Daylight
25.08.2011, 03:42

Daylight genoss den Anblick ihres altvertrauten Tales. Das Tal der Sternenwinde, ihre Heimat. So viele Erinnerungen. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie schrecklich es gewesen wäre, für immer von dort wegzubleiben. Dafür verband sie zuviele Erinnerungen mit diesen magischen Orten. Langsam ließ sich die zierliche Fähe im Unterholz nieder, sog das Sonnenlicht schon beinahe in sich auf und studierte die Wolken. Nahe am Rudelplatz, aber doch fern genug als dass sie ihre Einsamkeit genießen konnte. Den Anderen könnte sie sich noch nicht stellen. Aber vielleicht kam ja jemand auf sie zu? Vielleicht freute sich mal jemand, sie zu sehen? Sehnsüchtig blickte sie empor. Der Himmel war seit je her etwas ganz Besonderes für sie. Ein verzaubertes Reich. So weit entfernt, unerreichbar, und doch immer so nahe. Als könnte sie die Wolken berühren. Als könnte sie sich Engaya auch nur ein winziges Stückchen nähern. Aber Daylight wusste genau um den Umstand, um die Tatsache, dass ihr dies verwehrt bleiben würde. Die einzige Möglichkeit sich der weißen Göttin so sehr zu nähern wäre der Tod. Und sie hatte schließlich noch eine Menge vor sich. Wollte Dinge erleben, Abenteuer und magische Begebenheiten. Doch die Fähe war nicht mehr jung. Die Zeit zum Träumen verrann zwischen ihren Pfoten. Denn sie würde erwachsen werden. Den Ernst des Lebens kennenlernen müssen. Auch wenn sie so viel lieber die naive, glückliche Welpin bleiben wollte, dessen Leben aus Zauberei, Legenden und dem göttlichen Schutz bestand. Hach. Nach all der Zeit war sie immer noch so verträumt und geistig abwesend wie immer. Das würde ihr wohl für den Rest ihres langen Lebens anhaften. Die Fähe war allerdings auch froh darum, diese Fantasie und den Frohmut ihr Eigen nennen zu dürfen. Die Leichtigkeit die diese Eigenschaften mit sich brachten machten es zu einer wundervollen, angenehmen Angelegenheit, wie zum Beispiel gerade jetzt einfach nur da zu liegen und die Wolken zu betrachten. Um nichts auf der Welt würde sie dies aufgeben wollen. Doch langsam, leise und heimlich schlich sich ein Gift in diese zarte, lichte Seele. Das Gift der Reue. Reue, weil sie das Rudel in schweren Zeiten verlassen hatte. Reue, weil sie fortgegangen war. Weil sie all das getan hatte, was sie immer vermeiden wollte. Wollte sie nicht nur das Beste für ihre Vertrauten? Es war wohl eine kinderleichte Angelegenheit gewesen, diese Grundsätze fallen zu lassen. Daylight senkte den Blick. Sie hoffte aus tiefstem Herzen, dass dies nicht ein zweites Mal geschehen möge. Natürlich liebte sie dieses Rudel. Aber die Fähe war leicht von ihren Gedanken zu beeinflussen. Manchmal beinahe schon unberechenbar. Sich leicht mitreißen zu lassen war nichts, auf dass die leidenschaftliche Wölfin stolz sein konnte. Denn manchmal erkannte sie zu spät, welche negativen Folgen ihr Handeln verursachte. Die Fähe atmete tief ein und aus, um die verzauberten, geliebten Erinnerungen tief in sich aufzunehmen und nie wieder loszulassen.

Malicia
28.08.2011, 15:37


Malicia wusste nicht genau was ihr Impuls war, einfach von der Rudelversammlung abzubrechen, aber wohl hauptsächlich wegen dem Grund, einfach ihre Ruhe zu haben. Kaum einige Tage im Revier ihrer geliebten Familie hatte sie schon genug von ihnen und vor allem den Dingen, die in der Zwischenzeit geschehen waren. Schließlich war es für die Schwarze schon schwer genug zu verkraften, über was sie die ganze Zeit schon nachgedacht hatte, über das Verlassen, ihre Mutter ... und nun? Es war wieder genug dazu gekommen! Das Schicksal spielte sie wie einen Ball hin und her. Die Schönheit der Natur konnte sie davon auch nicht abbringen. Sie schritt weiter durch die Gegend, nichts zu sehen, mit niemanden etwas zu machen. Das hätte ihr gerade noch gefehlt. Nicht wieder solche Lila-Laune-Wölfe. Mali ging langsam auf das Unterholz zu und verkniff die Augen. Sie stöhnte, ließ sich nieder und seufzte erneut. Den Kopf auf den Läufen liegend schaute sie ein verträumt ins Tal der Sternenwinde. Bis sie nicht weit von sich etwas weißes sah. Weißes Fell. Sie erschrack, sprang auf und ihr Fell verfitzte sich in den Ästen und Zweigen. Ein kurzes aufknurren. Wer war das? Sie zog die Luft durch die Nase. Das konnte doch nicht ...? War das wirklih ...?

"Daylight?!"

Fragte Malicia leise. War das ihre Schwester?

Daylight
31.08.2011, 11:56

Viel zu sehr ins Träumen vertieft, zu sehr um irgendwas um sich herum festzustellen, vernahm Daylight das Verlauten ihres Namens. Wie..? Sie war so sehr abgelenkt gewesen, dass der feine Geruch, der die Nase der Fähe umschmeichelt hatte, unbemerkt geblieben war. Aber das war auch nicht wichtig. Denn schon alleine am Klang der fragenden Stimme war ihr bewusst, mit wem sie es zutun hatte. Malicia. Eine Schwester. Ein Familienmitglied. Sie ließ sich wirklich nicht zweimal bitten, herumzuwirbeln und mit freudigem Trab der Fähe entgegen zu kommen. Endlich, auch sie konnte sie wiedertreffen. Die Nebensache dass Malicia vermutlich nicht vergeben würde, verdrängte die freudige Wölfin an den Rand ihres Bewusstseins.

"Malicia! Ja, ich bin wieder da."

Die anfängliche Euphorie ebbte mit jedem Wort ab und zerfloss schlussendlich in eine betretene Feststellung. Mit einer wedelnden Rute kam sie ihr näher, nicht zu nahe, aber nah genug um sie liebevoll mit ihren bernsteinfarbenen Seelenspiegeln einzufangen. Ein zaghaftes Lächeln, klein und unbedeutend erhellte ihre Züge. Sie wusste um den Charakter ihrer Schwester. Und eigentlich war es ihr auch egal, weil sie endlich wieder daheim war, endlich wieder bei ihrer Familie! Da würde sich Daylight doch sicher nicht die Laune von ihrer eigenen Schwester herunterziehen lassen. Aber es war nun mal Daylight, und sie legte viel Wert darauf, was ihre Familie über sie dachte. Da lag die Schlussfolgerung nicht weit, dass nicht jeder sie ganz so überfreudig begrüßen würde, wie sie es sich erhofft hatte. Und mit jeder Sekunde die verstrich wurde ihr mehr bewusst, dass der Fähe nun Konfrontation mit der Angst bevorstand, von der die Wölfin seit je her geplagt wurde. Angst, dass man ihr nicht verzeihen würde. Auch wenn Andere da vielleicht positivere Ansichten hatten – Das Urteil einer Schwester war für das Lichterkind bedeutsam. Und irgendwie schlich sich nun mal die Vermutung in ihren Geist, dass Malicia ihr nicht so leicht vergeben würde. Dieser Gedanke trübte sogar ihren Frohmut. Doch Daylight zwang sich zu Freude! Immerhin, nach einem Jahr traf sie nun auch sie wieder. Das war doch ein Grund zur Freude? Immer noch mit einem Lächeln auf den Lefzen, begannen nun ihre Ohren ganz leicht zu zucken. Sie legte ihre Lauscher schlussendlich sanft nach hinten, ein eindeutiges Indiz für ihre Schuldgefühle. Eigentlich wollte sie Malicia mit ihrem Blick fest anblicken. Aber es gelang ihr nicht. Unabhängig davon, wie diese sich nun fühlte, wurde die Weiße gerade wieder von ihren Reuegefühlen aufgefressen. Allerdings ließ sie davon nicht allzu viel durchsickern. Immerhin, jetzt galt es, herauszufinden, ob sie auch von Malicia freudig wieder aufgenommen werden würde. Was machten da schon Ein oder Zwei böse Gedanken.

"Ich konnte nicht länger fortbleiben. Ihr seid doch meine Familie."

Ohne ihrer Schwester irgendeine Chance auf eine Erwiderung zu lassen, war sie einfach fortgefahren, im einen Augenblick unsicherer als im Nächsten. Ob Malicia ihr verzeihen würde? Sie hätte zwar noch eine Menge zu sagen, aber diese leisen, betrübten Worte mussten für den ersten Moment reichen. Und schließlich war sie sich sicher, Malicia hatte diesbezüglich schon eine Meinung. Doch welche? Sie fürchtete sich geradezu davor, es herauszufinden.

Malicia
03.09.2011, 12:21


Malicia trat an ihre Schwester heran und tat eine für sie so ungewöhnliche Geste, denn ihre Schnauze berühte erst sanft die Wange ihrer weißen Schwester, dann den Hals und die Brust. Ihre Freude, die Vermisste Daylight wieder zu erblicken, die ein so hell strahlendes, immer glückliches Sonnenkind war, brachte Malicia zum aufatmen. Die Angst, dass ihrer Familie, vor allem ihren Wurfgeschwistern etwas geschehen sein könnte war schon immer ein Auslöser von Panik und Ärger in ihr. Denn wenn Malicia etwas tat, dann war es, dass sie ihre Familie von Herzen liebte. Auch wenn es der Schwarzen schon immer schwer gefallen war, dies bewusst zu zeigen. Doch Daylight hatte es mal wieder geschafft, die wahre Seite in Malicia zum Vorschein zu bringen, weswegen die sanften Berührungen erst möglich wurden. Obgleich sie ihre Schwester erschreckt hatte, denn sie war gerade unter sich und wahrscheinlich wieder ins Träumen vertieft, schlug ihre Stimmung nicht wie gewohnt in Euphorie und Freude, sondern eher war sie etwas ängstlich. Weshalb? Hatte Malicia je eine Schwester verrufen oder ihrer Familie Schaden hinzugefügt?
Weswegen sie also so zögerlich war, konnte sich die Schwarze nicht erklären, was in diesem Moment allerdings relativ unwichtig war. Wohleher verunsicherte Malicia die Tatsache, dass sie ihrem Rudel in dieser schwierigen Zeit nicht beigestanden hatte ... doch auch Daylight war fortgewesen, weswegen es nicht möglich war, dass die Weiße sie deswegen nicht mehr erblicken konnte.

"Day ... wie freue ich mich, dich zu sehen. Warst du lange fort? Ich weiß es nicht. Du weißt, ich bin auch geflohen. Zwei Mal. Nicht vor dem Rudel, nicht vor den Geschehnissen. Sondern vor mir selbst. Doch auch mich drängte es erneut hierher, in unser Rudel. Meine Schwester, erzähl, wo warst du?"

Ihre Stimme klang außergewöhnlich normal, doch die Sätze waren schnell aneinander gereiht und leise. Doch Daylight kannte Malicia, schließlich waren sie Schwestern. Probleme sollte es deswegen nicht geben. Nur wegen anderen Dingen ...

Daylight
06.09.2011, 08:47

Daylight atmete ganz tief aus, als Malicia näherkam und sie liebevoll berührte. Beinahe hätte sie vor Erleichterung laut aufgeseufzt. Es war so viel geschehen, dass sie sogar von ihrer eigenen Schwester Hass und Schuldzusprechung erwartet hatte. So lange her. Doch nun genoss sie es so sehr, wieder daheim zu sein. Wieder bei ihrer Familie. Und auch hier bei Malicia. Einer Wölfin, die sie schon immer außerordentlich sehr geliebt hatte. Vielleicht auch wegen ihrer einfachen, manchmal leicht melancholischen Art, der das Lichterkind nur zu gerne ein Lächeln und Liebe entgegengesetzt hatte. Und auch die Weiße strich nun lieblich mit ihrer Schnauze durch den dunklen Pelz ihrer Schwester. Fuhr an den silbern schimmernden Zeichnungen entlang und blickte ihr vorfreudig in die azurblauen Augen, fröhlich und vertraut mit der Rute wedelnd. Es war so gut, zu wissen, dass sie auch hier sehnsüchtig empfangen wurde. Und das sogar Malicia, die sonst so kühle Fähe, sie mit solch zarten Gesten begrüßte, erwärmte das Herz der Fähe nur noch mehr. Ihren Worten entgegnete sie ein leises Lächeln. Ein Lächeln, dass die Sonnenstrahlen in ihre Augen trug und vielfach widerspiegelte.

"Ein Jahr lang, liebstes Schwesterherz. Ein Jahr lang in dem ich in einem anderen Rudel einen Teil von mir Selbst wiedergefunden habe. Sie haben mich behandelt und gelehrt wie als wäre ich eine von Ihnen. Eine wundervolle Erfahrung. Aber ich habe es bereut, unsere Familie im Stich gelassen zu haben."

Trotz der Euphorie über die bedingungslose Annahme ihrer Selbst von ihrer Schwester, mischte sich gegen Ende ein bitterer Unterton in ihre sanfte Stimme. Sie würde ewig brauchen, um damit klarzukommen. Dabei war es doch so leicht gewesen, fortzugehen. Aber was redete sie sich hier bloß ein. Malicia wusste genauso gut wie sie, wie schwerwiegend die Last des Verlassens wiegte. Doch das zählte alles nicht mehr. Sie waren beide hier. Zurückgekehrt. Und es gab nichts, wofür sie sich hätten verurteilen müssen. Also strich sie bedächtig mit ihrer Schnauze über das Wangenfell ihrer geliebten Schwester und atmete einmal tief aus.

" Es war wunderbar. Aber ich weiß jetzt, dass ich meine Heimat einfach nicht hinter mir lassen kann. Es ist nichts verwerfliches daran, dies festgestellt zu haben. Weswegen ich in deinem Fall vermute, dass wir uns keine allzu großen Gedanken und Schuldgefühle einflößen sollten."

Sie wusste nicht mit Sicherheit, ob ihre Schwester genauso wie sie mit massigen Schuldgefühlen belastet wurde, nur weil sie fortgezogen war. Aber irgendwie wollte sie wenigstens versuchen, sich selbst und ihr zu helfen, und die Wahrheit erklingen zu lassen. Denn so sehr ihre Gefühle die Realität auch verzerren und sie schuldig sprechen mochten – Im Grunde war die Wahrheit der Retter der sie freisprach und von ihrer eingebildeten Sünde reinwusch.

Malicia
11.09.2011, 16:33


Malicias Herz tat Sprünge und obwohl sie es sich selbst am wenigsten zugeben wollte, ja, sie freute sich. Freude, pure Freude, Erleichterung durchströmte ihren Körper wie eine Welle warmen Wassers. Bei ihrer Schwester war sie weniger verkrampft oder verspannt, ruhiger, nicht mehr auf sich besinnt. Obwohl Daylight nie eine dieser Fähen gewesen war, die sich in ihrem Selbstmitlied hängen ließen, wusste Malicia, dass es ihr weh tun würde, nur den Hauch einer Ablehnung zu erfahren. Sie konnte Kummer, Angst oder Wut nicht einfach verstecken wie andere. Allerdings zeigte sie auch ihre Freude sehr deutlich, was sie immer beliebt gemacht hatte. Malicia vermisste ihre Zeit als Jungwolf. Ihre komplette Familie. Mama, Papa ...

"Wir sind uns beide nichts schuldig, meine Schwester. Was uns hilft, den rechten Glauben und unser Selbst wiederzufinden, dass kann nicht falsch sein. Jeder braucht manchmal in seinem Leben Phasen des Ausatmens und Freiseins. Nicht mehr an das Rudel gebunden sein. Herr unserer Selbst ... "

Malicia lief gemächlichen Schrittes zu ihr und setzt sich neben sie. Ihre schwarzen Fellspitzen berührten ihre weißen. Wie Ying und Yang. Zusammen vereinte Schwestern. Mit Daylight hatte sie offensichtlich mehr gemeinsam, als sie Anfangs dachte.

Daylight
18.09.2011, 11:59

Wie beruhigend es doch war, zu sehen, das Malicia sie nicht verurteilte. Daylight konnte sich in dieser Hinsicht einfach nicht helfen. Immer wieder aufs Neue erwartete die zartbeseitete Wölfin von ihren Geschwistern Ablehnung, Misstrauen und Vorwurf. Umso mehr überraschte sie die Tatsache das dem selbst bei Malicia nicht so war. Malicia, die Schwester, die immer einen bitteren Beigeschmack der Melancholie bei sich trug. Sie machte für gewöhnlich kaum einen Hehl aus ihrer Meinung, zudem besaß sie auch ein definitiv ruppigeres Gemüt als Daylight. Auch wenn dahinter ebenfalls eine sanftmütige, verletzliche Fähe ruhte. Aber Malicia war in der Hinsicht einfach etwas ganz Besonderes. Der leuchtende Blick der Weißen verblieb auf den seltsamen, gräulichen Fellzeichnungen im Gesicht ihrer Schwester. Ja, ihre Schwester war wirklich sehr besonders. Wie oft das Lichterkind sie darum schon beneidet hatte. Als sie noch Welpen waren, hatte Daylight alle ihre Geschwister beneidet. Sie war so normal gewesen. Für sie war es nichts Besonderes, glücklich und fröhlich durch die Gegend zu rollen. Aber die Anderen? Tyraleen, die Starke und Verantwortungsbewusste. Malicia, die eingebrödlerische, liebenswürdige Kämpferin. Amáya, die kühle, dunkle Denkerin. Parveen, die etwas schüchterne, selbstständige Jägerin. Und auch die Anderen hatten alle eine bestimmte Facette ihres Selbst, die sie aus der Menge abhob. Doch Daylight? Sie würde ewig nur die bleiben, die einfach nur lächelte. Daran war weder etwas Besonderes noch irgendwas Einzigartiges. Wenigstens waren ihre Geschwister nicht so langweilig wie sie Selbst. Das machte sie schon wieder glücklich. Und im nächsten Augenblick schenkte sie Malicia auch ein gedankenverlorenes, glückseliges Grinsen.

"Du hast Recht. Bereuen sollten wir nur Taten, die geschadet haben, aber im Gegensatz dazu geht es uns ja noch besser. Danke für deine lieben Worte."

Ein ehrliches, zartes Dankeschön. Bei Malicia fand sie den Trost, der ihre innere Unruhe linderte und sie ihrem alten Selbst ein wenig versöhnlicher nahe brachte. So eine ältere Schwester war schon etwas ganz wunderbares. Während sie sich also entspannt neben das Lichterkind setzte, kostete Daylight die Ruhe und Gelassenheit der Berührungen voll aus. Vollkommen beruhigt lehnte sie ihren Kopf sanft an ihre Schwester und schloss vollkommen geborgen die Augen. Seltsame Gedanken kreuzten ihren Geist.

"Ich fühle mich, als würde Mutter wieder bei uns liegen. Diese wohlige, warme Aura. Sie fehlt mir immer noch. Seltsamerweise vermisse ich Vater genauso."

Bei den Gedanken an ihre Eltern begann die einfühlsame Stimme der Weiße leicht zu beben. Vielleicht war sie die Einzige ihrer Geschwister, die noch so empfand, aber sie konnte den Tod ihrer Eltern nicht in die Vergangenheit rücken lassen. Banshee und Acollon. Das Lichterkind vermisste die beiden schrecklich. Doch ließ sie sich davon kaum etwas anmerken. Jetzt, in dieser wunderbaren Situation, hätte sie auch endlich die Chance, herauszufinden wie Malicia dazu stand.

Malicia
28.09.2011, 21:16


Erstaunt betrachtete Malicia ihr Yang und atmete ein, lauschte auf ihren regelmäßigen Herzschlag und das pulsierende Blut in ihrem Kopf. Ihre Nackenhaare stellen sich auf, als sie daran dachte, Mutter oder Vater könnten neben ihr liegen. Und sie wären wieder vereint. Banshees klarer, heller Blick würde auf ihren Kind ruhen und Acollon wäre unbewusst der Motor Malicias Herzens. Wie sehr dieses nun stolperte, als sie sich diese Szene in den manigfaltigsten Varianten durch den Kopf gehen ließ. Daylights warmer Blick holte sie in die Realität zurück. Ihre wunderschöne Schwester zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht und sie berührte noch einmal sanft mit der Spitze ihres Fangs den weißen Pelz. Wie vertraut und gut sie duftete, nicht nur nach Wiese und Leben und Freude. Sie hatten sich so lang nicht gesehen und nun waren sie wieder vereint, Ying und Yang.

"Du liebste unsere Eltern noch genauso, wie am ersten Tag deines Lebens, schätze ich ..."

Ihr kühler Blick richtete sich gen Himmel, wie eine Aufforderung, dass Banshee und Acollon plötzlich herunterkommen sollen, die Himmelstreppe hinabsteigend und ihre Töchter begrüßend. Tränen legten sich in ihre Augen und sie schluckte.

"Es gab keinen Tag, an dem ich sie nicht vermisste."

Schluchzte sie leise und legte den schwarzen Kopf auf ihre Vorderläufe. Da war sie nun schon so alt und weinte immer noch um ihre Eltern. Doch sie fand nichts falsches daran, wenn sich auch ein kleiner Teil in ihr dagegen sperrte, an sie zu denken. Doch sie konnte es einfach nicht lassen. Langsam seufzte sie, wollte den Schmerz und die Trauer aus ihrem Kopf blasen und vergessen.

"Sie hätte nicht gewollt ..."

begann sie ein letztes Mal, doch ihre Stimme verebbte und sie schluchzte lauter. Zuwendung konnte sie keine gebrauchen. Aber das erkläre mal der liebenswürdigen und hilfsbereiten Daylight!

Daylight
06.12.2011, 16:51

Es tat gut, in solch einsamen Gedanken einen Halt zu finden. Für gewöhnlich wäre Daylight sich mit dieser Trauer wie ein Außenseiter vorgekommen. Aber, zum ersten Mal seit langer Zeit, war da jemand bei ihr, der diese Trauer teilte. Daylight stellte mit offenem Blick fest, dass Malicia genauso sehr wie sie unter der Trennung von Banshee und Acollon litt. Vielleicht sogar noch schlimmer. Einerseits fühlte sich die Weiße dadurch unglaublich geborgen, andererseits schlich sich das Mitgefühl in ihre Gedanken, als sie ihre Schwester dort schluchzend ruhen sah. Mit einem tiefen Atemzug richtete Daylight, wie auch Malicia zuvor, die Seelentore gen Himmel. Ja, dort irgendwo waren sie jetzt. Sie atmeten. Vielleicht sprachen sie auch gerade über die verlorenen Geschwister. Das Wissen, dass die beiden auf jedenfall irgendwie anwesend waren, machte sich in der Sehnsucht des Lichterkindes mehr als bemerkbar. Wie schlimm es da Malicia erst ergehen musste?

"Du hast Recht, sie hätte sich für uns diese Trauer nicht gewünscht. Aber.."

Ihre Stimme verebbte ein wenig, schwächelte und wurde erheblich leiser. Es setzte den beiden viel zu. Darüber hinaus war das Lichterkind mit vollstem Bewusstsein darauf bedacht, die Tränen ihrer melancholischen Seelenfreundin nicht noch mehr anzufachen. In Wahrheit litt die Fähe jedesmal schrecklich, wenn in ihrer Gegenwart Tränen vergossen wurden. Doch so wie Daylight auch älter geworden war, wurde sie auch in dieser Hinsicht stärker, und konnte über ihre Worte und Taten nachdenken, bevor sie naiv irgendjemandem zu Hilfe eilte. So kam es dass sich die Weiße einfach zu der Schwarzen legte. Nahe genug, um die Schwarze ein wenig mit ihrer Hoffnung zu erhellen, und doch so fern als dass sie nicht ungefragt zu nahe kam.

"Das ist unsere Art, ihre Abwesenheit zu verarbeiten. Und wenn wir hunderte Nächte lang voller Schmerz heulen, wenn wir jahrelang von der Sehnsucht gepeinigt werden. Sie werden uns immer hören. Sie sind immer bei uns. Wenn auch nicht so, wie wir es gern hätten."

Erneut gönnte sie sich einen tiefen Atemzug. Sie sog die Luft ein, das pure Leben, und besann sich schweigend auf das Licht, welches ihr in solch dunklen Stunden immer eine hilfreiche Stütze gewesen war. Ja, ihr Licht, es wärmte und legte sich um ihre Seele wie eine warme, schützende Decke. Sie wünschte sich so sehr, Malicia dieses Gefühl auch schenken zu können. Also legte sie einfach genauso wie die Schwarze ihren Kopf auf die Pfoten und versuchte, ihr Licht so hell leuchten zu lassen, dass Malicia vielleicht auch ein wenig davon spüren konnte. Das war ihre Art zu helfen. Ihre ganz persönliche Erinnerung an Banshee.