02.03.2013, 12:17

Mit dem Abstieg aus dem kleinen Gebirgsausläufer war auch der Winter über die Welt gekommen. Doch das Glück schien seit dem Abschied aus dem Tal der Sternenwinde auf der Seite der Wölfe zu sein. Erst als sie die steilsten Abhänge hinter sich gelassen hatten und schon beinahe in die noch lichten und niedrigen Wälder auf der anderen Seite eingetaucht waren, fielen die ersten dicken Flocken. Und dann schneite es - tagelang ohne eine Pause, bis die ganze Welt ein einziges, tiefes Weiß war. Das Land, in dem sie sich nun befanden ähnelte ihrem alten Revier. Dichte Wälder, durchzogen von kleinen und größeren Flüssen, getrennt von baumlosen Ebenen und ab und an schimmerte die weite Fläche eines zugefrorenen Sees durch den Schnee. Über sanft dahinrollende Hügel schien sich diese Landschaft ewig fortzusetzen. Die Witterung anderer Wölfe und deutliche Reviermarkierungen waren hier keine Seltenheit, aber das Rudel mied diese Gebiete und hatte auch jetzt Glück, nie einen größeren Umweg auf sich nehmen zu müssen. Die Wölfe hatten sich langsam an das Wandern gewöhnt und auch wenn die Welpen noch viel zu jung dafür waren und das Tempo des gesamten Rudels drosselten, hatten sich auch die Körper der kleinsten Mitglieder der Gemeinschaft langsam an ihre neue Aufgabe angepasst. Die Kleinen waren nicht mehr ganz so müde und erschöpft wie am Anfang der Reise, auch wenn sie nicht zu ihrer alten Verspieltheit wie sie im Tal und für Welpen üblich war zurückfanden. Die Symptome der Rauchvergiftungen waren längst abgeklungen und die Asche aus dem Pelz der Wölfe gespült - nur noch die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse im Tal blieben in den Köpfen und ließen sie weiterlaufen; auf der Suche nach einer neuen Heimat und dem Tal der Raben. Mehr als eine Woche wanderten sie bereits durch diese zwar fremde aber vertraute Landschaft und mittlerweile zeichnete sich am Horizont eine Bergkette, endlos weit von Westen nach Osten ziehend ab. Zweifellos würden sie früher oder später auf sie treffen müssen, aber noch war sie in der Ferne und andere Umstände in unmittelbarer Nähe wurden interessanter. Sie hatten ein Gebiet erreicht, das ganz offensichtlich von Wölfen gemieden wurde, auch wenn es weder bedrohlich noch wirklich anders wirkte. Die Bäume schienen in diesem Wald älter zu sein, als ihre Verwandten zuvor und ihr Geäst war dichter, sodass trotz des nicht vorhandenen Blätterdachs weniger Licht auf den schneebedeckten Boden fiel - aber sonst ließ sich keine Veränderung feststellen. Trotzdem hatte sich jede Witterung fremder Wölfe verflüchtigt und zunächst schienen auch keine Beutetiere unterwegs zu sein, bis sie auf ein im Schnee verhungertes Rentier trafen. Von da an war jedes Misstrauen vergessen, eine so reiche Mahlzeit so unverhofft zu finden war ein Segen. Die Wölfe konnten sich sattfressen und auch die damit verbundene Pause kam für viele wie gerufen. Im Schatten alter und beeindruckend dicker Baumstämme ließ sich das Rudel nieder und schlief bis in die Nacht hinein. Die ersten Wölfe erwachen in noch immer tiefschwarzer Nacht. Kein Stern und kein Mond dringen durch die dichte Wolkendecke, die jedoch keine Schneeflocken mehr zur Erde schickt. Es hat etwa -20° Celsius, doch der Winterpelz, der mittlerweile auch den Welpen gewachsen ist, schützt die Wölfe vor dem Frieren. Der Schnee ist tief aber größtenteils hartgefroren, sodass sie nur bis knapp über die Pfoten darin einsinken. Ein schwacher Wind weht aus Nordwesten. Der Schnee und die Nacht schlucken fast alle Geräusche, nur ab und an ist ein Rascheln oder ein unbekannter, aber nicht aufschreckender Laut zu hören. Seit dem letzten Plot sind 10 Tage vergangen. Die Welpen sind knapp 11 Wochen alt. |
02.03.2013, 12:44
Ihr Blick über das lagernde Rudel suchte keinen bestimmten Wolf, wollte sich nur vergewissern, dass jeder geruhsam schlief und niemand fehlte. Außer … Kisha, Madoc und Nihilus. Das war wohl die schwerste Erkenntnis der letzten Tage - dass sie diese drei wohl irgendwo verloren hatten. Averic hatte versprochen, dass ihre gemeinsame Schwester nicht tot war und auch wenn er weder für Madoc noch für Nihil hatte sprechen können, so hoffte die Weiße doch, dass auch diese beiden lediglich einen anderen Weg gewählt hatten. Ihnen trauerte die Leitwölfin nicht nach, aber ihre Schwester vermisste sie doch - auch weil sie den Grund nicht kannte, warum sie nicht mit ihnen gezogen war. Kein Abschied, keine Erklärung … aber Kisha war schon immer ein wenig anders gewesen. Vielleicht war sie zu einer weiteren Wanderung aufgebrochen.
Tyraleen hatte sich erhoben und trat ein paar Schritte von den anderen Wölfen fort, näher an einen dieser uralten, mächtigen Bäume heran. Trotz der Dunkelheit erkannte sie vor dem Nachthimmel sein dickes, stark verzweigtes Geäst und fragte sich stumm, wie lange er bereits hier stand. Sicher schon unzählbar viele Wolfsleben. Ob es mit ihm und seinen Brüdern und Schwestern zusammenhing, dass hier keine Wölfe lebten? Aber er schien ganz und gar nicht bedrohlich - einfach nur wie ein sehr alter Baum. Die Weiße trat um ihn herum und schnüffelte fast ein wenig vorsichtig an seiner harten, eiskalten Rinde. Sie roch nach uraltem Baum. Sich selbst belächelnd wandte sich ihr Blick tiefer in den Wald hinein und mit dem Entschluss, die anderen noch ein wenig schlafen zu lassen - welche Eile trieb sie schon an? - trat sie noch einen Schritt hinein. Ihre Ohren fingen ein unbekanntes, aber nicht unfreundliches Geräusch auf und frei von Angst fragte sie sich, welches Tier wohl so klang.
02.03.2013, 13:06
Sie waren noch nicht zurück, noch immer konnte Atalya nicht sagen, was mit der Gruppe geschehen war, die zurück geblieben war. Die Ungewissheit zerriss sie, und jeder Tag, der zu Ende ging, war für sie nur eine weitere Qual, die sie zu erdrücken schien. Sie lief abseits des Rudels, nah genug, nah genug, damit sie den Anschluss nicht verlor, dass sie sah, wohin der Weg sie führte und sie das Rudel selbst sehen konnte, und dennoch nicht zwischen ihnen. Atalya war froh, wenn sie liefen, wenn sie sich einfach auf den Weg konzentrieren konnte, nur um nicht daran denken zu müssen, was sie hinter sich gelassen hatten. Und was vielleicht nie wieder sein würde. Bei diesem Gedanken zog sich ihr Inneres immer wieder zusammen, ließ sie beinah sogar vergessen, dass es die letzten Tage immer geschneit hatte. Eine kalte Resignation hatte sie ergriffen, was das Wetter betraf. Die Graue hatte die Flocken aus dem Pelz geschüttelt, auch wenn es irgendwann mehr unmöglich schien, frei davon zu bleiben. Zu diesem ganzen Chaos kam nun auch noch der Winter, und trotz des Winterpelzes glaubte die junge Wölfin in manchen Momenten, dass sie erfrieren musste. Es war ein grausames Gefühl, die Kälte, die von allen Seiten nach ihr griff – und sie konnte dem nicht entkommen.
Auch jetzt lag sie abseits, hatte sich mit Blick auf das Rudel unter einem Baum zusammen gerollt. Sie schlief nicht, und die hellen Augen waren still nach vorn gewandt. Nur für wenige Momente hatte sie diesen Ort betrachtet, hatte sich wenige Bissen von dem verendeten Tier genehmigt, bevor sie wieder Abstand genommen hatte. Irgendwann hob die Graue den Kopf an, warf einen kurzen Blick zum Himmel, an dem kein Licht zu erkennen war. Es wirkte fast, als schliefe der Größteil des Rudels noch, so konnte die junge Fähe noch die Ruhe genießen, die nur von leisem Rascheln gestört wurde, welches sie jedoch nicht wirklich aufmerksam machte. Atalya ließ den Kopf also wieder zwischen die Läufe sinken, die Ohren eng an den Hinterkopf geneigt. Sie wünschte sich schon lang nicht mehr, dass dies alles nur ein grausamer Traum war. Die Kälte der Realität hatte ihr gezeigt, dass dieser Wunsch ewig nur ein Wunsch bleiben würde – egal wie sehr man dagegen hoffte. Und so blieb sie liegen, still das Rudel beobachtend. Es ließ sie nicht einmal hoffen, dass sich rgendetwas im Tal der Raben ändern würde.
[Abseits des Rudels - Allein]
02.03.2013, 13:35
Den Kopf in die Luft gerissen heulte die schwarze Fähe in den dunklen Himmel – der nebenbei bemerkt wirklich seeehr dunkel war. Kisha lief einfach, ohne auf den Weg zu achten, sprang durch den Schnee wie ein gerade geborenes Kitz. Wie lange war sie nun unterwegs – sie wußte es nicht. Aber es war ihr in diesem Moment auch egal, denn seit langer Zeit hatte sie endlich wieder vertraute Gerüche in der Nase, die sie einfach glücklich Haken schlagen ließen. Das war ihr Rudel, ihre Familie. Ganz klar. Also musste sie nun nur noch laufen – auch wenn ihre Pfoten schon höllisch schmerzten und ihre Zunge fast auf dem Boden hing. Die kalte Luft brannte in ihrem Hals, aber das alles konnte die Dunkle nicht davon abhalten, weiter zu laufen, jedes Stolpern und jedes Zögern zu ignorieren. Sie war da – das war gewiß nicht ihr zu Hause. Aber hey – man passte sich ja an. Und ob die Anderen sie gehört hatten? Voller Vorfreude schwang die Rute Kishas durch die nächtliche Luft, als sie mit einem weiteren Satz über einen umgefallenen Baumstamm sprang, hängen blieb und mit der Nase im Schnee landete. Zuerst blinzelte sie verdutzt, aber wie sie eben war, hatte sie sich schnell wieder gefangen, stand wieder auf allen Vieren und schüttelte die weißen Flocken aus dem Pelz, die ganze Zeit ein glückliches Grinsen auf den Lefzen. Sie durfte nicht warte, nachher war das Rudel wieder weg, und sie wollte nicht mehr allein sein. Es wäre lustig gewesen, wäre Madoc noch bei ihr, wäre sie mit ihm zurück zum Rudel gekommen. Aber da ließ sich wohl nichts machen, das Leben hatte andere Pläne für ihn gehabt. Unbeirrt davon lief sie also mit einem Satz weiter, witterte an den Pfotenabdrücken, die noch im Schnee unter ihr zu erkennen war.
Und dann sah sie sie. Sie lagen rum – faul und dem Geruch nach auch voll gefuttert. Endlich hatte sie sie erreicht, endlich konnte sie sich auch Mal hinlegen und schlafen. Aber zuerst mussten sie alle wissen, dass sie wieder da war. Am liebsten wäre sie zu jedem einzelnen gelaufen, hätte gezeigt, dass sie wieder da war. Aber dazu blieb nicht die Zeit, außerdem waren doch sicher schon wieder Neue da, die sie nicht kannte. Und zuerst wollte sie zu den wichtigen – sie wurde also nicht langsamer, erhöhte das Tempo sogar noch. Während sie lief, spähte sie das Rudel aus, betrachtete die Wölfe, und pickte sich heraus, zu wem sie zuerst laufen konnte. Und das erste Opfer war schnell gefunden. Mit einem Haken lief die Schwarze einen kleinen Bogen, lief an einigen Bäumen vorbei, ehe sie aus dem Gebüsch hervor sprang, das Ziel direkt vor Augen.
„ISSSSSAAAAAAAAAAIIIIIII!“
Damit überfiel sie den jungen Welpen, wobei die Rute noch immer wild durch die Luft schwang, ein strahlendes Grinsen auf den Lefzen. Mit einem weiteren Satz war sie bei ihm, warf sich vor dem kleinen Wolf in den Schnee und schleckte ihm mit einer ausholenden Bewegung durch das Gesicht.
„Du bist groß geworden!“
Immerhin kam es ihr vor, als wäre sie schon Wochen unterwegs gewesen, wenn nicht sogar Jahre!
[Beim Rudel - Isaí]
02.03.2013, 13:49
Krolock hatte die verheerende Rauchvergiftung hinter sich gebracht. Nach seinem Zusammenbruch hatte er eigentlich nur noch geschlafen. Jedenfalls hatte es für die anderen Wölfe so ausgesehen, da er sich kaum bis gar nicht bewegt hatte. Als das Rudel wieder aufgebrochen war, hatte er sich wie so oft an den Rand geschoben, dieses Mal mit noch mehr Abstand als normal. In seine Nähe hatte er niemanden gelassen, wusste aber zu gut, dass Aszrem und Averic ständig irgendwo herumschlichen, um ihn im Auge zu behalten.
Es war kein Urteil über ihn gesprochen worden, also schien es ganz offensichtlich seine eigene Entscheidung zu sein, was er in Zukunft zu tun gedachte. Ein paar Mal hatte er sich so weit von der Gruppe entfernt, dass er selbst nicht mehr wusste, ob er dorthin zurückkehren würde. Letztlich hatten seine Pfoten aber doch immer einen parallelen Kurs gewählt.
Was genau passiert war, hatte er nie erfahren. Alles, was über seinen Kopf hinweg gesprochen worden war, während er bewusstlos dalag, hatte ihn in keiner Weise erreicht. Nicht einmal in Form von fremden Traumstimmen, die irgendwo in den Schatten lauerten. Das Letzte, was er gesagt hatte war, dass Nihil tot war. Ob Liel und Hilel das Rudel darüber in Kenntnis gesetzt hatten, wusste er nicht. Vielleicht hatten sie ihm auch keine weitere Beachtung geschenkt.
Die meiste Zeit bewegte er sich mit schwerfälligen Schritten, wie ein alter Wolf. Kein einziges Mal hatte er sich irgendwie in Caylees Nähe geschlichen oder auch nur versucht, einen Blick auf die weiße Wölfin zu erhaschen, wie das sonst seine Art gewesen war. Immer irgendwo in der Nähe zu sein.
[Allein - am Rand des Rudels (mit relativ großem Abstand)]
02.03.2013, 14:00
Immer weiter ging, es immer nur weiter. Und doch war es völlig anders als die erste Reise, welche die noch junge Fähe erlebt hatte. Nun hatten sie ein Ziel, zu welchem sie sich aufmachten. Auch wenn sie selber nicht wusste, wo das Tal der Raben war, so würden sie es doch finden. Und hinzu kam, dass ihre ganze Familie mit kam. Doch halt, wirklich die Ganze? In den wenigen Stunden des Aufbruchs war so viel geschehen. So viele sind verschwunden - scheinbar für immer. Doch es zeigte sich, dass Engaya gnädig war und auch verloren geglaubte einem zurück schenken konnte. Und so gab es für sie auch Grund zur Hoffnung. Die Rückkunft ihres Vaters wirkte für die grau-weiße Fähe wie ein reiner Strahl von Engaya, wie um zu beweisen, dass die Göttin sie nicht verlassen hatte. Noch immer standen sie unter deren Schutz, auch wenn sie ihr Tal verlassen mussten. Schon einmal hatte ihr die Göttin in der Fremde geholfen, dieses Mal hatte sie sogar einen geliebten Wolf mitgegeben. Kurz begann die Hoffnung nach ihrem Gefährten in ihr zu keimen. Könnte auch dieser wieder zurück kehren. Jedoch verbannte sie diese Gedanken sofort wieder aus ihrem Kopf. Sie wollte nicht undankbar sein für die Gaben des Lichtes. Unentwegt schwang die Rute der Fähe durch die kalte Winterluft, wirbelte immer wieder etwas Schnee auf, während die braunen Augen sich nicht von Isaí abwandten. Der Kleine war ihr spielerisch knurrend entgegen getreten – sie hatte natürlich fuuurchtbare Angst gehabt! – und griff sie nun sogar an, zog an ihrem Ohr, sodass sie kurz aufjaulte – irgendwo zwischen gespieltem Schmerz und freudigem Lachen. Parveen hob immer wieder aufmerksam den Kopf und stellte die Ohren in alle Richtungen, während sie langsam durch den Schnee schritt. Schon vor einiger Zeit hatte sie die Augen geöffnet und sich aus der Kuhle erhoben, sie sie als Schlafplatz gewählt hatte. Zwar fühlte sie sich in diesem Wald innerhalb des Rudels sicher und der Kadaver hatte sogar den Hunger vertrieben, aber trotzdem hatte sich der Schlaf nicht einstellen wollen. Die Schwarze hatte sich gut an die Reise gewöhnt und es schien fast, als wäre auch ihr Körper schon stärker geworden. Deswegen verzichtete sie darauf, weiter zu ruhen. Alles war ruhig und friedlich. Das Rudel lag in geringer Entfernung und der Schnee schien alle Geräusche zu verschlucken, die aufkamen. Gerade war die Schwarze um ein paar Bäume herum gelaufen, als sie erst ein Heulen vernahm und schließlich einen Schatten durch den Wald auf das Rudel zukommen sah. Unweigerlich begann ihre Rute leicht zu pendeln, als sie ihre Schwester Kisha erkannte, sie sich auf Isaí stürzte. Ein Lächeln umspielte ihre Lefzen. Zumindest einer der verlorenen Wölfe war also endlich zu ihnen zurück gekehrt. Wenn es in ihrer Gedankenwelt einen Himmel gab, dann zogen in ihm düstere Gedanken Geiern gleich ihre Kreise. Dunkelheit drückte von allen Seiten auf die Fähe. Sie lag wach und doch verspürte sie nicht das Verlangen, ihr letztes bisschen Kraft darauf zu verschwenden, die Augenlider aufzustemmen. Überhaupt war sie in letzter Zeit schrecklich ausgelaugt, was sie in erster Linie mit der zerstörten Heimat verband. Doch war es das wirklich? Tief im Inneren wusste sie um den wahren Grund, der tagsüber ihre Laune vermieste und nachts in ihren Träumen seine wahre Gestalt annahm. Sie verspürte Kummer, weil Kirov sie scheinbar mied. Sie hatte einige Male versucht, mit ihm das Gespräch zu suchen, doch es war umsonst gewesen. Natürlich hinderte ihr dummer Stolz sie daran, wirklich aufzustehen und etwaszu unternehmen. Deswegen zog sie sich beleidigt und wütend auf die halbe Welt in ihren klebrigen Kokon zurück und brodelte düster vor sich hin. Jakash erwachte aus einem unruhigen Traum, der sogleich verblasste, sobald er die Augen aufschlug. Er hatte den Kopf gehoben, blieb aber noch liegen und versuchte die letzten Traumfetzen zu greifen, die noch nicht dem vergessen anheim gefallen waren. Es gelang ihm nicht. Da waren Gesichter gewesen, aber er konnte schon nicht mehr sagen, wer alles in seinem Traum vorgekommen war. Naja, war letztendlich ja auch egal. Jakash erhob sich, schüttelte kurz den Schnee aus seinem Pelz und ließ den Blick über das Rudel schweifen. Schnell entdeckte er Kisha, die tatsächlich doch noch zu ihnen zurück gefunden hatte und bereits von Isaí und Kursaí begrüßt wurde. Die Lefzen des Schwarzen verzogen sich zu einem leichten Lächeln. Er freute sich für seinen Sohn, dass seine Patin zurück gekehrt war. Dann bestand vermutlich tatsächlich noch Hoffnung, dass es auch Madoc gut ging und vielleicht sogar ebenfalls zu ihnen aufschloss. Krolock tigerte unruhig umher. Manchmal ließ er sich dann wieder auf den Boden fallen, aber letztlich trieb es seine Pfoten wieder an, herum zu tappen. Er wollte gerne rennen, bis seine Sehnen schmerzten, aber er konnte nicht. So gut hatte sich seine Lunge nicht erholt. Im Grunde hatte ihm der Marsch des Rudels gereicht, um ihm die Atemwege brennen zu lassen. Es war ihr bewusst, dass sie sich lächerlich benahm. Es zwickte ihr in die Flanken, es ließ ihre Ballen jucken, dennoch hatte sie nicht die nötige Energie, sich dagegen aufzulehnen. Es war, als wären die schönen Zeiten, die sie an der verschwommenen Grenze zwischen Herbst und Winter erlebt hatte mit ihrer Heimat zusammen vergangen. Ihr Rückfall kurz nach ihrer Flucht, wo sie Sheena alles gebeichtet hatte war wohl nur der Anfang allen Übels gewesen. Sie konnte ihre Pfoten einfach nicht mehr von dem Topf negativer Gefühle lassen. Sich selbst Schmerz zuzufügen war zu einem Bedürfnis geworden, welches widersprüchlicher nicht hätte sein können. Hatte sie sich vor ihrer Flucht noch mehr mit ihren Rudelgenossen beschäftigt, so hatte es nun rapide abgenommen. Die Angst, sie könnte wieder die Kontrolle über sich verlieren, war zu hoch. Sie konnte nie wissen, wann die Angst mit ihrem Wahn wieder die Überhand ergreifen würde. Es war noch immer Nacht, aber die meisten im Rudel erwachten bereits und so war auch Hilel eine jener die bereits die ersten Schritte in der Dunkelheit tätigten. Natürlich lag sie nicht genau innerhalb des Rudels sondern weiter ab, dennoch hatte sie sich es nicht nehmen lassen, die Nähe der Anderen zu nutzen. Es war ein angenehmer Ort, in welchem sie zur Zeit verweilten. Die Stille drang in die letzte Ecke und ließ nur selten die Geräusche nahender Pfoten erahnen, welche im tiefen Schnee zu versinken drohten. Dennoch hatte manch einer Bedenken, keine anderen Duftmarken der Fremdlinge war noch zu wittern, kein anderes Rudel mit in diesem alten Wäldern, doch sie boten Platz, Schutz und Nahrung, so gab es für die Fähe kaum ein Grund für Misstrauen. Sie schürte jenen so oder so mehr, gegen Artgenossen als gegen die Natur, außer natürlich man lebte in einem Tal, in dem Feuer vom Himmel herabregnete...Es war ihr eine Freude gewesen diesen Ort zurückgelassen und beinahe eine gleich so große in einem dieser Schnee bedeckten Mulden liegen zu dürfen. Etwas Erinnerung hegte sie ja nun schon an ihre Heimat, andererseits war sie auch immer noch gespannt wo es hin gehen sollte und manchmal kam ihr auch noch der Gedanke sie könne verschwinden. Langsam rappelte sie sich aus ihrem Liegebereich auf, die Hüfte schmerzte kaum noch so sehr, aber irgendwie war ihr Gang immer noch kein graziöses Antlitz. Die Welt ist im Wandel. Kein Gedanke, ein Gefühl war es, drang in die schmale Brust der großen Fähe und ließ sie aus der Welt ihrer ruhenden Träume hinüber gleiten in die Wirklichkeit. Doch was war die Wirklichkeit, verglichen mit ihren Träumen? Sanft begannen sich ihre Gedankengänge zu regen, zu winden und langsam, träge nur in Bewegung zu kommen. Ihr war nicht bewusst, was sie geweckt hatte – ein Geräusch oder ein Geruch? Weder das eine, noch das andere konnte die helle Fähe nun vernehmen und nichts blieb ihr, außer diesem sonderbaren Gefühl in ihrer Brust und der Gewissheit, die Welt ist im Wandel. Was sie damit anfangen sollte, wusste die junge Wölfin allerdings nicht. Kishas Rute wirbelte immer weiter durch die kalte Luft, während sie glaubte, einige Blicke auf sich zu spüren. Einige hatten also wirklich nicht überhört, dass sie wieder da war – und das war nur gut so! Sie kicherte leise, während Isaí sie weiter belagerte und ihm deutlich anzusehen war, dass er stolz war, dass er sie besiegt hatte. Sollte er ruhig, irgendwann würde sie dann gewinnen, so viel war sicher. Er schien einen Moment verwundert über die Worte, die sie zu Kursaí gesagt hatte, und so zuckten die Ohren betrachtete ihren kleinen Patensohn kurz, ehe sie sich auf die Seite rollte, als wollte sie diese kurze Sorge in Isaís Blick einfach einen Moment nicht wahr haben. Aber auch darauf sprang der Rote an, und einen Moment lag er quer über ihr, sodass sie ihn kaum sehen konnte, selbst als sie den Kopf ein wenig umständlich anhob, ihre Rute klopfte dabei noch immer auf den leicht gefrorenen Schnee. Aber sie sah den Blick des kleinen Rüden, das Grinsen auf ihren eigenen Lefzen verblasste jedoch nicht, selbst als er noch einmal nachfragte. Atalya spannte ihren Körper automatisch an, als sie hörte, dass Kishas Ruf durch die Winterluft zu ihnen hinüber hallte. Kisha war wieder da... sie war zurück geblieben, um Madoc zu suchen, um mit ihm zurück zu kommen. Ihr Heulen zeugte jedoch nicht von der Anwesenheit eines anderen Wolfes. Gerade, als Atalya sich erheben wollte, um selbst nachzusehen, ob sie es wirklich war, drangen Schritte an ihre Ohren, die sich deutlich auf sie zu bewegten. Sie hörte das Knirschen des Schnees, jedoch erhob sie sich erst, als diese Schritte verstummten und nur der Geruch ihrer Tante in der Luft lag. Die Graue legte die Ohren zurück, betrachtete die Schwarze mit einem finsteren Blick, die Lefzen leicht zu einem Knurren verzogen. Verstand sie nicht, dass sie allein sein wollte? Was sollte es sonst bedeuten, wenn sie sich nicht direkt beim Rudel aufhielt?! Noch bevor Parveen jedoch sprach witterte die Graue den Geruch der Fähe, die ihren besten Freund hatte suchen wollen. Er lag deutlich in der Luft. Und genauso deutlich war es, dass sie allein war. Atalyas Herz schien für einige Momente still zu stehen, wobei sie an Parveen vorbei blickte, die rötlichen Augen die Umgebung nach dem weißen Pelz absuchten. Aber es blieb still, und augenblicklich erlosch wieder jegliche Hoffnung im Herzen der Grauen, die mit Kishas Rückkehr kurz aufgeleuchtet war. Zurück blieb wieder die schmerzende Trauer, die in Glut von Wut und Zorn verbannt wurde. Kisha wäre sicher nicht allein zu ihnen gekommen, wenn sie Madoc gefunden hatte... Sie wusste nicht ganz, woher dieses Misstrauen gegenüber Fremden stammte. Vielleicht lag es daran, dass sie diese einfach nicht gut einschätzen konnte, weil sie nicht seit der Geburt in einem Rudel mit ihnen lebte. Vielleicht lag es auch daran, dass sie damals von Fremden entführt worden war. Letztenendes war es eh nur eine Frage der Zeit bis sie sich in das Gebilde des Rudels einfügten und gar ein Teil der Familie wurden. Sie musste zugeben, die Meisten hatten es mehr verdient als sie, ein Mitglied der Familie zu sein. Sie war die Tochter Banshees und was hatte sie daraus gemacht? Ein Dasein am Rande dieser Gesellschaft, sie hatte sogar jemanden umgebracht. Bis heute jagten ihre Dämonen ihr nach und ließen sie nicht in Ruhe. Selbst jetzt, wo sie in die Wurzeln eingebettet lag und sich mehr oder weniger auf eine Art Gespräch mit Chivan eingelassen hatte, konnte Amáya sie spüren. Als könnte sie jede Sekunde hinter einem der Dicken Baumstämme hervorlugen und sie aus ihren toten Augen anstarren. Parveens Augen verengten sich nur ein kleines Stück, als ihr die Graue ihre Feindseligkeit entgegen schleuderte. Weniger mit Worten, als mit dem Verhalten. Für einen Moment glaubte sie, Atalya würde ihr entgegen springen und sie angreifen. Es dauerte nur ein Herzschlag, bis sich auch die Schwarze erhoben hatte. Das Haar an ihrem Nacken stellte sich ein klein wenig auf, aber ihre Nichte setzte nur einen Schritt nach vorne und verharrte dann wieder. Sie beobachtete ihr Gegenüber wachsam, aber für den Moment geschah nichts weiter. Trotzdem würde Parveen nicht darauf wetten, dass sich die Situation nicht gleich umschlagen würde. Sie hob eine Pfote ein wenig aus dem Schnee und wollte sie entschlossen in Atalyas Richtung setzen, aber mitten in der Bewegung war sie sich nicht mehr sicher, warum sie dies tun wollte und ließ sie mit leichter Unsicherheit wieder in den Schnee gleiten. Weswegen all diese Wut? Als nun Kisha ihren Gruß erwiderte, blieb ihr Blick noch einen Moment auf der zurückgekehrten Fähe liegen. Sie hatte ja Recht, musste sie doch hinter einem Rudel her laufen. Auf der anderen Seite war sie ohne Welpen unterwegs, was das Reisen auch wieder einfacher machte, konnte sie doch ein schnelleres Tempo anschlagen. Zudem musste sie der Wunsch nach ihrem Rudel angetrieben haben, und wohl auch ihr Patenkind, so wie sie Isaí begrüßt hatte. Solche Freude tat gut, in der bedrückten Stimmung. Dem kleinen Roten erging es bestimmt genauso nur um einiges stärker, war es doch genau seine Patin, die nun wieder da war. Die schwarze Fähe zog ihre schmalen Pfoten weiter unter ihren Körper, als hätte sie Angst, etwas könnte sich in sie verbeißen und sie daran fortzerren. Es war keine hektische Bewegung, ohne von irgendwelchen Gedanken geleitet zu sein und unbewusst. Sie war nie gänzlich sicher, so gefasst sie in diesem Moment auch war. Früher hatte sie vielleicht geglaubt, inmitten des Rudels könnte Mayhem ihr nichts anhaben, doch mittlerweile wusste sie es besser. Wachsam bleiben, sonst war alles bald vorbei. Prüfend huschte ihr Blick in die Runde. In der Dunkelheit bewegten sich immer mehr Wölfe zwischen den Stämmen hindurch, mitunten durch die Rückkehr Kishas in Aufruhr gebracht. Kurz verweilte die Schwarze mit den Gedanken bei ihrer älteren Schwester, zu der sie nie wirklich etwas verbunden hatte, dann verwarf sie diese langweiligen Bilder wieder. Es war ihr dann doch nichts zugestoßen. Sie zuckte leicht mit ihren Ohren, während einzelne Gesprächsfetzen zu ihr hinüberwehten, ohne dass sie sich sonderlich auf ihren Inhalt konzentrierte. Irgendwie erfasste sie eine Art Unruhe, die sie sich nicht ganz erklären konnte. Es war weder ihre paranoide Angst vor Mayhem noch hatte es wirklich etwas mit der Rückkehr ihrer Schwester zu tun. Oder doch? Vielleicht war alles mit allem vernetzt und sie vermochten nur die Spitze des Eisberges in einem einzigen günstigen Moment spüren. Es war viel passiert. Und Chardím, obwohl er sehr froh war, dass die Trennung von seinem Vater nicht halb so lang angedauert hatte, wie ursprünglich angenommen, war er lieber etwas distanzierter geblieben. Das hatte nichts mit Averic zutun, er der Schwarzweiße konnte es sich selbst nicht recht erklären. Das Gefühl Abstand zu brauchen, das nervige Zwicken von Schuld war irgendwie geblieben, obwohl es wohl lächerlich war. Alles was in Chardíms Augen momentan Bedeutung hatte, war sich um sein Patenkind Linalee zu kümmern. Oder einen verstohlenen Blick zu der fremden Wölfin zu werfen, die mit seinem Vater zum Rudel gestoßen war. Invidia. Sie hatte etwas an sich, was immer wieder Chardíms Aufmerksamkeit auf sie lenkte. Naheliegender Weise spielte ihre ungewöhnliche Fellfärbung da eine Rolle. Die eine Seite Schwarz, die andere Weiß. Zwei Seiten, zwei Gesichter, so wirkte es rein äußerlich zumindest. Als hätten Engaya und Fenris sich nicht entscheiden können, zu welchem Gott dieser Wolf nun gehören sollte. Der Jungwolf war selbst ähnlich gezeichnet. Nur, dass sein Fell eher den Anschein erweckte, als hätten die Götter sehr wohl eine Entscheidung gefällt – nämlich, dass er zu ihnen beiden gehören sollte. Schwarzweiß verschlungen. Es reizte ihn ein Gespräch mit ihr zu suchen, aber die Wölfin hatte sich bisher eher abseits gehalten und Chardím hatte sich bisher nicht aufraffen können zu ihr zu gehen. Wie gesagt, die Meiste Zeit blieb er einfach irgendwo in Linalees Nähe. Chardíms Begrüßung ließ sein Lächeln wachsen und ein wohliges Gefühl breitete sich in Jakash aus. Als er sich auf die Hinterläufe nieder ließ, hatte der Schwarze ein wenig das Gefühl, als würde er sich zu seinem besten Freund und ältesten Sohn gleichermaßen setzen. Dabei trennte sie beide nur knapp ein Jahr, und selbst diese Zeitspanne schien mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren. Chardím war längst kein Welpe mehr, sondern ein stattlicher Jungwolf, der schon bald erwachsen sein würde. Wie doch die Zeit verging. Die Welt drehte sich weiter – trotz jedem Moment, den die Graue verfluchte, hörte Nichts auf. Und trotzdem konnte sie keinen Ausweg daraus finden, blieb gefangen in diesem Labyrinth. Und so verharrte sie selbst still, konnte sehen, wie auch ihre schwarze Tante eine leicht drohende Haltung einnahm. Und als sie schließlich eine Pfote anhob, verließ ein mahnendes Knurren den Fang der grauen Wölfen, jedoch nur vorsichtig, leise. Sie war nicht einmal sicher, ob Parveen sich deswegen entschied, sich ihr nicht weiter zu nähern. Vielleicht war es auch einfach besser so. Ein Schnaufen verließ Atalyas Fang, als Parveen ihr antwortete, dass sie nichts Bestimmts von ihr wollte. Wieso kam sie dann hier her, störte sie in der Ruhe, die sie sich in diesem Moment so sehr wünschte? Was war das für ein Spiel?! Die junge Wölfin biß die Fänge aufeinander, beobachtete dabei jedoch weiterhin die Bewegungen ihrer Tante. Sie hatten nie etwas miteinander zu tun gehabt – wieso kam sie gerade JETZT zu ihr? Atalya verstand es nicht, und so neigte sie die Ohren noch ein wenig weiter an den Hinterkopf, starrte an der Schwarzem vorbei. Mit jedem Atemzug schien ihr bewußter zu werden, dass ihre Vermutung bestätigt wurde, dass Kisha allein zurück war. Dass nun wieder alles anders sein würde. Madoc war schon einmal fort gewesen, aber damals hatte es Hoffnung gegeben, dass er zurück kommt... diese Hoffnung lag nun in Scherben, zerbrochen an der Grausamkeit der Realität. Und jede Scherbe schien der Grauen ins Fleisch zu schneiden, obwohl sie sich seit langem sicher war, dass ihr bester Freund nicht wieder kommen würde. Kisha verstand nicht so wirklich, wieso Malik nun so trostlos drein blickte. Madoc war bei Engaya – das hieß zwar, dass er nicht mehr ganz so bei ihnen war, wie bisher, aber er war ja nicht weg. Also nicht direkt. Es war sicher viel schlimmer, wenn man weg war, aber nicht bei Engaya war. Aber die Schwarze versuchte sich nun nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wo man war, wenn man nicht bei Engaya war – oder war man doch bei Fenris? Das war verwirrend. Aber Isaí schien nach dem ersten kleinen Schock verstanden zu haben, dass es Nichts Schlimmes war, und kurzerhand ging er dazu über, zu seinem Bruder zu krabbeln und ihn zu trösten. Kishas Rute schwang derweil immernoch über den Boden, inzwischen hatte sie sich aber wieder auf den Bauch gerollt, betrachtete die beiden Welpen mit munterem Ausdruck in den braunen Augen. Aber sie ließ den beiden Geschwistern dieses Gespräch, mischte sich nicht weiter ein, blickte statt dessen kurz über das Rudel, und als sie den Kopf wieder herum wandte, den weißen Welpen betrachtete, der nun traurig am Boden lag, und schließlich seinem Leid mit traurigen Geräuschen Platz machte, wog die Fähe den Kopf zur Seite, stieß ihm schließlich mit der Nase in das weiße Fell. Nickte nur auf die Antwort seines Paten. Er war sich nicht sicher, in wie fern es gut war Jakash auf das, was er beobachtet hatte anzusprechen. Glücklicher Weise plauderte der Schwarze aber von selbst weiter. Hätte er geschwiegen, wäre das wohl Chardíms Anlass zum Nachhaken gewesen. So konnte er seinem Paten davon berichten, wie sich Linalee auf der Wanderung schlug. Das gefiel ihm auch eindeutig besser. Parveens leicht abwehrende Haltung, die sich nach dem Verhalten von Atalya aufgebaut hatte, zerbröselte fast augenblicklich, als sie die Tränen in den Augen ihrer Nichte glitzern sah. Sie selbst hatte den weißen Rüden nicht gekannt. Nur vom Sehen, aber sie war ihm nicht einmal besonders nahe gekommen, oder konnte sich zumindest nicht daran erinnern. Trotzdem viel ihr Mitleid nicht schwer, so wie es ihr niemals schwer gefallen war. Ihre Ohren drehten sich nach hinten, als das Heulen von Malik die kalte Nachtluft durchschnitt. Es war so ein unglaublich trauriger Ton, dass es Parveen in der Seele weh tat. Trotzdem wandte sie den Blick nicht von ihrer Nichte, die ihr aufgelöst in Trauer und Wut gegenüberstand. Atalya wunderte es nicht, dass ihre Tante in diesem Moment eine andere Haltung einnahm, sie selbst jedoch verharrte in ihrer Position. Die Graue erwartete beinah schon, dass Parveen sich abwenden würde, ihrem Blick nicht Stand halten konnte. Aber sie blieb, und auf ihre Worte hin konnte die junge Wölfin nur ein verächtliches Schnaufen von sich geben. Und auch, als die Schwarze abbrach, wenige Momente später jedoch neu ansetzte, regte sich die graue Fähe nicht, verengte die Augen nur ein wenig. Sie wollte ihre Hilfe nicht, sie hatte genug andere Wölfe, mit denen sie reden konnte, als eine Tante, die aus dem Nichts zu einem kam und nun versuchte, die Seelsorgerin zu spielen. Und so verließ bloß ein Grollen ihren Fang, nicht sehr laut, und dennoch deutlich genug, um Parveen zu zeigen, was sie davon hielt. Kisha, Nihil, Madoc. Eine war zurückgekehrt, die anderen waren fort. Das war, was er mitbekommen hatte, während er ziellos umhergewandert war, dabei immer in der Nähe des Rudels blieb und sich auch ab und zu für eine kurze Rast niedergelegt hatte. Aber es hielt nie lang, denn er war rastlos. Eine innere Unruhe hielt ihn auf Trab. Er hatte so viele Gedanken in seinem Kopf, so viel, dass er nicht still bleiben konnte. Parveen musterte die Fähe vor sich weiter aus traurigen Augen. Sie stand ganz still, bewegte sich weder vor noch zurück und kein Knurren konnte das in diesem Moment ändern. Sie hatte keine Angst, lediglich Sorge erfüllte sie. Sollte sie sich fürchten? Die Fähe war näher daran ihr die Zähne in den Leib zu schlagen als ihre Hilfe anzunehmen, aber der Gedanke an Furcht kam ihr dennoch merkwürdig vor. Atalya war noch so jung, sie war ihre Familie. Vielleicht hätte sie ihr anderes gegenübertreten, anders handeln und sich jetzt anders geben sollen, aber sie änderte dennoch nichts. Es war ein wenig wie früher, als sie außerhalb blieb und lediglich alles beobachtete, aber nichts tat. Dieses mal mit dem Unterschied, dass sie mitten drin steckte, aber ihr Geist schien sich dennoch irgendwo zu befinden, nur nicht hier und sagte ihr auch nicht, was sie tun sollte. Trotzdem war etwas anders, denn ihr Herz hatte seinen Platz immer noch nicht verlassen und dies war vielleicht der einzige Grund warum sie sich nicht, getrieben von Unsicherheit und Zweifeln, einfach abwandte. So oft war sie früher ein Spiegel ihres Gegenübers gewesen. Freundin und Feindin, offen und verschlossen, alles und nichts. Aber, hatte sich dies nicht geändert, ein wenig zumindest? Atalya feindete sie offen an und dennoch ließ sie die Verteidigung fallen. Es war ihr gar nicht recht bewusst gewesen, bis zu diesem Augenblick. Ihr ganzes Handeln in letzter Zeit war um so vieles anders als nach dem Bruch ihrer Seele. Familie, erkannte sie. Es hatte einzig und allein damit zu tun. Die Liebe zu ihrer Familie hatte sie erst zurück gebracht aus der Dunkelheit namens Einsamkeit und deswegen sträubte sich ihr Herz sosehr dagegen, ihrer Familie anders als freundlich gegenüberzutreten oder sie leiden zu sehen. Bei anderen mochte es anders sein, sie war sich nicht ganz sicher. Vielleicht war sie dort immer noch der Spiegel. Mit einer Ausnahme. Krolock hasste die Schwarze mit dem Stern auf der Stirn und dennoch suchte sie immer noch nach einen blassen Licht in ihm, wollte ihn nicht einfach so aufgeben. Merkwürdig. Insgeheim fragte sie sich oft, wie lange sich die Tage noch hinschleppen würden. Die Wanderung lag ihr nicht - es war keine Lebensform, in der sie sich wohl fühlen konnte. Auch als Welpe hatte sie Abenteuer und die Welt außerhalb des Tals der Sternenwinde nie wirklich interessiert. Sie war schon ein seltsamer Welpe gewesen, zugegeben. Kein Welpe, den sie gemocht hätte, wäre sie ihm heute begegnet. Eine Weile lang verweilte sie mit ihren Gedanken bei dem Ich, welches sie mal gewesen war. Jenem kleinen Wesen, welches lange und oft auf die Oberfläche des Sternensees gestarrt hatte und sich so einsam gefühlt hatte. Sie hatte aufgehört nachzuzählen, wie viele Stadien der Veränderung sie seitdem durchschritten hatte. Jener Welpe von damals schien ihr schon fast wie ein völlig anderer Wolf, den sie irgendwann vor langer Zeit mal gekannt hatte. Sogar das Tyraleen und all die anderen Rudelmitglieder einmal Welpen gewesen waren - dieser Gedanke schien ihr so unwirklich. Ihr Blick glitt zurück zu Chivan. Auch dieser Rüde war einmal ein kleines Fellknäuel gewesen. Was dem Bunten wohl alles wiederfahren war in seinen gesammelten Jahren, darüber wollte sie nicht mal rätseln, sie würde es sowieso nicht verraten. Trotzdem machte er den Eindruck, er würde eine Menge über diese Welt verstehen. Sie konnte sich nicht erklären woher dieser Begriff kam, doch er erschien ihr einfach erwachsen. Sie bekam immer wieder das Gefühl, nicht wirklich verstehen zu können, was er ihr vermitteln wollte. Außerdem, wieso versuchte er dies überhaupt? Sie war doch niemand für diesen Rüden, ebenso wie er nicht wirklich etwas für sie bedeutete. Ihre Gedanken kehrten zu seinen Worten über den Wald zurück. Sie rochen verdächtig nach Metapher, keine Frage. Doch wenn der Wald eine Gemeinschaft wie ihr Rudel war und jeder Baum davon profitierte... wo blieb in diesem wunderbar geschilderten Beispiel dann sie? Leer starrte sie durch den in der Dunkelheit nur spärlich auszumachenden Schemen Chivans hindurch. Hatte ihre Familie sie denn je wirklich geschützt? Natürlich, ihre Mutter hatte ihr verziehen - doch wo war sie davor gewesen? Und Papa Acollon? Kaum da. Sie hätte diese Aufzählung noch lange weiterführen können. Letztenendes war da auch niemand, der sie vor dem Wahnsinn beschützen konnte. Doch wenn einer der Stämme zwischen den tausend anderen von innen verfaulte, wie viele nahmen das schon im Angesicht der Masse wahr? Und was konnten sie erst recht dagegen tun, wenn sie es nicht so leicht zugeben konnte. Sie hatte Angst davor, vertrieben zu werden. Ein Zittern erfasste kurz ihren Körper. Außerhalb des Glanzkreises des Rudels wartete nur Schrecken und Pein auf sie. Da musste eine Lücke in Chivans glänzender Erklärung sein. Sie war kein vollwertiges Mitglied dieser Gemeinschaft. Nicht solange sie sich nicht den Lebenden zugehörig fühlte und sie verbrachte nun eine lange Weile damit, diesen Schlingen zu entfliehen. Sie hatte einfach Angst vor dem Leben. Angst, weil sie nicht wusste wie es war, sich von den Gewichten zu befreien, die sie am Grund dieses Brunnens hielten, aus dem sie zu ihrer Familie emporblickte. Kurz flackerte das Bild Kirovs vor ihren Augen auf und riss sie aus dem Gedankenstrom, bis sie wieder in die kalte Winternacht zurückgeschleudert wurde. Ihr Herzschlag ging noch ruhig, als Chivan zu einer Antwort ansetzte. Auch nachdem alles um ihn herum verstummt war, hatte er sich nicht von der Stelle bewegt. Der Schmerz schien ihn zu zerreißen, doch grade dann, als er dachte, dass er ihn nicht mehr aushalten konnte, war er verschwunden. Stattdessen hatte sich eine Leere in ihn geschlichen, es fühlte sich an wie...das Nichts. Hiyo stand auf und entfernte sich vom Rudel, so als ob nichts geschehen wäre. Eins mit den Schatten und der tiefschwarzen Nacht lief der große, dunkle Wolf über den hartgefrorenen Schnee hinweg und zwischen den Bäumen hindurch. Bis eben hatte Averic noch etwas abseits des Rudels gesessen und es mit wachen Augen beobachtet. Stumm hatte er zugesehen, wie eine bekannte Wölfin wieder zu ihnen stieß, begrüßte und begrüßt wurde. Der Todessohn nahm zur Kenntnis, dass sein Gott ihn nicht angelogen hatte und zudem fiel ihm recht schnell auf, was denen, die sich um Kisha versammelt hatten, wohl etwas seltsam vorkam. Nun, es war ihnen nicht zu verdenken. Eines seiner Ohren zuckte und als kurz darauf ein helles, klagendes Stimmchen durch die eisige Nachtluft brach, hatte sich Averic abgewandt. Dass die anderen zwei fehlenden Wölfe nicht mehr am Leben waren, war dem Pechschwarzen längst klar gewesen und Mitleid empfand der Fenrissohn nicht. Es war allein ein Wunder, dass der Katastrophe im Tal nur zwei Wölfe zum Opfer gefallen waren und keiner von beiden hatte je irgend eine Bedeutung für Averic gehabt. Etwas anderes jedoch weckte in ihm gemischte Gefühle, wenn er einen Gedanken daran verschwendete. Zuerst war da die unerwartete Rückkehr seines verloren-geglaubten Bruders Hiryoga. Im Großen und Ganzen hatte Averic auch da nicht mehr getan, als es zur Kenntnis zu nehmen. Mit dem helleren Bruder hatte ihn nie viel verbunden und für ihn war er wie Acollon jemand gewesen, der seine Familie ohne ein Wort verließ. Und nun war auch Kisha wieder da. Natürlich war sie nicht lange weg gewesen, aber es ging darum, dass anscheinend DIE Kisha wieder da war, die sie vor langer Zeit verlassen hatte und als eine andere wieder zurückgekommen war. Auch das war nichts, was Averic unbedingt bejubeln würde, aber eines konnte ihm bei all dem nicht entgehen: Sie waren alle wieder beisammen. Alle seine Geschwister waren wieder da. Bis auf Cylin. Und das löste irgendwo doch leise Wehmut in ihm aus. Dass Hiryoga dem Nichts hatte entspringen können, war unglaublich genug, aber jemanden, der schon so lange tot war, würde nichts auf der Welt wiederbringen. Somit waren alle die, um die er sich nie besonders viel geschert hatte, wieder zurückgekehrt und der, der ihm alles bedeutet hatte, blieb als Einziger verloren. Merawin zählte er nicht mit, denn jener Welpe war so früh gestorben, dass er keine einzige Erinnerung mehr an ihn hatte. Dass ihm sein Name noch nicht entfallen war, sollte schon etwas heißen. Aszrem war längst von Tiefschlaf in eine Art Dämmerschlaf geglitten, aber noch wollte etwas in ihm nicht wach werden. Oder besser gesagt, konnte noch nicht wach werden, denn ein Traum hielt sein Bewusstsein umschlungen. Statt ihn zu wecken, wurden die Geräusche um ihn herum in diesen Traum eingebaut, und so wurde aus Maliks traurigem Abschiedheulen ein Ruf Neruís, dem der dunkle Rüde nachjagte, ohne seine Tochter finden zu können. Irgendwann blieb er stehen, hob den Kopf und rief nach seiner Tochter, aber statt ihrer Stimme erklang ein dunkles Antwortheulen aus einer gänzlich anderen Richtung... SL für Jakash Caiyé und Chardím: Sie sehnte sich nach Regen. Doch es war bitterkalt und wenn in den letzten Tagen irgendwann Niederschlag gefallen war, dann in Form von Schnee. Mittlerweile hatte sie sich an den frostigen Wind natürlich schon gewöhnt und die dicken Winerpelze schützten die Wölfe großteils und dennoch blickte sie nun hoffnungsvoll nach oben, wo sie den pechschwarzen Himmel nur erahnen könnte. Es schien ihr Ewigkeiten her, dass sie das letzte Mal den Regen auf ihren Fell klatschen gehört hatte, die feinen Nadelstiche auf ihrer Haut gespürt hatte. Sie wusste, wenn die Himmelsschleusen sich öffnen würden, würde das ihr Gemüt heben und ihr wenigstens ein kleines bisschen Seelenheil bringen. Im Moment jedoch war es einer der dunkelsten und eisigsten Winternächte und noch viele würden kommen. Wenn ihr Fell nass war, dann kam das nur von Resten des Schnees, der sich in den dunklen Härchen verfangen hatte. In ihrem Kpf blitzten Bilder vom kahlen Herbst dieses Jahres auf, wo Kirov und sie sich das erste Mal beim Sternensee getroffen hatten. Wäre der Regen nicht gefallen, hätte sie sich dann je auf das Himmelsauge eingelassen? Die Frage war wohl einer derer, auf die nur die Götter eine Antwort wussten und diese schwiegen eisern. Chivan schwieg ebenfalls und sein Blick war ebenso nichtssagend wie die Linien seiner Züge - auch wenn sie seine Aufmerksamkeit bermerkt hatte. Sie hatte früher ihre ausdruckslosen Masken geliebt und wohl mehr genutzt, als es ihr lieb war. Ob Chivan auch mit Masken spielte wusste sie nicht - es konnte ebenso gut einfach seine Art sein, natürlich, wie Amáya sich nie getraut hatte zu geben. Ein Schmerz durchzuckte seinen Körper, als er Shani vor sich sah. Ihre Feindlichkeit war, sobald er vor ihr aufgetaucht war, verschwunden. Aber Misstrauen war geblieben und ein Blick, der ihm verriet, dass er unerwünscht war, dass sie ihn immer noch nicht sehen wollte. Zwei Jahre hatte er sie nicht gesehen, all die Wiedersehensfreude, all die Liebe hatte er mit einem Gespräch zwischen sich und seinem Sohn zunichte gemacht. Sie würde sie doch wieder sehen, oder? Wenn die Situation ausweglos oder sogar gefährlich war, dann würde sie doch ein Zeichen bekommen, oder? Dann würde ihr die Fähe mit der wunderschönen Stimme doch sagen, dass eben doch nicht alles gut sei? Oder hatte Taleesha nur diese eine Chance gehabt? Hätte sie besser auf ihre Geschwister aufpassen müssen? Aber das tat sie doch, oder? Normalerweise wäre sie wohl liegen geblieben wo sie war, anstatt dem Rüden weiterhin Gesellschaft zu leisten. Früher hätte sie es auf jeden Fall so gehandelt. Im Moment verursachte aber der Gedanke zwischen den verschlungenen dicken Wurzeln allein zurückzubleiben ihr Unwohlsein. Außerdem war es ja nicht so, als fände sie dieses Gespräch uninteressant, auch wenn sie jetzt auch nicht vor Begeisterung brannte. Sie war jedoch lange nicht mehr die, die sie einst gewesen war, wenigstens so viel wusste sie. Ihre Stärke hatte nicht ausgereicht um alle für ewig anlügen zu können, wie es schien war es nur eine Frage der Zeit und des Druckes gewesen, der auf sie ausgeübt wurde. Die feine Schicht von Porzellan, die sie über ihr hässliches Gesicht gezogen hatte war zerbröckelt und nun kam der modernde brüchige Stein zum vorschein, durchzogen von Rissen. Natürlich begehrte sie manchmal noch dagegen auf, fiel in alte Verhaltensmuster zurück, aber letztenendes... Müde irrte ihr Blick durch die Dunkelheit, streifte die dicken Stämme der Baumriesen, den Schnee, sah den Kadaver der Beute, von der sie schon gezehrt hatte. Irgendwann traf er auf den Körper des Bunten. Er glitt von den Pfoten die Läufe entlang über die breite Brust dem Bogen des Halses folgend bis hin zu den Gesichtszügen. Sie musste leicht hochblicken um den Ausdruck in seinen Augen erfassen zu können. Er war ein großer Rüde keine Frage, doch sie war auch keine kleine Fähe. Wie trügerisch wenn man bedachte, wie mickrig klein ihr Herz, ihre Seele ja ihre ganze Existenz war. Zusammengeschrumpelt, eingegangen, so viele Wasser hatten sie schon gewaschen und mehr besudelt als gereinigt. Doch Chivan hielt den Blick gesenkt und schien auf dem Pfad seiner eigenen Gedanken abgetrieben zu sein. Er ging nicht auf ihre Frage ein und sie beließ es dabei. Es hatte gewiss nichts mit ihr zu tun, ob dieser Rüde je die modrige Luft der Abgründe geatmet hatte oder nicht. Vielleicht sollte sie ein Beispiel an ihm nehmen und nicht so viel über sich preisgeben. Doch dazu war sie längst zu schwach... Die eisernen Schienen die ihren Kopf in scheinbar luftigen Höhen gehalten hatte, waren porös geworden und zusammengebrochen. Von Zeit zu Zeit strengte sie sich noch an, ihr Haupt in falschem Stolz zu erheben. Doch wen die Angst plagt, wer das Unbekannte fürchtet, der läuft nicht hoch erhobenen Hauptes durch die Gegend. Feige Mäuschen wie sie es war duckten sich, den Kopf tief zwischen die Schultern geklemmt, zitternd, fürchtend. Wenn sie sich in die Ecke gedrängt glaubten, schnappten sie wie ein tollwütiger Fuchs und wenn sich der Schatten dann doch als harmlos erwies versuchten sie schnell wieder eine Fassade hochzuziehen. Eine kleine graue Maus, tatsächlich, mehr war sie nicht. Vorsichtig blinzelnd öffnete Sheena ihre Augen. Sie war noch etwas benommen und schläfrig. Sie hatten Rast eingelegt – an einem Ort der von anderen Wölfen scheinbar gemieden wurde. Doch das Glück hatte ihnen ein Rentierkadaver beschert und Sheena konnte sich ordentlich satt essen. Doch mit dem Fleisch im Bauch war sie ganz träge und müde geworden und war in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen. Nun ließ sie den Blick langsam über die anderen Wölfe gleiten. Anscheinend waren alle schon erwacht und hatten sich in kleinen Grüppchen eingefunden. Nur sie hatte so lange geschlafen. Sie gähnte herzhaft. Sie hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber sie vertraute darauf, dass sie jemand aufgeweckt hätte, wenn es von Nöten gewesen wäre. Langsam stemmte sie ihre Vorderpfoten in den gefrorenen Schnee und stand dann mit einem Ruck auf. Ein rasches Schütteln um die Schneeklümpchen aus ihrem dicken Pelz zu entfernen, ein ausgiebiges Strecken – die Vorderpfoten gaaanz lang und den Po gen Himmel gestreckt und dann noch einmal anders herum. Ja, jetzt war sie wieder wach. Und sie fühlte sich seit langem mal wieder richtig fit! Der Schlaf war demnach sehr erholsam gewesen. Was ein Glück. Noch einmal schüttelte sie sich, ehe sie ihre Pfoten voreinander setzte und ihren Ruheplatz verließ. Vielleicht tat es der Grauen gut, sich auf ihre Tante konzentrieren zu können. Sie konnte nicht vergessen, was ihre Gedanken beherrschte. Immer wieder glaubte sie, Madocs Stimme zu hören. Aber mit der Wut, die sie gegen Parveen richtete, ließ sich die Trauer besser aushalten. Atalya hatte gehofft, dass ihre Tante nicht einfach so nachgeben würde, aber nun stand sie nur da, sprach auf die Graue ein. Und trotzdem schienen ihre Worte kaum bei ihr anzukommen – sie wollte nicht darüber reden. Mit Niemandem. Aber noch während Parvenn still da stand, Nichts auf Atalyas Worte reagierte, trat ein weiterer Wolf zu ihnen. Einen Moment hielt die junge Fähe die Luft an, richtete den Blick dann auf ihren hellen Bruder, als er bei ihr zum stehen kam, nicht mehr als ein leises Wort über die Lefzen brachte. Mit kurz zuckenden Ohren wandte sich Atalya noch einmal zu Parveen, aber die Dunkle blieb, wo sie war. Damit wandte sich die junge Fähe erneut ihrem Bruder zu, versteckte kurz das Gesicht in seinem silbernen Pelz. Er war immer noch da, obwohl auch er verloren hatte, was ihm wichtig war. Mit einem kurzen Gefühl der Übelkeit dachte die Graue an Nerúi, und wie nah sie Turién gestanden hatte. Und nun war sie fort... und niemand wußte, ob man sie wieder sehen würde. Noch immer war der Blick des Kleinen in den Himmel gerichtet und seine Gedanken bei seinem Patenvater. Nichts schien ihn trösten zu können, und auch wenn sie sich sicher war, dass Madoc noch immer bei Malik war, so konnte sie ihn doch allzu gut verstehen. Schwer war der Verlust immer, und um wie viel schwerer musste er nur für eine so junge Seele sein, wie sie der Welpe war. Kursaí selber hatte zwar nie viel mit dem Rüden zu tun gehabt, und doch war er ein Mitglied dieses Rudels gewesen, welches nun seinen Weg zu Engaya angetreten hatte. Wie fest war wohl der Glaube des Kleinen? Würde er sich daran festhalten können, oder doch an seiner Familie? Es könnte auch sein, dass er an diesem Verlust zerbrach. Natürlich gab es die Möglichkeit, und doch wollte sie dieser keinen Platz einräumen. Dies durfte nicht geschehen. Ihre Familie war so schon erschüttert genug und das Leben des Kleinen war erst so kurz. Da durfte es einfach nicht sein, dass es jetzt schon brach. Mit einem Nicken erwiederte der Silberprinz den Gruß, den Parveen ihm entgegenbrachte. Als Atalyas Körperhaltung sich plötzlich veränderte und die Steifheit von ihr abfiel - und ihm damit gleichzeitig ein plötzlicher Schwall von zuneigung entgegengebracht wurde, den er nicht erwartet hatte, konnte man wahrscheinlich einen Sekundenbruchteil Überraschung in seinen Augen lesen, bevor er sanft mit seinem Fang durch ihr Fell fuhr. Bis jetzt hatte er keine Ahnung gehabt, um was es ging - und erst nachdem Parveen wieder ihre Worte an Atalya gewandt hatte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Madoc. "Schmerz und Verlust" - wer in diesem Rudel kannte sich nicht damit aus? Traurigkeit durchfloss seinen Körper, wie kaltes Wasser. Oh, wie er wusste, wie sich Atalya fühlen musste... Parveen beobachtete mit Erleichterung, wie sich die Geschwister begrüßten. Vielleicht behielt sie recht und der jungen Fähe würde es mit einem ihr vertrauten Wolf leichter fallen, über das eben Geschehene zu reden. Durch ein paar mitfühlende oder tröstende Worte würde man nichts einfach hinter sich lassen und schon gar nicht vergessen können, aber es fiel leichter. Trotzdem konnte die Schwarze nicht umhin einen kleinen Stich im Herzen zu spüren, als der wütende Blick von Atalya sie erneut traf. Nein, man konnte niemanden einfach mit jemand anderem vergleichen. Jedes Schicksal war anders und auch selbst gleiche Situationen konnte jeder anders auffassen und verarbeiten. Trotzdem gab es Parallelen, denn sie alle hatten das selbe erfahren müssen: Verlust. Averic hatte seine Schritte etwas gezügelt, um nicht ganz vor Yjel zu laufen. Der hellere Rüde hatte sich diese Position zwar ausgesucht, aber der Pechschwarze wollte kein Gespräch beginnen, wenn der Gesprächspartner unsichtbar hinter seinem Rücken hertrollte. Dessen Erwiderung ließ er unkommentiert. Noch wusste der große Rüde nicht, wie er den Wolf aus dem Tal der Raben einschätzen sollte. Sein Äußeres mit den leicht schielenden Augen war jedenfalls genau so merkwürdig, wie er sich zu geben schien. Er hatte sich allerdings auch noch nicht genügend mit ihm beschäftigt, um einzuschätzen, ob das nur ein erster Eindruck war. Immerhin war dieses „seltsam“ für ihn bisher nicht negativ behaftet. Es war wenn interessant und das war bei Averic schon fast eine Ordensverleihung. Die meisten seltsamen und weniger seltsamen Wölfe schob Averic recht schnell in die Kategorie „nervige Idioten“ ab. Nun, manchmal war er vielleicht auch etwas zu streng in seinen Ansichten, allerdings interessierte ihn das wenig. SL für Atalya, Turién und Parveen: Jakash beobachtete, wie Isaí, Kisha und auch Kursaí versuchten Malik zu trösten. Zwar verstand er kein Wort, aber dass sie es taten war auch durch reine Beobachtung offensichtlich. Sein weißer Sohn schien sich allerdings eine Weile dagegen zu sperren, denn er starrte unverwandt gen Himmel und es dauerte eine ganze Weile, bis er den Blick endlich senkte und sich an seinen Bruder schmiegte. Wenigstens das war noch gut und richtig - dass seine Kinder zusammen hielten. Sie hatte zu viel von sich Preis gegeben und sie glaubte, sie hätte dem in diesem Moment wo sie gemeinsam durch den Wald schritten ein Ende setzen können. Aber wozu, wenn sie doch schon so viel gesagt hatte? Sie konnte genauso gut weiter reden. Es war eh einfacher, sich diesem Fremden zu öffnen, als Irgendjemandem der ihr nahe stand. Es bedeutete ihr nicht wirklich viel, was Chivan von ihr dachte. Ein wenig vielleicht, aber es war nichts im Vergleich zu Kirov oder einem Familienmitglied wie Tyraleen. Sie war sich sicher, dass sich der Bunte ernsthaft damit beschäftigte, was sie sprach. Natürlich, sonst hätte das Gespräch nie diese Richtung eingeschlagen. Sie fand ihn insgesamt etwas seltsam, aber sie war es schließlich selbst, deswegen warf sie ihm bei Fenris gewiss nichts vor. Die Konzentration, die Chivan aufbat, war nötig um dem gewundenen Pfad ihren Worte folgen zu können, doch seine Motive waren ihr immer noch ein Rätsel und sie mochte es nicht herumzuraten. Jedenfalls hatte sie das Gefühl, der Ältere würde nicht einfach so herumerzählen, was sie im Moment besprachen. Soweit ihre Einschätzung. Aszrem nickte verständnisvoll. Er kannte dieses Phänomen der endlosen Gedanken, die durcheinander flüsterten und einfach nicht schweigen wollten. Erinnerungen an Gesehenes und an Gesagtes, aber auch der Klang von Vielleicht-Gesprächen oder Was-wäre-wenn-Unterhaltungen, die dann meistens doch ganz anders liefen, wenn es in der Wirklichkeit zu ihnen kam. Der Schwarzbraune konnte sich gleich mehrere Dinge vorstellen, die die Welpin vermutlich im Kopf herumspukten und sie am Schlafen hinderten, und auch mehrere Möglichkeiten, ihr Gedankenchaos zu entwirren. Er selbst hatte sich immer mit etwas beschäftigen müssen, meist mit einem langen Lauf, auf dessen Weg er gleichfalls Schritt für Schritt seine Gedanken ordnete. Manch anderer Wolf musste über das, was ihn beschäftigte, reden, aber Aszrem war nie so jemand gewesen. Bei Taleesha konnte er sich jedoch gut vorstellen, dass ihr das Reden helfen konnte, und im Zuhören war der Schwarzbraune seit je her gut gewesen. Krolock bekam jede Menge Gründe geliefert, sich selbst leid zu tun, zum Glück wurde ihm all das für ein paar Momente erspart, als er gegen den Baum gesprungen war. Er blinzelte, während Linalee und Caylee miteinander zu Gange waren. Moa, was war das nur für eine Vorlage! Die regte doch sogar die Kreativität eines Toten an! Wie hatte Caylee die Welpin genannt? Uh, er war so schlecht darin sich Namen von Wölfen zu merken, die ihn nicht interessierten... Was genau in den Schatten des Waldes passierte konnte Amúr nicht erahnen, denn die graue Wölfin des Mondes hatte sich mehr von all dem Trubel des Rudels zurückgezogen. Beschienen von den fahlen Strahlen des Himmelskörpers lag sie unter dem Schutz eines Baumes, dessen Schatten sich wie Tinte über den Waldboden zog. Ein leichter Nachtwind ließ die Blätter flüstern und raschelte sich durch das Geäst, als ihre blauen Augen den Umriss eines Spatzes wahrnahmen. Huch..., flüsterte es sich leise in ihren Geist und Amúr zuckte leicht mit ihren Ohren, als sie das zarte Wesen in den Armen des dunklen Waldes erkannte. Die Fähe bewegte sich leicht, schnaubte in die kühle Luft hinein und spürte wie sich der kalte Schnee in ihr Winterfell drückte. Vorsichtig schnupperte sie mit ihrer Schnauze, vor allem in der Vorsicht den kleinen Vogel nicht zu erschrecken. Er erschien ihr so klein in dieser großen Welt und seine Augen faszinierten den silbernen Wolf in ungewisser Weiser. Etwas unsicher schien er über den Schnee zu hüpfen und mit seinen kleinen Schnabel nach etwas Essbarem zu suchen, doch bei diesem Wetter war dies mehr als nur unmöglich. Die Fähe empfing ein bitteres Gefühl des Mitleides und drückte ihre Ohren nach hinten, als sich die Pupille in ihren blauen Iriden etwas zu verengen schien. Amúr selbst hatte Mitleid mit einem Vogel, einem Tier welches sie nicht kannte, während ihre eigenen Gedanken sie eigentlich dazu bringen sollte sich selbst zu bemitleiden? Sie versuchte sich mehr wegs abzulenken...seit dem Vorfall mit Krolock hatte sich die Fähe mehr oder minder zurück gezogen. Sie hatte sich sogar weiter hinter das Rudel gestellt, als ihr Vater gesichtet wurde und ließ sich von dessen Schatten verschlingen. Amúr war einfach nicht da und sie versuchte dies für wenige Momente sogar zu genießen. Einfach abtauchen. Ein Geist sein. Vielleicht konnte sie ja bald wieder mit ihrem Vater reden, ihn ''begrüßen'', aber etwas fesselte sie genau an diese Stelle. Unter einem Baum und alleine. Wer Averic kannte wusste, dass er nicht unbedingt zu den humorvollsten Wölfen unter der Sonne gehörte. Von daher irritierte ihn Yjels Kommentar einerseits ein wenig, weil er nicht wusste, was er mit diesem „Ja“ und dem „Nein“ anfangen sollte, andererseits entlockte ihm auch Yjels Zwinkern nicht mehr als ein leichtes anheben seiner Augenbraue. Viel mehr tat sich nicht und sein Gesichtsausdruck blieb ausdruckslos und unleserlich. Der Hellere hielt sich wohl für ziemlich witzig. Sollte er, wenn es ihm gefiel. Dass es den Pechschwarzen nicht im geringsten interessierte, wie Yjels Mutter geheißen und wie sie ihren Sohn behandelt hatte, musste er wohl nicht extra betonen. Er überging die Komiker-Einlage des kleineren Rüden also einfach und wandte sich wieder nach vorne. Wieder einmal war Chanuka sich nicht wirklich sicher ob er sich freuen, oder ob seine Stimmung getrübt sein sollte. Er hatte Tyraleen damals kein richtiges Versprechen geben können weil er einfach nicht wusste, ob er Nerúi wirklich finden würde. Demnach gab es „eigentlich“ auch keinen Grund sich weiter darüber Gedanken zu machen. Seine Mutter selbst hatte immerhin auch gesagt, dass sie sich auch dann freuen würde, wenn Chanuka ohne Nerúi wiederkommt. Selbst wenn das Ganze auch den Vorteil hatte das der Jungrüde wieder etwas mehr zu sich selbst finden konnte – grade deswegen hatte er darauf bestanden auch alleine weiter nach ihr zu suchen – wusste er einfach nicht, ob es richtig gewesen war, die Suche abzubrechen. Die Geschehnisse im Tal hatten auch ihn belastet, jede noch so kleine Spur fast vollkommen verwischt und es im Allgemeinen einfach total erschwert, überhaupt etwas zu finden. Höchstwahrscheinlich würde Chanuka sich in naher Zukunft nochmal an seine Mutter wenden wollen um sich mit ihr darüber zu unterhalten. Zur Zeit empfand er nämlich so als ob das wirklich noch einmal von Nöten wäre. Für jetzt beschäftigte er sich sowieso lieber mit der Sache, die seine Stimmung besser stimmte. Das beseitigte nämlich wenigstens das unwohle Gefühl in der Magengegend. Turién erwiderte die Begrüßung seiner Schwester kurz, und einen Moment schloß die Graue die Augen. Er verstand sie, er wußte, wie es ihr ging. Auch wenn niemand sich sicher sein konnte, wie es Nerúi ging, wo sie war... und ob sie wieder kommen würde. Aber das machte es für ihren silbernen Bruder nicht leichter, und auch ihr konnten diese Gedanken keine Last von den Schultern nehmen. Als ihr Bruder sich also wieder zu Parveen herum wandte, seufzte Atalya leise, ließ den Blick kurz auf den Boden sinken, verharrte einige Momente so. Erst einige Herzschläge später hob sie den Kopf wieder an, musterte ihre schwarze Tante, die in diesem Moment jedoch keinen klugen Rat mehr parat hatte und schwieg. Genau wie Turién. Und so brachte auch die Graue keinen Ton mehr hervor, sie wandte nur den Blick wieder ab und richtete ihn in die Dunkelheit des Himmels. Bis diese merkwürdigen Geräusche erklangen. Das Rascheln des Baumes verzweigte Amúrs Gedanken immer noch an die brennende Anwesenheit des schwarzen Vogels. Der kühle Wind ließ dessen Federn ominös flattern und der steif gefrorenen Ast verursachte, dass sich die drahtigen Beinchen der Krähe wie Knochen anhörten. Ihren Gesang, ihre Dichterei...ach lass es doch einfach Worte sein- blendete sie aus und wagte mit ihren blauen Augen die hell erleuchtete Schneelandschaft abzusuchen. Amúrs Rute war weiterhin stets angespannt und ihr Nackenfell pulsierte angestrengt nach oben. Schon alleine diese Aura verärgerte die Fähe zutiefst und ließ die Wölfin schwerer atmen. Wahrscheinlich versuchte sie mit harten Atemstößen das Gekrähe des Vogels auszublenden, doch jener Versuch scheiterte. Hörst du auch die Bäume reden? Ja....macht es dich denn verrückt? Es dauerte noch einen kleinen Moment ehe sich eine Reaktion seitens Amúr zeigte. Als sie seine Worte und schließlich auch ihn selbst dann aber bemerkt hatte, schoss sie, nach Aussprache ihrer eigenen Worte, wie ein Pfeil auf ihn zu. Tja, da hatte Chanuka sich wohl mal wieder viel zu viele Gedanken gemacht. Er war so lange weg gewesen das es eigentlich logisch war, dass er so in Empfang genommen werden würde. Außer seiner Mutter hatte ja niemand gewusst wann und ob er wiederkommen würde. Irgendwie ärgerte es ihn für einen klitzekleinen Moment ein wenig, dass er da nicht selbst drauf gekommen war, selbst der jüngste Welpe hätte sich so etwas sicherlich schlussfolgern können. Allerdings blieb ihm auch gar keine Zeit dazu wirklich genauer darüber nachzudenken. Als er sich mehr oder weniger innerlich darauf einigen konnte das es einfach seine Art und Weise war so vorzugehen, hatte seine Schwester schon ihre Runde um ihn gedreht und ihn lieblich begrüßt. Auch seinerseits breitete sich das Bedürfnis aus ihr es gleichzutun und so setzte er, nachdem er noch leicht gezögert hatte, zu seiner eigenen Runde an. Er schnüffelte ihr im Fell, vergrub auch kurz seine Schnauze in ihrer Flanke und erwiderte ihr liebliches Schlecken, als er letztendlich wieder vor ihr stand und in ihr, helles, immer größer werdendes, eisblaues Paar Augen blickte. Das Pendeln der Rute welches wohl zeitgleich mit dem ihren eingesetzt hatte wurde nun von einem Lächeln auf den Lefzen begleitet, verstärkte den Ausdruck von Freude. Kisha drehte leicht die Ohren hin und her, während sie weiter dem Gespräch der beiden Brüder lauschte. Zwar redete Isaí mehr, und Malik blickte suchend zum Himmel und schwieg... aber diesen Moment sollte man ihm wohl gönnen. Natürlich war es furchtbar traurig, seinen Paten zu verlieren. Aber er war ja nicht völlig unerreichbar fern, und genau dafür fand ihr Patensohn die richtigen Worte, die sie selbst wohl nie besser hätte treffen können. Der Weiße ignorierte sie, aber auch das ließ die Dunkle nur leicht mit den Ohren schnippen – Kursaí wurde immerhin genauso ignoriert, also lag es nicht an ihr! Und selbst wenn, das Lächeln auf ihren Lefzen hätte sich auch unter diesem Umstand kein bisschen geändert. Und als sich der junge Rüde wieder an seinen roten Bruder kuschelte, richteten sich auch die braunen Augen der Fähe wieder auf ihren Patensohn, sie nickte bei seinen Worten nur bestätigend. Vielleicht tauchte Nihilus ja so auf, wie sie selbst? Zack und er war da! Sie musste bei diesem Gedanken ein kurzes Lachen unterdrücken, schüttelte dann aber auch schon den Kopf auf die Frage Isaís hin. Schon als die weiße Fähe sich den anderen beiden genähert hatte, war ihr die angespannte Atmosphäre welche die beiden umgab nicht entgangen. Doch als sie sich zu ihnen gesetzt hatte, war die Luft so erfüllt, dass sie fast schon zu vibrieren schien. Doch davon ließ Sheena sich nichts anmerken. Sie freute sich, dass Tyraleen so munter begrüßte und erwiderte den Gruß mit einem mindestens genauso liebevollen Zungenschlenker über den Fang ihrer Alpha und Freundin. Als Tyraleen sie über die ihr Begleitung schenkende Fähe informierte, registrierte sie den aufmerksamen Blick der weißen Priesterschwester. Auch davon ließ sie sich nicht irritieren und ließ ihren Blick einen Moment noch locker auf der Weißen ihr gegenüber liegen. Erst langsam, fast schon als Tyraleens Worte geendet hatten, bewegte sich ihr Kopf herum, sodass sie die schwarz-weiße Fähe anschauen konnte. Merkwürdig, dass die Fähe sich scheinbar nicht an diesen Wald erinnern konnte – oder wollte. Es war klar, dass die Fähe sowohl Tyraleen als auch ihr irgendetwas verschwieg. Sie würden schon noch heraus bekommen, was das war. Doch vorerst wollte sie sich auf die ihr gebotene Situation konzentrieren – damit ihr auch ja kein Detail entgehen konnte! Ein leichter Windhauch verursachte, dass Schnee von den schwer gewordenen Ästen des Waldes herunterrieselte. Kleine zarte Flocken umtanzten die aufkeimende Situation und ließ die beiden Wölfe im Rausche der Freude zu einem Knäuel werden. Chanuka schien ihre Freude wahrlich zu erwidern und jene im Ausdruck von erwärmenden Berührungen zu verdeutlichen. Amúr schien außerhalb des Glaubens, all dies sein eine reale Welt, denn Chanuka war eine der Seelen gewesen die jener Fähe sehr am Herzen lag. Seitens Chanuka blieb das leichte Pendeln mit der Rute noch ein Weilchen. Erst wenige Sekunden nachdem er bemerkte hatte, dass Amúr die Freude nicht mehr richtig teilen konnte – so zumindest sein Eindruck – ließ es auch bei ihm nach. Was hatte sie denn auf einmal, hatte er irgendetwas falsches gesagt? Nun.. zumindest indirekt, wie sich wenig später herausstellte. Jetzt wo er so im Nachhinein darüber nachdachte konnte das, was er gesagt hatte, durchaus so wirken, wie Amúr es jetzt aufgefasst hatte. Tyraleen hatte erst später davon erfahren. Sie war nicht diejenige gewesen die ihn losgeschickt hatte, wäre dem so gewesen hätte er seine Familie wohl nicht im Unwissen über seinen Verbleib gelassen. Chanuka wollte sich also nun erst einmal daran machen diese leicht getrübte Stimmung wieder zu beseitigen, versuchen zu erklären und vielleicht wieder einen freudigeren Ausdruck bei seiner Schwester hervorzurufen. Helle Seelenspiegel blickten stumm in die tiefschwarze Nacht. Die schimmernden Augen wurden von der Dunkelheit verschlungen. Denn Sterne und Mond waren hinter einer dunklen Wolkendecke versteckt. Es gab kein Anzeichen drauf, dass der Himmel sich irgendwann lichten würde, um einen Blick auf die Strahlenden zu erhaschen. Stattdessen wanderten die Wolken unruhig am Himmelszelt und türmten sich zu großen Giganten auf. Die schmale Schnauze wurde nach oben gestreckt und die Augenlider senkten sich. Tief atmete die Schneeweiße ein, sog genüsslich die Luft in ihre Lungen. Der schwache Wind im Rücken pustete in ihr langes Fell und wehte es auf. Irgendwo hinter ihr lag das Rudel. Dem leisen Getrampel nach zu urteilen waren bereits viele auf den Beinen. Der Unruhe sei Dank war sie schon eher wach geworden und hatte genug Zeit in ihr Inneres zu horchen. Ihre Sinne abzustellen und einfach ihren Gedanken nachgehen, ohne durch irgendjemanden oder irgendwas gestört zu werden. Nun war es aber vorbei mit der Zeit für sich. Blinzelnd öffnete Ahkuna die eisfarbenen Augen und stieß die eingeatmete Luft mit einem langgezogenen Seufzen wieder aus. Leichtfüßig erhob die junge Caiyé sich und schüttelte ihren weißen Pelz aus. Ein letzter Blick wanderte zu dem erdrückenden Himmel, anschließend drehte sie sich in Richtung des Rastplatzes und schritt mit einer gewissen Eleganz über den unberührten Schnee. Taleesha war unheimlich froh, dass sie nun nicht mehr auf sich alleine gestellt war. Das Grübeln tat ihr nicht gut, sie sehnte sich nach hellen, sorglosen Tagen und vor allem nach Nähe. Dass Aszrem zu ihr gekommen war und ihr durch seine bloße Anwesenheit Trost spendete, machte sie ruhiger. So, als könne sie nun die Verantwortung für ihre wirren Gedanken einfach abgeben. Sie blickte dem Rüden in die goldgelben Augen, die, im Gegensatz zur Dunkelheit um sie herum, wie zwei Fackeln leuchteten. Während sie Chanuka das Wort im Fang zerfließen ließ, streckte sie ihr Hinterbein und drückte ihren Körper dabei leicht nach vorne. Alles an ihr schien für einen Moment zu beben und man konnte mit scharfen Blick erkennen, wie der Schnee an ihrer Hinterhand zu schmelzen begann und das Wasser an ihrem Fell hinuntertropfte. Amúr war aufmerksam, ließ jedes seiner Worte mit Interesse in ihren Gedanken zergehen und schuf Bilder. Bilder von dunklen Pfoten im Schnee, Bilder von warmem Atem der durch die Luft säuselte, helle Augen die nach Leben suchten und der Einsamkeit entkamen. Die graue Fähe wedelte nochmals für einen Hauch mit ihrer Rute, schnippte mit ihren Ohren nach vorne und betrachtete das bekannte Bild ihres Bruders. So, So also. Der Fang der Wölfin verzog sich ein wenig und ließ ihre Tasthaare dabei aufzucken. Kalte Flocken verhingen sich auf dem dünnen Haar und kullerten zu ihrem Fang hinunter. Die silberne Fähe wagte einen Schritt nach vorne, drückte ihre leichten Pfoten in den Schnee und betrachtete das dunkle Bild Chanukas. Es glich einer Absurdität, ihren Bruder wieder zu sehen, denn Amúr glaubte ihn für verschollen und verloren. Wo auch immer er seine Wege gegangen war. Ehe Amúr auch nur ein Wort als Antwort gegeben hatte, gab es für den Rüden schon wieder den ein oder anderen Bereich über den er nachdenken konnte. Seine Frage wie es ihr – den Umständen entsprechend – denn ginge war zwar eine tolle Einleitung um vielleicht darauf zu sprechen zu kommen, warum sie im Moment die Distanz zu den anderen suchte, richtig klar war es dadurch aber trotzdem nicht ob er damit an seinem Ziel anlangen würde. Chanuka würde sich selbstverständlich auch damit zu Frieden geben wenn sie es ihm nicht erzählen würde, schließlich hatte er ja auch nicht direkt danach gefragt. Wenn sie es nicht sagen wollte und es als unpassend, gar unangenehm empfand, wollte er sie auch nicht dazu zwingen in solch eine Lage zu geraten. Die Möglichkeit, dass es überhaupt keinen Grund hatte warum sie alleine war gab es dann immerhin auch noch. Kursaí bemerkte mit Erleichterung, dass wohl auch Kisha die Ignoration des Welpen nicht persönlich nahm. Für sie schien es selbstverständlich, doch sie war sich gewiss, dass es auch Wölfe gab, die es nicht so sahen. So blickte sie wieder einen kurzen Moment bei ihren Ahnen im Himmel, bis er wieder zu dem Hier und Jetzt zurückkehrte. Sogleich wurde er auch von Isaí angezogen, welcher auf Hirgoya hinwies. Es war keine Überraschung, dass sich Kisha über diese Botschaft freute, doch Malik schien sich über diese Ablenkung nicht zu freuen. So recht konnte sie es nicht deuten, doch anscheinend wollte er seine Ruhe haben. Zuerst war Averic von Yjels Antwort ein klein wenig überrascht. Schnell aber wandelte sich dieses Gefühl und sie wunderte ihn nicht mehr. Es lag wohl in der Natur eines jeden Wesens sich den Ort, den der Tod sein Zuhause nannte als trostlos, öd und leer vorzustellen. Andererseits war das Tal der Raben genau wie das Tal der Sternenwinde einfach nur ein Tal, in dem zufällig ein Wolf geboren worden war, der später seinen Platz als Gott eingenommen hatte. Fenris war nicht immer der Name des Todes gewesen. Ganz am Anfang war sicher auch Fenris nur ein Welpe gewesen, der in seine Familie hinein geboren worden war – genau wie er. Und der Gott des Todes musste für ihn einen anderen Namen gehabt haben, oder gar keinen. Von dem verbitterten Vorfall mit Krolock und Caylee wollte Amúr nicht sprechen, vor allem auch nicht über die Zweifel die die Fähe um seinen Geist hegte. Er schien unrein und von etwas benommen, was ihre Kenntnisse über Natur und Winde nicht inne trugen. Ihr Kopf legte sich leicht schräg und sie lauschte den Stimmen des Windes, wie er am toten Blatt der Bäume zog und sie auf den Boden bat. Amúr erkannte das sanft beginnende Wedeln seiner Rute und ihr einst skeptischer Blick, wandte sich wieder in den Umhang eines Lächeln. Sie war glücklich, das konnte sie nicht missachten und all jene Gedanken an ein wieso oder warum neigten sich dem Ende wie ein letzter Atemzug eines Sterbenden. Er würde also bleiben, dennoch sollte der Rüde aber auch wissen, dass in ihren Sinnen ein für Immer eine recht lange Zeit war. Besonnen, trotz der umgebenen Dunkelheit öffnete sie ihren Fang und begrüßte ihn mit weitaus anderen Worten, die jegliche schwarze Situationen ausblendeten. Etwas überrascht von ihrem plötzlichen Stimmungswechsel schaute der Rüde für einen kleinen Moment leicht auf, richtete seinen Kopf dann aber wieder in seine ehemalige Haltung zurück. Das sie das so zu Frieden stellen würde kam tatsächlich etwas unerwartet, besonders wenn man daran dachte welch getrübten Eindruck sie vorher noch hinterlassen hatte, mehr hätte er diesbezüglich aber wohl wirklich nicht sagen können. Er hatte versprochen das er bleiben würde und nun galt es einfach diesen Worten zu vertrauen. Vielleicht hatte er da mal wieder ein wenig zu kompliziert gedacht und einfach eine andere Reaktion in Betracht gezogen, aber das war ja auch nicht wichtig. Nun jedenfalls weiterhin interessiert daran was Amúr so zu erzählen hatte oder wissen wollte, zuckten seine Lauscher wieder aufmerksam in ihre Richtung. Vielleicht hatte es etwas gebraucht um es zu realisieren, aber nun war sich Amáya bewusst, dass sie die Anwesenheit des Bunten nicht mehr störte. Er hatte wahrscheinlich so eine Art Stempel mit der Aufschrift 'Akzeptiert und Geduldet' auf die Stirn gedrückt bekommen. Schließlich konnte man ihn keine unangenehme Gesellschaft nennen und dumm war er auch nicht. Vielleicht hatte sie wirklich zu große Vorurteile gegenüber Fremden. Dabei wusste sie nicht mal, woher das kommen könnte. Für sie war alles Zwischenwölfliche immer noch begleitet von einem seltsamen Beigeschmack, den sie einfach nicht loswerden konnte. Nun gut, vielleicht gab es einige wenige Ausnahmen, doch sie war nie die Geselligste gewesen. Eine Weile lang genoss sie die Stille in der auch Chivan seinen Gedanken nachzuhängen schien. Gedanken waren doch etwas schreckliches, nicht wahr? Wen sich zu viele anhäuften, vermochten sie den Geist leicht zu vergiften, sodass er nur noch mehr schädliche Gedanken produzierte. Oder war dieser bereits auch einer jener Gifttröpfchen, die sich in ihrem Schädel sammelten? Am liebsten hätte sie über sich selbst den Kopf geschüttelt. Genau deswegen war sie ein hoffnungsloser Fall, sie konnte nicht mal in diesem Zustand wirklich klar denken. Ständig diese verschlungenen Pfade, langsam wurde sie dessen müde. Es musste wohl wunderbar sein, an nichts denken zu müssen. Ayar blinzelte ein paar Male, als die Augen ihm so langsam ein wenig schmerzten durch das ganze Weiß. Er hasste diese verdammten Sehprobleme. Zumal, eigentlich war seine Sehkraft zu gut, doch genau darin lag das Problem. Ein Wolf sollte keine so guten Augen haben, daher streikten sie und reagierten mit Schmerz. Der Schwarze war versucht, die Augen zu schließen, doch das tat er nachts höchst ungern. Er hatte es so satt, dass seine Augen so anders waren und einige Wölfe, denen er begegnet war, schienen gedacht zu haben, dass er ihnen Leid und Tod brachte, einfach nur wegen seiner seltsamen Augenfarbe. Die eisblauen Kristalle schimmerten neugierig. Gar erwartungsvoll blickten sie den hellen Rüden an. Ohne zu zögern hatte sie ihm den kalten Schnee ins Gesicht geschmissen. Nicht gerade die feine englische Art wie man einen Herrn wecken sollte. – Ganz besonders einen Samirez nicht. Dennoch war es eine böse Angewohnheit der weißen Fähe. Es war aber auch eine süße Versuchung ihn zu necken. Ein Blick auf sein verzerrtes Gesicht bestätigte gleich ihren Verdacht: Für ihn schien es nicht ganz so spaßig gewesen zu sein. Etwas konnte die Fähe ihn auch verstehen. Wer bevorzugte es schon mit kaltem Nass geweckt zu werden? Dennoch wurde Ahkunas Laune kein bisschen getrübt. Dass er nicht auf ihre Frage mit dem Hunger einging, stellte sie einfach auf jene Tatsache, dass er vielleicht keinen hatte, oder sein Interesse ehe auf andere Geschichten lenkte. Und ja...in Geschichten erzählen...war er wohl wirklich gut...wie wollte sie das nur vergessen? ((*Pfötchen nochmal Herz zu wirft* ûu‘‘‘ <3)) Er konnte nicht genau beurteilen was sich grade alles in dem Köpfchen seiner Schwester abspielte, jedenfalls machte es den Eindruck als das seine Worte sie definitiv in Gedanken versetzt hatten. Ihm war sowohl ihre Verbundenheit zu den Tieren als auch ihr stetig schöner Blickwinkel auf alles, was mit den anderen Geschöpfen des Waldes zu tun hatte, bekannt. Höchstwahrscheinlich reimte sie sich in ihren Vorstellungen also wieder ein wenig zu seiner Erzählung dazu, aber sollte sie nur. Wenn es ihr Freude bereitete und zu solch dunkler Stunde in einem solch tristen Wald für gute Stimmung sorgte, konnte es nur schön sein. Ihrer Rute zu Folge war es jedenfalls so. Hier gab es schließlich kaum etwas anderes als das schwarze Gefieder, Raben und Krähen die sich mit ihrem Aussehen förmlich an die Umgebung anpassten. Chanuka hatte da aber gut Reden, beziehungsweise gut Denken. Sein Pelz trug ja auch diese schwarze Farbe. Parveen kniff die Augen ein wenig zusammen und bewegte ihren erhobenen Kopf leicht von einer auf die andere Seite, was allerdings nicht dazu führte, dass sie mehr als vorher sah. Der schnatternde Fremde in den Bäumen hielt sich gut im Schutz der Dunkelheit verborgen und dachte anscheinend nicht einmal daran sich zu zeigen, so wie es die Wölfin gerne hätte. Nach der nächsten, lauten Tonabfolge, die ihnen nicht mehr über das Wesen als vorher verriet, senkte die Schwarze entnervt den Kopf. Wahrscheinlich konnte es ihnen egal sein, wer sie da belauschte, da er nichts als diese nervigen Laute beizusteuern hatte. Pav schüttelte leicht den Kopf und entfernte sich ein paar Schritte durch den Schnee. Solange sie nicht plötzlich die Fähigkeit bekam zu klettern und sich den unerwarteten Besuch aus der Nähe anzusehen, gab es hier wohl nichts mehr zu gewinnen. Von den Geräuschen würde sie über kurz oder lang Kopfschmerzen bekommen, die sie sich lieber sparen wollte. Aber dann erreichten ihre Ohren wieder Worte und kein Krach und sie Schwarze hielt wieder inne und blickte über die Schulter zurück nach oben. Taleesha stimmte seinem Vorschlag zu, blieb aber - wohl wegen der Müdigkeit, die noch an ihr nagte - noch etwas sitzen. Aszrem hatte nicht vor, sie zur Eile anzutreiben, also wartete er geduldig, bis die Welpin bereit war. Zunächst sprach sie ihn jedoch an, und die Art wie sie es tat, ließ ihn im ersten Moment vermuten, dass sie gleich mit einer schwierigen Frage herausrücken würde. Tatsächlich kam jedoch nichts dergleichen, sondern eine derart deutliche Sympathiebekundung, wie er sie in dieser Form schon eine ganze Weile nicht mehr gehört hatte. Gewiss, Tyraleen gab ihm immer wieder zu verstehen, wie sehr sie seine Gegenwart und Hilfe schätzte, aber Taleeshas Ausspruch war... reiner. Sie sagte ihm das, obwohl er eigentlich nicht wirklich etwas für sie getan hatte, das dieses Lob verdient hatte. Es fühlte sich warm an, aber er musste auch sogleich wieder an Nerúi denken. Der Schwarzbraune ließ sich das jedoch nicht anmerken - Taleesha konnte nichts dafür, das alles Schöne immer mit dem bitteren Beigeschmack kam, dass seine Tochter nicht bei ihm war. Krolock beobachtete Caylees Mienenspiel eine Weile ziemlich genau. Er trug sein typisch dämonisches Grinsen auf den Lefzen, während er fast lesen konnte, was die weiße, junge Wölfin dachte. Das Spiel wurde angenommen und sein Blick verdüsterte sich, passend dazu noch ein wenig. Oberflächlich betrachtet sah es beinahe freundlich aus. Er beobachtete die Welpin, wie jemand, der überlegte, wie er ein Kind mit Lollys oder kleinen Kätzchen am besten in einen Lieferwagen locken konnte. Die ganze Situation war ziemlich verzwickt. Die Freude auf der einen Seite, jedoch dann diese Vorwürfe auf der anderen Seite. Engaya hatte ihr Geschenk nicht einfach gestaltet. Mussten sie wohl etwas für ihr Glück tun, doch Kursaí kam nicht drauf, wie sie die Situation verbessern sollte. Ja, sie versuchte möglichst viel mit ihrem Vater zu machen, doch der ließ sie nicht häufig an sich ran. Außerdem war er ja nur die Hälfte des Problems und mit ihrem Bruder hatte sie auch noch nicht gesprochen. War dies ihr Versäumnis? Und dann gab es auch noch ihre Mutter. Wenn ihr Papa schon verschlossen war, so war ihre Mutter nicht mehr zu erreichen. Averic reagierte mit keiner besonderen Regung auf Yjels Erwiderung. Ein seltsamer Wolf. Und der Pechschwarze, als jemand, der in zwischenwölfischen Beziehungen etwas ungelenk war und meistens die Option 'verscheuchen' wählte, wenn er nicht wusste, wie er mit jemandem umgehen sollte, musste sich erst daran gewöhnen. Aber augenblicklich war Yjel zu interessant und wusste zu viel, um ihn einfach beiseite schieben zu können. Außerdem hatte ihn Fenris extra zu ihm geschickt. Auch, wenn selbst Averic nicht ganz klar war warum und er nur spekulieren konnte. Er konnte es nicht riskieren es sich jetzt schon mit ihm zu verscherzen. Die Frage über Invidia würde er gleich genauer ausformulieren, wenn der Hellere seine gestellt hatte. Während Kisha Kursaís Worte einen Moment nicht zuordnen konnte und sie irgendwie verwirrend fand, ließ die Antwort ihres Patensohnes das Lächeln auf ihren Lefzen noch ein wenig breiter werden. Na also! Kisha war sich sicher, dass wenn sich mindestens einer über die Rückkehr ihres Bruder freute – und genau genommen waren sie ja sogar schon zwei – desto leichter würde es dem Rest der Familie auch fallen, Hiryoga wieder in die Familie aufzunehmen. Auch die Schwarze nickte dem jungen Wolf kurz zu, berührte ihn noch einmal mit der Nase. Bei ihm gab es also nur die richtige Pfote, ja? Ahkuna verdrehte amüsiert die Augen und war erleichtert, dass der Rüde ihr im Nacken hing und von dieser Geste nichts mitbekam. Dieser arrogante Kerl. Damals wäre ihre Reaktion wahrscheinlich anders ausgefallen. Als sie damals bei den Njamonir lebte, war ihre Beziehung zu Samirez auch nicht gerade die Beste. Zickereien über Nörgeleien stapelten sich zu einem gefährlich hohen Turm. Dennoch schien es einen auschlaggebenden Schubs gegeben haben, der das große Gebilde zum Einsturz gebracht hatte und sie von Level 0 (mehr oder weniger) wieder anfangen konnten. Auf welcher Ebene befanden sie sich bloß jetzt? Dieses Gefühl, das immer dann hochkam wenn er gerade in ihrer Nähe war, mit ihr sprach oder sie einfach nur ansah, war ungewohnt. Etwas Neues für die Fähe. Was grade wohl in Chanuka vor sich ging, das blieb ihr ein Geheimnis, zumindest versuchte sie das selbst zu bergen. Sie wollte so gar nicht wirklich wissen war er darüber dachte und wie er ihre Worte in sich auffing und dies darauf bezog, wie es eigentlich ihr ging. Sie redete nicht darüber und versuchte dem Ganzen galant aus dem Weg zu gehen, um nicht mit irgendwelchen Gerüchten und ausgrenzenden Situationen aufzukommen. Außerdem wollte sie keine schlechten Lichter auf die Seelen der anderen Rudelmitglieder werfen und ihrem Bruder die Chance geben, sich von allem Verhalten ein eigenes Bild formen zu können. Amúr bewegte sich etwas zur Seite, ehe sie still beobachtete, wie sich Chanuka streckte und versuchte alle Anspannung zu nehmen, die wohl durch seinen Körper glitt. So zumindest sah es aus, auch wenn ihre Auffassung manchmal zu verschleiert war, was das Gehabe anderer Wölfe anging. Kursaí bemerkte, wie sich Kisha über die Bekundung ihres Patensohnes freute. Kein Wunder, denn wie sollte es sie auch kalt lassen, dass Isaí auf "ihrer" Seite stand. Nein, es war vielmehr so, dass für den Kleinen ein unbekanntes Familienmitglied zurückgekehrt war und somit die Familie größer geworden ist. Jedoch nur scheinbar. Doch so musste es nicht bleiben. Sie hatte sich ja vor genommen dies zu ändern. Dabei war sie aber immer nur zu ihrem Vater gegangen. Vielleicht war dies der Fehler. Wahrscheinlich hätte sie auch ihren Bruder Jakash aufsuchen sollen und mit ihm reden. Zumindest schien es für sie so, dass sie bei dieser Aufgabe einen kleinen Verbündeten hatte. Wenn sie den Roten richtig verstand, wollte er die Situation auch nicht hinnehmen, wie sie war. Besonders nun, da Kisha ihn auch noch bekräftigte. Sie beobachtete still die Beiden, bis das Gespräch sie wieder mit einschloss. Noch während Chardím nach seiner Schwester Ausschau gehalten hatte, hatte ihn plötzlich etwas Hartes mitten auf den Kopf getroffen. Der Schwarzweiße zuckte zusammen und schüttelte anschließend aus dem Reflex heraus sein Haupt. Autsch! Auch Jakash war plötzlich aufgesprungen. Etwas verwirrt wanderten die zweifarbigen Augen des jungen Wolfes zu seinem Paten, der an einem gefrorenen Tannenzapfen schnüffelte. Als Chardím zu seinen Pfoten blickte, war auch dort ein Zapfen und automatisch wanderte sein Blick nach oben in das Geäst des großen Baumes neben ihnen. Er brummelte und richtete sich ebenfalls auf. Während Atalya weiter in die Dunkelheit blickte, auf dieses Wesen wartete, welches sich noch immer vor ihnen versteckte, verdrehte sie leicht die Ohren, ließ den Blick nur kurz zu ihrem Bruder und der dunklen Tante schweifen. Parveen schien genug von diesem Tier zu haben, ohne noch etwas zu sagen wandte sie sich ab, wobei Atalyas Augen still auf der Dunklen ruhten. Von den folgenden Worten schien sie sich jedoch umstimmen zu lassen, wandte sich doch noch einmal herum und richtete Worte in die Dunkelheit der Bäume. Die Reaktion des Wesens auf ihre eigenen Worte ließen Atalya kurz lächeln, wobei sie seine kleine 'Beleidigung' vollkommen ausblendete. Er hatte sich mit wenigen Worten provozieren lassen, und damit hatten sie doch, was sie wollten. Der Vogel zeigte sich ihnen, wurde kurz skeptisch aus den rötlichen Augen betrachtet. Solch ein Federtier hatte Atalya selbst zuvor noch nicht gesehen, jedoch änderte dies Nichts an ihrer Haltung, da konnte er sich aufspielen so viel er wollte. Ein leises Schnaufen verließ ihren Fang bei seinen weiteren Worten, und erst, als er Parveen Vorschriften machte, hob die Graue erneut eine Augenbraue, schnippte kurz mit den grauen Ohren. Er spielte sich wirklich auf, und noch bevor Parveen auf diese Worte eingehen konnte, trat Atalya einen Schritt nach vorn, musterte den Vogel mit aufmerksamen Augen. Der vorherige Wille etwas über das Wohlsein seiner Schwester zu erfahren stoß dann nun letztendlich auf Gleichgültigkeit und wurde wieder in den Schatten gerückt. Auch ihre Aussage bezüglich der Tiere quittierte der Rüde nur mit einem recht neutralen Blick. Es war nicht das erste Mal das sie etwas darüber gesagt hatte, dass die Tiere ihre ganz eigene Stimme hatten und dergleichen, wirklich verstehen konnte er es aber immer noch nicht. Für ihn existierte seither nur der Gesang, das Zwitschern, das Zirpen der Grillen und all die anderen Geräusche, die alle anderen Tiere tagtäglich erzeugten. Abgesehen davon, dass er nun also zu Tyraleen wollte, hatte Amúr bei der heutigen Begegnung ohnehin recht wenig von sich selbst preisgeben wollen. Ihm schien es also fast schon so als ob er auch aus dieser „Verschleierung“ nicht wirklich mehr heraus bekommen würde, folglich versuchte er es einfach gar nicht. Parveens Ohren stellten sich augenblicklich auf, als Sie ein Flügelrascheln aus den dunklen Baumwipfeln vernahm und sie kurz darauf endlich eine genaue Gestalt zu den Bewegungen erkennen konnte. Ein großer Vogel ließ sich unweit von ihnen nieder und blickte die drei Wölfe aus aufmerksamen Augen an. Aber es war nicht, wie Pav erwartet hatte, ein Rabe oder eine Krähe. Das Geschöpf vor ihnen war größer und durchaus schön anzusehen. Als er sich noch im Flug befand, hatte man einen guten Blick auf das golden schimmernde Federkleid unter den Schwingen. Die Schwarze gab nicht viel auf reine Äußerlichkeiten, aber sie konnte nicht umhin gedanklich zuzugeben, wie hübsch der Vogel war, der ihnen aus den Baumkronen gelauscht hatte. Auf jeden Fall war ihr nun wohler, da sie ihren Gesprächspartner vor sich hatte und sehen konnte. Sie lauschte ihm stumm und wollte gerade den Fang für eine Erwiderung öffnen, als Atalya nach vorne trat und ihrerseits etwas sagte. Parveen seufzte innerlich. Ihre Nichte war nicht gerade diplomatisch. Sie sprach einfach aus was sie dachte. Ja, was sollte ihnen ein Vogel schon groß anhaben? Recht hatte sie. Er würde für die Wölfe keine Gefahr darstellen. Selbst an die Welpen mitten unter ihnen würden sie sich gewiss nicht herantrauen. Auch wenn sie von dem Lauscher nicht gerade begeistert war, so hatte er sich ihnen zumindest endlich gezeigt und die Schwarze hatte stets im Sinn eine Situation friedlich zu lösen –Ob es sich nun um einen Wolf handelte, oder einen vorlauten Vogel. Einem Welpen würde man wohl beibringen: 'Er hat dir nichts getan, also halte du es genauso. ' Ihre Nichte ahnte wohl nicht, wie nervenaufreibend es erst werden würde, wenn sie den Gefiederten zu ihrem Feind machte. Eine Last, die man sich wahrlich sparen konnte. Man hatte doch schon genug Probleme auch ohne kreisenden Vogel über dem Kopf. „Puuuh! Dann bin ich also nicht die Letzte die sich noch in ihrer Traumwelt aufgehalten hat…“ Kisha patschte unbegeistert mit der Pfote in den gefrorenen Schnee, ihr Blick sprach dabei wirklich Bände. Sie wußte, dass dies eine ernste Situation zwischen den beiden war, ihr gefiel es jedoch nicht so ganz. Sie gehörte zwar zur Familie, aber aus einem ganz anderen Winkel. Zumindest irgendwie, auch wenn Hiryoga ihr Bruder war. Aber mit Jakash hatte sie nie viel zu tun gehabt. Und mit Kursaí auch nicht. Sie lauschte den Worten der Beiden, blickte auch tapfer zu dem Wolf, der gerade sprach, aber so wirklich einzubringen wußte sie sich nicht. Zumal es doch irgendwie jedem selbst überlassen war, wie er damit umging. Aber sie kannte Jakash nicht wirklich, und sie war auch nicht bei diesem Streit dabei gewesen, über den die beiden Wölfe nun diskutierten. Sie konnte also nur im Schnee liegen, die beiden beobachten und zwischendurch ihre Gedanken aussprechen, auch wenn diese wohl keinem von ihnen weiter half. Sie spürte den Blick der Grauen auf sich, den sie mit einem breiten Grinsen erwiderte und sich dann wieder zu ihrem Patensohn herum wandte. Ihr war nicht mehr danach, hier herum zu liegen – wirklich nicht. Sie hatte genug von dieser Diskussion. Dennoch war sie stolz auf den kleinen Roten, weil er zu seiner Meinung stand und sich auch von Kursaí nicht hinein reden ließ. Krolock beobachtete die Welpen eher unbeeindruckt. Er gratulierte sich selbst, dass er, wäre irgendetwas an diesem Spiel wahr, hoffnungslos verloren wäre. Nichts, was ihn überrascht hätte, auch wenn es wirklich kein Hexenwerk gewesen wäre, Caylee in die Rute zu zwicken. Er war nur der Letzte, der irgendetwas erwartete, von diesem Pack, bestehend aus Gutwölfen, die nichts taten, als den Schein zu leben. Sogar die Welpen waren hoffnungslos verloren. Dämlich wie die Nacht und unfähig noch dazu. Hiryoga folgte Shani immer noch, erst als sie stehen blieb, sank sein Körper immer weiter zu Boden, sodass er nur noch robbend auf sie zu kam. Trotz seines lichten Fells, welches für eine schwere Erkrankung oder Unterernährung sprechen würde, schien er die Kälte des Bodens nicht zu spüren. Die großen Ohren hatte er flehend an den Kopf gelegt, die Rute an den Körper gezogen. In dem Moment, wo sie ihn von sich abgestoßen hatte, war etwas zerbrochen. Sie spürte einen tiefen Stich in ihrem Herzen. In ihrem Inneren verkrampfte sich etwas schmerzhaft und raubte ihr fast den Atem. Es herrschte eine Stille, die sich hinzog wie Kaugummi. Warum sagte er denn nichts? […] Sie hörte ihr Herz laut gegen ihre Brust pochen, als seine Stimme endlich erklang. Die weißen Ohren drehten sich sachte nachhinten, erstarrten jedoch in ihrer Bewegung. Seine samtig weiche Stimme hatte sich verändert. Sie war rau und fast tonlos. Erneut rann ihr ein Schauer den Rücken runter, doch dieses Mal wurde es von ihrer Angst ausgelöst. Was hatte sie kaputt gemacht? Ahkuna unterdrückte ein trauriges Winseln. Es blieb ihr im trockenen Hals stecken, ein großer Kloß versperrte den Weg. Augenblicklich hatte er Abstand genommen und sofort spürte sie die Kälte an den Stellen, wo zuvor noch seine Wärme gewesen war. Doch es war ihr Wunsch gewesen oder nicht? Wieso fühlte sie sich dann so schlecht? Sie hatte das Gefühl, dass sie vor Traurigkeit gleich überschwappte. Sie wagte einen Blick zur Seite. Als sie merkte, dass Samirez stur gerade aussah, drehte sie ihren Kopf langsam ganz in seine Richtung. Mit gemischten Gefühlen beobachtete sie das markante Gesicht des Rüden. Sein Ausdruck sah fast so aus, als ob er sich auf irgendwas im Wald konzentrieren würde. War vielleicht doch nicht alles so verloren wie gedacht? Hatte sie sich nur zu viele Sorgen gemacht und die Situation schlimmer gesprochen als sie eigentlich war? Doch bei seinen kühlen Augen lief sie gegen eine Mauer und fiel schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurück. Ahkuna zuckte leicht zusammen, als Samir seine Stimme erneut erhob und mit der Schnauze nach vorne deutete. Aus Reflex folgte sie seinem Blick. Achja. Der Wald. Für den ersten Moment zog es Amúr in den Genuss so von ihrer Mutter begrüßt zu werden. Wärme streifte ihren Körper und die junge Wölfin schloss im Augenblick der zarten Geste ihre Augen und nahm den wohligen Geruch ihrer Mutter auf. Die Silberne erwiderte dies und schenkte ihr nun mit geöffneten Iriden ein freundliches Lächeln auf ihren Lefzen, dass Tyraleen gewiss das aufwies, was Amúr grade fühlte. Die letzten Tage waren nicht leicht für sie gewesen und nach Chanukas Erscheinen, war die Aufmerksamkeit ihrer Mutter und die liebevollen Worte eine wahrliche Genugtuung das Vergangene fast schon wieder vergessen zu machen. Caylee war zwar immer ihre Schwester gewesen zu der sie nur wenig Draht fand, doch wollte sie sie trotz allem Übel retten, aber seit sie sich Krolock so anvertraut hatte, nahm es kein gutes mit den Gefühlen der grauen Wölfin. Amúr war eben ein Wesen, was oft und viel über Dinge nachdachte - vielleicht ein Fehler, aber sie konnte einfach schwer mit Sachen abschließen und sie einfach dort liegen lassen, wo sie geschehen waren. Wohl ihr Problem, aber auch ein Handeln, das man keinem zum Übel nehmen durfte. Atalya wußte nichts mit diesem Vogel anzufangen, weder fand sie ihn sonderlich interessant, noch hatte sie das Verlangen, ihm irgendwelche Fragen zu stellen. Auch ihre provozierenden Worte änderten nichts daran. Ihre Tante reagierte nicht auf ihre Worte, erst der Vogel selbst gab ihr eine Antwort, die sie nur leicht mit den Ohren zucken ließ. Jedoch nicht so, wie die Graue es sich erhofft hatte. Er gab wieder seinen Laut von sich, was die Fähe leise seufzen ließ, ehe sie den Blick schließlich wieder zu Parveen herum wandte, die sich in diesem Moment vorstellte. Die junge Wölfin selbst erwiderte kurz den Blick der Dunklen, spürte jedoch nicht das Verlangen, sich diesem Vogel vorzustellen. Als sie sich wieder abwandte strich ihr Blick kurz über ihren Bruder, hob dabei leicht eine Augenbraue und wollte sich gerade wieder herum wenden, als etwas an ihre Ohren drang. Parveen schien noch immer abgelenkt durch diesen Vogel, Atalya jedoch glaubte zwei bekannte Namen durch den Schnee hallen zu hören, die sie sich augenblicklich anspannen ließen. Diese zwei zusammen... und jemand, der laut rief... Die Graue schluckte. Er würde doch nicht schon wieder... was war, wenn er ihre Schwester noch einmal töten wollte? Für einen Moment kniff Atalya die Augen zusammen, und kaum hatte sie die Augen geöffnet, hatte sie einen Entschluss gefasst. Der rötliche Blick traf noch kurz Parveen und Turién – Sorge lag in den Seelenspiegeln der jungen Wölfin – ehe sie sich mit einem Satz in Bewegung setzte, auf den Ort zu hielt, aus dem sie den Ruf vermutete. Der Vogel war für sie in diesem Moment noch unwichtiger als zuvor schon. Den Blick weiterhin auf die Fremdlinge gerichtet, erhob sich der Schwarze anmutig. Ihm fiel die wachsame Haltung des Blauäugigen auf, und ihm entging auch nicht, dass sein Gegenüber ihn nicht wenig überragte. Tja, Ayar hatte keine Riesengene geerbt, aber konnte mit seiner Größe durchaus leben. Groß zu sein, war nicht immer ein Vorteil, wie er aus Erfahrung wusste. Auch wenn Sheena ihm bestätigend und wohl auch zustimmend für das was er vor hatte zunickte, schlug er sich seinen Gedanken erst einmal wieder aus. Man kannte es von ihm ohnehin nicht anders, dass er weniger aufdringlich reagierte. Bisher hatte es da ja nur einige wenige Fälle gegeben, in denen er sich dann doch von seinen Emotionen hat überkommen lassen und sich dann auch körperlich an jemanden wandte. Aber nein, nicht jetzt, vielleicht auch nicht einmal heute. So weit wollte er sich dann aber auch nicht festlegen. Sie fixierte eine Weile lang ihre Pfoten, ohne wirklich wahrzunehmen, in welche Richtung sie sie trugen. Sie wusste nur, dass sie nicht alleine lief. Es war seltsam, so unbewusst nebeneinander herzulaufen. Als würden sich die Pfoten der beiden Wölfe verschwören und sich in unverständlichen Frequenzen absprechen. Die schmalen Fähenpfoten betrachtend, fragte sie sich, wieso es dazu kommen musste. Sie war schön, sie war jung und sie liebte ihre Familie, wieso hatte sie dann diese tausend Irrtümer begangen? Fehler nach Fehler, den größten Teil bewusst. War sie wirklich so eine schreckliche Wölfin? ja flüsterte es aus der Dunkelheit um sie herum und sie sog zitternd die Luft ein, sich nicht trauend, den Blick zu heben. Ein bitterer Zug durchzuckte ihre Lefzenlinie. Sie durfte nicht vergessen, wieso sie hier gestrandet war. Sie war verflucht und das aus gutem Grund, sie hatte den Ruin sich selbst gebracht, JA sie hatte das alles verdammt noch mal verdient. Es war schon seltsam, wie schnell sich Gefühle ändern konnten. Taleesha hatte Aszrem bisher als freundlich, aber eher zurückhaltend und vielleicht ein bisschen uninteressiert wahrgenommen. Sie war sich sicher, dass er hinter seinem Rudel stand und dass man sich auf ihn verlassen konnte, aber bisher hatte sie sich in seiner Gegenwart nie geborgen gefühlt. Und nun war er ihr plötzlich seltsam vertraut. Sie legte den Kopf schräg und sah zu ihm auf. Sie brauchte nicht darüber nachzudenken, ob sie ihm erzählen wollte, was sie bedrückte. Averic kam für sich zu dem Schluss, dass es wohl einfach Yjels Art sein musste Kommentare abzugeben, die dessen Meinung nach lustig sein sollten. Vielleicht waren sie das ja auch in den Augen anderer, aber der Pechschwarze konnte hinter diese Art von Humor noch nicht so richtig hinter blicken. Wahrscheinlich war es einfach die Tatsache, dass dieser Humor nicht so weit von Provokation entfernt war. Angewiesen zu werden jemandem die Pfoten zu küssen, war für den Todessohn jedenfalls empörend – hätte er es ernst genommen. Tat er zu Yjels Glück aber nicht, so viel verstand er dann doch noch. Er sah den Kleineren nur unbeeindruckt an und verzog kaum eine Miene. Ayar war weiterhin verwirrt. Er hatte keine Ahnung, wer dieser Schielewolf war, auch wenn er ihm so verdammt bekannt vorkam. Doch trotzdem kam er nicht dahinter, wen er da vor sich hatte und ganz ehrlich, das regte ihn auf. Der Schwarze hasste es, wenn er meinte, etwas oder jemanden zu kennen, aber nicht an das Wissen daran herankommen zu können. Die zweifarbigen Seelenspiegel wanderten zum Blauäugigen, als dieser etwas zum dem Schielenden sagte. Als er den Namen des letzteren hörte, verengten sich seine Augen leicht. Parveens Ohren drehten sich bei der Antwort des Vogels wieder nach vorne. Vielleicht hatte sie sich das Geräusch nur eingebildet… Die Nacht konnte einem so manches vorspielen. Nur ihr Geist wollte sich mit diesem Gedanken – oder war es ihr Instinkt, der sich meldete? – nicht so ganz abgeben und ein ungutes Gefühl in ihrer Magengrube blieb. Aber Xykotokax lenkte sie ab und ein zaghaftes Lächeln umspielte ihre Lefzen. Göttername… Der Hellere hatte derweil angefangen Averics Nerven doch ein wenig zu strapazieren. Er hatte Recht behalten damit, dass Yjel lieber seine Späßchen treiben und den Moment, in dem er mehr Wissen besaß als die beiden anderen anwesenden Wölfe, auskosten wollte. Der Todessohn kräuselte die Lefzen und konnte ein Augenrollen nicht verhindern, als der helle Rüde anfing philosophische Fragen zu stellen. Sein Interesse an der ganzen Unternehmung sank allmählich und fast war er versucht die Zwei einfach hier stehen zu lassen. Aber auch wenn von dem schwarzen Unbekannten allein keine Gefahr ausging, so gebot es ihm doch seine Rolle als Wächter beide dieser Rüden im Auge zu behalten, solange sie nicht vertrauenswürdig genug erschienen. Und Yjel trug augenblicklich mehr dazu bei auf dieser Skala weiter hinab zu sinken. Krolock verzog die blutverschmierten Lefzen zu einem amüsierten Grinsen. Ihm gefiel, wie Caylee auf das 'Spiel' einging. Auch die Vorstellung, wie sie zusammen ein paar Welpen in Angst und Schrecken versetzten. Sofern dieser hier überhaupt noch lange vor irgendetwas Angst haben würde... Die Überzeugung, dass Tyraleen auf ihren Vorschlag eingehen würde, ließ Sheena einen Schritt auf Invidia zugehen. Richtig – kaum beendete Tyraleen ihr kurzes Gespräch mit Chanuka, bestätigte sie die Idee Sheenas. Doch gerade als sie sich der fremden Fähe gänzlich zuwenden wollte, ertönte ein lauter Schrei. Nacht und Kälte umgaben sie und irgendwie flatterten ihre Gedanken kurz zu Dingen, wie Frühling und der Morgendämmerung. Wieso konnte sie sich nie wirklich daran erfreuen, was die Welt ihr bat? Wenigstens so kleine Dinge ohne richtige Bedeutung, wieso konnte sie sich an deren Schönheit nicht erfreuen? Der Winter war einfach da und seine Kälte hatte sich schon so tief in ihre Seele eingefressen, dass sie sich schon längst an ihn gewöhnt hatte. Vielleicht fiel es ihr deswegen so schwer, den Willen aufzutreiben, etwas zu verändern. Sie war in all der Kälte und Einsamkeit taub und stumpf geworden und wiederholte ständig nur dasselbe in ihrem kranken Kopf. Krank - wenn sie die Geschehnisse der letzten Zeit rational betrachtete, dann war das die passendste Beschreibung und ihr größtes Problem. Ohne es erst wirklich zu merken, hatte sie dies Chivan eben vermitteln wollen. Sie hatte es ihm sogar auf ihre eigene Weise ziemlich klar gesagt - dennoch enttäuschte seine Antwort sie ein bisschen und dies flackerte auch in ihren dunklen Augen auf. Irritiert zuckten ihre feinen Züge. Oder missverstand sie nur etwas? Sie wusste es selbst nicht, dennoch fühlte sie sich unwohl, während der Braune weiter mit seiner ruhigen Stimme redete. Und war das da eben ein Lächeln gewesen?! Sie sah hier gewiss nichts, worüber man lächeln konnte. Auch wenn sie ebenfalls nicht ganz verstand, worüber sie gerade so entrüstet war. Malik, vor dem Atalya immer noch stand, regte sich nicht wirklich, und trotzdem warf die Graue nur nebenbei einen Blick nach unten, um nach ihm zu sehen. Sie hofft auf schnelle Hilfe – wenn es wirklich Krolock gewesen war, der den Welpen so zugerichtet hatte, wer wußte schon, wann er das nächste Mal über einen Wolf herfallen würde? Die Ohren leicht nach hinten gewandt lauschte sie der Umgebung, bisher schien jedoch näher bei ihnen zu sein. Die Fähe fuhr sich kurz mit der Zunge über die Lefzen, ohne den blick dabei von den beiden Wölfen zu nehmen. Als Caylee sich mit einem Sprung neben sie stellte, konnte Atalya ein kurzes Zucken der Anspannung nicht unterdrücken und wandte den Kopf schließlich zu ihrer hellen Schwester herum, die kurz und knapp erklärte, was vorgefallen war, ehe sie die Schnauze wieder zu Malik senkte. Ein Spiel? Irgendwie hatte die Graue Zweifel an diesen Worten, die Andeutung auf Krolocks Augen waren jedoch nicht zu übersehen. Kurz huschte der Blick der jungen Wölfin zu dem Rüden hinüber, kurz verließ ein verächtliches Knurren ihren Fang, als er zu sprechen begann. Sie konnte sich wirklich gut vorstellen, dass Malik zwei ausgewachsene Wölfe angriff, sie ließ die Worte des Schwarzen also unkommentiert, die drohende und gleichzeitig aufmerksame Haltung nicht ablegend. Die nächsten Worte, die seinen Fang verließen waren dagegen wohl das einzig richtige, was je diesen Fang verlassen hatte. Malik brauchte Hilfe, und das schnell. Noch einmal richtete die Graue den Blick auf Caylee, nicht sicher, was sie nun denken und glauben sollte. Aber zuerst war es wichtiger, dass Malik Hilfe bekam. Die Berührungen ihrer Mutter schienen in Vergessenheit zu strömen, als der Geruch des Blutes die Schnauze der Grauen umfasste. Wie von ominöser Schwerelosigkeit getragen, folgte sie dem kleinen Rudel und näherte sich den aufgebrachten Wölfen. Ihre Augen fingen das klagende Bild von Malik und Sheena ein...dahinter war Krolock und die Augen glichen einem Obsidian, welches aus toter Glut auferstanden war und sich von hungrigen Flammen küssen ließ. Blut, Blut...über all Blut! Der Schnee...Blut! Die Wölfin schluckte, doch wusste sie, dass sie nicht kehrt machen durfte, nicht hier...und auch nicht jetzt. Das Zischeln der Weißen war laut, direkt und genau an den schemenhaften Schleier ihrer Schwester gerichtet. Amúrs Augen folgten den boshaftigen Blicken und blieben auf der hellen Sonne und der schattigen Finsternis haften - ihre beiden Schwestern. Es lag eindeutig etwas in der Luft, was der dunklen Fähe missfiel. Zwar hätte sie nun auch lieber ein wenig Zeit mit Isaí allein verbracht – immerhin hatten sie sich EWIG nicht mehr gesehen! - aber der Schrei nach Hilfe hatte sie dann doch zu sehr für so viel Ruhe aufgewühlt. Nur einen Herzschlag nach dem kleinen Roten hatte auch Kisha sich in Bewegung gesetzt, folgte ihrer Nase und dem Geruch von Linalee, der noch in der Luft zu wittern war. Sie blieb bei Isaí, kommentierte seine Worte, sein Murmeln, nur mit einem kurzen Zucken ihrer Ohren. Sie wußte nicht, wieso die Schwester des Kleinen um Hilfe gerufen hatte, was wirklich geschehen war. Abr das galt es nun heraus zu finden! Mit zusammen gekniffenen Augen starrte Chardím in den Baum. Sein kontrastreich gezeichneter Kopf lag im Nacken, als er versuchte zu erkennen wer da ihn und seinen Paten mit Zapfen beschmissen hatte. Die angefrorenen Geschosse hatten ein schmerzhaftes Kribbeln auf seinem Kopf hinterlassen, weshalb er nun sehr darauf bedacht war keinen weiteren ab zu bekommen. Parveen schluckte und versuchte so das unangenehme Gefühl wieder tief in ihr Inneres zu zwingen. Die Augen immer noch gerade aus gerichtet, wurde sie erst wieder vollends in die Wirklichkeit gerissen, als sich der große Vogel auf einem niedrigen Ast neben ihr nieder ließ. Sie hatte kurzzeitig seine Anwesenheit zwar nicht vergessen, aber doch fort von ihrem Bewusstsein geschoben. Seine Worte aber erregte erneut die Aufmerksamkeit der Wölfin, auch wenn sie noch nicht antwortete. Dieses Tier kannte ihren Vater? Das Erstaunen in ihren Augen konnte sie nicht verbergen, hatte sie doch wohl mit allem gerechnet, aber nicht damit. Parveen war hin– und hergerissen zwischen dem Wunsch genaueres über diesen Vogel und die anscheinende Verbindung zu Acollon heraus zu finden, und der Unruhe im Rudel auf den Grund zu gehen. Aber wenn es wirklich erneut mit Krolock – dem Wolf auf den sie ununterbrochen ein Auge haben sollte – zu tun haben sollte, hätte man längst nach ihr gerufen…? Mit dieser wenig beruhigenden These in ihrem Kopf, warf sie einen letzten Blick in den dunklen Wald und wandte dann den Kopf in Richtung des Gefiederten. Nun auf Augenhöhe und keine Wolfslänge entfernt. Krolock schnappte drohend zurück, als Sheena ihn so dämlich anmachte. Er schleckte sich genüsslich, wie ein Wahnsinniger über die Lefzen und grollte leise. Beinahe vergnügt, weil sich die Fähe so aufregte. Was war schon dabei, wenn der Welpe drauf ging? Die Luft war eisig, als Daylight sich an diesem Morgen den Schnee aus dem dichten Pelz schüttelte. Um sie herum im Wald war es vollkommen still, kein Rascheln im Geäst, kein Flügelflattern, kein Eichhörnchenkeckern oder der Ruf eines Vogels war zu hören – nichts. Es war als hätte der Winter alles Lebendige in dieser Gegend eingefroren. Nur das vertraute Stimmengewirr ihrer Rudelgefährten drang aus der Ferne an ihre Ohren, und Daylight schmeckte die aufgewühlten Emotionen in der kalten Morgenluft. An der Seite von Amúr und Tyraleen am Rande des Geschehens angekommen blieb Chanuka erst einmal stehen. Selbst ein blinder Wolf hätte hier wohl erkannt was ungefähr vorgefallen war, der Geruch des Blutes sprach in diesem Fall nämlich für sich. In Anbetracht der Tatsache das Caylee, Krolock und Malik diejenigen waren, die entweder blutverschmiert - oder in Maliks Fall - verwundet waren, waren sie es auch, die Chanukas Aufmerksamkeit beanspruchten. Wobei Krolock und Caylee hierbei schnell in den Hintergrund gerückt wurden. Tyraleen hatte ihm und Amúr eine Aufgabe zugeteilt und es wäre töricht gewesen sich nun, wie viele andere es wohl grade taten, auch noch mit den zwei vermeintlichen Tätern zu beschäftigen, wenn es doch Malik war, um den er sich nun zusammen mit Sheena kümmern sollte. Während jene sich schon längst ihrem Sohn gewidmet hatte stand Chanuka immer noch etwas abseits. Merkwürdig.. kaum war er wieder da passierte etwas Unheilvolles. Wie gut das nicht wirklich Platz für solche Gedanken waren, ansonsten hätte der Rüde das wohl noch weiter vertiefen können. Nach was Jakash suchte erfuhr Daylight auch nur einen Augenblick später, als von oben plötzlich eine fremde, aufgeregt klingende Stimme erklang. Doch anstatt ihr Antworten zu liefern, sorgte die Stimme für nur noch größere Verwirrung. ((Eine Shani-Isaí-Kollaboration bei 150 km/h auf der Autobahn =D)) Sie schloss für einen kurzen Augenblick ihre hellblauen Augen. – War ganz still und befreite sich von jeglichen Gedanken. Die kühle Luft füllte ihre Lungen und sie spürte wie sie sich langsam wieder beruhigte. Sie malte es sich wahrscheinlich viel zu düster aus. Die Situation war bloß halb so schlimm, wie sie glaubte. Außerdem verlor sie die Hoffnung doch auch nie so schnell. – Es wäre doch gelacht, wenn sie die miese Stimmung nicht wieder gerade biegen konnte! Es war ein Schreckensmoment, bis Hiryoga realisierte, was sich vor ihm abspielte. Seine geliebte, sanfte Shani hatte ihn zu Boden gedrückt und nach ihm geschnappt. Es schmerzte. Es schmerzte so sehr, dass sein Herz zu zerreißen drohte. Aber es war nicht ihre körperliche Reaktion gewesen, die ihm so weh tat, sondern das, was hinter dieser Geste steckte. Er war an all dem Schuld, er hatte es geschafft, dass sie sich so verhielt. Ayar blickte seinen Bruder nicht gerade freundlich an. Seine Blutsverwandten interessierten ihn nicht im Geringsten, immerhin hatte er sie ja auch nicht interessiert. Doch wie oft wollte er diese Gedanken noch durchkauen, bald würde er sie noch im Schlaf aussprechen, das wäre wahrlich die Spitze des Eisberges. Das war irgendwie widerwärtig. Das er ständig darüber nachdachte, war schon fast eine art Beweis dafür, dass er sie nicht vergessen konnte. Also wenn das nicht schräg war ... Sie war sich nicht sicher, ob sie sich im Moment etwas freuen durfte. Denn wenn sie sich freute, würde dann das Tief welches danach kam nich noch erdrückender werden als eh schon? Auf jeden Fall fühlte sie sich wirklich ein wenig besser, jetzt wo sie mit Chivan bereits einige Zeit lang gesprochen hatte. Wie lange liefen sie eigentlich schon umher? Chivan musste schon bestimmt müde von ihrer dummen Art sein. Dennoch lief er hier mit ihr durch den Wald und sprach ihr zu. Das es solche Wölfe gab, wieso hatte sie das bis jetzt nicht gesehen? Oder war es einfach nur deswegen, weil sonst niemand sich auf diese Weise versucht hatte, sich ihr anzunähern? Vielleicht war Amáya auch einfach nur schwach geworden im Laufe der Zeit und der Bunte war bloß im richtigen Augenblick am richtigen Ort. Sie wusste es wirklich nicht, aber sie hatte die Schnauze satt davon, ewig bloß zu schweigen und zu ertragen. Sie wollte nicht länger verschleiern, wer sie war, sie konnte einfach keine Kraft mehr dazu aufbringen. Deswegen war sie auch irgendwie froh, dass Chivan nachfragte. Er schien interessiert und Amáya war ihm dankbar dafür. Gut, sie hatte schon einmal Sheena über diese Sachen erzählt - aber damals war sie kaum bei Bewusstsein gewesen und sie konnte sich nicht wirklich daran erinnern. Der ältere Rüde strahlte außerdem etwas aus, was Amáya dazu brachte, ihm zu vertrauen. Zumindest jetzt, nach dem sie schon eine Weile lang gesprochen hatten. Schnell-Schreib-Post. Chaos und so. Dürfte Euch dennoch das Weiterspielen ermöglichen (; Jakash verlor das Interesse an der Stimme aus dem Baum, kaum dass er Sheenas Ruf hörte. Es war zwar nur ein kurzes Heulen, trotzdem war die Dringlichkeit darin unverkennbar. Ein kurzer Blick galt noch seinem Patensohn, aber auch dieser wandte sich bereits ab, und so setzte auch Jakash sich eiligst in Bewegung. Er brauchte jedoch ein paar Momente, bevor er seine Gefährtin entdeckte, und als er sie endlich erspähte, breitete sich ein ungutes Gefühl angesichts des Pulks an Versammelten in ihm aus. Was war passiert? "Sheena? Sheena, was-?" Er brach ab, als er Malik erspähte - die Schulter zerfetzt und blutig. "Malik!" Jakash schob sich an einigen Wölfen vorbei zu seinem Sohn. "Was ist passiert?!" Seit wann war das Leben so schwer? So kompliziert? Ahkuna hatte sich unbewusst in Fäden gewickelt und nun sah sie keinen Ausweg sich zu befreien. Je mehr sie versuchte loszukommen, desto enger schnürten sich die Fäden um den schlanken Körper und hielten sie ab aus dem Griff zu entkommen. Sie wurde verzweifelter, weil sie seine Stimme nicht hörte und seine Reaktion nicht sehen konnte. Wieso erreichte sie das Gegenteil? Sie wollte sich nicht streiten oder das sie sich wie Fremde behandelten. Die Sehnsucht, sich umzudrehen, zu Samirez zu laufen und ihren Kopf in sein weiches Fell zu drücken, war unglaublich groß. Doch kräftige Wurzeln haben sich um die Läufe der Fähe geschlungen und hielten sie auf. Hielten sie an Ort und Stelle, machten sie unfähig sich zu rühren. Die Ohren drehten sich nachhinten, als sie sein Stottern vernahm. Weil? Wo blieb der Rest seiner Erklärung? Ein Winseln wäre fast aus dem schmalen Fang gerutscht, doch im letzten Moment erstickte sie den Laut in ihrer Schnauze. Wieso hatte er aufgehört? Stille. Stille war nun das Einzige, was zwischen ihnen war. Es bedurfte keines weiteren Zuredens, damit Taleesha ihm ihre Gedanken mitteilte. Was sie ihm dann aber schilderte, hatte er so nicht erwartet. Er hatte mehr konkreteren Sorgen um die Zukunft gerechnet, mit Angst vor dem Unbekannten und mit Heimweh. Nicht aber mit der Erzählung über einen idyllischen Traum und... Engaya. Aszrem war kein Priester, aber er zweifelte nicht daran, dass die lichte Erscheinung die Lebensgöttin darstellte. Averic hatte Yjel und Ayar hinter sich gelassen und Letzteren angewiesen am Rande des Rudelplatzes zu warten, bis sich einer der Leitwölfe um ihn kümmern konnte. Erwiderungen und Reaktionen darauf hatten den Pechschwarzen nicht interessiert, denn etwas Dringenderes hatte seine Aufmerksamkeit bekommen. Der Geruch von Blut lag in der Luft und Averic folgte ihm mit zügigen Schritten. Eine leise Ahnung ließ ihn bereits das lange Nackenfell aufstellen, sonst regte sich äußerlich nichts. Die Blutsfarbe stach ihm schon von weitem entgegen, deutlicher als einem jeden anderen Wolf - denn er kannte nur diese Farbe. Averic sah Tyraleen über Krolock gebeugt stehen, bei den beiden waren Atalya und Caylee. Zielstrebig hielt er auf die Gruppe zu und blieb stehen. Musternd hing der Blick zuerst eine Weile auf seiner Tochter, um sich über ihren Zustand zu vergewissen. Denn Blut verklebte ihr Fell, aber sie sah nicht so aus, als hätte sie Schmerzen. "Was ist passiert? Hat er wieder Caylee angegriffen?", fragte er mit gefährlicher Ruhe.
Nur wenige Augenblicke später erhob sich der kleine Körper ruhelos. Nicht die Kälte war es dieses Mal, die ihn auf die Beine trieb – sein Fell hatte sich mittlerweile wunderbar auf die Kälte eingestellt und hielt ihn warm. Auch waren seine Läufe inzwischen viel kräftiger geworden und trugen ihn weiter, ohne dass er so erschöpft war wie die ersten Tage. Aber ihm war nicht danach, sich wirklich darüber zu freuen – je weiter sie liefen, desto weiter entfernten sie sich von den anderen. Er vermisste nicht das Tal an sich. Seine Heimat war dort, wo seine Familie war. Doch eben diese war nicht komplett. Sein Blick huschte über die dichte Schneedecke, die sich die letzten Tage auf die Erde gelegt hatte. Sie überstieg das, was er kannte, bei weitem. Isaí machte einen kleinen Satz, wirbelte etwas Schnee auf und versuchte direkt darauf, ihn wieder mit dem Fang zu fangen, bis ihm auffiel, dass die anderen ja immer noch schliefen. So verharrte er kurz in seiner Position – die Rute in die Höhe gestreckt und die Schnauze im Schnee vergraben, erhob sich dann leise und begann stattdessen lieber, so vorsichtig wie möglich einer Witterung zu folgen, die ihn zu einem kleinen Stück Knochen führte, welches übergeblieben war. Er trug ihn in Sicherheit, ließ sich abermals im Schnee nieder und lenkte sich damit ab, etwas darauf herumzukauen, bis eine Bewegung ihn ablenkte. Einige Wolfslängen entfernt erkannte er die Leitwölfin, die sich erhoben hatte und sich ein Stück entfernte. Er sprang auf, schnappte nach seiner Errungenschaft und wollte sie gerade zu ihr bringen, als er in seinen Gedanken innehielt und den Knochen wieder in den Schnee fallen ließ. Sie würde ihm seine Sorgen sicher ansehen und ihn schließlich vorsichtig an den Gedanken gewöhnen wollen, dass er sich damit abfinden musste. Also beobachtete er sie nur dabei, wie sie sich langsam entfernte und ließ sich wieder im Schnee nieder – den Knochen zwar zwischen den Pfoten, doch weitere Aufmerksamkeit kam ihm nicht zu. Stattdessen legte er den Kopf wieder nieder – bloß um einen Augenblick später wieder hochzuschrecken, als ein unweites Heulen durch die Luft klang.
Seine Ohren zuckten, sein Herz begann schneller zu schlagen und er richtete sich wieder auf. Sein Blick huschte über die anderen Wölfe, als hoffte er, dass irgendjemand seine Vorahnung bestätigen würde. Doch kaum hatte er sich etwas unschlüssig umgeguckt, erschien schon eine Gestalt, die er augenblicklich an der Witterung erkannte. Seine Rute begann wie wild zu pendeln, ein erfreutes Quieken verließ seinen Fang, um sie auf sich aufmerksam zu machen und – er blinzelte verdutzt, ohne dass seine Rute in der Bewegung innehielt. Der Umweg verwirrte ihn etwas, als Kisha um die Bäume steuerte und schließlich auf ihn zuhielt. Er behielt sie im Blick, spielte zwar unsicher mit den Ohren, doch seine Freude war zu groß, als dass ihm auf Anhieb irgendetwas komisch vorgekommen wäre. Er wunderte sich auch gar nicht darüber, dass sie allein war – alles, was zählte, war, dass sie endlich wieder da war. Sein Oberkörper drückte sich in den Schnee, während er genau darauf zu achten versuchte, woher ihre Geräusche kamen, um rechtzeitig auszuweichen und als Sieger hervorzugehen. Und schon schoss sie vor, der Rote machte einen Satz zur Seite und knurrte spielerisch, als auch sie einen weiteren Satz machte. Freudig winselnd nahm er ihre Begrüßung entgegen und stürzte sich schließlich auf sie. Er zog kurz an ihrem Ohr, als wolle er sie dafür tadeln, dass sie so lange weggewesen war, doch schließlich ruhte der kleine Körper fast zur Hälfte auf dem Nacken der Wölfin – den Kopf zwischen ihren Ohren ruhend.
„Du warst ja auch ewig weg!“, beschwerte er sich, doch die Freude übertönte jeden noch so kleinen Ton, der verraten hätte, wie viele Sorgen er sich um sie gemacht hatte. „Das darfst du nie wieder machen!“
Nun klang er doch ein wenig geknickter. Das nächste Mal würde er sie aber nicht einfach gehen lassen. Besonders nicht, wenn die Dunkelheit drauf und dran war, ihre Welt zu verschlucken.
03.03.2013, 00:11
Die darauffolgende Nacht war erholsam gewesen. Zwar lauschten seine Ohren stets hellhörig in die Nacht hinein, doch nichts wirklich Auffälliges machte auf sich aufmerksam, was sie hätte in Alarmbereitschaft versetzen müssen. Der Wald war ruhig und wirkte, als wären all die Bäume und Sträucher, die sich dem Himmel entgegenstreckten, in einer fernen Zeit entstanden, die sie sich nicht einmal vorstellen konnten; als kämen sie aus einer Zeit, die die Götter selbst noch miterlebt hatten. Bei all den Strecken, die der Hüne mittlerweile hinter sich gebracht hatte, erinnerte er sich an keinen Wald, der vergleichbar alt gewirkt hatte. Mehrmals schon war sein Blick über die alten Stämme gewandert, während er sich stumm gefragt hatte, was die Götter für dieses Rudel noch bereit hielten. Unweit der anderen hatte er sich niedergelassen und schließlich zusammengerollt. Erst, als ein leises Heulen durch die Nacht dran, hob er den Kopf und schnippte mit den Ohren. Wenige Momente später schon erschien der Umriss eines weiteren Wolfs und schälte sich aus der Nacht – der Blick des Bunten weitete sich etwas, als seine Nase ihm verriet, was seine Ohren ihm nur wenige Sekunden später bestätigten – Kisha war zurück. Ungläubig spielte er mit den Ohren, doch es gab keinen Zweifel, selbst wenn die Wölfin, die schließlich durch die Menge hüpfte und auf einen der Welpen zuhielt, nicht ganz zu dem Bild passte, welches er sich von ihr gebildet hatte. Kurz wanderte sein Blick über die restlichen Wölfe, doch er verharrte an Ort und stelle und beobachtete stattdessen das Wiedersehen der beiden vom anderen Ende des Rudels aus.
03.03.2013, 11:05
Solche Gedanken herrschten in ihr während sie innerhalb des Rudels im Halbschlaf da lag. Kursaí hatte sich auch erst wieder an das Wandern gewöhnen müssen, jedoch hatte sie es wahrscheinlich nicht ganz so schwer, wie andere, die noch nie das Tal verlassen hatten. Jedoch selbst die Welpen schlugen sich gut und so hatte die Reise noch keine unüberwindbaren Probleme hervor gerufen. Und nun hatte sie auch noch ein gutes Fressen gehabt, und so gab es fast für wenige Momente den trügerischen Schein, dass alles in Ordnung war. So in sich selbst ruhend, vermeinte sie plötzlich einen Ruf zu hören. Was war das gewesen?
Ihre Ohren sind aufgezuckt, zu höchst interessiert und wachsam. War das nicht eine bekannte Stimme in der Ferne gewesen? Es kam ihr so vor, und doch dauerte es noch eine ganze Weile, so dass sie schon fast glaubte, sich getäuscht zu haben. Da sie nun aber wach war, setzte sich Kursaí auf, und ließ ihren Blick über das Rudel gleiten. Jedoch sie kam gar nicht richtig dazu die anderen zu betrachten, denn schon kam eine Gestalt aus dem Wald heraus. Sie hatte sich wirklich nicht getäuscht, Kisha kam zu ihnen zurück. Und nicht nur sie schien es bemerkt zu haben, nein auch ihr Patenkind war hoch erfreut. Sie konnte Isaí gut verstehen, hatte doch auch sie einen geliebten Wolf zurückbekommen. Als nun Isaí ihren Patin wieder willkommen hieß, verweilte ihr Blick auf den beiden. Sie wollte ihr die Wiedersehensfreude nicht nehmen, und so ging sie nicht zu den beiden. Dennoch wollte sie die Fähe zurück begrüßen und so sagte sie, laut genug, dass diese es auch verstand:
"Hallo, Kisha - schön, dass du wieder da warst."
Sie meinte es, wie sie es sagte und dies hörte man auch ganz deutlich. Engaya hatte ihnen einen weiteren vermissten Wolf zurückgegeben. Dies schien ein guter Tag zu werden, begann er doch schon so hoffnungsvoll. Gestärkt durch diese Hoffnung und ihren Glauben saß sie nun inmitten des Rudels und ließ ihren Blick über ihre Familie schweifen.
[sitzend - Kisha begrüßend - allein im Rudel]
03.03.2013, 13:11
„Ich ergebe mich, du hast gewonnen!“
Erneut lachte die Dunkle auf, als der Rote den Kopf zwischen ihren Ohren ablegte. Sie winkelte eben diese Ohren an, sodass es nun aussehen musste, als hätte sie zwei unterschiedliche Köpfe, aber nur ein paar Ohren – welches im Verhältnis zu ihrem Körper ziemlich klein war.
„Ich musste doch die Welt retten!“
Oder so ähnlich. Sie wußte nur noch, dass sie wegen Madoc geblieben war – ohne den sie jetzt wieder hier war. Sie war also nicht ganz erfolgreich gewesen, aber immerhin zählte doch der gute Wille! Inzwischen hatte sie die Ohren wieder aufgestellt, versuchte nach oben zu schielen, um Isaí zu erkennen – das war jedoch unmöglich, also ließ sie sich einfach plump zur Seite fallen – achtete dabei jedoch darauf, ihren Patensohn nicht platt zu rollen.
„Versprochen!“
Auf der Seite liegend schnippten ihre Ohren nun durch die kalte Luft, als jemand ihren Namen nannte. Verwirrt blinzelte die Dunkle, verdrehte dann ein wenig umständlich den Kopf und erkannte Kursaí, die irgendwo zwischen den anderen Wölfen saß. Ihre Rute stand nicht still – wirbelte eher noch mehr durch die Winterluft.
„Ihr wart ja plötzlich weg, und habt nicht gewartet! Alleine dauert der Weg eben länger!“
Immerhin musste man alleine jagen, alleine schlafen... und da war niemand, der einen weckte, wenn man eigentlich weiter laufen musste.
Noch immer hechelnd wandte die Fähe sich schließlich wieder Isaí zu, während sie noch immer auf der Seite lag, die braunen Augen auf den roten Welpen gerichtet.
„Und, was habt ihr so Spannendes erlebt?“
[Rudel - Isaí]
03.03.2013, 18:00
Nach einigen Moment des stillen Beobachtens wandte sie sich ab und stapfte weiter durch den Schnee und setzte ihre Runde um den Lagerplatz des Rudels fort. Aber nicht lange und sie blieb erneut stehen und stellte die Ohren nach vorne. Es war nicht ungewöhnlich, dass nicht alle die Enge der anderen suchten, aber dieser Wolf hatte sich ein ganzes Stück abseits nieder gelassen. Parveen betrachtete den grauen Pelz einen Moment, bis sie Atalya erkannte. Schlief sie? Nein. Auf einmal hob die Wölfin den Kopf gen Himmel. Pav dachte schon, dass sie die andere aus dem Schlaf gerissen hatte, aber sie drehte den Kopf nicht nach hinten, bevor sie ihn wieder auf die Pfoten bettete. Anscheinend noch jemand, der früher als die anderen wach war. Mit bedachten Schritten, ging sie auf die junge Wölfin zu und ließ sich ein paar Wolfslängen von ihr entfernt in den Schnee nieder. Sie hatte weder Ahnung, ob sie hier erwünscht war und genauso wenig, ob Atalya überhaupt irgendjemanden bei sich haben wollte. Wenn sich jemand abseits der anderen aufhielt, hatte das meist einen Grund und nicht jeder war bereit andere daran teilhaben zu lassen. Trotzdem würde es sie vielleicht interessieren, was soeben geschehen war.
"Kisha ist eben zurück gekehrt."
Als sie sprach wandte sie der Grauen den Kopf zu uns deutete dann mit der Schnauze in die Richtung, in der sich das verloren geglaubte Rudelmitglied gerade aufhalten musste. Zwar wurde sie von einigen Bäumen verdeckt, aber sie glaubte Stimmen zu hören.
03.03.2013, 19:32
Er blinzelte, hob abermals den Kopf und suchte nach einem Wolf, der aus der gleichen Richtung wie Kisha kam. Wo war Madoc? Sie hatte ihn doch suchen wollen? In erster Linie war es unvorstellbar, dass Kisha hier allein aufgetaucht war. Dann hätte sie auch sicherlich ganz anders reagiert. Sie witzelte bestimmt nur, sie hätte ihn doch niemals allein zurückgelassen, oder? Doch noch bevor er sich dazu durchgerungen hatte, diese Frage direkt an sie zu stellen, ging die kleine Rangelei weiter und er musste schnell reagieren, um sich in Sicherheit zu bringen. Er rutschte vom Nacken der Dunklen, schlüpfte noch rasch an ihr vorbei, ehe sie schon auf der Seite lag und er sich – wie selbstverständlich – auf sie schmiss, als wolle er sie am Boden halten. Die Vorderpfoten hingen nun also an ihrem Rücken herunter, während Isaí selbst sich quer über sie gelegt hatte und sie nun mit einem etwas besorgteren Blick fixierte.
„Aber du warst doch gar nicht alleine.“, merkte er an und spielte unsicher mit den Lauschern. Er hoffte einfach, dass sie diese Worte bestätigte. Wo war Madoc sonst? Hilfesuchend blickte er ein weiteres Mal zu Kursaí, sich wünschend, sie würde ihn einfach in dieser Annahme bestätigen.
03.03.2013, 19:33
Die Nacht hatte sie nicht beim Rudel verbracht, zwar war sie diese Reise mitangetreten, es ging schließlich zurück ins Tal der Raben. Es ging wieder zurück dahin, woher sie gerade gekommen war. Zurück dahin, wo die schrecklichsten ihrer Erinnerungen lagen. Aber das spielte keine Rolle. Sie hatte ihr Herz verschlossen und spielte ein reines Theaterspiel, also würde auch niemand jemals erfahren, was sie mit diesem Tal verband. Und sowieso würde niemand jemals herausbekommen, wer sie eigentlich wirklich war. Sie hatte nicht wirklich geschlafen, hatte nur im Schnee gelegen und ihren Blick durch diesen gigantischen Wald streifen lassen. Sie hatte fast das Gefühl, als wäre sie noch gar nicht hier hindurch gekommen, obwohl sie ihn doch erst vor ein paar Wochen hätte durchschreiten müssen, jedenfalls der Logik nach. Aber wahrscheinlich veränderte sich der Weg zwischen den Tälern auch von Mal zu Mal, damit niemand ihn würde so leicht finden können. Die Fähe schlief nie allzu viel und war dennoch hellwach. Sie liebte die Nacht und die Ruhe und konnte sich davon fast gefangen nehmen. Sie hing nicht ihren Gedanken hinterher. Nein, in ihrem Kopf herrschte die gleiche Stille und Schwärze, wie um sie herum. Nie konnte sie so gut abschalten, wie wenn die ganze Welt zu schlafen schien. Außerdem hatte Invidia Angst davor zu schlafen, nirgends fühlte sie sich dem Tod näher als in diesem Zustand. Damit wäre sie zwar ihren Schwestern näher gewesen, aber das wollte sie eigentlich gar nicht. Sie vermisste die beiden. Aber jeder Gedanke an sie machte ihr dieses Leben hier nur schwerer und so fiel sie nur gelegentlich in einen kleinen Dämmerschlaf. Und genau aus diesem weckten die Todsünde ein paar Schritte, die nicht unweit von ihr getan wurden.
Sie öffnete ihre kalten Augen und konnte einen Wolf entdecken, der genauso hell und weiß war, wie der Schnee, der sich zu ihren Pfoten befanden. Das war Tyraleen, die nachdem der Fenrissohn so verzweifelt gerufen hatte. Sie war die, an dem sein Herz hing, das hatte Invidia gleich bei dem ersten Aufeinandertreffen bemerkt. Sie schien eine der ersten zu sein, die an diesem dunklen Morgen erwacht waren. Vorsichtig hatte sich die Schwarzweiße erhoben und war ein paar Schritte auf die andere zugetreten. Es war Zeit für den ersten Akt an diesem Tag. Sie würde etwas über die Beziehung zwischen den beiden erfahren. Egal, wie sie das anstellen würde. Aber egal wie Tyraleen reagieren würde, Invidia würde schlauer daraus werden und so ihrem Ziel, der Erfüllung ihrer Aufgabe, einen Schritt näher kommen. Die Ohren der Weißen zuckten, hatte sie etwas gehört? Invidia drehte kurz ihren Kopf, konnte jedoch nichts genaueres vernehmen und schon gar nichts sehen. Ein paar Meter von der anderen Fähe entfernt, blieb die Todsünde stehen. Sie hatte eine andere Rolle eingenommen als zu dem Tag, an dem sie sich das erste Mal gesehen hatten. Ihre Stimme war nicht kalt und ihr Blick nicht so starr, wenn aber immer noch undurchdringlich, sodass niemand würde ihr wahres Ich erkennen können.
“Guten Morgen Tyraleen. Was führt dich hinaus in diesen Wald? Ist es die wundervolle Stille des beginnenden Tages, oder herrscht in dir doch eher Unruhe. Unruhe darüber, wie es weitergehen soll?“
03.03.2013, 20:39
Zudem fühlte sie sich hier draußen im Unbekannten viel verletzlicher als Zuhause. Als sie im Sommer zurückgekehrt war, hatte sie damit gerechnet zu sterben, ohne je wieder das Tal der Sternenwinde verlassen zu haben. Nun waren sie Vertriebene. Blass erinnerte sie sich noch an die Zeit, die sie mit dem Rudel als Welpe in den Bergen verbracht hatte. Es schien so unendlich lange her, dass sie sich um Daylight gekümmert hatte. Vieles war in der Zwischenzeit passiert und Generation war auf Generation gefolgt. Wenn sie es sich so bedachte, fühlte sie sich schon etwas alt. Wenigstens konnte sie beim Rudel bleiben. Wer wusste schon, vielleicht kehrten sie eines Tages ja in das Tal der Sternenwinde zurück. Amáya konnte nicht anders, als sich an diesem mickrigen Hoffnungsfunken zu wärmen. Sie hatte immer noch nicht aus ihren Fehlern gelernt. Hoffnung brachte nur Unheil, so wie es ihr der Fall mit Kirov schon gezeigt hatte. Doch selbst jetzt, wo sie mit der Erschöpfung ihres Geistes kämpfte, hoffte sie immer noch an den Rüden mit den Himmelsaugen. Es war zu spät, als dass sie ihn noch aufgeben könnte. Ein Heulen zerriss die Stille des Waldes und zog sie rechtzeitig wieder zurück, bevor sie über die Grenze des Schlafes glitt. Kisha war zurück, echote das Murmeln durch die Reihen des Rudels. Der Rückkehr ihrer Schwester ließ sie kalt. Stattdessen wurde sie auf das Knacken eines Zweiges ganz in ihrer Nähe aufmerksam. Innerhalb eines Augenblicks waren die Augen aufgerissen. Durch die Finsternis konnte sie gerade noch den Schemen eines Wolfes erkennen. Da der Wind nicht aus der Richtung dieses Schattens bließ, löste dich ihre Zunge eher als ihr verschlafener Verstand zu einem klaren Gedanken kommen konnte.
"Kirov?", hoffnungsvoll und verschlafen trug der schwächelnde Wind ihre Stimme zu dem Gesichtslosen. Ihr Geist klärte sich langsam, sie kam zu Sinnen. Der Wolf war viel zu groß, als dass es Kirov hätte sein können. Sie biss sich leicht auf die Lefzen und ließ sich tiefer in das Wurzelwerk des Baumriesen sinken, welches sie umarmte wie die Dunkelheit der Nacht. Ihr Körper drückte sanft gegen die raue Rinde, doch sie konnte nicht ganz in der Mulde versinken. Die regenblauen Augen blitzten feindselig über das Holz hinaus, die Ohren waren zurückgewinkelt. Der Schoß dieser Urbäume gewährte ihr irgendwie Sicherheit und Trost, auf jeden Fall bildete sie sich das ein. So wie sie sich im ersten Augenblick eingeredet hatte, das wäre Kirov. Das war er aber nicht - und auch keiner der Wölfe, mit denen sie öfters zu tun hatte. Dieser Umriss war ihr zwar nicht völlig fremd, aber in keinster Weise vertraut. Ein feindseliges Zischen entfuhr ihr, wobei sie selbst nicht mal richtig wusste, was sie dazu veranlasste.
03.03.2013, 22:55
„Nicht ganz.“
Er sprach nicht viel lauter, als das Flüstern der Fähe eben gewesen war. Dass die Fähe diese Erkenntnis bereits selbst gemacht hatte, dass es sich bei ihm nicht um Kirov handelte, war ihm durchaus bewusst und dennoch wäre es mehr als unhöflich gewesen, sie stumm damit allein zu lassen. Er nahm ihre Reaktion nicht persönlich, immerhin hatte er die gesamte Nacht an dieser Stelle verbracht und sie zuvor noch nicht gestört – sie waren momentan alle etwas mit der Situation überfordert. Er spürte es und die Angst um Freunde und Familie steckte ihnen sicherlich noch tief in den Knochen. Dem Feuer mochten sie entkommen sein, doch das bedeutete noch lange keine Sicherheit. Besonders nicht außerhalb des Revieres, welches manche von ihnen sogar ihr Leben lang ihre Heimat genannt hatten. Das Leben als Wanderer war anders, ungewisser. Wer wusste, was sie auf dieser Reise erwartete.
„Aber ich kann ihm sagen, dass du ihn suchst.“, bot er ihr schließlich leise an und drehte die Ohren wieder nach vorne. „Eine Nacht kann gleich viel heller wirken, wenn wir einen Wolf an unserer Seite haben, der uns wichtig ist.“
Er hatte den hoffnungsvollen Ton in ihrer Stimme nicht überhört, sodass es nur selbstverständlich für ihn war, ihr dieses Angebot zu machen. Langsam war sein Blick wieder dem kleinen Wiedersehen gewandert – vielleicht würde die Dunkle verstehen, dass anderen dieses Glück vergönnt war. Doch an sich klang seine warme Stimme ruhig und neutral. Kein Funke ließ vermuten, dass er ihr irgendetwas übel nahm; nichts ließ vermuten, dass er über irgendetwas urteilte.
04.03.2013, 02:09
Abgesehen davon, dass er fürchterlich kalt war, gefiel der Schnee Linalee ganz gut. Sie konnte darauf herumlaufen, wie sie wollte, sank keine Hand breit ein – anders als die großen Wölfe, die nicht selten tiefere Spuren hinterließen. Ihrem Fliegengewicht war es zu verdanken, dass sie auf der harten Decke des Schnees herum laufen konnte, fast ohne Spuren zu hinterlassen. Würde Linalee sich verstecken, würden keine Tapser sie verraten.
Tatsächlich war der sonst so trägen Fähe etwas nach Verstecken spielen zumute, und sie sah sich um, ob sie eines ihrer Geschwisterkinder irgendwo entdecken konnte. Vorhin hatte sie sich nahe eines Baumes nieder gelassen, nur um sich mal kurz vor der Wanderung auszuruhen und um das wenige zu verdauen, was sie zwischen ihre Zähnchen bekommen hatte. Der Baum, an den sich die Dunkle gehalten hatte, kam ihr älter vor, als ihre Eltern – vielleicht war er sogar ein bisschen älter als Tyraleen. Oder sogar älter als die Wolken, die über den Himmel krochen, und die Erde, in die er seine Wurzeln steckte. Obwohl, nein, das ging ja nicht. Sie schniefte ein bisschen – dummer Gedanke. Wie sollte der Rindenträger denn auch wachsen, wenn er nichts hatte, das ihn hielt? Fazit – die Erde musste älter sein, als der Baum. Aber dennoch war der alt, unbeschreiblich alt.
Zufrieden wirkend mit dieser Feststellung stellte sie sich auf ihre kleinen Pfoten und sah sich neugierig um. Wenn diese Reise etwas Gutes hatte, dann, dass Linalee keine Höhle mehr hatte, in der sie sich verstecken konnte. Sie war praktisch dazu gezwungen, neues zu entdecken – und hatte Gefallen daran gefunden. Gerade sah sie in der Ferne Isaí, ihren großen Bruder, als sich diesem eine Fähe näherte und ihn überschwänglich begrüßte. Nun, da wollte sie nicht stören.
Forschend wanderte der unschuldige Blick aus den Bernsteinaugen weiter über die Leiber der Wölfe, von denen viele sicher noch ein Verdauungsschläfchen hielten. Anstatt das zweifarbige Fell Chardíms irgendwo zu erkennen, fiel ihr ein anderer, schwarzer Haufen Fell auf. Sie rappelte sich auf, schluckte und überwand ihre eigene Scheu, indem sie ohne groß nachzudenken auf den Rüden zustolperte.
Es handelte sich um das Blauauge, mit dem ihr Pate – und Tyraleen auch – ein bisschen Streit gehabt hatten. Nicht, dass Linalee auch auf Streit aus war – Engaya bewahre, nie und nimmer! – nur interessierte es sie aus einem ihr unerfindlichen Grund, wie ein Wolf wohl war, der mit Chardím Streit hatte. Niemand konnte ihr erzählen, die beiden hätten nur gespielt, sie hatte die Alarmbereitschaft in den Augen der Alphafähe aufflackernd sehen. Hier lag er, ziemlich entfernt von den anderen, und er… tat Linalee Leid. Er wirkte irgendwie traurig, wie ein ausgestoßener, und sie wollte nicht, dass jemand des Rudels sich fühlte, wie sie sich gefühlt hatte, bevor Isaí ihr einen neuen Namen gegeben hatte.
Schüchtern überwand sie die letzten Meter zu dem Koloss und blieb leicht zitternd vor seinem großen Kopf stehen.
“He… du…?“, flüsterte sie und legte leicht den Kopf schief. Trotz allem traute sie sich nicht, den scheinbar Rastenden anzustupsen – genug Mut für heute, dass sie ihn überhaupt schon angesprochen hatte. “H-hast du… i-ich meine, a-alles in Ordnung… bei dir?“
Sie konnte Hilfe holen – oder nach welcher heulen. Das konnte sie wirklich gut! Außerdem hatte die Schwarze bemerkt, dass Sheena und Jakash ziemlich schnell kamen, wenn sie rief. Vielleicht, weil sie es gewohnt waren, ihrer Jüngsten aus der Klemme zu helfen? Was immer dieser Gigant hier hatte, sie war sich sicher, dass ihre Eltern ihm helfen würden, wenn sie sie darum bat. . .
06.03.2013, 08:58
Seine grünen Augen wanderten weiter und blieben auf einer anderen Gestalt hängen, die den Paten-Gedanken am Leben hielt. In diesem Fall mit dem Wortlaut 'Patensohn'. Jakash setzte sich in Bewegung und ertappte sich unterwegs dabei, wie seine Augen weitherhin über das Rudel glitten und nach Shani suchten. Er hatte seine Mutter seit Tagen nicht mehr gesehen, nichtmal einen flüchtigen Blick auf sie erhascht. Gewiss, er hatte auch nie aktiv nach ihr gesucht, trotzdem hätte er sie hin und wieder entdecken müssen. War sie... fort?
"Na, Chardím? Wie geht es dir?",
erkundigte er sich bei dem Schwarzweißen, als er diesen erreicht hatte. Ein leichtes Lächeln umspielte erneut seine Lefzen.
[Rudel | Chardím]
06.03.2013, 11:23
Ganz vorsichtig wagte sie sich an den gefundenen Rentierkadaver heran. Erst jetzt, im Schutz der Dunkelheit und des Schlafes, der sich über das Rudel gelegt hatte, näherte sie sich vorsichtig ihrer ersten Nahrung seit vielen Tagen. Sie trat ganz leise auf und das Husten, das sie nicht unterdrücken konnte, versuchte sie so gut es ging in geschlossenem Fang und eigenem Fell zu dämpfen. Als wäre es fatal, sollte ein Mitglied des Rudels, das ganz in der Nähe lagerte, sie entdecken. Hastig begann sie dann die Überreste von den Knochen zu ziehen, schlang sie ebenso hastig hinunter und rupfte eilig weiter, so viel Nahrung in so kurzer Zeit wie möglich verschlingend. Immer wieder hielt sie wenige Herzschläge lang inne und sah sich aufmerksam um, die Ohren gespitzt, die Miene angespannt - aber es war alles ruhig.
Auch für Shani selbst, die mehr sah, als andere. Sie waren wieder zurückgekehrt, die dunklen Schatten, die sie ihr Leben lang begleitet hatten und immer dann kamen, wenn jede Hoffnung verloren war. Den ganzen Weg hinab von dem Gebirgsausläufer bis in diesen alten Wald waren sie an ihrer Seite gelaufen und hatten ihr Angst gemacht. Aber dieses Mal war es anders. Dieses Mal wirkten sie nicht mehr ganz so bedrohlich, sie schienen sie nicht mehr töten zu wollen, nicht einmal verletzen. Sie wollten viel eher einfach bei ihr sein, sie begleiten, ihr möglicherweise sogar Trost spenden. Das war ganz außerordentlich neu und Shani traute dem Frieden noch nicht, fürchtete sich noch immer vor dem Auftauchen der schwarzen Gestalten … aber sie waren ihr auch treu geblieben. All die Tage der Wanderung hatten sie die Gebrochene nicht verlassen. Das war etwas wert, in ihrer vollkommen einsamen Welt. Noch aber hoffte die Weiße weiterhin, dass sie nicht auftauchen würden, denn natürlich war ihr bewusst wie eh und je, dass sie nur Konstrukte ihres zermarterten Geistes waren. Und lieber sollten sie fortbleiben, als dass sie selbst wieder verrückt wurde. Lieber war sie allein.
06.03.2013, 11:59
Jetzt war die Weiße unschlüssig, was sie tun sollte. Es zog sie gleichermaßen zu ihrer Tante und ihrer Schwester wie zu Krolock, der fast so wirkte, als würde er auf sie warten. Die Ohren vor und zurück drehend und noch nicht entschlossen genug um eine Entscheidung zu fällen, blieb die Weiße solange wo sie war, bis ein kleiner schwarzer Schatten sich in Richtung Krolock bewegte. Sofort schnellten die Ohren Caylees nach vorne und sie betrachtete fast ein bisschen ungläubig wie die kleine Linalee, die doch immer nur an ihrer Mutter klebte, auf den großen bösen Krolock zu marschierte. Was sollte denn das? Hatte dieser Wald mit seinen Zauberbäumen mit den großen Zweigen dem Welpen einmal zu fest auf den Kopf geschlagen? Fast sofort war Caylee losgewuselt, schlängelte sich an den Stämmen vorbei und erreichte so Krolock fast zeitgleich mit Linalee. Nicht unbedingt, weil sie das Bedürfnis hatte, die Kleine vor dem großen Schwarzen zu schützen, sondern weil sie sich sicher war, dass hier eine interessante Situation entstehen würde.
Der Welpe sprach den rastenden Jungwolf ziemlich naiv aber freundlich besorgt an und Caylee musste augenblicklich schmunzeln. Vielleicht würde Krolock versuchen, den Welpen mit Haut und Haaren aufzufressen, vielleicht würde er ihn aber auch missachten … aber vielleicht hatte er sich auch ein bisschen verändert und vielleicht machte auch ihre Anwesenheit nun irgendetwas aus.
“Linalee, es ist nicht sonderlich schlau, sich einem bösen, wildgewordenen schwarzen Wolf zu nähern und sich somit in Reichweite seines Fangs zu begeben.“ Sie trat einen Schritt näher und senkte den Fang zu der Kleinen hinab, die Zähne ganz leicht gebleckt, den Blick aber starr auf Krolock gerichtet. “Krolock muss sogar bewacht werden, weil er mich hatte töten wollen und man ihm nun nicht mehr traut. Du willst doch nicht getötet werden, oder?“
Früher wäre das eine Einladung zum Spiel gewesen, die Krolock sich unter Garantie nicht hätte entgehen lassen. Aber was war schon früher? Heute würde er möglicherweise wegrennen … auch wenn das Caylee tief enttäuschen würde. Sie konnte nur hoffen, dass sich ihr alter Antifreund nun langsam erholte und damit klarkam, dass er nun wieder seine gesamte Seele für sich hatte. Es war doch wohl kaum Nihils Teil gewesen, der ihn immer mit ihr hatte spielen lassen. So leid es ihr tatsächlich für den Schwarzen tat, dass sein Freund nicht mehr war, sie wollte verdammt nochmal ihren Freund zurück.
06.03.2013, 14:03
Die Schwarz-Weiße wirkte freundlich, wenn auch reichlich undurchschaubar, ebenso wie ihre Worte wieder fast ein wenig zu neugierig waren. Natürliche Zurückhaltung schien jedenfalls nicht ihr Ding zu sein, das hatte sie bereits bei ihrer Ankunft im Rudel klar gemacht. Tyraleen selbst war hin und her gerissen zwischen einem freundschaftlichen Umgang und der freundlichen aber kühlen Behandlung eines neuen Rudelmitglieds. Unentschlossen entschied sie sich für einen Mittelweg, auch weil sie keine Schwächer erkennen lassen wollte.
“Guten Morgen, Invidia. Mich hat die Erhabenheit und das Alter dieses Waldes gelockt, er scheint schon viele Wolfsleben hier zu stehen und wirkt fast ein bisschen magisch. Ich frage mich, warum keine anderen Wölfe hier sind, denn unfreundlich kommt er mir nicht vor.“
Sie ließ den Blick mit Neugierde, aber auch ruhiger Gelassenheit über die sie umgebenden Baumstämme gleiten und fand dann wieder aufmerksam zu ihrer Gesprächspartnerin zurück. So wie die Schwarz-Weiße wohl etwas über sie erfahren wollte, war es auch der Leitwölfin willkommen, mehr über dieses neue Rudelmitglied herauszubekommen.
“Zum Glück liegt der Weg klar vor uns, das Tal der Raben werden wir dank Averic nicht verfehlen. Und da Engaya uns in diesen Stunden zugeneigt ist, muss ich die Zukunft nicht fürchten. Sorgt dich etwas, Invidia? Du bist fremd in unseren Reihen, aber mein Rudel besteht aus freundlichen Wölfen und sie wissen, dass ihre Führung den richtigen Weg kennt.“
Vermutlich hätte sich manch einer über diese Worte aus Tyraleens Fang gewundert, aber es war niemand bei ihnen, der die Weiße kannte, sodass selbst die Leitwölfin ihnen Glauben schenken konnte. Sicherheit, Führungsqualitäten und Gelassenheit waren nicht gerade Tyraleens Stärken, aber davon brauchte Invidia nichts zu wissen. In diesen ruhigen Momenten, in denen selbst die Weiße etwas Mut und Zufriedenheit tanken konnte, war es ihr auch möglich, sich und allen anderen vorzugaukeln, dass sie keine Zweifel ob ihrer Entscheidungen und dem vor ihnen liegenden Weg plagten. Es tat ihr viel eher gut, sich einmal wirklich wie die kompetente und vertrauenswürdige Leitwölfin zu fühlen, die sie seit sie diesen Rang übernommen hatte sein wollte.
06.03.2013, 14:56
Während er wie ein ruheloser Alter aufstand, sich hinlegte, aufstand, sich um sich selbst drehte und wieder hinlegte, schaffte es ein kleines Wesen in seine Nähe, dass er soweit gar nicht realisiert hatte. Wer kam auch auf die Idee, dass dieses Pack dumm genug war, einen Welpen derart an den Rand der Gruppe laufen zu lassen?
Als er den Zwerg bemerkte, war er gerade aufgestanden und starrte das Ding an, wie ein Tier, dass er noch nie gesehen hatte. Der junge Rüde erstarrte und beobachtete das Jungtier. Ganz klein waren die Welpen nicht mehr, aber nichts an ihnen wirkte 'groß'. Verstört von dem Gruß und der Frage stand er da wie ein Idiot, während es in seinem Kopf arbeitete. Wo zur Hölle waren Averic und Aszrem, um dazwischen zu gehen? Oder Tyraleen? Parveen? Sollte nicht jemand darauf aufpassen, dass die Welpen den Tag überlebten? Hallo?
„Äh, geh weg?!?“
Er wusste nicht, warum es am Ende wie eine gehauchte Frage klang, schließlich sollte es nach einem herrischen Befehl klingen. Er verzog die Schnauze zu einem angewiderten Ausdruck. Welpen... Engayakram. Eklig. Abartig. Da bekam er generell schlechte Laune. Trotzdem wollte er im Augenblick einfach nur von jemandem gerettet werden!
Und dann kam Caylee und er bereute das Stoßgebet zum Himmel augenblicklich. Er fixierte die weiße Fähe kurz genauso regungslos wie das Monster im Miniaturformat. Die Worte plätscherten irgendwie an ihm vorbei, ohne dass er sich wirklich darauf konzentrieren konnte. Passend zur Warnung der Gleichaltrigen verließ ein bedrohliches Grollen seine Kehle. Der Blick flackerte, während man direkt zusehen konnte, wie die blauen Augen sich mit einer anderen Farbe auszufüllen schienen. Erst schimmerten sie kaum merklich lila, bis die Farbe ins Purpur überging und schließlich rot wurde.
Er knurrte herrisch auf und sprang dann ohne jede Vorwarnung an den beiden Fähen vorbei, mit dem Kopf gegen einen Baum. Die Aktion sah bestimmt so bescheuert aus, wie sie eben war, sowieso als er dann einen Moment benommen dastand und über seine eigenen Pfoten stolperte, um am Boden liegen zu bleiben.
[Bei Caylee und Linalee - Rand des Rudels]
06.03.2013, 14:58
So verkroch sie sich in den Wurzeln der Bäumen, hielt sich in den Schatten und zischte wie ein in die Ecke getriebenes Viech. Zu welch verachtungswerter Kreatur sie doch verkümmert war! Dieses Wanderleben war wirklich nicht für sie gedacht. Das Ungewisse hatte sie schon immer eingeschüchtert und abgestoßen. So war sie auch Feige geflohen, als das Nichts sich verbreitet hatte.
Nun waren sie ebenfalls auf der Flucht. Wenigstens war sie nicht allein. Ein schwacher Trost.
Der Schatten vor ihr wandte sich ihr nun zu und es war nur eine Frage von Augenblicken, bis sie ihn identifizieren konnte. Sie registrierte das auf sie eher höflich wirkende Lächeln und beeilte sich, ihren Blick neutraler aussehen zu lassen. Sie brachte Schande auf ihre ganze Familie. Sie, die verrückte Schwester. Sie wollte nicht, dass Tyraleen sich wegen ihr auch noch schämen musste. Ihrer Mutter hatte sie schon genug Schmach gebracht.
"Chivan, nicht wahr?"
Sie klang beherrscht, auch wenn sich leichtes Misstrauen in ihre Stimme mischte. Sie tendierte dazu, Wölfen die keine Familienmitglieder waren grundlegend nicht zu vertrauen, solange sie sie nicht näher kannte. Soweit sie das aus ihrem weltfremden Schneckenhaus beurteilen konnte, schien dieser Chivan jedoch schon relativ gut in das Rudel integriert zu sein. Wahrscheinlich mehr als Kirov. Obwohl, sie war wohl die Letzte, die wusste, wer was in diesem Rudel trieb. Unwissend presste sie Tag für Tag die Augenlider aufeinander, als würde sie all das gar nichts angehen. Dabei sollte es sie kümmern. All die Verschwundenen, all die Zurückgekehrten. Es waren teilweise ihre eigenen Geschwister, ihr Fleisch und Blut. Der Großteil ließ sie trotzdem kalt auch wenn mit Schuldgefühlen zurück. Es verband sie einfach zu wenig mit den Meisten und die wenigen Beziehungen, die sie geknüpft hatte, waren Seidenfäden gleich. Leicht ertappt zuckte sie zusammen und hob ihren Schädel wieder höher.
"Nein!" Wieso klang sie so verzweifelt? Sie räusperte sich und fuhr gedämpfter und ziemlich kalt fort. "Nein. Das kann ich selbst machen, wenn ich die Notwendigkeit dafür sehe."
Sie musste sich endlich mal sortieren. Dieses elende Dahinvegetieren tat ihr nicht gut. Sie fiel in alte Verhaltenmuster zurück. Mit dem Braunen war bei weitem nichts falsch. Er war hilfsbereit und höflich - und was bekam er im Gegenzug? Gezische, kühle Entgegnungen und nicht mal ein Dankeschön. Müde runzelte Amáya ihre Stirn. Langsam wünschte sie sich, jemand würde sie wachrütteln oder ihr besser einen wuchtigen Schlag auf den Schädel verpassen.
"Du magst Recht haben... aber in meinem Fall wäre ich mir da nicht so sicher...", murmelte sie leicht abwesend als Antwort. Letztenendes würde sie ja eh alles wie immer vemasseln. Und all die Wölfe die ihr sonst wichtig waren hatten besseres zu tun, als ihren düsteren Murren zuzuhören.
[ Chivan | Rudel ]
07.03.2013, 15:55
Gestern gab es zwar ein gutes Abendmahl, doch irgendwie hatte sie das Bedürfnis noch einmal nach dem Rentier Ausschau zu halten, eigentlich war es ja seltsam, dass es so allein da bereit gelegen hatte, als hätte man gewusst das sie hier auftauchen würde. So trabte sie mit großen Schritten durch die tiefen Schneeflächen. Kurz vor dem Kadaver hielt sie inne, sie konnte bereits den Duft des Fleisches riechen, aber dort war noch mehr. Es roch nach Rudel, aber genauer ließ es sich für Hilel nicht definieren, die wenigstens konnte sie an dem Geruch erkennen, kannte sie doch die meisten eh nur so vom sehen. Den Schwarzen allerdings, dessen Geruch würde sie nun überall erkennen, nachdem sie neben ihm gelegen und ihn bewacht hatte oder was auch immer sie da genau getan hatte.
Die dunkle Fähe näherte sich wie ein Schatten, ihr Fell hob sich kaum von der nächtlichen Schwärze ab und der einzige genauere Hinweis auf ihre Dasein, war das bläuliche Augen. Ihr blindes spiegelte nur die weiße Schneedecke wieder und hätte jene wohl kaum unterbrochen. Aus ausreichender Entfernung beobachtete sie den hellen Leib der sich hastig über die Beute hermachte. Von den ruckartigen Bewegungen und der angespannten Haltung hätte man erahnen können das es ein Fremdling war, aber ihr Geruch wabberte deutlich die Marke des Rudels mit sich. Dennoch näherte sich Hilel vorsichtig, mied den Schein des Mondes und bleib bemüht im Schatten. Es war noch nie ihre Art gewesen, auf jemanden zuzustürmen und ihn freudig zu begrüßen. Erstmal hieß es diese recht seltsame Situation abzuschätzen und zu analysieren. Gefahr würde nicht drohen, so vermutete sie, die Fähe war dürr und kaum mehr als Haut und Knochen, vielleicht war sie aber krank. Von einer Krankheit hatte sie allerdings im Rudel nichts mitbekommen, dies hatte aber auch nicht viel zu sagen. Der Gesprächsfaktor, den sie mit den Mitgliedern hatte war beinahe so hoch wie die schlotterigen Wintertemperaturen.
Wieder war sie ein bisschen näher heran gekommen, eigentlich wollte sie auch noch den ein oder anderen Bissen ergattern. Viel war jedoch auch nicht mehr von den blank strahlenden Knochen abzubekommen. Kurz bevor sie wusste, dass die Fähe sie entdecken musste, trat sie aus der Dunkelheit zu ihr heran, direkt von vorne. Dies im Bewusstsein, dass sie ihr ja keine Gefahr darstellte und ihre Pfoten in Unschuld reinwaschen wollte. Hilel hatte ja bereits erfahren, wie dieses Rudel hier mit Anschleichen umgeht und dafür trug sie immer noch genug Groll in ihrer Brust, dass sie für ihre Achtsamkeit getadelt wurde. Dennoch blieb sie einfach stumpf und wortlos stehen, immer noch vielleicht zwei Meter von der Hellen und der Beute entfernt, den Kopf ein Stück gesenkt um erneut die Witterung aufnehmen zu können, verharrte sie abwartend auf eine Reaktion von der Fähe.
[steht auf & geht Richtung Rentierkadaver | Shani Caiyé]
08.03.2013, 13:27
Zumindest Atalya schien die Rückkehr ihres Vaters etwas Mut zugesprochen zu haben, doch allgemein konnte man wunderbar mitansehen, wie die langen Strecken an den Kräften der Wölfe zerrte. Die knappe Nahrung machte sich bemerkbar und war an vielen Körpern abzulesen – Auch die Fähe, die sich zwischen den Baumwurzeln verkrochen hatte, schien davon deutlich gekennzeichnet zu sein und sich vor der allgemeinen Lage verstecken. Der Bunte spielte kurz mit den Ohren, schenkte ihr einen ruhigen Blick und vernahm, wie sie verstummte und gleich nicht mehr ganz so verängstigt dreinblickte. Dass es ihr nicht sonderlich gut zu gehen schien, sah ihr wohl jeder an, vielleicht sogar schlechter als dem größten, restlichen Teil des Rudels, wobei sich Chivan dabei ganz und gar nicht auf ihr Äußeres bezog. Er kannte ihr Inneres nicht, konnte nur auf das reagieren, was sie nach außen zeigte oder wohl eher nicht verbergen konnte, wie er nach dieser ersten Begegnung schätzte, doch das bereitete ihm keine Probleme. Er nickte kurz, als sie seinen Namen nannte und überging schon voller Gewohnheit den Ton von Misstrauen in ihrer Stimme. Ein Wanderer schien nie vertrauenswürdig und mit dieser Einstellung hatte er schon zur Genüge Erfahrung gemacht. Ein Wolf, ein Rudeltier, welches die Einsamkeit vorzog – konnte man solch einem Wolf überhaupt gefahrlos vertrauen? Konnte man sich darauf verlassen, dass er einen nicht irgendwann in einer misslichen Lage im Stich ließ und sich allein und unversehrt auf den Weg machte? Wahrscheinlich hätte das das Blauauge nicht anders gesehen. Er verstand das Misstrauen, doch er hatte ein Ziel gehabt, welches die meisten Wölfe nicht berührte – ein Ziel, welches für die meisten unbegreiflich war.
Seine Ohren schnippten nach hinten, als Amáya deutlichen Unwille auf sein Angebot hin zeigte. Für einen kurzen Moment konnte er die Frage in seinem Blick nicht verbergen, doch einen Herzschlag später hatte er sich bereits wieder gesammelt und nickte abermals als Zeichen, dass er verstanden hatte. Irgendetwas schien sie zu fürchten, doch der Rüde war längst nicht so weit, dieses Etwas genau bestimmen zu können. Er bezweifelte, dass es an dem grauen Rüden selbst lag, immerhin hatte er ihn – wenn er sich recht entsann – einige Male in ihrer Begleitung gesehen, bevor der Berg zu brennen begonnen hatte. Doch man sah ihr an, dass sie sich in ihrer Rolle ganz und gar nicht gefiel. Sie wirkte überfordert, unzufrieden mit sich selbst und ihren Handlungen, obwohl sie nichts daran ändern konnte. Auch ihre leise Aussage bestätigte diesen Gedanken, von dem sich der Bunte nichts anmerken ließ. Er schenkte ihr abermals ein freundliches und ruhiges Lächeln und suchte ihren Blick.
„Was bringt dich auf diesen Gedanken?“
Wie üblich klang seine Stimme nicht so, als würde er auf eine Antwort drängen. Es lag ihm nicht, sich aufzudrängen. Man sollte wissen, dass er zuhörte, wenn einem nach reden war, doch mehr lag seiner Meinung nach nicht in seiner Macht. Ein Wolf redete, wenn er reden wollte – Ein gezwungenes Gespräch besaß nie die Freiheit wie ein freiwilliges. Deshalb auch wandte er den Blick rasch ab, ließ ihn an den alten Stämmen der Bäume hinaufwandern und dachte kurz nach, bis er glaubte, vielleicht etwas gefunden zu haben, was ihr helfen konnte.
„Weißt du, weshalb die Bäume hier so alt geworden sind, dass sie einem das Gefühl geben, als wären die Götter selbst zu ihrer Zeit zwischen ihren Stämmen hindurchgewandert?“, fragte er schließlich mit gedämpfter Stimme und frei hinaus, als würde überhaupt kein Zusammenhang bestehen. Er hatte nicht auf eine Antwort von ihr zu seiner vorheringen Frage gewartet, ließ es ihr aber noch immer offen, sich damit zu beschäftigen. Vielleicht war es besser für sie, die ganze Sache abstrakter zu betrachten.
„Denkst du, ein einziger allein hätte es hier ebenso geschafft?“
08.03.2013, 13:36
Aber das bedrohliche Gefühl nahm zu. Ihre bis zum zerreißen angespannten Sinne sahen immer wieder diesen Schatten und nun schien der Duft des Rudels aufdringlicher und schärfer zu werden. Er hüllte sie ein, als hätten die Wölfe sie umzingelt und Panik machte sich in der Weißen breit. Sie hörte auf zu fressen, stand wie erstarrt tief geduckt im Schnee und sah dann mit Schrecken eine tiefschwarze Fähe auf sich zu treten. Im ersten Moment war sie sich sicher, dass sie einer der eingebildeten Schatten war - so nah und so deutlich wie noch nie zuvor - doch dann wurde ihr klar, dass die Witterung des Rudels von ihr ausging und dass sie zudem in einigen Punkten kein bisschen schattenhaft wirkte. Ihr rechtes Auge war blind und etwas stimmte mit ihrer Hüfte nicht … und schließlich kam auch ihre Eigenwitterung Shani bekannt vor. Sie war ein Rudelmitglied, ganz sicher, auch wenn sie nicht gerade mit viel Gemeinschaftssinn und Aufgeschlossenheit geglänzt hatte. Shani kannte nicht einmal ihren Namen, dabei war sie sonst stets sehr bemüht darum gewesen, jeden kennenzulernen. Aber das schien jetzt sowieso in weiter Ferne und unglaublich nichtig.
Nur langsam löste sie sich aus ihrer fluchtbereiten, erschrocken angespannten Haltung und versuchte wenigstens ein klein wenig entspannter auszusehen. Ihre Ohren waren jedoch noch immer zurückgedreht und die Augen huschten unsicher von der Fähe über die Umgebung und wieder zurück. Warum stand die Schwarze hier so und starrte sie an? Wollte sie irgendetwas? Shani verhielt sich zwar nicht mehr wie ein Rudelmitglied, aber auch ihre Witterung musste schwer von ihrer Familie sein und sicher hatte die Schwarze sie auch bereits mit anderen Wölfen gesehen. Sie konnte sie nicht wirklich vertreiben oder nachsehen wollen, ob sie eine Gefahr für das Rudel war. Dennoch wich Shani nun zwei Schritte vor ihr zurück und bleckte wie eine in die Enge getriebene Wildkatze das wenig beeindruckende Gebiss.
“Was willst du?“
Sie fürchtete sich vor allem davor, entdeckt zu werden und sprach deshalb auch beinahe im Flüsterton. Wer auch immer diese Schwarze war, immerhin war sie kein Familienmitglied.
08.03.2013, 16:20
Es gefiel ihm hier. Ein wenig erinnerte der Wald ihn an ihr Tal, das Tal der Sternenwinde, das nun wohl sehr weit hinter ihnen lag. Doch ein unbestimmtes Gefühl sagte ihm, dass dieser Wald viel älter war als ihr Tal, die Bäume schienen regelrechte Opas zu sein. Ihre Rinde war zerfurcht, sie waren sehr dick und sehr groß und einfach sehr alt aussehend. Auch wenn Malik eigentlich gar nicht wusste, wie ein alter Baum aussah, täuschte sein Gefühl ihn nicht. Er machte sich keine Gedanken darum, weshalb hier keine anderen Wölfe lebten – anders als in den übrigen Gebieten, an denen sie vorbeigezogen waren. Es war einfach so und zu ihrem Glück hatte auch noch ein totes Rentier hier herumgelegen, das genug Fleisch für sie alle geboten hatte. Alles in allem wäre Malik der Letzte, der etwas dagegen sagen würde, wenn sie hier bleiben wollten. Vielleicht sollte er den Vorschlag mal Tyraleen unterbreiten, denn er hatte die Erfahrung gemacht, dass sich die Erwachsenen immer zu viele Sorgen machten und sich zudem schnell in irgendetwas fügten. Sie gewöhnten sich noch daran, dass sie immer weiter laufen mussten. Dabei brauchte Madoc doch unbedingt Zeit, um sie einzuholen. Noch immer hatte der Welpe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sein Pate es vielleicht geschafft hatte und nun zusammen mit der Muschel hinter ihnen herlief. Und wenn sie hier warteten, hatte er vielleicht sogar die Chance, sie endlich einzuholen. Dann wäre alles perfekt und es wäre ihm egal, ob sie weiterliefen oder hier blieben. Hauptsache alle die waren bei ihm, die er brauchte.
Es war der laute Ausruf des namens seines Bruders, der ihn in dieser Stille der Nacht zusammenfahren und den Kopf in die Höhe reißen ließ. Wer machte denn jetzt so einen Lärm, nur um seinen Bruder auf sich aufmerksam zu machen? Im Umdrehen sah er einen ziemlich dunklen Wolf in der ziemlich dunklen Dunkelheit mit Isaí spielen und brauchte einige Augenblicke, bis er die Szene verstand. Auch wenn er sie so noch nie gesehen hatte, konnte das ja eigentlich nur Kisha sein. Und Kisha … war ebenfalls verschwunden, wie Madoc. Es gab nicht viele alternative Schlüsse, die Malik aus ihrer Rückkehr ziehen konnte. Und auch wenn es ihn eigentlich wenig interessierte, dass die Schwarze zurückgekehrt war, sprang er auf und lief über den hart gefrorenen Schnee zu den beiden hinüber. Hatte es nicht geheißen, Kisha würde Madoc suchen? Dann musste sie ihn doch gefunden haben, so glücklich wie sie jetzt war! Voller Hoffnung trat er an seinen Bruder und seine Patin heran und ließ seinen Blick suchend über die Bäume hinter Kisha schweifen. Er sah Madoc nicht und er roch ihn nicht. Sein Geruch müsste an Kisha haften, wenn sie mit ihm gelaufen wäre.
„Wo ist Madoc?“, flüsterte er und Angst mischte sich in seine Stimme.
08.03.2013, 21:35
Müde flatterten ihre Lider, ehe sie sich vollkommen davon überzeugen ließen, sich zu öffnen und schließlich drang der Abendblaue Blick in die Finsternis, die sie umgab. Kein Mondschein beleuchtete die Leiber um sie herum und alles, was sie wahrnehmen konnte, war das Rudel, welches ihr Schutz bot, leise Stimmen und das vertraute Gemisch der verschiedenen Gerüche um sie herum. Dort war nichts, was nicht an diesen Ort gehörte und obgleich sie ihre Ohren interessiert in alle Richtungen kreisen ließ, konnte sie auch kein verdächtiges Geräusch ausmachen, so dass sie schließlich den Kopf unter ihrer buschigen Rute hervor hob, mit der sie ihre ungeschützte Nase gewärmt hatte. Doch es war auch niemand an ihre Seite getreten, so dass seine Präsenz sie geweckt haben könnte, weshalb sie ihre Erinnerungen nach dem Traum durchforstete, den sie gehabt hatte. Es war kein schlimmer Traum gewesen, etwas beängstigend zwar, das waren sie stetig in letzter Zeit, doch auch getrieben von dem Gefühl der Neugierde. Ihre Träume waren ebenso schwarz, wie der Himmel über ihr und die Schatten um sie herum, sie konnte nichts sehen, nichts riechen und auch nichts hören, war gefangen in der Schwärze, die sie umhüllte und dennoch lief sie. Immerzu lief sie weiter, gedrängt von einem rastlosen Gefühl, als wäre sie auf der Suche nach etwas, doch sie konnte nicht sagen was es war. Häufig hatte sie geglaubt kurz vor dem Ziel zu sein... und war erwacht.
Nun richtete sie sich auf und streckte ihre müden Glieder und gähnte leise, bevor sie den Schlaf aus ihrem Pelz schüttelte und sich ein Bild von ihrer Umgebung machte. Nicht weit entfernt entdeckte sie die inzwischen so vertrauten Umrisse eines großen Rüden und seine ruhige leise Stimme drang zu ihr hinüber, während sich ihre Ohren wie von selbst in die Richtung seiner Stimme zu drehen schienen. Es lag nicht in ihrer Absicht dem Gespräch zu lauschen, allein seine Worte galt es aufzusaugen, wie trockenes Moos den ersten Regen im Frühling. Seine Stimme beruhigte sie, obgleich sie das unbeschreibliche Gefühl in ihrer Brust nicht dämpfen konnten, das sie aus ihrem immer wiederkehrenden Traum geweckt hatte. Suchen glitten ihre Augen von Chivan und ihrer Tante weiter, sichten als erstes nach ihrer Familie, oder den Welpen. Sie wusste nicht, was dieses Gefühl zu bedeuten hatte oder ob es überhaupt etwas zu bedeuten hatte, so wie ihre Träume, doch sie hätte auch nicht gewusst, wem sie sich hätte anvertrauen können. Sie hatte sich etwas in sich zurückgezogen, seit das Rudel ihr Geburtstal verlassen hatte und auch wenn ihr die frühere Nähe zu Atalya und auch Caylee fehlte, so fiel es ihr im Moment schwer sich ihnen zu öffnen, selbst ihrer Mutter fühlte sie sich zwar verbunden, doch etwas ließ sie ihre Träume und Eingebungen zurückhalten.
So saß sie da, in ihren Gedanken versunken, den Körper in entspannter Haltung, auf die Hinterhand niedergelassen, den Kopf leicht gen Himmel gehoben, so dass ihr treuer Freund um ihre Nase wehte. Er war zu ihr zurückgekehrt, wenngleich er sich auch verändert zu haben schien. Dies war nicht derselbe Wind, der im Tal der Sternenwinde wehte, seine Sprache schien vertraut und zugleich fremd zu sein, doch er sprach wieder mit ihr und das war es, was schließlich zählte. Interessiert lauschte sie dem unbekannten Wiegenlied aus weiter Ferne, singend von hohen Bergen, felsigen Klippen und schneebedeckten Hügelspitzen und schloss die Augen, die Ohren leicht im Takt des Windes spielend, während sie in Gedanken über die hohen Pässe glitt, von denen ihr Freund berichtete.
09.03.2013, 16:20
„Doch doch. Den Weg hinter euch her bin ich alleine gegangen.“
Die Ohren der Dunklen zuckten kurz durch die Luft – so wirklich wußte sie nicht mehr, was mit Madoc geschehen war. Sie hatte ihn doch gefunden? Oder nicht? Überlegend ließ sie den Kopf wieder zurück auf den Schnee fallen, atmete dabei tief durch und schloß einen Moment die Augen, noch immer lächelnd. Liegend ließ die Schwarze den Blick schweifen, betrachtete die Wölfe, die sie aus dieser Position sehen konnte und hob den Kopf dann schließlich doch wieder an, versuchte Isaí mit der Nase zu erreichen. Sie grübelte noch einen Moment, schielte dann wieder zu ihrem Patensohn. Langsam kam die Müdigkeit der letzten Tage doch durch, und so seufzte sie leise, noch immer lächelnd.
„Bist du nicht auch müde? Wir laufen doch schon so lange!“
Ein weiterer Geruch, der sich ihnen näherte, ließ sie schließlich mit den Ohren zucken, mit einem freundlichen Grinsen blickte sie dem weißen Bruder ihres Patensohnes entgegen, legte bei seiner Frage nur leicht den Kopf zur Seite. Und wieder musste sie über Madoc nachdenken, wog dabei die Nase kurz zum Himmel und dachte an den weißen Wolf... wo war er? Sie waren kurz zusammen gewesen... und dann...? Mit einem plötzlichen Einfall tauchten die Bilder wieder vor ihr auf, und die braunen Augen blickten zwischen den beiden Geschwistern hin und her.
„Er ist bei Engaya, da ist er sicher.“
Genau so war es, er war nicht mehr aus der Lava heraus gekommen, es war also nur logisch, dass der Weiße sich nun bei der Göttin des Lebens befand.
[Beim Rudel - Isaí, Malik]
09.03.2013, 16:50
„Was willst du!?“
Mit einem Mal fuhr sie herum, fixierte ihre dunkle Tante nun mit drohendem Blick, die Rute dabei in die Luft erhoben. Dass Kisha zurück war hatte sie selbst bemerkt, dafür krauchte sie keinen Verwandten, der superklug spielte. Mit drohender Haltung trat sie einen Schritt auf Parveen zu, hielt jedoch wieder inne und beobachtete die Bewegungen der Schwarzen. Sie knurrte, versuchte einfach damit das Bild zu verjagen, welches sich in ihrem Kopf bildete. Madoc wäre nicht wieder verschwunden, er hätte sein Versprechen nicht gebrochen. Es gab also nur eine Möglichkeit, was mit ihm geschehen war. Und all die Trauer darüber ließ sie nun in der Wut gegen Parveen untergehen.
[Abseits - Parveen]
09.03.2013, 17:22
Ein Schauer der Angst durchlief kurz den Körper der Nachtschwarzen, aber es blieb für den Moment dabei. Sie hatte nicht im Mindersten vor, die Kontrolle zu verlieren. Die Stimme dieses bunten Rüdens hatte etwas Beruhigendes in sich, das konnte sie nicht abstreiten. Vielleicht ließ sie sich auch deswegen darauf ein. Im Moment fühlte sie sich der Welt der Lebenden näher, als der der Toten. Unglaublich, wenn man die letzten Tage mal so bedachte. Heute war Mayhem nicht stark. Heute konnte sie keine erneute Attacke gegen sie führen. Sobald sie zu diesem Schluss gekommen war, verspürte die Regentochter einen seltenen Schub der Erheiterung. Er war vielleicht kurz, doch wenigstens fegte er ein wenig durch das Trümmerfeld ihrer Gedanken.
Sie verwendete diese neu gewonnene Kraft erstmal dazu, ihre Züge wieder halbwegs in Ordnung zu bringen und so ausdruckslos wie möglich auszusehen. Schlechte Gewohnheiten aus alten Zeiten von denen sie die Pfoten nicht lassen konnte. Sie war längst nicht mehr so gut darin, Fassaden zu bauen und sich wochenlang dahinter zu verstecken wie früher. Nicht seitdem Kirov wie eine Horde Büffel über ihre Masken getrampelt war und seitdem Mayhem scheinbar immer stärker wurde ( auch wenn zum Glück mit einigen Rückfällen wie heute ). Zufrieden nahm Amáya zur Kenntnis, dass sie wenigstens den Namen dieses Rüdens richtig in Erinnerung behalten hatte, was bei ihr ja keine Selbstverständlichkeit war. Sie musste zugeben, die Geduld und Ruhe dieses Exemplars war doch ziemlich überzeugend und machten seine Gesellschaft nicht unangenehm. Es tat ihr beinahe schon ein wenig Leid, ihn so angezischt zu haben. Sie hatte sich einfach nicht mehr so unter Kontrolle wie früher. Das passierte, wenn jemand einem Sturm gleich durch ihr Leben zog und alles auf den Kopf warf, nur um danach irgendwie wieder halb zu verschwinden. Sie seuftzte leise und verdrängte das Bild des Grauen mit den Himmelsaugen. Sie musste sich wirklich einen Ruck geben und einfach mal auf ihn zugehen. Sonst würde sie ewig elendig in ihrem Loch hocken und jeden erdenklichen Wolf angiften. Kurz wog die Fenrisgläubige ab, ob sie dem Bunten eine Antwort geben sollte oder nicht. Es war mittlerweile ja eh egal, was sie alle über sie dachten. Sie war nicht mehr der kleine Welpe, der seine Eltern stolz machen wollte.
"Meine schwarzseherische Einstellung und meine bisherige Erfahrung würde ich sagen.", entgegnete sie kühl, auch wenn nicht unfreundlich.
Es war eine eher ausweichende Antwort, auch wenn sie der Wahrheit entsprach. Als ihr Blick etwas abwesend in die Dunkelheit der Baumkronen über ihr wanderte, erstarrte sie für eine Sekunde. Ein Paar blutroter Augen fixierte sie aus der Höhe. Eine Weile lang hielt sie diesen Blickkontakt des Grauens, sodass die Panik erneut leichte Wellen in ihr schlug. Bevor sie sich versah, hatte sie weitergeredet.
"Wenn ich zu sehr nach etwas verlange, wird es zu meinem Fluch.", murmelte sie, auch wenn es so bedrohlich klang, dass es klar zu hören war.
Doch diese Worte waren nicht wirklich an Chivan gerichtet - eher dem glühenden Augenpaar Mayhems in dem Geäst. Ein Blinzeln und es war verschwunden. Ihr Körper, bis jetzt angespannt wie eine Bogensehne wurde wieder schlaffer. Sie ärgerte sich. Vielleicht hatte sie sich halbwegs gut gegen Mayhem bewährt, aber sie hatte sich wieder gehen lassen und irgendeinen Quatsch gesagt der leider sogar stimmte. Vielleicht sollte sie einfach aufhören, ihre Gedanken so krampfhaft zu verstecken? Aber ihre Geschichte war nichts, was man einem dahergelaufenen Rüden einfach so an die Nase band. Das war auch keine wirkliche Frage des Vertrauens. Die Geschichte war einfach hässlich und uncharmant. Deswegen teilte sie sie auch nie. Chivans Frage war im Angsichts ihrer nagenden Gedanken eine angenehme Ablenkung. Auch wenn sich ihr Wesen dagegen sträubte blickte sie ein weieres Mal die Baumriesen hinauf.
"Nein. Weisst du es?" Glaubte dieser Rüde. überhaupt an Fenris und Engaya? Oder hatte er andere Götter? Sie legte ihren schmalen Kopf schließlich auf die Wurzel vor ihr nieder und ihr Blick wechselte leicht nachdenklich und vielleicht immer noch ein wenig skeptisch zu dem Bunten. Trotzdem ließ sie sich auf seine Frage ein.
"Nein. Gepeitscht von Wind und Wetter hätte er sich im Laufe der Jahre gebeugt und wäre verkrüppelt." Dasselbe passierte mit einer Seele, wenn man sie verkümmern ließ. Das lebende und atmende Beispiel saß genau hier vor der Nase des Bunten.
[ Chivan | in der Nähe Avendal ]
09.03.2013, 18:38
„Nein, ich bin ausgeruht, aber du -“, begann er leiser als zuvor als Antwort, als Schritte neben ihnen ihn aufmerksam werden ließen.
Seine Ohren schnellten nach vorne, bloß um sich gleich darauf wieder an den Hinterkopf zu legen, während er mit besorgter Miene das Gesicht seines Bruders in der Dunkelheit ausmachte. Seine Worte durchschnitten die kalte Luft förmlich und versetzten ihm einen Stich in die Brust. Er hörte die Angst aus seiner Stimme, die Sorge und hätte ihn am liebsten davon befreit, doch das konnte er nicht. Seine Angst war berechtigt und das, was er fürchtete, wahr. Er hatte es längst verstanden, noch bevor Kisha seine Ahnung ruhig bestätigte. Engaya hatte Madoc gerettet, er war nun bei ihr und sicher, auch wenn es bedeutete, dass er nicht zu ihnen zurückkehren würde. Langsam krabbelte er über Kisha, um die Nähe seines Bruders zu suchen. Er kannte seine Furcht, immerhin hatte er sie bis eben noch mit ihm geteilt – der Unterschied war, dass er Kisha wieder bei sich hatte und Malik sich mit dem Gedanken anfreunden musste, dass Madoc fort war. Der Rote hatte ein schlechtes Gewissen, tadelte sich aber schnell für den Wunsch, dass es andersherum gewesen wäre und es ihn getroffen hätte, einfach damit er wusste, dass es seinen Geschwistern gut ging. Tröstend begann er, die Ohren des Weißen zu lecken, ehe seine Zunge auch kurz über den Fang seines Bruders fuhr und er ihn schließlich ansah.
„Erinnerst du dich daran, was ich dir erzählt habe? Ihm geht es gut, aber Engaya braucht ihn bei sich.“
Der Tod war für ihn noch immer nichts schlimmes. Natürlich trauerte er, dass Madoc nicht zurückkommen würde, obschon er nie wirklich viel mit ihm zu tun hatte, doch er wusste um die Wichtigkeit für seinen Bruder. Doch er würde ihn wiedersehen – dann, wenn Engaya auch ihn zu sich holte. Außerdem war er ja immer noch bei ihnen – zwar nicht körperlich und sichtbar, doch so, wie auch ihre Urgroßeltern immer bei ihnen waren.
„Und Nihilus? Hast du ihn gesehen?“, wollte er sich schließlich noch bei Kisha erkundigen und sah wieder zu ihr hinüber – die Position neben Malik nicht verlassend.
10.03.2013, 13:22
Doch zumindest schien Chivan nicht gänzlich auf eine Mauer zu stoßen. Er konnte nicht sagen, wie es die anderen Wölfe handhabten, doch seiner Erfahrung nach zu urteilen, schien es vielen einfacher, sich nicht direkt mit sich selbst zu befassen. Man musste lernen, Dinge distanziert zu betrachten, neutral und rational. Nur dann konnte man sich tatsächlich selbst verstehen und lesen. Die Worte schließlich, die sie sprach, bestätigten seine Gedanken. Er sah zu ihr hinüber als Zeichen, dass er sie verstanden hatte, doch blieb er dazu still. Er speicherte die Information, ging allerdings absichtlich nicht näher darauf ein. Es war zu persönlich und es lag noch lange nicht in seinem Recht, darüber zu urteilen. Und vielleicht war die Fähe ja gar nicht so schwarzmalerisch, wie sie sich selbst glaubte. Man selbst war meist strenger mit sich selbst als ein Wolf, der einem begegnete. Der Bunte überlegte kurz, ehe ihn die plötzliche Anspannung im Körper der Schwarzen aufmerksam werden ließ. Er spielte kurz mit den Ohren, konnte allerdings kein verräterisches Geräusch vernehmen, ehe er ihrem Blick hinauf in die Bäume folgte und dort ebenso erfolglos blieb. Doch etwas schien ihr Furcht einzujagen, er witterte es, wenn auch nur kaum merklich schwach. Ihre nächsten Worte aber hielten seine Gedanken fest im Griff mit all der Stärke, die darin lag, all der Bedeutung, sodass er erst einmal ausatmen musste, um wieder etwas freier zu werden. Zwar wirkte es nicht wirklich so, als wäre es an ihn gerichtet gewesen – mehr abwesend und unheilvoll, dass es den Bunten für einen Augenblick verwirrte und seinen Blick abermals in die Baumkronen lenkte. Doch auch, wenn er bereits wusste, was er dazu sagen wollte, wandte er sich erst den Bäumen selbst zu und stellte zufrieden fest, dass dieses Thema tatsächlich ein wenig erleichternd für sie zu sein schien. Nun ruhten seine hellen Augen wieder auf ihrem Antlitz, als sie ihr Unwissen kundtat, kurz darauf allerdings genau die Antwort brachte, auf die er hinausgewollt hatte.
„Richtig.“, antwortete er ruhig und nickte leicht. „Sie schützen sich gegenseitig. All die Jahre hat ein Stamm den anderen vor Sturm geschützt, stellte sich Regen und Wind in den Weg und ermöglichte es so seinen Freunden, zu wachsen und zu gedeihen. Nicht einmal der Winter kann ihnen mit seinen Lasten zum Verhängnis werden. Sie halten zusammen.“ Er hob den Blick hinauf zum Geäst. „Sie teilen die Schwere des Schnees, so sehr sind sie ineinander verwunden. Sie teilen die Härte des Regens, die Stärke des Windes und die Unbarmherzigkeit jedes Sturms und sind so in der Lage, die Zeit zu überdauern. Dabei erfüllt jeder einzige seine Aufgabe und sein Fehlen würde allen schaden. Das macht eine Gemeinschaft aus.“
Er verstummte und ließ den Blick erst einen Herzschlag später wieder zu Amáya sinken. Er wusste nicht, ob sie verstanden hatte, doch das spielte im Augenblick keine Rolle. Sie würde verstehen, wenn die Zeit reif genug war und sie sich genügend mit seinen Worten beschäftigt hatte – darin bestand für ihn kein Zweifel.
„Es gibt zwei Dinge, Amáya. Zum einen unseren Instinkt, der uns zeigt, wie wir überleben, zum anderen unser Verlangen, das uns lehrt, zu leben. Dinge, nach denen wir verlangen, Dinge, die wir uns wünschen, machen uns aus und lassen uns ein Ziel vor Augen haben, welches uns davon erlöst, nur ständig um unser Überleben zu kämpfen.“ Er dachte kurz nach und spielte mit den Ohren. „Ein Wolf ohne Wunsch, ohne Verlangen ist ein einsamer und verbitterter Genosse. Er hat nichts, was sein Leben erfüllt außer die ständige Angst, den morgigen Tag nicht mehr zu erleben. Ein Wunsch jedoch würde ihn antreiben, würde ihn von dieser Angst befreien und ihn nach mehr streben lassen als den ersten Sonnenstrahlen eines Morgens. Kein Verlangen ist also ein Fluch, nach etwas zu verlangen hingegen das Zeichen, dass wir lebendig sind.“
10.03.2013, 14:36
Die Ohren zuckten leicht, während Samirez versuchte zu erkennen, wie viele Wölfe in seiner näheren Umgebung eigentlich schon wach waren. Zu seinem Glück, vermutlich, waren es nicht allzu viele. Also konnte er sein schlafen stellen zumindest noch einige Minuten lang erfolgreich aufrecht zu erhalten. Immerhin ein kleiner Erfolg. Der Polarwolf hatte derzeit wenig Herausforderungen und obgleich dies hier wohl kaum als eine zählte, war es doch ein kleiner Versuch, niemanden sogleich aufzufallen und ein wenig zu dösen. Den Tag würden sie vermutlich wie immer mit einer elenden Wanderung verbringen, diesen Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen behielt also oberste Priorität. Er wollte sich einfach nicht den Morgen verderben immerhin gab es schönere Gedanken als eine unendliche Wanderung nach irgendwohin, was allerdings keiner wusste. Das nervte ihn ein wenig, doch es brachte nichts schlechte Laune zu verbreiten, wenn er doch selber sowieso keine Alternative hatte. Klar, er konnte vermutlich wieder nach Hause gehen, wenn er es denn gewollt hatte, aber dem Spott seiner Freunde wollte er sich definitiv nicht aussetzen und sollte er jemals wieder eine Pfote in seine Heimat setzen, so würde dieser nicht ausbleiben. Nein, dafür war der schnelle Jäger einfach zu stolz. Da machte es einfach mehr Sinn den Moment zu genießen und genau damit würde er jetzt einfach weiter machen, bis ihn eben jemand wecken würde – was sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.
10.03.2013, 22:00
AND I BREAK DOWN AS YOU WALK AWAY
„Aber vielleicht wollte er nicht zu ihr.“
Seine Stimme war noch immer nicht mehr als ein zittriges Flüstern. Wie konnte Engaya einfach Wölfe zu sich holen, wenn sie sie brauchte? Einfach so, ganz willkürlich und wahllos? Und warum gerade Madoc? Wieso holte sie nicht … Atalya zu sich, oder Krolock? Vielleicht, weil sie Engaya nicht mochten und sie sich nur Hilfe von denen holte, die ihr vertrauten. Trotzdem kam er mit der Ungerechtigkeit nicht zurecht, die Madoc widerfahren war. Er hatte das ganz bestimmt nicht gewollt, sonst hätte er sich vorher von ihm verabschiedet. Malik schluckte und senkte den Kopf, blickte auf seine Pfoten. Sein Glaube war nicht so unerschütterlich wie der seines Bruders und es gelang ihm an dieser Stelle einfach nicht, sich das Ganze mit welpischer Naivität schön zu reden. Madoc würde nie wiederkommen, weil Engaya ihn nicht gehen ließ. Er war jetzt ein Stern, viel zu weit entfernt von ihnen. Madoc war gestorben, so sah es aus. Haltlos knickten seine Vorderläufe ein, den Kopf legte er auf dem vereisten Boden ab. Der Blick seiner schwarzen Augen lag ohne Fokus in der Ferne. Ohne einen Laut und ohne Tränen nahm er Abschied von Madoc, den er so lange nicht wiedersehen würde, bis Engaya auch seine Hilfe brauchte und ihn zu sich holte. Doch wenn es soweit war, würde er für immer Abschied von Isaí nehmen müssen, wenn dieser sein Versprechen hielt. Das Versprechen, niemals zu sterben, hätte er auch seinem Paten abringen müssen und er fühlte sich schuldig, dass er es nicht getan hatte. Hätte er es rechtzeitig getan, wäre Madoc nun vielleicht hier bei ihm.
Als sein Blick zum Himmel glitt, drang schließlich doch ein kurzes, leises Winseln aus seinem Fang. Über ihnen sah man nichts als Schwärze, kein einziger Stern stand am Himmel. Heute war Madoc nicht einmal dort oben, um zu ihnen hinab zu sehen. Verzweifelt zwang er seine zitternden Läufe, seinen Körper wieder aufrecht zu halten, so dass er zumindest wieder sitzen konnte – den Blick wandte er dabei nicht mehr vom Himmel ab. Und schließlich öffnete er den Fang und rief seinen Paten mit einem einzelnen, anhaltenden Heulen, mit einem letzten, traurigen Lied. Die Augen behielt er dabei einen Spalt weit geöffnet, um kein noch so kurzes Aufblinken eines Sterns am Nachthimmel zu übersehen. Doch die Wolken verdeckten die Gestirne unbarmherzig, auch als der einsame Laut abriss und sich wieder Stille über den Wald senkte. Malik aber senkte den Kopf nicht mehr, wartete und wartete einfach immer weiter auf ein Zeichen, dass Madoc ihn gehört und nicht vergessen hatte.
11.03.2013, 21:15
"Ich will nichts bestimmtes."
Die eben noch so ruhige und friedliche Winterruhe hatte sich in das Gegenteil gewandelt. Die zornigen Augen der Grauen spiegelten all dies wieder, wie die Glut eines Feuers, die augenblicklich das Eis und den Schnee verzehren würden. Ja, was wollte sie hier? Was hatte sie genau hierhin geführt, auf ihrem einsamen Gang um das Rudel? Was hatte sie gesucht und was nun gefunden – die Schwarze konnte es sich selbst nicht ganz beantworten. Mehr der Zufall hatte sie erst Kisha und dann ihr Nichte entdecken lassen. In letzter Zeit schien sie ein Gespür für solche Situationen zu haben und immer zu jenen Wölfen zu führen, die sie um nichts in der Welt an ihrer Seite wissen wollten. Krolock war da wohl das beste Beispiel. Der junge Rüde, der sie mit diesem hasserfüllten Glitzern im Blick angesehen hatte und gerade ihr war die Aufgabe zugefallen, auf ihn zu achten. Pav konnte nicht behaupten, dass sie dies nicht gewollt, oder in Übertreibung zu sprechen ersehnt hatte. Auch wenn dieser Rüde ihr bisher das reine Gegenteil von Freundlichkeit entgegengebracht hatte, wollte sie ihn nicht fern des Rudels sehen, warum auch immer. Vielleicht war es einfach der naive Wunsch in diesem dunklen Herzen ein klein wenig Licht zu finden. Unweigerlich schaute sie an ihrer grauen Nichte vorbei und suchte den dunklen Wald nach der Gestalt des Rüden ab. Er würde doch benehmen… hoffentlich… Sie wollte ihr Versprechen noch nicht so früh brechen.
Irgendetwas sagte ihr, als sie nun wieder Atalya und nicht Krolock vor sich sah, dass sich diese Wölfin gerade nicht auf der Suche nach Licht befand. Sich wieder auf die Graue konzentrierend senkte sie den Kopf nur um einen Zoll und sah ihr neutral entgegen.
"Du hast dir ihre Rückkehr anders vorgestellt," stellte Parveen fest. Oder vielmehr hatte sie wohl ersehnt, dass Kisha nicht nur die Dunkelheit um sich haben würde, wenn sie wieder zum Rudel stieß. Von Nihils Tod wusste sie bereits, aber da war noch dieser andere Wolf gewesen. Wie war sein Name? Madoc? Die Schwarze konnte sich keinen anderen Grund für das Verhalten der Grauen denken.
12.03.2013, 14:13
Auch die Rückkehr seines Opas war noch nicht lange her, und doch schien sich der Schatten, welcher sich darüber gelegt hatte, nicht lichten zu wollen. Die Wut ihres Bruders hatte etwas zerstört. Auch wenn sie etwas gegenteiliges ahnte, so hoffte Kursaí doch, dass es nicht für immer war. Ihre Familie hatte einen tiefen Riss bekommen. Die Freude schien fast verschwunden, nur noch Wut und Ablehnung schien in ihrer Familie zu sein, und dabei schien sich kaum einer von ihrer Freude, über die Rückkehr ihres Vaters anstecken zu lassen. Und da war nicht nur Jakash, sondern auch ihre Mutter. Diese hatte sie seit dem kaum mehr gesehen. Sie schien sich völlig zurückgezogen, und auch wenn sie scheinbar nicht völlig weg war, so schien sie nichts mehr mit ihnen zu tun zu haben wollen. Es schien so, als ob die Rückkunft ihres Vaters einen sehr teuren Preis verlangt hätte, und diesen wollte sie nicht bezahlen, wollte ihn zurück verlangen.
Als nun ihr Blick über das Rudel wanderte, fand sie ihren Vater. Es schien fast so, als ob er den größten Preis zahlen musste für seine Rückkehr. Dabei war dies nicht gerecht. Sie konnte nicht verstehen, wieso er sich selber die Schuld gab, an allem. Sie konnte ihren Bruder natürlich nicht als Lügner abstrafen, und doch war dies vergangen, war schon vergeben. So überlegte sie nun kurz, einmal mehr die Gesellschaft ihres Vaters zu suchen, in der Hoffnung, ihm ein wenig Trost zu spenden. Jedoch war sie sich nicht sicher, ob er schon wach war, wusste nicht, ob sie ihn stören würde. Und so lag ihr Blick zwar auf ihm, ihre Beine bewegten sich aber nicht. So saß sie eine Weile da, ohne sich entschließen können zu ihm zu gehen.
Jedoch da bemerkte sie, dass die Stimmung bei Kisha kippte, dass die Freude wie weggeblasen schien, und als sich ihre Ohrmuscheln wieder in deren Richtung drehten, wurde auch gleich klar weshalb. Madoc würde nicht wiederkommen, war der Fähe nicht gefolgt. Ihre Familie hatte ein Mitglied verloren - für immer. Sie selber hatte zwar keinen innigen Kontakt zu diesem gehabt, doch andere hatten ihn. Darunter war auch Malik, war er doch das Patenkind von Madoc. Und unter dem Leid ihrer Familie hatte so auch sie zu leiden, waren sie doch nur durch die Gemeinschaft stark.
Und so stand sie nun auf, lenkte ihre Schritte aber nicht zu ihrem Vater, sondern zu ihrem Neffen. Sie wollte ihm Trost spenden, auch wenn sie wusste, dass es schwer würde, denn sie wusste, wie es war, jemanden zu verlieren. Es berührte sie zu tiefst, wie er nach seinem Paten rief, und als sie ihn nun erreichte, berührte sie ganz sanft seine Seite, stand ihm bei. Ein kurzer Blick galt Kisha und dann auch Isaí, dann wandte die Fähe sich zu Malik. Sie ließ nach dem Ruf ein paar Herzschläge verstreichen, dann erhob sie leise, und vorsichtig ihre Stimme:
"Er wird immer bei dir sein, solange du an ihn denkst. Auch wenn er nicht mehr neben dir läuft, ist er doch in dir drin, dass kann dir niemand nehmen."
Würden diese Worte den Kleinen erreichen? Würden sie ihm helfen? Mit Gewissheit konnte sie es nicht sagen, und doch hoffte sie es. So saß sie nun neben Malik, welcher verzweifelt in den Himmel starrte. Ihre Worte waren leise gewesen, und doch hatte sein Bruder Isaí, welcher auf der anderen Seite von Malik saß, und auch Kisha sie gewiss auch verstanden.
Sie wünschte, sie würde mehr tun können. Doch dies konnte wohl niemand. Der Schmerz musste er alleine besiegen, und sie alle, seine Familie, konnten nur die Waffen dafür bereit halten. Und doch war dies schon einiges, was sie tun konnten, und so öffnete sich das Maul Kursaís ein zweites Mal in dem Versuch dem kleinen Rüden ein wenig halt zu geben:
"Du bist nicht alleine."
Es waren nur gehauchte Worte, und doch welche mit viel Kraft. Das Leben sprach aus ihnen, seine Familie, die lebte, mit ihm lebte. Engayas Wege waren verworren, und sie scheinen manchmal grausam zu sein. Und doch hatte die Göttin Liebe für alle Geschöpfe, die an sie glaubten. Und auch diese Liebe, welche die graue Fähe in sich selber spürte, sprach aus diesen vier Worten.
[[Hirgoya betrachtend// dann bei Malik, Isaí und Kisha]]
12.03.2013, 17:27
Zu ihrem Missfallen hatte Chivan bemerkt, dass Mayhem sie abgelenkt hatte. Natürlich, er schien ja weder dumm noch sonderlich unaufmerksam. Wenn er etwas in den Baumkronen sah, dann verschwieg er es der Fähe. Irgendwie hätte es Amáya trotzdem etwas Erleichterung gebracht, hätte jemand anderes endlich Mayhem erblicken können. Mittlerweile war sie nämlich schon so weit angelangt, dass sie sich nicht mal fragte, wie ein verdammter Wolfsgeist ( oder was auch immer sie war! ) in einer Baumkrone sitzen konnte. Jedoch war der Umstand, dass sie von diesem Ding was sie sich einst so sehr ersehnt hatte verfolgt wurde, auch schon befremdlich genug. Um nicht weiter den Schaden an ihrer mentalen Gesundheit vermessen zu müssen wandte sie sich also wieder Chivan zu, der glücklicherweise nicht nachfragte. Stattdessen gab sie sich ganz dem Fluss der Worte hin, der aus dem Bunten regelrecht herauszufließen schien. Da verstand es jemand ja ziemlich gut, von solchen Dingen zu reden. Vielleicht drückte er es sogar eine Spur zu schön für ihren Geschmack aus. Einen Moment zögerte Amáya sichtlich. Was hatte den Rüden dazu bewegt, ihr dies zu erklären? Sah sie mittlerweile wirklich so schwach und hoffnungslos aus wie sie war? All den Fassaden war sie mittlerweile wirklich müde geworden. Was sie am meisten verwirrte war, wie sie nun reagieren sollte. Sie hatte nicht den leisesten Schimmer und so schwieg sie nur, den Kopf leicht angehoben, während die Pfoten ihre langsam etwas unbequem gegen den gefüllten Magen drückten. Die nächsten Worte ließen ihre Unruhe dann aber doch noch sichtlich steigen. Sie runzelte ihre Stirn leicht und vielleicht etwas widerwillig, während sich die Worte des Bunten sich hartnäckig in ihrem Kopf niedersetzten.
"Es gibt Dinge, nach denen sollte man nicht verlangen...", antwortete sie schließlich und ihre Stimme hatte eine leichte Härte in sich, wie aus verblassten Tagen. Ihr Blick war dabei wieder unbewusst zu dem Punkt gewandert, wo sie eben noch Mayhems Augen erblickt hatte. Schnell senkte sie ihn wieder zu Chivans blasseren. "Dinge, deren Preis zu hoch ist, als man wagen sollte, sich danach zu verzehren."
Schlaue Wölfe ließen die Pfoten von solchen Dingen. Dumme wie sie mussten es auf die harte Tour erfahren. Vielleicht fühlte sie sich deswegen ständig auf dem Grat zwischen Leben und Tod - weil sie einerseits sich immer noch Dinge wünschte, sich andererseits aber ständig einredete, dass das nur weiter Schlechtes nach sich ziehen würde. Plötzlich erklang ein dünnes Heulen und Amáya wurde aus ihren eigenen Problemen herausgerüttelt. Aufmerksam drehte sie ihren Kopf und blickte leicht traurig in die Richtung des langgezogenen und ziemlich schmerzhaft klingenden Geräuschs. Malik! Schließlich wurde auch dieser Ton, den Amáya als so herzzerreißend empfunden hatte, von den Baumriesen gnadenlos verschluckt. Sie sah Kursaí zum Welpen eilen, bei dem auch Kisha und Isaí bereits standen. Mit besorgten Gesichtsausdruck löste sie langsam ihren Blick von der Gruppe und dem kleinen Weißen der immer noch den Himmel fixierte.
"Selbst die Jüngsten erleben bereits ihre ersten Verluste, hm...", sagte sie leise und halb zu sich selbst, halb zu Chivan gewandt. Sie begegnete seinem Blick kurz, dann schüttelte sie ihren Kopf und musste kurz schmunzeln. Die Zeit schritt so schnell voran und niemand konnte wagen, ihr Einhalt zu gebieten. Es war richtig so und doch hätte sie den Welpen eine längere, glücklichere Kindheit gerne gegönnt. Malik musste wohl um seinen Paten trauern, der nicht zurückgekehrt war. Insgeheim flimmerte auch das Bild ihres Patenkindes irgendwo vor ihren Augen auf, machte sich leise bemerkbar, als würde er sagen : Ich war auch noch da, hast du mich denn schon vergessen? Aber sie hatte Tascurio nicht vergessen, nicht jenen kleinen etwas eigenen Welpen auf den sie hätte besser aufpassen müssen. Eine weitere Schuld auf ihrer Rechnung.
[ Chivan | Nähe Avendal ]
12.03.2013, 23:18
Chardím hob den Kopf, als Pfotentappser von direkt neben ihm an seine Ohren drangen. Die zweifarbigen Augen blickten auf und erfassten Jakash, der gerade bei ihm stehen geblieben war. Der Schwarzweiße wedelte sachte mit der Rute. In der Familie seines Paten war seit sie ihre Wanderung angefangen hatten viel los gewesen. Ganz genau wusste er nicht, was passiert war, aber dass er neuerdings einen Onkel hatte, wusste er. In seinen Ohren klang das immer noch seltsam befremdlich und Jakash hielt aus irgendwelchen Gründen Abstand zu diesem Wolf, der sein Vater war. Chardím setzte sich auf.
„Hey. Ganz gut. Und wie sieht es bei dir aus?“,
fragte er und neigte leicht den Kopf schief.
[ Jakash ]
13.03.2013, 15:30
Auf Chardíms Gegenfrage deutete Jakash ein Schulterzucken an.
"Mal so, mal so. Aber überwiegend gut",
erwiderte er so wahrheitsgemäß wie vage und ertappte sich schon wieder dabei, nach seiner Mutter Ausschau zu halten.
"Isaí und Malik sind in den letzten Tagen schon deutlich kräftiger geworden und vertragen das lange Laufen schon viel besser, was mich freut. Taleesha und Linalee scheinen da noch ein wenig mehr Probleme zu haben..."
Seine Worte klangen als angedeutete Frage aus, wobei er den Blick seinem Patensohn zuwandte. Der Schwarzweiße konnte vermutlich besser einschätzen als er selbst, wie seine Tochter mit der Wanderung zurecht kam, war sie doch die meiste Zeit bei ihm.
"Du machst das übrigens ganz wunderbar mit Linalee, habe ich dir das schon mal gesagt? Ehrlich gesagt, erkenne ich meine Tochter kaum wieder, seit sie dich hat - und das meine ich ebenfalls als Kompliment!",
fügte er schließlich hinzu, die letzten Worte fast mit einem Lachen - das jedoch sogleich erstarb, als ein dünnes, tief trauriges Heulen erklang. Jakash erkannte die Stimme seines Sohnes, bevor seine Augen Malik gefunden hatten. Der Weiße saß bei Isaí und Kursaí - und Kisha?! - und rief nach seinem Paten, den Blick starr gen Himmel gerichtet. Jakashs grüne Augen bestätigten schließlich, was sein Bauchgefühl schon wusste, denn sie fanden Madoc nicht. Maliks Pate war nicht mit Kisha zurück gekehrt.
"Verdammt...!",
presste er zischend zwischen den Zähnen hervor. Er wusste sehr genau, wie sein Sohn sich jetzt fühlte. Und dabei hatte er sich so gewünscht, dass seinen Kindern dieser Verlust nicht so früh widerfahren würde.
[Chardím]
16.03.2013, 15:37
Und nun stand sie hier, die rötlichen Augen inzwischen wieder auf Parveen gerichtet. Die Schwarze hatte den Kopf ein wenig gesenkt, und kaum, dass sie geendet hatte, drang ein leidvolles Heulen an die Ohren Atalyas. Für einen Moment waren die Worte ihrer Tante vergessen, die Luft anhaltend blickte sie an der Älteren vorbei, zurück zum Rudel. Sie hatte Maliks Stimme erkannt, den Patensohn ihres Freundes. Er rief nach dem Weißen, und mit dem letzten Ton des Welpen rann ein Schauer durch den Körper der Grauen. Tränen stiegen ihr in die Augen, als wäre Maliks verzweifelter Ruf nur noch einmal eine Bestätigung... ein weiterer Beweis, dass ihr Weg ohne Madoc weiter gehen würde. Es war ein furchtbares Gefühl, diese Gewissheit mir sich herum zu tragen, und die Worte, die jetzt langsam wieder in Atalyas Unterbewußtsein drangen, schienen nur noch mehr zu schmerzen.
„Natürlich habe ich das!“
Sie schrie ihrer Tante entgegen, behielt die abweisende Haltung bei... ohne dass die Tränen in ihren Augen versiegten. Atalya stand starr da, die dunkle Fähe vor sich fixierend. Atalya wollte laufen, flüchten, und dennoch war sie sich bewußt, dass sie vor alledem niemals hätte fliehen können.
[Abseits - Parveen]
18.03.2013, 11:47
Seine Worte taten zumindest halbwegs seine Wirkung – sie klangen weniger furchterregend, als Linalee angenommen hatte, und dennoch stolperte diese ein paar Schrittchen rückwärts. Dennoch, Krolock hatte eher geklungen, als würde er... fragen? Anstatt zu verlangen, geschweige denn zu befehlen. Sie legte leicht den Kopf auf die Seite und blinzelte ihn scheu an.
“K-kann ich... dir, hm, h-hel-...?“, begann sie in dem gleichen Flüsterton wie er, auch wenn sie weitaus ängstlicher klang.
Bevor Linalee ihren Satz allerdings beenden konnte, sprengte eine weiße Fähe von der Seite heran. Die Kleine schmiegte augenblicklich ihre Fledermausohren an den Hinterkopf und machte sich kleiner, klemmte die Rute zwischen die Beine und versuchte, so unauffällig wie möglich zu sein. Es war offensichtlich, dass sie das plötzliche, dynamische Auftreten der Helleren verunsichert hatte – und in diesem Moment kam ihr Caylee weitaus bedrohlicher vor, als Krolock. Sie bemühte sich, den schnell gesprochenen Worten der Weißen zu flogen, doch all diese fürchterlichen Worte – böse, wild geworden, Fang, töten – oh, oh, wie schrecklich! - machten es ihr nicht leicht. Als Caylee dann auch noch ein leises, aber deutliches Knurren zwischen ihren gefletschten Zähnen hervor presste, war es um Linalee allemal geschehen – rückwärts stolperte sie in Richtung Krolock und stieß gegen diesen, aus Angst davor, dass Caylee sie dafür bestrafen würde, den großen Rüden helfen zu wollen. Ja, Caylee war in diesem Moment eindeutig furchterregender, als es Krolock je sein könnte!
...dachte zumindest die kleine Schwarze. Was dann passierte, hätte sich die Welpin mit den Bernsteinaugen wohl eher nicht träumen lassen.
Denn nun war es an Krolock – eben dem Rüden, bei dem sie sich eben noch verkrochen hatte – ein tiefes Grollen auszustoßen. Linalee zuckte schreckerfüllt zusammen, erstarrte aber in dem kurzen Moment darauf zur Salzsäule, anstatt davon zu laufen. Sie würde doch nur hinfallen oder von Caylee gefressen werden, da machte es kaum einen Unterschied. Außerdem wollte die Kleine gerade gar nicht so genau wissen, was mit dem schwarzen Rüden geschah, sie wagte es nicht, sich zu ihm umzudrehen und hoch zu blicken, geschweige denn zu atmen. Stocksteif stand sie da, bis Krolock plötzlich mit einem Satz nach vorn stürmte und gegen einen Baum rannte. Sofort klirrten die Alarmglocken der Schwarzen wieder – das hatte ausgesprochen schmerzhaft ausgesehen – und weil der einzige Weg, vor Caylee weg zu laufen, bedeutete, dass sie zu Krolock laufen musste, dachte sie keine Sekunde lang nach und hastete auf dünnen Beinchen zu dem Schwarzen.
Mit aufrichtig verzweifeltem Blick betrachtete sie erst den dunklen Hünen, dann die helle Fähe – und hoffte, dass diese sie nicht gleich wieder bedrohte.
“W-was hast du g-gemacht?!“, kiekste Linalee hysterisch zu Caylee hinüber und machte noch einen Rückwärtsschritt zurück zu Krolock. Konnte die weiße Fähe vielleicht zaubern?! War sie dafür verantwortlich, dass Krolock sich seinen Kopf jetzt bestimmt ganz böse angestoßen hatte? “D-du s-solltest ihm h-h-helfen, ne-nicht w-weh-t-t-un!“
Vor Aufregung und Furcht brachte sie kaum ein ordentliches Wort heraus. Wie konnte Caylee nur so gemein sein? Diesem Wolf hier ging es schlecht, das sah doch jeder – Linalee wusste, wie es war, wenn man nur herum lag und keiner Lust hatte, sich mit einem zu beschäftigen: ihr war es doch genau so gegangen! Malik hatte schon gar nicht mehr mit ihr spielen wollen, weil seine Schwester so ein elendiges Hasenherz war, und sich weder etwas traute, noch genug Ausdauer besaß. Doch wenigstens hatten Chardím, Mama, Papa und Isaí immer zu ihr gestanden – Krolock hatte gar niemanden, nur diese knurrende Fähe, die ihn sogar gegen einen Baum laufen ließ! Anklagend, aber immer noch fürchterlich verschreckt, rutschte Linalee zu Krolock heran, ohne die Augen von Caylee zu lassen – als könnte ein so kleiner Welpenkörper den schwarzen Riesen beschützen. . .
19.03.2013, 21:41
„Sei nicht traurig, kleiner Wolf! Meine Mama ist auch da oben und passt mit auf Madoc auf.“
Das hatte Banshee immerhin versprochen! Nun wandte sich die Dunkle aber Isaí zu, dem sie noch eine Antwort schuldete, und sie wog den Kopf nun zur anderen Seite. Kisha überlegte kurz, blickte ihrem Patensohn dann entgegen, schüttelte jedoch den Kopf.
„Nur Madoc war noch da. Nihilus war... weg.“
Aber was aus dem weißen Wolf geworden war, wußte die Fähe nicht. Aber sie hatte sich auch nur noch schnell beeilt, umden Anschluss an das Rudel nicht zu verlieren – und zum Glück war ihr das auch gelungen! Aber nun trat ein weiterer Wolf zu ihnen, und Kisha betrachtete die Graue mit kurzem Blick, ließ ihr ein breites Grinsen zu kommen. Aber Kursaí wandte sich mehr an Malik, und vielleicht würde sie es ja schaffen, den Weißen aufzumuntern. Sie hoffte es, seinen Paten zu verlieren war nämlich kein schönes Gefühl. Ob er nun bei Engaya, Banshee, Fenris oder Acollon war. Das war egal. Die braunen Augen Kishas wandten sich also von ihr ab, und mit einem Grinsen pfotete sie nach ihrem eigenen Patensohn. Sie hatte nicht vor, ihn so schnell zu verlassen.
[Malik, Isai, Kursaí]
21.03.2013, 19:29
„Linalee gibt sich die größte Mühe. Manchmal fast zu sehr. Aber wenn sie nicht mehr kann, dann helfe ich ihr weiter.“
Ein kleines Lächeln legte sich auf seine Lefzen. Die schwarze Welpin war zwar noch jung und klein, allerdings schon nicht mehr so klein, dass er sie einfach im Nacken durch die Gegend tragen könnte. Notfalls wäre es ihm aber möglich sie einfach auf seinem Rücken aufsitzen zu lassen. Der Schwarzweiße schnippte mit den Ohren, als Jakash plötzlich so unverhofft seinen Umgang mit Linalee lobte. Chardím grinste etwas verlegen und führ sich mit der Vorderpfote über die Nase.
„Oh, danke. Na, ich will ihr ja auch ein guter Pate sein!“
Außerdem war es schön sich mit ihr zu beschäftigen. Nicht nur, dass er die kleine, schüchterne Tochter von seinem Paten einfach gern hatte, sie lenkte ihn auch von seinen Gedanken ab. Sie beschäftigte ihn. Andernfalls hätte er auch gar nicht gewusst, wohin mit sich.
Genau wie Jakash zuckte auch Chardíms Kopf nach oben, als auf einmal ein hohes, verzweifeltes Jaulen über die Lichtung schallte. Er folgte dem Blick seines Paten, wo er Malik, Isaí und – oho! – seine Tante Kisha sehen konnte. Dennoch wurde ihm genau so schnell klar, warum der kleine Weiße so weinte. Isaís Patin war wieder zu ihnen zurück gekommen, aber Maliks Pate Madoc war nirgendwo zu sehen. Seine Ohren klappten zurück. Das Madoc wohl nicht wiederkommen würde und eventuell tot war, löste keine Gefühlsregung in ihm aus. So war der Lauf der Dinge und dieser Teil von Empathie hatte ihm seltsamer Weise schon immer gefehlt. Aber der kleine Malik tat ihm Leid, denn seine Geschwister hatten ihren Paten noch.
„Armer Malik.“,
sagte Chardím leise, dann jedoch erinnerte er sich, dass auch seine Schwester gut mit dem Albinowolf befreundet gewesen war. Der Schwarzweiße drehte den Kopf herum, mit dem Blick nach Atalya suchend.
[ Jakash ]
23.03.2013, 18:04
"Atalya… Es tut mir so leid. Wenn ich…"
Sie stockte kurz, nicht wissend, was sie genau sagen sollte, was sie sagen konnte um den Schmerz der Grauen zumindest ein wenig zu lindern. Sie konnte nichts tun, nicht wirklich zumindest. Sie wollte es gerne glauben, aber alles was der Grauen helfen würde, stand wohl außerhalb ihrer Macht. Der weiße Rüde wurde gerufen und ist gegangen und würde von dort nicht mehr zurück kehren.
"Wenn du jemanden an deiner Seite brauchst, bin ich da," schloss die den Satz ab und merke, wie stumpf dies klang. Ein paar Worte, die wahrscheinlich zu oft von irgendwelchen Wölfen in solchen Situationen gesprochen wurden.
Parveen hob zum zweiten mal eine Pfote vom Boden, aber dieses Mal bewegte sie sich nach vorne und zog sie nicht wieder zurück. Den Kopf leicht gesenkt schritt sie einige Wolflängen näher an die graue Jungwölfin. Das Knurren und den feindseligen Blick ausblendend war sie ihr nun viel näher, aber kurz bevor sie die andere erreichte, verharrte sie wieder im Schnee. Ihre schwarzen Ohren zuckten unsicher ein Stück nach vorne. Wie sollte sie sich verhalten? Würde sie ihre Nichte näher kennen, wüsste sie es vielleicht, aber so stand sie wie festgefroren. Wie ein Schatten in der Nacht und ebenso nützlich. Sie wollte näher gehen, sie trösten, den Kopf an den ihren drücken und ihr ein wenig von dem Schmerz nehmen. Hätte sie selbst damals ein solches Verhalten akzeptiert? Von jemandem der ihr nahe stand, aber nicht von einer Fremden und genau dies war sie doch für Atalya. Ein fremdes Rudelmitglied, ein verdrängter Teil der Familie, der sich plötzlich in diesem Moment zu ihr aufgemacht hatte. Wie könnte so jemand einem den Schmerz des Verlustes nehmen? Wie könnte sie sich dies auch nur ansatzweise denken… Trotzdem wusste sie nicht, was sie sonst hätte tun sollen und dies war wahrscheinlich auch der Grund, warum sie letztendlich hier stand.
"Ich wünschte, ich könnte ihn dir zurück bringen." Sie sprach nur in einem Flüstern und hatte jegliche Körperhaltung abgelegt, die etwas mit Abwehr zu tun hatten. Nur eine Phrase… Schon wieder. Ein Satz, nicht mehr, aber sie meinte es ernst. Nicht, weil sie Madoc gekannt hatte und auch nicht, weil Atalya ihre Nichte war. Sie wollte diese Trauer, diesen Schmerz nicht mehr sehen, erinnerte sie diese Gefühle so sehr an ihre eigene Vergangenheit, die sie beinahe aufgefressen hätten.
24.03.2013, 17:41
Nur einen Moment später hob die Dunkle wieder eine Pfote, aber dieses Mal hielt sie nicht inne, kam auf sie zu. automatisch wich die Graue zurück, die Lefzen wieder zu einem Knurren verzogen. Sie duckte sich leicht, die Rute weiterhin erhoben. Sie würde nicht davor zurück schrecken, ihre Tante anders von sich fern zu halten. Sie brauchte sie nicht, und das würde sie mit Nichts in diesem Moment ändern können. So wich die Graue einen weiteren Schritt zurück, die rötlichen Augen dabei weiterhin auf die Schwarze gerichtet, als könne sie ihr gefährlich werden. Zuerst glaubte sie, Parveen würde nun einfach dort stehen bleiben, weiterhin so tun, als würde es ihr wirklich etwas bedeuten. Aber als sie sprach, verzog Atalya die Lefzen nur noch mehr zu einem Knurren, warf ihrer dunklen Tante einen verachtenden Blick zu. Was glaubte sie, was sie mit ihrem dummen Gerede erreichen würde? Dass die Welt wieder in Ordnung war, dass es sie irgendwie trösten würde? Nun trat sie selbst einen Schritt vor, den Kopf drohend gesenkt, den Blick starr nach vorn gerichtet. Im Gegensatz zu der Stimme ihrer Tante lag ein lauter, drohender Ton in ihrer eigenen. Sie wollte ihn zurück holen, und doch musste ihr klar sein, dass das vollkommen unmöglich war.
„Das kannst du aber nicht, also hör auf, so einen Schwachsinn zu reden!“
Nicht einmal die Götter konnten einen Wolf zurück bringen, den sie selbst zu sich geholt hatten. Der Tod war nicht umsonst. Atalya kannte die Geschichten der gottlosen Wölfe, die lebten, ohne sterben zu können. Sie brauchten ihn für das Gleichgewicht der Welt... und sie wußte, dass sie irgendwann damit umgehen konnte... aber in diesem Moment schienen die Wut und der Schmerz alles andere zu verschlucken, nichts als erdrückende Kälte zurück lassend.
[Parveen]
24.03.2013, 22:42
Gerade als er sich wieder dem Rudel nähern wollte, drang ihm dumpfe Fetzen eines Gespräches an die Ohren, deren Inhalt er jedoch nicht verstehen konnte. Ein paar Schritte später konnte, er erkennen, dass es Atalya und Parveen waren, die eine Unterhaltung führten – und laut der Körperhaltung der beiden wollte er im ersten Moment lieber nicht stören und wollte sich schon abwenden um seiner inneren Unruhe zu folgen. Als er aus den Augenwinkel jedoch erkannte, dass die Situation nicht gerade entspannt aussah, beschloss er lieber ein Auge auf die beiden zu werfen. Er wollte sich nicht einmischen, aber hatte die Hoffnung, dass seine bloße Anwesenheit die Situation vielleicht etwas entkrampfen konnte.
Er näherte sich den beiden und befand sich dabei hinter Atalya. Gerade noch hörte er den letzten Satz, den die Graue Parveen entgegenbrachte. Ihr grollender Unterton entging ihm dabei natürlich nicht. Ihm war nicht bewusst, was los war und er war sich bewusst, dass es ihn wahrscheinlich auch nichts anging und er besser gehen sollte. Aber nach all dem Chaos im Rudel in den letzten Stunden und Tagen wollte er nicht, dass es noch mehr Probleme und noch mehr Chaos gab.
„Hey...“,
seine Stimme war ungewöhnlich dunkel. Mehr sagte er nicht, sondern blickte von Atalya zu Parveen und wieder zurück. Er wusste nicht genau, was er bewirken wollte – einfach nur durch seine Anwesenheit die Situation auflockern. Ja. Mehr nicht. Das sollte es sein. Dann konnte er wieder umherschweifen.
- etwas Abseits | stößt zu Atalya und Parveen -
25.03.2013, 02:13
Den Wind trotzend stapfte der Schwarze durch das eisige Weiß, erfreute sich an der Tatsache, dass es Nacht war. So musste der Rüde sich nicht um seine Augen sorgen, sondern konnte sie geöffnet lassen. Auch wenn der Schnee hell war, schmerzte die Farbe seine Augen glücklicherweise nicht. Wahrlich von Vorteil, dachte sich der Schwarze insgeheim, während Ayar Ravac seine Läufe zum Weiterlaufen brachte. Einem Impuls folgend, erhob der Wolf den Kopf und stieß ein langes Heulen aus, welches Augenblicke später einsam in der Nacht verklang. Bei jedem Ausatmen verwandelte sich sein Atem zu Dampf, nur um gleich darauf wieder zu verschwinden und von neuem ersetzt zu werden. Für einen Moment hielt er inne, um seinen Blick über die Umgebung wandern zu lassen. Er hatte momentan einfach kein Glück. Hunger plagte ihn seit Tagen, doch erblickte er keine Beute, um diesen zu stillen. Frustriert seufzte Ayar und setzte seinen Weg fort. Wohin? Nun, das wusste er selbst nicht. Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, nieste der Schwarze, während zeitgleich dazu ein Zittern durch seinen Körper ging.
Der Wolf legte die Ohren an und machte einen Sprung nach vorne, woraufhin er ihm Schnee versank, sich aber wieder frei trat. Der Rüde wusste, warum er den Winter nicht so recht mochte. Sicher, Schnee war eigentlich nichts Schlimmes, zudem er im Sonnen- wie auch im Mondlicht - wobei er letzteres bevorzugte - sehr schön glitzerte. Aber haufenweise Schnee befand der Schwarze für unvorteilhaft, zudem er darin auffiel wie ein bunter Hund oder eben ... wie ein pechschwarzes Schaf auffallen würde unter weißen. Ein abfällig klingender Laut verließ seinen Fang und zu sich selbst sprach er: ,,Welch Ironie, dass dein Pelz doch so pechschwarz ist wie das des Schafes. Du bist derjenige, der anderen Unglück bringt - diese Farbe hast du dir wahrlich verdient!"
Ayar knurrte und bewegte sich weiter vorwärts. Heute lag seine Laune wieder im negativen Bereich. Aber wen wunderts; wer immerzu alleine ist, hat wohl jedes Recht der Welt, gewisse Stimmungsschwankungen zu haben. War ja sowieso keiner da, der sich darüber beschweren konnte.
Der Schwarze nahm einen tiefen Atemzug und fing kurzerhand an, ein Lied zu summen. Längst war vergessen, woher er es kannte, doch es beruhigte ihn meist. Nach wenigen Minuten verklang die Melodie wieder, der Rüde war wieder ruhig. Er gestand es sich selbst nur ungern ein, aber wenn es so weiter ging, würde er noch völlig irre werden. Doch der Rüde fürchtete sich vor Bindungen, immerhin waren all jene, die er liebte, bei dem Feuer umgekommen. Was mit seiner leiblichen Familie war, nun ... Dies wusste er nicht zu beantworten, aber zu dieser schien er wohl keine besondere Bindung gehabt zu haben, sonst hätten sie doch sicher nach ihm gesucht, oder? Doch was brachte es ihm, sich jetzt über vergossene Milch Gedanken zu machen. Eigentlich gar nichts. Was geschehen war, ließ sich nicht mehr ändern.
Die zweifarbigen Augen blickten nach vorne, während er sich aus seinen Gedanken riss. Er war froh über sein dichtes Fell, denn warm war es hier nun wirklich nicht. Genau in diesem Moment juckte seine Nase und erneut musste der Wolf niesen - was er nicht gerade angenehm fand.
25.03.2013, 20:15
„Du hast Recht. Manches sollte den Göttern vorbehalten werden.“, stimmte er ihr leise zu und wirkte nun etwas ernster. „Doch allein das Verlangen ist nichts Verächtliches. Dafür zu kämpfen und auch bereit zu sein, über das Leben anderer Wölfe zu gehen – erst das macht die eigene Seele schuldig.“
Auch Chivan konnte sich diesbezüglich nicht als unschuldig bezeichnen, doch das war nichts, wovon er Amáya nun in Kenntnis setzen wollte. Nicht, dass der Bunte tatsächlich aktiv versucht hatte, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, doch auf eine gewisse Art und Weise war er sich bewusst gewesen, dass er in der Lage dazu gewesen wäre, Seatân zu töten. Und auch, wenn er nicht direkt Schuld an dem Tod des Wahnsinnigen gewesen war – auf eine gewisse Art und Weise hatte auch er sich schuldig gemacht. Chivan schüttelte sich kurz im Liegen, ehe wieder ein kaum merkbares Lächeln den Weg auf seine Lefzen fand, als er den Kopf zu der dunklen Fähe herumwandte. Bevor er aber fortfahren konnte, durchschnitt ein Heulen die Stille des Waldes, doch auch der klagende Ruf des Welpens schien recht schnell von den Bäumen verschluckt zu werden. Der Bunte drehte die Ohren nach hinten, als seine hellen Seelenspiegel die Gestalt des jungen Wolfs suchen und er ihm stumm sein Beileid aussprach. Kisha war dort, der Bruder des Welpen ebenso und auch Kursaí eilte herbei, um der jungen Seele Trost zu spenden. Amáyas anschließende Worte hatten eine bittere Wahrheit in sich. Er schwieg einen Augenblick, während der das Szenario beobachtete.
„Sie sind bemerkenswert stark. Es mag ein Verlust sein, doch wenn jemand damit klar kommt, dann diese Welpen hier. Sie dürfen nur nie vergessen, dass die Götter an ihrer Seite sind.“
Oh, der Rüde hegte viel Hoffnung in die vier jungen Wölfe. Er kannte sie nicht, doch das, was er bisher von ihnen gesehen hatte, beeindruckte ihn wirklich. Und er hoffte, dass ihr Glaube nie brechen würde, denn solange sie wussten, dass sie nicht allein waren, konnte ihnen nur wenig zustoßen.
„Manchmal muss man etwas Schlechtes in Kauf nehmen, um etwas Gutes zu erreichen...“
26.03.2013, 12:13
„Vergiss nicht, dass Fenris sie holt und Engaya sie bei sich aufnimmt. Und vergiss nicht, warum das passiert.“, murmelte er.
Sie kannten die Legenden. Und Isaí hoffte, dass Malik dadurch wieder verstehen würde. Er wich seinem Bruder nicht von der Seite, drückte sich etwas an sich, um ihm zu bedeuten, dass er nicht allein war und blieb stumm, als der Helle den Kopf zum Himmel hob und nach seinem Paten rief. Es war sein Lied, sein Abschied, in das der Rote nur still mit einstimmte und hoffte, dass Madoc gut ankommen würde. Erst, als auch Kisha etwas sagte, hob er den Kopf und schenkte ihr ein dankbares Lächeln. Sie hatte Recht. Auch Banshee war dort oben, Acollon und so viele andere Wölfe, die Madoc nun wiedersah. Als sich auch eine weitere Stimme einmischte, mit der er nicht direkt gerechnet hatte, erklang ein leises Knurren. Er hatte sich so sehr auf Malik konzentriert, dass ihm gar nicht aufgefallen war, dass auch Kursaí zu ihnen gekommen war. Schlagartig verstummte er, pendelte kurz entschuldigend mit der Rute und spielte mit den Ohren. Es war nicht seine Absicht gewesen, sie fortzujagen (weil er das ja auch so gut gekonnt hätte!), doch einem Wolf, der deutlich unwillkommen gewesen wäre, hätte er sich wohl nun in den Weg gestellt, um ihn von seinem Bruder fernzuhalten. Kursaí aber war bloß ein Zeichen dafür, dass sie eine Familie waren und das niemand allein war. Auch ihr galt ein blasses aber dankbares Lächeln, ehe seine Seelenspiegel ebenso zum Himmel wanderten. Er wusste, woraus Malik wartete.
„Lass ihn erst einmal ankommen und all die Wölfe wiedersehen, die in den ewigen Hallen auf ihn warten. Dann wird er da sein.“, meinte er zuversichtlich und wandte sich dann wieder Kisha zu, die noch mehr weniger gute Neuigkeiten hatte.
Seine Ohren klappten zurück bei ihren Worten, doch für ihn war keine Zeit, um Nihilus zu trauern. Dennoch sank sein Blick kurz gen Boden, doch die Hoffnung blieb, dass es auch ihm gut ging, wo auch immer er war. Es war ein verlorener Freund, doch Isaí wusste, dass er nicht allein war. Und Nihilus genauso wenig, denn zumindest die Götter teilten seinen Weg. Wer wusste es schon – irgendwann würden sie sich sicherlich wiedersehen.
„Vielleicht folgt er uns ja auch...“ Es klang nur wenig überzeugend und doch schaffte er es abermals, sich zu einem schwachen Lächeln durchzuringen. Die gute Laune Kishas war auch für ihn etwas befremdlich, doch nichts, worüber er sich nun groß Gedanken machte. „Folgt uns die Dunkelheit?“, fragte er schließlich und legte den Kopf etwas schief.
Wenn es jemand wusste, dann wohl Kisha. Und wenn die Dunkelheit nur im Tal blieb, konnte sie Nihilus oder sie auch nicht einholen. Doch einen Augenblick später fiel ihm schon das nächste ein, was Kisha verpasst hatte. Seine Ohren zuckten nach vorne und er schenkte ihr ein etwas wärmeres Lächeln. Er erinnerte sich nur zu gut an die Worte Hiryogas, dass er Kishas Bruder war. Und auch, wenn es momentan noch alles irgendwie merkwürdig war, so würde sich doch zumindest Kisha sicherlich freuen, ihren Bruder wiederzusehen. Mehr jedenfalls, als es sein Vater getan hatte.
„Übrigens ist Opa wieder da.“
26.03.2013, 21:00
In den blauen Seelenspiegeln leuchtete etwas wie Erkenntnis auf. Sie hatte rein aus Instinkt, nur mit dem Herzen gehandelt und jetzt war ihr klar wieso. Bestimmt hätte Pav noch länger über dieses sich zusammenfügende Mosaik nachgedacht, wenn sie eine neue Stimme nicht wieder in die Gegenwart gezogen hätte. Fast verwundert schaute sie dem jungen Rüden mit dem silbernen Pelz entgegen, der hinter Atalya stand. Turiéns Erscheinen hatte sie überrascht, nicht mehr. Sie war so in dem Wirrwarr ihrer Gedanken versunken gewesen – wie passend und hilfreich in einer solchen Situation – dass sie ihn erst jetzt registriert hatte. Das Nicken, das sie ihm entgegenbrachte, war nicht nur wegen dem Zurückholen in die Wirklichkeit dankbar. Sie allein kam nicht weiter, konnte Atalya nichts von der Wut oder der Trauer nehmen. Bei ihrem Bruder konnte das anders sein, sie wusste es nicht. Parveen war nicht einmal klar, wie die beiden zueinander standen.
"Hallo Turién."
Sie schenkte ihm ein flüchtiges und kaum zu erkennendes Lächeln und ließ ihre Seelenspiegel dann wieder zu ihrer Nichte wandern.
"Schwachsinn, ja vielleicht," sagte sie und stieß die Luft in einem leichten schnauben durch die Nase aus. "Du magst es nicht wissen, aber ich kenne mich mit Schmerz und Verlust aus, Atalya. Besser als ich möchte oder es jemals gedacht habe."
Für einen Moment hielt sie inne, wie schon einige Male in dieser Nacht, aber dann entschloss sie sich es einfach zu sagen. Das, was sie dachte, sie soeben beschäftigt hatte und was sie erfahren hatte, obwohl sie es innerlich wahrscheinlich schon längst gewusst hatte.
"Kaum ein Wolf dieses Rudels kann behaupten, mich zu kennen, mich wirklich zu kennen. Warum? Was war ich schon!? Nicht wichtig, unbedeutend, am Rande des Lebens weil es mir überdrüssig wurde. Ich hätte einfach aufgeben können. Wie einfach es doch gewesen wäre, findest du nicht? Aber, es ist einsam dort, musst du wissen. Lichtleer. Rede nicht mit mir darüber, wenn du nicht willst, aber bleibe damit nicht allein."
Wusste die junge Wölfin, was sie meinte? Für Sie selbst war es ihre Familie gewesen, sie sie aus der Monotonie gezogen hatten, Atalya musste selbst entscheiden und würde hoffentlich entscheiden. Sie war noch so jung. Viel zu jung und am Anfang ihres Lebens um sich selbst in dieser Wut zu verlieren.
26.03.2013, 23:57
Doch auch wenn der Rüde, keine Absicht zur Provokation hatte - er hatte immer noch eine geistig instabile Fähe vor sich liegen. Sobald die Sätze sie erreichten, schien sich alles um sie herum zu verlangsamen, bis ihr Körper selbst in eine Art seltsame Starre verfiel. Die Lefzen waren eng gegeneinander gepresst, die Augen aufgerissen. Chivan kannte sie wohl nicht gut genug, um zu wissen, dass man bei ihr leicht über ein frei herumliegendes Kabel stolpern konnte. Er hatte wohl einen Schalter umgelegt. Sie schwieg, den Kopf für einen Moment leer gefegt. Stattdessen spürte sie dumpf hämmernde Wut aus den Tiefen ihrer selbst aufsteigen, ein Gefühl, welches sie sich nicht so schnell erklären konnte. Doch wann hatte sie schon geglaubt, simple Logik wäre für ihren Fall verwendbar? Steif wie sie war senkte sich langsam ihre Kinnlade und die Winterluft drang in ihren Rachen.
"... und oh, wie sehr es die Seele beschmutzen kann, das wagst du nicht mal zu erraten, Chivan..."
Sie sprach leise aber klar vernehmbar, mit einer Stimme, die stechender und feindseliger nicht sein konnte. Was wusste dieser Rüde schon! Er kannte vielleicht die Welt - so wie sie sein sollte, er redete vielleicht schlaue Dinge, die sogar wahr waren.
"Erzähl mir doch noch mal, was für eine Ahnung du von den Abgründen hast? Von der zerbrochenen Spiegelwelt? Der Welt der Unwirklichkeit? Der verrückten, zerstörerischen, ätzenden Welt?"
Sie spürte ein Lachen in ihrer Kehle aufsteigen, doch sie erstickte es in einem krächtzenden Röcheln und spuckte verächtlich zur Seite hin aus. In ihren blauen Augen blitzte für einen Moment wilder Zorn auf. "Das es jemand wagen würde, mir etwas über Schuld erklären zu wollen... mir!"
Sie holte tief und zitternd Luft. Was tat sie da? Sie verlor abermals Kontrolle - zum Glück nicht aus Angst, nein, im Augenblick noch nicht aus Angst. Aber es war doch einfach zum Lachen! Oder nicht? War es eher zum weinen, zum Augen blutig rot ausheulen? Wenn sie es recht bedachte, war ihr im Moment zu beidem zumute. Die Wut erkaltete leicht und hinterließ einen düsteren Ausdruck in ihren feinen Zügen. Stark - ja, das waren diese Welpen wohl wirklich. Stärker als sie es jedenfalls je gewesen war. Gab es denn eine jämmerlichere schwächere Kreatur als sie auf dieser Welt? Sie bezweifelte es. Sie kamen vielleicht mit Verlusten klar. All diese Wölfe, die in diesem Rudel sprossen und letztenendes verblühten. Amáya nicht. Da halfen die Götter an ihrer Seite - tha! - auch nicht viel. Schließlich konnten die Götter sie nicht vor ihr selbst bewahren. Sie sprach diese Gedanken nicht aus, war für kurze Zeit wieder Herr ihrer Zunge. Doch was zuletzt kam, war dann doch zu viel. All diese altklugen Bemerkungen, die doch so logisch, so wahr, so hoffnungspendend klangen. Nein, dieser Rüde war wirklich ein Fremder. Er stieß die Klinge immer tiefer, ohne es zu merken. Womöglich war auch nur sie die Fremde in dieser Welt. Ihre Schwester Mayhem war weder tot noch lebendig - genauso erging es Amáya.
"Etwas Schlechtes... in Kauf nehmen?" ,nun lachte sie, laut und wirr. Sie prustete, wieherte, kicherte. Es war kein warmes Lachen - eher, als würde sie unter Schmerzen leiden. "Das dachte ich auch, dachte ich auch so lange." , presste sie unter einigen Hicksern hervor. Was tat sie denn ihr ganzes Leben lang bitteschön? Wann war sie je wirklich glücklich gewesen und wie oft war ihre Hoffnung auf eine bessere Zeit zerstört wurden? Wo blieb denn das 'Gute', welches Chivan erwähnte? Wie konnte man ehrlich noch von ihr erwarten, an soetwas zu glauben. Wer konnte ihr denn die Angst vor diesem Guten nehmen, wo es scheinbar nur einen Sprung von ihr entfernt war? Abermals ein Hicksen, welches ihren dünnen Leib erschütterte, und sie starrte auf das Wurzelwerk, welches sich um sie schlang. Da, jetzt war es getan. Jetzt wusste Chivan wohl, mit was für einer er da ein nettes Schwätzchen hielt. All das was er gesagt hatte, war viel zu positiv gewesen, war mit allzu guter Absicht gesagt worden, als das es lange gut gegangen wäre. Doch wann bitteschön, lief es denn jemals gut für sie?
29.03.2013, 15:54
Yjel liebte das leise Krachen, welches sein Pfoten erzeugten, wenn er ein Stück weit in den gefrorenen Schnee einsank. Er betrachtete beim Laufen seine Pfoten und wie diese so monoton im Schnee verloren gingen um wieder aufzutauchen. Kleine Eiskristalle blieben an dem Pelz und den Ballen seiner Pfoten hängen, manchmal fielen sie ab, manchmal blieben sie haften. Und so ging das lange Zeit. Immer und immer wieder. Aber das Reisen kannte und mochte er. Keine Gegend war wie die andere, überall gab es etwas zu riechen oder zu sehen, zu hören oder zu schmecken, was es woanders nicht gab. Etwas abseits von den anderen Wölfen des Sternenwindrudels trottete Yjel ruhig umher. Zugegebenermaßen blieb er im Verborgenen das ein oder andere Mal stehen, um einen Wolf zu betrachten, der ihn interessierte. Und in diesem Rudel gab es eine Menge Wölfe, die seine Aufmerksamkeit erweckten. Selbst jene, die unscheinbar schienen, wiesen kleine Besonderheiten auf. In ihrer Regungen und zarten Gesten, in der Zeichnung ihres Fells oder in der Art, wie sie sich im Rudel verhielten. Yjel schien gedanklich eine Liste anzufertigen, mit welchen Wölfen er geneigt war einmal zu reden. Natürlich fand er inmitten des Rudels auch so manchen, bei dem er nur leise "Idiot" flüsterte, weil er eine Eigenart hatte, die den Graubraunen störten.
Er entfernte sich nie zu weit, blieb einigermaßen in Sichtweite, doch überwinden auf jemanden zuzugehen traute er sich nicht. Auch wenn es ihn danach lechzte jemanden auf die Schippe zu nehmen oder wieder einmal eine sarkastische Bemerkung zu hinterlassen, den entscheidenden Schritt tat er nicht. Dies argumentierte er mit - oO(Solln' es die Anderen machen.)Oo So war es nun mal und Yjel würde sich auch nicht verbiegen lassen. Pech für die Anderen. Leise ließ er sich auf die Hinterhand sinken und versuchte zwischen den Baumgipfeln den Erdtrabanten ausfindig zu machen. Doch die Sicht war verschleiert und die Wolken schienen sich nicht zu bewegen, um die Sicht auf den Mond zu ermöglichen. Er wand seinen Blick ab und richtete ihn auf einen Punkt in der Ferne, auf den er starrte. Seine Gedanken flohen wieder, irgendwo fand er Erinnerungen an vergangene Tage. Ein Bild vom Tal der Raben blitzte vor ihm auf und verschwand so schnell, wie es erschienen war. Seine Heimat. Er konnte nicht mit dem Tal, aber auch nicht ohne es. Es vermisste ihn, wie er es gleichfalls vermisste. Die Heimat war etwas, was er nicht definieren und bestimmen konnte, etwas, was seiner Rationalität wiedersprach. Er hatte es gern, an etwas zu glauben. Aber zumindest einen Sinn musste er dahinter erkennen. Mit dem Gefühlen fühlte er sich allerdings etwas überfordert - wie konnte man gedanklich an einer Gegend hängen? Sie hatte ihm nur Boden als Untergrund gegeben und Luft zum atmen. Nicht einmal schön war das Tal der Raben in seinen Augen. Dennoch schien von ihm eine Magie auszugehen, welche er vermisste. Er war letztendlich wie einer der Raben, das über das Land flog. Nur tat er dies nicht mit Schwingen, sondern in Gedanken. Er beneidete die Gefiederten. Sie waren so viel freier als ein Wolf, der an den Boden gefesselt war. Er konnte zwar laufen, springen, jagen und noch viel mehr - aber es war ihm nicht genug, er haftete schließlich immer an der Erde. Ein Vogel war nicht an sie gebunden.
[allein :: Nähe des Rudels]
29.03.2013, 16:30
“Wer weiß, ob nicht vielleicht sogar ein wenig Magie auf ihm liegt. In diesen Zeiten ist doch alles möglich.“ Kurz herrschte Stille. Es schien fast so, als würde Invidia versuchen sich an irgendetwas zu erinnern. “Ich verstehe das aber auch nicht Tyraleen. Ich kann mich auch ehrlich gesagt nicht an diesen Wald erinnern. Dabei müsste ich ihn rein theoretisch erst vor einiger Zeit durchschritten haben.“
Die Fähe legte ihren Blick auf die Leitwölfin. Fast so, als würde sie ihr das irgendwie erklären können. Als hätte sie eine Erklärung für alles, was sich vor ihnen auftat. Natürlich wusste sie, dass dies nicht der Fall war. Aber ein wenig wundern tat sie das schon. Nicht nur ihre Rolle war verwundert, nein auch Invidia. Ihr Blick glitt wieder zwischen die Bäume. Irgendwo in die Ferne. Sie war sich nicht recht sicher, ob dieser Wald so beruhigend magisch war, wie er den Anschein machte, oder ob da nicht vielleicht doch mehr verborgen lag. Vielleicht sogar etwas vor dem sie Angst haben sollten!? Vielleicht war er gefährlicher als sie alle es überhaupt jemals einschätzen würden können. Doch das konnte nicht sein. Sie machte sich ganz bestimmt nur irgendwie verrückt. Und selbst wenn er gefährlich war, was dachte sie dann überhaupt so sehr darüber nach? Sie würde sich schon alleine retten können. Und die anderen. . . naja, würde sicher ne witzige Show geben. Das böse Lächeln, das sich auf ihren Lefzen ausbreiten wollte, musste Invidia unterdrücken, aber ganz gelang es ihr nicht. Doch um dies zu überspielen hängte sie noch einen kurzen Satz an das zuvor Gesagte an.
“Aber wahrscheinlich habe ich ihn einfach nicht richtig wahrgenommen.“
Kurz herrschte Stille zwischen den beiden Fähen, bevor die Weiße wieder das Wort erhob. Sie wirkte zuversichtlich. Zuversichtlicher als Invidia sie eingeschätzt hätte. Vielleicht aber spielte sie der Todsünde auch nur etwas vor. Doch niemand würde ihr so schnell etwas vormachen können. Schließlich war sie Profi in dieser Disziplin. Und wenn die Fähe eines wusste, dann das Tyraleens Herz an diesem Rudel hing und dass sie sich wahrscheinlich fast täglich Sorgen um sie alle machte. Da würde sie ihr sagen können, was sie wollte. Dies war wohl mit der größte Schwachpunkt der Leitwölfin, die so viel tougher zu wirken versuchte, als sie es eigentlich war. Das war Invidia schon gleich in den ersten Tagen aufgefallen. Ähnlich sah es da bei Averic aus. Nicht gleich, aber ähnlich. Dieses Spiel würde noch durchaus interessant werden.
“Ich weiß nicht, um was ich mir in diesen Tagen genau Sorgen machen soll. Es ist, als wäre ich in Watte gepackt, als würde alles an mir vorbeiziehen. Ich suche nach irgendeinem Weg. Nach meinem eigenen. Und ich weiß nicht, ob ich finde, nun da ich wieder dahin zurückkehre, woher ich doch gerade gekommen war. Es ist, als würde ich versuchen zu fliehen und doch immer wieder am gleichen Punkt landen.
Ich weiß nicht, ob dies der richtige Weg ist, Tyraleen.“
Sie blickte die Weiße ein wenig hilfesuchend an. Aber die Leitwölfin würde ihr keine Antwort geben können. Dies war eine Sache, die jeder für sich selber würde herausfinden müssen. Aber um ehrlich zu sein, interessierte dieses ganze Geschwafel die Schwarz-weiße eigentlich überhaupt nicht. Aber irgendeinen Müll würde sie Tyraleen ja erzählen müssen, wenn sie ihr Vertrauen haben wollte.
30.03.2013, 00:09
Während das Rudel weiter wanderte, hatte sich Hiyo von allen fern gehalten, ganz besonders, nachdem er erfahren hatte, dass seine Mutter nun bei Engaya war. An diesem Tag war er dem Rudel nicht mehr gefolgt. Er hatte sich zurückfallen lassen und sich dann komplett seinem Schmerz hingegeben.
Es war alles umsonst gewesen. Seine Rückkehr zu seiner Familie, all die Zeit im Nichts, alles umsonst. Alles war zerstört. Er hatte beinahe jeden verloren, den er geliebt hatte. Seine Mutter, Kaede, nun Shani und auch seine Welpen wandten sich von ihm ab und wahrscheinlich würden dies auch bald seine Enkel tun. Er war allein. Er hatte alles falsch gemacht. Er war ein Versager, ein Nichts. Er hatte seine Familie und den Platz in diesem Rudel nicht verdient. Am besten war es wohl für alle, wenn er hier liegen blieb und sterben würde.
Und während sich Hiryoga in seinem Schmerz immer weiter verlor und er sich tatsächlich mit der Tatsache abfinden wollte, zu sterben, hörte er plötzlich einen Vogel. Hiyo hob den Kopf und sah sich um, als ihm in diesem Augenblick bewusst wurde, dass der Schmerz wieder verschwunden war. Obwohl seine Mutter tot war, Shani tief verletzt und seine Welpen sich von ihm im Stich gelassen fühlten, schien es ihn nicht mehr zu interessieren. Er fühlte...nichts.
Es dauerte lange, bis der Braune wieder zum Rudel zurück gefunden hatte. Nicht aufgrund mangelnder Fährten, des Wetters oder der Landschaft. Nein, von Zeit zu Zeit, hatte er das Problem gehabt, dass er nicht wusste, wohin er gehen wollte. Urplötzlich hatte er kein Ziel mehr vor Augen, seine Familie und seine geliebte Gefährtin schienen vergessen und er trabte munter vor sich her, bis es ihm wieder schlagartig einfiel und er kehrt machte. Und obwohl allein dies schon beunruhigend genug hätte sein müssen, ließ es ihn kalt. Es schien ihn tatsächlich nicht zu interessieren.
In der tiefschwarzen Nacht erhob sich Hiyo um Shani zu suchen. Er musste die Stille zwischen ihnen endlich beenden. Zu sehr sehnte er sich nach ihrer Nähe, ihren Zärtlichkeiten und ihrem Wesen. Schnell bewegten sich seine Pfoten durch den Schnee, sie war ganz in der Nähe. Ohne das er es merkte, hatte sich etwas in seiner Art sich zu Bewegen, in seinem Blick und seiner Ausstrahlung verändert. Keinem im Rudel fiel es auf, wenn dann nur seinen engsten Verwandten. Es waren minimale Veränderungen die sich dauerhaft eingeschlichen hatten. Jedes Rudelmitglied, dass ihm nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte, würde diese Veränderungen nicht bemerken. Aber sie waren doch da. Sein Gang war selbstsicherer, sein Blick kälter, sein Wesen unbemerkt härter geworden.
Endlich sah er Shani zwischen den Bäumen auftauchen, wie sie neben dem Kadaver stand und sich wohl gegen jemand Fremdes behauptete. Es wirkte jämmerlich, wie sie da stand und die Zähne bleckte. Hiryoga legte die Ohren etwas zurück und trat langsam auf Shani zu, ein leises Fiepen huschte immer wieder zu ihr herüber.
"Gibt es hier ein Problem?"
Seine Stimme klang freundlich, weniger ängstlich und eingeschüchtert als sonst. Sein Blick huschte kurz zu Hilel, nur um wieder bei Shani zu landen, während er schon beinahe neben ihr stand.
[Beim Rentierkadaver - mit Shani und Hilel]
30.03.2013, 18:01
“Weg von ihm, du dummes Ding!“ Längst hatte sie die Kleine wieder losgelassen und postierte sich nun zwischen ihr und dem Schwarzen, nicht ohne Krolock keine Sekunde aus den Augen zu lassen. “Ich hab dir doch gesagt, dass er gefährlich ist. Er könnte dich fressen, man, dann rennt man nicht zu ihm! Hast du nicht gesehen, seine Augen waren fast rot! Das heißt, dass sich sein Gehirn gerade endgültig in Luft aufgelöst hat.“
Es war ihr mittlerweile ernst, aber so ganz konnte sie es doch nicht lassen, die Kleine zu ärgern. Vielleicht war es auch der naive Wunsch, die Ernsthaftigkeit dieser Situation zu ignorieren und sie damit unernst zu machen. Aber die Furcht davor, dass Krolock sich erheben und zähnefletschend auf sie oder den Welpen losgehen würde, blieb. Einzig der Sprung gegen den Baum gab Hoffnung, vielleicht hatte er ihn komplett kampfunfähig gemacht. Oder noch mehr?
“Krolock, sag was, lebst du? Man, rede mit mir!“
Wieder stieß sie ein kurzes Grollen aus, irgendwo zwischen Furcht, aufkommender Wut und einem Hauch von Sorge war sie nicht die beste Gesellschaft, weder für Krolock, noch für Linalee. Achja, die hatte ja noch etwas Dummes gefragt.
“Ich hab gar nichts gemacht, Krolock kann noch alleine entscheiden, wo er hinläuft. Und dass er gegen einen Baum springt, sollte dir genug über ihn sagen. Du kannst ihm nicht helfen.“
Sie warf einen raschen Blick auf die Kleine und fragte sich, ob Sheena und Jakash wirklich beide so wenig Intelligenz besaßen, dass so etwas dabei herauskam, oder ob Linalee bei der Geburt mit dem Kopf auf einen Stein aufgeschlagen war. Das würde sicherlich vieles erklären.
02.04.2013, 14:53
“Warum solltest du diesen Wald durchschritten haben müssen?“
Es gab viele Wege zu ihrem Tal oder eben jenem Gebirgsausläufer, in dem sie auf Averic und kurz darauf auf das Rudel getroffen war. Sicherlich breitete sich dieser alte Wald auch nicht meilenweit in alle Himmelsrichtungen aus, weshalb es wohl recht leicht war, nicht auf ihn zu treffen. Das Rudel und damit Tyraleen und Invidia waren nur hier, weil sie von Averic direkt hineingeführt worden waren und der suchte den kürzesten Weg ins Tal der Raben. Ein wenig irritiert blinzelte die weiße Leitwölfin zu ihrem Gegenüber, ließ ihre Frage jedoch vorerst so stehen.
“Mich würde es sogar wundern, wenn nur in meinem Heimattal ein wenig Magie durch die Bäume flüstern würde. Engaya und Fenris sind überall und vielleicht haben ja diese alten Baumriesen etwas mit ihnen zu tun. Schade nur, dass uns kaum genug Zeit bleiben wird, um das herauszufinden.“
Wenn das Rudel erwacht war und sie sich noch einmal über die letzten Reste des Rentierkadavers hergemacht haben würden, wäre es auch schon Zeit, aufzubrechen. So sehr diese Reise auch ein Abenteuer war, ihr höchstes Ziel blieb doch die Erreichung des Tals der Raben und sicherlich würde vor allem Averic keine langen Umwege oder Pausen dulden. Ein wenig gedankenverloren hatte sie ihren aufmerksamen Blick abschweifen lassen, jetzt aber nahm sie einen etwas merkwürdigen Gesichtsausdruck auf dem verschiedenfarbigen Gesicht wahr. Irritiert starrte Tyraleen wieder eine Zeit lang auf ihr Gegenüber und wusste mehr denn je nicht, wie sie diese ganz offensichtlich zweigeteilte Fähe einschätzen sollte. Schon ihr Erscheinungsbild schien ihr sagen zu wollen, dass sie hier mit allem zu rechnen hatte. Wie um diese Einschätzung zu bestätigen begann Invidia sich ihr nun zu öffnen - zumindest ein Stück weit. Weder hätte die Leitwölfin ihrem Gegenüber diese Sorgen zugetraut, noch erwartet, dass die Schwarz-Weiße sie ihr mitteilen würde und damit sogar indirekt um Hilfe bat. Zwar konnte Tyraleen natürlich nicht wissen, welcher Weg der richtige für diese ihr praktisch vollkommen unbekannte Fähe war, aber sie konnte mit ihr darüber sprechen und vielleicht würde Invidia so klarer sehen können. Zudem … spielte sie erneut darauf an, dass sie den Weg, den sie nun nahmen, schon einmal gegangen waren und dass sie somit … aus dem Tal der Raben kam? Ein merkwürdiger Zufall, wenn dem denn so war.
“Wenn wir immer wieder an einen Ort zurückkehren, obwohl wir ihn doch eigentlich hatten zurücklassen wollen, dann haben wir wohl noch immer nicht mit ihm abgeschlossen. Ich bin in all der Zeit seit dem Tod meiner Eltern auch immer wieder zu ihrem Sterbeort gekommen, denn ich kann und will sie nicht loslassen. Vielleicht ist dort, wo du herkommst, auch etwas, dem du dich noch widmen musst. Aber wenn dich nichts dorthin zieht, dann zwingt dich niemand, mit uns zu kommen.“ Der Blick der Weißen huschte nach Norden, kehrte dann aber zu ihrer Gesprächspartnerin zurück. “Kommst du aus dem Tal der Raben?“
02.04.2013, 17:48
“Geh weg.“, fauchte sie wie eine Wildkatze und wich noch einen Schritt zurück. Sie hatte Hiryoga seit dem Tag seiner Rückkehr nicht mehr gesehen, hatte kein Wort mehr mit ihm gewechselt, wusste noch immer nicht, wie er hatte zurückkehren können, woher und warum. Und was da gewesen war, wo all die Jahre hatte bleiben müssen. Aber diese Fragen waren in den Hintergrund getreten, jetzt war er vor allem der Wolf, der mit Jakash zusammen alles kaputt gemacht hatte.
Ganz langsam begann sie Schritt für Schritt ihren Rückzug und brachte mehr und mehr Abstand zwischen sich und den Bunten. Aber sie wollte sich nicht umdrehen und vor ihm fliehen, als würde sie ihn wirklich fürchten. Nein, sie hatte keine Angst vor ihm, aber sie verabscheute ihn ebenso wie Jakash, weil durch sie beide alles zerstört worden war. Weil Hiryoga nichts unternommen hatte, um die Katastrophe aufzuhalten. Weil er ihr entgegengesprungen war und große Freude daran gehabt hatte, Jakashs irrsinniges Gerede zu bestätigen. Dafür hasste sie ihn fast noch mehr, als ihren Sohn.
02.04.2013, 21:29
“Aber warum denn nicht Rätseln auf den Grund gehen? Was habt ihr zu verlieren? Und was treibt euch so schnell voran. Meint ihr, im Tal der Raben seid ihr sicherer, als auf dieser Wanderung? Warum immer nur laufen, wenn man doch auch das ergründen kann, was man Leben nennt? Warum so viel Zeit verschwenden mit Hast, wenn man in Ruhe doch so viel mehr erleben kann? Oder wollt ihr weglaufen?“
Invidia hoffte, dass sie sie so ein wenig an diesen Ort würde fesseln können. Sie hatte zwar noch keinen genauen Plan von dem, was sie damit bezwecken könnte. Aber manchmal da entwickelten sich Theaterspiele doch erst mit der Zeit. Da würden sich mögliche Chancen doch noch ergeben. Und Drehbücher konnte man ja auch immer noch umschreiben, wenn sich die Möglichkeit dazu ergab. Sie merkte, dass die Weiße sie nicht recht einzuschätzen wusste. War ja auch kein Wunder, nachdem, wie sie sich kennengelernt hatten. Nachdem, wie Averic auf sie reagiert hatte. Er war ganz bestimmt der Fenrissohn, von dem der Gott ihr damals erzählt hatte. Sie sollte ihn in Unglück stürzen. Wie, da hatte ihr der Gott freie Hand gelassen. Sie wusste nicht, warum gerade sie dafür ausgewählt wurde, aber sie hatte die Aufgabe liebend gerne angenommen. Liebte sie es doch Leben zu zerstören. Und das an diesem Leben so viele andere hingen, machte die ganze Situation noch um so einiges interessanter. Außerdem hatte sie einen Gott auf ihrer Seite. Das konnte sie Tyraleen natürlich nicht sagen. Das wäre dumm gewesen. Aber Lügen stellte ja keine Schwierigkeit für eine Schauspielerin dar. Nein, es war sogar ihre leichteste Übung.
Dennoch war die Zweifarbige einen Schritt zurückgetreten nach den letzten Worten der anderen. Sie hatten sie aus ihren Gedanken gerissen und ihr einen schmerzhaften Stich versetzt. Einen Stich in das Herz aus Stein, das sich die Fähe angelegt hatte. Entgeistert blickte sie die Weiße an, bevor ihr ein Knurren zwischen gefletschten Zähnen entrang. Sie ging auf Abstand. Bilder, die sie weggesperrt hatte, durchfluteten ihre Geist. Sie kniff die grauen Augen zusammen, bevor sie ihren Kopf schüttelte. Sie musste sich zusammenreißen. Sie durfte sich nicht angreifbar machen. Ihre Schwestern würden endlich aus ihrem Kopf verschwinden müssen. Und mit ihnen all diese grausamen Bilder dieser Nacht. Sie öffnete die Augen wieder, senkte den Kopf und legte die Ohren an, bevor sie wieder zu der Alphafähe hinauf blickte.
“Du wirst. . . wohl Recht haben. Entschuldige das eben. Das hatte nichts mit dir zu tun.“ Ihre Augen funkelten. Es war eine Warnung an die Weiße gewesen, die sie hoffentlich verstanden hatte. Sie würde sie nie wieder darauf ansprechen. Nichts mehr in die Richtung andeuten. “Ja, ich komme aus dem Tal der Raben. Aber ich war auf dem Weg in euer Tal gewesen, weil mich jemand geschickt hatte. Engaya. Ich sollte nach jemandem suchen. Sie erwähnte etwas von einer Tochter oder so. Nur werde ich sie wohl nicht mehr finden. . . jetzt nachdem, was passiert ist.“
Sie wirkte ein wenig eingeschüchtert und verzweifelt. Alles nur gespielt natürlich. Nur würde sie wohl ein wenig Demut zeigen müssen, nach dem kleinen Ausfall eben. Wären sie alleine gewesen und sie wäre nicht auf das Vertrauen der Weißen angewiesen, so wäre sie wohl über sie hergefallen. Denn jede Schwachstelle gehörte ausgeschaltet. Und außerdem würde sie nicht ihren Auftraggeber nennen können. Nicht vor Tyraleen, sonst war sie hier schneller wieder weg, als sie adieu sagen konnte. Und so würde sie sich eine Geschichte ausdenken müssen. Das würde auch kein Problem sein, solange sie sich nicht in einem Lügenmeer verstrickte.
02.04.2013, 21:36
Averic wischte die unangenehmen Gedanken weg und folgte schnellen Schrittes und doch ohne Hast einer Wolfsfährte im Schnee. Es dauerte nicht lange, da kam eine Gestalt in Sicht und die Bewegungen des Pechschwarzen wurden etwas langsamer. Yjel war ein seltsamer Rüde und Averic war immer noch nicht ganz klar, warum er von Fenris zu ihm geschickt worden war. Andererseits konnte der Todessohn nicht leugnen, dass der Hellere einer der ganz wenigen Wölfe war, die sein Interesse weckten. Vermutlich hatte Yjel das aber auch zu einem Großteil seiner Herkunft zu verdanken. Es gab einige Fragen, die Averic dem Rüden gerne stellen würde und jetzt schien ein guter Zeitpunkt. Als der Pechschwarze nur noch wenige Pfotenlängen von Yjel entfernt war, erklang ein einsames Heulen, das sich keinem Wolf des Rudels zuordnen ließ und noch dazu aus einer anderen Richtung kam. Averic hielt inne und drehte die Ohren aufmerksam in die Richtung des Rufes. Dann setzte er ein paar Schritte nach vorne, direkt neben Yjel.
„Yjel. Ich werde dem Ruf des Fremden nachgehen, würdest du mich begleiten?“
Er wartete nicht auf eine Antwort und ging los. Auf das Heulen des Fremdes gab es weder von ihm, noch vom Rudel eine Erwiderung. Sie waren schließlich auch nur Wanderer und keine Revierbesitzer. Es könnte Averic also völlig egal sein, was für ein einzelner Vagabund da rumheulte, aber es ging ihm dabei nur um den Schutz seiner Familie. Er würde lediglich feststellen, ob der Fremde eine Gefahr darstellte, oder nicht.
[ Abseits vom Rudel | Yjel ]
03.04.2013, 12:10
Im nächsten Augenblick aber schien sich das Bild zu wandeln. Die Züge des Rüden wurden fester, aufmerksamer, als die Dunkle in das Muster zu verfallen schien, was er nach ihrer ersten 'Begrüßung' bereits erahnt hatte. Er schwieg, drehte lediglich die Ohren etwas zurück und musterte sie mit einem undurchdringlichen Blick, der nicht erahnen ließ, was ihm in diesem Augenblick durch den Kopf ging. Wieder erklang ihre Stimme fast wie das Zischen einer Schlage – leise und bedrohlich, als könnte jeder Schritt der letzte sein. Doch der Gedanke, nun das Weite zu suchen, war nicht existent. Mehr schlich sich nun das Interesse in seine Gedanken, selbst wenn ihm bewusst war, dass er den Hintergrund wohl nie erfahren würde. Vielleicht würde all das, was sie über sich preisgab – über Reaktion, Verhalten – genügen, um sich in etwa ein Bild von ihrer Lage zu machen und sie vielleicht auf den Weg zu bringen, die mit helleren Farben weiterzumalen.
„Urteile nicht über Dinge, von denen du nichts weißt, Wölfin.“, entgegnete er unwesentlich lauter, als er zuvor noch gesprochen hatte.
Alles in Allem schien sich seine Stimme nicht groß verändert zu haben. Sie war noch immer ruhig und gelassen, doch ein deutlicher Ton von Strenge hatte sich dazugemischt, der sogleich aber wieder verflog. Seine Augen hatten auf ihrem Antlitz gelegen, ehe er den Blick zur Seite warf und eine weiteres Mal die Welpen und die beiden Fähen beobachtete, ehe seine Seelenspiegel zurück zu seiner Gesprächspartnerin fanden.
„Ich habe Abgründe gesehen, die jeglichem Verstand ferner waren, als man es für möglich hält. Abgründe, deren Dunkelheit so gefräßig war, dass kein Licht imstande war, zu überleben. Alles, was dort unten existieren konnte, war Wahnsinn. Purer Wahnsinn, der jeden Funken Verstand augenblicklich auszulöschen vermochte.“
Sein Nasenrücken kräuselte sich, als er davon zu sprechen begann, doch recht schnell hatte er sich wieder gefangen. Vielleicht hörte man ihm an, dass es eine kontrollierte Ruhe war, mit der er geantwortet hatte, doch das lag ganz davon ab, wie gut die Dunkle darin war, Feinheiten zu unterscheiden. Ebenso überließ er es ihr, darüber zu urteilen, ob er von sich oder einem anderen Wolf sprach. Er würde nicht genauer werden, daran gab es nichts zu zweifeln. Als die Wölfin fortfuhr, drehten sich seine Ohren abermals unschlüssig nach hinten. Er hob den Kopf etwas an, während sich die Schwarze unheimlich über seine Worte zu amüsieren schien und er für einen kurzen Augenblick glaubte, den Wahnsinn in ihren Zügen zu erkennen. Auf dieses Gefühl allerdings wollte er sich nicht verlassen. Er wusste, wer soeben Zugang zu seinen Gedanken bekommen hatte – er wusste, dass er nun herumspuken würde, um ihn in die Irre zu führen. Doch dazu war Chivan zu stark. Er ließ sich nicht beeinflussen. Nicht von ihn; weder damals noch heute.
„Das Wort ist nur mächtig, wenn man nicht darüber lacht.“
Es wirkte paradox, dass der Rüde bei solch einer Klarheit, solch einer Ruhe blieb, während Amáya sich vor lachen nicht mehr halten konnte. Es war fast, als hätten seine Worte dieses Gelächter durchschnitten wie der Ruf des Welpen vor wenigen Augenblicken noch. Er würde ihr keinen Sturm für ihre Segel geben, kein Öl für ihr Feuer. Mittlerweile hatte sich sein Blick wieder in der Ferne verloren, während sich seine Krallen kurz in den Schnee bohrten und er sich schließlich doch erhob.
„Und Hoffnung nur, wenn man imstande ist, sie zu erkennen.“
Der Hüne schnaubte kurz und schüttelte schließlich den Pelz. Für ein paar Herzschläge herrschte aus seiner Richtung Stille. Er sortierte sich, sortierte seine Gedanken und wollte all das, was nicht hinein gehörte, zurück in die Tiefe schicken. Erst danach wandte er den Kopf wieder herum und musterte die am Boden zusammengekauerte Fähe mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen, der vermuten ließ, dass ihn das Thema Wahnsinn vielleicht doch mehr beschäftigte, als es ihm lieb war.
„Ich werde mir die Beine etwas vertreten.Willst du mich begleiten?“
Sie sollte nicht denken, dass er wegen ihrer Anwesenheit ging. Mittlerweile hörte man ihm ohnehin nichts dessen mehr an, was eben zwischen ihnen vorgefallen war. Es klang wie ein offenes Angebot, welches sie annehmen oder ablehnen konnte. Er hätte nichts gegen ihre Begleitung, so unwahrscheinlich das auch klang. Er hegte ob ihrer Reaktion keinen Groll gegen sie. Er wartete, den Blick zu ihr hinunter gerichtet, doch noch immer mit dieser merkwürdigen Anspannung in den Läufen.
03.04.2013, 14:24
Aszrem hob blinzelnd den Kopf und brauchte ein paar Herzschläge, um sich bewusst zu werden, dass er aufgewacht war und alles andere zuvor nur geträumt hatte. Aszrem wandte den Kopf um, und der unbekannte Wald und das nahe Beisammensein des Rudels erinnerte ihn daran, wo sie waren und warum. Der Schwarzbraune erhob sich, streckte sich gähnend und zuckte für einen ganz kurzen Moment etwas zusammen, als ein schmerzhaftes Ziehen durch seine Flanke strich. Der Schmerz verschwand jedoch sofort wieder, kaum dass er seine Haltung wieder lockerte, aber es war wohl wieder ein weiteres Zeichen seines fortschreitenden Alters, wie sie sich in letzter Zeit zu häufen liebten. Aszrem nahm es mit einer gewissen Resignation zu Kenntnis, dann versuchte er es zu verdrängen. Ohne festes Ziel schritt er voran, allein um sich die Läufe zu vertreten.
Irgendwann wurde er Taleeshas gewahr, die sich immer wieder hin und her wandt im hohen Schnee, und doch keine Ruhe zu finden schien.
"Du kannst wohl auch nicht mehr schlafen, hm?",
sprach er sie an schenkte ihr ein leises Lächeln. Was mochte ihr im Kopf herum gehen, dass sie keinen Schlaf fand? Oder fehlte ihr vielleicht einfach die wärmende Nähe eines Rudelmitglieds?
[Rudel | Taleesha]
03.04.2013, 15:14
Während Jakash und Chardím sich ahnungslos unterhielten, regte sich etwas über ihnen im Geäst des uralten Baumes. Die Dunkelheit verschluckte jede Bewegung und das Etwas dort oben verstand sich darauf, keine Geräusche zu machen. Ungesehen kroch sein Schatten über die weit hinausragenden Äste, bis es sich exakt über den beiden Wölfen befand. Eine Zeit lang war es ganz still und schien nur zu beobachten, was die beiden dunklen Gestalten unter ihm taten, dann aber ging wieder ein Ruck durch das Etwas und es beugte sich langsam nach vorne.
Genau in dem Moment, in dem Chardím sein Mitleid für Malik auszudrücken versuchte und sein Blick sich auf die Suche nach seiner Schwester machte, landete etwas hartes, längliches auf seinem Kopf, was sich schnell als ein alter, vor Kälte erstarrter Tannenzapfen herausstellen würde. Nur wenige Herzschläge später fiel genauso zielsicher ein weiterer Tannenzapfen auf Jakashs Stirn, begleitet von einem merkwürdigen Laut aus dem Geäst über ihnen. Direkt danach war alles wieder still und auch kein Schatten schien sich zu bewegen.
SL für Atalya, Turién und Parveen:
Gleichzeitig mit dem Schatten über Jakash und Chardím regte sich auch etwas in den Bäumen über Atalya, Parveen und Turién. Die aufgeheizte Stimmung zwischen den Wölfen schien eine ruhige Energie angelockt zu haben, die nun mit zwei scharfen Augen aus dem Geäst zu ihnen herablugte. Ebenfalls von der Dunkelheit vor jedem Blick verborgen würde selbst ein scharfes Mustern der Äste keine Gestalt erkennen lassen. Doch das Etwas dort oben schien genug von der Unterhaltung der Wölfe zu haben. Leise raschelte etwas, dann erklang mit einem Mal eine erschreckend laute und vor allem tief klingende Tonabfolge.
Wicka-Wicka-Wicka
Die Stimme war volltönend und wären die Laute nicht so fremd und abgehackt klingend, hätte man sie durchaus einem großen Säugetier wie einem Vielfraß oder einem alten Wolf zuordnen können.
“Könntet ihr einmal den Schnabel halten?“,
kam es dann noch sehr gut verständlich aus dem Baum. Die zu der Stimme gehörende Gestalt zeigte sich jedoch nicht.
04.04.2013, 11:49
“Du solltest noch ein wenig die richtige Wortwahl üben, Invidia. Mir scheint, dass dein forscher Geist manchmal zu sehr Besitz von deiner Zunge ergreift.“
Das sollte ausreichen, um klar zu machen, dass die Leitwölfin sich nicht gerne Verhaltensweisen unterstellen ließ - ganz egal, ob sie ihr so zuwider waren wie das Davonlaufen oder tatsächlich zu ihr passten. Schnell entspannten sich ihr Gesicht und ihre Haltung aber wieder, denn ihr war in keinster Weise nach Streit zumute; lieber wollte sie ihrem neuen Rudelmitglied erklären, weshalb keine Zeit zum Erkunden blieb.
“Averic wurde in das Tal der Raben gerufen und es ist seine Pflicht, auf dem schnellsten und kürzesten Weg dorthin zu gelangen. Wir wissen nicht, welche natürlichen Umstände uns noch aufhalten werden, deshalb sollten wir nicht trödeln, wenn wir so einfach und schnell vorankommen können wie jetzt.“
Eine innere Scheu hatte sie davor zurückgehalten, etwas über Chardím und sein Leben am seidenen Faden zu erzählen, dabei war dies ja eigentlich der Hauptgrund. Fenris hatte kein Wort darüber verloren, wie schnell Averic seinem Wunsch nachkommen sollte, aber dass das Leben ihres Sohnes in Gefahr sein würde, wenn sie sich gemütlich alle Zeit der Welt ließen, schien ihr sonnenklar. Dennoch schwieg sie nun darüber, es war eine Familienangelegenheit und gerade Invidia musste sie ja nicht zwangsläufig jetzt schon erfahren.
Wie als wollte die Schwarz-Weiße selbst diese Einschätzung bestätigen, benahm sie sich mit einem Mal höchst merkwürdig. Also noch merkwürdiger als zuvor. Sie war einen Schritt zurückgewichen und auch wenn die Dunkelheit ihren Blick verschlang, war er doch alles andere als freundlich. Undeutlich blitzte ihr weißes Gebiss auf und ein scharfes Knurren erklang. Auch wenn Tyraleen in keinster Weise verstand, warum Invidia sich plötzlich so verhielt, reagierte ihr Körper augenblicklich auf diese Drohung. Zur vollen Große aufgerichtet trat sie einen raschen Schritt vor - den Invidia zuvor zurückgewichen war - bleckte ebenfalls die Zähne und bereitete jeden Muskel auf einen sofortigen Angriff vor. Aber da kam nichts mehr, viel eher spürte sie ganz eindeutig wie der Blick der Schwarz-Weißen abgebrochen wurde und das Rascheln von Fell verriet ein eiliges Kopfschütteln. Das Haupt jetzt gesenkt und eindeutig unterwürfig negierte Invidia ihr vorheriges Verhalten, aber Tyraleen blieb alarmiert. Was auch immer dieser kurze Moment bedeuten sollte, irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Ihre Lefzen hatten sich wieder gesenkt und ihre Körperhaltung war nicht mehr ganz so steif, dennoch blieb die Weiße angespannt und hielt den Blick wieder starr auf Invidia. Diese entschuldigte sich nun auch verbal, blieb dabei aber reichlich diffus. Es sollte nichts mit ihr zu tun zu haben, dennoch hatte die Schwarz-Weiße ihr doch eindeutig gedroht. Das Gefühl, dass etwas falsch lief, wurde nur noch stärker. Aber Invidia bemühte sich, wieder auf ihr altes Gesprächsthema zurück zu kommen und beantwortete nun auch ihre Fragen. Bei den Worten der Schwarz-Weißen lauschte Tyraleen auf und von der Dunkelheit verborgen drehten sich ihre Ohren kurz zurück und wieder nach vorne. Ihr Herz begann fester in ihrer Brust zu klopfen und ihre Gedanken sprangen wild hin und her. Invidia war von Engaya geschickt worden? Zu einer Tochter? Beinahe wurde ihr schwindelig, aber sie wusste all diese Gefühlsregungen gut zu verbergen. Zu eindeutig hatte die Schwarz-Weiße ihr eben gezeigt, dass man ihr nicht ohne angespannte Aufmerksamkeit begegnen sollte. Aber konnte das wahr sein? Invidia war ihr geschickt worden? Aber warum? Und warum Invidia? Alles an ihr sprach dagegen, dass die Schwarz-Weiße kein reiner Engayawolf war, ließ sich nicht nur an ihrem Aussehen leicht feststellen. Sie musste unbedingt mit Averic über sie sprechen. Vorerst aber würde sie nichts preisgeben, das war nach dem Verhalten Invidias eben gerade selbstverständlich. Etwas war faul und sie würde einen Teufel tun, sich nun leichtgläubig und blauäugig über die Ankunft einer Botin Engayas zu freuen.
“Tatsächlich? Das sind interessante Neuigkeiten. Warum wurdest du geschickt? Und zu wem genau? Was für einer Tochter?“
Noch während sie sprach, spürte Tyraleen bereits Unmut über ihre eigenen Worte. Sicherlich hatte sie vorerst nur berechtigte Fragen gestellt, die sie tatsächlich interessierten, aber sie begann sich langsam auf einen Weg zu begeben, der ihr nicht gefiel. Sie war immer eine gradlinige und ehrliche Wölfin gewesen. Spielchen lagen ihr nicht und sie hatte kein Interesse daran, andere anzulügen. Möglicherweise war es Zeit, dieses Gespräch abzubrechen, allerdings durfte sie auch nicht vergessen, dass sie vor allem Leitwölfin war. Und als solche war es ihre Pflicht, ihre Rudelmitglieder zu kennen und gerade jene, die fremd waren, genau einschätzen zu können. Invidia hatte ihr eben gezeigt, dass sie nicht zu unterschätzen war und dass möglicherweise Gefahr von ihr ausging. Sie selbst fürchtete die Schwarz-Weiße nicht und hatte auf ihre Drohung reagiert, wie eine Leitwölfin es tun musste - einen Kampf hätte sie nicht gescheut. Aber was, wenn sie sich einem anderen Rudelmitglied gegenüber ähnlich verhielt. Wer wusste schon, wie sie reagieren würde, wenn ihr keine klare Autorität und unmissverständliche Gegenwehr entgegenschlug? Oder bewertete sie selbst die ganze Situation nur über? Invidia hatte sich entschuldigt … möglicherweise wäre es nur richtig, mit ihr offen zu sprechen. Gerade als Wölfin Engayas war das doch der richtige Weg. Ja, das war er wohl. Nach einer Antwort der Schwarz-Weißen würde sie umschwenken und die Situation klären.
04.04.2013, 12:59
“Ja, ich sollte mich ein wenig zügeln. Manchmal spreche ich aus, was nicht gesagt werden sollte. Nur wahrscheinlich war ich zu lange alleine unterwegs. Da wird der Umgang mit anderen doch ein wenig ungewohnt. Einsamkeit kann doch ziemlich an einem zehren.“ Versuchen wirs mal wieder über die Mitleidstour. “Aber wenn das so ist, dann verstehe ich natürlich, dass ihr euch beeilen müsst. Ich werde mir nicht noch einmal so schnell ein Urteil bilden. Ich war in der Annahme, dass dies nur eine Art Flucht ist.“
Und schon ließ Invidia den Kopf wieder ein wenig schweifen, bevor diese furchtbare Reaktion von ihrer Seite kam. Sie hatte Tyraleen gedroht, hatte sie angeknurrt. Und sie war sich sicher gewesen, dass Tyraleen mit ihr gekämpft hätte, wäre es nötig gewesen, Aber das wollte Invidia nicht. Irgendwann würden sie sich sicher noch einmal so gegenüber stehen, aber für den Moment war dies der falsche Zeitpunkt. Invidia konnte es sich nicht leisten jetzt schon alle Karten zu verspielen. Sie würde sich zusammenreißen müssen. Und dennoch sollte die Alpha sie nicht unterschätzen. Genauso wenig sollte sie selber diese nicht unterschätzen. Sie schien vielleicht nicht der charakterstarke Wolf zu sein, den sie versuchte allen vorzuspielen, aber dennoch wusste diese Weiße, was sie wollte und wofür sie kämpfen würde. Und diesen eisernen Willen durfte niemand unterschätzen. Zu keiner Zeit. Und so riss sich die Schwarz-weiße wieder zusammen. Natürlich nicht ohne eine Drohung mit zu übermitteln. Sie war sich sicher, dass Tyraleen sie jetzt noch schwerer würde einschätzen können. Und vor allem würde sie eines tun, sie immer im Auge behalten. Aber das war ihr ganz recht. So wusste sie wenigstens die Aufmerksamkeit auf sich gerichtet zu haben. So würde sie niemand in diesem Rudel übersehen. Denn sie hatte die Beachtung der Alphafähe. Und das war schon einmal eine ganze Menge wert. Als sich die Spannung zwischen den beiden wieder etwas gelegt hatte, setzten sie ihr Gespräch fort. Tyrlaeen war auf den Köder hereingefallen, den Invidia für sie gelegt hatte. Sie wirkte zwar nicht so euphorisch, wie die Fähe es sich gewünscht hätte. Aber es war als würde ein kleines Glitzern, ja so etwas wie Hoffnung in ihren Augen liegen. Am liebsten wäre Invidia in schallendem Gelächter ausgebrochen. Hoffnung, in dieser Welt? Dass sie nicht lachte. Und dennoch verkniff sie sich das Lachen. Noch nicht einmal ein hinterhältiges Grinsen zeigten sich auf ihren Lefzen. Stattdessen wurde ihre Miene noch ernster. Aufgaben der Götter musste man schließlich ernst nehmen. Das war alles kein Spaß. Und so blickte sie der Weißen direkt in die Augen.
“Engaya sprach von einer Tochter. Einer Tochter des Lebens. Leider nannte sie mir keine Namen. Ich weiß nicht, wieso, aber sie hatte insgesamt ziemlich in Rätseln gesprochen. Und außerdem berichtete sie mir von einer Tragödie, die mit dieser Tochter zusammenhängen würde. Ich sollte mich auf den Weg zu ihrem Tal begeben, um das Schicksal zu ändern. Gesagt wie hat sie mir nicht. Sie meinte nur, ich würde wissen, was zu tun wäre, wenn es passieren würde.
Es ist immer noch ein Rätsel für mich, was sie damit genau meinte. Aber den Rufen von Göttern hat man Folge zu leisten. Und so habe ich mich auf den Weg gemacht. In der Hoffnung, dass es keine Tragödie geben wird.“
Invidia sah ein wenig hilfesuchend zu Tyraleen. Würde sie ihr weiterhelfen können? Würde sie vielleicht etwas wissen? Und wenn nicht, wäre es ja letztendlich auch ziemlich egal gewesen. War ja schließlich alles nur eine Lüge. Aber wie hätte die Alpha wohl reagiert, wenn sie gewusst hätte, dass die Todsünde ein Bringer des Unglücks war? Oh Gott, wie gerne sie das Gesicht der Weißen gesehen hätte. Aber nein, dafür war nicht der Zeitpunkt. Nicht jetzt und auch nicht später. Sie sollte die Märchen glauben, von denen ihr die Todsünde berichtete. Und vielleicht würde sie ja so Gesprächsthema werden. Vielleicht würde sie so irgendwie an den Todessohn herankommen. Irgendwie. Irgendwann. Dennoch nahm das Gespräch gerade sehr interessante Wendungen, die ihr wohl noch so einiges an Spaß entlocken würden.
04.04.2013, 14:22
Irritiert winkelte sie ihre samtenen Ohren nach hinten. Urteil? Hatte sie geurteilt? Sie wusste es nicht mehr genau, die vergangenen paar Minuten schienen ihr wirr und von ihrer plötzlichen Wut verschwommen. Auf jeden Fall hatte Chivan Recht, wenn er sagte, dass sie keinen blassen Schimmer über ihn hatte. Fremde waren Bücher mit sieben Siegeln für die Fähe, mehr als jemand aus ihrer Familie hätte je sein können. Sie antwortete also nichts, vielleicht auch wegen der plötzlichen Strenge in seiner Stimme, doch in erster Linie, weil ihr einfach keine Antwort einfiel und sie nicht so eine war, die sich unnötig dafür anstrengte. Müde hörte sie sich seine kurze Erklärung an, doch sie passte auf. Wenn sie sich richtig erinnerte, war es das erste Mal, dass er über sich sprach. Bis jetzt hatte er über Wälder geredet, über Bäume, Verlangen, Götter und Wölfe. Schöne Worte mit Sinn dahinter, zweifelsfrei, doch Sinn half dieser Fähe eher wenig. Ernst und kühl und dunkel - so hob sie nun ihren Kopf, das irre Lachen von eben wie vergessen, und fixierte Chivan mit den regenblauen Augen.
"Gesehen vielleicht - doch hast du es gespürt? Das Geflüster der Wände gehört? Den Moder des eigenen Fleisches gerochen? Den Schmerz...? Die Schuld?", entgegen ihres Blickes war ihre Stimme monoton, die Wörter müde und erschöpft. Sie wusste nicht mal, wieso sie diesem bunten Fremdling soetwas erzählte. Vielleicht war es noch der Rest Wut, der in ihr von eben übrig geblieben war. Doch wieso erschien sie sich selbst dann so apathisch? Das Denken strengte sie an, es war ihr fast, als würde die Dunkelheit und die Wurzeln des Baumriesens sie erdrosseln wollen. Sie bewegte sich unruhig in ihrem Liegeplatz und schielte in die Richtung der Baumkronen. Dort war nichts zu erkennen, entgegen ihrer Befürchtungen. Ob sie in dieser Nacht wohl sicher war? Es konnte auch sein, dass Chivans Nähe Mayhem vertrieb. Andererseits hatte es schon genug Fälle gegeben, in dem es nichts genützt hatte, dass sie nicht alleine war. Ein kalter Schauder lief ihren Rücken hinunter, als sie sich daran erinnerte, wie sie Caleb und Minyala damals angegriffen hatte. Seitdem waren sie nie wieder gesehen worden und Amáya konnte nicht sagen, ob es zu ihrem Glück oder ihrem Unglück so war. Chivan hörte mit seinen klugen Wörtern natürlich nicht auf - verwirrt irrten ihre Augen zurück zu ihm, fanden seine blassen Seelenspiegel. Er war zu klug, zu klug für die kleine dumme Amáya. Diese unerschütterliche Ruhe, mit der er auf ihr Gelächter antwortete, als wäre nichts geschehen - Amáya war außerstande diesen Wolf auch nur im mindersten zuu begreifen. Sie grübelte eine Weile lang, ob sie nachfragen sollte. Sie wollte zwar nicht dumm wirken, aber da sie es ja so oder so war, half ihr es wenig. Zum Teufel mit dem dummen Stolz!
"Das... Wort?" Das Einzige was sie verstanden hatte war, dass sie dieses Wort scheinbar entmachtet hatte. Wenn er seinen Satz von vorhin meinte, der sie in diesem ekelhaften Gelächter hatte ausbrechen lassen, dann kümmerte es sie wenig.
"Wenn man erst zum Lachen kommt, hat dieses Wort doch schon lange keine Macht über einen.", murmelte sie düster und hoffte, dass sie jetzt nicht aneinander vorbeiredeten. "Was du sagst macht ohne Zweifel Sinn. Doch für jemanden wie mich ist es nur ein weiterer Tropfen Bitterkeit im Krug. Fenris weiß, er ist gewiss am überschwappen."
Nachdem Kirov ihre Dämme eingerissen hatte und auf den so hübschen Masken rumgetrampelt war, viel es ihr sehr schwer, alles in sich zu halten. Sie war bei weitem nicht mehr so verschlossen wie früher - überall hatte sie Löcher und durch diese sickerten ihre kleinen wohlbehüteten Geheimnisse und Worte, die sie nie einem dahergelaufenen Fremden in den Korb gesteckt hätte. Ihr Blick ruhte auf eben diesem, als er sich aufrichtete - bloß ein Schemen der Nacht. Trotzdem konnte er seine blassen Augen erkennen, die sie mit einem Ausdruck musterten, der ihr missfiel. Das hinderte sie jedoch nicht daran ihren schlanken Körper innerhalb eines Augenblickes zu erheben und geschmeidig an die Seite des Rüdens zu treten. Sie nickte bloß ernst, als sie seinem Blick begegnete. Die Unruhe hatte immer noch tief in ihr gesessen und sie war froh, nicht mehr an einem Ort liegen zu müssen. Vielleicht vertrieb etwas Bewegung auch ihre Müdigkeit, die sich so plötzlich in sie eingenistet hatte.
"Hoffnung.", wiederholte sie steif, sich an seine Worte erinnernd. "Etwas feines, könnte man meinen.", fügte sie sarkastisch hinzu und setzte den nachtschwarzen Körper langsam in Bewegung. Der Schnee knirschte unter ihren Pfoten.
04.04.2013, 23:03
Während er weiterhin auf Shani zu ging, legte er die Ohren an und sein Fiepen wurde immer leiser, bis es gänzlich verstummte.
Hiyo folgte Shanis Blick nicht, er nahm nur in den Augenwinkeln wahr, dass die Schwarze sich umgedreht hatte und sie alleine ließ. Viel mehr fixierte sein Blick die weiße, beinahe erbärmliche Gestalt vor sich, die eigentlich seine Gefährtin war, nun aber mit eingeklemmter Rute und angelegten Ohren vor ihm kauerte. Aber es war nicht ihre Haltung, die ihm so sehr zu schaffen machte. Natürlich tat es ihm weh, seine Gefährtin so zu sehen, aber ihr Blick war das, was ihm das Herz brach. Und als er dann auch noch ihre gefauchten Worte vernahm, schnürte sich ihm die Kehle zu und er war für den ersten Moment nicht fähig, etwas zu sagen. Seine grünen Seelenspiegel ließen zu, dass man sehen konnte, wie ein Teil in ihm zerbrach und der Schmerz in ihm wieder die Oberhand gewann.
Wie konnte das nur passieren? Shani wich vor ihm zurück, sie versuchte zu fliehen, als sei er ein Fremder. Einen Moment lang verharrte er auf seiner Position, unfähig zu sprechen, unfähig den Blick abzuwenden oder auf sie zu zu schreiten. Die Ohren an den Kopf gelegt, flehte er seine Gefährtin regelrecht mit den Augen an, dies nicht zu tun, ihn nicht auch noch zu verlassen.
"Shani..."
Seine Stimme ertönte nur sehr leise und gedämpft, zittrig brach sie abrupt ab, mehr vermochte er gerade nicht zu sagen. Erst jetzt nahm er wahr, wie viel Abstand sie wieder zwischen ihn und sich gebracht hatte und er begann wieder, zu ihr zu gehen.
"Bitte...tu...das nicht..."
Er wollte nicht, dass sie vor ihm weg lief. Sie durfte ihn nicht verlassen, sie war alles, was ihm geblieben war. Alles.
[Bei Shani am Rentierkadaver]
05.04.2013, 00:09
Amáya verstummte recht schnell, doch die hellen Seelenspiegel des Hünen verblieben an ihrer ungewissen Stelle in der Dunkelheit. Als sie antwortete, bewies sie, dass auch sie auf Feinheiten zu achten wusste. Einen Herzschlag lang verengte sich der Blick des Bunten, während er tatsächlich kurz darüber nachdachte, ihr zu antworten. Allmählich glitt das Thema in einen Bereich ab, der ihm nicht lag. Es wurde persönlich und das war eindeutig etwas, was er normalerweise nicht in den Fang nahm. Vielleicht war das der Teil, den er für die Welt um ihn herum verschlossen hielt; der Teil, der nur ihm gehörte und der ihn zu dem machte, was er war. Doch er kam nicht umhin, sich Gedanken um das zu machen, was sie erfragte. Chivan schluckte und senkte den Blick, ehe er zu einer echten Erkenntnis gekommen war. Schuld. Dort unten hatte es keine Schuld gegeben. Sie hatte am Abgrund gestanden und hämisch grinsend hinab geblickt, nachdem sie sich über die hergemacht hatte, die versucht hatten, Licht in die Dunkelheit zu bringen, um den Wahnsinn zu vertreiben. Tatsächlich hatte sie Recht damit, dass er diese Finsternis nie am eigenen Leibe gespürt hatte – doch die Lasten der Schuld kannte er dafür zur Genüge. Er kannte das Gewicht, das einen zu Boden zog, die Zweifel und das Wissen, die Macht gehabt zu haben, vielleicht alles zu ändern, die Chance aber dennoch verspielt hatte. Chivan fuhr fort und machte den Eindruck, ihre Frage ohne mehr Beachtung als eines kurzen, streifenden Blickes zu übergehen.
Im nächsten Augenblick aber ruhte sein Blick wieder auf ihren Zügen. Es war fast, als stünde eine weitere, fremde Seite der dunklen Fähe vor ihm, die er bisher nicht kennengelernt hatte. Es war nicht die verängstigte, zusammengekauerte Wölfin, doch auch nicht die höhnisch lachende Schlange von oben, die frei von Vernunft schien. Diese Amáya schien älter, erfahrener und gleichzeitig verbitterter als die zwei Versionen davor. Der Rüde lauschte ihren Worten und musterte sie dabei ein weiteres Mal, als hoffte er, einen Unterschied zu finden, der ihm verriet, welche Fähe gerade vor ihm lag. Doch da war nichts – nichts außer der feine Unterschied auf ihren Zügen, der einem einfachen Mienenspiel glich, wie es jeder Wolf zeigte. Doch auch dieses Mal blieb er ihr die Antwort schuldig. Er wollte nicht mehr reglos hier herum liegen. Mit einem Mal schien die Stille des Waldes irgendwie schwer und er wurde das Gefühl nicht los, dass die Toten vielleicht doch mehr Macht hatten, als ihnen lieb war, obwohl er wusste, dass es vollkommener Unsinn war. Der Bunte warf den Kopf kurz in die Richtung der Wölfin, die sich tatsächlich erhob, um ihn zu begleiten. Er hatte sich nicht wirklich Gedanken darum gemacht, ob sie seinem Angebot wirklich folgen würde, und auch jetzt, wo sie sich an seiner Seite positionierte, blieb jegliches Gefühl aus, was verraten hätte, ob er es sich genau so erhofft hatte. Er schwieg die ersten Schritte, die sie zwischen den Bäumen hindurch führten und etwas von den Körpern der Rudelmitglieder entfernten. Den Blick geradeaus gerichtet wählte er vollkommen automatisch einen Pfad über den gefrorenen Schnee, während sich seine Gedanken allmählich klärten.
„Ich bin mir nicht sicher, ob Schuld dort unten überhaupt noch existieren konnte. Wo kein Verstand ist, wo sollte dann so etwas Rationales wie Schuld entstehen?“, durchbrach er schließlich die Stille und warf den Blick zu Amáya hinüber. Es war eine ernst gemeinte Frage, auf die er selbst keine Antwort wusste. Seine Stimme war wieder von ihrer natürlichen Ruhe, doch sprach er leiser, als gäbe etwas in ihrer unmittelbaren Nähe, was nicht geweckt werden durfte. „Es ist wie ein Ort, an den man einfach nicht gehört. Ein Sturm, der unbarmherzig übers Land zieht und nicht von einem ablassen will.“
Chivan konnte nicht behaupten, darin gefangen gewesen zu sein, doch er war fast überzeugt davon, die Dunkelheit und Leere weitaus wirklicher gespürt zu haben. Wahnsinn machte blind und taub, sodass selbst der hellste Ort noch dunkel und der dunkelste Ort noch hell sein konnten.
05.04.2013, 12:17
Yjel hatte aus dem Augenwinkel einen Schatten erahnen können, der mit großer Hast näher kam. Ein Wolf schien zwischen den Bäumen zu ihm zu gleiten, er war eins mit der Nacht und Yjel sog langsam die Luft ein, um durch den Geruch des Wolfes seine Identität zu erfahren. Es war ein vertrauter Duft, er hob seinen Fang um die Luft einzusaugen und so stellte er fest, dass es der schwarze Rüde war, zu dem Fenris ihn getrieben hatte. Der Graubraune lechzte nach den Antworten, es gab so viele Fragen, die unbeantwortet geblieben waren. Er hasste es, so im Unklaren zu sein - und auch von einem Gott verlangte Yjel so viel Höflichkeit, ihn nicht bis zum Ende seiner Tage im Unklaren zu lassen. Doch eben das schien der Gott des Todes mit ihm vorzuhaben. Irgendwann würde er durch diese elende Warterei wahnsinnig werden ... Yjel wand seinen Kopf nicht in Richtung des Schwarzen, der einige Pfotenlängen neben ihm zum stehen gekommen war. Seine dunkelblauen Augen schienen ihn zu durchstechen, Yjel konnte nicht verleugnen, dass er die Seelenspiegel des Schwarzen bewunderswert fand. In ihnen konnte man nichts und doch alles lesen, sah dunkle Abgründe und Hoffnungsschimmer. Sie waren facettenreich wie der Träger. Averics ganze Erscheinung konnte schwache Wölfe sicher in Angstzustände versetzen, der Schwarze war einer der größten Wölfen, die Yjel jemals gesehen hatte.
Seine Gedanken wurden durch ein Heulen aus der Ferne zerissen, welches seltsam vertraut klang. Wie der Geruch Averics, der ihm so bekannt vorgekommen war, so holte das Heulen eine andere Erinnerung aus seinem Hirn hervor. In ihm weckte sich Neugierde und Averics Frage ließ Yjel kurz schmunzeln. Einerseits wirkte es, als wenn er die Gedanken des Graubraunen lesen könnte, andererseits hatte er die Frage gestellt um ohne eine Antwort zu erwarten schon loszulaufen.
"Zu gerne, Averic."
Er war neben ihn getreten, wobei ihm auffiel, um wie viel der Schwarze größer war als er selbst. Auch wenn Averic auch um einiges größere Schritte setzte, Yjel gab sich nicht die Mühe, auf Augenhöhe zu bleiben. Er lief gemütlich einige Schritte hinter dem Rüden her, welcher auf den Graubraunen beherrscht, allerdings gleichgültig wirkte. Für ihn war es wahrscheinlich eine Pflicht, den Fremden abzufangen um ihn, bevor er auf das Rudel traf, auf seine Gefährlichkeit hin zu überprüfen.
"Wieso habe ich denn die Ehre, dich begleiten zu dürfen? Aber diese ständigen Fragen - noch nicht einmal Fenris hat es nötig, sie mir zu beantworten. So etwas aber auch, meinst du nicht?"
[abseits des Rudels :: folgt Averic]
06.04.2013, 00:07
Taleesha drehte sich wieder in die andere Richtung. Sie hatte unendlich oft versucht, einzuschlafen, aber ihre wirren Gedanken ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Kaum waren ihre Augen geschlossen, drängte ihr Pflichtbewusstsein sie, doch noch einmal nachzusehen, ob bei Linalee, Malik und Isaí alles in Ordnung war. Malik und Isaí hatte sie ganz gut im Blick gehabt, sie waren nicht weit von ihr entfernt und sprachen mit Kisha und Kursaí - soweit alles in Ordnung. Linalee war vor kurzem auch noch neben ihr gelegen, deswegen hatte sich Taleesha ja auch ihren Brüdern zugewandt. War sie vielleicht doch kurz eingeschlafen? Von Linalee war nämlich keine Spur mehr zu sehen. Wo konnte sie bloß sein? Taleesha versuchte mit ihren Sinnen irgendetwas von ihrer Schwester wahrzunehmen, aber es gelang ihr nicht. Bis auf den vertrauten Geruch war nichts mehr von Linalee zu finden. Taleesha dachte - wie schon so oft in dieser Nacht - an die Worte der weißen Wölfin. Taleesha hatte diese zwar selbst im Traum nicht wirklich gesehen, doch sie wusste ganz genau, wie jene aussah. Seltsam ... Taleesha fiel auf, dass seit jenem Tag im Sumpf in ihrem Leben nichts mehr von Leichtigkeit und Unbeschwertheit geblieben war. Seit damals war alles irgendwie schwerer und ernster. Taleesha entwich ein kleines Seufzen und sie schloss für einen kurzen Moment die Augen, um sich ganz genau zu erinnern.
… Taleesha, du musst mir versprechen, dass ihr aufeinander aufpasst. Ihr müsst füreinander da sein und das Rudel unterstützen. Vertrau deinen Instinkten, vergiss das nie...
Während sie diese Worte auf sich wirken ließ, gesellte sich noch eine zusätzliche Stimme von außen hinzu. Taleesha zuckte kurz zusammen, sie hatte sich so auf ihre Gedanken konzentriert, dass sie nicht bemerkt hatte wie Aszrem zu ihr getreten war. Sie setzte sich auf und schenkte ihm ein zaghaftes Lächeln, begleitet von müden Augen. Als sie ihn da vor sich sah, spürte sie plötzlich, wie ihr die Nähe eines anderen Wolfes gefehlt hatte. Irgendwie fror sie, aber die Kälte schien von innen zu kommen.
"Hallo Aszrem. Ja ... heute wollen meine ganzen Gedanken nicht aus meinem Kopf verschwinden. sie tanzen wie wild herum."
Sie schaute leicht beschämt auf die verzauberte Schnee-Erde und schob mit ihrer rechten Vorderpfote das weiße Nichts hin und her. Dann schaute sie wieder auf, schob sich ein Stückchen näher an den Rüden heran und fragte:
"Hast du Linalee gesehen? Ich mach mir ein bisschen Sorgen ..."
Sie war froh, sich mit jemandem beraten zu können. Sie war von den letzten Tagen endlosen Wanderns mehr als erschöpft und wollte sich am liebsten in weiches, warmes Fell kuscheln und an nichts mehr denken müssen.
[Rudel | Aszrem]
06.04.2013, 11:45
RESTING CALM IN ME
RESTING IN A DREAM
SMILING BACK AT ME
Erst Isaís folgende Worte schafften es, Malik soweit abzulenken, dass er zu ihm herüber sah - zweifelnd, aber mit einem Funken Hoffnung im Blick. War das die Erklärung? Heute war kein einziger Stern am Himmel zu sehen, vielleicht begrüßten sie alle Madoc irgendwo, wo die Wölfe hier unten sie nicht sehen konnten? Möglicherweise konnte er diesen Platz nicht sehen, weil die Bäume davor waren. Er schluckte, ließ den Blick noch einmal über den Teil des Himmels wandern, den er sehen konnte und gab schließlich auf. Madoc war heute nicht da, er hatte ihn nicht gehört. Der Welpe nahm sich fest vor, nun jede Nacht nach ihm zu suchen und seinen Stern am Himmel zu finden. Dann konnte es doch sicher nicht mehr lange dauern, bis er wieder mit dem Weißen sprechen konnte, auch wenn er furchtbar weit weg war und nicht antwortete. Schweigend senkte er den Kopf und schmiegte sich dankbar an seinen Bruder. Dass er Kisha und Kursaí Unrecht tat, indem er sie ignorierte und sich in keinster Weise dankbar für die tröstenden Worte der beiden zeigte, war ihm nicht bewusst. In diesem Augenblick hatte nur Isaí ihm etwas Zuversicht gegeben, alles andere war im Augenblick bedeutungslos für ihn. Vielleicht würde er später verstehen, was Kursaí gemeint hatte und weshalb Kisha selbst nicht traurig war. Aber jetzt konnte er mit all dem nichts anfangen. Dass Madoc in ihm war, war zu abstrakt, dass er nicht allein war wiederum zu offensichtlich. Er war nie allein, immer waren Wölfe um ihn herum. Den Zusammenhang mit Madocs Tod verstand er nicht. Und so sagte er auf all die klugen Worte überhaupt nichts und lehnte sich einfach nur an Isaí, der ihm durch seine bloße Anwesenheit viel mehr Halt gab als es Kursaís oder Kishas Worte konnten.
06.04.2013, 22:53
Sie spürte seinen blassen Blick auf sich, wie er sie musterte. Sah er die Maus, versteckt in den tiefsten Kerkern ihrer selbst? Gewiss nicht. Er kannte sie nur seit gefühlten Sekunden - doch vielleicht war gerade diese objektive Sichtweise des Rüden etwas, was ihm erlaubte, durch die trüben Wassre ihres Wesens einen besseren Durchblick zu erlangen, als andere dieses Rudels. Sie lauschte der ungewöhnlich leisen Worten des Rüden und schwieg erstmal eine Runde, sich die Wörter durch den Kopf gehen lassend. War das ein erneuter Test wie eben mit den Bäumen? Oder war es eine ehrliche Frage? Letztenendes war es auch egal.
"Nicht jede Seele ist gleich und so auch nicht jeder Abgrund. Und niemand ist chancenlos verloren in den Tiefen, egal wie weit er sinken mag." , sagte sie nun wieder ernst und kühl, ganz die alte distanzierte Amáya, für einen Moment. So schien auch ihr Gesicht undurchdringlich, die feinen Züge härteten sich. Sie selbst hatte auch tausend Chancen gehabt, Strähnen der Hoffnung die sich zu ihr in den Brunnen ihres Daseins herabgesenkt hatten. Ausgestreckte, helfende Pfoten, ein strahlendes Lächeln. Zu süß, zu schön, zu echt um wahr zu sein. Sie hatten Amáya mit Angst erfüllt. Diese Welt, nach der sie sich so lange sehnte verängstigte sie und so war sie vor diesen Chancen zurückgewichen, als wären sie etwas Verseuchtes. Schuld war vielleicht einer der Fäden, die sie an die Außenwelt banden. Zweifelsohne hatte sie genug solcher Fäden, doch genauso viele banden sie an den Tod wie an das Leben.
Sie senkte ihre Lider sanft, sodass sie nur noch durch einen schmalen Streifen sah, was vor ihr lag. Größtenteils folgte sie einfach ihrem Gehör und ließ sich von Chivan leiten. Sie fragte sich, ob einer dieser Fäden ihr einmal die Kehle abschnüren würde, oder sie sogar von einem anderen herauf ans Licht gezogen wurde. Doch wahrscheinlich verlor sie sich einfach wieder in groteske Metaphern. Es war gewiss nicht gesund standig in solchen Bildern zu denken und doch war es mittlerweile ein fester Teil ihres Ichs und es spendete ihr ein wenig Trost.
Je mehr sie über dieses Thema - Abgründe, Wahn, wie auch immer man es nennen wollte - sprachen, desto deutlicher wurde es Amáya, dass sie wohl ganz verschiedene Bilder davon hatten. Sie konnte nicht mit Chivans Augen sehen, nicht spüren was seine Sinne ihm zeigten und nicht nachempfinden, was er fühlte oder in seinem Kopf vorging. Deswegen kristallisierten sich die Unterschiede erst mit der Zeit feiner aus und dabei waren ihre geliebten Bilder, Vergleiche und Metaphern eine große Hilfe. Kurz spürte sie eine kleine Brise der Ermunterung. Siehe da, vielleicht waren sie doch gar nicht so schlecht, ihre Gedankengemälde. Chivan schien sie auch nicht selten zu gebrauchen - zumindest in Worten. Sie öffnete wieder die Augen, blickte aber voran in die Finsternis.
"Im Auge des Sturmes herrscht immer Stillstand und Stille.", antwortete sie ebenso leise, wie der Bunte gesprochen hatte, einfach um sich ihm anzupassen. "Wer sich lange genug hier unten befindet, der fühlt sich Zuhause und sicher."
Sie lächelte ein bitteres Lächeln ohne Wärme in die Dunkelheit. So war das mit ihr. Sie wäre nie darauf gekommen, den Abgrund mit einem Sturm zu vergleichen. Für sie war es der Abgrund, ein Brunnen, die Tiefe ganz ohne die Zerstörungskraft und den Lärm des Sturmes. Amáya gab Chivan nun einen lange, prüfenden Blick, ja schon fast berechnend. Gewollt oder ungewollt, er hatte sich mit seinen Worten verraten. Das war ihre Vermutung und sie schloss einen Irrtum nicht aus - Fenris wusste, sie hatte sich oft genug geirrt. Dennoch, wenn es um ihre Metaphern ging, dann hatte sie außergewöhnliches Feingefühl, wie sie fand. Für sie klang Chivans Definition von 'dort unten' wie die eines Betrachters, vielleicht nicht ganz unbetroffen aber nicht mittendrin. Vielleicht hatte er es nicht gewollt, doch in einer bestimmten Weise hatte er doch auf ihre Frage von eben geantwortet. Vielleicht war sie da etwas aufgekurbelt gewesen, doch sie erinnerte sich noch gut. Mit einem letzten Blitzen in den scharfen Augen löste sich ihren Blick von ihm und wieder nach Vorne. Ehrlich gesagt wollte und konnte sie nicht sagen, ob sie tatsächlich wahnsinnig war. Es gab Momente, da glaubte sie fest daran und dann wieder Zeiten, in denen sie 'normal' war, größtenteils zumindest. Nein, ihr Problem war die Angst. Mayhem. Sie unterdrückte ein Schaudern und straffte die Schultern. Siehe da, wieder dieser falsche dumme Stolz. Sie konnte ihn wirklich nicht abschütteln, diesen kleinen kindischen Trotz der sie manchmal befiel. Innerlich seufzte sie.
07.04.2013, 14:35
Sie hatte kein festes Ziel, sie wollte nur mal schauen, ob alles in Ordnung war. So trugen sie ihre Pfoten an einigen Rudelmitgliedern vorbei, denen sie freundlich zunickte. Dann erkannte sie in der näheren Umgebung Tyraleen mit einer anderen Fähe zusammen. Während der Wanderung hatte sie immer das Schlusslicht gebildet, indessen war Tyraleen voraus gelaufen. Nun befand sie es als an der Zeit mal ein Wort mit ihrer Alphafähe zu wechseln.
Tänzelnd lief sie auf die beiden Fähe zu, gerade noch konnte sie die letzten Worte der zweiten Fähe, Invidia, vernehmen. ‚In der Hoffnung, dass es keine Tragödie geben wird.‘. Worüber unterhielten sich die beiden wohl? Sie blieb stehen, wenige Schritte von den beiden entfernt und wedelte seicht mit der Rute.
„Guten Morgen ihr zwei. Ich möchte Eure Unterhaltung nicht unterbrechen, aber darf ich mich zu Euch gesellen?“
Es war ihr wichtig mit Tyraleen zu sprechen, aber vielleicht war ihr das Gespräch was sie gerade führte sehr bedeutend. Deshalb wollte sie nicht ungefragt dabei sein. Ansonsten würde sie Tyraleen einfach zu einem anderen, späteren Zeitpunkt erneut aufsuchen und mal nach ihren Welpen sehen. Die würden sich sicher freuen und auch Sheena spürte, wie die Sehnsucht nach ihren kleinen Schätzen in ihr Herz eingezogen war. Während der Reise hatte sie die vier immer mal aus der Ferne gesehen – die hatten sich ganz schön gemausert, waren kräftig geworden und hatten ein dickes, plüschiges Winterfell bekommen. Außerdem könnte sie dann auch bei Jakash mal nach dem Rechten sehen.
Aber obwohl ihr ihre Familie wichtig war, stand das Wohl des gesamten Rudels natürlich an erster Stelle – vielleicht konnte sie auch mit Aszrem oder Averic sprechen, wenn Tyraleen ihre Anwesenheit jetzt nicht als richtig empfand. Doch das waren alles nur ‚was wenn‘ Überlegungen, sie würde einfach auf die Antwort der beiden Fähen warten und sich danach Gedanken über ihr weiteres Handeln machen. Es brachte wenig dies im Vorhinein zu spekulieren.
Sie lächelte den beiden Fähen zu, ehe sie sich dazu entschloss sich auf ihr Hinterteil sinken zu lassen. Die Rute schlang sich sanft um ihre Pfoten und ihr Blick wanderte kurz in den unglaublich dunklen Himmel über ihnen.
[Tyraleen und Invidia]
07.04.2013, 15:20
„Turi...“
Sie nuschelte leise in das Fell ihres Bruders, die drohende Haltung, die zuvor Parveen gegolten hatte, hatte sie bereits abgelegt. Er wußte, wie es ihr ging. Sie mussten die selben Wege gehen... aber vielleicht war das ihr Glück, dass sie dieses Leid teilen konnten? Erst, als Parveen wieder sprach, hob die Graue den Kopf wieder an, blickte ihrer Tante nun mit kühlen Augen entgegen, die Tränen waren versiegt. Zurück blieb die Wut. Jedoch lauschte sie den Worten der Schwarzen, bis diese geendet hatte. Die Lefzen wieder zu einem Knurren verzogen musterte sie die Wölfin mit dem Stern auf der Stirn, schnaufte verächtlich.
„Du kannst uns nicht vergleichen. Ich entscheide selbst, welcher Weg für mich der Beste ist.“
Sie hatte es bis hierher geschafft... und das Leben konnte ihr beinah nicht mehr nehmen, als es schon getan hatte. Gerade, als die Graue zu weiteren Worten ansetzen wollte, ertönte ein Rascheln, welches jedoch noch nicht ihre Aufmerksamkeit gewann. Erst das Geräusch, welches dann folgte und sich nicht zu ordnen ließ, wandte die Graue den Blick von ihrer Tante ab, hob den Kopf leicht an und suchte nach dem Ursprung... und schon im nächsten Moment ertönte eine Stimme, irgendwo über ihnen aus den Bäumen. Atalya verzog noch einmal die Lefzen, wandte den rötlichen Blick dann kurz auf ihren Bruder. Irgendwelche Wesen, die sich über sie beschwerten, interessierten die junge Wölfin gerade herzlich wenig. Mit einem weiteren Schnippen ihrer Ohren verwarf sie dieses Wesen also wieder aus ihrem Kopf – was auch immer da oben saß.
[Parveen, Turién – Abseits des Rudels]
07.04.2013, 18:19
Ihre Gedanken wurden plötzlich unterbrochen, als Kisha ihren Fang öffnete. Es klang wie eine Antwort, und auch wenn sie selber die Frage nicht gehört hatte, konnte sie sich diese gut vorstellen. Nihilus war weg, wo dieser wohl war? Hatte er das Rudel verlassen und hat sich seinen eigenen Weg gesucht, oder hat das Rudel verloren? Oder ist auch er zu Engaya aufgebrochen? Sie würde es wohl nicht erfahren, wusste Kisha es doch nicht. Sie hoffte nur, dass er keine verlorene Seele geworden war, bevor ihre Gedanken wieder in das Hier und Jetzt zurück kehrten, zu einer anderen Seele, die nicht verloren gehen durfte.
Nun als sie sich zu Malik gesetzt hatte, die zweite Seite von ihm schützte und stützte, geschah etwas unerwartetes. Sein älterer Bruder reagierte etwas unverhofft, und so legten sich die Ohren der grauen Fähe unbewusst nach hinten an. Jedoch bevor sie noch anders reagieren konnte, da hörte Isaís Knurren auch schon wieder auf, und sie merkte, dass er es nicht so gemeint hatte. So sah sie darüber hinweg, und tat so, als ob es nicht geschehen wäre, oder sie es nicht bemerkt hätte. Somit richteten sich auch ihre Ohren wieder normal auf. Ihre Seelenspiegel wanderten kurz zu Isaí, der ihren Blick erwiderte. Sie erkannte darin eine solche Sorge um seinen Bruder, dass sie richtig stolz auf ihren Neffen wurde. Aus ihm würde gewiss mal ein großer Wolf werden, und dies bezog sich nicht nur auf die physische Größe. Sein Blick folgte nun, dem seines Bruders in den Himmel und auch sie schenkte diesem einen längeren Blick. Da oben bei Engaya waren sie alle, die nicht mehr mit ihnen rannten. Bei ihnen war nun auch Madoc. Doch lange blieb ihr Blick nicht da oben, denn nach einem kurzen Moment des Gedenkens, hatte Isaí sich wieder an seinen Bruder gewandt, und fand für ihn wunderschöne Worte, warum Malik seinen Patenvater nicht am Himmelszelt finden konnte, und diese klang in Kursaís Ohren unheimlich tröstend. Anscheinend fand Malik dies auch, denn nun wandte er sich dem Gleichaltrigen zu und schien bei ihm Trost zu finden.
Zuvor auf die Worte von Kisha und auch auf ihre eigenen, hatte es kaum eine Reaktion gezeigt. Vielleicht hatte er sich nur ein wenig abgewendet dabei, hatte noch starrer den Himmel fixiert. Doch Kursaí glaubte daran, dass die Worte ihm noch helfen würden. Anscheinend nicht mehr heute Nacht, vielleicht auch nicht im nächsten Mondenlauf, doch irgendwann wird er damit Leben können, dass Madoc nicht mehr an seiner Seite lief, und dann wird er sich vielleicht an diese Worte erinnern, und dann werden ihn diese helfen.
So sagte sie nichts mehr, saß nur weiter neben Malik, schützte seine Seite. Nicht das sie glaubte, dass er in Gefahr wäre, oder vielmehr war die Gefahr in ihm drin und nicht um sie herum. So wollte sie nur für ihn da sein, ihn spüren lassen, dass seine Familie da war.
[[Bei Isaí, Kisha und Malik]]
07.04.2013, 21:11
Und doch fühlte er sich seltsam Fehl am Platz, während er den Worten der beiden Wölfinnen lauschte, die er so sehr verstehen konnte, doch die nicht für seine Ohren bestimmt gewesen waren. Und obwohl sie an Atalya gerichtet waren, hatte der Silberne das Gefühl, dass er Parveens Intention mehr verstand als die Dunkelgraue. "Es ist einsam dort, musst du wissen. Lichtleer." Seine sonnengelben Augen starrten in die blauen Parveens, während er ihre Worte verdauen musste. Sie wusste wovon sie sprach, und auch Turién selbst befand sich auf einem gefährlichem Pfad in die Lichtleere. Manchmal wollte er einfach verschwinden. Oh, das Nichts wäre so hilfreich dabei. Doch wer wusste, ob er jemals genug Mut besitzen würde den letzten Schritt ins Nichts zu tun? Wahrscheinlich nicht. Zum GLück hatte er genug Familie und... Freunde, die ihn von diesem letzten Schritt abhielten. Manchmal schien es so verlockend sich einfach in Luft aufzulösen... doch es gab nur kurze Momente in denen er sich eben dies wünschte. Und das war wohl auch besser so.
Als plötzlich ein Rascheln über ihnen seine Aufmerksamkeit auf sich zog, wandte er seinen Blick endlich von Parveen. Er versuchte etwas in dem Geäst über ihnen zu erkennen, doch seine Suche nach einer Gestalt blieb erfolglos. Seine Ohren spielten irritiert zur Seite, als eine seltsame Tonfolge zu hören war. Die Worte die darauf hin folgten ließen ihn ihn nur missmutig seine Lefzen hochziehen.
"Verschwinde!",
hallte es nach oben, von wo die Stimme gekommen war. Wahrscheinlich irgendein Krähen oder Eulenpack, dass sich einen Spaß erlaubte und es genoß privaten Gesrpächen zu lauschen.
- etwas Abseits | Atalya und Parveen -
08.04.2013, 14:27
„Da hast du Recht. Der Punkt ist, ob man sich in der Dunkelheit versteckt, oder wieder zum Licht kämpft.“
Inzwischen hatte er zu seiner Distanz zurückgefunden. Er formulierte frei und unpersönlich, um sich selbst wieder aus der Affäre zu ziehen. Was auch immer Amáya in diesem kurzen Augenblick über ihn erfahren hatte – Chivan bezweifelte, dass es sie groß interessierte, ganz davon abgesehen, dass er selbst da nicht so offen gewesen war, dass sie vollkommene Gewissheit gehabt hätte. Sie hatte Platz zum Interpretieren, Platz zum rätseln und würde dennoch nicht auf einen grünen Zweig kommen, der ihr die Sicherheit gab, dass sie richtig lag. Alles, was sie beide tun konnten, war, sich auf Vermutungen zu stützen und nach und nach die Wahrheiten zusammenzusetzen, die sich herauskristallisierten. Immerhin schien weder sie noch er wirklich zu denen zu gehören, die sich durchsichtig preisgaben. Doch während es bei Chivan daran lag, dass er schlicht Unwohlsein dabei empfand, wenn er über sich selbst sprach und gleichzeitig versuchte, die Vergangenheit zurückzulassen, schien Amáya ganz andere Beweggründe zu haben. Noch war es zu früh, als dass er sie wirklich hätte benennen können, doch sie wurde von anderen Dingen geleitet, geführt und schien sich dieser dennoch nicht wirklich sicher zu sein. Eine Zeit lang begleitete sie abermals nur das Geräusch ihrer Schritte auf dem hartgefrorenen Schnee. Das ferne Heulen hatte er zwar wahrgenommen, aber es wäre eine Umstellung gewesen, groß darauf zu achten. Solange es weit genug entfernt war, gab es nichts zu befürchten, wenn es einen auch in eine etwas größere Alarmbereitschaft versetzte. Vor allem wusste der Fremde nach Maliks Trauer unweigerlich von ihrer Anwesenheit. Seine Augen huschten kurz durch die Dunkelheit, während sich seine Ohren bereits wieder in Amáyas Richtung drehten, die seine Veranschaulichung ohne Zögern aufnahm. Ein paar Gestalten schälten sich zwischen den Bäumen aus der Dunkelheit, doch seine Nase verriet ihm, dass es sich um eine kleine Gruppe um Tyraleen handelte. Er beobachtete sie kurz, machte allerdings keine Anstalten, die Richtung zu wechseln. Stattdessen richtete er die Aufmerksamkeit wieder auf die Wortwahl der Wölfin an seiner Flanke. 'Hier unten' – war es das, was sie fühlte? Er wandte den Kopf zu ihr herum und erwiderte ihren Blick. Was auch immer sie gerade ergründete – es brachte ihn dazu, seine Haltung etwas zu straffen.
„Eine trügerische Sicherheit.“, bemerkte er ohne den Blick von ihr zu nehmen. „Es ist zwar ein Ort, an dem man sich sicher und stark fühlt, doch sobald man einen Schritt hinaus in den Sturm tritt, weicht man verängstigt zurück um sich erneut in der Finsternis und hinter falscher Stärke zu verstecken. Man muss den Mut finden, den Sturm zu durchqueren und weiterzulaufen, selbst wenn die Winde einem schmerzhaft ins Gesicht wehen. Man muss bereit sein, sich sich selbst zu stellen, um die Sonne wieder zu erblicken. Und das ist der Kampf, an dem die meisten scheitern, weil man sich seiner größten Angst stellen muss.“
Der Flucht aus der Dunkelheit ins Licht; dem ersten Schritt hinaus in den Sturm, um die Sonne zu finden, obwohl an jeder Ecke Schatten zu lauern schienen, die einen zurück in diese Illusion aus Sicherheit treiben wollten, die sie geschafft hatten. Dabei war es gar nicht so schwer, ihnen zu entgehen – Sie hatten keine Gestalt, keinen wahres Dasein. Solange man sich von der Furcht nicht treiben ließ, konnte sie einem nicht an den Pelz. Doch diese Erkenntnis blieb den meisten verwehrt, die sich nicht ein einziges Mal zum Kampf stellten, um zu merken, dass sie ihnen so gestaltlos nichts anhaben konnten?
10.04.2013, 19:57
Der Schwarze fielen keine Worte ein, die sie erwidern konnte. Würde überhaupt ein Wort ihre Nichte jetzt erreichen können? Mit einem müden und leicht traurigen Lächeln ließ sie den Blick zu Turién schweifen. Sie konnte Atalya ihr Verhalten in dieser Situation nicht übel nehmen, ahnte sie zu sehr, wie sie sich fühlen musste, aber es war dennoch schön noch einen anderen Wolf hier zu wissen. Der Silberne sah sie ebenfalls lange an und Pav war sich sicher, dass auch er verstand worüber sie sprach. Sie hoffte inständig, dass er seiner Schwester helfen konnte, dass er es versuchen würde. Natürlich ließ sie davon ab, den jungen Wölfen ein Gespräch vorzuschlagen. Ihr redet schön miteinander und ich verschwinde dann mal.' Jaja, schon klar…
Von diesem absurden Gedanken beinahe amüsiert, überlegte Parveen, ob sie sich von den Beiden entfernen sollte, aber dann ließ sie ein Geräusch aus den dunklen Baumkronen zusammen zucken und dort bleiben, wo sie war. Ihre Ohren stellten sich augenblicklich auf und der Kopf zuckte ebenso nach oben. Die Tonfolge tönte ein wenig in ihren Ohren nach, aber spontan konnte sie sich nicht erinnern jemals so ein Geräusch gehört zu haben und als sie schließlich die Worte vernahm, suchte sie mit den Augen die dunklen Äste ab. Nichts außer Dunkelheit und Schatten. Was immer da oben hockte, schien sich vor ihren Blicken zu verstecken.
"Wenn man sich beschwert, sollte man sich dem Gegenüber zumindest zeigen."
Was oder wer immer da oben meckerte, schien keine Manieren zu haben. Aus dem Dunkel Vorschriften zu machen war immer leicht. Auf jeden Fall hatte sich der Zuhörer in den Bäumen gut versteckt gehalten und bis eben keinen Laut von sich gegeben oder irgendein anderes Anzeichen auf seine Existenz gegeben. Parveen zumindest war absolut nichts aufgefallen.
10.04.2013, 22:23
Der Todessohn drehte im Lauf den Kopf leicht herum, um Yjel zu fixieren. Auf die Worte des Grauen zog er die Mundwinkel leicht zurück und es erinnerte entfernt an ein dunkles Grinsen.
„Fenris hält es nie für nötig Fragen zu beantworten. Wenn er sich dazu herablässt, dann nur zu seinem Vorteil.“
Er wandte sich wieder nach vorne und lief einige Meter weiter, ohne dem etwas hinzuzufügen. Der Pechschwarze fuhr fort, ohne Yjel wieder anzusehen.
„Allerdings habe ich auch Fragen. An dich. Und eventuell ist es mir möglich ein paar deiner Fragen zu beantworten. Garantieren kann ich dir das aber nicht.“
Das sollte dem anderen Rüden als Erklärung reichen, warum er die Ehre hatte ihn begleiten zu dürfen. Averic war zwar Fenris' Erbe, aber mehr als mutmaßen konnte er auch nicht, wenn es um die Absichten des Todesgottes ging. Vieles an den Göttern war unergründlich und oftmals willkürlich. Engaya war in diesem Sinne nicht viel besser als ihr Gegenpart. Wenn es also um Göttliches ging, war die Chance auch bei ihm recht hoch, dass er passen musste. Averic hob die Nase leicht an und witterte nach dem Fremden, um sich zu vergewissern, dass sie in die richtige Richtung liefen.
[ Im Wald | Yjel ]
11.04.2013, 09:20
Die Reaktion der jungen grauen Fähe auf die Stimme aus den Bäumen amüsierte diese offensichtlich königlich. Atalyas griesgrämiger Blick, ihr Ohrenschnippen und ihre kühle Ignoranz entlockten dem Wissen in der Dunkelheit eine ganze Reihe an keckernden Lauten.
Wicka-Wicka-Wicka-Wicka-Wicka-Wicka
Und auch der junge Rüde löste mit seiner missmutigen Reaktion und der ersten Antwort wohl eine Menge Vergnügen aus. Es raschelte ein wenig, als hätte sich die Gestalt weiter nach vorne bewegt, dann kam wieder das Lachen mit diesen seltsam Lauten aus der Dunkelheit.
Wicka-Wicka-Wicka-Wicka
„Warum sollte ich aus meinem Wald verschwinden, kleiner frecher Eindringling?“
Auch hier sprach Amüsement aus der Stimme, sofern die Wölfe das erkennen konnten. Parveens Reaktion schien sie als einziges nicht zu erheitern, sodass diesmal die fremdartigen Laute ausblieben. Es raschelte nur erneut, ohne dass die Gestalt der Aufforderung folgte und sich zeigte.
“Ich finde, wir sollten früher ansetzen. Wenn man in einem Gebiet Radau macht, sollte man vorher dessen Bewohner fragen.“ Eine kurze Pause, ein Wicka, dann: “Aber euer Verlust tut mir tatsächlich aufrichtig leid. Deshalb müsst ihr hier dennoch nicht so herumstreiten, dass mir die Federn zu Berge stehen. Das nennt man Manieren, ihr Langbeiner.“
11.04.2013, 12:25
“Nein, es geht nicht darum, was nicht gesagt werden sollte. Es ist fast immer besser alles zu sagen, was es zu sagen gibt. Aber man sollte sich dabei nicht von den eigenen Gefühlen leiten lassen, denn das führt allzu oft zu Unterstellungen, die selten freundlich aufgenommen werden. Wenn du wissen willst, warum jemand etwas tut, dann frage ihn und unterstelle ihm nicht mögliche Motive.“ Und Ende der Lehreinheit, die so auch Isaí hätte erhalten können. Bestimmt gefiel das der Schwarz-Weißen ganz und gar nicht, aber es war eine gute Möglichkeit weitere Facetten dieses undurchschaubaren Charakters kennenzulernen. “Mir ist Einsamkeit tatsächlich fremd, deshalb kann ich nur schwer beurteilen, wie sie mich oder andere verändern würde. War es hart für dich, diesen Weg ganz alleine zu gehen?
Sie war tatsächlich daran interessiert und wollte das Gespräch auch wieder in normale Bahnen lenken. Wenn Invidia denn tatsächlich aus dem Tal der Raben kam, wusste sie bestimmt eine Menge Dinge, die dem Rudel helfen konnten. Doch Tyraleen war sich viel zu unsicher, ob sie der Schwarz-Weißen trauen konnte, als dass sie auch nur einen Rat von ihr annehmen würde. Außerdem stand noch immer diese kleine, merkwürdige Situation zwischen ihnen, die von der Leitwölfin geklärt werden wollte. Plötzliche Aggression und fadenscheinige Erklärungen dazu waren nicht in ihrem Sinne. Aber Invidia verstand es, ihre Aufmerksamkeit auf anderes zu lenken, denn ihre Ausführungen zu ihrem Auftrag Engayas ließen Tyraleen erneut aufhorchen. Eine Tragödie, die mit der Tochter zusammenhing und die Invidia abwenden sollte? Eigentlich konnte es sich da nur um den Vulkanausbruch drehen, aber den hätte sicherlich kein Wolf aufhalten können und er ging doch auch nicht mit ihr zusammen? Tatsächlich eine Menge Rätsel und das größte von ihnen blieb Invidia selbst. Jetzt hatte sich Tyraleens Stirn wirklich in Falten gelegt und nachdenklich ging ihr Blick knapp an ihrem Gegenüber vorbei.
“Das sind wirklich viele Rätsel. Die Tragödie könnte natürlich unser Vulkanausbruch gewesen sein, aber du hättest ihn gewiss nicht aufhalten können. Nun … was hast du jetzt vor? Wenn du noch immer nicht weißt, was zu tun ist und du weder Tochter, noch abwendbare Tragödien gefunden hast?“
Das war wohl die wichtigste Frage, auch wenn Invidia zuvor bereits darauf hingewiesen hatte, dass sie nicht wusste, welchen Weg sie nehmen sollte. Aber wenn es sich tatsächlich um einen Auftrag der Göttin handelte, war es sicher falsch, den bequemsten Weg zu nehmen. Sollte sie sich aber ins Tal der Raben zurückgezogen fühlen, konnte es auch nicht die schlechteste Richtung sein. Eine durchaus komplizierte Lage, das sah die Weiße ein und für sie selbst kam noch hinzu, dass Invidia wohl am besten vorerst hier blieb. Denn wenn sie wirklich von Engaya zu ihr geschickt worden sein sollte, dann wäre es wohl gut, sie bei sich zu haben. Aber etwas stimmte nicht an der ganzen Sache, weshalb sich die Weiße auch weiterhin nichts davon anmerken ließ, dass sie mehr dachte, als sie aussprach. Um dennoch etwas Klarheit in die Situation zu bringen, wollte sie gerade erneut das Wort erheben und Invidia auf ihre merkwürdige Reaktion ansprechen, da kam Sheena auf sie zu und begrüßte sie fröhlich. Tyraleen freute sich, ihre Beta und Freundin zu sehen und sogleich wippte ihre Rute hin und her und sie fuhr der Weißen einmal mit der Zunge über den Fang. Das Gespräch würde sich jetzt gewiss wandeln, aber auch wenn der Moment des Nachfragens nun vertan war, konnte Sheenas Anwesenheit auch neue Erkenntnisse bringen. Wie würde Invidia auf sie reagieren und wie mit ihr umgehen? Wieder wurde der Blick der Leitwölfin etwas aufmerksamer und sie ließ auch während ihrer Worte zu Sheena die Schwarz-Weiße nicht aus den Augen.
“Hallo Sheena, schön dich bei uns zu haben. Du unterbrichst uns nicht, Invidia hat mir nur gerade erzählt, dass sie aus dem Tal der Raben gekommen ist. Auch wenn sie sich an diesen Wald nicht erinnert, ist sie somit wohl unseren Weg schon einmal gelaufen.“
Vielleicht würde schon diese kleine Merkwürdigkeit Sheena etwas stutzig machen, gewiss hatte sie aber zuvor schon Tyraleens kurzen Blick bei ihrer Begrüßung gesehen. Sie kannten einander, ihre Beta würde gewiss erkennen, dass die Weiße nicht entspannt ein Pläuschchen gehalten hatte, sondern dass es hier wichtig war, auf seine Worte zu achten. Bestimmt würde Invidia auch jetzt wieder von der Tochter des Lebens sprechen, aber Tyraleen hatte nicht allzu viel Sorge, dass Sheena sie verraten würde. Die Weiße war intelligent und aufmerksam, von ihr würde in diesem Gespräch keine Gefahr ausgehen.
12.04.2013, 08:24
Bei diesem Gedanken flackerte Jakashs Blick zu Kursaí, und auch Ahkuna kam ihm in den Sinn. Seit seine Schwestern wieder zum Rudel zurückgekehrt waren, was ewig her zu sein schien, war er mit ihnen nicht mehr richtig warm geworden. Aber Kursaí war einfach nicht mehr Kursaí, und dieser Gedanke, dieses Gefühl stieg nach wie vor jedes Mal wieder in ihm auf, wenn er sie auch nur sah. Ihre ehemals roten und jetzt blauen Augen schrien es ihm jedes Mal wieder entgegen und hielten ihn davon ab, sich auf diese neue Kursaí einzulassen. Sie stritten sich zwar nicht ständig, aber es fiel ihm dennoch schwer, von ihr als seine Schwester zu denken. Und Ahkuna... hm. Sie hatten ohnehin nie einen richtigen Draht zueinander gehabt, und dass sie, wie auch Hiryoga und Kursaí und längst auch Sharíku, irgendwann ohne ein Wort verschwunden war, hatte es für ihn nicht besser gemacht. Die einzige seiner Schwestern, zu der er immer ein gutes Verhältnis gehabt hatte, war Rakshee - und die hatte Engaya fort gerufen. Falls er sie jemals wiedersehen sollte, so blieb ihm nur zu hoffen, dass sie nicht auch völlig verändert wiederkam.
So viel also zu ihm und seinen Geschwistern. Hoffentlich behielten seine Welpen ein besseres Verhältnis zueinander...
Jakashs Gedanken wurden unterbrochen, als Chardím neben ihm plötzlich zusammen zuckte. Der Schwarze wandte den Kopf um, da traf ihn plötzlich etwas hartes schmerzhaft auf den Kopf, und auch er zuckte zusammen. Aus den Augenwinkeln sah er dabei nur, wie etwas Dunkles zu Boden fiel und dort zum liegen kam, und schnell war er auf den Beinen um zu sehen, was ihn da getroffen hatte. Das Etwas stellte sich als hart gefrorener Tannenzapfen heraus.
"Was bei..."
Er ließ den Satz unvollendet und hob den Kopf zum Baum empor, dann wandte er sich zu Chardím um, in dessen Nähe ebenfalls ein Tannenzapfen lag. Zwei auf einmal? Und was war das für ein seltsamer Laut?
"Wo kamen die denn her?",
meinte er verwundert und sah wieder zum Baum empor.
(Ich wage grade nicht zu beurteilen, ob das ein Laub- oder Nadelbaum ist ^^")
[Chardím]
12.04.2013, 18:35
Averic schien fast entgegenkommend, denn er verlangsamte seinen zuvor schnellen Schritt und kam auf eine höhe mit dem Graubraunen. Es kümmerte ihn eigentlich wenig, wo sein Gesprächspartner war, solange er ihn im Blick hatte. Sicher war sicher, schließlich war er erst seit kurzem in dier Nähe dieses Rudels. Von Integration in dem Sinne konnte man ja nicht sprechen. Aber er hatte schon das ein oder andere Gespräch geführt, mit den Wölfen, die ihn interessiert hatten. Averic hatte zweifellos dazu gehört und es freute ihn, diese Aufgabe für sich erfüllt zu haben. Auch seinerseits schien eine gewisse Neugierde vorhanden, was Yjel nicht wenig in seinem Selbstvertrauen stützte. Irgendwie genoß er es, auch die abschätzenden Blicke.
Über Averics leichtes Schmunzeln freute sich Yjel fast ein wenig und ihm sprang sofort ein Gedanke in den Kopf, was er dazu sagen könnte. Doch er beließ es lieber dabei, ihn ausreden zu lassen. Und es lohnte sich. Averic kam ihm entgegen und durch das gegenseitige Austauschen von Gedanken konnte Yjel seine Sicht der Dinge möglicherweise etwas zu klären.
"Fragen? Nun ja. Die Erste: Ja. Die Zweite: nein. Und drittens ... meine Mama hieß Neliel und ja, sie war eine gute Mutter."
Er zwinkerte kurz, aber ließ dann seine Mimik wieder ruhig.
"Nein ... gut, frag was du fragen willst. Allerdings kann auch ich nicht dafür garantieren, die Antwort zu wissen."
Yjel war zugegebenermaßen sehr gespannt, was der Schwarze von ihm wissen wolle. Ebenso stieg die Erwartung in ihm, wer der Fremde sei, auf den sie zusteuerten. Sein ganzes Inneres schien anzuschwellen und sich zu einer geballten Ladung. Er ließ sich allerdings nichts anmerken und versuchte unbeirrt zu wirken. Er holte ein wenig auf und blickte Averic genauer an, musterte ihn und setzte dann ein Lächeln auf.
"Ich bin nur zu gespannt, welches schöne Frage-Antwort-Spiel auf uns wartet ..."
[bei Averic :: außerhalb des Rudels]
14.04.2013, 22:20
"Exakt.", antwortete sie, ohne das sich eine bestimmte Regung auf ihrem Gesicht oder in ihrer Stimme erkennen ließ. Seine Worte waren eine Bestätigung und irgendwie war es erleichternd, sie aus dem Maul eines anderen zu hören. Es war fester als nur einer ihrer flüchtigen Gedanken. Sie versteckte sich in der Dunkelheit. Ihr fehlte der Mut und die Kraft sich in dem Kampf um Licht und Leben zu begeben. Der Wunsch war da, um den Willen war sie sich nicht sicher. Selbst für sie war es nicht leicht, ihr verkorkstes Wesen ganz zu begreifen, aber sie machte Fortschritte. Schließlich hatte sie genug Zeit damit verbracht ihren Gedanken zu lauschen - vielleicht zu viel. Etwas später als Chivan bemerkte sie die kleine Gruppe von Tyraleen, Invidia und...Sheena. Sie konnte nicht umhin einen Anflug von Beschämtheit zu verspüren und merkte, wie sie beim Anblick der Betafähe eine seltsame Zahmheit erfasste. Sie fühlte sich wie ein Lamm, nackt und durchsichtig. Schnell wandte sie ihren Blick von dem Grüppchen ab. Das was damals zwischen Sheena und ihr geschehen war, war nicht ohne Auswirkung geblieben. Sie war damals schrecklich angeschlagen gewesen, doch selbst im stabilen Zustand erinnerte sich ihr ganzes Wesen an die Situation und veränderte sich, wenn sie ihr begegnete. Es war äußerst kurios. Erst spät bemerkte sie, dass Chivans Augen auf sie gerichtet waren.
"Du triffst die Wahrheit ins Auge.", antwortete sie leise, während sie ihren Kopf etwas anhob. Sie wusste nicht ganz, wie sie antworten sollte. Das Bild vom Sturm war ihr eher fremd und sie konnte nur Fragmente davon wirklich adaptieren. Sie hatte das Gefühl, würde sie jetzt darauf eingehen, was er gesagt hatte, würde sie zu viel sagen. Sie wollte ihn nicht weiter mit ihren privaten Problemen belasten. Doch ein Themawechsel kam für sie nicht in Frage, das war nicht ihr Stil. "Schon lustig, dass mir die Sonne dabei nicht wirklich viel bedeutet. Ich würde meinen ich suche eher... nach dem ewigen Regen." Nun lächelte sie wirklich. Lustig fand sie es nicht, eher traurig, aber war es denn nicht einerlei? Sonnentante hatte Malik sie genannt, doch was wusste dieser kleine Welpe schon? Er war auch gerade dabei den Schmerz der Welt zu lernen. Oh, wie sehr wünschte sich Amáya den Regen!
17.04.2013, 08:07
Die Welpin hatte aber noch ein anderes Anliegen, möglicherweise gehörte das aber auch bereits zu den Dingen, die sie nicht in Ruhe lassen wollte. Sorge war ein stetig nagendes Gefühl.
"Nein, habe ich nicht. Aber wir können nachsehen gehen, wo sie steckt, und derweil erzählst du mir von den tanzenden Gedanken, hm?",
schlug er vor und brachte ein einladendes Lächeln zustande.
[Taleesha]
20.04.2013, 13:01
„Waaaaaaah!“, schrie er dann gedämpft, damit nicht gleich ein Sondereinsatzkommando anrückte und tat so, als würde ihn eine unsichtbare Kraft wieder gegen den Baum schleudern. Dieses Mal weniger heftig, vielleicht sah also das geschulte Auge, dass er irgendetwas aufführte. Es war jedenfalls eine direkte Reaktion auf die Frage, ob er noch am Leben war.
„Linalee, du musst mir helfen!“, jammerte er. „Glaub ihr kein Wort... sie agiert auf der dunklen Seite der Macht!“
In den blauen Augen blitzte ein höhnisches Grinsen auf, dass sonst nirgendwo auf seinen Zügen zu entdecken war. Er taumelte hin und her, als würde er sich gegen unsichtbare Kräfte auflehnen und doch immer wieder gegen den Baum gedonnert werden.
„Du musst sie beißen! Sie hat eine geheime Schwachstelle, mit der sie ihre Kraft verliert!“, winselte er weiter. „Versuch die Rute! Die Rute! Schnell!“
Er spielte den sterbenden Wolf, mit aller Theatralik, die ihm möglich war.
[Bei Caylee und Linalee]
25.04.2013, 14:39
“Was willst du von mir?“, fragte sie etwas lauter, als ihre Worte zuvor. Anders, als die Stimme Hiryogas, klang ihre fest und selbstsicher, jedoch deutlich abwehrend.
Sie hatte ihren Rückzug unterbrochen, würde nicht vor dem Bunten fliehen, ihre Körperhaltung hatte sich jedoch nicht geändert. Zusammengekauert, die Rute zwischen den Hinterläufen, die Ohren zurückgedreht, wirkte sie so unendlich klein, fast als wäre sie ein Welpe. Nur der Blick in ihre Augen strafte diesen Eindruck Lügen, hier loderte Wut und Feindseligkeit und sie sprachen ebenso deutliche Worte wie der Blick Hiryogas. Er ergänzte ihre Frage um einige Worte und ließ daraus ein „Was willst ausgerechnet du elender Verräter von mir, die ich dir doch alles gegeben habe und immer gegeben hätte, jetzt noch, nachdem du alles zerstört hast?“ werden.
27.04.2013, 15:15
Die Tasthaare der Fähe zuckten, als sie ihren trägen Blick wieder auf die Stelle ansetzte, wo soeben noch ein leiner Spatz nach Nahrung gesucht hatte. Doch er war verschwunden. Sogar seine Stimme hatte er ihr verheimlicht, was der jungen Wölfin verriet, dass jener wohl tief in Gedanken war.
Nun war er weg, hatte seine zarten Flügel wahrscheinlich ausgebreitet und sich in den Schleier der Nacht getraut. Vielleicht hatte er ja auch eine Familie, suchte nicht nach etwas Essbaren, sondern mehr nach der Ruhe selbst.
''Wahrscheinlich...'', brummte sie zu sich selbst und drehte sich auf ihren Rücken, die Pfoten leicht an ihrem Bauch angewinkelt. Sie konnte den müden Wind spüren, wie er ihr über den leicht feuchten Bauch wehte und sich durch das silberne Fell kämmte. Ihr Blick ragte nach oben und suchte nach dem Mond-dem Schöpfer der Nacht, doch alles was sie sehen konnte war nur sein Licht gewesen, der dem Glanz in ihrem Fell ähnelte. Vielleicht war ihre Fellfarbe doch nicht ganz so langweilig und unbedeutend.
Doch wenn sie ihren Vater, oder Chardím sah, verwickelte es sie manchmal in unwohle Gefühle. Doch Neid sollte es nicht bedeuten, mehr nach einem Drang genauer wissen zu wollen, wieso sie dieses Erbe nicht hatte. Die Augen der Fähen suchten sich durch das dichte Laub der Bäume zum Himmel herauf. Die Nacht tauchte sie etwas in ungewohnte Fantasien, doch sie bargen ein abwechslungsreiches Lächeln auf ihren Lefzen. Amúr die Tochter des Mondes. Sie grinste etwas, doch drehte sich dann wieder auf ihren Bauch, während die Welt dabei um 180° an ihr vorbeirauschte. Sie solltE wirklich damit aufhören mit solch absurden Gedanken zu spielen. Für einen Moment: Stille.
Doch dann?
Ein Rascheln in den Bäumen und Amúr sah schnell nach oben, während sie ihre Pfoten in den Boden drückte und aufstand. Etwas war hier.
''Hallo?'', flüsterte sie dann kleinlaut, ehe sie sich kurz schüttelte. Scheinbar hatte jemand sie bei ihrem Schauer der Gedanken beobachtet. ''Eine fremde Wölfin in unserem Wald.'', ächzte es frech aus den Bäumen heraus und ließ Amúr für einen kurzen Moment erschaudern. Klasse - eindeutig wieder eine dieser nervenden Krähen. Sie hatten alle diesen selben Unterton, diese eine raue Stimme und die Fähe wurde dazu verflucht sie hören zu können. Meistens logen sie, suchten nach der Angst ihres Gegenübers und ließen nicht ab, ehe sie das hatten was sie wollten. Vielleicht sollte Amúr sie ignorieren und wie ein normaler Wolf handeln, der sich nur dem schiefen Gesang dieser Vögel widmete. ''Was willst du?'', schnaubte sie gen Himmel und versuchte das schwarze Federkleid auszumachen. Wieder raschelte es in den Bäumen, knochige Füße umschlungen einen Ast und es gab sich eine schwarz-blau schimmernde...ja ach was denn...Krähe zu erkennen. Der Blick der Wölfin verfinsterte sich, was sich eigentlich gar nicht ihrer Art anpassen ließ. Doch jedes dieser Tiere war doch gleich. ''Du verstehst mich?...Mich? Mich! Mich!'', fügte sie an, während ihr kräftiger Körper auf dem Ast schaukelte. ''Törichte Wölfin du! Lächelst den Himmel in Einsamkeit an. Mag denn keiner bei dir sein? Ein Wolf...so ganz alleine...ziemlich traurig!'', kicherte sie und schlug einmal mit ihren Flügeln. ''Wie bitte?!'', schon fast unfassbar hauchte sie ihre Worte, mehr leise als laut. ''Mein Rudel befindet sich hier ganz in der Nähe...ich bin nicht... Das letzte Wort sprach sie nun wieder leiser. ...alleine.''
Wieder lachte das Tier, doch Amúr wusste, dass sie sich darauf nicht weiter einlassen durfte. Streng schob sie ihren Kopf zur Seite und starrte auf den weisen Schnee. Ein Spatz wäre ihr wahrlich lieber gewesen. ''Alleine. Alleine. Nur die Bäume sind deine Freunde. Alleine!'', sang sie im Hintergrund weiter, als sich die graue Wölfin unterschwellig knurrend auf ihre Hinterhand setzte. ''Sei still!'', schnappte sie mit einem strengen Laut nach oben, doch das Tier ließ sich davon nicht beeindrucken. ''Alleine...alleine...als auch Gestern, sowie Heute.''
Na' klasse...das fehlte ihr jetzt wirklich noch.
29.04.2013, 18:47
„Wenn du aus dem Tal der Raben kommst, wird die erste Frage ganz einfach sein. Ich möchte wissen, wie es dort ist, wie es aussieht.“
Der pechschwarze Todessohn glitt mühelos weiter über den gefrorenen Boden. Der Wind stand günstig, er musste sich kaum große Mühe geben, um zu erwittern, wo sich der Fremdling befand. Sie würden ihn sicher gleich sehen, wenn sie so weiter gingen. Genau aus diesem Grund wurde Averic wieder etwas langsamer. Er hatte es nicht eilig sich um den Fremden zu kümmern, wichtiger war ihm erst diese Frage beantwortet zu wissen. Seine Augen – von intensivem Dunkelblau die Farbe ohne selbst Farben sehen zu können – blickten wieder zu Yjel.
„Ich nehme an, dass dort auch ein Rudel lebt?“
Schlussendlich blieb Averic stehen. Sie konnten gleich weitergehen. Mit kühler Gelassenheit musterte er den Wolf an seiner Seite.
„Oder beantworte zuerst nur die erste Frage. Eine Frage für mich, eine für dich, wenn du unbedingt ein Spiel haben willst.“
[ Wald | Yjel, in der Nähe von Ayar ]
30.04.2013, 12:24
Auf der anderen Seite konnte der Schwarze sich jedenfalls fast nur freuen, weil er doch bald wieder beim Rudel war! Jetzt wo er ihnen schon wieder wirklich sehr nah war – und zwar ihnen allen, nicht nur seiner Mutter – fühlte sich die Zeit, in der er nicht da war, fast schon wie eine Ewigkeit an. Eigentlich wollte er damals nicht weggehen und doch hatte er es irgendwo für richtig gehalten. Die Suche nach Nerúi war schließlich nicht der einzige Grund, warum er damals fortgegangen war. Insgesamt konnte er jetzt behaupten das er viele Dinge, die ihn damals beschäftigten, gar plagten, besser verarbeiten konnte und besser mit ihnen umgehen konnte. Ehrlich gesagt wusste er aber auch nicht, ob sein Verschwinden wirklich notwendig dafür gewesen war, diesen Schritt machen zu können. Aber auch damit wollte er sich jetzt nicht weiter beschäftigen. Er hatte, ebenso wie das Rudel auch, einige Hürden bewältigen müssen die ihm im Tal und auf der weiteren Reise in den Weg gestellt worden waren. Da war es einfach so unwahrscheinlich erleichternd endlich wieder so gut wie bei ihnen zu sein, dass er sich, umso näher ihnen kam, immer weniger mit den negativen Blickwinkeln beschäftigen konnte. Für ihn hatte es wirklich eine unwahrscheinlich große Bedeutung bald wieder bei ihnen sein zu können.
Die Gegend, in der er sich im Moment befand, hatte seiner Meinung nach eine komische Wirkung. Obwohl der Wald des Winters wegen kahl war, sah er immer noch ganz nett aus. Vor allem wenn die ganzen Baumkronen genauso wie der Boden mit einer Schneedecke bedeckt waren. Und.. ja.. hm, da gab es eigentlich auch gar nichts mehr außergewöhnliches zu zu sagen. Ein normaler, winterlicher Wald eben. Das was die Sache erst komisch machte war die Tatsache, dass überall in dieser Umgebung der Geruch von fremden Wölfen fehlte. Als Chanuka der Fährte seines Rudels gefolgt war, hatte er immer wieder die Düfte von anderen Rudeln wittern können. Hier allerdings.. hier war einfach nichts. Nur er selbst, nur sein Rudel. Zumindest wenn man sich jetzt nur auf die Gerüche von Artgenossen beschränkte. Was es wohl damit auf sich hatte? Der Jungrüde war neugierig, wusste aber auch nicht wirklich ob er es überhaupt wissen wollte. So jedenfalls seine Gedankengänge ehe er kurze Zeit darauf stehen blieb.
Langsam und sachte fing die Rute des Schwarzen an zu pendeln, als die Witterung seines Rudels stärker nicht werden konnte. Er wollte fast schon loslaufen, zügelte sich dann jedoch als er bemerkte, dass sich da jemand einzelnes – der ihm zu diesem Zeitpunkt noch am nächsten war – etwas entfernt von allen anderen befand. Chanuka erinnerte sich an damals, wo er gerne mal die Zuflucht unter seinem Federbaum gesucht hatte, vorzugsweise alleine. Alleine schloss Liel aber mit ein, die durfte da dann nämlich bei ihm sein. In der jetzigen Situation verstand er aber nicht richtig warum sich jemand nach Abstand sehnte. Sicherlich würde derjenige dafür aber seine Gründe haben. Bevor er sich nun also zum Rudel aufmachte, wollte er dieser Sache erst einmal auf den Grund gehen.
Langsam und vorsichtig folgte er seinem bisherigen Pfad, versuchte nicht zu laut mit den Pfoten im Schnee zu stapfen. Es dauerte noch ein paar Minütchen ehe er hinter einem recht kahlen Busch stehen blieb und nun nicht nur durch den Geruch, sondern auch durch das, was er sehen konnte, feststellte, wer sich dort auf Abstand zum Rudel befand. Das war Amúr!
Chanuka hatte seinen rechten Vorderlauf schon wieder angehoben um weitergehen zu können, zögerte dann jedoch. Was wenn sie definitiv alleine sein wollte und er selbst für sie im Moment eher eine Störung war? Diese Ansicht war schließlich auch der Grund, warum er sich so vorsichtig in ihre Richtung aufgemacht hatte. Die Dunkelheit der Nacht und sein schwarzer Pelz kamen ihm hier jedenfalls auch noch zu Gunsten. Das vermied das er direkt von ihr gesehen werden konnte.. wobei ihn sein Geruch – den man ja lange nicht gerochen hatte – wohl eh verraten hatte, wenn es nicht schon das Geräusch des Schnees unter seinen Pfoten gewesen war, dass sich selbst beim langsamen Gehen nicht vermeiden ließ. Er seufzte einmal aus und setzte seinen Lauf nun wieder ab, bewegte sich langsamen Schrittes weiter auf seine Schwester zu und.. blieb etwas näher bei ihr dann doch nochmal stehen. Das Köpfchen des Jungwolfs legte sich schief. Was tat sie denn da? Sie.. sprach. Aber zu wem denn? Da war eine Krähe und.. das war's eigentlich schon. Amúr klang etwas aufgebracht, dass konnte Chanuka auch auf diese Entfernung ausmachen. Nachdem sich das Köpfchen dann wieder gerichtet hatte, der Blick nach wie vor noch etwas skeptisch war, erhob er vorsichtig das Wort.
“Amúr?“, erklang es nur leise seitens des Rüden aus mäßiger Entfernung. Falls sie nicht gestört werden wollte konnte sie es jetzt auch noch erwähnen.
[Abseits des Rudels | macht sich in Richtung Amúr auf]
30.04.2013, 17:35
Turién versuchte, den ungebetenen Gast fortzujagen, jedoch gab dieser zuerst nur wieder diesen Laut von sich, den die junge Fähe noch nie zuvor gehört hatte. Ihr Blick senkte sich wieder, von dem dunklen Zelt über ihnen in die Dunkelheit der Bäume. Sie hatte nicht wirklich Lust, sich mit solch einem komischen Kauz – was auch immer er nun für eine Gestalt war – zu beschäftigen, und die Versuche, ihn los zu werden, oder ihn hervor zu locken, schienen vollkommen ins Leere zu laufen. Auf Parveens Worte antwortete er wenigstens, ohne vorher dieses Geräusch zu machen – besser wurden seine Worte dadurch jedoch nicht. Manieren also, ja?
„Es zeugt auch nicht von Manieren, fremde Gespräche zu belauschen oder sich feige in der Dunkelheit zu verstecken.“
Auf den Rest seiner Worte ging die Graue nicht weiter an, es interessierte sie schlichtweg nicht, was dieses Wesen von ihnen dachte, was es ihnen sagen wollte. Kurz ruhten ihre rötlichen Augen auf Parveen, ehe sie sich wieder an ihren Bruder wandte. Sie wollte weiter gehen, auch wenn sie vielleicht lange nicht mehr ruhen können würde. Ein leises Seufzen entfuhr ihrem Fang, als sie den Blick doch wieder hob und versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen.
[Abseits – Parveen & Turién]
01.05.2013, 11:15
“Ich werde darüber nachdenken Tyraleen. Durch Vorwürfe werden wir schließlich niemals gewinnen.“ Damit war für die Zwiegespaltene das Thema dann auch gegessen. Sie hoffte, dass auch die Alpha dieses fallen lassen würde. Es hatte keine große Bedeutung für das, was zwischen ihnen stand. Und Invidia wusste nun, dass man bei Tyraleen seine Worte wohl wählen musste, um nicht komplett zu verlieren. Und so ließ die Schwarzweiße kurz ihren Blick schweifen, bevor die andere Fähe weitersprach und ihr eine Frage stellte. Invidia musste geschickt sein, um nicht gleich wieder so ausfallend zu werden, wie noch einige Minuten zuvor. Sonst würde die Engayawölfin noch skeptisch werden und Invidia hätte verloren. Und dann wäre das Spiel hier viel zu schnell vorbeigewesen. “Einsamkeit kann viel anrichten. Es war kein einfacher Weg. Aber es einfacher als im Tal der Raben weiter zu leben.“ Vielleicht würde Tyraleen darauf anspringen und noch weitere Fragen stellen. Dann könnte Invidia ihr eine furchtbare traurige Geschichte auftischen können, die dann vielleicht sogar der Wahrheit entsprach. Wenn sie genauer darüber nachdachte, so würde sie ruhig über den Tod sprechen können. Vielleicht würde sie dadurch das Mitleid der Alpha bekommen. Dabei gab Invidia so ungerne Details über sich Preis. Aber wenn irgendwann jemand ihr Lügengeflecht lüftete, dann würde man alles, was sie gesagt hatte in Frage stellen. Und dann würde es auch letztendlich egal sein, wie ihre Vergangenheit ausgesehen hatte. Sie würde sehen, was sich machen ließe.
Die Weiße schien das Gespräch auch ein wenig einfacher gestalten zu wollen, auch wenn immer noch Misstrauen zwischen den beiden lag. Es war ein Knistern in der Luft, dass jeder in unmittelbarer Umgebung würde mitbekommen können. Keine traute der anderen. Und eigentlich war das auch besser so. Jeder wählte seine Worte mit Bedacht und versuchte irgendwie schlau aus seinem Gegenüber zu werden. Bisher hatten sie aber beide noch nicht wirklich Erfolg gehabt. Es schien wie ein Schachspiel zwischen den beiden zu sein, bei dem jeder versuchte den Zug des anderen hervorzusehen, doch keinem gelang es wirklich. Vielleicht würde am Ende jemand den anderen Schachmatt setzen, aber das ganze Spiel über sah es bisher immer eher nach einem Unentschieden aus. Wahrscheinlich würde auch niemand von ihnen gewinnen können. Aber es würde auch niemand verlieren. Ein kurzes Grinsen zeichnete sich auf den Lippen der Fähe ab. Es schien fröhlich zu sein, doch viel eher war es ein befriedigendes Lächeln über das Spiel, was sie spielten. Invidia liebte solche Spiele und sie liebte diese knisternde Anspannung. Es erfüllte sie vollkommen. Deswegen war sie wahrscheinlich auch so, wie sie war.
“Ja, vielleicht gibt Engaya mir ja irgendwann nochmal ein Zeichen. Aber der Vulkanausbruch wird es sicher nicht gewesen sein. Vielleicht steht der Engayatochter noch eine weitaus schlimmere Tragödie bevor. Im Tal wird sie nicht zurückgeblieben sein, dann wäre sie gestorben und ich hätte meine Aufgabe nicht erfüllt. Dann hätte Engaya sich sicher schon bemerkbar gemacht. Ich werde vorerst ein eurer Seite bleiben, wenn dies kein Problem darstellt. Vielleicht treffe ich die Tochter auf dem Weg, den ihr geht. Irgendwann werde ich sie ja finden müssen, oder nicht?“
Invidia warf Tyraleen einen fragenden Blick zu. Vielleicht würde sie noch ein paar Informationen bekommen. Und wenn nicht, naja, dann war auch das eben so. Es wäre ja nicht so, als wäre dieses Gespräch die einzige Möglichkeit an irgendwelche Informationen zu kommen. Und so herrschte vorerst Stille zwischen den beiden. Invidia ließ ihren Blick schweifen. Auf der Suche nach irgendetwas, bei dem sie selber nicht wusste, wonach sie überhaupt suchen sollte. Die Stille des Morgens legte sich auf die Herzen der beiden und ließ sie beide scheinbar ein wenig zur Ruhe kommen. Die Todsünde bewegte sich erst wieder, als Sheena auftauchte. Sie hatte den Namen irgendwann einmal nebenbei aufgeschnappt, sich jedoch noch nicht weiter mit ihr beschäftigt. Sie schien Beta zu sein, soweit Invidia das beurteilen konnte. Sie wollte sie nicht hier haben, aber da sie nun einmal hier war, konnte die Schwarzweiße sie dazu benutzen Tyraleen’s Vertrauen vielleicht weiter zu erschleichen. Sie wusste, dass sie unter der Beobachtung der Alpha stand und diese wahrscheinlich sehen wollte, wie sie gegenüber der anderen reagieren würde. Invidia war ja nicht blöd. Nein, wahrscheinlich war sie eigentlich sogar die schlaueste hier von allen. Bildete sich die arrogante jedenfalls ein. Und so senkte sie kurz ihren Kopf, bevor sie Sheena begrüßte.
“Nein, du störst uns nicht. Wir haben uns hier durch Zufall getroffen und den Wald bewundert, den ich, wie Tyraleen schon sagte, selber nicht kenne.“
Ein Lächeln legte sich auf ihre Lefzen. Es wirkte ehrlich und sah sogar wirklich schön aus. Es machte Invidia um so einiges sympathischer und schöner. Sie sollte wahrscheinlich öfter lächeln. Wenn sie es denn mögen würde zu lächeln. Doch für sie war es immer eine Maske. Etwas aufgesetztes. Es war nicht ehrlich, sah jedoch so aus. Sie war eben eine perfekte Schauspielerin.
02.05.2013, 02:29
Und jetzt steckte sie hier, zwischen schwarz und weiß, zwischen dunkel und hell, zwischen gut und böse, und stellte sich eine einzige Frage: wie war sie hier herein geraten? Sie hatte doch nur helfen wollen, ihrem bisher eher nutzlosen kleinen Dasein irgendeinen Sinn geben wollen, für jemanden da sein, so, wie die Erwachsenen bisher trotz aller Hasenherzigkeit für sie da gewesen waren. Die Kleine schniefte, voller Verzweiflung, zwischen Caylee und Krolock hin und her blickend. Wer war gut, wer war böse? Ihr Blick huschte zu Caylee, deren Blick aus den blauen Augen sich förmlich in ihre zu bohren schienen. Sie riss die ihren weit auf, dann blickte sie beklommen auf ihre kleinen Pfötchen, ihr Hasenherz raste in der schmalen Brust. Wo war Taleesha, wenn man sie brauchte, wo waren Isaí, Malik, Chardím, Mama, Papa, Tyraleen? Dass das hier kein Drama war, wollte Linalee sich in den Kopf prügeln, dass sie sich keine Sorgen machen sollte. Oder zumindest nicht so viele.
“Fr-fr-fressen?!“, wiederholte sie entsetzt und machte ein, zwei Schritte von Krolock weg.
Augen? Rot? GEHIRN? Hatte Caylee etwa vor, Krolocks rotes Gehirn an diesem Baum zu verteilen? In ihrer Panik verstand sie nur etwa jedes fünfte Wort, das die Helle von sich gab. Taumelnd versuchte die Sheenatochter, von den beiden Älteren weg zu kommen, doch nach zwei Schritten knickten ihre dürren Läufe bereits um und sie landete auf dem Bauch, schnappte nach Luft.
Sie konnte Krolock nicht helfen, sagte Caylee – wieso nicht? War er verloren? Etwas Mitleid blitzte in dem Blick der Kleinen auf, als sie ihn pfeilschnell von dem Blauauge zu dem Wolf mit den plötzlich glimmend roten Seelenspiegeln wandern ließ. Sie schnaubte entsetzt und versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, jedoch vorerst ohne Erfolg.
“W-we-nn d-du i-ihm was t-t-ust, r-rufe i-ich T-t-tyra-l-lee-n!“, quiekte sie voller Angst.
Linalee vermutete, dass sie keinen Ton raus bekommen würde, um nach Hilfe zu rufen – aber was sollte sie denn sonst machen? Nichts war keine Option. Sie musste mutiger werden, das war ihr Wunsch, ihr Ziel – und obwohl sie, wenn sie könnte, jetzt einfach davon laufen würde, schien es beinahe ein Segen, dass sie nicht auf die Pfoten kam. Dadurch war sie gezwungen, zu beweisen, dass sie vielleicht doch kein solch ein Feigling war, wie alle von ihr dachten.
Und dann fing Krolock an, wie am Spieß zu schreien, und auch Linalee entfuhr ein hysterischer, kleiner Aufschrei, so überrascht war sie von dem erneuten Ausbruch des Tiefschwarzen. Der hatte plötzlich wieder vollkommen blaue Augen, womit der Unsinn, den Caylee geredet hatte, widerlegt worden wäre. Sie keuchte erschrocken, dann rappelte sie sich in Windeseile auf die Pfötchen, sträubte das Nackenfell (wenig überzeugend), legte die Fledermausohren eng an ihren Kopf (noch weniger überzeugend) und bellte Caylee mit all ihrer Kraft entgegen:
“L-lass ihn i-in Ruhe! E-er hat d-dir nichts ge-getan!"
Ein panischer Blick glitt zu dem Schwarzen herüber, der sich wimmernd zu krümmen begann. Bei Engaya, was machte diese weiße Hexe nur mit ihm! Rastlos blickte sie zwischen Caylee und Krolock hin und her, und als er ihr zuwürgte, was sie zutun hatte, wurden ihre Augen noch größer, wenn möglich, und sie schüttelte vehement den Kopf.
“Ich k-kann nicht!“, quetschte sie hervor. Sie traute sich nicht mal ansatzweise in die Nähe der Blauäugigen, die mit aller Macht nicht nur Krolock zu quälen, sondern auch mit gemeinen Worten und Lügen um sich zu werfen schien. . .
03.05.2013, 22:58
Groll stockte sich auf, führte dazu bei, dass sich die Fähe von ihrer Hinterhand erhob und wieder mit festem Blick nach oben starrte. Diese schwarzen Augen, so trist und so leer...aussichtslos nach einem wahren Charakter. Wie sie schon dachte, jede dieser Krähen war gleich und besaß nur einen Hauch von Seele. ''Bitte....sei einfach still. Schließe deinen schwarzen Schnabel. Es ist keine Genugtuung für mich dich hören zu können...'', seufzte sie dem Vogel entgegen und streckte ihren Kopf nach oben, sodass ihre Ohren etwas nach hinten fielen.
Doch dann...ein weiteres Rascheln...erstreckt aus einer anderen Richtung und Amúr dazu veranlassend ihren Blick zu heben und mit dem rechten Ohr jene Richtung aufzunehmen. Flüsternd erhörte sie ihren Namen, getragen von einer alt bekannten Stimme. Ein Körper näherte sich der silbernen Wölfin, eingehüllt von einem Geruch den sie nur zu gut kannte. Die Krähe gab einen Laut von sich, spreizte ihre Flügel und flog davon. Schließlich spürte wohl auch sie die befremdliche Anwesenheit eines weiteren Wolfes. Und so trat wieder Stille heran, denn der Wald hatte sie verschluckt.
Amúr zuckte zusammen, als sie die schwarze Gestalt zugeordnet hatte und wahrlich - erkannte.
''Chanuka?''
Sie sprach es mehr in den Wind, der ihre Worte flüsternd und fassungslos an die Ohren des schwarzen Rüden bringen musste. Ihrem Bruder. ''Bei Engaya und Banshee...Chanuka....wie...was machst du hier?''
Ihre Stimme brach ab, die silberne Fähe konnte sich nicht länger zurückhalten, drückte ihre Pfoten fester in den Schnee und setzte dann nach vorne zu ihrem dunklen Bruder. Mit der Rute wedelnd umrundete sie ihn, schnüffelte an seinem Fell, fuhr mit ihrer Schnauze durch die leicht borstigen Strukturen seiner Wirbel und leckte schließlich über seine Schnauze und stupste ihn zu Begrüßung an. Amúrs Augen schienen größer, erfreulich und noch umfassend im Gegenüber zu der schwarzen Gestalt. Es war wirklich Chanuka - doch...doch wie? Amúr wollte es schon fast nicht glauben.
04.05.2013, 11:50
“Was ich hier mache? Hm, zum Rudel zurückkehren denke ich! Weißt du, ich war eigentlich sogar nie richtig weg. Ich hätte jederzeit zurückkehren können, Tyraleen wusste das im Übrigen auch. Der richtige Moment dafür hat sich nur erst jetzt ereignet. Leider etwas später und unter anderen Bedingungen, wie ich es mir vorher erhofft hatte.. Aber das ist nicht so wichtig. Ich bin wieder da und das zählt, also für mich zumindest.“
Chanuka wusste gar nicht so richtig was er jetzt zuerst sagen sollte, für ihn schien der Anfang den er jetzt gemacht hatte aber wie eine gute Einleitung. Ehrlich gesagt wusste er aber auch nicht richtig, wie er neben seinen Worten auch körperlich reagieren sollte. Er hatte die Begrüßungsgeste schon als ein wenig überstürzt empfunden. Selbst wenn der Schwarze seinen immer erreichbaren, irgendwie aber doch weit entfernten Geschwistern durchaus näher gekommen war, hatten er und Amúr immer ein recht fremdes Verhältnis gepflegt. Das schien aber etwas in Vergessenheit zu geraten, besonders nachdem er so lange weg gewesen war. Außerdem war sie ja immer noch seine Schwester, also war es doch eigentlich irgendwie richtig.
[abseits des Rudels | Amúr]
04.05.2013, 12:03
„Nein nein, alles sicher. Sie ist im Tal geblieben... und da soll sie auch bleiben! Auch wenn nicht für immer... ich will wieder nach Hause.“
Sie schnaufte leise, ließ den Blick kurz über das Rudel schweifen. Oder ob die Anderen alle so begeistert vom Tal der Raben sein würden, dass sie dort bleiben wollten? Sie hoffte es nicht, immerhin redeten sie hier von ihrem zu Hause! Damit richteten sich die brauen Augen wieder auf Malik, der noch immer schwieg, genau wie Kursaí. Vermutlich gab es dazu einfach nicht mehr all zu viel zu sagen. Madoc war nicht mehr da, Banshee passte auf ihn auf, genau wie Engaya. Und irgendwann würden sie sie wieder sehen, das war doch ganz klar!
Isaí zog jedoch wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich, sodass die Schwarze den Kopf mit aufgestellten Ohren ein wenig zur Seite legte. Sie brauchte einige Momente, um zu erkennen, wen der kleine Wolf nun genau meinte, und kaum hatte sie verstanden, sprang sie auf, grinste munter vor sich hin.
„Hiryoga ist wieder da?! Seht ihr, Wunder geschehen immer wieder!“
Und auch wenn sie nicht daran glaubte, dass Madoc – oder vielleicht auch Nihilus – einmal zurück kommen würden, wenn sie tot waren... so machte es dem kleinen Weißen vielleicht doch irgendwie Hoffnung.
[Isaí, Malik, Kursaí]
06.05.2013, 22:45
So bemerkte sie, dass Invidia, scheinbar unterwürfig, den Kopf senkte, bevor sie die Weiße begrüßte. Ihre Worte klangen freundlich, auch das Lächeln, welches sich danach über die Lefzen der Fähe legte war sehr einladend. Schön, fröhlich und friedlich sah die Schwarz-Weiße so aus. Eigentlich. Sheenas Gedanken hatten innerlich kurz gestutzt, Invidia hatte kurz, nur eine winzige Sekunde lang, gezögert sie zu begrüßen. Oder sie so zu begrüßen. Und obwohl das strahlende Lächeln sicher so manch einen Wolf blenden konnte, Sheena war aufgefallen, dass es an den Lefzenenden hängen geblieben war. Es hatte nicht die Mimik des restlichen Kopfes, geschweige denn der Augen erreicht. Am liebsten hätte Sheena die Stirn gerunzelt, doch sie wollte nicht den gleichen Fehler machen, wie die Fähe vor ihr. Und so hieß es nun: Handeln.
Munter wackelte sie mit den Ohren und ließ ihre Rute über den Boden wischen. Das Lächeln, welches sie dabei auf ihre Lefzen zauberte, brachte auch ihre Augen zum Leuchten. Das Braun ihrer Augen wurde durchzogen von den blinzenden, goldenen Sternen, die sich immer offenbarten, wenn sie sich freute. Oder sich, dank ihres Überlebenswillen, so tat als ob.
„Tyraleen, Invidia, es freut mich, dass ich Euch beide nicht störe. Ich habe anscheinend etwas länger geschlafen, als alle anderen und musste mir einfach ein wenig die Pfoten vertreten.“
Sie lachte glockenhell auf und ließ sich völlig entspannt gänzlich auf den Boden sinken. Wie wunderbar es doch war einen so dicken und flauschigen Winterpelz zu haben, obwohl sie ihre Muskeln alles andere als entspannt hatte, konnte man unter dem dichten Fell keine Regung wahrnehmen. Sie wollte gerne noch ein Wort zu dem mysteriösen Wald verlieren den, wie Tyraleen Invidia unterstellte, sie gelaufen sein musste, an den Invidia sich allerdings nicht erinnerte. Doch wie ging sie diesbezüglich am Geschicktesten vor?!
„Tyraleen, meinst Du nicht, dass noch ein anderer Weg aus dem Tal der Raben, vielleicht um den Wald herum führt? Vielleicht wäre das eine lohnenswerte Alternative! Oder erinnerst Du Dich gar nicht mehr an den Weg der Dich zu uns geführt hat, Invidia?“ Sie lächelte, leicht gedankenverloren, in Erinnerungen suchend. „Es gibt ja gewisse Umstände, die verhindern, dass man sich an Erlebtes, Gegangenes und allgemein Getanes, erinnern kann.“ ‚Oder will‘ fügte sie noch in Gedanken hinzu.
Ihre Gesichtszüge waren ein wenig strenger geworden, aber nicht unfreundlich oder gar aggressiv. Eigentlich hatte sie nur das strahlende Lächeln abgelegt, welches ihren Augen so hübschen Glanz verlieh. Schließlich war dies ein ernstes Thema. Sollte Invidia sich wirklich nicht erinnern, beziehungsweise dieses vorgeben, musste sie ja ganz anders behandelt werden.
[Tyraleen und Invidia]
06.05.2013, 23:11
Ihre Rute wedelte weiterhin leicht, als sich die Wölfin über ihren Fang leckte und den schwarzen Schatten mit ihren Augen vor ihrem Bild befestigte. Er hatte sich wirklich kaum verändert, seine Aura...sie tat ihr wahrlich gut. Langsam legte sie ihren Kopf recht schief, war gespannt seine Worte zu hören und deren betonte Stimme zu erlangen. Tyraleen hatte davon gewusst? Die Fähe schluckte im Inbegriff von vielerlei Geheimnisse umgeben zu sein, doch es bedarf ihr kaum daran diese in Zügen eines Spieles aufzudecken. Wahrlich gab es gewiss für alles einen Grund. ''Mutter tat dies?'', wiederholte die Schwester trotz dessen kurzerhand und spürte jedoch im Bedauern dabei wie sich die Freude wieder aus ihrer Rute entnahm.
Aber was sollte dies schon? Die Hauptsache für die Silberne war doch schließlich die heile Ankunft ihres Bruders, dessen Anwesenheit sie völlig für abwegig gehalten hatte. Gezügelt strich sich ihr Nackenfell wieder glatt und Amúr hegte Konzentration auf eine ruhige und weiche Stimme, die sich ihrer selbst anpasste.
''Doch Chanuka. Erzähl mir...warst du dicht hinter uns? Wie geht es deinen Lungen...die Asche hat viele, nunja....ausgelaugt. Bekamst du auch ja genug zum essen? Erzähl mir....davon...''
Kurz zuckte sie zusammen.
''Oder...nein, nein, nein! Wir sollten es den anderen sagen...Mutter. Schließlich schien sie dich ja zu erwarten.'' Bei diesen Worten senkte sich Amúrs Blick, denn scheinbar war ihr immer noch unwohl dabei im groben Unwissen zu stehen.
[abseits des rudels - chanuka]
07.05.2013, 10:30
"Nein, nein..", sagte der schwarze Rüde hastig, während er parallel dazu mit seinem Kopf schüttelte. “Da hab ich mich zu flüchtig ausgedrückt, tut mir Leid. Ich bin damals aus eigenem Willen gegangen, auch wenn ich immer noch nicht richtig weiß, ob es nicht auch anders gegangen wäre. Mutter hat erst später davon erfahren, als ich sie zwischenzeitig um ein Treffen gebeten habe. Erst ab dann wusste sie davon warum ich weg war, was genau ich gemacht habe und warum alles noch ein wenig dauern wird. Ich wollte nicht das ihr euch deswegen verrückt macht, daher habe ich mich alleine mit ihr Treffen wollen. Ein erneuter Abschied von euch allen wäre auch für mich zu diesem Zeitpunkt viel schwieriger geworden."
So viel also erst einmal zum Hintergrund. Hoffentlich verstand seine Schwester alles so, wie er es jetzt gesagt hatte. Sehr detailgetreu war es ja trotzdem noch nicht, auch wenn er sich wirklich Mühe gegeben hatte auf einige Punkte etwas genauer einzugehen. Für jetzt gab es immerhin viel wichtigere Dinge über die man sprechen konnte. Zumindest unter der Voraussetzung, dass Amúr diesbezüglich nicht mehr wissen wollte, ansonsten würde er ihr sicherlich noch ein wenig erzählen. Nachdem er dann diese kurze Pause beendete, in der er alles etwas sacken lassen wollte, erhob er nun wieder das Wort.
“Wir müssen nicht direkt zu Mutter, das kann noch ein Weilchen warten. Auch wenn ich sie da eigentlich nicht auf die Folter spannen möchte, weil sie genauso im Unwissen ist, wie du es bis jetzt warst. Aber wie gesagt, das hat noch einen Moment Zeit. Wie ist es euch denn ergangen Amúr? Wie geht es dem Rudel und wie geht es dir? Habt ihr den bisherigen, recht beschwerlichen Weg heil überstanden?"
Chanuka hatte schon Einsicht darin das es wirklich wichtig war wenn er sich bald bei Tyraleen melden würde, trotzdem wollte er noch ein bisschen bei Amúr bleiben, alleine mit ihr wohlgemerkt. Es hatte sicherlich den einen oder anderen Grund warum sie sich auf Distanz zum Rudel befand.. zumindest glaubte er das. Er empfand es als unpassend wenn die beiden sich nun wieder unter die anderen mischten, ohne zu wissen wie es seiner Schwester dabei erging. Das Äußerliche konnte er dabei natürlich einsehen, nicht aber was in ihrem Inneren vorging.. und da kam man wieder zurück zu der Frage, warum sie alleine war.
[abseits des Rudels | Amúr]
08.05.2013, 19:13
Es knirschte angenehm unter ihren Pfoten. Der Winter war eine atemraubende Jahreszeit. Ahkuna ließ sich von der Schönheit begeistern. Der glitzernde Schnee am Boden und die tänzelnden Eiskristalle, die drehend nach unten fielen. Eine ziemlich positive Einstellung, wenn man bedachte, dass sie vor ein paar Tagen in einen schweren Schneesturm geraten waren. Doch Ahkuna hatte gelernt, dass man sich an den kleinen Dingen erfreuen sollte, anstatt jedes Blatt zu drehen, um Fehler zu finden. Und genau diese Sicht ließ sich nicht nur auf das Wetter beziehen … Die blauen Seelenspiegel nahmen hin und wieder einige Wölfe, die gerade an ihr vorbei liefen oder in ihrer Nähe waren, ins Visier. Doch ein heller Pelz erweckte das größte Interesse in ihr. Mit gezielten Schritten ging sie auf Samirez zu. Der Rüde lag auf seinem Rücken und hatte alle Läufe von sich gestreckt. Bei diesem Anblick zogen sich die Augenbrauen in die Höhe. Kaum bei ihm angekommen, hob sie ihre rechte Pfote an und warf ihm etwas Schnee ins Gesicht.
„Zeit zum Aufstehen, kleiner Prinz.“, neckte sie ihn und ein Grinsen zog sich an ihren Lefzen hoch.
Sie schätze Samirs Anwesenheit sehr. Momentan war er der Einzige in diesem Rudel bei dem sie sich wirklich wohl fühlte und wo sich einfach fallen lassen konnte. Bei ihr lief nämlich gerade alles falsch, was nur hätte falsch laufen können. Aus diesem Grund brauchte sie seine Normalität, seine Provokation und seine Albernheiten um wenigstens etwas vergessen zu können.
09.05.2013, 11:36
Chivan schnippte mit einem Ohr, als die Dunkle verdächtig plötzlich den Kopf zur Seite wandte. Auch er warf den Kopf herum, allerdings in die entgegengesetzte Richtung, nachdem er sich davon vergewissert hatte, dass kein Schatten zwischen den Bäumen die Aufmerksamkeit der Fähe auf sich gezogen hatte. Aus ihrer Reaktion wurde er nicht wirklich schlau, doch im Grunde ging es ihn auch rein gar nichts an. Dennoch verweilte sein Blick kurzzeitig noch auf der kleinen Gruppe, wanderte über ihre Gestalten und blieb schließlich an Tyraleen hängen. Als sie sich erhoben hatte, hatte er kurz mit dem Gedanken gespielt, ihr Gesellschaft zu leisten, doch nachdem Invidia so zielstrebig gefolgt war, war der Gedanke schnell verworfen gewesen. Dennoch spürte er noch immer den Drang, sich nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen, denn das eigenartige Gefühl, welches mit ihr zusammenhing, hatte sich noch immer nicht gelegt. Er war noch nicht schlauer geworden, doch er spürte, dass die Antwort nur so gefunden werden konnte. Mit einem leichten Schütteln des Kopfes wandte er sich wieder der Wölfin an seiner Seite zu. Die kleine Gruppe war mittlerweile passiert, sodass sie ohne Probleme einen kleinen Bogen machen konnten, um sich nicht stetig vom Rudel zu entfernen, sondern in der Nähe zu bleiben. Als die plötzlich wieder leise gewordenere Stimme an seine Ohren dran, musterte er sie kurz aus den Augenwinkeln. Ein leises Lächeln schlich sich auch auf seine Lefzen, verständnisvoll und mit einem ehrlichen Hauch von Wärme auf den Zügen.
„Aber ein Regentag birgt noch immer weitaus mehr Licht als die Finsternis.“, stellte er mit einem flüchtigen Schmunzeln fest, ehe er den Kopf kurz zum Himmel hob. „Und Regen bringt Trost. Er wäscht uns rein.“ Ein ruhiger Ton mischte sich in seine Stimme, als sich seine Seelenspiegel wieder zurück auf das Antlitz der Fähe legten. „Was lässt dich daran zweifeln, dass du ihn findest?“
Der Ausdruck auf seinen Zügen wurde ernster. Er wusste um die Persönlichkeit dieser Frage, doch dieses Mal konnte er sich nicht davon abhalten, direkt nachzufragen. Nicht drängend, mehr wie eine leise, verständnisvolle Stimme auf dem Unterbewusstsein, die jede Antwort akzeptieren würde und nicht nach etwas Bestimmtem fragte.
09.05.2013, 16:29
Es war unschwer zu erkennen, dass Averic nicht allzu amüsiert über Yjels kleinen Witz war. Er nahm sich ernsthaft vor, Späße dieser Art vorerst zu unterlassen. Schließlich drängt eine innerer Zwang ihn dazu, mehr über ihn herauszufinden, über ihn, den Wolf der sich Todessohn nannte. Natürlich wusste er auch den Ursprung hinter diesem Titel. Ein paar Tage in der Nähe dieser Wölfe der Sternenwinde, und ein Reisender hatte schon sämtliche Informationen aufgeschnappt. Aber andererseits erfasste ihn der Gedanke, dass hinter dieser Neugierde mehr steckte. Das sie es war, die ihn vielleicht weiter an Fenris Plan (wenn es einen solchen gab) heranführte. Zumindest konnte sich Yjel dies am Besten vorstellen. So eine Art Beweis, dass es Yjel wert war, sich seiner anzunehmen. Sollte er dem Gott des Todes etwas beweisen? Nun, möglich wäre es. Und zugegebenermaßen, Yjel lechzte nach weiteren Informationen. Schrecklich neugierig war er schon immer gewesen, da verwunderte es nicht, dass es bei einem so interessanten Wolf wie Averic etwas stärker wurde. Averic nutzte die Verschwiegenheit von Yjel und stellte die erste Frage. Wie es der Schwarze schon erahnt hatte, musste er nicht lange darüber nachdenken. Sein Blick grub sich in Averic, versuchte irgendetwas seiner Gedanken auszumachen. Aber wie Yjel war auch Averic einer der Wölfe, der es Fremden verwehrte, tief in ihn hinein zu blicken.
"Das Tal der Raben lässt sich schon mit eurem Revier vergleichen, Averic."
, begann er mit seiner rauen Stimme zu brummen. Er wäre lieber in dem Tal des fremden Rudel geblieben, aber höhe Umstände hatten sie nun dazu gezwungen, es zu verlassen. Er hatte den Vulkanausbruch ja selbst gesehen. Da war es selbsterklärend, warum sie weitergeziehen wollte. Nun musste er den Weg, den er zurückgelegt hatte, noch einmal laufen ...
"Dieses Land sieht relativ ... nun, normal aus. Es gibt verschiedene Landstreiche, Wälder, ein paar Berge. Ebenso gibt es einen größeren See, der von Wiesen umfasst wird."
Er machte eine längere Pause und erinnerte sich an die Zeit, da er sich von seinem Rudel entfernt hatte, um eigener Wege zu gehen. Da auch Averic langsamer wurde, um dieses Gespräch zu Ende zu führen, setzte Yjel sich und atmete tief aus. Hinter diesem großen Rüden herzuhetzen war anstrengend genug gewesen. Und nun auch diese Denkarbeit...
"Nun ja... das Tal gleicht eurem, bevor es durch diesen Vulkanausbruch verwüstet wurde. Jedenfalls so, wie ich es gesehen habe, bevor die Erde zu beben begonnen hat. Ich war durch einen größeren Wald in euer Revier gelangt."
In dem Wald hatte Yjel es einige Zeit ausgehalten, da es dort einige Kaninchen gab. Das war in der Zeit, in den Fenris ihn erreicht hatte und er von seinem Ziel erfuhr.
"Das Gefilde der Fenriswölfe... nun, es gibt dort ein Rudel. In diesem bin ich mit meinen Geschwistern aufgewachsen. Außerdem stammt aus jenem Rudel diese weiße Wölfin, Invidia. Aber nun gut ... war das ausführlich genug für dich?"
Als Averic dem Grauen anbot, ebenfalls eine Frage zu stellen, überlegte er lange. Natürlich hatte er viele Fragen, aber welche der Schwarze auch beantworten konnte, wusste Yjel nicht. Es verging wohl einige Zeit, in der Yjel in die dunkelblauen Augen starrte und sich nicht regte. Dann purzelten ein paar schlecht überlegte Worte aus seinem Fang, für die er sich augenblicklich schämte.
"Was weißt du von Fenris?"
EDIT! =)
[Wald | Averic, in der Nähe von Ayar]
10.05.2013, 10:15
„Es werden immer Wunder geschehen, solange Engaya und Fenris bei uns sind.“, bemerkte er mit einem kindlichen Lächeln, welches kurz darauf allerdings etwas verrutschte.
Das war immerhin nicht die ganze Wahrheit. Er suchte kurz den Blick seiner Tante und überlegte, wie er fortfahren sollte. Vielleicht hatte Kisha ja eine Idee, die ihnen weiterhelfen würde, allerdings wusste Isaí nicht recht, wie Kursaí dazu stand. Er selbst vertrat keine richtige Partei, während es bei der Grauen so gewirkt hatte, als würde sie Opa vertreten und damit gegen seinen Vater stehen. Vielleicht würde er ihre richtige Meinung ja rausbekommen, wenn er nur vorsichtig genug bohrte.
„Allerdings... haben sich nicht alle so gefreut wie du.“
Er ließ es offen, was er damit meinte, der Blick zu Kursai aber sollte Zeichen genug sein, dass er es ihr gerne überließ, Kisha die Lage etwas zu erklären. Und er konnte zuhören und darauf hoffen, vielleicht Anhaltspunkte zu bekommen, die ihm weiterhelfen würden....
10.05.2013, 12:06
"Ja ... gerne."
Sie wusste selbst nicht so genau, ob sie damit sagen wollte, dass sie sich aufmachen sollten, um ihre Schwester zu suchen oder ob sie ihm erzählen wollte, was sie bedrückte. Wahrscheinlich wollte sie beides. Dennoch blieb sie sitzen.
"Aszrem?"
Taleesha wunderte sich schon über ihre Worte, bevor sie sie gesprochen hatte. Doch ihr Geist war zu müde, um es zu überdenken. Sie fühlte nur diese Gelassenheit, die von ihm ausging. Er erinnerte sie an Jakash. Und daran, wie friedlich alles gewesen war, damals, als ihr Vater ihr noch vor dem Einschlafen Geschichten erzählt hatte. Sie schob sich ein wenig näher zu Aszrem und blickte wieder in diese warmen Augen.
"Ich bin froh, dass du da bist."
Mit diesen Worten erhob sie sich und wartete ab, ob Aszrem nun losgehen würde. Sie hätte gerne ihren Worten freien Lauf gelassen, doch sie war sich nicht sicher, wo anfangen ... und würde er überhaupt verstehen, was sie meinte? Sie verstand es ja selbst nicht.
[Aszrem]
11.05.2013, 17:30
Na ja, er kannte ja mal ganz langsam... klatsch. Im nächsten Augenblick hatte er auch schon eine Ladung Schnee in der Schnauze kleben. Brr! Mit einer schnellen Bewegung war der Rüde auf den Beine und starrte verdrießlich in das Gesicht Akhunas.
“Dir auch einen guten Morgen“,
brummte der Weiße unversöhnlich und fuhr sich mit der Zunge um die Schnauze um den Schnee wegzuwischen, danach hob er die Pfoten und entfernte den Rest. Die Ohren zuckten leicht, während er versuchte möglichst beleidigt dreinzublicken, was angesichts ihrer Situation irgendwie logisch gewesen wäre, sich allerdings als er selbst recht schwierig erwies. Doof aber auch, dass er die Weiße so gern gewonnen hatte.
“Also ich könnte mir ja angenehmere Wege vorstellen, jemanden zu wecken“, sagte er stattdessen und zog wissend die Brauen hoch.
Es war so angenehm einfach, so leicht geworden mit der Fähe umzugehen, als wäre zwischen ihnen einen Wand eingebrochen und hätte all die Vorurteile und negativen Aspekte fort gewischt. Er brauchte nicht mehr jemand anderes sein, er konnte er selbst sein und das tat unendlich gut. Ohne Vorwarnung schoss er vor und packte den dichten Kragen der Wölfin, zog spielerisch daran. In seinen Augen blitzte der Schalk auf, während er losließ, einen Ausfallschritt machten und den Kopf in den Nacken der Hellen legte. Ein entspanntes Brummen entfuhr seiner Kehle.
“Schon besser.“ Ja so war es doch viel besser.
12.05.2013, 16:47
Schließlich erhob er sich auf alle vier Läufe und verließ die drei, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Er hatte keine Ahnung, wo er hinwollte – nur, dass er mit niemandem sprechen wollte. Vielleicht fand sich hier zwischen den Bäumen doch noch eine Stelle, von der aus er den gesamten Himmel sehen konnte. Irgendwann mussten sich diese Wolken doch verziehen, und dann würde er Madoc vielleicht doch noch entdecken. Etwas gezielter umging er Grüppchen von Wölfen, die sich unterhielten und bewegte sich mehr oder weniger unbemerkt in einigem Abstand an ihnen vorbei. Da waren so viele, und sie alle schienen gut gelaunt zu sein und angeregt miteinander zu sprechen. Ob sie noch nichts davon wussten, dass Madoc tot war? Oder war es ihnen egal, weil sie ihn nicht gekannt hatten? Malik wurde sich bewusst, dass sein Pate ein Wolf ohne Familie gewesen war, ein eigentlich Fremder im Rudel. Vielleicht interessierte es die anderen gar nicht, dass er nicht mehr da war. Niemand hatte seit ihrem Aufbruch nach ihm gefragt. Der Welpe schniefte leise und setzte sich wieder in Bewegung, als er bemerkte, dass er stehen geblieben war, um die Anderen aus der Entfernung zu beobachten. Tatsächlich ließ die tiefe Trauer bereits etwas nach, die ihn gepackt hatte, als er vom Ende seines Paten erfahren hatte. Für den Welpen lag der größte Trost im Alleinsein.
Doch er kam nicht dazu, sich irgendwo einsam unter einem Baum zusammenzurollen und weiter nachzudenken, denn ein merkwürdiger Laut lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Hatte da ein Wolf geschrien? Unsicher blieb der Weiße stehen und legte die Ohren an, war unentschlossen, ob er selbst nachsehen oder gleich Hilfe holen sollte. Aber dann war am Ende vielleicht gar nichts und er schreckte alle auf, aus ihren netten Gesprächen. Schließlich nahm er seinen ganzen Mut zusammen und folgte den Geräuschen, die mehr und mehr zu Stimmen wurden. Und eine davon kannte er sehr gut …
„Linalee!“, rief er erschrocken aus, als er seine Schwester erkannte – die da ängstlich zwischen zwei anderen Wölfen stand.
Malik erkannte sie nicht auf Anhieb, aber seine Schwester wirkte eindeutig panisch und es sah ganz so aus, als würde sie den Schwarzen vor der weißen Fähe … beschützen wollen? Der weiße Welpe verweilte kurz verblüfft auf dem kleinen Hügel, hinter dem sich diese seltsame Szene verborgen hatte, dann zögerte er nicht mehr lange und lief in Höchsttempo genau zwischen die beiden Erwachsenen, an die Seite der kleinen schwarzen Fähe.
„Was machst du hier?“, flüsterte er ihr zu und blickte nun unsicher zu der weißen Fähe auf, die er als Caylee erkannte. Und der hinter ihnen war Krolock. Der Geruch von Angst lag in der Luft und er wusste nicht, ob er von Linalee oder Krolock stammte.
„Ihr macht ihr Angst.“, richtete er vorwurfsvoll und mit erstaunlich scharfem Unterton an die beiden Jungwölfe, die für ihn trotzdem erwachsene Autoritätspersonen waren. Aber nicht wenn sie seine Schwester ärgerten, so wie Atalya das machen würde. Für den Moment war Madocs Tod vergessen.
15.05.2013, 17:50
Sie wollte nicht unfair spielen und Chanuka nicht im bösen Sinne entgegenkommen, schließlich überragte doch ihre Euphorie und diese wollte Amúr nicht abschlagen. Mit ihrer angeeignete Warmherzigkeit, kam sie weiter auf Chanuka zu, verdrängte ihre Frage und gab ihm die Chance sich zu erklären. Doch nun war wohl sie an der Reihe ihrer Erklärungen, wenn auch jene in magere Umstände gefasst wurden.
''Es geht mir gut....nur die Reise war sehr beschwerlich. Viele von uns hatten den Vulkan noch in den Lungen, ich hörte sogar die Vögel nicht mehr singen...die armen Tiere hat es wohl auch erwischt.''
Bedauernd sah sie zum Himmel, doch kein einziger Vogel zeigte sich in den Bäumen, oder gar am Himmelszelt. Vielleicht fürchteten sie sich vor der Dunkelheit...?
Aber hatte Chanuka nicht um ihr Befinden gefragt? Es drang wohl wieder ihre Zuneigung zu Tieren nach vorne und erschöpfte die eigenen Gedanken an sich und die noch immer verwundete Seele. Amúr sprach nicht gerne über den Vorfall und schon gar nicht, wollte sie ihren Kummer auf Chanuka übertragen. Er war wieder da - er sollte sich wohl fühlen!
''Doch es geht mir gut. Ich habe nicht allzu viel davon eingeatmet und ich denke die Luft des Waldes nimmt die restliche Asche von den anderen...
Aber....Vater ist wieder da....und du auch. Sag mir...wo auch immer du warst. Bleibst du denn?''
Besser sollte er. Und wenn er 'Ja' sagen würde, dann wollte sie auch ein Versprechen!
18.05.2013, 09:11
Als sie dann das Wort erhob um ihm eine Antwort zu geben zuckten seine Lauscher äußerst aufmerksam in ihre Richtung. Er wusste von ihrer Verbundenheit zu den Tieren, zu der Natur, hatte aber nie wirklich etwas Genaueres darüber erfahren. Soweit er sich erinnere war sie immer so gewesen, demnach hatte er es bisher immer als etwas unfreundlich empfunden danach fragen zu wollen. Grade weil er das aber nun einmal kannte – schließlich war sie ja auch seine Schwester – äußerte er sich nicht weiter zu diesem Abschweifen. Viel interessanter waren für ihn der Anfang und das Ende dieses Satzes gewesen, vor allem aber auch das, was danach noch folgte.
Ihr und den Anderen ging es also gut, oder zumindest überwiegend und es war nichts passiert, was nicht wieder heilen würde.. das war schön. Diese Erkenntnis sorgte direkt dafür das eine Art von Erleichterung in Chanuka freigesetzt wurde. Bei diesem Thema musste er sich selbst allerdings eingestehen, dass er für ein paar Sekunden nicht gänzlich bei Amúr bleiben konnte, zumindest nicht mit den Gedanken. Er dachte da doch schon an spezielle Wölfe aus dem Rudel bei denen es ihm besonders zusagte, dass es ihnen gut ging. Bevor er das dann aber vertiefte konnte er sich doch noch rechtzeitig in das hier und jetzt zurückbegeben, lauschte auch noch den letzten paar Worten von Amúr. Seine Rute hatte mittlerweile wieder leicht angefangen zu pendeln. Averic war also auch wieder da. Noch etwas was ihn nur gut stimmen konnte und das, obwohl er erst seit so kurzer Zeit wieder hier war. Was die anschließende Frage seiner Schwester betraf brauchte er im Grunde genommen gar nicht überlegen. Eine Antwort darauf hatte er sofort.
“Auf jeden Fall werde ich bleiben. Ich war lange genug weg, zu lange wenn man mich fragt. Wieder weggehen kommt für mich nicht in Frage, darauf hast du mein Wort.“
Seine Ansicht bezüglich seines Verschwindens hatte er wenige Minuten zuvor schon einmal geschildert. Das hätte er hier nun noch ausweiten können, aber das wollte er nicht. Er war sich nicht sicher ob es nötig gewesen war zu gehen und demnach war es für ihn auch ausgeschlossen, noch einmal zu gehen. Es hatte keinen Tag gegeben an dem er nicht an seine Familie gedacht hatte. Weder seinen Freunden noch sich selbst wollte er so etwas noch einmal antun.
[abseits des Rudels | Amúr]
20.05.2013, 20:41
So beobachtete sie nun erst einmal, wie dieser langsam aufstand, und mit einem Lächeln sich wortlos bei seinem Bruder bedankte. Auch ihr galt der Dank, und da wusste sie endgültig, dass ihre Worte nicht vergebens gewesen waren. Sie erwiderte seinen Stupser mit einem freundlichen Lächeln. Dann schleckte sie ihm vorsichtig und fürsorglich einmal über die Stirn. Doch nun brauchte der Kleine wohl seine Ruhe. Sie hoffte, dass er sich nicht selber verlieren würde, jedoch war sie sicher, dass es das Beste war, ihn ziehen zu lassen.
So sah sie ihm noch einen Moment hinterher, bevor sie sich wieder der anderen Fähe und Welpen und ihrem Thema zuwendete. Es war offensichtlich, dass Kisha mehr wissen wollte, oder eher mehr wissen sollte. Doch bevor sie sich wieder sortiert hatte, und ihr erzählen konnte, wie die Stimmung bei der Rückkehr gekippt war, hatte Isaí schon das Wort wieder erhoben, nachdem er sich so gesetzt hatte, dass er sie beide ansehen konnte. So lauschte sie zunächst seinen Worten. Bei seinen ersten Worten konnte sie nur nicken. Die Götter würden immer für Wunder sorgen können, würden dafür sorgen, dass man hoffen konnte. Doch dann sprach der Kleine den wunden Punkt an. Doch damit schien er nun wirklich überfordert zu sein, und überließ ihr das Wort. Wahrscheinlich wusste er nicht, wie er es darstellen sollte. Isaí hatte ja offen gezeigt, dass er hinter seinen Vater stand, doch sie glaubte nicht, dass der Kleine irgend einen Groll gegen ihren Vater hegte. So wusste sie nicht, wie er nun zu der ganzen Sache stand, zu Hirgoya. Wusste er es überhaupt selber? Es könnte gut sein, dass es nicht so war. So konnte es sie ihm nicht verübeln, dass er nicht die Situation schildern wollte und es lieber ihr überließ.
Sollte sie nun ihre Stellung vertreten? Könnte sie etwas anderes? Sie versuchte es einfach möglichst neutral darzustellen:
"Auch ich freue mich wirklich wieder, das Hirgoya da ist, doch er selber zweifelt glaube ich daran, ob er ein Recht hat, wieder hier zu sein. Besonders Jakash hat diese Zweifel verstärkt, da er ihm vergeworfen hatte, dass er im Nichts verschwunden ist." , sie konnte sich nicht verkneifen, noch zu sagen: "- obwohl ich mir sicher bin, dass er dies nicht wollte."
Sie war nicht dabei gewesen, als es geschehen war, war sie doch selber noch auf Reisen gewesen. Das hatte ihre Familie in Stücke gerissen, doch das konnte sie nicht sagen, zumindest nicht so. Das würde dies zu einer Tatsache machen, und sie wollte es einfach nicht glauben. Wieso konnte die Rückkehr ihres Vaters nur so verheerend sein? Und auch wegen Isaí konnte sie dies wohl nicht erzählen. Sie war schon gespannt, wie er ihre Erzählung von Jakash aufgenommen hatte. Sie hatte versucht, es so neutral wie möglich zu erzählen und es entsprach ja auch der Wahrheit. Eigentlich schätzte sie den Kleinen als vernünftig ein, und somit musste er dies wohl auch einsehen. Jedoch kam sie nicht umhin ihren Bruder als den Bösen dazustellen, den Vater des Kleinen. So sah sie einen Moment zu Isaí, um zu sehen, wie dieser reagierte. Jedoch blieb ihr Blick nicht lange dort, kehrte er doch zu Kisha zurück, denn eine Sache sollte wohl noch erwähnt werden, auch wenn sie schmerzhaft war. Dies eine konnte sie nicht leugnen, war es doch zu offensichtlich:
"Darunter haben viele gelitten, besonders Shani. Sie scheint nicht mehr hier zu sein, auch wenn sie noch bei uns weilt."
Kursaí war sich sicher, dass die andere Fähe verstehen würde, was sie damit meinte.
[[Mit Isaí und Kisha - zu Anfang noch Malik dabei]]
21.05.2013, 01:17
Das Tal der Raben war also ein ganz normaler Ort, so wie es das Tal der Sternenwinde auch einmal gewesen war. Ein bitterer Geschmack lag auf seiner Zunge, während er sich des Gedanken nicht erwehren konnte, dass sein Heimatland inzwischen wohl viel mehr dem glich, was man sich als Wiege des Todes vorstellte. Er hatte keine Ahnung, wie zerstört es war, aber es sah mit großer Sicherheit nicht mehr so aus, wie er es verlassen hatte. Die Ohren des Pechschwarzen zuckten an einer Stelle und verrieten eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Es glich dem Tal der Sternenwinde, vor dem Vulkanausbruch? Wie gleich war für Yjel wohl 'gleich'? Averic sah ihn an, unterbrach ihn aber nicht. Zumal er dem Helleren sowieso angeboten hatte eine Frage zu beantworten, bevor er weitere stellte. So, so. In dem normalen Tal lebte anscheinend auch ein normales Rudel. Moment, hatte er gerade gesagt, dass Invidia auch von dort kam?
„Du kennst Invidia?“
Die Verwunderung ließ ihn augenblicklich sprechen, ohne dass er es verhindern konnte. Seine Augen verengten sich leicht. Stimmt. Jetzt erinnerte er sich. Als er mit dem anderen Wolf unter dem Geröll begraben war, hatte er Yjel gewittert und gehört, wie sich Invidia an ihn gewandt hatte. Averic hatte ihnen zu diesem Zeitpunkt keine Beachtung geschenkt und da fast im selben Moment der Vulkan im Tal ausgebrochen war, war dieser kurze, bizarre Moment wieder völlig in Vergessenheit geraten. Derzeit hätte ihn allerdings auch nichts weniger interessiert, als das Verhältnis zwischen Yjel und der schwarzweißen Wölfin. Aber jetzt war das ein guter Hinweis. Er wusste schon, was er als nächstes fragen würde.
Yjel nutzte nun jedoch seinen Zug, um eine Frage zu stellen, die Averic die Stirn runzeln ließ.
„Das ist eine sehr ungenaue Frage. Du musst schon genauer definieren, was du über ihn wissen willst.“
Derweil hatte sich der Pechschwarze wieder in Bewegung gesetzt und setzte ruhig seine großen Pfoten auf den hartgefrorenen Boden. Der Schnee ließ den Untergrund heller erscheinen, trotz der Mondlosigkeit und doch machte sie die Schatten schwärzer. Zwischen den Bäumen konnte er nun den Wolf ausmachen, der hier herum streunte.
[ Wald | Yjel, Sichtweite von Ayar ]
24.05.2013, 16:00
''Chanuka, sag mir! Hast du vieles gesehen auf deinen Reisen? Andere Wölfe? Gibt es dort draußen auch einen anderen Himmel...einen anderen Mond?''
Das noch leicht kindlich veranlagte Feuer ihrer Neugierde wurde doch erweckt, schließlich war Chanukas Bleiben ja gesichert und sie musste nicht fürchten, dass der nächste Windhauch seinen Schatten mit sich nahm. Zwar glaubte sie nicht daran, aber es gab schon vieles an was sie keine Gedanken fassen konnte und es sich doch in die Wahrheit zwang. Schon alleine das Verschwinden ihres Vaters, dann Krolock, Caylees Schutzlosigkeit, die Krähe...das Wiederkommen ihres Vaters...Chanukas Ankunft. Manchmal hatte das Schicksal doch mehr an Bedeutung, als viele es für wahrscheinlich hielten.
''Aber...'' Amúr brach schon wieder eine Entschuldigung an. Bei allem was sie tat und es durch ihre Euphorie oder Instinkte gesteuert wurde, fühlte sie sich meist unwohl oder gar aufdringlich. ''...du musst mir nicht von alledem berichten. Sag. Hast du denn Hunger?''
24.05.2013, 16:56
Ihre Vorstellungen waren wirklich sehr enorm im Vergleich zu dem, was er eigentlich getan hatte. Ob es wohl wirklich irgendwo einen anderen Himmel gab, an dessen Zelt sich ein ganz anderer, leuchtender Körper befand, der den Wölfen in dunklen Nächten den Weg wies? So weit weg war Chanuka schließlich gar nicht gewesen. Zum Ende hin hatte er die westliche Grenze des Rudels zwar wirklich um ein großes Stück überschritten, allerdings war es sie nie so weit gewesen als das er etwas total Fremdes gesehen hatte. Den Hauptteil seiner Aufmerksamkeit hatte ja sowieso die vermeintliche Fährte von Nerúi beansprucht. Zumindest nachdem ihm diese Fährte an einem der Tage aufgefallen war, in der er die Zeit alleine und in einer undurchdringlichen Stille verbracht hatte. Von den Geräuschen des Windes und den anderen Waldbewohnern mal abgesehen.
“Ich glaube ich muss dich enttäuschen. Andere Wölfe habe ich leider ebenso wenig getroffen, wie ich einen anderen Himmel oder gar einen anderen Mond gesehen habe. Aber warte mal! Lass mich kurz überlegen, hm.. An einem Tag war da schon so eine Sache die für meinen Geschmack etwas komisch, aber eigentlich sogar ganz toll war. Auch wenn ich mich am Anfang etwas erschrocken habe. Du erinnerst dich doch sicherlich noch an meinen Federbaum, oder? Ich habe einen Baum gesehen, der fast genau so aussah wie mein Federbaum.. zumindest dachte ich am Anfang das es ein Federbaum ist. Der Baum war noch recht jung und demnach etwas klein. Als ich dann näher gekommen bin und grade eine der Federn mit meiner Nase berühren wollte, erhoben sich die Träger der Federn auf einmal in die Luft und sind alle in verschiedene Richtungen weggeflogen! Ich bin noch nie so enorm auf Vögel reingefallen wie an diesem Tag. Das Farbspiel was ich dann aber beobachten durfte, nachdem ich mich wieder ein gekriegt hatte, war wirklich schön.“
Bevor er angefangen hatte zu sprechen hatte er noch kurz mit dem Kopf geschüttelt, bezogen auf ihre Frage mit dem Hunger versteht sich. Er wollte nicht unhöflich wirken wenn er nun sagen würde, dass sein Magen sich schon mal wieder nach einer etwas ausgewogeneren Mahlzeit sehnte. Das hatte aber ebenso Zeit wie die Anmeldung bei seiner Mutter. Noch ließ sich das benebelnde Gefühl des Hungers nämlich unterdrücken. Das was er nun erzählt hatte war aber auch wirklich das einzige gewesen, was die recht eintönigen, aufeinander folgenden Tage plötzlich unterbrochen hatte. Ob Amúr das genauso interessant fand wie er blieb nun mal offen. Er verband so etwas schließlich immer mit etwas Schönem, weil er dabei sowohl an seinen Federbaum, als auch an den Tag mit Averic denken musste, an dem die Zwei sich grade wegen des Federbaumes beziehungsweise der Feder, aus dem er enstanden war, näher gekommen waren.
“Und dir Amúr? Ist dir auf der Wanderung aus dem Tal heraus bisher etwas Tolles aufgefallen?“
[abseits des Rudels | Amúr]
24.05.2013, 19:14
Die Intensität der Fährte des Wolfes, der vor ihnen lag, wurde stärker und Yjel lachte innerlich laut auf. Na, wenn er diesen Duft nicht kannte. Allerdings wollte er den kleinen Überraschungseffekt für Averic nicht verscherzen. Das würde zu lustig werden. Äußerlich zuckte er jedoch keine Wimpe. Averic schien ein wenig in Gedanken versunken. Vielleicht erzeugte er eine Imagination des Tals der Raben in seinem Kopf oder schwelgte in Erinnerungen an seine alte Heimat. Nostalgie konnte er sich bei dem Schwarzen nur schwer vorstellen, allerdings, wer das Tal während des Ascheregens gesehen hatte, der konnte nur sehnsüchtig zurück blicken. Dieser Vorfall war ein Streich der Natur gegen die Sternenwindwölfe. Nun ja, dann mussten sie eben woanders hin ziehen, und für Yjel war es doch trefflich, dass er zurück nach Hause kehrte. Allerdings würde sich erst zeigen, was sein Bruder hier zu suchen hatte. Er ignorierte ihn vorerst und betrachtete Averic, bis dieser erstaunt nach Invidia fragte.
"Natürlich kenne ich sie. Oder hatte ich das nicht gerade erwähnt?"
erwiderte Yjel nüchtern. Averics plötzlicher Einwurf verwunderte Yjel nicht weiter, er war aber dennoch interessiert, warum er so stark auf Invidia reagierte. Schließlich wusste er nicht, was die Beiden miteinander zu schaffen hatten, bis darauf das sie bei der Gerölllawine dabei war. Aber Invidias Unterhaltung mit ihm war damals nicht allzu ... freundlich ausgefallen.
Als Averic -endlich!- auf Fenris zu sprechen kam, musste Yjel wirklich einsehen, wie dumm seine Frage bezüglich des Gottes gewesen war. Er war dermaßen damit rausgepoltert, die Präzision der Frage war ernüchternd.
"Du sagtest, er würde auf meine Fragen antworten, wenn es zu seinem Vorteil wäre..."
Er verzog leicht das Gesicht.
"Du, als Sohn des Todes, kannst mir sicher helfen. Eigentlich liegt das nicht in meiner Natur... in diesem Fall ahne ich aber, selbst nichts bewirken zu können. Ich weiß nicht, was Fenris von mir wollte. Und anscheinend werde ich es nicht erfahren..."
Seine Stimmung schlug schnell um und sein Gesicht verhärtete sich. Er konnte die Schwäche seiner Ahnungslosigkeit nicht zugeben. Er konnte und wollte einfach nicht. Yjel wiegelte dieses Thema, was ihn dennoch so sehr interessierte, ab und kam Averic in ihrem kleinen Spiel entgegen. Der Graue hoffte, dass Averic nicht weiter auf diesen Rückzieher eingehen würde. Sein Stolz war felsenfest in dem Charakter des Rüden verankert und gerade vor dem Todessohn wollte er sich nicht beugen.
"Egal. Ich verzichte auf die Frage, dir brennt doch schon die nächste unter den Krallen. Zum Beispiel, wer das da vorn ist."
[Bei Averic, im Wald, Ayar in Sichtweite]
OOC: Wo bleibt eigentlich Ayar?
25.05.2013, 09:26
"Oder gibt uns wenigstens die Illusion, dass er dies tut.", antwortete sie etwas abwesend und monoton auf die Worte des Hünens. Trost war natürlich wahr. Der Regen befreite sie jedes Mal von dem drückenden Gefühl auf ihrer Brust. In ihm verblasste all das Schlechte und sie fühlte sich etwas freier. Natürlich war es von Mal zu Mal verschieden, doch in der Regel ging es ihr bei Regen besser als sonst. Außerdem würde Mayhem nie wagen ihr sich im Regen zu zeigen. Zu den Zeiten schien sie wie vom Erdboden verschluckt. Es wäre nur zu schön gewesen, wäre sie nie wieder aufgetaucht. "Wenn ich ihn auch finden würde, auf die Dauer würde die welt um mich herum verrotten und weggespült werden, da bin ich mir sicher. Alles hat seinen Preis." Vielleicht war es deswegen auch besser, sie würde ihn nie finden. Wenn nur ihre Verfolgerin endlich verschwinden würde, dann wäre sie schon dankbar. Wenn man ihr nur diese eine Last abnahm, dann hatte sie das Gefühl, sie konnte von sich selbst aus wieder neu anfangen. Leider ließen sich die Geister der Vergangenheit nicht so leicht abschütteln.
[ Chivan | der uralte Wald ]
26.05.2013, 19:55
Er knurrte etwas angesäuert vor sich hin und begann wieder einmal, über belangloses Zeug Selbstgespräche zu führen. Nicht, dass das jemanden stören würde; er war hier doch die einzige Seele weit und breit. ,,Schöne Seele, die du da hast, Ayar. Wer weiß, ob davon überhaupt noch was übrig ist", murmelte er vor sich hin mit seiner immer etwas knurrigen Stimme, wenn seine Laune nicht die beste war. Ansonsten konnte man seine Stimme sogar als recht angenehm bezeichnen, mit der konnte er so einige einlullen. Tja, da sah er schon recht akzeptabel aus und doch brachte es ihm kaum was. Innerlich war er wie ausgebrannt, was teils auch an der Einsamkeit lag. Das Leben erschien ihm längst nur noch langweilig und er tat tagtäglich fast immer dasselbe: Laufen, mit sich selbst sprechen, fressen oder hungern, schlafen. Wie ein verdammter Teufelskreis. Oh und hier und da sang der Rüde das ein oder andere Liedchen, um nicht vollends irre zu werden. Aber wer weiß, vielleicht war er es schon.
Auf einmal hielt Ayar inne, als seine Ohren Stimmen vernahmen, die mit jedem Augenblick lauter zu werden schienen. Entweder fing er soeben an, zu halluzinieren oder da kam ihm wirklich jemand entgegen. Er blickte sich um und seine Augen erfassten zwei Wölfe - der eine schwarz wie ein Rabenflügel, der andere hatte ein Fell, welches doch recht nette Farben beinhaltete, unter anderem erschien ihm das Fell hier und da rötlich wie auch bräunlich, hier und da weißliche und schwarze Stellen und auch graue dabei. Vielleicht spielten seine Augen ihm auch einen Streich, aber er vermochte die Farben trotz der Tatsache, dass es Nacht war, sehr gut zu erkennen. Was ihm sogar von hier auffiel, war die Tatsache, dass die bernsteinfarbene Augen des farbigen Wolfes schielten. Er konzentrierte die schmerzenden Augen auf den schwarzen Wolf, der blaue Augen besaß und unter jedem einen weißen Strich hatte. Interessantes Paar, dachte er mit halbem Spott in der Stimme.
Seltsamerweise kam ihm der schielende Wolf bekannt vor. Doch so sehr er sein Hirn auch anstrengte, er wusste nicht, wieso er ihn kennen sollte. Er kratzte in seinen Erinnerungen, aber es fiel ihm dennoch nicht ein. Nun gut, wenn sein Kopf ihm keine Informationen preisgeben wollte, so schien der Wolf wohl nicht gerade wichtig gewesen zu sein. Oder er hatte jegliche Erinnerung an ihn verdrängt, was auch eine Möglichkeit war. Verdrängen konnte er gut. Deshalb fühlte er sich Tag für Tag wie tot und kam sich leer vor. Ah, da waren seine überaus negativen Gedanken wieder. Doch er konnte sie nicht zurückhalten. Hatte er noch nicht vermocht.
Trotzdem richtete er seine Aufmerksamkeit auf die beiden Wölfe, die scheinbar direkt auf ihn zukamen, während er schon rätselte, was sie wohl von ihm wollten. Oder er stand ihnen einfach im Weg oder was auch immer. Konnte ihm eigentlich egal sein. Jedoch war seine Neugier leicht geweckt und die beiden schienen Abwechslung zu versprechen, doch auch wenn ein Teil von ihm gerne auf sie zugegangen wäre, so blieb er wie ein unbeweglicher Fels dort stehen, wo er schon die ganze Zeit stand.
ooc: Ayar hat auf die beiden netten "Damen" gewartet
30.05.2013, 22:29
„Huh? Scheinst wohl mit der falschen Pfote aufgestanden zu sein.“
Ahkuna schüttelte seufzend ihr Haupt und versuchte von ihrem Lächeln abzulenken, welches sich heimtückisch auf den Lefzen bequem gemacht hatte. Die Ohren schnippten nach vorne und das Köpfchen fiel langsam zur Seite. War er etwa … Nein, er war doch nicht … - Oder doch? Die junge Caiyé konnte nicht so recht einschätzen ob der beleidigte Schmollmund nur aufgesetzt war oder der Schönling ihr diese morgendliche Abkühlung wirklich übel nahm. Aber da er nichts in der Richtung erwähnte und stattdessen ein neues Thema einschnitt, spielte sie einfach mit.
„Angenehmere Wege?“, hakte Ahkuna nach und zog schmunzelnd eine Braue hoch.
Zugegeben: Sie war mächtig gespannt welche Antwort sie nun erwarten würde. Sie hatte sich dran gewöhnen müssen, dass man diesen Rüden nicht durchschauen konnte. Es war fast unmöglich zu erraten welche Rädchen sich gerade in seinem Kopf bewegten und was ihn gerade beschäftigte. Aus diesem Grund kam auch die kleine Attacke wie aus heiterem Himmel. Sie spürte ein Zwicken, ein Ziehen und dann seinen Kopf, der sich an ihren Nacken schmiegte. Sein warmer Atem kitzelte sie und löste einen Schauer aus, der ihr den Rücken runterlief. Sie war wie paralysiert von dem Kribbeln, das sich langsam in ihrem gesamten Körper ausdehnte. So ein Gefühl war ihr neu und ehrlich gesagt wusste sie nicht so recht wie sie damit umgehen sollte. Sie versuchte das aufkeimende Gefühl zu dämpfen und so normal wie möglich zu reagieren.
„Rache ist süß.“, sagte sie keck und schnippte kurz mit ihren Ohren.
03.06.2013, 15:24
“Was war im Tal der Raben, dass es dort so schwer wurde, zu leben?“
Sie benutzte absichtlich die Vergangenheitsform, vielleicht um sich selbst daran zu erinnern, dass auch die schlimmste Geschichte Invidias von einer Zeit vor dem Eintreffen ihres Rudels handelte. Was auch immer dort geschehen oder gewesen war - jetzt konnte es auch längst fort und vergangen sein. Dennoch hatte sie ein mulmiges Gefühl bei ihrer Frage, sie fürchtete sich fast davor, schreckliche Schrecklichkeiten erzählt zu bekommen und ihr Rudel dennoch weiter in Richtung Tal führen zu müssen. So eingenommen von ihren eigenen Sorgen, bemerkte Tyraleen das Grinsen und das doch eindeutig zu spürende Vergnügen Invidias nur am Rande. Eine andere hätte in dieser spannungsgeladenen Situation wohl nicht so fröhlich gelächelt, aber die Weiße war zu abgelenkt, um sich darüber Gedanken zu machen. Zudem lieferte ihr ihr Gegenüber nur noch mehr Informationen, sprach plötzlich noch bevorstehenden Katastrophen und beschwor damit weitere schwarze Bilder in Tyraleens Kopf herauf. Die versuchte sich zu verschließen und an ihr Misstrauen zu denken, das gegenüber Invidia bestimmt nicht an der falschen Adresse war. Sich von wilden Vermutungen dahergelaufener, unverschämter Fähen einnehmen zu lassen, war nicht die Art einer Leitwölfin. Das konnte sie sich gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen.
“Wie gesagt, es steht dir frei, dich meinem Rudel anzuschließen. Ob du sie hier finden wirst, kann ich dir allerdings nicht versprechen und sollte dein Herz dir irgendwann einen anderen Weg weisen, solltest du den wohl nehmen.“
Ein weiteres freundliches Lächeln, dann war dieses Thema ebenfalls abgeschlossen, auch weil Sheena auftauchte und die Leitwölfin sich jetzt auf anderes konzentrieren musste. Sie hatte zwar nie gelogen, aber gewisse Informationen mit voller Absicht zurückgehalten und ihre Beta sollte nun keinesfalls mehr ausplaudern. Außerdem war es interessant, wie Invidia auf Sheena reagieren würde. Die Begrüßung fiel jedenfalls mehr als freundlich aus - fast freundlicher, als es bei Tyraleen der Fall gewesen war. Vielleicht hatten sich die zwei schon zuvor einmal unterhalten. Doch diese Möglichkeit wurde von Sheenas Verhalten - trotz der Fröhlichkeit - zunichte gemacht. Tyraleen kannte ihre Freundin und hatte oft gesehen, wie sie sich Wölfen gegenüber verhielt, die noch nicht lange im Rudel weilten. Das hier schien ihr reichlich überzogen und ihr war klar, dass ihre Beta mehr als eindeutig verstanden hatte, dass hier etwas faul war. Da zeigte sich einmal mehr, wie wichtig es war, einander gut zu kennen. Bei fast jeder anderen Fähe hätte sie nur schwer sagen können, welches Verhältnis sie mit Invidia verband - hier war es ihr vollkommen klar. Und es beruhigte sie ein wenig.
“Keine Sorge, Sheena, es liegen noch eine Menge Schlafmützen herum - du hast nichts verpasst.“,
leitete sie zunächst die lockere Stimmung weiter und spürte tatsächlich ein bisschen der durch Invidia zurückgedrängten Freude durch ihren Körper tanzen. Obwohl sie sich sicher war, dass Sheena etwas vorspielte, fühlte sie sich von ihrer Freundin angesteckt. Das musste man erst einmal schaffen. Trotzdem durfte sie Invidia neben sich nicht vergessen und das Gesprächsthema, auf das Sheena nun wieder einging.
“Ich habe keine Ahnung … Averic führt uns aber vermutlich kann er dir auch nicht sagen, ob es nicht noch andere Wege gibt. Allerdings mache ich mir über diesen Wald wenig Sorgen, ich glaube nicht, dass uns hier Gefahr droht, weshalb ich auch nur ungerne einen Umweg auf mich nehmen würde.“
Zu Sheenas zweiter, freundlich geäußerten Vermutung sagte sie nichts, aber auch ihr war bewusst, dass sie einiges vergessen hatte, was noch nicht allzu lange zurücklag. So zum Beispiel die genauen Geschehnisse vor und nach Nyotas Tod. Immer wenn sie an diesen Tag dachte, sah sie nur dieses schreckliche Bild der verdrehten Körper am Boden der Schlucht und dann sich selbst, wie sie sich an Averic drückte. Sie versuchte nie, die Bilder von dazwischen aus ihrem Gedächtnis zu holen und hoffte beinahe, dass sie wirklich für immer verschwunden waren.
03.06.2013, 15:52
“Na gut, dann ist das Spiel jetzt eben vorbei.“ Sie untermalte diese vollkommen falsche Aussage mit einem Knurren. “Ich habe Krolock in meiner Macht und dich werde ich auch noch bekommen. Na komm, trau dich nur her.“
Sie entblößte ihr noch jungwolfweißes Gebiss und erfreute sich an der Tatsache, dass es auf Linalee tatsächlich ziemlich beeindruckend wirken musste. Aszrem hätte darüber wohl eher gelacht, aber Aszrem war nicht da. Hier waren nur Krolock und sie mit einem kleinen, dummen Welpen, mit dem man machen konnte, was man wollte. Allerdings war Linalee wohl einfach ein bisschen zu feige, um das Spiel so richtig mit zu machen, denn an ihre Rute traute sie sich wohl nicht heran. Vielleicht machte sie es ihr aber auch zu schwer. Schon senkte Caylee ihre geheime Schwachstelle und wackelte damit in ausreichendem Reaktionsabstand vor der Nase Linalees herum.
“Komm nur näher Kleine, komm nur. Wenn du nicht kommst, werde ich Krolock wohl noch mehr quälen müssen.“
Sie warf einen Blick zu ihrem Antifreund und hoffte darauf, dass der wieder irgendwelche verrückten Dinge tat, die sie direkt auf ihre Kappe nehmen konnte. Während ihr Blick aber noch erwartungsvoll an Krolocks mittlerweile wieder blauen Augen hing, huschte etwas Helles an Linalees Seite, das sie doch nicht ignorieren konnte. Noch ein Welpe? Sie erkannte Malik - das war doch ein Bruder von ihrem Opfer - und er schien sehr viel mutiger. Zumindest stotterte er kein bisschen und sah auch reichlich selbstbewusst für sein Alter aus. Nun schenkte Caylee auch ihm ein zahnbesetztes Lächeln und wackelte wieder ein bisschen mit der Rute.
“Sie sollte auch Angst vor uns haben.“,
antwortete sie ruhig auf den Vorwurf und überlegte, wie sich ein weiterer Welpe gut einbauen lassen würde. Bestimmt hatte Krolock auch eine Idee, auf den war jetzt hoffentlich wieder Verlass.
03.06.2013, 23:06
Chanukas Worte betörten die Ohren seiner Schwester und entfachen bunte Umrisse von kindlichen Fantasien in ihren Gedanken. Weiche Federn schienen an ihrer Schnauze zu kitzeln, zu atmen und ein perfides Leben in ihren Mitten zu tragen. Weich versank ihre linke Vorderpfote im kühlen Nass des wäldlichen Schnees, doch ihre Augen nahmen andere Bilder wahr, als jene sich in Wirklichkeit vor der Fähe abspielten und ihre Realität umgarnten. Oh' Chanuka redete von Tieren, hochreizenden Vögeln mit anmutiger Grazie und vielleicht vielen Worten denen Amúr nur mit Liebe gelauscht hätte. Tief in Gedanken deutete ihre Rute ein zartes Wedeln an, ihre Augen starrten leer und verweilend zum Himmel, doch sahen sie anstatt eines Schwarmes nur düsteres Geäst, welches sich wie knochige Finger über den Wölfen zu einer Krone formte und sie gefangen nahm. Enttäuscht darüber, dass die Wölfin sich wohl ein Erlebnis entgehen gelassen hatte, welches sie niemals mehr einspannen würde, sah sie mit glänzenden Augen zu ihrem schwarzen Schatten. An manchen Stellen sah er ihr ohnehin ähnlich, doch schon alleine das pechschwarze Fell ihres Vaters, die Gesichtszüge, machten sie verschieden wie Tag und Nacht. Auch wenn sich Amúr selbst nicht als sein äußerliches Gegenteil ansah...hier stand wohl mehr oder minder Caylee in den Büchern, oder ...oder...Chardím. Alle waren so besonders und nur Amúr war ein silbernes Gemisch, das weder Mutter noch Vater in irgendwelchen Makeln und Schönheiten nahe stand. Sie war eben der Mond...nicht die Sonne und auch nicht deren Finsternis. Der Mond war doch gut!
Außerdem hatte Amúr die Gabe mit Tieren zu reden und welcher Wolf, konnte jenes Vergnügen schon verfolgen und sich selbst damit schätzen? Die Silberne war je nachdem eigentlich gänzlich zufrieden mit ihrer Situation. Irgendeine Bestimmung würde ihr schon auf den Pfoten liegen und diese in ihren Pelz gravieren.
''Sag bloß? Haben sie für dich gesungen? Ich kann es mir so gut vorstellen...ein ganzer Chor von Vögeln, mit den schönsten Liedern nur für dich!''
Ihre Lefzen hoben sich leicht an und drückten schwach an der Form ihrer Schnauze, ehe sich Amúr erdenklich wieder auf ihre Hinterhand hinunterließ. Chanuka hatte sie bereits ihren Respekt gegeben, hatte ihn begrüßt und dem schwarzen Bruder alle Freude gezeigt, welche in den Ausmaßen ihres Charakters für sie einnehmbar wären. Getraut hätte sie sich jetzt nicht ihn umzurennen, oder drei Runden um ihn zu tanzen - das war sie nicht, aber er würde mit Sicherheit ihre Freude zu spüren wissen.
Doch da war es schon wieder. Diese Frage nach ihr. Ihren Erlebnissen, ihrem Bewusstsein und ihrer Auffassung. Was sollte sie schon sagen? Natürlich gab es da vieles. Krolocks Augen, der Vulkan, flammende Phönixkinder, die zu Boden regneten. Doch so viel Stärke und Faszination auch in jenen Bildern steckte, jederlei Erfahrungen und Umgänge - machten sie nur hässlicher als schön. Situationskomik.
''Mh. Ich muss wirklich überlegen...etwas was dir auch gefallen würde. Aber diese Wanderung war mehr Last und Trauer, als es jemals Freude für mich....uns...war. Doch genau! Ich will nicht sagen, dass ich es zu diesem Zeitpunkt als schön empfunden habe, denn ich war immer noch recht von den Ereignissen geprägt. Aber eines Nachts...kurz nach dem Ausbruch konnte ich einen atemberaubenden Sternenhimmel sehen. Wie Puderzucker, doch an manchen Stellen hatte er die Farbe des Feuers...eigentlich war es wirklich schön. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke...ich hätte ihn mir damals genauer ansehen müssen...
...aber mir kam eine Maus dazwischen. Du kennst mich doch.'' Aber auch nie konnte sie sich auf etwas konzentrieren. Nur Amúr und die Tiere...und ihre Erzählungen waren hier auch nicht einfach anders gepolt. ''Und meine Trauer über das Tal lag auch höher....als natürliche Spektakel. Aber ja...ja...es war schön!''
Und hoffentlich auch das was ihr Bruder hören wollte, doch immerhin beneidete sie ihn um die Vögel. Wie gerne sie doch wollte, sie hätte es mit tausenden von Sternen getauscht. Diesen Moment! Ach nein...Vögel waren selten für sie geworden, es gab fast nur noch Krähen in diesen Landen. Und schwarze Schwingen brachten schwarze Worte - sehr abwegig von ihrem Geschmack.
[Chanuka | Abseits des Rudels]
04.06.2013, 16:07
“Ach was, ich doch nicht“, ein leises Lachen drang aus seiner Kehle, nur ein feiner Hauch von wärmendem Atem in kalter Luft, “Bei mir gibt es nur die richtige Pfote, weißt du doch.“
Er war keineswegs unfehlbar, doch er sprach damit auf seinen Drang an, alles bestmöglich zu seinen Gunsten zu drehen. Damals hatte er das gebraucht. Damals hatte er ohne eine Gruppe von Wölfen in seinem Rücken, die ihn bestärkten und vergötterten, nicht leben können. Heute war dies anders. Heute oder besser in diesem Augenblick war er ganz froh darum, dass kein neugieriges Augenpaar sie beobachtete, kein falsches Wort ihre Zweisamkeit vernichtete. Wenn er hätte wählen müssen, zwischen damals und heute so hätte er zielsicher das heute gewählt, denn dies hier war so viel besser als alles, was er zuvor erlebt hatte. Er wollte es nicht mehr missen, diesen Kribbeln in seinem Körper, der warmen Hauch wenn sie sprach. Ohne es zu wissen hatte sich Samirez doch in einen anderen verwandelt. Damals hätte er die Gefühle unterdrückt, hätte Angst davor gehabt ein anderer zu werden, doch heute war alles anders. Es war alles soviel besser.
Und während sie mit leiser Stimme von Rache sprach, genoss der junge Rüde den Moment voll trauter Zweisamkeit. Es war alles so anders gekommen, als er es vorher gesehen hatte.
“Hm, diese Rache würde ich nur allzu gerne sehen.“ Wisperte er amüsiert. Mit der Schnauze fuhr er langsam an ihrem Hinterkopf entlang, bis sie ihr Ohr erreichte. “Und jetzt?“
Er wollte den Moment nicht zerstören. Keinesfalls. Doch er wusste nur zu genau, dass sie nicht ewig so verharren konnten. Samir hatte keine Ahnung, wie lang das Rudel noch hier rasten würde, doch so oder so würden irgendwann auch die letzten neugierigen Nasen wach werden und ihre Ruhe stören. Doch für den Moment, nur für einen Augenblick wollte er daran glauben, dass alles gut war. Danach konnte das Leben sie wieder einholen, aber erst danach.
05.06.2013, 12:19
Für Kishas Verhältnisse wartete sie ruhig auf weitere Reaktionen – immerhin war der Opa der Welpen zurück! Das war doch etwas, worüber man sich freuen konnte, selbst wenn der Rest der Welt einen Moment lang so finster und kalt wirken mochte. Wenn ihr Bruder es schaffte, sich aus dem Nichts zu befreien, dann vermochten vielleicht auch andere ganz leicht den Tod besiegen. Sie glaubte selbst nicht daran, aber ein wenig Hoffnung konnte nie schaden – selbst wenn sie auf Sand gebaut war. Und so nickte die Dunkle munter, als Isaí ihre Worte noch einmal untermalte. Genau so musste man denken, anstatt sich von dieser Kälte einhüllen zu lassen. Als der Rote dann jedoch weiter sprach und das unschuldige Lächeln von seinen Lefzen gewichen war, wog Kisha den Kopf ein wenig zur Seite, musterte ihren Patensohn mit verwirrtem Blick. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand aus Hiryogas Familie sich nicht darüber freute, dass der Braune wieder zurück war – sie konnte nicht einmal mehr genau sagen, wie lange er nun fort gewesen war, wie lange das Nichts verschwunden war. Sie schnaufte leise, folgte Isaís Blick dann zu Kursaí und musterte die Graue mit zuckenden Ohren. Vielleicht konnte sie das alles erklären, Isaí schien sich damit eher zurück halten zu wollen.
„Es wäre auch ziemlich dumm, freiwillig ins Nichts zu gehen.“
Die Schwarze nickte, sich selbst zustimmend. Nein, das wäre wirklich keine sehr kluge Idee gewesen. In diesem Moment fiel der Schwarzen jedoch auf, dass Malik nicht mehr bei ihnen war, und so wurde ihre Aufmerksamkeit kurz umgelenkt, sie ließ den Blick ein wenig schweifen, konnte Malik jedoch in ein wenig Entfernung erkennen.
„Sie streiten sich mit Hiryoga, weil er wieder da ist? Da könnte er ja gleich zurück gehen...“
Die Dunkle schnaufte leise, meinte diese Worte jedoch nicht so ernst, wie sie vielleicht geklungen hatten. Aber wer wollte schon nach so langer Zeit zurück zu seiner Familie kommen und dann so unliebsam begrüßt werden? Das war gemein! Bei den letzten Worten der Grauen richtete Kisha die braunen Augen noch einmal auf die jüngere Fähe, wog fragend den Kopf ein wenig zur Seite, ehe sie sich wieder an ihren Paten wandte.
„Freust du dich denn?“
Ein hoffnungsvolles Lächeln trat auf die Lefzen der Dunklen. Sie freute sich über Hiryoga, und je mehr sich über ihren Bruder freuten, desto schneller war vielleicht auch jeglicher Streit vergessen.
[Isaí & Kursaí]
07.06.2013, 16:06
„Illusion, Wirklichkeit.“, begann er resignierend und schnaubte. „Wer wagt schon darüber zu urteilen, dass das, was wir mit den Augen sehen, die Wirklichkeit ist. Das Wesentliche bleibt für sie unsichtbar und kann nur mit dem Herzen wahrgenommen werden. Wer weiß – vielleicht wartet dort dein Weg darauf, dass du ihn findest.“
Seine Seelenspiegel ruhten auf den Schatten, als wären sie greifbar, als wären sie die faszinierendsten Wesen dieser Natur überhaupt. Erst, als die Stimme seiner Begleiterin wieder erklang, wandte er den Kopf herum und spielte kurz mit den Ohren.
„Man hat mir von Orten erzählt, die trotz fast ewig andauerndem Regen nur so vor Leben gesprüht haben. Die Natur passt sich an.“, erzählte er mit einem warmen Ton. „Doch dazu musste auch sie den Versuch wagen, sich gegen die Wolken zu wehren. Anders hätte sie den Kampf verloren gehabt, bevor er begonnen hatte. Doch sie hatte nichts zu verlieren.“
09.06.2013, 12:32
Als sie langsam aber sicher wieder ins hier und jetzt zurückgekehrt zu sein schien wurde sie sofort von ihrem dunklen Bruder mit einem schmalen Lächeln begrüßt. Es dauerte nicht lange bis ihrerseits Worte folgten denen er schnell und knapp mit einem Nicken entgegnete. Er hatte nun so viel erzählt, erzählt was gewesen war, wie es gewesen war und und und. Für ihn hatte es immer noch mehr Bedeutung zu erfahren wie es denn überhaupt bei Amúr ausgesehen hatte und letztlich vielleicht auch, warum sie denn ganz alleine hier war. An den Tieren konnte es ja kaum liegen, selbst wenn das mit dem Vogel von vorhin schon etwas komisch gewesen war. Die sprachen sie ja eigentlich – wenn Chanuka jetzt nicht ganz auf seiner Rute stand – herzlich wenig an. Woran also dann?
Nun bekam er aber erst einmal eine Antwort auf seine Frage. „etwas was dir auch gefallen würde..“ War das denn so wichtig? Irgendwie fiel es ihm im Moment wirklich schwer etwas aus seiner Schwester herauszukitzeln das in die gewollte Richtung ging, nicht in dem Sinne wieder etwas mit ihm zu tun hatte. Allerdings machte es bei ihrer Erzählung dann doch den Anschein als ob das so schon seine Richtigkeit hatte, besonders zum Ende hin. Oder.. fast am Ende. Die Sache mit dem Tal, mit ihrem ehemaligen zu Hause wollte er selbst nämlich auch wirklich nicht vertiefen.
“Ja, du und deine Tiere! Aber das hört sich wirklich schön an. Einen prallgefüllten Sternenhimmel habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr sehen können.“
Mit Abschluss dieses Satzes schloss er dann seinerseits auch den Versuch ab herauszufinden ob seiner Schwester etwas auf dem Herzen lag. Da war sicherlich etwas.. oder doch nur vielleicht? Der Schwarze war sich einfach nicht sicher. Wenn dem so war könnte er wahrscheinlich noch eine Ewigkeit stochern ohne richtig auf etwas zu stoßen. Wenn es etwas war, dann war es wohl etwas Schlechtes. Amúr hatte von Anfang an irgendwie nicht über schlechte Dinge oder Dinge, die einem einfach allgemein ein mulmiges Gefühl bringen konnten, reden wollen. Natürlich respektierte er das, ohne Frage. Jetzt wo er wieder da war musste man ihn mit sowas nicht gleich überrumpeln, so wohl auch ihre Gedanken. Man konnte nun aber definitiv nicht behaupten das er nicht zumindest versucht hatte ihr etwas in dieser Richtung entgegen zu kommen. Vielleicht wäre es für sie selbst auch etwas entlastend gewesen jemanden zu haben, an den sie sich wenden konnte. Vorausgesetzt das sie das nicht schon bei wem anders getan hatte.. aber egal. Er respektiere ihre Haltung, hatte Verständnis dafür und wollte sie nicht zu etwas zwingen, was sie vielleicht gar nicht wollte. Außerdem hatte er selbst noch eine gedankliche Liste die allmählich abgearbeitet werden musste, besonders weil er – wie er von Anfang an gesagt hatte – bestimmt schon erwartet wurde. Ganz oben drauf stand: Tyraleen.
Chanuka erhob sich wieder um sich sofort wieder in eine niedrige Position zu begeben. Seine Vorderläufe Streckten sich, sein Leib neigte sich dabei etwas gen Boden und er schloss für einen Moment die Augen. Währenddessen seufzte er einmal entlastet aus. Nach dieser Geste, die eigentlich eher morgens üblich war, richtete er sich dann wieder zu seiner vollen Größe auf. Sowohl aus Vorfreude darauf die anderen wiederzusehen als auch aus Freude dadurch, Amúr schon wiedergetroffen zu haben, fing seine Rute wieder leicht an zu Wedeln. Das vorhin entstandene Lächeln hatte sich im Übrigen bis hierhin auch deutlich gefestigt.
“Ich denke das es langsam Zeit wird mich bei Mama anzukündigen. Sie wartet bestimmt schon! Willst du mitkommen?“
Zeit dafür sich weiter zu unterhalten und vielleicht sogar da wieder anzusetzen, wo sie jetzt aufgehört hatten, würden die Beiden sicherlich noch haben. Es hatte jetzt aber einfach hohe Priorität vor allem seiner Mutter zu zeigen das er wieder da war, dass er überhaupt noch lebte. Die Vorkommnisse im Tal, die Wut der Erde, des Berges, der Natur.. der Götter, hatten es Chanuka immerhin auch um einiges schwerer gemacht heil hier anzukommen.
[ Amúr | abseits des Rudels ]
09.06.2013, 21:28
"Und wen hätten wir um Erlaubnis bitten sollen? Wir wissen nicht einmal jetzt, wer du bist."
Sie hob demonstrativ eine Braue und hoffte den Lauscher vielleicht damit aus den Bäumen locken zu können. Immerhin stimmte es. Dieser Wald schien ihnen allen verlassen, als sie ihn betraten. Keine Reviergrenze, die sie überschreiten mussten, oder irgendein anderes Anzeichen dafür, dass sie hier nicht willkommen sein könnten. Wenn es sich Parveen recht betrachtete war diese Tatsache merkwürdig. Dieser Wald schien wie geschaffen für ein Wolfsrudel und Beute musste es auch geben, hatte sie ja das verendete Karibu gefunden. Mit einem Schlucken versuchte sie das mulmige Gefühl in ihrer Magengegend zu vertreiben. Es konnte viele Gründe geben und die wenigsten davon würden auch auf dieses Rudel Auswirkungen haben. 'Wahrscheinlich hat der da oben alle anderen in den Wahnsinn getrieben und sie sind freiwillig gegangen…', dachte sie sich und biss sich auf die Zunge, damit sie es nicht laut aussprach. Immerhin wusste sie nicht, was dort war. Das Leben ging manchmal komische Wege und selbst harmlose Wesen konnten sich als Feinde entpuppen. Lieber Vorsicht…
"Du hast alles gehört," stellte Pav fest und war von dieser Tatsache nicht gerade erfreut. "Beobachtet du uns, seit wir hier sind?"
Es wäre nicht schön zu erfahren, dass ein gesamtes Rudel aus dem Dunkel der Nacht beobachtet wurde und keiner etwas gemerkt hatte, bis sich der Beobachter schließlich dazu entschloss, das Versteckspiel zu beenden. Es hatte etwas von… Angreifbarkeit. Parveen glaubte zwar nicht daran, dass dieses schnatternde Federtier eine Gefahr darstellte, aber trotzdem. .
11.06.2013, 20:45
„Ja.“, war seine knappe Antwort im nächsten Moment, bis er sich wieder gefangen und einen Beschluss getroffen hatte. „Immerhin ist er mein Großvater und ein Teil meiner Familie.“ Ein kurzer Seitenblick galt Kursaí, ehe sich ein blasses Lächeln auf seinen Lefzen zeigte. „Und er ist den ganzen Weg gelaufen, um uns einzuholen.“
Dabei beließ er es erst einmal. Erst einen Augenblick später wandte er den Kopf herum und fixierte seine Tante mit einem merkwürdig ernsten Blick, der ihm ein unheimlich erwachsenes Ansehen verpasste.
„Aber Jakash hat ihm nicht vorgeworfen, dass er im Nichts verschwunden ist. Er wirft ihm vor, davor verschwunden zu sein und Shani und euch allein gelassen zu haben.“
Seine Stimme klang eigenartig ernst und gefasst. Es war ihm wichtig, dies klarzustellen, weshalb er auch dazu gegriffen hatte, seinen Vater beim Namen zu nennen. Irgendwie wirkte das viel seriöser, wie er fand. Und in diesem Augenblick wollte er ja unbedingt ernst genommen werden. Wobei – ihn persönlich nahmen ja die meisten bereits ernst.
12.06.2013, 08:06
"Lieb von dir, dass du das sagst. Danke",
erwiderte er also ehrlich und mit einem Lächeln, und setzte sich dann langsam in Bewegung, nachdem Taleesha sich erhoben hatte. Ein paar Momente schwieg er, um der kleinen Fähe den Anfang des Gespräches zu überlassen. Taleesha schwieg jedoch und wirkte nachdenklich, daher beschloss Aszrem ein wenig nachzuhelfen.
"Also... magst du mir nun von deinen tanzenden Gedanken erzählen? Was geht dir gerade jetzt durch den Kopf?"
Für solche Gespräche war es nicht unbedingt wichtig, DE Anfang zu finden - irgendein Anfang reichte vollkommen.
[Taleesha]
12.06.2013, 14:17
Sie konnte nicht! Das arme Ding! Und der Bruder eilte auch gleich noch zur Hilfe... es wurde offenbar immer lustiger. Caylee sorgte für tatkräftige Unterstützung. Die blauen Augen behielten die Gleichaltrige im Blick. Manchmal mischte sich das Rot hinzu, sodass er seine Umgebung aus beinahe purpurnen Seelenspiegeln ansah, aber wenn er hier und da blinzelte, verschwand der fremdartige Farbton wieder.
„WAAAAAAH!“, schrie er plötzlich wieder. „HÖR AUF!“
Er krümmte sich vor Schmerzen zusammen und wälzte sich auf dem Boden herum.
„Schnapp dir doch die RUTE!“, krächzte er sterbend, winselnd und leidend. Es klang ein bisschen, als würde er fast ersticken. Wenn ihm der Name des anderen, lächerlichen Zwergs eingefallen wäre, hätte er diesen ebenfalls angefleht. Stattdessen vertiefte er seine Showeinlage noch ein bisschen und reizte alle Arten von Sterben ein bisschen aus. Für Wölfe, die bei klarem Verstand waren, sah das Ganze vermutlich eher ziemlich bescheuert und lustig aus, so dramatisch es auch sein sollte.
„Linaleeeeee!? Willst du zulassen, dass sie mich tötet?“
Es klang überaus anklagend. War echt frustrierend, dass man hier nicht mal von ach so gutherzigen Welpen gerettet wurde. Nicht einmal durch ein einfaches Ruteschnappen. Machten diese Winzlinge doch sowieso dauernd, oder? So komische Spielchen... Welpenkram eben.
[Bei Caylee, Malik und Linalee]
13.06.2013, 17:34
Sie merkte den verwirrten Blick Kishas auf sich ruhen, und konnte es gut verstehen. Wie musste sie sich fühlen? Sie konnte es sich gut vorstellen, hatte sie sich bei der missglückten Rückkehr gewiss ähnlich gefühlt. Sogleich schien es ihr auch, als ob sie eine Bestätigung von der Fähe bekam. Dies konnte sie sich einfach bei keinem Wolf vorstellen, erst recht nicht bei ihrem Vater. Hirgoya hatte seine Familie im Stich gelassen, war sogar zusammen mit ihr ein zweites Mal gegangen, doch würde er ohne weiteres ein drittes Mal freiwillig tun. Hinzu kam, dass Kursaí nicht glaubte, dass man absichtlich im Nichts landen konnte. So nickte auch sie leicht, und stimmte so der schwarzen Fähe zu.
Nach einem Moment der Stille, erhob die Patin des Kleinen wieder ihre Stimme, und stellte eine entschiedene Frage. Könnte er wirklich gleich wieder zurück gehen? Für manchen aus der Familie wirkte es so, doch sie konnte einfach nicht glauben, dass sich nicht auch Jakash freute. Auch wenn er ihn abgewiesen hatte, so musste er doch was für seinen Vater empfinden. Wäre ihre Familie vielleicht sogar besser dran gewesen, ohne seine Rückkehr? Doch so durfte sie nicht glauben, durfte das Geschenk nicht mal in ihren Gedanken zu einer Plage umwandeln, und so sagte sie nur:
"So scheint es zumindest. Und man hat fast das Gefühl, dass er sich das manchmal wirklich wünscht, so traurig es auch ist."
Man hörte richtig, wie ihr dies alles zu schaffen machte. Eigentlich hatte sie sich so gefreut, freute sich noch immer. Nun musste sie sich diese Stimmung aber kaputt machen lassen. Kurz glitt ihr Blick zu Isaí hinüber, jedoch schien es so, als ob er überfordert wäre, was sie ihm nicht übel nehmen konnte. Wie viel verwirrender musste es erst für ihn sein. Nun wandte sich auch Kisha ihm zu, wollte ihn wohl nicht außen vor lassen. So blieb ihr Blick nun länger bei ihm, und wartete geduldig auf die Antwort des Kleinen.
Kursaí war nicht davon überrascht, dass der Rote die Frage bejahte. Auch wenn er eine merkwürdige Stellung zwischen seinen Vater und Großvater eingenommen hatte, hatte er doch nie abweisend ihm gegenüber gewirkt. Umso mehr freuten sie sich über die nächsten Worte von ihm. So erwiderte sie den Blick, den er ihr zuwarf, äußerst freundlich und gutmütig. Dies schien ihr die richtige Einstellung und sie hoffte, dass der Kleine sie mit der Zeit nicht verlieren würde.
Doch nach einigen Momenten, sah der Kleine sie nun direkt an. Dabei blickte er sie nicht nur einfach an, sondern starrte sie regelrecht an. Dies hatte aber nichts von erstaunen, sondern vielmehr fixierte er sie und wollte scheinbar etwas von ihr. Dies schien so gar nicht richtig zu dem noch so jungen Wolf zu passen. Dies machte sie neugierig, und auch ein klein wenig verwirrt. Dies führte dazu, dass sich ihr Körper ein wenig straffte, ganz instinktiv. Gleichzeitig hörte sie aber nun noch genauer, noch gespannter zu.
Doch nicht nur seine Haltung und sein Blick, schienen nicht zu ihm zu passen, auch seine Stimme war nicht die eines Welpen. Das war wohl einer der seltenen Momente, in denen man auf den erwachsenen Wolf sehen konnte, der aus dem Kleinen werden würde. Doch so sicher war sie sich dabei auch nicht, hatte sie doch noch nicht so viel Lebenserfahrung.
Viel wichtiger schienen nun aber die Worte, die sie ein wenig verwirrten. Hatte sie etwa ihren Bruder falsch verstanden? Hatte er die ganze Zeit von der Vergangenheit geredet, und sie nur auf das jetzige projiziert? Sie glaubte nicht, dass der Kleine sie in dieser Hinsicht anlügen würde, und es musste ihn wohl auch einiges an Überwindung gekostet haben, dies zu sagen. So nahm sie es als Tatsache hin. Dennoch verbesserte dies das Ganze nicht. Isaí konnte dafür aber nichts und sie wollte ihn für seinen Mut belohnen, so sagte sie, nun auch im ernsteren Tonfall - noch ernster als zuvor:
"Okay, danke, Isaí, dass du mich aufgeklärt hast. Dies war mir nicht klar gewesen."
Der Rote konnte ja nichts für das Verhalten seines Vaters und es war eigentlich auch gut, dass er zu ihm stand, auch wenn sie mit Jakashs Verhalten nicht einverstanden war. Der Sohn gehörte zu seinem Vater, und doch sollte auch er das Verhalten von diesem werten. Sollte nicht einfach alles als gut stigmatisieren. So stellte sie die eine, entschiedene Frage:
"Und was sagst du zu dem Verhalten von deinem Vater?"
Sie wusste, dass es eine schwierige Frage war, eine, die sie vielleicht nicht hätte stellen sollen. Doch gleichzeitig hatte sie die Schärfe aus ihr sogleich wieder hinaus genommen, indem sie wieder in den Verwandtschaftsterminus übergegangen war, und ihn nicht Jakash genannt hatte. Zudem war ihre Stimme auch nicht mehr so ernst, vielmehr sanft.
[[Kisha und Isaí]]
14.06.2013, 00:12
Yjels Einleitung bestätigte Averic mit einem schlichten Nicken und lauschte dann seiner etwas herum gedrucksten Frage. Der Pechschwarze mochte im Umgang mit anderen zwar meist zu rau sein, selbst wenn er es nicht unbedingt beabsichtigte, aber in Gesichtern lesen, dass konnte er gut. Und so entging ihm nicht, dass Yjel scheinbar bereute diese Frage gestellt zu haben. Etwas vergrämtes zeichnete sich auf seinen Zügen ab. Bei Averic hingegen zogen sich die Mundwinkel leicht nach hinten. Tja, also war Yjel in dieser Sache auch nicht viel schlauer als er. Wenn er ehrlich war, hatte er auch nichts anderes erwartet. Und zur Abwechselung war es ganz angenehm zu hören, dass Fenris nicht nur mit ihm seine Spielchen trieb und auch andere darunter leiden durften. Kaum hatte Yjel ausgesprochen, was ihm auf der Seele lag, schwächelte er jedoch und zog die Frage zurück. Bedauerlicher Weise verstand Averic auch nicht besonders viel von Rücksichtnahme – außer es ging um seine Familie, aber sich für sie Mühe zu geben, war in seinen Augen mehr als genug – und interessierte sich daher nicht besonders für den selbst-gekränkten Stolz seines Gegenüber. Er kannte zwar keine genaue Antwort, aber ihm fiel genug ein, was er Yjel sagen konnte. Egal, ob dieser auf seine Runde verzichten wollte, oder nicht.
„Da gibt es einige Möglichkeiten. Auch mir hat es Fenris nicht gesagt. Vielleicht ist es Teil deiner Aufgabe, das selbst herauszufinden.“, mutmaßte der Pechschwarze mit einem kaum merklichen, dunklen Lächeln. „Anfangs habe ich geglaubt, dass du mir den Weg weisen solltest. Aber wie sich herausgestellt hat, brauche ich dich dafür nicht, denn Fenris weist mir den Weg selbst. Vielleicht bist du auch einfach nur die fleischgewordene Erinnerung, die mich meine eigene Aufgabe nicht vergessen lassen soll.“
Er wandte den tiefblauen Blick wieder nach vorne, um den Wolfsschatten zwischen den Bäumen zu fixieren. Averic glaubte selbst nicht ganz an seine Mutmaßung, aber sie war eine Möglichkeit, die dem Gott des Todes durchaus zuzutrauen wäre. Seiner Meinung nach wäre dies aber nur eine ziemliche Verschwendung.
Der fremde Wolf saß weiterhin nur im Schnee herum und regte sich kaum, obwohl er Averic und Yjel bereits bemerkt haben musste. Zumindest meinte Averic an der sich bewegenden Form der Silhouette ausmachen zu können, dass er sich zu ihnen gedreht hatte. Auf sie reagieren tat er weiterhin nicht. Ein wenig verdächtig kam ihm das schon vor. Verdächtig war allerdings auch Yjels Anmerkung von eben, auf die der Todessohn nun wieder zurück kam.
„Eigentlich wäre ich mehr daran interessiert zu hören, was du alles über Invidia weißt. Es sei denn, dir ist auch der Wolf da vorne schon kein Unbekannter mehr.“
Seine Augen musterten den kleineren Wolf neben sich mit einem scharfen, durchdringenden Blick. Der Pechschwarze war nicht dumm und Yjels Aussage hatte wie ein versteckter, vielleicht auch ungewollter Hinweis geklungen. Nach ein paar Herzschlägen entließ Averic den Helleren seinem Blick und er schritt zielstrebig, zur vollen Größe aufgerichtet, auf den anderen Rüden zu. Er war noch etwas wachsamer als vorher und bereit auf alles zu reagieren, was kommen würde. Aber der dunkle Fremdling entpuppte sich beim Näherkommen sogar als noch kleiner als Yjel. Bedrohlich war er für ihn nicht und damit auch keine Gefahr für das Rudel.
[ Wald | Yjel, Ayar ]
14.06.2013, 01:06
Als die Blauäugige ihre Zähne in Richtung der viel Jüngeren fletschte, zuckte Linalee zusammen. Sie konnte sich keinen Millimeter bewegen, selbst wenn die weiße Hexe jetzt auf sie zugestürmt würde kommen. Ihre Nackenhaare standen senkrecht nach oben, sie hatte die dünne schwarze Rute zwischen ihre kleinen Beine geklemmt, so fest es ging, als wünschte sie sich, dadurch unauffälliger zu sein. Doch ihren Blick von Caylees merkwürdigem Funkeln in den Augen abwenden konnte die Kleine auch nicht, und so blieb sie im bann der Hexe, bis eine schneidende Stimme sie aus den Gedanken riss.
Ein kleiner, weißer Rüde war zu der Szenerie gestoßen, und Linalees Atmung ging stoßweise, als sie ihren Bruder erkannte. Im ersten Moment überfiel sie die glatte Panik, da sie fürchtete, dass Caylee sich nun auf ihr Geschwisterkind würde stürzen, um sie dafür zu bestrafen, dass sie Krolock nicht half – nicht helfen konnte. Weil sie ein mutloses, kleines Ding war, ein Hasenherz für immer. Sie wünschte sich in den ersten paar Sekunden, in denen ihre angsterfüllten, kugelrunden Augen Malik betrachteten, es wäre doch Isaí gekommen, denn der war viel größer und kräftiger als Malik, und Malik würde Caylee bestimmt auch nicht lange entgegen halten können.
Doch dann überwog mit einem Mal die Hoffnung, und Linalees Gedanken an den roten ihrer Brüder war wie weggewischt. Warum sollte sie auch an dem Weißen zweifeln? Seine schneidende Stimme, sein dominantes Auftreten, sein Mut - all das, was sie eigentlich auch hätte haben sollen. Mit einem panischen Quietschen huschte Linalee zu ihrem schmächtigeren Bruder und kroch hinter ihn, ihren bebenden Körper an sein weißes Fell gedrückt
“P-pass a-auf, Malik!“, brachte sie nur ein hysterisches Flüstern zustande, und unterdrückte ein kleines Kreischen, als Krolock wieder zu brüllen begann. “S-sie f-f-foltert i-ihn! Kr-krolock! Krolock!“
Oh, wie sie wimmerte, oh, wie sie litt! Dieser arme, schwarze Rüde – er hatte der Hexe doch nichts getan! Was genau trieb die Helle dazu, ihn so zu quälen? Linalee verbarg ihr Gesicht hinter Maliks Rücken, um nicht mehr mit anzusehen müssen, welche Höllenqualen der Blauäugige erleiden musste. Warum rief er nach ihr? Er sollte einen anderen Namen rufen, einen mutigeren Namen, einen, der ihn retten konnte! Sie war nur ein feiges, kleines Geschöpf, das sich hinter seinem großen Bruder verbarg und gedankliche Qualen durchlitt, während sie gezwungen war, den Schreien des Schwarzen zu lauschen.
Schließlich hielt sie es kaum noch aus, riss die Augen auf und stierte voller Furcht zu Caylee herüber.
“B-bitte! H-hör a-auf! H-hör b-bitte auf! Kr-krolock! Halte d-durch! Cay-lee, so h-hör doch a-a-auf!“
Jetzt schluchzte sie beinahe. Sie konnte es nicht länger mit ansehen, konnte kaum ertragen, was sich da vor ihren unschuldigen Augen abspielte. Wie konnte Caylee nur so grausam sein? Sah sie denn nicht, dass Krolock keinerlei Gegenwehr zeigte? War das nicht das, was Isaí als feige bezeichnet hatte? Besaßen weiße Hexen keine Ehre, keine Scham? Ließ sie denn alles kalt, sogar, wie die Sheenatochter litt. . . ?
16.06.2013, 18:48
„Siehst du. Dann wird‘ sicher auch der Rest der Familie zur Vernunft kommen.“
Ihr selbst kam diese Wortwahl ein wenig falsch vor, wo sie nicht einmal wirklich erlebt hatte, was nun wirklich zwischen Jakash und seiem Vater vorgefallen war. Aber sie konnte auch keinen der besagten Wölfe sehen, und sie vertraute Isaí, dass er ihr die richtige Seite erklärte, und sich keinerlei Lügen oder dergleichen dazu ausdachte. Zumal er keinen Grund hatte, weder seinen Vater noch seinen Opa in ein schlechtes Licht zu rücken. Sie selbst erinnerte sich nur noch dunkel daran, dass Hiryoga damals verschwunden war. Aber er war zurück gekommen – und wie Kisha fand war das Etwas, was man ihm anrechnen musste. Genau wie die Tatsache, dass ihr ihnen nun gefolgt war, wie Isaí zuvor erwähnt hatte. Aber vielleicht sah sie die Sache einfach nur anders, Jakash hatte mehr mit Hiryoga zu tun... die Dunkle neigte also nur leicht den Kopf, musterte dann den Roten bei seinen Worten und schielte dann zu der Grauen hinüber, die nun eine Frage stellte. Bei diesen Worten verdrehte die Schwarze leicht die Ohren und hob eine Augenbraue. Sie wußte nicht, wie Kursaí zu ihrem Bruder stand, aber sie selbst verstand beide Seiten, selbst wenn sie nicht direkt betroffen war. Auf Isaís Antwort wartend ließ sie den Kopf also wieder ein wenig sinken und blickte ihren Patensohn ruhig an.
[Isaí & Kursaí]
18.06.2013, 17:25
Sie befand sich auf unberührtem Land. Tausend Blitze zogen ihre Bahnen durch ihren Körper, als seine Schnauze hauchzart über ihr Fell strich und sie seinen warmen Atem an ihrem Ohr spürte. Ein Prickeln war dort zu spüren, wo er sie berührt hatte. Es war so überraschend und doch angenehm. Wieso reagierte sie so auf ihn, wieso gerade jetzt? Zugegeben: Es machte sie sogar glücklich die Zeit jetzt nur mit ihm verbringen zu können. Sie konnte es genießen, wollte es sogar, doch plötzlich schien sie etwas zu hindern. Wie ein schädlicher Parasit nistete sich ein Gedanke in ihren Kopf ein und ließ den zierlichen Körper verkrampfen. Samirez zählte zu ihren Freunden, es war also verständlich, dass er mit ihr herum alberte. Ging er deshalb soweit mit seinen Späßen? War alles Teil eines Spiels, um sie zu ärgern? Es fühlte sich wie ein Schlag ins Gesicht an, der sie auf den Boden der Tatsachen fallen ließ.
„Lass das.“, kam es ungewollt scharf über ihre Lefzen. Gleichdarauf bereute sie es diesen Ton angenommen zu haben und legte entschuldigend die Ohren an den Hinterkopf. Zum zweiten Mal in kurzer Zeit war sie ganz froh nicht in die goldenen Augen des Prinzen sehen zu müssen. Aber wie redete sie sich aus dieser Misere bloß raus? Sie schloss langsam ihre Augen und fing an sich zu sammeln.
„Ich hatte eigentlich vorgehabt zu fragen, ob du nicht Lust hast dir die Gegend anzusehen. Nur ein kleiner Spaziergang durch den Wald.“
Schnell musste sie sich was aus dem Ärmel schütteln und tada! – Es hatte tatsächlich geklappt! Er würde hoffentlich denken, dass sie die den Scherz abgebrochen hatte, weil sie noch vorhatte durch den Wald zu streifen. Ja, hoffentlich.
22.06.2013, 17:32
Eigentlich interessierte es Yjel nicht weiter, was Averic von ihm hielt. Sein Stolz war unerschütterlich, was irgendeiner dieser Sternenwindwölfe von dem Schielauge hielt, prallte von ihm ab. Deswegen konnte sich der Graue nicht erklären, weswegen es ihm so unangenehm war, so holprig und unbedacht in Bezug auf Fenris zu sein. Averic war keineswegs ein dummer Wolf und auch wenn er es Yjel nicht wissen ließ, er hatte sicher bemerkt, dass der Graue vor ihm zwar alles über den Todesgott wissen wollte, andererseits diesbezüglich keine Fragen kannte. Denn wie konnte man eine Frage bilden, wenn man keine Grundlage hatte? Wenn man wusste, dass es der Gott des Todes sowieso nicht für wichtig hielt, was dieses dumme Schielauge wusste und was nicht? Wahrscheinlich war Fenris deswegen der Gott des Todes, weil sich die meisten Wölfe, mit denen er so herum spielte wie mit Welpen, aus Verzweiflung ihres Nichtwissens von der nächstbesten Klippe stürzten. Und auch Averics Erwiderung klang für ihn eher wie eine Art der Problembeseitigung, wie Yjel sie nicht leiden konnte. 'Warten'. 'Hoffen'. Tze ... bei Fenris Dickschädel würde er anscheinend bis an sein Lebensende warten müssen, um zu erfahren, was das Ganze hier für einen Sinn hatte!
Zumindest musste Yjel darüber Schmunzeln, was Averic bezüglich Fenris Plans mutmaßte.
"Vermutlich hast du Recht, Todessohn. Wenn du möchtest, kannst du mich gerne mit 'Mein Prophet' ansprechen und mir die Pfoten lecken, dafür, dass ich dich daran erinnere, irgendwas zu tun." Wie es für Yjel typisch war, wiegelte er seine Zweifel ab, verschleierte sie hinter einem dummen Spruch und versuchte, das Problem bei Seite zu schieben. "Wenn Fenris es schon nicht für sinnvoll hält, uns unserer Aufgaben gewahr zu werden, sind wir doch auch nicht in der Pflicht, dies einzuhalten? Ein ziemlich maroder Pakt ist das..." setzte Yjel hinzu und blickte auf den Schatten vor ihnen.
Er wusste nicht, was dieser Wolf von ihnen wollte. War er bewusst zu den Sternenwindwölfen gekommen, um sich ihnen anzuschließen? Hatte er von ihnen gehört? Oder war er nur wegen Yjel hier? Der Graue vermutete, dass auch der Schwarze keine Antwort auf diese Fragen wusste .... vermutlich hatte Fenris mehr Puppen in diesem Spiel, welches sich Leben nannte, als er dachte. Vielleicht hatte auch er diese Unruhe in sich, diese Dynamik, die ihn antrieb, irgendetwas aufzusuchen ... oder irgendwen ... War das wirklich Zufall, dass der Graue und der Schwarze beinahe im selben Zeitraum zu dem Rudel der Sternenwinde kamen? Yjel konnte diese Frage augenblicklich mit Nein beantworten. Nunmehr war er sich sicher, dass Fenris der Grund war, warum der fremde Wolf zu Yjel und Averic kam. Averic riss ihn aus seiner Gedankenwelt und er antwortete, mit seinem Blick fest auf den Schwarzen gerichtet. "Glaubt mir, Invidia ist nicht halb so interessant wie das, was hier vor sich geht. Wenn ich richtig vermute ist das da ... niemand anderes als ...Ayar?"
Ayar & Averic
OOC: Ayar wir müssen nochmal reden bezüglich wann wir uns ungefähr getroffen haben & so. xD
23.06.2013, 13:42
''Die Tiere? Achja...ich finde es schön andere Wesen zu beobachten. Man muss nur genau hinhören und sie erzählen dir etwas, wenn auch meist sehr versteckt.''
Euphorisch zwinkerte sie ihm zu und versicherte dem Wolf somit ihre Worte. Eigentlich wäre es schön, wenn er sich eines Tages neben sie setzen würde und den Frühlingsliedern eines Schmetterlinges lauschen würde. In Chanuka hatte sie Vertrauen, dass er schweigen würde. Sie würde ihm alles übersetzen, ihm alles erzählen was Taube und Gams wussten - er musste ihr nur die Zeit und das Verständnis geben, dass sie zu sowas in der Lage war und ihm keine Ammenmärchen andichtete. Sie sah es schon vor sich, aber der Winter brachte nur wenig Zauber zu ihren Wünschen herbei und Amúr ließ diesen Gedanken vorerst mit der kalten Luft weiterziehen.
Schließlich war Chanuka erst wieder angekommen. Es war seine Entscheidung, was er nun tat und was er beließ und nach seinen Worten zu folge, wollte er zu Tyraleen. Ihrer Mutter. Aber natürlich, er hatte es ja versprochen und Amúr war nicht davon abgeneigt diesem nachzugehen, auch wenn sie inständig hoffte dabei nicht auf eine Seele zu treffen, die ihr in diesen Zeiten unlieb war. ''Natürlich komme ich mit. Auf! Ich zeig dir wo sie sich grade aufhält. Mutter wird sich bestimmt freuen dich zu sehen.'' Der Fang Amúrs deutete ein Lachen an und der Wind zupfte liebevoll an ihren Tasthaaren, ehe sie sich etwas wand und nochmals hinter ihre Schulter sah. ''Sie sind nicht weit. Vielleicht hast du ja auch Glück und es ist noch was von dem Wild übrig, was vorhin gerissen wurde.'' Die graue Fähe blickte nach vorne und setzte einen weichen Trab ein, der den Schnee unter sich eingehen ließ. Der Wind wehte zart durch ihr Fell, teilte es an manchen Stellen wie Rinnsale und erbot helleren Haaren unter der dunklen Melierungen etwas hervorzuschauen.
Sie gingen nicht weit, mussten nicht lange das Gefühl der Einsamkeit hinter sich lassen, da spürte Amúr bereits den Geruch ihrer Mutter und die Fährte Invidias und Sheenas. Die Wölfin wurde etwas langsamer, nickte dann Chanuka mit treuer Zuversicht zu und ließ den Klang ihrer Stimme zu der weißen Wölfin wandern, die wie eine Waldgöttin in dem dünnen Licht des Mondes stand. Ihre Rute wedelte wieder aufgeregt, ihre Stimme verdrängte alle Sorge, die noch vor einigen Tagen in ihrer Laune gelegen hatte.
''Mutter.'' Mit Respekt wog sich ihr Blick zu den anderen, da sie fürchtete wohl ein laufendes Gespräch unterbrochen zu haben. Nicht grade die beste Variation eine Unterhaltung zu bringen, doch dies war wichtig! Sehr sogar. ''Schau wen uns der Wald wiedergegeben hat...!''
Ach' es war ein schöner Anblick, wie stolz Amúr zur Seite ging und hinter sich Chanuka preisgab. Irgendwie schien sie etwas aufzublühen, wenn auch noch sehr schüchtern und zurückgehalten, doch es machte sie stolz, dass sie die erste Seele war, der er begegnet war. Ihr Bruder. Ihr Stolz. Freudig wedelte sie und war gespannt auf die Blicke und Worte der anderen, vor allem jener Reaktion ihrer Mutter.
23.06.2013, 18:07
Als er sich an seine Tante gewandt hatte, nahm er ihre Antwort mit einem zögerlichen Schnippen der Lauscher auf. Er hatte nicht wirklich gewusst, mit welcher Reaktion er gerechnet hatte, aber umso schwerer fiel es ihm in diesem Moment, abzuwägen, ob das nun gut oder schlecht war – er wusste nicht recht einzuschätzen, ob die Worte wirklich das bedeuteten, was sie erahnen ließen. Hatte die Graue tatsächlich verstanden? Würde sich nun irgendetwas ändern? Oder war es bloß eine Phrase gewesen, um ihn abzuspeisen? Die Berührung seiner Patin riss ihn etwas aus der Starre, sodass ihm bewusst wurde, dass er Kursaí noch immer fixiert hatte. Augenblicklich entspannte sich sein Stand etwas und sein Blick glitt rasch zu der Dunklen an seiner Seite, von der er sich – nun, wo sie endlich wieder da war – ebenfalls Hilfe erhoffte. Doch einen Moment später trieb ihn die Frage der Grauen geradewegs zurück. Er hob den Kopf, stellte die Ohren und zögerte. Er wusste genau, was er sagen wollte, doch er war sich nicht recht sicher, ob es auch richtig war, es auszusprechen. Am liebsten hätte er zuerst Tyraleen gefragt, hätte sich mit ihr beraten, um herauszufinden, ob das, was er dachte, was er fühlte wirklich das Richtige war. Doch allmählich wurde es Zeit, dass er sich seiner Sache selbst sicher wurde – es wurde Zeit, dass er selbstständig wurde und nicht davor zurückscheute, etwas zu tun, was andere für falsch halten konnten. Solange er es für richtig hielt, war es richtig. Und so lange konnte ihm keiner was.
„Ich verstehe ihn. Ich wäre auch enttäuscht, wenn er einfach wortlos verschwinden würde.“, erklärte er schließlich mit fester Stimme und erwiderte den Blick seiner Tante, ehe sich die Stellung seiner Ohren etwas entspannte. „Aber das heißt nicht, dass ich mich nicht freuen würde, wenn er zurück käme.“
24.06.2013, 11:10
SL für Atalya, Turién und Parveen:
Offensichtlich trübten auch die weiterhin mehr als ablehnenden Reaktionen der Wölfe die Laune des Wesens in der Dunkelheit nicht sonderlich. Es war ein Rascheln zu hören, ein Wicka, dann eine kurze Stille und schließlich kam es dann doch etwas ernster, aber noch immer erheitert von oben:
“Feige? Feige nennst du mich, du langbeiniges Hasenohr? Das lasse ich aber nicht auf mir sitzen!
Und tatsächlich war nun wieder Rascheln zu hören und schließlich leichter Flügelschlag, der einen großen, unter den Flügeln schillernd goldenen Vogel zum Vorschein brachte. Zielsicher landete der auf einem niedrigeren Ast außerhalb des Schattens und doch zu hoch für eine Wolfsschnauze. Abgesehen von dem Gold unter seinen Flügeln, prangte ein großer roter Punkt auf den Wangen und ein langer, schwarzer Schnabel richtete sich fast ein wenig herausfordernd auf die drei Wölfe. Vor ihnen saß ein mehr als prächtiges Exemplar eines Goldspechtes, der ihre Welpen momentan noch überragen würde.
“Man kann uns ja vieles nachsagen, aber feige sind wir nicht.“
Und jetzt flötete er auch wieder eine ganze Salve von amüsiertem Wicka-Wicka-Wicka-Wicka-Wicka.
“Ich bin Xykotokax, der Wächter dieses Waldes. Wenn du also ebenfalls Manieren hast, blauäugiges Langbein, dann stell dich vor und bitte darum, eine Zeit hier rasten zu dürfen.“
Wicka-Wicka-Wicka-Wicka Schon lachte er über seine eigenen Worte - offensichtlich erwartete er nicht wirklich, dass Parveen nun um irgendetwas bitten würde - und schüttelte seine Federn.
“Aber selbstverständlich. Ihr seid hier eingedrungen, es ist meine Pflicht dafür zu sorgen, dass ihr keinen Unfug anstellt. Aber dein kleiner Raudaubolzen mit den komischen Augen scheint davon eine Menge im Kopf zu haben.“
Offensichtlich kannte der Vogel Wölfe, sonst hätte er kaum in Parveen die Erwachsene und richtige Ansprechpartnerin erkannt.
25.06.2013, 16:25
Als sie voller Panik hinter ihn flüchtete, trat Malikgleichzeitig ein Stück zurück und senkte den Kopf, bis seine Nase ihr übergroßes Ohr berührte. Für Caylee sah es hoffentlich so aus, als würde er sie nur beruhigen wollen. Dabei hatte er sich gut überlegt, was er ihr nun zuflüstern wollte.
„Lauf ganz schnell und such jemanden, der uns helfen kann. Hörst du? Wenn ich es sage, läufst du los.“
Er gab sich Mühe, trotz seiner Aufregung nicht so schnell zu sprechen, damit Linalee ihn verstand. Wenn sie loslief, würde er einfach an ihrer Stelle nach der Rute schnappen, vielleicht half es ja tatsächlich. Aber auf alle Fälle würde es Caylee von dem flüchtenden Welpen ablenken und verhindern, dass sie sie aufhielt. Wenn das mal kein Wahnsinnsplan war. Er hatte nur ein bisschen Bedenken, ob seine Schwester das schaffen würde. Wenn sie vor Angst stolperte oder kein verständliches Wort herausbrachte und er deshalb von Caylee gefressen wurde ... das wäre nicht so super. Am liebsten hätte er Hilfe geholt und die kleine Schwarze angewiesen, endlich in diese verdammte, wedelnde Rute zu beißen, aber er war sich ziemlich sicher, dass der Plan dann noch weniger aufgehen würde.
„Oder weißt du was? Lauf ein Stück in Richtung der Anderen und dann rufst du um Hilfe, so laut wie du kannst. Einfach rufen, wie ein ... eh, Eichelhäher. Ganz laut alle warnen, irgendwer kommt bestimmt.“, wisperte er erneut.
Irgendwer, oder das ganze Rudel, wenn klein Linalee um Hilfe rief. Aber das konnte heute ja absolut nicht schaden. Auch wenn niemand im positiven Sinn von Krolock gesprochen hatte, Malik konnte doch auf keinen Fall zulassen, dass jemand ihm weh tat. Er kannte die beiden Jungwölfe nicht näher und ahnte deshalb natürlich nichts von dem Spiel, das sie mit den beiden Welpen trieben. Und jetzt mussten sie handeln, ehe Linalee zu lange darüber nachdenken konnte, dass sie das alles nicht schaffen würde. Der Weiße ließ sie nicht zu einer Erwiderung kommen, sah ihr kurz eindringlich in die sonnengelben Augen und nickte dann ganz leicht.
„Du schaffst das. Ich verlass mich auf dich. Bei drei.“, wies er an, sah kurz auf und schätzte den Abstand zu Caylee, dann zählte er. „Eins. Zwei. Drei!“
Und damit schoss er nach vorn wie ein aufgescheuchter Schneehase, sein Herz raste schneller als seine Pfoten auf den Boden trommelten und der Schnee bei jedem Sprung raschelte und knirschte. Leider hatte sich Caylee inzwischen wieder umgedreht, so dass ihre Rute das Letzte war, was er auf direktem Weg anspringen und schnappen konnte. Und weil er selbst schneller war als seine Überlegungen, was er jetzt machen könnte, war er eher bei der Weißen, als dass er sich entschieden hatte. In der Hoffnung, dass Linalee einfach tat, was er ihr gesagt hatte und schnell handelte, schnappte er sich einfach das, was ihm am nächsten war: Caylees linken Lauf. Irgendwo in seinem Kopf kreischte ein Alarm los, dass das was er da machte ein riesiges Tabu war. Er durfte doch keinen Erwachsenen in vollem Ernst beißen! Die spitzen Welpenzähne gruben sich nicht tief in ihren Lauf, weil der vor allem sehnig, dünn und fellig war, aber trotzdem, er machte etwas absolut Verbotenes. Aber trotzdem ließ er nicht gleich wieder los, hing mit aufgerissenen Augen am Bein der Weißen und knurrte sogar ein bisschen, wie er es immer tat, wenn er sich mit seinen Geschwistern um ein Stück Fleisch stritt. Hoffentlich machte Linalee schnell!
26.06.2013, 14:36
Denn nun ging es darum, dass der Kleine sie belehrt hatte. Ihre Antwort schien ihn nicht ganz zu befriedigen. Glaubte er ihr nicht? Es ging soweit, dass er sie regelrecht anstarrte. Kursaís Seelenspiegel erwiderten seinen Blick. Jedoch lag in ihnen keine Herausforderung. Vielmehr waren sie freundlich und verständnisvoll. Auch ihre ganze Haltung war recht entspannt. Jedoch dieser Moment ging vorbei. Doch dann kam ihre Frage. Zum falschen Zeitpunkt? Sie bekam auch das Gefühl, dass sie Kisha nicht passte. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie sie ihre Ohren verdrehte und es kam wieder die Frage: War es gut, dass sie diese Frage gestellt hatte? Kisha fand dies anscheinend nicht. Noch während sie auf die Antwort wartete, blickte sie für einen kurzen Moment vollständig zu der anderen Fähe hinüber. Hatte sie sie richtig eingeschätzt? War es wirklich Missbilligung gewesen, was von ihr gekommen war?
Ihr Blick glitt aber wieder zu Isaí hinüber, um ihn ging es ja. Kursaí wartete gespannte, jedoch drängte sie ihn nicht. Es war ihr nur allzu verständlich, wenn er eine Weile für eine Antwort brauchte. Sie wollte ihm nicht das Gefühl geben, ihn zu hetzen. Jedoch schien es so, als ob er seine Unsicherheit recht bald überwand und seine Stimme erhob. So lauschte sie aufmerksam den Worten des Kleinen. Er schien sich seiner Sache sicher zu sein, und dann schien es auch so, als ob er seinen Vater sofort wieder in den Schutz nehmen würde. Doch dann wurde Kursaí eines klar: 'Er verstand ihn' - das bedeutete ja nicht, dass er es auch so tun würde. Mehr hatte sie nicht erwartet, und so nickte sie dem Kleinen zufrieden zu. Nun pendelte ihre Rute ein wenig stärker, und auch sonst war sie freundlicher. Auch wenn sie zuvor nicht abweisend zugehört hatte, sondern vielmehr nur gespannt auf eine Antwort und abwartend. Es war neutral gewesen, doch bei seinen letzten Worten, war sie sich sicher, einen Verbündeten gefunden zu haben.
Es schien ihr auch so, als ob sie den Kleinen vor genügend schwierige Fragen gestellt hatten. So schwieg sie kurz, und sagte dann:
"Vielleicht schaffen wir es ja, deinen Vater davon zu überzeugen, dass nun da Hirgoya wieder da ist, es keinen Grund zum Grollen gibt."
Ganz bewusst hatte sie 'wir' gesagt, denn sie wollte den Kleinen nicht außen vor lassen. Außerdem glaubte sie, dass Jakash vielleicht auf ihn mehr hören würde, als auf sie selber. Zusätzlich glitt ihr Blick kurz zu Kisha. Auch sie könnte eine Hilfe sein. Wobei wahrscheinlich weniger bei Jakash sondern der restlichen Familie. Sie würden es schon schaffen, Engayas Geschenk in voller Pracht genießen zu können.
{ Kisha und Isaí | beim Rudel }
29.06.2013, 20:11
Plötzlich spürte er, wie sie sich unter ihm verkrampfte. Irritiert hob er den Kopf etwas an und lehnte sich zurück, als ihre harten Wörter ihn wie Schläge trafen. Die Augen verengten sich leicht, während der Rüde sich auf die Hinterläufe sinken ließ und die Wölfin schweigend betrachtete. Sie hielt den Kopf abgewandt, sodass er nicht in ihre Augen blicken konnte oder zumindest ihre Miene lesen. Die Zurückweisung tat ein wenig weh, doch der Rüde versuchte sie bestmöglich herunter zu zucken. Er musste sich selbst daran erinnern, dass er auch nur ein Freund von ihr war, nicht mehr... mehr wollte er ja auch gar nicht. Oder? Das war nun wirklich eine dämliche Situation. Was sollte er denn nun sagen, tun? Was wollte er denn überhaupt?!
Stumm nahm er ihre Worte hin. Den Wald erkunden? Klar. Toll. Er konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen. Die Zurückweisung pochte in seinem Körper wie eine offene Wunde.
“Ja, klar, wieso nicht.“, klangen seine Worte wirklich so tonlos wie er sich gerade fühlte? Hoffentlich nicht.
Der Helle erhob sich flink auf die Hinterläufe und diesmal war er es der den Blick abwandte um der Wölfin nicht in die Augen blicken zu müssen. Er wollte nicht, dass sie entdeckte wie Enttäuscht er war. Doch was hatte er sich auch daraus versprochen? Hatte er geglaubt das sich alles so einfach ändern konnte? Sie waren damals quasi Feinde gewesen. Wie hatte er nur denken können, dass sich so etwas einfach so ändern konnte?
“Dorthin?“ fragte er um seine eigene Niedergeschlagenheit zu überspielen. Mit der Schnauze deutete er auf den Wald, der sich nur wenige Meter vor ihnen erstreckte. Er hatte nicht mal wirklich Lust. Aber was sollte er auch schon sagen? Der Wolf war schon in den See gefallen. Die Situation war kaputt. Jetzt war es auch egal. Total egal.
30.06.2013, 00:43
„Na, da wird wohl irgend ein Tier sein, das sich von uns gestört fühlt.“
In der Luft witternd näherte er sich dem Baum, konnte jedoch nichts übermäßig ungewöhnliches feststellen. Allerdings war der harzige Geruch des Baumes ziemlich stark und mochte so kleine, entfernte Noten, die von einem ungünstig stehenden Wind nicht getragen wurden, übertünchen. Der schlaksige Jährlingsrüde stellte sich auf die Hinterläufe und stützte sich mit den Vorderpfoten an der Rinde ab. Chardím reckte die Schnauze empor, noch einmal versuchend eine Witterung aufzunehmen. Gleichzeitig konzentrierte er sich aber auf jede noch so kleine Bewegung. Wolfsaugen waren perfekt dafür gemacht auch winzigste Regungen schnell registrieren zu können. Und er hatte keine Lust gleich den nächsten Zapfen auf die Schnauze zu bekommen und war bereit wieder weg zu springen, sollte etwas fallen gelassen werden.
„Es ist ziemlich unhöflich andere mit Zapfen zu beschmeißen und sich dann auch noch feige zu verstecken!“,
bellte er ins Geäst hinauf.
[ Wald | Jakash ]
30.06.2013, 09:55
„Und was willst du tun, wenn wir dich nicht um Erlaubnis bitten?“
Die junge Fähe neigte leicht den Kopf, was sollte dieses Federtier ihnen schon anhaben können? Wächter des Waldes hin oder her, er war trotz allem nur ein Vogel. Vielleicht recht groß, jedoch war das Nichts, was der Grauen Angst machte. Der Gedanke, dass sie die ganze Zeit beobachtet worden waren, ließ sie kurz zögern, aber es war nun eben so. Und was sollte der Vogel schon mit diesem Wissen anfangen? Also verließ nur ein weiteres Schnaufen den Fang der Fähe, ehe sie die rötlichen Augen noch einmal auf ihren Bruder richtete, der sich bisher sehr still zu dieser Situation verhielt, und dann wandte sie sich wieder an Parveen, die ebenfalls auf den Vogel konzentriert war.
[Abseits – Parveen, Turién & Xykotokax]
02.07.2013, 13:01
Als sie dann noch auf seine Frage antwortete und die Zustimmung gab, dass sie mitkommen würde, löste ein schmales Lächeln den vorherigen neutralen Ausdruck für einen Moment ab. Allerdings fand er den mittleren Teil der Antwort, den er auch ein bisschen als eine Rechtfertigung für ihre Entscheidung betrachtete etwas komisch. Gefunden hätte er Tyraleen bestimmt auch selbst. Nur weil er so lange weg gewesen war, war ihm doch nicht die Nase vom Kopf abgefallen, die funktionierte immer noch einwandfrei! Ihm blieb aber auch gar nicht sonderlich viel Zeit um darüber irgendwie intensiver nachzudenken. Eine Kernaussage über etwas Essbares ließ seine Lauscher aufmerksam auf zucken. Sein Kopf hatte sich derweil etwas nach oben geneigt, ehe er sich versah hatte seine Schwester sich aber auch schon langsam in Richtung Tyraleen aufgemacht. Da er selbst keine Zeit mehr vergeuden wollte machte er sich dann ohne zu zögern daran ihr zu folgen. Obwohl er nun ja schon ein kleines Weilchen wieder da war bemerkte er erst jetzt, dass dich da doch ein wenig Anspannung in ihm ausbreitete. Viel mehr aber auch im positiven Sinne. Während des gesamten Weges – der im Nachhinein kürzer ausfiel als erwartet – war bei fast jedem seiner Schritte die Rute im Takt hin und her gependelt. Erst als drei Wölfe vor ihnen zu sehen waren, darunter eben auch seine Mutter, musste Chanuka kurz stehen bleiben. Parallel dazu hatte auch das Pendeln nachgelassen. Die Anspannung hatte zu diesem Zeitpunkt wohl ihren Höhepunkt erreicht. Es war nicht mal ansatzweise mit dem privaten Treffen mit Tyraleen zu vergleichen. Tja, das wäre dann wohl das offizielle „Hey, ich bin wieder da!“
Deutlich langsamer und weniger aufdringlich als Amúr ging der Rüde nun also auch die letzten paar Meter, sachte Pfote vor Pfote, auf die drei Wölfe zu. Ihm war es ein wenig unangenehm das er und seine Schwester sie wohl bei irgendetwas unterbrochen hatten, im schlimmsten Fall sogar bei einem sehr wichtigen Gespräch. Dennoch überwog die Freude und seine Rute wedelte wohl noch mehr als sie es zuvor schon getan hatte. Er fand es etwas übertrieben welch großen Trubel Amúr in diesem Moment um seine Rückkehr machte, besonders weil er ja gar nicht so lang weg gewesen war. Irgendwo konnte oder versuchte er es aber auch zu verstehen. Chanuka war nie jemand gewesen der seine Freude schier in jeder Situation auch durch Tätigkeiten deutete, besonders dann nicht wenn sich so viele Wölfe, Freunde in seiner Nähe befanden. Natürlich hätte er sich grade nur zu gern auf diese Art und Weise an seine Mutter gewandt – wie hätte es nach dieser Zeit auch anders sein können? - aber das musste wohl noch ein bisschen warten. Er hielt es für verkehrt bei all denen die hier waren, wobei wohl jeder irgendwie etwas in die Richtung verdient hätte. So trat er also noch kurz ein, zwei Schritte weiter nach vorn, wanderte mit den Augen zwischen den drei Wölfen umher und erhob dann die Stimme.
“Hallo.“
Das.. war dann wohl das einzig richtige was er jetzt grade rausbekommen konnte. Sein Herz hatte angefangen schneller zu schlagen, seine Mimik war von einem deutlichen Lächeln geziert und die Rute pendelte nach wie vor. Wenigstens das zeigte sich nach außen hin, eigentlich war das aber auch das Mindeste wenn er schon die Annäherungen unterdrückte. Genau jetzt musste er aber auch an eine Sache denken, die seine Freude fast gestürzt hätte. Eigentlich wollte er nämlich nicht alleine zum Rudel zurückkehren.
[Amúr, Tyraleen, Sheena, Invidia | zwischen uralten Bäumen]
06.07.2013, 22:50
Glücklicherweise wiederholte Malik, was er gesagt hatte, nachdem er sich zwischenzeitlich noch eine Denkpause gegönnt hatte. Und obwohl Linalee noch immer die Angst in allen Gliedern steckte, kam ihr die Idee des Helleren so ungemein logisch vor, dass es für sie außer Frage stand, es nicht zu versuchen. Davon einmal war sie doch gerade eben zu Malik gestürmt – von wegen, dass die Panik ihre Knochen starr und ihre Muskeln lahm machte. Dahinter konnte sie sich nicht mehr verstecken – nein, nein, nein. Sie hatte gefälligst etwas mutig zu sein! Wie viel es mit Mut zu tun hatte, in die entgegen gesetzte Richtung der Bedrohung zu laufen, war allerdings auch noch so eine Frage, derer sich die kleine Schwarze lieber nicht stellte.
“A-a-aber“, begann sie plötzlich panisch flüsternd – ihr war da etwas eingefallen.
Wenn sie Hilfe holte – wer passte dann auf Malik auf? Konnte er ganz alleine gegen die weiße Hexe bestehen? Mit angsterfüllten Augen stierte sie ihren weißen Bruder an, sie wollte, nein, sie konnte ihn unmöglich alleine lassen! Würgend schluckte die Kleine etwas Spucke herunter, die ihr vor lauter Aufregung halb im Halse stecken geblieben war, und noch bevor sie ihre Zweifel angemessen zum Ausdruck bringen konnte, hatte Malik bereits angefangen, herunter zu zählen.
Drei. Drei?! Wie vom Donnerschlag gejagt hechtete die Sheenatochter los, in die Richtung, aus der sie vorhin gekommen war, und aus welcher Malik ebenfalls zu ihnen gestoßen war. Noch während sie rannte, füllte sie ihre kleinen Lungen mit Luft – und dann schrie sich die sonst so leise, zurückhaltende Linalee ihre Seele aus dem Leib.
“HILFEEEEEE! HIIIIIILFEEEEE! CAYLEE FRISST KROLOOOOCK! HIIIIILFEEEEEEE!“
. . .
08.07.2013, 18:38
“Mein Name ist Parveen,“ sagte sie durchaus freundlich und nickte mit der Schnauze zu den Jüngeren. “Wir gehören, wie du sicher schon weist, zu einer Familie und haben nicht vor in diesem Wald Unruhe zu stiften. Wir sind lediglich Wanderer auf Rast.“ Mit Bedacht achtete sie darauf, dass sie nicht die Namen der anderen preisgab. Parveen konnte sich bildlich vorstellen wie es Atalya gefallen würde, wenn sie von ihr vorgestellt würde. Ihre Tante würde ihr die Chance gewiss nicht nehmen vor dem Vogel eine Fremde zu bleiben. Den Teil mit der Bitte ließ sie ebenfalls wissentlich außen vor, hatte sich Atalya dessen doch schon angenommen – wenn auch auf einem anderen Weg. Eine Antwort würden sie so oder so erhalten.
Noch während sie gesprochen hatte, drehten sich ihre Ohren ein wenig nach hinten. Hatte sie zwischen ihren eigenen Worten und dem Geschnatter etwas gehört? Es hatte sich angehört wie ein entferntes Rufen. Durch Bäume und Schnee gedämpft, aber sie war sich sicher, dass dort mehr war als Unterhaltungen der anderen Wölfe. Vielleicht nur ein weiterer Vogel, der Rufe ausstieß. Trotzdem konnte sie nicht umhin sich instinktiv zu versteifen und auf die Geräusche der Nacht zu lauschen, aber wenn eben jemand gerufen hatte, war er inzwischen verstummt.
11.07.2013, 22:24
Sie grinste Tyraleen kurz an – doch eigentlich war ihr danach nicht zumute. Liebend gerne hätte sie noch länger in ihrer Gedankenwelt verharrt. War diese doch viel entspannender und voller Geborgenheit – im Gegensatz zu der aktuellen Situation des Rudels zumindest. Doch solange auch Jakash und ihre Welpen in ihrer Umgebung waren, war es eigentlich überall aushaltbar. Solange des ihnen gut ging. Sie vertraute hier voll und ganz auf ihre innere Stimme. Doch jetzt war keine Zeit um sich Gedanken um ihre Familie zu machen. Es galt Invidia genauer kennen zu lernen und zu erforschen wie sie sich verhielt – und noch viel wichtiger, was sie verbarg!
Auf Tyraleens Erklärung bezüglich des Weges den sie beschritten ging sie nicht weiter ein. Ihre zuvor gestellte Frage war vielmehr deshalb gestellt worden, um Invidia ein wenig anzustacheln und sie so hoffentlich ein wenig aus ihrer Reserve zu locken. Viele Wölfe hatten ein Problem mit Spott. Sheena hoffte nur, dass Invidia ihn nicht bemerken würde. Aber wenn nicht mal Tyraleen verstanden hatte… Oder hatte sie? Invidia war sicherlich keine dumme Fähe. Sheena beschloss mit ihrer Wortwahl noch ein wenig vorsichtiger zu werden. Nicht, dass Invidia der Gedanke kam, dass Sheena sie veräppeln wollte. Das wollte sie schließlich nicht. Sie hoffte nur, dass sie Invidias Unterbewusstsein durch ihre Worte erreichen würde und die Fähe nebenbei etwas Verwertbares ausplaudern würde. Doch hierfür standen die Chancen wahrscheinlich sehr schlecht.
Doch noch bevor Invidia eine Gelegenheit bekam um ihr zu antworten, traten zwei Wölfe zu ihrem kleinen Grüppchen heran. Amúr und Chanuka. Chanuka!
Er war also wieder zurückgekommen. Wie schön! Sheena freute sich sehr für Tyraleen, sie war sicher froh ihren Sohn unversehrt wiederzusehen. Nur leider war der Moment zu ihnen zu kommen wirklich ungünstig. Anscheinend sah Chanuka das ähnlich, er verhielt sich eher zurückhaltend, allerdings meinte Sheena wahrnehmen zu können, dass er seine Mutter lieber herzlicher begrüßt hätte. Nur Amúr schien die Situation nicht richtig bemerkt zu haben, in die die beiden hineingestolpert waren. Sie war sichtlich stolz Tyraleen Chanuka präsentieren zu können. Aber Sheena konnte es ihr nicht verübeln – warum auch!? Es war doch wunderbar einer Mutter ein solches Geschenk, eine solche Freude bereiten zu können!
„Hallo Amúr, Chanuka! Schön, dass Dich Deine Pfoten wieder zu uns getragen haben!“
Sie lächelte dem Rüden freundlich zu und gab ihm mit einem Kopfnicken in Richtung Tyraleen zu verstehen, dass er sie ruhig so begrüßen konnte, wie er wollte. Wenn er denn noch wollte.
Sie trat indessen einen Schritt in Richtung Invidia, welche nicht wissen konnte, warum Amúr Chanuka so freudig ankündigte. Außerdem hoffte sie, dass die beiden dazugekommenen auch verstehen würden, dass es hier galt auf seine Worte zu achten. Vielleicht sollte sie Invidia anderweitig beschäftigen!?
„Tyraleen? Möchtest Du vielleicht kurz mit Amúr und Chanuka alleine sein?“
Sie blickte ihre Alphafähe abwartend an, so nahm sie ihr die Entscheidung nicht vorweg, gab ihr aber die Möglichkeit Invidia aus der Situation zu nehmen. Sicher war sicher. Sie könnte Invidia dann erzählen, dass Chanuka ihr Sohn war, der von einer Reise zurückgekehrt war. Das würde die Fähe bestimmt verstehen und sie könnte keinen Verdacht schöpfen, dass Tyraleen ihr gegenüber etwas verschwieg. Und selbst wenn – Invidia tat ja nichts anderes.
[Invidia, Tyraleen, Amúr und Chanuka]
(Ich hoffe es gibt keine Logikfehler - bin ziemlich durch heute. Schlafmangel lässt grüßen...)
14.07.2013, 20:41
So schwang ihre Rute kurz durch die kalte Winterluft, sie ließ den Blick schweifen. Stimmen hatten sie plötzlich aufstehen lassen und verwirrt blickte sie von Kursaí zu ihrem Patensohn, den sie nun eindringlich anblickte.
„War das nicht deine Schwester?“
Die Dunkle wog den Kopf ein wenig zur Seite, trat von einer Pfote auf die andere und ließ die braunen Augen erneut umher wandern. Doch... sie war sich ganz sicher! Das war Linalee gewesen... und sie hatte nach Hilfe gerufen! Überlegend hob Kisha den Blick kurz zum Himmel, ehe sie in dieser Situation genau das Richtige sah, um dieser Diskussion zu entkommen. Entschlossen richtete sich an Isaí.
„Lass uns deiner Schwester helfen!“
Dass Caylee Krolock fressen wollte fand die Schwarze mehr oder weniger gar nicht spannend, sie wandte sich also nur mit dem Gedanken ab, dass Linalee das Thema vielleicht umschwenken würde, selbst wenn sie nicht auf direktem Weg zu ihr gehen würden.
[Isaí i& Kursaí]
16.07.2013, 15:18
“Niemals, Kleine, dazu braucht es schon mehr, als schluchzendes Gewimmer!“
Ihr Bruder schien derweil etwas auszuhecken, denn auch wenn er sich Mühe gab, den Fang unauffällig tief in die Ohren der Kleinen zu stecken, sodass man schlecht sehen konnte, dass er sprach, war es doch offensichtlich, dass er ihr irgendetwas zuflüsterte. Welpen waren aber auch niedlich, immer dachten sie, man würde alles möglich nicht mitbekommen. Caylee ließ die zwei gewähren, brachte Malik doch nur neue Elemente ins Spiel. Was auch immer er vorhatte, es konnte nur lustiger werden. So wartete sie mit zuckender Rute und dem schreienden Krolock im Rücken ab, bis der Plan wohl endlich vollendet war und erfreute sich dann an dem panischen Losrennen Linalees. Offensichtlich sollte sie die Flucht ergreifen, was sie auch sehr erfolgreich tat. Da Malik bei ihnen blieb, wäre Caylee ohnehin nicht auf die Idee gekommen, der Kleinen hinterherzujagen, auch wenn sie um ihr Leben lief … das hätte eine Grenze überschritten, die sie selbst nicht recht definieren konnte. Allerdings überschritt auch Malik eine Grenze, die Caylee vorher ebenfalls nicht bewusst gewesen war. Als er plötzlich auf sie zuschoss und mit einem Mal seine kleinen, spitzen Welpenzähne an ihrem Lauf hingen, zuckte sie erschrocken zusammen, schnappte sofort instinktiv nach ihm und konnte doch die Kraft in ihrem Fang nicht einschätzen. Sie erwischte den Kleinen ohne Probleme an der Schulter und hatte, bevor sie auch nur eine Sekunde nachdachte, ihre Zähne bereits vergraben, ließ genauso schnell und ruckartig wieder los und sah doch sofort das hervorsprudelnde Blut. Erschrocken stolperte sie zwei Schritte zurück und konnte jetzt die Wunde sehen, die sie ihm doch gar nicht hatte zufügen wollen. Quer von seinem rechten Ohr bis zum unteren Laufansatz klaffte plötzlich ein Spalt, das Blut hatte bereits sein Fell durchtränkt und hing auch in ihrem Brustpelz. Perplex und wie als könnte das unmöglich ihr Werk sein, sprang sie einen weiteren Schritt zurück und fiepte kläglich auf, sich mehr als bewusst, dass irgendetwas gehörig schief gelaufen war.
16.07.2013, 16:07
“Du bist ein kleiner Engel, Amúr, bringst viel Licht in die dunkle Nacht.“
Sie lächelte auch noch, als ihre Tochter zur Seite trat und in der Dunkelheit hinter ihr Chanuka sichtbar wurde. Selbstverständlich war ihr längst aufgefallen, dass weit und breit keine Spur von Neruí war und auch kein einziges Duftmolekül der Schwarzen an ihm hing, aber das schien bei seinem Anblick nebensächlich. Ihre Hoffnungen waren von Anfang an gering gewesen und bald schon hatten die Sorgen sie meilenweit übertroffen … immerhin hatte Chanuka ihr versprochen, wieder zurück zu kommen, als noch niemand geahnt hatte, dass sie fortgehen würden. Am Tag des Feuersturms über ihren Bergen hatte Tyraleen auch ein Stück der Hoffnung, ihren Sohn wiederzusehen, im Tal zurückgelassen. Aber er hatte sie gefunden. War ihnen wohl gefolgt und hatte sich nicht von der Bergkette oder dem aufkommenden Winter abschrecken lassen. Und jetzt stand er hier und sagte leise Hallo, als wäre es ganz selbstverständlich. Und ein wenig schüchtern, als könnte ihm irgendjemand übelnehmen, dass er Neruí nicht gefunden hatte. Sie trat einen Schritt auf ihn zu, berührte ihn ebenfalls an der Stirn und lächelte ihm dann mit einem tiefen Blick in seine ihr so ähnlichen Augen an.
“Wie schön, dass du wieder da bist. Ich hatte große Sorgen, dass du uns nicht mehr finden würdest.“
Sie wollte nicht gleich mit vielen Worten lossprudeln und erklären, warum sie in diesem merkwürdigen Wald fernab der Heimat standen … außerdem hatte Amúr ihm wohl auch schon alles erzählt, sicher hatte diese Frage auf seiner Zunge gebrannt. Oder hatte er vielleicht den Vulkanausbruch aus der Ferne gesehen und war dann voller Sorge um sie umgekehrt? Fragen, die sie noch stellen würde, jetzt meldete sich aber zunächst Sheena mit einer schlauen Frage zu Wort. Mit Invidia konnte sie jetzt nun wirklich nichts mehr anfangen und sie wäre deutlich lieber alleine mit ihren beiden Kindern.
“Oh, ja, das wäre schön. Du kannst ja Invi…“ Jäh wurde sie von einem panisch piepsigen Schrei unterbrochen. Schon vorher hatte sie etwas abseits vom Rudel einiges Gebrüll gehört - unverkennbar Krolock - sich aber nicht weiter darum gekümmert. Parveen achtete auf Krolock und hätte es Probleme gegeben, hätte sie sich gewiss gemeldet. Jetzt aber schrie dort ein Welpe und die Stimme ließ unverkennbar auf Linalee schließen. Sie klang panisch und rief um Hilfe. Die Ohren leicht zurückgedreht wurde ihr Blick besorgt, gleich darauf nickte sie Sheena entschlossen zu. “Du solltest nach deiner Tochter sehen.“
Doch als der unverkennbare Geruch von Blut zu ihnen herangetragen wurde, änderten sich Tyraleens Pläne erneut. Offensichtlich war Linalee nicht einfach nur wie immer recht ängstlich und schreckhaft, sondern es war wirklich irgendetwas passiert.
“Entschuldige uns, Invidia.“, damit nickte sie nun sowohl ihren beiden Kindern, als auch Sheena zu und forderte sie damit auf, ihr zu folgen. Sheena musste sich um Linalee kümmern und zumindest Amúr könnte bei einer Situation rund um Caylee und Krolock auch hilfreich sein. Hoffentlich hatten die zwei nicht schon wieder Streit … aber Parveen war doch da, hoffentlich war sie da.
17.07.2013, 12:52
Hätte Malik ihm zugehört, hätte er die Rute angegriffen, statt das Bein. Eher gelangweilt sah er zu, bis Caylee den kleinen Welpen packte. Lustig! Im ersten Augenblick konnte er noch nicht einmal einschätzen, wie fest sie zugebissen hatte, erst als der Geruch von Blut in der Luft hing.
Mit gelassenen Schritten trat er zu Malik und begann über die Verletzung zu schlecken. Das machte er sogar ganz gut. Sehr sanft und als würde es ihn in irgendeiner Weise scheren, was mit dem Zwerg passierte. Es dauerte nicht lange, bis sein Maul voll von Blut war und er verteilte es geschickt um die Lefzen herum. Dazu noch im restlichen Pelz...
Er knurrte bedrohlich und mordlüstern in Maliks Ohr.
„Du wirst sagen, dass ich dich gebissen habe.“, befahl er dem Welpen, der ihm völlig ausgeliefert war. „Wenn du das nicht tust, zerfetze ich dich. Vielleicht nicht hier und jetzt, aber eines Tages überrasche ich dich im Schlaf und reiß dir die Kehle auf!“
Er versuchte den Blutverlust einzuschätzen, der noch entstehen würde. Aber so schnell nach dem Biss war ein ungetrübtes Bewusstsein sicher noch gegeben. Er knurrte noch einmal, um seinem Befehl Nachdruck zu verleihen, ehe er von dem Welpen abließ und sich an Caylee wandte.
„Mach dich sauber!“, fuhr er diese mit drei einfachen Worten an. „Erst den Fang, dann das Fell.“
Es lag keine Freundlichkeit in seiner Stimme. Linalee würde bald mit ihrer Schreierei Erfolg haben und dann tanzte vermutlich das ganze Rudel an.
Krolocks Körper versteifte sich, als er den Kopf auf Maliks Höhe senkte und diesen wieder drohend ansah und diesem gedämpft ins Ohr zischte.
„Hör lieber auf mich... sonst töte ich nicht nur dich, sondern auch deine Geschwister. Das schwöre ich dir! Linalee töte ich vor deinen Augen! Wehe du hintergehst mich! Egal was passiert, du sagst, ich hätte dich gebissen, verstanden?“
Er blinzelte. Manchmal wurden seine Augen purpur, dann rot. Letztlich kehrte das Blau jedoch immer wieder zurück. Er wartete ruhig.
[Bei Caylee und Malik]
17.07.2013, 20:29
Das blieb aber nicht lange so, denn natürlich reagierte auch Caylee. Aber anders als Malik erwartet hatte, schimpfte sie nicht los. Nein, sie sagte gar nichts und weil sein Blickfeld auf ihren Lauf und die beiden dahinter beschränkt war, sah er auch nicht, wie ihr Kopf nach unten schnellte. Als ihn die Wucht des Angriffes traf, ließ er auf der Stelle los und jaulte auf, weil er die vermeintliche Bestrafung zu heftig und unfair fand. Weil die Weiße so schnell wieder weg war, glaubte er für Sekundenbruchteile, sie hätte ihn geschubst. Dass dem nicht so war und stattdessen gerade etwas passiert war, das weder er noch Caylee fassen konnten, wurde ihm erst bewusst, als der richtige Schmerz ihn erreichte und ihn ein weiteres Mal aufjaulen ließ. Hatte er zuvor noch geklungen wie ein Welpe, der gemaßregelt wurde, waren ihm nun Schmerz und Angst deutlich anzuhören. Erschrocken und mit weit aufgerissenen Augen stolperte er ebenso wie Caylee einige Schritte rückwärts und duckte sich zitternd. Seine rechte Schulter brannte höllisch und an seinem Lauf rann Blut durch das weiße Fell hinab. Der Bedeutung dessen war er sich nicht voll bewusst. Er wusste nur, dass Beute blutete, wenn sie gefressen oder gefangen wurde und dass die jagenden Wölfe dann meistens Blut im Fell hatten. Sein Verstand schlug den Bogen trotz des Schocks, der ihn hatte erstarren lassen: Es gab keine Beute, außer ihn. Caylee hatte ihn gejagt, gebissen und jetzt war er ihre Beute. Das kleine Herz raste in seiner Brust, während sein Kopf ihn daran erinnerte, was nach dem Gebissenwerden mit der Beute passiert war. Meistens war sie gestürzt, weil sie versucht hatte, trotzdem wegzulaufen, was sie aus irgendeinem ihm nicht ganz logischen Grund nicht mehr richtig konnte. Vielleicht weil sie solche Angst hatte, wie er. Oder weil es auch Beute weh tat, gebissen zu werden.
Inzwischen befand er sich in einer seltsamen Körperhaltung, den Kopf gesenkt, die Schultern ebenfalls geduckt, aber den rechten Lauf leicht angehoben, um ein Aufkommen auf der Erde zu vermeiden. Denn das – hatte er sehr schnell gemerkt – machte das Brennen schlimmer. Wie ein Hase die Schlange – oder ein Rehkitz den Wolf – starrte er Caylee aus großen Augen angsterfüllt an, bemerkte aber nicht, dass sie selbst erschrocken war. Nicht einmal ihr Fiepen konnte er deuten, viel zu groß war die Angst vor ihr inzwischen.
Als ihn plötzlich etwas an der verletzten Schulter berührte, das nicht Caylee war und mit dem er nicht gerechnet hatte, quietschte er panisch auf und wich seitlich aus, stolperte aber wegen der ungewohnten Neubelastung und blieb panisch erstarrt am Boden liegen. Direkt über ihm war Krolock, der ihm … half? Er wusste es nicht, aber bisher war Caylee die Böse gewesen, also war das vielleicht sogar möglich. Trotzdem wollte er weglaufen, zu seinen Eltern so schnell er konnte. Ganz kurz huschte sein Blick zu dem kleinen Abhang, den er hinauf müsste, um den Hügel zu überwinden. Dieser Hügel trennte ihn vom Rudel. Dass er sich trotzdem nicht rührte, hatte nichts damit zu tun, dass er sich von Krolock beschützt fühlte. Die Angst hatte ihn gelähmt, der Schmerz hinderte ihn am logischen Denken und so blieb ihm nichts anderes übrig, als schicksalsergeben alles hinzunehmen, was der schwarze Rüde mit ihm anstellte. Die einzigen Bewegungen, die sein Körper zustande brachte, waren ein kaum sichtbares Beben und panisches Hin- und Herhuschen der nachtschwarzen Seelenspiegel. Und wahrscheinlich war das gut so. Denn als Krolock fertig war, spürte er dessen Fang an seinem Ohr. Für den schwarzen Wolf gab es nichts zu sehen, keine einzige Reaktion oder auch nur ein kleines Zeichen dafür, dass Malik ihn verstanden hatte. Der Welpe blieb liegen wie erstarrt, die weit aufgerissenen Augen hatten inzwischen Krolock fixiert und es aufgegeben, auch Caylee im Blick behalten zu wollen. Dass von dem Rüden die größere Gefahr ausging, hatte er verstanden. Seine kleine Welt, in der keine Regeln gebrochen wurden, war mit Caylees Angriff zusammengestürzt und gab dem Welpen gar keine Möglichkeit, an Krolocks Drohung zu zweifeln. Er wusste nicht, weshalb er sagen sollte, dass er ihn gebissen hatte, verstand nicht, weshalb Caylee sich sauber machen sollte und warum er ihn töten würde, wenn er nicht tat, was der Schwarze sagte. Aber er stellte es nicht in Frage, nicht eine einzige Sekunde.
Als Krolock erneut zu ihm trat und ihm Drohungen zuflüsterte, zuckte der Welpe zusammen und das Beben in seinen Gliedern setzte wieder ein. Sein Verstand konnte die Worte kaum erfassen, so grausam waren sie. Es wäre völlig egal gewesen, wen Krolock als weiteres potentielles Opfer genannt hätte, Malik war ohnehin nicht in der Lage dazu, seine Anweisung in Frage zu stellen. Vermutlich hätte das Ganze ohne jede Drohung funktioniert. Inzwischen schien nicht nur seine Schulter zu brennen, sondern sein gesamter Körper so aufgeheizt zu sein, dass er das Gefühl hatte, gleich platzen zu müssen. Aber Krolocks Augen fesselten ihn und hinderten ihn am Wegsehen. Sie wechselten die Farbe, von rot zu blau und wieder zurück. Maliks Reaktion darauf war letztendlich die kindlichste, die es wohl gab: Er schloss die Augen, kniff sie fest zusammen und entschied für sich, dass das das Beste war. Sein Kopf war überfordert von allem, was er gerade erlebt hatte und ertrug kaum mehr Sinneseindrücke, die ihm noch neu waren. Und Wölfe mit wechselnden Augenfarben, die grässlich böse waren, gehörten zu den Dingen, die er riechen, hören und fühlen, aber nun zumindest nicht mehr sehen musste. Weglaufen stand ohnehin außer Frage, dass er Krolock und Caylee ausgeliefert war, war ihm längst bewusst. Vielleicht kam ja Linalee mit Mama und Papa rechtzeitig, damit er keine Beute wurde, von der nur noch Knochen übrig blieben.
19.07.2013, 15:05
SL für Atalya, Turién und Parveen:
Xykotokax schien mäßig beeindruck von Atalyas biestigem Auftreten und ihrer provokanten Frage. Viel eher konnte er sein Lachen einfach nicht unterdrücken und kaum hatte die junge Wölfin fertig gesprochen, kicherte er wieder sein Wicka-Wicka-Wicka hervor.
“Das, Schlitzohr, ist eine falsche Frage. Du behandelst mich wie einen Feind, das kränkt mich sehr!“
Offensichtlich war er aber nicht gekränkt genug, um darüber nicht wieder schallend zu lachen. Wicka-Wicka-Wicka-Wicka-Wicka. An Parveen gewandt ließ er ein wenig mehr Ernst aufkommen, auch weil die Blauäugige ihn nun mit Respekt behandelte.
“Ah, Parveen … er klingt wie die alten Götternamen. Das gefällt mir. Parveen Parveen Parveen. Sag, Parveen, wie hieß die Wölfin, die dir diesen Namen gegeben hat?“
Kurz schlossen sich seine Augen, während der Schnabel ein wenig höher in die Luft wanderte, dann spreizten sich seine Schwanzfedern und er richtete seinen Blick wieder auf Parveen.
“Wohin soll denn die Reise gehen? So ein großes Rudel habe ich seit vielen Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen. Und jetzt rastet es einfach so in meinem Wald?“
Das wunderte ihn wohl, zumindest schob er den Kopf ein wenig nach vorne und klapperte mit dem Schnabel.
SL für Jakash Caiyé und Chardím:
Die empörten Worte der beiden Wölfe schienen den Zapfenschmeißer nicht sonderlich zu beeindrucken oder aber vor Schreck erstarren lassen - zumindest regte sich nichts in den Ästen über ihnen. Als sich Chardím jedoch erhob und mit den Vorderpfoten am Baumstamm abgestützt bereits einige Zweige erreichte, ließ sich ein hastiges Rascheln vernehmen. Offensichtlich musste sich da jemand in Sicherheit bringen.
“Oh, ich … ich wusste nicht … ich … ich war mir nicht sicher, was ihr seid. Aber vielleicht war das Werfen von Tannenzapfen keine gute Idee, das herauszufinden. Bitte entschuldigt. Aber … was seid ihr? Ihr habt weder Hufe noch Flügel. Kein Geweih und keinen Schnabel. Aber riiiiiiesige Zähne! Sooooo groß!“
Weiteres Rascheln verriet, dass da jemand etwas ausbreitete, aber dank der Dunkelheit war nicht zu erkennen was und wer und wie weit. Die Stimme ließ nicht erahnen, von was für einem Wesen sie stammen könnte, klang sie doch gleichzeitig hoch und doch volltönend wie von einem großen Säugetier.
20.07.2013, 15:22
„Ja!“, entgegnete er Kisha knapp und lauschte, ob irgendetwas folgte.
Währenddessen arbeiteten seine Ohren bereits daran, die Richtung auszumachen. Somit waren die Worte seiner Patin nur der Startschuss, auf den er ein kurzes Nicken erwiderte, einen kurzen Blick gen Kursaí warf und schon im nächsten Augenblick losgelaufen war.
„Was hat Krolock jetzt schon wieder angestellt?“, murmelte er nachdenklich zu sich selbst, aber laut genug, dass es auch seinen Begleitern auffallen konnte, ehe auch schon Linalee in Sichtweite kam. „Linalee! Was ist los?“
Er rauschte fast an ihr vorbei, bremste aber gerade noch so, dass er neben ihr zum Stehen kam und sie besorgt musterte. Es war keine Spur von Krolock oder Caylee, aber um sie machte er sich auch keine Sorgen. Caylee sollte Krolock fressen? Pah, selbst wenn es so war, konnte sich der Dunkle wohl oder übel selbst verteidigen. Aber er bezweifelte, dass es da wirklich um Ernst ging. Bestimmt war das nur wieder irgendein dämliches Spiel von ihnen und dieses Mal hatte es Linalee erwischt. Der Groll den beiden Wölfen gegenüber stieg, doch davon merkte man ihm nichts an. Viel wichtiger war Linalee, die er nun vorsichtig mit der Schnauze untersuchte.
22.07.2013, 23:10
Der Rüde begann seine Gefährtin zu mustern, soweit es ihm seine Gedanken möglich machten. Wer war diese Fähe, die ihn so kalt anschauen konnte und kurzzeitig ihre Lefzen gegen ihn erhoben hatte? Auch als sie sprach, hatte sie kaum Wiedererkennungswert für ihn, ihre Stimme war fest und selbstsicher, ganz anders als er sie in Erinnerung hatte. Und auch ihre Worte waren nicht das, was er sich erhofft hatte. Es schmerzte ihn, dass sie so etwas auch noch fragen musste, war ihr denn nicht klar, wie sehr er sie liebte, wie sehr er sie brauchte? Er hatte das alles nicht gewollt.
„Shani…ich…ich hab das alles nicht…“
Seine Stimme brach mitten im Satz ab, seine Stimme war nur ein Schatten seiner selbst, rau und kaum hörbar. Doch der Grund für sein Abbrechen war für keinen außer ihm ersichtlich. Sein Herz setzte einen Schlag aus und er spürte wieder dieses Gefühl. Es war eine Kälte, die nicht von der Erde her kam, sich dennoch in seinem Körper ausbreitete, als ob sie von dieser käme. Er konnte es nicht in Worte fassen, aber es fühlte sich an…wie…wie das nichts. Hiryoga überkam ein Frösteln und er schüttelte seinen Kopf, in der Hoffnung, dass Gefühl…das eigentliche Nichtgefühl zu verlieren. Und tatsächlich schien es zu helfen und das ungute Gefühl verließ ihn.
Der Braune richtete den Blick auf seine Gefährtin und legte die letzten Schritte, die zwischen ihnen lagen, zurück. Aber er blieb immer noch in der geduckten Haltung, sodass sie größer wirkte, als er. Auch wenn er ihr nun direkt in die Augen schauen musste und die Wut in ihnen lodern sah, so war er ihr doch nun endlich näher, als die letzten Tage.
„Ich habe das alles nicht gewollt…“
Endlich flüsterte er seinen Satz zu Ende und sah ihr dabei tief in die Augen und hoffte, er würde seine, die richtige Shani endlich erreichen können.
„Ich wollte dich nie…nie…unglücklich machen. Du bist meine Sonne, ich brauche dich, dein Licht, deine Wärme, denn ohne dich…kann ich nicht leben.
Während er ihr tief in die Augen blickte, flackerte das Nichts einen Moment in seinen Augen auf, im nächsten Moment war dies jedoch wieder vorbei, so als ob nie etwas gewesen wäre.
25.07.2013, 12:35
„Ja.“
Sie versuchte so normal wie möglich zu klingen. Das Zittern schaffte es nicht bei diesem einen Wort an die Oberfläche zu kommen. Ahkuna setzte den ersten Schritt und anschließend den nächsten. Samirez war neben ihr, trotzdem ging von ihm eine erschreckende Kälte aus. Das wollte sie doch nicht! Sie war so überrascht von ihrer Reaktion gewesen, dass sie nicht wusste, wie sie damit umzugehen hatte. Sie hatte Angst. So groß, dass sie mit einem mal geschafft hatte alles zu zerstören. Ob die Angst nun weg war? Oh nein. Sie hatte sich noch größer gefressen und hatte sich mittlerweile an Ahkuna festgesaugt. Die Fähe schluckte unsicher und blickte aus dem Augenwinkel vorsichtig zu dem Rüden hoch.
„Vielleicht finden wir einen Hirsch und können die Jagd besser abschließen als letztes Mal.“
Ein kläglicher Versuch eine Konversation zu führen. Ob er den Scherz verstand? Sie versuchte es zumindest so rüber zu bringen. Ein Lächeln zog ihre Lefzen hoch und die wasserblauen Augen warteten schon fast sehnsüchtig darauf, dass auch die Züge des Rüden weicher und freundlicher wurden.
25.07.2013, 20:59
Die Rute Amúrs wedelte leicht fröhlich und stolz blickte sie auf Chanuka und wartete vor allem die Reaktion ihrer Mutter ab. Hach' da kam doch wieder das lebensfrohe Kind hervor, was wirklich in dieser guten Seele steckte.
''Er kam einfach aus dem Schatten der Bäume heraus, Mutter. Ein stiller Moment.''
Besonnen lächelte sie auch ihn an, schien förmlich wie ausgewechselt und unterließ es kaum mit ihrer Rute zwei weitere Male zu pendeln.
''Er wusste ihn zu nutzen.''
Ja, das schien er förmlich zu tun, denn wer hatte auch schon in dieser dunklen Nacht mit Chanuka gerechnet? Amúr hatte es nicht und umso größer war ihre Freude doch auch gewesen. Er war wieder da! Ihr Chanuka war wieder da und vor allem hatte er versprochen zu bleiben. Das sollte doch gewiss ein Federbaumehrenwort sein. Keck drehte sie sich um, lauschte den Worten der beiden, doch sah mit vorsichtigen Augen zu den beiden anderen Fähen. Invidia war der Name der Fremden gewesen und ihr Ausdruck schien der jungen Wölfin gar nicht zu gefallen. Sie wirkte recht streng und nicht grade so freundlich, dass sich Amúr sofort mit ihr anfreunden wollte. Nein. Das Bedürfnis untersagte sie sich, denn schon alleine die Maske auf ihrem Auge schien abschreckend zu wirken. Auch wenn Amúr nicht gerne von Äußerlichkeiten sprach...
Ungeduldig tänzelte sie auf ihren Pfoten herum, schenkte Sheena dabei ein Lächeln und war seit längstem wieder in vollster Euphorie. Doch dies durfte nicht lange anhalten, denn ein lauter und vor allem bekannter Ruf, ließ Amúr kurz zusammenzucken und spüren, wie sich ihr Nackenfell nach oben richtete. Hm? Aufgeregt wechselte sie Blicke mit den Anderen, sah sogar voller Missverstehen zu Chanuka, doch konnte im letzten Ende nicht anders, als ihrer Mutter nach einer schnellen Aufforderung zu folgen. Hatte sie eben die Namen Caylee und Krolock gehört? Jene Namen der Wölfe, die sie eigentlich vorerst abdämpfen wollte?
Doch ihre Instinkte und der Wille ihrer Mutter waren es gewesen, die ihr rieten zu folgen und der Situation ins Angesicht zu blicken. Inständig hoffte sie, dass ihr Bruder mitkam und sie seelisch stärken konnte, ohne, dass er es vielleicht selbst wusste. Aber etwas sah sie es auch in Befürchtung, dass er dann verstehen würde...was eigentlich vorgefallen war und was sie zur Zeit auch so schwächte.
Doch rasch verdrängten sich ihre Gedanken, als ein zärtliches rotes Odeur ihre Schnauze berührte und Amúr an so viel Gewalt erinnerte.
''Um Gottes Willen Mutter, ich rieche Blut...sie haben doch nicht etwa...?!''
Wieder erreichte sie das Bild von den vergangenen Tagen, da wo Krolock beinahe Caylee getötet hätte. Hat er jetzt etwa...hat er nun etwas schlimmeres angestellt? Amúr war erschrocken und förmlich starr vor Angst, denn sie fürchtete sich vor dem , was sich vor ihr offenbaren könnte, wenn sie die anderen Seelen erreichten.
28.07.2013, 14:38
Die kleine Schwarze wusste natürlich nicht, von wem das Blut stammte, das sie roch, doch die Möglichkeiten waren nicht allzu groß: entweder es gehörte Krolock. Das bedeutete, dass Malik versagt hatte, dass Caylee ihn irgendwie gestoppt und den schwarzen Rüden so weit gequält hatte, dass er nun Wunden trug. Zweite Möglichkeit war, dass es von Caylee stammte, was bedeuten würde, dass Malik seine Aufgabe erfüllt hatte. Aber was dann? Würde die weiße Hexe sich deshalb geschlagen? Konnte sie ihrem schmächtigen Bruder nicht vielleicht sogar Schlimmeres antun, als einem großen, starken Wolf wie Krolock? Die letzte Möglichkeit blieb, dass es sich um Maliks Blut handelte. Linalee drehte sich fast der Magen um. In dem Falle…
Es war gut, dass es Isaí war, der sie zuerst erreichte. Vor allen anderen wäre die geschockte, kleine Fähe eventuell sofort zurückgewichen – vor ihrem großen Bruder nicht. Sie vertraute dem Rüden, der ihr ihren neuen, stärkeren Namen verpasst hatte, und hegte keine Zweifel daran, dass es richtig war, ihr Herz bei ihm auszuschütten. Verängstigt schmiegte sie sich an den starken Körper des Roten, ehe sie sich wimmernd dazu überredete, auf seine Frage einzugehen. Dabei hatte sie doch eigentlich schon alles gesagt, was passiert war. Ihr verwirrter Blick huschte zu Isaí, dann zu den beiden Fähen im Schlepptau, deren Namen sie in all der Aufregung kaum zuordnen konnte.
“I-ich – da h-hinten!“, stieß sie hervor und deutete zitternd mit der Schnauze in die Richtung des Spektakels, aus welcher auch der bittere Duft von Blut zu ihnen herüber wehte. “M-malik h-hat ge-s-sagt i-ich s-soll r-r-ruf-en!“
Verzweifelt sah sie Isaí an. Was, wenn ihrem Bruder etwas passiert war? Das würde sie der weißen Hexe niemals, niemals verzeihen! Aber was war mit ihren Brüdern selbst? Konnten sie es Linalee verzeihen, dass sie es überhaupt so weit hatte kommen lassen. Ihre Ohren schmiegten sich verängstig an ihr Nackenfell, dann machte sie bebend einen Schritt von Isaí weg und dadurch in die Richtung der drei, die sie zurück gelassen hatte.
Aus einer anderen Richtung sah sie weitere Wölfe heraneilen – sie meinte aus der Ferne die gleißenden Gestalten Tyraleens und die ihrer Mutter erkennen zu können – doch sie hielt es für wichtig, Isaí in die Richtung von Malik, der Hexe und dem armen Gefolterten zu bringen. Schwer atmend machte sie Schritte auf die Dreiergruppe, die man nun dort hinten bei den Bäumen erkennen konnte. Wer von ihnen blutete, konnte Linalee aber noch nicht sehen. Und ohne, dass sie es darauf anlegte – in genau dem einzigen Moment, in dem sie es eben nicht tat! – bewies sie doch zumindest einen Anflug von Mut.
“H-hoffentlich ist i-ihm n-nichts pas-siert“, flüsterte sie und blickte erneut zu Isaí, also könnte ihr großer, starker Bruder ihr genau das versprechen. . .
28.07.2013, 19:26
Es dauerte nicht lang, bis sie die Gerüche der beiden erkannte, dazu mischte sich jedoch auch noch ein Geruch, der ihr ein mulmiges Gefühl verlieh, ihre Läufe noch schneller laufen ließen. Fast schon panisch suchten ihre Augen die Umgebung ab, bis sie schließlich den schwarzen Pelz und ihre Schwester erkannte. Die Graue änderte die Richtung, hielt nun auf die beiden zu und mit jedem Schritt, den sie sich ihnen näherte, wuchs das schlechte Gefühl. Das Blut war nicht zu übersehen, der Geruch biß in der Nase. Sie konnte zuerst nicht sehen, wer verletzt war, zu wem dieses Blut gehörte. Erst, als sie nah genug war, legte sich diese Antwort um ihren Hals, zog sich zu und nahm ihr für einen Moment die Luft. Malik war bei ihnen, er lag am Boden, und seine Schulter war deutlich verletzt. Abrupt kam die junge Fähe zum stehen, die Rute automatisch aufgerichtet und den Blick zwischen den beiden anderen Jungwölfin hin und her schweifen lassend. Sie waren beide mit Blut benetzt, jedoch schien nur Caylee für den Moment nicht ganz bei Sinnen zu sein. Atalya verzog leicht die Lefzen, blickte kurz zu dem Welpen um zu sehen, ob er überhaupt noch lebte. Fast schon schützend stand sie bei Malik, jedoch konnte sie den Blick nicht lang auf ihm ruhen lassen, ehe sie sich mit rasendem Herzen wieder zu der weißen Schwester wandte, sowie dem Rüden, dem wohl jeder die Schuld für die Verletzung des Welpen gegeben hätte.
„Was habt ihr getan?“
Sie wählte bewußt nicht einen der beiden aus, fixierte auch beide abwechselnd mit festem Blick. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass Caylee Malik so zugerichtet hatte... aber wieso war auch die Weiße voller Blut? Wieso verschmierte es ihren weißen Pelz wie damals den ihrer Mutter, als Tascurio hatte sterben müssen?
[Abseits – Caylee, Krolock & Malik]
29.07.2013, 11:51
Mit Missfallen merkte er, dass er nicht recht wusste, wie er auf die beiden reagieren sollte. Seine Theorie, ihnen nur im Weg zu sein, schien wohl doch nicht zu stimmen, denn sonst hätten sie ihn wohl links liegen gelassen. Innerlich seufzte er. Da traf er mal auf Artgenossen und hatte keine Ahnung, was er tun sollte. War das nicht toll? Und diese beiden hätten keinen Grund, ihn zu fürchten, immerhin war er nur ein einziger Wolf und nun mal halt der Kleinere. Ach ja, wie hatten ihn die Söhne seiner Zieheltern immer geärgert, weil er der Kleine war und sich kaum zur Wehr setzen konnte, außer er lief vor ihnen davon und versteckte sich bei den Erwachsenen. Nach dem Feuer ... Ja, danach prallten Worte und Hänseleien und all das von ihm ab. Daran hatte sich nicht viel geändert. Ihn Wahrheit war das Trauma selbst auch noch da, nur unterdrückt, weggesperrt.
Auch wenn Ayar es nur ungerne zugab, war seit damals diese irrsinnige Furcht in ihm. Der Wolf hatte Angst vor Bindungen. Wahnsinnige Angst. Einfach nur, weil er niemals wieder jemanden verlieren wollte, der ihm wichtig war und am Herzen lag.
Der Schwarze verdrängte seine düsteren Gedanken und nahm den Blauäugigen unter die Lupe. Dieser schien ihm der Gefährlichere zu sein, jedoch sah sein Begleiter nicht danach aus, schwach zu sein. Welch Schande. Einen Kampf würde der Rüde mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überleben, zumindest nicht gegen beide. Natürlich bestand die Möglichkeit, dass sie nicht auf einen Kampf aus waren.
Himmel, auf was für Gedanken er nur kam. Manchmal fragte er sich wirklich, ob er noch richtig tickte. Wenn das mal nicht die Frage des Jahrhunderts war ...
Ayars Ohren zuckten, als er aus dem Fang des schielenden Wolfes seinen Namen vernahm. Kaum merklich veränderte sich seine Haltung, wurde angespannt und sein Nackenfell stäubte sich. ,,Woher weißt du, wer ich bin?", fragte er, die zweifarbigen Augen auf den schielenden Wolf gerichtet. Erneut kam dieser ihm vertraut vor, doch wie schon zuvor konnte er sich nicht daran erinnern, ihm irgendwann mal begegnet zu sein.
Die Angespanntheit lockerte sich, als dem Schwarzen nun schon zum ... dritten Mal oder so die Nase juckte und er nieste. Und die Spitze des Eisberges folgte sogleich, denn sein Magen machte sich nun bemerkbar, was ihm einen Fluch entlockte. Ja, man merkte irgendwie, dass es ihm nicht ganz so gut ging. Wobei man das schon sehen könnte. Diesen Winter hatte er nicht viel Nahrung gefunden, dementsprechend sah er auch aus.
Ein kleiner Teil von ihm hätte sich nun am liebsten umgedreht und wäre wie ein feiger Hund davongelaufen, doch der Wolf hatte sich soweit unter Kontrolle, seine feindselige Haltung trat ein weiteres Mal in Erscheinung und er starrte den Schielenden praktisch an, auch wenn seine Augen ziemlich protestierten. Mit den anderen Sinnen achtete er auf den Schwarzen, doch seine Neugier war geweckt und er wollte unbedingt wissen, woher der eine ihn kannte.
30.07.2013, 16:02
Während der sanften Berührung seitens seiner Mutter schlossen sich seine Augen für einen kurzen Zeitraum. Er schien recht entspannt und entlastet, auch wenn dieser Zustand nicht lange vorhielt. Spätestens nachdem Tyraleen wieder von ihm abgelassen hatte wirkte er wohl wieder etwas aufgewühlter, allerdings nach wie vor nicht auf irgendeine unnatürliche Art und Weise. Das Pendeln setzte jedenfalls wieder ein. Sowohl ihr, Sheena als auch Invidia wurde noch ein leichtes Kopfnicken gewidmet, dann wollte er doch noch etwas an sein „Hallo“ anhängen. Es sollte aber nicht dazu kommen.
Der gequälte Laut der von einer Stelle ganz in der Nähe gekommen war ließ nicht nur die anderen aufschrecken oder verwirrt drein blicken, sondern auch Chanuka selbst. Das schreckhafte kam bei ihm zwar weniger durch, allerdings zuckten seine Lauscher in diesem Moment mehr als hastig zurück. Sein Kopf drehte sich in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war, kurz darauf wandte er sich dann seiner Mutter zu. Es schien fast schon so als ob er irgendetwas wie eine Anweisung erwartete. Besonders als sich nun auch noch der unverkennbare, metallische Geruch in der Luft ausbreitete, sehnte sich der Rüde dringlichst danach irgendetwas von Tyraleen zu hören. Leider konnte er die Gerüche von den Wölfen, die sich an dem Ort befanden, von dem das Geräusch gekommen war auch nicht richtig zuordnen, dafür war er wohl einfach zu lange fort gewesen. Letztendlich war das aber auch der Grund warum er es nicht darauf anlegte irgendwie selbstständig zu handeln. Nicht das sein Vorhaben dann im Nachhinein alles nur verschlimmerte, nur weil er nicht warten konnte. So etwas wollte er nicht.
Der Tagträumerei dann wieder entflohen nahm er auch endlich die Aufforderung seiner Mutter zur Kenntnis. Das er nun nicht mehr lange auf sich warten lassen wollte war recht verständlich, obgleich er nicht genau wusste inwiefern er gleich nützlich sein konnte. Nur blöd das er darüber nun auch schon wieder nachdenken musste, die Spontanität in der kommenden Situation und die Kategorie der Situation, die dort vorliegen würde, würde wohl allein für sich sprechen. Allein die Tatsache das irgendetwas passiert zu sein schien – man denke an den metallischen Geruch – ließ schon auf nichts Gutes mehr hoffen. Irgendwie komisch.. da war er erst seit so einer kurzen Zeitspanne wieder an dem Ort wo er sich geborgen und wohlfühlte und schon passierte etwas unheilvolles.
[zwischen uralten Bäumen | bei Invidia, Sheena, Amúr & Tyraleen | verlässt Invidia mit Sheena, Amúr und Tyraleen in Richtung Linalee, Krolock, Caylee und Malik]
03.08.2013, 22:57
Trotzig und etwas wütend hob sie ihren Kopf. Hah! Sie pfiff auf Mayhem! Sie pfiff auf ihre Seele! Sie pfiff auf das ganze beschissene Leben. Grimmig - und sich nicht darum kümmernd, dass man dies sehen konnte - wandte sie ihre Gesicht ruckartig Chivan zu schaute ihm vielleicht das erste Mal wirklich richtig ins Gesicht in die Augen. Was verschwendete er seine Zeit an ihr? Sah er nicht, was für ein hoffnungsloser Fall sie war? Wer war er, um sich ihr anzunehmen? Interpretierte sie denn alles falsch? Und wieso hatte sie ihm eigentlich so viel offenbart? Das Schnauben und seine Worte ließen diese Fragen rhetorisch bleiben.
"Chivan." Es klang ein wenig wie Seufzen, aber seltsamerweise drängend. Sie blieb kurz stehen und schaute ihm entschieden in die Augen. War es denn nicht egal, wie viel er wusste? War es nicht egal, wie viel sie offenbarte? Sie hatte es satt sich ewig zu verschleiern und Masken zu tragen. Kirov hatte sie zum bröckeln gebracht. "Was, wenn man Dinge sieht, die niemand anderer sieht? Wenn man eine Stimme hört, die niemand anderen erreicht? Das was ich sehe, erblicke ich nicht mit dem Auge. Und das was ich erblicke, vermag ich oft nicht zu sehen." Sie presste die Lefzen fester aufeinander und brach den Blickkontakt. Sie verstand was er meinte, doch wäre er in ihrer Lage, würde er sehen, dass für sie diese Frage nicht so einfach war.
"Mein Herz würde ich lieber nicht diskutieren, doch mein Weg führt zwischen Tod und Leben, auf einem schmalen und einsamen Grat. Zumindest bin ich bis jetzt jenen Weg gelaufen." Das ein anderer Weg möglich sein konnte, dies sah sie jetzt durch seine Worte. Doch sie band sich zu sehr an das Altvertraute. Sie brauchte mehr als nur Worte, damit sie endlich wagen konnte, die ersten Schritte zu tun. Damit sie anfing zu kämpfen, dazu brauchte sie mehr als ein Gespräch. Was genau, darüber war sie sich auch noch nicht sicher, jedoch fühlte sie sich einfach noch nicht bereit dazu.
oh gott sorry Chiv ;_; hab dich so lang warten lassen
04.08.2013, 17:01
Invidia genoss diese drückende Schwere zwischen Ihnen. Niemand vertraute dem anderen. Jeder achtete auf seine Worte. Es war ein Spiel, das sie umso mehr anstachelte. Die Weiße war nicht dumm, sie würde sich niemals verraten. Sie würde auf jeden Schritt, den die Todsünde machen würde, achten. Und genauso würde Invidia auf alles achten, was die Weiße tun würde. Bei jedem Zusammentreffen der beiden würde so eine Anspannung zwischen ihnen liegen, die jederzeit explodieren könnte. Doch wann dies geschehen würde, würde wohl erst einmal noch offen bleiben. Doch wenn es zu diesem Punkt kommen würde, würde dies die Schwarzweiße umso mehr erfreuen. Sie war nun einmal die perfekte Schauspielerin und alle hier waren nur ihre Figuren. Ihre Figuren in einem Theaterstück, bei dem sie den Ausgang entscheiden würde. Und so lächelte die Fähe innerlich, während es nach außen doch um ein ihr viel unangenehmeres Thema ging. Das einzige Thema, in dem Invidia wirklich verletzlich war, der einzige Punkt, an dem sie niemals würde schauspielern können und dennoch musste sie sich nun zusammenreißen, damit ihre Miene sich nicht zu etwas Schrecklichem verzog. Damit Tyraleen nicht sehen konnte, dass sie einen Punkt getroffen hatte, der die Todsünde ins Straucheln bringen konnte. Und so atmete sie einmal tief ein, bevor sie mit ernster Miene der Alpha antwortete.
“Ich denke, um diese Geschichte zu erzählen, ist im Moment nicht der richtige Zeitpunkt Tyraleen. Es gibt genug Schrecken und ihr werdet ihn schon erfahren, wenn ihr im Tal der Raben angekommen seid. Da macht euch mal keine allzu großen Gedanken. Denke lieber nun an dein Rudel. Hier riecht es nach Ärger.“
Eigentlich hatte die Schwarzweiße dies nur so gesagt, das, was kommen würde, hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht geahnt. Sheena hatte sie freundlich empfangen, auch wenn diese, angestachelt durch Tyraleen ziemlich misstrauisch schien. Mit ihren Worten hatte sie versucht Invidia aus der Reserve zu locken, aber so einfach ließ sich diese nicht übers Ohr hauen. Wer wäre sie denn, wenn sie bei der kleinsten Gelegenheit, gleich alles von sich Preis geben würde, und vor allem, wenn alle gleich erfahren würden, was für ein falsches Spiel sie spielte!? Dann wäre doch der ganze Spaß dahin. Den Worten Tyraleens, dass sie sich ihnen anschließen konnte, stimmte sie nur nickend zu. Invidia hatte nach diesem Rudel gesucht und egal, wie furchtbar die Erinnerungen an das schwarze Tal waren, so würde sie den Auftrag Fernis ausführen müssen, denn was sonst mit ihrem Leben geschehen würde. . . sie hatte es sich gar nicht vorstellen wollen. Sheena hatte sie trotzdem antworten wollen, doch nach den überaus freundlichen Worten der Alpha, oh Gott, wie kitschig hier doch alles sein konnte, wurde ihr jegliche Antwortmöglichkeit genommen, denn zwei recht junge Wölfe waren zu ihnen gestoßen. Es schienen Welpen der Weißen zu sein und anscheinend war die Freude aller über dieses Zusammentreffen, einfach nur riesig. Am liebsten hätte die Todsünde mit den Augen gerollt, aber das wäre wohl durchaus unpassend gewesen und so verkniff sie sich diese Geste, stattdessen sah man ein Lächeln auf ihren Lefzen, auch wenn sie viel eher abwesend wirkte. Sie hasste solch eine gespielte Harmonie in einer Welt, in der es so etwas wie Harmonie und Glück überhaupt nicht gab. Und wohl niemals geben würde. Und so hielt sie sich aus dem ganzen Getätschel lieber raus und nickte den dazugekommenen nur freundlich zu. Sie merkte auch das Misstrauen dieser und so hatte sie keine weitere Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen, wie gerne sie auch sonst im Mittelpunkt stand. Aber das, was nun folgen sollte, würde ihr um so einiges besser gefallen.
Plötzlich stand sie nämlich auf einmal alleine da. Alle anderen, die sich ja gerade noch um sie gerissen hatten, waren verschwunden, nach einem verzweifelten Hilferuf einer kleinen Fähe. Und dann hatte auch Invidia das Blut gerochen. Sie hatte den Geruch einen Moment lang in sich aufgesogen und voller Genugtuung die Augen geschlossen. Welch wunderbares Gefühl. Sie liebte diesen Geruch, so rochen auch Opfer, kurz bevor sie starben, auch wenn die Angst dem ganzen noch durchaus den letzten Schliff gab. Natürlich erinnerte der Geruch sie auch an den Tod ihrer Schwestern, aber nur so konnte sie sich ihnen noch ein wenig näher fühlen. Es war die einzige Möglichkeit ihnen nahe zu seinen. Nach einiger Zeit der Gedankenverlorenheit, hatte sie sich dann auf den Weg zu dem Spektakel gemacht, sich jedoch etwas abseits gestellt, sodass niemand sie sehen konnte, sie wollte sehen, was passieren würde, vielleicht würde ja noch jemand sterben, dann würde das ganze heute ja noch eine wundervolle Wendung nehmen. Diese Caylee gefiel ihr. Dieser Durst in ihren Augen, er war einfach wundervoll. Invidia leckte sich über die Lefzen. Sie interessierte, was nun geschehen würde. War das das Ende, würde es noch einen Kampf geben und würde sie dort eine Rolle spielen können!? Freude glänzte in ihren Augen, während um sie herum sich nur Entsetzen in den Augen der anderen spiegelte.
06.08.2013, 17:11
"Weißt du, ich war schon mal in einer Welt ganz weit weg. Da gab es nur eine große Wiese und Sonne, aber nicht zu heiß und nicht zu kalt. Die Sonne hat überall geglitzert, auf der Erde im Gras und am Himmel. Es haben Vögel dort gelebt und Käfer und Schmetterlinge. Und es hat dort eine wunderschöne weiße Fähe gelebt. Sie hat ein bisschen ausgesehen wie Mama, nur noch weißer und sie hat geleuchtet wie eine Sonne. Ich kenne leider nicht ihren Namen, aber sie hat mit mir gesprochen. Sie hat zu mir gesagt, dass wir alle aufeinander aufpassen müssen."
Während sie Aszrem von der eigenartigen Begegnung erzählt hatte, war die kleine Schwarze stehen geblieben. Sie beobachtete ihr Gegenüber. Wusste er, von wem sie sprach? Kannte er die unbekannte Wölfin? Die andere Welt, in der es nie Nacht wurde? Oder glaubte er, dass Taleesha sich alles ausgedacht hatte?
"Kannst du das verstehen? Und weißt du, was ich tun muss? Ich träume oft von der weißen Fähe und höre immer wieder, was sie zu mir gesagt hat, aber ich kann es nicht verstehen. Ich versuche immer auf meine Geschwister aufzupassen, aber ich schaffe es nicht zu jeder Zeit. Zum Beispiel wenn ich schlafe, dann kann es sein, dass ich aufwache und merke, dass Linalee nicht da ist. So wie jetzt. Und dann mache ich mir Sorgen und ... Aszrem? Weißt du, wie ich die weiße Wölfin wieder finden kann? Ich muss nochmal mit ihr sprechen, ich muss sie ganz genau fragen, wie ich es richtig machen kann. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass ich auf sie höre."
Sie hatte noch niemandem von dieser Begegnung erzählt, weder ihren Eltern noch Tyraleen. Bisher hatte sie sich immer dafür geschämt, dass sie nicht wusste, was zu tun war. Jetzt hatte sie Aszrem jedoch von diesen schon so lange umher tanzenden Gedanken erzählt und es wurde jäh ruhiger in ihr. Sie verspürte Erleichterung. Nun war ihr Geheimnis nicht mehr nur ihres. Und vielleicht konnte der dunkle Rüde ihr Antworten geben, die sie verstand.
[Aszrem]
06.08.2013, 23:58
„Nun, im Gegensatz zu dir weiß ich ganz genau, was meine Aufgabe ist.“
Averic sah wieder nach vorne und fügte mit einem versteckten Hauch von Bitterkeit hinzu: „Und auch was passiert, wenn ich sie nicht zu seiner Zufriedenheit ausführe.“
Die Unterhaltung hätte sich sicherlich noch gut weiterführen lassen, nun aber waren sie beim Fremdling angekommen und als Yjel mit der Nennung eines Namens bestätigte ihn zu kennen, verengte der Pechschwarze leicht die Augen. Der Hellere hielt es nicht für nötig ihm zu sagen, wer genau dieser Ayar nun war. Irgendwelche Spielchen zu spielen machte ihm scheinbar furchtbar Spaß. Je nach dem, wie es nun weiter ging, würde er schon noch merken, dass so etwas bei Averic keine wirklich gute Idee war. Er warf Yjel einen kühlen, musternden Blick zu und lief langsam weiter, mit festem Schritt einen Bogen um den fremden schwarzen Wolf ziehend, bis er auf der anderen Seite stand. Der Unbekannte würde es vermutlich nicht gut finden so umstellt zu werden, zumal dieser nun deutlich angespannt war. Er erkannte Yjel also nicht sofort. Averic war es egal, er kannte Yjel nicht lang genug um ihm zu trauen, deshalb blieb er wachsam. Auch wenn der Fremde allein keine Gefahr darstellte, aber wer wusste schon, vielleicht wollte man auch ihm hier eine Falle stellen? Es würde sich zeigen. Averic jedenfalls bewahrte eine Haltung, die jedem ausdrücklich klar machen musste, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Nachdem seine dunklen Augen eine Welpe auf dem Fremdling geruht hatten, wanderten sie wieder zu Yjel hinüber.
„Ein Freund von dir, Yjel?
Er betonte absichtlich den Namen seines Begleiters, um an der Reaktion des Unbekannten ablesen zu können, ob er diesen Namen kannte. Bei dem Helleren konnte er sich vorstellen, dass dieser es erst mal lustig finden würde, seine Identität geheim zu halten und den Fremden raten zu lassen. Aber da hatte er die Rechnung ohne Averic gemacht. Er war kein besonders geduldiger Wolf
[ Wald | Yjel, Ayar ]
07.08.2013, 15:03
Yjel merkte deutlich, dass Averic sich leicht von Yjels Art ärgern ließ. Dies wiederum spornte den Braunen an, um sich immer weiter Spielchen auszudenken. Irgendwann würde dieser Spaß natürlich enden, nämlich dann, wenn Yjel die Frustrationstoleranz des Rüden überspannt hatte. Eigentlich wollte er das nicht riskieren, war er dem Schwarzen doch in vielerlei Hinsicht unterlegen. Er verzog keine Miene, als Averic versuchte, ihn zurecht zu weisen. Am liebsten hätte er gelacht, da diese Art ihn an seine Mutter erinnerte... aber für den Moment war es genug. Viel mehr sollte er den Rüden nicht ärgern, wenn er weiterhin von ihm toleriert werden wollte. Er war nun mal in diesem Rudel, da musste er sich leider auch an die Spielregeln halten. Und das Blauauge war nun mal einer der ranghöchsten Wölfe der Sternenwinde. Yjel hatte sowieso nicht vor, hier groß etwas zu machen. Er wollte nicht so tun, als sei ihm an den Sternenwinden was gelegen. Das war nicht seine Art. Wenn die Anderen ihn nicht mochten, dann mochten sie ihn nicht. Ende der Geschichte. Allerdings war ihm sehr danach, auszutesten, ob es noch mehr solche Spielverderber wie Averic gab. Zumindest Ayar hatte er seit vielen, vielen Sonnenwenden nicht mehr geärgert. Das gehörte nachgeholt.
Auf den Zusatz, der Yjel vermutlich zum Nachdenken anregen sollte, erwiderte der Braune nur ein Zucken."So soll es dann sein.", hauchte er ihm ebenso eisig entgegen. Das Yjel nicht nur ein Sonnenschein und Sprücheklopfer war, sollte Averic gleichfalls merken.
Die Frage des anderen Schwarzen erweckte seine Aufmerksamkeit. Er spitzte die Ohren und wand sich von Averic ab, um Ayar zu mustern. Es lag nun einmal im Blut der Wölfe, eine ausgezeichnete Nase zu haben. Auch wenn Ayar vermutlich doppelt so groß war wie in Yjels Erinnerung, so wusste er anhand des vertrauten Duftes, dass es sich um niemand geringen handeln konnte als seinen Wurfbruder. Prüfend blickte er ihm in die Augen. Waren diese zweifarbig?! Wie kam so etwas zustande? Verwundert entgegnete ihm der Braune:
"Ach, Rabenkind. Was tut das zur Sache?"
Yjel hoffte, dass Ayar merken würde, dass er ihre gemeinsame Herkunft erwähnte.
"Es zählt nicht, woher ich dich oder deinen Namen kenne. Du hast festgestellt, dass ich weiß, wie man dich ruft. Was ändert das? Für dich bin ich scheinbar nur ein Fremder. Und Averic, das ist mein Begleiter, vermutet, das wir Freunde sind.
Ich frage dich: sind wir Freunde? Und wenn ja, was macht Freunde aus?"
Er drückte sich, nur irgendeine Antwort zu geben. Sollten sie doch selbst darauf kommen. Die Schwarzen wären sicher beide dafür zu haben, sich über Yjels Eigenart aufzuregen. Damit wäre doch ein gemeinsames Gesprächsthema gefunden.
[Wald | Averic, Ayar]
07.08.2013, 19:51
Yjel, Yjel, Yjel ... Der Name war ihm ... vertraut, sogar sehr, doch die Erinnerung an jenen schien weit vergraben und, wie es schien, das schon lange. Einen Moment lang war er wieder im Körper eines Welpen, mit noch nicht so seltsamen Augen und blickte einen Rüden in seinem Alter an, welcher bernsteinfarbene Augen besaß, die schielten.
Nein. Nein, das konnte nicht wahr sein, konnte nicht ... Doch so sehr er sich das auch wünscht, in ihm hatte sich der Verdacht festgesetzt, dass der Schielewolf sein Brüder war. Sein richtiger, wohlgemerkt, denn seine Ziehfamilie war immerhin schon seit langem tot.
Ayar glaubte nicht, dass das hier ein Zufall war. Seine letzten Zweifel wurden von den Worten Yjels beseitigt.
Rabenkind. Innerlich lachte er kalt und höhnisch auf. Diese Bezeichnung war wahrlich etwas zweideutig, wobei Yjel eher wohl auf Ayars - und wohl seine eigene - Herkunft aufmerksam machte. Das Tal der Raben.
Der Rüde schloss die Augen einen Moment, um sie zu schonen. Auch wenn er nun nichts sah - seine Sinne waren so geschärft, dass er sogar blind hätte kämpfen können. Als er sie wieder öffnete, richtete er die Augen mit der unnormalen Färbung auf seinen Bruder, bohrte sie förmlich in dessen bernsteinfarbene und sann über seine Antwort nach.
,,Das ist nicht so leicht zu beantworten. Vielleicht habe ich dich während unserer Kindheit als Freund betrachtet, doch das ist längst Vergangenheit. Wer du jetzt bist, das weiß ich nicht zu sagen. Ein Freund? Ich weiß es nicht. Ich kenne dich längst nicht mehr, mehr als ein Fremder bist du für mich im Moment nicht, Bruder."
Das war die volle Wahrheit. Den Wolf vor sich kannte er kein Stück. Daher war er für ihn wirklich nur ein Fremder. Die letzte Frage seines Bruders ignorierte er nebenbei einfach. Er hatte keine Freunde, wie sollte er dies also beantworten können?
Ayar wandte sich nun an den Schwarzen; er blickte ihm furchtlos in die Augen, während seine eigenen die Kälte des Winters und des Schnees widerzuspiegeln schienen.
,,Averic also, ja? Verzeih mir meine Neugier, aber euer Geruch lässt mich an ,Rudel' denken. Jedoch scheint es nicht von hier zu sein, oder?"
Der Schwarze hatte so eine Vermutung, wohin sie unterwegs waren. Und auch das schien ihm kein Zufall zu sein.
08.08.2013, 14:24
Auf ihr leises Ja hin, nickte er. Was sollte er auch sonst tun? Noch immer ohne wirkliche Interesse brachte Samir seine Läufe wie mechanisch in Bewegung. Ein Schritt. Dann der nächste. Was hatte er schon zu verlieren? Er besaß nichts mehr, was es zu verlieren gab, außer sich selbst. Und das wollte sie nicht haben. Sie will dich nicht. Das hätte dir vom ersten Tag an klar sein müssen. Nachgelaufen war er ihr. Hinterhergerannt wie irgend so eine räudige Töhle. Einen kurzen Moment ekelte er sich selbst an. Was hatte er sich nur gedacht, als er sein Heimatrudel verlassen hatte? Das sie ihn mit offenen Armen empfangen würde? So doof konnte auch nur er sein.
Die zarte Stimme der Weißen drang an seine Ohren, leicht lehnte er diese nach hinten, die dunklen Mundwinkel zuckten.
“Vielleicht sollte ich besser allein jagen. Nicht das du mir wieder die Beute versaust.“. Es klang keinesfalls so scherzhaft wie die Worte, die er eigentlich hatte sprechen wollen. Autsch. Das hätte er wirklich nicht sagen sollen. Die gelben Augen fuhren prüfend über das Antlitz der Wölfin. “Tut mir Leid, war nicht so gemeint“, das klang hohl. Ziemlich schlecht. Hm.
Ein leises Seufzen drang aus seinem Fang, dann blieb der helle Rüde stehen und neigte den Kopf zu Boden, betrachtete seine Pfoten ehe er weiter sprach. “Was spielen wir hier, Akhuna?“ Seine Stimme war fest, doch noch immer betrachtete er lediglich seine eigenen Pfoten. “Weswegen glaubst du, bin ich hergekommen, wenn nicht wegen dir?“ Ein Zittern fuhr durch seine Rückenmuskulatur und nun suchte goldgelb das helle Blau ihrer Augen. “Ich bin wegen dir hier und du weißt mich so ab“, sprach er mit leiserer Stimme weiter und lehnte den Kopf leicht schräg. “Ich werd einfach nicht schlau aus dir.“ Endete er lahm und stieß ein leises Seufzen aus. Was sollte er nur mit ihr machen?
09.08.2013, 17:16
"Meine Mutter schenkte ihn mir. Banshee war ihr Name, Tochter Engayas und unsere ehemalige Leitwölfin."
Das Lächeln war immer noch auf ihrem Antlitz zu sehen, auch wenn es einen traurigen Schein angenommen hatte. Ihr Gegenüber hatte lediglich nach ihrem Namensgeber gefragt, aber es wäre ihr zu flach vorgekommen nur ihre Mutter zu erwähnen. Auch wenn sie sich kaum vorstellen konnte, dass dieser Vogel wusste von wem sie sprach.
"Wir ziehen weit fort von hier und unserer Heimat. An einen Ort, den ich selbst nicht kenne. Nicht mehr lange und dein Wald gehört wieder dir allein."
Es war wahrscheinlich belanglos, aber dennoch wollte sie nicht in jeder Einzelheit erzählen, wo genau ihr Ziel lag. Im Grunde log sie nicht einmal. Das Tal der Raben, ja. Aber den Namen von etwas zu kennen bedeutete noch lange nicht zu wissen, wohin man wirklich unterwegs war. Für Pav war es eine Reise ins Unbekannte.
"Mich wundert es, dass du das sagst, Xykotokax. Dieser Wald scheint für Wölfe wie geschaffen." Und doch hatten sie keine Spur von Artgenossen gefunden. Es war ihr Glück, denn dies ermöglichte ihnen diese ruhige Nacht. Sie sollte es wohl genauso sehen: Als Glück. Sie hatten nichts bemerkt, dass als Gefahr eingestuft werden könnte und so war es vielleicht nur Zufall, dass der Wächter in den Bäumen das einzige lebende Tier war, dass sie erblickt hatte.
Plötzlich spürte sie eine Bewegung hinter sich und als sie den Kopf wandte verschmolz der graue Pelz Atalyas bereits mit der Dunkelheit. Das Ziehen in ihrem Magen – kurzzeitig vergessen – war augenblicklich zurück und verstärkte sich mit jeder verstreichenden Sekunde. Sie warf Turién einen fragenden Blick zu, aber auch er schien ihre Frage nicht beantworten zu können. Was war los? Die Schwarze drehte sich in die Richtung in die ihre Nichte verschwunden war und setzte sich zögernd ein paar Schritte in Bewegung. Die Nacht war stumm. Fast zumindest. Parveen lauschte angestrengt und meinte Stimmen zu vernehmen, aber die hatte sie auch schon vorher gehört – Schließlich waren bereits viele Mitglieder des Rudels erwacht und saßen gewiss nicht still nebeneinander. Eine Ahnung schlich sich in ihr Bewusstsein und die gefiel ihr überhaupt nicht. "Er wird doch nicht…", flüsterte sie zu sich selbst und das Herz rutschte ihr in die Nähe der im Schnee versunkenen Pfoten. Sie hatte Krolock nicht aus den Augen gelassen. Immer war ein Ohr in Richtung des schwarzen Jungwolfs gespitzt, oder ihr Blick ruhte auf ihm. Bis jetzt… Ihre Kehle zog sich schmerzhaft zusammen. Was, wenn er der Grund für ihre Unruhe war? Wenn etwas geschehen war? Parveen sah die von Caylee beschriebenen, roten Augen vor sich und neben der Unruhe erfüllte nun auch Angst die Fähe.
14.08.2013, 00:34
Glücklicher Weise schien der Fremde aber etwas mit Yjels Gefasel anfangen zu können. Nachdem dieser auch noch ein bisschen zurück gefaselt hatte, wurde das Mysterium endlich gelüftet. Die Zwei waren Brüder. Lang verloren geglaubte Brüder, oder so.
„Wie rührend.“, knurrte der Pechschwarze abschätzig. Sollte das Zufall sein? Oder verarschten sie ihn hier beide nach Strich und Faden? Vielleicht war Invidia auch noch von der Partie? Wenn er so darüber nachdachte, erinnerte ihn Yjels lächerliche Art gerade fast ein wenig an die nervige Weiße. Oder aber Wölfe aus dem Tal der Raben waren grundsätzlich so. Bei Fenris, hoffentlich nicht. Bevor Averic aber dazu kam sich weiter zu äußern, wurde ihm von Ayar eine Frage gestellt. Er erwiderte den Blick des Dunklen ausdruckslos und dachte kurz über seine Antwort nach.
„Wir sind ein Rudel auf Wanderschaft.“, entgegnete er knapp. „Und hier wird es interessant.“
Der riesige Wolf wandte sich wieder um und ging den Weg zurück, bis er halb zwischen Yjel und Ayar stand.
„In meinem ganzen Leben habe ich nur einen einzigen Wolf getroffen, der das Tal der Raben kannte. Jetzt, wo wir auf dem Weg dorthin sind, scheint es plötzlich irgendwo ein Nest zu geben. Es fällt mir schwer da an Zufall zu glauben.“
[ Wald | Yjel, Ayar ]
14.08.2013, 12:31
Mit einem Grinsen richtete sich Caylee auf und trat zwei Schritte näher an ihren Antifreund und den Welpen, als sie nun ebenfalls Anweisungen erhielt. Die Kälte in der Stimme Krolocks bemerkte sie kaum, viel eher wurde ihr klar, dass sie momentan tatsächlich etwas verdächtig aussah. Allerdings war das Säubern eines weißen Pelzes - zudem an Kinn und Hals - nicht gerade einfach. Es würden ohnehin Rückstände bleiben, schließlich hatte sich auch Tyraleen damals, nach dem Tod Tascurios, im Fluss gewaschen und dennoch war ihr Pelz zart rosa gefärbt geblieben. Und kaum hörte sie näherkommende Schritte, hielt sie ohnehin inne - nur die schlimmsten Spuren beseitigt - und senkte noch schnell ebenfalls den Fang zu dem stocksteif gewordenen Welpen. Hoffentlich war der nicht tot.
“Du solltest auf ihn hören, gemeinsam können wir dir und deiner Familie alles antun, was wir wollen. Du hast ja gesehen, was ich kann …“
Womit sie sowohl das Quälen Krolocks, als auch den erfolgten Biss meinte. Wobei sie auf Zweiteres ganz und gar nicht stolz war, aber die sich jagenden Adrenalinschübe in ihrem Gehirn fegten sowieso jedes schlechte Gewissen davon. Ein letzter Blick galt Maliks geschlossenen Augen und seinem bebendem Körper, der immerhin klar machte, dass er noch lebte. Gehört hatte er sie sicher, vermutlich befand er sich einfach in einer Schockstarre. Umso besser.
Und dann hatte sie auch schon der erste erreichte. Zu allem Überfluss war es Atalya … irgendwie nicht der ideale Erstankömmling. Vermutlich wäre das aber niemand gewesen. Sie schien ziemlich erschrocken und stellte dann die zu erwartende Frage während sie sich nahe bei dem Welpen postierte. Caylee tat das einzig Logische. Sie sprang an Atalyas Seite, ebenfalls halb schützend vor dem verletzten Malik und starrte Krolock unverwandt feindlich an.
“Wir haben gespielt, auch wenn es Linalee und Malik wohl ein bisschen zu kompliziert war. Aber dann … dann hat Krolock plötzlich Malik gebissen! Er ist verrückt, Atalya, er dreht vollkommen durch. Siehst du seine Augen?“
Um wenigstens durch Gesten zu erklären, woher das Blut in ihrem eigenen Pelz kam, schleckte sie ein wenig hastig über die weiterhin fröhlich vor sich hin blutende Wunde des Welpen und sah dabei ziemlich unbeholfen aus, weil noch mehr Blut in ihrem Fell landete. Wie ungeschickt aber auch.
14.08.2013, 14:30
Es war wirkich erstaunlich, wie weit man sich voneinander entfernen konnte, auch wenn dasselbe Blut in den Adern der zwei Wölfe floß. Yjel war sich sicher, dass auch Ayar dieses eigenartige Gefühl verspürte, dass so aussagleos war. Den verloren geglaubten Bruder wieder zu finden würde wohl bei den meisten große Emotionen und Erinnerungen an vergangene Tage hervor bringen, würde zu Rührung, Hoffnung und Freude führen. Doch diese beiden, der Schwarze und der Graue, schienen beide nicht allzu enthusiastisch. Das einzige, von dem Yjel wusste, dass er es nicht ertragen würde, es nicht zu wissen, war der Fakt der seltsamen Augen seines Bruders. Das war es für Yjel denn aber auch schon. Sicherlich konnten beide allerhand erzählen, zumindest, was sie die letzten drei Jahre unternommen hatten, aber um ehrlich zu sein, war das für Yjel zweitrangig. Auch Averic schien sich kaum weiter für den Bruder des Schielauges zu interessieren. Er drehte sich ein wenig zu ihm, um seine Reaktion abschätzen zu können. Wie er sich gedacht hatte, Averic hatte offensichtlich ebenso wenig Lust auf diese Verlorener-Bruder-Hallowiegehtsdir-Situation. Da waren sich die drei also einig. Ayars Worte ließen ihn von Averic, sodass er mit einem Augenzwinkern entgegnete:
"Wir werden schon sehen, was aus uns wird. Es scheint mir, als hättest du Sehnsucht nach mir gehabt. Averic hat Recht. Wirklich rührend, wie du dich um mich sorgst."
Averics Knurren hatte Yjel gekonnt überhört, doch was er über das Tal der Raben erzählte, weckte seine Neugierde. War es wirklich so seltsam, dass sowohl Invidia, Ayar und er sich aus dem Tal der Raben aufgemacht hatten? Und das Rudel der Sternenwinde war aufgrund seiner Größe und das seines ehemaligen Reviers ja auch kaum zu übersehen oder zu umgehen. Averic suchte womöglich nach geheimnisvollen Gründen des Zufalls, die es nach Yjels Meinung einfach nicht gab.
"Das Tal will dich wohl einfach willkommen heißen, indem es dir Vorboten bringt. Die dich dann so nerven, dass du und dein Rudelchen dir es anders überlegst."
Seine Worte waren härter geworden und er hatte seine Miene gestrafft, um tiefer in den Wald zu blicken. Die Kälte kroch an seinen Läufen hoch und er betrachtete das sanfte Glitzern des Schnees, der über den Bäumen hing.
[Wald| Averic, Ayar]
14.08.2013, 17:13
Seine Ohren zuckten, als sich die Stimme der Fähe wieder in die Geräuschkulisse des Waldes mischte, ehe seine Läufe es ihr gleichtaten und der massige Körper zum Stehen kam. Er wandte sich um, erwiderte den Blick der Wölfin und in Anbetracht des mit einem mal so entschlossenen Ausdrucks auf ihren Zügen, zuckte ein kaum merkliches Lächeln über seine Lefzen. Wie es schien, waren seine Worte tatsächlich nicht so sehr an ihr abgeprallt, wie es zu Anfang gewirkt hatte. Als sie geendet hatte, wirkte der Bunte fast ein wenig beruhigt, was einem im ersten Moment vielleicht sogar suspekt erschien. Doch allein die Tatsache, dass seine Worte scheinbar wirklich zu ihr durchgedrungen waren, ließen ihn zufriedener und gleichzeitig zuversichtlicher werden, dass Amáya durchaus dazu in der Lage war, ihrer eigenen, kleinen Finsternis zu entkommen.
„Es sind nicht unsere Augen allein, mit denen wir sehen, genauso wenig, wie es uns nur unsere Ohren ermöglichen, dem zu lauschen, was unsere Umwelt uns zu sagen hat. Unsere Seele, unser Herz, Amáya, weiß uns viel mehr zu sagen, als Auge oder Ohr es je könnten.“, fuhr er mit ruhiger Stimme fort, ohne den Blick von ihr zu wenden. „Das ist der Weg, wie auch die Götter zu uns sprechen, wie wir zu uns sprechen.“
Vielleicht fand die Dunkle den Gedanken befremdlich, den er zuletzt nannte, doch Chivan wusste, wovon er sprach. Wäre es nicht so schwer gewesen, es genauer in Worte zu fassen, wäre er vielleicht dazu übergegangen, es ihr genauer zu erklären, doch der Begriff des 'Unterbewusstseins' schnitt sich in seinem Verständnis zu sehr mit dem Begriff der 'Seele'. Seiner Idee nach also war es die Seele selbst, die zu einem sprach; der Teil von einem, der Seite an Seite mit dem Instinkt funktionierte. Nichts, was man mit den Augen sehen konnte, nichts, was man hören konnte und dennoch war es da – für das Herz sichtbar, für die Seele spür- und wahrnehmbar. Lustiger Weise schloss Amáya kurz darauf direkt an das an, was er zu sagen versuchte.
„Ist es dein Kopf oder dein Herz, dass versucht, dich im Glauben zu lassen, dass dieser Weg für dich bestimmt ist?“, hakte er mit einem freundlichen Lächeln nach. „Sieh' mit dem Herzen, Sturmtänzerin. Vielleicht erscheint dir dein Weg dann gleich nicht mehr so finster und einsam, wie du bisher geglaubt hast.“
Als wolle er eben die verdeutlichen, schritt er einen kleinen Kreis um sie herum, um schließlich wieder an ihrer Seite zum Stehen zu kommen. Und er war sich sicher, dass dort nicht nur er als Fremder, sondern auch viele Wölfe des Rudels darauf warteten, erblickt und erkannt zu werden.
kein Ding. <3
14.08.2013, 21:23
Als Atalya zu ihnen trat, wurde seine Miene wieder ernst. Er machte sich nicht die Mühe, das Blut zu verbergen, das ihm durch das Fell sickerte. Er musterte die ätzende Fähe abschätzend. Das letzte Mal, als er mit ihr zu tun gehabt hatte, war auch ein bisschen blutig gewesen. Haha! Und während er darüber nachdachte, erklärte Caylee die Situation. Erst wollte er automatisch nicken, ehe sich der ohnehin schon düstere Blick noch ein bisschen verfinsterte.
Der purpurne Blick flackerte zu der Weißen hinüber und verweilte dort ein paar Augenblicke, ehe er wieder zu Atalya sah. Die Augen wurden von etwas mehr rot geflutet, dann blitzte das Blau wieder hindurch.
„Der Zwerg ist der Durchgeknallte, klar? Greift einfach Wölfe an, die größer sind als er.“
Die Feststellung war nüchtern und gleichgültig.
„Du solltest irgendetwas machen!“, forderte er Atalya auf, die da so dämlich herum stand. „Sonst verblutet er...“
Sein Blick fixierte kurz Caylee, ehe er es sich gemütlich machte und darauf wartete, dass die Kavallerie anrückte.
[Bei Atalya, Malik und Caylee]
15.08.2013, 19:03
Sheenas Nackenfell richtete sich auf, ihre Ohren spitzten sich und bewegten sich zügig in die Richtung aus der der Hilferuf gekommen war. Die Rute ragte steil in den Himmel, jeder einzelne Muskel in ihrem Körper war gespannt und bereit loszuspringen. Doch vorerst wollte ihr Gehirn die erhaltenen Informationen verarbeiten. Doch es schien so quälend langsam.
Linalee hatte gerufen. Ihre geliebte Tochter die früher wegen alles und jedem Angst gehabt hatte. Fast schon wollte Sheena sich entspannen – aber halt. Früher hatte Linalee sehr große Angst gehabt – jetzt war sie mutiger geworden. Oder war sie in ihr altes Verhaltensmuster zurückgefallen? Egal was war, sie würde der Sache sowieso auf den Grund gehen.
Gerade als Tyraleen in ihre Richtung nickte und ihr mitteilte, dass sie nach ihrer Tochter sehen solle, sprang Sheena schon nach vorn. Im Sprung nahm sie den Blutgeruch wahr der nun immer unverkennbarer in der Luft schwebte. Sie stoppte, blickte zurück zu Tyraleen, welche sich gerade scheinbar von Invidia verabschiedete um ihr zu folgen. Gut! Doch auf sie warten konnte die besorgte Mutter nun nicht mehr. Mit großen, kräftigen Sprüngen eilte sie vorwärts, in die Richtung aus der Linalees Ruf ertönt war. In die Richtung aus der die blutgetränkte Luft herüberwehte. In die Richtung aus der plötzlich auch Maliks Duft emporstieg…
„Linaleeeeeeee!!? Maliiiik?“
Kräftig scholl ihre Stimme durch die Waldluft. Der Blutgeruch intensivierte sich, der von Malik auch. Dahingegen war Linalees Duft noch weiter entfernt. Was war nur geschehen? War das etwa Maliks Blutgeruch der da ihr Fell umnebelte?
Nun vernahm sie auch Isaís Geruch in der Nähe – scheinbar bei Linalee und zwei anderen Wölfen. Ehe sie sich um die Identität der anderen zwei Gedanken machen konnte, war sie am Unglücksort angekommen. Bei Atalya, Krolock, Caylee und ihr geliebter Sohn Malik.
Ihre Krallen bohrten sich während ihrer eiligen Bremsung in den Waldboden. Schwungvoll kam sie einige Meter vor den Wölfen – Caylee und Atalya standen vor Malik – wollten sie ihn beschützen? – und Krolock saß eher schräg neben ihm – zum Stehen. Caylee war blutverschmiert. Das war das erste was Sheena wahrnehmen konnte. Ihr Blick glitt zu Atalya. Scheinbar war sie erst gerade eben zu dem Grüppchen gestoßen – und sie trug kein Blut an sich. Dann ging ihr Blick weiter zu Krolock. Auch er war blutverschmiert… Stumm stand Sheena da, Sekunden dauerte es nur um alle Einzelheiten wahrzunehmen und zu sortieren.
Krolock scheinbar völlig entspannt mit leicht roten Augen. Das Blau flackerte eindeutig hindurch – er war also gerade nicht völlig wahnsinnig. Das Blut klebte eher an seiner Schnauze, auch nicht sonderlich viel, so, als ob er Malik nur hastig berührte hätte… Caylee hingegen war blutüberströmt. Überall klebte es, an der Schnauze, am Brustfell, im Gesicht. Waren das die Folgen eines kläglichen Rettungsversuches? Und ihre Augen. Einerseits sah sie absolut überfordert mit der Situation aus. Andererseits war da ein Ausdruck in ihren Augen… Was genau hatte Linalee nochmal gerufen?
Caylee frisst Krolock. Caylee frisst Krolock…. Caylee frisst… Malik! Durstig sahen ihre Augen aus.
Sheena knurrte dunkel auf und machte einen Satz in Richtung Krolock. Sie schnappte dicht vor seiner Schnauze mit ihren Zähnen aufeinander und fixierte ihn kurz. Er sollte nur Bescheid wissen, mit wem er es hier zu tun hatte. Sie war die Ziehtochter seines Vaters gewesen und kannte sich gut mit dem Fluch aus.
Dann trat sie einen Schritt rüber zu Malik, blickte Atalya fragend an – vielleicht wusste sie mehr?- und knurrte Caylee schließlich drohend an.
„Geh Caylee! Geh weg von meinem Sohn!“
Sie wollte ihre Vorwürfe nicht jetzt loswerden, dafür war auch später noch genügend Zeit. Außerdem hatte sie keine richtigen Beweise – nur ihre logischen Überlegungen und Schlussfolgerungen. Dennoch dürfte Caylee begreifen, dass Sheena wusste, wer ihrem Sohn das angetan hatte. Sie schob die blutig weiße Fähe zur Seite und sah nun deutlich die große Wunde von Maliks Ohr hinunter bis an seinen Lauf. Sein Körper bebte, bei Bewusstsein schien er nicht mehr zu sein.
Am Rande bemerkte sie, dass Invidia auch irgendwo in ihrer Nähe sein musste. Offenbar war sie ihnen gefolgt und hielt sich nun versteckt. Meinte sie, dass Sheena einfach so Beta geworden war? Mittlerweile konnte sie selbst im größten Chaos einen guten Überblick behalten. Wen suchte Invidia nochmal? Die Tochter des Lebens… Tyraleen also. Dann durfte Tyraleen nicht in Gefahr gebracht werden, konnte ihr bei der Rettung Maliks aber auch nicht zur Seite stehen ohne sich zu viel zu offenbaren. Also war es an ihr alleine ihren Sohn zu retten. Und vielleicht Invidia auf die falsche Spur zu führen. Aber das war nebensächlich.
[COLOR=red]Sie hob kurz ihre Schnauze gen Himmel und schickte Jakash eine knappe Information.
Dann ließ sie sich auf ihr Hinterteil sinken, ihre Rute zuckte unruhig hin und her, und ließ die Schnauze auf Maliks stark blutende Wunde sinken. Vorsichtig begann sie hinüber zu lecken. Allerdings ohne sich dabei den ganzen Pelz zu verschmieren.
Langsam begab sie sich in die Arme Engayas, spürte ihre Kraft und Weisheit durch sie strömen und gab eben diese Kraft an den kleinen Malik weiter. Er durfte nur nicht sterben. Er würde nicht sterben. Sollte ihre Behandlung Erfolg haben, würde sich die Blutung innerhalb kürzester Zeit verflüchtigen und schließlich ganz einstellen. Damit war Malik noch lange nicht geheilt, aber er würde nicht mehr in Lebensgefahr schweben. Und würde seine Augen wieder öffnen können.
Während sie kraftvoll und gleichzeitig unendlich zart über seine Wunde leckte, versuchte sie in sein Bewusstsein vorzudringen. Dichter Nebel lag über ihm und so fing sie leise an seinen Namen in Gedanken zu rufen. Immer und immer wieder. ~Maaaalik~
Sie vertraute darauf, dass Tyraleen gleich eintreffen würde – ihre Augen waren zwar geschlossen, aber ihre Ohren aufmerksam gespitzt, sodass sie jede kleinste Veränderung noch rechtzeitig wahrnehmen würde.
[/COLOR]
[Über Malik bei Atalya, Caylee und Krolock. In der Nähe Invidia. Auf dem Weg zu ihnen Tyraleen, Amúr, Chanuka, Linalee, Isaí]
19.08.2013, 12:40
“Haltet euch beide von Krolock fern und Amúr, bitte habe zwei wache Augen auf Caylee. Aber bleibt dicht bei mir, was auch immer dort geschehen ist, es ist kein Spaß mehr.“
Hoffentlich würden ihre beiden Kinder eine Unterstützung sein, bei was auch immer. Endlich hatten sie den kleinen Hügel überwunden und sahen nun unmittelbar vor sich das Spektakel. Caylee - mit blutigem Pelz - und Atalya - frei von Blut - standen neben Malik, der am Boden lag und stark blutete. Direkt über ihm ließ Sheena immer und immer wieder ihre Zunge über seine Schulter gleiten, offensichtlich der Ursprung des Blutes. Einen Schritt von ihnen entfernt und ebenfalls blutverschmiert saß Krolock, feindselig und doch auffällig entspannt, als würden sie gerade ein Pläuschchen halten. In diesem Moment schickte Sheena Jakash eine Information, aber innerlich hoffte Tyraleen, dass der Schwarze nicht sofort aufkreuzen würde. Ganz offensichtlich war die Situation weitestgehend unter Kontrolle - ein sorgender Vater würde nur neue Unruhe hineinbringen.
Sie kam neben Krolock zum Stehen und fixierte als erstes seine Augen. Da war es wieder, dieses merkwürdige Rot. Also war ihm nicht zu vertrauen, jemand musste ihn unter Kontrolle halten. Wo zum Teufel war Parveen? Keine Spur von ihr, Tyraleen würde ein ernstes Wort mit ihrer Schwester reden müssen. Jetzt aber galt es, vollends die Kontrolle zu gewinnen und das Geschehene zu klären. Auch wenn augenscheinlich alles ziemlich klar war.
“Amúr, geh zu Caylee; Atalya, bleib bei mir und Krolock; Chanuka, hilf Sheena.“ Eilige, knappe Anweisungen, die erste Ordnung erstellen sollten. Dann wandte sie sich an Caylee. “Was ist passiert?“
Ihr leicht verengter Blick blieb auf ihrer Tochter liegen, während sie einen Schritt vor zu Sheena trat und die Nase über Maliks Gesicht gleiten ließ. Der Welpe schien unter Schock zu stehen, die Wunde auf seiner Schulter war groß, aber nicht lebensbedrohlich. Und Sheenas Bemühungen schienen Erfolg zu haben, es blutete kaum noch. Dennoch war offensichtlich, dass der Welpe vorerst außer Gefecht gesetzt war.
“Chanuka kann dir dabei helfen, Malik an eine geschützte Stelle zu bringen. Ich denke, er braucht vor allem Ruhe und Schutz, die du ihm geben solltest. Hier ist dafür kein guter Ort.“
Sie deutete irgendwo hinter den Hügel, wo das Rudel rastete und dennoch zwischen den Bäumen ruhige Orte lagen, die einen verletzten Welpen und seine besorgte Mutter schützend umschließen würden. An einen baldigen Aufbruch war nun ohnehin nicht mehr zu denken. Mit einem scharfen Ausatmen wandte sie sich wieder an Caylee, von der sie nun hoffentlich erfahren würde, was zur Hölle hier passiert war.
19.08.2013, 13:01
SL für Turién und Parveen:
Der Name Banshee löste ganz eindeutig etwas in dem großen Vogel aus - seine Flügel hoben sich leicht an, er gab einen noch merkwürdigen Laut, als das andauernde Wicka-Wicka von sich und sein Kopf drehte sich mehrmals hin und her.
“Banshee! Ach, wusste ich es doch. Ich habe diese Wölfin nie kennengelernt, aber sie muss schöner als die Sonne und freundlicher, als das Licht sein. Ein schwarzer Wolf hat mir so oft von ihr erzählt und seine Worte waren sicherlich die schönsten, die ich je zu hören bekommen habe. Sag, Parveenparveenparveen, kennst du dann auch einen Acollon?
Wicka-Wicka-Wicka kam es gleich noch hinterher, jetzt weniger lachend, als hocherfreut. Dann aber schien ihm irgendetwas aufzufallen, er senkte die Flügel, verstummte und sah Parveen ohne zu blinzelnd unverwandt an.
“War sagst du?“ Sein Federkleid raschelte. “Nicht ist? Und der Schwarze, Acollon … war der auch?“
Offensichtlich hatte er jedes Misstrauen, das ihn sich zuerst hatte verstecken lassen, jetzt verloren. Zumindest breitete er die Flügel wieder aus und ließ sich auf einen Ast auf Kopfhöhe Parveens gleiten. Mit seinem langen Schnabel kam er ihrer Nase dabei ziemlich nahe.
“Ah, ihr verlasst eure Heimat, zieht weit fort, seid in der Fremde … das erklärt vieles. Einst war dieser Wald voller Wölfe, doch seit einigen Jahren traut sich kein Langbein mehr zu uns. Wenn ihr hier fremd seid, sind euch die Gerüchte dann wohl nicht zu Ohren gekommen. Seit Acollon unser Freund geworden ist, erzählen sich die Wölfe merkwürdiges über diesen Wald. Sie sind reichlich abergläubisch, wenn du mich fragst.“
Xykotokax blinzelte zwei Mal, dann legte sich auch sein Blick auf die nun entschwindende graue Wölfin. Ob er die Sorge Parveens daraufhin bemerkte, war nicht ersichtlich, aber er klapperte mit dem Schnabel - wohl eine Geste, die irgendetwas sagen sollte.
“Unruhe ist in deinem Rudel, Parveenparveenparveen. Aber keine Sorge, ein ganzer Haufen von euch ist schon unterwegs, um das zu klären. Und die Augen meines eigenen Volkes wachen auch über sie, uns entgeht nichts. Geh noch nicht, ich habe viel zu viele Fragen an dich.“
19.08.2013, 15:51
Gut, vielleicht war er froh, dass sie endlich etwas Entschlossenheit zeigte - das überraschte sie übrigens selbst. Trotzdem, so sehr sie sich auch anstrengte, da war immer noch das Problem mit Mayhem. Sie hörte wirklich Stimmen, sie sah diesen Wolf, der verdammt noch mal tot sein sollte wirklich! Was zählte es, wenn es ihre Seele oder ihr dummes Herz war? Sie hatte Angst, selbst jetzt konnte sie das spüren und mit jedem Tag der verstrich wurde sie schlimmer. Irgendwann würde es wieder zu viel werden und sie würde überlaufen und dann könnte sie vielleicht wieder jemanden verletzen.
"Wenn es so ist, dann ist es eine sehr grausame Art mir etwas mitzuteilen." , antwortete sie mit gerunzelter Stirn und mit einem kurzen Schnauben, während sie unbewusst etwas misstrauisch ihren Blick zwischen den Baumstämmen herumgleiten ließ. "Ich weiß, dass sie mir etwas mitteilen will. Ich höre, wie sie zu mir spricht, aber... Ich kann es nicht entschlüsseln und wenn ich es höre bin ich nicht..." , sie stockte, etwas nervös und leckte sich über die Lefzen. Sie blickte kurz zu Chivan hinüber, der die Ruhe selbst war und zögerte. "Ich bin nicht wirklich in der Lage, klar zu denken." Ihr Blick wurde etwas düsterer und sie seuftzte leicht. Das war sogar etwas untertrieben um ehrlich zu sein. Wenn sie sich bloß daran erinnerte, dass sie fast Sheena angegriffen hätte! Sie hatte der Fähe wirklich so viel zu verdanken und dennoch hatte sie ihr so viel Schmerz zugefügt. Hätte sie damals doch bloß nicht so gehandelt, wäre sie doch bloß ein wenig erwachsener gewesen, dann... Sie wandte sich Chivan zu und gab ihm ein schwaches Lächeln, während sie zusah, wie er um sie herumschritt um an ihrer Seite stehen zu bleiben.
"Du hast Recht. Ich...", sie suchte kurz nach Wörtern. "Ich bin dir dankbar, dass du dich mir so angenommen hast. Ich war anfangs unfreundlich zu dir und das ohne Recht - schließlich war ich doch eigentlich nur eine Fremde für dich und du hast mir trotzdem Worte gegeben, die mir wohl seit langer Zeit jemand hätte sagen müssen. Ich stehe in deiner Schuld."
Sie senkte ihren Kopf leicht vor ihm und schloss die Augen und in diesem Moment fühlte sie sich seltsam leicht, als ob für einen Augenblick all die schweren Lasten von ihrer Schulter verschwunden wären. In Furcht, diese würden alle zurückkehren, sobald sie sich wieder aufrichtete, verblieb sie so und ihre Schultern begannen leicht aber merkbar zu zittern. Er war wirklich ein guter Wolf. Sie hatte es eigentlich gar nicht verdient, überhaupt mit ihm Worte zu wechseln. Kaum zu glauben, dass sie ihn angefahren hatte. Sie schämte sich so - und dennoch, irgendwie war es befreiend so ehrlich zu sein. Wieso hatte sie das bis jetzt nie bemerkt?
{ Chivan | abseits im Wald }
19.08.2013, 18:40
Seine Gedanken und seine Angst hatten die Schmerzen in seiner Schulter so gedämpft, dass er sie beinahe vergessen hätte. Krolock sagte irgendetwas und erwähnte das Blut, aber Malik hörte kaum noch zu. Er wollte nur warten und schweigen und weiter warten, bis sie weg gingen oder Linalee jemanden mitbrachte, der sie verjagte. Seine Vorstellungskraft holte ihm seinen Vater an die Seite, der sowohl Caylee und Krolock, als auch Atalya mit Knurren von ihm fern hielt und ihm beim Aufstehen half. Dann würden sie weiterwandern – er mochte diesen Wald nicht so gern. Er würde seine Familie nicht vollständig im Auge behalten können, wenn überall Bäume die Sicht versperrten. Aber von jetzt an musste er auf sie aufpassen, besonders auf Linalee. Sie hatte gerufen, dass Caylee böse war. Und das war bestimmt falsch. Aber es war auch falsch zu sagen, dass Caylee nett war und nur gespielt hatte. So war es doch nicht gewesen, oder? Für seine Schwester war es kein Spiel gewesen, sie hatte wirklich Angst gehabt. Und er hatte nun auch Angst. Dann war es auch nicht richtig zu sagen, Caylee hätte nichts gemacht. Sie hatte ihn gebissen. Sie hatte ihn wie einen Hasen geschnappt und nun würde sie ihn fressen. Dann würde er Madoc auch nicht mehr wiedersehen, denn Beutetiere wurden bestimmt nicht zu Sternen. Die wurden zu Fleisch, das im Bauch anderer Wölfe landete. Und in Caylees Bauch würde er Madoc nicht treffen. Er würde seinen Stern nicht einmal mehr sehen können. Zu seiner bestehenden Angst kam diese neue schlagartig dazu, raubte ihm mit ihrer Wucht den Atem und verlangsamte sein Denken – vielleicht war das aber auch gut so, sonst hätte er womöglich noch ganz andere Schlüsse gezogen.
Wie erfolgreich er sich in sich selbst zurückgezogen hatte, merkte er erst, als eine vertraute Stimme zu ihm vordrang, die nicht wirklich sprach. Die nicht an seinem Ohr war, sondern in seinem Kopf. Sheenas Knurren, ihr Ruf, ihre sanften Berührungen – er hatte nichts davon wahrgenommen. Ob es mit dem Blutverlust zusammenhing, war schwer zu sagen. Sein kindlicher Verstand hatte den Welpen viel mehr vor nachhaltigem Schaden bewahren wollen und hatte ihn von allen äußeren Einflüssen abgekapselt, ihn vor der Welt versteckt. Wie ein Igel sich zusammenrollte, so hatte es Maliks Bewusstsein auch getan. Erst durch den vertrauten Klang der Stimme, die seinen Namen so frei von Hass, Wut und Grausamkeit rief, ließ er sich dazu überreden, sich wieder dem zu stellen, was sich um ihn herum abspielte. Er war jetzt nicht mehr allein und diese Aussicht gab ihm Mut.
Als er die Augen öffnete, hatte sich die Anzahl der Wölfe um ihn herum fast verdoppelt. Von unten sah er haufenweise Beine, verschiedenfarbiges Fell und plötzlich auch zwei Gesichter, die für seinen Geschmack gerade viel zu nah an seinem waren. Der Geruch seines eigenen Blutes überdeckte den Eigengeruch der Wölfe bleischwer und so brauchte er mehrere Augenblicke, in denen wieder stumme Panik durch seinen Körper raste, ehe er Tyraleen und Sheena erkannte. Doch seine Augen blieben schreckgeweitet – wenn sein Blick wegen der Schwärze seiner Augen auch sonst schwieriger zu deuten war, war es jetzt denkbar einfach. Der Anblick seiner Mutter wirkte nicht sofort beruhigend auf ihn. Er hatte ihre Stimme in seinem Kopf erkannt und war ihrem Ruf gefolgt, aber der Tribut für seine Entscheidung, zurückzukommen, war, dass die Angst ihn begleitete. Und die legte sich auch nicht, als er begriff, dass keine unmittelbare Gefahr mehr drohte, dass Linalee erfolgreich gewesen war. Und dennoch gelang es ihm, die erstarrt geglaubten Beine in Bewegung zu setzen und unter den Bauch seiner sitzenden Mutter zu kriechen. Er war zu groß um noch bei ihr zu trinken, aber für einen Moment erinnerte ihn die Wärme ihres Körpers daran. Verstört schob er sich unter sie, bis es nicht mehr weiter ging und begann ganz leise und hoch zu fiepen.
22.08.2013, 20:16
Gerade, als die Graue den Fang heben wollte, um eben nach dieser zu rufen, konnte sie eilige Schritte hören, die sich ihnen näherten und wenige Herzschläge später kam Sheena bei ihnen zum stehen, überflog die Situation und deutete kurz einen Angriff auf Krolock an, ehe sie sich mit einem kurzen Blick an sie wandte. Atalya schüttelte kurz den Kopf, als die Weiße sich schon wieder umwandte und nun Caylee entgegen knurrte, was die Graue kurz die Ohren zurück neigen ließ. Sie befahl Caylee von Malik weg, und ganz automatisch ruhten die rötlichen Augen der Grauen auf ihrer helleren Schwester. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Caylee es gewesen war, die den Welpen so zugerichtet hatte, was hatte sie selbst also übersehen, was Sheena so in Sicherheit wiegen ließ? Sie verzog kurz die Lefzen, als auch schon der nächste Geruch bei ihnen auftauchte und endlich das erhoffte Gesicht ihrer Mutter nah war. Nur ein kurzer Blick galt der Weißen, ehe sie sich wieder herum wandte, um Krolock im Auge behalten zu können, und trotzdem den Worten ihrer Mutter lauschen konnte. Die Graue regte sich erst, als Tyraleen sich an ihre weiße Tochter wandte, in deren Fell noch deutlich Blut klebte. Wie ihr zuvor geheißen blieb sie bei ihrer Mutter und dem Wahnsinnige, wandte den Blick zwischen dem Schwarzen und ihrer Schwester hin und her. Ihr blieb Nichts zu sagen, sie selbst war gespannt darauf, welche Erklärung die beiden nun bei Tyraleens Anwesenheit parat hatten. Die Sicherheit, dass Caylee unschuldig war, schien jedoch mehr und mehr von ihr zu weichen.
[Tyraleen, Krolock, Caylee, Amúr, Chanuka, Malik, Sheena]
22.08.2013, 21:15
''Natürlich!'', bejahte sie die Worte ihrer Mutter und schien ohne einen weiteren Gedanken zu handeln. Weich drückten sich ihre Pfoten in den Schnee, die Rute, sowie ihre Augen waren aufrecht. Ja, Amúr...Amúr...da musste sie sich wohl wirklich mit dem Geschehen konfrontieren und wieder war es ein weiteres Mal passiert...nur...
''Caylee''
Ihre Ohren schnippten und sie erkannte den roten Pelz an ihrem Fang und der Brust. All das weiße Fell schien darin zu ertrinken und sich die Unschuld daraus zu nehmen. Vorsichtig glitt ihr Blick zu der Dunkelgrauen, Amúrs Ausdruck leicht fragend und doch voller Sorge, da sie nicht wahrhaben wollte, welcher Gedanke sich grade durch ihre Instinkte schlich. Oh Caylee, nein. Bitte nicht...du warst das nicht...
24.08.2013, 21:17
Es dauerte nicht lang, bis die Schwarze in Sichtweite war, und Kisha kam ruhiger als ihr Patensohn bei seiner Schwester zum stehen, den Blick zuerst aufmerksam herum wendend, ob Linalee jemand gefolgt war. Aber kein Wolf schien in der Nähe zu sein, sodass auch die braunen Augen der Wölfin sich langsam auf die kleine Fähe richteten, die nun liebevoll von ihrem Bruder nach Verletzungen abgesucht wurde. Auch Kisha senkte kurz die Schnauze, fuhr mit der Nase durch das dunkle Fell. Sie schien unverletzt, ihre Worte – und der Geruch von Blut, der langsam die Luft erfüllte – ließen dann aber doch Sorge in der Schwarzen aufkochen. War wirklich etwas passiert? Und was hatte Malik damit zu tun? Nervös trat die Dunkle von einer auf die andere Pfote, als sie den Kopf wider angehoben hatte.
„Das hast du ganz toll gemacht, Linalee!“
Mit einem ehrlichem, überzeugendem Blick wandte sie sich noch einmal an die junge Fähe, die weiter vor sich hin stotterte. Nun folgte ihr braunen Blick dem der kleinen Wölfin und ihre Ohren wurden aufmerksam aufgestellt, als sie die Ansammlung der Wölfe in der Nähe erkannte – dort, von wo der Blutgeruch stammte. Kisha schnaufte leise, trat einen Schritt vor, hielt dann aber sofort wieder inne. Es schienen immer mehr Wölfe zu werden – und vielleicht war wirklich etwas passiert, was nicht für Welpenaugen bestimmt war? Ein ungewohnter Anflug von Vernunft flammte in der dunklen Fähe auf, während sie noch immer mit den Pfoten auf und ab tänzelte, den Kopf dann wieder ein wenig zu den beiden Welpen senkend.
„Vielleicht sollten wir nicht zu nah heran gehen... Es scheint ziemliches Chaos zu sein... wir sollten aus der Entfernung heraus finden, was geschehen ist.“
Tyraleen konnte sicher nicht das halbe Rudel bei sich gebrauchen, wenn es etwas zu klären gab. Und inzwischen lagen genug Gerüche in der Luft, dass zu dieser Anzahl von Wölfen nicht mehr viele fehlten.
„Was auch immer passiert ist – Tyraleen ist bei eurem Bruder. Jetzt ist er sicher.“
[Isaí & Linalee]
28.08.2013, 11:15
“Das stimmt tatsächlich, Malik hat ihn angegriffen und ins Bein gebissen … natürlich nicht fest, aber das war auch ziemlich dumm von dem Welpen.“
Jetzt warf sie einen schnellen Blick zu Atalya, der nicht einmal gespielt werden musste. Tatsächlich hielt sie den Welpen für dumm und tatsächlich befand sie, dass Krolocks - beziehungsweise ihre eigene - Schuld dadurch deutlich gemildert wurde. Sheena hatte ihre Welpen nicht im Griff und deshalb mussten ihnen andere beibringen, was richtig und was falsch war. Mh, das klang so überzeugend, sie musste aufpassen, dass sie ihre vorherige Behauptung, Krolock sei verrückt, nicht wieder aus den Augen verlor. Krolocks weitere Aufforderung, irgendetwas zu tun, überforderte die Weiße, obwohl sie eigentlich an Atalya gegangen war. Tatsächlich wäre es nicht schön, würde Malik jetzt sterben … aber was sollte man denn tun? Mit - leicht übertrieben - hilflosem Blick sah sie einen Moment auf den blutenden Welpen, dann erledigte sich die Situation von selbst, denn eine rasende Sheena tauchte auf. Immerhin stürzte sie sich zuerst auf Krolock, drohte ihm reichlich unmissverständlich und knurrte dann auch noch Caylee selbst an. Weg sollte sie von ihrem Sohn, na bitteschön, sie hatte nicht das Bedürfnis, ihm beim Verbluten zuzusehen. Also trat sie brav einen Schritt zur Seite, einfach weil sie sich jetzt wohl kooperativ zeigen musste, um auch ja die Unschuldige zu bleiben. Auch wenn Sheena wie immer mit so viel Getöse auftrat, dass es ihr schwerfiel, die Beta ernst zu nehmen. Am liebsten hätte sie die Augen verdreht, aber sie ließ es wohlweißlich bleiben. Zum Glück dauerte es nur wenige Herzschläge, dann tauchte ihre Mutter auf, im Schlepptau Amúr und Chanuka. Ausgerechnet diese beiden Geschwister jetzt hier zu sehen, ließ Caylee einen kurzen Moment erstarren und ihr Kopf wusste nicht, was sie denken sollte. Amúr, die sie verraten und gerettet hatte und Chanuka, der Verschwundene, der sein Versprechen gebrochen hatte. Einige Sekunden zu lang hatte sie ihre Geschwister angestarrt, dann ruckte ihr Kopf zu ihrer Mutter, die irgendwelche Anweisungen von sich gab. Amúr sollte zu ihr gehen? Warum? Glaubte Tyraleen, dass sie von ihrer Schwester im Schach gehalten werden musste? Aus reinem Impuls wollte sie Amúr anknurren, aber auch hier konnte sie sich zurückhalten. Lieb und kooperativ war jetzt die Devise. Außerdem wurde sie endlich gefragt, was passiert war - sie, nicht Krolock - und auch wenn ihre Mutter sich trotzdem noch mit allem anderen beschäftigte, begann Caylee gleich brav zu erzählen; das hatte man ja von ihr verlangt und was man verlangte, das tat sie natürlich auch.
“Ich bin auf Krolock und Linalee gestoßen, als diese sich unterhalten haben. Dann begann Krolock wieder durchzudrehen, seine Augen wurden rot und so … und er hat geschrien, die ganze Zeit. Wir haben das zu einem Spiel gemacht, Linalee dachte, ich würde Krolock ärgern … aber ich glaube, sie hat nicht so ganz verstanden, was passiert ist. Irgendwie hat sie Angst bekommen und dann kam Malik und sie haben sich gegenseitig aufgestachelt. Linalee ist weggerannt und Malik ist auf Krolock zu, hat ihn ins Bein gebissen. Aber Krolock war ja weiterhin so verrückt - er hat ja immer noch rote Augen! - und hat Malik gepackt, ihn zu fest gebissen. Ich stand dabei und konnte nichts machen, das ging auch so furchtbar schnell, ich hab es gar nicht richtig realisiert, bevor es vorbei war.“
Ein bisschen atemlos hatte sich Caylee bemüht an die Wahrheit gehalten, nur eben diese eine Tatsache verdreht - dass Malik sie angefallen hatte. Zunächst hatte sie sich überlegt, insgesamt Krolocks und ihre Rolle zu vertauschen, aber dann wäre Linalee eine Gefahr gewesen. Sie wusste noch nichts von den Drohungen, sie könnte sich an die Wahrheit halten, also musste ihre Geschichte zu der des Welpen passen. Ziemlich zufrieden aber noch immer sehr besorgt und zerknirscht aussehend richtete sich ihr Blick auf ihre Schwester, die mit dem Ausruf ihres Namens wohl irgendetwas sagen wollte. Caylee verstand nicht, was, aber das war jetzt egal, am besten sollte sie versuchen, Amúr auf ihre Seite zu ziehen.
“Du weißt doch noch, wie er uns angegriffen hat, Amúr, oder? Er hatte sich nicht unter Kontrolle, wirkte wie in einer anderen Welt. Genauso war er jetzt auch.“
Ihre Schwester würde sich gewiss daran erinnern, wie Krolock auf sie zugestürmt war, zügellos und ungebremst. Das war ein ziemlich gutes Argument. Derweil hatte sich Malik endlich einmal bewegt und war unter Sheenas Bauch gekrabbelt, jetzt nur noch dank der zwar nicht mehr blutenden, aber dennoch deutlich sichtbaren Wunde zu erkennen. Also war er nicht tot, sehr gut.
28.08.2013, 22:06
Es hatte sich etwas Rinde gelöst, an der Stelle, an welcher seine Vorderpfoten den Baum berührten, doch es zuckte bloß das linke Ohr der Schwarz-Weißen, er war konzentriert darauf ob ihm der Schütze eine Antwort geben würde die nicht unbedingt verbal ausfallen musste. Zufrieden verzog er leicht die Lefzen als er ein Rascheln im Geäst über sich hörte und streckte sich noch ein wenig höher um dem frechen Wesen noch etwas mehr Muffensausen ein zu jagen. Mit einem Grinsen lauschte er auf die Worte des seltsamen Tieres, als er weit weg, in der Ferne des Waldes ein hohes Rufen hörte. Viel verstand er nicht, aber dass die Rufe seinem Patenkind Linalee gehörten,. Konnte er sehr gut raus hören. Und die kleine Schwarze war eindeutig wichtiger als so ein zapfenschmeißender Feigling. Der Jungrüde wollte möglichst schnell nach sehen was mit dem Welpen los war und selbst wenn es sich um nichts ernstes handelte – Linalee war aufgewühlt – und allein das war schon Grund genug wenigstens mal nach ihr zu sehen.
Er wollte sich bereits auf den Weg machen als er nochmal einen Blick zurück, zu seinem Paten und dem Baum warf. „Es war tatsächlich keine gute Idee – und wenn du das nächste mal nach Tieren mit so großen Zähnen wirfst. Dann zeig doch wenigstens die Stärke dazu zu stehen.“ Nach diesen Worten machte er sich mit einigen Sprüngen davon, in die Richtung aus welcher er die Rufe vernommen hatte. „Jakash, ich werde nachsehen ob ich etwas für Linalee tun kann.“ erklärte er seinem Paten noch. Ehe er gänzlich verschwand.
Der schlaksige Rüde mochte es, wenn der Wald so an ihm vorbei flog. Natürlich, eigentlich flog er selbst an dem Wald vorbei, aber die Vorstellung nicht er selbst, sondern all die vielen Bäume würden sich bewegen, war doch viel interessanter. Manchmal musste er sich wirklich zusammen reißen, beim wesentlichen zu bleiben und sich nicht gänzlich in diesem Gefühl zu verlieren. Bisher hatte er aber immer die Kontrolle über sich behalten, über seine Gefühle und Gedanken. Das war gut so. Es gab genug die keine Kontrolle über sich hatten. Nicht das er jemandem sein Verhalten vorhalten wollte! Die Götter brauchten diese Momente, in denen Wölfe schwach wurden. Irgendwie... zugänglicher. Damit einer Übermacht nehmen konnte. So war das wohl gedacht.
Sheenas Heulen holte ihn aus seinen Sinnierungen. Jakash würde spätestens jetzt auch aufbrechen um heraus zu finden was vorgefallen war. Für Chardím hatte Linalee allerdings erst einmal vor Rang, vielleicht er von ihr etwas erfahren.
Die letzten Meter zu ihr und, wie er nun feststellte, Isai und Kisha, überwand er, in dem er von seinem Sprint in einen flotten Trab fiel, bis er schließlich vor den drei Wölfen stehen blieb. Er unterdrückte spielerisch den kurzen Anflug von Eifersucht als er die anderen zwei an der Seite seiner Tinca entdeckte und zuckte nur mit einem Ohr. Die Schwarze und der Fuchs kümmerten sich bereits um sie, weshalb er außen stehen blieb um den Welpen nicht zu erdrücken. Schließlich setzte er sich und musterte sie mit leicht schief gelegtem Kopf, bis er es für richtig hielt sich auch verbal bemerkbar zu machen.
„Von euch ist keiner verletzt.“
Lautete seine nüchterne Feststellung, welche er aufgrund des Blutgeruches tätigte. Den Link zwischen seinem aufgelösten Patenkind und einem Verletzten anderen Wolf hakte er einen kurzen Augenblick später ein. Vorsichtig beugte er sich nach vorn und berührte die schwarze Welpin an ihrer feuchten Nase. Er zog sich schnell wieder zurück, hatte mit dem Impuls diesmal aber nicht an sich halten können. Sie so aufgelöst zu sehen missfiel ihm.
01.09.2013, 21:56
"Unruhe, ja. Vielleicht sollte ich schon längst dort und nicht mehr hier sein. Viele Wölfe sind dort, sagst du? Wenn du wirklich so viele Augen in den Bäumen hast, Xykotokax, dann achte auch für mich auf die Geschehnisse."
Auch Atalya war gegangen und inzwischen am Ort des Geschehens, erinnerte sich die Wölfin und dieses Gefühl beruhigte sie tatsächlich ein wenig. Wenn es Probleme gab, waren meist viele zur Stelle und ihre graue Nichte wusste wo sie sich aufhielt. Und wenn Artgenossen dieses Vogels tatsächlich in den dunklen Baumkronen auf das Rudel herab schauten, würden sie wohl als Erstes eine Veränderung anzeigen können.
"Aber solange bleibe ich, denn auch ich habe Fragen. Vielleicht kannst du mir auch meine beantworten." Die Schwarze setzte sich in den Schnee und blickte den Vogel aufmerksam an. Er sollte nicht das Gefühl bekommen, dass sie eine Gefahr darstellen konnte. Denn wenn man es genau bedachte, hätte sie ihn, nachdem er derart nah gekommen war, mit nur einem Satz packen können. Aber dies kam ihr nicht einmal in den Sinn, hatte sie doch keinerlei Grund oder gar das Verlangen diesem Tier ein Leid zuzufügen.
"Aber zuerst zu deinen, die du bereits gestellt hast. Acollon, ja, ich kannte ihn. Er war mein Vater. Und ja, ich sage war, denn auch er ist nicht mehr unter uns. Du nennst ihn Freund und es tut mir leid dir diese Nachricht zu überbringen."
Sie wusste gewiss nicht, was eine Freundschaft zwischen zwei so unterschiedlichen Gattungen ausmachte. Dafür war ihr dies alles zu fremd. Für einen Moment schwieg sie und ließ die blauen Augen über das durchaus hübsch gezeichnete Gesicht des Spechts wandern. Aber es war schwer eine Gefühlsregung bei ihm auszumachen.
"Du hast von Gerüchten über diesen Wald gesprochen. Sag, was erzählen sich die Wölfe?"
Parveen war ehrlich interessiert, klang es doch ganz so, als wären die vorherigen Bewohner dieses Waldes erst verschwunden, nachdem Acollon auf diesen Wegen gelaufen war. Der Aufruhr im Rudel war für sie in den Hintergrund gerückt und mehr als gespannt wartete sie auf Reaktionen ihres so ungewöhnlichen Gegenübers. Nie im Leben hätte sie damit gerechnet, aus dieser Quelle etwas von ihrem Vater zu erfahren. Außerdem würde sie mehr über ihren derzeitigen Aufenthaltsort in Erfahrung bringen. Als abergläubisch würde sie sich nicht bezeichnen, aber bekanntlich gründete jeder Glauben auf einem wahren Ursprung und was konnte alle Wölfe dazu bewegt haben, diesen Wald als ihre Heimat zu verlassen?
02.09.2013, 16:41
„Nein, bei uns ist alles gut.“, setzte er den Paten seiner Schwester in Kenntnis und nickte ihm kurz zu. Auch Linalee galt nun ein zuversichtliches Lächeln, obwohl sich die Unsicherheit in seinem Inneren überschlug. „Bleib du bei Chardím und Kisha, Linalee. Erzähle ihnen, was passiert ist, ich sehe nach Malik, okay?“
Zaghaft leckte er der jungen Wölfin über die Lefzen, ehe er sich umwandte und selbst in der Richtung verschwand, wo er eben noch Tyraleen gesehen hatte und seine Mutter vermutete. Je näher er kam, desto mehr wollte ihn sein Instinkt in die andere Richtung drängen – der Geruch von Blut war kaum zu leugnen, doch es war anders und versetzte den jungen Wolf in Alarmbereitschaft. Schließlich erkannte er, dass weitaus mehr Wölfe vor Ort waren, als er erwartet hatte. Atalya war bei Sheena, ebenso Caylee, Amúr und ein Rüde, den er bisher noch nicht gesehen hatte. Zudem erkannte er Krolock und Tyraleen. Gut zehn Wolfslängen von ihnen entfernt reckte er den Kopf und suchte Malik, kam aber nur noch langsam näher. Seine Augen weiteten sich, als er das Blut in den Pelzen Caylees und Krolocks erkannte, bis er schließlich das Winseln seines Bruders vernahm, was ihn augenblicklich zur Eile antrieb. Zielsicher steuerte er auf Sheena zu und drängte sich schließlich ohne einen der anderen auch nur anzublicken dicht an sie heran, um den zitternden Körper Maliks zu untersuchen. Sanft strich seine Nase über das Fell begleitet von einem leisen, unsicheren Fiepen, bis er an die Wunde gelangte und vorsichtig begann, mit der Zunge darüber zu fahren. Erst danach wandte er sich mit einem kurzen Blick an Sheena und spähte schließlich zu Tyraleen hinüber, bis sein Blick mit einer ungewohnten Härte Krolock fixierte. Die großen Ohren waren noch immer zurückgelegt, während er dicht bei seinem Bruder saß. Na, danach, als hätte Caylee Krolock fressen wollen, sah das hier ganz und gar nicht aus. Er war froh, dass er Linalee nicht mitgenommen hatte. Und auch, wenn er unbedingt erfahren wollte, was passiert war, hielt er sich zurück und schwieg. So, wie Tyraleen gerade dreinblickte, hätte er ihr ganz sicher nicht widersprochen.
02.09.2013, 20:05
Obwohl sie also schon ein wenig in die richtige Richtung gegangen war, hatte die Kleine mit den Fledermausohren wieder angehalten. Sie wollte so gerne für Malik da sein, aber sie fürchtete sich auch so sehr! Die Wörter, die Kisha aus ihrem Fang ließ, klangen nach so herrlich guten Ausreden. Was, wenn Malik gar keine zusätzliche Hilfe brauchte? Und was könnte sie schon ausrichten, sie, Linalee, das Hasenherz? Nein, Kisha lag richtig – Tyraleen war gekommen, ihre Eltern ebenso. Es gab keinen Grund, dass die Schwarze ebenfalls dazu stoßen sollte. Und trotzdem fühlte sie sich furchtbar, ganz schuldig und verkrampft. Noch immer hatte sie das Bild des schreienden Krolocks im Kopf. Der Ort, an dem die weiße Hexe Blut vergossen hatte, war ein furchtbarer – und sie hatte ihren Bruder ganz alleine dort gelassen.
Bevor sie irgendwas sagen konnte, tauchte plötzlich eine weitere Erscheinung auf – gehüllt in Schatten und in Licht. Ihr Pate – ihr sicherer Hafen. Die Bernsteinaugen der Kleinen wurden kreisrund, und sie verzog die Lefzen zu so etwas, das man beinahe für ein Lächeln hätte halten können, wenn sie nicht so kreuzunglücklich gewesen wäre. Chardím war gekommen! Er war hier und er konnte ihr helfen, sich zu entscheiden. Er wusste, was richtig und falsch war, Chardím wusste es immer. Sie tappte dem großen Jungrüden taumelnd entgegen und hob das Köpfchen, als er seine Schnauze zu ihr herab senkte. Sie fühlte sich schlagartig besser, wenn auch nicht viel. Zwei ihrer liebsten Wölfe waren hier, zwei ihrer Beschützer, zwei ihrer Vertrauten – und Kisha, die sie mit ihren warmen Worten und ihrer positiven Ausstrahlung, die Linalee ein wenig an Daylight erinnerte, auch nicht missen wollte.
“I-irgendwas Schreckliches ist passiert, Chardím“, wisperte sie dem Zweifarbigen beinahe ohne zu Stottern zu.
Auch Isaí hatte ihren Bruder noch nicht vergessen. Er, der sich immer noch dicht bei seiner Schwester hielt – wofür die zitternde Schwarze ihm unendlich dankbar war – war nun zu einem Entschluss gekommen. Sie konnte sich vorstellen, dass er bemerkt hatte, wie sicher sich Linalee mit Kisha und Chardím fühlte. Andererseits, so glaubte sie, würde er sich nicht dazu entschieden haben, sie allein zu lassen.
“Gut“, flüsterte sie als Antwort auf den ohnehin schon feststehenden Entschluss Isaís und fügte mit einem Hauch von Entschlossenheit hinzu, "- …aber w-wir warten h-hier auf euch.“
Sie erwiderte die Liebkosung ihres Bruders, dann kroch sie langsam zu Chardím und platzierte sich vorsichtig zwischen seinen beiden Pfoten, sodass sein dichtes, schwarz-weißes Kragenfell ihren Kopf und ihre großen Ohren streifte. Die junge Fähe wirkte nicht glücklich mit der Entscheidung, Isaí so schutzlos zu dem Rest ziehen zu lassen. Ja, Tyraleen und Sheena waren da und gaben Acht, dass nichts passierte, aber… sie hatte gesehen, wozu Caylee imstande war. Konnten die beiden anderen weißen Fähen dagegen Stand halten?
“Er ist s-sehr mutig, o-oder?“, fragte sie leise, und ließ offen, ob sie mit Chardím, Kisha oder sogar sich selbst gesprochen hatte. . .
03.09.2013, 14:08
„'Sie'?“, hakte er nach und blieb schließlich wieder stehen, um Amáya anzusehen. In seinem Blick lag pures Interesse und nichts, was irgendwie gezeigt hätte, dass er sie wahnsinnig einstufte. Bisher hatte er irgendwie angenommen, dass sie die Götter hörte, dass diese zu ihr sprachen, doch jetzt fiel ihm auf, dass kein Wort dieser Richtung gefallen war. „Diese Stimme, von der du sprichst - ist es eine Stimme, die du kennst?“
Er dachte nach, denn auch, wenn er schon des öfteren mit Wölfen zu tun gehabt hatte, die berichteten, die Götter gehört zu haben – was ihn selbst immerhin miteinschloss – so war Amáya doch die erste Wölfin, die von einer anderen Stimme berichtete. Vielleicht war es ein Spaß der Götter? Doch der Hüne konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, weshalb sie die Wölfin an seiner Seite damit in den Wahnsinn treiben wollten. Ein Test vielleicht? Aber weshalb quälte es die Dunkle dabei so und raubte ihr jeglichen, vernünftigen Gedanken, der es ihr erlaubt hätte, zu verstehen? Bevor sich Chivan allerdings mit einer Frage an sie wenden konnte, die sich näher mit den erwähnten Rätseln befasste, war es an der Zeit, der Wölfin abermals deutlich zu machen, dass sie nicht allein war – und dieses Geschenk nahm sie dieses Mal mit ehrlicher Dankbarkeit an. Der Hüne lächelte, schnickte den Kopf aber schließlich zur Seite, um ihr zu bedeuten, dass sie sich nicht bedanken brauchte.
„Du stehst nicht in meiner Schuld, Amáya. Ich helfe dir und ich bin zuversichtlich, dass du an meiner Stelle auch nicht anders gehandelt hättest.“, stellte er klar und wollte abermals erreichen, dass sie merkte, dass das Bild, welches sie von sich selbst hatte, nicht unbedingt genauso bei anderen ankommen musste.
Instinktiv schließlich schob der Rüde den Fang nach vorne und berührte die Regentochter sanft an der Stirn. Eine Geste, die vielleicht die Götter selbst ihren Schützlingen beigebracht hatten, ohne dass sich die Wölfe an ihren Ursprung erinnern konnten. Auch er hielt die Seelenspiegel für den kurzen Moment geschlossen, in dem sich ihre Körper berührten und eine merkwürdige Kraft und Wärme überzuwandern schien, die selbst Chivan etwas überraschte.
„Erhebe dich, Sturmkind. Denn du hast keinen Grund zu solch einem gebrochenen Stand. Zeig, wie stolz du bist, ein Jäger zu sein.“
Er blickte zu ihr hinab, hob schließlich selbst eine Pfote und stellte die Ohren. Wer stolz stand, war auch im inneren Stolz und wenn es sein musste, würde er sie die nächste Zeit des öfteren daran erinnern. Es fühlte sich richtig an, was er tat, selbst wenn seine Miene im nächsten Moment wieder ernster wurde.
„Du sagst, sie spricht in Rätseln zu dir. Was sind das für Rätsel? Erinnerst du dich an sie?“
Er bezweifelte, dass sie je mit jemandem über diese Rätsel gesprochen hatte. Vielleicht hatten sie zusammen eine Möglichkeit zu entziffern, was die Stimme ihr sagen wollte – vielleicht fanden sie gemeinsam den richtigen Pfad, der sie aus dieser Misere herausführte.
04.09.2013, 22:50
Er machte ein paar Schritte zurück, wie ein lauerndes Beutetier, das darauf wartete, den leckeren Fleischhappen doch noch zu bekommen, auch wenn das Muttertier auf Verteidigung aus war. Als er wieder aufsah war Tyraleen bei ihm und er knurrte drohend und angriffslustig. Ein bisschen wirkte er wie eine durchgedrehte, gereizte Schlange.
Er lachte, während Caylee erzählte. Wie immer erfreute er sich am Leid des Rudels. Ein paar Mal sammelte sich das Rot in seinen Augen. Je mehr die weiße Komplizin erzählte, desto klarer wurde, dass es vorbei war. Statt halbwegs bei der Wahrheit zu bleiben, nur die Rollen zu tauschen, übertrieb Caylee völlig und lieferte ihn ans Messer. Krolock blieb nicht viel übrig, als sich anzupassen. Das nervte irgendwie.
Den Fluchtweg hatte er mit unauffälligen Blicken ausgekundschaftet. Im Grunde schon, bevor das halbe Rudel aufgetaucht war. Nur... wie gut war die Drohung noch, wenn er das Rudel verließ? Mit gefräßigen Augen betrachtete er den Welpen, der von Mami nun weggebracht werden musste.
Das Rot in den eigentlich so kalten Augen triumphierte schließlich. Ein unterweltgleiches Kriegsgebrüll erklang. Krolock sprang auf Caylee zu, flog dann mitten im Lauf zu Boden und wälzte sich dort herum.
Als er die Augen wieder aufschlug, waren sie blau. Rein Blau.
„Es ist der Fluch!“, verteidigte er sich. „Ich kann ihn nicht immer kontrollieren, seit Nihil ihn nicht mehr im Zaum hält.“
Manchmal war die Wahrheit einfach bestechend, oder?
[Im Mittelpunkt der Unruhe, zwischen Caylee und Tyraleen und dem Rest]
05.09.2013, 12:14
Sie gähnte, streckte sich und beschloss, sich, weniger beunruhigt als neugierig, auf die Suche nach Samir zu machen. Oder Averic, der vielleicht tatsächlich wusste, was es mit der anhaltenden Stille auf sich hatte, wobei er vermutlich kaum in der Stimmung sein würde sich mit ihr zu unterhalten – denn das war er nie, aber Daylight hatte aufgehört es ihm übel zu nehmen. Bei dem Gedanken an das griesgrämige Gesicht ihres großen Bruders musste sie Grinsen, während sie sich zwischen zwei eng beieinander stehenden Bäumen hindurchschlängelte.
Durch das dichte, tiefhängende Geäst einer Kiefer konnte Daylight plötzlich schwarzes Fell aufblitzen sehen und blieb stehen, um zu wittern. Dass es sich nicht um Samir handelte stand gleich fest und bei näherer Betrachtung konnte sie auch Averic ausschließen, dazu war die Gestalt, die ihren Kopf in den Nacken gelegt hatte und scheinbar angestrengt hinauf in den Wipfel eines Baumes starrte, nicht groß genug, roch aber trotzdem nach Familie.
Neugierig geworden trat Daylight zwischen den Ästen hervor und erkannte ihren grünäugigen Neffen.
„Hallo Jakash“, begrüßte sie ihn freundlich und schwenkte kurz die Rute, ehe sie neben ihm stehen blieb und fragend abwechselnd ihn und den Baum anschaute. „Überlegst du da hochzuklettern, oder suchst du etwas?“, fragte Daylight amüsiert, aber ohne Spott in der Stimme, als sie selbst nach genauerem Hinsehen nichts entdecken konnte.
(bei Jakash und dem Zapfenwerfer)
06.09.2013, 08:39
SL für Jakash Caiyé und Daylight:
Was das Wesen in der Dunkelheit von dem eiligen Abschied und den wenig freundlichen Worten des schwarz-weißen Rüden hielt, war nicht erkennbar. Es schwieg, bis sich eine weiße Fähe seinem Baum näherte und den übriggebliebenen Rüden ansprach.
"He, nein, ja, du da, ja, bist du netter?"
Eine verwirrende Aneinanderreihung von Worten. Jakash schüttelte nur den Kopf und deutete mit der Nase in Richtung der aufgeregten Stimme.
Es raschelte im Baum, etwas hüpfte irgendwohin.
"Keine Antwort, dabei habe ich mich doch schon entschuldigt. Keine Antwort. Aber vielleicht ja von dir, du bist so weiß, so schön. Was bist du?"
08.09.2013, 09:50
Nachdem er nun schon lange genug gezögert hatte setzte er sich zügig in Richtung Malik und Sheena in Bewegung. Der Welpe hatte sich bereits in den Schutz seiner Mutter begeben und ein Großteil der Gefahr schien wohl gebannt, trotzdem hielt Chanuka es weiterhin für richtig – so wie seine eigene Mutter es angesprochen hatte – ihn an einen ruhigeren Ort zu bringen. Um ihn nicht weiter zu verschrecken oder ihm zu Nahe zu treten senkte der Schwarze etwas entfernt von ihm seinen Kopf um ihm ein Lächeln zu schenken. Die Wunde sah wirklich nicht sonderlich gut aus.. Den Kopf wieder angehoben und die Ohren gespitzt wandte er sich dann Shenna zu.
“Sheena, wir sollten Malik an einen anderen Ort bringen, raus aus dem ganzen Trubel. Ich denke das das jetzt grade besser für ihn wäre.“
Innerlich hoffte er, dass seine Worte nicht falsch ankommen würden, klangen sie doch möglichst gelassen. Er selbst versuchte einfach Ruhe zu bewahren um sich die Sache überschaubarer gestalten zu können. Die Lage war nicht schön und fast jedem hier wäre es wohl lieber, wenn das nicht passiert wäre, trotzdem war es seiner Meinung nach notwendig den Überblick zu behalten und das zu tun, was vor allem für Malik jetzt am Besten war. Da er bis hier hin logischerweise noch nicht wusste ob er bei seinem Vorschlag Sheenas Zustimmung erhalten würde ersparte er sich Fragen wie „Kann er alleine gehen?“ oder eben irgendetwas in die Richtung. Sie wusste jetzt wohl am ehesten was für ihren Sohn richtig war. Nichtsdestotrotz drehte er sich schon einmal leicht in die Richtung in die er im Falle einer Zustimmung gehen würde. Lediglich sein Kopf wandte sich zur Seite, also in die Richtung der Beiden.
[direkt neben Sheena und Malik | bei Sheena, Malik, Tyraleen, Krolock, Atalya, Caylee & Amúr]
08.09.2013, 23:37
„... netter?“, wiederholte Daylight also verdutzt und streckte den Hals, in der Hoffnung einen Blick auf den Besitzer der scheinbar körperlosen Stimme zu erhaschen, „... netter als wer?“
Allerdings schien der Besitzer der Stimme, das fremde Was-auch-immer, nicht die Absicht zu haben sich zu zeigen, denn anstatt sich zu offenbaren war ein kurzes Rascheln der einzige Hinweis darauf, dass sich dort oben im Baum wirklich etwas, oder vielmehr jemand befand und Daylight sich die Stimme nicht nur eingebildet hatte. Aber Jakash schien ebenfalls etwas gehört zu haben, denn er bedeutete Daylight ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Baum zu richten. Und da war die mysteriöse Stimme auch schon wieder. Was bist du? Daylight legte den Kopf schief, die Ohren gespitzt.
„Ähm … danke? Ich bin eine Wölfin? Eine Langbeinerin? Banshees Tochter?“, gab sie verwirrt zurück und tappte ungeduldig auf der Stelle, „Was meinst du mit 'Was bist du?' … und was bist du? Gibt es noch mehr von dir? Und wenn ja, warum versteckt ihr euch vor uns? Wieso versteckst du dich vor uns?“
Dieses Geschöpf war zumindest der Beweis dafür, dass sie und die anderen Wölfe nicht die einzigen Lebewesen in diesem Wald waren. Aber wenn es noch andere gab – wieso versteckten sie sich? Oder wovor? Bestrebt mehr über den Wald und die merkwürdige Stille in Erfahrung zu bringen trat Daylight näher.
11.09.2013, 22:41
„Wie kannst du es wagen, jetzt alles zurückzunehmen?! Jetzt, wo alles zu spät ist. Jetzt, wo du alles zerstört hast. Du hast mir auch noch genommen, was mich die letzten zwei Jahre am Leben gehalten hat!“
Sie knurrte tief und starrte eine Sekunde lang in seine Augen, dann - wie als wäre ihr jetzt erst aufgefallen, was sie tat - sprang sie zurück und brachte wieder eine Wolfslänge zwischen Hiryoga und sich. Ihr Verhalten widerte sie nun schon genauso an wie seines. Dennoch blieb sie aufgerichtet stehen und betrachtete ihren am Boden liegenden Gefährten wie einen Fremden. Seine langsamen Schritte hin zu ihr lösten erst keinerlei Reaktion aus, doch je näher er kam, desto schwächer wurde ihr Blick. Seine Nähe erinnerte sie an die Wärme vergangener Jahre, an eine Zeit, in der es nur sie beide und das Glück gegeben hatte. Als er ganz leise begann, ihr Kosenamen zu geben, wie sie sie nur noch aus frühster Erinnerung kannte, sackten ihre Schultern herab und ihre Augen schienen einen Hiryoga zu sehen, den es längst nicht mehr gab. Sehnsuchtsschwer und voller Wehmut öffnete sich ihr Fang und als würde die jugendliche Shani aus ihr sprechen, erklang sein Name.
„Hiryoga ...“
Einige Herzschläge lang schwebte er zwischen ihnen, dann blinzelte sie zwei Mal und erkannte die Gestalt vor sich im Schnee. Traurigkeit schlich sich in ihr Gesicht und plötzlich sah sie älter aus als sie tatsächlich war. Sie senkte den Blick zu ihren eigenen Pfoten und eine erste Träne suchte sich ihren Weg in die tannengrünen Augen.
„Was hast du nur getan? Wie sollen wir jetzt je wieder glücklich werden?“
Resignation und Trauer brachten ihre Läufe zum Zittern und die Pfote, die sie erhoben hatte, um einen Schritt auf ihn zuzugehen, sank kraftlos zu Boden.
14.09.2013, 12:28
Doch wenn es wirklich so einfach war, warum musste sie sich diese Worte immer wieder durch den Kopf gehen lassen? Warum musste sie sich immer wieder Mut zu sprechen? Die Augenlider flatterten auf und der Blick huschte sofort zu Samirez. Was ging in diesem Moment in seinem Kopf vor? Sein Gesichtsausdruck war hart, die Zähne festaufeinander gepresst und die goldigen Augen stur nach vorne gerichtet. Während sie weiter sein Gesicht studierte und auf eine Milderung der harten Züge hoffte, wurde ein Frontalangriff gegen die schutzlose Fähe gestartet. – Mit Worten. Seine barsche Stimme warf Ahkuna aus der Bahn. Ihr Gang wurde langsamer, bis die Läufe stehen blieben und die Pfoten sich hart in den Boden gruben. Die Ohren nach vorne gerichtet und ein Blick voller gemischter Gefühle war auf den Alphasohn gerichtet. Was … hatte er gesagt? Sie war verletzt und diesen Schmerz, diese Wut konnte sie nicht verstecken. Seine nachgeworfene Entschuldigung klang auch ziemlich gefühllos. Als ob er diese Worte bloß aus Reflex noch gesagt wurden.
„Schon gut.“ Sie hatte verstanden. – Aber was denn genau? Vielleicht, dass es hoffnungslos war? Dass sie sich keine Mühe mehr machen brauchte, weil Samir nicht vorhatte ihr entgegen zu kommen? Jedenfalls wusste sie eines: Sie wollte weg! Seine Worte hatten sie harter getroffen als zu Anfang gedacht und sie merkte wie das Antlitz der starken Fähe zu bröckeln begann. Je mehr sie darüber nachdachte, je weiter sie seine kalten Augen auf sich spürte – desto schneller füllten sich ihre hellblauen Seelenspiegel mit Tränen. Als sie dies realisierte, drehte sie sich schwungvoll von ihm weg und blinzelte sie hastig weg. Er durfte sie nicht sehen, er durfte nicht sehen, wie sehr es sie verletzte. Bevor sie ging (oder floh?) wollte sie ihm noch etwas an den Kopf werfen, doch all ihre Worte rollten ihre Zunge, als er wieder zu ihr sprach. Dieses Mal ruhiger. Verzweifelter?
[...] Wieso erzählte er ihr dies? Konnte der Rüde nicht endlich aufhören mit ihren Gefühlen zu spielen? Sie sah ihn nicht an. – Sie war immer noch zu instabil um in seine Augen zu blicken.
„Was soll ich schon denken? Du warst ganz plötzlich da und hast kein Wörtchen darüber verloren wieso du dein Rudel verlassen hast! Du hast doch ständig davon geschwärmt, dass du bald Alpha wirst – es war dein Traum! Wieso hast du ihn so leichtsinnig weggeschmissen?“ – Wegen mir etwa?
Diese Worte wärmten ihr Herz und ließen es um einige Takte schneller schlagen. Sie fühlte sich für einen Moment so glücklich, hatte das Gefühl auf Wolke 7 zu schweben. Doch im nächsten Augenblick kehrte sie wieder zurück in die Wirklichkeit zurück und die Lefzen verzogen sich zu einem traurigen Lächeln. „Du hattest schon immer ein Pfötchen dafür gehabt Fähenherzen für dich zu gewinnen, Herzdieb.“ Konnte er sie aber nicht verschonen? Er hatte es geschafft auch ihres zu klauen. Ganz still und heimlich war er in ihre Welt gekommen, hatte alles auf den Kopf gestellt und ihr Herz mit sich genommen. „Kannst du nicht wenigstens mir mein Herz zurückgeben? Ich ertrag den Schmerz nicht mehr, hörst du?“
14.09.2013, 23:45
Der Braune konnte nur wehmütig die Ohren anlegen und all die Worte und Handlungen über sich ergehen lassen, denn er war dafür verantwortlich. Hätte er geahnt, wie Shani all die Worte und die darin versteckte Wahrheit aufnehmen würde, hätte er nie gewagt, etwas zu sagen. Aber nun war es zu spät und er musste mit den Konsequenzen leben.
Als der Rüde ihre Worte vernahm, bekam er bestätigt, was er die ganze Zeit über geahnt hatte. Er war schuld, er, Hiryoga, hatte seiner Gefährtin solchen Kummer bereitet, dass es sie nun zerstörte. Es schnürte ihm die Kehle zu und er rang nach Luft, bis er nichts mehr spürte. Es war, als ob er plötzlich keinerlei Gefühle und Probleme mehr hätte, es gab nur ihn und die innere Stille.
Erst als er den intensiven Blick der weißen Fähe vor sich sah, erwachte er wieder aus dem Gefühl des Nichts und wurde sich bewusst, in welcher Situation er sich befand. Und plötzlich sprach sie seinen Namen aus, auf eine Art und Weise, wie er es ewig nicht mehr gehört hatte. Allein dies gab ihm Kraft, die Kraft sich auf zu rappeln und langsam auf Shani zu zu gehen.
Wie sollten sie wieder glücklich werden? Er wusste es nicht, er hatte viele Fehler begangen und musste einen Weg finden, sie wieder gut zu machen. Und er wusste, dass er bei seiner Gefährtin anfangen musste.
"Shani..."
Leise flüsterte der Rüde ihren Namen, voller Zärtlichkeit und Wärme und hoffte, so seine traurige Geliebte erreichen zu können. Als er ihre Traurigkeit und die daher rührende Träne sah, konnte er nicht anders, als mit einem schnellen Schritt auf sie zu zu eilen und seine Schnauze in ihrem Fell zu vergraben. Und selbst wenn sie ihn nun weg stoßen würde, allein dieser Moment war es wert. Ihre Nähe, ihr Geruch und ihre Wärme waren jede mögliche Reaktion ihrerseits wert.
"Es tut mir so leid...bitte...ich kann dich nicht so traurig sehen...ich werde es irgendwie wieder gut machen...es wird alles wieder gut..."
(Mit Shani in der Nähe des Rentierkadavers)
16.09.2013, 15:37
Mit deutlich mehr Interesse beäugte er den Schwarzen. Auf einmal fühlte er sich noch kleiner als ohnehin schon, was ihm überhaupt nicht gefiel. Dies war mal wieder einer der Momente, in denen er lieber etwas größer wäre, doch für Größe seine Schnelligkeit und Wendigkeit einbüßen zu müssen, wäre auch nicht das Wahre. Außerdem musste er so weniger Gewicht durch die Gegend transportieren, wobei er ja sowieso recht abgemagert war. Woran sein Magen ihn in diesem Augenblick auch lautstark erinnerte. Der Schwarze hatte das Gefühl, ein Loch im Magen zu haben und das war kein schönes Gefühl.
Ayar konzentrierte sich wieder auf die beiden Wölfe und hörte sich ihre Worte an.
,,Rührend? Wohl kaum. Mein Bruder kann mir eigentlich gestohlen bleiben aber da hatte Fenris wohl andere Pläne", meinte er mit Sarkasmus. Auf Wanderschaft? Von woher denn? Hier in der Gegend habe ich noch nie ein fremdes Rudel gesehen und ich bin nicht selten hier. Aus welchem Grund seid ihr hierher unterwegs?"
Auch wenn man es ihm kaum zutrauen würde, der Schwarze konnte sehr wohl gesprächig sein, nur meist hatte er keinen Grund dazu. Und selbst jetzt war es nicht sonderlich viel, doch er war neugierig.
,,Als ob!",entfuhr ihm eiskalt. ,,Selbst wenn ich dem Tode nahe sein sollte, würde ich mir um dich keine Sorgen machen. Und eigentlich bin ich der Meinung, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Oder willst du mir etwa weismachen, dass dir etwas an mir liegt? Denn das ist meines Erachtens nach so gut wie unmöglich."
Zorn erwachte in ihm und ließ seinen Körper beben, doch seine Augen zeigten keine einzige Regung, sie waren so kalt und zweifarbig wie schon die ganze Zeit.
Der Schwarze richtete diese Augen auf Averic. Nun war er wirklich etwas verwundert.
,,Ihr müsst ziemlich entfernt vom Tal der Raben gelebt haben, wenn du bislang nur einen Wolf von dort kanntest. Es gibt einige, die dieses Tal ihr Leben lang nicht verlassen, da habe ich schon so einige gesehen. Im Übrigen würde es mich wirklich nicht wundern, wenn die Behauptung von Yjel stimmt, immerhin ist er fleißig dabei, so scheint es zumindest."
16.09.2013, 17:06
“Ich... weil...“, wollte er zweimal seinen Satz beginnen, doch jedes mal endete dieser in Schweigen und hinterließ nur noch Stille.
Was hätte er ihr auch sagen sollen? Das es sein Traum gewesen war, aber irgendetwas ihn davon abgehalten hatte? Das er selber es nicht genau wusste und das er eigentlich überhaupt keinen Schimmer hatte was er hier tat? Das er den langen Weg für sie hierher gekommen war und jetzt doch nicht mehr ganz so sicher war? Eben noch waren die Worte beinahe einfach über seine Lefzen gekommen und jetzt kam er sich selbst vor, als wäre er zu dumm zum sprechen. Sie blickte ihn nicht an und so blickte auch der Schneefang wieder zu Boden, ließ sie auf seinen Pfoten verharren,m den Pfoten, die zu töricht seinem Herzen gefolgt waren. Sie wollte ihr Herz wieder, hatte er es ihr tatsächlich gestohlen? Und konnte er es überhaupt wieder zurück geben. Wehmütig hob er den Kopf an, blickte in die Weite des Waldes vor ihnen. Wie einfach würde es sein, jetzt einfach zu gehen, nichts mehr zu sagen sondern einfach zu gehen? Irgendetwas sagte ihm, das dies viel schwerer werden würde als es klang und sein Herz würde niemals mitgehen.
“Reicht dir denn das Meine nicht?“, wisperte er schließlich leise und betrachtete noch immer den Schmutz zwischen seinen Krallen. “Nun, dann werde ich es dir zurückgeben, wenn du es tatsächlich so willst. Du brauchst nur sagen, dass ich gehen soll, und ich werde dich nie wieder belästigen“. Diese Worte kamen nur allzu schwer über seine Lefzen.
Wie Steine lagen sie in seiner Magengrube und der Prinz wagte nicht auch nur den Kopf zu heben. Er hatte viele Herzen gestohlen, ja, dem war wohl kaum etwas hinzu zu fügen. Doch kein Herz war so wie das ihre gewesen und er war sich nicht einmal sicher, es je besessen zu haben. Nun lag es an ihr und wenngleich der Schmerz in seiner Brust brannte, würde er ihrem Urteil gehorchen, er würde tun was sie sagte. Wenn sie es so wollte, ja, dann würde er gehen und seinen neuen Traum ein für alle Mal begraben.
[Waldrand | Akhuna]
19.09.2013, 18:15
"Sie gehört meine Schwester - sie kam tot zur Welt. Dennoch weiß ich, dass es ihre ist. Ich habe sie immer schon gespürt weißt du - damals, als ich noch mit Tyraleen zusammen in Banshees Bauch schlummerte.", sie lächelte leicht traurig, beim Gedanken an ihre Mutter und ihre Schwester und jene kalten Welpentage. "Seitdem ich geboren worden bin, wusste ich, dass etwas in meinem Leben fehlt - das war sie, Mayhem. Als ich noch ganz klein war, verstand ich das nicht. Ich verstand nicht, wieso sie nicht bei mir war und wohin sie gegangen war. Und als ich es später, viel später verstand, war es zu spät."
Sie kniff die Augen leicht zusammen, während sie zu den Ästen hochspäte. Es lag ein Schatten auf ihren Zügen, dennoch fühlte sich ihre Brust freier an, als in den Wochen zuvor. Als würde sich etwas, ganz allmählich von dort lösen. Natürlich bedeutete das nichts - sobald der Morgen graute, konnte sie schon wieder in ihre alten verkrampften Muster zurückgefallen sein. Wie oft hatte sie schon geglaubt es würde besser werden, nur um wieder enttäusch zu werden? Es war wirklich schwer, sich an Hoffnung zu klammern und weiterzulaufen. Die Pfoten zogen einen zu Boden und die Angst vereiste einem die Läufe. Außerdem diese Dunkelheit - diese schreckliche Dunkelheit. Sie schenkte Chivan ein leichtes Lächeln, als dieser auf ihren Dank reagierte und nickte leicht. Sie musste eine bessere Wölfin werden. Kein Wunder, dass niemand zu ihr kam - sie hatte doch bis jetzt jeden von sich weggestoßen. Sich stur und dumm eingemauert um sich am eigenen Leid zu laben. Wie konnte man nur solch ein hoffnungsloser Fall sein? Selbsthass züngelte erneut in ihr auf.
Plötzlich verspürte sie eine leichte Berührung an der Stirn und ihre Körper spannte sich augenblicklich an. Ihre Augen waren weit offen in Erstaunen, als sich eine seltsame Wärme sich kribbelnd von dort ausbreitete, wo Chivan sie berührte. Sie war verunsichert und dennoch fühlte sie sich erneut etwas leichter als vorhin - ein wenig wie verzaubert blickte sie zu dem großen Rüden auf. Ein warmer Schauer lief erneut ihren Körper entlang, als er zu ihr sprach. Die Wörter entfalteten eine Macht, von der sie nicht geglaubt hatte, dass sie existierte. Ihre düsteren Gedanken wurden in eine Ecke ihres Geistes gedrängt und verbarrikadiert und in dieser Leere gehorchte sie seinen Worten. Sie hob den Kopf, von dem sie gar nicht bemerkt hatte, wie tief er hing. Sie stellte ihre Ohren auf, die schlaff gehungen hatten. Ihre Läufe, die Rute, der Nacken, jeder einzelne Muskel zehrte aus dieser seltsamen Kraft die sie erfüllte und sie stand tatsächlich stolz da. Worauf sie stolz war, war nicht wichtig. Die düsteren Stimmchen ruckelten ungeduldig an der Barriere, aber sie konnten ihre Zweifel nicht erheben um diese Kraft niederzuschmettern. Was war das? Sie war sich nicht sicher, aber es fühlte sich gut an. Selbst aus ihren Augen schien sich ein dunkler Schleier gelöst zu haben. Die Magie brach ein bisschen, als Chivan weitersprach, aber nie ganz.
"Nein. Ich höre ihre Stimme, aber ich kann meist keine Worte ausmachen. Ich weiß nicht, was sie will.", sie schüttelte leicht ihren Kopf, zögerte dann ein bisschen, nur um dann mit neuer Entschlossenheit weiterzureden. "Aber ich weiß jetzt, dass ich sie nicht mehr will. Ich möchte mit den Fehlern meiner Vergangenheit abschließen, so gut ich kann. Dazu zählt auch ihre Existenz in meinem Leben."
Mayhem war schon immer ein Teil von ihr gewesen, so wie Amáya ein Teil von Mayhem war. Deswegen hatte sie nie anfangen können, richtig zu leben. Ein Teil von ihr war tot gewesen, sobald sie auf die Welt gekommen war. Vielleicht hatte sie Mayhem auch nur wieder zu sich rufen können, weil sie in ihr noch ein wenig am Leben war.
"Mayhem und Ich sind wie zwei Bäume mit den gleichen Wurzeln. Der eine ist vertrocknet, der andere trägt frische Blätter. Doch genau deswegen ist in jedem von uns Tod und Leben vorhanden. Aber das geht so nicht weiter. Ich habe schon genügend Wölfe deswegen leiden lassen." Amáya wusste nicht, ob Chivan je von der engen Verbundenheit von Zwillingen gehört hatte. Das es schwer werden würde, diese Verbindung zu kappen und den toten Teil aus sich herauszumerzen, das wusste Amáya. Deswegen hatte sie sich auch nie getraut, das zu tun. Aber nun, nun war ihr klar, dass sie sich dem stellen musste, früher oder später. Sie war schon bereits vier lange Jahre alt - es wurd langsam wirklich Zeit.
19.09.2013, 22:44
Das Bluten war weniger geworden – Malik hatte die Augen geöffnet. Schreckgeweitet verweilte sein Blick auf ihr, ehe er zitternd und sehr schwach seine Läufe bewegte und sich mit ihnen unter ihren Bauch schob. Sie machte ihm Platz, so gut es denn ging. Sein Winseln fuhr ihr mitten ins Herz, ihr Nackenfell stellte sich auf vor Wut. Doch sie blieb ruhig stehen. Innerlich tobte der Kampf um eine Entscheidung. Sowohl Tyraleen als auch Chanuka forderten sie auf, nein, rieten ihr, den Ort des Geschehens zu verlassen. Sie wusste, dass dies für Malik das Beste wäre. Aber sie konnte seine Peiniger doch nicht einfach so davon kommen lassen…
Isaí kam zu ihnen. Zögerlich setzte er seine letzten Schritte, bis er sie erreichte und seine Schnauze sofort zu Malik unter ihren Bauch schob. Oder zumindest dorthin bis wo Malik sich geschoben hatte. Sie strich ihm gedankenverloren über den Rücken. Dass er hier gar nichts zu suchen hatte, kam ihr in diesem Moment nicht in den Sinn. Zumindest nicht weiter als bis zu ihrem Unterbewusstsein.
Sie war unsicher, weil Jakash nicht auf ihren Ruf geantwortet hatte. Warum kam er nicht und half ihr und ihrem Sohn. Dann hätte sie sich, wie es sich für eine Beta gehörte, um die zwei Wölfe gekümmert. Aber es sollte wohl nicht so sein.
Voller Abscheu beobachtete sie Caylee und Krolock. Caylee erzählte eine Geschichte – dessen Inhalt schien Krolock nicht ganz zu schmecken. Hier war definitiv etwas faul. Aber sie konnte nichts direkt beweisen. Es war ihr Gefühl, ihre Intuition die einerseits auf ihre Mutterrolle zurückzuführen war, andererseits sie aber auch noch nie im Stich gelassen hatte. Und natürlich einige wenige, winzige Indizien. Krolock war unterdessen schon wieder losgesprungen, hatte aber mitten im Sprung wohl den Entschluss gefasst, dass er nun wieder normal sein könne. Währenddessen versuchte Caylee Amúr auf ihre Seite zu ziehen. Sie erinnerte an einen weiteren Vorfall mit Krolock. Natürlich – irgendwie musste sie ihre Geschichte ja unter die Wölfe bringen.
Ihre Nase senkte sich hinab zu Malik, ja, sie sollten diesen Ort wirklich verlassen und sie schenkte Chanuka ein seichtes Lächeln. Sie war dankbar, dass er sie begleiten würde. Sie könnten Malik zusammen stützen – denn sie wollte ihn mit der großen Verletzung nicht tragen. Und wenn sie ihn von beiden Seiten stützen würden, würde er auch ‚laufen‘ können.
„Tyraleen. Es war nicht Krolock. Es war auch nicht der Fluch in Krolock.“
Ihre Stimme war kraftvoll und sicher. Tyraleen würde schon wissen, was sie mit den beiden tun würde. Oder sie würden sich zu einem anderen Zeitpunkt über die beiden Wölfe unterhalten. Hauptsache Malik bekam seine wohlverdiente Ruhe. Und wenn einige Wölfe abgestellt wurden, um die beiden Wölfe im Auge zu behalten, würde sicher nichts Weiteres passieren. Und wenn sie sich – nach der Übergabe Maliks an Jakash – selber um die Bewachung kümmern musste.
Dann stand sie auf, nickte Chanuka zu und schob ihre Schnauze so unter Malik, dass er aufstehen konnte und sich gleich an ihre Seite stützen konnte.
„Isaí, wir gehen.“
[Tyraleen, Amúr, Chanuka, Malik, Isaí, Krolock, Caylee und Atalya]
22.09.2013, 16:22
“Wie kommst du darauf?“ Ihre Frage klang ruhig, aber ein schneidender Unterton lag in ihr und der bernsteinerner Blick hatte sich verengt auf Sheena gelegt.
Erst jetzt bemerkte sie, dass sich noch ein weiterer Welpe zu ihnen gesellt hatte. Isaí saß bei Malik, halb verdeckt von seiner Mutter, die Wunde seines Bruders leckend und ein wenig verstört. Wo auch immer er nun hergekommen war, er wäre besser dort geblieben. Hier war kein guter Ort für Welpen, weder für verletzte noch für unverletzte. Sheena sollte wirklich schleunigst mit den zwei verschwinden, aber ihre Behauptung konnte nicht einfach so stehen gelassen werden. Dafür war sie zu schwerwiegend. Ihr Blick wanderte zu ihrer Tochter, fragend, und landete schlussendlich wieder bei Krolock.
“Steh auf. Wieso treibt dich der Fluch dazu, andere zu verwunden oder zu töten? Wie können wir ihn im Zaum halten?“
Ihr scharfer Ton und der weiterhin unangenehm dichte Stand bei dem Schwarzen wiesen darauf hin, dass sie keine Geduld für ihn hatte. Nun wieder mit dummen Späßchen oder albernen Drohungen zu kommen wäre nicht die beste Idee. Dann wandte sie sich an Atalya, sie war die erste am Schauplatz gewesen.
“Hast du irgendetwas gesehen?“
Davon ging die Weiße nicht aus, sonst hätte sich ihre Tochter gewiss bereits zu Wort gemeldet. Aber vielleicht konnte sie dennoch etwas zur Klärung der Situation beitragen.
25.09.2013, 12:00
Malik Hikaji hatte sich so verkrochen, dass er nur noch den Bauch seiner Mutter sehen konnte. Und er hatte auch gar kein Interesse daran, den Kopf zu drehen (zumal er dafür die verletzte Schulter belastet hätte, egal in welche Richtung er geschaut hätte). Was sich um ihn herum abspielte, interessierte ihn nicht. Seine Mutter war jetzt da, das war alles was zählte. Aber nicht nur sie allein. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er an der Seite, die nun zu brennen und zu pochen begann, ein Geräusch wahrnahm, das er ebenfalls mit Gefahr verband. Nun rückte sein Kopf doch herum, der gesamte Körper des Weißen spannte sich wieder an und die schwarzen Augen funkelten angstvoll. Es dauerte länger als gewöhnlich, bis er seinen Bruder erkannte. Mit rasendem Herzen ließ er seine Berührung zu, auch wenn er lieber ausgewichen und weiter unter Sheena gekrochen wäre. So dauerte es mehrere Augenblicke, bis er doch langsam anfing, sich ein wenig zu entspannen. Allerdings machte das der Ausruf seines Namens gleich wieder zunichte und er zuckte heftig zusammen, als er die Stimme seines Vaters erkannte, die er so noch nie gehört hatte. Aber eine Antwort gab er nicht - genauso wenig wie er Anstalten machte, wieder unter seiner Mutter hervor zu kommen. Doch dann hob sich plötzlich das schützende Dach aus Fell und Wärme und er quiekte panisch auf, im Glauben jetzt verlassen zu werden. Sein Körper drückte sich auf den Boden und er kniff erneut die Augen zusammen.
Atalyas Blick ruhte nach wie vor auf dem schwarzen Rüden, abwartend, prüfend. Als ihre weiße Schwester zu erklären begann und Krolock auflachte, stellte die Graue automatisch das Nackenfell auf, spannte ihren Körper an. Als der Schwarze sich bewegte, auf ihre Schwester zuhielt, wollte sie selbst nach vorn springen, die Lefzen hoch gezogen. Ihre Mutter kam ihr jedoch zuvor, Krolock ließ sich auf den Boden fallen und Tyraleen blieb über ihm stehen, und nun war Sheena es, die die Aufmerksamkeit der Grauen auf sich zog. Atalya legte ein Ohr an, fasste nun die weiße Fähe ins Auge, bis sich ihr Blick wider auf Krolock legte, während sie den Worten der anderen lauschte. Erst, als ihre Mutter sich an sie wandte, blinzelte sie kurz zu ihr, überlegend. Sie wog leicht den Kopf zur Seite. »Nein. Linalee hat um Hilfe geschrien ... dass Caylee Krolock angreift ... als ich hierhin kam, war alles schon passiert.«
Krolocks Stimme ächzte zu der Grauen und Amúr lehnte die Ohren zurück, als sich auch Caylee zu ihr begab und mit warmem Honig redete. Natürlich, sie waren Schwestern. Mond und Stern. Doch in letzter Zeit war bereits so viel geschehen, hatte sich in ihre Bande gestellt und Amúr oft genug verletzt. ''Natürlich weiß ich das ...'', gab sie verschüchtert zu; nicht wirklich im Stande zu wissen, was sie nun tun sollte. All das Blut an ihrer Schwester - war das denn kein Beweis? Was sollte sie nur tun? ''Ich .. ich ... Caylee, sieh dich doch an. Wie kommt all das Blut an dein Fell?'' Erdrückt von den ganzen Zweifeln senkte sie das Haupt.
Caylees Blick huschte von einem der Anwesenden zum anderen, wartete, wie ihre Worte aufgenommen wurden. Reichlich anteilnahmslos, befand sie. Immerhin widersprach niemand oder suchte eine Lüge darin. Nur Krolock führte sich mal wieder ein bisschen übertrieben auf, aber vielleicht war das ganz gut so. Caylee zuckte nur kurz zusammen, als er lossprang, dann war sie froh, dass sich ihre Mutter vor allem auf ihn konzentrierte. Ein weiterer Welpe kam angelaufen, Caylee ignorierte ihn, auch Chanuka schenkte sie wenig Beachtung - ja, am besten brachten sie den Welpen mitsamt seiner rasenden Mutter weg. Zu allem Überfluss tauchte schließlich doch noch Jakash auf, aber auch den missachtete Caylee beflissentlich. Den konnte sie jetzt wirklich nicht gebrauchen. Leider machte aber auch Sheena Ärger, stellte eine Behauptung in den Raum, die sie unmöglich beweisen konnte ... und immerhin reagierte ihre Mutter darauf auch angemessen. Wenigstens etwas. Amúr neben ihr nervte, aber sie wandte sich dennoch mit einem Kopfschütteln und aufgewühltem Blick an sie: "Na wie wohl? Ich habe versucht mich um ihn zu kümmern. In Krolocks Fell klebt genauso viel Blut." Was tatsächlich stimmte.
Isaí verstand nicht ganz, gab sich allerdings alle Mühe, das zu ändern. Er hob kurz den Blick, als er die Berührung seiner Mutter spürte, ehe er wieder unschlüssig mit den Ohren spielend in die Runde spähte und den Platz an der Seite seines Bruders nicht räumte. Wachsam verfolgte er das Geschehen, fixierte erst Krolock mit einem finsteren Blick, ehe dieser weitaus unsicherer zu Caylee wanderte. Die Worte seiner Schwester ließen ihn nicht los, doch in erster Linie richtete sich sein Zorn gegen den Wolf, der einen Augenblick später bereits unter Tyraleen lag. Umso verwirrter war er, als Sheena ihm offenbar die Unschuld zusprach - Krolock und unschuldig? Das glaubte er in etwa so sehr, wie es in Tyraleens Stimme mitschwang. Und trotzdem wollte ihm der aufkommende Konflikt, der sich auszudehnen drohte, so gar nicht gefallen. Er blieb stumm, verharrte, bis er mit einem Mal die Stimme Jakashs hörte und - mehr widerwillig - seinen Platz räumte, um den Dunklen an seinen Bruder heranzulassen. Sheenas Aufruf zum Aufbruch allerdings betrachtete er wieder etwas zögerlicher und stellte sich stattdessen an die Seite Atalyas, um ihrer Antwort zu lauschen. »Das stimmt. Das hat Linalee mir auch erzählt.«, bestätigte er die Graue mit einem Nicken und schielte kurz zu den beiden Schwestern unweit entfernt, ehe er den Blick wieder zu Tyraleen hob. Hinter ihm wollten Sheena, der Fremde, sein Vater und Malik bereits aufbrechen, doch Isaí spürte, dass da noch etwas in der Luft lag ...
Natürlich. Ein Grund. Sogar der Schnee war voller Blut, ja Amúrs Pfoten selbst. Warme Wolken stiegen aus ihrem Fang, ehe sie ihrer Schwester in die Augen sah. ''Ja ... ich weiß noch. Ich hab' dich ja ... gerettet ...'' Schlimme Gedanken für ein solch zartes Wesen, wie Amúr es war. Es war schrecklich. Diese Augen ... alles ... und nun hatte es Malik erwischt. ''Ich will dir vertrauen ...'' Für einen Neuanfang. Hoffentlich ...
Caylees Blick richtete sich wieder auf ihre Schwester und sie konnte förmlich sehen, wie die Lüge sich im Kopf der Grauen verankerte. Einen kurzen Moment lang schwankte die Weiße innerlich ... Vertrauen ... gerettet ... Aber es half nichts. Sie konnte Amúr nicht die Wahrheit sagen und vertrauen genauso wenig ... das wusste sie doch bereits. Sie schluckte und als ein zaghaftes Lächeln auf ihren Lefzen auftauchte, war es nicht mal gespielt. Merkwürdig. "Du hast mich gerettet." Ihre Ohren drehten sich zurück und schnippten wieder nach vorne. "Du musst nicht vertrauen, nur halte dich von Krolock fern."
Krolock hörte nun wirklich desinteressiert zu. Um die Lüge weiter zu vertreten, hätte er gerne Sheena angegriffen, aber er übertrieb dann nicht weiter. Das hatte Caylee schon für sie beide genug getan. Innerlich lachte er ein bisschen über die bescheuerten Fragen. Vermutlich hätte er einen Welpen töten können und es hätten sich doch nur alle gewundert. Sein Blick flog zu Tyraleen. Wie konnten sie den Fluch aufhalten? Er lachte. Wieso sollte er darüber Auskunft geben?
In dem Moment, in dem Sheena Caylee beschuldigte, war ihr nicht bewusst gewesen, dass das für Tyraleen wie ein Schlag ins Gesicht war. Immerhin war Caylee ihre Tochter. Und wasserdichte Beweise konnte sie nicht liefern. Nur ihre Vermutungen. Aber jetzt war es zu spät und die Worte raus. // Nachdem nun klar war, dass sie die Gruppe nicht sofort verlassen würde, ließ sie sich wieder vorsichtig über Malik - der zuvor ängstlich Laut gegeben hatte - nieder. Jakash war zu ihnen gekommen - welch Glück. Doch es blieb keine Zeit ihn anständig zu begrüßen, ein knappes Nicken musste reichen. »Tyraleen, es tut mir Leid ...« Sie seufzte kurz. »Es klingt wahrscheinlich noch unglaublicher, weil Krolock ständig Ärger macht. Ich habe nur versucht die Zeichen zu deuten, bin mir aber nicht sicher. Meine Worte waren wohl etwas zu voreilig. Als ich hier ankam waren Krolocks Augen nicht so rot, wie sie es wären, wenn er vom Fluch besessen gewesen wäre. Er ist meines Erachtens nach weniger mit Blut verschmiert. Eher so, als ob er Malik nur flüchtig berührt hat. Caylee hingegen - na, du siehst es ja selbst! Außerdem schrie Linalee um Hilfe weil Caylee scheinbar Krolock angegriffen hat. Da ist ein Angriff auf Malik nicht unwahrscheinlich ... Aber die Wahrheit kennen wohl nur Caylee, Krolock und Malik.« Wieder seufzte sie, mittlerweile ganz ruhig. Sie schenkte Tyraleen ein besänftigendes Lächeln.
Es hatte für jetzt nicht sonderlich den Anschein als sie in naher Zukunft gehen würden, dennoch neigte Chanuka ein weiteres Mal dazu, etwas in diese Richtung zu drängen. Er tippte Sheena sanft von der Seite mit der Schnauze an und drehte sich dann wieder in die Richtung, in die er samt Mutter, Vater und Kind wohl gehen würde. “Sheena, ich will dich wirklich nicht drängen aber zum Wohle von Malik wäre es vielleicht besser wenn wir uns langsam etwas entfernen.“ Er versuchte im Allgemeinen sehr sanft zu klingen, die teilweise automatische Sorge hatte sich wohl auch direkt im Unterton verankert. Da er aber natürlich nicht wusste, ob sie letztendlich wirklich nachgeben würde ging er noch nicht vor. In seinem Kopf wirkte das irgendwie unfreundlich und respektlos, folglich wollte er es schlicht und weg nicht in die Tat umsetzen. Ein weiteres Mal hieß es abwarten.
Tyraleen versuchte keine Miene zu verziehen, als Jakash nun doch noch bei ihnen ankam und verlangte zu erfahren, was passiert war. Dafür war jetzt aus Tyraleens Sicht keine Zeit, sie würde nicht wiederholen, was Caylee erzählt hatte. Später konnte Sheena ihm ja alles erklären. Atalya und auch Isaí versuchten ihre Frage zu beantworten, aber wirklich erkenntnisreich war das nicht. Caylee hatte ja bereits gesagt, dass sie mit den Welpen 'gespielt' hatten und dass sie dabei in der Rolle des Krolockquälers gewesen war. Das war für Tyraleen zwar genauso merkwürdig wie vermutlich für alle anderen auch, aber sagte nicht, dass sie danach auch Krolocks Rolle im Welpenquälen eingenommen hatte. Dafür sprach nach wie vor aus Tyraleens Sicht nichts und auch das kurze Gespräch zwischen Amúr und Caylee bestätigte die Weiße in ihrer Ansicht. So landete der Blick der Leitwölfin am Ende wieder bei Sheena, die nun wohl - noch vor Tyraleen selbst - verstanden hatte, dass sie so eben eine Mutter angegriffen hatte. Sofort wurde auch Tyraleen etwas ruhiger, auch wenn sie von einigen Argumenten verwirrt war. "Aber was sollte für Caylee sprechen? Es gibt keinerlei Grund, warum meine Tochter einen Welpen angreifen sollte. Hat sie sich jemals so verhalten, dass diese Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen werden sollte?" Sie atmete schwer aus und fuhr sich mit der Zunge über die Lefzen. "Bring Malik fort und wenn er sich beruhigt hat, kannst du ihn ja fragen. Ich denke, er sollte es wissen." Ihr Blick wanderte zu dem Welpen und bei dem Gedanken, er könnte den Namen ihrer Tochter als die Schuldige nennen, rann ihr ein Schauer über den Rücken. Das würde er nicht tun, dafür gab es einfach keinen Grund. Sie nickte Chanuka noch zu, dann wandte sie sich an Krolock, der ihre Frage nicht beantwortet hatte, sondern nur lachte. Ein kehliges Knurren kam aus ihrem Fang, sie packte ihn am Ohr und riss einmal daran ... ein Faden Blut tropfte ins Gras. "Antworte mir."
Sheena hielt dem Blick von Tyraleen stand, solange sie mit ihr sprach. Dann legte sie ihre Ohren dicht an den Kopf an und duckte sich ein wenig. Es war eine Entschuldigung gegenüber ihrer Alpha, einer Mutter und ihrer Freundin. »Dann war es einfach nur ein intuitiver Mutterinstinkt den ich nicht hätte äußern dürfen. Entschuldige mich Caylee - es wird nicht wieder geschehen!« Mit den Worten lächelte die Fähe knapp in die Runde und stand erneut auf. Behutsam schob sie Malik auf die Beine, warf Isaí einen strengen Blick zu, der ihm befohl ihr augenblicklich zu folgen und nickte Chanuka dankbar zu. »Ja, wir gehen jetzt. Komm Jakash, ich erzähle Dir alles wenn wir hier weg sind!«
Krolock betrachtete Tyraleen, nicht besonders eingeschüchtert. Er hob den Kopf ein bisschen. "Du könntest ... mir die Kehle durchbeißen ... wie deinem Sohn.", gab er mit liebevoller Gehässigkeit zurück.
Jakashs Miene verfinsterte sich, während er aus den regen Gesprächsfetzen um ihn herum zu rekonstruieren versuchte, was geschehen war. Linalee hatte um Hilfe gerufen, weil Caylee Krolock angefallen hatte? Vielleicht aus Rache für den kürzlichen Angriff des Schwarzen, das konnte er sich durchaus vorstellen... Aber wie war sein Sohn darein geraten? Wie es auch dazu gekommen war, sein Sohn war nun verletzt und Caylee und Krolock hatten beide Blut im Fell - was die Wahlmöglichkeiten eines Täters anging, viel Jakash die Entscheidung nicht schwer. Mehr und mehr zogen sich seine Lefzen zurück, gen Krolock. Sheena warf noch ein neues Licht auf die Szenerie und einen möglichen Ablauf, aber so ganz konnte Jakash ihrer Argumentation nicht folgen - oder wollte es nicht wirklich. Krolock war die Gefahr für das Rudel. Und wenn dieser Vorfall nicht endlich Grund genug war um dieses Untier aus dem Rudel zu jagen, würde er selbst eben für die Sicherheit seiner Familie sorgen, schwor er sich, ohne diese Drohung laut auszusprechen. Das hätte jetzt vermutlich nur noch mehr Unruhe gestiftet. Malik war jetzt wichtiger. So wandte er sich also ebenso um und setzte sich in Bewegung.
Malik Hikaji wimmerte, als seine Mutter ihn auf die Beine schob, tat dann aber einfach sein Möglichstes, um nicht alles noch komplizierter zu machen. Überall redeten Wölfe durcheinander und er hörte keinem einzigen von ihnen zu. Mit angelegten Ohren, eingeklemmter Rute und zitternden Läufen stand er da und setzte sich dann eher mechanisch in Bewegung, um den Anschluss an seine Familie nicht zu verlieren. Nicht dass sie noch ohne ihn gingen, heute war eh alles komisch.
Atalya blieb still neben ihrer Mutter stehen, lauschte den Worten die gesprochen wurde und atmete schließlich lautlos ein. Sie verstand nicht, wieso Krolock noch immer bei ihnen war... wo so viele Gründe dagegen sprachen. Dieser Wolf widerte sie an - und dies war wieder ein Moment, in dem sie einfach hoffte, dass er irgendwann einfach verschwinden würde - egal wie. Isaí, der nun neben ihr stand und ihre Worte unterstütze, wurde nur kurz mit einem Blick und einem Zucken eines Ohren bedacht. Dann drang Krolocks Stimme an ihre Ohren und Atalya riss den Blick herum, die Augen fest auf den schwarzen Wolf gerichtet. Sie wusste, dass es nur eine Provokation war, von einem dummen Wolf. Und trotzdem setzte ihr Kopf in diesem Moment aus, die Wut auf den Schwarzen ließ sie nach vorn springen, die Lefzen drohend aber stumm zu einem Knurren verzogen. All ihre Wut richtete sich in diesem Moment gegen Krolock.
Caylee versuchte allem zu folgen, was um sie herum geschah, aber das war relativ schwierig. Amúr direkt vor ihr ließ sich gut wahrnehmen, aber der Schlagabtausch zwischen ihrer Mutter und Sheena war schon etwas merkwürdig und Krolocks Gehabe am Boden hätte sie am liebsten ignoriert. Aber wie immer stach er ihr vor allem ins Auge. Sie drehte sich um ihn wie der Mond um die Erde ... eine plötzlich kristallklare Erkenntnis, die sie verwirrte und schockierte. Dann drangen seine Worte an ihr Ohr und sie war wieder in der Wirklichkeit. Er griff nun ihre Mutter an - verbal - und da hörte der Spaß auf. Auch für Atalya, die wütend lossprang. Blinzelnd harrte Caylee einen Moment aus, dann trat sie an Amúr vorbei, ebenfalls zu Krolock aber sehr viel ruhiger. "Hör auf, Krolock. Mach das jetzt nicht, bitte. ICH bitte dich darum." Sie starrte ihm in die reinblauen Augen und ihr Herz schrie ihn an.
Isai hörte dem Wortwechsel zwischen seiner Mutter und Tyraleen erleichtert zu, denn die Lage schien sich zumindest etwas zu entschärfen. Und schließlich erhob sie sich, schob Malik auf die Beine und machte sich an der Seite des fremden Rüden und seinem Vater auf, einen etwas ruhigeren Ort zu suchen. Der Fuchs konzentrierte sich für den Augenblick noch auf das Gespräch, an dem er sich - wenn auch nur knapp - beteiligt hatte und taxierte den Fieswolf mit einem ernsten Blick, der dem eines Erwachsenen vielleicht sogar bereits Konkurrenz gemacht hätte. In seinen Läufen juckte es, seiner Familie zu folgen und seinem Bruder beizustehen, doch ebenso wollte er wissen, was Krolock zu sagen hatte. Mit zögernden Schritten setzte er rückwärts, bis er mit einem Mal innehielt und irritiert blinzelte. Sein Blick wanderte von Krolock zu Tyraleen, verwirrt, unschlüssig, doch so langsam diese Sekunde auch vergehen wollte - umso schneller hatte sich Atalya mit einem Mal auf den Dunklen geworfen. Er öffnete den Fang, als er von hinten ein Rufen vernahm und sich schließlich herumwandte, um den anderen zu folgen. Innerlich aber hatten sich die Worte Krolocks ein wenig weiter in den Vordergrund gedrängt, sodass er etwas abwesend anschloss.
Tyraleen hatte mit vielem gerechnet und doch traf Krolock sie wieder geschickt an der winzigen Stelle, die sie nicht geschützt hatte. Dieser widerliche Wolf, dieser Elende ... tatsächlich spürte sie das schreckliche Verlangen, ihm die Kehle aufzureißen. Aber sie tat es nicht. Nicht noch einmal. Fenris sprach durch diesen erbärmlichen Wolf und sie würde nicht noch einmal seiner grausamen Verführung erliegen. Während sie noch wortlos auf den Wolf zu ihren Pfoten starrte, regten sich zwei ihrer Töchter. Caylee langsam, Atalya schnell. Der weißen Tochter galt nur ein kurzer Blick, undefinierbar aber sie hatte erkannt, dass sie auf ihrer Seite stand ... der Grauen ein langer und schließlich ein Einschreiten. Sie versperrte ihr mit dem Körper den Weg zu Krolock, stellte sich über den Schwarzen und war im gleichen Moment voll fixiert auf ihn. Sie traute ihm durchaus zu, dass er nun versuchen würde, ihr den Bauch aufzureißen. Das würde ihm nicht gelingen. "Tu das nicht, Atalya." Auch bei diesen Worten sah sie Krolock an und schob den Fang nur ein wenig näher an seinen Kopf, als sie zu ihm sprach. "Antworte mir."
Da Chanuka letztendlich zusammen mit Jakash, Malik und Sheena schon ein Stückchen vorgegangen war, bekam er von dem verbalen Schlagabtausch und der allgemeinen Situation nicht mehr sonderlich viel mit. Ihm fiel zwar auf das Isaí verhältnismäßig spät dazu kam, insbesondere deshalb weil seine Eltern ihn noch ein weiteres Mal rufen mussten, wirklich drüber nachdenken konnte und wollte er jetzt aber nicht. Sein Blick wanderte kurz von einem Wolf der neu gebildeten Gruppe zum nächsten, kurz darauf wandten seine Augen sich dann wieder nach vorn. Irgendwie hatte er das Gefühl als ob es irgendetwas zu sagen geben sollte, irgendetwas über das man jetzt noch sprechen sollte - umso mehr er darüber aber nachdachte, desto weniger hielt er es für richtig überhaupt etwas zu sagen. Die ersten Worte würden wohl spätestens dann fallen, wenn sie einen geeigneten Ort zum verweilen gefunden hatten. Zu weit sollte man dann immerhin auch nicht gehen. Ruhe war schon richtig für Malik, seine Kräfte aber unnötig weiter ausschöpfen als ohnehin schon sicherlich nicht.
Krolock wedelte mit dem Schwanz. Ein Zeichen der Freude, das für die meisten Wölfe in dieser Situation völlig deplatziert wirkte. Nicht für ihn. Er amüsierte sich köstlich und sah unter Tyraleen hervor zu Atalya. Mit einem welpischen Ätsch-Gesicht. Belustigt sah er die Leitwölfin an, unter dieser liegend, die Kehle entblößt. "Du könntest Nihil von den Toten wieder auferstehen lassen ...", schlug er vor. “Ansonsten musst du mich eben doch töten. Der Fluch wird dann mit mir sterben ..." Krolocks Blick glitt zu Caylee. Er musterte die weiße Wölfin und irgendetwas blitzte herausfordernd in seinen Augen. Natürlich sagte er nichts. Aber wenn jemand verstehen konnte, was er dachte, dann nur die Weiße. Die Anderen waren schließlich von der Lüge geblendet.
Sheena tat es im Herzen weh ihren Sohn so leidend zu hören. Doch wie sollte sie ihm den Weg jetzt nur erleichtern ohne ihm noch mehr Schmerzen zuzufügen? Noch wenige Schritte weiter, dann war Isaí auch endlich bei ihnen. Natürlich hatte er in dieser Situation eine extra Aufforderung benötigt. Aber jetzt war er ja bei ihnen und somit in Sicherheit. Und Sheena war der Meinung, dass sie sich weit genug vom Geschehen entfernt hatten. Die Streithälse waren kaum noch zu hören und sie wollte Malik nicht unnötig weit treiben. »Liebling, wir bleiben hier. Leg Dich schön wieder hin!« Sie fuhr ihm sanft mit der Zunge über das Fell. Dann huschte ihr Blick zu Jakash - war es richtig ihn jetzt schon zu dem Vorfall zu befragen? Oder stand er noch zu sehr unter Schock? Sie schwieg und übertrug die Verantwortung somit Jakash. Besorgt lag ihr Blick nun wieder auf Malik. Allerdings nicht, ohne Isaí einen dankbaren Blick zugeworfen hatte. Sie war froh, dass er auf sie gehört hatte.
Atalya war bewusst, dass in dieser Situation wohl keine Chance bestand, dass sie an Krolock heran kam. Trotzdem hielt sie nicht inne, zu groß war die Wut auf diese elende Kreatur. Nur aus den Augenwinkeln sah sie ihre weiße Schwester, hörte kaum die Worte, die sie an den Dunklen wandte. Erst der weiße Pelz direkt vor ihr ließ sie ausweichen. Mit einem Satz war sie um ihre Mutter herum gesprungen, den Blick zuerst auf sie und dann auf den Schwarzen gerichtet - die Lefzen weiter erhoben und die Rute in die Höhe gestreckt. Die Worte ihrer Mutter nahm sie mit einem kurzen Schnaufen hin. »Er hat es nicht verdient, hier weiter zu leben. Er bringt uns nur Unglück!« Den Blick des Schwarzen erwiderte sie mit einem Knurren, trat einen weiteren Schritt auf ihn zu. In ihren Augen verdiente es der Schwarze nicht weiter, bei ihnen zu bleiben.
Caylee war sich nicht sicher, ob sie froh darüber war, dass Tyraleen sich Atalya in den Weg gestellt hatte. Aber sie war froh, als Krolock tatsächlich zu kooperieren schien. Er sah dabei zwar nicht so aus, aber seine Worte klangen in ihren Ohren tatsächlich nach der Wahrheit. Die Herausforderung in dem Blick, den der Schwarze ihr zuwarf, verstand sie nicht so ganz, aber sie hoffte schwer, dass er in diesem Moment nicht das dachte, was ihr im Kopf herumging. Er hatte sie nun in der Pfote. Wobei die Frage war, ob irgendwer ihm Glauben schenken würde ... nur wenn Malik nicht dichthielt. Und wenn Krolocks Drohung wegfiel ... ihr wurde ein bisschen schlecht, aber sie hielt sich im Zaum. Atalya beanspruchte sowieso mit ihrer interessanten Forderung die Aufmerksamkeit der Anwesenden. Hatte es laut Engaya nicht jeder verdient, hier zu leben? So war das halt, ihre Schuld. "Ich werde in Zukunft dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr vorkommt." Hatte sie das gerade wirklich gesagt?
Jakash warf Chanuka ein paar längere Blicke zu, während sie liefen, sagte aber nichts, obgleich eine Begrüßung angesichts seiner Rückkehr angebracht gewesen wäre. Es war nun aber einmal so, dass sie sich nicht sonderlich nahe standen und nie gestanden hatte, und zudem galt seine Aufmerksamkeit erst einmal vordringlich Malik. Was Chanuka nun ausgerechnet dazu trieb, mit ihnen zu kommen statt bei den anderen zu bleiben, war ihm ein Rätsel, aber damit mochte er sich nun wahrlich nicht befassen. Sheena entschied schließlich, dass sie weit genug gegangen waren, und forderte Malik auf sich nun auszuruhen. Über seinen Kopf hinweg tauschte er mit seiner Gefährtin einen längeren Blick und las die unausgesprochene Frage in ihren Augen. Jakash legte sich zu seinem weißen Sohn nieder, überließ es aber Sheena, die Wunde zu säubern. "Wie geht es dir, Malik?", fragte er dann sanft, obgleich er die Antwort direkt vor sich sah. Aber es ging ihm auch eher darum, Malik langsam zum Reden zu bringen.
Tyraleen war beinahe erstaunt, als Krolock sich ganz friedlich unter ihr verhielt. Er versuchte weder, sie abzuwehren, noch sie zu verletzen. Er lag wie ein freundlicher Welpe unter ihr und antwortete dann sogar tatsächlich auf ihre Frage. Caylees Werk? Die Weiße wusste es nicht, aber die Antworten stellten sie ohnehin nicht zufrieden. "Das kann ich nicht. Aber kannst du trainieren, ihn im Zaum zu halten?" Sie fragte sich, warum sie überhaupt vernünftig mit diesem Wolf redete ... wahrscheinlich würde er nur erneut sagen oder zumindest denken, dass er dafür keinen Grund sah. Ihr Blick huschte zu Atalya, die ihr in letzter Sekunde ausgewichen war und sich nun empörte ... und leider hatte Tyraleen kein Gegenargument. Es gab keinen Grund, ihn hier zu akzeptieren, außer der Barmherzigkeit. "Ja, er hat es nicht verdient. Und doch lassen wir ihn hier leben, denn wenn wir ihn verscheuchen, wird alles nur noch schlimmer. Versuche zu erkennen, warum er so ist ..." Sie suchte noch nach einer weiteren Erklärung, nach einer besseren, einer zufriedenstellenderen - als sich Caylee wieder zu Wort meldete. Tyraleens Ohren schnippten nach hinten, dann schluckte sie. "Er hat versucht dich zu töten, Caylee."
Malik Hikaji wäre noch weiter gelaufen, wenn es seine Eltern auch gemacht hätten. Und der andere schwarze Wolf, der sie begleitete, den er immer noch nicht erkannt hatte. Isaí sah er nicht, vielleicht war er dort geblieben ... dann würden Krolock und Caylee ihm weh tun! Ängstlich sah er sich um und fiepte suchend, aber da war Isaí schon längst hinter ihnen. In dem Moment erklärte ihm seine Mutter leise, dass sie weit genug entfernt waren. Sein Blick huschte zur ihr zurück, dann ließ er sich einfach auf den Boden sinken. Der Schmerz in seiner Schulter verunsicherte ihn völlig. Nervös sah er von einem zum Anderen und versteifte sich etwas, als sich sein Vater zu ihm legte. Auch wenn er sich bewusst war, dass er ihm nur Gutes wollte und von ihm keine Gefahr drohte. Die Frage, die er stellte, kam etwas verspätet bei ihm an, löste allerdings nichts aus. Er wusste nicht, wie er darauf antworten sollte, was er sagen konnte. Was er durfte. Was er nicht durfte, weil sie sonst seinen Vater, seine Mutter, seinen Bruder und seine Schwestern töteten. Also starrte er ihn nur an, die Angst im Blick - nicht ganz klar, vor was und vor wem.
Isaí schluckte. Sein Blick war ohne wirklichen Fixpunkt auf den Schnee zwischen den Pfoten der anderen gerichtet, während er seinen Eltern folgte und noch immer nicht dazu gekommen war, sich über die Anwesenheit des Fremden zu wundern. Krolock hatte gesagt, sie solle es so machen wie bei ihrem eigenen Sohn. Und das war der Punkt, an dem er nicht mehr weiter kam. Natürlich - der Dunkle war verrückt, doch irgendeinen Anhaltspunkt hatte es für ihn doch geben müssen, so etwas überhaupt in den Fang zu nehmen, oder? Ein kurzer, besorgter Blick über die Schulter, ehe er abrupt stehenblieb, weil er nicht gemerkt hatte, dass seine Familie sich inzwischen niedergelassen hatte. Seine Sorge musste nun in erster Linie Malik gelten, den er dennoch in der Obhut seiner Eltern ließ, während er danebenstand und lediglich kurz beschwichtigend mit der Rute pendelte. Erst danach traf sein Bernsteinblick wieder den dunklen Wolf, der sie begleitet hatte. Ohne auf das Gespräch zwischen seinem Vater und seinem Bruder zu achten, platzte schließlich ein »Wer bist du eigentlich?« aus seinem Fang. Nicht unbedingt unfreundlich, doch in Anbetracht der Lage deutlich misstrauisch. Langsam drehte sich ein Ohr zurück, während er Chanuka unschlüssig musterte.
Krolock beobachtete all das, immer noch belustigt. Wie jemand, der sich eine Comediesendung im Fernsehen ansah. Es war sehr spannend. Er sah von einer Wölfin zur Anderen. Er brachte nur Unglück? Lautes Kichern brach aus ihm heraus. Was für eine zuckersüße Gutwolfumschreibung! Und das aus dem Fang der wütenden Atalya? Das war so traurig, dass es eben schon wieder witzig war. Dann kam Caylee. Noch viel besser. Aber erst Tyraleen war der Abschuss! "Oh, klar, ich trainiere schon mein Leben lang ...", gab er zischend von sich, begleitet von einem düsteren Murren, das doch irgendwie belustigt klang. Man konnte schwer unterscheiden, wann er log und wann er nach Lügen klingende Wahrheiten gezielt einsetzte. "Der Fluch hat versucht, Caylee zu töten ..." Oh, der Fluch war es auch, der ihn so einem derart unausstehlichen Wolf machte! Der Fluch... wenn er mal Pinkeln musste, war das auch immer der Fluch. Und? War es nun der Fluch, oder hatte Krolock beabsichtigt, die weiße Fähe zu zerfleischen?
Atalya blickte mit einem kurzen Schütteln ihres Kopfes zu Tyraleen, Krolocks Worte vorerst ignorierend. Die Graue verengte leicht die Augen. »Wieso wird es dann schlimmer? Solange er bei uns ist, werden wir nicht ruhig sein können - egal, ob Fluch oder nicht.« Sie verstand es nicht, konnte sich nicht im geringsten erklären, wieso dieser Wolf noch geduldet wurde. Ein erneutes Schnaufen. »Es gibt keinen Grund für ihn, sich so zu verhalten! Selbst wenn der Fluch nicht erkennbar ist, ist er ein widerlicher Wolf! Willst du ihn dulden, bis er jemanden umbringt? Malik hätte sterben können!« Sie sprach diese Worte mit einem Blick zu Krolock aus, der diese Tatsache in den letzten Sekunden nur selbst unter Beweis gestellt hatte. Die Wut war in ihren Worten deutlich zu hören - sie verstand es einfach nicht. Die rötlichen Augen legten sich auf Caylee, als diese davon sprach, auf den Schwarzen Acht geben zu wollen. Sie rümpfte kurz die Nase. Ihre Mutter traf es mit genau den richtigen Worten. »Willst du warten, bis er es noch einmal versucht, so, dass dir niemand helfen kann?«
Die Lage schien sich für den Moment etwas zu entspannen. Chanuka war gespannt ob es dabei bleiben würde, jedenfalls schien die ersehnte Ruhe langsam einzukehren. Der Höflichkeit halber nickte er Jakash letztendlich nochmal kurz zur Begrüßung zu. Ob er das richtig deuten konnte wusste er nicht, kam es doch reichlich verzögert. Ein Stückchen entfernt von den Dreien - und schließlich auch Isaí - hatte er sich dann schweigend auf seine Hinterläufe niedergelassen. Es dauerte aber auch nicht sonderlich lange bis Isaí sich an ihn wandte und ihm eine Frage stellte. Tatsächlich waren die Welpen noch recht jung gewesen als Chanuka gegangen war, vor allem hatten sie da noch recht viel Zeit bei ihren Eltern und somit auch im unmittelbaren Schutz ihrer Mutter verbracht. Er selbst erinnerte sich natürlich, konnte Isaí diesbezüglich aber auch nur entgegen lächeln bevor er das Wort erhob. “Ich bin Ban ... Tyraleens Sohn. Also einer von ihren Söhnen. Als ich fortgegangen bin waren du und dein Bruder noch ziemlich klein, Isaí. Vielleicht erinnerst du dich noch an meinen Namen - ich heiße Chanuka.“
Jakash hatte Sheenas unausgesprochene Bitte anscheinend verstanden. Er ließ sich neben seinem Sohn nieder und ermunterte ihn zu ein paar Worten. Hoffentlich antwortete Malik. Es war so wichtig herauszufinden, wer ihn verletzt hatte. Doch an Maliks Reaktion konnte sie erahnen, dass es ein langer Weg werden würde, ihn zum Sprechen zu bewegen. Sie sah die Angst erneut in seinen Augen aufflackern. Wovor hatte er Angst? Wovor konnte er Angst haben? Vielleicht fürchtete er, dass er bestraft werden würde, wenn er etwas sagte. Wie konnte sie ihm nur verständlich machen, dass er keine Angst haben musste? Wenn es nötig sein sollte, würde sie ihm nicht mehr von der Seite weichen. Soviel war klar.
Jakash betrachtet besorgt die Furcht, die den Geist seines Sohnes komplett zu lähmen schien, und versuchte sich an einem beruhigenden Lächeln. "Es ist okay, Malik. Du bist jetzt in Sicherheit - niemand wird dir mehr etwas tun. Es ist okay, wir sind deine Familie ..."
Caylee war auf dieser Erwiderung mehr oder weniger gefasst gewesen. Aber jetzt kam das Problem ... sie hatte kein Gegenargument. "Er wird es nicht wieder tun." Das konnte sie nicht wissen, eigentlich wusste sie nur, dass man Krolock nicht vertrauen sollte. Und trotzdem sah sie starr Tyraleen und Atalya an, selbstsicher, als würde sie ihren eigenen Worten Glauben schenken. Krolock meldete sich zu Wort, der Fluch war es ... ja, das stimmte sogar. "Averic wird mich im Zweifelsfall beschützen. Wenn wir ihm das hier erzählen, rastet er ohnehin aus." Sie nickte sich selbst zu und richtete ihren Blick dann auf Atalya. Natürlich hatte sie Recht, aber das würde die Weiße jetzt nicht zugeben. "Er wird es nicht noch einmal versuchen."
Tyraleen war klar, dass Krolock die ganze Situation königlich amüsierte. Aber solange er friedlich liegen blieb und neben seinem Gekichere auf Fragen antwortete, war es ihr egal. Zwar konnte man mit seinen Worten nach wie vor wenig anfangen, aber immerhin kooperierte er. Ein Training schien also ausgeschlossen ... und wollte er mit seiner Beschuldigung des Fluches nun Caylees Antrag unterstützen oder nicht? Für Tyraleen klang er jedenfalls nicht akzeptabel, auch nicht nach Caylees weiteren Ausführungen. Nur die Anmerkung mit Averic war interessant. Vielleicht sollten sie ihn rufen? Und gemeinsam entscheiden, was mit Krolock passieren sollte? Oder Aszrem ... sie war etwas unschlüssig. "Wir werden ihn in jedem Fall besser kontrollieren müssen. Parveen alleine reicht offensichtlich nicht. Ich werde mit Averic sprechen." Sie sah zu Atalya. "Er wird niemanden töten."
Krolock blieb nun einfach nur noch lachend unter Tyraleen liegen. Er schien sich gar nicht mehr einkriegen zu können.
Sheena entschloss sich ihren Sohn einfach zu fragen, wer es gewesen war. Entweder er antwortete oder eben nicht. Aber sie wollte es wenigstens versucht haben. »Malik, hat Krolock dich gebissen?« Es widerstrebte ihr, dies zu fragen. Hatte sie zuvor schließlich noch Caylee beschuldigt und auch das Gefühl in ihrer Bauchgegend diesbezüglich war nicht verschwunden. Aber es stimmte schon, Krolock war immer der, der Ärger machte. Warum sollte er es dieses Mal nicht gewesen sein?
Atalya schüttelte nur noch einmal den Kopf, es schien ihr, als verstand keiner der Anwesenden, worum es ging. »Er wird es ganz sicher wieder tun - wenn er selbst schon sagt, dass er den Fluch nicht kontrollieren kann!« Ein kurzer Blick galt Caylee, ehe sie sich wieder an Tyraleen wandte. Ihre Ohren zuckten kurz. »Averic sollte auf ihn Acht geben ...« Die rötlichen Augen ruhten kurz auf Krolock - die Graue war sich sicher, dass Avric nicht zögern würde, ihm im Notfall das zu geben, was der Schwarze verdiente. »Das sagst du jetzt - aber du musst doch selbst sehen, dass er in jedem Moment durchdrehen kann. Er hätte Caylee und Malik töten können - und trotzdem bleibt er hier. Jeder andere Wolf wäre schon längst vertrieben ... oder tot. Wieso nehmen wir auf IHN Rücksicht?!« Sie verstand es nicht, und vermutlich würden auch keine Worte ihrer Mutter es verständlicher machen.
Malik Hikaji glaubte ihnen sogar, dass er in Sicherheit war. Und wie gut wusste er, dass sie seine Familie waren, ihn beschützten ... nur wer sollte sie beschützen? Das konnte nur er, indem er nichts Falsches sagte. Wenn er nur wüsste, was falsch und was richtig war. Es war nicht richtig, dass er jetzt nickte, als seine Mutter ihn fragte. Aber das war es, was er sagen sollte, nicht? Dass es Krolock gewesen war. Also zuckte sein Fang nach unten und nach oben und wiederholte das Ganze noch einmal kurz. Schließlich kuschelte er sich eng an Jakash und schloss - erschöpft von all der Aufregung - die Augen.
26.09.2013, 10:28
Es fiel Ahkuna schwerer nicht nachhinten zu sehen. Stattdessen fixierte sie den eisblauen Blick auf einen weitentfernen Baum. Doch war dieser durch ihren Schleier aus Tränen verschwommen und sie erkannte bloß einen dunklen Fleck im ganzen Weiß. Sie sank unbewusst in ihre eigene Welt. Blendete für einen Augenblick alles aus und horchte bloß in ihre Gedanken. Wortfetzten echoten in ihr. Sie riefen Samirs Namen. Befahlen ihm zu ihr zu gehen. Flehten ihn an nicht zu gehen, sie nicht allein zu lassen. Es war ihr Wunsch und ihre Sehnsucht, die aus ihr sprachen. Sätze, die ihr Herz noch mehr bluten ließen, weil sie realisierte wie weit sie sich nun entfernt haben. Sie war in Gedanken und überhörte seine leisen Worte. Die Frage, ob ihr sein Herz nicht genügte. Besaß sie es denn? Hätte Ahkuna die Frage verstanden, wer weiß welches Chaos es mit sich bringen würde, welche neuen Gedanken mitmischen würden. Doch seine nächsten Worte waren lauter und rissen die Fähe aus ihrer Starre. Sie blinzelte und es lösten sich einige Tränen von ihren Augen und rollten langsam ihre Wange herunter. Nein!, schrie es in ihrem Inneren auf, doch sie war zu überrumpelt als das sie es auch in den Raum werfen konnte. Sie belästigen? Er war zu der wichtigsten Stütze geworden, die sie hatte. Außer ihm … was besaß sie schon wirklich? Erkannte er denn nicht, dass sie in einem Meer aus Scherben saß?
„Samirez du Dummkopf!“, rief sie mit ihrer zittrigen Stimme aus, als sie sich schwungvoll umdrehte und ihn mit zusammengekniffenen Augen anstarrte. Tränen tropften von ihrer Wange auf den Schnee und hinterließen dunkle Spuren. Ihre Gesichtszüge wurden sanfter und mit glasigen Augen sah sie zu ihm. „Geh nicht. Egal was ich dir an den Kopf werfe, du darfst mich unter keinen Umständen verlassen. Ich brauche dich zu sehr.“
27.09.2013, 08:34
Taleesha war derweil stehen geblieben, und so hielt auch Aszrem inne und setzte sich schließlich. Sein Lächeln war warm, und der schwarzbraune war froh, zumindest in einem Punkt direkte Auskunft geben zu können. Alle weiteren Interpretationen und Ratschläge würden zwangsläufig wesentlich vager ausfallen müssen.
"Du hast Engaya gesehen",
erwiderte er also, von der Wahrheit seiner Worte überzeugt. Dabei spielte es eigentlich kaum eine Rolle, ob Taleesha lediglich von ihr geträumt hatte, oder ob die Lebensgöttin der Welpin tatsächlich in einer Vision erschienen war. Der Unterschied in beiden Szenarien wirkte unglaublich bedeutsam, war es aber aus Aszrems Sicht gar nicht mal so sehr, solange nur Taleesha von der Wichtigkeit dieser Ereignisse überzeugt war.
"Was sie dir gesagt hat, ist in der Tat sehr wichtig, und zwar für unser aller Zusammenleben. Nicht nur du und deine Geschwister müssen aufeinander Acht geben, sondern jedes Rudelmitglied auf den anderen. Nicht nur die Familien eines Rudels müssen zusammen halten, sondern auch das Rudel als Ganzes. Das ist natürlich nicht immer einfach - manche Leute verstehen die Wichtigkeit von Zusammenhalt nicht, oder aber sie lachen darüber. Solche Wölfe gefährden das Zusammenleben, aber letztendlich sind die ohne Einfluss, wenn nur genug anderen zusammen stehen."
Aszrem war sich bewusst, dass er für die Welpin gerade ein Bild zeichnete, dass zu groß und zu überwältigend noch für sie sein konnte. Er beeilte sich daher, seine Aussagen etwas zu relativieren.
"Das heißt aber nicht, dass du, taleesha, ständig auf alle aufpassen musst und jeden kleinen Streit verhindern sollst. Jeder kann und soll nur soviel beitragen, wie er kann - aber niemand kann die Verantwortung für das Glück aller übernehmen. Nicht einmal wir Alphas, auch wenn wir immer das Beste für das ganze Rudel im Auge haben müssen. Du bist noch ein Welpe, Taleesha, und du kannst nicht immer bei allen deinen Geschwistern sein. Du kannst für sie nicht jedes Unglück verhindern, das musst du akzeptieren. Aber wenn etwas passiert, so sollst du für die deinen da sein und ihnen beistehen - das ist manchmal wichtiger, als zu verhindern, dass etwas Schlimmes passiert. Das ist, was euch als Familie, und was Freundschaften zusammenschweißt und sie stark macht. Verstehst du das?"
Er ließ ihr einen Moment Zeit, diesen Vortrag zu verdauen, bevor er noch etwas anderen anfügte, nach dem sie auch gefragt hatte.
"Was das Sprechen mit Engaya angeht, so kann ich dir dabei nicht helfen. Aber deine Mutter kann es vielleicht, denn sie ist eine Priesterin Engayas. Und sollte sie nicht weiter wissen, so kannst du dich an Tyraleen wenden - sie stammt von Engaya selbst ab. Sie ist Engayas Hohepriesterin, die Tochter des Lebens auf Erden. Du solltest ihr und deiner Mutter von deinen Träumen erzählen."
Er erwähnte noch nicht, dass - sollte Engaya ihr wirklich im Traum erscheinen - sie vermutlich als zukünftige Priesterin berufen war. Diesen Wunsch musste er nicht in ihr wecken, denn der würde dann schon von selbst in ihr erwachsen, wenn sie sich mehr mit diesem Thema beschäftigte. Und das würde sie vermutlich.
[Taleesha]
27.09.2013, 11:14
Xykotokax (bei Parveen und Kursaí)
Tarakarax (bei Daylight)
"Es passiert nichts schlimmes, ParveenParveenParveen, keine Sorge! Das Schlimme ist schon passiert." Wieder kam das Wicka-Wicka-Wicka, dann wurde ihm bewusst, dass er ihr damit bestimmt noch mehr Sorgen machte, weshalb er jäh verstummte. Dabei blieb es auch, als Parveen sich setzte und ihm seine Vermutung bestätigte. Acollon war tot. "Nun, das wird die Wölfe hier freuen zu hören. Mich betrübt es." Er senkte einen Moment lang den Kopf, dann hob er ihn wieder mit einem Flügelrascheln, als Parveens Frage erklang. “Ach … Acollon war sehr gerne hier. Wir haben ihm viel erzählen können, unsere Augen sehen weit und unsere Flügel tragen uns noch weiter. Manchmal blieb er mehrere Tage … und je länger er blieb, desto weniger Wölfe wollten sonst hier sein. Nun …..." Er unterbrach sich und blinzelte Parveen mit schiefgelegtem Kopf an. "... er war dein Vater, dann wirst du bestimmt wissen, dass er manchmal ein wenig … seltsam war. Und seltsam aggressiv, wenn man ihn ärgerte. Ein junger Wolf hat es einmal übertrieben und das mit dem Leben bezahlt. Seit dem begannen Gerüchte die Runde zu machen. Sie sprachen von einem riesenhaften schwarzen Wolf mit eisblauen Augen, der den Tod in das Land bringt. Ich fand das unsinnig … aber Acollon … dem hat das wohl gefallen." Jetzt kam es wieder, das Wicka-Wicka-Wicka.
Parveen versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass ihre Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment wieder zu dem Geschehnis abseits huschte. Das Schlimme war schon passiert? Der Welpe war also schon in den Brunnen gefallen und sie würde nichts mehr abwenden können. Ebenso gut könnte sie auch später erfahren, was vorgefallen war und sich auf den Gefiederten konzentrieren. Die Worte über ihren Vater sog sie auf. Ja, sie kannte ihn, aber es schien ihr mehr als wüsste sie das Meiste von ihm aus Erzählungen. So viel war geschehen und so viel Zeit vergangen. "Ihm gefiel es also? Du sagst, er hat einem jungen Wolf das Leben genommen. Was hat er getan um dieses Schicksal verdient zu haben?"
Kursai war Isaí und Kisha zunächst gefolgt. Sie hatte sich im Hintergrund gehalten, hatte zugehört. Was war geschehen? Schnell geriet auch der größte Teil des Rudels in Unruhe. Hatte Krolock für einen Verletzten gesorgt? Doch wieso rief dann die Welpin, dass Caylee diesen angegriffen hatte? Sie konnte sich nicht so recht einen Reim machen, doch sie war nun wirklich nicht die, welche als Erste die Geschehnisse verstehen musste. Inzwischen war nämlich auch die Eltern von Malik und Tyraleen am Ort des Geschehens. Sie folgte noch soweit, dass sie übersehen konnte, hörte eine Weile zu. Was geschehen war, das konnte sie sich gut nun vorstellen: Sprach die Wunde von Malik doch Bände. Jedoch dann hörte sie auch die Anschuldigung, dass Caylee die Schuldige sein könnte, dies glaubte weder sie, noch schien es jemand anderes wirklich ernst zu nehmen. Mit einem letzten Blick wandte sie sich ab, ging nicht zum Tumult direkt. Sie würde nicht helfen können, so wollte sie es nicht noch komplizierter machen, und ließ ihre Pfoten sie in den Wald hinein tragen. Es dauerte jedoch nicht lange, da hörte sie Stimmen. So lenkte sie ihre Pfoten um, und nach ein paar Momenten entdeckte sie Parveen, jedoch mit wem sprach sie da?
"“Netter als das merkwürdige schwarz-weiße … Dings ..." Jetzt klang die Stimme fast ein wenig empört. Und als dann auch noch Jakash davonstob, kam ein kehliges Piepsen aus der Dunkelheit. "Sieh nur, es auch, es auch! Ihr seid unhöfliche … Dings." Dann erinnert es sich möglicherweise an sein Zapfenwerfen, zumindest verstummte es für einen Moment. "Ich vielleicht auch …"
Es war still, dann erklang Daylights Antwort auf die wichtigste Frage des Wesens in der Dunkelheit, die dem ein beinahe schön klingendes Zwitschern entlockte. “Wölfin?! Von Wolf? Ein Wolf, ein Wolf? Ein echter Wolf!“ Das schien das Wesen so aufzuwühlen, dass er nicht mehr still sitzen konnte. Schon flatterte es auf und brachte sich so aus dem Schatten. Ein kleiner, wohl noch sehr junger Goldspecht drehte drei Runden um Daylights Kopf. “Ich dachte, euch gäbe es gar nicht wirklich! Xykotokax erzählt von euch, aber ich dachte, er hat sie sich nur ausgedacht.“ Wicka-Wicka-Wicka. “Ein Wolf, ein Wolf! Und du weißt nicht, was ich bin? Kennt ihr Goldspechte auch nur aus Geschichten?“
“Ohja, es gefiel ihm sogar sehr gut. Eine Schreckgestalt wie aus einem dunklen Märchen zu sein … das war genau sein Fall. Bei seinem letzten Besuch, war kein einziger Wolf mehr in diesem Wald … als ich ihm das erzählte, hat er so lange und laut gelacht wie lange nicht mehr.“ Auch Xytokokax gab sein leises Wicka-Wicka von sich. “Ich weiß es gar nicht mehr so genau … ParveenParveenParveen, dein Vater war der Sohn eures dunklen Gottes, was erwartest du? Er hat viel Tod gebracht … nicht zu uns, wir sind ja nur Vögel. Aber die Wölfe haben ihn schon zu Recht gefürchtet. Ich glaube, der junge Wolf wollte ihm seine Beute abjagen …“
Parveen ließ ihre Gedanken kurz weiter zu ihrem Vater schweifen. Vorbote des Todes, oder eher Vollstrecker. Wölfe, die sich Geschichten über ihn ausmalten und flohen… Der Stoff für ein Gruselmärchen und Parveen hätte es noch mehr geglaubt, aber Acollon war auch noch mehr: ihr Vater. Nicht allein ein Sohn Fenris', sondern auch Vater und Gefährte. Sie wusste natürlich, wie er sein konnte und es war kein Schock, dass er einem Wolf das Leben genommen hatte. Aber sie hörte solche Schauermärchen trotzdem mit gemischten Gefühlen… "Nein, ich habe nicht damit gerechnet, dass er diesem Wald Leben gebracht und ihn die Wölfe mit freundlichen Worten empfangen haben. Du hast recht, er war ein Sohn Fenris'." Bevor die Wölfin mehr erwidern konnte, hörte sie hinter sich ein Geräusch. Die Ohren drehten sich nach hinten und ihr Haupt ruckte ebenfalls in diese Richtung. Für einen aberwitzigen Moment war ihr, als erwartete sie, dass ihr Vater zwischen den Bäumen erschien… Wie absurd. Es war Kursai. Parveen nickte ihr freundlich entgegen und lud sie ein näher zu kommen. "Meine Nichte, Xytokokax," stellte sie die Wölfin kurz vor.
Kursai brauchte nicht mehr lange, bis sie auch Worte verstehen konnte. Die Stimme des Gesprächspartners von Parveen klang ungewöhnlich und es dauerte einen Moment, bis sie verstand, dass der Vogel vor der Wölfin der Ursprung war. Jedoch bevor sie sich dem Vogel mehr zuwendete, erwiderte sie Parveens Nicken, und wurde wohl auch gleich schon vorgestellt. Wer war dieser Vogel, der Xytokokax hieß? Sie war froh, dass sie sich diesen Namen hatte überhaupt merken konnte. Da der Vogel wohl Parveens Vertrauen, oder zumindest Aufmerksamkeit hatte, wandte sie sich doch noch dem Vogel zu und sagte: "Hallo, ja ich bin die Nicht von Parveen und höre auf den Namen Kursaí." So wusste jeder, wen er vor sich hatte, zumindest soweit man es sehen konnte.
Daylight wollte gerade dazu ansetzen sich nach dem „merkwürdigen schwarz-weißen Dings“ zu erkundigen, da versetzte ihre Auskunft darüber, wer oder vielmehr was sie war, den Vogel – denn was sonst versteckte sich in Baumkronen und zwitscherte? – in helle Aufregung und brachte ihn dazu endlich sein Versteck zu verlassen. Überrumpelt blieb Daylight nichts anderes übrig als dem hektisch umherflatternden Vogel mit den Augen zu folgen. „Natürlich gibt es uns wirklich.“, brachte Daylight endlich überrascht hervor. Das Umherflattern des Vogels – Goldspechts – ließ ihr schwindelig werden. „Und natürlich kenne ich Goldspechte… nicht nur aus Geschichten. Aber wer ist Xyko- … den Namen den du eben genannt hast. Ist er auch ein Goldspecht?“, sie zog die Stirn kraus und sprach schließlich die einzig logische Schlussfolgerung aus die ihr nach den ganzen wirren Worten des Vogels in den Sinn kam: „... gibt es in der Gegend hier etwa gar keine Wölfe?“
Offensichtlich wunderte sich die Wölfin genauso über den Goldspecht wie der Goldspecht über die Wölfin. "Es gibt euch wirklich, wie Xykotokax, unser Ältester, ein Goldspecht, ja, ein Goldspecht, ja, wie der gesagt hat!" Aber der junge Vögel beruhigte sich nicht so schnell, flatterte noch mehrere Runden, fand dann seinen Ast nicht mehr, flatterte noch ein bisschen umher und landete dann in Ermangelung einer besseren Lösung auf dem Rücken der weißen Wölfin. "Keine Wölfe, nirgendwo. Nur Xykotokax sagt, dass früher ganz viele Wölfe hier gelebt haben.“
Der Kopf des Goldspechts ging zwei Mal hoch und runter und sollte damit wohl ein Nicken ausdrücken. "Genau, Fenris' Sohn. Das war er." Als die andere Wölfin näherkam und Parveen sie vorstellte, ruckte der Schnabel des Vogels nach vorne und er wirkte verwirrt. "Sie heißt auch Xykotokax?" Einen kurzen Moment starrte er sie an, dann kam ein langes Wicka-Wicka-Wicka-Wicka aus seinem Schnabel und er musterte diese Nichte Parveens aufmerksam. "Kursaí, das klingt besser. Kommst du, um mir mehr über eure Reise und euer Ziel zu erzählen? Kinder Acollons laufen hier doch nicht umsonst entlang?"
Parveen verfolgte aus den Augenwinkeln, wie sich Kursai zu ihnen gesellte. Wie es wohl auf die Jüngere gewirkt haben musste, sie hier im Wald mit dem Vogel zu sehen? Bestimmt kein Bild, das sich einem jeden Tag bot. Aber sie sprach den Specht sogleich freundlich an und Parveen war froh, dass sie ihm mehr Beachtung als vorher Atalya schenkte. Kurz lachte die Schwarze auf, als der Vogel verwirrt auf Pavs Vorstellung reagierte, aber ihre Nichte stellte sie Sache gleich darauf klar. Die Schwarze schnippte kurz mit den Ohren, dann schaute sie wieder zu dem Specht empor. "Unsere Reise, nun, wir sind auf jeden Fall nicht ohne Grund hier. Wir mussten unser zu Hause verlassen." Sie stockte kurz und ein trauriger Ausdruck stieg in ihre Augen. Ja, sie hatten das Revier verloren, vielleicht für immer? "Nun sind wir auf der Suche nach einer anderen Heimat und schlagen den gleichen Weg ein, den auch dein Freund Acollon einst gegangen war."
Daylight hatte Mühe den Vogel im Auge zu behalten und war derart beschäftigt damit ihren Kopf in alle möglichen und unmöglichen Richtungen zu drehen, dass sie gar nicht bemerkte, dass Jakash längst verschwunden war. „Xy-ko-to-kax“, wiederholte Daylight schließlich langsam, denn der Name ging ihr nicht leicht von der Zunge, „euer Ältester al-“, setzte sie erneut an, den fremdklingenden Namen vermeidend, doch weiter kam sie nicht, als der Vogel sich plötzlich – und ohne Vorwarnung – dazu entschloss sich auf ihrem Rücken niederzulassen. „He was machst du denn da? Ich bin doch kein Ast!“, rief sie aus, doch ihre funkelnden Augen verrieten, dass sie zwar erschrocken aber nicht wirklich empört war.
Die Wölfin schien ja wirklich ein Problem mit Namen zu haben, komisch waren Wölfe. "Xykotokax, ganz einfach! Ich bin Tarakarax, genauso einfach! Und du, Wölfin, ist dein Name genauso einfach?" Jetzt kam wieder ein etwas schüchternes Wicka-Wicka, dann erschrak der Vogel über die verbale Reaktion der Weißen und blieb nur sitzen, weil sie ihn nicht versuchte abzuschütteln. "Tschuldigung, Tschuldigung, ich bin so aufgeregt, ich hab keine Ast mehr gefunden!" Er flatterte zweimal mit den Flügeln, entschied sich dann aber wohl doch dagegen, einen zweiten Versuch zu starten. "Willst du Xykotokax kennenlernen? Er ist ganz in der Nähe, er hat euch auch gesehen! Er ist bestimmt ganz aufgeregt!"
Kursai war zunächst verwirrt. Wie kam er darauf, dass sie den gleichen Namen haben sollte? Sie war zugleich froh, dass sie nicht solch einen schwierigen Namen bekommen hatte. Die Verwirrung hielt aber nicht lange an, und somit war es nicht störend. Vielmehr hatte ihre Tante, als auch der Vogel wohl etwas zu lachen. Zumindest hatte sie das Gefühl, dass das Geräusch von ihm, ein Lachen war. Das war schon ein komischer Vogel. Wobei so wirklich konnte sie das nicht sagen, hatte sie doch keine Vorstellung, wie er im Verhalten zu anderen Vögeln war, hatte sie sich doch nicht sehr häufig mit Vögeln unterhalten. Doch dann ging es um ihren Weg, um ihre Reise. Jedoch bevor sie antworten konnte, setzte ihre Tante schon an. Und sie hörte zunächst zu, und musste bei den Worten noch einmal zurück an ihre Heimat denken. Doch dann fiel ihr etwas auf: "Acollon war dein Freund?" Dies verwunderte sie sehr.
„Ähm ...“, machte Daylight nur, ihr Kopf schwirrte von den ganzen merkwürdigen Namen und dem hektischen Gezwitscher. „Ich bin Daylight ... freut mich dich kennen zu lernen, Tara-karax, und meinetwegen kannst du auf mir sitzen bleiben.“ Sie lächelte freundlich, nur ihre wild zuckenden Ohren zeigten noch ihre Verwirrung. „Klar will ich ihn kennen lernen ...“, sie hielt inne, überlegte, „... du meintest, Wölfe hätten hier gelebt... wohin sind sie gegangen... und warum? Hat Xyko- euer Ältester dir das auch verraten?“
Ein Wicka-Wicka-Wicka verriet, dass die Situation den Vogel wohl amüsierte. Auch, als Parveen ihm auf seine Frage antwortete und nicht Kursaí - wohl ganz die große Tante. "Euer Zuhause verlassen? Ihr müsst ein Neues finden? Hier ist Platz, nur zu!" Wicka-Wicka-Wicka-Wicka. Er erwartete wohl nicht wirklich eine zustimmende Reaktion. Dann wurde er ernster. "Den gleichen Weg? Ihr zieht ins Tal der Raben?" Sein Kopf ruckte zu Kursaí, wieder dieses merkwürdige Nicken, dann ein wehmütiges Piepen. "Ja, das war er. Er hat uns gerne besucht."
"Daaaaayliiiight? Das ist aber auch ein komischer Name!" Tarakarax wurde langsam ein wenig selbstbewusster und traute sich schon lauter sein Wicka-Wicka-Wicka zu zwitschern. Und er freute sich, dass er sitzen bleiben konnte, schon schien er es sich im weichen Fell der Wölfin gemütlich zu machen. "Wölfe haben viele, weiche Federn." Er wirkte ganz zufrieden und deutete dann hecktisch mit dem Schnabel in die Dunkelheit nach rechts. "Da, da lang! Da ist er gleich irgendwo!" Er flatterte mit den Flügen, als könnte er damit Daylight zum Laufen bewegen. "Ja, nein, ich weiß nicht, ja ... sie hatten Angst. Vor ... Bösem."
Parveen war nicht verwundert, als ihre Nichte nachfragte als sie die Beiden als Freunde bezeichnete. Immerhin hatte sie den vorherigen Teil des Gesprächs nicht mitbekommen und diese Beziehung aus heiterem Himmel musste durchaus merkwürdig klingen. Für sie selbst war es immer noch so, obwohl es ihr nicht schwer fiel Sympathie für den Gefiederten zu empfinden. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lefzen, als er diesen Wald als Heimat anbot, aber ebenso wenig wie das möglich sein könnte, glaubte er wohl selbst daran. "Dann könnten wir dir und deinen Freunden Gesellschaft leisten. Dann würden alle die Wölfe des Tals der Sternenwinde kennen lernen." Aber Parveen zweifelte nicht daran, dass Xykotokax allen von seinem Treffen mit ihnen erzählen würde. "Ja, wir ziehen ins Tal der Raben." Pav legte den Kopf ein wenig zur Seite und musterte den Vogel. Wenn ihr Vater hier gewesen und sein Freund war, hatte er vielleicht auch von diesem Ort gesprochen. Oder dem Weg dorthin. "Weißt du etwas über diesen Ort? Hat Acollon dir davon erzählt?"
Daylight brummelte etwas, das wie „gar nicht“ klang und kicherte amüsiert vor sich hin. „Schon, nur nennen wir diese Federn Fell.“, erklärte sie und setzte sich gutmütig in Bewegung, folgte der Richtung, in die Tarakarax zeigte. „Böse?“, wiederholte Daylight skeptisch, während sie sich, den kleinen Vogel auf dem Rücken, zwischen den Bäumen hindurchschlängelte, „... ist es denn immer noch da?“
Kursais Aussage wurde bestätigt. Doch da war noch mehr. Sie könnten hier bleiben, wenn sie wöllten. Er hatte sie dazu eingeladen. Doch sie glaubte nicht wirklich eine Möglichkeit war. Dennoch fand sie es äußerst freundlich. Sie lauschte zunächst auch den Worten von Parveen, bis sie sagte: "Ihr könntet auch uns folgen." Ihr war klar, dass diese Vögel wahrscheinlich hier im Wald bleiben wollten.
Tarakarax schien höchst zufrieden, als sich Daylight endlich in Bewegung setzte und er zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Wolf ritt. "Feeeeell ... du, Daaaaayliiiiight? Ich glaube, ich mag euch Wölfe." Ein längeres Zwitschern begleitete diese Worte, dann tauchten vor ihnen Parveen, Kursaí und Xykotokax auf. "Da, da, guck, er redet auch mit Wölfen!" Aufgeregt flatterten wieder seine Flügel, aber er blieb sitzen. "Keine Ahnung, frag ihn, frag ihn. Ihr da, he, schaut mal, Xykotokax, ich hab einen Wolf gefunden, eine Wölfin, Daaaaayliiiight!"
Wie erwartet, schien Parveen die Möglichkeit nicht wirklich in Betracht zu ziehen, aber Xykotokax hatte ihnen auf seine Art mitgeteilt, dass sie immer willkommen waren. Die nächste Antwort Parveens schien ihn wieder zu amüsieren. Wicka-Wicka-Wicka-Wicka. "Und ob ich etwas darüber weiß. Ich war schon da." Wicka-Wicka-Wicka. "Lange her, als ich noch jünger war. Später haben ihn andere begleitet. Er ging selten alleine." Sein Blick zu Kursaí war ausdruckslos, aber schon erklang ein neues Wicka-Wicka-Wicka. "Wir alle? Aber nein! Ein oder zwei von uns ...? Ja, ich glaube, das wäre eine ziemlich gute Idee, Kursaí." Wicka-Wicka-Wicka. Dann tauchte Daylight mit Tarakarax auf dem Rücken aus der Dunkelheit auf. "Ahhhh, noch eine Wölfin! Tarakarax, du kommst wie gerufen."
Daylight wusste nicht so recht, was sie darauf erwidern sollte, immerhin schien sie keinen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben und vielleicht konnte ihr der Vogel, oder zumindest der Älteste - der auf ihrem Rücken erschien ihr noch ziemlich jung und unerfahren zu sein - tatsächlich weiterhelfen; also lächelte sie nur breit und schwenkte kurz die Rute. Und da tauchten auch schon Parveen und Kursaí in der Dunkelheit auf, die sich, wie Daylight erst auf dem zweiten Blick bemerkte, ebenfalls mit einem Goldspecht zu unterhalten schienen – Xykotokax, wie sie schlussfolgerte. Gemächlich, um den kleinen Vogel nicht von ihrem Rücken zu schleudern, näherte sie sich den beiden. „Hallo Parveen, hallo Kursaí.“, begrüßte sie ihre große Schwester und ihre Nichte freundlich und grinste sie an, dann suchte ihr Blick nach dem anderen Vogel, fand ihn auf Kopfhöhe auf einem Ast und musterte ihn neugierig: „Du musst Xy-ko-to-kax sein, freut mich dich kennen zu lernen.“ Dann beugte sie sich zu Parveen hinüber und flüsterte ihr ins Ohr: „Erzählt er euch auch so wirres Zeug?“
Parveen stutze kurz, als Xyko ihr antwortete. Er war bereits dort gewesen? Ihre Augen weiteten sich überrascht, denn sie hätte vielleicht erwartet, dass er ihr Ziel von Erklärungen kannte, aber nicht, es mit eigenen Augen gesehen zu haben. "Du warst bereits dort?" Fragte sie und danach kam ihr die Frage dumm vor, auf die sie bereits die Antwort kannte… "Ich dachte immer, er wäre allein unterwegs gewesen…" Als ihre Nichte sprach, drehte sie nur ein Ohr zu ihr. Es wäre sicherlich lustig einen solchen Wegbegleiter zu haben und durchaus nützlich, denn er kannte den Weg. Aber sie würden nicht zustimmen... Aber, was sagte er da? Ja? Parveen schaute wohl etwas verdutzt, aber kurz darauf auch nicht weniger erfreut. "Meinst du das ernst? Uns begleiten?" Bevor er aber etwas erwidern konnte, gesellten sich weitere zu der ungewöhnlichen Gesprächsgruppe. Parveen schaute zu Daylight und dem Vogel auf ihrem Rücken. Ein noch merkwürdigeres Bild als nur mit einem Goldspecht zu sprechen war zweifellos, einen auf diese Weise zu ihnen zu tragen. Es gab also wirklich noch mehr von diesen bunten Vögeln in diesem Wald. Der Wolfsreiter wirkte jünger und ganz hibbelig, was aufgrund seiner Position nicht merkwürdig war. Ihre Rute schwang sachte hin– und her und leise flüsterte sie ihr die Worte zu, damit die Vögel es nicht unbedingt mitbekamen. "Nicht nur wirr, Schwester. Sie kennen unseren Vater und ich glaube sie wissen mehr als wir denken." Sie blickte die helle Wölfin kurz an. Zwar wusste sie nicht, was ihr Reiter ihr erzählt hatte, aber sicherlich waren auch sie auf den Wald mit den geflohenen Wölfen zu sprechen gekommen.
Kursai konzentrierte sich noch eine Weile. auf die Worte von dem Vogel und Parveen. Besonders interessant fand sie, dass er schon im Tal der Raben gewesen. "Willst du uns etwas über das Tal erzählen?" Langsam fand sie interessant, was der Vogel zu erzählen hatte. Auch Parveen wirkte an der Tatsache interessiert, doch ihre Verwunderung bezog sich vielmehr auf die Existenz einer Reisebegleitung von Acollon. Kursaí war auch überrascht, als ihr Vorschlag positiv aufgefasst wurde. Zunächst hatte sie die Möglichkeit nur aus einer Laune heraus angesprochen. Doch nachdem sie Erfahren hatte, was dieser Vogel alles kannte, und wo er schon gewesen war, da könnte es sich als nützlich erweisen. Doch bevor sie sich dann hörte sie eine weitere zwitschernde Stimme. Noch so ein Vogel? Laut Xykotokax handelte es sich um Tarakarax - hatten diese Vögel nur so komische Namen? - und um Daylight. Der Anblick von dem Vogel auf dem Rücken von Daylight wirkte ungewöhnlich, wenn nicht gar richtig bizarr. So nickte sie Daylight leicht belustigt zu, und ihr Blick blieb bei dem jüngeren Specht etwas länger hängen.
"Paaaaaarveeeeeen und Kuuuuursaaaaaí. Und du redest von komischen Namen!" Wicka-Wicka-Wicka. Sie schienen mitten in ein Gespräch hineingeplatzt zu sein, aber das störte Tarakarax nicht sonderlich. "Genau, das ist Xykotokax, er ist sehr weise und weiß sehr viel!" Aufgeregt spreizte er jetzt seine Flügel und zwitscherte.
Xykotokax schien amüsiert von der ungläubigen Nachfrage Parveens. "Ja, ich war da. Aber Acollon war die meiste Zeit alleine unterwegs, unsere Aufgabe war vor allem, voraus zu fliegen. Es ist ein schwieriger Weg voller Gefahren. Am Ende ist er ihn öfter alleine gelaufen, da kannte er ihn wohl schon gut genug. Aber ihr ... ihr kennt ihn gar nicht, oder irre ich mich?" Er legte den Kopf schief und gab ein kurzes Wicka-Wicka von sich. "Ob ich das ernst meine?" Wicka-Wicka-Wicka. "Nun, ihr könnt ja mal den guten Tarakarax fragen, ob er euch begleiten würde. Er ist noch sehr jung und ein wenig nervös, aber seine Flügel tragen ihn weit und er sieht bestimmt doppelt so viel wie ich." Auf Kursaís Frage hin schwieg er einen Moment, öffnete dann leicht den Schnabel und schloss ihn wieder. "Da gibt es nicht viel zu erzählen. Es ist einfach nur ein Tal. Aber es ist lange her, dass ich es gesehen habe." Jetzt blinzelte er zu Daylight und schien amüsiert über sie und den Vogel auf ihrem Rücken.
„Acollon?“, stieß Daylight lauter hervor als beabsichtigt und blickte Xykotokax mit großen Augen an. Sie selbst hatte Acollon kaum gekannt und irgendetwas in ihr sträubte sich ihn ihren Vater zu nennen, sie empfand keinen Hass mehr auf ihn, wie damals auf dem Berg, aber er war einfach kein Vater für sie, nicht auf die Art, wie Banshee ihr eine Mutter für sie gewesen war. „Du kennst Acollon?“, sprach sie den Vogel nun geradeheraus an, die amüsierten Blicke störten sie nicht. Wenn es Tarakarax auf ihrem Rücken gefiel, dann störte es sie nicht weiter – vielleicht war sie ja sogar die erste Wölfin, die einen Vogel auf ihrem Rücken herumtrug? Der Gedanke gefiel ihr.
Parveen wunderte es nicht, dass ihre Schwester überrascht war. Also war zumindest dieser Name nicht bei ihrer Unterhaltung gefallen. Nun, jetzt wusste sie es und spätestens wenn sie sich über die Reise unterhielten, hätte sie ohnehin von der Anwesenheit ihres Vaters in diesem Wald erfahren. Pav überließ es dem Angesprochenen ihre Frage zu beantworten. Er schien stolz auf seine Bekanntschaft und wäre sicherlich nicht traurig es erneut zu erwähnen. Die Worte des älteren Goldspechts hallten ein wenig in ihrem Kopf nach und sie wünschte sich einmal mehr, dass sie weiterhin in ihrer Heimat leben würden. Sie war keine ängstliche Wölfin, aber einen gefahrvollen Weg würde sie vermeiden wenn es irgendwie ging. Vorranging wegen der Sicherheit des Rudels besorgt, weniger auf ihre eigene bedacht. Ein Späher schien ihr sehr verlockend und ihr Blick glitt neugierig zu dem jungen Goldspecht auf Daylights Rücken. "Ich kenne den Weg nicht." Dass ihnen der Weg unbekannt war, stimmte schließlich nicht. Averic kannte ihn, oder etwa nicht? Er führte das Rudel in das Tal, aber den Weg war er auch selbst nicht gegangen. "Würde es dir denn gefallen Tarakarax? Mit uns zu reisen?" Wieder ein amüsiertes Lächeln, als sie das Tier betrachtete. "Sicherlich würde sich Daylight auch als Sitzplatz anbieten, wenn deine Flügel dich nicht mehr tragen wollen."
Kursai konnte sich gut vorstellen, wie die Vögel als Kundschafter dienen konnten. Es musste praktisch sein, den Weg schon zu kennen, bevor man seine Pfoten drauf setzte. Acollon hatte sich weise seine Verbündete gesucht. Und dabei womöglich auch Freunde gefunden. War dies nicht auch für sie eine gute Möglichkeit. Besonders da sie ja den gleichen Weg gehen würden. Somit würden sie ja auch einen gefahrvollen Weg gehen. Da könnten sie jede Hilfe brauchen, die sie bekommen könnten. Da bekamen sie von dem Älteren der beiden Vögel ein eindeutiges Angebot. Den Jüngeren könnten sie mitnehmen. Bei den nächsten Worten musste sie leicht Grinsen. Dabei fand sie, musste der Jüngere äußerst mutig sein, um sich auf einer Wölfin nieder zu lassen. Auch Parveen schien die Idee zu gefallen, und so machte sie das Angebot. So wartete sie gespannt auf die Antwort. Und bei dem Kommentar über den Sitzplatz musste sie Grinsen. Daylights Frage ließ sie noch unbeantwortet, war sie doch die Gleiche, die sie zuvor auch gestellt hatte. So hörte sie erst einmal nur weiter gespannt zu, und hoffte, dass Tarakarax sie begleiten würde.
Tarakarax wurde mit einem Mal ganz still, als Xykotokax die beiden Wölfinnen aufforderte, ihn zu fragen, ob er sie begleiten sollte. Mit großen Augen starrte er auf Parveen und schien einen Moment sprachlos. "Ähmähähm." Seine Schwanzfedern zitterten, ein Piepen kam aus seinem Schnabel. "Wohin denn überhaupt? Und ... aber ... ja ... mit euch? Mit Daaaayliiiight? Ja, ja, ich meine ... ja, ja, ich komme mit, ja, mit Wölfen!" Jetzt flatterten seine Flügel wieder, so aufgeregt, dass sie ihn schließlich in die Lüfte hoben, sodass er zwei Runden um die Versammlung drehte, aufgeregt zwitschernd und sich erst dann wieder auf Daylight niederließ. "Mit euch reisen, weit weg, als eure Augen, ich sehe viel!"
Xykotokax schien zufrieden. Ganz so, als hätte er von Anfang an geplant, dass dieses Gespräch so ausgehen würde. Wicka-Wicka-Wicka. Zweimal blinzelte er zu Daylight, dann kam wieder das merkwürdige Nicken. "Ja. Aber lass dir das von deinen Schwestern erzählen. Für mich wird es langsam Zeit, mich zurückzuziehen. Jetzt, wo ihr Tarakarax als Begleiter habt, braucht ihr mich auch nicht. Ich werde noch einen etwas älteren Vogel schicken, der mehr Erfahrung hat, dann wird euch dir Jungspund nicht ins Verderben führen." Er breitete die Flügel aus und spreizte die Schwanzfedern. "Es war sehr schön, euch kennenzulernen, Bansheetöchter."
„Wenn er mich trägt, wenn meine Pfoten mich nicht mehr tragen.“, gab Daylight neckisch zurück. Sie hatte nichts dagegen den Vogel dabei zuhaben, sie freute sich sogar, schließlich war er sozusagen ihr Freund, immerhin war sie sozusagen die Erste gewesen, die ihn kennen gelernt hatte, falls man es so bezeichnen konnte. Auch wenn es merkwürdig war, wenn unter all diesen Wölfen ihr engster Vertrauter ausgerechnet ein Vogel war. Enttäuscht keine weiteren Antworten von Xykotokax zu erhalten ließ Daylight die Rute hängen und blickte dann erwartungsvoll von Parveen zu Kursaí und wieder zurück. Acollon war also vermutlich hier gewesen, vermutlich auch auf dem Weg zum Tal der Raben, genau wie sie, genau wie Averic – aber das ergab Sinn, schließlich waren sie beide in gewisser Weise Söhne Fenris'... Daylight fiel plötzlich wieder etwas ein, etwas, das Tarakarax gesagt hatte. „Hey, hey, Xyko-Ältester! Warte doch! Was ist das Böse, das hier in diesem Wald lauert? Das, was die anderen Wölfe verscheucht hat?“, rief sie aus.
Parveen wedelte bei Tarakarax' Worten mit der Rute. Sie hatten also einen Begleiter. Bei seiner aufgeregten Frage stieg eine mit Lachen vermischte Antwort in ihr auf. Er wusste nicht einmal, wohin es ging und war trotzdem mit Begeisterung dabei. Anscheinend konnte man das Verhalten von jungen Vögeln mit dem junger Wölfe vergleichen. "Unser Ziel ist das Tal der Raben, junger Freund. Sicherlich werden wir noch froh über deine Augen sein." Nicht ohne Dankbarkeit wandte sie sich an Xykotokax und es stimmte sie ein wenig traurig, als er sich verabschiedete. "Es hat mich gefreut dich kennen zu lernen, Wächter des Waldes. Danke, dass du zwei der deinen mit uns schickst." Sie nickte ihm noch zu, bevor sie sich zu ihrer Schwester drehte. "Ich werde dir alles erzählen." Ihr Blick gab ihr die stumme Botschaft, dass sie ihr Versprechen zu einem späteren Zeitpunkt einlösen würde. Die Nacht war noch lang und sie würden genügend Gelegenheiten haben, wenn die Gefiederten sich anderweitig beschäftigten. Ihre Schwester schien verstanden zu haben, und Parveen spitze die Ohren – ebenfalls auf die Antwort wartend. Das Böse? 'Acollon, der Wolf der den Tod gebracht hatte', dachte sie stumm...
Kursai war überrascht. War der Ältere etwa schon so alt, dass er Greise war. Oder hatte er nun seine Aufgabe verteilt, die er zu verteilen hatte. Ihr war zwar nicht klar, wie ihm dies gelungen sein sollte, war es doch ihre Idee gewesen, doch sie traute es ihm zu. Besonders als er noch sagte, dass ein weiterer Specht sie begleiten sollte, ein Erfahrener. Dies war wahrscheinlich eine gute Idee. Dem konnte sie nur zustimmen, als sie sah, wie er aufgeregt herum flog. Wie alt war er eigentlich? Die Antwort für Daylights Frage schien Parveen zu übernehmen, wahrscheinlich besser, wusste sie doch mehr, hatte sie das ganze Gespräch geführt. Kursaí nahm sich vor, den Ausführungen dann zu folgen. So wandte sie sich wieder dem Älteren Vogel zu und nickte. Zwar war sie keine direkte Bansheetochter, und doch hatte sie das Gefühl, sie wäre auch angesprochen. "Es ist eine Ehre, welche aus deinem Volk in unseren Reihen zu wissen, genauso wie dich kennen gelernt zu haben." Sie wusste nicht sehr viel über diese Vögel, hätte sich gerne noch länger mit dem Älteren unterhalten. Dennoch respektierte sie seinen Wunsch und achtete ihn, war er doch ein Freund von Acollon gewesen. Dies hieß auch gleichzeitig, dass er wirklich alt sein musste.
"Aber immer würde ich dich tragen, Daaaayliiiight, so gut es geht, meine Augen sind nur ein bisschen stärker, als meine Flügel ..." Wicka-Wicka-Wicka. Aufgeregt ruckte Tarakarax‘ Kopf hin und her, fasste Parveen ins Auge und zwitscherte wieder fröhlich. "Das Tal der Raben, nie gehört, hoffentlich leben da nicht zu viele Raben, die sind so schwarz!" Wicka-Wicka-Wicka. Es schien ihn zu amüsieren, Angst war ihm wohl fremd. "Freunde, ja, Freunde, ich habe Wesen aus Legenden als Freunde!" Das machte ihn wohl stolz.
Xykotokax ließ die Flügel geöffnet, als er von Daylight unterbrochen wurde und ein langes Wicka-Wicka-Wicka von sich gab. "Da hat Tarakarax wieder mal übertrieben. Das Böse war und es war auch nur in den Köpfen der Wölfe. Acollon war es, Daylight ... Acollon." Wicka-Wicka-Wicka. Damit erhob er sich, tat aber nur drei Flügelschläge und landete noch einmal auf einem höheren Ast. "Ah ... ich habe etwas vergessen. Etwas Wichtiges. Hört mir gut zu." Die scharfen Vogelaugen durchbohrten erst Parveen, dann Kursaí und zuletzt Daylight. "Mondlose Nacht ohne Sterne, vertraut nicht dem Licht!" Er krächzte einmal. "Höhlen mit Augen, sie bergen keine Gefahr." Noch ein Krächzen. "Blut des Todes auf dem Altar, die Erlösung wird kommen!" Damit erhob er sich, drehte eine Runde über den Köpfen der Wölfe und rief wicka-wicka-lachend: "Ganz wie Acollon, ich freue mich auf unser Wiedersehen!" Und er drehte ab, verschwand im dunklen Wald, bald schon hörte man nichts mehr von ihm.
Daylight erschauderte als die schwarzen Vogelaugen sich in ihre bohrten, sie spitzte die Ohren. Mondlose Nächte ohne Sterne, vertraut nicht dem Licht. Höhlen mit Augen, sie bergen keine Gefahr. Blut des Todes auf dem Altar, die Erlösung wird kommen. Langsam wiederholte Daylight die Worte in ihrem Kopf, ihr Herz machte einen Sprung. Acollon war es... Acollon war es? Ein merkwürdig beklemmendes Gefühl breitete sich in ihr aus und sie blickte dem Vogel stumm und die Augen voller unbeantworteter Fragen, kein Wort drang über ihre Lefzen. Das Wicka-Wicka-Wicka klang ihr noch in den Ohren. Was hatte das alles zu bedeuten? Langsam wanderte ihr Blick zu ihrer Schwester, dann zu ihrer Nichte und wieder zu ihrer Schwester.
Daylight: „Was hat das nur alles zu bedeuten...?“, fragte sie schließlich laut, „Wir müssen Tyraleen davon berichten.“
Parveen horchte, als der Vogel ihrer Schwester antwortet. Er bestätigte ihre Gedanken und die Schwarze wollte schon zu Daylight blicken um ihre Reaktion zu sehen, als Xykotokax seinen Platz doch noch nicht verließ und sich erneut an die Wölfe wandte. Sein Blick fesselte sie für einen Moment und sie bewegte sich keinen Zoll. Die Worte wirbelten in ihrem Kopf. Langsam wiederholte sie die Silben und versuchte sich einen Reim darauf zu machen. Immer wieder ging sie es gedanklich durch, um nichts von dem zu vergessen, was er gesagt hatte. Die Schwarze schluckte und sah sich kurz zu Kursai und Daylight um, aber durchbrach das Schweigen nicht. Als die Weiße das Wort erhob, kam nur ein leises: "Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht." über ihre Lefzen. "Ja, das müssen wir."
Kursai stellte sich vor, wie der kleine Tarakarax Daylight tragen würde. Es war eine amüsante Vorstellung. Auch wenn er den Weg noch nicht kannte, würde er bestimmt eine gute Gesellschaft sein. Sie konnte sich gut vorstellen, dass seine gute Laune das Rudel auf der beschwerlichen Reise nicht schaden würde. Viele Raben im Tal der Raben? Auf diese Idee war sie nie gekommen, hatte immer gedacht, dass es genauso symbolisch gemeint ist, wie das Tal der Sternenwinde. Doch wer weiß. Doch nun hatte Xykotokax das Wort wieder ergriffen, und sie hörte zu. Sie fand es erstaunlich, dass das angeblich Böse nur in den Köpfen existiert haben sollte. Doch wenn es dabei sich um den Sohn Fenris, welcher ja Acollon war, handelte, dann konnte man sich das wohl wieder vorstellen. Sie fühlte dabei zwar Unbehagen, doch sie wusste um die Macht der Götter. So wie Engaya helfen könnte, würde Fenris wohl Böses streuen können. Doch plötzlich veränderte sich die Stimmung, und der Ältere sah sie, wie auch die anderen, Ernst an. Die Worte waren merkwürdig, und doch klangen sie Wichtig. Nicht nur, dass der Goldspecht sie für wichtig hielt, sondern schien es, als ob sie eine Wahrheit enthielt, die sie nicht verstand. So merkte sie sich jedes einzelne Wort genau, könnte es doch noch wichtig werden, Sie nahm sich die Zeit, die Worte alle noch einmal einzeln durch zu gehen, um vielleicht doch den Sinn zu verstehen. Gleichzeitig war sie sich damit sicher, dass sie sich an jedes wirklich erinnern würde. Der Blick zu ihren beiden Tanten, bestätigte ihre Vermutung, dass auch die keine Ahnung hatten. "Ich würde es gerne sagen, doch auch ich kann den Sinn nicht entziffern." Auf die Aussage von Daylight nickte sie nur, ja das wäre das Beste. Tyraleen wusste vielleicht, was diese Botschaft genau bedeutete.
Tarakarax waren diese wichtigen Aussagen ein bisschen zu hoch und auch ein bisschen zu verwirrend. Und eigentlich war er auch viel zu aufgeregt. Leider beachtete ihn nun niemand mehr so richtig und sie sprachen von jemandem mit einem noch merkwürdigeren Namen, als ihre eigenen. Er sah ein, dass das jetzt wichtig war. "Ich ... ich muss mich verabschieden! Oh, ich werde allen sagen, dass ich mit euch reise! Sie werden es mir bestimmt nicht glauben." Wicka-Wicka-Wicka. "Ich komme bald wieder, ganz bald. Warte auf mich, Daaaayliiiight." Und damit erhob er sich ebenfalls wieder, flatterte noch einmal an den Köpfen der Wölfe vorbei und verschwand im Wald.
27.09.2013, 18:25
Wie seltsam war es ihm daher vorgekommen, plötzlich doch so einfach mit der Sprache heraus zu rücken und die Wahrheit zu sagen. Ein Lügner und ein Dieb mochte er sein, doch dieses eine Mal hatte sein Herz gesprochen und die Blauäugige zu seiner Henkerin gemacht.
Und als sich die Weiße endlich umdrehte, die Augen zu Schlitzen verengt und die Wangen von Tränen gezeichnet, da wollte er auf einmal noch viel öfter die Wahrheit sagen. Denn ihre Worte waren lindernder Balsam auf den Wunden, die geschlagen worden waren. Ruckartig setzte sich der schlanke Leib in Bewegung, überbrückte die wenigen Meter der Distanz, die zwischen ihnen gelegen hatten. Unwillkürlich fuhr der Rüde mit der Zunge über die nassen Stellen, die ihre Tränen hinterlassen hatten und legte die Schnauze unter die Ihre, drückte ihren Kopf sanft nach oben.
“Das ist alles, was wichtig ist.“, flüsterte er leise, den Atem beinahe angehalten.
Ihre Tränen verrieten ihm, wie verknüpft das Band inzwischen schon war, welches die Zeit zwischen ihnen geschmiedet hatte und in diesem Augenblick wollte er an keinem anderen Ort auf dieser Erde sein.
“Du siehst hübsch aus, wenn du weinst“, murmelte er neckend und fuhr noch einmal über die nassen Stellen. “Aber noch besser gefällt es mir, wenn du lächelst“, bei diesem Geständnis zuckten die Ohren des Jägers leicht.
Wie hatte sie nur glauben können, auch nur eines der anderen Herzen wäre so wie das ihre gewesen. Wie hatte sie nur glauben können, er würde sie nicht haben wollen. Sie, die das schönste Herz von allen besaß. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lefzen, während er so verharrte. Nun, so schien ihm, konnte das Verharren doch ewig anhalten.
01.10.2013, 21:22
Tyraleen s Blick lag auf Atalya und während sie versuchte, die richtige Antworten auf ihre richtigen Anschuldigungen zu finden, näherten sich eilige Schritte. Fast froh darüber drehte sich ihr Kopf zu Averic, der nun zwischen den Bäumen auftauchte und seine Frage auf eine Art und Weise stellte, die Tyraleen verriet, nun lieber nicht Ja zu sagen. "Nein. Krolock und Caylee haben irgendeinen Unsinn getrieben und dann hat Krolock Malik verletzt. Er hat eine große Wunde an der Schulter." Damit entschloss sie sich auch, nicht mehr über dem Schwarzen stehen zu bleiben und trat zwei Schritte zurück. "Wir können ihn nicht mehr einfach so herumlaufen lassen. Caylee sagt, dass sie auf ihn achten will ... aber ..." Sie beendete den Satz nicht, bedeutete ihm aber mit ihrem Blick, dass sie davon überhaupt nichts hielt.
Atalya legte nur die Ohren zurück, als ihre Mutter nicht weiter auf ihre Worte einging. Ein leises Brummen verließ ihren Fang, jedoch wandte sie den Blick dann auf ihren Vater, der bei ihnen zum stehen kam. Tyralen erklärte, was geschehen war. Während die Weiße sprach, richtete sich Atalyas Blick kurz auf Caylee, verharrte dort einen Moment, ehe sie sich wieder an den Schwarzen richtete, damir er nicht unbeobachtet blieb.
Krolock tat sich selbst leid und stöhnte wie ein 20-Jähriger, als Averic zu ihnen stieß. Das hatte ihm gerade noch gefehlt! Langsam kam er sich wirklich vor, wie die Unschuld in Person. Und niemand raffte es. Ein siegessicheres Grinsen spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder, während er zuhörte, wie Tyraleen zusammenfasste, was geschehen war. Uuuh. Aber es wäre lustig, wenn Caylee auf ihn aufgepasst hätte! Schade, dass es nicht einmal einen Versuch wert war, in den Augen der lieben Eltern.
Caylee war sich nicht sicher, ob sie über Averics Ankunft erfreut sein sollte, oder nicht ... aber eines war sicher, sie würde nicht zulassen, dass ihr Vater Krolock irgendetwas tat! Deshalb positionierte sie sich vorsorglich so vor dem Schwarzen, dass sie ihn gegen ihren Vater abschirmte. "Ich kann auf ihn achten! Vielleicht kann ich ihn im Zweifelsfall nicht aufhalten, aber ich kann dann immernoch dich rufen!"
Averic lauschte Tyraleens Worten und ganz kurz zuckten seine Lefzen so, dass einer seiner Reißzähne schmal darunter hervor blitzte. Ein Ohr drehte sich leicht zur Seite, als er hörte, dass Caylee auf Krolock aufpassen wollte. Was für ein Witz. Davon hielt er sichtbar genau so wenig, wie Tyraleen. Averic wandte sich zu seiner helleren Tochter, die - aus Gründen, die ihm absolut schleierhaft waren - diese lebensunwürdige Ratte scheinbar in Schutz nehmen wollte. "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich es darauf ankommen lasse?", entgegnete er tonlos und sah noch einmal zu Tyraleen. "Ich nehme an, die Möglichkeit ihn endlich zu verjagen, habt ihr ausgeschlossen?"
Tyraleen seufzte tonlos - zwei Mal hintereinander. Zuerst bei Caylees erneutem Versuch, sie von ihren Diensten zu überzeugen, dann bei Averics Frage, die ganz nach Atalya klang. Die Weiße warf ihrer grauen Tochter einen schnellen Blick zu, dann nickte und schüttelte sie den Kopf gleichzeitig. "Er ist ein Jungwolf, Averic. Und er hat seine Eltern verloren." Um genau zu sein, wäre sie sich nicht einmal sicher, ob er ohne das Rudel überleben könnte.
Atalya s Ohren zuckten auf, als Caylee sich vor den schwarzen Rüden stellte, schützend. Sie verstand ihre Schwester nicht, aber ihren Eltern schien es nicht anders zu gehen. Wenigstens schien ihr Vater auf ihrer Seite zu sein, was das Thema Krolock anging. Jedoch verkniff Atalya sich einen Kommentar, sie konnte sich kaum vorstellen, dass Tyraleen in solch einer Situation von ihr Widerworte dulden würde. Sie schnaufte leise, ließ den Blick noch einmal kurz zu Krolock gleiten, ehe sich die Augen wieder auf Averic richteten. „Kannst du nicht auf ihn aufpassen?“ Es erschien ihr als die sinnvollste Lösung.
Krolock lag mit wedelnder Rute unter Tyraleen und grinste Averic unschuldig an. Vielleicht mit so etwas wie diebischem Vergnügen. Als er Atalyas Vorschlag hörte, nahm sein Gesicht den Ausdruck von 'womit hab ich das verdient' an. Er blieb weiterhin still, aber er bemitleidete sich bereits in höchstem Maße selbst. Nein! Das durfte doch nicht wahr sein?! Bei nächster Gelegenheit würde er Atalya erzählen, was er davon hielt!
Caylee war nicht weiter erstaunt darüber, dass Averic ebenfalls nichts von ihrem Vorschlag hielt. Mit verbissener Miene blieb sie einfach stehen wo sie war und starrte ihrem Vater entgegen. Immerhin wollte Atalya jetzt nicht mehr, dass Krolock vertrieben werden sollte, sondern fragte, ob ihr Vater auf ihn aufpassen konnte. Das klang in Caylees Ohren nicht sonderlich prickelnd, aber vermutlich sollte sie jetzt nicht widersprechen.
Averic ließ den Blick ein wenig auf Tyraleen liegen. Nichts wollte er weniger, als sich mit ihr zu streiten, aber einfach so stehen lassen konnte diese Worte auch nicht. "Weder entschuldigt das, noch rechtfertigt das sein Verhalten. Er ist eine Gefahr für das Rudel und es ist meine Aufgabe es vor denen, die Böses wollen, zu beschützen.", erinnerte er sie an die Worte, die Banshee damals an ihn gerichtet hatte und von denen sonst nur sie wusste. Auch, wenn der genaue Wortlaut eigentlich 'vertreiben' beinhaltet hätte. Seine dunklen Augen richteten sich kurz auf Atalya, dann wieder auf Krolock. "Krolock, du wirst dich von nun an zu jeder Zeit und jeder Sekunde dort aufhalten, wo ich, oder Aszrem dich sehen können. Es wird dir nicht erlaubt sein, dich aus unserem Blickfeld zu entfernen, oder dich den Welpen zu nähern. Tust du es dennoch, nehme ich keine Rücksicht mehr."
01.10.2013, 22:17
Amáya hielt sich davon zurück, weiterzudenken und nahm sich erstmal vor, auf Chivans Reaktion zu warten. Sie tendierte dazu mehr nachzudenken als nützlich war und sich damit immer tiefer in düstere Gefühlslagen zu stürzen. Daher hob sie eher den Blick und beobachtete das Mienenspiel des Hünen. Wieso schien sich da Sorge auf seinen Zügen zu spiegeln? Leicht verunsichert winkelte Amáya ihre Ohren an. Nun natürlich konnte es nicht sonderlich gut sein, die Stimmen längst verstorbener Wölfe zu hören, oder? Die Stimme eines Wolfes, der überhaupt noch nie gelebt hatte. Sie nickte auf seine Feststellung hin entschlossen. „Ihr Auftreten ist schon so bedrohlich und mein ganzes Wesen schaltet um, sobald ich sie auch nur vermute...“, antwortete sie und schüttelte leicht ihr Haupt. „Natürlich weiß ich nicht, was sie genau will. Das kann ich erst erfahren, wenn ich hören könnte, was sie sagt.“ Sie verzog etwas missmutig die eine Lefzenecke. Genau da blieb sie nämlich ständig stecken. Die nächsten Worte des Rüden machten sie nachdenklich und sie starrte eine Weile lang in den dunklen Wald hinein. „Mit ihr...leben? Weißt du, Chivan...“, sie stockte leicht, schleckte sich etwas nervös über die Lefzen. Wie sollte man das sagen? „Sie ist mir nur wieder erschienen, weil ich mir genau das gewünscht habe, dass sie bei mir lebt. Aber ich habe eingesehen das es ein Fehler war und sie war meine Bestrafung dafür... Ich bin mir nicht sicher, einerseits leuchtet mir das, was du gesagt hast ein, aber...“ Sie runzelte ihre Stirn leicht und versank in ein Gedankenwirrwarr aus Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten. Ein Miteinander mit Mayhem war das, wovon sie ihr halbes Leben lang geträumt hatte. Aber konnte sie das wirklich realisieren? Konnte sie die Angst die sie schier erdrückte wirklich überwinden?
Chivan konnte die Furcht, die sie beschrieb, nachvollziehen. Der Gedanke allein, einen Wolf zu sehen, zu hören, der an sich weder Körper noch Stimme haben sollte, glich mehr einem Traum, den man nicht wahrhaben wollte. Doch so unvorstellbar es auch klang – er zögerte keinen Augenblick, ihr ihren Bericht zu glauben. Ob sich dies alles nun lediglich in ihrem Kopf abspielte oder tatsächlich stattfand, war an sich nichts, was von Bedeutung war. Sie bestätigte das, was er sich bereits gedacht hatte, ernstete dafür ein kurzes Nicken, ehe der Hüne wieder einen kurzen Augenblick in Schweigen verfiel. „Furcht ist keine Grundlage, auf der ein gemeinsames Leben bestehen kann.“, stimmte er ihr schließlich zu und hielt in seinem Gang inne. „Furcht ist aber auch was, was einen daran hindert, genau hinzuhören.“ Vorsichtig nur verließen diese Worte seine Lefzen. Er war noch immer überzeugt davon, dass es zumindest einen Versuch wert war, zuerst ein Miteinander zu versuchen. Es war erfüllender als jegliche Feindschaft, obschon sich der Bunte durchaus im Klaren darüber war, dass es nicht zwangsläufig funktionieren musste. Seâtan war das beste Beispiel, doch hier ging es nicht um ihn. „Doch diesem Wunsch stand schließlich die Angst im Weg.“, vollendete er ihren Satz mit seinen Vermutungen und schenkte ihr dennoch wieder ein warmes, blasses Lächeln. „Was genau ist es, was du vor ihr fürchtest? Vor einer Gestalt ohne Körper, ohne Erscheinung. Was kann sie dir anhaben, wenn du den Versuch wagst, sie näher heranzulassen, um dich von ihren Absichten zu überzeugen?“ Chivan ließ sich auf den Hinterläufen nieder, ohne den Blick von ihrem Antlitz zu nehmen. „Du bist stärker als sie, sowohl im Geiste als auch im Körper. Sonst würde es sicherlich keine Zeiten geben, in denen sie sich fernhält, um den Mut zu fassen, abermals zu versuchen, dir näher zu kommen.“ Es war nur eine Richtung, in die er gerade dachte, doch dass er die andere Seite nicht ausschloss hörte man ihm an. Ebenso konnte man an seiner Stimme erkennen, dass er mutmaßte, laut dachte und versuchte, der dunklen Fähe Richtungen zu zeigen, die sie bisher vielleicht nicht bedacht hatte.
Amáya konnte das erste Mal dieses Problem mit jemanden richtig besprechen. Sie hatte zwar auch Sheena ein bisschen erzählt, doch zu ihr band sie zu vieles aus der Vergangenheit, als dass sie hätte ihr objektiv helfen können. Doch wenn sie Chivan so zuhörte, konnte sie genau spüren, dass sich der Rüde wirklich auf diese Gedankengänge einließ. Sie nickte nachdenklich auf seine Worte hin. Die Furcht beherrschte sie, seitdem sie das Rudel damals verlassen hatte. Sie hatte gedacht, sie würde mit ihrer Rückkehr verschwinden, aber stattdessen war alles schlimmer geworden. „Ich muss aufhören, davonzulaufen... nicht wahr?“, brachte sie stockend heraus und biss sich auf die Lefzen. Genau das hatte sie getan. Sie war vor dem Geist ihrer Schwester panisch geflüchtet. Sie schöpfte etwas Kraft aus dem Lächeln des Bunten um auf seine Frage antworten zu können. „Es sind nicht die Wahrheiten, die sie mit sich trägt, die ich fürchte, diese kenne ich schon selbst. Ich habe eher davor Angst, meiner Familie weh zu tun. Ich habe noch im alten Revier jemanden angegriffen, weil ich ihn mit ihr verwechselt habe und dann später auch fast meine Schwester oder Sheena, wäre ich nicht so geschwächt gewesen. Chivan, ich will nicht wieder jemanden umbringen..“ Ihr Blick wurde jetzt richtig niedergeschlagen, auch wenn sie sich zwang den Kopf oben zu halten. „Gewissermaßen ist es die Angst selbst, die ich fürchte. Sie ist teilweise bloß eine Art der Verkörperung dessen. Wenn ich sie sehe, erinnere ich mich aber auch gleichzeitig an alles Schlechte, was ich je getan habe.“ Sie merkte, wie er sich niederließ und hielt ebenso im Schritt inne um sich zu ihm umzudrehen. „Das mag sein. Aber um aus diesem Durcheinander herauszukommen, muss ich noch stärker werden.“ Sie gab ihm ein blasses, dankbares Lächeln.
Chivan nickte verständnisvoll, als sie selbst zu einem Schluss kam, den er besser nicht hätte formulieren können. Gleichzeitig hätten diese Worte aus seinem Fang aber wahrscheinlich auch weitaus weniger Zweck und Bedeutung gefunden. Schließlich stellten sich seine Ohren aufmerksam auf, als sie weitererzählte und etwas sagte, was in den Lauschern des Bunten unheimlich weise klang – desweiteren machte es das Kommende leichter, wenn es wirklich so war, wie sie erzählte. Die Furcht, ihrer Familie Schaden zuzufügen, bedeutete, dass sie sich nicht zu ihrem eigenen Schutz von ihnen abgewandt hatte, sondern um sie zu schützen. Wenn man ihr also zeigte, dass man bereit war, gemeinsam mit ihr dieser Gefahr ins Auge zu blicken, ach, sie gar in Kauf zu nehmen, war der Kampf gegen Mayhem, den sie bestreiten wollte, vielleicht gar nicht so schwierig, wie sie ihn sich vorstellte. Und wenn auch Mayhem auf ihrer Seite war, gab es nichts mehr, was sie zu fürchten hatte. „Furcht raubt uns den Verstand. Wenn du also den Mut aufbringst, ihr entgegenzublicken, musst auch nicht mehr fürchten, die Kontrolle zu verlieren.“, schloss er logisch. „Es ist weise, die Angst an sich zu fürchten.“ Das war sein vollster Ernst. Gleichzeitig wollte er ihr ihre eigene Rationalität aufweisen, ihren Verstand, den sie im Wahnsinn glaubte, der aber – wie er fand – durchaus gut funktionierte. Zumindest, wenn Mayhem nicht in der Nähe war. „Die Geister der Vergangenheit sind ständige Begleiter. Es liegt an uns, mit ihnen abzuschließen, ganz gleich, ob im Guten oder im Schlechten. Die Hauptsache ist aber, dass wir versuchen, uns mit ihnen zu versöhnen. Wenn es nicht funktioniert, kann uns niemand einen Vorwurf machen, denn wir haben unser Bestes gegeben. Wenn Mayhem diesen Schritt nicht gehen will, ist es nicht deine Verantwortung, denn du warst bereit, ihr die Möglichkeit zu geben, an deiner Seite weiterzuleben und die Welt, die ihr verwehrt blieb, durch deine Augen zu sehen. Sie ist die, die sich fürchten sollte, denn abhängig von ihrem Verhalten liegt die Entscheidung bei dir, ob du sie in dieser Welt existieren lässt.“ Sie war der stärkere, der machtvollere Part. Sie musste nur den Mut finden, diese Entscheidung zu treffen.
Amáya war verwundert, wie schnell die Dinge anfingen, Sinn zu ergeben. Sie hatte so lange über diese Sachen nachgedacht und hatte trotzdem nur an der Stelle getrippelt doch nun hatte sie langsam das Gefühl, dass ihr klar wurde, was sie ab jetzt machen musste. Es würde nicht einfach werden, aber wann war das Leben schon einfach gewesen? Es würde das erste Mal werden, dass sie sich gegen diesen Fluss der Geschehnisse auflehnte, aber es wurde auch wirklich Zeit. „Ich weiß nicht genau wie, aber wenn es das nächste Mal soweit kommt werde ich mich dieser Furcht stellen.“, antwortete Amáya entschlossen. Der Ausdruck der auf ihrem Gesicht lag, wann hatten diese Züge ihn das letzte Mal angenommen? Sie war sich nicht wirklich sicher. Zu lange hatte sie sich hinter Gefühllosigkeit versteckt. Ihre Lefzen zuckten abermals leicht, als er fortfuhr. Sie mochte die Art wie er Gedanken ausformulierte und wie er erklärte, wirklich gerne, bemerkte sie. „Versöhnung - das hört sich gut an, aber ein bedeutender Teil besteht auch aus Vergebung... Ja, irgendwie macht das Sinn.“ Sie hob leicht den Kopf und linste in Richtung des Himmels. Wurde er schon langsam heller? Sie fühlte sich auch nicht mehr ganz so sehr in der Dunkelheit gefangen wie vorher. Vielleicht war das der Hoffnungsstrahl den sie so lange gesucht hatte.
/me schenkte ihr einen zuversichtlichen Blick, während seine Züge allmählich heller wurden. Es fühlte sich gut an, ihr anzusehen, dass er ihr offenbar fürs erste hatte helfen können und er hoffte für sie, dass sie diesen Weg bis zum Ende gehen konnte. Er nickte als Zeichen, dass er durchaus glaubte, dass sie es schaffen würde, sah aber davon ab, sie ein weiteres Mal ermutigend anzustupsen. Er selbst war im Normalfall ein Wolf, der eine gewisse Distanz wahrte, umso verwunderlicher war der Moment der Nähe vor nur wenigen Augenblicken auch für ihn gewesen. Ihm gefiel die entschlossene Amáya und er war sich sicher, dass dieses Auftreten auch Mayhem einschüchtern würde, wenn der Geist ihrer Schwester nicht im Gesamten schon von ihrem lebenden Part eingeschüchtert war. „Du bist nicht allein.“, versicherte er ihr ein weiteres Mal mit fester Stimme „Doch auch Vergebung ist nichts, was ein einzelner entscheiden kann.“ Er wollte nicht, dass sie sich die gesamte Verantwortung auflud. Sie trug ihren Teil, ohne Frage, doch Mayhem hatte genauso zu entscheiden. „Gib ihr diese Chance und lasse ihr die Möglichkeit, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden.“, fasste er das Thema entschlossen zusammen und war bereit, es vorerst beiseite zu legen. Er ging davon aus, dass sie sich bewusst war, dass er bereit war, ihr stets wieder als Ansprechpartner beiseite zu stehen. „Der Morgen graut. Ich bin gespannt, wohin uns dieser Tag führen mag.“
Amáya fragte sich, was geschehen wäre, hätte sie den Bunten die Nacht nicht angezischt sondern wäre wortlos unter dem Baum liegen geblieben. Sie wäre wohl nicht dieselbe Wölfin, entschied sie schließlich. Man wuchs mit jeder Begegnung ein wenig mehr, in die eine oder eben in die andere Richtung, manchmal mehr manchmal weniger. Sie spürte nun eine Kraft in sich, die sie vorher entweder nicht wahrhaben wollte oder die erst seit Neuestem in ihr vorhanden war, aber es fühlte sich gut an. Fest blickte sie dem Rüden entgegen und berührte ihn zaghaft mit der Schnauze an der Schulter, als er ihr versicherte, sie wäre nicht allein. Vielleicht wusste er es nicht, aber das war genau das, was Amáya wohl immer schon hatte hören wollen. „Ich werde mir das zu Herzen nehmen.“, entgegnete sie ihm. Genau, sie musste ihrer Schwester ebenso Entscheidungen offen halten, wie sie selbst endlich welche treffen musste. Sie nickte, die Erleichterung in ihrem Inneren schon fast physisch spürend und wandte sich leise um. „Ja, lass uns zum Rudel zurückkehren.“