26.04.2011, 19:26
Am liebsten wäre er nicht mehr von ihrer Seite gewichen, Tag wie Nacht. Aber das ging nicht, so sehr ihm das auch missfiel. Er konnte ihr nicht wie ihr eigener Schatten überall hin folgen - Sheena war Beta, und sie musste diesen Rang entsprechend repräsentieren. Die anderen mochten noch anfangen an ihrer Selbstständigkeit und ihrem Durchsetzungsvermögen zu zweifeln, wenn er ihr auf Schritt und Tritt folgte, um sie zu beschützen. Eigentlich konnte es ihm ja egal sein, er würde sich gegen jeden Stellen, der es wagen sollte ihre Position anzuzweifeln, aber er wusste, dass sie das wiederum nicht mögen würde. Also kam er nur hin und wieder zu ihr, um ihre Nähe zu genießen, und ließ sie ansonsten alleine ihren Pflichten nachkommen. Was ihn natrlich nicht davon abhielt, aus der Ferne über sie zu wachen.
Auch jetzt folgten seine grünen Augen ihrer weißen Gestalt, während er unter einem einzelnen, blattlosen Baum lag, den Kopf wie dösend auf die Vorderpfoten gebettet. Nur seine aufmerksam rotierenden Ohren verrieten, dass er nicht schlief. Als schließlich seitlich von ihm Schritte erklangen, hob der Schwarze den Kopf.
Er wusste nicht, ob er ihr ursprüngliches Ziel gewesen war, denn als sich ihre Blicke trafen, hatte sie bereits inne gehalten. Jakash zögerte einen Moment - dies war eine der Begegnungen, die er lieber umgangen wäre, aber er wusste, früher oder später würde er sich seiner Mutter und dem Gespräch, was daraus erwachsen würde, doch stellen. Na denn, lieber jetzt als noch später. Was hatte er schon zu befürchten? Jakash horchte in sich hinein - und fand die Gründe nicht mehr, die ihn dieses Gespräch ursprünglich hatten fürchten lassen. Also setzte er sich auf, eine stumme Einladung an seiner Mutter, näher zu kommen. Er war bereit für sie.
26.04.2011, 22:16
Shanis Welt war klein wie eh und je und auch jetzt, wo sie wie so oft alleine über den Rudelplatz schlenderte, drehten sich ihre Gedanken nur um ihre Kinder. Heute war Jakash an der Reihe. Sie war seine Mutter, sie hatte gespürt, dass etwas vorgefallen war. Nein, nicht etwas – um genau zu sein, zwei komplett unterschiedliche Dinge. Zum einen war es Dunkler um ihren Sohn geworden. Auf eine Art und Weise, die Shani nicht benennen und nicht beschreiben konnte, aber ihr wurde unwillkürlich noch kälter, wenn sie ihren Sohn betrachtete. Die andere Sache, war Sheena. Der Blick ihres Sohnes schien an der Weißen zu kleben und wenn sie sich nahe waren, so lag ein Zauber in ihnen. Shani war nicht dumm, sie kannte diesen Zauber, hatte ihn an sich selbst erlebt, genossen, mit Hiryoga jede Sekunde ausgekostet. Doch so ganz konnte die Weiße noch nicht begreifen, dass ihr Sohn wirklich schon so groß geworden war. Er hatte sich verliebt. Für Shani war die Liebe etwas für Erwachsene und trotz allem hatte sie ihre Kinder noch nicht als erwachsen ansehen können. Sie waren doch noch immer ihre Kleinen. Nein, sie wünschte sich, dass sie es wären. Jakash bewies nun als erstes, wie es sich als Erstgeborener gehörte, dass er erwachsen war. Ihr erwachsener Sohn. Der Gefährte der Beta. Beinahe war die Weiße stolz. Aber nur beinahe, denn die Sorge wegen der seltsamen Dunkelheit fraß sich in ihr Herz.
Die Weiße hielt inne, als sie merkte, dass sie sich unbewusst – Zufall oder Schicksal – ihrem Sohn genähert hatte, der unter einem blattlosen Baum mit offenen Augen döste. Sie hielt inne, zögernd ob sie einfach zu ihm gehen durfte und gleichzeitig traurig, dass sie sich darüber Gedanken machen musste. In diesem Moment richtete sich Jakashs Blick auf sie und für kurze Zeit sahen sich Mutter und Sohn schweigend an. Dann erhob sich der Schwarze und lud sie damit ein, zu ihm zu kommen. Shani war dankbar für diese Geste. Rutewedelnd und mit einem Lächeln auf den Lefzen trat sie zu ihrem Sohn, begrüßte ihn mit einem Nasenreiben und konnte es sich nicht verkneifen, ihm mit der Zunge über den Kopf zu fahren, auch wenn sie sich dazu ziemlich strecken musste. Er war so groß geworden. Liebevoll blieb ihr Blick dann in seinen grünen Augen – ähnelte die Farbe mehr ihren oder mehr den Augen Hiryogas? – liegen, bis sie sich selbst daran erinnerte, was sie bedrückte und dass sie nun endlich die Chance dazu hatte, ihn zu fragen.
“Wie geht es dir, mein Sohn? Du wirkst verändert …“
27.04.2011, 16:05
"Hallo, Mutter",
begrüßte er sie, als sie schließlich nahe genug heran war. Seine Mutter beließ es jedoch nicht bei einer verbalen Begrüßung, sondern trat ganz dich an ihn heran, rieb ihre Schnauze an seine und leckte ihm über das Gesicht. Ihre Berührung löste in etwas das gleiche Empfinden aus wie die Rakshees - da war diese ferne Erinnerung an Geborgenheit und Vertrautheit, wie er sie früher empfunden hatte und wie er sie wohl noch empfinden würde, wäre er noch der alte Jakash. So aber verzog er für einen Moment unwillig die Miene.
"Mutter, bitte - ich bin kein Welpe mehr!"
Aber er wich nicht zurück und auch seine Miene war nicht so verärgert, wie man seinen Worten vielleicht hätte entnehmen können. Jakash betrachtete seine Mutter und dachte an den Tag zurück, als er mit seinen Ängsten zu ihr gekommen war. Ein Tag aus einem anderen Leben, wie ihm schien, als lägen Ewigkeiten zwischen dieser Erinnerung und dem Hier und Jetzt. In gewisser Weise stimmte das wohl auch.
"Ich bin auch verändert, Mutter. Ich habe Sheena als Gefährtin. Und das Chaos in mir ist vorbei - ich gehöre jetzt zu Fenris."
Er hielt ihrem Blick stand, während sich sein Innerstes anspannte. Es war nicht die gleiche Angst zu Verlieren, wie bei Sheena, aber seine Mutter war ihm immernoch wichtig. Aber wie auch seine Schwester spielte seine Mutter eine untergeordnetere Rolle als früher.
29.04.2011, 09:17
Jakash Reaktion auf Shanis mütterliche Zärtlichkeit versetzte der Weißen einen schmerzhaften Stich. Natürlich war er kein Welpe mehr und sie behandelte ihn auch nie so – durfte sie nicht einmal mehr zärtlich zu ihm sein? Als wäre ihre Geste allein den Welpen vorbehalten. Doch sie ließ sich ihre Enttäuschung nicht anmerken, lächelte leicht und nickte entschuldigend.
“Natürlich nicht, du bist schließlich mein ältester Sohn. So erwachsen.“
Es lag kein Bedauern in ihrer Stimme, auch wenn sie es noch so oft empfand. Dass sie ihren Welpen nachtrauerte sollte ganz besonders ihre Welpen nicht erfahren. Und wenn sie eines als Erwachsene gelernt hatte, dann das Verbergen von traurigen Gefühlen. Doch die Empfindungen, die auf sie einströmten, als Jakash ihr ohne Umschweife und ganz so, als würde er über das Wetter plaudern, mitteilte, von nun an ein Fenriswolf zu sein, konnte sie nicht zurückhalten. Unglaube legte sich auf ihr Gesicht, dann Zweifel, dann Sorge. Wie nebenbei hatte er noch Sheena erwähnt, doch diese Tatsache hatte die Weiße bereits gewusst und akzeptiert. Sie erinnerte sich an ein Gespräch, noch vor Banshees Tod, als Jakash zu ihr gekommen war und von seiner Angst vor sich selbst und der Dunkelheit in ihm berichtet hatte. Und jetzt … hatte er sich ihr einfach hingegeben?
“Aber Jakash, hast du mir nicht einst erzählt, dass du deine dunkle Seite fürchtest und Angst hast, deine Schwester zu verletzen? Warum hast du den Kampf aufgegeben?“
Aufgebracht und sichtlich mitgenommen blinzelte Shani zu ihrem Sohn, das Gesicht mittlerweile unglücklich verzogen. Wie hatte es so weit kommen können? Sie hatte ihren Sohn nie nach dem Ausgang des Gesprächs mit Banshee gefragt, doch hatte ganz selbstverständlich angenommen, dass die ehemalige Leitwölfin Jakash helfen konnte und würde.
29.04.2011, 16:23
Er wusste, dass er ihr weh getan hatte. Es war nicht in ihrer Stimme zu hören oder in ihrer Miene zu lesen, aber für einen kurzen Moment blitzte es in ihren Augen auf. Aber im Grunde brauchte er nicht einmal diese Bestätigung - Jakash war erst seit kurzem ein Fenriswolf und er war sich durchaus bewusst gewesen, was seine Worte bewirken würde, kaum dass sie ihm über die Lefzen rutschten. Eine Entschuldigung folgte jedoch nicht, auch wenn ein Teil von ihm sich seines Verhaltens schämte. Aber dieser Teil war längst nicht mehr so groß wie früher und schwand zunehmend. Und überhaupt, er hatte doch recht!
So leicht er ihrem Blick dabei hatte stand halten können - als er sah, wie erst Unglauben und dann beinahe Schrecken ihre Züge verzerrte, musste er sich abwenden und schwenkte den Blick erst zur Seite, dann senkte er ihn. Er hatte mit einer solchen Reaktion gerechnet, sich jedoch schon bei Rakshee und Sheena geirrt gehabt, sodass er die leise Hoffnung gehabt hatte, auch seine Mutter würde gelassener reagieren. Und nun, da diese Hoffnung zerbrochen war, schnitten die Scherben nur tiefere Wunden, die Enttäuschung und Wut bluteten. Jakash biss die Zähne auf einander, klangen die Worte seiner Mutter für ihn doch eher anklagend statt verständnislos.
"Ja, ich weiß. Aber es ging nicht anders",
erwiderte er zunächst knapp, um sich noch ein paar Momente mehr Zeit zu erkaufen. Jakash versuchte sich zu beruhigen, wollte er doch wenigstens versuchen, sich seiner Mutter zu erklären. Sie hatte ein Recht darauf.
"Vor ein paar Tagen wäre Chardím beinahe gestorben. Er war so sehr geschwächt, und dann kippte er plötzlich um. Ich konnte hören, wie sein Herzschlag langsamer und sein Atem immer schwächer wurde..."
Seltsamerweise war es als Fenriswolf nicht leichter, über das Sterben zu sprechen. Oder lediglich noch nicht.
"Ich geriet in Panik. Ich wusste, dass nicht mehr viel Zeit blieb, aber ich wusste auch nichts anderes zu tun, als den Todesgott anzuflehen, meinen Patensohn zu verschonen. Ich wollte ihn nicht verlieren. Und ich war in dem Moment bereit, alles dafür zu geben."
Jetzt erst kehrte sein Blick zu seiner Mutter zurück.
"Fenris erhörte mich, in gewisser Weise. Er schlug mir einen Handel vor: mein Leben in seinem Dienst gegen das Chardíms."
Er wandte den Blick wieder ab, aber seine Augen fanden vorerst keinen neuen Halt.
"Die Alternative wäre gewesen, ihn sterben zu lassen."
01.05.2011, 16:24
Als Jakash den Blick senkte und die Zähne zusammenbiss hatte Shani für einen kurzen Moment das Gefühl wieder ihren kleinen Welpen vor sich zu haben, der etwas Dummes angestellt hatte. Auch seine knappe Erklärung passte in dieses Bild, doch Shani konnte nicht glauben, dass ihr Sohn etwas Derartiges ohne Grund tat. Das durfte er einfach nicht, wie auch immer sie ihn erzogen hatte – so nicht! Deshalb war sie beinahe erleichtert, als Jakash fortfuhr und eine Erklärung vorbrachte, auch wenn sie nach wenigen Herzschlägen erneut erschrak. Chardím wäre gestorben? Und ihr Sohn hatte sich für ihn geopfert? Ohne dass sie es wollte, umströmte das warme Gefühl von Stolz ihr pochendes Herz. Als Jakash kurz aufsah, konnte er sogar ein ganz leichtes, von Traurigkeit und dem vergangenen Schreck geprägtes Lächeln sehen. Das war ihr großer, erwachsener Sohn.
“Dann bin ich froh, dass du dich für diesen Weg entschieden hast. Lieber nur noch einen halben Jakash, als einen toten Chardím. Averic und Tyraleen müssen dir sehr dankbar sein; sie haben sich damals für den richtigen Paten entschieden.“
Doch dann kam Shanis Pragmatismus hervor. Es konnte doch nicht sein, dass Jakash nun für immer ein Fenriswolf sein und auf jede seiner Handlungen achten musste, da sonst sein Patensohn sterben würde. Vielleicht konnte ein Gott eine solche Aufgabe stellen, doch akzeptieren musste man sie nicht. Ihre Stirn legte sich in Furchen.
“Was hat Tyraleen gesagt? Wir können doch sicher etwas dagegen tun. Engaya muss uns helfen können. Schließlich hat nicht Fenris allein die Macht. Es muss irgendeinen Ausweg geben, der Chardíms und dein Leben rettet!“
05.05.2011, 16:31
Jakash musste sich zwingen, den Blick wieder seiner Mutter zu zu wenden, aber er musste einfach wissen, wie sie seine Geschichte aufnahm. Überdies war die Zeit der Unsicherheit vorbei - komme was da wolle, er konnte sich allem stellen! Also drehte er den Kopf wieder zu Shani und sah sie an. Ihr Gesicht war von Traurigkeit gezeichnet, aber sie lächelte, und ihren Augen glaubte er soetwas wie Mutterstolz zu erkennen. Langsam schlich sich ein Lächeln auf seine Lefzen, und Erleichterung machte sich in seiner Brust breit, schließlich war ihm die Meinugn seiner Mutter noch immer wichtig.
Oder war es bis eben gewesen, denn was sie sagte, traf ihn so unvorbereitet, dass es ihn völlig aus der Bahn warf. Jakash war auf den Beinen, ehe er sich dessen bewusst war, das Lächeln aus seinem Gesicht gewischt.
"'Nur noch ein halber Jakash'?! Das bin ich jetzt also für dich? Nur noch ein halber Sohn?! Lass mich raten - Hiryogas Hälfte!",
fuhr er auf, und sein Fell sträubte sich. Seine Stimme war voll Wut und Enttäuschung.
"Wie kann es sein, dass die, deren Ablehnung ich am meisten befürchtet hatte, bedingungslos zu mir hält, während die, von denen ich mir Verständnis erhofft hatte, mich ansehen, als müsste ich elendig an einer Seuche zu Grunde gehen?!"
Die Frage war fast rhetorisch gemeint, denn er glaubte nicht wirklich, dass seine Mutter darauf eine Antwort hatte oder ihm geben würde. Jakash wandte sich zornig um, ging jedoch nicht fort. Sein Blick irrte ruhelos, fand schließlich Sheena in der Ferne und blieb an ihrer weißen Gestalt hängen. Jakash presste die Kiefer aufeinander und versuchte dann, ruhiger fort zu fahren. Es fiel ihm nicht leicht.
"Averic und Tyraleen wissen gar nichts davon, und wenn doch, haben sie noch nichts dazu gesagt. Ich habe ihnen zumindest nichts davon erzählt und ich glaube auch nicht, dass Chardím es getan hat."
Und wenn es nach ihm ging, mussten sie auch nichts davon erfahren. Jakash bezweifelte jedoch, dass sich das ewig würde geheim halten lassen. Rakshee und Sheena wussten immerhin auch davon, und keinen von beiden hatte er gebeten, stillschweigen zu bewahren.
"Engaya und Banshee können aber nicht helfen. Sie sind zu schwach. Sonst hätten sie Chardím auch gleich retten können, das wäre besser gewesen. Jetzt ist es eh zu spät."
Es klang weniger bitter, als es noch vor ein paar Tagen geklungen hätte.
05.05.2011, 16:56
((Hihi, auf eine solche Reaktion hatte ich gehofft *freu*))
Jakashs Reaktion erschreckte Shani. Als er plötzlich aufsprang, zuckte ihr Kopf leicht zurück und seine zornige Stimme zusammen mit den teilweise unzusammenhängenden Worten verschlugen ihr für einen kurzen Moment die Sprache. Ja, ihr Sohn war zu einem Fenriswolf geworden, unübersehbar. Und es passte nicht zu ihm. Wollte er ihr das Gegenteil beweisen und gebar sich deshalb nun so? Ihre Stirn lag noch immer in Falten, ihr Blick war noch immer leicht erschrocken, doch als sie sprach klang ihre Stimme sanft.
“Was sagst du denn da? Warum solltest du nur noch ein halber Sohn sein und was hat das mit Hiryoga zu tun? Seit ich dich kenne und du weißt, das ist dein ganzes Leben lang, warst du zweigeteilt. Die eine Seite gehörte Fenris, die andere Engaya. Nun ist die Seite Engayas fort, kann ich da nicht von einem halben Jakash sprechen?“
Sie lebte nun lange genug mit Fenriswölfen zusammen um zu wissen, dass man auf deren wütende Worte nicht zu genau eingehen sollte. Sie und auch er wussten, dass sie ihren Sohn nicht ansah, als hätte er eine Seuche und doch war es gerade seine heftige Reaktion und Wut, die zeigten, dass Jakash wohl selbst ein wenig so dachte. Das würde sie ihm aber ganz sicher nicht sagen, es war nichts, was ihr Sohn hören wollte oder was ihn glücklich gemacht hätte. Sie konnte ihm nur ihre Hilfe anbieten und hoffen, dass er sie irgendwie und wenn nur versteckt annahm.
“Stimmt, Engaya ist schwach, aber glaubst du nicht, dass sie wieder stärker werden kann? Dabei solltest du ihr ganz sicher nicht helfen, doch wenn sie wieder unsere große Göttin ist, dann wird sie dir helfen können. Ganz unabhängig davon, ob du ein Fenriswolf sein möchtest oder nicht – dir nicht helfen zu lassen, bedeutet Chardím zu gefährden. Denn sein Leben hängt nun von dir ab, machst du einen Fehler, kann er dem Tod schnell viel zu nahe kommen. Befreist du dich dagegen aus den Klauen Fenris‘, ist ein Fehler von dir keine Schande mehr.“
Sie hatte ruhig gesprochen, fast so wie früher, wenn sie Jakash die Jagd erklärt oder ihm von den Göttern erzählt hatte. Jetzt trat wieder ein liebevoller Ausdruck in ihre Augen und sie streckte die Schnauze leicht nach vorne ohne ihren Sohn zu berühren.
“Und wenn du danach dennoch ein Fenriswolf sein möchtest, dann werde ich das akzeptieren.“
29.05.2011, 10:51
(So eine wunderschöne Vorlage konnte ich doch nicht ungenutzt lassen XD)
In seinen Augen stand noch die unterdrückte Wut geschrieben, als er den Kopf wieder zu ihr umwandte und sie ansah. Früher hätte er gezögert, die folgenden Worte an seine Mutter zu richten, jetzt jedoch kamen sie schnell und ohne Zögern. Aber früher wäre ihr Gespräch auch gar nicht erst in dieser Richtung verlaufen, erst recht nicht in dieser Art und Weise.
"Und in deinen Ohren klingt 'halb' etwa nicht minderwertig? Wenn ich zu dir sagen würde 'Du bist nur noch meine halbe Mutter', welchen Grund ich auch immer dafür hätte, würde es dein Herz nicht bluten lassen?"
Sein Blick war fast provozierend. Warum dachten nur immer alle, Fenriswölfe seien gefühlskalt und daher weniger verletzbar? Jakash war nicht immer ein Fenrisanhänger gewesen und daher wusste er: Fenriswölfe fühlten nicht unbedingt weniger - sie fühlte nur anders.
"Wäre ich ein Engayawolf geworden, wäre ich dann auch 'nur ein halber Jakash'?"
Seine Stimme war leiser geworden, und das Zornfunkeln seiner Augen war verschwunden. Jakash wandte den Blick wieder von seiner Mutter ab, und diesmal wussten seine Augen, wohin sie fliehen wollten. Eine Weile schwieg er, während er über die letzten Worte Shanis nachdachte. Er wollte Chardím nicht gefährden, aber darum ging es nicht allein.
"Wenn ich einen solchen Versuch zulassen würde, der Chardíms Leben dem Todesgott als Pfand entreißt, was sollte Fenris davon abhalten, sich für diesen Verrat zu rächen? Selbst wenn ich sein Anhänger bleibe, ist es mindesten noch ein Betrug an ihm, und dann muss zwar vielleicht mein Patensohn nicht dafür büßen, aber jemand anders, den ich liebe."
Sein Blick lag nach wie vor auf Sheenas weiße Gestalt in der Ferne, aber seine Gedanken galten nicht nur ihr. Da waren noch seine ungeborenen Welpen, von denen seine Mutter noch nichts wusste, und die er nicht mehr verhindern konnte, selbst wenn er es gewollt hätte.
31.05.2011, 12:07
Jeder musste selbst entscheiden, was er von Fenriswölfen hielt – manch einer mochte ihre spontane, direkte und impulsive Art, andere konnten damit nicht umgehen. Shani war schon immer eine Fähe gewesen, die selbst der oft unfreundlichen Art von Fenrisanhängern etwas hatte abgewinnen können. Doch in Jakashs Fall nun, musste sie den Kopf schütteln. Verstand er wirklich nicht oder wollte er nur nicht verstehen?
“Ach Jakash, du bist zwar nun ein Fenriswolf, aber dich von deiner Wut mitreißen zu lassen ohne nachzudenken steht dir trotzdem nicht sehr gut.“, sie beeilte sich eine Erklärung nachzuschieben bevor ihr Sohn wieder wütender werden konnte. “Ich habe nie von einem halben Sohn gesprochen und würde das auch nie sagen. Das würde wirklich traurig klingen, das hieße, dass ich nur deine eine Hälfte akzeptiere … doch ein halber Jakash ist keine Herabwertung. Es ist eine Tatsache – kannst du mir da nicht zustimmen? Deine Engayahälfte ist fort. Mit was du sie auffüllst und wie der ganze, neue Jakash aussehen wird, wird sich erst zeigen.“
Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen und hinterließ dabei ein Lächeln. Mit einem vielleicht ein wenig zu mütterlichem Ausdruck im Gesicht begann sie zu nicken.
“Ja, natürlich. Dann wärest du ein halber Engayajakash und die Fenrishälfte wäre fort.“
Sie ließ Jakashs Blick in die Ferne ziehen und folgte ihm nicht. Sie wusste zwar immer weniger, was in seinem Kopf vorging, doch immerhin schien er über ihren Vorschlag nachzudenken. Sie selbst betrachtete ihren Sohn weiterhin, sein dunkles Fell, dass er nur von Hiryogas Vater hatte erben können und die dunkelgrünen Augen, die wie ein Mischung aus Hiryogas und ihrer eigenen Augenfarbe aussah. Wie viel von Acollon wohl in ihrem Sohn steckte?
“Engaya. Engaya würde ihn davon abhalten, anders könnten wir diesen Versuch doch gar nicht wagen. Und dass Fenris nicht einfach willkürlich Wölfe aus dem Leben pflücken kann, weißt du doch auch. Aber ich verstehe zu wenig von den Göttern – du solltest mit Tyraleen darüber reden. Oder mit Sheena und Rakshee aber die könnten sich aufgrund von Befangenheit dafür weniger gut eignen. Versprich mir, dass du mit Tyraleen darüber redest.“
02.06.2011, 10:20
Jakash neigte den Kopf leicht zur Seite. Kein völliges Sich-umdrehen, sodass er seine Mutter direkt hätte anschauen können, eher bedeutete diese Geste, dass er ihr zuhörte und nicht völlig auf stur geschaltet hatte. Aus den Augenwinkeln heraus konnte er sie sehen, und wenn er die Augen zur Seite wandte, konnte er ihr Gesicht betrachten. So wanderten die grünen Iriden zwischen ihr und dem Boden hin und her, während er ihren erklärenden Worten lauschte und darüber nachdachte. Der Zorn war nicht wieder in seine Augen getreten, dafür war seine Miene nun so neutral, dass sie unlesbar schien.
Er hatte nicht verstanden, welchen Unterschied sie sah, wenn sie von ihm als 'Jakash' oder als 'Sohn' sprach. Dabei wusste er eigentlich, dass es einen Unterschied geben musste, immerhin nannte er seine Mutter nunmal meistens 'Mutter', weil ihm das näher und persönlicher schien als sie beim Namen zu nennen. Dass Ähnliches auch für Kinder gelten konnte, war ihm nie in den Sinn gekommen, immerhin sprachen Eltern ihre Jungen doch eher mit Namen an, als mit 'Sohn' oder 'Tochter', oder nicht? Waren diese Begriffe und der Name sich dann nicht näher als bei Eltern? Bis eben hatte dieser Unterschied für Jakash gegolten, aber offenbar war das Ansichtssache. Hm. Nagut.
Langsam nickte er, aber er sagte nichts weiter dazu. Kopf und Blick wandten sich wieder Sheenas ferner Gestalt zu, allein seine Ohren blieben lauschend seiner Mutter zugewandt. Er war noch immer nicht davon überzeugt, dass das Ganze so einfach werden würde, wie sich seine Mutter das vorstellte und wünschte. Aber ihm war auch klar, dass er keine andere Wahl hatte als ihr zumindest das Versprechen zu geben, mit Tyraleen darüber zu reden. Denn wenn nicht, würde sie schon dafür sorgen, dass Tyraleen zu IHM kam, da war er sich sicher.
Wieder neigte er den Kopf halb zu ihr herum und nickte.
"Na schön, versprochen, ich rede mit ihr",
erwiderte er und wandte sich dann doch gänzlich zu ihr um.
"Da ist übrigens noch etwas",
begann er - und lächelte dann plötzlich.
"Du wirst Oma."
15.07.2011, 12:02
Jakash schien noch immer ein wenig abweisend und Shani schmerzte es, dass sie ihm offensichtlich nicht ganz hatte klarmachen können, dass sie ihn niemals für das, was er nun war verurteilen oder ihn gar als Sohn verstoßen würde. Dafür liebte sie ihre Welpen viel zu sehr und hing an ihnen, als müsste sie sie noch immer vor allem Übel dieser Welt beschützen. Das musste doch auch Jakash wissen. Außerdem brauchte er sie offensichtlich wirklich, denn kein anderer, der Jakash nahe stand, hatte ihm bisher geraten, zu Tyraleen zu gehen. Fürchtete keiner von ihnen, dass Chardíms Leben derart unmittelbar von Jakashs Tun abhing? Shani konnte sich gut vorstellen, wie diese Tatsache Tyraleen schockieren würde. Ihr Neffe hatte das Leben ihres Sohnes in der Pfote. Gerade nach dem Tod Tascurios würde die Weiße das sicher nicht so hinnehmen. Ob Jakash dieser Umstand bewusst war? Immerhin versprach er nun, dass er mit Tyraleen reden würde und Shani spürte ein wenig Erleichterung. In einer liebevollen und diesmal hoffentlich nicht zu mütterlichen Geste berührte sie ihn am Fang und versuchte einen Blick in sein Gesicht zu erhaschen.
“Danke, mein Sohn. Das ist nur fair, gegenüber Chardím und gegenüber Tyraleen.“
Als sich Jakash nun plötzlich ganz zu ihr umwandte fragte sich die Weiße zunächst, ob er nun wieder böse werden wollte, doch als ein Lächeln auf seinem Gesicht erschien und eine weitere Nachricht ankündigte, legte Shani neugierig und ohne sich zu sorgen den Kopf schief. Seine Worte trafen sie dann aber doch vollkommen unvorbereitet. Vor Überraschung klappte ihr Maul auf und sie starrte ihren Sohn einige Herzschläge lang verblüfft und sicher ein wenig dämlich an. Dann begann sich das strahlende Lächeln auf ihrem Gesicht auszubreiten und im nächsten Moment sprang sie ihren Sohn vor Freude an, hing über seinem Rücken, zog ihm am Ohr, knuffte ihn in den schwarzen Pelz und umarmte ihn mit ihren Vorderläufen. Quietschend vor Freude führte sie sich ein wenig wie ein Welpe auf, ließ sich dann wieder in den Schnee rutschen und fuhr ihrem Sohn mit der Zunge quer durchs Gesicht. Sie würde Oma werden!
“Was für eine wundervolle Nachricht! Oh Jakash, du machst mich damit so glücklich!“
Welpen, neue Welpen, die nur darauf warteten von ihr bemuttert zu werden. Erneut musste sie nach Jakashs Ohr haschen und liebevoll daran ziehen.
21.07.2011, 11:12
'Fair. Was ist schon fair in diser Welt?'
Jakash konnte die Meinung seiner Mutter diesbezüglich nicht teilen. War es fair, Tyraleen zu informieren, aber Averic nicht? Als Pate war er beiden gegenüber in der Pflicht, nicht nur einem von ihnen. Aber er hatte auch Pflichten Chardím gegenüber - jetzt mehr denn je. Wäre es fair, die Meinung des Schwarzweißen außen vor zu lassen und das Geschehen seinen Eltern zu berichten, egal ob Chardím selbst das wollte oder nicht? Wenn sein Patensohn zustimmte, gab es kein Problem, aber wenn er es lieber als Geheimnis bewahren wollte, konnte Jakash nur einer der Parteien gegenüber 'unfair' handeln. Dann musste er entscheiden, wem er gerecht werden wollte. Und wo lag darin nun die Fairness gegenüber ihm selbst? Aber vielleicht gab es das ja auch gar nicht für ihn, wenn man das ganze als Teil der Konsequenzen seines Handelns betrachtete. Aber dann ließ sich diese Kette ohnehin endlos fortsetzen...
An dieser Stelle brach Jakash seinen Gedankengang ab, konnten sie doch zu keinem Ergebnis führen, das ihn wirklich weiter brachte. Er würde tun, was er für richtig hielt, und dann sehen, wohin dieser Weg ihn führte.
Entsprechend erwiderte er nichts auf die Worte seiner Mutter, aber das war ohnehin nicht unbedingt nötig. Denn seine Mitteilung, dass sie Oma werden würde, versetzte Shani geradezu in Euphorie. Ehe er sich versah, wurde er zum Spielball ihrer ausgelebten Freude, und obwohl ihm allerlei Mahnungen auf der Zunge lagen, dass sie doch wohl kein kleiner Welpe mehr war, rang er sich ein Grinsen ab. Seiner Mimik war jedoch für einen Moment zu entnehmen, dass ihr Verhalten ihm nicht ganz angenehm war. Im Grunde brauchte er sich aber eigentlich nicht zu wundern - er selbst trug seine Gefühle auch schneller nach außen, als ihm manchmal lieb war, und es gab wohl keinen Zweifel daran, von wem er DAS geerbt hatte.
"Nicht nur dich", erwiderte er grinsend, und nun erfüllte es alle seine Züge. "Nicht nur dich."