. Alles in allem, würde ich sagen, dass du ein Wolf bist, von dem viele am Anfang etwas falsches denken, ja vielleicht sogar abgeschreckt sind. Und trotzdem denke ich bist du ein sehr hübscher Wolf. Und das sage ich jetzt nicht, weil ich das wort hässlich, mies finde. Nein, sonst würde ich sagen, dass mir persönlich etwas an dir nicht gefällt, doch das kann ich eigentlich nicht sagen. Vielleicht etwas, was ich nun nicht ertasten kann, das weiß ich natürlich nicht."
Verschmitzt grinste sie ihn an, zum Schluss hin war ihre Stimme immer amüsierender und neckischer geworden, nun stupste sie ihn nochmals freundlich an, ehe sie ihren Lauf fortsetzte um nicht die ganze Gruppe noch länger aufzuhalten.
o.O(Du kannst meine Vergagenheit nicht ertasten...)
Urion dachte es verbittert und doch war er froh, dass Kaede anscheind nichts davon ahnte. Oder sie versteckte es sehr gut. Urion pendelte leicht mit der Rute, als sie ihr Urteil über sein aussehen abgab. Die Fähe hatte nicht unrecht. Der Graupelz betrachtete sich noch mal. Wenn er mehr trainieren könnte, würde er ein recht starker Wolf werden und somit Kaede noch besser beschützen können. Urion wuffte leise. Ein sanftes Prickeln durchlief seinen Körper, als seine neue Bekanntschaft seine Statur ertastete. Vor nicht allzu langer Zeit hätte er Kaede dafür in Stücke gerissen...Blut, Hass, Tod, Verderben.
o.O(Hassen, töten, trauern.)
Unklar, zischend krochen die Wörter in Urions Kopf, gruben sich in sein Gehirn und ließen schreckliche Bilder aufblitzen. Die Vergangenheit holte einen immer ein. Ob man nun wollte oder nicht.
Der Graue aus dem Norden musste kurz aufwürgen, als er sich an den Mord an den Welpen erinnerte. Wie er ihnen die Köpfe abgerissen hatte. Blutverschmiert war seine Schnauze, zufrieden der Gesichtsausdruck, durstig nach noch mehr Blut schimmerten die roten, blutigen Augen. Urion musste irgendwie diese Bilder los werden, denn er begann langsam unkontrolliert zu zittern. Er hoffte, dass Kaede nichts davon mitbekommen würde, doch dies war eher unwahrscheinlich. Wenn ein Sinnesorgan ausfiel, waren die anderen umso schärfer. Urion blickte kurz zu Zack. Hinter ihm stand noch ein anderer Wolf... nein lief und grinste ihn fürchterlich an. Panisch riss der Rüde die Augen auf. Schwärze Umgab den anderen, rote Augen schimmerten ihn an. Das Fell war blutverschmiert, gar zerfetzt und unrein. Ob die Anderen das Wesen sehen konnten, ob Kaede ihn spürte. Urion riss mit aller Gewalt den Blick von dem vermeintlichen Fluch und sah zu der Fähe neben ihn. Es als, wenn er in eine andere Welt blicken würde, jedoch packte ihn die Vergangenheit an den Füßen.
Urion wollte eben noch mal die Wale ansprechen, als ihn von hinten etwas packte. Der Graue wirbelte herum und sah den kalten Fluch vor sich stehen.
o.O(Einbildung... das ist nur eine Einbildung.)
"Dich gibt es nicht mehr!"
Urion jaulte es und wurde im selben Moment fortgeschleudert. Er schlitterte durch den Schnee und blieb bebend liegen. Die Anderen sahen den Fluch nicht, für sie hob der Graupelz plötzlich einfach so vom Boden ab.
Der Fluch machte sich genüsslich über den Grauen her. Kratzte, biss und hasste ihn. Urion versuchte sich zu wehren, versuchte nicht aufzugeben. Knurrend kämpfte er gegen etwas unsichtbares an, das ihn das Fell zerfetzte. Fürchterlich grollend wand der Nordwolf sich gegen die Hiebe und Bisse. Urion sah aus, als wäre er wieder besessen, denn diese Gesichtszüge, hatten sie auf ewig in seine Mimik eingebrannt. Plötzlich war es still. Der Rüde stand hechelnd im Schnee, lächelte die Gruppe an, dann sackte er in sich zusammen.
o.O(La,la,la,la... aus dem Urlaub bin ich zurück...)
Urion raffte sich wieder auf, schlich zu Kaede und lehnte sich gegen sie. Das Pulsieren in seinem Körper musste sie spüren.
"Lass uns weiter gehen, Kaede. Es ist nichts weiter passiert."
Urions Blick wanderte zu Zack. Er wollte nur weiter laufen, es sollte alles so sein wie vor ein paar Minuten. Seufzend setzte Urion sich wieder in Bewegung.
Endlich hatte das warten für Ilias ein Ende. . .Er bekam seine Antwort, und dazu noch eine, die er nicht erwartet hätte. Schwer zu verstehen war sie, doch klar genug um sie mit Freude aufzunehmen.
o0 Ja, verdammt, sie mag mich auch. Das ist perfekt! o0
Wie süß sie angefangen hatte zu sprechen, und wie sehr sie sich konzentrieren musste, um es auszusprechen, verwunderten ihn nicht. Doch hatte er mitbekommen, das einige der Wölfe etwas amüsiert waren, über das Missgeschick, welches ihr eben zugestoßen war. Er hingegen fand dies ganz und gar nicht lustig, sondern hatte eher Mitleid, blickte sie fürsorglich an, um dann zu erkennen, dass nichts passiert war.
o0 Wow, wie süß sie doch ist. Aber wie sehr wir uns doch in dem Punkt offen sprechen unterscheiden. . .
Sie hat in den meisten Fällen, scheinbar echt ein paar Probleme damit. . .o0
Doch das fand Ilias eigentlich kein bisschen schlimm, ein wenig schade höchstens. . . Doch das war es dann auch schon. Er hatte noch nie dieses Gefühl, dass alle Liebe nannten, so stark empfunden, wie in jenem Augenblick, als sie es ihm sagte. Dabei muss "Ichmagdichauchsehrgern…“ garnicht unbedingt so viel heißen. Doch das war Ilias jetzt egal. Er hatte bestätigung bekommen, von der wohl süßesten Fähe, die er je getroffen hatte. Er war glücklich.
"Sheena, ich danke dir für diese Antwort.
Mein Herz ist erfüllt voll freude und Glück, dass eine so bezaubernde Fähe wie du sie bist, mich magst. Rege dich nicht weiter über das kleine Missgeschick auf, sondern genieße den Moment des Triumphes. . . Den Moment, dass du es übers Herz gebracht hast, es mir zu sagen. Glaub mir, sowas macht einen wenigstens etwas glücklicher. Aber es tut mir leid, dass ich nachfragen muss, heißt das, aus dem zwischen uns wird jetzt mehr als nur Freundschaft? Es gäbe nichts auf der Welt, was mich glücklicher machen würde, als mit dir an meiner Seite abenteuer zu erleben. Sheena, als ich dich das erste mal gesehen habe, dass war so eine Art Schlüsselmoment für mich im Leben. Mir ging es dadurch deutlich besser. Ich war nicht mehr allein. Und du hast mich hierher gebracht. Hast mich zu Zack und Urion geführt, hast mich mit zu Kaede genommen. Du hast mich hier her gebracht, hierher, wo es mir gut geht."
Er stupste Sheena mit seiner Nase, ganz langsam und ruhig. Er genoss diesen Moment und war sich nicht sicher, ob er je glücklicher gewesen war.
"Sheena, ich liebe dich!"
flüsterte er ihr ins Ohr.
o0 Ob ich mit einer ähnlichen reaktion rechnen darf? Aber ich denke, dafür braucht Sheena mehr zeit. . . mehr zeit ihre Angst zu überwinden, mehr zeit, ihre Nähe zu zeigen o0
Er lächelte sie an, lauschte kurz dem Gespräch von Urion und Kaede, die sich über merkwürdige Tiere namens Wale unterhielten, und von dem großen weitem Meer, von dem er gehört hatte, und wünschte er könnte länger lauschen, doch sein Gehör, und auch seine Blicke waren nur auf Sheena gerichtet.
Die Fähe besinnte sich und schaute Takashi an. Nicht verwirrt oder verächtlich - nein - eher abschätzend und verständnislos. Jumaana drehte den Kopf und blickte in die Berge, die majestätisch in die Wolken bohrten. In ihrem Kopf kreisten weiterhin die Gedanken.
oO Ich verstehe ihn nicht. Selbst wenn ihm klat ist, warum ich?
Das Leben in der Wildnis gefiel Jumaana nicht. Sie war es von früher gewohnt, geachtet und verwöhnt zu werden, doch jetzt war es völlig neu für sie, auf sich gestellt zu sein. Sie blickte auf den Wald und entdeckte eine schwarze Krähe. Langsam stand Jumaana auf und ging auf sie zu. Die Krähe schaute zu ihr herab und stieß einen Schrei aus, blieb aber sitzen und starrte die Fähe weiterhin an. Diese ließ von dem Vogel ab und drehte sich wieder um. Jumaana setzte sich wieder auf den kalten Schneeboden am Fluss und schaute wieder zu Takashi. Dann schüttelte sie wieder den Kopf und legte sich auf den kalten Boden. Kurz musterte sie die Bisswunde. Sie war weder klein, noch groß und schmerzte wenig. Allerdrings fing sie nun an, stark zu bluten. Die Fähe aber legte einfach den Kopf auf die Vorderbeine und blieb still liegen.
Takashis Blicke verfolgten die Weiße Fähe. Sein Magen knurrte unüberhörbar. Schon lange hatte er nichts gefressen. Doch in seinem Zustand konnte er gerade mal laufen. Jagen war da völlig ausgeschlossen. Wenn er sich jetzt noch groß anstrengen würde, wäre es für seinen Hinterlauf gefährlich. Das machte ihn ziemlich wütend. Verärgert knurrte er. Er hasste es, auf andere angewiesen zu sein. Sein Blicke senkte sich langsam.
.oO(Da verhunger ich doch lieber, als wen um Hilfe zu bitten!)
Sein Blick wurde verachtend.
.oO(Von solchen muss ich mir ja auch gar nichts gefallen lassen und so...ich brauche sie einfach nicht! Was soll ich schon mit ihnen!)
Finster sah er wieder zu Jumaana.
.oO(Was hat sie da mit ihren Krähen? Wie kann man sich nur mit diesem Abschaum abgeben?)
Takashi lachte gehässig. Seine Augen funkelten böse. Er sah zu der Wunde der Weißen. Sie sah nicht gut aus und begann sogar zu bluten. Doch das ließ Takashi auf einmal kalt. Er war sich jetzt wichtiger als die Anderen. Sein Kopf sank langsam zu Boden. Schließlich legte er sich hin. Er war sich ziemlich unsicher dabei.
Banshees Schritte hatten sich unbewusst noch mehr beschleunigt, immer wieder zwang sie sich dazu, langsamer zu gehen, ihre Schwester wollte mit Sicherheit genauso schnell zu den Welpen, musste aber jetzt schon an der Schmerzensgrenze taumeln. Und wenn man sie sich genau besah, sollte sie sogar eigentlich ruhig in der Höhle liegen und sich nicht hier durch den Schnee schleppen, von einer unbarmherzigen Schwester angetrieben, die nur noch ihre Enkel im Kopf hatte. Banshee musste schmunzeln, sie war albern, aber ihr gefiel es. Die Welpen verliehen ihr Flügel, jede Wut war verpufft. Und je näher sie der Welpenhöhle kamen, desto weniger konnte sie sich auf die ernsten Worte Nyotas konzentrieren. Auch wenn diese Ungutes erzählten, zwei Eltern die am Verhungern waren, da konnte es den Welpen nicht viel besser gehen. Es war zu hoffen, dass Midnight schnell Jagderfolge erzielen würde, andernfalls müsste Banshee selbst losziehen; den Anblick hungernder Welpen würde sie jedenfalls nicht einfach so ertragen können. Sie mussten aus dieser verdammten Bergwelt verschwinden, dem neuen Leben Gras und Bäume zeigen, ihren Sternensee und richtige Beute, die man erjagen konnte, ohne dabei sein Leben zu riskieren. Auf Nyotas Worte nickte sie nur stumm, sollte ihre Schwester ihr in die Augen sehen können – sie war sich nicht sicher, ob die Schwarze überhaupt zu ihr hoch schauen konnte – würde sie sowieso ihre Gedanken darin lesen können. Ein Umstand, der Banshee in diesem Fall nicht mal so sehr störte. Dann tauchten vor ihnen Gestalten auf. Zwei Wölfe, Kaede und Lunar wahrscheinlich, weiter hinten zwei weitere, einen von ihnen war eindeutig ihr Sohn und dann Shani mit Welpen um sich herum. Banshees Rute begann hin und her zu wippen, auch wenn die Weiße das eigentlich verhindern wollte. Sie folgte Nyotas Blick, dem kleinen schwarzen Punkt hinterher. Jakash hieß er … ihr Enkel. Er sah Nyota zumindest von der Entfernung tatsächlich ähnlich und die vermutete, dass es beim Charakter nicht anders sein würde. Ein Blick zu der Schwarzen genügte um zu sehen, dass ihre Schwester bereits jetzt einen Lieblingsneffen hatte. Oh, wie wundervoll mussten dann erst die anderen sein? Aus der Ferne konnte sie nicht erkennen, wie viele es waren, aber mindestens zwei weitere hatten sich bei ihrer Mutter verkrochen.
“Oh Schwesterchen, ich freu mich so!“
Sie flüsterte ganz leise, als könnte irgendwer sonst diese Worte noch hören und Banshee daraufhin einen Vorwurf machen. Immerhin war das hier die Unvernunft in Person. Aber abgesehen von einer strengen Alpha … war sie nicht auch Mutter und nun Oma und nicht zuletzt die Tochter des Lebens? Warum sollte sie ihre Freude verbergen, solang es nicht gleich das ganze Rudel mitbekam? Ein ganz und gar untypisches Freudenquietschen gab sie mit einem sanften Schnauzenstupsen an ihre Schwester weiter, dann tänzelte sie die letzten Schritte auf die Ansammlung von Wölfen zu. Aradis stand noch dabei und jetzt konnte sie vier Welpen erkennen, zwei in Shanis Fell verkrochen, zwei weitere etwas mutiger vor ihr. Und Shani selbst, das Entsetzen und die grenzenlose Ergebenheit in ein grausames Schicksal ins Gesicht geschrieben. Selbst das konnte das Lächeln nicht von Banshees Gesicht wischen.
“Guten Morgen ihr Lieben.“
Sie strahlte in die Runde, zuerst zu Hiryoga, Aradis und Shani, dann zu den Welpen, einem nach dem anderen. Zärtlich berührte sie ihren Sohn an der Nase, dann Shani an der Stirn, hoffte damit die erste Angst zu nehmen. Schon ließ sie sich zu Boden sinken und betrachtete die fünf Welpen auf ihrer Ebene, die Augen freundlich glitzernd.
“Und ihr Süßen? Ich bin Banshee, eure Oma.“
Es war seltsam dieses Wort auszusprechen, trotzdem jagte es Freudenfeuer durch ihren Körper. Diese zehn großen Knopfaugen, die jetzt auf ihr lagen gehörten ihren Enkeln. Das Leben war von ihr zu ihren eigenen Welpen gekommen und würde sich in diesen Kindeskindern weiterführen. Banshee hätte nie gedacht, dass das ein so herrliches Gefühl sein würde. Und auch wenn sie sich gewünscht hätte, ihre Enkel unter anderen Bedingungen das erste Mal zu sehen, war es doch so gewollt und auf seine Art wunderschön. Ein Schimmern ging von der weißen Leitwölfin aus, das nicht nur von ihrem Strahlen und von dem Glitzern in ihren Augen herrührte.
Jetzt blickte Jumaana den Wolf verächtlich an. Sie stand wieder auf und ging langsam in den Wald. Sollte Takashi doch verhungern. Miitgefühl hatte sie auf jeden Fall nicht. Aufmerksam schaute sie die wenigen Bäume an. Es war nicht die Landschaft, in der man gut überleben konnte, aber für Jumaana reichte es. Sie blieb stehen und rührte sich einige Minuten nicht. Hinter ihr war nur das Schnaufen des Schwarzen zu hören, sonst war es still.
Lust zum Jagen hatte die Weiße nicht unbedingt, aber sie wollte nicht kläglich verhungern. Aufmerksam schaute sie sich um.
oO Hoffentlich finde ich etwas! Oo
Dachte die Fähe und entdeckte im gleichen Moment ein kleines Schneekaninchen. Nicht sonderlich nährreich, aber für die so wie so schon abgemargerte Weiße reichte es. Mit einem Satz war sie bei dem anscheinend entkräfteten Kaninchen und biss ihm in die Kehle.
Mit dem Fang trabte Jumaana gemütlich zum Fluss zurück und legte sich wieder auf den Schneeboden.
Der Rüde hatte das Geschehen hinter sich gelassen, war in den Weiten der Schneelandschaft hineingewandert um all den Ärger mit der weißen Wölfin in seinem Herzen und seiner Schwester, den Welpen um Hiryoga und seine Gefährtin, die sie eigentlich nicht haben durften. Er hielt dem Druck nicht stand, seiner Schwester ein guter Bruder sein zu wollen, aufzupassen, dass die Kleinen unentdeckt blieben und ihnen gleichzeitig Freiheit und Liebe geben zu wollen. Und dann noch die Geschichte mit Aradis... Das Herz des sonst so lebensfrohen Rüden zog sich zusammen, er senkte den Kopf beim gehen noch weiter herab. Vor allem Shani hatte er im Stich gelassen mit der schweren Aufgabe, Banshee irgendwie beizubringen, dass sie Mutter geworden war. Von so wunderbaren Welpen. Rasmús musste schmunzeln, als er an die kleinen Rabaukn dachte, an Jakash, Sharíku und all die anderen... Er fragte sich, ob die kleine Ríku inzwischen angefangen hatte zu sprechen. Langsam drängte sich ihm nämlich der Verdacht auf, dass sie stumm bleiben würde - denn manchmal sah es fast so aus, als wolle sie zwar sprechen, könne aber nicht. Doch es machte für ihn keinen Unterschied - er würde sie genauso lieben wie die anderen auch, egal, ob sie sprechen konnte oder nicht.
Betrübt blieb Rasmús stehen. Die Liebe zu seinem Leben kostete ihn bei seiner Flucht die meiste Kraft. Und genau die Liebe war es, die ihn nach tagelangem Marsch umkehren ließ, nachdem er bereits alles aufgegeben hatte. Er war ohne ein Wort gegangen, aber er konnte nicht einfach ohne ein Wort wiederkehren. Er fühlte sich schwach und der Hunger lag ihm schwer auf den Gliedern, als er nach fasz zwei Wochen die Höhle wieder erreichte. Die letzten paar Meter kroch er fast, er schlich, den Kopf so tief gesenkt, dass er fast den Schnee berührte. Alles hatte für ihn die Schönheit verloren, doch als er die Kleinen sah, wie sie bei Banshee umhertollten, und Shani und Hiryoga sah, und an seine geliebte Schwester Tyeldachte, wo sie wohl gerade war, da schäumte ihm das Herz über vor Liebe. Auch Kaede war da, und noch einige andere. Darunter auch Aradis, und das Herz stockte ihm einige Sekunden lang. Doch die Gewissheit, das das Versteckspiel nun vorbei war, dass Banshee um die Welpen wusste, erschreckte und freute ihn zugleich. Sie sah jedoch nicht besonders wütend aus, im Gegenteil, sie schien sich zu freuen.
Rasmús sackte zusammen, legte den Kopf auf die Pfotenund wimmerte. Das war es nun. Er wurde nicht gebraucht. Alles hatte nach monatelanger Anstrengung auch ohne ihn zu einem guten Ende gefunden. Die Ohren angelegt und die Augen geschlossen verharrte er im kalten Schnee und wünschte sich nur zurück in das grünende Tal,. dass er nur so flüchtig auf seiner Reise zu diesem Rudel betrachten durfte.
Einen kurzen Moment schloss der Schwarze die Augen. Nicht, weil er müde war, sondern weil er dieses grelle Weiß des Schnees nicht mehr sehen wollte. Der Boden wurde zu kalt. Langsam erhob sich Takashi und scharrte den kalten Schnee bei Seite. Es war nicht besonders einfach, da er bereits teilweise gefroren war. Nachdem er alles beseitigt hatte, legte er sich wieder hin. Mit bösen Augen beobachtete er die Umgebung.
.oO(Schnee...Schnee...überall dieser verdammte Schnee! Eo bin ich hier nur gelandet? Dort, wo ich herkomme sind die Winter zwar verdammt kalt...aber der Schnee bleibt mir da wenigstesn fern!)
Er knurrte unzufrieden. Es war an niemanden persönlich gerichtet. Es galt allein der unangenehmen Helligkeit durch den Schnee. Wieder fielen einige Schneeflocken auf seinen Körper. Wütend schnappte er nach ihnen. Doch er wusste, dass dies zwecklos sein würde. Langsam senkte er den Kopf und starrte auf den Boden. Erneut knurrte sein Magen laut. Er richtete sich ein wenig auf. Mit gierigen Augen und angriffsbereit musterte er die Gegend. Doch dort war nichts....außer die Weiße mit einem Kaninchen...Ein Kaninchen? Takashi riss aufmerksam den Kopf hoch.
.oO(Pass nur auf...es wird mein sein!)
Zuerst grinste er fies. Dann begann er auch noch gehässig zu lachen. Er erhob sich und schüttelte sich einmal, um den Schnee loszuwerden. Recht Langsam ging er auf Jumaana zu. Wenn er sie wie wildgeworden anfallen würde, würde sie schon wissen, was los war. So, wie er auf sie zuging, schien er ein ganz braver Wolf zu sein. Nur in seinen Gedanken ging etwas ganz anderes vor.
.oO(Ich danke dir meine Liebe...!
Er verzog die Leftzen zu einem frechen grinsen. Als er dann vor der Fähe stand, sah er sie einen kurzen Moment lang an. Er wollte nicht lange zögern und schnappte sich das Kaninchen. Dann begann er, heftig daran zu zerren. Alles, was den Leib noch zusammenhielt, ließ nach. Takashi hatte das Kaninchen in zwei Stücke gerissen.
.oO(Da hast du aber keinen guten Fang gemacht!)
Dachte er spöttisch und hielt die eine Hälfte in der Schnauze.
Jumaana schaute zu, wie der Schwarze ihr das Kaninchen wegreißen zu versuchte. Es zerriss in zwei Stücke. Die Weiße ließ ihre Hälfte fallen und drehte sich von dem Schwarzen und dem toten Tier weg. Langsam schritt sie wieder zurück zu den Bäumen und setzte sich nieder.
Ohne den Wolf anzusehen, leckte sie ihre Pfoten sauber und ließ sich völlig unbeeindruckt auf den kalten Boden nieder.
oO Soll er doch fressen! Oo
Sie schloss die Augen und legte den Kopf auf die Vorderbeine.
oO Und mich am besten noch dazu! Oo
Dann fing sie an zu träumen. Zu träumen, von ihrem Rudel. Von ihr als Alphawölfin, eine prächtige große Wolfsdame, die ein großes Jagdrevier mit vielen Beutetieren besaß. Doch auch in ihren Träumereien schlief Jumaana nicht ein, sie wachte und hielt nur die Augen geschlossen.
Der Schwarze lachte laut und gehässig. Er empfand dies als einfach nur lustig. Dann ging er auch wieder auf die Fremde zu. Er kam ihr gefährlich nah und schubste sie sehr unsanft bei Seite. Ein Stück hinter ihr ließ er sich nieder. Sein verletztes Bein streckte er dabei aus. Er begann etwas, von dem Kaninchen zu fressen. Warmes Blut lief ihm am Maul herab und tropfte in den weißen Schnee.
.oO(Blut...!)
Er grinste fies. Es sah unangenehm aus, wie er da den toten Leib brutal auseinanderriss. Blut spritzte in alle Richtungen, so wie er daran riss und es herumschleuderte. Seine Augen schienen wieder rot, wie Blut zu leuchten. Das viele Blut machte ihn einfach verrückt. Das warme Fleisch ging ihm langsam zu Ende. An diesem kleinen Kanickel war wirklich nichts dran gewesen. Einige der Knochen leckte er fein säuberlich ab und zerbrach sie mit kräftigen Bissen. Danach sah er wieder nach Jumaana. Anscheinend interessierte sie der Rest des Kaninchens nicht. Dann stand er wieder auf. Beinahe wär ihm sein gesunder Hinterlauf wieder weggerutscht. Verärgert knurrte er für einen Moment. Dann holte er sich die andere Hälfte des Kaninchens, nahm es unsanft in die Schnauze und lief langsam zu der Weißen. Brutal knallte er es vor ihren Pfoten auf den Boden.
.oO(Friss das....damit mal was an dich ran kommt und du nich wie das Kanickel hier endest!)
Er grinste wieder fies, doch dieses Mal hielt dies nicht so lange an. Ausdruckslos sah er zu der Weißen auf dem Boden herab. Dann bemerkte er, dass sie vor sich hin träumte. Was wäre, wenn sie einschlafen würde? Unsanft stuppste er sie an.
"Hey...! Wach auf! Wenn du hier pennst, erfrierst du hier noch!"
Ungeduldig sah er zu ihr. Es war wirklich nicht ganz ungefährlich, in der Kälte zu schlafen, wenn man nicht ganz fit war.
.oO(Wenn sie erfriert, bin ich schuld...!)
Für einen kurzen Moment sah er sie noch ein wenig unsicher an. Er sah sich um. Er wollte nicht, dass ihm da jetzt jemand zu sah. Das, was er jetzt tun würde, war ihm wirklich sehr peinlich. Vorsichtig legte er sich neben Jumaana. Das würde sie bestimmt wärmen. Und dieser lästige Gedanke, Schuld zu haben, verschwand langsam aus Takashis Gedächnis.
"Und wehe du erzählt wem davon etwas!"
Sprach er ein wenig ungeduldig. Ob sie ihn wohl gehört hatte?
Völlig unbeeindruckt lag die Fähe da und schaute den Schwarzen mit ihren bernsteinfarbenen Augen an.
"Vielleicht würdest du bei dieser Kälte erfrieren, aber ich nicht!"
Sie schüttelte den Kopf und stellte ihre Nackenhaare auf.
Das Leben in der Wildnis mag für dich ja hart erscheinen, aber für mich ist es das, was ich mir immer gewünscht habe! Und ansonsten geht es dich ja wohl am wenigsten an, wem ich was erzähle und ob ich fresse oder nicht!
Wütend sprang sie auf. Ja, Temperament hatte sie genug. Knurrend stellte sie sich vor den Schwarzen und starrte ihn feindselig an. Alle Ruhe war verschwunden, der verträumte Ausdruck in ihren Augen verwandelte sich in puren Hass.
"Verschwinde du doch von hier. Ich war hier zuerst! Wenn du damit nicht leben kannst, bitte, dann kämpfe um diesen Platz!"
Erschrocken registrierte Kaede, dass Urion sich plötzlich knurrend von ihr entfernte. Was war denn jetzt passiert? Sie hatte doch wohl nichts falsches gesagt oder?
Schnell ging sie alles im Kopf durch, was sie eben von sich gegeben hatte, doch viel ihr nichts auf, was ihr irgendwie falsch oder störend vorkam. Als das knurren lauter wurde drehte sie sich in die Richtung aus der es kam und machte vor Schreck einen Satz rückwärts.
Was war das denn? Sie hörte ein quietschen und erst kurze Zeit später viel ihr auf, dass dieses quietschen von ihr kam. Beschämt klappte sie die Schnauze zu und sofort verstummte der schrille Laut. Also war sie es wirklich gewesen. Hektisch ließ sie ihren Kopf von links nach rechts pendeln, doch es war wie immer, nur Schwärze um sie herum. Nun fast schon panisch stolperte sie wieder einen Schritt vor.
"Urion, Urion??"
Bittend, flehend und verängstigt fiepte sie seinen Namen. Warum konnte sie IHN sehen? Wieso konnte sie diese komische Gestalt sehen, wenn sie doch Urion nicht sehen konnte und die anderen Wölfe ebenfalls nicht. Waren die anderen noch bei ihnen?
oO Ich muss mich beruhigen Oo
Tief durchatmend versuchte sie wieder klar zu denken. Ja die anderen waren noch da, doch keiner schien dieses gruselige Wesen zu sehen, welches sie sah. Sah Urion es wohl? Er musste es ja sehen, schließlich kämpfte er mit ihm. Das was sie sah waren Umrisse, dunkle Schatten, umrandet von einem loderndem Feuer welches Urion zerreißen wollte. Innerhalb des Feuerumrisses waren verschiedene dunkle und helle grauabstufungen die so einen Körper formten. Sie wusste nicht wieso sie dieses Monster sah, sie verstand nicht was hier gerade pasierte. Stand sie überhaupt noch auf ihren Beinen oder war sie vielleicht aus irgendeinem Grund ohnmächtig geworden. Vielleicht war sie ja gestorben und merkte es selber nur nicht.
oO Altersschwäche . . . Oo
Doch da war Urion schon wieder bei ihr und das Ding, wie sie es getauft hatte war wieder verschwunden. Sie wusste immer noch nicht, was es gewesen war doch das war erstmal nicht mehr von Interesse, Urion drängte sie weiter, doch er schien schwer verletzt. Sanft rückte sie an ihn herran um ihn zu stützen. Sie hoffte einfach, dass sie bald auf Banshee treffen würden und sie die Neuen vorstellen konnte, damit sie alles mit Urion klären konnte. Sie murmelte ihm beruhigende Worte zu und heulte dann nach Banshee.
"Banshee, vielleicht hast du Zeit mir entgegen zu kommen, ich habe einige Neue dabei, die ich dir gerne vorstellen würde! Ihr anderen, schließt auf, vielleicht kommt Banshee gleich und dann möchte ich nicht so ein Chaos haben!
Sie stupste Urion vorsichtig an, in der Hoffnung, dass er noch lange genug durchhalten würde, bis sie endlich ankommen würden.
In diesem Moment merkte sie, wie gern sie diesen Rüden jetzt schon hatte, dabei hatte sie sich doch vorgenommen vorsichtiger zu werden. Doch diese Sorgen die sie sich um ihn machte, waren anders, als wenn sie sich um andere Wölfe sorgte. Sie sorgte sich immer um alle, doch bei ihm mischte sich gleich eine Verlustangst hinzu. Doch sie ließ sich nichts anmerken sondern lächelte freundlich und schien fast zu fröhlich um es glaubhaft zu machen. Sie wusste, dass es zu gespielt rüberkam, aber sie wollte versuchen trotzdem eine Art Sicherheit auszustrahlen, damit die anderen sich nicht Sorgen machten.
Takashi empfand es als unverschämt, dass die Weiße auf seinen Hilfe Versuch so reagierte. Abfällig zuckte er mit den Schultern.
"Na ja...wie du meinst. Wie unverschämt! Tze...!"
Beleidigt schaute er für einen Moment weg. Er versuchte selten anderen Wölfen zu helfen. Daher war das für ihn schon etwas Besonderes. Wenn dann jemand auch noch so unpassend darauf reagierte, hatte man ihn wirklich verärgert.
.oO(Als ob ich so was noch nötig hätte!)
Von unten starrte er böse zu ihr hoch. Einschüchtern konnte man ihn durch solche Aktionen nicht. Er empfand das mehr als unverschämt. Außerdem verletzte dies seinen Stolz. Er spitzte die Ohren.
.oO(Was hat sie da gesagt? Kämpfen?!
Takashi lachte laut und spöttisch. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder beruhigt hatte.
"Was? DU willst MIR drohen?"
Lachte er sie aus. Einen Moment schwieg er. Dann schien er ruhiger zu werden.
"Nun...weißt du etwa nicht, wen du vor dir hast?...Ach was frag ich noch....das weißt du ja wohl anscheinend nicht!"
Langsam schüttelte er den Kopf.
.oO(Werd bloß nicht übermütig...Jumaana!)
Ruhig sprach er weiter.
"Ich packe dich einmal, schleudere dich gegen einen Baum und du bist möglicherweise tot...Oder ich breche dir jeden einzelnen Knochen, wenn es sein muss!"
Seine Worte klangen gelassen. Takashi ließ sich doch nicht einfach von einer Fähe einschüchtern! Seine Augen funkelten Blutrot auf. Den Kampf würde er gewinnen. Das war sicher.
.oO(Aber warum sollte ich sie töten…?)
Er ging auf sie zu und zwickte sie auf Takashis Art sanft in ihr Ohr.
“Sei doch nicht so!“
Sprach er ruhiger als zuvor und lächelte sachte.
13.11.2010, 19:56
Jumaana hatte nicht vorgehabt zu kämpfen. Aber sie hätte es vermutlich gemacht. Auch ihr stolz war verletzt, allein schon dadurch, durch die Wildnis streunen zu müssen!
"Dann sterbe ich eben. Mein Stolz ist nicht mehr da, meine Würde sowieso nicht und vielleicht wäre es ein gutes Ende, zu kämpfen und zu verlieren!"
Bedächtig nickte sie dem Kopf und ließ ihre dunklen Augen über die Landschaft gleiten.
"Was ist hier schon? So gut wie nix!"
Langsam ging die Fähe um den Schwarzen herum. Als sie stehen blieb, zwickte der Wolf ihr ins Ohr. Nicht auf kämpferische Art, sondern irgendwie sanft.
Verwundert sah sie ihn an. Das war ganz bestimmt keine Art, einen Kampf zu eröffnen, schon gar nicht für einen Wolf, der es gewohnt war, zu töten.
"Na, was ist? Willst du kämpfen?
Fragte sie sanft. Selbstsicher schaute sie ihn an.
"Was habe ich schon zu verlieren?"
Sagte sie gleich darauf und setzte sich wieder hin. Sie spürte nichts von der Kälte, die den Schwarzen anscheinend zu stören schien. Sie stand wieder auf und legte sich direkt neben ihn.
"Nein...ich will nicht kämpfen...!"
Flüsterte er ein wenig geschockt. Was war bloß mit ihm los? Er konnte das einfach nicht tun. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Irgendwas stimmte doch mit ihm nicht! Unsicher trat er ein paar Schritte zurück. Für einen kurzen Moment legte er die Ohren missmustig flach nach hinten an. Kurz danach stellte er sie wieder aufmerksam auf. Ein wenig erschrocken sah er auf Jumaana herab. Noch nie hatte sich ein Wolf freiwillig neben ihn gelegt. Und auch nur bei den wenigsten würde er es auch nur zulassen. Doch irgenetwas in seinem Inneren hinderte die Weiße daran, sie davon abzuhalten. Er empfand es als ein komisches, fremdes Gefühl.
.oO(Was ist das...? Was macht sie...?)
Unregelmäßig und unsicher schnippten seine Ohren nach vorne und nach hinten. Er wusste nicht, wie er sich jetzt verhalten sollte. Leise knurrte er. Nicht, um Jumaana zu drohen oder ihr Angst einzujagen, sondern weil er ein wenig ängstlich war. Er wusste nicht wirklich, was sie da tat. Für einen Moment schien er sogar zu zittern. Verzweifelt schaute er sie an, als ob er sie fragen würde, was sie da tat.
.oO(Das ist so warm...! Aber was macht sie...und warum?)
Verlegen schaute er weg. Wäre er ein Mensch gewesen, wäre er ganz rot geworden. Aus dem Augenwinkel schielte er zu ihr rüber.
.oO(Welch sonderbares Verhalten...!)
Takashi versuchte Jumaana anzulächeln. Dann schaute er aber wieder weg.
.oO(Was ist bloß mit mir los...?)
Seine Gefühle schienen Amok zu laufen und es gäbe keinen Weg für ihn, dies aufzhalten oder dagegen zu handeln. Ohne genau zu verstehen, was er da tat, legte er sich ebenfalls hin. Das war alles neu für ihn und er musste lernen, damit umzugehen.
"Hey!"
Flüsterte Jumaana. Nicht weil sich der Schwarze neben sie gelegt hatte, sondern, weil er ziemlich unsicher aussah. Ohne zu wissen warum, war ihr der Schwarze nicht fremd, obwohl sie noch nicht einmal seinen Namen kannte. Ihre Ohren spielten, ebenso seine. Die Fähe war nicht weniger verunsichert als der Große, aber sie leiß es sich kein bisschen anmerken. Irgendwas passierte in ihr. Irgendetwas kitschiges, an das sie nicht denken wollte.
oO Warum?? Oo
Wie hypnotisiert starrte sie in die blutroten Augen des Nebenihrliegenden. Jumaana wollte nicht glauben, dass der Schwarze nicht mir ihr kämpfen wollte.
oO Warum bloß? Oo
Dachte sie und ließ seinen Blick nicht los. Ein kurzes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Als die Weiße Takashi direkt in die Augen sah, schaute er wieder für einen Moment weg. Doch dann nahm er sich ein wenig Mut und schaute wieder zu ihr hin.
.oO(Warum schaut sie mich so an...?
Die Nähe der Wölfin schien ihn irgendwie zu besänftigen. Er wirkte ruhiger und viel entspannter, obwohl ihm das nicht ganz geheuer war. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und atmete tief durch. Dann beobchatete er ein wenig verwundert Jumaana, die so nah neben ihm lag. Schüchtern grinste er sie an...warum auch immer.
.oO(Warum bleibt sie überhaupt bei mir? Andere Wölfe sind vor mir geflohen... .)
Er beschnupperte die Weiße und stuppste sie vorsichtig an. Schnell schaute er wieder weg und suchte etwas, wo er hinschauen könnte. Doch da war nichts. Seine Blicke wanderten wieder zu Jumaana zurück. Er schnupperte durch ihr Fell und bemerkte dabei, wie weich es doch sei. Mit seiner Schnuaze fuhr er langsam und vorsichtig durch ihr Fell. Er zitterte aufgregt und ängstlich am ganzen Körper. Sowas hatte er nie zuvor gemacht. Einen Moment zögerte er und vergrub seine Schnauze in ihrem Fell. Vorsichtig packte er sie im Nackenfell und drückte sie ein wenig an sich. Langsam senkte er seinen Kopf und legte ihn auf ihren Rücken. Er schloss die Augen und gab einen zufriedenen Laut von sich.
.oO(Warum tu ich das alles? Ich will doch gar nicht, aber es passiert einfach! Ich weiß einfach nicht mehr genau, was ich da tu...Was ist bloß los mit mir?)
Die Schmerzen loderten durch Urins Körper, als Kaede ihre Schnauze gen Himmel streckte und das Alphatier anheulte. Der Graue aus dem Norden wusste nicht, ob er das gut oder schlecht finden sollte. Ihm war nur klar, dass sein linker Hinterlauf komplett aufgerissen war und die Rippen geprellt sind. Ein Stück von seinem rechten Ohr wurde abgerissen, ein tiefer Riss zog sich über sein linkes Auge. Urion betrachtete seine Situation ganz nüchtern: Wenn er sich nicht bald ausruhen konnte, würde er hier im Schnee liegen bleiben und verhungern. Erfrieren nicht... oh nein! Nicht der, der aus dem nördlichsten Norden seine Pfoten hier her gesetzt hatte.
Urion lief zusammengekrümmt neben Kaede, wirkte viel kleiner und gedrungender. Wiederlich sah er aus, schon halb tot und die blutigen Lachen, die er im Schnee hinterließ machten den Anblick nicht besser. Der Graupelz seufzte leise um dann seine Schnauze an Kaedes Schulter zu drücken.
"Du wolltest doch ein paar Merkmale haben. Jetzt hab ich welche... eine offene Wunde am Hinterlauf, in halbes Ohr und ein Kratzer im Gesicht."
Urion wollte keine Schwäche zeigen, obwohl er gut wusste, dass diese Einstellung in dieser Situation völlig bescheuert war. Nun gut, musste er mit seinem Stolz klar kommen. Zumindest hatte Kaede einen Überblick über seinen Zustand.
"Du hast es gesehen, nicht wahr? Es tut mir leid, liebste Kaede. Wenn ich euch eine Last bin, dann bleib ich hier. Ohne mich kommt ihr schneller vorwärts."
Noch lief der Graue mit. Er streckte sich und legte seine Schnauze an ihre. Ein kleiner Kuss der Verzweiflung, falls Urion keine Möglichkeit mehr dazu haben würde.
Die Weiße ließ es geschehen. Sie drückte ihren Kopf gegen die Schulter den Schwarzen und lauschte seinem Herzschlad.
"Und, was ist? Kannst du mir jetzt deinen Namen verraten?"
Flüsterte sie in sein Fell. Dann hob Jumaana den Kopf und schob mit ihrer Schnauze die des Wolfes aus ihrem Fell. Vorsichtig leckte sie ihm über die blutverschmierte Schnauze, damit nicht alles in ihr schneeweißes Fell geschmiert wurde.
oO Denk nicht zu viel, lass es geschehen! Oo
Sagte sie sich und rückte noch dichter an den Schwarzen. Unsicher blinzelte sie ihm zu und zupfte vorsichtig an seinem struppigen Fell. Dann legte die Fähe ihren Kopf auf den Rücken des Schwarzens.
Unsicher sah Takashi die Weiße an.
"Mein Name ist Takashi...!"
Mehr viel ihm dazu nicht ein. Was sollte er denn auch noch dazu sagen? Er wich ein wenig zurück, als sie begann, um über die Schnauze zu lecken. Ängstlich legte er die Ohren flach nach hinten an. Sein Gesichtsausdruck war ein wenig entsetzt.
.oO(Warum...?)
Er konnte es nicht verstehn. Das alles war einfach zu viel für ihn gewesen. Nie hatte dies ein Wolf getan. Nie! Alle hatten große Angst vor ihm gehabt und waren froh, wenn sie nicht in seiner Nähe sein mussten. Die Fähe hatte wohl überhaupt keine Angst vor ihm, obwohl er eigentlich recht frech und böse zu ihr gewesen war.
.oO(Was soll ich tun...?)
Wieder sah er sich für einen Moment um. Ihm war die Situation ziemlich peinlich, da er nicht wusste, wie er dadrauf reagieren könnte. Doch davonlaufen wollte und konnte er auch nicht. Er hatte noch nie die Wärme eines anderen Wolfes gespürt und wollte dies kennen lernen. Als Jumaana ihren Kopf auf Takashi Rücken legte, senkte er wieder langsam den Kopf.
"Hey!"
Sie hob ihren Kopf und schaute den Schwarzen mit dem Namen Takashi an. Dann erhob sie sich langsam und ging wieder zurück zum See. Ihr Blick schweifte über die Felsen im Wasser und zu den großen schneebedeckten Bergen.
oO Leere, alles ist so leer hier. Keine gute Jagdgegend hier! Ob wir weiterziehen sollten? Oo
Bei dem Wort 'Wir' schreckte sie aus ihren Gedanken. Hatte sie wirklich 'Wir' gesagt?
Mit einem Satz war sie im Wasser und schwamm mit der Strömung zu einem kleinen Fluss. Dort sprang sie auf einen Felsen und schaute sich abermals um. Jumaana sah nahezu nur Schnee, Eis und Fels. Langsam schwamm sie wieder zum Ufer und legte sich nieder. Dort putzte sie sich, ohne Takashi eines Blickes zu würdigen.
Takashi betrachtete die Weiße. Erschrocken riss er den kopf hoch. Er sah, wie sie aufstand, in Richtung See lief und schließlich immer weiter von dem Wasser davon getragen wurde.
"Bleib...!"
Flüsterte er noch leise. Doch es war bereits zu spät. Er senkte den Kopf zu Boden.
.oO(Ich dachte...du magst mich...!)
Vor Wut schossen im Augen in die Tränen. Schnell wischte er sie mit der Pfote weg, doch es kamen immerwieder neue. Geschockt weiteten sich seine Augen. Der Platz neben ihm war leer. Seine Seite, an der die Fähe gelegen hatte, wurde plötzlich so kalt. Einen kurzen Moment später zitterte er am ganzen Körper. Nicht, weil ihm kalt war. Das kam mehr von seiner Psyche. Er fühlte sich verletzt, auch wenn er nichtmals genau wusste, was das eigentlich war.
.oO(Niemand...hat mich je gemocht...und niemand wird mich je mögen...! Ich bin anders...ich bin ein Monster!...Davor haben die anderen Angst...)
Es tat weh. Nicht am Körper, sondern in seinem Herzen. Diesen Schmerz hatte er nie zuvor gespürt. Um nicht aufzuschreien, biss er sich in die Pfote, bis der Schmerz ein wenig vergangen war.
"Einsam...!"
Flüsterte er leise.
Sanias jaulen ging ins verzweifelte über bevor es verstummte. Völlig außer Atem richtete sie das Wort an Madoc:
" Sie scheinen uns nicht zu hören...
Sania war nun am Ende ihrer Kräfte. Ihr Körper fing heftig zu zittern an und sich konnte nicht kaum noch auf den Beinen halten. Der lange Marsch ohne etwas zu fressen und die Verletzung hatten sehr an den Kräften der Fähe gezerrt und das bekam sie jetzt zu spüren.
.oO(Ich kann nicht mehr... nein es geht einfach nicht mehr... )
Langsam ließ sie sich in den eisigen Schnee sinken. Der kühle Schnee drang gegen ihre Wunde. Das war ein wundervolles Gefühl. Ihre Augen schlossen sich langsam und ihre Muskeln entspannten sich. Wenn sie hier zurückgelassen werden würde, würde sie wohl in der Nacht erfrieren...
.oO(Geht es jetzt schon mit mir zu Ende?....... -Nein! Ich will noch nicht sterben!! )
dachte die Weiße sich und öffnete mit ernstem Blick wieder die Augen. Sie versuchte sich wieder auf zurichten, doch als sie gerade wieder auf den Beinen stand, brach sie sogleich wieder zusammen. Ein leises Wimmern verließ ihre Schnauze und schwer atmend blieb sie im Schnee liegen. Sie blickte zu Madoc hoch und sagte mit leiser Stimme:
"Madoc... ich bitte dich... geh... ich glaube ich kann dich ab hier nicht weiter begleiten."
Mehr brachte sie im Moment nicht herraus. Sie schloss ihre Schnauze und blickte hilflos die Wölfe vor ihr an...
Jumaana entdeckte am Rand eines kleinen Hügels ein zweites Schneekaninchen. Sie sprang auf und jagte auf das Tierchen zu. Mit einem Biss war es tot und hing schlaff aus dem Maul der Weißen herunter.
oO Das klappt ja super! Zwar nicht die besten Jagdbedingungen hier, aber dafür viele kleine Häppschen. Oo
Dachte sie sich und trabte -immer noch tropfend- wieder zu Takashi und der Baumgruppe zurück. Dort schmiss sie dem Schwarzen das Kaninchen vor die Schnauze und setzte sich vor die Beiden.
"Friss ..."
Sagte sie sanft und legte sich in den Schnee. Dann musterte die Fähe Takashi und war erschrocken über den traurigen Blick aus seinen tränenden Augen.
"Was ist denn ...?"
Fragte sie vorsichtig und schaute sich um.
"Nichts! Gar nichts!"
Sprach Takashi und sah weg. Er wollte nicht, dass Jumaana seine Tränen sah. Langsam senkte er den Kopf so, dass Schatten sein Gesicht verbargen. Doch dies half ihm auch nicht viel weiter. Warme Tränen vielen in den Schnee. Schließlich legte er den Kopf in den kalten Schnee.
"Kälte...wohl das Einzige, was ich verdient habe...!"
Flüsterte er mit zitternder Stimme. Sein Blick viel auf das Kaninchen.
"Danke...aber...das werde ich nicht brauchen...!"
Es sollte keineswegs abwertend klingen oder sich so anhören, als ob er ihre Hilfe nicht brauchen würde. Ihm war jetzt wirklich nicht nach Fressen. Der Schmerz in seinem Herz war stärker als alles andere. Nie hatte er dieses Gefühl gehabt. Niemand hatte ihm bis jetzt die Augen geöffnet und ihm gezeigt, was Gefühle sind.
.oO(Warum....Warum...!)
Er kniff die Augen zusammen und wieder kamen dicke Tränen aus seinen Augen, liefen über seine Schnauze und fielen anschließend in den kalten Schnee, der an den Stellen ein wenig auftaute. Er mochte diese Art von Schmerz in seinem Herzen überhaupt nicht. Er wollte es einfach nur loswerden. Seine Musklen spannten sich an. Wieder fing er an, am ganzen Körper zu zittern. Schwach glitten seine Gliedmaßen auseinander und er lag flach auf dem kalten Boden.
Protestierend wollte sie erst stehen bleiben, besann sich dann aber eines besseren, sie würde nur wieder alles aufhalten, wenn sie jetzt schon wieder stehen bleiben würde. Auf keinen Fall würde sie Urion zurücklassen, auch wenn er sie mit seiner Schnauze an der ihren etwas irritiert hatte, das ging doch ganz schön schnell, aber so wie er es beschrieben hatte war er stark verletzt und wer wusste schon ob er es überleben wurde. Doch er musste es überleben, Kaede war nicht bereit schon wieder einen Verlust hinzunehmen.
"Ich werde dich so gut stützen wie ich es kann, und sollte ich nicht mehr können haben wir genügend Wölfe dabei dir mir und somit dir helfen würden. Keine Sorge es ist auch nicht mehr weit, ich kann sie schon wittern, wir sind gleich da"
Sie ging so neben Urion her, dass sie ihn gut halten konnte. Nun merkte sie, wie praktisch es war, dass sie etwas kleiner war als er. Sie stupste ihn ganz vorsichtig und aufmunternd an und drückte auch ihre Schnauze einmal kurz und leicht an die seine Schnauze.
Von Banshee hatte sie noch nichts gehört, sie hoffte diese würde einfach zur Rudelhöhle kommen, denn sie würde ja wohl mitbekommen, dass sie dorthin gezogen sind. Urion musste sich auf jeden Fall ausruhen, wie es mit den anderen stand wusste sie nicht genau.
Eben noch hatten sie über so schöne Themen gesprochen und nun war soetwas passiert.
"Ja, ich habe es gesehen, aber das ist nicht weiter schlimm. Ich weiß nicht was genau es war oder ist, wieso es da war und erst recht nicht wieso es dich angegriffen hat, aber es ist mein gutes Recht dies nicht zu wissen, wenn du es nicht erzählen willst. Ich bin nur eben etwas verwundert, dass ich es gesehen habe, denn alles andere ist Dunkel wie zuvor."
Sie seufzte enttäuscht auf. Im ersten Augenblick als sie das Wesen entdeckt hatte, hatte sie gedacht wieder sehen zu können, doch schnell war ihr bewusst geworden, dass ein Irrtum vorlag und es nicht so war wie sie es sich so sehr wünschte.
Endlich waren sie an der Rudelhöhle angekommen, sie manövrierte Urion sache hinein und drückte ihn an der Höhlenwand vorsichtig zu Boden.
"Leg dich hin und ruh dich ein wenig aus, ich bleibe bei dir"
Sie lächelte liebevoll und fing dann an, vorsichtig seine Wunden auszulecken.
Cumará Tumaan, Kensharion, Frekur, Lly, Sheena, Ilias und Zack waren alle mitgekommen und hatten sich nun in ihren Grüppchen oder auch alleine, ebenfalls niedergelassen und ruhten sich aus. Madoc und Sania sind noch etwas weiter von der Höhle entfernt, jedoch in Witterungsweite.
Unsicher hatte sich Sheena die Worte angehört, die Ilias sorgfältig ausgewählt hatte und aussprach. Sie konnte nicht so viel damit anfangen, störte es sie doch immer noch, dass ihr der Felsen im Weg gestanden hatte, auch wenn laut Ilias das doch gar nicht so schlimm war. Es war super peinlich, sie konnte gar nicht verstehen warum Ilias das nicht so sah, aber vielleicht war er viel zu geblendet von der Liebe die er ihr gerade entgegenhauchte. Ob bei ihnen mehr entstehen würde als Freundschaft. Von ihrem Gefühl her würde Sheena sofort ja sagen, aber da sie es nicht so direkt aussprechen konnte sagte sie erst einmal gar nichts mehr und beobachtete Ilias wie er kurzzeitig abgelenkt schien und folgte seinem Blick. Anscheinend hörte er Kaede und Urion zu, welche sich über Wale unterhielten. Sofort ging sein Kopf jedoch wieder in ihre Richtung und sie senkte schnell den Blick und schaute wieder nach vorne. Er sollte bloß nicht denken, dass sie ihn anstarren würde.
So waren sie endlich bei der Rudelhöhle angekommen, verwundert hatte Sheena davor beobachtet wie Urion mit irgendetwas zu kämpfen schien, was anscheinend nur er sah. Sie jedenfalls hatte nichts sehen können. Sie fühlte sich irgendwie davon angesprochen und wollte Urion gerne helfen, vielleicht würde sie mal mit ihm reden. Er sah arg verletzt aus. Doch jetzt wollte sie ihn und Kaede erstmal alleine lassen, sie versorgte seine Wunden schließlich schon. Auch hatte sie schon nach Banshee gerufen, Sheena freute sich ihre Alphafähe und früher beste Freundin ihrer Mutter wiederzusehen.
Jetzt schielte sie aber erstmal wieder zu Ilias hinüber, der noch unsicher in der Höhle stand. Im Gegensatz zu ihr, während sie alles beobachtet hatte, hatte sie sich bequem in die Höhle gelümmelt, schließlich war dies hier, ihr bekanntes Revier. Entspannt ließ sie sich komplett seitlich auf den Boden fallen und streckte die Beine von ihrem mageren Körper weg. Jetzt würde auch das Fell mühe haben ihren mageren Körper zu verstecken, doch das kümmerte sie nicht. Sie hatte sich mit ihrem Bild abgefunden, wäre es doch viel zu schwer gewesen, eitel zu sein, wenn man ein zerlöchertes Fell hatte.
Was würde sie denn jetzt mit Ilias machen? Sie mochte ihn ja schon sehr, wusste aber nicht wie sie es ihm sagen sollte. Also sagte sie vorerst einfach wieder nichts und zuckte nur einmal kurz mit der Pfoten, so als ob sie etwas unangenehmes abschütteln wollte.
oO Engaya, was auch immer auf mich zukommt, steh mir bei! Oo
Oo Keine Sorge Sheena, alles wird gut gehen, du musst nur daran glauben oO
Verwundert über diese klare Antwort spitze sie die Ohren. Hatte das jetzt neben ihr jemand laut gesagt oder war das in ihrem Kopf gewesen? Als sie sichergehen konnte, dass es niemand neben ihr gesagt haben konnte, da niemand direkt neben ihr war und sie diese Stimme auch nicht kannte, klappte sie die Ohren wieder zaghaft nach unten und horchte in sich hinein, doch konnte sie nichts mehr hören außer ihr Herz, was regelmäßig Blut durch ihren Körper pumpte.
"Es tut mir leid, wenn ich dich überrumpelt habe."
Urion hatte sich auf dem Boden niedergelassen und entspannte sich so gut er konnte. Ein bisschen war er beschämt so voran geprescht zu sein, aber wer weiß wie lange er noch machen würde.
Die Wärme tat dem Rüden unglaublich gut, jedoch kreisten seine Gedanken unaufhörlich um den Fluch, den er wieder begegnet war. Langsam schloss der Graupelz die Augen um sie doch gleich wieder zu öffnen, den Kaede hatte angefangen seine Wunden auszulecken.
Kurz wollte der Rüde aufspringen. Zu überrumpelt war von der Geste, jedoch zog der Graue es vor einfach liegen zu bleiben. Wer wurde denn nicht gerne von einer Fähe versorgt?
"Erzähle nicht sowas, Kaede. Es ist dein gutes Recht alles über mich zu erfahren, aber lasse mir bitte noch etwas Zeit, ja? Ich muss erst noch sicher sein, dass in mir nichts ist."
Au weia. Er musste in Rätseln reden. Na, was machte es schon. Jemanden davon zu erzählen ohne die Vorgeschichte zu erwähnen war sowieso irrsinn.
So ließ sich Urion gänzlich zur Seite fallen und seufzte leise und etwas zufrieden. Der Graue mochte Kaede wirklich, aber ab jetzt würde er es langsamer angehen. Wie sollte das denn aussehen, wenn plötzlich die Alphafähe hier aufschlagen würde. Schon kurios um was sich der alte Rüde so Gedanken machte, aber hieß es nicht, dass man kurz vor seinem Tod eh die beklopptesten Gedanken hatte. Ein leichtes Lächeln huschte über Urions Lefzen. Plötzlich drang ein Geruch in seine Nase. Eine ebenfalls verletzte Fähe und ein kleiner Gnom. Roch wie der andere absonderliche Welpe. Ein leises Grollen verließ Urions Kehle, dann richtete er sein Wort sanft an Kaede.
"Witterst du das auch? Eine Fähe und ein Welpe. Vielleicht solltest du... oder Zack lieber... mal nach sehen gehen."
Kaede sollte bei ihm bleiben. Suchend blickte Urion in die Höhle, als sein Blick zu Sheena wanderte. Er konnte sich an ihrem entspannten Anblick nicht satt sehen. Es erfüllte sein Herz mit Freude seine Tochter so zu sehen. Und Ilias? Ah, da war der Schwiegersohn in spe.
o.O(Zack, wo bist du mein Freund?)
Ach dort. Urions Rute pendelte leicht vor Freude umher, als er seinen Kumpel erblickte, doch dann wurde das ganze umher gesehe zu anstrengen. Der Graue hob müde seine Pfote und stupste leicht Kaede damit an.
"Danke, dass du dich um mich so sorgst. Aber ruhe du dich doch auch mal aus. Ich hätte da noch ein warmes Plätzchen."
Das er aber auch nicht damit aufhören konnte. Der Schalk musste Kaede quasi ins Gesicht springen.
Endlich waren sie angekommen. Die Strecke war nicht weit und Ilias war auch nicht wirklich erschöpft, doch tat es gut sich wieder auszuruhen. Doch es gab etwas, was er nicht verstand. Er hatte angefangen Urion sehr gern zu haben, bemerkte, dass er nach dem Gespräch, dem er kurzzeitig gelauscht hatte, etwas mit ihm passierte. Etwas was er sich nicht erklären konnte. Irgendwas, was er nicht sehen konnte, Kaede dagegen schon. Was hatte ihn so sehr verletzt? Er wünschte sich, er könnte nachfragen, doch wollte er Urion nicht verletzten oder auf etwas unangenehmes ansprechen. Ausserdem war er in Kaedes Nähe und die beiden sollten ihre Ruhe unter sich haben.
Also dachte er, er könne einfach ab und zu lauschen und vielleicht das ein oder andere mitbekommen. Wie liebevoll Kaede und Urion mit sich umgingen. . .
o0 Wäre das mit Sheena doch nur genau so. . . o0
Er hatte mitbekommen, dass sie ihn beobachtete, wie er unsicher und schüchtern in der Rudelhöhle stand.
Er genoss diesen Augenblick, ließ sich aber nichts anmerken. Ilias wollte sie ohnehin nicht unter Druck setzten, wie er es vlt. am Anfang getan hatte, also ließ er ihr einen Freiraum, beobachtete sie aber trotzdem ständig. Aber meistens so, dass sie es nicht mitbekommen würde. Er freute sich sehr darüber, wie viel offener und netter sie die Reise über geworden ist, und seit sie angekommen waren, hatte er das Gefühl, dass sie richtig aufblühen würde. Im Gegensatz zu ihm, war ihr dieser Ort ja auch nicht fremd, sodass sie nicht so hilflos in der Gegend rumstand und nicht wissen sollte, was er nun tun soll.
o0 Ich habe mich lange nicht mehr mit Zack unterhalten, aber ich glaube ich ruhe mich wirklich erst aus, bevor ich noch etwas anderes tue. o0
Aus Unsicherheit und Höflichkeit fragte er:
"Hey, Sheena, darf ich mich hier, genau an dieser Stelle ausruhen? Wäre voll klasse, bin doch ein wenig kaputt. . ."
o0 Wieso habe ich das letzte gesagt? Das war überflüssig, verdammt, jetzt denkt sie, dass ich keine Ausdauer habe. . . Und verdammt, wieso Zweifel ich andauernd an mir selber. . . verdammt hör auf damit! o0
Wie gut nur, dass Sheena nicht wusste, wie traurig er häufig über sich selber ist und wie häufig er sich für sich selber schämte. Mit so jemanden wie er es einer war, eine Beziehung führen, würde sowieso niemand wollen.
o0 Ah und da ist das Selbstmitleid. . . Jetzt hör auf Ilias o0
Er brauchte einfach wieder Ablenkung, also beschloss er sich doch nicht auszuruhen, da er eh kein Auge zu machen könnte und ging auf Zack zu, um mit ihm zu reden. In der Zeit, die er ihn jetzt kannte, hatte er ihn immer wieder bewundert. Er war ihm fast schon zu einer Art Mentor geworden. Vielleicht würde er sogar den Mut finden, mit ihm über Sheena zu sprechen, der Fähe, die ihm so sehr an Herzen lag, die er so abgöttisch liebte.
Endlich angekommen hatte Zack sich wie viele andere einfach hingelegen und die wenige Wärme die in der Höhle war genossen. Doch schon kurze Zeit später witterte er zwei andere Wölfe, eine Fähe und einen Welpen, und warf einen vorsichtigen Blick zu Kaede rüber. Er wollte die beiden nicht stören, doch sah er, dass sie seine Wunden ausleckte und stand so vorsichtig auf um zu ihnen rüber zu gehen. Er bemerkte, dass auch Ilias auf ihn zukam und nickte ihm freundlich zu.
Bei Kaede angekommen berührte er Urion leicht an der Stirn. Er wollte keine großen Reden schwingen und legte so seinen Wünsche, dass es ihm bald besser gehen würde mit in diese Berührung. Dann berührte er Kaede sanft an der Schulter, wollte er sich doch nicht davon abhalten Urion weiter zu pflegen, vor allem weil er sich dachte, dass Urion dies trotz allem genießen würde und da er auch schon wieder neckische Sprüche loswerden konnte, würde er wohl wieder auf die Beine kommen.
Er grinste leicht, ehe er seine Stimme erhob.
"Da nähern sich zwei andere Wölfe, wie ihr sicherlich schon gemerkt habt. Da ich gesehen habe, dass du, Kaede, dich um Urion kümmerst, wollte ich fragen ob ich die beiden zu uns in die Rudelhöhle holen soll. Was meinst du, ist das okay? Dann kannst du hier bei Urion bleiben und ihn weiter umsorgen."
oO und mit ihm kuscheln Oo
Die neckischen Gedanken hatte er nicht ausgesprochen, es lag nicht an ihm, die beiden ein wenig aufzuziehen. Vielleicht war er auch einfach nur ein wenig eifersüchtig. Jedoch war ihm mal wieder nichts anzumerken, seine freundliche Miene hatte sich keinewegs irgendwie verzerrt und er warf einen Blick nach hinten zu Ilias, als er bemerkte, dass dieser unsicher näher gekommen war, drehte er sich so, dass er sowohl Kaede und Urion ansehen konnte, als auch Ilias und lächelte ihm nochmals freundlich zu. Anscheinend wollte Ilias mit ihm reden, dann war der Weg zu den beiden Wölfen doch eine gute Gelegenheit, auch wenn die beiden nicht weit weg waren.
Innerlich sorgte er sich sehr um Urion, warum war der Fluch zurück gekehrt? Denn auch wenn er selber nichts hatte sehen können muss es der Fluch gewesen sein, denn warum sollte Urion sonst plötzlich so losgeschossen sein? Wild gekämpft hatte er und so sah er nun auch aus. Zack hätte sich so für Urion gewünscht, dass er den Fluch losgeworden wäre, aber anscheinend war der bloße Wunsch nicht genug. Und so wie er es mitbekommen hatte, hatte Kaede ihn sehen können. Er hatte nicht absichtlich gelauscht, aber die Worte waren so zu ihm vorgedrungen. Er würde es nie wagen irgendwo absichtlich zu lauschen und da er auch nicht wollte, dass das irgendwer von ihm dachte, würde er die beiden auch nie darauf ansprechen, dass er es gehört hatte. Er wunderte sich nur sehr, warum Urion und auch Kaede diesen Fluch sehen konnten und sonst niemand. Vor allem, weil Kaede blind war, aber vielleicht war es auch gerade das der Grund warum sie die einzige mit Urion war, die ihn gesehen hatte. Er wartete ruhig auf eine Antwort von Kaedes Seite aus, bereit mit Ilias den anderen entgegen zu ziehen, dann wären sie alle zusammen in der Höhle versammelt und mussten nurnoch auf Banshees Ankunft warten.
Kaede musste bei Urions Worten schmunzeln und stupste ihn nochmals leicht an, diesmal jedoch an der Schulter. Sie freute sich sehr, dass sie diesen Rüden kennen gelernt hatte und nahm sich vor, Zack bei Gelegenheit zu danken, dass sie zu ihr gekommen waren und dass er ihn aufgegabelt hatte. Sie war gerade fertig mit dem Wunden säubern, als auch Zack und Ilias zu ihnen kamen. Sie nickte beiden freundlich zu und wand sich dann an Zack um ihm ihre Einverständnis zu geben.
"Ja, ich habe sie auch schon gewittert, habe nur gedacht, dass Urions Wunden wichtiger sind, aber geh du ruhig zu ihnen, dann bleibe ich hier bei ihm und pflege ihn weiter. Führe sie einfach hierher, solange sie uns nicht böse gesinnt sind, was ich nicht glaube. Sie können sich hier drinnen ebenfalls ausruhen und neue Kräfte schöpfen. Und sag ihnen, dass sie sich in unserem Revier befinden, nur damit sie Bescheid wissen."
Sie lächelte sanft. Ilias schien auch ein sympathischer Wolf zu sein, sie hatte ihn nicht reden hören, aber wie sie mitbekommen hatte, mochte er Sheena, Zacks Tocher und nun anscheinend auch Urions Tochter sehr gerne. Er schien etwas schüchtern zu sein und war, wie sie glaubte, wegen Zack hierher gekommen. Dann war dies nun der richtige Zeitpunkt, die beiden hätten ein wenig Zeit zu sprechen, bis sie bei den beiden Wölfen angekommen waren. Sie drehte sich wieder zu Urion herum und legte sich so neben ihn, dass sie keine seiner Wunden berührte, sich aber doch ein wenig an ihn kuschelte. Natürlich nur um ihn zu Wärmen. Sie grinste ihm zu.
"Natürlich verstehe ich das, lass dir soviel Zeit wie du brauchst. Dankeschön für dein liebes Angebot, ich bin froh mich ausruhen zu können, auch wenn wir eigentlich auch schon recht lange an der Reviersgrenze verharrt haben, hier ist eine kuscheligere Atmosphäre und es strengt doch irgendwie an immer durch die Gegen zu laufen. Hier fühle ich mich nun wohl, das hier ist unsere Rudelhöhle, doch wie du siehst sind momentan alle ausgeflogen. Unsere Alphafähe müsste mit ihrer Schwester bei den Welpen sein, die ihr Sohn und dessen Fähe dieses Frühjahr geboren haben. Eigentlich wollten wir ja bald wieder in unser Tal zurückkehren, mal sehen ob wir das nun, mit den Welpen immer noch machen, aber um all diese Fragen zu klären und um euch alle vorstellen zu können muss Banshee erst mal zu uns kommen. Ich hoffe es dauert nicht mehr zu lange"
Sie legte ihre Schnauze dicht an Urions Vorderpfoten und schloss die Augen. Sofort merkte sie, wie ihr ganzer Körper sich anfing zu entspannen und wie eine wohlige und lockernde Wärme durch ihren Körper schlich. Sie seufzte tief auf, sie fand immer mehr wohlgefallen am liegen und fragte sich, ob sie jemals wieder aufstehen wollen würde. Wie lange war es her, dass sie sich richtig ausgeruht hatte? Kurze Rast zwischendruch aber nichts großartiges. Und seit dem Ausraster Lunars sowieso nicht, da war sie nur umhergestriffen.
"Weißt du, vor kurzer Zeit hat ein Wolf mir direkt ins Gesicht gesagt was er von einer blinden Fähe, die dazu auch noch Betafähe ist, hält. Es hat mich nicht überrascht, ich weiß, dass viele Wölfe so denken und doch hat es mich etwas verletzt. Natürlich weiß ich dass er recht hat und doch fällt es mir immer schwer dies einzusehen. Er meinte, er würde soetwas wie mich nicht in seinem Rudel dulden und er fragte sich wie ich Beta sein kann, wenn ich doch nur ein Krüppel bin."
Sie schüttelte den Kopf energisch um die dummen Gedanken die sie gerade auch noch laut geäußert hatte loszuwerden. Sie hatte nicht bewusst mit Urion gesprochen, es tat ihr nur gut zu wissen, dass dort jemand war, der ihr zuhörte und sie vielleicht auch verstand und unterstützte.
Oh ha! Jetzt kam etwas Leben in die Rudelhöhle, wie Kaede Urion erzählt hatte. Was ihn noch mehr verwunderte war, dass andere Wölfe in dem Rudel Welpen bekommen hatten. Langsam, weil dem Grauen etwas schwindlig wurde, legte er seine Schnauze dicht an die der Fähe auf seine Vorderpfoten und blickte Zack und Ilias nach. Die Beiden mussten viel miteinander zu reden haben, wegen Sheena.
"Erstaunlich, dass die Welpen hier geduldet werden. In meinem Familienrudel hätte man sie ins Eismeer geworfen sobald eine freie Stelle existieren würde."
Urions Gedanken schwiffen in weite Ferne. Eigentlich wollte er gar nicht in das Tal. Wenn es soweit war, würde es ihn wahrscheinlich immer wieder hier hoch in die eisige Kälte ziehen, wo er die wahre Natur verspüren konnte. Der Graupelz schloss leicht die Augen, jedoch waren seine Ohren weiter aufgerichtet.
"Dieser Wolf hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung. Du bist doch eine kräftige, wendige Fähe, die das Rudel nicht im geringsten zu belasten scheint. Warum solltest du dann weniger wert sein, als die Wesen, welche sehen können. Es kommt nicht darauf an zu sehen, was man macht, sondern zu wissen, dass es reinen Herzens geschieht. Ein verwundeter Wolf, selbst der wird selten aus einem Rudel verbannt. Nein Kaede, du bist genau so viel wert wie jeder andere in diesem Rudel auch."
Kurz dachte Urion nach bis er mit leiser Stimme weiter erzählte:
"Ich möchte ehrlich gesagt nicht in das Tal zurück. Ich bin ein Nordwolf, ich atme quasi den Schnee. Nur in der eisigen Kälte erfährst du das wahre Mysterium dieser Welt."
Jumaana sprang auf und funkelte Takashi wütend an. Dann setzte sie sich wieder und legte leicht den Kopf schief.
"Warum denn ...?"
Flüsterte die Weiße und stand wieder auf. Sie nahm das Kaninchen ins Maul und legte es zur Seite. Dann drehte sie sich zu dem Schwarzen und schaute verständnislos in seine blutroten Augen. Zögernd trat sie noch einen Schritt vor und legte sich direkt vor Takashi. Jumaana schüttelte leicht den Kopf und fragte:
"Willst du nicht mitkommen?"
Sie streckte ihren Kopf vor und zupfte ihrem Gegenüber am Ohr.
oO Ich verstehe ihn nicht ... So wenig Lebenswille kann man doch gar nicht haben Oo
Dachte sie und schaute den Schwarzen nocheinmal prüfend an.
"Der Sommer kommt! Wenn wir weiterziehen können wir zu einem anderen Rudel stoßen. Nein, das ist dann doch nicht so gut ... Aber wir könnten alleine weiterziehen!"
Aufgeregte sprang sie auf und lief um Taksahi herum.
"Oder willst du nicht? Soll ich gehen oder ... willst du lieber sterben?"
Die Fähe blieb stehen und schaute ihn traurig an.
.oO(Mitkommen...?)
Wiederholte der Schwarze in Gedanken die Worte der Weißen. Seine Ohren spitzten sich.
.oO(Mitkommen...und dann...was passiert dann?)
Takashi wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Er war sich unsicher.
.oO(Sie hat "wir" gesagt...warum?)
Warum wollte die Weiße ihn am Leben halten? Den anderen Wölfen wäre er einfach nur egal gewesen. Keiner hätte sich um seine Probleme gekümmert und wär einfach egoistisch weitergezogen. Doch warum nahm man plötzlich auf ihn Rücksicht? Das konnte er gar nicht verstehen. Ein wenig unsicher erhob er sich langsam und schaute Jumaana an. Schnell winkelte er sein verletztes Hinterbein an, da es wieder schrecklich weh tat. Kurz kniff er die Augen zu.
"Nun gut... ."
Sagte er leise.
.oO(Aber wo hin? mit einer Fremden...)
Das war ihm nicht ganz geheuer. Doch er wusste, dass er keine guten Überlebenschancen so ganz allein hatte. Also war er wohl ein wenig auf Jumaana angewiesen. Vorsichtig ging er auf sie zu und stuppste sie an. Danach senkte er den Kopf. Leise seuftze er. Er blickte nach hinten. Die Wunde sah nicht besonders gut aus. Wahrscheinlich war er falsch aufgestanden und hatte das Bein zu sehr belastet. Die Krüste, die sich gebildet hatte, war ein kleines bisschen aufgerissen. Langsam füllte sich der Riss mit einem kleinen bisschen Blut, was aber nicht so viel war und nicht zu Boden tropfen konnte.
Jumaana war sichtlich erfreut über die Entscheidung Takashi's. Sie trabte zu den Kaninchenüberresten und riss sich ein Stück heraus, was sie gleich darauf verschlang.
"Leg du dich mal hin!"
Sagte sie zu dem Schwarzen und deute mit dem Kopf auf eine fast schneefreie Stelle. Sie überlegte, inwiweit sie sich hier auskannte. Im Kopf durchdachte sie eine Route, die sie selber nicht gut kannte.
oO Immer dem Fluss entlang ... das könnte klappen! Oo
Die Fähe blickte über den See hinweg in Weiße. Wenn sie einmal um den See herumlaufen würden, wo würden sie ankommen?
"Was schlägst du vor? Ich würde den See umrunden und dann weitersehen ..."
Sie stellte sind neben Takashi und musterte seine Wunde. Es blutete etwas und Jumaana schaute den Wolf fragend an. Dann drehte sie ihren Kopf und begutachtete ihre eigene Wunde. Auch sie sah nicht viel besser aus, als die am Hinteraluf Takashi's. Leider schien sie stark zu bluten und auch der Schnee schien der Wunde nicht zu helfen.
Takashi gehorchte dem Ratschlag von Jumaana. Langsam lief er zu der Schnee freien Stelle, auf die sie deutete. Natürlich hatte er sein Bein dabei angewinkelt, denn es tat wieder mehr weh als vorher. Er legte sich hin und streckte sich kurz. Danach sah er nach seiner Wunde.
.oO(Mist!)
Er knurrte leise und schaute zu Jumaana. Damit sie wusste, dass das Knurren nicht an sie gerichtet war, wedelte er anschließend ein wenig mit der Rute. Er begann, die Wunde ein wenig zu säubern. Es tat weh. Er nahm ein wenig Schnee und legte es auf die schmerzende Stelle. Zuerst war es sehr unangenehm. Doch nach kurzer Zeit betäubte die Kälte das Bein. Ein wenig erleichtert atmete er auf.
"Ich weiß nicht...ich kenne mich hier nicht aus!
Sprach Takashi ruhig zu der Weißen. Er senkte wieder den Kopf zu Boden. Irgendwie war ihm ein wenig schwindelig geworden.
.oO(Wo wird es nur hin gehen...?)
Fragte er sich im Stillen und schloss langsam die Augen, war aber noch aufmerksam.
Jumaana schüttelte sanft den Kopf.
"Ich doch auch nicht!"
Sie stand auf und legte sich direkt neben Takashi, aber so, dass er weiter seine Wunde untersuchen konnte. Sie legte ihren Kopf auf die Vorderbeine und schaute in den Schnee. Dann hob sie den Kopf und schaute den Schwarzen an.
"Wann können wir los?"
Fragte sie und betrachtete noch einmal ihre eigene Wunde. Sie würde den Lauf sicher gut überstehen, die Fähe wusste ihre Ausdauer gut zu benutzen. Nachdem sie aber lange Zeit alleine durch die Landschaft gestreift war, hatte sie jetzt Jemanden, auf den sie Acht geben musste - Takashi!
oO Warum mache ich mir eigentlich die Mühe, nur damit er mitkommt ...? Oo
Fragte sie sich. Aber sie wollte ihn unbedingt dabei haben, warum auch immer! Vielleicht, weil sie solange alleine gewesen war. Sie lehnte sich leicht gegen Takashi und träumte ein bisschen.
Noch kurz sah der Schwarze nach seiner Wunde am Hinterlauf. Danach sah er zu Jumaana, die sich neben ihn gelegt hatte.
"Ich weiß nicht...!"
Sprach er leise zu der Weißen. Vorsichtig stuppste er sie an. Er lächelte ein wenig. Ihm viel ein, dass seine Schnauze noch immer ein wenig blutig wegen des Kaninchens war. Einige Male leckte er sich über die Schnuaze, bis er meinte, dass sie sauber war.
.oO(Eigentlich können wir doch schon los?! Wir müssen hier nicht bleiben...wofür auch?)
"Ich denke doch, dass wir los können! Aber wohin eigentlich?"
Fragte er sie. Er wedelte ein wenig mit der Rute. Vorsichtig zwickte er Jumaana ins Ohr und zog leicht daran. Danach stand er auf.
.oO(Wohin wird es wohl gehen?)
Er sah sich um. Überall war nur weißer Schnee, egal wo er hin sah. Er scharrte ein wenig im Schnee und bewarf die Weiße damit. Dann lachte er. Es war nicht bösartig oder gehässig, sondern eher freundlich.
Lächelnd stand Jumaana auf und schüttelte sich den Schnee aus dem Fell. Sie schaute Takashi an und nickte.
"Einfach der Nase nach. Verlass dich auf mich!"
Sie setzte sich in Bewegung und blickte unverwandt auf den großen See. Wenn sie sich beeilen würden, könnten sie noch heute einen Teil des Weges hinter sich bringen.
Sie blickte zum Himmel. Der Sonne nach müsste es schon später Nachmittag sein. Langsam lief sie zum See und schaute sich nach dem Schwarzen um. Dann ging sie ans Wasser und trank ein bisschen frisches Wasser.
oO Wann werden wir wohl ankommen? Oo
Dachte sie und blickte nun etwas betrübt ins Weiße.
Der Schwarze folgte der Weißen zum See. Er trank ebenfalls einige Schlucke. Sie wussten ja schließlich nicht, wie lange sie kein Wasser mehr sehen würden.
.oO(Wo wird es denn nun hingehen?)
Es sah doch alles fast gleich aus. Überall Schnee und vereinzelt Bäume. Sonst war doch nichts anderes nennenswertes zu sehen. Er ging näher zu Jumaana. Vorsichtig stuppste er sie in die Seite. Sie sollte nicht so betrübt in die Landschaft schauen. Takashi wollte sie ein wenig aufmuntern. Ihm war es zwar auch nicht ganz geheuer, aber er behielt es mehr für sich.
.oO(Hm...auf dich verlassen?)
Er sah der Weißen in die Augen.
.oO(Ob ich ihr da wirklich schon vertrauen kann?)
Unsicherheit. Sollte er ihr wirklich vertrauen? Auf jeden Fall würde er mitgehen. Das war klar. Aber er muss dabei auch vorsichtig sein.
Traurig blickte sie Takashi an. Es war nicht so, wie Jumaana sich ihr Leben vorgestellt hatte. Unbeirrt setzte sie ihren Weg fort. Vielleicht würden sie in ein paar Stunden schon am Ziel sein ... Aber wie sollten sie das Ziel überhaupt erkennen.
oO Irgendwas werden wir schon finden! Oo
Sagte sie sich und schaute auf den Weg vor ihnen. Dem Schwarzen musste ziemlich kalt sein. Sie drehte sich wieder um und fragte:
"Pause?"
Ohne auf eine Antwort zu warten setzte sie sich an einen Tannenstamm und musterte mit ihren bernsteinfarbenen Augen die Gegend. Es sah nicht viel anders aus, als dort, wo sie Takashi getroffen hatte, aber doch spürte sie einen Unterschied!
"Hast du Hunger?"
Fragte sie kühl und guckte Takashi abwartend an.
oO Auf Jagen habe ich zwar kein bisschen Lust, aber was soll's? Oo
"Nein...keine Pause...!"
Sprach Takashi und wollte noch weitergehen, als er sah, dass sich Jumaana setzte. Er war noch einige Schritte vorgelaufen, da er nicht erwartet hatte, dass sie sich setzten würde. Schnell drehte er sich wieder um und ging zu der Weißen.
"Was ist?"
Fragte er sich. Denn erschöpft konnte sie von den paar Metern noch nicht sein.
"Und nein...ich habe noch keinen Hunger."
Einen Moment stand er noch vor ihr. Dann beschloss er, sich ebenfalls zu setzen.
.oO(Warum können wir denn nicht weiter? Also auf mich braucht sie keine Rücksicht zu nehmen...!)
Er lehnte sich ein wenig an sie. Wieder muserte er die Umgebung. Hier hatte sich nicht viel geändert. Immernoch dieses verdammte Weiß!
Der Wechsel der Jahreszeiten hatte kaum Neues mit sich gebracht, denn obwohl es merklich wärmer wurde, bezweifelte die junge Wölfin, dass der viele Schnee, der sich während der Wintermonate angesammelt hatte je vollends schmelzen würde. Zuvor war es spannend gewesen das Spiel der fallenden Schneeflocken zu beobachten, doch nun ermüdete es sie nur. Daylight sehnte sich nach der wärmenden Sonne unten im Tal, sie sehnte sich nach den Bäumen dessen Blätter im Wind flüsterten, sie sehnte sich nach der Sehnsucht, die sie empfunden hatte, wenn sie vom Tal zu den zerklüfteten Bergspitzen empor geblickt hatte.
Ein leises Seufzen entglitt ihren Lefzen. Die Erinnerungen schienen von Tag zu Tag zu verblassen, genau wie das hellgraue Fell der Jungwölfin. Eines Tages, dass wusste sie, würde ihr Fell die reinweiße Farbe des Schnees angenommen haben und an diesem Tage würden auch ihre Erinnerungen an das Tal vollkommen verblasst sein.
Daylight fürchtete sich vor diesem Tag, denn mit ihren Erinnerungen würde auch die Hoffnung an eine Rückkehr verloren gehen.
Sie starrte eine Weile zum Himmel empor, der hier oben in den Bergen genauso weit entfernt schien, wie unten im Tal. Die unbeendete Frage ihrer Schwester klang ihrem Kopf nach und sie wusste, was Amáya hatte fragen wollen, ohne das diese ihre Frage hatte beenden müssen. Sie spürte in ihrer Schwester die gleiche Sehnsucht, die auch sie verzehrte.
{Immerhin sind wir nicht allein…}
Die junge Wölfin lächelte, als sie Kishas Stimme vernahm.
{Nein, wir sind nicht allein.}
Wie tröstend rieb sie sanft den Kopf an Amáya Schulter und flüsterte ihr die Antwort, auf die unbeendete Frage ins Ohr, so leise, dass nur sie es hören konnte.
„Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es wird bald sein. Schau dir Kishas Käfer an. Engaya lässt uns nicht im Stich, wir müssen nur daran glauben.“
Sie schenkte ihrer gleichaltrigen Schwester ein scheues Lächeln und sprang dann auf die Pfoten. Mit funkelnden Augen wandte sie sich an Kisha und aus dem Lächeln wurde ein breites Grinsen.
„Ja. Ein Käfer…“
Sie fixierte das Insekt zwischen den Fängen ihrer Patin mit ihren honigfarbenen Augen und schwenkte freudig die Rute. Der Käfer war für das Sonnenkind wie ein Symbol der Hoffnung. Nachdenklich legte sie den Kopf schief und überlegte eine Weile.
{Ja. Ich weiß, was wir tun!}
Verträumt verlor sich ihr Blick in der unendlichen Ferne der felsigen Ebene und glitt dann zum Himmel empor. Sie spielte kurz mit den Ohren und warf ihren beiden Schwestern einen warmen Blick zu, während sich ein begeistertes Lächeln auf ihre dunklen Lefzen legte.
„Lasst uns das Beste aus dem machen, was wir haben. Damals im Tal, wollte ich das Land über den Wolken sehen. Wäre es nicht schade, wenn ich diese Chance nicht nutzen würde? Lasst uns einen Weg an den Rand der Felsen suchen, von dem aus wir auf die Wolken schauen können. Wer weiß? Vielleicht gewährt uns Engaya einen Blick ins Himmelsland? Kisha kann ihren Käfer freilassen und wenn er einen Weg hinab ins Tal findet, dann… dann wette ich mit euch, dann finden wir auch einen. Was meint ihr? Wollt ihr mich begleiten?“
Aufgeregt mit der Rute wedelnd umkreiste sie ihre beiden Schwestern, von denen eine schon dem Insekt nachjagte, was sie zuvor frei gelassen hatte, ihre Augen funkelten vor Begeisterung und Vorfreude. Wie schön wurde es sein, die Erfüllung ihres Kindheitstraumes mit denen zu teilen, die für sie die Wichtigsten im Leben waren? In Gedanken malte sie sich aus, wie es über den Wolken aussehen würde, so, wie sie es früher immer getan hatte. Ihre Tasthaare zitterten. Das sie früher nie daran gedacht hatte… es war einfach zu viel passiert oder es war nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, doch jetzt war es soweit. Sie spürte es. Es war, als würde Sonnenlicht durch ihren Körper pulsieren.
"Nicht? Okay, dann komm!"
Murmelte die Fähe und stand wieder auf. Langsam ging sie weiter. Ihre Gedanken schweiften wieder ab. Sie schloß die Augen und lief weiter.
oO Besseres Leben, besseres Leben ... Was ist das? Oo
Sie versuchte sich an ihre Familie zu erinnern, an Moyna und Minnet, an Erestil und Meréconàp, aber es gelang ihr nicht. Immer wieder schob sich das Bild einer großen, schwarzen Fähe vor ihr inneres Auge. Sie schien kräftig zu sein, sah aber auf seltsame Weise unterwürfig aus.
oO An irgendwen erinnert sie mich. Aber an wen bloß? Oo
Jumaana war klar, dass sie die Schwarze nie gesehen hat und auch nie sehen würde, aber warum? Dann öffnete sie die Augen und schaute sich nach Takashi um, der jetzt direkt neben ihr ging. Die Gegend hatte sich leicht verändert. Der Schnee schien weniger zu werden, das verstand die weiße Fähe nicht. Aber sie ging unbeirrt weiter, mit dem Bild der schwarzen Fähe vor Augen, auf ihrer Reise ins Nichts.
Zack hatte sich nachdem ihm Kaede die Erlaubnis gegeben hatte sofort umgewand, da er sie und Urion nicht weiter stören wollte. Mit Ilias gemeinsam schlenderte er zum Höhlenausgang und blieb dort angekommen stehen. Nun konnte er entfernt die beiden fremden Wölfe ausmachen, aber er würde auch noch genügend Zeit haben mit Ilias zu sprechen, denn er spürte ja genau, dass er irgendetwas auf dem Herzen hatte und wartete nur darauf, dass der etwas jüngere Rüde anfing zu sprechen. In der Zwischenzeit ließ er sich auf sein Hinterteil sinken und wickelte sich die Rute um die Hinterläufe. Auffordernd nickte er Ilias zu.
"Was hast du auf dem Herzen, mein Lieber?"
Seine großen, goldenen Augen ruhten auf dem Gesicht von dem Rüden gegenüber. Er fixierte den Wolf, aber nicht auf eine unhöfliche Art und Weise. Er wollte ihm nur zeigen, dass er ihm zuhörte, würde er dann anfangen zu sprechen. Vorerst ließ er seine Gedanken noch unbemerkt abschweifen. Er dachte, mal wieder an Neyla und sein altes Rudel. Immer wieder viel ihm auf, wie schrecklich ihm doch alles fehlte und dann merkte er, wie froh er war, dass er hier Sheena und nun auch Urion hatte.
Er war einfach kein Wolf, der gut alleine leben konnte. Trotzdem fehlte ihm immer noch ein wenig die Geborgenheit von seinem alten Rudel. Hier fühlte er sich wohl, aber er würde sich nie richtig heimisch fühlen. Etwas mehr wohl wieder, wenn sie zurück ins Tal ziehen würden. Dann konnte er diesen schrecklichen Ort hier oben verlassen, der ihm Neyla genommen hatte. Im Tal würden ihn dann nur noch die schönen Erinnerungen verfolgen, wie er Neyla wiedergetroffen hatte und all die anderen schönen Momente. Und von diesen Erinnerungen ließ er sich nur zu gerne einholen, denn sie zeigten ihm wie schön die Zeit war, und dass er sich lieber an dieser Zeit erfreuen sollte, als jetzt die Zeit die ihm bevorstand zu betrauern, weil er sie ohne Neyla überleben musste. Auch wenn er zugeben musste, dass es ihm etwas schwerer viel, als er sich selber eingestehen konnte und wollte. Doch dafür, dass er früher gedacht hatte, nie ohne Neyla leben zu können ging es ihm wirklich gut und er nahm sich vor Sheena und Urion dafür nochmal zu danken. Und er wollte sich gerne mit Sheena zusammen an vergangene Zeiten erinnern können, wenn sie es denn auch wollte. Dann könnten sie sich zusammen an die damalige schöne Zeit zurück erinnern, sich daran erfreuen, aber auch gemeinsam über den großen Verlust trauern. Und wie hieß es so schön, geteiltes Leid ist halbes Leid? Ein lächeln zog seine Lefzen nach oben, Ilias würde nicht wissen, dass er aus einem bestimmten Grund lächelte und würde denken, dass Zack ihn anlächelte und da dieser nicht wollte, dass er nur so dachte und es gar nicht so war, ließ er das lächeln noch etwas länger seine Lefzen umspielen, sodass es wirklich und bewusst Ilias galt.
oO Höflichkeit ist eine der obersten Priöritäten! Oo
Doch er wusste, dass er nicht nur aus Höflichkeit länger gelächelt hatte. Er mochte den Rüden wirklich, er fand ihn nett und sollte es Sheenas fester Rüde werden, würde er fast zur Familie gehören.
oO Sheena, Ilias, Urion, vielleicht mit Kaede, und ich, fast eine kleine Familie! Oo
Eine Familie die nicht unterschiedlicher hätte sein können. Zusammengewürfelt aus Wölfen mit nicht sonderlich guten Hintergründen und Erfahrungen. Aber dennoch eine Familie und war eine Familie nicht dazu da, sich gegenseitig zu unterstützen? Sich zu helfen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es denn jemand benötigte? Doch so war es, und so wollte Zack es auch gerne haben, denn was brachte einem sonst so ein Zusammenhalt und Freundschaft, wenn eines der wichtigsten Dinge nicht beachtet wurde? Und so wollte er jetzt damit anfangen, indem er versuchte für Ilias dazusein, so wie dieser irgendwann bestimmt auch mal für ihn da sein würde.
"Dankeschön"
Liebevoll schob sie ihren Kopf das kleine Stück zur Seite, sodass ihre Schnauze an der von Urion lag. Seufzend schloss sie ihre Augen und ließ die Bilder des Tals vor ihren Augen tanzen. Da hatten sie und der Rüde an ihrer Seite wohl andere Ansichten. Natürlich konnte sie ihn nachvollziehen, wenn er in so einer Gegend aufgewachsen war, liebte man diese Gegend bestimmt. Da ging es ihr anders. Und trotzdem fand sie, dass er auch offen für etwas Neues sein konnte. Das Tal war eben etwas ausgeglichener, im Sommer wurde es auch warm, alles änderte sich dauernd und im Winter lag dann auch Schnee. Sie hoffte, dass Urion das Tal trotzdem gefallen würde und er bei ihr bleiben würde und sie nicht verlassen würde, weil sie ins Tal zurück zogen und nicht hier oben blieben. Sie wollte es sich fast nicht eingestehen, aber sie war dabei, den Rüden lieben zu lernen. Sie wollte ihm ein wenig über das Tal erzählen, das wenige was sie noch zu Gesicht bekommen hatte.
"Da gebe ich dir nicht Recht, nicht nur in der eisigen Kälte lernt man das Mysterium dieser Welt kennen. Das Tal aus dem wir geflohen sind ist wirklich wunderschön. Es gibt dort einen See, der Sternensee, wenn ich mich recht erinnere. Er ist wunderschön. Von Wäldern umgeben. Das Klima ist angenehm und geht immer mit den verschiedenen Jahreszeiten. Es ist ein gemütliches und großes Revier und ja, man wird dort fast ein wenig verwöhnt. Ich habe es wunderschön in Erinnerung, auch wenn dort nicht nur Gutes geschehen ist. Ich würde dir gerne die Bilder in meinem Kopf zeigen, doch sie sitzen dort zu fest. Aber ich denke, du wirst das alles bald mit eigenen Augen sehen, wenn du das denn willst.
Ich würde es gerne mit dir teilen, all meine Gedanken, meine Bilder, meine Erinnerungen und auch meine Liebe wenn du nur willst."
Erschrocken hielt sie inne. Hatte sie das wirklich gerade gesagt? Hatte sie ihm wirklich gerade indirekt gesagt, dass sie es mit ihm versuchen wollte, dass sie Gefühle für ihn empfand? Sie hob ihren Kopf, ganz leicht nur und schaute Urion an. Sie bildete sich ein ihn richtig zu sehen. Das Bild was sich in ihrem Kopf von ihm gebildet hatte, erschien direkt vor ihren Augen und sich konnte sich fast richtig vorstellen, wie er dort neben ihr lag.
Ihre Lefzen fingen ein herrliches Strahlen auf und so lächelte sie ihn lange Zeit an. Bis sie ihren Kopf wieder auf ihre Vorderpfote sinken ließ und ihre Schnauze neben der seinen bettete. Leise wuffte sie ihn an, um ihm zu zeigen, dass sie es wirklich ernst meine, was sie eben von sich gegeben hatte. Nun war es sowieso raus.
"Ja, du hast richtig gehört. Ich glaube ich fange an, dich lieben zu lernen."
15.11.2010, 15:12
Der Schwarzen senkte seinen Kopf beim Laufen in den Schnee. Vielleicht könnte er ja eine Fährte oder so etwas aufnehmen. Doch während sie so liefen, konnte er nichts riechen. Er erkannte, dass sich die Umgebung wohl doch langsam zu ändern schien. Takashi glaubte zu meinen, dass der Schnee unter seinen Pfoten nicht mehr ganz so hoch war, da er weniger einsackte als vorher. Ihm war ein wenig langweilig. Die Reise war nicht besonders aufregend. Der Schnee brachte ihn auf eine Idee. Leise begann er eine Melodie eines Liedes zu summen.
"...Der weiße Schnee als Kontrast zu verkrampften Gliedern Reinheit wie Seide, darauf geronnenes Blut
Zerplatzte Haut, Fetzen von Körpern Blicklose Augen in gefrorenen Höhlen Anklagend, flehend, ohne Spur von Leben..."
Er lächelte zufrieden. Manchmal sang er sehr gern. Nie sang er so etwas wie fröhliche Lieder. Fröhliche Lieder waren überhaupt nichts für ihn. Er verabscheute sie. So etwas nannte er heuchlerisch Freude. Lieber sang er traurige oder gar brutale und blutige Lieder. Immer munterte ihn sein Gesang auf; dieses Mal war es auch nicht anders. Viele konnten nicht verstehen, wie er denn an so etwas gefallen gefunden hat.
.oO(Hm...und jetzt?)
Der Schwarze stuppste vorsichtig Jumaana an. Hatte er ihr wohl mit seinem nicht so harmlosen Lied einen Schreck versetzt? Freundlich, aber auch ein wenig unsicher lächelte er sie an. Wahrscheinlich musste sie sich noch ein seine Vorlieben in Sachen Lieder gewöhnen.
Langsam bewegte er seine müden Pfoten über den kalten Boden der Rudelhöhle in Richtung Zack, der von Kaede aufgefordert wurde, zu überprüfen, welche Wölfe auf sie zu kamen.
Da Ilias ohnehin mit ihm reden wollte, nutze er diese Chance, und lief neben Zack zum Ausgang der Höhle.
o0 Mh, was will ich ihm überhaupt sagen? Was will ich mit ihm besprechen? Das mit Sheena und mir, dass ist was zwischen uns. . . o0
Angekommen, fragte ihn Zack auch direkt was los sei.
o0 Sehe ich denn so nachdenklich aus, dass Zack es direkt merkte? o0
Nachdenklich antwortete er nach einiger Zeit des Zögerns:
"Hm, lange nicht unterhalten Zack was?
Nun, direkt auf den Herzen liegt mir eigentlich nichts. . .
Ich würde dir gern nur etwas sagen. Etwas das mir sehr wichtig ist. Genauso wichtig ist es mir, dass du es auch anerkennst, mich nicht verstößt oder so und mich akzeptierst. Aber ich denke das wird klappen, da ich denke, dass du mich magst, denn ich habe dich sehr lieb gewonnen. Nun"
leise räusperte er sich,
„Gut das ich jetzt nicht mehr so tollpatschig bin, sonst würde ich jetzt bestimmt auch vor einem Stein laufen oder so. . . So wie Sheena eben. . . Das war so verdammt süß, doch tat es mir auch ein wenig leid für sie in diesem Moment. . . Sie muss sich sehr geschämt haben. Naja auf jeden Fall, ich würde gerne mit dir über Sheena reden. Um es auf den Punkt zu bringen, Ich liebe Sheena! Ich liebe sie so sehr. . . In ihrer Nähe fühle ich mich wohl, mein Herz fängt an zu rasen und ich kann nicht mehr klar denken. Aber es gibt halt immer noch so einige Punkte die ich an ihr nicht verstehe. In letzter Zeit eigentlich nicht, aber als wir uns kennen gelernt haben. Ihr Stimmungsschwankungen, mit den kam ich nicht wirklich klar. . . Weißt du, wieso sie das manchmal hat? Ich würde ihr gerne irgendwie helfen und ihr zur Seite stehen. Ich hoffe du hast keine Probleme damit, dass ich Sheena sehr gern hab. Ich weiss auch nicht genau wie sie zu mir steht, denn mir hat sie nur gesagt, dass sie mich auch mag. . . aber mögen ist ja nicht das selbe wie lieben. . . Naja aufjedenfall ist es mir wichtig, dass du nichts dagegen hast, da du ja ihr Vater bist und ich würde gerne mit einem guten Gewissen Sheena entgegen gehen und dafür ist mir das hier einfach sehr wichtig.“
Zack, der ruhige und gelassene Zack. Ein toller Charakter, ein verständnisvoller, guter Vater. . .
O0 Ich denke er wird nichts dagegen haben oder? Was sollte er denn? Es gibt nichts was dagegen spricht, dass ich Sheena lieben dürfte. O0
Lieben, ja das tat er. Nur Sheena, die Fähe, die seine Einsamkeit und Trauer von ihm nahm.
„Also? Was sagst du? Ich meine, ich glaube Sheena ist sich über ihre Gefühle eh noch nicht so bewusst, oder traut sich einfach nicht, aber ich werde warten, so wie ich es schon zuvor getan hatte, denn das warten hatte sich gelohnt, denn mein Herz blühte auf, als sie mir gesagt hatte, dass sie mich auch gern mag.“
Er schaute in die Höhle zurück, zu Sheena, die sich nun auch ausruhte. Verdient hatte sie sich diese Ruhe auf jeden Fall. Er fand gefallen daran, sie zu anzusehen, wie sie dalag, zwar nicht schlief, aber verträumt in die Gegend schaute. Auch trafen sich ihr Blicke, doch schnell trennten sie sich wieder, als beide woanders hinschauten.
Ilias schaute auf die Wölfe, die auf sie zukamen, sie waren schon recht nahe. . .
„Vielleicht sollten wir unser Gespräch verschieben und erst warten, was die Fremden wollen. . .“
Urion hatte den Kopf gehoben, als Kaede ihn so herzlich anstrahlte. Ja, sie strahlte wirklich und wäre sie Atomenergie hätte sie den Graupelz völlig verstrahlt, aber der war ja sowieso nicht mehr ganz beisammen. Ächzend legte Urion eine Pfote auf Kaedes Nacken, knabberte ihr am Ohr und wuffte:
"Das erstaunt mich, dass du so offen zu mir bist."
Schließlich legte er wieder seinen Kopf auf seine Vorderpfoten, jedoch berührte seine Schnauze Kaede, sodass er ihre körperliche Anwesenheit spüren konnte. Natürlich würde er mit ins Tal kommen, aber es war nicht auszuschließen, dass es ihn oft hier her ziehen würde.
Erstaunlich, dass in dieser Kälte sowas wie Liebe wachsen konnte.
"Kaede, ich komme gerne mit dir mit in das Tal. Ich könnte dich nicht mehr irgendwo allein hin laufen lassen. Aber eine Sache möchte ich dir sagen: Ich würde mich freuen, wenn ich dir mal mein Land zeigen könnte wo ich herkomme. Diese Wale mit den Hörnern, ich möchte, dass du sie spürst... ihre Anwesenheit."
Urion übermannte eine heillose Müdigkeit. Sein Körper forderte einen Tribut, sodass der Graupelz sich an Kaede kuschelte, seinen Kopf unter ihren auf ihre Vorderpfoten schob und sanft an ihrem Brustfell knabberte.
"Ich bin ganz schön müde und werde etwas schlafen. Sei mir bitte nicht böse, Kaede."
Schließlich hörte das sanfte Zwicken auf und Urions gleichmäßige Atemzüge waren zu hören. Er träumte davon wie Kaede neben ihm über die Eisschollen schlenderte. Er träumte, dass er Kaede seine Liebe gestand.... und der Rüde träumte es nicht nur...
"Ich liebe dich, Kaede. Immer werde ich bei dir sein, wenn ich kann. Ich versuche es und egal was auch immer ich tu, wo auch immer ich bin und was ich auch immer denke: ich werde dich lieben."
Die regenblauen Augen hatte die junge Fähe geschlossen, als ihre Schwester sich an sie kuschelte und ihren kopf an ihrer Schulter rieb. Das Herz der Schwarzen setzte eine Sekunde aus, um dann ein wenig schneller weiter zu pochen. Wie sie dieses Gefühl doch an sich hasste: Sie hatte schon fast Angst vor ihrer eigenen Familie! Und warum? Scheu zuckten die schwarzen Ohren zurück, dann stellten sie sich gleich wieder auf. Nur mit der Ruhe. Daylight war wohl die Letzte, die ihr Schaden würde. Und auch Kisha würde ihr nichts zu Leide tun, auch wenn sie aus dem älteren Wurf stammte, in dem auch Averic geboren worden war, der sie alle zu verabscheuen – gar zu hassen schien. Als sie noch unten im Tal gelebt hatten, hatte er dies unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Das Tal... Ein Ort, der ganz weit weg zu sein schien. Irgendwo in ihrer Erinnerung, die immer schwächer wurde. Genau wie die Erinnerung an ihre zweite Hälfte. Sie biss sich auf die Lefzen. Wie konnte sie nur vergessen? Wie konnte sie nur den Klang des Herzens vergessen, der sie ergänzte? Ihr Zwilling. Zeit um darüber nach zu denken und geknickt zu sein hatte sie allerdings nicht wirklich, denn Daylight murmelte ihr tröstend eine Antwort auf ihre ungestellte Frage zu, betrachtete dann den Käfer in Kishas Schnauze und schlug vor, das Insekt wieder fliegen zu lassen und zwar am Rande der Felslandschaft. Der Blick Amáyas hing auf dem Tierchen, wie es so in der Schnauze hing und sich wohl zu seinen Artgenossen sehnte.
„Du hast vermutlich Recht...“
, murmelte sie geistesabwesend, blickte aber doch die honigfarbenen Augen ihrer gleichaltrigen Schwester an.
„Ich werde mit dir gehen.“
.oO(Wo sollte ich auch anders hin? Du bist die Einzige, die mir das Gefühl gibt zu leben...)
Stille. noch immer, nein Für immer herrschte stille. Das einzige was ihm blieb waren seine augen und auch dort wurde es nie besser, eher schlechter als wären seine Augen Spiegel die immer mehr von Frost beschlagen würden. Er gähnte, die Höhle schien warm zu sein. Und doch blieb er abseits. er gehörte nicht dazu, kannte niemanden. Madoc war nicht hier, noch nicht. Llywarch verzog sich ganz an den Rand der Höhle
oO du bist nicht wie sie....du wirst es auch niemals sein...Fenris hat dir die Möglichkeit genommen es auch nur zu versuchen, sieh es als Strafe an, für die Sünden die du noch begehen wirst...Oo
Betrachtend huschte sein Blick über Zack, Ilias, Sheena bis zu Kaede und Urion. sie hatten das was er nicht mehr wirklich hatte.....Familie..und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er wie sein Herz sich vor Sehnsucht zusammenzog
Unverwandt blickte Jumaana ihren Begleiter an.
"Was ist los?"
Fragte sie verwirrt und schloss wieder die Augen. Das Bild der Schwarzen rückte sich vor ihr inneres Auge.
Plötzlich fiel ihr ein, an wen sie die Fähe erinnert hatte. Erstaunt öffnete sie die Augen und schaute Takashi an, der jetzt dicht neben ihr ging.
"Sag mal .... bistdudeinenElternähnlich?"
Flutschte es ihr aus ihrem Mund heraus. Verlegen schaute sie zu Boden.
"Du musst jetzt nicht antworten ... nur ... ich glaube, ich kenne deine Mutter!"
Unsicherheit! Die Fähe hatte Jumaana ihren Namen zugeflüstert. Irgendetwas mit 'A' ... aber was?
oO Wie war der Name noch? Ich kann mich nicht mehr erinnern ... Oo
Verzweifelt schüttelte sie ihren hübschen Kopf. Wie auf Befehl fiel ihr der Name ein.
"Aarinath"
Murmelte sie andächtig und blickte wieder ins Weiße. Jetzt war die Gegend völlig anders als am Anfang ihrer Reise.
"War deine Familie groß?"
Fragte sie und betonte gelassen das war. Eifrig schritt sie voran und versuchte mit den langen Schritten des Schwarzen mitzuhalten, was sich allerdings nicht gerade als einfach erwies ...
Freudig lief Madoc auf die Gruppe von Wölfen zu, bei denen sich auch nun sein Bruder aufhielt. Er wollte sein Tempo schon abermals erhöhen, als er hörte, wie Sanias Jaulen mit einem verzweifelten Klang endete. Aufgeregt und überrascht sah er sie an, wollte schon Fragen, was mit ihr los war, als sie plötzlich anfing zu zittern und sich in den Schnee sinken ließ. Der junge Albino wusste nicht, wie er sich zu verhalten hatte, wusste nicht, was er tun sollte. Sollte er sie nun einfach allein in der schneeweißen Landschaft verkümmern lassen, einfach weggehen? Oder sollte er vielleicht doch bei ihr bleiben? Immerhin war sie es gewesen, die sie zu ihrem Bruder geführt hatte, der nun allmählich seinen Blicken entschwand. Der Welpe fühlte sich hin und her gerissen. Unschlüssig, was seine nächste Handlung sein würde, sah er nochmals zu Sania, beobachtete ihr Leiden. Und mit einem wusste er, dass er sie nicht im Stich lassen durfte. Aber wie sollte er ihr helfen? Verzweifelt lief Madoc einmal um die Weiße herum, betrachtete ihre Wunden, wusste nicht, was er für sie tun könnte. Schließlich öffnete die geschwächte Wölfin ihren Fang und begann in leiser Stimme zu sprechen.
.oO(Ohne sie gehen, wo ich gerade beschlossen hatte, sie nicht im Stich zu lassen? Das kommt nicht in Frage! Niemand darf mir sagen, was ich tue und was ich beschlossen haben wird gemacht!)
Dachte der junge Rüde entschlossen, ohne sich bewusst zu sein, dass Sania gerade in Lebensgefahr steckte. Seine frechen, rubinroten Augen blickten entschlossen auf die Weiße und obwohl er noch nichts sagte, könnte man schon beinahe ahnen, was als nächstes aus seinem Fang kommen würde.
“Ich werde dich hier nicht alleine lassen, das ist beschlossene Sache. Und wenn ich etwas beschlossen habe, bleibt es auch so!“
Sagte der Sternentänzer in beinahe trotziger Stimme. Man könnte nicht sagen, dass er Sania mochte, Respekt könnte man es vielleicht nenne, was er aber nur wenigen entgegenbrachte. Madoc hatte seinen eigenen Kopf, wenn er auch nicht immer alles richtig tat, er bestand darauf, selber zu entscheiden. Kurz ließ er sein Blick wieder in die Ferne gleiten, wo gerade eben sein Bruder verschwunden war. Das grelle Weiß blendete seine roten Augen und verwehrte ihm die Sicht auf Llywarch. Angestrengt versuchte er noch die Silhouette seines Bruders zu erspähen, aber vergeblich.
Dann wandte sich der junge Wolf wieder zu Sania, sah sie an und war beinahe wütend auf sich selber, dass er sie seinem Bruder vorgezogen hatte. Was wenn Lly die anderen Wölfe nicht mochte? Was wenn sie ihn nicht verstanden? Was wenn sie nicht gut zu ihm waren. Fragen über Fragen, dessen Antwort er wohlmöglich erst erfahren würde, wenn die Weiße wieder gehen konnte. Doch vielleicht war er ihre einzige Hoffnung, vielleicht würde sie ohne ihn in der Kälte erfrieren. Plötzlich fühlte Madoc, wie ihn das Verantwortungsgefühl überkam und spürte, dass er die Fähe unbedingt am Leben erhalten musste. Entschlossen blickte er sie an und sagte.
“Los, du musst durchhalten, wir sind schon bald da, willst du etwa hier schon aufgeben? Ist es nicht etwas zu früh? Hast du wirklich den Wunsch in dieser trostlosen Landschaft dein Leben zu verschenken?“
Als Madoc so sprach, klang seine Stimme trotzig, frech, ja, fast schon wütend. Vielleicht reizte es die Wölfin, vielleicht auch nicht, das interessierte ihn nicht, doch war sich der Sternentänzer nicht bewusst, dass er so vielleicht helfen konnte, da die Wut vielleicht die letzten Kraftreserven aus ihr herausholte.
Aber was würde er machen, wenn sie liegen blieb? Was konnte er machen? Der Sternentänzer würde Hilfe holen müssen, von den Wölfen, die seinen Bruder mitgenommen hatten. Ja, das würde er machen, aber erst würde er abwartend um zu sehen, ob sie es auch allein schaffte. Mit herausforderndem und frechem Blick sah er auf Sania. Hoffte innenständig, dass sie aufstehen würde.
Zack hatte, als Ilias anfing zu sprechen, ihm aufmerksam zugehört und hatte jedes einzelne, noch so kleine Wort mitbekommen und eingespeichert. Er war gerührt, mit was für einer Leidenschaft und Inbrunst Ilias von Sheena sprach und spürte instinktiv, dass dies genau der richtige Wolf für seine Tochter war. Natürlich würde er es nicht leicht haben, aber Zack war sich sehr sicher, dass Ilias das alles für diese Liebe durchstehen würde und immer wieder Belohnung dafür erhalten würde. Und eigentlich war es doch sehr wahrscheinlich, dass Sheena sich auch immer wieder ein kleines bisschen ändern würde, sodass sie sich später vielleicht auch besser unter Kontrolle haben würde. Er gönnte es den beiden, dass die junge Liebe nicht jetzt schon wieder verwelken würde und wollte gerade anfangen zu sprechen, dass sie das doch auch jetzt bereden könnten, da sah er in der Ferne, wie die Fähe mit welcher der andere Welpe unterwegswar zusammenbrach. Er schaute Ilias nocheinmal mit seinen warmen Augen an und seufzte dann.
"Eigentlich wollte ich dir gerade vorschlagen, dass wir dies auch jetzt klären können, doch nun sollte ich ersteinmal der Fähe dort vorne zu Hilfe kommen, ich glaube, der Welpe schafft es nicht alleine. Ich bin gleich wieder da, du bleibst fein hier und wenn ich mich um alles gekümmert habe reden wir weiter, unser Gespräch läuft uns nicht davon. Nur so viel, ich habe das vollste Vertrauen in dich und auch in Sheena, dass das alles gut geht und ihr eine wunderschöne Partnerschaft beginnen könnt"
Damit nickte er ihm noch rasch zu, ehe er aus dem sitzen hinaus aufsprang und schnell, dabei aber trotzdem elegant, zu dem Welpen und der Fähe lief. Vorsichtig verlangsamte er sein Tempo, als er die beiden erreicht hatte, damit er sie nicht erschrecken würde und nicht ins schleudern geraten würde, wenn er auf dem immernoch glatten, vereistem Boden, stark bremsen musste. So kam er in einem leichten Trab bei ihnen an und blieb mit ungefähr einer Wolfslänge Entfernung bei ihnen stehen. Er neigte seinen Kopf ein wenig um die beiden zu grüßen, ehe er seine melodische, freundliche Stimme erhob und die beiden ansprach.
"Ich grüße euch. Ich nehme an, ihr seid auch neu hier. Ich habe von der Höhle aus gesehen, wie Sie" er deutete auf die Fähe "zusammen gebrochen sind und dachte, ich könnte vielleicht helfen. Wenn ihr dies denn wollt und zulasst, würde ich euch zur Höhle tragen, dort ist es auf jeden Fall wärmer als hier draußen und dann können wir uns auch um die Wunden kümmern. Und du" Er wand sich galant an den Welpen "Du kommst natürlich auch mit, ich nehme an, dass der andere Kleinere zu dir gehört oder? Verzeiht, nun habe ich vergessen mich vorzustellen, ich bin Zack, ein normaler Rüde aus dem Sternenwind Rudel."
Er endete und lächelte den beiden zu. Ihm war aufgefallen wie oft er von sich gesprochen hatte und fand es sehr ungeschickt von sich, dass er sich nicht anders ausgedrückt hatte, doch nun war es sowieso nicht mehr zu ändern. Sowieso hatte er schon wieder viel zu viele unnötige Dinge gesagt, die jetzt gar nicht interessierten. Aber was einmal gesagt war, konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden und so musste er damit leben. Man konnte sich schließlich nicht immer so gewählt ausdrücken und es war gewiss nicht aufgefallen. Den meisten Wölfen fiel es nur auf, wie gewählt und ordentlich er sich immer ausdrückte, andersherum war es noch nie aufgefallen und insgeheim hoffte er, dass auch diesen Wölfen, dieser Fehler nicht aufgefallen war.
Er blickte zur Höhle, wo Ilias stand und in der die anderen ruhten. Es war schon noch ein kleines Stückchen, man sah sie zwar noch, doch recht klein. Alleine würde die Fähe es wahrscheinlich kaum schaffen, so hoffte er, dass sie zustimmen würde und ihn, sie tragen lassen würde.
Sheena räkelte sich und zuckte ein wenig mit ihren Pfoten, da hatte sie doch glatt ein wenig vor sich hin gedöst und nun war Ilias und auch Zack verschwunden. So schnell konnte das also gehen. Ach nein, Ilias stand ja sogar am Höhleneingang. Sie blickte um sich und sah, dass auch Urion friedlich schlief, als sie ihren Blick weiter schweifen ließ sah sie, wie der kleine Welpe der sich ihnen angeschlossen hatte, ganz am Rand der Höhle lag und etwas, ja war es vielleicht verschüchtert, sie alle anschaute.
Er musste sich ja ganz alleine fühlen, hatte er wohl seinen Weggefährten verloren? Sie erinnerte sich, dass er ihr das schlecht erzählen konnte, wie sie mitbekommen hatte war er taub und stumm. Etwas verlegen stand sie auf, wollte ihn nicht dort alleine liegen lassen, wusste aber auch nicht genau, wie sie mit einem tauben und stummen Wolf umgehen sollte. Mit Kaede ging es einigermaßen, mit ihr konnte man sich unterhalten, sie war "nur" blind doch so. Dennoch fühlte sie sich eigentlich sehr stark und wollte es so versuchen Kontakt mit ihm aufzunehmen. Sie ging also langsam zu ihm hinüber und blieb mit wedelnder Rute vor ihm stehen.
oO Schade, dass er dir nichtmal seinen Namen verraten kann . . . Oo
Sie schenkte ihm ein schüchternes lächeln und legte sich dann vorsichtig mit etwas abstand zu ihm, hob ihre Schnauze und beschnüffelte ihn aus der Entfernung ein wenig. Sie wollte ihm nicht zu nahe treten, aber seinen Geruch einspeichern und ihm zeigen, dass sie ihm wohlgesonnen war.
Auch wenn sie es unbewusst tat, lächelte sie ihn sogar mit ihren Augen an. Die goldenen Sprenkel schienen sich zu öffnen und viel Wärme floss aus ihnen hinaus. Ein nicken brachte sie noch zustande, dann musste sie sich anstrengen um die eben gekommene Stärke nicht gleich wieder zu verlieren. Sie fühlte sich so hilflos, da sie nicht wusste wie sie mit ihm umgehen sollte. Natürlich verstand er Körpersprache und sie auch, doch waren Worte trotz allem einfacher und man konnte sich, ihrer Meinung nach, viel mehr mit ihnen mitteilen. Zum Beispiel Namen. Sie versuchte irgendwie etwas "erzählen" zu können und kam auf eine Idee, die ihr eigentlich recht idiotisch vorkam und wahrscheinlich musste der Welpe auch denken, sie wäre bescheuert und würde ihn für blöd halten, doch wusste sie nicht, wie sie es besser beschreiben sollte. Sie nickte ihm zu und dann in Richtung von Kaede und Urion, die ganz offensichtlich zusammengehörten und ungeniert angekuschelt dort lagen und kuschelten. Dann wand sie ihren Blick wieder zu dem Welpen und blickte ihn fragend an. Eigentlich wollte sie nur erfahren, ob der Welpe alleine unterwegs war, oder ob hier irgendwer in der Nähe war, der zu ihm gehörte, jedoch war sie sich nicht ganz sicher, was er von ihrer "Redeweise" halten würde.
Sie waren angekommen!
Das war Cumas erster Gedanke, als sie die Höhle sah. Mit großen Sprüngen setzte sie auf die Höhle zu, dann setzte sie sich und sah Kenshi entgegen. Sie legte sie zufrieden brummend in die Höhle, ach, war das wunderbar! kein kalter Boden, kein Schnee... Sie seufzte zufrieden. Dann verfiel sie in eine Döserei, aber schließlich erwachte sie wieder. Sie stand auf und bewegte sich in Richtung Kenshi. Dabei betrachtete sie alles um sich herum. Es war schön hier, einfach, aber schön. Wäre sie eine Katze gewesen, so hätte sie sicher geschnurrt, aber so ließ sie nur ein zufriedenes Grollen hören. Sie legte sich neben Kenshi und drehte sich auf den Rücken. Ihre Lefzen zogen sich nach oben, und sie lächelte Kenshi an. Schließlich drehte sie sich um, schüttelte den Staub aus ihrem glatten Fell und rückte noch etwas näher an Kensharion ran. Mit einem schlemischen Grinsen flüsterte sie Kenshi ins Ohr.
"Was glaubst du... ob Kaede und Urion sich verliebt haben...?"
Mit einem spitzbübischen Lächeln zog sie ihren Kopf zurück und ließ die leise gesprochenen Worte in der Luft verklingen. Sie atmete auf und war einfach nur glücklich. Sie stieß Kenshi freundlich in die Seite, ließ es jedoch dabei beruhen, sie wollte nicht zu aufdringlich sein, aber ihre pure Freude musste sie ein wenig rauslassen. Sie lachte ihn mit ihren mandelförmigen, eisblauen Augen an, wie ein Kristall, der zu Schmelzen begann. Dann legte sie sich auf die Seite und schaute ihn einfach nur an, hin und wieder sah sie auch zu den anderen Wölfen hinüber, aber Kenshi zog ihren Blick immer wieder auf sich. Innerlich musste sie lachen. Was hatte dieser pechschwarze, verschlossene und nicht immer freundliche Rüde nur, was sie dazu brachte, ihm immer und immer wieder anzusehen, zu zuhören, falls er mal sprach?! Sie musste niesen, weil ein wenig Staub in ihre feine Schnauze gedrungen war. Cuma lag ein wenig auf der Seite, auf der rechten Pfote lag ihr Kopf, die andere hatte sie angewinkelt, sie lag entspannt da und musterte alles um sich herum. Und wieder einmal sprang Hoffnung und Glück in ihr Herz. Hier würde sie leben können
... vielleicht sogar mit Kenshi...
Stillschweigend betrachtete er Sheena. was wollte sie von ihm. Ihre Gesten waren fremd. noch nie hatte ein wolf versucht, derart sich ihm zu nähern. Seine Ohren legten sich zur seite, nachdenklich, unsicher. Er wurde nicht schlau aus ihr. dabei konnte sie doch nicht sehr alt sein, er strengte sich an um herauszufinden was sie wollte, aber es gelang ihm nicht.
Er öffnete den Fang, hechelte unruhig ehe er sich erhob, die Nase in die Luft gereckt, stakste er steif um sie herum, sog ihren Geruch ein. Den Blick bemerkend blieb er stehen. Sie wollte wissen ob er allein war. Den Kopf neigend drehte er sich bis seine Nase aus der Höhle zeigte, dann hoben sich seine Vorderpfoten für einige Momente in die Luft und er stieß die Nase durch die Luft als wäre da etwas das auf ihn warten würde
Pendelnd ließ Sheena ihre Ohren kreisen und verfolgte so jede Bewegung die der junge Rüde um sie herum machte. Anscheinend beschnupperte er sie ebenfalls, er dah etwas irritiert aus. Also hatte sie irgendetwas flasch gemacht, irgendetwas was er nicht verstand, Erleichterung überkam sie, als er ihr andeutete, dass er nicht alleine war, dass dort draußen jemand war, den er kannte. Wenigstens diese in den Raum gestellte Frage von ihr hatte er verstehen können. Sie lächelte ihn wieder an und fragte sich, wie es wohl war, wenn man nichts hören und nichts sagen konnte.
Wahrscheinlich war es unsagbar schwer, vor allem, wenn man alleine war und niemanden kannte. Sie bewunderte den Welpen dafür, dass er sich dies überhaupt traute, wenn sie in seiner Situation wäre . . . Nein, sie drückte sich falsch aus, vielleicht würde sie ganz anders handeln, als sie jetzt dachte, dass sie handeln würde. Also, wenn sie sich vorstellte, dass sie so wäre, aus ihrer Sicht jetzt heraus, würde sie sich zutrauen, dass sie sich irgendwo verkroch oder nur in Begleitung ihr bekannter, gut bekannter Gesichter irgendwohin gehen. Denn die würden für sie sprechen können, ihren Namen nennen können, den sie wahrscheinlich noch nie gehört hätte und nie hören würde. Ein Schauer durchlief sie innerlich. Sie stellte es sich sehr gruselig vor. Man konnte eigentlich nur Instinktiv handeln, man hörte es ja nicht, wenn irgendjemand kam. Dann fiel ihr ein, dass sie ja auch eine Nase hatte, mit der sie ihn eben beschnuppert hatte und er sie ja auch. Na, das war ja schonmal etwas, auf das man sich noch verlassen konnte, wäre sie so wie er. Oder wie Kaede, blind, aber da hatte sie ja eben schon gemerkt, dass diese wenigstens noch die Gaben des Hörens und Sprechens hatte. Doch wenn sie sich für eines der beiden Dinge entscheiden müsste. Sie wusste nicht, was sie vorziehen würde. Doch darüber wollte sie sich gar keine Gedanken machen, anscheinend kam der Welpe ja damit klar, war ja sicher auch nichts anderes gewohnt. Und sicher wollte er kein Mitleid bekommen, würde sie zumindest nicht wollen, also schnippte sie nur ruhig weiter mit ihren Ohren und wartete ab, was der Welpe noch machen würde. Was konnte sie ihm denn noch sagen? Wie alt sie war, dass müsste man doch irgendwie begreiflich machen können oder? Unsichewr blickte sie ihn wieder an, wie viele Sommer zählte sie nun? Ganze zwei Sommer, bald würden es drei werden. Sie runzelte die Stirn. Dann hob sie ihre Pfoten und tappte zweimal leicht auf den Boden.
oO Wie soll er das denn bitte verstehen? Oo
Nachdenklich legte sie ihren Kopf schief und nickte sich dann selber zu, wollte versuchen ihm zu zeigen, dass sie sich meinte. Tappte dann abermals etwas komisch grinsend, zweimal auf den Höhlenboden und malte dann mit ihrer Pfote eine Sonne nach.
oO Wenn er das versteht und mich nicht für völlig bescheuert hält, kann ich wohl wirklich froh sein Oo
Sie lächelte ihm etwas entschuldigend zu, wollte sich für ihre eigene Dummheit entschuldigen, weil sie einfach nichts besseres wusste, was sie tun konnte um sich verständlich zu machen.
Betrachtete ihre Bemühungen ihm etwas zu erklären und lächelte mitleidig. sie konnte es nicht gut aber wer konnte es ihr verübeln? niemand, denn so viele wölfe wie ihn gab es nicht, vielleicht war er auch der einzigste welpe der so war. wer wusste das schon? Er nicht und die anderen auch nicht. vielleicht besser so. Betrachtend starrte er die krakelige sonne an die sie dort in den Boden kratzte und dann 3mal draufpatschte. 3 sommer also...mhh. er kratzte einen Mond in die erde, patschte 4mal drauf herum und stupste einmal leicht die Pfote auf das Bild...4 1/2 Monate
Verwirrt blieb der Schwarze stehen. Seine Ohren waren plötzlich sehr aufmerksam aufgestellt.
.oO(Warum will sie denn so etwas wissen?)
“Nun…also meinen Eltern bin ich schon ähnlich…ja!“
.oO(Wieso interessiert sie das? Das ist doch jetzt wohl völlig unwichtig?)
Für ihn ergab diese Frage überhaupt keinen Sinn. Niemand hatte ihn jemals noch so etwas gefragt. Aber wenn die Weiße es ja wissen wollte. Schließlich war es kein Problem für Takashi, es ihr zu erzählen. Langsam lief er weiter. Doch er kam nicht weit. Wieder hatte Jumaana ihm etwas gesagt, was ihm irgendwie einen kleinen Schock versetzte.
“Du kennst meine Mutter?“
.oO(Woher will sie denn meine Mutter kennen? Was redet sie denn da…?)
Verwirrt schaute er sie an. War das jetzt wirklich ernst gemeint? Verunsichert schaute er sich kurz um.
“Meinst du das wirklich ernst?“
Fragte er sie.
.oO(Was fragt sie mich für komische Sachen? Jetzt behauptet sie auch noch, meine Mutter zu kennen!)
Verwirrt schüttelte er den Kopf.
.oO(Woher kennt sie ihren Namen?)
“Hm…nein. Groß war sie nicht wirklich.“
Langsam lief er wieder vorwärts. Aber irgendwie war ihm dieses Gespräch nicht ganz geheuer.
Sania sah den Welpen an. Er schien ratlos zu sein.Wusste nicht was er tun konnte. Als er zu sprechen begann, lauschte sie aufmerksam seinen Worten. Wieso war er nur so stur? Sie lächelte ihn sanft an. Sie war auch ein bisschen froh, dass Madoc noch bei ihr blieb. Er war doch nicht so übel wie sie gedacht hatte.
Sania folgte Madocs Blick und konnte nicht wirklich verstehen warum er blieb. Schließlich wartete dort bei den anderen Wölfe sein Bruder. Als Madoc erneut die Stimme erhob glitt ihr Blick wieder zu ihm. Diesmal wurde seine Stimme sogar etwas wütend. Wie süß war das denn jetzt? Versuchte er sie zu reizen und somit wieder auf die Beine zu kriegen? War er schon so gerissen?
Sie knurrte leise, aber nicht wegen Madoc. Nein. Es galt ihrem Vater. Ihr Vater war das alles hier schuld!
.oO( Dieser Scheißkerl! Erst lässt er meinen Bruder sterben und jetzt bin ich kurz davor! )
Ihr knurren wurde lauter, bevor es schlagartig aufhörte. Sie machte in der Ferne einen Wolf aus. Er näherte sich! Kam er um zu helfen? Er blieb kurz vor den Beiden stehen. Sania wedelte leicht mit der Rute und blickte zu ihm hoch. Gespannt lauschte sie seinen wohlklingenden Worten. Ja er wollte helfen! Etwas peinlich war ihr die Situation schon, doch nahm dankbar das Angebot an:
" Gerne nehme ich dein Angebot an. Aber ich will dir und dem Rudel nicht zur Last fallen..."
Langsam stemmte sie sich mit den Vorderpfoten vom Boden hoch. Ihre Beinde zitterten durch die Last des Körpers, doch so konnte Zack sie besser nehmen. Das fiel ihr ein, das sie ihren Namen noch nicht gesagt hatte:
"Ach übrigens: Mein Name ist Sania... "
Etwas verlegen sah die junge Fähe zu Boden. Ja. Dese Situation war ihr sehr unangenehm.
Noch nie hatte Kaede sich mehr gewünscht sehen zu können, als jetzt in diesem Augenblick. Sie wollte den Rüden so gerne anschauen, wie er neben ihr lag und ihr seine Liebe gestand. Doch sie würde ihn nicht sehen, egal wie sie ihre Augen aufriss und sich auf die Stelle neben sich konzentrierte. Etwas enttäuscht, als habe sie mit einem Wunder gerechnet schloß sie die Augen. Ihr Herz schwamm nur so in Glück, Freude und Liebe. Eigentlich wollte sie den Rüden neben sich in Ruhe schlafen lassen, doch sie musste ihm einfach sagen und zeigen wie sehr sie sich freute. Vorsichtig hob sie ihren Kopf von seinem und stupste ihn ganz sanft mit ihrer Schnauze an. Murmelnd teilte sie ihm mit, wie sehr sie dies freute.
"Dankeschön Urion, dass du mir dies so offen und ehrlich gesagt hast. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, dazu fehlen mir einfach die Ausdrücke. In mir fühlt es sich an, als ob eine Blumenknospe sich öffnet und ihre schillernden Farben in die Welt trägt! Natürlich können wir auch einmal dein Land bereisen, irgendwann, wenn sich dazu die Gelegenheit findet. Die Wale mit Hörnern, ich möchte sie spüren und schauen, was für ein Unterschied zwischen ihnen und den Walen, welche ich gesehen habe sind. Doch das schieben wir ersteinmal nach hinten. Egal wo wir sind, solange wir zusammen sind ist alles bunt. Und auch wenn wir mal nicht zusammen sind wird jeder von uns immer wissen, dass der andere einen liebt und das ist ein wunderschönes Gefühl!"
Sie lächelte, ganz leicht nur noch, dafür schien es trotzdem intensiever, als das vorherige Strahlen, welches ihre Lefzen umspielt hatte. Sie stupste Urion nochmal leicht an und legte dann ihren Kopf wieder sanft an den seinen, wollte die kurze Zeit nutzen, in der Zack die beiden Fremden holte um ein wenig zu dösen. Später würde sie auch nicht mehr dazu kommen. Schon kurze Zeit später war ihr regelmäßiger Atem neben dem von Urion zu hören und nur ihre Ohren zeigten an, dass sie aufmerksam wie sonst auch war.
Im Traum durchstriff sie mit Urion zusammen ihr altes Tal in welches sie bald wieder zurückkehren würden. Sie zeigte ihm all die schönen Plätze, die sie mit dem Rudel besucht hatte, aber auch alleine gefunden und erforscht hatte. Sie erzähltem ihm ihre Geschichte, wie sie überhaupt zu diesem Rudel gekommen war, wie sie früher gelebt hatte und wie es war, als sie blind geworden war. Sie erzählte von all den anderen Rudeln, welche sie auf ihrer langen Reise kennen gelernt hatte, wie sie sich immer mehr entwickelt hatte und zu der Fähe geworden war, die sie jetzt war. Einfach alles erzählte sie ihm, ob schön und freudig oder gruselig und traurig.
Aradis erstarrte kurz, dann ließ sie den kleinen Welpen von ihren Schultern herunter rutschen. War es Rasmús, der dort zusammen gesackt saß? Sie stupste den kleinen Jakash freundlich an, sie waren jetzt sowieso schon so nah an den anderen Wölfen, er würde es zu seinem Vater schaffen. Sie lächelte noch einmal, dann wandte sie sich um und lief langsam auf den Rüden zu. Ihre Muskeln waren angespannt, sie stand unter Strom und sie hatte... Angst. Sie zitterte ein wenig, und es lag nicht an der eisigen Kälte der Umgebung, ihr Herz war mit Eis ummantelt, Eiszapfen bohrten sich in ihr Herz und ihr Blick wurde trüb. Sie fühlte etwas nasses, ein wenig warmes an ihrer Wange. Sie erschrak. Aber es war nur eine Träne. Es war so kalt, dass sie nur wenige Sekunden Wasser war, dann wurde sie kalt und wurde zu Eis. Sie senkte ihren Kopf.
oO. Immer wenn ich dich besuch, fühl ich mich grenzenlos.
Alles andere ist von hier aus so weit weg.
Ich mag die Ruhe hier zwischen all den Bäumen,
als ob es den Frieden auf Erden wirklich gibt.
Es ist ein schöner Weg, der unauffällig zu dir führt.
Ja, ich habe ihn gern, weil er so hell und freundlich wirkt.
Ich habe Blumen mit, weiß nicht, ob du sie magst.
Damals hättest du dich wahrscheinlich sehr gefreut.
Wenn sie dir nicht gefallen, stör dich nicht weiter dran.
Sie werden ganz bestimmt bald wieder weggeräumt.
Wie es mir geht, die Frage stellst du jedes Mal.
Ich bin okay, will nicht, dass du dir Sorgen machst.
Und so red ich mit dir wie immer,
so als ob es wie früher wär,
so als hätten wir jede Menge Zeit.
Ich spür dich ganz nah hier bei mir,
kann deine Stimme im Wind hören
und wenn es regnet, weiß ich, dass du manchmal weinst,
bis die Sonne scheint; bis sie wieder scheint.
Und so red ich mit dir wie immer
und ich verspreche dir,
wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit.
Dann werden wir uns wiedersehen,
du kannst dich ja kümmern, wenn du willst,
dass die Sonne an diesem Tag scheint -
dass die Sonne scheint, dass sie wieder scheint...
Diese Zeilen fielen der Weißen ein, als sie über sich und den Rüden nachdachte. Wie lange war es gewesen, als sie ihn letztes mal gesehen hatte? Sie schloss die Augen, sah sich und Rasmús nebeneinander, redend, vertraut... Gänsehaut überkam sie und sie zitterte stärker denn je, dieses Lied weckte in ihr eine tiefe Sehnsucht, aber nach was... nach Liebe...? Oder einfach nur grenzenloser Glücklichkeit
oO. Ich hab ihm so sehr weh getan, wie kann ich es nur wieder gut machen... ich halte es nicht mehr aus, ich zerbreche unter der Last wie ein Eiszapfen...
Sie war stehen geblieben, doch so ging sie wieder los, bei jedem Schritt hörte sie ein Wort aus dem Lied.
oO. Es ist ein schöner Weg, der unauffällig zu dir führt... ja, ich hab ihn gern, weil er so hell und freundlich wirkt...ich spür dich ganz nah bei mir, kann deine Stimme im Wind hören... und so red ich mit dir wie immer, so als ob es wie früher wär...
Hell und freundlich. Hell... freundlich... Aradis war nicht mehr weit entfernt von Rasmús. Irgendwann, nach einer Ewigkeit, stand sie vor ihm. Es erschütterte sie, wie er dasaß. Zusammengesackt, verlassen, so arm... sie setzte sich still neben ihn. Einfach nur daneben...
Urion hob den Kopf und stupste Kaede zärtlich an. Das Monster schlummerte noch in ihm. Das Monster, welches zurück gekehrt war. Der Graupelz beobachtete die Fähe, die neben ihm lag und wieder eingedöst war.
"Du wünscht es dir, dass du wieder sehen kannst. Kann dir Engaya nicht helfen? Sie ist doch eure Göttin, aber sei nicht traurig. Das passt nicht zu deinem schönen Lächeln, welches du auf deinen Lefzen trägst."
Der Wolf aus dem Norden stupste Kaede Schnauze an, als sein Blick auf den kleinen Welpen fiel, der mit Sheena versuchte sich zu verständigen. Der muss doch von allen guten Geistern verlassen sein. Taub, stumm und auch noch blind. Urion empfand kein Mitleid. Sheena sollte nicht mit so jemanden reden, der verflucht sein könnte.
Langsam richtete sich der große Graue auf, streckte sich und beugte sich zu Kaede hinunter.
"Ich bin gleich wieder da."
Mit hängendem Kopf und locker umher pendelnder Rute schritt Urion durch die Rudelhöhle zu Sheena. Er stupste seine neu gewonnene Tochter an.
"Warum redest du mit ihm? Ich würde an deiner Stelle vorsichtig sein."
Urions Fell hatte sich leicht aufgerichtet und ein leises Grollen verließ seine Kehle, als er dem Weißen in die roten Augen blickte. Rote Augen... rote Augen.
Urion zeigte seine Zähne und richtete sich zu voller Größe auf. Nur kurz war das was anderes in ihm zu erkennen. Schließlich schüttelte er kurz den Kopf, stupste Sheena noch mal an und trottete zu Kaede zurück.
Cuma hatte Stimmen vernommen. Es war, wie es sich herausstellte, nur eine Stimme gewesen, die Urions. Sie war in leichtes Schlummern verfallen, doch dann erwacht. Sie runzelte die Stirn und verfolgte das Gespräch.
"... redest du mit ihm? Ich würde an deiner Stelle vorsichtig sein."
Ein leises Grollen kam in Cumará auf. Was sollte das denn?! Grimmig hob sie ihren Kopf von ihrer Pfote. Sie wurde selten böse, doch das, was Urion tat, war einfach ungerecht. Offenbar war das Böse, oder was auch immer in ihm festsaß und offenar doch nicht ganz draußen war wieder erwacht. Oder es war einfach sein Wesen. Sie murmelte Kensharion schnell zu, dass sie gleich wieder da sei. Dann erhob sie sich auf leisen Pfoten, in diesem Moment betrat Urion wieder die Höhle. Cumará musste nur wenige Schritte machen, um ihm die Schritte zu versperren, aber sie wollte es nicht vor Kaede tun; auch wenn sie es nicht sehen würde.
"Urion, kann ich kurz mit dir sprechen?"
fragte sie nun den Rüden mit den knallgrünen Augen. Ihre Stimme war wie immer sanft und kontrolliert, diesmal war es vielleicht nützlich gewesen, aber ihre Stimme wurde auch wenn es ihr ernst war nie bedrohlich. Sie verachtete es zutiefst, aber jetzt war nicht die Zeit dafür, darüber nachzudenken. Sie standen kurz vor dem Eingang der Höhle, Cuma begann sehr leise zu sprechen
"Warum wirfst du ihr vor, mit dem Kleinen zu sprechen? Nur weil er taub, stumm und blind ist heißt es doch nicht, dass er besessen ist. Dann wäre..., Cuma schenkte der dösenden Beta einen kurzen Seitenblick, bevor sie sich wieder Urion zuwandte, "...sie doch auch besessen. Er ist hilflos. Ich war auch einmal blind, längere Zeit lang. Du weißt nicht, wie es ist. Du weißt nicht, wie es ist, nichts zu sehen. Man ist ausgeliefert. Und du... bist doch auch nicht völlig ungefährlich, oder? Was macht denn dieser kleine Kerl da? Nichts. Er kann dir oder Sheena oder jemand anderem überhaupt nicht gefährlich werden! Hast du denn... kein Mitleid mit ihm...?"
mit diesen Worten ging sie an ihm vorbei auf Sheena und den kleinen Weißen zu. Sie lächelte zum Gruß und wandte sich der jungen Fähe zu.
"Du heißt Sheena, nicht wahr? Wie heißt er?"
fragte sie mit einem Blick auf den kleinen Rüden. Sie setzte sich und musterte ihn. Er hatte rote Augen und weißes Fell. Cuma hatte großes Mitleid mit ihm. Sie stupste ihn sehr vorsichtig an und zog dann ihre Schnauze zurück- sie wollte ihn nicht bedrängen.
Zuerst zögerte die Fähe, doch dann flutschte es aus ihr heraus. Sie schüttelte noch kurz den Kopf, dann blickte sie mit wachsamen Augen Takashi an.
Natürlich meine ich es ernst. Soweit ich mich erinnern kann, haben mich meine Brüder gehasst. Und das natürlich nicht ohne Grund! Ich sollte Alphawölfin werden und ...
Sie senkte den Blick und eine Träne tropfte auf den Schnee. Sie schaute noch einmal auf den Horizont, auf dem langsam die Sonne verschwand. Ein eisiger Windstoß ließ die Tränen in ihren Augen gefrieren.
oO Eis in meiner Seele
Eis auf meinem Fell
hab in meinem Herzen
eine Mauer aufgebaut
Eis nur die Gedanken
wollen nicht die Sonne sehn
Gefühle sind wie Schranken
wollen nicht ins Helle gehn Oo
Wieder tropften Tränen in den Schnee, Jumaana dachte nach:
oO Werden wir ankommen, dort wo wir hin wollen? Oo
Immer wieder hörte sie die Krähe schreien, nur in ihrem Kopf, denn hier, in der ewigen Kälte, würde kein Tier leben können. Sie hörte das leise Flüstern Aarinath's:
"Jumaana, du darfst nicht aufgeben, nicht jetzt! Kämpfe und bezwinge deine Gedanken, tu's für dich, für mich und für ... Takashi!"
Die Weiße hob den Kopf und blinzelte Takashi an. Sie machte einen Schritt auf ihn zu und zupfte ihm vorsichtig am Ohr.
"Sie warfen mir vor, sehen zu können, Geheimnisse und die Zukunft!"
Flüsterte sie und fügte hinzu:
"Und natürlich hatten sie recht! Auf meiner Reise bin ich etlichen Rudeln begegnet, aber keines wollte mich bei ihnen haben, sie warfen mir vor, zaubern zu können ... Mich hat es aber nie gestört, in der Hoffnung, irgendwann, irgendwo, würde ich jemanden finden, der mich versteht.
Sie lächelte und blickte wieder zum Horizont. Längst fielen keine Tränen mehr in den Schnee, ihre Augen hatte wieder die helle, goldenen Farbe angenommen, die sie auch hatte, als Jumaana Takashi begegnet war.
Als der Schwarze die Tränen der Weißen erblickte, wandte er sich ihr zu.
"Was ist? Habe ich was falsches gesagt...oder so?"
.oO(Woher will sie denn jetzt meine Mutter kennen?)
Takashi kam sich wie in irgendeinen komischen Traum vor. Das alles hier schien nicht mehr real zu sein. Was wurde er für komische Dinge gefragt? Was erzählt die Fähe ihn da? Er verstand nicht. Er schüttelte den Kopf. Irgendetwas stimmte da doch nicht! Seit wann sprach ein Wolf so offen mit Takashi? Das konnte nicht sein...
.oO(Das hier kann doch wirklich nicht echt sein...!)
Er kniff fest die Augen zu.
.oO(Und aus der Traum...!)
Dann öffnete er seine Augen wieder. Alles war genau so, wie vorher.
.oO(Ist das wirklich alles wahr? Das kann nicht sein...was ist hier los? Warum redet man plötzlich so mit mir?)
"Warum bist du so zu mir...?
Flüsterte er ein wenig entsetzt. Sowas war ihm noch nie passiert. Vorher hatte man nur seine Fähigkeiten ausgenutzt, ohne auf inh einzugehen, so wie die Weiße es jetzt tat. Dieses Verhalten war ihm so fremd. Konnte er der Weißen mit ihrem sonderbaren Verhalten überhaupt vertrauen? Er wurde sich wieder unsicher.
Jumaana schüttelte wieder leicht den Kopf, so wie sie es immer machte, wenn sie nachdachte. Takashi hatte sie unheimlich verunsichert, aber sie wollte es sich nicht anmerken lassen.
oO Was machst du da bloß? Verdammt, reiß dich zusammen! Oo
Schrie es in ihrem Inneren. Sie summte das Lied, was sie von Moyna gelernt und immer geliebt hatte.
oO Denk nicht nach, geh einfach. Ich weiß, dass ihr, du und Takashi bald ankommen werdet! Oo
Flüsterte ihr Aarinath zu und verwirrte die Weiße mit ihren Worten.
oO Wo ankommen? Oo
Fragte sie Aarinath in Gedanken und wartete verzweifelt auf eine Antwort, doch vergebens. Jumaana riss sich zusammen und lächelte Takashi an.
"Immer noch keinen Hunger? Wenn nein, sollten wir noch ein bisschen weitergehen, hier ist sicher nix ..."
Sie schaute sich um, der Schnee glitzerte im gleißendem Licht der roten Sonne und die Fähe hatte noch nie etwas Schöneres gesehen. Sie blinzelte wieder zu Takashi und als dieser gerade wegsah, zog sie kurz die Lefzen hoch und knurrte. Das machte sie nicht wegen Takashi, doch irgendwie fühlte sie sich unwohl. Die Gegend hier war für sie ein Traum, sie war es von ihrem Geburtsort nicht anderes gewöhnt, doch irgendetwas machte sie unsicher.
"Es ist doch schön hier, ich weiß gar nicht was ich hab!"
Murmelte sie und hoffte, dass der Schwarze es nicht gehört hatte. Unsicher schwankte sie weiter. Ihr Weg war bis jetzt völlig unentdeckt und der Schnee unverändert. Doch Jumaana hatte das Gefühl, das außer ihr und Takashi noch jemand hier wäre. Mit ungutem Gefühl im Bauch ging sie weiter. Alles in ihrem Körper signalisiert Angst und Verwirrtheit.
Verwirrt hatte Sheena die Worte Urions, ihres neuen Papas, empfangen. Viel damit anfangen konnte sie jedoch nicht, was hatte er denn gegen diesen kleinen Welpen? Böse schaute sie Urion nach, warum auch immer, es hattes etwas mit seiner Vergangenheit zu tun, soviel konnte sie sich zusammen reimen. Richtig wütend war sie nicht auf ihn, aber sie fand es nicht gerade toll, wie er gehandelt hatte. Sie blickte den Welpen entschuldigend an, sie hoffte, dass er nun nichts falsches von ihr dachte. Er war doch noch so jung, wieso tat Urion so etwas. Verwirrt zermaterte sie sich das Hirn nach weiteren "Gesprächsthemen", doch da schnappte sie auf, wie die Fähe die sich als Cumará Tumaan vorgestellt hatte mit Urion sprach.
oO Aber blind ist der Kleine doch gar nicht? Sonst könnte er dir doch gar nicht antworten . . . Oo
Nun war sie völlig irritiert und blinzelte den Welpen nurnoch vorsichtig an. Sie hatte sich das doch nicht alles nur ausgedacht oder? Als Cuma dann zu ihr trat und sie freundlich ansprach, machte sie unsicher einen Schritt nach hinten. Was wollte sie denn jetzt hier? Erst machte sie ihren Vater an und jetzt kam sie zu ihnen. Wollte sie Urion beweisen, dass er falsch sah und deshalb hier hin kommen? Und warum stupste sie den Welpen sofort an? Hoffentlich machte sie dies nicht auch bei ihr. Zaghaft ging sie noch einen Schritt zurück.
" Ja, richtig ich bin Sheena, Zack und Urions Tochter!
Wie du eben richtig erwähnt hast ist er taub und stumm, nicht jedoch blind! Wenn du ein wenig weiter denkst, wirst du vielleicht von selber darauf kommen, dass er, wenn er stumm ist, mir seinen Namen nicht verraten kann!"
Sie wusste, dass sie schon wieder ungerecht handelte und eine ihr fremde Fähe grundlos angiftete. Doch so war sie nunmal, wenn sie unsicher ist. Da merkte sie wieder einmal, wie wenig sie sich doch unter Kontrolle hatte. Sie blickte betreten, aber immer noch etwas zickig in die Runde. Nun war es ihr egal, was der Welpe von ihr hielt. Er konnte ihr ja sowieso nicht sagen, wenn er sie für dämlich befand, also. Sollte er es irgendwie verdeutlichen können, dann war es jetzt sowieso zu spät sich darum sorgen zu machen. Denn dann würde er es so oder so machen. Und dann konnte sie ihn ja vielleicht noch ignorieren. Doch warum ging sie jetzt schon wieder so pessimistisch an alles ran. Sie wurde ruhiger, zwang sich regelrecht dazu ruhiger zu werden.
"Entschuldigung. Du bist Cumará Tumaan, richtig?"
Zerknirscht blickte sie auf den Boden. Warum nur, warum konnte sie sich nicht einfach wie fast alle anderen Wölfe unter Kontrolle halten?
Gelassen lächelte er Sheena an, als Urion, der Wolf mit den Grünen Augen herbeikam. Urion wirkte böse, aber das ängstigte Lly nicht im geringsten. Wieso auch? Urion würde ihn nicht töten, hier waren zu viele Wölfe anwesend. Und außerdem hatte Urion keinen Grund ihm etwas anzutun, denn Lly hatte ihn weder beleidigt noch angegriffen. Als Sheena sich wieder zu ihm wandte, blickte er leicht fragend, neugierig. Ihr schienen die Worte zu fehlen, nein eher die Gesten für neue 'Gesprächs'themen denn er konnte sie ja nicht hören. Dann tauchte noch ein Wolf auf, eine gräulichbraune Fähe und die Stimmung zwischen der neuen und der weißen kippte in eine nervöse Spannung, die Lly nicht behagte. Die weiße(Sheena) wurde nervös, angespannt und Lly stand auf, schob sich zwischen die Fähen als könnte er so einen Streit vermeiden. Sein sanfter Blick huschte von Cumará zu Sheena und zurück. Er reckte den Kopf und stupste Sheena an, bittend
oO Streitet doch bitte nicht...Oo
Das letzte was er wollte waren Streitende Wölfe in seiner direkten Nähe. Er mochte Streit sowieso nicht, das erschien ihm immer so Sinnlos. man konnte doch alles friedlich lösen oder nicht? Jetzt wünschte er sich ein wenig dass Madoc da wäre um für ihn zu übersetzen aber scheinbar musste er das nun selbst schaffen. Konnte er die beiden Fähen dazu bringen ihre Streitigkeiten zu beenden und normal miteinander umzugehen?
Cuma hatte es schon erwartet, dass solch eine Antwort kam. Sie lächelte Sheena jedoch nur an, nachdem diese sie angegiftet hatte.
"Es tut mir aufrichtig leid, dass ich deinem Vater so ins Wort gefallen bin, Sheena. Aber Ungerechtigkeit muss ja nicht sein, oder?"
vollendete sie den Satz mit ihrer klaren, weichen Stimme. Nun sah sie sich den kleinen Welpen genauer an. Nein, er war nicht blind, seine Augen sahen nicht so verschleiert wie bei der Beta aus. Sie lächelte ihn an und wandte sich dann wieder an Sheena.
"Es wäre übereilt, dir meine Freundschaft anzubieten, dennoch fände ich es schön, wenn wir uns vertragen könnten... ich würde gerne mit einer Fähe sprechen, ausser mit Kaede habe ich seit sehr, sehr vielen Monaten nicht mehr mit einer Wölfin gesprochen, ich nehme deine Entschuldigung gerne an."
sie lächelte, aber keinesfalls gütig; es freute sie einfach, einmal wieder bei anderen Wölfen zu sein. Die Graue setzte ihre Wort behutsam ein, sie wollte Sheena nicht noch einen Grund geben, sich über sie her zu machen. Sie lächelte die Schneeweisse freundlich an. Sie sah auch zu Kensharion hinüber, ihr Begleiter und zu den anderen Wölfen, die mit ihnen angekommen waren. Sie pustete in den Pulverschnee, der aufwirbelte, und sie zum Lachen brachte. Sheena und der Kleine mussten sie für komisch halten, aber so war Cuma, sie könnte die ganze Zeit lachen. Nun schaute sie den Welpen nocheinmal an. Sie formte ihre Lippen und sprach:
"Wie ist dein Name?"
Sie schaute ihm in die Augen, die aussergewöhnliche Farbe verwunderte Cumarà.
"Deine Augenfarbe ist sehr schön und besonders!"
sie hatte es sich nicht verkneifen können, sie blinzelte den Kleinen an und lachte ihn an, dann wartete sie auf eine Antwort, sie hatte auch sehr wohl bemerkt, wie Sheena zurück gewichen war. Taktvoll setzte Cuma sich ein wenig weiter weg, so dass sich Sheena nicht von ihr bedrängt fühlen sollte.
.oO(Wohin wird mich der Weg bloß führen... .)
Takashi senkte seinen Kopf wieder zum Schnee.
.oO(Immer dieser Schnee! Ich kann ihn langsam nicht mehr sehen...Verdammt! Ändert sich denn diese dämliche Umgebung nie?)
Der Schwarze gab ein unzufriedenes Geräusch von sich. Das viele Weiß empfand er als so lästig. Er leuchtete förmlich und erhellte die ganze Umgebung. Für seine Augen war das wirklich sehr unangenehm. Er war sowieso am liebsten nachts unterwegs. Da war er diese schäbige Helligkeit gar nicht gwohnt. Als die Weiße neben ihn knurrte, hob er ruckartig den Kopf und drehte sich blitzschnell zu ihr um. Will sie ihn doch töten...?
"Wage es dich nicht...!"
Setzte er an und knurrte böse. Er hatte jetzt einen Verdacht gehabt, angegriffen zu werden. Hätte er der Fremden doch nicht vertrauen dürfen? Als er dann aber bemerkte, dass es gar nicht wegen ihn gewesen war, verstummte sein Knurren langsam. Trotzdem war er noch sauer. Warum tat sie auch soetwas dummes?
"Man was sollte denn das?"
Fragte er sie wütend, aber noch recht ruhig dafür. Er hatte jetzt nämlich wirklich gedacht, dass sie ihn angreifen würde oder soetwas in der Richtung tun würde. Sein Gesichtsausdruck war nicht böse. Eher viel mehr beleidigt.
Wieder schien sich etwas geändert zu haben: Da schien etwas in der Nähe zu sein. Irgendetwas...lebendes! Waren sie etwa nicht mehr alleine?
Jumaana drehte langsam den Kopf und blinzelte Takashi an.
"Hmmm...?"
Fragte sie und schaute ihn verwirrt an. Sein Blick war starr und kaltblütig.
"Hey"
Flüsterte sie und legte leicht den Kopf schief. Es fing leicht an zu schneien und Jumaana genoß den eiskalten Wind, der hin und wieder um ihre Köpfe peitschte.
oO Schön hier, wirklich schön! Oo
Dachte sie und blickte wieder zu Takashi. Sie fing wieder an zu summen, um sich abzulenken. Der Schwarze hatte doch nicht gedacht, dass sie ... Die Fähe blickte ungläubig in seine blutroten Augen.
"Was ...-"
Fing sie an, hörte aber gleich wieder auf, als sie ein kleines Schneekaninchen entdeckte. Wieder war sie mit einigen Sätzen bei ihm und biss ihm in die Kehle.
Fröhlich trabte sie zu Takashi und blitzte in lustig aus goldenen Augen an.
"Damit ich noch ein bisschen weiterleben darf!"
Witzelte sie und schmiss Takashi das Kaninchen vor die Beine. Um genau zu sein, war es ziemlich fett, nicht so mager wie die vorhergehenden.
Ein freundliches wuffen erklang aus Zacks Kehle. Als er die Zustimmung bekam, dass er ihr helfen durfte, machte er sich sofort daran ganz zu ihr zu gehen, unterdessen kämpfte sie sich hoch um es ihm leichter zu machen. Er bedachte sie noch mit einem letzten, freundlichen lächeln, eher er sich unter sie duckte und sich dann so hochstemmte, dass sie sicher auf seinem Rücken lag. Wahrscheinlich war es nicht die bequemste Lage, aber auf diese kurze Strecke würde das nichts ausmachen. Hauptsache sie kam in eine wärmere Umgebung und man konnte sich um ihre Verletzungen kümmern.
Er hatte bemerkt, dass ihr die Situation etwas unangenehm war, so brummelte er leise eine Melodie vor sich hin um die entstehende Stille zu überbrücken welche sich über sie gelegt hatte. Erst ging er vorsichtig, testend los, merkte dann, dass sie sicher lag und beschleunigte seine Schritte angemessen.
"Es freut mich dich kennen zu lernen Sania. Nein, du belastest das Rudel nicht. Wir werden uns um deine Wunden kümmern, sodass du schnell wieder wohlauf bist."
Er sah die Höhle näher kommen während er sprach und achtete darauf, dass Sania auch nicht ins rutschen kam. Nun war er schon wieder fast bei Ilias angekommen, er nickte ihm freundlich zu und eilte dann an ihm vorbei in die Höhle hinein, wo er Sania an die andere Seite der Höhle brachte, sodass nicht direkt jemand neben ihr war.
Vorsichtig duckte er sich und schaffte es, sich so klein zu machen, dass sie sanft über seinen Kopf auf den Boden glitt. Er lächelte ihr beruhigend zu, bevor er sich daran machte ihre Wunden auszulecken. Er war nun einfach mal so dreist, eigentlich würde er soetwas nie übereilt und ohne zu fragen tun, doch diese Fähe hier sah sehr schwach aus, auch wenn sie sich stark gab. Wenigstens die äußerlichen Wunden mussten gereinigt werden, sodass sie sich nicht so schnell entzünden würden. Außerdem war dies gleichzeitig eine kleine Massage und so würde ihr auch schnell wieder wärmer werden.
"Entschuldige mein aufdringliches Verhalten, doch ich denke, dass es wichtig ist rasch zu handeln. Außerdem hoffe ich, dass der Weg hierhin nicht zu unbequem für dich war."
Schon verstummte er wieder und fuhr fort die Wunden auszulecken.
Madoc folgt Zack und Sania bis zum Höhleneingang, wo nun Cumará Tumaan, Sheena, Lly, Urion, Kaede, Frekur, Kensharion, Ilias, Zack, Sania und Madoc anwesend sind.
oO Jumaana, was bist du eigentlich? Ein Lebewesen oder doch ein Nichts? Oo
Flüsterte Aarinath in Jumaanas Gedanken. Die Weiße drehte sich weg und trottete zu einer kleinen Baumgruppe. Sie setzte sich und dachte wieder an Moyna. Nie hätte sie sich vorstellen können, ohne sie zu leben. Sie war ihre beste Freundin und ihre Mutter und immer für sie da gewesen. Dann stand sie wieder auf und lief ungeduldig auf und ab. Nach einer Weile lief sie weiter - ohne Takashi zu beachten. Sie lief immer weiter ins Weiße hinein und hatte irgendwann wirklich das Gefühl, dass jemand da war.
oO Nah komm schon, Juma! Du wirst es doch wohl überstehen, wieder allein zu sein! Dieser Takashi war keine Bereicherung führ dein Leben! Oo
Sagte sie sich trotzig und schaute sich um. Von Takashi war weit und breit nix zu sehen.
“Eine Stelle suchte der Liebe Schmerz,
Wo es recht wüst und einsam wäre;
Da fand er denn mein ödes Herz,
Und nistete sich in das leere.“
Sang sie vor sich hin und lief weiter durch den Schnee. Wenn es doch nur nicht so still wäre…
.oO(Soll sie doch gehen!)
Takashi war bereits eine Weile stehen geblieben.
.oO(Ich brauche sie doch sowieso nicht!)
Er gab ein spöttisches Geräusch von sich. Er war nicht auf die Weiße angewiesen. Er war auf niemanden angewiesen! Warum auch? Hilfe brauchte er schließlich nicht! Aber immerhin hätte er auch ein wenig Gesellschaft brauchen können...aber egal! Was will man schon von den anderen verlangen? Sind doch eh alle gleich! Alleine sein war nicht so anstrengend, wie andauernd jemanden um sich zu haben. Dies brachte nur überflüssige Probleme oder Missverständnisse. Er senkte wieder den Kopf von Schnee. Die Augen hielt er fast geschlossen, um das viele Weiß nicht zu sehen. Die Ohren waren aufmerksam aufgerichtet und auch die Nase würde jeden fremden Geruch sofort aufnehmen.
.oO(Undankbar seid ihr...!)
Seine Augen verengten sich zu wütenden Schlitzen. Er knurrte. Vielleicht hätte er der Weißen doch nicht einfach hinterherlaufen sollen. Sollte das jetzt ein Angriff aus dem Hinterhalt werden oder was?
.oO(Keine Angst...ich werde dich schon rechtzeitig bemerken! An mich ranschleichen? Das kannst du vergessen!)
Er grinste fies. Was hatte die Weiße wohl vor? Wohl nichts, was ihm in irgendeiner Art auch nur gefährlich werden konnte. Da war er sich wirklich sicher. Er riss den Kopf hoch.
"Hier scheint doch etwas zu sein...!"
Flüsterte er leise. Er kicherte spöttisch.
"Keiner wird mich je umbringen!"
Wo er da ein anderes Wesen roch, bekam er Hunger. Sein Blick glich einer verrückten, gefräßigen Bestie. Egal was es auch sein würde. Er würde es töten wollen. Brutal und Schmerzvoll. Erwartungsvoll lief er weiter. Was würde ihn da erwarten? Mit gierigen AUgen musterte er die Umgebung.
"Wo bist du? Komm raus!"
Rief er laut mit rauer Stimme. Er lief weiter. Sein Schritt schien gehetzt. Der Geruch würde stärker...hier irgendwo würde es sein!
Nach einem anfänglich großen Schrecken über Banshees unerwartetes Auftauchen, verloren sowohl die Welpen ihre Scheu vor ihren Verwandten, als auch Hiryoga und Shani vor der Leitwölfin. Die Weiße nahm ihren Sohn und dessen Gefährtin beiseite und führte mit ihnen ein ernstes, aber nie anklagendes oder böses Gespräch. Angst und Sorge wurde aus der Welt geräumt, die Welpen ganz offiziell ins Rudel aufgenommen. Damit stand dem beschwerlichen Umzug von der kleinen und viel kälteren Welpenhöhle in die große Rudelhöhle nichts mehr im Weg … außer der Transport dorthin. Zuvor tauchte jedoch Midnight mit Nienna und einem verendeten und dadurch nicht mehr ganz vollständigen Bergschafkadaver auf, der allen Anwesenden und besonders den jungen Eltern neue Kraft gab. Die gesamte Schar machte sich dann, mit den Welpen in den Mäulern auf den Weg zurück zur Höhle. Dort erwartete sie jedoch nicht nur ein erstauntes Rudel, sondern auch noch eine ganze Menge neuer Wölfe.
Banshee setzte die kleine Rakshee behutsam neben ihrer Mutter Shani ab und trat ein paar Schritte auf die ganze Ansammlung um Kaede herum zu. Wäre ihre Beta nicht in der Mitte gesessen, hätte sie die Welpen sofort wieder wegbringen lassen, so sah es allerdings eher aus, als wären sie alle bereits gute Freunde. Zumindest lag die graue Fähe eng an einen fremden Rüden gekuschelt und der Rest der bekannten Gesichter schienen ebenfalls ganz entspannt. Dieser Tag war durchweg chaotisch, trotzdem blieb ein amüsiertes Lächeln auf Banshees Lefzen. Sogar zwei Welpen hatten sich in das Wirrwarr verirrt, aber auch sie schienen bereits bestens versorgt. Die Weiße warf Nyota einen schnellen, aber ruhigen Blick zu – ihre Schwester sollte sich jetzt sowieso zunächst hinlegen – und trat dann noch etwas näher, in der Haltung einer stolzen Alpha. An Kaede blieb ihr Blick hängen, auch wenn die Fähe die Augen geschlossen hatte, als würde sie schlafen und ihren Blick selbst mit geöffneten Augen nicht sehen würde – nur spüren mit Sicherheit.
“Ich Grüße euch alle im Namen des Sternenwindrudels. Wie ich sehe, hat euch meine Beta Kaede bereits Unterschlupf gewährt, welcher euch selbstverständlich zusteht. Ich freue mich, euch allen ein warmes Plätzchen in der Gemeinschaft meines Rudel geben zu können, würde euch nur bitten, mir euch vorzustellen, damit ich weiß, er ihr seid.“
Sie schwenkte ihre Rute freundlich hin und her und schenkte nun jedem Neuen ein Lächeln. Der Rüde neben Kaede wurde ein wenig aufmerksamer gemustert, vielleicht aus der naturgegebenen Sorge um eine gute Freundin, die zwar keinesfalls hilflos aber doch gehandycapt war.
Der Geruch von fremden Leben schien immer stärker zu werden. Es war ein Wolf. Ein Wolf, genau wie er. Jetzt war klar, dass er nicht mehr alleine war. Außerdem war er sich sicher, dass es nicht Jumaana war. Ihre Fährte konnte er bereits von den der Anderen unterscheiden, dass war sicher. Er schlich schnell voran und blickte immer rwieder in alle möglichen Richtungen. Seine Augen waren weit aufgerissen und starrten gierig in die Welt.
.oO(Wo seid ihr...? Kommt raus...!)
Ein fieses Grinsen huschte über seine Lefzen. Wieder einmal hatte er seinen Sieg schon vor Augen. Natürlich...was sollte denn auch schief gehen? Werd würde ihn schon was anhaben können? Niemand! Da war er sich sicher. Desto weiter er lief desto mehr konnte er wittern. Es war jetzt nicht mehr nur der eine Wolf gewesen. Auch nicht zwei - nein, ein ganzes Rudel! Spöttisch schnaubte der Schwarze. Für einen Moment blieb er stehen. Er sah sich um.
.oO(Wo seid ihr? Ich werde euch finden!)
Für einen weiteren Moment blickte er noch um sich. Er wusste schließlich nicht, ob sich die Fremden bereits in seiner Nähe befanden. Aber das hätte er doch schließlich bemerkt? Er war also doch noch allein. Um die Fährte besser zu wittern, hob er den Kopf. Dann konnte er die Richtung, in der sich die Fremden befanden, ausfindig machen. Er beschloss, weiterzugehen. Desto stärker er die Fährte riechen konnte, desto langsamer wurde er. Sehen konnte er noch nichts Besonderes. Vor im lag ein weißes, schneebedecktes Feld. Der Wind trug einige Schneeflocken mit sich und Takashi bekam einige davon ins Gesicht. Wütend schüttelte er den Kopf. Die Fährte war vom Winde verweht worden. Er beschloss sich aber, in die eine Richtung weiterzulaufen. Der Boden war ein wenig hügelig. In der Entfernung konnte er etwas sehen. Er wusste nur nicht was. Seine Schritte würden schneller. Da bemerkte er, dass er direkt auf eine Höhle zu rannte!
.oO(Mit meinem schwarzen Fell bin ich gar nicht getarnt! Sie werden mich sehen...! EGAL!)
Einen Moment zögerte er. Dann lief er mutig weiter, direkt zum Eingang der Höhle! Da kam ihm ein Gedanke und diesem folgte ein Schreck.
.oO(Mein verletzter Hinterlauf! An den habe ich gar nicht gedacht… . Damit werde ich nicht besonders gut kämpfen können. Aber ich werde schon siegen!)
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Er lief weiter. Die Schritte wurden immer schneller und man musste ihn bereits bemerkt haben. Für einen Augenblick musterte er das Rudel. Es waren viele. Kurz vor der Höhle blieb er stehen. Er hob die Rute, stellte die Ohren auf und knurrte. Er brachte kein Wort heraus. Warum auch?
oO Beeil dich, nun mach schon! Oo
Flüsterte Aarinath aufgeregt und Jumaana lief weiter. Der Geruch nach Wolf wurde immer intensiver. Sie lief weiter.
oO Na komm, Juma, nur noch ein bisschen! Oo
Sie knurrte sich selbst an und trabte weiter. Nach kurzer Zeit kam sie zu einem großen Felsen, wo sie sich kurz niederließ.
oO Wo werde ich wohl ankommen? Komme ich überhaupt an? Was, wenn ich es nicht schaffe? Wie weit werde ich es schaffen?
All diese Fragen beschäftigten sie. Sie lief, und lief und irgendwann hörte sie etwas - etwas, was die Stille durchbrach.
Jumaana erkannte am Eingang einer Höhle Takashi, der wie angewurzelt dastand, knurrte und sein verletztes Hinterbein anwinkelte. In der Höhle drin, sah die Fähe ein ganzes Rudel von Wölfen, in allen Farben und Größen. Langsam stieg sie von der Anhöhe herunter. Sie fing an zu knurren, als Takashi sich kurz zu ihr umguckte und marschierte an ihm vorbei in die Höhle. Ihr sanfter Blick streifte über das Rudel. Ihre Augen blieben an einer großen weißen Fähe mit bersteinfarbenen Augen hingen, wahrscheinklich die Leitwölfin. Sie nickte ihr kurz zu und sagte dann:
"Ich komme in Frieden! Jumaana ~ Krähe der Nacht! Mein Rudel wurde aufgelöst, ich bin bis hir hin gewandert. Ihr könnt mich aufnehmen oder wegschicken, ich werde es akzeptieren."
Sie schaute sich wieder nachdenklich um.
"Wie ich sehe, seit ihr viele, ein Kampf würde sich nicht lohnen!"
Jumaana drehte sich ruckartig um und blitzte Takashi an.
"Damit du es weißt ..."
Dann ging sie ein paar Schritt zurück, bis sie neben dem Schwarzen stand und schaute wieder zu der großen weißen Wölfin.
Schon beim näherkommen der großen Schar war ihr bewusst geworden wer das war. Doch sie hielt es nicht für nötig aufzustehen, wenn sie noch nicht da waren. Sie, das war der Rest des Rudels. Sie hatte ihre Pause redlich verdient und so wollte sie diese, so lange es noch ging, nutzen. Als Banshee die Fremden willkommen hieß, öffnete sie ihre Augen, schüttelte vorsichtig ihren Kopf um ja nicht Urion zu verletzten und dann schob sie seinen Kopf vorsichtig von ihren Pfoten und erhob sich langsam. Sie wendete sich zu Banshee und nickte ihr freundlich zu.
"Ich habe diese Wölfe alle, die hier versammelt kennst und die dir fremd sind, unterwegs aufgesammelt und habe sie hierher geführt. Ich denke, damit wir das hier nicht in einem heillosen Chaos unterkommen lassen stelle ich sie dir schnell vor. Dies hier neben mir ist Urion." Mit der Schnauze deutete sie auf den verwundeten Rüden neben ihr. "Weiter geht es mit Frekur und Kensharion, das sind die beiden Rüden dort, mittig der Höhle. Weiter hinten, der wie ich gehört habe taub stumme kleine Welpe, der mir so nicht seinen Namen verraten konnte und Cumará Tumaan, die sagte, wir sollen sie Cuma nennen. Sie kam zusammen mit Kensharion an. Frekur kam alleine und war der erste, den ich aufgesammelt habe. Sheena kennst du natürlich, sie hat sich sehr gemacht. Mit Sheena und Zack kamen Urion und Ilias, welcher dort am Höhleneingang steht. So, die Fähe, welche dort am anderen Höhlenrand liegt, kenne ich noch nicht, Zack hat sie eben mit dem anderen Welpen hierher gebracht. Ich denke die Welpen gehören zusammen. Zack hat sich auch schon um die Wunden der Fähe gekümmert. Auch kenne ich die Fähe und den Rüden nicht die eben noch hereingekommen sind, aber die Fähe hat sich eben ja schon mit dem Namen Jumaana vorgestellt. Ja, das war unsere mehr oder weniger kleine Runde, oder habe ich irgendwen vergessen?"
Sie lächelte Banshee freudig an. Sie war froh ihre Alphafähe und gleichzeitig auch ihre Freundin wieder um sich zu haben. Auch freute sie sich, dass all die Welpen schon mitgekommen sind. Nun waren sie endlich alle mal wieder versammelt. Mit einem fröhlich schnorcheldem Laut ließ sie sich wieder auf ihre Hinterläufe sinken. Und lächelte in die Runde. Wieder merkte sie, wie sehr sie doch eigentlich ein Rudeltier war, obwohl auch sie manchmal die Ruhe genoß. Alles in allem war sie viel lieber unter Wölfen als alleine irgendwo herumzuliegen.
Sania beobachtete Madoc. Bald würde er wieder bei seinem Bruder sein. Er freute sich bestimmt schon sehr darauf. Sie lächelte Madoc an, ehe sie sich dann wieder Zack zuwandte. Auch er bekam ein Lächeln zugeworfen. Als Zack sich unter sie duckte und dann hochhebte war das schon ein sehr seltsames Gefühl. Doch es war schon fast unglaublich, wie sicher sie auf seinem Rücken lag. Das hätte sie nicht gedacht und ganz so unbequem war es auch nicht wie sie geglaubt hatte. Langsam schloss sie die Augen. Diese nähe und wärme eines anderen Wolfes war im Moment einfach wundervoll für sie.
Als ihre Nase überhäuft von den Gerüchen der Wölfe wurde, öffnete sie die Auge wieder und nickte einmal freundlich in die Runde. Zack schaffte es Sania wirklich erstaunlich sanft auf den Boden zu legen. Sie sah sich alle Wölfe mal kurz an und bemerkte das sie nicht die einzige Verletzte war. Als Zack plötzlich anfing Sanias Wunde auszulecken, zuckte sie kurz zusammen, aber wehrte sich nicht dagegen. Nach kurzer Zeit wurde das richtig angenehm. Sie schloss die Augen und genoss es.
Als Zack anfing zu sprechen öffnete sie wieder die Augen wieder.
" Überhaupt nicht" ,
antwortete sie mit einem leichtem Lächeln auf dem Lefzen.
"Danke..." ,
flüsterte sie Zack zu, bevor sie ihre Schnauze sanft in seinem Fell vergrub und ihn weiter die Wunde säubern ließ. Ach, hätte sie doch einen Vater wie ihn gehabt!
Ruckartig hob Sania den Kopf als weitere Wölfe dazu kamen. Aufmerksam lauschte sie den gesprochenen Worten. Das war also die Alphafähe. Sania wäre natürlich sofort aufgestanden, fand aber im Momemt keine Kraft dazu.
"Mein Name ist Sania"
sagte sie und senkte zum Zeichen der Unterwerfung den Kopf. Dann bemerkte sie weitere Wölfe die gerade erst dazu gekommen waren. Einer von ihnen knurrte mit einer drohenden Haltung. War dieser Rüde denn verrückt geworden? Ihm musste doch klar sein, dass er keine Chance gegen das ganze Rudel hatte und zudem war er auch noch verletzt. Verständnislos schüttelte Sania den Kopf und suchte mit ihren Augen nach Madoc und lächelte kurz in seine Richtung. Dann sah sie wieder kurz zu Zack und dann zu der Alphafähe.
12.02.2011, 23:03
überrascht wandte Cuma sich um, nachdem sie mit der Fähe einen Wortwechsel geführt hatte, hatte sie gar nicht emerkt, wie vertieft sie gewesen war. Eine schneeweisse Wölfin war in ihre Runde getreten, sie war schön und strahlte eine starke Autorität aus. Sie regte ihre Nase, um den Geruch der Fremden zu erspüren. Die Alpha. Es war todsicher die Alpha. Cuma war sich dessen im Klaren, und nickte Sheena und dem Kleinen zu, bevor sie sich umwandte, und langsam auf die neue Gruppe zugeschländert kam, sie lauschte der kleinen Ansprache Kaedes. Sie zog die Lefzen zu einem Lächeln hoch und schaute neugierig auf die anderen Wölfe hinter der Leitwölfin. Es waren- Welpen?!! Erstaunt starrte die Graue auf die kleinen Geschöpfe- und hatte sich promt in sie verliebt. Ein Stahlen erfüllte Cumas Augen und sie lächelte sie freudi überrascht an, dann wandte sie sich wieder Kaede und der Alpha zu. Nachdem Kaede geendet hatte und sich schon eine andere Wölfin vorgestellt hatte, trat Cumarà in einem respektvollen Abstand zur Alpha, senkte anmutig ihren Kopf, bevor sie die Wölfin wieder mit ihren eiskristallblauen Augen ansah. Mit Stolz sprach sie.
"Mein Name ist Cumarà Tumaan, ich komme mit Kensharion von weit her, und ich danke Dir von ganzem Herzen, dass ihr uns aufgenommen habt."
Das Strahlen in den Augen war noch immer da, und Cumas melodiöse Stimme verklang auf eine schöne Art und Weise, sie lächelte die Alpha nocheinmal an, dann kehrte sie zu Kensharion zurück, stupste ihn kurz und liebevoll an, und schaute dann zur Beta, der Alpha und den restlichen Wölfen zu. Cumas Haltung war stolz und zeugte von Anmut, derer sich wahrscheinlich nur wenige Wölfe behaupten konnten- abgesehen von Kensharion vielleicht.
Madoc hatte alle Reaktionen Sanias ruhig mit angesehen und geschwiegen. Selbst als sie zu knurren begann, machte der Sternentänzer keine Anstalten zurückzuweichen, oder Scheu zu zeigen, schließlich wollte er ein starker Wolf sein und durfte somit keine Furcht zeigen, zumal sie so schwach war, dass sie ihm gar nichts antun konnte. Außerdem hatte der Jungrüde, der schon immer das Talent hatte, andere Wölfe einzuschätzen, schon bemerkt, dass das bedrohliche Knurren nicht ihm galt, weshalb dieser kehlige Ton aus dem Fang der Fähe kam, wusste er nicht. Doch was er wusste war, dass Sania ihm nicht böse gesinnt war.
Bevor Madoc irgendetwas sagen konnte, ruckte sein Kopf nach vorn. Er spürte eine Anwesenheit, eine fremde Anwesenheit. Seine Nackenhaare stellten sich auf und er sah mit seinen rubinroten Augen in die Ferne, von dort, wo die Witterung zu ihnen wehte. Seine sensiblen Sinne vermittelten ihm, dass der Wolf näher trat. Und tatsächlich kam nach einer Weile ein großer Rüde auf sie zu. Der Sternentänzer musterte ihn eingehend und verfolgte jedes seiner Bewegungen. Misstrauisch betrachtete er den Wolf und sagte kein Wort, wartete, bis sein Gegenüber es tat.
Er begrüßte die beiden freundlich und erwähnte sogar Llywarch. Madocs Herz machte einen kleinen Hüpfer, als er den Namen seinen Bruder vernahm und sein anfägliches Misstrauen, schien sogar für einen Moment in den Hintergrund zu treten. Nach dem der Rüde, der sich als Zack vorgestellt hatte geendet hatte, sah Madoc kurz zu Sania. Ja, sie würde die Hilfe brauchen. Bevor der Jungwolf jedoch etwas erwidern konnte, fing die Verletzte schon selber an zu sprechen. Der Sternentänzer sah sie bedauernd an, wie konnte sie jetzt noch sagen, dass sie dem Rudel nicht zu Last fallen wollte? Ihr Überleben war doch viel wichtiger, als ein Rudel, dessen Last sie angeblich werden sollte. Schließlich beobachtete der Albino die Weiße dabei, wie sie sich mühsam hochstemmte. Ihm entging nicht, dass sie zitterte, dass sie wohlmöglich gerade ihre letzten Kraftreserven freisetzte, doch sie hatte es ja bald geschafft, sie würde überleben.
Schweigend verfolgte Madoc die Aktionen der beiden Wölfe, wie Zack Sania auf seinen Rücken nahm, wie sie freundlich miteinander sprachen. Normalerweise hätte der Jungwolf sicherlich irgendwo freche Bemerkungen eingebaut, doch ihm war bewusst, dass es nun der falsche Zeitpunkt war. Die verletzte Fähe musste so schnell wie möglich zum Rudel der Sternenwinde gelangen, so wie sie sich nannte. Als sich der große Rüden in Bewegung setzte, folgte er ihm brav und fragte sich gleichzeitig, wieso er es tat.
.oO(Keine Zeit für so was…)
Dachte er augenblicklich, um seinen eigenen Fragen aus dem Weg zu gehen. Während sie durch die verschneite Landschaft wanderten, merkte Madoc, wie die schon sehr intensive Witterung von Wölfen, bei jedem Schritt noch deutlicher wurde. Zwischen all den verschiedenen Gerüchen konnte er Llys dennoch ziemlich gut ausmachen. Er wusste selber nicht, wieso er sich so freute, ihn zu sehen, denn es war keine Stunde her, seitdem sie sich getrennt hatten. Wieder lenkte der Sternentänzer seine Gedanken in eine andere Richtung und versuchte sich auf die weiße Umgebung zu konzentrieren. Schließlich, nach einer Ewigkeit, wie es dem ungeduldigen Welpen vorkam, hatten sie ihr Ziel erreicht. Viele Wölfe waren vor der Höhle versammelt und auch einige Welpen konnte er ausmachen. Er beobachtete kurz eine weiße Wölfin und hatte das Gefühl, dass sie das Leittier dieses Rudels war. Obwohl er unfreundlich und unhöflich war, nickte er ihr der Form halber einen Gruß zu und achtete darauf, dass sich ihre Blicke nicht trafen. Und da sich alle vorstellten, tat er es auch, ohne zu wissen, ob es nun nötig war, oder nicht.
“Mein Name ist Madoc, ich bin eigentlich mit meine Bruder gekommen, der schon hier ist, Llywarch“
Sagte der Sternentänzer mit einem unüberhörbaren frechen Unterton in der Stimme und deutete in die Richtung des taubstummen Welpen, den er schon längst ausgemacht hatte. Er genoss die Gesellschaft einer weißen Fähe und Madoc bedachte diese mit einem skeptischen Blick. Am liebsten wäre er zu seinem Bruder gegangen, konnte sich jedoch dazu durchdringen, höflich zu warten. Schließlich fiel sein Blick wieder auf Sania, die sich noch nicht vorgestellt hatte. Sie stand immer noch bei Zack und ließ sich von ihm die Wunden lecken.
“Und das ist Sania, sie ist mit mir gekommen“
Fügte der junge Wolf noch etwas wichtigtuerisch hinzu, wobei er zu der weißen Fähe blickte. Schließlich sah er die Alphafähe wieder an, lauschte mit seinem feinen Gehör aber all den Gesprächen, die in der Rudelhöhle geführt wurden, ihm entging fast gar nichts.
Kensharion hatte fast die ganze Zeit geschwiegen, seitdem sie auf die anderen Wölfe getroffen sind. Still hatte er den anderen gelauscht, nie jemanden unterbrochen, oder sich in die Gespräche eingebracht. Lediglich beobachtet hatte er, denn sein Wissen über das Zusammenleben mit anderen Wölfen war noch so gering, dass er lieber erst still und durch beobachten über sie lernte, bevor er an ihrem normalem Leben teilnahm. Cumará hatte er dabei jedoch nie aus den Augen verloren, hatte immer ein Auge auf ihr gehabt, sie beobachtet und ihre freundliche Art teils verachtet und teils bewundert.
Schließlich waren sie zur Rudelhöhle gekommen, wo noch mehr Wölfe auf sie warteten. Der große Rüde mochte es nicht, mit so vielen seiner Art zusammen zu sein, hatte aber auch das komische Gefühl, als würde er lange auf so einen Tag gewartet haben. Kenshi verstand sich selber nicht mehr, versuchte sich aber auch nicht weiter mit seinen Gedanken auseinander zu setzten. Jeden einzelnen Wolf in der Höhle hatte er genau in Augenschein genommen, keiner war seinen Blick entkommen. Doch es schien dem Schatten, als würde er sie nicht einschätzen können, diese Wesen waren ihm so fremd und doch gehörte er zu ihnen. Ebenfalls schweigend hatte er beobachtet, wie eine große weiße Fähe hinzugekommen war. Alle schienen großen Respekt vor ihr zu haben, woraus der unwissende Schwarze entnahm, dass sie eine Art Führerin war. Er hatte sich also auch unterzuordnen? Diese Instinkte waren doch schon weitgehend in Vergessenheit, aber da er nun mit seinen Artgenossen vereint war, hatte er das Gefühl, als würde die Erinnerung, mit der er zur Welt gekommen war, wieder etwas aufkeimen. Dennoch wusste Kenshi nicht genau, wie er sich verhalten sollte, er brauchte jemand, der ihm das sagte, wie man es einem Welpen beibringen würde, würde man es wohl auch bei ihm tun müssen. Natürlich würde er schneller lernen, als die Jünglinge, aber wenigsten gesagt bekommen musste er es.
Aufmerksam sah er Cuma an, als sie sich in Richtung der weißen Autoritätswölfin zu bewegte und sich höflich, aber stolz vorstellte. So kannte sie die graue gar nicht, so stolz … Dies lag aber vielleicht auch daran, dass sie sie noch nicht sonderlich gut kannte. Als sie geendet hatte, kam sie auf Kensharion zu und stupste ihn liebevoll an. Der große Rüde sah sie etwas skeptisch an, als sie ihn wieder berührte, machte aber keine Anstalten, zurückzuweichen, oder etwas zu sagen. Seine Miene war wie immer kühl und seine eisblauen Augen zeigten aller Welt, wie misstrauisch er war, Seine Haltung war stolz. Doch letztendlich musste er doch erfahren, wie er sich zu verhalten hatte und ihm kam es vor, als würde er sich beinahe ein wenig über seine Unwissenheit ärgern.
“Wer ist sie und wieso zeigen alle so großen Respekt? Ist sie eine Art … Führerin?“
Fragte er Cumará leise und beäugte dabei Banshee. Seine Stimme klang leise, aber nicht so kühl, wie er sonst zu anderen sprach.
Ninniach zog ihr Tempo stark an, um möglichst schnell das gewünschte Ziel zu erreichen. Sie spürte, dass Face ihre Laune unangenehm war, so vermied sie es, ihm zu nahe zu kommen. Die Ohren stets angelegt stapfte sie, leicht gereizt, durch den Schnee. Die Wölfin war ihr irgendwo über, sie wusste nichts mit ihr anzufangen. Obgleich sie nichts getan hatte, empfand Ninniach ihre Anwesenheit als höchst störend. Als endlich die Rudelhöhle in Sicht kam, warf sie das erste und letzte Mal einen Blick auf Face und Nevide.
"Den Rest des Weges findet ihr ja allein."
Ihr Tonfall klang so falsch, so gestellt neutral. Aber innerlich war sie am Kochen. Sie war wütend und verwirrt, weil sie nicht wusste, wieso sie wütend war und alles um sie herum plötzlich so unwirklich schien, wie in einem schlechten Traum...
Sie schlug eine andere Rute ein und driftete ein Stück weit weg von der Rudelhöhle. Wenn sie eins nicht brauchte, dann war es, zumindest in diesem Moment, die Gesellschaft des Rudels. Sie legte sich abseits in den kühlen Schnee, der ihr erhitztes Gemüt einw enig abzukühlen schien. Das Brodeln in ihr kühlte sich, nachdem sie eine Zeit lang für sich war, auf ein kleines Köcheln herunter. Sie sah sich kurz nach hinten um, sah wie die beiden langsam die Rudelhöhle erreichten. Schmollend bettete sie den Kopf auf ihre Vorderbeine und rollte den Schwanz um sich.
Den Rest des Weges stumm bleibend, führte Face Taihéiyo die seltsame Wölfin zur Rudelhöhle. Bereits von Weitem konnte er sehen, dass sich dort eine gigantische Ansammlung aufgetan hatte und ehrlich gesagt löste das in ihm alles andere als ein gutes Gefühl aus. Wieder wurde er sich seiner Pflicht als Beta bewusst und das er jetzt wahrscheinlich an Banshees Seite gehörte, genau so wie es Kaede immer tat. Und wieder lauschte er dem Gedanken, dass er einfach nicht fähig war. Der Tiefschwarze schüttelte den Kopf, als wolle er etwas Lästiges verscheuchen. Dann blieb er stehen und sah Ninniach nach, die plötzlich einfach das Weite suchte. Und wieder war da dieser Unterton in ihrer Stimme ... Face sah ihr nach und fühlte sich zerrissen. Zögerlich setzte er eine Pfote weiter voran, wollte sich einfach abwenden. Er hatte keine Ahnung, was mit ihr war und eigentlich ging es ihn auch nichts an. Es konnte ihm egal sein, genau. So, wie ihm doch schon immer alles egal sein konnte. Seine Pfoten stapften durch den Schnee, sie zogen ihre Spuren während der ungetarnte Schwärzling die Höhle ansteuerte. Überhaupt, es war komisch. Er fühlte sich unwohl so. Hin und wieder huschten seine saphirfarbenen Augen zu Nevide, die ihm jedoch noch immer mit genervtem Blick an den Fersen klebte.
Ihn brauchte nicht zu scheren, was mit Ninniach war, was auch immer sie hatte, er hatte nichts damit zutun. Es galt nicht ihm.
Es galt ihm. Es war seinetwegen. Und verdammt, er wusste es doch, egal was er sich wieder einreden wollte! Es klappte so einfach nicht. Es zerrte ihn auseinander. Face konnte jetzt nicht zur Rudelhöhle gehen, sich um fremde Gesichter kümmern, die ihn nicht brauchten, nicht stumm da sitzen und doch alles an sich vorbei laufen lassen. Er musste klar stellen, was ihm nicht klar war. Wofür er nicht wusste, was für Worte zu benutzen waren. Sein Kopf wandte sich zu Nevide herum.
„Also, wie du siehst, ist das dort die Rudelhöhle ... du kannst jetzt da hingehen, dort gibt es sicher was für dich ... oder ... was auch immer. Ich muss ...“
Face Taihéiyo war wieder stehen geblieben, er machte eine Gestik zur Höhle hin, dann wieder in die andere Richtung, wo Ninniach lag. Worte waren nicht sein Ding. Er warf kurz Banshee durch das Getümmel einen entschuldigenden Blick zu, vielleicht sah sie ihn auch gar nicht. Auf jeden Fall wandte er sich postwendend um und trabte schnellen Schrittes den Weg zurück, den er grade gekommen war. Seine saphirblauen Augen hefteten sich auf die schwarze Wölfin, die mit dem Rücken zu ihm im Schnee lag und er fühlte etwas Seltsames. Blei an den Pfoten, etwas, das ihn zurück zog. Doch er kämpfte sich weiter, vorwärts gegen diesen unsichtbaren Gegner, der sich Gefühl nannte. Schließlich blieb er ein paar Meter hinter ihr stehen, fast ein wenig außer Atem. Er sah die Wölfin ausdruckslos und doch irgendwie undefinierbar an. Da war mehr.
„Was ist los mit dir?“,
seine Stimme klang dieses Mal nicht einfach stumpf und leer, sie klang fast ein wenig fordernd, verwirrt. Vielleicht sogar ein klein wenig enttäuscht? Auch wenn er nicht beschreiben konnte, woher das rührte. Es war nicht die typische Totenruhe, welche da in seiner Stimme mithallte.
Schmollend, denkend, wütend, verwirrt... Er kehrte zu ihr zurück, obwohl sie sich einiges geleistet hatte, was ihn daran hätte hindern können. Ihr Blick lag starr auf der vor ihr liegenden Schneelandschaft, während sie seine Frage verarbeitete. Es dauerte seine Zeit, bis sie sich fähig dazu fühlte, ihm zu antworten.
"Ich weiß es selbst nicht genau... es ist so ein seltsam zerreißendes Gefühl... ich empfinde deine Anwesenheit als sehr Angenehm, Face. Und ich will dieses Gefühl nicht teilen, ich weiß nicht wieso, nicht was es ist. Es verwirrt mich..."
Sie schloss für einen Moment die Augen und ließ die Worte durch ihr weiteres Schweigen wirken. Außerdem gab ihr das Zeit weiter nachzudenken, zu überlegen, was er sagen würde, fragen würde und was sie darauf antworten sollte.
Falls er überhaupt irgendwas fragen oder sagen würde...
"Tut mir Leid... dass ich dich, oder viel mehr sie so vorgeführt habe. Ich wollte das nicht; nicht wirklich - es kam einfach aus mir heraus, als hätte ich mich nicht mehr unter Kontrolle..."
Sie atmete tief durch und schloss die Augen, während ein leichtes Zittern durch ihren Körper trieb.
.oO( Das bin nicht ich... nicht ich... )
Aber wer war es dann? Wer war sie geworden...
Sie wagte es nicht ihn anzusehen, laut zu atmen oder sein einen Zentometer zu verrücken. Nun gut, atmen musste sie ja irgendwie, aber sie reduzierte es auf ein paar gepresste, flache Atemzüge und traute sich nicht, noch irgendwas zu sagen.
.oO( Dreh dich um... geh weg - das ist es, was du willst, nicht wahr? Wieso bist du zurückgekommen? Habe ich Spuren in dir hinterlassen, die dir wichtig vorkommen, die aber immer und immer nur im Kreise drehen?)
Das Blut pulsierte hämmernd durche ihre Schläfen und ihr Kopf schmerzte. Wieder durchfuhr ein Zittern ihren Körper, doch sie traute sich nichtmal mehr, sich zusammenzurollen, um sich ein wenig zu wärmen... Aber irgendwie empfand sie diese Kälte auch als angenehm. Es gab ihr irgendwo ein bisschen Halt und Standhaftigkeit im Leben.
Urion musste sich zurückhalten, dass er die graue Fähe nicht gefährlich nahe kam. Nach ihrem tollen Einsatz für Lly, hatte der Graue sich wieder zu Kaede getrollt und stierte in die Ecke. Es war unglaublich viel passiert. Letztendlich endete es damit, dass die Alpha die Höhle betrat. In dem Grauen rumorte es. Er bemerkte den genauen Blick des Weißfanges und erwiderte diesen starr und ausdruckslos. Sie alle hatten doch nicht den leisesten Schimmer. Kaede musste diese Veränderung spüren, sie musste ihn zurückhalten. Urion erhob sich langsam, trabte durch die Höhle an Cumará vorbei.
" Du maßt es dir an über mich zu urteilen? Ich wäre lieber blind, stumm und taub, als das wieder in mir zu tragen, was ich jetzt habe. Du bist nicht hilflos, Kaede ist es nicht und dieser kleine Welpe ist es auch nicht. Ich bin der, der hilflos und ausgeliefert ist."
Urions Stimme zitterte vor Wut, dann spannte er seine Muskeln an und stakste aus der Höhle und lief direkt in Takashis Arme. Alles fror in dem Graupelz aus dem Norden ein, seine Augen ruhten zwei Herzschläge ausdruckslos auf diesen bösen schwarzen Rüden. Knurrend riss Urion sein Maul weit auf, das Fell sträubte sich und die Augen verengten sich zu schlitzen. Es war verrückt einen Wolf verletzt anzugreifen... aber war Urion nicht verrückt?
Die Blicke des Schwarzen streiften durch die Höhle und blieben an jedem Wolf für einen Moment haften. Besondres lange blieb sein Blick an einer weißen Fähe haften. Sie schien wohl die Alpha Fähe zu sein. Mit ihr wollte er vorerst keinen Streit anfangen. Dies könnte dann wirklich gefährlich für ihn und seine Existenz werden. Seine Ohren schnippten nach hinten, um die Stimme hinter ihm besser hören zu können. Er schaute hinter sich. Verachtend sah er Jumaana an, nachdem sie ausgesprochen hatte. Sein Blick folgte ihr, bis sie schließlich neben ihm stand.
.oO(Was hat sie mir schon zu sagen?)
Er knurrte. Dieses Mal war es an Jumaana gerichtet. Er war wirklich wütend auf sie. Erst abhauen und sich dann auf einmal einmischen. Frechheit! Soll sie doch wieder verschwinden!
"Tze...!"
Schnaubte er schroff. Sein Blick lies von ihr ab. Takashi musterte den Rüden, der auf ihn zukam und dreißter Weise in auch schon anknurrte. Der Graue war kleiner als er selbst, dafür aber recht muskulös gebaut. Aber dies machte Takashi keinerlei Angst. Irgendwie fand er das albern. Er wollte sich über den Grauen lustig machen. Seine Lefzen verzogen sich zu einem bösen Grinsen. Dnn lachte er laut und gehässig.
"Willst du mir Angst machen oder was?"
Fragte er spöttisch mit einem verachtenden Gesichtsausdruck. Gefährlich nah ging er auf den Rüden zu. Die Blicke des Schwarzen schienen sich in den Grauen zu bohren. Böse starrte er ihn an, als wollte er ihn fressen. Er riss sein Maul auf und ein grollendes, angsteinflößendes Grollen entwich seiner Kehle. Ruppig stieß er dem Grauen mit der Schnauze in die Seite.
Cumará seufzte leise, als sie Kenshis kalten Gesichtsausdruck sah. Sie rückte ein wenig von ihm weg, was sollte sie denn noch tun, damit er endlich mal verstand... als er sie fragte, bemerkte sie, dass er nicht so kalt redete, wie sein Gesicht war. Sie musterte ihn, das erste mal ein wenig spöttisch.
"Sie ist die Alpha und somit die Anführerin, also haben natürlich alle Respekt. Sie ist die oberste... ganz einfach. Wir alle sind unter ihr, ... du übrigens auch.
sagte sie mit einem leichten Stirnrunzeln. Plötzlich hörte sie noch eine Stimme, es war die Urions. Es fröstelte Cuma, er klang böse. Ein leises Knurren kam aus ihrer Kehle, doch Urion war schon an ihr vorbei getrabt. Cumas Augen funkelten. Diese Wut in seiner Stimme. Sie folgte Urion mit ihren Augen und zuckte erschrocken zusammen, als er in einen anderen Wolf fast reinlief. Dieser war schwraz und hatte...rote Augen!! Diese Augen waren anders als die des kleinen Rüden. Cuma schüttelte sich innerlich. Dieser sah ja noch böser aus, als Urion. Cuma erhob sich, als dieser etwas zu Urion sagte. Den Kopf erhoben trabte sie nun auf die beiden Wölfe zu. Sie runzelte die Stirn und entblösste ein wenig ihre Eckzähne. Ihr sonst so freundliches und ruhiges Gesicht war nun ein weni verzerrt. Sie blitzte die beiden Rüden wütend an.
"Sagt mal, schämt ihr euch nicht?! Ihr seid grade erst angekommen und schon kämpft ihr fast- wollt ihr etwa verstossen werden? Denkt doch mal an die anderen! Ihr seid doch keine Welpen mehr, als dass ihr euch so aufführen könntet!"
Sie schaute die beiden Wölfe herausfordern an, dann drängte sie sich zwischen die Beiden und nun schaute Cuma dem Schwarzen direkt in die Augen. Ihre eiskristallblauen Augen waren nicht mehr sehr warm, nun waren sie, wie sie bei anderen Wölfen wahrscheinlich gewesen wären: kalt und abweisen. Sie reckte das Kinn und bohrte ihren Blick in den des vor ihr stehenden. Wenn er kämpfen wollte, so würde sie es machen, sie hatte damit kein Problem. Sie hatte sich schon oft verteidigen müssen, und diesmal würde es wahrscheinlich nicht einmal dazu kommen, vor den Augen der Alpha und der Beta und den anderen Wölfen. So stand sie vor dem Schwarzen und wartete...
Face Taihéiyo stand regungslos hinter der Wölfin und es kam ihm so vor, als würde auf der Welt nichts weiter existieren, als sie, der Wind, der Schnee und er selbst. Das Rudel hinter ihnen war nicht mehr präsent. Die Luft zerrte an seinem Fell und schien seinen Atemgang doch kaum zu erreichen. Er fühlte sich, als hätte der Schnee seine Pfoten eingefroren, sodass er sich nicht mehr von der Stelle rühren konnte. Während Ninniach plötzlich redete, wollte seine Seele dem Körper entfliehen, weil er selbst nicht mehr weg kam. Sie sträubte sich gegen die Worte, die er nicht deuten konnte, die nie in seine Welt gehört hatten – oder vielleicht, doch wieder zerstört wurden. Ein kurzes Beben ging durch den rabenschwarzen Wolf, der wie eine Salzsäule da stand. Ninniach hatte gesagt, dass ihr seine Anwesenheit sehr angenehm war. Sie wollte sie nicht teilen. Ihn.
Faces Herz schien inzwischen in seinem Kopf zu hämmern, gegen sein Gehirn zu klopfen, um es fragen zu können, was das sollte. Ob es vielleicht eine Antwort parat hatte. Doch nichts geschah, er würde höchstens Kopfschmerzen bekommen. Er war verwirrt, überrascht, alles im Überfluss. Und doch, auf einmal schien sein Verstand einen Hinweis für seine Gedanken zu haben. Was Ninniach Favéll ausgesprochen hatte, hätte er genau so gut sagen können. Ihre Anwesenheit war ihm nicht unangenehm. Sein Verstand sagte, dass er vorwärts gehen solle.
Langsam rang sich Face Taihéiyo aus seiner Erstarrung und setzte fast unter Kraftaufwand einen Lauf nach vorne. Seine saphirblauen Augen betrachteten kurz diese Pfote, dann wandten sie sich auf die schwarze Fähe. Der Wind zog weiterhin an seinem Pelz, pfiff ihm durch die Ohren und schien zu flüstern, was er nicht verstand.
„Ich ... Ich bin verwirrt.“
Der zweite Vorderlauf schob sich nach vorne. Er trat ein paar Schritte auf Ninniach zu, bis er fast neben ihr stand. Was auch immer passieren würde ... es kam ihm jetzt wichtig vor.
„Ich weiß auch nicht ... was ich sagen soll. Aber ... vielleicht geht es mir ... ähnlich.“
Wenn sie nicht schon so verwirrt wie Face selbst gewesen wäre, dann wäre sie es sicher jetzt gewesen. Ganz wider ihrer Erwartungen wandte sich der Schwarze nicht von ihr ab - sondern kam auch noch auf sie zu; etwas womit sie nicht gerechnet hatte. Sie sträubte sich dagegen, ihn anzusehen, doch dieses vermeindliche Sträuben wurde vom Rest des Körpers ignoriert. Ihre grünlichen Augen schimmerten im Glanz des weißen Schnees, Fragen über Fragen waren darin geschrieben.
"Das... kann ich mir nicht wirklich vorstellen."
Sie stemmte die Pfoten tief in den Schnee und drückte ihren Körper vom kalten Boden weg. Aufgerichtet zu einer kümmerlichen Größe stand sie ihm, verunsichert, gegenüber und versuchte durch ein rhytmisches Pendeln ihrer Rute ruhiger zu wirken, als sie es war. Ihr Herz flatterte vor Freude. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass jemand ihr einmal in ihrem Leben bewusst gemacht hatte, dass er ihre Anwesenheit als angenehm empfand. Nun, eigentlich hatte Face es ja auch nur... indirekt angedeutet. Aber es war ein Erlebnis der Freude für sie.
"Schließlich... falle ich eher zur Last, als eine Stütze zu sein. Und aufmunternt bin ich auch nicht, weder auf lustige noch auf sonst irgendeine Weise. "
Sie senkte den Kopf, mit dem dringenden Bedürfnis, sich an ihn zu schmiegen und die Schnauze in sein Fell zu drücken. Doch sie hatte sich noch fest unter Kontrolle.
Nyota war mit Banshee zurückgekommen, trug den kleinen Jakash im Maul und setzte ihn direkt neben Rakshee ab. Dem kleinen Rüden noch einmal zuzwinkernd legte sie sich neben Banshee, lauschte mit gespitzten Ohren deren Worten und den Vorstellungen der anderen, und sprang auf, als sie ein Knurren hinter sich vernahm. Noch immer war die Wunde an ihrem Nacken nicht vollständig verheilt, wohl hatte sich eine dicke Schorfschicht gebildet, aber nach wie vor war es mehr als unangenehm den Kopf zu heben.
Eine Fähe trat hinzu, knurrte ebenfalls, und wand sich schliesslich, überheblich in Nyotas Augen an den Rüden. Noch beobachtete sie den Rüden nur, tart aber schon auf ihn zu. Immerhin hatten sie gerade die Welpen in die Höhle gebracht, da konnte sie keine noch so geringe Gefahr dulden.
Sie wollte selbst zu einem Knurren anheben, als Urion ihr zuvorkam, auf Takashi zukam und die Rüden sich deutlich drohend und kampfbereit gegenüberstanden.
!
Nyota machte einen Satz, drängte sich unsanft zwischen beide und schnappte nach ihren Schnauzen, um die Rüden auf Distanz zu bringen. Sie hatte dabei den Kopf nur soweit gehoben wie nötig, aber da beide Rüden größer waren als sie selbst spürte sie deutlich den Unwillen ihrer Muskeln, ihren Kopf in dieser Haltung zu tragen. Ihre Rute schwang hoch erhoben hin und her, das Nackenfell war aufgestellt, und nichts an ihrer Haltung lies Zweifel daran, dass sie in jedem Fall dazwischen ginge - ohne Rücksicht auf Verluste.
Deutlich knurrte sie beide an, wand sich jedoch zuerst an Takashi.
"Wie kannst du es wagen, dich knurrend im Eingang eines fremden Rudels zu postieren?! Bist du deines Lebens so überdrüssig?"
Ein dumpfes Grollen unterstrich ihre Worte drohend, bevor sie sich an Urion wand.
"Und du bist nicht im Rang dich hier einzumischen! Hör auf oder verschwinde sofort! Hier sind Welpen, und wer eine Gefahr darstellt hat ihnen und damit dem Rudel fernzubleiben!"
Wieder dieses dumpfe Grollen, und ein scharfer Blick, dann sah sie zwischen beiden hin und her, auf einen Angriff genauso wie auf dummes Geschwätz gefasst.
Das war ja beinahe wie mit Lunar...und obwohl sie wusste, dass ihre Wunde einen töslichen Angriffspunkt bieten würde, wich sie kein Schrittbreit von ihrer Position, die Rüden lauernd taxierend.
Rakshee war geflogen!
Noch nicht über den Himmel, zugegebenermaßen, aber über den Schnee, mal höher und mal tiefer. Oma Banshee, die auch so aussah wie Mama und die andere Fähe hatte sie zur Rudelhöhle mitgenommen, und ihre Geschwister und Mama und Papa auch. Nun wurde sie abgesetzt, hatte bereits die schwester der Alpha kennengelernt, und versucht mit ihren großen Ohren all die grüßenden worte aufzufangen, die man an Oma Banshee richtete. Ihre Augen flitzten hin und her, soviele Wölfe wie hier waren hatte sie noch nie auf einmal gesehen.
Sie wand sich um, sah zwei Rüden und zwei Fähen, die knurrten. Rakshee verstand die Zusammenhänge nicht, sah nur dass sich die Schwarze auch einmischte, und tapte mit der Pfote nach Jakash.
"Guck mal! Die können richtig knurren!"
meinte sie begeistert, und wand sich nach zwei Momenten wieder ab, um mitten in diesen Haufen von Wölfen loszutapern - die Worte Nyotas hatte sie nicht gehört, dafür waren hier viel zu viele neue und spannende Eindrücke, viel zu viel was erkundet werden wollte.
So lief sie direkt auf Kaede zu, hieb mit der Pfote nach deren Nase, und sah irritiert in die weißen Augen, die sie so seltsam anzusehen schienen.
"Duuhuu?"
fragte sie, und hüpfte zu Kaedes Rute, zog daran, und lief gleich wieder zu ihrem Gesicht.
"Wer bist du? Und warum sind deine Augen gar nicht bunt?"
fragte sie mit der schuldlosen Neugier eines Weltenfremden, und sah die Graue dabei wedelnd an.
Der Schwarze musterte die Fähe mit den eiskristallblauen Augen. Angst machte sie ihm nicht. Erneut breitete sich ein fieses Grinsen auf seinen Lefzen aus. Ihm war es doch sowieso egal, wer da vor ihm stand. Spöttisch sah er sie an. Was mischte sie sich da jetzt ein?
.oO(Verschwinde!)
Er gab ein wütendes Schnauben von sich. Bedrohlich baute er sich zu voller Größe auf. Dabei stellte er fest, dass die meisten Wölfe kleiner waren als er und er somit einer der größten war. Aber das war auch nicht wirklich neu für ihn. Er war schon immer einer der größten und stärksten gewesen. Als eine weitere Fähe dazu trat, musterte Takashi auch sie für einen Moment. Sie schien auch einen hohen Rang zu haben; so wie die Weiße. Aber die beeindruckte ihn genau so wenig. Als sie zwischen Takashi und dem Fremden Rüden sprang und sogar nach ihm schnappte, wurde er wirklich wütend. Zwar wich er einen Schritt zurück, knurrte dafür aber umso aggressiver als zuvor.
.oO(Wie ich es mich wagen kann? Na siehst du doch!)
Er lächelte sie böse an. Seine Haltung hatte er nicht verloren: Er zeigte die Zähne und seine Ohren waren aufmerksam und kampfbereit aufgestellt. Aber was würde schon in einem Kampf geschehen? Zu verlieren hatte er schließlich nichts. Daher zeugte er auch nie scheue vor einem Kampf. Seinen verletzten Hinterlauf hielt er noch immer ein wenig angewinkelt. Zwar konnte er ihn inzwischen schon für kurze Zeit aufsetzen und kein Gewicht darauf verlagern, da es sonst wieder schmerzhaft wurde. Als die Schwarze den fremden Rüden zur Ordnung rief, fing Takashi wieder an zu lachen. Er Empfand das als einfach nur komisch. Langsam verstummte es. Dann wanderte sein Blick zu der Fähe.
"Meines Lebens überdrüssig...?"
Natürlich durfte er den Fremden nicht seinen Schwachpunkt zeigen.
"Natürlich nicht!"
Wütend knurrte er und schnappte auch nach der Fähe.
Erst die eine Fähe und jetzt auch noch die andere. Urion wurde das langsam zu viel. Unsanft stieß er die Graue zur Seite, schnappte nach Nyota und grollte Takashi an:
"Wie kannst du es wagen hier her zu kommen? Mein Bruder hat sich geopfert und nun folgst du mir immer noch... kannst du mich nicht in Ruhe lasse? Was habe ich dir getan!?"
Und dann war es mit einem Schlag soweit. Es überkam den Graupelz wie einen Schlag in die Magengrube. Sein Kopf begann kurz zu zucken und ein Grimasse flog wie der Wind über sein Gesicht. Urion wand sich mit veränderter Stimme an Nyota. Ihre Verletzung hatte er ausgemacht:
"Du hälst dich wohl für besonders einzigartig und schlau. Ob ich nun den Rang habe oder nicht ist mir völlig egal, aber ich muss diesen Wolf töten und wenn du mir nicht gleich aus dem Weg gehst, werde ich dich auch töten! Es wird so einfach sein, ich habe deinen Schwachpunkt gesehen."
Ein widerliches Grinsen verzog Urions Leftzen. Seine Verletzungen waren vergessen.
"Und du Schwarzer mit den roten Augen, hälst dich wohl für besonders schlau, stark und groß und gefährlich, aber mit mir kannst du es nicht aufnehmen. Kommst hier her und wagst es mich nach zu ahmen. Mich, den allmächtigen Fluch. Dein Leben ist nicht mehr wert, als ein Stück Scheiße und das weißt du ganz genau."
Kurz glimmten die Augen rot auf, dann schien es so, als würde ein schwarzer Schatten seinen Körper verlassen.
War Urion den Fluch immer noch nicht los?
Takashi verzog nachdenklich die Augenbraue.
.oO(Ich folge ihm immernoch? Wovon redet er? Wer ist dieser Graue? Ich kenne ihn nicht!)
Er sah zu dem Grauen, als würde er von oben herab auf ihn schauen. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich so, als wollte er ihn Fragen: Willst du mich etwa verarschen?
.oO(Wage es dich ja nicht!)
Seine Augen verengten sich wieder zu wütenden Schlitzen. Bedrohlich riss er sein Maul auf, schnappte erneut nach dem Grauen und knurrte. Er verstummte als der Graue zu der Fähe sprach. Auch er nahm sie nicht wirklich für ernst und nahm sich zu viel für seinen Rang raus. Aber Takashi hätte auch nicht sehr viel anders gehandelt. Er hatte sich noch nie richtig der Rangfolge angepasst. Kurz bevor der Graue mit seinen Worten endete, ging durch Takashis ein komisches Gefühl. Er zuckte zusammen.
.oO("Ich muss diesen Wolf töten!"?)
Wiederholte er in Gedanken. Er erholte sich schnell wieder von dem kleinen Schreck, den er vor nur ein paar Sekunden gehabt hatte.
"Was? DU willst mich töten?
Schrie er schrill und spöttisch. Die Fähe, die zwischen ihnen stand, beachtete er nicht weiter. Doch dann sprach der Graue auch schon weiter. Unverschämt übermütig war er!
"Was bildest du dir denn ein? Halt deine verdammte Schnauze! Weißt du überhaupt, wen du vor dir hast? Ja anscheinend nicht! Wenn du doch so schlau wärst, würdest du dich nicht so unverschämt hier einmischen! Denk erstmal nach, bevor du laberst!"
Schrie die raue Stimme Takashis erboßt. Ohne irgendeine weitere Vorwarnung lief er um die schwarze Fähe herum und stand nun vor dem Grauen. Er zögerte nicht lange und packte den Grauen am Hals. Er hatte nicht besonders viel Fleisch erwischt, sondern eher mehr Fell. Doch dies sollte erstmal als Vorwarnung genügen.
Urion hatte Cuma zur Seite gestoßen, sie war ins Straucheln gekommen, hatte sich aber wieder gefangen. Entsetzt beobachtete sie dieser Szenarie und sie wurde traurig, schließlich verwandelte ihre Traurigkeit sich jedoch in Wut. Was machten die Wölfe da?! Cumará war zwar mutig, aber sie hatte nicht den Rang, die beiden zu trennen, und nun hatte der eine sogar nach der Schwarzen geschnappt, die zweifellos auch einen hohen Rang hatte, vielleicht, genau wie Kaede, eine Beta war. Sie machte mehrere Schritte zurück und legte die Ohren an, ihre Augen wurden größer und sie starrte auf die beiden Wölfe. Sie drehte sich um und trat zu Kensharion. Sie duckte sich hinter ihn und drückte ihren Kopf in sein Fell, sie wollte nichts mehr sehen. Der erste Tag- und schon passierte so etwas. Sie blinzelte eine Träne weg und schaute Kensharion an.
"Werden sie... sich um.... umbringen...?"
fragte sie leise, sehr leise, mit ihrer warmen Stimme. Sie kam sich vor wie ein Welpe, der das erste mal Schnee gesehen hatte. Sie drückte sich an den schwarzen Rüden, und zitterte nicht mehr so stark. Sie sehnte sich in diesem Moment so stark wie noch nie in ihr altes Leben zurück.
Face Taihéiyo hatte sich fast gewünscht, dass sie ihn nicht ansah. Er wusste nicht, was er dann sehen würde und ob er das überhaupt wollte. Doch sie tat es und während sein Blick in ihre grünlichen Augen traf, lief ihm ein seltsamer Schauer über den Rücken und seine Ohren zuckten. Was konnte sie sich nicht vorstellen? Das es ihm ähnlich ging? Während der Tiefschwarze versuchte seinen Gedankengängen nach zu jagen, hatte sich Ninniach erhoben und Face kam zu dem Entschluss, dass er des Nachdenkens grade nicht mehr wirklich fähig war. Sollte er lieber einen Schritt zurück gehen? Flüchten, vor dem Fremden, was er immer so gefürchtet hatte? Kurz betrachtete er das ruhige Pendeln ihrer Rute und wurde erneut nicht wirklich schlau aus ihr. Es lief sowieso immer wieder alles auf den selben Punkt hinaus. Er wusste gar nichts.
Face Taihéiyo brachte sich dazu, ihr wieder in die Augen zu sehen und blieb einfach stehen, während sie näher kam. Die Schwarze erzählte, dass sie meinte, eine Last zu sein, nicht aufmunternd. Und Face, der nie in seinem Leben gelogen hatte, konnte nur den Kopf schütteln. Aufmunternd. Wer konnte ihm gegenüber schon aufmunternd sein? Egal wer, das zählte nicht. Nicht bei ihm. Und eine Last? Er erinnerte sich nicht daran, die dunkle Wölfin jemals als lästig empfunden zu haben. Nicht damals, als er vor ihr im Matsch gewacht hatte, nicht, als sie zusammen gewandert waren, als sie in der Höhle nebeneinander gelegen hatten, nie. Was war es? Face senkte den Kopf ein wenig, spürte, dass sich ein Hinterlauf etwas zurück schob.
„Nein ... Du bist ... etwas Besonderes.“
Verärgert über Urions Reaktion zog Kaede die Lefzen kraus. Doch ehe sie irgendetwas rufen konnte um den rüden zu beruhigen spürte sie schon die Anwesenheit eines der Welpen in ihrer Nähe, noch bevor sie angesprochen wurde. Ein kurzes ziehen an ihrer Rute und schon wuselte er wieder zu ihr nach vorne und fragte sie sogleich, so wie Welpen eben waren, direkt danach, warum sie keine Farbe in ihren Augen hatte.
Sie lächelte ihn liebevoll an. Welpen waren doch einfach zu drollige Wesen.
"Hey du. Ich bin Kaede und wer bist du? Meine Augen haben Farbe, man muss nur ganz, ganz genau hineinschauen, dann kann man einen leichten Schimmer blau in ihnen ausmachen. Habe ich zumindest gehört, ich weiß es nicht. Die Farbe in meinen Augen, früher waren sie ganz strahlend blau, ist überdeckt worden. Dieser weißlich graue Schleier den du siehst, hat sich dadrüber gelegt. Es ist eine Art Krankheit und wird wahrscheinlich nicht mehr weggehen. Weißt du, ich kann nämlich nichts mehr sehen, doch das ist gar nicht schlimm."
Sie wollte nicht, dass der Welpe sie jetzt anders behandelte als andere Wölfe, oder dass er sich Vorwürfe machte, weil er sie so spielerisch angesprungen war.
"Ich sehe sozusagen mit meinen anderen Sinnen, ich spüre immer noch ehe man mit mir redet, wenn einer mir zugewand ist. Ich weiß wo sich die Wölfe befinden, es ist, als ob ich sehen würde. Nicht ganz so, aber fast so"
Sie schenkte ihm noch ein strahlendes lächeln.
"Und du bist einer von Shanis Welpen richtig? Es freut mich, dass ihr endlich auch hierher gefunden habt! Entschuldige mich einmal kurz und klapp deine Ohren runter.
Urion, lass das sein, komm hier hin und geh den anderen aus dem Weg, es gehört sich wirklich nicht, soetwas hier gleich zu machen. Denk nach, konzentrier dich auf dich selbst und nicht auf dieses Ding"
War ihre Stimme vorher noch so lieblich und freundlich gewesen, so war sie jetzt wütend, enttäuscht und etwas ängstlich, trotz allem aber noch melodisch. Ja, sieh sah dieses komische Ding auch wieder. Der Umriss von Feuer stand direkt bei Urion, es umgab ihn sozusagen und sie hasste sich dafür, dass sie dieses Monster sehen konnte, sonst aber nichts. Sie verstand nicht warum es so war und wünschte sich ihre völlige Finsternis zurück.
. . . Da stand er also wiedermal allein, am Eingang der Rudelhöhle. Es fröstelte ihm, denn im Gegensatz zu der Temperatur war es in der Höhle doch schon einige Grade kälter. Zack war den zwei Wölfen entgegen gelaufen, brachte sie in die Höhle, diese gaben sich als Sania und Madoc aus.
Ilias wurde im Moment absolut nicht gebraucht, und bei dem ganzen Trubel der in der Höhle herrschte, freute er sich über die frische Luft, dem klaren Wind und erfreute sich über den Anblick des klaren Himmels, den er so sehr liebte.
Er blickte in die Höhle, sah Sheena an, wie sie sich bemühte mit dem Welpen zu kommunizieren, der als Taubstumm abgestempelt wurde. Er fand es unheimlich süß von ihr und dachte daran, wie schwierig es sein müsste, sich als taubstummer Wolf auszudrücken, da es mit Worten schon nicht immer einfach wäre. Er hatte etwas Mitleid, und hoffte für den kleinen, dass er so akzeptiert wird, wie er ist. Doch hier sollte er gute Chancen haben, denn auch Kaede wurde sehr geachtet und erhielt allen Respekt, den man bekommen könnte.
Scheinbar gab es dort auch einen kleinen Streit zwischen Urion und einer Fähe, die neu sein musste. . .
Ilias war dies in dem Moment aber egal, denn er brauchte Ruhe. So viele Wölfe auf einmal, so viele Gedanken, so viele Gefühle an einem Ort, dass ist nicht immer gut. . . Wieder blickte er in den Himmel.
o0 Was wäre wohl wenn ich Sheena nicht getroffen hätte? o0 Wo wäre ich dann, was wäre mir passiert? Wäre ich immernoch allein gewesen? o0
Langsam fing es an zu dämmern und mit der Dämmerung wurde es auch kälter. Allein war er auch lange genug gewesen. Er sehnte sich nach Nähe, der Nähe von Sheena. Also stapfte er mit seinen jungen aber doch müden Pfoten in die Höhle.
Urion und ein ihm fremder Wolf kamen ihm entgegen. . . sie schienen sich nicht besonders zu mögen. . .
Doch auch das war Ilias jetzt egal. Ihm war alles egal, nur Sheena nicht.
Sein Blick, starr auf Sheena gerichtet verschwamm, seine Pfoten wurden schwer und er merkte, dass er seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ihm war schwindelig, müde und er war schwach. Nach wenigen Metern sank er vor Erschöpfung zu Boden. Die verschwommene Umgebung wurde langsam schwarz. Er schlief ein, bevor er bei Sheena sein konnte, er war sehr erschöpft und war überfordert von den vielen Wölfen, die um ihn rum waren. Das war er keineswegs gewohnt, zumindest war er das seit langer zeit nicht mehr.
Sein Tiefschlaf dauerte an. . .
Ihr blieb jedes Wort im Hals stecken, jeder Versuch zu sprechen misslang... Er hatte ihr wahrhaftig die Sprache verschlagen. Wie konnte sie, Ninniach, klein, schwarz und unscheinbar, etwas Besonderes sein? Sie kam doch kaum zur Geltung, wurde schnell übergangen und ganz falsch eingeschätzt! Sie versuchte krampfhaft zu verstehen, was Face ihr sagen wollte, oder eher, wie er meinte, was er gesagt hatte. Sie schien nicht begreifen zu können, dass es auch positve Ansichten über sie gab. Alles, mit was sie bekanntgemacht worden war, war stets von schlechtem gewesen.
.oO( Für dich vielleicht... )
Und obwohl ihre Gedanken sich irgendwie zwist anfühlten, gab es ihr einen warme Schauer unter der Haut zurück, den sie mit Freuden empfing. Vielleicht nur für ihn - grade das war das Entscheidende, grade für ihn wollte sie doch etwas Besonderes sein, nur für ihn, nicht für irgendwen da draußen. Was kümmerte sie, was die Einzelnen über sie dachten, wenn er sie für etwas Spezielles hielt.
" Face... "
Ja, und da hörte ihr Sprachvermögen dann auch schon wieder auf, ähnlich wie die Arbeitsfunktion ihres Gehirns. Sie schritt langsam auf den Schwarzen zu und strich mit ihrem Kopf, als er endlich in Reichweite kam, entlang seiner Brust, bis zu seiner Flanke, an der sie Schutz suchte, an die sie sich drückte und die Augen schloss. Sicher würde er zurückweichen, oder zur Höhle laufen. Doch es zählte für sie jetzt nur der Moment, in dem ihr Herz so schmerzhaft schnell schlug, als wolle es aus ihr heraus...
Die Schwarze hatte Cumara kaum bemerkt, die an ihrer Seite zwischen den Schwarzen gestanden hatte, und bemerkte sie erst als sie sich zurückzog. Nyota beobachtete die Rüden genau, bemerkte mit blitzenden Augen Takashis Hinterlauf, der augenscheinlich nicht voll einsatzfähig war.
Perfekt.
Ein zufriedenes Grollen mischte sich unter Nyotas Knurren, und der Blick mit dem sie Takashi bedachte veränderte sich einen Moment lang. Als er nach ihr schnappte zog sie nur langsam den Kopf weg, eine abwertende Geste, mit der sie ihm zugleich auswich, ohne ihm das Gefühl zu geben, ernstgenommen zu werden.
Sie wand sich von Takashi ab und sah mit finsterem Blick zu Urion hinüber, die Zähne schon gebleckt, und als er nach ihr schnappte wich sie ihm nicht aus sondern scchoß vor, spürte seine Zähne über ihrem linken Ohr aufeinandertreffen und biss nach seinem Hals. Ohne darauf zu achten ob sie etwas erwischt hatte wich sie zurück in ihre vorherige Position, stieß ein grollendes Brüllen aus und rang sichtlich mit sich, sich nicht gleich und ohne weiteres auf den Rüden zu stürzen.
"Du bist nicht nur dumm, du bist auch bald tot, Made!"
rief sie knurrend, und es war ihren Augen anzusehen dass es nicht mehr viel war, was sie zurückhielt.
"Du wirst hier niemanden töten, denn weder kommst du an mir vorbei, noch kannst du mir das Wasser reichen. Nichtmal in meinen letzten Minuten wärst du mir ebenbürtig, hohles Wesen!"
Sie schnaubte, trippelte mit gebleckten Zähnen vor und zurück, und warf Banshee einen kurzen Blick zu, der helfen sollte sie ansatzweise zu beruhigen...
"Tatsächlich ist meine Wunde kaum zu übersehen, sie zu bemerken ist nicht sonderlich ruhmreich."
fügte sie abwertend hinzu.
"Und merke dir - wenn nicht ich dich töte, bevor du hier kämpfst, dann wird es ein anderer tun. Hier sind genug Wölfe, die an meine Stelle treten werden, solltest du widererwarten wenigstens gegen eine verwundete siegen"
sie spuckte ihm die Worte entgegen, spürte das brennen in ihren Nacken, da wo erste Schorfschichten unter der Beanspruchung nachgaben und brachen. Ein lockender Blutgeruch ging nun wieder von ihr aus, und ihr war klar dass sie die Versprechungen ihrer Worte nicht einhalten konnte. Sie war noch vom Kampf gegen Lunar geschwächt, ihre Wunde machte ihr zu schaffen, und sie hatte gleich zwei Gegner, die es zu trennen und zu vertreiben galt.
Es war unmöglich, diese Situation zu überstehen. Also genau die Art von Aufgabe, die sie gerne übernahm...
"Ich sage es euch nur nocheinmal..."
begann sie, sehr leise, und wand sich wieder an beide Rüden.
"Entweder ihr verschwindet auf der Stelle, oder ich sorge dafür dass ihr es tut. Du"
sie sah Urion scharf an,
"hast hier sowieso keine Zukunft, wenn du dich nicht an die einfachsten Regeln halten kannst!"
Kaum hatte sie geendet, begann Takashi um sie herum zu laufen, aber sie sprang ihm mit einem kleinen Satz augenblicklich wieder in den Weg, knurrte drohend und spürte ein leises knirschen im Nacken, während sich weitere Schorfschichten lösten, und ihre Muskeln immer mehr und mehr zu schmerzen begannen.
Jetzt oder nimmermehr.
Sie sprang auf Takashi los, biss absichtlich neben seine Schnauze und versuchte ihn aus der Höhle zu drängen und zu schieben, und begann nun, gezielter nach ihm zu beissen, zielte auf Nase, Hals und Augen. Um Urion musste sich nun ein andrer kümmern, wenn er ihr in den Rücken fiel so bedeutete das zwei Dinge: Das Versagen der Rudelstruktur zum Einen, und das sie ein Problem hatte zum Anderen.
Rakshee beobachtete Kaedes Mimik gebannt. Diese Wölfin lächelte ja die ganze Zeit! Toll! Vielleicht würde Mama das von ihr lernen können? Sie musste Mama überreden bei der Fähe in die Lehre zu gehen!
Von diesem Gedanken nur noch mehr ermutigt wedelte sie begeistert weiter während sie gebannt zuhörte, als die Fähe sich vorstellte. Kaäde, was für ein lustiger Name. Ob sie deswegen so glücklich aussah? War Shani ein trauriger Name?
Neugierig kam sie näher, als Kaede die verbliebene Farbe in ihren Augen erwähnte, und versuchte ganz ganz genau hinzusehen. Sie glaubte etwas zu erahnen, und bewegte den Kopf noch näher an Kaedes Auge, erschrak jedoch, als ihre Nase gegen Kaedes Wangen kam.
"Ich bin Rakshee, und Jakash und Kursaí und Ahkuna und Sharíku sind auch da, das sind meine Geschwister"
erklärte sie eifrig, und legte dann leicht den Kopf schief.
"Wenn du mich gar nicht sehen kannst, dann sage ich dir wie ich aussehe!"
Ganz begeistert von ihrer glorreichen Idee sprang sie Kaede an und drückte ihr die Vorderpfoten in die Wange.
"Ich bin ganz braun, so wie Papa, und das ist mal ganz hell und manchmal ganz dunkel und überll ganz anders. Und meine Augen - "
sie stockte, und sah zu Jakash herüber.
"Jaaaakaaash? Was für eine Farbe haben meine Augen?"
fragte sie hilflos, und kam sich dumm vor, soetwas elementares nicht zu wissen.
Und Kaede lächelte immer noch so schön! Mama musste das auch lernen!
Ohne weiter darüber nachzudenken gehorchte sie und klappte die Ohren zurück, aber natürlich hörte sie Kaede trotzdem, wenn auch etwas gedämpft, und sah sie nach wie vor an. Plötzlich war sie Shani sehr viel ähnlicher als zuvor, und Rakshee verstand nicht was ihre Worte bedeuteten, und diese wandlung. Passierte das allen Wölfen wenn sie zulange mit ihnen in Kontakt war? Vielleicht gab es ein Pensum an Zeit dass man mit einem Wolf verbringen konnte, bevor er unglücklich wurde...? Ein schrecklicher Gedanke, wie sie fand - und Jakash war doch auch nie einfach so traurig?
12.02.2011, 23:04
Nachdem Nienna Singollo schon sehr lange keine Antwort bekommen hatte presste sie ihre kleinen Pfoten gegen den Boden und erhob sich auch. Balthasar. Dieser Name würde ihr wohl noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Nun lies sie ihren Blick schweifen und entdeckte viele neue Gesichter. Wie rasch so ein Rudel doch entstehen kann ! Ein federleichtes Lächeln legte sich umspielend auf ihre Lefzen. So blieb sie nun einige Zeit stehen und tat das was sie immer machte: Nach denken. Plötzlich war sie wieder da, Ihre kleine Traumwelt. Sofort lies sie ihre Pfoten wieder über den Boden rutschen. Dort ergab sich ein kleines scharrendes Geräusch. Nienna schnippte kurz mit dem rechten Ohr und legte ihren Kopf auf ihre Pfoten. Sie dachte darüber nach wie es wohl wäre einen Gefährten zu haben oder einige Freunde. Schließlich kannte sie hier nur eine: Ihre Tante Kaede.
Die schwarze Fähe kniff genüsslich ihre Augen zusammen. Wie gern sie doch jetzt Spielen wollte. Schon Tage, Monate vielleicht sogar Jahre an Verspieltheit stauten sich nun in ihr auf. Sie würde jetzt am liebsten los rennen und über alle drüber stürzen. Doch am Ende hielt ihre Schüchternheit gegenüber Fremden sie doch davon ab. Nun riss sie plötzlich die Augen auf und lächelte über die ganze Höhle. Sie wollte es doch. Der Drang zu spielen oder mit irgendwem zu reden wurde immer größer. Sie traute sie nur nicht.
o.O(..Am besten gehe ich zu Tante Kaede..vielleicht kann sie mir mehr erzählen über..meinen Vater..Oder meine Geschichte..und vielleicht spielt sie sogar mit mir..?)
Sie musste kurz schlucken bei diesem Wort. Wie sie es hasste: Vater. Am liebsten würde sie ihren Vater töten, wenn sie ihn sehen würde. Er wusste wenig von Familie oder ähnliches. Genau so herzlos war er. Aus Niennas Kehle drang sogar schon ein kleines kaum hörbares Knurren.
Doch das mit dem Nachdenken musste nun auch aufhören. Ihre Pfoten pressten sich erneut gegen den Boden und nun stand sie da. Mit hängendem Kopf. Sie wusste noch nicht einmal wo sie ihre Tante finden könnte. Die Fähe hob den Kopf an und legte diesen kurz schief. Doch da fand sie Kaede auch schon. Was war das denn? Wer nahm ihr da Kaede weg? War es ein Welpe? Sie legte den Kopf noch ein wenig schiefer, wie sie es vorher schon hatte. Ja, sie erkannte das kleine braune Wolfswelpe und lächelte erneut. Vielleicht würde genug Energie in dem Welpen stecken um das Energiebündel Nienna zu befriedigen? Nun trieben ihre Pfoten Nienna mit sehr kleinen Schritte in Richtung von Kaede. Als sie dort war wurde ihr Lächeln immer kleiner. Es war neu für sie bei mehr Wölfen zu sein, vor allem bei Welpen. Welche Reaktion würde die kleine wohl von sich geben? Eher spielerisch oder Feindlich? Nienna Singollo platzierte sich einfach neben Kade und fuhr leicht mit ihrer Nasenspitze durch ihr Fell. Genau das war es. Das flauschige Fell von Tante Kaede.
"..Hallo Tante Kaede..Und..ehm..Hallo..Welpe..?!.."
Sprach Nienna leise, schüchtern und schon fast mit ein wenig Angst in ihrer Stimme. Ihre Rute hatte die Schwarze ganz nah an sich heran gezogen. Das einzige was sich an Nienna nun bewegte war ihr gleichmäßiger Atem. Ihre Bauchdecke hebte sich..und sogleich senkte sie sich wieder. Wie Aufgeregt sie doch war ! Nienna hatte noch nie Welpen gesehen.
Nachdem sie Urion ihre Meinung gesagt hatte, hatte sie wieder ihr Lächeln zurück gewonnen. Sie konnte Urion nicht zu Hilfe kommen, konnte ihn nicht einfach da wegholen, konnte auch Nyota nicht helfen, so gerne sie es doch wollte. Dafür fühlte sie sich zu schwach, momentan, und außerdem würde sie nicht sehr viel dazu beitragen können, also sollte sie sich lieber wieder dem niedlichen Welpen widmen, der ihr einiges erzählte. Doch spürte sie, wie er plötzlich nachdenklich wurde, natürlich wusste sie nicht, was er dachte und doch meinte sie eine Art Verwirrung und Trauer in ihm zu spüren. Nachdem sie sich ein wenig beschrieben hatte und dann erschrocken feststellen musste, dass sie ihre Augenfarbe nicht wusste, stupste Kaede sie sanft an.
„Es freut mich, dass du mir erzählst, wie du aussiehst. Jetzt habe ich ein gutes Bild vor meinen Augen, weißt du ich bin nämlich die Patentante von deinem Papa, ich kenne ihn seitdem er ein kleiner Welpe war wie du einer bist und habe mich gerne und viel um ihn gekümmert. Meistens zumindest.“
Ihr lächeln wurde noch ein wenig strahlender, die Erinnerungen an den kleinen Hiryoga waren einfach zu schön, auch wenn es eine nicht sehr leichte Zeit war. Sie registrierte, wie Nienna näher zu ihr kam und sie dann leicht berührte und sich auch bei ihr niederließ. Sie wuffte ihr leise zu und strich ihren Kopf an Niennas entlang.
„Hallo Nienna, schön dich wieder zu sehen meine Kleine. Das dort ist Rakshee und Rakshee, dies hier ist Nienna. Ich bin ihre Tante. Übrigens ist Rakshee ein sehr schöner Name, ebenso wie die Namen deiner Geschwister, da haben sich Shani und Hiryoga wirklich tolle Namen ausgesucht. Es ist nicht schlimm, seine Augenfarbe nicht zu wissen, und doch freue ich mich, wenn du sie weißt und mir sagen kannst. Weißt du, ich liebe Farben nämlich sehr stark. Und hast du das leichte blau in meinen Augen entdecken können? Oder hast du dich zu sehr erschrocken, als du auf einmal mein Fell an deiner Nase gespürt hast?“
Kurz lachte Kaede hell auf, ehe sie wieder in ihr normales Lächeln zurück verfiel. Sie wollte sich jetzt keine Gedanken um Urion machen, auch wenn sie ihn liebte, aber sie wusste, sie konnte nichts machen und wenn sie nichts machen konnte sollte sie sich auch nicht in irgendetwas hoffnungsloses verrennen. Sie blinzelte Rakshee zu und senkte ihre Kopf um sie leise zu fragen.
„Worüber denkst du nach? Irgendetwas bedrückt dich doch gerade oder liege ich da falsch?“
Er schenkte der Fähe die neben ihm auf dem Boden lag noch ein langes Lächeln und entschuldigte sich dann mit einem Nicken für sein darauf folgendes verschwinden. Es waren genügend Wölfe da, die ihr helfen konnten, sollte irgendetwas sein und mehr für sie tun als die Wunden zu reinigen konnte er momentan sowieso nicht. Urion, der vom Fluch besessene Urion sollte er lieber sagen, war nämlich drauf und dran verstoßen zu werden, sollte er sich weiter so schlecht aufführen. Dabei wusste er natürlich woran dies lag, aber trotzdem musste man versuchen dieses Monster zu bändigen. Auch wenn er sich vorstellen konnte, dass dies wahrlich schwer war. So hoffte er, dass er seinen neuen Freund noch einmal beruhigen konnte und ihn davon abhalten konnte auf Takashi loszugehen. Vor allem, weil Nyota die sowieso schon verletzt war, schon auf diesen losging und er nur das Beste hoffen konnte. So trabte er schnell an Urions Seite und stellte sich vor ihn, sodass er Nyota und Takashi ein wenig verdeckte. Tief in seine Augen blickend schenkte er ihm ein trauriges Lächeln.
„Denk nach Urion. Das ist nicht das was du willst. Das ist das was das Monster in dir will, aber du weißt, du kannst es besiegen. Also, schau mich an und atme tief durch. Schau mich an und vergiss die beiden dort. Schau mich an und konzentrier dich auf dein Inneres, auf dein wahres Ich. Denk an Kaede die dort hinten traurig ist. Sich um dich sorgt und weiß, dass sie nichts dagegen tun kann. Tu ihr, tu uns allen nicht weh! Denk nach . . .“
Er stupste Urion vorsichtig an, atmete tief ein und dann langsam wieder aus, hoffte, dass sein warmer Atem Urion wieder zu Bewusstsein kommen lassen würde. Er wollte nicht, dass Urion gleich so einen schlechten Eindruck machte, auch wenn das nun schon geschehen war. Er wollte nicht, dass Kaede traurig wurde und das Sheena vielleicht wieder verlassen wurde.
Weiterhin schaute er Urion tief in die Augen, kümmerte sich wenig um das geschehen hinter ihm, er war sowieso nicht so der Kämpfertyp und sowieso war es jetzt sicher erstmal besser Urion zu beruhigen als sich noch weiter in den Kampf zu verwickeln.
Takashi war ein wenig verwundert, dass dieser Graue Rüde in diesem Rudel überhaupt geduldet wurde. Er war nicht viel anders als er selbst und doch schien er hier -vielleicht auch nur vorerst- bleiben zu dürfen. In einem anderen Rudel hätte man wohl schon längst einen Wolf dieser Sorte verscheucht oder gar getötet! Aber auch egal. Hätte der Schwarze hier vielleicht auch eine Chance? Was sollte er tun: Kämpfen oder sich gehorsam den ranghöheren unterwerfen? Nichts da!
.oO(Ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst, dass ihr mich so einschüchtern könnt!)
Sein Blick war wütend, aber noch recht ruhig. Wieder breitete sich ein grinsen auf seinen Lefzen aus. Die Worte der Schwarzen und die er anderen würde er sowieso nicht für voll nehmen. Sollen sie doch alle reden! Takashi schnaubte spöttisch und verachtend.
.oO(Auf euch hören? Niemals!)
Er knurrte leise. Erneut fand er es lustig, wie die schwarze Fähe dem Grauen drohte, ihn zu töten. Wahrscheinlich würde Takashi diese Gelegenheit ergreifen und auch selber morden. Plötzlich vernahm er einen anderen Geruch. Es war der Geruch von frischem Blut! Und er kam...von der Fähe! Sie schien ebenfalls verletzt zu sein und einen Moment später entdeckte Takashi die Verletzung auch schon. Sie sah nicht besonders gut aus und drohte, wieder aufzureißen. Doch warum sollte dies Takashi stören? Als die Schwarze sich dann plötzlich vor ihn stellte, wollte er erst zurückweichen, blieb dann aber doch entschlossen stehen. Im nächsten Moment sprang sie auch schon auf ihn los. Das hatte er nicht voraussehen können und wich im letzten Moment ein wenig zur Seite.
"Bastard!"
Schrie er und kam nicht lange zum Stehen. Der Sprung auf ihn war wohl nur der Anfang gewesen. Es folgten viele bisse, denen nicht einfach auszuweichen war. Takashi wurde immer weiter von der Höhle weggedrängt, bis er schließlich stur stehen blieb. Das war ein Fehler: Ein biss der Fähe traf ihm am Hals und ihre Zähne bohrten sich in sein Fleisch. Böse knurrte er. Ohne irgendwie nachzudenken, riss er sich mit einem kräftigen Ruck los. Blut tropfte aus seinem Hals in den weißen Schnee.
Cuma hatte nach einer Weile wieder zu den Wölfen hingesehen. Zwar hatte die Schwarze den anderen Schwarzen zurückdrängen können, doch sie konnte unmöglich auch noch Urion zurückhalten. Und dann meldete sich etwas in der grauen Fähe. Ohne dieses Etwas hätte sie es nie bis hierher geschafft. Nie. Sie grollte. Kensharion hatte ihr immer noch nicht geantwortet, aber was tat das denn jetzt zur Sache? Sie knurrte, und schlich auf Samtpfoten auf Urion zu. Cuma war kleiner als dieser Wolf, aber die monatelange Reise hatte sie zäh, und die unzähligen Kämpfe stark gemacht. Sie sprang vor ihn. Warum half den niemand anderes der Schwarzen? Was war mit der Alpha? Und dieser andere Wolf, der auf Urion zugetreten war... was wollte er? Cuma wollte kein Risiko eingehen.
oO.Und was ist denn mit Kensharion? Dem Schatten... der Finsternis! Pah! Mit so einem Namen hätte er von Anfang an zwischen die beiden Rüden gehen sollen. Und nicht eine verletzte Fähe das machen lassen...
Doch sie hatte keine Zeit, jetzt über Kenshi nachzudenken. Sie musste sich mit jedem ihrer Sinne auf den gefährlichen Wolf vor ihr konzentrieren. Schnell sprang sie vor ihn.
Sie zog ihre Lefzen hoch, und war erschrocken und doch auch so unendlich froh: Es klang gefährlich, was da aus ihrer Kehle kam. Das tiefe Grollen passte gar nicht zu ihr, und doch, es war da. Sie war etwa einen Meter von dem Grauen entfernt, sie knurrte und bleckte die Zähne, wenn er ihr zu Nahe kommen würde, würde sie nach ihm Schnappen. Ihre Ohren waren angelegt. Die andere schwarze Fähe und Cuma standen mit den Rücken zueinander, aber weiter von einander entfernt, und nun hielt nicht nur die Schwarze, sondern auch Cuma die beiden Streithähne von einander fern. Cumas Augen blitzen.
oO. Vermutlich hat Urion keine Angst vor mir...
dachte die Fähe. Was wahrscheinlich ein Fehler war, denn Cuma war ausgeruht. Und jetzt sollte man sie auch ernst nehmen. Sie war mit Wut aufgefüllt, ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Warum mussten diese beiden dummen Wölfe der Alpha und den Welpen die Ankuft so versauen? Doch Cuma hielt sich zurück, sie sprach ihre Gedanken nicht aus; wollte nicht unnötig provozieren.
Jumaana betrachtete das Schauspiel nachdenklich. Was auch immer geschehen würde, es würde ihr Leben ändern. Sie ging noch ein paar Schritte rückwärts und blickte zu dem Weißgrauen, die knurrend vor dem Wolf, der auf Takashi losgegangen war, stand. Dann schaute sie sich um. Die Gegend war nach wie vor weiß und unscheinbar, aber Jumaana gefiel sie. Die Fähe atmete die frische Luft ein und blickte zur Sonne, die langsam hitner dem Horizont verschwand. Die Weiße versuchte das blutige Szenario aus ihren Gedanken zu verbannen, aber es gelang ihr nicht.
oO Komm schon! Entscheide dich! Weglaufen oder dableiben ... Oo
Niemand hatte ihr in der Höhle auf ihre Vorstellung geantwortet, also interpretierte Jumaana es als Abweisung. Sie drehte sich langsam und und blinzelte zu der Schwarzen und Takashi. Blut tropfte aus einer Wunde Takashi's und sein Hinterlauf sah nicht sehr gut aus. Die Weiße schüttelte sich innerlich. Wenn es nach ihren Beinen ginge, wäre sie schon lange auf und davon. Aber ihr Verstand bedeutete ihr, stehen zubleiben. Immer wieder zuckten ihre Beine, aber sie blieb stehen.
"So kann das nicht weitergehen!"
Murmelte sie und trat einen Schritt auf Takashi und die Schwarze zu.
oO Nein! Mach es nicht! Oo
Schrie Aarinath in Jumaanas Gedanken und rief sie zur Vernunft. Die Fähe drehte sich um und lief weg. Nicht aus Angst vor den anderen Wölfen, sondern aus Angst vor sich selbst. Sie dachte an ihre Vergangenheit und an das eine Mal, als sie die Kontrolle über sich verlor. Da hatte sie auch Blut gesehen, dass Blut ihres Opfers! Alles in ihr mied es, an sich selbst zu denken.
oO Weg! Einfach nur weg! Oo
Dachte sie und blieb trotz allem stehen. Sie drehte sich blitzschnell um und sah von Weitem noch die anderen Wölfe.
oO Entscheide dich! Komm, dein Leben wird dir danken, wenn du dich dem Rudel anschließt und es dich aufnimmt! Oo
Flüsterte Aarinath und Jumaana gefolgte wieder ihren Rat. Langsam trabte sie auf die Höhle zu. Viele Meter, bevor sie angekommen war, blieb sie stehen und wartete. Auf was, dass wusste sie nicht!
Das war ja alles soooo aufregend! So viele große Wölfe, und andere Welpen hatte er auch gesehen! Wo kamen die nur auf einmal alle her? Nun gut, Oma Bani - er hatte jetzt eine Oma! Toll! - und Tante Nüota hatten ihn und den rest seiner familie zu dieser riesigen Höhle gebracht und nicht die ganzen Wölfe zu ihnen, aber das war für Jakash kein nennenswerter Unterschied. Die Welt ausserhalb ihrer kleinen Welpenhöhle war noch viel riesiger als er angenommen hatte - und vor allem war sie viel bunter und lauter und überhaupt! Der kleine Schwarze wusste gar nicht, wohin oder an wen er sich zuerst wenden sollte. Mit breitem Grinsen stand er bei seiner Familie und wedelte mit seiner kleinen Rute wie wahnsinnig hin und her. Wo sollte er nur mit seinen Erforschungen beginnen?! Er konnte sich beim besten Willen nicht entscheiden!
Rakshee pfotete nach ihm, während er begeistert den Erwachsenen zusah. Am großen Höhleneingang spielte sich irgendetwas interessantes ab, und - seine Schwester hatte recht - die Erwachsenen konnten alle richtig gruselig Knurren! Jakash war so aufgeregt und begeistert, dass er unbewusst mitzuknurren begann, nur welpisch eben. Ob er diesmal mitspielen durfte? Denn die großen begannen gerade wieder zu spielen...
Rakshees Ruf lenkte ihn kurzzeitig ab. Seine Schwester befand sich bei einer großen Fähe, und dabei stand noch eine andere Wölfin, so schwarz wie Tante Nüo. Kurz bickte der kleine Welpe zu den spielenden Erwachsenen zurück, dann kam er zu seiner Schwester angetrabt und sah ihr - ihrer Frage entsprechend - ganz angestrengt in die Augen. Sein Blick wurde noch etwas angestrengter, da er nicht wusste, wie er diese Farbe hieß...
"Also.... deine Augenfarbe.... öhm..."
Hilfesuchend sah Jakash sich um, erblickte einen bestimmten Wolf und hatte die zündende Idee.
"Wie Oma Banis Augen! So sehen deine aus!",
rief er begeistert aus, hatte er doch die Antwort auf diese schwierige Frage gefunden.
"Und meine?",
hakte er sogleich nach. Dann sah er zu den beiden Fähen hoch.
"Hallo! ich bin Jakash, und ihr heißt wie?"
Eben noch hatte die Situation ein so friedliches Bild einer Rudelidylle erzeugt, dass fast ein rosa Schleier über der Höhle hätte hängen können, im nächsten Moment schon fielen die Wölfe übereinander her wie wilde Bestien. Zwei der Fremden, der eine war ihr als Urion vorgestellt worden, knurrten sich an, Nyota hielt es natürlich keine Sekunde lang aus, nicht mitzumischen. Noch dazu standen andere drumherum, bemüht Frieden zu stiften aber eindeutig nicht dazu in der Lage. Das Lächeln war von den Lefzen der weißen Alpha verschwunden, Schwermut senkte sich über ihr Herz und ihren Blick. Keine Sekunde konnte in stiller Zufriedenheit verstreichen, kein Herzschlag konnte jeder Wolf einfach nur glücklich sein. Schwere Trauer erlahmte ihre Läufe und verlangsamte jede ihrer Bewegungen. Ihre Nase fuhr zu der Kaede, stupste sie an, aber nicht sanft wie zuvor, sondern eilig und entschlossen, sie sollte auf Rakshee und Jakash achten, die beiden mussten bei ihr bleiben. Dann schob sie die anderen Welpen näher an ihre Eltern und trat schließlich Nyota nach, die Takashi aus der Höhle trieb. Jeder Schritt führte sie eine Blutspur entlang … es musste das Blut beider Wölfe sein. Dabei blieb sie vor Urion stehen, ihr Blick glitt stechend in seine Augen, obwohl ihr weißes Fell mit dem Schnee verschmolz wirkte sie riesig.
“Geh zu Kaede. Sie braucht dich mehr als der Fremde und meine Schwester. Du solltest auf sie hören.“
Im Vertrauen auf sich selbst und auf ihre Beta wandte sie sich um und kehrte ebenso wie Nyota Urion den Rücken zu. Sie konnte den Rüden nicht im Mindesten einschätzen, dennoch strahlte ihr Vertrauen eine starke Sicherheit in sich selbst und ihr Rudel aus. Eine Fähe, die sich eben noch als Cumará Tumaan vorgestellt hatte, positionierte sich jetzt hinter ihrer Schwester, gab ihr Rückendeckung, auch wenn sie dabei wenig Sicherheit ausstrahlte. Banshee schenkte ihr ein Lächeln, versuchte ihr gleichzeitig verständlich zu machen, dass es nicht mehr nötig sein würde, Urion fernzuhalten – zumindest war darauf zu hoffen. Auch Zack stand dabei, auch ihm wurde ein Lächeln geschenkt. Ihr Geist konzentrierte sich jetzt auf Nyota, ihre Augen suchten den Blick ihrer Schwester – vergebens. Die Schwarze hatte dem Fremden bereits einige Wunden zugefügt, am Hals klaffte rohes Fleisch, Blut tropfte in den festgetretenen Schnee. Langsam blieb Banshee neben Nyota stehen und versuchte ruhig und gleichmäßig zu atmen. Stumm spürte sie wie ihre Flanke die ihrer Schwester berührte, das rasende Herz darunter spürte. Ihr Blick hing an den Augen des schwarzen Fremden, versicherte sich, dass er ihn sah und hoffentlich verstand, dann beugte sie sich vor und fuhr mit der Zunge sanft über die Wunde am Hals.
Benommen saß der kleine weiße nun etwas abseits. hier waren ihm zu viele Wölfe. nicht dass er normalerweise etwas gegen andere und deren Gesellschaft hatte, aber es lagen so viele Spannungen in der Luft dass diese in seinem Fell knisterte. Unverhofft legte er die Ohren an. Seine Roten Augen fixierten die Welpen, dort bei der grauen Fähe(Kaede) und nachdenklich zog er die Rute um seine Pfoten. Als jedoch der neu hinzugekommene Schwarze Rüde, eine der beiden Alphas angriff wurde es ihm zu viel. Er tat das was er immer tat wenn es seiner meinung nach keinen Ausweg mehr gab: er floh.
Aufspringend quetschte er sich an Madoc vorbei, flitzte an Nyota, Takashi, Urion und den anderen vorbei und stoppte erst draußen unter einem Baum wieder wo er sich zitternd an den Stamm drängte
oO warum streiten sie sooooo viel? streiten ist doch böse Oo
er blickte zurück, sah zu wie Nyota und Takashi sich fetzten und jetzt war er sich nicht mehr so sicher ob er hierbleiben wollte.
Nachdem der Welpe gegangen war und Cuma auch schon lange nach vorne zu den streitenden Wölfen gegangen war, drehte sie sich langsam um. Warum war Urion nur in den Streit verwickelt, sie hatte sich so sehr gefreut, ihn als Papa gewonnen zu haben und nun sowas. Doch, was sollte sie da auch groß machen. Es standen schon genügend Wölfe um die streitenden herum, da musste sie sich nicht auch noch einmischen gehen, vor allem nicht, da sie garantiert nicht kämpfen wollte und nicht wusste, was sie dort sonst zu suchen haben sollte. So schlich sie geduckt, um nicht zu sehr aufzufallen dorthin wo Ilias lag. Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass er wieder in die Höhle gekehrt war und nun schlief er friedlich. Sie wollte sich dazulegen, konnte sich doch dann auch einfach ein wenig ausruhen, schaden würde es ihr auf keinen Fall.
Als sie bei ihm angekommen war ließ sie sich dicht neben ihm, aber jedoch ohne ihn zu berühren neben ihm nieder.
Ihr Kopf sank schwer auf ihre dicken Pfoten, bequem bettete sie ihn dort, bereit in einen Schlaf zu gleiten, der ihr weitere, frische Kräfte geben mochte. Doch ersteinmal musste sie all die Gedanken aus ihrem Kopf bekommen.
oO Wieso ist Urion so? So war er doch vorhin auch nicht. Warum legt er sich jetzt gleich mit anderen Wölfen an, die er nichtmal kennt. Weiß er denn nicht, dass das seinem Ansehen im Rudel sehr schaden kann. Vor allem, da er doch selber noch neu ist und gerade erst aufgenommen wurde. Und Ilias, ob das wohl gut geht? Ich mag ihn ja schon, aber wird er mich auch immer so mögen. Was wenn nicht? Vielleicht sollte ich da erst drüber nachdenken wenn es soweit ist... Oo
Ganz vorsichtig legte sie ihre Schnauze so, dass sie dicht an seiner lag, in der Hoffnung es würde nicht auffällig sein. Dann schloss sie ihre Augen und fing in all dem Tumult von kämpfenden Erwachsenen Wölfen, spielenden Welpen und all den anderen, einzudösen.
. . . Ein Schatten breitete sich über ihn aus, die Wärme eines anderen Wolfes umgab ihm und gab ihm Kraft. Langsam wachte Ilias aus seinen Träumen auf, öffnete langsam und vorsichtig seine Augen, erst das eine, dann das andere, um dann mit freuden festzustellen, dass die Fähe, von dem er geträumt hatte neben ihm lag.
o0 Träume ich immer noch? o0
Fragte er sich, denn so nah hatte sich Sheena noch nie an ihn gewagt. Vorsichtig zwickte er sich in die Pfote, um festzustellen, dass er nicht träumte, sonders es die Realität sein musste. Für ihn musste diese Nähe befremdlich sein, nicht aber auf eine negative Art und Weise, sondern einfach ungewohnt, da er lange keine Nähe mehr hatte. Kein Wunder also, warum er sich nach dieser eine lange Zeit lang sehnte. So hätte der unsichere Rüde sich auch am liebsten näher an sie herangekuschelt, doch wollte er ihr ihren Freiraum lassen. Ihre sonst so gelben Augen waren geschlossen und Ilias fand gefallen daran, sie anzublicken, während sie einfach so da lag und schlief. Sein Herz musste rasen, so verliebt war er mittlerweile in ihr.
o0 Wenn sie sich doch nur mehr trauen würde, wenn sie sich einfach mehr wagen würde, vielleicht wäre sie schon längst meine Gefährtin. 0o
Sie lagen so nahe beieinander, dass er ihren Atem in seinem Fell spüren konnte, jedoch berührten sich die zwei nicht. In voller Eifer und vor Liebe, weil er einfach nicht anders konnte, berührte er sanft ihre Schnautze und fing an einmal darüber zu lecken. Sofort unterließ er das, aus Angst vor den Konsequenzen und hoffte dass Sheena es nicht falsch verstehen würde, sondern so wie er es sich wünschte, dass Sheena es mochte...
Face hatte die schwarze Fähe nach seinen Worten angeschaut und die Bewegungslosigkeit fühlte sich langsam wie eine Art Starre an, die sich über seinen gesamten Körper ausbreitete. Sein Blick hing an ihren grünen Augen, kam einfach nicht mehr los, während sein Gehirn anfing zu arbeiten und immer wieder fragte, ob er so viel aus ihren Seelentoren lesen wollte, ob er sich nicht lieber abwenden sollte. Es war nicht wirklich das Gehirn, nein, es war jener alte Geist, der ihn schon sein Leben lang begleitete, der gewachsen und gereift war, bis er zum vollkommenen Schutzschild des Tiefschwarzen geworden war. Und doch konnte er sein Herz nicht davor bewahren immer schneller zu schlagen, als Ninniach schließlich näher kam und ihn berührte. Face spürte, wie sich seine Muskeln unter dem sanften Druck ihrer Schnauze, ihres Kopfes verkrampften und sich die Gefühle in ihm aufbäumten. Die Barriere, welche über die Jahre all die Abweisung, all das Leid und den Schmerz aufgesogen hatte und zu etwas nahezu Undurchdringbarem geworden war. Das Freisprechen von Gefühlen, das Abschwören vom Lächeln, das er nie hatte, von den Tränen, die er nie geweint hatte, das Wegbrechen von allem, was verletzen konnte, der Verweigerung des Lebens. All das, jede Kleinigkeit stieg in einem verzweifelten, inneren Aufschrei in ihm auf und zersplitterte an ihr. Ein kurzes Beben fuhr durch seinen Körper als Face Taihéiyo die Augen zusammen kniff und seine Schnauze nur hauchzart durch Ninniachs Nacken gleiten ließ. Etwas in ihm war aufgewacht. Er konnte nicht sagen was, er fühlte nur den Krieg, welcher sich in seiner geschundenen, vernarbten und gebrochenen Seele unumwendbar anbahnte.
Der Schnee um Tyraleen herum wurde mit jeder Sekunde kälter, dabei spürte sie ganz deutlich das warme Blut Averics, das sich in ihrem Fell verklebte und an ihren Pfoten leckte. Was hatte sie getan? Das Blut war ihre Schuld, sie hatte ihren Bruder angegriffen, den einzigen Bruder, den sie liebte, auf welche Art auch immer. Aber ebenso den Bruder, der sie getötet hatte und der sie so sehr gehasst hatte, dass etwas in ihr daran zerbrochen war. Eine Dunkelheit stieg am Horizont auf und breitete sich langsam und schmerzvoll über ihr Herz. Eine Dunkelheit, die sie nie wieder loswerden würde, die sie ihr Leben lang begleiten würde, was auch immer geschehen würde. Der schwarze Rüde hatte etwas in ihr zerstört, was niemand, nicht einmal mehr Engaya wiederbeleben könnte. Und sie hatte ihm dabei geholfen. Der Hass hatte sie angesteckt, hatte sich in ihre zarte Jungwolfseele geschlichen und würde sie vergiften, so wie sie Averic vergiftet hatte. Sie wollte das nicht. Sie wollte keinen Hass spüren, wollte Averic nicht verletzen, weder seelisch noch körperlich, wollte sein Blut nicht in ihrem weißen Fell schillernd wie Narben kleben haben. Averic hatte ganz still gehalten, hatte sich nicht gewehrt, hatte ihre Bisse und ihre Schreie stumm ertragen, dabei hätte sie ebenso seine Schläge verdient. Sie war kein unschuldiges Opfer. Seine Worte verdunkelten die Schwärze, seine plötzlich so deutlich spürbare Trauer überschritt alle Ufer des Ertragbaren. Eine Thräne Averics tropfte auf ihre Wange und rann sie hinab als wäre es ihre eigene. Langsam schob sie die Pfoten von ihren Augen und sah zu ihrem Bruder auf. Er sah schlimm aus. Seine Lefzen bluteten, an seinem Hals, seinen Schultern und seinen Läufen schimmerten Wunden, sein Kopf war tief gesenkt, nur die ozeanblauen Augen waren auf sie gerichtet, voller Verzweiflung und Schmerz. Mit zitternden Lefzen begann sie seine Wunden zu lecken, wusch das Blut fort, obwohl immer wieder neues hervorquoll und hielt doch nicht inne, als könnte sie damit nicht nur die Male ihrer Zähne heilen sondern ebenso den Hass von Averic waschen. Seinen Hass ebenso wie ihren Hass. Wenn sie aufhörte, seinen Hass zu schüren, vielleicht würde dann auch ihr eigener verschwinden und wenn sie aufhörten, sich gegenseitig zu hassen, vielleicht würde er dann endlich aufhören, ihr verletzender Reigen, der ihnen beiden so weh tat. Denn eigentlich, brauchten sie sich doch. Eigentlich viel mehr, als sie sollten.
“Es tut mir leid.“
Es kam nur ein heiseres Flüstern aus ihrer Kehle, ihr Schreien hatte ihr die Stimme und die Kraft genommen. Sie wusste sehr genau, dass es eigentlich so bedeutungslos wie die Entschuldigung Averics war. Er musste den Hass spüren, der sich von ihm auf sie übertragen hatte, er musste wissen, dass seine Anwesenheit sie immer tiefer in die Dunkelheit riss und dass sie doch nichts mehr wollte, als ihn an ihrer Seite zu haben.
“Wenn wir es gegenseitig versuchen … vielleicht wird er dann irgendwann verschwinden, der Hass.“
Gedanken schnürten ihr die Kehle zu, sie war auf einem Weg, den sie nie hatte gehen wollen. Sie war doch wie ihre Mutter, was sie immer so gehasst hatte, aber doch irgendwo wollte. Sie wollte lieben, wollte voller Liebe für sich und für andere sein … sie wollte nicht wie Averic werden. Doch von seinem Hass getötet zu werden, hatte den Hass nur immer tiefer in sie gebohrt und jede Sekunde, die sie mit Gedanken daran verbrachte, ließ alles nur noch dunkler werden.
“Hilf mir.“
Rakshee sah mit großen Augen zu Nienna hoch, als diese sich zu Kaede gesellte. Der Kleinen viel die Angst der Fähe gar nicht auf, und wedelnd tapste sie näher, um sie 'aus der Nähe' zu betrachten, was in etwa direkt unter Nienna stehen und zu ihr hochgucken bedeutete.
Nach ein paar Sekunden hüpfte sie wieder zu Kaede, und Jakash kam schon an, um ihre Frage zu beantworten.
Gerade wollte sie sich Oma Banshees Augen nocheinmal ansehen, aber da ging diese schon weg, und griff irgendwie in das Spiel der anderen ein.
"Mhh.."
Sie sah Jakash wieder an und wedelte eifrig, denn seine Frage war ganz leicht zu beantworten.
"So wie die von Masma, nur nicht so traurig!"
sprach sie begeistert, und sah dann wieder zu Kaede hoch.
"Ooh! Dann musst du ja schon ganz ganz alt sein!"
stellte sie fest, und überlegte, wie alt Papa sein konnte. Und wie alt war Oma? Bestimmt war es gut alt zu werden, denn je älter man war desdo größer und stärker war man auch. Also war Kade sehr stark, und sogar noch stärker als Mama und Papa!
Die große Fähe stellte die Schwarze vor, und im artigen Welpenjargon ging Rakshee gleich darauf ein.
"Hallo Nienna! Wie alt bist du?"
hakte sie gleich ein, um abzuschätzen wie groß und stark sie sein müsste.
"Ich glaube da ist ein bisschen was buntes gewesen...Jakash, guck mal nach ob du das Blau in Kaedes Augen sehen kannst!"
Kaum gesprochen, viel ihr wieder ein Haken an der Sache auf.
"Ähm, wie sieht blau eigentlich aus?"
Fragte sie, und sah von Nienna zu Kaede hin und her.
Dann setzte sie sich hin, und sah Kaede ganz ernst an. Ihre Rute wedelte nun etwas ruhiger, immerhin wusste sie ja gar nicht ob Kaede mit ihrer Idee einverstanden wäre.
"Du lächelst ganz viel. Mama nicht, Kannst du Mama das beibringen?"
fragte sie, und ihre Augen fingen an zu leuchten. Ihre vorherige Überlegung war längst wieder vergessen. Das beste Mittel gegen Trübsinn war noch immer gute Laune.
Etwas traurig war Sania schon als Zack von ihr schweifte. Aber die Sache dort drüben schien wirklich ernst zu werden. Müde ließ Sania ihren Kopf auf die Pfoten fallen und betrachtete das Schauspiel. Gerne hätte sie auch geholfen, aber in ihrem jetzigen Zustand war es einfach nicht möglich. Außerdem waren dort schon genug Wölfe die halfen,l aber richtig wissen wie sie sich jetzt verhalten sollte wusste sie auch nicht. Sie sah sich nochmal in der Höhle um und dann blieb ihr Blick erschrocken bei Madoc haften.
.oO( Madoc!!! )
Dachte sie.
Er stand gefährlich Nahe bei den Rüden. Er könnte in gefahr sein. So mutig und selbstüberzeug wie er war konnte es ihm vielleicht einfallen dazwischen zugehen! Sania erhob sich so schnell es ging und humpelte zu Madoc rüber.
Ja, sie hatte den Kleinen in ihr Herz geschlossen, auch wenn er einige Macken hatte. Es wunderte sie jedoch, dass er noch nicht bei seinem Bruder war. Aber das war ihr jetzt egal. Bei Madoc angekommen stellte sie sich schützend vor ihm. Sie wäre vielleicht nicht gerade in der Lage in wirklich beschützen zukönnen, aber immerhin konnte sie ihm Zeit zum Flüchten verschaffen. Falls das überhaupt nötig sein sollte. Wirklich glauben tat die Weiße das nicht, aber besser war es trotzdem bei ihm zu sein.
Als Madocs Bruder, Llywarch, aus der Höhle stürtzte, sah Sania ihm verwundert nach. Madoc würde ihm jetzt sicher folgen und das wäre auch gut so! Dann wäre er wenigstens in Sicherheit!
Nienna blickte nur noch verschüchtert und total neugierig um sich. Wie süß die kleinen Welpen doch waren und wie lebensfroh sie waren. Wahrscheinlich wäre es die richtige Endscheidung zu spielen. Wobei Nienna sich nun erst mal umschauen musste. Es waren so viele für sie neue Wölfe da gewesen. Schon allein die beiden Welpen vor ihren Augen. Die Schwarze hob ihren Kopf leicht an und fuhr mit ihrer Nase zaghaft durch Kaedes Fell.
"..Tante..ich muss dich einige Sachen fragen..und die erste Frage wäre wohl wie alt ich überhaupt bin..ich weis es nicht.."
Sagte Nienna leise und blickte kurz zu ihr hoch. Nun erhob sich die Fähe und blickte zu einem der Welpen runter. Sie müsste wohl Rakshee sein, ja genau die mit dem braunem Fell. Ein Leichtes Lächeln legte sich über Niennas Lefzen als sie mit ihrer Nase die Kleine leicht anstupste und den Kopf schief legte. Die Fähe wusste eigentlich selbst nicht wie sie antworten sollte, es war schon wieder so eine Frage die sie zum nachdenken bringen könnte. Nein, Nienna wollte nie wieder nachdenken ab jetzt. Vielleicht mal kurz, 5 Sekunden aber sie will nie wieder ein Tagträumer sein. Erneut stupste sie Rakshee kurz an und ein seltsames gefühl durchzuckte Nienna. Fast so wie ein Impuls schüttelte sie ihr Fell auf und umtippelte vorsichtig Kaede und Rakshee. Nienna ist ja selbst erst aus dem Welpenalter entwachsen.
Kurz blickte sie sich um und sah wen. Er (Ilias is da mal gemeint xD) turtelte mit einer weißen Fähe rum. Nienna Singollo senkte den Kopf rasch und hoffte sie würden ihre Eifersüchtigen Blicke nicht aufgabeln. Diese blauen Augen..die Schwarze musste erneut hoch schauen. Eine Weile lang starrte sie nur stumm rüber. Fast wie als ob man ihr die Luft abgestellt hatte, rang sie ganz leicht nach Luft. Nun senkte sie den Kopf und stupste erneut Rakshee an.
"..Wenn du spielen willst..nur zu.."
Sagte sie ihr leise un das Fell und lächelte zaghaft. Und erneut stiegen ihr diese grün blauen Augen in den Kopf. Sie überlegte sich wie sein Name wohl wäre oder..Schon wieder dachte sie zu viel nach..
Die Erkenntnis, dass es wirklich besser sein würde zu gehen, breitete sich mit jeder verstreichenden Sekunde schneller in Averic aus. Wie ein tödliches Gift, schleichend. Und es hätte die selben Auswirkungen für ihn. Neben dem, was in seiner Seele pochte, spürte er den Schmerz seines Körper nicht mehr, nicht die brennenden Wunden, die ihm Tyraleen zugefügt hatte. Das Leid war zu stark, denn sein Herz sträubte sich gegen den bedrohlich näher kommenden Beschluss. Das Innere des Pechschwarzen war so eingenommen von dem Toxikum, dass er erst gar nicht merkte, wie seine Schwester nun zu ihm hoch sah, obwohl seine dunkelblauen Augen immer noch auf ihr lagen. Wie ihre warme Zunge dann seine blutenden Wunden berührte, zuckte Averic unwillkürlich etwas zusammen, resultierend aus dem plötzlich spürbar werdendem Schmerz, der von seinen Verletzungen ausging. Verwirrt tauchte sein Geist wieder in das Hier und Jetzt zurück, er sah Tyraleen an, deren Verhalten er sich nicht erklären konnte, wo sie ihm das Fell doch grade erst aufgerissen hatte ... verdient. Trotzdem rührte sich Averic nicht und erst auf die Entschuldigung der Weißen hin, wurde die Realität wieder stechend scharf für ihn. Und genau so schmerzhaft wie vorher. Unerklärlicher Weise tat Tyraleen ihm jetzt aber genau so Leid, wie er sich selber. In was für einen Abgrund hatten sie sich da nur hinein gestoßen? Er war Schuld. Er hatte den Krieg begonnen. Sein Hass hatte mit all dem angefangen und der Schwarze hatte sie angesteckt, als wäre er eine Krankheit. Vielleicht würde sie nie genesen können, solange er da war. Wieder waren es diese Gedanken, die ihn so zerrissen. Das Wissen, dass sie besser ohne ihn dran war, weil sie dann nicht mit seinem Hass leben musste.
„Vielleicht sollte ich wirklich gehen ... dann kann ich dich auch nicht mehr verletzen.“
Averics leerer Blick hob sich, ging an Tyraleen vorbei und verlor sich über der weiten Schneeebene. Aber er wollte nicht gehen. Er wollte nirgendwo ohne sie hingehen. Die Geschichte hatte einen Weg eingeschlagen, den der Pechschwarze selbst nicht mehr nachvollziehen konnte, seine Gedanken kamen nicht hinterher und Heute war es, wie es war. Sie war seine Schwester. Und eigentlich doch mehr, seit einem Zeitpunkt, den er nicht bestimmen konnte, den er selbst nicht mitbekommen hatte. Momentan ruhte der Hass, er war ein Monster das sich erschöpft in den Schlaf gekämpft hatte. Wie konnten sie ihn verschwinden lassen, wo er sich sogar schon geteilt hatte und auch auf Tyraleen übergegangen war? Sie bat ihn um Hilfe. Ihn, der Schuld am Ganzen war und es klang wie ein Flehen. Averics Augen, die keine Farben wahr nahmen, sahen wieder in Ihre.
„Ich würde alles dafür tun, zu wissen wie ...“
Er fühlte sich hilflos und machtlos, eben der, der sowieso schon alles verloren hatte. Und an ihr klebte sein Blut. An ihm klebte alles Blut. Das von Acollon, das von seiner Mutter, das seiner Schwester ... ohne es gewollt zu haben. Averic senkte leicht den Kopf und fuhr ihr mit der Zunge über den Schnauzenrücken, um wenigstens sein eigenes Blut von ihr fern zu halten. Als könne er das Geschehene fort waschen. Und doch wusste er, dass dies nie möglich sein würde und das es immer schwer auf seinem Herzen lasten würde. Er wollte ihr so gerne helfen ... aber auch sich selbst.
Die kleine Fähe schloss die Augen... All die Wege, die sie gegangen war, allein... hatten sie endlich ihr Ende gefunden? Hier in diesem Moment? War es das, wonach sich ihr Herz gesehnt hatte, was ihre Seele gefürchtet hatte? Ihr Atem ging zittrig aus ihr heraus und ihre Muskeln schinen plötzlich zu erschlaffen, nicht mehr die Kraft zu haben, sie aufrecht zu halten.
" Ist es das, worauf man ein Leben lang wartet, selbst wenn man nie in den Genuss kam, es zu spüren? ",
murmelte sie leise und rieb ihren Fang sanft an seiner Seite entlang, bevor sie sich wieder losmachte um ihn anzusehen. Was es dieser Moment, für den sie hatte perfekt sein wollen? Es war immer alles so leer gewesen... und jetzt schien plötzlich alles, was sie gebraucht und gesucht hatte, vor ihr zu stehen.
" Ich habe nie wirklich gewusst, wovon sie reden, wenn sie über Liebe sprechen... ich glaube, ich beginne zu verstehen... "
Sieh sah ihn entschuldigend an und senkte den Kopf. Sie wusste nicht, ob es dumm war, das zu sagen... aber irgendwie tat es gut, sich ihm anzuvertrauen.
.oO( Bitte geh nicht weg von mir, weil ich dumm war. Bitte, lass mich jetzt nicht hier stehen... alles was ich will ist in deiner Nähe sein, bei dir sein und deine Wärme spüren... Bitte, sag, dass du nicht weggehst!)
Ruhig hatte sich Kensharion das Schauspiel der Fremden angesehen und dabei ganz vergessen, auf Cumará zu antworten. Ihre Worte jedoch hatte er mitbekommen und wusste nun, dass die weiße Fähe eine Autoritätsperson war. Seine Augen glitten gelassen über die Situation, denn er hatte nicht die Absicht, sich einzumischen. Das war nicht sein Problem, wenn sich anderen bekämpften, oder zumindest dachte er so.
Er sah, wie eine weitere Schwarze Fähe hinzukam, um sich dem Braunen und dem Schwarzen in den Weg zu stellen. Als aber auch noch Cuma und eine andere weiße Fähe ins Geschehen schritten, wurde die Situation immer angeregter und der Schatten fragte sich, wofür es denn gut war. Er hätte eingreifen können, aber hätte es die gereizte Atmosphäre verbessert? Hätte er damit den anderen geholfen? Nein, gewiss nicht, er hätte nur alles verschlimmert, einen weiteren „Gegner“ konnte schließlich keiner von den Wölfen gebrauchen. Mit ruhigem Blick verfolgte er jede einzelne Bewegung der Wölfe, setzte sich dabei aber beinahe desinteressiert auf den Boden. Eine Weile ließ er sogar seinen Blick schweifen, sah sich die Höhle genauer an und beobachtete das Treiben der anderen Wölfe, bevor er wieder zu den Streitenden blickte.
Obwohl die Rede davon war, dass sie sich gegenseitig umbringen wollten, geriet Kenshi nicht aus der Fassung, schließlich war doch diese Autoritätsfähe da, sie und vielleicht auch einige andere vom Rudel würden es schon unter Kontrolle bekommen. Sein Einmischen würde nur weitere Schwierigkeiten für sie bedeuten. Schließlich fiel sein Blick auf einen weiteren Rüden, der sich ebenfalls in das Geschehen einmischte. Es war der, der den weißen Welpen und die Weiße Fähe zur Höhle gebracht hatte.
.oO(Vielleicht sollte einer von ihnen mal merken, dass es dadurch nicht besser wird…)
Dachte sich der Schatten und beobachtete noch immer das Geschehen. Kurz nachdem er seinen Gedanken beendet hatte, ging auch noch die verletzte, weiße Fähe hinzu, die noch zuvor auf dem Boden neben Zack lag. Kopfschüttelnd verfolgte er ihre Bewegungen, bevor sie sich schützend vor den Albinowelpen stellte, der wiederum kaum zu merken schien, dass er eventuell in Gefahr war. Er verstand die Wölfe einfach nicht, viel lieber wäre er noch immer bei den Bären gewesen. Doch mit kaum zu deutendem Kummer in den Augen musste er sich eingestehen, dass auch der schönste Augenblick seines Lebens ein Ende haben würde.
Als er wieder auf die, nun kämpfenden, Wölfe blickte, wusste er plötzlich, dass er sich verändert hatte. Früher hätte er sich bestimmt auf eine Rauferei eingelassen und war auch jetzt in der Lage es zu tun, schließlich war sein Körper muskulös und seine Kampftechniken waren geübt. Doch er wollte es gar nicht, er hatte nicht den Wunsch dazu sich in so eine Situation zu verwickeln und von Cuma hätte er es auch nicht erwartet. Wieso tat sie das? Bei ihrer ersten Begegnung war sie ganz anders gewesen, als jetzt, er Kensharion kannte sie schlecht.
Die Wunden Averics waren ausreichend versorgt, dennoch fuhr Tyraleens Zunge immer und immer wieder über sie, als würden sie, wenn sie nur nie aufhörte sie zu waschen, irgendwann ganz verschwinden. Aber die feinen Einstiche ihrer Zähne blieben und begannen irgendwann wie höhnisch lachende Fratzen mit weit aufgerissenen Mäulern um sie herum zu tanzen. Sie waren die lebendigen Zeichen ihres Hasses. Erst als Averic etwas sagte, hielt sie inne und zog irgendwann fast beschämt ihre Schnauze zurück. Sein Blick ging in die Ferne, als würde am ewig weißen Horizont eine Antwort stehen.
“Wenn du mein Gift warst, finde ich auch nur bei dir das Gegengift.“ Ihr Blick folgte seinem, haltlos. “Es ist dein Hass, nicht meiner.“
Irgendwann spürte sie wieder seinen Blick auf sich, zögerte jedoch, ihn zu erwidern. Sie hatte ihm bis jetzt nicht in die Augen gesehen, jedenfalls nicht direkt. Sie hatte Angst davor, darin Hass zu sehen, wenn auch nur ganz tief drinnen, aber irgendwo würde er lauern. Endlose Sekunden ließ sie verstreichen, bis sie langsam den Kopf wandt und das Blau seines Blickes sich mit dem Bernstein ihrer Augen traf. Er sah hilflos aus, erschöpft, traurig, fast verzweifelt, aber kein Hass. Er schlief. Schlummerte in ihm und konnte jede Sekunde wieder hervorbrechen. Sie war sich nicht sicher, ob sie es ertragen würde. Plötzlich senkte Averic die Schnauze, fuhr ich über die Lefzen und die Nase, wusch sein Blut von ihrem Maul. Das hatte er noch nie getan. Es war ein seltsames Gefühl und doch kam es ihr vor, als würde er versuchen, sie nicht nur von dem Blut zu reinigen. Sondern ebenso von seinem Gift, bekämpft mit etwas viel Subtilerem als körperliche Zärtlichkeiten. Gerade jetzt kamen ihr die Worte ihrer Mutter in den Sinn. Sie wusste ganz genau, was Banshee auf Averics halbe Frage antworten würde. Liebe… universell gültig, jedes Problem beseitigend. Tyraleen erwischte sich bei feinem Spott, nie würde sie daherpredigen wie ihre Mutter, jetzt aber spürte sie, dass genau dieses Gefühl ihnen beiden so sehr helfen würde.
Sie setzte sich mit einem Ruck auf, rutschte ein wenig von Averic weg, nicht weil sie nicht in seiner Nähe sein wollte, sondern weil sie ihn richtig ansehen wollte. Die Worte brannten ihr auf der Zunge, wollten aus ihr heraus auch wenn sie sie zurückhielt. Es war keine Vernunft, nicht einmal eine solche, dass sie sich dadurch gegenseitig heilen konnten, es war keines Gefühl und doch so kristallklar, als hätte es Engaya selbst ihr gesagt.
“Ich liebe dich.“
Es klang nicht glücklich.
Die kleine Streiterei zwischen den zwei Rüden und Nyota legte sich kurz nach Banshees Eingreifen. Sowohl Takashi als auch Urion ließen sich dazu bewegen, von nun an friedlicher zu sein und versprachen, sich an die Rudelregeln zu halten. Damit herrschte zwar noch ein wenig Misstrauen, trotzdem wurden alle Wölfe ins Rudel aufgenommen. Die Zahl der Wölfe hatte sich wieder vergrößert, doch dank des Frühlings und der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr ins Tal, machten sich die Leitwölfe wenig Sorgen. Zumindest nicht mehr als sowieso schon. Die Welpen wurden freundlich vom Rudel begrüßt und auch wenn das alles für die fünf Kleinen sehr schnell ging, fanden sie sich doch gut zurecht. Plötzlich von viel mehr Wölfen ernährt und beschützt entwickelten sie sich weit besser als in der engen Welpenhöhle und auch ihren Eltern ging es deutlich sichtbar wieder besser. Es sollte eine gute Zeit anbrechen … und mit ihr kam der Sommer.
Es war sein Hass, nicht der Tyraleens. Da hatte sie Recht. Es war sein Gift, das durch seinen Körper rauschte und dennoch hatte er es geschafft auch sie zu vergiften. Averic wusste nicht wirklich, ob er das Gegengift sein konnte, wenn in ihm immer noch dieser unheilvolle Stoff floss. Er wünschte, er würde endlich versiegen und glaubte doch nicht an die Erfüllung dieses Wunsches. War er nicht so geschaffen worden? Hatte nicht alles einen Zusammenhang, der ihn schon sein Leben lang begleitete? Alles führte zu ihm, der schwarzen Gestalt mit den glühend roten Augen. Der Tod. Vielleicht würde ja schon Besserung auftreten, wenn bloß Acollon nicht mehr auftauchte. Aber er sprach diesen verbitterten Gedanken nicht aus, er würde ihnen keineswegs weiterhelfen. Averic befürchtete eher das Gegenteil.
Es hatte irgendwie etwas bitter ironisches an sich, wie sie nun hier saßen und sich gegenseitig die Wunden wegwaschen wollten, die sie sich selbst zugefügt hatten. Averic konnte keine äußerlich sichtbaren Wunden auslöschen und wenn er ehrlich war, würde er auch die Inneren nicht heilen können. Nicht er, nicht jetzt. Zumindest besaß er nicht den Optimismus das zu glauben – das Gegengift zu sein. Sehr schnell hob er den Kopf auch wieder und ließ ab. Auch Tyraleen trat zurück, während der Pechschwarze sie weiterhin stumm ansah. Er fixierte ihre Augen und ihm war, als würde sie ihn zum ersten Mal seit langem wieder richtig ansehen, so, dass er viel besser sehen konnte, was in ihnen lag. Oder vielleicht eher, was nicht mehr in ihnen lag ...
Die darauf folgenden Worte seiner Schwester hätten ihn aus der Bahn werfen sollen, taten es auch in gewisser Weise, Averic brauchte ein paar Sekunden um zu registrieren, welche drei Worte er da aus ihrem Mund gehört hatte. Eine seltsame Fassungslosigkeit ergriff ihn vorerst und doch war sie nicht so, als hätte Averic nie im Leben damit gerechnet. Es war ... es war mehr ... undefinierbar. Weil, auf einer Seite so klar. Als wäre es etwas, das so sein musste. Und doch ließ es sich nicht mit Freude verbinden, auch Tyraleen hatte nicht so geklungen. Averics Blick veränderte sich ein wenig, melancholisch. Ihm blieb nur eines zu sagen.
„Ich dich auch.“
Es war ein verrückter Tanz, den sie hier zusammen, um sich selbst, drehten. Und ihre Worte kein Geständnis ... und keine Lüge.
„Ich will, dass das Gift versiegt.“
Was in Averics Kopf vorging, konnte Tyraleen noch immer kein bisschen einschätzen. Ob er ihr zustimmte, ob er ihr Gegengift sein wollte, ob er seinen Hass zurückwollte. Am liebsten hätte sie allen Hass, Averics und ihren – oder eben seinen – gleichermaßen gepackt und in die tiefen Spalten des ewigen Gletschers geschleudert. Aber Gefühle waren viel zu subtil um sie so loszuwerden und die Weiße ahnte, dass es viel schwerer sein würde, den Hass wieder aus sich herauszubekommen als ihn aufzunehmen. Das war so leicht gewesen, dass sie es nicht mal bemerkt hatte. Oder vielleicht doch? Hatte sie nicht schon bei ihrem ersten richtigen Gespräch mit ihrem Bruder gespürt, dass er sie mitriss, in seinen gefährlichen Tanz? Sie hatte es gewusst … und trotzdem nie von ihm abgelassen. Er war immer mehr gewesen als ihr verschlossener, ungeliebter Bruder.
Sie hatte gewusst, dass er so antworten würde und doch gehofft und ebenso mit Bangen erwartet, dass er über sie den Kopf schütteln würde. Sie wusste nicht, was sie wollte. Sie wollte nicht ihren Bruder lieben, sie wollte auch nicht explizit Averic lieben, der sie getötet und gehasst hatte und der so vollkommen anders war als alle anderen. Und doch wünschte sie sich, stumm bei ihm sein zu können, wünschte sich, dass es ihm gut ging, dass sie gemeinsam all dieses Leid ausstehen würden und dass sie am Ende miteinander im Reinen ein Leben an seiner Seite führen dürfte. Denn sie war stolz, auch jetzt an seiner Seite zu sein; in den verzweifelsten Momenten seines und ihres Lebens. Der Hauch eines Lächelns wehte über ihre Lefzen, sie schluckte, dann nickte sie.
“Und … jetzt?“
Ein großartiges Liebesgeständnis, zwei junge Wölfe, die zueinander gefunden hatten … und doch war kein Glück in der Luft zu spüren und Tyraleen war hilflos. Sie hatten sich gestanden, was sie sowieso schon wussten und trugen jetzt doch die zusätzliche Last des Geheimnisses. Was taten zwei Verliebte? Sich umturteln, sich aneinanderschmiegen, miteinander lachen, miteinander spielen? So waren sie beide nicht … sie liebte ihn nicht wegen seinem Witz, seinem Charme oder seiner Wortkunst. Sie liebte ihn, sein tiefstes Inneres, seine Gedanken, seine Seele und doch konnte sie mit dieser Liebe plötzlich nichts anfangen. Wäre alles viel einfacher, hätte es ihr genügt, sich neben ihn zu setzen und seine Wärme zu spüren … doch nichts war einfach. Er hatte sie nicht nur getötet und seinen Hass in sie gebracht, den sie nun beide loswerden wollten, sondern sie waren auch noch Geschwister.
“Das wird es.“
Kein Mut war in ihrer Stimme zu hören. Sie war doch nur ein Jungwolf, der vor seinem jungen Leben saß und es bat, so einfach zu sein wie das eines jeden anderen Jungwolfs.