Tyraleen
23.12.2009, 16:39

Die Sonne war aufgegangen, das Rudel saß zusammen am Rudelplatz. Außer Acollon, Falk und Varloc waren sie vollständig, eine traurige Bilanz eines doch einst großen Rudels. Acollon war auf dem Weg zum Rudelplatz, wurde erwartet. Der Morgen begann kühl und windig, Wolken wurden vom Wind über den Himmel getrieben, zu schnell um Regen fallen zu lassen, doch kündigten sich am Horizont bereits schwere Regenwolken an, bald würden sie auch das Tal der Sternenwinde erreicht haben. Die Blätter hatten bereits verdächtig rote Ränder, wenn am Nachmittag das Wasser auf die Erde prasseln würde müssten sich die ersten Blätter lösen, unumgänglich war der Herbst eingezogen, fast wie über Nacht. Der See lag unruhig da, Wellen wurden immer wieder aufgewirbelt, unruhig spielte der Wind in ihnen, ließ sie tanzen und gegen einander platschen als wolle er sie ärgern. Ebenso fuhr er in das Fell der Wölfe, wirbelte umher, vertrieb mit eisigen Hauchen, die hier und dort plötzlich auftauchten, den Sommer zu vertreiben und die Wärme abzutöten. Der Herbst, der Herbst, der Herbst war da ...


Dayon sah nervös zum Himmel, der Regen, der so deutlich dort oben zu sehen war, machte ihn unruhig. Er mochte das kalte Nass nicht, genauso wenig wie er den Herbst mochte; und eben der kam nun. Leicht seufzend sah er wieder zu Boden, sein Blick fiel auf Moon, der Kleine schlief noch immer ... es musste eine anstrengende Nacht für ihn gewesen sein. Langsam erhob sich Dayon, erneut entfernte er sich von seinem Sohn, aber Banshee schien eine Versammlung oder etwas in der Art abhalten zu wollen und so wollte Dayon beim Rudel sein. Als er Ayala entdeckte, die traurig nach Falk zu suchen schien, trat er neben sie und sah sie mitleidig aber auch besorgt an.

"Er wird sicher bald wieder kommen."

Lächeln konnte er nicht, aber vielleicht half es Ayala ja auch, wenn seine Schnauze nur sanft die ihre berührte, anders wusste er nicht sie zu trösten. Seine Schwester im Geiste bedeutete ihm viel, auch wenn er das nicht oft zeigte. Unwillkürlich musste er an Jahlay denken, Schmerz durch zuckte ihn.



Hanako legte den Kopf etwas schief und betrachtete die Kleine Welpe. Sie war äußerst niedlich, erinnerte sie fast an ihren verstorbenen Welpen und hatte genau diese gleichen, süßen Augen. Lächelnd legte Hanako den Kopf auf die Pfoten vor sich und schielte 'gen Himmel, immer wieder fragte sie sich, wie lange es noch dauern würde, bis der Regen seinen Tanz hier niederließ. Dann betrachtete sie wieder Leé und ihr wurde ganz Warm um das Herz. Ob sie ihr eine Mutter schenken konnte? Vielleicht war sie ja eine gute Mutter für die Kleine? Sollte sie es wagen, den Versuch - zu fragen und der Kleinen zu zeigen, was passieren würde. Erst schluckte Hanako noch, dann stupste sie die Kleine wieder an.

"Meinst du...dass ich deine neue Mami werden kann?"

Hanako zitterte etwas, sie war überrascht von ihrem Mut, gespannt, was die Kleine sagen würde und ob das ganze hier doch nicht im Unglück enden würde. Sie seufze innerlich und wartete, mehr würde sie nicht tun können.



Leé betrachtete gerade den Himmel, der so traurig grau aussah. Es windete und Leé schüttelte ihren warmen Pelz, sie fühlte sich wohl. leé schaute in die Augen Hanakos und sie spürte große Zuneigung zu Hanako. Als Hanako fragte, ob sie ihre neue Mutter werden könne, schaute sie Hanako verblüfft an. dann wedelte sie heftig mit ihrer Rute und wuffte laut vor Freude zweimal.

"Ja! Ja Hanako, ich möchte, dass du meine neue Mami wirst."

rief Leé begeistert. Dann schmiegte sich Leé an ihre neue Mutter und leckte ihr über ihre große Schnauze. Dann schaute sie lächelnd in Hanakos Augen.



Hanako starrte ihre neue Tochter mit freudigen, ja, fast strahlenden Augen an. Der ganze Schmerz, der da war, der Verlust war wie verschwunden. Nun hatte sie eine neue Tochter, eine genauso wunderschöne und liebevolle. Sie hatte diese schönen Augen, gab Wärme und gute Laune. Hanako knuddelte Leé einmal richtig durch, schleckte ihr über die Schnauze und drückte sie wieder erfreut an sich. Diese Reaktion hatte sie wirklich erst nicht erwartet und sie war umso glücklicher gewesen, diese Antwort gehört zu haben.

"Oh, ich bin so froh, Leé. Man sollte dir den Spitznamen Sonnenschein geben, du machst einen glücklich und lässt einfach alles um dich herum erstrahlen!"

Ja, diese Worte waren die pure Wahrheit, alles waren ihre Eindrücke und ihre Gefühle gewesen. Hanako lächelte stärker, war überaus glücklich und ihr Herz sprang wild umher.
.oO(Ob ich ihr auch bald einen Vater schenken kann?)



Reiyn schaute sich aufmerksam um. Es schien, als wolle die Leitwölfin Banshee ihrem Rudel eine Mitteilung machen ... Was wohl in der Zeit bevor Reiyn sich hier zur Rast niedergelassen hatte passiert war? Die Stimmung, die herrschte, gab einen den Eindruck, dass es schwere Zeiten hinter sich hatte. Reiyn erhob sich langsam und mit etwas traurigem Gemüt. Er beschloss, seine Rast schon an diesem nebligen Morgen, der den Herbst mit sich brachte, zu beenden. Reiyn hob die Schnauze in die feuchte Luft und atmete tief ein. Er schätzte diese Wölfe jetzt schon und doch meinte er gehen zu müssen. Ein eigenartiges Gefühl hatte ihn beschlichen. Angst ... vielleicht? Ja, es fühlte sich an wie Furcht; er fühlte sich hier wohl, aber auch, als wäre ein Teil von ihm fortgebrochen, als wäre er nicht vollständig. Reiyn schritt langsam auf Banshee zu und als er vor der hübschen Weißen stand, hob er den Blick und sah ihr in die Augen.

"Ich möchte mich für die Gastfreundschaft bedanken, die du und dein Rudel mir entgegen gebracht haben. Ich habe mich während meiner Rast hier sehr wohl gefühlt, aber ich habe beschlossen, meine Reise schon heute weiterzuführen. Wer weiß, vielleicht begegnen wir uns ja noch einmal? Jedenfalls ... Danke."

Er schenkte ihr einen warmen Blick, genau wie Ayala, die direkt neben ihr stand.

"Dir auch ein Dankeschön, Ayala."

Reiyn legte den Kopf schief und schaute zum wolkenverhangenen Himmel.



Banshee sah auf, als Reiyn, der junge Rüde, der erst kurze Zeit hier verweilte, zu ihr kam. Ihre Augen tanzten unruhig über den Waldrand während sie Reiyn schweigend lauschte, nach dem er geendet hatte schwieg sie eine ganze Weile, lächelte aber noch immer, wenn auch nicht mehr glücklich.

"Reiyn, ich habe mich sehr gefreut dich hier auf nehmen zu dürfen, nun setze denn deinen Weg fort und wenn du irgendwann wieder einen schützenden Rastplatz brauchst, so bist du hier immer willkommen."

Jetzt wurde ihr Ausdruck wieder etwas glücklicher, sie freute sich ehrlich für ihn mit, die Freiheit und die Suche nach etwas unbekanntem standen ihm bevor. Leicht streckte sie sich vor und berührte ihn an der Schnauze, schickte ihm noch einen warmen Blick mit auf die Reise und schwenkte leicht die Schnauze.

"Lebe wohl."



Der schwarze Rüde tauchte auf der Lichtung auf. Der Rudelplatz. War dem Ruf seiner Gefährtin gefolgt. Hatte seine Pfoten über den Erdboden trommeln lassen, war mit dem Wind immer in Richtung der anderen gelaufen, hatte nun auch den Geruch seiner Gefährtin aufgenommen. Als Acollon ihr weißes Fell erblickte, stockte ihm der Atem. Sie war so wunderschön. Er verlangsamte sein Tempo und lief gleichmäßig auf die Schneeweiße zu. Reiyn war bei ihr, sah in den grauen und Wolkenbedeckten Himmel.

„Banshee.“

hauchte Acollon und strich an seinen Kopf an ihren, kurz, aber sacht und gefühlvoll. Seine kalten, grauen Augen fixierten Reiyn. Acollon richtete sich auf, blieb aber bei Banshee Flanke an Flanke stehen.

„Du siehst aus, als ob du uns verlassen möchtest.“

doch ohne eine bestätigende Antwort abzuwarten, nickte er leicht.

„Ich begleite dich zur Reviergrenze, los, komm.“

Es klang ein wenig nach einem Befehl, doch als er sein Augenmerk auf Reiyn gerichtet war, versuchte er bittend auszusehen. Er drehte sich kurz zu Banshee und sah sie an. Streckte dann ein wenig die Schnauze in die Luft, und stimmte ein Abschiedsheulen an. Er hatte diesen Rüden nicht direkt kennen lernen können, oder wollen, aber trotzdem war er ein Gast gewesen und hatte sicherlich auch in Ayala und Banshee Freunde gefunden.



Banshee sah auf, als Acollon durch die Büsche brach und auf sie zukam. Sofort wurde ihr Lächeln warm und ihre Augen blitzten erfreut. Sanft erwiderte sie seinen Gruß mit einem Kuss auf die Schnauze, dann ah sie von Reiyn zu Acollon.

"Ich würde zu gerne mitkommen ... aber kann wohl nicht das Rudel alleine lassen."

Sie verstummte, warf einen Blick über die Schultern, sie schienen alle ganz ruhig, die kleine Leé schien Hanako näher gekommen zu sein, Banshee freute sich ehrlich für die beiden mit, sowohl Leé als auch Hanako brauchten jemand, der bei ihnen war und sich um sie kümmerte. Sie drehte sich wieder zu den beiden Rüden.

"Ich werde mit euch kommen, es scheint alles ruhig zu sein."

Sie lächelte, Acollon wieder ohne sie ziehen zu lassen gefiel ihr nicht und Reiyn zu verabschieden war ihr wichtig.



Leé hüpfte um ihre neue Mutter herum, noch nie war sie im Leben glücklicher gewesen? Nein, bestimmt nicht. Das Gefühl von Freude durchströmte Leé. Das Welpenmädchen wuffte laut vor Freude und umsprang Hanako. Sie knabberte ihr in die Hinterläufe um sie zum spielen aufzufordern. Dann rannte sie um Hanako herum und wuffte herausfordernd. Sie wurde immer schneller, sah nur noch nach vorne. Sie übersah eine Wurzel und stolperte darüber. Im hohen Bogen purzelte Leé über den, von Blättern bedeckten Waldboden, und blieb dann verblüfft hocken und rief:

"Wow! Hast du das gesehen Mami?"

Sie schüttelte den Kopf und stand langsam wieder auf. Ihr war schwindelig von den Purzeldrehungen.

Reiyn schaute zu dem schwarzen Rüden, in seine stählern blauen Augen und anschließend zu Banshee.

"Nein, es geht schon, ihr müsst mich nicht begleiten."

sagte er etwas unsicher und lehnte sich auf die eine Pfote. Bei dem, was er zum Abschied vorhatte, wäre es Reiyn unangenehm gewesen, jemanden dabei zu haben. Es kitzelte ihm schon in der Kehle ... heute war ein richtiger Tag dafür.

"Wirklich, alles okay."

sagte Reiyn noch einmal und nickte den beiden zu, Ayala schenkte er noch einen letzten warmen Blick. Sie hatte er besonders gemocht. Reiyn drehte sich von ihnen fort und ging Richtung Wald, aber er verschwand nicht, ohne noch einmal bei Hanako stehen zu bleiben.

"Tja, meine Zeit hier hat jetzt schon ihr Ende gefunden. Meine Rast ist beendet. Es war schön, dich kennen gelernt zu haben ... und ... ich hoffe du gehst deinen Weg, Hanako. Viel Glück."

Reiyn blieb einen Moment stehen, sah sich noch ein letztes Mal um und schlug schließlich seinen Weg aus dem Revier des Sternenwindrudels ein. Er verschwand rasch im nebligen Wald und begann zu rennen, sobald die Bäume ihn verbargen. Er brauchte nicht lange durchs Dickicht hasten, bis er auf einem kleinen Berg zu einem Felsblock gelangte, der aus den Bäumen herausragte. Reiyn fuhr mit der Pfote über die steinerne, etwas sandige Oberfläche und atmete lange Zeit einfach nur ruhig ein und aus. Er wollte singen für das Rudel. Eigentlich tat er das nur bei Nacht, aber dieses Mal machte er eine Ausnahme und hoffte, ihnen damit eine Freude bereiten zu können. Seine Großmutter hatte ihm oft gesagt, sein Gesang wäre so wunderschön, dass sie tagelang zuhören könnte. So weit würde Reiyn nicht gehen, aber auch er hatte bemerkt, dass seine Stimme tief und schön klang.
Er legte den Kopf schief und blies etwas zitternd die warme Luft hinaus in den kalten Tag. Sollte er? Sollte er nicht? Letztendlich fasste sich Reiyn ein Herz und schloss die Augen. ER erhob die Stimme. Immer lauter, bis er sich sicher sein konnte, dass sie sich über das Tal legte. Die Zeit schien für ihn stehen zu bleiben, während dieser vielen sonnig herbstlichen Momente, die er seine Melodie sang, obwohl er den Wind durch sein Fell blasen spürte. Als die letzten Töne unten im Tal verklungen, öffnete Reiyn die Augen und ließ den Blick über das Sonne beschienene und doch neblige Tal wandern. Es war wirklich schön hier und er wünschte dem Rudel friedlichere Zeiten, als die, die sie scheinbar hinter sich hatte.
Reiyn setzte zu einem letzten Abschiedsheulen an und drehte sich fort. Kurz bevor er die Grenze überschritt, neigte er den Kopf zurück und flüsterte:

"Hoffentlich ... Auf Wiedersehen."



Hanako musste leise kichern, es war einfach nur niedlich mit anzusehen, wie Leé um sie herum hüpfte, mit all der Freude in ihren Augen und dem puren, strahlenden Ausdruck auf dem Gesicht. Hanako stupste die Kleine einmal beim Laufen freundlich an und beobachtete dann, wie diese loslief und über die Wurzel stolperte. Sie hatte sich ziemlich erschrocken und erst gedacht, dass Leé etwas passiert wäre, aber als die Kleine völlig verblüfft auf dem Boden saß und ihre Worte an Hanako richtete, musste Hanako etwas lachen. Zu süß war das Bild gewesen, der Ausdruck einfach niedlich. Gerade wollte sie losrennen, ihrer Tochter nun Gesellschaft leisten und mit ihr Spielen, so, wie sie es forderte, als Reiyn vor ihr stand, sich verabschiedete und fort ging. Hanako traf es fast wie ein Blitz, dabei kannte sie den Rüden nicht so gut. Er war sehr nett zu ihr gewesen und Hanako hatte irgendwo gespürt, dass sie es versucht hätte, wenn sie die Kraft bald gefunden hätte. Nun wollte er fort gehen, für immer - das Rudel verlassen. Ein trauriger Ausdruck lag kurz auf den Lefzen der jungen Fähe, doch sie fasste sich wieder. Keine Hektik, keine Überstürzung, die Zeit brachte Wunder, das wurde ihr vor kurzen doch noch bewiesen. Lächelnd wandte sie sich wieder ihrer Tochter zu.

"Na warte! Jetzt hol ich dich!"

, drohte sie spielerisch, dann sammelte sie ihre Kräfte und rannte auf ihre Tochter zu, über die Wurzel sprang Hanako selbst aber, sie wollte nicht das gleiche erleben, wie Leé. Bei Leé angekommen warf Hanako sie leicht um, knuffelte sie am Bauch etwas durch und schleckte der Kleinen über die Schnauze. Ihr schien tatsächlich von dem Purzelbäumen schwindelig zu sein.

"Na komm, trink ein wenig Wasser!"



Banshee wollte Reiyn schon widersprechen, als der Rüde plötzlich loslief. Sie zögerte, wenn er es scheinbar wirklich wollte, so würde sie ihm auch nicht nachlaufen. Eine kleine Enttäuschung, winzig aber beißend stieg auf. Sie wandte sich zu Acollon, lächelte, jedoch fast freudlos, als plötzlich ein Heulen erklang. Sie erstarrte mitten in der Bewegung, ihre Ohren richteten sich auf, fast gierig um jeden Ton aufzufangen. Er war wunderschön, die Töne erklangen mit einer Reinheit und einer natürlichen Tiefe wunderbar fließend und umspülten ihr Herz wie ein warmer Wind. Reiyn heulte für sie ... deshalb wollte er alleine sein. Jetzt wurde ihr Lächeln wieder warm, glücklich. Als das Heulen abschwoll und dann ganz verstummte wurde sie traurig. sie hätte ewig da stehen können und lauschen, nie hätte sie gedacht, dass dieser Rüde so eine wunderschöne Stimme gehabt hat. Langsam hob sie die Schnauze zum wolkenbedeckten Himmel, stimmte ein Abschiedslied an, auch wenn es nie so schön werden würde wie seines, so sollte es ihn doch begleiten, wenn seine Pfoten die Freiheit wieder spüren durften.


Ayala nahm Reiyns Abschied nur schleierhaft wahr - sie vernahm seine Worte, Gesten, schaute ihm nach - und doch war ihr nicht klar geworden, was es bedeutete...sie hörte den Wind sanft durch die Blätter rauschen, spürte ihn mit ihrem Fell spielen...der wolkenverhangenen Himmel legte sich schwer auf ihr Gemüt, drückte sie nieder...
Der anschwellende Ton aus Reiyns Kehle nistete sich in ihrem Ohr ein, wurde lauter, weckte sie auf. Ayala sprang schlagartig auf...erst jetzt wurde ihr die Bedeutung klar, er ging...wirklich.
Unwillkürlich antwortete sie unbewusst, stimmte mit ein ins Lied der Trauer und des Neuanfangs - sie bereute, sich nicht richtig von ihm verabschiedet zu haben, doch sie hoffte, er würde sie verstehen...
Sein Ruf klang lange nach, Ayala war enttäuscht, dass er so bald schon gegangen war, sie mochte ihn...
Ihr Kopf drehte sich zu Dayon...hatte er nicht mit ihr gesprochen? Sie fing seinen Blick auf, setzt sich wieder neben ihn und vergrub ihre Schnauze in seinem Fell. Sie flüsterte ein leises

"Danke."

und versank in einem Meer von Fragen.



Dayon sah auf, als Reiyn sich verabschiedete, zu ihm sagte er kein Wort, aber er hatte ihn auch nie wirklich kennen gelernt. Trotzdem hob er gehorsam die Schnauze und stimmte in das Abschiedslied ein, welches Banshee anstimmte. Seine Ohren fingen zwar das Heulen Reiyns auf, aber dass es schön war, außerordentlich schön, hörte er nicht. Schon lange hatten seine Ohren verlernt etwas zu hören und dann zu sagen, es sei schön. Doch die Trauer Ayalas spürte er, ganz deutlich, sicher über das Gehen des Rüden, wohl aber auch über Falk. Dayon wusste nicht, was er sage sollte, wie er sie trösten sollte, obwohl er doch selbst ihn vermisste und gleichzeitig Reiyn nicht kannte und noch immer an Jahlay dachte. Stumm saß er neben Ayala, tröstete sie mit seiner Anwesenheit, wenn die nicht noch mehr Trauer spendete und dachte an Falk. Warum ließ er seine so unsichere und junge Gefährtin alleine? Merkte er nicht, wie sehr es sie schmerzte? Sofort zuckte er zusammen, er durfte nicht so denken, Falk war sein Freund und er war sehr gut zu Ayala.


Die junge Fähe Eris van Blanvalet stürmte stocksauer durch einen ihr unbekannten Wald. Die Tatsache, dass sie nicht den geringsten Schimmer hatte, wo sie war, war ihr bewusst ... aber egal.

„Niemand, niemand behandelt so Eris van Blanvalet!“

murmelte sie hitzig und stapfte weiter durchs Unterholz.

„Das tut keiner, hörst du? Keiner!“

Sie blieb unvermittelt stehen, atmete lang und tief ein und im ersten Moment sah es so, als würde sie keine Luft mehr bekommen.

„ICH - HASSE - DICH, KAMUI!“

schrie Eris in einer Lautstärke in den Wald hinein, dass um sie herum alle Vögel aus ihren nebelgeschützten Verstecken aufflatterten und eilig davon flogen. Eris´ Blick war leer und starr auf den Boden gerichtet und ihr Brustkorb hob und senkte sich schwer. Sie kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Draußen war es herbstlich kalt und man sah auf einigen Blättern schon den Raureif, doch Eris schien innerlich zu sieden. Sie fühlte sich, als müsste sie unter ihrem seidigen, schwarzen Pelz scharlachrot leuchten. Die Fähe begann zu rennen, dass ihr der Wind nur so in den Ohren pfiff, aber sie spürte ihn nicht.
.oO(Kamui, Kamui, Kamui!)
dachte sie bei jedem Satz den sie tat und bei jedem Baumstamm, den sie übersprang.
.oO(Kamui, Kamui, Kamui)
dröhnte es in ihrem Kopf. Der Hass auf diesen Namen wollte nicht verdampfen und so spielte sie ihn Mal um Mal wieder ab. Sie musste ihn zwar nicht mehr sehen, aber er schien immer noch in ihren Gedanken zu hausen. Der Wald lichtete sich langsam ... viel zu früh, wie Eris fand. Es tat gut durchs Dickicht zu wetzen ... es war ein beruhigendes Gefühl ... irgendwie. Ihre Augen brannten von Kältetränen und ihr Blick war stur nach vorn gerichtet. Sie erblickte einen See.
.oO(Arrrgh! Kamui.)
Sie lief weiter und nahm den See nun erst tatsächlich wahr. Ah! Ihr Gesicht hellte sich auf. Sie rannte auf ihn zu, tauchte platschend mit den Pfoten ein und watete durch das kalte Nass.

„Ahh! Ich bringe mich um! Ich bringe mich um!“

rief sie mit einer merkwürdigen Genugtuung in der Stimme und wirkte dabei leicht wahnsinnig. Der Boden unter ihren Pfoten fiel immer steiler ab und irgendwann war Eris vollkommen abgetaucht. Luftblasen stiegen an die Oberfläche. Eine kurze Weile tat sich nichts, doch dann wurde das Wasser wieder aufgewühlt und die junge Fähe tauchte auf. Sie hustete, während sie langsam wieder an Land tapste.

„Oh, nein ... das hättest du wohl gerne, dass ich mich wegen dir umbringe. Aber das kannst du dir abschminken, mich wegen eines Schlappschwanzes wie dir zu ersäufen, das wäre ja noch schöner ...“

Genau wie nach ihrem Schreianfall im Wald, starrte sie nun wieder auf den erdigen Boden, prustete zwischendurch immer mal. Sie ließ sich etwas Zeit, um zur Ruhe zu kommen, dann blickte sie sich mit wieder geschärftem Blick um. Sie sah andere Wölfe, doch erst nach einigen Atemzügen wurde ihr bewusst, dass sie sie, Eris, die ganze Zeit über beobachtet hatten. Gut ... sie führte ab und zu Selbstgespräche, aber das half ihr, den Stress abzubauen.

„Was? Was glotzt ihr denn so?“

fragte sie pampig, immer noch auf dem erdigen Boden sitzend und mit klitschnassem Fell.



Banshee ließ das Heulen langsam leiser werden und schließlich ganz verstummen, nur dem leisen Echo lauschte sie noch nach. Einige Zeit war Stille, dann konnte man leises Gezeter, eine Fähenstimme, hören. Die fremde Wölfin brach aus dem Wald, rannte in den See, tauchte unter und wieder auf, kam heraus und sprach sie an, als hätte sie sie erst jetzt bemerkt. Eine ganze Zeit lang schwieg Banshee, dann löste sie sich aus dem Kern des Rudels und trat näher zu der Fähe.

"Wir beobachten dich, weil du ohne Ankündigung oder Frage in unser Revier eingedrungen bist, an uns vorbei gerannt bist, in den See gestürzt bist und ohne erkenntlichen Grund einige Zeit unter Wasser geblieben bist, bis du nun hier stehst und uns fragst, warum wir dich beobachten?"

Sie hatte das ganze in einem Zug gesagt und beobachtete die Fremde nun prüfend, ihr kam sie ziemlich seltsam vor, doch blieb sie ganz ruhig und lächelte sogar leicht.



Shayo war seit langem unterwegs, ja seit sehr langem. Sein Rudel - verbrannt hinter sich gelassen. Shayo dachte die ganze Zeit an das, was geschehen war. Sein Rudel, alle bis auf seine Schwester, wurden brutal vom Feuer gefangen und starben. Nur er und seine Schwester hatten überlebt, da sie sich wieder einmal zu weit vom Rudelplatz entfernt hatten. Der Welpe war verwirrt und müde. Er stolperte andauernd über das kleinste Hindernis. Shayo war jetzt etwa ein Jahr alt, genau so alt wie seine Schwester. Wo konnte sie nur sein? Was war mit ihr geschehen?
In der nähe lag ein Fluss und auf dem Land dahinter war ein großer Busch und Felsen. Dort wollte sich der Jährling ausruhen. Er kam am Fluss an und wartete ein wenig um Kraft zu schöpfen. Der Fluss war eigentlich nicht so groß, aber da Shayo fast keine Kraft mehr hatte war es ein riesiges Hindernis. Der junge Rüde wollte auf einen Baustamm springen der vorbei floss. Er sprang und ... rutschte ab. Er konnte sich nicht halten und wurde mit der für einen Jährling noch recht starken Strömung fortgerissen. Er tauchte auf spuckt und keuchte. Panisch strampelte er ihm Wasser einige Zeit schluckte immer wieder Wasser. Da kam der Baumstamm unterspülte ihn und tauchte ihn in die tiefe, dann floss der Baumstamm davon. Shayo tauchte nicht mehr auf, sondern trieb nun auf der Wasseroberflache, den Fluss hinab....



Eris blickte der Fähe vor sich aus ihren grauen Augen vorsichtig, beinahe misstrauend entgegen. Sie war sehr hübsch. Strahlendes, weißes Fell und zum versinken tiefe Augen. Dass Eris etwas eingeschüchtert war, ließ sie sich nicht anmerken und stand auf, reckte die Schnauze.

"Ähm ... ich habe meine Gründe und dass ich hier einfach reingeplatzt bin, tut mir leid. Ich kann auch gern wieder gehen, wenn das lieber wäre."

sagte sie kühl und distanziert, versucht zu wirken, als stünde sie über den Dingen. Eris fühlte langsam die Schwäche, die ihr die Knochen hinaufkroch, wie ein dunkler, unheilvoller Schatten. Sie war müde, war am rennen seit der Mond aufgegangen war letzte Nacht. Doch sie ließ sich nicht das Geringste anmerken, es ging niemanden etwas an.

"Also?"

fragte sie fast etwas biestig und stützte sich mit ihrem angespannten Körper auf die linke Pfote.



Banshee spürte sofort die Anspannung der Fähe vor ihr, nervös, bemüht erhoben und in jeder Hinsicht unantastbar zu sein. Banshees Lächeln wurde tiefer, diese Fähe musste einiges erlebt haben, dass sie so geworden war, trotzdem hatte sie den gewissen Charme eines Welpen an sich, der nicht zugeben wollte, dass er etwas böses getan hatte, obwohl es doch alle wussten.

"Ob du gehst oder bleibst liegt ganz an dir, entschuldigt hast du dich ja schon."

Sie begann leicht zu grinsen, konnte es sich nicht verkneifen, dann setzte sie sich und musterte die Fähe.

"Du bist hier übrigens im Revier der Sternenwinde ... ich bin Banshee, Leitwölfin."

Mit ihren Augen zauberte sie eine stumme Frage, bat sie die Fähe sich vorzustellen.



Der schwarze Rüde sah noch lange in den Himmel und dachte darüber nach, was es ihm ausmachte, dass nun ein Wolf gegangen war. Acollons Blick lag auf Banshee. Er betrachtete sie starr, im Herzen fast liebevoll. Langsam legte er sich wieder hin. Sein Hunger wurde wie immer unerträglich. Schon wieder mal, hatte er lange gehungert und hatte sich nichts anmerken lassen, er schloss müde, fast erschöpft die Augen. Atmete gleichmäßig und tief.
.oO(Schon wieder ein neuer Wolf)
dachte er nur kurz.



Shayo lag ängstlich wimmernd in einem kleinen Erdloch, der noch blinde Welpe registriere Geräusche und wimmerte immer wieder nach seiner Mami. Doch ahnte er nichts davon, dass seine Mutter nicht weit entfernt war, sie lag direkt neben ihm und war tot. Shayo war erst 3 Wochen alt und seine Augen hatten sich immer noch nicht geöffnet, nur seine Ohren funktionierten. Er und seine Mami waren in einem großen Rudel, doch bei einer Wanderung waren die beiden vom Rudel abgekommen. Nun wimmerte er ängstlich weiter ... wo war er hier nur? Und warum kam seine Mami nicht mehr?


Leé grinste ihre Mutter an und stand dann langsam auf. Ihr war nicht mehr so schwindelig, doch Durst hatte sie schon.

“Uhh...es geht wieder. Aber Durst habe ich, können wir zu einem Bach oder so gehen, Mami?"

fragte Leé und schleckte Hanako liebevoll über die Nase. Zum ersten Mal freute sie sich auf die Zukunft, jetzt war ja Hanako da. Zum ersten Mal war ihre Vergangenheit abgeschlossen, eben nur Vergangenes und ihre Wunden waren verheilt. Sie sehnte sich nicht mehr nach ihrer Mutter, sie hatte jetzt die Liebe von hanako bekommen, und das war für leé ein Geschenk wie keines sonst. Jetzt konnte sie endlich alles vergessen und hinter sich lassen, nur die schönen Erinnerungen behalten. Leé sprang auf und lächelte Hanako wedelnd entgegen.



Hanako lächelte ebenfalls und ihre Rute ging schnell hin und her. Eine unbeschreibliche Freude lag in ihr. Diese kleine Welpe gab ihr ebenfalls Wärme und Glück, ließ die Wunden, die bis vor wenigen Minuten noch stark am bluten und brennen waren, vergessen und heilte sie auch. Eine Zukunft voller Freude und Liebe lag in der Luft und Hanako war mehr als bereit, diese nun einzugehen, ohne Angst. Ohne den Mut zu verlieren.

"Natürlich können wir!"

Sie strahlte ihr neues Kind an, völlig glücklich und niemals überfordert. Um die Reise schneller zu ermöglichen, nahm sie Leé am Nackenfell und trug sie mit ihren schnellsten Schritten zu einem kleinen, fließenden Bach, der wunderschönes Wasser zum erfrischen spendete. Auch Hanako gönnte sich einige Züge und blickte in den Himmel hinauf. Es war schon etwas düster geworden, aber so lange sie kein plötzlicher Platzregen überraschte, war es in Ordnung. Liebevoll stupste sie Leé an und wartete darauf, dass sie fertig war mit Trinken.



Cerylia war lange Zeit schon auf Wanderschaft. Sie spürte den Herbst immer näher kommen und täglich schlich sich die Kälte tiefer in ihre alten Knochen. Den Grund für diese, scheinbar sinnlose Wanderung hatte sie längst vergessen. Jedoch wusste sie schon seit einigen Tagen, dass sie bald einen Unterschlupf oder sogar ein Rudel finden musste, in dem sie einige Zeit verweilen konnte, da sie sonst den Herbst und den darauf folgenden Winter sicherlich nicht mehr überstehen würde. Nun hatte sie jedoch eine Fährte gewittert, der sie seit der letzten Nacht gefolgt war, und die alte Wölfin war sich sicher, dass sie ihrem Ziel bereits nah war. Mit jedem Schritt kam sie dem fremden Rudel näher, bis sie schließlich einige der Wölfe sehen konnte. Jedoch wollte sie nicht sofort auf die Fremden losstürmen, selbst wenn sich ein Teil in ihr nach Artgenossen sehnte. Der andere Teil in ihr, der vernünftige und erfahrene Teil, wusste, dass sie sich lieber noch etwas zurückhalten sollte. So verharrte sie ein Stück von den Wölfen entfernt und beschloss sie vorerst zu beobachten.


Eris Blick wurde noch einen Tick skeptischer. Machte sich diese Fähe gerade lustig über sie oder warum grinste sie wie ein Honigkuchenpferd? Aber, und darüber war Eris ungeheuer froh, hatte sie ihr gerade doch praktisch eine Aufenthaltserlaubnis erteilt. Wenn sie nicht bald eine Mütze voll Schlaf bekam, würde sie noch mitten vor diesen Wölfen eindösen und umkippen. Das wollte sie nun wirklich nicht.
Eris blies zischend den Atem zwischen ihren Zähnen hindurch.

„Mein Name ist Eris van Blanvalet. Hallo.“

sagte sie ohne allzu viel Ausdruck in der Stimme und beugte sich etwas zur Seite, um die versammelten Wölfe zu sehen.

„Tag.“

grüßte sie auch diese etwas frostig.



Ayala hob ihren Kopf, sie schaute in den grauen Himmel und dann zu Dayon.

"Ich danke dir...du hilfst mir sehr, deine bloße Anwesenheit genügt."

Sie schleckte ihm über die Schnauze und versuchte dann von ihrer Traurigkeit abzulenken.

"Was meinst du? Sollen wir Moon suchen gehen - schläft er immer noch?"

Gerade hatte sie zu Ende gesprochen, als ihr die fremde Fähe auffiel. Sie hatte die letzten Worte gerade noch aufgeschnappt, nun erhob sie sich und ging auf sie zu.

"Sei gegrüßt, Eris, mein Name ist Ayala, ich bin Gamma dieses Rudels."

Sie beäugte die fremde Fähe, sie hatte etwas an Kühles sich, das sie skeptisch machte. Doch Ayala wollte niemanden grundlos verurteilen, freundlich fragte sie:

"Was führt dich zu uns?"



Banshee hörte der Fähe aufmerksam zu, bei ihrem Namen stutzte sie leicht, er klang seltsam fremd.

"Eris van Blanvalet ..."

Sprach sie zögernd, nickte dann und lächelte erneut.

"... willkommen."

Sie sah zu Ayala, als diese zu ihnen kam und überließ Eris ihr, sie selbst wollte zu Acollon, der eben noch etwas frostig geschaut hatte. Doch mitten im laufen hielt sie inne, ihr Kopf drehte sich zum Waldrand, die Nase witternd im Wind erhoben. Der Geruch einer weiteren Fähe lag ganz deutlich darin. Ein kurzer bedauernder Blick zu Acollon, dann drehte sie leicht ab und lief auf den Waldrand zu. Schon bald darauf erkannte sie eine Fähe, sie schien älter als Banshee zu sein. Langsam näherte sie sich ihr und blieb nur wenige Pfotenlängen entfernt von ihr stehen. Misstrauisch und trotzdem auf ihre eigenartige Art und Weise freundlich sah zu der Wölfin, schweigend darauf wartend, dass sie reagieren würde.



"Falk... Falk... Falk, wach auf... Falk... Falk, komm... Komm... Falk... Komm zurück, Falk, komm... Komm, komm... Komm zurück..."

Trunken öffnete Falk die Augen und ließ den schwarzen Blick frei fliegen, nur um ihn rasch wieder zurückzuholen und auf einen Punkt direkt vor ihm zu fixieren. Noch wollten die Augenlider nicht gehorchen, schwer wölbten sie sich wieder über die Augen und sperrten das junge Licht aus. Halbherzig bemühte sich der Hüne, die Augen wieder zu öffnen, gab den Kampf aber bald als verloren auf... Nur schlafen...

"Komm, geh, komm... Falk, hör mir zu... Hör zu, Falk, komm... Komm, komm, komm zurück... Falk... Falk..."

Kein Versuch, die Augen zu öffnen. Keines der Lider zuckte. Dafür öffnete sich der Fang ein Stück, entblößte zwei Reihen Zähne und eine Zunge, die einen Namen formte, einen Namen mit Musik, so klangvoll und doch weich... Wie das weiße Fell der Trägerin dieses Namens...

"Ayala?"

"Nein, Falk. Ich bin es."


Plötzlich waren die Augen doch offen. Der eben noch so schlafschwere Kopf schoss in die Höhe, das Gehirn mochte den Augen nicht recht trauen. Und doch war es so ganz und gar sie, das sandfarbene Fell, die zierliche Gestalt, die sanfte Stimme...alles stimmte und gleichzeitig stimmte doch nichts.

"Aber... Du bist tot..."

Ein kurzes Wehen von Trauer über den Blick der Sandfarbenen, der auf dem Hünen ruhte.

"Falk, du musst zurück... Sie wartet auf dich. Du kannst sie nicht allein lassen. Wenn es um Varloc geht, so kannst, nein, so solltest du dich ihr anvertrauen. Komm, Falk, komm zurück zum Rudel. Geh."

"Leah, ich..."

"Du musst zurück, Falk. Zurück, komm zurück... Geh, bitte, bitte geh."

"Aber..."

"Falk."


Nur sein Name. Und mit dem Schwinden des Klangs in seinen Ohren verschwand auch Leahs Körper. Kurz blinzelte Falk, befahl verzweifelt seinen Augen, das Bild zurückzuholen, das Bild seiner toten Gefährtin. Allein, es geschah nicht. Nur ihre Worte hallten in seinem Kopf nach:

"Komm zurück, Falk, komm zurück..."



Eris linste zu gewisser Banshee hinüber, als sie ihren Namen aussprach und dann wandte sie ihren Blick geradeaus zu einer fremden Fähe -schon wieder weiß, allerdings nicht so strahlend, eher etwas gräulich-, die sie angesprochen hatte.

"Ich bin hier, weil ..."

Eris brach ab ... Ja, weshalb war sie denn eigentlich hier?
.oO(Wegen Kamui ... ja richtig.
Und wo war hier?
Im Tal der Sternenwinde.
Ach toll. Und das bedeutet?
Tja ... hoffentlich weit weg vom Revier der Fog Souls.
Weshalb warst du noch mal hier?
Kamui, dieser Drecksrüde.)

"Ich bin hier, wegen eines selbstgefälligen, beziehungsunfähigen und unwürdigen Schlappschwanzes."


sagte Eris, weil sie keine Lust hatte groß um den heißen Brei rumzureden und weil es einfach gut tat, Kamui so oft wie möglich zu beleidigen.

"Noch was?"

Es gefiel ihr nicht, wie die Gammawölfin sie musterte. Ayala. ... Aber sie hatte schöne Augen. Eris schüttelte kräftig den Kopf, um wieder zur Besinnung zu kommen. Sie brauchte Schlaf.



Ayala stutze zuerst, als sie Eris' deutliche Antwort hörte, musste innerlich über ihre Art von Ärger schmunzeln...
.oO(Wie geht man mit dieser Fähe am besten um?)
Ayala hätte natürlich zu gerne gefragt, wer denn dieser "Schlappschwanz" sei, aber sie wollte nicht gleich zu interessiert klingen. Sie spürte, wie Eris sie musterte, erst ihr Fell, dann schaute sie ihr wieder in die Augen, Ayala nahm eine aufrechtere Haltung ein.

"Ich dachte, du würdest vielleicht gerne einmal unser Revier sehen, aber wenn du keine Lust hast oder müde bist, dann eben nicht."

Seit wann redete Ayala so mit Fremden? Wo war ihre immerfreundliche Art geblieben? Regte diese Fähe sie so auf, oder wollte sie sich nur genauso verhalten?



Cerylia beobachtete noch einige Zeit das Treiben der fremden Wölfe, bis sie schließlich von einer weißen Wölfin aus ihren Gedanken gerissen wurde. Als diese, ohne ein Wort, vor ihr stehen blieb musterte die Ältere die Jüngere kurz, dann sagte sie:

"Mein Name ist Cerylia. Ich hatte nicht vor mich in euer Revier zu schleichen, sondern ich war lediglich auf der Suche nach ..."

Nach was war sie eigentlich auf der Suche? Nach einem Platz für die Nacht, einem Versteck für den Winter, oder doch nach einem neuen Rudel? Cerylia brach ihren Satz ab, räusperte sich jedoch kurz und fragte dann

"Und wer bist du, wenn ich fragen darf?"

Wieder musterte sie die weiße Wölfin, und ihr fiel auf, dass sie eine gewisse Autorität ausstrahlte.



Banshees Misstrauen verflog sofort, als die Wölfin anfing zu sprechen. Ihr gefiel die ruhige Art, gefährlich schien sie nun wirklich nicht zu sein. Der abgebrochene Satz stand kurz in der Luft, Banshee konnte ihn förmlich spüren, wie die Fähe darüber nachdachte, doch ließ sie ihn so stehen.

"Cerylia ... ich bin Banshee, Leitwölfin des hier ansässigen Rudels. Du bist im Tal der Sternenwinde."

Wie immer überging sie vertrauensvoll die Sache mit dem Revier, sie wusste, dass sie in dieser Hinsicht etwas zu nachlässig war, dauernd kamen fremde Wölfe einfach hinein und scherten sich nicht darum, dass hier ein Rudel lebte ... andererseits hatten sie die Reviergrenze schon länger nicht mehr markiert. Vielleicht lag da ihr Fehler, sie nahm sich vor die Aufgabe in Angriff zu nehmen wenn sie endlich mal das Rudel beisammen hatte ... auch Falk. Sie zwang sich wieder auf die Fähe zu achten, ein leichtes Lächeln hatte sich nun auf ihren Lefzen gebildet, vorsichtig griff sie den abgebrochenen Satz wieder auf.

"Was führt dich hier her?"



Cerylia lauschte aufmerksam den Worten der Leitwölfin und nickte kaum merklich. Sie überlegte kurz, wie sie wohl am Besten auf die Frage antworten sollte.

"Nun, ich war einige Zeit auf Wanderschaft, da sich mein altes Rudel zu sehr veränderte und ich dort nicht mehr bleiben konnte und wollte. Es verging einige Zeit, in der ich allein lebte und ich spürte wie die Luft kälter wird und der Herbst über das Land zieht. Deshalb war ich auf der Suche nach einem warmen Platz für den Winter."

Cerylia erzählte ihre kleine Geschichte so kurz wie möglich, aber so lang wie nötig. Denn sie wollte die junge Wölfin nicht mit der Geschichte einer Fremden langweilen.

"Denkst du, ich könnte vielleicht eine Zeitlang bei euch bleiben? Nur bis der Winter vorbei ist?“

fügte sie noch schnell hinzu, schließlich wollte sie niemandem zur Last fallen. Jedoch wusste die alte Wölfin selbst nicht, weshalb sie gleich fragte, ob sie hier verweilen durfte, schließlich war sie sonst eine eher misstrauische Wölfin, aber scheinbar hatte sie bei dieser weißen Fähe ein gutes Gefühl.



Eris zuckte innerlich zusammen. Treffer, versenkt.

"Müde? Ich bin nicht müde. Wieso sollte ich müde sein?!"

.oO(Neiiin, Eris, du bist nicht müde. Das ist alles nur Einbildung ... du sprühst doch nur so vor Kraft und Elan!)

Sie schloss genervt die Augen. Eris hasste es, wenn sich ihre Gedanken -sarkastisch wie eh und je- aufdrängten. Sie öffnete die Augen wieder und sagte mit einer süßsauren, leicht gepresst wirkenden Stimme:

"Du kannst mir gern mal das Revier zeigen ... es würde mich wahrlich freuen."

.oO(Super. Toll gemacht. Lalalala ... Klappe.)

Eris lächelte gequält, richtete sich auf. Sie würde das durchstehen. Wäre doch gelacht, wenn sie das nicht hinbekäme.

"Also, wollen wir?"



Banshee lauschte der Geschichte Cerylias gespannt, fast enttäuschend war es, dass sie sich so knapp fasste. Banshee interessierte die Geschichten eines Wolfes, meist hielten sie sie auf herrliche Arte und Weise gefangen, doch diese Fähe schien entweder nicht gerne darüber zu reden oder sie dachte, Banshee würde es nicht interessieren. Sie nahm sich vor später noch einmal sie danach zu fragen, zu nächst waren wohl andere Dinge wichtiger.

"Natürlich kannst du bleiben, so lange wie es dir beliebt. Momentan sind wir alle etwas verwirrt, unser Beta ist verschwunden, schon länger und wir machen uns Sorgen."

Sie wandte sich leicht zum Rudel, schwenkte auffordernd die Rute, Cerylia sollte das Rudel kennen lernen. Entspannt wartete Banshee, dass die Fähe mitkommen würde, mit Eris und Ayala schien alles glatt zu gehen, sie schienen sich zu verstehen, innerlich dankte Banshee Engaya dafür, dass einst Ayala zu ihnen gefunden hatte, was würde sie ohne ihre Schwester im Geiste nur tun?



Cerylia war erleichtert, als Banshee ihr erlaubte zu bleiben und sie konnte ein kleines Lächeln nicht unterdrücken.

"Ich danke dir."

Cerylia folgte der stillen Aufforderung und ging ein Stück näher an die anderen Wölfe heran, und trat so aus dem Schutz der Bäume. Sie war erleichtert endlich einen Platz für den Winter gefunden zu haben, und wenn sich alles gut entwickeln würde, könnte sie vielleicht auch noch etwas länger bleiben. Allerdings wurde sie nun wieder etwas unsicherer, als ihr klar wurde, dass sie nun eine Zeitlang unter völlig fremden Artgenossen leben würde, denn Fremden gegenüber war sie von Natur aus misstrauisch. Jedoch beschloss sie fast im selben Moment dem Rudel gegenüber etwas offener zu sein und nicht gleich zu Anfang zu viel misstrauen zu haben.



Banshee trat leichtfüßig neben Cerylia her, als sie plötzlich ein leises Winseln vernahm, zuerst meinte sie es sich eingebildet zu haben und achtete auf die Reaktion Cerylias auf die anderen Wölfe. Doch das Winseln wurde wieder etwas lauter, jetzt drehte Banshee leicht den Kopf und stellte die Ohren auf. Noch einmal warf sie einen Blick zu der Fähe, diesmal fragend, ob sie ebenfalls etwas gehört hatte.

"Ein Winseln ... ich werde nachschauen."

Sie überließ es Cerylia, ob sie mitkommen wollte oder nicht, doch sie selbst beunruhigte das Winseln. Als es verstummte hatte sie Mühe zu entscheiden wohin sie gehen wollte, doch dann stieg ihr ein Geruch in die Nase, sie zuckte zusammen. Es roch nach Tod, der kalte, stechende Geruch, den sie überall erkennen würde. Ihre Läufe bewegten sich schneller, dann sah sie vor sich eine leblose Gestalt neben einem Baum liegen. Vorsichtig kam sie näher, das Winseln war wieder da. Angespannt streckte sie die Schnauze vor, die Fähe am Baum war tot, neben ihr, in einem kleinen Erdloch lag ein hilfloser Welpe. Die Augen waren noch geschlossen, der kleine Körper wimmernd zusammen gekrümmt. Eine Sekunden lang verharrte Banshee fast entsetzt über diese Situation, dann senkte sie leicht die Schnauze und berührte den Welpen.

"Ruhig, ganz ruhig ... ich bin jetzt da."

Auch wenn der Welpe sie nicht hören konnte, würde er vielleicht die leichten Schwingungen in der Luft spüren.



Moony rannte so schnell sie konnte über die Steine. Sie mochte es einfach sich ganz auszupowern. Doch ganz plötzlich blieb sie stehen. Sie witterte Wölfe. Endlich Wölfe...Sie suchte schon seit Tagen nach einem Rudel Vielleicht würden sie Moony aufnehmen. Sie rannte der Fährte nach und stieß schon bald auf Wölfe. Da war eine Wölfin die sich über ein Welpe.

"Hm? Was macht diese Fähe denn da?“

Sie trat etwas näher an die Wölfin ran, blieb aber sicherheitshalber etwas von ihr entfernt.



Banshee, noch immer die Schnauze gesenkt und den Blick starr auf den hilflosen Welpen gerichtet, bemerkte die Fähe erst, als sie fast bei ihr war. Fast erschrocken blickte sie auf, versuchte sich zu orientieren und richtete sich auf. Die weiße Fähe vor ihr schien schon längere Zeit gelaufen zu sein, müde und angestrengt.

"Wer bist du?"

Ihre Stimme klang erstaunlich scharf, ihr Beschützerinstinkt für den hilflosen Welpen war geweckt und dass sie nun wieder auf eine Fähe traf, die einfach daher kam stimme sie ärgerlich. Leicht schob sie sich zwischen die Fähe und den Welpen, dabei huschte ihr Blick kurz auf die tote Fähe neben dem Baum. Was sollte sie mit ihr machen? Und woher kam diese eigentlich? Es geschah alles etwas zu schnell.



Shayo erzitterte als ihn etwas berührte. Er winselte lauter und dachte es wäre seine Mami die ihn da berührte. Sein winseln ging ins freudige über, doch als er die Luft einzog, merkte er, dass es jemand anders war. Ängstlich und schwach winselte der kleine Welpe, er kroch leicht orientierungslos umher, bis er gegen etwas Weiches stieß. Ein Fiepen ertönte abermals, dann zitterte der Welpe wieder. Ihm wurde kalt und er winselte nach Wärme, Geborgenheit und Liebe.


Banshee überforderte zunehmend die ganze Situation, jedoch ließ sie sich das nicht anmerken. Misstrauisch und wie immer trotzdem freundlich, jedoch diesmal viel weniger angesichts des Welpen, betrachtete sie die Fremde. Doch dann bewegte sich der kleine Fellballen und kroch auf sie zu, sein Winseln wurde energischer aber auch auf eine seltsame Art und Weise glücklicher ... bis es sich abermals änderte und, wie es ihr schien, fordernd wurde. Der Welpe brauchte eine Mutter, doch keine der Fähen hier war trächtig oder säugte Jungen. Wie also sollte man den Kleinen ernähren? Nun versteckte sich der Welpe in ihrem Fell, unbewusst musste sie an Sayo denken, der Dreigeist ... einer war ihr Sohn gewesen. Er war verschwunden, aber Sayo würde in ihrem Herzen weiterleben, kein anderer Rüde war so welpisch und freudig gewesen wie er. Sayo ... sie musste dem Welpen einen Namen geben, kam in Versuchung ihn Sayo zu nennen, doch dann sprach sie ihn leise aus und ein h fiel hinein. Shayo, diesen Namen hatte der Kleine verdient.

"Shayo, Kleiner, ganz ruhig, ich beschütze dich."

Da der Kleien sie nicht hören konnte berührte sie ihn erneut und barg ihn wärmend zwischen den Pfoten, irgendetwas musste ihr für ihn einfallen.



Cerylia hatte das Winseln des Welpen nicht gehört, da ihr Gehör mittlerweile nicht mehr das allerbeste war. Deshalb war sie leicht erschrocken, als Banshee plötzlich davonging. Etwas unschlüssig, was sie nun tun sollte, beschloss Cerylia der Leitwölfin zu folgen. Als sie die Wölfin wieder eingeholt hatte blieb sie kurz erschrocken stehen, als sie die tote Fähe am Boden sah. Sie musterte kurz die Situation, und als sie hörte, wie Banshee den Namen des Welpen sagte, fragte sie

"Kennst du die Fähe und den Welpen etwa?"

Cerylia ging etwas näher an sie heran und betrachtete den Welpen, hielt jedoch noch genügend Abstand, um für den, anscheinend nich blinden Welpen nicht zu aufdringlich zu wirken. Die alte Wölfin bemerkte nun erst die andere Fähe, die noch etwas entfernt stand und musterte sie mit unverwandtem Blick. Sie muss wohl auch eine Neue sein., dachte sie sich, als sie bemerkte wie die Leitwölfin mit ihr sprach.



Ayala wurde nicht schlau aus dieser Fähe ... Sie hätte schwören können, eine ebenso schnippische Antwort zu bekommen, stattdessen ... Ayala hielt dem auffordernden Blick Eris stand und spiegelte eben diesen wider.

"Schön, dann lass uns losgehen!"

Die weiße Fähe lief los, blickte sich kurz um, hielt inne.

"Woher kamst du denn? Sicher warst du noch nicht bei der Höhle."

In Gedanken spielte Ayala kurz durch, was sie ihr alles zeigen konnte...sie wollte eigentlich etwas Eindruck schinden, vielleicht würde sie aus der Fähe ja auch etwas mehr rausbekommen können, über diesen angeblichen "Schlappschwanz" - Ayala wurde zusehends neugieriger. .



Banshees Kopf schoss nach oben, als Cerylia zu ihnen trat, die Anwesenheit des hilflosen Welpen, der toten Fähe und der plötzlich aufgetauchten fremden Fähe machten sie seltsam nervös. Trotzdem versuchte sie weiterhin gefasst und ruhig zu bleiben, langsam schüttelte sie den Kopf.

"Nein, nur irgendwie muss man diesen Welpen ja nennen ... er erinnert mich an meinen Adoptivsohn, Sayo."

Sie lächelte traurig und deutete mit der Schnauze auf die fremde Fähe.

"Hast du sie gesehen, als du hier her kamst? Hat sie etwas mit den beiden zu tun?"

Erneut flog ein leicht misstrauischer Blick zu der weißen Fremden, dann seufzte sie leise.



Darian hob witternd die Nase in die Höhe. Der Geruch vieler fremder Wölfe und ihrer Reviermarkierungen hing in der Luft. Offenbar befand er sich direkt an der Grenze ihres Reviers. Feixend trat er einen großen Schritt über die Markierungen hinweg, mitten in bewohntes Gebiet hinein. Sie würden ihn schon dulden. Er folgte den frischesten Spuren die er finden konnte. Sie führten ohne Unterbrechung durch dichtes Waldland. Schließlich kam er einer kleinen Gruppe von Wölfen, offenbar drei Erwachsene und ein Welpe, bedächtig nahe (Banshee und co. sind gemeint). Er hob seinen Kopf, spähte aus dem Unterholz hervor und trat schließlich aus seinem Versteck hervor. Er zeigte keine Geste der Unterwürfigkeit, als er den Wölfen, geradezu überiridisch selbstbewusst, gegenübertrat.


Shayo, der immer noch zitterte und ängstlich winselte, versuchte krampfhaft seine Augen zu öffnen, was ihm aber nicht gelang. Als die Fähe ihn zwischen ihren Pfoten barg, verstummte sein Winseln und sein Zittern hörte auf. Obwohl er nichts sehen und hören konnte, verstand der kleine die Geste. Er kuschelte sich eng an das Brustfell, denn ihm war kalt. Der kleine Welpe fiepste fragend, war es doch seine Mami, die ihn da zwischen ihren Pfoten barg? Jedenfalls glaubte das der Welpe.


Cerylia lies ihre Blicke nochmals über den Welpen, der sich mittlerweile an Banshee kuschelte, die tote Fähe und die Fremde wandern.

"Nein, ich habe sie auf meiner Wanderung nicht getroffen."

Sie musterte die Fremde nochmals, bis schließlich ein weiterer Wolf auftauchte. Durch seine selbstsichere Art, dachte Cerylia kurz, dass er vielleicht bereits Mitglied in diesem Rudel war, jedoch hatte er nicht diesen allgemeinen Rudelgeruch an sich. Nun wurde auch sie etwas unruhig und blickte mit misstrauischen Blicken auf die beiden Fremden. Was hatte das zu bedeuten? Zwei fremde Wölfe, eine tote Fähe und ein neugeborener Welpe. Die alte Wölfin hielt sich jedoch zurück und stellte keine Fragen, da sie der Leitwölfin den Vortritt lassen wollte.



Banshee nickte leicht in Cerylias Richtung, also vollkommen fremd. Während sie langsam ihre Schnauze zu dem Welpen hinab senkte und ihm sanft über das Fell schleckte, stieg ihr der Geruch eines Rüden in die Nase. Das auch noch ... was war heute nur los? Als sie aufsah kam er schon aus dem Unterholz hinaus auf sie zu. Er hatte sich hoch aufgerichtet und blickte mit einer Miene umher, als wäre er der Leitwolf höchstpersönlich. Missbilligend, aber noch immer ruhig bleibend, richtete sich Banshee ebenfalls auf und drehte sich leicht zur Seite, Shayo noch immer zwischen den Pfoten.

"Was willst du hier, Fremder?"

Der letzte Rest an Freundlichkeit, der bei der fremden Fähe noch zu spüren gewesen war, war nun gänzlich verschwunden, Misstrauen, Gereiztheit und Argwohn sprachen nun deutlich aus ihrer Stimme, trotzdem war ihre Haltung ruhig, ihre Augen aufmerksam aber nicht überreagierend und ihre Stimme beherrscht.



Leé trank gierig, sie hatte lange nichts getrunken. Sie war glücklich! Als Leé fertig war hob sie lauschend den Kopf als ob sie etwas höre, dann hopste sie überraschend auf Hanako und rief:

"Erwischt! Jetzt bist du dran!"

Mit diesen Worten sprang sie wieder hinunter und flitzte davon. Kurz blickte sie sich nach Hanako um, dann lief sie im Zickzack davon.



Shivas Pfoten hatten sie wieder einmal weit getragen und sie hatte immer noch das Ziel vor Augen ihre Tochter zu finden. Seit ihrem Kampf mit Peavy war nun eine ganze Weile verstrichen.
Und die Hoffnung ihre Tochter zu finden, war zu einem kleinen Finken zusammengeschrumpft, aber noch nicht ganz aufgegeben. Sie hatte eine Rast in einer kleinen Mulde eingelegt um sich auszuruhen, als sie wieder aufwachte beobachtete sie eine Zeit lang wie die bunten Blätter von den Bäumen auf die Erde hinabsegelten. Alles war in buntes Licht getaucht, schimmerte und glänzte. Nach einer Weile erhob sie sich, streckte sich und beschloss ihre Reise fortzusetzen. An einem kleinen Bach stillte sie hastig ihren Durst und bahnte sich ihren Weg durchs Unterholz. Nach einer ganzen Weile bemerkte sie den Geruch von fremden Wolfen, ein neues Revier. Nach alter Sitte wollte sie ihr Kommen ankündigen und um Durchreise bitten, sie wollte möglichem Ärger aus dem Weg gehen und sich voll und ganz dem Suchen widmen. So setzte sie sich hin, hob ihre Schnauze in die Luft und heulte einen lauten und deutlichen Gruß an die Fremden.

"Seid gegrüßt Fremde, ich bin auf der Wanderschaft und möchte euer Revier durchstreifen."

Sie legte den Kopf schief und wartete auf Antwort von einem der führenden Alphas.



Hanako wartete, bis ihre kleine Welpe den Durst gestillt hatte und sie wieder zum Spielen aufforderte. Sie war richtig erfreut darüber, auch, wenn sie es nicht gewohnt war, soviel auf einmal zu tun, die Kleine gab ihr einiges, Verlorenes wieder. Die Blicke aufmerksam auf den Spurt ihrer Tochter gerichtet, stellte sie sich schwerfällig auf und wollte gerade losrennen, als sie plötzlich ein Heulen vernahm. Ein schweres Schlucken zeichnete Hanako und ihr Blick haschte schnell umher. Die Stimme und die Art und Weise der Aussage war ihr so bekannt, aber doch wollte sie nicht glauben, was sie gerade gehört hatte.

"Mutter...?"

Sie blickte zu Lee, die Kleine sollte nicht zu weit weglaufen, es gab gerade etwas Wichtigeres zu klären..

"Lee! Warte! Bleib stehen! Warte hier oder folge mir, ich muss dringend weg und einen Wolf suchen!"

Sie spurtete sofort los, ohne auf die Antwort ihrer Tochter zu warten und folgte der Witterung, die sie wahrnahm. Ein unglaubliches Gefühl durchfuhr sie, hatte sie den schrecklichen Kämpfen und Demütigungen von Peavy wirklich standgehalten?

"Mutter?...Mutter....MUTTER!"

Immer weiter lief sie, bis sie vor einem Bau stoppte und um diesen herum zu dem Platz schielte, auf dem die gräulich helle Fähe stand und auf Antwort und Ankunft wartete. Hanako schluckte, sie war es tatsächlich...

"Shiva? Mutter..."

, rief sie, um die Aufmerksamkeit zu bekommen.



Darian schmunzelte über die Wölfin, die offenbar die Geduld schon verloren hatte, bevor er gekommen war.

"Ich grüße euch. Ihr scheint die Leitwölfin des Rudels zu sein, das hier lebt."

Sagte er ohne den Kopf zu senken, sah Banshee direkt in die Augen, grinste dabei überheblich was sein Gesicht positiv betonte.

“Mein Name ist Darian und ich würde mich gerne eurem Rudel anschließen."

Obwohl ihm viele Worte auf der Zunge lagen, geradezu darauf wartend auf seinem Maul springen zu können, fasste er sich kurz. Er würde bestimmt bald genug zu reden haben, hier lebten schließlich genug Wölfe, mit denen man sich austauschen konnte.



Shiva wartete auf Antwort, als ihre Ohren zuckten, weil sie etwas vernahmen, es war aber kein Heulen gewesen, nein jemand hatte sie Mutter genannt. Wie vom Blitz erschlagen fuhr sie herum und da stand sie, ihre Tochter, ihre Hanako. Ihr blieb fast die Luft weg.
.oO(... Hanako, meine Hanako ... meine Kleine ... das Ende meiner Suche.)
Alles war zum greifen nahe, doch die Realität war nicht ganz so schnell wie der Ansturm und die Überwältigung Shivas Gedanken. Sie musste träumen, so glaubte sie zumindest für den Moment. Die Zeit um sie herum schien stillzustehen, kein Lufthauch war zu spüren, kein Blatt rührte sich. Sie stand einfach da und starrte Hanako an. Ihr schien, als ob eine Sinnflut Glück über sie hereinbrach, als ein Blatt auf ihrer Nase landete und sie vor Freude ein wenig zu zittern begann. Sie holte tief Luft

"Hanako ... meine kleine Hanako ..."

stammelte sie, zu mehr war sie nicht fähig gewesen. Nach so langer Zeit endlich an dem Ziel ihrer Suche angelangt.



Hanako begann fast zu träumen, als ihre Mutter auch ihren Namen nannte und dieses Zittern in ihrer Stimme erklang. Wie sollte sie nun reagieren? Hanako wusste nicht, ob sie einfach zu ihr rennen konnte, denn es war eine Ewigkeit gewesen, die sie sich nicht gesehen hatten. Ob Shiva wusste, dass Sie ihre kleine Welpe Leila verloren hatte? Hatte Peavy sie noch gequält? Und wie war sie aus seinen Fängen heraus gekommen? Hanako seufzte innerlich und trat die ersten, zittrigen Schritte auf ihre wiedergefundene Mutter zu, kurz vor ihr blieb sie stehen und erkannte Narben. Böse Narben - von einem Kampf und es wurde deutlich, dass es ihr Vater gewesen sein musste. Hanako tat es Leid, dass sie so leiden musste und das nur wegen ihr. Dann nahm sie die Letzten Schritte ein und vergrub ihre Schnauze in dem Fell ihrer Mutter.

"Ich bin so froh, dich zu sehen, Mutter! Woher sind nur deine Narben? Bitte bleib bei mir..."



Shiva hatte nicht die Kraft ihr Pfoten voreinander zu setzen, sie zitterte zu sehr und würde beim ersten Schrit umfallen. Dann sah sie Hanako auf sich zukommen. Sie war immer noch ihr kleine Tochter auch wenn sie nun schon erwachsen war. Vor Shivas innerem Auge tauchten Bilder der Vergangenheit auf, von der kleinen Hanako.

"Ich bin so froh, das ich dich nun wiederhabe...Die ganze Zeit suchte ich nach dir..."

sagte die große Wölfin bevor Hanako bei ihr angekommen war. Sie tat es ihrer Tochter gleich und legte ihren Kopf auf Hanakos Rücken.
.oO(Das Ziel einer langen Reise ... ich habe es endlich geschafft.)
Auf ihre Fragen reagierte sie zunächst nicht und begann nur langsam zu sprechen.

"Es ist vorbei, all das was war ist vorbei, er wird uns kein Leid mehr antun, das verspreche ich dir ..."

ihr Worte klangen zögerlich, aber gewählt. Sie wusste das es so war, schließlich hatte sie ihn, ihren einstigen Gefährten selbst ins Jenseits befördert. Nachdem Shiva wieder Fuß gefasst hatte fragte sie sich was nun werde würde, ihr Ziel hatte sie erreicht. Doch das war etwas was Zeit hatte, ihre Zusammenkunft die so lange verwährt war hatte nun Vorrang. Und die alte Wölfin genoss den Augenblick.



Zuerst rannte Leé noch weg, dann als Hanako ihr etwas zu rief und sie verstand, spurtete sie hinter Hanako her. Plötzlich hielt ihre Mutter und stand vor einer vernarbten Fähe. Leé erschrak und flüchtete hinter Hanako und schielte die Fähe ängstlich an. Wer wollte Hanako etwas zuleide tun? Leé zitterte ein wenig, doch sie schluckte einmal laut und schleppte sich weiter nach vorn und schielte die Fähe von unten an. Wie es war die Mutter von Hanako?

Tyraleen
23.12.2009, 16:40

Hanako war verträumt, ihre Gedanken sprangen im Kreis herum und sie wusste nicht, was sie als ersten Denken oder Sagen sollte. Ihre Freude war riesig, denn ihre Mutter war hier, sie lebte und würde nicht mehr so schnell weggehen, alles würde Hanako dafür tun, nur, um ihre Mutter bei sich behalten zu können. Die Schnauze immer noch tief im Fell vergraben wartete sie auf irgendein Geräusch oder anderes, welches die wundervolle Stille unterbrechen würde, doch dem war nicht so.

"Mutter, ich bin auch unendlich froh, denn als ich dich damals auf der langen Reise verloren hatte, war meine Angst nicht gestillt und die Sorge wurde immer größer, dass du tot seist."

Hanako hob ihren Kopf und berührte sanft die Schnauze ihrer Mutter, dann schielte sie zu Lee und schleckte der kleinen über den Kopf.

"Das hier ist Lee, meine Adoptivtochter. Ich bin hier in dem Rudel, bitte bleib doch auch..."



Shiva sah ihre Tochter an, das Gefühl in ihr war unbeschreiblich. Bevor sie etwas erwiderte bemerkte sie das kleine Fellbündel neben Hanako, die ihre Tochter ihr als wiederum ihre Adoptivtochter vorstellte. Shiva lächelte, beugte sich nach unten und begrüßte die kleine.

"Hallo, mein Name ist Shiva. Ich bin die Mama deiner Mama. Wenn du magst kannst du mich auch Oma nennen."

ihre Worte strahlten die Wärme die, die Wölfin fühlte aus. Alles war perfekt, ihre Tochter hatte scheinbar in einem Rudel ein neues Leben begonnen, was sie sehr freute. Dann wandte sie sich wieder an Hanako und versuchte erneut Worte zu finden.

"Es freut mich das bei dir alles in Ordnung ist, allein um das zu sehen, hat sich meine lange Reise gelohnt."

Sie überlegte an den Worten ihrer Tochter
.oO(Ein Rudel, ein neues Rudel ... Rudelleben, kann ich das überhaupt noch...?)
Ihre Gedanken kreisten, sie beschloss das es auf jeden Fall nicht schaden konnte sich die Sache einmal anzusehen. Im Grunde wünschte sie sich nämlich nichts sehnlicher als für den Rest ihres Lebens mit ihrer Tochter zu verbringen und sie unter anderem zu schützen falls es nötig war. Und nun da sie scheinbar einen neuen Welpen hatte gewann dies noch mehr an Bedeutung. Alles andere war nicht wirklich wichtig für sie.

"Ich werde sehen was sich ergibt, wenn sie mich aufnehmen wollen, dann bleibe ich ..."



Leé stupste mit ihrer Nase gegen Shivas Nase und musste kichern. Sie freute sich, sie hatte jetzt auch noch eine neue Oma.

"Die Mutter meiner Mutter...dann bist du ja jetzt meine neue Oma!"

Sie lächelte auf Wolfsart und wedelte heftig vor Freude. Als diese hörte, dass ihre Oma nicht sicher bleiben würde. Doch sie antwortete sicher:

"Ich bin sicher, dass du bleiben wirst! Hanako war sich zuerst auch nicht sicher, doch dieses Rudel ist besser, als jedes andere, dass ich je gekannt habe ..."



Banshee wurde noch gereizter, als der Rüde näher trat und seinen Blick nicht vor ihr senkte. Ebenso sein überhebliches Grinsen und die unverändert arrogante Haltung.

"Sehr gut erkannt ..."

Bei jedem anderen Wolf hätte die Stimme wohl einem Knurren geglichen, bei Banshee schwang noch immer diese Ruhe und Sanftheit mit, doch mittlerweile schien sie ihre Wut nur noch mühsam unterdrücken zu können.

"... ich bin die Leitwölfin und ich rate dir, dich auch so mir gegenüber zu verhalten."

Ihr Blick wurde schärfer, sie richtete sich etwas auf.

"So, Darian, wirst du hier auch nur bleiben können, wenn du dich verhältst wie ich es wünsche."

Sie wunderte sich selbst über ihre Worte, noch nie hatte sie so zu einem Fremden gesprochen, doch es schien zumindest bei diesem nötig.



Hanako lauschte ihrer Mutter und Lee und hatte ein Lächeln auf die Lefzen gelegt, welches von Ehrlichkeit nur so geprägt war. Sie wusste kaum ein Wort zu sagen, sie war wirklich glücklich, dass ihr nicht alles genommen wurde, denn ihrer Mutter war hier und es gab noch einen Hoffnungsschimmer hier.

"Ich werde mein Leben ewig in diesem Rudel verbringen, denn es hat mir schon in so kurzer Zeit geholfen und ich habe schon einen Glücksschein gefunden, wie du siehst. Die kleine Leé muntert mich auf, nimmt mir die Trauer von meiner Leila, verstehst du?"

Hanako seufzte leicht, sie wollte ihre Mutter unbedingt überreden, dass diese auch hier blieb und mit ihr Leben wollte. Sie sollte mit in die große Familie ziehen, ihr helfen, sie zu erweitern und die Liebe wieder zu finden, die sie alle einst verloren haben. Wieder fiel ihr Blick auf die Narben.

"Bitte erzähle mir, woher diese schrecklichen Narben kommen, es ist entsetzlich, sich dies anzugucken."

Hanako schloss ihre kleine Tochter zwischen ihre Pfoten und knuffte sie sanft in den Nacken.



Hidoi schlich leisen Schrittes an der Reviergrenze herum. Erst mal die Lage des Rudels checken.... dachte er sich. blieb er stehen und sah in den Wald. Was nun, einfach rein gehen oder ankündigen und warten? Er entschied sich, das warten gegen seinen Stolz war und doch eine Ankündigung wohl gut wäre.
Er hob seine mächtige Schnauze empor zum Himmel und heulte einen lang gezogenen, unheimlich klingenden Ruf hinaus in den Wind. Dann betrat er das Revier. Trotz seines muskulösen Körpers schlich er mit elegant gleichmäßig schwingenden Schritten immer tiefer hinein. Er war ziemlich schnell, vielleicht war es die Ungeduld in ihm, vielleicht bewegte er sich auch nur schnell um nicht auf irgendwelche Nebengedanken zu kommen und irgendwas anzugreifen. Er wollte doch auf Suche gehen, dazu musste er wohl oder übel in einem Rudel anfangen.



Shivas Augen ruhten auf ihrer lang vermissten Tochter. Sie freute sich als Leé sie so warm und freundlich begrüßte und stupste sanft zurück. Ihr Lebensmut war zurück und doch wusste sie noch nicht was sie mit der neu gewonnenen Energie anfangen sollte.

"Wir werden sehen was sich ergibt."

lächelte sie beiden zu. Dann sah sie ernst auf Hanako, sie würde ihr sicher die Geschichte erzählen, aber nicht vor der kleinen und nicht jetzt. Ihr Wiedersehen sollte nicht durch so etwas gleich betrübt werden.
Und es war wahrlich keine schöne Geschichte die die gezeichnete Fähe zu erzählen hatte.

"Gedulde dich noch etwas meine Kleine, schon bald werde ich dir alles kundtun was du wissen möchtest. Soviel jedoch sei dir gesagt, du wirst nicht mehr unter Peavy leiden, er ist nicht mehr... Und nun würde ich mich freuen, wenn ihr mir euer Revier zeigt und mich vorstellt. Das mag Leé sicher machen?"

Ihr Blick fiel auf die kleine Welpin zurück und sie lächelte sie freundlich an. Shiva wollte Seite an Seite mit ihrer Tochter einem neuen und hoffentlich friedlichem Lebensabschnitt entgegengehen.



Die Arroganz verschwand aus Darians Miene, weich wurden seine Züge, verführerisch sein Blick. Er senkte den Kopf, nur ein winziges Stück und begann mit seiner wohlklingensten Stimme zu sprechen.

"Verzeiht mir, meine Teuerste. Ich bin nur ein einsamer Wanderer, der den Engel im Gesicht und den Teufel in seiner Zunge trägt. Doch meine Beine liefen nie schnell genug um der bösen Versuchung zu widerstehen und sich nicht ein wenig dem Glanz im eigenen Lichte hinzugeben. Ich bitte euch um Vergebung.“

Darian spielte, doch er spielte gut. Er war fest überzeugt davon, dass er realistisch rüber kam, dass Banshee ihm jedes Wort glaubte und nicht weiter nachhaken würde.
Er verneigte sich so tief vor ihr, dass seine Nasenspitze den Boden berührte, innerlich jedoch, war er wahnsinnig belustigt.

"Und kann ich euch, in meiner Unhöflichkeit und meinem plötzlichen Erscheinen doch noch einen Wunsch erfüllen, so sprecht rasch Herrin und gebietet mir, was ich zu tun habe, noch ehe der Mut in meinem Herzen versiegt, den ich brauchte um nach eurem Verlangen zu fragen"



Moony hatte bis jetzt nur auf den kleinen Welpen geachtet. Als die Alpha sie ansprach fing sie an zu zittern und konnte nicht sprechen. Und als die Fähe ungeduldiger und böser sprach konnte sie erst recht nichts sagen. Doch zum Glück kam da ein Rüde, der die ganze Aufmerksamkeit von ihr in Anspruch nahm. Diese freie Minute nahm sie als Zeit Mut zu schöpfen. dann tat sie einen Schritt auf die Alpha zu und sagte:

"Mein Name ist Moony. Ich bin nicht als Feind in dieses Revier gekommen. Ich suche viel mehr in freundlicher Absicht nach einem Rudel."

Neugierig wie die Alpha reagieren würde schaute sie die Fähe mit auf die Seite gelegtem Kopf an.



Während Hidoi so durch den Wald trabte, stieg ihm die Witterung des Rudels immer stärker in die Nase. Er zog seinen Schnauzenrücken ein wenig kraus ... eine Angewohnheit, die er sich wohl noch abgewöhnen musste, oder nicht? Er senkte den Kopf und drehte die Ohren zurück. Dann hörte er Stimmen. Neben einem Baum blieb er stehen. Musterte die 3 Fremden Wölfe. Es waren zwei weiße Fähen, die eine große vor dem grauen Rüden musste die Alpha sein. Ungewollt entfuhr im ein leises, aber ziemlich unheimliches Knurren. Dann trat der stahlgraue, große Wolf mit den stechend gelben, kalten Augen aus den Schatten. Er wusste, sein Auftritt war wohl nicht grade der beste, mysteriös und unheimlich, doch er war es so gewohnt und eigentlich wollte er diese Angewohnheit erst gar nicht ablegen ... Er ignorierte den Rüden demonstrativ, mit Rüden kam er überhaupt nicht klar, er betrachtete sie als Erzfeinde, als dominante Angeber, zumindest kannte er nur solche. Deshalb, um nicht gleich ein Unglück herauf zu beschwören ignorierte er ihn vollkommen. Mit Fähen hatte er eigentlich keine Probleme, sie waren ihm eher Schnurz, aber was solls ... Es würde sich für den kräftigen, muskulösen Rüden wohl so einiges ändern müssen, wenn er seinem Vorhaben stand halten wollte.

"Seid gegrüßt ... fremde Alpha ..."

sagte er an die weiße große Fähe gewandt, ohne näher zu kommen. Seine Stimme war tief, kalt und rau ... Er musterte sie kurz und verharrte dann auf der Stelle. Die Muskeln immer kampfbereit angespannt.



Eris verzog keine Miene, als sie loslief der Fähe zu folgen. Sie war zwar müde und es fühlte sich an, als hätte sie zusätzlich Steine zu tragen, aber das war eine Frage des Stolzes. Als die weiße Fähe sich umdrehte, nahm Eris blitzschnell wieder eine übertrieben aufrechte Haltung an und versuchte die Erschöpfung in ihren Augen zu verstecken. Ihre Gelenke taten weh.

"Höhle? Was? Nein ... nein, eine Höhle habe ich nicht gesehen."

Sie musste aufpassen, sonst bemerkte noch jemand etwas von ihrem unangenehmen Zustand.

"Ich habe nur den ... ähm ... See gesehen."

Eris überlegte kurz. Was konnte sie ihr denn über ihre Herkunft erzählen?
.oO(Mhh ... Kamui. Kamui. Kamui. Ja, äh. Ihr Revier.)

"Ich komme aus dem Revier von mir und dem Schlappschwanz."


Eris zog kurz die Nase kraus. Gut, dann kannte diese Ayala jetzt die Liebe und das Elend ihres Lebens unter dem Namen "Schlappschwanz". Ihr konnte es nur recht sein, dann musste sie seinen Namen nicht erwähnen.



Rückkehr also. Jetzt und sofort musste die Rückkehr stattfinden. Tief in sich spürte Falk den richtigen Weg, den es einzuschlagen galt, den Weg, der ihn ohne große Umwege sicher zum Aufenthaltsplatz des Rudels führen musste. Doch wie kehrte man zurück, wenn man eine so lange Zeit fort gewesen war?
Falk hielt inne, mitten im gleichmäßigen Trab, der sich allmählich in einen flotten Lauf und schließlich in einen Sprint gesteigert hatte, der seinen gestreckten Körper über Äste und Felsen hatte fliegen lassen. Der elastische Waldboden federte sein Gewicht ab und nur ein sanftes, unbestimmtes Ziehen spürte der Hüne in seinen Läufen. Wie kehrte man zurück?
.oO(Ich kann nicht einfach wieder beim Rudel auftauchen, ganz so, als ob nichts gewesen wäre. Was für ein Schwachsinn. Ich muss meine Rückkehr einleiten, muss mich ankündigen, muss dem Rudel Gelegenheit geben, sich auf mich einzustellen... Selbst als Gamma muss ich das.)Oo.
Falk schluckte hart. Wer weiß, vielleicht war er ja auch gar nicht mehr Gamma des Rudels, vielleicht war auch Ayala bereits nicht mehr seine Gefährtin, vielleicht hielt ihn das Rudel für tot oder verschollen oder was auch immer... So wie Varloc nach wie vor verschwunden war. Aber vielleicht war sie auch bereits zum Rudel zurückgekehrt, möglicherweise hatte sich die graue Werwölfin mit den roten Augen mit dem Gedanken angefreundet und abgefunden, dass Falk zu Ayala gehörte. Beziehungsweise gehört hatte und nun fort war...für immer. Der schreckliche Gedanke ließ Falk wieder einige Schritte laufen, dann blieb er stehen und ließ ein langgezogenes Heulen in den herbstlichen Himmel steigen, das von seiner Rückkehr und ewigen Treue zum Rudel zeugte.



Banshee musterte den Rüden vor ihr, seine plötzliche Verhaltensumwandlung, sein vollkommener Wechsel von Überheblich zu Unterwürfig. Ihr gefiel diese Änderung, ein leichtes Lächeln breitete sich auf ihren Lefzen aus, ihre Haltung wurde entspannter.

"Du kannst bleiben, ich bin Banshee, Leitwölfin dieses Rudels, du befindest dich im Tal der Sternenwinde. Und wie ist dein Name, Fremder?"

Doch während sie ihm weiter lauschte, begann ihr Nase leicht zu zucken, der Rüde vor ihr trieb seine Worte immer weiter hinauf, bis er den Punkt überschritten hatte und in die Lächerlichkeit hinab gesprungen war. Sie ließ sich nichts anmerken, doch sofort ordnete sie den Rüden in die Kategorie der Schleimer und Schmeichler ein, Acollon würde er gar nicht gefallen. Während sie noch ihr Verhalten gegenüber dem Fremden bedachte, erklang ein Heulen und gleich drauf kamen prasselnde Schritte näher. Ein weiterer Rüde tauchte auf, blieb stehen und sprach sie an, er war vollkommen anders, als der weiße Fremde vor ihr, seine Haltung war angespannt, sein Blick wanderte unruhig.

"Willkommen Fremder, was ist dein Anliegen?"

Sie fuhr fast erschrocken herum, als die Weiße von vorhin sie wieder ansprach, sie nickte leicht verwirrt.

"Moony, ich bin Banshee, bleibe hier, so lange du willst, entschuldige, es sind gerade etwas viele Fremde."

Sie wandte sich wieder zu den beiden Rüden, als ein Heulen erklang, mitten in der Bewegung erstarrte sie. Falk ... ! Ein warmer Schauer der Erleichterung umspülte sie, sie wusste selbst nicht, ob sie erwartete hatte, dass er nicht mehr wieder kommen würde, dass etwas passiert gewesen wäre, doch darauf kam es nun nicht an. Falk war wieder da, endlich ... Sie warf den Kopf in den Nacken und rief ihn zu sich.



Die unruhige Atmosphäre gefiel Hidoi ganz und gar nicht. Er musste sich sehr verstellen und bemühen, nicht sofort wieder in sein automatisches, drohendes Knurren über zu gehen. Es schien ihm, als sei er überhaupt nicht richtig beachtet worden. Er suchte nun doch ein Rudel, war dies denn kein Rudel? Er schnappte kurz den Namen der weißen Fähe auf. Sie schien Banshee zu heißen und sie nannte die andere kleinere weiße Fähe Moony. Aber das war ihm so ziemlich egal. Er fand es nur wichtig, den Namen der Alpha zu behalten.

"Zangyaku Hidoi mein Name ... Ich suche ... Nach einem Rudel, dem ich mich anschließen kann."

Mehr brauchte er wohl auch nicht zu sagen. Es war wohl offensichtlich. Er war hier, dies war ein Rudel, er war zufällig grade auf der Suche nach einem Rudel, jemand der jetzt noch nicht wusste, was er wollte, musste wohl ziemlich dumm sein, oder ein Narr.



Banshee lauschte noch ihrem Heulen nach, als der fremde, große Wolf sie erneut ansprach. Er wirkte noch angespannter, ihm schienen, genauso wie ihr, das Chaos was kurzzeitig hier herrschte, zu missfallen. Sie nickte leicht, versuchte sich den schwierigen Namen zu merken und antwortete dann, ebenfalls mit angespannter Stimme.

"Jìaye Za ... Hidoi, kann man dich nur Hidoi nennen? Ich bin Banshee, Leitwölfin, bleibe hier solange dein Herz dich nicht fortzieht. Entschuldige das Chaos, es sind viele Wölfe angekommen."

Sie lächelte leicht, dann begann ihr Blick wieder unruhig zwischen den Anwesenden hin und her zu wandern. Sie wünschte sich Falk so schnell wie möglich herbei, ihr Gamma würde ihr helfen, die ganzen Neuen unter Kontrolle zu halten, das wusste sie.



Darian war nicht dumm, er wusste, dass er es übertrieben hatte mit Banshee und es war ihm völlig recht so. Ihm war es gleich, wenn man ihn in eine Schublade steckte, er tat was er wollte, doch die Regeln im Rudel würde er im Grunde befolgen, beschloss er. Es wäre nicht klug sich die Aufnahme zu verscherzen. Keine Wolfsseele war gerne allein, er würde sich zurückhalten. "Zurückhalten", das war subjektiv, dachte er sich und grinste innerlich. Er hob den Kopf wieder, nahm eine entspannte Körperhaltung ein und machte keine weiteren Anstalten Banshee weiter zu umgarnen, kurzzeitig war ihm die Lust darauf vergangen und er spitzte neugierig die Ohren. Wen hatte die Alpha da zu sich gerufen? Es würde sich bald herausstellen. Der Graue musterte den anderen Neuen, der den Namen Hidoi trug. Er schien angespannt. Ein Streithammel also, vielleicht aggressiv? Vielleicht gewalttätig? Oder vielleicht verängstigt?
Angsthase.



"Gewiss..."

antwortete Hidoi auf die Frage, ob man das Zangyaku weglassen dürfte... Wer hatte ihn auch schon jemals außer seinem Vater mit kompletten Namen gerufen? Niemand. Er war immer nur Hidoi gewesen. Aber das 'Gewiss' bezog sich auch auf die Frage, ob er bleiben wollte. Er spürte die musternden Blicke des Rüden neben ihm. Ohne irgendwelches zögern wandte er seinen großen grauen Kopf herum und blickte diesen mit seinen stechend gelben Augen eiskalt an. Sie waren ohne jegliche Spur von Angst, hatte er überhaupt schon mal Angst gehabt? Nein. Mit diesem Rüden würde es wohl noch ärger geben, wenn das so weiter lief, dessen war er sich bewusst. Sein gesträubtes Fell legte sich wieder und ruhig schritt er geschmeidigen Ganges trat er demonstrativ ein paar Schritte weg von dem grauen Rüden und ignorierte ihn kalt.



Eine Welle von Freude und gleichzeitiger Enttäuschung lief durch Falks Körper. Freude darüber, dass das Rudel ihn annahm, seine Rückkehr freudig erwartete und ihn herrief, Enttäuschung darüber, dass nicht Ayala seinen Ruf beantwortet hatte. Was, wenn die weiße Fähe das Rudel in der Zwischenzeit verlassen hatte? Falk schüttelte den Kopf und begann zu laufen, konzentrierte sich nur noch auf die fließende Bewegung seiner Muskeln und sah in vereinzelten Tümpeln sein Spiegelbild, seinen gestreckten Körper im Lauf, im Sprung und stellte wieder einmal fest, wie ungewöhnlich groß er war. Dann erreichte er das Rudel und bremste abrupt ab. War er tatsächlich so lange weg gewesen? Die vielen unbekannten Gesichter - waren das alles Rudelmitglieder? Oder waren Feinde ins Revier eingedrungen und hatten das Rudel übernommen? Wie auch immer - Falk war bereit, im Notfall alles zu verteidigen, was ihm hier lieb und teuer geworden war.

"Scheinbar war ich zu lange weg - einiges hat sich offenbar geändert... Dennoch bin ich bereit, meinen Platz im Rudel wieder einzunehmen, wenn das noch möglich ist. - Wo ist Ayala?"

Zu viel ging Falk durch den Kopf, besonders die Sorge um seine Gefährtin. Keine Zeit für Höflichkeiten. Außerdem war er hier immerhin zumindest einmal Gamma gewesen - wenn er es nicht noch war. Der Blick des Hünen streifte Banshee, er bat um Aufklärung und gleichzeitig um Nachsicht.



Banshees Blick wanderte zwischen den beiden Rüden hin und her, schnippte leicht mit den Ohren und wollte sich schon umdrehen, als sie das Knacken näher kommender Pfoten hörte und endlich, endlich Falk au dem Wald auf sie zukam.

"Falk!"

Sie wandte sich zu dem Rüden und kam ihm schweifwedelnd entgegen. Seine Worte ließen sie glücklich auflächeln, kurz musste sie an das Gespräch mit Ayala denken und war überaus zufrieden, Falk war der alte Falk, Ayala war sicher in seinen Pfoten, sie brauchte sich keine Sorgen machen.

"Ayala wartet am Rudelplatz auf dich, sie hatte sich große Sorgen gemacht, ebenso wie ich."

Sie machte eine Schnauzenbewegung zum Rudelplatz, auch wenn sie ihn gerne da behalten hätte, sah sie es ein, dass er zu Ayala gehen sollte, die Fähe brauchte ihn jetzt. Langsam wandte sie sich von ihm ab und nickte zu all den Neuen.

"Folgt mir, wir werden nun zum Rudelplatz gehen."



Ayala musterte Eris erneut, unauffällig und ganz nebenbei. Diese fremde Fähe verzog keine Miene - und gerade das gab Ayala das Gefühl, dass Eris etwas zu verbergen hatte...sie schien irgendwie erschöpft...und doch weckte sie nie wirklich den Anschein müde zu sein; vielleicht höchstens für einen kurzen Moment, in dem der Stolz und die Entschiedenheit in ihren Augen verblasste - um kurz darauf wieder aufzulodern. Ayala trabte weiter, Richtung Höhle, wandte sich allerdings immer wieder Eris zu, die sich scheinbar eine gute Antwort überlegte. Die weiße Fähe war gespannt, was sie ihr über ihre Herkunft "auftischen" würde...oder beurteilte sie die andere Fähe völlig falsch? Als sie jedoch Eris' knappen Ausspruch gehört hatte, musste sie ein Lächeln unterdrücken. Diese Fähe war einfach einzigartig...so jemanden schnippischen und doch auf eine bestimmte Art und Weise interessanten Wolf hatte sie noch nie getroffen. Schlappschwanz...wer konnte dieser Schlappschwanz sein? Ayala war neugieriger denn je, wie konnte sie fragen ohne dass sie von Eris abgewiesen wurde - ohne Antwort? Während sie weiter darüber nachdachte, erklang von Ferne ein ihr allzu bekanntes Heulen. Ein Lied, auf dass sie so unendlich lange gewartet hatte...er war hier, irgendwo in der Nähe...zumindest viel näher, als er ihr die letzten Tage gewesen war. Sie spürte ihr Herz rasen, ihre Gedanken überschlugen sich...Falk von Scharfenberg...er kam zurück, ließ sie nicht alleine, würde hier bleiben, hoffentlich für immer. Ayala blieb stehen, sie dachte nicht mehr an Eris und die lächerliche Frage, die sie ihr stellen wollte, ihre sinne waren einzig und allein erfüllt vom Lied dessen, den sie liebte. Bald hörte sie wie Banshees Heulen in den Gesang mit in den Gesang hineinfloss...Ayala wusste, dass Falk gebraucht wurde, er hatte ebenso seine Aufgaben, er musste sie um die Neuen kümmern, wie sie auch... Schlagartig drehte sie ihren Kopf zu Eris - was dachte sie nun von ihr, wahrscheinlich machte sie sich insgeheim lustig über sie, wie man an einem solchen Rüden so hängen konnte...aber Ayala war es egal, was sie von ihr dachte. Die weiße Fähe wollte ebenfalls zum Heulen ansetzten, allerdings wurde es ihr aus irgendeinem Grund verwehrt, sie konnte ihm nicht antworten...war sie ihm böse, weil er so lange weg war? Nein, sie wusste es selbst nicht... Ayala lief auf Eris zu und bedeutete ihr, weiterzugehen, sie würde ihr nun die Höhle zeigen, sie dürfte Falk jetzt nicht sehen, sie brauchte Zeit, um sich mit ihm auszusprechen, welche noch nicht gekommen war.


Hidoi lauschte kurz dem Heulen des heran nahenden Wolfes. Dann stand er auch schon fast hinter ihm. Ein Rüde. Ein ziemlich großer noch dazu. Wieder einmal reagierte der stahlgraue Wolf nicht sondern ging ein paar Schritte nach vorn. Er sah zu Banshee und als sie ihn zusammen mit dem anderen Rüden anwies, ihr zu folgen. Setzte er sich langsam und stumm in Bewegung. Seine kräftigen und großen Pfoten, die man fast schon Tatzen nennen könnte, setzten leicht auf und schon waren sie wieder in der Luft. In einem eleganten, fast schwebenden Trab, den man ihm gar nicht zutrauen würde, folgte er der Weißen. Zum Rudelplatz also. Da waren bestimmt auch noch die anderen Wölfe. Ein wenig war er gespannt, doch auf der anderen Seite ließ es ihn kalt. Er hatte sich früher auch nie um andere Rudelmitglieder gekümmert. Sollte dies nun anders werden? Und das Schlimme, er wusste es nicht einmal! Während er so langsam hinter her trabte, immer Abstand haltend, war sein Blick stets kühl und verschlossen.


Darian hatte das Schauspiel gespannt beobachtet. Falk hieß er also, der Rüde, den die Alpha gerufen hatte. Interessant, dachte sich der Graue, sehr interessant. Und wer war Ayala? Er würde es bestimmt bald wissen. Er lauschte den Worten die gewechselt wurden, den Stimmlagen. Jemand hatte mal zu ihm gesagt, dass nichts mehr über ein Lebewesen verriet, als seine Stimme. Es sei schwer Gefühle zu verbergen wenn man sprach, weil sie in die Stimme übergingen. Darian wollte nicht nur wissen, wie die Wölfe hier hießen und wie sie zueinander standen. Er wollte wissen wer sie waren. Und vielleicht würde er das auch eines Tages, auch wenn sein Ego dies nicht zu bezweifeln wagte. Er machte einen Schritt auf die Alpha zu, sie würde abdrehen und gehen und er würde folgen. Sie sollten nun also den Rudelplatz kennenlernen. Darian wusste noch nicht, was er sich von diesem Rudel erhoffte. Er wusste nicht ob es seinen inneren Durst nach Heimat, den er nicht wahrhaben wollte, stillen würde.


Eris musterte Ayala mit leicht zur Seite geneigtem Kopf. Einerseits musste sie lächeln, ganz leicht. Andererseits krochen scheinbar glückliche Erinnerungen in das Lächeln, in das ganz leichte, welche Eris jedoch erdrückend vorkamen und sie schmerzten. Sie riss sich zusammen, schloss die Augen und schüttelte den Kopf, wie um etwas zu verscheuchen. Als sie die Augen wieder öffnete, hatte sie die typische Eris-Haltung angenommen. Immer über den Dingen stehen.

"Du kannst ruhig zu deinem Macker. Scheint ja lange weg gewesen zu sein, der tolle Hecht. Na los, geh schon, begrüß ihn, wie er es verdient hat ... oder auch nicht. Ich kenn das j-"

Eris brach ab und einen Moment stand blankes Entsetzen in ihren Augen über den offenbarenden Versprecher, den sie geleistet hatte. Schmerz. Sie schaute schnell zur Seite und räusperte sich, fuhr mehrmals mit der rechten Pfote über einen Fleck Erde.

“Los, geh. Du kannst mir das Revier ja das nächste Mal zeigen."



Ayala hielt mitten in ihrer Bewegung inne. Diese Reaktion hatte von Eris wirklich nicht erwartet ... sie drehte sich um und beobachtete die andere Fähe. Sie schien wie immer sehr beherrscht, eben hatte sie allerdings beinahe was von sich preisgegeben, um ein Haar hätte sie ihre äußere Fassade abgelegt.
.oO(Na los, geh schon, begrüß ihn...)
Ja, los, Ayala, geh, vergiss deine Aufgaben und folge einmal deinem Herzen! Sie war so entzwei gerissen ... wovor scheute sie sich so sehr, sie schien Angst zu haben - manchmal fragte sie sich, ob Falk so lange weggeblieben war, um ihr zu zeigen, dass er nichts mehr für sie empfand, dass sie ihm nicht mehr wichtig war. Im anderen Moment schämte sie sich für diesen Gedanken, sie sollte ihm schließlich vertrauen.
Und doch hielt sie eine unsichtbare, unglaublich große Kraft zurück ...

"Nein, lass uns weitergehen...er...Falk...wird Aufgaben haben, ich kann jetzt nicht zu ihm, wir sollten..."

Ayalas Stimme brach plötzlich ab, sie fluchte innerlich. Warum wollte sie um alles in der Welt die Starke heraushängen, warum ging sie nicht einfach zu ihm - jetzt - sofort! Im nächsten Moment hatte sie sich wieder gefangen, sie hob ihren Blick und ging weiter.

"Komm, Eris, lass uns weitergehen!"



Eris´ Gesicht schien sich zu verhärten. Ein fast säuerlicher Ausdruck lag um ihre Schnauze und die Flammen des Unerschütterlichen loderten in ihren grauen Augen. Sie ließ sich auf den Boden fallen und nahm eine endgültige Haltung ein.

"Nein. Ich geh´ nicht weiter. Das kannst du dir abschminken."

sagte sie und drehte pikiert den Kopf zur Seite, doch schon im nächsten Moment war er wieder zu Ayala gewandt. Ein ernster, grimmiger Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. Sie wollte das nicht zulassen.

"Wie blöd kann man eigentlich sein? Warum verbaust du dir den Weg zu deinem Glück? Das Feuer in deinen Augen spricht doch Bände. Was hält dich ab? Ich ganz bestimmt nicht."

Eris Blick bohrte sich in die grünen Augen der weißen Fähe. Ihr Herz verlangte nach dem Rüden mit der kräftigen Stimme. Eris kannte es nur allzu gut ... hoffentlich war sie an jemand besseren geraten. Diese Ayala ...



Nochmals blieb Ayala stehen. Diesmal allerdings nicht aus Erstaunen, sondern vielmehr, weil Eris voll ins Schwarze getroffen hatte. Woher nahm jene überhaupt das Recht, so mit ihr zu reden? Wie konnte sie sich als Allwissende aufspielen, die ihre Gedanken sofort erriet? Ayalas einstig so entschlossene und endgültige Haltung fiel nun in sich zusammen. Mit fragenden Augen schaute sie Eris an. Sollte sie wirklich zu ihm gehen? Wie blöd kann man eigentlich sein ... immer wieder hallte dies in ihren Gedanken wider, wie recht die andere Fähe doch hatte... Sie machte sich keine Gedanken mehr darüber, wie lächerlich und kindlich sie wirkte - wie verletzbar sie doch war. Sie stand auf, stupste Eris sanft an und schoss los, in die Richtung, aus der Falks Heulen gekommen war. Sie drehte sich noch einmal kurz um und rief Eris ein leises

"Ich danke dir..."

zu.



Eris saß immer noch auf dem erdigen Boden und wusste einen Moment lang gar nicht zu reagieren. Sie spürte, wie ihr das Blut in den Kopf stieg. Wie ... peinlich. Sie schüttelte den Kopf, sprang auf und rief der Fähe hinterher, die schon längst im Wald verschwunden war:

"Jetzt werd` mir aber nicht sentimental, ja?!"

Eris blieb einen Moment regungslos, ließ sich dann erst einmal wieder auf den Boden fallen.

"Trotzdem ... nichts zu danken."

murmelte sie und wischte sich mit der Pfote über die Schnauze, wo Ayala sie angestupst hatte. Das war ja geradezu kitschig gewesen. Sie schüttelte sich und begann anschließend zu überlegen, was sie nun tun könnte.
.oO(Du könntest schlafen ... Eris verdrehte die Augen. Schlafen ... Oh ja.)
Also erhob sie sich gemächlich und schlenderte den kurzen Weg zurück, den sie schon mit der weißen Fähe Ayala gegangen war. Beim Rudelplatz angekommen, streckte Eris den Kopf durchs Dickicht.
.oO(Mhhh, soweit keiner zu sehen ... sehr gut.)
Unauffällig trat sie aus dem Gebüsch und ging auf das Ufer des Sees zu, in welchem sie sich fast ertränkt hätte. Aber man wollte ja nicht nachtragend sein. Sie ließ sich an einer sandigen Stelle nieder und schloss nach geräuschvollem Gähnen die müden Augenlieder. Sie hörte noch leises Rauschen vom Wind in den Bäumen und schon war sie eingeschlummert.



Falk folgte Banshee und schob sich geschickt neben sie. Seine Vernunft sagte dem Hünen, dass er sich um die Neuen zu kümmern hatte, dass er hier eine Aufgabe hatte, die er zuerst erfüllen müsste und sich erst dann zu Ayala gesellen durfte. Er war nun einmal Gamma. Leah hätte das verstanden, aber Leah war- Und außerdem hatte Falk selbst gerade einfach keine Lust, seine Aufgaben wahrzunehmen. Sein ganzes Gefühl trieb in zu Ayala. Alles andere konnte erst einmal warten.

"Ich danke dir, Banshee."

flüsterte er der weißen Fähe zu,

"Ich werde mich revanchieren. Bald bin ich wieder voll für das Rudel da."

Er drehte sich noch einmal zu den anderen Wölfen um, schenkte ihnen ein flüchtiges Lächeln und fiel ein in einen Sprint, der ihn so schnell als nur möglich zu Ayala führen sollte. Es gab so viele Dinge, die er mit ihr besprechen wollte, Dinge, die auch Varloc betrafen. Falk lief schneller. Er wollte, dass Ayala das Gefühl hatte, dass sie ihm das Wichtigste war, dass er niemals vorgehabt hatte sie zu verlassen. Im Lauf hob er den Kopf und rief ihren Namen um ihr zu zeigen, dass er jetzt zu ihr kommen würde. Hoffentlich.



Banshee sah Flak lächelnd nach, auch wenn sie ihn gerne für das Rudel gehabt hätte, sah sie ein, dass er nun zu Ayala musste, wo auch immer sie mit Eris hin verschwunden war. Sie selbst fiel in einen schnelleren Trab und erreichte bald darauf den See, alles lag still da, keiner hatte sich gerührt, doch Hanako und Leé waren verschwunden. Verwirrt sah sie sich um, hob dann die Schnauze zum wolkenverhangenen Himmel und rief nach ihnen, bat sie zu kommen, oder zumindest zu sagen, wo sie waren. Als sie wieder verstummte drehte sie sich zu den vielen neuen um.

"Das ist unser Rudelplatz, das Rudel ist zur Zeit leider recht zerstreut."

Sie schnippte mit den Ohren, praktisch war es immer zerstreut, alle trieben sich überall herum, nur nie dort, wo sie sie haben wollte. Schon seit langem versuchte sie sie einmal alle hier zu haben, doch stets fehlte jemand. Jetzt, wo Falk endlich wieder gekehrt war, würde es ihr vielleicht einmal gelingen. Doch war der Gamma schon wieder verschwunden und eben Ayala und Eris waren auch Hanako und Leé irgendwo im Revier. Leise seufzte sie.
.oO(Nyota, wenn du wüsstest, wie ich dich vermisse.)



Hanako staunte sehr, als ihre Mutter ihr Gewiss sagte, dass Peavy nicht mehr sei und sie nie wieder belästigen würde. Was war damals nur passiert? Was hatte ihre Mutter bloß mitmachen müssen und erleiden müssen, um soweit zu kommen, wie sie jetzt steht? Wieder im Schein des Glücks, ohne dunkle Vergangenheit, denn diese war verbannt. Neu aufgeblüht durch alte Familienmitglieder, alles war wie vorher, nur noch unglaublicher.
Bevor sie irgendwelche sanften Worte an ihre wahrhaftig schöne Mutter richten konnte, erreichte sie der Ruf ihrer neuen Alpha - Banshee. Hanako leuchtete es ein, denn sie hatten sich nicht mehr bei ihr gemeldet, Banshee war wohl selbst zu beschäftigt gewesen in diesem Moment.

"Banshee, wir kommen sofort zum Rudelplatz - mit einem weiteren, lieben Wolf."

, heulte sie zurück und sah ihre Mutter liebevoll und auffordernd auf, auch Leé schenkte sie ein seliges Lächeln.

"Gerne werde ich dir alles zeigen, nun komm aber erst einmal mit, unsere Alpha will dich sicherlich kennen lernen und wir waren schon viel zu lange weg. Und sobald der Tag etwas Ruhe mit sich bringen wird, erzählst du mir alles genau..."



Ayala hatte die Worte, die Eris ihr nachrief nicht mehr gehört, ihre Sinne waren hauptsächlich auf IHN gerichtet, sie konnte sogar den besonderen Duft seines Felles riechen...wenn sie nur fest genug daran glaubte. Wo er im Moment wohl war? Wahrscheinlich bei einem von den Neuen, zeigte gerade den Rudelplatz, blickte auf den Sternsee - dachte auch er an sie? Ayala lief schneller, inzwischen war sie sich nicht mehr sicher, ob sie sich seinen Geruch nur einbildete, er war ihr nahe, er musste hier irgendwo sein. Jeder Muskel in ihrem Körper spannte sich an, ihre Ohren lauschten gespannt und zuckten bei jedem kleinsten Geräusch, das sie wahrnahmen. Dann, endlich, hörte sie ihn ihren Namen rufen ... Seine Stimme volltönend und wunderschön wie eh und je. Ayala raste los, er war nur noch wenige Sprünge von ihr entfernt, irgendwo hinter diesem Busch musste er sein. Ein Stück seines weichen Fells ragte zwischen den Blättern hervor, mit etwas Anlauf sprang Ayala über den Busch und landete ziemlich ungeschickt auf ihrem Gefährten.


Überrascht durch das plötzliche Gewicht seiner Gefährtin auf dem Rücken des Hünen ging Falk zu Boden. Kaum nahm er den Schmerz und den Schrecken war, all seine Sinne waren nur noch auf die weiße Fähe gerichtet, seine Gefährtin, Ayala! Jetzt, wo er wieder in ihrer Nähe war, ihre Wärme spürte, ihr Lächeln sehen und ihren sanften Geruch riechen konnte, jetzt merkte Falk so richtig wie sehr ihm diese Fähe gefehlt hatte und in ihm war kein Halten mehr.

"Ayala... Du hast mir so sehr gefehlt... Es tut mir- Ich werde nie wieder so lange weggehen, nicht ohne dich, ich...ich verspreche es dir! Du hast mein Wort, denn ich-"

Falk stockte. Beinahe hätte er sie ausgesprochen, die magischen drei Worte, jene Worte, die er einzig Leah zugestanden hatte - damals... Doch Leah war doch nun wirklich und endgültig tot... Aber war es nicht trotzdem noch zu früh für - diese Worte? Falk war sich nicht sicher. Einerseits sagte alles in ihm, dass es so war, aber andererseits sah es der Rüde als eine Art Verrat an... Nein, es war definitiv noch zu früh. Aber eines Tages würde er diese Worte ohne jegliches Bedenken und Zögern an Ayala richten können.

"Ich brauche dich so sehr... Vergiss all die anderen! Du bist die Einzige, die jetzt zählt."

Erst stürmisch, dann ruhiger und zärtlicher begann Falk das weiße Fell seiner Fähe mit der Zunge zu streicheln. Er presste sich eng an sie.



Wie gelähmt lauschte Ayala den liebevollen Worten Falks und genoss seine Zärtlichkeiten. Die Bedenken, die Verzweiflung und die Wut der letzten Tage waren wie weggewischt. Jedes Wort von ihm nahm ihr einen Zweifel mehr.

"Ich danke dir für deine Worte, Falk...auch wenn - ich habe dich sehr vermisst, ich hatte Angst, dir sei etwas zugestoßen..."

Ayala musste leicht lächeln, bei dem Gedanken, dass diesem starken Rüden etwas zustoßen sollte. Jedoch wurde ihr Blick wieder ernster.

"...oder du hättest mich vergessen."

Wie konnte sie so etwas jetzt nur sagen??? Wie konnte sie ihn mit so etwas belasten, wenn er sich doch gerade entschuldigt hatte, wenn er ihr zeigte, wie wichtig sie ihm war. Eine innere Welle der Wut auf sich selbst stieg wieder in ihr auf. Wie um ihre Worte unbedeutend zu machen, begann auch sie sich enger an ihn zu pressen und liebkoste ihn mit ihrer Zunge.



Hidoi konnte grade noch so sehen, oder eher den Windhauch spüren, wie eine weiße Fähe an ihm vorbei schoss und auf den Grauen zu. Kurz noch konnte er ein paar Worte aufschnappen, dann ging er aber schneller und zügiger weiter. Leicht verzog er die Lefzen, nein, das war ihm zu wider, zu sentimental. So was bedeutete Schwäche zeigen und das konnte er auf den Tod nicht ausstehen. Leise grollend folgte er Banshee weiterhin, bis sie scheinbar da waren. Der stahlgraue Rüde sah sich um. Eigentlich gab es nicht viel zu sehen. Nur ein paar weitere Bäume, die aber nicht ganz so dicht beieinander standen. Ach ja und da war noch ein See.

"Ah ja. Ist ja viel los."

sagte er kühl mit leichtem Hohn in der Stimme und streckte kurz seine muskulösen Glieder. Dann ließ er sich auf die kräftigen Hinterläufe sinken.

"Und was machen wir nun?"

fragte er desinteressiert. Langsam wurde ihm ein wenig langweilig, die anfängliche Anspannung seiner Seits, war wie weg geblasen, in einem Aschehauch verschwunden.



Falk zog den Kopf zurück, stupste die Schnauze seiner Gefährtin vorsichtig an und sah ihr tief in die Augen. Jeden Zweifel wollte er ausmerzen, ihm sollte sie glauben, sollte wissen, dass sie allein wichtig war, dass sie ihm vertrauen konnte. Erst auf dieser Grundlage, dem absoluten Vertrauen, hatte ihre Liebe eine Zukunft. Sanft streichelte er ihre Schnauze mit der seinen, sah der Gefährtin wieder tief in die Augen, hielt ihren Blick fest.

"Nicht, Ayala, denk das nicht..."

Er lächelte und hoffte gleichzeitig, dass sie sein Lächeln nicht falsch verstand, etwa als Versuch die Ernsthaftigkeit der Sache herunterzuspielen. Niemals hätte Falk das gewollt.

"Ich möchte dir jetzt und heute versichern, dass ich dich nie vergessen würde - und dich auch nicht verlassen. Du musst mir vertrauen. Ich werde dein Vertrauen nicht missbrauchen, glaube mir."

Sanft küsste er sie auf die Schnauze und seufzte behaglich. Alle Sorgen, Zweifel, schlechten Gedanken wegen seiner Vergangenheit und überhaupt waren jetzt kein Thema. Der Hüne hatte alles beiseite geschoben, wollte sich jetzt nur um Ayala kümmern und mit ihr das gemeinsame Glück genießen. Alles andere konnte erst einmal warten.



Mit geschlossenen Augen lauschte Ayala seiner dunkel gefärbten Stimme...der Klang seiner sorgfältig gewählten Worte war so erfüllend, und noch viel schöner war der Inhalt. Mit einem Lächeln antwortete sie ganz leise, kaum mehr als ein Flüstern:

"Ich weiß..."

Er hatte Recht, sie hätte ihm von Anfang an mehr vertrauen müssen, einfach wissen müssen, dass er sie nicht alleine ließ. Ab jetzt würde sie sicher nicht mehr an ihm zweifeln. Langsam blinzelte sie ihn an mit strahlend grünen Augen.

"Vielleicht schaffen wir es ja heute einmal ganz alleine die Sternenwinde zu betrachten"

Für einen kurzen Moment dachte sie an Dayon, wie sich alles verändert hatte. Dann schleckte sie dem großen Rüden sanft über die Ohren, über sein buschiges Kragenfell. Sie lächelte zufrieden, wie hatte sie ihn vermisst, aber jetzt würde sie ihn nicht mehr so schnell hergeben!



Falk nickte und legte seinen Kopf auf die Schulter seiner Gefährtin. Mit leerem Blick sah er in den Himmel und flüsterte:

"Das wäre wirklich ganz wunderschön... Weißt du noch, damals? - Nein, sag jetzt nichts - ich bin sicher, dass auch du daran gedacht hast... Diese merkwürdige Nacht..."

Der Hüne konnte es genau vor sich sehen: Ayala und er, die Nähe, die sich zwischen ihnen entwickelte, spürbar; Dayon, der sich für einen Moment tatsächlich öffnete; er selbst, als er von seiner Vergangenheit erzählte und eine große Last von seinen Schultern genommen wurde im selben Augenblick; die verletzte Varloc, wegen der er hauptsächlich verschwunden war in der Hoffnung alles mit ihr klären zu können... Falk nickte stumm vor sich hin.

"Es wäre schön, wenn du mir erzählen könntest, was hier so vorgefallen ist - die ganze Zeit über, in der ich weg war... Oder wir machen das vielleicht heute Nacht? Ich werde dir auch alles erzählen, das verspreche ich dir, auch wenn es da nicht viel gibt..."

Kurz schweiften Falks Gedanken ab, er überlegte, ob von ihm und Ayala erwartet wurde, dass auch sie allmählich auf dem Rudelplatz eintrafen. Sofort schob er den Gedanken beiseite. Die Pflichten konnten erst einmal warten. Es gab schließlich auch noch Acollon.



Darian zuckte kurz bei dem Heulen Banshees, er erschreckte sich darüber, wie sehr er es mochte wenn sie dies Tat, solche Dinge konnten ihm schnell Schwierigkeiten machen...
Einen Moment lang legte er all seine Eitelkeit, seinen Stolz, seine Überheblichkeit ab und musterte nur mit erstauntem Gesicht erst nochmals die Alpha, dann die Umgebung, wie ein Welpe, der in einer neuen Situation mit seinen großen Kulleraugen aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht und er machte einen Schritt auf Hidoi zu. Erst beim zweiten hinsehen fiel ihm auf, dass er ja ein Rüde war, den er nicht zu mögen entschieden hatte oder zumindest hatte er so tun wollen. Also drehte er sich distanzierend weg, sodass er parallel zu dem Grauen stand.

"Wir bleiben hier stehen, bis wir versteinern und am jüngsten Tag vom klang silberner Posaunen wieder zum Leben erweckt werden bis wir dank unseren brüchigen Knochen keinen Schritt mehr gehen können"

Feixte er.



Hidoi schenkte dem eingebildeten Wolf genau gegen über von ihm nur ein eiskaltes kurzes Knurren und seine stechend gelben Augen blitzen auf. Er wandte den Blick wieder ab. Später, irgendwann mal, würde es schon dazu kommen. Dann würde ihm Hidoi eine Lektion erteilen, die er nie vergessen würde. Solange beschloss er erst mal zu warten und zu sehen, was so daraus wurde. Sein Blick wanderte nun desinteressiert und gelangweilt herum. Er hoffte, dass es sich überhaupt lohnen würde eine Weile hier zu bleiben.


"Ja das sollten wir tun ... Gehst du voraus?"

Shivas Stimme klang nun sanft und strahlte Wärme aus, all ihre Ängste und verbitterten Gefühle schienen nie da gewesen zu sein. Die Situation in der sie sich befand löste ihn ihr friedliche und glückliche Gefühle aus. Sie hatte begriffen, dass all ihr Mühen und ihre Kämpfe nicht umsonst gewesen waren und einen Sinn gehabt hatten. Ein warmes Lächeln umspielte ihre Lefzen und sie hoffte, dass sie bereit war einen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt zu wagen und mit ihrer Tochter zusammen zu sein. Vielleicht war sie gar nützlich für das Rudel. Aber zu weit wollte sie noch nicht vorausgreifen. Sie bewegte sich nun wieder einen Schritt auf ihre Tochter zu und stupste sie sanft an.

"Gehen wir..."



Ayala hob nachdenklich ihren Blick zum Himmel, wo sollte sie anfangen? Es war viel passiert die letzte Zeit - seit wann war Falk eigentlich verschwunden? Wenn sie jetzt so darüber nachsann, kam es ihr wie eine noch größere Ewigkeit vor, als sie die ganze Zeit angenommen hatte.

"Mmmmh, wir hatten großen Zuwachs die letzten Tage...allerdings habe ich bisher nur mit Eris, eine Fähe mit unbeschreiblichem Wesen, Bekanntschaft gemacht. Eris ist sehr eigen, andererseits glaube ich sehr nett, wenn sie einen besser kennt."

Ayala schaute tief in Falks Augen, ob sie eine Reaktion erkennen konnte.

"Du erinnerst dich doch sicher noch an Reiyn, nicht wahr? Nun, als du schon einige Zeit weg warst, ist er gegangen, sein Herz hat ihn wohl weitergetrieben in die großen Weiten jenseits unseres Waldes."

Sie sah die Szene noch genau vor sich, als sie sich mit Reiyn unterhalten hatte und Falk nicht unweit von ihnen stand, war er vielleicht etwas eifersüchtig gewesen? Grundlos, wie ihr schien, sie hatte sich mit Reiyn sehr gut verstanden, doch nicht mehr, ihr Herz hatte ja schon längst diesem wunderschönen Rüden, der jetzt an ihrer Seite lag, gehört. Lächelnd blickte sie Falk von Scharfenberg an.

"Nun, was gibt es noch zu erzählen...Hanako und Leé scheinen sich gefunden zu haben, die beiden sind wirklich sehr herzlich miteinander, ebenso Banshee und Hanako. Ansonsten war Dayon oft bei mir, hat mich getröstet, wenn ich...allzu sehr Sehnsucht nach dir hatte."

Mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen, stupste sie Falk liebevoll an.



Darian rollte mit den Augen. Es war einfach unsinnig, er stritt sich still und stumm, hasste sich an mit jemandem den er gar nicht kannte. Waren ihm selbst denn die Vorurteile nicht verhasst genug wo er sie doch stets verflucht hatte, da man sie so oft gegen ihn richtete? Ja, er hasste andere dafür, dafür, dass sie auf ihn reinfielen wenn er sie hinterging, dafür das ihn niemand zu durchschauen schien. Und wenn es jemand tat, er kannte dieser nicht, dass die Fassade die er trug, nicht die Wahrheit war. Warum dachten immer alle er wäre wie er vorgab zu sein? Wer war das schon?

"Wende dich nur ab, Hidoi, aber du weißt doch genauso wenig mit dir anzufangen"

Er rief ihm diese Worte gleichgültig hinterher, innerlich jedoch protestierte er. Immer mehr wurde die Abneigung, die er gegen Hidoi zu haben vorgab, wirklicher, da der Graue bereits über ihn geurteilt zu haben schien. Niemand würde Darian glauben, wenn er behauptete er habe einen Sinn für Gerechtigkeit...



Leicht aber wütend knurrend drehte sich der Stahlgraue zu Darian um. Hidoi zog seine Lefzen leicht zurück. Eigentlich hatte er keine Vorurteile, da ihm andere meist egal waren. Aber dieser, schien wirklich nur darauf aus zu sein, Streit zu suchen.

"Und du? Hast du nichts Besseres zu tun, als mich zu nerven? Weißt du selbst nichts mit dir anzufangen?"

grollte er und fixierte den Rüden noch ein wenig mit den kräftig gelben Augen. Er musterte ihn ein wenig.
Warum suchte man sich immer ausgerechnet ihn als Opfer aus? Glaubten sie, nur weil er aggressiv und reizbar war, würde es mehr Spaß machen ihn zu nerven? Gott, wie er das hasste. Doch er wollte sich nicht gleich ärger holen und dachte sich, dass er es vorerst wohl oder übel mal mit diesem Darian versuchen sollte. Er musste sich selbst sehr zwingen kontrolliert zu bleiben, sonst hätte er den Rüden wahrscheinlich längst angegriffen.
Er fing an ernsthaft daran zu denken, nicht allzu lange hier zu bleiben.



Banshees Ohren nahmen zufrieden die Botschaft Hanakos auf, sie war auf dem Weg zurück, offensichtlich mit einer weiteren Fremden. Unruhig drehte sie die Ohren, legte sie kurz an den Kopf und achtete erst dann wieder auf die beiden Rüden bei ihr. Sie schienen sich zu streiten. Mit ruhigem Blick musterte sie die beiden, ließ ihren Blick kritisch über sie schweifen und machte mit einem leisen Schnalzen auf sich aufmerksam.

"Wenn ihr fertig damit seid, euch gegenseitig anzugiften könntet ihr euch überlegen, wie wir Nahrung für das Rudel beschaffen können."

Noch während sie sprach erregte ein fremder Geruch ihre Aufmerksamkeit. Sie sah auf, die Fremde musste sich noch im Wald versteckt halten, doch sie war da. Aufmerksam ließ sie ihre Augen umherschweifen, ließ aber die beiden Rüden nicht aus dem Blick.



Hanako schenkte ihrer Mutter noch ein leichtes Nicken, warf einen flüchtigen, aber liebevollen Blick auf Leé zurück und schritt dann langsam voran. Das ewige, leichte Lächeln, welches sie vor Freude hatte, legte sie auch jetzt nicht ab und sie konnte es kaum erwarten, Banshee ihre Mutter vorzustellen. Viele Bilder spielten sich vor ihren Augen ab, was wäre, wenn man Shiva nicht akzeptieren würde? Aber man musste dies einfach tun, denn es gab nichts schöneres, als neue Mitglieder bei sich zu haben.
Schon bald kam der Rudelplatz näher und Hanako drehte sich zu ihrer Mutter um.

"Wir sind gleich da, atme noch mal tief durch!"

Sie grinste etwas mit ihren Lefzen und verschnellerte ihren Lauf, dann stand sie auf dem Platz und sah sich um. Bei Hanako standen noch zwei weitere Rüden, einer fiel ihr direkt durch seine leuchtenden, gelben Augen auf und Hanako legte etwas den Kopf schief. Mit Mut und Unsicherheit schritt sie zu Banshee zu, stand ganz nah bei den beiden ihr noch fremden Rüden und schenkte ihnen ein Nicken als Begrüßung.

"Verzeih bitte meine Abwesenheit, aber Leé und Ich haben meine Mutter Shiva wieder gefunden. Schau sie dir an...und rede mit ihr, ich bin mir sicher, dass sie unser Leben teilen will."

Mit einem überzeugenden Blick sah sie noch mal zu ihrer Mutter, dann wieder zu dem Rüden.

"Willkommen hier."



Leé trottete hinter ihrer Mutter her und seufzte müde. Sie hatte lange nicht mehr geschlafen und nun war sie sehr erschöpft. Sie schaute zu Boden, bekam fast nichts von allem mit.

"Mama, ich bin sehr müde, ich gehe und suche mir einen Platz um zu schlafen..."

sagte sie matt zu Hanako. Ohne auf eine Antwort zu warten ging sie in ein nahes Gebüsch und legte sich dort hin. Ihre Augen fielen fast im gleichen Moment zu, wie sie sich hingelegt hatte. Ihr Herz hüpfte zwar immer noch vor Freude, doch die Müdigkeit ließ sie traurig und matt erscheinen. Sie träumte lauter Dinge, an die sie sich nicht mehr erinnern konnte, doch sie wusste, dass sie darin große Freude und Glück empfunden hatte, so wie in ihrem Leben gerade.



Falk zog die Augen zusammen. Hanako...? Er versuchte sich zu erinnern, war dieser Rüde - denn er musste doch ein Rüde sein - unter den Wölfen gewesen, die an dem Tag als Falk in den Wald gegangen war zum Rudel gestoßen waren? Tiefer kramte der Rüde in seiner Erinnerung, doch kein konkretes Bild konnte er finden. Er schüttelte vorsichtig den Kopf.

"Wer ist Hanako? Und ist Leé nicht erst ein Welpe? Ist sie dann nicht noch ein bisschen jung für Liebe? Und was ist das mit Banshee? Was ist denn mit Acollon?"

Er lächelte seiner Fähe zu.

"Und diese Eris ist sehr nett, sagst du? Und du hast keine Angst, sie könnte dir Konkurrenz machen, wenn sie so nett ist?"

Der Hüne feixte und wurde dann sofort wieder ernst.

"Nein, Ayala, niemand wird die je Konkurrenz machen können, das verspreche ich dir. Ein wenig neugierig hast du mich trotzdem gemacht und wenn du sagst, dass sie nett ist, so kann sie nur nett sein. - Dayon hat einen gut bei mir. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er für dich da war."

Er schleckte ihr liebevoll über den Pelz.



Hidoi knirschte leicht mit den Zähnen, doch entgegnete nichts auf die Aussage Banshees. Jagen? Ok, kein Problem, aber ohne diesen Darian. Mit dem würde er keine paar Meter zusammen jagen.
Vielleicht war er voreilig, doch das interessierte ihn selbst nicht einmal. Als er einen Blick auf sich spürte, drehte er den Kopf herum. Der Stahlgraue sah, dass eine weiße Fähe ihn durchgehend gemustert hatte. Am liebsten hätte er gleich: "Hey, was gibts da zu glotzen?!" gerufen, doch er hielt die Schnauze. Als diese Fähe dann zu ihnen herüber kam und nach ein paar Wörtern, auf die Hidoi aber nicht achtete, sie ansprach, entgegnete er nur ein knappes:

"Danke."

Ein kurzer, leiser Seufzer entfuhr seiner langen Schnauze. Eigentlich hatte er sich die Ankunft in dem neuen Rudel ganz anders vorgestellt. Aber man konnte ja bekanntlich nicht alles haben. Finster starrte er vor sich her, ein Ohr jedoch zu der weißen Fähe gestellt.

Tyraleen
23.12.2009, 16:40

Eris träumte von Wolken. Allen möglichen Wolkenformationen. Da gab es eine Fischwolke, die sich langsam drehte, einen Salto vollzog, bis sie schließlich mit einer Wasserwolke verschmolz. Ein stolzer Wolfskopf heulte hinaus in die Weiten des prächtigen blauen Himmels. Es war der Gefährte Ayalas, so wie sie sich ihn vorstellte. Vielerlei kleinere Wölkchen. Und dann war da noch eine Kamuiwolke. Sie tollte mit einer Wolke umher, die wie Eris aussah.
Eris zog die Schnauze kraus und ihre Augenlieder zuckten leicht. Etwas kitzelte sie an der Nase. Als sie langsam die grauen Augen öffnete, erkannte sie moosgrünes Gras vor sich. Das Kribbeln in der Nase wurde stärker und Eris zuckte auf. Musste niesen. Etwas benommen, noch halb im Liegen, stellte Eris fest, dass sie sich vom trockenen Sand am Ufer aufs feuchte Gras gerollt hatte. Sie schnalzte nicht gerade begeistert, als sie an sich hinunterblickte. Ihr ganzer Pelz war struppig von der Nässe. Eris stand auf und schüttelte sich erst einmal ausgiebig, dann schaute sie sich auf dem Rudelplatz um.
.oO(Na huch, was ist denn jetzt passiert?)
fragte sie sich im Stillen und versuchte die Situation zu erfassen. Da waren zwei neue Rüden, eine Fähe, die sie bei ihrer Ankunft bereits kurz gesehen hatte, dann eine Fremde ältere und ein Welpe. Und Banshee natürlich. Klar, sie war ja Alpha. Eris beschloss, dass groß herumrätseln ihr nicht viel bringen würde, also schlenderte sie gemächlich zu der Ansammlung von Wölfen.
Sie musterte kurz die beiden Rüden. Grau, der eine etwas heller als der andere. Einmal auffallend hellgelbe Augen und einmal sanftes bernsteinfarben. Ganz nett. Eris ließ den Blick weiter über die beiden fast und ganz unbekannten Fähen schweifen und schließlich bei Banshee landen.

„Tag, Banshee.“

sagte Eris, weil sie sich sonst dusselig vorkam, einfach still hinzu zu stoßen und dann stumm wie ein Fisch herumzustehen.



Der finstere Blick des Rüden ging Hanako kaum aus dem Kopf und er erinnerte sie stark an ihren Vater. Diese leuchtenden gelben Augen waren das einzige, was ihr verrieten, dass er anders sein musste. So hoffte sie. Die knappe Antwort beeindruckte Hanako nicht, denn sie ließ sich nicht gerne von einem Rüden unterkriegen. Und wegen einem einzigen Wort wollte sie ihn auch nicht anschnauzen, immerhin war er neu und es war für ihn sicherlich ungewohnt, dass gleich so viele Wölfe um ihn herum standen.

"Ich hoffe, ich nerve dich nicht, denn dein Anblick scheint etwas gestresst und sauer zu sein. Dennoch interessiert es mich, zu wissen, wie du denn in dieses Rudel gekommen bist. Ich habe dich noch nie zuvor gesehen. Es freut mich doch, dass wir Zuwachs bekommen."

Sie versuchte einfach neutral zu klingen und einige Worte mit ihm zu wechseln, aber nicht zu viele, denn sonst würde er sicherlich davon gehen, um ihrer Nerverei aus dem Weg zu gehen.

"Entschuldige, falls ich aufdringlich sein sollte..."



Hidoi zog eine Augenbraue hoch, als ihn die Wölfin so direkt ansprach. Er machte also einen gestressten Eindruck? War ER gestresst? Wütend, das war er. Und so finster war er eh immer.

"Ich bin in das Rudel gekommen, weil mich eure Alpha freundlicher Weise aufgenommen hat. Und du hast mich hier noch nie gesehen, weil ich hier noch nie war, Wölfin."

sagte er mit kalter und rauer Stimme. Was ging sie das eigentlich an, fragte der Stahlgraue sich im Stillen. Hidoi hatte die Angewohnheit Fremde oder Wölfe, die er noch nicht so gut kannte immer nur mit "Wolf" oder "Wölfin" an zu reden. Außerdem kannte er auch den Namen der weißen Wölfin vor ihm nicht.

"Zangyaku Hidoi mein Name."

Das "Zangyaku" klang ähnlich eines tiefen Zischens. Den Namen zuerst zu nennen, sollte eine Anspielung darauf sein, auch den Namen seiner Gegenüber erfahren zu wollen. Doch ob sie klug genug war um dies zu registrieren? Er musterte sie noch kurz, dann wanderte der stechende Blick in die Ferne.



Die kalten Reaktionen des Wolfes gaben Hanako etwas zu denken, er schien wirklich anders als alle hier zu sein. Das allein ihr Interesse ihn so verärgerte wunderte Hanako doch noch etwas, aber sie versuche es einfach zu verdrängen, denn mit solchen Wölfen sollte man besser keinen Streit anfangen.

"Schön zu hören..."

Flüsterte sie. Dann lauschte sie seinen Namen und dachte über diesen eine Weile nach. Der Wolf erinnerte sie irgendwie an so viele Dinge auf einmal, obwohl viele ihn wohl abstoßen würden, hatte Hanako nicht den Mut dazu. Sie wollte ihn respektieren, nur so konnte sie ihn wohl näher kennen lernen und seine Kälte etwas brechen.

"Ich hoffe, es ist genehm, wenn ich dich nur mit Hidoi anspreche. Mein Name ist Hanako."

Sie versuchte auf ihren Lefzen ein kleines Lächeln zu zeigen und folgte seinem Blick in die Ferne.

Hidoi nickte nur und blickte wieder die weiße Fähe, die sich nun doch vorgestellt hatte an. Hanako hieß sie also.

"Macht eh jeder..."

sagte er immer noch kühl, aber nicht mehr so eiskalt. Langsam verging ihm die Lust daran, anderen kalt gegenüber zu treten um seine Ruhe zu haben. Es half ja doch nichts. Ob er es mal mit ignorieren versuchen sollte? Nein, brachte wahrscheinlich auch nichts. Schließlich war er noch nicht einmal fest ins Rudel aufgenommen. Oder? Er rang ein wenig mit sich selbst und beschloss dann, erst mal einiges über sich ergehen zu lassen. War wohl besser so. Danach könnte man ja immer noch weiter sehen. Er ließ auch seine kraus gezogenen Lefzen wieder nieder und drehte ein Ohr leicht nach vorne, auch wenn das andere noch gleichgültig zurück gedreht war,



Nachdenklich betrachtete Hanako Hidoi und versuchte irgendwie zu sehen, ob er nicht doch eine andere Art an sich hatte, als diese. Mit Sicherheit hatte er vielleicht tief in inneren einen weichen Kern, aber er versteckte ihn und es würde sicherlich schwer werden, sich diesen zu erarbeiten.

"Nun, ich habe den Eindruck, dass du vielleicht ein wenig Ruhe willst, deshalb lass ich dich wohl besser allein. Falls du dich Interesse hast mit mir zu Reden, findest du mich dort hinten bei dem Baum - dort wo der Welpe liegt."

Hanako nickte ihm lächelnd zu, schenkte ihm einen verträumten Blick und sie wanderte dann langsam zu ihrer Tochter Leé hin, die sich ja bei ihr abgemeldet hatte, um zu schlafen. Mit einem liebevollen Blick betrachtete sie das Kleine, Schlafende Fellbündel und legte sich wärmend um sie. Warum, verstand Hanako nicht, aber dieser Rüde ging ihr irgendwie nicht aus dem Kopf und kurz schielte sie aus dem Augenwinkel zu ihm. Dann suchte sie aber wieder den Blick ihrer Mutter, die sich ruhig zu ihr gesellen sollte, wenn sie sich bei Banshee vorgestellt hatte. Alles würde schon irgendwie seinen Lauf finden...
.oO(Er ist ja doch irgendwie nett...und doch kühl...ob ich die Chance habe, ihn besser zu verstehen?)



Leés Gedanken flogen über das Land und der Wind begleitete sie. Sie hörte den Wind ihr zuflüstern und sie spürte eine angenehme und schützende Wärme, die sich um sie legte. Dann sah sie einen dunklen, fast schwarzen, Wald, der so düster aussah, dass selbst ein mutiger Wolf nicht hineingegangen wäre. Darin saß, auf einem Ast, ein wunderschöner schimmernder Vogel. Er sang die schönsten Lieder, und flog dann zu Leé und setzte sich vor sie hin. Leé betrachtete den Traumvogel. Plötzlich, ganz unerwartet flog er auf und stieg anmutig in die Lüfte. Leé wollte ihm folgen, doch sie konnte nicht fliegen. Sie sah dem Vogel nach, bis er am Horizont in der goldenen Sonne verschwand. Leé öffnete ihre Augen und blinzelte müde in Hanakos Gesicht. Schläfrig kuschelte sie sich in Hanakos Fell und döste wieder ein. Diesmal fand sie den Vogel nicht mehr...


Hidoi erwiderte nichts mehr. Sie war ja eh schon weg gegangen. Leise grummelte er kurz und blickte der weißen Fähe dann nach. Als sie sich zu einem kleinen Welpen legte, drehte er den Kopf wieder nach vorne, richtete seinen Blick irgendwo hin. Mit kleinen Wölfen, die von der großen, weiten Welt noch nichts wussten, immer nur spielen wollten und die Großen nervten, konnte er nichts anfangen. Hidoi verstand sie einfach nicht. Er hatte nie eine richtige Welpenzeit gehabt, wie sollte er sie also verstehen? Inzwischen war sein Blick nicht einmal mehr kalt, sondern einfach nur noch gelangweilt.


Eine Weile lang ruhte Hanakos Blick auf der kleinen Welpe Leé, die sie als ihre Tochter angenommen hatten, ohne jemals Negativ zu denken. Sie war froh darüber, wusste aber auch, dass es nun einige Aufgaben in ihrem Leben gab. Nachdem Leé wieder eingeschlafen war, erhob Hanako sich vorsichtig und tapste etwas umher, einfach nur, um sich die Zeit zu vertreiben, denn sie musste ja irgendetwas tun.
Ab und zu warf sie flüchtig einen Blick zu Hidoi, versuchte ihn zu imponieren oder auf sich aufmerksam zu machen, aber am Ende fand Hanako es nur noch kindisch, wenn er mit ihr reden wollte, würde er sicherlich kommen. Nachdenklich legte sie sich auf einen kleinen Felsen und blickte hinauf in den Himmel, in dem sie immer wieder, tief im Herzen, ihren toten Gefährten und ihre tote Tochter sehen konnte. Ein Lächeln spielte auf ihren Lefzen und sie versuchte irgendeinen Gedanken zu fassen, um sich abzulenken. Wie immer sah sie zurück, ihre Mutter schien mit Banshee beschäftigt zu sein, ihre Tochter schlief, der Rest des Rudels schien nicht sehr Aktiv und Hidoi starrte vor sich hin. Und was sollte sie tun? Wieder erhob sie sich und tapste umher, die Augen nachdenklich zu Boden gerichtet, die Gefahren nicht sehend und die Gedanken irgendwo im Nichts.



Hidoi bemerkte, wie Hanako irgendwie komisch auf dem Platz herum lief. Vielleicht sollte es ihm imponieren, doch auf ihn wirkte dies eher lächerlich. Doch er sagte nichts und beobachtete die Fähe eine Weile. Irgendwie war sie schon komisch. Eigentlich beachtete er Fähen nicht so, doch eigentlich war es umgekehrt auch genauso gewesen. Da nichts mehr passierte, legte er sich unter einen Baum und streckte die Pfoten ein wenig von sich. Das stahlgraue Fell wiegte sich leicht im Wind und der Kopf senkte sich langsam auf die großen Pfoten. Die Lieder der gelben Augen schlossen sich und er döste ein wenig vor sich hin. So machte er eigentlich einen ganz friedlichen Eindruck, doch er war jeder Zeit auf irgendwas, was auch immer es sein möge gefasst um auf zu springen. Solange wollte er sich ein wenig von seiner Reise erholen.
.oO(Vielleicht ist es hier ja doch nicht so übel...)
dachte er im Hinterkopf und schlief ein wenig vor sich hin.



Hanako war immer noch etwas weiter gelaufen, achtete weiterhin auf nichts und versuchte klare Gedanken zu fassen. Den Blick zurück werfend konnte sie nur noch erkennen, dass auch Hidoi sich nun hingelegt hatte und schlief und sie dachte scharf daran, sich auch endlich mal auszuruhen. Doch eher das Gegenteil war ihr gerade lieb, sie fühlte sich nicht Müde, auch nicht erschöpft, sondern eher verlassen. Den Kopf schief gelegt blickte sie durch die Kronen der Bäume zu den Lebewesen, die dort hausten und versuchte zu verstehen, welchen Sinn diese im Leben sahen. Urplötzlich spürte sie einen dicken Ast auf ihre Pfote knallen und ein kleiner Aufschrei entfuhr ihr, der eher nach einem kläglichen Fiepen klang. Ein harter Schmerz pochte durch ihre Pfote, die sie nun angehoben hielt und vorsichtig darüber leckte. Durch einen Dornen hatte sich ein weiter Kratzer aufgerissen, aus dem nun tiefrotes Blut das weiße Fell von Hanako färbte.

"Verdammt..."

Sie war einfach ungeschickt, dass musste sie einfach zugeben. Hanako humpelte etwas voran, merkte aber schon nach wenigen Metern, dass sie ihre Läufe zu sehr belastete, aber auch mit der rechten Vorderpfote nicht weitergehen konnte. Vielleicht sollte sie zum See und die Pfote kühlen? Mit zugepresster Schnauze humpelte sie weiter voran, versuchte so wenig wie möglich die Pfote zu belasten, aber irgendwann ließ sie sich erschöpft nieder und streckte sich aus, vielleicht sollte sie die Pfote erst einmal ruhen lassen, dann würde es ihr nicht mehr so weh tun.



Hidoi döste weiterhin, doch es gelang ihm nicht wirklich. Er schlug die Augen wieder auf und sein Blick wanderte umher. Er fühlte sich einfach nicht müde. Er war ausdauernd und der Marsch hatte ihm nur wenig zu gesetzt. Was hatte die Alphafähe nicht eben zu ihm und dem anderen Rüden gesagt? Sie sollten sich überlegen, wie man am besten Futter her beschaffen konnte? Nun ja, jagen gehen war wohl mehr als logisch. Vielleicht konnte er das als Begründung nennen, sich mal ein wenig um zu schauen? Ruhig erhob sich der kräftige Rüde wieder. Nach einem weiteren, umher schweifenden Blick fiel ihm so nebenbei auf, dass diese weiße Wölfin gar nicht mehr hier am Platz war. Aber eigentlich konnte es ihm ja auch egal sein, oder nicht?
Langsam schritt er auf Banshee zu.

"Du wolltest, dass ich mir überlege, wie Beute beschafft werden könne? Nun denn, am logischsten ist es wohl, wenn ich jagen gehe. Andernfalls könnte man auch warten, bis die Beute zu uns findet, was wohl eher unwahrscheinlich ist."

sagte er kalt. Es war ihm einfach nicht ab zu gewöhnen. Dieses Spotten und diese Eisernheit.
Er wandte sich um und lief in den Wald hinein. Er zog viele verschiedene Gerüche ein, war dort nicht auch die Witterung von Blut und dieser weißen Wölfin namens Hanako? Er stellte die Ohren nach vorne. Es könnte ihn kalt lassen. Aber vielleicht würde er am Ende dafür verantwortlich gemacht werden? Bestimmt würde es auf ihn geschoben werden, da er ja jetzt ausgerechnet auch im Wald verschwunden war. Nun gut, er folgte der kleinen Blutspur Hanakos. Wenn er nach ihr gesehen hatte, konnte er ja immer noch weiter auf die Suche nach Wild gehen.



Hanako hatte es sich unter einem Baum mehr oder weniger gemütlich gemacht und schloss die Augen, sie konnte immerhin nicht mehr als Warten, aber so lange sie keiner vermissen würde, konnte sie die kleine Auszeit auch genießen. Ihre Gedanken schwirrten nur so umher, sie fragte sich, wie sie gleich am Besten zum See kommen würde, denn ewig hier rasten war einfach nicht. Ihre Mutter würde ihr sicherlich auch Folgen, sobald sie mit Banshee geredet hatte und dann wäre in ihren Augen wieder Chaos. Schon als Hanako noch ein Welpe war, war Shiva einfach mehr als Fürsorglich gewesen. Doch schon Oft war sie ihr dafür dankbar gewesen, wieso auch nicht? Ein stilles Lächeln spielte auf ihren Lefzen, als sie plötzlich Geräusche hörte und ihren Kopf erschrocken hob. Nicht jetzt ... nicht, wo sie sich doch einfach gar nicht wehren konnte. Sie erkannte nur schwache Umrisse aus der Ferne und schluckte deswegen stark, es konnte jeder sein, sie musste auf alles vorbereitet sein. Nach einigen Sekunden erkannte sie aber die stechenden gelben Augen und war sich sicher, dass dies der Rüde Hidoi sein musste. Was tat er hier?


Hidoi zuckte mit den Ohren als er die Umrisse der weißen Wölfin wahrnahm. Der Geruch von Blut war nun sehr klar für sein stark ausgeprägtes Riechorgan. Der Stahlgraue bemerkte, dass sich die Wölfin wohl an der Pfote verletzt hatte. Nicht weiter schlimm. Er konnte also genauso gut wieder im Wald verschwinden. Es würde nichts geschehen. Doch nun war er schon mal hier und es würde wohl mehr als seltsam wirken, wenn er jetzt wieder verschwand.

"Ist was passiert?"

fragte er in einem gleichgültigen Ton und seine gelben Augen musterten kurz Hanako. Nein, mehr war wohl nicht geschehen. Er blieb am Waldrand stehen, den Kopf ein wenig zur Seite gewand, als ob er nur auf dem Sprung wäre und auch gleich wieder weiter ziehen würde. Innerlich fing er sich plötzlich an zu ärgern, dass er Hanakos Fährte gefolgt war. Eigentlich hätte er auch jagen gehen können. Er ärgerte sich über sich selbst, weil er schon wieder anfing an andere Sachen zu denken.



Hankao starrte Hidoi an und fragte sich, was ihn nur hierher trieb, aber sicherlich war er nicht wegen Ihr hier, das war ihr klar. Nachdenklich beobachtete sie ihn, er hatte diese abweisende Art an sich, die Hanako so seltsam aufnahm. Er ignorierte sie und doch fragte er, was passiert war. Sie wusste nicht, ob sie antworten sollte, denn es interessierte ihn ja doch nicht. Sie schwieg und versuchte klare Gedanken zu fassen. Langsam stellte sie sich auf, hob aber die rechte Vorderpfote an und sah sich um.

"Ähm...nichts weiter..."

War ihre knappe Antwort gewesen. Wieso sollte sie vor ihm Schilderungen aufbringen, die er doch sowieso wieder in der nächsten Sekunde vertrieben hatte? Es wäre sinnlos. Mit ihren Worten hatte sie ihn wahrscheinlich auch nicht begeistert, aber sie versuchte es zu ignorieren. Da Hidoi anscheinend schon weiter wollte und nicht zu ihr wollte, humpelte Hanako langsam in Richtung Rudelplatz, wollte er gehen? Wenn ja, war es ihre Schuld? Sie blickte traurig zurück, dann schleppte sie sich weiter voran, warum tat sie das?



Als die Wölfin aufstand und nur kurz etwas daher stammelte, gleich danach auch schon sich daran machte zu verschwunden, setzte Hidoi sich auch schon wieder in Bewegung. Wenn sie meinte, es sei alles in Ordnung, dann brauchte er auch nicht weiter in ihrer Nähe zu bleiben. Gelangweilt schlich er den Waldweg endlang und versuchte die Witterung eines Tieres oder ähnlichem auf zu nehmen. Und da, wie es der Zufall wollte fand er wenig später ein verwirrtes Rehkitz mit scheinbar verletzten Vorderläufen vor sich, halbwegs versteckt neben einem Baum liegen. Ein fieses Grinsen breitete sich auf den Lefzen des Wolfes aus. Das Kitz hatte eh keine Chance mehr. Mit verletzen Beinen, würde es eh nicht überleben. Er schlich nicht einmal, gefährlich knurrend schritt er gesenkten Kopfes auf das Tier zu, das erschreckt und in Todesangst versuchte auf zu stehen und davon zu rennen. Hidoi sprang auf das Tier und biss ihm in den Halsrücken. Ein knacken kündigte den Genickbruch und damit den Tod des Tieres an. Blut rann seine hellen Lefzen hinab und im Siegesrausch erhob sich der muskulöse Rüde wieder. Das Wild war noch sehr jung und nicht allzu groß, er würde keine Probleme haben es zum Rudel zu transportieren. Schnellen aber hastlosen Trabes machte er sich wieder auf den Rückweg. Er kam an dem Platz vorbei, wo eben noch die verletzte Hanako war.
Plötzlich beschlich den Grauen ein Gedanke:
.oO(Warum teilen, wenn ich es auch alleine fressen kann?)
doch er verdrängte ihn wieder. Nein, das würde er nicht machen. Also, weiter gings.



Hanako hatte sich weiter voran gekämpft, doch irgendwann merkte sie, dass ihre Pfote einfach noch nicht lang genug geruht hatte und sie eine Pause brauchte. Da Leé schlief und Shiva sich mit Banshee beschäftigte, würde es sicherlich nicht auffallen, wenn sie einige Minuten länger wegbleiben würde. Ihre Augen richteten sich mit einem Ekel auf ihre Wunde. Wenn sie nichts mehr hasste als den Anblick von Blut ... Seit sie ihren toten Gefährten und ihre tote Tochter so lange bewacht hatte, wollte sie kein Blut mehr sehen, doch es ließ sich manchmal wohl nicht mehr vermeiden. Hanako seufzte innerlich und hob die Vorderpfote wieder an, erst einmal säubern, zum Wasser würde sie es eh noch nicht schaffen. Langsam und Behutsam leckte sie das Blut von der Wunde und konnte nun langsam auch den Kratzer deutlicher erkennen. Er war Gott sei Dank nicht so groß, nur der harte Aufprall des Astes machte Hanako noch zu schaffen. Wenn sie es einige Zeit ruhen würde, dann würde es weggehen, es hinterließ sicherlich nur eine kleine Beule, so hart war der Ast zum Glück ja nicht gewesen. Sie leckte weiterhin über die Pfote, denn es schien ihr, als wenn sie dann den Schmerz für einige Zeit vergessen würde. Doch ihre Gedanken wandten sich an Hidoi...er war so geheimnisvoll.


Zwei Pfoten traten aus der Dunkelheit des dichten Geästs des Waldes. Das schwarze Fell funkelte leicht im sanften und matten Licht. Acollons graue Augen waren müde und doch wachsam, sie suchten nach einem Zeichen, einer Erscheinung seiner Gefährtin, Banshee. Lange war er fort geblieben, und es war auch sicherlich nicht zu entschuldigen vor seiner geliebten Fähe. Seit er Alpha geworden war, hatte er schließlich Verantwortung zu tragen, doch man könnte meinen, auch Acollon würde ein wenig Zeit brauchen.
Doch nun war er zurück. Er schritt mit einem gemächlichen Tempo am See entlang, zusteuernd auf den Rudelplatz. Dort konnte er seine Gefährtin wittern, doch sie war nicht allein. Hatte sie während seiner Abwesenheit vielleicht einen neuen Rüden kennen gelernt? Ein komisches stechendes Gefühl machte sich in seiner Brust breit. Es war süß und bitter zugleich, es schmerzte und ließ ihn leicht verärgern. So ein prägendes Gefühl kannte er nicht, doch es konnte sich nur um Eifersucht handeln. Unbegründete, wie sich sicherlich rausstellen sollte.
Der schwarze Acollon hatte eine Anhöhe erreicht, von der er ganz gut auf den Rudelplatz sehen konnte. Und da konnte er es sehen, sein Leben, seine Geliebte, seine Gefährtin. Banshee, so schön wie eh und je. Stolz, mutig, und doch immer freundlich und ruhig. Alles an ihr war einfach unbeschreiblich und auch nicht in Worte zu fassen, und trotzdem versuchte es Acollon immer und immer wieder.
Neben ihr stand ein halbstarker grauer Rüde, sollte er versuchen seiner Gefährtin zu nahe zu kommen, so würde es ihm Leid tun, denn Acollon würde für Nichts garantieren können.
Eine schwarze schlanke Fähe schien auch neu dazu gestoßen zu sein, sie machte einen eher ungefährlichen Eindruck; Acollon glaubte nicht, dass eine Fähe seiner Beziehung zu Banshee schaden konnte… Und noch eine andere graue Fähe.
Er ließ ein stilles Heulen verlauten und ging schließlich auf die Wölfe zu, nur seine Gefährtin im Blick. Unbegreiflich, schon wieder lag ein Lächeln auf den Lefzen, so dass es auch andere Wölfe außer Banshee sehen konnten. Zwar war es immer noch ein wenig eingefroren und steif, doch es war eindeutig ein Lächeln. Vor seiner Gefährtin und Alpha blieb er stehen und neigte den Kopf ein wenig, zur Entschuldigung seines so langen Fehlens. Dann sah er wieder in die bernsteinfarbenen Augen seiner Geliebten.

„Tut mir leid.“

hauchte er in ihr Ohr und legte seinen Kopf an ihr Fell. Die anderen waren derweilen unwichtig, und sein Desinteresse galt jedem von ihnen. Er konnte auch später noch ihre Namen und ihre Anliegen erfahren. Jetzt war nur wichtig, Banshee um Verzeihung zu bitten. Schon erstaunlich was eine so schöne Fähe wie Banshee mit einem Rüden von Acollons Schlag anrichten konnte. Unweigerlich offenbarte er gerade Schwäche, und dennoch, als seine Augen aufsahen und die anderen musterten, sah man deutlich, dass es von Nöten wäre, ihm Respekt zu erweisen. Man dachte nur an Shion zurück, der jetzt nur noch ein Ohr hatte!



Ayala lachte herzlich, als Falk geendet hatte. Dieser Rüde war einfach unglaublich!

"Du erinnerst dich wirklich nicht mehr?"

Ayala sah den Hünen forschend an, machte er sich nur einen Spaß daraus oder hatte er wirklich so ein schlechtes Gedächtnis?

"Also...Hanako ist eine hübsche, zierliche weiße Fähe, mein Lieber! Sie ist wirklich sehr nett und das mit Leé ..."

Die weiße Fähe musste erneut lachen.

"Hanako hat Leé adoptiert, hat in ihr eine Tochter gefunden, sie passen wirklich sehr gut zusammen.
Was mit Banshee und Acollon in der Zeit geschehen ist? Nun, Banshee hat mich wie auch Dayon umsorgt. Ohne die beiden...sie sind einfach wunderbar. Ansonsten hatte ich zu Acollon und ihr wenig Kontakt, die letzte Zeit war alles ziemlich hektisch wegen der Neuen."


Ayala seufzte, sie dachte an die Anfänge des Rudels zurück, sie hatten alle vielmehr Zeit füreinander gehabt und trotzdem war die große Gemeinschaft, die jetzt herrschte, ebenso schön.

"Ich glaube, du hast mich mit Eris falsch verstanden. Sag ihr auf keinen Fall, wenn du sie nett findest, du würdest es wohl bald bereuen..."

Sie zwinkerte Falk zu, wahrscheinlich hatte sie die Verwirrung jetzt perfekt gemacht.

"Sie ist jedenfalls sehr eigen."

Ayala dachte darüber nach, wie Eris ihren Gefährten bezeichnet hatte, das würde ihm sicher ganz und gar nicht gefallen. Lächelnd wartete sie auf seine Reaktion.



Hidoi schritt erhobenen Hauptes voran. Langsam kam er dem Rudelplatz wieder näher. Der Stahlgraue hatte keine Schwierigkeiten mit dem Kitz im Maul schnell zu traben. Weiter vorne, saß da nicht wieder diese seltsame Fähe Hanako? Er wurde ein wenig langsamer und blieb neben ihr fast stehen.

"Na? Wohl doch nicht alles so in Ordnung?"

sagte er und legte den Kopf kurz ein wenig schief. Doch dann ging er auch schon weiter und als er wieder am Rudelplatz war. Blieb er wieder stehen. Ein schwarzer Rüde, den er vorher nicht gesehen hatte stand jetzt bei der Alphawölfin Banshee. An seiner Haltung, eine Mischung aus Demut und Dominanz, wusste er erst nicht, ob dies ein Wolf unteren Ranges, oder der Alpharüde war. Eigentlich konnte es ihm auch egal sein. Er schloss einfach mal, dass dies wohl der zweite Alpha sein musste. Langsam trabte er weiter und ließ fast genau neben Banshee und dem Rüden das tote Rehkitz sinken.

"Wie du wolltest..."

sagte er nur und schritt dann auf den Platz unter dem Baum zu, wo er sich kurz vor seiner Wanderung durch den Wald, die man wohl kaum Jagt nennen konnte, sinken. Gelangweilt sahen seine stechend gelben Augen umher.



Hanako leckte sich weiterhin über die Pfote, als auf einmal Hidois Stimme durch ihre Ohren brach. Nachdenklich hob sie ihr Haupt an, aber Hidoi schenkte ihr nur eine Anspielung auf die Verletzung und ging schon wortlos weiter. Was sollte sie denn davon schon wieder halten? Sie senkte ihr Haupt wieder, mit einem fragenden Blick, säuberte aber noch eine Weile ihre Pfote. Es vergingen nur wenig Zeit, dann entschloss Hanako sich aber, wieder zurück zum Rudelplatz zu kommen und sich neben Leé hin zu legen, was anderes würde ihr überhaupt nicht übrig bleiben, aber vielleicht fiel so niemanden auf, was passiert war. Als stellte sie sich auf ihre drei Läufe, die rechte Vorderpfote wie immer angehoben, und schritt voran zum Rudel. Nun, sie humpelte eher, aber anders ging es nun mal nicht. Bald sah sie die vielen Wölfe und erkannte, dass auch Acollon nun wieder da war, er schien ziemlich lange weg gewesen zu sein. Sie humpelte wieder zu dem Platz, auf dem Leé schlief und rollte sich neben ihrer kleinen Tochter einfach ein. Auch bemerkte sie nach einiger Zeit Hidoi, der sich nun auch hingelegt hatte, die Beute aber neben Banshee nieder gelassen hatte. Er war irgendwie seltsam. Dennoch sah sie weg, sie fühlte sich irgendwie von ihm ignoriert, also warum ihn einen Blick schenken? Nachdenklich betrachtete Hanako ihre Pfote und fragte sich, ob sie kurz zum See gehen sollte.


Hidoi ließ den Kopf wieder auf die Pfoten sinken. Ihm war langweilig. Wirklich Hunger hatte er nicht und von dem kleinen Kitz konnten wohl kaum alle etwas ab haben. Er war als Letzter gekommen und würde daher wahrscheinlich eh noch nichts ab bekommen. Aber das war ihm egal. Er sah kurz zur Seite, bemerkte, dass Hanako wieder auf den Rudelplatz gekommen war, wenn auch auf 3 Beinen und sich wieder zu diesem kleinen Welpen gelegt hatte. Irgendwie erspürte Hidoi den Drang, einfach mal mit irgendjemanden nur reden zu können, ohne das gleich irgendwer aggressiv wurde. Doch 1. würde er niemals auf jemanden zu gehen, denn das ging gegen seinen Stolz, 2. Würde das sowieso niemand wollen, durch sein Auftreten, war er sowieso bei den meisten schon verhasst genug und 3. ach, da viel ihm nichts mehr ein. Mürrisch ließ er den Kopf wieder auf die Pfoten sinken und beschäftigte sich halt damit, zähneknirschend zu beobachten, was die anderen Wölfe so trieben. Was anderes blieb ihm wohl nicht übrig, auch wenn sein Blick immer mal wieder Hanako streifte.


Hanako war vollkommen in Gedanken versunken gewesen, sodass sie erst einmal überhaupt gar nichts mitbekam, erst, als sie einen Blick auf sich spürte, wurde sie aufmerksam, merkte aber, dass es nur Hidoi gewesen war. Er machte einen gelangweilten Eindruck auf sie, was Hanako nicht ganz verstehen konnte, denn gerade schien er noch völlig desinteressiert von allem zu sein. Vielleicht sollte sie es noch einmal versuchen mit ihm zu reden? Mehr als Schweigen konnte er nun mal auch nicht, dann würde sie schon merken, ob er sich hier wohl fühlte und Lust hatte oder nicht. Mit einem entschlossenen Blick erhob sie sich wieder und arbeitete sich langsam und mühselig zu Hidoi voran, knapp einen Meter vor ihm blieb sie stehen und fragte sich, was sie ihn wohl fragen konnte, ohne ihn gleich wieder zu nerven.

"Hidoi..."

Sie schwieg kurz, dann kam sich noch ein paar Schritte voran.

"Ich würde gerne mehr über dich erfahren ..."



Erst bemerkte Hidoi gar nicht, dass Hanako auf ihn zu gekommen war, als sie ihn dann an sprach hob er schnell den Kopf und seine Ohren zuckten ein wenig verwundert. Seid wann wollte man denn schon was über ihn erfahren? Aber nun gut, langweiliger als es eh schon war, konnte es auch nicht mehr werden.

"Was willst du denn wissen?"

fragte er. Er klang dabei nicht gelangweilt oder desinteressiert, er bemühte sich mal ein wenig Interesse zu zeigen, auch wenn es ihm schwer fiel. Die Weiße hatte ihm schließlich nichts getan. Er setzte sich auf und drehte die Ohren einigermaßen nach vorne. Vielleicht war dies ja ein Anfang dafür, dass er sich bessern wollte. Manchmal verstand er sich selbst nicht. Seine Gedanken flogen oft quer durch den Kopf, dann war er mal aggressiv und mal nicht. Jetzt versuchte er mal Zweiteres. Vielleicht würde er so weiter kommen?



Hanako hatte ein leichtes Lächeln auf den Lefzen gehabt, denn sie war glücklich, dass Hidoi endlich einen friedlichen Eindruck machte und sie nicht abwies. Kurz dachte sie nach, dann setzte auch sie sich hin und betrachtete den Grauen ruhig.

"Ich würde gerne wissen, woher du eigentlich kommst und...was dich zu der Flucht trieb. Natürlich geht es mich nichts an und wenn du nicht darüber reden möchtest, werde ich dies akzeptieren..."

Sie versuchte ihn nicht zu bedrängen, denn sonst würde er vielleicht wieder etwas aggressiv werden und das wollte sie nicht. Wenn er über seine Vergangenheit reden wollte, dann würde er dies tun, ansonsten würde er schweigen oder es ihr sagen.

"Auch dein Name verwirrt mich etwas. Hat er eine bestimmte Bedeutung? Hat er Hintergründe?"

Sie wartete nun auf eine Antwort, die Fragen sollten erst einmal auf den Rüden wirken.



Hidoi sah die Fähe mit seinen stechend gelben Augen an. Das man ihn nach seiner Vergangenheit fragte war ihm neu, da es bisher niemanden interessiert hatte. Vielleicht fragte Hanako dies auch nur aus Höflichkeit und in Wirklichkeit interessierte es sie ja gar nicht.

"Wenn du das wirklich wissen willst..."

sagte er mit seiner kalten und rauen Stimme. Dann dachte er nach. Was war aus seiner Vergangenheit überhaupt von Bedeutung? Und sein Name, er hatte wohl oder übel eine nicht so schöne Bedeutung. Sollte er diese wirklich nennen?

"Ich komme von einer Halbinsel namens Blood-Yard. Nicht sehr schön dort. Niemals Sonnenschein, keine Blumen oder son Zeug. Nur lilagraue Vulkanasche überall. Das Rudel führten meine Eltern an. Mein Bruder und ich haben uns gegenseitig fast schon gehasst. Naja, irgendwann ist er dann in den Vulkan gestürzt und während alle versuchten ihn da raus zu holen, hatte ich keine Lust mehr und bin weg gezogen. Dann kam ich hier her, aber was interessiert dich das eigentlich?"

fast schon bildete sich ein kaltes Grinsen auf seinen Lefzen.

"Du willst die Bedeutung meines Namens wissen? Willst du das wirklich?"

früher war er immer stolz auf seinen Namen gewesen, heute ließ es ihn eher kalt und manchmal ärgerte er sich darüber. Doch sein Name war eine andere Sprache und somit wusste wohl auch niemand was es bedeutete. Bevor die Fähe noch weitere Fragen stellen konnte, setzte er sich auf.

"Und du? Wie lange bist du schon hier?"

fragte er eher gleichgültig, doch ein wenig interessierte es ihn doch. Man wollte schließlich ein wenig über die Rudelgenossen erfahren, wenn man sich hier schon aufhielt.



Hanako nickte bedeutend und sah ihm in seine Augen, sie hatten einen Ausdruck, der Hanako eine Gänsehaut gab, aber sie wusste nicht, was es war.

"Ja, ich will es wissen!"

Sie lauschte seiner Erzählung und es tat ihr im Herzen weh, was er erzählte, sein Leben war nicht das schönste gewesen. Vielleicht war er deswegen auch so kalt und aggressiv. Und die ganze Umgebung hier war für ihn sicherlich total ungewohnt, denn das kalte Dasein der Halbinsel klang grausam und hässlich. Noch nie hatte sie gehört, dass man seinen eigenen Bruder oder seine eigene Schwester so hassen konnte, es war wirklich unglaublich, welch grausames Leben hatte der arme Hidoi geführt? Ihre Augen zeigten etwas Mitleid.

"Es interessiert mich, weil ich gerne mehr von dir wissen wollte. Ich wollte versuchen, dich zu verstehen. Nun...es ist manchmal unmöglich seinen gegenüber zu verstehen, aber nun ist mir schon einiges klarer geworden."

Sie schwieg kurz und lauschte dann Hidois Frage. Sie hätte damit rechnen müssen, aber wieso sollte sie es verschweigen? Er hatte ihr auch alles erzählt.

"Ich selbst bin noch nicht sehr lange hier, aber da ich so lange Zeit vor meiner Vergangenheit geflohen bin, bin ich froh, endlich hier angekommen zu sein..."



Hidoi schnaubte leise. Als ob man ihn verstehen könnte ...

"Ich wurde nach meinem Vater Zangyaku benannt. Es bedeutet 'grausam' und Hidoi wurde noch hinzugefügt, mit der Bedeutung 'böse'. Wir hatten dort alle solch seltsamen Namen. Mein Bruder Kurayami, Finsterniss. Ich ehrlich gesagt finde es nun albern, aber was kann man schon machen?"

sagte er leise aber grimmig. Er schielte kurz an Hanako vorbei zu dem anderen grauen Rüden. Wenn er es gehört hatte, würde er sich bestimmt gleich darüber lustig machen, darauf wartete der Stahlgraue nur. Doch nun sah er erst mal wieder zu Hanako hoch.

"Du bist vor deiner Vergangenheit geflohen? Warum das? Scheinst doch sehr glücklich zu sein..."

fragte er kühl, schon wieder klang es ein wenig gleichgültig, doch er wartete auf eine Antwort.



Die Bedeutung der Namen war wirklich seltsam und Hanako konnte sich kaum vorstellen, dass es wirklich so etwas seltsames dort gab. Sie überlegte kurz, wollte keine dumme Antwort geben, aber es klang auf diese Antwort sowieso alles seltsam.

"Anscheinend wird alles bei euch einen tieferen Sinn gehabt haben, aber um ehrlich zu sein, finde ich es auch etwa seltsam. Natürlich habt ihr damals euren Namen mit Stolz getragen, aber in all den Jahren...ich weiß nicht. Jedoch finde ich, dass dein Name - abgesehen von der Bedeutung - sehr schön klingt. Er passt zu dir."

Sie versuchte etwas zu Lächeln.

"Hast du die Augenfarbe von deinem Vater geerbt? Sie beeindruckt mich schon seit langem, noch nie habe ich so etwas gesehen. Dieses stechende Gelb würde ich selbst im Nebel wieder erkennen."

Auf die Frage, wieso Hanako vor ihrer Vergangenheit geflohen war, seufzte sie leise und blickte kurz den Boden an. Ungern sprach sie darüber, aber sie konnte nicht anders. Er würde sicherlich nachfragen ... irgendwann...und dann musste es eh raus. Außerdem musste sie in ihrem Leben über ihren Schatten springen, dass wusste Hanako. Es war vorbei...er würde nie wieder kommen...die anderen Beiden leider auch nicht.

"Mein Vater hat einen Gefährten und meine Tochter eiskalt ermordet und wollte auch meine Mutter und Mich niederlegen. Ich bin lange Zeit nur weggerannt, damit er mich nicht fand, bis ich dieses Rudel hier traf, in dem ich mich sicher und geborgen fühlte. Meine Mutter hat meinen Vater nun getötet...ich fühle mich nun sicherer und bin auch etwas glücklicher geworden. Leider fehlt mir trotzdem etwas im Leben. Etwas, was ich jedem schenke, nur nie wieder bekommen habe..."



Hidoi zuckte mit den Ohren. Nicht nur er war seltsam, nein diese Fähe war auch irgendwie komisch. Sollten das Komplimente sein, oder nicht? Da er es nicht wusste, sagte er gar nichts. Er hörte ihr jedoch zu und legte den Kopf ein wenig schief. Was sie da erzählte kam ihm nur all zu bekannt vor. So was hatte es in seinem alten Rudel oft gegeben. Wer nicht hören konnte musste fühlen. Fast immer auf die harte Tour. Ein Blick glitt an Hanako vorbei zu einer grauen Fähe.

"Das ist deine Mutter oder? Und sie hat einen solchen Rüden getötet?"

fragte er leicht erstaunt. Dann sah er wieder Hanako an. Sie schenkte einem jeden etwas, was sie nie wieder bekam? Wie töricht... Was konnte es sein? Wahrscheinlich nur dieses seltsame Wort, welches sich 'Liebe' nannte. Der Stahlgraue kannte die Bedeutung nicht einmal wirklich. Er wusste nur, dass dies ein Gefühl war, dass Schwäche offenbarte. Und so ein Gefühl hatte er nie besessen.

"Und warum tust du das, wenn es eh nichts bringt?"

Er war nun doch ein wenig verwirrt.



Hanako wartete auf irgendeine Reaktion oder eine Antwort von Hidoi, als dieser auf ihre Mutter zu sprechen kam. Sie folgte seinem Blick, zu ihrer geliebten Mutter Shiva, die sie so lieb gewonnen hatte und der sie immer ein Lächeln schenken würde.

"Ja, richtig, dass ist meine Mutter."

Sie nickte Hidoi zu und dachte über seine Frage nach. Wieso tat sie des? Er stellte gute Fragen, deren Antworten sich wirklich nur schwer erwiesen ließen. Er hatte immerhin Recht. Sie schenkte jedem Liebe, beweißte jedem, dass sie da war, aber nur selten hatte sie das Gefühl wieder bekommen, dass es den anderen Wölfen auch so ging. Allein bei ihrer Mutter und ihrer kleinen Tochter Leé fühlte sie dies ab und zu. Ohne die Beiden wäre sie wohl schon lange am Ende.

"Du stellst gute Fragen. Vielleicht will ich einfach nur jedem beweißen, dass ich für ihn da bin. Ich habe schon so viele durchgemacht, dass ich weiß, was es heißt, keine Liebe zu bekommen. Deswegen will ich den Wölfen, die mir gegenüber stehen, genügend Liebe geben, damit sie nicht das Gleiche wie ich durchmachen müssen. Schwer zu verstehen, aber so wird es wohl sein..."



Hidoi hörte stumm zu. Nein, was sie da erzählte verstand er wirklich nicht. Vielleicht, weil er nie Liebe erfahren hatte?

"Du hast recht ..."

sagte er und drehte ein Ohr leicht nach hinten.

"Es ist schwer zu verstehen."

seine Augen blickten kühl, doch in irgendeiner Weise auf fragend drein. Warum waren hier alle so seltsam? Oder, war er es, der so seltsam war? Leise seufzte er und sah dann hinüber zu Banshee. Auch auf das Kitz, welches noch nicht angerührt würde. Er wusste keine Fragen mehr und zu beantworten hatte er auch nichts mehr. Also legte er den Kopf leicht schief, die stechenden Augen irgendwo hin gerichtet und machte erst mal gar nichts.



Falk schüttelte erst verwirrt den Kopf, dann musste auch er lachen. Also war Hanako eine Fähe und er hatte schon gedacht, nun hätte es Acollon und Banshee auseinandergebracht. Das schlimme war nur, dass Falk sich nicht einmal sicher war, ob es ihn nicht fast gefreut hätte, hätte Acollon das Revier verlassen. Immer noch kämpfte der Rüde mit sich, da er Dayon sehr gern hatte und deswegen Acollon seine Taten immer noch übel nahm, es aber gleichzeitig nicht konnte, da er, Falk, selbst nicht besser war...
Kurz war der Hüne in stummes Schweigen versunken und als er es merkte, befreite er sich von der inneren Spannung mit einem weiteren hellen Auflachen.

"Also eine Fähe! Und ich hatte jetzt gedacht, dass nun ein Wolf angekommen ist, der nicht nur die Welpen verführt, sondern auch die vergebenen Fähen, na, der hätte mich aber kennengelernt, wenn du darunter gewesen wärst!"

Er lachte und neckte Ayala, indem er sie spielerisch drängend mit der Schnauze in der Seite stupste und sie in eine Art Balgerei verwickelte. Grinsend rollte er sich nach einiger Zeit auf die Seite und gluckste erschöpft.

"Und warum darf ich nun dieser Eris nicht sagen, dass ich sie nett finde, wenn ich sie nett finden sollte? Kann sie nicht so mit Kerlen, ist ihr ihr Gefährte entlaufen?"

Falk zwinkerte Ayala zu und wusste nicht recht, ob er ernst gucken sollte oder das Ganze als Scherz halten sollte. Für ihn war klar, dass er Ayala nicht verlassen würde und er wollte sie auch gar nicht erst in den Glauben hineinversetzen, dass es so sein könnte.



Ayala freute sich über Falks Unbefangenheit, die sie die letzten Wochen so sehr vermisst hatte. Immer wieder knuffte sie ihn fröhlich in die Seite. Lächelnd überlegte sie, wie sie ihm die Sache mit Eris erklären sollte.

"Nun, sagen wir mal so: Sie ist meines Erachtens nach nicht sonderlich gut auf Rüden zu sprechen, aber wie wäre es, du probierst es einfach selbst einmal aus?"

Feilschend zwinkerte sie ihm zu, mit der Erfahrung, dass die Offensive bei dem Hünen die beste Verteidigung war. Er hatte allerdings schon recht...es interessierte sie ja ebenfalls brennend, was Eris zu "verbergen" hatte - oder noch besser: wer der vermeintliche "Schlappschwanz" war. Bei dem Gedanken gluckste sie vergnügt und schmiegte sich enger an Falk. Sie wurde wieder ernst und sah ihn auffordernd an.

"So, jetzt bist du dran. Erzähl mir, was dir die letzte Zeit so widerfahren ist."

Nach kurzem Überlegen setzte sie noch hinzu:

"Und...wie geht es Varloc?"

nach der ereignisreichen Nacht hatte Ayala sie nicht mehr gesehen, sie fragte sich nach wie vor mit schlechtem Gewissen, wie es ihr ergangen war.



Der Wind wurde etwas eisiger und heulte in dem nun fast kahlen Geäst der Bäume. Der graue Himmel, der von Wolken bedeckt war, wurde dunkler. Es wurde Nacht. Sterne waren keine zusehen, nur ab und zu ließen die Wolkenrisse einen Blick auf den fast runden Mond erhaschen. Weißer Reif bedeckte den Waldboden und ließ Alles gefrieren.


Hanako hatte sich den restlichen Tag nur zu ihrer kleinen Tochter gelegt und nachgedacht über das Verhalten von Hidoi, seiner Vergangenheit und alles andere. Ihre Pfote hatte sich langsam etwas beruhigt und sie konnte sogar schon damit aufsetzen, dennoch hatte sie die meiste Zeit geruht und die Augen geschlossen gehalten. Als die Nacht einbrach, war Hanako aus ihren Träumereien aufgewacht und wollte sich etwas die Pfoten vertreten. Sie war nicht richtig Müde gewesen und wollte die frische Luft einatmen, die sich nachts immer so schön um das Tal schlich. Gedankenverloren schritt sie voran, tiefer in das Tal hinein, immer wieder die Augen wachsam durch die Kronen auf den Himmel gerichtet. Kaum ein Stern war auszumachen, leider - zu gerne wollte sie diese doch nun beobachten. Kurz schloss sie die Augen und atmete die Nachtluft ein, dann ging sie weiter voran und suchte mit ihren Augen etwas, was sie interessieren könnte, irgendetwas, was ihr gefiel. Schon einige Schritte war sie über die Reviergrenze gegangen, ohne dies überhaupt richtig wahr zu nehmen, viel zu verträumt und abwesend schien ihre Seele, ihr Geist.
Vollkommen hilflos schlich sie nun hier rum, erkannte erst nach einigen Metern, dass sie sich woanders befinden musste. Die Natur so unbekannt, so kalt, nicht so schön wie bei den Sternenwinden. Doch die Nacht war dunkel - wie immer - dennoch erkannte sie nicht, aus welcher Richtung sie wohl gekommen war. Vielleicht half ihr der Mond als Orientierung? Mit einem kräftigen Nicken tapste sie voran, zu einer Stelle, an der der Mond besonders stark hindurch brach und sie in das Licht setzte. Ein Lächeln spielte auf ihren Lefzen, dass Bild war wundervoll und sie spürte eine gewisse Wärme von all dem ausgehen. Doch plötzlich verschwand ihr Lächeln, ein tiefes Knurren - es klang wie ein Grollen - durchbrach die eiserne Stille und sie schreckte auf. Ohne jede Ahnung blickte Hanako um sich, eindeutig war hier ein fremder Wolf, also hieß es weglaufen oder kämpfen. Was war wohl schlauer in ihrem Zustand mit einer verletzten Pfote, die ab und zu noch schmerzte? Weglaufen! Sofort setzte Hanako zu einem Sprung an, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass der Wolf flink und schnell genug war, um sie vorher zu erwischen. Bevor dieser sie mit seinem Gewicht zu Boden reißen konnte, durchbrach Hanako die Stille mit einem lauten Jaulen, welches knapp vor dem Rudelplatz verhallen wollte. Ein Kampf war nun angesagt, aber sie wusste, dass sie diesen kaum gewinnen konnte. Ob Hidoi sich in der Nähe aufhielt?



Hidoi hatte sich kurz vor der Abenddämmerung im Wald abseits vom Rudel neben einem Baum nieder gelassen. Er hatte noch ein wenig über Hanakos Worte nachgedacht, über diese komische Sache mit der Liebe. Wie er eine Weile so nach dachte, kam es ihm plötzlich albern vor sich darüber Gedanken zu machen. Da war er grade 1 Tag bei diesem neuen Rudel und schon ließ er sich, ja grade ER sich von einer Fähe durch ein paar Worte den Kopf verdrehen, im Sinne davon, dass er nun sichtlich verwirrt war.
Irgendwann war er dann einfach eingeschlafen.
Als ein Jaulen ertönte, schreckte er auf. Etwas benommen sah er sich um. Hatte er geträumt? War das nicht die Stimme dieser Fähe... Hanako gewesen? Er gähnte und erhob sich langsam. Er hatte sich bestimmt geirrt. Oder?
Irgendetwas stimmte da nicht. Er wurde plötzlich so unruhig. Nein, das war kein Traum gewesen. Sollte er liegen bleiben? Irgendjemand vom Rudel würde sich schon darum kümmern. Einige Momente verharrte Hidoi, oder waren es nur ein paar Sekunden? Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Plötzlich machten seine Pfoten, was sie wollten und er sprang auf. Im vollen Tempo jagte der Stahlgraue durch den Wald, wusste nicht einmal in welche Richtung. Er versuchte sich zu erinnern, woher der Ruf gekommen war. Auf einmal konnte er in der Ferne Kampfgeknurre hören. Seine stechend gelben Augen blitzen auf, man konnte sie sogar noch durch die Dunkelheit leuchten sehen. Er überschritt die Reviergrenze, doch es war ihm egal. Bald konnte er zwei Umrisse von Wölfen sehen. Hanako war scheinbar von einem Fremden angegriffen worden. Ein unheimliches Grollen ertönte. Es kam aus den tiefen seines Rachens und er fletschte unheilvoll die Zähne. Mit gesenktem Kopf und gefährlich blitzenden Augen schritt er gesträubten Felles auf den Rüden zu. Er wusste nicht warum, aber er wollte Hanako beschützen! Egal, ob dieser andere Rüde dafür sterben musste, er würde auf jeden Fall nicht den Löffel abgeben und sie auch nicht!



Der fremde Wolf hatte Hanako sofort zu Boden gerissen, sie starrte in die Augen, die durch das schwache Mondlicht etwas leuchteten und erkannte den Hass. Warum nur? Hatte sie denn irgendetwas getan oder täuschte sie sich wieder nur? Vielleicht war es auch einfach nur ein Traum und sie würde gleich aufwachen und bei Leé liegen ... Doch dem war nicht so. Sie spürte dies, als die Pranke mit voller Kraft durch ihr Gesicht gezogen wurde und einen kurzen Schmerz hinterließ. Sie schwieg, traute sich nicht einen Ton zu sagen, denn sonst würde er sich wieder rächen. Mit aller Kraft versuchte sie den Wolf von sich zu schmeißen, doch er war einfach zu schwer für sie und er nagelte sie richtig fest. Plötzlich durchbrach jemand das Gestrüpp und Hanako erkannte sofort die leuchtenden gelben Augen des Grauen. Hidoi war tastsächlich hier? Sie konnte es kaum glauben.

"Hidoi ..."

fiepste sie mit ungewöhnlich hoher Stimme. Doch der Fremde ließ sich davon nicht unterkriegen und versetzte ihr noch eine heftige Pranke, von der Hanako sich einfach zu geschwächt fühlte und die Augen geschlossen hielt. Hoffentlich würde Hidoi nicht wieder fliehen, sondern den fremden bekämpfen wollen. Sie versuchte eine ergebende Haltung einzunehmen, er musste einfach von ihr lassen. Auch wenig später spürte sie dann, das der fremde Wolf von ihr wich und sich auf Hidoi stürzen wollte, sie konnte nichts tun...nur zusehen...



Leé wanderte immer noch durch die Täler ihrer Träume und suchte den goldenen Vogel, als sie spürte, das etwas nichts mehr war wie vorher. Sie wachte mit einem Ruck auf und stellte fest, dass Hanako nicht mehr neben ihr lag. Sie hörte das Jaulen ihrer Mutter, sprang auf und lief in die Richtung aus der es kam. Bald stand sie in der Nähe des Geschehens und flüchtete geschickt und unbemerkt in ein nahes Gebüsch und verfolgte die Szene mit Schrecken, doch sie beherrschte sich.


Hass und grausame Kälte spiegelten sich in Hidois Augen wieder. Warum tat es ihm so weh, zu sehen wie Hanako von dem Fremden geächtet wurde? Als der Fremde dann auf ihn losging, hob er seinen Kopf und riss sein Maul auf. Lange dolchartige Reißzähne blitzen weiß durch die Dunkelheit und noch bevor der Fremde überhaupt noch ausweichen konnte, sprang Hidoi nach vorne und rammte seine Zähne in die Schulter des Wolfes. Er hörte, wie dieser laut aufjaulte. Doch das störte ihn nicht im Geringsten. Momentan befand er sich geistig nicht mehr hier in diesem Wald sondern in Blood-Yard. Er kämpfte gegen seinen Bruder, so schien es ihm. Der schwarze Fremde Rüde versuchte sich knurrend und sich windend zu befreien. Doch Hidoi hatte sich so fest verbissen, dass er dem Wolf nur noch mehr das Fleisch aufriss. Ruckartig sprang Hidoi hoch. Er war so groß und kräftig, dass der Schwarze mit hochgerissen wurde und als er sich auf dem Boden wieder befand, stand Hidoi genau über ihm. Das Blut des Fremden tropfte von seinen Lefzen direkt in das schwarze Fell des Erlegenen. Der Fremde sah keine andere Möglichkeit und nahm eine demütige Haltung ein. Eigentlich achtete Hidoi nicht auf so ein schwächliches Gewinsel. Doch er ging von dem Rüden runter, der sah nur diese eine Chance und sprang auf. Der Fremde rannte um sein Leben und Hidoi hastete hinterher. Der Stahlgraue riss ihm noch einen kräftigen Hieb in den Hinterlauf. Dann ließ er von ihm ab und trabte zurück zu Hanako. Er leckte sich das Blut von den Lefzen und das Fell legte sich langsam wieder nieder. Vor Hanako blieb er stehen.

"Ist dir was passiert?"

fragte er kühl, doch lag da nicht ein Hauch Besorgnis in seiner tiefen und rauen Stimme?



Ab und zu öffnete Hanako die Augen und sah dem Kampf mit Angst und Hoffnung zu. Hoffentlich würde sich alles ins Positive legen, würde Hidoi den fremden Wolf töten? Oder würde er ihn gehen lassen? Würde er den Kampf überhaupt gewinnen? Natürlich, Hidoi war keines Wegs schwach, Hidoi war stark und durch seine Kühle Aura würde er den Fremden sehr gut einschüchtern. Hanako schloss wieder die Augen, lauschte dem Kampf nur mit den Ohren, mehr konnte und wollte sie gar nicht tun. Irgendwann hörte sie nur noch dumpfe Geräusche, dann war es still, fast zu still. Langsam öffnete sie die Augen und sah sich um, die gelben, leuchtenden Augen tauchten wieder vor ihr auf, also hatte Hidoi gesiegt und den Fremden entkommen lassen. Seine Frage überraschte Hanako erst, doch wusste sie nicht, wie er es meinte.

"Ich denke...es geht schon..."

Langsam richtete Hanako sich auf, etwas wackelig war sie auf ihren Läufen, aber sie hatte keine zu ernsten Verletzungen, nur die heftigen Hiebe ließen sie sich komisch fühlen. Tief atmete Hanako durch und versuchte den Schock zu verarbeiten, der durch ihre Adern floss und ihr Blut aufkochen ließ. Immer wieder flüsterte sie sich nur zu...
.oO(Ganz ruhig....)



Hidoi blieb ruhig stehen, doch diesmal hakte er nach.

"Sicher?"

Er musterte ihre Verletzungen, schwere schienen nicht darunter zu sein. Ein wenig erleichtert ließ er die Rute wieder sinken und stellte die Ohren wieder nach vorn.

"Wir gehen jetzt am besten zurück zum Rudelplatz, ich werde dich begleiten."

sagte er bestimmt, und er würde nun auch keine andere Aussage gelten lassen. Er warf einen Blick zum Wald, genauer, zu einem kleinen Gestrüpp. Dort konnte er die kleine Welpin von heute Mittag sehen.

"Du auch."

sagte er kühl und wandte sich dann jedoch wieder Hanako zu. Er wartete darauf, dass sie los ging und machte schon ein paar Schritte Richtung Wald. Er war noch ein wenig im Rausch, des Kampfes, doch dieser legte sich langsam. Er wachte wieder auf aus seiner Welt am Blood-Yard und seufzte kurz. Die Realität war eben anders. Nicht mehr so wie damals. War es besser so?



Hanako war den Göttern dankbar dafür, dass Hidoi nun bei ihr war, er hatte sie beschützt, sie gerettet, irgendwie musste sie sich doch bei ihm bedanken. Nachdenklich blickte sie ihn an, er wollte sie zum Rudelplatz begleiten, damit sie auch sicher ankam, irgendwie war er in diesem Moment total lieb zu ihr, so verändert, das gefiel ihr. Sie wollte erst leicht Lächeln, unterdrückte dies aber dann doch.

"Ja, lass uns besser gehen."

Flüsterte sie zustimmend, es war wirklich besser, doch sie war verwundert, als Hidoi plötzlich zu einem Gestrüpp sprach und sie warf einen Blick dorthin. Tatsächlich erkannte sie dort ihre Tochter Leé, unglaublich, wie kam sie nur hierher?

"Leé? Wieso bist du hier?"

Fragte Hanako etwas geschwächt, sie ging langsam voran zu Hidoi, in seiner Nähe fühlte sie sich einfach geschützt und nicht mehr so allein. Dann ging sie aber zu dem Gestrüpp und nahm ihre Tochter am Nackenfell, sie würde später mit ihr reden, nicht jetzt. Hanako ging wieder zu Hidoi und gesellte sich neben ihn, dankbar sah sie ihn an.



Hidoi ging nun stumm neben Hanako her. Ärgerlicherweise schien es wirklich niemand anders außer ihm und der Welpin bemerkt zu haben. Ob die wohl alle auf ihren Ohren schliefen?
Er bemerkte die dankenden Blicke von Hanako, erwiderte diese aber nur kurz mit einem Nicken.
Fast schon hätte er noch mal gefragt, ob es ihr gut ging, warum war nur so verwirrt in dem Moment? Oder war es gar keine Verwirrung, nannte man dies nicht Besorgnis? Er senkte den Kopf etwas und fuhr sich mit der Zunge noch einmal über die Lefzen um das restliche Blut zu entfernen. Warum hatte er den Rüden eigentlich laufen lassen? Das war doch sonst nicht seine Art? Man, dieses ganze Neue hier um ihn herum machte ihn schon ganz Kirre, am besten war es, wenn er sich morgen mal ein wenig alleine auf den Weg durch den Wald machte oder so. Der Drang des Einzelgängers war immer noch in ihm.
Als sie am Rudelplatz ankamen, viel sein Blick auf das Rehkitz, welches er am Mittag gerissen hatte. Es hatte kaum einer angerührt, vielleicht wollte Hanako sich ja ein bisschen stärken?

"Da hinten, da ist noch Reh von heute Mittag. Kannst dich ja vielleicht ein bisschen stärken."

sagte er leise und steuerte auf den Baum zu, unter welchem er sich einquartiert hatte. Er legte sich hin und sah noch mal zu Hanako und der Welpin in ihrem Maul. Schon seltsam das alles Heute...