09.03.2013, 13:51
Invi bemerkte die eigenartige Stimmung, die sich in diesem Haufen, der anscheinend ein Rudel war, gebildet hatte. Jeder andere hätte jetzt ganz bestimmt das Weite gesucht, aber Invidia gefiel das gerade eigentlich. Sie hatte eigentlich damit gerechnet, dass dieser Tag furchtbar langweilig werden würde. Aber stattdessen hatte sie einen gutaussehenden Rüden, einen Vulkanausbruch und ein total erledigtes Rudel getroffen! Konnte es denn noch besser laufen!? Die Fähe hatte keine Ahnung, wer hier nun irgendeinen Rang besaß, und eigentlich war ihr das auch ziemlich egal und so musste sie sich doch ernsthaft ein Lachen verkneifen, als Averic ihr so über die Schnauze fuhr. Doch statt sich wehmütig zurück zu ziehen und seiner Drohung irgendeinen Glauben oder überhaupt Beachtung zu schenken, zwinkerte sie dem schwarzen Rüden nur frech zu, trat dann aber trotzdem einen Schritt zurück. „Nee lass mal, wird grad spannend hier. Ich glaub, ich gehe dir lieber weiter auf die Nerven,“ fügte sie noch schnippisch hinzu, bevor sie versuchte sich ein etwas klareres Bild über die Situation zu verschaffen. Sie sah hier wirklich noch nicht wirklich durch und bezweifelte, dass ihr das auch nicht so schnell gelingen würde. Ihr Blick streifte durch die Gruppe, bevor die Stimme der weißen Fähe sie aus ihren Gedanken riss. Invidias kalte Augen richteten sich auf Tyraleen. Sie senkte kurz den Kopf. Ein wenig gespielte Demut war zwar unter ihrer Würde, aber sie wollte heute mal nicht so sein, vor allem nicht, nachdem sie nun endlich einmal erfahren hatte, dass diese Tyraleen hier doch wirklich die Alphafähe war. „Das war doch selbstverständlich. Ich würde es jederzeit wieder tun. Mein Name ist Invidia und es freut mich euch kennen zu lernen. Auch wenn ich ehrlich sein muss, dass ich nicht mit so vielen Wölfen gerechnet hatte, als Aszrem uns gefunden hatte.“ Sie hielt ihren Kopf immer noch demütig gesenkt, während ihre Augen stets auf die Alphafähe fixiert waren. Ein leises Lächeln schlich auf die Lefzen von Invidia. Ohja, spielen konnte sie schon immer gut.
Caylee war froh, dass ihre Mutter die Situation geklärt hatte, wusste nur jetzt nicht mehr so richtig, was sie tun sollte. Ihre Geschwister waren wieder in den Reihen des Rudels verschwunden und Liel und Hilel standen nun bei Krolock rum. Was jetzt? Krolock schien noch immer wie tot und sie war sich nicht ganz sicher, ob sie sich ihn auch genau so wünschte. Sie blieb in seiner Nähe sitzen und betrachtete seine beiden Bewacherinnen, die sich aber wenig um ihn kümmerten. Sie würden es wohl nicht einmal bemerken, wenn er jetzt aufstehen und fortgehen würde ... Caylee schnaubte.
Krolock lag röchelnd am Boden, nahe Liel und Hilel. Mal regungslos - von der Schweratmigkeit abgesehen - mal unruhiger. Wirkliche Erholung fand er nicht, aber die Bewusstlosigkeit hatte sich aufgelöst. Der Geruch von Caylee hing ihm schließlich in der Nase und ließ die blauen Augen kurz aufblitzen, ehe der junge Rüde den Kopf hob. Er zog die Lefzen zurück, gleich einer stummen Drohung. „Weg! Geh weg!“
Chivan erwiderte den Blick der grauen Fähe, blickte sie stumm an und sah ihr schließlich nach, als sie den Weg zur Spitze des Rudels überwandt. Ein tonloses Seufzten verließ den Fang des Hünen, doch er war beruhigt, dass Atalya zumindest etwas Freude in der Rückkehr ihres Vaters finden konnte. Kurz drehte der Rüde den Kopf, blickte nach hinten und trat schließlich aus dem Schatten der Felsen heraus, hinter denen sich Atalya zurückgezogen hatte. Ein kurzer Blick galt Sheena, ein knappes Nicken, dass alles in Ordnung war, ehe er sich schließlich wieder am Rande des Rudels auf den Hinterläufen niederließ. Die Anwesenheit der anderen Wölfe ermüdete seinen Geist, während seine Läufe noch lange nicht erschöpft waren. Dennoch schloss er kurz die Augen und atmete durch, obschon ihm der beißende Geruch der Asche und des Feuers noch immer in der Nase lag.
Aszrem sah Invidia von der Seite her an, dann wanderten seine Augen wortlos zu Tyraleen. Da sie Averic dumm kam nach dessen Zurechtweisung, überließ er es erneut dem Schwarzen, mit der Fähe zu verfahren wie es ihm angemessen erschien. Sein eigener Geduldsfaden war noch etwas länger, aber auch er würde sich die Spirenzien der Weißen nicht mehr lange gefallen lassen. Tatsache war jedoch, dass es Wichtigeres gab. Kurz wanderte sen Blick an ihr vorbei zu der Stelle, wo Krolock vermutlich noch immer lag, dann kehrte er zu seiner Mitalpha zurück. "Und wie geht es Caylee? Ist sie verletzt worden?"
Caylee bemerkte Krolocks schlitzäugigen Blick sofort. Ihre Ohren schnellten nach vorne und ihre Muskeln spannten sich augenblicklich an. Als er den Kopf hob und seine Zähne entblößte, erwiderte sie die Drohung sofort. Hoch aufgerichtet zeigte sie ihm ihr Jungwolfgebiss und wich keinen Meter.
Krolock ließ theatralisch den Kopf sinken. "Geh weg!", keuchte er dann in die Richtung der weißen Fähe und erlag danach erst einmal einem Hustenanfall, der ihm die Tränen in die Augen trieb.
Caylees Stirn krauste sich auf diese unerwartete Reaktion Krolocks hin. Da war wenig Aggression, eher Schwäche. Na sowas. Sie trat - natürlich entgegen seinem Wunsch - etwas näher und fuhr sich mit der Zunge über die Zähne. Noch immer waren die Lefzen angehoben. "Warum sollte ich?"
Krolocks Blick verdüsterte sich, als er sich erhob und vor Caylee zurück stolperte. "Geh weg!", knurrte er erneut keuchend. Die Augen flakerten kurz in purpurner Farbe auf.
Caylee hatte plötzlich den Eindruck, vor einem in die Enge gedrängten Beutetier zu stehen. Jetzt drehten sich ihre Ohren doch leicht zurück und sie folgte dem Schwarzen nicht. Das Flackern in seinen Augen machte ihr beinahe Angst, aber sie ließ es sich nicht anmerken. "Warum hast du das gemacht?"
Krolock fiel wieder in sich zusammen und lag eine Weile nur röchelnd auf dem Boden. Der Sauerstoff wollte einfach nicht ausreichen, egal wie gierig er diesen in seine Lungen pressen wollte. Vielleicht waren die Atemzüge auch nur zu kraftlos? Er ignorierte die Frage. Ob absichtlich oder unabsichtlich wurde nicht ersichtlich.
Turien Er konnte seinen Augen nicht trauen. Er konnte es einfach nicht glauben. Nach allem was passiert war. Er war da. Der Silberpelz hatte die Hoffnung schon aufgeben, wollte sich selbst nichts vormachen und an irren Hirngespinsten hängen, die ihn auf ein Wiedersehen mit seinem Vater hoffen ließen. Aber da war er. Mitgenommen, blutig und erschöpft. Und er, Turién, war einfach nur verwirrt. Er wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Er wusste nicht einmal, ob die anderen ihn schon bemerkt hatten, nachdem er erst gerade eben hinter ihnen erschienen war und sich versuchte einige Meter hinter Tyraleen und auch Atalya zu verstecken. Das Gespräch, dass sich um Krolock drehte ließ ihn nur innerlich Schnauben. Was hatte er auch anderes erwartet? Krolock war irre. Bei diesem Gedanken bemerkte er wieder den Schmerz in seiner linken Schulter, die er am morgen noch blutig gekratzt hatte und durch die überstürzte Flucht nicht Zeit hatte wieder zusammen zu heilen und er selbst sogar etwas mitgenommen aussehen musste.
Averic bleckte nur stumm die Zähne gen Invidia. "Treib es zu weit, und du wirst es bereuen.", erwiderte er kalt. Diese nervige Fähe aus dem Weg zu räumen, wäre für ihn im kein Problem. Vorerst hatte er aber keine Lust sich mit ihr zu beschäftigen, denn es gab wirklich Wichtigeres. Tyraleens Worte, das Engaya bei ihnen war, war in Anbetracht seiner Lage zwar etwas seltsam - immerhin war er sodenn von ihr halb erschlagen worden - bedeutsamer war allerdings ihre Ankündigung, dass sie mit ihm gehen würden. Obwohl er bereits damit gerechnet hatte, löste das doch komplizierte Gefühle in ihm aus. Einerseits machte es ihn froh, andererseits wusste er nicht, ob er das Rudel wirklich in dieses unbekannte Tal des Todes mitnehmen wollte. Geschweige denn, ob Fenris das wollte. Vorerst rang er sich aber noch mal zu einem Lächeln. "Gut." Invidia ignorierte er auch weiterhin, auch wenn er auf ihre Worte hin kurz verächtlich schnauben musste. Eine wirklich große Hilfe war sie gewesen. So groß, er wäre tot, hätte er seine eigenen Pfoten nicht mehr benutzen können. Aber auch das war jetzt nicht wichtig, denn etwas anderes alarmierte seine Aufmerksamkeit. Krolock hatte Caylee angegriffen? Hatte sie TÖTEN wollen? Sein dunkelblauer Blick wurde hart und ein tiefes Grollen rang sich aus seiner Kehle. "Töten!?" In dem Moment tauchte aber eine graue, kleinere Wölfin bei ihm auf und drückte ihren Kopf in sein Fell. Mit den Gedanken immer noch halb bei dieser räudigen, schlechten Entschuldigung von Wolf drehte er den Kopf herum, um Atalya an der Wange zu berühren.
Atalya drehte leicht die Ohren zurück, reagierte jedoch nicht weiter auf das Gespräch über die fremde Fähe. Sie kannte sie nicht – und in diesem Moment war ihr auch nicht danach, daran etwas zu ändern. Sie warf der Weißen nur einen kurzen Blick zu, wandte sich dann wieder zu ihrem Vater herum, der sie nun kurz an der Wange berührte, woraufhin die Rute der Grauen kurz durch die Luft schwang, sich jedoch noch immer kein Lächeln auf ihre Lefzen legte. Nun erkannte sie auch ihren Bruder, der ebenfalls zu ihnen getreten war. Noch einmal berührte die Graue ihren Vater mit der Nase, ehe sie den kurzen Weg zu ihrem Bruder überbrückte und ihn besorgt betrachtete. Ob er diesen Moment vielleicht auch als kleinen Hoffnungsschimmer ansehen konnte? „Wie geht es dir?“
Tyraleen war sich nicht sicher, was sie von dieser merkwürdigen Fähe halten sollte - Averic schien sie ja ziemlich zu nerven, aber abgesehen von ihrer etwas unhöflichen, wenn nicht ungehobelten Art, schien sie eigentlich beinahe nett. Und sie hatte ihm geholfen, das war doch beinahe das Wichtigste. Außerdem ertrug sie seine Zurechtweisung und mischte sich nicht mehr ein. Averic schien allerdings auch nicht all zu erfreut über Tyraleens Worte - sein "Gut." klang ein wenig hohl. Aber jetzt war nicht der Moment um darüber zu sprechen. Das Problem Krolock war zu groß und nun kamen auch ihre Welpen um ihren Vater zu begrüßen. Also nickte sie und schenkte Averic noch einen längeren Blick, bis sie sich Aszrem zuwandte. "Nein, Caylee geht es es gut, niemand ist ernsthaft verletzt. Außer vielleicht Krolock, ich weiß es nicht. Aber ... wir sollten zu ihm gehen, denke ich. Wir müssen das klären." Das schien auch Averic so zu sehen, allerdings musste er nicht mitkommen. Er sah mitgenommen aus und seine Kinder würden nun auch mehr von ihm haben. Apropos ... Turién war nun auch zu ihnen gekommen. Tyraleen warf ihm einen kurzen, aufmunternden Blick zu und wandte sich dann aber noch eilig an die Fähe, die sich ihr nun als Invidia vorgestellt hatte. "Willkommen Invidia. Es ist gut zu wissen, dass mein Bruder trotz seiner bisherigen Einsamkeit jemanden bei sich hatte, der ihm half. Ich hoffe, du begleitest uns noch ein wenig länger." Sie unterstrich ihre Worte noch durch ein Lächeln, sah dann aber wieder mit Sorge im Blick zu Aszrem. "Mein Mitalpha und ich müssen uns nun aber um ein Rudelmitglied kümmern."
Parveen wollte der Geruch ihres Bruders nicht mehr aus der Nase gehen. Sie fragte sich ernsthaft, ob die Strapazen der Wanderung sich nun auch auf ihren Geist gelegt hatten. Sie warf leicht unsichere Blicke in die Runde, aber wurde von anderen Ereignissen abgelenkt: Die Rast wurde ausgerufen und den Wolf den sie nun erblickte, war zwar nicht Hiryoga, aber ohne Zweifel ebenso ein Bruder. Die Schwarze machte, nachdem sie einen knappen Abschiedsgruß an ihre Nichte und Samirez gerichtet hatte, ein paar Schritte nach vorne um das Szenario besser sehen zu können. Die Beiden wären sicherlich nicht böse, wenn sie etwas Zeit für sich hatten und wer weiß, vielleicht würde sich auch das Rätsel lösen, wenn man es mit etwas Abstand betrachtete. Aber Parveen kam nur wenige Wolfslängen vorwärts, bis sie von anderen Wölfen abgelenkt wurde. Der Aufruhr kam ihr wieder in den Sinn. Die Hektik um Krolock. Neugierig blieb sie stehen und eher wie von selbst lenkten sie ihre Beine genau dort hin. Caylee war bei dem schwarzen Rüden und sie wollte gewiss nicht stören, aber was war, wenn die Stimmung erneut umschlug? Bestand diese Möglichkeit überhaupt, wenn man sich die Verfassung des Schwarzen ansah? Sicher war sicher.
Invi bemerkte wie genervt der Schwarze von ihr war, aber irgendwie erfüllte gerade dies das Herz der Schwarzweißen mit Freude. Sie konnte nicht beschreiben warum, aber es war nun einmal so. Ihre Rolle heute war wohl die derer, die sich gerne mit anderen anlegte. Sie mochte diese Rolle. Sie entsprach am meisten ihr und es macht ihr am wenigsten Mühe diese Rolle zu verkörpern. Dennoch sollte sie ein wenig zurückschrauben, wenn Averic wirklich derjenige war, den Fenris damals gemeint hatte. Und ließ sie ihren Blick immer mal wieder zu dem Schwarzen wandern, der anscheinend nicht nur der Bruder der Alpha war, sondern auch noch Vater war. Den beiden, die sich dort aber an ihn schmiegten, schenkte sie vorerst keine weitere Beachtung. Ihre Konzentration lag immer noch auf Tyraleen, die soeben verkündet hatte mit Aszrem sich um ein Rudelmitglied zu kümmern. Hier ging ja echt die Post ab. „Vielen Dank für dieses Angebot, ich denke, ich werde es annehmen.“ Sie schenkte der Weißen ein Lächeln. Nach außen hin wirkte es warm, nach innen lachte sie in sich hinein.
Caylee blieb starr stehen, als Krolock wieder in sich zusammensank und weiterhin nicht antwortete. Die Unsicherheit kroch durch ihr Fell und rang mit dem verbissenen Willen, wissen zu wollen, warum er sie hatte töten wollen. Einige Zeit musste sie ihn so angestarrt haben, bis jemand zu ihnen kam. Als die Weiße Parveen erkannte, begann ihre Rute automatisch fast wild hin und her zu wedeln und bevor sie sich hatte zurückhalten können, war sie schon bei ihrer Tante und hatte ihre Nase in ihrem Fell vergraben. "Krolock, der Idiot will nicht mit mir reden. Er will mir nicht sagen, was das sollte."
Krolock hustete noch eine Weile, dann schnaubte er den Dreck vor seiner Schnauze weg, als er Caylees Worte hörte. Die zwischenzeitlich wieder blauen Augen schlossen sich und er schob die Pfote vor die Nase, damit er nichts außer dieser riechen konnte.
Aszrem nickte Tyraleen zu und setzte sich daraufhin sogleich in Bewegung. Nicht übermäßig schnell zwar, aber doch recht zügigen Schrittes. Er wollte sich selbst ein Bild von der Situation machen. "Krolock ist mehr denn je eine Gefahr für jedes Rudelmitglied. Das kann so nicht weitergehen", begann er, als er Tyraleen neben sich wusste, und warf ihr einen Blick zu, um ihre Reaktion zu beobachten.
Turien war wie versteinert. Er wusste nicht, was er von alledem halten sollte. Sein Leben war plötzlich so kompliziert und ereignisreich. Er wusste nicht wie er sich verhalten sollte und so starrte er einfach nur Averic an, von dem er sich so enttäuscht und irgendwie hintergangen gefühlt hatte – aber von diesen Gefühlen war kaum mehr etwas da. Und er verstand es nicht. Als Bewegung in die Runde kam und seine Mutter uns Aszrem sich abwandten, um sich offenbar um Krolock den Irren zu kümmern, kam auch Bewegung in ihn und auf den Blick der Weißen brachte er nur ein kaum sichtbares schiefes Lächeln zustande. Die Fremde musterte er nur kurz und konnte sie überhaupt nicht zuordnen. Sie war seltsam und sah seltsam aus. Er wusste nicht, was er von ihr halten sollte... Atalya kam zu ihm, aber die Frage, wie es ihm ginge verwirrte ihn nur umso mehr. Seine Gesichtszüge entgleisten und er sah sie nur seltsam an. Warum fragte sie, wie es ihm ginge, wenn Averic gerade wieder aufgetaucht war? Sie ihn trafen und riechen und sehen konnten, nachdem sie sich.. oder er sich sicher gewesen war ihn nie wieder zu sehen. IHN sollte sie fragen wie es ihm ging, er sah immerhin verletzt aus und nach seiner Erzählung hatte ein Erdrutsch ihn überrascht. Also nickte er nur auf die Frage seiner Schwester und starrte dann wieder Averic an, ohne einen Ton herausbekommen zu können.
Parveen legte sich ein herzliches Lächeln auf die Lefzen, als Caylee zu ihr trat und wie selbstverständlich erwiderte sie die Geste und drückte den Kopf kurz an den ihrer Nichte. Trotzdem konnte sie den leicht besorgten Ausdruck nicht aus ihren Augen vertreiben, als sie erneut zu Krolock blickte, der vor ihnen lag, als würden seine Beine ihn nicht länger tragen wollen. Pav hatte nicht alles mitbekommen, was hier vorgefallen war, aber der Rüde hatte angegriffen. "Du hast Caylee angegriffen. Eine Freundin, ein Rudelmitglied. Warum hast du das getan? Du bist ihr eine Antwort schuldig." Glomm Strenge in ihrem Antlitz auf? Auf jeden Fall etwas, das man damit vergleichen konnte.
Caylee entging Krolocks Schnauben natürlich nicht, aber ansonsten tat er weiterhin so, als wäre sie nicht da, was sie aufbrachte und gleichzeitig doch erleichterte. Immerhin attakierte er sie nicht mehr. Als Pav sich ohne Umschweife an ihn wandte, drehten sich die Ohren der Weißen wieder etwas zurück und unsicher schielte sie von ihrer Tante zu Krolock. "Er tut so, als wären wir nicht da.", merkte sie an. Dann aber musterte sie ihren Schwarzen Antifreund wieder ganz genau.
Krolock hätte gerne die Kraft für ein abfälliges, demonstratives Schnauben gehabt. Er hob den Blick und versuchte so gut es ging, überheblich zu schauen. "Angegriffen? Ich?", fragte er mit übertrieben unschuldiger Stimme. "So ein Unsinn.", sagte er dann leichthin und wäre überzeugender gewesen, wenn er nicht neuerlich einen Hustenanfall gehabt hätte.
Parveen legte die Ohren ein wenig zurück. "Ja, das tut er." Wenn er nur sie so behandelt hätte, wäre es nicht ungewöhnlich gewesen, aber zwischen den beiden jungen Wölfen herrschte sonst ein anderer Ton. Ihr Blick kreuzte sich mit dem Krolocks, als er die Augen hob und als er schließlich doch das Maul öffnete wusste Pav nicht, ob sie Lachen oder Schnauben sollte. Was entstand war eine Mischung aus beidem. "Natürlich hast du das nicht. Was war es dann? Ein Spiel"
Caylee hätte nicht damit gerechnet, dass Parveen so vehement für sie eintreten würde, aber es fühlte sich gut an. So wie zuvor bei ihren Geschwistern - nur jetzt eben mit Worten. Krolock dagegen schaffte es, ihr gutes Gefühl wieder komplett verschwinden zu lassen. Sie schnaubte "Du ..." Aber sie fand keine gute Beleidigung und starrte ihn deshalb nur mit wieder gebleckten Zähnen an. "Was soll das?!"
Averic war wohl bei der angekündigten Klärung nicht erwünscht. Vermutlich hatten sie guten Grund ihn lieber nicht mitzunehmen, denn nach so einer Sache wäre Averic den Schwarzen bei der kleinsten Fehlbewegung wohl an die Kehle gegangen. Und obwohl ihm klar war, dass ein durchgedrehter, mordlustiger Wolf nicht einfach links liegen gelassen werden konnte, konnte er nicht verhindern sich trotzdem ein wenig abgeschoben zu fühlen. Sein Wiedersehen mit Tyraleen hatte er sich etwas anders vorgestellt ... aber wenn man es genau nahm, hätte dieses Wiedersehen auch eigentlich noch nicht stattfinden sollen. Er erwiderte ihren längeren Blick, sagte aber nichts weiter mehr. Seine Pfoten, die Schulter und die Glieder schmerzten nun eh zu sehr, als das er großartig Lust hatte sich nach einem Steinhaufen gleich mit einem grenzdebilen Jungwolf herumschlagen zu müssen. Averic überließ die Sache also Aszrem und Tyraleen und wandte sich herum, um Turién hinter sich zu entdecken. Sein Sohn stand dort, starrte ihn an und sah so aus, als wüsste er nicht so recht, was er tun sollte. Averic sah einen Moment lang stumm zurück, dann humpelte er ein paar Schritte vor, ein kleines Lächeln auf den Lefzen. Das Turién sich bei seiner Verabschiedung nicht blicken lassen, hatte bereits schmerzliche Gedanken in ihn hinein gefressen, die sich hauptsächlich um ihn selbst und seinen Vater gedreht hatten. Der Gedanke, dass sein Sohn anfangen könnte ihn so zu verachten, wie er einst Acollon verachtet hatte, hatte ihm das Herz schwer gemacht. Aber jetzt stand er da. "Hallo, Turién." Er fuhr seinem Sohn mit der Nase über den Kopf.
Krolock murrte zwischendurch wieder, auch wenn das den Hustenreiz noch ein bisschen mehr anstachelte. "Ich weiß nicht, wovon du redest.", behauptete er Parveen gegenüber. Dann sah er Caylee an. "Was soll was? Du bist überhaupt nicht verletzt. Wenn ich dich angreifen würde, würdest du sicher nicht mehr hier herum hüpfen."
Parveen verengte die Augen und schaute kurz zu ihrer Nichte und dann wieder zurück zu dem am Boden liegenden Rüden. Innerlich biss sie sich kurz selbst. Alles wäre wesentlich einfacher zu beurteilen, wenn sie vorher dabei gewesen wäre und nun wüsste, wie alles abgelaufen war. Aber wenn sie sich zwischen den Geschichten der beiden entscheiden musste, dann hatte sie schon längst gewählt und was Krolock von sich gab passte nicht zu den Bruchstücken, sie sie ganz sicher wusste. "Es geht hier darum, was du versucht hast und nicht darum, ob Caylee verletzt ist." Sie hob eine Braue und fuhr fort: "Außerdem wurdest du sicherlich nicht ohne Grund von einer ganzen Gruppe in Schach gehalten. Oder willst du behaupten, dass die es ganz ohne irgendeinen Anreiz auf dich abgesehen hatten?"
Tyraleen nickte Invidia noch zu, schloss sich dann aber eilig Aszrem an. Es wäre schöner gewesen, gemeinsam mit ihren Kindern Averic zu begrüßen, aber sie war nun einmal Leitwölfin. Es gab wichtigeres, als ihre Gefühle. Also wandte sie sich ganz Krolock zu, schüttelte aber zu Aszrems Worten zögerlich den Kopf. "Krolock war immer unhöflich und aufmüpfig, hat gerne andere geärgert und Randale geschlagen ... aber wirklich eine Gefahr war er doch nie gewesen. Ich verstehe nicht, warum jetzt plötzlich und dann auch noch Caylee. Sie war doch die einzige, die ihn mochte." Ihr Blick hatte sich nach vorne gewandt und schon sah sie Krolock, dessen beiden Aufpasser Liel und Hilel mittlerweile von Parveen und Caylee abgelöst worden waren. Sofort beschleunigte sich ihr Schritt, auch wenn der Schwarze nicht mehr aggressiv wirkte. Sie hatte die drei noch nicht ganz erreicht, da gab sie schon ein warnendes Knurren von sich.
Caylee konnte es kaum fassen. Was sollte denn dieser absolut bescheuerte Vollmist jetzt? Sie knurrte dumpf und bewunderte Parveen doch für ihre endlose Geduld. Caylee hatte davon weniger. "Du bist ein erbärmlicher Feigling, Krolock! Kannst nicht einmal zu deinen Taten stehen." Am liebsten wäre sie zu ihm gesprungen, um ihn zu packen und zu schütteln ... vielleicht war es deshalb ganz gut, dass sich jetzt Aszrem und ihre Mutter näherten. Das Knurren Tyraleens klang auch ein wenig beeindruckender, als ihr eigenes. "Er ist ein Feigling, er lügt, er streitet es ab, der erbärmliche Idiot.", sie fauchte wie eine Katze.
Krolock betrachtete müde die herannahenden Gestalten und ließ den Kopf resigniert auf die Pfoten sinken. "Es war nur ein Streich.", erklärte er. Und der sollte natürlich nicht durchschaut werden. Deshalb haben die Anderen auch gedacht, es wäre ernst." Er hatte keine Probleme mit Lügen. "Wieso sollte ich Caylee angreifen?" Er wandte sich dieser zu. "Und warum glaubst du, ich würde dich töten wollen?" Es klang nun so, als müsse die Weiße verrückt sein.
Invi warf noch kurz den beiden Alphatieren einen Blick hinterher, wie sie sich auf dem Weg zu dem anscheinend gefährlichen Rudelmitglied machen. Erst dann, atmete die Fähe einmal kurz durch, die Situation schien sich endlich ein wenig entspannt zu haben, auch wenn Averic sie immer noch mit Ignoranz strafte. Sie konnte es ihm eigentlich nicht wirklich übel nehmen, schließlich war sie eine Fremde und naja ein wenig frech ihm gegenüber gewesen. Aber jetzt waren sie ja fast alleine und genug Schauspielrollen hatte sie ja immer noch zur Verfügung und so begab sie sich zu dem Schwarzen, um den sich zwei seiner Kinder versammelt hatten. "Was eine niedliche kleine Vereinigung." In ihrer Stimme schwang dieses Mal keine Arroganz mit, sondern viel mehr war es dieses Mal Wärme. Sie schenkte Turién, wie Averic ihn gerade genannt hatte, ein warmes Lächeln. Es würde ganz bestimmt noch interessant werden.
Aszrem musterte Tyraleen noch einen Moment von der Seite, dann sah auch er wieder nach vorn. "Randale? Ich erinnere mich an etliche blutige Kämpfe, die niemals so hätten eskalieren dürfen. Zu einem Kampf gehören zwar immer zwei, aber es wiegt doch schwer, dass in die meisten dieser Kämpfe immer Krolock verstrickt war", führt er an. Er bekam jedoch nicht gleich eine Antwort, da nun Krolock in Sicht kam, sowie Caylee und Parveen. Und Krolock war offenbar inzwischen wieder wach. Aszrems Lefzen zuckten, aber wede bleckte er die Zähne vollständig, noch erklang ein Grollen aus seiner Kehle. Seine Augen wanderten musternd über den Schwarzen, während sich dieser echauffierte, dann zu Caylee. "Erzähl's mir", wandte er sich an die Weiße, direkt an Krolocks Frage anknüpfend.
Parveen konnte die Reaktion von Caylee nur zu gut nachvollziehen. Dieser Wolf… Er begann nicht gerade damit, sich ein positiveres Bild als jenes aufzubauen, das er ihr am Anfang gezeigt hatte. Was war nur in diesem Wolf gefahren, die vielleicht einzige Freundin anzugreifen, die er hatte? Es war verrückt, nicht mehr. Bestimmt war es aber kein Scherz. Ungläubig blickte sie kurz zur Seite, aber war sich schon ziemlich sicher, dass sie nichts als weitere Wut von Caylee als Reaktion auf Krolocks Worte sehen würde. "Ein Streich also? Nein." Sie schüttelte den Kopf. Parveen war froh, als sie das Knurren von hinten hörte, mit dem sich Tyraleen ankündigte und Aszrem ebenfalls folgte. Doch sie sagte nichts weiter und wartete auf eine Antwort des Schwarzen. Ja... Diese Antwort würde sicherlich sie alle interessieren.
Tyraleen seufzte tonlos, als sie sowohl ihrer Tochter, als auch Krolock zuhörte. Caylee war aufgebracht, aber wohl nicht zu Unrecht. Leider hatte die Leitwölfin selbst nicht viel von der eingentlichen Situation zuvor mitbekommen, musste ihrer Tochter also vertrauen ... aber das fiel ihr Krolock gegenüber nicht schwer. Aszrem das Feld überlassend - wohl wissend, dass er nun besser dafür geeignet war - trat sie an die Seite ihrer Schwester und begrüßte Parveen mit einer kurzen Berührung an der Schulter.
Caylee heulte unterdrückt auf, als Krolock weiter log und nicht aufhörte, sie lächerlich zu machen. Am liebsten hätte sie ihn angefallen, ihm die Augen ausgekratzt. Aber das war wohl jetzt nicht die beste Idee und sie hatte sich immerhin ein wenig unter Kontrolle. Aszrem war jetzt da ... Aszrem war manchmal gemein, manchmal kalt, aber fast immer gerecht. "Ich habe keine Ahnung, warum er das wollen könnte, aber er wollte es. Er hat mich angegriffen - wirkte dabei aber merkwürdig, so wie damals, als ich eine Wurzel gefressen habe. Ich konnte ihm leicht ausweichen, bin dann aber hingefallen. Dann hätte er mich getötet, wenn Amúr nicht dazwischen gesprungen wäre. Es war ihm ernst, das war kein Scherz! Ich kenne ihn, ich weiß, wie ein Scherz bei ihm aussieht. Seine Augen waren ganz rot ..." Sie stockte kurz, fuhr dann aber eilig fort. "Wir brauchten Chardím und Atalya um ihn zu bändigen und er hat uns dabei durchaus etwas verletzt." Sie streckte die Nase nach vorne, auf ihrem Schnauzenrücken war eine deutliche Strieme aus getrocknetem Blut - da hatte sie Krolocks Zahn nicht ausweichen können.
Turien stand still, nur am Heben und Senken seines Brustkorbes konnte man erkennen, dass er nicht zur Statue erstarrt war. Atalya schien auch verstummt zu sein. Er hatte einen seltsamen Moment der Panik, in dem er Weglaufen wollte, um sich der Situation nicht stellen zu müssen, als Averic sich nun auch, wie Atalya auf ihn zubewegte. Aber es war nur ein Bruchteil einer Sekunde, und in der nächsten machte auch er einen Schritt auf seinen Vater zu. Der Silberne schloss die Augen, als er die sanfte Berührung spürte und leckte dem Schwarzen dann die Lefzen – aus Respekt und Zuneigung. Er wollte wieder der kleine Turién sein. Nur für einen Moment - sich vor aller Welt geborgen zu fühlen. Und dann kam Invidia, wie Tyraleen die Fremde genannt hatte. Turiéns Blick flackerte zu ihr herüber und er starrte sie missmutig an. Irgendwie passte sie nicht her, er wollte sie nicht hier haben. Ohne ein Wort an sie zu richten musterte er seinen Vater... „Hey...“ - seine Stimme war nur ein leises Flüstern, wurde aber stärker, als er weiter sprach. „Wie geht es dir...?“
Krolock schnaubte nur. Bitte. Dann hatte er eben Caylee umbringen wollen, wenn diese meinte. Sein Blick ruhte auf Aszrem, dann auf Tyraleen. Wohl gut, dass Averic nicht da war. Haha. Aber vielleicht half ihm das alles sowieso nicht mehr. "Ich habe Caylee weder ernsthaft angegriffen, noch habe ich je die Absicht gehabt, sie zu töten." Und das konnte er so mit völlig reinem Gewissen sagen. "Aber Nihil ist tot, falls es jemanden interessiert." Er warf die Information beiläufig ein. "Ohje. Ich bin der Einzige, der das weiß, oder? Verdammt! Das ist dann wohl ein Mord, den ihr mir tatsächlich anhängen wollt?" Am Ende hörte sich der Satz ziemlich erstickt an, weil ihm die Puste ausging und er keuchend, röchelnd und hustend erst einmal nichts mehr raus bekam.
Averic beschloss, bevor er sich der Gereiztheit noch hingab und sich gleich auf die schwarzweiße Fähe stürzte, sie einfach weiter geflissentlich zu ignorieren. Sie wollte wohl nicht wahrhaben, dass sie hier nichts zu suchen hatte. Alles, was für Averic in diesem Augemblick wichtig war, war Turiéns Begrüßung. Die nahm ihm wenigstens eine kleine Last von den Schultern. Der Jungwolf fuhr ihm über die Lefzen und der Pechschwarze war erleichtert. Er hätte es nicht ertragen, wenn ihm seine Kinder Verachtung entgegen gebracht hätten für das, was er nie gewollt hatte, wofür er seinen Vater verachtet hatte und dessen Weg er letztendlich trotzdem hatte gehen müssen. Unausweichlich. Der große Schwarze hob den Kopf wieder und lächelte schräg. "Den Umständen entsprechend." Seine Schulter musste er dringend versorgen. "Aber Hauptsache, ich bin wieder bei euch."
Invi amüsierte die Ignoranz des Schwarzen wirklich sehr. Dennoch war das Wiedersehen der beiden dort gerade wirklich fast ein wenig rührend. Also nicht, dass Invidia dieses ganze Theater überhaupt auch nur ein wenig berührte, aber wäre sie jemand anderes, würde diese Situation ihr wahrscheinlich ein Lächeln abringen. Sie trat neben Averic. Sie spürte, dass die Beziehung zwischen den beiden nicht so locker schien, wie es zu allererst den Anschein gemacht hatte, aber sie wollte nicht weiter nachfragen. Stattdessen schenkte sie Turién ein warmes Lächeln, bevor sie ihren Blick auf Averics Schulter richtete. "Ich glaube, wir sollten zuerst einmal deine Wunden versorgen bevor es noch schlimmer wird." Sie blickte von dem schwarzen zu seinem Sohn. In ihren Augen lag ein wenig Sorge und sie appellierte an den Verstand des Wolfes, dass Averic nun erst einmal versorgt werden müsste.
Turien rang sich ebenfalls zu einen mehr schiefen als vollen Lächeln durch. "Ja... du bist wieder da." Er nickte abwesend und betrachtete die Schulter seines Vaters. Irgendwie fand er es sehr amüsant, dass auch er selbst eine Verletzung an der Schulter hatte - natürlich nicht mehr so frisch und schlimm, wie die von Averic, aber auch er hatte noch das angetrocknete Blut der schlecht heilenden Wunde, nach der hektischen Flucht, im Pelz kleben. Und so sehr er die Schwarz-Weiße auch fortwünschte, so hatte sie Recht - also underdrückte der Jungwolf ein Knurren und trat einen Schritt zurück. Er hasste es - aber er musste ihr Recht geben. "Sie hat Recht..."
Aszrem beobachte sowohl Caylee als auch Krolocks Reaktion, während die Weiße sprach. Er glaubte nicht, dass sie log - zumal sie vermutlich wirklich die Einzige war, die Scherz von Ernst bei Krolock zu unterscheiden vermochte. Krolocks unentwegter Sarkasmus trug zudem nicht gerade dazu bei, seine Worte glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Erst recht nicht, da er mit einer derartigen Beiläufigkeit von Nihils Tod sprach. Aszrem zog zischend die Luft ein. Nihil war also tot? Wie konnte Krolock das wissen? Er war die ganze Zeit beim Rudel gewesen. Und dann Caylees Erwähnung der roten Augen... Aszrem wandte sich um und trat direkt zu Tyraleen, derweil er Parveen ein Nicken schenkte. "Rote Augen... Urions und Takashis Fluch? Ich sage das wahrlich nicht gern aber... vielleicht weiß er tatsächlich nicht, was er getan hat? Wusste Urion es, erinnerst du dich?", sprach er flüsternd zu ihr und kämpfte gegen die Stimme an, die ihm sagte, dass das auch gar keine Rolle spielte im Grunde. Krolock gehörte aus dem Rudel verbannt. Schon sehr lange...
Parveen erwiderte kurz die Begrüßung von Tyraleen und beobachtete dann weiter die Wölfe vor sich. Bei der Erzählung ihrer Nichte hatte sie eigentlich keinen Zweifel an der Richtigkeit. Anders als es war, wenn der Schwarze seinerseits das Maul öffnete. Selbst bei der Erwähnung von Nihils Tod dachte sie erst so, aber hier hatte er keinen Grund zur Lüge, wie ihr schnell bewusst wurde. Eigentlich war es traurig, dass man so dachte, aber dies hatte sich Krolock selbst zuzuschreiben… Trotzdem, was war, wenn wirklich ein Funken Wahrheit in dem steckte, was er sagte? Es wäre einfacher zu beurteilen, wenn es nicht derart zum Wesen des Schwarzen gepasst hätte. Wäre da nicht wieder die Tatsache, dass Caylee einer der wenigen Wölfe war, die ihn mochte. Oder bei der es zumindest noch vor kurzem so gewesen war. Bei der Erwähnung der roten Augen zog sich etwas in ihr unangenehm zusammen. Dies alles schien mehr zu sein als das Durchdrehen eines jungen Wolfes zu sein. Interessiert und gleichzeitig eine Spur unsicher hörte sie sich die Worte ihres Alpha an, als er zu ihnen sprach und dann die Stimme an Tyraleen gewandt weiter senkte. Sie selbst wusste nicht genug Einzelheiten um sich ein Urteil bilden zu können, aber allein bei dem Wort 'Fluch' senkte sie bestürzt die Augen. War es der richtige Zeitpunkt für Milde und ein gutes Herz? Flüchtig schaute sie erneut zu dem am Boden liegenden Rüden. War Mitleid angebracht? In ihr sträubte es sich, aber abschütteln konnte sie den Anflug des Gefühls trotzdem nicht. Warum, war ihr selbst klar, hatte dieser Wolf vielleicht wirklich all das getan, was sie dachten.
Averic sah zur Seite, als Invidia direkt neben ihn trat und ließ ein unterschwelliges, dumpfes Knurren ertönen. Eine schlichte Warnung, dass sie ihm nicht zu nahe kommen sollte. So nahezu zahm der hünenhafte Todessohn auch seiner nahen Familie gegenüber wirkte, so sehr hielt er andere auf Abstand. Jedem Wolf, den er nicht zu seinem auserwählten Kreis zählte, hätte er zu verstehen gegeben, dass sie ihm nicht auf die Pelle rücken sollten. Glücklicher Weise zog sich die schwarzweiße Fähe endlich zurück, nachdem sie noch einmal auf seine Wunden hingewiesen hatte. Averics Blick kehrte zurück zu Turién. Der Pechschwarze konnte nicht leugnen, dass Invidia tatsächlich Recht hatte. Ein leises Seufzen verließ seinen Fang. "Die Pfoten sind kein Problem." Und etwas missmutig fügte er hinzu: "An meine Schulter komme ich selbst leider nicht so gut dran."
Tyraleen kannte Caylees Geschichte bereits und sah deshalb die anderen Anwesenden an, während ihre Tochter noch einmal berichtete, was geschehen war. Krolocks Reaktion daraufhin schien zunächst wie erwartet, dann aber sprach er mit einem Mal eine Neuigkeit aus, die die Weiße kurz erstarren ließ. Nihil? Aber ... er war nicht aus dem Tal der Sternenwinde mit ihnen gewandert, das wussten sie. Aber woher konnte Krolock von seinem Tod wissen? Und ... gab es womöglich einen Zusammenhang. Irgendetwas hatte den merkwürdigen weißen und den wütenden schwarzen Wolf verbunden. Ihr begann der Kopf zu schwirren, ignorierte geflissentlich die Sticheleien Krolocks und legte ihren Blick auf Aszrem. Auch er schien nachzudenken und trat dann zu ihr, seine geflüsterten Worte brachten einen weiteren Aspekt hinzu, an den die Weiße nicht gedacht hatte. Dieser merkwürdige Fluch, von dem sie eher am Rande mitbekommen hatte ... Urion kannte sie kaum. "Ich ... ich weiß nicht. Nihils Tod könnte auch eine Rolle gespielt haben. Vielleicht eine Kombination ..." Sie war vor allem verwirrt. Ihr Wissen über diesen Fluch war viel zu gering um urteilen zu können. "Woher weißt du, dass Nihil tot ist?" Ihre an Krolock gewandte Frage schien ihr nun die wichtigste zu sein.
Caylee hatte mir anderen Reaktionen auf ihre Erzhälung gerechnet - auch und gerade von Krolock. Einfach so erwähnte er Nihils Tod, als wäre das nicht weiter wichtig. Geschockt starrte die Weiße auf den am Boden liegenden Wolf, nun doch kurzzeitig sprachlos. Nihil war Krolocks engster Freund - weit aus enger als sie - er war sein Anhängsel, praktisch ein Teil von ihm. Fast meinte sie zu verstehen. Der weiße Kopf senkte sich langsam, dann trat sie wieder enger an Parveen, die ebenfalls den Kopf gesenkt hatte, als würde sie verstehen, was hier passiert war. Oder verstand sie sogar? Caylee wünschte es sich, aber erklären konnte sie nichts. Nur den Kloß in ihrem Hals hinunterschlucken.
Turien konnte gerade eben seine Genugtuung verbergen, dass Averic Invidia in die Schranken wieß und ihr klar zu verstehen gab, wo sie in der Rangordnung stand. Seine sonnengelben Augen musterten die blutigen Läufe und leckte dem Schwarzen noch einmal über die Lefze. "Zum Glück bist du ja bei uns." Und damit fing er an die Wunde an Averics Schulter zu säubern. Vorsichtig und ohne jegliche Ahnung, aber mit wölfischem Instinkt.
Krolock beobachtete die anwesenden Wölfe um ihn herum eher weniger interessiert. Sie spekulierten wild und er überlegte, wie viel Information er dem Pack zukommen lassen wollte. Die meiste Zeit sprachen sie ja sowieso, als wäre er nicht anwesend. "Weil ich meine Seele wieder für mich allein habe.", beantwortete er Tyraleens Frage. "Der Welpe aus dem Nichts ist nicht länger Teil der Welt, in die er nie gehört hat." Klang fast poetisch, huh?! Er beobachtete die Anderen weiter, gespannt, was nun passieren würde.
Averic ließ sich langsam auf die Hinterläufe sinken, lächelte leicht und nickte. Ja, jetzt war er da. Auch wenn er sich immer noch nicht im Klaren darüber war, wie er dazu stehen sollte. Aber die Nähe zu seinen Liebsten ließen alle Sorgen vorerst in den Hintergrund rücken. Er verzog keine Miene, als Turién damit begann seine Schulterwunde zu säubern, obwohl es doch sehr brannte.
Turien säuberte die Wunde sogut er konnte. Er hatte nicht viel Ahnung, hatte bis jetzt nur sich selbst und einige kleine Wunden anderer Wölfe versorgt. Seine Wut und sein Hass auf seinen Vater waren wegegeblasen, und tiefer Erleichterung gewichen. Er hätte auch tot sein können. Er hätte tot sein können und sie hätten es nie erfahren. Hätten vielleicht in dem Glauben gelebt er wollte nicht zurück kommen, wollte fort bleiben. Was wäre wenn? Aber er war hier, und nach dem ersten Schock wich die Angst und Unsicherheit und Wärme und Glück breitete sich in ihm aus. Er hielt kurz inne, stockte. "Was... was genau ist passiert...?" Er wusste den ungefähren Ablauf, aber er wollte mehr wissen.
"Die Erde hat angefangen zu beben, als ich am Rande einer der Schluchten entlang wanderte. Eine Steinlawine hat mich und einen anderen, fremden Wolf mitgerissen und unter einem Haufen Schutt begraben. Glücklicher Weise blieb ein Hohlraum für uns. Dann haben wir angefangen zu graben und Steine wegzuschieben. Aus dem Steingefängnis heraus konnte ich auch sehen, was im Tal passiert ist ..." Sein Blick ging in die Ferne, wo irgendwo über dem Tal noch die schwarzen Wolken hingen.
Aszrem 's Blick lag auf Krolock. Die Worte des Schwarzen ergaben für ihn nicht viel Sinn, da er nie von der besonderen beziehung zwischen Nihil und krolock gewusst hatte. Er wusste lediglich, dass Nihil aus dem Nichts gekommen war und dass er und krolock viel miteinander zu tun gehabt hatten, aber das machte Krolocks Worte nicht unbedingt verständlicher. "Er redet wirr. Er kann auf keinen Fall auf sich allein gestellt bleiben, erst Recht nicht im Rudel. Wenn es wirklich dieser Fluch ist, dann sagt er vielleicht sogar die Wahrheit und war sich seiner Taten nicht bewusst. Trotzdem sollt er sich für die nächste Zeit vom Rudel fern halten und nur mit Abstand mit uns ziehen, bis wir Klarheit über seinen Zustand gewinnen. Desweiteren halte ich es für sinnvoll, ihn unter die Aufsicht eines verlässlichen Rudelmitglieds zu stellen, wenn sich näher beim Rudel aufhällt und später vielleicht auch wieder uns direkt begleitet. Parveen, ich möchte dir gerne diese Aufgabe anvertrauen."
Parveen drückte sich seitlich leicht gegen Caylee. Schicksalsschläge konnten einen Wolf verändern und ihn vielleicht zu einer Tat treiben, wie sie Krolock getan hat. Der Tod konnte auf manche einen unvorhersehbaren Einfluss haben. Sie selbst hatte damit mehr als genug Erfahrungen gesammelt und vielleicht war genau dies auch die Ursache für ihre Gefühle, die sie in den letzten Momenten ergriffen hatten. Doch, wie nah standen sich die beiden Rüden? Sie hatte nie genauer darauf geachtet und wusste auch nicht, ob Krolocks scheinbares Desinteresse wirklich seinem Inneren entsprach, oder was er genau bei der Erwähnung seiner Seele meinte. Dieser Wolf schien nicht fähig andere an etwas teil haben zu lassen, das ihn bewegte. Selbstschutz? Vielleicht, oder war es ihm wirklich nicht wichtig, dass ein Mitglied des Rudels tot war. 'Das Gute' in anderen sehen zu wollen, würde eines Tages noch zu ihrem Fluch werden, so zumindest die düstere Vermutung Parveens, auch wenn sie deswegen nicht davon ablassen wollte. Sie wollte einfach glauben, dass die Seele des jungen Wolfs so schwarz war wie sein Pelz. Als Aszrem schließlich wieder das Wort ergriff, nickte sie leicht bei den ersten Worten und konnte die Entscheidung nachvollziehen. Die Gefahr war zu groß, gerade, wenn sie an die Welpen dachte. Solange sie nicht sicher sein konnten, was in den Schwarzen gefahren war, durfte kein Risiko eingegangen werden. Aber dann glaubte sie plötzlich, sich verhört zu haben. Ihre Ohren stellten sich auf und sie warf ihrem Alpha einen Blick zu, der einen leicht fragenden Glanz haben mussten, obwohl sie natürlich genau verstanden hatte. Trotzdem. Sie sollte auf Krolock achten? Sie konnte nicht anders, als dem jungen Rüden einen Blick zuzuwerfen, bevor sie sich an Aszrem wandte. "Ich werde auf ihn achten." Natürlich würde sie das. "Es wird nichts wie das geschehen, was eben passiert ist." Nach dem anfänglichen Schock konnte sie nicht leugnen, dass sie ein Stolz erfüllte, wie sie ihn schon lange nicht mehr gespürt hatte.
Tyraleen s Fell stellte sich leicht auf, als Krolock ihr erstaunlich ehrlich und ohne zu zögern antwortete. Sie hatte die Beziehung zwischen den Rüden nie endgültig verstanden und sich auch nicht wirklich damit beschäftigt, aber was er sagte, schien ihr nicht vollkommen abwegig. Da war irgendetwas passiert und nun war Nihil tot und Krolock damit anders. Vielleicht ja sogar verändert? Naja, das schien erstmal nicht der Fall zu sein, aber wer wusste das schon ... Sie nickte tonlos Aszrem zu und auch wenn der Schwarze scheinbar eine andere Meinung hatte als sie, kamen sie zu einer gemeinsamen Lösung. Ihr Mitalpha ging sogar einen Schritt weiter und entschied gleich, wer Krolock helfen sollte, sich zu beweisen. Die Wahl gefiel der Weißen und ein Lächeln huschte über ihre Lefzen. Ihre Schwester nahm die Aufgabe an und somit schien es entschieden. "Danke, Parveen.", sie berührte die Schwarze an der Stirn und wandte sich dann Krolock zu. "Wenn Parveen dir Anweisungen gibt, solltest du sie befolgen und keine weiteren Angriffe - egal ob im Scherz oder nicht - starten. Wir geben dir noch eine letzte Chance." Sie warf noch einen Blick zu ihrer Tochter, dann wollte sie nur noch zurück zu Averic und sich ausruhen.
Caylee s Ohren drehten sich noch weiter zurück, als Krolock auf die Frage ihrer Mutter antwortete und damit alles erklärte - zumindest in Caylees Augen. Krolocks Wurzel war der entrissene Teil seiner Seele. Nihil war ein Teil von ihm gewesen und nun war er tot. Sie konnte dem Schwarzen nicht mehr böse sein, auch wenn sie sein anschließendes Verhalten nicht komplett verstand - aber das war nichts Ungewöhnliches. Viel eher war es nicht gewöhnlich, dass Aszrem nun Parveen zum Aufpasser bestellte und damit ein mildes Urteil über Krolock fällte. Nun ... das war okay. Aber Parveen ... irgendwie war sich die Weiße nicht sicher, ob das gut war. Sicher, zwei ihrer liebsten Wölfe würden nun viel beisammen sein ... aber irgendwie zwei Wölfe, die sie nie zusammengebracht hätte. Sie schluckte und sah dann unsicher zu Krolock.
Krolock fixierte Aszrem eine Weile, aber er sagte nichts dazu. Er dachte sich seinen Teil. Was für ein Bullshit. Natürlich erinnerte er sich daran, was passiert war. Und es würde wieder passieren, das wusste er auch. Doch wer legte sich schon selbst einen Strick um den Hals? Er jedenfalls nicht. Nur hätte er nicht erwartet, dass Aszrem, der so besserwisserisch auftrat, derart leichtfertig handelte. Parveen? Wer war die schwarze Wölfin? Catwoman? Bescheuert. Aber gut. Er hatte nie daran gezweifelt, wie dämlich die Wölfe hier waren. Er sagte nichts dazu, schließlich erwartete niemand sein Einverständnis. Und zum Widerspruch hatte er keinen Grund. Einen Kampf würde er nicht riskieren, in seinem Zustand.