25.01.2011, 20:12
Müde hatte er eine Pfote vor die andere gesetzt, dann waren sie stehen geblieben. Irgendwo weiter vorne redete Tyraleen. Ihre Worte jedoch erreichten ihn nicht. Das Nichts hatte sie umschlossen und Krolock fürchtete sich nicht, dem Ende entgegen zutreten. Kurz hielt er nach seinen Geschwistern ausschau, die er eigentlich beschützen sollte, doch sie waren in den Reihen des Rudels nirgendwo auszumachen. Das Nichts rückte näher, während die weiße Fähe, die er nicht sehen konnte, ihre Rede hielt. Neben ihm in dieser trüben, alles verschlingenden Leere war der komische weiße Welpe. Wie einfach wäre es gewesen, dem Warten ein Schnippchen zu schlagen und einfach hineinzulaufen und zu verschwinden. Verschwinden wie sein Vater und seine Mutter. Eben noch am Leben, dann ihren letzten Atemzug tunend und diese Welt für immer verlassend. Verfluchte Götter.
Krolock starrte ins Nichts und machte einen Schritt auf es zu. Gleich würde ohnehin alles vorbei sein und er hatte keine Lust von den anderen niedergetrampelt zu werden, weil sie sich alle selbst die nächsten waren und von diesem seltsamen Nebel fort wollten. Nur ein Schritt und alles würde vorbei sein. Endlich.
25.01.2011, 20:44
Es war so anders. So ungewohnt. Diese Erschütterungen die er spüren konnte, die er registrierte als wäre es das Beben seines Leibes. Es gehörte hier nicht her und doch hielt es seit langem an, nahm mit jeder Legende, die er für sich selbst wiederholte – seine Zeitmessung -, zu und erfüllte die eintönige Umgebung mit etwas. Mit einer Regung? Nein. Einem Geräusch? Es war weder auszumachen wie sich Veränderung zeigte, wie Er es hätte fühlen können: doch es war sicher, dass da etwas war, das nicht hier her gehörte. Wie damals, als das helle Licht aufgetaucht war. Das war auch anders gewesen. Völlig anders.
Sein Nichts und das jetzige waren auf einmal so gegensätzlich wie Leben und Tod – ein anderer Kontrast war ihm schließlich nicht geläufig. Anders. Und doch hatten sie eine Gemeinsamkeit: ihre Verbindung zu einander.
Der Auslöser für diese Veränderung schien greifbar nahe für Ihn. Ihn, den Wolf. Oder war es nur ein Traum von dem Leben, über das er so endlos lange nachgedacht hatte? Da war etwas. Farbe? Farbe. Etwas anderes als das vorherrschende Grau. So weit weg, dass Er näher wollte. Das Grün berühren… sehen wollte. Und als wenn er seinen Aufenthalt durch seine Wünsche hätte steuern können, kam er dem Fremdartigen näher. Sah, wie es vor seinen Augen wuchs. Wie er immer mehr sehen konnte.
Wie es da war. Vor ihm. Und sah, wie er selbst Gestalt annahm. Wie er sich selbst wahrnahm, als stünde ein Abbild seiner Selbst genau vor ihm. Ein Wolf. Wie aus den Legenden. Wolf, Wolf, Wolf.
„Wolf.“
Das war er. Schon immer gewesen, doch nun endlich, wo die unzähligen Geschichten des Lichts mit der Farbe Gestalt annahmen, öffneten seine Augen auch für ihn selbst.
Doch galt der trockene Ausruf des jungen Tieres – er war noch so jung, kaum dem Fellknäuel Dasein entsprungen – nicht seinem eigenem, strahlend weißen Leib. Nein. Wie in Trance war der Blick – sehen, er durfte, konnte sehen! – auf eine Bewegung vor sich, in dem Grün, gerichtet. Dunkel wie der Tod, wie es die Geschichten lehrten. Doch weshalb stand er in seiner Farbe? Weshalb umschlang ihn kein grauer Nebel, sonder lichtete sich vor und hinter ihm? Durfte das sein? Nach dem vorherigen Ausruf schweigend, wollte er näher zu dem ihm so ähnlichen Es. Dem Wolf. Dem Schwarzen. Wollte in die Farbe, raus aus dem Nebel. Und so wie er es wollte, kam er dem sich lösendem Dunst des Nichts näher. Erkannte in der schwarzen Gestallt seine eigenen Züge, seine Körperformen. Und die Farbe: das Blau. Dieses wunderschöne helle Blau, das aus dem Dunklen heraus stach. Als wäre es das Zeichen für etwas Unbekanntes - einen Schalter? - gewesen, öffnete sich der Blick des Hellen für das, das geschehen war. Für das Vergangene, das erlebte. Er kannte die dunkle Gestalt, kannte die Farbe - Oh wie hatte er es nur verdrängen können?! Es war doch schon einmal da gewesen! Die Veränderungen, das Unbekannte, es war weder neu, noch entsprach es nicht seinem Wissen: war er dem Schlaf verfallen gewesen, oder war es die Leere, die ihn hatte vergessen lassen? Freudig, als würde er zum ersten Mal den Duft des Frühlings genießen - in gewisser Hinsicht war es ja genau das! - wurden seine Bewegungen schneller, flüssiger... lebendiger. Das kannte er. Wusste, wie es funktionierte, wie es sich anfühlte. Und vor allem wusste er, was, nein, wer dort vor ihm stand. Wer die dunkle Gestalt war. Ein Wolf, wie er. So hatte der Fremde ihn vor - langer Zeit? Wenigen Momenten? Er wusste es nicht genau. - bezeichnet.
"Krolock."
Nüchtern, ohne sich wirklich den Namen gemerkt zu haben, sprach er ihn aus. Den Körper erfüllt mit einem Gefühl, einem Beben, das ihn in Reaktionsbereitschaft hielt. Das ihn dazu brachte, den Dunklen nicht nur zu fixieren, sondern anzusprechen. Es gefiel ihm, tat ihm gut, dass der Andere hier war. Das die Frabe ihn wider gefunden hatte - oder war es andersrum gewesen?
22.02.2011, 19:49
Krolock wandte den Kopf zur Seite und blickte in das Nichts, das ihrer aller Leben fordern würde. Es interessierte ihn nicht. Die Welt war kalt, er hatte in seinem Leben noch nie die Sonne gesehen, weil sie verschwunden war. Jeden Tag war der Wolkenschleier dichter geworden und hatte alles in noch größere Düsternis getaucht. Das triste Grau nahm kein Ende. Doch was wusste ein Welpe wie er vom Frühling und vom Sommer? Nichts dergleichen hatte er je gesehen. Die Pflanzen standen in ihrer Blüte, aber sie waren welk geworden, vermissten ihre Freundin die Sonne. Noch lebten sie, aber irgendwann wären sie gestorben. Nicht mehr in diesem Leben. Hier war es, das alles verschlingende Nichts und es öffnete seinen Fang um zu töten.
Eine Stimme neben ihm riss Krolock aus seinen Gedanken. Es war der seltsame Welpe, Nihil, der dem Nichts ein Gesicht gab. Das einzige Leben in all dem Nirgendwo. Eine elende Nervensäge.
"Was willst du? Uns beim sterben zusehen? Findest du das lustig?"
Er grinste gehässig und knirschte mit den Zähnen. Der Anfang vom Ende brach an und er war bereit zu gehen. Aber was war mit dem komischen Kerl ihm gegenüber?
"Was passiert mit dir, wenn sich das Nichts über alles gelegt hat, was lebt?"
Krolock zog seine Pfote zurück, als das ewige Grau ihr zunahe kam. Es musste nicht seinen Körper haben, ein winziger Teil davon reichte bereits aus, um ihn mit sich zu nehmen und Körper wie Seele auszulöschen, als hätte es ihn nie gegeben.
22.02.2011, 20:35
Es war so seltsam, dass er bleiben wollte. Dass er hier, vor dem Grün stehen durfte. Dem Grün, dem Grau und dem eisigen Blau, dass er abermals zu sehen bekam. Eine Farbe, die ihm gefiel. Eine der wenigen die er kannte. Doch verstand er nicht ihren Sinn, wenn es denn überhaupt einen gab – oder versuchte er einfach nur das ihm fremde Gefühl zu beschreiben? Es war so anders sehen zu können, zu wollen. Eben so das Verlangen danach die Worte des Andere zu verstehen, die der Sprache seines Lichtes so glichen. Wäre er in der Lage gewesen Stimmungen aus den gefallenen Sätzen zu entnehmen, wäre er wahrscheinlich umgekehrt, weg von dem erschlagendem Grün, doch war es ihm nicht erlaubt zuordnen zu können mit welcher Gehässigkeit der ihm so ähnliche Wolf – welch seltsame Bezeichnung, sie endlich aussprechen zu können,
„Wolf.“ –
sprach. Die Haltung steiff, als würde er zum ersten Mal bewusst auf seinen Tatzen stehen, lauschte er dem Nachklang seiner Wiederholung, bevor er sich mit Bedacht dem Dunklen gedanklich zuwandte. Mit einigen Schwierigkeiten ihm im angemessenen Zeitabschnitt zu antworten. Auf die wohl eher rhetorischen Fragen ebenso, wie auf die wirklich wahre.
„Der Tod ist nichts vor dem du dich fürchten musst.“ , zitierte er mit monotoner Stimme, als wenn er die Worte vorlesen würde. „Erst das Leben, dann der Tod.“ Ein kurze Pause trat ein, bevor er die wirren Geschichten in seinem Kopf geordnet hatte: „Lustig, nein. Aber sollte es für euch nicht eher spannend sein? Willst du denn gar nicht wissen, was dich erwartet?“ Es lag kein Spott in seiner Stimme, allein reine Ernsthaftigkeit.
So sollte es doch sein, oder nicht? Mit voller Neugierde besah er sich den Welpen ein weiteres Mal. Nun, wo es kein Schock mehr war, ein ihm ähnliches Wesen vor sich zu haben, konnte er ihn endlich wirklich wahr nehmen. Doch irgendetwas schien anders zu sein… Krolock schien sich verändert zu haben. Nicht wirklich Äußerlich. Aber etwas war anders.
„Ich…“
Der Helle hielt inne, als die Antwort seine Zunge verlassen wollte. Was würde denn mit ihm passieren? Skeptisch wandte er den Blick von dem „Wolf“ ab und ließ ihn über den Kontrast von grau und grün schweifen. Zwischen dem ihm so bekannten und dem völlig neuem. Er wusste es nicht, kannte seine Zukunft nicht. Ihm war doch noch nicht einmal bewusst, dass er eine Vergangenheit besaß, auch wenn er noch so jung war.
„Ich denke, dass ich weiter hier bleiben werde.“
Obwohl…
„Und dafür beten werde, dass es wider so wird wie…“ , ja, wie wann? „wie vor einiger Zeit.“
Er fühlte, dass sich etwas verändern würde. Dachte, dass es jedoch wider so werden würde, wie es vor dem Grün gewesen war. Und hoffen tat er darauf, dass alles gleich bliebe. So wie jetzt. Mit den Farben. Das wäre schön.
„Du wirst sterben?“
Ein paar Augenblicke zu spät senkte er den Blick auf die Tatze, die der Schwarze zurück zog.
„Es lässt euch sterben.“
Ja, seine Heimat ließ ihn sterben.
Und ihn selbst? Die unbeschreibliche Veränderung war so plötzlich, dass er sich nicht vorstellen konnte, dass es keine Auswirkungen auf die Heimat, das Grau, haben könnte.
02.05.2011, 16:36
Krolock sah eher beiläufig ins Nichts, zu dem anderen Welpen und beobachtete, wie langsam in diesen einsickerte, was der Realität entsprach. Die restlichen Worte ließ er vorbei streichen, als hätte er sie nicht gehört.
"Du bist der Einzige da drin, oder? Du kannst nur so über den Tod reden, weil du Verlust nicht kennst. Du hast doch gar kein Bewusstsein dafür, wie es ist, jemanden zu verlieren. Ich hab keine Angst vor dem Tod, es ist mir egal, wenn er mich holt... was soll ich fürchten? Bleibt zu hoffen, dass alles aufhört. Unser Sein meine ich. Sonst wäre der Tod nichts als ein schlechter Witz. Ich will doch nicht körperlos, orientierungslos irgendwo herumirren, für den Rest der Ewigkeit. Ich will mit meinem Herzschlag und meinem Atem enden. Ich will aufhören, zu existieren."
Neugierde, pah! Dieser Welpe schien ziemlich dumm zu sein. Krolock hingegen hatte nicht vergessen wie es sich anfühlte, seine Eltern zu verlieren und zurückgelassen zu werden. Halbherzig in die Verantwortung von Anderen gegeben.
"Ich wünsch dir mal viel Spaß in deiner trostlosen Existenz, in der es außer dir nichts gibt, außer dem Grau in Grau. Von jetzt bis immer. Du bist wohl ein Verfluchter, ein ungeliebter der Götter, wenn du so willst."
Sein linkes Ohr zuckte. Ihm war ziemlich egal, was das Rudel so trieb, hinter ihm. Aber auch der Welpe im Nichts interessierte ihn nicht wirklich.
04.05.2011, 20:38
Die Verlockung der Farben war so groß, dass der kleine Rüde nicht ruhig bleiben konnte. Auch wenn er nicht wusste, was die innere Unruhe in seinem Leib auslöste, so bewegten sich sowohl Tatzen, als auch Rute beständig. Aber warum? Hier gab es schließlich alles was er brauchte. Alles – wobei sich das quasi auf Nichts bezog. Und der Dunkle? Der mit den bunten Augen? Zwar bewegte er sich in dem wunderschönen Grün, doch schien er darüber nicht glücklich zu sein. Dabei sollte er sich doch freuen!
Oder zumindest damit aufhören sein Leben zu verfluchen.
„Glaubst du nicht daran, dass etwas auf dich wartet?“ Nach dem Tod sollte das Paradies folgen, dass wusste Nihilus. Oder glaubte es. „Der Tod ist kein Ende.“ Philosophierte er die eingetrichterten Legenden vor sich her.
Wie konnte der Dunkel denn nur anders denken? Er wollte nicht mehr existieren. Na, dann könnten sie ruhig tauschen. Ja, das war sogar eine Idee.
„Dann komm zu mir. Beende deine Existenz. Dann brauchst du dich weder mehr vor dem Tod, noch vor dem Nichts zu fürchten.“
Klangen die Worte sehr herausfordernd, schien es für den Nichtswolf eine ansehnlcieh Lösung zu sein. Der Dunkle wollte nicht mehr dort sein, wo er war. Das Nichts war… nichts. Passte. Und genau so ehrlich wie er sich dazu geäußert hatte, legte er auch bei dem zweiten Satz des Dunklen die Ohren an.
„Ich werde geliebt. Genau wie du.“
Das stand fest. Daran gab es keinen Zweifel. Und davon würde sich der Helle auch nicht abbringen lassen, sollte der ungewöhnliche Wolf auch noch weiter über das… Leben herziehen. Aber – nahezu erschrocken stellte der Welpe sich auf – war das gerade ein Abschied gewesen? Es klang nach einem Schlusswort! Das konnte der Fremde doch nicht ernst meinen!
30.05.2011, 16:54
Krolock knurrte auf und funkelte den überaus dämlichen Idioten dort im Nichts an. So gut es ihm, in seinem lächerlichen Welpenkörper möglich war, ließ er seine Mimik einer Drohung gleich werden. Für sein Alter schien er ohne Frage Talent dafür zu haben. Nichts, dass an ein Spiel erinnerte, lag in seiner Gestik.
"Nichts wartet da! Du redest von einer Qual bis ans Ende aller Tage. Wage nie wieder in meiner Gegenwart von solchem Dreck zu sprechen! Niemand mit nur ein bisschen Verstand wünscht sich, dass es nach dem Tod weiter geht, du dämliche Nichtsratte!"
Neugierde war Ablehnung gewichen. Hätte es nicht sein Ende bedeutet, wäre er auf den Weißen zugesprungen und hätte ihm seine spitzen Welpenzähnchen ins Fell und ins Fleisch gerammt. Erneut hob der Andere die Stimme und Krolock rümpfte die Nase. Er wollte Blut schmecken! Das erste Mal in seinem Leben. In ihm regte sich eine unbekannte Gier.
Krolock starrte in das Nichts, während die Worte des Weißen in seinen Ohren pulsierten. Beende sie. Beende deine Existenz. Komm zu mir. Beende es. Beende alles. Die Stimme war leise, einem Flüstern gleich, aber dumpf, als würde sie sich mit seinem Herzschlag vermischen. Nihil sagte noch einmal etwas, Krolock aber hörte nichts davon. Es war ohnehin nur dämliches Geplänkel. Wie gebannt sah er in die Leere die vor ihm lag, gar in ihm wohnte. Die Welt um ihn herum verschwand. Da waren keine Geschwister mehr, die er beschützen musste. Mit einem Schritt löste er die letzten Ketten und wagte den alles entscheidenden Sprung. Der weiße Nebel des Todes verschlang seinen kleinen Körper, doch seine Pfoten berührten sogleich den Boden, als hätte er es wirklich nur mit gasförmigem Wasser zu tun. Die Nässe fehlte. Dann war es Wiese, die er unter sich spürte. Er sah sie nicht, aber sie war da. Er konnte sie sogar riechen.
Ohne es zu wissen, war das Rudel losgegangen. Tyraleen führte sie in den Tod, in die Unendlichkeit. Weil Nihil ihn abgelenkt und die Wut seine Aufmerksamkeit verschlungen hatte, konnte er nichts davon mitbekommen. Wie das Rudel so mit ihm ging, dem Ende entgegen, schien das Nichts gar nicht mehr so mächtig und alles zerstörend zu sein. Nicht für sie. Die Farben schnellten auf Nihil zu. Das Blatt hatte sich gewendet. Krolock war in den Tod gesprungen und nun war es der Weiße, der sterben sollte. Sein Glaube an das Leben schien ihn zu verhöhnen. Etwas in Krolock lachte amüsiert. Gleich würde es für den Weißen vorbei sein.
06.06.2011, 10:14
So abwertend und angreifend der schwarze Wolf auf der anderen Seite auch war; Nihilus empfand allein sein Dasein als eine Wohltat. Als einzige Abwechslung, die ihm hier geboten wurde. Auch wenn die Worte, die Krolocks Lefzen mit einem undeutbaren Geräusch verließen, dem Hellen nicht zusprachen, ihn gar beleidigten und seinen Glauben in gewisser Weise angriff, gefiel es Nihilus ihnen zu lauschen. Auch wenn er den Kopf schütteln musste bei der letzten Aussage… Der Tod sei das Ende? So ein Quatsch, da hatte sich sein Gegenüber wohl im Wortwirrwarr verfangen. Eindeutig.
Vorsichtig, als wäre jede Bewegung zu viel, richtete sich der kleine Welpe auf, begann einige Schritte an der Grenze abzutapsen, den Schwarzen weiterhin im Blick behaltend. Wenn der kleine Wolf doch nur bei ihm bleiben könnte, Gesellschaft leisten würde, dann könnte sich die ellenlange Zeit sogleich um einiges verkürzen. Aber welches Lebewesen würde Alles für Nichts geben? Farbe gegen Grau, Leben gegen Existieren. Eigentlich niemand. Und doch setzte der Schwarze vor ihm zum Sprung an und landete, noch bevor Nihilus etwas sagen konnte, dass ihn hätte aufgehalten, auf der Fläche des Graus, die jedoch sogleich Gestalt annahm. Völlig irritiert fiel es dem Welpen schwer sich auf den Tatzen zu halten, während alles um ihn herum zu drehen, so brechen und zu verschwinden begann.
„Was hast du getan?!“
Entwich es nur quietschend, angsterfüllt der hellen Kehle. Von den weiteren Angriffen auf seine Heimat bekam er nichts mit… wie auch? Er sah, hörte und roch nichts, wie immer, doch auf einmal setzte sich ein Schwall von Gerüchen auf ihn herab, dass er glaubte zu ersticken. Mit einem Satz, er wusste nicht wohin, in welche Richtung, die Augen warne ihm verschleiert, setzte er die Pfoten ab und sprang. Ins Ungewisse… oder auch nur auf den dunklen Leib des ehemaligen Gesprächspartners. Um Atem ringend, dabei wusste er noch nicht einmal nach was er überhaupt schnappte, trat er nach seiner einzigen Hilfe, nach dem einzigen festen Gegenstand der ihm bekannt war: Krolock.
06.06.2011, 16:01
Einige Augenblicke fühlte Krolock sich nahezu schwerelos. Sein Blick war auf Nihil gerichtet. Farben mischten sich mit dem Grau. Erst schienen sie von den Wölfen auszugehen, die hinein getreten waren, in die ewigen Nebel, dann jedoch platzten sie von überall hervor. Sie feierten ihre Freiheit, die das Nichts ihnen genommen hatte. So jedenfalls sah es für den schwarzen Welpen aus, der mit seinen blauen Augen nichts ansah, als den Welpen, den die Farben verschlingen wollten. Eine Woge des Mitleids ergriff ihn. Sollte der Kleine leben oder sterben? Leben!
Krolock hatte nicht das Gefühl, dass das eine Entscheidung war, die er treffen konnte. Mit ihm hatte das nichts zu tun. Der Weiße war zum Tode verurteilt. Aber als das Rudel an ihm vorbei trat, weiter hinein in das, was sie doch hatte verschlingen wollen, krachte der Nichtswelpe plötzlich gegen ihn. Tretend. Unbeeindruckt davon, wich der Schwarze zur Seite und wartete neben dem Rüden, der ihm an Größte unterlegen war, bis er sich eingekriegt hatte. Was ER getan hatte, fragte die Nichtsratte? Versucht, mich umzubringen, lag es Krolock auf der Zunge, doch er schwieg. Niemand durfte davon erfahren. Es würde sie nur anziehen wie die Fliegen und dann würden sie ihn verhätscheln und ausschimpfen zugleich. Darauf konnte er verzichten.
Leben oder sterben, eigentlich war es ihm einerlei. Ein bisschen Enttäuscht war er, dass nun doch alles weiter ging. Aber mit Sicherheit nicht, weil es ein Leben nach dem Tod gab. Ihm war schlecht, so speiübel! Und vielleicht wollte er doch ein bisschen lieber, als er nun zugeben wollte, nicht mehr sein. Doch wer so cool war wie er, der zeigte davon einfach nichts. Einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Das war die beste Reaktion auf alles.
„Willkommen in der Hölle.“
Begrüßte er ihn in seiner Welt.
„Hast du’s bald? Die gehen ohne uns!“
Nörgelte er bissig herum. Jetzt hatte er große Lust, erneut in Nihil reinzubeißen. Einfach nur, damit dieser aufhörte, sich wie ein Hase aufzuführen und, um seiner Niederlage gegen das Leben Luft zu machen. Er legte die Ohren an den Kopf an.
07.06.2011, 19:04
Zuerst wollte er nicht aufhören sich zu bewegen, einfach um irgendetwas zu tun, egal was. Schließlich verschwand da grade seine Heimat! Sein… Zuhause! Und das nur weil dieser komische Hund zu ihm gewollt hatte! Perplex lösten sich die Bewegungen des Kleinen bald in Luft auf – nein, falsche Beschreibung – er hörte einfach nur auf wie wild rum zu fuchteln und wandte sich stattdessen lieber wieder der Farbe zu. Als aller erstes den blauen Punkten des Wolfes.
„Was sollte das denn?“ Entsetzt schrie er ihn beinahe an, die Panik im Blick. „Hattest du mich davor nicht gehört? Es konnte dich töten! Und du springst einfach!“
Besorgt fauchte er den Schwarzen an, sichtbar hin und her gerissen zwischen Furcht um das Leben seines Gegenübers und der Verwunderung über die neue… Welt.
„Was ist das hier? Warum sind wir nun „beide“ hier? Ich… du gehörst hier hin! Ich nicht. Wo ist mein grau? Mein Nichts ist weg! Alles ist weg!“
Als könnte er dadurch etwas erreichen, drehte er sich um die eigene Achse, suchend, beinahe in Rage geratend – alles war auf einmal anders! Vollkommen anders. Bunt, lebendig. Und er?! Er spürte etwas unter sienen Tatzen. Etwas nasses… aber das war egal. Denn er … spürte. Wut, Verzweiflung, Besorgnis um das Wohl des anderen Welpen. Er fühlte Dinge, die er nicht kannte.
„Was ist das hier?“
Beinahe drohend plusterte er sich vor dem Schwarzen auf, als könnte dieser etwas für alles hier. Als wäre er schuld. Aber wofür eigentlich? Schließlich war die helle Gestalt nun endlich dort, wo er seit der ersten Begegnung mit Krolock hinwollte. Und es war sogar noch schöner, als er es sich jemals hätte vorstellen können. Es war bunt! Und voller komischer Gefühle, die einfach so kamen und ihn überrannten. Ja, das war das richtige Wort. Er war überwältigt von Allem, besonders von sich selbst. Von… seinem Inneren. Er lebte! Leeeebte! Das Nackenhaar mehr aus Furcht und Überraschung als vor Wut aufgestellt, rempelte er den Schwarzen an, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, bevor dieser sich wider aus dem Staub machte.
„Wer geht? Wohin gehen sie?!“
Viel zu viele Fragen, die anscheinend nur von einem lustlosen Welpen beantwortet werden konnten. Toll! Abermals überkam ein gewaltiger Schwall von Verzweiflung den jungen Nihilus.
07.06.2011, 19:24
Krolock knurrte Nihil an und biss ihm über die Schnauze, so wie das normalerweise die Erwachsenen bei den Welpen und Jungtieren taten.
„Sag das nicht so laut!“
Zischte er, während er sich vergewisserte, dass niemand sie beachtet. Bittererweise war dies tatsächlich der Fall. Alle schienen mit der neuen Welt beschäftigt zu sein, die sich um sie ausbreitete.
„Du darfst niemals… NIEMALS… mit irgendjemandem darüber reden, klar?!?“
Fragte er, aber der Klang seiner Worte hatte etwas von einem Befehl. Ein schlechtes Gewissen, wie er es noch nicht erlebt hatte, überkam ihn. Er hatte es Tyraleen einst versprochen, dass er es kein zweites Mal versuchen würde. Zugegeben war die Motivation dieses Mal eine andere, aber er hatte sein Versprechen gebrochen.
„Was glaubst du, warum ich gesprungen bin. Und jetzt? Ganz toll. Ich bin da… und du… du auch noch.“
Ein bisschen irritiert war er darüber. So ganz erklären konnte er sich die Sache nicht. Aber Nihil war die einzige Gestalt gewesen, die er je im Nichts gesehen hatte, wahrscheinlich war es also ganz normal, dass dieser nun nach draußen kommen musste, als die grau-weiße Nebelsuppe verschwand.
„Was weiß ich denn… das Nichts ist weg, deshalb. Das Nichts war ein Mörder, also sei froh. Jetzt lebst du in der gleichen Hölle wie ich und kannst mal am eigenen Leib erfahren, wie das so ist. Du kannst zuschauen, wie irgendwelche Wölfe die du kennst sterben. Mal schauen wie toll du das Leben dann findest.“
Krolock lief nun los, dem Rudel nach. Schließlich gehörte er dazu und eine Standpauke von Takashi konnte er nicht gebrauchen.
„Das Rudel, du Idiot. Sie gehen… weg!“
07.06.2011, 22:21
In der Aufregung und den neuen Eindrücken fiel es Nihilus schwer sich auf die Worte Krolocks, der ihn jetzt auch noch zu belehren versuchte, zu konzentrieren. Schreckhaft zuckte er vor ihm zurück – Furcht! Schrecken! Abermals etwas völlig Unbekanntes – und legte die Ohren flach an. Was sollte er denn nicht erzählen? Dass der farbenfrohe Wolf, auch wenn sich da snur auf dessen Augen bezog, ihn einfach so von seinem Zuhause gerissen hatte? Oder… er wollte ihn besuchen! Dieser komische Kauz wollte zu ihm kommen, hinein in das Nichts. Hinein ins… Nichts. Ja.
„Warum wolltest du…“
Begann er grade weiter zu fragen, als sein Köpfchen die Konsequenzen für den andere Welpen festsetzten. Ja, genoss der denn nicht sein Leben?! Beinahe erfasste den kleinen Leib tierische Eifersucht – noch ein Gefühl! – und Neid. Der spielte doch wirklich mit dem Gedanken mal eben so zu verschwinden, während er, im Grau, an nichts anderes hatte denken können als das Leben?! Allerdings unterbrach ihn der Schwarze schon wider!
„Ja! Wir sind hier! Wir leben! Hier, im Bunten! Bei den Farben!“
So schnell die negativen Gefühle aufgekommen waren, wichen sie auch gleich wider der Freude und der Neugierde für diese für ihn neue Welt. Und das Beste war: er war nicht allein! Da war ja noch ein Welpe.
„Zeig mir deine Heimat, bitte. Ich will alles sehen. Wir können uns alles anschauen!“
Den Zusatz Krolocks hörte er geflissentlich nicht zu. Wie konnte der komische Kauz dieses Paradies nur als Hölle bezeichnen? Er gehörte hier schließlich hin.
„Jetzt hast du ja mich. Ich lasse dich schon nicht alleine. Also, wir haben uns. Versprochen.“
Die Augen auf die ganze Schönheit des Landes – oder zumindest das, das der kleine Welpe sah – gerichtet, wurde ihm klar, dass er von nun an wirklich nicht mehr alleine sein würde. Das Licht… ja. Das Licht mochte ihn wahrscheinlich nicht mehr, schließlich war er weg gegangen, einfach so. Aber dafür hatte er jetzt den Schwarzen, so gegensätzlich das auch klang. Die Lefzen ihm unbekannt verzogen trippelte er, nach der Aufforderung, hinter dem Dunklen her. Da gab es noch mehr von ihnen?!
13.06.2011, 22:41
Krolock war, während Nihil in Begeisterung schwelgte, immer mal wieder versucht, etwas dazwischen zu werfen, oder zu fauchen, aber er kam einfach nicht dazu. Kaum hatte er sich eine neue, passende Gemeinheit ausgedacht, quatschte der Nichtswelpe auch schon weiter. Zu seinen letzten Worten sich Krolock dann einfach auf die Hinterläufe fallen und schnaubte unwillig und genervt. Die Ohren klappten nach hinten und er sah den Weißen böse an. Er versuchte sich in jeglicher Art von böse Schauen. Grimmig-böse. Mürrisch-böse. Wütend-böse. Finster-böse. Böse-böse. Bis ihm nichts mehr einfiel. Er holte tief Luft, um ein paar Dinge klar zu stellen:
„Also, du wirst nie ein Wort darüber verlieren, dass ich gesprungen bin, klar? Du bist jetzt hier, freu dich, aber freu dich für dich und belästige mich nicht damit. Und eins sag ich dir gleich: Wir sind keine Freunde und wir werden niemals welche werden. Sobald sie gecheckt haben, dass du da bist, sollen sie sich um dich kümmern. Und mir bleibst du vom Hals, klar? Sonst beiß ich dich!“
Knurrte er, immer noch vor Nihil sitzend und sich dann nach den Anderen umsehend.
„Das hier ist nicht meine Heimat. Das Nichts hat sie gefressen und das hier ist alles anders. Hier ist alles alles, aber nicht meine Heimat. Du musst dich also schon selbst umschauen. Und wir müssen nun schnell den anderen hinterher. Auf dem Weg kannst du dich ja soweit es geht umsehen. Aber wir sind auf gar keinen Fall Freunde oder irgendwas in der Art, klar?“
Wiederholte er noch einmal eindringlich.
14.06.2011, 14:41
Das Versprechen an Krolock schien Nihilus mehr zu beruhigen als den Schwarzen, an den es gerichtet war. Dieser blieb nach wenigen Schritten so prompt stehen und setzte sich hin, dass der Helle, den Blick weiterhin auf das Unbekannte und – für ihn – Wunderschöne gerichtet, beinahe gegen ihn trudelte. Na, was sollte denn das? Soweit er wusste sollten plötzliche Stellungswechsel wohl kaum zum Wolf-Sein dazu gehören, oder nicht? Grade wollte er nachfragen was los sei, als der Kleine auch schon ansetzte; dem undefinierbaren Blick der blauen Augen konnte Nihilus nicht viel abgewinnen, als dass sie seine unbekümmerte Stimmung trübten – dennoch wollte er mit dem ersten Teil Krolocks Satzes zufrieden sein. Ja, wenn der Kleine nichts über seinen Sprung und die Rettung erzählen wollte konnte Nihilus damit leben. Das war dann wohl so etwas wie ein Geheimnis, das sollte verbinden! Doch sobald sein Gegenüber geendet hatte, senkten sich die kleinen Ohren des Welpen. Wie, sie waren keine Freunde? Dabei hatten sie sich doch grade eben gegenseitig… geholfen? Und sie teilten ein Geheimnis, das zumindest der Weiße selbst niemanden erzählen wollte.
„Doch! Wir sind Freunde!“ , widersprach er voller Trotz. „Wir haben ein Geheimnis und du hast mich befreit – also gerettet. Das machen eigentlich nur Freunde, die sich gerne haben.“
Voller Stolz auf seine Schlussfolgerung versuchte der Helle sich von den bedrückenden Gefühlen, die Krolocks Worte in ihm ausgelöst hatten, zu befreien. So gemein der Komische auch war, so sehr mochte Nihilus seine aller erste Bekanntschaft; schließlich musste er ihn loben und preisen: er war ein Reeeeetter!
<„Freunde helfen sich gegenseitig, oder? Du hast mir geholfen aus dem Nichts zu kommen und ich helfe dir eine Erklärung zu finden warum du so lange weg machst. Also lüg nicht! Du magst mich. Ich mag dich. Freunde!“
Letzteres betonte er voller Selbstzweifel ein wenig skeptisch, als würde er die Abneigungen des Dunklen wie kleine Stiche in seine Brust rasen sehen. Aber… auch wenn Krolock die Wahrheit sagte und er ihn, Nihilus, nicht mochte, wo sollte er denn dann hin? Zu den Anderen? Nein… da kannte er niemanden und wusste nicht was er machen sollte. Bei Krolock konnte er sich wenigstens an dessen Fersen heften und einfach nur hinterher laufen, das war einfach und simpel, das klappte gut.
„Dann komm! Beeil dich! Du meintest, dass wir uns beeilen sollen.“
18.06.2011, 14:10
Krolock zog abwehrend eine Lefze nach oben, hatte aber keine große Lust, weiter mit Nihil zu diskutieren. Er würde diesen weder als Freund sehen, noch behandeln. Was die Nichtsratte tat, war ihm einerlei.
„Oder Feinde.“
Er erwartete nicht, dass Nihil etwas davon verstand. Dieser war, wie ihm schien, nicht gerade der Hellste und freute sich viel zu sehr, nun ein Leben zu haben. Krolock verstand davon nichts und wollte auch nicht weiter darüber nachdenken.
„Ich hab dich nicht gerettet.“
Gab er des Weiteren unbeeindruckt von soviel Lebensfreude von sich. Sollte sich der Zwerg doch einbilden, was niemals war sein würde. Als hätte er nicht zugehört, quaselte Nihil einfach weiter. Von Freunde sein und all dem.
„Niemals.“
Konterte Krolock, einsilbig und lustlos, weitere Worte an ihn zu verschwenden. Nur widersprechen musste er wohl, sonst bildete Nihil sich noch ein, Schweigen entspräche Zustimmung. Danach lief er einfach zu, ungeachtet der Aufforderung des weißen Welpen. Die Landschaft um ihn herum war ihm völlig fremd. Sie scherte ihn allerdings ohnehin nicht. Das war etwas für Wölfe wie Nihil, nicht für ihn.