23.12.2009, 14:53
Das Rudel brach auf und Nyota und Banshee führten ihre neuen Freunde durch das Revier, was sie selbst noch nicht gut kannten. Die Rudelhöhle, der Sternenwindfelsen und Teile der angrenzenden Berge. Schließlich waren sie am See angekommen und hoben die Schnauzen zum gemeinsamen Gesang. Langsam verstreute sich das Rudel wieder.
Banshee sah zufrieden zu Nyota, nie hätte sie gedacht, dass sie so schnell andere Wölfe finden würden. Langsam glitt ihr Blick zu Acollon, dann wandte sie sich lächelnd an Ayala:
"Jetzt könnt ihr eure Sternenwinde betrachten."
Erneut sah sie zu Acollon ...
Die Schwarze nickte nur, als Banshee sie ansprach, längst war Nyota wieder auf dem Weg zu Ryai, doch sie lief nur lächelnd an ihm vorbei, wieder streifte ihn ihre Rute...
Doch bald war sie außer Sicht, im Dunkel des Waldes verschwunden, und sie suchte alle Orte die sie vorhin vergessen hatten auf. Eine seltsame Felsformation hatte ihre Aufmerksamkeit erweckt, und mühsam war der Aufstieg, selbst für die kräftige Schwarze. Sie war beinahe oben, schon waren die Blätterdächer auf ihrer Höhe, und mit einer letzten Anstrengung gelangte sie nach ganz oben, unter ihr erstreckte sich ein See aus Blättern. Auch die Lichtung mit dem See war zu erkennen, und während sie sich, vom Mond beschienen, niederlegte, richteten sich ihre Blicke wieder auf den jungen Ryai. So kurz er hier war, viel ihr doch auf dass er ihre Aufmerksamkeit anzog, weshalb auch immer. Nein, auch Acollon, Yakatavo und die mystische Fremde betrachtete sie häufig, doch bei Acollon und Lagoon waren ihre Blicke eher misstrauischer Natur...
Sie versank in Gedanken, was würde noch passieren, und wie war das Geschehene zu deuten? Fragend sah sie zu Engaya hinauf, doch sie erwartete keine Antwort... Schwarz lag der Himmel über ihr, immer wieder aufglänzend von Sternwinden...
Yakatavo schaute zu Ayala.
"Ne, schon ok. Ich hab jedenfalls keinen Hunger."
meinte er. Er lächelte. Er wollte nur mit ihr alleine sein, egal wo, egal wann, aber er sehnte sich so nach ihr.
Ein Wolf, jung, mit struppigem Fell tauchte in Nyotas Sichtfeld auf. Kamui hatte die Wölfin nicht gesehen und den Blick auf die anderen gerichtet. Sein Erscheinungsbild war das, eines Streuners, eines Einzelgängers, dem die Fellpflege längst egal war. Verklebt war es, schmutzig. Der Rüde wirkte abgemagert und hatte sicher seit längerem nichts mehr gefressen. Groß war er und wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, das er einst ein stattlicher Rüde gewesen war. Der Weg durch die Berge, ganz allein war schwer gewesen. Der Winter hatte an seinen Kräften gezehrt und noch immer hatte er sich nicht wirklich davon erholt. Sicher, er hätte heulen können, er war sich der Regeln, die in einem Rudel zählten bewusst, doch er war müde, erschöpft und hatte nicht damit gerechnet, so bald nach eindringen, das Rudel zu erspähen. Nun verharrte er, an jenem kleinen Hügel und sah beobachtend zu den anderen hinunter.
Acollon war dem Rudel stumm gefolgt. Etwas Misstrauisches regte sich in seiner Brust, aber was es war konnte er nicht sagen. Er fühlte sich beobachtet.
Er trat aus dem Schatten der Bäume sein Blick war starr und angespannt. Der Rüde sprang mit Leichtigkeit zu Banshee und Nyota.
Ein Knurren entfuhr seiner Kehle.
"Wir werden beobachtet!" knurrte er leise. "So etwas kann ich auf den Tod nicht leiden".
Er schmiegte sich an Banshee und hatte keine Zeit sich den Himmel an zu sehen.
Nyotas Blick wollte gerade weiterziehen, als eine Bewegung ihre Aufmerksamkeit verlangte. Ein Hügel, einige Kilometer von ihrem Felsplateau entfernt, war soeben interessant geworden, denn ein Fremder war dort erschienen. Struppig schien das grauweiße Fell, so sehr das sie es selbst in dieser Entfernung mühelos erkannte. Doch seine Aufmerksamkeit schien der Wolf ihr nicht zu widmen, und zu heulen verlangte es sie nicht. Aufmerksam verfolgte sie seine Bewegungen, möglich dass sie sich in dieser Nacht noch kennen lernen würden...aber auch möglich dass nicht...
Ruhig verharrte Acollon. Er wartete auf ein Zeichen des Fremdens, schon von hier kam Acollon etwas Merkwürdiges an dem Wolf vor. Aber er setzte sich geduldig hin.
Stillschweigend war Lagoon gefolgt wie man es von ihr erwartete, hatte die Bilder die sich ihr boten nahezu in sich aufgesogen, und hatte Nyota noch kurz nachgesehen, als sie verschwand. Höllenfeuer könnte man sie nennen, ein schwarzes Biest wie es der Weißen schien, steckte in ihr. Auch spürte sie fremde Blicke auf ihrem Schneepelz, und tänzelnden Schrittes näherte sie sich dem Waldrand, wo sie verharrte und den Kopf erhob. Auf große Entfernung suchte sie des Fremden Augen, mit den eigenen, die begierig nach Wissen auch den Körper des unerkannten Dreigeists streiften. Es war ihr unmöglich auszumachen was an ihm war, dass selbst sie faszinierte, weil sie es sich nicht erklären konnte, doch war es gut oder schlecht? Nicht einmal dies vermochte sie zu sage. Verwirrt senkte sie den Blick, bevor sie zu Banshee sah. Auch Nyota war nicht zurückgekommen, wollten sie ihn denn nicht begrüßen...? Oder war es hier Tradition dass immer die neuesten Fremden willkommen hießen? Unmöglich, sie könnten ihr doch nicht eine solch wichtige Aufgabe zuteilen ohne sie zu kennen?
Banshee sah bei Acollons Worten leicht verwirrt auf, sie war mal wieder in ihren Gedanken versunken gewesen und registrierte erst jetzt den fremden Geruch. Langsam stand sie auf, sah sich noch kurz nach Nyota um aber die war verschwunden ... Also lief sie alleine los, hoffte aber, Acollon würde sie begleiten. Endlich sah sie ein weiß-graues Fell durch die Bäume schimmern und ein großer Wolf stand vor ihr. Er schien einst prächtig und gut ausgesehen zu haben, doch nun zeichnete eine lange Wanderung seinen Körper. Irgendetwas hatte er an sich, was Banshee stutzig machte, jetzt wünschte sie sich doch Nyota herbei, aber sie versuchte freundlich zu lächeln.
"Willkommen, Fremder, ich bin Banshee. Wer bist du und was führt dich zu uns?"
Sofort sprang Acollon Banshee hinterher und stellte sich schützend gar knurrend neben sie. Wollte dieser Fremde, der eigenartig schien, friedlich bleiben oder angreifen. Doch Acollon schien es so, als ob er nicht viel Kraft hatte. Ihm fiel Stille Wasser sind oft tief. ein, und sein Misstrauen wuchs an.
Still blieb er, doch war er zu Angriff bereit.
Kamui beobachtete misstrauisch jede Regung der Wölfin, die gerade vor ihm aufgetaucht war. Ihr Lächeln und die Freundlichkeit machten ihn etwas stutzig. Prüfend musterte er sie eine ganze Weile, sie war eine Wölfin, sicher stark, aber keine Gefahr, wie er beruhigend feststellte. Das Lächeln erwiderte er nicht, doch seine Haltung und sein Blick wurden freundlicher.
"Wir grüßen dich, Wölfin. Kamui ist mein Name. Was uns herführt? Ein weiter weg durch die Berge, getragen von unseren Pfoten."
Er begutachtete ihre Reaktion.
Da keiner es Lagoon verbot, schloss sie sich dem Zug an, und tänzelte Banshee und Acollon hinterher, bis sie schon ganz nah bei dem Grauweißen waren, doch dann verharrte sie halb im Schatten. Welch Wesen vermochte ihre Sinne zu verwirren, nie zuvor war ihr derartiges begegnet, und mit steigendem Interesse musterte sie den Fremdling, zu gerne wollte sie hinter sein Geheimnis kommen. Geschützt von Dunkel schlich sie sich über die Seite näher, versuchte seines Geruches her mehr über ihn zu erfahren, doch viel konnte sie nicht in Erfahrung bringen. Einmal umkreiste sie den Fremden ungesehen, dann trugen ihre Pfoten sie neben Banshee und Acollon, dessen gewöhnliche Begrüßung dies Knurren zu sein schien. Sie zumindest störte sich nicht daran, neben einem knurrenden Rüden zu stehen, und fragenden Blickes sahen die dunklen Augen in die des Fremden...
Banshee stutzte und legte verwirrt den Kopf schräg. Wir? Uns? Täuschten sie ihre Sinne? Waren hinter dem ersten Wolf noch mehrere? Leicht verunsichert beugte sie sich leicht nach rechts und versuchte hinter Kamui etwas zu sehen, doch nur der Wald und tiefe Dunkelheit waren zu erkennen. Sie lehnte sich wieder in ihre ursprüngliche Stellung und versuchte weiterhin normal zu bleiben und Kamui nicht darauf hin zu weisen, dass er alleine war ... vielleicht hatte er eine schwere Kindheit ...
"Willkommen Kamui. Hast du vor bei uns zu weilen?"
Ein leichter Stupser galt Acollon, er solle aufhörne zu knurren, dieser Wolf war offensichtlich friedlich.
Acollon bemerkte kaum den Stoß Banshees, er knurrte weiter und heftiger.
"Was für ein Wesen bist du?"
fragte er forsch. Acollon gefiel dieser Wolf nicht und er duckte sich auf den Boden. Seine Gedanken schienen sich wieder aus zu schalten. Er versuchte sich zusammen zu reißen und doch, etwas sagte ihm, er müsse wieder töten.
Der Rüde wollte aber nicht, er wollte Banshee nicht verlieren.
Kamui nahm zwei weitere Bewegungen war. Seine Ohren zuckten als er das Knurren vernahm. All seine Sinne erwachten und sein Blick verfinsterte sich sogleich. Er knurrte, böse und bedrohlich, war aber deutlich, das es nur jenem Rüden allein galt. Mit Sicherheit nicht den Wölfinnen, denn auch die Zweite, hatte er registriert. Seine Haltung hatte etwas, von einem Beschützer, doch da war niemand hinter ihm. Er sah zu Banshee, nur für einen Augenblick, zu unruhig, machte ihn die Anwesenheit des Fremden.
"Wir werden sehen, ob wir hier bleiben können, es ist ein versuch, einmal wieder mit Artgenossen zusammen zu leben."
Er nahm den Blick nicht von dem anderen Rüden, keine Sekunde mehr, jene Worte waren an die Wölfin gerichtet, die nächsten jedoch an den Rüden.
"Solange du nicht versuchst, uns etwas zu tun, stellen wir keine Gefahr für dich da. Wir habe nicht vor irgendjemandem etwas zuleide zu tun, sei aber gewarnt, greife uns an und ich garantiere für nichts."
Er wählte seine Worte gut, sie waren keinesfalls herausfordernd, eher beruhigend. Sah man ihm in die Augen, konnte man die Wahrheit vielleicht erkennen, die ihn seinen Sätzen lag.
Gemütlich liegend beobachtete Nyota die Situation, und doch packte sie nun die Neugier. Leichtpfotig erhob sie sich wieder, und machte sich, mehr springend als kletternd, an den Abstieg. Wie ein schwarzer Pfeil schoss sie zwischen den Bäumen hindurch, und stoppte, kurz bevor sie in Banshee rein gerannt wäre. Schnell trat sie neben ihre Schwester, und besah sich den Wolf erst einmal aus der Nähe, bevor sie selbst sich vorstellte.
"Sei gegrüßt in unserem Revier, Fremder. Ich bin Nyota, und wie auch Banshee, Alpha hier."
Acollon war wohl noch aggressiver als sonst, wieso? Ihre Sinne verrieten ihr nicht was der Schwarze an Banshees Seite zu spüren vermochte, auch die Blicke Lagoons konnte sie nicht deuten, außer seiner Erscheinung schien der Rüde ihr völlig unauffällig...
Kamui sah zu der Wölfin, die direkt auf ihn zu lief. Ebenfalls Alpha? Das sollte einer verstehen, zwei Wölfinnen und kein Alpharüde? Sein Blick lag auf Acollon, doch er schien nicht ein Wolf dieses Ranges zu sein. Misstrauen sprach aus ihm, aus seiner ganzen Haltung. Da waren zwei Stimmen in seinem Inneren, die eine drängte ihn, sie wolle das Reden übernehmen und beschwichtigte ihn, das diese Wölfe ihm schon nichts tun würden, die andere schwieg und wartete. Den Blick misstrauisch auf den schwarzen Rüden gelegt und jeder Zeit bereit einzuschreiten, würde er es wagen, sie anzugreifen. Sayo reden zu lassen, kam für Kamui nicht in Frage, nicht solange jener Rüde in der Nähe war.
"Wir grüßen auch dich, Nyota und freuen uns, über die freundliche Begrüßung."
Banshees Schnauze zuckte, das ewige "wir" machte sie verwirrt. Dieser Wolf war alleine hier her gekommen und konnte nur von sich selbst sprechen! Ohne die Worte an Acollon oder Nyotas Auftauchen zu beachten, fragte sie leise:
"Ist noch jemand bei euch?"
Ayala lächelte Yak zu. Sie war sich nicht sicher, ob sie jetzt einfach so verschwinden konnten, doch sie hatte an Bans Aufforderung gehört, dass sie gehen konnten...
.oO(oder sollte ich eher mal den Neuen begrüßen?)
Dann stupste sie Yak sanft an, bedeutete ihm mitzukommen durch einen viel sagenden Blick, wedelte mit dem Schwanz und preschte los, Richtung Sternenwindfelsen, um Yak endlich zu zeigen, was es bedeutete, Sternenwinde zu sehen...und um endlich alleine und ungestört mit ihm zu sein, sie hatte ihn vermisst während der Jagd.
Auch Nyota war es fraglich, weshalb der Wolf immer von sich in der Mehrzahl redete, taten dass sonst nicht nur eingebildete Menschenherrscher? Sie hatte Gerüchte darüber gehört, konnte aber nichts dazu sagen, und schwieg also. Banshees Frage war wohl berechtigt, doch sie hatte nur diesen einen Rüden ausmachen können... Ihr Blick wanderte noch ein mal, und fing doch keine weiteren Wölfe ein, auch der Wind trug keine Meldungen von weiteren Fremden mit sich...
Kamui schüttelte den Kopf.
"Nein Alphawölfin dieses Rudels, wir sind alleine hier her gekommen."
Er sah, das er allen komisch erschien und er hatte auch nie vor gehabt, zu verheimlichen, das sein Körper von mehr als einem Geist bewohnt wurde.
"Wie ich sagte, mein Name ist Kamui, aber da sind auch noch Sayo und Kaya, meine ewigen und treuen Begleiter. Ich erwarte nicht, das ihr es versteht, denn das hat noch keiner, doch hoffe ich, das ihr es akzeptieren könnt. Wir sind drei, die wir uns diesen einen Körper teilen. Mal werdet ihr mit mir reden, dann mit Sayo, wenn ich der Meinung bin, das die Zeit dafür reif ist."
Im Moment waren Sayo und Kaya verschwunden. Nur Kamui alleine, vermochte sie zu spüren, doch seine Worte, konnten nun von ihnen nicht gehört werden. Genauso, wie die Reaktionen der anderen. Bei Acollons Knurren, hatte er dicht gemacht, zum Schutze Sayos.
Ryai stand auf einmal alleine da. Er schmunzelte und machte sich auf den Weg, zur Versammlung um jenen Fremden, der da gerade angekommen war. Er hielt sich etwas im Hintergrund und lauschte den Worten die Kamui sprach. Sayo, Kaya? Ryai wusste nicht, was er davon halten sollte. Freundlich wedelnd sah er den Rüden an.
"Ich grüße dich, Kamui."
Er legte fragend den Kopf schief.
"Und Sayo und Kaya?"
Yakatavo lies sich von seinen Pfoten hinter Ayala her tragen. Er wusste nicht was er machen sollte. Einerseits fand er es hier sehr schön, alle waren nett und es gab so viele Fähen
Er wollte weiter ziehen, aber Ayala hielt ihn ab, er konnte sie doch nicht zurücklassen.
Acollon zog nun die Lefzen noch höher, doch sein Knurren verstummte. Er richtete sich auf, und die ganze aggressive Art fiel. Seine Rute ließ er schwach hängen. Keine Reaktion bewegte ihn.
"Acollon"
sagte er missmutig, er warf Banshee einen Blick zu. Eigentlich wäre er gerne weggegangen um über diesen Wolf nach zu denken. Doch er hielt seine Anwesenheit sicherer für Banshee, auch wenn dieser Wolf keine Bedrohung darstellen würde. Etwas regte sich in ihm, als er den Wolf ansah. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lefzen, das wahrscheinlich nur der neue Rüde gesehen haben konnte. Acollon verschloss die Augen und richtete seinen Kopf in den Himmel, Fenris hatte ihm befohlen zu töten. Doch diesen Befehl schlug er nieder. Er würde keine Wölfe mehr töten, nie wieder...
Der Blick der Schwarzen richtete sich auf Ryai, als er erschien, und nach dem sie ihn einige Augenblicke betrachtet hatte, sah sie zu Banshee. Nyota war fraglich was der Wolf mit seinen Worten meinte, wie konnten drei Wölfe in einem einzigen Leben? Fragend war ihr Blick wieder und noch, sie würde versuchen damit umzugehen, doch wie konnte das sein??? Sie wand sich wieder an den, ähh, die Wölfe vor ihr.
"Ich muss zugeben dass ihr auch mir ein Rätsel seid, doch ist dass kein Grund euch fort zu jagen. Bleibt solange ihr es wünscht, ich für meinen Teil werde euch nicht hindern..."
Ein weiterer Blick galt Banshee...was würde sie dazu sagen?
Banshees Nase, die vorher nur leicht gezuckt hatte, war jetzt äußerst irritiert nach vorne gestreckt.
"Ihr seid nicht alleine ... aber in einem Körper?"
Ein hilfloser Blick schweifte zu Nyota, was dachte sie davon? Sicher, diesen Wolf würde sie nicht fort jagen, aber verstehen ... Banshee konnte es nicht. gleichzeitig versuchte sie sich vorstellen, dass noch mehrere in ihrem Körper wären, immer noch andere in sich zu haben ... war das nicht eine Qual?
Oh welch Hohn der Weißen, nun wusste Lagoon, was so sonderbares zu spüren an den Fremden war! Verstehen konnte sie die Tatsache wohl, ein Dreigeist wie es sie selten gab, nur die Ursache dafür war ihr fremd. Wie gern hätte sie des Wolfes Geschichte erfragt, doch sie erdreistete sich nicht, solch persönliches vor allen zu erfahren zu fordern. Nur ein Aufleuchten ihrer Augen kündete von Verständnis und Fragen, und unruhig vor Wissbegierde schwang ihre Rute durch die kühle Nachtluft. Wie brachte der Wolf seine Brüder zum schweigen, oder waren es Fremde mit denen er den Körper teilte? Vielleicht würden sich bald wieder alle zerstreuen, wenn sie ihn erst etwas kannte, würde sie ihm alle Fragen zu stellen vermögen, und müsste hoffen auch die Antworten zu erhalten. Die Alphas schienen völlig ahnungslos in solchen Dingen, aufdringliche Blicke schickten sie dem Neuen, und ohne Zögern begannen ihre Fragen...leise seufzend verfolgte sie das Geschehen, wie eine Besucherin nur ...
Ayala rannte weiter voraus, dann wartete sie kurz, bis sie auf gleicher Höhe waren. Ihre Schultern streiften sich leicht, als sie zusammen weiterliefen. Sie fühlte sich einfach wohl und glücklich, wenn sie in seiner Nähe war. Ihr wurde warm und sie senkte leicht den Kopf, ihrer Verlegenheit wegen. Bald schon waren sie in der Nähe des Felsen.
"Yak, gleich ist es soweit. Du wirst zum ersten Mal die Sternenwinde sehen..."
Sie lächelte viel sagend und wurde förmlich zum Felsen hingezogen, wie in Trance stieg sie hinauf, weiter und weiter, dann schloss sie die Augen, sie waren jetzt an der obersten Stelle angelangt. Sie spürte den Wind sanft durch ihr Fell streichen. Langsam, ganz langsam öffnete sie ihre Augen...es war ein unbeschreibliches Gefühl...die schwebenden Lichter, die im See verglühten weckten in ihr noch mehr Gefühle. Sie lehnte sich an Yaks Schulter, kuschelte ihre Schnauze in sein Fell und ließ sich treiben...
Acollon wurde das etwas zu bunt, er hatte noch seinen Stolz, und irgendwie wollte er das alles nicht begreifen. Konnte sein, dass dieser Wolf etwas anders war, als normale Wölfe. Aber was denn schon hier normal? Rein gar nichts!
Acollon verengte die Augen und sah weg. Er stupste wohl Banshee etwas zu hart an, doch er verschwand im Unterholz.
"Geh Sterne gucken."
sagte er kühl. Langsam trabte er zum See, dort hinten waren sie untergegangen und hatten mit der See gekämpft, um das Opfer Fenris zu verhindern. Acollon war niemanden treu und konnte auch niemanden vertrauen, selbst Fenris verachtete er. Doch seit er hier verweilt wurde er immer weicher. Er hatte kaum noch getötet, kaum mehr gefressen, ausgenommen des Rehs heute. Sein Stolz wurde immer mehr gebrochen, wo war bloß seine Würde? Er war in diesem Rudel fast untergegangen. Nun als er dort an der See stand fühlte er sich wieder kalt und leer.
"Besser so."
schnarrte er leise. Seine Gedanken streiften wieder den Fremden. Einen Namen konnte Acollon ihm nicht geben, vielleicht "Tor", dies war der Wolfsgott der Geheimnisse, des Friedens und des feindlichen Krieges.
So sehr Lagoon vom Geheimnis des Neuen fasziniert war, so wollte sie doch auch in Acollons Seele sehen, und nachdem dieser einige Momente verschwunden war, folgte sie still. Kein Geräusch verursachten ihre Pfoten im Lauf, und leise erschien sie hinter dem Schwarzen, so wortlos wie sie von den anderen gegangen war erschien sie bei ihm, und sah ihn nur an. Bis auf einen halben Meter näherte sie sich leise, dann verharrte sie. Er würde sie sicher spüren, sie wartete auf seine Reaktion. Seine gewöhnliche Aggressivität war auch so etwas was ihre Neugier erweckte, ein Geheimnis steckte in Yang, dem man auf den Grund gehen konnte ... ein Geheimnis wie sie selbst eines war...
Acollon schwieg. Sicherlich bemerkte sie die weiße Fähe mit dem Namen Lagoon. Wollte sie ihm Gesellschaft leisten? War er schon so tief in das Rudelleben gesunken? Er seufzte leise und richtete seinen Blick langsam auf Lagoon. Seine Augen verharrten in ihren. Er wollte nicht ihre Gedanken lesen, er wollte ihr Geheimnis nicht kennen. Er wollte gar kein Geheimnis mehr kennen. Sein Schicksal offenbarte das meiste der anderen Wölfe. Er wollte einfach nur... aber was wollte er eigentlich? Solange wollte er sterben, so lange hatte er getötet. Der Blutgeruch musste ihn immer noch umgeben. Doch jetzt, was wollte er jetzt? Banshee an seiner Seite war etwas Warmes und Helles. Sein Lichtblick. Doch woher wusste er, dass er bleiben konnte? Seine Gedanken verebbten. Diese Wölfin konnte mehr als nur die Gedanken anderer Wölfe erkennen und deuten, sie wusste dies wohl auch als Waffe zu setzten. Acollons Aggressivität war nur Schein, Mauer, er wollte den Wölfen normal scheinen. Er wollte Banshee beschützen.
Schweigend stand Acollon da, und sah der weißen Fähe weiterhin in die Augen.
"Ozean"
sagte er leise. Doch er war sich sicher, dass sie es gehört haben musste.
Kamui entspannte sich sichtlich, als Acollon in den Büschen verschwand. Der Rüde schien im Zwiespalt zu sein, zwischen Feindlichkeit und Freundlichkeit. Kamui traute ihm nicht, nein er traute keinem der Anwesenden, doch er akzeptierte sie nun alle. Als der zweite Rüde aufgetaucht war, hatte er seine Augen verengt, doch schien jener jung und unerfahren. Ähnlich wie er? Wohl kaum, doch das gleiche Alter, dürften sie haben. Sein Blick wurde wieder auf Banshee gerichtet.
"Wenn du so willst, kam ich allein. Es sind keine weiteren Wölfe da, die mir folgten. Lediglich ist dieser Körper von mir und zwei weiteren besetzt. Keinem von uns gehört dieser Körper, er gehörte unserem Bruder, doch sein Geist verschwand."
Der große Rüde zögerte etwas, ehe er weiter sprach. Er musste diese Wölfe warnen, Kaya durfte ihnen nichts tun, nicht nach dem sie ihn so ohne weiteres aufnahmen.
"Noch Mal muss ich darauf hinweisen, das euch von mir keine Gefahr droht, solange ihr mir freundlich gesonnen seit. Kaya, mein jüngster Bruder darf nie von diesem Körper besitz ergreifen, doch es liegt nicht in meiner Macht, ihn zu hindern. Sollte es ihm eines Tages gelingen, lauft, lauft ohne zu zögern!"
Vertrauen bekam er auf diese Weise sicher nicht, doch er musste es los werden, Kaya durfte keinen von ihnen töten, sie nicht verletzen, das durfte Kamui nicht zulassen.
Banshee sah erstaunt auf. Eine Gefahr?
"Was meinst du ... ihr, damit? Wer ist Kaya? Könnt ihr ihn nicht ... zurück halten?"
Banshee war mittlerweile ziemlich überfordert mit der Situation, sie hatte nicht nur keine Ahnung, wie sie mit diesem Wolf umgehen sollte, sondern war auch beunruhigt über diesen Kaya ... wer auch immer das sein mochte. Sie wollte Acollon hinter her, musste aber wohl noch bei diesem Rüden bleiben. Wenn sie ehrlich war, war er ihr ziemlich unheimlich, aber er schien friedlich zu sein ...
Als der Blick Acollons den Lagoons traf, begann eine Art Geschichte an ihr vorüber zu ziehen, welche sie nie erlebt hatte. Nicht alles verriet ihr sein Geist so frei, doch die Gedanken jener Momente konnte er nicht vor der weißen Existenz verbergen. Unerklärliche Freude stieg in ihr auf, wie jedes mal wenn sie eine Seele kennen lernte, ob nun frei- oder unfreiwillig. So sanft der Wind durch die Nacht strich, so sanft erklang die Stimme, leiser als erwartet...
"Ja, Fenriskind?"
antwortete sie, nicht minder leise wie er. Vielleicht würden ihre Worte ihn angreifen, doch hätte sie Fenrisdiener gesagt, hätte es ihn wohl noch viel mehr erzürnt. Sie wand den Kopf mit dem Wind, der ihr Fell zerzauste und in ihren Ohren rauschte, doch ihr Blick fand nach kurzer Zeit zu ihm zurück. Erinnerungen aus dem Leben des Yang sah sie nun keine mehr, dafür erschien Ying vor ihren Augen, doch eigentlich waren es Acollons Augen...
Acollon musste unwillkürlich schmunzeln.
"Du siehst meine Geschichte." sagte er knapp. "Grausam, aber so ist es, wenn man die Last des Todes trägt."
Sie schien ihm wie ein Ozean, tief und geheimnisvoll, doch auch Ozeane tragen Stille und Friedlichkeit.
Nun verschloss er seine Gedanken. Sie konnte nicht weiter seine Vergangenheit sehen. Sein Grinsen wurde breiter und auch fälschlicher. Lagoon, so war der Name, dieses Wolfes des Ozeans. Auch Acollon war an den Brandungen des Ozeans geboren wurden. Der Ozean und der Tod waren ziemlich nahe dem Rang des Unheils.
"Und wie tief verborgen sitzt deine Geschichte?"
es schien so, als ob er versuchen könnte sie zu zwingen etwas zu sagen.
Yakatavo wusste nicht so recht was er tun sollte, er blieb neben Ayala und spürte sie immer bei sich. Er kuschelte sich an sie und roch ihren süßen Duft.
Ayala ließ ein befreites Heulen in den Nachthimmel wandern und wartete darauf, dass Yak einsetzte, damit ihr Gesang vollendet wurde. Die Sterne leuchteten hell und die Sternenwinde zogen ihre Kreise, das Mondlicht spiegelte sich im See und erhellte alles auf mystische Art und Weise.
Yakatavo heulte mit Ayala uns schaute sich das Schauspiel an. Er hörte auf zu heulen und schaute Ayala an ...
Nyota fing Banshees Blick aus der Luft, und trat näher zu ihr, noch immer fragend den Rüden beobachtend. Gefahren würden zumindest sie kaum schrecken, sie kannte ihre Stärken und scheute noch keinen Kampf. Sie könnte das mit Kamui auch regeln, aber sie wusste ja nicht wie sehr Banshee sich fortwünschte, derartig viel Feingefühl war in einer solchen Situation zu viel verlangt.
"Also...ihr seid mehrere im Körper eines anderen...?"
Sie mühte sich zu verstehen wie das gehen sollte, sehr komisches Gefühl, dachte sie...
"Und...was für Gründe hätte Kaya, uns anzugreifen?"
Eine, eher unwillkürliche, Provokation lag in dieser Frage...
Kamui senkte den Blick, lauschte in sich hinein. Er wusste nicht, ob Kaya sich zurückdrängen ließ, so wie Sayo, doch es schien jedenfalls so.
"Kaya ist unser Beschützer, viel stärker als wir und es gab Zeitpunkte, da machte er auch mir uns Sayo angst. Es ist, als wäre der einzige Sinn seiner Existenz, uns beide zu schützen, was er tut, verschleiert er von uns, doch was er tut ist brutal und grausam."
Meinte er dann. Ein Zittern durchfuhr ihn, denn er wollte nicht schlecht von seinem Bruder sprechen, er liebte ihn und vermutlich wären sie längst tot, gäbe es ihn nicht.
Wieder ein anderes Lächeln huschte über Lagoons Lefzen, flog darüber hinweg wie ein Schatten, und kam nicht wieder als es verschwunden war.
"Du brauchst dich nicht erklären...ich weiß was du meinst, lange bevor du es aussprichst...deine Gedanken kannst du verbergen, dich selbst nicht..."
Als wären ihre Worte ein Stichwort gewesen, endeten die Bilder, und wieder überflog ein Lächeln ihre Züge. Sie spürte etwas, ein Versuch fremder Kontrolle, doch mühelos schüttelte sie es ab ... nein, zum Antworten brauchte man sie nicht zwingen, höchstens zu bestimmteren Aussagen ...
"Sie führt mich in die Sterne...alles was dahinter liegt, hat mich so tief eingeschlossen, dass es sich mir selbst entzieht..."
Als sie wieder schwieg, setzte sie sich, waren Ying und das Höllenfeuer dem Geheimnis des Dreigeist auf der Spur? Zumindest verbrachten sie recht viel Zeit bei ihm...
Die Gedanken der schwarzen Spiegelten sich in ihrer Mimik wieder. Ein wenig erinnerte diese Beschreibung an Nyota selbst, doch grausam war sie, zumindest bis jetzt, nicht unbedingt, höchstens brutal... Ja doch, manchmal schon. Aber wie konnte er seine Taten verstecken? Nahm er den beiden die Sicht? Wie? Zu viele Fragen, um sie mit einem Mal zu stellen...
"Und solange euch niemand etwas tut, bleibt er verborgen?"
hakte sie nach. Es läge immerhin an ihr, die anderen im Notfall vor diesem Kaya zu beschützen, war sie doch noch immer die Stärkste, und selbst wenn sie es nicht wäre, so hätte sie es immerhin geglaubt...
Banshee war Nyota dankbar, dass sie das Gespräch übernahm und warf kurz mit einem freundlichen Lächeln ein:
"Ich muss mal zu Acollon."
Sie wollte zu Acollon und sie wollte von diesem seltsamen Rüden erstmal weg. Er war ihr ein wenig unheimlich, ja, und er musste ihr Zeit geben über ihn nach zu denken.
Sie lächelte den vieren noch einmal zu und verschwand dann im Wald. Mit schnellen Schritten folgte sie der Spur Acollons und merkte, dass Lagoon ihm gefolgt war. Sofort kam ein seltsames Gefühl dazu ... Eifersucht und Misstrauen. Was wollte Lagoon bei Acollon? Sicher, zwischen Acollon und Banshee war noch nichts ... aber seine Gedanken waren o deutlich wie Worte gewesen! Sie rannte mittlerweile fast und sah bald darauf, wie Acollon und Lagoon sich unterhielten. Sie stoppte und lief langsam weiter, trat aus dem Wald und lächelte Acollon warm an. Lagoon beachtete sie nicht.
Ayala hörte, dass Yakatavo plötzlich stoppte, obwohl es eben noch so eine mystische Verbindung zwischen ihnen gegeben hatte.
"Yakatavo...ich...was ist los mit dir?"
Sie hatte es den ganzen Abend schon gespürt, dass ihn etwas beschäftigte, doch sie wollte wissen, was, wollte dieses Geheimnis mit ihm teilen. Vertraute er ihr nicht? Vielleicht war die Zeit noch nicht reif...sie kannten sich ja kaum. Sie versank wieder in seinem Blick, ließ sich tragen, glitt mit ihm in das Reich der Fantasie...doch sie wusste, dieser Zauber würde nicht lange andauern...bald, sehr bald würde er ihr Antwort geben müssen ...
Acollon betrachtete die Wölfin; Lagoon; noch etwas. War es Feindseeligkeit? Er sah den Todespunkt wo sie sterben würde, auch wie! Aber er schüttelte die Gedanken mühelos ab und lächelte stur weiter, nun waren seine Gedanken verschlossen, genug hatte diese Wölfin erfahren. Niemand sollte sich von seinen Gedanken ernähren.
Wie ein Sternenwind kam Banshee auf sie zu gelaufen. Ein warmes Lachen huschte über ihre Schnauze.
"Banshee"
sagte Acollon leise. Das Gespräch von eben wischte er mit einem eleganten Rutenschlenker weg. Nichts würde ihm vermachten, seine Gedanken und sein Leben.
"Was macht dieser fremde Wolf, mit den drei Seelen?"
fragte er. Ein kühler Wind wehte über die Wölfe hinweg, und ein neuerlicher Sturm könnte aufziehen.
.oO(Fenris, wenn du deine Macht wieder mit meiner vergleichen willst, dann tu dies. Aber erwarte keine Gnade.)
Selbstsicher trat er auf Banshee zu und schleckte ihr über die Lefzen. Provokant und doch liebevoll.
Ying kam näher, sie schien eine Wiedervereinigung mit Yang zu ersehenen... Auch Misstrauen spürte Lagoon, oh, sie würde die beiden nicht auseinander bringen, ganz sicher nicht. Auch wenn es sie nicht freute, so übergangen zu werden, verabschiedete sie sich mit stummen Blicken, und schlich sich in die stille Nacht hinaus.
Nun, so still war es gar nicht, wenn man den Wald belauschte, die Seelen aller Tiere zu gründen versuchte...nein, sogar sehr laut schien es ihr. Ihr Lauf dagegen war geräuschlos, sie verstand es ungehört von hier nach dort zu kommen, nur ungesehen war schwer, bedachte man ihre Fellfarbe ... Sie erreichte das Plateau auf dem Nyota noch vorhin gelegen hatte, ihre Spuren waren noch frisch... Schnell stieg sie hinauf, und lies sich am Rande nieder, den Blick starr zum Mond gerichtet ...
.oO(Bist du da...irgendwo? Siehst du noch auf mich herab? Oder hast du mich vergessen...?)
Nicht Engaya noch Fenris waren diese Gedanken gewidmet, nein, allein Sharem galten sie ...
Banshee lächelte über Acollons Begrüßung und küsste ihn auf die Schnauze. Lagoon war verschwunden ... wahrscheinlich hatte Banshee ihr Unrecht getan, aber sie bemerkte erst jetzt, was sie wirklich für Acollon empfand.
"Er ist seltsam ... er meinte, dass in ihm jemand gefährliches steckt, vor dem wir so schnell wie möglich davon rennen sollen ..."
Sie spürte auch ein wenig Angst. Es war die Angst vor dem Unbekannten und dem Unvorstellbarem. Sie drückte sich an Acollon, er würde sie beschützen.
Kamui nickte. Solange der Körper unverletzt blieb, hatte Kaya keinen Grund hervorzustoßen.
"Solange bleibt er verborgen!"
Kamui sah Nyota musternd an, nun, da sie Versammlung um ihn wieder kleiner wurde, war er froh.
"Sag, gibt es hier einen Ort, an dem wir uns ausruhen könnten?"
Müde und erschöpft von der langen Wanderung, wollte er nur noch Schlafen. Sayo durfte nicht übernehmen, nicht nur Kamuis Geist war müde, auch der Körper.
"Hm..."
Nyotas Gedanken schienen schon abschweifen zu wollen, als Kamui sie wieder ansprach. Schnell hob sie den Kopf und sah ihn wieder an.
"Natürlich. Am See könnt ihr etwas trinken, und dann kann ich euch unsere Höhle zeigen!"
Sagte sie freudig, und wand sich schon zum gehen um.
"Folgt mir!"
Rief sie hinter sich, und sprang von dannen. Nach einigen Schritten lief sie zurück, und hüpfte wieder davon, um still zu stehen oder gar ruhig zu gehen fehlte ihr der Grund, und irgendwie musste sie ihre Kräfte ja auslassen. Doch sie hielt sich stets in der Nähe des Dreiwolfs, um ihm den Weg zu weisen.
Bald waren sie am See angelangt, und wie jede Nacht spiegelten sich die Sternwinde, die über den Himmel schossen, glitzernd im See. Wo war Lagoon? Dem Geheimnis hätte dieser Anblick sicher gefallen.
Kamui legte keine so ausgelassene Art an den Tag, er folgte der Wölfin ruhig. Nur am Rande, nahm er die Sternschnuppen dieser Nacht wahr, denn für solch schöne Dinge, hatte er zu lange keine Augen gehabt. Er trat mit den Vorderpfoten ins Wasser und stillte gierig seinen Durst. Ganz trocken war seine Kehle schon gewesen, ohne das er es wirklich bemerkt hatte. Als er geendet hatte, hob er den Kopf wieder, schleckte sich das Wasser, das noch in seinem Fell hing, weg und blickte Nyota wieder an.
Acollon sah Lagoon kurz nach, die in die Stille der Nacht verschwand. Dann senkte er seinen Blick und ein leichtes Lächeln kräuselte sich über seine Lefzen.
"Er ist friedlich, oder sollte es zumindest sein! Denn ich könnte ihn sterben lassen!"
sagte er kalt. Seltsam wie seine Grausamkeit wieder überhand über ihn gewinnen wollte. Doch solange Banshee in seiner Nähe war, würde er nichts der gleichen tun.
"Ich meine, ich werde natürlich friedlich ihm gegenüber sein, so lange er keine Gefahr für dich darstellt. Ansonsten muss er sich mit Fenris, dem Gott des Todes, und mir, dem Wächter, oder auch das Wolfskind seines anlegen!"
seine Worte waren wieder hart. Er wollte etwas Freundliches sagen, es gelang ihm aber nicht so recht. Wolken zogen sich über den Nachthimmel. Regen würde es sein. Er schielte Banshee von der Seite her an, sie war wunderschön. Und auch jetzt erst merkte er, was seine Worte bedeuteten. Er wollte sie beschützen ... er liebte sie.
Banshee sah Acollon an und meinte in seinen Augen, was er dachte und schmiegte sich mit geschlossenen Augen an ihn.
"Sag so etwas nicht ... nicht jetzt."
Sie wollte jetzt nicht über den Fremden reden, er war ein seltsamer Wolf, aber wohl selten gefährlich. So musste sie sich sicher nicht jetzt mit ihm beschäftigen, sie wollte sich jetzt mit Acollon beschäftigen.
Die Wolken hingen tief und es fing an zu regnen. Bald schon waren alle Wölfe, die nicht in der Höhle Schutz gesucht hatten, bis auf die Haut durchnässt. Es wurde kälter und unmöglich durch die Wolkendecke noch einen Sternenwind zu entdecken.
Nyota stand zum ersten Mal wieder still als Kamui trank, und nach kurzer Zeit begann auch sie damit, sein Spiegelbild sah sehr hell aus auf dem schwarzen Wasser, das ihre war kaum zu erkennen...
Als die Schwarze Kamuis Blick fing, nickte sie, wieder lächelnd, und trabte schon in den Wald zurück. Eine Maus huschte zwischen ihren Pfoten hindurch, und laut Raschelnd sprang sie hin und her, wenn sie nicht jagte, musste sie auch nicht leise sein! Vor den beiden erhob sich die Höhlenöffnung, und dem Rüden voran trat sie ein.
"...da wären wir. Such dir einfach irgendeinen Platz zum schlafen..."
Sie selbst trabte zu einer etwas erhöhten Stelle, die nur für die Alphas war, und darauf lies sie sich nieder. Draußen begann es in Strömen zu regnen, und sie war froh Kamui hier her geführt zu haben...
Acollon stand da, die ersten Tropfen prasselten nieder.
"Ja."
sagte er schlicht und ehrlich. Er fühle sich seltsam geborgen. So etwas kannte er noch nicht. Er schmiegte sich schützend an Banshee und legte seinen Kopf auf ihren.
"Vielleicht sollten wir Unterschlupf suchen?"
fragte er leise. Der Regen prasselte schneller und doller nieder.
Banshee nickte.
"Ja, es wird langsam nass und ich bin müde. Es war ein anstrengender Tag."
Sie sah sich um, sie waren weit von der Höhle entfernt, die Berge waren näher, sich würden sie dort einen Unterschlupf finden. Außerdem ...
Sie lief los zu den Bergen, wartete auf Acollon und suchte nach einer kleinen Höhle, die ihnen Schutz bieten würde.
Yakatavo überlegte...was wollte Ayala hören? Was sollte er ihr sagen? Während sie sich weiter ansahen flüsterte er:
"Du bist in meinem Herzen."
Eigentlich, überlegte er, passte das nicht zu seiner Art. Er ging auf die Fähe zu und schmiss ihr quasi an den Kopf das er sie liebte...aber dieses Mal konnte er das nicht. Sie war etwas Besonderes.
Acollon sah sich noch kurz um. Und folgte dann Banshee. Die Berge waren abseits des Sees. Und gingen steil hinauf. Acollon sprang schnell hinauf und erreichte die weiße Fähe. Mittlerweile war sein Fell richtig durchnässt und hing flach am ihn herunter.
"Fenris wüte nicht zu doll!" sagte er leise und sah sich um. "Dort hinten."
sagte er laut durch den Regen hindurch. Dort im Fels war eine Spalte.
Ayala stutze...sie hätte eigentlich jede Antwort erwartet, aber nicht diese...sie kam so offen und ehrlich - sie glaubte es ihm und ihr Herz machte einen großen Sprung...er empfand dasselbe für sie...und war sie verwirrt...diese Antwort war so anders als sein Verhalten - er hatte sie noch nie so direkt angesprochen.
Ayala gab ihm keine Antwort, stattdessen legte sie ihren Kopf auf seine Schulter, genoss den Augenblick der Ewigkeit und schleckte ihm ganz sanft über seine Schnauze...dann über den ganzen Kopf. Oh ja, er war in ihrem Herzen, doch sie konnte in diesem Augenblick keine Worte gebrauchen - ihre Lippen waren wie versiegelt, es schien, als würde auch nur das leiseste Flüstern alles zerstören.
Doch da es heftig regnete, ihre Fell war triefte vor Nässe, konnten sie hier nicht mehr lange bleiben und mussten irgendwo Schutz suchen. Ayala war erstaunt über sich selbst, der Regen war ihr gar nicht aufgefallen, so sehr war sie mit ihren Gedanken bei Yak gewesen, sie zeigte ihm nun mit einer auffordernden Geste aufzustehen und einen trockenen Platz zu suchen.
Banshee entdeckte die Spalte, die Acollon meinte und sprang darauf zu. Einmal wäre sie fast ausgerutscht, fing sich aber noch rechtzeitig auf. Mit einem Schlenker verschwand sie in der Höhle und sah sich um. Es war eng, aber trocken und noch warm von den Sonnenstrahlen des Tages. Sie drehte sich um und sah raus zu Acollon, der noch immer im Regen stand.
"Du hast etwas Wunderbares entdeckt, komm rein, hier haben wir es trocken für die Nacht."
Sie legte sich hin und sah lächelnd Acollon entgegen. Sie freute sich auf diese Nacht ...
Acollon schritt nur langsam auf die Höhle zu. Der Regen hatte sein ganzes Fell durchnässt. Das Wasser tropfte an seiner Schnauze ab.
"Eine trockene Nacht."
sagte er leise. Und kam weiter auf die Höhle zu. Eher wie ein Schatten als ein Wolf. Er zwängte seinen großen, doch schmächtigen Körper durch die Spalte. Der Regen betropfte den trockenen Boden. Und nun war er nicht mehr so gemütlich. Trotzdem legte er sich hin, dicht an Banshee gedrückt, was ihm auch nichts anderes übrig, denn die Höhle war eng. Er schaute verlegten raus und seufzte. Der Regen schien wie ein Schleier. Dann sah er zu Banshee, ihre Augen schienen zu schimmern, in der Dunkelheit der Höhle.
"Du hast schöne und klare Augen."
sagte er leise, fast flüstern. Sein Atem ging leicht und dann wisperte er:
"Ich brauche dich."
Banshee legte ihren Kopf auf Acollons Schulter und schmiegte sich an ihn. Der Regen plätscherte monoton auf die Felsen um sie herum und ließ die Welt draußen verschwimmen. Seine Worte klangen warm und weich, sie hüllten sie ein, wie Sonnenstrahlen und ließen ihr Herz schneller schlagen.
"Oh, Acollon, nie hätte ich gedacht, dass es jemand geben wird, nach dem ich mich so sehr sehne."
Sie fühlte sich so geborgen und wohl in dieser engen Höhle mit einem Wolf neben sich, den sie liebte. Ja, sie liebte ihn. Und sie sehnte sich nach seiner Liebe zu ihr ... und die vermeinte sie jetzt zu spüren ...
Acollon legte den Kopf auf den kalten Boden, so lange hatte er nicht mehr geschlafen, jetzt war es Zeit, Zeit neben Banshee ein zu schlafen und am nächsten Morgen auf zu wachen und sich einen guten Tag zu wünschen, einen guten Tag zusammen mit Banshee.
"Ich bin so müde"
gestand er leise. Er schmiegte sich dichter an sie. Sie war herrlich warm und weich.
Banshee lächelte und fuhr ihm mit der Zunge über die Ohren.
"Schlaf du nur, ich werde bei dir sein."
Sie spürte seinen warmen Körper an ihrem eigenen und schloss glücklich die Augen, der Regen trommelte weiter auf den Fels ...
Acollon lächelte seiner Fähe zu. Er schloss die Augen und sagte noch zu letzt:
"Ich liebe dich, Banshee! Für dich gebe ich mein Leben."
Er schlief ein und fiel in einen Traum ...
Banshee spürte, wie Acollon einschlief, immer wieder ließ sie sich seine Worte auf der Zunge zergehen, während sie in den Regen hinaus starrte.
.oO(Er liebt mich ... oh ich danke dir Engaya, dass du ihn mir gegeben hast und ... ich danke dir Fenris ... dass du ihn geboren hast.)
Mit diesen Gedanken wurde sie langsam schläfrig, auch sie glitt ins Traumland über. Als letztes dachte sie noch an Nyota und hoffte, dass sich ihre Schwester keine Sorgen machen würde, wo sie beide blieben ... Dann glitt sie in einen sanften Schlaf.
Der Rüde ließ sich weiter in seinen Traum fallen, die Müdigkeit ließ von ihm ab.
Seine Pfoten setzten auf den seltsam flüssigen Boden auf. Es schien so, als ob er schweben könne.
"Ist hier jemand?"
rief er laut, seine Stimme halte an den unsichtbaren Wänden wieder. Er schritt voran. Der Boden festigte sich und nun legte sich ein Nebel in sein Sichtfeld. Schreie waren zu hören, schreckliche, angsterfüllte, klagende Schreie. Acollon hob seinen Kopf und schritt weiter, etwas zerknirschte unter seinen Pfoten. Als er nachsah, schrak er zusammen, ein Wolfskadaver.
Acollon zuckte unruhig.
Ein Schreien war von weitem zu hören, Acollon war sich sicher, es war das Schreien eines Welpens. Er lief los. Seine Tatzen gaben auf dem dumpfen Boden keinen Ton wieder. Er lief seltsam langsam und keuchte als er den Waldesrand erreichte. Hier war das Schreien her gekommen. Acollon kannte diese Wiese. Hier war er aufgewachsen, hier war sein Zuhause gewesen. Wolfsleichen waren überall verstreut, sie hatten einen Ausdruck des Entsetzens auf ihren Gesichtern, der wohl im Zeitpunkt des Todes aufgetreten war. Acollon dämmerte etwas, als er auf einen grauen leblosen Körper zu schritt. Er beugte sich über den Wolf und zuckte zusammen. Es war sein Bruder. Acollon sah starr zu ihm hinab. Wieder schien etwas sich in ihm zu regen. Doch der Welpenschrei ließ ihn wieder aufblicken, er trabte los, ohne seinem Bruder noch einmal anzusehen. Eine schwarze Kreatur stand über etwas gebeugt, doch dann erschrak Acollon heftig. Hier musste der Welpe sein. Wieder ein schmerzerfülltes Klagen. Acollon schritt näher auf die Kreatur zu ...
Ein Blitz zuckte über das Land und Acollon wachte schweißgebadet auf. Unsicher sah er zu Banshee, sie schlief ruhig und fest. Unruhig legte er seinen Kopf auf die Pfoten und keuchte kurz.
Kamui beobachtete, wie sich Nyota auf der Anhöhe niederlegte und betrat dann sie Höhle. Kaum hatte er sie bedrehten, hörte er, wie es zu regnen begann. Der große Rüde drehte sich drei Mal um sich selbst im Kreis und schloss dann die Augen. Eine Weile hörte er noch die Tropfen, die auf den Boden und die Blätter fielen, dann war er eingeschlafen.
Noch nicht weit hatten Lagoons Läufe sie durch die Bäume getragen, als ein erster Tropfen auf ihrer Nase saß, und sogleich wurde sie von wahren Wassermassen überschüttet. Sicherlich wäre es gemütlicher zur Höhle zurück zu kehren, doch unbeirrt des Regens setzte sie Pfote vor Pfote, und ihren Weg durch die Nacht fort. Wohin er sie führte wusste sie selbst noch nicht, doch würde sie es früher oder später erfahren. Über ihr öffnete sich der Himmel, und noch direkter fiel der Regen auf sie herab, wie Perlen glitzerten die Tropfen in ihrem Fell bevor sie zur Erde glitten. Ying und Yang liefen unweit von ihr gen Berge, doch sie blieb ungesehen.
Langsam ließ der Regen nach, es klarte mehr und mehr auf und die Sonne regte sich im Osten. Die ersten Strahlen, die über das Land fielen, ließen die nasse Welt aufleuchten. Der Himmel war wie rein gewaschen, und die Sonne schickte ihre Strahlen in die beiden Höhlen, in dem die Wölfe die Nacht verbracht hatten.
Banshee schlief einen traumlosen Schlaf, es war ein anstrengender Tag gewesen und sie hatte sich nur noch nach einem warmen Ort zum Schlafen gesehnt. Jetzt spürte sie, wie ihre Nase immer wärmer wurde, langsam öffnete sie die Augen und sah einen Sonnenstrahl durch den Höhleneingang genau auf ihre Schnauze fallen. Sie lächelte und konnte ein Stück blauen Himmel sehen, der von der noch nicht ganz aufgegangenen Sonne bestrahlt wurde. Sie sah zu Acollon, der neben ihr lag und die Augen geöffnet hatte.
"Hallo."
Flüsterte sie leise und ein Lächeln umspielte ihre Lefzen.
Acollon hatte die Sonne beobachtet, als Banshee aufwachte. Er lächelte ihr etwas verunsichert zu, der Traum steckte ihm noch in den Gliedern.
"Wie hast du geschlafen?"
fragte er schnell und leckte ihr hastig über die Lefzen. Er wollte den Traum vergessen.
Banshee erwiderte zärtlich Acollons Schlecker und antwortete ihm genauso leise wie vorher.
"Wunderbar ... mit dir neben mir."
Sie merkte, dass ihn etwas bedrückte, langsam hob sie den Kopf und sah ihn an.
"Was ist?"
Ihr Blick wurde besorgt, sie wollte nicht, dass es ihm schlecht ging.
Acollon zwang sich zu einem Lächeln und sagte:
"Nichts, hab nur schlecht geträumt".
Noch ein sehr schmerzhaftes Grinsen und er erhob sich und schritt aus der Höhle in den Sonnenschein. Dieser Morgen war der erste an Banshees Seite gewesen.
Banshee sah stirnrunzelnd auf Acollon und meinte mit sanfter Stimme:
"Wenn du willst, kannst du es mir erzählen."
Sie legte leicht den Kopf schräg und sah ihn an. Was hatte er?
Acollon sah nur zu Banshee und ließ seinen Kopf auf ihre Schulter fallen.
Yakatavo schaute zu Ayala, die Schutz suchen wollte. Er schaute sich um. Dann beschloss er lieber sitzen zu bleiben. sollte er doch nass werden. Er wollte nicht irgendwo sitzen, sondern, jetzt wo alles so ruhig war hier sein, seine Freiheit genießen. Er war erstaunt, darüber, dass er keine Antwort von Ayala bekommen hatte.
Banshee sah ihn etwas verwirrt an, sagte aber nichts und legte sanft ihren Kopf auf seinen. Sie wartete, dass er etwas sagen würde ... was auch immer.
"Banshee …"
fing Acollon leise an.
"Meine Vergangenheit überholt mich bald."
er schloss die Augen und vergrub seine Schnauze im Fell von Banshee.
"Bis jetzt konnte ich sie vergessen, doch bald wird sie wieder neben mir stehen".
"Dann werden wir ihr zusammen gegenüber stehen und sie wird fliehen."
Banshee sagte das bestimmt und gleichzeitig beruhigend. Ihre Worte waren ernst und liebevoll zugleich.
Ayala hielt in ihrer Bewegung inne. Warum folgte Yakatavo ihr nicht? Hatte er sie nicht verstanden? Dachte er, sie würde nicht dasselbe für ihn empfinden? Sie lief wieder zurück, setzte sich hinter ihn und fragte:
"Willst du alleine sein, Yak?"
Ihre Stimme klang unsicher, sie wusste nicht, was mit dem Rüden los war...
Acollon versuchte wieder ein schwaches Lächeln, was Banshee allerdings nicht sehen konnte, denn er hatte sein Gesicht in ihrem Fell.
"Oder du wirst vor mir fliehen …"
flüsterte er so leise, dass Banshee ihn sicherlich nicht verstehen konnte.
Banshee hörte leise Worte, die aus ihrem Fell heraus kamen, Acollons Stimme war voller Trauer. Sie konnte ihn nur schwer verstehen, aber auch so konnte sie seine Worte fast schon ahnen.
"Ich werde nicht vor dir fliehen, mein Herz wäre für immer zerbrochen, da würde ich lieber sterben."
Sie drückte sich an ihn und schloss die Augen. Ganz leise flüsterte sie:
"Was auch immer es sein mag, ich werde mich mit dir zusammen ihm stellen, unsere Liebe macht uns stark."
Diese Worte hatte Acollon immer erwartet, er war sich sicher sie nie hören zu würden. Aber Banshee sprach sie ganz einfach aus, diese Worte waren so unendlich warm.
"Ich weiß, dass meine Vergangenheit etwas Schlimmes ist, ich weiß, dass sie unsere Liebe auf die Probe stellen wird!"
sagte er leise und drückte sich noch fester an Banshee.
"Ich möchte gemeinsam mit dir leben, auch wenn ich mich dem Rudelleben stellen muss."
Die Wolken zogen vorbei. Der Wald rauschte herrlich, ein leichter Nebel hatte sich über den Erdboden gesenkt.
Die Nacht war vorübergegangen, ohne dass Nyota gemerkt hatte wie sie eingeschlafen war. Sie musste blinzeln, als ein Sonnenstrahl direkt auf ihr Gesicht fiel. Gähnend erhob sie sich, und sah zu Kamui herüber, der friedlich schlafend dalag. Vielleicht war er noch müde, sie würde ihn besser nicht wecken. Aber einfach zu verschwinden wäre auch unhöflich fand sie, und so trat sie nur bis zum Höhleneingang, und lies sich mitten in der Sonne nieder, die so direkt auf den Schwarzpelz fiel. Lächelnd sah sie zu dem Rüden herüber, und lauschte auf die zarten Vogelstimmen welche die Morgenluft erfüllten.
Yakatavo hörte Ayala hinter sich. er schaute sich um und sagte dann:
"Ich mag den Regen."
Er genoss es wirklich einfach dort zu sitzen.
"Wenn du willst können wir woanders hingehen."
schlug er dann vor, weil er dachte, dass Ayala sich bestimmt irgendwo unterstellen wollte.
Banshee spürte seine Worte sanft ihre Flanken streicheln. Sie berührte seine Schnauze zärtlich mit ihrer und flüsterte ebenso leise, wie vorher:
"Dann werden wir diese Probe gemeinsam bestehen. Und was auch immer ich für dich werde opfern müssen, werde ich nichts so sehr vermissen, als dass ich dafür dich aufgeben könnte."
Ihre Worte waren so selbstverständlich gesprochen, als hätten sie schon immer in ihrem Inneren geschlummert ... und sie wusste, sie waren wahr.
Acollon war etwas überrascht, über dieses Vertrauen in ihre Worte, noch vor einer Woche hätte er sie gebissen, wenn sie ihm zu nahe gekommen wäre und jetzt wollte er nichts lieber als mit ihr zusammen sein. Er hob seinen Kopf und sah ihre direkt in die Augen, Worte waren hier nicht mehr wichtig. Sein Blick musste alles verraten was er fühlte. Er schleckte ihr gefühlvoll und langsam über die Lefzen.
"Danke."
Ayala überlegte keinen Augenblick.
"Yak, ich bleibe da, wo du bist..."
Sie sagte das viel leiser, viel zärtlicher als sie es vorgehabt hatte, doch sie wusste, das hätte sie schon vorher tun sollen.
"Wir sind sowieso schon nass, also lass uns warten, bis die Wolken weg sind und für uns wieder die Sterne leuchten."
Sie schmiegte sich eng an ihn und hoffte, diese Nacht würde noch ewig andauern...
Banshee blickte in Acollons Augen und sah darin eine unglaublich tiefe Gefühlswelt. Sie konnte fast in sein Herz blicken und alles, was sie sah, machte sie glücklich.
"Danke mir nicht für etwas, was so selbstverständlich ist."
sagte sie leise und liebevoll. Sie wünschte sich aus ganzem Herzen, dass dieser Augenblick nie vorüber gehen würde.
Acollon richtete sich wieder auf. Die Zeit war gekommen. Er würde für etwas leben, was er vorher nicht kannte. Liebe, Liebe zu Banshee. Langsam kehrte ein Welpenlächeln über seine Lefzen und er legte den Kopf schief.
"Für dich gebe ich mein Leben."
sagte er klar und weiterhin lächelnd. Dann sah er in die Ferne, vielleicht sollten sie zurück zum Rudel? Aber dieser Zeitpunkt, dieser Augenblick bedeutete viel zu viel, als das er ihn vergeuden wollte. Trotzdem stellte er die Frage:
"Wollen wir zurück zum Rudel?"
Yakatavo schaute zu Ayala und leckte ihr dann über das nasse Fell. Vielleicht mochte sie ihn auch so sehr. Er konnte nichts daran ändern, er wollte bei ihr bleiben.
Nygero erreichte eine fremde Reviergrenzen. Skeptisch und erwartungsvoll zugleich blieb er stehen und sah sich um. Hier schien ein Rudel zu hausen. Sie waren nicht übermäßig in einer großen Zahl, aber er wollte nicht schon wieder einstecken. Langsam überschritt er diese Grenze und trat in dieses fremde Revier und heulte laut auf.
Gerade hatte Acollon noch etwas sagen wollen, so wurde er von einem Heulen unterbrochen. Ein fremder hatte die Reviergrenzen überschritten.
Acollon stellte sein Nackenfell auf, schon wieder ein Wolf mehr, dem er nicht vertrauen würde, unter keinen Umständen. Der junge Rüde sah seine Fähe an:
"Ein Fremder."
Langsam schritt er auf die Stelle von der das Geheul gekommen war zu, er drehte sich zu Banshee um.
"Komm, meine hübsche Alphafähe".
Nygero hatte aufmerksam gelauscht, doch niemand gab Antwort, so übertrat er die Reviergrenzen und schritt durch eine kleine Waldschneise. Seine Schritte verschnellten sich und er kam auf ein Gebirge zu. Zwei Wölfe standen dort. Einer weiß, der Andere schwarz. Gut und böse? Ying und Yang, kam es ihm in den Sinn, und er musste unwillkürlich schmunzeln.
"Seid ihr Alphawölfe dieses Rudel, das in diesem Revier zu hausen scheint?"
fragte er etwas kühler, als beabsichtigt. Seine Haltung war aufrecht und entspannt. Beide Wölfe; eine Fähe und ein Rüde; waren schwächlicher gebaut als er, und ein Kampf war aus seiner Sicht schon entschieden.
Die weiße Fähe machte einen netten Eindruck. Sie war hübsch und hatte glänzende Augen. Der schwarze Rüde schien dagegen recht unfreundlich und unwirsch, etwas Trübes und Tristes, sowie Trauriges und Schmerzvolles ging von ihm aus. Etwas regte sich in Nygero. Sein Bruder hatte ein ähnelndes Gesicht.
Ein Wolf war auf Banshee und Acollon zu gekommen. Sofort stellte Acollon sein Nackenfell auf und sah den fremden Rüden scharf an.
"Nein, nur Banshee ist Alphawölfin."
knurrte er unfreundlich und kühl. Ein fremder Rüde war unbrauchbar. Doch Acollon konnte bei diesem nichts riskieren, denn er war kräftiger und stärker gebaut als Acollon selbst. Der Rüde schritt auf Banshee zu und stellte sich vor sie, es war eine warnende Haltung, die er anlegte.
Nygero sah den jungen Wolf musternd an, er nahm sich viel mit seiner warnenden Haltung, aber Nygero ignorierte es und sah wieder die Fähe an.
"Hübsche Fähe, Ihr seid Banshee? Die Alphafähe?"
fragte er kurz, doch eine Antwort brauchte er nicht.
"Dann muss ich wohl um Einlass bitten, um in Eurem Rudel bleiben."
Nun sah er wieder den Rüden an. Er schien schon Erfahrungen im Kampf gesammelt zu haben, denn er hatte eine große Narbe auf einem Vorderlauf.
"Führt Ihr dieses Rudel alleine, hübsche Fähe?"
fragte Nygero, sein Blick glitt wieder zu der Fähe zurück.
Der Umgangston mit Banshee passte Acollon keines Wegs. Er richtete sein Nackenfell nun zu voller Größe auf und sah den Fremden drohend an.
"Wie wäre es, wenn du uns deinen Namen verrätst?!"
knurrte er lauter, als beabsichtigt. Dieser Wolf schien zwar friedlich, aber das er Banshee Komplimente machte, passte Acollon nicht.
Nygeros Blick wurde kühler und arroganter. Er richtete sein Nackenfell auf und schien noch größer, als ohnehin.
"Freundlichkeit scheint hier ja kein Vorrang zu haben, zu mindestens nicht bei Euch, schwarzer Teufel!"
knurrte er unfreundlich. Diese Art wie sich der Rüde aufführte gefiel ihm nicht. Er war zu selbstsicher, und am liebsten hätte Nygero ihm einen Dämpfer verpasst, doch er befand sich auf fremden Revierboden. Er hatte sich reichlich geirrt, dieser Rüde ähnelte seinem Bruder weniger, als zum Anfang geschätzt.
"Schwarzer Teufel?!"
murrte Acollon leise. Seine Wut schien weiter zu wachsen, dieser Fremde nahm sich einfach zu viel. Er befand sich auf fremden Grund und Boden.
"Meine Freundlichkeit tut hier nichts zur Sache, nur deine Manieren!"
Acollon schritt drohend auf den Rüden zu.
"Und da du gerade bewiesen hast, dass du keine Manieren hast, kläre ich dich mal auf! Wenn man ein fremdes Revier betritt, nennt man erst seinen Namen und seine Herkunft, dann sein Anliegen! Dann spricht die Alpha."
Der junge Rüde setzte ein gemeines Lächeln auf.
Nun war der Rüde eindeutig zu weit gegangen. Nygero riss seine Schnauze auf und entblößte seine Zähne, diese vergrub er kurz aber kräftig in den Hals des schwarzen Rüdens. Es war nur eine Warnung, dass er sein Temperament zu zügeln hatte.
"Der Einzige der keine Manieren zeigt bist du."
Sagte er sachlich und kühl. Der junge Rüde musste jetzt wohl begriffen haben, dass mit ihm nicht zu spaßen war.
Nygero sah die Fähe wieder an.
Als der fremde zubiss, zuckte Acollon kurz zusammen, zeigte jedoch keine weitere Reaktion. Einen Streit wollte er nicht anfangen und auch keine Kampf, er bleckte kurz seine Zähne. Acollon schwieg über die letzten Worte, ihm war es gleich, was dieser Wolf sagte. Er setzte sich nieder, doch ließ er den Fremden nicht aus den Augen. Wenn es um Banshee gehen würde, würde er keinen Spaß verstehen.
Banshee hatte schweigend daneben gesessen, sie wusste, dass Acollon durchaus unfreundlich zu Fremden war, doch sollte auch dieser bemerken, dass diese Rudel kein schwaches war. Und bei dem Fremden war es wohl nötig, dies zu zeigen. Doch als dann der große Rüde Acollon biss, stand sie mit einem Sprung auf den Pfoten und stellte sich zwischen die beiden, ihre Augen funkelten den Fremden an und ihre Haltung war unverkennbar die, einer Alpha.
"Ich warne euch, Fremder, berührt noch einmal Acollon oder sonst irgendeinen Wolf aus meinem Rudel und ihr werdet getötet."
Ihre Stimme klang wütend und schneidend, es war klar, dass sie in der Lage war, ihre Worte wahr zu machen, auch wenn sie dies nicht alleine vollbringen konnte.
"Wenn ihr euch meinem Rudle anschließen wollt, dann müsst ihr euch einfügen und meines Erachtens war das gerade keine Willkommensgeste."
Sie wurde leicht sarkastisch, so konnte sie ihre noch immer wallende Wut verbergen und gleichzeitig dem Rüden sagen, dass er hier eben nichts zu sagen hatte.
Sayo öffnete die Augen und erspähte Nyota, die im Eingang der Höhle lag, als würde sie über ihn wachen. Erfreut erhob er sich und tänzelte wedelnd auf sie zu. Die Haltung des Rüden war vollkommen anders, als am Tag zuvor, seine Augen strahlten und seine ganze Ausstrahlung war nur freundlich.
"Guten Morgen, werte Alpha."
Er schenkte der Wölfin ein warmes Lächeln und trat neben sie. Wie man es manchmal in den Augen eines Welpen sah, blitzten die von Sayo auf, als er den herrlichen Tag außerhalb der Höhle sah. Ein bisschen wunderte er sich, das Kamui ihm so schnell den Körper überlassen hatte, doch er war viel zu glücklich über alles, um sich weitere Gedanken darüber zu machen.
Ayala genoss es, von Yakatavo liebkost zu werden. Sie blinzelte ihm zu, stupste ihn sanft mit der Schnauze an und flüsterte:
"Ich bin so froh, dass du hierher gekommen bist!"
Sie sah ihm tief in die Augen und vergaß alles um sich herum, bis sie plötzlich ein fremdes Heulen vernahm. Sie stellte angespannt ihre Ohren auf, stellte ihre Rute hoch und lauschte.
"Was meinst du Yak, sollen wir den Neuen begrüßen kommen, oder wollen wir lieber noch ein bisschen hier bleiben?"
Ein Lächeln begrüßte Sayo, als er die Augen aufschlug. Auch Nyota stand wieder auf, und streckte sich, mit weit vorgestreckten Läufen und durchgebogenem Rücken. Kurz schüttelte sie sich, und sah dann an Chyran herab. Etwas war anders an ihm, doch konnte sie nicht gleich sagen was es war...
"Guten Morgen...Sayo?"
Riet sie, und spitzte zugleich die Ohren. Ein Jaulen kündigte einen Fremden an...
23.12.2009, 14:53
Unter freiem Himmel hatte die Weiße eine kalte Nacht verbracht, und noch immer war Lagoons Fell durchnässt, als sie nun aufstand. Zwar blinzelte ihr die Sonne warm entgegen, doch sie fror. Nur sehr leise erklang ein Jaulen in weiter Ferne, und schnell glitt der weiße Schatten durch den Wald, bis schließlich Ying, Yang und ein fremder Weißpelz vor ihren dunklen Augen auftauchten. Leise, mit leicht geneigtem Haupt, trat sie dazu, sah erst Ying an, dann Yang und schließlich den Fremden.
"Guten Morgen..."
sprach sie leise, bevor sie begann den weißen Rüden zu mustern. Er war kräftiger gebaut als selbst Acollon, doch würde er es auch mit dem Höllenfeuer aufnehmen können?
Dayon spürte das weiche Gras unter seinen Pfoten nur halb, der Wind, der ihm die Nachricht von Wölfen zutrug, strich an ihm vorbei, ohne das er bemerkt wurde. Moon, der neben ihm lief, warf er manchmal einen Blick zu, doch seine Augen waren trüb und sein Blick schien durch den Kleinen hindurch zu gehen. Er wusste nicht, wohin er lief, Berge umgaben ihn, aber waren diese nicht auch in seinem Tal? War er in seinem Tal? Bei seinem Rudel? War Jahlay da? Und seine Welpen? Für kurze Zeit hob er den Kopf und sah um sich, sein Blick klärte sich ... dann wurde alles wieder grau, als er sah, dass er in der Fremde war. Jahlay würde nicht wieder zu ihm zurück kehren ... Neben ihm tauchte ein See auf, aber er beachtete ihn nicht, der glatte Spiegel würde sein Gesicht widerspiegeln und er würde sich erinnern ... Er verließ den Wald und kam auf eine Lichtung, eine Höhle war dort und zwei Wölfe lagen in ihrem Eingang. Abrupt blieb Dayon stehen und sah die zwei mit glasigen Augen an, als könnte er nicht verstehen, was sie dort taten.
Moon stolperte seinem Vater hinterher, immer weiter und weiter durchs Dickicht. Wie lange waren sie nun schon unterwegs? Er wustte es nicht mehr, aber es kam ihm unendlich lange vor.
Plötzlich vernahm der Welpe einen fremden Geruch, ja, hier musste eine Reviergrenze sein! Unsicher schaute Moon zu seinem Vater, der unbeirrt weiter rannte. Bemerkte er diesen Geruch nicht? Es schien, als nähme er nichts mehr wahr. Er hatte sich so verändert, seit...Moon versuchte, seine Gedanken wegzuscheuchen, doch er musste immer wieder an das Grauen denken.
Sie mussten inzwischen schon weit im fremden Revier sein und Moon schaute wieder zu seinem Vater, der allerdings vor sich hin starrte, als sei er in seiner eigenen Welt, weit jenseits von hier. Doch dann blieb er ruckartig stehen, Moon schaute sich um, er sah inzwischen auch die beiden Wölfe. Dayon schien immer noch nichts zu verstehen, waren seine Sinne so verändert?
"Vater, wir sind in einem fremden Revier ... Wir müssen uns vorstellen und erklären, wieso wir hier sind!"
Etwas hilflos flüsterte Moon ihm das zu und wartete ab. Wenn sein Vater nichts unternahm, dann würde Moon sie eben vorstellen müssen.
Yakatavo wusste nicht was er machen sollte. Er wollte bei Aya bleiben, aber er spürte, dass sie angespannt war und zum Neuen wollte.
"Ich bin auch froh, dass ich hier bin."
meinte er leise.
"Wenn du willst können wir gehen. Vielleicht ist es ja ne Fähe."
er grinste...
Nyota blieb nicht die Möglichkeit zu warten, denn schon erschienen zwei weitere Besucher vor ihren Augen. Ihre Augen wanderten an dem Rüden herab und dann zu dem Welpen, und sofort waren ihre Gedanken bei Acollon. Sollte er es nur nicht wagen diesem Wollknäuel etwas zu tun! Sie trat vor, und sah abwechselnd Vater und Sohn an.
"Seid gegrüßt Fremde. Dies ist das Tal der Sternenwinde, unser Revier. Ich bin Nyota, Alpha des Rudels der Sternenwinde, welches hier heimisch ist"
, sprach sie, und sah dann Dayon direkt an.
"Und wer seid ihr?"
Dayon hob langsam seinen Blick, ließ ihn über die Fähe vor sich gleiten um dann wieder stumpf in Nichts zu sehen. Worte kamen zu ihm, Worte, wie er sie selbst gesprochen hatte, doch wie lange schon nicht mehr? Warum sollte er noch sprechen? Gab es einen Sinn zu sprechen? Das hier war nicht sein Tal und hier war auch nicht sein Rudel und ... hier würde auch nie Jahlay sein. Die Worte seines Sohnes fielen ihm wieder ein ... vorstellen? Seinen Namen?
"Dayon."
sagte er mit lange nicht mehr benutzter Stimme. Sein Blick glitt zu Moon und ein kleines Lächeln erschien, was aber bald darauf wieder verschwand und sein Blick war erneut in die Leere gerichtet.
Als Banshee mit ihrem Reden geendet hatte, sah Acollon sie ein wenig verwundert an. Noch nie hatte er sie so aggressiv und herrscherfähig gesehen. Lagoon stieß auf die drei. Kurz sah Acollon sie an, dann ein letzter Blick zum Rüden; dieser war voller Abscheu und Abneigung, aber vielleicht auch ein wenig anerkennend; dann verzog er sich. Seine Schritte wurden schneller. Er mochte diese Gesellschaft nicht sonderlich. Banshee genügte ihm, sie war das, was er wollte. Glücklich über die Nacht mit Banshee und doch sauer auf die Begegnung mit dem Fremden, trabte er weiter durch das Revier. Er erreichte die Höhle und entdeckte Nyota, einen anderen fremden Wolf und ein Welpen. Sofort knurrte Acollon wieder und er verdrehte genervt die Augen. Er heulte der Alpha begrüßend zu und schritt langsam auf sie zu. Er wollte gleich seine Persönlichkeit vorstellen, damit er ja in Ruhe gelassen wurde.
Nun wo der Rüde, Acollon, verschwunden war, setzte Nygero wieder ein breites gar hässliches Lächeln auf.
"Wie Ihr wünscht, edle Alpha."
sagte er etwas schnarrend. Er richtete sich wieder auf und schaute die neu erschienene Fähe an. Sein Blick war wieder kühl und undurchsichtig. Sie schien etwas Mystisches und komisches zu sein. Kaum merklich zog er eine Augenbraue hoch, bevor er sich wieder der Alpha zuwendete.
"Mein Name ist Nygero."
sprach er wieder schnarrend und ungehobelt.
"Und wie ist Euer Name, hübsche Wölfin?"
fragte er lächelnd. Seine Gedanken rutschten zu dem Rüden. Den schwarzen Teufel.
"Und wie ist der Name Euren Gefährten?"
Ayala sah Yak an.
"Na gut, dann lass uns mal die Fähe suchen!"
meinte sie grinsend und rannte los, in die Richtung, aus der das Heulengekommen war. Doch auf halber Strecke blieb sie verdutzt stehen, sah Yak an und ging in eine andere Richtung.
"Hier ist doch noch ein fremder Geruch! Komm, Yak, lass uns schauen, wer das ist!"
Aufmunternd sah sie ihn an und nahm weiter die Fährte auf.
Moon sah seinen Vater an. Hätte er nicht mal jetzt mehr als nur seinen Namen sagen können. Es machte ihn unglaublich traurig, dass sein Vater sich so verändert hatte. Er war nur och ein Schatten seiner selbst. manchmal hatte Moon das Gefühl, dass Dayon nur noch aus Mitleid zu ihm, seinem Sohn, dageblieben war. Sein Blick wanderte wieder zu dieser schönen schwarzen Fähe.
"Seid gegrüßt, Alpha Nyota. Ich bin Moon, Dayons Sohn. Entschuldigt, dass wir einfach so in Euer Revier eingedrungen sind!"
Wieder erinnerte nichts an seiner unterworfenen Körperhaltung, nichts an seinen Zügen, nichts an seinem Ausdruck an den Welpen, der er eigentlich noch immer war.
Das Acollon verschwand machte Banshee nicht gerade glücklich, sie sah ihm eine Zeit lang nach, dann nickte sie kurz Lagoon zu bevor sie sich erneut, diesmal mit ruhigerer Stimme und friedlicheren Gesten, an den Fremden wandte.
"Willkommen, Nygero, ich bin Banshee, Alpha des Sternenwindrudels, in dessen Revier ihr euch befindet."
Die Frage zu Acollons Namen überging sie, Nygero sollte ihn das selber fragen.
"Was wünscht ihr hier, bei uns?"
Ihre Augen glitten über Nygero und sie registrierte seine Stärke, ob sie nun gut oder schlecht für sie waren.
Neugierig hob Nyota die Augenbraue, Dayon schien nicht sehr gesprächig, was ihr fremd war. Acollon erschien, wieso hatte er Banshee alleingelassen? Ein kurzes Heulen antwortete ihm, dann wand sie sich, sanft lächelnd, an den niedlichen Welpen, der zu vernünftig für sein Alter schien...
"Das ist schon in Ordnung. Habt ihr ein bestimmtes Ziel?"
Sie war unsicher ob sie sich komplett an den Welpen wenden sollte, er schien der bessere Ansprechpartner zu sein...
Acollon mochte den Gedanken der neuen Wölfe nun überhaupt nicht, ein kurzes und lautes Knurren. Dann verschwand er auch schon wieder. Er zog die Einsamkeit vor, oder mit Banshee alleine. Das schlechte Gewissen, Banshee alleine gelassen zu haben, biss ihn leicht. Es nagte wie eine Ratte an seinem Herz. Langsam trabte er zurück, doch blieb er verborgen und beobachtete das Geschehen.
Dayons Ohren zuckten, ein bestimmtes Ziel? Leben, wie sie es einst getan hatten, Jahlay wieder zurück bekommen ... Er sah zu Moon und sein Herz zuckte vor Trauer; nie mehr ... Sein trüber Blick ging wieder zu der Alpha ... Nyota?
"Was ist schon ein Ziel?"
Bitterkeit schwang in den Worten mit, Trauer und Bitterkeit. Er sah zu Boden und schluckte.
Moon versuchte tapfer zu bleiben, versuchte die verletztenden Worte seines Vaters einfach zu überhören. Doch sie hallten wider in seinen Ohren, als hätte er nie etwas anderes gehört, als hätte noch nie etwas anderes als Bitterkeit und Trauer in Dayons Stimme mitgeklungen.
"Wir haben schon lange kein anderes Ziel mehr, als unser vergangenes Leben zurückzugewinnen..."
Moon erschrak, er hatte diese Worte nicht aussprechen wollen. Ihm wurde alles zu viel, Tag und Nacht gab keinen Hoffnungsschimmer, kein Glück, wofür es sich lohnte zu leben.
Er sehnte sich nach der Wärme und der Geborgenheit, die sein Vater ihm nicht geben konnte. Er wusste, dass Dayon sich die größte Mühe gab, doch er war selbst zu verbittert.
Eine große Träne rollte von Moons rechtem Auge zur Schnauze, er versuchte sie rechtzeitig wegzuwischen, keiner sollte sehen, wie klein er eigentlich noch war, doch sie tropfte von seinen Lefzen auf das weiche Gras. Moon wollte nur noch weg, weit weg von dieser Welt, in der es nur noch Leid und Verzweiflung für ihn gab. Er rannte los, einfach geradeaus, doch dann stieß er plötzlich gegen Acollon, der gerade zu Ban zurück wollte, und blieb erschrocken stehen.
Sayo sah der Wölfin nach und setzte sich. Er wollte gleich folgen, doch erst horchte er in sich hinein. So nachsichtig konnte sein Bruder nicht sein, nie hätte er das zugelassen. Sayo konnte keinen Kontakt aufbauen, es war, als wäre Kamui verschwunden. Besorgt richtete er sich auf, was mochte der Grund für das verschwinden sein? Der Rüde versuchte sich nichts anmerken zulassen und folgte Nyota, vor den Neuen blieb er dann stehen. Seine Augen bekamen ein funkeln, als er den Welpen erspähte. Freudig trat er auf ihn zu.
"Hallo, ich bin Sayo und du?"
Seine Rute peitschte geradezu hin und her, er freute sich, über den Rudelzuwachs und hoffte die beiden würden für immer bleiben, damit er mit dem Welpen spielen konnte, spielen, wie er es so ewig nicht mehr gekonnt hatte. Als dieser auf einmal davon rannte, folgte er augenblicklich. Was war nur mit ihm los? Hatte er etwa Kummer?
Auf Unverständnis trafen Dayons Worte bei Nyota, Schmerzen waren ihr nicht fremd, doch längst keine solchen die ihr den Lebensmut genommen hätten...So legte sie nur fragend den Kopf schief, und schielte zu dem Welpen. Dieser antwortete tatsächlich, und nahm sogleich Reißaus, gefolgt von Sayo, oder Kamui, wer es auch sein mochte. Ein Blick glitt zurück zu Dayon, dann setzte auch sie sich in Bewegung, sie konnte den Kleinen unmöglich alleine hier herum laufen lassen!
"Komm..."
rief sie Dayon über die Schulter hinweg zu, und folgte Sayo, der wiederum Moon folgte...
Moon blieb verzweifelt stehen. Wie hatte er sich nur so unsicher zeigen können? Er hätte sich anders verhalten müssen, zwar unterwürfig in diesem Rudel, aber doch mit Würde. Aber er hatte versagt. Er hatte seine Gefühle gezeigt, auch wenn er sie nicht wahrhaben wollte. Das würde ihm sicher bald zum Verhängnis werden, anderen Gefühle zu zeigen, war für ihn, wie einem Fremden blind zu vertrauen...
Erst jetzt nahm er den Rüden, der freudig mit dem Schwanz wedelte. Was konnte ihn denn nur so freuen?
"Ich bin Moon."
Plötzlich spürte der Kleine eine rasende Wut in sich aufsteigen. Wie konnte er sich nur über seinen Vater in Gedanken beschweren, er war doch auch nicht besser! Er musste sich verstellen, nett zu anderen sein, durfte seine wahren Gefühle aber nicht zeigen!
"...mein Vater und ich kommen von weit her, wir sind schon lange unterwegs...ich..."
seine Stimme brach ab. Es fiel ihm zu schwer, nicht zu weinen anzufangen.
Ayala schielte durch die Bäume hindurch...sie hatte nicht viel mitbekommen, außer dass ein Rüde namens Dayon und ein Welpe namens Moon aufgetaucht waren. Diese beiden waren ziemlich seltsam, aber sie hatten etwas an sich, das Ayala zutiefst traurig machte...sie hatten beide die Lust am Leben verloren... Sie erinnerte sich zurück, ach wie gut konnte sie das alles nachvollziehen...wie sehr hätte sie sich jemanden gewünscht, der sie einfach so verstand, ohne groß zu fragen. Ayala setzte leise Pfote für Pfote, sie kam näher und wartete einen Augenblick. Dayon musste nun sicher ihre Anwesenheit spüren - oder waren selbst diese Sinne schon von ihm gewichen? Ayala stupste Dayon vorsichtig an.
"Hallo, ich bin Ayala!"
sagte sie zu ihm und versuchte ihm deutlich zu machen, dass er nichts zu sagen brauchte. Sie wollte einfach nur eine Weile bei ihm sitzen bleiben und mit ihm in Gedanken in die Nebelwelt abschweifen, in der sie seit sie hier war nicht mehr gewesen war. Wenn er Nyo zu seinem Welpen folgen wollte, dann würde sie ein anderes Mal wiederkommen, sie wollte ihn nicht drängen.
Diese Antwort brauchte etwas Geduld und Überlegung. Nygero, ohne Zweifel, kannte die Rudelregeln und er war auch daran gewöhnt seinen Stolz zu unterwerfen. Doch die Wunden des letzten Kampfes haben tiefe Narben hinterlassen. Den Anschein zu erwecken, er würde über seine Entscheidung zweifeln, tat er nicht.
"Ich würde gerne in eurem Revier weilen."
sagte er bestimmt und mit einer Miene eines stolzen Rüdens. Die weiße Fähe schien die Frage über den schwarzen Teufel zu ignorieren. So war es Nygero auch recht. Was würde ihm der Name eines anderen Rüdens schon weiterbringen? Namen waren unwichtig und belanglos.
"Sagt mir eins schöne Fähe, kann man hier die Sterne in das Wasser fallen sehen?"
fragte er leicht lächelnd, diesmal war sein Lächeln echt gemeint.
Mit Unbehagen lauschte Lagoon den Worten des Fremden sowie denen Banshees, und ebenso wenig gefielen ihr die Blicke, welche der Weiße auf Yin warf. Wo war Acollon hin? Unmöglich dass er es nicht bemerkt hatte... Vielleicht sollte man das Höllenfeuer holen, dachte sie bei sich, und da ihr selbst auch wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war, drehte sie sich wortlos um und eilte durch den Wald. Nicht lange, dann hatte sie die Schwarze gefunden, und mit ihr Acollon, einen Welpen und Chyran... Sie glitt auf die schwarze zu, und sprach nur leise in ihr Ohr.
"Folge meiner Fährte zurück bis zu Banshee..."
Dann sah sie den Welpen an, er schien traurig, und sanft leckte sie ihm über die Schnauze.
"Hast du dich verletzt?"
fragte sie leise, doch sie spürte seinen inneren Kampf sehr deutlich...
Sayo stupste den kleinen an. Er mochte nicht sehen wie er traurig war, er wusste nichts über ihn und hatte nicht vor aufdringliche Fragen zu stellen, was seine Vergangenheit betraf.
"Moon? Ein schöner Name. Freust du dich, hier in diesem schönen Tal zu sein? Haben du und dein Vater vor, bei uns zu bleiben?"
Er stoppte erst mal, genug der Worte auf einmal.
Banshee hob leicht eine Augenbraue und richtete sich wieder etwas auf.
"Du kannst hier weilen, solange es dir beliebt, aber halte dich an unsere Regeln."
Sie sah Lagoons Verschwinden und kräuselte leicht die Lefzen, dann warf sie Nygero erneut einen Blick zu.
"Engaya schickt uns ihre Sternenwinde und manchmal fallen sie auch in unseren See."
Die Unterhaltung gefiel ihr nicht und sie drehte sich schon langsam um, um zurück zu traben.
Dayon sah stumpf zu Ayala und nickte langsam, dann ging er Moon hinter her, der kleine wurde von einem seltsamen Rüden belagert und das passte Dayon nicht. Mit schwacher aber bestimmte Stimme stellte er sich zu Moon.
"Moon, pass auf."
Wenn er nun auch noch Moon verlieren sollte, könnte er nicht mehr leben, das wusste er.
Sayo wedelte weiterhin. Er legte den Kopf schief, als er Dayon sah und lächelte ihn freundlich an.
"Ich grüße dich, Sayo nennt man mich und du bist?"
Fragte er freundlich. Seine Augen hatten etwas von einem Welpen und waren genauso unschuldig. Vielleicht konnte Dayon darin erkennen, das er sich nicht sorgen musste, denn Sayo war der letzte, der dem Kleinen etwas tun würde.
Nicht ohne Verwunderung nahm Nyota die Worte Lagoons auf, und zögerte noch einen Moment, doch Ayala war auch da, und sie würde schon aufpassen... Leicht beunruhigt trabte sie los, der Fährte Lagoons in umgekehrte Richtung nach, genau wie die Weiße es ihr gesagt hatte, doch bald verfiel sie in einen schnellen, galoppartig anmutenden Lauf, der die schattengleiche Jägerin schneller als gedacht ans Ziel führte. Zwischen den Bäumen tauchten weiße Gestalten auf, und als sie selbst zwischen den Bäumen hindurchgetrabt kam, erkannte sie ihre Schwester und einen großen Rüden, welchen sie skeptisch musterte während sie näher kam. Mit abschätzendem Blick blieb sie vor ihm stehen, bevor sie sich erst an Banshee, dann an ihn wandte.
"Morgen Banshee..."
sagte sie mit einem verhaltenem Grinsen, und sah dann Nygero an.
"Sei gegrüßt Fremder. Ich bin Nyota"
sie fügte dem nichts hinzu, ihre Haltung allein, aufmerksam und Respekt verlangend, dürfte ausreichen um sich als Alpha zu bekennen.
Nygero grinste höhnisch und sah der Weiße mit einem hinterhältigen Blick nach. Doch bevor sie verschwinden konnte tauchte eine andere, schwarze Fähe auf. Sie schien zweite Alpha zu sein, denn sie plusterte sich genug auf. Nygero setzte einen desinteressierten Blick auf und doch ließ er ein leichtes, wieder falsches Lächeln sehen.
"Schönen guten Morgen, edle Nyota."
sagte er schnarrend und machte eine lächerliche Verbeugung. Er blickte wieder auf, sein Blick glitt automatisch zu den Büschen, wo sich etwas geregt hatte. Dort war doch der schwarze Teufel. Er hatte also doch nicht seine Fähe alleine gelassen. Nygero hob kurz die Lefzen hoch und grinste dem schwarzen Teufel zu, doch dann wandte er sich mit aufgesetzter Negier wieder zu Nyota, dem Fegefeuer.
Acollon knurrte tief. Es gefiel ihm nicht wie der Fremde sich benahm, doch hatte er deutlich gemacht, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Als der Fremde Acollon entdeckte und ihm zu grinste, durchzuckte Acollon ein komisches Gefühl. Ein Gefühl von Tod und Leere. Acollon sprang knurrend auf ihn zu, am liebsten wäre er dem Fremden an die Kehle gesprungen. Er wollte töten! Doch er stellte sich schützend neben Banshee. Er sah Nyota kurz und knapp an, dann wandte er sich wieder dem Fremden zu.
"Ich kann ihn nicht leiden."
zischte er Banshee ins Ohr, es war ihm egal, ob dieser weiße Rüde es mitbekam.
Nygeros Grinsen wurde noch breiter, als er bemerkte wie der schwarze Teufel auf die Gruppe zukam. Etwas Bedrohliches ging diesmal von ihm aus. Er schien mit dem Tod verbündet zu sein. Aber solche Wölfe gab es nicht. Es gab keine Wölfe die dem Lebensgott und dem Todesgott dienen würden. Keine Kinder der Götter.
"Der schwarze Teufel hat ja wirklich keine Gefühle"
sagte er mit einem nur halbherzigen Versuch leise zu sprechen. Er schielte den schwarzen Teufel frech an und ließ wieder ein breites Grinsen über seine Lefzen zucken.
Acollon zog seine Lefzen hoch und zeigte damit seine scharfen weißen Zähne.
"Wage es ja nicht, mich noch einmal "schwarzer Teufel" zu nennen! Mein Name ist Acollon!"
knurrte er laut und sich breit zum Kampf auf, diesmal würde er nicht nachgeben und einem Kampf aus dem Weg gehen. Vielleicht mochte die Erscheinung des Fremdens bedrohlich sein, doch auch Acollon konnte kämpfen und sich verteidigen.
"Acollon, der schwarze Teufel."
sagte Nygero leise und stellte sein Nackenfell auf. Wenn dieser Wolf kämpfen wollte so würde er es nicht leicht haben. Nygero schlich einen Schritt zur Seite und ging in Kampfstellung.
"Acollon, du solltest mich nicht unterschätzen, es mag sein, dass du kräftig und stark bist, aber das bin ich auch."
sagte Nygero leise und wieder falsch lächelnd.
"Ich würde niemals einen würdigen Gegner unterschätzen, aber du legst dich mit dem Tod an!"
rief Acollon zornig, doch sogleich bereute er seinen Zorn, jetzt hatte er es ausgesprochen. Wütend über sich selber knurrte er noch lauter.
.oO(Schwarzer Teufel …) dachte Acollon bissig. .oO(So könnte man mich auch nennen!)
Er warf Banshee einen verzeihungsheischenden Blick zu, dann sprang er dem Fremden an die Kehle. Es war nicht aus dem Wunsch, ihn zu töten, entsprungen, es war so, als ob Acollon mit einem seiner Brüder spielerisch kämpfen würde. Wütend und irgendwie traurig verbiss er sich tiefer. Er konnte jetzt schon die Reißzähne des weißen Wolfes spüren. Acollon schloss die Augen. Die Sekunden wirkten wie Minuten oder Stunden ...
Ryai hatte nach den Alphas gesucht und diese nun auch gefunden. Wedelnd war er auf sie zu gelaufen und hatte den Fremden begrüßen wollen, als Acollon diesen ansprang, scheinbar mit dem Ziel ihn zu töten. Das Wedeln erstarrte und ohne zu zögern trat er nahe zu den beiden.
"Acollon, hört auf damit! Beide!"
Rief er, er wusste nicht was vorgefallen war, doch er wollte nicht das sich die beiden töteten.
Acollon hörte von der scheinbaren Entfernung eine Stimme die etwas rief. Dieser jemand rief auch seinen Namen. Doch konnte Acollon den Rest nicht verstehen, immer noch mit geschlossenen Augen biss er kräftiger zu, nun lief das Blut an Acollons Schnauze herunter.
Ryai geriet in Panik, er wollte nicht das der Frieden des Tales gestört wurde und so warf er sich zwischen die beiden Kämpfenden. Acollon stieß er zur Seite, kräftig, um sich im nächsten Moment zwischen die beiden zu stellen. Sein Fell war gesträubt, und sein Blick lag immer auf einem der Rüden und in der nächsten Sekunde auf dem anderen. Er konnte sich schon vorstellen, was die beiden davon hielten, das er sich einfach so eingemischt hatte. Als sein Blick auf dem ihm Fremden lag, zog er die Lefzen hoch und knurrte, als Warnung, dass es nun genug sei. Dann sah er zu Acollon.
Acollon wurde aus seine Trance gerissen, doch nicht von dem weißen Übel, sondern von einem Rüden den er schon kannte, Ryai. Knurrend und noch zorniger sah er zu dem jungen Rüden.
„Was mischst du dich in unsere Gelegenheit?"
Acollon zog die Lefze hoch. Kämpferisch war er Ryai überlegen, und doch hielt er inne, dem Rüden die Kehle auseinander zu reißen.
"Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass dies eine selbstlose Aktion für das Rudel war!"
rief er dem Jungwolf zu.
Erst war es die Überraschung welche Nyotas Bewegungen zu Eis erstarren ließen, dann das plötzliche Auftauchen von Ryai. Viel zu spät reagierte sie selbst, und noch während sie sich neben Ryai stellte, und sich mit aufgerichtetem Nackenfell und gebleckten Zähnen Nygero zuwandte, machte sie sich bereits Vorwürfe. Aber dafür war nun keine Zeit.
“Was fällt euch ein?!"
brüllte sie, es war unklar ob tatsächlich beide oder nur einer gemeint waren, denn ihre Blicke fixierten Nygero. Ihre Rute stand horizontal, einer Bürste gleich, und ihre Hinterläufe waren leicht eingeknickt, sodass sie, wenn sie es musste, losspringen konnte. Auf Acollons Worte für Ryai hatte sie nur ein leises Knurren in Richtung des Fenrissohnes übrig, sie wollte den Fremden nicht zu lange aus den Augen lassen...
Banshee knurrte erbost auf, sie stellte sich neben Ryai und zwischen Acollon und Nygero.
"Hört sofort auf, ihr beiden! Ich dulde so etwas nicht in meinem Revier! Wenn ihr kämpfen wollt, dann macht es auf faire, ehrliche Art!"
Sie könnte rasen vor Wut, doch wie immer hielt sie sich so gut es ging zurück, ihr Stimme klang leise und gepresst, es schien, als würde sie jeden Moment explodieren. Ihre Augen waren zu kleinen Schlitzen geworden die Nygero und Acollon anfunkelten.
Acollon sah Nyota zornig und doch kühl an. Wieder regte sich etwas in ihm und er sah das weiße Übel knurrend an.
"Vielleicht wird dieser Kampf nicht jetzt stattfinden, aber irgendwann ist es unwiderruflich! Gegen dich darf ich nicht verlieren."
sagte Acollon wütend. Sein Körper war dem Boden zugeneigt, hinter seinen Augen entfachte sie das Feuer des Todes. Er würde kämpfen, dass war ihm klar. Banshees Worte ließen ihn etwas von der Aggressivität verlieren, und doch konnte er sich nicht beherrschen.
Ryai sah zu Nyota, ab diesem Zeitpunkt war es die Sache der Alpha und er war froh, dass sie reagierte. Er wandt sich nun ganz an Acollon.
"Ist mir egal was du darüber denkst, kein Wolf stirbt, wenn ich es verhindern kann und niemand wird zum Mörder, in meiner Gegenwart."
Nun schwieg er, den Schwarzen musternd. Schwarzer Teufel? Das waren Nygeros Worte gewesen, eine Ansicht die Ryai nicht teilte, kein bisschen. Er kannte Acollon kaum, dennoch mochte er ihn.
Unruhig spielten die Ohren des Rüden. Was waren das für Geräusche? Doch nicht etwa die eines Kampfes? Ohne Dayon noch einmal anzusehen lief er los, erst langsam, dann schneller. Als er die Alphafähen entdeckte, wurde er langsamer. Er roch Blut und spürte, dass die Situation sehr angespannt war. Er trat hinzu und beobachtete erst einmal nur. Nun wusste er sicher, das Kamui nicht da war, denn er hätte nicht zugelassen, das Sayo dies hier sah. Er musste alleine damit fertig werden, doch nicht mal er selbst glaubte, dass er es schaffen würde. Er konnte nur hoffen das Kamui zurückkam, denn sonst musste er Kaya den Körper überlassen, das war das letzte was geschehen durfte.
Der Dreigeist war erschienen. Acollons Blut wurde ruhiger als er diesen Wolf sah. Etwas Ängstliches und doch Ruhiges ging von ihm aus. Acollon zog eine Lefze bis zum Anschlag hoch.
"Alle Wölfe werden sterben, nicht jetzt, aber irgendwann schon! Und das weiße Übel wird uns als Erster verlassen"
knurrte er dem Jungwolf Ryai zu. Acollons Blick huschte zu Banshee, noch nie hatte er sie so wütend gesehen.
Banshee spürte, wie sie langsam ruhiger wurde, sie atmete einmal tief aus, dann setzte sie ein leichtes Lächeln auf.
"So, ich verbiete jetzt allen, weiter über Tod, Verderben oder sonst was zu reden! Wir gehen jetzt zur Höhle zurück, du hast dort neue Wölfe empfangen, Nyota, nicht wahr? Wir sollten sie alle kennen lernen und uns erstmal beruhigen."
Sie stand auf und schritt voraus, ihr Blick glitt über Acollon und ihr Lächeln wurde eine Spur wärmer, dann sah sie wieder geradeaus.
Ryai sah zu Kamui, oder zu dessen Körper, wer wusste schon, wer da gerade die Macht hatte. Er spürte die Unsicherheit und trat auf ihn zu, ihn freundlich anstupsend. Dann sah er zu Acollon.
"Acollon, die Alpha wird darüber entscheiden. Sie wird entscheiden ob er verbannt wird oder ob er hier bleiben kann. Auch du musst das akzeptieren. Genug Wölfe sind durch deine Zähne gestorben, wie willst du Frieden finden, wenn du damit weiter machst?"
Er sah den Schwarzen ganz ruhig an, absolut nichts sagend, war sein Blick.
Ryai trat zurück, und Nyota sprang vor Acollon, haarscharf verfehlten ihre aufeinander schnappenden Kiefer das Ohr des Rüden, ihre Pupillen hatten sich so weit verengt dass eine weiße Umrandung sichtbar wurde.
"Es liegt nicht an die darüber zu urteilen wer wann stirbt!"
knurrte sie ihm böse entgegen, dann glättete sich ihr Fell wieder, und sie trat zu Banshee, sie hatte dem nichts mehr hinzuzufügen und ihre Stimme sollte reichen um klar zu machen dass sie keinerlei Widerspruch dulden würde.
"Gehen wir..."
sagte sie, deutlich leiser, und behielt, während sie losging, die beiden Rüden genau im Auge.
Nyota war auf Acollon zu gesprungen.
"Oh doch"
flüsterte er leise und wandte sich ab. Banshees Lächeln ließ Acollon wieder ruhiger werden.
Wieder waren seine Gedanken so wirr, nicht die seinen und doch waren es seine Empfindungen und Gefühle. Er folgte Banshee, sah Ryai kurz an.
"Du hast Recht meine Zähne und Klauen haben viele Opfer gefordert und sie werden auch noch mehr fordern"
flüsterte Acollon dem Rüden zu und zwinkerte leicht.
Ryai schüttelte den Kopf. Er verstand nicht, wie man ein anderes Wolfsleben einfach so auslöschen konnte, doch er folgte Acollon und Banshee. Er hatte nichts mehr zu sagen, nur ein misstrauischer Blick galt Nygero, der Wolf der den Frieden in seinen Augen zerstört hatte. Ihn würde der Rüde im Auge behalten, so etwas würde nicht noch einmal passieren, nicht wenn er es verhindern konnte. Ein kurzer Blick lag noch auf Sayo, doch der Rüde würde sicher auch folgen.
Sayo legte den Kopf schief, die Stimmung entspannte sich und mit ihr auch er. Leichtpfotig trabte er hinter den anderen her, bis er neben Banshee angekommen war. Schutzsuchend? Er wusste es nicht genau, doch die Wölfin hatte dem Streit ein Ende gesetzt und strahlte eine gewisse Ruhe aus. Wedelnd lief er neben ihr her, die Rute gesenkt, dennoch in freundlicher Haltung.
"Sag, Alpha dieses Rudels, der Fremde? Er ist verletzt, sollte sich nicht jemand um ihn kümmern?"
Banshee sah zu ... Sayo? und nickte langsam, fast widerwillig.
"Ja, du hast wohl recht ..."
Sie drehte sich langsam zu ihrer Schwester um.
"Nyo, wir müssen wohl etwas für ihn tun, weißt du wie tief seine Wunde ist?"
Banshee drehte sich nicht um, sie blieb zwar stehen, aber sie wollte nicht zurück zu diesem Rüden, schon alleine seine Blicke gefielen ihr nicht und sie konnte fast Acollon verstehen ... aber nur fast.
Acollon lachte knurrend auf. Er hatte den Dreigeist neben Banshee gemustert, nicht das er ihr zu nahe kam. War es Eifersucht?
"Keine Angst, er wird es überleben"
sagte er höhnisch und trabte an Banshee vorbei, drehte sich und setzte sich. Der Dreigeist schien ein empfindliches Wesen angenommen zu haben, wenn er Banshees Nähe suchte. Ein kurzes Knurren galt ihm. Dann sah er zu Banshee.
Immer auf die Starken, dachte Nyota stumm, während sie zu Nygero sah.
"Ich guck mal..."
sieh schien von der Idee weniger begeistert, er war selbst Schuld, das nächste mal würde sie Acollon vielleicht nicht nur nicht aufhalten, sondern ihm eher noch zur Seite stehen...bah! Das weiße Ungeheuer gefiel auch ihr nicht, dennoch trabte sie zu ihm zurück, und begutachtete seine Wunde mit gut gespielter Sorge im Blick. Es schien nicht allzu gravierend, doch sollte sich die Bissstelle entzünden, könnte das den Tod des Rüden bedeuten...einen Moment lang stand sie in Versuchung, doch sie schüttelte sich und sah kühl zu dem Weißen hoch.
"Ich werde nachher ein paar Kräuter darauf legen, um einer Entzündung entgegen zu wirken...komm jetzt!"
Damit wandte sie sich ab und führte den Trupp zurück gen Höhle.
Sayo musterte den schwarzen Rüden schüchtern. War das Eifersucht in seinen Augen? Beschämt sah er zu Banshee, dann lief er zu Acollon und stupste ihn um Verzeihung bittend an. Seine Augen, die denen eines Welpen glichen sahen ihn an, er würde es respektieren, das Banshee die Wölfin des Schwarzen war. Nicht mal das Knurren brachte Sayo in diesem Moment aus der Ruhe, denn es war berechtigt gewesen und er vertraute Acollon so weit, das er ihn nicht gleich umbringen würde.
Banshee sah Nyo lächelnd nach, sie kannte ihre Schwester gut genug, um zu sehen, dass auch ihr das ganze missfiel, besonders dieser Rüde. Sie sah zurück zu Acollon und Sayo und bemerkte Acos Blick. Langsam ging sie auf ihn zu und berührte ihn leicht an der Schnauze, dann lächelte sie Sayo an, er war wie ein kleiner Welpe, den man beschützen musste. Ihr Blick glitt wieder zurück zu Aco, merkte er das nicht?
Acollon zuckte unwillkürlich ein Lächeln über die Lefzen. Wie konnte er bloß denken, dass dieser Rüde ihm seine Fähe wegnehmen würde?! Er schleckte kurz seiner Fähe über die Schnauze, doch sein Blick glitt wieder zu dem Rüden. Acollon erhob sich und ließ den Rüden nicht aus den Augen. Unerwartet stupste er ihn an:
"Du hast von mir nichts zu befürchten!"
Warum sprach er Worte aus, die er einem Rüden nie schenken wollte? Doch dieser schien etwas Besonderes zu sein. Acollon lächelte Banshee zu.
Sayo lächelte den beiden zu. Er fühlte sich wieder total wohl in seinem Fell, fürs erste war hier wieder Frieden eingekehrt, den er sehr genoss.
"Gehen wir zurück zu jenen beiden Wölfen die neu sind?"
Er erstarrte kurz und sah dann mit schlechtem Gewissen in jene Richtung.
"Ich glaube ich hab sie vorher einfach stehen lassen..."
Er Grinste beschämt und erhob sich wieder.
Acollon ließ ein leises Grollen vernehmen. Er mochte neue Mitglieder nicht. Er mochte fremde Wölfe sowieso nicht. Und dies sollte auch so bleiben, so befand er. Ein letzter Blick zu dem Rüden, dann schlich er wieder auf Banshee zu.
Sayo zuckte zusammen, als er das Grollen Acollons vernahm. Entgeistert sah er ihn an dann Grinste er, ein eigenwilliger Rüde, doch Sayo mochte ihn. Ruhig lag sein Blick auf Banshee, eine Wölfin die es schaffte, den Rüden ruhig zu machen, genauso wie es bei ihm selbst war. Wedelnd wischte seine Rute über den Boden.
Banshee lächelte den beiden Rüden zu, sie waren so unterschiedlich und doch wieder so ähnlich.
"Kommt, wir werden die beiden mal genauer untersuchen. Wer ist es denn?"
Sie trabte los und lies ihren Blick von Aco zu Sayo und wieder zurück wandern.
"Die sind sicher freundlich, ich würde sagen, dass du sie nicht so behandeln musst, wie Nygero."
Sie grinste, irgendwie kam sie sich fast vor, wie eine Mutter mit zwei Welpen, aber das sollte Aco wohl nicht hören ...
Acollon trabte Banshee hinterher, sein Blick ruhte auf dem Rüden. Er mochte ihn, das konnte er nicht leugnen.
"Bloß keine neuen Wölfe."
knurrte er leise. Er fühlte sich sicher und doch fremd.
Sayo trabte neben Acollon her, seine Ohren zuckten bei seinen Worten.
"Es sind Vater und Sohn, lerne sie kennen und sie sind auch nicht mehr fremd."
Er lächelte, ein ziemlich logischer Satz, der viel Wahrheit enthielt. Er selbst war doch eigentlich auch erst gestern angekommen, aber eher schon Freund als ein Fremder.
Acollon sah den Rüden nicht an. Seine Worte waren wahr. Aber Acollon mochte Wölfe nicht zum Freund haben. Er wollte nicht mit anderen leben müssen.
Doch mit Banshee war er gerne zusammen, und auch für diesen Rüden empfand er etwas Warmes. Er durfte die Wölfe nicht in Gefahr bringen, seine Freundschaft würde mit ihrem Tod belohnt werden. Acollons Lefzen zuckten leicht.
"Deine Worte sind wahr. Doch es ist besser, wenn sie fremd bleiben."
Sein Blick glitt in die Ferne. Damals als er zu diesem Rudel gestoßen war, war alles nur ein Spiel für ihn. Er konnte diese Wölfe jederzeit verletzen und gar töten. Jetzt schien es aber so, dass er sie nicht töten könnte. Er würde Banshee mit seinem Leben beschützen. Und was war mit diesem Rüden? Dreigeist nannten die anderen ihn. Aber für ihn mochten es drei Wölfe sein, egal ob ein Körper. Diesen Geist mochte er, er war gut und ruhig.
Banshee sah auf.
"Ein Welpe und sein Vater? Was führt sie zu uns? Und wo ist die Mutter?"
Sie sah besorgt aus, was war geschehen? Sie blickte zu Acollon, hatte er etwas erfahren?
Nygero hatte den Angriff des schwarzen Teufels über sich ergehen lassen.
Als die schwarze Alpha zu ihm kam und ihn mehr oder weniger das Angebot der Hilfe gab, lächelte er nur höhnisch. Hilfe brauchte er keine. Wortlos stand er auf und trabte wie selbstverständlich den anderen Wölfen hinterher. Auf die Reaktion des schwarzen Teufels war er besonders gespannt. Er erreichte die kleine Gruppe mit der weißen Alpha, dem schwarzen Teufel und einem anderem grauen Rüden. Nygero stellte sein Nackenfell auf, knurrte jedoch nicht und ließ seine Rute aufrecht stehen.
Sayo sah zu Banshee.
"Frag sie wenn wir da sind, ich weiß es auch nicht, doch sie wirkten misstrauisch und traurig. Der Welpe, Moon jedenfalls."
Sagte er ruhig und sah dann wieder zu Acollon. Die Worte des Rüden taten ihm weh, es tat ihm weh das er so dachte. Freunde waren wichtig, was war das Leben schon ohne sie?
Es schien so, als ob die drei ein interessantes Gespräch führten. Nygero nährte sich, das Blut tropfte auf den Boden, doch dies ließ er außer Acht. Den grauen jungen Rüden musterte er scharf und ließ ein Knurren hören. Er entblößte seine Reißzähne und schritt weiter auf die drei Wölfe zu.
Keine Sekunde lies Nyota das weiße Übel, wie Acollon ihn getauft hatte, aus den Augen, und beinahe wäre sie deswegen gegen einen Baum gelaufen. Wieso nur immer so ein Ärger? Erst Acollon der zu selbstsicher war, und nun dieser...sie fand kein Wort für ihn, noch nicht... Mit gesenktem Kopf lies sie sich ein Stück zurückfallen, um ihn sehen zu können ohne irgendwo gegen zu laufen... Was würde er wohl dem Kleinen an den Kopf werfen? Vermutlich musste sie sehr genau auf jedes seiner Worte achten, damit nicht die Falschen dabei wären...
Auf das Knurren des Weißen preschte sie wieder vor, und drängelte sich, selbst knurrend, zwischen ihn und die Gruppe.
Nygero seufzte schwer und betrachtete das scharlachrote Fegefeuer genau. Wie konnte man sich für seine so genannten Freunde opfern?! Diese Frage beschäftigte ihn so sehr, dass er sein Knurren fallen ließ. Außerdem wollte er den schwarzen Teufel nicht noch mehr reizen, er würde Nygero versuchen zu töten, dieser graue Rüde musste ihm viel bedeuten. Banshee, das stille Feenkind würde den Verlust ihres Gefährtens sicherlich sehr bedauern.
"Scharlachrotes Fegefeuer, oder Alpha Nyota, sagt mir eins, wie könnt Ihr Euch für Eure Freunde opfern?"
Banshee lächelte traurig Sayo zu und warf dann Nygero einen missmutigen Blick zu, was wollte der schon wieder? Als er anfing zu knurren, spannte sich wieder etwas in ihr, Nyo brachte ihm zwar zum Aufhören doch stumm war er nicht geworden. Mit entschiedener Stimme, die sich fast katzenartig in diesem Moment anhörte, fauchte sie:
"Ich warne dich, schweig, oder wir werden dich zum Schweigen bringen.“
Ihre Augen loderten und ihre Rute war steil aufgerichtet.
Sayo legte die Ohren an und wich einige Schritte zurück. Dieses Mal hatte das Knurren ihm gegolten, dabei hatte er doch gar nichts getan. Sein Körper zitterte und ihm wurde kalt. Er konnte Kaya nicht zurück halten, auch wenn er nicht wollte, dass die anderen das Dritte und letzte Gesicht des merkwürdigen Wolf sahen. Nein er wollte nicht, das Kaya ihnen etwas tat, das durfte er nicht.
Der Rüde gab ein böses Knurren von sich, seine eiskalten Augen lagen auf Nygero. Die Lefzen wurden hoch gezogen und jener Wolf, den man gerade noch für Harmlos gehalten hatte, wurde zur Bestie. Der Zorn der von ihm ausging, war deutlich zu spüren und so trat er an Nyota vorbei, direkt auf Nygero zu.
"Du Missgeburt glaubst wohl, du kannst dir alles erlauben, was???"
Nygero ließ nun ein höhnisches Lachen hören. Er fand den Charakterwechsel des Wolfes nicht beunruhigend, sondern eher provozierend. Lange gab es keinen Kampf mehr und es juckte ihm in seinen Tatzen.
"Ja, das glaube ich!"
sagte Nygero schnarrend und zog seine Lefzen hoch. Dieser Rüde mochte vielleicht stark sein, aber Nygero hatte ein größeres und kräftigeres Erscheinen. Er schritt ebenfalls auf den grauen Rüden zu.
"Aber sag, was erlaubst du dir?"
fragte er nun arrogant und kühl.
Banshee warf sich zwischen die beiden Rüden, sie hatte bemerkt, dass es nicht mehr Sayo war, der sprach, aber das war nun egal. Sie hatte keine Chance die zwei aufzuhalten, sie war eine Fähe, zwar recht groß, aber trotz allem keinesfalls in der Lage solche Rüden auseinander zu bringen. Nur ihre Worte waren noch für sie da.
"Hört auf!!! Sofort!"
Sie machte sich so groß, wie es ihr möglich war, noch immer war sie kleiner, als die beiden Rüden, aber ihre Augen funkelten bedrohlich und sie strahlte Macht aus. Die Macht Engayas.
Acollon hatte dem weißen Übel keines Blickes gewürdigt, doch als der graue Rüde sein Geist wandelte, ließ Acollon das lauteste Knurren vernehmen. Er sprang vor dem grauen Rüden und neben Banshee. Die Frage, warum man sich für seine Freunde opfern konnte, ging ihm auch öfters durch den Kopf, doch hatte er längst begriffen, dass er ohne Banshee nicht mehr leben wollte.
"Wage es nur einmal!"
Rief Acollon wütend. Er riss seine Schnauze weit auf und ließ ein Grollen hören.
"Ich töte dich! Dann, wenn du Banshee oder dem Seelenkind etwas antust!"
Mit Seelenkind meinte er den grauen Rüden, er kannte den Namen dessen nicht. Er verengte die Augen zu Schlitzen. Er spürte die Unsicherheit seiner Fähe, doch wenn auch nur einer der beiden ihr Leid zufügten, würde dieser Jemand sterben!
Kaya knurrte erböst, als man sich zwischen ihn und die Ausgeburt der Hölle stellte. Geschickt umlief der Graue die beiden und rammte dann Nygero brutal. Er selbst blieb nach der Kolision bewegungslos stehen und betrachtete den Rüden aus seinen kalten Augen, die dennoch zu brennen schienen. Ein weiteres Knurren verließ seine Kehle, dieses mal voller Hass, der nur jenem galt, der da grade strauchelte.
"Was erlaubst du dir, als Neuankömling, kennst du dummer Wolf die Regeln eines Rudels etwa nicht?"
Verachtend sah er ihn an, er wusste das er eine gute Chance hatte, zu gewinnen, eine bessere als Nygero aufjedenfall.
Banshee entfuhr ein Knurren, als ... Kaya? sie ignorierte. Es war nur leise, aber durchaus hörbar. Mit bedrohlich langsamen Schritten ging Banshee auf ihn zu und stellte sich erneut zwischen ihn und Nygero.
"Überlass das mir, ich kann und werde ihn zurechtweisen."
Sie stieß den großen Rüden mit der Schnauze an, es war eine schwache Geste, aber sie sollte ihm nicht wehtun oder schwächen, sondern nur sie spüren. Dass sie da war und das sie wusste, was sie tun musste. Und es war eine Geste Engayas ...
Acollon knurrte immer lauter. Wieder schien einmal die Gier des Todes tiefer zu stecken, als die Vernunft und die Liebe zu Banshee. Ohne Vorwahrung sprang er Nygero an die Kehle und verbiss sich wieder, diesmal ließ er seine Augen offen und merkte wie jede Faser des Gewebes riss. Doch anstatt ihn zu töten ließ er wieder ab. Mit blutiger Schnauze wandte er sich an das Seelenkind.
"Lass ihn!", zischte er laut. "Der Einzige der ihn töten wird, bin ich!".
Acollons Haltung war nicht aggressiv, sondern wehrlos. Sollte der Graue versuchen ihn zu töten, oder auch Nygero. Wenn er dies tun würde, war es der Beweis der Vermutung, dass man niemanden vertrauen kann und das es wahre Freunde nicht gab!
Kaya stieß Banshee unsanft zur Seite, er zog warnend die Lefzen hoch, doch er tat ihr nichts. Als er an ihr vorbei war und direkt vor Acollon stand knurrte er und verengte die Augen.
"Wenn ich ihn nicht töten darf, darfst du es auch nicht!!!"
Meinte er trotzig. Sein Knurren verstummte, alles war gesagt und der Rüde stand vor dem Schwarzen und sah an ihm vorbei zur Ausgeburt der Hölle. Dieser Wolf musste sterben oder verbannt werden, es würde nie wieder frieden hier geben, wenn Banshee, so lieb und gut sie auch war, nicht jetzt etwas unternahm. Er wartete, sie sollte etwas dazu sagen und als er sie ansah, musste der Fähe klar sein, was er wollte.
Das Verhalten des Grauens machte Acollon immer zorniger. Niemand würde Banshee etwas antun, auch wenn es nur ein leichtes Stoßen war.
"Ich warne dich!"
knurrte Acollon, doch das Knurren war nur Spiegel seines Zornes.
"Dieser Wolf wird sterben, dann wenn es Fenris beliebt! Und wann ich es für Richtig halte!"
zischte er kühl. Er wusste nicht warum er diesem Wolf das Leben rettete, eigentlich konnte ihm das egal sein.
"Aber gut, wenn du ihn töten möchtest, bitte! Wenn du deine Freunde enttäuschen willst, wenn du dein Zorn, die Sicherheit deiner Freunde vor die Zuneigung zu ihnen vorziehst! Tu es."
sagte Acollon nun mit einer listigen und doch ruhigen Stimme. Er warf einen verächtlichen Blick zu Nygero.
Plötzlich verstummte die Tierwelt, die Sonne schien sich zu verdunkeln und der leichte Wind legte sich ganz. Ein leises Summen erklang, welches langsam lauter wurde, es war tief und klang warm, in der Luft roch es nach reinem Wasser und jungen Blüten. Die Wölfe hielten inne, schwiegen und lauschten. Dann war alles wieder vorbei, einzelne Vögel begannen zu zwitschern, der Wind kam wieder auf und die Sonne schien normal. Nur eins blieb stehen von der kurzen Stille ... Frieden.
Banshee sah zwischen den drei Rüden hin und her. Sie hob den Kopf und ein leises Lächeln umspielte ihre Lefzen. Ihr weißer Pelz strahlte im hellen Sonnenlicht und fast war es, als würde ein Schimmern sie umgeben. Sie schwieg weiterhin doch jeder Blick, den hungrige Wolfsaugen auffingen bedeutete genug für tausend Worte.
In Acollons Brustkorb hob sich die Wut. Etwas Angewidertes und Verachtendes. Diesen Frieden mochte Fenris nicht so hinnehmen. Acollons Blut schien zu kochen, doch er zwang sich ruhig zu bleiben. Regungslos sah er seine Fähe an, der Blick musste kühl und falsch wirken, er versuchte ein leichtes Lächeln.
Kaya verstummte, ehe er überhaupt reagieren konnte. Misstrauisch sah er sich um und seine kalten Augen ruhten kurz auf Banshee, nicht für lang, dann sah er wieder zu Acollon.
"Wer von uns beiden ist denn der Mörder?"
Die Lefzen wurden wieder hoch gezogen.
"Wenn ich die Sicherheit vorziehen würde, müsste ich wohl eher dich töten, denn du bist kein Stück besser als er, im Gegenteil, wahrscheinlich bist du noch gefährlicher!"
Er schwieg kurz, am liebsten hätte er mit beiden Übeln kurzen Prozess gemacht, doch der andere nervige Geist hatte es ihm verboten. Kaya hörte ständig die Stimme Sayos, der wollte, dass er verschwand, doch das würde er nicht mehr. Kamui dieser Schwächling musste erst wieder aufkreuzen, damit er übernahm, solange blieb er. Da konnte Sayo nerven so viel er wollte.
"Ich diene niemandem und Freunde habe ich genauso wenig. Acollon du wirst Nygero nicht töten, sonst lernst du mich kennen! Und wage nicht, Sayo jemals weh zu tun, denn dann nimm ich dir, was dir lieb ist!"
Der Blick lag auf Banshee und diesem Wolf, würde man die Worte wohl sofort glauben. Er wollte noch etwas hinzufügen, dann spürte er, wie Kamui endlich wieder aufwachte und die Augen des Rüden verloren ihre Kälte und den Zorn.
Kamui sah sich verwirrt um, wie er so plötzlich wieder den Körper hatte. Müde schien er, dabei hatte er doch geschlafen. Er sah zu Acollon, voller misstrauen, dann zu Nygero, dem sogar ein angewiderter Blick galt. Er verstand die Situation erst nach einer ganzen Weile. Er schwieg und sah zwischen Banshee und Acollon hin und her. Ihm wurde klar, das Sayo den Körper hatte und es war seine Schuld, weil er nicht da war.
Banshee zog eine Augenbraue leicht hoch und sah zu Kaya, er war nicht mehr Kaya, er war wieder Sayo. Oder Kamui? Egal, jetzt würde er wohl nicht mehr aggressiv sein.
"Niemand wird hier irgendjemand töten, jetzt beruhigt euch und lasst die sinnlosen Streitereien. Damit wird hier niemandem geholfen."
Ihr Blick wanderte zu Acollon und sie sah ihm genau in die Augen.
"Für mich, Acollon ..."
Acollon war auf den Dreigeist zu gesprungen und hatte seine Schnauze aufgerissen, und wollte gerade zubeißen, doch er hielt inne und sah den grauen Wolf wieder an. Ihm war nicht zu trauen, Acollon würde Banshee nie wieder in die Nähe dieses Wolfes lassen, sonst würde es ihr Tod bedeuten. Ja, ein Mörder war er. Aber was war auch anderes zu erwarten. Er war kaltherzig genug um Welpen langsam und qualvoll sterben zu lassen. Er machte keinen Unterschied zwischen Lebewesen und Gegenständen. Dieses Gefühl zu lieben, hatte er schon fast vergessen, er sah zu Banshee.
"Niemals wirst du sie töten! Niemals!"
knurrte er aufbrauend. Doch der Geist schien sich gewandelt zu haben. Skeptisch und fast aggressiv stand er ihm gegenüber. Doch sein Blut wurde wieder ruhiger. Er konnte sich diesmal beherrschen, doch wenn es ein nächstes Mal geben würde, mussten einige Wölfe ihr Leben lassen.
"Wer bist du?"
fragte Acollon den Grauen. Als Banshee ihm in die Augen sah, wurde ihm schwer ums Herz, etwas zog ihn hinunter.
23.12.2009, 14:54
Kamui sah zu Nygero. Er setzte sich und atmete schwer. Dann sah er zu Banshee.
"Tu endlich was gegen diesen Rüden, Banshee, du weißt nicht was Kaya tut, wenn diesem, meinem, unserem Körper leid zu gefügt wird, du vermagst nicht einmal, es dir vorzustellen!"
Er keuchte, was war nur mit ihm los, wieso fühlte er sich so unendlich müde? Er sah zu Acollon, der direkt vor ihm war. Der folgende Satz würde dem Rüden sagen, wer er war.
"Beschütze Sayo, hörst du, lass nicht zu das ihm etwas geschieht!"
Unsicher blickte Sayo sich um, wo war Kamui nun wieder? Was war mit ihm los? Er spürte seinen Bruder, doch konnte er keinen Kontakt mit ihm aufnehmen. Er sah sich um und konnte keinen Toten erkennen, hieß das etwa Kaya hatte niemanden getötet? Wedelnd sah er zu Banshee und Acollon. Für ihn war die Welt wieder in Ordnung, denn keiner hatte sterben müssen. Als er zu Nygero sah, hatte sein Blick etwas von Kamuis Misstrauen, doch es waren wieder die Augen des Rüden, der wie ein Welpe schien.
Banshee sah den veränderten Blick und ihr wurde klar, dass Sayo wieder gekehrt war.
"Oh Sayo ..."
Sanft fuhr sie ihm mit der Zunge über die Ohren und sah dann zu Nygero. Sie sollte etwas gegen ihn machen ... aber was? Man kann andere nicht ändern, nur wenn sie sich ändern wollen. Ihr Blick blieb an Acollon hängen und sie dachte an Kamuis Worte zu ihm. Noch immer lächelte sie, Nygero würde dieses Rudel nicht zerstören, sie würden ihn im Zaum halten, und wenn nicht, musste er gehen. Das schwor sie sich, bei ihrer Liebe zu Acollon und Sayo.
Sayo schmiegte sich an Banshee, dann sah er zu Acollon, geduckt, denn er wollte nicht, das der Schwarze das missverstand. Die letzten Worte Kamuis hatte er gehört, doch das ließ er sich nicht anmerken, dennoch war er auf Acollons Reaktion gespannt. Er dachte ein bisschen über Kaya nach, was hatte er getan, wenn er niemanden getötet hatte? Vielleicht war er doch nicht so böse und es gab gar keinen Grund vor ihm Angst zu haben?
Acollon sah den Grauen an, diese Worte... war es eine Bitte? War es das Flehen eines Freundes? Acollon wich ein paar Schritt zurück, seine Augen waren einzig und allein auf das Seelenkind gerichtet.
"Ich kann ni..." Doch er unterbrach sich selbst. "Ich werde mein Bestes geben, auch wenn mein Bestes nicht gut genug sein wird."
sagte Acollon fest. Ein wahres Lächeln umspielte seine Lefzen. Er schritt auf den Grauen zu und drückte seinen Kopf auf seine Schulter. Nun konnte er Banshee und die Augen sehen. Er liebte Banshee und würde darauf achten, dass niemand ihr etwas tun würde, doch nun würde er auch Sayo beschützen.
"Wir werden es schon schaffen"
flüsterte er leise.
Banshee lächelte Acollon an und küsste ihn auf die Schnauze, dann stupste sie Sayo liebevoll an.
"Ich werde für dich da sein, Sayo, wann immer du mich brauchst. Hab keine Angst."
Nach diesem schrecklichen Streit fühlte sie sich wundervoll warm und geborgen im Kreis ihrer Familie schien Nygero nicht mehr zu existieren. Der Streit und all das Blut waren fort, nur noch Liebe blieb übrig.
Sayo lächelte seinen beiden Freunden zu. Er schleckte Acollon lieb über die Schnauze und wedelte. Er hatte ein zuhause gefunden und die Wärme und Liebe ließ ihn sogar seine Sorge um Kamui vergessen, auch seine Ansgt vor Kaya. Es sollte immer so friedlich bleiben, fand er.
Acollon nickte kurz.
"Banshee hat Recht, wir werden für dich da sein."
sagte er leise. Warum auf einmal so freundlich? Was war mit ihm geschehen? Liebte er denn so sehr, dass er keine Wut und keinen Zorn spürte? Er seufzte und sah seine kleine Familie an.
Banshee schloss kurz die Augen und schmiegte sich an Acollon, dann stand sie langsam auf.
"Lasst uns zurück zur Höhle gehen, jetzt haben wir die zwei Neuen schon wieder stehen gelassen."
Sie lächelte die zwei an und ihr Herz wurde von einem weichen Schleier eingehüllt.
Sayo stupste die beiden noch mal an und eilte dann davon. Noch länger sollten Moon und sein Vater nicht warten, der Rüde blieb erst wieder stehen, als er die beiden erreicht hatte, als wäre er nie fort gewesen, stand er vor Dayon und wartete auf dessen Antwort. Ein bisschen entschuldigend blickte er drein.
Acollon ließ ein weiteres Seufzen vernehmen und sah Sayo nach.
Schließlich stand er auf und schmiegte sich an Banshee.
"Wir bräuchten dringend eine Vermählung! Damit es endlich offiziell ist."
sagte er, ohne seine Fähe anzusehen. Seine Schritt wurden etwas schneller und er erreichte mit zwei Sätzen Sayo und die neuen Wölfe.
Banshee sah Acollon nach und schloss glücklich die Augen. Dann folgte sie ihm und stoppte an seiner Seite. Warm lag ihr Blick auf dem kleinen Welpen und etwas fragend auf dem Rüden, der seltsam schien.
"Hallo, ich bin Banshee und wer seid ihr?"
Kurz wanderte ihr Blick zu Acllons Augen und ließen ihn ihre stumme Freude und Zustimmung sehen, dann war ihre Aufmerksamkeit wieder auf die beiden Fremden gerichtet.
Dayon nahm stumpf das Verschwinden sämtlicher Wölfe wahr. Jetzt waren wieder er und Moon alleine. Liebevoll fuhr er mit der Zunge über den kleinen Körper. Doch kurz darauf kamen sie schon wieder zurück, der Rüde, der bei Moon gewesen war, der seltsame Schatten und eine weitere Fähe. Sie sprach ihn an, doch ihre Worte schwammen seltsam an ihm vorbei. Nur die Worte des Rüden von Vorhin waren ihm noch im Gedächtnis, er wollte Moon nichts tun.
"Dayon."
sagte er leise, dann sah er mit trüben Augen zu ihm auf. Der Blick des Gegenüber erinnerte ihn so an Moons Augen und an seine eigenen, im Glück.
"Und Ihr?"
Sein Kopf sank wieder nach unten und erneut fuhr er mit der Zunge über Moons Körper.
Acollon betrachtete den Rüden und den Welpen skeptisch, wenn sie ebenfalls eine Gefahr für Banshee und Sayo bedeuten würden, musste Acollon handeln. Er richtete sich leicht knurrend auf, nicht als Drohung eher eine Geste der Warnung!
"Acollon."
schnarrte er leise. Und richtete seinen Blick auf den Welpen.
Immer waren alle so traurig und verletzt, Sayo konnte es einfach nicht stehen. Er schmiegte sich erst an Dayon und wandte sich dann Moon zu.
"Glaub mir, egal was du erlebt hast, hier wirst du es schön haben."
Er stupste ihn erneut an und setzte sich dann dicht neben ihm.
Nygero hatte sich erhoben. Den Wandel des Charakters des Grauens hatte er lässig einstecken können, auch die Angriffe und die Schmähungen steckte er einfach ein.
"Oh Kleiner"
sagte er leise und dachte an den grauen Rüden. Eigentlich hatte er es nicht beabsichtigt, doch hatte er eine kleine Familie zusammen geführt. Er folgte den anderen Wölfen zu zwei weiteren Wölfen, einen Welpen und einen Rüden. Nygero setzte sich abseits zu den Wölfen. Er schwieg und leckte sich sein Blut vom Hals.
Schon wieder musste Nyota herumwirbeln, und war zwischen die Rüden gesprungen, knurrend und schnappend. Doch diesmal gab es zumindest für Acollon und Nygero keine Warnung mehr, Acollon schenkte sie einen Riss im Ohr, Nygero dagegen stanzte sie ein schönes Loch, allein Sayo, oder vermutlich eher Kamui, bedachte man dass Kaya wohl viel schneller wäre, war ja nicht vorbestraft, und so schnappte sie nur bei ihm daneben.
"Für wen haltet ihr euch?"
fauchte sie, von Acollon zu Nygero hin und hersehend.
"Wer hier stirbt oder nicht entscheiden alleine ich und Banshee! Und..."
sie machte eine Pause, um Nygero ein warnendes Knurren zu schenken.
"Rührst du sie an, ist dass dein Ende!"
sie schrie nicht, nein, sie war viel zu ruhig...dass passte nicht, doch es schien Absicht zu sein...voller Wut hatte sie gesprochen, besonders die letzten Worte, doch sonderbar leise nun, ganz ohne die übliche Aggressivität...
So folgte sie nun wieder Acollon, Sayo und Banshee, die sich wohl ziemlich gut verstanden...auch wenn es nun nicht mehr allzu offensichtlich war, waren alle ihre Sinne auf den, hinter ihr laufenden, Nygero ausgerichtet...
Fast frech und provokant betrachtete er die schwarze Fähe. Er schleckte das letzte Blut von seiner Schnauze. Nygero erhob sich wieder und sah in die Ferne. Diesmal schien sein Blick sanft und klar. Wortlos schritt er an den Wölfen vorbei. Sein Standpunkt war gesichert, keiner würde auf die Idee kommen und sein Freund werden zu wollen. So war es richtig, so war es gut!
“Besser so"
seufzte er schwer.
Acollon begutachtete seinen Riss im Ohr. Er war nicht gerade groß, aber zeichnete ihn. Sein Körper war schon oft gezeichnet worden, auch seine Seele hatte Narben und Risse, doch die konnte man nicht sehen! Aus den Augenwinkeln sah er wie Nygero in die Ferne sah, sein Blick war plötzlich so anders, sanft und harmlos. Etwas bewog Acollon dazu sich zu erheben und ihm zu folgen. Nicht aus Streitabsichten, sondern einfach nur so. Mit schnellen und großen Sätzen hatte er den Fremdling eingeholt.
"Nygero, so war doch dein Name?!"
fragte er neutral, nicht freundlich, aber auch nicht aggressiv. Er sah den Wolf nicht an sondern schritt in einem großen Abstand neben ihn her.
"Ich glaube nicht, dass du dein wahres Ich zeigst, aber das kann mir egal sein! Doch solltest du vielleicht über deine Lebenseinstellung mal nachdenken!"
Diese Worte kamen wie von selbstverständlich. Es waren die Worte die Banshee in ihm geweckt hatte. Ihm war es eigentlich egal, ob dieser Wolf die Worte annehmen würde oder nicht! Er wollte sie nur gesagt haben und doch wusste er, Nygero würde von seiner Pfote sterben! Durch seine Reißzähne, egal was Nyota, Banshee oder Sayo sagten! Ohne die Antwort abzuwarten lief Acollon zurück und ließ sich abseits von den Wölfen nieder. Skeptisch betrachtete er den Rüden.
Yakatavo blieb einfach nur ruhig hinter Aya. Er wollte nicht aufdringlich sein. Er war müde und wollte jetzt nicht so viel reden.
Sayo beobachtete Nygero und Acollon genaustens. Untyisch für ihn, der doch keiner Fliege etwas zu leide tat, war, dass er an Acollons Seite gekämpft hätte, jedenfalls soweit Kaya und Kamui das zugelassen hätten. Die Veränderung in den Augen Nygeros war ihm nicht entgangen, dieser Sache würde er noch auf den Grund gehen, doch erst einmal wollte er für Moon da sein und Dayon, sofern dieser seine Freundlichkeit annahm. Die Rute des Grauen wischte den Boden, ein weiteres Mal stupste er Moon fürsorglich an und schleckte ihm dann über den Kopf.
Nygero war wortlos weiter gegangen, für eine richtige Antwort war auch keine Zeit, denn der schwarze Teufel, oder auch Acollon war wieder verschwunden. Eigentlich hatte er Recht! Nygero versteckte seine Freundlichkeit, Wärme und seine Liebe. Er brauchte nie wieder leiden, wenn er er diese Eigenschaften versteckte.
"Meine Lebenseinstellung wird sich nicht ändern"
sagte er scharf zu sich selbst. Er war ohne wirklich darüber nach zu denken zum See gelangt und sah sich um. Kein anderer Wolf schien anwesend zu sein. Nygero schritt ins seichte Wasser und legte sich dort hin. Sein Spiegelbild wellte leicht im Wasser. Ein kalter Wind zerzauste ihm sein Fell. Doch jetzt war es nicht mehr sein Spiegelbild, es war das Spiegelbild eines freundlichen und doch verräterischen Wolf, er schnappte nach dem Wasser, traf aber nur seine Tatze und verbiss sich in ihr, er bemerkte nicht wie er seine eigene Haut zerriss und sein eigenes Blut heraus strömte. Das Wasser färbte sich rot. Nygero war aufgesprungen und hatte von seiner Pfote abgelassen. Keuchend sah er sich um, außer ihm und ein paar Hasen die ihn beobachtet hatte, war keiner da. Die Hasen schienen sich über ihn lustig zu machen, sie nannten ihn Verräter. Nygero sprang gehetzt auf die Hasen zu, dem ersten brach er die Hinterpfoten, den zweiten Hasen schlug er mit einem Hinterlauf an einen Baum, den dritten bekam er beim Ohr zu packen und riss es ab. Blut spritzte auf den Boden, die anderen Hasen konnten fliehen. Der Hase der nur noch ein Ohr hatte lief gegen eine Baumwurzel und fiel zur Seite um.
Nygero trat zum Hasen der die gebrochenen Hinterläufe hatte, doch er würde ihn nicht töten, er würde jämmerlich verhungern. Der Rüde betrachtete sein Werk, doch die aggressive und blutrünstige Ader hörte auf zu pochen. Er musste hier verschwinden, bevor die anderen Wölfe ihn so sahen.
Nygero trabte auf den Wald zu. Er schritt am Seeufer entlang und dachte wieder an die Worte von Acollon.
Er knurrte sauer und wütend auf ...
Ayala hatte sich in den Schatten eines Baumes gelegt, sie hasste Streit und versuchte ihm so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Aber sie wusste, dass dies keine Möglichkeit war, irgendwann müsste auch sie sich einem solchen Streit stellen, sie konnte nicht immer weglaufen! Sie beobachtete aus der Ferne Dayon und Moon. Sie spürte einen plötzlichen Schmerz. Ja, so hatte einst ihre kleine Familie ausgesehen...sie vermisste sie alle so schrecklich, wollte in der Vergangenheit versinken, einfach verschwinden. Nein, wenn sie ehrlich war, wollte sie hier auch nicht mehr weg. Dieses Rudel hatte ihr eine neue Familie gegeben, jeder hatte seinen eigenen Charakter. Jeder bedeutete ihr etwas, mancher mehr, mancher weniger und doch gehörten sie alle zusammen. Sie spürte Hoffnung. Sie wollte es auch Dayon und Moon schenken, dieses Gefühl der Geborgenheit und der Zusammengehörigkeit. sie sollten wieder spüren, was Glück und Freude am Leben bedeutete.
Moon genoss die Zärtlichkeiten seines Vaters, er hatte sich ihm schön lange nicht mehr so nahe gefühlt. Und trotzdem, selbst jetzt, verspürte er dieses unaufhörliche Gefühl der Angst. Es erdrückte ihn, er glaubte, gleich würde jemand aus dem Gebüsch springen und ihn packen. Dieser Albtraum, der schon immer in seinen Kopf gewesen war, drängte ihn weiterzuflüchten.
Er hob blitzschnell den Kopf und sah seinem Vater eindringlich in die glasigen Augen:
"Vater, wir müssen los! Weiter! Sie kommen, sie werden uns..."
Er erstarrte, dort war etwas hinter ihm, er wusste es. Waren sie es? Er drehte vorsichtig seinen Kopf und riss erstaunt die Augen auf. Dort stand eine weiße Fähe, blickte ihn mit ihren weichen Augen an und fragte mit einer Melodie in der Stimme, die er zuvor noch nie vernommen hatte, wie er hieß.
"Ich bin Moon!"
Sagte er mit Stolz und Würde in der Stimme, sein Herz war wieder wie versiegelt.
"Seid gegrüßt, Banshee, ihr müsst sicher die Alpha sein..."
Acollon musterte den Welpen skeptisch. Er schien eine Angst zu haben, seine Haltung wirkte normal, doch seine Augen waren die eines einsamen Welpens.
Der Rüde grummelte leicht. Er mochte nicht über das Schicksal anderer nachdenken, es war ihm nicht vermacht, denn er würde es eh nicht ändern können. Acollon erhob sich und setzte sich neben seiner Fähe, Banshee, und sah den Welpen in die Augen. Es war ein kühler und überheblicher Blick, wie immer war seine ganze Art verschlossen und etwas arrogant, sowie kalt.
Moon schreckte auf. Plötzlich war aller Glanz, den Banshee ausgestrahlt hatte, verschwunden, wie eingesaugt von dem dunklen Rüden, der nun vor ihm saß. Moon stieß zurück, rannte gegen seinen Vater, er kläffte gehetzt und wie in Todesangst. Er kannte diese Augen...er würde sie niemals vergessen.
Acollon musste unweigerlich ein gemeines und hässliches Grinsen aufsetzen, als ob er diesem Welpen schon kannte sagte er:
"Erkennst du mich?"
Aber Acollon kannte den Welpen nicht. Weiter ringend kämpfte sich wieder seine andere, die von Banshee geliebte Seite hervor. Eine Leere trat wieder in seinen Augen ein und er stand auf, jedoch nicht um zu gehen, sondern um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. Sein Blick ruhte weiterhin auf den Welpen.
Banshee sah erstaunt die Veränderung Moons, als Acollon zu ihnen kam. Ihr Blick wanderte auf ihren Gefährten, dann wieder zurück zu Vater und Sohn. Was hatten die beiden erlebt? Wie konnte ein Wolf so anteilnahmslos werden, wie es Dayon war? Sie schwieg weiterhin, beobachtete den kleinen Moon. Er schien so erwachsen, fast, als müsse er für seinen Vater sorgen. Langsam sah sie sich um, wo war schon wieder dieser Nygero hin? Sie kräuselte leicht die Lefzen, blieb aber sitzen. Einen kurzen Blick warf sie noch Nyota zu, bevor sie sich wieder dem Welpen zuwandte.
Dayon hörte das verängstigte Kläffen Moons und schreckte auf. Zum ersten Mal schien er die Welt um sich herum wahr zu nehmen. Mit einem Sprung, der so plötzlich kam, dass selbst er nicht gedacht hatte, dass er sich auf den Pfoten halten könne, stand er über Moon. Und knurrte, zuerst ziellos einfach zu allen Wölfen, die herum standen. Dann entdeckte er in der kurzen Phase, in der er wirklich mit seinen Augen sah, mit seinen Ohren hörte und mit seiner Nase roch, den schwarzen Wolf, vor dem Moon geflüchtet war. Er keuchte leise
"Jahlay ..."
fast schien er zusammen zu brechen.
"du hast ..."
Er verstummte, sein Blick wurde wieder trüb, seine Sinne verschlossen sich, leise sagt er:
"Tod."
Moon hatte flüchten wollen, wie immer. Er wollte wegrennen, weit weg, alles vergessen. Doch jetzt konnte er nicht mehr weg - er konnte seinen Vater nicht so hilflos zurücklassen, er würde für ihn kämpfen, wie er früher für Jahlay hatte kämpfen wollen, er machte sich heute noch Vorwürfe deswegen...hätte er doch nur etwas getan...
"Vater!"
schützend stellte sich Moon vor den bebenden Körper seiner einzigen Bezugsperson.
Leise knurrte er, er hörte nicht wie kläglich es klang, er glaubte es sei ein furchteinflößendes Grollen; aber den Hass konnte man eindeutig darin erkennen. Das war das einzige Gefühl, das Moon je wirklich gehabt hatte: HASS und ANGST.
Er hatte sich diesen Augenblick in seinen schlimmsten Träumen vorgestellt, wie er vor ihm flüchten würde, er, der das Unheil gebracht und das Leben zerstört hatte. Doch nun war alles ganz anders, er stand ihm gegenüber - Auge in Auge.
Der aufgesprungene Wolf sah einen Moment so aus, als ob er wieder richtig leben würde, doch dann erblickte er Acollon und gefror wieder zu einem unscheinbaren und dicken Eis. Acollon verstand die Worte nicht genau, doch konnte dieser Wolf sich nicht irren, ja, der Tod stand mit Acollon in Verbindung und auch umgekehrt. Ohne es wieder zu wollen, musste er falsch lächeln. Seine Haltung wurde angespannter, wieder gab es einen Kampf zwischen gut und böse, Fenris und Acollon, wer den Körper benutzen durfte. Doch anders als bei Sayo, dem Dreigeist, hatte Acollon kaum Kontrolle darüber, wann Fenris sich zu schaffen machte, und auch wusste Acollon nicht was er in diesen Sekunden tat.
"Dayon ..."
sagte er leise. Er kannte den Wolf doch gar nicht und doch sprach er diesen Namen aus. Etwas verwirrt und doch kühl sah er von dem Welpen zu Dayon. Das klägliche Knurren des Welpen machte Acollon mit einem tiefen Grollen zu Nichte.
Ayala beobachtete gespannt das Geschehen, nun war sie ganz dicht hinter Dayon und Moon. Sie schaute entsetzt um sich. Hatte sie das etwa richtig verstanden? Sogar Dayon, der ihn doch noch gar nicht kennen konnte, brachte Acollon mit Tod in Verbindung. Dann glaubte sie zu verstehen...nein, das konnte doch nicht sein! Sicher hatte sie die Reaktion des aufgeregten Welpen falsch gedeutet, sicher war alles ganz anders... Sie sah wie Dayon schwankte, er drohte zusammenzubrechen, sie wusste nicht, was sie tun konnte, sie hätte den beiden Neuen gerne beigestanden, was immer auch passiert war, das sie nicht wusste. Doch sie erinnerte sich zurück - es bedurfte in erster Linie Vertrauen, um helfen zu können, es war noch zu früh.
Dayon hörte wie aus weiter Ferne seinen Namen aus dem Mund des schwarzen Wolfes. Er zeigte keine Reaktion, nur langsam schritt er von Moon und dem Wolf davon. Sein Schritt war schwankend, seine Bewegungen unendlich langsam. Jahlay, dachte er, Jahlay, und immer wieder Jahlay. Und dieser Wolf ... dieser Wolf ... . Jahlay und dieser Wolf ... und er, Dayon und dieser Tag und diese Welt, die zerstört ist. Für immer ... Tod, Jahlay, Wölfe, Tod, Moon, Dayon, Tod, nie mehr, Jahlay, schwarze Wölfe, Tod ...
er spürte, wie seine Pfoten unter ihm nachgaben, er fiel ins weiche Gras, hart wie Stein.
Ayala sah wie sich Dayon mit seiner noch gebliebenen Kraft aufrichtete und sich mit schwankendem Stolpern wegschleppte. Keiner folgte ihm bis jetzt. Ayala sah die anderen an und wollte ihnen damit klarmachen, sie würde ihm folgen, würde ihm nachgehen, die anderen sollten sich um Moon kümmern.
Moon sah seinem Vater erschrocken nach. Was hatte er vor? Wollte er gehen - ohne ihn? Er schluckte, spürte einen Kloß in der Kehle, der ihn fast erstickte. Tränen rannen ihm jetzt über die Augen, inzwischen fühlte er keine Scham mehr, sollten sie doch denken von ihm, was sie wollten. Er wollte vergessen...
Er wusste, sein Vater wollte nicht ohne ihn gehen, doch er hatte nicht mehr genügend Kraft, um seinen Stolz und seine Würde, sein natürliches Verteidigungsverhalten zu zeigen, er hatte alles verloren, das ihn bereichert hatte...
Deshalb sah nun auch Moon keinen Sinn mehr, wofür sollte er nun noch kämpfen? Für sich selbst? Er war doch auch nichts wert, zumindest war sein Leben so unerfüllt, dass es nicht mehr lohnte, dafür zu kämpfen.
Acollon hatte Dayon nachgesehen und erkannte diesen Schmerz. Er selbst fühlte keinen Sinn zu leben, nur Banshee hatte ihm einen gegeben. Und dann sah Acollon zu dem kleinen Welpen, der auch einen Schleier der Welt verlor, wie ein Wolf der gleich sterben würde und diesen Augenblick erwartete. Acollon hatte Fenris fern gehalten und knurrte nun noch lauter, er sprang auf den Welpen zu. Mit einem Hinterlauf stieß er ihn unsanft zu Seite. Dann stellte er sich knurrend über ihn und schnappte mehr nach Luft als nach ihm.
"Wage es ja nicht aufzugeben!"
knurrte er. Ein tiefes Grollen entfuhr seiner Kehle. Seine Augen funkelten den Welpen an.
"Sterben tun alle Wölfe! Die einen früher die anderen später!"
schrie er den Welpen an.
"Wenn ein geliebter Wolf geht, dann ist es schwer. Aber würde sich dieser geliebte Wolf freuen, wenn seine Familie so dahin siedet? Würde er wollen, dass ihm die liebsten Wölfe so traurig sind? Du hast nun für diesen Wolf mit gelitten, nun lach auch für ihn mit!"
Acollon wurde immer leiser und musste die letzten Worte fast heraus würgen.
"Oder willst du gleich sterben?"
fragte er kühl. Seine Augen wurden wieder ausdruckslos und kalt. Er war der Tod, und nichts konnte sich daran ändern. Er würde immer über den Tod sprechen und hören müssen, und das war gewiss nicht leicht. Seine Gedanken lagen bei Banshee, auch er wollte nicht leben, doch er konnte nicht sterben, der Todeswächter konnte nicht sterben. Doch jetzt liebte er, er liebte einen Wolf, er liebte Banshee, und lebte auch für sie.
Ayala setzte sich neben Dayons leblosen Körper. Sie schaute traurig auf sein Nackenfell, das einmal wunderschön geglänzt haben musste. Sie wusste nicht, was sie mit ihm machen sollte, wie sie ihn wieder zu Bewusstsein bringen konnte. Leise rückte sie ein Stückchen näher zu ihm und stupste mit der Schnauze in sein Fell. Nichts, keine Reaktion. Dann flüsterte sie leise in sein Ohr:
"Dayon, was auch immer passiert sein mag, ich kenne dein Leid. Ich habe es einmal mit dir geteilt. Ich wanderte umher, suchte ein neues Leben, Glück, das es nicht geben konnte, da ich es mir selbst "verbat". Ich wollte eigentlich gar nicht glücklich sein, wer hätte mir schon meine Familie zurückgeben können? Ich wandelte umher, eine Hülle, ein Schatten meiner selbst. Ich glaubte, alles, wirklich alles, verloren zu haben, meinen geliebten Gefährten, mein Rudel, meine Familie… ich lebte nur noch in einem Tagtraum, in dem ich mir vorstellte, sie wären wieder bei mir. Ich brauchte lange Zeit, bis ich begriff, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich musste wieder leben! Aber als ich so weit war, dauerte es, bis ich wieder vertrauen konnte. Deshalb hielten mich viele für komisch und sahen mich mit mitleidigen Augen an, doch das war es nicht, was ich brauchte. Ich brauchte jemanden, der mich so respektierte, wie ich war und mir half, meine Wunden verheilen zu lassen. Dann habe ich zu meinem Glück dieses Rudel gefunden, Nyo und Ban waren auch neu hier; sie gaben mir gleich das Gefühl, dazuzugehören und stempelten mich nicht ab. Darum kann ich heute wieder leben, ohne mich selbst zu zerstören. Natürlich denke ich noch oft an meine Lieben, doch ich denke in schönen Erinnerungen an sie zurück – und ich bin froh hier zu sein, das Leben kann so schön sein…“
Ayala verdrängte die Tränen, doch dann ließ sie ihnen freien Lauf, sollte Dayon ruhig sehen, dass es nicht schlimm war, seine Gefühle zu zeigen. Sie vergrub noch einmal ihre Schnauze in seinem Fell und wartete ab, sie wusste nicht, ob er sie gehört hatte, aber sie hoffte…
Moon sah Acollon hasserfüllt an. Was wusste er schon? Er hatte ja keine Ahnung - und dass jetzt ausgerechnet er... er hatte ihn wohl doch nicht erkannt...
"Du hast mein Leben zerstört! Und jetzt willst du mir Ratschläge erteilen?"
Moon schluchzte. Warum konnte ihn keiner verstehen? Doch, er wollte sterben - hier und jetzt!
Dayons Geist war fort, weit weg in einem anderen Tal, bei einem anderem Rudel in einer anderen Welt. Nur sein lebloser Körper lag in dem weichen Gras.
Er sah Jahlay, sie kam auf ihn zu, küsste ihn auf die Schnauze und zusammen liefen sie zum Rudelplatz. Ihre drei Welpen kamen zu ihnen, aber Moon war nur ein seltsamer Schatten. Auch sein eigener Körper wurde dunkler und schließlich zu einem Schatten, neben der strahlenden Gestalt Jahlays. Dann spürte er, wie er schwebte, das Tal und die Wölfe wurden kleiner, dann fiel er plötzlich wieder, doch nicht auf das Tal zu, sondern in eine unendliche Schlucht. Dunkelheit umgab ihn, glühende Augen starrten ihn an, die Luft war warm und drücken, der Sturzwind rauschte eiskalt an ihm vorbei. Dann verschwamm alles und er sah wieder grün, grün vom Gras, das leicht im Wind schwankte. Er hob den Kopf, seine Augen waren fast stumpfer als vorher. Als Acollon zu Moon kam, sprang Dayon auf und stellte sich schützend über seinen Welpen. Er wusste nicht, was Acollon hatte, aber er würde Moon nichts anhaben können! Sein Blick wanderte kurz zu Ayala, ihre Worte hatte er nicht hören können, aber es war, als hätten sie ihn aus seiner Vision zurückgeholt.
Sayo senkte die Schnauze, um Moon die Sicht zu Acollon zu versperren. Er stupste den Kopf des Welpen in sein Fell, um Nähe aufzubauen.
"Moon, das Leben ist ein Geschenk, du bist zu Jung um zu sagen, dass dein Leben zerstört ist. Du bist gesund, du hast alles noch vor dir. Du hast die Chance glücklich zu werden, wenn du sie wahrnimmst."
Er drückte ihn noch fester an sich.
"Manchmal scheint alles verloren, Moon, junger Wolf. Die Stärke ist das, was uns in dieser Welt halten kann, auch wenn wir jede Hoffnung verloren haben. Die Stärke zu glauben, dass es wieder besser wird. Geht diese Stärke verloren, verliert sich sein Verlierer mit ihr, in endlosen Schmerzen und Leid. Sich in dieser Welt zu verlieren, heißt sie zu verlassen. Auch andere können dir Stärke geben, dir helfen, wenn du dir helfen lässt. Niemand sagt, dass das Leben ohne Leid und Schmerz ist. Viele machen den Fehler auf das Glück zu warten und versäumen es darüber hinaus. Wir sind nicht auf Glück angewiesen, wir erfahren es während wir leben und hoffen. So lange du lebst gibt es Hoffnung, selbst wenn sie verloren scheint, sie hält dich in dieser Welt."
Er schleckte ihm über den Kopf.
"Wenn du hier bleibst, hast du in mir einen treuen Freund gefunden, ich werde auf dich aufpassen."
Acollon wurde dieses Gerede zuwider. Wenn dieser Welpe glaubte, Acollon hätte kein Leid empfunden und würde Schmerzen nicht kennen. Er sah an den anderen Wölfen vorbei und sagte kalt:
"Wenn du sterben willst, dann stirb! Lass dich doch töten! Oder soll ich es für dich tun? Ich mache nämlich zwischen einem vertrockneten Ast und einem Wolfsknochen keinen Unterschied."
Er schritt an den anderen vorbei, sein Blick war voller Verachtung. Was wussten denn diese Wölfe schon?! Rein gar nichts, sie waren Wölfe von vielen, die ein schlimmes Schicksal ertragen mussten. Mag sein, dass Acollon jemanden getötet hatte den beiden etwas bedeutet hatte, aber Wölfe kommen und gehen! Dies war der Lauf der Dinge.
Du erinnerst dich nicht!
Fenris hatte seine Gedanken geflutet.
.oO(Verschwinde.)
Du hast versäumt diesen Welpen zu töten! Es würde die Strafe für seine Frechheit sein! Oder sollte ich sagen, es wäre eine Erlösung für ihn? Los, erlöse ihn!
Ein kaltes Lachen dröhnte in seinem Kopf.
.oO(Dann ist das Leben seine Strafe und die Erlösung des Fliehens.)
Acollon trabte zum See, der Geruch des Blutes wurde immer stärker, was war geschehen?
Acollon sah ein Blutbad, drei Hasen wurden brutal getötet, nur einer lebte noch. Gnadebezwingend biss er kurz zu. Die Erlösung war für diesen Hasen richtig...
Banshee beobachtete ihr Rudel schweigsam. Dayon und Moon mussten eine schlimme Erinnerung mit Acollon zusammen bringen, was auch immer es war, hatte es Dayon in diesen Zustand gebracht und Moon so verstört.
Sie erhob sich langsam, Nyota ging mit Lagoon auf einen Streifzug an der Reviergrenze entlang, so lange musste sie dieses Rudel alleine zusammen halten. Sie hob die Schnauze und rief nach den verstreuten Wölfen. Nygero und Acollon waren fort und auch Yak konnte sie nicht entdecken.