Linalee
29.10.2012, 21:00
29.10.2012, 21:00
Der Abend dämmerte so vor sich hin, genau wie Tinca. Sie lieferte sich gerade ein Anstarr- Wettbewerb mit einem Baum – wer als erstes blinzelte, hatte verloren. Wie genau der Baum immer wieder gewann, wusste die Kleine mit den großen Ohren nicht, aber es begann, sie unglücklich zu machen. Als sie auch die nächste Runde gegen die rissige Rinde ihres Konkurrenten verlor, kniff sie verärgert ihre Bernsteinaugen zusammen und wandte sich ab. Sollte der doofe Baum doch spielen, mit wem er wollte! Es wurde langsam dunkler im Tal, und die letzten Winterwolken – klein und unheimlich fluffig – schoben sich gemächlich gen Dunkelheit. Dann würden sie schon wieder schlafen müssen, und Tinca schlief doch in letzter Zeit so schlecht.
Sie wusste nicht mal warum – Fakt war nur, dass sie deshalb dauernd müde war und während alle ihre Geschwister miteinander spielten oder Erkundungstouren mit ihren Paten unternahmen, lag sie nur auf der faulen Haut. Das machte keinen glücklich, nicht Chardím, nicht Taleesha, Malik oder Isaí. Letzterer blickte übrigens gerade in die Richtung der Dunklen, und sie versuchte, traurig zu ihm herüber zu lächeln, aber sie war zu aufgeregt vor ihrem großen Bruder, als dass sie wirklich eines hinbekommen hätte.
Warum konnte sie nicht mal gegenüber ihren Geschwistern entspannt sein? Irgendwas war doch nicht richtig mit ihr! Deprimiert – allerdings auch ein bisschen böse auf sich selbst – raffte sich Tinca auf und tappte von dem blöden Baum weg, in die Nähe der Höhle. Man würde sowieso bald anfangen, zu ihnen zu kommen und zu sagen, dass sie rein gehen und schlafen sollten – da konnte sie genau so gut vorarbeiten. Vielleicht würde sie diese Nacht ja auch mal länger ein Auge zu bekommen, denn bisher zirkulierten ihre Gedanken immer viel zu viel um irgendwelche eigentlich unwichtigen, aber in diesem Moment plötzlich so bedeutungsvoll erscheinenden Themen, als dass sie ordentliche Ruhe hätte finden können. . .
Sie wusste nicht mal warum – Fakt war nur, dass sie deshalb dauernd müde war und während alle ihre Geschwister miteinander spielten oder Erkundungstouren mit ihren Paten unternahmen, lag sie nur auf der faulen Haut. Das machte keinen glücklich, nicht Chardím, nicht Taleesha, Malik oder Isaí. Letzterer blickte übrigens gerade in die Richtung der Dunklen, und sie versuchte, traurig zu ihm herüber zu lächeln, aber sie war zu aufgeregt vor ihrem großen Bruder, als dass sie wirklich eines hinbekommen hätte.
Warum konnte sie nicht mal gegenüber ihren Geschwistern entspannt sein? Irgendwas war doch nicht richtig mit ihr! Deprimiert – allerdings auch ein bisschen böse auf sich selbst – raffte sich Tinca auf und tappte von dem blöden Baum weg, in die Nähe der Höhle. Man würde sowieso bald anfangen, zu ihnen zu kommen und zu sagen, dass sie rein gehen und schlafen sollten – da konnte sie genau so gut vorarbeiten. Vielleicht würde sie diese Nacht ja auch mal länger ein Auge zu bekommen, denn bisher zirkulierten ihre Gedanken immer viel zu viel um irgendwelche eigentlich unwichtigen, aber in diesem Moment plötzlich so bedeutungsvoll erscheinenden Themen, als dass sie ordentliche Ruhe hätte finden können. . .
Isaí Caiyé
29.10.2012, 21:46
29.10.2012, 21:46
Wäre doch gelacht, wenn er diese Maus nicht bekommen würde, auch, wenn er gar nicht darauf aus gewesen war, das, was Nihilus ihm beigebracht hatte, zu perfektionieren. Nicht heute jedenfalls, doch solch eine perfekte Möglichkeit konnte er sich unmöglich entgehen lassen. Mehr zufällig war er über die kleine Spur gestolpert, der er nun über den Rudelplatz gefolgt war, hier und da an einem der Rudelmitglieder vorbei, drum herum und viermal überkreuz, doch seine Nase verriet ihm, dass er dem Ziel näher kam. Dass es bereits dämmerte, spielte für ihn keine Rolle. Ein weiterer Tag nährte sich dem Ende, obwohl er für ihn doch gerade erst begonnen hatte – es kam ihm vor, als wäre er vor ein paar Minuten erst bei Tyraleen gewesen und hätte mit ihr den Morgen begrüßt, doch diese traute Freundschaft lag bereits einen Tagesausflug mit Kisha zurück. Nach einer kurzen Ruhepause also hatte sich der Rote wieder auf Achse begeben und – wenn er genau darüber nachdachte – war eine gefangene Maus doch ein wirklich erfolgreicher Abschluss des Tages, oder? Langsam also nährte er sich dem kleinen Haufen Laub, in dem er seine Beute vermutete, schlich sich – so klein wie möglich – näher heran und machte schließlich einen gezielten Sprung nach vorne, bloß um festzustellen, dass darunter… einfach nichts war. Leicht enttäuscht blinzelte er, pfotete ein weiteres Mal (weitaus elanloser) nach dem Laub, als erhoffte er sich, doch noch etwas zu finden, doch dem war nicht so. Mit einem Seufzen wandte er sich ab, schnaubte und ließ schließlich den Blick seiner Seelenspiegel über den Platz schweifen. Und schließlich blieb er auf einer dunklen, kleinen und etwas zusammengesunkenen Gestalt hängen, woraufhin er die Ohren spitzte. Ein unwohles Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit und während ihm sein Caiyéinstinkt sagen wollte, dass es seine Aufgabe war, ihr nun Gesellschaft zu leisten, hielt ihn eben dieses Gefühl zurück.
Und einen Moment später schon wandten sich die hellen Augen der Jüngsten ab und sie verzog sich in die Richtung der Höhle. Isaí atmete auf, als sich der Blickkontakt löste, doch das unangenehme Gefühl blieb bestehen, änderte sich allerdings und glich nun eher einem schlechten Gewissen. Er wusste aber einfach nicht, wie er mit ihr umgehen sollte. Sie war eigenartig, gab sich eigenartig und reagierte eigenartig, egal, was man tat. Außerdem traute sie sich kaum etwas, fürchtete nahezu alles und wollte noch nie irgendwo mitspielen. Er konnte sie nicht beschreiben, dazu fehlte ihm der Draht zu ihr – und er fühlte sich unweigerlich an Malik erinnert, gefolgt natürlich von Tyraleens Worten, die nicht direkt damit in Zusammenhang standen, aber für ihn wesentlich mehr Bedeutung hatten. Seine Augen huschten suchend über den Platz, bis er etwas gefunden hatte, was ihm ihn diesem Augenblick vielleicht helfen würde. Mit schnellen Sprüngen bewegte er sich auf ein am Boden liegendes Geäst zu, kletterte geschickt darauf und zögerte einen kurzen Augenblick, ehe er sich – vorsichtig – nach unten rutschen ließ, sodass es wirkte, als wäre er ungeschickt hineingeraten und käme nicht mehr heraus. Er sträubte sich kurz, brummte, doch erst, als er glaubte, dass seine Position überzeugend war, suchten seine Augen abermals die Gestalt Tincas.
„Kann mir mal jemand helfen?“, rief er bemüht flehend und hoffte, dass sie sich darauf einlassen würde.
Und einen Moment später schon wandten sich die hellen Augen der Jüngsten ab und sie verzog sich in die Richtung der Höhle. Isaí atmete auf, als sich der Blickkontakt löste, doch das unangenehme Gefühl blieb bestehen, änderte sich allerdings und glich nun eher einem schlechten Gewissen. Er wusste aber einfach nicht, wie er mit ihr umgehen sollte. Sie war eigenartig, gab sich eigenartig und reagierte eigenartig, egal, was man tat. Außerdem traute sie sich kaum etwas, fürchtete nahezu alles und wollte noch nie irgendwo mitspielen. Er konnte sie nicht beschreiben, dazu fehlte ihm der Draht zu ihr – und er fühlte sich unweigerlich an Malik erinnert, gefolgt natürlich von Tyraleens Worten, die nicht direkt damit in Zusammenhang standen, aber für ihn wesentlich mehr Bedeutung hatten. Seine Augen huschten suchend über den Platz, bis er etwas gefunden hatte, was ihm ihn diesem Augenblick vielleicht helfen würde. Mit schnellen Sprüngen bewegte er sich auf ein am Boden liegendes Geäst zu, kletterte geschickt darauf und zögerte einen kurzen Augenblick, ehe er sich – vorsichtig – nach unten rutschen ließ, sodass es wirkte, als wäre er ungeschickt hineingeraten und käme nicht mehr heraus. Er sträubte sich kurz, brummte, doch erst, als er glaubte, dass seine Position überzeugend war, suchten seine Augen abermals die Gestalt Tincas.
„Kann mir mal jemand helfen?“, rief er bemüht flehend und hoffte, dass sie sich darauf einlassen würde.
Linalee
30.10.2012, 00:46
30.10.2012, 00:46
Also schlafen. Hm. Ernüchternde Erkenntnis für einen so ereignislosen Tag. Hätte sie gewusst, was ihre Geschwister heute alles unternommen hatten, wäre Tinca vermutlich mit den Gedanken nicht mehr hinterher gekommen. Allein mit allen Unternehmungen, die Isaí heute getätigt hatte, hätte sie Wochen, achwas Monate füllen können! Es war ja nicht so, dass sie das ewige herumliegen genoss. Sie langweilte sich auch ganz furchtbar – und die Spiele, die sie sich ausgedacht hatte, um diese Langeweile zu vertreiben, machten es nicht besser. Sie wollte furchtbar gern mit ihren Geschwistern spielen und sie wollte mit Chardím gerne mal durch das Gelände streifen! Aber sie fand nie den Mut dazu, sich in die Raufereien der anderen einzuklinken, und sie wäre schon nach wenigen Metern an der Seite ihres Paten restlos erschöpft. Außerdem hatte sie schon ein bisschen Angst vor allem, was im Wald lag. Oder sogar noch weiter weg von der Höhle, in der zumindest ihre Eltern waren und auf si Acht geben konnte. Warum also das Gefährliche wagen, wenn man genau so gut ganz locker und einfach hier sitzen bleiben konnte? Es war so viel gemütlicher, ruhiger, und vor allem ungefährlicher.
Ein Quäken richtete Tincas Aufmerksamkeit auf Isaí, ihren großen Bruder, der – Moment mal. Was machte er da? Sie hatte auf ihre kleinen Pfoten gestarrt, anstatt ihm zuzusehen. Jetzt, wo sie ungläubig die weit aufgerissenen Augen auf ihn gerichtet hielt, sah es ganz danach aus, als würde er in einem Geäst fest hängen. Alarmiert erhob sich die schmächtige schwarze, spielte unsicher mit den Fledermausohren und sah sich dann nach den Erwachsenen um. Kam denn keiner um ihm zu helfen? Von wegen, hier war es ungefährlich! Nirgends war man sicher. Tinca schluckte schwer und machte schüchtern, aber sehr besorgt ein paar Schrittchen auf Isaí zu.
“Bruder! Soll ich Hilfe holen?“, rief sie gedämpft zu ihm herüber und machte dann noch einen zögernden Schritt auf das Geäst zu. Sie hatte ein bisschen Angst, auch irgendwo hängen zu bleiben, und das, obwohl sie noch zwei Schritte entfernt von ihm stand. Aufgewühlt musterte sie das Feuerherz, schluckte erneut. Dann brachte sie stammelnd hervor: “T-tut dir was weh?“
. . .
Ein Quäken richtete Tincas Aufmerksamkeit auf Isaí, ihren großen Bruder, der – Moment mal. Was machte er da? Sie hatte auf ihre kleinen Pfoten gestarrt, anstatt ihm zuzusehen. Jetzt, wo sie ungläubig die weit aufgerissenen Augen auf ihn gerichtet hielt, sah es ganz danach aus, als würde er in einem Geäst fest hängen. Alarmiert erhob sich die schmächtige schwarze, spielte unsicher mit den Fledermausohren und sah sich dann nach den Erwachsenen um. Kam denn keiner um ihm zu helfen? Von wegen, hier war es ungefährlich! Nirgends war man sicher. Tinca schluckte schwer und machte schüchtern, aber sehr besorgt ein paar Schrittchen auf Isaí zu.
“Bruder! Soll ich Hilfe holen?“, rief sie gedämpft zu ihm herüber und machte dann noch einen zögernden Schritt auf das Geäst zu. Sie hatte ein bisschen Angst, auch irgendwo hängen zu bleiben, und das, obwohl sie noch zwei Schritte entfernt von ihm stand. Aufgewühlt musterte sie das Feuerherz, schluckte erneut. Dann brachte sie stammelnd hervor: “T-tut dir was weh?“
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Isaí Caiyé
30.10.2012, 12:07
30.10.2012, 12:07
Zumindest der erste Teil des Plans schien zu funktionieren – sie lief nicht davon, ignorierte ihn nicht und tat auch sonst nichts, was Tinca hätte tun können. Für ihn war dieses Vorhaben komplettes Neuland. Er wusste sie kein Stück einzuschätzen und reagierte ohnehin immer anders, als man glaubte, dass sie es tat. Da war es ganz egal, ob man vorher im Kopf alle Möglichkeiten durchging, die es gab, um sich so zu verhalten. Es gab eben ‚normale‘ Wölfe und es gab Tinca – doch Tinca war seine Schwester und er gab sich trotz des unwohlen Gefühls in seinem Inneren unglaubliche Mühe, für sie das zu sein, was er auch für die anderen beiden sein wollte; das zu sein, was er sein musste, sein wollte, aber sie machte es ihm unglaublich schwer. Taleesha schien die einzige zu sein, die wusste, wie man mit ihr umzugehen hatte, doch Isaí war fest entschlossen, dass irgendwie zu ändern. Auch, wenn jeder Schritt auf diesem schmalen Grad wie immer einen Fehlschlag bedeuten konnte. Aber er wäre nicht Isaí gewesen, hätte er sich davon einschüchtern lassen. Ihn enttäuschte so schnell nichts und wenn er es nicht schaffen würde, dann war es wohl so gut wie hoffnungslos. Aber auch von Fehlschlägen ließ er sich nicht aufhalten. Irgendwann würde er ganz bestimmt den richtigen Weg finden und wenn er dafür Taleesha fragen musste.
Seine Ohren zuckten nach vorne, als er tatsächlich die Aufmerksamkeit seiner Schwester erhaschte und für den Moment vergaß er, dass er ja eigentlich gerade in einer brenzligen Situation sein sollte. Er spähte zu ihr hinüber und ein schmales Lächeln huschte einen Sekundenbruchteil lang über seine Lefzen, ehe er sich wieder daran erinnerte, seine Rolle spielen zu müssen. Sie wirkte unsicher, so unsicher wie generell immer und der kleine Rüde überlegte kurz, während die Dunkle mit zögernden Schritten auf ihn zu kam.
„Wie wär’s, wenn du mir hilfst? Ich mag nicht hier stecken bleiben, bis einer von den anderen davon Wind bekommt.“, ermutigte er sie mit einer gespielt unzufriedenen Stimme, die ausdrücken sollte, dass die Erwachsenen wohl ewig brauchen würden, bis sie hier waren.
Und dennoch huschte sein Blick kurz über ihre Umgebung, denn wenn tatsächlich jemand kommen würde, wäre sein Plan nach hinten losgegangen. Doch glücklicher Weise waren sie noch immer zu zweit und keiner schien auf sie aufmerksam geworden zu sein.
„Es ist nur leicht… unbequem.“ Isaí verzog die Lefzen kurz zu einem schiefen grinsen, ehe er abermals mit den Pfoten strampelte, als wollte er sich befreien. „Wenn du da unten – Siehst du? Wenn du da ziehen würdest, dann könnte ich…“
Er versuchte, ungeschickt mit der Schnauze auf ein Stück des Geästs zu zeigen, gegen welches er gelehnt war.
Seine Ohren zuckten nach vorne, als er tatsächlich die Aufmerksamkeit seiner Schwester erhaschte und für den Moment vergaß er, dass er ja eigentlich gerade in einer brenzligen Situation sein sollte. Er spähte zu ihr hinüber und ein schmales Lächeln huschte einen Sekundenbruchteil lang über seine Lefzen, ehe er sich wieder daran erinnerte, seine Rolle spielen zu müssen. Sie wirkte unsicher, so unsicher wie generell immer und der kleine Rüde überlegte kurz, während die Dunkle mit zögernden Schritten auf ihn zu kam.
„Wie wär’s, wenn du mir hilfst? Ich mag nicht hier stecken bleiben, bis einer von den anderen davon Wind bekommt.“, ermutigte er sie mit einer gespielt unzufriedenen Stimme, die ausdrücken sollte, dass die Erwachsenen wohl ewig brauchen würden, bis sie hier waren.
Und dennoch huschte sein Blick kurz über ihre Umgebung, denn wenn tatsächlich jemand kommen würde, wäre sein Plan nach hinten losgegangen. Doch glücklicher Weise waren sie noch immer zu zweit und keiner schien auf sie aufmerksam geworden zu sein.
„Es ist nur leicht… unbequem.“ Isaí verzog die Lefzen kurz zu einem schiefen grinsen, ehe er abermals mit den Pfoten strampelte, als wollte er sich befreien. „Wenn du da unten – Siehst du? Wenn du da ziehen würdest, dann könnte ich…“
Er versuchte, ungeschickt mit der Schnauze auf ein Stück des Geästs zu zeigen, gegen welches er gelehnt war.
Linalee
01.11.2012, 01:38
01.11.2012, 01:38
Es war wirklich nicht ihre Art, hier zu stehen und ihn anzustarren. Sie fürchtete für einen Moment sogar, dass er dachte, sie würde sich über ihn lustig machen! Aber nein, eigentlich hatte er ja um Hilfe gerufen – Hilfe, die Tinca ihm bestimmt nicht bieten konnte. Sie sah sich bereits nach einem Erwachsenen um, den sie rufen konnte, als Isaí ihr einen anderen Vorschlag machte. Aufmerksam schnippten ihre Fledermausohren zu ihm, dann zog sie auch die kleine Schnauze herum und starrte ihren großen Bruder voller Unsicherheit an. Sie? Ihm helfen? das konnte sie doch gar nicht. Sie war viel zu schwach, wenn er sich nicht selbst befreien konnte, wie sollte sie es dann schaffen? Die Dunkle schluckte. Nein, das konnte sie wirklich nicht.
“Ich k-könnte…“, fing sie zu stammeln an und wollte vorschlagen, Mama oder Papa zu holen. Dann müsste er ja gar nicht warten, bis einer Wind davon bekam – wie er es ausgedrückt hatte. Es wäre ja nichts Zufälliges mehr!
Bevor sie den Satz allerdings beendete, kam Tinca ein neuer Gedanke. Vielleicht wollte Isaí auch einfach nicht, dass Mama oder Papa mitbekamen, dass er in eine Situation geraten war, in der er Hilfe brauchte. Oh, aber von ihr, seiner kleinen Schwester, wollte er sich helfen lassen…? Das war ja - …das war so, als hätten sie eine Art… geheimes Abenteuer! Zumindest ein bisschen geheim. Und ein bisschen abenteuerlich.
Zögernd machte Tinca noch einen Schritt auf das geäst zu und musterte mit den großen Bernsteinaugen die Stelle, auf die ihr Bruder versuchte, zu deuten. Es tat ihm ja nichts weh, also musste sie nicht sofort zu Mama und Papa rennen. Und obwohl ihr Herz dabei so heftig schlug, als würde sie eine Regel verletzten, überwand sie die letzte Distanz zwischen sich und dem Geäst und stupste die Stelle, die vermutlich die richtige war, mit der Schnauze an.
“Die hier…?“, vergewisserte sie sich und blickte schleunigst zu ihrem Bruder hinauf. Am Ende zog sie noch am falschen Ast und machte alles noch schlimmer! Die Furcht etwas Falsches zu machen, stand ihr deutlich in das junge Gesicht geschrieben. “Sch-schaffen wir das?“
Denn wenn nicht, dann würde ihre abenteuerliche Rettungsaktion noch ganz schlimme Folgen haben! Oh, wie furchtbar es wäre, wenn sich Isaí etwas tun würde, nur weil sie, die feige Tinca, etwas falsch machte! Zwischen Besorgnis, Scheu, Furcht und dem Wunsch, ihrem Bruder zu Helfen legte sie vorsichtig ihren Fang um besagte Stelle und zog ganz vorsichtig daran. . .
“Ich k-könnte…“, fing sie zu stammeln an und wollte vorschlagen, Mama oder Papa zu holen. Dann müsste er ja gar nicht warten, bis einer Wind davon bekam – wie er es ausgedrückt hatte. Es wäre ja nichts Zufälliges mehr!
Bevor sie den Satz allerdings beendete, kam Tinca ein neuer Gedanke. Vielleicht wollte Isaí auch einfach nicht, dass Mama oder Papa mitbekamen, dass er in eine Situation geraten war, in der er Hilfe brauchte. Oh, aber von ihr, seiner kleinen Schwester, wollte er sich helfen lassen…? Das war ja - …das war so, als hätten sie eine Art… geheimes Abenteuer! Zumindest ein bisschen geheim. Und ein bisschen abenteuerlich.
Zögernd machte Tinca noch einen Schritt auf das geäst zu und musterte mit den großen Bernsteinaugen die Stelle, auf die ihr Bruder versuchte, zu deuten. Es tat ihm ja nichts weh, also musste sie nicht sofort zu Mama und Papa rennen. Und obwohl ihr Herz dabei so heftig schlug, als würde sie eine Regel verletzten, überwand sie die letzte Distanz zwischen sich und dem Geäst und stupste die Stelle, die vermutlich die richtige war, mit der Schnauze an.
“Die hier…?“, vergewisserte sie sich und blickte schleunigst zu ihrem Bruder hinauf. Am Ende zog sie noch am falschen Ast und machte alles noch schlimmer! Die Furcht etwas Falsches zu machen, stand ihr deutlich in das junge Gesicht geschrieben. “Sch-schaffen wir das?“
Denn wenn nicht, dann würde ihre abenteuerliche Rettungsaktion noch ganz schlimme Folgen haben! Oh, wie furchtbar es wäre, wenn sich Isaí etwas tun würde, nur weil sie, die feige Tinca, etwas falsch machte! Zwischen Besorgnis, Scheu, Furcht und dem Wunsch, ihrem Bruder zu Helfen legte sie vorsichtig ihren Fang um besagte Stelle und zog ganz vorsichtig daran. . .
Isaí Caiyé
16.11.2012, 10:09
16.11.2012, 10:09
Mit wenig Elan versuchte er abermals, sich in eine günstigere Position zu rücken, allerdings war es von Anfang an seine Absicht, dieses Vorhaben nicht erfolgreich zu beenden. Die Äste bewegten sich kurz, als er sich unbeholfen dagegenstemmte und wieder nachließ. Allmählich wurde es tatsächlich etwas unbequem, doch es war nichts, was er nicht für seine Schwester in Kauf nahm. Er spielte mit den Ohren, betrachtete seine Schwester weiterhin kopfüber und blinzelte in ihre Richtung, während sie mit sich zu hadern schien. Sie traute es sich nicht zu, dass sah man ihr deutlich an, doch der Kleine war fest entschlossen, ihr zu zeigen, dass auch sie solch eine Situation mit Bravur meistern konnte. Und wenn sie etwas Hilfe brauchte, den Mut zu finden, es tatsächlich auszuprobieren – dafür war er doch da! Nicht umsonst machte er ihr kurz darauf einen helfenden Vorschlag, was zu tun war, obwohl er sich gar nicht mal so sicher war, dass dieser Ast tatsächlich etwas bewirken würde. Auf jeden Fall fühlte er sich im Augenblick noch auf der sicheren Seite – Tinca verschwand nicht, holte keinen der Erwachsenen, sondern blieb und versuchte tatsächlich, ihn aus der misslichen Lage zu befreien. Stolz schlich sich in das Herz des Fuchses – nur gering, weil sein Plan tatsächlich klappte; mehr, weil Tinca tatsächlich den Mut zu finden schien, es selbst zu probieren und das für ihn, obwohl er sich doch so schwer mit ihr tat und fürchtete, nicht der Caiyé für sie sein zu können, wie er eigentlich musste. Ganz so schlimm schien es aber noch nicht um ihre geschwisterliche Beziehung zu stehen und der winzige Erfolg, der sich jetzt bereits für ihn zeigte, war Grund genug für ihn, sich dazu zu entschließen, öfter die eigene Scheu vor dem Umgang mit der Dunklen zu überwinden. Nun aber mussten sie erst einmal das hier regeln.
Er streckte den Kopf, um zu erkennen, auf welchen Ast seine Schwester deutete und hörte, wie die Zweige, die in seinem Nacken lagen, leicht angeschlagen knackten. Nicht zu viel, immerhin musste sie ihn doch befreien! Er schenkte ihr ein ermutigendes Lächeln, stellte die Ohren so gut es ging und drückte sich schließlich mit der Pfote an einem anderen Ast ab, um sich in eine Lage zu rücken, aus der er sie besser sehen konnte – weiterhin aber bemüht, so unbeholfen wie möglich zu wirken, um den Zauber der Situation nicht zu zerstören.
„Ja, der müsste es sein, dann kann ich hier raus.“, bestätigte er mit Sicherheit in der jungen Stimme. „Und wenn, dann schaffst du das. Ich kann dir gerade nur wenig helfen…“
Ein schiefes Grinsen huschte über seine Züge, während er mit einer kurzen Pfotenbewegung ein weiteres Mal seine Lage demonstrierte, bis er ein Stück nach unten rutschte, als Tinca tatsächlich an besagtem Ast zog.
„Ja, ja, das ist er!“, rief er ihr zu, damit sie weiter zog und er sich ganz langsam zu Boden gleiten lassen konnte.
An sich hätte er sich nun wunderbar befreien können, Problem war nur, dass er fürchtete, dass sie sich erschreckte, wenn er den Fehler beging und eine zu schnelle, zu hastige Bewegung machte. Wieder überwog die Unsicherheit im Umgang mit ihr, wenn er auch zugeben musste, dass sie im Augenblick über sich selbst hinaus gewachsen war – in seinen Augen zumindest, denn auch, wenn sie seine Schwester war, musste er gestehen, dass er unglaublich wenig über sie wusste. Umso mehr schien er in diesem Augenblick zu lernen, als er – ein Auge stets auf sie gerichtet, um wenn möglich einschätzen zu können, wie sie im nächsten Augenblick reagieren würde. Er strampelte kurz, landete schließlich mit dem Rücken etwas unsanft auf dem Boden, doch es war nicht der Rede wert. Er schloss kurz die Augen, befürchtend, dass sie gleich den kleinen Ast loslassen und so auf ihn ‚feuern‘ würde, doch sie hielt ihn fest, sodass sich der Fuchs rasch in seinen beengten Umständen auf den Bauch drehen und schließlich langsam durch die Öffnung, die Tinca ihm bot, aus seinem Holzgefängnis entwischen konnte. Er schlüpfte an seiner Schwester vorbei, schüttelte sich kurz, ohne wirklich auf den Erfolg auszusein, den Schmutz aus seinem Pelz zu bekommen, wandte sich herum und strahlte die Dunkle mit einem stolzen Funkeln in den Seelenspiegeln, aufgestellten Ohren und pendelnder Rute entgegen.
„Na klar! Aber ohne dich hätte ich da wohl noch eine Ewigkeit dringehangen. Danke, Tinca!“, sagte er strahlend und nickte bekräftigend. „Ich bin dir echt was schuldig. Das war mutig von dir.“
Wow. Wenn er sich recht entsann, war das wohl das größte ‚Unternehmen‘ seines Lebens, was er bisher mit seiner Schwester teilte. Er fühlte sich gut, immerhin hatte er so das Gefühl, auch für sie endlich mal der Caiyé sein konnte, der er sein wollte, sein musste, doch die Unsicherheit mit ihrem Verhalten war noch immer nicht verklungen.
{... ich kann nicht posten, wenn ich mich beobachtet fühle x.x Sie gucken alle, was ich hier tue! hilfe?! xD'}Haha kein Ding :D <3
Er streckte den Kopf, um zu erkennen, auf welchen Ast seine Schwester deutete und hörte, wie die Zweige, die in seinem Nacken lagen, leicht angeschlagen knackten. Nicht zu viel, immerhin musste sie ihn doch befreien! Er schenkte ihr ein ermutigendes Lächeln, stellte die Ohren so gut es ging und drückte sich schließlich mit der Pfote an einem anderen Ast ab, um sich in eine Lage zu rücken, aus der er sie besser sehen konnte – weiterhin aber bemüht, so unbeholfen wie möglich zu wirken, um den Zauber der Situation nicht zu zerstören.
„Ja, der müsste es sein, dann kann ich hier raus.“, bestätigte er mit Sicherheit in der jungen Stimme. „Und wenn, dann schaffst du das. Ich kann dir gerade nur wenig helfen…“
Ein schiefes Grinsen huschte über seine Züge, während er mit einer kurzen Pfotenbewegung ein weiteres Mal seine Lage demonstrierte, bis er ein Stück nach unten rutschte, als Tinca tatsächlich an besagtem Ast zog.
„Ja, ja, das ist er!“, rief er ihr zu, damit sie weiter zog und er sich ganz langsam zu Boden gleiten lassen konnte.
Linalee
29.11.2012, 02:29
29.11.2012, 02:29
Eigentlich hatte sich Tinca nie Gedanken darüber machen müssen, was passierte, wenn sie etwas tat – denn meistens tat sie ja nichts, das solche Überlegungen überhaupt erforderte. Stattdessen lag sie herum und schaute den Schmetterlingen zu, wie sie, frei und wunderschön, in die Welt hinaus flatterten. Oder sie beobachtete Isaí, Taleesha und Malik dabei, wie sie miteinander spielten und irgendwie immer mutiger wurden – ganz im Gegensatz zu ihr. Tinca, die ewig an ihrem festgewachsene Tinca. Und jetzt… so was. Jemand – ihr eigener, großer Bruder! – brauchte ihre Hilfe… und sie konnte sie ihm sogar geben! War das dann noch Tinca?
Dass das ganze nur eine gut gemeinte List war, eine Art Wachrütteln von Seiten Isaís, wusste die junge Fähe natürlich nicht. In ihrem vollkommen unangefochtenen Vertrauen gegenüber dem, was ihr Bruder sagte, tat, was hier alles gerade geschah – denn das wirkte so real auf sie! – wagte sie es nicht mal ansatzweise, etwas des Geschehens in Frage zu stellen. Dass es unlogisch war, dass sich gerade der kluge Isaí in diesem Gebüsch verhedderte, kam ihr nicht in den Sinn.
Angefeuert von diesem zog sie weiter an dem Ast. Je mehr sie bemerkte, dass er dem Erdboden näher kam, umso heftiger zerrte Tinca an dem störrischen Stück Holz. Das fabelhafte daran war, dass sie ihren Fortschritt richtig sehen konnte! Die hellen Bernsteinaugen auf das Feuerherz gerichtet beobachtete sie – zerrend und ziehend – wie er langsam aber sicher aus der Astfalle befreit wurde. Durch sie! Beinahe hätte Tinca einen heiseren Jubelschrei ausgestoßen – doch dann hätte sie ja ihren Fang öffnen müssen, und, nein, so dumm war sie ganz bestimmt nicht.
Sobald Isaí sicher war, klammerte sie sich sogar noch weiter mit den Zähnchen in das trockene Holz, als hätte sie sich daran festgebissen. Erst, nachdem sicher war, dass Iasí putzmunter war, ließ Tinca ihre „Beute“ langsam, gaaaanz langsam, los.
“A-alles in Ordnung, Bruder?“, piepste sie und tappste unsicher auf ihn zu, um ihn näher in Augenschein zu nehmen. Ihr Hochgefühl von eben war klammer Besorgnis gewichen, dass sie unbemerkt doch etwas falsch gemacht und ihn damit verletzt hatte. . .
Dass das ganze nur eine gut gemeinte List war, eine Art Wachrütteln von Seiten Isaís, wusste die junge Fähe natürlich nicht. In ihrem vollkommen unangefochtenen Vertrauen gegenüber dem, was ihr Bruder sagte, tat, was hier alles gerade geschah – denn das wirkte so real auf sie! – wagte sie es nicht mal ansatzweise, etwas des Geschehens in Frage zu stellen. Dass es unlogisch war, dass sich gerade der kluge Isaí in diesem Gebüsch verhedderte, kam ihr nicht in den Sinn.
Angefeuert von diesem zog sie weiter an dem Ast. Je mehr sie bemerkte, dass er dem Erdboden näher kam, umso heftiger zerrte Tinca an dem störrischen Stück Holz. Das fabelhafte daran war, dass sie ihren Fortschritt richtig sehen konnte! Die hellen Bernsteinaugen auf das Feuerherz gerichtet beobachtete sie – zerrend und ziehend – wie er langsam aber sicher aus der Astfalle befreit wurde. Durch sie! Beinahe hätte Tinca einen heiseren Jubelschrei ausgestoßen – doch dann hätte sie ja ihren Fang öffnen müssen, und, nein, so dumm war sie ganz bestimmt nicht.
Sobald Isaí sicher war, klammerte sie sich sogar noch weiter mit den Zähnchen in das trockene Holz, als hätte sie sich daran festgebissen. Erst, nachdem sicher war, dass Iasí putzmunter war, ließ Tinca ihre „Beute“ langsam, gaaaanz langsam, los.
“A-alles in Ordnung, Bruder?“, piepste sie und tappste unsicher auf ihn zu, um ihn näher in Augenschein zu nehmen. Ihr Hochgefühl von eben war klammer Besorgnis gewichen, dass sie unbemerkt doch etwas falsch gemacht und ihn damit verletzt hatte. . .
Isaí Caiyé
30.11.2012, 09:58
30.11.2012, 09:58
An sich hätte er sich nun wunderbar befreien können, Problem war nur, dass er fürchtete, dass sie sich erschreckte, wenn er den Fehler beging und eine zu schnelle, zu hastige Bewegung machte. Wieder überwog die Unsicherheit im Umgang mit ihr, wenn er auch zugeben musste, dass sie im Augenblick über sich selbst hinaus gewachsen war – in seinen Augen zumindest, denn auch, wenn sie seine Schwester war, musste er gestehen, dass er unglaublich wenig über sie wusste. Umso mehr schien er in diesem Augenblick zu lernen, als er – ein Auge stets auf sie gerichtet, um wenn möglich einschätzen zu können, wie sie im nächsten Augenblick reagieren würde. Er strampelte kurz, landete schließlich mit dem Rücken etwas unsanft auf dem Boden, doch es war nicht der Rede wert. Er schloss kurz die Augen, befürchtend, dass sie gleich den kleinen Ast loslassen und so auf ihn ‚feuern‘ würde, doch sie hielt ihn fest, sodass sich der Fuchs rasch in seinen beengten Umständen auf den Bauch drehen und schließlich langsam durch die Öffnung, die Tinca ihm bot, aus seinem Holzgefängnis entwischen konnte. Er schlüpfte an seiner Schwester vorbei, schüttelte sich kurz, ohne wirklich auf den Erfolg auszusein, den Schmutz aus seinem Pelz zu bekommen, wandte sich herum und strahlte die Dunkle mit einem stolzen Funkeln in den Seelenspiegeln, aufgestellten Ohren und pendelnder Rute entgegen.
„Na klar! Aber ohne dich hätte ich da wohl noch eine Ewigkeit dringehangen. Danke, Tinca!“, sagte er strahlend und nickte bekräftigend. „Ich bin dir echt was schuldig. Das war mutig von dir.“
Wow. Wenn er sich recht entsann, war das wohl das größte ‚Unternehmen‘ seines Lebens, was er bisher mit seiner Schwester teilte. Er fühlte sich gut, immerhin hatte er so das Gefühl, auch für sie endlich mal der Caiyé sein konnte, der er sein wollte, sein musste, doch die Unsicherheit mit ihrem Verhalten war noch immer nicht verklungen.
{... ich kann nicht posten, wenn ich mich beobachtet fühle x.x Sie gucken alle, was ich hier tue! hilfe?! xD'}
Linalee
06.12.2012, 01:58
06.12.2012, 01:58
Zugegeben, sie zuckte ziemlich zusammen, als der Körper Isaís vor ihr so ungebremst zu Boden rauschte. Auf den harten, festen Boden, der garantiert nicht nachgeben würde! Beinahe befürchtete Tinca, dem etwas Älteren jetzt auch noch mehr wehgetan zu haben, als es der Fall gewesen wäre, wenn er einfach weiter in dem Ast gehangen und darauf gewartet hätte, der ein bisschen klüger als seine feige Schwester gewesen wäre. Doch ehe sich die Schwarze noch mehr Vorwürfe machen konnte, richtete sich das Feuerherz auf und strahlte sie an – ein so umwerfendes Lächeln, dass sie nicht anders konnte, als es ganz vorsichtig zu erwidern. War er etwa… stolz auf sie? Ihr Hasenherz schlug plötzlich schneller, nicht, weil es Angst hatte, sondern weil es sich so sehr über die freudige Überraschung aufregte. Es war, als würde plötzlich Glück anstelle von Blut durch ihre Adern fließen, und Tinca musste erst einmal tief Luft holen, um nicht völlig aus dem Häuschen zu geraten. Dabei handelte es sich bei dieser Sache hier um so was Winziges – es war fast schon lächerlich, dass sie deshalb so eine Furore in ihrem inneren veranstaltete!
Und dennoch – Isaí hatte sich gerade bedankt. Bei ihr. Die Nennung ihres Namens erinnerte Tinca allerdings wieder ein wenig daran, dass sie deshalb nicht unbedingt ein mutigerer Wolf war – und sie wandte den Blick von ihrem Bruder ab, jetzt ein wenig verhärmt. Das hier änderte genau genommen gar nichts, sie war immer noch die schwache, feige Tinca.
“B-bitte“, murmelte sie dem Boden entgegen. Irgendwie war ihr das Ganze vom einen Moment auf den anderen schrecklich peinlich geworden.
Es gab dieses eine Wort, auf das die kleine Schwarze so etwas wie allergisch reagierte. Nicht, dass sie sich davor fürchtete – nein, es war eher, als würde man ihr jedes Mal, wenn sie dieses Wort hörte, einen großen, glitzernden Stern vor die Nase halten. Etwas, das sie niemals würde kriegen können, und das doch so wunderschön war, dass es sich zum Anstreben mehr als alles andere lohnte.
Mut.
“Mutig…?“, wiederholte sie flüsternd und hob hoffnungsvoll – aber auch leicht zweifelnd – ihren Kopf. Fragend blickte sie Isaí an, den Großen, unendlich mutigen Isaí. “Meinst du wirklich…?“
Und dennoch – Isaí hatte sich gerade bedankt. Bei ihr. Die Nennung ihres Namens erinnerte Tinca allerdings wieder ein wenig daran, dass sie deshalb nicht unbedingt ein mutigerer Wolf war – und sie wandte den Blick von ihrem Bruder ab, jetzt ein wenig verhärmt. Das hier änderte genau genommen gar nichts, sie war immer noch die schwache, feige Tinca.
“B-bitte“, murmelte sie dem Boden entgegen. Irgendwie war ihr das Ganze vom einen Moment auf den anderen schrecklich peinlich geworden.
Es gab dieses eine Wort, auf das die kleine Schwarze so etwas wie allergisch reagierte. Nicht, dass sie sich davor fürchtete – nein, es war eher, als würde man ihr jedes Mal, wenn sie dieses Wort hörte, einen großen, glitzernden Stern vor die Nase halten. Etwas, das sie niemals würde kriegen können, und das doch so wunderschön war, dass es sich zum Anstreben mehr als alles andere lohnte.
Mut.
“Mutig…?“, wiederholte sie flüsternd und hob hoffnungsvoll – aber auch leicht zweifelnd – ihren Kopf. Fragend blickte sie Isaí an, den Großen, unendlich mutigen Isaí. “Meinst du wirklich…?“
Isaí Caiyé
16.01.2013, 23:09
16.01.2013, 23:09
Während er seine Schwester eben noch stolz gemustert hatte, schien sie im Gegenzug dazu gar nicht so begeistert, wie Isaí es sich erhofft hatte. Nachdenklich spielte er kurz mit den Ohren und musterte seine Schwester mit einem leicht fragenden Ausdruck in den Augen, denn ihr plötzlicher Unmut war für ihn vollkommen unverständlich. Aber ebenso unverständlich war ihre Furcht und Zurückhaltung, was es ihm so schwierig gestaltete, ihre Handlungen und Gedankengänge nachzuvollziehen. Und plötzlich wieder in sich zusammenzusinken – nein, das war in seiner Welt kein bisschen die Reaktion die man zeigte, nachdem man jemandem helfend zur Pfote gegangen war und ihn aus einer misslichen Lage befreit hatte. Zumindest nicht, wenn der Dank des Gegenübers ehrlich war und das war er in diesem Falle zweifellos gewesen. Naja, etwas hingebogen war es schon, aber das geschah ja alles mit besten Absichten und zu Gunsten seiner dunklen Schwester – in diesem Falle zeigte er sich doch vollkommen uneigennützig, wenn man mal von seinem schlechten Gewissen absah, für sie nicht der Bruder sein zu können, der er eigentlich zu sein hatte. In dem Glauben also, ihr plötzlicher Unmut läge an seiner Wortwahl oder vielleicht an dem Ton, mit dem er seinen Dank ehrlich zum Ausdruck gebracht hatte, rückte er vorsichtig und etwas zögernd näher an sie heran. Er rechnete damit, dass sie jeden Augenblick zurückzuckte, um dieser Nähe zu entgehen – so eben, wie er es von ihr gewohnt war – denn abgesehen von ihren Nächten in den Höhlen hatte er solch eine Nähe zu seiner Schwester Tinca in nur wenigen Fällen genossen. Taleesha hatte da weitaus den besseren Draht zu und gleichzeitig auch weitaus weniger zu befürchten, als Isaí es im Augenblick tat. Nun, es war vielleicht nicht direkt Furcht, aber irgendwie empfand er doch ein ungutes Gefühl in Anbetracht der Reaktion, die ihn gleich wohl erwartete. Trotzdem ließ er sich nicht davon abhalten, mit leicht zurückgedrehen Ohren den Kopf etwas nach vorne zu strecken und den schwarzen Welpenpelz vorsichtig und sanft mit der Schnauze zu berühren, nachdem sie ihre Worte leise zu Boden gemurmelt hatte. Einen Sekundenbruchteil nur, ehe er den Kopf wieder zurückzog und ihr ein bemüht aufbauendes Lächeln schenkte. Seine Ohren jedoch verrieten weiterhin, dass er nicht so genau mit der Situation umzugehen wusste.
„Na hör mal. Würde ich es nicht ernst meinen, hätte mich Fenris doch auf der Stelle verschlungen.“, machte er sie darauf aufmerksam und seine Rute pendelte kurz.
Er kam gar nicht auf die Idee, dass die Erwähnung Fenris‘ ihr vielleicht noch mehr Angst einjagen würde. Es war der einfachste und schnellste Weg gewesen, ihr zu versichern, dass es sein vollster Ernst gewesen war, immerhin hatten sie doch gelernt, dass schwindelnde Wölfe vom Gott des Todes verschlungen wurden. Nicht, dass Isaí an diese Gruselgeschichte noch wirklich glaubte – sonst wären nämlich viele schon verschluckt worden; allen voran wohl Krolock bei seiner Aktion ‚Ich bin Fenris‘ – aber es war etwas, was sie gemeinsam hatten.
„Was lässt dich daran zweifeln? Wovor hast du Angst?“
Inzwischen war er wieder ein Stück zurückgewichen, um ihr den Freiraum zu lassen, von dem er glaubte, dass sie ihn brauchte. Seine Ohren waren wieder nach vorne gedreht, allerdings nicht ganz aufgestellt, wie man es üblicher Weise von ihm kannte. Die beiden Fragen, die er gestellt hatte, hatten nicht direkt etwas miteinander zu tun; auch waren die letzten Worte weitaus leiser ausgesprochen worden als die Frage zuvor noch. Doch es war ehrlich aus ihm herausgekommen und dass sie etwas fürchtete, sah man ihr doch eigentlich dauerhaft an. Er hatte lediglich noch nie die Gelegenheit gehabt, sie danach zu fragen.
„Na hör mal. Würde ich es nicht ernst meinen, hätte mich Fenris doch auf der Stelle verschlungen.“, machte er sie darauf aufmerksam und seine Rute pendelte kurz.
Er kam gar nicht auf die Idee, dass die Erwähnung Fenris‘ ihr vielleicht noch mehr Angst einjagen würde. Es war der einfachste und schnellste Weg gewesen, ihr zu versichern, dass es sein vollster Ernst gewesen war, immerhin hatten sie doch gelernt, dass schwindelnde Wölfe vom Gott des Todes verschlungen wurden. Nicht, dass Isaí an diese Gruselgeschichte noch wirklich glaubte – sonst wären nämlich viele schon verschluckt worden; allen voran wohl Krolock bei seiner Aktion ‚Ich bin Fenris‘ – aber es war etwas, was sie gemeinsam hatten.
„Was lässt dich daran zweifeln? Wovor hast du Angst?“
Inzwischen war er wieder ein Stück zurückgewichen, um ihr den Freiraum zu lassen, von dem er glaubte, dass sie ihn brauchte. Seine Ohren waren wieder nach vorne gedreht, allerdings nicht ganz aufgestellt, wie man es üblicher Weise von ihm kannte. Die beiden Fragen, die er gestellt hatte, hatten nicht direkt etwas miteinander zu tun; auch waren die letzten Worte weitaus leiser ausgesprochen worden als die Frage zuvor noch. Doch es war ehrlich aus ihm herausgekommen und dass sie etwas fürchtete, sah man ihr doch eigentlich dauerhaft an. Er hatte lediglich noch nie die Gelegenheit gehabt, sie danach zu fragen.
Linalee
28.01.2013, 02:11
28.01.2013, 02:11
Das hatte noch nie jemand zu Tinca gesagt. Noch nie. Nicht einmal sie selbst, um sich gut zuzureden – denn eigentlich war es doch auch eine Lüge, oder? Durfte Isaí das – durfte er seine kleine, schwächliche Schwester belügen? Ihre großen Fledermausohren zuckten in alle erdenklichen Richtungen, erstaunt, verunsichert, vage hin und her gerissen zwischen Freude und Trauer. Vielleicht machte sich der Rote auch nur über sie lustig? Prüfend, beinahe ängstlich, musterte sie sein Gesicht, fürchtete, zwischen der Aufrichtigkeit Spott zu entdecken. Doch nein, da stand er, ehrlich denn je. Isaí log sie nicht an, er fand sie wirklich, wirklich mutig. Ein zaghaftes Lächeln schob sich auf die dünne Schnauze der Schwarzen. Sie war also mutig. Oder nein – das eben war einigermaßen mutig gewesen. Das hieß ja eigentlich noch gar nichts, oder? Sie konnte genau so gut wieder feige sein. Ein Hasenherz, wie immer.
Die Worte ihres Bruders brachten sie dann doch aus dem Konzept. Das Lächeln wich einem erstaunten, offenen Mäulchen, ihre Bernsteinaugen wurden kreisrund und sofort setzte die altbekannte Angst wieder ein, die ihr den Rücken hinauf krabbelte, wie eine Pfote voll Mistkäfer. Fenris… würde Isaí verschlingen? Sie wagte es nicht einmal, zu blinzeln, fürchtete sie so sehr, dass er, sobald sie die Augen wieder aufmachte, schon weg war. Bebenden Herzens trat sie einen Schritt auf ihren Bruder zu, ihren lieben, lieben großen Bruder.
“D-d-das darf e-er ne-nicht!“, brachte sie mit leichter Hysterie hervor, “n-nein, I-isaí, bitte, we-we-werde nicht ge-ge-…fressen!“
Sie hatte ihn einfach falsch verstanden – aber dadurch hatte er ihr Angst gemacht. So viel Angst, dass er Tinca sogar von ihrem eigentlichen Problem abgelenkt hatte. In hellem Aufruhr blickte sie nach links und rechts, als erwartete sie, dass von dort ein riesiger, geifernder Schwarzer angerannt kommen würde, um ihren lieben Bruder einfach von dem Boden zu tilgen. Erst seine Frage brachte sie zur Ruhe, denn plötzlich stand Tinca wieder stocksteif da, wurde ganz still und starrte Isaí einfach nur an. Nach einer Weile senkte sie ihr Köpfchen, dieses Mal beschämt.
“K-kannst… du das nicht… für mich heraufinden?“, flüsterte sie zaghaft, zu verhalten, um ihn anzusehen.
Oh, Isaí, wollte sie rufen, du würdest es mir damit so viel leichter machen. . .
Die Worte ihres Bruders brachten sie dann doch aus dem Konzept. Das Lächeln wich einem erstaunten, offenen Mäulchen, ihre Bernsteinaugen wurden kreisrund und sofort setzte die altbekannte Angst wieder ein, die ihr den Rücken hinauf krabbelte, wie eine Pfote voll Mistkäfer. Fenris… würde Isaí verschlingen? Sie wagte es nicht einmal, zu blinzeln, fürchtete sie so sehr, dass er, sobald sie die Augen wieder aufmachte, schon weg war. Bebenden Herzens trat sie einen Schritt auf ihren Bruder zu, ihren lieben, lieben großen Bruder.
“D-d-das darf e-er ne-nicht!“, brachte sie mit leichter Hysterie hervor, “n-nein, I-isaí, bitte, we-we-werde nicht ge-ge-…fressen!“
Sie hatte ihn einfach falsch verstanden – aber dadurch hatte er ihr Angst gemacht. So viel Angst, dass er Tinca sogar von ihrem eigentlichen Problem abgelenkt hatte. In hellem Aufruhr blickte sie nach links und rechts, als erwartete sie, dass von dort ein riesiger, geifernder Schwarzer angerannt kommen würde, um ihren lieben Bruder einfach von dem Boden zu tilgen. Erst seine Frage brachte sie zur Ruhe, denn plötzlich stand Tinca wieder stocksteif da, wurde ganz still und starrte Isaí einfach nur an. Nach einer Weile senkte sie ihr Köpfchen, dieses Mal beschämt.
“K-kannst… du das nicht… für mich heraufinden?“, flüsterte sie zaghaft, zu verhalten, um ihn anzusehen.
Oh, Isaí, wollte sie rufen, du würdest es mir damit so viel leichter machen. . .
Isaí Caiyé
25.02.2013, 13:11
25.02.2013, 13:11
Noch immer ruhte das ermunternde Lächeln auf seinen Lefzen. Er war noch immer in dem Glauben, dass sie ihm so einfach glauben musste, dass es sein Ernst war, denn einen anderen Weg sah er im Augenblick nicht. Es war wirklich schwer, jemandem zu versichern, dass man die Wahrheit sprach. Bei manchen war es überflüssig, bei manchen wusste man es einfach, doch diesen Wölfen stand man unheimlich nah. … Vielleicht knickte es den jungen Wolf nun, dass Tinca an seiner Aufrichtigkeit zweifelte, doch dazu war im Augenblick keine Zeit. Es ging darum, ihr zu helfen, sie kennenzulernen, selbst wenn es bedeutete, dass er feststellen musste, was er bereits alles verpasst hatte. Doch das Lächeln auf seinen Lefzen verrutschte, als auf dem Antlitz seiner Schwester nicht der erwartete Ausdruck von Glaubhaftigkeit entstand. Sie sah viel mehr erschrocken, fast schon verängstigt aus und das war ohne Frage genau das Gegenteil von dem, was er hatte erreichen wollen. Erst danach fiel ihm sein Missgeschick á la Fenris auf, doch nun galt es, damit zu leben und ihr lieber die Angst vor ihm zu nehmen als seine Aussage irgendwie ins rechte Licht zu rücken. Denn da gab es für ihn ja eigentlich nichts zu verrücken – nur zu erklären, dass Tinca die eigentliche Aussage dahinter verstand. Seine Rute begann rasch zu pendeln und er bemühte sich, wieder ein aufmunterndes Lächeln aufzusetzen und ihr zu zeigen, dass er selbst keine Angst vor Fenris hatte oder davor, dass er ihn verschlang – vielleicht verstand sie so, dass sie es ebenso wenig zu haben brauchte.
„Nein, nein, Tinca... Fenris traut sich hier gar nicht hin.“, versicherte er ihr und versuchte, seine Hilflosigkeit etwas zu verstuschen. „Er wird mich nicht verschlingen. Dafür hat er gar keinen Grund. Außerdem muss ich doch hier bei euch bleiben.“
Der Rote legte sich nun nieder. Er war nicht fluchtbereit, denn darin sah er keinerlei Notwendigkeit. Vielleicht würde das auch Tinca davon überzeugen, dass sie nichts zu fürchten hatte. Und dennoch brannte ihm diese eine Frage weiterhin auf der Zunge – der Punkt, aus dem er bei ihr einfach nicht schlau wurde. Was fürchtete sie, was brachte sie dazu, so zu sein wie sie war? Isaí bezweifelte, dass das den gleichen Hintergrund hatte wie Maliks Art, sich wie etwas besseres zu fühlen. Nein, Furcht war nichts, was einfach da war; für Furcht gab es immer einen Grund und somit auch einen Weg, wie man sie umgehen konnte. Seine Rute hielt in der Bewegung inne und der kleine Kopf legte sich leicht schief, als sie mit einem Mal wieder ganz steif vor ihm stand. Ein ungutes Gefühl holte ihn ein, dass er schon wieder etwas falsch gemacht hatte, aber vielleicht gab es im Moment auch einfach kein 'richtig'. Vielleicht sah alles am Anfang wie etwas Falsches aus, aber wenn man sich bemühte, war irgendwann auch etwas Richtiges dabei; irgendetwas, wonach Isaí im Augenblick suchte. Doch ihre Worte irritierten ihn ein wenig. Er blinzelte sie an und überlegte, was er darauf entgegnen sollte. Zu gerne natürlich hätte er ihr geholfen, aber er glaubte einfach nicht, dass er für sie herausfinden konnte, was sie fürchtete. Sie war doch die einzige, die es wusste, oder? Und er war und blieb einfach kein Wolf der leeren Versprechungen. Wenn er etwas sagte, stand er auch zu seinem Wort.
„Naja...“, begann er und überlegte noch immer, doch er wollte nicht zu lange für eine Antwort brauchen. „Ich... Ich kann es auf jeden Fall versuchen.“
Das befand er als wunderbare Zwischenlösung. Er sprang wieder auf die Hinterläufe, sah sie nun überlegend an und schätzte ab, womit er anfangen sollte. Vielleicht mit einer ähnlichen Situation wie hier, etwas, um ihr Selbstbewusstsein etwas auf Vordermann zu bringen und da fiel ihm auch direkt etwas ein, dessen Erfolg er sich fast sicher war.
„Komm mit, ich zeig dir was.“, flüsterte er schließlich verschwörerisch. „Etwas, was weder Taleesha noch Malik kennen.“
Naja, da war er sich nicht ganz sicher, aber auf jeden Fall hatten sie es nicht von ihm erfahren. Er wartete kurz, ehe er kurz schnupperte und sich dann rasch für eine Richtung entschied, in der sie vielleicht wirklich finden würden, was er suchte. Doch er lief langsam – er schätzte Tinca nicht so ein, als wäre sie ein Freund von Hetzjagden durch den Wald.
„Nein, nein, Tinca... Fenris traut sich hier gar nicht hin.“, versicherte er ihr und versuchte, seine Hilflosigkeit etwas zu verstuschen. „Er wird mich nicht verschlingen. Dafür hat er gar keinen Grund. Außerdem muss ich doch hier bei euch bleiben.“
Der Rote legte sich nun nieder. Er war nicht fluchtbereit, denn darin sah er keinerlei Notwendigkeit. Vielleicht würde das auch Tinca davon überzeugen, dass sie nichts zu fürchten hatte. Und dennoch brannte ihm diese eine Frage weiterhin auf der Zunge – der Punkt, aus dem er bei ihr einfach nicht schlau wurde. Was fürchtete sie, was brachte sie dazu, so zu sein wie sie war? Isaí bezweifelte, dass das den gleichen Hintergrund hatte wie Maliks Art, sich wie etwas besseres zu fühlen. Nein, Furcht war nichts, was einfach da war; für Furcht gab es immer einen Grund und somit auch einen Weg, wie man sie umgehen konnte. Seine Rute hielt in der Bewegung inne und der kleine Kopf legte sich leicht schief, als sie mit einem Mal wieder ganz steif vor ihm stand. Ein ungutes Gefühl holte ihn ein, dass er schon wieder etwas falsch gemacht hatte, aber vielleicht gab es im Moment auch einfach kein 'richtig'. Vielleicht sah alles am Anfang wie etwas Falsches aus, aber wenn man sich bemühte, war irgendwann auch etwas Richtiges dabei; irgendetwas, wonach Isaí im Augenblick suchte. Doch ihre Worte irritierten ihn ein wenig. Er blinzelte sie an und überlegte, was er darauf entgegnen sollte. Zu gerne natürlich hätte er ihr geholfen, aber er glaubte einfach nicht, dass er für sie herausfinden konnte, was sie fürchtete. Sie war doch die einzige, die es wusste, oder? Und er war und blieb einfach kein Wolf der leeren Versprechungen. Wenn er etwas sagte, stand er auch zu seinem Wort.
„Naja...“, begann er und überlegte noch immer, doch er wollte nicht zu lange für eine Antwort brauchen. „Ich... Ich kann es auf jeden Fall versuchen.“
Das befand er als wunderbare Zwischenlösung. Er sprang wieder auf die Hinterläufe, sah sie nun überlegend an und schätzte ab, womit er anfangen sollte. Vielleicht mit einer ähnlichen Situation wie hier, etwas, um ihr Selbstbewusstsein etwas auf Vordermann zu bringen und da fiel ihm auch direkt etwas ein, dessen Erfolg er sich fast sicher war.
„Komm mit, ich zeig dir was.“, flüsterte er schließlich verschwörerisch. „Etwas, was weder Taleesha noch Malik kennen.“
Naja, da war er sich nicht ganz sicher, aber auf jeden Fall hatten sie es nicht von ihm erfahren. Er wartete kurz, ehe er kurz schnupperte und sich dann rasch für eine Richtung entschied, in der sie vielleicht wirklich finden würden, was er suchte. Doch er lief langsam – er schätzte Tinca nicht so ein, als wäre sie ein Freund von Hetzjagden durch den Wald.
Linalee
12.04.2013, 02:34
12.04.2013, 02:34
Es war beinahe schon ein Wunder, dass Tinca noch nicht aufgefallen war, wie Isaí sich beinahe zu sehr um sie bemühte. Vielleicht lag es einfach daran, dass sie die Aufmerksamkeit ihres Bruders zum ersten mal in ihrem Leben, so schien es, genoss. Bisher war es ihr irgendwie immer extrem unangenehm gewesen, im Mittelpunkt zu stehen – weil sie so klein und schwach war, weil sie es selten zu etwas brachte, überhaupt, sie hatte nicht das Gefühl, dass ihre Eltern oder Geschwister noch darauf zählten, dass die kleine Schwarze endlich mal aus sich herauskommen würde. Und dennoch: Isaí schien sie noch nicht ganz aufgegeben zu haben. Lag es daran, dass er einfach der Geduldigste von allen war, oder hatte er irgendeinen Plan? Zweifelnd blickte sie dem roten Jungspund entgegen, fürchtend, dass sie mit einer falschen Antwort auch jede Anstrengung von seiner Seite aus vernichten könnte. Natürlich wusste Tinca, dass sowohl Sheena, als auch Jakash, Taleesha, und vielleicht auch Malik sie gern hatten – aber von ihr etwas erwarten? Hatten sie vermutlich begraben, nachdem sie sich auch an dem dritten Tag nicht wirklich aus der Höhle getraut hatte. Dieses Hindernis war die Schwarze mit den Fledermausohren ja mittlerweile irgendwie umgangen, aber dafür stellten sich hier, in der weiten Welt, von der sie noch viel zu wenig wusste, neue heraus. War Isaí der richtige, um sie in dieses neue Territorium einzuführen? Wenn sie seinem selbstsicheren Lächeln mit diesem ängstlichen, aber vertrauensvollen Blick begegnete, konnte sie nicht anders, als es zu bejahen.
“O-okay“, brachte sie also schließlich hervor, nachdem er sie leise beruhigt hatte. Einen Moment lang haderte die schmächtige Fähe mit sich, dann schaffte sie es, einen Ansatz ihrer Gefühle irgendwie in stotternde Worte zu verpacken. “J-ja, d-das musst du. I-ich weiß g-gar n-nicht, w-was… w-was wir ohne d-dich machen s-s-sollten.“
Sie schluckte, dann legte sie leicht die großen Ohren an ihren kleinen Hinterkopf, als erwartete sie ein Gewitter, das auf diese Sätze folgte. Aber es kam keines. Vielleicht waren es ja doch die richtigen gewesen, vielleicht hatte Tinca einen der wenigen Sekunden ihres bisherigen Lebens erwischt, in denen sie zu Abwechslung mal nichts Falsches sagte, niemandem vor dem Kopf stieß, verunsicherte oder sonst irgendwas. Sie probierte ein Lächeln, aber es gelang ihr kaum, die Lefzen hochzuziehen, also ließ sie es sein, und setzte sich schließlich hin. Niedergelassen auf den Hinterläufen war sie zwar immer noch größer als der liegende Isaí – klar – aber es war ihr nicht ganz so unangenehm, wie vor ihrem älteren Bruder zu stehen, als wollte sie ihm irgendwas beweisen.
Richtig entspannen tat sie sich allerdings trotzdem nicht. Ihre großen Ohren flatterten unsicher hin und her, immer bereit, ein unbekanntes Geräusch aufzufangen, das Tinca in Alarmbereitschaft versetzen würde. Des Weiteren verunsicherte es die kleine Schwarze, dass ihr Bruder sie so interessiert musterte. Er wirklich nicht böse, sondern nachdenklich, was an sich ja nichts Schlechtes war – und trotzdem hatte Tinca das Gefühl, dass er sie analysierte, dass er, auf eine Art und Weise, die sie nicht erklären konnte, genau die Fehler an ihr erkannte, die Tinca bisher verborgen geblieben waren – und die es ihr deshalb so schwer machten, zu sein, wer sie war. Ob sie ihrem ältesten Bruder ihren größten Wunsch anvertrauen konnte? Sie glaubte nicht, dass er lachen würde, es war vielmehr die Furcht, er würde sie dazu drängen, ihn zu erreichen. Tinca hatte diesen Wunsch, aber ihn Wirklichkeit zu machen, schien so hoffnungslos, dass sie befürchtete, enttäuscht zu werden.
“G-gut“, murmelte die Kleine schließlich, als der etwas Ältere sich bereiterklärte, ihr ein wenig zu helfen.
Besonders überzeugt klang er nicht, weshalb sie sich auch nicht wirklich freuen konnte. Aber trotzdem gelang ihr das schüchterne, kleine Lächeln, das vorhin so glorreich verrutscht war, dieses Mal. Es währte nicht lange, aber hoffentlich so, dass Isaí es noch sah. Seine Antwort hob nichts in den Himmel, aber immerhin war sie realistisch gewesen – und das gefiel Tinca besser, als jedes falsche Versprechen. Es flößte ihr ein wenig Zuversicht ein, genug, um ihren Bruder nach seinen folgenden Worten interessiert, anstelle von ängstlich, anzusehen.
“A-achja…? Ich hoffe, n-nichts… naja… Ver-… verbotenes“, antwortete sie schließlich zögernd, das letzte Wort nur ein leises Flüstern.
Die Schwarze erhob sich und beeilte sich, ihrem älteren Bruder zu folgen. Er wollte ihr etwas zeigen – nur ihr allein! Das war ein Privileg – das musste es einfach sein. Ein Geheimnis, das sie nun vielleicht teilen können würden – wie Bruder und Schwester. Das klang so schön, dass es Tinca nicht einmal schwer viel, mit Isaí Schritt zu halten. Sie war ehrlich neugierig, um was es sich handeln würde. . .
“O-okay“, brachte sie also schließlich hervor, nachdem er sie leise beruhigt hatte. Einen Moment lang haderte die schmächtige Fähe mit sich, dann schaffte sie es, einen Ansatz ihrer Gefühle irgendwie in stotternde Worte zu verpacken. “J-ja, d-das musst du. I-ich weiß g-gar n-nicht, w-was… w-was wir ohne d-dich machen s-s-sollten.“
Sie schluckte, dann legte sie leicht die großen Ohren an ihren kleinen Hinterkopf, als erwartete sie ein Gewitter, das auf diese Sätze folgte. Aber es kam keines. Vielleicht waren es ja doch die richtigen gewesen, vielleicht hatte Tinca einen der wenigen Sekunden ihres bisherigen Lebens erwischt, in denen sie zu Abwechslung mal nichts Falsches sagte, niemandem vor dem Kopf stieß, verunsicherte oder sonst irgendwas. Sie probierte ein Lächeln, aber es gelang ihr kaum, die Lefzen hochzuziehen, also ließ sie es sein, und setzte sich schließlich hin. Niedergelassen auf den Hinterläufen war sie zwar immer noch größer als der liegende Isaí – klar – aber es war ihr nicht ganz so unangenehm, wie vor ihrem älteren Bruder zu stehen, als wollte sie ihm irgendwas beweisen.
Richtig entspannen tat sie sich allerdings trotzdem nicht. Ihre großen Ohren flatterten unsicher hin und her, immer bereit, ein unbekanntes Geräusch aufzufangen, das Tinca in Alarmbereitschaft versetzen würde. Des Weiteren verunsicherte es die kleine Schwarze, dass ihr Bruder sie so interessiert musterte. Er wirklich nicht böse, sondern nachdenklich, was an sich ja nichts Schlechtes war – und trotzdem hatte Tinca das Gefühl, dass er sie analysierte, dass er, auf eine Art und Weise, die sie nicht erklären konnte, genau die Fehler an ihr erkannte, die Tinca bisher verborgen geblieben waren – und die es ihr deshalb so schwer machten, zu sein, wer sie war. Ob sie ihrem ältesten Bruder ihren größten Wunsch anvertrauen konnte? Sie glaubte nicht, dass er lachen würde, es war vielmehr die Furcht, er würde sie dazu drängen, ihn zu erreichen. Tinca hatte diesen Wunsch, aber ihn Wirklichkeit zu machen, schien so hoffnungslos, dass sie befürchtete, enttäuscht zu werden.
“G-gut“, murmelte die Kleine schließlich, als der etwas Ältere sich bereiterklärte, ihr ein wenig zu helfen.
Besonders überzeugt klang er nicht, weshalb sie sich auch nicht wirklich freuen konnte. Aber trotzdem gelang ihr das schüchterne, kleine Lächeln, das vorhin so glorreich verrutscht war, dieses Mal. Es währte nicht lange, aber hoffentlich so, dass Isaí es noch sah. Seine Antwort hob nichts in den Himmel, aber immerhin war sie realistisch gewesen – und das gefiel Tinca besser, als jedes falsche Versprechen. Es flößte ihr ein wenig Zuversicht ein, genug, um ihren Bruder nach seinen folgenden Worten interessiert, anstelle von ängstlich, anzusehen.
“A-achja…? Ich hoffe, n-nichts… naja… Ver-… verbotenes“, antwortete sie schließlich zögernd, das letzte Wort nur ein leises Flüstern.
Die Schwarze erhob sich und beeilte sich, ihrem älteren Bruder zu folgen. Er wollte ihr etwas zeigen – nur ihr allein! Das war ein Privileg – das musste es einfach sein. Ein Geheimnis, das sie nun vielleicht teilen können würden – wie Bruder und Schwester. Das klang so schön, dass es Tinca nicht einmal schwer viel, mit Isaí Schritt zu halten. Sie war ehrlich neugierig, um was es sich handeln würde. . .
Isaí Caiyé
21.05.2013, 12:51
21.05.2013, 12:51
Je länger das Gespräch mit Tinca andauerte, desto sicher wurde er nach und nach selbst im Umgang mit ihr. Nicht, dass man es bereits wirkliche 'Sicherheit' hätte nennen können – davon war er noch ziemlich weit entfernt – doch es nahm ihm zumindest etwas der Unsicherheit, dass sie nicht direkt wieder die Flucht ergriff. Wenn er sich zurückerinnerte, war dies wohl seit langem der Moment, den er am Längsten mit seiner jüngeren Schwester teilte und sich mit ihr unterhielt. Er hatte es oft versucht, doch entweder hatte ihn vorher der Mut verlassen, sich diesem Mysterium zu stellen oder er hatte metaphorisch gesehen den Schwanz eingezogen, wenn er erkannt hatte, dass sie sich aus Furcht vor irgendetwas, was er offenbar nicht sehen konnte, bei ihren Eltern verkrochen hatte. Somit hatte er sich mehr darauf konzentriert, aus der Ferne so gut es ging seine Aufgabe zu erledigen und – Himmel! - einfach war es nicht, der große Bruder zu sein und auf der anderen seite nicht wirklich da sein zu dürfen. Umso erleichterter war er nun, wo es tatsächlich einmal von Erfolg gekrönt war. Taleesha wäre sicherlich unheimlich stolz auf ihn, aber diesen Stolz brauchte er im Augenblick nicht – er war selbst stolz auf sich, stolz auf Tinca, was das Lächeln auf seinen Lefzen noch etwas wärmer werden ließ.Glücklicher Weise schien auf seine Beruhigung anzuschlagen, dass Fenris nicht kommen würde. Der einzige 'Fenris', dem sie vielleicht begegneten, wäre der Möchtegernkrolockfenris gewesen, der dem jungen Roten aber längst keine Angst mehr einjagte. Einen Schrecken vielleicht, das gestand er ja, aber die Scherze, wie er sie nannte, fand er mittlerweile nur noch dumm. Aber an den Fieswolf verschwendete er im Moment keinerlei Gedanken – dazu wäre auch gar keine Zeit geblieben, nachdem Tinca stotternd und so unsicher wie eh und je fortfuhr. Er schnippte kurz mit den Ohren, während sein Blick auf seiner Schwester ruhen blieb und er sich ihre Worte ein weiteres Mal durch den Kopf gehen ließ. Wenige Sekunden nur vergingen, bis seine Rute zu pendeln begann und das Lächeln zu einem fröhlichen, stolzen Grinsen wurde, mit dem er wohl selbst nicht gerechnet hatte.
„Danke.“
Wahrscheinlich war der jungen Wölfin nicht einmal im Entferntesten bewusst, wie viel ihm diese Worte bedeuteten. Bisher hatte er nie daran geglaubt, dass er ihr wirklich wichtig war – er war sich nicht einmal sicher gewesen, ob ihr irgendjemand außer ihre Eltern und vielleicht Taleesha irgendwann wichtig werden konnten - sodass ihn dieses Kompliment ziemlich unvorbereitet traf. Umso glücklicher war er allerdings, dass ihr seine Bemühungen offenbar nicht entgangen waren, oder dass er zumindest Platz hatte in der kleinen Welt aus Dingen, die nur sie sehen konnte und die ihr Angst machten, so gerne er diese Schatten auch vertrieben hätte. Es war nichts leichtes, etwas zu verscheuchen, was man nicht sehen, nicht verstehen konnte, doch er nahm sich fest vor, sein Bestes zu geben.
„Das bedeutet mir wirklich sehr viel.“
Ihre Bemerkung hatte ihn so berührt, dass es ihm fast schon leidtat, dass er ihr nicht versprechen konnte, ihr wirklich zu helfen. Noch hatte er nämlich keinerlei Plan, wie er das anstellen sollte, sodass ihm nichts anderes blieb, als blind ins Blaue zu raten und zu hoffen, dass sie etwas dabei lernte, was ihr helfen würde. Er war niemand, der Versprechen gab, von denen er nicht wirklich wusste, ob er sie einhalten konnte – damit würde er auch nicht für Tinca anfangen. Er wollte sie nicht enttäuschen – doch darin hatte er sich nun wohl verrannt. Zumindest würde er sich selbst enttäuschen, wenn er keinen Weg fand, auf den er die Dunkle etwas aus sich herauslocken konnte. Umso schneller war dann also auch schon ein erster Plan geschmiedet. Er erinnerte sich nur zu gut daran, wie stolz er damals auf sich gewesen war – dann konnte das für Tinca doch nicht wirklich verkehrt sein, oder? Und bei den anderen konnte sie dann auch noch gleich prahlen! Wenn das nicht etwas an ihrem Selbstbewusstsein feilen würde, würde er wohl nochmal intensiver darüber nachdenken müssen. Vorerst blieb dafür aber keine Zeit – je schneller sie Erfolg hatten, desto mehr würde er sich für seine kleine Schwester freuen, die bisher noch nicht wirklich überzeugt vom plötzlichen Tatendrang des Fuchses schien – aber sie blickte auch nicht so abgeneigt drein, wie sie es sonst tat. Fortschritt!
„Mach dir keine Sorgen, es wird dir Spaß machen.“, versicherte er ihr mit einem überzeugten Nicken, wobei er dabei wohl wieder zu sehr von einem 'normalen' Wolf ausging.
In seinem Tatendrang aber vergaß er, dass Tinca Tinca war, was andererseits vielleicht gar nicht so verkehrt war. Nach den ersten, etwas weiteren Schritten, wurde er langsamer und trabte in einem gemütlichen Welpentrab neben der dunklen Wölfin her – die Ohren waren nun aufmerksam nach vorne gedreht, die Nase hin und wieder am Boden und die Schritte bedachter.
„Wir müssen ganz leise sein, sonst sind sie weg, bevor wir sie bemerkt haben.“, erklärte er flüsternd mit einem kurzen Seitenblick. „Und wenn du es irgendwo rascheln hörst, präge dir den Geruch ein.“
„Danke.“
Wahrscheinlich war der jungen Wölfin nicht einmal im Entferntesten bewusst, wie viel ihm diese Worte bedeuteten. Bisher hatte er nie daran geglaubt, dass er ihr wirklich wichtig war – er war sich nicht einmal sicher gewesen, ob ihr irgendjemand außer ihre Eltern und vielleicht Taleesha irgendwann wichtig werden konnten - sodass ihn dieses Kompliment ziemlich unvorbereitet traf. Umso glücklicher war er allerdings, dass ihr seine Bemühungen offenbar nicht entgangen waren, oder dass er zumindest Platz hatte in der kleinen Welt aus Dingen, die nur sie sehen konnte und die ihr Angst machten, so gerne er diese Schatten auch vertrieben hätte. Es war nichts leichtes, etwas zu verscheuchen, was man nicht sehen, nicht verstehen konnte, doch er nahm sich fest vor, sein Bestes zu geben.
„Das bedeutet mir wirklich sehr viel.“
Ihre Bemerkung hatte ihn so berührt, dass es ihm fast schon leidtat, dass er ihr nicht versprechen konnte, ihr wirklich zu helfen. Noch hatte er nämlich keinerlei Plan, wie er das anstellen sollte, sodass ihm nichts anderes blieb, als blind ins Blaue zu raten und zu hoffen, dass sie etwas dabei lernte, was ihr helfen würde. Er war niemand, der Versprechen gab, von denen er nicht wirklich wusste, ob er sie einhalten konnte – damit würde er auch nicht für Tinca anfangen. Er wollte sie nicht enttäuschen – doch darin hatte er sich nun wohl verrannt. Zumindest würde er sich selbst enttäuschen, wenn er keinen Weg fand, auf den er die Dunkle etwas aus sich herauslocken konnte. Umso schneller war dann also auch schon ein erster Plan geschmiedet. Er erinnerte sich nur zu gut daran, wie stolz er damals auf sich gewesen war – dann konnte das für Tinca doch nicht wirklich verkehrt sein, oder? Und bei den anderen konnte sie dann auch noch gleich prahlen! Wenn das nicht etwas an ihrem Selbstbewusstsein feilen würde, würde er wohl nochmal intensiver darüber nachdenken müssen. Vorerst blieb dafür aber keine Zeit – je schneller sie Erfolg hatten, desto mehr würde er sich für seine kleine Schwester freuen, die bisher noch nicht wirklich überzeugt vom plötzlichen Tatendrang des Fuchses schien – aber sie blickte auch nicht so abgeneigt drein, wie sie es sonst tat. Fortschritt!
„Mach dir keine Sorgen, es wird dir Spaß machen.“, versicherte er ihr mit einem überzeugten Nicken, wobei er dabei wohl wieder zu sehr von einem 'normalen' Wolf ausging.
In seinem Tatendrang aber vergaß er, dass Tinca Tinca war, was andererseits vielleicht gar nicht so verkehrt war. Nach den ersten, etwas weiteren Schritten, wurde er langsamer und trabte in einem gemütlichen Welpentrab neben der dunklen Wölfin her – die Ohren waren nun aufmerksam nach vorne gedreht, die Nase hin und wieder am Boden und die Schritte bedachter.
„Wir müssen ganz leise sein, sonst sind sie weg, bevor wir sie bemerkt haben.“, erklärte er flüsternd mit einem kurzen Seitenblick. „Und wenn du es irgendwo rascheln hörst, präge dir den Geruch ein.“
Linalee
18.06.2013, 12:20
18.06.2013, 12:20
Nein, es war ihr nicht bewusst – nichts war ihr in diesem Moment bewusst, gar nichts, zumindest nichts, was in diese Richtung ging. Einzig und allein die Angst, dass sie etwas Falsches gesagt haben könnte, blieb ihr wie ein Kloß im Hals stecken. Als er seinen Blick zu ihr wandte, konnte sie die Dankbarkeit aus seinen Augen erst lesen, nachdem er das Wort ausgesprochen hatte – und trotzdem blieb da immer noch ein Restfunke von Furcht in ihren Knochen zurück, selbst, während Isaí sie anlächelte. Es war nicht so, dass sie Angst vor ihm hatte – auch wenn sich Tinca sicher war, dass er angsteinflößend sein konnte, wenn er denn wollte. Es war eher die Angst vor der Welt, die sie klein und zitternd machte – jederzeit konnte hier draußen irgendwas schlimmes passieren, jederzeit konnte sie etwas schlechtes sagen, dass ihren wundervollen Bruder verletzten würde. Vielleicht sogar verletzen, ohne dass sie es mitbekommen würde, und ohne dass er es sich würde anmerken lassen. Isaí war stark, und Tinca war fürchterlich schwach. Worte waren so etwas Großes, konnten – egal ob von Schwach oder von Stark ausgesprochen – eine solche verheerende Wirkung haben. Sie schniefte ein bisschen, beobachtete den wenig Älteren für einen Moment lang sehr aufmerksam. Dann breitete sich doch ein zierliches, dünnes Lächeln auf ihren Lefzen aus, das ihr eben noch so kläglich gescheiterter war. Er hatte sich schon wieder bei ihr bedankt, und dieses Mal hatte sie das Gefühl, es auch wirklich verdient zu haben.
Sie wollte etwas darauf antworten – vielleicht so etwas wie du bedeutest mir auch viel - aber sie konnte nicht. Tinca traute sich nicht, die Konversation in eine solche Richtung zu lenken. Sie wollte nicht, dass Isaí gezwungen wäre, irgendwas Derartiges zu antworten, ohne, dass er es so meinte. Sie wollte ihm nichts unterstellen, aber es viel der Schwarzen schwer, so etwas zu glauben. Und ihr wurde bewusst, dass nicht nur Worte, sondern auch Stille ziemlich verletzend sein konnten.
“Gut, wenn du das sagst“, flüsterte sie etwas verhalten zurück – und schrak leicht zusammen.
Sie hatte gerade nicht gestottert! Jedes der fünf Worte war flüssig über ihre Lefzen gekommen. Das war wirklich ein Grund, glücklich zu sein, nicht wahr? Tinca war keine chronische Stotterin, sie war nur immer so schrecklich aufgeregt, wenn sie sprach. In der Nähe von Isaí legte sich die Aufregung um jeden Schritt, den sie an seiner Seite machte. Ihr Hasenherz polterte in ihrer Brust, während sie ihm folgte, einen Weg ging, den sie noch nie eingeschlagen hatte. Unsicher blickte sie sich um, versuchte, die Angst aus ihrem Herzen zu verbannen. Sie wollte doch genießen, was ihr Bruder hier für veranstaltete.
“W-wer sind sie?“, antwortete sie gedämpft, und ihre Stimme machte gen Ende einen kleinen Kiekser.
Aufregung. Nervenkitzel. Dass sie so etwas noch mal erleben würde! Tinca hatte sich doch immer von all solchen Dingen fern gehalten. Sie wollte sich nicht aufregen. Sie wollte nicht in Gefahr geraten. Aber hier, bei Isaí, fühlte sie sich nicht, als würde sie irgendeiner Gefahr ausgesetzt sein. Ganz im Gegenteil - sie sind weg, hatte er gesagt. Irgendwas – was auch immer – würde eher vor ihnen weglaufen, als sie vor ihnen. Sie nickte leicht und senkte ihre Schnauze dann ein wenig dem Erdboden entgegen, rein instinktiv, um eventuelle Gerüche besser auffangen zu können, gleichzeitig aber das Gleichgewicht zu halten. . .
Sie wollte etwas darauf antworten – vielleicht so etwas wie du bedeutest mir auch viel - aber sie konnte nicht. Tinca traute sich nicht, die Konversation in eine solche Richtung zu lenken. Sie wollte nicht, dass Isaí gezwungen wäre, irgendwas Derartiges zu antworten, ohne, dass er es so meinte. Sie wollte ihm nichts unterstellen, aber es viel der Schwarzen schwer, so etwas zu glauben. Und ihr wurde bewusst, dass nicht nur Worte, sondern auch Stille ziemlich verletzend sein konnten.
“Gut, wenn du das sagst“, flüsterte sie etwas verhalten zurück – und schrak leicht zusammen.
Sie hatte gerade nicht gestottert! Jedes der fünf Worte war flüssig über ihre Lefzen gekommen. Das war wirklich ein Grund, glücklich zu sein, nicht wahr? Tinca war keine chronische Stotterin, sie war nur immer so schrecklich aufgeregt, wenn sie sprach. In der Nähe von Isaí legte sich die Aufregung um jeden Schritt, den sie an seiner Seite machte. Ihr Hasenherz polterte in ihrer Brust, während sie ihm folgte, einen Weg ging, den sie noch nie eingeschlagen hatte. Unsicher blickte sie sich um, versuchte, die Angst aus ihrem Herzen zu verbannen. Sie wollte doch genießen, was ihr Bruder hier für veranstaltete.
“W-wer sind sie?“, antwortete sie gedämpft, und ihre Stimme machte gen Ende einen kleinen Kiekser.
Aufregung. Nervenkitzel. Dass sie so etwas noch mal erleben würde! Tinca hatte sich doch immer von all solchen Dingen fern gehalten. Sie wollte sich nicht aufregen. Sie wollte nicht in Gefahr geraten. Aber hier, bei Isaí, fühlte sie sich nicht, als würde sie irgendeiner Gefahr ausgesetzt sein. Ganz im Gegenteil - sie sind weg, hatte er gesagt. Irgendwas – was auch immer – würde eher vor ihnen weglaufen, als sie vor ihnen. Sie nickte leicht und senkte ihre Schnauze dann ein wenig dem Erdboden entgegen, rein instinktiv, um eventuelle Gerüche besser auffangen zu können, gleichzeitig aber das Gleichgewicht zu halten. . .