23.10.2011, 19:32
Lustlos glitt ihr schmaler Körper zwischen den Bäumen. Ihr eisblauer Blick war nach vorne gerichtet, ohne dabei wirklich etwas anzuvisieren. Woher dieses Gefühl kam – das Gefühl der Nutzlosigkeit – wusste sie nicht so recht. Schließlich war sie von den meisten Wölfen sehr freundlich aufgenommen worden. Sie hatte ein Rudel gefunden, welches ihr zusagte. Doch trotzdem fühlte sie sich hier immer noch so fremd. Wie lange verweilte sie hier schon? Neun Tage? Zwei Wochen? Irgendwann hatte sie aufgehört zu zählen. Spätestens ab da, wo sie sich mit der Alphatochter angefreundet hatte. Kaum war sie mit Saiyá unterwegs, verging die Zeit wie im Flug.
Man konnte sie nicht festhalten. Wollte man nach ihr schnappen, entwischte sie flink und schien schon allein aus trotz schneller ihre Zeiger drehen. Doch es hatte der Fähe nie was ausgemacht, dass die Tage so schnell rumgegangen waren. Sie fühlte sich wohl. Sehr wohl sogar. Wie schon seit langem nicht mehr. Aber es musste ja so kommen, dass ihr dieses Glück nicht erhalten blieb. Als ob sich das Schicksal gegen sie verschworen hatte. Ausgerechnet in dieser Zeit musste es so kommen, dass Saiyá mit ihrer Mutter hoch ins Gebirge musste. Ganz genau wusste die weiße Fähe nicht, was da oben vor sich ging. Aber sie glaubte an irgendein hartes Training oder so was. Aber es war ihr gleichgültig. Fakt war doch, dass sie nun alleine war. Inmitten von Wölfen, die sie nicht kannte. Sie war ein Teil des Rudels und doch fühlte sie sich wie ein Puzzleteil, welches mit Gewalt in die Lücke gedrückt wurde.
Ein tonloses Seufzen verließ ihren Fang. Ihre Ohren hatte sie dicht an ihren Hinterkopf angelegt, während sie wie ein leiser Schatten herum streifte. Das war ihr Problem: Sie lief hier herum, entfernt vom Rudel und doch interessierte es niemanden. Man bemerkte höchstwahrscheinlich nicht mal, dass sie fehlte. Würde sie nun spontan entscheiden, dass Rudel zu verlassen, ohne irgendwelche Abschiedsworte an das Alphapaar gerichtet zu haben, wann würde man dann merken, dass sie nicht mehr da war? Das sie die Reviergrenze überschritten hatte und ihre Spur, ihr Dasein, immer mehr der Vergangenheit angehörte? Eine Antwort wusste sie nicht. Sie wollte auch nichts an die Wand malen. Es war eben reine Tatsache, was sich hier abspielte. Mit einem genervten Schnalzen der Zunge und das schnippen ihrer Ohren, wollte sie sich dazu bringen diese dämlichen Gedanken in die tiefsten Ecken zuschieben. Was ihr überraschenderweise auch gelang. Naja, ob die Leere in ihrem Kopf aber wirklich besser war?
24.10.2011, 09:27
Ohne Nachzudenken und vom Adrenalin beflügelt beschleunigte der Helle seine Bewegungen, bis seine Pfoten nur so über den Erdboden zu fliegen schienen. Er war jung, er war stark, er war mutig – wer sollte ihm in diesem Moment auch nur das Wasser reichen können? Ob er arrogant war? Sicherlich war er das, aber vielleicht lag es auch einfach daran, dass er seit Tagen endlich einmal den Kopf frei bekam. Seine Schwester Saiyá war mit ihrer gemeinsamen Mutter in die Berge gezogen und endlich war Samirez einmal verschont von ihrem tagtäglichen Geplapper über die Neue. Er konnte es bereits nicht mehr hören. Akhuna hier, Akhuna dort. Dabei hätte er selbst sie doch so gerne aus seinen Gedanken verbannt. Allerdings war das mit einer solch gesprächigen Schwester wie der seinen ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Jetzt erwischte er sich beinah dabei, wie er die herrschende Ruhe fast schon anbete. Dieses verpeilte Ich war ja auch kaum er selbst!
“Schluss jetzt Samir, du hast jetzt andere Aufgaben auf die du dich konzentrieren musst“, rief er sich selbst zur Ordnung.
Ja richtig, er hatte eine Aufgabe zu erledigen. Eine Wichtige. Zumindest für ihn. Er war froh, dass die Witterung seiner Beute in diesem Moment deutlicher wurde. Mit bestechender Präzision wurden die Bewegungen des Wolfes langsamer, bis er geduckt durch das Unterholz schlich. Sie waren nun ganz nah. Die Hirschkuh würde er allein nicht schaffen, so dumm war der Wolf nicht, doch das Kitz, das Jungtier, ja, wenn er es erst einmal von seiner Mutter getrennt hatte, würde es eine gute Beute abgeben. Lauernd senkte der Weiße den Kopf, spannte jeden Muskel im Leib an und beobachtete abwartend die zwei braunen Geschöpfe direkt vor ihm. Sie waren so friedlich, wie sie dort am Teich tranken. Noch, ja noch waren sie friedlich.
24.10.2011, 18:33
Schritt für Schritt, für Schritt. Ahkuna Caiyé hatte ihren Kopf gesenkt. Beobachtete ihre Pfoten die über das Gras liefen. Sah runter, als ob es nichts Interessanteres geben würde. Was auch irgendwie so war. Um diese Bestätigung noch einmal zu bekommen, hob die Fähe ihren Kopf und ihre eisblauen Augen huschten umher. Bäume. – Egal wohin sie hinsah. Von einigen Kleinigkeiten ausgenommen, sah es hier genauso aus, wie vorhin und das Stückchen davor. Nie hätte die Fähe gedacht vor Langeweile mal umzukommen. Doch nun wusste sie, dass wenn sie auch nur einen Moment weiter so tatenlos rumlaufen würde, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis die tickende Zeitbombe alias Ahkuna hochgehen würde … Sie hob ihre Schnauze an und bildete sich so ein, besser die Gerüche um sie herum wahrzunehmen. Sie roch die Wölfe des Rudels. Doch waren die Gerüche relativ schwach. Sie waren weit von ihr entfernt. Sie schien in einem Funkloch zu stecken. Ein Ort, an dem selbstverständlich nur sie war und die Anderen waren weit, sehr weit von ihr entfernt. Doch ein anderer Duft ließ neugierig ihre Ohren nach vorne schnippen. Als ob er sich absichtlich nach vorne drängte, vernahm sie den verlockenden Duft eines Hirsches. Interessant. Wenigstens etwas, was ihr im Moment gelegen kam. Es war nicht der Hunger, der sie von neuem Antrieb. Es war eher die Suche nach Abwechslung. Und welchen Spaß könnte man haben, wenn man eine Hetzjagd beginnt? Oft hatte sie mit Saiyá sowas gemacht. Ob das Alleine auch so einen Spaß machte? In so ’nem Fall hieß es: Ausprobieren! Verschlimmern könnte es die Situation eh nicht. Schließlich war sie schon am Tiefpunkt angelangt. Also, wie noch tiefer sinken?
Kontrolliert atmete sie die kühle Luft ein und stieß sie wieder aus ihren Lungen. Leise schlugen ihre Pfoten auf den Waldboden auf. Ahkuna hatte das Gefühl, je schneller sie laufen würde, desto mehr schien sie abzuheben. Wie der Wind ihr entgegenkam und durch ihr langes, weißes Fell wehte, hatte sie das Gefühl zu schweben. Was für ein herrlich befreiendes Gefühl! Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lefzen, als sie immer näher und näher zum See kam.
26.10.2011, 12:42
Seine Bewegungen verharrten, die Muskeln unter dem seidenen Fell spannten sich an, während der junge Wolf sich zum Sprung bereit machte. Die gelben Seelenspiegel waren geweitet, fingen jede Bewegung der braunen Tiere ein, die dort genau vor ihm seelenruhig tranken. In wenigen Augenblicken, Sekunden, Bruchteilen eines Augenblicks. Die Krallen des Raubtieres drückten sich in den Boden, rissen tiefe Furchen in das nasse Erdreich, während sich Samirez seinen Plan zurecht legte. Er war sich bewusst, dass nicht viel nötig sein würde um diese Jagd erfolgreich ausgehen zu lassen, nur Präzision, Konzentration und Mut. Alles, was er auch hatte. Die Ohren neigten sich zur Seite, fingen die kleinsten Laute auf. Einzig die Nase war lediglich auch die Hirschkuh und ihr Kitz beschränkt.
Vielleicht hätte er aufmerksamer sein sollen, doch die Sinne waren auf seine Beute gerichtet. Wie hätte er auch wissen sollen, dass es an dieser Stelle vielleicht besser gewesen wäre?
Mit einem einzigen, kraftvollen Satz, sprang der weiße Wolf aus dem Unterholz hervor, stieß auf Mutter und Kind zu. Aus den Augenwinkeln bekam er mit, wie das Reh mit den dünnen Hufen nach ihm stieß und schließlich in wilder Panik davon preschte, als ein scharfes paar Zähne kurz vor ihrem Bein zum stehen kam. Zurück blieb das Kitz. Verängstigt, zitternd, allein gelassen. Es lag nicht in der Natur eines Wolfes, in Angesicht seiner Beute Mitleid zu zeigen und so tat es auch Samir nicht. Nicht einmal in der Bewegung inne haltend, sprang er auf das junge Geschöpf zu, den Fang mit den scharfen Reißzähnen zu einer tödlichen Waffe geöffnet.
Eins, Zwei, Drei Sekunden, dann würde alles vorbei sein. die gelben Augen schlossen sich im Triumph des Augenblicks, während er das Gefühl des Sieges bereits jetzt auskostete.
28.10.2011, 17:36
Der Wind wehte stärker. Ließ ihr weißes Fell tanzen. Ließ sie glauben, dass sie schweben würde. Ein zartes Lächeln umspielte ihre Lefzen. Wieder spürte sie dieses Gefühl der Freiheit und der Unabhängigkeit. Ein leises Kichern verließ ihre Kehle und gleichzeitig erhöhte sie ihr Tempo wieder ein Stück. Bald konnte sie schon das schimmernde Wasser sehen. Wie die Sonne ihr gleißendes Licht auf die Oberfläche warf und es zum funkeln brachte. Sie schmeckte schon förmlich das kalte Nass, wie es ihre trockene Kehle runter glitt. Ihre Ohren schnippten nach hinten. Später! Im Moment sollte sie sich auf was Anderes konzentrieren. Und das tat sie auch. Der Geruch der Hirsche wurde stärker und stärker und bald war sich Ahkuna sicher es mit einer Mutter und ihrem Kitz zu tun zu haben. Was sie aber noch stutzen ließ, war ein weiterer Geruch, der sich dazu mischte. Sie kannte ihn. War sich sicher, ihn schon mal gerochen zu haben. Doch in diesem Moment, konnte sie dem Duft keinem Gesicht zu ordnen. Ihre Sinne waren grade ausgelastet und mit was anderem beschäftigt. Die junge Fähe verengte ihre Augen etwas, als sie die Hufentiere entdeckte. Doch sie beachteten sie nicht. Sie waren auf etwas anderes fixiert. Doch Ahkuna Caiyé schätzte es nur zu ihrem Glück und war sich nicht bewusst, dass es vielleicht auch ihr Unglück heißen würde. Auch reagierte sie nicht, als die kleine Familie aufgescheucht davon liefen. Sie rechnete damit, dass man sie gesehen hatte. Der weiße Todesengel … Wieder schlich sich ein Lächeln auf ihre Lefzen und für einen Moment schloss sie ihre Augen, um ihre anderen Sinn zu verschärfen, bevor sie ihre eisblauen Augen wieder öffnete und der Hirschkuh entgegenblickte, wie sie davon lief. Ihr Junges schutzlos ausgeliefert. Ahkuna lief, bereitete sich zum Sprung vor, als sie fremde Pfoten auf dem Boden hörte. Mit einem überraschtem Gesichtsausdruck, erlaubte sie es sich ihren Kopf herum zu drehen und mit geweiteten Augen zum aufgerissenem Fang hinauf blickend. Sie hatte sich an die Stelle begeben, wo das Kitz zuvor gestanden hatte. Während sie überrascht aufschrie - und das Kitz davon lief – wurde sie vom schweren Körper hinunter gerissen. Sie hatte ihre Augen zugekniffen und als sie schon das Gras an ihrem Rücken spürte, öffnete sie sie blinzelnd. Keuchend sah sie zu dem Rüden über sich. Es dauerte etwas, bis ihr Verstand völlig realisiert hatte, was gerade überhaupt geschehen war … Oh nein, war tatsächlich gerade das passiert, was sie glaubte?
30.10.2011, 13:47
Und dann war da etwas gänzlich Anderes vor seinem Fang.
Samirez schaffte es gerade noch, die Schnauze herum zu reißen und nur Fell zu streifen, während er ungebremst auf den weißen Leib krachte, der dort plötzlich vor seiner Nase erschienen war. Seine Beute vertrieben hatte. Der Schock saß einen Moment lang in den Bernsteinspiegeln, ehe er sich eines besseren besann und sich seiner Würde zu besinnen schien. Grummeln schüttelte er den Kopf. Zwar hatte sich der Rüde selbst durch den 'weichen' Aufprall nicht verletzt, doch für das andereWesen war dies sicherlich schmerzhaft gewesen. Skeptisch beobachtete er den Wolf, der dort lag. Idiot, verdammter Idiotin. Nun begriff er erst, wer das eigentlich war. Sofort waren alle Kraftausdrücke, die er dem Übeltäter zuvor ins Gesicht schmettern wollte, vergessen. Was zum, wie konnte das sein.
Mit einem Ruck setzte er von der Wölfin weg und senkte den Kopf, während er sich fahrig über das Fell fuhr um seine eigene Unsicherheit zu verbergen. Am liebsten wäre er davon gerannt, aber das konnte er sich hier wohl kaum leisten.
“Das hast du ja ganz toll hin gekriegt, wirklich super, Glanzleistung!“
Schnarrte er schließlich bissig und verzog die Schnauze zu einer kalten, abschätzenden Maske. Er musste sie ja irgendwie zur Rechenschaft ziehen! Jeden Anderen hätte er büßen lassen für diese Schmach – irgendwie musste er das bei ihr ja wohl auch hin bekommen!
“Wir war nochmal dein Name? Damit ich dich gleich aus dem Rudel schmeißen kann!“
Oh und ob er ihren Namen noch wusste. Akhuna. Akhuna Caiyé hieß sie, er wusste ihren Namen ganz genau! Aber dass er sie kannte, nicht einmal, dass er ihren Namen kannte, konnte er hier gerade erwähnen, wie stand er denn dann da?!
Und aus dem Rudel verweisen konnte er sie auch nicht, er war ja immerhin kein Alpha und sicherlich hätte er es auch nicht getan, aber was sollte er denn sonst sagen? Seit wann waren Worte eigentlich so schwierige Gesellen? Es fiel ihm doch sonst nie so schwer. Verdammter Dreck.
01.11.2011, 16:18
Keuchend öffnete die weiße Fähe ihre Augen und blinzelte ihr Gegenüber an. Ihre Seelenspiegel waren vor Schreck geweitet. Blickte in die bernsteinfarbenden Augen. Fast … wie die von Saiyá … Ihre Gedanken schienen langsam wieder anzugehen. Durch den Zusammenprall, musste sie sich noch etwas fassen. Deswegen lag sie noch perplex unter dem weißen Wolf. Konnte sich nicht winden. Wie eine Beute, lag sie unter ihm und wartete auf den Tod.
Erst als der Rüde sich aufrichtete, legte sich der Nebel in ihren Gedanken etwas und um zu zeigen, dass sie keine naive Fähe war, stemmte sie ihre Pfote auf seine Brust und stieß ihn von sich. Ahkuna tat es ihm gleich. Schnell war sie aufgesprungen. – Viel zu schnell. Sie taumelte etwas nach hinten, blieb jedoch nach einigen kleinen Schritten stehen. Oh je, dieser Sturz tat ihr ganz und gar nicht gut, wie sie merkte. Schließlich brummte ihr Kopf, als ob sie gegen einen Baum gerannt war. Die Weiße legte ihren Ohren eng an ihren Hinterkopf und verzog etwas ihr Gesicht. Welch Kopfschmerzen …
Erst reagierte Ahkuna nicht auf die Worte des Rüden. Erst später hallte seine Stimme dumpf an ihr Gehör und sie blickte ihn verständnislos an. Was für ein Kavalier, brummte Ahkuna in Gedanken. Ob es ihr gut ging, nach seinem harten Sprung auf sie, interessierte ihn nicht. Warum auch. Er hatte schließlich eine weiche Landung.
„Findest du? Ich hab mir auch sehr viel Mühe gegeben, musst du wissen!“, murmelte sie und blickte ihn durch ihre verengten Augen an. Was er schon konnte, dass konnte sie schon lange … Seine nächsten Worte brachten sie aber ehrlich gesagt ins straucheln. Er wollte sie rausschmeißen? „Und du bist?!“, rutschte es ihr deswegen ungewollt heraus.
Erst nachdem ihre Frage einige Momente im Raum stand, kamen ihr wieder seine Augen in Erinnerung. Es war, als ob Saiyá sie ansehen würde. Nachdem sie diese Brücke überwunden hatte, kam sie dem Ergebnis langsam aber sicher näher. Verdammt! Ahkuna, wie hast du es schon wieder geschafft dir so ein Problem anzuhängen!
„Das wirst du nicht tun!“, sagte sie schnell.
Sie rief sich wieder das ganze Alpha-Zeugs in Gedanken. Konnte der Sohn solche Dinge bestimmen? Sie wusste es nicht. Ihre Mutter war keine Alpha gewesen, genauso wenig ihr Vater … Sie schluckte bitter und versuchte ihre Sorgen zu verstecken und funkelte ihn stattdessen aus ihren eisblauen Augen an.
„Du … machst mir keine Angst.“ Stolz reckte sie ihr Kinn nach oben. „Ahkuna Caiyé.“
Sie lief immer mehr in ihr Verderben. Schließlich legte sie sich gerade mit Alpha Junior an! Saiyá hatte ihr lang und ausführlich über ihre Familie berichtet. So wusste sie auch wer vor ihr stand. Der arrogante Schönling, Samirez.
05.11.2011, 13:35
“War mir auch klar, dass nur du so was schaffst“, erwiderte er höhnisch auf ihre dumme Bemerkung hin. “Welch anderer Wolf wäre auch schon so dumm?!“
Seine Worte klangen energischer, als er es eigentlich erwartet hatte. Mit Freuden musste er feststellen, dass nichts von seiner inneren Unruhe nach außen gedrungen war und er alles ganz einfach so weiter handhaben konnte, wie er es wollte. Diese Wölfin schaffte es zwar, ihn innerlich auf eine Probe zu stellen, aber immerhin nicht, ihn aus der sorgsam behüteten Fassung zu bringen. Sehr schön, damit war das schon mal geklärt. Keine Chance sich zu blamieren, höchstens vor sich selbst und das blieb dann sowieso seine Sache. Ging ja auch niemanden etwas an.
Die Sache, dass sie nicht wusste, wer er war, ging ihm ganz ehrlich ein wenig an die Nieren. Der Weiße war es immerhin gewohnt, dass alles und jeder ihn kannte, Hallo, er war immerhin der Sohn des Alphas, der zukünftige Anführer und so, wie konnte sie sich da den Frevel erlauben, ihn nicht zu kennen? Ein zischender, abfälliger Laut drang aus seiner Kehle, während er sich zu fein war, ihr auf diese dumme Frage zu antworten. Eigentlich hätte er sie dafür noch schneller aus dem Revier werfen lassen müssen, wieso musste das bei der Blauäugigen sich nur als so schwierig gestalten?
“Ach und woher willst du wissen, dass ich das nicht tun werde? Wo du doch noch nicht mal weißt, wer ich bin?“, er konnte das Lachen kaum unterdrücken.
Es war eigentlich recht einfach in ihrer Nähe er selbst zu sein, zumindest so halb und zumindest so, wie sie es eben mitbekommen sollte, von dem ganzen anderen Kram der da in seinem Kopf herum spukte, brauchte sie gar nicht erst was zu wissen. War ja schon peinlich genug, dass er selber es wusste. Reichte ihm schon dankend.
“Pff, als müsste ich dir noch Angst machen. Du zitterst ja bereits, wie ein Kaninchen. Oder das Reh, welches du eben verscheucht hast.“
Eigentlich hatte er solche Sticheleien gar nicht nötig, aber sie bat ihn ja gerade zu darum und seit wann verwehrte er einer schönen Fähe so was auch? Halt mal, was zum Henker dachte er da gerade? Ganz, ganz schnell streichen...
13.11.2011, 01:52
Die Fähe konnte es nicht glauben. Es kam ihr wie ein absurder Traum vor. Da höhnte tatsächlich der Sohn des Alphapaares über sie! Sie kniff ihre eisblauen Augen zusammen. Das hatte sie nicht nötig. Sie war eine Caiyé! Schon viel zu lange hatte sie sich erniedrigen lassen. Ahkuna wollte nicht mehr so sein. Das graue Mäuschen. Ein kleines Mauerblümchen, welches sich von jedem zertrampeln ließ! Nein, sie wollte zeigen, dass sie eine hübsche Rose war. Die auch mit ihren stacheln Schmerzen zufügen kann, um sich selber zu beschützen. Sie reckte ihr Kinn nach oben und sah ihm starr in die honiggelben Augen.
„Dumm?! Warst nicht du es, der in mich hineingerannt ist?“, fauchte sie mutig.
Während sie im Inneren zitterte wie Espenlaub. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Bumbum bumbum bumbum bumbum … Sie befürchtete sogar einen Moment, dass man ihren rasenden Herzschlag hören konnte. Doch schüttelte sie den Gedanken tapfer ab und versuchte ihre Brust gleichmäßig zu heben und wieder zu senken. Warum sah es bei den anderen Wölfen immer so leicht aus, wenn sie so mutig waren? Ihre Schwester Kursaí war immer der Wirbelwind mit dem feurigen Temperament. Nie nahm sie ein Blatt vor dem Mund. Ahkuna hatte sie stets beneidet. Während sie ein weißer Schatten war, denn man gerne übersah, war Kursaí dagegen jemand, denn man sofort bemerkte. Was würde ihre Schwester in so einer Situation machen? Verdammt, verdammt, verdammt! Ihr viel nichts ein! Ihr Kopf war leer. Tausend Gedanken schwebten stets umher, manche total unsinnig, aber nun? Nichts …
Ahkunas Ohren schnippten nach vorne, als sie das unterdrückte Lachen des Weißen bemerkte. Ihr Mund klappte ein wenig nach unten und sie sah ihn mit entgleistem Blick an.
„Lachst du mich etwa grad aus?!“, fragte sie fassungslos und legte ihre Ohren nach hinten.
Dieser Rüde war doch unglaublich! „Du bist ja noch eingebildeter als ich gehört habe“, murmelte Ahkuna Caiyé schnippisch. Diese Worte waren eigentlich nur an sie gerichtet. Doch sie sprach sie wohl etwas lauter als gewollt aus. Aber in diesem Moment dachte sie nicht daran. Sie war zu sehr damit beschäftigt sich über Saiyá’s Bruder aufzuregen.
13.11.2011, 19:35
“Ich?!“, erwidere der Schneelpelz entrüstet und konnte das nun gefährliche Funkeln in seinen Augen kaum verbergen. “Entschuldige Mal, ich war auf der Jagd, wenn du es nicht fertig bringst, das Gebiet vorher auszukundschaften und stattdessen mit einem haarsträubenden Tempo in meine Beute hinein rennst, bist du ja wohl selber Schuld.“
Leicht lehnte der Rüden den Kopf schief. Ein leichtes, wohl eher unfreundliches Lächeln huschte über seine Lefzen. Naja, wenigstens klappte der Plan eklig zu ihr zu sein zumindest halbwegs, er hätte sich in diesem Moment zwar am liebsten selbst verprügeln wollen, aber er schob die kleine, freche Stimme in seinem Inneren ganz einfach erst einmal zur Seite.
“Ich hab dich jedenfalls nicht darum gebeten meine Beute zu verscheuchen.“ Sprach er es beinahe wie als letztes Wort aus und blieb an einem Punkt stehen, der etwas linksseitig versetzt zu der Wölfin lag. Aus Bernsteinaugen blickte er zu ihr hinüber und fühlte sich im Anblick ihrer stummen Verzweiflung gar nicht mehr so stark. Das schlechte Gewissen nagte an ihm wie eine vermaledeite Ratte.
Ihre Verwundbarkeit machte sie geradezu noch interessanter. Es war fast schon ätzend sich so verhalten zu müssen. Dennoch, sie gehörte ja nicht einmal richtig zum Rudel. Was sollte er denn tun? Er würde sich zum Gespött machen, wenn er sein Gesicht verlor. Das Seufzen stieg still in seiner Kehle hinauf, drang jedoch nicht ganz bis nach draußen, schnell verschluckte der Rüde die eigenen Gedanken.
“Siehst du hier sonst noch wen über den ich lachen könnte?“, antwortete er lakonisch und zog die Schnauze kurz kraus, ehe nun doch ein Seufzen aus seiner Kehle drang, dies war aber leicht als Spott abzutun, als als das, was es wirklich war. Er kotzte sich selbst an. Ja, dass tat er.
Und er war eingebildet? Irgendwie musste er zugeben, dass ihn dieser kleine Stich in der Brust sogar schmerzte. Aber erneut blieb er einfach nur vor die Wahl gestellt und bisher war es immer besser, sich seiner Umgebung anzupassen, stark zu sein anstatt Schwäche zuzulassen. Akhuna war eine solche Schwäche, der Weiße wusste es ja.
“Denk von mir was du willst. Nur, wie kommen wir hier jetzt weiter“, seine Stimme wart hart, beinahe fordernd. “Du schuldest mir eine Beute.“
19.11.2011, 15:07
Sie schnaufte gereizt. Verdammt, es machte sie ganz verrückt, wie der Rüde vor ihrer Schnauze sich hin und her bewegte. Doch die junge Fähe hatte sich im Griff. Die Situation durfte nicht noch schlimmer werden, als sie es schon war. Und das war sie allemal! Bevor ihre ungezügelte Wut die Oberhand gewann und sie den unverschämten Rüden anherrschen wollte, er solle gefälligst stehen bleiben, erhob dieser auch schon das Wort. Im ersten Moment empfand Ahkuna etwas wie Erleichterung, dass er endlich diese unerträgliche Stille brach. Doch im nächsten Moment, als seine schneidenden Worte ihre Ohren erreichten, war das Gefühl wie weggeblasen. Ihr klappte regelrecht das Maul auf. Was – zum Teufel – erlaubte er sich da? Alphasohn hin oder her!
„Ach ja? Und ich war …“ Sie stockte. Ja, was hatte sie denn eigentlich vor gehabt? Wütend über diese dämliche Situation, wütend über diesen dämlichen Rüden und wütend über sich, legte sie ihre Ohren eng an ihren Hinterkopf an. „Geht dich nichts an, was ich getan habe. Wenn du aber nicht vernünftig Jagen kannst ist das ja wohl nicht meine Schuld!“, zickte sie ihn verletzt an.
Das spöttische Grinsen auf seinen Lefzen machte es auch nicht besser. Im Gegenteil. Sie kniff ihre gletscherblauen Augen zusammen und funkelte den Weißen feindseelig an. Versuchte sie jedenfalls. Die Frage, ob der Blick wirklich so war, wie sie es sich vorstellte, lag in der Luft.
„Und ich hab dich gebeten über mich herzufallen?!“ Augenblicklich warf sie ihren Kopf zur Seite und blickte Samirez mit einer Mischung aus Verwirrung und Ärger an.
Seine Worte waren wie Gift. Gift für ihr sanftmütiges Herz. Er brachte es tatsächlich sie so aus der Reserve zu locken, dass sie gar nicht mehr nachdachte, bevor sie redete. Die kleine, schüchterne Ahkuna die mehr und mehr ihr eigentliches Gesicht verlor. In ihrem ganzen Eifer hatte sie die Zweideutigkeit in ihren Wörtern nicht bemerkt. – Bis jetzt. Sofort wandte sie ihr Gesicht von ihm und legte ihre Ohren, die sie vorher noch nach vorne aufgestellt hatte, seitlich an. Wie Peinlich! Innerlich hoffte sie, dass der Rüde zu sauer auf sie war, als auf ihre Worte sonderlich zu achten! Seine zynische Antwort, dass er tatsächlich über sie lachte, ignorierte sie. Stattdessen drehte sich die junge Fähe schwungvoll um und statt mit dem Rücken zu ihm. Sie wollte einfach nur weg! Diese Situation so schnell es eben möglich war zu vergessen! Doch ob ihr das wirklich gelingen würde, wie sie hoffte?
„Du toller Jäger kannst dir selber ne Beute fangen“, murmelte sie. Laut genug, dass er es verstehen würde.
20.11.2011, 15:40
Dafür war er jetzt definitiv zu eitel.
“Ich kann vernünftig jagen. Jedoch rechne ich nicht mit wild gewordenen Fähen, die mal eben so aus dem Gebüsch gesprungen kommen und alles versauen!“
Empörte er sich, mit jedem Wort lauter werdend und rümpfte verächtlich die Nase. Halooo, konnte sie denn nicht einfach zugeben, dass sie dumm war und alles versaut hatte? Na gut, vielleicht war sie nicht dumm, aber immerhin hatte sie es versaut und nicht er, oder? Also musste sie sich auch entschuldigen. Besonders bei einem Wolf wie ihm. Pah.
Bei ihren nächsten Worten drehten sich die Rädchen in seinem Kopf auf einmal viel langsamer. Was hatte sie da gerade gesagt. Über sie hergefallen? Er? Als würde... Als hätte. Oh mein Gott. Das brachte ihn jetzt wirklich aus der Fassung, wenngleich sie es vermutlich doch ganz anders gemeint hatte.
“Als würde ich... als müsste ich...“, stotterte er perplex und schüttelte dann ruckartig das schöne Haupt. “Ich bin nicht über dich hergefallen!“
Jetzt war es einfach so aus ihm heraus geplatzt und er hatte nichts, aber auch gar nichts dafür gekonnt. In seinem Kopf schienen sich die Gedanken zu überschlagen und verwirrt wandte er den Blick ab. Dumme, dumme Wölfin. Was dachte sie sich nur bei diesen Worten. Ging es ihr denn noch gut? Sie war doch einfach so da gewesen er hatte doch gar nicht die Chance gehabt überhaupt ab zu bremsen. Was war wenn sie das nun irgendwem erzählte, wie stand er denn dann da? Er würde sich zum Gespött machen, oh man, man man...
“Klar kann ich das... aber...“, irritiert starrte er auf dem Rücken der Weißen und blinzelte einmal, zweimal und danach gleich noch einmal. “Ja, dass werde ich dann wohl tun“, murmelte er dann schließlich doch relativ kleinlaut und senkte das Haupt sogar ein wenig – sie konnte es ja eh nicht sehen.
04.12.2011, 00:43
Wild gewordene Fähe … Ungläubig schüttelte Ahkuna Caiyé ihren Kopf. Sowas musste sie sich ganz sicher nicht bieten lassen. Ganz bestimmt nicht von dem eingebildeten Alphasohn! Sie hob ihre Pfote und wollte weiter gehen, als seine Stimme sie davon abhielt und sie wütend ihre Ohren seitlich anlegte und ihre Vorderlauf, der noch in der Luft hang, aufbrausend auf dem Boden aufstampfte. Oh, dieser … dieser … Sie wollte es nicht glauben, doch seine Worte verletzten sie etwas. Hörte sich ja fast an, als ob sie so ein hässliches Weibchen wäre. Ob er es extra tat, sie zu provozieren und zu beleidigen? Vielleicht ein versteckter Sadist?!
„Tze. Hätte ich die Wahl gehabt gegen einen Baum zu laufen oder mich von einem Troll anspringen zu lassen, dann würde ich mit einem strahlendem Lächeln den Baum nehmen!“, antwortete sie schnippisch und reckte ihr Kinn stolz hoch, auch wenn er es nicht sehen konnte.
Sie hatte ihm immer noch ihren Rücken zugekehrt. Sie wollte dies auch nicht ändern. Leise schnaufte sie aus. Na dann: Erneut hob sie ihre Pfote und setzte sich in Bewegung. Seine Worte, die er an sie richtete, ließ sie auch nicht wieder erstarren. Sie wollte eiskalt an ihm weggehen. Wahrscheinlich war er ein Rüde, dem es ziemlich am Ego kratzen würde, wenn eine Fähe einfach wegmarschieren würde! Oh ja, die Schadenfreude ließ ein keckes Lächeln auf ihre Lefzen zaubern. Doch sie fing an zu zögern. Spätestens dann, als seine Stimme leiser wurde und kläglich in ihren Ohren klang. Überrascht drehte sie ihren Kopf zur Seite und beobachtete ihn aus dem Augenwinkel. Was sie da sah, ließ sie eine schwungvolle Drehung machen. Mit leicht geöffnetem Fang sah sie ihn an und lief einige Schritte auf ihn zu.
„Warte, warte!“, rief sie und blinzelte, um sich wirklich sicher zu sein, dass sie es sich nicht einbildete.
Sie träumte nicht! Samirez neigte seinen – sonst so hocherhobenen – Kopf zu Boden. Er sah traurig aus. Diese Erkenntnis ließ sie etwas mulmig werden. Sie war verwirrt und gleichzeitig auch wütend.
„W-was soll das denn jetzt?! Ich meine, du beleidigst mich und dann …“ Ahkuna japste nach Luft. Sie fand nicht die richtigen Worten und stockte etwas. „Dann machst du mir noch ein schlechtes Gewissen?!“
25.12.2011, 21:11
Bei ihren ersten Worten verzog er zwar noch höhnisch die Schnauze, doch seine Worte hatten
beinah etwas hölzernes, als sie so schnell und grazil aus seiner Schnauze drangen.
“Tja, im Gegenzug zu einem Baum, sehe ich dabei allerdings noch gut aus.“
Es war nicht so, dass er von seinen eigenen Worten nicht überzeugt war, dafür war er definitiv eitel genug, es war einfach so, dass sie selbst für seinen Standpunkt hier ganz einfach nicht passten. Aber wer hatte schon nach seinem persönlichen Denken gefragt, hier zählte im Endeffekt doch ganz allein nur die Bewahrung seines Images. Er konnte und dies war so sicher, wie das Heulen in der Nacht zum Neumond, sich wohl kaum von dieser Furie bloßstellen lassen, nachher erzählte sie es noch irgendwem und dann war alles vorbei. Einfach alles.
Und dann stand sie auf einmal wieder vor ihm, viel zu schnell, als das er hätte reagieren können, hatte sie sich wieder zu ihm umgewandt. So rasch er konnte, richtete sich Samirez wieder hoch auf. Doch diesmal wusste er ja eh, dass er viel zu langsam gewesen war. Sie musste ganz einfach gesehen, wie geknickt seine Miene gerade gewesen war. Am liebsten hätte er laut geflucht, doch beließ es der Weiße dabei, ihr in Gedanken jede menge Worte an den Kopf zu schmeißen, die er ja eigentlich doch nicht so meinte. Danach begann er schließlich, sich selbst mit diesen Worten zu belangen – das gelang besser.
“Ich... ich dachte du wolltest gehen?“, donnerte er schließlich wie vom Blitz getroffen und sah in ihre klaren, blauen Augen. Für einen kurzen Augenblick hatte er das vage Gefühl, einfach all dem Druck nachzugeben, sie zu berühren, zu fragen ob sie sich verletzt hatte und all das, was gerade hinter diesem dummen Mauer alles tobte, wie ein wild gewordenes Wildschwein.
Es nagte an ihm, bröckelte und baute sich schließlich doch nur umso fester auf, sodass er es schließlich schaffte, die Lefzen zu einem abwehrenden Fletschen empor zu ziehen und einen Schritt in Akhunas Richtung zu machen, jedoch nicht, um sie zu trösten. Sein Herz fühlte sich unwohl, während sein Herz in der Hitze des Augenblicks nur noch schneller schlug.
“Ein schlechtes Gewissen, dass ihr dem Rudel eine Beute gestohlen habt, kannst du auch gerne haben,“, höhnte er ruhig und die Bernsteinspiegel verengten sich leicht. “Verschwinde nun besser, bevor ich doch noch auf die Idee komme, meinem Vater von alledem zu erzählen und dann wollen wir ja sehen, wie lang du noch Teil dieses Rudels bist.“
Angriff war die beste Verteidigung und doch tat es ihm in diesem Moment beinahe selbst weh, diese harten Worte gegen jene Fähe zu verwenden. Doch sie gehörte nicht hierher, sie gehörte nicht in seine Nähe, nicht mit jener Macht, die sie über ihn ausübte. Sie veränderte ihn, verformte ihn auf eine Weise, die ihm selbst einfach nur Angst machte.
16.01.2012, 22:12
Peinlich berührt drehte sie ihre Ohren nachhinten, gleichzeitig kniff sie ihre Augen zusammen. Das er ja nicht sehen konnte, was in ihren Seelenspiegel gerade für Gefühle herumtänzelten. Es war unglaublich und erstaunte die Fähe zugleich, was für ein gesundes Ego dieser Rüde besaß. Bei allem was er tat, tat er es mit so einer Selbstsicherheit, dass Ahkuna tatsächlich beeindruckte. Er unterschied sich so sehr von ihr, dass zwei Wölfe wie sie, sich niemals verstehen würden. Diese Situation zeigte dies gerade am Besten.
„Meinst du?!“, sagte sie, schnaufte leise aus und warf ihren Kopf zur Seite.
Natürlich sah er gut aus. Das wusste jeder im Rudel, dass wusste jede Fähe und ganz besonders wusste er es selber. Gerade deswegen wirkte er so unnahbar. Eben weil er mit so einem Selbstbewusstsein durch die Welt schritt, dass Ahkuna doch gar nicht mithalten konnte. Ob sie wollte, war schon ein anderes Blatt. Doch Fakt war, dass die Beiden in ganz verschiedenen Welten zu leben schienen. Sie lebten im selben Rudel und doch waren sie sich Fremder denn je. War es nicht so, dass die Beiden nicht so recht mit dem Anderen zu tun haben wollte? Jedenfalls kam es der jungen Fähe so vor, die Samirez Worte nun mit einem kritischen Blick quittierte. Auch wenn sie es sich nicht zugeben wollte, seine Worte schmerzten. Doch ihm den Gefallen tun, vor seinen Augen den Schwanz einzuziehen wollte sie gewiss nicht. Dieser Stolz würde ihr noch bleiben. Eine ungezügelte Wut brodelte in ihr hoch und sie zog ihre Lefzen zu einem arroganten Lächeln hoch. Vielleicht sollte sie sein Spiel mitspielen? Mit denselben Mitteln …
„Das ist es also was du kannst?“, spottete sie und lächelte ihn dabei zuckersüß an. „Zu deinem Vater rennen?“ Sie kicherte unschuldig und blinzelte in die bernsteinfarbenen Augen des Rüden.
Nun hatte sie eine Grenze überschritten. Was konnte man tun? Sie könnte verschwinden und im Stillen hoffen, dass der Alphasohn dieses Treffen für sich behielt. Oder aber sie Schritt weiter und testete, wo Samirez Grenzen endeten. Sprunghafte Schritte trieben sie voran und ließen sie kurz vor dem Rüden stehen bleiben. Noch war zwischen ihnen eine gewisse Distanz. Gerade soviel, dass Ahkuna mit einem leichten Sprung zurückweichen konnte, falls er auf die Idee kommen würde sie anzugreifen oder dergleichen.
„Na Samirez“, hauchte sie verspielt. „Was wirst du jetzt mit mir machen? Aus dem Rudel jagen?“
25.01.2012, 10:40
Als sie auf seine Worte reagierte lehnte er die Ohren flach an den Kopf. So harsch hatte er nicht reagieren wollen und ihre Reaktion kratzte dann doch schon ein wenig an seinem Ego. Natürlich konnte er mehr, wie dumm war sie nur. Aber wie sollte sie auch sehen, dass er hier an dieser Stelle einfach vollkommen machtlos war, dass der Zwiespalt in seiner Brust einzig von Sekunde zu Sekunde weiter anwuchs. Es war so elendig verloren, dass es beinahe schon einem bodenlosen Abgrund gleich kam, in welchen er sich gleich stürzen wollte. Einfach Kopfüber ins nichts, wo ihn so schnell nichts mehr erreichen konnte, am allerwenigsten sie.
Im nächsten Moment stand sie jedoch bereits vor ihm und wie aus Reflex hob der Helle den Kopf an und lehnte ihn so weit nach hinten, wie es eben nur ging. Beinah so, als wäre vor seiner Schnauze eine Giftpflanze oder eine Schlange, vor der es sich zu schützen galt. Perplex blinzelte der Wolf, nicht länger im Stande einen klaren Gedanken zu fassen. Er hatte mit so vielen gerechnet, nur nicht damit, das Akhuna den Spieß einfach umdrehen würde. Wie von selbst drängte sich ihm der Gedanke auf, dass er sich hier gerade sein eigenes Grab schaufelte. Verdammt, was sollte er nur tun.
“Ich... du...“, vollkommen aus der Fassung gerade (was ihm noch nie passiert war) stammelte er die Worte wie von selbst und schüttelte dann hektisch den Kopf. “Spinnst du eigentlich mir so auf die Pelle zu rücken? Verschwinde gefälligst, sonst mach ich das wahrscheinlich wirklich!“
Wort für Wort war Festigkeit in seine Stimme zurück gekehrt. Die Schnauze hatte sich wieder nach vorn geneigt und die Blauäugige war nunmehr nur wenige Zentimeter entfernt. Die glänzenden Bernsteinaugen zeigten keine Regungen, zumindest versuchte der Wolf, jegliche Regung in ihnen zu verbergen. Inständig hoffte er, dass die Weiße einsehen würde und den Rückzug antreten würde. “Tu dir selber den gefallen, bitte...“, dachte Samirez nur und atmete dann tief durch nur um im nächsten Augenblick wieder den Atem anzuhalten.
27.03.2012, 23:38
Ahkuna musste in sich hinein lachen. Diese Genugtuung war eine wunderschöne Erlösung aus Samirez Bann. Sie wusste, dass es nicht richtig war was sie tat. Trotzdem hatte sie Spaß daran gehabt. Innerlich hoffte sie natürlich, dass der arrogante Rüde etwas runter kam. Alphasohn hin oder her. Auch wenn die Fähe nicht von sich sagen konnte, dass sie die Tochter eines Alphapaares war – eher die verbotene Frucht aus dem Garten Eden – so war sie nicht weniger schlechter als Samir. Gerade dies ärgerte sie und sie wollte ihn vom Gegenteil überzeugen. Er sollte nicht weiter im Glauben schwelgen, er könnte sich alles erlauben. Doch der Rüde machte es einem gewiss nicht einfach ihn zu mögen oder ihn zu verstehen.
Seine giftigen Worte trafen die Fähe wie ein Dolch, der sich schmerzhaft in ihrem Herzen verfing. Tausend kleine Stiche durchzuckten ihren Körper und ungewollt stellte sich ihr Nackenfell auf. Ahkuna schluckte und gleichzeitig merkte sie, dass es sich anfühlte, als ob ein Stein in ihrer Kehle feststeckte.
Sie wollte es nicht zugeben, doch seine Worte trafen sie härter als erwartet. Wie in Trance ging sie tatsächlich einen Schritt zurück, ließ den Weißen dabei nicht aus den Augen. Ihre hellen Augen schimmerten wie ein See, auf dessen Oberfläche die letzten Sonnenstrahlen sich spiegelten. Es funkelte und glitzerte. Doch weder die Sonne, noch etwas anderes wirkte dazu bei, dass ihre Seelenspiegel so ein Bild abgaben. Tränen stiegen ihr in die Augen. Aus Trauer, aus Wut, aus Verzweiflung. Enttäuscht über sich selbst, dass sie erneut so eine Schwäche zeigen musste, drehte sie ihren Kopf zur Seite und blinzelte gleichzeitig ihre Tränen weg. Ihre Ohren hatte sie angelegt, trotzdem zitterten sie leicht. Ohne den Blick auf den Rüden nochmal zu richten, drehte sich Ahkuna von ihm weg und war bereit zu gehen. Endgültig. Sie hatte keine Lust mehr, sich so sehr von einem Rüden erniedrigen zu lassen. Die junge Fähe schloss ihre Augen und atmete leise aus.
„Herzloser Mistkerl!“
Leise waren diese Worte aus ihrem Fang gekommen. Sie hatte gedacht, wenn sie den arroganten Schönling beleidigen würde, dass sie sich danach besser fühlen würde. Jedoch war es nicht der Fall. Im Gegenteil, sie fühlte sich sogar noch mieser. Warum war es so? Wieso konnte Samir so ekelhaft sein ohne Gewissensbisse, während sich ihr der Magen umdrehte?! Ach, es war doch alles so ungerecht.
„War nicht so gemeint …“, murmelte Ahkuna leise mit zittriger Stimme.
Sie blickte sich nicht um. Sie wollte sein breites Grinsen nicht sehen, seine arrogante Ausstrahlung und diese Augen, die sie spöttisch anfunkelten. Nein, sie wollte einfach nur noch weg von ihm!
28.04.2012, 14:30
Als sie vor ihm zurück wich, war es eine Mischung aus Erleichterung und schlechtem Gewissen, welches seinen Körper heimsuchte. Kurz presste er die Ohren unsicher an den Schädel, bis ihm bewusst wurde, dass er sich selbst verriet und somit die Lauscher schnell wieder nach vorn kippte,. Er musste standfest und sicher wirken, wenngleich er in diesem Moment wohl alles andere als sicher war. Eigentlich schämte er sich in Grund und Boden die Kontrolle so sehr verloren zu haben, dass er sie wirklich und wahrhaftig so sehr gekränkt hatte, dass man es ihr sogar ansah. Sie weinte. Er hatte sie dazu gebracht Tränen zu vergießen. Wegen ihm. Er fühlte sich wirklich schrecklich. Es tat ihm unendlich Leid und doch verbot er sich im selben Moment erneut zu ihr zu gehen und sie zu trösten. Er war ja solch ein Idiot. Was hatte er sich nur gedacht?
Jetzt war es zu spät es rückgängig zu machen.
Als sie ihm die Worte entgegen schleuderte, nahm der Helle diese wortlos hin. Zwar veränderte sich nichts an seiner kühlen Distanz und der abweisenden Mimik, doch in seinem Inneren gab er ihr insgeheim recht. Ja, ja, er war ein Mistkerl. Ein verdammt großer Mistkerl. Sie hatte etwas Besseres verdient, als sich mit einem Deppen wie ihm abgeben zu müssen und somit war es gerade jetzt wohl der beste Moment, einfach mal die Klappe zu halten und sie nicht wieder aufzuhalten. Sie gehen zu lassen, weil es für sie am Besten war. Oh, er war ja so ein selbstloses Wesen... schön wärs gewesen.
In diesem Augenblick war er wirklich froh, dass sie ihn nicht direkt anblickte.
“Und wenn es so gemeint war, ist doch dein Problem. Was juckt es mich, was du denkst?“
Zwang er sich selbst zu sagen und musste sich davon abhalten, sich vor ekel nicht gleich selber auf die Pfoten zu kotzen. Bei Wulf, was war er doch für ein armseliger Kerl. Dennoch waren seine Worte das einzig richtige, wenn er in diesem Gespräch noch irgendwie sein Gesicht wahren wollte. Vor sich selbst hatte er es sowieso bereits verloren und was die Weiße nun wohl von ihm denken musste... ach, eigentlich wollte er das lieber gar nicht erst wissen.