25.03.2011, 16:03
(Tib, ich gehe für diesen Post von der Annahme aus, dass du gegenüber Tyraleen deinen Kopf aus der Schlingen gezogen kriegst XD Wenn nicht, ist dieses Play eh hinfällig ^^")
(Edit: Achja, solange dieses Nebenplay nicht zuende ist, würde ich dich bitten, noch nicht im neuen Hauptplay-Plot zu schreiben, Tib. Wer weiß, was hierbei herauskommt ^^")
Aszrem steuerte mit energischen Schritten auf den gestromten Rüden am Rande des versammelten Rudels zu. Eben erst war er mit seinem Trupp von der Spährunde zurückgekehrt, nur um sich sofort dem nächsten Problem zuzuwenden. Er hatte gerade lang genug bei Tyraleen halt gemacht, um seine neue Mitalpha von ihren Funden zu unterrichten und sich im Gegenzug berichten zu lassen, was der andere Spähtrupp herausgefunden hatte. Und natürlich, wie sie mit Tiberius verfahren war.
Aber wenn der Gestromte dachte, er bräuchte vor ihm, Aszrem, nun keine Rechenschaft mehr ablegen, dnan hatte er sich gewaltig geirrt. Seine gelben Augen fixierten Tiberius mit ernstem und noch immer leicht missgelauntem Blick.
"Auf ein Wort, Rüde",
befahl er ihm, ihm zu folgen, und ließ ihn durch die namenlose Anrede gleichzeitig wissen, welchen Status er in Aszrems Augen noch immer hatte.
Der Schwarzbraune führte Tiberius etwas abseits des Rudels, aber sie blieben deutlich in sichtweite. Aszrem hatte nicht vor, dieses Gespräch geheim zu halten - er wollte nur nicht dabei gestört werden.
"Also",
begann er und postierte sich Tiberius direkt gegenüber.
"Du hattest Zeit genug dein Verhalten noch einmal zu überdenken. Ich hoffe für dich, du hast sie genutzt."
Seine Haltung war dominant, aber nicht übertrieben, und seine Stimme ruhiger, als sein Blick hätte vermuten lassen.
(Wenn irgendwas nicht passt, melden^^)
25.03.2011, 18:26
(Okay, aber ich fürchte, dass es ziemlich viel zu schreiben gibt x) spätestens nach dieser Antwort. Auch für Dich steht es natürlich frei, Dich zu beschweren =) also falls es Dir zu viel etc. wird)
Der Strom an Wortgefechten hatte abgenommen und nachdem Tiberius und Tyraleen das 'Entlein' gerupft hatten, war endlich ein wenig Ruhe eingekehrt. Neben Caylee saß der Gestromte aufrecht. Aufmerksam bedachte er die Weiße mit den so-Blicken und bekam im Gegenzug auch viele von diesen. Bis ein unsanftes 'Rüde' ihn in die Realität zurück zwang. Sofort wurden seine Züge wieder unbestimmt und unberechenbar. Nur das feine, lässige Lächeln auf den Lefzen, das mittlerweile den Charme von Weltfremden Drogen (Caylee) angenommen hatte. Ja, im Allgemeinen schien der Rüde ein wenig... abseits von Gut und Böse? Verrückt sollte man nicht mit Tiberius´ Namen kombinieren. Das wäre nicht effektiv. Kurz stupste er Caylee an, dann erhob er sich und schritt hinter dem Altwolf her. Dieser hielt nicht in weiter Entfernung an und platzierte sich vor den Gestromten. Die Ansprache war kurz und knapp. Und fast so knapp hätte der Rüde zustimmend nicken und sich dann wieder abwenden wollen. Resolut, Rüden brauchten keine großen Reden.
“Natürlich entschuldige ich mich auch noch bei Dir für meine vorschnelle und provokante Art“,
sagte er ruhig. Der Blick seiner goldenen Augen auf den des Altwolfes. Offen und ehrlich. Ihm war danach und er wusste nicht genau warum, aber der Schwarze erinnerte ihn an seinen eigenen Vater. Bestimmend und ruhig. Wäre er dieser tatsächlich gewesen, hätte Tiberius nur einen herablassenden Kommentar übrig gehabt. Doch jetzt; wo der Dunkle nicht sein Vater war und sein Alter schon längst verstorben war; wusste der Gestromte, dass dies die einzige Möglichkeit war sich zu erklären. Nicht nur bei dem Altwolf, sondern auch indirekt bei seinem Vater.
“Es ist noch nicht lange her, als ich den Geruch des Vargs das erste Mal witterte“,
fast, als würde er über das Wetter reden,
“ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht genau, ob es wirklich ein Varg war, aber es stank abscheulich“,
gestand Tiberius. Nachdenklich krauste er die Stirn und sah den Rüden vor sich lange an.
“Damals war ich auf einem Streifzug und bemerkte nicht, was auf dem Rudelplatz währenddessen passierte. Als ich zurückkehrte war ich Rudellos. Kein Wolf hatte dieses Unheil überlebt“,
an dieser Stelle war nicht immer ganz sicher, ob es auch wirklich so war. Zumal war Tiberius noch nicht wirklich alt und zu dem Zeitpunkt des Geschehens hätte er knapp ein und ein halbes Jahr alt sein müssen. Auf der anderen Seite hatte Tiberius schon des öfteren bewiesen, dass man ihm mehr zutrauen durfte, als man ihm ansah. Er war nicht dumm und durchaus schlagkräftig. Aber in dieser Geschichte ist die Frage nach dem 'war es wirklich so?' nicht relevant.
“Caylee, Deine Beinahe-Tochter, ist für mich etwas“,
fragend sah er den Älteren an. War das Eis zu dünn? Oder würde der Dunkle die Erklärung bis zum Ende anhören?
“Besonderes“,
fügte er schnell hinzu und setzte ein leichtes Grinsen auf. Nicht, um eine grollende Reaktion herauf zu beschwören – es war immer noch der Einfluss der Weißen. Sie war einfach gegenwärtig, auch wenn sie nicht direkt neben ihm saß.
“Sie ist die Farbe in diesem tristen, hässlichen Grau. Etwas Besonderes, für das ich keine richtigen Worte finde. Fest steht: Caylee war mir vom ersten Augenblick an wichtig. Ich meine dieses richtige 'wichtig'. Das 'wichtig' für das man einfach keine Rechtfertigung braucht“,
erklärte er das Verhältnis, bevor er wieder zurück zur eigentlichen Erklärung kam.
“Und als ich diesen Varg vor Deinen Pfoten sah, ging es mit mir durch. Ich sah Caylee...“,
Tiberius brach ab und schüttelte kurz den Kopf. Die Vorstellung wollte er nicht erneut aufkochen lassen.
“Der Hormonüberschuss tat sein übriges. Ich wollte Caylee imponieren und sie vor einem Unheil schützen. Die Mischung vertrug sich nicht mit meinem kritischen Wesen. Voilà: das explosive Gemisch war perfekt“,
damit hatte er endlich enden können. Der Rüde erwartete keine Reaktion, im Gegenteil. Wenn man wollte, konnte man alles zum Negativen stürzen.
“Wie bereits erwähnt: ich entschuldige mich für meinen Ton, aber nicht für den eigentlichen Sinn meiner Kritik“,
war die Lunte für eine weitere Explosion gelegt?
28.03.2011, 10:37
Aszrem missfiel das leise Lächeln auf Tiberius' Lefzen. Es ließ den gestromten Rüden noch immer überheblich wirken, ja fast schon spöttisch. Aszrems Miene blieb unverändert, aber er würde jedes einzelne Wort seinen Gegenübers sorgfältig auf Wahrheit oder Lüge prüfen. Entsprechend musterte er Tiberius sorgfältig, als dieser sofort mit einer Entschuldigung begann. Seine Stimme klang ernst und ohne jede Spur von Ironie, und auch in seinen Augen konnte Aszrem nichts finden, was auf Schauspielerei hindeutete. Trotzdem blieb er wachsam und schwieg zunächst dazu, abwartend, ob der Gestromte noch etwas hinzu zu fügen hatte.
Hatte er tatsächlich, aber er wechselte dafür auch das Thema. Wären Aszrems Ohren nicht längst vor Aufmerksamkeit gespitzt gewesen, sie wären es spätestens jetzt. Tiberius hatte also vielleicht ein eigenes Erlebnis mit einem Varg gehabt. Hatte sein Rudel an einen verloren und überlebt, weil er nicht dort gewesen war. Es passte zu den Geschichten, auch wenn der Gestromte nicht erwähnte, eine Vargleiche gefunden zu haben. Und vielleicht war gar kein Varg an dem Unglück beteiligt, sondern etwas anderes? Es gab wahrscheinlich so viel in der Welt, von dem kaum ein Wolf wusste...
Der Schwarzbraune wollte nachfragen, entschied sich jedoch dafür, noch etwas abzuwarten. Tiberius wirkte, als läge ihm noch mehr auf der Seele, das er loswerden wollte. Aszrem behielt recht, aber der neuerliche Themenwechsel überraschte ihn. Sein Blick wanderte zu seiner 'Beinahe-Tochter' Caylee, die noch immer dort saß, wo er und Tiberius sie zurückgelassen hatten. Diesen Ausdruck musste er von Caylee selbst haben, denn sie verwendete diese Bezeichnung als einzige. Seine Augen richteten sich wieder auf Tiberius und hätten sich fast wieder verengt, als er das Grinsen auf den Lefzen des Gestromten sah. Aber es war nicht das gleiche wie vorhin, nicht dieses vielleicht-spöttische, sondern ein warmes Lächeln, vielleicht ein wenig entrückt. Ein liebendes Lächeln. Aha, Caylee hatte Tiberius also den Kopf verdreht. Aszrem ahnte die weiteren Zusammenhänge, bevor der Gestromte sie ihm nannte. Beinahe hätte er geschmunzelt, aber das gestattete er sich noch nicht. Er wollte Tiberius nicht zu früh mit einem positiven Zeichen entwarnen. Und siehe da, schon schob sich eine kleine Provokation in die letzten Worte des Gestromten.
"Soso, nicht für den eigentlichen 'Sinn' deiner Kritik. Die Sache ist nur: da du die Umstände nicht kanntest, fehlt deiner Kritik jeglicher 'Sinn'. Tyraleen hat es dir bereits gesagt - du hast das Versagen von Leitwölfen kritisiert, die es zu dem Zeitpunkt gar nicht gab. Hätte es sie gegeben, hätten deine Worte nur halb soviel Missfallen erregt. Dann wärst du immernoch vorschnell gewesen, aber die Wahrheit deiner Worte hätte schwerer gewogen, und dann hätte nur noch deine 'provokante Art' für Ärger gesorgt. Provokant deshalb, weil du ein Fremder bist, der als solcher noch gar nicht das Recht hat, seine Meinung bei einer Versammlung kund zu tun. Erst recht nicht, wenn dieser Fremde unangekündigt und uneingeladen das Revier betreten hat und sich unter die Rudelmitglieder mischt, als wäre es das selbstverständlichste von der Welt. Gastrecht ist etwas, was man sich nicht nehmen kann, sondern dass gewährt werden musst. Ich weiß nicht, wie das in deinem Rudel gehandhabt wurde, aber als ich mich einst auf Wanderschaft begab, habe ich als erstes Folgendes gelernt: Nirgendwo ist es wie zu Hause. Die Wölfe sind anders, und so sind es auch die Sitten, und so sollte man beides erst kennen lernen, bevor man sich übernimmt."
Aszrem hielt inne, um seine Worte wirken zu lassen, bevor er fortfuhr.
"Ich kann allerdings verstehen, dass dich die Sorge übermannte, wenn du solche Gefühle für Caylee hegst, wie du sagst. Ich kenne die Bilder, die die Angst dann in roten und schwarzen Farben malt. Aber gerade deshalb hast du dich gefälligst zusammen zu reißen! Du willst die beschützen, nehme ich an? Wie willst du das tun, wenn du nicht klar denken, nicht richtig abschätzen kannst, welches Verhalten in welcher Situation angemessen ist?"
Der Schwarzbraune schnaubte, und es klang zum Teil abschätzig, zum Teil aufgebracht.
"Wir haben nicht Ranz, also halte deine Hormone besser im Zaum! Das Letzte, was wir momentan gebrauchen können, ist ein liebestoller Rüde, der nur Unruhe stiftet, weil er sich nicht zu benehmen weiß! Was mich darauf zurückbringt, dass du dir weit mehr Freunde gemacht hättest, hättest du gleich vom Schicksal deines eigenen Rudels berichtet, statt mit mit unangebrachter Kritik um dich zu werfen. Das hätte auch deinen Sittenverstoß wieder aufwiegen können, weil du Hilfsbereitschaft gezeigt hättest. Aber vielleicht machst du dich ja jetzt nützlich, indem du mir erzählst, wann dieses Unglück passiert ist und wie weit euer Revier von diesem hier entfernt ist",
fuhr er fort, nun wieder genauso ruhig wie zu Beginn. Für einen Moment überlegte er, ob er Tiberius sein Beileid aussprechen sollte für dessen Verlust, aber das schien ihm momentan unangebracht und mochte zu gekünstelt wirken. Eine geeignetere Möglichkeit mochte sich ergeben, nachdem der Gestromte geantwortet hatte. Je nachdem, wie sich sein gegenüber nun verhielt, mochte sie im Grunde auch schon fast durch mit dieser Angelegenheit sein. Aszrem hatte sein Urteil fast gefällt, und es fiel bislang positiver aus, als er anfangs gedacht hätte. Tiberius war nicht dumm, im Gegenteil, aber fehlgeleitet. Vielleicht lag das an dem frühen Verlust seiner Familie. Sein Stolz war vielleicht sogar aus einer Art seelischem Selbstschutz entstanden. Trotzdem hatte er ihn für einen Moment abgelegt und Aszrem seine Vorschnelligkeit mit seinen Gefühlen für Caylee begründet - eine Offenheit, die dem Stolz zuwider stand. Wenn Tiberius noch etwas mehr Einsichtigkeit zeigen konnte, wäre der Schwarzbraune im Grunde schon zufrieden...
28.03.2011, 14:37
((Die letzte Frage ist besonders wichtig x) Tiberius weiß seit vielen Posts immer noch nicht, wie Aszrem heißt))
“Ich fürchte, dass Du mich falsch verstanden hast“,
lenkte Tiberius ein, nachdem er dem Schwarzbraunen gewillt gelauscht hatte. Aufmerksam, ruhig und mit diesem feinen, leichten Lächeln. Mittlerweile fand er es sogar schade, dass er so reagiert hatte und sein vorlautes Maul nicht halten konnte. Es ging so oft mit ihm durch und er vergaß regelmäßig sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Nach wie vor fiel es dem Gestromten schwer, aus den Gesichtern zu lesen und damit eine Katastrophe zu verhindern. Jetzt war allerdings einiges anders: es gab Gefühl. Auch wenn es nur in Form von heißer, drückender Luft in seinem Brustkorb war. Vielleicht würde aus dieser Luft auch noch eine reichhaltige Auswahl an Gefühlen und Emotionen. Hinzu kam, dass er den Altwolf doch irgendwie sympathisch fand. Obwohl dieser Tiberius zurecht wies und auf Recht und Ordnung beharrte.
“Ich meinte nicht die Kritik an den vorherigen Leitwölfen, die es ja nicht gab, sondern den Sinn hinter dieser Kritik. Sprich: Caylee und das Rudel vor weiterem Unheil bewahren. Natürlich hast Du schon Recht mit Deinen Worten, dennoch wird es mir schwer fallen mich zu fügen und zu integrieren. Du solltest wissen: ich ticke nicht ganz normal“,
bei den letzten Worten senkte er die Stimme und trat noch einen Schritt auf den Schwarzbraunen zu. Sein Blick wurde steinern und auch das Lächeln wirkte nun wieder unbestimmt. Er hatte es verraten. Er hatte es endlich ausgesprochen. Was war mit ihm los? Was um Himmels Willen war das denn? Er musste die Situation retten, vielleicht ein wenig einlenken. Dann allerdings, würde er in Gefahr laufen sich in irgendwelchen Lügengeschichten zu verstricken. Und lügen konnte Tiberius eh nicht sehr gut. Also blieb ihm nur die Wahrheit. Und auch an dieser Stelle bewies sich: der Gestromte konnte nicht um hin, einfach die direkte Wahrheit auszuplaudern.
“Schon immer war ich diesbezüglich ein wenig seltsam. Ich fühle nicht. Nicht so wie Du oder Caylee. Es ist schwierig für mich. Ich sehe nicht, wann was angebracht ist und wann man besser die Klappe hält. Ich kann es nicht einschätzen. So verhält es sich auch mit meinem Gefühl für Angst. Oder glaubst Du, dass ein gesunder Wolf bei klarem Verstand sich gegen ein ganzes Rudel stellt und dann auch noch wortlos verschwindet?“,
damit war es unwiderruflich ausgesprochen, gut. Ein Schritt in eine gute Richtung.
“Bis halt Caylee und ich uns trafen. Frag´ mich nicht wieso, aber auf einmal war alles so verdammt klar. Ich weiß, was wichtig ist und ich weiß, was meine Aufgabe ist. Nur leider war diese Klarheit nur für mich ganz deutlich und ganz logisch“,
er krauste die Stirn und legte den Kopf leicht schief. Eine Weile schwieg er und ließ dieses 'Luftballon'-Gefühl Revue passieren. Diese Hitze, die ihn plötzlich munter werden ließ. Er hätte sich sogar geprügelt. Nun wusste er ja, dass Caylee so etwas nicht gewollt oder sich gewünscht hatte. Aber angenommen, es wäre besser für sie gewesen – hätte er sich über ihren Willen gesetzt und sie auf ein Blindes beschützt? Schwierig.
“Du möchtest meine Geschichte hören?“,
rein rhetorisch für einen etwas sanfteren Übergang zum nächsten Gesprächsthema.
“Es war ein halbes Jahr vergangen, nachdem ich die Rudelführung übernommen hatte. Vielleicht war ich noch ein wenig zu jung und unerfahren, aber das machte ich mit meinem Willen und Durchhaltevermögen wett. Fleißig lief ich die Reviergrenzen ab, war auf Streifzügen aufmerksam und sorgfältig. So auch an diesem besagten Tag. Nur eines war anders: es war kalt geworden, das Rudel war generell in schlechter Verfassung. Besonders Elesahij war geschwächt und matt. Was mir schon ein wenig komisch vor kam, da meine Mutter sonst das Leben in Person war. Na ja, und dann roch ich es halt: Fäulnis. Ekelhaft und so... ja, verdorben? Es roch nach Tod“,
er machte eine Pause und holte Luft.
“Ich kehrte zu meinem Rudel zurück, wollte sie warnen, wecken, aufrütteln. Ein wenig zu spät. Denn ich fand nur die Überreste und den Eindruck, dass es ein widerliches Spektakel gewesen sein musste. Von da an, war ich unterwegs. Auf direkten Weg hierher hätte ich vielleicht drei, vielleicht vier Wochen gebraucht. Und auch nur, wenn ich mich ein wenig beeilt hätte“,
seine Kehle war trocken. Und Tiberius war froh, dass er endlich geendet hatte. Es behagte dem Rüden nicht in der Vergangenheit zu wühlen. Er ließ es sackten und wollte dann eine förmliche Frage geklärt haben:
“Wie heißt Du eigentlich?“
28.03.2011, 18:51
(Ich weiß, dass er das nicht weiß x) Die Vorstellung wäre schon noch gekommen ^.~)
Das Phänomen des Soziopathen war Aszrem fremd. Entsprechend schwer viel ihm die Vorstellung, dass es tatsächlich einen Wolf geben mochte, der sich nicht nur einfach nicht integrieren wollte, sondern es tatsächlich nicht konnte. Er wusste, dass macnhe Wölfe mit Gefühlen schlecht umgehen konnten, aber das war etwas ganz anderes als das, was Tiberius von sich behauptete. Er konnte normal fühlen? Aber lieben konnte er, plötzlich und auch für ihn selbst überraschend? Aufmerksamer noch als zuvor forschte der Schwarzbraune in der Mimik seines Gegenübers nach Anzeichen der Lüge, die ihm scheinbar so fett und unverschämt aufgetischt wurde. Aber noch immer hatte er den Eindruck, der Gestromte vor ihm würde die reine Wahrheit erzählen. Ein äußerst begnadeter Schauspieler, wie selbst Aszrem ihn noch nicht erlebt hatte? Der sich andererseits einen so gewaltigen Faupax leistete, dass er beinahe vorhin schon verjagt worden wäre? Das passte einfach nicht zusammen.
Aber für Aszrems Geschmack passte noch mehr nicht.
"Verzeih mir, wenn ich etwas skeptisch bin, aber... Du willst mir erzählen, dass du dein Geburtsrudel angeführt hast, noch bevor du in der Lage gewesen wärst, selbst Welpen zu zeugen? Das ist nach meiner Erfahrung alles andere als üblich. Was war mit den Alphas, den anderen Rangwölfen?"
In Aszrems Stimme klang nicht ein Funke Sarkasmus oder dergleichen mit. Dafür war in seiner Stimme deutlich die Vorsicht zu hören, mit der er einerseits seine Skepsis zum Ausdruck brachte, andererseits aber auch sein bemühen, Tiberius' Geschichte nicht sofort als Lüge abzutun. Er zog nicht das Bemühen seines Gegenübers in Zweifel, nur dessen angeblichen Rang.
"Aber angenommen, ich glaube dir auf's Wort, und zwar sowohl deine Angaben über deinen Rang in deinem Rudel, als auch das, was du mir über dein Einfühlungsvermögen erzählt hast - denn zumindest das würde passen, auch wenn ich noch nie von einem nicht-fühlenden Wolf gehört habe - welchen Grund sollte ich haben, mein Rudel einem Risiko wie dich auszusetzen? Sieh es einmal aus meiner Sichtweise - einer rein logischen Perspektive: Du sagst von dir selbst, dass es dir schwer fällt, Situationen einzuschätzen, in denen Emotionen eine Rolle spielen. Gefühle sind aber fast immer allgegenwärtig, und sei es die Angst, die uns eine Gefahr erkennen lässt. Die Wahrscheinlichkeit, dass du der Grund für Unruhen und Streitereien sein wirst, die gar nicht sein müssten - so wie vorhin bei der Versammlung - scheint mir an Sicherheit zu grenzen. Du sagst ja selbst, dass es dir schwer fällt, dich zu integrieren und zu fügen. Also, welchen Grund könnte ich haben, das Rudel mit dir zu belasten?"
Weder in seiner Mimik noch in seiner Stimme schwang irgendeine Form von Bosheit mit. Aszrem hätte Tiberius auch nach seiner Meinung über das Revier fragen können. Der Alpha selbst sah sehr wohl die eine oder andere potenzielle Qualität des Gestromten, aber diese Frage war auch eher dazu gedacht, den Willen und die tatsächliche Bereitschaft des Gestromten zu testen. Vielleicht gab ihm die Antwort Tiberius' sogar etwas Aufschluss über dessen angebliche Gefühlslosigkeit. Angenommen, er hatte die Wahrheit gesagt - konnte so jemand überhaupt lügen? Oder anders, würde man es bemerken, wenn so jemand log? Aszrem kam der Gedanke, dass der gestriomte gar nicht so stolz war, wie er wirkte, sondern sein Verhalten eventuell tatsächlich auf fehlende Empathie zurück zu führen sein mochte. Tiberius' Lächeln müsste demnach in harter Arbeit antrainiert sein. Anders bei Aszrem selbst - sein Schmunzeln zeugte von einer leichten Amüsiertheit, als der Gestromte schließlich noch nach seinem Namen fragte.
"Mein Name ist Aszrem",
stellte er sich schlussendlich vor.
28.03.2011, 21:17
((Woha, wie machst Du das? ^.^ genau die richtigen Fragen, die ich mir so gewünscht habe – perfekt. Macht richtig Spaß! ^.^))
Der Gestromte hatte es nicht mit einem 'dumm-Wolf' zu tun, im Gegenteil. Der Altwolf entpuppte sich als guter Zuhörer und aufmerksamer Logiker. Damit hatte er auf jeden Fall das kleine, langsam schlagende Herz Tiberius' erobert. Denn wenn es eines gab, was der Rüde schätzte, dann war es Aufmerksamkeit und Intelligenz. Der musternde Blick, der über sein Gesicht huschte, um nach Anzeichen einer Lüge zu suchen und das geradewegs unbestechliche Gemüt. Ja, das mochte Tiberius. Nicht aus einem Impuls heraus, der ihm genau jenes sagte, sondern aus der Ebenbürtigkeit. Der Gestromte fand es nur gerecht, wenn Beide forschen und suchen mussten. Denn er suchte schon sein ganzes Leben lang. Als hätte der Schwarzbraune genau das gewusst.
“Ich war schon recht früh Paarungswillig und auch gut funktional ausgestattet“,
sagte Tiberius mit einem leichten Grinsen. Er wusste, dass ein solches Thema so unterschiedlich aufgefasst werden konnte, dass es vom albernen Kichern bis hin zu tobenden Drohungen reichte.
“Und ich schätze mal, dass mein Vater mir hätte nie ein Haar krümmen können. Er war ein gutmütiger, sehr sanfter Wolf, der meine Erziehung von Anfang an versaute, indem er mir jede Freiheit gewährte“,
Schulterzuckend und fast unschuldig. Wenn man die genaue Geschichte kannte, wusste man, dass der Gestromte nicht ganz unschuldig war. Denn obwohl nicht alles Gottgegeben sein kann, so war er schon von kleinster Natur an, gewievt und besonders. Anders eben, so anders, dass man es schon fast wieder als normal auffassen konnte. Der Rüde selbst würde diese Tatsache wohl nie in Betracht ziehen, da es schließlich seine Präsenz war, mit der schon immer leben musste.
“Und genau das machte ihn sehr schwach, zumindest für mich. Ich wusste um seine Liebe zu mir“,
vielleicht hätte genau der Satz sehr kalt und ekelhaft klingen müssen, aber das tat er nicht. Es war gerade so, als wollte Tiberius keinen Hohn aussprechen und den Verstorbenen in Verruf bringen. Denn was war, war eben so und konnte durch keinen Satz der Welt verändert werden.
Dann kam Aszrem auf das Thema zu sprechen, von dem er geglaubt hatte, es würde irgendwann eine Rolle spielen. Und auch hier stellte sich fest: er war nicht doof und die anfänglichen Startschwierigkeiten waren nur die Üblichen. Tiberius legte den Kopf leicht schief und sah Aszrem fast fragend an. Das leichte Lächeln wurde breiter. Die Antwort lag doch auf der Pfote. Es war doch ganz klar, warum Tiberius hier bleiben musste. Es gab sogar sehr gute und viele Gründe dafür.
“Das liegt doch auf der Pfote“,
sprach er ganz getreu seine Gedanken aus,
“Caylee“,
warf er Stichwortartig ein,
“Du weißt doch, dass sie mir einen kleinen Einblick in das gewährt und ermöglicht hat, was für euch Andere so normal ist. Sie macht mich zu einem besseren Wolf. Und wenn ich lerne damit richtig umgehen zu können und es unter einen Wolfsschädel kriege, dann bin ich sehr nützlich. Meine jetzige klare Gedankenlage macht mich zu einem sehr kritischen, aber auch fähigen Jäger, Wolf und Krieger. Wenn ich aber dann auch noch Gefühlstechnisch einschätzen kann, was auf der Welt so vor sich geht... rüde, rüde, rüde, dann wäre ich“,
er hielt inne und genoss die Vorstellung. Es wäre dann endlich so, wie er für sie sein müsste.
“etwas Besonderes“,
fügte er etwas leiser an. Tiberius hielt es nicht für arrogant oder überheblich, sondern für ein ganz klares Resultat.
“Das verdient auf jeden Fall eine Chance und ich denke, Aszrem, das weißt Du genau. Du hörst nicht nur meine vorlaute Klappe, sondern schaust genauer hin.“
29.03.2011, 09:31
(Öhm, ich mache das einfach so ^^" Freut mich, wenn ich dabei die richtigen nerven treffen xD)
Aszrem zog eine Augenbraue hoch, als Tiberius so direkt auf seine Männlichkeit zu sprechen kam, aber das war auch sein einziges Kommentar dazu. Es mochte sein, dass manch ein Wolf körperlich frühreif war, denn geistig gab es das ja auch. Vielleicht spielte dabei sogar seine Emotionslosigkeit eine Rolle, wer wusste das schon? Der Gestromte war jedenfalls in mehr als einer Hinsicht nicht normal, wenn das alles der Wahrheit entsprach - und daran zweifelte der Schwarzbraune immer weniger. Denn auch, was Tiberius über seinen Vater erzählte, passte in das Gesamtbild. Ein Alpha, der seinen Sohn aus Liebe verzog und dann handlungsunfähig war, als sein Sprössling aus purem Eigennutz seinen Rang forderte, in einem viel zu jungen Alter. Aber was war mit den anderen Rangwölfen gewesen? Alt? Schwach? Ergeben? Aszrem wusste nur zu gut, dass in manchen Rudel eigentümliche Sitten herrschten, und vielleicht spielte das eine nicht ganz unerhebliche Rolle.
Nun, wenn Tiberius so klug war, wie er sich gab und wie Aszrem ihn einschätzte, sollte sein missratener Auftritt bei der Versammlung ihm mittlerweile klar gemacht haben, dass hier andere Sitten herrschten als im Heimatrudel des Gestromten.
Der Alpha beugte sich etwas vor, nachdem Tiberius geendet hatte, was seinen nächsten Worten sowohl etwas Eindringliches als auch Verschwörerisches verlieh.
"Auf der Pfote liegt, dass Caylee DEIN Grund ist, hier bleiben zu wollen. Und wie wir gesehen haben, nützt deine 'klare Gedankenlage' dir nichts, wenn du Situationen nicht richtig einzuschätzen weißt."
Aszrem lehnte sich wieder zurück in seine vorherige, aufrechte Position.
"Aber was ich aus deinen Worten heraushöre, ist der Wunsch, zu lernen und dich zu bemühen. Und das verdient in der tat eine Chance, Tiberius."
Er sprach den Gestromten jetzt erstmals mit dessen Namen an, was im Zusammenhang mit der vorherigen Anrede 'Rüde' für das Verzeihen des Schwarzbraunen sprach.
"Lass dir jedoch gesagt sein, dass du schnell lernen und dich redlich bemühen solltest. Tyraleen und ich behalten dich im Augen, und wenn uns scheint, dass die Probleme, die du verursachen solltest, untragbar für das Rudel werden, dann wirst du wieder gehen müssen. Und dann schleife ich dich nötigenfalls persönlich am Genick über die Reviergrenze."
Er sparte sich die Frage, ob Tiberius verstanden hatte. Klarer konnte er die Verhältnisse nicht darstellen, und wenn der Gestromte tatsächlich nicht verstanden haben sollte, würde er schon sehr bald am eigenen Leib begreifen.
Aszrem erhob sich und wandte sich zum Gehen in Richtung des Rudels, drehte jedoch noch einmal den Kopf zu Tiberius um.
"Willkommen bei den Sternenwinden",
sagte er und setzte sich in Bewegung.
29.03.2011, 11:59
(Mir gefällt das echt gut ^^ war das jetzt der Abschluss? Klingt zumindest so und wäre ein prima Schluss =) )
Ob nun 'sein' oder aller Grund – wo lag der Unterschied? Natürlich wusste der Gestromte, dass jeder sich der Nächste war und immer aus Eigennützigkeit handeln würde, doch jede Eigennützigkeit würde einen Teil zum Gesamten beitragen. Deshalb verstand er Aszrems Betonung auf das Wort 'dein' nicht. Aber noch viel mehr wunderte Tiberius, dass der Altwolf behauptete der Gestromte habe die Situation nicht richtig einschätzen können. Klar, er hatte nicht geahnt, dass es bis zu einem Zeitpunkt keinen Leitwolf gab, dennoch war an seinen Worten, dass bis dahin wohl einiges schief gelaufen war, kein Irrtum zu finden. In diesem Rudel hatte es bis zur Alphaernennung vor ein paar Minuten keine eindeutige Richtung gegeben, keinen Wolf, der die Reviergrenzen sicherte und keinen Verantwortlichen, der sich schon früher um die Gefahr in Form eines Varg gekümmert hatte.
“Belassen wir es dabei“,
schmunzelte der Rüde und zog damit eine klare Linie zwischen den tiberischen und normalen Dingen. Der Schwarzbraune würde nicht weiter in das vordringen, was man Tiberius nannte. Und wer konnte ihm das verübeln? Es war eben nicht einfach für einen Wolf, der fühlte und die Welt generell empfand und nicht 'dachte'. Azsrem mahnte ihn und wies noch einmal darauf hin, dass er schnell lernen solle. Das lag doch nicht an Tiberius, wie schnell er kapierte und sich die Gefühlslosigkeit legte. Das war Schicksal. Aus Himmelpfoten gegeben. Das Einzige, was der Gestromte dazu beitragen könnte: Offenheit. Und er war ja Weltoffen. Daran bestand kein Zweifel. Und Probleme, die durch ihn verursacht werden sollten, waren nicht allein seine Probleme. Vielleicht war er oft Auslöser, aber lag es nicht an Anderen damit zu agieren? Der Gestromte sprach nur die Wahrheit. Das war nichts Verwerfliches.
Belassen wir es dabei,
wiederholte er in Gedanken und war mit seinem Fortschritt 'Problemen' aus dem Weg zu gehen zufrieden. Das Lächeln wurde ein wenig breiter. Der Schwarzbraune drehte sich um, schenkte Tiberius einen letzten Blick und ein 'Willkommen'. Der Gestromte nickte und setzte sich ebenfalls in Bewegung. Das war ja mal eine chronologisch verdrehte Erfahrung.
29.03.2011, 12:05
(Jau, ich erkläre das Play für beendet x)