Kisha
08.03.2011, 15:09

Mit langsamen Schritten lief die schwarze Fähe am Seeufer entlang, den Kopf leicht gesenkt. Ihre hellen Augen blickten skeptisch auf den Schnee, der sich vor ihr erstreckte. Eigentlich sollte es Sommer sein, und doch war der Boden von diesen weißen Flocken bedeckt. Und noch immer war es so kalt, ihre Glieder erschöpft. Die ganze Welt schien verrückt zu spielen. Kisha wünschte sich die Sonne an diesen Ort, um ihren müden, schwachen Körper zu wärmen. Aber ein kurzer Blick zum Himmel verriet ihr, dass diese Hoffnung wohl vergebens war. Zumindest für den Moment.
Die Schwarze hob langsam den Kopf, als ihr aus den Augenwinkeln die Umrisse eines Wolfes ins Auge fielen. Kurz legten sich ihre Ohren an, ehe sie vorsichtig auf den Rüden zu trat. Sie erinnerte sich an sein Gesicht, auch wenn sie nur kurz mit ihm gesprochen hatte. Ein ruhiges Lächeln legte sich auf Kishas Lefzen, als sie nah bei ihm stehen blieb und den Blick in seine Augen richtete.

“Hallo. Kiburi, richtig?“

Die dunkle Fähe wartete einen kurzen Moment, ehe sie erneut ansetzte.

“Wie verkraftest du das Wetter? Schnee im Sommer...“

Kiburi
10.03.2011, 21:15

Diese Kälte! Das musste doch eigentlich heißen dass nun Winter war, oder etwa nicht? Kiburi konnte sich nicht erinnern welche Jahreszeit nun sein müsste. Er wusste nicht mal genau wie lange er unterwegs war. Einen, vielleicht zwei Monde? Oder etwa länger? Die Jahreszeit schien nicht nur bei Kiburi für Verwirrung zu sorgen. Er hörte immer wieder, dass nun Sommer sein sollte. Doch ein Sommer ist doch oder zumindest warm! Was den Rüden weiters durcheinander brachte, war der Schnee. Im Winter auf Ishbar, zumindest während des einen den Kiburi schon erlebt hatte, hat es so etwas nicht gegeben. Es war auch lange nicht so kalt wie im Tal.
Er stand einfach am See und sah sich den Schnee genauer an. Er strich mit seiner Vorderpfote durch, roch daran und sah gespannt zu wie die weißen Flocken an seiner Pfote ganz sanft zu Wasser wurden. Seine Beobachtung lenkte ihn so sehr ab, dass bei einer vorsichtigen Begrüßung der schwarzen Fähe nicht mal erschrak wie er es schon die letzten Tage tat, wenn man ihn überraschend ansprach.
Sie wollte die Meinung des Rüden über das Wetter wissen, aber er hatte selbst einige Fragen.

Die Sommer hier sind also kalt? Das kenne ich aber anders…

Er wand seinen Blick endlich von seiner Pfote ab und blickte die Fähe an. Er erinnerte sich sie schon mal gesehen zu haben. Aber in diesem Tal hatte er schon so viele Wölfe gesehen, dass er sich nicht mehr sicher war.

Dieses weiße Zeug, das ist Schnee? Er wird zu Wasser wenn er warm wird, richtig?

Nie zuvor hatte Kiburi Schnee gesehen. Hätte er in diesem Moment ein Stück weiter nachgedacht, so wäre ihm bestimmt aufgefallen, dass sich in den Lehren seines Gottes etwas verbarg, das genau zu diesem kleinen Phänomen passte. Doch er hatte gerade andere Gedanken als alte Weisheiten.

Wenn euer Sommer so kalt ist, warum nennt ihr in eigentlich nicht Winter?

Der Rüde hatte noch nicht ganz begriffen, dass es eigentlich auch war sein sollte und nicht so eisig wie es nun mal war.
Wie aus dem Nichts kam Kiburi schon ein neuer Gedanke! Er hatte vergessen sich zu erkundigen wer da eigentlich mit ihm sprach.

Entschuldige! Ich hab deinen Namen nicht gehört!

Wenn man es genau nahm, hatte Kiburi der Fähe den Seinen auch nicht verraten. Aber sie schien sich ja an den Namen des Rüden erinnert zu haben, weshalb Kiburi sich nicht erneut vorstellte!

Kisha
12.03.2011, 16:14

Es dauerte einen Moment, bis der Rüde sich vom Schnee und seiner Pfote abwandte, und sich zu ihr drehte. Der junge Rüde antwortete, und ließ Kisha damit ein wenig breiter lächeln. Natürlich kannte er es anders, Schnee gehörte ja auch nicht in den Sommer. Zumindest... kannte sie es auch anders. Sie wußte nicht, ob es in diesem Tal vielleicht... anders war. Nur war der Rest des Rudels auch verunsichert, also war diese Möglichkeit wohl eher unwahrscheinlich. Die hellen Augen der schwarzen Fähe ruhten auf den blauen des jungen Wolfes, aufmerksam lauschte sie seinen Fragen, dachte noch während er sprach über Antworten nach, die sie ihm geben konnte. Kisha wartete, bis er geendet hatte, öffnete dann den Fang.

“Ich kann dir nicht genau sagen, wie es hier ist, ob der Sommer hier wirklich so kalt ist... ich erinnere mich nicht mehr daran. Aber ich kann es mir kaum vorstellen. Schnee gehört in den Winter, eigentlich sollte jetzt die Sonne scheinen. Ich weiß nicht, wieso das Wetter hier nicht richtig ist, wieso es so scheint, als wäre jetzt Winter... Ich würde dir gerne sagen, wieso. Aber ich denke, damit bin ich überfragt.“ Die Schwarze machte eine kurze Pause, atmete tief durch und sprach dann weiter. „Das ist Schnee, ja. Und dass er zu Wasser wird, wenn er warm wird ist der eigentliche Grund, wieso nicht das ganze Jahr Schnee liegt. Ich mag Schnee... aber nicht um diese Zeit.“

Ein leises Seufzen verließ Kishas Kehle, als sie den Kopf leicht zum Himmel neigte, die grauen Wolken betrachtete. Es sah nicht so aus, als würden sie jeden Moment verschwinden und endlich der Sonne Platz machen. Aber... es blieb ihnen wohl nichts weiter übrig, als abzuwarten. Sie waren nicht die Götter, und konnten kein Wetter beeinflussen.
Als Kiburi das Wort wieder an sie wandte, senkte die Schwarze den Kopf, ließ den Blick wieder auf seinem dunklen Gesicht ruhen. Sie schüttelte leicht den Kopf, musste aber leise auflachen.

“Das Rudel ist verunsichert, also kann ich mir kaum vorstellen, dass es schon einmal so etwas hier gegeben hat. Es wäre also sehr voreilig, den Sommer einfach so Winter zu nennen. Erst, wenn der Winter kommt, und anstatt Schnee zu liegen die Sonne scheint, sollten wir darüber nachdenken.“

Die Ohren der dunklen Fähe schnippten leicht durch die kalte Luft, als der Rüde eine weitere Frage stellte, die dieses Mal nicht mit dem Schnee oder dem Sommer zu tun hatte. Das hatte sie völlig vergessen.

“Du kannst mich Kisha nennen.“

Diese Worte kamen ihr noch immer sehr... merkwürdig vor. Hatte sie sich doch noch kurze Zeit bevor selbst als Acéysha vorgestellt..

Kiburi
14.03.2011, 23:08

Der junge Rüde legte den Kopf leicht zur Seite während er den Worten der schwarzen Wölfin lauscht. Seine Augen klebten förmlich an den Lefzen seiner Gegenüber. Sie schien sich nicht ganz sicher zu sein wie das Wetter um diese Jahreszeit sein musste. Sie sagte sie würde sich nicht erinnern.
Als die Fähe ihren Namen nannte musste er tatsächlich kurz lächeln. Er! Der schon Ewig nicht gelächelt hatte. Aber der Name klang einfach so schön in seinen Ohren.

Wie meinst du das? Du erinnerst dich nicht? Bist du nicht von hier oder warst du lange fort?, wollte Kiburi gerne wissen. Dass er damit vielleicht einen wunden Punkt erwischen könnte, war ihm nicht bewusst. Wie auch? Er wusste eigentlich gar nichts über dieses Rudel, das ihm so freundlich zu verweilen erlaubte. Kaum Jemanden kannte er genauer und die, die er kannte, von denen wusste er maximal den Namen. Wenn überhaupt!
Kiburi wischte sanft mit seiner Vorderpfote durch den Schnee während Kisha ihm noch einmal vor Augen hielt, dass das Rudel sichtlich verunsichert wegen des Wetters war. Der Schnee war zwar schrecklich kalt, doch er faszinierte den jungen Wolf einfach.

Er blickte noch mal einen Augenblick zu boden.
Ich seh den zum ersten Mal! Schade dass er dem Rudel solche Sorgen bereitet. Da kann man sich nicht wirklich darüber freuen, oder?
Langsam blickte er wieder auf und direkt in die Augen der Fähe. In dem Moment fiel ihm etwas auf. Das seit langem die erste Unterhaltung vor der er nicht plötzlich davon lief. Sonst war ihm ein Gespräch mit anderen zu anstrengend geworden so dass er sich gleich verdrücken wollte. Wenn man von der kleinen Unterredung mit der Alphawölfin absah. Die dauerte allerdings nicht weiter lange.

Plötzlich huschte ein eisiger kleiner Windhauch durch Kiburis Fell. Er erschauderte kurz und verschloss erschrocken die Augen. Eine solche Kälte war nicht wirklich schön. Bei genauerer Betrachtung wäre selbst er dafür dass nun strahlender Sonnenschein herrschen müsste. Egal wie schön der Schnee war.

Gegen ein paar Sonnenstrahlen wäre allerdings nichts einzuwenden!

Er schüttelte sich kurz als wollte er die Kälte, die ihn eben erwischte, abschütteln. Es half zwar nichts aber wieso sollte er es nicht versuchen?