Nihilus
06.01.2011, 12:35

Es gefiel ihm hier, ja, das musste der Helle eindeutig zugeben. Auch wenn er zu Anfang seines „Lebens“ nie damit gerechnet hätte, einen anderen Ort mehr wert schätzen zu können als seine Heimat. Oder war es einfach nur die Furcht vor dem Ungewissen gewesen, die ihn selbst daran gehindert hatte daran glauben zu können, dass Veränderungen oft sehr hilfreich waren? Jetzt, wo er es geschafft hatte seinen eigenen Schatten zu überspringen, war es so leicht hier zu verweilen, zu träumen – welch eine Gabe dieser Schlaf war! – und einfach alles auf sich zu kommen zu lassen. Es war sogar soweit gekommen, dass sich der schreckhafte Rüde vom Rudel entfernte: wanderte und das Revier auf eigene Pfote erkundete. Zwar war seine kleine Reise nur bis zum Wasserfall gegangen – von dort an fühlte er sich mit jedem seiner kleinen Schritte immer schwächer, doch wollte er es selbst nicht ganz wahr haben, woran das liegen könnte. Besser gesagt: er wusste den Grund, doch es war ihm nicht gestattet diesen zur genüge auszudiskutieren, um eine Lösung zu finden – doch es hatte ihm bisher gereicht. Die Schönheit, die der vergangene Frühling – oder hielt er etwa noch an? Es war so schwer zu sagen, wann der Übergang in die warme Jahreszeit stattfand – über das Land brachte war so atemberaubend, dass selbst der kleine Streifzug Nihilus nicht dazu bringen konnte Worte zu finden um ihn zu beschreiben.
Es war einfach nur zu genießen. Jeden wärmenden Sonnenstrahl, jede duftende Blume. Das angenehme Gefühl, die Kälte endlich hinter sich zu haben.
Langsam, als ob er das Gras unter sich dadurch zwingen wollte nicht zu brechen, setzte eine Tatze vor die andere auf in die Richtung des schmalen Bachs, dem er zuvor in gebürtigem Abstand gefolgt war. Ob es nun dem kleinen Sprint über das wohlriechende Grün zu verdanken war, dass sein kleines Herz in der Brust hämmerte und Zunge sich wie ein rauer Stein in der Schnauze anfühlte, oder an dem vorher benannten Grund: sichtbar war, dass der Durst ihn leitete und zu dem klaren Wasser führte, in das er auch sogleich die Schnauze tränkte. Es hätte das Selbe sein können, dass er eben noch beim Fall beobachtet hatte, wenn seine Tatzen vorher nur schneller aufgesetzt wären. Doch darüber wollte er sich gar nicht erst streiten: wie sollte er, ein Pelzträger, gegen die Mächte der Natur ankommen? Das war unmöglich. Gütig genug, dass er sich an ihr nähren durfte: somit ließ er die anmaßenden Geschwindigkeitskämpfe lieber sein und genoss das kühle Nass, das den Rachen erfrischte, bevor er sich auf die Hinterhand nieder senkte und einfach nur den fließenden Bewegungen vor sich Beachtung schenkte: Leben. Es war traumhaft schön.

(Hab' mir mal die Bachbiegung zwischen den Mischwäldern als Örtchen ausgesucht, wenns recht ist. ^.^)

Ráyon
06.01.2011, 13:10

Einen Tag war es nun schon her, dass Ráyon von den schrecklichen Geschehnissen in diesem Rudel gehört hatte. Ein Ereignis, das selbst ihn, den immer fröhlichen, verspielten und gutmütigen Rüden erschüttert und der Fassung beraubt hatte. In der Nacht schlief er schlecht und erwachte früher, als er es gewollt hatte. Finstere Träume suchten ihn in der Nacht heim und selbst jetzt, mit wachen Augen, sah er grauenvolle Bilder vor sich. Er musste sich bewegen, so beschloss er, dann würde es ihm sicherlich besser gehen und er konnte diesen warmen Frühlingstag noch genießen.
Seine Pfoten führten ihn rasch tief in den Mischwald. Licht bahnte sich seinen Weg durch das lichte Blätterdacht und erläuchtete den Boden, der vor Blumenpracht nur so strahlte. Das Wetter war gut und man konnte fast riechen, dass der Sommer nicht mehr weit war. Vielleicht würde er morgen schon beginnen? Vielleicht hatte er gar schon begonnen? Haarspalterei sich übe ein solches Detail Gedanken zu machen. Letztenendes verirrte man sich nur in Kleinigkeiten, die das Leben kaum beeinflussten. Und das war Verschwendung, war es nicht? An einem solchen Tag sollte sich niemand in seine Gedanken flüchten. Es war so schön, das Schauspiel von Blättern und Licht.

Bald schon fand sich Ráyon an einer Lichtung wieder. Er erkannte sie nicht, doch diese Lichtung hatte er auch durchquert, als er Hals über Kopf in das Revier hineingestolpert war. Es hatte gestürmt, der Wind war ihm um die Ohren gepeitscht und der Regen hatte ihm auf den Rücken getrommelt. Eine Erinnerung, die inmitten der vielen neuen Geschehnisse, neuen Bekanntschaften schon fast verloren war. Es gab jedoch etwas, das verriet, wo er sich befand - nämlich nah an der Grenze des Reviers.
Das Plätschern eines Baches war es, dass die Aufmerksamkeit des Rüden auf sich zog. Er hatte Durst und Bachläufe waren oft ein schöner Ort um zu verschnaufen. Immerhin war der Braune schon eine ganze Weile durchs Revier geirrt. Mit langen Schritten folgte er dem Rauschen, bis er die ersten Reflektionen im Blätterdach sah und endlich das kühle Nass vor ihm auftauchte. Doch ein Geruch verriet, dass er nicht allein war. Irgendwo hier war ein anderer Wolf. Einer, den Ráyon nicht kannte, der jedoch den Duft des Rudels an sich trug. Ein paar Schritte noch und dann sah er ihn. Auf der anderen Seite des Baches, gut ein Dutzend Meter von ihm entfernt stand ein weißer Rüde, ein Jungwolf. Noch einer. Der Vierjährige schmunzelte bei dem Gedanken daran, dass er bisher nur junge Wölfe kennengelernt hatte. Sheena einmal ausgenommen.
Er kläffte, um auf sich aufmerksam zu machen und wedelte mit der Rute. Er wollte dem Weißen nichts böses und ihn erstrecht nicht verängstigen.

» Hallo, Wolf. «, sagte er und grinste, als wäre es außerordentlich lustig einen Wolf als solchen zu benennen. Das war seine Begrüßung. Mehr viel ihm nicht ein, denn obgleich er die schrecklichen Bilder und Gedanken nicht mehr im Kopf hatte, so war da immer noch diese finstere Wolke die sein Gemüt beschattete.

Hilel
06.01.2011, 14:57

Die Luft war erwärmt von den zahlreichen Sonnenstrahlen, die auf die Erde hin abfielen. Sommer – so ein unbekanntes Gefühl. Wärme umhüllte die Schwarze, ihr Fell dick und nicht für jene Jahreszeit, doch sie genoss jeden Lichtschein. Jeden Gruß von der Natur, das die Kälte vorbei war. Ja, jene war ihr bekannt. Kälte. Es war einerlei in welcher Form. Die alten Gedanken, die sie jeden Schritt verfolgt hatten, bis sie hier hergefunden hatte, fielen von ihr herab, wie Schnee von einem Pelz der sich mühselig schüttelte. Es waren die einzelnen Flocken ihrer Vergangenheit, sie fielen und schmolzen im Schein der Sonne. Es war eine Genugtuung und eine Erleichterung. Sie hatte es geschafft. Sie hatte nie daran gezweifelt. Doch genügend andere, aber diese waren nun nichtig, für immer – So war ihr Vorhaben und sie wusste sie würde es vollbringen. So wie alles, was sie sich in ihrem noch recht jungen Leben vorgenommen hatte.
Ihr einseitiger Blick wanderte stetig, wie auch ihre Schritte nicht zu Ruhe kamen. Innerlich war sie jedoch in dieser angekommen. Aufmerksam betrachtete sie ihre neue Umwelt. Hilel konnte es sich gut vorstellen hier leben zu wollen. Es war nicht wie ihre Heimat und dies war ihr Wille. Sie wollte die Wärme genießen, mit den abwechselnden Jahreszeiten und sie wollte die Welt entdecken. Gerne wäre sie auf ein Rudel gestoßen. Während ihre Pfoten sie immer weiter brachten und sie eine nach der Anderen sacht auf den weichen und lebendigen Boden setzte, schien es ihr tatsächlich so, als hätte sie fremde Wölfe gerochen. Ihre Sinne ließen sie nur selten im Stich, doch in jenen Moment begann sie zu zweifeln. Nach einigen Metern verschaffte die Zeit ihr jedoch Gewissheit. Das Kläffen eines Wolfes, ganz deutlich in ihrem Gehör. Aufmerksam und neugierig ging sie weiter. Der Ton des Fremden war keinesfalls erbost, er klang viel mehr einladend und verspielt. Es war ihre Freude auf andere Wölfe zu stoßen, die deutlich wurde, anhand einer wedelnden Rute und doch war sie, jene die sie immer war. Denn vorsichtig, ging sie voran. Nie hätte sie sich so sehr lösen können und wäre losgestürmt, in mitten jener, die ihr fremd waren. Zwischen den Bäumen spähte sie hindurch. Ein Bach floss vor ihrem Auge entlang, im Sonnenschein glänzte er einladend, wie in einer kleinen fremden Welt. Alles schien friedlich und offen. Auch ihr Blick auf die Fremden änderte diesen Eindruck nicht. Sie erkannte erst jetzt, dass es sogar zwei waren. Doch beide hatten einen Geruch der sie vereinte, sie gehörten womöglich einem Rudel an. Ihre Gedanken kreisten kurz, der eine Rüde hatte ihr den Rücken gekehrt, der Weiße schien selbst sein Rudelmitglied noch nicht recht bemerkt zu haben. Er sah erschöpft aus, wahrscheinlich hatte er getobt. Das Wetter regte dazu an, dies konnte Hilel nicht abstreiten. Es dauerte wie eh und je einen Moment, bis sie sich zusammenriss.
Einige Schritte ging die Wölfin noch voran, aus den Bäumen hervor, auf die Lichtung. Ihr Fell glänze im Schein der Sonne, sie war nicht mehr verborgen, sondern offen.
„Seid gegrüßt…“ sprach sie sicher, trotz ihrer so meist vorsichtigen Art, war sie keinesfalls unsicher, sondern eine selbstbewusste Persönlichkeit. Sie hoffte nun mehr, der Wolf in dessen Rücken sie steht, würde sich nicht erschrecken. Darauf bewegte sie sich geschmeidig in einer Kurve, auf das auch er sie erblicken konnte.

Nihilus
08.01.2011, 16:04

Der Helle war viel zu sehr damit beschäftigt, die vergangenen Ereignisse noch einmal zu wiederholen und durchzuarbeiten, als dass er jegliche Geräusche, Witterungen oder Bewegungen hätte wahrnehmen können. Obwohl er nun nahezu jede Jahreszeit einmal durchlebt hatte, war alles so neu. Jeder Sonnenstrahl eine Wohltat und jeder Windstoß eine willkommene Abwechslung. Und vor allem seine Artgenossen hatten es ihm sichtlich angetan: auch wenn es ihm nicht behagte diesen so nahe zu sein, wollte er noch weniger ihre Gesellschaft missen.
Obwohl die Gedanken seiner Situation gerade so ähnelten, zuckte der voluminöse Leib des Hellen in sich zusammen, als eine Stimme zu vernehmen war – die Hinterhand aus Reflex abwendend, kam er dem Wasser näher als erhofft und sank gleich ein Stück weit mit den Pfoten in das aufgeweichte Ufer, bevor er sich des Rüden bewusst wurde, der gesprochen hatte.

„Du hast mich erschreckt!“ , prustete er ziemlich verloren einfach hervor, nachdem er den Auslöser erkannte.

Es war mehr eine intuitive Handlung zu antworten, als dass er wirklich vorher einen Gedanken daran verschwendet hätte. Mit der Annahme, dass ein Pelzträger weder schlechte Neigungen, noch böse Absichten besitzen und verfolgen könnte, stand für ihn eindeutig das Wohlwollen des Gegenübers fest. Nur dass sie beide allein hier waren störte ihn… meistens würde auf so etwas ein Gespräch folgen, das würde schwierig werden. Was gab es schon zu erzählen, außer die normalen Floskeln? Und das sie beide dem gleichen Rudel inne wohnten, zumindest hatte er den Artgenossen dort schon öfters getroffen. Vorsichtig, um nicht das Gegenteil zu bewirken, zog der die Tatzen aus dem weichen Untergrund des Ufers hervor und versuchte wider an festen Boden zu gewinnen, sorgfältig darauf achtend dem Wasser den Rücken zuzukehren, bevor er sich zur Besinnung rief und nun die Ohren in freundlicher Absicht nach vorne richtete.

„Ja, hallo..“ , zögernd – sollte er ihn jetzt auch „Wolf“ nennen? – nein, das wäre kein sehr guter Start. Er brauchte etwas anderes, etwas freundliches! „..Brauner.“

Mist. Da gab es doch so viele bessere Bezeichnungen!
Doch mehr Zeit bleib dem Hellen gar nicht sich selbst zu tadeln, denn sogleich folgte ein weiterer Laut, der nur einem Artgenossen entstammen konnte. Als hätte sein junges Herz nicht schon schnell genug gepocht nach der Schocksituation grade, setzte abermals für einen Moment aus, bevor es den holprigen Rhythmus wider aufnahm. Der Schwarze war ihm nicht bekannt! Skeptisch warf er einen Blick auf den „Braunen“, suchte ein Anzeichen dafür, dass der Fremde auch wirklich einer war und nicht einfach nur von Nihilus übersehen worden war, doch wurden seine Nachforschungen von der Stimme – eine Fähe! Das war gar kein Fremder, sondern eine Fremde! Hätte er ja auch eigentlich an den Bewegungen erkennen können. – unterbundnen wurden. Leise brummelnd, ungewiss wie er sich verhalten sollte, schrumpfte er in sich zusammen. Nicht vom Körperbau her, eher von seinem Selbstbewusstsein.
Hilfe suchend warf er dem ersten Ankömmling einen Blick zu, blieb jedoch lieber weiter hinten, um die Situation zuerst richtig abzuschätzen.

Ráyon
10.01.2011, 18:51

Die Ereignisse überschlugen sich regelrecht, doch Ráyon fand das toll.

Scheinbar hatte er den weißen Rüden erschreckt. Zumindest sagte er das, als Ráyon es ohnehin schon bemerkt hatte. Ein entschuldigendes Lächeln befiel die Lefzen des Rüden.

» Verzeih, Wolf. Das war nicht meine Absicht. «

Er hüpfte auf und ab, voller Übereifer. Am liebsten hätte er den Jungwolf sofort umgesprungen, einfach nur um diesen unglaublich schönen Tag zu genießen, an dem fast alles so schien wie Früher, bevor er das Revier der Sternenwinde betreten hatte. Nur seiner Willenskraft war es zu verdanken, dass der Braune nicht sein komplettes Körpergewicht auf den Weißen warf, sondern relativ ruhig einige Meter von ihm entfernt auf der anderen Seite des Ufers verharrte und sein gegenüber etwas eigen angrinste.
Man konnte Ráyon vielleicht als verrückt beschreiben. Als verrückt, verwirrend und ziemlich bekloppt. Trotz dieser Eigenschaften war er jedoch keineswegs böse, oder gemein. Das Problem war, dass es für ihm Fremde manchmal so rüber kam, als wolle er ihnen was böses. Dieses Grinsen, verbunden mit seiner Größer und Breite konnte doch schon relativ bedrohlich wirken. Gut war es, dass dieser junge Rüde, den Ráyon soeben getroffen hatte, sich nicht einschüchtern ließ. Das wirkte sofort sympathisch auf den Kuschelwolf.
Das half allerdings nicht dabei sich etwas einfallen zu lassen, dass er hätte sagen können. Ráyon sagte "Hallo.", der Weiße hat sich erschreckt, Ráyon entschuldigte sich. Und nun?

Er konnte fast von Glück reden, als im nächsten Moment eine Stimme hinter ihm erklang, die ihn zwang sich umzudrehen. Dieses Mal war es an ihm sich zu erschrecken, doch dieser Schreck floh sogleich wieder, als er sah, was dort gesprochen hatte. Eine Fähe, vermutlich auch noch relativ jung, mit schwarzem Pelz. Gerade, als er sie erspähte, lenkte sie ihre Schritte so, dass Ráyon sich nicht hätte umdrehen müssen.
Das war ihm nun jedoch gänzlich egal, denn sein Übereifer kochte hoch, bis er sich nicht mehr halten konnte. Er sprang herum, als hätten ihn hundert Flöhe gebissen, und tollte geradewegs auf die Schwarze zu, während er auch die Schwarze freuenüberstömt begrüßte.

» Hallo meine Liebe! «

Er strahlte über das ganze Gesicht, als er endlich neben ihr stand und vorsichtig mit seine Nase ihren Nacken berührte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie den Geruch das Rudels nicht an sich trug. Etwas verwundert und verwirrt trat er ein paar Schritte zurück und musterte sie mit plötzlicher Ruhe bis ins Detail.

» Wer bist du? «

Seine verdutzte Frage brachte ihn selbst zum Lachen. Er prustete los, ohne das es half sich zusammenzureißen. Bei diesem Gelächter fiel ihm ein, dass er auch den Namen des weißen Rüden nicht kannte, doch er fand keinen Atem um ihn danach zu fragen.


[ Komischer Text, verzeiht. ^^' ]

Hilel
10.01.2011, 22:31


Still stand der Neuankömmling da. Sie beobachtete das Geschehen. Der Weiße, der sich erschrak, sich zurück zog und beinahe überfordert schien von dieser Situation und dann, kam auch noch sie, Hilel, die ihn gänzlich überforderte. Jedenfalls schien es ihr so. Er verlor kein Wort, nur einen Blick zu dem Braunen, seinem Rudelmitglied. Jener war offen, ja gar verspielt und begrüßte die Schwarze mit einer Herzlichkeit, die ihr gänzlich fremd schien. Er stürmte auf sie los, wie von einer Tarantel gestochen. Hilel erschrak beinahe selber, doch sie konnte sich beherrschen. Es war schwer für sie, angespannt stand sie da, verharrte einen Moment. Sie wollte nicht so misstrauisch wirken, wie sie es nun mal war. Bald darauf wandelte sich jedoch das Bild. Jener der eben noch so offen, wich zurück, nun war er es, der von Argwohn erfüllt war. Erleichtert konnte aber auch sie zurück weichen. Dieses Gefühl. Fremdartig war es ihr vorgekommen. Seine Schnauze in ihrem Nacken, seinen Atem spüren zu können. Sie musste lange darüber nachdenken – Wie lange war es her, solch eine Begrüßung zu erleben, so freudig…Sie konnte sich nicht erinnern, hatte sie je so eine erhalten? Langsam musste sie schmunzeln, ihre Lefzen verzogen sich. Der Rüde war ernst geworden, bis er gar einen Lachanfall bekam. Leicht legte sie ihren Kopf schief und betrachtete ihn aufmerksam durch ihr blaues Auge. Ihr Blick wirkte bei den meisten befremdlich. Eisig war ihr eines Auge, das andere merklich erblindet. Matt und leblos. Doch an diesem Tag, schien sie selbst nicht so frostig wie ihr Blick es vielleicht verraten wollte. War es dieses Wetter, dieses Geschehen, diese Umgebung oder jene Wärme, die sie umhüllte. Vielleicht reichte jene bis in ihr Innerstes…Einen Moment hatte es gedauert, bis sie endlich die erwartete Antwort von sich gab.

„Ich heiße Hilel…Vielen Dank für die freudige Begrüßung. Auch wenn ich kein Mitglied von eurem Rudel bin.“

Noch immer hatte sie dieses Schmunzeln. Es war fraglich ob der Rüde ihre Worte so verstand wie sie jene meinte. Bald schob sie nach.

„Wer bist du? Und vor allem, wer ist dein schweigsamer Freund?“

Ihr Blick wanderte an dem Braunen vorbei, in die Richtung des anderen Fremden. Ein leises Brummeln hatte sie von ihm vernehmen können, dies war jedoch schon eine Weile her. Wer wusste, vielleicht war jener ähnlich wie sie. In seinen Gedanken gefangen oder Fremden nicht immer so offen. Sie würde es ihm nicht verübeln, sie könnte es verstehen. Ja, es wäre eine Leichtigkeit für sie. Nicht jeder war so frei wie der Braune. Er wirkte verspielt wie ein Junge, aber Hilels Gefühl sagte ihr, er musste sicher um einiges älter sein, als sie selbst es bereits war. Bei weiterem Nachdenken, musste sie ebenfalls auf den Entschluss kommen, das auch er noch nicht all zu lange an diesem Ort wandeln konnte. Sonst wäre ihm sicher bewusst gewesen, das Hilel eine Fremde war. Eine Einwanderin, in ein fremdes, vielleicht gar feindliches Revier. Sie riss sich wieder aus ihren Gedanken und ließ endlich ihre Neugier hervorkommen.

„Sag mir wo bin ich geladen? Welches Rudel lebt hier? Ich habe so lange kein anderen Anblick eines Wolfes genießen können…“

In ihren Worten konnte man ihre Gier nach Neuigkeiten, nach Antworten hören. Sie ließ sich auf ihre Hinterläufe zurück und wartete aufmerksam nach den neuen Erkenntnissen. Es war ungewöhnlich für sie. War es dieser Ort oder diese Begrüßung, dass sie so redselig war. Die Wölfin konnte einen eigensinnigen Charakter haben, mit Stimmungsschwankungen, die nicht jeder so schnell auffassen konnte, wie sie nun mal geschahen. Vielleicht würde sich noch alles ändern, doch jetzt schien es friedlich, so sehr, dass selbst ihre Rute leicht auf dem Boden hin und her strich.

Nihilus
13.01.2011, 17:22

Na, zumindest hatte sich der Pelzträger entschuldigt!
Das zeigte fürs Erste seine Manieren, vielleicht würde der weitere Verlauf besser von statten gehen, als die anfänglichen Ungeschicke. Unbehaglich besah er sich den Braunen, wie er ihn benannt hatte, und dessen Bewegungen. So weit er das Rudel bisher kennen gelernt hatte, gehörte er weder zu dem Urgestein – ein alter Wolf würde wohl kaum diesen Elan besitzen – noch zu den Jungtieren, zu denen sich Nihilus selbst einordnete. Dennoch schien er vom Kopf her kein bisschen zurückhaltender. Die Ohren skeptisch angewinkelt, wog er seine vorherigen Taten ab. Sollte er sich über den Bach hinweg setzen, oder lieber den Abstand waren? Beides schien seien Vor- und Nachteile zu haben, da er dem Gegenüber weder zu nahe treten, noch mit Abneigung strafen wollte. Jedoch verhinderte das, für Nihilus Geschmack abschreckende, Grinsen jede weitere Regung. Warum schüchterten den Hellen nur solch offene Artgenossen ein? Neid? Nein, eher Bewunderung für ihren freudigen Blickwinkel.
So war die Anwesenheit der Fremden eine willkommene Ablenkung, die ihn zwar erst daran hinderte auch nur einen Ton von sich zu geben, ihm jedoch das Glück bescherte, dass der Braune sogleich zu einer enthusiastischen Begrüßung überging – ohne zu zögern nutzt der Helle die Chance um den Bach mit viel zu vorsichtigen Schritten zu überqueren. So gerne er das Wasser auch betrachtete, an dessen seltsame Konsistenz wollte und konnte er sich nicht erfreuen!

Auf Abstand hielt er sich zurück – die Schwarze ebenso zu „überfallen“ wäre nicht sein Wille gewesen, doch schien diese es weitaus besser aufzunehmen, als er es getan hätte. Ein Zeichen für eine friedliche Gesinnung, ja, so lies es sich deuten. Jedoch war dies kein Grund näher zu treten, oder sie gar zu berühren, auch wenn es die Fronten beseitigen würde. Nein. Das wollte er nicht. Die Ohren angespannt, jedoch in sichtbarer Aufmerksamkeit nach vorne gerichtet, schwenkte die Rute sacht über den Boden. Das würde hoffentlich als Zeichen seines Gemüts erkannt werden.

„Ich begrüße dich natürlich auch im Tal der Sternenwinde.“

Ein Versuch die Worte des Braunen weiter zu leiten, als dieser seine angeheiterte Stimmung laut wiedergab und die Fragen Hilels, wie sie sich vorgestellt hatte, nicht beantworten konnte. Belustigt verzogen sich auch die dunklen Lefzen des Hellen zu einem Schmunzeln – wer hätte bei einem solch heiteren Benehmen denn widerstehen können – und er wagte einige Schritte weiter vom Ufer weg auf die beiden zu.

„Dann wirst du überwältigt sein von der Anzahl von Artgenossen die hier leben!“

Damit ging er auf den zweiten Teil ihres Satzes ein. Die eigene Bewunderung für das Rudel klang aus seiner Stimme hervor. Ja! Sie würde begeistert sein, wenn sie erst alle zu Gesicht bekam! Er selbst hatte es ja kaum fassen können, als sein Bruder ihn hier her führte. Und seit dem waren noch weitere hier aufgetaucht, die die Anzahl erweiterten. Nahezu eingeschüchtert vor dem Gedanken, dass sie alle zusammen eine Gemeinschaft ergaben, ging ein Kribbeln durch den hellen Pelz – faszinierend, aber auf eine gewisse Weise auch sehr einschüchternd. So war es für ihn weitaus angenehmer hier nur in einem Trio zu stehen, als mit vielen weiteren zusammen.

„Mein Name ist Nihilus.“ , fügte er in abgesengtem Ton dazu.

Es war so leicht über andere zu sprechen, sie zu loben oder ihre Vorzüge heraus zu heben. Aber über sich selbst? Nein, dagegen prangte eine große Abneigung in ihm. Es war schließlich schon genug gesagt worden, dem Hibbeligen sollte schließlich auch noch viele über bleiben, dass ihn vielleicht etwas zur Ruhe kommen ließe. Den Kopf ein wenig geduckt, beendete er seinen Redeanteil und warf dem ersten Ankömmling einen neugierigen Blick zu. Bestimmt war ihm dessen Name einmal zu Gehör gekommen, doch wie sollte er so viele unterschiedliche Klänge nur den Gesichtern zu ordnen können?

Ráyon
23.01.2011, 18:47

Die fremde Fähe erklärte sich schnell. Ganz wie Ráyon vermutet hatte, gehörte sie nicht zum Rudel. Wie auch? Der Geruch haftete einfach nicht an ihr. Auch wenn sie im ersten Moment reichtlich verwirrt war lächelte sie nun. Diese Fähe schien keiineswegs böse Absichten in sich zu bergen.
Gut so, dachte Ráyon, dann hatte er zumindest keine unfreundliche Person so überschwänglich begrüßt. Für ihn wäre es wohl eine Katastropfe gewesen, wäre die Fähe nicht dem Rudel angehörig und dazu noch unfreundlich.

» Mein Name ist Ráyon. «, entgegnete er, als auch Nihilius sich vorgestellt hatte. » Wie der Weiße schon gesagt hast, bist du im Tal der Sternenwinde gelandet. Hier lebt ein riiiiiiiiiesiges Rudel. Aber die sind alle ganz lieb! «

Auch über seine Leftzen huschte nun ein Grinsen, und er begann wieder wie ein kleiner Welpe auf und abzuspringen. Wie kindisch er sich benahm, und wie seltsam sein Verhalten im Bezug auf sein Aussehen wirkte. Ein verhältnismäßig großer, aber vor allem breiter Wolf, der herumtollte, als wäre er nichts weiter, als ein kleines Fellbüschel. Der Rüde war verspielt, und relativ naiv. Das sah man sofort, auch wenn dieses Verhalten in den letzten Tagen angesichts der Geschehnisse kaum durchgedrungen war. Er hatte sich in der nahen Vergangenheit ziemlich verschlossen.


Verzeiht. Kurz. Aber ich wollte nicht weiter aufhalten.

Hilel
30.01.2011, 14:07


Die einsame Fähe genoss diesen kurzen Schwung an Abwechslung und Freundlichkeit. Es war für sie ähnlich ungewohnt, wie für den Weißen, doch verstand sie es mehr, sich ein Stück mitreißen zulassen. Ihr Geist war selten so befreit und offen für Fremde und Welten die ihr unbekannt sein sollten. Es war ihr vielleicht in jenem Augenblick selbst schleierhaft, doch der Braune strahlte, wie das Wetter, Fröhlichkeit und Wärme aus. Jene selbst ihr Herz erreichen konnte, auch wenn dies nur für einen kurzen Moment erlodern sollte. Es war gar Furcht sie könnte sich an diesen Flammen verbrennen. Doch sie würde diese Herzlichkeit weiter erleben lassen, denn sie wusste. Die Fähe hatte ein fremdes Revier betreten und Mitglieder, des so riesigen Rudels gefunden. Jeder Schritt von ihr würde beäugt werden und so konnte selbst der verspielte Rüde, der sie so überschwänglich begrüßt hatte, zum Schluss eine Gefahr sein. Obgleich ihr der Helle viel bedrohlicher wirkte. Trotz oder wegen seiner starken Unsicherheit. Gerade jene, die sich selbst nicht bewusst schienen, konnten schwer eingeschätzt werden. Manchmal, so war es gar der Grund ihres zurücknehmenden Verhaltens. Sie beäugt seine Taten wachsam, mit dem einseitigen Blick, der ihr blieb. Er fühlte sich unbeobachtet, während er über das Flussbett trat und Hilel sich von der eifrigen Begrüßung beinahe erholen musste. Bald jedoch erhob er selbst das Wort, auch wenn er noch im Hintergrund, sie würde es von ihm vielleicht nicht anders erwarten. Auf diesem ersten Blick, der ihr nur blieb.
In den Worten der Beiden konnte man die überschwängliche Begeisterung hören, über dieses Rudel, welches so groß und freundlich und offen sein sollte. Die Schwarze wusste nicht, ob es ihr Freude bereitete oder nicht. Sie war kein Mitglied und noch war ihr die Umgebung, wie auch die Situation nicht bekannt. Alles was sie wusste, war das sie dankbar war, für dieses Vorkommen, doch die Zeit würde es mit sich bringen, was geschehen sollte. Hilel war kein Wolf, der sich von Glauben und Göttern führen ließ, es war eigenes Handeln und nur selten Schicksal.

„Es freut mich euch kennen zu lernen, Nihilus und Ráyon . Euer Leben klingt hier spannend und doch sicher, mit einer freundlichen Gemeinschaft im Rücken.“

Die Fähe klang förmlich, wie sie es oft tat. Es war nicht stets leicht offen zu sein, doch der Braune, jener war es und dies riss auch die Schwarze wieder mit. Der große, vollkommene Welpe, so würde sie ihn wohl beschreiben. Wieder erfüllte auch sie ein Schmunzeln, er hüpfte gar wie ein junges Reh, obgleich sein Alter ihres sicherlich überschreiten musste. War es sein eigener Geist oder diese Umgebung, die ihn so werden ließ. Hilel streckte ihre Nase noch einmal entgegen den Fremden, sie sog den Geruch jener ein. Dann ließ sie sich auf die Hinterpfoten zurück, ließ ihren Blick noch einmal schweifen und betrachtete die Umgebung.

„Wie weit bin ich bereits, ungewollt, in euer Revier gestoßen?“

Nach den kurzen Erzählungen musste sie keine Acht haben, doch sie hatte jene. Wer wusste was geschehen würde, würde sie einen ranghöheren Wolf treffen, jene vor ihren Augen schienen keine zu sein. Sonst hätten vielleicht Warnungen in ihren Worten gelegen. Jene die davon sprachen, dass es sich nicht gehörte ein fremdes Territorium zu betreten. Es war keinesfalls die Absicht der Fähe gewesen, sie hatte sich mitreißen lassen und war unachtsam geworden. Nur selten geschah dies, doch ab und an, war es auch bei ihr der Fall. Der sommerliche Hauch und die Wärme hatten sie wohl unaufmerksam gemacht und verleitet, weiter in dieses Gebiet vorzustoßen.

Nihilus
30.01.2011, 18:01

Ráyon! Genau! So hieß dieses riesige Ungetüm. Wie konnte ihm dieser Name abhanden gekommen sein, in der Zeit wo er hier gelebt hatte? Vielleicht war es die Furcht vor dessen aufgeschlossenen Art gewesen, oder sein einschüchternes Erscheinungsbild, das den Hellen dazu brachte das Weite zu suchen. Aber nicht heute, nein. Jetzt war endlich seine Chance gekommen über den viel zu großen Schatten zu springen… vor allem, wo ein Dritter, nein, eine Dritte dabei war. Skeptisch spitzte er bei ihren Worten die Ohren. Trotz der dunklen Fellfärbung, nachtschwarz, schien sie recht „nett“ zu sein. Zumindest sprang sie keinen von ihnen gleich um… oder attackierte sie. So gehörte sich das schließlich auch! Vielleicht würde ein wenig von ihrer ruhigen Art auf den Braunen abfärben. Wobei dies wohl kaum der Fall zu sein schien: erschrocken durch glitt ein Zucken den hellen Leib Nihilus’, als Ráyon abermals anfing wie ein Welpe seine Bahnen zu ziehen.
Na, der passte wohl gut hier rein, wenn der Anteil an Jungtieren bedacht wurde.

„Ja, es scheint nicht nur so.“

Fügte er an den ersten Satz der Fähe hinzu, die Lefzen, wenn es denn ging zu einem sachten Lächeln verzogen. Er selbst konnte sich keinen besseren Ort zum leben vorstellen als hier. Oder lag es einfach nur daran, dass er nichts anderes kannte? Aber daran wollte er gar nicht erst denken. Die weite Welt, über die die zahlreichen Wanderer hier sprachen, besaß so viele verschiedene Facetten, dass er wohl kaum alleine in ihr zurecht finden würde. Sei es in ihren guten Ecken, von denen die freiwilligen Einzelgänger berichteten, oder ihre schlechten. Neugierig ließ er die Rute schwenken. Ob auch die Dunkle eine solche Geschichte mit sich führte? Ihr Erscheinungsbild ließe darauf schließen, sah sie doch älter aus als er selbst – und wenn er es sich recht überlegte, müsste der Braune ebenfalls etwas zu berichten haben. Der war ja noch älter! Und hatte in der Vergangenheit bestimmt einiges mit seiner quirligen Seele auf sich gezogen!
Als einer seiner Gegenüber sich nieder sinken ließ, ergriff Nihilus die Chance einige Schritte näher an die beiden heran zu treten, sichtlich darauf aufpassend dem aktiven Junggebliebenen nicht in die Bahn zu treten, bevor er einen kurzen Schlenker zog, um den Bach aus dem Rücken zu verlieren. Natürlich wirkte keiner der beiden bedrohlich – wenn von der Fellfärbung der Einen und der Statur des Anderen abgesehen wurde – doch war es ihm lieber einen Fluchtweg parat zu haben. Den Pinsel weiter über den Untergrund schweifend, sah er nach der Frage Hilels in die Ferne, in die Richtung, die er zuvor noch mit Genuss durchstreift hatte.

„Nicht allzu weit…“ , zögernd legten sich die beflaummten Ohren an den Hinterkopf. So sicher war er sich bei dieser Schilderung nicht. Natürlich wusste er, dass ein Teil des Gesteins im Nordosten noch dazu zählte, doch aus welcher Richtung kam die Neue denn? „Von diesem Wald,“ , mit einem Kopfnicken deutete er auf den nördlichen Mischwald, „zählt noch ein Stück dazu.“

Welch Auskunft! Abermals fragend warf er dem Braunen einen Blick zu, ob alles an seiner Aussage stimmte.

„Wie lang war denn deine Reise, bis du uns gefunden hast?“

War das eine gute Einleitung, um seine Neugierde und Wissenslücke zu stillen? Sacht sackte er in sich zusammen, kaum merklich, als ihm die Aufdringlichkeit bewusst wurde. Es gehörte sich nicht, direkt am Anfang solche Fragen zu stellen! Sie war hier her gekommen, sie sollte Antworten bekommen, nicht er. Noch einmal wich sein Blick flüchtend auf Ráyon, ob daraus nun die Suche nach Hilfe oder eine Übergabe der Worte sein sollte, war nicht heraus zu sehen. Zusammenhanglos sprang er wider auf seine Auskunft zurück, als wollte er die darauf folgenden Worte verbergen.

„Es kommen immer wider Wanderer vorbei. Einige schenken uns nur für kurze Zeit ihre Anwesenheit, Andere hält es hier für immer. Doch so lange niemand von ihnen uns..“ , eine kurze Pause trat ein, es fehlte ihm das Synonym für seien Gedanken, „mit schlechten Planungen“ , nein, das war falsch, doch er fuhr im Text weiter, „entgegen trat, waren sie alle willkommen.“

Ganz genau durfte er das natürlich nicht aussagen, wusste er doch nicht, wie es in höheren Reihen gesehen wurde, doch ihm selbst war ihm eine starke Offenheit aufgefallen. Und was sollte die Schwarze mehr plagen als die Frage danach, ob sie hier Feinde oder Freunde fand? Zumindest der Helle selbst wäre davon geplagt gewesen. Und als müsse er sich zum dritten Mal absichern, schielte er zu dem Hibbeligen hinüber, unsicher, ob es etwas an seinen Worten zu verbessern oder anders auszudrücken gab.

Ráyon
06.02.2011, 13:51

[ Sorry Leute, ich pack das im Moment mit Ráyon nicht. Die Stimmung von ihm ist so komisch und es kostet mich schon im Rollenspiel unglaubliche Mühen da irgendwie was zusammenzubekommen. Es wäre super, wenn ihr ihn vorerst überspringen könntet. Ráyon jagt in der Zeit einen Fisch oder sowas, der im Bach rumschwimmt. Tut mir leid. x__x' ]

Hilel
16.02.2011, 17:43

Der unauffällige Rüde hatte einen Schritt voran gewagt, er näherte sich und dies nicht nur mit seinem körperlichen Dasein, auch seine Worte schienen Hilel gar offener zu werden, zu mindestens lag irgendwo in ihm Neugier vergraben.
Die Schwarze nickte ihm aufmerksam zu. Von dort noch ein Stückchen, er war wahrscheinlich selber noch nicht all zu lange in diesem Rudel, aber dies war ihr so oder so gleich. Es war eine formale Frage, die dennoch wichtig war. Sie wollte wissen ob dies hier ein friedliches Land war, wie weit der Weg wäre, wenn es nicht so wäre. Der Rüde musste es erkennen, vielleicht wusste er es von sich selbst, denn er beantwortete ihre gedankliche Frage, die sie nicht stellte. Ein friedliches Land, mit friedlichen Wanderern. Es war Erleichterung dies zu wissen, die Bewegungen mussten nicht mehr so achtsam vollzogen werden, obgleich Hilel nicht viel an ihrem Handeln ändern würde.
Währenddessen fand der Braune seine Ruhe. Er hüpfte kaum noch so aufgeregt und welpisch durch die Landschaft, doch anscheint erweckte etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Ein tiefes Grollen entkam aus ihm, es war keinesfalls ein Knurren. Nein, es war sein Magen, der vor Hunger sich zu beschweren begann. Es war nicht sonderlich verwunderlich das Ráyon, tat was er tat und doch beschielte Hilel es mit einer Skepsis und Verwunderung, das es ihr nicht abzusagen war. Deutlich war es in ihrem Blick und ihrer Geste zu erkennen, dass sie es nicht geglaubt hätte und ebenfalls nicht getan hätte. Es war die Form, die zu wahren war. Die Fähe legte den Kopf etwas schief und beobachtete schweigsam. Der Wolf brachte sie erneut zum Lächeln, er war so – anders. Dies war das einzige Wort welches passen sollte. Es war nicht negativ, viel mehr befreiend und erleichternd gemeint. Auch wenn es Andere als Last sehen konnten, so war sein Verhalten beneidenswert. Ráyon hatte den beiden Wölfen mit einem breiten Grinsen zugenickt, war dann mit einer kleinen Erklärung auf den Bach losgetrabt. Seine Neugier war nun auf die Fische im Wasser gerichtet, von denen er sich erhoffte sie würden ihn sättigen.
Die Fähe bedarf einen Moment um sich wieder zu sammeln und auch um die richtigen Antworten für Nihilus zu finden. Wie lang war ihre Reise gewesen? Diese Frage hatte sie sich selbst mehrmals gestellt, doch nie beantworten können. Es lag ihr Fern, all ihre Geheimnisse bei dieser Frage offenzulegen und so waren ihre Worte bedacht.

„Einige Monate bereits, meine Reise begann im Winter. Ich kann mich nicht genau entsinnen, wie lange ich bereits auf Wanderschaft bin.“

Wahrlich der Zeitraum schien endlos und doch so befreiend. Egal wie weit der Weg war und wie schwer er sein sollte. Es war eine Erlösung und auch dieser Augenblick, zu wissen man war doch nicht gänzlich allein, erleichterte die Fähe. Die mit ihrem Auge den Wolf vor sich musterte. Er war auch anders, vielleicht ähnelte er ihr. Ja, irgendwie waren sie sich sehr ähnlich, obwohl Nihil dies wahrscheinlich nicht so erkennen würde, nach der bereitwilligen Begrüßung der Schwarzen. Er war vielleicht etwas vorsichtiger oder unsicherer, es war schwer einzuschätzen, doch seine Achtsamkeit war es die sie verband. Dieser Wille nicht auffallen zu müssen. Wieso denn auch? Das Leben war auch allein bestreitbar, obgleich dieser Wunsch nach Gesellschaft, einer Gemeinschaft wohl in jedem Wolf vergraben sein sollte. Noch genoss die Fähe diese Abwechslung, nach so langen Tagen des Schweigens. Nur wie lange und wie sehr würde sie die Fremden dulden können? Sie an sich heran zulassen. Es war eine schwere Bürde, die sie überschreiten müsste, aber vielleicht nicht wollte. Die Unnahbarkeit war ein Geschenk, welches das Leben leicht werden ließ. Es gestaltete sich jedenfalls für die Schwarze so. Jene ihren Blick langsam von dem Weißen löste, wahrscheinlich hatte er schon unter ihrer angestrengten Beäugung gelitten, unter dem stetigen wachsamen Blick, der nur langsam von ihm fort glitt.

(hm ich hoffe das is so ok, das ich da jetz noch wa szu geschrieben hab rayon und sry das ich mich auch erst so melde, war zwar nich wirklich abwesend, hatte aber viel in der schule zu tun)

Nihilus
22.02.2011, 18:54

Die Neugierde war viel zu groß, als dass er auf seinen viel zu stark ausgeprägten Fluchtinstinkt hätte hören können. Hilel, wie sie sich vor einigen Sätzen vorgestellt hatte, kam nicht von hier. Ganz anders als er, oder sein Bruder. Ihr war die Welt vor Augen erschienen! Mit all ihren Wundern – den guten und schlechten Seiten, von denen die Fremden immer berichteten. Bis jetzt war Nihilus jedoch nur ein stummer Zuhörer gewesen, wenn es darum ging die Reisenden auszufragen, vielleicht war ihm die Dunkle ja genau deswegen begegnet: seine Chance auf großes Wissen! Er müsste nur noch weiter über seinen Schatten springen, mehr als schon zuvor, als er das Wort an sich gezogen hatte.
Abrupt ließ er sich abermals auf die Hinterhand sinken.
Na toll, das war es dann fürs Erste mit dem näher kommen, wie es die Anderen gerne in Gesprächen taten, um ihren Gegenüber besser verstehen zu können. Hoffentlich würde die Schwarze das nicht als Abweisung auffassen. Vor allem jetzt, wo der dritte Geselle beschäftigt war – damit war der Schutz nun in Entfernung geraten und scheinbar recht desinteressiert am Geschehen. Irritiert legte der Helle die Ohren an den Hinterkopf. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Allein mit einem Fremden. Einer Fremden. Das bedeutete Gefahr, jawohl! Auch wenn sie zuerst einen recht sympathischen Eindruck erweckte, wer konnte ausschließen, dass sie keine ausgebildete Schauspielerin sei? Und als wenn ihre Worte seinen negativen Gedankengang verfolgten und bestätigen wollten, fiel ihre Antwort recht knapp aus, ohne wirkliche Informationen. Verbarg sie etwas? Trug sie ein schweres Geheimnis mit sich? Eine Schuld, eine Sünde?! Nun, aus seiner Sicht, völlig allein gelassen, schraubte sich die Rute wie eine Festung um die Hinterhand und versuchte vergebens auch den vorderen Teil seines Körpers zu verbergen – zumindest die Tatzen, damit er bei Bedarf flüchten konnte, nein, die Chance zur Flucht besaß. Denn die nötige Einschätzung, welche Stärken die Schwarze besaß, fehlte ihm.

„An manchen Tagen verfliegt die Zeit. An anderen scheint sie still zu stehen.“
Oo( „So wie jetzt grade.“ )


Um sich die plötzlich auftretenden Angstausbrüche nicht anmerken zu lassen – behielt er seine Position doch in groben Zügen bei – setzte er nur grob an ihren Satz an, um Zeit zu gewinnen. Und irgendwie passte er ja auch genau zu der Situation: der Morgen war mit seiner Schönheit so schnell dem jetzigen Treffen gewichen, dass es beängstigend war, dass er nun jedes noch so kleine Geräusch beachtete und zur Zeitmessung nahm. Das sanfte Beben seines Leibes fiel ihm selbst dabei kaum auf. Wie auch? Versuchte er doch mit allen Mitteln die Ruhe zu halten, das erforderte genug Anstrengung.

Als die Schwarze den starren Blick abwandte, kam er jedoch kaum dazu die Gunst der Stunde zu nutzen und jegliche Luft in sich aufzusaugen, war es doch ihr zuvor noch so strahlend blaues Auge, dass nun in einem matten grau gehalten war. Wie…? Von dieser Veränderung abgelenkt, reckte er die Schnauze in ihre Richtung – wie zuvor die Begeisterung für seine Heimat, war es nun endgültig die Neugierde, die gegen die Furcht – oder war es gesunde Vorsicht? – zu gewinnen schien.

„Wie kam es dazu?“

Ohne wirklich auf die recht dreist aufzufassenden Worte zu achten, zog er schnell die Schnauze zurück, entschuldigend.

„Ich meine,“ , in Konflikt, ob er nun weiter auf seien eigentliche Frage, oder auf das Thema von zuvor eingehen sollte, entschied er sich aus Schamgefühl eine mögliche Schwäche anzusprechen dafür Zweites weiter zu führen, „warum hast du dich dafür entschieden zu „wandern““ , zögernd benutzte er ihre Wortwahl, „und nicht in deiner Heimat zu bleiben?“

Er hätte sich selbst eingestehen können, dass die gestellte Frage nicht besser war als die, die ihn eigentlich dazu verleitet hatte das Wort abermals zu erheben. Doch wollte er lieber seinen Gegenüber sprechen hören, als nur auf die Spannung zu achten, die sich in seinem Körper aufbaute. Ja, auch wenn er dafür vor sich her plappern musste.

Hilel
22.02.2011, 20:29


Hilel erstreckte ihren Kopf in die Richtung des Dritten, welcher so unbekümmert schien und sich kaum noch für das Geschehen interessierte. In diesem Moment legte sie ihre Achtsamkeit nieder, so musste es vielleicht wirken, immerhin wandte sie einem Fremden ihren Totenwinkel zu. Doch sie fühlte sich sicher. War es der Gedanke sie sei dem Rüden gegenüber überlegen oder viel mehr die Vermutung er würde sich nicht mehr bewegen, als es nötig sein würde. Aufgrund seiner eigenen Unsicherheit, die sie sicherlich in ihm weckte, immerhin war sie eine Fremde. Das ihre Erscheinung in ihm unzählige Fragen anregen könnte, bedachte sie schon lange nicht mehr. Dieses Auge, das Fenster zu der Seele, es war schon so lange ermattet, das es ihr kaum noch auffiel. All die verlorene Wahrnehmung glich sie mit ihrer Feinfühligkeit aus, ihr Gehör war gut trainiert. Dies war nichts Ungewöhnliches bei einem Wolf. Hilel schien es jedoch, als hätten sich ihre spitzen Ohren in all der dunklen Zeit verbessert. All seine Anspannung und Verkrampfung die der Weiße am Leib spürte, entging der Schwarzen. Dies war sicherlich etwas, was der Fremde schätzen würde. Denn nichts war unangenehmer als die Schwäche auch noch so deutlich zu zeigen, immerhin ließ dies einen noch ungeschützter werden. Sobald der Gegenüber erkannte er sei überlegen, gab es diesen Funken in der Luft, der Gefahr auslösen konnte. Nachdenklich betrachtete die Fähe die Sonne, ihr Stand war bereits gewandert. Wie lange war sie an diesem Ort? Nihil hatte Recht, manchmal verflogen die Stunden, doch sie konnten auch drohend stehen, mit ihrer Ermahnung. Ihr Zeitgefühl war so bitter, sie musste es wieder erkennen, nicht nur bei ihrer Wanderschaft, sondern auch im Alltag. Ein Gefühl riss sie aus ihren Gedanken. Mit keiner Logik war es zu erklären, dennoch war es den meisten bekannt. Das Gefühl eines Blickes, der sich wie ein Stich tief in einen hinein bohrte. Dazu noch der Geruch eines Fremden, der einem langsam in die Nase zog, aufgrund seiner ungewohnten Nähe. Auch wenn Nihil immer noch entfernt von ihr war, seine Schnauze war doch verdächtig nahe zu ihr gereckt. Diese Erkenntnis ließ sie erschrecken und mit aufgerissenem Auge wieder zu ihm blicken. War es ein Fehler gewesen? War sie so unachtsam gewesen, das sie sich von seinem Schein trügen lassen hatte. Ihre Schwäche war so deutlich, er würde sie fehlerfrei erkennen können. Eine kleine körperliche Einschränkung, die einem zum Verhängnis werden konnte. War dies der Grund, wieso sie immer so selbstsicher schien? Wer würde es wagen, einen mächtigen Wolf anzugreifen, einen der dominant und stark wirkte? Nur wenige Wahnsinnige gab es, die gerade dieses tun würden. Nun hatte er sie erwischt, sie irgendwie aus ihrer Welt gerissen und aus ihrer Tarnung. Nach dieser Feststellung folgte jedoch eine weitere. Der scheue Wolf hatte eine Grenze überschritten, das unsichtbare Band, welches ihn zurück hielte. Die Neugier hatte ihn besiegt. Ihr Anblick musste ihn auf eine Art faszinieren. Die Sicht der leblosen Pupille, die ihn wahrscheinlich abschreckte, aber dennoch anzog. Nachdem er seiner Wissbegier nicht mehr standhalten konnte, hatte er verschämt und entschuldigend die Schnauze wieder zurück gezogen. Bald darauf entstand ein neues Bildnis, die ruhige Fähe legte ihre Ohren unsicher an den Schädel. Es war ein ausgedehntes Schweigen welches sie umhüllte, während der Weiße so kläglich versuchte seine hervor gepreschten Worte wieder einzufangen. Die Klänge seiner zaghaften Versuche waren ein ungewöhnliches Verhalten für einen Rüden. Hilel kannte keinen der eines Vergleiches würdig gewesen wäre. Langsam fand er das Ende und auch er ruhte und schwieg. Er würde nur eine Art Ignoranz gegenüber seiner letzten Fragestellung finden. Während Hilel in ihren Gedanken sah, was einst geschah. An jenem Tag, an dem sie die Grausamkeit der Welt das letzte Mal in vollem Umfang erkennen musste. Es war eine Lüge, wenn sie sagen würde, dass es sie nicht stören würde. Weder war es irgendein Vorteil bei der Jagd und dem Überleben, noch verschönerte es ihre Gestalt oder ihren Geist. Die Seele die so verworren schien, obwohl sie nicht schlecht war. Nein, sie war nicht bösartig und auch nicht so kalt, nur in sich verborgen. Ein tiefes Seufzen entging ihr, welches sie etwas kläglich wirken ließ. Eine ungewohnte und schmerzhafte Situation, so musste sie erkennen, aber sie wirkte befreiend.

„ Es war der letzte Tag in meiner Heimat, bevor meine Reise beginnen sollte...“

Ihre Worte verließen ihre Lefzen gar mit monotoner Gleichgültigkeit.

Nihilus
03.03.2011, 19:18

Irgendwie fühlte er sich ertappt.
Wie eine Schnecke die ihrem wohligen, sicheren Haus entflohen war, hatte auch er seiner Wissbegierde nachgegeben und einfach Wort und Tatze erhoben. Ein Fehler! Sein Schutzwall war etwas so wichtiges, dass er nicht einfach von sich stoßen durfte, ebenso wenig wie die große Furcht vor neuen Dingen, Dinge wie der schwarzen Fähe, deren sichtbarer Behinderung er sich nun, trotz Schamgefühl für die eigens gelegte Stolperfalle, widmen durfte in dem sie weg sah. Es war genau wie das Auge von seinem grauen Freund, der zur derzeitigen Stunde nicht an seiner Seite weilte – und doch stach die grausam leblose Farbe durch das dunkle Fell der Fähe stärker heraus, als bei dem eben genannten. Zweifelnd legten sich die beflaumten Ohren wie nur zu oft an den Hinterkopf: ergab er selbst ein ebenso seltsames Bild mit den beiden Mittelpunkten seines Seins? Schrak er Fremde vielleicht genau so ab…?

Der Weiße wandte den Blick ab und ließ ihn ziellos über die Landschaft wandern, in der Hoffnung einen gelassenen Anblick da zu bieten. Die Spannung die in ihm Anstieg wuchs mit jenem ersten Wort das die Lefzen der Schwarzen verließ. Nun würde sie also beginnen? Welch Glück es doch war einer fremden Geschichte zu lauschen! Langsam ließ er sich auf die Hinterhand nieder, abermals, dieses mal in der Absicht ruhig zu lauschen.
Fordernd gab er seine Blickreise auf, bei der Gestalt vor sich wider angekommen, einen abwartendes Grummeln in der Kehle.

Hilel
08.03.2011, 19:58


Die Fähe musste erkennen, dass dieser Rüde sich nicht mit dieser knappen Antwort begnügen würde. In ihr herrschte keine Verwunderung, denn sie hatte es so erwartet. Ihre wortkarge Art fand nicht immer Anklang. Außerdem stellte sich dies gerade bei zwei gerne schweigenden Artgenossen als Problem dar. Einer musste nun eben das Wort erheben und sie verstand, dass dies nun ihre Rolle sein musste. So gab sie sich hin, mit der Feststellung, dass sie dies zum ersten Mal seit jenen Tagen tat. Es war nun fraglich ob es an dieser Fügung lag oder an diesem unauffälligen Wolf, der sicher nicht weniger Geschichten in sich verbarg, als wie sie in ihrem Geiste. In ihr wanderte sich das Bildnis, die Vergangenheit konnte einen so schnell einholen, diese Tatsache war beängstigend, denn man konnte sich nie wehren, egal wie groß der Wunsch sein sollte. Hilel verspürte dieses Ermessen unendlich, diesen Drang nie wieder in die Welt eintauchen zu wollen, die einst ihre Heimat war. Aber wieder einmal ergab sie sich an diesem Tag und so schwand auch die Form ihrer Gleichgültigkeit. Ein tiefer Atemzug bereitete sie und ihren Zuhörer darauf vor. Wahrscheinlich würde er es nicht verstehen, aber darum ging es der Schwarzen nicht. Nun wollte sie die Erlösung spüren, die Befreiung der Gedanken in Form von Worten, die einen verließen und erleichtern würden. So sagte man es immerhin. Die Bürde die eine Seele zu tragen hatte, würde weichen, sobald sie sich von ihr lösen kann. Dazu war man nur selten bereit, immerhin war der Weg durch die alten Zeiten steinig und schwer. Wie ein Acker der zu pflücken war, war jeder Schritt mühselig und erbarmungslos.

„Ich komme weit vom Norden, hinter den Gebirgen. Meine Heimat war eine Welt aus Eis und Schnee. Karg und leblos. Es gab nur wenige von uns, um ganz genau zu sein, gab es nur meine Familie. Andere Rudel waren mir jedenfalls unbekannt, aber meistens interessiert man sich in den jungen Tagen doch kaum für Fremde. Zu diesen Zeiten zählte nur die Familie, Mutter, Vater, zwei Brüder und ich. Wie gesagt, wir waren nicht viele. Aber selbst für uns war das Futter rar. Dennoch ich kann mich nicht beklagen, ich hatte ein gutes Leben. Sagen wir es anders, ich war der Stolz meines Vaters und er war mein Vorbild. Ein mächtiger Wolf, treu und fürsorglich.“

Die Wölfin stockte und schluckte hart, es kam ihr unreal vor. Sie glich ihrem Vater nicht, in keiner Weise und doch wurde sie ihm ähnlich.

„…Bis eines Tages uns die Götter verließen. Vielleicht war es auch nur die stetige Dunkelheit und Kälte die den Geist meines Vaters betrogen und verdörren ließen. Zu meinem Entsetzen verkümmerte seine Seele vor meinen Augen und ich,… wir konnten es nicht ändern. Ich denke ich war naiv, während ich mich in dem Gedanken hüllte, dass mit der Sonne auch mein Vater wieder kommen würde. Der Winter neigte sich dem Ende, das Licht durchflutete die weiße Decke und spiegelte sich in alle Himmelsrichtungen wieder. Es war wunderschön, obgleich dieser Ort in den kalten Jahreszeiten so grausam war. Monate vergingen, um dieses Schauspiel wahrnehmen zu können. Die Zeit der Wärme hielt nicht lange an, aber wir hatten uns eigentlich gut daran gewöhnt. Nun ja. An dem Morgen, an dem die Geborgenheit über das Land kam, waren mein Vater und mein Bruder Shadi zur Jagd gegangen. Wir hatten uns nicht viel dabei gedacht, für uns schien es gut zu sein…Dann haben wir gewartet, unruhig. Irgendwann konnte auch meine Mutter mich nicht mehr halten und ich ging auf die Suche nach den Beiden. In dem Schnee war es nicht schwierig ihre Spuren zu sehen und auch der Duft von ihnen hing in der Luft – so lebendig. Ich erkannte das Bildnis meines Vaters, es schien als hätte er Beute gemacht und ich stürmte freudig auf ihn zu. Bis ich begriff. Es war der leblose Leib meines Bruders, über welchen er sich gebeugt hatte. Umgeben von Schnee, welcher getaucht war in der dunklen Farbe des Blutes. Dort war es beinahe um mich geschehen, wie es einst mit seinem Verstand gewesen war. Hass, Wut und Verzweiflung benebelten meinen Geist. Und ich griff ihn an…Wie gesagt er war ein mächtiger Wolf.“

Unendlich viele Zweifel wuchsen in ihr heran, sie verstand nicht wieso sie all diese Worte verlor. Es war Furcht, bittere Angst die sich durch ihre Glieder fraß. Wovor? Das der Weiße sie verraten könnte. Sein Fang würde nicht für immer so schweigsam sein, auch wenn dies ihre Hoffnung war. Nihilus stand es nun frei, sie fort zu jagen oder es hinzunehmen. Vielleicht nannte er sie nun Monster, glaubte ihre Worte nicht oder würde schnell das Thema umschwenken. Die Fähe wusste es nicht und begab sich in die Hände einer anderen Macht, welcher sie eigentlich keinen Glauben mehr schenken wollte.

Nihilus
13.03.2011, 13:57

Obwohl er schweigend darum gebeten hatte ihre Vergangenheit zu erfahren, vielleicht durch ihre Worte Neues zu erleben und vor seinem geistigen Auge wahrzunehmen, bedrückte es ihn nun, wo die Luft in sich ein sog, so dreist gewesen zu sein sie nicht zuerst in das Revier, das Rudel einzuführen, sie noch nicht einmal ganz Oben vorzustellen, wie es sich gehörte. Dann würde Hilel sich wahrscheinlich besser fühlen, dann wäre es ihr leichter ums Herz – zumindest würde er dementsprechend seine eigenen Gefühle interpretieren. Doch jetzt war es zu spät. Unterbrechen würde er sie nicht mehr, könnte er auch gar nicht: den Konflikt zwischen Wissbegierde und Anstand gewann eindeutig Ersteres. Warum auch nicht? Sollte es nicht genau so sein, als junger Wolf?

Dem angespannten Leib fiel es sichtlich schwer still sitzen zu bleiben, als sie begann, daher verfiel die Rute schnell in ein zurückhaltendes Pendeln, zu schwach um es ernst zu nehmen.

Die ersten Sätze schienen wie ein Märchen: eine Jugend wie sie sein sollte. Im Kreise der Familie, ein ruhiges Gebiet – wenn ihn auch die Witterungsverhältnisse abschreckten – und wie es schien ein angenehmes Zusammenleben. Zumindest schwang in ihrer Stimme Bewunderung – oder interpretierte er falsch? – mit, als sie die Person es Vaters strich. Die kurze Pause die darauf folgte kommentierte er nicht, konnte Nihilus sich gut vorstellen, dass die Erinnerung an die Familie ihr den Hals zuschnürte, wenn er nach seinem eigenen Bild gehen würde. Vorsichtig neigte der die Schnauze auffordernd – als wäre es nötig gewesen! – zu ihr, als die wunderschöne Kindheitserzählung sich viel zu schnell in die des Unglücks verwandelte. Erschrocken fuhr er zurück, als das sie über den Leib ihres Bruders berichtete, die Ohren flach anlegend, als sie ihre Tat so knapp berichtete. Sprachlos, es fehlten ihm die Worte, war doch nicht einmal klar, ob er fürchten oder mitfühlen sollte.
Den Schock sichtlich in den Gliedern eingebettet wich er einige Schritte zurück, den Kopf abwehrend erhoben. Die familiäre Natur verbot es ihm regelrecht einen Vatermörder, auch wenn sie den Mord nicht wörtlich gestanden hatte, zu verzeihen. Doch wäre die Reaktion nicht verständlich? Den Bruder zu verlieren… unrelevant durch wen?

„Stand es fest…“ , er zögerte mit der Formulierung, stand doch immer noch nicht fest ob er sie als Racheengel oder Schuldigen abstempeln sollte, „dass er es gewesen war?“

Hilel
14.03.2011, 14:08


Die Regungen die mit ihren Worten bei dem Fremden einhergingen, entkamen dem Geist der Fähe. Sie betrachtete diesen Wolf nicht mit dem eindringlichen und achtsamen Blick, welchen sie ihm eigentlich schenken sollte. Es war ungewiss was er von ihrer Geschichte hielt, von ihrer Tat. Aber es war ihr auch gleich. Dieses Vorgehen hatte ihr einen Schnitt verpasst, so tief. Eingegraben in ihrer Seele, maßgeblich verändert. Hilel war sich nicht sicher, ob jeder so wie sie gehandelt hätte, aber welche Bedeutung hatte solch eine Frage noch. Es gab keinen mehr der ihre Geschichte kannte, nur dieser scheue Wolf. Ob sein Urteil schon gefallen war, konnte die Schwarze nur erahnen, an dem Rückzug den er vollzog. Er wich von ihr, als sei sie ein Monster. War es Entsetzen oder Angst, welche ihn dazu trieb. Die Fähe urteilte nicht, sie nahm es hin. So stillschweigend, wie auch Nihil war. Wieder zog sie schwermütig die Luft in sich hinein und entließ diese laut und stürmisch. Wie der Wind, der um ihre Ohren wehte und ihr Fell mit seichten Wogen mit sich zog. Wahrscheinlich klang sie wahrlich wie eine Bestie, wie ihre Worte so bleiern und kaltherzig ihren Fang verließen. Unbekümmert – so musste ihr Bildnis wohl wirken. Es war kein Gedanke der sie so werden ließ und auch nicht der Wille. Hilel würde es wohl einen Schutzmechanismus nennen und sie würde sich nicht wundern, würde dieser Graue die Methode ebenfalls beherrschen oder kennen.
Ihr blindes mattes Auge lag auf den Fremden, wie ein Fluch, den er geweckt hatte. Langsam begann sie wieder den Schritt in diese Welt. Dieser Wandel war deutlich, denn der Blick ebbte wieder stetig und bedacht auf den Wolf vor ihr. Jener der sich wand, vor Wortlosigkeit trotz dutzend Fragen und Erkenntnissen, die doch unausgesprochen blieben. Die Frage, die letztendlich die Stille brach, klang so vernichtend, wie ihre eigene Geschichte. War es der Zweifel, diese Hemmungslosigkeit oder Brutalität, aus seinen Lefzen, die sie kränkten und wieder zwangen in jene Zeit zurückzukehren. Ihre Körperhaltung schien angespannt, es war diese Zwiespalt, welchen sie selber kannte und doch würde sie ihre Taten nicht mehr anzweifeln wollen. Nicht mehr jetzt, nach all der Zeit.

„Ich bin mir sehr sicher, dass er es gewesen war. Es war sein Blick, welcher ihn verriet. Diese erschrockenen Augen, die davon sprachen welche Schuld er auf seinen Schultern trug und doch von bitterer Skrupellosigkeit zeugten.“

War es der richtige Weg, welchen sie wählte, um ein neues Leben zu beginnen? Ungewissheit, war eine unausstehliche Tatsache, welche nun im Raum stand. Denn die Frage die blieb, war jene die über ihr restliches Leben entscheiden konnte. Der Wolf hatte eine Entscheidungskraft, die Hilel baldig zu wider werden konnte. Nur ungern ließ sie sich abstempeln. Ein Ergebnis, welches sie nicht mehr beeinflussen konnte und andererseits, auch nicht wollte. Denn dies waren die Fakten, dies war die Wahrheit und es würde keine Lüge ihren Schleier über ihr Leben legen.

Nihilus
29.03.2011, 19:30

Es war weder Furcht noch ein Misstrauen das den jungen Rüden beschlich, als er sich die Worte der Schwarzen noch einmal in sein Gewissen rief. Mehr war es blankes Entsetzen. Für ihn, der die Jugend in Einsamkeit verbracht hatte, gab es nichts Wertvolleres als die Gesellschaft – so stand auch die Familie im Vordergrund. Er wusste weder wie es sich anfühlte ein Mitglied der Familie zu verlieren, noch welche Reaktionen das in einem hervorrief. Doch sah er in der Tat Hilels einfach nur den Schock. Ganz simpel die Rache… oder die tiefe Trauer um den Bruder. Aber gleich den eigenen Vater zu… nein, er wollte daran gar nicht erst denken was die Fähe für Taten mit ihrem Fang ausgeführt hatte. Und dieser Konflikt, zwischen Mitleid – eher war es ein Mitleiden auf gleicher Ebene – und einer gewissen Furcht – Geschichten ließen sich leicht umformen – war ihm deutlich anzusehen.
Dennoch reckte er abermals den Hals, als würde er ihr Trost spenden wollen, als wäre sie das Opfer. Und aus einer gewissen Betrachtungsweise war sie eben dies auch.

„Dann war es das…“ , er zögerte. ‚Das Richtige’ waren die falschen Worte um ihren Mord zu umschreiben, das stand fest. Doch wie sonst sollte sich etwas Grausames benennen lassen, wenn es einen eindeutigen Grund dafür gab. „deine einzige Möglichkeit.“

Viel zu spät fiel dem Jüngling die Dramatik seiner Endung auf, beschämt legte er die Ohren flach an.

„Du sollst nicht morden.“ Ja, selbstverständlich würde dieser Satz das vorherige Versäumnis aufnehmen – Depp! „Aber für manche… bösen Dinge gibt es nur eine Lösung.“

Ohne es zu benennen wollte er sich zumeist selbst damit beruhigen, den Gedanken aus dem Kopf verschieben das die Fähe vor ihm eine weniger guter Gesellschaft abgab. Doch warum sollte sie sich selbst sogleich als eine Ausgestoßene abstempeln? Warum sollte sie ihm eine solche Geschichte erzählen, wenn ihr dadurch der Durchgang verwehrt werden würde? Entweder ihr lag nichts an seinem Pelz und sie würde bald ihr wahres Gesicht zeigen, das gleiche das er in ihren Geschichten bildlich vor sich hatte – und bei diesem Gedanken sträubte sich unbewusst sein Fell – oder ihr lag es daran ohne Geheimnisse neu anzufangen. Komplett neu. Und wenn Zweites der Fall sein sollte, so durfte ihr dieser Wunsch doch nicht abgeschlagen werden… war es nicht die gleiche Göttin die ihnen beiden das Leben geschenkt hatte? So sollten sie sich bei der Erfüllung dessen gegenseitig unterstützen!
Auch wenn eine gewisse Furcht weiterhin in ihm brodelte.

„Das mit deinem Bruder tut mir sehr leid.“

Drop. Und schon wider: falsche Worte. Er war eben nicht der begabteste Redner – oder Läufer… oder Jäger. Aber zumindest wollte er ihr seine Anteilnahme zeigen.

Hilel
29.03.2011, 20:12


Beinahe ein sanftes Lächeln hüllte sich um ihren Fang. Der Weiße brachte verlorene Worte hervor, die er immer wieder bereute. Seine pelzigen Ohren, schwankten zwischen faszinierten, aufmerksamen Aufstellen und erschrockenen, sowie beschämten Anlegen. Der Anblick von Nihil war rätselhaft, trotz seiner einleuchtenden Gesten. Wieso dieser Wolf so war, fragte sich die Fähe und doch vergrub sie diese Frage so tief in sich, das sie ungestellt blieb. Nicht jedem war es bestimmt Worte auszusprechen, nicht jeder musste seine Geschichte erzählen. Sie wusste wie qualvoll war, jetzt wusste sie es. Die Reaktionen ablesen zu müssen, das Urteil zu erfahren, unter welches man gestreckt wird. So verschwand ihr kurzes scheues Lächeln, welches ohne Frage fehl am Platze gewesen war. Doch dieser Wolf schien auf seine Art hilflos und niedlich. Eine Kombination welche ihr nur von Welpen bekannt war oder vielleicht auch gar nicht. Seine Worte sprachen von Bedauern und Zuspruch, doch sie glaubte ihm nicht. Nicht alles, er wusste noch immer nicht was er von ihr halten sollte und sie nahm es ihm nicht übel. Das Mitleid welchem er ihr entgegen brachte verwarf sie mit kühlen Worten, die wieder grausam schienen.

„Es ist kaum noch zu ändern und wenn dies der Wunsch der Götter war, so kann auch ich sie nicht davon abhalten.“

Götter, pah. Hilel verzichtete auf jene Scharlatane. Sie waren Legenden, mystische Geschichten aus alten Tagen und sie folgte ihnen nicht, nicht mehr. Ihr Glaube war verloren gegangen und so lag Hohn in ihren Worten und doch waren sie ehrlich. Trotz ihren kalten Schein, sollte sie wohl dankbar für seine Worte sein. Es war nur ein guter Schutz. Dieses Leid welches in ihr erbeben konnte, es musste keiner wissen, keiner sehen. All diese Worte sie schienen die Fähe auszuliefern und bevor der letzte Funken an Macht und Selbstsicherheit verloren gehen sollte, musste sie ein altes Bildnis wahren, welches sie wahrscheinlich nicht immer ans Ziel brachte. Hilel wollte die Gedenken und seine seelische Berührung von Nihil nicht vernichten mit ihren Taten, doch wahrscheinlich war dies das Ergebnis. Der scheue Wolf würde sich wohl nur noch weiter in sein Schneckenhausen zurück ziehen. Diese Tatsache würde sie bedauern und als ihr Handeln ihr bewusst wurde, senkte sie demütig ihr Haupt.

„Verzeih meine forschen Worte, aber es scheint mir manchmal ungerecht zu sein, obgleich jeder seine Geschichte zu tragen hat. Nur ist man nicht immer dafür bereit, sie auch als seine anzunehmen.“

Nihilus
03.04.2011, 15:31

Er war sichtlich froh darüber, dass die Dunkle nicht weiter auf sein recht sinnloses Geschwafel einging. Natürlich fühlte er sich dadurch noch mehr ertappt – schuldbewusst ließ er die Ohren sinken, als könnten sie daran etwas ändern – doch war es angenehmer für den Jährling Vorheriges zu vergessen. Ganz einfach weg damit, leider. Allerdings brachten ihre Worte den Hellen ein weiteres Mal ins grübeln. Götter… ja. Wie wenig manche Artgenossen doch an sie glaubten. Zu seinem Glück war die Mehrzahl zwar Zeuge des Vertrauens in höhere Mächte, Hilel jedoch konnte er dabei nicht genau einschätzen oder ihre Aussage zuordnen.

„Ihr“ , als könnte er seine Worte damit unterstreichen sah er bedeutungsvoll zum Himmel, „Handeln hatte bestimmt einen guten Grund.“ Wie eine Versicherung neigte der die Schnauze wider in die Richtung seines Gegenübers. „Vielleicht geht es ihnen dort oben besser – wie auch dir irgendwann.“

Bestätigen konnte er den Satz natürlich nicht, doch war der Glaube stark genug um es wie eine Rechtssprechung zu nennen. Alles hatte einen Sinn, eine Bedeutung. Auch der Tod. Irrelevant von welcher Hand geführt: die Schuld durfte niemanden treffen. Am aller wenigsten eine Fähe die aus einem Kurschluss ihres Gefühlslebens gehandelt hatte. Vorsichtig, als würde jeder Schritt seine Glieder zu Fall bringen richtete er sich auf, in dem Willen die Gesellschaft durch etwas Bewegung aufzulockern. Vielleicht könnten sie dadurch dieses grausame Thema, den Verlust von Geliebten, beiseite legen. Es sollte nicht hier her gehören, vor allem nicht jetzt, wo sie sich doch gerade erst kannten. Seit einigen Satzwechseln wurmte es den Jungen ziemlich so neugierig gewesen zu sein. Wie angenehm hätte es verlaufne können, wenn er nicht nachgehakt hätte? Für ihn – und er glaubte auch für sie – wäre es wahrscheinlich viel leichter gewesen sich ein erstes Bild zu erstellen.
Auf ihre Entschuldigung reagierte er überrascht, damit hätte er wohl kaum rechnen können. Verlegen wandte er wider den Blick ab und konzentrierte sich darauf seine Erwiderung auf den zweiten Teil ihrer Worte zu richten.

„Ist es nicht gerade deine Vergangenheit, die Belastungen ihrer, die dich zu dem gemacht haben das heute vor mir steht?“

Es war eine rein rhetorische Frage, auf die er keine Antwort erwartete.

„Sollen wir dem Flusslauf folgen? Es ist so angenehm in Bewegung zu sein.“

Benommen, Aufforderungen, Bitten waren so gar nicht sein Ding, setzte er eine Tatze vor die Andere, in der Hoffnung die Schwarze so in ihrer Entscheidung zu beeinflussen.

Hilel
07.04.2011, 15:24


Schweigsam lauschte Hilel die Worte des Weißen. Es klang als würde er von einem Plan sprechen, welcher von den Göttern erfüllt werden musste. Er musste an diese Fügung glauben, denn seine Worte versicherten eine bessere Zukunft nach dem Leben. Seine Schnauze wanderte gar ehrfürchtig in die Richtung des Himmels, um ihr deutlich zu machen wie wahrhaftig seine Aussage war. Hilels Blick folgte seiner Deutung nicht, sie blieb starr und uneinsichtig. Ja, in diesem Fall war sie wohl nicht mehr zu belehren und obgleich sie ihm nicht an den Kopf warf, wie unsinnig sie seine Ansicht empfand, war ihr Handeln wohl aussagekräftig genug gewesen. Ein leises Schnaufen entfuhr ihr, verachtend und doch enttäuscht. Irgendwie war ja etwas Gutes daran, wenn jemand so tief glauben konnte. Überzeugt von den übernatürlichen Kräften, von den Segen, jedoch auch von den Flüchen die von diesem Glauben ausging. Aber sicherlich jeder verinnerlichter Glaube konnte Kraft schenken, jedoch erhielt diese dunkle Fähe nichts mehr von den Göttern. Der heilige und trügerische Schein war vergangen.

Langsam setzte sie ihre Pfoten voran und erhob sich. Sie schien etwas schwerfällig zu sein, noch hingen an ihr diese Gedanken und Erinnerungen der Vergangenheit, aber sie war sich sicher, bald würden sie von ihr abfallen und weichen. Zurück würde ein neugeborener Geist bleiben, in einer neuen Welt mit neuen Hoffnungen. Oh ja, sie freute sich auf diesen Tag und so schritt sich bedächtig neben Nihil her.

„Ich glaube du hast Recht, die Bewegung tut gut und vielleicht kannst du mir noch etwas von deiner Welt zeigen. Ich würde mich jedenfalls freuen.“

Seine Welt…Vielleicht würde der junge Rüde es nicht verstehen, doch es war nicht nur das Revier mit diesen Worten benannt worden. Natürlich wollte Hilel auch die Umgebung erforschen, in der Nihilus sein leben führte, doch viel mehr war sie an seinen Worten interessiert. Er schien vielleicht schweigsam zu sein und manchmal trottelig, wenn man dies so nennen konnte. Dafür vermochte er jedoch auch die Gabe zu besitzen, welche ihn zu einem geschickten Redner werden ließ, wenn er nicht gerade zu schüchtern für seine eigene Stimme war.

„Sag, wieso sollte es uns dort oben…“ Sie übernahm seine Wortwahl, da sie selber nicht wusste, wie man diesen Ort sonst hätte nennen können. „besser gehen, wenn unser wahrhaftiges Leben doch hier unten von statten geht?“

Hilel war nicht gewiss, ob er ihr diese Frage beantworten konnte und sie schien sich auch nicht sicher zu sein, ob sie wirklich noch mal hätte nachhacken sollen, doch es schien ihr auf der Seele zu brennen. Ihr rationaler Verstand schien es nicht mehr zu lassen zu wollen, dass sie an Fügung glauben konnte, aber Nihil konnte es. Dies machte sie neugierig, auf seine Meinung und Antwort. Vielleicht würde sie es verstehen, vielleicht auch nicht.


Nihilus
07.04.2011, 20:23

Als die Zustimmung der Schwarzen nicht lange auf sich warten ließ, war der junge Rüde sichtlich erleichtert, beinahe entspannt ließ er die Rute pendeln und das Kreuz durchhängen. Ja, wie viel so eine einfache Antwort doch ändern konnte. In diesem Fall war es die Bestätigung der Fähe gewesen, der kleine Anhang, dass ihr die Idee zu sagte. Und das stärkte zugleich das Wohlbefinden Nihilus’: er hatte richtig gehandelt, richtig, richtig, richtig! Beinahe freudig beschleunigte er den abwartenden Schritt zur Seite in ein gemächliches, doch ausgreifendes Tempo. Schließlich hatte der Rüde zuvor seinen Kreislauf ziemlich strapaziert, als er direkt auf den langen Lauf eine Ruhepause eingelegt hatte. Mit der Gesellschaft hatte er zwar nicht rechnen können, doch zumindest wollte er sich für das Vergehen bei seinem Körper entschuldigen, oder wider gut Machung leisten.
Auf ihren zweiten Satzteil reagierte er erst später mit einem unangenehmen Zucken, als er ihre Worte Revue passieren ließ. Seine Welt zeigen..? Das Revier…? Na dann würden sie allerdings lange unterwegs sein. Leicht verwirrt warf er der Dunklen einen Blick zu, der alles andere als selbstsicher war. Wollte sie jetzt wirklich einen Rundgang haben? Dann sollten sie allerdings zuerst zum Rudel, er konnte ja schließlich nicht einfach mal einen Fremden adoptieren – aber schon bald wurde er aus seinen Phantasien gerissen und gleichsam gerettet.
Das war ja mal total sein Thema! Nur etwas… komisch formuliert. Sogleich warf er sich aufgeweckt in den Kragen.

„Also… ich weiß es nicht genau.“ , und obwohl er so stark daran glaubte, differenzierte er sich zuerst von den folgenden Aussagen. Sicher war eben sicher. „Aber es gibt hier so… schreckliche Dinge“ , bei diesen Worten sah er sie kurz an, als deute er unter Anderem auf ihr Schicksal, „die uns so viel Leid abverlangen.“ Zögernd wandte er sich wider ab, zweifelnd ob die Bemerkung so offensichtlich erlaubt gewesen war, bevor er fortfuhr. „Warum sollten uns Götter, die das Beste für uns wollen, so quälen, wenn es nicht eine Belohnung dafür gäbe?“ Zum ersten Mal, seit er die Fähe getroffen hatte, sprach er mit völligem Bewusstsein, dass seine Worte der Wahrheit entsprachen, auch wenn es nur eine Frage gewesen war. „Natürlich sollen wir leben, unser Dasein genießen. Aber ich bin mir sicher, dass danach ein… Paradies auf uns wartet. Ein Leben ohne Schmerz, ohne Angst.“

Auch wenn es befreiend war, die eigenen Gedanken endlich ein Mal auszusprechen, war er sich nicht ganz im klaren ob sie mit ihrer Frage gleich eine ganze Glaubensschilderung hören wollte. Doch kam wohl kein negatives Gefühl gegen das geschöpfte Vertrauen an, dass etwas auf ihn wartete. Vielleicht nicht da oben, aber auch nicht da unten. Irgendwo. Und das tat ihm gut, sehr gut. Motiviert entspannte sich auch gleich seine Haltung, er wurde ruhiger.

„Die Frage nach… dem Tod ist wie die des Lebens. Warum lebst du, wenn du sowieso am Ende stirbst?“


Hilel
07.04.2011, 23:53


Ihre Schritte passten sich seiner an, während er an Tempo zu lag. Eine warme Brise hüllte die beiden Wölfe an diesem sommerlichen Tag ein. Der leichte Hauch des Windes war angenehm und beflügelte wahrhaftig die Situation. Die angespannte Atmosphäre schwand, so wirkte es für die Fähe und der Rüde, der so schüchtern schien, gewann an ungeahnter Selbstsicherheit. Sie folgte ihm schweigend und wartend. Ob er ihre Worte richtig verstanden hatte? Sie redete wohl oft in Rätseln und manchmal klang ihre Art der Sprache ungewöhnlich, wahrscheinlich löste dies noch mehr Unverständnis aus. Hilel jedoch machte sich keine Sorgen. Nihil würde sicher auf den rechten Weg finden, auf den sie ihn führen wollte. Sie hatte es nicht vor, ihn so direkt auf etwas hinzudeuten, wie er es getan hatte. Ihrer Vermutung nach, würde sie diesen Wolf damit nur verscheuchen und dies hatte sie zu jener Stunde keinesfalls vor.
Schnell erkannte die Dunkle, dass sie ein Thema angeschnitten hatte, in welchem der Scheue aufgehen und erblühen konnte. Die wenigen Worte die er manchmal so hilflos verloren hatte, verbanden sich zu einer Einheit. Sie bahnten sich an und wurden mächtig, aussagekräftig und sicher. Es war erstaunlich mit anzusehen, er schien sich zu vergessen. Die Furcht, die ihn wohlmöglich so oft zurückhielt, oder was es auch war. Bei diesem Punkt war sich Hilel noch nicht sicher, aber es erfreute sie. Mit gespitzten Ohren lauschte sie seinen Worten, über den Glauben der so fest in ihm verankert war, dass es eine beneidenswerte Eigenschaft war. Der schiere Glauben, ohne die Gewissheit war unendlich schwer. Vielleicht konnte er auch verhängnisvoll sein, doch die Worte die aus seinem Fang wichen glichen nicht bitter, nicht furchtsam, sondern frei und lieblich. Sein Blick, welche er ihr zu warf bei seinen Ausführungen entgingen ihr nicht, jedoch fehlte ihre Reaktion dazu. Einzig und allein blieb sie seinen gräulichen Augen standhaft und wartete, bis er wieder verstummen würde.

„Aber sag, woher willst du wissen, dass sie nur das Beste für uns wollen und uns belohnen werden? Was wäre, wenn wir nur ihr ‚Spielzeug’ sind, mit welchem sie sich die Zeit vertreiben? Egal ob uns Gutes oder Schlechtes widerfahren wird.“

Wieder entkam ihr eine dieser Fragen, die ihren Zweifel deutlich machten, obgleich da immer noch diese Anerkennung in ihr war. Für ihn und für die Anderen, die ihren Glauben rechtens erklären konnten.

„Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, aber wahrscheinlich gerade darum, beneide und bewundere ich deine Ansichten. Du kannst glauben, ohne die Gewissheit, die mir fehlt…Dafür zweifle ich viel zu sehr.“

So sprach sie ihre Achtung vor ihm aus, betrachtete dabei den Weißen genau und ließ sich die nächste Frage seiner, durch den Kopf gehen. Ja, wieso lebte man, wenn man sterben wird. Diese Frage stellte sich wahrscheinlich jeder schon mal, besonders im Welpenalter. Zu den Zeiten in der man die Welt entdeckt und vieles nicht begreifen kann. Nur jene Frage wird wahrlich nie gelöst. Der Sinn des Lebens ist widersprüchlich. Ein Dasein für den Tod. Schweigsam bedachte sie seine Worte. Es gab für sie keine Lösung, keine Möglichkeit die es logisch Erklären könnte, außer der Vermehrungswillen. Es war ein endloser Kreislauf, zwischen neuem Leben und vergangener Zeit. Irgendwann musste jeder für die jüngere Generation abtreten, so war der Lauf der Dinge.

Nihilus
11.04.2011, 19:00

Er hatte sich gehen lassen, eindeutig. Viel zu leicht war er dem verlockenden Drang nachgegangen und hatte gesprochen ohne wirklich über seine Worte nachzudenken. Nun bereute er es ein wenig: was wäre, wenn die Fähe auf andere Ansichten nahezu aggressiv reagieren würde? Oder sie ihn als „Spinner“ abstempeln würde, nur weil er sich seinen Glauben selbst zusammen spann? Nein. Er durfte seine Meinung äußern, durfte aussprechen was ihn beschäftigte. Sonst würde sie schließlich nicht weiter fragen… nicht auf seine Worte eingehen. In der Zeit in der er sich über sein Handeln bewusst wurde, wandte er den Blick zuerst eingeschüchtert ab, sah zur Seite, überall hin, nur nicht zu ihr. Doch mit jedem Schritt den sie beide liefen fand der junge Rüde wider zurück in das Gespräch, zuckte aufmerksam mit den Ohren, um ja keine Regung, kein Wort zu verpassen.
Zu seiner Missgunst war es genau die Stelle, die er lieber verpasst hätte. Warum glaubte er? Oder anders: warum hatte er seinen Glauben verraten? Sein „Glück“ einfach so weggeschmissen?

„Ich glaube nicht wirklich,“ setzte er an. Ja, es war ja auch die Wahrheit. „Es ist mehr so, dass ich es weiß.“ Welch Anmaßung!

Er zögerte, lauschte den letzten fallenden Worten. Bewunderung! Pah. Wenn sie doch nur wüsste… wenn ihr doch nur klar wäre, dass es die einzige Chance für eine Wiedergutmachung seines Fehlers war. Zumindest erhoffte er sich eine solche.

„Im Gegensatz zu dir bin ich… nicht in einer Familie aufgewachsen. Nicht hier.“ , der Rüde kam sich selbst ziemlich dämlich vor, mal eben so mit seiner Vergangenheit los zu legen. Doch wenn es half die Dunkle näher an die Göter des Tals heran zu führen – warum nicht? „Vor einiger Zeit gab es hier eine Katastrophe… das Tal versank im Nichts, im eintönigen Grau. Auch die Wölfe verschwanden einfach, sobald sie „es“ berührten.“ Wie konnte er über etwas berichten, dass der Helle weder selbst miterlebt, noch gesehen hatte? Er wusste nur wie es „Innen“ gewesen war. „Wir glauben, dass meine Mutter mit mir darin versank.“ Damit endete er fürs Erste.

Konnte die Ungläubige ihm folgen? Verstand sie, welch Übernatürliches hier vor sich gegangen war? Oder hielt sie ihn nur noch mehr für einen Spinner? Vorsichtig versuchet er von der Seite her zu ihr zu schielen, verlor sich jedoch jedes Mal wider in der Ferne. Vielleicht war es besser ihrem Blick nicht zu treffen. Den Rücken gestreckt, angespannt, baute er sich ein wenig auf, als müsse er seinen Worten stetigen Nachdruck verleihen. Nein, er wollte nicht verrückt erscheinen, denn das war er nicht.

„Ich kann dir nicht erzählen was darauf folgte, oder was geschehen ist. Nur kann ich mich an ein helles Licht in all dem Grau erinnern, das mir Legenden und Geschichten erzählte. Immer und immer wider.“ Er hob den Kopf, sah über die weite Graslandschaft am Flussufer entlang. „Es war… gütig, liebevoll. Ich glaube, dass es mich gerettet hat. Das es wollte, dass ich lebte. Und wie ich jetzt weiß, kann es nur eine gewesen sein, die mir meine Existenz, mein Leben schenkte: Engaya, die Göttin des Lebens in diesem Tal.“

Er schnaufte leise. Ja, es gab nur diese Möglichkeit. Vor allem weil jeder hier anwesende Wolf das Nichts bezeugen konnte, seine Grausamkeit. Wer sonst hätte die Macht besitzen können ihn zu retten? In Gedanken versunken bleib er still, immer ein Ohr auf die Dunkle gerichtet, abwartend auf ihr… Urteil? Auf eine Reaktion. Schließlich hatte er einfach so darauf los geplappert, ohne eine wirkliche Aufforderung – aber es schien ihm des beste Weg ihr seinen Glauben nahe zulegen, warum und weshalb er darauf vertraute.

„Ja. Ich habe Gewissheit.“ Pause. Seine Schuldgefühle über die Flucht aus em Nichts benannte er vorerst nicht.

Hilel
18.04.2011, 20:01


Die Schwarze wanderte gar einträchtig neben dem Fremden her. Sein immer wieder kehrender huschender Blick, entging ihr nicht. Ab und an trafen sich ihre Augen, auch wenn nur scheu und kurz. Dann wanderte ihre Sicht stets nach vorne. Voran. Über die Flächen die ihr unbekannt waren. Über weites und saftiges Grün, welches von Leben zeugte. Stumm war die Fähe, während sie all die Facetten einer neuen Welt in sich aufnahm und die Worte des Grauen erhörte. Ihre Ohren zuckten kurz auf, als er seine Geschichte begann, wie sie bereits ihre heute gesprochen hatte. Nur er sprach von unfassbaren Legend, von Magie, die ihr unbekannt war. Es war für die Realisten schwer, ihm und seinen Worten zu folgen. Sie begann zu stocken, ob es der Wahrheit entsprechen könnte, doch sie zweifelte daran, dass dieser Wolf sie belügen sollte. Wieso? Sie würden sich wahrscheinlich nie wieder erblicken und wenn doch, dann könnte sie erneut nachfragen. Hilel hatte ein gutes Gedächtnis und sie könnte nachhacken, die Lüge entlarven. Was würde dann geschehen? Er hätte viel zu viel Angst, oder nicht? Unvermittelt schüttelte sie den Kopf und verwarf all diese Zweifel und Gedanken, um seiner Vergangenheit zu lauschen. Irgendwie beherrschte er es, die Dunkle in seinen Bann zu ziehen, denn nun hörte sie, ohne den inneren Widerspruch. Sie nahm es hin und würde es akzeptieren. Obgleich es keine Lösung für seine Worte gab. Es gab nichts was ihr logisch erklang. Eine Welt die im Grau verschwand, mit den Wölfen? Ein Licht, welches Mythen berichtete und eine Göttin die ihn rettete? Nachdem Nihil verstummte, sog sie schwer die Luft in ihre Lungen und presste diese wieder geräuschvoll hervor. Nun war es schwer die richtige Antwort zu finden, die richtige Reaktion. Die ihn nicht verscheuchen würde oder gar kränken könnte.

„Es ist schwer für mich deinen Worten Glauben zu schenken und doch tue ich es. Ich bezweifle, dass du mich belügen solltest. Nein, ich hoffe du tust es nicht. Deine Gründe wären für solch ein Handeln sehr rar. Aber ich muss dir sagen, dass deine Worte meine Vorstellungskraft überschreiten. Vielleicht werde ich irgendwann erfahren was es bedeutet, den Segen eines Gottes zu erhalten. Zeitweilen herrschen diese für mich noch immer nicht. Obgleich deine Geschichte nicht anders zu erklären wäre…“

Jeder ihre Worte war von Unsicherheit belegt und so war sie es dieses eine Mal, die ihren Blick von ihm nahm und fernab hielt. Nur um seine Reaktion und seine Anwesendheit zu meiden. Sie war nicht das Wesen, welches so kritisch verletzten wollte, aber es bestand die Furcht, dass sie genau das gerade tat. Auf eine Art und Weise, sie ihr nicht wohl war und so verlor sie ein leises Seufzen. Bitter, klang es für sie.


Nihilus
28.04.2011, 16:23

Der Rüde zuckte bei jedem Treffen er Blicke zusammen. Er wollte dabei nicht ertappt werden, wie er sich selbst versicherte, dass sie ihm zuhörte, dass sie ihm zuhören wollte und Gefallen daran fand zu lauschen. Auch wenn er selbst Andere gerne lauschte, verunsicherte es ihn dennoch das Gleiche von Artgenossen zu verlangen, oder auch nur darauf zu hoffen. Und ob es nun ein kompletter Gegensatz dazu war, erfüllte es ihn mit Stärke seine Geschichte kundgeben zu können, in dem Versuch jemand andere seinen Glauben näher zu legen, darauf zu appellieren, dass es sogar Beweise dafür gab, dass Engaya existiert, dass es sie wirklich gab. Ob nun in manchen Situationen mehr, oder in anderen weniger. Sie war da. Hier. Dort. Überall. Und das könnte Hilel vielleicht irgendwann einmal spüren, nicht sehen, aber in ihrem ganzen Leib fühlen. Vielleicht würde sie dann anders über ihre Vergangenheit denken, würde sich für die Verstorbenen freuen und den Schändern vergeben.
Das könnte sogar ihr Gemüt aufheitern.
Ein sanftes Schmunzeln umgab die dunklen Lefzen des Rüden. Obwohl er selbst sich gerne innerlich amüsierte, sich jedoch nicht traute es auch nach Außen hin zu zeigen, schien die Schwarze in ähnliches Konzept zu besitzen. Emotionen zeigen war wohl wenig ihr Ding, wobei es bei diesem Thema eher schwierig sein sollte. Dennoch war es recht interessant festzustellen, dass es jemanden gab, der noch weniger Lächelte als er selbst.

„Wie sollte ich Lügen? Lügen über eine Göttin. Weder besäße ich den Mut, noch den Willen.“ , kommentiert er beinahe kichernd, unterdrückte sich dies jedoch. „Es gibt für mich nur keinen anderen Ausweg als zu glauben. Entweder ich bleibe strikt dabei, dass sie existiert, oder ich werde verrückt. Schließlich konnte ich nicht einfach vom Himmel fallen.“

Auch wenn es ihm leicht von den Lefzen ging, hatte er diesen Gedanken noch nie laut ausgesprochen. Er musste glauben. Das war schärfer als wollen oder dürfen. Es gab gar keine andere Wahl. Und irgendwie war das sehr… zufrieden stellend. Es war sein Punkt, an dem er sich immer wider festklammern konnte und sollte.
Der Gang beinahe geflügelt, lockerte sich die angespannte Haltung des Rüden.

Hilel
03.05.2011, 15:50


Schweigsam schritt sie noch immer neben ihm her. Vielleicht war sie zu ernst oder einfach zu kritisch angehaucht, denn sie konnte sein Schmunzeln nicht teilen. Es entging ihr dennoch nicht. Wie denn auch? Dieser Wolf hatte zuvor kein einziges Mal seinen Fang zur Freude verzogen. Es erfreute sie, obgleich ihre Regung fehlte und auch ihre Worte. Sie hatte keine Antwort mehr für die seinen. Dennoch machte sich in Hilel eine gewisse Erleichterung breit. Vielleicht wirkte sie oft kalt und unherzlich, aber es lag nicht in ihr der Wille begraben, andere zu verletzten und zu kränken. Sie verstand sich darauf, dass dies eine Form des Umganges war, der unnötig war. Bittere Ehrlichkeit, konnte dennoch ebenfalls verletzten, nur jene wandte sie vermehrter an.
Währendessen wurde der Geist des Grauens, neben ihr, beflügelt. Er schien immer leichter und freier. Verwunderung. Nun schwenkte sie ihren Blick zu ihm und musterte den Fremden.

"Es ist wahrlich gut für dich…“

Verlor sie leise und kurz. Er würde es doch sicherlich verstehen, was für ihn gut war und was sie meinte. Die Gewissheit fehlte ihr.

„Ich habe dich in der kurzen Zeit, in er ich dich erlebt habe, noch kein einziges Mal so offen und glücklich erlebt.“

Jah, so war es und es war noch immer beneidenswert.

(sry das es so wenig ist)

Nihilus
04.05.2011, 22:58

Es war ungemein hilfreich, sich selbst zu bestätigen. Wahrheiten auszusprechen, die stimmen mussten. Nicht, will es einem eingetrichtert worden war, sondern weil der eigene Glaube dem zu sprach. Das war gut, sehr gut. Vielleicht sollte er sich selbst öfters mal so aufpuschen, schien ja zu funktionieren. Hätte er das mal eher gewusst. Die Ohren wippend, warf er der Dunklen einen fragenden Blick zu, war sie der selben Meinung, oder entsprach sein Weltbild nun überhaupt nicht dem ihren? Sollte Zweites vordergründig sein, so hoffte er, dass es kein Problem da stellen würde. Vorsichtig verfiel er dabei in die Musterung… viele Wölfe reagierten äußerst gereizt, wenn etwas nicht ihrem Willen entsprach. Aber anscheinend war dies bei ihr nicht der Fall.
Seltsam, dass er sich zu Anfang sogar noch beinahe vor ihr gefürchtet hatte. Und das wegen einem Grund, den er selbst nicht genau definieren konnte – auf ihre Geschichte wollte er nicht abermals zurückgreifen. Ob sie sich nun so oder anders abgespielt hatte, das sollte vorerst nicht von Belang sein.

„Es sollte für jeden gut sein. An etwas Gutes zu glauben.“

Mit einigem Nachdruck hoffte Nihilus, dass sie verstand, dass es eine Aufforderung sein sollte. Dass auch sie etwas benötigte, dass ihr bei der Verarbeitung der Vergangenheit half, oder zumindest einen Blick in die nahe Zukunft. Sei es in diesem Tal, in diesem Rudel, oder an einem anderen, für sie hoffentlich wunderschönen, Ort. Verstand sie ihn? Zögernd ließ er sich unaufällig zurückfallen, um sie von der Seite her ansehen zu können, bevor er abermals aufholte. Undefinierbar. Nur ihre Stimme klang weiterhin weder gereizt noch kurz davor auszubrechen – das sollte schon einmal beruhigen.

„Soll ich jeden Fremden direkt mit offenen Pfoten empfangen?“

Auf ihre Bemerkung antwortete er nur mit einer Frage. Sollte es denn nicht genau so sein? Zuerst einmal kennen lernen, Gefahren abschätzen und dann den Artgenossen akzeptieren und aufnehmen? Und genau so war es abgelaufen. So sollte es sein. Obwohl er sich schon über sich selbst wunderte, so leicht aufzutauen. Er sollte wirklich öfter seine Lieblingsthemen ansprechen, vielleicht verlief dann manch anderes Gespräch eben so positiv.

„Du hingegen scheinst immer noch… so abweisend.“ , er zögerte, bevor er abermals die Lefzen optimistisch verzog, „Haben dich die Geschichten des Tals so verschreckt?“

Hilel
05.05.2011, 00:14

Natürlich verstand sie seine Botschaft, die er fein säuberlich verpackt hatte, um ihr nicht direkt die Schnauze in etwas zudrücken, was sie noch nicht kannte und akzeptieren wollte. Jedenfalls gab es dort noch keine Akzeptanz in ihrem eigenen Sein, für sich. Alle anderen konnten doch glauben und machen was sie wollten. So verblieb sie in ihren Gedanken und verschwieg ihre Aussage zu diesem langgestreckten und eigentümlichen Thema. Wahrscheinlich, wenn sie sich zurück erinnerte, war sie irgendwann mal in ihrem Leben ähnlich gläubig, doch die Welt wandelt sich und mit ihr, ihre Teilnehmer. Na gut, aber sie mochte es wenn er berichtete und sie genoss, dass er sprach und sie den lauschenden Zuhörer mimen durfte. Etwas was sie gut konnte, obgleich sie auch gern ihre eigenen Worte verkündete. Es kam nur immer darauf an, was…Und so schnitt er mit seinen prüfenden Blick und der nächsten Frage, auf ihre Aussage ein weiteres Thema an. Genau, eines jener, wie die zuvor. Etwas privat und unangenehm und doch allgegenwärtig. Vielleicht lag es an ihm oder an ihr, oder an beiden, aber es schien, dass der Gesprächsstoff weitgehend tiefsinnig sein sollte und dies war etwas, was sie doch zu schätzen wusste.

Die Schwarze verharrte in ihrer Bewegung, bei seiner zweiten Andeutung, wieder hatte er es sachte versucht die passenden Worte zu finden. Nihil suchte ein Versteck, für jene Dinge die er aussagen wollte, bevor er die Reaktion befürchten musste. Nach einer kurzen Bedenkpause, brach sie das Schweigen und nahm ihren Schritt wieder in dem üblichen Gang an, der zuvor ebenfalls angestrebt wurde.

„Nein nein, du hast schon Recht. Dies ist wohl das normale Verhalten. Jeder führt seine eigenen Gedanken, wenn er einen Fremden kennen lernt oder erblickt. Die Manchen sind scheu, die Anderen sind offen, wiederum gibt es auch Wölfe, für sie so ein Ereignis gar anstrengend sein kann oder bedrohlich wirken mag…“ Kurze Stille. Darauf ein tiefer Seufzer. „Deine Geschichten haben mich nicht abgeschreckt, wieso sollten sie auch? Ich sehe nun ein prächtiges Land vor mir, mit offenen und freundlichen Wölfen, die einen Fremdling wie mich, der dazu noch eigenartig ist, nicht gleich vertrieben haben. Weder dein Freund, noch du haben mich gemieden oder ähnliches, daher habe ich doch sehr positive Erfahrungen hier sammeln können. Dazu noch ein anregendes Gespräch, mit einem mal entspannenden Spaziergang, anstatt einer anstrengenden und dauerhaften Reise.“

Die Schwarze wandte ihren Kopf zu Nihil, der ihr seinen reinen Geist mit einem aufbauenden Lächeln offenbarte. So begann auch sie ihm ein zartes Lächeln zu schenken und legte den Kopf seicht schief. Ihr Blick schien kurz fragend, welche Erwartungen er haben könnte, bis sie ihm mir ihrer Erklärung zuvor kam.

„Ich brauche lange um aufzutauen, aber ich würde sagen, ich bin bereits mitten drin…“

In diesen wenigen Worten, hatte sich ihr Tonfall wohl offener und freundlicher gestaltet, als in dem ganzen Gespräch zuvor. Der monotone Klang war gewichen, aber sicherlich würde er bald wieder auftauen. Hilel wusste jedoch, dass sie diesem Rüden einen Funken an Geselligkeit dadurch zurückgeben konnte, welche er ihr bereits geschenkt hatte.

Nihilus
09.05.2011, 20:34

War es erlaubt gewesen, so frei zu sprechen? Schon bei dem kleinen Seitenhieb bezüglich des Glaubens war es Nihilus seltsam vorgekommen, einfach drauf los zu plappern. Aber es hatte gepasst. Irgendwie. Es war einfach in den Redefluss mit eingefallen. Ein Gespräch. Wahnsinnig einfach… eigentlich. Denn kurz nach seinem letzten Satz hatte ihn die Furcht ergriffen zu weit gegangen zu sein… durfte er sie überhaupt so offen charakterisieren? Vor allem mit einer wenig positiven Eigenschaft? Hoffentlich nahm die Dunkle es ihm nicht übel, denn zerstören wollte er weder die vergangene Zeit, noch die nächsten Sätze, die sie aussprach. Ja! Sie sprach weiter. Das sollte wohl so viel bedeuten wie: grade noch einmal geschafft. Alles richtig.
Durch den Gedankengang die Flügel gestutzt, verlor der Helle in wenig an Enthusiasmus. Dabei war er doch grade von einem solchen Glücksgefühl erfüllt gewesen! Fremdsein war nämlich ziemlich dämlich, und sobald die Schwelle auch nur in Ansätzen überschritten war, schien alles gleich viel einfacher. Daher lauschte er einfach nur ihrer „Antwort“, bis zu dem Teil, an dem sie kurz inne hielt. War das ein Zeichen? Bezog sie die letzt genannte Rolle etwa auf ihn? Oder auf sich selbst? Möglich wäre es, schließlich waren sie beide keine Kinder der Sonne und quatschten gleich darauf los, obwohl in der kurzen Zeit viele Informationen ausgetauscht worden waren. Eben so ne Mischung aus Scheu und… Redenslust. Zweitere schien Hilel ergriffen zu haben, denn sie brachte Nihilus abermals zu einem belustigten Schmunzeln.

„Du beschreibst unser Tal genau richtig.“, erwiderte er beinahe mit stolzem Unterton, auch wenn es dazu kaum einen Grund gab. „Wobei ich dir sagen muss, dass gerade die Bewohner, das anwesende Rudel, es so schön machen.“ Nein, damit deutete der Rüde nicht auf die Sache mit dem Nichts hin und dass die Wölfe sich ihre eigenen Plätze erschaffen hatten, dann würde die Dunkle ihn erst recht als verrückt abstempeln, er bezog sich damit nur auf die jeden einzelnen der Wölfe, so sehr er sich auch vor ihnen scheute. „Es wäre schwer vorzustellen, dass dich hier jemand vertreiben würde.“ Zumindest konnte er sich dies nicht vorstellen, dafür schenkte er zu vielen von ihnen die besten Charakterzüge.

Als sie abermals das Wort ergriff, diesmal sichtlich umgestimmt von der viel zu düsteren Fähe in eine.. nun ja, eben eine nicht mehr ganz so düstere Fähe – ihr Pelz war eben schwarz wie zu vor geblieben. Aber dafür wirkte sie freundlicher, das sagte ihre Mimik.

„Na, das ist ja schon Mal ein Fortschritt! Zumindest wenn du hier bleiben möchtest, oder setzt du nach kurzer Rast die „anstrengende und dauerhafte Reise“ fort?“ , ohne es wirklich zu registrieren zitierte er ihre eigenen Worte.

Hilel
10.05.2011, 17:26


Jeder der Bewohner sollte das Tal selber geformt haben?! All jene waren beteiligt und dieser Rüde sprach es mit voller Gewissheit aus. Er war gut, so gut. Zu gut?! Hilel schenkte ihm wieder einen Blick, musternd und dennoch hell. Er war nicht prüfend, aber anerkennend. Sie erkannte ihn, einen kurzen Augenblick, wie er wohl sein konnte und wie er war, wenn er nicht so scheu wäre. Ja, dies war sein einziger Makel. Nicht wie bei anderen Wölfen. Er war nicht schlecht. Nihil war alleine scheu und schüchtern. Seine Geisteszüge waren ehrlich und rein. Wahrscheinlich waren seine Worte so wahrhaftig, wie noch keine anderen zuvor. Und wenn er in einem Nichts gelebt hatte, eine lange Zeit – allein. So war doch Misstrauen oder Zweifel, Angst, wie man es auch nennen sollte, nicht ungewöhnlich. Nein, es war logisch, wenn es nicht gelernt war, musste man es erst gelehrt bekommen oder eigenständig erlernen. Der Umgang mit Fremden, mit anderen Wölfen. Manchmal ging dies und manchmal auch nicht. Manche Wölfe waren immer so - wie Hilel.

Sie nickte sicher zu seinen Worten und seiner Bestätigung, sie hatte es richtig erkannt. Es war ein selbstsicheres Bildnis und ein keckes. Diesmal nicht nur stur monoton oder ähnliches. Nein, sie schenkte ihm etwas Freizügiges. So wie er es getan hatte, mit dem Stolz, den er verkündet hatte. Die Dunkle wurde von ihm immer wieder in einen ungeahnten Bann gezogen. Er erreichte sie und nahm sie mit. An seiner Pfote und führte sie durch ein fremdes Land, dies in jeglicher Hinsicht. Immer noch lag ihr Blick auf ihm, er ruhte, angenehm. Ihr Kopf legte sich eine leichte Schräge. Vielleicht kam es ihr nur so vor oder erkannte sie in ihm wahrlich Enthusiasmus über ihre Aussage.

„Ein Fortschritt ist es wahrlich…Ob ich weiter wandern werde oder hier bleiben werde, dass kann ich dir noch nicht sagen. Natürlich, wäre ich ebenfalls über so ein Rudel erfreut, aber wahrscheinlich stehe ich mir dafür meist selbst im Weg…“

Wieder sprach sie irgendwie in Rätseln und diesmal war ihre Stimme wieder gedämpfter. Diese Überlegung hatte sie sich noch gar nicht gemacht und auch noch nicht beendet. Wie war es in einem fremden Rudel? Natürlich schwebte in ihr diese ungeahnte Neugier, die ihr viele nicht zutrauten, durch ihre abgestumpfte Art, die sie an den Tag legen konnte. Dennoch, sie spürte diese, beben und oft siegen. Nur der Verstand, er musste sie so oft tadeln.

„Es ist ja noch Zeit, mir reicht es erstmal ein Mitglied von der riesigen Gemeinschaft kennen zu lernen.“

Irgendwann hatte Nihil dies angesprochen, dass es ein großes Rudel war, natürlich abgesehen von ihrem guten Wesen. Sie war sich sicher und so hatte die Dunkle es ausgesprochen.

Mit einem Male, wirkte sie verträumte. Das Auge wieder voran gerichtet und in diesem leichten und angenehmen Schritt verfallen. Die Schwarze erinnerte sich an vieles, welches sie beobachtet hatte. An die Wandlung der Landschaft bei ihrer Wanderschaft, an die Wandlung ihrer Seele mit jedem Schritt.

„Hast du schon mal die Welt erkundet? - Es ist faszinierend. Sie ist so wandelbar. Jeder Schritt kann einen in ungeahnte Richtungen bringen und neue Welten erblicken lassen, von denen man nicht einmal geträumt hat. Ich habe mir zuvor nicht erdacht, einen grauen Wolf zu treffen, mit dem ich durch die Landschaft wandern werde, als würde ich diesen bereits Jahre kennen. Ich hätte auch nie erwartet, auf so viel freie Fläche zu stoßen, an der man keine Seele traf oder erahnen würde…Es ist so viel Freiheit, die man spürt. Freiheit…Niemand ist da – Das kann grausam klingen, doch ohne eine fremde Seele an deiner Seite, ohne ein schützendes Rudel, hat man unerwartete Freiheit, die man genießen kann. In jeglicher Art und selbst wenn du nur beginnst, dich selbst so intensiv wahrzunehmen, wie noch nie zuvor…Ich rede zu viel – ich weiß. “

Plötzlich brach sie ab und schüttelte ihren Kopf. Der verträume Blick war verschwunden und ein harter Abbruch ihrer Worte erfolgte. Wahrscheinlich würde der Graue diese nicht verstehen.

Nihilus
17.05.2011, 23:01

Natürlich bekam er von ihren Gedankensprüngen kaum etwas mit, auch wich er dem anhaltenden Blick mit Belang aus. Er wollte sprechen, wollte ihr zeigen, dass es eine andere Welt gab als die, die sie wahrscheinlich kannte: viel zu groß, verstörend für ein so kleines Lebewesen wie sie, die Wölfe. Zumindest schilderten Fremde, die nicht hier aufgewachsen waren, ihre vergangenen Reisen mit eben diesen Worten – zumindest wenn sie negativ von den unzähligen Ländern hinter den Gebirgsketten sprachen. Um sich selbst die große Neugierde auf die „Freiheit“ zu nehmen, verbot er sich gerne mal selbst die Träume über Abwechslung, Spannung und die Ungewissheit, die irgendwo dort draußen auf ihn warten konnte.

„Du fürchtest dich mehr vor der Gemeinschaft als vor der Einsamkeit?“

Schoss es nach ihrer kurzen Stellungnahme mit großem Unverständnis aus ihm heraus. Seltsam. So sehr er viele Artgenossen auch nur aus der Ferne betrachten wollte, suchte er dennoch immer die Gruppe. Das Wissen, nicht alleine zu sein, war so beflügelnd, dass er es niemals mehr missen wollte. Und dann gab es da doch Wölfe, die das komplette Gegenteil bevorzugten…? Skeptisch erwiderte er nun doch Hilels Seitenblick. Quatsch. Sich selbst im Weg stehen. Das ging schon Mal theoretisch als auch praktisch nicht! Also zählte diese Ausrede wohl kaum, das stand schon Mal fest. Die Rute schwach pendelnd, verfolgte dies Mal er den Wandel ihrer Mimik, beinahe erschrocken, sah er sie so doch das erste Mal: abwesend… nicht hier? Dabei schien sie doch sonst immer so wachsam.
Doch sobald die Schwarze das Wort ergriffen hatte, spitzte Nihilus nicht nur aufmerksam die Ohren, sondern richtete sich auch gleich ein wenig mehr auf. Da war sie! Die Geschichte, der Erfahrungsbericht über das Leben in einer – hart ausgedrückt – anderen Welt. Eine schöne Welt. Genau die Welt, die er von nahezu jedem Neuankömmling beschrieben bekam, aber immer wider zu verdrängen versuchte. Es sollte besser sein, wenn er hier sowieso niemals weg gehen konnte. Und doch konnte er nicht die Ohren verschließen.

„Nein, sprich weiter.“ , forderte er auf, kaum das sie geendet war. „Es klingt so wunderschön, wenn du von der Freiheit sprichst, ist sie doch das genaue Gegenteil von unserem Leben hier.“ Sobald er die Worte gesprochen hatte, bereute er ihre Aussage. „Natürlich kann das Rudelleben mit dem des Streuners nicht verglichen werden… aber dennoch hat auch Zweites solch große Reize.“

Es klang mehr wie ein Selbstgespräch, als dass er zu dem Gegenüber sprach.

Hilel
30.05.2011, 15:36


Hilel wandte ihren Blick nicht zu dem Grauen, der sich bereits in seinen neuen Worten verfing. Wie Schlingen legten sie sich um ihn und hielten ihn fest, je mehr er dagegen zog, umso deutlicher wurde doch die vorige Aussage, die er getroffen hatte, für welche er sich zu schämen oder zu scheuen begann. Für die Schwarze lag in seinen Worten nichts Schlimmes. Es gab keine Grausamkeit, es war nur der gewöhnliche Funke an Neugier und Sehnsucht. Der Wunsch nach etwas, was man nicht hatte, was man nicht kannte. Dies war nur alltäglich, die Banalität der Normalität. Irgendwann konnte man sein eigenes Leben nicht mehr schätzen, wenn man nie was Neues entdecken konnte. So war es doch immer nur gleich und Gleichheit sprach von Langeweile. Auch wenn man sein Dasein zu lieben vermochte. Eine quälende und zerrende Sehnsucht begann irgendwann zu herrschen. Bei manchen gewann sie, bei manchen verlor sie. So viel konnte man für sie verlieren und so viel wegen ihr gewinnen…

„Schäm dich nicht für deine Aussage. Ich verstehe dich und ich weiß, dass du dein Dasein in diesem Rudel liebst und auch dafür lebst. Dennoch, jeder Wunsch für eine Veränderung, für neue Erfahrungen ist doch nur verständlich. Die Welt ist unendlich groß und manchmal kommt in einem der Drang auf, mehr als nur sein kleines Reich zu entdecken. Ohne auch eine Minute sein altes Leben missen zu wollen, immerhin kennst du die Vorzüge von dem Rudelleben. So wie die Bindung die du zu deinen Familienmitgliedern hast.“ Hilel schenkte ihm ein verständnisvolles Lächeln, danach verzog sich ihr Gesicht wieder zu ihrer bekannten Identität. „Du hast mich gefragt, ob ich mich mehr vor der Geselligkeit, als vor der Einsamkeit fürchte…Ich fürchte beides nicht! Aber ich weiß meine Einsamkeit mehr zu genießen, als die Nähe und Gesellschaft.

Nun gut, dann will ich dir ein Stück von der fremden Welt zeigen. Auch wenn diese jeder wohl anders wahrnehmen wird.“


Wieder stockte die Fähe, doch diesmal nicht mit dieser verträumten Art, die sie zuvor angenommen hatte. Diesmal behielt sie ihre Maske und sie wusste es war besser so. Zuvor hatte sie sich fallen lassen, in diesem berauschenden Gefühl. In Erinnerungen und Empfindungen, die doch eigentlich keinen etwas angingen. Verschwiegenheit war wertvoll. So waren ihre Worte diesmal überlegter, bekennender zu ihrem Verstand und abgewandt zu der süßen Versuchung sich hinzugeben.

„Ich möchte dir keinesfalls das Leben in einem Rudel streitig machen und dieses betadeln. Dies wirst du sicherlich verstehen. Aber wenn meine Läufe dazu verführt werden zu wandern, ist es ein Genuss zu wissen, dass keiner mich hindern kann und ich gehen kann. Egal in welche Richtung und egal aus welchem Grund. Es gibt keine Seele die meine beengen kann und mir ein Urteil fällen könnte, womit sie meine Entscheidungen nieder machen könnte. Der Geist ist frei und wird nicht gehindert. Ich muss an keinen Gott glauben und ich muss mich nicht unterstellen, wenn es mir nicht danach beliebt. Es ist nicht so, dass ich diese Regeln einer Gemeinschaft nicht beherrschen würde, aber ich habe nicht immer den Sinn danach sie zu erfüllen, wenn ich weiß ein anderer Weg ist für mich besser. Dies ist die erste Freiheit die ich verspürt habe. Sie begann schnell in mir zu beben, nachdem…ich davon gelaufen bin. Es ist wahrscheinlich banal, für die Meisten. Doch dieser Gedanke lässt eine Einsamkeit leichter ergehen und aus dieser Notwendigkeit wurde schnell ein Vorteil. Die weitere Freiheit lernte ich erst nach einiger Zeit kennen, aber auch sie lernte ich zu lieben. Zu Beginn entging mir der Blick für diese Welt. Ich hatte kein Auge für ein anderes Reich, außer für meine Gedanken. Die ungestört wucherten und gediehen. Die Ruhe war himmlisch, in welche ich mich zurück ziehen konnte. Noch schöner war der Anblick der Welt. Meine Heimat war ein karges Land, wie ich bereits erwähnt hatte. Umso mehr war ich von der Veränderung der Welt begeistert. Wie die Landschaft sich wandelte und mit ihr das Tierreich. Beute, die zuvor noch nie von mir erlegt wurde, welche ich noch nie gekostet hatte. Sonnenstrahlen, die meinen dunklen Pelz erwärmten, als würde mich der glühende Ball selbst umarmen. Meine Pfoten spürten mit jedem weiteren Weg, wie sich das Erdreich unter mir veränderte. Es formte sich, mit der Welt ich mich selbst auch. Meine Pfoten versanken in weichen Grün oder schlugen auf harten Steinboden auf. Es klingt alles so unbedeutend, aber vielleicht hast du selbst mal einen Vogel oder eine Wolke beobachtet, wie sie über den Himmel zogen. Niemand konnte sie fangen, keiner kam ihnen je nach und sie wirkten beneidenswert. Rein, frei und unbändig. Nichtig ob ein Sturm heran zog oder nur eine leichte Böe durch unser Fell strich. Der Wunsch ihnen zu folgen bestand fortwährend…Es ist kein Begehr ewig in Einsamkeit zu leben. Es ist gegen unsere Natur. Ich weiß es, aber ich bin mir auch sicher, dass es keinen anderen Ausweg für mich gab, als diesen. Ich musste mich selbst finden, dass was ich noch war und was ich geworden bin. Ob diese Reise mich nun zum positiven oder negativen beeinflusst hat, dass vermag ich nicht zu beurteilen. Ich weiß nur, dass es so gut war. Diese Sehnsucht hatte viel zu stark in mir gekämpft und mich irgendwann niedergestreckt, bis ich wusste, wie ich mit ihr leben sollte.“

Leise verlor sie ein Seufzen. Dieses Mal drehte sie ihren Kopf zu dem Grauen. Er war wie ein Schatten, still und unauffällig. In ihrem eigenen scheuen Blick war Erwartung vergraben. Welche Worte würde er von ihr verstehen und wie sehr, würde auch sein Herz erbeben? Vielleicht lag all dies auch nur an ihr. An ihrer Vergangenheit. Er kannte die blanke und bittere Einsamkeit. Erbarmungslos, ohne Rettung. Sie hingegen, kannte nur den dröhnenden Wunsch nach dieser, ohne zu wissen, ob sie in einer endlosen Zurückgezogenheit selbst genesen würde.

Nihilus
06.06.2011, 09:32

Es war wahrlich beruhigend, dass das Tal ihm weder die bösen Gedanken über die Freiheit eingetrichtert, noch geschenkt hatte. Sie seien „normal“, wie Hilel es bezeichnete. Völlig „normal“. Aber wie durfte sich denn ein glücklicher Wolf; schätze er allein das Leben und dass er überhaupt hier sei; an eine andere Welt denken, als an die seine? Aus reiner Neugierde? Das wäre abwertend hingegen… des Tals? Nein, wohl kaum. Aber es wäre dafür da ihn selbst an seiner Existenz zweifeln zu lassen, konnte und durfte er doch nicht einfach gehen, verschwinden. Es lag nicht in Nihilus Macht über seinen Aufenthalt zu entscheiden, das war es niemals gewesen und würde es auch niemals sein. Leider.

„Danke.“

Allein ihr Versuch ihn zu beruhigen, ihm die Furcht vor seinen eigenen Gedanken – so freiheitsliebend sie auch waren – zu nehmen, löste in dem Hellen eine tiefe Dankbarkeit aus, dass er das Wort nur leise hauchen konnte. Zum Einen um ihren weiteren Redefluss nicht zu unterbrechen, zum Anderen, um nicht abermals selbst in einen solchen zu verfallen. Ihr Lächeln unterstützte Nihilus nur in der Bestätigung, dass sie wahrscheinlich Recht besaß, er als Abhängiger jedoch kaum solche Wünsche oder Träume äußern durfte, ohne das Wissen, dass er sie jemals erfüllen könnte. Für immer weg, nein. Aber einmal sehen wovon andere sprachen… das wäre schön. So schön, dass er sogleich aufmerksam die Ohren nach vorne schnippte, alle bedrückenden Schwingungen verbannte, und abwartend den Blick auf die Dunkle richtete – wie es aussah näherte er sich sogleich der theoretischen „Außenwelt“. Diesmal allerdings anders als gewöhnlich. Anstatt von ihren Erlebnissen, ihren Taten und dem Äußeren der Welt zu sprechen, schien sie eher ihre eigene Wahrnehmung zu erläutern. Das Gefühl gehen und bleiben zu können wo sie wollte… es klang so verlockend. Die Veränderungen, den Wandel zu erleben schien unbeschreiblich und er wagte es kaum auszusprechen, doch wahrscheinlich schienen die Worte der Dunklen wohl kaum ausreichend.

„Es klingt so wunderschön, dass ich es dir kaum verübeln kann gegen deine Natur“ , abermals zitierte er sie, um nicht wider ins Hadern mit seinen eigenen Worten zu gelangen, „gehandelt zu haben.“ Er schloss die Lefzen für einen Moment um den angesprochenen Wolken einen Blick zuwerfen zu können. „Vielleicht musstest du gehen, ziehen, um wirklich leben zu können. Es gibt so viel, das wir benötigen, ohne jemals daran gedacht zu haben.“ Zumindest klang es so, als wäre die Fähe aus reiner Intuition los geschossen. „So lange du aus deiner Reise gelernt hast, kann sie nichts Negatives beherbergt haben.“

Ja, das sollte stimmen. Schließlich hieß es doch immer: lerne und lebe. Erfahrungen sammeln, Neues ausprobieren. In Welpenzeiten waren die Jahreszeitenwechsel etwas Neues – für Nihilus, der einen vernünftigen Wechsel dank dem Nichts noch nie wirklich erlebt hatte, zählte sowohl Herbst, als auch Sommer dazu – doch für einen erwachsenen Wolf gab es kaum mehr etwas. Und Hilel schien einen Ausweg gefundne zu haben.

„Wenn andere um ihr Leben trauern, nichts von der Welt gesehen haben, kannst du ruhen, deine letzten Jahre genießen, denn du hast nichts verpasst.“

So schloss er zumindest seinen eigenen Gedankengang hab, zählte sich selbst allerdings zu der ersten Kategorie. Obwohl er doch eigentlich schwärmen sollte von seinem Sein, davon, dass er hier war, dass er Gesellschaft besaß und…leben, nicht nur allein existieren, durfte.