Tyraleen
21.09.2011, 12:21

Seit der Welpenzeremonie sind etwas mehr als 7 Tage vergangen. Das Rudel ist noch immer verstreut in der Nähe des Wasserfalls, hat sich aber schon wieder mehr in Richtung Wald zurückgezogen. Es ist Nacht, sternklar huschen einzelne Sternenwinde über den leuchtenden Himmel. Ein schwarzer Neumond lässt zwischen den Bäumen tiefe Schatten entstehen.

Tyraleen hatte sich in den Schatten zurückgezogen. Ihr Gespräch mit Averic heute Morgen lag ihr schwer im Magen und doch fühlte sie sich seltsam schwerelos.

Caylee steuerte mit einem breiten Grinsen auf Krolock zu. Sie hatte sich von dem Sturz und der Konfrontation mit ihrem Vater erholt. Jetzt war es Zeit, Rache zu üben, auch wenn sie von Krolocks Verhalten noch immer irritiert war und nicht umhin kam, ihm dankbar zu sein.

Aszrem trat aus dem Wald heraus auf die offene Gras-Schnee-Fläche. Er war eine ganze Strecke gelaufen, aber nicht so lange, wie er vorgehabt hatte. Ein Stechen in seiner Flanke hatte ihn dazu angehalten, ein ruhigeres Tempo anzuschlagen. Er wurde offensichtlich alt. Leicht seine eine Seite schonend trat er auf Tyraleen zu und ließ sich in ihrer Nähe nieder. "Tyraleen.", grüßte er gewohnt knapp.

Sheena ließ ihren Blick suchend über die anwesenden Wölfe gleiten und ihr Blick blieb an Isaí hängen. Mit raschen Schritten trugen ihre Pfoten sie auf ihren Sohn zu.

Chanuka sprang in ausholenden Sprüngen auf den Waldrand zu und zügelte sein Tempo, als er den Wasserfall erreichte. "Chardím!", erschrocken fuhr er zusammen, als er beinahe in seinen Bruder hinein gelaufen wäre.

Tyraleen hob den Kopf, als Aszrem auftauchte - sie erkannte ihn dank der Dunkelheit nur an seinem Geruch. Noch immer wusste sie nicht immer, wie sie sich ihrem Mitleitwolf gegenüber verhalten sollte. "Hallo Aszrem.", erwiderte sie seinen Gruß knapp aber freundlich.

Isaí wusste nicht genau, was er vorhatte. Im Grunde suchten seine pfützigen Seelenspiegel die Umgebung nach der kleinen Gestalt seines Gebruders ab, der bei dieser Dunkelheit ja eigentlich gut zu sehen sein müsste. Doch er blieb verborgen und so musste er wohl von dem Plan ablassen, ihm einen kleinen Schrecken einzujagen. Stattdessen erkannte er seine Mutter, die auf ihn zukam, setzte sich zurecht und ließ die kleine Rute über den Boden pendeln.

Krolock erstarrte und wandte sich zu Caylee um. Ausgerechnet? Am liebsten wäre er ihr nie wieder unter die Augen getreten. "Geht‘s dem Baum besser?"

Chardím hatte sich ein wenig die Beine vertreten, nachdem er sich vergewissert hatte, dass Tinca wohl behütet schlief. Am Wasserfall hatte er seinen Durst stillen wollen, doch kaum dass er den Kopf gesenkt hatte, fuhr er zusammen. Eine laute Stimme war neben ihm ertönt und Chanuka bremste haarscharf vor ihm. Chardím erholte sich aber recht schnell wieder und grinste seinen Bruder an. "Warum so eilig?"

Sheena registrierte freudig, dass ihr Sohn sie schon bemerkt hatte und ihr entgegenblickte. Ein breites Lächeln legte sich auf ihre Lefzen. Durch die Zeremonie und das anschließende Kennenlernen der Welpen und der Paten hatte sie ihre Welpen nur selten so lange zu Gesicht bekommen, dass sie ein vernünftiges Gespräch mit ihnen hatte führen können. Daher eignete sich die jetzige Situation wunderbar um dies nachzuholen. "Hallo mein kleiner Schatz!"

Caylee konnte nicht einschätzen, was Krolock von ihrem Auftauchen hielt, aber dass er erstarrte, entging ihr keineswegs. "Keine Ahnung, ich hab mich nicht mehr mit ihm unterhalten." Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen und legte den Kopf neckisch schief. "Du musst noch ein Versprechen einlösen." Sie hatte genug Feingefühl, um nicht auf die Situation mit Averic anzuspielen.

Aszrem nickte ihr zu und ließ sich dann vorsichtig von einer sitzenden Position in eine liegende nieder. Er konnte ihre Anspannung riechen, oder etwas, das dem nahe kam. "Ist alles in Ordnung?"

Turién döste in der Nähe des Wasserfalles. Seine Augen waren nur halbgeöffnet, während er nicht müde, aber auch nicht sonderlich motiviert aufzustehen die anderen beobachtete. Besonderes Augenmerkt galt hierbei Chanuka, der gerade fast in Chardím gerannt wäre.

Isaí bemühte sich, besonders unschuldig zu wirken, sodass Sheena ihm in keinster Weise ansehen konnte, was er gerade gedacht hatte. Er erwiderte das Lächeln, ehe er die letzen Meter selbst überwandt und seiner Mutter so gut es ging über die Lefzen leckte. "Mama!", entfuhr es ihm schließlich fröhlich, während er den Kopf gegen ihre Brust drückte. "Ich hab so viel zu tun, ich seh dich kaum noch!" Er blinzelte etwas bedrückt, doch es gab einfach viel zu viel zu erkunden. Und ihm fehlte die Zeit, die er sonst eigentlich immer mit seinen Eltern verbracht hatte.

Tyraleens Ohren drehten sich leicht zurück - sie war froh, dass Aszrem es in der Dunkelheit nicht sehen würde. Etwas unschlüssig schwieg sie zunächst, sich sicher, dass Aszrem nicht über ihre Gefühle gegenüber Averic Bescheid wissen wollte. "Ja, eigentlich schon. Es gab ein paar Neuigkeiten über Chardím und Tascurio, aber nichts, was das Rudel betrifft."

Liel strich unruhig in der Nähe des Wasserfalls auf und ab. Sie konnte sich nicht recht dazu durchringen zu Chanuka zu gehen, der gerade augenscheinlich mit seinem Bruder Chardím beschäftigt war. Sie wollte die beiden schließlich nicht stören. Dann jedoch fiel ihr Turién auf, der sich ebenfalls in ihrer Nähe befand und die beiden zu beobachten schien. Langsam schritt sie auf den Rüden zu. Sie kannte ihn kaum, doch das sollte kein Hindernis sein.

Krolock sah Caylee skeptisch an. "Ach ja?" Ging das Spiel nun in die nächste Runde?

Averic hatte sich direkt neben dem Wasserfall auf einem kleinen Felsen niedergelassen. Eine seltsam kalte Melancholie hatte ihn den ganzen Tag über festgehalten. Der Schwarze musste akzeptieren, dass er daran nichts würde ändern können, trotzdem war es ein bitteres Wissen, jetzt, wo er das Gefühl hatte sich seiner ehemaligen Gefährtin langsam wieder anzunähern, sie bald ganz verlassen zu müssen. Sie und seine Kinder.

Caylee nickte, auch wenn Krolock das nicht erkennen würde. "Ja, du musst mir noch einen Tag lang dienen. Eine wunderbare Nacht um damit anzufangen, nicht wahr?"

Chanuka verzog das zunächst erschrockene Gesicht zu einem Grinsen. "Lebensübermut.", entgegnete er gut gelaunt.

Turién wandte seinen Kopf, als er Schritte vernahm, und erst spät erkannte er, dass es Liel war, die sich auf ihn zubewegte. Er rappelte sich ein bisschen auf, und lächelte leicht. "Hallo Liel!"

Sheena musste leicht schmunzeln, als sie den Blick ihres Sohnes auffing. Er bemühte sich sehr ernsthaft um einen unschuldigen Ausdruck. Aber natürlich sahen ihre Mutteraugen ganz genau, dass darunter ein anderer Blick lag. Was hatte der Kleine Große gerade wohl gedacht? Freudig mit der Rute wedelnd erwiderte sie seine Begrüßung indem sie ihm über die Schnauze schleckte. "Oh ja, das verstehe ich. Es gibt so viel Aufregendes in dieser Welt." Dennoch bedrückte es sie natürlich ein wenig. Aber davon ließ sie sich nichts anmerken.

Aszrem versuchte durch die Dunkelheit hindurch Tyraleen anzusehen, aber angesichts des fehlenden Mondlichts war das nicht so einfach. Viel mehr als ihre Kopfhaltung konnte er kaum erkennen, aber ihre Stimme verriet ihm, dass sie ihre Worte mit Bedacht wählte. Einen Moment schwieg er und beschloss dann, nicht tiefer zu graben, wenn sie das nicht wollte. "Wenn du darüber reden möchtest ...", bot er ihr an, glaubte jedoch nicht, dass sie es auch tun würde.

Krolock schüttelte seinen Pelz. "Du hast Glück, dass ich gerade ohnehin nichts Besseres zu tun habe." Gab er großzügig von sich. Peinlicher als die Spiele vom letzten Mal konnte es ohnehin nicht für ihn werden. "Ich höre ..." Krolock sah Caylee abwartend an und versuchte die Beklemmung herunter zu schlucken, die von ihm Besitz ergriff. Er fühlte sich ausgeliefert und war nicht sicher, ob er gerade wirklich bereit dafür war, irgendwelche Aufgaben zu erfüllen. Caylees Rache konnte furchtbar für ihn ausfallen.

Liel lächelte den Rüden leicht an, als dieser sich mühsam aufrappelte. "Hallo Turién. Beobachtest du auch Chanuka und Chardím?"

Chardím wedelte zur Antwort leicht mit der Rute und lächelte weiter. Dann ließ er den Blick kurz über den Himmel schweifen. "Was meinst du - toll dieser Sternenhimmel, oder? Ohne Mond sieht man noch viel mehr von ihnen!"

Jakash trat ans Wasser um zu trinken, und fühlte die Präsenz eines Wolfes in der Nähe eher, als dass er jemanden sah. Witternd hob er den Kopf und erkannte Averic, dessen Silhouette er kurz darauf zu entdecken glaubte. "Oh ... hallo Averic. Ich hab dich nicht sofort bemerkt ..."

Turién nickte auf die Frage von Liel. "Ja ... Chanuka hätte grade fast Chardím umgerannt, konnte aber spektakulär bremsen." Er lachte kurz auf.

Isaí nickte begeistert, als Sheena seine Worte bestätigte und dennoch genoss er es sichtlich, seine Mutter mal wieder für sich allein zu haben. Ein letztes Mal drückte er seinen kleinen nun schon größeren Kopf in ihr Fell, ehe er ein paar Schritte zurück machte und den Blick kurz über den dunklen Platz schweifen ließ. Im Grunde musste man alles zwei Mal sehen - einmal im Hellen und einmal im Dunkeln, denn da sah alles nochmal anders aus. Es hörte sich sogar alles anders an! "Hat es bei Oma und Opa auch so ausgesehen?" Er wusste von Tyraleen, dass Sheena kein wirklicher Sternenwind war, doch das war gut so.

Tyraleen fragte sich im Stillen, was sie von Aszrems Angebot halten sollte. Er war kein Wolf, mit dem sie über ihre Gedanken sprach - es sei denn sie drehten sich um das Rudel. Wollte er diesen Umstand wirklich ändern? Unsicher wusste sie nicht, was sie sagen sollte, wollte sein Angebot auch nicht einfach ausschlagen und merkte dann, dass es durchaus Neuigkeiten gab, die das Rudel betrafen. "Averic muss einen Wolf töten. Außerdem wird er in absehbarer Zeit das Tal verlassen müssen."

Liel ließ ihr glockenhelles Lachen erklingen. "Was für ein Ärger. Das habe ich nicht gesehen!" Aufmerksam beobachtete sie ihren liebsten Freund. Er schien ausgesprochen glücklich zu sein.

Chanuka bemerkte Liel und Turién in der Nähe und nickte ihnen grüßend zu, als er merkte, dass sie zu Chardím und ihm hinüber sahen. Dann richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen Bruder und dann zum Himmel hinauf. "Und obwohl die Sterne so klein sind, ist die Nacht gar nicht so finster ..."

Caylee ließ sich wie immer nicht von Krolock provozieren. Ihm war ebenso bewusst wie ihr, dass er sein Versprechen einlösen musste und es auch tun würde - er war vielleicht ab und an ein ziemlicher Depp, aber an Abmachungen hielt er sich. Zumindest bisher. Jetzt galt es also, sich etwas Lustiges auszudenken. Gleichzeitig spürte sie nicht das Verlangen danach, ihn so auszuliefern, wie er es bei ihr getan hatte. Dafür war er danach zu ... sie verscheuchte sie Gedanken, witterte und stellte fest, dass Sheena und Isaí ganz in ihrer Nähe waren. "Du schleichst dich gegen den Wind an Isaí heran und tust so, als wärest du Fenris."

Turién nickte sanft und ließ seinen Blick von Liel wieder zu seinen zwei Brüdern schweifen. In dem Moment fing er Chanukas Blick auf und nickte ihm ebenfalls, mit einem Lächeln einen Gruß zu. So wie Chanuka und Chardím es gerade taten, fiel auch sein Blick nach oben, in den Himmel, wo die Sternenwinde so schön wie selten zu sehen waren. "Sie sind so schön ...", stellte er, irgendwie zufrieden, fest.

Averic hob den Kopf erst, als sich die Silhouette am Ufer ihm zuwandte. Er hatte bereits gewittert, dass es sich um Jakash handelte, aber nicht das Bedürfnis gehabt, auf sich aufmerksam zu machen. Jetzt aber dachte er sich, dass sich das gut traf. Er sollte mit Jakash noch einmal reden. "Guten Abend, Jakash.", grüßte er knapp und fügte dann nach einer kurzen Pause hinzu: "Hast du einen Moment Zeit?"

Sheena genoss die Anwesenheit ihres Sohnes mindestens genauso sehr, wie Isaí es zu tun schien. Zwar fehlten ihr ihre andren drei Schätze, aber es musste auch Momente geben, in denen man ungestört mit nur einem Welpen die Zeit verbringen konnte und so suchte sie auch nicht nach den anderen dreien. Seine Frage überraschte ihn ein wenig. Kurz ließ sie ihren Blick über den Platz schweifen. Was hatte er gerade wohl gedacht um auf diese Frage zu kommen? "Ganz so genau kann ich es dir gar nicht sagen. So viel haben Hanako, deine Oma, und Hidoi, dein Opa, nicht über ihren Aufenthaltsort vor dem Tal der Sternenwinde gesprochen. Außerdem war ich noch sehr klein, als sie mich hier zurückließen ..."

Aszrem ließ seine Emotionen selten ungewollt auf seinem Gesicht erscheinen, aber diesmal lag es nur an der Dunkelheit, dass Tyraleen sein irritiertes Gesicht nicht sehen konnte. "Er muss einen Wolf töten?", wiederholte mehr überrascht als erschrocken. "Wegen Fenris?", fragte er kurz darauf nach. Welchen Grund konnte diese Bestimmtheit sonst haben, wenn nicht durch den Willen eines Gottes? "Und dann muss er gehen.", hakte er nach.

Chardím ließ seinen Kopf nicht sinken, sah aber aus den Augenwinkeln, dass Chanuka irgendwo hinnickte. Er neigte das Haupt etwas schräg, um in seine Blickrichtung zu sehen. Turién und Liel waren in der Nähe. "Wie wäre es, wenn wir uns die Sterne vom Himmelsfelsen aus ansehen? Turién und Liel nehmen wir mit!"

Liel lächelte strahlend auf, als sie registrierte, dass Chanuka sie bemerkt hatte und begrüßte ihn so, auf ihre eigene sehr herzliche Art und Weise. Dann ließ sie ihren Blick ebenfalls gen Himmel gleiten und beobachtete die Sterne am Himmelszelt die, ohne eine Beeinträchtigung durch das Mondlicht, deutlich zu erkennen waren. "Oh ja, das sind sie. Vielleicht ist es ihre Aufgabe ...“

Krolock lachte amüsiert auf, ehe ihm bewusst wurde, dass er dabei beobachtet worden war. Schnell fasste er sich wieder um ernst auszusehen, ehe er sich vor Caylee aufbaute. Er spannte seinen Körper an und wuchs dadurch ein bisschen. Dazu nahm er den Kopf so weit nach oben, wie irgendwie möglich. Dadurch perfekt maskiert, stapfte er los, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Trotz der verspannten Haltung schaffte er es, seine Pfoten leise genug aufzusetzen, um nicht frühzeitig gehört zu werden. "Muuuaaa.", gröhlte er schließlich kehlig in Isaís Ohr und baute sich erneut über dem Welpen auf.

Jakash zögerte einen kurzen Moment mit seiner Antwort. Er hatte eine Ahnung, um was es ging, aber es rächte ihm auch nichts, würde er nun dieses Gespräch scheuen. Im Gegenteil. Und vielleicht irrte er sich ja auch, was das Thema betraf. "Sicher.", erwiderte er.

Isaí 's Ohren zuckten aufmerksam, als würde er eine spannende Geschichte erwarten, Doch es kam etwas anders, als er erwartet hatte. Mit großen Augen sah er zu Sheena hinauf, während er besorgt mit den Ohren schnippte. "Aber du musst doch wissen, wo du gespielt hast!" Ein Lachen drang aus seiner Kehle, ehe er wieder aufsprang und mit der Rute wedelte. Oder war sie doch hier aufgewachsen und so doch ein ganzer Sternenwind. Alles so kompliziert ... "Das ist aber gar nicht nett. So kann ich sie gar nicht kennenlernen." Vorwurf lag in seiner Stimme, doch dieser war nur halb so ernst gemeint, wie er ihn aussprach.

Tyraleen war unsicher, wie Aszrem reagieren würde - wieder einmal der Befehl eines Gottes. Das letzte Mal hatte er nicht gerade so gewirkt, als würde er dies als Erklärung akzeptieren. "Ja. Er ist der Sohn Fenris' und bisher hat er reichlich wenig getan, was diesem Titel entspricht." Aszrem schien zwar überrascht aber nicht widerwillig. "In das Tal der Raben. Wir wissen nicht einmal, wo es liegt ... wie weit es entfernt ist." Dass Averic es dennoch finden würde, stand außer Frage.

Chanuka sah Chardím an und nickte zufrieden. "Eine schöne Idee.", kommentierte er zusätzlich und bewegte sich dann auf seinen anderen Bruder und Liel zu. Sein Blick glitt zu Chardím zurück, als würde er sich vergewissern, ob dieser ebenfalls kam. Eigentlich aber musterte er den irgendwie eher fremden Rüden.

Isaí vernahm plötzlich ein Atmen hinter seinem Ohr, hob den Kopf und im nächsten Moment grölte schon etwas laut in seine Ohren. Doch obwohl er wohl augenblicklich die Rute hätte einziehen sollen und sich verstecken, blickte er bloß unbeeindruckt rein und wandte den Kopf, um nach dem Ohr zu schnappen, welches dem Wolf gehörte, der gerade so eine glorreiche Aufführung veranstaltet hatte. Atalya. sowas kannte er doch von ihr. Doch als sich der kleine umwandte, stellte er erschrocken fest, dass es gar nicht Atalya war. Augenblicklich riss er die kleinen Augen auf, Quiekte kurz und versteckte sich zwischen Sheenas Vorderläufen. "D-Du...!", stotterte er erschrocken und stand angespannt im Schutz Sheenas.

Averic bedeutete Jakash mit einer Schnauzenbewegung, sich zu ihm zu setzen. "Ich habe mit Fenris über euren Pakt gesprochen und die Gefahr, der mein Sohn durch ihn ausgesetzt ist.", begann er kühl.

Turién neigte seinen Kopf zur Seite. "Es ist ihre Aufgabe schön zu sein?" Er lachte leise auf und zuckte dann leicht mit den Schultern. "Wer weiß ..." Er hatte eine andere Theorie. Eine andere, wunderbare Theorie ... Seine Augen erkannten nun auch, dass Chardím sie gesehen hatte, weil er sich seltsam verrenkte. Als sich beide in Bewegung setzten nickte er ihnen noch einmal zu. "Na ... auch mal wieder den Sternen erlegen?"

Sheena lachte kurz über den erstaunten Ausdruck in Isaís Augen auf. "Aber ich habe doch hier gespielt! Ich bin hier geboren, ganz genauso wie in diesem Tal. Nun, nicht ganz genauso. Schließlich haben wir das Tal nach dem 'Nichts' neu erschaffen. Aber doch bin ich an diesem Ort aufgewachsen. Nur sah es anders aus, als jetzt ..." Das erschien ihr viel zu verwirrend für den kleinen Welpen, aber ehe sie noch weitere Erklärungen liefern konnte, witterte sie einen Wolf, der sich ihnen vorsichtig näherte. Ehe sie jedoch reagieren konnte, stand Krolock schon vor Isaí und brüllte ihm ins Ohr. Sorgenvoll blickte sie zuerst ihren Kleinen an, der sich zuerst zwar nicht erschrocken hatte, dann aber doch aufquieckte und sich zwischen ihren Beinen versteckte. Unwillig wand sie ihren Blick dem Störenfried zu und packte ihn sanft, aber doch deutlich am Ohr und nuschelte "Findest du das irgendwie komisch?"

Caylee war froh, dass Krolock von dieser Aufgabe offensichtlich amüsiert war. Dann fragte sie sich, warum das wichtig war und folgte dem Schwarzen innerlich kopfschüttelnd. Interessiert betrachtete sie seine Herangehensweise und war dann enttäuscht, als der Welpe gar nicht erschrocken schien. Doch kaum umgedreht erlebte er den Schock seines Lebens und Caylee konnte sich nur knapp das Kichern verkneifen. Viel schöner war aber noch Sheenas Reaktion und was Krolock nun erwartete. Sich bewusst im Hintergrund haltend betrachtete sie das Szenario.

Chardím trabte locker hinter Chanuka her, bis er neben ihm lief. Es machte ihm nicht sonderlich viel aus, dass der Schwarze ihm fremder war, als seine anderen Geschwister. Deswegen war er trotzdem sein Bruder. Der Schwarzweiße nickte Turién und Liel lächelnd zu. "Ja. Und ich dachte mir, wir könnten sie bestimmt noch viel besser bewundern, wenn wir auf den Himmelsfelsen klettern!"

Aszrem hatte sich derweil wieder gefasst, aber das bedeutete nicht, dass sein Inneres ruhig war. Schon wieder forderte Fenris ein Leben ein. "Muss es ... jemand aus dem Rudel sein?", fragte er und schluckte ein 'wieder' noch rechtzeitig hinunter, bevor es über seine Lefzen kommen konnte. Entsprechend bemühte er sich, noch auf den anderen Teil des Gesprächs einzugehen. Er konnte hören, wie sehr Tyraleen die Aussicht mitnahm, den Vater ihrer Welpen nicht mehr im Rudel zu wissen. "Das tut mir leid, Tyraleen. Darf er zurück kehren?"

Liel musterte Turién, als er auflachte und mit den Schultern zuckte. Die folgenden Worte ließen sie annehmen, dass er eigene Theorien hatte. Da er aber nicht selber anfing zu erklären, fühlte sie sich nicht in der Position weiter nachzufragen. Deshalb richtete sie ihren Blick nach vorne, denn Chanuka und Chardím steuerten auf sie beiden zu und verkündeten ihre Idee auf den Himmelsfelsen zu klettern um den Sternen noch näher zu sein. "Oh ja. Welch wundervolle Idee!" Begeistert hüpfte die Graue mit allen vieren in die Luft und lachte erfreut auf.

Krolock versuchte, möglichst unnahbar und ernst auszusehen, was ihm auch ziemlich überzeugend gelang. "Der Gott des Todes macht keine Scherze.", antwortete er auf Sheenas rhetorische Frage. "Ich bin hier, um den Welpen mit mir zu nehmen." Sein Gesicht blieb völlig ernst und eisig kalt. Die Rolle stand ihm. "Deine Zeit ist abgelaufen, Isaí!!"

Jakash entging beinahe die Kopfbewegung Averics, viel mehr erriet er sie und kam der Aufforderung nach. Averic kam auch gleich zur Sache, und Jakash horchte auf. Sein Puls beschleunigte sich. "Und?"

Caylee konnte ein erstes Kichern nicht unterdrücken und bewunderte Krolocks Durchhaltevermögen.

Isaí stand breitbeinig da und konnte sich nicht recht entscheiden, ob er die Rute noch aufstellen, oder einziehen sollte. Es blieb dann bei einem leichten Einziehen, während er leise knurrend den schwarzen Wolf beobachtete, der nun von seiner Mutter am Ohr gepackt worden war. "Zeig‘s ihm, Mama! Du musst ihm das Ohr lochbissern, wie Turién es mit Atalya gemacht hat. Er ist nämlich genauso ein Fieswolf!" Er schluckte unsicher, während sich sein Stand allmählich lockerte. Doch dann erklang erneut die Stimme des Schwarzen und Isaí schreckte auf. Sein kleines Herz raste, während er sich von den Worten Tyraleens zu überzeugen versuchte, er hätte Fenris nicht zu fürchten. Hilfesuchend blickte er zu Sheena, während er sich etwas kleiner machte und irgendwas von "Nimm Malik!" undeutlich murmelte.

Sheena blickte den jungen Wolf völlig entgeistert an. Es war der Sohn Kaedes, genau aus diesem Grund wollte sie keine schimpfenden Worte an ihn richten. Aber sein Verhalten war einfach unmöglich! Doch dann vernahm sie ein leises Kichern und ihr Blick schnellte herum zu Caylee die das Ganze wohl ebenfalls sehr amüsant fand. Also hatte Krolock sich wirklich nur einen Scherz erlaubt. Allerdings einen sehr schlechten. Auf die Worte Isaís warf sie ihm nur einen rügenden Blick zu, was sich als schwierig herausstellte, da er noch immer unter ihr hockte. Dann umfing sie gekonnt die Schnauze des schwarzen Rüden vor ihr und drückte vorsichtig zu, ehe sie ihn wieder losließ. "Dann lernt der Gott des Todes jetzt mal die Tochter Engayas kennen die ihre Welpen beschützt!"

Tyraleen war erleichtert, dass Aszrem ruhig blieb und die Neuigkeit auch nicht in Frage stellte. Er schien zu akzeptieren. "Soviel ich weiß nicht. Ich habe Averic bereits darum gebeten, das Rudel zu verschonen. Hoffen wir, dass ...", sie hielt inne und fragte sich, ob eine Tochter des Lebens die folgenden Worte überhaupt aussprechen durfte. "... bald ein Fremder kommt." Sofort schämte sie sich ihrer Worte, aber es blieb eine Tatsache. Auf Aszrems Mitleid hin machte sie eine wegwischende Schnauzenbewegung, auch wenn er es nicht sehen konnte. "Ich hoffe es. Wir wissen nicht, was ihn dort erwartet."

Chanuka war in einer einzigen Bewegung an Liels Seite und labte sich an deren Lachen. Obwohl seine Laune schon zuvor gut gewesen war, fühlte er sich nun rundum glücklich. Mit strahlenden Augen und leichtem Lächeln stupste er sie an, um dann in Richtung Himmelsfelsen los zu laufen. "Wir können ein Lied anstimmen ...", schlug er vor. Nichts würde besser in diese märchenhafte Nacht passen, als das Heulen der Wölfe.

Turién war von Chardíms Idee sofort begeistert. Natürlich war er mit dabei! Wenn es in die Richtung des Himmelsfelsen ging, würde er bestimmt nicht verneinen. "Dann los!" Er sprang auf und machte sich mit den anderen drei auf den Weg in Richtung seines Lieblingsplatzes. "Hm ... ja. Gerne." Er hatte schon lange nicht mehr seine Stimme zum Heulen erhoben.

Liel quiekte freudig auf, als sie Chanuka an ihrer Seite spürte und schenkte ihm einen sanften Stupser ihrer Schnauze. Seine Augen sprachen Bände und zauberten auch ihr ein rundum zufriedenes Leuchten in die Augen. Als sie sich langsam in Bewegung setzten, hüpfte sie, wie immer energiegeladen, um das kleine Grüppchen herum, hielt sich dabei doch meistens in der Nähe von Chanuka auf.

Averic musterte den Jüngeren einen Augenblick, auch wenn er in der Dunkelheit nicht besonders viel sehen konnte. Er überlegte, wie er es am besten formulieren konnte. "Er wird Chardím freigeben. Noch nicht jetzt, aber es liegt von nun an nicht mehr an dir, sondern an mir."

Krolock bedauerte, dass ausgerechnet Sheena anwesend war. Ihre ruhige Art, mit der sie auf seinen Schabernack reagierte, nervte ihn. Nun musste er sich auch noch wie ein Welpe über die Schnauze beißen lassen. Dass war nicht gut! Grimmig sah er zu Caylee, deren Kichern er zuvor gehört hatte. Danach besah er Isaí erneut. "Auch deine Mutter kann dich nicht vor deinem Schicksal retten! Ich hole dich, wenn sie mal wegschaut!", drohte er, ehe er sich abwandte und zu Caylee zurück sprang. Mit gerümpfter Nase erwartete er ihr Urteil.

Amúr hatte etwas abseits gelegen. Sie betrachtet die anderen Wölfe die mehr oder weniger weit weg von ihr waren und entdeckte auch eine Gruppe, die sich scheinbar auf den Weg zu einem anderen Ort machte. In dieser Gruppe waren auch ihre Brüder … wie wenig sie ihre eigenen Geschwister doch bloß kannte. Aber das würde man ja ändern können, deswegen erhob sie sich und holte die Gruppe schnell ein "Wohin geht ihr?", warf sie in die Runde und schaute alle einmal kurz an.

Chardím lief vergnügt los, zwischen seinen zwei Brüdern her. Auf die Idee hin, ein Lied zu singen hin lachte er kurz auf. "Na, dann fang mal an!"

Aszrem schwieg dazu. Im gefiel die Aussicht nicht, den nächstbesten Fremden zu morden, der sich ihnen offenbarte um Rast oder Aufnahme zu bitten. Es war deutlich zu hören, dass Tyraleen das nicht anders sah, geschweige denn wollte ER irgendein Rudelmitglied opfern. "Ja.", raunte er schließlich und starrte in die Düsternis. Wiederum schwieg er, als Tyraleen weiter sprach. Er war nicht sonderlich gut darin, Trost zu spenden. "Ich verstehe.", meinte er schließlich, und seine Stimme verriet auch weiterhin seine Anteilnahme.

Chanuka sprang mal auf Liel zu und mal ausweichend von ihr fort. In ihrer Nähe blieb er allerdings fast die ganze Zeit. Aber auch seinen Brüdern widmete er einladende Gesten zum Spielen. "Erst oben auf dem Felsen.", verkündete er dann.

Caylee empfing Krolock mit einem breiten Grinsen und stupste Krolock anerkennend gegen die Schnauze. "Und jetzt gehen wir gemeinsam zurück und du spielst bei dem Spiel mit, dass du mir etwas antun willst." Sie ging auf Sheena und Isaí zu und machte ein verzweifeltes Gesicht. "Sheena ...", sie flüsterte. "... Krolock dreht vollkommen durch. Ich glaube, er will mir etwas antun." Sie klang überzeugend, ihrer Meinung nach.

Isaí warf dem schwarzen Wolf einen irritierten Blick zu, nachdem seine Mutter ihn in die Flucht geschlagen hatte. Fenris war wirklich ziemlich feige, wenn das eben gerade Fenris gewesen war! Er blickte ihm kurz nach, ehe er unter Sheena herauskrabbelte und sie schließlich stolz anstrahlte. "Dem hast du's gezeigt! Und jetzt lässt du mich besser nicht mehr allein ..." Die letzten Worte waren mehr gemurmelt, während er erneut Fenris nachsah und sah, wie er bei einer weißen Wölfin zum Stehen kam. Das schien ihm alles etwas spanisch. "Fenris ist aber ganz schön feige!" Doch im nächsten Moment kamen beide zurück, Isaí warf ihnen einen prüfenden Blick zu und als die Weiße den Namen Krokock erwähnte, war er überzeugt, dass das alles nur ein dummer Scherz gewesen war. Beleidigt warf er dem Schwarzen einen Blick zu und sah zu Sheena auf.

Liel grinste Chanuka, immer mehr aufgedreht, an. So viel Spaß hatte sie, gefühlt zumindest, schon lange nicht mehr gehabt. Sein Gehüpfe animierte sie nur dazu noch wilder um ihn und die anderen herum zu tanzen, wobei sie fast den dazugekommenen Neuling Amúr umgehüpft wäre. "Ups.", kicherte sie auf und rettete sich wieder zu Chanuka um der peinlichen Situation zu entgehen. Dann entschied sie sich doch wieder um und sprang zu Amúr zurück. "Hallo halloooo Amúr!"

Tyraleen verfiel in Schweigen. Die Anteilnahme in Aszrems Stimme tat ihr nicht so gut wie sie vermutlich gemeint war. Eher schmerzte es, denn es erinnerte an die alte Zeit. Gerne hätte sie ihm das gesagt, aber sie wagte es nicht. Eine unangenehme Stille breitete sich aus.

Jakash konnte nicht einmal im Dunkeln einen Hehl um seine Überraschung wie auch seine Erleichterung machen. Er atmete langgezogen aus, wodurch ihm erst bewusst wurde, dass er die Luft angehalten hatte. Ein unbestimmter Rest an Furcht blieb dennoch. "Und ... was musst du dafür tun?" Denn dass Fenris irgendetwas dafür verlangt hatte, war offensichtlich.

Turién trabte neben seinen Brüdern her, mal schneller mal langsam, lachte und fühlte sich in dieser Nacht seltsam froh und leicht. Es freute ihn, dass sie zusammen auf dem Felsen singen würden - seine Geschwister (zu denen er Liel auch irgendwie zählte) und er würden von fast allen gehört werden. Vielleicht würden die anderen einsteigen? Die Nacht war wunderbar ... als er aus den Augenwinkeln Amúr erkannte, nickte er ihr mit der Rute freudig pendelnd zu. "Amúr! Wir wollen zum Himmelsfelsen - komm doch mit!" Er blickte zu den anderen dreien, um deren Einverständnis einzuholen.

Amúr betrachtete die anderen und lächelte. Als sie von Liel beinahe umgesprungen wurde, schaute sie einen Moment lang irritiert, ehe sie den Kopf leicht zur Seite neigte und sagte: "Haalloo Liel." Sie merkte schnell, dass eine fröhliche Atmosphäre herrschte. Sie nickte Turién zu und sagte: "Gerne, wenn ich darf."

Sheena blickte Krolock nach, als er sich, deutlich weniger stolz als vorher, wieder davon trollte. Direkt zu Caylee. Sie hoffte den beiden nun keine Beachtung mehr schenken zu müssen und schleckte Isaí beruhigend über den Kopf. "Niemand hier wird dir oder deinen Geschwistern auch nur ein Haar krümmen! Krolock erst recht nicht. Lass dir von ihm nicht einreden, dass er Fenris sei!" Sie lächelte ihn sachte an, nur um dann erneut den Blick in die Richtung der anderen beiden Jungwölfe schwenken zu lassen. Caylee kam auf sie zu und machte ein urkomisches Gesicht. Ihre Worte ließen Sheena ihre Gedanken revidieren. Vielleicht war nun wirklich etwas an ihrer Aussage? Aber dann hätte sie vorhin nicht gekichert. Wobei, bei Krolock konnte man sich nie sicher sein. Andererseits. "Machst du immer so ein Gesicht, als ob du etwas Ungenießbares gegessen hättest, wenn du dich fürchtest Caylee?" Sie stupste die Weiße sachte an. Sicher war sicher. "Dann komm her zu mir, hier wird er dich nicht belästigen."

Averic spürte wieder den wohlbekannten Eisbrocken in seinem Inneren, der ihm oft dabei half nichts zu fühlen. "Ich werde meinen Pflichten deutlicher nachkommen müssen, als ich es bisher getan habe. Ich werde einen Wolf töten müssen und das Rudel zu gegebener Zeit verlassen, um ins Tal der Raben zu gehen." In diesem Moment war da nur Eiseskälte, die gegen den Schmerz wirkte.

Krolock blieb kurz stehen, von aller Welt abgewandt und unterdrückte jede Art von Grinsen oder Lachen. Als er sich halbwegs gefangen hatte, rannte er hinter Caylee her und sprang direkt auf sie zu. Kräftig gebaut, wie er eben war, riss er sie mit sich auf den Boden und purzelte über sie. Mit wildgewordenen Knurrlauten machte er sich über sie her, packte sie im Nacken und schüttelte sie, bis ihm Fell und Haut entglitten und er neu zupacken musste. Wirkliche Verletzungen fügte er ihr allerdings nicht zu. Dennoch waren seine Lefzen bis zum Anschlag hochgezogen und irgendwie sah er tatsächlich aus, wie ein geisteskranker, tollwütiger Wolf.

Caylee musste nun auf Krolock zählen - Sheena schien ihre Geschichte nicht ganz zu glauben. Allerdings war sie eine freundlich Mitspielerin, sodass Caylee beschloss, weiterzumachen. "Ich musste den ungenießbaren Gedanken schlucken, dass mein Freund aus Kindertagen durchdreht.", erwiderte sie und wollte sich gerade an Sheenas Seite begeben, da rammte sie schon etwas um. Zuerst war sie vollkommen verblüfft - dann begriff sie und freute sich innerlich wie in Schnitzel. Ein täuschend echtes schmerzvolles Heulen kam aus ihrer Kehle, während sie sich von Krolock beißen ließ.

Chardím wich hin und wieder aus, denn Chanuka und Liel waren wirklich wuselig drauf. Hoffentlich stellten sie das weiter oben ein, es wäre schade, wenn wie fröhliche Stimmung durch einen Absturz verübelt wurde. Allerdings glaubte er nicht wirklich daran, sorgte sich also auch nicht ehrlich. Er nickte Amúr, seiner wiedergekehrten Schwester lächelnd zu. "Na klar." Anschließend wandte er sich zu Turién um. "So, ich habe gehört das schicke, neue Loch in Atalyas Ohr hast du ihr verpasst?" Er grinste.

Isaí musterte Caylee mit einem skeptischen Blick. Er kannte sie nicht wirklich, konnte sie nicht einschätzen, doch als Sheena ihr Zuflucht an ihrer Seite anbot, rückte der kleine Körper widerwillig ein Stück zur Seite. Mit der ersten Bewegung nahm er wahr, dass Krolock alias Fenris (ha! Das würde Fenris sicher nicht gefallen, dass er sich für ihn ausgab!) wieder auf sie zulief. Mutig hob er die Rute, warf ihm einen beleidigten Blick zu, ehe dieser aber auch schon Caylee packte und mit sich riss. Erschrocken rutschte er zurück, versteckte sich erneut hinter Sheena und spähte vorsichtig zwischen ihren Läufen hindurch. "Mama, ich glaub er ist wirklich verrückt geworden! Was tun wir jetzt?"

Aszrem lauschte den Geräuschen der in der Nähe befindlichen Rudelmitglieder, während sich um sie beide die Stille mit ungesagten Worten verdichtete. Er war nicht sicher, ob er dazu noch etwas sagen oder das Thema lieber gänzlich fallen lassen sollte. Schließlich übernahm der Vater in ihm die Entscheidung. "Wissen eure Kinder schon davon?", fragte er und ging davon aus, dass Tyraleen wissen würde, dass er nicht das Töten meinte.

Chanuka tänzelte ausgelassen auf seine Schwester zu und begrüßte sie lächelnd. "Hallo Amúr!" Noch fremder als Chardím war ihm diese Fähe, aber er entschied, dass er für den Augenblick nicht darüber nachdenken wollte. Heute Nacht waren seine Geschwister einfach seine Geschwister, die schon immer an seine Seite gehört hatten. Und Liel war... sein Sonnenschein, sein Leben und alles Licht, dass die Sterne aus der Unendlichkeit zu ihnen sandten.

Turién verzog das Gesicht, wie immer, wenn es um das beliebte Thema ging; Das Loch in Atalyas Ohr. "Jaa ... aber sie war irgendwie auch selbst schuld." Gab er irgendwie trotzig als Antwort. Es war ja auch so! Wäre sie nicht stumpf umgefallen, wäre alles gut gewesen - was für ein Wolf kam denn auf so eine Idee? Er grinste trotzdem. Die beiden hatten sich wieder vertragen. "Aber sieht doch schick aus! Und die Welpen stehen drauf... ich sollte sie auch alle mal beißen!" Vergnügt trabte er weiter voran und fiel immer wieder in einen spielerischen Laufschritt. "Klar darfst du, Amúr!"

Jakash hielt erneut den Atem an, bevor er ihm in einem einzigen Wort entwich. "Wen?", fragte er bestürzt und konnte nicht anders, als sofort an seine Welpen und an Sheena zu denken. Aber das konnte nicht sein, nicht wahr? Nicht wahr?!

Sheena war nun wirklich erbost. So hatte sie sich die Nacht mit ihrem Sohn nicht vorgestellt. Caylees Worte gerade noch abwägend, war sie zu dem Entschluss gekommen, dass es wirklich nur ein weniger lustiges Spiel war, was sie mit ihr trieben. Als dann jedoch Krolock angeschossen kam und sich, wahrlich wie ein Irrer, auf die Weiße stürzte, wankte ihr Entschluss schon wieder. Isaí, der mittlerweile wieder mehr oder weniger unter ihr saß, war ernsthaft erschrocken. Wenn er nicht gewesen wäre, hätte sie wahrscheinlich sogar über den Unfug lachen können, den die beiden trieben. Denn sie hoffte doch stark, dass es nur Unfug war! Zwar heulte Caylee bemitleidenswert auf, jedoch konnte sie keine Verletzungen an ihr ausmachen. Weder mit ihren Augen, noch mit ihrem Herzen. Also konnte Krolock ihr gar nicht weh getan haben. Ein kurzer Dank an Engaya, dann machte sie einen Schritt auf die beiden tobenden zu und packte Krolock entschieden am Nackenfell. So zog sie ihn, dank ihrer Muskulatur die unter dem schwächlich wirkenden Körper perfekt verborgen war, von der Weißen runter und drückte ihn bestimmend auf den Boden

Tyraleen war einerseits froh, als Aszrem die Stille durchbrach, andererseits war seine Frage nur noch deprimierender. Man musste es ihnen sagen ... doch wie würden sie reagieren? Tyraleen wollte es sich nicht ausmalen. "Bisher nicht. Ich weiß nicht ... ich denke, Averic sollte es ihnen selbst sagen. Und das wird er tun, wenn er dazu bereit ist."

Averic machte eine abwinkende Bewegung, als er die Bestürzung in Jakashs Stimme hörte. "Irgend einen fremden Wolf. Ich werde keinem Rudelmitglied etwas antun."

Liel fühlte sie kein bisschen fremd zwischen den Geschwistern. Noch dazu obwohl sie keinen außer Chanuka wirklich kannte. Aber da hatte sie die Antwort ja schon. Chanuka. Mit ihm konnte einfach nichts schlecht sein. Kurz warf sie ihm einen fast sehnsüchtigen Blick zu, ihn sich selbst nicht ganz erklären könnend. Dann musste sie aber schon wieder lachen, als sie von der Geschichte mit Atalyas Loch im Ohr hörte. Ja, auch wenn sie die Fähe selber nur von weitem gesehen hatte, hatte die Geschichte sie ebenfalls schon erreicht. "Hauptsache ihr habt euch wieder vertragen!"

Aszrem nickte nur, eine Geste, die in der Dunkelheit eher zu erahnen als zu sehen war. Er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er doch lieber hätte schweigen sollen, und beschloss, das stattdessen nun zu tun und lieber Tyraleen wählen zu lassen, worüber sie sprechen wollte. Und ob sie überhaupt reden wollte.

Krolock zerrte unbeirrt an Caylee herum, auch als sie aufschrie, ließ er nicht von ihr ab. Er wusste immerhin, dass seine Zähne nicht bis zum Fleisch vorgedrungen waren. Mochte sein, dass das Nackenzerren unangenehm war, aber das gehörte schließlich zum Spiel! Als er dann selbst gepackt wurde, war er einen Moment sprachlos. Augenblicklich hatte er Caylee losgelassen und den Kopf versucht zu drehen, um nach dem Angreifer zu schnappen. Der Biss ging natürlich ins Leere, dennoch wehrte er sich mehr, als Caylee das getan hatte. Und dieser Griff gehörte immerhin nicht wirklich zum Spiel. Auf die Schnelle begriff Krolock auch nicht, dass Sheena nicht wirklich beabsichtigte, ihn ernsthaft zu verletzen. Er riss sich irgendwie los und sprang im nächsten Moment kampflustig auf sie zu, das Gesicht zu einer komischen Fratze verzogen.

Jakash spürte, wie sich der Knoten aus Angst in seiner Brust löste und er sich entspannte. Irgendein Fremder ... gut, würde ihn nicht stören, so lange seiner Familie keine Gefahr drohte. "Was ist das Tal der Raben eigentlich?", fragte er schließlich nach einem kurzen Moment des Schweigens.

Amúr lächelte. War sie jemals davor mit all ihren Brüdern unterwegs gewesen? Allgemein hatte sie nur wenig Kontakt zu anderen gehabt, dass sie fort gewesen war, hatte eben doch auch Vorteile. Dann erzählte Turién die Geschichte mit dem Lochgebissertem Ohr, wie Isaí es so schön sagte. Sie selbst schwieg, genoss die Nacht und merkte, wie auch sie langsam von der guten Laune angesteckt wurde.

Caylee spürte wie Krolock von ihr heruntergezogen wurde. Augenblicklich stand sie wieder auf, zwar hier und da mit juckendem Fell, aber keiner einzigen Verletzung. Zuerst dachte sie, Sheena hätte die Situation geklärt und erwartete eine Schimpftirade, aber dann schien Krolock in den Angriff überzugehen. Die Weiße erstarrte und wusste nicht, was sie tun sollte. Dann erspähte sie den Welpen, sprang zu ihm und stellte sich über ihn. In wie weit ihre Reaktion sinnvoll war, sei dahingestellt, aber es war das einzige, was sie tun konnte. Aufpassen, dass Isaí nichts Dummes tat.

Chardím dappte leicht nach Turiéns Schnauze, als dieser zuerst etwas bockig antwortete. "Ich finde auch, dass es ihr steht. Passt doch zu ihr!" Er fand es wunderbar, mit seinen Geschwistern zusammen durch die Nacht zu ziehen. Tatsächlich fehlten jetzt nur noch Atalya, Caylee und Avendal und ihre Truppe wäre perfekt ... fast perfekt.

Wieder entstand Stille zwischen Aszrem und Tyraleen. Stumm fragte sich die Weiße, ob ihr Verhältnis zu ihrem Mitleitwolf ihrer gemeinsamen Führung schadete. Und ob sie nicht einfach ein bisschen Mut brauchte, um es zu ändern. Sie atmete tief ein. "Findest du mich noch immer abscheulich?"

Isaí verfolgte das Spektakel mit aufgerissenen Augen und wild klopfendem Herz. Als dann auch noch Sheena dazu sprang und er einen Augenblick vollkommen Schutzlos dasaß, ging ihm das ganze viel zu schnell. Das Jaulen Caylees dröhnte noch immer in seinen Ohren und erst, als seine Mutter Krolock von ihr heruntergezogen hatte, entspannte er sich etwas. Zu früh, wie der nächste Augenblick zeigte, denn schon stürzte er sich auf Sheena und Isaí riss den Kopf hoch. "Lass Mama in Ruhe, du Fieswolf!", rief er laut und wollte gerade einen Schritt näher heranschreiten, als Caylees Bewegung ihn glücklicher Weise davon abhielt. Irritiert sah er auf, knurrte leise mit und beobachtete dann wieder das Geschehen zwischen Sheena und Krolock. "Er soll aufhören!", protestierte er erneut.

Chanuka schaffte es irgendwie, über seine eigenen Pfoten zu stolpern und kippte dabei gegen Chardím. "Sorry!", stieß er aus, ehe er sich irgendwie wieder fing und schwankend aufrichtete. Sich schüttelnd trabte er weiter. "Wer zuerst da ist!", rief er und eilte los.

Averic sah an Jakash vorbei in die düstere Nacht hinaus. "Hast du noch nie eine der Legenden gehört?", fragte er kühl. "Fenris wurde im Tal der Raben geboren, so wie Engaya im Tal der Sternenwinde. Es ist das Tal meines Gottes und der Ort, wo ich sein sollte ..."

Turién streckte Chardím spielerisch die Zunge raus und nickte auf seine Worte. "Das stimmt allerdings ... passt zu ihr!" Beruhigend nickte er Liel zu. "Ja ... wir haben uns geeinigt, dass es ein Unfall war." Der Aufruf von Chanuka überraschte ihn nicht - das hatte ohnehin irgendwann kommen müssen. Sofort eilte er flink hinterher, sprang nicht mehr hin und her, sondern lief nun geradeaus, drehte sich nicht mehr um, um ja als Schnellster da zu sein.

Aszrem wandte den Kopf nun direkt zu ihr um, eine Bewegung, die sie wahrscheinlich würde hören können. "Nein.", erwiderte er knapp. “Aber ich weiß nicht, ob ich dich je wieder mit den gleichen Augen betrachten kann, wie zuvor.", gestand er ihr.

Sheena war natürlich bewusst gewesen, dass Krolock ihre Behandlung ihm gegenüber nicht gutheißen würde. Dennoch hatte sie nicht mit einer solchen Reaktion gerechnet. Geschickt wich sie dem angreifenden Sprung von Krolock auf und blickte in seine hasserfüllte Fratze. Er erinnerte sie an seinen Vater, Urion, an ihren Ziehvater, wenn er mal wieder von diesem blöden Fluch besessen gewesen war. Und es versetzte sie instinktiv in ihre früheren Zeiten zurück. Mit zusammengepressten Zähnen zischte sie einige Worte in Richtung von Isaí, bei dem nun glücklicherweise Caylee war. Immerhin hatte sie nicht nur Dummheiten im Kopf. "Ohren und Augen zu, mein kleiner Schatz!" Schon explodierten die Gefühle in ihr und obwohl sie noch immer Engayas Kraft in sich spürte, legte sich ein dunkler Schatten über die Priesterin. Tief aus ihrem Inneren erklomm ein dunkles Grollen ihre Kehle. Eine letzte Warnung an den schwarzen, tölpelhaften Jungwolf. "Pass auf, was du als nächstes tust mein Lieber!" Sie sprang geschickt vor Isaí und Caylee und behielt Krolock dennoch jede Sekunde im Auge.

Liel nickte Turién glücklich über seine Worte zu. Dann war ja alles wieder gut. Differenzen mussten immer bereinigt werden, sonst konnte das übel enden. Ein kurzer Gedanke galt ihren Brüdern. Diese Differenzen waren viel zu lange schon nicht bereinigt. Doch dann schüttelte sie den Kopf und vertrieb die bösen Gedanken damit, dass sie auf Chanukas Worte hin ihr Hüpfen einstellte und ihre kräftigen Läufe weit ausholen ließ. Rasch hatte sie ihren besten Freund eingeholt und mit einem Lachen sogleich überholt. "Alles klar!"

Tyraleen fühlte Aszrems Blick auf sich, auch wenn sie ihn nicht sah. Sie war froh, dass es egal war, ob sie ihn erwiderte oder nicht. Ihre Augen hingen im sternklaren Himmel. Sie wusste nicht, ob sie glücklich oder traurig über seine Antwort sein sollte. "Das wird niemand können. Diese Tat gehört nun zu mir. Aber ... ich bin nie über das Gefühl hinweggekommen, dass du mich nur akzeptierst, weil ich dem Rudel trotz allem gut zu tun scheine." Zumindest war seit Aszrem und sie den Posten der Leitwölfe übernommen hatten, alles langsam besser geworden.

Krolock nahm Isaís Einwurf am Rande war und flog auf Sheena zu, die ihm schließlich auswich. Ein Impuls zuckte durch seine Pfoten, ihr einfach nachzusetzen und sie nieder zu reißen, dann besann er sich eines Besseren. "Pass doch selber auf, was du tust! Es ist nicht besonders klug, jemanden von hinten anzufallen!", keifte er zurück. Allerdings stand er völlig unbeteiligt und ruhig da, was etwas widersprüchlich wirkte, wenn man sich an die vorangegangenen Sekunden erinnerte. Dann - er konnte sich den Spaß einfach nicht entgehen lassen, tauchte er plötzlich ab und ließ sich an Sheena - soweit dies möglich war - vorbei gleiten, um dem Welpen näher zu kommen. "Buuuuuh!!!", stieß er dann aus, ehe sein ganzer Körper in schallendes Gelächter über ging.

Amúr lächelte. Auch wenn sie ihre Brüder eigentlich gar nicht kannte, war es schön mit diesen durch die Nacht zu ziehen. In Amúr wusch die Hoffnung, dass alles wieder gut werden würde. So wie Tyraleen sagte. Besser ... auch wenn sie akzeptieren musste, dass es wahrscheinlich anders sein würde. Sie hörte den anderen aufmerksam zu und setzte Chanuka sogleich nach. Der Himmelsfelsen wartete auf sie, der Ort wo man so nah den Sternen war. Sie vollführte kräftige lange Sprünge, war sie auf ihrer Reise doch kräftiger geworden. Sie war nach kurzer Zeit auf gleicher Höhe mit Chanuka, konnte Liel aber noch nicht erreichen.

Jakash legte den Kopf schief, während er sich zu erinnern versuchte. "Jetzt, wo du es sagst ... Ich erinnere mich vage an die Legende. Aber ich muss noch ein kleiner Welpe gewesen sein, als ich sie gehört habe.", erwiderte er. "Warst du schon mal-" Er brach ab, als er die Stimme seines Sohnes hörte. Jakash spitzte die Ohren und konnte lautes Knurren aus derselben Richtung vernehmen. Mit gebleckten Zähnen sprang er auf und eilte in die entsprechende Richtung, während Krolocks Stimme sich zu den Geräuschen mischte und das Grollen verklang. "Was ist hier los?", verlangte er zu erfahren, als er die Gruppe erreichte. Er konnte seinen Sohn und Sheena riechen, ebenso Krolock und Caylee.

Caylee gruselte es langsam aber sicher doch ziemlich. Sheena schien ernst zu machen und der Welpe unter ihr hielt auch nicht die Klappe. Als Sheena etwas von „Augen und Ohren zu“ sagte, setzte sich Caylee fast automatisch hin und drückte ihre Vorderpfoten rechts und links über Isaís Ohren und Augen. Wie gut, dass der Welpe noch so klein war. Dann schien Krolock jedoch einzusehen, dass ein Kampf keine gute Idee wäre und schlich sich lieber an Isaí ran. Caylee war zuerst überfordert, dann beschloss sie, das ganze doch lieber zu beenden. Gerade wollte sie die Situation auflösen, da ertönte eine Stimme und der Geruch von Jakash hing in der Luft. Caylee entschied, lieber doch nichts zu sagen.

Chardím stolperte leicht, als Chanuka gegen ihn stieß. Und dann zischte sein Bruder auch schon mit einer Aufforderung zum Wettrennen davon. "Hey, das war doch Absicht!", rief er scherzend und preschte dann los. Als er Chanuka einholte, konnte er es sich nicht nehmen lassen, ihn kurz an der Rute zu ziehen und dann an ihm vorbei zu sausen. Letztendlich kam er aber doch nur als Zweiter an, Turién konnte er dann leider nicht mehr überholen.

Isaí fieberte sichtlich mit und war kurz davor, noch mehr zu protestieren, als Caylee, die das ganze ja angefangen hatte in seinen Augen, einfach nicht helfen wollte. Doch als Sheenas Stimme erklang, sah er auf, zuckte irritiert mit den Ohren und ehe er etwas tun konnte, wurde es plötzlich dunkel vor seinen Augen und auch Geräusche kamen nur noch gedämpft an. Einen Moment rührte er sich nicht mehr, ehe er zu begreifen schien und anfing zu zappeln, die Pfoten mit den eigenen Pfoten wegzuschieben versuchend. Als er sich dann endlich befreit hatte, war das erste, was er sah, ein gruselig aussehender Krolock von ganz nah, sodass der kleine Körper erneut hochschrecke und schließlich das Gesicht zu einer Grimasse verzog. "Du böser Fieswolf!", rief er laut, nachdem er sich gefangen hatte machte einen Sprung auf den Schwarzen zu, um nach dem Ohr zu haschen. Niemand ging so mit seiner Mutter um! Im Gefecht warf er Caylee einen vielsagenden "Nimm das andere und zieh dran!"-Blick zu. Das würde der Möchtegernfenris büßen!

Chanuka hatte nicht mit so blitzschnellen Reaktionen gerechnet und war im nächsten Moment von der ganzen Gruppe abgehängt worden. Amüsiert sprang er hinter seinen Geschwistern und Liel her. Schneller, schneller. Aber er war heute schon so viel gerannt, hatte gejagt und irgendwann war auch ein Jungblut wie er etwas erschöpft. Daran und an nichts anderem musste es liegen, dass er als letzter das Ziel erreichte. Dafür stolzierte er dann an allen vorbei, bis an die vorderste Spitze und hob den Kopf. Sein Blick glitt zu den Anderen, kurz abwartend. Dann erklang seine klare, sanfte Stimme über dem Revier.

Turién sprintete was das zeugt hielt, seine Pfoten trommelten über den Boden. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht konnte er den Himmelsfelsen als erster erreichen und drehte sich dann um, als kurz nach ihm auch Chardím da war. Triumphierend wölbte er die Brust und warf den anderen, die nach und nach ankamen, einen siegessicheren Blick zu. "Ihr seid so lahm!" Sein Blick folgte dann Chanuka, der an ihm vorbeischritt und seine Stimme erhob. Turién, noch etwas außer Atem, trat jedoch dicht neben den Dunklen und stimmte mit ein. Ein ruhiger zarter Ton.

Sheena war sofort wieder wie ausgewechselt, als Krolocks Gesichtszüge wieder normale Züge aufwiesen. Dies änderte sich schlagartig, als er erneut ihren Welpen zu erschrecken versuchte. Fast hätte sie Jakash nicht bemerkt, der zu ihnen gestoßen war und um eine Erklärung bat. Sie warf ihm einen erleichterten Blick zu, widmete sich dann jedoch, wie schon so oft in dieser kurzen Zeit, Krolock. "Verschwinde einfach Krolock. Verschwinde hier und lass meine Familie in Zukunft mit deinen jämmerlichen Scherzen in Ruhe!" Caylee bekam nun einen dankbaren Blick von ihr geschenkt, schließlich hatte sie sich doch noch als nützlich erwiesen. "Danke dir, Caylee. Aber bitte, denkt euch nicht zu viel solchen Unsinns aus, das muss nicht immer so gut enden, wie es jetzt passiert ist ..." Vorsichtig packte sie ihren Sohn am Nackenfell und platzierte ihn zwischen Jakashs Pfoten. Weder Isaí noch Jakash sollten auf dumme Gedanken kommen. Sie hoffte einfach, dass Krolock nun gehen würde und sagte leichthin "Die beiden Jungwölfe hier, mussten nur ihren jugendlichen Unsinn an uns auslassen. Ich hoffe, dass sich das nun erledigt hat." Damit berührte sie ihren Gefährten sachte mit der Schnauze an seinem Ohr.

Aszrem wandte seinen Blick von ihr ab und hoch zu den Sternenwinden, ohne zu wissen, dass Tyraleen dies ebenfalls tat. "Meiner Ansicht nach müssen Alphas sich nicht unbedingt mögen oder gar Gefährten sein, solange sie fähig. Es hilft natürlich, wenn sie sich gut verstehen, und vielleicht nicht nur Gedanken, sondern auch Gefühle miteinander teilen. Für Letzteres sind wir nicht bestimmt, und was das Sich-gut-Verstehen angeht, müssen wir uns vielleicht einfach neu kennen lernen. Oder überhaupt einmal richtig kennen lernen.", erwiderte er und hoffte, dass Tyraleen seine Worte als das Friedensangebot aufnahm, wie sie gemeint waren.

Liel war eben noch an erster Stelle gewesen, da überholten sie plötzlich alle Anwesenden. Alle außer Chanuka. Etwas empört kam sie auf dem Himmelsfelsen an, in ihrem Kopf nach einer plausiblen Erklärung für das verlorene Rennen suchend. Doch der Klang einer ihr liebgewonnenen Stimme, riss sie aus ihren eher kläglichen Versuchen und ehe sie sich versah, hatte sie sich an Turién vorbei gedrängt, sodass sie Pelz an Pelz mit Chanuka stand und ihrerseits ihre Schnauze gen Himmel richtete. Kurz erfreute sie sich an dem Klang der zwei Stimmen und der Schönheit der Sterne, dann ertönte auch ihre glockenhelle Stimme und trug die Töne anmutig in den Himmel, direkt zu den Sternen, hinauf.

Averic hob eine Augenbraue als Jakash mitten im Satz abbrach und davon stob. Allerdings drangen die Knurrgeräusche auch an seine Ohren und so sprang der Pechschwarze in einer mühelosen, weiten Bewegung vom Felsen und trabte Jakash in zügigen, aber hastlosen Schritten nach. Er folgte auch nicht ganz bis zur Quelle der Unruhe, da er vorher schon wittern und halb erkennen konnte, dass Krolock und Caylee dabei waren. Missmut zuckte kurz über sein Gesicht, musste er mit seiner Tochter wohl doch noch ein Wörtchen reden? Trieben sie immer noch dieses Spiel? Das Anschwellen eines Gruppenheulens ließ ihn sich abwenden und den Blick zur schwarzen Silhouette des gigantischen Himmelsfelsens richten. Er erkannte die Stimmen seiner Kinder und während er ihnen lauschte, fühlte er einen dumpfen Schmerz in sich pochen.

Amúr war als Dritte angekommen und begab sich zwischen Turién und Chardím. Sie wartete einen Moment und lauschte dem Heulen. Dann erhob sie ihre Stimme und bildete zusammen mit Liel einen wunderschönen hohen Kontrast zu den dunklen Stimmen ihrer Brüder. Das Heulen schien sie ein zu hüllen und brachte Frieden in ihr Herz. Es herrschte Harmonie, für den Moment und gerade jetzt war es der Moment der zählte.

Tyraleen war wirklich erleichtert über Aszrems Worte. Es klang wie ein Friedensangebot, dem Wunsch, ihren Zwist beizulegen. "Das ... wäre schön. Du warst für mich nach Nyotas Tod mein letzter Halt. Ein Lehrmeister. Aber eigentlich kenne ich dich nicht."

Amáya folgte den Stimmen, die immer näher zu kommen schienen, den Stimmen ihres Rudels. Leise und vorsichtig glitt sie voran, bis sie den Himmelsfelsen und einige Gestalten von Wölfen entdeckte. Der ganze Lärm und Trubel den die Jüngeren veranstalteten war ihr sowieso nicht wirklich geheuer und deswegen entschied sie sich erst einmal an Ort und Stelle zu bleiben, Überrascht bemerkte sie jedoch Averic, der in ihrer Nähe stand. Schweigsam trat sie neben ihren älteren Bruder. "Averic.", sprach sie ihn mit leicht unsicheren und doch kühler Stimme an.

Chardím ließ es sich nicht nehmen, zuerst noch einen ausschweifenden Blick dem Sternenhimmel zu widmen. Es war wirklich unglaublich von ihr oben. Wenn es jetzt auch noch Sternenwinde gäbe ... vielleicht würden sie sich von ihrem Heulen ja locken lassen! Im Einklang mit seinen Geschwistern und Liel hob er die Stimme und schickte seinen klaren Gesang in die Nacht hinaus.

Chanukas Stimme gewann noch an Kraft, als die anderen mit einstimmten. Er lauschte genau auf ihren Gesang und passte sich geschickt an. Viel zu selten - so sein Gefühl - hatten er mit irgendjemandem gemeinsam geheult. Es klang wunderschön. In seinen Ohren hörte er seine Stimme zwischen denen der anderen kaum.

Turién genoss den Moment, in dem all ihre Stimmen gleichzeitig ertönten. Mit geschlossenen Augen, den Kopf den Sternen zugewandt, seine Stimme der Welt preisgebend. Sie waren wie eins, ihre Stimmen verschmolzen ineinander, drifteten manchmal wieder auseinander, um dann doch wieder wie eins zu werden.

Averic war etwas verwundert, als plötzlich jemand neben ihn trat - und noch mehr und wohl auch negativer, als er Amáya erkannte. Er hatte sie nie sonderlich geschätzt, etwas was der schwarzen Wölfin auch eigentlich bewusst sein musste. Was wollte sie nun also? "Amáya.", entgegnete er knapp und ebenso kühl, allerdings ohne jeden Hauch von Unsicherheit.

Aszrem lächelte leicht, auch wenn Tyraleen das gar nicht sehen konnte. Aber an seiner Stimme vermochte sie das vielleicht zu hören. "Ich kenne dich im Grunde ebenso wenig. Nahe stand ich immer nur deiner Tante.", antwortete er. Nerúi ließ er unerwähnt - das verstand sich von selbst und war für einen Vergleich kein angemessenes Beispiel. "Aber mir war früh klar, dass du einmal die Nachfolge deiner Mutter antreten würdest."

Amáya maß Averic stumm, während ihre Gedanken nur so kreisten. Sie kannte den Erbe Fenris‘ kaum, auch wenn er ihr Bruder war. Die Abneigung die er gegen sie zu hegen schien, konnte sie nur gut verstehen, dennoch hatte sie momentan das Gefühl einfach mit ihm sprechen zu müssen. "Ihr Gesang hat mich angelockt.", meinte sie knapp und zuckte mit ihrer samtenen Schnauze in Richtung der heulenden Wölfe. Wieder mal eine ihrer unnötigen Beiträge, die sie so gerne losließ.

Tyraleen hob den Kopf, als aus ganz in ihrer Nähe ein Heulen erklang. Es bestand aus vielen Stimmen und sie konnte ihre Kinder daraus erkennen. Es klang schön. Kurz zögerte sie, dann setzte sie zu einer Antwort an. Eine kurze Zeit lang klang ihre Stimme mit denen ihrer Kinder und in der Hoffnung, auch Averic würde sich anschließen. Dann besann sie sich auf Aszrem und ihr durchaus ernstes Thema. Er würde die Unterbrechung verstehen. "Und meine Tante stand mir nahe. Manchmal habe ich wohl gehofft, du würdest sie ersetzen können. Als du dich dann von mir abgewandt hast ... war es, als hätte sich Nyota von mir abgewandt." Wieder sah sie in den Nachthimmel. "Ohne dich, wäre ich es wohl dennoch nicht geworden."

Liel lauschte dem wundervollen Gesang der über das Tal zog. Obwohl die männlichen Stimmen deutlich in der Überzahl waren, konnte sie ganz genau die von Amúr und ihr heraushören. Und doch auch wieder nicht. Denn irgendwie waren alle Stimmen eins. Hatte sie jemals schon so wunderschön gesungen? Sie wusste es nicht und es interessierte im Moment auch einfach nicht. Kurz fragte sie sich noch, wer alles von ihrem Gesang etwas mitbekommen hatte, dann schalteten sich ihre Gedanken aus, sie blinzelte kurz nach den Sternen und genoss dann das himmlische Konzert.

Atalya lief langsam durch den Schnee, der Spur folgend, die vor ihr im Schnee hang, ebenso dem Heulen, welches vom Himmelsfelsen kam. Die Graue erhöhte ihr Tempo, folgte den Spuren ihrer Geschwister und erklomm mit schnellen Schritten den Himmelsfelsen. Oben angekommen ließ sie den Blick kurz über die heulenden Geschwister und Liel gleiten, ehe sie zu ihnen trat, und ebenfalls die Schnauze zum Himmel hob.

Krolock prustete immer noch vor sich hin, als Isaí sein Ohr angriff. Aber er rührte sich gar nicht. Erst als Sheena ihn schnappte und irgendwo hin bugsierte, erhob sich der schwarze Rüde und schüttelte Laub und kleine Äste aus seinem Fell. Die Schimpftriade prallte an ihm ab, es deutete nicht einmal etwas darauf hin, dass er irgendetwas davon mitbekam. Ein bisschen irritiert sah er zu Isaí, der zwischen den Pfoten des Vaters geparkt worden war. Krolock streckte dem Kleinen provokant die Zunge raus. "Das bisschen Ansabbern nennst du doch nicht etwa Angriff?" Sein Blick glitt zu Caylee, eine neue Aufgabe erwartend, oder zumindest ein Zeichen, welches die Alte beendete. Den Tollwütigen mimte er ohnehin nicht mehr. Sheena beachtete er einfach nicht weiter. Dummes Geschwätz!

Amúr legte all das in ihre Stimme, was sie belastete. Es wurde fortgetragen, von dem lieblichen Klang aller Stimmen. Sie bemerkte sofort Atalya als sie eine neue Stimme wahrnahm. Eingehüllt vom Klang des Heulens, pochte ihr Herz schneller. Wundervoller Frieden steckte in diesem Moment. Tanzend stieg das Heulen in den Himmel, zu den hellen Sternen und würde auch Banshee erreichen, die sich hoffentlich wie sie und ihre Geschwister daran erfreute.

Averic hob unbeeindruckt, wenn auch immer noch etwas verwundert eine Augenbraue. Allerdings würde sie das in der Dunkelheit eh nicht sehen können. Was wollte sie nun mit belanglosem Geplauder bezwecken? Der Todessohn wusste eigentlich auch nicht, was er darauf nun erwidern sollte. "Sie scheinen gute Laune zu haben.", bemerkte er knapp. Dann jedoch wurde er abgelenkt, als eine weitere Stimme in das Heulen einfiel, die er sofort als Tyraleens erkannte. Ohne genau darüber nachzudenken und das Ziehen in seiner Brust missachtend, folgte er einem Impuls und erhob seine Stimme einen Moment lang zu einem dunklen, aber klangvollen Tenor.

Amáya nickte knapp und presste zwischen den aufeinander gepressten Lefzen nur einen leichten Laut aus. "Hm." Kurz verweilte ihr Blick noch auf den Sängern, während sich eine leise Andeutung eines Lächelns um ihre Lefzen zeigte. Sie hätte auch gerne nur einmal so heulen können wie sie in ihrem Leben! Doch als sie die Dunkle wieder an Averic wandte, verschwand der sanftere Gesichtsausdruck gleich. Doch nun erklang auch die Stimme Tyraleens, woraufhin auch Averic in das Heulen einstimmte. Kurz zögerte die Dunkle noch, bevor sie ebenfalls ihr Haupt zum Himmel erhob und eine tiefen und melancholischen Klang zum Himmel gellen ließ.

Aszrem spitzte lauschend die Ohren, als das Heulen erklang und wunderte sich nicht, dass Tyraleen gar nicht anders konnte, als mit einzustimmen. Mit Wehmut dachte er an Nyota, und wie gerne er mit ihr und Nerúi ebenso ein Familiengeheul angestimmt hätte. Er verdrängte die aufkeimende Trauer jedoch, als Tyraleen sich wieder ihrem Gespräch widmete. Was nicht leicht war, denn Nyota hatte nun Einzug in ihr Gespräch gehalten. "Ich kann dir nicht sagen, wie sie reagiert hätte.", entgegnete er. Er konnte sich jedoch vorstellen, dass sie ebenso aufbrausend reagiert hätte wie er, zumindest im ersten Moment. "Aber über kurz oder lang hätte sie zu dir gehalten, denke ich."

Chardím spürte, wie Euphorie seinen Körper durchflutete und noch anstieg, als weitere Stimmen in ihr Geheul mit einfielen. Mama! Und sogar Papa! Ein Auge öffnete er, als direkt hinter ihnen auch noch jemand anfing zu heulen. Weiterhin nicht verstummend, bewegte er sich ein paar Schritte und hängte sich dann arglos mit den Vorderläufen von der Seite her über Atalyas Rücken, um den Kopf noch höher, als alle anderen zu strecken.

Jakash sah mit ernster Miene und noch immer angespannt zwischen Sheena und Krolock hin und her, dabei Caylee ignorierend, die sich scheinbar nicht weiter einmischen wollte. Eine Pfote setzte er schützend vor seinen Sohn, als Sheena Isaí zu ihm setzte, und seine Lefzen schoben sich wieder mehr vor seine Zähne, als seine Liebste ihn leicht berührte. Was immer hier vorgefallen war, es schien nun vorbei zu sein und das blieb hoffentlich auch so. Jakash machte sich daran die Situation aufzulösen, indem er sich umwandte und sich zu gehen anschickte, seinen Sohn dabei mit den Pfoten in dieselbe Richtung dirigierend. "Komm mit mir, Isaí.", ergänzte er dabei und warf Sheena einen Blick, bevor er noch einmal die grünen Augen misstrauisch und erbost zu Krolock schweifen ließ. Was immer er getan hatte, er sollte das lieber nicht noch einmal wagen.

Tyraleen hörte Averics verklingender Stimme zu und fragte sich, wie es ihm nun ging. Eine heftige Sehnsucht überkam sie ebenso schnell wie sie wieder verging. Sie war froh, dass Aszrem die Trauer in ihren Augen nicht sehen würde. "Das glaube ich ... hoffe ich ... auch. Sie war ganz anders, als meine Mutter, aber sie war ebenso gut." Im nächsten Moment fragte sie sich, ob sie nun etwas Falsches gesagt hatte. "Ich meine ... sie hat verziehen und verstanden. Und sie hat mir gezeigt, wie es richtig geht, wenn ich etwas falsch gemacht habe."

Turiéns Stimme erlangte noch mehr Kraft, als er in dem Eins der Stimmen, hörte, wie die helle Stimme Tyraleens dazukam, und die dunklere Stimme Averics ... als plötzlich Atalyas Stimme knapp hinter ihm auch noch erklang, erhob er seine Stimme zum Finale, bevor er verstummte, um im Anschluss zufrieden für den Moment in die Runde blickte, ein euphorisches Lächeln nicht verbergen könnend.

Caylee unternahm nicht viel, als Isaí sich von ihren Pfoten befreite. Das schlimmste schien sowieso vorbei. Dafür schien er nun Krolock fressen zu wollen und forderte sie dazu auf, mitzumachen. Beinahe hätte sich Caylee dazu hinreißen lassen, dann aber pflückte Sheena den Welpen von Krolocks Ohr und setzte ihn zu Jakash. Der schien schlecht gelaunt und Krolock wusste nun wohl auch nicht mehr, was tun. Caylee beschloss, die Sache zu beenden. Sie lächelte Sheena zu, zupfte Krolock dann am Fell und nuschelte ein "Komm mit.“. Ohne sich noch einmal umzusehen entfernte sie sich von der Gruppe.

Isaís Augen verengten sich zu Schlitzen, als er von hinten her spürte, wie seine Mutter ihn hochnahm. Im ersten Moment wehrte er sich dagegen, ließ das Ohr Krolocks nicht los und zog es so mit sich, ehe er dann doch den Halt verlor. Etwas irritiert war er, als er sich plötzlich zwischen Jakashs Pfoten wiederfand, der ja bis eben noch gar nicht dagewesen war, doch ehe er ihm ein erleichtertes Lächeln zuwerfen konnte, hörte er die Worte Krolocks, auf die er nur ein tiefes Grollen erwidern konnte, denn ehe er wieder losstürmen konnte, um den zweiten Lochbisserangriff zu starten, wurde er von Jakash in genau die andere Richtung gedrängt. Ein protestierender Blick galt ihm, doch dann ging er doch wiederwillig mit und ließ die Situation mit einem letzten, bösen Blick stehen. "Aber er war fies zu Mama!", zischte er von unten her zu seinem Vater hinauf und blickte leicht beleidigt drein, dass er nicht doch nochmal zubeißen durfte. Natürlich wäre das nicht anders ausgegangen, doch in der Vorstellung des Roten war alles noch ein bisschen anders. "Sagst du ihm, dass er nicht so fies sein soll, Papa? Ich kann nämlich nicht versprechen, dass er gut davon kommt, wenn ich ihn das nächste Mal sehe!", erklärte er großspurig und nickte überzeugt. Jaja, abwarten, gell?

Averic schluckte den aufsteigenden Wehmut mühsam wieder hinunter. Er wollte seine Familie nicht verlassen, er konnte sich ein Leben ohne sie alle nicht vorstellen. Und er wollte seinen Kindern nicht dasselbe antun, was ihm sein Vater angetan hatte. Er konnte es nur besser machen, indem er sie nicht einfach wortlos verließ und hoffte, dass sie es verstehen würden. Aber er wollte sich ihre Reaktionen nicht ausmalen, sich nicht vorstellen, in ihre Gesichter zu sehen und ihnen zu sagen, dass er sie verlassen würde. Es war grausam. Dennoch hielt Averic seine Gesichtszüge glatt und hart und riss sich von den Gedanken los, indem er Amáya fixierte, die ebenfalls in das Heulen eingefallen war.

Aszrem lächelte traurig und sah erneut zu den Sternen auf. "Ja, sie war ganz anders. Sie war wie ... Feuer. Während ich deine Mutter eher mit einem stillen, klaren Bergsee verglichen hätte.", meinte er. "Bei dir... weiß ich noch nicht genau, welcher Vergleich zu dir passt.", fügte er hinzu und nahm eine bequemere Haltung ein.

Sheena merkte erst jetzt, wie froh sie wirklich war, dass Jakash zu ihnen gekommen war. Er machte kein großes Aufsehen und brachte Isaí von hier weg. Besser konnte es doch gar nicht kommen. Auch Caylee hielt sich nun sehr zurück, lächelte ihr nur ein wenig verschüchtert zu. Die Liebe. Sie sollte nur aufpassen, dass sie nicht zu viel Unsinn anstelle. Die Freundschaft mit Krolock erschien ihr dabei nicht sonderlich hilfreich. Doch darum wollte sie sich nun keine Gedanken mehr machen, sie sah den beiden nach, wie sie davon zogen und folgte dann selber Jakash und Isaí. Nachdem ihr so schön angefangenes Gespräch so abrupt geendet hatte, wollte sie sich nun am liebsten nur noch zu Ruhe legen. Am besten mit Isaí und Jakash.

Amáya genoss es, ihre Gefühle in ihr Heulen einfließen lassen zu können. Das nächtliche Konzert schien zwar langsam abzuflauen, doch war es Amáya eigentlich egal. Auch wenn es von kurzer Dauer war, es war doch schön gewesen, dass sie wenigstens die Möglichkeit gehabt hatte. Als ihre Stimme gänzlich abgeflaut war atmete sie tief die kühle Luft ein und schielte kurz zu Averic hinüber. "Es tut immer gut ...", bemerkte sie kurz.

Liel war so gefangen von dem bezaubernden Moment, dass sie glaubte nie wieder aufhören zu können. Doch das ging dann doch schneller als gedacht. Sie vernahm erst die Stimme Atalyas, eine weitere Schwester der hier anwesenden Brüder und Amúrs. Als dann auch noch Tyraleen und zu guter Letzt auch noch Averic zu ihrem Gesang dazustießen, klappte Liels Fang wie automatisch zu und ihre Stimme verhallte inmitten des anhaltenden Gesangs. Nun fühlte sie sich nicht mehr gut, die Höhenflüge verebbten. Sie fühlte sich fremd, wie ein Eindringling in der Familie. Doch sie hatte noch immer Chanuka an ihrer Seite. Nun, ihr letzter Trost, der Halt, der sie auf dem Himmelsfelsen verweilen ließ.

Tyraleen nickte mit einem Lächeln auf Aszrems Worte hin, ganz vergessend, dass er es nicht sehen würde. Sie war nicht so ruhig wie Banshee, sie war auch nicht so schicksalsergeben und sie war eine weit schlechtere Tochter Engayas. "Manchmal fühle ich mich wie dieser Bergsee meiner Mutter aber noch zugefroren." Sie dachte über diesen Vergleich nach und befand ihn dann doch für nicht sehr passend. Sie war nicht wie Eis, weder kalt noch starr. "Und du ... wie siehst du dich?"

Atalya schloss die Augen, verstummte jedoch nicht. Ihr Heulen holperte nur leicht, als sie plötzlich Pfoten auf ihrem Rücken spürte. Ein Auge leicht öffnend schielte Atalya zu ihrem schwarz-weißen Bruder, der sich auf ihr abstütze, um so höher zu heulen. Sie musste lächeln, blieb aber so stehen. Das Lächeln auf ihren Lefzen wurde noch ein wenig breiter, als sie die Stimmen ihrer Eltern erkannte, die ihrem Heulen beipflichteten. Und als Turién verstummte, wurde auch das Heulen der Grauen leiser, bis sie schließlich verstummte. Kurz wandte sie den Blick zu Liel, die schon vorher verstummt war, ehe sie grinsend den Kopf herum wandte und ihren Bruder anblickte, der mit den Pfoten auf ihrem Rücken stand. Sie schnappte fast vorsichtig nach ihm, noch immer grinsend.

Krolock ließ sich wegziehen, ohne sich großartig dagegen zu wehren. Als sie außer Hörweite waren und er sich mit einem Blick über die Schulter vergewissert hatte, dass niemand mehr da war, brach er das Schweigen. "Dann überleg dir mal die nächste Aufgabe ...", begann er. "Aber ich hab noch was zu erledigen. Wir sehen uns später!" Nahezu ohne Emotion sah er sie an, dann wurden seine Schritte schneller. "Und versuch nicht, mit zuhalten. Sonst tust du wieder irgendwelchen Bäumen weh!" Dann rannte er.

Aszrem dachte über diesen Vergleich nach und befand ihn still für ebenso unpassend wie Tyraleen. "Nein, ein Eissee passt nicht. Eher ein aufgewühlter Fluss, der seinen Lauf erst noch etwas formen muss, bevor er zur Ruhe kommt.", führte er aus, nun doch zu einem für ihn passenden Vergleich für Tyraleen findend. "Wie ich mich sehe, spielt nicht so die Rolle. Viel eher interessiert mich, wie du mich siehst."

Amúr vernahm das Heulen ihrer Mutter. Freude breitete sich in ihr aus. Sogar ihr Vater stimmte mit ein. Der vollkommende Glücksmoment. Das war Familie, das wollte sie, das brauchte sie. Die anderen verstummten langsam, doch sie nicht. Sie sang noch einen Moment weiter, alleine und ohne Scheu. Widmete es den Göttern und ihrer Familie. Legte Hoffnung und Sehnsucht so gut es ging in dieses Heulen, ehe sie leiser wurde und nach den anderen verstummte. Der Moment war wunderbar und die Hoffnung in ihr war vollständig erblüht. Es konnte vielleicht wirklich alles besser werden, wenn sie nur daran glaubte. Sie wollte es einfach, sie klammerte sich verzweifelt daran fest, war sie doch wegen ihrer Familie zurück gekommen. Sie stand neben Turién und schaute zu Chanuka, dann begab sie sich zu Atalya und Chardím. "Das war einer der schönsten Momente seit langem, danke dass ich ihn mit euch erlebt habe.", verkündetet sie.

Tyraleen lächelte leicht, als Aszrem ihren Vergleich korrigierte. Tatsächlich, ein Fluss passte eher. "Stimmt ... ich hoffe, ich finde meinen Lauf bald." Als Aszrem sie aufforderte, einen Vergleich für ihn zu finden, drehten sich ihre Ohren wieder leicht zurück. Sie hatte das Gefühl, nun sehr leicht etwas Falsches zu sagen. "Ich weiß nicht ... vielleicht ... wie ein hoher Berg. Groß, ewig, schwer zu erklimmen und manchmal können furchtbare Lawinen von seinen Flanken ins Tal stürzen." Als sie merkte, wie negativ ihre Beschreibung klang, ergänzte sie schnell: "Aber auch so groß, dass Gewitterwolken an ihm brechen und Feinde ihn nicht erklimmen können, sodass sie nicht ins Tal gelangen.“

Aszrem ließ ein amüsiertes Schnaufen erklingen. Er fand diesen Vergleich durchaus treffend, sowohl die negativen Aspekte als auch die positiven. "Ich mochte die Berge schon immer. Die Geschichte meiner Wanderung beginnt mit ihnen, und dort habe ich Nyota kennen gelernt.", erklärte er und bettete den Kopf auf die Pfoten.

Tyraleen war doch ein wenig erleichtert, als Aszrem ihr zustimmte. Bei der Beschreibung einer Person konnte man sich leicht auf dünnes Eis begeben. Doch der Schwarze schien ihr zuzustimmen, schien sich sogar zu freuen. "Ich habe die Berge auch schon immer gemocht. Als Welpe wurden sie zu meiner Heimat, bevor das Tal es hatte werden können. Dort oben wurde ich erwachsen. Und ich habe Averic kennengelernt." Sie musste schmunzeln über so viel Gemeinsamkeit. Das hätte sie nicht von Aszrem und sich erwartet.