29.09.2011, 22:32
Turien preschte durch das Gras, während er nur ein Ziel kannte. Krolock. Die Wut, die sich in ihm angestaut hatte wurde mit jedem Schritt, den er sich dem dunklen Rüden näherte, größer. Dieser verdammte Wolf hatte es einfach zu weit getrieben... jetzt war der Punkt erreicht, an dem Schluss war. Er würde ihn in Stücke reißen. In tausend kleine Stücke! - Als kaum einige Sekunden später Krolock in seinem Blickfeld auftauchte beschleunigte er seinen Lauf, hielt direkt auf ihn zu, während ein tiefes Grollen aus seiner Kehle drang. "DAS REICHT!"
Krolock hörte das Getrampel schon von weitem und sah Turien entgegen. Er hatte keine Ahnung, was der Gleichaltrige von ihm wollte, zunächst dachte er sogar, sie würden sich nur zufällig begegnen. "Hä? Was?"
Turien schnaubte, als er das unschuldige Getue Krolocks vernahm. So ein Heuchler - ohne zu stoppen lief er weiter und versuchte den Dunklen mit seiner Schulter zu rammen. "Du weißt ganz genau was ich meine!"
Krolock hatte keine Ahnung, von was Turien redete. "Nein?" Fragte er, hatte aber das Gefühl, dass es sich um eine Fangfrage gehandelt hatte und jede Antwort falsch sein würde.
Turien knurrte aggressiv auf, als er die Antwort Krolocks hörte. "Natürlich weißt du was ich meine! NERÚI!" Verärgert schnappte er in die Richtung des Schwarzen, mit der Absicht zu treffen.
Krolock wich zurück und verengte die Augen. "Bist du sauer, weil sie verloren hat?" Fragte er ahnungslos. "Das hat sie doch schon öfter?" Noch amüsierte er sich über den Zorn. Mehr noch, ihm war zum Lachen zumute. Dennoch regte sich irgendwo in ihm Aggression, die sich mit Kampfeslust paarte.
Turien legte die Ohren an. "Halt die Fresse! Es ist mir scheiß egal, wenn ihr kämpft und euch angreift - aber wenn du Nerúi ernsthaft verletzt, dann geht mich das was an! Nur weil du Angst hattest zu verlieren und sie den Abhang runtergeschubst hast?!"
Krolock rümpfte die Nase. "Das geht dich nichts an. Wer bist du? Neruis Wachhund?" Er verhöhnte die Worte Turiens. "Alles ist erlaubt. Du bestimmst nicht die Regeln, Flohlarve!"
Turien überlegte nicht lange, bevor er antwortete. Er war nun ohnehin viel zu wütend, um noch einen einzigen klaren Gedanken fassen zu können. Krolock hatte Nerúi ernsthaft verletzt, und das konnte er nicht dulden. Das reicht. "Und wenn ich ihr Wachhund wäre, was dann? Nerúi hat wenigstens Freunde, die sich um sie sorgen."
Krolock lachte gehässig auf. "Sie will ja auch welche. Allerdings kann man sie da wohl nur bemitleiden... schau dich doch an!" Seine Muskeln spannten sich an, er war bereit zu kämpfen.
Turien schnaubte verächtlich auf. "Oh, du hast keine, weil du keine willst? Natürlich. Hätte ich an deiner Stelle auch gesagt, du bist doch nur eifersüchtig...!" Sein Blick war starr auf den Dunklen gerichtet, wärend auch seine Muskeln sich zum Kampf bereit anspannten. "Komm doch, du Feigling, der du andere Abhänge runterschubsen musst, um überhaupt eine Chance zu haben!"
Krolock überlegte kurz, ob er davon rennen sollte, um Turien zu ärgern. Niemand hatte eine Chance gegen seine Art, sich nahezu tot zu laufen. Aber dann würde der Gleichaltrige ihn einen Feigling schimpfen. Daraus machte sich Krolock wenig, allerdings hatte ein Kampf auch seinen Reiz. Mit Nerúi war das zweifelsfrei unterhaltsamer, aber er scheute nicht, diesen Jammerlappen in seine Schranken zu weisen. Trotz alle dem, wartete er regungslos ab.
Turien spannte seine Muskeln an, wartete ab. Als Krolock jedoch nicht den Anschein machte, den ersten Schritt machen zu wollen, würde er als erster Angreifen müssen. Eigentlich wider seiner Art, machte ihn die Wut und die Sorge um Nerúi schier blind. Es war ihm egal, was nun passieren würde, er wollte nur, dass Krolock leiden sollte, für die Schmerzen, die er Nerúi bereitet hatte. Ohne ein weiteres Wort bleckte er die Zähne, knurrte auf und sprang dann vor, und zielte mit seinem Biss auf Krolocks Flanke.
Krolock rührte sich nicht, auch nicht, als der Fang sich in sein Fleisch grub. Sein Kopf stieß nach vorne, mit der Absicht, Turiens Schulter zu packen. Seine Zähne tief in dessen Fleisch zu graben. Mitleid kannte Krolock nicht. Weder mit diesem eher unbekannten Rüden, noch mit Nerui, die wegen ihrer eigenen Blödheit den Abhang hinunter gefallen war. So etwas konnte in einem wilden Gefecht eben passieren. Kein Grund sich so unnötig aufzuregen.
Turien zögerte einen kurzen Moment, bevor er seine Zähne in das Fleisch von Krolock schlug. Es verwirrte ihn, dass der Dunkle sich nicht rührte, nicht den Anschein machte sich zu wehren - doch es war nur ein kurzer Sekundenbruchteil, den er darüber nachdachte, dannach genoss er die Genugtuung, die durch seine Adern pochte, als er das Blut Krolocks auf seiner Zunge schmeckte, fester zubiss und anfing seinen Kopf hin und her zu schleudern, um die Wunde zu vergrößern. Er knurrte und jaulte laut auf, als er den plötzlichen Schmerz in seiner Schulter spürte, der davon zeugte, dass Krolock sich nun doch wehrte. Der Schmerz entfachte eine größere Energie, das Adrenalin, das durch seine Adern pochte minderte den Schmerz. Turién ließ die Flanke des Rüden los, nicht ohne noch einmal tief und fest zuzubeißen, um dann erneut auszuholen, und diesmal auf den Kopf seines Widersachers zielte, um ihn dazu zu veranlassen, seine Schulter loszulassen.
Krolock entschied sich, stumm zu bleiben. Er brauchte sich nicht durch wildes rumgeknurre in Fahrt bringen. Sein Blut war längst in Wallung geraten und der Schmerz nährte seinen Zorn. Angst hatte er keine und zögern würde Turien vergeblich bei ihm suchen. Sein Gegner zerrte an ihm, wie an einem Beutetier und natürlich tat es weh, aber er schrie nicht. Er liebte den Schmerz. Statt zu wimmern, wie sich Turien vielleicht erhoffte, schloss er Schütteln für Schütteln den Fang noch Fester um die Schulter. Jeder Ruck schien ihm Kraft zu verleihen. Wahnwitzig wie der Graue war, zielte er nun auf Krolocks Kopf, so dass dieser ausweichen musste. Musste! Aber das bedeutete nicht, dass er los ließ. Natürlich war er dadurch langsamer und ja, er bot damit eine gefährliche Stelle dar. Aber er freute sich schon jetzt genüsslich darüber, wie stark die Schmerzen sein würden, in Turiens Schulter. Sein Kontrahent zielte nun nicht mehr in Augennähe, sondern zwisch en Hals und Ohr. Nicht tief genug, um wirklich die Hauptschlagader zu treffen, aber es war ein großes Wagnis gewesen.
Turien spürte nur den plötzlichen Ruck, als Krolock auswich - seine Schulter aber dennoch nicht losließ. Der Schmerz in seiner linken Schulter schien in diesem Moment ins unendliche zu schießen, es fühlte sich an, als würde der Dunkle Turiéns Schulter von seinem Körper trennen wollen. Ein Schmerzensschrei entwich seiner Kehle, und seine Augen weiteten sich - vor Schmerz, vor Frust und vor Wut, dass Krolock noch nicht ein Wimmer von sich gegeben hatte. Und auch, wenn er sein Ziel, nämlich die Augenpartie des Rüden, verfehlen würde, stieß er weiter vor und versenkte sein Zähne knapp hinter Krolocks Ohr, um dort seine angestaute Aggression auszulassen und so fest es ging zuzubeißen. Es war abermals eine Genugtuung, die nun aber nicht mehr über die Schmerzen in seiner Schulter hinwegtäuschen konnte.
Krolock suchte mit den Zähnen neuen, festen Halt in der Schulter. Der Ruck hatte zuviel Spielraum zugelassen. Wie gerne hätte er einfach all das Fleisch herausgerissen, das in seinem Fang hing. Sei es drum. Völlig nüchtern entschied er, dass es Zeit war, eine neue Wunde zu schaffen. Die Schulter würde bluten. Nicht zu knapp und sie würde den Gegner schwächen, mit jeder Bewegung, die er noch tat. Natürlich bildete er sich nicht ein, dass es bei ihm anders war. Aber er befand sich lebenslang immer auf der Jagd nach seinen Grenzen und dieser ewige Beutezug hatte ihn hart gemacht. Etwas anderes regte sich in ihm, aber er machte ihm keinen Platz. Dies war sein Kampf und er würde ihn mit niemandem teilen. Sein Fang hatte sich mit Blut gefüllt, kein Geschmack, den Krolock überaus gerne mochte. Wolfsblut schmeckte so völlig anders wie das der Beutetiere. Nach Jäger. Er war froh, dass sein Hals nicht in unmittelbarer Gefahr war, denn so konnte er einen anderen Biss wagen. Die Schmerzen nahm er in Kauf, sie schreckten ihn nicht. Kaum das er die Schulter losgelassen hatte - nicht ohne noch einmal genüsslich daran zu zerren - zielte er auf den zugehörigen Vorderlauf.
Turien versuchte die Wimmerlaute, die automatisch aus seiner Kehle krochen verstummen zu lassen, so wie Krolock es tat, doch er schaffte es einfach nicht. Er jaulte noch einmal auf, als dieser Bastard immer weiter an seiner Wunde zerrte, während Turién selbst nicht sonderlich viel Fleisch im Fang hatte, sondern viel mehr Haut und Fell. Als der Griff um seine Schulter sich löste, wartete der Silberne auf das erlösende Nachlassen des Schmerzes - das leider ausblieb. Vielmehr schien seine Schulter noch mehr zu pochen, jetzt da der Druck weg war. Die Wunde fühlte sich seltsam frei und kalt an - doch er hatte keine Zeit sich weiter auf seinen Schmerz zu konzentrieren - denn Krolock zielte schon weiter, diesmal auf seinen Vorderlauf. Reflexartig zog er seinen Lauf zurück, konnte dabei aber den Angriff nich völliog ins Leere gehen lassen, ließ dabei den Hals des Rüden los und stieß nach unten, um wieder auf die empfindliche Augen-Schnauzenpartie Krolocks zu zielen.
Krolock verzichtete auf den Vorderlauf, als er losgelassen wurde und schnellte nach oben. Sein Kopf krachte gegen Turiens Unterkiefer. Das Geräusch war unangenehm, aber darüber machte sich der Schwarze keine Gedanken. Er musste einen neuen Angriff wagen, etwas Hässliches, Böses, Durchtriebenes. Ein Grinsen zeichnete sich flüchtig über seinen Zügen ab, dass natürlich niemand sehen konnte. Dann schnellte er auf die ohnehin schon malträtierte Schulter zu. So etwas hatte er noch nie getan, aber die Idee gefiel ihm.
Turien schloss reflexartig die Augen, als Krolock unerwartet reagierte und seinen linken Vorderlauf in Ruhe ließ, dafür aber nach oben schnellte. Das geschah viel zu schnell, als das er hätte gekonnt reagieren können. E spürte nur den harten Stoß, und diesmal einen dumpfen Schmerz, als der Schädel Krolocks ihn hart am Unterkiefer traf, und seinen Fang zusammenschnappen ließ, sodass er sich selbst auf die Lefzen biss. Ein lautes Fluchen, ein verärgertes Knurren später schrie Turién vor Schmerz wieder auf, als seine Schulter wieder angegriffen wurde. Tränen schossen ihm in die Augen, vor Schmerz, Zorn und Hass auf Krolock, als auch auf sich selbst, weil er offenbar nicht im Stande war ihm so weh zu tun, wie er es gerne hätte. Ein Wütender Schrei, angestachelt von dem verdammten Schmerz in seiner Schulter, knickte er rechts einfach ein, sodass er frei nach vorne schießen konnte, um den linken Vorderlauf seines Kontrahenten packen zu können, ohne, dass er es vorher schaffen würde den Angriff mit seinen Zähnen abzuwehren.
Krolock war genervt - jawohl, richtig gehend genervt - von Turiens Biss, der nun seinen Vorderlauf umklammert hielt. "Kämpf anständig!", fauchte er fordernd, dabei die Schulter loslassend. Er hatte nun keine Lust mehr, auf diese wohldurchdachten, schön ausgeführten Angriffe. Die Schulter blutete ohnehin genug. Stattdessen schnappte er wahllos nach ein paar anderen Stellen, einfach nur um zuzubeißen und wieder loszulassen. Er wollte Turien nun einfach zerfetzen!
Turien knurrte nur auf die Worte des Dunklen hin und hätte nun sogar gegrinst, hätte er nicht einen Vorderlauf im Fang und die schlimmsten Schmerzen, an die er sich erinnern konnte. Angestachelt durch Krolocks Aufruf umklammerte er den Vorderlauf noch fester, spürte wie seine Zähne die dünne Haut über dem Knochen aufrissen. Er spürte, wie Krolock anfing auf irgendwelche Stellen an seinem Körper zu beißen - was Turién überraschenderweise egal war. Er spürte diese Angriffe, die höchstens ein paar leichte Wunden rissen, und mehr Fell ausrissen, als Schaden zufügten. Irgendwann hatte er jedoch genug, - wollte zurückspringen, und schaffte es doch nur zurück zu stolpern, weil seine blutende Schulter brannte wie die Hölle. "Das sagt der Richtige!" fauchte er nur zurück, duckte sich dann wieder, um einen neuen Angriff zu starten - diesmal hielt er von unten auf Krolocks Kehle zu. Er wollte ihm in diesem Moment einfach nur zum schweigen bringen.
Krolock konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn ihm jemand an die Kehle wollte. Das war ein Tabu, dass man nicht brechen sollte. Da ging der ganze Spaß an der Prügelei verloren. Und damit Turien lernte, sich zu benehmen, wich er ihm aus. Er konnte nicht zubeißen, jedenfalls nicht an einer sinnvollen Stelle, dass war klar. Aber er konnte sich einfach mit seinem Gesicht gegen den Rüden werfen. Und zwar dahin, wo es am meisten weh tat. Die linke Schulter. Gnadenlos schnellte Krolock darauf zu, während in seinem Kopf der weitere Plan Gestalt annahm. Wenn er sich jetzt, da er frei war, geschickt drehte, konnte er sich über seinem Gegner aufbäumen. Er handelte und stieß noch während er auf die Schulter zu flog, die Zähne in die Richtung Turiens Rücken.
----->>> FORTSETZUNG IN "GOLDENE TAGE"