29.03.2011, 20:01
Natürlich hatte sie die Reaktion Rakshees auf das Zusammenkommen von Jakash und ihr selbst realisiert und so Leid die jüngere Fähe ihr tat, so hatte sie doch keinen Schritt in ihre Richtung getan. Wahrscheinlich war sie dafür sowieso die falsche Fähe. Vielleicht, wenn Rakshee die Enttäuschung ein wenig verarbeitet hatte, doch so sicher war sich Sheena da nicht.
Was sie aber noch mehr beschäftigte, als die Gefühlswelt ihrer Priesterschwesterin, war die ihres Geliebten. Wie aufregend das klang. Früher, als sie jung und voll mit Hormonen innerhalb ihrer Entwicklungsphasen gewesen war, hatte sie ebenfalls Rüden kennen gelernt und gemeint sie zu lieben, aber dieses Gefühl übertraf alles, was sie bis jetzt gespürt hatte. Und fast schien es ihr, als ob seine Verwandlung ihr Band noch mehr gefestigt hätte.
Sobald sie gespürt hatte, dass etwas mit ihm vorgefallen war, hatte sie nur noch die Geschichte hören wollen, doch die gegebenen Umstände erforderten anderen Handlungsbedarf und so war sie damit beauftragt worden, dass komplette Rudel zum Rudelplatz zu leiten. Glücklicherweise war alles gut gegangen und alle Wölfe waren unversehrt am Zielort angekommen.
Nach einer sehr verwirrenden Zeremonie für den Varg, hatte sie nun endlich ein wenig Zeit gefunden, um mit Jakash zu sprechen. Wobei sie auch jetzt, achtsam sein musste. Es war nun ihre Aufgabe, einzuschreiten, wenn irgendwo Handlungsbedarf bestand. Doch dies war ihr vorher schon bewusst gewesen, so störte sie sich nicht daran.
Jetzt war sie erstmal froh, Jakash aufsuchen zu können. Sie musste nicht lange die Witterung suchen und war diese erstmal aufgenommen, ging es in eiligem Tempo vorwärts.
Glücklicherweise war er alleine, so hatten sie alle Zeit der Welt. Zumindest beinahe.
„Hallo mein Liebling. Jetzt habe ich endlich Zeit für dich…!“
Damit schmiegte sie sich an den schwarzen Fenrissohn und liebkoste seine Schnauze sanft mit ihrer Zunge.
13.04.2011, 12:48
Er hatte nicht lange an Sheenas Seite laufen können, nur eben bis zum Rudelplatz. Danach hatte die Weiße sich darum kümmern müssen, das Rudel zusammen zu halten und sich mit ihren Priesterinnenschwestern besprochen. Dabei herausgekommen war der Entschluss zur Bestattung des Varges, für die Jakash nur etwas überraschtes Unverständnis übrig gehabt hatte. Auf die Idee, so ein Monstrum wie einen normalen Wolf zu Bestatten, konnte auch nur Engayawölfe kommen. Obwohl das auch einen sehr praktischen Aspekt hatte, wie er zugeben musste - nun war das stinkende Untier fort, und nur noch die Blutlache zeugte davon, dass es da gewesen war. Die Leiche des Bären weg zu räumen hatte jedoch noch niemand für nötig gehalten, geschweige denn, dass jemand auf die Idee gekommen wäre auch für den eine Zeremonie abzuhalten. Dabei war Jakash der Varg kaum wölfischer Vorgekommen als der Bär, von einer nicht zu verleugnenden Duftnote abgesehen. Ah, und davon, dass er sich im Fluss in einen echten Wolf verwandelt hatte. Zumindest hatte es so ausgesehen, aber je länger Jakash darüber nachdachte, desto mehr kam er zu der Überzeugung, dass seine Augen ihm da wohl einen Streich gespielt hatten. Seltsam nur, dass alle anderen auch glaubten gesehen zu haben, was nicht gewesen sein konnte...
Aber wer war er schon, zu beurteilen, was unter Engayas Sonne und Fenris' Schatten sein konnte, und was nicht?
Apropos - da kam sie zu ihm, die Sonne seines neuen Lebens. Jakash setzte sich auf und lächelte ihr entgegen. Es war nicht mehr das unschuldige, unsichere Lächeln des alten Jakash, sondern hatte jetzt einen leicht dunklen und selbstsichereren Zug. In Sheenas Nähe fühlte er sich tatsächlich sicherer mit seinem neuen Ich. Er musste bei ihr nicht mehr darüber nachgrübeln, wie sie sich vielleicht verhalten mochte und er sich verhalten sollte. Sie waren einfach beide.
"Ein Wunder! Ich dachte schon, du würdest mich über deine neuen Pflichten völlig vergessen",
neckte er sie und zog ihr spielerisch am Ohr, nachdem er auch ihr über die Schnauze geleckt hatte. Als sie sich an ihn schmiegte, fiel ihm erneut auf, wie angenehm ihm ihre Nähe war, im Gegensatz jetzt zu den Berührungen seiner Schwester. Seltsam eigentlich, aber Jakash dachte nicht weiter darüber nach. Er war dankbar dafür, dass Fenris ihm dieses Gefühl überhaupt gelassen hatte.
20.04.2011, 20:15
Das freudige Erwarten Jakashs, löste ein Kribbeln in ihrem Bauch aus, wie sie es selten gespürt hatte. Wunderbar, wundervoll, neuartig und doch schon so vertraut.
„Wag es ja nicht, so etwas ernsthaft zu denken!“
Fast ein wenig empört, entzog sie ihr Ohr seinen Knabbereien und blickte ihn aufmerksam an. Sie hatte wohl wahrgenommen, dass er seine Aussage nicht wirklich Ernst meinte, jedoch wollte sie jegliche etwaige Zweifel im Keim ersticken. An ihrer Liebe zu ihm gab es nichts zu zweifeln, obwohl sie noch so jung war und in der Blüte stand, war diese Liebe viel zu ehrlich, viel zu jungfräulich um angezweifelt zu werden.
Rasch wurden ihre Züge wieder weicher, ein sanftes, helles Lachen entfloh ihrer Kehle. Er hatte sich deutlich verändert, auch daran gab es keinen Zweifel. Selbst seinem Lächeln konnte man diese Wandlung entnehmen, es war selbstsicherer geworden. Das gefiel ihr. Obschon sie ihn bereits vor seiner Verwandlung gemocht, geliebt, hatte, fand sie ihn jetzt sogar noch ein wenig mehr interessanter und liebenswerter. Bis vor einigen Tagen hatte sie nicht mal erahnen können, dass das noch im Bereich des möglichen war. Aber deshalb war sie nicht hierher gekommen. Nicht, um über ihre verworrenen und verwirrenden Gefühle nachzugrübeln.
Sie wollte wissen was vorgefallen war, sie wollte alles bis ins kleinste Detail hören und nachvollziehen, vielleicht sogar verstehen, auf jeden Fall aber akzeptieren können. Denn nichts war schlimmer, als in einer Beziehung zu schweigen. Vor allem in solch einer gegensätzlichen Beziehung. Instinktiv war ihr das klar, hatte sie doch nie mit irgendwem großartig über Partnerschaften sprechen können.
Lange blickte sie ihn an, war er schon bereit dafür, ihr die Geschehnisse zu erzählen, sie an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen? Sie beschloss, dass es keinen besseren Zeitpunkt geben konnte, sie hatten ihre Ruhe, das Rudel war ruhig, hatte sich damit abgefunden auf dem Rudelplatz verweilen zu müssen.
Zärtlich legte sie ihre Schnauze an sein Ohr, nicht, ohne ihm dabei langsam durch das Nackenfell zu streichen. Leise flüsterte sie dann in sein Ohr.
„Kannst und magst du mir von den Geschehnissen erzählen?“
26.04.2011, 20:11
Jakash flippte neckisch die Ohren zurück und sah sie schalkhaft an, als sie sich halb spielerisch, halb ernst über seine Worte empörte.
"Zu Befehl, liebste Beta, ich wage nicht zu denken!",
lachte er schelmisch und schnappte erneut nach ihrem Ohr. Er verhielt sich so unbeschwert und welpenhaft, wie seit seiner Welpenzeit nicht mehr, und fühlte sich dabei noch besser als in seinen Erinnerungen. Es war befreiender, welpisch zu sein und zu wissen, dass man absichtlich so war, als tatsächlich ein Welpe zu sein und es nicht anders zu kennen.
Sheenas Schnauze kroch ihm über Rücken und Nacken und hinterließ einen angenehm kribbelnden Schauer. Der Schwarze grub seine Schnauze in ihr Brustfelle, während die Ihre noch höher wanderte, und sog ihren Duft ein. Hatte sie schon immer so gut gerochen, oder wurde ihm das erst jetzt richtig bewusst?
Dann flüsterte sie in sein Ohr, und seine gute Laune erstarb. Jakash hob den Kopf und sah sie fragend an, obgleich er schon ahnte worauf sie sich bezog, und ihr Blick war ihm Antwort genug. Das Lächeln war von seinen Lefzen getilgt und seine Augen glitten von ihr fort, in die Ferne vor ihm. Sein Blick jedoch ging viel weiter, ein paar Stunden in die Vergangenheit.
"Du weißt ja, dass Fenris und Engaya um mich gerungen haben. Dass sie an meiner Seele rissen und ich nicht wusste, wohin ich mich wenden sollte oder wollte. Weißt du, ich war damit nicht allein. Chardím ging es ebenso - geht es noch so. Aber ich glaube, er ist noch viel zwiegespaltener als ich es war. Vielleicht ist seine Verbindung zu den Göttern stärker, weil er Tyraleens und Averics Sohn ist",
begann er und hielt dann für einen Moment inne. Wieviel konnte er ihr erzählen? Wieviel durfte er ihr zumute, ohne Gefahr zu laufen, sie zu verschrecken? Er durfte sie nicht verlieren!
"Als ich mit ihm und Neytíri am Bach war, trachtete Fenris nach Chardíms Leben. Er war da, ich habe ich gesehen. Chardíms Herzschlag wurde immer langsamer, sein Atem immer schwächer. Ich geriet in Panik, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nur, dass ich ihn nicht verlieren wollte, dass ich ihn retten musste. Koste es, was es wolle."
Erneut legte er eine Pause ein und wandte den Blick wieder Sheena zu. Begriff sie, dass er an niemand anderes als Chardím mehr gedacht hatte, nicht einmal an sie? Würde sie es ihm übel nehmen? Jakash hatte ihr schon nicht von seinem Angriff auf Neytíri erzählt, und sein Entschluss, zunächst einmal beim Wesentlichen zu bleiben und dann zu sehen, wie sie reagierte, erhärtete sich.
"Ich flehte Fenris um Gnade an, bettelte um Chardíms Leben, aber ich erhielt keine Antwort. Jedenfalls nicht von Fenris - dafür hörte ich mit einem Mal Banshees Stimme. Sie klang so schwach, kaum zu verstehen. Sie sagte mir, dass ich Chardím retten müsse, dass ich etwas Mutiges tun müsse -
'... und dass ich mein Leben nicht weggeben sollte...'
- aber ich wusste nicht, was. Da war nur diese Idee, diese kleine, schwache Hoffnung. Es gibt da einen Ort, den ich in meinen Träumen oft betreten habe. Ein Ort der Götter, an dem die Reiche Engayas und Fenris' direkt aneinander grenzen, und dazwischen verläuft ein schmaler Pfad. Ich nannte ihn den Grenzpfad, und in meinen Träumen lief ich endlos dort entlang, mitten zwischen den Göttern. Ich wusste nicht, ob dieser Ort tatsächlich existiert, aber er fühlte sich stets so real an... und ich dachte, vielleicht kennt auch Chardím diesen Ort. Vielleicht läuft er selbst in seinen Träumen auf diesem Pfad, und vielleicht kann ich ihn dort finden. Vielleicht liegt er dort am Wegesrand, auf der Seite Fenris', und ich könnte ihn retten, indem ich ihn auf den Pfad zurück schaffe und das Gleichgewicht in ihm wieder herstelle."
Wieder eine Pause, wieder ein Blick, diesmal prüfend. Was er da erzählte, mochte eventuell schwer zu verstehen oder gar zu glauben sein.
"Ich fand ihn auch dort. Aber da war auch Fenris, und er bot mir einen Handel an. Mein Leben für Chardíms - ein Leben als sein Anhänger. Und ich sah keinen anderen Weg, als einzuwilligen..."
04.05.2011, 18:48
Am Liebsten hätte Sheena die Zeit zurück gedreht und die Frage aus ihrem, und nun auch aus Jakashs, Kopf gelöscht. Doch dies lag außerhalb ihrer Möglichkeiten. Leider.
War der Schwarze doch eben noch so gelöst, entspannt und neckisch gewesen, so hatten sich seine Gesichtszüge und sein Verhalten, von welpisch verspielt, innerhalb von Sekunden in das Gegenteil umgekehrt. Verständlicherweise. Natürlich. Aber trotzdem ärgerte es sie ein wenig, gleichzeitig war es ihr aber auch wichtig zu erfahren, was genau vorgefallen war.
Und als Jakash dann anfing zu sprechen, mit kleineren Pausen, prüfenden Blicken, da wusste sie, es war der aktuelle Verlust seiner spielerischen Seite vorher wert gewesen. Wobei sie das Gefühl hatte, dass er ihr nicht alles erzählte. Aber das war seine Entscheidung, vielleicht wollte er sie auch nicht mit zu vielen Details und Einzelheiten überrennen.
Der Grenzpfad. Das war eine gute Bezeichnung für das aufeinander Treffen dieser zwei Welten. Sie kannte den von ihm beschriebenen Pfad nur zu gut, wenn auch nicht mit den Bildern, die nun, bei seinen Erzählungen, in ihr aufkamen. Doch vielleicht hatte da jeder Wolf andere, besser, persönliche Wahrnehmungen, vielleicht waren die Welten für jeden Wolf unterschiedlich.
„Deine Entscheidung ist sehr mutig gewesen. Es ist gut, dass du Chardím gerettet hast! Das werden Engaya, Banshee auf jeden Fall zu würdigen wissen. Vor allem, wenn Banshee zu dir gesprochen hat. Das bedeutet nur, dass damit die Bindung zu ihr, trotz dem Abkommen mit Fenris, stärker geworden ist.“
~ und mit mir…~
Ein schöner Gedanke. Doch, gab es nun noch mehr. Mittlerweile war sie sich sicher, dass er ihr etwas verschwieg, würde er es ihr noch erzählen? Sie würde ihn nicht drängen, ihm auch keinen Vorwurf machen, wenn er es nicht tat.
Wusste er eigentlich, dass auch sie sich mal auf einem, sogenannten, Grenzweg befunden hatte?
:/
05.05.2011, 16:50
Es tat so unglaublich gut sie anzusehen, und zu wissen, dass alle seine Befürchtungen unbegründet gewesen waren. Selbst die letzten Sorgen, seine Liebste verschrecken zu können, verflogen mit ihren Worten. Die Erwähnung Banshees und Engayas versetzte ihm zwar einen Stich, aber dieses Gefühl lag in dem begründet, was er ihr nicht erzählt hatte, und verlor zunehmend an Bedeutung angesichts der Erleichterung, die ihn jetzt durchströmte.
Er sah sie an und lächelte, dann schmiegte er sein Gesicht seitlich an ihres. Als Jakash sie anschließend wieder ansah, war sein Gesicht von einer gewissen Wehmut gezeichnet.
"Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Engaya und Banshee sonderlich stolz auf mich sind. Ich mag Chardím gerettet haben, aber ein Engaya-Weg zu dieser Rettung wäre ihnen lieber gewesen."
Dann zögerte er für einen Moment und ließ den Blick schweifen. Da gab es noch etwas, das zu beichten sich jetzt anböte, abgesehen von all dem anderen, dass er ihr noch verschwiegen hatte. Und so dankbar er ihr auch war, dass sie nicht nach bestimmten Details gefragt hatte, so hielt er es doch für wichtig, ihr diese eine Sache noch zu erzählen.
"Außerdem sind unsere Schicksal jetzt eng miteinander verbunden. Wenn ich Fenris verraten sollte, holt er sich Chardím."
:)
09.05.2011, 22:15
„Es hat niemand davon gesprochen, dass du Fenris verraten sollst, Liebster. Alles wird sich mit der Zeit geben, wenn dies, durch die Rettung Chardíms, zu deinem Weg geworden ist, dann wirst du ihn gehen müssen. Und auch wenn den beiden ein Engayaweg sicher lieber gewesen wäre, sie werden nicht übersehen, dass du ein Wolfsleben gerettet hast. Du hast keine andere Möglichkeit gesehen, als mit Fenris zu verhandeln, und ich denke, dass das dann auch so geschehen sollte.“
Sie lächelte ihn an. Vielleicht sogar ein wenig tröstend, sie hatte die Wehmut in seinen Augen aufblitzen sehen, nachdem er seinen Kopf an den ihren gelehnt hatte.
Sie überlegte kurz, wie hätte ein Engayaweg aussehen können? Natürlich hätte er auch Engaya ansprechen können, aber dann hätte diese mit Fenris verhandeln müssen und ob das besser geendet hatte, würde sie spontan nicht denken. Außerdem hatte es ihre Beziehung auf eine positive Art und Weise verändert, irgendwie mehr zusammen geschweißt, wenn sie nun auch noch unterschiedlicher waren, als sie es vorher vielleicht gewesen waren. Er war nun ihr Gegenstück, das fehlende Puzzelteil, welches sie vollständig machte.
Vollständig, so wie Banshee und Acollon, Tyraleen und Averic. Wobei sie hoffte, dass ihre Beziehung nicht auch so enden würde, wie die beiden anderen. Doch, sie stammte nicht von Engaya direkt ab, sie war ‚nur’ eine Priesterin, wenn sie sich der Göttin auch sehr verbunden fühlte, war das bestimmt ein Unterschied.
Kurzzeitig wurde ihre Stimmung ein wenig getrübt, nicht, wegen der Geschehnisse um Jakash herum, sondern aus Angst vor einem Verlust. Doch dann schüttelte sie energisch den Kopf und rieb ihn ebenfalls an dem von Jakash. Daran wollte sie jetzt gar nicht denken, sie lebten jetzt und nicht in der Zukunft. Sie sollte und wollte jetzt genießen und nicht in Gedanken versinken, die sie traurig stimmten.
„Weißt du, dass auch ich lange Zeit brauchte um meinen Weg zu finden?“
Vielleicht war es nun auch an der Zeit ein wenig von ihr zu erzählen.
29.05.2011, 11:06
Es war ihm anzusehen, dass ihre Worte ihn nicht restlos überzeugen konnten, aber er lächelte dennoch. Er war dankbar für ihre Worte, dankbar für den Trost, den sie ihm zu schenken versuchte. Was hätte er nur getan, hätte sie sich von ihm abgewandt? Er wusste es nicht, und er wollte auch nicht darüber nachdenken. Sicher war jedoch, dass er das nicht so vergleichsweise glimpflich hätte wegstecken können wie Rakshees gekränkte Blicke. Und wie auch immer seine Mutter reagieren würde, es konnte ebenfalls nicht annähernd so schlimm sein.
Jakash schleckte seiner Liebsten über die Schnauze und bemerkte erst da, dass sich Sheenas Blick etwas getrübt hatte. Sogleich schüttelte sie jedoch wie zu sich selbst den Kopf und strahlte ihn wieder an, und das aufgeflackerte Gefühl von Sorge verschwand wieder. Stattdessen zeichneten ihre Worte etwas Überraschung auf seine Miene.
"Nein, wusste ich nicht. Im Ernst? Ich erinnere mich nur daran, dass du eine ganze Weile mit niemandem geredet hast",
entgegnete er und war sich sicher, dass er keine direte Frage zu stellen brauchte, damit sie zu erzählen begann. Immerhin hatte sie das Thema selbst angeschnitten.
22.07.2011, 23:22
Er war Überrascht. Natürlich. Früher hatten sie wenig miteinander zu tun gehabt. Wie war es eigentlich zu diesem Wandel gekommen?
Sie versuchte sich zurück zu erinnern, doch wie schon so oft, bemerkte sie, dass ihr dies schwerer und schwerer fiel. Doch es musste durch die Priesterausbildung geschehen sein. Wahrscheinlich über Rakshee. Wie auch immer, es war gut, dass es so gekommen war.
Doch nun wollte sie ihm ihre, weniger rühmliche, Vorgeschichte erzählen. Schließlich hatte sie soeben darauf angespielt. Und sie wollte ihn nicht in seiner Überraschung warten lassen. So holte sie nur noch kurz tief Luft, blickte ihn direkt an, schenkte ihm ein letztes Lächeln und versank in ihren lückenhaften Erinnerungen, welche sie zu einer Geschichte zu verarbeiten versuchte.
„Früher, als meine Eltern mich verließen, wusste ich nicht warum sie dies taten. Ich war nur schrecklich enttäuscht und furchtbar allein. Ich hatte niemanden, keinen einzigen Wolf der sich um mich kümmerte. Auf mir lag einzig und allein die Last, dass ich meinen einen Bruder durch ein Missgeschick verloren hatte und der Rest meiner Familie ohne mich davon gezogen war…“ eine kurze Stille entstand.
„Ich fiel in ein Loch tiefster Verzweiflung. Und ich fiel tief. Es schien ein scheinbar bodenloses Loch zu sein. Immer, wenn ich dachte nun ginge es nicht noch weiter, ging es hinab und hinab und hinab.
Ich entwickelte grausige Charakterzüge, niemandem konnte ich Vertrauen schenken. Und tat ich es doch, erlitt ich erneut grausame Schicksalsschläge. Ich wurde verbissen, ängstlich und, zugegebenermaßen, wahrscheinlich einfach krank. Ich griff jeden an, der mir zu nahe kam. Nicht immer nur waren es Worte, die mir meine Waffe waren.“ Beschämt senkte sich ihr Blick auf den Boden. Leiser fuhr sie fort.
„Banshee versuchte mir zu erklären, warum meine Familie mich verlassen hatte, doch auch ihr gegenüber war ich weniger nachsichtig und respektvoll. Sie machte mir das Angebot des Schweigegelübtes. Hätte ich es nicht freiwillig angenommen, hätte sie mich wohl verjagen müssen. Doch ich tat es und wurde zu dem, was ich heute bin.“ Ihr Blick hob sich wieder und sie lächelte ihn stolz an.
„Auch wenn es wahrlich nicht leicht war, nicht mehr zu reden. Oder besser, nicht mehr jeden zu beleidigen, der mir über den Weg läuft und mich schräg anguckt.“
Damit lachte sie laut auf. Irgendwie war es, im Nachhinein betrachtet, schon komisch ihre Entwicklung zu betrachten. Ihre Charakterzüge zu hinterfragen. Doch in der damaligen Situation war es weniger lustig, eher teilweise lebensbedrohlich für sie gewesen. Sie hatte großes Glück gehabt, niemals auf einen wirklich bösen Wolf getroffen zu sein.