Atalya
22.04.2011, 10:15

(Avendal kommt nach ihrer Prüfung dazu ^.^
In der Nacht nach Pfade des Lichts. Hoffe ich doch Mal, dass es dann mit dem Ende von dem Thread auch so passt ^.~)

Unruhig trugen Atalyas Läufe sie durch den Schnee. Ihr Körper war angespannt, die Ohren aufmerksam aufgestellt. Die dunkle Nacht verhüllte ihre Silhouette, nur ihr Geruch würde sie verraten. Sie wollte sich nicht gegen die Regeln des Rudels stellen. Aber es war wie eine unsichtbare Macht, die sie in die Richtung des Waldes zog. Sie wollte wissen, ob dort etwas verborgen lag. Über die Grenzen des Rudelplatzes hinaus. Sie hatte keine Ruhe gefunden, konnte ihre Gedanken an die Vargs nicht verdrängen. Sie wußte, dass es verboten war. Dass ihr Alleingang niemandem gefallen würde. Aber sie konnte ihre Läufe nicht still halten, konnte dieser Versuchung nicht widerstehen. Die graue Jungwölfin atmete schnell, wandte den Blick immer wieder hinter sich. Nur um sicher zu gehen, dass niemand ihr folgte. Und niemand sich ihr in den Weg stellte. Sie kannte ihr Ziel, musste nur den Weg dorthin schaffen. Automatisch wurde ihr Lauf schneller, ihre Läufe bewegten sich schneller über das dichte Weiß. Passend schlug ihr Herz schneller, voller Vorfreude und Anspannung. Der Wald war nicht mehr weit entfernt.

Madoc
22.04.2011, 10:34

Die blutroten Augen des jungen Albinos schienen in der winterweißen Kälte jener dunklen Nacht regelrecht zu leuchten. Seine Ohren waren wachsam aufgestellt, während er, wie so häufig, in ruhiger Einsamkeit über den Rudelplatz streifte. Es war nicht seine Art, sich an das zu halten, was man ihm vorschrieb und doch hatte er nun nicht aus eigenem Interesse auf den Weg gemacht, sondern suchte Atalya, welche er den ganzen Tag über kaum zu Gesicht bekommen hatte. Leicht besorgt hatte er nun seine Suche begonnen, während sein feiner Geruchssinn ihm als Führer diente. Sie schien in greifbarer Nähe zu sein und während er die Dunkelheit durchforstete, fragte er sich, welch wichtiger Grund sie wohl hier in die Gefahrenzone hinaustrieb. Mit einem Mal schoss sein Haupt in die Höhe, er hörte das Trommeln von Pfoten auf dem eisigen Untergrund und schließlich erhaschten seine rubinroten Seelenspiegel eine Bewegung in mäßiger Ferne, die mit der vertrauten Witterung der grauen Fähe einher ging. In Schweigen verharrend beschleunigte Madoc und sein gemächlicher Trab ging binnen weniger Sekunden in einen zügigen Galopp über. Einige Augenblicke vergingen, bis er Atalya endlich erreicht hatte und ihr mit einem Satz in die Quere den Weg blockierte.

"Atalya, was treibt dich zu dieser Zeit alleine hierher?"

Erkundigte er sich mit ruhiger Stimme, die positive Anspannung auf ihrem Antlitz war noch deutlich zu erkennen. Was wollte sie bloß?

Atalya
22.04.2011, 10:45

Ohne, dass es die Graue wirklich kontrollieren konnte, wurde ihr Lauf weiterhin schneller. Es waren nur noch wenige Sprünge, nur wenige Momente trennten sie von ihrem Ziel. Und niemand würde sich ihr in de Weg stellen. Völlig besessen von dem Gedanken, einen Varg zu finden, nahm sie nicht den Geruch wahr, der sich ihr näherte. Ihr Blick war nur nach vorn gerichtet, ihre Sinne waren auf den Wald konzentriert. Und ihr Herzschlag übertönte jedes Geräusch. Nicht einmal, dass mit einem Mal ein Wolf in ihrer Nähe war, nahm sie wahr. Erst, als der weiße Rüde in ihr Blickfeld trat, schnellte ihr Kopf zur Seite, ihre hellen Augen erblickten den weißen Schatten ihres Freundes. Und mit einem Mal stand er vor ihr, versperrte ihr den Weg. Mit einem Ruck blieb die Graue stehen, sofort neigten sich ihre Ohren zurück, lauschten dennoch den Worten, die Madoc an sie wandte. Sie spürte ihren Körper rebellieren, das Kribbeln in ihren Pfoten, welches sie zum weiter laufen treiben wollte. Kurz richtete sie den Blick nach links und nach rechts. Aber außer ihnen war niemand hier. Noch nicht. Sicher würde das Rudel es bemerken, wenn sich zwei Wölfe in der Nähe des Waldes aufhielten. Die Graue atmete tief durch.

“Ich werde einen Varg suchen gehen. Du kannst zurück gehen.“

Kurz richtete sie den Blick auf seine Augen, trat dann an ihm vorbei. Sie wollte allein gehen, und niemand sollte sich ihr in den Weg stellen. Auch nicht ihr bester Freund. Die Ohren weiterhin angelegt schritt sie an Madoc vorbei, wandte den Blick auch nicht noch einmal zu ihm herum.

Madoc
22.04.2011, 11:19

Etwas argwöhnisch betrachtete der Hüne Atalya, als er in ihrer Mimik erkannte, dass sie seiner Störung nicht wohl gesinnt war. Noch einen weiteren Augenblick lang rätselte er, welch Unterfangen sie so angeregt hatte, bis sie schließlich selber das geplante Vorhaben offenbarte. Mit der für ihn gewöhnlichen Neutralität besah der Silberweiße die Fähe, zeigte weder Verwunderung und Ärger. Beinahe, so glaubte er, konnte er diesen verwegenen Akt sogar verstehen, war er doch als Jungtier nicht anders gewesen. Dennoch wusste er, dass er ihr keinen Durchgang gewähren konnte, da es außer Frage stand, sie allein in eine solche Gefahr zu schicken. Er richtete sich hierbei nur geringfügig nach den Regeln des Rudels, sondern viel mehr nach dem eigenen Maßstab der Sicherheit. Es ging schließlich um Atalya, nicht um jemand anderen, so war es nur natürlich, dass sein Beschützerinstinkt zuvorkam, um sie an einer so unvernünftigen Handlung zu hindern. Als sie an ihm vorbei schritt, setzte ihr Madoc sogleich nach, sodass er abermals wie eine Barriere ihren Weg versperrte.

"Du weißt genau, dass es gefährlich ist, genauso gut weiß du, dass ich dich nicht gehen lassen werde. Ich bitte dich, sei vernünftig und kehre um."

Sprach der Albinorüde, seine Stimme war noch immer voller Ruhe, doch in seinen Worten lag Nachdruck und eine Intoleranz für jeglichen Widerspruch. Sollte sie sich ihm widersetzen, so würde er härtere Maßnahmen ergreifen, obgleich sie Atalya missfallen würden. Schließlich ging es um ihr eigenes Wohl, welches sie bereit war, in einem Moment des Übermutes zu gefährden.

Atalya
22.04.2011, 11:33

In dem Moment, in dem Madoc zu ihr gekommen war, war der grauen Fähe klar gewesen, dass er nicht wieder gehen würde. Und zu ihrem eigenen Erstaunen verfluchte sie ihn dafür. Er sollte gehen, sie in diesem Moment allein lassen. Aber er blieb, natürlich. Und so dauerte es nur wenige Herzschläge, bis er wieder in ihrem Weg stand. Die Ohren der Grauen waren noch immer nach hinten gelegt, und auch ihr Blick würde verraten, was sie dachte. Seine Worte verärgerten sie, wieso glaubten alle, dass es so gefährlich war, in den Wald zu gehen? Vielleicht hatte Aszrem einfach falsch gelegen. Schon Liam hatte sich so verhalten. Nun richtete die junge Wölfin den Blick erneut auf die roten Augen, ihre Stimme nun etwas lauter anhebend als zuvor.

Woher willst du das wissen? Hast du selbst einen Varg erlebt? Vielleicht sind sie nicht gefährlich, und Aszrem hat sich einfach geirrt? Und welchen Grund sollten sie haben, uns zu töten?“

Sie trat einen Schritt auf den Rüden zu, den Blick noch immer genau in seine Augen gerichtet. Sie hatte keine Angst vor diesen Wesen, ließ sich nicht von diesem Gefühl einschränken, wie der größte Teil des Rudels.

“Wenn ich nicht jetzt gehe, dann morgen.“

Mit diesen Worten wandte sie sich erneut ab, verfiel sofort in einen schnelleren Trab. Er sollte einfach gehen, sie in Ruhe lassen. Sie würde das allein schaffen.

Madoc
22.04.2011, 11:54

Der Hüne verharrte regungslos als er Atalya aus seinen blutroten Augen betrachtete. Sein Antlitz war jeglicher Emotionen beraubt, doch seine Ausstrahlung schien streng und unergründlich. Sein gesamtes Dasein schien wie ein einziger Widerstand, der nahezu unmöglich zu überwinden war und seine Entschlossenheit war die eines Kriegers. Schon zu jenem Augenblick, da er den Entschluss gefasst hatte, sie von der Dunkelheit des Waldes fernzuhalten, hatte er entschlossen, dass selbiges mit hundertprozentiger Sicherheit eintreten würde, auf welchem Wege auch immer. Dennoch war ein mäßiges Verständnis für Atalyas Gefühlslage vorhanden und würde er eine fülligere Masse an Informationen über den Varg haben, würde er sich des Ausmaßes seiner Gefahr bewusst sein, hätte er vielleicht in Erwägung gezogen, sie zu begleiten. Die Ungewissheit über dieses sonderbare Geschlecht ließ Madoc jedoch zögern und ohne einmal in eigener Person einem Varg gegenüber gestanden zu haben, wollte er seine junge Freundin nicht ziehen lassen.

"Du hast durchaus Recht, doch was ist, wenn ich in die andere Extreme gehe? Was ist wenn sich Aszrem durchaus geirrt hat und der Varg noch deutlich gefährlicher wäre, als wir glauben? Wenn du mir lediglich mit Spekulationen kommst, muss ich dich leider verhindern."

Obgleich der silberweiße Rüde noch immer in ruhigem Tonfall sprach, war die Bestimmtheit in seinen Worten nun unverkennbar. Er gehörte nicht jenen an, die aufgrund eines übermütigen Temperaments die wallende Wut in lauten Worten herausbrechen ließen, doch sein Zustand entsprach bereits dem, eines provozierten Wolfes, wenngleich man von seinem Außenbild nicht darauf schließen konnte.

"Auch morgen wirst du keine Gelegenheit finden. Da ich um dein Vorhaben wisse, wird es dir mit Sicherheit nicht gelingen."

Antwortete er mit voller Direktheit, wenn auch es ihm unangenehm war, die graue Fähe auf solcher Weise zu schelten. Wenn es jedoch die einzige Möglichkeit war, sie zur Vernunft zu bringen, so würde er sich nicht davor scheuen, eben diese anzuwenden.

"Ich verstehe deine Gefühlslage, doch ist es nicht vernünftig. Ich bitte dich ein letztes Mal."

Sagte Madoc schließlich und folgte ihr mit zwei kraftvollen Sätzen, um ihr ein drittes Mal in den Weg zu laufen. Es war nicht seine Art, anderen hinterher zusetzen, doch dies war immerhin nicht irgendein dahergelaufener Wolf.

Atalya
22.04.2011, 12:10

Atalya wollte ihn nicht hören, wollte nicht wissen, was er darüber dachte. Sie wollte ihre eigene Erfahrung machen, wollte sich nicht von den Worten der anderen einschüchtern lassen. Sie konnten nur Vermutungen aufstellen. Vermutungen, die niemand hinter fragte. Sie glaubten Aszrem alle, ohne je einen Varg erlebt zu haben. Sie hatten einen gesehen – einen toten. Niemand konnte genau sagen, ob er gefährlich war oder nicht. Ihre Ohren neigten sich leicht auf, lauschten den Worten des Weißen, aber sie hielt nicht an. Erst, als er erneut vor ihr stand, hielt sie inne. Wütend über seine Worte, sein Verhalten, zog die Graue leicht die Lefzen hoch.

“Es ist genauso wenig vernünftig, hier am Rudelplatz herum zu liegen und zu warten! Wenn sie wirklich so gefährlich sind, sind wir auch am Rudelplatz nicht sicher! Es ist egal, ob ich gehe, oder bleibe!“

Die Graue trat einen Schritt auf den weißen Rüden zu, den Blick wütend auf ihn gerichtet. Er hätte nicht hier her kommen sollen. Sie hatte längst nicht mehr die Kontrolle über ihr Denken, ihr Handeln.

“Verschwinde Madoc! Geh mir aus dem Weg!“

Ein leises, leicht zurück haltendes Grollen verließ die Kehle der Grauen, nur um deutlich zu machen, dass es ihr Ernst war. Sie hatte sich dieses Ziel vorgenommen und wollte es nicht von ihm kaputt machen lassen.

Madoc
22.04.2011, 12:47

Der silberweiße Rüde wusste um Atalyas rebellierendes Herz und ihr Verhalten entsprach seinen Erwartungen. Schließlich war sie Atalya die Furchtlose, die sich nicht so feige von einem Varg einschüchtern lassen würde. Bei diesem Gedanken musste Madoc beinahe schmunzeln, doch es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt für die Erweisung ihres Mutes. Mit wachsender Unzufriedenheit lauschte er dennoch ihren Worten, wahrte noch immer seine geisterhafte Ruhe, wenn auch die Situation ihm missfiel. Ganz deutlich merkte er, dass die graue Fähe bereits außerhalb von Diskussionsfähigkeit befand, sodass es eigentlich nur wenig Erfolg einbringen würde, mit ihr darüber zu sprechen.

"Beim Rudelplatz sind wir allerdings alle zusammen und die Menge macht uns stark. Entfernst du dich allein, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass dir bei der Begegnung eines Vargs etwas zustößt deutlich größer, nicht wahr?"

Sprach Madoc, während seine Stimme sich hörbar senkte, beinahe nur noch ein bedrohliches Flüstern war. Vor ihrem Grollen scheute er nicht zurück, glaubte er doch nicht, dass sie ihn angreifen würden und selbst wenn ein solcher Fall eintreten würde, so würde er sich vor ihren Fängen nicht fürchten. Schließlich war sie eine Freundin und egal wie unkontrolliert sie zu jenem Augenblick war, so könnte sie ihn doch niemals ernsthaft verletzen. Auch ihre Aufforderung er solle verschwinde wirkte nicht auf den jungen Albino, denn er war entschlossen, sie von diesem gefährlichen Unterfangen abzuhalten.

"Ich gehe erst, wenn du mit mir kommst, ich sagte bereits, dass dein Vorhaben nicht funktionieren wird und ich halte meine Versprechen."

Seine Körpersprache war hierbei eindeutig. Er knurrte nicht, grollte nicht, doch seine Rute war leicht angehoben, ebenso wie sein Haupt, sodass er auf sie hinab sah. Wenn keiner aufgeben wollte, so siegte der Stärkere, das hatte er in seinem Leben gelernt und obwohl es ihm nicht behagte, dieses harte Gesetz auf Atalya anzuwenden, so ging es doch letztendlich im ihre Sicherheit, nicht um die seine.

Atalya
22.04.2011, 13:25

Und er blieb. Madoc bewegte sich nicht, redete weiter ruhig auf sie ein. Dabei wollte sie nur, dass er sie in Ruhe ließ, dass er ging und einfach vergaß, was sie vor hatte. Und er machte keine Anstalten, zu gehen. Je mehr er sagte, je länger er ihr im Weg stand, desto wütender machte es sie.

“Wenn Vargs so gefährlich sind, ist es egal, wo ich bin! Dann kann ich auch am Rudelplatz sterben, dann könnten die Vargs und alle töten!“

Das Grollen in ihrer Stimme war verstummt, zurück blieb nur der Vorwurf in ihrer Stimme, die Wut, die in ihren Worten mit schwang. Sie wollte weiter, weiter laufen. Das einzige, was sie aufhielt war Madoc, ihr Freund, der sich ihr in den weg stellte. Sie lauschte seinen Worten, stellte ganz sachte, kaum merklich das Nackenfell auf. Mit langsamen, vorsichtigen Schritten bewegte sie ihren grauen Körper um den Weißen, den Blick nicht von ihm abwendend.

“Ich werde nicht zurück gehen.“

Kaum hatte das letzte Wort ihre Lefzen verlassen, wandte Atalya sich um, setzte sich mit einem Sprung in Bewegung und lief mit schnellen Läufen über den Schnee. Sie würde nicht umdrehen, wenn sie ihrem Ziel so nahe war. Und dieses Mal würde sie nicht stehen bleiben. Dafür schlug ihr Herz zu schnell, umklammerte die Unruhe ihr Herz. Er würde sie nicht aufhalten.

Madoc
22.04.2011, 18:17

Auf Atalyas Aussage hin antwortete Madoc bereits nicht mehr, denn er hatte eingesehen, dass sie sich in ihrer Meinung festgefahren hatte und keiner in der Lage sein würde, sie von dem Gegenteil zu überzeugen. Als Stratege erklärte er diese sinnfreie Diskussion für beendet, da ohnehin keine Richtige Lösung durch diese gefunden werden konnte.
Den Ärger der grauen Fähe spürte er mit jeder Faser seines Körpers und doch war er nicht gewillt, zurückzutreten, da er der festen Überzeugung war, er wäre im Recht. Die Abenteuerlust, welche sie verspürte war in dieser entarteten Form schlicht und ergreifend von mangelnder Vernunft geprägt und als Freund und Vertrauter sah der Silberweiße seine Aufgabe darin, sie in ihrem Vorhaben zu behindern. Man stellte sich nur selten seinen Freunden in den Weg, doch wenn es nötig war, so sollte man dem nicht scheuen. Ihre folgenden Worte klangen in seinen Ohren trotzig sowie bestimmt, doch so groß wie ihre Entschlossenheit war auch seine. Sollte Atalya nicht umkehren, so würde er sie als ständige Aufsicht und tadelnder Begleiter verfolgen, dass sie einen Varg zu Gesicht bekommen würde, wäre unwahrscheinlich. Doch Madoc etwas auf ihre Worte erwidern konnte, hatte sie sich bereits in einer abrupten Bewegung von ihm abgewandt und lief in atemberaubender Schnelligkeit in die verbotene Zone. Doch der Hüne ließ nicht nach, er reagierte sofort auf diese plötzliche Flucht und folgte ihr mit kräftigen Sätzen, sodass ihr Vorsprung gering blieb. Schon bald hatte er zu der Grauen aufgeholt und schnappte achtsam, wenn auch energisch nach ihr. Seine Fänge verbissen sich im dicken Fell hinter ihrem Nacken, ohne sich jedoch zu verletzen. Mit einem kräftigen Ruck lehnte er sich schließlich nach hinten, um sie am Weiterlaufen zu hindern. Dass er zu solch aktiven Maßnahmen greifen musste, hätte er nicht erwartet, doch hatte er sich bereits anfangs eingestanden, dass seine Entscheidung die richtige war und dass er sie mit denen ihn gegebenen Mitteln durchsetzen würde. Erstmals drang nun ein leises Grollen aus Madocs Kehle, noch immer ruhig und doch bedrohlich.

"Treibe es nicht zu weit, Atalya"

Sprach er mit erhabener Kontrolle, ohne seinen Griff um ihr Nackenfell zu lockern.

Atalya
23.04.2011, 10:39

(„... im dicken Fell hinter ihrem Nacken, ohne sich jedoch zu verletzen.“ Wie gut, dass er SICH nicht weh tut ;))

So schnell es ihren Läufen möglich war bewegte sich die graue Fähe durch den Schnee. Ein Ohr zurück drehend konnte sie hören, wie auch Madoc los gelaufen war. Atalya biß die Fänge aufeinander, versuchte sich aber weiterhin nur auf ihren Lauf zu konzentrieren. Im Schnee kam sie schwer vorwärts, und so hatte der Weiße sie schnell eingeholt. Sie musste zugeben, dass sie alles Mögliche erwartet hatte. Aber nicht das, was dann geschah. Ohne Vorwarnung wurde sie im Nacken gepackt, und spürte, wie er sein Gewicht nach hinten verlagerte. Ein erschrockener Aufschrei verließ die Kehle der Grauen, und sie blieb, gezwungener Maßen doch stehen. Das Grollen, welches dieses Mal von Madoc kam, und seine tadelnden Worte drangen kaum an ihre Ohren, beruhigten auch nicht ihr aufgewühltes Gemüt. Schnell, ohne noch einen weiteren Moment zu zögern, wandte sich die junge Wölfin um, schnappte nach der Schnauze des hellen Rüden. Er sollte sie loslassen und verschwinden!

Madoc
23.04.2011, 16:41

Mit mäßiger Zufriedenheit lockerte er Hüne den Griff, der Atalya an ihn band, denn sie war stehen geblieben, von seiner plötzlichen Körperkraft erzwungen. Er hatte nicht gehofft, so eindringlich werden zu müssen, doch wie die Natur es vorschrieb, so würde der Stärkere triumphieren. Sollte sie ein Kräftemessen mit ihm vorgesehen zu haben, so war sich Madoc recht gewiss, dass er in der Lage wäre, sich durchzusetzen. Doch war es letztendlich nicht sein Ziel, der grauen Fähe Schaden zuzufügen, ging er doch lediglich durch all diesen Aufwand, um sie gerade vor solchem zu bewahren. So verteidigte er sich, als Atalya nach seiner Schnauze schnappte, lediglich mit einem ruckartigen, heftigen Schleudern seines Hauptes, um sich ihrem Griff zu entwenden. Jedoch konterte er diesen Akt nicht, sondern ließ seine junge Freundin nach belieben toben, bis sie sich vielleicht irgendwann beruhigte.

"Wieso bist du so erpicht darauf, einen Varg zu Gesicht zu bekommen? Möchtest du irgendetwas beweisen?"

Forderte Madoc mit seiner Frage, während seine blutroten Seelenspiegel mit eisiger Ruhe auf dem Antlitz der grauen Fähe lagen. Obwohl er wusste, dass Atalya ein rebellisches Herz hatte, so hätte er nicht erwartete, dass sie so verbissen ihrem Gedanken folgen würden, wenn er mit vernünftiger Neutralität sie zu beschwichtigen suchte. Ein leises Seufzen drang aus seiner Kehle, seine Körperhaltung nun herrisch.

"Was nützt es dir, dich gegen mich aufzulehnen, ich möchte schließlich nur dein Wohl, welches du zu diesem Zeitpunkt aus den Augen verloren hast."

Sprach er erhaben, seine Stimme ein ruhiges, wenn auch bedrohliches Flüstern. Er verstand Atalya nicht.

Atalya
27.04.2011, 15:44

Sie hatte nicht die Absicht gehegt, ihn zu verletzen. Eigentlich hatte sie auch nicht wirklich erwartet, ihn zu erwischen. Sie wollte nur, dass er sie losließ und verschwand. Und so kam es, wie erwartet. Er schnellte herum, ließ sie los und wich ihren Fängen aus, die mit einem leisen Krachen aufeinander prallten. Ein leises Schnaufen verließ ihre Kehle, und mit einem Satz brachte sie Distanz zwischen sich und den Weißen.

“Was zählt das? Der Großteil des Rudels lässt sich von seiner Angst blockieren. Sie liegen nur herum, fürchten sich vor dem, was vielleicht im Wald ist. Ohne es zu kennen, ohne wirklich zu wissen, OB da etwas ist.“

Ihr Blick ruhte fest auf den roten Augen des Rüden, sie störte sich nicht weiter an seiner Körperhaltung, die deutlich für sich sprach. Ihre Ohren schnippten leicht durch die kalte Luft, und kurz richtete sie den Blick herum zum Wald. Einen Moment verharrte sie so, richtete sich dann wieder an den hellen Rüden.

“Ich bin mir sehr sicher, dass mir NICHTS passieren würde, wenn ich den Wald betrete. Und du kannst es auch nicht wissen.“

Avendal
28.04.2011, 16:15

Sie war kein Freund von Schnee, deshalb hob Avendal stets ihre Pfoten so weit an wie nur möglich, wäre aber über ein paar Flügel wie es die Vögel hatten sehr dankbar gewesen. So aber musste sie ihre kleinen Pfoten in die feuchte, kalte Schneemasse stecken und jedesmal einen Schauer durchleben wenn die Kälte ihre Pfoten umfasste. Nachdem sie ihren Vater aufgesucht und sich mit diesem unterhalten hatte, begab sich die Fähe allein auf die Suche nach ihrer Schwester, wollte von ihr wissen wie sie über diese Sache mit dem Varg nachdachte, doch Avendal konnte sie nirgendwo finden, zumindest nicht in deutlicher Nähe des Rudelplatzes. Ihr Blick schweifte nach draußen und so entschied die Helle etwas weiter abseits nach Atalya zu suchen.

Und diese Fand sie zu Avendal’s glück auch, doch das Schauspiel was sich ihr bot, ließ ein tiefes Gefühl in ihr aufbrodeln was selten zu ihrem Charakter passen wollte. Madoc hielt ihre Schwester eisern im Griff an ihrem Nackenfell gepackt und schien sie von irgendetwas abhalten zu wollen, ihre Schwester Atalya dagegen wehrte sich tapfer, dennoch empfand sie für einen kurzen Atemzug lang Groll gegen Madoc. Wie konnte er es wagen so mit ihrer Schwester umzugehen? Nein! Das würde sie nicht zulassen, er hätte sie ernsthaft verletzen können obwohl der Helle mit den glutroten Augen sie bereits los ließ. Dennoch war diese eine Tat die, die Fähe nicht akzeptierte.

Mit schnellen Schritten steuerte sie auf die zwei Wölfe zu, die Kälte und den Schnee gedanklich bereits weit zurück gelassen. Den Wortwechsel konnte sie mit der zunehmenden Verkürzung der Distanz sehr wohl mitbekommen. Also war Atalya auf der Suche nach einem Varg und Madoc wollte sie daran hindern? Der Fähe war es bereits egal, warum Madoc sein Verhalten begründete, er hatte es getan, er hatte den Fang an ihre Schwester gelegt und das machte sie wütend. Mit einem Hechtsprung war sie an der Seite ihrer Schwester und zeigte dem hellen Rüden ihr Gebiss.

Atalya kann gut auf sich selbst aufpassen! Sie ist kein Welpe mehr und das solltest du wissen, Madoc!

Madoc
28.04.2011, 21:26

Unverwandt sah Madoc die graue Fähe aus seinen blutroten Seelenspiegeln an und lauschte den entschlossenen Worten, die aus ihrem Munde kamen. Er konnte ihren Übermut gut verstehen, doch blieb er dabei, dass ein Schritt in solch unbekanntes Territorium unvernünftig wäre. Vielleicht war er nun auch ein Stück weit egoistisch, da er, wenn sein Herz danach gelüstet hätte, ebenfalls so verfahren wäre. Doch da in ihm ständig das Bedenken um Atalyas Sicherheit wandelte, da er stets das Gefühl hatte, sie wäre nicht so wehrhaft wie er selber, so versuchte er nun mit den ihm gegebenen Möglichkeiten dieses Abenteuer zu beenden. Dass er somit nicht auf ihre Zufriedenheit stoßen würde war ihm von weniger Bedeutung, denn das Wohlbefinden war vorrangig und sein guter Wille hinsichtlich dessen war nobel.
Nachdem die graue Fähe ihren Wortschwall beendet hatte, verharrte der silberweiße Rüde noch einen Moment lang regungslos, während seine Körperhaltung noch immer dominant und herrisch wirkte. Nach einigen Augenblicken jedoch, öffnete er den Fang, seine Stimme wurde ein wenig ruhiger und verständlicher.

"Ich kann dich gut verstehen, Atalya, doch mit einer solchen Tat bringst du dich nicht nur in Gefahr, du brichst auch die Regeln, die allen Rudelmitgliedern erteilt wurden. Wieso sind andere in der Lage auf dem Rudelplatz zu verweilen, während du dem Drang nicht widerstehen kannst, einen Varg zu sehen? Nun sage mir nicht, dass all jene, die den Regeln folgen, selbiges aus Feigheit und aus Angst vor den Vargen tun? Nein, es liegt daran, dass sie diszipliniert sind, anders als du."

Madocs Worte mochten wie eine Anschuldigung klingen, doch er glaubte lediglich die Wahrheit gesprochen zu haben, ohne jegliche Vorwürfe zu beabsichtigen. Wie seine Freundin es sah war ihm momentan gleichgültig, denn sie handelte aus blinder Impulsivität.
Kaum hatte er geendet, so vernahm er bereits eine weitere Anwesenheit, dessen Witterung ihm nicht unvertraut war: Avendal. Jedoch schenkte er ihr keine weitere Beachtung, bevor sie sich zu ihnen gesellte und die angeregte Konversation zu stören begann. Sie wurde mit einem strafenden Blick aus den rubinroten Seelenspiegeln des Albinos gegrüßt, als Zeichen, dass ihr Aufkreuzen und ihr Verhalten ihm höchst zuwider waren.

"Halte dich daraus, Avendal, dies ist unsere Auseinadersetzung und man mischt sich nicht ungebeten in solche Gespräche ein, ganz gleich ob Atalya deine Schwester ist oder nicht. Sie ist kein Welpe mehr, nicht wahr? Sie braucht deine Unterstützung nicht, denn mit solchen Situationen sollte sie selber umgehen können, das solltest du wissen."

Die Stimme des Hünen war ein drohendes Grollen, während seine Worte bewusst gewählt waren, um die Fähe mit ihren eigenen Worten in die Schranken zu weisen.

Atalya
29.04.2011, 14:40

Die Ohren nun dicht an den Hinterkopf gelegt betrachtete die graue Fähe die Bewegungen des hellen Rüden. Was erwartete er nun eigentlich? Dass sie einfach zurück ging, ihr Vorhaben vergaß und alles wieder gut war? Das passte nun wirklich nicht zu ihr. Und so blieb so einfach stehen, deutete nicht einmal an, sich zu bewegen. Sie war es nicht, die gehen würde. Und so lauschte sie seinen Worten, verzog nur leicht die Lefzen zu einem angedeuteten Knurren. Aber kein Ton verließ ihren Fang, bis sie zu einer Antwort ansetzte.

Die meisten fürchten sich einfach. Dieses Verbot kommt ihnen ganz Recht, und sonst würden sie auch nichts tun! Der Varg, den wir gesehen haben, war tot. Es muss also etwas geben, was stärker ist. Es würde mehr Sinn machen, davor Angst zu haben!“

Noch bevor sie weiter sprechen konnte, wurde ihre Aufmerksamkeit abgelenkt, und sie wandte den Kopf herum, als ein Vertrauter Geruch schnell auf sie zukam. Ihre Ohren stellten sich leicht auf, als sie Avendal erkannte. Ihre Rute schwang kurz durch die kalte Luft, ehe sie wieder inne hielt. Als die weiße Fähe neben ihr zum stehen kam, ruhte ihr heller blick auf ihrer Schwester und leicht neigte sie den Kopf zu ihr, um sie an der Lefze zu berühren. Sie war also der Selben Meinung wie sie. Dieser Gedanke ließ sie kurz lächeln, welches wieder verblasste, als sich ihr Blick wieder zu Madoc wandte, der sogleich Avendals Worte widerlegte. Ihre Ohren neigten sich wieder zurück, der Blick lag vorwurfsvoll auf dem Weißen.

“Eben. Ich bin kein Welpe mehr und kann selbst entscheiden, was gut für mich ist. Und wenn es nicht gut ist, werde ich es eben lernen. Dafür sind mögliche Fehler doch da. Ich habe keine Lust, den Rest meines Lebens NICHTS zu tun und einfach nur darauf zu warten, dass alles wieder ins Gleichgewicht kommt.“

Avendal
29.04.2011, 16:27

Der strafende Blick von Madoc ging an Avendal vorbei, sie ignorierte es lediglich, denn es war ihr so ziemlich egal. Das er jedoch meine sie sollte sich da raus halten, ließ die Fähe knurren. Er hatte ihre Schwester angegriffen also war es ihre Pflicht sich ein zu mischen! Blut war dicker als Wasser und sie würde ihre Familie schützen, wenn sie in Tascurios nähe gewesen wäre, dann hätte sie auch diesen beschützt, wenn es in ihren möglichen Bereich gewesen wäre. Ein knappes Lächeln galt ihrer Schwester als diese mit ihrer Schnauze ihre Lefzen berührte.

Ich lasse es nicht zu das du noch einmal Pfoten an meine Schwester legst. Und wenn du Atalya daran hindern willst einen Varg zu suchen dann tue ich es für sie!“,

knurrte die Fähe bedrohlich. Ein bedeutungsvolles Nicken folgte bei den Worten ihrer Schwester und sie wandte den Blick kurz zu dieser.

Lass uns den Varg gemeinsam suchen!?“,

sie wollte ungern zurück bleiben und ebenfalls nichts tun, aus Feigheit wie die anderen. Sie wollte endlich einmal Abenteuer erleben und ihre innere Stärke finden wie Madoc es einmal genannt hatte. Avendal wollte auf keinen Fall hier bleiben!

Madoc
01.05.2011, 15:56


Gleich zwei rebellischen Fähen gegenüber zu stehen, hatte Madoc nicht erwartet und allmählich riss der sonst so stabile Geduldsfaden, der bereits so lange die Gegensprüche Atalyas mit Ruhe und Andacht toleriert hatten. Ferner empfand er es als undurchdacht und inkorrekt, dass die weiße Fähe urteilte, ohne sich der genauen Ausgangssituation bewusst zu sein. Ihre Anschuldigung und indirekte Drohung erklang lächerlich in seinen Ohren und er war nur geringfügig gewillt, dieser aufbegehrenden Jungfähe Beachtung zu schenken, die ihr nicht vergönnt war. Schließlich agierte sie nun als Eindringling, in einem Konflikt, der nicht der ihrer war. Vor einiger Zeit, da sie so schwach und kummervoll war, durch die Unstimmigkeiten in ihrer Familie, hatte der silberweiße Rüde versucht, ihr zur Seite zu stehen, doch auch damals hatte er sich zurückgehalten, sofern es verlangt war, denn er hätte Unrecht daran getan, sich in Angelegenheiten Fremder einzumischen. Und obgleich dieser Konflikt weitaus nicht mit dem zu vergleichen war, den Avendal und Atalya zuvor miterlebt hatten und noch immer darunter litten, so galt in seinen Augen das gleich Prinzip der Höflichkeit. Deutlich unbeeindruckt von ihren Drohgebärden, jedoch innerlich empört über ihren folgenden Vorschlag besah sich Madoc die helle Fähe, seine blutroten Seelenspiegel leuchteten unergründlich und bedrohlich gleichermaßen. Atalyas Worte, die er ebenfalls vernommen hatte, ließ er jedoch vorerst ungeachtet, da er erst die Schwester zurechtweisen wollte, welche sich so ungestüm und schamlos in die Konversation eingemischt hatte.

"Avendal, sage nichts, wovon du nichts weiß, denn es wird niemals gute Folgen haben. Falls du glaubst ich hätte Atalya aktiv angegriffen, so täuscht du dich. Glaubst du tatsächlich, ich würde ihr schaden wollen? Dein impulsives Handeln macht dich blind, es hat fast keinen Zweck, gegen dich zu argumentieren, denn wie ich bereits einmal gesagt hatte, das ist deine Stärke. Doch wendest du sie bedauerlicher Weise nicht im richtigen Moment an, denn wieso glaubst du, versuche ich mich Atalya in den Weg zu stellen? Glaubst du, ich suche Streit? Wenn das eure Meinung ist, so habt ihr einen schlechten Überblick über den Willen anderer Wölfe um euch herum."

Sprach der Hüne mit neutraler, jedoch grollender Stimme und während der erste Teil der kurzen Rede ausschließlich an Avendal gewandt war, bezog er am Ende auch seine graue Freundin mit ein, welche ebenfalls einsehen sollte, dass er es zu ihrem Gunsten tat und nicht für sein eigenes Wohl. Doch letztendlich war er nicht der Typ von Wolf, welcher sich mit letzter Kraft an anderen festhielt und um jeden Preis sein eigenes Wollen durchsetzen würde, obgleich er solches zuvor kundgetan hatte. So beschloss er, dass es der letzte Versuch sein würde, die beiden aufzuhalten und bei einem nächsten Versagen aufzugeben. Letztendlich war es nicht sein Leben, welches gefährdet werden würde und sollten sie so erpicht darauf sein, der potenziellen Gefahr näher zu kommen, so war es ihre Entscheidung. Ein weiteres Mal stellte er sich also vor die beiden Fähen, mit erhobenem Haupt und aufstehender Rute.

"Ich bin noch immer dagegen, dass ihr loszieht. Und Atalya, du glaubst tatsächlich, dass das gesamte Rudel außer dir Angst vor den Vargen hat? Du glaubst tatsächlich, dass auch ich mich so sehr fürchte, als dass ich mich feige auf dem Rudelplatz halte? Glaubst du deswegen, du müssest beweisen, dass du anders bist und den Mut hast, dich einer solchen Gefahr zu stellen? Ich sage euch, Mut besteht nicht nur darin, sich Gefahren zu stellen, er besteht auch darin, sie zu meiden und gegebenenfalls einen richtigen Moment abzuwarten, um sich dieser gegenüber zu stellen. Mut bedeutet auch nicht, sich allein dem Gefürchteten zu stellen, denn man sollte nur mutig sein, wenn es gefragt ist."

Die Stimme des silberweißen Rüden war noch immer erhaben und ruhig, als er sprach und er entsann sich nicht des letzten Males, wo er so viel gesprochen hatte wie in dieser Nacht.

Atalya
01.05.2011, 19:02

Atalya war fast schon erschrocken darüber, wie ihre Schwester sich verhielt. Nur ein kurzes Lächeln galt ihr selbst, ehe sie sich wieder knurrend Madoc zuwandte. Aus den Augenwinkeln konnte die Graue ihre Schwester betrachten, ihren Worten lauschen. Aber ihr Blick richtete sich wieder auf Madoc, um dessen Reaktion sehen zu können. Sie war sich dessen bewußt, dass es vielleicht leichtsinnig war. Aber sie blieb bei ihrer Meinung, dass niemand genau wissen konnte, wie gefährlich diese Wesen waren. Außerdem wußte sie genau, was sie in diesem Moment wollte. Und niemand sollte ihr im Weg stehen. Sie hörte zu, wie Madoc sprach, nahm jedes Wort genau auf. Und doch vermochte er nicht ihre Meinung zu ändern, sie nicht umzustimmen. Seine letzten Worte, in denen er sie mit einbezog, ließen sie leicht die Lefzen verziehen. Aber sie sagte nichts dazu. Sie war nur noch hier, weil... es Madoc war, der ihr im Weg stand. Den meisten anderen Wölfen hätte sie den Rücken gekehrt, wäre ihren Weg gegangen. Aber ausgerechnet er stand nun in ihrem Weg, ließ sie nicht vorbei und versuchte, sie mit Worten zu beschwichtigen. Aber es half nichts, und sie war sich irgendwie sicher, dass Madoc dies wußte. Und dennoch stand er da, sprach mit seinem Körper deutlich, dass er sie nicht vorbei lassen würde.
Die graue Fähe verengte die Augen leicht, als er erneut anfing zu sprechen. Ihre Stimme wurde von einem leichten Grollen begleitet, als Antwort auf das Knurren des weißen Rüden.

“MUT heißt aber auch, sich Regeln zu widersetzen, nicht wahr?“

Sie trat einen Schritt nach vorn, den Blick fest auf seine Augen gerichtet. Vielleicht hatten nicht alle Angst vor den Vargen, aber zumindest verunsichert waren die meisten. Wenn sie es auch nicht zeigen wollten.

“Wir sind doch schon einen Schritt zu weit. Was würde es also ändern, wenn wir jetzt zurück gehen? Siehst du etwas, was gefährlich ist? Riechst du einen fremden Wolf, den Geruch von Tod oder den Geruch, den der Varg getragen hat? Ich habe den Geruch des Todes kennen gelernt. Und jetzt rieche ich nichts außer Angst und Schnee. Es gibt sicher gefährlichere Dinge als diesen Wald. Und genau das werde ich beweisen. Ansonsten wird sich dieses Rudel sich nie wieder vom Rudelplatz entfernen.“

Sie war seinen Worten ausgewichen, bewußt. Es brachte eh nichts. Weder er, noch sie ließen sich umstimmen. Und nun war es Avendal, die eine Frage an sie richtete, die sie nur leicht nicken ließ. Noch einmal wandte sich ihr Blick auf die roten Augen des weißen Rüden, ruhte vielleicht einen Moment zu lange auf ihm. Damit wandte sie sich ab, trat an dem hellen Rüden vorbei, damit rechnend, dass er sie noch einmal festhielt. Aber nun waren sie zu zweit, und so würde er es schwerer haben. Sie ließ ihren Willen nicht unterkriegen, umso mehr hatte sie nun den Entschluss gefasst, zu sehen, was es in diesem Wald gab.



Avendal
01.05.2011, 20:21

Avendal verzog die Lefzen um Madoc ihr Gebiss zu zeigen, seine Worte rüttelten nichts an dem was sie gesehen hatte. Egal ob er sie aktiv oder passiv angegriffen hatte, er hatte es getan ihr Fell in seinen Fang zu nehmen und das ließ die Fähe knurren. Sie senkte den Kopf etwas, lauschte den Worten geduldig, obwohl ihre Schwester nichts dazu sagte, so erhob jedoch sie das Wort um ihm dazwischen zu sprechen.

Ich hätte auch nicht geglaubt, dass unsere Mutter unseren Bruder töten würde! In dieser Zeit kann man niemand trauen! Und was ich gesehen habe, habe ich gesehen und solltest du es noch einmal wagen Atalya so zu attackieren, dann Gnade dir Engaya!“,

stieß sie gepresst hervor, ihre Augen folgten aufmerksam seinen Bewegungen, während sie hin und wieder einen Blick zu ihrer Schwester zollte. Nach den weiteren Worten Madoc’s überließ sie Atalya zu sprechen und folgt ihr auf dem Fuße, als diese sich einen Schritt nach vorne wagte. Sie wollte Madoc nicht aus ihrem Blick wissen, denn sie misstraute ihm, zum ersten Mal misstraute Avendal jemanden, war nicht mehr so naiv wie vor wenigen Wochen oder Tagen, sie selbst wusste nicht einmal mehr wie viel Zeit vergangen war. Doch ihr Blick glitt unweigerlich zu ihrer grauen Schwester, die bei ihrer Frage nickte und somit ein Lächeln erhielt.

Atalya schritt nun an Madoc vorbei, gefolgt von der Hellen, die jedoch etwas Abstand zu ihrer Schwester suchte um den rotäugigen Rüden genau im Auge zu behalten. Sollte er es wagen ihre Schwester noch einmal irgendwie zu berühren, würde sie die schwache Stelle an ihm finden.

Madoc
02.05.2011, 14:48


Ausgerechnet diese beiden Fähen, welche er doch glaubte zu verstehen und zu kennen, schienen eine Seite in sich zu tragen, die auch durch strenge Worte und rechtmäßigen Tadel schwer zu überkommen war. Vor Allem von Atalya war er enttäuscht, denn wenngleich er um das feurige Temperament wusste, so hätte er sich doch erhofft, sie würde wenigstens seinen Worten ein wenig mehr Respekt entgegenbringen als ein unmutiges Knurren und ungestüme Drohgebärden. Doch auch Avendal, welche stets so zart und gebrechlich gewirkt hatte, zeigte nun ganz andere Facetten, welche, die er zwar vermutet hatte, von denen er aber nie geglaubt hatte, sie aktiv zu erleben. Allerdings, so glaubte Madoc, wagte sie es nur sich so zu verhalten, da sie Verstärkung seitens ihrer Schwester empfing und ebenfalls etwas beweisen wollte, nachdem sie für solch lange Zeit so deutliche Zeichen von Schwäche gezeigt hatte.
Als Atalya ihre Stimme erhob, sah der silberweiße Hüne sie eindringlich aus den blutroten Seelenspiegeln an, während seine Mimik noch immer neutral und beherrscht schien.

"Nun, einerseits hast du Recht, doch die Regeln zu brechen impliziert nicht automatisch Mut. Und wenn dein Stolz dir im Weg steht, wenn deine Sturheit dich zu einer Tat treibt, die du mit aller Kraft vollenden möchtest, so kann man es erst recht nicht als solches bezeichnen. In deinem Falle scheint es recht eindeutig zu sein, ob Mut oder Eitelkeit im Spiel ist."

Sprach der Albinorüde und obgleich seine Worte etwas Attackierendes trugen, so war seine Stimme noch immer mit kühner Neutralität durchsetzt, die so ungerührt und unbeeindruckt schien wie zuvor. Avendals Worte wertete er lediglich mit einem kühlen Blick aus den tiefroten Seelenspiegeln aber, da es für ihn so offensichtlich war, dass sie sich zu rechtfertigen suchte, da der Sinn in ihren Worten bereits entkräftet wurde. Er hegte keinen Groll gegen die weiße Schwester, doch war ihm solch eine Unvernunft zuwider und selbst Sympathie mochte gegen solches nichts bewirken. Doch auch Atalyas Worte schienen wahllos zu sein, Ausreden und defensive Barrikaden, auf welche man leicht Gegenargumente finden konnte. Dennoch, so sah er als Stratege ein, schienen keiner seine schlagkräftigen Aussagen etwas zu bewirken, da sie den Sätzen auswichen, denen sie nichts entgegnen konnten und lediglich das heraussuchten, was Schwachstellen aufwies. Also hielt er sich dieses Mal zurück und stellte sich ihnen ein weiteres Mal in den Weg, als sie versuchten, ihn zu umgehen.

"Noch scheint keine Gefahr in der Nähe zu sein, doch je länger wir hier stehen, desto wahrscheinlicher wird es. Und wenn ihr nun gehen wollt, was plant ihr zu tun, wenn ihr einem Varg begegnet? Etwa ihn zu bekämpfen? Eure Stärke zu beweisen, die nicht reichen wird, um ein solches Biest zu vollstrecken?"

Sollten sie ihm eine gute Erklärung geben, sollten sie noch immer darauf bestehen, diese Stätte der Gefahr aufzusuchen, so würde er weichen, schließlich war es nicht sein Wohlergehen, um das es ging und selbst Atalya, für die er so sehr Sorge trug musste einen Absturz erleben, wenn ihr Denken so unvernünftig war, in diesem Punkt hatte sie tatsächlich Recht, aus Fehlern würde man lernen, vorausgesetzt natürlich, es war kein tödlicher Fehler.

Atalya
02.05.2011, 15:33

Die Worte des weißen Rüden nahm Atalya so hin, wandte nicht einmal den Blick herum, als er geendet hatte. Sie schritt einfach durch den Schnee, den Blick nach vorn gewandt. Er würde sie nicht aufhalten, wo sie dem Ziel so nahe war. Erst die Worte ihrer Schwester ließen sie kurz inne halten, in der Dunkelheit stehen bleiben. Still biß die Graue die Fänge fest aufeinander, versuchte die Wut hinunter zu schlucken. Mit einem Kopfschütteln konnte sie diese Gedanken für einen Moment aus ihrem Kopf verjagen, bewegte sich dann auch wieder vorwärts. Sie wollte nicht daran denken. Sie wollte es einfach nur vergessen. Sie hatte ihrer Mutter doch verziehen. Sie hatten sich ausgesprochen, und jetzt würde alles wieder gut werden. Ganz sicher.
Als sie hinter sich hören konnte, wie Avendal ihr folgte, neigten sich Atalyas Ohren leicht nach hinten, und ihr Blick fiel zur Seite. Die Weiße trat nicht neben sie, blieb leicht hinter ihr. Einen Moment blieb ihr Blick an dem ganzen Schnee hängen, ehe sie sich wieder nach vorn wandte. Und dann war er wieder da, stand schon wieder auf dem Weg, den sie in den Wand führen würde. Scharf sog Atalya Luft zwischen den Zähnen ein, fixierte die roten Augen des hellen Rüden. Sie wollte diesen Rüden nicht mehr sehen. Ihre Augen richteten sich kurz auf ihre Schwester, ehe sie sich wieder zu Madoc wandte.

“Wenn dort irgend etwas ist, was gefährlich ist, dann ist es jetzt sowieso zu spät! Sieh dich um. Wir sind am Waldrand. Wenn uns dort ein Varg begegnen würde, hätte er uns nun schon gehört. Und wenn sie wirklich so gefährlich und bösartig sind, wie alle behaupten, dann wären wir nun sicher nicht mehr allein. Und was ist, wenn man nicht gegen sie kämpfen muss? Madoc, weder du noch irgendwer anders kann wissen, wie gefährlich dieser Wald jetzt ist! Sie haben doch nach Vargen gesucht, und niemand hat auch nur die Spur von einem gefunden! Wieso sollte also ausgerechnet JETZT einer auftauchen? Und selbst wenn... sterben können wir auch so.“

Erneut drang ein leises Grollen aus ihrem Fang, welches allerdings nicht dem Weißen galt. Viel mehr den Gedanken, die nun wieder zu Tascurio drifteten, der durch die Fänge seiner Mutter gestorben war. Zu Banshee, die einfach so von ihnen gegangen war. Und Nihil, der fast durch einen Bären gestorben wäre. Die Gefahr war überall. Sie waren auch hier nicht sicher. Kurz schlug sie die Augenlider nieder, atmete tief durch und blickte den Weißen dann wieder an.

“Ich werde mich nicht von dir aufhalten lassen. Du kannst es probieren, so oft du willst.“

Noch einmal wandte sie den Blick zu Avendal, trat dann erneut an Madoc vorbei, ohne ihn noch ein Mal anzublicken.

Der Wald, den sie nun betrat, war umhüllt von Dunkelheit, ruhte unter dem stillen Schnee. Es war ein gutes Gefühl von Befriedigung. Suchend glitt ihr Blick umher, die Ohren aufmerksam aufgestellt, alle Sinne gespannt. Und ihr Herz überschlug sich fast in wilder Vorfreude.

Avendal
27.05.2011, 21:08

Avendal hat den Blick aufmerksam auf Madoc gerichtet, sie würde nicht zulassen das der Rüde noch mal ihre Schwester attackierte. Sie hatte ständig das Gefühl das sie niemanden trauen konnte, mal abgesehen von ihrer Schwester! Die Fähe hob die Lefzen und lauschte den Wortwechsel der Beiden, da man an sie kein Wort zu verlieren dachte und Avendal auch nicht bereit war längere Diskusionen zu führen. Sie hielt sich auch damit zurück irgendetwas zu sagen sondern beobachtete einfach nur wie ihre Schwester scharf die Luft einzog und sich mit knappen Worten erklärte und dabei klar machte das man sie nicht aufhalten konnte. Als sich ihre Schwester an sie wandte, nickte Avendal.

Ich bin bei dir!“,

versprach sie ihrer Schwester und lächelte, warf Madoc einen warnenden Blick zu und trieb ihre Pfoten vorwärts. Damit sie Atalya nicht verlor. Sie selbst war gespannt darauf was ihm Wald vielleicht auf sie warten könnte und Avendal hatte selbst noch nie gegen eine Regel verstoßen, es war ziemlich aufregend!

Atalya
27.05.2011, 22:19

(Madoc ist ja nicht mehr bei ihnen... und muss eh warten xDD)


Atalya hielt den Kopf erhoben, die Ohren aufmerksam aufgestellt. Sie versuchte, jede Bewegung wahr zu nehmen, jeden Geruch. Ihre Läufe liefen fast von selbst, getrieben von ihrem wild schlagenden Herzen. Dieses Mal schien Madoc ihnen nicht zu folgen. Und Atalya hatte noch immer ihre Probleme damit, nicht los zu rennen, nicht blind davon zu laufen. Lieber bewegte sie sich langsam und achtsam, um nichts zu übersehen. Auf Avendals Worte hin schnippte die Graue leicht mit den Ohren, wandte den Kopf nur kurz zu ihrer Schwester, mit einem kurzen Grinsen auf den Lefzen. Untermalt von Vorfreude und Begierde. Dann wandte sie sich wieder nach vorn, leicht in diese Richtung nickend. Sie hatte ihre Läufe kaum noch unter Kontrolle, konnte nicht verhindern, dass sie mit einem Mal schneller wurde. Nicht viel, und doch würde Avendal den Unterschied deutlich spüren. Sie wollte nicht mehr warten.

“Hast du Angst?“

Die Graue flüsterte ganz leise, wandte den Kopf auch nicht wieder herum und richtete diese Frage doch an ihre weiße Schwester. Ihre Stimme ließ auf keinen Zweifel schließen. Sie hatte das Richtige getan.

Avendal
04.06.2011, 23:05

Avendal folgte ihrer Schwester, ließ diese und den Weg vor ihnen nicht aus den Augen. Das Madoc ihnen nicht folgte erfüllte sie zum einen Teil mit Erleichterung und zum anderen Teil mit Schuld. Vielleicht hätte sie nicht so mit ihm reden dürfen, schließlich war er für sie da gewesen als sie jemanden brauchte, doch diesmal durfte sie sich nicht beirren lassen. Avendal musste zu ihrer Schwester halten, egal was kommen würde.
Bei der Frage die, die Graue an sie stellte zuckten Avendal’s Ohren und sie ließ sich diese Frage einmal durch den Kopf gehen. Hatte sie Angst? Wovor eigentlich? Was würde sie in dem Wald schon erwarten? Gab es eigentlich etwas viel schlimmeres als diese Vargs?

Nein.“,

stellte Avendal zu ihrer eigenen Verwunderung fest und warf einen Blick zu Atalya. Und wie sah es mit ihr aus? Hatte ihre Schwester Angst vor etwas, sie sah zwar nicht danach aus, aber sie wusste auch das sie hier das richtige taten.

Hast du Angst?“,

wollte sie diesmal von ihr wissen und brachte ihren Körper so nahe an Atalya das sich ihre Schultern streiften.

Averic
06.06.2011, 16:27

Er war wieder beim Trauerweidenhain gewesen, auch wenn Averic nicht hätte sagen können, was ihn immer wieder dorthin trieb. Denn seinen Eltern fühlte er sich genau so fern, wie seiner ehemaligen Gefährtin. Das Gespräch mit ihr ging dem Pechschwarzen nicht aus dem Kopf, lag schwer in seiner Brust, als hätte man sie mit Steinen gefüllt. Und doch war da auch immer noch diese schreckliche Leere. Die Last in ihm ließ ihn von innen heraus versteinern. Er fühlte sich so fern von allem, wie damals.
Averic war bereits wieder auf dem Weg zurück zum Rudelplatz, lief dabei aber durch den Wald. Das er dabei ein Verbot missachtete, interessierte ihn nicht. Er war der Sohn des Todes, ein Wächter und es war seine Aufgabe das Rudel zu schützen. Er lief den Wald genau deshalb aufmerksam ab. Doch wie schon die letzten Tage konnte der Fenrissohn keinerlei dunkle Anwesenheit verspüren. Der Wald war gähnend leer, fast ausgestorben. Denn auch die vielen anderen Tiere waren ja geflohen. Selbst wenn ein Varg unterwegs gewesen wäre, hätte Averic nichts passieren können. So dumm war Fenris nicht. In diesem Fall hatte der Fenrissohn seinen Gott im Griff. Er konnte ihnen keinen Varg auf den Hals hetzen, ohne dass der Pechschwarze es bemerken und das Rudel warnen würde.
Als aus der Ferne jedoch Stimmen an seine Ohren drangen, blieb der große Rüde stehen. Sein Blick verfinsterte sich, als er die Stimmen seiner Töchter Atalya und Avendal erkannte. Aufgebracht, wütend und darauf harrend in den Wald zu gehen, um eigenständig nach einem Varg zu suchen. Das war das, was er dem Wortgefecht entnehmen konnte. Ein leises Knurren verließ Averics Kehle. Er hätte nicht gedacht, dass seine Töchter so töricht waren. Er sah sie zwar nicht, doch sein gutes Gehör verriet ihm, dass beide nun im Wald waren. Gerade wollte der Pechschwarze loslaufen, um seinen Töchtern den Weg abzuschneiden und sie zurück zu scheuchen, als er einen kalten Hauch verspürte und unweit von ihm ein blutfarbenes Glühen zwischen den Bäumen auftauchte.

.oO( Du zeigst dich auch mal wieder? )

Das Fell des Pechschwarzen sträubte sich unwillkürlich und ein Schwall von Zorn wollte in ihm aufsteigen, wurde jedoch von den Steinen wieder erdrückt. Es half ihm nicht, auf den eigenen Gott zornig zu sein.
Averic schlich lautlos durch das Dickicht, mit den Augen aufmerksam dem Glühen folgend. Der leichte Wind schlug ihm die Witterung seiner Töchter direkt entgegen, sie hingegen würden ihn nicht wahrnehmen können. Der Fenrissohn sah genau, dass die schwarze Gestalt direkt an ihnen vorbei im Wald verschwand. Die Jungwölfinnen selbst, würden nur einen eiskalten Hauch wahrnehmen können. Derweil beschloss Averic, dass die beste Möglichkeit, um seine Töchter vom Wald fern zu halten, wohl eine Schocktherapie war.

Atalya
06.06.2011, 21:03

Die Graue ließ den Blick nach vorn gewandt, nur ihre Ohren wandten sich zur Seite, um Avendals Antwort zu lauschen. Sie hatte also keine Angst, immerhin. Diese Antwort ließ die dunkle Fähe leicht schmunzeln, dennoch wandte sie den Blick nicht zu ihr herum. Viel zu wichtig konnten Bewegungen sein, die vor ihnen lagen. Alles konnte jetzt wichtig sein. Jeder Geruch, jede Bewegung, jedes Geräusch. Sie ging nicht weiter auf die Antwort ihrer Schwester ein, reagierte erst, als sie selbst gefragt wurde, ob sie Angst hatte. Nun wandte sie doch den Kopf einen kleinen Moment herum, blinzelte dann einen Moment, als ihre Schwester näher zu ihr kam und ihre Schultern sich berührten. Sie lächelte, schnappte kurz nach ihrem Ohr und zog daran. Aber schon im nächsten Moment hatte sie es wieder los gelassen, hatte einen Satz nach vorn gemacht, den Blick auf ihre Schwester gerichtet. Und schon im nächsten Moment hielt sie inne, hob den Kopf und stellte die Ohren auf. Ihr Blick richtete sich wieder nach vorn. Ein kalter Hauch hatte sie gestriffen, ließ sie einen Moment die Luft anhalten. Ihre Ohren zuckten leicht, und wieder blickte sie ihre Schwester für eine Antwort nicht an.

“Wofür sollte ich Angst haben?“

Ein kurzer Blick zu Avendal, ehe sie sich wieder in Bewegung setzte, den Blick nun aufmerksamer schweifen lassend.

Avendal
22.06.2011, 16:21

Avendal war zwar die Schüchternheit in Person, dennoch fand sie das sie keine Angst haben musste. Und selbst wenn sie Angst haben sollte, dann wohl vor alles und vor jedem, selbst vor Atalya aber das war unsinnig! Ihre Schwester würde ihr kein Leid zufügen und sie würde es ebenfalls nicht wagen. Aufmerksam wartete sie auf die Antwort der Grauen und neigte leicht den Kopf in ihre Richtung, hielt den Blick jedoch auf den Weg gewandt. Nur als Atalya ihren Kopf herum wandte, blickte Avendal ihre Schwester fragend an und zuckte leicht zurück als ihre Schwester nach ihrem Ohr schnappte und dieses auch erwischte. Es war nur ein leichter Zug und doch schnaufte Avendal leise bei dieser Aktion. Überrascht blieb die helle Fähe stehen und starrte die Graue an, die einen Satz nach vorne gemacht hatte und den Kopf hob und die Ohren aufstellte. Avendal tat es ihr gleich und blickte sich um, eine leichte Gänsehaut lief ihr über den Körper und ließ ihr Fell ein wenig aufrichten, doch sie versuchte ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Schwester zu richten.

Ich weiß nicht, denkst du es verfolgt uns jemand?“,

flüsterte sie der Grauen zu und setzte sich ebenfalls in Bewegung.

Atalya
22.06.2011, 20:52

Avendal schien es nicht gefallen zu haben, dass ihre Schwester ihr am Ohr gezogen hatte. Sie schnaufte, und sah auch so nicht wirklich begeistert aus. Aber in diesem Moment hatte Atalya einfach zu gute Laune, um hier mit einem mies gelaunten Ausdruck durch den Wald zu laufen. Aber dann blieb auch sie stehen, tat es ihr gleich. Und als sie erneut eine Frage an sie richtete, antwortete die Graue zuerst mit einem leichten Zucken ihres Ohres. Ob sie verfolgt wurden? Ein Grinsen zog sich auf die dunklen Lefzen der Fähe, als sie den Kopf herum wandte.

“Vielleicht ist Fenris persönlich hier und kommt Guten Tag sagen. Oder vielleicht verfolgt uns ja schon ein Rudel von Vargs. Pass auf, da hinter dir ist einer!“

Verschwörerisch blickte sie hinter ihre weiße Schwester, als würde sie dort etwas sehen. Auch wenn da nichts war. Hier war... nirgendwo etwas. So wie es die Späher des Rudels festgestellt hatten. Keine Gefahr, kein Varg, kein Bär. So wandte sie den Blick wieder nach vorn, die Rute bei jedem Schritt leicht hin und her schwenkend.

Mal ehrlich. Hier ist doch nichts außer ein paar Bäumen, der Erde, dem Wind. Und was davon soll uns nun gefährlich werden?“

Die Graue senkte nicht einmal ihre Stimme. Sie nahm keine fremden, gefährlichen, Gerüche wahr. Also wieso sich still verhalten?

Avendal
26.06.2011, 01:12

Avendal’s Ohren zuckten aufmerksam als Atalya bei ihrer Frage ebenfalls nur mit einem Ohrzucken antwortete. Ihre Muskeln waren bis zum bersten gespannt und es schmerzte fast schon, okay vielleicht Avendal vorhin doch etwas gelogen und sie hatte Angst, aber es war nicht verwunderlich. Der Wind kam ihnen entgegen und sie hatten hinten keine Augen im Kopf. Ach, quatsch sie hatte keine Angst sie war einfach nur vorsichtig, das war alles! Atalya wirbelte den Kopf herum und Avendal riss die Augen auf und starrte ihre Schwester an. Bei den Worten er schauderte ihr Körper und ihr Nackenfell stellte sich automatisch auf. Der letzte Satz jedoch ließ sie sofort herum springen und stand nun verkehrt zu ihrer Schwester, den Blick gerade aus und somit in die Richtung blickend aus der sie gekommen waren. Doch da war… nichts. Ihre Schwester hatte sie so eben an der Nase herum geführt und das konnte die Weiße nicht auf sich sitzen lassen. Mit einem lodern in den Augen, das eine ein wenig zusammen gezogen so das ihre Wolfsgesicht eine Fratze bildete, drehte sie den Kopf langsam zu ihrer Schwester um nachdem sie den letzten Satz von sich gegeben hatte. Tatsächlich Atalya hatte ihr einen Bären, nein, einen Vargen aufgebunden!

Na… warte…“,

knurrte Avendal zog die Lefzen zu einem fiesen Lächeln zurück, wobei ihre Zähne aufblitzten. Diesen Spaß hatte sie mit der falschen Schwester gemacht. Augenblicklich sprang Avendal herum und auf Atalya zu, zog eine weiter Fratze und grollte tief während sie die Graue auf den Boden warf und sich mit ihr darin herum wälzte, jedoch nur kurz, dann sprang sie zurück und machte extrem große Schritte im Kreis um Atalya herum.

Soo geht man… nicht mit einem Varg um“,

grollte die Helle, blieb vor der Grauen stehen und streckte ihr die Zunge raus, blickte aber im selben Moment auf ihre eigene Nase wohl wissend das sie dabei schielte. Sie zog seltsame Grimassen um ihre eigene Angst ein wenig zu verschrecken und die Stimmung zu lockern. Noch ehe ihre Schwester aufstehen konnte blieb Avendal neben dieser stehen und ließ sich auf sie drauf plumpsen. Wie ein Brett fiel die weiße Jungwölfin auf die Graue drauf und zwickte sie anschließend in die Wange. Auch da verweilte sie nicht lange und sprang wieder auf.

Ich werde dich zur Hölle schicken!

Mit verzerrter Stimme sprach sie diese spielerische Drohung aus, machte nur ein zwei Schritte weg und brachte ihr Hinterteil in eine gegrätschte Lage, verlagerte das Gewicht nach vorne und begann die Erde aufzuwühlen und die auf den Boden liegenden Atalya damit zu bewerfen.

Atalya
26.06.2011, 12:44

Wie, als wolle sie noch einmal klar machen, dass hier nichts wahr, wovor sie sich fürchten mussten, blickte die graue zu beiden Seiten, lief dabei einfach weiter. Wo waren nun die bösen Varge? Vielleicht lebten sie ja auf den Bäumen? Ein Gedanke, den die junge Wölfin mit einem leisen Lachen und einem Kopfschütteln wieder verschwinden ließ. Schwachsinn. Dass ihre Schwester tatsächlich gedacht hatte, da wäre jemand hinter ihr, ließ die Graue nur noch breiter grinsen. Als sie dann aber die Worte der Weißen hörte, wollte sie den Kopf herum wenden, rechnete sie doch mit einer Racheaktion. Und so kam es dann auch. Bevor sie irgendwie reagieren konnte, wurde sie zu Boden geworfen, völlig überrumpelt blieb sie unter Avendal liegen, schnappte nach Luft, hörte das Grollen ihrer Schwester, die im nächsten Moment schon wieder davon sprang und Kreise um sie zog. Sich auf den Bauch drehend schüttelte sich die Graue leicht, befreite sich vom Schnee des Waldbodens. Und dann stand Avendal vor ihr, verzerrte ihr Gesicht zu Grimassen und streckte ihr die Zunge raus. Dabei sah sie wirklich... ein wenig dümmlich aus.

Jetzt müsstest du dich Mal sehen! Du Witzfigur-Varg!“

Sie lachte, und wurde im nächsten Moment schon wieder platt gesessen. Mit einem Keuchen entfleuchte ihr die Luft, ehe sie in die Wange gekniffen wurde. Aber als wäre Avendal ein fliehendes Kaninchen, sprang sie wieder auf, drohte ihr damit, sie zur Hölle zu schicken. Atalya antwortete nur mit einem Schaudern, einem Grinsen und geflüsterten Worten.

Jetzt habe ich aber Angst! Bitte tu mir nichts!“

Und dann bekam sie einfach so Dreck ins Gesicht geschleudert, der sie zusammen zucken ließ. Sie nieste, schüttelte dann den Kopf. Ok, wenn sie es so wollte, konnte sie es so haben! Mit einem schnellen Satz sprang die graue Fähe auf, packte sich die Rute ihrer Schwester und hielt sie fest. Mit dem bauschigen Ding im Maul setzte sie nun zum Sprung an, lief in die geplante Richtung, Avendal mit sich ziehen. Erst einige Meter später ließ sie los, blickte noch einmal zu der Weißen und rannte dann los, tiefer in den Wald. Immer wieder blickte sie zu ihrer Schwester, hob dann den Kopf zum Himmel und lachte laut. Oh ja. Der Wald war wirklich gefährlich...

Averic
30.06.2011, 19:16

Lautlos wie der Tod persönlich folgte Averic den Stimmen Atalyas und Avendals. Ihre Torheit ließ ihn die Lefzen zu einem stummen Knurren hochziehen. Er hätte mehr von seinen Töchtern erwartet. Er hätte jetzt sofort aus dem Dickicht springen und sie zurechtweisen und zurückscheuchen können, aber der Pechschwarze befand, dass das nicht reichen würde. Wenn sie so darauf aus waren, einem Varg zu begegnen und sich von ihm zerfleischen zu lassen, dann würde er ihnen dieses Schauspiel liefern.
Averic blieb einen Moment stehen, als er den Geräuschen entnahm, dass seine Töchter angefangen hatten miteinander zu spielen und sich über Varge lustig zu machen. Wie enttäuschend. Hätten wirklich weitere Varge ihr Unwesen in diesem Wald getrieben, hätte vielleicht nicht mal er die Zwei vor ihrer eigenen Dummheit bewahren können. Der Pechschwarze wartete ab, prüfte den Wind und als ihm seine Ohren verrieten, dass eine seiner Töchter losgerannt war, rannte Averic ebenfalls los. Parallel zu ihr, aber vom Dickicht verborgen und trotz zunehmender Geschwindigkeit auf jeden Tritt achtend. Die Wind war perfekt, wehte ihm genau in den Rücken, was bedeutete, dass sie ihn nicht würden wittern können, solange er nicht direkt hinter ihnen war. Jetzt ließ er ein dunkles, raues Grollen ertönen. Als der Pechschwarze bestimmen konnte an seiner Tochter vorbeigezogen zu sein und einige Meter Vorsprung zu haben, sprang er aus dem Dickicht heraus, um mit einem mühelosen, großen Satz wieder im Gestrüpp auf der anderen Seite des Weges zu verschwinden. Normalerweise waren derartige Spielchen nicht sein Ding, aber alles änderte sich einmal zu gegebenem Zweck. Ein anschwellendes, bedrohliches Knurren verließ seinen Fang, während die dunklen Augen schnell die nähere Umgebung analysierten und er seinen Plan weiterführen konnte. Der vermoderte Baumstamm in seiner Nähe war perfekt dazu. Averic sprang auf jenen hinauf, wanderte auf ihm wieder auf den Weg zu, während sein Grollen nicht verebbte. Vom Weg aus versperrte das Gestrüpp die klare Sicht. Sie würden nur einen riesigen, näherkommenden Schatten wahrnehmen können.

Avendal
30.06.2011, 23:22

Avendal konnte sich ein lachen nicht verkneifen, während sie mit ihrer Schwester spielte als wären sie noch im Welpen alter. Das ihre Schwester sich über sie lustig machte störte die helle Fähe da kaum. Es war ja auch ihre Absicht gewesen sich komplett dumm zu stellen. Die junge Fähe gab ein gespieltes Knurren von sich als ihre Schwester sie als Witzfigur-Varg bezeichnete. Ein diabolisches Lächeln zeichnete sich auf ihren Lefzen ab als die Graue – eher spielerisch als ernst – darum flehte das Avendal ihr nichts tun solle. Doch da hatte sich die Weiße schon umgedreht und zu graben begonnen wobei die Erde nur so auf ihre Schwester flog. Womit sie allerdings nicht gerechnet hatte war das diese aufspringen würde und sie an der Rute packte. Avendal hörte sofort mit ihrem Tun auf und warf einen Blick zurück doch da wurde die Weiße auch schon in eine Richtung gezogen. Auf allen Pfoten wurde sie nach hinten geschlittert, ehe Atalya sie los ließ und davon rannte. Avendal selbst machte eine Drehung und lief ihrer Schwester keuchend hinter her um diese einzuholen.

Warte!“,

keuchte sie und hielt den Blick nach vorne gerichtet. Ihre Ohren zuckten kurz als sie ein Grollen hörte und kam schlitternd zum stehen und warf einen wachsamen Blick zu der Grauen. Was zur Hölle war das? Ein schwarzer Schatten zischte ein paar Meilen vor ihnen aus dem Gestrüpp vorbei und verschwand auf der anderen Seite wieder. Ein schauderndes Zittern durchfuhr ihren Körper.

Atalya!“,

rief Avendal fast schon alarmierend aus und sah den riesigen Schatten der auf sie zu kam, nickte in dessen Richtung und ging selbst in Kampfstellung. Zwar hatte sie die Ohren aus Angst zurück gelegt, doch ihre Lefzen hatte sie zurück gezogen um die dolchartigen Fänge zu entblößen. Das Nackenfell stellte sich auf und ihre tiefblauen Augen waren weit aufgerissen, die Rute erhoben.

Atalya
01.07.2011, 21:04

Das Lachen verstummte, als Avendal sich bewegte und ihr folgte, jedoch blieb das Grinsen auf den Lefzen der Grauen bestehen. Auf den Ausruf ihrer Schwester wandte sie den Kopf zurück, bremste abrupt ab, als ein Grollen an ihre Ohren drang und auch Avendwal plötzlich inne hielt. Sofort stellten sich die Ohren der dunklen Fähe auf, und ihr Blick glitt wieder nach vorn. Ein tiefes Grollen drang zu ihr vor, und als ein Schatten vor ihnen die Seiten wechselte, verengte Atalya die Augen, versuchte in der Dunkelheit des Waldes etwas zu erkennen. Ihre hellen Augen waren aufmerksam in das dunkle Gestrüpp gerichtet, aber sie konnte keine Bewegung wahrnehmen. Kein Geruch drang an ihre Nase, außer dem ihrer Schwester. Diese rief ihren Namen, und nahm im nächsten Moment eine vielsagende Haltung ein. Sie würde kämpfen wollen.
In dem Moment, indem die Graue den Blick zur Seite wandte und sie den Schatten erkannte, der auf sie zukam, trat sie einen Schritt nach hinten, und nun stellte sich auch ihr Nackenfell auf. Zu was auch immer dieser Schatten gehörte, es war nicht unbedingt klein. Aber... der Varg, den sie gesehen hatten, war um einiges kleiner gewesen. Atalyas Herz raste, hin und hergerissen. Sie hätten fliehen können, oder konnten bleiben. Und keiner von ihnen machte den Anschein, als wolle er davon laufen. Atalyas Ohren schnippten durch die kühle Luft, bewegte sich dann langsam vorwärts. Seitlich zu dem Schatten, der grollend auf sie zukam. Das Nackenfell aufgestellt, und nun auch die Fänge entblößt schlich die Graue vorsichtig durch den Schnee, die Dunkelheit nicht aus den Augen lassend. Tief in ihrem Inneren wußte sie, dass sie die falsche Entscheidung getroffen hatte. Aber dieses Bewußtsein stellte sie aus, verzog die Lefzen nur zu einem drohenden Knurren, während kein Ton ihre Kehle verließ.

Averic
08.08.2011, 14:50

Durch das Dickicht konnte Averic schemenhaft erkennen, dass seine Töchter keinerlei Anstalten machten, zu fliehen. Im Gegenteil schienen sie tatsächlich dem Glauben zu erliegen, sie würden sich wehren können. Sein Grollen wurde lauter, gefährlicher und ein wütender Klang mischte sich bei. Es war enttäuschend, wie töricht sein eigen Fleisch und Blut war. Atalya und Avendal schienen den dringenden Wunsch eines sehr schmerzhaften Todes zu verspüren. Hätte er sich als Jungtier einer solch aussichtslosen Gefahr ausgeliefert? Averic wusste nicht, ob er eine befriedigende Antwort auf diese Frage finden können würde, nur eines war sicher: Er hätte sich niemals in Gefahr begeben, um anderen seinen Mut zu beweisen, oder um einfach nur aufsässig zu sein. Das war wirklich enttäuschend. Und es reichte – er hatte genug vom Verhalten seiner Töchter. Als er eine vorwärts laufende Bewegung wahrnahm, stieß er mit einem kraftvollen Sprung durch das Dickicht und warf seine Töchter im Schwung und ohne die geringste Gnade zu Boden. Ohne ihnen Zeit zu einer Gegenreaktion und Realisierung zu lassen, sauste sein Fang auf Atalyas Kehle zu. Er packte ihr Halsfell und stoppte dann in der Bewegung. Der Pechschwarze hielt sie fest, bestimmt, aber – was man von einem wirklichen Varg sicher nicht hätte erwarten können – vorsichtig. Er hob den Kopf wieder und sah seine Töchter an, drückte sie immer noch mit seinem Gewicht zu Boden.

Jetzt – wärt ihr beide tot.“,

zischte er eisig, die maßlose Enttäuschung über seine Töchter dabei nicht aus der Stimme haltend.
Vermutlich hätte ihn jeder andere für diese Art der Zurechtweisung verurteilt, vor allem nach dem, was passiert war. Doch das war Averic in diesem Moment mehr als egal. Er wollte, dass seine Töchter mit aller Deutlichkeit verstanden, dass diese närrische Aktion ihr Leben hätte kosten können.

Avendal
26.08.2011, 18:37

Kampfbereit. Jeder Muskeln in ihrem Körper war zum bersten gespannt und sie hielt ihre tiefblauen Augen auf den unsichtbaren Gegner gerichtet. War das vielleicht ein Varg? Atalya kam genau so schnell wie sie selbst zum stehen, dennoch nahm sie gleich eine Kampfhaltung ein und zeigte somit bewusst das Avendal, falls es dazu kommen sollte, nicht kampflos sterben würde. Während ihre graue Schwester seitlich auf den Schatten zuging, nahm Avendal die andere Richtung und ließ das Unbekannte nicht aus den Augen. Es wäre ein Fehler gewesen auch nur kurz zu blinzeln oder zu ihrer Schwester zu blicken das wusste sie. Atalya konnte kämpfen, bei ihr selbst sah das zwar ein wenig anders aus, aber sie wusste sich zu wehren und das war schon mal ein – wenn auch kleiner – Vorteil.
Ihre Muskeln zuckten unter dem dichten, weißen Pelz bei dieser drohendem, wütenden Klang den die schemenhafte Gestalt von sich gab und Avendal unterdrückte den Impuls zusammen zu zucken. Sie knurrte entschlossen, nicht bereit vor dem Unbekannten davon zu laufen. Nie und nimmer! Sie wollte vor ihrer Schwester doch nicht wie ein Feigling da stehen, geschweige denn sie alleine lassen. So dumm war Avendal nun auch wieder nicht, außerdem wäre es in ihren Augen ein Verrat und sie würde es sich niemals verzeihen wenn ihrer Schwester etwas geschehen würde.

Diesmal zuckte Avendal wirklich zusammen bei dem kräftigen Sprung der schwarzen Gestalt, die auf sie Beide zusprang und sie zu Boden rissen. Sie stand unter Schock, als der Fang auf die Kehle der Grauen zuraste und Ave’s Herz hämmerte unbarmherzig in ihrer Brust aufgescheucht von dem Adrenalin und der Angst die dort inne wohnte. Wild entschlossen und Blind vor dem Verlangen ihre Schwester zu schützen, kämpfte sich Avendal frei und sprang auf die Gestalt zu um ihren Fang in dessen Kopfseite zu graben, sie biss so fest zu wie sie konnte, doch allein bei der Stimme – die so seltsam ähnlich klang wie die von Averic – ließ der Druck ihres Gebisses nach und sie blinzelte überrascht, sprang zurück und sah ihren Vater an, der sichtlich enttäuscht von dem Verhalten seiner Töchter war.

Etwas unruhig druckste sich die Weiße herum, senkte den Kopf reumütig vor dem schwarzen Rüden und winselte.

Tut uns Leid, Vater.“,

murmelte Avendal und warf Atalya einen Blick zu, hoffte jedoch inständig das diese ihr in der Entschuldigung zustimmen würde.

Atalya
27.08.2011, 11:51

Ohne, dass sie den Kopf bewegte, suchten ihre Augen den Wald vor sich nach Bewegungen ab. Irgend etwas, was ihnen zeigen würde, was sich dort vor ihnen befand. Hatten sie vielleicht das „Ziel“ erreicht, einen Varg gefunden? Was sollte es sonst sein? Atalyas Fell blieb aufgestellt, und nur für den Bruchteil einer Sekunde blickte sie zu Avendal, die bei ihr war. Was dachte ihre weiße Schwester wohl in diesem Moment? Und dann bekam die Graue zu spüren, dass es ein Fehler gewesen war, den Blick abzuwenden. Sich nicht mehr auf das zu konzentrieren, was vor ihnen lag. Noch ehe ihr Kopf ganz herum geschnellt war, erkannte sie den schwarzen Schatten, der auf ihre Schwester und sie zugesprungen kam. Ohne den vertrauten Geruch zu erkennen, jaulte Atalya auf, als sie zu Boden gedrückt wurde, und einen rasenden Herzschlag später Fänge an ihrer Kehle spürte. In diesem Moment übernahm die Angst ihren Körper, ließ ihr Herz rasen. Atalya hatte die hellen Augen geschlossen, und doch geschah nichts. Sie hatte damit gerechnet, dass es nun zu Ende war. Statt dessen ließen die Fänge von ihr ab, und eine bekannte, vertraute Stimme drang n ihre Ohren. Avendal war nicht mehr an ihrer Seite, und als Atalya die Augen öffnete, konnte sie sehen, wie sich ihre weiße Schwester im Fell des schwarzen Wolfes verbiss. Es dauerte nur einen Moment, bis auch die Weiße verstanden hatte, dass es sich bei diesem Wolf um keinen Varg handelte, sondern um ihren Vater. Es war nicht schwer, die Enttäuschung aus den Worten ihres Vaters heraus zu hören, und sie ließen Atalya die Ohren eng an den Hinterkopf legen. Es war ein Fehler gewesen. Avendal entschuldigte sich, und Atalya zog sich langsam auf die Läufe, ließ den Kopf gesenkt, und die Ohren angelegt. Kurz sah sie zu ihrer Schwester, ehe sich ihr heller Blick auf das Gesicht ihres Vaters legte.

Es war meine Schuld, ich habe Avendal mit reingezogen. ... Es tut mir Leid.“

Die letzten Worte flüsterte sie nur leise, ehe sie den Kopf noch ein wenig tiefer sinken ließ, den Blick nun von den blauen Augen abwandte und auf den Schnee vor ihren Läufen richtete.