Tyraleen
23.12.2009, 14:56

Das ganze Rudel war wieder zusammen versammelt. Nyota und Lagoon waren für einige Zeit fort und Banshee hatte das Rudel alleine zu führen. Es dämmerte schon wieder, die Sonne versank glühend im Westen, während das Rudel um Banshee herum wartete, warum die Alpha sie gerufen hatte.

Banshee ließ ihren Blick über das Rudel gleiten und stand dann auf, ihr Blick blieb an Nygero hängen und sie begann langsam zu sprechen:

"Viele neue Wölfe sind zu uns gestoßen, zwar sind nun Nyota und Lagoon fort, doch trotzdem sollten wir uns alle besser kennen lernen. Ich dachte an eine gemeinsame Jagd, Nygero, Dayon und Moon müssen wohl auch sehr hungrig sein. Ich selbst könnte auch wieder etwas vertragen."

Sie lächelte und sah dann leicht fragend die drei neuen Wölfe an. Würde Dayon überhaupt jagen können? Schnell sah sie wieder zu den anderen und fuhr fort.

"Am besten teilen wir uns in zwei Gruppen, Jäger und Treiber, im Osten hatten wir eine Herde junger Hornträger entdeckt."

Sie sah zu den einzelnen Wölfen, wartete auf ihre Meinungen.



Moon hatte sich bei Sayos belehrenden Worten unwillig wegdrehen wollen, doch dann hatte er in seiner Bewegung innegehalten. Er lauschte. Er hatte das Gefühl, in Sayos Worten ein auf dem Weg verlorenes, fehlendes Puzzleteil gefunden zu haben. Für einen kleinen Moment durchströmte ihn ein Schimmer von Hoffnung. Er sah Sayo dankbar an, stupste ihn mit der Schnauze an und versuchte ein Lächeln, das seit vielen Monaten nicht mehr in Gebrauch gewesen war, es war leicht eingerostet, doch Sayo wusste es sicher zu deuten.
Bald kam Moon allerdings der Gedanke, wie er glücklich werden konnte, hier in diesem Rudel in dem dieser Rüde...dieser Acollon...der Name versetzte ihm einen stechenden Schmerz, lebte. Er wusste bereits, dass Acollon keinen Unterschied zwischen einem Knochen und einem Ast machte, die Schreckensbilder dieser einen Nacht kamen wieder in seinen kleinen Kopf, setzten sich fest, er hatte es bereits mit eigenen Augen gesehen, dass Acollon vor nichts Halt machte...er würde es niemals vergessen.
Dann schaute er auf Banshee, die sie gefragt hatte, ob sie mit Jagen gehen wollen. Sie strahlte immer noch einen bestimmten Glanz aus, der Moon beeindruckte.

"Darf ich denn auch mitjagen gehen, edle Banshee?"



Acollons Blick lag im Leeren. Seine Gedanken waren nur Rauch der Schwaden. Wie alte Weiden die ihre Geheimnisse immer für sich behalten würden. Sein Leben rauschte immer schneller, er spürte den Impuls. Dieses Klopfen, war es sein eigenes Herz? Nein, es war das Herz eines anderen Wolfes, nein die Herzen von tausenden Wölfen.
War er hier richtig? Wo war er schon richtig? Sein Zuhause war das Reich Fenris`! Er musste dieses Rudel so bald wie möglich verlassen. Banshee war in Gefahr. Die anderen Wölfe waren ihm egal, und doch wollte er sie nicht tot sehen.
Ob er mit jagen wollte? Was war das für eine Frage?! Er wollte nicht noch mehr Unheil anrichten.
Der schwarze Rüde erhob sich. Nygero hatte Recht gehabt, schwarzer Teufel. Dieser Name sprach die Wahrheit.
Wortlos ging er an den Wölfen wieder vorbei, das Rufen Banshees hatte er nicht überhört und die Aufforderung war die einer Alpha, doch Acollon widersetzte sich den Regeln.

"Ich geh alleine jagen.“

sagte er schlicht, sein Blick streifte den Welpen, seine Augen blieben kalt und leer.



Ayala sah sich um. Ja, natürlich würde sie gerne jagen gehen, sie hatte einen Bärenhunger!
Dann starrte sie Acollon erschrocken an. Warum wollte er alleine jagen? Er würde es sicher schaffen, Banshee zuliebe. Sie ging langsam auf ihn zu.

"Aco, wir sind EIN Rudel! Bitte komm mit uns mit! Du gehörst dazu, du gehörst zu uns! Du sollst nicht alleine jagen...Ban würde das sicher auch nicht wollen!"

Sie war verwundert über ihre Worte, da sie vorher noch nie wirklich mit Acollon geredet hatte, aber er gehörte inzwischen ebenso zu ihrer Familie wie all die anderen, sie wollte ihn nicht alleine gehen lassen. Sie sah, dass er verbittert war, was hatte ihn so sehr getroffen? Lag es immer noch an dem Streit zwischen ihm und Nygero?



Banshee sah wortlos zu Acollon und Ayala. Es machte sie traurig ihn so zu sehen, wäre sie eine normale Fähe in diesem Rudel gewesen wäre sie einfach mit ihm mitgegangen, aber hier war sie Alpha und noch dazu war Nyota nicht da. Sie hätte gerne mit Acollon geredet doch vor dem ganzen Rudel gab es wohl keinen denkbar schlechteren Ort dafür. Doch Ayala schien das nicht zu bemerken ...

"Ayala ..."

sagte Banshee leise, dann sah sie zu Acollon. Ihr Blick war traurig und würde ihm mehr sagen, als tausend Worte.



Ayala senkte den Kopf. Entschuldigend sah sie Ban und Aco an. Doch sie verstand nicht richtig. Waren ihre Worte so offen gewesen? Sie hatte weniger gesagt, als sie es getan hätte, wenn die anderen nicht dabei gewesen wären. Eigentlich wollte sie es vor allen sagen, sollten sie ruhig hören, dass Aco dazugehörte und sie auch hinter ihm stand! Sie zog es vor zu den anderen zu gehen, Ban wollte sicher noch leise etwas zu ihm sagen, das nur für ihn bestimmt war.


Sayo besah sich die Szene eine Weile. Er trat auf Acollon zu und rieb seinen Kopf an dem Brustfell des Schwarzen.

"Acollon, auch ich finde das du zu uns gehörst, jag mit uns. Gemeinsam. Du hast viel Blut vergossen? Ich weiß wenig über dich, aber du gehörst hier her zu uns. Es klingt lächerlich, ich weiß. Ich bin noch so neu hier und nicht grade das, was man unter einem normalen Wolf versteht, aber du bist mein Freund, du sollst bei mir bleiben."

Egoistisch waren seine Worte und das wusste er genau. Sie waren welpisch, genauso wie seine ganze Art, doch seine Worte waren aufrichtig und versuchten auszudrücken, wie viel ihm jener Rüde bedeutete.



Sehr lange war Varloc schon gelaufen, ohne einem anderen Wesen als Insekten begegnet zu sein. Sie fragte sich, ob die Welt gestorben war. Sie selbst fühlte sich so. Sie wollte sich hinlegen und sterben. Wie hatte sie es nur auf eine Verbannung ankommen lassen können? So schlecht wie jetzt war es ihr beim Rudel nie gegangen. Wenigstens hatten sie sie nie hungern lassen, wenn es auch nie etwas Gutes war was sie bekommen hatte. Doch die Einsamkeit war schlimmer als alle Schikane und etwas zum jagen hatte sie auch noch nicht gewittert. Dennoch rappelte sie sich noch einmal auf, weiter lief sie, ohne Ziel und Richtung.
Nach einer weiteren langen Zeit brach Varloc entkräftet zusammen. Sie wusste nicht, wie viele Sonnen sie jetzt fast ohne Rast gelaufen war. Sie legte die Pranken über die Augen, wollte nichts mehr sehen. Doch plötzlich hob sie witternd den Kopf. Das konnte doch nicht sein, Wölfe? Es musste eine Einbildung sein. War es schon so weit mit ihr? Regungslos blieb sie liegen, bereit, auf den nahen tot zu warten. Sie wusste nicht, wie nah sie den Anderen war, wusste nicht, dass sie bereits in ein Revier eingedrungen war. Selbst so mit ihrer Verzweiflung beschäftigt hatte sie nichts gewittert, keine Zeichen wahrgenommen. Hatte gewittert und gelauscht mit Sinnen, die einen Wolf übersehen hätten, der vor Ohr gestanden hätte. Erst die total Erschöpfung hatte ihre Sinne wiederbelebt, doch sie war zu erschöpft, um noch einmal aufzustehen, so blieb sie liegen, wartend, auf den Tod oder was auch immer, es war ihr egal. Sie wollte nur, dass die Einsamkeit vorbei gehen würde.



Acollon senkte seinen Blick zu Boden, die Worte Ayalas uns Sayos glitten an ihm vorbei. Sie waren wie der Regen, der lauwarme Sommernachtsregen.
Dann bemerkte er Banshees Blick. Es war dieser Blick, den er nie hatte sehen wollen. Sie sollte ein glückliches Gesicht machen. Sie sollte lachen.

"Ich …"

Die Stimme versagte ihm und er ließ seinen Kopf an die Schulter Sayos fallen, er hatte die Augen geschlossen. Warum war er so schwach geworden? Warum war ihm das Leben so wichtig geworden? Warum liebte er?
Er war nicht mehr so kalt und tötete aus Spaß, aus Gier oder aus Lust. Er tötete auch keine Wölfe mehr, er hatte dieses Rudel nie angegriffen, vielleicht auch deswegen, weil er einfach dazu gehörte.

"Ich werde euch begleiten."

nuschelte er in das Fell des grauen Rüden. Er hob seinen Kopf an und ließ sich die Worte wiederholt vorspielen. Freund? Sayo nannte Acollon einen Freund? Aber den Tod konnte man doch nicht zum Freund haben... Aber vielleicht war er nicht mehr dem Tod so verbunden wie er es immer geglaubt hatte? Seine Haltung wurde immer stolzer und immer kühner.

"Dann lasst uns jagen gehen!"

sagte er mit einem viel sagendem Lächeln. Dies war seine Familie, sein Rudel, seine Freunde ... Er trat zu den anderen wieder dazu und lächelte seine Fähe an.



Sayo sprang hinter Acollon her, wedelnd und überglücklich. Er lehnte sich an ihn und kuschelte sich in sein Fell. Dann blieb er ruhig neben ihm stehen und sah zu Banshee, da war noch etwas, was er loswerden musste, denn er hielt es für wichtig, die Alpha musste dies wissen.

"Banshee, ich habe noch nie in meinem Leben gejagt."

Meinte er, etwas beschämt, aber wirklich peinlich war es ihm nicht. Nicht einmal eine Maus hatte er gefangen, das hatte Kamui stets getan, weil er, Sayo kein Blut sehen konnte.



Banshee schenkte Acollon ein sanftes Lächeln, noch immer sprach sie nicht, aber ihre Augen waren wie zwei kleine Sterne, die einst vom Himmel gefallen waren. Dann wandte sie sich Sayo und Moon zu, es war, als würde sie zu zwei Welpen sprechen und nicht zu einem Erwachsenen und einem Welpen.

"Ihr dürft natürlich mit und wenn ihr noch nie gejagt habt, werdet ihr erstmal zu den Hetzern kommen, dort werde auch ich sein und euch einiges zeigen können."

Ihr Blick glitt zu Dayon, er hatte noch immer nichts gesagt, was ging in ihm vor? Dann wurde ihr plötzlich ein fremder Geruch zu getragen, noch ein neuer Wolf. Sie schloss kurz die Augen, die Jagd musste schon wieder verschoben werden ... Langsam sah sie wieder auf und sagte laut:

"Ich werde mit Acollon zusammen die Fremde begrüßen, ihr anderen beredet die Jagd und teilt euch in zwei Gruppen ein."

Sie lächelte Aco an und ging kurz zu Ayala.

"Du wirst die Jäger anführen achte ein wenig auf Ordnung, solange wir die Fremde begrüßen."

Sie stupste ihre Freundin an und lief dann mit Aco dem fremden Geruch nach. Nicht weit entfernt fand sie eine seltsame Wölfin, sie lag zusammengekauert auf der Erde, schien sehr schwach, aber hatte einen seltsamen Körper. Banshee sah zu Acollon, legte leicht die Ohren zurück und senkte dann ihre Schnauze zu der Fremden. Ihr schien es nicht gut zu gehen.

"Könnt ihr mich hören?"

Ihre Stimme war sanft und leise, doch die Fremde würde sie hören können, wenn sie dazu noch fähig war.



Ayala war zugleich stolz, von Ban eine solche Aufgabe übertragen bekommen zu haben, als auch etwas aufgeregt, weil sie selbst noch nicht so eine erfahrene Jägerin war. Sie schaute in die Runde:

"Nun, wer geht jetzt alles mit jagen? Wer hat schon etwas Erfahrung, wer nicht?"

Dabei haftete sie mit ihrem Blick auf Dayon.



Acollon sah argwöhnisch zu der Fremden. Sie schien erschöpft und ermüdet. Eine dumpfe und doch sehr schleierhafte Aura schien sie zu umgeben. Einsam, dachte Acollon sofort.

"Sie scheint einen Weg gehabt zu haben."

sagte er drohend und doch sehr leise. Seine Gedanken waren noch bei seinem Rudel. Der Welpe schien ihn ewig zu verachten, was auch irgendwie klar schien. Der schwarze Rüde schritt neben seine Fähe und beäugte die schwarze und sehr eigenartige Fähe. Er sah kurz zu Banshee und zog eine Braue hoch.



Schweigsam hatte Nygero dem Gespräch gelauscht und die Handlungen beobachten. Eigentlich wäre er am liebsten wieder aufgestanden und alleine seines Weges gegangen, doch sein Versprechen band ihn an dieses Rudel.

"Ich werde mit jagen gehen! Und wenn es mir gestattet ist, würde ich lieber aus dem Hinterhalt eine schnelle Hetzjagd veranstalten, so könnte jeder Mal zum Zug kommen!"

sagte er ruhig und lächelnd. Er schloss die Augen und wartete geduldig auf Antwort.



Varloc spürte zwei Wölfe näher kommen, sie witterte sie, war jedoch zu schwach den Kopf zu heben. Erst als beide bei ihr standen und die Fähe sie ansprach hob sie mit äußerster Kraftanstrengung den Kopf. Sie sah die Blicke der beiden, wie sie ihren Körper musterten. Hatten sie noch nie einen Werwolf gesehen? Dann würden sie sie wohl genauso behandeln wie die Wargen... Der Rüde sah sie mit einem seltsamen Blick an, den sie nicht deuten konnte, seine Worte hatten drohend geklungen. War sie denn nirgendwo willkommen?

"Ja, ich höre Euch, doch wundert es mich wie Ihr mich anseht. Ich wusste nicht, dass dies hier ein fremdes Revier ist, sollte ich nicht willkommen sein werde ich wieder gehen."

Mit diesen Worten nahm sie ihre ganze Kraft zusammen und erhob sich. Froh, nicht ihre Werwolfsgestalt angenommen zu haben, sie hätte die beiden anderen wohl noch mehr gegen aufgebracht. Und selbst in Wolfsgestalt konnte sie kaum stehen, die lange, anstrengende Reise zollte Tribut.



Acollon lächelte matt und sagte etwas ruhiger und doch sehr zynisch:

"Du bist es nicht gewohnt so behandelt zu werden? So etwas glaub ich dir nicht, du wurdest doch oft verscheucht, oft wurdest du verstoßen. Und jetzt bist du alleine, unverstanden und verletzt!"
Er sah in die Ferne.

"Wenn du weiter ziehst, wirst du immer einsam sein."

Seine Augen wurde wieder kalt und leer, seine Gedanken weilten wieder bei dem Welpen und dem Rudel, doch als er Banshee ansah musste er leicht schmunzeln.



Banshee empfand Mitleid mit der seltsamen Fähe vor ihr. Sie war kein normaler Wolf, dass sah sogar sie, aber WAS sie war, dass war Banshee nicht klar. Nur schien dieser Körper der Fähe nichts gutes gebracht zu haben.

"Ihr seid bei uns immer willkommen, jeder Wolf ist willkommen auch ..."

Sie kräuselte leicht die Lefzen und schaute sich unwillkürlich um, ob Nygero in der Nähe war.

"... Wölfe, die immer verstoßen wurden und nicht wissen, was es heißt zu leben."

Sie lächelte mittlerweile und sah kurz zu Acollon, er schien an etwas anderes zu denken, beschäftigte ihn noch immer die Sache mit Moon? Banshee schüttelte sich leicht und sah wieder zu der fremden Fähe.

"Ich bin Banshee, Alpha des Sternenwind Rudels und wer seid ihr?"



Ayala lächelte Nygero an.

"Alles klar, du und Moon gehen auf jeden Fall zu den Hetzern. Da Sayo auch noch nie gejagt hat, würde ich sagen, er sollte auch zu euch kommen. "

Sie blickte Dayon an.

"Du bildest mit mir zusammen die Jägergruppe, ja?"

Sie schaute in seine starren Augen, die nicht mehr zu seinem Körper zu gehören schienen. Sie wartete ab und wusste nicht so recht, ob er sie überhaupt gehört hatte.



"Was es heißt zu leben"

Wiederholte Acollon leise. Das Leben hat dem Tod eine Hoffnung geschenkt, warum wollte Acollon eigentlich leben? Warum war ihm das leben so viel wert, wo er diese Wölfin getroffen hatte?! Sein Blick glitt zu der Wölfin am Boden, sie schien so schwach und müde, einst fühlte Acollon sich auch so. Und er tat es immer noch, der Ruf eilte ihm voraus, und Geschehenes kann nicht ruhen. Der Sinn.

"Sag, suchst du einen Sinn?"

fragte er die schwarze Fähe. Doch was hatte diese Frage zu bedeuten? Acollon wusste es selber nicht, traurig und doch kühl sah er zu seiner Fähe. Banshee schien neben den beiden schwarzen Wölfen zu blühen, zu strahlen, wie ein Stern am schwarzem Himmel.



Varloc lauschte den Worten der Alpha. Die Alpha hieß sie willkommen? Wie konnte denn das sein?

"Ihr wisst nicht, was ich für ein Wolf bin, nicht wahr? Ich bin ein Werwolf und mein Name ist Varloc. Ihr habt Recht, ich weiß nicht, was es heißt zu leben, ich habe nie gelebt, ich wurde tot geboren."

Sie wandte sich an den Rüden, der sie nicht sehr zu mögen schien, was sie nicht wunderte, wer mochte sie schon?

"Mein Leben hat keinen Sinn, ich kenne keinen Sinn.“

Traurig sah sie die beiden Wölfe an. Was würden sie sagen?



Die Worte der Fähe ließen Banshee langsam den Kopf heben und sich den Wind und die Schnauze streichen lassen. Sie fragte sich, wie jemand so reden konnte. Acollon, er war der Sohn Fenris', er war Yang, aber diese Wölfin, oder ... Werwölfin war etwas anderes. Sie schien noch recht jung und trotz ihres seltsamen Körpers verletzlich und hilflos. Banshee wusste nicht, was ein Werwolf war, sie sah nur die glühend roten Augen und die Aura der Fremden.

"Was auch immer du erlebt haben magst in der Zeit bevor du zu uns gekommen bist, Varloc, hier wirst du Frieden finden. Ich weiß nicht, was du bist, von Werwölfen habe ich noch nie etwas gehört, aber was auch immer du sein magst, verstoßen werden wir dich nicht."

Acollons Frage nach dem Sinn und die Antwort Varlocs ließen sie kurz die Augen schließen, als sie sie wieder öffnete waren sie traurig.

"Was ist schon ein Sinn? Braucht man einen Sinn? Oder leben wir nur für uns?"

Sie sah zu den beiden Wölfen, die bei ihr waren und schloss wieder die Augen.



Acollon ließ seinen Blick schweifen, er blieb an den beiden Fähen hängen und schließlich bei Banshee, seiner Fähe.

"Du weißt nicht was Werwölfe sind, deswegen lässt du sie gewähren."

sagte er verächtlich, doch diese Verachtung galt nicht der schwarzen Werwolfs Fähe auch nicht seiner Fähe, sondern den Wölfen die die Werwölfin immer verstoßen hatten.

"Werwölfe sind gefährlich, sie morden! Aber das dürfte in diesem Rudel ja auch kein Problem sein! Schließlich lebt ihr mit dem Tod zusammen."

Acollon schmunzelte leicht und sah wieder zu der Werwölfin.

"Einen Sinn! Den haben nicht viele Wölfe, und dennoch leben sie. Warum wohl? Denk mal darüber nach!"

Seine Stimme war wieder eine Spur schärfer geworden. Eigentlich wäre er gerne gegangen und hätte nachgedacht! Über den Welpen und seiner Worte. Über das Leben, das in weißer Fähengestalt seine Liebe war.
Doch er blieb.



Varloc sah die beiden Wölfe an, die Alpha, die sie doch tatsächlich aufnehmen wollte und den schwarzen, der immer verächtlicher klang, doch schien diese Verachtung nicht ihr zu gelten, auch nicht der Alpha, aber wem dann?

"Ihr kennt keine Werwölfe? Ich bin Gestaltwandler, mein Körper kann, wie jetzt, Wolfsgestalt annehmen, aber auch einen zwei Meter großen Werwolfskörper. Ebenso kann ich Menschengestalt annehmen."

Diese Worte richtete sie an Banshee. Sie hatte auch die Worte des schwarzen gehör, war er wirklich der Tod? Von seinen Worten her nahm sie es an. Doch traute sie sich nicht ihn zu fragen, wer weiß was er tun würde.

"Nicht alle Werwölfe morden. Ich bin seit ich denken kann bei Wargen aufgewachsen, die haben grundlos gemordet. Ich war immer ihr Omega. Was mit meinem Geburtsrudel passiert ist weiß ich nicht. Vielleicht haben die Wargen sie getötet, aber ich weiß es nicht. Ich habe nie jemandem grundlos etwas angetan, auch wenn ich dafür, dass ich mich gegen die wehrte, die mich seit meiner Welpenzeit gepeinigt haben wurde ich verbannt. Ich habe nie getötet und wenn mir dies unterstellt wird, nur weil ich ein Werwolf bin, werde ich gehen. Ich bitte euch nur, mir zu erlauben, mich hier einige Stunden auszuruhen, bis ich wieder zu Kräften gekommen bin, dann werde ich gehen."

Wäre sie nicht so müde gewesen, sie hätte aggressiv geklungen. Jetzt klang sie nur resigniert, ihre Beine wollten sie nicht mehr tragen, sie brach zusammen.
.oO(Jetzt darf ich endlich sterben...)Oo.
Das war ihr letzter bewusster Gedanke, bevor die Schwärze der Ohnmacht sie umhüllte.



Vilcene wanderte durch ein fremdes Gebiet. Sie wusste nicht wo sie war. Sie war schon mehrere Tage durch einen Wald gewandert. Doch da witterte sie endlich wieder Wölfe. Sie fragte sich wie sie so sind. Ob das ein Rudel ist. Und wen ja ob sie Mitglied werden könnte. Vilcene hatte viele fragen und ging dann langsam dem Geruch hinterher. Als sie die Wölfe endlich sah blieb sie noch im Gebüsch. Sie beobachtete sie ne weile.


Banshee hörte Varloc schweigend zu, sie wusste nicht, was Warge waren und sie konnte sich auch nicht vorstellen, wie es war, wenn Varloc zu einer Werwolfsgestalt wurde, aber es konnte nichts gutes sein. Acollon löste in ihr eine kleine Welle der Wut aus, die schnell wieder abklang und sich im Nichts auflöste, aber die Worte Varlocs gefielen ihr nicht. Obwohl diese bereits in Ohnmacht gefallen war, flüsterte sie leise:

"Du musst nicht gehen, ich glaube dir, dass du nie getötet hast und auch andere werden es glauben. Ruh dich aus und dann entscheide, auch wenn ich dich gerne in meinem Rudel hätte."

Banshee sah kurz zu Acollon und überlegte sich, was sie nun tun sollte. Auf Jagd gehen, während Varloc hier lag war undenkbar. Noch bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte stieg ihr ein neuer Geruch in die Nase. Eine fremde Fähe stand dort im Gebüsch. Banshee schloss kurz die Augen, hatten sie nicht eigentlich nur auf Jagd gehen wollen? Sie merkte, dass sie Nyota vermisste, zu zweit ging das alles viel einfacher, doch stand sie entschieden auf und ging auf das Gebüsch zu. Sie konnte keinen Wolf erkennen, doch wusste sie, dass in Schatten gehüllt dort jemand stand.

"Willkommen Fremde. Ich bin Banshee, Alpha des Sternenwindrudels, in dessen Revier ihr euch befindet."



Vilcene trat langsam aus dem Gebüsch. Sie schaute sich die Wölfin an. Dann sagte sie auch was.

„Hallo, Ich bin Vilcene. Ich wandere schon ein paar Tage durch diesen Wald und bin auf der suche nach einem neuen Rudel, da ich bei meinem vorherigen Rudel nicht willkommen war. Könnt ich vielleicht in eurem Rudel bleiben? Hier scheint es sehr schön zu sein.“



Banshee musterte die fremde Fähe und lächelte dann.

"Willkommen, Vilcene. Natürlich kannst du hier bleiben, so lange du wünschst."

Sie drehte leicht den Kopf und sah zu Varloc, die noch immer ohnmächtig war.

"Wir wollten eigentlich auf Jagd gehen. Ich bringe dich zu den anderen des Rudels, folge mir."

Sie rieb kurz den Kopf an Acollons Schulter und flüsterte:

"Warte hier, ich bin gleich wieder bei dir, dann schauen wir, was wir nun mit Varloc tun sollen."

Sie lächelte Vilcene zu und lief zum Rudel, dort schaute sie zwischen den Wölfen hin und her und stupste Ayala an.

"Wir haben zwei neue Fähen bei uns, der einen geht es sehr schlecht, kannst du dich Vilcene annehmen?"



“Danke, dass ich bei euch bleiben darf.“

sagte Vilcene zu der Alpha. Dann schaute sie sich etwas um. Sie folgte Banshee bis zu der einen anderen Wölfin.

„Hallo!“

sagte Vilcene zu der Wölfin und fragte sich wie sie hieß.



Varlocs Ohnmacht dauerte nicht lange und trotz Ohnmacht hatte sie registriert, was die Alpha gesagt hatte. Bereits nach wenigen Augenblicken schlug die erschöpfte Werwöflfin die Augen auf. Sie sah alles verschwommen, dennoch erkannte sie, dass die Alpha nicht mehr da war. Der schwarze Tod stand jedoch noch bei ihr. Warum war sie noch am Leben? Warum hatte sie nicht endlich sterben dürfen?

"Warum lebe ich noch? Ich dachte, ich dürfte nun endlich sterben. Oder ist es, weil ich hier wirklich willkommen bin?"

Mit äußerster Kraftanstrengung erhob sie sich noch einmal. An Acollon gewandt sagte sie:

“Könnt Ihr mir sagen, wo es hier Wasser gibt? Es wird mir besser gehen wenn ich erst etwas getrunken habe."

Sie warf dem Schwarzen einen flehenden Blick zu.



Sie war verschwunden. Einfach so, ohne einen großen Abschied. Zwar wusste das Rudel bescheid, doch weshalb, dass wusste nicht einmal sie selbst... Vielleicht hatte sie Abstand gesucht, Ruhe, oder sie wollte einfach zu sich selbst zurückfinden, was auch immer. Tagelang war sie durch die Berge gewandert, und immer hatte sie Lagoon in ihrer Nähe gewusst. Heimlich war das Geheimnis ihr gefolgt, auch hiefür war der Grund ihr fremd. Des Nachts waren ihre Gedanken bei Banshee, Acollon und Nygero gewesen, denn um diese drei machte sie sich Sorgen. Ayala war friedlich, Yakatavo auch, und Moon würde auf seinen Vater aufpassen. Blieb noch Kamui, oder auch Sayo und Kaya... Es war ihr unmöglich zu einem Urteil zu kommen, was sollten sie tun? Nygero verbannen? Allein seiner Worte wegen? Das wäre kein gültiger Grund... Aber auch Acollon war über seine Grenzen getreten, einen Fremden zu bedrohen und gar anzugreifen lag nicht in seiner Macht, sein Rang gestattete ihm so etwas längst nicht! Vielleicht ein Beta hätte sich derartiges erlauben können, aber kein Jota! Seufzend machte sie sich auf den Heimweg. Noch immer war Lagoon in ihrer Nähe, sie konnte ihre mystische Aura zu jeder Zeit spüren...


Acollon war dort geblieben und sah in die Ferne, doch als die schwarze Fähe die Augen aufschlug und ihn ansah, richtete er seinen Blick auf sie.

"Weil ich deine Seele noch nicht will, Fenris hält es auch noch für unnötig"

sagte Acollon schnarrend. Er dachte wieder an das Leben vor diesem Rudel. Genauso wie dieser Werwolfsfähe wollte er auch sterben, doch ihm war es auch nicht vermacht. Jetzt wusste er warum, er durfte noch glücklich werden. Mit Banshee.

"Folge mir, wenn du Durst hast"

Er schritt voran, Angst davor, dass sie ihn angreifen könnte hatte er nicht. Eigentlich war es so, dass man einem Werwolf niemals den Rücken kehren sollte. Doch was kümmerte ihn das Geschwätz anderer dummer und einfältiger Wölfe? Diese Wölfin schien schon Schlimmes durch gemacht zu haben. Sie war geprägt von solchen Erlebnissen.



Ayala nickte Ban zu, sie verstand. Kurz schleckte sie ihr über die Ohren, dann war ihre Aufmerksamkeit ganz auf die Neue gerichtet, die sie gerade angesprochen hatte.

"Willkommen Vilcene, ich bin Ayala. Hast du Durst? Soll ich dir unsere Wasserstelle zeigen?"

fragte sie aufmunternd, sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie es gewesen war, als sie hierher kam. Am Anfang hatte sie große Angst gehabt irgendetwas falsch zu machen, doch jetzt dachte sie über so etwas gar nicht mehr nach, hier war ihre Familie. Fröhlich musterte sie die Neue und fragte sich, wo wohl die andere sei, von der Banshee gesprochen hatte.



Banshee lächelte Ayala und Vilcene noch einmal zu, dann drehte sie sich wieder um und lief zu Acollon und Varloc zurück. Der Platz, an dem sie sie zurück gelassen hatte, war leer, ihre Fährte aber leicht zu finden und schon bald halte sie die zwei ein.

"Geht es dir wieder besser?"

fragte sie an Varloc gewandt. Acollon schleckte sie kurz über die Schnauze, dann sah sie nach vorne und merkte, dass Aco die Werwölfin wohl zum See führte.



Acollon erblickte seine Gefährtin. Er lächelte wieder leicht und schleckte ihr über das Fell. Er richtete seinen Blick wieder geradeaus und versuchte die eben gedachten Gedanken zu verdrängen. Doch es war nicht wirklich leicht und es kostete ihm große Anstrengungen.


Dayon starrte monoton vor sich hin, die Worte der Alphafähe flogen wie immer an ihm vorbei, mit den Gedanken war er bei Jahlay und dem grausamen schwarzen Rüden. Glücklicherweise verschwand der kurz darauf, Dayon registrierte es mit seinem trüben Blick, dann sah er kurz zu Moon, bevor er wieder ins endlose nichts starrte. Schließlich sickerten ein paar Worte von Ayala zu ihm, Jagd ... jagen? Warum sollte er jagen? Es gab keinen Grund, er konnte es auch sicher nicht mehr ... Jahlay war fort. Er sah auf, zu Ayala und einer seltsamen neuen Fähe, sein stumpfer Blick sagte nichts aus, nur das leichte Kopfschütteln zeigte seine Meinung.


Vilcene schaute sich um. Dann wandte sie sich zu Ayala.

"Wäre nett, wenn du es mir zeigst."

sagte sie und lächelte kurz. Dann schaute sie sich kurz noch um und wartete bis Ayala ihr die Wasserstelle zeigen würde.



Ayala musste nach Vilcenes Worten schmunzeln, sie hatte so eine direkte Art, die ihr gefiel. Ayala schaute sie an, dann überlegte sie kurz und meinte:

"Ich denke, der See eignet sich am besten. Dort ist außerdem die schönste Gegend des ganzen Reviers, für mich jedenfalls."

Auffordernd lächelte Aya sie an, dann stand sie auf und wartete, bis Vilcene nachkam.



Vilcene folgte Ayala ohne ein Wort zu sagen. Dabei schaute sie sich noch etwas um. Sie wollte sehen, wie das ganze Revier aussah.


Ayala lief weiter, den Weg zum See. Sie dachte über die Neue nach. Wie war sie hier her gekommen? Was hatte sie bisher erlebt? Neugierig beäugte sie Vilcene, dann senkte sie schnell ihren Blick, sie hatte oft die dumme Angewohnheit andere förmlich "anzustarren". Schließlich entschied sie sich doch, Vilcene nach ihrer Vergangenheit zu fragen. Sie hob den Blick und sah ihr direkt in die Augen.

"Woher kommst du eigentlich? Bist du schon lange alleine herumgezogen?"



Vilcene folgte Ayala. Doch als Ayala sie nach ihrem früherem Rudel fragte wusste sie zuerst nicht, was sie sagen sollte. Dann entschied sie sich die Wahrheit zu sagen.

"Ich lebte früher mal in einem kleinen Rudel. Doch als ich schon älter wurde trat ich aus dem Rudel aus. Ich wollte wo anders hin. Ich trat in einem neuen Rudel ein, doch die anderen mochten mich nicht. Sie griffen mich immer an, und so bekam ich die vielen Narben. Nur die Alpha war gut zu mir. Wegen den Anderen ging ich weg und wanderte ein paar Wochen alleine durch den Wald bis ich endlich hier her kam."

sagte Vilcene zu Ayala. Mehr verraten wollte sie aber nicht.



Varloc lächelte leicht, als sie Acollons Worte vernahm. Anscheinend war sie hier wirklich so etwas wie willkommen. Auf zittrigen Beinen Folgte sie Acollon.

“Ist es weit? Ich werde nicht mehr lang laufen können. Ich komme von weit her...“

Langsam schleppte sie sich hinter dem schwarzen her, sie wusste nicht wohin. Sie beobachtete ihn. Er hatte gesagt, das Rudel lebte mit dem Tod zusammen. Und er hatte gesagt, er wollte ihre Seele nicht. Warum nur? Warum nahm er sie nicht, wenn er schon der Tod war? Warum spürte er nicht ihren Wunsch zu sterben? Oder spürte er, dass sie sich noch mehr wünschte, akzeptiert und vielleicht sogar gemocht zu werden? Und wann würde sie Wasser erreichen? Varloc spürte, wie ihre Kräfte schwanden.



Acollon sah die schwarze Fähe an. Sein Blick war kalt und unfreundlich, doch seine Geste zeigte, dass er nicht so war wie sein Blick, er schritt zu ihr und stützte sie. Ihr Körper war kalt und fast leblos. Der See kam zum Vorschein, sie waren ungefähr noch 20 Wolfsprünge davon entfernt.

"Du schaffst es auch noch bis dahin! Selbst wenn ich dich an der Rute dahin schleifen muss"
sagte er grummelig. Sein Blick glitt zu Banshee. Er ein kurzes Lächeln huschte über seine Lefzen. Nun waren sie am Ufer und Acollon führte die Werwolfsfähe ins seichte Wasser.



Banshee nickte zufrieden, Varloc schien es besser zu gehen und Aco kümmerte sich um sie. Beim See angelangt glitt ihr Blick über die stille Wasseroberfläche, alles schien ruhig und friedlich, doch irgendetwas beunruhigte sie. Etwas Unbestimmtes und Unverständliches aber es stand drohend über ihr. Sie lief näher zu Varloc und Aco und sagte leise zu Aco, so dass Varloc sie nicht hören konnte:

"Eilt, wir sollten bald zum Rudel zurückkehren ... etwas ..."

Sie sah sich um, als würde noch jemand anderes bei ihnen sein, doch alles war still.



Sayos Ohren spielten und er lauschte Vilcenes Geschichte. Er beobachte sie und Ayala eine Weile und ließ den Blick schweifen, die Umgebung musternd.

"Es scheint viele unfreundliche Wölfe in den Wäldern und Bergen dieser Welt zu geben, sei gewiss das es dir hier nicht so ergehen wird."

Meinte er dann.



Ayala blickte Vilcene mitfühlend an, gleichzeitig war sie ihr dankbar, ihre Vergangenheit anvertraut zu haben.
Dann begann sie, Vilcenes graues Nackenfell abzuschlecken.

"Ich weiß wie das ist, glaub mir, auch ich habe ähnliches erlebt..."

Doch sie wollte die Vergangenheit vergessen, wollte Vilcene aufheitern, so meinte sie.

"Los, lass uns weitergehen, der See ist nicht mehr weit!"

Mit wedelndem Schwanz rauschte Ayala los und blieb nach ein paar Sätzen stehen und wartete - sie hatte ganz vergessen, wie erschöpft Vilcene doch war.



Acollon nickte, er selbst hatte ein sehr seltsames Gefühl, und Banshee bestätigte diesen Verdacht. Der Rüde sah die Werwölfin drängend an, doch ließ sich nichts anmerken von seiner Unruhe.

"Banshee, pass bitte kurz auf Varloc auf, ich werde die anderen warnen",

sagte Acollon schließlich und schleckte Banshee kurz über die Schnauze. Angst hatte Acollon um seine Fähe nicht, Varloc könnte ihr nichts antun. Dafür war sie zu schwach. Geschwind trugen ihn seine Pfoten zu den anderen Wölfen.

"Ayala."

sagte er, ohne die anderen Wölfe zu beachten.

"Bring die Wölfe einfach zur Höhle und achte darauf, dass sie da bleiben, Banshee und ich haben ..."

doch er verstummte und sah kurz zum Himmel.

"Mach es bitte, für die Alphas und das Rudel."

Eigentlich konnte Acollon keine Befehle erteilen. Ihm war es auch zuwider diesem Rudel zu helfen, nur das Wohl Banshees war ihm wichtig, doch Banshees Zuhause war hier. Und das wollte er bewahren.



Vilcene schaute zu dem Wolf, dessen Namen sie noch nicht kannte.

"Hoff ich."

sagte sie nur. Dann folgte sie Ayala. Da sah sie einen Wolf der auf sie zu rannte. Sie hörte zu was er zu Ayala sagte und fragte sich was los sein konnte.



Varloc merkte an den Reaktionen Banshees und Acollons, das etwas nicht stimmte, doch sie selbst war zu schwach um etwas zu spüren. Acollon ging nach einer kurzen Unterhaltung mit Banshee. Sein Misstrauen ihr gegenüber spürte sie und es verletzte sie tief.

"Banshee, ich glaube ich sollte euch wieder verlassen. Ich gehöre nicht hier her, Ihr kennt meine Rasse nicht und Acollon misstraut mir so, dass er glaubt ich würde alles und jeden töten wenn ich nicht so erschöpft wäre. Denken denn hier alle so? Werde ich denn mein Leben lang dafür büßen müssen, dass ich dieser Rasse angehöre? Was soll ich in einem Rudel, in dem mir nur wegen meiner Rasse Vorurteile entgegengebracht werden? Selbst Ihr seht mich an wie etwas Unbekanntes, Merkwürdiges. Vielleicht mag ich das für euch sein, doch das habe ich mein Leben lang gehabt."

Sie wusste sofort nach diesen Worten, dass sie der Alpha gegenüber ungerecht waren. Sie hatte gesagt, dass sie sie gerne bei sich im Rudel hätte. Eine Woge des Selbsthasses überkam sie.

"Verzeiht mir, ich habe nicht das Recht, so mit euch zu sprechen."

Sie senkte den Kopf und zeigte so ihre Untergebenheit. Wenn sie aufgrund dieser Frechheit gehen musste, sollte es wohl so sein.



Sayo verstand nichts von dem, was Acollon von sich gab, er legte den Kopf schief.

"Was ist denn los?"

Er beobachtete den Rüden, misstrauen lag in seinen Welpenaugen. Nicht Acollon gegenüber, sondern dem, was ihn beunruhigte.



Der schwarze Rüde schüttelte den Kopf als Sayo fragte was los sei. Acollon konnte nicht sagen was es war, doch Banshee hatte etwas aus der Ruhe gebracht und er verstand nur zu gut, etwas Unruhiges lag in der Luft.

"Ich kann es dir nicht genau sagen, aber keine Sorge, es ist nichts Schlimmes."

sagte Acollon nicht ganz überzeugend. Er lächelte seinem grauen Freund zu und verschwand mit einem kurzen Blick für Ayala im Gebüsch, seine Pfoten trugen ihn über den felsigen Waldboden. Ungewöhnlich ruhig waren die Vögel. Was war denn los? Der schwarze Rüde schlich schnell durch das Unterholz, er musste zu seiner Fähe. Er brach durch das Geäst und traf auf die beiden Fähen. Die Werwolfsfähe schien traurig zu sein. Und von hier viel Acollon auf, wie ausgemergelt war, selbst so wie er einst mal war. Ihr Fell war matt und ihre Augen waren die eines einsamen Wolfes.

"Banshee, ich habe die anderen gewarnt."

sagte der junge Rüde schnell und blieb stehen.



Banshee hörte der Werwölfin schweigend zu ihre Augen lagen auf dem geschwächten Leib der Fähe und waren fast traurig. Langsam schritt sie auf sie zu und berührte Varloc an der Schnauze.

"Du kennst Acollon nicht ... er ist ... anders. Was er erlebt hat kann ihm keiner nehmen, was meinst du, wie er mir vorkam, als er zu uns kam. Aber jetzt ... man muss ihn verstehen lernen, dann lernt man ihn lieben."

Bei ihren Worten lächelte sie leicht, fast verträumt. Dann wurde sie wieder ernster und der traurige Schimmer kehrte zurück.

"Du kennst bis jetzt nur ihn und mich, ich kenne dich nicht, weiß nicht, was du bist, doch deshalb werde ich dich niemals verstoßen oder verachten. Ich sehe dich an, wie etwas Unbekanntes, aber nicht wie etwas unbekannt Schreckliches, sondern wie etwas Unbekanntes, dass ich kennen lernen will."

Mittlerweile lächelte sie wieder, doch es war ein trauriges Lächeln. Als Acollon kam, nickte sie stumm und dankbar, dann wandte sie sich wieder an die Werwölfin.



Sie konnte die Worte der Alpha kaum glauben. Da war kein Hass, keine Verachtung. Dankbar sah sie Banshee an.

"Ich danke Euch für eure Worte. So hat bisher noch niemand zu mir gesprochen. Aufgrund dessen werde ich bleiben, ich hoffe, ich werde akzeptiert werden von Eurem Rudel."

Sie verneigte sich vor der Alpha, um noch einmal ihre Untergebenheit zu unterstreichen, hoffte auch, dass Acollon ihr nicht mehr lange misstrauen würde und auch, dass sie den anderen Mitgliedern des Rudels bald vorgestellt würde.



Die Dankbarkeit Varlocs machte Banshee glücklich und schien fast für kurze Zeit dieses beunruhigende Gefühl, das in der Luft lag zu verdrängen.

"Ich freue mich, dass du bleibst und bin sicher, dass dich hier viele so aufnehmen, wie ich es habe und werde. Wir sind zwar alle etwas seltsam, aber meist sehr nett."

Sie schmunzelte leicht, wurde dann aber wieder nervöser und legte den Kopf schräg.

"Bist du stark genug zur Höhle zu kommen? Etwas liegt in der Luft ..."



Ayala lauschte erstaunt den Worten Acollons, er schien aufgeregt und besorgt. Was war nur los? Sie hätte gerne gefragt, aber sie sah an seinem Blick, das dies nicht der richtige Augenblick dafür war, sie sollte die anderen so schnell wie möglich zurückbringen, die Zeit drängte. Sie sammelte sich und wandte sich an Sayo und Vilcene:

"... Ihr habt gehört, was Acollon gesagt hat. Ich vertraue ihm und führe euch jetzt also zurück zur Höhle. Macht euch keine Sorgen, es ist sicher nichts Schlimmes ... wir sollten uns trotzdem beeilen, Vilcene, kannst du schon wieder schnell genug laufen?"

Über die Hälfte ihrer Worte war sie sich selbst nicht sicher. Konnte sie Aco wirklich vertrauen? Sie verwarf diesen Gedanken schnell wieder, sicher sagte er ihr die Wahrheit, schon allein Ban zuliebe. Sorgen machte sie sich allerdings, obwohl sie die anderen beschwichtigt hatte, sie spürte an Acos Reaktion und ihrem Instinkt, dass etwas nicht stimmte.



Etwas erstaunt sah er die beiden Fähen abwechselnd an. Was war zwischen ihnen? Sie hatten offensichtlich ein Gespräch geführt. Acollon verengte die Augen und sah die Werwolfsfähe lange an. Sein Blick konnte man nicht definieren, nur sein leichtes Grollen war zu hören, doch es galt keinem Wolf, sondern dem, was da war.

"Banshee, du spürst es doch auch?! Was ist das?"

fragte er raunend und sah sich um. Doch dann wandte er sich der schwarzen Fähe zu.

"Ich hoffe, du kannst es noch bis zur Höhle schaffen, oder soll ich dir helfen?"

Doch er wartete gar nicht auf die Antwort der schwächlichen Fähe, er schritt zu ihr und stützte sie leicht.

"Banshee, lass uns hier verschwinden."



Banshee nickte und sah sich unbehaglich um, die Tatsache, dass sie nicht alleine mit ihrem unbestimmten Gefühl war, beruhigte sie, so wusste sie immerhin, dass sie sich nichts einbildete. Zufrieden beobachtete sie, wie Acollon Varloc half, wieder musste sie an die Worte der Fähe denken ... verstoßen würde sie niemals werden, solange sie bei ihnen blieb. Langsam lief Banshee ein paar Schritte voraus, am liebsten wäre sie losgestürzt, doch sie blieb ruhig und versuchte sich selbst unter Kontrolle zu bekommen.


Acollons Atem ging nun stoßweise, es war ganz nah. Er spürte etwas, was nicht normal war. Er wurde etwas unruhig und doch ließ er sich nichts anmerken. Die drei hatten die Höhle fast erreicht. Acollon ließ kurz von der schwarzen Fähe ab.

"Banshee, ich muss noch kurz zum See."

sagte der schwarze Rüde, er musste sich von dem Unheil das kommen mochte überzeugen.



Sayo sah zu Ayala und wartete, bis sich die kleine Gruppe in Bewegung setzte. Er lief die ersten Schritte in die Richtung der Höhle, doch er wartete auf den Rest. Ein besonderes Auge hatte er auf den kleinen Moon, den er mit allem, was in seiner Macht stand beschützen wollte.

"Kommt, wir sollten uns beeilen."

Er sorgte sich sehr um Banshee und Acollon, doch er wollte sie nicht in Gefahr bringen, in dem er etwas tat, was ihrem Wollen widersprach.



Moon verstand nicht, er spürte die Unruhe und die Unsicherheit der anderen - doch was war überhaupt los? Seine Augen suchten Dayon, war kam er mit? Hatte er die Worte Ayalas überhaupt vernommen? Moon seufzte, er wusste, sein Vater hatte sich große Mühe gegeben, sich um ihn zu kümmern, aber es war eben nichts mehr wie früher...bevor...nein, er verdrängte die Gedanken. Dann blickte er zu Sayo, der in den letzten Tagen sehr nett zu ihm gewesen war.
Während dem Laufen drückte er sich leicht an ihn, er mochte ihn und wollte irgendwie getröstet werden, warum, wusste er selbst nicht.



Das Rudel fand sich in der Höhle ein, nur Acollon, Banshee und Varloc waren noch nicht dort.

Banshee sah Acollon besorgt nach, wollte ihn zurück rufen, doch schon war er verschwunden. Widerwillig drehte sie sich um und stützte Varloc weiterhin, half ihr zur Höhle zu kommen. Am Eingang sah sie hinein und versuchte die Wölfe drinnen zu erkennen.

"Sind alle da?"

, fragte sie und trat dann langsam ein, noch immer Varloc stüzend.



Acollons Tatzen trommelten auf dem Boden und einige Dreckklumpen flogen an seinen Flanken hoch. Sein Atem wurde nun lauter und er keuchte leicht, sein Tempo wurde immer schneller.
Er wollte dieses Unheil kennen, er musste Banshee und zuletzt auch das Rudel beschützen, aber die Hauptsache war, dass es Banshee gut ging. Der See wurde deutlicher und er preschte darauf zu. Doch noch konnte er nichts erkennen. Aus Instinkt legte er die Ohren an und zog die Lefzen hoch, sein Grollen hallte in der seltsamen Stille wieder, die Vögel hatten diesen Ort verlassen, was kein gutes Zeichen war...

"Wer bist du?“

murmelte der Rüde leise.



Yakatavo suchte Ayala. Irgendwann fand er sie. Er kam ganz nah an sie heran. Der andere Wolf störte ihn jetzt nicht. Er musste ihr etwas Wichtiges sagen.

"Ich liebe dich!"

flüsterte er ihr ins Ohr.

"Aber ich denke, dass ich langsam weiter ziehen muss. Ich habe lange darüber nachgedacht, aber es hat keinen Sinn mehr."

sagte er traurig. Dann leckte er ihr über die Schnauze. Er wollte, dass sie wusste, wie viel sie ihm bedeutete. Dann lief er in den Wald. Lies ein langgezogenes Heulen los, das allen zeigen sollte, dass er wieder frei war.



Sayo war mit den anderen zur Rudelhöhle gelangt. Er zog Moon an sich und schleckte ihm über den Kopf. Ruhig beobachteten seine Augen das, was vor der Höhle geschah und in seinem Blickfeld lag. Er lauschte Yakatavos Worten, einen Rüden den er kaum kennen gelernt hatte und der nun vermutlich für immer aus seinem Leben verschwand. Solche Geschehnisse konnten einem zu denken geben, doch so war das Leben. Wäre vieles anders gelaufen, wären er und Yakatavo vielleicht gute Freunde geworden, wer wusste schon, was hätte alles sein können, wenn man eine gewisse Handlung nicht getan hätte. Nach dem das Heulen des anderen Rüden verklungen war, blickte er zu Ayala, erfüllt von Mitleid, denn es tat ihm stets weh, wenn andere litten.


Ayala senkte den Kopf, Tränen traten ihr in die Augen. Er würde sie verlassen? Von ihr gehen? Sie wollte sich erheben und ihm nachlaufen, ihn festhalten, nicht wieder gehen lassen - doch sie wusste, er wollte frei sein, alleine gehen. Auch die anderen würden sie nicht aus der Höhle lassen, das wusste sie. Sie hörte das Abschiedsheulen des geliebten Rüden, der einst ein Teil von ihr war und es auch immer bleiben würde. Sie spürte einen stechenden Schmerz, sie glaubte, ihr Herz würde zerrissen. Dann wollte auch sie ihre Stimme erheben, doch es kam nur ein kratziger Laut heraus. Sie versuchte es noch einmal - diesmal heulte sie ein trauriges, langgezogenes Lied, das ganz allein für ihn bestimmt war - Yakatavo, den sie liebte und nun ziehen lassen musste. Kaum hatte sie aufgehört, spürte sie, dass ihre Vorderläufe unter ihr nachgaben, sie brach zusammen. So schnell wie möglich versuchte sie sich wieder aufzurappeln, sie wusste, dass sie jetzt nicht auch noch dem Rudel zur last fallen durfte. Sie schleppte sich in eine Ecke der Höhle und legte sich hin - sie wollte alleine sein.


Acollon hörte das Heulen von Yakatavo und knurrte auf, er blieb stehen und sah in Richtung Höhle, die er aber doch nicht sehen konnte. Er verspürte einen großen Zorn in sich aufschwellen. Dieser Rüde verließ dieses Rudel einfach ohne weitere Gründe, er hatte eine Gefährtin, er hatte ein Zuhause, Acollon hätte alles für so ein Leben gegeben. Er hatte Banshee, und würde sie nie hergeben. Und dieser Rüde warf alles weg, verächtlich heulte er auf, sodass die letzte Botschaft zu dem ihm jetzt fremden Rüden drang:

“Ja verschwinde du nur, lass Ayala alleine. Verlass uns und verschwinde für immer. Kehre niemals hierher zurück, denn dann werde ich dir die Kehle zerreißen. Hau ab, und sehe selbst was du wegwirfst.“

Der Zorn in Acollon wurde immer stärker und er stellte die Nackenhaare auf, auch wenn es niemand sehen konnte. Sein lautes Heulen wurde ein lautes Grollen, das aber immer noch deutlich zu hören war, dann brach er ab. Er hatte den jungen Rüden, Yakatavo auf eine Art gemocht, nie hatte er viel mit ihm zu tun und doch verspürte, wo er jetzt ging eine Zorneswelle. Acollon kannte ihn nicht mehr, er war für den schwarzen Rüden gestorben...
Acollon schritt weiter zum See und sah in den Himmel.



Falk von Scharfenberg war nun seit Tagen durch die Wälder gestreift. Er hatte vergessen, wann ihm das letzte Mal ein Wolf begegnet war und wenn er ehrlich war, störte ihn das auch kaum.
Geduckt schlich er unter einem sehr tief hängenden Ast hindurch und nahm Witterung auf. Eine sanfte Brise hatte ihm einen feinen Geruch zugetragen, den Geruch eines Wolfes.
.oO(Ich war unvorsichtig, so unvorsichtig und dumm. Die fortwährende Einsamkeit hat meine Sinne ermüden lassen. Wie kann ein Wolf wie ich nur so dumm sein... Ich hätte es besser wissen müssen.)
Falk tadelte sich für den Fehler, der ihm unterlaufen war - ein Fehler, den er bereuen könnte. So ungünstig wie der Wind stand, hatte der fremde Wolf längst seinen Geruch wahrnehmen müssen. Rasch blickte Falk sich um, suchte nach Fluchtmöglichkeiten für den Fall, dass er dem fremden Wolf im Kampf wider Erwarten unterlegen sein würde.
Seine Muskeln spannten sich unter dem seidigen Fell an. Falk fletschte die Zähne, seiner Kehle entfuhr ein tiefes Grollen. Er registrierte, wie sein rechtes Ohr anfing zu zucken. Gespannt erwartete er den fremden Wolf.



Ohne zum Rudel zurückzukehren hatte sie das Revier durchstreift, altbekannte und auch Fremde Orte gesehen, und nebenbei Lagoon abgehängt. Doch die Zeit, Banshee wieder zu sehen, schien gekommen. Lange genug hatte sie ihrer Schwester das Rudel alleine überlassen. Es war Zeit für die Rückkehr des Höllenfeuers, und mit fliegenden Sprüngen bewegte sich die nachtschwarze Fähe zwischen den Bäumen entlang. Ein Heulen erklang in ihren Ohren, zwei weitere folgten...eines voll von Trauer, dass andere triefend von Verachtung...und ohne große Mühe konnte sie sich aus den beiden letzteren die Bedeutung des Erstens zusammen puzzlen. Yakatavo war nun doch gegangen ...
Schließlich erreichte sie den See, doch nicht nur Acollon stand am Ufer, ein ganzes Stück weit entfernt vom schwarzen Teufel entdeckte sie einen weiteren Schatten, und auf leisen Pfoten trat sie zu dem Unbekannten hin, bis sie neben ihm stand.

"Seid gegrüßt, Fremder, im Revier des Sternenwinde Rudels."

sprach sie, nicht ohne Stolz in ihrer Stimme, und dennoch von einem freundlichen Lächeln begleitet.



Acollon erkannte Nyota, das Fegefeuer. Doch in Acollon brannte noch der Zorn, der verachtenswerte Rüde Yakatavo war nun für immer verschwunden, und er sollte auch für immer weg bleiben.
Der schwarze Teufel drehte sich zur Seite und erkannte eine andere, ihm gänzlich unbekannte Gestalt, ein fremder Wolf. Genervt hob er eine Braue.

"Du bist wieder zurück.“

sagte Acollon als Begrüßung für die schwarze Alpha. Doch sein zornverblendeter Blick glitt wieder zum See.

"Banshee und die anderen sind in Sicherheit"

sagte er leise und blickte auf den zu ruhigen See.



Banshee wurde ein neuer Geruch zugetragen, nicht nur ihre Schwester war zurück gekehrt, sondern auch ein fremder Wolf weilte in ihrem Revier. Das Gefühl der bestehenden Drohung verstärkte sich, sie wurde gehetzt und nervös.

"Ayala? Behalte alle im Auge, niemand soll die Höhle verlassen!"

Mit schnellen Spürungen jagte sie aus der Höhle und zum Seeufer, Da standen sie, ein fremder Rüde, Acollon und Nyota.

"Kommt mit, schnell, ich bitte euch! Seid mir willkommen Fremder, folgt mir!"

Sie drehte schon wieder ab, das drohende Gefühl war so stark, dass sie sich fühlte, als würde sie erdrückt werden.



Falk hielt inne. In seinem Kopf hatten sich tausende verschiedene Möglichkeiten einer Reaktion des fremden Wolfes abgespielt, aber damit hatte er nicht gerechnet. Plötzlich waren mehrere Wölfe aufgetaucht und Falk spürte die Nähe von weiteren Wölfen. Er erkannte, wie sinnlos ein Angriff war, nicht nur, dass er sich selbst gefährden würde, nein - diese Wölfe waren ihm sogar freundlich gesonnen...?
.oO(Und letztlich muss doch jeder irgendwo hingehören. Das hätte jetzt auch verdammt schiefgehen können und ich wäre nur noch ein Häufchen Steaks - und irgendetwas bereitet ihnen Sorgen. Sollte es mir auch Sorge bereiten und wieso spüre ich davon nichts?)
Falk sog scharf die Luft ein. Die überraschende Situation und die Unruhe der weißen Fähe ließen sein Ohr stärker zucken. Vermutlich hielten ihn längst alle für einen Schwächling. Er traf eine Entscheidung. Die schwarze Fähe wirkte respekteinflößend, war vermutlich ein ranghohes Tier, vielleicht sogar Alpha...

"Seid mir ebenfalls gegrüßt, Wölfe des Sternenwinde-Rudels. Gerne möchte ich mich euch anschließen."


Er entspannte sich. Wenn auch kaum merklich. Die gesamte Situation beunruhigte ihn. Kein Wolf lud einen Fremdling so einfach ein mitzukommen. Entweder diese Wölfe waren schlicht doof oder das Ganze war ein abgekartetes Spiel oder...
.oO(Nein. Sie scheinen es tatsächlich ernst zu meinen.)
In sicherem Abstand folgte er der weißen Fähe.

Acollon sah den Fremden an, wie er Banshee hinterher lief, der schwarze Rüde knurrte auf:

"Fremder lass ja deine Pfoten von meiner Gefährten."

Er stellte sich Angriffsposition. Und wollte sich auf den Fremden stürzen, doch ließ es bleiben. Noch hatte er nichts getan, was Unrecht wäre, aber sobald er es tun würde, musste er sein Leben lassen. Acollon ging den beiden nach, seine Augen waren auch den fremden Rüden geheftet.

"Banshee, ich werde wieder zum See zurückkehren, pass auf dich auf, sollte dieser Fremde …" er nickte abfällig zu dem Rüden."… dich anrühren, wird er es bereuen!"

Mit diesen Worten verschwand er wieder.



Falk spürte die angespannte Aggressivität des schwarzen Rüden und rollte mit den Augen. Wen wollte er mit seinem Verhalten eigentlich beeindrucken? Ihn, Falk, ließ seine Drohung jedenfalls völlig kalt - er stieß ein verächtliches

"Schwächling!"

zwischen den Zähnen hervor und holte die weiße Fähe ein. Er hatte bereits eingeschätzt, wie ihm der schwarze Rüde in einem Kampf begegnen würde und war zu dem Resultat gekommen, dass er, Falk, auf jeden Fall überlegen sein würde.
Jetzt jedoch beschäftigte ihn die Unruhe der weißen Fähe, ihre kaum zu verbergende Aufregung...

"Darf ich mir das Recht nehmen, zu fragen, was Euch bedrückt?"

.oO(Man könnte auch sagen: Was in aller Hölle ist hier eigentlich los??)
dachte Falk bei sich. Und wie um sich selbst zu beruhigen fügte er hinzu:

"Man nennt mich übrigens Falk, Falk von Scharfenberg."



Banshee rannte so schnell sie konnte, der fremde Rüde holte sie ein, stellte sich als Falk vor. Banshee nickte nur, seine Frage war berechtigt, doch nun war keine Zeit für Erklärungen, etwas war da und bedrohte sie alle. Als sie endlich die Höhle erreichten stupste sie Falk mehr oder weniger hinein und wartete, bis auch Nyota drinnen war, erst dann schlüpfte sie selbst hinein und konnte alles erklären. Es war seltsam einen fremden Wolf einfach in die Höhle zu lassen, doch sie spürte, dass etwas Lebensbedrohliches da war und dann würde sie jedem Wolf helfen. Etwas außer Atem versuchte sie zu erklären.

"Etwas bedroht uns alle, ich weiß nicht, was, aber es ist da und ich kann nichts dagegen tun."

Noch immer wirkte sie gehetzt und verschreckt, sie suchte mit den Augen nach Acollon, doch sie fand ihn nicht. Mit einem Satz war sie wieder auf den Pfoten.

"Wo ist Acollon?"



Acollon lachte höhnisch über die letzten Worte des Fremden, wahrscheinlich hatte er Acollon schon abgeschätzt und für schwach abgestempelt, aber das die meisten gewöhnlichen Wölfe. Sie sahen nur seinen Körperbau und wollte ihn beurteilen können, doch wer würde auch ahnen, dass hinter dieser kläglichen Gestalt der Tod stecken würde? Der schwarze Rüde wischte den Fremden mit einer Pfotenbewegung beiseite und konzentrierte sich wieder auf sein Vorhaben.

"Also, wer oder was bist du?"

rief Acollon, sodass seine Worte über den See hallten. Diese Stille gefiel selbst dem Tod nicht.

Tyraleen
23.12.2009, 14:57

Falk hatte bereits einen abfälligen Spruch, der gegen den schwarzen Rüden - Acollon? - gerichtet war auf den Lippen, verkniff sich diesen aber. Die Situation war einfach dem nicht angemessen. Immer wieder qualmten Zweifel in ihm auf, hinzu kam außerdem noch, dass diese weiße Fähe offenbar eine gewisse Autorität hatte.
.oO(Wie ich sie auch einst besaß, doch das ist Vergangenheit...)
Über die Bedrohung nachdenkend musterte Falk aus den Winkeln seiner nachtschwarzen Augen das Rudel. Eine merkwürdige Konstellation, befand er. Einige Wölfe hatten eine merkwürdige Ausstrahlung, die Falks Zweifel nur nährten.
.oO(Mein Gott, es war ein Fehler hierher zukommen!)
Das Gerede über die Bedrohung löste in Falk eine dunkle Ahnung aus, die sich in seinem Kopf festsetzte. Mit fester Stimme sagte Falk:

"Wenn wir nun davon ausgehen, dass es sich bei der Bedrohung um keine fixe Idee, ein Hirngespinst handelt und sie tatsächlich ernstzunehmen ist, so sollten wir Acollon beistehen. Es kann nicht der Sinn eines Rudels sein ein Mitglied, dass zwar leichtsinnig handelt, aber immer noch Mitglied unseres Rudels ist so einfach ins Verderben rennen zu lassen."

Falk überlegte, dass ihm die Einsamkeit tatsächlich nicht gut getan hatte. Nicht nur, dass er den fremden Wolf verteidigte, er redete sogar schon von "unserem Rudel"... Wie nebenbei ließ er sich auf dem steinigen Boden nieder.



In ihrer Angst und Verzweiflung entfuhr Banshee ein wütendes Knurren in Richtung Falks.

"Wo ist er???"

Ihre Stimme war hysterisch, noch nie zuvor, war sie so außer sich. Doch bevor sie weiter reden konnte, schnappte sie erschrocken nach Luft.


Ein Grollen erklang. Es folgte ein zweites, lauter noch. Dann begann die Erde unter den Pfoten der Wölfe lebendig zu werden. Ein Zittern durchlief sie, ein weiteres Grollen erklang. Mit einem Herzschlag riss es die Wölfe von den Pfoten, die Höhle zitterte gefährlich, wieder grollte es. Dann ging es los. Wild wütete die Erde hin und her wurden die Wölfe geworfen, hilflos in den Fängen der Natur. Panisch versuchten sie aus der Höhle zu entkommen.
Am See entstand eine riesige Flutwelle, direkt raste sie auf Acollon zu, hilflos wurde er mitgerissen, auf den Wald zu.



Erst war es ein heftiges Beben, dann ein zweites, das Wasser erhob sich empor, und kam auf Acollon zu. Der schwarze Rüde riss die Augen auf und legte die Ohren an, die Welle flutete direkt auf ihn zu. Rasant lief er los, zurück in den Wald, doch die Welle erfasste ihn und zog ihn in ihre Fänge. Acollon fand sie im inneren der Welle wieder, er bekam keine Luft und das Wasser drückte auf ihn ein. Doch als das Wasser ihn wieder ausspuckte prallte er an einen Baum. Blut tropfte ihm die Schläfe herunter und ließ schnell eine Blutlache entstehen. Der schwarze Rüde versuchte auf zu stehen, doch der Schmerz zog ihn zu einem Heulen. Mehr aus Wut als aus Schmerz. Die Erde bebete heftig und Acollon konnte sich nicht auf seinen Pfoten halten. Er flog zu Erde als er versuchte zur Höhle zu laufen.
.oO(Banshee …) dachte er hektisch. .oO(… sie ist in Gefahr.) Acollon preschte los, doch seine Pfoten konnten ihn nicht tragen, er wurde näher den See geschleudert.

“Banshee!“

heulte Acollon laut auf. Sie war in Gefahr, er musste zu ihr. Das Blut verklebte mit Erde und Dreck in seinem Fell. Die Schmerzen wurden immer größer, ihm drohte schwarz vor Augen zu werden, sein Augenlicht flimmerte und er nahm nur noch schwer wahr.

“Banshee!“

heulte erneut und verzweifelt auf, sie musste leben.



Es kam alles so plötzlich, viel zu plötzlich. Eben noch wollte Falk auf das zornige Knurren der weißen Fähe reagieren, als die Erde unter seinen Pfoten zu beben begann. Falk kam ins Straucheln, konnte den Stoß gerade noch abfedern, als die Erde sich wieder hob.
.oO(Raus hier, nur raus!)
Um den Eingang der Höhle entstand plötzlich ein reger Verkehr, Wolfsleiber prallten gegen ihn. Falk rannte wie ihn seine Pfoten trugen. Felsen polterten auf ihn zu. Von einer plötzlichen Ahnung gepackt, fuhr er herum und sah sie, die riesige Welle und den schwarzen Körper Acollons, hilflos auf der Welle tanzend. Dann wurde er selbst, Falk, von etwas Großem, Schwerem getroffen und knickte ein. Seine Sinne schwanden ihm.



Varloc hatte sich, nachdem Banshee sie stützend in die Höhle geführt hatte erschöpft fallen lassen. Nur halb hatte sie wahrgenommen, was um sie herum geschehen war, doch als die Erde bebte wurde sie schlagartig wieder richtig wach, ihre Lebensgeister und auch ihre Kraft kehrten zurück. Sie hörte einen fremden Rüden schreien, sah, wie er nicht aus der Höhle kam. Auch Acollon schien hilflos zu sein. Der schwarze Rüde war ihr alles andere als sympathisch, dennoch würde sie ihn nicht einfach seinem Schicksal überlassen wenn sie etwas tun konnte. Unwillkürlich nahm sie Werwolfsgestalt an, ihr riesiger Körper schien kaum angreifbar zu sein. Sie sah, wie der Fremde von den Läufen gefällt wurde, packte ihn und schleuderte ihn nach draußen. Acollon konnte sie nicht mehr sehen, es war auch zu spät, sie musste die Höhle verlassen, wollte sie nicht selbst sterben. Sie hoffte trotz allem, dass der schwarze Tod es noch geschafft hatte und verließ mit einem gewaltigen Sprung die Höhle.
Nygero hatte den letzten Rest des Geschehens geschwiegen und hatte zugesehen. Hektisch wurden sie in die Höhle gedrängt und jetzt sollte es wieder raus gehen. Die Erde bebte heftig und die Steine flogen ihnen um die Ohren. Die seltsame schwarze Fähe hatte einen kläglichen Körper bekommen und stieß den ebenfalls fremden Rüden aus der Höhle. Sie war eine Werwölfin, das erkannte Nygero. Aber warum raus, in der hintersten Ecke der Höhle war der Stichpunkt und dort würde nichts zusammenbrechen können. Doch gegen den Lärm kam er nicht an. Doch zuvor hatte er das Heulen des schwarzen Teufels gehört, er schrie nach seiner Fähe. Ohne darauf zu achten, wie sehr es der Fähe wohl wehtat, packte der weiße und starke Rüde die Fähe am Nacken und sprang hinaus. Sein Körper prallte gegen einen Felsen und schützte somit den Körper Banshees. Ihm wurde schwarz vor Augen und spuckte Blut. Sein Herzschlag wurde leichter und er schloss die Augen. Er durfte jetzt nicht sterben, er musste gegen den schwarzen Teufel kämpfen.
Doch er schloss die Augen, alles wurde ihm schwer ...



Banshee hörte Acollons schrei und wollte ihm antworten, wollte zu ihm, doch alles war schwarz, sie wurde hin und her geschleudert, konnte sich nicht halten und spürte nur die schreckliche Angst um Acollon und ihr Rudel. Plötzlich wurde sie gepackt, sie sah das weiße Fell Nygeros und spürte, wie sie nach draußen gebracht wurde. Plötzlich ließ der Griff nach, Nygero brach zusammen. Panisch wollte Banshee nach ihm schauen, doch die Erde bebte weiter und riss sie erneut von den Pfoten. Hilflos wurde sie gegen einen Baum geschleudert, spürte, wie ihr Blut über die Schnauze lief und hatte doch kein Gespür mehr. Acollon Wo war er? Ging es ihm gut? Hilflos heulte sie auf. Wo war Nyota? Ihre Schwester war schon immer stärker als sie gewesen ...

Die Flutwelle packte Acollon erneut, jetzt wurde er weg von dem Rudel getragen, tiefer in den Wald, das Beben wütete noch immer, doch die Welle wurde schwächer. Acollon fiel, prallte hart auf dem Boden auf.


Als der schwarze Rüde erneut aufprallte spuckte er eine Menge Blut. Sein Körper wurde schwächer. Acollon ließ seinen Kopf auf den Boden fallen und blieb regungslos liegen. Banshee rief nach ihm, und er konnte nicht zu ihr. Sein Leben war hier zu Ende. Er war zu schwach gewesen um seine Fähe zu beschützen. Er merkte nicht nur wie seine Seele schwandt sondern auch die von Nygero. Banshees Kraft schien nicht mehr stark gegen die Naturgewalten zu kämpfen. Acollon schloss die Augen, er war so unendlich müde und schwach, es wäre viel einfacher gewesen, wenn er liegen geblieben wäre, doch er konnte Banshee nicht alleine lassen. Er musste sie beschützen. Er erhob sich wackelig, behielt doch die Augen geschlossen. Seine Schnauze öffnete sich langsam und er ließ ein lautes und gewaltiges Heulen hören. Es musste im ganzen Revier sehr laut erscheinen. Acollon, der Sohn Fenris´ würde nicht bei einem Krieg der Gewalten der Natur sterben können. Doch wessen Kampf was dieser? Er lief los, spürte die Schmerzen unter seinem eigenen Gewicht nicht mehr. Aus seiner Schnauze sickerte das Blut und spritzte beim Laufen an die Bäume und auf den Boden.
Seine Kraft schwand dahin, doch er wollte Banshee beschützen, er musste für sie da sein, sie rief nach ihm.
Die Erde bebte weiterhin und schleuderte den Rüden hin und her. Noch einen Angriff des Wassers würde er nicht überleben, das wusste er. Sein Tempo war nicht mehr rasant, doch immer noch sehr hoch.

“Banshee!“

rief Acollon aus letzter Kraft und lief in die Richtung der Höhle. Sie durfte nicht sterben.



Varloc sah die anderen Wölfe vor der Höhle, spürte das Beben, das die anderen Wölfe so mühelos umherschleuderte. Nur das immense Gewicht ihres Werwolfkörpers und ihre Immense Kraft ließen sie ihm besser trotzen. Sie sah, wie Banshee gegen einen Baum geschleudert wurde, sie blutete. Sie sah, wie Acollon auf das Rudel zulief. Er schien sehr schwach zu sein. Was sollte sie tun? Banshee würde es nicht mehr lange durchhalten, das war offensichtlich. Sie war nicht mal sicher, ob die weiße Alpha es schaffen würde bis Acollon sie erreichte. Sie musste Banshee helfen, der einzigen, die jemals ein freundliches Wort für sie gehabt hatte. Sie richtete sich zu ihrer vollen Körpergröße auf, war mit einem Sprung bei Banshee und riss sie aus der Gefahrenzone.

"Dort hinten kommt Acollon, es scheint ihm nicht gut zu gehen und auch du blutest stark. Wir müssen hier weg!"

Eindringlich waren ihre Worte. Halb trug sie Banshee in Acollons Richtung. Sie spürte, wie die Kraft aus der Alpha wich. Das Beben musste aufhören und das sofort! Und dann brauchten sie jemanden der heilen konnte!



Acollon sah einen mächtigen Körper, der dem Beben trotzte, die Werwolfs Fähe Varloc kam auf ihn zu, in ihrer Pranke trug sie Banshee, doch noch zierlicher wirkte. Aus ihr schien das Leben zu weichen. Die Sinne des schwarzen Rüden vernebelten sich, er blieb kurz stehen. Dann durchfuhr ihn ein Ruck. Jeder der in der Nähe Banshees war, war eine Gefahr. Acollon richtete sich auf, hässlich zog er seine Lefzen hoch, bis man sein blutendes Zahnfleisch sah, woraus die weißen, scharfen und merkwürdig länglich wirkenden Zähne stachen. Er verengte die Augen und preschte auf die Werwolfs Fähe zu, rammte sie. Verbiss sich in deren Nackenfell und riss daran herum. Sein Verstand war geblendet. Er musste töten, er musste sie alle töten, oder sie würden Banshee töten.

Genau Acollon. Sie sind alle deine Feinde! Töte sie, oder sie werden Banshee töten!

Fenris´ Stimme hallte in seinem Kopf wieder und erst begriff er, dass er in fremder Pfote war. Sofort ließ er von der schwarzen Fähe, Varloc, ab. Er keuchte mit offener Schnauze, sein Brustkorb hob und senkte sich.

"Banshee."

sagte er leise.

"Varloc, verzeih!"

keuchte er.



Ayala war immer noch in Gedanken gewesen, als die Erde plötzlich erzitterte. Sie war immeer noch wackelig auf den Beinen, als sie so schnell wie nur möglich aufsprang. Jeder rannte gehetzt aus der Höhle, die wie eine Falle war. Ayala nahm um sich herum nichts mehr wahr, sie rannte einfach nur, stolperte weiter, wurde gegen mehrere Erdbrocken und Bäume geschleudert. Sie bemerkte das Blut, das an ihrem weißen Fell hinunter rann, nicht, sie rannte einfach weiter, immer weiter ...
Sie war in ihrer eigenen Welt, bekam nichts mit von Acollons verzweifelten Schreien und den anderen, zu sehr war sie immer noch in sich selbst gefangen vor Schmerz und Trauer um Yak, der ihr Hoffnung auf die Familie, die sie einst verloren hatte, gegeben hatte. Es war zuviel auf einmal für sie gewesen, sie wusste nicht, wie ihr geschah. Ihre Kräfte schwanden immer mehr und als ein schlammiger Steinregen auf sie niederging, spürte sie nichts mehr, um sie herum war alles schwarz.



Banshee spürte, wie kräftige Arme sie packten und hoch hoben. Noch immer bebte die Erde doch hier oben war wenig zu spüren, sie fühlte sich geborgen, wusste nicht, wo sie war und hoffte nur lange liegen zu dürfen. Dann hörte sie eine Stimme, sie klang wie ... die Werwölfin, Varloc. War sie es? Trug sie Banshee? Sie hatte keie Kraft darüber nach zu denken, nur Acollon hörte sie heraus. War er da? Da wurde sie plötzlich fallen gelassen, wütendes Knurren erklang, was geschah? SIe war zu schwach, um die Augen zu öffnen oder etwas zu sagen, nur ein klägliches Wimmern drang aus ihrer Schnauze. Wieder durchfuhr die Erde ein Beben, erneut wurde sie hochgerissen. Als sie auf dem Boden aufprallte war alles schwarz.


Acollon heulte auf und beugte sich über Banshee und stupste sie an. Entkräftet war er selbst, dem Tode nahe schien er, doch die Sorge um Banshee ließ ihn leben. Das erste Mal in seinem Leben liefen ihm Tränen hinab zur Schnauze und benetzten Banshees Fell.

"Banshee, hörst du mich? Bleib bei mir."

sagte Acollon flehend. Er spürte wie das Leben aus ihm gesogen wurde. Wie seine Pfoten unter seinem Gewicht drohten zu brechen. Das Blut sickerte nun auch aus seinen Ohren und aus allen Wunden. Hier würde sein Ende sein müssen, doch Banshee musste leben.

"Banshee, bleib wach! Du kannst mich jetzt nicht alleine lassen, nicht wo du mich soweit gebracht hast."

flüsterte er hektisch seiner Fähe zu. Er keuchte auf und drehte sich zur Seite, wieder kotzte er eine Menge Blut.
.oO(Ich verblute wohl innerlich, wie es sich anfühlt.)
dachte er und wandte sich wieder seiner Fähe zu.



Banshee hörte leise Worte, doch sie klangen so fern und fremd, dass sie sie nicht verstehen konnte. Sie spürte Wärme, die sich über sie senkte, das Beben schien zu verschwinden ... nahm sie es nicht mehr wahr, oder verschwand es wirklich? Die schwärze hüllte sie ein ...

Langsam verebbte das Beben, grausame Stille kehrte ein, die Rudelmitglieder lagen verstreut herum, Ayala hatte es nicht geschafft aus der Höhle zu entkommen, Acollon und Banshee lagen halb tot, oder waren sie tot? neben einander, nur Varloc konnte alles sehen. Grausame Bilder boten sich ihr ...


Acollon war zusammen gebrochen. Sein Leben war vorbei. Der letzte Lebenshauch verschwand aus seinem Körper. Wirklich nur ein leises Atmen zeigte das sein Körper versuchte weiter zu leben.
Blut benetzte nun den ganzen Boden und zog sich in Banshees Fell auf. Acollons Schnauze stand offen und nur Blut sickerte hervor. Kein Empfinden mehr, kein Leben mehr, doch ganz Tod war er noch nicht. Er hatte fast die Grenze des Sterbens erreicht. So sah also das Höllentor aus... Banshee.

"Banshee."

Formten seine Lefzen sein letztes Wort...



Varloc stand nun aufrecht, nach dem der Bisswunde, die Acollon ihr zugefügt hatte blutete auch sie. Sie sah Banshee und Acollon und all die anderen Mitglieder des Rudels, die alle mehr oder weniger verletzt waren. Ayalas Fehlen fiel ihr erst nicht auf, sie hatte ja nie ein Wort mit ihr gewechselt. Dann merkte sie aber doch, dass jemand fehlte. Das Bild, welches sich ihr bot war grausam. Sie hatte noch keine emotionalen Bindungen knüpfen können, nur Banshee und Acollon hatten überhaupt mit ihr gesprochen. Nun lagen sie beide wie tot beieinander. Varloc ließ sich fallen und senkte ihre Schnauze an Acollons Ohr.

"Ich verzeihe dir."

Sie hoffte, dass beide nicht sterben würden. Was sollte sie nur tun? In ihrer Verzweiflung betete sie zu ihrem eigenen Gott, Laves, dem Gott, den die Vargen verachtet hatten.

"Laves, ich flehe dich an, rette sie alle, sie haben nichts getan."

Inbrünstig betete sie, bis sie selbst vor Erschöpfung zusammenbrach.



Als die Beben begannen, hatte man die Hälfte des Rudels vergessen und in der ganzen Aufregung war ein Fehlen wohl noch gar nicht aufgefallen. Sayo war der Situation in keinster Weise gewachsen gewesen, er hatte weglaufen wollen und nicht einmal die Kraft gehabt, aufzustehen. Er sah auf den Welpen zwischen seinen Pfoten und wusste, dass sie beide sterben würden, wenn er jetzt nicht handelte. Er nahm ihn im Nackenfell und trug ihn nach draußen, unsanft, denn noch nie hatte er einen Welpen getragen. Vor der Höhle, wo sie nicht mehr von Felsen erschlagen werden konnten, sah Sayo wie Acollon sich in dem Nackenfell einer riesigen schwarzen Bestie verbiss, für den Geist, der ohnehin völlig überfordert war, gab es nur die Flucht. Kamui bewegte sich noch etwas weiter von der Höhle weg, den Welpen nicht loslassend. Doch er spürte, wie ihn die Kraft verließ, die er sich aufgespart hatte, für denn Fall, das er schnell eingreifen musste. Sayo sah sich gezwungen erneut den Körper zu übernehmen. Er ließ den Welpen los, waren sie nun in Sicherheit? Um das herauszufinden, musste er in Acollons Richtung sehen und er fürchtete sich, er begann am ganzen Körper zu zittern. Er erhob sich dennoch und seine Augen tasteten sich über Varloc, Banshee und Acollon, ehe er überhaupt genau sehen konnte, was geschehen war, drehte sich der Kopf des Rüden wieder in die andere Richtung, ohne das er es gewollt hatte. Er spürte Kälte und Hass, spürte das Kaya übernehmen würde und wollte es nicht zulassen. Ein innerer Kampf entstand, den Sayo in wenigen Sekunden verlor. Mit einem Knurren richtete sich der ohnehin schon stehende Rüde zur vollen Größe auf. Er hatte keine Lust den Körper zu haben, er hasste Kamui fast für seine Schwäche, was auch immer mit dem dritten Geist los war. Nun war es an ihm den widerwärtigen Geruch von Blut zu riechen, es zu sehen, die Farbe die er hasste, blutrot. Er hasste und verfluchte alles um sich herum, was hatten diese verdammten Beben für eine Bedeutung, was war hier los, zur Hölle. Er trat auf seinen Zweitliebling des Rudels zu, Acollon, der soeben zusammen gebrochen war. Schutzlos war er ihm nun ausgeliefert, eigentlich. Genervt von Sayo, der im Hintergrund randalierte, ließ er diesem seinen Willen, ließ ihn sehen was ihm schon immer panische Angst machte, es war das, was Kaya hasste. Weiter lief er auf den schwarzen Rüden zu, auf ihn und seine Gefährtin. Sayo vermochte kaum noch, den Körper Chyrans zu bewegen, je näher er dem Blut kam, desto schwächer wurde er. Er schwankte, konnte sich nur noch knapp auf den Pfoten halten.

"Acollon, Banshee!!"

Wisperte er, aus Angst, nicht mehr lange weiter gehen zu können. Doch etwas schien ihm Kraft zu geben, der Körper bewegte sich ohne sein tun und so musste er nur noch dagegen ankämfen, vor dem Blut zu fliehen und sich ein für alle mal in das tiefe Unterbewusstsein von Chyrans Körper zurückzuziehen.

"Bitte, bitte, ihr dürft mich nicht alleine lassen, ich flehe euch an!"

Die Worte eines Welpen, es war als hätte er sie schon einmal gehört, vor sehr langer Zeit. Es musste die gleiche Stimme gewesen sein, doch wen flehte sie an?
Kraftlos ließ er sich neben Acollon und Banshee niedersinken, was hätte er nicht alles gegeben, wenn er diese beiden Wölfe hätte ins Leben zurückrufen können. Und in der Tat begann er nach ihnen zu rufen, immer und immer wieder wiederholte er ihre Namen, verzeifelt. Die Stimme zitterte, wirkte kraftlos, doch er hörte nicht auf, die beiden Namen zu wiederholen.

"Acollon, Banshee!"



Es war warm, warmes Wasser und ein weicher Wild umspielte das saubere und glänzende Fell von Acollon. In der Ferne hörte man Möwen schreien. Die Pfoten des Rüden streiften den Sand.

"So musste es also enden?"

fragte er laut. Er schwebte leicht dahin und öffnete die Augen. Er war am Strand. An der Ozeanküste wo er geboren wurden war. Dieser Tag war herrlich warm und wunder schön.

Ja Acollon, es würde hier enden müssen...

Acollon drehte sich schnell um, hinter ihm stand ein mächtiger schwarzer und riesiger Wolf, es war Fenris. Sein Nackenfell war sehr lang und geflochten schleifte es auf dem Boden. Die Augen waren weiß- blau. Die Zähne waren lang, sehr lang und hingen ein Stück aus der Schnauze heraus.
Der Todesgott stand nun vor ihm, Acollon traf seinen Vater.

"Vater... Fenris"

wisperte Acollon leise und starrte den Wolf an, er schwebte ebenfalls, doch schien um ihn die Luft still zu sein, und über ihm flogen keine Möwen. Ja, selbst die Luft musste in seiner Gegenwart sterben.

Du bist auf dem Weg zum Hades. Du wirst sterben...

sagte Fenris leise. Seine Stimme klang seltsam klar und weich. So sanft und leicht.
Acollon blieb regungslos liegen.



Vor seinen Augen tanzten Spiralen, rot, gold, rot, dann begannen sie sich immer schneller zu drehen und wurden heller, wurden dunkler, wurden heller, lösten sich auf, schoben sich zackig ineinander und zerfielen. Falk sah eine magere, sandfarbene Gestalt.

"Leah..."

Die magere Gestalt blickte ihn aus hellen bernsteinfarbenen Augen an. So traurig, so traurig. Da waren Wölfe, andere Wölfe. Falks Blick ging panisch, er sah Zähne, weiße, scharfe Zähne, die sich in den Hals gruben, von dem das Fell schlaff herabhing. So viel Blut, so viel Blut... Noch einmal kreuzte sich sein Blick mit dem seiner geliebten Fähe - dann erstarb er.

"Leah, was ist die Lösung?"

Er hörte sein langgezogenes Aufheulen, er roch Blut, er roch den To-
HALT!
Das war nicht er, Falk, der da aufgeheult hatte. Er spürte den harten, felsigen Boden. Alles tat ihm weh. Mühsam versuchte er sich aufzurichten, es fiel ihm schwer.

"Acollon, Banshee!"

Da rief jemand. Aber nicht ihn. Wer war Banshee? Die weiße Fähe? Falk richtete sich jetzt zu voller Größe auf und erblickte einen fremden Rüden, der neben der weißen Fähe - Banshee? - lag und eine Werwolfsfähe.
Plötzlich fiel ihm alles wieder ein. Das Beben. Die Welle. Acollons hilfloser Körper.
Falk bemühte sich um Würde. Mit zuckendem Ohr und tastenden Schritten bewegte er sich auf den klagenden Rüden zu. Das Beta-Gefühl erwachte in ihm.

"Scht, still und hör gut zu. Wir sind hier nicht sicher. Die Erde kann jederzeit wieder anfangen zu wüten - sie müssen hier weg. Auf eine Wiese, wo es keine Felsen und Bäume gibt. Hörst du?"

Es war so unheimlich still. War das nun die Ruhe vor oder nach dem Sturm?
In sicherem Abstand zu den verletzten Wölfen blieb Falk stehen und zögerte. Eine diffuse Aura umgab die Gruppe, eine diffuse Aura, aus der Falk etwas Negatives herausfühlen konnte. Er kannte das Gefühl. Er hatte es schon vorher gespürt. Allerdings war Falk nicht fähig, dem Gefühl einen Namen zu geben und es einer Person zuzuordnen.
Irritiert machte er noch einen Schritt auf die Gruppe zu. Erst jetzt schmeckte er das warme Blut, das seine Schnauze herunterlief und sein Fell verklebte.



Banshee hörte leise Stimmen. Warm und ängstlich wurde ihr Name gerufen. Sie spürte ihre Schmerzen und wusste, dass sie kurz vor dem Tod gestanden war, doch diese welpische Stimme holte sie zurück. Wer war das? Wer brauchte ihre Hilfe? Sayo! Sie schlug die Augen auf und sah genau zu Sayo, ein leises Lächeln huschte über ihr Gesicht, doch dann glitten ihre Augen weiter. Acollon lag neben ihr, die AUgen fest geschlossen, blutrot war ihr Fell.

"Nein ..."

Sie hob ruckartig den Kopf. Ihre Läufe begannen zu zittern, ihr Blick war starr.



Dayon war stumm mit den anderen mit gerannt. Als das Beben gekommen war, hatte er sich aus der Höhle geschleppt, stumpf die Katastrophe beobachtet. Moon ging es gut, darauf kam es an. Der kleine lag zwischen seinen Pfoten, weder ihm noch ihm selbst war etwas passiert. Der weißen Alphafähe schien es nicht gut zu gehen und ihrem schwarzen Teufel auch nicht. Dayon erhob sich langsam und tappte zu ihnen. Stumpf wurden sie gemustert, sie waren gut zu ihm und Moon gewesen, ihnen sollte nichts passieren. Mit monotoner Stimme fragte er einen großen Rüden.

"Was ist passiert?"

Seine Stimme klang seltsam, fast besorgt.



Sayos Herz machte einen Hüpfer, als Banshee wieder zu sich kam, er schleckte ihr über die Schnauze und robbte an Acollon heran. Alles voller Blut, warum nur, der nie erwachsen gewordene Geist verstand die Welt nicht mehr, verstand nichts. Er wimmerte, dann richtete sich sein Körper wieder auf, ein Knurren entrann seiner Kehle und er wandte sich an Dayon und einen weiteren Fremden. Seine Augen blitzten auf.

"Beweg sie doch, bring sie zu einer Lichtung, der eine ist ohnehin schon tot und vielleicht tötest du ja die weiße Alpha, wenn du sie versuchst in Sicherheit zu bringen."

Uninteressiert wandte er sich anderem zu, sein Blick suchte nach Nygero und blanker Hass spiegelte sich in seinen kalten Augen. Weder Sayo noch Kamui schien es mehr zu interessieren, was er nun alles machen konnte, sie nörgelten nicht mehr herum, im Gegenteil, beide schienen verschwunden. Unbeteiligt ließ sich der graue auf die Hinterkeulen fallen und besah sich den Haufen halbtoter Wölfe.



Dayon zuckte bei den heftigen Worten des großen Rüden zusammen. Der Rüde war seltsam, vorhin war er noch so nett zu Moon gewesen und jetzt? Dayon hob langsam den trüben Blick zu den aggressiven Augen und murmelte:

"Ich habe keine Kraft mehr, sie sterben, so wie alle sterben, auch ich werde sterben und dann kann ich endlich glücklich sein."

Er ließ den Kopf wieder fallen und starrte monoton vor sich hin.



In der Tat hatte Sayo Moon aus der Höhle getragen und gerettet und er hatte ihn sehr gerne, doch Kaya bedeutete das alles nicht wirklich etwas, er schützte Kamui und Sayo und nichts anderes. Die Wölfe die hier lebten bedeuteten ihm nichts, er hatte keine sonderlich große Lust sich mit ihnen anzulegen, solange sie ihn in Ruhe ließen, genauso wenig wollte er aber auch Freundschaften schließen. Er zog es vor nicht wirklich zu existieren, lediglich als Beschützer in der Not, so wie es immer war. Seit der Welpenzeit dieses merkwürdigen Wolfes. Kaya wusste einiges mehr, als die anderen beiden Geister, hatte viel mehr von den schrecklichen Taten, die damals an ihrem Geburtsrudel verübt wurden mitbekommen. Er hatte sie alle sterben sehen und Kamui und Sayo diesen Anblick erspart. Vielleicht war es ein Fehler, Sayo das Blut zu zeigen, doch was war das für ein Wolf, der kein Blut sehen konnte? Nicht einmal von Beutetieren. Irgendwie schien es hoffnungslos, doch Kaya wollte für seine Brüder, das sie hier glücklich werden konnten und er verfluchte Acollon geradezu für seine Schwäche, das er nun tot war und Sayo alleine zurück ließ. Vielleicht würde auch Banshee sterben? Dann würde er auch gegen den Willen der beiden von hier fort gehen und es würde das letzte mal gewesen sein, das Sayo und Kamui jemanden verloren.


Der Strand verblasste vor Acollons Schnauze und eine Höhle erschien vor ihm. Er sah seine Mutter, sie gebar ihn und seine Geschwister. Über dem Himmel zuckten die Blitze und es regnete heftig.

"Meine Geburt."

flüsterte Acollon und trat dichter. Fenris war neben ihm erschienen und sah trüb zu dem kleinen Welpenkörper.

Eigentlich war es nicht klar, dass du mal so gefühlskalt werden würdest

sagte der Todesgott, und das Bild verschwamm. Die Lichtung schien ein toter Haufen Wölfe zu sein, sie lagen über einander. Gedärme und Blut sickerten aus ihren Leibern hervor.

"Wie furchtbar."

sagte Acollon leise. Der Todesgott lächelte leicht und trat näher zu der schwarzen Gestalt die über einen Welpen gebeugt war und diesen auch frass.

"Was ist das?"

fragte Acollon angewidert, doch irgendwie wollte er diese Antwort nicht wissen. Die schwarze Gestalt schien die beiden bemerkt zu haben und drehte sich um. Acollon heulte auf. Er war dieser Wolf gewesen, der alle Wölfe getötet hatte und diesen Welpen fraß.

Seltsam. Du hattest mich damals bemerkt als ich zu dir gekommen war! Du bist der perfekte Tod gewesen! Manchmal zu viele Opfer gefordert, doch der Sache treu.

sagte Fenris seltsam sanft und schwingend. Es war schwer zu glauben, dass er der Todesgott war. Acollon widerte dieses Bild an und wich zurück. Doch plötzlich bemerkte er, dass das Welpenblut auch aus seiner Schnauze lief, genauso wie aus seiner Schnauze bei diesem damals geschehenden Tag. Alles wurde schwarz und er sah die Zeit an sich vorbei huschen. Wie er selbst viele Wölfe getötet hatte, wie viele er umgebracht hatte. Gefoltert und zum Ende geführt. Dann blieb die Zeit stehen und Banshees Augen lugten zu ihm hoch.

Sie konnte dir vor Augen halten, was du warst, ohne dass du jemanden getötet hattest! Bewundernswert.

Doch Acollon blieb still und betrachtete das Bild seiner Gefährtin.

"Ich liebe sie sehr! Sie ist mir mehr wert als mein Leben, doch nun scheine ich sie nicht mehr schützen zu können ..."

sagte er traurig und ließ seinen Kopf sinken.

Glaubst du wirklich, ich habe dich nur geholt um dir deine Fehler vorzuhalten? Nein, ich will, dass du zurückkehrst! Ich schenke dir das Leben.

Die Worte kamen Acollon unwirklich vor. Sie von einem Todesgott gesagt zu bekommen, ließ ihn etwas keuchen. Doch die Zeit zur Entscheidung hatte er nicht.

Verschwinde von hier.

dies waren die letzten Worte Fenris´ bevor er verschwand...
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Acollon bewegte sich und spuckte noch etwas Blut. Seine Augen wurden wieder glänzend und er regte sich leicht.

"Banshee."

sagte er schwach. In seinem Körper schien jeder Knochen gebrochen zu sein.



Moon zitterte. Trotz der Körperwärme seine Vaters war ihm eisig kalt. Er schauderte bei Dayons gleichgültigen Worten umso mehr. War er ihm überhaupt nicht wichtig? Er starrte Kaya entgeistert an. Nichts schien mehr zu sein, wie es einmal war. Die ganze Welt schien aus den Fugen geraten zu sein.
Moon hielt Ausschau nach den beiden Alphas, doch er entdeckte nichts in seinem verwüsteten Umfeld.
Er fiel in einen fieberartigen Traum, der das alte Leid zeigte, das ihm widerfahren war. Er würde nie mehr glücklich werden...



Banshee hatte sich mühsam erhoben, war gestrauchelt und spürte, wie ihr Kopf drohte zu zerbersten, doch jetzt war nur Acollon wichtig. Sie senkte den Kopf zu seiner Schnauze, spürte Thränen, die ihr über die Schnauze rannen, wollte etwas sagen, doch die Worte erstickten. Ihre Läufe knickten wieder ein, sie schmiegte sich an Acollon, ihr Fell wurde noch roter, kein weißer Fleck war übrig geblieben, als wäre das Strahlen von nun an für immer vorbei. Sie drückte ihren Kopf an seinen Hals, legte ihre Schnauze an seine und schloss die Augen.

"Ich liebe dich, Acollon, wenn du stirbst werde ich mit dir sterben."

Ihre Stimme war kaum mehr als ein Windeshauch, sie konnte nicht mehr denken, sah nur die kurze Zeit, in der sie zusammen hatten sein können, an ihren Augen vorbei ziehen und spürte diese leere Trauer.
Worte durchbrachen die Stille, ließen die Bilder zerbröckeln, zusammenfallen, wie einen jungen Baum im Sturm. Worte aus Acollons Herzen. Sie wagte nicht die Augen zu öffnen und zu sehen, dass alles nur ein Traum war, ganz leise, wieder nur ein Flüstern, dass im Windestanz spielte.

"Acollon?"



Kaya trat zu Banshee und Acollon und sah auf den schwarzen Rüden hinunter. Lebte er doch noch? Als er die Worte der Alpha hörte, keimte eine riesige Wut in ihm auf. Er knurrte sie zornig an:

"Wie kannst du das sagen du blöde Wölfin? Du stirbst mit ihm? Du lässt Sayo alleine und es ist dir völlig egal was du ihm damit antust?"

Eingeschnappt drehte er sich um.

"Egoistisches Pack!"

Waren seine letzten Worte, dann verschwand er in den Büschen. Wohin seine Pfoten ihn trugen konnte er nicht sagen, er wollte weg, weg von jedem seiner Artgenossen.



"Banshee, ich lebe, als wirst auch du leben."

sagte Acollon kaum hörbar, seine Augen waren wieder geschlossen. Die Worte, sie waren unverkennbar von Kaya, ließen in Acollon den Beschützerinstinkt neu entfachen.

"Beleidige Banshee ja nicht."

Doch seine Stimme war nicht drohend, sondern mahnend, er durfte schließlich keinen Freund verletzen. Sein Körper war sehr schwach und er konnte sich kaum bewegen. Oder wollte er sich einfach nicht bewegen? Er hatte all die schrecklichen Dinge gesehen! Wie er andere ohne Gnade getötet hatte. Vielleicht wollte er sich einfach nicht rühren können, um die anderen in Sicherheit vor ihm zu wissen.

"Bist du verletzt Banshee? Und die anderen? Sayo? Varloc? Ayala? Nyota? Dayon? Moon? Lagoon? Nygero? Der Fremde?"

fragte Acollon leise und ihm sickerte das letzte bisschen Blut aus der Schnauze, dann schien die Blutung eingestellt, sein Inneres schien schnell zu verheilen und doch rührte er sich nicht.



"Hier ist also mein Ende."

sagte Nygero leise und schloss wieder die Augen, er hatte zu Banshee und Acollon gesehen. Sein Leben war hier nichts wert, das wusste er, doch er selbst hatte sich für so ein Leben entschieden, ohne Freunde, ohne Familie. Er konnte jetzt sterben, ohne dass er sein Versprechen gebrochen hatte. Er hatte es versucht und doch war er am Leben gescheitert. Mit Absicht, wie er zugeben musste, doch war er zufrieden mit seinem Ende.

"Schwarzer Teufel, ich werde unseren Kampf verschieben, im nächsten Leben werde ich gegen sich antreten, darauf freue ich mich sehr ..."

sagte er leise und doch sehr durchdringend. Er hatte gesehen, wie sich Werwölfe verwandelten, wie Tote wieder zum Leben zurückkehrten, wie Liebe wuchs und hielt, wie Enttäuschung zu Hass wurde.

"Tut mir leid, mein Freund, Acollon."

Nygeros Stimme zitterte leicht und ließ seinen Kopf erschlaffen.
Seine Gesichtszüge wurden weicher und sein Atem hörte gänzlich auf. Er war tot, er war gestorben durch eine Naturgewalt. In dem Tal der Sternenwinde begann für kurze Zeit wieder Nygeros Leben, doch er konnte nicht viel an seiner Einsamkeit ändern, denn erschlagen durch seine einzige gute Tat, musste er sterben. In Banshee sah er das Leben, in Nyota sah er eine feurige Fähe, in Ayala ein zartes und liebevolles Wesen. Acollon war eine Art Freund und doch Feind gewesen. Nygero hatte ihn sehr geliebt.
Lebt in Frieden, ihr Sternenwind Wölfe!



Falk hörte die Worte des grauen Rüden und knurrte böse. Er spürte die Kraft in sich erwachen und durch seine Adern strömen, in kampfbereiter Haltung wollte er sich auf den Rüden stürzen und seine Zähne in dessen Hals vergraben, doch die merkwürdige diffuse Aura, die die Gruppe umgab stoppte ihn.
.oO(Ich sollte hier schleunigst wieder verschwinden. Irgendetwas ist hier oberfaul.)
Dann wurde er abgelenkt. Acollon schien wieder zu sich zu kommen, ebenso die weiße Fähe, Banshee. Der graue Rüde gab einige wüste Beschimpfungen von sich und verschwand in Richtung Wald. Falk knurrte ihm böse hinterher. Es würde andere Zeiten geben, andere Orte. Aber nicht jetzt.

"Mir geht's den Umständen entsprechend gut - einige kleine Verletzungen, ein gestauchtes Bein, aber sonst bin ich in Ordnung, hab schon wesentlich Schlimmeres mitgemacht."

.oO(Auch wenn das hier schlimmer hätte ausgehen können, dachte Falk bei sich.)

"Übrigens heiße ich Falk. - Aber dass du noch lebst, das grenzt schier an ein Wunder..."

Und in diesem Moment begann sich Falk zu fragen, ob die diffuse Aura von Acollon ausging. Er musterte ihn aus den Augenwinkeln.



Acollon bemerkte den Blick der auf ihn lag, es waren die Worte des fremden Wolfes, dessen Name Falk war. Sein Körper spielte nicht mit seinen Gedanken mit und er musste wohl oder übel liegen bleiben.

"Falk, wenn es dir nichts ausmacht, kümmere dich bitte um die anderen Wölfe."

sagte Acollon. Warum interessierten ihn die anderen. Doch die Worte von Nygero hatten ihn nachdenken lassen. Er hatte ihn Freund genannt. Gegen den Willen seines Körpers richtete er sich auf. Sein Kopf glitt langsam in die Höhe und seine Schnauze öffnete sich ein Wenig. Das letzte Heulen für Nygero... Seine Augen geschlossen schleckte er, nachdem sein Heulen verstummt war Banshee über die Schnauze. Die fremden Gedanken, die doch seiner selbst entstanden waren, drückten ihn. Er war dieses grauenvolle Geschöpf gewesen.



Als Banshee Acollons Worte hörte und das Leben in seinem Körper spürte, war es, als hätte dies etwas in ihr ausgelöst. Nun konnte sie ruhen, jetzt war er da und blieb bei ihr. Kayas Worte flogen an ihren Ohren vorbei, weder Dayon noch Falk hörte sie. Nur Acollon war da. Ganz leise flüsterte sie:

"Ich liebe dich, Acollon."

Dann fiel sie in einen traumlosen Schlaf, der heilende Schlaf, der nach der Erschöpfung kam. Gleichmäßig ging ihr Atem, ruhig lag sie mit geschlossenen Augen da, nur ihr blutrotes Fell zerstörte das friedliche Bild.

Falk hörte die Worte Acollons, sie rissen ihn aus seinen Gedanken.

"Natürlich macht mir das nichts aus."

Solange er für sich noch nicht geklärt hatte, was es Geheimnisvolles mit Acollon auf sich hatte, fügte er sich lieber. Außerdem ging es gegen seinen Team-Geist, sich jetzt einfach so hinzulegen und auszuruhen. Sicherlich war mit am wenigsten verletzt.
Die Tatsache, dass Falk so geringfügig verletzt das Erdbeben überstanden hatte, erfüllte ihn mit einem gewissen Stolz.
Er stupste die Wölfe mit der Schnauze an.

"Kommt. Steht auf. Ist alles in Ordnung bei euch? Wir sollten uns zu einem sichereren Ort begeben."

Vor dem toten Körper des sandfarbenen Rüden blieb er kurz stehen und musterte ihn befremdet. Obgleich Falk schon viele tote Wölfe gesehen und selbst getötet hatte, erfüllte ihn der Anblick immer mit einem gewissen Unbehagen und er fragte sich dann, ob der tote Wolf sein Freund hätte sein können.
Er dreht sich um.

"Der hier ist tot. Wir werden ihn angemessen beisetzen müssen."



Acollon hatte immer noch die Augen geschlossen und lauschte den Worten Banshees. Sie konnte sich jetzt ausruhen, doch er musste für sie das Rudel wieder auf die Pfoten bekommen, als er hörte wie Falk von Nygero sprach, öffnete er langsam die Augen. Seine Augen hatten einen merkwürdigen silbernen Glanz und seine Pupillen schienen trüb und matt. Doch die Sehkraft war die Gleiche. Er stemmte seine Tatzen auf den Boden und erhob sich langsam, sein Körper schien noch kränklicher und zierlicher als schon vorher. Doch ohne einen Einwand oder ein schmerzverzogenes Gesicht ging er ruhig auf Falk zu. Fenris hatte etwas von seiner Selbst an Acollon hinterlassen und ließ ihn stolz und seltsam zugleich wirken. Mit seinen matten Augen sah er Falk direkt an, dieser Blick musste unbehaglich und kalt wirken, deswegen lenkte Acollon seinen Blick auf Nygero. Als er bei dem toten Rüden war, legte er eine Tatze auf dessen Kopf.

"Er war nicht mein Freund, doch auch nicht mein Feind."

sagte Acollon seltsam kalt und gefühllos. Er richtete seinen Blick auf Falk, und fragte sich, warum er es diesem Rüden erzählte.

"Dort hinten könnten wir ihn begraben."

Der schwarze Rüde nickte zu einer kleinen Lichtung. Dort war in der Mitte ein kleiner Felsen und ringsherum standen Gräser der verschiedensten Arten.



Ayala fühlte sich leicht und schwebend. Sie wurde durch einen leichten Sog weiter gezogen, dem Licht entgegen. Auch ihre Seele wollte dort hin - das war ihr einziger Wunsch, dieses Licht wollte sie erreichen. Nichts band sie mehr an ihre Vergangenheit...sie erinnerte sich kaum mehr...sie fühlte nur diese Wärme und die Leichtigkeit, die sie erfüllten. Eine Woge der Zufriedenheit durchzog sie und sie ließ sich treiben, gab sich ganz Engayas Bestimmung.
Dann plötzlich war das Licht verschwunden und sie spürte ohnmächtigen Schmerz und Qual. Wo war sie, warum durfte sie ihrem Ziel nicht entgegen treten? Sie ließ sich fallen und war wieder umgeben von Dunkelheit.




Sein Blick streifte kurz den schwarzen Rüden und folgte ihm dann zu der kleinen Lichtung. Falk überlegte, dass, wenn das Licht günstig stand, die langen Lichtfinger der Sonne den Felsen berühren würden und der Tote dann von Säulen aus Licht umgeben war. Und im Sommer würden die Gräser würzig duften. Ein guter Platz für einen toten Wolf. Falk würde auch gerne an einem solchen Ort begraben werden, wenn es eines Tages soweit war.
Was Acollons Worte über dessen Beziehung zu dem toten Rüden anbelangte, so dachte sich Falk, dass er besser erstmal keine Fragen stellte. Nicht nur, dass er heute bereits in mehrere Fettnäpfchen getreten war, ein Erdbeben überlebt hatte und sich durch einen Fehler in Gefahr gebracht hatte, so wollte er es jetzt nicht darauf ankommen lassen, sich in einen Streit mit Acollon verwickeln zu lassen. Er spürte, dass Acollon nicht unbedingt ein positives Bild von ihm, Falk, hatte und das beruhte schließlich auf Gegenseitigkeit. Falk selbst konnte sich die merkwürdige Auferstehung Acollons immer noch nicht recht erklären und war sich nicht sicher, zu welchen höheren Mächten der schwarze Rüde eine Verbindung hatte.

"Das ist ein guter Platz für eine Beerdigung. Er wird dort ehrenhaft bestattet werden. Bringen wir ihn dorthin!"

Falk begann, den Rüden zu der Lichtung zu zerren. Er würde ihm vor dem Felsen ein kleines Loch graben. Zwei Fragen brannten ihm noch auf der Zunge.

"Übrigens, wie war sein Name? Und wie war er im Leben?"



Acollon ließ Falk Nygero zu der kleinen Lichtung schleifen, half im nicht, doch sah er ihn durchdringend an.

"Sein Name war Nygero, die verlorene Seele."

begann Acollon und richtete seinen Blick in die Ferne. Er dachte kurz nach. Was war Nygero für ein Wolf gewesen? Er war zu ihnen gekommen, hatte sich gleich alle zum Feind machen wollen und brauchte die Nähe anderer Wölfe nicht! Was war er für ein Wolf, was führte er für ein Leben? Wie war er im Leben?

"Er war stark genug um sich am Leben zu halten, doch zu schwach um zu vergessen. Er war nicht einfach und hasste die Nähe anderer Wölfe, aber doch nur, weil er nicht mehr leiden wollte."

sagte Acollon wie selbstverständlich. Was hätte er sonst sagen sollen? Er war der Gehilfe des Todes, der Sohn Fenris´. Er konnte die anderen Wölfe in ihrer Lebensart nicht einordnen, doch erinnerte Nygero Acollon an sich selbst! Er selbst hatte nie wieder andere Wölfe lieben wollen. Aus Angst sie wieder zu verlieren, wieder zu leiden. Der Tod war nicht schrecklich, nur sein Ruf war es. Der Tod würde kommen, egal was auch geschehen mag. Acollons Augen bekamen wieder ihren normalen Glanz und seine Erscheinung wirkte wieder zierlich und krank. Nur das Lächeln das auf seinen Lefzen lag, ließ ahnen, dass er mutig und vielleicht sogar arrogant war.

"Er war ein schwacher Wolf! Zu feige um zu sterben, zu feige um zu vergessen. Erbärmlich."

sagte der schwarze Rüde verächtlich und blickte Nygero an. Langsam grub er mit seinen großen Pfoten ein Loch, seine langen uneinziehbaren Krallen zerkratzten den rauen Boden mit Leichtigkeit.

"Aber über Tote soll man kein schlechtes Wort verlieren."



Varloc hatte die ganze Szenerie schweigend verfolgt. Mit Erleichterung und Freude hatte sie festgestellt, dass Acollon und Banshee noch lebten. Sie sah, wie Acollon ein Grab für den toten Nygero grub, allein. Sollte sie ihm helfen? Doch das würde er nicht wollen, so gut glaubte sie ihn zu kennen. Dennoch ging sie zu ihm, sah ihm schweigend einen Moment lang zu, hörte seine Worte. Dann sagte sie:

"Er nannte dich Freund und du nennst ihn erbärmlich? Ist es das was du von allen hälst die dich vielleicht mögen? Einmal abgesehen von Banshee, gibt es irgendjemanden, den du nicht aus tiefster Seele verachtest?"

Sie begann ebenfalls zu graben, es war ihr in diesem Moment egal was er tun würde. Warum wollte er Nygero begraben, wenn er doch nur Verachtung fühlte?



Falk hörte die Worte der Werwolfsfähe und mit ihrem Mut kehrte auch allmählich seine Arroganz zurück. Scheinbar hatte Acollon die Fähe mit den roten Augen mit derselben Unhöflichkeit behandelt wie ihn, Falk, auch. Und vielleicht gab es tatsächlich keinen Grund ihn zu fürchten.
.oO(Erinnere dich, Falk. Erinnere dich an all die Wölfe, die deine Begegnung mit dem Leben bezahlen mussten. Du bist durch die lange Einsamkeit und die Ablehnung zu weich geworden. Wie sehr hast du dich zuletzt nach einem neuen Rudel gesehnt, in dem du deinen Platz finden könntest, vielleicht auch den Platz an der Seite einer anderen Fähe, stimmt's?)
Falk schüttelte den Gedanken an Leah ab.
Ja, wieso ließ er sich überhaupt einschüchtern durch die merkwürdige Ausstrahlung, die der schwarze Rüde hatte? Gleichzeitig spürte er eine tiefe Verbundenheit zu der Werwolfsfähe, auch wenn er diese nicht direkt zuordnen konnte. Als wäre etwas in ihr, das auch in ihm war. Er wusste es nicht und kompensierte seine Verwirrung mit einer Offensive gegen den schwarzen Rüden:

"Und was ist mit dir, Acollon? Hasst du nicht auch die Nähe anderer Wölfe? Und wenn du sie nicht hasst, was ist es dann, was dir Angst bereitet? Angst vor dem Verlust? Und Nygero, hast du Angst, dass du dich in ihm erkennst? Oder zumindest Teile deines Charakters?"

Mit gespannten Muskeln sah er den beiden Wölfen beim Graben zu und stellte mit Befriedigung fest, dass sein rechtes Ohr diesmal nicht zuckte.



Acollon hörte auf zu graben und sprang auf den kleinen Felsen, von dort sah er die beiden mit hoch gezogenen Augenbrauen an. Die Worte der beiden ließen ihn nur kalt schmunzeln. Sie hatten wirklich keine Ahnung, sowie die anderen Wölfe.

"Varloc"

begann er leise und fast verächtlich zu sprechen.

"Ja erbärmlich ist das richtige Wort, so finde ich. Und nein, Banshee ist der einzige Wolf der mir etwas bedeutet. Andere Wölfe können meinetwegen an meiner Anwesenheit sterben! Und was ich von anderen Wölfen halte, müssten dir meine Worte sagen! Vielleicht hast du es ja auch bemerkt, ich bin nicht normal, ich bin mit dem Tod verbunden, Wölfe in meiner Nähe sterben alleine durch meine Anwesenheit, weil sie diese zur Verdammung und zur Verwirrung treibt. Ich töte ohne Grund und ohne Reue. Ob ich nun den Knochen eines Wolfes zertrete oder einen Zwei breche, ich mache da keinen Unterschied.“

Kurz musste Acollon an Moon denken, der kleine Welpe kannte die gleichen Worte. Nun richtete er sich zur vollen Größe auf, auch wenn die Schmerzen ihn in die Tiefe reißen wollten.

"Falk, nein Angst ist es nicht! Es ist der Schmerz der mich so roh und kalt hat werden lassen! Immer die Wölfe zu töten die man liebt ist sehr hart, oder wie sieht ihr es? Würdet ihr vergessen können? Wenn ja, dann schätzt euch glücklich, wenn ihr nicht vergessen könntet, dann würdet ihr mitfühlen können! Ich hasse die anderen Wölfe um sie nicht zu verlieren und nicht zu leiden! Angst, nein! Nur mein Herz und meine Seele sind zerschunden, sie fühlen nicht mehr, einzig und alleine liebe ich Banshee, ohne sie gibt es mein Leben nicht!"

Acollon hatte ruhig fast gelangweilt gesprochen. Er blickte mitleidig und doch etwas verachtend zu Nygero.

"Er war nicht mein Freund, doch ich habe ihn verstanden."

sagte er kühl und ließ sich auf den kühlen Stein nieder. Er hatte den beiden das erzählt, was er hätte niemanden erzählen dürfen, jetzt hatten sie Angriffsfläche, doch sie würden nicht angreifen, sie könnten es nicht mehr.

"Glaubt mir, ich hasse nicht gerne, aber ich muss hassen. Ohne diesen Hass würdet ihr vielleicht schon von mir in Stücke zerrissen worden sein".

Sein Blick lag auf Varloc, er hatte sie gebissen, doch vorzeitig wieder los gelassen. Tief und stark hatte er nicht zu gebissen, doch es hatte gereicht um sie zu verletzen.

"Varloc, du müsstest eigentlich genauso fühlen können wie ich, du als Werwölfin! Wie haben dich die anderen Wölfe behandelt, hm?! Waren sie immer gut zu dir? Und du Falk, deine Haltung verrät einiges, auch du musstest doch sicherlich schon einen Verlust eingesteckt haben, oder?! Du hast diesen Wolf doch sehr geliebt, und der Schmerz ist unerträglich gewesen, und ist vielleicht immer noch unerträglich."

Als Acollon geendet hatte erhob er sich wieder und sah das fast fertige Loch an, ohne auf die anderen beiden zu achten, packte er Nygero am Nackenfell und schleifte ihn in die Grube. Er setzte sich an das Grab des großen und mächtigen Wolfes.

"Müsste ich jeden Wolf begraben, den ich getötet habe, würde ich nie wieder töten dürfen um es bis an mein Lebensende zu schaffen, alle zu begraben!"

sagte Acollon.



Banshees Augenlider flatterten, sie atmete tief, dann öffnete sie langsam die Augen und sah sich um. Niemand war in ihrer Nähe. Langsam richtete sie sich auf. Sie fühlte sich ausgeruht und entspannt, ihr Hinterbein schmerzte leicht, aber sonst erschienen ihr die Vorkommnisse während dem Erdbeben seltsam surreal. Vorsichtig setzte sie Pfote vor Pfote und schaute nach ihrem Rudel. Langsam tappte sie zu der Höhle, sie war verschüttet, Angst lag noch immer in der Luft, ein Schauer durch lief ihren Körper. Dann stieg ihr plötzlich ein Geruch in die Nase. An der Stelle war platt getretenes Gras, ein schwerer Körper war fort geschleift worden und es roch nach Tod. Ein Wimmern drang aus ihrer Kehle, hier hatte Nygero sie aus der Höhle gebracht, sein Duft hing noch immer in der Luft. Ein weiteres Wimmern, dann heulte sie auf. Nygero hatte nur Ärger gebracht, doch hatte er sie aus der Höhle gerettet und war ... für sie gestorben. Ihr Heulen wurde schmerzvoll und rief gleichzeitig nach dem Rudel, wo auch immer sie waren.


Acollon hatte gerade seine Pfote auf die Erde neben sich gelegt und wollte diese auf Nygeros Körper werfen, doch dann hörte er Banshees Heulen, ohne Zögern sprang er auf und preschte in ihre Richtung. Sein Herz klopfte wild. War sie in Gefahr? Hatte sie Schmerzen? Er kam wieder zum Platz und sah Banshees kläglich und traurig heulen, ohne Worte drückte er ihren Kopf auf seine Schulter. Er brauchte jetzt nicht sprechen, er verstand Banshees Schmerz nicht, doch er musste bei ihr sein. Vielleicht wegen Nygero?
Sie hatte ihn in ihrem Rudel geduldet, auch wenn er nur Ärger gemacht hatte. Banshee schien schwach und trotzdem gut ausgeruht. Acollon hielt es für das Beste erst mal etwas für das Rudel, oder besser gesagt, für den Rest des Rudels, die überlebt hatten, etwas zu jagen.
"Banshee, ich werde mit Varloc und Falk auf die Jagd gehen! Ich bin bald wieder bei dir, wenn etwas ist rufe mich! Und wenn du Ayala siehst, gesell dich zu ihr. Alles ist vorbei und wird gut, meine Banshee", sagte Acollon leise und zärtlich, eben noch war er grob und kühl gewesen, doch bei Banshee strahlte er nur so vor Wärme. Er löste sich nur langsam von Banshee, schleckte ihr mehrmals über die Schnauze, streckte seinen Kopf kurz in den Himmel und heulte:

“Varloc! Falk! Wir werden auf Jagd gehen!“

Acollon wusste, dass die beiden Wölfe gut in Form waren und dass sie auch keine schlechten Jäger sein würden.
Noch ein letztes Mal schleckte er Banshee über die Schnauze, dann lief er zu den beiden anderen Wölfen, Varloc und Falk.

"Könnt ihr jetzt jagen?"
fragte er knapp und doch nicht unfreundlich.




Falk hatte den Worten Acollons gelauscht und hatte eine Erklärung für vieles bekommen. Die merkwürdige Aura Acollons, sein Auftreten - all das machte plötzlich Sinn, wenn Acollon sagte, dass er mit dem Tod verbunden war. Außerdem erkannte er sich teilweise in Acollon wieder, auch er, Falk, hatte das Töten satt, so satt und noch größere Angst vor dem Verlust. Er wollte etwas zu Acollon sagen, doch in diesem Moment wachte Banshee, die weiße Fähe auf und Acollon wandte sich ihr zu.
Während Falk noch über Acollons Worte nachdachte, kehrte dieser schon wieder zu ihm und Varloc, der Werwolfsfähe zurück und forderte sie zur Jagd auf.

"Acollon, ich denke, ich verstehe dich in einigen Punkten jetzt besser und kann deine Einstellung akzeptieren, da ich dieselbe Einstellung auch hatte. Ich habe all jene verloren, die ich liebte und seither keine größere Nähe zugelassen, weil meine Angst vor dem Verlust zu groß war. Du hast meinen Respekt."

Besser war das auf jeden Fall. Und außerdem war Falk sicher, dass ihn Acollon verstehen würde. Auf gewisse Art und Weise. Vielleicht würden sie ja doch ganz gut miteinander auskommen. Quod erit demonstrandum.

"Und zur Jagd bin ich selbstverständlich bereit. Eigentlich fühle ich mich schon wieder ganz gut, jedenfalls bin ich hungrig."

Und seit längerer Zeit huschte wieder so etwas wie ein Lächeln über seine Lippen. Falk hatte langsam, aber sicher das Gefühl, dass er ein neues Rudel gefunden hatte.



Acollon hatte Falk ganz ruhig gelauscht, und sagte jetzt ganz langsam und fast freundlich.

"Wir sind uns ähnlich, auch im Leiden."

Er richtete sich auf und sah in die Ferne, und sagte fast lachend:

"Wir werden wohl jetzt aber wieder töten müssen ..."

Der schwarze Rüde trabte voran und huschte in den Wald.

"Komm Falk, auch du Varloc, komm!".

Acollon wollte Wölfe nicht lieben, doch auch nicht hassen, der Hass war sein Schutz und doch wollte er Falk besser kennen lernen!



Varloc hörte Acollon zu. Er hatte Recht, und wie er Recht hatte. Sie hatte nur noch nie jemanden gesehen, der es so ausgesprochen hatte. Es hatte ihr auch noch nie jemand eine solche Achtung entgegengebracht wie es Acollon tat. Denn wenn er sie verachten würde, würde er nicht so reden.

"Acollon, du hast recht. Ich wurde nie gut behandelt, aber dennoch kann ich nicht glauben dass du mich verachtest. Würdest du das tun, hättest du nicht so etwas zu mir gesagt. Mag sein dass du mich hasst doch du hast auch Achtung vor mir. Auch magst du mich verletzt haben, aber glaubst du ein einziger Biss, egal wie stark, hätte mich in dieser Gestalt töten können? Hättest du mich töten wollen hättest du es getan. Was hat dich abgehalten?"

Sie sah nach dieser Rede zu Falk hinüber und lächelte ihm leicht zu. Irgendwie mochte sie ihn. er schien es auch nicht gerade leicht gehabt zu haben in seinem Leben. Ob er wusste, dass sie es war, die ihn aus der Höhle geschleudert hatte? Doch das würde sie ihn niemals fragen, wie sähe das denn aus? Wie als wollte sie sich aufspielen. Sie wünschte sich, dass er sie mochte und zwar weil sie sie war und nicht weil er sich verpflichtet glaubte. Sue ging zu ihm und ihr Lächeln wurde breiter. Dann hörte sie, wie Acollon sie zur Jagd aufforderte.

"Wenn du mit mir jagen willst Acollon, so soll es mir recht sein, ich hoffe nur, dass du weißt dass ich dann töten müsste und ich will deine Vorurteile mir gegenüber nicht noch vergrößern."

Doch sie folgte ihm und drehte sich um um zu sehen, ob Falk ihnen folgen würde. Sie hoffte es.



Banshee sah Acollon ruhig nach. Er hatte versucht sie zu trösten, doch er konnte nicht verstehen, was geschehen war. Er war nicht dabei gewesen, als Nygero sie aus der Höhle gezerrt hatte, als er neben ihr zusammengebrochen war ... und sie einfach davon gerannt war. Hätte er sie nicht gerettet, hätte er sich selbst retten können. Die Gedanken trafen sie mit Wucht und waren wie Schläge ins Gesicht. Erneut wimmerte sie. Sie hätte sich gerne verkrochen doch die Höhle war verschüttet, nichts war übrig geblieben, Bäume waren umgeworfen und der Wald verwüstet. Sie rollte sich zusammen und wollte in die Schwärze eintauchen, als ihr ein Geruch in die Nase stieg. Hatte Acollon nicht gesagt, Ayala wäre verschwunden? Ruckartig hob Banshee den Kopf und schnüffelte. Ja, Ayalas Geruch hing in der Luft. Sie folgte der Spur und kam zu dem verschütteten Höhleneingang, langsam fing sie an zu graben, immer wieder rief sie Ayalas Namen. Konnte es sein, dass die Fähe es nicht aus der Höhle geschafft hatte? Panik ergriff Banshee.


Kaya hatte Acollon noch etwas giftiges Antworten wollen, doch er schwieg und hatte sich entschieden zu bleiben. Murrend lief er auf den Platz vor der Höhle auf und ab, lauschte den Gesprächen und wusste nichts anzufangen. Misstrauisch beäugte er die Werwolfsfähe und Falk, zwei ihm Fremde. Er lauschte allem, was gesprochen wurde. Wie toll sie sich doch alle verstanden, als sie zur Jagd aufbrachen warf er Acollon einen verächtlichen Blick zu, dann trugen ihn seine Pfoten unter einen Baum, wo er sich in hinlegte und den Wächter spielte. Er dachte nach, er wollte kein eigenes Leben führen, er wollte viel lieber als Beschützer im Hintergrund agieren. Er hasste es, jetzt hier zu sein, er hatte kein Leben und gerade jetzt wollte er nicht mehr damit anfangen. Einiges ging ihm durch den Kopf, was seine Geschwister betraf, ob sie sich wirklich einen Körper teilten oder ob all das nur Einbildung und gar nicht real war. Als Welpe war er gestorben und nun gezwungen zu leben weil die anderen nicht mehr wollten oder konnten? Noch immer war die Luft erfüllt vom Geruch des Blutes aller verletzten. Sein Geist wollte verschwinden, jetzt gleich und das tat er. Der Kopf des Rüden fiel ungewöhnlich schnell auf die Vorderpfoten und der Körper rührte sich nicht mehr.


Ayala schwebte zwischen Ohnmacht und Bewusstsein. Sie nahm kaum mehr etwas um sich herum wahr, sie spürte nur noch diese Schmerzen, die durch ihren ganzen Körper zogen. Eine erneute Woge des stechenden Schmerzes in ihrem rechten Hinterlauf durchfuhr sie. Sie zuckte zusammen und war wieder in ihrer Traumwelt, in der sie nur Zufriedenheit und Wärme spürte. Doch diese Phase dauerte nicht lange an. Etwas drang in ihre schlaffen Ohren. Sie hörte sehr weit entfernt eine vertraute Stimme. Sie strengte sich an, was rief dieser jemand - und wer war es? Mit der letzten ihr verbleibenden Kraft stieß sie einen Laut der Verzweiflung aus.


Der Rüde hob den Kopf, hörte ein Scharren und hatte nicht die geringste Ahnung wo er war. Er brauchte eine Weile um alles sehen zu können, denn anfangs lag eine Art Schleier über seinen Augen. Er sah eine Wölfin, die hektisch nach etwas grub. Er trat auf sie zu, verwundert das er niemanden sah den er kannte. Als er aufstand bemerkte er, dass sein Körper irgendwie komisch war. Er sah an sich hinunter, er war groß, er war kein Welpe mehr sondern ein Riese. Unsicher lief er weiter, doch er wollte der weißen Wölfin helfen, was auch immer sie suchte. Er nahm die Witterung von Blut auf, viel Blut, doch er ignorierte es.

"Kann ich euch helfen, Wölfin?"

Fragte er vorsichtig und legte den Kopf schief.

"Sucht ihr etwas, oder was veranlasst euch hier zu graben?"



Banshee hörte ein leises Wimmern ... von Ayala? Noch hektischer grub sie, irgendwo da drinnen musste Ayala sein. Plötzlich wurde sie angesprochen, erschrocken fuhr sie herum und sah Sayo. Doch ... er war anders, es war nicht Kaya oder Kamui aber auch niemals Sayo ...

"Sayo? Kaya, Kamui?"

Für einen kurzen Moment vergaß sie das Graben, so verblüfft war sie über den Wolf vor ihr.



Chyran legte den Kopf schief und sah die Wölfin fragend an, er war nicht minder verwirrt wie sie.

"Das sind meine Geschwister, du kennst sie? Wo sind sie?"

Er sah sich kurz um, doch er entdeckte sie nicht, er konnte nicht einmal die kleinste Witterung von ihnen wahrnehmen.

"Chyran ist mein Name. Ein ungünstiger Zeitpunkt, wenn ich nun frage was ich hier mache und wie ich her kam, oder?"

Er sah wieder zur Höhle und begann zu graben. Scheinbar war eine Wölfin unter den Felsen verschüttet.

"Sicher das hier im inneren noch jemand am Leben ist?"



Banshee starrte Sayo noch immer verblüfft an, verstand nicht, was mit ihm los war. Könnte es sein, dass es nicht drei Geister in einem Körper gab, sondern vier? Chyran kannte schließlich die drei Namen, nannte sie seine Geschwister ... Als er begann zu graben, besann auch sie sich auf das Befreien Ayalas.

"Sayo, Kaya und Kamui sind die drei, die diesen Körper, deinen Körper, be ... be ... bewohnen?"

Sie stockte und hielt verwirrt inne, verstand selbst nicht ganz, was gerade passierte.

"Sayo und seine Geschwister leben bei uns ihm Rudel, mit deinem Körper."

Sie verzog leicht das Gesicht und fragte sich, ob man irgendetwas verstehen konnte. Langsam wurde ihr das alles einfach zu viel.



Ein Kribbeln fuhr in Falks Beine und durchfloss bald seinen ganzen Körper. Als es in seinem Kopf angekommen war, musste sich Falk zurückhalten um es nicht in einem Aufheulen aus sich herauszulassen. Lieber noch wollte er dem Gefühl nachfühlen, die pulsierende Wärme in seinem Körper spüren, wie sie in die feinsten Äderchen eindrang und versuchte, von seinem Geist Besitz zu ergreifen. Falk mochte das noch nicht vollständig zulassen.
Noch immer verfolgte ihn das schmerzerfüllte Aufheulen seiner Schwester Blanca bis in die Träume und nachts fuhr er hoch, mit starkem Herzklopfen, hastig hechelnd, angespannten Muskeln und zuckendem rechten Ohr.
Varloc, Acollon... Sie könnten neue Freunde für ihn werden. Er könnte Varloc erzählen, dass auch er Werwolfsblut in sich hatte, wenn sie es nicht schon gespürt hatte, er könnte Acollon erzählen, wie er eine kaum vergleichliche Blutspur auf seiner Reise durch die Wälder hinterlassen hatte, wie sehr er sich nach Liebe und Geborgenheit sehnte und wieviel Angst er gleichzeitig davor hatte. Für einen Moment ließ Falk diesen Gedanken zu.
Als er sich aus seinen Gedanken löste, waren Varloc und Acollon schon fast außer Sichtweite in den Wald verschwunden. Mit federnden Sprüngen eilte ihnen Falk hinterher, überholte sie und tollte um sie herum, ein Blitzen in den Augen. Fast fühlte er sich wie ein Welpe oder ein Jährling, als er noch unbeschwerten Träumen nachhing. Dann besann er sich und nahm prüfend die Witterung auf.

"So töten wir jetzt zwar, doch nur um zu leben."

Tyraleen
23.12.2009, 14:57

Varloc folgte Acollon schweigend. Immer wieder sah sie sich um, ob Falk ihnen folgen würde. Es sah nicht so aus. Eine tiefe Traurigkeit legte sich über sie, drohte sie zu überwältigen. Sie wusste nicht, was da in ihr vorging, so etwas hatte sie noch nie gefühlt. Was war das für ein Gefühl, das der Rüde in ihr auslöste? Sie spürte, dass auch er etwas von einem Werwolf hatte. Das nahm sie noch mehr für ihn ein. Noch nie hatte sie einen anderen Werwolf gesehen, nicht, nachdem sie zu den Wargen gekommen war. Und die hatten alle Werwölfe gehasst und sie das auch immer spüren lassen.
Sie warf noch einen Blick zurück, Falk folgte ihnen jetzt doch. Sie blieb stehen bis er bei ihr war und lächelte ihm zu. Dann lief sie weiter, froh, dass er da war.



Chyran hörte auf zu graben, fragend sah er Banshee an und versuchte zu begreifen, was sie da gerade zu ihm gesagt hatte.

"Aber das ist doch mein Körper, die können da doch nicht auch noch drin stecken???"

Er begann wieder zu graben, er hatte viel Kraft, wie er merkte, er war nicht so schwach, wie das letzte mal, als er sich an irgendetwas erinnern konnte. Er war ein Welpe und hatte etwas gesehen was so schrecklich war, das er hatte sterben wollen. Doch was war das gewesen und warum war er auf einmal erwachsen? Wieder hielt er im graben inne und seine Augen weiteten sich. Er jaulte auf.



Banshees Augen folgten den Bewegungen Chyrans. Er konnte nicht verstehen, was sie sagte und doch merkte sie, dass er selbst etwas ahnte. Sie schwieg, wissend, dass sie nun nichts mehr erklären konnte. Nur weiter grub sie, schweigend und mit heftigen Bewegungen. Bald darauf kam ein weißes Stück Fell zum Vorschein. Eine Pfote Ayalas, kurz darauf das Bein, dann der Kopf. Keuchend hielt Banshee inne.

"Ayala?"



Ayala spürte den Druck der Steine, die auf ihr lagen, immer deutlicher. Sie glaubte bald erdrückt zu werden. Keuchend und nach Luft ringend, die feucht und schwer aus den Zwischenräumen der Steine zu ihr kroch, lag sie da. Sie spürte den trockenen Staub in ihrer Lunge, der das Atmen erschwerte. Ihre Zunge hing schlaff aus dem Maul, sie hatte Durst, solchen Durst ... Sie glaubte wieder in die fiebrigen Träume der Dunkelheit, die sie die ganze Zeit umgab, zu fallen. Doch etwas hielt sie zurück, etwas nagte an ihren Sinnen, die schon halb tot waren. Sie nahm leise, ganz leise Geräusche war - Stimmen, die ihr vertraut vorkamen. Mit großer Anstrengung öffnete sie die Augen. Schnell schloss sie sie wieder. Es war so hell, um sie herum...fiel sie nun vollkommen in Trance und konnte Traumwelt nicht mehr von Wirklichkeit unterscheiden. Es würde nicht mehr lange dauern, bald würde sie die stechenden schmerzen nicht mehr spüren. Sie würde schlafen ... Nun höre sie ihn deutlich, ihren Namen, er wurde gerufen - doch von Ferne. Sie rang mit sich...sie wollte schlafen, schlafen für immer, weder Leid noch Schmerzen spüren...einfach nur träumen.


Banshee spürte Ayalas schwachen Atem auf ihrer Haut, ganz leicht bewegte sich die junge Fähe.

"Ayala, wach auf."

Sanft berührte sie sie an der Schnauze, sie war ausgetrocknet und verkrustet.

"Wasser ..."

flüsterte Banshee leise, langsam wandte sie sich an Chyran.

"Kannst du etwas Wasser holen, irgendwie in der Schnauze transportieren? Der See ist ganz in der Nähe."


Besorgte drehte sie sich wieder zu Ayala und fegte ein paar Steinbrocken von dem gebeutelten Körper weg.



Acollon lief wortlos weiter, die Worte Varlocs ließen ihn nachdenken. Ja, er hätte sie töten können, doch er hatte es nicht getan. Warum nicht? Es war einfach zu töten, ein Wild zu töten, es war auch einfach Wölfe zu töten, doch Wölfe die man kannte, die konnte er nicht töten. Warum auf einmal nicht mehr? Der schwarze Rüde sprang auf einen alten Baumstamm und sah in den nebeligen Wald. Dort würde ihr Essen lauern. Würde Acollon, dies wusste er genau, wieder töten und das Blut riechen so musste er sich zusammen reißen. Er hoffte das Kaya verschwunden war und er seinen Sayo vorfinden würde.

"Dort hinten sind vier Rehe, auch ein Bock ist dabei.“

sagte Acollon leise aber sehr deutlich, seine Schmerzen waren noch groß, und ihm tropfte noch etwas Blut aus der Schnauze.

"Wir sollten keine Schwierigkeiten haben sie alle zu töten."

fuhr er fort und sah seine Mitjäger nicht an.

"Falk, du treibst von rechts, und du Varloc von links. Ich komme von der Mitte her und werde sie in eure Richtungen jagen. Dann haben wir leichtes Spiel! Einverstanden?"



Falk hatte die Rehe bereits gewittert, als Acollon zusammenfasste, was er sah. Sich reckend spähte Falk in den Wald und erblickte die vier äsenden Rehe.

"Die wirken alle recht kräftig, im Notfall müssen wir ein oder zwei Tiere laufen lassen. Ansonsten dürfte es kein Problem werden."

Er zögerte kurz.

"Ich habe lange keine größeren Tiere mehr gejagt, aber es wird schon klappen."

Er nickte Acollon und Varloc zu und pirschte sich von der rechten Seite an die Rehe heran. Der Wind stand günstig; der Rehe würden sie nicht wittern können. Wenn der Wind nur nicht drehte...
Falk sah sich nach Acollon und Varloc um. Varloc war nicht zu sehen, von Acollon war der Rücken zwischen den Bäumen auszumachen. Falk wartete, dass Acollon die Rehe aufschreckte. Er stand günstig, wenn die Rehe fliehen wollten, mussten sie auf jeden Fall an ihm vorbei oder an Varloc, wenn sie in der richtigen Position war.



Der schwarze Rüde stellte sich in Position und verschmolz ziemlich schnell mit der Natur in eine Einheit. Acollon lief geduckt vorwärts. Falk sprach davon, dass sie vielleicht zwei Rehe laufen lassen mussten, doch das würde er nicht zulassen, alle drei mussten sterben. Doch als er nach seinem Gefühl ging, spürte er wie drei Rehe sterben würden.

"Eins überlebt.“

murrte er leise. Er wartete ab, bis Varloc ihre Position eingenommen hätte. Er musste schnell handeln und sein ganzes Geschick auf das Spiel legen. Die Rehe schienen keinen Verdacht zu schöpfen, der Wind stand aber auch reichlich gut. Sein Blick huschte zu Falk, er nickte kurz und duckte sich, zum Angriff bereit.



Vilcene wanderte mal wieder im Wald herum. Sie wusste plötzlich nicht mehr wo sie war. Sie hatte sich im Wald verirrt, als das Erdbeben war. Jetzt versuchte Vilcene eine Witterung vom Rudel aufzunehmen um wieder zurück zu gehen.


Chyran kam der Bitte der weißen Wölfin nach und machte sich etwas orientierungslos auf den Weg. Er folgte seiner Nase zum See und versuchte dann das zu tun, was die Wölfin ihm aufgetragen hatte. Er versuchte möglichst viel Wasser in die Schnauze zu nehmen und lief zurück, doch schon auf halbem Weg merkte er, das da kaum noch Wasser war, was er Ayala, so hatte die Weiße sie genannt, geben können. Suchend sah er sich um und erspähte ein Stück einer Baumrinde, die er als Schöpfer nutzte und so mit ein bisschen Wasser zurück zu den Wölfinnen an der Höhle kam.


Falk sah aus den Augenwinkeln, wie Acollon ihm zunickte und in Angriffsposition ging. Federnd ging Falks Sprung, sein rasch herumfliegender Blick machte Varloc und Acollon aus.
Die Rehe schreckten auf und stoben in verschiedene Richtungen auseinander, eines kam auf ihn zu. Falk lief schneller, setzte zum Sprung an und verfehlte das Reh knapp, ehe er sich in dessen Hals verbeißen konnte, war es herumgefahren und eilte in die entgegengesetzte Richtung. Über sich selbst schimpfend griff er erneut an und erwischte eines der Beine des Rehs, konnte es zum Fall bringen.
Sofort war Falk zur Stelle und biss dem verwundeten Tier die Kehle auf. Trübe wurde der Blick, sein Blut vermischte sich mit dem Blut Falks, dass immer noch aus der kaum verkrusteten Wunde lief. Sein Blick suchte Acollon und Varloc. Wo waren sie? Würden sie erfolgreich gewesen sein? Konnte er helfen?



Ayala nahm diese Stimmen von Ferne wahr. Sie verschwammen ineinander, wurden verzerrt, färbten sich dunkel. Ihr verkrustetes Maul, aus der die ausgetrocknete Zunge hing, lechzte nach Wasser. Jeder kleine Atemzug verursachte ihr unsägliche Schmerzen. Sie glaubte, spitze Nadeln würden sich in ihre Lunge und in ihre Atemwege bohren. Dann hörte sie wieder Geräusche, die jedoch hell und surrend waren. Sie fühlte einen leichten Schwindel und fühlte wie sie fiel, tief, tief hinab. Plötzlich hörte sie eine klare, ihr wohlbekannte Stimme, die nicht mehr verzerrt und unreal war. Sie verspürte den natürlichen Drang, ihre Augen zu öffnen - war es wirklich Banshee, die sie gehört hatte? Ihre Schwester im Geiste? War sie bei ihr? Unter großen Schmerzen hob Ayala die Augenlider, die von dem vielen Erdbrocken nicht mehr weiß, sondern eine bräunliche Farbe angenommen hatten. Sie öffnete ihre Augen, wurde zwar vom hellen Licht geblendet, sah aber das wunderschöne Gesicht Banshees, über das sie noch nie so froh wie jetzt gewesen war.


Acollon sprang leichtpfotig auf und folgte einem Reh mit großer Leichtigkeit. Fast wie beiläufig riss er das Reh zu Boden und biss ihm die Kehle auf. Das Blut verteilte sich überall auf dem Boden. Die Muskeln des Rehs zuckten, doch dann wurde der Körper ruhiger und die letzten Anzeichen eines Lebens wich aus ihm. Der schwarze Rüde war keineswegs darüber erstaunt wie schnell er töten konnte, auch nicht, wie viel Blut auf der Kehle spritzte, auch jetzt noch, wo das Wild tot war. Er hatte aus den Augenwinkeln sehen können wie Falk sein Reh erlegt hatte, er sah einem weiteren Reh nach. Hatte Varloc auch eins erwischen können?


Banshee sah zufrieden auf, als Chyran wieder kam. Er hatte Baumrinde genommen und so Wasser transportiert, glücklich nickte sie. Als ihr Blick wieder auf Ayala fiel, sah sie, wie diese ihre Augen öffnete.

"Ayala, endlich ... Chyran bringt Wasser ... bald wird es dir wieder besser gehen."

Sanft stupste sie die junge Fähe an und sah wieder zu Chyran.



Chyran schon der Wölfin die Baumrinde mit dem enthaltenen Wasser hin. Dann ließ er sich nieder und beobachtete die beiden Wölfinnen, an die Weiße gewandt fragte er:

"Wie ist dein Name?"


Er legte den Kopf schief, fremd fühlte er sich hier und noch immer war er verwirrt über das, was die Wölfin gesagt hatte. Er ließ seinen Blick schweifen, versuchte herauszufinden, ob er schon einmal etwas von dem allen hier gesehen hatte, doch dem war nicht so.



Ayala spürte das unglaublich erfrischende Wasser in ihrem ausgetrockneten Körper, das sie wieder lebendig machte. Sie sah Banshee noch einmal dankbar an und auch Chyran, den sie erst jetzt wahrnahm. Aber wieso nannte ihn Banshee Chyran - es war doch Sayo, oder Kaya, oder Kamui...? Ayala war zu erschöpft, um weiter darüber nachzudenken, sie blickte die beiden noch einmal an, sie wusste, dass sie ihnen ihr Leben zu verdanken hatte und schlief ein, in einen erholsamen, gesunden Schlaf.


Banshee sah lächelnd auf Ayala, ihr schien es gut zu gehen, verletzt war sie nicht weiter außer ein paar Schrammen. Erleichtert sah sie zu Chyran.

"Ich bin Banshee, Alpha dieses Rudels."

Sie war unendlich erschöpft, ihre eigenen Verletzungen und die Aufregung um Ayala machten sie fertig, doch sie hielt sich tapfer und lächelte Chyran an. Für ihn musste es seltsam und verwirrend sein, doch in diesem Moment war sie nicht fähig ihm zu helfen. Nur freundlich aussehen konnte sie und auf Acollon warten.



Schweigend hatte Varloc alles mit angehört und nur kurz auf Acollons Worte genickt. Die Rehe waren leichte Beute, das sah sie auf den ersten Blick. Sie hatte wieder Wolfsgestalt angenommen, so würde sie schneller sein, doch hoffte sie, dass ihre Kräfte in dieser Gestalt ausreichen würden Jede Faser ihres Körper schrie nach einer Ruhepause.
.oO(Reiß dich noch einen Moment zusammen, dann kannst du soviel schlafen wie du willst. Na los, reiß eins von den Rehen, du darfst jetzt nicht bei der ersten Jagd versagen. Was würden sie von dir denken? Falk und Acollon...)Oo
Sie lief los, lautlos und schnell, wie ein schwarzer Blitz. Sie erreichte eines der Rehe und tötete es mit einem einzigen Biss. Das letzte lief davon. Sie sah, dass Falk und Acollon ihre Beute ebenfalls gerissen hatten. Sie trat zu Acollon.

"So, ich hoffe mal es ist alles zu deiner Zufriedenheit verlaufen und ich war dir nicht zu mordlustig, was du ja anscheinend noch immer von mir denkst."

Ihre Worte klangen bitter. Es tat ihr weh dass der Schwarze sie anscheinend noch immer wegen ihrer Rasse verurteilte. Auch wenn er es nicht aussprach und sie mit zur Jagd genommen hatte, seine Worte zu Banshee als er sie das erste Mal gesehen hatte hatten sich ihr eingebrannt.



Acollon zog eine Augenbraue hoch und lächelte etwas höhnisch.

"Glaub ja nicht, nur weil du ein Werwolf bist, dass wir wegen deiner angeblichen Mordlust, Angst davor haben, dass du nicht gut jagen kannst, ohne einen Blutwahn zu haben."

sagte Acollon fast gereizt.

"Ob du nun ein Werwolf bist oder nicht, das ist mir völlig egal. Ob du dem Leben oder doch dem Tod dienst, ob du eine gute oder schlechte Vergangenheit hast! Hör mir zu, es ist nicht so, dass jeder Wolf verurteilt, oder denkst du das von mir? Bin ich ein Wolf der verurteilt? Und wenn ja, wen verurteile ich?"

sagte Acollon ernsthaft und hatte sich erhoben.

"Du magst ein Werwolf sein. Aber hat das Leben als Werwolf denn nur schlechte Seiten? Hattest du denn nie ein Vorteil weil du einen so starken Körper hast? Wenn nicht, dann nutze diese Kraft jetzt! Beschütze das Rudel! Beschütze Wölfe die dir etwas wert sind."

Acollon hatte fast gereizt und aggressiv gesprochen. Er konnte sich nicht richtig ausdrücken, das war ihm klar, doch er hatte etwas sagen müssen. Der schwarze Rüde biss in seine Beute und zerrte sie in Richtung Rudel. Er wollte wieder bei Banshee sein. Doch als das Blut an seiner Schnauze hinunter tropfte, hielt Acollon inne. Wie ein Blitzschlag trafen ihn seine Gedanken. Der Tod, die Gestalt die den Welpen fraß. Er war es. Er hatte alle getötet, er hatte diesen Welpen gefressen. Acollon warf seinen Kopf zur Seite und kniff die Augen zu, allmählich verschwanden die Gedanken, doch der Schmerz saß nun tiefer. Ohne auf die anderen zu achten, ob sie es gesehen hatten, biss Acollon erneut in das Fleisch des Rehs und zog es weiter.



Falk hatte den Disput zwischen Varloc und Acollon verfolgt und sich gesagt, dass es besser war, jetzt einfach mal die Klappe zu halten. Was zwischen den beiden vorgefallen war, war nicht seine Sache und auf neue Konflikte hatte er auch keine Lust.
Schon früh hatte er gelernt, dass extreme Aggressionen letztlich nichts bringen, dass er sich beherrschen musste, Autoritäten gegenüber respektvoll sein musste und gleichzeitig Überlegenheit ausstrahlen musste. Das hatte Falk gelernt und er hatte es nie vergessen.
Und auch jetzt erinnerte er sich daran, dass Acollon ein ranghöheres Tier als er war und gute Beziehungen zu einer der Alpha-Wölfinnen hatte, bzw. dass es sich bei der weißen Fähe Banshee wahrscheinlich um Acollons Gefährtin handelte. Außerdem mochte Falk Acollon auf eine unbestimmte Art und Weise, er faszinierte ihn und stieß ihn zugleich ab und nicht zuletzt erinnerte er Falk an sich selbst.
Und was war mit Varloc? Falk versuchte sie einzuschätzen, nach dem, was sie bereits geäußert hatte. Er vermutete, dass sie in gewisser Weise Bestätigung brauchte und an Selbstzweifeln litt, dass sie vor Wölfen dementsprechend auftrat, wie diese vor ihr auftraten. Er überlegte, dass er ihre Sympathien in gewissem Maße hatte, es zwischen ihr und Acollon jedoch Reibereien gab.
Das war Wissen, das er benötigte, wollte er sich diesem Rudel anschließen. Er hatte gelernt, dass es immer darauf ankam, wie gut man sein Rudel kannte, dass man Freunde von Feinden mit sicherem Wissen unterscheiden konnte und dass man den Charakter der einzelnen Rudelmitglieder kannte, ihre Stärken, ihre Schwächen.
Falk folgte Acollon, seine Beute mit sich zerrend. Er begann seinen Magen zu spüren und überlegte, wann er zuletzt gefressen hatte. Außerdem hatte er Durst und sein mit Blut verklebtes Fell ekelte ihn.



Chyran sah sich um, Blutgeruch, verletzte Wölfe, wohin man sah. Was war hier geschehen, es gab so viele Fragen die er sich nicht beantworten konnte und er wollte die Alpha nicht weiter belästigen, sie war verletzt und seine Fragen würden warten müssen. Banshee sagte, seine Geschwister würden in seinem Körper leben, er wusste eigentlich genau, dass sie längst tot waren. Gestorben als Welpen, getötet von jenen die einfach jeden töteten. Er Chyran hatte es genau gesehen und nichts tun können und er hatte nicht mehr leben wollen. Das war das letzte an was er sich erinnern konnte, ehe er hier wieder aufwachte.


Die ungewöhnlich lange Rede von Acollon ließ Varloc nachdenken. Sie wurde aus diesem Rüden einfach nicht schlau. Er übte eine gewisse Faszination auf sie aus, und sie respektierte ihn auch, dennoch war da etwas, was sie selbst nicht benennen konnte. Er war so widersprüchlich.

"Du selbst hast doch zu Banshee gesagt, Werwölfe würden nur töten wollen und nichts anderes können, einfach töten aus Mordlust."

Sie flüsterte das zu sich selbst, hoffte, das Falk es nicht hörte, Acollon war schon zu weit entfernt. Auch sie schlug nun ihre Zähne in das Reh und schleifte es den beiden Rüden hinterher.
.oO(Versau es dir nicht, sie lehnen dich nicht von Anfang an ab.)Oo



Acollon ignorierte seine Jagdgefährten, seine Gedanken lagen wieder bei Banshee.
Er liebte sie sehr, und doch machte er sich Sorgen, was hatte sie? Als sie Nygero angesehen hatte, schien sie traurig und fast einsam. Was war es gewesen? Eifersucht kam in Acollon auf, fast gleich mit seiner Wut auf die Worte von Varloc. Er musste sich zusammenreißen, er musste Banshee und Nyota in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Er hatte sich dem Schutz Banshees verschrieben, aber dies bedeutete auch, das zu wahren, was Banshee liebte. Und sie liebte dieses Rudel, dieses Revier. Seine Gefährten und Acollon selbst hatten die fast gänzlich mit Steinen und Blut übersäte Höhle erreicht. Acollon ließ seine Beute liegen und lief auf Banshee zu, mit immer noch blutverschmierter Schnauze leckte er über die Lefzen, dann sah er Ayala und Kaya, oder Sayo?
Knurrend und doch mit fragendem Blick schritt er auf Chyran zu.

"Ich hoffe dein Geist ist gewandelt und die scheinst wieder Sayo!"

sagte Acollon unsicher und doch sehr arrogant. Er konnte ja nicht ahnen, dass Chyran sich an nichts erinnern konnte. Der schwarze Rüde schenkte dem Grauen ein kurzes und knappes, aber freundliches Lächeln, eher er sich an Falk und Varloc wandte.

"Falk, du siehst müde und kaputt aus. Außerdem bist du blutverschmiert. Wir sollten zum See gehen und uns das Blut aus dem Fell waschen, danach könnten wir die gejagte Beute verzehren und uns ausruhen."


Fast väterlich sah er die Wölfe an, die vor ihm standen.

"Banshee, möchtest du auch zum See?"

fragte Acollon und schleckte ihr wieder über die Lefzen.

"Dann gebe ich solange Acht auf Ayala, und gehe später alleine zum See."

er lächelte seine Fähe liebevoll an, dieses Lächeln wagte er nur bei ihr.



In Gedanken versunken war Falk Acollon gefolgt, hatte das erlegte Reh wie nebenbei mit sich gezerrt und dann endlich die Höhle erreicht.
Wieder meldete sich sein Körper mit aller Macht, überwältigt von Hunger, Durst, Schmerzen und Erschöpfung strauchelte er kurz, fing sich aber sofort wieder. Er durfte keine Schwäche zeigen.
Als Falk jedoch die Höhle betrat, wurde er von plötzlichem Zorn überwältigt. Dort stand der grau-weiße Rüde, der ihn vor der Jagd beleidigt hatte, ganz ruhig, fast harmlos, komplett unschuldig.
Zorn, Wut, Hass - all das sprudelte in ihm plötzlich hoch und überwältigte ihn. Acollons Worte, dass sie an den See gehen, sich säubern, dann fressen und ausruhen sollten, erreichten ihn nur noch wie durch einen Nebel.

"Du feiges Arschloch, dass du überhaupt noch hier bist! Von Hilfsbereitschaft hast du ja wohl auch noch nichts gehört, geschweige denn von Respekt und Höflichkeit anderen gegenüber!"

Mit funkelnden Augen, angespannten Muskeln und zuckendem Ohr machte er einen Schritt auf den grauen Rüden zu, während er gleichzeitig, mit, zu seinem eigenen Erstaunen, gewisser Erleichterung feststellte, dass es Banshee und einer anderen weißen Fähe, die kurzzeitig verschwunden war, gut ging. Zumindest den Umständen entsprechend gut, denn das Erdbeben hatte das Rudel in Bedrängnis gebracht und von dem grau-weißen Rüden ging eine Gefahr aus.



Acollon stellte sich aufrecht hin und sagte mahnend:

"Falk! Ist gut!"

Der schwarze Rüde wollte um jeden Preis einen Streit oder unangenehme Stimmung verhindern, das Rudel war geschwächt und brauchte Ruhe, nicht einen erneuten Orkan der Verwüstung.

"Chyran ist ein Wandler."

fuhr Acollon erstaunlich ruhig und gelassen fort. Was war mit ihm los? Hatte ihn das Rudelleben so verweichlicht? Ihm war im Moment sein Stolz mehr wert, als dass er noch hätte etwas Beruhigendes sagen können. Er schleckte nur kurz Banshee erneut über die Schnauze und setzte sich. Banshee ging es gut, dass war Acollons einzige Sorge. Doch etwas regte sich in Acollon, Falk hatte Sayo oder Kamui oder Kaya mit Worten verletzt, die nächste Reaktion musste verraten wer den Körper gerade beherrschte. Der schwarze Tod hoffte, dass es Sayo sei, der antworten würde. Acollon wusste genau, dass Sayo nicht mit solchen Worten umgehen konnte und Acollon würde eingreifen. Wenn Kaya antworten würde, wäre ein Angriff sicher, dann würde Acollon schweigend warten, doch es nicht zulassen, dass jemand starb. Würde Kamui antworten... ja, was wäre dann?



Varloc folgte den anderen beiden schweigend zu den anderen zurück. Sie hatte keine Augen und Ohren mehr für die anderen, sie spürte nur ihren Hunger, ihren Durst und ihre Erschöpfung. Sie hörte was Falk sagte und befürchtete einen Streit, nicht mehr, als sie Acollons Reaktion hörte. Sie ließ ihr erlegtes Reh los und lief allein zum See. Sie konnte jetzt keinen Streit vertragen und schon gar keinen Kampf. Am See angekommen trank sie gierig und lange, wusch sich auch die Wunde aus, die Acollon ihr beigebracht hatte, sowie das Blut aus ihrem Fell. Dann legte sie sich hin und genoss die Ruhe, die sie umgab. So könnte es bleiben, für immer.


Banshee hatte schweigend das Ankommen Acollons, Falks und Varlocs beobachtete und wollte gerade ihrem Gefährten antworten, als Falk Chyran anfauchte. Mit einem schnellen Satz war sie auf den Pfoten und stellte sich vor Falk. Als Acollon bereits ein Teil der Antwort gab nickte sie, dann erklärte sie weiter.

"Er ist gerade weder Sayo, noch Kaya und Kamui. Ein neues Wesen ist aufgetaucht, Chyran. Ich weiß nicht, wer er ist, aber er kann sich an nichts erinnern."

Sie sah Varloc nach und seufzte leise.

"Falk, ich werde es dir erklären, wenn die Zeit günstiger ist. Jetzt sollten wir zum See und das Rudel zusammen finden. ... Wo sind Vilcene und Nyota?“

Sie sah sich kurz um, dann hob sie die Schnauze zum Himmel und heulte nach den beiden.



Böse knurrte Falk auf, aber nicht wegen dem grauen Rüden, der anscheinend auf den Namen Chyran zu hören schien oder Kaya oder Kamui oder Sayo. Wie auch immer. Eigentlich war er nur sauer, weil ihm schon wieder der ganze Wind aus den Segeln genommen war. Und eigentlich war er auch gar nicht so richtig sauer.

"Ein Wandler? Multiple Persönlichkeit - eine Person vereinigt mehrere Charaktäre in sich, die einen Host, den eigentlichen Charakter vor Verletzungen schützen!"

verkündete Falk mit aalglatter Stimme und grinste prahlerisch in die Runde. Er besann sich. Sein Einstieg war bis jetzt halbwegs vernünftig gelaufen. Außerdem war er erschöpft und wollte Ruhe.

"Okay, erklär' mir das bei Gelegenheit, wir brauchen jetzt wohl alle etwas Ruhe. Also zum See und dann fressen. Das ist ein guter Vorschlag."



Acollon war zufrieden mit Falks Reaktion und Antwort, er hatte den Rüde kurz beobachtet und erhob sich nun wortlos. Seine Mitstreiter sahen wirklich erschöpft und kläglich müde aus. Acollon selbst verspürte noch einen großen Schmerz an jenen Wunden, die ihm zugefügt worden waren. Seine Haut wies mehrere Risse auf, aus denen noch leicht Blut sickerte. Über seiner einen Lefze zog sich ein langer Schnitt. Seine Innereien schienen zerdrückt.

"Banshee kommst du? Du auch Chyran."

sagte Acollon und schritt in Richtung See, ohne ein Anzeichen, dass ihm dort etwas passiert war.
Falk würde sicherlich auch folgen. Acollon war sehr müde, etwas zerrte und nagte an ihm, aber nicht seine offenen Körperwunden, sondern etwas Tieferes. Es hatte ihm nicht viel Überlegung gekostet und er wusste warum, er hatte den Welpen getötet, er hatte die vielen anderen Wölfe getötet. er war es gewesen, er war der Mörder. Er hatte auch Moons Mutter getötet. Ja, das alles war Acollon gewesen. Langsam schritt der schwarze Rüde weiter.



Oh nein, so berechenbar war dieser Körper nicht, Chyran wurde weg gedrängt und Kaya, erfreut über eine neue Gelegenheit zum streiten, nahm besitz von Chyrans Körper. Ein Knurren entrann seiner Kehle, wütend und erst galt es Falk, dann Acollon. Falk beachtete er nicht weiter, denn da war etwas das er noch loswerden wollte.

"Acollon du Ausgeburt der Hölle! Jetzt willst du Sayo wieder schützen? Deine Worte waren, dass du niemanden außer Banshee liebst und du kannst froh sein, dass er es nicht hören konnte, denn sonst würde ich dich nun töten! Er hasst Blut, er verabscheut es und zwang sich zu euch zu laufen, denn er wollte nicht das du oder Banshee sterben, ich hab ihn gewähren lassen, vermutlich ein Fehler, denn er will mich gar nicht mehr hindern den Körper zu haben, er will ihn selbst nicht mehr, da ihm alles egal ist!"


Er schrie den Schwarzen an, verzweifelt und doch wissend das es seine eigene Schuld war, er hatte Sayo gelassen und verschuldet das sich der Kleine so weit zurück gezogen hatte, das er nicht mehr zu erreichen war, nicht einmal für Kaya. Er hasste Acollon, doch nicht weil er einfach jeden hasste, dieses mal, weil er selbst Sayo nicht helfen konnte, er konnte den zerbrechlichen Wolf nur schützen, Sayo hatte die Liebe der Alpha gebraucht und die ihres Gefährten. Er hatte zwei Wölfe gefunden die ihm mehr als alles andere bedeuteten, die Geister die ihn immer begleiteten waren ihn egal, doch nicht einmal das hatte ihn gehalten, nicht einmal das...
Kaya schüttelte den Kopf, dann wandte er sich an Falk.

"Ich habe kein Leben und ihr alle interessiert mich einen Scheiß! Ich schütze Sayo, Kamui und nun Chyran, nichts sonst ist meine Aufgabe, ich starb als Welpe und ich helfe nicht irgendwelchen Wölfen, die es in meinen Augen nicht wert sind!"

Flüchtig sah er zu Acollon, denn sein letzter Satz meinte in allererster Linie ihn.

"Du willst Respekt? Den wirst du von mir niemals bekommen! Keiner von euch, höchstens noch Banshee, denn sie ist nicht so falsch wie ihr!"

Nun hatte er alles gesagt, Chyran würden sie nicht angreifen, also sollte dieser wieder.

"Beschäftigt euch mit Chyran!"

Er schubste seinen Bruder wieder aus dem Hintergrund nach vorne und zog sich zurück, misstrauisch alles weitere beobachtend.



Chyrans Blick lag verwirrt auf Acollon und Falk, wie von weitem hatte er die Szene beobachtet und verstand langsam, was die Alpha mit ihren Worten meinte. Kaya war in seinem Körper und hatte gesprochen, ohne das er hätte etwas tun können, er spürte die Anwesenheit Kayas noch immer, doch die anderen beiden Geister nicht.

"Tut mir leid, ich hab versucht zu helfen und Ayala ausgegraben und Wasser geholt. Chyran ist mein Name und ich war der Bruder von den dreien die ihr zu kennen scheint, ich sah wie sie starben und wollte es ihnen gleich tun, nun scheine ich zu leben, irgendwo weit weg von jenem Ort an dem meine Familie ihr leben ließ."


Traurig sprach er, auch an ihm war etwas welpenhaftes, doch nicht so wie bei Sayo, keine Wärme nur Trauer bestimmten den Glanz seiner Augen, keine Unschuld oder Naivität, lediglich die Tatsache, das er das letzte mal, als er den Körper hatte, ein Welpe war.



Banshee verfolgte den Ausbruch Kayas schweigend, ihr Blick lag traurig auf dem großen Rüden. Alles war falsch, alles war so falsch.

"Hört auf, was hat das für einen Sinn? Warum streitet ihr über Dinge, die weder uns noch irgendjemand sonst jetzt noch helfen? Nyota und Vilcene sind verschwunden, wir müssen sie finden! Ayala geht es nicht sehr gut, wir müssen ihr Futter bringen. Und ... wir müssen uns selbst beruhigen. Viele Fremde sind hier, Falk, Chyran, Vilcene doch wir sind trotzdem ein Rudel. Ich bitte euch, haltet zusammen, wir können zusammen leben doch alleine sind wir jetzt nur Schatten."


Sie verstummt, sah zwischen Acollon und Chyran hin und her, ließ ihre Augen dann in den Himmel gleiten und beobachtete die Wolken, die so sanft und geduldig, unendlich frei dahinschwebten.



Acollon hatte Kaya nicht einmal eines Blickes gewürdigt, er war voran gegangen. Seinen Blick auf den See gerichtet, er hatte diesem Geist nicht einmal richtig zugehört, beschäftigt mit seinen eigenen Gedanken, doch als Kaya sagte oder mehr fragte ob Acollon von ihm Resepekt haben wolle, und er ihm ihn nie geben würde.

"Respekt von einem Dummschwätzer will ich nicht einmal haben!"

doch als Acollon sprach war Chyran wieder im Besitz des Körpers. Sein hasserfüllter Blick glitt gleichgültig zu diesem grauen Rüden.

"Wenn Sayo nicht mehr in dem Besitz diesen Körpers ist, werde ich dir das leben zur Hölle machen!"


seine Stimme war kalt und fast verächtlich. Der gewohnte und alte Hohn glitt wieder über seine Schnauze. Dass er diesem Rudel helfen wollte hatte er vergessen, er drehte sich um. Schritt langsam auf den grauen Wolf zu.

"Du bist nicht besser Kaya."

sagte Acollon spöttisch und grinste breit. Er schritt an dem Grauen vorbei und rämpelte ihn an, schuppste ihn gar zu Boden. Acollons wahre Werte kamen zum Vorschein, der tötende und rücksichtslose Acollon, der dem Tod geweiht war.

"Du versuchst deine Geschwister zu beschützen, indem du versuchst, die Wölfe zu verjagen, die sie einst liebten?! Wie lächerlich!"


Acollon lachte kurz und knapp auf. Jedoch stolzierte er weiter, in die entgegengesetzte Richtung des Sees.
Sein Weg führte ihn in den Wald. Wieder einsam, wieder alleine, doch diesmal froh und fast erleichtert darüber.

"Und noch etwas."


sagte er leise, als er den Rand des Waldes erreicht hatte.

"Acollon liebt auch Sayo, doch der Tod tut es nicht."


Dann verschwand der Rüde im Wald.



Chyran ließ alles über sich ergehen, die Worte Acollons und er ließ sich auch zu Boden werfen. Kaya war gerade dabei sich wieder wichtig zu machen, doch Chyran ließ ihn nicht. Er sah zu Banshee, und wandte dann den Blick ab.

"Ich denke, hier bin ich nicht länger willkommen."


Er sah über die fremden Gesichter.

"Ich kenne euch nicht und es scheint besser zu sein, wenn ich gehe."


Er wollte sich abwenden, als eine lautstarke Diskussion begann, die vielleicht für manchen merkwürdig aussah.

"Ich mag nicht gehen, ich will hier bleiben, Ran bitte!"

Auf einmal war der kleine schwache Geist zurück gekehrt, er wollte hier nicht weg, niemals wollte er weg von Banshee und als er sah wie Acollon ging, das er am Leben war, rief er dem Schwarzen laut seinen Namen hinter her.

"Sie werden dir weh tun Sayo! Wir sollten gehen, wir passen hier einfach nicht her."

Raunte Kamui und wollte den Körper behalten, als Kaya sich einmischte.

"Wir gehen und zwar auf der Stelle!!!"

Knurrte Kaya und lief auf den Wald zu.


"Haltets Maul und zwar alle! Das ist mein Körper und ich entscheide was wir machen!"


Schweigend hatte Falk den Schlagabtausch zwischen Acollon und Chyran beobachtet, Chyran, der plötzlich wieder der aggressive Wolf war, der Falk vorhin begegnet war und den Falk nicht mochte. Dann, plötzlich, war diese merkwürdige Diskussion aufgekommen, es schien, dass sich die in Chyran vereinigten Charaktäre einen wilden Disput lieferten.
Er konnte nicht anders, er musste eingreifen. Auch wenn er damit eventuell wieder einen Fehler machte. Aber Banshee hatte Recht - allein, auf sich gestellt, waren sie alle nur Schatten.

"Wozu? Was bringt es dir zu gehen? Sicherlich, du bist unberechenbar, gefährlich vielleicht auch, aber was, wenn du wegläufst? Du hast von Tod gesprochen, scheinbar teilen sich deine Brüder einen Körper, willst du denn nicht endlich zur Ruhe kommen? Vielleicht werden sie dich eines Tages in Ruhe lassen, vielleicht auch nicht, und wenn sie es nicht tun, dann sind wir hier genug um uns immer noch beschützen zu können. Banshee hat Recht, allein sind wir nur Schatten und die Welt da draußen ist gefährlich für einen einsamen Wolf und sie würde dir nicht helfen. Ich kenne dich nicht wirklich und dennoch möchte ich, dass du bleibst. Hier. Beim Rudel. Bei uns."


Jetzt hatte er tatsächlich von "uns" gesprochen, aber diesmal spürte Falk, dass er es auch tatsächlich so gemeint hatte. Ja, vielleicht war er tatsächlich endlich angekommen.



Acollon hatte sich gerade umgedreht und wollte noch etwas sagen, doch als er Sayo, Kamui, Kaya und Chyran streiten sah, war er erstaunt und verwirrt zu gleich. Etwas regte sich in der Brust des Rüdens, seine Kühle verlor an Stärke und seine Augen waren wieder ein Spur wärmer.
Er machte einen Schritt auf den grauen Rüden zu und knurrte etwas.

"Was wollt ihr überhaupt, seid ihr euch da einig? Wollt ihr Sayos Wohl? Wollt ihr euren eigenen Willen?"


fragte Acollon etwas verunsichert und verengte die Augen. Ihm war es nun gleich, ob Chyran, Kaya oder Kamui den Körper lenkten, die nächsten Worte waren für Sayo.

"Sayo, ich habe immer nur gedacht, dass ich Banshee liebe und nur sie, dabei habe ich nicht bemerkt, wie du mir langsam wichtig wurdest, wie viel du mir wirklich bedeutest! Ich verachte Kaya und kenne Chyran und Kamui nicht richtig! Doch dich, dich will ich wahren! Genauso wie ich Banshee beschütze."


sagte Acollon raunzend und hatte es fast zornig gesagt, falls er den falschen Wolf ansprach. Der schwarze Rüde fühlte sich etwas hintergangen und verarscht. Sein Blick glitt über die anderen Wölfe, was wollte sie noch hier? Es war eine Sache zwischen Sayo, Kaya, Chyran, Kamui, Banshee und ihm.



Banshee lächelte leicht.

"Ich danke dir, Falk."

Kurz legte sie den Kopf auf Falks Schulter, dann trat sie zu Sayo. Sie wusste nicht, zu wem sie nun sprechen würde, doch es war egal, sie würde zu Sayo sprechen.

"Sayo, mein Kleiner, ich bin bei dir und ich will nicht, dass du mich und das Rudel verlässt. Es ist viel passiert, aber ich liebe dich und du brauchst ein Rudel. Jeder hier braucht ein Rudle und zusammen können wir dieses bilden.“

Sie sah zu Acollon und lächelte glücklich, schleckte ihm über die Schnauze und drückte ihren Kopf an seinen.



Sayo schleckte Acollon über die Nase und lächelte ihn warm an.

"Ich hab dich lieb."

Er rieb seinen Kopf an dem von dem Schwarzen und keiner der anderen wagte die beiden zu stören.

"Sie sollen nicht immer nur zu meinem Wohl handeln, aber sie sollen euch nicht verletzen. Warum bin ich der, für den sie alles tun, haben sie es nicht genauso verdient?"

Gab er nachdenklich von sich. Doch scheinbar hatte sich der Schwächste durchgesetzt, keiner Sprach mehr vom gehen, alle waren verstummt. Sein Blick glitt zu Banshee.

"Ich hab euch beide unendlich lieb!"

Ein dankbares Nicken galt noch Falk, ein freundliches warmes Lächeln von jenem Geist der in die Augen des Körpers ein welpisches Glitzern zauberte.



Falk spürte den Kopf Banshees auf seiner Schulter. Ein warmes Gefühl durchfloss ihn. Nach der langen Zeit der Einsamkeit hatte er vergessen, wie sich Zärtlichkeiten anfühlten und wie gut sie ihm taten. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte sich Falk mit dem Gedanken richtig anfreunden, eine neue Gefährtin zu suchen.
.oO(Verzeih mir, Leah. Aber du bist einfach nicht mehr da. Und wenn ich ehrlich bin, warst du am Ende nur noch ein Schatten deiner selbst.)
Falk versuchte sich Leahs Bild zu vergegenwärtigen und musste mit Schrecken feststellen, dass es ihm nicht gelang. Er konnte ihr Aussehen, ihren Charakter, ihr gütiges Lächeln, den samtweichen Blick mit Worten umreißen, allein, er konnte sich nicht mehr an sie erinnern.
Der Gedanke, der gerade in Falk zu keimen begonnen hatte, war wieder wie weggeblasen, er starb, noch ehe er in Falk richtig wachsen konnte. Mit einem Male verdunkelten sich seine Augen, schlechte Laune machte sich breit in ihm.

"Okay, solange ihr hier Gefühlsduseleien austauscht, werde ich zum See gehen und mich waschen. Und wenn ihr dann fertig seid, könnten wir vielleicht versuchen, wieder etwas von der Ordnung herzustellen."

Fast tat ihm sein patziges Auftreten schon leid, aber da war es sowieso schon gesagt. Und eigentlich war Falk immer noch völlig hin- und hergerissen, in ihm wühlten so viele starke Gefühle, es war viel zu viel passiert. Falk fühlte sich plötzlich entsetzlich müde.

"Ich bin dann...am See... Vielleicht sehe ich Nyota und diese Vilcene..."

Wie in Trance drehte er sich um und schlurfte davon. Wahrscheinlich war ihnen das sowieso egal. Falk hoffte jetzt gerade nur, dass sie ihm etwas von seinem Reh übrig lassen würden.



Fast eifersüchtig sah Acollon Falk nach. Banshee hatte in ihm eindeutig ein Gefühl erweckt. Doch die nächsten Worte Sayos ließen Acollon zärtlich schmunzeln und er leckte; wenn auch ein wenig groß; Sayo über die Lefze. Er betrachtete liebevoll seine kleine Familie, die er über alles liebte.
Wie konnte ihm bloß der Fehler passiert sein, und hatte seine Arroganz und seine Überheblichkeit raus hängen lassen?! Doch es war wieder nur Schutz! Schutz vor allem, was er nicht vertragen würde...

"Kommt, Banshee, Sayo."

Er lächelte beide an. Dann schritt er, ohne den Blick von den beiden abwenden zu können, auf den See zu.



Der junge Rüde Diablo schritt ruhig und gelassen seines Weges. Er hatte lange keine Gesellschaft anderer Wölfe gehabt und vermisste dies sehr. Doch nun musste er sich wohl erst Vorlieb mit dieser Einsamkeit nehmen. Denn was blieb ihm auch anderes übrig?! Diablo seufzte schwer und ließ den Kopf etwas hängen. Ohne es wirklich zu merken überschritt er die Reviergrenzen des Sternenwind Rudels. Es stieg ihm ein vertrauter Geruch in die Nase. Blut! Etwas musste stark bluten. Doch als Diablo noch einmal die Luft mit dem Geruch einsog, bemerkte er, dass es Wolfblut war. Der graue Rüde trabte schnell los. Die Bäume flogen an ihm vorbei. Er hechelte leicht, als er das Ufer des Sees erreicht hatte. Diablo sah sich hektisch um und erblickte eine schwarze Fähe (Varloc). Er schluckte schwer und trat auf sie zu. Lebte sie noch? Wie sie so da lag, wirkte sie schwach und verletzlich. Etwas Trauriges und schweres ging von ihr aus. Was hatte sie? Warum wurde Diablos Herz so schwer? Warum konnte er keine Luft holen, ohne Stechen in der Brust? Langsam und vorsichtig schritt er näher an die Fähe.

"Geht... geht es dir gut?"

wisperte er. Erneut schluckte er einen dicken Kloß herunter. Vielleicht war sie wirklich tot? Was machte sie bloß zu so einem traurigen Anblick? Diablo setzte sich neben die Fähe.

"Was ist passiert?"

fragte er leise. Sie wies nicht viele Wunden auf, doch sie lag so still da. Warum machte sich der Graue so viele Sorgen? Vielleicht war es die Besorgnis der Einsamkeit? Vielleicht wollte Diablo einfach keinen Wolf mehr sterben sehen?! Das Leben war ihm zuwider geworden, nur weil es immer wieder Leiden für ihn bereithielt.
Doch er hatte sich geschworen, nicht aufzugeben! Er wollte dem Leben und Tod trotzen. Was konnte er bloß tun? Was sollte er tun?



Banshee sah Falk lächelnd hinter her, seine Worte waren hart, doch sie wusste, das noch etwas dahinter gewesen war. Sanft stupste sie Sayo an, dann trat sie zu Acollon und lief neben ihm her zum See.

"Ich hoffe, jetzt wird alles etwas ruhiger."

sagte sie leise seufzend und blickte nach vorne, wo der See schon durch die Bäume schimmerte.



"Sicherlich."

sagte Acollon sanft und stupste seine Fähe an. Ihm fiel mal wieder auf, wie schön sie war. Auch mit Blut im Fell. Sie war die hübscheste Fähe, die er je gesehen hatte. Auch ihre Wesensart, war die reinste und klarste überhaupt.
Erschenkte Sayo ein liebes Lächeln, sah dann wieder geradeaus. Die Sonne berührte langsam den See und ließ ihn magisch funkeln.



Banshee warf kurz einen Blick zu Acollon, bemerkte seinen Blick und lächelte ihn an. Sie mochte es, wenn er sie so ansah, dann fühlte sie sich immer wunderschön und so seltsam elegant. Beim See angekommen, tappte sie schnell hinein, wollte das Rot in ihrem Fell loswerden. Leise seufzend legte sie sich in das kühle Nass und wälzte sich einmal, ihr Blick glitt zu Falk und Varloc, dann erspähte sie plötzlich einen Fremden, der bei Varloc stand. Zuerst wollte sie aufstehen, doch dann entschloss sie sich liegen zu bleiben, nur kurz, aber diesen Moment brauchte sie jetzt.


Acollon war Banshee gefolgt und nun stand er am Seerand. Sein Spiegelbild sah ihn stier an, immer noch sickerte leise das Blut aus den Wunden. Doch sollte er nun wirklich dieses Blut, die Erinnerungen an sein Verbrechen, wegwaschen? Nein, er konnte es nicht. Fast kraftlos ließ er sich am Ufer fallen, die Augen fest geschlossen. Wenn er sie aufmachen würde, würde er Banshee im Wasser entdecken und die Erinnerungen, sein Verbrechen würden ihn kalt ausbrennen. Er seufzte tief und schluckte schwer. Acollon musste sich, früher oder später seiner Vergangenheit stellen, sie ertragen können und sie lernen zu verdrängen.


Gierig tauchte Falk seine Schnauze in das erfrischende kühle Wasser, machte noch ein paar Schritte mehr ins Wasser, als es fast die Haare seines Bauches berührte, konnte er sich nicht mehr zurückhalten, haltlos trank er, trank und trank und vergaß für einen Augenblick seine Umwelt. Dann nässte er sein gesamtes Fell, spritzte wild mit Wasser um sich und schüttelte das Fell aus.
Eine Erinnerung stieg in ihm auf, eine Erinnerung aus ferner Kindheit, wie eine Seifenblase. Er, ein Welpe, jagte durch das seichte Wasser, das die Wellen des eiskalten Sees ans Ufer spülten. Sie hatte wieder über ihn gelacht, sie, die Jährlinge. Zornig rannte der junge Falk noch schneller durch das Wasser. Diesmal werde ich es ihnen zeigen. Und dann, Jahre später, hatten sie seine Fähe getötet.
Falk schüttelte den Kopf, wie um die Erinnerungen daran vertreiben zu wollen und wurde dabei Varloc gewahr, Varloc und einen fremden Wolf, der neben ihr stand. Sofort war Falk alarmbereit, vielleicht drohte Gefahr und Varloc hatte vorhin so schwach ausgesehen, viel zu schwach, erschöpft und allein. Er jagte durch das Wasser, bremste jedoch wenige Meter bevor er die beiden Wölfe erreicht hatte, ab. Falk hatte den Blick des Fremden registriert. Nein, von dem ging wohl keine Gefahr aus. Aber dennoch, Vorsicht musste gewahrt werden.

"Varloc! Ist alles in Ordnung bei dir? Du warst vorhin so plötzlich weg..."

Dann wandte er sich dem fremden Rüden zu und richtete sich auf.

"Und du? Was hast du hier verloren? Mit wem hab ich die Ehre?"



Varloc hatte den Fremden nicht bemerkt, war völlig in Gedanken versunken gewesen. Erst als Falk sie ansprach und anschließend den Fremden anherrschte wurde sie seiner gewahr. Wie hatte sie so abwesend sein können? Wahrscheinlich die Übermüdung.

"Ich musste allein sein, Falk. Ich hätte keinen Streit vertragen, dazu geht es mir nicht gut genug. Ich habe seit langer Zeit keine wirkliche Ruhepause gehabt, mein Körper ist am Ende, war es auch schon vor dem Beben. Ich habe den Fremden noch gar nicht bemerkt, ich war so in Gedanken."

Dem Fremden zugewandt fuhr sie fort:

"Habt Ihr etwas zu mir gesagt? Es tut mir leid, ich war in Gedanken."



Falk beobachtete den Fremden aus den Augenwinkeln, sein Blick dagegen ruhte auf Varloc. Die Erschöpfung war ihr anzusehen, die Müdigkeit, ihr Bedürfnis nach Ruhe...
Auch wenn der Fremde scheinbar keine Bedrohung darstellte, da er sonst längst angegriffen hätte, ließ ihn Falk nicht aus den Augen. Es könnte eine List sein, Falk selbst hatte sie schon verwendet und in solchen Momenten war sein zuckendes vermaledeites Ohr sogar mal richtig nützlich. So war es ohne Probleme möglich für ihn, den verängstigten, nervösen Flüchtling zu mimen, dann hatte er sie alle niedergemet-
.oO(NEIN!)
Falk sah sich nach den anderen Wölfen um; Acollon, Banshee und Chyran hatten das Seeufer erreicht, machten aber noch keinerlei Anstalten, zu ihnen zu kommen. Aber ähnlich naiv hatten sie ihn auch in ihr Rudel aufgenommen, fiel ihm ein. Er hätte sie alle töten können. Nun ja, zumindest einige.
Auch diesen Wolf konnte Falk locker packen, doch wenn der Wolf Varloc angriff? Sicherlich, sie konnte sich in einen Werwolf verwandeln, doch sie war schwach und erschöpft. Falk schloss kurz die Augen, dann entschied er sich diplomatischer vorzugehen.

"Das macht doch nichts, Varloc. Ich sah dich hier liegen und diesen Fremden bei dir, da war ich besorgt. Und auch ein wenig neugierig. - Seid Ihr auch von dem Erdwüten erwischt worden? Dass das auch so plötzlich kam... Wo seid Ihr her? Wie ist Euer Name? Mich nennt man Falk."

Er stutzte kurz und entschied sich zu einem seriösen Lächeln. Vielleicht war dem Fremden sein plötzliches Umschwenken überhaupt nicht aufgefallen. Und wenn er es doch bemerkt hatte und angriff, so würde Falk sich immer noch ganz gut wehren und Varloc verteidigen können. Und letztlich wusste er Banshee, Acollon und Chyran in der Nähe. Fünf gegen einen ließ einem beinahe nicht einmal mehr eine Fluchtmöglichkeit.
Der Gedanke quoll in ihm auf und Falk ließ ihn kurz zu.
.oO(Ich könnte auch nicht dafür garantieren, dass ich ihn am Leben ließe, wenn erst mein Blutdurst wieder erwacht ist.)
Und plötzliches Übelkeitsgefühl ergriff seinen Körper.
.oO(Ja... Es ist noch lange nicht tot... Es war überhaupt nie tot, ich kann es mir nicht länger einreden...)
Mit aller Macht versuchte Falk den Gedanken beiseite zu schieben. Die Welt schien um ihn zu verschwimmen, ein Abgrund tat sich unter seinen Pfoten auf - er fiel ewig - würde das denn nie aufhören? Und was, wenn er aufprallte?
Falk jaulte auf. Seine Muskeln spannten sich, seine Pfoten wühlten im Sandboden.



Banshee zuckte zusammen, als sie Falks Jaulen erhörte, was tat der Fremde? Mit einem Satz war sie auf den Pfoten und rannte zu den drei Wölfen. Falk lag am Boden, schlug um sich und jaulte.

"Was habt ihr getan?"

fuhr sie den Fremden an. Dann senkte sie vorsichtig ihre Schnauze zu dem Rüden und stupste ihn an.

"Falk?"

Tyraleen
23.12.2009, 14:58

Alles geschah so rasch, dass Diablo nicht wusste, wie er reagieren wollte. Der Rüde vor ihm hatte einen solch großen Stimmungswechsel, dass Diablo drauf und dran war, ihn anzugreifen. Doch hatte das alles ruhig beobachtet. Ach als die weiße Fähe dazu trat.

"Ist das die Art wie man einen fremden Wolf empfängt?"

fragte Diablo genervt. Ihm gefiel diese Art nicht. Das Verhalten der Wölfe war merkwürdig. Alles hatte den Geruch des Blutes an sich. Der schwarze Rüde war froh darüber, dass sich die schwarze Fähe noch bewegte, sie also noch lebte. Dort hinten lag ein schwarzer Rüde und betrachtete das Wasser kraftlos. Was sollte Diablo tun? Er hätte die Fähen locker angreifen können, er entschied sicher aber für die friedliche Version.

"Mein Name ist Diablo dé Amés Noir. Wenn Ihr Alpha des Reviers seid, bitte ich um Gewähr."

sein Stimme klang gelangweilt. Die alles war ziemlich mühsam. Er hatte sein altes Rudel viel unkomplizierter in Erinnerung. Doch hier schien Schmerz zu herrschen. Dies gefiel Diablo nicht.



Ohne große Mühe und Lust hatte sich Acollon erhoben. Er beachtete den Fremden nicht. Auch nicht Banshee und Varloc. Banshee ging es gut, eigentlich machte Acollon das glücklich, doch er wollte Falk so nicht sehen. Es kränkte seinen Stolz sehr. Acollon streifte die Schulter des fremden Wolfes, knurrte kurz auf, nicht bedrohlich, doch warnend welchen Rang Acollon bestritt.

"Falk."

Er stieß, etwas unsanft, gegen Falks Schnauze. Acollons Kopf nährte sich dem Falks.

"Hey, wach auf!“

Es war mehr ein Befehl als eine Bitte. Doch Acollon war das gleich.

"Wenn du jetzt aufgibst, war alles umsonst. Enttäusch mich nicht."

sagte Acollon ruhig und setzte sich dicht neben Banshee und Falk. Kurz schmiegte er sich an seine Fähe, sah dabei trotzdem Falk an.

"Oder ich zieh die Alternative vor und zieh dich an der Rute ins Wasser."

Acollon stockte, das war schon sein zweiter Witz, wenn das so weiter ging, würde er irgendwann noch zum 'Kasper' ernannt.



Diablo wurde zusehends wütender. Was war das für eine Art einen neuen Wolf zu begrüßen. Ihm widerstrebte es sich selber zurück zu halten, und den schwarzen Wolf anzugreifen, der ihn so zur Seite gedrängt hatte. Stattdessen setzte er eine verständnisvolle Miene auf. Er hielt es für besser, sich jetzt aus der Angelegenheit heraus zu halten. Sie alle waren voller Blut und schienen erschöpft. Seltsam, dachte Diablo. Was war hier vorgefallen? Der Rüde war froh darüber, dass die schwarze Fähe lebte.
Wortlos schritt er von den anderen Wölfen davon und setzte sich abseits am Ufer hin und sah auf das Wasser.
Sie hatten ihre Gründe, und er würde sich fügen, er brauchte sich nicht beweisen, er brauchte keine Aufmerksamkeit! Er wollte nur nicht wieder einsam sein, er wollte endlich bei einem Rudel weilen können, und nicht immer weiterziehen müssen. Fast qualvoll waren die Erinnerungen an seine vergangene Zeit. Er hatte viele Wölfe leiden sehen, und hatte dabei seine Einsamkeit vergessen. Hatte sie selbst nicht mehr gefühlt und nun musste er mit diesen Schmerzen leben. 'Diablo dé Amés Noir', diesen Namen bekam er von jenem alten Wolf, der ihn aufzog. Doch jetzt war nur noch der Name Andenken an den alten und sehr weisen Wolf.



Nur kurz währte der Zustand der plötzlichen inneren Ohnmacht, Falks Schädel schien zu zerbersten und plötzlich lag er im Wasser.-
Dann hörte er Stimmen. Banshee, Acollon. Der Fremde. Banshee klang besorgt, Acollon... Wie klang Acollon? Eher so, als ob ihm die ganze Sache furchtbar peinlich war.
.oO(Nun ), dachte Falk, .oO(… ob du es glaubst oder nicht, da kann ich mich dir sofort anschließen. Zur Hölle damit, sie müssen mich für schwachsinnig und debil halten!)
Und vielleicht war er das sogar. Falk spürte, dass er nur verdrängte und dass ihn vieles stärker belastet hatte, als er es sich eingestehen mochte. Doch jetzt war nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Es drohte Gefahr. Aber Falk war inzwischen wieder ganz gut bei der Sache und die Gewissheit, dass er hier ein Blutbad anrichten könnte, wenn er nur Lust dazu hatte, gepaart mit der gelangweilt klingenden Frechheit des fremden Rüden stachelten ihn mächtig an.

"Sag mal, was denkst du dir eigentlich, was du dir hier erlauben kannst? Meinst du, wir sollen alle freudig auf dich zuhüpfen und dir um den Hals fallen, auch wenn das anatomisch gar nicht möglich ist? Hättest DU Lust darauf gehabt, dass jeder dahergelaufene Streuner einfach so in euer Gebiet marschiert wäre, so à la 'Tag, hier bin ich!' oder wie? Freundchen, du bedeutest eine gewisse Gefahr und wie du vielleicht aus meiner Begrüßung entnommen hättest, war hier gerade die Hölle los! Glaubst du, wir feiern dann dir zu Ehren gleich ein Fest? Außerdem kann man ja wohl Höflichkeit erwarten, wenn jemand einfach so in das eigene Gebiet eindringt, oder? Soll ich jetzt in meinem eigenen Zuhause auch noch um Erlaubnis fragen müssen, ob ich auch mal plötzliche Schmerzen haben darf oder auch mal mit den Nerven ziemlich fertig sein kann? Wenn du so perfekt bist und wir dich eh alle nerven, dann nur zu! Da ist die Gebietsgrenze!"

Falk deutete mit dem Kopf in eine unbestimmte Richtung. Er hatte selbst keine Ahnung wo das Revier endete. Aber gut, dass ihm das mit den plötzlichen Schmerzen eingefallen war. Alles andere klang absolut idiotisch.



Fast hätte Diablo los gelacht. Doch er riss sich zusammen, tat so, als ob ihn die Worte nicht erreicht hatten, doch als der liegende Rüde geendet hatte, stand Diablo geduldig auf.

"Wolf, habe ich mich mit einem Wort auch nur beschwert? Habe ich etwas zu meiner Situation gesagt?"

sagte Diablo fast gelangweilt und uninteressiert. Es entfachte ein anderes Gefühl, das der schwarze Rüde noch nicht so sehr kannte, Angriffslust.

"Ich habe mich geduldig weggesetzt, ich wollte die Situation nicht stören, ich wollte euch in Ruhe lassen, wollte nur fragen, der Bleibe wegen. Und Ihr …"

Abfällig nickte er zu dem liegenden Wolf.

"… habt mich zu Unrecht angefahren! Was erwartet Ihr für ein Verhalten! Verbeugen und betteln ist nicht drin! Ich werde mich nicht vor solchen Gesinde in den Dreck werfen! Mit welchem Recht behandelt ihr mich, einen Wolf der es nicht einfach hatte und doch friedlich ist, so? Sagt es mir! Wofür verurteilt Ihr mich?"

Diablo fand Gefallen an dieser Art seine Wut freien Lauf zu lassen. Doch er übertrieb es nicht und lächelte deshalb nur höhnisch.

"Habt Ihr überhaupt eine Ahnung von dem Wesen anderer? Habe ich mir angemaßt Euch und Euer Leiden zu kennen? Nein! Ich habe mich still verhalten."

Nun war Diablo wirklich unberechenbar. Seine Mordlust wurde größer, doch seine Einsamkeit zügelte ihn wieder etwas.

"Aber danke, dass ich wenigstens beachtet werden! Freundlich! Dann kann ich mich erstmal vorstellen, damit Ihr den Namen, eines unschuldigen Wolfes kennt. Diablo dé Amés Noir."

zischte Diablo forsch.



Banshee seufzte tief, würde das immer so weiter gehen?
.oO(Engaya, schenke ihnen Frieden ...)
Sie erhob sich, sah Falk mit einem Blick an, der ihn hoffentlich zum schweigen bringen würde und trat dann zu dem Fremden.

"Willkommen, Diablo, ich bin Banshee, Alpha dieses Rudels und du befindest dich in meinem Revier. Ich wünsche von allen Seiten ..."

dabei drehte sie sich leicht zu Falk und Acollon

"... Frieden. Gerne darfst du bei uns bleiben."

Noch einmal seufzte sie leise, lächelte dann die drei Rüden an, wie als einen kleinen Anstupser zur gemeinsamen Freundschaft und trat wieder neben Acollon.



Falk hatte sich inzwischen zu voller Größe aufgerichtet. Durch den Umstand, dass einer seiner vielen Vorfahren ein Werwolf gewesen war, war Falk deutlich größer als gewöhnliche Wölfe und wurde leicht falsch eingeschätzt, da sein kräftig gebauter Körper schwer wirkte und viele Wölfe dachten, sie könnten ihm durch Wendigkeit überlisten. Das Problem war nur, dass Falk im Gegenteil eher wendiger als andere Wölfe war.
Was wünschte er sich gerade in die Einsamkeit zurück, der Wolf würde längst als Knochenberg vor ihm liegen. Doch die Stimme Banshees zügelte ihn. Sofort passte sich Falk an und fand wieder in seine alte Rolle zurück. Mit kühler, ruhiger Stimme sagte er:

"Zunächst habe ich einen Namen, den ich dir genannt habe. Man nennt mich Falk. Dann ist es nicht möglich, nicht zu kommunizieren. Deine Stimme, deine Art einfach das zu übergehen, was ich gesagt habe, lässt darauf schließen, dass du dir mächtig überlegen vorkommst.
Hier erwartet keiner, so denke ich, dass du uns die Pfoten leckst um aufgenommen zu werden. Aber etwas mehr Freundlichkeit wäre angebracht. Ich habe dir erklärt, wie die Situation im Rudel gerade ist. Zum dritten Mal also: Es gab ein Erdbeben, ein Rüde ist gestorben, wir hatten viele Verletzte, wir sind erschöpft und sehnen uns nach Ruhe. Du hättest Varloc angreifen können oder jeden anderen von uns. Nicht jeder Wolf kommt so 'friedlich' wie du daher. Das war die reine Vorsicht und wenn du in Frieden kommst, tut mir mein Verhalten sogar in begrenztem Maße leid. Wobei es dir nicht das Recht gibt, uns jetzt als 'Gesinde' zu bezeichnen, wenn du ach so friedlich bist. Und wer es von uns beiden leichter als der andere hatte, können wir gerne bei Gelegenheit vergleichen - wobei es darauf letztenendes auch nicht ankommt, nein. Und verurteilt habe ich dich nicht, das ist eine Unterstellung! Verurteilen hieße ja nicht zu denken, und glaube mir, ich habe mir die gesamte Zeit Gedanken gemacht über dich. Unter anderen Umständen wäre ich dir wohl anders begegnet.
Und dass ich keine Ahnung hatte von eurem Wesen war doch eindeutig aus meinen Worten herauszulesen, oder? Was unser 'Leiden' anbelangt: Ich habe dir vom Erdbeben erzählt. Du siehst unsere Wunden. Okay?
Ich brauche auch keinen Krieg, ich sehne mich geradezu nach Frieden. Aber bestimmte Umstände lehren einen, nicht jedem Fremden blind zu vertrauen. Respektiert das und ich werde dich respektieren - Diablo.
Und nun seid auch mir willkommen."


Falk nickte Banshee zu. Wahrscheinlich hatte er schon wieder zu viel geredet. Seine Stimme war während des Monologs wieder gereizter geworden, dann hatte Falk sich wieder unter Kontrolle gehabt. Nein, niemals wollte er es verantworten, dass Diablo irgendwen angriff. Und wenn doch, dann würde er selbst kämpfen. Doch Falk hoffte, dass es dazu nicht kommen würde. Er konnte dem Fremden immer noch aus dem Weg gehen, sollte dieser in das Rudel aufgenommen werden.



Acollon sah die beiden Rüden warnend an, sagte jedoch nichts. Es schien alles geklärt und der schwarze Rüde erhob sich. Fast erschöpft schritt er ins seichte Wasser, es war herrlich kühl und frisch. Es schlug leicht Wellen. Die Sonne senkte sich langsam dem Boden entgegen und das Wasser leuchtete rot und orange auf. Es war das Abschiedslicht für Nygero. Acollon neigte seinen Kopf in den Himmel und heulte laut auf. Sein Heulen glitt über den ganzen See und hallte im Echo wieder. Doch plötzlich hustete Acollon und stockte, Blut tropfte aus seiner Schnauze, ein Stich im Herzen und er fiel um. Das Wasser um ihn herum wurde rot. Es schien als ob das Wasser des ganzen Sees sich rot färben würde. Acollon krampfte sich zusammen, diese Schmerzen waren so stark und unerträglich. Er würde sterben, ja, er musste sterben! Diese Qualen mussten aufhören, sie sollten verschwinden! Acollon wollte Ruhe vor diesen Schmerzen und Leiden. Noch mehr Blut sickerte aus der Schnauze des Rüdens, auch aus den puscheligen Ohren. Wieder krampfte Acollon zusammen, keuchte leicht und hustete laut.
Er verblutete von innen.



Ayala öffnete langsam die Augen - sie fühlte sich so leicht und zufrieden. Sie sah, wie dass flackernde Sonnenlicht auf ihrem weißen Fell spielte. Sie versuchte aufzustehen - jetzt kehrte der Schmerz zurück, sie sank wieder zu Boden. Jetzt erst erinnerte sie sich, was geschehen war. Sie seufzte - sie wusste nicht, wie es den anderen ging. Waren noch alle am Leben. Ihr Wille war stärker als der Schmerz, sie stützte sich langsam auf die Vorderbeine. Mit einem gequälten Gesichtsausdruck machte sie sich auf den Weg Richtung See - sie musste unbedingt die anderen erreichen. Mehrmals brach sie wieder zusammen, doch schließlich konnte sie die Stimmen der anderen vernehmen - doch war da nicht noch ein Fremder? Langsam kam sie näher. Sie erblickte Banshee und rieb ihren Kopf dankbar an ihrem Fell - sie hatte ihr das Leben gerettet. Dann hielt sie Ausschau nach Sayo und Acollon.


Eben hatte Acollon noch im See gestanden und mit seinem Heulen scheinbar die untergehende Sonne verabschiedet, als er plötzlich hustete und zusammenbrach.
Falk fixierte den Fremden. Es war keine Aggression in seinem Blick, in seiner Stimme klang die absolute Ruhe mit.

"Nun sieh'. Das ist unser Leiden."

Er drehte sich um, sah Acollons Qual und mit einem Mal wurde ihm der gesamte Ernst der Situation bewusst, es traf ihm fast wie einen Faustschlag.
Mit einem Satz war er bei Acollon, packte ihn im Nacken und zog ihn in den weichen Sand der Uferzone. So wie er im See gelegen hatte, drohte er womöglich im Wasser zu ertrinken.

"Acollon! Du wirst jetzt nicht sterben! Hörst du mich? Das ist ein Kampf, den du gewinnen musst!"

Auch wenn Falk Acollon nicht gut kannte, er wollte einfach nicht, dass er starb, es wäre einfach nicht fair.



Banshee hatte eben noch Falks Worten gelauscht, die ihr ein kleines Lächeln auf die Lefzen zauberten und Ayala leicht angestupst, als Acollons Heulen erstarb und er einfach in den See fiel. Ein paar Herzschläge lang war sie unfähig sich zu rühren dagestanden und nicht geglaubt, was sie gesehen hatte. Erst als Flak sich in Bewegung gesetzt hatte konnte auch sie sich wieder bewegen. Mit schnellen aber doch so schweren Schritten rannte sie zu Acollon, ließ sich neben ihm fallen und starrte ihn fassungslos an. Eben war doch alles normal gewesen, er hatte sogar gejagt und jetzt lag er hier ... Ihr Blick huschte hilflos und verzweifelt zu Falk, dann schloss sie die Augen und drückte ihren Kopf an Acollons.

"Acollon? Bleib bei mir, bitte!"

Ihre Stimme, die kaum mehr als ein Flüstern war, zitterte und blieb leer im flüstern des Windes stehen.



Acollon hustete schwer und spuckte weiters Blut. Falk hatte ihn aus dem Wasser gezogen, doch der schwarze Rüde schaffte es nicht recht sich unter dem Blutstrom zu bedanken. Er spürte Banshee neben sich. Acollon hätte alles gegeben um sie jetzt mit klaren Umrissen zu sehen.

"Es ist schwerer ..."

Er hustete auf und spuckte weiter Blut.

"… als... gedacht."

Die Schmerzen wurden schlimmer. Etwas was an der Grenze des Diesseits liegt. Er spürte förmlich wie sich seine Gedärme überschlugen. Seine Lunge hatte einen Riss. Acollon konnte spüren wie er innerlich verbluten würde, wenn jetzt keine Hilfe kam. Er durfte nicht husten und auch nicht reden, doch das musste erst den anderen klar machen, außerdem musste er trinken und etwas Grünzeug fressen. Es waren die Instinkte eines Wolfes die Acollon wissen ließen was zu tun war, auch wenn der Schmerz ihn benebelte und das Schwarze Flackern vor seinen Augen ihn fast ohnmächtig werden ließ.

"Ich ... verblute von ... innen. Wasser ... Gras."

Acollon krampfte sich wieder zusammen und spuckte wieder Blut. Er lag in einer Lache aus Blut.
Er merkte wie sein Bewusstsein immer weiter abrutschte, doch wusste Acollon das dies nicht sein Ende sein würde, nicht sein gewolltes.



Diablo sah etwas argwöhnisch zu dem Geschehen, der schwarze Rüde hatte einen nicht sonderlichen guten Eindruck hinterlassen. Diablo hätte jetzt handeln können! Doch was war das richtige Handeln? Was hätte ein fremder Wolf machen sollen? Und sie selbst hatten ihm das Gefühl zu geben, sich nicht wichtig machen zu sollen. Auch wenn Diablo die Kunst des Heilens kannte, er würde nicht eingreifen. Der des Wolfes war jedoch nicht schön und er entschloss sich etwas zu sagen, doch nicht zu helfen.

"Er darf nicht sprechen."

sagte er fast kühl und nickte zu dem blutenden Wolf. normalerweise war es nicht Diablos Art so kühl zu handeln, doch was blieb ihm anderes übrig? Was konnte er zum Wohl eines Wolfes beitragen, der ihn doch so minderwertig behandelte?
Langsam kam in Diablo ein schreckliches Gefühl hoch. Er war ein eigentlich sehr sozialer Wolf, dieses Rudel war nur einfach eigenartig. Nicht wie die anderen. Es hatte eine nicht sonderliche nette Art an sich. Diablos Rudel selbst hatte immer freundlich gehandelt. Lange hatte er es gefühlt. Er hatte auch Welpen in die Welt gesetzt, hatte geliebt und gut gelebt. Doch jetzt war er alleine und suchte sich wieder ein neues Ziel. Die einsame Zeit war nur ein Abschnitt, sie würde vergehen. Diablo setzte sich noch etwas weiter von den anderen Wölfen hin und beäugte den Blut spuckenden Wolf skeptisch.
.oO(Jeder bekommt seine gerechte Strafe.)
fiel ihm ein.



Die Worte Acollons waren praktisch kaum zu hören, Falk musste sich anstrengen und über den Sinn der Worte nachdenken, bis endlich ein Ruck durch seinen Körper ging.

"Ich hole Gras, gebt ihm Wasser... Und lasst ihn nicht bewusstlos werden! Er hat innere Blutungen! Beten wir zu allen Göttern, dass sie ihm ein Wunder schenken!"

Falk rannte los, riss gedankenlos ganze Grasoden aus, schleppte sie zurück zum See. Da Acollon alle Kräfte brauchte um gegen den drohenden Tod anzukämpfen und Falk glaubte, dass er zum Kauen sowieso nicht fähig sein würde, zerkleinerte er das Gras vorsichtig in seinem Maul und reichte es ihm häppchenweise. Dabei zwang er sich nicht darüber nachzudenken, was er eigentlich tat. Er hoffte, Banshees guter Geist könnte Acollon durch ein Wunder retten.



Varloc sah erst Falks Zusammenbruch, dann den Acollons. Sie hörte die gezischelten Frechheiten Diablos und spürte eine unbezwingbare Wut in sich aufkommen. Warum mussten diese beiden Rüden leiden? Was war nur los mit ihnen? Sie sah den schon geschwächten Acollon Blut spucken und husten, sie wusste, dass er sterben würde, wenn nicht ein Wunder geschah. Plötzlich hörte sie Diablo sprechen. Sie fuhr zu ihm herum.

"Wofür sollte das eine Strafe sein? Was hat er getan? Was hat er dir getan dass du beurteilen kannst ob es für ihn eine gerechte Strafe ist? Du bist gerade erst hier angekommen, du kennst ihn doch gar nicht! Also sei still und rede nicht von Sachen von denen du keine Ahnung hast, sonst kannst du bald nicht mehr reden!"

Sie sah zu Falk und Acollon hinüber. Falk zerkleinerte das Gras für ihn, der gegen den nahenden Tod kämpfte. Aber es ging so langsam, Acollon war kaum im Stande zu fressen, das sah sie. Was konnte sie nur tun? Verzweiflung überrannte sie. Sie geglaubt, Acollon nicht zu mögen doch jetzt spürte sie, dass das nicht so war. Acollon hatte ihr nie etwas getan. Sie wünschte etwas tun zu können um ihm zu helfen, doch hatte sie keine Ahnung, was sie tun konnte.



Ayala hatte sich so gefreut, dass sie wieder bei den anderen war - doch jetzt war die Fröhlichkeit durch den Schreck und die Angst um Acollon gewichen...sie sprang auf, als sie Acollon zusammenbrechen sah, sie spürte ihre ursprünglichen Schmerzen nicht mehr. Wie durch einen Schleier nahm sie alles wahr, bestürzt rannte sie zu Aco, Ban, Varloc und Falk, der inzwischen Acollon das Gras einflößte. Sie bemerkte den Fremden nicht einmal, zu sehr waren ihre Sinne von dem Geschehen eingenommen. Sie wusste nicht, was sie tun sollte, wie sie helfen konnte. Dann beschloss sie Falk Nachschub zu besorgen, sie humpelte los, riss soviel Gras wie möglich aus dem Erdboden und rannte auf Falk zu. Währenddessen zerkleinerte sie es schon in ihrem Maul.


Banshee drückte sich noch enger an Acollon und hörte leicht im Wind schwebend Falks Worte.
.oO(Engaya, hilf ihm, nimm ihn mir nicht! )
Dann hörte sie Diablos Worte und eine riesige, tosende Welle der Wut entbrannte. Nie war sie ausgerastet, nie hatte sie geschrieen, doch jetzt hatte dieser Fremde Wolf eine Grenze überschritten, der er sich nicht mal hätte nähern dürfen. Ruckartig hob sie den Kopf, ihre lodernden Augen schossen auf Diablo und ihre Stimme war so unendlich fremd und wütend.

"Wage noch einmal so etwas zu sagen und ich schwöre dir bei meiner Göttin und bei deinen Göttern, dass du sterben wirst!"

Sie erhob sich, drohend langsam schritt sie auf Diablo zu, noch immer waren ihre Augen in seine gebrannt und drohten jederzeit seine zu verbrennen.

"Ich rate dir, schweige jetzt lieber, oder du wirst es bereuen ..."

Ruckartig drehte sie sich um und legte sich wieder zu Acollon, seltsam war es, was sie getan hatte, nie zuvor war so viel Wut in ihr gewesen.



Varloc sah, dass auch Banshee wütend über das Verhalten des Fremden Diablo war. Gleichwohl hörte sie auch ihre Worte und fühlte sich bestätigt in den ihren. Ayala war losgelaufen um neues Gras für Acollon zu holen. Doch der brauchte auch Wasser, doch wie sollte sie es zu ihm bringen? Oder sollte sie auch loslaufen und Gras holen? Sie verfluchte sich selbst weil sie nicht in der Lage war, Acollon zu heilen. Sie wusste dass sie die Veranlagung dazu hatte, aber sie wusste nicht wie. Bei den Wargen hatte sie sich nicht darum gekümmert, do wusste sie dass es in ihrem Geburtsrudel Druiden gegeben haben musste. Sie hatte immer magische Ansätze an sich gesehen, sie aber nicht trainiert, da die Wargen die Magie verachteten. Sie konnte nicht mehr mit ansehen, wie Acollon zu sterben drohte, Warum hatte sie nur nichts trainiert? Verzweifelt jaulend verschwand sie, wohl wissend nichts tun zu können, sich für Acollons Leid verantwortlich machend.


Acollon geriert ins Schleudern mit seinen Gedanken. Er hatte kein Gefühl mehr, und verschwand immer weiter im leeren Schwarz, das sich um ihn herbreitete. Er konnte Banshees Worte nicht mehr verstehen, sie waren wie Wasser das rauschend an den Strand gespült wurde. Acollon wollte doch verstehen und sehen, wieso waren sie alle nicht mehr da? Alles verschwand, er fiel tief. Unendlos lange.
Acollons Atem wurde leichter und langsamer. Fast schien es so, als ob er schlafen würde. Doch der schwarze Rüde war fast an der Grenze des Jenseits gelangt. Nicht einmal einer der Götter Engaya oder Fenris erschienen ihm, er war schon zu weit gelangt. Wieder hustete der schwarze Rüde Blut, doch diesmal nicht mehr so viel. Das Gras das ihm Falk gab schien die Wunden von innen etwas zu verschließen, doch die Kräfte Acollons waren nicht genügend um weiter zu kämpfen. Der Rüde war unendlich schwach, sein magerer Körper und seine Wunden hatten ihn in die Knie gezwungen. Doch jetzt wo Acollon leben wollte, konnte ihm keiner helfen. Banshee, Sayo, Nyota, Falk, Varloc, Ayala… All diese Wölfe wollte er nicht alleine lassen!



Diablo schien dem Strom der Beleidigungen und Beschimpfungen ausgewichen zu sein, denn er hatte nichts erwidert oder dazu gesagt! Er hatte mit seinen Worten den schwarzen Rüden gemeint, er hatte sich an diese Augen eines Mörders erinnert. Doch dies wollte er nicht unbedingt zum Besten geben.
Der schwarze Rüde schien geduldig und fast gelangweilt, doch das war er nicht! Er war unruhig und etwas ärgerlich, zeigen würde er es trotzdem keinem. Was ging es sie an, wie Diablo sich fühlte? Sie würden es sowieso nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen. Der schwarze Rüde musste zugeben, dass er bis jetzt er einen Wolf sterben sehen hat, damals von den Pranken des schwarzen Teufels vor ihm getötet. Diablo erinnerte sich genau, fast angeekelt starrte er Acollon an. Nie hatte dieser Wolf Reue oder Scheu vor dem Tod gehabt, er hatte gemordet ohne Hintergrund, ohne an die Gefühle der anderen Wölfe zu denken! Warum sollte Diablo jetzt Gnade und Zuneigung zeigen? Sollte doch dieser Wolf sterben! Er war nur einer von vielen! Doch als Diablo zu der weißen Fähe, der Alphafähe, sah, wurde ihm bewusst, dass er gerade so gedacht hatte, wie er nie denken wollte. Egal wer etwas verbrochen hatte, niemand verdient so etwas, was dieser schwarze Rüde durchmachen musste. Hier konnte nur ein Wunder helfen, Diablo erinnerte sich. Damals, das Heulen des Rudels. Es hatte den Zusammenhalt demonstriert, und die Kräfte des Todes mussten ihren Wolf wieder gehen lassen.
Ohne zu zögern hob Diablo den Kopf in den Himmel, er heulte mit Leibeskraft los. Es sollte dem Tod trotzen und das Leben rufen. Auch die anderen Wölfe sollten dies zeigen, doch er würde sie nicht darum bitten, mitzuheulen! Sie mussten diesen Ruf als Wolf verstehen können.



In Falks altem Rudel hatte es mächtige Wölfe gegeben, die über magische Kräfte verfügt hatten, wie es Falk schien. Sie konnten Kranke gesund und Lahme gehend machen. Stets hatte sich Falk gefragt, woher diese Wölfe ihre Kräfte zogen. Er hatte eine Antwort nie erhalten.
Eines Tages war er einmal mit einem Druiden ins Gespräch gekommen. Falk hatte damals Visionen und Träume gehabt, in denen er seine Geschwister, Blanca und Aldaran, sterben sah. Diese Visionen hatten ihn verängstigt und aus der Bahn geworfen. Der Druide hatte ihm damals geantwortet, dass sich ihm scheinbar Dinge zeigen würden, die in der Zukunft passieren konnten. Jedoch hatte er ihn gewarnt, er meinte, dass das "Schicksal" instabil sei und sich durch unsere Entscheidungen ändern könnte. Mit diesen Worten hatte Falk nach dem Tod seiner Geschwister arge Probleme gehabt, glücklicherweise hatte sich diese "Gabe", die Falk eher als Fluch ansah, bisher nicht mehr groß bemerkbar gemacht.
Falk wünschte sich, dass in diesem Moment ein Druide bei ihnen sein könnte, der wusste, was zu tun war. In seinem Rudel hatte es Bräuche und Rituale gegeben, die den Tod vertreiben sollten. Falk war jedoch bei keinem anwesend gewesen.
Als nun der fremde Rüde anfing zu heulen, fragte er sich, ob er nach einem bestimmten Ritual handelte, doch wenn er daran dachte, was der Fremde - Diablo - über Acollon gesagt hatte, so konnte er sich nicht vorstellen, dass der Fremde in irgendeiner Art und Weise nützlich sein könnte. Dennoch hielt er inne und lauschte dem Heulen nach, ganz als ob er eine Antwort auf eine Bitte erwarten würde.



Das Heulen Diablos nahm der Wind sanft auf, trug es durch das Tal und hinauf in den Himmel, spielte mit ihm den Tanz der Luft und streute es in die Welt ... An jedes Ohr konnte es dringen, wenn es nur gehört werden wollte ... Langsam zogen die Wolken vorbei ... die Sonne strahlte klar und warm vom Himmel, der Wind spielte im Fell des schwarzen halbtoten Rüden. Ein Summen erklang, als würde ein Bienenschwarm sich nähern, doch war es sanft und behütend, die Wölfe hatten keine Angst. Der Wind wurde stärker, doch auch wärmer, strich um Acollons Körper und schien ihn einzuhüllen. Dann war alles wieder still, Kälte breitete sich aus, als würde nach der Wärme Engayas ihr Gegenbild auftreten ...
Fenris` Erscheinen legte ein Schaudern über das Land. Der See schien zu gefrieren und leichte Dampfwolken quellten als Atem der Wölfe. Der Wind schien zu vereisen und schärfer zu wehen, die Bäume knackten. Das grüne Laub schien augenblicklich das Leben zu verlieren. Fenris` Geist schlich um die Wölfe herum, keiner wagte sich zu rühren, diese Begegnung war frostig und schrecklich. Ein Kampf der Mächte schien unausweichlich, doch geschah nichts. Ein Nebel legte sich über den See und kroch auf die Wölfe zu. Die Sonne war ganz verschwunden und das Mondlicht schien zu verblassen. Ein weiterer Windstoß, der wie der Atem Fernis` war, ließ die Wölfe schaudern.
Der schwebende Nebel glitt auf den schwarzen Rüden Acollon zu, umhüllte ihn, schien ihm das Leben auszusaugen. Ein weiteres Knacken im Geäst.



Acollon spürte die Mächte die um ihn herum glitten und als er in Nebel gehüllt wurde, fühlte er sich weich und warm, die Schmerzen schienen zu verschwinden. Doch immer noch merkte er, wie er die Grenzen des Diesseits verließ. Er kämpfte mit allen verbliebenen Kräften, doch diese Gewalten des bleibenden Schmerzes zogen und zehrten an ihm.


Ein seltsamer Laut erklang, für wenige Herzschläge hing er in der Luft und füllte die Ihren der Wölfe, dann war alles wieder still, nur die Kälte schien wärmer geworden, das Dunkle heller und das Tote lebender. Zwei Mächte prallten auf einander und zwischen ihnen lag der leblose Körper des tief schwarzen Rüden.

Banshee spürte die Anwesenheit der zwei Mächte, der zwei Gewalten, der zwei Götter. Sie stand auf, stellte sich über Acollon und schloss die Augen. Versuchte bei Engaya zu sein, versuchte, ihrer Göttin zu helfen, versuchte Acollon zu helfen, versuchte sich selbst zu helfen.


Fenris´ Macht ballte sich gegen die von Engaya auf, doch es schien nur wie ein Angriff, die beiden Mächte schienen verschmolzen zu einer. Fenris war der Todesbringer, doch nicht der Tod selbst! Sein Sohn sollte leben, hatte eine Aufgabe, ein Leben. Das seidene Gras um die beiden Wölfe, Banshee und Acollon herum, schien zu leben und wieder zu sterben, zu gefrieren und wieder zu tauen. Es war der Kreislauf und das ewige Nichts. Weiß und schwarz. Es waren die Gegensätze und das Gleiche. Eine Einheit und doch zwei Gewalten. Der Wind wurde immer stärker und bildete einen Luftstrom um die beiden Wölfe.

Acollon spürte Banshee nahe bei sich. Sein Leben und sein Tod kämpften miteinander. Seine Seele spielte im Strom des Windes. Es schien alles so lautlos und so weich.

“Banshee.“

sagte Acollon leise. Erst jetzt klang ihr Name aus seiner Schnauze wunderschön, herrlich und leicht.



Varloc hatte sich weit vom Rudel entfernt. Sie wollte allein sein. Warum hatte sie nur ihre Fähigkeiten nicht trainiert? Die Wargen hatten sie doch oft genug ignoriert! Aber was brachte es, sich jetzt darüber aufzuregen und sich die Schuld zu geben? Dennoch schlug sie sich selbst mit voller Wucht die Krallen in den Vorderlauf.
.oO(So, du gehst erst zum Rudel zurück wenn du es geschafft hast, diese Wunde zu heilen. Du hast das doch früher schon geschafft, jetzt streng dich an, an findest du auch heraus wie es geht!)Oo.
Sie konzentrierte sich. Es musste doch möglich sein, sie konnte es doch! Aber wie hatte sie es nur gemacht? Sie erinnerte sich dunkel daran, dass sie daran gedacht hatte, dass sie sich nur wünschte, dass diese Wunde heilte, alles wieder in Ordnung kam.
Erst nach mehreren Stunden war es ihr gelungen, die Wunde zu heilen. Gleich fügte sie sich eine neue zu. Es dauerte nun nicht mehr so lange. Immer fügte sie sich Wunden zu die sie heilte, bis es innerhalb weniger Sekunden passierte. Völlig erschöpft schlief sie ein.



Der Wind rauschte wie ein Kreisel um die beiden Wölfe, das Helle und das Dunkle, das Leben und der Tod, die Liebe und der Hass ... Und bei ihnen waren zwei Mächte, die doch eine waren. Während der Tanz der Winde immer schneller und schneller ging, die Farben miteinander verschmolzen, das Schwarz nicht mehr schwarz war und das Weiß nicht mehr weiß war, vereinten sich auch die Götter und schenkten dem Sohn sein Leben. Stille breitete sich über das Land und nur der schwache Atem Acollons war in dem Schweigen zu hören.


Banshee stand noch immer zitternd über Acollon, sie spürte fast noch wie der Wind um ihren Körper strich und wie die Götter ihren Kampf kämpften. Glücklich und doch so verwirrt sank sie neben Acollon nieder und drückte sanft ihren Kopf an den ihres Gefährten.


Acollons Brust hob und senkte sich. Doch er hatte keine Schmerzen. Es war vorbei, das Leiden war geschafft! Fast erleichtert legte er sich auf den Rücken und drückte sich an Banshee, sie war bei ihm, sie hatte ihm erneut geholfen, doch auch Falk und jener fremde Diablo hatten versucht, dass zu tun, was zu tun war.

"Danke."

sagte der schwarze Rüde fast erleichtert.

"Ich danke euch allen."


- Finished -