15.06.2012, 22:12
Da. Eine kleine Bewegung, nicht mehr als ein Huschen direkt unter der Oberfläche. Ruckartig schoss die schmale Wolfsschnauze vor. Die Wasseroberfläche war wie ein kalter Hauch auf seinem Fell. Doch den Fisch erwischte er nicht. Pfeilschnell war der Wasserbewohner an seiner Schnauze vorbei geschlüpft, hatte die Fänge um Haaresbreite abgewehrt. Murrend hob der Rüde den Kopf wieder an und schüttelte sich das kalte Nass aus dem feinen Fell. Daneben. Schade aber auch. Samirez war ein denkbar schlechter Verlierer und somit war es sichtlich zu erwarten, dass er im nächsten Augenblick mit einem feisten Satz in das seichte Seegewässer hinein setzte und erneut das markante Haupt in das Nass tauchen ließ, diesmal ohne Vorbereitung und auf vollkommen gut Glück. Natürlich hatte er kein Glück. Und nun war er auch noch komplett nass. Belustigt und vollkommen ausgelassen trat er nun also den Rückweg ans Ufer an um sich dort erst einmal einer ausgiebigen Fellwäsche zu unterziehen. Mit einem herzhaften Schütteln reinigte er sein Fell von den feinen Wasserperlen und gab gleichsam seiner Umgebung eine ausgiebige Dusche. Dann ließ er sich auf die kühle Erde sinken.
Er war nun etwa über eine Woche hier und konnte noch immer nicht sagen, dass er sich sonderlich heimisch fühlte. Allerdings fühlte er sich auch nicht wirklich fremd. Es war nach wie vor noch so etwas wie ein Beschnuppern. Und obgleich er in diesem Augenblick allein hier am See war, so war es doch keineswegs so, dass Samir neuen Bekanntschaften aus dem Weg ging. Nein, er war alles andere als ausweichend, aufgeschlossen und unerschrocken wie er war, hoffte er sogar ein wenig, dass irgendwer ihn hier fand – es wäre ja sonst ziemlich langweilig. Und überhaupt, irgendwem würde er doch wohl mit seinen Fischfangkünsten – haha – imponieren können. Wäre doch gelacht, wenn nicht.
15.06.2012, 23:40
Merkwürdig. Es fühlte sich mittlerweile so anders an, wenn sie durch das Tal streifte und mit ihren blauen Augen die Bäume musterte. Wie ihre Füße den Boden berührten und jede Unebenheit erkannten. Hatte sich das Tal verändert? Oder war es eher sie gewesen? Vielleicht sogar beides. Irgendwie hatte ihre alte Heimat ihren Glanz verloren. So viel Unheil war nun über sie gefahren und hatte alles in mitleidschaft gezogen. Und doch raffte sich das Tal langsam wieder auf.
Selbst die Tiere schienen langsam wieder redseliger zu werden. Sie unterhielten sich nun öfter und Amúr ließ es dieses Mal zu, dass ihre Gespräche ihr Ohr erreichten. Normalerweise verschloss sie sich vor allem, was sie an ihre Gabe erinnerte. Denn sie empfand es eher als Fluch. Beinahe hatte es sie verrückt gemacht, diese Stimmen zu hören. Selbst Jagen wurde zu einer Qual, wenn man die Verzweifelten Rufe der Beute verstehen konnte.
Amúr erreichte das Wasser und trank, ehe sie von einem lauten platscher aufgeschreckt wurde. Was war das? Ein weißer Körper spielte im Wasser herum, ehe er aus dem Wasser ging und sich dort schüttelte. Was zum…? Amúr blinzelte und trabte los, um näher an den weißen Wolf zu kommen. Was er wohl dort gemacht hatte? Brachte das Spielen im Wasser so viel spaß, dass man sich selbst im erwachsenen Alter dort hinein stürzen musste? Die Graue konnte das natürlich irgendwo verstehen, aber es sah trotzdem sehr amüsant aus, wie ein ausgewachsener Rüde alleine spielte.
„Macht das Spaß?“
Sie stand auf der anderen Uferseite und ließ einen belustigten Gesichtsausdruck in ihren feinen Zügen wiederspiegeln. Noch war sie am überlegen, wie er nochmal hieß. Er war neu und sie hatte noch nicht unbedingt viel mit ihm zu tun gehabt. Aber er war aufgeschlossen. So viel wusste sie noch.
16.06.2012, 12:08
Ein Schatten der aufs Wasser geworfen wurde, erregte jedoch seine Aufmerksamkeit. Munter blickte er einem grauen Wolf entgegen, der gerade auf ihn zu getrabt kam. Erst als das Tier näher kam, erkannte Samirez, dass es sich um eine Fähe handelte. Und nicht nur das, sie war sichtlich jünger als er. Auf der anderen Seite blieb sie stehen und erhob ihre Stimme, just in dem Moment, indem der Rüde den Kopf anhob und in die klaren, blauen Seelenspiegel der Fähe blickte. Blau. Nicht ganz so blau wie die Akhunas, aber dennoch sichtlich hübsch. Es passte zu ihr. Zu ihrem mausgrauen Pelz mit den weißen Abzeichen und Blässen. Aufmerksam spielten die Ohren des Jägern hin und her, bevor er ihr ein schmales Lächeln schenkte.
“Fischfang hat weniger mit Spaß, als mit der Schulung der eigenen Fertigkeiten zutun, aber dennoch, Spaß macht es wohl auch.“
Mit einem letzten Strecken der Muskeln erhob sich der Wolf schließlich wieder auf alle Viere und blickte die Fremde, denn er wusste ihren Namen irgendwie nicht wirklich, mit leicht zur Seite geneigtem Haupt an.
“Du hast mich also beobachtet, so?“
Nichts in seiner Stimme deutete darauf hin, das er es irgendwie böse meinte. Tat er auch nicht. Es war doch auch genau das, was er eigentlich gewollt hatte. Von unerwünschten Beobachtern war hier also nicht der Rede, nein Samirez hatte sichtlich nichts gegen Publikum, wenn es darum ging, sich selbst in Szene zu setzen.