14.08.2011, 20:28
Amúr setzte eine Pfote vor die andere. Ganz langsam bewegte sie sich durch den Wald der leblosen Bäume. In letzter zeit war sie oft hier, weil selten jemand hier war. Hier konnte sie alleine sein und falls doch jemanden kam, konnte sie in den Laubwald verschwinden. Es sind jetzt schon einige tage vergangen, seitdem sie wieder im Tal war. Sie war nicht nur ihren Eltern sondern auch einer ihrer Schwestern begegnet. Atalya. All diese Begegnungen waren nicht einfach. So vieles kam auf einmal und sie wurde von ihren Gefühlen überflutete. So was kannte sie nicht und sie war geflüchtet. Musste erst einmal nachdenken und alles sortieren. Hier im Steinwald fühlte sie sich wohl, es war sehr still hier, leblos. Aber das war genau das was Amúr so mochte, sie kannte keinen anderen Ort an dem es wirklich still war. Denn hier brauchte sie die kleinen Stimmen nicht ausblenden, den es gab sie hier nicht. Obwohl dieser Ort wie tot scheint, spürt man das der Ort von der Göttin gesegnet ist. Die Ruhe die diesem Ort inne wohnt, ist beruhigend. Sie hatte den Wald vor 2 Tagen das erstemal betreten. Ihre Gedanken waren um all das gekreist was sie erfahren hatte und es schien sie alles zu überfordern. Sie machte sich um zu vieles auf einmal Gedanken und hier in diesem Wald fand, sie die Ruhe um alles einzeln zu durchdenken. Sie wusste nicht wie sie an stelle ihrer Mutter gehandelt hatte und sie wusste das Gefühle sehr mächtig waren. Sie würde ihre Mutter deswegen nicht verurteilen. Aber was anderes hatte sich tief in ihre Seele gesetzt, das war Traurigkeit. Sie ist traurig, darüber das es so ist wie es ist. Sie wusste noch nicht wirklich wie es sein würde, zu sehen wie Averic und Tyraleen sich meiden, oder halt einfach Abstand zueinander halten würden. Denn sie hatte sich zurückgezogen, weil sie genau davor Angst hatte, das zu sehen. Angst und Trauer waren das was sie hauptsächlich spürte. Hier fand sie Ruhe und Beruhigung, dennoch wusste sie das sie ihrer Familie nicht ewig aus dem Weg gehen konnte, das wollte sie auch gar nicht.
Und genau in diesem Moment vernahm sie die Witterung von Avendal. Sie zögerte, überlegte ob sie wirklich auf ihre Schwester zugehen sollte. Wenn sie es nicht tat bestand noch immer die Möglichkeit das Avendal zu ihr kommen würde, deswegen beschloss sie der Witterung zu folgen. Sie trat in den Laubwald, der dem Steinwald angrenzte, der Laubwald war sehr schön, doch der Boden war nass, matschig oder mit Schnee bedeckt. Amúr mochte Schnee, aber dieser Schnee war falsch, er war viel zu früh. Sie kämpfte sich durch Dickicht und sah Avendal auf einer kleinen Lichtung.
”Schwester…”
begann sie zögerlich.
“Ich bin es Amúr. Ich bin zurück, wie du vielleicht schon gehört hast...“
sie stand zögernd da, sollte sie noch mehr sagen dun ihrer Schwester direkt sagen das sie es wusste. Sie stand vor der gleichen Frage wie bei der Begegnung mit Atalya. Deswegen nahm sie sich vor zu schweigen, zu warten. Sie legte ein lächeln auf die Lefzen und neigte ganz leicht den Kopf.
“Was tust du hier, so alleine?“
fragte sie um irgendwie ein Gespräch zu beginnen.
(Sorry für das lange Gedanken-Ding von Amúr da oben^^ Aber mir war so danach...)
14.08.2011, 21:57
Avendal hob ihren Kopf gegen den Himmel, schloss kurz die Augen und ließ ihren Ohren auf Wanderschaft gehen, indem sie sich nach hinten drehten und anschließend wieder nach vorne. Die Stimme war zurück gekehrt, nachdem sie eine Pause eingelegt hatte. Doch jetzt war sie wieder da, wisperte ihren Namen und flößte ihr dunkle Gedanken in den Kopf. Die Fähe senkte den Kopf, immer noch die Augen geschlossen und rieb ihre Nase gegen den Laubboden.
„Was willst du von mir?“,
fragte die Fähe hilflos und öffnete ihre Augen wieder. Avendal fühlte sich allein und zurückgelassen, von allen missverstanden und sie wagte es schon daran zu denken vor dem Rudel und ihrem Dasein zu fliehen um sich selbst wieder zu finden. Doch das war unmöglich! So einfach konnte sie nicht vor sich selbst fliehen! Ein Seufzen entglitt ihren Lefzen, wenn sie doch nur wüsste warum ausgerechnet der tote Gott zu ihr sprach. War das eine Botschaft? Oder wollte er nur, dass sie ihren Glauben an ihn weckte? Das Unterholz knackste, der Schnee knirschte leise und ließ die junge Fähe aufmerksam werden. Sie drehte den Kopf herum und im selben Augenblick indem man sie als Schwester ansprach stand die Fähe vor Avendal. Sie erkannte ihre Schwester Amúr sofort und ein glänzender Film legte sich über die ozeanblauen Augen der Hellen.
„Amúr!“, wisperte sie. „Wieso bist du zurück?“
Avendal ließ nicht lange darauf warten und kam ihrer Schwester entgegen, schmiegte ihre Schnauze gegen die von Amúr und klackerte erfreut mit ihren Zähnen. Es war zwar traurig das sie Tascurio verloren hatten aber es war ein euphorisches Gefühl das sie eine Schwester zurück bekommen hatten und ihre Augen glänzten bis zu dem Moment in dem ihre Schwester fragte was sie hier draußen tat.
Avendal trat ein paar Pfotenlängen zurück, senkte den Kopf und legte die Ohren dicht an ihrem Kopf an. Konnte sie es Amúr sagen? Irgendwie fehlte ihr noch das nötige Vertrauen, also wischte sie die Frage mit einem Rutenschlag und wirkte mit einem Schlag wieder fröhlich.
„Das erzähle ich dir ein andermal. Aber jetzt erzähl doch mal! Was hast du so erlebt?“
16.08.2011, 20:22
Amúr freute sich als sie sah wie erfreut Avendal über ihre Rückkehr war. Es löste die innerliche Anspannung in ihr auf und sie setzte ein lächeln auf ihre Lefzen.
“Weil ich euch vermisst habe, dumme Frage. Ich bin noch nicht so weit, alleine zu leben ist gar nicht so einfach, weißt du.“
die sachte Berührung ihrer Schwester freute Amúr. Diese Begegnung war so anders als die mit Atalya. Und Amúr war froh das sie der Witterung ihrer Schwester gefolgt war und ihr dadurch begegnet ist. Doch auf ihre Frage reagierte Avendal komisch. Sie wich zurück, legte die Ohren an und senkte ihren Kopf. Die Anspannung schlich sich zurück in Amúr. Doch als ihre Schwester nach kurzer zeit wieder fröhlich schien, verebbte auch die Anspannung wieder. Sie wollte diese Euphorie nun einfach nutzen und das sie fragte was Amúr erlebt hatte, freute sie nur noch mehr. Sie hatte es ja noch keinem erzählen können.
“Okay. Eine Menge habe ich erlebt...“
sie überlegte kurz und nahm sich vor von Anfang an zu erzählen
“Ich bin damals ja gegangen, weil ich.. mit mir selbst klar kommen musste.“
das kurze stocken in ihren Worten kam dadurch zustande das sie noch nicht den Mut und auch noch nicht das vertrauen besaß, ihrer weißen Schwester zu sagen, das sie die Stimmen aller Tiere hören konnte. Aber das war der wahre Grund, weswegen sie gegangen war. Sie zuckte kurz mit den Ohren und leise, wispernd flogen ihr die Stimmen in den Sinn. Obwohl Schnee lag, war ne Menge los. Leise sirrend sprachen die Fluginsekten untereinander über diverse Themen. Singend teilten sich die Vögel mit und viel kleinen Stimmen mehr konnte sie vernehmen. Aber lange ließ sie die Stimmen nicht so deutlich bleiben, schließlich unterhielt sie sich gerade. Sie konzentrierte sie sich wieder und stellte die Ohren in Richtung von Avendal. Die Stimmen wurden so gut es ging ausgeblendet und wurden zum Nebengeräusch.
“Ich bin eine Weile alleine gewesen und habe mich auch zuerst ziemlich hilflos gefühlt. Irgendwann traf ich ein kleines Rudel, es hatte nicht viele Rudelmitglieder. Es war wie eine große Familie. Sie hatten ein kleines Revier an einem See. Sie waren so freundlich und haben mich aufgenommen und mir meine Hilflosigkeit genommen. Ich sagte das ich auf Reisen gegangen bin um mit mir besser zurecht zu kommen und sie brachten mir bei was wichtig war wenn man reiste. Ich fühlte mich sehr wohl dort und habe dort gelernt wie viel Spaß spielen doch machen kann. Doch ich spürte das ich mit meinem Problem nicht weiterkam und habe mich dann von diesem kleinen Rudel verabschiedet... “
sie unterbrach kurz und sah Avendal an.
“Soll ich dir wirklich alles erzählen, das war erst die Hälfte alles erlebten. Ich will nicht das du dich langweilst“
sie grinste und stupste ihre Schwester an. Sie würde bestimmt alles wissen wollen, dennoch wollte Amúr es einfach ein wenig spannend machen und vielleicht hatte Avendal zu dem was sie bereits erzählt hatte ja auch fragen. Also wartete sie erst einmal auf Avendals Antwort bevor sie weiter erzählte. Diese euphorische Stimmung die herrschte tat gut. Amúr wusste zwar nicht wie lange sie anhalten würde, aber sie würde diese Stimmung solange auskosten wie es ging.
19.08.2011, 18:26
Avendal grinste, nickte ihrer Schwester zu und konnte sich das sehr gut vorstellen das es nicht so einfach war alleine zu leben. Obwohl sie eben genau darüber nachgedacht hatte. Nach dem sie einen kurzen Atemzug lang in ein tiefes Loch gefallen war, als Amúr gefragt hatte was sie hier tat, so freute sie sich nun umso mehr zu hören was ihre Schwester erlebt hatte. Sie nickte verständnisvoll, wer kam denn heutzutage schon mit sich klar? Avendal wusste darauf keine ehrliche Antwort, denn sie selbst befand sich in einem üblen Zwiespalt. Neugierig betrachtete sie die helle Fähe, neigte sogar den Kopf leicht zur Seite da die Pause, die immer länger dauerte, alles nur noch spannender machte.
Ihre Augen weiteten sich als Amúr dann doch zu sprechen begann und von einem kleinen Rudel erzählte. Wie viele genau es wohl gewesen waren? Ob es da auch Welpen gegeben hatte so wie jetzt in den Moment? Avendal hatte nicht wirklich die Vorstellung von einem kleinen Rudel, denn… wenn man sich dieses hier so ansah dann... naja verstand sich wohl von selbst oder? Ihre Ohren zuckten aufmerksam. Ob Amúr auch ihr beibringen konnte was wichtig war um auf Reisen zu gehen? Sie würde ihre Schwester danach fragen sobald sie mit ihrer Erzählung fertig war, aber da machte die Fähe auch schon halt in ihrer Geschichte und fragte Avendal ob sie weiter erzählen sollte.
Heftig nickend sah sie ihre Schwester auffordernd an, ihre Rute pendelte dabei neugierig hin und her, und hin und her. Dennoch musste sie die Pause nutzen ehe es zu spät war.
„Amúr! Amúr! Könntest du mir das beibringen was du gelernt hast? Ich möchte vielleicht auch eines Tages…“,
Avendal hielt die Luft an und sah ihre Schwester in die Augen, blinzelte leicht und schenkte ihr ein Lächeln. Wenn sie vielleicht von diesem Wald, von dem Rudel wegkommen würde, würde dann diese dunkle Stimme aufhören? Die Fähe hockte sich wieder artig auf ihren Hintern und sah Amúr entschuldigend an. Dann nickte sie in ihre Richtung, berührte das Brustfell mit ihrer Schnauze und lächelte.
„Erzähl weiter, Schwesterchen.“
26.08.2011, 20:59
Amúr merkte das ihre Schwester aufmerksam zuhörte und es freute sie. Das sie von ihrem Erlebnissen erzählen durfte und es sogar sollte gab ihr einen Schub voll Freude, den sie so lange wie es ging auskosten wollte. Auf ihre Frage nickte Avendal und sie wollte gerade weiter erzählen, als Avendal ihr dann doch eine Frage stellte.
Auf die Frage von Avendal folgte ein kurzer skeptischer Blick. Doch schnell setzte auch die Fähe wieder ein lächeln auf ihre Lefzen. Sie nickte kurz und stupste ihre Schwester sachte an.
“Gerne, aber alles weiß ich auch nicht darüber, weil ich ziemlich schnell wieder gegangen bin und mehr gespielt habe, als aufgepasst...“
sie lächelte etwas verlegen und tat es dann ihrer Schwester gleich und setzte sich. Da Avendal sie aufforderte weiter zu erzählen tat Amúr das ach gleich.
“Das waren so ungefähr drei Monate. Dann bin och wieder weg von de Rudel, weil es mir nicht weiterhalf. Da ich wusste worauf ich zu achten hatte, ging dieser teil wo ich alleine unterwegs war besser. Doch ich blieb nicht lange alleine. Ich traf einen weißen Wolf sein Name ist Akamaru Chunuio. Er ist ein Einzelgänger und schon 7 Jahre. Wir haben geredet und er hat schnell gemerkt das ich mit mir selbst nicht zurecht kam. Er hat mit mir seine Weisheiten geteilt und von ihm habe ich viel gelernt. Er war schon kurios, er wirkte griesgrämig und kalt, aber er hat ein gutes Herz. Er hat mir sehr geholfen“
sie machte ein pause. Ja, sie hatte wirklich viel lernen können.
“Es gibt immer mindestens zwei Ansichtmöglichkeiten, von Dingen oder Tatsachen. Das ist zum Beispiel etwas was ich von ihm gelernt habe“
sie stoppte wieder. Immer mindestens zwei. Sie übertrug das auf Tyraleen und den Mord an Tascurio. Einmal war sie die Schuldige, dann wiederum hätten Averic und ihre Geschwister anders reagieren können. Aber es musste doch noch mehr Ansichtsmöglichkeiten geben. Sie konnte diese nur nicht sehen. Nun wusste sie auch was er meinte mit, bei einem Stein ist es vielleicht einfach, aber bei taten von Wölfen die man liebt, kann das schon wieder ganz anders sein.
“Das liegt an den Gefühlen...“
murmelte sie gedankenverloren vor sich hin, dachte also laut. Sie blickte ihr Schwester wieder an und lächelte. Sie wollte nun nicht darüber nachdenken, sonst würde die Freude aus dieser Begegnung weichen und es war einfach nur schön, für den Moment zu vergessen.
“Hast du noch Fragen, Schwesterlein?“
das würde ihre weiße Schwester bestimmt haben. Zumindest hätte sie selbst eine menge Fragen, wenn sie es nicht selbst erlebt hätte. Sie hatte ja sowieso immer Fragen, über Gott und die Welt.
07.10.2011, 18:27
Avendal zog ihre hellen Lefzen zu einem Lächeln zurück und ließ auch kurze Zeit später ein Lachen erklingen. Vermutlich hätte sie auch nicht so ganz aufgepasst, sie waren vielleicht noch zu Jung um wirklich Aufmerksam zu sein. Aber die Schwester sagte nichts zu Amúr's Worten sondern ließ sich auf ihre Hinterhand nieder und forderte ihre graue Schwester dazu auf weiter zu sprechen. Ihre Ohren zuckten Aufmerksam. Avendal war noch nie allein unterwegs gewesen und hatte Wölfe von außerhalb gesehen. Außer die Fremden die immer wieder ins Rudel stießen aber mit diesen hatte sie eher weniger Kontakt.
Hm. Avendal legte den Kopf schief und ließ ihren Blick gegen die Wipfel der Bäume wandern. Zwei Ansichtsmöglichkeiten. Das war wie Engaya und Fenris, zwei Glaubensrichtungen und man konnte entscheiden zu wem man gehören möchte. Die Helle war unsicher in diesem Punkt, sehr unsicher. Ihre Ohren wanderten zurück, legten sich auf ihren Kopf auf und Avendal sah ihre Schwester Amúr aus großen Augen an. Gefühlen? Was fühlte sie selbst? Was fühlte ihre Schwester, es gab viele Fragen auf die sie eine Antwort verlangen wollte, doch stattdessen schüttelte die Weiße einfach nur ihr Haupt und grinste. Langsam erhob sie sich, senkte den vorderen Teil ihres Körper zu Boden und streckte ihren Hinterteil in die Luft.
"Doch ich hab eine Frage.",
meinte Avendal und grinste noch breite. Im nächsten Augenblick sprang sie vom Boden ab und landete auf ihrer Schwester, kugelte über den Waldboden und zwickte sie liebevoll in ihr Ohr.
"Haschu luscht zu spieln?",
nuschelte sie in die graue Ohrmuschel.