Malik Hikaji
18.04.2012, 15:43

Malik gähnte und zeigte dabei seine Reihen weißer (hätte er sie gesehen auch „hübscher“) Milchzähnchen und legte für den Moment die Ohren an. Zu dumm, dass irgendwann alle Wölfe des Rudels schlafen gingen, dann wurde es ganz schnell ganz langweilig. Er schaute ein letztes Mal hoffnungsvoll über den Rudelplatz, auf dem vereinzelt ruhende Fellhaufen einen Schlafenden anzeigten. Nichts rührte sich, alles war ruhig. Der Welpe murrte leise und trottete schließlich als einer der Letzten auf die Höhle zu, in der er die ersten Wochen seines Lebens Tag und Nacht verbracht hatte. Unterwegs versuchte er, den Weg so lang wie möglich hinzuziehen, vielleicht erwachte ja doch noch ein potenzieller Spielkamerad. Aber es wollte sich einfach nichts regen, gerade so als hätten sich alle dazu verschworen, Malik zu ärgern und zum Schlafen zu zwingen. Er seufzte enttäuscht und gab es nun ganz auf. Seine Pfoten trugen ihn in die Dunkelheit der Höhle und er gab sich wirklich große Mühe, leise zu sein. Seine Mutter würde es wenig toll finden, wenn er sie weckte, ebenso wie seine Geschwister.

Als er sich ein wenig abseits der drei kleinen Wolfsgestalten niederlegte und den Kopf auf die Pfoten legte, spürte er eine Bewegung in der Luft, die nicht von einem Schlafenden kommen konnte. Das Geräusch war ganz leise, doch weil er so darauf bedacht gewesen war, selbst keines zu verursachen, war es ihm aufgefallen. Hoffnungsvoll hob er den Kopf wieder, vielleicht war ja doch noch jemand munter. Oder es hatte sich ein Tierchen in die Höhle geschlichen, das hier nicht hingehörte und das er vielleicht jagen durfte. Neugierig erhob sich der junge Rüde wieder auf die Pfoten und schlich zuerst zu seiner Mutter hinüber, die aus Gewohnheit ebenfalls noch in der Höhle schlief. Doch ihr Körper bewegte sich so wie immer, wenn sie schon schlief und er doch noch wach lag, also pirschte er weiter, ohne sie anzustupsen. Vorsichtig und mit Skepsis im Blick umrundete er nun seine Geschwister, betrachtete unsicher die schlafenden Gestalten von Tinca und Taleesha. Er hatte gehofft, dass sie schliefen, er wollte nicht mit ihnen spielen. Sein Blick huschte weiter zu Isaí – und verweilte dort.

„Isaí? Schläfst du schon?“, wisperte er so leise es ihm möglich war.

Vorsichtig stieg er um seine Schwestern herum und senkte den Kopf, dann legte er sich neben seinen Bruder. Hoffnungsvoll lag sein Blick auf ihm, bestimmt würde er sich gleich bewegen. Er musste! Nicht dass Malik noch vor lauter Langeweile einschlief.

Isaí Caiyé
18.04.2012, 22:55

Am Anfang glaubte man es ja nie, aber im Nachhinein musste Isaí schon wieder zugeben, dass Kisha Recht gehabt hatte. Ein wohliges Grummeln verließ seinen Fang, während er kurz die Glieder streckte und sie schließlich wieder eng an den kleinen Körper zog, um möglichst warm zu haben. Die Augen blieben dabei fest geschlossen. Am Morgen noch hatte er gelacht, als Kisha gemeint hatte, er würde abends müde umkippen, doch jetzt fühlte er sich, als wäre er noch nie müder gewesen. Er schmatzte kurz und vergrub dann seine Schnauze unter der dünnen Rute, lauschte kurz, was um ihn herum vor sich ging. Taleesha und Tinca mussten ganz in der Nähe liegen und auch Sheenas Geruch stieg ihm beruhigend in die Nase. Auf der anderen Seite seiner Schwestern war wahrscheinlich noch immer Malik, zumindest hatte er sich dort befunden, als Isaí zuletzt die Kraft dazu aufgewendet hatte, die Augen zu öffnen. Konnte doch nicht wahr sein, dass solch ein kleines Abenteuer einen so fertig machte? Hauptsache war aber noch immer, dass Kisha nichts gemerkt hatte und sich der kleine Rote bis zum Schluss wacker geschlagen hatte! Ha! Keine Schwäche gezeigt und morgen würde er einfach so tun, als wäre ihm das heute lange nicht genug gewesen, so, als hätte er viel, viel mehr drauf. Aber erst, wenn er ausgeschlafen hatte und das konnte – so träge und müde, wie er sich im Moment fühlte – ziemlich lange dauern.

Eine Weile verging und er schien langsam wegzudämmern, als ihn plötzlich ein leises Geräusch aus diesem Zustand riss. Die Ohren des jungen Wolfs zuckten kurz, doch er achtete nicht weiter darauf und versuchte, weiterzuschlafen. Auch, als die leise Stimme seines Bruders an seine Ohren drang, bekam er es nur im Halbschlaf mit und vergrub seine Nase noch ein Stück weiter unter seiner Rute, als hätte ihn bloß eine nervige Fliege gestört, die er dadurch verscheuchen konnte. Tatsächlich war nicht ganz bei ihm angekommen, dass es Malik gewesen war. Er spürte also plötzlich einen Körper an seiner Seite, erwachte vollständig, hielt aber die Augen weiterhin geschlossen. Sein Nasenrücken kräuselte sich kurz, während ein leises Grollen aus seinem Fang drang und er sich schließlich zur Seite fallen ließ, die Vorderpfoten dabei ausgestreckt und in Richtung Malik drückend, den er schließlich auch unter ihnen spürte. Verschlafen grummelte er leise weiter vor sich hin, öffnete schließlich doch den Fang ein kleines bisschen, zeigte seine kleinen Zähne und wollte seinen weißen Bruder somit direkt zeigen, dass er seine Ruhe wollte und nicht für ein Spiel zu haben war.

„Bis eben ja.“, murrte er verschlafen, öffnete nun aber doch die Augen und schielte zu ihm hinüber.

Er hob erneut eine Pfote, richtete den Kopf ein Stück auf und legte schließlich die kleine Pranke seinem jüngeren Bruder auf die Nase. Er bezweifelte, dass er so schnell aufgeben würde.

Malik Hikaji
19.04.2012, 15:20

Malik war so froh, als Isaí sich tatsächlich rührte, dass es ihm kein bisschen was ausmachte, als er ihm die Pfoten in die Seite grub und ihn von sich schob. Mit nach wie vor großen, hoffnungsvollen Augen sah er seinen Bruder an und ließ sich von ihm ungerührt ein paar Zentimeter über den Höhlenboden schieben. Das würde sehr sehr viel Überredungskunst kosten, Isaí zum Spielen zu animieren, aber Malik würde so schnell nicht aufgeben. Sein Bruder war ihm gegenüber ja immer grummelig, da verschreckte ihn so eine Antwort längst nicht mehr. Während sich der Weiße ebenfalls auf die Seite rollte und den Kopf auf den Boden legte, wischte seine Rute vor Freude über die Erde. Um Isaí zu bitten, doch mit nach draußen zu kommen, öffnete sich der Fang bereits ein wenig, doch die Pfote seines Bruders ließ ihn schnell wieder zuklappen. Etwas verwirrt begann Malik zu schielen und widerstand nur mit großer Anstrengung dem Drang, spielerisch nach dem rötlichen Lauf zu schnappen. Wenn er das machte, würde Isaí mit seinem Geschrei alle anderen wecken oder aber beleidigt wieder einschlafen. Beides konnte Malik nicht riskieren, also riss er sich zusammen und blinzelte Isaí weiterhin nur hoffnungsvoll an, den Kopf immer noch auf dem Boden liegend.

„Bist du denn müde?“, flüsterte er ein wenig undeutlich und wand sich schließlich unter Isaís Pfote hervor.

Er blinzelte wieder hoffnungsvoll und drehte sich schließlich langsam von der Seite soweit, dass er sich auf dem Rücken liegend ausbalancierte. Nun lag Isaí für ihn verkehrt herum, oben an der Höhlendecke, so dass er unvermittelt lächeln musste. Die Vorderpfoten ruhten eingeknickt auf seinem Brustkorb, während er mit den Hinterläufen hin und wieder in der Luft rudern musste, um nicht zur Seite umzufallen. Vielleicht bekam Isaí ja dadurch Lust, mit ihm zu spielen, sich selbst umzuschmeißen hätte Malik nun auch lustig gefunden.

„Weißt du, dass man Welpen bekommen kann, wenn man jemanden gern hat?“, flüsterte er aufs Geratewohl, weil das das erste Thema war, was ihm einfiel. Doch dann hängt er sofort an, was er eigentlich wollte.
„Erzählst du mir eine Geschichte? Bitte bitte.“

Mit diesen Worten zog er die Hinterbeine an und rollte sich wieder auf die Seite, streckte die Läufe aus und lag nun da, als hätte man ihm mitten im wildesten Wettlauf umgeschubst. Sein Blick lag ununterbrochen auf Isaí. Wenn schon nicht spielen, dann wenigstens eine Geschichte. Er war sich zwar sicher, dass er selbst viel mehr und viel tollere Geschichten kannte, aber ohne die von Isaí zu kennen, konnte er sich und ihn ja gar nicht vergleichen. Außerdem war es langweilig. Er wollte doch nicht schlafen.

Isaí Caiyé
19.04.2012, 16:11

Er antwortete nicht direkt und das ließ für einen kurzen Augenblick doch nochmal die Hoffnung aufkeimen, dass es dieses Mal einfacher war, ihn abzuwimmeln. Doch da täuschte er sich. Er versuchte, so schnell es ging einfach wieder einzuschlafen, die Pfoten noch immer gegen den Körper seines Bruders gestemmt, allerdings weitaus unmotivierter als zuvor. Dennoch traute er dieser Ruhe nicht. Es passte nicht und das war vielleicht auch der Grund, weshalb er die Augen doch noch einmal öffnete und zu seinem weißen Bruder hinüberschielte, der ihn – wie erwartet – weiterhin hoffnungsvoll ansah. Es war allerdings nur ein Zufall, dass der Rote seine Pfote genau in dem Moment auf die Nase des Jüngeren legte, als dieser zu sprechen beginnen wollte. Isaí erwiderte den Blick kurz, ehe er den Kopf wieder auf den Höhlenboden sinken ließ und einen kurzen Augenblick an die Wand starrte. Es brachte ja eh nichts, immer wieder zu versuchen, einzuschlafen, wenn er Malik nicht gänzlich davon überzeugt hatte, einfach zu schlafen. Er zog die Pfote zurück, als man sich ohnehin seiner Berührung entzogen hatte und fixierte Malik mit seinen blauen Seelenspiegeln, ohne das Haupt erneut vom Boden anzuheben.

„Ich war den ganzen Tag mit Kisha unterwegs.“, antwortete er und gähnte.

Schließlich zog der junge Wolf die Läufe wieder an den Körper und richtete sich ein Stück auf, sodass er wieder auf dem Bach lag. Skeptisch beobachtete er Malik bei seinen Übungen, nicht umzufallen und ahnte, wozu es dienen sollte. Dennoch hielt ihn die Müdigkeit davon ab, nun aufzuspringen und seine Chance zu nutzen, denn das war ja genau das, was sich sein Bruder erhoffte. Ohne ihn, so berechenbar war er nicht. Dennoch konnte er nicht ganz wiederstehen, streckte schließlich eine Pfote nach vorne und zog seine Krallen kurz durch den erdigen Boden, allerdings vor ihm, sodass es nicht so wirkte, als hätte es etwas mit Malik zu tun. Seine Ohren schnippten kurz, ehe er den Kopf wieder senkte und auf seine Pfote bettete – so, dass er Malik aber weiterhin beobachten konnte, um einem hinterhältigen Angriff entgegenwirken zu können. Sein Gesichtsausdruck zeugte auch nicht unbedingt von Begeisterung, was sich allerdings änderte, als Malik weiterzusprechen begann. Nicht, dass sich plötzlich Begeisterung zeigte – es war mehr ein prüfender, skeptischer Ausdruck, wie sein Bruder nun darauf kam. Überlegend spielte er mit den Ohren, legte den Kopf leicht schief und spähte zu ihm herüber.

„Aber nur, wenn man nicht zu einer Familie gehört. Sonst darf man das nicht.“, stellte er zögernd klar und musterte ihn mit einem berechnenden Blick.

Eine Geschichte? Dazu hatte er wirklich keine Lust. Und er bezweifelte auch, dass es Maliks Ernst war. Er legte die Ohren leicht nach hinten.

„Du weißt doch sowieso immer alles besser und willst, dass es so passiert, wie du es willst.“, schlug er die Bitte aus und sah seinen Bruder mit einer finsteren Miene an.

Malik Hikaji
21.04.2012, 16:33


Er fand Isaís Antwort überhaupt nicht befriedigend, aber aus Rücksicht auf dessen Stimmung ließ er das besser ungesagt. Irgendwie sah man seinem Bruder ja an, dass er müde war. Jetzt war er ganz froh, dass Madoc nicht andauernd etwas mit ihm unternahm. Sein Pate war sowieso niemand, der wilde Spiele mochte, er war eher … klug. Ihm fiel keine andere Bezeichnung für die Unnahbarkeit und Erhabenheit des Albinowolfs ein, zu dem er so bewundernd aufblickte. Da war ihm diese Art der Beschäftigung doch lieber als irgendwelche Abenteuer, die einen müde machten, so wie Isaí. Abschätzend betrachtete er seinen Bruder und schwieg, wohlwissend, dass ihn die Gedanken ausgesprochen nicht gerade dazu motivieren würden, ihm eine Geschichte zu erzählen.
Immerhin hatte er es schon einmal geschafft, dass sich Isaí mit seiner Aussage beschäftigte, was Maliks Miene sofort aufhellte. Zwar wollte er sein tolles Wissen gleich wieder begrenzen, aber das war dem Weißen in dem Moment egal. Er strahlte und schüttelte munter den Kopf, was merkwürdig aussah, weil dieser noch immer auf den Höhlenboden gebettet lag.

„Klar darf man das. Tyraleen und Averic haben doch auch die gleiche Mama und sie hatten sich trotzdem so lieb, dass sie Welpen haben.“

Das hatte er im Rudel aufgeschnappt, also wusste er es nicht hundertprozentig. Aber klar war doch, dass Dinge, die Tyraleen machte, auch erlaubt sein mussten. Und wieso sollte man sich in einer Familie auch nicht gern haben, das wäre ja fies. Allerdings würde es ihm wunderbar begründen, weshalb er Tinca nicht lieb hatte und Taleesha ebenso wie Isaí fast alles neidete. Aber seine Mama hatte er lieb. Das durfte ihm auch niemand verbieten, ganz besonders nicht Isaí. Darauf wollte er ihn gerade hinweisen, als er doch noch erwog, ihm eine Geschichte zu erzählen, wenn auch nur so halb. Sofort verwarf er die Gedanken an die Familie wieder und seine Rute wedelte freudig noch ein wenig schneller durch den Sand. Dann kroch er ein Stück näher an seinen Bruder heran und drückte sich auf den Boden, so als würde er sich ihm unterwerfen. Dabei wollte er einfach nur so leise wie es ihm möglich war betteln.

„Bitte bitte bitte Isaíiiiii. Ich sage auch nichts. Bitte bitte.“

Er legte den Kopf ein bisschen schief und stupste Isaí dann schnell gegen die Lefzen, wie er es bei seiner Mutter machte, wenn er irgendetwas wollte. Ganz egal er wer es war, irgendwie musste es doch funktionieren. Und wenn es sein musste, würde er wirklich nichts sagen. Wieder drückte er den Kopf und den restlichen Körper flach auf den Boden, während seine Rute unermüdlich wedelte. Den Blick wandte er nicht von seinem Bruder ab, damit er ihn zwicken konnte, wenn er hartnäckig bei seinem Nein blieb.

Isaí Caiyé
21.04.2012, 19:25

Er fand das Verhalten seines Bruders wieder unglaublich egoistisch, aber so kannte er ihn ja. Und er wusste auch, dass er sich so leicht nicht abwimmeln ließ und es jedes Mal, wenn er sich irgendetwas in den Kopf gesetzt hatte, auch genau das bekommen wollte. Leider Fenris war er da auch noch unglaublich ehrgeizig und geduldig bei, sodass es kaum zu bestreiten war, dass es länger dauern würde, bis er sich wieder schlafen legen konnte. Und dann war er ganz bestimmt wieder nicht müde. Super. Und dann würde er morgen ganz schon schwach dastehen vor Kisha und Tyraleen, wenn sie ein neues Abenteuer erleben würden. Das durfte er doch nicht! Dann hieß es also durchhalten. Was ihn auch noch störte, war, dass Malik immer das Offensichtlichste erfragen musste. Insgeheim war er ja irgendwie glücklich darüber, dass er mit der Zeit immer weniger mit seinem weißen Bruder zu tun hatte, ihn seltener in seiner Nähe sah und ihm meist fern bleiben konnte, da ihre Familie groß genug war, als dass es groß aufgefallen wäre, dass er es mit Absicht machte. Früher hatte er immer peinlichst genau darauf geachtet, mit wem Malik sprach, mit wem er spielte und ihn um jeden Kontakt, um jede Aufmerksamkeit beneidet, doch inzwischen hatte e sich eingespielt. Sie hatten unterschiedliche Wölfe, mit denen sie sich beschäftigten und so war dem jungen Roten aufgefallen, dass es gar keinen Grund für Eifersucht gab. Sie war abgeebbt – einfach so – und zurück blieb nur das unbehagliche Gefühl im Umgang mit Tinca und das unterschwellige Unwollen, sich mit seinem Bruder zu beschäftigen. Früher war es anders gewesen, doch inzwischen wusste er nicht mehr recht, mit seiner Art umzugehen und sie einfach zu akzeptieren. Er mochte niemanden, der ihm ins Wort fiel, der versuchte, ihn zu verbessern. Und das machte es ihm schwer, zumindest für ihn ein guter Caiyé zu sein. Bei Taleesha gelang es ihm unglaublich gut – zumindest hoffte er, dass sie es so empfand. Und auch, wenn er sich mit Malik Mühe gab – es gelang ihm einfach nicht mehr.

Genauso wenig wie Maliks besserwisserische Art gefiel ihm das, was er nun auf seine Ergänzung erwiderte. Isaí schnippte mit den Ohren und sah seinen Bruder mit großen Augen an, während er überlegte. Er wusste, dass er Recht hatte, zumindest mit letzterem und das missfiel ihm ungeheuer. Ihm war danach, Tyraleen zu verteidigen, denn demnach, was er gerade gesagt hatte, (also demnach, was Tyraleen ihm gesagt hatte) hatte sie etwas Verbotenes gemacht. Doch die Weiße war für den jungen Roten so hochgestellt, dass dieser Zusammenhang einfach nicht stimmig wirken wollte. Sie machte keine Fehler, erzählte keine Lügen und machte nichts Verbotenes. Das passte einfach nicht! Doch auch, wenn er Malik nun widersprochen hätte – und danach war ihm gewiss – hätte er gleichzeitig eingestanden, dass Averic und Tyraleen etwas Verbotenes getan hatten. Anders jedoch – hätte er also Malik Recht gegeben und weiterhin daran festgehalten, dass ihre Alpha unfehlbar war – hätte er sich in seinen Augen eingestanden, dass sie ihn belogen hatte. Es war ein Zwiespalt, der den jungen Wolf im Augenblick innerlich verwirrte. Er wusste nicht, worauf er nun beharren sollte, denn Maliks Aussage zerschlug sein Wissen und sein Bild wie eine Pfote die Oberfläche des Sees. Und er wollte im Moment auch wirklich keine Antwort darauf finden. Vielleicht, weil es ihn einfach unglaublich enttäuscht hätte, hätte Tyraleen ihn angelogen oder etwas Verbotenes getan. Und auf eines von beidem lief es doch zwangsläufig hinaus, oder?

„Red keinen Unsinn. Das ist… etwas anderes.“

Er schüttelte leicht den Kopf. Nun hatte er sich doch für die Variante entschieden, Tyraleen zu verteidigen, wenn auch nicht wirklich sehr vehement. Doch der Angriff auf ihre Alpha hatte sich angefühlt wie ein Angriff auf ihn selbst, auch, wenn das sicher nicht die Absicht Maliks gewesen war. Isaí lächelte schwach und versucht entschuldigend, als ihm dieser Gedanke kam, während die Sorge zurück blieb, enttäuscht zu werden. Er würde sie fragen, ganz bestimmt. Es musste einen Grund dafür geben, der weder aussagte, dass sie gelogen hatte, noch, dass sie sich regelwidrig verhalten hatte. Schließlich kam der Weiße zurück auf die Geschichte, bei der sich Isaí noch immer weigerte, sie zu erzählen. Malik jedoch griff nun auf einen anderen Versuch zurück, kauerte sich vor ihm auf den Boden, woraufhin sein roter Bruder den Kopf etwas anhob und die Ohren anwinkelte. Es war ein merkwürdiges Gefühl, so angebettelt zu werden und es gab ihm gleichzeitig den Eindruck, auf einer höheren Position wie sein Bruder zu stehen. Und das – er konnte nicht anders, als es zugeben – gefiel ihm irgendwie. Malik unterwarf sich ihm also, und auch, wenn die beiden jungen Wölfe die genaue Bedeutung vielleicht noch nicht verstanden, fühlte es sich wie selbstverständlich an. Isaí kräuselte kurz die Lefzen, als sein Bruder ihn an den Lefzen berührte, allerdings nicht böswillig sondern einfach aus Instinkt heraus. Na, ein Versuch war es ja vielleicht wert?

„Mh.“, entwich ihm ohne jegliche Wertung, ehe er sich erhob.

Er streckte seine Glieder, gähnte, ehe er zu Malik hinunter sah und ihn kurz musterte. Dann wandte er sich um, schlich an seinen Geschwistern vorbei Richtung Höhlenausgang und verharrte dort den Kopf zurückwendend. In der Höhle konnte er nicht erzählen, da würde er nur seine Geschwister wecken. Und er war ja nicht so fies, sie ihres Schlafes zu berauben.

Malik Hikaji
26.04.2012, 15:57


Malik robbte noch ein kleines Stück näher zu Isaí, dann verharrte er ganz still. Er traute sich nicht so weit heran, dass seine Schnauze das Fell seines Bruders berührte. Zum einen war es schmutzig, zum anderen würde Isaí das garantiert nicht gefallen, so dass er von der Idee abkam, ihm die Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, irgendeine. Maliks Ohren legten sich nach hinten und er wartete still, nur seine Rute bewegte sich unentwegt hin und her, hoch und runter. Sie verriet seine Hoffnung, die ihn dadurch komplett vergessen ließ, dass er Isaí eigentlich nicht so besonders mochte. Alle gaben ihm das Gefühl, dass es etwas Schlechtes war, seinen Bruder nicht gern zu haben. Er hatte nur wenigen Wölfen gesagt, dass er nicht mit Isaí spielen mochte, weil der ihn schmutzig machte oder sonst irgendwie blöd reagierte. Seine Oma wusste es – sie hatte gesagt, dass er nicht so hart sein sollte. Kursaí wusste es. Auch sie hatte nicht so besonders ausuferndes Verständnis gezeigt. Vielleicht konnte er mal mit seinem Patenonkel Madoc sprechen, der würde ihn bestimmt weder ermahnen noch zu mehr Offenheit und Verständnis ermuntern. Aber bis dahin waren all die Sorgen vergessen. Im Moment versuchte Malik nicht einmal absichtlich, die Vorschläge der erwachsenen Wölfe in die Tat umzusetzen, sondern wollte einfach Abwechslung. Dass gerade Isaí der war, der sich dafür ungewollt angeboten hatte, war reiner Zufall. Doch vielleicht half es dabei, dass sie sich zukünftig besser verstanden.

Malik wusste selbst zu wenig über die Vorgeschichte von Averic und Tyraleen, als dass er sich wirklich den Kopf darüber zerbrochen hätte, was er gesagt hatte. Umso erstaunter war er, dass er soeben eine empfindliche Stelle bei Isaí getroffen hatte – das war interessant, wenn auch nicht beabsichtigt gewesen. Neugierig hob der Welpe den Kopf vom Boden an und blinzelte verwundert. Am liebsten hätte er nun weiter diskutiert, einfach aus Prinzip und weil er sich nun sowieso im Recht fühlte, aber das war ihm im Moment zu anstrengend und riskant. Er wollte Isaí schließlich nicht (noch mehr) verärgern. Nun mit leicht schiefgelegtem Kopf lag er da, schaute abwartend zu seinem Bruder und schwenkte unentwegt die Rute. Vielleicht würde er ihm ja noch erklären, wieso es bei Tyraleen anders war. Erlaubte ihr der tolle Markierrang etwa auch Dinge, die andere nicht durften? Das erschien ihm ziemlich einleuchtend und ein Strahlen huschte über sein Gesicht. Er musste Isaí gar nicht verärgern, er konnte ihm etwas erklären!

„Ich weiß warum sie es darf!“, flüsterte er begeistert und setzte sich auf. „Sie ist doch eine Alpha mit einem Markierrang. Da darf sie Dinge tun, die wir anderen nicht dürfen, wie zum Beispiel die Grenze markieren und Welpen mit Wölfen aus ihrer Familie bekommen.“

Er lächelte, stolz auf seine unschlagbare Logik. Ja, das war eine so plausible Erklärung, dass er nicht einmal um Isaí eins auszuwischen ein Gegenargument fand. Aber sein Bruder hatte nun eine Kerbe im Brett des Jüngeren, der seine Hoffnung schon ganz langsam verloren hatte. Nun stand der Rote doch noch auf und Maliks Rutenpendeln wurde augenblicklich wieder zu einem beglückten Wedeln. Schnell sprang er auf und folgte Isaí mit noch immer leicht gesenktem Kopf, aber kaum zurückhaltbarer Freude. Er hätte gar nicht daran gedacht, die Höhle aus Rücksicht auf die Anderen zu verlassen, aber dagegen hatte er auch nichts. Draußen konnte Isaí immerhin erzählen so laut er wollte, die anderen Wölfe schließen wie Steine.
Sobald der Nachthimmel über ihnen zu sehen war, schoss Malik an Isaí vorbei und hatte dann große Mühe, zur Ruhe zu kommen und sich hinzusetzen. Hibbelig platzierte er sich auf einer kleinen Anhöhe vor der Höhle, drehte sich einmal um die eigene Achse, setzte sich, stand wieder auf, legte sich flach auf den Boden und wedelte mit der Rute, die seit Isaís Erwachen gar nicht mehr still stehen wollte.

„Daaaaanke."

Er strahlte, setzte sich wieder auf und wartete aufgeregt. Eine Geschichte, er musste nicht schlafen! Hoffentlich war sie lang und sehr spannend.

Isaí Caiyé
26.04.2012, 20:12

Vielleicht wäre er erstaunt gewesen, hätten ihn seine Gedanken in diesem Augenblick nicht so sehr eingenommen. Es war tatsächlich beachtenswert, auf wie viele verschiedene Weisen Malik versuchte, ihn dazu zu bekommen, das zu tun, was er wollte. Der kleine Weiße hatte wirklich viele verschiedene Techniken drauf, wenn es darum ging, einen anderen bis aufs Blut zu nerven und einfach nicht locker zu lassen, bis man eben nachgab und hoffte, dass er verschwinden würde, sobald er bekommen hatte, wonach er die ganze Zeit gurrte. Der Rote schüttelte kurz den Kopf, ehe er den Blick wieder auf seinen Bruder richtete, der noch immer vor ihm gekauert auf dem Boden lag – die Nase in seine Richtung gestreckt, aber noch zumindest eine Pfotenlänge von seinem Pelz entfernt. Wenigstens hatte er ihm etwas in dieser Nacht klarmachen können und so blieb ihm der jüngere Bruder wenigstens ein Stückchen vom Leib. Er schüttelte den Kopf kurz im Liegen und sah schließlich wieder zu Malik hinüber, der offensichtlich doch bemerkt hatte, dass ihn das Thema mehr beschäftigt hatte als erwartet. Unruhig legte er die Ohren nach hinten, allerdings nur kurz, ehe sein Bruder ihm plötzlich zustimmte. Isaí blinzelte verwirrt, neigte den Kopf leicht zur Seite und runzelte wölfisch die Stirn. Das wollte nun so gar nicht zu ihm passen. Was auch immer ein Markierrang nun auch war – der Rote war zu verwundert über die vermeintliche Sinneswandlung, dass er bloß überrumpelt nickte und schließlich doch nachgab.

Vielleicht war es, weil er sich anschließend seinen wohlverdienten Schlaf erhoffte, vielleicht aber auch, weil er selbst auf andere Gedanken kommen wollte, was durch Ablenkung gewiss einfacher war. Er bezweifelte, dass er nun wirklich noch einmal so schnell und unbekümmert würde einschlafen können – dann konnte man Malik auch noch eine Chance geben und hoffen, dass er sie nicht vermasselte. Mit einem Seufzen erhob er sich und schlich sich schließlich aus der Höhle hinaus, dicht gefolgt von seinem weißen Schatten natürlich, den er so schnell auch nicht mehr los werden würde. Während dieser allerdings aufgeregt durch die Gegend kuschte, schritt der Ältere wesentlich ruhiger in die kalte Nachtluft heraus, hob den Kopf kurz und reckte die Nase gen Himmel, um die funkelnden Sterne zu beobachten. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lefzen, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Malik richtete, der offensichtlich der Meinung war, bereits einen Ort für ihre Geschichte gefunden zu haben. Doch da hatte er sich getäuscht! Wieder kauerte er sich aufgeregt auf den Boden, doch Isaí ging wortlos an ihm vorbei weiter auf den Rudelplatz hinaus, bis das Ufer des Sees nur noch ein paar Wolfslängen von ihm entfernt war. Vollkommen ruhig sog er die Nachtluft ein, atmete wieder aus und wandte den Kopf dann erst herum, um nach Malik zu sehen. Er würde sicherlich gleich kommen. So ließ er sich auf den Hinterläufen nieder, reckte den Kopf erneut zum Himmel und beobachtete eine dunkle Wolke, die sich langsam über den Himmel schob. Malik war nicht zu überhören, als er endlich auch bei ihm ankam und so begann der junge Wolf die Geschichte zu erzählen, die ihm spontan in den Sinn gekommen war – die, von der er glaubte, dass Malik sie noch nicht kannte, da Tyraleen sie ihm erzählt hatte, als sie zu zweit ganz alleine Banshee und Acollon besucht hatten. Die Seelenspiegel ruhten weiterhin auf dem dunklen Original, welches sich im See spiegelte.

„Du kennst ja die Geschichte von Fenris und Engaya und weißt, dass sie die Wölfe hier irgendwann wieder verließen und ihre Namen zu denen der Götter wurden. Die Wölfe erzählten überall ihre Geschichten weiter, so, wie man sie auch uns erzählt hat, allerdings glaubten sie nicht mehr wirklich daran. Sie dachten, es wären einfache, erfundene Geschichten. Das war hier nicht anders. Auch die Sternenwinde konnten sich nicht vorstellen, dass Engaya und Fenris wirklich gelebt hatten. Damals war es hier ganz, ganz anders. Die Wölfe waren fies zueinander und sie stritten sich oft. Sie waren egoistisch und interessierten sich nicht für die anderen Lebewesen oder das Tal. Sie lagen meist faul herum, so wie Atalya. Nur war das ganze Tal voller Atalyas. Du kannst dir vorstellen, wie das war.“

Isaí warf seinem Bruder einen vielsagenden Blick zu und war stolz, einen Vergleich gefunden zu haben, mit dem sich der Jüngere die damalige Zeit besser vorstellen konnte.

„Und all diese Wölfe machten sich über die Dinge lustig, die Engaya vollbracht hat und die sie ausgezeichnet haben und auch vor Fenris hatten sie kein bisschen Angst und lachten über ihn. Dann wurde unsere Großmutter Banshee in dieses Rudel geboren. Sie glaubte an die Geschichten, die man ihr erzählte und hatte den Sinn für die Götter im Gegensatz zu ihrer Familie nicht verloren. Deshalb wurde sie wurde von den anderen ausgeschlossen. Deshalb verließ sie schließlich mit unserer Tante Nyota das Rudel, um einen besseren und schöneren Ort zu finden, der ihnen wie ein Zuhause sein sollte und an dem man den Glauben an Engaya und Fenris nicht verloren hatte. Doch überall, wo sie hinkamen, trafen sie wieder auf streitende und ungläubige Atalyas, von denen nicht mal allen die Namen der Götter bekannt waren! Sie erkannten, dass nirgends eine Zukunft auf sie wartete und so machten sie sich zurück auf den Weg ins Tal der Sternenwinde, wo ihre Reise begonnen hatte. Sie wussten nicht, wieso, doch als sie zurückkehrten, waren die anderen Wölfe verschwunden. Man wusste nicht, ob sie fortgewandert waren oder ob etwas anderes passiert war, doch sie sahen darin ihre Chance, hier ihr eigenes Rudel zu gründen, in dem der Glaube an die Götter wieder aufleben würde. Oma Banshee erlaubte jedem Wolf, zu ihnen zu kommen und bei ihnen zu bleiben und erzählte ihnen die Geschichten mit all dem Glauben und der Hoffnung in der Stimme, mit dem sie daran hing. Sie erzählte sie immer und immer wieder gerne und loc kte mit dem Strahlen Engayas ganz viele Wölfe hierher. Viele gingen auch wieder und verließen die Sternenwinde, allerdings mit der Aufgabe, die Geschichten der Götter und den Glauben an die Wölfe zu bringen, denen sie auf ihren langen, weiten Wanderungen begegneten. Irgendwann kam dann Opa Acollon in unser Tal und wurde zu einem Wolf der Sternenwinde. Eigentlich sollte er wegen seiner Boshaftigkeit vertrieben werden, aber Oma Banshee erkannte, dass Acollon der war, auf den sie gewartet hatte. Acollon war der Sohn Fenris‘ und er war zu unserer Oma – der Tochter Engayas gekommen, um ihr beizustehen und den Glauben zurück an die Wölfe zu bringen. Und dann wiederholte sich die Geschichte und es geschah, wie es auch damals bei Fenris und Engaya gewesen war – Oma und Opa verliebten sich ineinander, aber Acollon durfte nicht lange bleiben und musste fort, um den Glauben hinaus in die Welt zu tragen und den Wölfen deutlich zu machen, dass der Tod unter ihnen weilte. Banshee blieb also alleine zurück, denn auch Tante Nyota ließ sie alleine. Sie war traurig und verlor allmählich an Kraft, obwohl noch immer viele Wölfe in das Tal kamen, um die Geschichten zu hören. Nyota kehrte zurück zu ihrer Schwester, um ihr Kraft zu schenken, doch durch die Einsamkeit begann Banshee einen Fehler, der sie auf den Weg in den Tod führte. Sie ließ sich auf einen anderen Rüden ein und verlor ab diesem Zeitpunkt immer mehr und mehr an Kraft. Obwohl Acollon weit fort war und das tat, was seine Aufgabe war, verlor auch er an Kraft und wurde schwächer. Das zog ihn zurück zu Banshee und gemeinsam legten sie sich hin und ihre Seelen gingen in die Ewigen Hallen.

Sie waren das Götterpaar, das den Wölfen wieder gezeigt hat, dass es Engaya und Fenris wirklich gab und sie haben den Glauben zurück gebracht. Seit dem glauben die Wölfe wieder an Engaya und Fenris, an den Kreislauf des Lebens und an die Liebe Engayas und den Hass Fenris‘. Und deshalb erzählt man sich auch über Oma und Opa so große Geschichten, wie man sie auch über Engaya und Fenris erzählt, denn auch sie haben viel für die Wölfe getan. Aber auch Götterkinder sind nicht frei von Fehlern. Wir müssen immer darauf achten, was wir tun.“


Isaí neigte den Kopf etwas zur Seite, betrachtete seinen Bruder einen kurzen Moment, ehe er den Kopf wieder hob und in den Himmel sah. Er schnippte kurz mit den Ohren.

Malik Hikaji
03.05.2012, 21:39


Malik war sich fast sicher, dass Isaí ihm nun eine Geschichte erzählte, weil er sich seiner Meinung angeschlossen hatte. Erfreut wedelte seine Rute durch die Luft und er wuffte tonlos, um seiner Begeisterung irgendwie Ausdruck zu verleihen, ohne aber die anderen zu wecken. Nun hatte er wirklich gute Argumente, warum er Isaí für sich allein haben wollte: Tinca könnte aufwachen und ihm die ganze Freude, die ganze Einzigartigkeit dieses Zugeständnisses verderben. Und Taleesha … jaaa, die brauchte er auch nicht unbedingt neben sich. Also folgte er Isaí so leise er konnte und schaute sich immer mal wieder zurück, ob ihnen auch ja niemand hinterher kam. Heldenhaft hätte er dann seinen Geschichtenerzähler gerettet, auch wenn dem das vermutlich nicht Recht gewesen wäre. Aber Malik schaute nicht zu den Seiten, er sah stets nur nach vorn auf seinen eigenen Weg.
Als er an seinem tollen Platz begeistert darauf wartete, dass Isaí zu ihm kam und endlich anfing, zu erzählen, wurde er herbe enttäuscht. Das Strahlen auf seinem Gesicht und die wilden Bewegungen seiner Rute wurden schwächer, bis er dem Roten nur noch leicht enttäuscht hinterhersah. Warum durfte er denn keinen Platz aussuchen? Er blickte bedröppelt zu Boden und suchte nach etwas, dass Isaí dazu verleitet haben könnte, diese Stelle nicht zu mögen. Aber vielleicht, dachte sich Malik ein wenig missmutig, vielleicht kannte er einfach einen besseren Platz für Geschichten. Nun mit etwas Abstand und deutlich abgeschwächter Euphorie, ja zuerst sogar leicht hängendem Kopf folgte er seinem Bruder über den Platz, auf dem er sich wieder Mühe gab, sehr leise zu sein. Auch hier gab es Wölfe, die er nicht dabei haben wollte, wenn er eine Geschichte erzählt bekam. Eigentlich … eigentlich sogar alle. Prüfend blickte er zu beiden Seiten, stellte aber beruhigt fest, dass immer noch alle schliefen und keine Anstalten machten, sich ihnen an die Fersen zu heften. Also war alles gut und er konnte wieder schauen, wohin Isaí gerade verschwand. Dass der sich am See niederließ, fand der jüngere Wolf ein wenig seltsam. Er betrachtete das Wasser zwar gern, aber nicht wenn Isaí in der Nähe war. Der nutzte einfach immer die Gelegenheit, ihn zu schubsen, so dass er fürchterlich nass wurde und aussah wie eine der Mäuse, die seine Mama mal zum Fressen gebracht hatte. Also nicht hübsch, absolut gar nicht. Er beschloss, einen gewissen Sicherheitsabstand zu dem Roten zu wahren, man wusste ja nie. Leicht misstrauisch und seinen Bruder nicht aus den Augen lassend setzte Malik sich schließlich hin und nickte wage, als er begann. Er kannte die Geschichte, aber er hatte sie nicht so richtig verstanden, denn Kursaí war nicht dazu gekommen, ihm alle Fragen zu beantworten.

Was nun folgte, überforderte den kleinen Weißen schon von Beginn an. Mit großen Augen und vollkommen gebannt starrte er Isaí an und sog jedes Wort auf, doch schon bald schwirrte ihm der Kopf vor lauter neuen Wörtern, neuen Verbindungen die ihm fremd waren und neuen Namen. Nur der Vergleich mit Atalya beruhigte ihn kurz und er nickte tapfer, weil er immer noch mit den vorherigen Worten kämpfte. Das war alles gar nicht so leicht, aber eine Welt voller Atalyas … nein, das konnte kein schönes Leben gewesen sein. Dann prasselten so viele Informationen auf ihn ein, dass er das Denken nebenbei ausschalten musste, um alles mitzubekommen. Mit vor Staunen und Faszination leicht aufgeklapptem Mäulchen hörte er zu und nickte hin und wieder kurz und abgehakt, um zu verdeutlichen, dass er noch zuhörte und verstand. Das galz zwar nicht für jede Information, die Isaí ihm gab, aber doch entstanden langsam Bilder in Maliks Kopf, die es ihm möglich machten, etwas nachzuvollziehen. Das wieso und Warum blieb hierbei komplett auf der Strecke, aber im Augenblick war das auch nicht so wichtig. Was zählte war die Faszination, die den Welpen ergriffen hatte, so wie es wohl jedem Wolf der Sternenwinde ergangen war, als er zum ersten Mal von der Legende gehört hatte. Als Isaí endete, brachte Malik einen Moment, um sich wieder zu fangen und blinzelte, dann hob er den Kopf und legte ihn leicht schräg.

„Das war die tollste Geschichte, die mir jemals ein Wolf erzählt hat.“, gestand er seinem Bruder mit einem Flüstern zu. Seine Augen glänzten vor Begeisterung.

„Ist Oma Banshee wirklich ein Welpe, den Engaya bekommen hat? Ist sie dann … unsere … unsere Mamaoma?

Er vermutete wirklich, dass es so war. Isaís letzte Worte klangen nämlich ziemlich danach. Waren sie Götterkinder? Er musste an seine Vergleiche mit dem Fell denken und daran, dass Oma Shani ihm das erklärt hatte. Wenn man verwandt war, sah man den Wölfen seiner Familie meistens ähnlich, hatte das gleiche Fell oder die gleichen Augen wie ein anderer aus der Familie. Wie wohl Mamaoma Engaya aussah? Und Oma Banshee? Wieso hatte er eigentlich plötzlich neben Oma Shani noch eine Oma? War Shani ihre Schwester gewesen? Nun verwirrten ihn die vielen verschiedenen Zweige seiner Familie wieder und er schnaufte leise, legte sich auf den Bauch und betrachtete nachdenkend die Wasseroberfläche. Alles Misstrauen gegenüber Isaí war für den Augenblick verschwunden.

„Was meinst du für Fehler?“, fragte er leise. Plötzlich war er nicht mehr so überdreht wie noch in der Höhle, doch das war bei der Menge an Informationen kaum verwunderlich. Es gab so viel, über das nun nachgedacht werden musste.

Isaí Caiyé
05.05.2012, 13:37

Er war unheimlich stolz auf sich, dass er all das wieder so zusammenbekommen hatte und dann auch noch – seiner Meinung nach – ziemlich gut erzählen konnte. Auch, wenn davon wohl niemals jemand erfahren würde – besonders die nicht, die dann auch stolz auf ihn sein würden – reichte es ihm vollkommen, dass nur Malik und er davon wussten. Im Augenblick war das okay und Isaí konnte gut damit leben. Dennoch huschte sein Blick kurz über die dunklen Gestalten, prüfend, ob vielleicht doch jemand gelauscht hatte, doch wie zuvor auch hoben und senkten sich die Körper in regelmäßigem Abstand bloß leicht und regten sich nicht. Die beiden jungen Wölfe waren vollkommen allein am Ufer des Sees, die einzigen wachen Schatten auf dem großen Platz zwischen all den schlafenden Körpern. Es hatte etwas von Abenteuer, von Spannung, denn in Isaí stieg das Gefühl auf, über die Schlafenden wachen zu müssen. Sie waren da, waren wach und aufmerksam, um den anderen einen sicheren Schlaf zu gewähren. Ihm war klar, dass es lediglich seiner Fantasie entsprach, doch die Aufregung war echt. Seine Rute klopfte kurz auf den Boden, während er unruhig mit den Vorderpfoten trippelte und schließlich den Blick wieder zu Malik herumwandte, ganz so, als wolle er wissen, ob auch er dieses geheimnisvolle Gefühl verspürte. Doch dieser schien lediglich etwas überfordert. Der Rote blickte zu ihm hinüber, sein stolzes Lächeln verblasste etwas, als er keinerlei Reaktion zeigte. Hatte er sich etwa doch getäuscht und er war gar nicht so ein guter Geschichtenerzähler, wie er gedacht hatte?

Was er aber dann sagte, verwirrte den jungen Wolf sichtlich. Er blinzelte verdutzt, spielte mit den Ohren und wollte ihnen nach wie vor nicht trauen. Es passte nicht, es passte nicht zu dem Wolf, neben dem er saß. Natürlich fühlte er sich geehrt, irgendwo in ihm drin, doch im Vordergrund stand nun eher die Verwirrung darüber, ob er es wirklich so meinte. Isaí hatte die Bedeutung noch nicht ganz verstanden – dazu wollte das Bild vor seinen Augen und das, was er gehört hatte, einfach nicht zusammenpassen. Es war, als würde Tyraleen vor ihm stehen und mit Kishas Stimme sprechen – da hätte er sicherlich auch kein Ohr für die Worte, die sie sprach!

„Wir – Wirklich?“, fragte er schließlich zögerlich, ehe sich langsam aber sicher ein stolzes Lächeln auf seinen Lefzen bildete.

Er kam nicht umhin, dem begeisterten Leuchten und Funkeln in den Augen seines Bruders zu vertrauen. Auch in seine pfützigen Seelenspiegel trat nun dieser Schein und seine Rute pendelte erfreut über die Erde. Erst, als sein Bruder die Fragen an ihn stellte, verebbte diese Bewegung, doch das Lächeln blieb erhalten, während er den Blick überlegend auf das Dunkel des anderen Seeufers wandte.

„Nein. Engaya und Fenris waren schon lange Zeit in den ewigen Hallen, als Oma Banshee zur Welt kam. Aber ihr Glaube hat sie zu einer Göttertochter gemacht. Ich glaube, Engaya hat von den ewigen Hallen her über sie gewacht wie eine Mutter. So, wie es Oma Banshee mit uns macht.“

Oh ja, er war sich ziemlich sicher. Er mochte Oma Banshee und wollte sie unbedingt nochmal besuchen. Er war nicht traurig, wie es Tyraleen war, dass Banshee nicht da war – für ihn war sie es, anders bloß, doch das war vollkommen normal für ihn, da er es nie anders kennengelernt hatte. Nichtsdestotrotz verstand er ihre Reaktion – sie hatte es ihm ja erklärt und er wäre genauso traurig, wenn seine Mutter und sein Vater oder einer der anderen plötzlich nicht mehr da wären. Doch er hatte der Alpha versprochen, dass er sie niemals allein lassen würde und Versprechen brach man nicht. Auch, wenn nach all den Geschichten die Angst vor Fenris gesunken war. Im Grunde war doch auch er ein netter Wolf. Wenn Engaya ihn gemocht hatte, hatte es einen Grund geben müssen und Isaí vertraute Engaya. Er glaubte nicht mehr daran, dass Fenris sie fressen würde, würden sie schwindeln.

„Naja. Zum Beispiel, wenn man jemandem etwas verspricht und es nicht hält. Man muss Versprechen immer halten, egal, wie schwer es ist.“

Malik Hikaji
07.05.2012, 20:06


Malik bemerkte nicht, dass er Isaí mit seiner Reaktion verwirrt hatte. Dieser war es auch mehr als zurecht, denn das Verhalten des Weißen war zwar nicht gespielt, aber doch darauf ausgerichtet, das zu erreichen, was er dringend erreichen wollte. Und ihm war klar geworden, dass er dabei war, Isaí als Spielgefährten zu verlieren, wenn er sich weiter so verhielt wie bisher. Bewusst geändert hatte er es nicht, aber doch den Versuch gewagt, es einmal mit leiseren Tönen zu probieren. Und wie es schien, funktionierte das deutlich besser als wenn er wie eine wütende Biene versuchte, Isaí zu etwas zu bringen, was dieser eigentlich nicht wollte. Und ja, wenn er ein bisschen ehrlich war – die Geschichte war schon ziemlich beeindruckend gewesen. Er selbst musste sie unter Garantie noch mindestens ein weiteres Mal hören, um sie halbwegs fehlerfrei wiedergeben zu können. Mit einem leisen Gähnen legte er sich flach auf den Bauch, bettete den Kopf auf die Pfoten und betrachtete die Wasseroberfläche, die nun fast schwarz aussah.

„Wer hat dir die Geschichte denn erzählt? Hast du sie schon oft gehört?“, stellte er die beiden Fragen, die ihm auf der Zunge lagen, ohne jedoch zu seinem Bruder zu blicken.

Kleinlaut meldete sich dieses altbekannte Gefühl, das ihn klagend fragte, wieso er die Geschichte erst jetzt erfuhr. Hatte Isaí sie von Oma Shani? Oder von Mama? Wer auch immer sie ihm erzählt hatte, hätte sie auch Malik erzählen können. Dass er sie nun quasi aus zweiter Pfote zu hören bekam, war für ihn ein wenig enttäuschend, aber heute hielt er sich zurück. Das würde Isaí nicht gefallen, wenn er damit anfing. Nun schielte er doch zu ihm hinüber und hörte seiner Erklärung mit neugierig aufgestellten Ohren zu. Die Eifersucht kehrte in den Hintergrund zurück, auch wenn er Isaí um sein umfassendes Wissen beneidete. Doch da half nur eins: zuhören und verstehen. Er fand die Vorstellung merkwürdig, dass es da jemanden gab, der auf ihn aufpasste – und den er nicht sehen konnte. Wo waren diese „ewigen Hallen“ von denen Isaí ihm erzählte? Ob man die Götter und Göttertöchter dort besuchen konnte? Und passte Opa Acollon nicht auch in den ewigen Hallen auf sie auf? In Maliks Kopf summten die vielen Fragen durcheinander und er musste angestrengt die Stirn runzeln, um sich zu konzentrieren, anstatt sich in seiner Fantasie zu verlieren.

„Wo sind denn die ewigen Hallen? Können wir Oma Banshee und Opa Acollon dort besuchen? Passt er mit auf uns auf?“

Er versuchte, nicht zu neugierig zu klingen, aber angesichts der vielen Fragen, die ihm entwischten, war die scheinbare Zurückhaltung schlecht getarnt. Wieder drehte er den Kopf und sah bittend zu seinem Bruder, ihm mehr zu erzählen, alles was er wusste. Neugier und Ehrgeiz trieben ihn dabei gleichermaßen an. Dass Isaí nun nur noch Banshee erwähnte, war ihm nicht entgangen, aber vielleicht hatte er den Opa einfach nur vergessen. Oder er war nicht so wichtig, weil er so lange in anderen gebieten unterwegs gewesen war. Das warf nun wieder neue Fragen auf, die Malik nun doch überforderten. Andere Gebiete … wie es da wohl aussah? Und wie groß waren sie? Wo führten sie hin? Was lebten da für Tiere? Er biss die Kiefer fest zusammen, damit er diesen Fragenregen nicht auf seinen Bruder losließ, aus Angst er könnte ihn damit verscheuchen. Er kam ihm gerade vor wie ein Schmetterling (natürlich nicht annähernd so hübsch, aber das Äußerliche beachtete Malik nun einmal großzügig nicht), den er unbedingt dazu bringen wollte, noch ein wenig an Ort und Stelle zu bleiben. Wenn er nichts tat, flog er irgendwann einfach so weg, aber wenn er sich unbedacht bewegte, konnte das noch viel eher passieren. Deshalb gab er Acht mit dem, was er tat und sagte. Schlafen wollte er nämlich immer noch nicht. Immerhin schien Isaí nicht so genervt zu sein, dass er schon wieder in den Startlöchern für den Rückweg stand, also konnte er sich vielleicht eine weitere Frage erlauben. Doch zuerst machte er nur nachdenklich Hmmm auf sein Beispiel. Versprechen … er hatte noch nie etwas versprochen, wenn er sich richtig erinnerte. Aber das konnte man ja ändern. Mit einem Schnaufen ließ er sich zur Seite fallen, streckte die Pfoten aus und schaute zu Isaí.

„Was passiert denn, wenn man ein Versprechen nicht hält?“

Isaí Caiyé
11.05.2012, 15:13

Er schnippte lediglich mit den Ohren, als eine weitere Frage aus dem Fang seines Bruders drang. Dennoch schwieg er noch einen Moment, schielte kurz zu ihm herüber und wendete den Blick schließlich wieder nach vorne in die Dunkelheit, während er kurz überlegte. Er versuchte, das Bekannte aus der Stimme seines Bruders zu filtern, das, was er schier jedes Mal zu hören glaubte, wenn Malik mit ihm sprach, doch nach der anscheinend wirklich ernstgemeinten Reaktion zuvor, fiel es ihm in diesem Augenblick unheimlich schwer. Seine Gewohnheit war getrübt durch das unvorhersehbare Verhalten und so überlegte der junge Rote einen Moment länger, welche Frage, welche Aussage unterbewusst in den Worten seines Bruders lag. Was spielte es für eine Rolle, woher er die Geschichte hatte? Dabei war er doch so stolz gewesen, dass er sich soweit alles hatte behalten können. Dennoch trübte das seine Stimmung nicht und so legte sich wieder ein leichtes Lächeln auf seine Lefzen, ehe er – den Blick weiterhin von Malik abgewandt – antwortete.

„Tyraleen hat sie mir erzählt. Ist schon etwas her.“, erklärte er schließlich und schüttelte kurz im Sitzen seinen Pelz.

Anders als Malik machte er sich keine Gedanken um die Geschichten, die er noch nicht kannte. Er wusste schon viel – da war er sich sicher – und somit lag sein Augenmerk mehr darauf, sich die bekannten Geschichten zu behalten, als abzuwägen, wer noch etwas zu erzählen hatte, was er noch nicht wusste. Früher oder später würde er auch die Geschichten erfahren, die Malik vielleicht kannte, er aber noch nicht. Immerhin ging es doch darum, sein Wissen weiterzugeben, oder? Dann hatte er damit ja eine gute Tat vollbracht. Tatsächlich war aus der anfänglichen Mühe, stets darauf zu achten, mit wem sein Bruder wie umging etwas Eigenes geworden. Es interessierte ihn nicht mehr, wer mehr Wölfe besser kannte, aber dennoch hielt er sich von Maliks ‚Freundeskreis‘ mehr oder weniger fern. Er wusste, dass sein kleiner Bruder mindestens genauso eifersüchtig war, wie Isaí es am Anfang gewesen war, doch der Ältere hatte inzwischen gelernt, dass es dafür keinen wirklichen Grund gab. Für ihn nicht und vielleicht würde das sein Bruder ja auch irgendwann noch lernen. Er vermied es, sich weiter darüber Gedanken zu machen, immerhin war sein Urteilsvermögen dann doch etwas von seiner distanzierten Beziehung zu ihm geprägt und so ging er wieder dazu über, den Abend einfach so zu genießen, wie er war. Immerhin gab es keine Garantie dafür, dass die beiden Brüder irgendwann noch einmal so ‚vertraut‘ miteinander zusammensitzen würden, um ihr Wissen zu teilen. Und wieder musste Isaí sich zurückerinnern, was Tyraleen ihm damals erzählt hatte – immerhin hatte auch er nach den ewigen Hallen gefragt.

„Ja. Auch Opa Acollon ist dort und Engaya und Fenris auch, genauso, wie viele andere Wölfe. Aber wir können nicht einfach hingehen. Wir können erst dorthin, wenn… Naja… Wenn wir sterben. Das heißt, dass das, womit wir Fühlen und Denken den Körper verlässt und zu Engaya und Fenris geht. Aber wir können dann auch nicht mehr zurück und müssen die anderen hier zurücklassen.“, versuchte er die Erklärung Tyraleens erneut zusammen zu bekommen und blinzelte angestrengt.

Schließlich wandte er den Kopf doch herum und blickte Malik entschuldigend entgegen. Er konnte das alles nicht so gut erklären wie die Alpha es konnte oder Oma Shani oder ihre Eltern, doch er gab sich alle Mühe und hoffte, dass es die Fragen seines jüngeren Bruders zumindest etwas beantwortete. Er wusste es ja selbst nicht so genau und die Sache mit dem ‚sterben‘ war nach wie vor etwas zu kompliziert für ihn. Er versuchte, sich an die Worte der Weißen zu erinnern und dachte daran, dass jeder Wolf sterben musste, wenn der Körper nicht mehr leben konnte und dass einen Freunde deshalb verließen, obwohl sie einen damit traurig machten. Der junge Wolf winkelte die Ohren bei diesem Gedanken besorgt an, denn er wollte nicht, dass seine Eltern oder andere Wölfe starben. Dann musste er ja auch in die ewigen Hallen, ums sie zu sehen und somit Wölfe, die er mochte, traurig zurücklassen. Das war doch doof. Erst Malik riss ihn wieder aus diesen trüben Gedanken und so setzte er wieder eine ernste Miene auf, ehe er tief durchatmete und zu einer bestimmten Antwort ansetzte. Das konnte er viel, viel besser beantworten!

„Dann enttäuschst du den Wolf, dem du das Versprechen gegeben hast und dann wird er dir vielleicht nicht mehr vertrauen.“, meinte er leise und schnippte erneut mit den Ohren. „Aber du musst selbst wissen, ob du das willst oder nicht.“

Malik Hikaji
16.05.2012, 17:10


War er gerade noch so neugierig auf Isaís Antwort gewesen, konnte er nun nichts mehr mit ihr anfangen. Die Information nahm er lediglich zur Kenntnis, zeigte aber mit keiner Regung, dass er sie verstanden hatte. Tyraleen konnte also auch Geschichten erzählen, das musste er sich merken. Vielleicht kannte sie mehr als diese eine, sie war ja schließlich die Alphawölfin. In Maliks Augen wurde die Weiße immer mehr zu etwas Unnahbarem, an das zwar sein Bruder herankam, doch ihm blieb der Kontakt verwehrt. Zum Teil kam dieses Gefühl von Kursaís Ausweichen, als er sie um einen Markierrang gebeten hatte und in Erfahrung hatte bringen wollen, was Tyraleen so besonders machte. Zur Eifersucht auf Isaís Geschichtenwissen kam nun auch Eifersucht auf seine Kontakte im Rudel. Stumm starrte der kleine Weiße nach vorn und überlegte, wie er seinen Bruder darin wohl am besten übertreffen konnte. Als Lösung blieb ihm nur, auch mal von Madocs Seite zu weichen und andere Wölfe anzusprechen, was ihm normalerweise gar nicht schwer fiel. Damit würde er gleich morgen beginnen, wenn alle wieder wach waren. Halbwegs beruhigt huschte ein Lächeln über seine Züge und er entspannte sich wieder. Jetzt gab es noch keinen Grund zur Eile.

Als Isaí mit seiner Erklärung fortfuhr, drehte der Jüngere den Kopf und lauschte beinahe andächtig. Die Bezeichnung „sterben“ hörte er nicht zum ersten Mal, jedoch war sein Bruder der erste, der es ihm zu erklären versuchte. Bei seinen Worten wurden die glänzend schwarzen Augen des Weißen etwas größer. Es fiel ihm trotzdem schwer, Isaí zu folgen, denn auch seine Erklärung war schwierig nachzuvollziehen. Schon allein die neue Information, dass etwas zweites in seinem Körper steckte, das fühlte und dachte, überraschte den Welpen – bisher war er davon ausgegangen, dass er komplett zusammengehörte. Irgendwie war es beängstigend zu wissen, dass sich irgendwann eins vom anderen trennen würde, damit er … Moment mal, was wurde denn aus seinem Körper? Durfte der nicht mit in die Ewigen Hallen? Und wie sah das aus, was in ihm dachte und fühlte? Es brauchte Beine zum Laufen und hatte hoffentlich ebenso weißes Fell … Malik versuchte dem Abstrakten unabsichtlich eine Form zu geben, damit er es verstand. Die zweite Information, dass sie nicht zurück zu ihrem Körper konnten, ließ er zuerst unbeachtet. Es galt nun eine Menge zu verstehen, das er aufs Wesentliche beschränken musste.

„Ich glaube ich möchte lieber hierbleiben.“, murmelte er leise und verbarg seine Nase unter seiner Pfote.

Die Vorstellung, alle Wölfe hier zurückzulassen und stattdessen zu Engaya und Fenris zu gehen, gruselte ihn. Auch wenn die beiden sicherlich ganz nett waren und Oma und Opa auch bei ihnen waren, Malik blieb lieber bei denen, die er kannte. Dass das nicht möglich war und auch vor ihm Wölfe sterben würden, war ihm noch nicht klar. Es erschien ihm wie eine Entscheidung, die zwar endgültig und nicht mehr änderbar war, aber doch in seinen Pfoten lag. Und wenn dem so war, sah er keinen wirklich triftigen Grund, die Wölfe hier zu verlassen, nur um seine Großeltern in den ewigen Hallen zu besuchen, aber dann für immer dort bleiben zu müssen. Was, wenn es ihm dort gar nicht gefiel? Nachdenklich legte er den Kopf zur Seite und betrachtete die Sterne, die sich im Wasser des Sees spiegelten. Dann erwiderte er Isaís Blick ein wenig fragend, weil er den Ausdruck darin nicht zuordnen konnte. Für ihn gab es keinen Grund, sich zu entschuldigen, denn es stimmte wirklich: er verstand mehr als bei Kursaí oder Shani.

Die nächste Antwort auf die Sache mit den Versprechen ließ ihn mit einem beinahe eingeschüchterten Nicken antworten. Er wollte niemanden enttäuschen. So hatte er es noch gar nicht gesehen, doch die Vorstellung, dass Madoc sein Versprechen brach, und einem anderen Wolf von seinem Versteck für die Muschel erzählte, hätte auch Malik traurig gemacht. Hatte sein Pate nicht sogar versprochen, das Geheimnis zu hüten bis er starb? Unruhe erfasste den Welpen und er richtete sich wieder auf. Madoc wollte ihn allein lassen? Er wollte sterben und zu Engaya in die Ewigen Hallen gehen? Nun fast ängstlich wandte er den Kopf und suchte mit den Augen den Rudelplatz ab. Doch er entdeckte den Weißen nicht. Vielleicht konnte er ihn bitten, nicht zu sterben, wenn er ihm erlaubte, das Geheimnis zu erzählen. Dann gab es doch keinen Grund, zu Engaya zu gehen, oder? Maliks Ohren legten sich nach hinten und er suchte ängstlich Isaís Blick. Vielleicht konnte er sie alle mit Versprechen festhalten. Und vielleicht war Isaí nicht derjenige, dem er sich anvertraut hätte, wenn ihm irgendetwas auf dem Herzen lag. Doch von seinen Geschwistern war ihm niemand näher als Isaí, auch wenn das wohl nicht auf Gegenseitigkeit beruhte.

„Versprichst du mir, dass du nicht stirbst?“, flüsterte er ängstlich.

Isaí Caiyé
18.05.2012, 00:32

Er wusste nicht, was im Kopf seines Bruders vor ging, doch er hoffte, dass das, was er sagte, sich irgendwie darin zu etwas Sinnvollem zusammensetzte. Er zweifelte nicht daran, dass er ihm zu hörte, auch, wenn die Botschaft mit Tyraleen reaktionslos an ihm vorbeigegangen zu sein schien, doch Isaí kannte den Kampf, den sie am Anfang gegeneinander geführt hatten. Inzwischen war er für ihn nebensächlich geworden, doch wie Malik dazu stand, wusste er nicht. Vielleicht war sein Schweigen dazu genug Information, doch Isaí ließ sich nicht mehr anmerken als ein kurzes, nachdenkliches Schnippen der Ohren, ehe er auf die nächste Frage seines Bruders einging und versuchte, zu erklären, was er gelernt hatte. Er musste feststellen, dass zwischen Verstehen und Erklären noch ein riesiger Unterschied bestand und es weitaus leichter war, sich Dinge selbst vorzustellen und sie so zu verstehen, statt sie anderen verständlich erklären zu können. Er glaubte von sich, das mit dem Sterben irgendwie verstanden zu haben, doch weitergeben war unsagbar schwer. Deshalb auch galt seinem Bruder ein entschuldigender Blick und er hoffte, dass es ihm irgendwie reichte, um zumindest ein oberflächliches Bild von dem zu haben, was er ihm versuchte zu sagen. Wie er ihn kannte, würde er ohnehin entweder ihre Mutter oder ihren Vater nochmal danach fragen oder Oma Shani, wenn er mehr darüber wissen wollte. In Anbetracht der Aufmerksamkeit, die Malik ihm in dieser Nacht schenkte, fühlte er sich fast schon schlecht, dem Wissensdurst seines jüngeren Bruders nicht gerecht werden zu können. Als er dann allerdings aussprach, was auch Isaí im ersten Moment an diesem Tag durch den Kopf gegangen war, schlich sich ein sanftes Lächeln auf seine Lefzen. Vielleicht waren sie sich ja in gewisser Weise doch etwas ähnlicher, als er glaubte.

„Ich auch.“, bestätigte er ähnlich leise und wandte den Kopf schließlich wieder zurück zum Sternenhimmel.

Unweigerlich musste er daran zurück denken, was Tyraleen gesagt hatte. Jeder Wolf musste irgendwann gehen und wann man ging, konnte man sich nicht aussuchen. Doch nach wie vor hatte Isaí nicht vor, irgendwann die zu verlassen, die er liebte. Er wollte nicht, dass sie traurig waren, dass sie wegen ihm traurig waren und wollte ihnen allen beistehen, damit sie nicht alleine waren. Der Gedanke daran, dass daran allerdings nichts ändern konnte, machte ihm Angst, schien gleichzeitig aber auch so unsagbar fern, dass er ihn mit einem tiefen Atemzug fürs erste abschütteln konnte. Er würde nicht gehen und er würde niemandem im Stich lassen. Das, was sie nun ansprachen, ließ sich wunderbar damit verbinden und war auf bittere Art und Weise doch ineinander verflochten. Wenn man jemanden verließ, war es doch die gleiche Enttäuschung und eine Freundschaft war gleichzeitig ein Versprechen, immer für den anderen da zu sein. Ein Versprechen, das man nicht aussprechen musste, genauso wenig, wie wenn es um die Familie ging und dennoch war es ein Versprechen. Isaí schnaubte kurz und wandte den Blick dann wieder zu Malik herum, der zu verstehen schien, was er meinte. Doch irgendwie schien es ihn auch zu beängstigen und zu beunruhigen, woraufhin Isaí besorgt den Kopf zur Seite neigte. Er spielte unruhig mit den Ohren, während eine merkwürdige Stille über ihnen lastete, doch schließlich unterbrach sie sein jüngerer Bruder mit leisen, besorgten Worten. Der Rote blinzelte ihn verdutzt an, war es nun wirklich nichts, womit er gerechnet hatte, doch schließlich legte sich wieder ein sanftes Lächeln auf seine Züge. Dennoch schwieg er vorerst, wandte den Kopf ein weiteres Mal kurz zu den Sternen und wieder zurück. Er überlegte kurz, entschloss sich schließlich aber doch dazu und robbte etwas näher an seinen Bruder heran, sodass er ihm den Kopf auf den Nacken legen konnte.

„Ich verspreche es.“, murmelte er leise in den weißen Pelz hinein.

Es war merkwürdig, denn eigentlich mied der Rote den direkten Kontakt zu seinem Bruder, obschon es anfangs von ihm ausgegangen war. Malik war ihm ausgewichen und daran hatte er sich schnell gewöhnt, immerhin hatte er sich auch anderweitig von ihm entfernt. Doch für diesen kurzen Moment schien diese Nähe vollkommen normal für ihn. Nichtsdestotrotz hob er den Kopf schließlich wieder an und spähte wieder in die Dunkelheit der Nacht. Er überlegte, wie er das Thema irgendwie von dieser Sache weglocken konnte, doch mehr als das zuletzt Erlebte wollte ihm auf die Schnelle nicht einfallen. Und doch fiel ihm auf, dass er irgendwie so gut wie gar nichts über Malik wusste. Aber das hatte auch irgendwie nie eine Rolle gespielt – für beide nicht.

„… Hast du irgendwas Spannendes im Sumpf entdeckt?“

Malik Hikaji
24.05.2012, 15:50


Bei Isaís Antwort huschte ein hoffnungsvolles Lächeln über die Züge seines jüngeren Bruders. Wie konnte man auch weg von hier wollen, wo es doch so schön war und alle so nett zu einem waren? Sie allein zu lassen kam Malik fast schlimmer vor als ein Versprechen zu brechen, denn dann machte man schließlich nur einen anderen Wolf traurig. So aber, indem man einfach ging und nie wieder zurückkam, nur um die Ewigen Hallen zu sehen und die unbekannten Großeltern zu besuchen, verletzte man viele Wölfe, die einen gern hatten. Und das wollte Malik auf gar keinen Fall. Seine Neugier auf seine Verwandten in den Ewigen Hallen war verschwunden, in seinem Kopf formte sich ein eher unschönes Bild. Dass man nicht zurückkehren konnte, musste daran liegen, dass einem Banshee und Acollon nicht erlaubten, umzukehren. Und dass Engaya und Fenris sie dabei unterstützten – das war nicht nett. Der Welpe legte die Ohren an und richtete den Blick kurz gedankenverloren zum Himmel. Nein, da wollte er auf gar keinen Fall hin.

Anders als Isaí fehlte ihm noch immer das Wissen, dass er keine Wahl hatte. Würde nun ein Wolf sterben, der für ihn sehr wichtig war, würde Malik ihm das unsagbar übel nehmen, im Glauben gefangen, der Andere hätte ihn absichtlich allein gelassen, vielleicht weil er Engaya, Fenris, Banshee und Acollon für eine bessere Gesellschaft hielt. Malik runzelte nachdenklich die Stirn und seufzte schließlich tonlos. Nein, Madoc, Oma Shani, Mama und Papa würden ihn nicht einfach so allein lassen. Eigentlich gab es gar keinen Grund zur Sorge. Aber konnte er sich da bei allen sicher sein? Wollte er sich überhaupt bei allen sicher sein? Ein Gedanke streifte seinen Verstand und ließ ihn beschämt zu Boden schauen. Tinca war ihm gleichgültig, er würde es nicht schlimm finden, wenn sie ging. Er wünschte ihr den Tod nicht, doch er hätte ihn ebenso wenig berührt, wenn er eingetreten wäre. Dass er das nicht denken durfte, war ihm unterschwellig bewusst, die Erwartungshaltung des Rudels an die Geschwister war ihm bekannt. Sie mussten sich verstehen, mussten eine Familie sein. Es sollte ihn traurig machen, wenn Tinca sie alle allein ließ. Aber er konnte sich keine Gefühle einreden, ebenso wenig wie vorhandene einfach vertreiben.

Die Angst um Isaí allerdings war echt. Sie mochten sich streiten und der Jüngere neidete dem Älteren nahezu alles. Sie hatten sich noch nie so lange am Stück friedlich unterhalten wie an diesem Abend, hatten einander Ohren, Pfoten oder Rute beinahe abgekaut und waren sich am liebsten aus dem Weg gegangen. Aber vielleicht gehörte das alles zu ihrer Rollenverteilung, ebenso wie die Abhängigkeit voneinander. Brauchte Malik Isaí vermutlich auch mehr als dieser ihn, hatte er jetzt auch deutlich mehr Sorgen. Alle Missgunst und Gehässigkeit hatte den kleinen Weißen verlassen, denn er hatte niemals erreichen wollen, dass Isaí ging. Jetzt, wo ihm klar war, dass niemand hier bleiben musste, sondern das Tal verlassen konnte, wurde ihm bewusst, was er aufs Spiel gesetzt hatte. Ängstlich legte er die Ohren an und musterte Isaí, so als könnte er ihn allein mit einem Blick daran hindern, einfach so zu sterben. Erst als dieser näher zu ihm kam und schließlich den Kopf auf seinen Nacken bettete, beruhigte er sich etwas, ließ seinen älteren Bruder gewähren und war plötzlich froh über die ungewohnte Nähe, die nicht durch einen spielerischen Kampf zustande gekommen war. Fast andächtig hielt er still, nur seine Rute klopfte dumpf auf den Waldboden.
Als Isaí den Kopf wieder hob, wartete Malik noch kurz, dann drehte er sich auf die Seite und stupste seinem Bruder gegen die Lefzen, leckte ihm über die Nase und winselte leise. Es war wie ein wortloser Dank für das Versprechen und gleichzeitig seine Zusicherung, dass er darauf bestehen würde, dass Isaí es hielt.

„Nein, du? Aber ich hab Papas Schwester kennengelernt. Der Sumpf ist doof, er stinkt.“

Der plötzliche Themenwechsel hatte ihn zwar leicht verwirrt, doch er nahm ihn bereitwillig an und ging auf die Frage seines Bruders ein. Er hatte ja gesehen, dass Isaí zusammen mit Tyraleen irgendwas komisches aus dem Stinkewasser gezogen hatte – eine der wenigen Situationen, in der er ihn kein bisschen beneidet hatte – und nun war er gespannt zu erfahren, was das wohl gewesen war.

Isaí Caiyé
27.05.2012, 12:15

Es war erstaunlich, dass sich die beiden jungen Wölfe ausgerechnet mit dem Thema beschäftigten, das sie hoffentlich noch lange, lange verschonen würde. Sie hatten noch keine Ahnung von der Welt, doch Isaí für seinen Teil versuchte, es sich so realistisch wie möglich zusammenzusetzen und zu verstehen. Die Sache mit dem Sterben und den ewigen Hallen glaubte er inzwischen verstanden zu haben. Für sich allein in seiner kleinen, eigenen Welt eben, doch es auszusprechen, so wie er es sich vorstellte, war dann doch noch etwas zu schwer für ihn. Malik würde seine eigene kleine Welt damit gestalten, auf die der Rote ohnehin keinen Einfluss hatte, aber das wollte er auch gar nicht. Es war nicht umsonst die Welt seines kleinen Bruders und nur von ihm – er hätte genauso wenig gewollt, dass der Helle in seine kleine Welt einbrach. Allerdings – obwohl sie beide im gleichen Alter waren – ähnelten sich die Dinge, die die beiden beschäftigten wohl nicht in allen Dingen. Der Dunklere von ihnen war bemüht, auch jetzt schon so gut er konnte eine Hilfe zu sein und er mochte es nicht, dass sich andere Sorgen um ihn machten, bloß, weil er noch so jung war. Er war bestrebt, ihnen zu zeigen, dass man nicht auf ihn aufpassen musste und dass er verstand, was man ihm sagte. Natürlich blieb er nachwievor jung und verspielt. Er sah die Welt weiterhin durch Welpenaugen, obschon er das nicht wirklich einsehen wollte. Doch es war unmöglich, alles so zu verstehen, wie es war – dazu war er einfach noch nicht in der Lage, allerdings vielleicht weiter als der Rest des Wurfes.

Die nächste Situation schließlich war ihm vollkommen fremd. Nein, nicht vollkommen, immerhin kannte er diese Nähe von anderen Wölfen, doch Malik schien da einfach nicht hineinzupassen. Es war keine familiäre Nähe, zumindest kam es Isaí so vor, obgleich es sein Bruder war, zu dem er nun näher rutschte. Es war nicht das Gleiche wie mit Taleesha oder seinen Eltern – es war bedeutender und auch, wenn er die Bedeutung noch nicht recht verstehen konnte, so spürte er doch die Besonderheit dahinter und wusste zugleich, dass es wohl einer von wenigen Momenten sein würde, in denen sich die beiden Brüder wirklich so nah, so vertraut waren, obschon das Gefühl der Fremde nicht von ihm abließ. Wohl wissend, dass es nicht zwangsläufig gut laufen musste, waren seine Bewegungen nur vorsichtig, doch so, wie er es sich erhofft hatte, schien es den helleren Bruder tatsächlich etwas zu beruhigen. Er wusste nicht, woher seine Angst plötzlich kam, eine Bitte, denn nach wie vor unterschieden sich ihre Welten mächtig von einander, doch das hinderte ihn nicht daran trotz des distanzierten Verhältnisses für ihn da zu sein. Er erhob sich wieder, richtete den Blick mit einem angewinkelten Ohr gen Himmel und dachte kurz daran zurück, dass auch Sterne sterben mussten. Doch Maliks nächste Handlung riss ihn aus diesen Gedanken. Seine Ohren legten sich kurz nach hinten, zuckten aber fast in derselben Bewegung wieder nach vorne und er hielt still, als sein Bruder ihm stumm dankte. Ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lefzen und er nickte kurz, ehe der Moment der Nähe auch schon wieder vorbei zu sein schien.

„Du hast Papas Schwester im Sumpf gefunden?“, fragte er mit einem frechen Grinsen, ehe er selbst dazu über ging, die Frage zu beantworten. „Wir haben ein Indiz gefunden. Einen Knochen. Und dann hat etwas versucht, Taleesha zu beißen, aber wir konnten es nicht fangen. Und ich habe Hilel kennengelernt. Sie wollte uns helfen, das Ding zu fangen und sie weiß ganz viel über Winterländer.“

Malik Hikaji
30.05.2012, 17:06


Es fiel Malik nicht schwer, sich selbst abzulenken. Wenn es etwas gab, das seine Aufmerksamkeit von Neuem auf sich zog, hatte er das, was ihn zuvor beschäftigt hatte, sehr schnell vergessen. Diesmal aber ließen ihn die Gedanken an den Tod und all das, was er nicht so richtig verstand, einfach nicht los. Trotz der tröstenden wie ungewohnten Nähe seines Bruders, trotz seines Versprechens, trotz der Ferne all dieser Sorgen – Malik blieb nachdenklicher als sonst. Aber er versuchte so gut wie möglich, sich das alles nicht anmerken zu lassen. Schließlich wollte er so stark und mutig wie Isaí sein, der sogleich das Thema gewechselt hatte und nicht den Anschein machte, als würde ihn seine Geschichte noch irgendwie beschäftigen. Also lächelte der kleine Weiße tapfer. Immerhin machte sein Bruder es ihm nicht so schwer und so konnte er bei dessen Frage schon ein Geräusch von sich geben, das einem Kichern nicht unähnlich war.

„Wer weiß? Ich hab sie vorher noch nie gesehen, glaube ich.“

Er machte eine geheimnisvolle Miene und richtete sich wieder auf, so dass er gemütlich sitzen konnte, die Hinterläufe schob er ein bisschen zur Seite. Es klang nun fast nach der nächsten spannenden Geschichte, die Isaí ihm nun erzählte. Malik blieb kurz an dem Wort 'Indiz' hängen, wartete aber mit seiner Frage ab, bis sein Bruder ausgesprochen hatte. Und schließlich erklärte Isaí von selbst, dass das Indiz ein Knochen gewesen war, so dass sich das Nachhaken erübrigte. Malik legte kurz die Ohren an und legte den Kopf schief, lauschte gespannt und beneidete seinen Bruder ein wenig um das Abenteuer, das er erlebt hatte. Seine Augen wurden größer bei der Erwähnung der Gefahr, in der Taleesha geschwebt hatte und der kurzen Erwähnung eines fremden Namens. Noch immer kannte er nicht alle Wölfe des Rudels, schon gar nicht beim Namen. Hilel … er durchforstete sein Gedächtnis, doch dieser Name kam ihm absolut nicht bekannt vor. Aber das schien im Moment auch gar nicht so wichtig zu sein.

„Hilel kenne ich gar nicht.“, informierte er seinen Bruder ohne jegliche Wertung und betrachtete ihn kurz. „Wenn alle sagen, dass der Winter bald kommt … bedeutete dass das wir in so ein Winterland ziehen?“

Er wollte nicht weg von hier. Er wusste nicht einmal so richtig, was der Winter war. Aber in sein Land wollte er genau so wenig wie in die Ewigen Hallen. War Winter vielleicht ein Wolf? Er wusste nicht genau, ob er wollte, dass er sie hier besuchte, vielleicht machte er das dann hier ja auch zu seinem Land.

Isaí Caiyé
02.06.2012, 16:29

Es war ein Segen für die beiden jungen Wölfe, dass sich ihre Gedanken noch nicht mit allem beschäftigen konnten, sondern ihre Aufmerksamkeit stets nur für ein, vielleicht auch zwei Themen gleichzeitig reichte. So war der andächtige, fast schon furchtsame Moment in den Hintergrund gerutscht. Er war nicht vergessen und zumindest für den Roten der beiden Wölfe lag das merkwürdige Gefühl von Wichtigkeit noch immer im Gedächtnis. Unschlüssig schnippte er mit den Ohren, als zweifle er noch immer daran, dass das eben der Realität entsprochen hatte. Ihr Themenwechsel kam ihm ziemlich gelegen. So konnte er damit abschließen, es hinnehmen wie es war und musste sich nicht weiter Gedanken darum machen. Zwar zuckte noch immer dieses merkwürdige Gefühl in seinem Körper auf, das weiterhin davon zeugte, dass er diese Nähe seinem Bruder gegenüber nicht gewohnt war und auch nicht unbedingt als so angenehm empfand, wie er es bei seinen Eltern, Taleesha, Kisha oder Tyraleen tat, Doch Malik war nachwievor sein Bruder und das allein schon verpflichtete den Dunkleren dazu, für ihn da zu sein. Nicht, dass Isaí es je davon abhängig gemacht hätte – es war nicht bloß seine Überzeugung, sondern auch das, was er wollte. Er wollte für ihn da sein, wollte der große Bruder sein, auf dessen Hilfe sie sich alle stets verlassen konnten. Da spielte keinerlei Distanz eine Rolle, die vielleicht sonst zwischen ihnen lag. Und irgendetwas ins einem Inneren versuchte ihn leise und heimlich davon zu überzeugen, dass sie sich auch nie wieder vollständig abbauen würde. Doch davon wollte er im Augenblick nichts wissen. Er schüttelte kurz den Kopf, vertrieb die Gedanken und begegnete dem Blick seines Bruders wieder mit einem Lächeln. Der Tod war längst wieder aus seinem Köpfchen verschwunden.

„Wir sind so viele. Manche gehen einfach unter, wenn sie nicht auffällig sind oder sich lieber am Rand aufhalten.“, schloss er und drehte nachdenklich ein Ohr nach hinten.

Mit Hilel war es ja auch nicht anders gewesen. Zwar hatte er ihren Namen gekannt, weil er inzwischen zumindest aus Gesprächen alle irgendwie zuordnen konnte, doch um wirklich mit jedem zu reden fehlte ihm bereits jetzt in seinen jungen Jahren die Zeit – zumindest hatte er das Gefühl. Umso froher war er jedes Mal, wenn er neue Wölfe kennenlernen konnte und die Schwarze hatte sich dabei gleich noch als ziemlich besonders herausgestellt. Kurz dachte er zurück an das Versprechen, welches sie nun verband und er freute sich bereits auf den Moment, in dem sie es einlösen würden. Erst die Worte Maliks, die gleichzeitig seine Worte und seine Gedanken bestätigten, holten ihn zurück in die Gegenwart und ließen ihn den Kopf zu seinem Bruder drehen.

„Sie mag den Trubel im Rudel nicht so.“, erklärte er schließlich an seine vorherigen Worte angefügt und klang dabei ziemlich verständnisvoll was Hilel betraf.

Das nächste allerdings verwirrte ihn selbst. Er glaubte nicht, dass Tyraleen sie von hier wegführen würde. Sie hatten doch ihr Revier und hier war alles schön. Daher auch schüttelte er etwas zögerlich den Kopf, antwortete aber nicht direkt, Er überlegte noch, rief sich die Worte der Dunklen ins Gedächtnis und formte somit erst in Gedanken eine Antwort, die für sie beide verständlich war.

„Naja. Hilel hat gemeint, dass es drauf an kommt, wie nah die Sonne einem ist. Vielleicht fürchtet der Winter die Sonne und wenn die Sonne nun wieder weggeht, kommt er wieder und bringt Schnee und Kälte.“ Nachdenklich drehte er die Ohren. „Wer hat denn gesagt, dass der Winter kommt? Hat er noch mehr darüber erzählt?“

Malik Hikaji
13.06.2012, 19:54


Was Isaí sagte, ließ Malik an sich selbst denken. Er mochte es nicht, dass er nicht alle Wölfe kannte und dass eben auch nicht alle ihn kannten. War er einer von denen, die in der Masse an Wölfen einfach untergingen? Vielleicht, weil er klein war? Aber vielleicht spielte sein Bruder eher auf Tinca an. Malik hatte schon einmal versucht, Isaí sein Problem mit der gemeinsamen Schwester klarzumachen, aber er war sich nicht ganz sicher, ob er das damals komplett verstanden hatte. Tinca war doch jemand, der sich eigentlich lieber am Rand aufhielt. Und trotzdem kannte jeder im Rudel das Sorgenkind des Wurfes und wollte sich um die Welpin kümmern. Das war nicht fair. Er blinzelte, um diese Gedanken abzuschütteln, die schon wieder eine missgünstige Tendenz annahmen und konzentrierte sich wieder auf die große, ihm unbekannte Freundin seines Bruders, von der er ihm nun erzählte. Ihm fehlte ein Bild von ihr, er konnte den Namen wirklich niemandem zuordnen. Diese Hilel war bestimmt wirklich sehr unscheinbar. Mit einem verstehenden Nicken reagierte er auf Isaís kurze Erklärung, die seine Gedanken zum Teil bestätigte. So trubelig fand er das Leben im Rudel zwar nicht, denn für ihn konnte nie genug Aufregung herrschen, aber vielleicht mochte man das nicht mehr so gern, wenn man erwachsen war. Sie waren ja wirklich ziemlich viele und wenn dann noch jemand dabei war, den man nicht so gern mochte, konnte er Hilel durchaus verstehen.

„Mag sie jemanden im Rudel nicht so gern?“, hakte er interessiert nach.

Vielleicht kam er ja doch nochmal dazu, Isaí seine Sorgen zu beichten. Er konnte nicht so richtig einschätzen, ob sein Bruder ihn verstehen würde, weil es nicht richtig war, seine Schwester nicht zu mögen. Und Isaí war so pflichtbewusst und machte alles richtig, dass er das unmöglich gutheißen konnte. Etwas gedankenverloren betrachtete der Welpe den im Sternenlicht glitzernden See vor ihnen und zwang sich schließlich dazu, wieder über den Winter nachzudenken. Isaí jedenfalls schien er damit etwas aus der Bahn geworfen zu haben, das hörte er an seiner Stimmlage. Davon überrascht sah er ihn an und hörte ihm gut zu – und zog schnell seine eigenen Schlüsse aus dem, was er sagte.

„Aber guck doch …“, meinte er leise und hob den Blick zum Himmel. „Jetzt ist die Sonne weg. Heißt das, der Winter ist nachts immer da? Oder dass es im Winter immer dunkel ist?“

Das verwirrte ihn. Er runzelte die Stirn und blickte seinen Bruder an, als hätte dieser die absolut richtige Antwort ganz sicher parat. Doch auf dessen angefügte Frage schüttelte er nur wage den Kopf und legte ihn ein wenig schief. Alle sprachen hin und wieder darüber, dass der Winter bestimmt bald kommen würde. Malik war nie an den Gesprächen beteiligt gewesen, so dass ihm ein Nachfragen nicht möglich gewesen war und nun war er davon ausgegangen, dass Isaí das mitbekommen hatte.

„Alle sagen das. Ich wusste nicht, was das bedeutet.“, gab er zu und wirkte schon fast ein bisschen kleinlaut.

Isaí Caiyé
13.06.2012, 22:43

Der junge Wolf schnippte kurz mit den Ohren und warf seinem Bruder bei seiner Frage einen neugierigen Blick zu. Zwar hatte er, als er mit Hilel auf dieses Thema gekommen war, genauso reagiert wie Malik nun, doch sein Bruder war ihm inzwischen so merkwürdig fremd geworden, dass er mit keiner seiner Reaktionen oder Aussagen wirklich rechnen konnte. Vielleicht überraschte es ihn sogar, dass sein heller Bruder auf die gleiche Weise reagierte wie er zu diesem Zeitpunkt, wer wusste es schon. Bevor er antwortete, wandte er den Blick wieder von ihm ab und spähte zum Himmel hinauf, überlegt, ob es überhaupt richtig war, Malik so viel von Hilel zu erzählen, obwohl er sie doch gar nicht kannte, aber wenn er sich nun dummstellen würde, hätte ihn der Helle wohl schnell durchschaut gehabt. Und schweigen, vom Thema ablenken oder ehrlich aussprechen, dass er nicht wusste, ob die Dunkle es so gut fand, wenn er es einfach weitergab – er befürchtete, dass Malik dann ein falsches, schlechtes Bild von ihr bekommen würde und das wollte er auf alle Fälle verhindern. Es blieb also nur ein Weg, wie er an die Frage rangehen konnte. Isaí atmete die kühle frühwinterliche Luft tief ein, ehe er ein knappes Kopfschütteln vorschob und dann erst richtig antwortete.

„Nein, das ist es nicht. Sie hat einfach nicht so gerne so viele Wölfe um sich herum. Sie ist es nicht gewohnt so wie wir.“, erklärte er geduldig.

Daran musste es liegen, doch in seinem jungen Körper war längst der Glaube gewachsen, dass er sie langsam daran gewöhnen konnte. Irgendwie musste man es doch schaffen, dass sie sich hier so richtig wohl fühlte – Zuhause, so, wie er selbst es empfand. Seine Familie sollte auch ihre Familie sein, sie musste es nur zulassen. Doch von diesem Plan würde er niemandem erzählen – vielleicht würde er Kisha fragen, ob sie es für eine gute Idee hielt, doch alles andere würde er für sich behalten und sein Bestes geben, um es irgendwie in die Tat umzusetzen. Auch Tyraleen konnte er um Hilfe fragen, da war er sich sicher, doch davon hielt ihn indirekt das Versprechen ab, was er der Dunklen gegeben hatte. Sie wollte die Geschichten aus seinem Fang hören – nicht aus dem der Leitwölfin, obwohl diese all das doch viel besser wusste. Der Rote vermutete, dass sie daher auch nicht wollte, dass er die Helle – so gern er sie auch hatte – in seine Pläne und all das, was er inzwischen über sie wusste, einweihte. Doch vorerst drehte sich das Gespräch der beiden Brüder wieder um den Winter und die Sorgen, die das ganze Rudel allmählich in ihren Bann zu ziehen schienen. Er richtete den Kopf kurz in Maliks Richtung, ehe er seinem Blick folgte und über seine Frage nachdachte. So gesehen hatte er Recht, aber das war dann doch wieder etwas anderes. Allerdings ließ Isaí erst durchblicken, dass er diesbezüglich eine Idee hatte, als er einen Moment darüber nachgedacht hatte.

„Nachts können wir die Sonne zwar nicht sehen, aber sie ist trotzdem da. Allerdings löst sie der Mond ab, damit auch die Sonne ein bisschen Ruhe findet und nicht immer über uns wachen muss. Deshalb wechseln sie sich ab, damit immer einer da ist und einer sich erholen kann.“

Das klang in seinem Kopf mehr als plausibel und so konnte er seinem Bruder ein überzeugtes Lächeln schenken. Es blieb auch erhalten, als sein Bruder Unwissenheit kundtat und erneut verfiel der Rote in eine kurze Schweigepause, um zu überlegen.

„Im Grunde heißt es, dass der Schnee zurück kommt und es kälter wird, glaube ich.“, sagte er schließlich und spielte mit den Ohren. Ja. So musste es sein.

Malik Hikaji
08.07.2012, 00:34


Malik nahm sich nun vor, so schnell wie möglich mehr Wölfe des Rudels kennenzulernen. Es schien noch spannende andere Wesen dort zu geben, auch wenn das, was Isaí über Hilel erzählte ihn nicht dazu animierte, sofort mit ihr reden zu wollen. Obwohl … er mochte es ja auch nicht so gern, wenn alle seine Geschwister um ihn herum waren, dann bekam er nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit der erwachsenen Wölfe ab. Vielleicht ging es Hilel ebenso. Aber er fragte nicht nach, weil er ahnte, dass Isaí das missverstehen könnte. Also nickte er höflich und lächelte ein wenig. Er hatte ja Madoc für sich, auch wenn er es ein bisschen komisch fand, dass Isaí neben seiner Patin noch eine Wölfin hatte, die sich nur mit ihm beschäftigte. Er kämpfte die ansteigende Eifersucht nieder und ignorierte das Gefühl von Neid. Das hier war jetzt weder der richtige Ort noch der richtige Moment, um mit einem Streit zu beginnen, schließlich war es bisher so schön gewesen.
Als Isaí mit seiner Erklärung fortfuhr, konnte Malik sich wieder voll darauf konzentrieren und seinem ein klitzekleines bisschen älteren Bruder gebannt zuhören. Bewunderung und Erstaunen wechselten sich in seinem Blick ab und er nickte langsam, um zu verstehen zu geben, dass er das Beispiel gut verstand. Dann schaute er hinauf zum klaren Nachthimmel. Wo die Sonne wohl jetzt schlief? Sicherlich hatte sie ebenso eine schöne Höhle wie sie hier, in der sie sich ausruhen konnte, damit sie am nächsten Tag genug Kraft zum Scheinen hatte. Und der Mond half ihr nun und trat an ihre Stelle. Lächelnd suchte er nach dem weißlichen Himmelskörper und fand ihn – noch nicht so besonders weit oben stehend – über den Baumkronen. Dass der Mond mal rund, mal angeknabbert aussah und manchmal gar nicht zu sehen war, das hatte Malik bisher ohne zu fragen einfach hingenommen. Und auch die Sonne verschwand ja manchmal am Tag hinter Wolken. Ob sie dann trotzdem müde wurde, obwohl sie gar nicht schien? Und wo waren die Wolken am nächsten Tag? Der Himmel gab ihm viele Rätsel auf, da hatte er über die Sterne und Sternenwinde noch gar nicht nachgedacht.

„Weißt du warum wir das Rudel der Sternenwinde sind und im Tal der Sternenwinde wohnen?“, setzte er seine Fragerunde fort, ohne erstmal selbst nachzudenken.

Was war bloß ein Sternenwind? Noch immer staunend und voller unausgesprochener Fragen hing sein Blick am Himmelszelt, versuchte die Sterne zu zählen und wurde doch nicht fertig, weil immer wieder neue aufzutauchen schienen. Wo kamen die nur alle her? An einigen Stellen am Himmel waren mehr Sterne auf einem Haufen und anderswo bildeten sie Formen, die man mit Fantasie verbinden konnte. Bei einem dieser Haufen lachte Malik glucksend und stupste seinen Bruder mit der Schnauze an, wies dann mit dieser nach oben.

„Guck mal, das sieht aus wie ein Wolf. Ein komischer Wolf … vielleicht ist das Atalya.“

Er lachte amüsiert und versuchte dem Sternenwolf mit viel Fantasie ein Gesicht zu geben. Er sah sogar ein bisschen so grummelig aus wie Atalya, zumindest in den Augen des Welpen.

Isaí Caiyé
09.07.2012, 14:26

Natürlich fühlte er sich geehrt, dass er seinem jüngeren Bruder an diesem Abend offenbar viel von dem beibringen konnte, was er inzwischen gelernt hatte. Oder natürlich Dinge, die er sich selbst erschlossen hatte, die allerdings in seinem Kopf auch rundum Sinn ergaben. Auch, wenn er es noch immer schwer fand, eigene Ideen in Worte zu fassen, so glaubte er, dass er es zumindest was Tag und Nacht betraf, gut hinbekommen hatte. Malik schien zu verstehen und das war die Hauptsache. Im Grunde allerdings hatte er bloß Glück, dass sein Bruder mit Fragen ankam, die er auch schon gehabt hatte und anderen oder sich selbst gestellt hatte. Ansonsten wäre er wohl etwas aufgeschmissen gewesen. Im Augenblick aber war er überzeugt davon, seiner Aufgabe als Caiyé gut nachzugehen. Er war zufrieden und ein klein wenig stolz auf sich selbst, gleichzeitig aber auch unheimlich froh, dass Malik ihm überhaupt zuhören wollte. Das anfängliche Sträuben war fast gänzlich verklungen, doch die Müdigkeit blieb. Er gähnte kurz und schüttelte seinen roten Welpenpelz, ehe er sich auf dem Boden niederließ und den Kopf einen kurzen Moment auf seinen Läufen bettete, ehe er bei der nächsten Frage schon wieder aufsah. Ein Lächeln huschte über seine Lefzen und ein stolzes Funkeln trat in seine blauen Seelenspiegel, während er den Kopf erneut hob und sich die glitzernden Himmelskörper in seinen Augen spiegelten.

„Na, wir sind doch Sternenwinde, oder nicht? Und das hier ist unser Revier, unser Tal. “, flüsterte er fast schon ehrfürchtig in die Nacht hinein.

Er erinnerte sich an seine Angst, dass sie nur halbe Sternenwinde waren. Ihre Großmutter stammte nicht von hier, war hier nicht geboren worden, so wie sie es waren, doch Tyraleen hatte ihm erklärt, dass er sich keine Gedanken machen musste. Es war richtig so. Und mehr gab es für ihn auch gar nicht zu hinterfragen.

„Jeder, der hier geboren wird, ist ein Sternenwind. Und jeder, der sich uns anschließt, wird ein Sternenwind.“

Alles andere wäre ja irgendwie fies gewesen, wie er fand. Sie waren doch eine Familie, ein Rudel und alle, die hier nicht geboren wurden, gehörten so sehr dazu, wie sie es taten. Kurz blickte er fragend zu Malik, als dieser ihn anstupste, ehe er den Kopf hob und seinem Blick folgte. Angestrengt versuchte er, den Sternenhaufen auszumachen, den sein Bruder meinen musste, doch im ersten Moment wollte ihm nichts wie ein Wolf vorkommen. Erst, nachdem er die Seelenspiegel zu Schlitzen verengt und abermals genau hingesehen hatte, erkannte er, was Malik meinen musste. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lefzen und er schien Gefallen an diesem Spiel zu finden, denn im nächsten Moment schon deutete er mit der eigenen Nase auf einen Haufen Sterne.

„Und das wie ein Federvogel.“, verkündete er, doch schnell glitt sein Blick wieder zurück zum Atalyasternenwolf. „Wie sie wohl da hoch kam? Oder machen die Sterne sie nach? Das ist aber fies.“

Trotzdem konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Arme Atalya.

Malik Hikaji
16.07.2012, 21:34

Obwohl er ja eigentlich so überhaupt gar nicht müde war, konnte Malik es sich nicht verkneifen, in Isaís Gähnen einzustimmen. Das passte ihm gar nicht, er wollte doch nicht schlafen. Müde blinzelte er und versuchte dem Drang zu widerstehen, sich einfach hinzulegen und die Augen zu schließen. Vorerst gelang es, aber lange würde er der Müdigkeit nicht mehr trotzdem können, der aufregende Tag forderte seinen Tribut. Blinzelnd hob der Welpe den Blick zum Himmel, betrachtete wie sein Bruder die leuchtenden Punkte. Sie sahen ein wenig so aus wie das Wasser, wenn es im Sonnenlicht funkelte. Oder die Tautropfen auf den Gräsern am Morgen. Nur schienen sie viel weiter weg zu sein. Malik bedauerte es, dass er die Sterne nicht berühren konnte, aber er versuchte es nicht erst. Die Sonne war weit weg, also waren auch der Mond und die Sterne unerreichbar. An dieser Stelle musste er sich mit dem Betrachten begnügen.
Als Isaí auf seine Frage antwortete, machte der jüngere Bruder große Augen. Sie waren Sternenwinde, natürlich! Unwillkürlich stahl sich ein Lächeln auf seine Lefzen, ein stolzes, zufriedenes Lächeln. Ihnen gehörte dieses Tal, denn sie waren die Sternenwinde. Er hatte zwar keinen blassen Schimmer, was sie mit den Sternen selbst zu tun hatten, aber es hörte sich toll an.

„Dann sind wir ja fast schon - “ Er hielt inne, ließ sich zur Seite fallen und pfotete nach Isaí. „ - ein Sternensturm!“

Dann lachte er und stupste seinen Bruder an. Sie alle waren so viele kleine Winde, dass sie zusammen einen Sturm ergaben, da war er sich ganz sicher. Das Tal des Sternensturms. Malik lächelte versonnen – das klang noch eindrucksvoller. Zusammen waren sie viel stärker als ein einzelner kleiner Sternenwind allein. Das musste er unbedingt Madoc erzählen, der wusste davon sicher noch gar nichts, weil er erst zum Sternenwind geworden war und nicht ins Rudel geboren wurde. Der Welpe nahm sich vor, diese wichtige, aufregende Information nicht zu vergessen, selbst wenn er heute nochmal schlafen musste. Wie auf Kommando gähnte er erneut, legte kurz die Ohren an und blinzelte dann wieder in den Himmel. Nun war er an der Reihe mit Suchen und hielt auch sofort Ausschau nach dem Federvogel, den Isaí gefunden hatte. Wie auch in den Wolken, die am Tag über das Tal zogen, erkannte der Welpe in den Sternen nun immer neue Formen. Und je weiter er blickte, desto mehr Sterne schienen aufzutauchen, manche dunkler und unscheinbarerer und deshalb erst auf den zweiten oder dritten Blick zu sehen, manche hell und auffällig. Ein Kopf lag mittlerweile soweit im Nacken, wie es ihm möglich war und er hatte sich wieder aufgesetzt, um so viel wie möglich zu sehen. Wortlos staunte er den Himmel an, glaubte einen laufenden Igel zu entdecken und einen Regenwurm. Und viele viele Sterne, die einfach nur da waren und leuchteten, aber zu nichts gehörten.

„Sie machen sich über sie lustig, so komisch wie sie aussieht.“, erklärte er seinem Bruder grinsend, ohne den Blick vom Himmel abzuwenden. „Und der da oben, der ganz helle und große da … meinst du das ist ein Auge von Engaya? Sie zwinkert uns zu!“

Erfreut sprang er auf die Pfoten und suchte nach dem zweiten Auge, aber es war nicht zu sehen. Also stimmte es vielleicht wirklich. Glücklich lächelte er den Stern an, der weit im Norden stand und freute sich, von der Göttin persönlich beobachtet zu werden. Leider konnte er nicht erkennen, ob Engaya sie freundlich anschaute oder vielleicht streng, weil sie noch immer nicht schliefen.

„Meinst du wir sollten lieber langsam wieder zurückgehen?“, wandte er sich deshalb vorsichtig an Isaí. Sein Bruder war in diesen wenigen Stunden so in seinem Ansehen gewachsen, dass er sich nun durchaus von ihm schlafen schicken lassen würde. Was Isaí sagte, stimmte wohl. Also hörte er auf ihn.

Isaí Caiyé
17.07.2012, 14:11

Im Bezug auf die Unerreichbarkeit der Sterne wusste Isaí wohl mehr als sein Bruder, doch dieses Mal konnte er dieses Wissen ganz für sich bewahren. Er dachte nicht daran, dass Malik es nicht wusste, weswegen er auch nicht auf die Idee kam, von selbst zu erzählen. Diese Information war für ihn ohnehin noch so unheimlich neu, dass er sich selbst damit anfreunden musste und die Aussage Hilels noch für sich selbst überprüfen musste, ob er ihr Glauben schenken wollte. Doch es schien logisch – alles musste irgendwann sterben und so auch die Sterne, die nun funkelnd und tanzend über ihren Köpfen thronten und dem Mond Gesellschaft leisteten, während er der Sonne die Ruhe gönnte, die sie verdient hatte, nachdem sie ihnen den ganzen Tag wieder Licht beschert hatte. Seine Ohren schnippten kurz nach hinten, während er sich fragte, warum die Sterne bloß den Mond nicht alleine ließen, die Sonne aber den ganzen Tag über einsam am Himmel stand, wenn man die Wolken außer Acht ließ, die an ihr vorbeizogen. Doch ihr schien es nichts auszumachen, allein zu sein. Wahrscheinlich schlief sie dafür nachts in einem ganzen Rudel aus Sonnen, die bei ihr waren. Dieser Gedanke zauberte ihm wieder ein erfreutes Lächeln auf die Lefzen. Niemand war gern allein und niemand musste allein sein. Das war so eine feste Regel, wie die, dass jeder sterben musste. Nicht nur die Sterne, sondern auch Sonne und Mond. Die Frage war nur, wann. Und wenn es soweit war, würden sie sie zu Engaya geleiten und ihr gleichzeitig – damit sich Hilel Zuhause fühlte – ein Grab bauen. Das würde sie freuen, da war er sich sicher und somit war dieser Entschluss ganz allein für ihn besiegelt.

Isaí wandte den Blick herum, als sein Bruder sich zur Seite fallen ließ, drehte aber gleich darauf bereits seine Schnauze in die entgegensetzte Richtung, um dem Angriff zu entgehen. Seine Lefzen kräuselten sich kurz ohne wirklichen Ernst, ehe auch er sich wieder dem Sternenhimmel widmete. Inzwischen hatte eine große Ansammlung von kleinen Sternen sein Interesse geweckt, die sich über den Himmel zog, allerdings verschwand sie schließlich einerseits hinter den vielen Bäumen des Waldes und andererseits in der schieren Ewigkeit des Nachthimmels. Er versuchte noch, ihr mit dem Blick zu folgen, doch es war ihm nicht möglich.

„Ja, vielleicht.“, entgegnete er mit einem Lächeln und warf ihm einen raschen Blick zu.

Nun begann auch sein Bruder zu gähnen und Isaí versuchte, die Müdigkeit, die sich ihm nun wieder in die Glieder schlich, mit einem kurzen Schütteln zu vertreiben. Doch dieses Sternebeobachten und gleichzeitig noch sehen, was sie zeigten, machte dann doch tierisch müde. Vielleicht war das ja auch ihre Absicht – sie wussten, dass die beiden Brüder nun eigentlich zu schlafen hatten und machten sie deshalb schläfrig. Der Rote senkte den Kopf kurz zu Boden, bettete ihn zwischen den Vorderläufen und schnupperte kurz am Boden vor ihnen. Es schien, als wäre vor kurzem auch ein Federvogel hier am Ufer gewesen, doch längst zeugte nur noch seine Witterung von seiner Existenz. Die fanden es hier bestimmt genauso schön wie er. Suchend glitt sein Blick über die Bäume am Rande des Rudelplatzes – ob da auch Federvögel waren, die gerade hinauf zu den Sternen sahen? Doch auf den ersten Blick wirkte es wirklich so, als wären sie die einzigen beiden, die noch wach waren. Der Rest des Rudels schien tief und fest zu schlafen.

„Engaya?“, wandte er sich schließlich fragend wieder zum Himmel und suchte den Stern, den sein Bruder gemeint haben musste. Und da war er auch – kaum zu übersehen und unsagbar hell.

Überlegend spielte er mit den Ohren. Konnte Engaya ein Stern sein? Aber dann konnte sie ja nochmal sterben und das wollte ihm nicht so ganz gefallen. Aber Malik hatte ihn auf einen anderen Gedanken gebracht. Vielleicht konnten die Sterne ja mit den Wölfen aus den ewigen Hallen reden, genau, wie die Sonne. Vielleicht war das das Rudel der Sonne, das ihr Gesellschaft leistete, wenn sie ruhte. Er blinzelte und suchte automatisch nach einem Stern, der vielleicht eine Nachricht von Banshee oder Acollon für ihn hatte, doch einzig der helle Stern, den Malik bereits angesprochen hatte, schien so besonders und hervorhebend. Der junge Wolf lächelte ihm entgegen, hatte sich inzwischen wieder auf die Hinterläufe gesetzt und hob eine der Vorderpfoten leicht an, während er gespannt zum Engayastern hinauf sah.

„Engaya ist immer da und passt auf uns auf. So, wie wir auf unsere Familie aufpassen müssen.“, murmelte er, als sei es ein Anschluss an Worte, die er im Laufe des Abends gesprochen hatte.

Kurz noch lag sein Blick auf dem hellen Stern, ehe seine Seelenspiegel langsam zu Malik herüber wanderten, der ihn inzwischen ansah. Er nickte kurz und schenkte seinem Bruder dann wieder ein kurzes Lächeln.

„Ja, lass uns zurück gehen. Sonst sind wir morgen so müde, dass wir alles verpassen!“

Isaí erhob sich, streckte sich kurz und wandte sich mit einem letzten Blick vom Himmel ab, um zurück zu ihren Eltern zu laufen. Wenn sie inzwischen wachgeworden waren, machten sie sich sicherlich Sorgen um sie, obwohl es dafür doch gar keinen Grund gab. Mit dem Kopf wies er in die Richtung, in die sie mussten, ehe er sich in Bewegung setzte – ein weiteres Gähnen unterdrückend.

Malik Hikaji
23.07.2012, 19:22


Es wurde nichts mehr mit einem Spiel. Ob es nun daran lag, dass Isaí das einfach nicht mehr so gern mochte oder an der Müdigkeit der beiden Brüder, heute würden sie nicht mehr miteinander raufen. Aber Malik störte das nicht wirklich. Er gähnte erneut und lächelte bei Isaís Zustimmung. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er auch gern hier gelegen und weiter die Sterne beobachtet, so lange bis er an Ort und Stelle eingeschlafen wäre. Dass man sie dann bald suchen würde, bedachte er nicht – da verließ er sich ganz auf das Pflichtbewusstsein seines großen Bruders. Davon hatte er genug für sie beide.
Während er hinauf blickte, hörte er Isaí zu. Mit der ungenauen Antwort konnte er nicht so viel anfangen, fragte aber nicht weiter nach. Wenn Engaya immer da war und auf alle aufpasste, konnte es durchaus sein, dass sie soeben eines ihrer Augen entdeckt hatten. Irgendwo mussten die ja sein, damit Engaya alles sah und nichts verpasste. Was wohl geschah, wenn einem der Wölfe aus dem Tal etwas zustieß? Kam Engaya dann zu ihm und half ihm? Malik stellte sich die Wölfin als eine strahlende Lichtgestalt vor, wie einen wolfgewordenen Stern, der auf die Erde kam, um einem ihrer Schützlinge zu helfen und zur Seite zu stehen. Er lächelte bei der Vorstellung und empfand das eigentlich kalte Licht der Sterne gleich als viel angenehmer, als er erneut nach oben sah. Mit diesem Wissen konnte er wirklich beruhigt und zufrieden schlafen gehen.

Bei Isaís Worten erhob er sich, streckte die Vorderläufe und gähnte erneut, dann nickte er. Wo er Recht hatte, hatte er recht. Und mittlerweile war die Aussicht, schlafen zu gehen, gar nicht mehr so unangenehm. Je schneller er schlief, desto eher war der nächste Morgen da und dann gab es wieder so viele Abenteuer, die sie erleben konnten. Motiviert eilte er seinem Bruder nach, hapste nach seiner Rute und verfehlte sie absichtlich und stupste dann gegen seine Lefzen.

„Danke.“, flüsterte er mit leuchtenden Augen, dann huschte er durch den Eingang der Höhle – natürlich vor Isaí, an dem er sich damit vorbeigedrängelt hatte,

Dann schlich er so leise wie möglich ins Dunkel hinein. Das Geräusch von gleichmäßigem Atem war zu hören, das beruhigte ihn. Sie waren noch nicht vermisst worden und morgen würde niemand außer ihnen beiden wissen, was sie die Nacht über getrieben hatten. Der Welpe pirschte sich zu seinen Schwestern heran und rollte sich an seinem angestammten Platz zusammen, schaute noch ein letztes Mal in die Richtung, aus der Isaí ihm folgte und lächelte ihm zu, auch wenn der das in der Dunkelheit wahrscheinlich nicht sah. Dann legte er den Kopf auf die Pfoten und schlief fast augenblicklich ein.