12.07.2011, 20:22
Die ersten Sonnenstrahlen suchten sich ihren Weg durch die kahlen Äste der Bäume. Warfen ihr helles Licht auf den Boden, der voller Blätter kaum noch zu sehen war. Die Schönheit und die Ruhe gaben ein perfektes Bild der Harmonie ab. So perfekt, dass die Fähe kurze Zeit vergaß, warum sie dieses Tal verlassen hatte. Ahkuna seufzte kaum hörbar, als sie stehen blieb. Es war wie ein Kampf mit sich selbst, den sie führte. Wollte sie überhaupt zurück? Sie wusste nicht wie die Wölfe auf ihre Rückkehr reagieren würden. Vor allem weil sie doch so überstürzt und ohne jemanden etwas zu sagen verschwunden war. Womöglich hatten die Meisten gar nicht gemerkt, dass jemand fehlte. Sie hatte keine engen Bindungen zu den Wölfen aufgebaut. Sollte sie es bereuen oder war es gut so? Vielleicht konnte sie deswegen nicht viele, mit ihrem Verschwinden, verletzen. Deswegen, weil sie kaum niemanden kannte. Die junge Fähe schloss ihre Augen und hob ihr hübsches Gesicht, der Sonne entgegen, an. Ahkuna glaubte sich einzubilden, dass die zarten Sonnenstrahlen ihr Gesicht wärmen würden.
Sie hatte sich verändert. Ohne es zu merken, wurde sie von ihrer Reise gezeichnet. Vielleicht hatte alles seine Richtigkeit. Womöglich Schicksal. Auch wenn Ahkuna widersprach, dass sie an die Götter Engaya und Fenris glaubte. Nicht immer war es so. Früher da glaubte sie noch daran. Doch seit dem Tag, wo ihr Weltbild auf den Kopf gestellt wurde, hatte sie auch den Glauben an die Götter verloren. Sie wollte mit dieser alten Legende nichts mehr zu tun haben. Das was passiert war, war passiert. Wie grauenvoll es auch war. Doch sie hatte es geschafft etwas Ordnung in ihr chaotisches Leben zu bringen. Sonst wär sie nicht hier. Sie konnte in diesem halben Jahr ihre Gedanken ordnen, Gefühle, ihren Charakter weiter ausbauen. Letztendlich war der Weg den sie gegangen war Richtig. Das wusste sie nun.
Ahkuna schlug ihre eisblauen Augen wieder auf und blickte nach vorne. Unbewusst richtete die Fähe sich stolz in ihrer ganzen Größe auf. Ihre Ohren waren nach vorne gerichtet, bereit jedes Geräusch aufzunehmen.
Sie legte ihren Kopf in den Nacken und verharrte einen Moment in dieser Stellung, um dann ihr Maul ein klein wenig zu öffnen und zu heulen. Ein angenehm schöner Klang erfüllte die Umgebung mit ihrem Gesang.
Ahkuna Caiyé war wieder da!
15.07.2011, 11:48
Das Heulen Ahkunas erreichte Shani, während sie an einem kleinen Bachlauf stand und ihren Durst stillte. Seit sie sich wieder frei im Revier bewegen konnten und Jakashs Welpen noch blind und für sie unerreichbar bei Sheena lagen, striff Shani des Öfteren in den nördlichen Wäldern herum – glücklich, nervös und immer wieder melancholisch in den Erinnerungen an Hiryoga gefangen. Sie wünschte sich so sehr, dass er das Großvatersein hätte erleben dürfen. Als sie nun die Stimme ihrer verlorenen Tochter hörte, schnellte ihr Kopf in die Höhe und ein Schauer raste über ihren Rücken. Ahkuna! Seit dem schrecklichen Tag im Frühling, als Tyraleen ihren Sohn tötete, hatte Shani ihre Tochter nicht mehr gesehen. Plötzlich war sie fort und Shani verging in ihren Sorgen um sie. Immerhin war alles plötzlich anders geworden, Varge und Winter und so viel die Weiße wusste, hatte ihre Tochter Tyraleen sehr bewundert. Was musste in ihrer kleinen Ahkuna vorgegangen sein? Ein halbes Jahr war nun vergangen und Shani hatte sich damit abgefunden, dass nun wohl auch Ahkuna sie verlassen hatte. Jetzt plötzliche ihre Stimme zu hören und ihren Geruch zu wittern, ließ alte Gefühle neu ausbrechen.
Wie von einer wilden Bestie gejagt stürzte Shani los, rannte so schnell ihre Pfoten sie tragen konnten, in Richtung des Heulens. Es konnte kein Zufall sein, dass sie ausgerechnet heute so nahe an der Reviergrenze war. Stumm dankte sie der Göttin, sah dann bereits weißes Fell, näherte sich noch immer im schnellen Lauf und stoppte erst unmittelbar vor Ahkuna, die hoch aufgerichtet im Schnee stand. Ungestüm vergrub sie ihre Schnauze in dem weißen Pelz ihrer Tochter, fuhr ihr mit der Zunge über den Fang, zog ihr am Ohr, knabberte an ihrem Fell, drückte sich an sie und sog immer wieder den vertrauten, muttergefühle weckenden Geruch ein.
“Ahkuna, oh Ahkuna, ich habe mir solche Sorgen gemacht! Ich bin so froh, dass es dir gut geht, dass dir nichts passiert ist. Ich wusste nicht, wo du warst, ich hatte solche Angst, dass du einem Varg begegnest oder dem Winter nicht standhalten kannst oder dass dir irgendetwas passiert! Wo warst du nur, meine Kleine, warum hast du denn nichts gesagt?“
Der Wortschwall ergoss sich über ihre Tochter, während Shani nur kurz innehielt um Ahkuna in ihre eisblauen Augen zu sehen, dann drückte sie ihr Gesicht wieder in den Pelz der Weißen.
16.07.2011, 00:43
Ihr Herz schlug um Takte schneller. Es war schon außergewöhnlich. Doch im Moment interessierte Ahkuna diese Erkenntnis wenig. In diese strahlend grünen Augen zu sehen, die wie Smaragde funkelten, ließ die junge Fähe alles vergessen! So viel wärme, so viel Freude erkannte sie in ihnen, dass Ahkuna nicht anders konnte, als schwanzwedelnd ihrer Mutter entgegen zu kommen.
„Mama!“
Ahkuna kicherte leise, als Shani sie an ihren Ohren zog. Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite, um ihr Ohr ihrer Mutter zu entziehen. Kurzdarauf spürte sie, dass liebenswürdige knabbern an ihrem Fell. Ahkuna legte ihre Ohren an und vergrub ihr Gesicht an das weiße, kuschlige Fell Shanis. Tief zog sie ihren Geruch ein. Jetzt erst wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihre Mutter doch vermisst hatte!
„Ach, Mama…“
Ihre Stimme war nicht mehr als ein leises Flüstern. Noch enger drückte sie ihr Gesicht an Shani. Aufmerksam lauschte sie ihrer samtweichen Stimme. Ihre Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. Sie löste sich etwas von ihrer Mutter, damit sie in ihre Augen sehen konnte. Dieser Schmerz in ihren Augen … War … War etwa sie das? Hatte sie ihrer Mutter so wehgetan?
„Entschuldige … Damals, ich bin so überstürzt weggelaufen. Ich … wusste nicht was ich tun sollte. Als ich gesehen habe das Tyraleen ihren Sohn, und… Ach ich weiß ja auch nicht! Ich konnte nicht hier bleiben. Es tut mir Leid, dass ich selbst dir nichts gesagt habe …“
Wieder vergrub sie ihr Gesicht in Shanis weichem Fell.
„Und wie du siehst sind alle vier Läufe, Ohren und Schweif noch an ihrem Platz. Mir ist nichts passiert!“
Neckend stupste sie ihre Mutter an und kicherte leise.
18.07.2011, 13:01
Die Reaktion Ahkunas fiel Shani sofort auf, auch wenn sie noch immer den Kopf in dem Pelz ihrer Tochter vergraben hatte. Ahkuna war selbstbewusster geworden, irgendwie erwachsener, nicht mehr ganz so klein und zerbrechlich. Eigentlich war das vollkommen logisch, immerhin hatte Shani ihre Tochter nun schon ein halbes Jahr lang nicht mehr gesehen. Das war eine lange Zeit und wenn Ahkuna sie mit Herumwandern verbracht hatte, so musste sie zwangsläufig Verantwortung übernehmen und für sich selbst sorgen. Sie war groß geworden, ihre kleine Tochter. Neben einem gut verborgenen Tröpfchen Wehmut verspürte Shani vor allem Stolz darüber und fand nun auch ein freudesprühendes Lächeln. Sorgen und Glück vermischten sich und hinterließen ein wildes Wirrwarr von Gefühlen auf Shanis Gesicht. Als Ahkuna zu erklären begann oder es wenigstens versuchte, nahm die Weiße wieder ein Ohr ihrer Tochter in den Fang und knabberte ganz sanft daran.
“Du warst sehr schockiert, nicht wahr? Wir alle waren das … gerade deshalb hatte ich Angst um dich. Wie geht es dir jetzt? Was hast du erlebt? Oh, du musst mir alles erzählen! Es ist so schön, dass du wieder zurück bist.“
Jetzt beschloss die Weiße, genau hier, an diesem Ort zu bleiben und sich alles von ihrer Tochter berichten zu lassen. Danach konnten sie zum Rudelplatz zurückgehen und jedem die frohe Botschaft verkünden. Aber zunächst wollte Shani ihre Tochter für sich alleine haben. So ließ sie sich zu Boden fallen, rollte sich kurz auf den Rücken und schlenkerte mit den Läufen, drehte sich dann wieder um und begann auffordernd mit der Rutenspitze zu zucken.
“Wäre dir etwas passiert, hätte ich dem Übeltäter das Fell über die Ohren gezogen! Aber ich sehe, du bist an deiner Wanderung gewachsen. Meine kleine Tochter ist erwachsen geworden.“
Nun lag Shanis Blick voller Liebe auf Ahkuna und die Tatsache, dass Shani mit ihrer geringen Körpergröße und ihrer wenig überzeugenden Stärke kaum einem Wolf etwas zu Leide tun könnte, rückte in den Hintergrund.
19.07.2011, 15:15
Ahkuna hatte ihre blauen Augen geschlossen. Fest ihr Gesicht an das weiße Fell von Shani geschmiegt und lauschend ihrer angenehmer, weicher Stimme zuhörend. Nebenbei hörte sie das Pochen ihres Herzens. Bum Bum. Bum Bum. Sofort spürte sie ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Nicht im Geringsten bereute sie es, hier hin wieder gekommen zu sein. Sie war froh diesen Schritt gewagt zu haben. Kaum vorzustellen wenn sie nach einigen Jahren erst hier hin zurück gekommen wär. Wie viele Dinge würden sich dann verändert haben? Ja, womöglich würde Shani wie ihr Vater … Nein, nein und nochmals nein! Daran durfte sie nicht denken.
Doch Shanis nächste Worte ließ die Fähe wieder auf die Realität zurück prallen. Die irgendwie gar nicht mehr so schön war. Ein mulmiges Gefühl machte sich in ihr breit. Übelkeit und ja, sogar etwas Ekel. Sie schluckte bitter und hob ihren Kopf, um ihre Mutter zu beobachten, die es sich auf dem Boden gemütlich machte. Ein kleines Lächeln zierte ihre Lefzen. Wie es aussah würde es ein sehr, sehr langes Mutter-Tochter Gespräch geben. Warum auch nicht? Ahkuna konnte vieles erzählen und sicherlich hatte es sich auch etwas beim Rudel verändert. Sie kam Shanis Aufforderung nach und lief zu ihr rüber, neben ihr setzte sie sich auf den feuchten Boden und umschlang mit ihren Schwanz ihren Körper.
„Natürlich war ich das. Auf eine merkwürdigerweise habe ich mich betrogen gefühlt. Tyra… - Sie hat mir immer von der Wölfin des Lebens erzählt. Schließlich gehörte sie Engaya an. Aber ich versteh es einfach nicht! Wenn sie das gute widerspiegeln sollte, wie konnte sie dann einen Wolf töten? Ihren eigenen Sohn?!“
Was erst ein leises Flüstern war, wurde immer lauter. Sie regte sich wieder in Rage. Immer wieder siegte dieses Gefühl der Unklarheit und Zornes auf. Als ob sie in einem dunklen Raum laufen würde und jedes Mal wenn sie meinte einen Ausgang gefunden zu haben, knallte sie gegen eine Mauer, die mir nichts dir nichts plötzlich einfach da war. Ahkuna wusste, dass wenn sie dieses lästige Gefühl abwerfen wollte, so musste sie mit der Wölfin sprechen, der der Grund für diese Wut war. Es nützte nichts. Sie musste sich wohl oder übel dem stellen, was ihr am meisten Angst machte.
„Ist… Sie immer noch hier?“
Sie konnte ihren Namen nicht aussprechen. Als ob er ein böser Ausdruck war, für den man stark bestraft werden würde, wenn man ihn aussprach. Doch Ahkuna wusste, dass ihre Mutter auch so erahnte wenn sie meinte.
Ein mehr gezwungenes Lächeln lag auf ihren Lefzen. Ihre Stimmung war gesunken.
„Ich kann mich nicht beklagen. Meine Reise war wirklich lehrreich. Ich konnte so vieles sehen. So viele schöne Orte. Wölfe, andere Rudel. Aber letztendlich hat es mich doch wieder zurück hier hin verschlagen.
Ahkuna kam aus dem schwärmen nicht mehr heraus, als sie zurück dachte. Doch, ihre Reise war nötig gewesen. Um noch mal diese Bestätigung zu haben, dass sie hier hin gehörte. Die junge Fähe lachte leise. Leise und engelhaft hallte ihre Stimme in ihren Ohren wieder. Die Drohung Shanis ließ ein Lächeln auf ihrem Gesicht zaubern. Ahkuna seufzte leise und sah sich kurz um. Ihr Blick lag irgendwo in der Ferne. Ein Ohr drehte sich in Shanis Richtung.
„Du, Mama. Du hast grad von einem Varg geredet. Was soll das sein?“
25.07.2011, 16:23
Als sich Ahkuna neben Shani legte, schmiegte die ihren Kopf sanft an die Schulter ihrer Tochter und war für einige Momente schlicht glücklich, ihr kleines Federchen wieder an ihrer Seite zu haben und zu wissen, dass es ihr gut ging. Aber natürlich mussten sie nun auch über unangenehmere Dinge sprechen – Tyraleens Tat beschäftigte Ahkuna und Shani musste sich dieses Themas annehmen. Immerhin schien ganz besonders der Mord an Tascurio der Auslöser für die Flucht Ahkunas gewesen zu sein. Als ihre Tochter zu sprechen begann und im Laufe ihrer Worte immer lauter und wütender wurde, begann Shani mit der Zunge über ihr Fell zu fahren, als wäre die Weiße ein kleiner Welpe, dessen Fell noch von der Mutter reingehalten werden musste.
“Leider kann das niemand von uns verstehen, meine Kleine. Am allerwenigsten ich. Ich liebe euch – meine Kinder – so sehr, dass ich mich eher selbst totbeißen könnte, als euch irgendein Leid anzutun. Ich fürchte, um sie zu verstehen, musst du mit ihr reden.“ Shani hielt kurz inne und nickte dann. “Sie ist noch da und sie ist nun Leitwölfin. Sie macht das gut und sie ist dabei uns zu beweisen, dass sie viel dazu gelernt hat. Doch auch bei mir wird das Entsetzen über den Kindsmord immer in den Gedanken hängen bleiben.“
Shani hatte die Situation und das Dilemma Tyraleens verstanden, hatte gesehen, dass vor allem die Götter ungerecht waren und die extreme Ablehnung einiger Familienmitglieder gegenüber der Weißen verurteilt. Doch Shani war auch Mutter und das voller Hingabe. Sie lebte für nichts anderes. So konnte sie nicht verstehen, dass sich Tyraleen für ihren Gefährten und gegen ihren Sohn entschieden hatte. Dazu wäre Shani nicht fähig gewesen. Es war doch ihr Sohn. Ihr eigener Sohn, ihr Fleisch und Blut, ihr Schutzbefohlener. Eine Mutter durfte ihren Kindern niemals etwas zu Leide tun. Sie durfte es einfach nicht.
Ahkunas mehr als knapp zu bezeichnender Reisebericht lenkte sie dann von den düsteren Gedanken ab und sie legte leicht den Kopf schief.
“Hast du jemanden kennengelernt? Oder warst du nie lange an einem Ort?“
Wenn ihre Tochter ihr es nicht von selbst erzählen wollte, so würde Shani es ihr eben aus der Nase ziehen. Aber vielleicht gab es auch wirklich nicht viel Spannendes zu berichten, immerhin war es nur ein halbes Jahr gewesen und zudem nur Frühling und Sommer. Als Ahkuna nach dem Varg fragte, zuckten Shanis Ohren leicht zurück und das Lächeln auf ihren Lefzen verblasste. Das war kein schönes Thema.
“Mh … so richtig wissen wir eigentlich alle nicht, was ein Varg ist. Eine Bestie, ein Untier. Wir haben einen toten Varg hier im Revier gefunden, mit riesigen Zähnen, gedrungenem Körperbau, drahtigem Fell und roten Augen. Er stank nach Tod und Hass. Ein Fuchs soll Aszrem dann erzählt haben, was es mit diesen Tieren auf sich hat und auch wenn es ein wenig seltsam klingen mag, so war seine Geschichte doch plausibel. Varge sollen mutierte Wölfe sein. Immer dort, wo eine schreckliche Fenristat begangen wurde, können Wölfe zu Vargen und damit zu blinden Tötungsmaschinen werden. Wir hatten eine lange Zeit Angst, dass weitere auftauchen würden, doch es blieb bei diesem einen, toten Exemplar und mittlerweile sind wir uns fast sicher, dass keine Gefahr mehr droht. Es ist auch schon viel wärmer geworden und im Gegensatz zum letzten Monat liegt auch kaum mehr Schnee. Du kommst zur rechten Zeit zurück.“
Auch wenn Shani sich vorher schreckliche Sorgen um ihre Tochter gemacht hatte, war sie nun fast froh, dass Ahkuna nicht im tiefsten Winter und im Verbot, den Rudelplatz zu verlassen, zurückgekehrt war.
26.07.2011, 00:19
Ahkuna gähnte leise. Ihre Ohren waren eng hinten anliegend, während sie mit ihren Vorderpfoten nach vorne rutschte und sich neben Shani legte. Etwas Gedankenverloren legte sie ihren Kopf auf ihre Pfoten und beobachtete aus dem Augenwinkel ihre Mutter.
„Mh hm.“
Die Fähe verdrehte ihre Augen. Auch wenn sie wusste, dass Shani natürlich recht hatte. Sie musste mit ihr reden. Erst recht konnte sie einem Gespräch nicht aus dem Weg gehen, wenn sie nun die Leitwölfin war. Ahkuna schnaufte leise. Wie konnte nur sie die Leitwölfin werden? Doch im gleichen Moment schnippten ihre Ohren nach hinten. Verdammte Gedanken, die sollen bloß verschwinden. Es war viel zu schön als an das zu Denken was war und noch was bevor stehen würde.
Augenblicklich schlich sich auf Ahkunas Lefzen ein Lächeln, als sie zu ihrer Mutter sah. Sie war froh, sehr froh sogar, dass Shani das Thema wechselte. Die Stimmung erhellte sich und gleichzeitig kam sie auf andere Gedanken.
„Ich hab sehr viele Wölfe kennen gelernt.“
Ahkuna kicherte leise. Natürlich wusste sie insgeheim worauf sie hinaus wollte. Aber schadete ja nicht alles etwas hinzuzögern und ihre Mutter etwas auf die Folter zu spannen. Sie streckte sich etwas, um noch etwas Zeit zu schienden. Ein zufriedenes Seufzen entwich ihr, als sie ihren Kopf wieder auf ihre Pfoten legte.
„Die meisten waren wirklich nett. Natürlich gab es auch viele, die nur auf Streit aus waren.“
Als sie ihren letzteres dachte, schloss sie genervt ihre Augen und schnalzte mit ihrer Zunge. Aber wo gab es sie nicht? Diese rüpelhaften Rüden und diese zynischen Fähen.
„Wirklich lange war ich eigentlich nirgendswo gewesen. Naja, außer bei einem Rudel. Da hab ich wohl die meiste Zeit verbracht. Die Wölfe dort waren aber wirklich nett und einfach … man konnte gar nicht anders als sie zu mögen. “
Leicht verschmitzt grinste Ahkuna und zwinkerte ihrer Mutter zu. Doch als sie über diese merkwürdigen Varg redete, froh ihr Lächeln ein. Ihr Gesicht wirkte wie zu einer Grimasse hochgezogen.
„Immer dort wo eine schreckliche Fenristat begangen war?!“
Hieße das dann nicht … Ahkuna schüttelte etwas benommen ihren Kopf. Soviel Unheil gab es hier und irgendwie schien es sich auch nicht zu ändern. Ein Schauer lief ihr den Rücken runter und ihr Nackenfell stellte sich auf. Kreaturen, die früher Wölfe waren. Das … Das war doch schrecklich! Es kann also sein, dass sowas immer wieder passieren könnte. Und wenn man besonders viel Glück hatte, dann wurde man selber zu so einem Varg.
„Durch den Mord an Tascurio … War das der Grund, dass dieser Varg plötzlich da war?!“
Etwas unverständlich nuschelte Ahkuna ihre Überlegung laut aus. Sie wusste nicht ob sie Recht hatte, aber im Moment schien dies einfach am plausibelsten.
27.07.2011, 11:10
Ahkunas merklich getrübte Laune, ließ auch Shani etwas betrübter werden, gleichzeitig wollte sie nicht, dass ihre Tochter vorschnell urteilte oder handelte. Ahkuna war gleich nach der Tat Tyraleens verschwunden und erst jetzt zurückgekehrt. All das, was zwischen diesen beiden Zeitpunkten lag, hatte sie verpasst und konnte so nicht sonderlich reflektiert an die Sache herangehen. Auch wenn die Ohren ihrer Tochter nun eng an ihrem Kopf lagen und sie lediglich ein undeutliches Brummen als Antwort gab, stupste Shani sie sachte an und fuhr ihr mit der Zunge über die Ohren.
“Vergiss nicht, dass du vieles verpasst hast. Sei nicht ungerecht zu Tyraleen und glaube mir – ihre Familie hat sie schon ausgiebig bestraft. Begehe du nicht den gleichen Fehler und zertrete das, was du von ihr forderst.“
Ihr war bewusst, dass sie in Rätseln sprach, aber damit würde sie ihre Tochter ein wenig beschäftigen können und möglicherweise käme sie dann auch auf andere Gedanken zum gleichen Thema. Bereitwillig ließ sie sich dann etwas mehr von der Reise Ahkunas erzählen, auch wenn sie noch immer nicht allzu ausgiebig erzählte. Immerhin hatte sie sich merklich entspannt und schien Freude an der Erinnerung zu haben.
“Erzähl mir von diesem Rudel. Wo haben sie gelebt? Und wie? Mit wem hast du dich besonders gut verstanden?“
Wie immer wollte Shani am liebsten jedes kleinste Detail aus dem Leben ihrer Kinder erfahren. Da Ahkuna eine ganze Zeit lang fortgewesen war, hatte die Weiße nicht einmal ein schlechtes Gewissen, dass sie so direkt nachfragte. Bei Jakash und Rakshee traute sie sich das nicht, denn immerhin bekam sie die wichtigsten Ereignisse im Leben ihrer Kinder hier meist mit. So kam es, dass sie eigentlich nicht einmal wusste, was die beiden über Tyraleens Tat dachten und auch nicht, was sie von den Vargen hielten. Ahkuna dagegen zeigte deutlich ihr Entsetzen über die Erkenntnis, dass auch ein solch gefährliches Unheil wie der Varg von dem einen Thema, um das sich alles drehte, ausgelöst worden war.
“Auch – hauptsächlich – aber nicht nur. Leider haben auch nach dem Mord alle Rudelmitglieder gemeinsam daran gearbeitet, dass Fenris‘ mächtiger und mächtiger wurde. Sie haben sich gestritten, furchtbare Dinge gesagt und sich tagelang gemieden. Das war nicht richtig.“
Shani war eine Wölfin, die Frieden, Gemeinschaft, Zusammenhalt und Familie liebte. Kein Wunder, dass sie das Verhalten ihrer Halbfamilie – die Hiryogas – nicht gutheißen konnte. Auch sie hatte sich in den Tagen nach dem Mord einsam gefühlt, dabei war sie nun wirklich in keinster Weise involviert gewesen.
27.07.2011, 15:13
„Ich weiß, ich weiß. Ich werde wohl bald das Gespräch mit ihr suchen müssen."
Ahkuna seufzte leise und schloss ihre blauen Augen. Dieses Thema zerrte so an ihren Nerven. Am liebsten würde sie nur schreien. Einfach nicht mehr daran denken, für einen kurzen Moment alles bloß zu vergessen. Den ersten Schritt tat Shani, als sie wieder das Thema wechselte. Sie bombardierte ihre Tochter regelrecht mit Fragen. Den zweiten Schritt tat Ahkuna, als sie schmunzelte.
„Ganz schön neugierig, hm?“
Das Eis war gebrochen! Sie öffnete blinzelnd ihre eisblauen Augen und stupste ihre Mutter leicht in die Seite. Es war ungewöhnlich, dass Wölfe wie Ahkuna noch so ein inniges Verhältnis zu ihrer Mutter hatten. Doch es lag bloß daran, dass Shani sich irgendwie immer noch wie eine junge Fähe verhielt, die gerade in ihren besten Jahren aufblühte. Mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen sah Ahkuna hoch in den Himmel und schloss ihre Augen.
„Am Anfang wo ich bat, dass sie mich aufnehmen, waren sie doch schon etwas merkwürdig. Irgendwie misstrauisch und unglücklich, dass eine neue Wölfin da war, aber trotzdem wurde ich aufgenommen. Einige Zeit lang war ich alleine. Hab kaum mit jemanden geredet. Wie gesagt, sie waren nicht gerade gesprächig, aber mit der Zeit legte es sich. Wahrscheinlich haben mich die Meisten als Rivalin oder Todesengel angesehen, was weiß ich. Aber irgendwann habe ich mich mit einer Fähe angefreundet, sie war ungefähr im gleichen Alter wie ich und die Tochter des Alphapaares. Sie war wirklich nett und erklärte mir, dass alle Wölfe erst misstrauisch gegenüber Neulingen waren. Wir wurden schon fast zu einer Seele. Wir haben uns einfach großartig verstanden! Die meisten Wölfe dort waren sehr alt. Fast jeden Abend saß das Rudel beisammen und hörten den Legenden zu oder den Erzählungen, was sie schon alles erlebt hatten. Das Rudel lebt in einem Wald, nah am Gebirge. Es ist dort Tradition, dass die Alphafähe mit ihren Töchtern hoch ins Gebirge geht um dort irgend so ein Ritual durchzuführen. Sie bleiben dort einige Wochen. Wahrscheinlich beten sie zu den Göttern oder so. Der Alpharüde bleibt weiter bei seinem Rudel. Naja, so war eine Freundin leider wieder weg und ich war wieder alleine. Dachte ich jedenfalls. Ich habe mich eher durch Zufall mit dem Sohn des Alpha unterhalten. Kurzum: Ich hab ihm die Jagd versaut, er war sichtlich wütend, ich etwas schnippisch, aber trotzdem später wurden wir irgendwie doch zu Freunden. Er war eigentlich auf den ersten Blick total eingebildet, aber doch irgendwie sympathisch. Er hat mich die meiste Zeit nur gereizt, weil er so einen großen Spaß daran fand. Immer wieder geneckt, dass er auf mich auf passen wird, weil ich anscheinend ja so unvorsichtig bin. Immer wieder rieb er mir diese Jagd unter die Nase. Aber als ich aufgebrochen war, um wieder hier hin zurück zu gehen, da hat er sein Versprechen gebrochen. Er konnte nicht mitkommen, weil er anscheinend der zukünftige Alpha werden sollte und was weiß ich. Die Meisten, besonders Saiyá wuchs mir sehr ans Herz. Während Samirez einfach nur ein Idiot war.“
Während ihrer laaangen Erzählung konnte sie sich an manchen Stellen ein Grinsen oder ein Lachen nicht verkneifen. Genauso ein Augenrollen und ein genervtes schnalzen mit der Zunge, als sie über den ungehobelten Rüden sprach. Ahkuna streckte sich etwas und gähnte. Still hörte sie ihrer Mutter zu, jedoch erwiderte sie nichts dazu. Still ließ sie das Gesagte über sich ergehen.
„Was ist eigentlich noch so alles passiert während meiner Abwesenheit?“
01.08.2011, 16:10
Shani beschloss das Thema Tyraleen nun ruhen zu lassen, Ahkuna zeigte deutlich, dass sie nicht mehr darüber sprechen wollte und eigentlich war nun auch alles gesagt. Den Rest mussten die neue Leitwölfin und ihre kleine Cousine selbst klären. Shani hoffte von Herzen, dass es ihnen gelingen würde. Bis dahin würde sie ihrer Tochter zeigen, wie schön es war, dass Ahkuna wieder im Tal lebte und erfahren, wie es ihr in der Zwischenzeit ergangen war. Von der neckischen Andeutung auf ihre vielen Fragen ließ sich Shani nicht ärgern, sie knabberte nur sanft am Ohr ihrer Tochter und schüttelte lächelnd den Kopf.
“Als ob deine Mutter jemals neugierig gewesen wäre.“
Shani war wohl der neugierigste Wolf der Welt. Zumindest als Jungwolf hatte sie alles ganz genau wissen wollen, heute konnte sie sich meistens zügeln, aber in manchen Momenten wollte sie einfach alles wissen. Immerhin war Ahkuna lange fortgewesen, da musste man als Mutter doch fragen. Und offensichtlich war ihre Tochter eigentlich der gleichen Meinung, denn sie begann mit geschlossenen Augen zu erzählen und Shani lauschte aufmerksam ohne die Weiße zu unterbrechen. Ab und an zuckte ihr Ohr oder ihre Nase kräuselte sich leicht, doch sie hob sich Fragen oder Anmerkungen bis zum Schluss auf. Die Beziehung zu diesem Takerú schien in die richtige Richtung gelaufen zu sein, aber wenn ihre Tochter ihn am Ende zurückgelassen hatte und für ihn nicht bei diesem anderen Rudel bleiben wollte, so war er wohl doch nicht der Richtige. Schade. Insgesamt schien Ahkuna trotz der weniger schönen Stellen ihrer Erzählung jedoch zufrieden mit dem Erlebten und so blieben auch Shanis Gesichtszüge entspannt und glücklich.
“Du als Rivalin oder Todesengel?! Das passt ja so gut zu dir wie zu mir. Das klingt wirklich ein wenig seltsam und auch diese Rituale … eine Freundin auf diese Art und Weise zu verlieren würde mich sehr wütend machen. Warum bist du am Ende gegangen? Samirez und du … vielleicht hättet ihr das Alphapaar werden können. Er schien dich sehr zu mögen.“
Da sie nicht den Eindruck erwecken wollte, als hätte sie es besser gefunden, wenn Ahkuna bei diesem Rüden geblieben wäre, fuhr sie ihrer Tochter mit der Zunge über die Lefzen und wog auf ihre Frage den Kopf nachdenklich hin und her.
“Sehr viel, aber das meiste weißt du eigentlich schon. Das Rudel hat sich zerstritten, es wurde Winter, der Varg wurde entdeckt und Tyraleen und Aszrem wurden die neuen Leitwölfe. Oh und …“ Jetzt erschien ein breites Lächeln auf Shanis Lefzen. “… dein Bruder wird Vater! Ich werde Oma! Und du Tante.“
01.08.2011, 20:13
Ahkuna zog ihre Mundwinkel nach unten und legte ihre Ohren zur Seite an. Sie sah so aus, als ob sie in eine saure Zitrone gebissen hätte. Irgendwie fühlte sie sich aber auch so. Das ihre Mutter aber auch sofort solche Anspielungen machen musste. Die plötzlich ansteigende Wärme ignorierte sie gekonnt.
„Ach was! Er hatte nur Langweile, deswegen hatte er mich geärgert. Pah, als ob ich von so einem Troll die Fähe werden wollte!“
Vielleicht mochte er Ahkuna. Aber sicher auf eine andere Weise, als ihre Mutter gerade andeuten wollte. Sie verdrehte ihre Augen, um ihrem gesagten noch mehr Ausdruck zu verleihen. Doch lange hielt diese Fassade nicht an. Einerseits hasste sie den Rüden gar nicht so sehr, wie sie Shani gerade weismachen wollte, andererseits aber auch, weil sie ein Schmunzelnd nicht unterdrücken konnte und ihrer Mutter lächelnd am Ohr zog.
„Du verstehst das ganz falsch.“
Sie vergrub ihren Kopf in ihrem Fell und schloss wieder ihre eisblauen Augen. Hach, es war so schön wieder bei ihrer Mutter zu sein. Diese Geborgenheit, diese Wärme, es war einfach ein großartiges Gefühl. Wahrscheinlich auch der Grund, dass sie nie lange an einem Platz bleiben konnte. Ständig von Rudel zu Rudel gependelt war und letztendlich sogar das Rudel verlassen hatte, wo die Wölfe ihr am Meisten ans Herz gewachsen waren. Ahkuna hatte sich einfach hier nach gesehnt. Wieder zu den Wölfen zurück, die sie schon als kleinen Welpen kannten und wieder zu ihrer Mutter …
„Sie haben sich nicht gegenseitig geopfert oder so. Saiyá würde ja wieder kommen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Nur dauert der Aufenthalt dort auf dem Berg ziemlich lange und leider habe ich sie auch nicht gesehen bevor ich gegangen war.“
Einen Moment hatte Ahkuna den Faden verloren, doch hatte sie sich schnell wieder gefasst. Etwas unverständlich nuschelte sie die Worte in Shanis Fell hinein, bevor sie sich mit einem leisen Seufzen wieder aufrichtete und ihrer Mutter ansah.
Ja, ja und ja. Es war wirklich nichts neues, was Shani ihr erzählte. Mittlerweile wusste sie ja schon alles. Über Tyraleen, die die Leitwölfin war, über diesen merkwürdigen Varg und … Überrascht riss Ahkuna ihre Augen auf und ihr Maul öffnete sich leicht, doch sie sagte nichts. Sie war auf so eine Neuigkeit überhaupt nicht gefasst gewesen. Jakash war Vater … Ihr Bruder hatte Welpen … Sie war Tante!
„D-das ist ja Wundervoll! Ich meine wow! Wer ist denn die Mutter der Kleinen? Hast du sie gesehen? Wie alt sind sie schon? Sie haben doch sicher schon einen Namen oder?“
Begeistert plapperte Ahkuna fröhlich vor sich hin. Das Lächeln, was auf ihren Lefzen lag, wurde immer breiter und breiter. Sie freute sich wirklich für Jakash. Es war einfach schön zu hören!
04.08.2011, 18:36
Ahkunas Reaktion auf die Anspielungen Shanis amüsierten die Weiße sichtlich. Beinahe hätte sie gekichert, konnte diese für ihre Tochter möglicherweise unangenehme Meinungsäußerung aber gerade noch unterdrücken. Natürlich, Samirez hatte nur Langweile. Breit grinsend nickte sie, konnte das ironische Funkeln in ihren Augen aber nicht unterdrücken. War sie auch einmal so gewesen? Hatten Hiryoga und sie sich auch geneckt? Hatte sie möglicherweise sogar behauptet, ihn nicht zu mögen? Sie konnte sich kaum mehr erinnern, allerdings hatten sie sich bereits als einjährige Jungwölfe kennengelernt und ihre Beziehung eher auf Freundschaft aufgebaut. Ihre Tochter schien ein weniger schüchternes Exemplar erwischt zu haben, was bei einem zukünftigen Leitwolf wohl normal war. Doch zu ihr passte das tatsächlich nicht so ganz, zumindest nicht zu der alten Ahkuna. Vielleicht war es auch für sie ganz gut, zurückgekehrt zu sein.
“Und warum bist du nun gegangen? Ohne dich von deiner Freundin in den Bergen zu verabschieden? Und ohne Samirez? Du hättest dort sicher ein schönes Leben haben können.“
War die Anziehungskraft des Tals oder der Familie noch immer so stark? Das machte Shani schon ein wenig stolz und gab ihr die Hoffnung, dass auch Kursaí und Sharíku vielleicht irgendwann zurückkommen würden. Lange konnte sie aber nicht über ihre anderen Kinder nachdenken, viel zu glücklich war Ahkuna über die Neuigkeit, Tante geworden zu sein. Es freute die Weiße, dass ihre Tochter offensichtlich ebenso aufgeregt und gespannt war wie sie selbst.
“Erst vor kurzem, sie sind kaum größer als eine Ratte. Isaí Caiyé, Malik Hikaji, Taleesha und Tinca. Sheena ist ihre Mutter und dein Bruder scheint in ihre eine gute Gefährtin gefunden zu haben. Ich freue mich so für sie. Und auch für mich. Ich habe mir immer gewünscht Oma zu werden.“
Auch Shani strahlte ununterbrochen und freute sich schon jetzt darauf, ihrem Sohn die Nachricht zu überbringen, dass seine Welpen eine neue Tante hatten. Und auch die Kleinen waren sicher froh, wenn es noch einen weiteren nahen Verwandten gab, der sich hingebungsvoll um sie kümmern wollte.
07.08.2011, 18:09
Ahkuna richtete sich langsam auf und streckte sich etwas. Sie sah hoch zum Himmel und beobachtete wie einige Vögel anmutig über ihre Köpfe vorbei flogen. Sie drehte ein Ohr zu ihrer Mutter. Obwohl ihr Blick immer noch nach oben gerichtet war, hörte sie ihrer Mutter aufmerksam zu. Sie schluckte und senkte etwas traurig ihren Blick. Um ihrer Mutter diesen Gefühlswechsel zu verbergen, sah sie ihr nicht in die Augen, sondern starrte starr nach vorne und fixierte einen Baumstamm.
„Ich hasse Abschiede.“
Etwas undeutlich murmelte sie die Worte runter. Sie war sich nicht ganz sicher, ob ihre Mutter sie überhaupt verstanden hatte. Ob sie es überhaupt übers Herz gebracht hätte zu gehen, wenn sie in Saiyás trauriges Gesicht gesehen hätte? Es war nie leicht einen Wolf weiter ziehen zu lassen. Vor allem solche, die in kürzester Zeit so ans Herz gewachsen waren, wie bei den Beiden. In solchen Dingen war sie einfach miserabel. Auch wenn sie es wusste, laut heraus plaudern würde sie es nicht. Vielleicht würden sie sich ja irgendwann noch mal wiedersehen? Absurd wäre es schließlich nicht. Das Leben hatte schon so viele überraschende Wendungen mit sich gebracht, warum dann keine Wendung zu Ahkunas Freuden? Die junge Fähe wurde bei Samirez' Namen etwas hellhörig. Ohne Samirez? Er würde der Leitwolf werden in einigen Jahren, da konnte sie ihn doch schlecht mit sich ziehen? Sofort, nach diesem unausgesprochenem Gedanken, protestierte sie wieder: Als ob sie ihn überhaupt bei sich haben wollte!
„Nichts kann dieses Gefühl ersetzen, was dieses Tal zu bieten hat.“
War das einzige, was Ahkuna dazu erwiderte. Ehrlich gesagt wusste sie nicht, was sie noch sagen sollte. Vielleicht glaubte Shani auch, dass es ihr dort besser gehen würde, als hier? Ob das so war, wusste sie ehrlich gesagt, nicht wirklich. Sie war gerade erst angekommen und wusste nicht, wie ihr weiteres Leben hier noch aussehen wird. Doch darüber wollte sie sich in diesem Moment nicht den Kopf zerbrechen. Mit einem Lächeln auf den Lefzen, sah sie zu der weißen Fähe neben sich.
„Und selbstverständlich auch nicht die Wölfe. Außerdem muss ich meine Aufgabe als Tante ja erledigen.“
Keck streckte Ahkuna ihre Zunge raus und kniff ein Auge zu. Es war unglaublich. Sie war schon Tante! Wie unglaubwürdig es doch in ihren Ohren klang! Isaí Caiyé, Malik Hikaji, Taleesha und Tinca. Noch mal in Gedanken ließ sie die Namen ihrer Neffen noch mal Revue passieren. Freudig und unbewusst zuckte ihre Schwanzspitze.
28.08.2011, 14:40
Shani spürte die Traurigkeit ihrer Tochter und merkte gleichzeitig, dass Ahkuna sie vor ihr verbergen wollte. Abschiede waren nie leicht und auch wenn die Weiße die Meinung vertrat, dass es trotz allem besser war, sich ihnen zu stellen, verstand sie ihre Tochter. Liebevoll fuhr sie immer wieder mit der Zunge durch den Pelz Ahkunas, als müsse sie ihn säubern. Dieses fremde Rudel, Samirez und Saiyá waren nun Vergangenheit für die weiße Tochter und wenn sie es richtig anstellte, würde sie sie bald vergessen und doch immer im Herzen tragen. Shani wünschte es ihr. Bis dahin würde sie das Gefühl dieses Tals sicher über das meiste hinwegtrösten, das hatte es auch bei Shani selbst geschafft. So nickte sie nur leicht, zustimmend und verständnisvoll.
“Ich glaube, du wirst eine gute Tante. Du kannst Geschichten von außerhalb des Tals erzählen – das kann sonst keiner deiner Geschwister.“
Außer Sharíku und Kursaí, aber diese Schwestern waren fort und nicht dazu fähig, ihren Nichten und Neffen irgendetwas zu erzählen. Doch Shani gab die Hoffnung nicht auf, dass ebenso wie Ahkuna auch ihre anderen beiden Töchter irgendwann zurückkehren würden. Bis dahin hatte sie nun immerhin wieder drei ihrer Kinder an ihrer Seite.
“Komm, wir sollten zum Rudelplatz gehen. Sicher freuen sie sich alle, dich wiederzusehen und vielleicht kannst du auch einen Blick auf die Welpen erhaschen.“
Damit stand Shani auf, streckte sie kurz und genüsslich, stupste ihre Tochter sanft gegen das rechte Ohr und wartete, bis sie gemeinsam in Richtung Süden trabten.
- Play abgeschlossen -