23.12.2009, 16:41
Die Nacht, deren kühler Wind immer mehr von dem eisigen Hauch des Winters umspielt wurde, war nun ganz über das Land gekommen. Der Mond, der nun mehr nur noch eine hauchzarte, jederzeit zerbrechbare Sichel am Himmel war, schob sich über das Gebirge im Osten, spendete jedoch kaum Licht. Die Wolken hatten sich verzogen, es schien eine sternklare Nacht zu werden. Das Rudel hatte sich fast vollständig am Rudelplatz versammelt, nur noch Eris, Ayala und Falk fehlten. Das erlegte Reh vom Vortag lud die Wölfe zum Fressen ein. Ungesehen und ungehört trieb sich der fremde Schwarze, von Hidoi grausam zugerichtet, im Revier herum, hinterließ nur eine zarte Blutspur und seinen stechenden Duft an den Grashalmen, der Wind strich zu ihm hin, keiner vom Rudel konnte ihn wittern; er hielt genau auf sie zu.
Banshee hatte stirnrunzelnd das Hin und Her Hidois und Hanakos beobachtet. Sie kamen und gingen, doch die Weiße ließ ihnen die Freiheit, Hidoi hatte gejagt und das war nun die Hauptsache. Während sie langsam an das Reh herantrat war plötzlich Acollon neben ihr, legte seinen Kopf auf ihre Schulter und zauberte ein Lächeln auf ihre Lefzen. Sanft berührte sie ihn an der Stirn und schüttelte unmerklich den Kopf.
"Jetzt bist du wieder da, so bin ich glücklich."
Gerade wollte sie das Fell des Rehs aufreißen, als eine Wölfin, die sie schon vorher vermutet hatte, auftauchte. Sie nickte ihr langsam zu, schnippte leicht mit dem linken Ohr und sagte dann mit ruhiger, fast desinteressierter Stimme:
"Willkommen Fremde. Wie ist dein Name und was ist dein Anliegen?"
Sie richtete sich leicht auf, doch eigentlich war es unnötig, die Fremde unterwarf sie jetzt schon und außerdem hatte sie Hunger ... und schließlich war Acollon wieder da, dem sie nun viel lieber ihre Aufmerksamkeit schenken würde.
Hidois Nicken nahm Hanako nun doch mit einem leichten Lächeln wahr und sie war wirklich für alles hier dankbar. Wenn Hidoi nicht hier gewesen wäre...würde sie dann jetzt tot sein? Es schauderte ihr bei dem Gedanken und bevor sie noch weiter an solche Dinge etwas verschwendete, waren sie auf dem Rudelplatz angekommen und Hanako konnte die schlafenden Wölfe erkennen. Nicht alle waren hier versammelt, aber es machte sie traurig dass niemand etwas bemerkt hatte. Nicht einmal ihre Mutter? Was war denn nur los? Also wäre sie wirklich gestorben, wäre Hidoi nicht im Rudel gewesen. Wie traurig. Das Haupt senkte sie etwas, es war eine Mischung aus Traurigkeit und Verletzlichkeit, dann sah sie wieder den Rüden neben sich an, der ihr das Reh zur Stärkung anbot.
"Danke..."
Nuschelte die Weiße durch das Fell ihrer Tochter hindurch, dann blickte sie ihm hinterher, wie er unter den einen Baum verschwand. Nachdenklich brachte Hanako ihre Tochter Leé wieder an den alten Platz zurück und sah diese ernst an.
"Leé, bitte tu so etwas nie wieder. Der Wolf hätte auch dich entdecken und angreifen können und ich wäre machtlos gewesen. Egal, was los ist, geh immer zu Banshee oder Acollon, bevor du alleine auf die Suche gehst, verspreche es mir, ja? Und nun ruh dich aus und Schlaf. Ich werde noch etwas Fressen und komme dann sofort…"
Sie wollte ihrer Tochter keine Standpauke geben, sie wollte ihr nur erklären, dass es falsch war. Sie musste verstehen, dass die Gefahr so geringer gewesen wäre, beim nächsten Mal sollte sie nicht noch mal ihr Leben aufs Spiel setzen. Dann blickte sie das tote Reh an. Stärkung...braucht sie die? Es wäre eine gute Idee, da hatte Hidoi Recht. Bei dem Reh standen Banshee und Acollon mit einer neuen Fähe. Sie könnte die Zeit gleich nutzen, um Banshee über das Geschehen aufzuklären, sie war es ihr schuldig, sie sollte wissen, dass jemand in der Nähe des Reviers für Aufsehen sorgte. Einen letzten Blick warf sie zu Leé, dann tapste sie langsam zu dem Reh hin, mit einem kleinlichen Blick sah sie ihre Alpha beide an. Noch immer fühlte sie sich geschwächt und sobald die Zeit es wollte, würde sie Schlafen und sich auskurieren.
“Banshee…ich muss dir etwas sagen, etwas Wichtiges…“
Ihre Stimme war etwa zittrig und ungewohnt ängstlich, sie fühlte sich noch nicht ganz sicher, nur in seiner Nähe – in der Nähe des kalten, Grauen, der sie so lieb behandelte und sie gerettet hatte. Anders, als ihr erster Eindruck war. Wie man sich nur täuschen konnte.
Banshee sah erstaunt auf, als Hanako zu ihr kam, zusammengesunken, mit einer verletzten Pfote und unendlich müden Augen. Als sie sprach, klang ihre Stimme zittrig, ängstlich und seltsam schwach. Was war geschehen? Automatisch warf sie Hidoi einen Blick zu, sie erinnerte sich an die Sache mit Ayala und Falk, mit ihrem Gamma wollte sie darüber noch mal reden, passierte hier etwas ähnliches mit Hidoi und Hanako? Oder warum sah Hanako so mitgenommen aus?
"Was ist? Ist etwas passiert?"
Sie wurde unruhig, ihre Augen wanderten über Hanako, blieben eine kurze Zeit lang auf Hidoi liegen, fast prüfend und huschten flüchtig über die Fremde, die war auch noch da. Sie hatte das Gefühl, dass bevorzugt alles auf einmal kam, immer dann, wenn sie sich gerne anderen Dingen widmen würde. Doch wenn etwas zwischen Hidoi und hanako vorgefallen war, was Hanako zu zurichtete nahm das sofort Banshees gesamte Aufmerksamkeit in Kauf, auch wenn sie leicht verwundert war.
Die Blicke von Banshee machten Hanako etwas nervös, sie wollte ihr keine Sorgen bereiten, aber dafür schien es schon zu spät. Doch wieso warf sie so stechende Blicke auf Hidoi? Dachte sie etwa, dass er das Hanako angetan hätte? Sofort musste sie ihr dies aus dem Kopf schlagen, auf diese Idee durfte Banshee gar nicht kommen, niemand durfte Hidoi so etwas unterstellen...ohne ihn wäre sie doch tot. Mit einem leichten Seufzen sah sie ihre Alpha wieder an und sammelte innerlich schon die passenden Sätze, um diese Situation zu erklären, es war nicht leicht und Hanako ließ sich einfach müde zu Boden gleiten, ihre Läufe spielten einfach nicht mehr mir. Von dort unten blickte sie unterwürfig ihre Alpha wieder an.
"Ich bin ... aus versehen aus dem Revier getreten, ich habe es überhaupt nicht wahrgenommen. Plötzlich hat mich ein fremder Wolf zu Boden gerissen, mich angegriffen und einen seltsamen Blick auf mich geworfen. Wäre Hidoi nicht gekommen, dann wäre ich vielleicht gestorben. Ich habe so eine Angst, wer kann dieser Wolf nur sein? Und warum irrt er so Nahe des Revieres rum? Ich mache mir Sorgen..."
Hidoi hatte den Kopf ruhig und fast schon entspannt den Kopf ein wenig zurück gelehnt. Er verfolgte das Geschehen und, flog da nicht ein kleines Lächeln über seine Lefzen, als Hanako zum Reh heran trat und begann zu fressen, wie er es ihr geraten hatte? Er hatte es bemerkt und unterließ es jedoch sofort wieder.
Doch eins konnte er einfach nicht verdrängen.
Hanako... Irgendwie mochte er sie. Sie war anders, als alle die er kannte. Sie war von Anfang an freundlich zu ihm gewesen, auch wenn er sie zuerst nur abgewiesen hatte. Sie hatte keine Notiez von seinem kalten Äußeren genommen, sondern ihn fast schon wie einen 'Freund' behandelt. Vielleicht sollte er zu ihr auch mal freundlicher sein? Wehtun konnte es ja wohl kaum.
Aber es beschäftigten ihn noch andere Sachen. Wer zum Teufel war dieser schwarze Rüde gewesen? Warum hatte er Hanako angegriffen? Und warum spürte er irgendwie noch immer, dass er hier irgendwo sein musste.
Er sah wieder zu Hanako, bemerkte wie sie scheinbar ängstlich ein Gespräch mit Banshee suchte.
Banshee warf ihm seltsamer Weise stechende Blicke zu. Er schnaubte. So zeigte man ihm also Dankbarkeit? Aber ihm konnte es ja egal sein. Wenn sie meinte ... Aber wie konnte ihn ein Tag nur so verändert haben, dass er einen Beschützerinstinkt für Hanako entwickelte? Er staunte schon über sich selbst. Dann ließ er fast schon zufrieden aber achtsam auf seine Umgebung den großen Kopf auf die Pfoten sinken.
Die Nacht war kühl, und der eisige Wind umspielte das Fell der Wölfe, umwog es. Der schwarze Rüde betrachtete Banshee, fast liebevoll. Doch als eine weiße Fähe seiner Gefährtin etwas mitteilte, spitzte er die Ohren, ein Knurren entfuhr widerwillig seiner Kehle. Es klang dumpf und dennoch geübt. Ein Fremder der die Wölfe des Sternenwindes angriff? Sofort mischte er sich ein, ohne jedoch seine Geliebte in den Schatten zu stellen.
„Weißt du vielleicht noch wo er dich genau angegriffen hat?“
fragte er forsch, fast befehlend. Auch wenn es ihm nicht bewusst war, hatte er schon wieder die Lefzen angehoben und zeigte seine ungewöhnlich langen weißen Zähne. Sein Blick huschte zu einem fremden grauen Rüden. Seine Augen zeigten keine Gnade, keine Freundschaft, aber auch keinen Hass, sie waren desinteressiert.
Doch nun wo seine Augen wieder Hanako ansahen, gewannen sie an schärfe, vielleicht hatte diese Fähe einen Kampf angezettelt? Nein, sie sah nicht sonderlich stark aus, was Acollon zwar auch nicht tat, aber immerhin stand er mit dem Tod in Verbindung, und er wusste jetzt, wer den Welpen von damals getötet und gefressen hatte, er selbst. Und dennoch war der schwarze Rüde etwas zornig über das dumme Verhalten der Wölfin, sie hätte einfach aufpassen sollen, wo sie lang trampelt.
„Also“
sagte er drängend und sah aus dem Augenwinkel zu Banshee.
Leé kauerte auf ihrem Schlafplatz und schaute betrübt zu Boden. Sie war nicht mehr so klein, konnte gut verstehen und begreifen was um sie herum läuft. Sie war ihrer Mutter gefolgt, wil sie angst hatte. Sie wusste nicht mehr, ob sie Angst hatte alleine zu sein, oder Angst um Hanako hatte. Leé blickte ihre Mutter an und hörte ihr angespannt zu. Sie nickte, als Hanako geendet hatte, sie verstand, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Sie rollte sich auf ihrem Platz zusammen, sie versuchte zu schlafen. Doch sie war nicht mehr müde, sie legte ihren Kopf auf die Pfote und dachte nach, darüber was geschehen war und was sie gesehen hatte. Wer war dieser Rüde? Leé verstand nicht, warum Hanako angegriffen wurde, von diesem Fremden. Ihr Blick glitt auf Hidoi. Leé war ihm unendlich dankbar, wäre er nicht gewesen ...
Langsam nervten Hidoi diese kühlen und stechenden Blicke.
"Sagt mal, hab ich euch irgendwas getan, oder warum guckt ihr so blöd?"
fragte er aggressiv. Das hatte man also davon, wenn man anderen einen Gefallen tat. Vielleicht sollte er es das nächste Mal einfach unterlassen? Er wendete seinen Blick gleichgültig ab und sah auf den See hinaus. Eigentlich ging es auch niemanden was an. Der Stahlgraue hatte es für Hanako getan und für sich selbst. Für niemand anderen sonst.
Kalt sahen seine stechenden gelben Augen nun auf den See hinaus. Kurze Zeit betrachtete er die lange Narbe an seiner Schulter, doch dann beschäftigte er sich lieber wieder damit auf den See zu schauen.
Als auch noch Acollon auf Hanako los ging, legte sie den Kopf traurig auf den Boden und atmete tief durch, das musste einfach alles ein Traum sein, sie hatte sicherlich nur geträumt. Die Augen geschlossen murmelte sie leise irgendwelche Worte vor sich hin, ertrug die stechenden Blicke des Alpharüden kaum und sie hob erschrocken den Kopf. Was war nur mit ihr los? Acollons Frage ließ sie nachdenken, sie erinnerte sich langsam an die Situation und schon wieder durchfuhr sie das pure Angstgefühl.
"J-Ja...ich weiß es noch...sehr genau..."
Stotterte sie dann und sah ihren Alpha unterwürfig an, sie fühlte sich so bedrängt, völlig hilflos, sie hatte doch nichts getan. Sie wurde angegriffen, was konnte sie denn dafür? Still schweigend blickte Hanako mit hilfesuchenden Augen zu Hidoi, konnte er ihr nicht helfen? Sie unterstützen?
Ihr Körper zitterte und sie traute sich nicht, sich wieder zu erheben, denn immer noch durchfuhr sie das Gefühl dieser Bedrängnis.
Banshees Blick wechselte, kaum spürte sie, wie ihr die Situation entglitt. Entschieden trat sie ein wenig zwischen Acollon und Hanako und warf Hidoi einen Blick zu, der weder befehlend noch wütend war, viel eher bittend, er solle schweigen, erstmal. Mit ruhiger Stimme wandte sie sich an Hanako, die unterwürfig und ängstlich am Boden lag.
"Ruhig, ruh dich erstmal aus. Der Fremde scheint dich nicht verletzt zu haben, aber du brauchst jetzt Ruhe."
Weniger sanft und liebevoll wandte sie sich an Hidoi, jetzt konnte man wieder die Sorgen aus ihrer Stimme hören.
"Es ist nichts, wir machen uns Sorgen. Bitte kümmere dich ein wenig um Hanako."
Langsam sah sie zu ihrem Gefährten, lange verweilte ihr Blick auf ihm. Es war seltsam, er schien auf andere Wölfe kalt und roh zu wirken, viele hatten wohl Angst vor ihm, viele mieden ihn vielleicht auch, doch sie liebte ihn. Sie sah seine Absichten hinter seinem Verhalten, konnte förmlich seine Gedanken fühlen, war das anderen nicht möglich? Oder wollten sie es nicht sehen? Oder zeigte er es nur ihr? Sie riss sich von seinem Anblick los und ihr viel Eris auf, die in ihrer Nähe stand. Hatte sie gerade mit ihr gesprochen? Gedankenverloren trat sie näher zu der Fähe, schon wieder bei dem Fremden, der jetzt irgendwo da draußen war und womöglich das Rudel gefährdete.
"Eris, wo sind Ayala und Falk?"
Banshee wollte das Rudel jetzt hier haben, keiner sollte alleine herumstreifen und auch wenn Ayala sicher bei Falk war, machte sie sich Sorgen um die beiden. Während diesen Gedanken wandte sie sich schon wieder zu Hidoi.
"Bleibt hier in der Nähe, geht vielleicht zum Seeufer, aber ich will euch im Blick behalten."
Ein leises Seufzen, dann lag ihr Blick wieder auf Eris, mit den Gedanken bei dem seltsamen Fremden.
Eris wurde unangenehm heiß unter ihrem dunklen Pelz. Banshee schien mit etwas anderem beschäftigt zu sein und antwortete ihr nicht. Und so kam sich Eris nun doch wieder wie eine dusselige Kuh vor. Ihr Gesicht verfinsterte sich etwas. Nicht wegen Banshee, die Leitwölfin konnte ja schlecht wegen jedes Pieps den ein Rudelmitglied von sich gab aufspringen und interessiert nachfragen. Aber Eris hasste es in peinliche Situationen geraten. Sie fühlte sich dann so vor den Kopf gestoßen, wie ein kleiner Welpe, dem man nicht richtig zuhörte.
Sie verzog die Schnauze und ließ den Blick an Banshee vorbeischweifen zum Waldrand hin. Es war mittlerweile schon düster geworden. Man sah die Schatten der Bäume schwarz in den etwas helleren Himmel ragen, an dem, sanft von Wolken umhüllt, der schlanke Mond leuchtete. Eris war mit den Gedanken gerade etwas abgedriftet, als plötzlich ein schwarzer Rüde neben Banshee auftauchte. Eris blickte auf. Ihr entfuhr unvermittelt ein lauter Aufschrei. Entsetzt starrte sie den Rüden an und stolperte etwas nach hinten, fiel zu Boden.
"K- Ka- K-"
stotterte sie und blickte zu ihm auf. Ihr Herz raste. Das konnte doch unmöglich sein ... Kamui? Hier? Eris holte tief Luft. Aber ... Moment mal! Es war beinahe Empörung, die sich in ihr breit machte; getäuscht, hintergangen von den eigenen Sinnen. Lag es an der Dunkelheit? Das jedenfalls, war nicht Kamui, ihr früherer Gefährte und bei genauerem Hinsehen waren die Unterschiede doch gewaltig. Und trotzdem ...
"K -K-"
Ja, was sagte sie denn jetzt? Ihr inneres Missverständnis zugeben, wollte sie natürlich nicht. Wie würde das denn aussehen?
"K-Killerschmetterling!"
stieß Eris hervor und als der Klang dieses sinnlosen Wortes langsam verhallte, bildete sich die Erkenntnis wie ein dicker Kloß in ihrem Hals. Das hatte definitiv einfach nur bescheuert geklungen. Innerlich drangsalierte sich Eris für die eigene Dummheit, doch das ließ sie sich nicht anmerken. Sie rappelte sich schnell auf und schüttelte sich den Sand aus ihrem Fell. Sie nahm eine aufrechte Haltung ein -immer über den Dingen stehen- und räusperte sich ausdrucksvoll.
"Ähm, ich dachte, ich hätte da was gesehen."
"Na gut..."
knurrte Hidoi leise und sah dann Hanako an. Sie schien große Angst zu haben. Aber wovor? Hier war doch das Rudel, diese Wölfe die sie doch kannte, ihre Mutter zum Beispiel. Prüfend ließ er seinen Blick umher schweifen. Sollte dieser Fremde nur her kommen. Diesmal würde er ihn ganz sicher nicht mehr verschonen. Banshee hatte gesagt, sie sollten sich nicht allzu weit entfernen, hatte er auch nicht vor.
"Hm... du brachst jetzt keine Angst mehr haben. Der Typ ist weg und wenn er wieder kommt... Naja..."
sagte er kühl und ging langsam vor, wieder zum See zurück. Er blickte immer mal zu Hanako zurück und ließ sich dann auf die Hinterläufe sinken.
Nach Hidois aggressiven Ausruf, und Hanakos Angstgefasel, machte auch noch die schwarze Fähe Anstalten verrückt zu werden. Genervt, und dennoch etwas belustigt schaute er zu dieser, die wohl den Namen Eris trug. Unweigerlich hatte sie gerade ihn gemeint. Keinerlei Verwirrung oder Erschrockenheit war in seiner Miene zu lesen, es war eher Spott. Doch schnell bemühte er sich wieder eine ernste und gleichgültige Miene aufzusetzen, und es gelang ihm auch.
„Nun gut, Hanako, zeig mir die Stelle an der du angegriffen wurdest.“
und im Gedanken fügte er leicht knurrend hinzu:
.oO(Und pass das nächste Mal auf, dass du nicht mit deinen fetten Pfoten über die Reviergrenzen trampelst.)
Bei jedem anderen Wölfen würde die Gedanken übersetzt vielleicht so aussehen: „Ich mache mir Sorgen, also pass auf dich auf und überquere nicht die Reviergrenzen.“
Sein Blick überflog den Haufen von Wölfen, doch sein Blick suchte den Banshees, was unterschied sie so sehr von den anderen? War es die gewöhnliche und nervende Art freundlich zu sein? Ja, es war diese einfache Art, die Banshee so besonders machte, sie war nicht nur freundlich, sondern anmutig und elegant, sowie auch schön und stolz. Sie war das, was er sich wünschte.
„Banshee, ist es dir Recht, wenn mir Hanako diese Stelle zeigt?!“
fragte er. Seine leblosen Augen ruhten auf den Rüden Hidoi der auf den See zuschritt, er schien ein unruhiger Zeitgenosse zu sein, ähnelte einem Welpen sehr.
Hanako lauschte Banshee dankend, beinahe freute sie sich richtig, dass diese sie verstand und ihr die Ruhe bot. Acollons Aufforderung ließ sie weggucken, zu Hidoi, dem sie folgen sollte. Ja, sie würde sich nun ausruhen, sie wollte nicht allein mit dem Alpharüden weggehen, dafür hatte sie viel zu viel Angst vor ihm.
"Ich möchte mich nun ausruhen, ich kann einfach nicht mehr und ich will nicht alleine mit Acollon dahin gehen...ich habe Angst vor ihm..."
Warum sollte sie nicht aussprechen, was sie dachte? Es war nun mal so und anders würde es niemand verstehen. Dann erhob sie sich zittrig und schritt langsam Hidoi hinterher, wenigstens er verstand sie als einer der wenigen Rüden, denen sie in ihrem Leben begegnet war. Warum sollte sie sich von Acollon nun schon wieder belasten lassen? Er kam ihr noch kälter, als es Hidoi je getan hatte, war nur aggressiv und machte keinen dankbaren oder hilfreichen Eindruck auf sie, mit solchen Wölfen wollte sie nichts zu haben, aber es war nun mal ihr Alpha. Wenn auch leider zur Zeit...ob er sie später etwas besser verstehen würde? Den Kopf gesenkt schritt sie zu Hidoi und blickte ihn an, was seine Gedankengänge wohl waren? Hatte er irgendetwas auf dem Herzen liegen?
"Danke...dass du mich begleitest..."
Acollons Lefzen hoben sich, seine Augen kalt und starr auf die davon gehende Hanako gerichtet, dann schnaubte er auf, musste sich fast das Lachen unterdrücken, um den anderen nicht die Genugtuung zu geben, ihn lachen gesehen zu haben, drehte er sich vom Geschehen weg. Heiseres Lachen drang aus seiner Kehle, es klang kalt und erfroren, es war lange her, seit er das letzte Mal lachen konnte, oder hatte er überhaupt jemals gelacht? Als er sich einiger Maßen wieder gefasst hatte, sah er zu Banshee.
„Da meine Anwesenheit Hanako zur Flucht verholfen hat, werde ich jetzt wohl alleine die Stelle suchen gehen müssen. Dass dieser naiven und einfältigen Fähe nicht auffallen müsste; dass alles nur zum Schutz des Rudels geschieht, und nicht nur sie unter dem Schutz steht; ist verwunderlich dumm. Schließlich geht es auch um das Wohl der Welpen.“
seine kalten Augen durchbohrten Leé.
Sowas nennt man Egoismus, zu schwach um anderen zu helfen.“
knurrte Acollon leise und drehte sich um, dabei sah er noch einmal auf Eris, sollte er sie fragen?
„Falls jemand den Mut besitzt und nicht gerade etwas vorhat, kann mich gerne begleiten- ach nein, ich vergaß- meine angsteinflößende Art.“
wieder drang ein kaltes Lachen aus seiner Kehle. Er fand die Art Hanakos einfach nur lächerlich, und um seine Enttäuschung über diese unloyale Art zu verberge, witzelte er darüber. Erbärmlich. Aber was konnte man gegen eine so tiefsitzende Angst schon machen? Sie hatte ihre Gründe, die Angst!
Falk hatte noch lange mit Ayala gesprochen, hatte mir ihr gelacht, war ihr nahe gewesen und es hatte ihm gut getan. Ja, der Hüne musste zugeben, dass ihm wohl war wie lange nicht mehr, genau genommen hatte er sich nicht mehr so gut gefühlt seit Leah-
.oO(Eines Tages werde ich auch das schaffen... Dass sie mir nicht mehr im Kopf herumspukt. Verdammt.)Oo.
Sein Blick wanderte über Ayalas Fell, dass silbern im Schein der Sternenwinde schimmerte und glänzte, dann verfolgte der Hüne wieder das Treiben am Himmel, eng an die Gefährtin gekuschelt.
.oO(Ich meine, ich will sie schließlich gar nicht vergessen, ich... Ich möchte mich ihrer erinnern, nur doch nicht so oft... Und wenn ich bei Ayala bin, möchte ich doch nur an sie denken...)Oo.
Sanft fuhr er der Geliebten mit der Zunge über das Fell, wie um sich selbst zu beruhigen. Er fragte sich, ob Ayala seinen inneren Konflikt spürte, der eigentlich kein Konflikt war, denn sein Herz gehörte ihr.
.oO(Ich werde mich ihr auch noch erklären müssen... Doch die Nacht soll nun wirklich uns gehören... Ohne Leah.)Oo.
Den Rüden fröstelte es und er drückte sich enger an die Weiße.
Eris atmete innerlich erleichtert aus. Dieser Rüde schien sich nicht über sie lustig zu machen, jedenfalls äußerlich ... nicht allzu sehr. Sie linste zu ihm. Schon komisch, wenn er Kamui doch gar nicht so ähnlich sah, was hatte sie so erschrocken. Seine Ausstrahlung? Ja, ein bisschen war sie wie die von Kamui damals. Aber die Kälte, die in den Stimmen beider schwang, oder besser gesagt: die Kälte, die die Stimmen umschloss, war anders. Dieser Rüde vor ihr war wölfischer ... zwar aggressiv und teils auch genervt klang er, aber das war nichts Ungewöhnliches. Kamui hatte eine Art an sich gehabt, die Stimme so tonlos und gefrierend erscheinen zu lassen, dass es einen richtig frösteln ließ. Ohne Emotionen, nur etwas schärfer als üblich. Nicht auffällig, aber da. Eris schüttelte sich. Was für unangenehme Gedanken. Nun wandte sie sich zu Banshee. Diese hatte sie jetzt endlich angesprochen und nach Ayala und Falk gefragt.
"Ayala und Falk? Ja, ich schätze sie hat ihren Macker gefunden. Sie ist Falks Ruf gefolgt und in den Wald hineingerannt. Ich würd´ sagen, du brauchst dir keine Sorgen um sie machen ... Aber, was ist das hier eigentlich für ein Aufruhr?"
Eris ließ den Blick über den einen grauen Rüden mit den stechend gelben Augen schweifen und die weiße Fähe, die ziemlich erschöpft aussah. Und nicht unerhebliche Kratzer hatte sie im Gesicht.
"Wer heißt die weiße Fähe denn überhaupt?"
fragte Eris interessiert.
Halb im Wachen, halb im Schlaf, nahm Ayala die zärtlichen Liebkosungen des Hünen wahr. Reflexartig drehte sie sich ganz zu ihm, drückte sich enger an ihn und ruderte etwas mit ihrer linken Vorderpfote, um ihm zu bedeuten, nicht aufzuhören. Nach einer Weile öffnete sie etwas verträumt die Augen, kuschelte ihre Schnauze in sein dichtes Fell und stieß einen Seufzer der Erleichterung und Geborgenheit aus. Als sie den Rüden neben sich ansah, glaubte sie ganz kurz - vielleicht nur einen einzigen Herzschlag lange - etwas Verborgenes in seinen dunklen Augen zu erkennen. Etwas, das sie von Zeit zu Zeit an ihm wiederentdeckte, ohne wirklich zu wissen, was es war. Sie wusste, dass es etwas war, dass er vor ihr verbergen wollte, etwas, wovor er sie vielleicht sogar schützen wollte. Vielleicht ein Stück seiner Vergangenheit, das er immer mit sich herumtragen würde, vielleicht eine Angst, vielleicht existierte es auch gar nicht und Ayala bildete sich alles nur ein. Aber nein, sie sah es ihm an...es war eine Art Glanz in seinen Augen. Sie würde ihn nicht drängen, niemals, sie vertraute ihm und so sollte es auch immer bleiben! Jeder hatte seine Geheimnisse, auch wenn man selbst manchmal gar nichts davon wusste. Lächelnd musterte sie seine kräftigen Läufe, sein linkes Ohr, welches so gerne einen Streich mit ihm spielte und ihn in ihren Augen noch liebenswerter machte. Ohne auch nur eine Sekunde zum Nachdenken zu haben, eine Sekunde, um sich zu überlegen, wie sie es am schönsten sagen konnte, explodierten all ihre Sinne, stauten sich wie in einem Vulkan an, um anschließend gemeinsam hervorzupreschen.
„Falk von Scharfenberg, ich liebe dich.“
Einfach so, dahingestellt, in die Stille, die Nachtluft, schien der Ausspruch die beiden auf eine seltsame Weise zu bedrücken. Ayala begriff erst jetzt, was sie soeben gesagt hatte. Aber sie bereute es nicht, sie hatte ihn nur nicht so überrumpeln wollen, seit einiger Zeit hatten sie nichts mehr zueinander gesagt. Es sollte ein bedingungsloses Versprechen sein, auf das sie keine Antwort erwartete. Es war vielleicht zu früh für ihn, sie wollte ihm nur zeigen, sie stand zu ihm, was immer passieren mochte. Lächelnd sah sie ihn an.
Dann konzentrierte sie ihren Blick wieder auf die Sternenwinde, die stetig und wunderschön wie immer, in den See fielen und verglühten, ein erleuchtetes Schauspiel darboten – vielleicht waren sie sogar noch schöner als sonst.
Hidoi sah Hanako nur kurz an.
"Bleib du hier, ruh dich aus. Ich mach das."
Ruhigen Schrittes aber die Lefzen aggressiv hochgezogen zu einem fiesen und kalten Grinsen sah er den schwarzen an. Interessant, dachte er sich. Wieder ein Wolf mit kalter Fassade und einer schwachen Art zu seiner Geliebten. Lachhaft, wie konnte sich ein Wolf nur so verstellen?
"Nun, da du scheinbar selbst nicht schlau genug bist, den Weg alleine zu finden, obwohl sogar ich den Fremden schon von hier wittern kann, wie wärs denn wenn ich dich begleite? Oder ist es dir unangenehm, mit einem Rüden durch den Wald zu ziehen? Fähen sind nicht so gefährlich was?"
Er blieb ganz ruhig stehen. War ihm doch egal, wenn dieser Alpha jetzt die Kontrolle über sich verlor und ihn angriff. ER, Hidoi war stark genug um sich zu verteidigen. Außerdem wollte er die Leitfähigkeit des Rüden testen. Wenn er jetzt durchdrehen würde, zeigte das Hidoi nur Unfähigkeit, keine Kontrolle. Das machte ihn für den Rang eines Alphas eher unfähig. Nicht das er Interesse an dem Posten hätte, nein. Der war ihm so was von egal. Er wandte dem Rüden den Rücken zu und sah kurz zu Hanako.
"Ich komm gleich wieder."
sagte er mit kalter und rauer Stimme, dann ging er los Richtung Wald. Seine Ohren waren nach hinten gedreht, er war Jederzeit auf einen Angriff von dem Schwarzen gefasst.
Banshee betrachtete Eris verwundert, die Fähe antwortet nicht auf ihre Frage, dagegen verhielt sie sich äußerst merkwürdig. Killerschmetterling? Was war das bitte? Während sie langsam auf Eris zuschritt und sie prüfend musterte hörte sie hinter sich Acollons aggressiv gewordene Stimme, sofort schnellte sie herum.
"Acollon!"
Ihre Stimme klang scharf, ungewohnt und seltsam fremd, doch sie spürte, wie Acollon sich selbst vergaß. Mit einem schnellen Schritt war sie an seiner Seite, drückte ihre Flanke an die seine und schnappte gleichzeitig nach Hidois Schnauze, nicht mehr freundlich, nicht mehr spielerisch. Seine Worte waren respektlos gewählt und auch wenn Acollon nicht freundlich gewesen war, hatte Hidoi so nicht mit seinem Leitwolf zu sprechen.
"Hanako, Hidoi, ruht euch aus."
Zischte sie und gab den beiden unmissverständlich zu verstehen, dass sie aus Acollons Blickfeld verschwinden sollten. Sein kaltes Lachen hallte ihr jetzt noch in den Ohren, seine Augen brannten sich in die ihren.
.oO(Beruhige dich ... beruhige dich, Acollon)
Sie hörte dumpf Eris' Antwort, doch verstand sie ihn nicht, sie versuchte sich auf Acollon zu konzentrieren, ihn zu beruhigen, wie sie es schon so oft getan hatte, wenn der blutige Rabe vor ihnen lag.
Hidois Worte nickte sie nur zu, die von Banshee nahm sie nur halb wahr, denn sie war so enttäuscht von allem. War das alles vielleicht doch in ihrem Leben überstürzt gewesen? Und wieso setzte Hidoi sich nun so für sie ein? Warum nahm er den ganzen Ärger auf sich...er musste sie nicht schützen, sie war am Ende, es würde keinen Unterschied mehr machen. Wo war ihre Mutter nur hin? Warum konnte diese ihr nicht beistehen? Hanako sah den See näher kommen, schleppte sich humpelnd, Schwach dort hin und brach am Ufer zusammen. Ihr Körper lag regungslos und schwer atmend auf dem Boden, sie spürte nichts mehr, sie wollte nichts mehr spüren, nur noch da liegen und verstehen, was falsch war...was sie ändern musste. Ihr Blick war starr auf die Wasseroberfläche gerichtet, ihr Blick verschwommen von Tränen - Trauer und Angst. Sie spürte als letztes noch das Zittern ihres Körpers, ihre Gedanken schweiften weit ab, sie erinnerte sich an jede Sekunde genau und wusste, dass sie anders hätte handeln müssen.
"Hid..oi..."
Flüsterte ihre Stimme schwach und sehr leise, sie hörte sich selbst kaum noch, hatte sich ihre Gestalt in dieser Sekunde wirklich so verändert? Acollon hatte Wut auf sie und Banshee wohlmöglich nun auch. Es war vorbei...sie hatte es sich verspielt, mit Falschen Karten geworfen. Ein tiefes Schlucken folgte, dann fiel sie in ein schwarzes Loch und ihr Kopf fiel auf den Boden hinab...
Hidoi beachtete gar nicht, das Banshee nach ihm schnappte. Sollte ihn das beeindrucken? Doch plötzlich hörte er ein dumpfes Geräusch und drehte sich um. Hanako lag am See, eigentlich nichts unnormales, aber warum so reglos? Er warf Acollon noch einen kalten Blick zu, dann schritt er langsam auf Hanako zu. Da war wieder dieses Gefühl, dass irgendwas nicht stimmte ... Neben der weißen Fähe blieb er stehen und sah sie mit schief gelegtem Kopf an. Noch immer bewegte sie sich nicht, schlief sie? Warum beschäftigte ihn das überhaupt? Er stubste sie leicht mit der Pfote an, doch da es nichts bewirkte, half er noch einmal mit der Schnauze nach.
"Hanako?"
fragte er leise, und wieder, lag da nicht ein wenig Besorgniss in seiner rauen und kalten Stimme?
Aber die Weiße regte sich einfach nicht. Nein, das konnte kein Schlaf sein, denn sonst hätte sie sich bewegt oder gesagt, dass er sie gefälligst in Ruhe lassen sollte. Doch nichts der gleichen. Der Stahlgraue schritt in das Wasser und spritzte dann leicht mit der Pfote nach Hanako. Vielleicht half das?
"Hey!"
rief er sie leise. Dann verharrte er. Na gut dann eben nicht, dachte er sich. Aber trotzdem blieb er vor ihr stehen und sah auf. Seine stechenden Blicke suchten den eines anderen. Sie hatten schon gestern nicht bemerkt, dass etwas nicht gestimmt hatte. Ob es diesmal anders sein würde? Ob sie wohl diesmal auch wieder glaubten, er hätte was damit zu tun? Seine Blicke trafen nur kurz den von Banshee, dann sah er auch schon weiter. Acollon blickte er erst gar nicht an, er würde bestimmt sich einen scheiß darum kümmern, was mit der Fähe war. Aber was war mit Hanakos Mutter?
Der schwarze Rüde hob eine Augenbraue, was sollte das denn jetzt werden? Hatte Hidoi nun wirklich vor, ihn zu provozieren? Acollon gähnte herzhaft, und als Banshee nun an seine Seite trat, erhaschte er seine ruhige, fast arrogante Art wieder. Wie konnte ihm die Kontrolle bloß entgleiten? Nicht wieder wollte er Banshee tote Wölfe zumuten.
„Nun gut.“
sagte er ruhig und sah seine Gefährtin an, aber diesmal ganz und gar ohne Regung und Gefühle. Sollten die anderen machen, was sie für richtig hielten. Acollon würde, mal wieder allein, sich um den Rest kümmern. Im Verborgenen, im Schatten. Wieder war er gekommen und würde gehen. Ohne ein weiteres Wort, schritt er davon, doch nicht ohne seine Gefährtin kurz anzustupsen. Schon wieder war ein junger Rüde im Rudel, der versuchte sich zu behaupten, das konnte ganz schnell ins Auge gehen. Acollon ließ sich viel gefallen, aber eben nicht alles. Irgendwo überwog der Stolz, die Ehre, und die Alphapflichten waren in den Hintergrund gestellt. Doch mal ehrlich! Was glaubte dieser aufgeblasene graue Hidoi, was er sich da erlauben konnte? Wenn man nicht seinen Kopf gebrauchen konnte, dann sollte man die Schnauze halten. Schließlich war es nicht Acollons Absicht irgendwelche feigen Fähen einzuschüchtern, sondern lediglich einem gesamten Rudelangriff aus dem Weg zu gehen. Wer konnte schon erahnen, dass der Wolf allein ist? Das konnte selbst Hidoi mit der super Nase nicht.
Seine Pfoten machten keinen Laut, als er auf die Stelle des Verbrechens zuging. Ihn ging das hier alles ziemlich auf die Nerven. Was war nur mit ihm los? War er damit unterfordert, dass er sich auch gleich Stress aufhalste? Vielleicht musste er einfach mal wieder nur eine Weile davonziehen, dann wäre alles wieder wie beim Alten! Vielleicht auch nicht, es war sicherlich ein Grund, dass Acollon so oft verschwand, da er die dauernde Anwesenheit irgendwelcher Wölfe nicht ertragen konnte. Schlecht für einen Alpha, doch niemand konnte vorschreiben, was ein guter oder ein schlechter Alpha war. Er kannte seine Pflichten, und ob er diesen nun mit einem Lächeln oder ohne Gefühle nachging, war ganz und gar seine Entscheidung.
Leé beobachtete mit zusammengekniffenen Augen das Geschehen. Sie beobachtete vor allem Acollon, der nach wie vor ihr keine angst machte. Sie fand ihn schon seit der ersten Sekunde spannend und geheimnisvoll. Sie nahm sich fest vor, dass wenn sie einmal so groß sei wie Hanako, werde sie ihm zeigen, dass sie kein Feigling, oder Schwächling ist. Als Acollon sie mit kaltem Blick anzischte, blieb ihre Miene versteinert, sie zeigte keine Reaktion, auch die Angst zeigte sich nicht bei ihr. Leé hob den Kopf und sah, wie Acollon verschwand. Ihr Blick glitt zu Banshee, dann zu Hidoi, dann zu Hanako. Plötzlich, als Hanako umfiel, erinnerte sie sich zum ersten Mal an ihre Vergangenheit. Sie sah vor sich den vertrauten Wald, ihre Eltern und ihr Rudel. Sie sah, wie die Menschen sich heranschlichen mit ihren Gewehren und Hunden. Sie sah sich selber rennend, wie sie das Rudel warnen wollte. Sie hörte die Schüsse, das Gebell der Hunde und das Geknurre der Wölfe. Sie sah, wie sich ihr Vater schützend vor das Rudel stellte, wie Narrzaret, der Bruder ihres Vaters mit den Hunden kämpfte. Schüsse zischten durch die Luft und Leé wurde von einem Menschen aufgehoben. Sie sah, wie ihr Vater und ihre Mutter umfielen, genauso, wie Hanako. Plötzlich wurde es still, sie hörte nur noch die Luft um sie herum zischen. Dann öffnete sie verkrampft ihre Augen und schüttelte sich. Sie nahm sich zusammen und lief, sehr langsam, aus ihrem Gebüsch heraus und lief zu Hanako und Hidoi. Sie schaute zu, wie Hidoi ihr Wasser an den Kopf spritzte. Als das nicht half stand sie vor Hanakos Gesicht und stupste sie sanft an. Doch als sich immer noch nichts regte, stieß sie fester.
"Hanako??"
Der weiße Rüde schaute mit seinen gelben Augen düster durch den Wald. Es schien so, als versuchte Lluvian, kein Geschehen zu verpassen, seine angelegten Ohren, und seine fast aufrechte Rute, vermittelten Kampfbereitschaft, seine Lefzen waren gespannt und zeigten ein wenig seine Zähne. Lluvian wusste genau, dass er gerade eine Reviergrenze überschritten hatte, und dennoch sah er es nicht für angebracht, sich zu melden.
Sicher und zuversichtlich hob er die rechte Pfote an, um weiter zu schreiten, als ein schwarzer Wolf (Acollon) durch das Geäst kam. Sofort ging die selbstsichere Haltung verloren und wechselte in eine Verteidigungshaltung, nicht aggressiv, nicht angriffslustig. Sicherlich würde dieser Wolf ihn gleich bemerken, was hatte es denn noch einen Sinn sich zu verstecken? Selbstsicher trat er aus dem Dunklen. Nicht direkt auf den Wolf zu, sondern mehr von links, von der Seite her.
„Seid Ihr Herr dieses Reviers, schwarzer Wolf?“,
fragte Lluvian. Er hatte immer noch die Ohren angelegt, zwar wirkte dieser Wolf nicht gerade freundlich, aber er schien auch nicht den Eindruck zu machen, er würde den Regenwolf Lluvian vertreiben oder beißen. Der leichte Geruch anderer Wölfe hing an ihm, ungefähr vier Jahre war dieses Tier alt, stattlich, groß. Gebührend legte er den Kopf etwas tiefer. Es hieß, man solle anderen stärkeren Männchen Respekt zollen. Doch um nicht allzu viel Stolz zu verlieren, richtete sich der Weiße auch gleich wieder auf. Er war kein Jungwolf der unbedingt sich behaupten musste, der Minderwertigkeitskomplexe hatte, er stand zu seinen Schwächen, sowie auch zu seinen Stärken, er hatte keine Geheimnisse, außer das, seiner Vergangenheit.
Falk erschrak, war völlig überrumpelt und wie auf Kommando begann direkt nach so langer Zeit der Ruhe sein Ohr, dieser lästige Quälgeist zu zucken. Er hatte einfach nicht damit gerechnet, nicht jetzt, nicht in dieser Situation oder vielleicht gerade doch, hier, unter den Sternenwinden... Verzweifelt bemühte er sich rasch einen Ausweg aus der vetrackten Situation zu finden, wenn er jetzt zögerte würde sie denken, dass sie ihm nicht wichtig war und er liebte sie ja auch, ach so sehr, doch es war einfach noch zu früh, er konnte diese drei Worte noch nicht sagen, konnte das einfach nicht, aber wie sollte er es ihr erklären?
.oO(Vielleicht ahnt sie auch mehr als ich mir einzugestehen wage.)Oo.
Falk war verzweifelt, sein Kopf raste, spielte ein Dutzend verschiedener Möglichkeiten durch, Möglichkeiten was er sagen könnte, Möglichkeiten, wie sie reagieren könnte und wusste doch genau, dass bei 1000 Möglichkeiten stets Möglichkeit Nr. 1001 kam... Leah, wie sollte er Leah erklären? Sie war seit Monaten tot, Ayala würde einfach kein Verständnis haben können oder glauben, dass er noch an der sandfarbenen Fähe hing, dass er noch nicht bereit für sie war, dass sie eine Art Notnagel, ein besserer Ersatz für Leah war...
.oO(Falk von Scharfenberg - denk nach!)Oo.
Und wenn er ihr einfach die Wahrheit sagte, es darauf ankommen ließ? Aber wenn sie ihn dann verließ, was geschah dann? Falk wollte einfach nicht ohne diese Fähe leben, wollte es nicht und konnte es auch nicht und was, wenn er es ihr verschwieg bis in alle Ewigkeiten? Das würde doch alles nur noch schlimmer machen? Und wenn sie gar nichts ahnte und er sie einfach immer weiter belog? Nein, gestand sich der Hüne ein, es würde ihn selbst am meisten belasten, so wie ihn die Gewalttaten belastet hatten und ihn die Gewalttaten Acollons belasteten, nein, es war keine Lösung, wenn er es verschwieg. Doch gab es nicht für alles einen richtigen Moment und war dieser richtige Moment tatsächlich jetzt? Der Rüde merkte, wie viel Zeit bereits verstrichen war. Er musste jetzt reagieren. Sonst würde Ayala niemals mehr Verständnis für ihn haben. Krächzend sagte Falk:
"Ayala, ich..."
Der fremde Schwarze schleppte sich mühsam und keuchend tiefer in das Revier. Irgendwo musste das Rudel sein, irgendwo da drinnen und bei ihm mussten der schwarze Leitwolf und die weiße Leitwölfin, Boten Engayas und Fenris' sein. Sie musste er finden und auch wenn alles in ihm sich danach zehrte sich hinzulegen, in das feuchte Gras, auf die kalte Erde und endlich sterben, stolperte er weiter. Er hatte einen Auftrag und niemals würde er ihn vergessen. Der graue Rüde hatte ihn grausam zugerichtet und eines Tages würde er dafür bezahlen, aber das hatte nicht mehr er zu bestimmen. Er hatte nur noch diesen Auftrag auszuführen, dann würde er sich hinlegen und endlich den Pfad des Himmels und der Freiheit betreten. Er witterte schwach einen Wolf, kurz darauf hörte er ganz in seiner nähe ein Knacken aus der Richtung, aus der er gekommen war. Mühsam versteckte er sich zwischen den Bäumen, dann trafen ein schwarzer und ein weißer Wolf aufeinander. Der Weiße scheinbar ein Fremder. Der Eindringling zögerte kurz, dann kroch er stumm weiter, dort hin wo das Rudel sein musste.
Banshee sah Acollon schweigend nach und wandte sich dann Hidoi und Hanako zu. Mit Hidoi würde sie noch einmal reden, er würde sich nicht so verhalten dürfen und sie erkannte in ihm einen intelligenten Wolf, der durch aus wusste, was verboten und was erlaubt war; doch vorerst galt es, sich um Hanako zu kümmern. Mit einem schnellen Schritt war sie neben ihr, warf Hidoi einen ausdruckslosen Blick zu und berührte die Schnauze der weißen Fähe. Sie war kalt und trocken, doch auch das Wasser schien nicht zu helfen. Vorsichtig ließ sie sich neben Hanako nieder und versuchte sie zu wärmen während sie leise mit ihr redete, nicht um sich zu unterhalten, sondern um Hanako zu zeigen, wo das Licht und das Leben war, wo sie wieder aufwachen musste, wo andere Wölfe waren.
Hanako war in ihrer eigenen Welt angekommen, die voller Trauer und voller Hass schien, ihre Vergangenheit war dort, ihr Vater lebte und er wollte Frieden und Lieben. Ein seltsames Erlebnis und Hanako spürte ein Stechen in ihrem Herzen, wenn sie in die tiefen Augen ihres Vaters sah. Er lebte nicht mehr, tief in ihrer Seele hatte sie sich dies geschworen, nach den Erzählungen ihrer Mutter Klarheit gehabt, doch ganz tief in sich wünschte sie sich nichts sehnlicher, als auch diesen zurück. Den Wolf, der ihr so viel beigebracht und so viel genommen hatte, einfach seltsam.
Nach einiger Zeit, in der Hanako völlig in sich gekehrt schien, immer noch so schlafend, so schön, wie eine Blume, spürte sie weit weg von sich die leichten Stöße, etwas kaltes, was sie berührte, doch sie nahm es kaum wahr. Wer rief sie? Die Stimmen durchbrachen ihre Ruhe, ließen ihre Lider zucken, auch ihre Pfoten traten kurz aus und plötzlich tauchte vor all dem Schwarzen und Schlechten Hidoi auf. Es schien alles so anders, so bunt und fröhlich und Hanakos Herz schlug gleichmäßig und warm. Was bedeutete dies? War es Liebe, die sie diesem Wolf schenken wollte? Konnte sie dies wirklich bezahlen?
Ehe sie noch an dies denken konnte, wurde ihr Körper warm und irgendjemand sprach zu ihr, gab ihr Mut und Liebe.
Hanako kam langsam zu sich, ihre Augen blinzelten erst, suchten all die Wölfe, die sie so sehr liebte, bis sie Hidoi, Leé und auch Banshee wahrnahm. Bei letzterer war sie überrascht. Doch glücklich, sie hatte ihr die Wärme und den Schutz geboten.
"Banshee...Hidoi...Leé..."
Sie wiederholte die Namen noch einmal mit heiserer Stimme und sah sich suchend um, der alte Ort war wieder bekannt und gewohnt...es war nichts passiert.
Während Ayala mit ihren Augen die Bahn verfolgte, die die verglühenden Sternenwinde in der Luft hinterließen, waren ihre Gedanken und ihre Gefühle doch ganz woanders.
Falk von Scharfenberg, ich liebe dich ... niemals hätte sie von sich selbst erwartet, dass sie diesen Satz an jenem Abend auszusprechen wagte. Noch bei Sonnenaufgang war sie sich so verlassen vorgekommen, so weit entfernt von ihm und seinen Gedanken und jetzt lag sie hier, neben ihm... Während sie dies noch dachte, spürte sie Falks plötzliche Anspannung. Als sie sich verunsichert ihm zuwandte, sah sie ebenfalls an seinem Ohr, wie aufgeregt er war. Hatte sie etwas falsch gemacht? Hätte sie es nicht sagen dürfen, war es zu früh...oder empfand er einfach nicht genug für sie? Ayala schüttelte leicht den Kopf, als wolle sie diesen Gedanken vertreiben. Sie vertraute ihm, glaubte an sein Versprechen, sie würde nie wieder an ihm zweifeln wollen. Sie sah ihn an, spürte seinen inneren Zwiespalt, seine Zweifel. Die Weiße verstand, sie berührte ihn mit der Schnauze kurz an der Stirn und drückte sich dann enger an ihn.
"Sag nichts...sieh mit mir in die Winde und genieße den Moment "
Sie verstand ihn, auch wenn sie ihn eigentlich kein bisschen verstand, aber sie spürte, wie entzweigerissen er war. Was immer sein Problem sein mochte, sie akzeptierte es vollkommen. Vielleicht hatte sie ihn auch einfach überrumpelt...er sollte sich nicht rechtfertigen müssen, sie hatte ihm ein bedingungsloses Versprechen gegeben, er musste es nicht erwidern...noch nicht. Er sollte alle Zeit der Welt haben.
Der schwarze Rüde sah auf, der weiße Rüde stellte sich ihm nicht in den Weg, was aussagte, dass er die Stärke Acollons akzeptiert hatte und nicht so töricht war, sich in den Weg zustellen, es war wie ein stilles Abkommen. Er musterte den Fremden nicht, sondern sah an ihm vorbei.
„Herr dieses Reviers würde ich nicht sagen, niemand herrscht über Land, ich bin lediglich Alpharüde der Wölfe des Sternenwindes.“
gab Acollon leise zur Antwort, er sagte dies nicht aggressiv oder arrogant, neutral. Er hatte das Gefühl nicht alleine zu sein, sein Nackenfell sträubte sich. Seine Lefzen spannten sich an, seine Augen wurden zu Schlitzen, augenblicklich war der Körper auf Kämpfen ausgerichtet, auf Töten. Aus der Tiefe Acollons Kehle drang ein knurren, seine Augen huschten hin und her, suchten den schwachen Geruch, des Verbrechers. Er bezweifelte, dass der Weiße der Feind war, er roch nicht danach und verhielt sich auch nicht so, falsches Misstrauen war hier unangebracht.
„Wenn du dich nützlich machen willst, gehst du am besten aus der Angriffslinie.“
hauchte Acollon.
„Wo bist du Fremder, zeig dich, spiel nicht das Versteckspiel.“
knurrte der schwarze Wolf kaum hörbar. Seine Sinne geschärft. Fast freudig wartete er auf einen Angriff, der Kampf war seine Welt. Er hatte nicht vor den Fremden mit Hilfe des neuen Weißens zu vertreiben, er wollte nur den Kampf. Der neue Weiße war ihm in diesem Moment nicht so wichtig, und doch würde er jetzt auf seine Loyalität und seinen Verstand zählen müssen. Man konnte es fast Vertrauen nennen, aber halt nur fast.
Als sich Hanako endlich regte, konnte Hidoi es einfach nicht verhindern; Er atmete erleichtert aus und zuckte kurz mit der Rute. Er ließ sich auf die Hinterläufe sinken, erwiderte Banshees ausdruckslosen Blick nicht. Wozu auch? Er wusste selbst, dass er nicht sehr nett gewesen war. Doch dieser Acollon war wohl kaum besser gewesen. Okay, er war der Alpha, aber deswegen durfte er sich lange noch nicht alles erlauben! Respektieren würde er nur einen Wolf, der sich unter Kontrolle hatte und seine Mitglieder nicht wie Untertanen behandelte. Andernfalls, würde das sicher noch lustig werden...
"Wie geht's dir?"
diesmal bemühte er sich erst gar nicht, seine Stimme zu verstellen. Sie klang besorgt, doch damit müsste er wohl oder übel klar kommen. Er stupste Hanako leicht an und wartete darauf, dass sie weiterhin reagierte, sie durfte auf keinen Fall wieder einschlafen. Also stupste er sie noch mal sachte an und nannte leise ihren Namen.
Allerdings ließ sich der leicht eisige Hauch in seiner rauen und tiefen Stimme nicht abstellen.
Der Fremde hielt zögernd inne, als der schwarze Rüde zu sprechen begann und ihn dann rief. Er war der Leitwolf, Bote Fenris'. Er spürte, wie seine Zeit zu ende ging, die Blutspur hinter ihm wurde größer, er verlor immer mehr Blut. Langsam wandte er sich um und kroch zu den beiden Wölfen, jetzt am Boden hängend, die trüben Augen halb geschlossen. Matt lag er vor dem Schwarzen, den Weißen bemerkte er nicht mal.
"Seid ihr Acollon, Bote Fenris' und Gefährte der Botin Engayas?"
Seine Stimme wurde schwächer, müde schloss er nun ganz die Augen, schon vermeinte er Fenris leise flüstern zu hören.
Banshee blinzelte erfreut, als Hanako sich regte und leise ihren Namen und der ihrer Liebsten flüsterte. Ihr schien es besser zu gehen, eine weitere Berührung an der Schnauze bestätigte ihr dies, sie war wärmer und wieder feucht.
"Bleib liegen, lass deinem Körper und Geist diese Ruhe."
Sagte sie sanft und blieb ebenfalls neben ihr, Hidoi kam heran, schien ebenso besorgt und fast traurig. Banshee lächelte nun wieder.
Kalt sah Acollon auf den sterbenden Wolf hinab, der schwarze Rüde konnte sich über den Tod eines Tieres nicht mehr richtig erfreuen. Obwohl ein leises Gefühl von Zufriedenheit in seiner Brust saß. Es war die Belohnung Fenris´. Er wusste zwar dass der weiße Rüde dabei stand, doch plötzlich galt es nicht mehr seine Identität zu schützen, schließlich wusste auch der ihm Fremde seinen Namen.
„Wer will das wissen?“
zischte Acollon. Der Trieb dem Wolf ein Ende zu setzen war groß, doch er blieb regungslos, jede Art von Aggression und Angriffslust war abgefallen, kalt und leer starrte er zu dem verletzen Wolf.
„Aber da deine Zeit abgelaufen ist und du nicht viel ausrichten kannst, kann ich dir sagen, dass ich der Bote Fenris´ bin und meine Gefährtin Tochter des Lebens ist.“
sagte er eisig. Fast wunderte es ihm, dass jemand seine Existenz kannte. Alle die ihn gekannt haben, sind tot. Und es dürften nur Mythen und Legenden herrschen. Was sich so eben als falsche Annahme erwies.
Ruhig setzte sich Acollon, seine dumpfen Augen immer noch starr auf den Sterbenden gerichtet. Er würde sterben bevor er noch alles erzählen konnte. Doch noch einmal mit Fenris in Kontakt treten würde auch für Acollon schwer ausgehen. Auch der Vater konnte den Sohn töten. Und trotzdem stellte Acollon sich im inneren gegen den Tod dieses Wolfes, noch sollte er nicht sterben!
Leé stand reglos vor Hanakos Kopf, sie dachte, dass Hanako jetzt, wie ihre Eltern, nie mehr aufwachen würde. Gerade als sie die Hoffnung aufgeben wollte, zuckte Hanakos Pfote und sie schlug mühsam ihre Augen auf. Leé wedelte heftig und leckte ihr stürmisch das Gesicht ab, dann ließ sie sie in Ruhe und lächelte Banshee und Hidoi an. Sie war überglücklich, dass Hanako wieder aufgewacht war.
"Mami..."
Dayon erhob sich mit einem letzten Blick auf Moon, blieb einige Sekunden lang still stehen, hielt die Schnauze in den Wind und atmete tief ein. Dann verfiel er in einen leichten Trab, endlich wieder zum Rudel zurück, zu Falk ... und Ayala. Er lächelte leicht während er in lockerem Trab durch den Wald ging, zum Sternensee, wo er das Rudel vermutete und kaum war er nahe genug hörte er auch schon die Stimmen von ihnen. Er war lange fort, doch glaubte er nicht, dass ihn deshalb eine Strafe treffen würde, er hatte diese Zeit für sich gebraucht, jetzt konnte er wieder leben.
.oO(Jahlay ...)Oo.
Wieder lächelte er, dann trat er aus dem Wald auf die Wiese vor dem See. Es schien etwas passiert zu sein um die weiße Fähe, er meinte sich zu erinnern, dass sie Hanako genannt wurde. Um sie herum waren Banshee, Leé und ein fremder Grauer, ganz in ihrer Nähe stand noch eine schwarze Fähe. Kurz zögerte er, dann kam er näher, wollte Banshee fragen, wo Ayala und Falk waren, doch die Leitwölfin schien beschäftigt. Zögernd wandte er sich an die schwarze Unbekannte.
"Hallo ... kannst du mir sagen, wo Ayala und Falk sind?"
Ihm wurde klar, dass er nicht mal nach ihrem Namen gefragt hatte, oder sich vorgestellt hatte, doch diese Unhöflichkeit aufzuheben schien ihm jetzt seltsam.
Hanako nahm das alles gar nicht so schnell war, wie es wieder passiert war, aber sie froh, die Wölfe zu den, die sie so sehr liebte. Ja, sie liebte ihre kleine Tochter, mit der sie viel Spaß hatte und die unter ihren Pfoten nun aufwachsen würde. Sie liebte ihre Alphafähe - auf freundschaftlichen Niveau selbstverständlich - die ihr half, ihr beistand und sie nicht mit Hass erfüllte. Und ja, sie musste es sich eingestehen, sie liebte auch Hidoi, der neben ihr stand und trotz seiner Kälte zu ihr immer warm und lieb war. Bald würde sie mit ihm reden müssen, es war selbstverständlich. Nachdem Banshee sie wieder an der Schnauze berührt hatte, schenkte sie auch ihrer Alphafähe eine leichte Berührung und rieb mit ihrem Kopf an Banshees Schulter.
"Danke, Banshee..."
Flüsterte sie und sah zu Leé, die ihr wenige Sekunden später durch das Gesicht leckte und wie wild mit der Rute wedelte, um ihre Freude auszudrücken.
"Meine kleine Tochter, komm her..."
Mit ihrer Pfote holte sie Lee zu sich und berührte sie mit ihrer Schnauze sanft am Bauch und an der kleinen Nase. Sie war so niedlich, so lieb und noch so klein, bald würde sie eine erwachsene Fähe sein, die ihre Freiheit suchen würde. Ihr Blick fiel dann auf Hidoi, der sofort besorgt nach ihrem Wohlbefinden fragte, was Hanakos Herz sehr warm schlagen ließ.
"Ich fühle mich noch etwas Schwach, aber ansonsten bin ich sehr froh, euch alle zu sehen. Danke - ich liebe euch..."
Der Fremde schlug die Augen langsam auf, als er Acollons Stimme ihm antworten hörte. Ein fast erleichtertes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, seine Augen wanderten mühsam hinauf zu den Augen des Leitwolfes.
"Ich ... ich bin ein Bote."
Er hustete mühsam, sein Atem ging schneller, diese Nachricht noch, nur noch diese Nachricht dann durfte er sterben.
"Ich komme im Namen Engayas ... hört mich an, Acollon. Etwas Schreckliches passiert in eurem Rudel, ein Wolf, den ihr in euren Kreisen aufgenommen habt und der zu euch gehört, hat den Weg der Unsterblichkeit erkannt. Er ..."
Der Schwarze keuchte leise, jetzt richtete er seine gesamte Kraft auf die Worte, die er dem Sohn Fenris' verkünden musste.
"... er vermag es Seelen zu sammeln und mit ihrer Hilfe ist es ihm möglich unsterblich, zum Gott, zu werden. Und er wird seine Macht benutzen um Grausames zu vollbringen. In seinem Herzen ist Hass gestreut, sein wahrer Wille scheint benebelt. Möglicherweise steckt Fenris dahinter ... Acollon, haltet diese Gefahr auf! Erzählt der Tochter Engayas davon, ihr müsst ..."
Er schluckte, würgte und erbrach Blut auf das feuchte Gras.
"... ihr müsst ihn aufhalten."
Fast erleichtert sackte sein Kopf zu Boden, er schloss die Augen, er hatte Engaya nicht enttäuscht, er hatte die Nachricht überbracht, nun durfte er endlich zu ihr. Vor seinen Augen begann ein schwarzer Schatten zu tanzen, Fenris' Ruf ertönte, doch öffnete er ruckartig die Augen.
"Bittet die Fähe, die ich angegriffen habe um Verzeihung ... ich wollte sie nur schützen, doch ... doch der graue Rüde hat mir nun das zugefügt. Ich sterbe, doch ihn soll ewig das Leben strafen!"
Seine letzten Worte kamen nicht hasserfüllt, dazu war er nicht mehr fähig, doch waren sie ihm bewusst. Seine Augen schlossen sich wieder, nun war Fenris ganz nahe, erneut ertönte sein Ruf, dann erhob sich der Schwarze federleicht und folgte dem Pfad des Himmels.
Banshee lächelte warm zu Hanako, ihr schien es besser zu gehen und in ihrem Blick erkannte sie besonders Freude über all die Wölfe, die nun bei ihr waren. Banshee erhob sich vorsichtig und sah auf, als Dayon plötzlich aus dem Wald trat, er war wieder zurück, endlich ... Auch ihm schenkte sie ein Lächeln, auch wenn er sich schon zu Eris wandte, so blickte sie wieder zu Hanako.
"Du wirst bald wieder mehr Kraft haben, warte, ich hole dir einen Brocken Fleisch."
Sie sprang leichtpfotig aus dem See und trabte zu dem Reh, riss ein angenehm großes Stück heraus und trat zurück zu den anderen drei. Vorsichtig schob sie das Fleisch an Hanakos Schnauze und nickte.
"Iss, es wird dir gut tun."
Hidoi zuckte mit den Ohren, als er Hanakos Stimme vernahm. Seine gelben Augen folgten Banshee, während sie ein Stück vom Reh riss und zu der weißen Fähe brachte. Sie liebte also alle? Naja, damit konnte er wohl kaum gemeint sein. Er richtete seinen Blick wieder stumm zum See. Schien dieser nicht auf einmal viel dunkler zu sein? Oder war das nur seine Einbildung, die daher führte, dass für ihn sowieso das meiste kalt und grau war, wie damals?
Nach wie vor verfolgte ihn das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Er wandte sich wieder ab und legte sich ein paar Meter weiter an den See hin. Kalt richteten sich die stechend gelben Augen auf das Wasser, seine Ohren jedoch weiterhin zu Hanako gedreht.
In diesem Moment liebte Falk seine wunderbare Fähe noch mehr als er sie sowieso schon liebte. Sie hatte seinen Zwiespalt erkannt und ihn vielleicht sogar mit Leah in Verbindung gebracht, aber was das Wichtigste war: Sie vertraute ihm. Sie ließ ihm alle Zeit. Ein wohliges Gefühl breitete sich in Falk aus und plötzlich wollten die Worte aus dem grauen Hünen mit dem schwarzen Rückenfell heraussprudeln, trotz Ayalas Bitte jetzt den Moment mit ihr zu genießen, die Sternenwinde.
"Ayala, ich möchte da trotzdem noch was zu sagen, will das nicht so stehen lassen, damit du nicht immer wieder daran denken musst und an meinen ehrlichen Gefühlen zweifelst. Ich empfinde für dich dasselbe wie du für mich, doch trotzdem bin ich noch nicht bereit, es zu sagen, weil es in meinem Gefühl einfach noch zu früh ist, ich habe noch nicht mit allem was früher war abgeschlossen und wenn ich es dir sage, dann möchte ich es dir mit reinem, ehrlichem Herzen sagen können. Dafür brauche ich einfach noch Zeit, aber irgendwann werde ich es dir sagen können und dann werde ich dir auch alles genau erklären, glaube mir."
Er wusste nicht, ob er Ayala damit jetzt im Nachhinein noch mehr beruhigt oder eher verunsichert hatte. Eigentlich wusste er überhaupt nicht mehr, was noch richtig und falsch war und deswegen ließ der Rüde den Kopf wieder sinken und den Blick über den sternbefleckten Himmel gleiten. In diesem Moment meinte der Rüde einen bekannten Geruch zu wittern, doch als er sich darauf konzentrierte, war der Geruch wieder fort und wurde von einem neuen Geruch nach etwas Fremden überlagert. Sofort vertrieb Falk die Gedanken, die aufkommen wollten. Banshee und die anderen würden sich damit befassen.
Kipsha ging auf das Rudel zu und betrachtet es. Sie schien zu glauben, dass sie niemand bemerkte. Sie kam sich wie Luft vor, dass wollte sie aber nicht sein, deshalb ging sie näher und blieb stehen, zog die Rute ein und heulte nicht sehr laut aber gut hörbar. Sie wollte mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Sie schaute in die Runde und wartete geduldig auf eine Antwort. Sie legte sich vorsichtshalber hin, man weiß ja nie, dachte sie. Sie wedelte leicht mit der Rute, denn sie wollte, dass alle gleich wiesen dass sie aus friedlichen Absichten hier ist und nur ein neues Rudel sucht. Kipsha hoffte das man sie hier aufnehmen würde. Sie hoffte es instinktiv. Sie wartete nun geduldig und voller Freude auf eine Antwort.
Mit in die Ferne gerichtetem Blick lauschte Ayala Falk von Scharfenbergs Worten...eine wohlige Wärme breitete sich in ihrem Körper aus. Sie hatte keinesfalls an seinen Gefühlen gezweifelt, sie spürte schließlich seine liebevolle Erwiderung. Und doch war ihr nun ein Stein vom Herzen gefallen, gab ihr das Gefühl zu schweben. Mit glücklichem Lächeln und glänzenden Augen strahlte sie ihn an.
Sie bewunderte seine Ehrlichkeit, sicher war es ihm schwer gefallen ihr das zu sagen. Sie berührte ihn leicht mit ihrer Schnauze, nicht mehr als ein sanftes Stupsen - und doch fand sie es aussagekräftiger als hunderte von Worten ihrerseits. Sie vermochte es einfach nicht, ihre Stimme zu erheben, zu schön war der Nachklang der seinigen. Sie kuschelte sich in sein Fell und schloss die Augen ... so, genau so, sollte es für immer bleiben ...
Eris sah mit gerunzeltem Stirnfell von der Ansammlung von Wölfen aus Banshee, der anderen weißen Fähe, dem grauen Rüden und einem Welpen zu der Stelle, wo der schwarze große Rüde im Wald verschwunden war und wieder zurück zu der Wolfstraube. Sie war verwirrt. Was war da eben denn bitte passiert? Eris schloss die Augen und versuchte alles noch einmal vor dem inneren abzuspielen.
Also, schwarzer Rüde fragt weiße Fähe, ob sie ihm irgendeinen Ort im Wald zeigen kann, wo sie sich vermutlich diese üblen Kratzer im Gesicht zugezogen hat. Die Weiße möchte nicht, weil sie Angst vor dem Schwarzen hat. Der Schwarze wird sauer und blafft sie an. Der Graue schaltet sich ein und verteidigt sie. Der Schwarze und der Graue streiten sich. Banshee greift ein. Der Schwarze verschwindet im Wald. Die Weiße geht auch ein wenig zur Seite und kippt dann plötzlich um, weshalb auch immer ...
Eris schlug die Augen wieder auf. Ihr kam der leise Gedanke, dass es vielleicht ganz schön und nützlich wäre, einmal die Namen der Rudelmitglieder zu kennen. Sie atmete geräuschvoll aus und ließ den Blick schweifen. Die weiße Fähe war zum Glück schon wieder aufgewacht, womöglich nur ein Schwächeanfall. Die Kratzer können ja wohl kaum so schwerwiegend gewesen sein ... Eris wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie plötzlich jemand ansprach. Sie schrak leicht auf und drehte sich um. Es war ein brauner Rüde der da vor ihr stand, mit sehr sanften Augen ... etwas müde, aber sanft.
„Hi! Ayala und Falk sind im Wald, vermute ich oder schon auf dem Weg hierher. Sie sind nämlich schon eine ganze Weile weg.“
Eris hielt kurz inne. Sie sollte wirklich anfangen, Namen zu sammeln.
„Ich bin Eris und selbst?“
Falk drückte seine Schnauze in das Fell Ayalas und lächelte wie ein glücklicher Welpe, der nach der Mahlzeit an den Bauch der Mutter gekuschelt lag und ihre süße Wärme riechen durfte. In seinen Augen spiegelten sich die Sternenwinde. Er musste jetzt erstmal nichts mehr erklären, Ayala vertraute ihm, wusste, dass er es ihr eines Tages alles würde erzählen können. Und das wollte er auch. Eines Tages würde nichts mehr zwischen ihnen stehen, absolut nichts. Auch nicht Falks Vergangenheit und auch nicht Ayalas Vergangenheit.
.oO(Wirklich nichts... Rein gar nichts.)Oo.
Der Hüne blinzelte und atmete die kühle, frische Herbstluft, den sanften Geruch des Nachtschwarz' ein. Immer noch lag der fremde Geruch in der Luft und Falk wusste nicht genau, womit er ihn in Verbindung bringen sollte. Langsam begannen sich doch Gedanken des Zweifels in die innere Ruhe zu schleichen. Waren es die neuen Rudelmitglieder, die Falk noch nicht kannte? Doch der Geruch war neu, er hätte doch Falk ansonsten schon viel früher auffallen müssen... Noch ein anderer Geruch mischte sich unter die vielen anderen, der metallische Geruch von Blut.
"Ayala? Ayala, riechst du das auch? Ist das Blut?"
23.12.2009, 16:42
Dayon musterte die schwarze Fähe, die sich als Eris vorstellte und nickte leicht.
"Danke ... ich bin Dayon."
Unentschlossen blieb er stehen und ließ seine Augen über die anwesenden Wölfe gleiten. Acollon war nicht da ... Dayon atmete geräuschvoll aus, lächelte dann leicht und fand sich wieder mit den Gedanken bei Jahlay. Doch anstatt wie früher ihr nach zu trauern empfand er nun fast Stolz und Freude bei dem Gedanken an seine tote Gefährtin, durch Acollons Zähne gestorben. Erneut ließ er den Atem mit einem Zischen entweichen, dann trat er einen Schritt auf den Waldrand zu.
"Ich denke, ich werde ihnen entgegen laufen."
Er sah zu Eris zurück und wartete ab, selbst wusste er nicht so genau, warum. Vielleicht um ihr Gelegenheit zu geben mit zu kommen oder ihr zu zeigen, dass er nicht vor einem Gespräch mit ihr floh, sondern einfach gerne zu Ayala ... und Falk kommen würde.
Acollon senkte sein Haupt nicht, sah den Toten ruhig und gelassen an. Was er sagte, hatte für den schwarzen Wolf Bedeutung, und dennoch, etwas ließ ihn innerlich schmunzeln, wenn Fenris dahinter stecken sollte, war es nicht schlimmer als der Tod selbst, als er, Acollon. Fast freute er sich über eine neue Herausforderung, vielleicht war er dafür geboren? Ach nein, er hatte vergessen, sein Leben war das Töten! So wie auch sein neuer Gegner? Hidoi? Fast wäre der schwarze Rüde vor dem weißen Neuen in einen Lachkrampf verfallen. Dieser vorlaute Nichtsnutz? Wie kam Acollon auf eine solche Schnapsidee, aber der Tote hatte es so gesagt. Nach diesen Zufolge musste der graue Rüpel dieser benannte Wolf sein.
Acollon sah in den Himmel.
„Engaya vergiss nicht, wir sind immer noch Feinde, egal ob du mir Banshee geschenkt hast, egal ob du mir das Leben gerettet hast. Wir sind und bleiben verhasst, du kennst den Grund.“
sagte der schwarze Wolf ruhig. Dann glitt sein Blick zu dem toten Wolf, so würde er andere Aasfresser anlocken. Er drehte sich zu den Weißen.
„Hast du Hunger?“
fragte er und nickte zu dem Toten. Doch es schien ihm zu grausam, außerdem brauchte er die gewisse Bestätigung, ob es nun dieser Wolf wirklich gewesen war. Ruckartig biss er in das Nackenfell des toten Wolfes, sodass das leblose und noch warme Blut über seine Schnauze tropfte, seine kalten Augen richtete er auf den Weißen.
„Komm.“
zischte er, und hievte den leblosen Körper auf seinen Rücken. Das Gewicht ließ Acollon zusammensacken.
.oO(Alter Junge, du solltest dich mehr trainieren. Jetzt steht ein Kampf vor dir, der interessant werden könnte.)
Der schwarze Wolf schleppte den schweren toten Körper vorwärts, ließ sich nichts von diesem Gewicht anmerken, und je länger er es trug, desto weniger merkte er etwas davon.
Er sah auf, da vorne waren die anderen zu sehen, auch seine Banshee. Ein Lächeln, ein fieses, gemeines und hämisches Lächeln breitete sich auf seine Lefzen aus. Wie würde Hidoi reagieren, wenn er überhaupt dieser Wolf war? Das warme Blut tropfte in einer langen Spur und zeigte Acollons Weg.
„Überraschung, wir haben den Übeltäter, und bevor er starb, hat er sich sogar entschuldigt.“
Ein ebenso grauer und trister Morgen wie der vorherige begann zu dämmern. Eine von Wolken umhüllte Sonne schob sich über die Berge, der kalte Wind ließ etwas nach, und legte sich bald ganz, nur noch die feuerroten Blätter, die noch übrig waren schaukelten müde in der Brise.
Banshee sah auf, als sie Acollons Stimme hörte, doch ihr bot sich wahrhaft kein schöner Anblick. Auf dem Rücken ihres Gefährten lag ein blutiger, schwarzer Wolf. Die Schnauze Acollons war ebenfalls blutgetränkt doch war sie sich sicher, dass nicht er den Wolf getötet hatte. Langsam trat sie näher, die Worte ihres Gefährten in den Ohren widerhallend.
"Entschuldigt? Was ist passiert?"
Sie war bei Acollon angelangt, berührte ihn aber nur leicht an der Stirn, unsicher vor dem Toten zurückweichend. Sie warf einen Blick über die Schulter zu Hidoi. Er hatte einen Wolf getötet, was löste das in ihm aus? War er genauso kalt wie Acollon zumindest vorgab zu sein? Oder traf es ihn, noch dazu, wo der Fremde sich offensichtlich entschuldigt hatte. Sie war leicht verwirrt, das alles passte nicht zusammen. Er griff Hanako an, wird schwer verwundet, kommt zu Acollon und stirbt mit einer Entschuldigung vor seinen Pfoten. Banshee schnippte leicht mit dem rechten Ohr.
Hidoi zuckte mit den Ohren als dieser Acollon wieder kam. Dieser schwarze Wolf, den er verjagt hatte um Hanako zu schützen lag tot auf seinem Rücken. Er sah das Blut an Acollons Schnauze. Aus irgend einem Grund stand er auf und ging näher, wieder in einer schützenden Position vor Hanako.
"Glückwunsch, jetzt hast du ihn also umgebracht?"
knurrte er kalt. Eigentlich hätte er das auch selbst erledigen können, doch er hatte ihn verschont. Ganz umsonst, wie es nun schien. Warum wurde er schon wieder so von allen Seiten angestarrt? Hallo? Dieser Wolf wollte Hanako umbringen, er hatte sie nur verteidigt und jetzt sollte er deswegen zu Rechenschaft gezogen werden? Es war wohl doch ein Fehler hier her zu kommen. Nichts als Ärger. Wenn das hier alles vorbei war, dass stand für den Stahlgrauen fest, würde er wieder gehen. Als Einzelgänger hatte man es um so vieles leichter, man wurde nicht immer für irgendwas beschuldigt und musste sich nicht an irgendwelche lächerlichen Regeln halten. Ja, das war wirklich viel besser.
"Sagt mal, hab ich was auf der Nase? Wieso zum Teufel schaut ihr mich die ganze Zeit so blöd an!? Ist es neuerdings verboten, Rudelmitgliedern zu helfen? Was wär wohl besser gewesen, eine tote Hanako oder ein verjagter Feind?!"
knurrte er aggressiv und seine Augen funkelten voller Hass und Zorn auf. Egal wo er war, überall zog man auf Grund seiner kalten Erscheinung voreilige, grausame Schlüsse und Vorurteile. Wie sehr er es hasste, oh wie abgrundtief er es hasste!
Banshee wandte sich leicht zu Hidoi um, zog eine Augenbraue hoch, lächelte nun wieder leicht, der graue Rüde schien genauso über zu reagieren wie es Acollon pflegte ... nur hatte sie den etwas besser im Griff. Mit einem freundlichen Lächeln trat sie zwischen Hidoi und ihren Gefährten und sah mit einem fast ironischen Grinsen zu Hidoi.
"Wieso immer gleich so aggressiv? Er hat ihn nicht umgebracht. Außerdem, ich habe dich angesehen, weil ich wissen wollte, was du fühlst. Ich habe mich gefragt, wie du es aufnimmst, dass ein Wolf an der Verletzungen deines Angriffes gestorben ist und sich auch noch entschuldigt hat. Hidoi, ich fürchte, du solltest dich mehr sozialisieren."
Sie warf einen fast bittenden Blick zu Hanako, im Verlaufe ihrer Wörter war das Grinsen verschwunden, sie zeigte deutlich, dass sie es ernst meinte, mit jedem Wort. Dann wandte sie sich wieder zu Acollon um, neugierig auf seinen Bericht und ihn gleichzeitig mit den Augen besänftigend, sie hoffte, er würde kein Wort mehr zu Hidoi verlieren.
Hidoi knurrte kurz. Aber dann verstummte er. Waren sie wirklich so dumm oder nur Naiv?
"Gegenfrage, wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr grade in ein Neues Rudel kommt, schon gleich einem Rudelmitglied das Leben retten müsst und dann Vorwürfe gemacht bekommt, weil ihr helfen wolltet?"
Ja, er sollte sich mehr sozialisieren, was war denn bitte mit dem da? Mit dem schwarzen Acollon? Der war doch wohl noch weniger sozialisiert als er es je gewesen war! Wütend drehte er sich um.
"Bei mir hat sich dieser Feigling nicht entschuldigt, sondern mich ebenfalls angegriffen. Es ist seine eigene Schuld."
ohne ein weiteres Wort ging er an Banshee vorbei auf den Wald zu. Oh es kotzte ihn ja alles so an. Immer diese bescheuerten Vorurteile und diese Dummheiten. Das konnte doch nicht wahr sein! Schließlich hatte er nie den Rang der beiden Alphas in Frage gestellt, auch wenn er den schwarzen noch so verachtete. Er hatte lediglich seine Meinung geäußert, aber wenn das schon verboten war ... Nein danke, darauf konnte er auch verzichten.
Auf leisen Pfoten schlich er durch den Wald. Eine ganze Weile lang nur grade aus in die Morgendämmerung hinein.
„Für unseren Hitzkopf ist es wohl neu, soviel Aufmerksamkeit auf einmal zu bekommen.“
knurrte Acollon genervt und schmiss den toten Leib von sich, er reckte sich etwas, und trat zur Seite, um Hanako den Anblick des Toten zu ersparen. Die Reaktion von Hidoi war eindeutiger Beweis genug. Weiterhin tropfte das Blut an seiner Flanke herunter, und auch von seiner Schnauze, er hatte gespürt wie Banshee Abstand nahm, zurück wich. Sie fürchtete den Tod nicht, aber er behagte ihr nicht.
„Er …“
Acollon nickte zu dem toten Wolf,
„ … ist ein Bote Engayas, seinen Worten zufolge. Er berichtete, dass …“
der schwarze Rüde hielt inne, war es wohlmöglich unklug vor den anderen zu reden? Seine Stimme wurde leise, kaum hörbar, nur Banshee konnte ihn auf dieser Entfernung verstehen, doch Acollon trat noch dichter zu seiner Gefährtin. Er hob die Schnauze, legte diese sacht neben Banshees Ohr.
„… ein Verräter ist unter uns, er wird ewiges Leben erlangen, wahrscheinlich geschickt durch meinen Vater- durch meinen Schöpfer. Er wird mit seinem ewigen Leben einem Gott gleichstehen, und mit diesem Leben wird er Grauenvolles verrichten. Engaya bittet um Hilfe, dich, sowohl auch mich, den Sohn Fenris´.“
der Schwarze betonte die letzten Worte und verengte die Augen, was Banshee jedoch nicht sehen konnte. Sollte er seinen Verdacht vielleicht verraten, dass es Hidoi war? Die Andeutungen des Toten äußern? Nein… Acollon wollte sich erst sicher sein, und aus irgendeinem Grund hielt er es für richtig, diesen Kampf eher auf sich zu nehmen. Diese Gier des Kampfes- und man konnte es Gier nennen- hemmte jegliches anderes Bedürfnis.
„Wir sollten den Toten begraben und dann eine Jagd veranstalten.“
sagte Acollon wieder laut und wich von Banshee zurück, und lächelte ihr ehrlich und dennoch kurz zu. Sicherlich mochte sie den Blutgeruch nicht. Acollon schritt auf Hanako zu, ohne jegliche Geste der Freundlichkeit, doch als er sprach war seine Stimme leise und nicht mehr kalt:
„Der Wolf der dich angegriffen hatte, bat mich darum, dir seine Entschuldigung zu überbringen, nach dem er die Chance, es selber zutun, nicht mehr hatte.“
Seine Augen wanderten in die Ferne.
„Hidoi kommt sicherlich zu dir zurück.“
wisperte sich, drehte sich dann allerdings wieder um und sah Banshee fragend an.
Lluvian blieb regungslos stehen, Übelkeit kroch ihm die Magengrube entlang. Was er da gerade gesehen hatte, war grauenhaft. Nicht nur die Kälte die den schwarzen Wolf umgab- und die war wirklich schrecklich, nie hatte der weiße Wolf jemals einen Wolf so leblos blicken sehen, niemals hatte er jemanden gesehen, der so kalt und arrogant war- sondern auch der Tod dieses Wolfes war nicht zu ertragen. Der weiße Lluvian übergab sich, es mussten alle Ekelgefühle heraus. Als er fertig war, suchte er die Fährte des Schwarzen auf und folgte ihr, schließlich hatte er Lluvian aufgefordert mitzukommen.
.oO(Verdammt, wo bin ich hier gelandet? Gleich bei meiner Ankunft stirbt ein Wolf. Das ist normal! Ach, was ist schon normal?)
Der weiße Regenwolf seufzte und sah nach vorne, dort waren einige Wölfe zusehen, auch der schwarze Wolf und der Tote.
„Ha-“,
fing Lluvian an und nieste laut, kurz sah er erschrocken auf und fügte kleinlaut:
“-llo?“
hinzu. Betraten sah er zu Boden.
Leé stand bei Hanako und lächelte sie glücklich an. In ihrem Kopf hämmerte es vor Glück, denn die Welpin hatte geglaubt, Hanako würde nie mehr aufwachen, genauso wie diejenigen, die sie einst geliebt hatte. Dann leckte sie ihrer Mutter noch einmal über die Schnauze, dann ging sie hinter Hidoi hin, um das Geschehen mitzuverfolgen. Sie sah den toten Wolf, dem sie keine große Beachtung schenkte, ihr bedeutete ein Tod eines Fremden, der seine Mutter angriff nichts. Kurz schaute sie von unten Hidoi an. Er glich ihrem Bruder, musste sie feststellen. Ihr Bruder war genauso...doch sie schätzte ihren Bruder, genauso wie Hidoi. Mit Acollon war das etwas anders. Ihr Blick schweifte zu dem Gesicht auf dem Blut hinab floss. Acollon fand Leé schon immer interessant, weil Leé es bewunderte, dass Acollon nur das akzeptierte, was ihm passte. Leé wünschte sich zwar diese Fähigkeit, sich so gut durch zusetzten wie Acollon, doch sie würde niemals wie er werden wollen. Dann erblickte Leé einen Rüden, den sie noch nie gesehen hatte. Sie musterte ihn genau, so wie sie jeden oder jede Neue musterte. Leé kam zu dem Entschluss, dass sie ihn, sobald das mit dem Toten Wolf geklärt war, den Neuen anzusprechen. Wie Shion ... wo war er wohl jetzt?
Als Acolon, ihnen von der Botschaft des Toten erzählte, etwas von "Verräter unter uns sei". Leé beäugte unsicher Hidoi, dann den fremden Weißen. Als Hidoi wegging, lief Leé ohne zu überlegen ihm hinterher. Sie wusste nicht warum. Sie schlich hinter ihm her und versuchte dabei möglichst keinen Laut zu erzeugen. Es gelang ihr nicht ganz, sodass Hidoi sie wahrscheinlich schon längst bemerkt haben musste. Er lief lange, einfach geradeaus, ohne zu wissen wohin, dass fand Leé seltsam.
Eris wurde das alles etwas zu viel und sie sehnte sich nach einem klaren Kopf. Als dann noch der schwarze Rüde aus dem Wald zurückkehrte, mit dem Leichnam eines Wolfes auf dem Rücken, begann es ihr im Schädel zu hämmern. Zu sehen, wie der schlaffe Körper im Takt der Schritte des Schwarzen hin und her schwang, gab Eris den Rest. Ein Würgreiz überfiel sie, der so schnell wieder ging, wie er gekommen war, aber er hinterließ ein mulmiges Gefühl im Magen. Ein unangenehmer Schauer jagte ihr den Körper entlang. Nein, das war momentan wirklich alles zu viel. Als der braune Rüde, dem sie Auskunft gegeben hatte, dann meinte, er wolle Ayala und diesem Falk entgegengehen, rappelte Eris sich schnell auf. Sie holperte etwas überstürzt zu ihm und sagte mit belegter Stimme:
"Ich komme mit, wenn es dir nichts ausmacht."
Dayon hieß er. Ja, sie würde nun mit Dayon zu Ayala gehen, die sie ebenfalls einigermaßen gut kannte. Das erleichterte die ganze Situation für sie etwas, fand Eris. Im Vorbeigehen streifte ihr Blick einen weißen Wolf, der soeben auf dem Rudelplatz erschienen war. Wieder ein Name, den sie nicht kannte! Und da war auch noch eine Fähe, die sich etwas zu Boden gelegt hatte. Das machte Eris ganz wuselig und sie war froh dem Ganzen mit Dayon für eine Weile zu entfliehen.
Hidoi ging knurrend weiterhin grade aus. Ihm flogen 100 Gedanken durch den Kopf. So wütend, wie jetzt war er schon lange nicht mehr gewesen. Was erlaubte sich dieser, was er war, konnte er nicht mal in Worte fassen, so sehr verabscheute er ihn, räudige Wolf eigentlich? Er kannte ihn grade mal ein paar Minuten und bezeichnete ihn schon als einen Verräter? Wo hatte der Wolf bitte sein Hirn gelassen? Hatte er überhaupt eins?
Irgendworan musste er seinen Zorn auslassen. Er kam langsam an einen kleinen See. Naja, was anderes blieb ihm Momentan nicht übrig. Er beachtete die kleine Leé nicht, die hinter ihm her dackelte. Warum auch? Wenn sie was von ihm wollte, würde sie ihn schon ansprechen, falls sie nun nicht zu viel Angst vor ihm hatte. Ihm, der ihrer Mutter das Leben gerettet hatte und nun als ein Verräter da gestellt wurde. Mit großen Sprüngen wetzte er durch das Wasser, wie toll sprang er herum. Er wurde ruhiger und trabte am Ufer endlang. Langsam beruhigte er sich wieder und er blieb stehen. Zurück gehen? Nein danke. Wenn jemand was von ihm wollte, würden sie schon her kommen. Jetzt konnten ihn alle mal. Ein dummer Fisch schwamm direkt vor seinen Pfoten her und sein Kopf schnellte herab. Ehe sich der Fisch versah, zappelte er in Hidois Maul und der Stahlgraue ließ sich am Ufer sinken. Er biss grob auf ihm herum und schluckte ihn dann runter. Dann legte er den Kopf auf die Pfoten und das Wasser schlug sachte gegen seine Schnauze. Sein stechend gelber Blick galt nun der Welpin, die ihn verfolgte. Was wollte sie von ihm?
Ayala öffnete verschlafen die Augen, blinzelte, bis sie sich ans Tageslicht gewöhnt hatte und gähnte herzhaft. Langsam hob sie ihren Kopf und blickte mitten in Falks entspanntes Gesicht. Sein Atem ging ruhig und stetig, seine Augen waren geschlossen. Ihr fiel die vergangene Nacht wieder ein, wie schön war es gewesen, neben ihm zu liegen...seiner Stimme zu lauschen, erfüllt mit seinen liebevollen Worten. Es störte Ayala nicht, dass er noch etwas Zeit brauchte, sie liebte ihn seiner Ehrlichkeit wegen umso mehr. Lächelnd blickte sie auf den Rüden...er sah so unschuldig aus, wenn er schlief. So, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Was er wohl träumte? Plötzlich erinnerte sich die Weiße wieder - hatte er sie nicht noch etwas gefragt, bevor sie eingeschlafen war? Er hatte doch etwas von Blut gesagt, oder? Ärgerlich auf ihre Vergesslichkeit seufzte Ayala leise.
Kipsha schaute das Rudel an und ging auf eine weiße Wölfin zu, die anscheinend die Alpha sein musste. Sie ging auf sie zu.
"Hallo, ich bin Kipsha und wer seid ihr"
Fragte Kipsha.
Hanako freute sich sehr über das Stück Fleisch, welches ihr Kräfte schenken sollte. Sie fraß etwas davon und warf Banshee wieder einen dankbaren Blick zu, alles ging so schnell. Einige Zeit später kam Acollon wieder und hatte den Wolf, der sie angegriffen hatte, auf dem Rücken liegen - tot. Hatte Acollon ihn umgebracht oder war er an on den Folgen des Kampfes mit Hidoi gestorben? Schon wenig später erfuhr sie die Wahrheit, doch leider war Hidoi wieder so aggressiv und hetzte sie alle gegen sich auf. Hanako tat es sehr leid und der bittende Blick von Banshee gab ihr zu Verstehen, was sie tun sollte. Doch ehe Hanako irgendein Wort an Hidoi richten konnte, verschwand dieser fast Lautlos im Wald, nur ein einzelnes Knurren meinte sie noch zu vernehmen. Acollon überreichte ihr die Entschuldigung und Hanako nickte.
"Ich danke dir Acollon, es ist beinah Schade drum, dass er es selbst nicht mehr tun kann, aber er musste seine Wege gehen.."
Flüsterte sie, dann versuchte sie leicht zu Lächeln.
"Ich werde ihm schon nachgehen und mit ihm reden, keine Sorge..."
Hanako fraß noch den letzten Rest des Fleischstücks, dann erhob sie sich langsam, schnell bemerkte sie auch, dass Leé Hidoi hinterher gegangen war. Was war nur hier los? Langsam erhaschte sie seine Spur und schlich dieser hinterher, schon von weitem konnte sie Hidoi am See sehen, ein Lächeln zierte ihre Lefzen und sie arbeitete sich die letzten Meter voran. Sie fühlte sich zwar immer noch geschwächt, aber ehe Hidoi das Revier verließ, wollte sie ihm noch etwas sagen..
"Hidoi...warum verschwindest du denn? Bleib doch bitte, ich will nicht, dass du gehst.."
Der weiße Wolf setzte sich und sah dem Folgen des Rudels nach. Wieder war ein inneres Klopfen in seiner Brust, es stach. Die Wut packte ihn, der Blutgestank vernebelte ihm die Sinne. Hätte er doch bloß nicht dieses Herzleiden, so würde ihm das leben leichter fallen. Geduldig und dennoch etwas gehetzt versuchte er dem zufolgen, was sich dort gerade vor seinen Augen abspielte, eine schwarze hübsche Fähe war einem braunen Wolf weitergefolgt. Eine Wölfin hatte sich gerade vorgestellt, ein Welpe war ebenfalls verschwunden. Und dann sah er die weiße und anmutige Wölfin. Sie stand dicht bei dem Schwarzen und hatte sicherlich auch eine hohe Position, wiederum schienen sich der Schwarze und sie sich näher zu stehen.
.oO(Ich komm wohl etwas unpassend, ich werde mich erstmal zurückziehen, bevor ich wieder Mist am Hintern kleben habe, auf so was habe ich nun echt keinen Nerv mehr. Mir geht das Getue jetzt schon auf die Nerven.)
Der Weiße schritt wortlos davon, in Richtung eines riesigen Sees.
Hidoi hob ruckartig den Kopf, als Hanako her kam. Trotz allem, zog er zornig die Lefzen zurück.
"Warum ich gehe? Du fragst mich allen Ernstes warum ich gehe??"
knurrte er. Wie konnten sie nur so naiv sein ... Er richtete den Kopf wieder nach vorne und sah sie nicht mehr an.
"Ihr sehr wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht... Aber darauf habe ich keine Lust mehr. Ich wiederhole es nicht noch einmal!"
sagte er und ein eisiger Hauch umhüllte seine Stimme. Das war wirklich zu viel gewesen. Noch dazu bei ihm, der sowieso immer so schnell die Kontrolle verlor. Dich diesmal war seine Wut nicht unbegründet sondern berechtigt. Und genau aus diesem Grund würde er nicht eher wieder zurückgehen, bis man sich bei ihm entschuldigt hatte. Sein Fell war leicht gesträubt, doch er sagte nichts mehr. Kein Wort und knurrte auch nicht mehr.
Banshee achtete nicht weiter auf Hidoi, der nun auch im Wald verschwand. Er war in jeder Hinsicht ein Dickkopf und schien zwanghaft alles gegen sich stellen zu wollen. Ihr anfängliches Vorhaben mit ihm zu reden hatte sie wieder verworfen, die einzige, die vielleicht etwas verrichten konnte, war Hanako und diese musste sich erst einmal ausruhen. Acollon reagierte immerhin nicht direkt auf Hidoi, was sie fast erleichtert stimmte, sein Kommentar ließ sie eher leicht schmunzeln. Doch sofort verschwand ihr Grinsen wieder, als sie seinen Worten, sanft in ihr Ohr gehaucht, lauschte. Ganz verstand sie nicht, was ihr Gefährte meinte, doch genug um die Gefahr darin zu erkennen.
"Einem Gott gleichstehen? Grauenvolles verrichten? Wer ist es?"
Sie flüsterte es so leise, als würde sie nur mit sich selbst reden, war sich jedoch sicher, dass es Acollon gehört haben musste. Dann trabte er zu Hanako und sie ließ ihn in Ruhe die Nachricht überbringen, auf seinen Vorschlag zu der Jagd warf sie nur einen Blick zu dem Reh ... wohl eher nicht angebracht. Noch während sie über die seltsame Nachricht nachdachte, tauchte ein weißer Fremder auf, an dem schon leicht Acollons Duft haftete, er musste ihn schon getroffen haben. Das verunstaltete Hallo kommentierte sie mit einem Lächeln und nickte dazu.
"Willkommen im Tal der Sternenwinde, Fremder. Du hast Acollon bereits kennen gelernt?"
Doch noch bevor sie zu ende gesprochen hatte war der Fremde schon davon gegangen, sei sah ihm nach, zögerte kurz und sah sich dann der Fähe von vorhin gegenüber. Geduldig wiederholte sie ihren Satz.
"Willkommen, ich bin Banshee, die Leitwölfin."
Hanako schreckte etwas zurück, sie hatte von all dem wirklich nichts mitgekriegt, sie war viel zu sehr mit ihrer Gesundheit beschäftigt, vielleicht war sie auch zu Naiv gewesen... . Ein Schlucken folgte ihrem erschrockenen Blick, mit Hidoi war alles so schön gewesen, sie wollte ihn nicht wieder verlieren, er hatte sie doch so gut verstanden. Und sie ihn auch etwas, wenn auch nicht sehr viel, denn er war wahrhaftig ein Geheimnis.
"Ich...es tut mir leid, natürlich hätte ich wissen müssen, warum du gehen willst..."
Sie schwieg kurz und dachte schwer nach, sie wollte nicht, dass er ging, er sollte wieder mitkommen und sich erst einmal ausruhen, dann würde alles von selber gut werden...
"Bitte geh nicht, ich will nicht, dass du dich von den Wölfen vertreiben lässt. Ich...wenn du gehst, gehe ich mit dir!"
Hanako suchte Hidois Blick, wollte ihm tief in die Augen sehen und ihm verständlich machen, dass sie es ernst meinte und mit ihm alle Wege eingehen würde.
"Hidoi, ich liebe dich...ich will dich nicht wieder verlieren...nicht jetzt..."
Dayon nickte leicht, als Eris sich ihm stolpernd anschloss, die Fähe als Begleitung zu haben war sicher nützlich. Zögernd schnüffelte er nun am Boden und ging einmal nach rechts, einmal nach links, versuchte die Spur von den beiden aufzunehmen, doch zu viele Pfoten hatten ihr das Gras platt gedrückt, kein Geruch kristallisierte sich heraus.
"Weißt du, wo sie hingegangen sind?"
Er sah Eris fast flehend an, sie schien schon länger hier zu sein, vielleicht hatte sie gesehen, wo hin die beiden verschwunden waren. Er wollte einfach so schnell wie möglich zu ihnen, weg von dem toten Schwarzen und den geflüsterten Worten der beiden Leitwölfe. Eris schien es genauso zu gehen und gewissermaßen beruhigte ihn das.
Der schwarze Wolf sah in die Ferne. War alles nur eine Lüge? Sowie oft, hatte Acollon die Wölfe von sich weggestoßen, es saß also immer noch, dass was er damals gelernt hatte. Misstrauen und Hass waren also doch seine Charaktereigenschaften. Doch er machte sich deshalb keinerlei Sorgen oder Vorwürfe, er würde sich auch für niemanden ändern, niemanden außer Banshee. Hidoi und er hatten etwas gemeinsam, und auch wenn es der graue Hitzkopf nicht zugeben würde, er würde für Hanako auch ziemlich viel tun, wenn nicht alles- aber mehr hatten sie auch nicht gemeinsam. Zum Glück, wie Acollon dachte.
„Und schon wieder bricht ein Tag an, wieder erwacht das Leben aus seinem Schlaf und wird in das sanfte Licht des Lebens gehüllt, nun wacht Engaya. Nachts ist Fenris am stärksten, aber auch am verwundbarsten. Er ist ein mächtiger Gott, steht der Kraft Engayas gleich. Nur ein Gott steht über den beiden, der Herr der Schöpfung, doch dieser Gott ist verschollen, gab seinen Kindern die Aufgabe über das Leben zu wachen. Die Geschichte besagt, dass die beiden Götter Fenris und Engaya sich liebten, und ihre Kinder wurden die Wölfe. Der Schöpfer, wütend darüber, schenkte den beiden eine Feindschaft, so wurde Engaya dafür geschaffen, dass Leben zu erhalten und wiederzugeben und Fenris wurde dafür verdammt zu töten und Leben zu nehmen. So nahm der Kreislauf seinen Gang! Wenn jetzt ein Kampf ausbricht und Fenris und Engaya aufeinander treffen, so werden zwangsweise auch Banshee und ich aufeinander treffen.“
wisperte Acollon. Seine Augen waren wieder von einem unheimlichen Glanz erfüllt, sie zeigten ein Verlangen, und gleichzeitig die Abneigung dieser Geschichte. Wenn man dem Ende dieser Geschichte glauben durfte, war die Liebe zu Banshee gefährdet. Doch jetzt aufgeben war nicht drin, er würde keinem Gott gestatten sich in sein Leben einzumischen, zwar hatte er eine Aufgabe, doch die hatte nun schon fast ein Jahr geruht, und so würde es auch bleiben. Und nur falls man Banshee töten würde, so würde er wieder töten, ohne Ausnahmen.
.oO(Moment,) unterbrach Acollon seinen Gedankengang, (Ich warne dich Fenris, Vater, falls du mir Banshee nimmst, werde ich dir dein Ende bereiten, denn auch ein Gott kann leiden und untergehen, vergiss nicht, du gabest mir eine Gabe, die du nicht mehr aufheben kannst und die dir selbst gefährlich werden könnte.)
Er drohte dem Gott nicht ohne Grund, denn Fenris war bekannt für seine Rücksichtslosigkeit und seinen Hass.
Fast besorgt sah er zu seiner Fähe, seine Augen verengten sich zu schlitzen, seine Ohren legten sich an. Niemand konnte es sehen, nur Engaya, Fenris und der Tag. Ja, der Wolf des Todes hatte Sorgen. Nicht noch einmal wollte er Angst verspüren, wie er es damals tat, als eine Naturgewalt beinahe ihre Liebe beendet hatte. Damals hatte er keinen Schmerz mehr gespürt, trotz der unzählig gebrochenen Knochen, der inneren Blutungen. Die Liebe zu seiner Fähe war stärker. Der Ausdruck verschwand, und nur Leere blieb zurück, wie immer starr, kalt, arrogant und hämisch.
Darian stand schweigend am Rande des Geschehens, ordnete seine Gedanken, sortierte die Teile des Puzzles von dem auch er ein Teil war. Sein Blick wanderte, seine Miene wandelte - von aufmerksam zu träumerisch, über eisern zu fragend - er fühlte sich fremd, wie sollte es auch anders sein - er war es! Immer mehr vergaß er das Bild, das er hatte zum Besten geben wollen und gab der Versuchung nach. Die Hoffnung auf ein besseres Leben, als einsame Stunden und Tagesaufenthalte in unbekannten Gebieten wo wohnhafte Wesen ihm mit kalten Augen nachsahen, ihn verachteten, war zum greifen nah und doch wusste der Wolf nicht, wie er sie erreichen sollte. Er kannte es nicht, das Leben in der Gemeinschaft, er konnte andere verwirren, ihnen vorgeben ein anderer zu sein, als er war, er konnte sie dazu bringen die Fassade vor dem Haus seiner Seele für ihn zu halten, doch konnte er auch, was sie miteinander taten? Miteinander lachen, heulen, mit dem Wind laufen, gemeinsam jagen, die Zeit miteinander genießen - miteinander Leben? Er machte einen Schritt auf Banshee zu, sah ihr fest in die Augen und erhob das Wort.
"Ich verstehe nicht ganz, was er meint"
Er wies auf Acollon. Darian wusste, dass Banshee ihn bereits in eine Schublade gesteckt hatte, dennoch wollte er doch erstmal sehen, wie lange sie ein eindeutiges Bild von ihm haben würde.
"Er ist doch dein Gefährte, wenn ich nicht irre"
Er sah den Rüden musternd an.
"Ein stattlicher Wolf, führt ihr dieses Rudel schon lange gemeinsam?"
Leé ließ sich keineswegs beeindrucken von Hidoi. Sie hatte keine Angst vor dem Rüden, nur respekt. Als er ins Wasser ging, setzte Leé sich nahe ans Ufer und beobachtete ihn, ohne etwas zu sagen. Aus eigener Erfahrung wusste Leé, dass es manchmal besser ist, nichts zu sagen. Sie schaute ins Wasser, ihr Spiegelbild betrachtete sie genauestens. Dann stand sie auf und trank ein paar große Züge von dem kühlen Wasser. Sie beobachtete, wie er den Fisch fing. Sie war sichtlich beeindruckt und beschloss, ab heute das auch zu üben. Gerade wollte sie sich daran machen ins Wasser zu gehen, sie stand eigentlich schon mit den Pfoten unter Wasser drin, da erschien Hanako, die ihnen anscheinend auch gefolgt war. Leé wedelte automatisch, als sie Hanako sah. Sie liebte Hanako und auch Hidoi mochte sie. Als Hanako mit Hidoi sprach, merkte sie, dass Hidoi eigentlich auf dem Weg war, das Rudel zu verlassen. Leé wurde wütend. Plötzlich, nachdem Hanako ihm sagte, wie sehr sie ihn liebte, sprudelte es aus ihr heraus.
"Es ist feige, wenn man davonläuft ..."
Rief Leé wütend. Sie bereute es nicht, dies gesagt zu haben. Sie fand es nicht richtig, dass sich Hidoi, den, den sie für stark und mutig empfunden hatte, weglaufen will. Leé schaute Hidoi ins Gesicht, nicht in die Augen, dafür hatte sie zu großen Respekt vor ihm.
Hidoi hatte seinen Blick weiterhin starr nach vorn gerichtet. Er hatte sich auf einen ganz bestimmten Punkt im Wasser fixiert, damit es so aussah, als sei er abgelenkt. Doch er hörte Hanako genau zu. Hörte, wie sie irgendetwas daher stammelte, versuchte ihre Frage ins Reine zu bringen.
Bei ihrem zweiten Satz konnte er nicht verhindern, dass er kurz verächtlich schnaubte. Doch der darauf Folgende, ließ ihm den Atem stocken. Wie bitte? Hatte er sich verhört? Sie... sie liebte ihn? IHN? Hatte sie das jetzt ernst gemeint? Fast schon hätte er sich umgedreht und fast schon wären die Worte Wie bitte?! aus seiner hellen Schnauze gedrungen. Doch seine Ohren zuckten bloß heftig. Was nun, sollte er so tun, als hätte er es nicht gehört? Nein, so etwas konnte man einfach nicht überhören. Langsam drehte er den Kopf zu ihr herum, seine Augen blickten nicht mehr kalt und voller Hass drein, nein sie waren fragend und verwirrt.
"...Du... liebst mich?"
fragte er entgeistert. Wie konnte man ihn denn schon lieben? Sie kannte ihn doch gar nicht wirklich, oder? Naja... sie hatte in der kurzen Zeit, wo er schon hier war bereits viel von seinen Launen erfahren und zu spüren bekommen, und sie wusste als Einzige auch so halbwegs, was in seiner Vergangenheit geschehen war. Er wusste einfach nicht, was er nun darauf erwidern sollte. Liebte er sie auch? Nun, er fühlte für sie etwas, was er noch nie bei jemand anderem Gefühl hatte, er empfand für sie zumindest mehr, als für jeden anderen. Doch war dies schon Liebe?
War er für so etwas überhaupt geschaffen, dazu bereit? Es war, als hätte er alles andere, diese ganze verdammte Geschichte vergessen, jetzt gingen ihm nur noch diese Gedanken durch den Kopf. Auch Leé, die ihm unverwandt ins Gesicht sah und ihn für einen Feigling hielt. Natürlich hatte auch sie es falsch verstanden. Er hatte nie gesagt, dass er weglaufen wollte. Das hatten SIE gesagt, nicht er. Er war nur von den anderen Wölfen weg gegangen, weil er ihren Anblick nicht mehr ertragen konnte, weil ihn alles so ankotzte. Doch das interessierte ihn nun nicht, war ihm egal. Jetzt waren die Worte wichtig, die Hanako an ihn gerichtet hatte. Und je mehr er nachdachte um o verwirrender war das ganze für ihn. Was zum Kuckuck war mit ihm los? So war er doch gar nicht, eigentlich hatte er auch noch nie jemanden beschützen wollen, doch Hanako hatte er bereits mehr als einmal in Schutz genommen, was ihm schon jetzt in ziemlich große Schwierigkeiten gebracht hatte. Doch was tun? Liebte er sie auch? Verwirrt sah er sie nur an, aber sagen konnte er nichts anderes. Er wusste nicht was.
Banshee musterte Acollon, während er leise zu sprechen begann, die Geschichte Engayas und Fenris' in den jungen Morgen flüsterte und dabei scheinbar tief in Gedanken versunken war. Sie trat einen Schritt näher zu ihm, sah, wie seine Augen fast besorgt auf ihr lagen, während er das Ende erzählte, welches sie mehr betraf, als ihr lieb war. Nachdem sie einen weiteren Schritt auf ihn zu getan hatte, konnte sie seine Schnauze berühren und ihm sanft darüber fahren. Leicht schüttelte sie dabei den Kopf.
"Nein, Acollon, Geliebter. Es gibt unendlich viele Versionen dieser alten Geschichte, stets beginnen sie gleich, doch jedes Mal ist das Ende anders. Viele sprechen von einer heimlichen Liebe zwischen Fenris und Engaya, die gegen das älteste Gesetz der Zeit verstößt, die Vereinigung von Leben und Tod, der Untergang der Welt."
Sie lächelte leicht, ihre Augen lagen auf ihrem Gefährten, seine Reaktion abwartend. Ihre Worte schienen in ihrem Sinne schrecklich, wenn sich Leben und Tod zu Einem vereinigten würde es alles in Chaos stürzen, doch Engaya und Fenris waren Götter, sie wussten genauso, was auf Taten folgte, doch wünschte sich banshee einmal mehr, dass in diesem Punkt nichts auf Acollon und sie übertragen wurde. Während sie sich Acollon einen weiteren Schritt näherte, hörte sie eine Stimme hinter sich ... Darian. Kurz hielt sie noch den Blickkontakt mit Acollon, dann wandte sie sich um und sah zu dem grauen Wolf. Seine Worte ließen sie leicht lächeln, er schien die Geschichte von Engaya und Fenris noch nicht gehört zu haben.
"Ja, er ist mein Gefährte, doch führen wir es erst gemeinsam, seit meine Schwester und verlassen hat."
Sie verstummte bei dem Gedanken an Nyota und dachte wieder an ihr schwarz glänzendes Fell und ihren süßlichen Geruch, sie vermisste sie. Trotzdem wich ihr Lächeln nicht, ihre Augen lagen noch immer auf Darian, erwartete fast weitere Fragen, auch wenn sie den Wolf bis jetzt anders kennen gelernt hatte.
Falk sprang auf. Der Geruch war zu belastend und zu intensiv geworden als dass er weiterhin einfach hätte ignoriert werden können. Irgendetwas ging hier vor sich. Und es könnte für ihn und Ayala gefährlich werden, möglicherweise war es jetzt schon ein Glück, dass sie überhaupt noch lebten... Der Geruch fremder Wölfe, der Geruch nach Blut - es konnte kaum anders sein, ein fremdes Rudel hatte sich ins Revier geschlichen und irgendwo tobte ein Kampf um Leben und Tod und nicht zuletzt dieses Revier.
.oO(Helfen... Wir müssen helfen...)Oo.
Alles war wieder da, vor seinem inneren Auge, alles. Der Verrat. Das verzweifelte Gesicht Leahs. Das viele Blut. Die feinseligen Gesichter. Die Kadaver seiner Geschwister. Der gesenkte Blick des Vaters. Die Mutter, damals als er sie zuletzt gesehen hatte. Es durfte sich nicht wiederholen. Nicht hier. Nicht jetzt. Nie mehr.
"Ayala, ich habe das Gefühl, dass dort gerade etwas Schlimmes passiert, wirklich, ich mache mir Sorgen, ich... Ich muss helfen. Unbedingt."
Kurz küsste er sie auf die Schnauze, dann eilte er dem Geruch des Bluts nach, kehrte zurück, zurück zum Rudel um ihnen beizustehen... Um zu helfen. Falk hoffte, dass Ayala ihm nicht folgte. Er wollte nicht, dass sie in Gefahr geriet, wollte sie da heraushalten.
Das Erste was er sah, war weißes Fell.
"Banshee?"
Acollon nickte nur abwesend seiner Fähe zu, ja sie hatte Recht. Es gab wahrhaftig viele Ausgänge dieses Kampfes, doch eine Version kam ihm grausamer vor, als die nächste. Und trotz all der Fürsorge um Banshee, wusste der schwarze Rüde genau, dass er nicht mehr weglaufen konnte, und auch nicht mehr wollte. Als Falk zu ihnen kam, schmunzelte der schwarze Alpha leicht, er hatte den Betawolf lange nicht mehr gesehen, und doch erkannte er seinen Geruch sofort, als sei es gestern gewesen. Damals hatten sie auch zusammengekämpft, gegen Acollons Tod. Und er ist wieder gekommen um dem Rudel zur Seite zu stehen. Diese Solidarität und diese Loyale Art waren erstaunlich. Ein würdiger Wolf, der wusste wann es für ihn Zeit war zu kämpfen.
.oO(Ein Kampf. Das könnte wirklich interessant werden, vielleicht wird es ein gutes Ende geben, vielleicht auch nicht, was mich doch dabei stört ist, dass Fenris nicht noch ein einziges Mal versucht hat, mich wieder auf die Seite des Todes zu ziehen oder dass er wieder Besitz von mir ergriffen hat- nicht dass es mir was ausmachen würde…
„Vor Anbruch der Nacht wird nichts passieren. Dafür hat er nicht genug Kraft, denn da herrscht Engaya, und nachts sind wir auf uns selbst gestellt, und falls Engaya stürzen mag, wird auch der Tag sterben und dann auch das Leben. Aber ich bezweifle dass es überhaupt soweit kommt.“
Der schwarze Rüde lachte leise, nicht aus Häme oder Belustigung, sondern aus Vorfreude auf den Kampf. Eigentlich erstaunlich, dass der Schwarze überhaupt soviel Emotion besaß.
Der weiße Rüde blieb ruckartig stehen, hatte die weiße Wölfin ihn gemeint? Er drehte sich um und sah die Wölfin an, doch sie schien sich mit einem grauen Wolf zu unterhalten. Und falls sie Lluvian gemeint hatte, dann wusste er nun endlich den Namen des Alpharüden, Acollon. Wenn der Regenwolf sich selbst eingestand, fand er Acollon faszinierend, obgleich seiner Kälte oder seines Gleichmutes.
Er wartete schweigend ab, ob es erneute Reaktion gab.
Hanako wären beinahe sehr böse Worte aus der Schnauze gerückt, als Hidoi mal wieder nur schnaubte. Er sollte endlich lernen, die Wölfe um sich herum ernst zu nehmen und zu respektieren, es war einfach nur lächerlich, wie er versuchte über alle stehen zu wollen, doch sie sagte es nicht. Die Situation war nicht die Passende, sie hatte ihn mit ihrem letzten Satz wohl einfach doch zu sehr aus der Fassung geholt und seinem Blick zu folge war er einfach nur mehr als überrascht. Bevor sie die Worte von Hidoi hörte, blickte sie ihre kleine Tochter Leé an, der sie versuchte, Hoffnungen zu machen, Hoffnungen auf einen Vater. Ob Hidoi jemals mit einer Welpe umgehen konnte? Hanako bezweifelte es, aber was sollte sie schon tun...sie hatte - nein ihr Herz hatte sich für Hidoi entschieden und man hatte ihr beigebracht mit dem Herzen zu denken. Das würde sie nun auch tun.
"Ja, ich liebe dich und ich meine jedes Wort Ernst, Hidoi. Es ist ein unglaubliches Gefühl, eines, das man nicht verstecken kann und zu welchem man stehen muss. Deshalb bitte ich dich, dass du auch ehrlich zu mir bist..."
Hanako blickte Hidoi tief in die Augen und versuchte seine Gedanken lesen zu können - versuchte heraus zu finden, was in ihm vorging, wie stark sein Kopf gerade arbeitete, um die passenden Worte zu finden. Langsam war Hanako auch nicht mehr so nervös. Sie hatte die Nervosität sehr gespürt, sie wollte es ihm schon so lange sagen, hatte sich nicht getraut, doch dieser Schwächeanfall von gerade hatte alles aufgewühlt und die Ehrlichkeit stand bei ihr an erster Stelle. Wie würde Hidoi nun reagieren? Wie würde er weiterhin mit ihr umgehen oder würde er sie auslachen und für immer ins Lächerliche ziehen? Sie wusste, dass sie eine Abweisung nicht verkraften würde, denn zu oft hatte man ihre Liebe ausgenutzt. Dennoch konnte sie nicht erwarten, dass Hidoi all ihre Gefühle erwiderte, denn er war ein völlig anderer Wolf.
Sie wartete und wartete, blickte ihn weiterhin mit einem leichten Lächeln an und wollte seine Worte hören, seine Äußerung zu all dem hier. Ganz sanft und vorsichtig berührte sie mit ihrer seine Schnauze und zeigte etwas Wärme und Nähe, die sie ihm schenken wollte, um ihm zu helfen, dieses Rudelleben zu meistern. Es war schwer für Hidoi, doch sie wusste, das sie es schaffen würde, mit ihm ein wundervolles Leben zu führen - in diesem Rudel - er neben ihr - respektierend vor den Alphatieren. Hidoi würde sich sicherlich etwas ändern, all das hier hatte ihn schon im Ganzen geändert. Hanako verglich nur das erste Gespräch bis zu diesem Punkt hier. War das alles ihre Schuld? Ihr Werk? Sie war wirklich stolz darauf, denn sie hatte etwas Gutes aus Hidoi gemacht.
"Ich brauche dich sehr..."
Langsam schmiegte sie ihren Kopf an seine Schulter, wich dann aber vorsichtig zurück, sie wusste nicht, ob er es wollte, wie er reagieren würde. Sie wollte ihn nicht nerven und auch nicht verängstigen, sondern ihm einfach Nah sein und ihm gestehen, was sie fühlte.
Hidoi sah verwirrt zu Boden. Sie meinte es ernst. Wohl mehr als ihm lieb war. Was sollte er nun tun? Er wusste über seine eigenen Gefühle nicht einmal wirklich bescheid. Er hörte ihren Worten zu, ohne eine Miene zu verziehen. Er lachte nicht los, nein war er denn Verrückt? Das konnte er einfach nicht. Aber was nun, er musste antworten, nur was?
Als sie ihn dann an der Schnauze berührte und ihren weißen, hübschen Kopf an seine graue, vernarbte Schulter schmiegte zuckte er kurz zusammen. So etwas war er einfach nicht gewöhnt, er hatte so etwas nie erfahren so viel Nähe. Aber eins musste er sich eingestehen. Der Stahlgraue hatte Hanako sehr gerne, aber war das wirklich Liebe? Seine Gedanken wiederholten sich, dann öffnete er seine Schnauze als Hanako wieder von ihm abließ.
"Hanako... ich hab dich wirklich sehr gern... Mehr als jeden anderen. Aber ich weiß nicht... Ich weiß nicht ob das Liebe ist. Ich würde deine Gefühle gern erwidern, aber ich kenne sie leider nicht..."
Das war seine ehrliche Antwort. Er musste selbst noch herausfinden, ob er sie wirklich Liebte, heraus finden, was dieses Wort bedeutete. Er zwang sich zu einem kleinen Lächeln, doch es war kein fieses oder gar gemeines, spöttisches Grinsen. Nein es war doch eher ein ernst gemeintes, freundliches Lächeln.
"Aber, ich würde es gerne mit dir gemeinsam herausfinden..."
er drehte die Ohren langsam wieder nach vorne. Der unsichere Hauch in seiner tiefen und rauen Stimme war noch nicht ganz verloschen, aber nicht mehr verwirrt.
Eris folgte Dayon ohne sich selbst Gedanken über den Weg zu machen. Er kannte die beiden, Ayala und ihren Macker Falk, schließlich schon länger als sie und musste ihre Witterung daher um einiges besser kennen als Eris. Als Dayon sie dann jedoch fragte, wo die beiden sein könnten, musste sie doch wieder ihren Kopf anstrengen. Nicht, weil sie sich zu erinnern versuchte, in welche Richtung Ayala gerannt war- das würde ihnen sowieso keine allzu große Hilfe sein-, sondern, weil der Rüde so traurig dreinschaute. Sie überlegte, wie sie die beiden nun aufspüren könnte, um Dayon´s Trauervisage ein Ende zu setzen. Nach kurzem Brainstorming und ohne dem Wolf neben ihr zu antworten, zuckte sie die Schultern und hob die Schnauze gen dämmernden Himmel. Sie schickte einen Ruf in die frostige Morgenluft hinaus und bat Ayala um Antwort. So einfach ging das. Eris hatte gerade wieder die Schnauze gesenkt, als ein Rüde von erstaunlicher Größe aus den Büschen hervorbrach. Der Schreck entlockte ihr ein kurzes, unangenehmes Quiecken. Sie blickte den Hünen von Wolf mit großen Augen an. Wer das jetzt schon wieder war, darauf konnte sich Eris keinen Reim bilden. Eindeutig zu viele Wölfe und zuwenig Namen.
Verwirrt blickte Ayala dem davon stürmenden Falk hinterher...was war denn plötzlich los? Er hatte etwas gesagt von helfen - was war denn passiert? Wem musste er helfen - und warum ausgerechnet jetzt??? War es so ernst? Ayala seufzte - wieso spürte sie keine innere Unruhe in sich selbst, wie auch sonst, wenn sich Gefahr ankündigte? Sie versuchte eine Witterung aufzunehmen, ein Anzeichen für Falks bestürzten Aufbruch zu finden. Plötzlich schrak sie hoch - er hatte recht, hier war irgendetwas Fremdes... es roch nach Blut.
Von der Ferne ertönte ein Heulen, das Ayala unbekannt war - sie fuhr herum - aber nein, es musste Eris sein! Eris? Wieso rief Eris sie? Die Weiße lief los, dem heulen entgegen. Nach kurzer Zeit bemerkte sie einen anderen wohlbekannten Geruch - Dayon! War er wieder hier? Sie musste ihm noch danken...er hatte so viel für sie getan in letzter Zeit.
Das Quieken stach Falk unangenehm in den Ohren. Erschrocken fuhr er herum, entdeckte eine schwarze Fähe. Nun, scheinbar hatte der Hüne eine Wölfin aufgespürt und er kannte sie nicht, entweder war sie neu beim Rudel, hinzugekommen in der langen Zeit, die er nicht da gewesen war oder sie war Feind. Etwas anderes konnte wohl schlecht sein, denn es wimmelte hier nur so von Rudelmitgliedern. Eben hatte Falk Acollon gesehen und war fast irritiert darüber, dass der schwarze Rüde noch beim Rudel weilte - er war so impulsiv und leicht zu reizen... Mit zusammengekniffenen Augen musterte Falk die schwarze Fähe, die er aufgeschreckt hatte.
"Okay - Freund oder Feind? Und ich warne dich, lüg mich nicht an, ich kenne ein paar tolle Tricks wie man jemanden langsam verrecken lassen kann indem man ihm alle Knochen bricht... Und glaub mir, du wirst mit sämtlichen Organen um dich herum verteilt zu Tode kommen..."
In diesem Moment bemerkte der Rüde Dayon, der nicht weit entfernt von der fremden Fähe stand. Er sah nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht unbedingt gut aus, eigentlich so wie immer und auch wenn es Falk glücklich gemacht hätte den Rüden fröhlich zu sehen so freute er sich doch über das Treffen.
"Dayon! Ist alles in Ordnung bei dir? Wie geht es dir? Und was ist hier eigentlich los?"
Gleichzeitig behielt Falk die Fähe im Auge. Die sollte gleich wissen was Sache war und sich nicht einbilden, sie könnte Falk auf irgendeine Art und Weise entkommen, oh nein. Noch waren allen Fragen offen und ungeklärt.
Hanako war sehr nervös und wartete immer noch auf die Antwort von Hidoi, es war nicht leicht so lange auf etwas zu Warten, die Nervosität stieg durch ihre Adern, ihr Mut gab ihr etwas Kraft und sie konnte sich aufrichtig hinstellen. Ob Hidoi die Berührung genossen hatte? Ob sie ihm wohl etwas bedeutete? Sie hatte es genossen, sein kühles Fell passte sich so sehr ihrem an, gab ihr Kraft und Verständnis, sie konnte es gar nicht beschreiben. Endlich hatte Hidoi seine Schnauze geöffnet, richtete Worte an sie und Hanako spitzte die Ohren, damit sie kein Wort, keinen Buchstaben, keinen Ton verpassen würde. Sein erster Satz löste ein seltsames Kribbeln in Hanako aus und sie dachte nun, dass er sie wirklich aufgeben wollte. Langsam senkte sie ihr Haupt und dachte nach, ob sie nicht doch etwas falsch gemacht hatte. Oder lag es daran dass Hidoi noch nie dieses Gefühl kennen gelernt hatte und sich nun nicht sicher war? Er mochte sie sehr, wohl mehr als jeden anderen Wolf, den er in seinen Leben bisher kennen gelernt hatte, aber er wusste nicht, ob es Liebe war. Er kannte es nicht. Nachdem Hanako seine Vergangenheit gehört hatte, passte dies sehr gut. Unbekannte Gefühle, die er neu erkennen, neu definieren musste. Selbstverständlich musste sie das verstehen, auch, wenn es ihr schmerzte.
Als sie dann sah, wie sich seine Lefzen zu einem ehrlichen Lächeln hochzogen, blickte sie verwirrt drein. Es war das erste Mal, dass sie so etwas sah bei ihm, noch nie konnte sie eine Art von Neugier oder Freude in Hidois Augen oder Lefzen erkennen, es war immer so hämisch und kalt gewesen. Doch auch den Blick hatte sie akzeptiert und unterscheiden können von all den anderen Dingen. Was hieß das nun? Was wollte er mit seinem Lächeln nur sagen?
Hidoi beendete seinen Satz und Hanako schluckte, er wollte es mit ihr herausfinden? Wie das? Wie konnte man so etwas herausfinden? Sie hatte ein Nicken noch nie ehrlicher benutzt und auch sie lächelte nun leicht, das Haupt hatte sie wieder gehoben. Gerne würde sie dies tun, sie würde ihm helfen, das Gefühl zu erkennen, für ihn würde sie doch alles tun.
„Liebend gerne, Hidoi. Wie auch immer du es tun möchtest, ich lasse dir jeden Weg frei und offen! Du wirst bald verstehen, was Liebe bedeutet, ich bin mir sehr sicher!“
Sie schleckte ihm über die Schnauze und blickte ihm ehrlich und verliebt in seine schönen, stechenden gelben Augen, dann blickte sie auf das klare, glänzende Wasser und seufzte verträumt.
Hidoi nickte ihr zu. Irgendwie machte es ihn glücklich, dass sie es verstanden hatte. Eigentlich konnte er so etwas wie abschlabbern überhaupt nicht ab, doch er ließ es diesmal ohne weiteres über sich ergehen. Er stupste sachte mit der hellen Schnauze in ihr weiches, schönes Fell und sah dann auf den See.
Leider fiel ihm in diesem Moment das Problem mit Acollon wieder ein. Was sollte er nun tun? Er seufzte und sah dann wieder Hanako an.
"Was mache ich nun? Sie halten mich für einen grausamen Mörder... Man das kotzt mich an.."
sagte er diesmal nicht kalt sondern eher enttäuscht, über diese Wölfe, bei denen er es eigentlich im Rudel probieren wollte. Was tun? Er könnte zurück gehen und ... naja, aber was dann? Er seufzte und ließ den Kopf auf die Pfoten sinken. Er warf noch einen kurzen Blick zu Leé sah aber keinen Sinn in einer Antwort an den kleinen Welpen.
Die Sonne war nun ganz aufgegangen, verhüllt von schweren Wolken. Der Wind flaute ab und legte sich dann ganz, einen kurzen Moment lang schien die Luft still zu stehen, dann öffneten sich die Tore des Himmels und dicke, schwere Tropfen fielen erst langsam, dann immer schneller und monotoner zur Erde. Schon nach kurzer Zeit war jedes Fell durchnässt. Ein grauer Schleier begann alles zu umgeben, ließ einen die Welt nur noch verschwommen sehen.
Banshee schüttelt sachte den Kopf, sie hatte die Nachricht des schwarzen Boten nicht selbst hören können, doch was Acollon erzählt hatte schien ihr anderer Art zu sein als nur ein Bund mit Fenris.
"Acollon, dieser Wolf, der Seelenräuber, wenn ich dich richtig verstanden habe, braucht er Fenris nicht, die Zeit in der der Gott herrscht ist nicht auch seine Zeit. Er braucht Seelen, die er sich selbst holen muss?"
Ihre Augen wurden wieder besorgter, sie schluckte, irgendeiner von all den Wölfen um sie herum war ein Verräter. Auf einmal erschienen ihr alle gefährlich, keinem konnte sie vertrauen, außer Acollon selbst. Instinktiv trat sie einen Schritt näher zu ihm. Ihr Blick fiel auf Falk und sie zitterte leicht, sicherlich nur aus Kälte, der Regen hatte ihr Fell schon vollkommen durchnässt. Trotzdem wichen ihre Augen nicht von Falk, wo war er so lange gewesen, was hatte er gemacht, warum war er nie zurückgekommen, warum hatte er nie ein Zeichen gegeben? Viele Fragen schwirrten in ihrem Kopf herum, während ihr klar wurde, dass sie ihrem Gamma misstraute, gerade ihrem Vertrauten. Was hatte der Bote mit seiner Nachricht nur bewirkt? Misstrauen und Hass, ja, sie wusste nicht, ob sie ihrem Rudle noch trauen konnte. Schwer atmend wandte sie sich an den weißen Rüden, der nun wartete, scheinbar hatte er ihre Worte doch gehört.
"Fremder, tritt näher."
Sie versuchte sich zu beruhigen, erstmal den Fremden begrüßen, dann würde sie sich weiter Gedanken machen können. Und wo war überhaupt Ayala? Plötzlich überkam sie Angst, war Falk bei der jungen Fähe gewesen?
Der Regen hatte das Fell Acollons am schlanken Körper heran gepresst und ließ ihn nun gespenstisch wirken. Seine Schnauze war schmaler als man sehen konnte, auch seine Ohren schienen länger und dünner, nun war es auch kein unauffallender Grund, Acollon den Tod zu nennen. Das Blut des Fremden wusch sich durch den Regen weg. Die Leiche wurde in den schlammigen Boden gesogen, der Regen vermischte sich mit dem Blut und bildete eine riesige Pfütze. Er spürte Banshee dicht bei sich, konnte die Angst verstehen, lächelte nur ruhig, Ja, wahrlich, nun konnte jeder ein Verräter sein, was für den schwarzen Wolf nichts mehr Neues war, schließlich misstraute er jedem. Doch ohne es zu wollen, vertraute er jedem dieser Wölfe, schließlich schlief er auch ohne Angst vor einem Angriff zu haben. Was auch daran liegen konnte, dass es ihm nicht gegönnt war, zu sterben.
„Ein Seelensammler. Interessant. Er wird sicherlich bald seine ersten Opfer einfordern, wenn er das nicht schon getan hat.“
wisperte Acollon zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Und wenn Fenris nicht der Drahtzieher war, dann konnte es wirklich lustig werden. Ein raues Lachen entglitt seiner Kehle, es war nicht amüsierend, sondern eher belustigend bei dieser Vorstellung. Wollte sich wirklich ernsthaft jemand gegen den Tod stellen?
„Und ich werde mein Versprechen dir gegenüber brechen, Banshee. Ich werde wieder töten, und wenn ich ehrlich bin, habe ich nur auf eine solche Gelegenheit gewartet.“
lachte der schwarze Alpha leise.
„Wir sollten alle zusammen rufen Banshee, und zwar sofort, und wer nicht kommt wird gesucht! Niemanden dürfen wir aus den Augen lassen, alle werden zu Feinden, obwohl wir alle auf derselben Seite kämpfen, außer einer…“
mit diesen Worten setzte der schwarze Rüde die Tatzen in den steinigen schlammigen Boden und grub schnell eine tiefe Grube, die als Grab des Toten dienen soll. Achtlos packte er die Leiche und warf sie in die Grube. Doch die Mühe, es wieder zu zuschließen machte er sich nicht, ließ den Regen die Arbeit verrichten.
Dayon lauschte dem Heulen Eris' und wartete gespannt, er wollte zu Ayala. Noch während er still stand vermeinte er einen leichten Geruch von ihr wahrzunehmen, dann tauchte urplötzlich Falk auf. Dayon erschrak fast bei seinem Anblick, fasste sich schnell wieder und setzte ein Lächeln auf. Er kam ein paar Schritte näher betrachtete emotionslos Falks nicht sehr netten Begrüßungsrede für Eris und zuckte dann leicht unter den schwarzen Augen des Hünen zusammen, als er sich an ihn wandte. Trotzdem kam er einen weiteren Schritt näher und nickte.
"Danke, mir geht es gut, ich war gerade auf der Suche nach euch, ich denke, ich werde nun Ayala suchen ... was passiert ist musst du Banshee fragen, sie war hier, als ich zurück kam."
Er nickte ein weiteres Mal, drehte sich um und verschwand im Wald, der vorher schwache Geruch Ayalas war nun stärker geworden, sicher führte ihn seine Nase zu ihr, bis er ihr weißes Fell durch den Wald schimmern sah.
"Ayala, wie schön, dich zu sehen!"
Eris konnte nicht verhindern, dass ihr die Kinnlade herunterfiel. Was bildete sich dieser Fatzke von Wolf eigentlich ein?! Sicherlich, sie selbst war auch nicht immer die Freundlichkeit in Person, eher im Gegenteil, das war Eris durchaus bewusst, aber ... also, so hatte sie bestimmt noch keinen begrüßt! Eris schnappte vor Empörung nach Luft. Sie spürte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss und gefährlich pulsierte. Bum, bum, bum, bum ...
"Was bist du denn bitte für einer, häh?! Was lässt du deine kranken, gewaltverherrlichenden Gedanken an mir aus?! Bist du irgendwie verpeilt, oder so? Hab´ ich dir irgendetwas getan?"
Eris Augen verengten sich. Ihr Blick huschte zu dem braunen Rüden. Was hatte Dayon da gerade gesagt?
"Moment mal ... ich glaub´s ja nicht, dann bist du also ... Ach, du heilige Tulpenzwiebel! An wen ist Ayala denn da geraten? Und ich habe sie auch noch ermutigt zu so jemandem zu gehen!"
Sie funkelte Falk mit einem feindseligen Ausdruck in den grauen Augen an.
"Jetzt hör mir mal zu, wag´ es ja nicht Eris van Blanvalet noch einmal so anzumachen."
zischte Eris ihn leise an, die Zähne fest zusammengebissen.
Der weiße Rüde wurde ohne weiteres in die Situation gezogen. Ohne einen Halt zu finden. Die Alphafähe nahm Abstand zu den anderen Wölfen, schien nur Acollon zu vertrauen. Und wem sollte Lluvian jetzt vertrauen? Oder sollte er wohlmöglich besser wieder weiterziehen? Doch er wollte hier bleiben, hatte sehr Faszination an dem Alpharüden gefunden. Außerdem mochte er auch nicht mehr weiterziehen, er wollte nicht ständig vor Problemen weglaufen, schließlich tat er es schon, indem er sich in ein anderes Ich zurückgezogen hatte.
"Aber Schönste, Banshee, auch Euer Gefährte könnte dieser Verräter sein, alles was gegen jeden anderen Wolf spricht, spricht auch gegen ihn. Und trotzdem vertraut Ihr ihm? Woher nimmt Ihr dieses grenzenlose Vertrauen? Sicherlich würde er nicht zögern, Euch zu verdächtigen und verraten, wenn er Fenris’ Sohn ist. Schließlich hat er auch nicht davor Halt gemacht, meine Familie zu töten-"
zischte Lluvian in einem Flüsterton. Seine Augen waren stumpf geworden. Es schien gerade so, als hätte die Seele den Körper verlassen, so wenig Emotion war noch zu sehen.
Deshalb fiel er mir ins Auge. Sein Profil passt auf das, des Mörders meiner Familie. Wegen diesem Wolf irre ich jetzt fast mein ganzes Leben umher, ohne Anhang und ohne Gesellschaft, einsam! Er ist daran schuld.
Er ist der Grund, er ist deine Aufgabe, nun los, greif ihn an, dann ist alles vorbei. Unsere Eltern hätten es auch so gewollt, nun mach schon, worauf wartest du? hallte die Stimme seines Bruders, seines zweites Ichs, im Kopf.
Ich kann nicht! Und was unsere Eltern gewollt hätten, wäre sicherlich nicht der Ausgang. Lieber hätten sie mich tot gewusst, als dich. Sie haben mich nicht geliebt, doch dich…
Na und? Was habe ich von ihrer Liebe? Den tot, und nun weile ich in deinem schwachen Körper und warte bis du meine Rache ausgeführt hast.
Es- ist deine Rache. Ich will mich doch gar nicht rächen, ich kann niemanden mehr leiden sehen, und ich will auch nicht sterben. wisperte Lluvians Stimme.
Ach mein Bruderherz, du weißt doch gar nicht, was du willst. Komm zu uns ins Reich des Todes, wir vermissen dich sehr. Aber du kannst auch, wenn du schon einmal sterben wirst, auch diesen Mörder mit in dieses Reich nehmen sagte die Stimme seines Bruder zärtlich.
Ich werde aber nicht mehr weglaufen, nicht vorm Leben. Ich will das du verschwindest und zwar für immer. Ich kann diesem Rüden Nichts verübeln, im Gegenteil, nun bin ich euch endlich los. schrie Lluvian.
Der Rüde kehrte in seinen Körper zurück, nun hatte er es fast geschafft, seine Vergangenheit war verschwunden, doch nur noch der Geist seines Bruders hauste in seinem Körper.
"Ich muss mich entschuldigen, es brach so aus mich heraus. Und sicherlich war es gar nicht Euer Gefährte, der meine Familie tötete! Es ist nicht sonderlich hilfreich in solchen Situation noch mehr Unruhe zu stiften, und das war auch gewiss nicht meine Absicht, verzeiht",
entschuldigte sich Lluvian tonlos, und neigte seinen Kopf zu einer leichten Verbeugung.
"Meine Name ist Lluvian de la Oscuridad."
Banshee hatte versucht sich auf den fremden Rüden zu konzentrieren, viel zu oft hatte sie ih schon missachtete, so viel geschah jetzt wegen dem schwarzen Boten, doch als sie Acollons Worte hörte, fuhr sie herum.
"Acollon, sage nicht, dass du wieder töten wirst, das Leben schützt ein Gesetz ... Verschone jedes Lebewesen, wenn es dir möglich ist. Und ich werde darauf achten, dass du jeder hier es einhält."
Ihre Agen verengten sich leicht, das erste Mal, dass sie ihren Gefährten so ansah, aber sie wusste, wenn sie ihre Pflicht als Tochter des Lebens vergessen würde, würde sie sterben. Sie atmete einmal scharf ein, richtete sich dann leicht auf und nickte.
"Ja, rufe sie."
Se wandt sich weider zu dem Fremden, seine Worte, die nun auf sie einströmten beunruhigten sie noch mehr. Der Mörder seiner Familie? Wie Dayon ... hatte Acollon schon zwei Familien deren Väter in ihrem Rudel weilten getötet? War das ein grausames Spiel Fenris'? Sie schluckte, trat einen Schritt näher, lächelte aber dann.
"Mein Vertrauen gründet auf vielem, was niemand hier verstehen kann. Vielleicht Ayala und Nyota, die beiden kannten uns vom ersten Tag unseres Treffens an und nur wenn man die Geschichte kennt, kann man verstehen. Doch darüber nun zu reden ist nicht angebracht. Ihr habt Recht, es gibt wahrhaft zu viele andere Probleme, doch entschuldigt euch nicht, Fragen zeugen von Mitdenken und Mitdenken zeugt von einem wachen Geist. Sollte er eure Familie getötet haben, was weder ihr noch ich ausschließen kann, so bitte ich aufrichtig um Verzeihung, auch Dayon, dem sandfarbenem Rüden, der im Wald verschwunden ist, geht es so. Es scheint mir wie ein Spiel, das Fenris mit seinem Sohn spielt, doch auch für diese Gedanken gibt es nun leider keine Zeit."
Sie unterbrach sich kurz, um die Worte noch einmal wirken zu lassen, dann fuhr sie fort.
"Ich heiße euch willkommen, Illuvian. Ich bin Banshee und wie ich vermute, kennt ihr Acollon bereits. Habt ihr ihm euer Anliegen schon vorgetragen? So bitte ich euch, es noch einmal zu wiederholen."
Sie verstummte und atmete nun wieder ruhig. Aufmerksam musterte sie den weißen Wolf vor sich, schätzte ab, ob nicht auch er es sein könnte, der Seelenräuber, doch erschien es ihr seltsam, denn er kam gleichzeitig mit dem Boten an. Gab es neben Acollon noch einen weiteren Wolf, den man nicht verdächtigen musste?
23.12.2009, 16:42
Als auch Hidoi sie sanft berührte, fühlte Hanako sich um einiges besser und sah noch mal zu ihm, dann folgte sie seinem Blick auf den See und versuchte zu verstehen, welche Gedanken in seinem Kopf nur umher schwirrten. Sicherlich viele, denn sie ahnte, welche Belastung er in diesem Rudel hatte und welch ein schwerer Start ihm bevor stand. Jedoch war sie sich sicher, das alles hin zu bekommen. Er hatte ihr Leben gerettet und nun war er schon fast ihr Gefährte – das Rudel würde ihn akzeptieren, sie würde ihn, wie Banshee auch mit Acollon es schaffte, etwas bändigen, sobald er zu weit ginge, Hanako verstand Hidoi wenigstens. Hidois Worte ließen auch Hanako etwas traurig drein blicken und sie seufzte leise.
„Oh Hidoi, ich kann sehr gut verstehen, dass dich alles hier ein wenig enttäuscht. Aber glaube mir, sie halten dich nicht für einen Mörder. Die Worte, die Banshee an dich gerichtet hat, sollten keine Unterstellung sein, Hidoi. Natürlich verstehe ich deinen Standpunkt und deine Meinung und ich kann mir vorstellen, wie du ihre Worte verstanden hast. Aber ich bin mir sehr sicher, Banshee etwas besser zu kennen. Sie wollte dich nicht als Mörder darstellen. Nur es ist wohl so, dass der Wolf wegen dem Kampf mit dir gestorben ist. Jedoch hattest du ein gutes Recht, ihn zu bekämpfen, Hidoi. Er wollte mich angreifen, du hast mir mein Leben gerettet und gegen ihn gekämpft – um mich zu beschützen! Du bist kein Mörder, du hast mir geholfen, ein Leben gerettet und dabei musste einer von euch beiden gehen. Ich werde mit Banshee darüber sprechen, Hidoi, ich werde ihr das alles noch einmal erläutern und ihr auch sagen, dass sie dich verstehen müssen. Aber versprich mir, dass du auch versuchst, den Standpunkt der beiden zu verstehen und sie nicht gleich anzuschnauzen, ja? Ich fände es wirklich schön, wenn du heute diesen großen Schritt wagst und mit mir zurückkehrst. Und wenn ich heute noch mit Banshee das bespreche und ihr das klärt, dann wird dich niemand mehr verachten, Hidoi!“
Hanako meinte jedes Wort ernst und sah Hidoi mit einem Lächeln und Mut an, er sollte es wagen, er sollte den Wölfen gegenüber treten, dass war die einzige Chance, um ein wenig Ansehen zu gewinnen. Plötzlich fing es stark an zu regnen und schon wenige Zeit später war Hanakos Fell vollkommen Nass und klebte an ihrem Körper.
„Lass uns nun zurück und das klären, danach suchen wir uns ein trockenes Plätzchen, ja?“
Leé beobachtete das ganze und sie war immer noch wütend. Das Wasser um sie herum begann kleine Kreise zu zeichnen, da es begonnen hat zu regnen. Es wurde immer heftiger und bald war Leés Fell klatschnass. Sie kniff die Augen zusammen, um Hanako und Hidoi zu sehen, doch der Regen war zu heftig und sie sah nicht das Geringste. Leé beschloss alleine zurück zu Banshee und den anderen zu gehen und schlug zielsicher eine Richtung ein, aus der sie dachte gekommen zu sein. Bald rannte sie im Wald vorbei an Bäumen Sträuchern und sie glaubte sich verirrt zu haben. Sie wurde nicht langsamer sondern schneller. Sie sah nicht wohin sie lief, rannte nur geradeaus. Plötzlich hörte sie Stimmen, eindeutig die von Banshee. Sie wurde noch schneller, sie wollte einfach nur so schnell wie möglich bei den anderen sein. Wenn sie so rannte, sah sie nur einen knappen Meter vor sich, was sich dort befindet. Sie blinzelte verzweifelt, doch sie sah fast nichts. Dann prallte sie plötzlich in etwas hartes Warmes. Sie bellte erschrocken auf, denn sie wusste plötzlich, wer es war. Sie war von hinten hart in Acollon hineingelaufen.
Hidoi hatte Hanako die ganze Zeit zu gehört. Normalerweise hätte er niemals sich darauf eingelassen. Dazu war sein Stolz viel zu groß. Aber nun sah er keinen anderen Ausweg. Es verletzte seinen Stolz schon nun nachgeben zu müssen, aber man musste es ja auch nicht gleich übertreiben. Er sah Hanako an, prüfte an ihrem Blick, ob sie ihn nicht spottend ansah, aber wieso dachte er so etwas überhaupt? Sie doch nicht. Langsam stand er wieder auf und schüttelte seinen stahlgrauen Pelz, der nun durch den regen eine Art eisernen Glanz bekommen hatte. Mürrisch blickte er erst nur auf den See, sah dann aber wieder Hanako an.
"Na gut... Wenn's sein muss..."
zu nachgiebig wollte er ja nun auch nicht sein. Er sah, wie Leé auch schon wieder abgehauen war. Sie war irgendwie eine seltsame Welpin. Und wenn er irgendwann wirklich Liebe für Hanako empfinden sollte, wie stand sie dann zu ihm? Egal, darüber konnte man sich später noch Gedanken machen. Er zweifelte nicht daran, wie Banshee es gemeint hatte, nur der Schwarze störte ihn. Das würde bestimmt noch eine schöne Diskussion geben. Aber, er würde sich ganz bestimmt nicht vertreiben lassen. Und schon gar nicht jetzt. Langsam schritt er wieder auf den Wald zu und wartete dann am Waldrand auf Hanako.
Kurz hob der schwarze Rüde eine Augenbraue und sah Lluvian durchdringend an. Mochte er doch gleich seine Kontrolle verloren haben, so hatte er für Acollon wichtige Information geliefert. Wieder war es wohl eine Familie die er zerstört und getrennt hatte. Jedoch über so ein geschehenes Ereignis zu trauern war nicht angebracht und gab für den schwarzen Rüden auch keinen Grund. Sein Vater hatte ihn nun mal verflucht.
Der schwarze Acollon hob die Schnauze leicht in die Luft, ließ dabei den Blick nicht von dem weißen Rüden, und behielt auch sonst jeden anderen im Auge.
“Nun kommt alle zusammen, ihr Wölfe des Sternenwindes. Wir versammeln uns hier, auf dem Rudelplatz, erscheint alle.“
„Und nun zu dir Lluvian. Du solltest dich für die Wahrheit nun wirklich nicht entschuldigen und du kannst mir auch gerne Vorwürfe machen, mach es ruhig! Aber erwarte keine Entschuldigung, denn ich bereue nicht, was ich getan habe.“
sagte er ruhig, mit einem leichten Lächeln auf den Lefzen.
„Und Banshee, wenn es Zeit wird dich zu beschützen, gehe ich über Leichen.“
knurrte er freundlich, wenn auch etwas mahnend, was nicht seiner Fähe galt, sondern der Situation.
Wie könnte er seiner Fähe einen Wunsch abschlagen, wie könnte er dem Leben widerstehen? So wie Fenris sich für Engaya verschworen hatte, sie sehr liebte er Banshee.
Falk war verwundert. Was das noch Dayon, der Dayon, den er kannte und mochte? Er war so kurz angebunden gewesen und sofort wieder verschwunden um Ayala zu suchen. Ein schaler Geschmack entstand in Falks Fang. Von der Seite her schimpfte diese schwarze Fähe auf ihn ein, aber das war nicht alles. Der graue Rüde mit dem schwarzen Rücken fühlte sich beobachtet. Er drehte sich um. Banshee betrachtete ihn und Misstrauen lag in ihrem Blick, tiefes Misstrauen. Falk sah weg. Ein unangenehmes Gefühl stieg in ihm hoch, wie damals, bei seinem Geburtsrudel, als er der engste Vertraute des Alphas gewesen war und er plötzlich das Opfer eines Komplotts wurde. Einer Verschwörung, gegen ihn und seine Familie. Leah. Ayala! Was war mit Ayala? Konnte er ihr noch vertrauen?
.oO(Ich darf Ayala nicht misstrauen, ich darf es nicht... Aus ihren Worten sprach soviel Liebe, soviel... Sie vertraut mir, ich... Ich darf sie nicht enttäuschen, ich darf ihr nicht misstrauen...)Oo.
Aber es war so schwer. Er hatte Dayon als engen Freund gesehen, hatte Banshee als Vertraute geglaubt und nun das... Vielleicht war das Ganze eine Falle.
Blicklos drehte er sich um. Die schwarze Fähe funkelte ihn feindselig an. Er nahm keine weitere Notiz davon, starrte sie nur an und näherte sich dann Banshee und Acollon, kam ganz zum Rudelplatz, ohne dass er den Ruf wirklich wahrgenommen hätte.
.oO(Wenn sie mich die ganze Zeit nur verarscht haben, werden sie es mir büßen müssen... Und wenn Acollon zehnmal einen ganz speziellen Draht zu Fenris hat - ich werde ihm vor Banshees Augen den Arsch aufreißen!)Oo.
Sein Blick traf niemanden. Wenn man ihm etwas zu sagen hatte, würde man es ihm sagen. Wenn man ihn töten wollte, würde er sie töten. So einfach würde das Ganze sein.
Die rotfellige Fähe lief gedankenverloren durch einen auffallend schönen Wald. Doch ihre Augen schienen nicht eines der herbstlich gold oder rot gefärbten Blätter wahrzunehmen. Der Geruch einer Reviergrenze stieg in ihre feine Nase. Sie blieb stehen. Ein Rudel. Witternd hob sie den Kopf in die leichte abendliche Brise. Das Rudel musste ganz in der Nähe sein und Ärger lag höchstwahrscheinlich auch noch in der Luft. Prüfend schaut sie sich um, die langen Ohren richten sich zu einer Lichtung. Doch aus der weiten Entfernung konnte Akai nicht erkennen, wer dort war und was sich dort abspielte. Vorsichtigen Schrittes tapst sie leise in diese Richtung. Doch das Laub der Bäume raschelt unter den zarten Pfoten, von denen die hintere Rechte nur noch zwei Krallen trug. Neugierig war die Wölfin, doch die Vorsicht herrschte bei ihr weiterhin vor. Sie hatte zu schlechte Erfahrungen mit anderen Artgenossen gemacht. Hinter einem dicken Stamm blieb sie stehen. Nur der hübsche Kopf schaute neugierig auf den offenen Platz.
Die Szene bot ihr einen ungewohnten Anblick. Ein scheinbar heiles Rudel. Obwohl sie eine Anspannung wahrnahm. Im Blick des großen schwarzen Rüden lag eine seltsame Mischung aus Liebe und Kälte und der stahlgraue Wolf, der sich der Fähe näherte, ohne sie anzusehen oder bemerkt zu haben, schien ihr angespannt. Ruhig blieb sie stehen. Abwartend ob sie jemand bemerken und/oder sie vertreiben würde. Der kräftig auffrischende Wind weht im langen Winterfell. Als er das ihrer linken Flanke hin- und herzerrt, wird eine langgezogene Narbe sichtbar.
Eine graue Fähe mit weißer Schnauze und weißen Läufen lief durch einen großen Wald. Mitsu hatte den Kopf zu Boden geneigt. Plötzlich blieb sie stehen und schaute sich Aufmerksam um. Irgendetwas war anders doch wusste sie nicht was. Unruhig ging sie weiter Doch dann blieb sie wieder stehen und witterte. Da bemerkte sie endlich was sie störte. Sie witterte fremde Wölfe ... Die graue Fähe mit der weißen Schnauze und den weißen Läufen hob den Kopf und heulte um auf sich Aufmerksam zu machen. Dann wartete sie auf eine Antwort ...
„Ja, es muss sein.“
Hanako setzte diesen Satz mit einem Lächeln nach, denn sie wollte nicht, dass Hidoi einen völlig falschen Eindruck bekam oder vielleicht das Rudel nicht mehr mögen würde. Er sollte verstehen, dass jeder Fehler gemacht hatte und dazu stehen musste und auch er würde dies bald tun. Wenige Sekunden später konnte sie im Regen ausmachen, dass sich ihre kleine Tochter schon auf den Rückweg machte. Sie musste sich auf alle Fälle gleich bei ihr entschuldigen. Leé schien etwas beleidigt zu sein, weil man sie nicht mehr beachtet hatte, was Hanako teilweise verstehen konnte, andererseits aber nicht, da sie selbst auch noch ein Leben hatte. Dann drang das Heulen von Acollon in ihr Ohr und sie nickte entschlossen.
„Sie rufen uns, wir sollten nun gehen, es gibt bestimmt wichtige Nachrichten.“
Hidoi hatte sich schon einige Schritte voran bewegt, Hanako warf noch einen Blick auf den See und die Umgebung, sie spürte dieses Gefühl der Fremde um sich, andere Wölfe mussten sich in diesem Wald aufhalten, es war deutlich zu spüren. Dann trabte sie aber auch voran, denn Hidoi wartete bereits am Waldrand auf sie und sie wollte ihn nicht stehen lassen. Nachdem Hanako neben dem Wolf stand, dem sie ihr Herz geschenkt hatte, lächelte sie diesen kurz an und stupste noch mal mit ihrem weißen Kopf gegen seine graue Schulter. Die Narben, die er trug, lösten ihn Hanako Mitleid aus, welches sie aber nicht direkt zeigte, vielleicht wollte Hidoi dafür kein Mitleid.
„Ich werde sofort zu Banshee gehen.“
Wiederholte Hanako sich und als sie am Rudelplatz ankamen, warf sie einen liebevollen und mutigen Blick zu Hidoi.
„Warte hier oder leg dich an ein trockenes Plätzchen, ich werd das schon klären.“
Sie schritt zu Banshee voran und stupste ihre Alphafähe sanft und mit Respekt an. Sie wollte ihrer Alpha zeigen, dass sie diese mochte, aber es wichtige Dinge zu klären gab, dementsprechend sah sie Banshee auch an, lächelte aber.
„Banshee, ich würde gerne mit dir reden. Es geht um die Sache mit Hidoi, ich denke, ich krieg das ganze nun ins Reine, wenn du mir ein wenig Zeit gibst, es dir zu erklären.“
Hidoi war stumm hinter Hanako her gelaufen. Er hatte wirklich wenig Lust wieder zu den anderen zu gehen, doch es blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Als Hanako zu Banshee ging, warf er ihr noch einen Blick hinterher, ohne zu wissen, welche Bedeutung dieser jetzt gehabt hatte. War es vielleicht Dankbarkeit? Ohne die anderen Wölfe und den Neuen zu beachten ließ er sich unter den Baum am See nieder und blickte starr auf den See.
Der Regen hatte sein Fell inzwischen komplett durchnässt. Er dachte wieder ein wenig nach. Was würde jetzt wohl geschehen? Eins stand für ihn fest. Wenn sich die Lage hier weiter zuspitzte, dann würde er unter großer Wahrscheinlichkeit gehen. Darauf hatte er nun wirklich keine Lust. Langsam wandte er seinen Blick herum, sah an den anderen Wölfen vorbei, weiterhin ohne diese zu beachten. Er sah zu Hanako. Irgendwie war es schon süß, wie sie versuchte alles ins Reine zu bringen. Er seufzte und blickte dann auf das Wasser. Wenn das alles vorbei war, dann war er ihr wohl eine Entschuldigung schuldig...
Der schwarze Rüde zischte laut auf und drehte sich um, die Pranke erhoben zum Zuschlag, konnte seinen Hieb noch gerade abfangen, als Acollon in das junge Gesicht der Welpin Leé sah. Erstaunt darüber, dass sie einfach in ihn hineingelaufen war, zog er die Augenbrauen genervt zusammen. Sein Blick huschte über die Wölfe, die anwesend waren, es schien alles zu zerbrechen, fiel ineinander. Sollte das jetzt schon die Wirkung eines angeblichen Seelensammlers sein? Lächerlich. Der schwarze Rüde fixierte die Welpin.
„Am besten du bleibst immer beim Rudel, und entfernst dich nicht zu weit, verstanden?!“
knurrte er der Welpin zu. Vielleicht waren die Worte gut gemeint, aber man konnte sie leicht falsch auffassen. Der schwarze Rüde würde ein Auge auf Leé haben, schließlich konnte man nie ahnen was ein törichter Welpe alles anstellen konnte. Das Einzige was Acollon wirklich vorsichtig machte, war Falks Auftreten, auch ohne jegliche Worte, konnte man seine Gedanken fast erraten. Sein Blick huschte umher, seine Augen verengten sich, wie hatte ihm diese Fähe nicht auffallen können? Sie hatte ein auffälliges rotes Fell und schien das Rudelgeschehen zu beobachten. Als er sich entschlossen hatte, ihr entgegen zu kommen, ertönte ein Heulen.
„Könnt ihr euch nicht einen verdammten anderen Tag aussuchen, an dem ihr eure hässlichen Pfoten über unsere Reviergrenzen schwingt?!“
knurrte er leise. Er warf seiner Fähe einen vertrauten Blick zu, der ihr versichern sollte, falls es Probleme gab, dass er zur Stelle sein würde. Dann trabte er auf die Wölfin zu, dessen ungewöhnliche Fellfarbe wirklich rot war.
Ohne eine einleitende Begrüßung zu verschwenden, fragte er forsch:
„Wer seid Ihr, Wölfin mit dem roten Fell?“
Seine Augen huschten wieder auf das Geschehen, das Rudel drohte ernsthaft zu zerfallen.
„Mein Name ist Acollon, Alpharüde der Wölfe der Sternenwinde.“
fügte er Anstandshalber hinzu. Auf dem Rudelplatz hielten Mittlerweile Banshee, Falk, Hanako, Hidoi, Eris, Dayon und Leé die Stellung. Würde jemand nicht erscheinen? Und womit hatte Acollon, das nun wieder verdient? Sein Vater Fenris war ihm nun wirklich nicht gnädig. Das Leichteste wäre gewesen, einfach abzuhauen, doch das war erstens nicht seine Wesensart, und zweitens würde er Banshee nicht allein in diesem Chaos zurücklassen. Acollon richtete sich etwas auf, und sah nun auf die Wölfin hinab.
Eris fühlte sich wie ein Kochtopf mit brodelndem Inhalt, den jemand auf dem Feuer vergessen hatte. Eben war ihr die wohl besch- ~eidenste Begrüßung ihres Lebens zugute gekommen und dieser Falk ... ja, dieser Falk hatte sie wie eine Kartoffel aufgespießt, über dem Feuer geröstet und dann, als sie Anstalten machte zurückzufeuern, hatte er sie wieder fallen und im Regen stehen gelassen. Und, verdammt, es stimmte! Denn jetzt hatte es auch noch begonnen wie aus Eimern zu schütteln. Eris senkte den Kopf. Was für ein wundervoller Morgen das doch war ... Und Dayon hatte sich auch verpieselt. Eris fuhr wütend mit der Pfote durch eine schlammige Pfütze, dass sich die Spritzer mit dem niederfallenden Regen vermischten. Der sonst seidige schwarze Pelz klebte ihr nass am Körper und schwenkte unten an den Flanken mit ihren Bewegungen mit. Als sie sich dann auf den kurzen Weg zurück zum Rudelplatz machte, höchstwahrscheinlich dem Ruf des schwarzen Alpharüden folgend, kam sie eher einer Krähe gleich, die durch den Wald schlich. Zwischen ebenso dunklen Bäumen hindurch. Sie trat auf den Platz, auf dem, soweit Eris es durch den verschleiernden Regen erkennen konnte, schon ziemlich viele Wölfe waren. Langsam und immer noch etwas grummelig gesellte sie sich zu Banshee. Falk versuchte sie zu übersehen.
Akai machte keine großen Anstalten zurückzuweichen. Er war wohl nicht gerade gut auf fremde Wölfe zu sprechen. Kein Wunder. Das kannte sie selbst. Ihn etwas musternd schaut sie zu ihm hoch.
"Mein Name ist Akai. Eigentlich bin ich nur auf der Suche nach jemandem."
lautete ihre Antwort. Sie hatte eine leisen, jedoch bestimmten Klang. Der Rüde schien wohl einige Probleme am Hals zu haben. Ihr Blick geht an ihm vorbei zu dem Rudel. Sie betrachtet die Wölfe. Sie schienen alle ziemlich durcheinander oder ähnliches zu sein.
"Wandere ich durch euer Revier?"
fragt sie. Wohl etwas überflüssig, aber sie war auch schon auf wandernde Rudel gestoßen. Die Ohren wackeln hin- und her. Sie war vorsichtig. Misstrauen glänzte seit jeher in den seltsam gefärbten Augen. Der Regen machte ihr nichts aus. Das rote Fell hing in langen Strähnen an ihr herab. Man sah, wie dünn ihr Körperbau war. Außerdem färbte sich der Regen, der ihre Schnauze entlang floss rot. Sie musste etwas erlegt haben. Dann wandte sich Akai wieder dem Rüden zu. Warum er wohl auf den vorhin erklungenen Ruf nicht reagierte? Still bleibt sie abwartend stehen.
Leé blieb wie angewurzelt stehen, als Acollon sich zu ihr umdrehte. Sie Bewegte sich kein bisschen, nicht einmal, als Acollon seine Pfote emporhob. Sie schaute ihn nur mit zusammengekniffenen Augen an. Als er sie anknurrte, und ihr sagte, sie soll beim Rudel bleiben, nickte sie ihm wortlos zu und entfernte sich ein bisschen vor ihm und setzte sich hin. Ihre Augen wanderten von Wolf zu Wolf. An einer Fähe mit rotem Fell, blieb ihr Blick hängen. Sie stellte neugierig ihre Ohren vor und hörte ihr zu, was sie sagte. Dass sie auf der Suche nach jemandem war, weckte in Leé misstrauen und zugleich große Neugier. Leé stand langsam auf und lief auf Akai zu. Sie schaute sie neugierig an. Betrachtete ihr Fell, ihre Augen und ihre rote Gefärbte Nase.
"Wen suchst du?"
fragte Leé plötzlich, ohne es richtig zu wollen, doch die Frage interessierte sie ohnehin und sie wollte nicht warten, bis sie es von alleine sagte, dazu war sie zu neugierig.
Die Fähe schaute zu einer Welpin herab. Sie musste sehr neugierig sein. Doch Akai spürte ihr Misstrauen. Ohne große Umschweife antwortete sie wahrheitsgemäß:
"Den Mörder meines Bruders."
Sie wusste nicht, ob es gut war, einem so jungen Tier so etwas frei aus zu sagen, aber sie wusste im Allgemeinen nicht, wie man sich anderen Wölfen gegenüber benahm. Sie lächelt nun wieder den Rüden kalt an.
"Habt ihr einen schwarzen, ziemlich kleinen Rüden ohne Rute gesehen?"
Wieder schaute sie zu der Kleinen.
"Wie heißt du?"
Fragt sie in einem ungewöhnlich sanften Tonfall. Sie leckt das Blut von ihrer Schnauze und schüttelt sich das Wasser aus dem Fell.
"Du kannst mich Akai nennen."
Fügt sie höflichkeitshalber hinzu. Die Kleine war ihr sympathisch. Sie erinnerte sie ein wenig an sich selbst. Doch glücklicher.
Leé fand die Fremde äußerst interessant, doch sie beherrschte sich mit ihrer Fragerei erstmals. Als sie hörte, dass Akai den Mörder ihres Bruders suchte, erschien gleich wieder das Bild des Mannes, der sie hochhob. Sie hasste es, wenn sie dieses Monster wieder vor Augen hatte. Mörder war ein ihr bekanntes Wort, welchem sie selber einst begegnete. Sie hatte auch manchmal das Gefühl davon nie loszukommen. Doch sie wusste, dass er, der Mann nicht wiederkommen würde.
"Das mit deinem Bruder tut mir Leid ..."
flüsterte Leé. Dann setzte sie sich hin und lächelte Akai tröstend an. Sie schaute auf den Boden auf ihre pfoten,die so klein wirkten für andere. Für Leé waren sie schon viel größer geworden. Dann blickte sie wieder Akai an und lächelte.
"Ich heiße Leé"
sagte sie nun etwas lauter. Sie wedelte sacht und freute sich über die Bekanntschaft mit ihr.
Akai lächelte recht freundlich. Und setzte sich dann hin. Ihre Aufmerksamkeit wandte sich nun ganz Leé zu.
"Es ist schon lange her. Aber ich danke dir."
Für ihre Verhältnisse sprach Akai viel. Sehr viel sogar. Es war, als hätte die kleine Wölfin den Vorhang, durch den sie immer zu den anderen Wölfen schaute, wie außerhalb, einfach durchtapst. Sie sprach immer nur so wenig. Und die meisten Wölfe wichen ihr aus. Nur, weil ihr Vater sie als Mörderin ihres Bruders verschrien hatte. Das verräterische Blut des eigentlichen Mörders an ihrer Schnauze ließ es damals alle glauben. Sie war sowieso immer die Ausgestoßene gewesen. Doch Leé schien das nicht zu stören. Weder die ungewöhnliche Fell- und Augenfärbung, noch, dass sie eine seltsame Art hatte. Der Regen tropft in die langen Ohren der Fähe und sie schüttelt sich ein zweites Mal.
Der schwarze Rüde lauschte erst dem Gespräch duldend, dann sah Acollon Leé scharf an.
“Hat man dir nicht beigebracht, dass man sich aus einem Gespräch unter Erwachsenen heraushält, du …“
Acollon verkniff sich eine Beleidigung und sah nun wieder die rote Fähe an. Die offensichtliche Frage zu stellen, ob sie in ihrem Revier war, war wohl überflüssig, und der schwarze Rüde hielt es ebenfalls für unnötig eine Antwort zu geben.
„Einen Wolf mit gekappter Rute würde uns wohl sofort auffallen, und nein, wir haben einen solchen nicht gesehen. Damit bist hier vergeblich auf der Suche.“
der schwarze Alpha sah Leé warnend an, auch wenn es gleich etwas provokant schien. Was ging ihn eigentlich die Probleme anderer Wölfe an? Und was suchte er eigentlich hier, neben der roten Fähe und Leé? Der schwarze Rüde musste zugeben, dass er einen Wolf mit einer solch ungewöhnlichen Fellfarbe noch nie gesehen hatte. Doch egal wie ungewöhnlich oder hübsch sie auch sein mochte, sie kam unpassend. Sich jetzt die passenden Worte für eine Erklärung zusammen zu suchen, wäre recht mühsam gewesen und auch nicht ganz Acollons Stil, deshalb wies er nur mit einem genervten Kopfnicken in Richtung Rudelplatz. Das Blut des Leichnams tropfte nun über seine Pfoten hinab, und tränkte den ohnehin schon eingeweichten Boden. Der Regen wurde von einem harten Wind gegen die Flanken der Wölfe geschleudert.
„Die weiße Fähe dort drüben, ist die Alphafähe und ihr Name ist Banshee.“
gab er noch knapp zu verstehen und drehte sich dann wieder dem Geschehen zu, jedoch ohne sich von der roten Fähe wegzugehen. Eine Pfote trat näher zu der Welpin. Auch wenn ihr Verhalten oft den schwarzen Rüden störte, konnte er der Neugier der Welpin kein Ende bereiten, gleich dem, dass er nie so etwas wie Neugier verspürt hatte. Konnte der Gesandte des Todes überhaupt so etwas wahrnehmen?
Banshee sah auf, als sie das Heulen einer Fähe hörte und eine weitere plötzlich auftauchte. Sie murrte leise, so leise, dass es niemand, außer vielleicht Lluvian hatte hören können. Wahrlich, jetzt neue Wölfe bedeutete besonders den Überblick zu verlieren und genau das war nun sehr gefährlich, wo jeder Wolf ein Feind sein konnte. Gleichzeitig beruhigte es irgendwie, die beiden Fähen konnten unmöglich die Gefahr sein, also konnte man ihnen vertrauen, sollten sie sich im sonstigen Wesen dazu eignen. Ihr Blick wanderte zu Falk, der seinen Blick auf seltsame Art abwandte, niemanden ansah und gleichzeitig erstaunlich zielsicher zu ihnen lief. Wieder spürte sie diese Welle des Misstrauens und gleichzeitig dieses heftigen Wehrens gegen eben jene Welle, es war doch Falk, es war doch ihr Beta.
"Falk?"
Sie wusste selbst nicht, was sie damit bezweckte, ihn zu fragen war sinnlos, nur vielleicht würden seien Augen etwas verraten, gleichzeitig hatte sie Angst vor der Wahrheit. Eris gesellte sich zu ihnen, vermied es Falk anzusehen, was Banshee nur mit einem fragenden Blick zu der schwarzen Fähe kommentierte. Eine kurze Zeit verstrich schweigend, dann tauchte Hanako wieder auf, lief schnurstracks auf sie zu und stupste sie freundlich an, ihr Lächeln erwiderte Banshee nur schwach.
"Hanako, ich freue mich sehr, dass du die ganze Angelegenheit wieder ins Reine bringen willst und ebenso bereitwillig will ich dir auch zu hören, nur die Zeit macht mir zu schaffen. Wie du siehst scheinen schon wieder zwei Fähen zu uns gestoßen zu sein und hier neben mir steht ein weiterer Rüde und ..."
.oO(... und Falk ...)
"... die Nachricht des schwarzen Boten verschlimmert die Lage. Wir rufen nun das Rudel zusammen und werden wohl allen davon bereichten, es wird wohl nötig sein. Dennoch will ich dich anhören, so sprich, doch eile dich. Vielleicht wäre jedoch ein anderer Zeitpunkt angebrachter."
Sie schüttelte sich leicht, versuchte den Regen, der in ihre Ohren gekommen war, los zu werden, mit dem Erfolg, dass gleich nachdem erneut die dicken Tropfen ihr Gehör verstopften. Ihre Augen wurden genauso von dem Schleier benebelt, dieser Regen war fast schlimmer als ein kurzer Sturm. Schon begann sie sich nach einem wirklich trockenen Plätzchen zu sehnen.
Kipsha ging auf eine weiße Wölfin zu, die etwas verwirt aussah. Sie zog die Rute ein, denn sie wollte nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen, als sie bei der weißen Fähe war, fragte sie sie:
"Hallo, ich bin Kipsha und wer seid ihr?"
Fragte Kipsha etwas unsicher, sie wurde von niemandem beachtet, sie hoffte das diese Wölfin ihr wenigstens eine Antwort geben würde. Kipsha legte sich auf den Rücken um der weißen Fähe gleich klar zu machen, dass sie keine Bedrohung war, sie wollte nur in das Rudel einsteigen. Kipsha schaute nach oben und bewunderte die weiße Fähe genau, sie sah sehr stark aus. Sie wartete geduldig auf eine Antwort.
Hanako lauschte Banshee mit vollem Verständnis, die Fähe hatte es gerade nicht sehr leicht, es schienen neue Mitglieder zu kommen und jeder hier konnte wohl der Feind sein, so wie es schien. Die Lage hatte sich sehr zugespitzt und es gab sicherlich einen viel besseren Zeitpunkt, aber es nützte nichts.
"Du wirkst müde, Banshee, kann ich dir irgendwie helfen? Der Stress hier scheint dich langsam mitzunehmen."
Hanako wollte nicht, dass ihre beiden Alpha zu sehr mit den Problemen erdrückt wurden, auch Acollon schien gereizter durch das alles hier und Hanako konnte es sehr verstehen. Sie fand es jedoch nicht in Ordnung, wie er ihre Tochter anblaffte, die Kleine war vielleicht noch etwas zu Jung für den Stress. Aber sie würde Acollon nicht darauf ansprechen, denn sie hatte auch Respekt vor ihm. Er würde schon wissen, was er tat.
"Ich will es nur kurz zusammen fassen, Banshee: Ich habe mit Hidoi über die Situation geredet und ihn belehrt, dass er euren Standpunkt verstehen muss und ihr ihn niemals als einen Mörder darstellen wollt, solch einen Eindruck hatte er. Ich denke, dass er Kraft gewonnen hat und einen zweiten Start macht. Aber bitte versucht auch ihn zu verstehen, denn er hat mir das Leben gerettet, ohne ihn würde ich hier nicht stehen und dafür musste einer der beiden Wölfe leiden. Dass er an den Schmerzen erlegen wird, wusste keiner und war keine Absicht. Bitte versucht auch ihm etwas entgegen zu kommen, sonst wird er wohlmöglich gehen und das würde mir im Herzen wehtun. Mehr wollte ich nicht, du brauchst mir jetzt keine Antwort zu geben, beseitige die Probleme, kläre die Dinge und lass uns später ausführlicher Reden, ich kümmere mich um meine Tochter!"
Sie lächelte ihrer Alphafähe aufmunternd zu und bat ihr noch mal die Hilfe an, dann ging sie zu Leé, die bei Acollon und einer fremden Fähe stand. Acollon ging gerade mächtig auf Leé los und Hanako schüttelte den Kopf, wie wollte dieser Wolf nur eigene Welpen erziehen?
"Acollon, es tut mir aufrichtig leid, dass Leé sich in das Gespräch eingemischt hat, ich weiß auch nicht, was mit ihr los ist, lasst euch nicht von ihr stören. Leé, wir müssen reden!"
Sie sah Leé mit eindringlichen Augen an und schob sie etwas von den beiden Wölfen weg, dann seufzte sie leise.
"Meine Kleine, es ist ein völliges Durcheinander zur Zeit, es tut mir leid, dass ich dich vernachlässigt habe, ich will dir nun etwas mehr Zeit schenken."
Leé wartete gespannt, ob Akai vielleicht noch etwas sagen würde. Dann hörte sie Acollon hinter sich und sie drehte sich unterwürfig zu ihm um. Sie schaute ihn nicht an, sondern lief mit gesenktem Kopf mit Hanako mit. Traurig schaute sie ihre Mutter an.
"Ich bin nicht durcheinander gewesen ... nur jetzt ... warum darf ich Akai keine Fragen stellen Hanako? Ich verstehe Acollon nicht ..."
Leé schaute zu Boden auf ihre Pfoten. Nun waren sie ganz klein. Nicht so groß wie sie ihr vorher erschienen waren. Leé wünschte sich, groß zu sein.
Akai sah ihr nach. Er war wohl sehr rau. Sie mustert Banshee, die auf sie sehr gestresst aber trotzdem stark wirkte.
"Euer Rudel wirkt angespannt. Nicht, dass es mich was anginge, aber ist etwas passiert?"
fragt sie ruhig, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Schließlich war sie es gewohnt, ignoriert zu werden. Ihr Blick heftet sich an Hanako, die Fähe mit der Leé mitgegangen war. Wieder leckt sie sich über die Schnauze, denn der regen störte sie. Er kitzelte und in der Gegenwart anderer Wölfe und eines fremden Alphas würde sie wohl kaum nießen wollen. Die bernstein- bis goldgelbfarbenen Augen richten sich wieder auf den schwarzen Rüden. Er schien weder Neugierde noch Interesse zu zeigen. Doch das störte sie nicht. Still bleibt sie hinter dem Rüden zurück. Sie konnte es nicht leiden, von allen angeschaut zu werden. Zum Glück war dies ja nicht so. Und wenn es nach ihr ginge würde es so bleiben. Sie wollte nie wieder so fühlen wie man es ihr in ihrem Welpenalter beigebracht hatte. Als sie einen Schritt nach vorne macht knackt etwas. Es war nicht der kleine Ast, den sie zertreten hatte, nein, es war ihre Pfote gewesen. Sie verzog keine Miene. Das musste doch wehgetan haben.
Hanako hatte leise geseufzt und nahm Leé am Nackenfell, dann trug sie ihre Tochter unter ein leicht trockenes Plätzchen, wo nicht sehr viele Regentropfen durchprasselten. Sie setzte die Kleine zwischen ihren Pfoten ab und stupste sie mit der Schnauze kurz an, dann versuchte sie ihrer Kleinen die Antwort verständlich zu machen, sie musste verstehen, wieso Acollon so reagierte.
"Meine Kleine, natürlich darfst du der neuen Fähe Fragen stellen, aber wir sollten sie erst einmal besser kennen lernen. Niemand hier weiß, welchen Wolf der Fremde mit seinen Worten meinte, jeder hier kann es sein, auch Akai. Und Acollon hat mit seinen Worten Recht, auch wenn er sie etwas Hart gesagt hat, es stimmt. Erwachsene Wölfe sind immer Erster, egal, was sie tun. Du solltest dich in kein Gespräch von zwei ausgewachsenen Wölfen einmischen, solange du noch ein Welpe bist, keinen Rang hast und dich noch den Alpha zu verpflichten hast. Es wird noch einige Zeit dauern, bis du als Welpe all die Regeln hier verstehen wirst, bis du soweit ausgewachsen bist, um deine eigenen Wege zu gehen. Aber glaube mir...genieße deine Kindheit, so lange du sie hast, denn viele Welpen hatte eine grausame Kindheit und kennen diese Glücksgefühle nicht. Ich will dir alles geben, damit du deine Zeit genießt, Leé. Nutze es."
Sie lächelte leicht und schleckte der Kleinen über die Schnauze, sie wollte ihre Tochter glücklich machen. Einen Blick warf sie zu Hidoi, mit einem Lächeln, einen liebevollen Blick. Sie mochte ihn so sehr.
Der schwarze Rüde verdrehte die Augen, und ließ ein leises Knurren hören. Hanako schien Acollon, genau wie der Rest des Rudels, ausgenommen von Banshee, auch zu fürchten und nicht sehr zu mögen. Etwas anderes war der Rüde auch nicht gewöhnt und war auch froh darüber weiteren Verkehr mit irgendwelchen Wölfen aus dem Weg gehen zu können. Und dennoch war es seltsam, wie die weiße Wölfin ihre Tochter zur Seite nahm und erzog. Acollon hatte selbst einmal ein Kind gehabt, Sayo, der zusammen mit vier anderen Seelen in einem Körper gefangen war. Diesem Wolf war er zugeneigt gewesen, hatte ihn schützen wollen, auch wenn es nicht immer leicht war, und jetzt war er weg. Ohne Worte. Was er wohl gerade tat? Sicherlich hätte er in diesem Chaos aufblühen können, seine liebenswerte Art war fast gleichend mit der Banshees. Der Alpharüde hatte wohl eine Schwäche für solche Wölfe. Und auch wenn es manchmal nicht so schien, er nahm den Umgang mit anderen Wölfen sehr genau, hielt sich unter Kontrolle, und war- für seine Meinung- nett. Aber was für Acollon nett schien, war für andere angriffslustig und forsch. Was er sich aber nicht selbst zur Last legte. Wieder den Blick auf der roten Fähe, verengte er die Augen. Diese Geste besagte nichts, nur, dass er über die Situation kein Wort mehr verlieren wollte.
„Falls du die Absicht hegst, Akai, hier zu bleiben, so tu es. Auch wenn das Rudel gerade im Chaos versinkt. Oder ziehe weiter, entscheide frei, doch lass es uns wissen.“
Mit diesen recht forschen Worten drehte er sich um, und schritt auf seine Fähe zu. Die provokante Art, einem fremden Wolf den Rücken zuzudrehen, bewies das Vertrauen auf seine Stärke.
„Banshee, es scheinen nicht alle meinen Ruf gehört zu haben- oder sage ich es am besten so, sie wollten ihn wohl überhören, so rufe sie bitte zusammen, den Rest würde ich übernehmen.“
Dieses Angebot zeigte Banshee, wie sehr Acollon versuchte seine Fähe zu unterstützen. Auch das Angebot das er reden würde, war ein Zeichen, dass er seinen Alphaposten ernst nahm.
Die Fähe störte es nicht weiter, dass er so auf seine Stärke vertraute. Akai hatte nicht vor jemanden anzugreifen und damit ein ganzes Rudel auf sich zu hetzten. Es wäre realistisch gesehen undenkbar dann noch mal lebend wegzukommen. Sie setzt sich auf ihre Hinterläufe. Ein zweites Knacken ist zu hören. Und diesmal auch ein leises Aufheulen. Ein sehr leises.
.oO(So was Be... scheidenes!)
Sie beobachtete die Szene weiterhin von außerhalb und machte keine großen Anstalten Acollon zu folgen. Sein Angebot war wohl sehr viel eher rhetorisch gewesen. Und falls sogar ernst gemeint, wollte sie sich es gut überlegen. Ein Rudel. Das war ihr nicht geheuer. Sie mochte nicht viele Kontakte, eigentlich nur einen wirklichen, gehabt haben, aber sie wusste um die Gefahr, verletzt zu werden, wenn man jemanden an sich heran ließ. Das wollte sie sich erst überlegen, ob es das wert war zu riskieren. Andererseits sehnte sie sich nach einer wirklichen Familie, etwas, was sie nie gehabt hatte. Sie legte den Kopf schief und wog ab, ob ein Rudel etwas Positives sei. Vor einigen Tagen hätte sie die Antwort auch so gewusst: Nein. Aber seit sie auf diese gestoßen war, und vor allem auf die kleine Wölfin Leé, war sie sich da nicht mehr so sicher.
Wie ein Schatten, lief Mitsu durch den Wald, die Schnauze am Boden. Das Wasser lief ihr in Mengen das Fell hinunter und ließ es eng anliegen. Leicht schüttelte sie sich, wusste jedoch, dass es sinnlos war. Die Versuchung war groß sich einfach eine Höhle zu suchen, um sich nicht weiter nass regnen zu lassen. Doch das durfte sie nicht. Beharrlich folgte sie der Spur des Rudels. Nach einiger Zeit sah sie das Rudel. Es waren viele Wölfe ... Mitsu schluckte leicht, bevor sie langsam weiter ging.
.oO(Du darfst keine Angst haben. Sie kennen deine Vergangenheit nicht solange du nichts sagst.)
Mitsu setzte sich in einiger Entfernung auf ihre Hinterläufe, hob die Schnauze in die Luft und heulte um auf sich aufmerksam zu machen. Dann wartete sie, den Kopf gesenkt auf eine Antwort.
Falk fragte sich, wo Ayala steckte. Was war da los? Hatte sie den Ruf nicht gehört? Oder wurde sie durch etwas aufgehalten? Aber wodurch denn? Natürlich - Dayon. Plötzlich erschien dem Rüden alles glasklar - er war gar nicht so willkommen, wie er gedacht hatte. Sie alle waren froh gewesen, ihn wieder los zu sein und nun war er wieder da und sie hatten ihn wieder am Hacken. Ayala war bestimmt inzwischen Dayons Gefährtin geworden, ein Grund mehr ihn abzusägen.
"Banshee und Dayon haben mich in dieser Zeit umsorgt... Sie sind einfach wunderbar."
Wie Hohngelächter hallte es Falk in den Ohren. So war das also. Und wie anstrengend war es für Ayala gewesen, die ganze Zeit seine Liebkosungen und Zärtlichkeiten zu ertragen, ja, ihm noch seine Liebe gestehen zu müssen? Garantiert hatte sich Dayon in seiner Zweisamkeit mit Ayala gestört gefühlt, gestört durch ihn, Falk. Und Banshee, garantiert hatte sie sich die gesamte Zeit gefragt, wie sie Falk wieder loswerden könnten, denn der Hüne stellte schließlich eine Gefahr dar und wenn er wollte, könnte er ihrem Acollon mit einem Happs die Knochen brechen. Er hörte seinen Namen, hörte ihn fragend von der Seite. Okay, nun war es also soweit. Nun würde man ihn erst freundlich bitten, sich doch lieb zu verpieseln. Er sah Banshee und sah sie doch nicht, sah durch sie hindurch. Nein, er würde sich nicht so abfertigen lassen. Er würde das Ganze auf seine Weise beenden. Seine Augen suchten Acollon, suchten Dayon und Ayala.
.oO(Wenn es soweit kommt, wird erst Acollon dran glauben müssen und dann Dayon... Und dann jeder andere in diesem verdammten Rudel... Ich hasse euch! Ich hasse euch alle!)Oo.
Er verengte die Augen zu Schlitzen und schnappte:
"Ja, was?!
Hidoi sah dem Gerangel zu. Nein, wie dumm sie auch alle waren. Warfen sich gegenseitig Misstrauische blicke zu, die besten Freunde schienen zu Feinden zu werden. Oh wir dumm, dumm und töricht. Da erzählte ein einzelner Wolf ... Nein, das konnte man schon nicht mal mehr Verstand nennen.
"Wie kann man nur so bescheuert sein. Jetzt fangen sie an ihren engsten Vertrauten zu misstrauen, nur weil irgend ein daher gelaufener Rüde kurz vor seinem Tod irgendwas gesagt hat. Es muss ja nicht mal stimmen was dieser Wolf gesagt hat und schon springen sie alle im Dreieck, oh man, in was bin ich hier nur rein geraten. Hirnlos, anders kann man es nicht mehr nennen."
knurrte er leise mehr zu sich selbst. War ihm scheiß egal, ob das nun jemand gehört hatte oder nicht. Aber, diese aufgescheuchten Hühner schienen ja sowieso nix mehr wahr zu nehmen in ihrem Misstrauen, scheu wie Pferde, eine Horde voller Wildpferde und wenn man eine Stecknadel fallen ließ, stoben sie alle auseinander und rissen sich gegenseitig die Köpfe ab. Spöttisch lachte er leise in sich hinein und sah dann ohne den Rest der Vollidioten zu beachten wieder auf den See. Die einzigen die nicht so schienen waren Hanako und Leé. Aber Leé war ja auch nur ein Welpe.
Die weiße Fähe stolperte nervös durchs Unterholz, sich immer wieder fragend, warum sie von Eris gerufen worden war. Abrupt blieb sie stehen, als sie beinahe mit einem braunen Rüden zusammenstieß. Ärgerlich wollte sie diesem etwas entgegensetzen, als sie in das wohlbekannte Gesicht Dayons blickte. Freudig begann sie mit ihrem Schwanz zu wedeln, stupste ihn an und lächelte ihm zu. Einerseits erfreut, ihn zu sehen, andererseits erleichtert endlich jemanden zu haben, der ihr erklären konnte, was hier vor sich ging.
"Dayon! Wie kommst du hierher? Hast du uns gesucht?"
Bei ihren Worten blickte sie sich unbemerkt um…wie lächerlich es wirkte, in der Mehrzahl zu reden, Falk war längst fort. Wieder legte sich ein Nebel von Besorgnis auf sie nieder.
"Erzähl mir, was hier vor sich geht! Falk ist ganz bestürzt aufgebrochen, Eris hat mich gerufen – was ist los?"
Sorgenvoll blickte sie ihn an, inzwischen war auch sie sich sicher, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zuging, sie wurde immer unruhiger. Vielleicht sollten sie dem Hünen folgen, wohin auch immer er gegangen war. Er brauchte vielleicht Hilfe…ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen – Ayala nahm ein langgezogenes, an Lautstärke zunehmendes Heulen von der Ferne wahr…Banshee! Sofort war sie auf dem Sprung.
„Dayon, lass uns zurück gehen! Es ist etwas passiert, ich, ich…spüre es! Erzähl mir auf dem Weg, was du weißt, wir sollten uns beeilen!“
Sie lief los, blickte sich im Laufen nach Dayon um – doch ihre Gedanken waren bei Falk.
Banshee sah Hanako hinterher, wie sie wieder im Regen verschwand, ein leichtes Lächeln bildete sich auf ihren Lefzen, dann hörte sie das erneute Heulen einer Fremden. Langsam hob sie die Schnauze und antwortete mit kraftvoller Stimme und dem Willen den Regen zu überbrücken.
"Komm näher, Fremde."
Dann wandte sie sich zu der schwarzen Fähe, die erneut zu ihr kam. Sie unterwarf sich sofort und Banshee musste erneut leicht Lächeln.
"Willkommen, Kipsha, ich bin Banshee, die Leitwölfin. Was führt dich zu uns?"
Ruhig atmend stand sie vor der Schwarzen und genoss die kurze Stille, die nur vom monotonen regen unterbrochen wurde. Das Platschen auf den See klang wie das Klacken von krallen auf hartem Stein. Sie seufzte leise, dann spürte sie Falks Blick und zuckte leicht zusammen. Ebenso sein Ton, als er sein "Ja, was." Hervor stieß. Langsam wandte sie sich ganz zu ihm und richtete sich auf, obwohl sie kleiner war, als er, schien es, als würde sie ihn von oben herab mustern.
"Was ist in dich gefahren?"
Die Frage war mehr oder weniger sinnlos, sicher konnte man ihr Misstrauen genauso spüren wie man nun seines Sehen konnte, doch sie wollte dieses Misstrauen nicht hegen, sie wünschte sich nichts mehr, als dass sie es mit einem Pfotenhieb zerschlagen könnte. Eigentlich wollte sie auch etwas Nettes sagen, aber irgendwie merkte sie, wie sie die ganze Situation auf eine Art und Weise reizte wie sie es noch nie gespürt hatte.
Dayons Rute begann ebenfalls zu wedeln, als er sah wie glücklich Ayala darüber war ihn zu sehen.
"Ja, ich wollte dich wieder sehen:"
Er lächelte, doch plötzlich rannte sie los und sein Gesicht verzog sich ein wenig. Schnell sprang er ihr nach, holte sie ein und versuchte sie dazu zu bringen langsamer zu gehen.
"Eris hat dich gerufen, weil ich sie darum gebeten habe und Falk geht seinen Pflichten als Beta nach. Wir werden zurück zum Rudel gehen, aber renn doch nicht so, ich würde mich so gerne wieder mit dir unterhalten."
Er lächelte traurig und trabte dann nur noch langsam, sah sie flehend an und schwang leicht die Rute hin und her.
Ayala verlangsamte ihr Tempo etwas. Sie blickte zurück zu Dayon, er hatte von nichts Unvorhergesehenem geredet, von nichts...Bedrohlichem. Und doch glaubte sie, ihre innere Unruhe zeigte ihr deutlich, dass etwas nicht in Ordnung war. Als sie den traurigen Ausdruck des braunen Rüden wahrnahm, blieb sie stehen. Sie musterte ihn mit einem aufgehenden Lächeln, stupste ihn aufmunternd an und schleckte ihm über die Schnauze.
"Ja, Dayon, du hast Recht...lass uns uns unterhalten. Verzeih mir, aber meine unbegründete Angst um Falk hat wohl meine Sinne etwas getrübt. Trotzdem sollten wir schleunigst zum Rudelplatz, Banshee hat sicher einen Grund, uns zusammenzurufen - und von hier aus ist es noch ein ganz schönes Stück..."
Mit ihm zugewandtem Haupt ging sie langsam weiter. Irgendwie schien etwas an Dayon anders zu sein, sie kam nicht darauf, was. Hätten sich Falk und sie gleich um ihn kümmern sollen? Er wirkte so einsam ... Ayala blieb abrupt stehen - das war es gewesen!
"Dayon...wo ist denn Moon geblieben? Ihr seid doch sonst nicht voneinander zu trennen."
Fragend blickte sie ihn an.
23.12.2009, 16:44
.oO(Das wird mir hier alles zu doof.)
dachte sich Eris im Stillen. Um sie herum schien alles zu schreien. Der Regen schrie, prasselte so laut, als versuche er alle anderen zu übertönen. Die Wölfe riefen sich gegenseitig Dinge zu, gereizt vom Chaos und nicht in der Lage sich zu verstehen. Gereizt vom Regen; gereizt von den Neuen, die so unsicher waren und die lieber tippelnd auf der Stelle standen, als sich zu entscheiden. Sich mitteilen wollten, die Aufmerksamkeit wollten. Wenn auch nur um unnötigen Ärger zu vermeiden, wenn auch nur im guten Sinne. Alles regte Eris auf. Auch sie wollte schreien! Die Alphawölfe anschreien, weil sie nicht für Ruhe sorgten, den Himmel anschreien, weil er sich gefälligst einen besseren Zeitpunkt für seine Launen aussuchen wollte. Alles und jeden und so laut, dass die ganze Welt für einen Moment verstummte. Eris konnte selbst die Stille im Inneren nicht mehr wahren. Es fühlte sich an, als würde im nächsten Moment das Chaos und der Lärm durch die Ohren in ihr Inneres kriechen und sich dort ausbreiten. Jetzt reichte es. Das beschloss Eris.
Sie tapste durch den nassen, matschigen Grund zu Banshee hin und führte ihre Schnauze zu Banshees Ohr, damit sie sie verstehen konnte.
"Banshee, es fehlen nur noch Ayala und Dayon, richtig? Ich halt das hier nicht mehr aus. Ich geh sie suchen, ja?"
Eris hatte laut und deutlich gerufen, in der Hoffnung, dass es bei ihr ankam. Sie trat einen Schritt zurück, damit die weiße Alphafähe sich nicht womöglich bedrängt fühlte. Vielleicht war ihr ja auch nach Schreien oder Um-sich-Schlagen zu Mute.
"Mist! Erst droht das Feuer nach diesem blöden Falk Ayala zu verzehren und jetzt! Was hat sie jetzt im Wald verloren, verdammt?!"
rief sie in den Regen, ohne jemanden damit anzusprechen, sondern um sich abzureagieren.
Kipsha ging auf eine kleine Fähe zu, die wie sie hörte Leé hieß. Sie ging auf das Welpen zu und fragte sie höfflich:
" Hi, ich bin Kipsha und bin neu hier, aber es beachtet mich hier niemand, kannst du mir vielleicht helfen?"
Fragte Kipsha den Welpen. Kipsha fühlte sich, als ob sie ein Geist wäre, sie hatte so viele Wölfe angesprochen und niemand hatte ihr eine Antwort gegeben, sie wusste nicht, warum, aber sie hofft, das das Welpen ihr jetzt weiter helfen würde. Kipsha schaute den Welpen an, hilflos und verlassen fühlte sie sich.
Hanako nahm sofort beschützend ihre Tochter an sich, als eine der fremden Fähe auf die zukam und einfach mit ihrer Tochter sprach.
"Gedulde dich, Kipsha, es gibt noch andere Wölfe hier im Revier und wie du vielleicht siehst, herrscht etwas Chaos und Aufruhe. Wenn du die Zeit rennen lässt, werden Banshee oder auch Acollon mit dir reden und dich eventuell auch aufnehmen."
Hanako nervte es etwas, dass jeder Wolf der Neu hier auftauchte gleich im Mittelpunkt stehen wollte, aber jeder Wolf suchte auch Schutz und fühlte sich unsicher, deshalb konnte sie es bei dieser jungen Fähe hier auch verstehen.
"Leg dich zu mir, Kipsha, ich bin Hanako, die Mutter von Leé. So lange unsere Alphawölfe noch einige Dinge erledigen müssen, kannst du hier an einem trockenen Platz liegen und mit mir reden. Erzähl mir, woher du kommst und was dich hierher führt.."
Der Regen rann ihr in Strömen das sonst so schöne graue Fell hinunter, doch Mitsu war es egal. Sie war an noch viel heftigeren Regen gewöhnt, der im Herbst in ihrer alten Heimat üblich war. Während ihre eisblauen Augen weiter das Rudel beobachteten, hörte sie ein Heulen. Ihre Ohren zuckten leicht, während ihr Blick aufmerksam über die Wölfe glitt, bis Mitsu eine weiße Fähe bemerkte.
.oO(Ist das eine der Alphas?)
Langsam erhob sie sich, streckte ihren schlanken Körper und schüttelte sich das Wasser aus dem grauen Fell. Mitsu verzog ihre Lefzen und schüttelte leicht ihren Kopf. Dann lief sie langsam, wie ein Schatten auf die weiße Wölfin zu, bis sie nur noch eine Wolfslänge von ihr entfernt war. Mitsu wollte sich gerade vorstellen, als sie bemerkte, dass die weiße Wölfin mit einem anderen schwarzen Wolf redete. Leise seufzend wartete Mitsu darauf sich vorstellen zu dürfen.
Der schwarze Rüde sah mittlerweile genervt in die Runde des Chaos´, es musste etwas passieren, keiner sollten mehr ein Wort verlieren, und jeder sollte mal eine Minute Ruhe finden. Dann wollte auch noch die schwarze Fähe verschwinden, auf der Suche nach Ayala und Dayon.
„Verdammt, jeder Wolf soll einfach mal ruhig beleiben und still verharren, ohne irgendwelche welpischen, dummen und überflüssigen Kommentare. Meine Güte, und ihr wollt erwachsen sein?! Bleibt doch einfach mal ruhig und hier auf dem Rudelplatz, alles andere könnt ihr später klären!“
Acollon hatte es fast gebrüllt, damit er sich Gehör verschaffen konnte, sodass nun jeder Wolf ruhig sein musste. Seine Augen funkelten gefährlich. Normalerweise war diese laute Art nicht sein Wesen, und dennoch, er befand es für richtig diesen Haufen von Durcheinander etwas zu bändigen.
„Und verliert noch irgendjemand ein Wort, dann kann er mit gekappter Rute nach Hause gehen; das gilt auch für die Neuen und Fremden; hat das jetzt auch der allerletzte Depp kapiert?“
diese Worte knurrte er eindringlich. Es war einfach lächerlich, dass sich das Rudel einfach nicht ein Mal zusammenreißen und ihre Gefühle aus dem Spiel lassen konnten. Es würde sie schließlich nicht viel kosten, einfach mal das zu tun, was er, Acollon, sagte. Er wartete auf folgende Reaktionen ab, würde es noch irgendein Wolf wagen, sich der Anordnung des Alphas zu widersetzen? Und Falk, was war mit ihm los? Er war Beta, und hielt sein Verhalten für angemessen? Er sollte sich am besten eine andere Berufung aussuchen. Der Regen prasselte weiterhin hart auf den Boden nieder, und es schien etwas gespenstisch auf dem Rudelplatz, jetzt, wo alles still war.
Mitsus Ohren zuckten und ihre Nackenhaare stellten sich ein wenig auf, während sie der fast gebrüllten Rede des schwarzen Rüden lauschte. Mit aller Kraft unterdrückte sie das Knurren, das ihr die Kehle aufsteigen wollte.
.oO(Wie Vater ...
Er hat auch immer fast gebrüllt, wenn er wütend war oder seine Anordnung nicht befolgt wurde. Er war dann immer ganz komisch, so als müsste man sich in Acht nehmen. Obwohl, Vater hat den Wolf, als der ihm den Rücken zuwandte dann immer gleich getötet oder ihn so schwer verletzt, dass er nie wieder gewagt hat sich zu wieder setzen. Na ja mir kann es ja eigentlich egal sein. Ich sollte mich da nicht einmischen.)
Mitsa setzte sich auf die Hinterläufe und schaute dem Schwarzen Rüden mit ihren eisblauen Augen zu, wie er so fast brüllte. Innerlich lehnte sie sich zwar noch auf, doch äußerlich ließ sie sich nichts anmerken. Ihren Kopf hielt sie ein wenig gesenkt, damit der Rüde nicht auf die Idee kam, sie wollte sich mit ihm anlegen.
Akai war dieses Geschrei nicht gewohnt. Sie legte die Ohren an. Sonst war sie immer in der Stille und Einsamkeit gewandert. Hatte das Herbstlaub beim Fallen gesehen, den Regen auf sich herunterprasseln lassen, als seien es wärmende Strahlen, die die Sonne aus dem Himmel schickte. Sie wollte keine Aufmerksamkeit. Dass der Alpharüde nun so laut wurde, konnte sie verstehen. Doch ihr war es ziemlich eins, was er sagte. Er konnte sie mit dem Rumgezeter wohl schlecht gemeint haben. Die Einzige mit der die Rote ein paar wirkliche Worte gewechselt hatte war die kleine Welpin Leé. Sie war wohl auch der Grund, warum Akai, vielleicht auch nur vorerst, noch blieb. Der scharfe Blick stieß nur kurz auf Blickkontakt mit anderen Wölfen, doch schienen auch andere Fremde hier zu sein. Viele. Bei so einer Unordnung könnte das schief gehen. In wirkliches Chaos ausarten. Und die Fähe kannte wahres Chaos. Sie hatte es schließlich selbst schon oft verursacht. Mit einem weiterem, nun schon dritten, Krachen richtete sich die schlanke Wölfin aus. Sie streifte an den Bäumen vorbei. Ob sie wieder im Wald verschwinden sollte? Unpassender konnte sie ja kaum noch kommen...
Falk platzte beinahe vor Wut. Er würde garantiert nicht stillschweigend sein Urteil hinnehmen und er hatte auch verdammt noch mal keinen Bock darauf zu warten, dass das Rudel komplett war, nur damit sie einen größeren Vorteil hatten? Was sollte dieses verdammte Affentheater eigentlich? Konnte nicht einfach irgendjemand etwas Konkretes sagen und mit dieser Geheimniskrämerei aufhören?
Normalerweise konnte Falk sich recht gut beherrschen und er passte sich auch an Autoritäten recht gut an, auch wenn er einen Alpha eventuell nur gering schätzte. Doch das alles hier ging gerade zu weit. Die ganzen Erinnerungen waren wieder da, der Hüne wurde nicht mehr durch seine Vernunft geleitet, sondern durch seine Gefühle und seine Gefühle wurden allmählich zu stark. Es brauste dem Rüden in den Ohren und seine Zähne knirschten. Dann platzte es aus ihm heraus.
"Dann könntest du mir ja endlich mal sagen, was hier gespielt wird? Ich komme hier nichtsahnend her, weil ich Blut gewittert habe, denke mir, dass vielleicht Gefahr im Verzug ist, habe gute Absichten, bin darauf eingestellt mich für das Rudel schlachten zu lassen und was mir entgegen schlägt ist Misstrauen! Was ist hier eigentlich los? Wenn ihr mich loswerden sollt, sagt mir das gleich und holt mich nicht erst noch her! Oder habe ich mich irgendeines Verbrechens schuldig gemacht, an das ich mich nur nicht erinnern kann? Nur heraus mit der Sprache, denn wenn das so ist, könnte ich mich ja so oder so von meiner Rute verabschieden, oder? Also, was ist das für Blut? Was ist hier überhaupt und insgesamt los??"
Die blauen Augen sahen auf jeden Wolf, kalt und leer, gerade so, als könnten sie keine Gefühle zeigen. Acollon versuchte keineswegs den anderen Befehle zu erteilen, er wollte lediglich, dass sie es den Alphas nicht gerade schwerer machen mussten, als es ohnehin schon war. Falk ignorierte er.
„So …“
begann Acollon und setzte sich auf seine Hinterpfoten, den Regen ignorierte er nun mittlerweile ebenfalls.
„… die Situation ist nicht gerade leicht, und es ist auch nicht vorauszusetzen, dass ihr euch meisterhaft benehmt und genau wisst, was man in einer solchen Situation tut, ehrlich gesagt, das weiß wohl keiner so recht. Und trotzdem, versucht doch wenigstens etwas mitzudenken, und eure Gefühle aus der ganzen Sache zu lassen.“
er schloss kurz die Augen, es schien als sei er müde, er wäre er alt und kaputt. Doch als er wieder die Augen öffnete, sah man den funkelnden und aufmerksamen Glanz, der ihn etwas Gefährliches und wenn auch gleich Beruhigendes verlieh.
„Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, haust ein Seelensammler unter uns. Er sammelt Seelen, um das unendliche Leben, also die Unsterblichkeit zu erlangen. Ein Bote kam zu mir, und warnte mich davor, er war auch der, der Hanako angriff und er starb an den Verletzungen, die Hidoi ihm zugefügt hatte, dehalb das Blut und das Grab.“
ein kurzen Augenblick lang schwieg der Schwarze und sah Hanako an.
„Es besteht kein Verdacht, jeder könnte dieser Seelensammler sein, absolut jeder, auch ich, auch- Banshee…“
diese Worte auszusprechen, bedeutete für Acollon fast eine Unmöglichkeit.
„Und hier spitzt sich die Situation zu, das Vertrauen, das wir zueinander hatten, wird plötzlich unsicher, wen kann man jetzt noch vertrauen, wer ist Feind und wer ist Freund? Wir können nur auf das Rudel vertrauen, wir können nur aufeinander vertrauen.“
es schien wie ein Traum. Der schwarze Alpharüde sprach von Vertrauen, wo er doch selbst zu keinem Vertrauen hatte. Wie in Trance fuhr er leise fort, gleichend dem prasselndem Regen.
„Wir werden jetzt wohl noch auf die anderen warten müssen, bis wir vollständig sind, falls jemand fehlt, gehe ich ihn suchen, der Rest des Rudels wird bei Banshee bleiben. Wir müssen zusammenbleiben, kein Wolf darf aus den Augen verloren werden, falls ein Seelensammler unter uns sein sollte, dann braucht er bald seine nächste Seele. Ihr könnt es nicht riskieren, mit einem anderen Wolf alleine zubleiben. Findet in euren Familien zusammen.“
fuhr der schwarze Acollon fort.
„Sicherlich spielt Fenris wieder sein grausames Spiel.“
den anderen jetzt noch auf die Nase zu binden, dass er des Sohn des Todes war, hielt er nicht für angebracht, dass hätte den Hauch Vertrauen in ihn als Alpha, bei den anderen vollkommen zerstört.
„Und? War es so schwer mir einen Moment lang eure ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken? Denkt vielleicht mal über meine Worte nach, ich tue es sicherlich nicht nur aus Eigennutz, es geschieht auch zu eurem Schutz.“
dem Rudel zu gestehen, dass er sich um ihr Wohl kümmerte, fiel dem Rüden überhaupt nicht leicht, deshalb starrte er zu Banshee, fast zufrieden damit, dass er es gewagt hatte, mit den anderen zu reden.
Leé drückte sich ängstlich an Hanakos Brust heran, als eine Fremde Fähe auf sie zukam. Leé sagte nichts, ihr waren die Fragen vergangen. Sie hatte keine Lust in dieser Situation noch etwas zu jemandem zu sagen. Doch ihr Blick arbeitete, wie immer wenn sie jemand neues zu Gesicht bekam. Jedes Gesicht merkte sich Leé genau und sie konnte sich über lange Zeit jeden Gesichtszug des Wolfes merken und darauf war Leé stolz. Ihr Blick wanderte von Kipsha zu Acollon, der allen etwas erklärte. Leé verstand viel davon, was er sagte, doch sie merkte sich die Sätze und Worte genau. Seelenfänger...jeder kann es sein...absolut jeder. Bei diesen Worten rückte sie noch näher an Hanako ran und schloss die Augen. Sie war froh, ihre Sicherheit zu spüren.
Banshee stieß einen leisen, aber erleichterten Seufzer aus, endlich legte Acollon ein wenig von dem Chaos und brachte das Rudel für kurze Zeit zum Schweigen. Sie trat neben ihn und genoss die wahrhaftige Stille, lächelte leicht und küsste Acollon auf die Schnauze, dann flüsterte sie leise:
"Such du Ayala und Dayon, ich mache mir Sorgen. Genauso sind auch Moon und Varloc fort ... Moon müsste eigentlich bei Dayon sein, Varloc ist wohl schon zu lange verschwunden."
Sei schnippte einmal traurig mit dem linken Ohr, dann nickte sie zu Acollon und richtete sich wieder zum Rudel auf.
"Hört auf Acollon, findet euch in Gruppen, am besten Familien zusammen und bleibt alle in meinem Blickfeld, die Bedrohung ist ernst zu nehmen. Alle neuen treten bitte nach vorne und stellen sich vor, diejenigen, die noch keine Familie haben kommen zu mir. Alle, die Fragen haben warten bitte, bis sich alles geordnet hat, dann fragt bitte geordnet!"
Sie warf ein allgemein aufmunterndes Lächeln in die Runde und wartete dann geduldig bis sich die Aufruhe gelegt hatte und sich alle zusammen finden würden.
Akai lauschte außer Sichtweite den Worten des Alphapärchens. Ob sie der Aufforderung der weißen Fähe folgen sollte? Ein Seelensammler? Sie konnte sich nichts Konkretes darunter vorstellen, doch es klang interessant. Hinter einem großen Felsen hervorkommend schaut sie die Alpha direkt an. Wie man sich wohl einem ranghohen Tier eines fremden Rudels näherte? Damit hatte die Rote keine Erfahrungen machen können, doch wie die schwarze Fähe, die sie zuvor beim Auftreten bei Banshee gesehen hatte, würde sie es nicht anstellen. Unterwürfig. Sie kannte dieses Verhalten nicht. Sie war immer einfach so ignoriert worden und deshalb brauchte sie sich auch nie zu unterwerfen. Ihr Bruder, dessen Mörder sie finden und zur Strecke bringen wollte, hatte sie immer gleichgestellt behandelt. Obwohl er sehr viel kräftiger als die schlanke Wölfin gewesen war. Der Gedanke an den Mörder lässt große Wut und Misstrauen in den Augen der Fähe aufblitzen. Unbewusst schaut sie in diesem Moment genau zu der weißen Wölfin, die so freundlich und ruhig dasteht. Sie verlangsamt ihre Schritte. Erst dann merkt sie, wo sie hingesehen hatte. In ihrem Kopf rasen die Gedanken. Hatte die Alpha es bemerkt? Und wenn, wie würde sie reagieren? Nun eher vorsichtig tut sie einen kleinen weiteren Schritt. Ein weiteres Krachen. Und ein schmerzverzerrter Gesichtsausdruck. Das rote Fell wurde immer wieder wie nasse Seile gegen die Flanken der Wölfin geschleudert. Der Wind frischte weiterhin auf. Akai blieb stehen.
Der Regen wurden stärker, der Boden war aufgeweicht. Der Schlamm war nun so hoch, dass er die Pfoten der Wölfe bedeckten, die ihm Schlamm standen. Der Schwarze hatte sich auf einen Felsen in Sicherheit gebracht. Einen Moment schien Acollon die anderen anzusehen, wartete ab, ob es Widerworte gab. Doch seine so eben noch recht weichen Züge, erlangten die alte gewohnte Härte. Seine Sinne schärften sich wieder, und er witterte nach Dayon und Ayala. Schließlich gab er Banshee sein stummes Einverständnis, und verschwand wortlos. Mit großen Sätzen sprang er über das Feld des nassen Bodens. Es schien gerade so, als wollte Fenris es den Wölfen der Sternenwinde nicht leicht machen. Aber es wäre auch nicht zu erwarten gewesen. Bilder aus der Vergangenheit holten den schwarzen Rüden ein, zeigten ihm die grausamen Szenen, und ihm war klar, es würde wieder eine Begegnung mit dem Tod werden, mit seinem Vater. Fast Geräuschlos lief er eine Lichtung entlang, folgte der Fährte Dayons und Ayalas. Sie konnten nicht mehr allzu weit entfernt sein. Der Rüde erhöhte kurz sein Tempo, preschte am dichten Unterholz vorbei.
Nach kurzer Zeit hatte er die beiden eingeholt.
„Ayala, Dayon.“
sagte er knapp und wartete auf Reaktion. Es hätte auch sein können, dass es nicht nur einen Seelensammler gab, sondern zwei. Und wenn Acollon ausgerechnet auf diese beiden gestoßen wäre, dann hätte er jetzt ein mächtiges Problem gehabt. Auch wenn ihm bewusst war, dass er Vertrauen auf seine Stärke haben konnte. Mehr als zu jedem anderen Wolf in diesem Rudel, ausgenommen von Banshee.
Eris verharrte in der Bewegung, als der schwarze Alphawolf die Stimme erhob, um das allgemeine Chaos zu legen. Und schon wieder versuchte jemand lauter zu sein, als alle anderen und sie war es nicht. Es machte sich allerdings Erleichterung in Eris breit, jetzt schrie wenigstens nur einer und als sein Vortrag geendet hatte, war alles still. Andächtig still ... wunderbar. Selbst der Regen wirkte nicht mehr so chaotisch, noch genauso laut wie zuvor und auch noch genauso durchnässend, aber man merkte doch wieder seine wahre, ruhige Natur. Eris ließ sich auf den matschigen Boden sinken, es änderte ja sowieso nichts mehr. So ein bisschen Schlamm würde den Kohl jetzt nicht mehr fett machen. Als Acollon -so musste der schwarze Alpharüde heißen, wie Eris es mitbekommen hatte- wieder zu sprechen begann und endlich Anstalten machte ihnen die Situation zu erklären, lehnte sich Eris etwas zurück und lauschte. Ein Seelensammler, also? Mhhh ... Eris machte sich ihre Gedanken darüber. Ewiges Leben erlangen? Unsterblich sein? Nicht sonderlich erstrebenswert, fand Eris. Auf den ersten Blick mochte es für andere vielleicht verlockend wirken, aber sie sah den traurigen Kern der Angelegenheit. Aber darüber wollte sie jetzt nicht länger nachdenken und sich die Laune damit verderben. Als Banshee das Rudel dazu aufforderte, sich in Gruppen aufzuteilen, begab sie sich schlendernd zu der weißen Alphafähe. Tja, sie hatte keine Familie, was sie momentan nicht sonderlich mitnahm, da die Erinnerung an ihren Ex-Gefährten noch lebhaft in ihrem Kopf hauste und jegliche Freude an einer Partnerschaft selbst in den Wurzeln anfraß. Eris ließ den Blick schweifen, über die Neuen. Galt sie eigentlich auch noch als Neue? Sie jedenfalls fühlte sich nicht so, aber immerhin kannten nicht einmal alle der alten Mitglieder ihren Namen. Mhhh ...
"Seelensammler!"
Falk verzog spöttisch die Lefzen, aber innerlich verspürte er plötzlich ein angenehmes Gefühl, ein Gefühl wie von tausenden von Bienen, Schmetterlingen und Hummeln, die sich an einem ersten Frühlingstag aufmachten um die Süße der Blüten zu trinken. Die Sonne schien dem Rüden im Kopf und allmählich breitete sich ein strahlendes Lächeln aus in seinem Gesicht, ohne das er es hätte verhindern können oder wollen. Ayala, sie liebte ihn! Es war niemals etwas geschehen, keiner wollte ihn loswerden, nur irgendein Trottel bereicherte sich an ihren Seelen und das war gerade Falks geringste Sorge. Solange ihn nur Ayala liebte...und solange es ihr nur gut ging... Dass Ayala selbst der Seelensammler sein konnte, glaubte Falk nicht. Doch nicht sie, seine Ayala, seine treue weiße Fähe, sie nicht, nie im Leben. Dann war alles in Ordnung. Versonnen lächelte der Rüde und richtete sich auf, wieder ganz der alte Gamma, der er war. Es würde alles in Ordnung kommen. Ganz bestimmt. Der Hüne nutzte die Überbrückungszeit um die anderen Wölfe in der Runde zu betrachten. Sein Blick fiel auf die schwarze Fähe und erinnerte sich, was Ayala über jene Eris gesagt hatte. Ob dies Eris war? Fast hätte Falk lachen müssen. Dann hätte Ayala sie niemals treffender beschreiben können.
Banshee blickte Acollon eine Zeit lang nach, selbst als er schon zwischen den Bäumen verschwunden war, innerlich dankte sie Engaya für diesen schwarzen Wolf und auch Fenris schickte sie ihren Dank, schließlich war er der Sohn des Totengottes. Leicht lächelnd sah sei sich dann wieder um, leises Gemurmel erhob sich, Eris kam zu ihr und wurde von ihr mit einem freundlich aufmunternden lächeln bedacht. Sie merkte, wie die Fähe gelaunt war, so recht konnte man es ihr auch nicht verübeln. banshee stupste sie leicht an, nur als Zeichen der Zugehörigkeit und des Verständnisses, dann musterte sie Falk. Er schien schon weder glücklich, seltsam eigentlich, aber in seinen Augen war wohl alles geklärt ... Banshee nahm es schweigend hin, das Misstrauen scharrte immer noch unangenehm in ihr es zu verbannen gelang ihr nicht, sie schluckte bevor sie ihre Augen auf eine rote Fähe richtete, die näher kam.
"Tritt näher, Fremde."
Sie versuchte möglichst freundlich auszusehen und immerhin war das eine weitere, nicht zu verdächtigende Wölfin.
Hidoi verzog die Lefzen zu einem genervten Ausdruck. Sie waren es wirklich, dumm. Einfach nur dumm. Er konnte sich nicht zurück halten und sagte wütend, an alle gewandt, was er die ganze Zeit schon dachte. Seltsam, dass diese Worte grade aus seinem Munde kamen...
"Jetzt fangt ihr schon an euren engsten Vertrauten und Freunden zu misstrauen, nur weil irgend ein daher gelaufener Rüde kurz vor seinem Tod irgendwas von ’nem bescheuerten Seelensammler gesagt hat. Es muss ja nicht mal stimmen was dieser Wolf gesagt hat und schon springt ihr alle im Dreieck, oh man, wie töricht..."
knurrte er wütend und drehte den Kopf wieder zum See herum. Wie bescheuert sie waren, ja das dachte er und daran konnte auch keiner was ändern. Warum machte es ihn so furchtbar zornig? Egal, wer würde bei solch naiver Dummheit nicht sauer werden? Kalten Blickes sah er auf den See, ignorierte von nun an alles um sich herum. Sollten sie sich doch gegenseitig anfallen und die Köpfe abreißen bei einer falschen Bewegung. Er hatte damit nichts zu tun, dies zeigte auch seine gleichgültige Haltung. So blieb er dort einfach im Schlamm liegen, ließ sich den stahlgrauen Pelz voll regnen und stierte finster vor sich hin.
Der weiße Wolf war richtig in seinem Element, der Regen versprach seinem Namen alle Ehre. Das ganze Chaos ließ ihn kalt, doch als der schwarze Alpha sprach richtete er sich auf, lauschte seinen Worten gut, und sog jedes dieser auf. Gesättigt mit dem nötigen Wissen setzte er sich wieder. Alle sollten sich jetzt wieder in ihren Familien zusammensuchen. Aber er hatte weder Familie noch Freunde, alles was ihn hier hielt, war die bloße Faszination an dem schwarzen Alpharüden. Auch die weiße Alphafähe hatte nun sein Interesse geweckt. Etwas verband diese beiden Wölfe, merkwürdig. So etwas in der Art hatte Lluvian noch nie gespürt, er kannte nicht einmal das Gefühl von Liebe, obwohl er in einer intakten Familie aufgewachsen war, na ja, soweit man es intakt nennen konnte. Schließlich hatten ihn seine Eltern nicht richtig lieben können, sein Bruder war immer der Mittelpunkt gewesen. Und nun hauste er mittlerweile fast ein Jahr ins Lluvians Körper, doch hatte er eben noch das Gefühl gehabt, ihn wirklich vertrieben zu haben. Langsam spitzte er die Ohren, das Trommeln des Regens war entspannend, und ihm würde es nur Recht sein, wenn die Stille, die Acollon heraufbeschworen hatte, anhalten könnte. Herrlich, jeder Tropfen prallte an Erde, Stein, Baum und See. Jeder dieser Töne hatten einen verschiedenen klingenden Klang. Auch das leise Singen des Windes war beruhigend. Hörten die anderen Wölfe so etwas überhaupt? Oder dachten sie im Moment nur an sich und daran, wie sie ihre Familie schützen konnten? Ein zufriedenes Lächeln trat unwillkürlich auf das Gesicht des Weißen. Er hatte sich nie auf andere verlassen müssen, und niemand hatte sich auf ihn verlassen müssen, niemals hatte er jemanden anderen vertraut, und niemals hatte jemand ihm vertraut. Er war mit dieser Lebensweise vertraut und auch glücklich. Als die weißen Ohren sich leicht drehten, nahmen sie die Worte eines grauen Rüden auf. Sicherlich war die Situation stressig und alles schien in einem großen Chaos zu versinken, und trotzdem klang es so, als sei er unzufrieden mit sich selbst. Es war einer dieser Wölfe, die es sich schwerer machten, als es unbedingt sein musste. Geprägt durch Hass, Einsamkeit oder Angst wurden die meisten so, wie dieser Rüde. Sie hielten alle auf Abstand, waren andauernd genervt und ließen belanglose Kommentare ab.
.oO(Wohl etwas hitzköpfig, aber das scheinen die meisten hier zu sein.)
Ein leises Seufzen entfuhr seiner Kehle, und als er sich wieder aufraffte, sah er etwas nachdenklich den Weg des Schwarzen nach.
"Banshee",
begann er, sah der hübschen Alphafähe in die Augen, die von einem bersteinfarbenen Glanz waren. Einen Moment ruhte sein Blick auf der schwarzen Wölfin, die bei der Alpha Platz gefunden hatte. Er verstummte in seinem Satz und gesellte sich, in einem großen Abstand, zu der schwarzen Wölfin, dessen Namen er nicht kannte. Lluvian lauschte wieder dem Regen, schloss fast träumerisch die Augen.
Dayon lauschte Ayalas Redeschwall und lächelte, nickte manchmal nichts sagend dazwischen und ließ seine Augen sanft auf Ayala liegen. Er legte sich eine Antwort zurecht, erfreut sich schon an seinen Worten bevor er sie überhaupt ausgesprochen hatte und wurde gerade da von einer weiteren frage Ayalas unterbrochen ... Moon. Er blieb ebenso abrupt stehen, doch bevor er antworten konnte schnellte Acollon hervor und sprach sie ausdruckslos an. Dayon richtete seine Aufmerksamkeit auf ihn, die Ohren leicht gekippt, die Rute eingeklemmt.
"Wie wollen gerade zum Rudel zurückkehren."
Seien Stimme klang sanft und ruhig, seine Augen schienen eins mit ihr zu sein und sein Körper drückte sich leicht schützend an Ayalas.
Darian hörte eine Menge Worte aus Acollons Mund. Worte die von Vertrauen, von Gemeinschaft sprachen und von Gefahr. Er hatte das Gefühl als gingen sie ihm in das eine Ohr hinein und zum anderen einfach wieder hinaus, obwohl er angestrengt versuchte zuzuhören. Er sah den Schwarzen aufmerksam an, lauschte angestrengt und obgleich ihm noch jedes einzelne Wort im Gedächtnis klang, konnte er sie nicht so zusammenfügen, dass sie einen Sinn ergaben. Als Acollon schließlich von Familie sprach, nahmen die Augen des Grauen einen Ausdruck an, den er nie zuvor so deutlich nach außen hatte durchscheinen lassen. Nie zuvor hatte man all die Einsamkeit in den hellen Augen schimmern sehen. Doch es war nur ein kurzer Moment, bis Darian dies bewusst wurde und erneut versteckte er sich hinter eiserner Fassade, tat gleichgültig. Er wollte und er konnte sich selbst die Wahrheit nicht eingestehen. Das er allein war und das er darunter gelitten hatte in der Zeit der Wanderschaft. Er heischte nur so nach Aufmerksamkeit, weil ihm nie welche geschenkt wurde. Der Rüde verstand nur wenig von dem was plötzlich in ihm vorging, er war sich immer seiner selbst sicher gewesen, doch nun war es, als kannte er sich nicht mehr. Als Acollon zu Ende gesprochen hatte, trat der Graue an Banshee heran. Er versuchte krampfhaft die Demut aus seinen Blicken zu verbannen, doch die Kraft dazu fehlte ihm. Die ganze Situation des Rudels bedrückte ihn, auch wenn er es nicht zugeben würde. Mit leicht zurückgelegten Ohren sprach er die Weiße an.
"Banshee, ich..."
Er sah auf den Boden, überlegte ob es klug war zu sagen, was er zu sagen vorgehabt hatte, doch er kam zu keinem Schluss.
"Ich habe keine Familie"
Er blickte auf und der Alpha direkt in die Augen. Die Demut verschwand doch Bitterkeit lag unverkennbar in seinem starren Blick.
Kurz durchfuhr Acollon ein seltsames Gefühl, wie Bedrängnis. Es fühlte sich wie nasser Regen an, der ihm versuchte die Luft wegzunehmen. Seine Augen verengten sich, doch dieses Gefühl ging so schnell, wie es gekommen war. Nicht die Art wie Dayon es sagte, mit eingeklemmter Rute, sondern, die Tatsache, dass er Ayala berührte, ließ Acollon warnend blicken. Eins sollten beide nicht vergessen, Ayala war Falks Gefährtin.
„Dann beeilt euch.“
sagte er dumpf, ein Alarmsignal ließ es nicht zu, dass Acollon den beiden den Rücken zukehrte, wie es doch sonst seine provozierende Art verlangte. Der Blick huschte von Ayala zu Dayon. Warum störte ihn etwas so sehr?
Kipsha sah die Fähe etwas ängstlich an, sie kam ein bisschen näher, hatte aber noch einen großen Abstand zu der Fähe und dem Welpen. Kipsha legte sich dann hin und sagt:
"Ich komme von weit her, suche ein neues Zuhause und habe unterwegs von diesem Rudel gehört, und da habe ich gedacht ich könnte mal fragen, ob ihr mich aufnehmen würdet. Ich habe nicht gewusst, dass es zurzeit viele Neue gibt."
Sagte Kipsha mit ängstlicher aber doch entschlossener Stimme. Kipsha schloss die Augen und hörte den Geräuschen von der Natur zu.
Die rotfellige Fähe ging nun wieder kleinen Schrittes auf die Alphawölfin zu. Sie schien Akai entweder nicht gesehen zu haben, oder es zu ignorieren. Die Worte eines grauen Rüden ließen sie aus ihrer etwas abwesenden Stimmung wieder zurückkommen. Er hatte auffallend helle Augen. So jemand hatte keine Familie? Akai blieb in gebührendem Abstand von Banshee und dem Grauen stehen. Doch der Blick der gold- bis bernsteinfarbenen Augen ruhte auf denen des Grauen. Nur kurz, aber für einen Moment nahm sie ein Gefühl von Einsamkeit war. Dann wendet sie sich Banshee zu.
"Seid gegrüßt, Banshee. Ich bin Akai. Ich komme von einem langen Weg aus meinem Heimattal..."
Ob sie diesen Ort ihrer Vergangenheit überhaupt als 'Heimat' bezeichnen konnte? Während sie sprach dachte sie über völlig andere Dinge nach. Sie hörte sich selber sprechen und war verwundert, was an ihr Ohr drang.
"… und habe gehört, dass euer Rudel in der Gefahr eines Seelensammlers befindet. Ich durchwandere euer Revier erst seid kurzer Zeit, doch eigentlich möchte ich gerne die Wanderschaft aufgeben. Denn der Mörder meines Bruders war ebenfalls Seelensammler. Allerdings tötete er seine Opfer, bevor er ihre Seelen nahm. Ich hoffe, es ist der Gleiche."
Wieso erzählte sie auf einmal von ihrer Vergangenheit? Als sie verstummte blitzte nur für kurze Zeit, als wäre es nur Einbildung, die Einsamkeit des Wanderns in ihren Augen auf. Die Rote war immer sehr still gewesen. Ein solcher Wortschwall war recht ungewöhnlich für sie. Die Augen der Wölfin suchten nach Blickkontakt. Jedoch nicht mit Banshee sondern mit dem Fremden. Für nur kurze Zeit. Dann schaute sie die Weiße an. Musterte sie kurz. Sie war hübsch. Der schwarze Alpharüde, dessen Name doch Acollon gewesen war, wenn sie sich recht entsann, schien für sie äußerst gegensätzlich zu dieser, fast sanften, Erscheinung.
"Ich habe keine Familie und dachte..."
Sie hielt inne. Ein Gefühl von Kälte überkam sie kurz. Als sei jemand mit eisigem Atem an ihr vorübergegangen. Die Augen der Fähe spiegeln Entsetzen wieder. Sie kannte dieses Gefühl. Sie kannte es, hatte es ein einziges Mal schon gespürt.
"… ich könnte Schutz bei euch finden."
beendete sie den Satz resigniert. Was? Das wollte sie doch gar nicht sagen. Der Regen perlte von ihrer Schnauze. Wie abwesend stand sie einfach nur da. Lauschte, ob sich das Gefühl wieder nähert. Denn es hatte sehr leise Schritte. Doch alles, was ihr feines Gehör wahrnahm, war das Rauschen der Blätter und das rhythmische Niederprasseln der glitzernden Regentropfen.
Mitsus eisblaue Augen sahen interessiert in die Runde und musterten jeden Wolf. Sie hatte schon einmal von einem Seelensammler gehört. Da war sie noch sehr jung gewesen, grade mal ein Jahr alt oder so. Der Seelensammler hatte sich in ihr Rudel eingeschlichen und nach und nach ihre Freunde getötet, bis ihr Vater ihn getötet hatte. Mitsu erhob sich und wandte sich der weißen Alpha zu. Eine Fähe mit rotem Fell und einen Rüde mit grauem Fell. Aufseufzend schüttelte Mitsu den Kopf.
"Ob ich es heute noch schaffe mich vorzustellen? Scheinbar nicht.. Außer ich geselle mich dazu und stell mich allen drei vor."
Langsam, eine Pfote vor der anderen setzend, ging sie auf die Weiße zu. Bis sie fast vor ihr stand. Mitsu ließ ihren Blick kurz über die anderen beiden gleiten und schaute dann die weiße Alpha demütig aber mit festem Blick an.
"Mein Name ist Mitsu. Ich komme von weit her und bin auf der Suche nach einem Rudel, das mich aufnimmt"
Mitsu erinnerte sich an das was der schwarze Alpha gesagt hatte.
"Mmmh...Was soll ich machen?? Ich habe keine Familie."
Banshee achtete nicht auf Hidois Worte, auch wenn er es nicht verstand, sie wusste, dass sie sich sowohl auf Acollons Urteil als auch auf das Gefühl in ihrem Herzen, einzig von Engaya geschickt, verlassen konnte. Während ihr Blick wieder zu der Fremden schweifte, die nun noch näher kam, tauchten Darian und der fremde Weißer, der sich noch immer nicht vorgestellt hatte, auf. Zuerst ließ sie ihre Augen auf dem Weißen ruhen, sie deutete ein leichtes Nicken an, sah ihm in die Augen und lächelte.
"Darf ich nun endlich auch euren Namen erfahren, wo ihr wohl schon den meinen kennt."
Kurz noch verharrte sie, dann drehte sie den Kopf zu Darian, musterte ihn genauso wie zuvor den Weißen, doch jetzt erstaunt. Er war vollkommen verändert, als er angekommen war erschien er ihr arrogant und in sich selbst vernarrt, jetzt lagen in seinem Blick Trauer, Demut und kurz darauf auch Bitterkeit. Sie zögerte wenige Sekunden lang, dann sagte sie mit leiser Stimme:
"So bleib bei mir, bald wird sich alles geordnet haben, bald wirst du Freunde finden."
Sie wusste nicht, warum sie den Rüden auf einmal trösten wollte, so fatal hatte sie sich in ihrem ersten Eindruck noch nie geirrt ... oder war das alles nur ein Spiel? Darian konnte genauso der Seelensammler sein wie die anderen um sie herum, sie schluckte einmal, dann wandte sie den Blick ab, auf die beiden Neuen, die sich nun vorstellten.
"Willkommen Akai, willkommen Mitsu. Wir ihr beide wohl merkt, herrscht gerade Chaos, doch wird die Lage hoffentlich bald wieder normal sein, bleibt solange ihr wollt, ihr seid immer willkommen, auch wenn jetzt keine Zeit für Freundlichkeiten ist."
Sie hielt kurz inne und musterte Akai, die Rote blickte immer wieder zu Darian, Banshee sagte nichts, doch missfiel ihr es. Wenn man sich als Fremde vorstellte schmiss man sich nicht an den nächst besten Rüden heran, doch hier ein wenig weiteren Ärger zu stiften erschien ihr unangebracht, zudem erinnerte sie sich wieder an Darians Augen. Zu Mitsu gewandt sagte sie freundlich:
"Komm zu mir, wie du siehst sind schon viele hier, Familie hat nicht jeder."
23.12.2009, 16:48
Ayalas Gedanken begannen erneut zu rasen. Acollon war gekommen, es musste etwas passiert sein! Warum sonst würde Acollon nach ihnen suchen...?
Die weiße Fähe streifte den Blick des schwarzen Rüden - es lag etwas in seinem Blick, etwas, das Ayala nervös werden ließ. Eine plötzliche Erkenntnis fuhr ihr durch den Kopf, ihre Glieder spannten sich an, sofort stand sie neben Acollon.
"Acollon, sag mir, was hier vor sich geht! Ich spüre, es ist etwas...bitte, sag mir, ist etwas mit Falk passiert? Er...er war plötzlich weg, hat noch etwas von Blut geredet - und jetzt kommst du uns suchen - ist ihm etwas passiert?"
Besorgt und eindringlich sah Ayala in die dunklen Augen Acollons. Ihre Stimme zitterte, das Herz raste.
.oO(Wenn ihm etwas passiert sein sollte, ich könnte es nicht ertragen…ich hätte ihn aufhalten oder zumindest begleiten sollen.)Oo.
Die Fähe beschleunigte wieder und wieder ihr Tempo, den Alpha ließ sie dabei nicht aus den Augen; sie wollte jede noch so kleine Kleinigkeit, die er ihr vielleicht verschwieg, erkennen.
Von Dayons Zärtlichkeiten nahm sie nichts wahr, ihr Freund würde sie nicht beruhigen können, ihre Gedanken galten einem anderen.
Darian wurde bei den Worten seiner Alpha klar, dass seine Fassade, sein bei ihr hinterlassener Ersteindruck erschüttert worden war. Doch selbst er wagte nicht mehr Wahrheit von Spiel zu trennen. Jedoch gefiel ihm der Gedanke undurchschaubar zu sein und beschloss somit, Reales nach Spiel und Spiel nach Realem aussehen zu lassen oder zumindest beides so arg ineinander zu verweben, dass es unmöglich war festzustellen, was noch wahr war und was nicht. Der Rüde ahnte nicht, dass diese in ihm fest verankerte Verhaltensweise eine Art Schutzmechanismus für ihn war, der ihn aus seinem Unterbewusstsein heraus ereilte, er war der Ansicht er täte es aus Vergnügen. Doch selbst jetzt, da Banshee ihn durch ihre Beteuerung, dass er bei ihr bleiben könne und bald Freunde finden würde, bestärkt hatte, besaß er nicht die Kraft - oder möglicherweise den Mut - ein neues Theater zu inszenieren. Überhaupt war es vielleicht klug, das Schauspiel solange hinten an stehen zu lassen, bis er sich ein wenig eingelebt hatte und die Sorge um den Seelensammler - welcher in der Tat eine grauenhafte Gefahr darstellen musste, obwohl Darian davon herzlich wenig verstand - etwas gelegt hatte. Doch es würde wieder eine Zeit kommen, in der er andere verwirren, einspinnen und umwickeln konnte, falls er wirklich nochmals das Bedürfnis dazu verspüren würde. Doch vorerst, gab es Wichtigeres als seine Undurchsichtigkeit. Er würde versuchen sich nicht hinter seiner Eitelkeit, der Arroganz, der Selbstgefälligkeit zu verstecken, doch sie würde immer wieder durchkommen, das wusste er. Zu tief war er von diesen Eigenschaften geprägt, die ihn stets nach außen hin vertreten hatten.
Er trat an Banshees Seite und nickte ihr zu. Nach einer Weile schweifte sein Blick zu der Fähe namens Akai, die ihn bereits in Augenschein genommen zu haben schien. Einen kurzen Moment war der Rüde stark in Versuchung geführt, sie zu umgarnen und ihr zu schmeicheln, doch dann erinnerte er sich an seine Vorsätze, mögen sie einen noch so verwirrenden inneren Konflikt in ihm ausgelöst hatten. Er beäugte die Rote einen Moment lang, dann sah er ihr in die Augen. Aufrichtig. Blicke führen zu Taten, hatte man ihm mal gesagt, es heißt, ein tiefer Blick weckt immer Handlungsbedarf. Er aber blieb neben seiner Alpha stehen und wartete auf etwas, von dem er nicht wusste, was es letzten Endes sein würde.
Dayon spürte die leichte Veränderung Acollons, erwiderte sie jedoch nur durch ein etwas tieferes Kopfsenken. Ayala war aufgebrachter denn je. Schon lief sie wieder los und ließ ihn plötzlich alleine mit Acollon. Dayon warf dem schwarzen Rüden einen undefinierbaren Blick zu, dann huschte er Ayala hinterher. Schnell hatte er sie eingeholt.
"Ayala, beruhige dich, wir kehren zu ihm zurück, aber ich glaube nicht, dass etwas mit ihm passiert ist."
Er dachte an Acollon, wie ruhig er aufgetreten war, auch wenn er sie zurück geschickt hatte, in seinem Befehlston. So wäre er nicht gewesen, wäre etwas Ernsthaftes passiert. Trotzdem schwieg Dayon.
Der leichte Missfallen der hübschen Weißen gegen über ihr machte Akai nicht besonders viel aus. Sie wurde lieber nicht gemocht, als immer ignoriert werden. Still setzte sie sich vor die Alpha, schaute diese direkt an. Als sie anfing mit einer weiteren fremden Fähe zu sprechen, wandte sie die Ohren in die Richtung, um den warmen Worten zu lauschen, doch der Blick von ihr verlief ins Leere. Als erblickten sie weder Stein, Pflanze oder Tier. Er war auch nicht in den Himmel gerichtet. Sie saß da und lauschte. Wie aus weiter Ferne, doch spielte es sich ja direkt neben ihr ab, hörte sie Banshee und Mitsu zu, doch am meisten Gehör schenkte sie der Natur. Oft hatte es ihr geholfen, still dazusitzen und zu lauschen. Doch diesmal tat es das komischer Weise nicht mehr. Unbewusst senkte sie den Kopf und starrte den aufgeweichten Boden an, als versuchte sie ihn trocken zu schauen. Ihr machte es nichts aus nach einer kurzen Zuwendung wieder im Nichts zu verschwinden, doch sie ging nicht. Blieb sitzen und lauschte. Doch sie hörte jetzt nur noch Stille. Der Gesang der Vögel und alles andere hallte wie aus einer aufgezogenen Spieluhr zu ihr. Sie war schon eine seltsame Wölfin. Still und doch imposant wirkend. Als wäre sie ganz normal, doch lebte sie neben allen anderen her. Wie durch eine Glasscheibe von allen anderen getrennt.
Mitsus Ohren zuckten, während sie aufmerksam den Worten von Banshee lauschte. Ab und zu glitt der Blick ihrer eisblauen Augen zu der Fähe mit dem roten Fell, die sich als Akai vorgestellt hatte und zu dem grauen Rüden, den sie noch nicht kannte.
"Danke. Es ist nicht nur sehr nett von dir mich in dein Rudel aufzunehmen und mir Schutz anzubieten, sondern auch sehr mutig. Eben habe ich die Rede des schwarzen Rüden mitbekommen, wo er uns vor einem Seelensammler warnte. Jeder kann es sein, aber besonders wir Neue sind verdächtig. Oder?"
Während Mitsu auf eine Antwort wartete, beobachtete sie den grauen Rüden, der sich neben Banshee gesetzt hatte. Irgendwie mochte sie ihn nicht. Er schien arrogant und nicht ganz ehrlich. Es war ihr Instinkt, der sie vor ihm warnte, ihm erstmal zu misstrauen. Mitsu wandte ihren Blick zu Akai. Sie, mochte Mitsu schon eher, denn sie schien nicht so arrogant wie der Rüde. Eher freundlich, aber still. Als hätte sie etwas Schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebt. Langsam ließ sie den Blick ihrer eisblauen Augen wieder zu Banshee gleiten.
Der Regen fiel nun noch dichter, Gespräche, die nur wenige Pfotenlängen neben einem geführt wurden, konnte man durch das stetige Rauschen nicht mehr verstehen, selbst das platschen auf dem See war verstummt. Eigentümlich still war es so geworden, das ewige Fließen und Rauschen des Regens schien fast normal zu werden, als wäre die Erde mit einem schlag taub geworden.
Banshee beobachtete Darian und Akai schweigend, während der Regen zunahm und sie konnte selbst Falk nur noch undeutlich und verschwommen wahrnehmen, Hanako, Leé, Hidoi und eine Fremde waren schon längst verschwunden, sie konnte nur hoffen, dass die Gruppe näher kommen würde. Banshees Blick ruhte kurz auf Akai, die in Schweigen verfallen war, diese Fähe war durchaus seltsam, erstaunlich schweigsam und irgendwie erschien ihr auch das Verhalten der Roten seltsam, schließlich hatte sie sich doch soeben vorgestellt und nicht mehr als das gesagt ... es war nichts Unhöfliches oder Falsches daran zu finden, nur merkwürdig ... Langsam wandte sie sich an Mitsu, lächelte leicht, schüttelte aber den Kopf.
"Nein, gerade euch noch Fremden kann ich mehr vertrauen, als meinem Rudel, so seltsam es auch klingen mag. Der Bote, so berichtete mir mein Gefährte, sagte, dass dieser rätselhafte Seelensammler jemand wäre, der in unseren Reihen aufgenommen ist. Und als er kam, ward ihr alle das noch nicht."
Sie seufze leise und warf einen kurzen Blick zu Darian, er war der einzige, den sie noch sehen konnte, der nicht neu war. Falk war mittlerweile vom Regen verschluckt worden, vage meinte sie einen Schatten zu sehen, war sich aber nicht sicher. Langsam wurde klar, dass sie nicht weiter auf dem Rudelplatz bleiben konnten, wenn Acollon mit Ayala und Dayon zurück kam mussten sie zumindest mal in den Wald, vielleicht würden sie auch beim Gebirge Schutz finden können.
Mitsu konnte durch den dichten, monotonen Regen kaum verstehen, was Banshee sagte. Aufmerksam spitzte sie die Ohren, während sie versuchte alles mitzubekommen. Ihr Fell war klitschnass, doch es störte sie nicht. Während sie versuchte die Antwort von Banshee durch den dichten, lauten Regen zu verstehen, glitt der Blick ihrer eisblauen Augen wieder über die Wölfe und blieben diesmal an dem Weißen Rüden hängen. Er schien anders, als der schwarze Rüde neben Banshee, der so arrogant wirkte.
Leise seufzte Mitsu und sah wieder zu Banshee.
"Du bist wirklich sehr klug und ich kann nur noch einmal sagen, wie sehr ich dir dafür dankbar bin, dass du mich in deinem Rudel aufgenommen hast."
Mitsu schloss kurz die Augen, um den Geräuschen des Regen zu lauschen, dann jedoch öffnete sie ihre Augen wieder und wandte sich dem Weißen zu. Aufmerksam musterte sie ihn erst und sah in dann freundlich, aber mit festem Blick in die Augen.
"Darf ich auch Fragen, wer du bist?"
Die Fähe hastete weiter, sie hatte gehofft Acollon würde ihnen folgen ... noch einmal blickte Ayala zurück, doch sie sah nur Dayon auf sich zukommen. Sie merkte, wie erleichtert sie war, dass er sie begleitete. Dankbar blickte sie ihn an, zugleich kam ein erneuter Schauer der Angst über sie.
"Ach Dayon, doch was ist, wenn doch etwas passiert ist? Ich würde es mir nie verzeihen..."
Sie sah zu dem Rüden auf.
"Ich hätte ihm folgen sollen, er war schon die ganze Zeit so angespannt gewesen, hatte irgendetwas gewittert..."
Die Weiße seufzte und hoffte, bald anzukommen.
Der schwarze Rüde schritt den beiden anderen Wölfen erst treibend hinterher und versuchte damit, ihr Tempo zu erhöhen. Acollons Augen waren leicht verengt. Dann als Ayala ihn ansprach, sprang er mit zwei Sätzen nach vorne, und setzte sich an die Spitze der kleinen Gruppe.
„Ich werde dir alles erklären, Ayala. Keine Angst, deinem Gefährten geht es blendend, schon fast zu gut, würde ich mal meinen.“
sagte er rau. Die Worte schienen nicht seine zu sein. Und sie waren es in Prinzip auch nicht, denn seine Gedanken waren ganz woanders. Das angelegte Misstrauen eigentlich jedem anderen gegenüber würde ihm jetzt auch nicht helfen, mit diesem Misstrauen würden sie alle nicht sehr weiterkommen, wie ebenso wenig mit einem falschen Vertrauen. Eigentlich war es von diesem Verräter, dem Seelensammler, feige und mies sich um dieses Vertrauens zu berauben. Acollon lachte schon im Inneren, wenn er von der Vorstellung zehrte, wie ihm bald vielleicht ein Kampf bevor stehen würde. Auch wenn er es langsam satt hatte, die Schachfigur von einem Gott zu spielen, dem langsam langweilig wurde. Fenris musste jemanden gewählt haben, der in einem seelischen Tief hängen musste. Später wäre noch Zeit genug, sich Gedanken über diese verdammte Situation zu machen. Die drei hatten die schlammige und fast sumpfige Lichtung erreicht und Acollon sprang mit zwei Sätzen durch den Bach und Strom des fließenden Schlammes. Nicht weit entfernt war das Rudel in Sicht, er drehte sich um, und sah zu den beiden anderen, ob sie den schlammigen Fluss auch überquert hatten.
Hanako nickte Kipsha mit einem leichten Lächeln zu, ließ ihr dann aber für einen Moment die Ruhe, in diesem dichten Regen konnte man nämlich kaum noch etwas ausmachen. Sie suchte nachdenklich mit ihrem Blick Hidoi und wollte nur zu gern wissen, ob er sich schon Gedanken über seine Gefühle machte. Oder war er schon gegangen? Hatte er das Rudel vielleicht verlassen, weil ihn alle so schlecht behandelten? Nein - sie behandelten ihn nicht schlecht, das war nicht die Wahrheit, aber trotzdem lag eine seltsame Stimmung in der Luft, wenn es um Hidoi ging.
"Hidoi..."
Flüsterte sie leise, dann schleckte sie ihrer kleinen Tochter über die Schnauze und wärmte sie, der Regen brachte auch etwas Kälte, vor allem die Welpen musste man nun gut behandeln.
Ihr Blick fiel dann wieder auf die fremde Fähe neben ihr.
"Du wirst hier einen guten Platz und eine Familie finden, glaube mir, Kipsha. Wie alt bist du denn?"
Hanako wartete kurz auf eine Antwort, dann hob sie die Schnauze in die Höhe und heulte:
"Hidoi, wo bist du? Ich vermisse dich!"
Nachdenklich senkte sie den Kopf und wartete.
Darian schluckte, ließ seinen Blick langsam umher schweifen. Der graue Himmel erschuf Dunkelheit, machte das Licht so fahl und matt, gleichzeitig nahm einem der Regen jegliche Sicht. Er konnte nur noch Banshee und die Neuen klar erkennen, von den anderen huschten nur Schatten umher, kaum noch wage zu vernehmen. Seine Augen blieben an seiner Alpha hängen. Er machte einen Schritt auf sie zu, der Mund stand ihm offen, als wollte er etwas sagen und wusste nicht, wo er anfangen sollte. Die Frage kam ihm so blöd vor, dass er sich dafür schämte, sie stellen zu wollen, doch er wünschte sich ein kleines bisschen mehr Gewissheit.
"Verzeih, Banshee... "
Er hielt inne, schluckte erneut und sah ihr ins Gesicht. Sie war so schön und dennoch weckte sie nur seine Bewunderung, nicht aber Gefühle die man mit denen Vergleichen konnte, die Gefährten füreinander hatten.
"Was ist ein Seelensammler?"
Er blickte demonstrativ weg um zu verbergen, wie dämlich er sich vorkam. Alle hier schienen zu wissen was Sache war, nur er nicht. Er verstand es nicht, worin bestand die Gefahr? War ein Mörder unter ihnen, ein Verräter? Was hatte es mit der Unsterblichkeit auf sich und wie konnte man sie erreichen?
Banshee betrachtete Mitsu mit freundlichen Augen, auch wenn der Regen dies hinter seinem dichten Schleier verbarg. Mitsu war sehr nett und Banshee erfreute sich daran, selten hatte sie eine so freundliche und höfliche Fähe getroffen. Sie schwenkte leicht die Schnauze und lächelte.
"Es freut mich, dich ein diesem Rudel begrüßen zu dürfen."
Sie betrachtete Mitsu noch eine Zeit lang, bis Darian wieder auf sie zukam. Auch jetzt waren seine Augen nicht anders, aber gleichzeitig schien eine große Frage in ihnen zu stehen. Durch den dichten Regen hindurch musste sie ihr Ohr näher zu ihm bringen und verharrte nach seiner Frage eine Zeit lang so, stutzte und lächelte dann. Die Frage war durchaus berechtigt, nein, sie war sogar sehr angebracht, schließlich wusste sie nicht mal selbst so genau, wie die ganze mystische Geschichte des Unsterblichwerdens vor sich ging.
"Darian, auch ich weiß nicht alles darüber, doch ich hoffe, ich kann dir ein wenig Einblick in mein unfassbar kleines Wissen gegen das der Götter."
Sie richtete sich wieder auf, trat dann einen Schritt näher zu ihm und setzte sich. Einladend sah sie umher, alle um sie herum konnten durchaus zuhören, Wissen war das einzige, mit dem sie ihr Rudel wirklich stärken konnte.
"Götter zeichnen sich besonders durch eins aus, ihre Unsterblichkeit; es heißt, wenn man unsterblich wird, öffnen sich einem alle Wege, wenn man unsterblich ist, ist man ein Gott. Ein Gott zu sein, bedeutet besonders eines, Macht zu haben, Macht über alles, was nicht unsterblich ist, über die Welt und alles Leben auf ihr."
Sie hielt kurz inne und betrachtete die Wölfe um sie herum bevor sie fortfuhr.
"Nicht viele Wölfe streben danach unsterblich zu werden, denn trotz dieser Macht raubt uns die Unsterblichkeit etwas, das seit Urbeginn der Zeiten in den Pfoten der Wölfe liegt, die Freiheit. Der einzige Grund, warum ein Wolf unsterblich, also zum Gott wollen könnte, ist Rache. Rache an der Welt im Allgemeinen oder einzelnen Lebewesen, denn nur als Gott verfügt man über jedwege Möglichkeit jemanden zu töten, zu foltern oder auf andere Art und Weise zu quälen. Die Nachricht eines Seelensammlers in meinem Rudel macht mir genau aus diesem Grund Angst."
Erneut verstummte sie, dachte kurz über ihre eigenen Worte nach, die Gefahr die stumm dahinter lauerte und gleichzeitig die Faszination, die einen mit unsichtbaren Pfoten in ihren Bann zog.
"Doch ich habe bis jetzt nur die Gründe erläutert, das Wie ist eine Frage die schon viele Generationen überlebt hat. Nur so viel weiß ich; ein Wolf muss die Kunst erworben haben Seelen zu rauben. Ich weiß nicht, wie, niemand weiß das, genauso wenig, wo man diese Kunst erlernen kann. Viele sagen, dass nur ein Gott selbst das Wissen weiter geben kann, doch begeben wir uns mit diesen Überlegungen in das Dunkle der Vermutungen. Wenn eine Seele aus einem Körper geraubt wurde, so kann das Lebewesen, das über diesen Körper herrscht nichts mehr tun, er ist gefangen in seinem Selbst, doch lebt er nicht mehr. Er muss in der Dunkelheit dahin Dämmern, kann keine Gedanken mehr fassen, ist aber nicht tot. Er nimmt nichts mehr wahr und kann sich nicht bewegen, doch ist er da und lebt. Erst, wenn der Seelensammler genug Seelen gestohlen hat, wie viele das auch immer sein müssen, und damit die Unsterblichkeit errungen hat, ist der Beraubte fähig zu sterben, da seine Seele für immer vernichtet ist. So wird er verdursten, da es keine Möglichkeit für ihn gibt, zu trinken."
Banshee verstummte und ließ ihren Blick erneut wandern. Viel von ihrem Wissen, alles was sie über den Weg der Unsterblichkeit wusste, hatte sie soeben an die kleine Schar der Wölfe weiter gegeben. Sie betete zu Engaya es mögen die Wölfe verstanden haben.
Hidoi drehte leicht die Ohren zurück als er das Heulen von Hanako wahr nahm. Oh wie toll, er lag hier nur ein paar Meter entfernt von ihr im Regen am See und, sie vermisste ihn schon? Ach du Schande, dass hatte er nun wirklich nicht gewollt. Er war kein Wolf, der bei jedem Mucks gleich angedackelt kam und sich nach dem Wohlbefinden erkundete. So sah er nur kurz zu ihr hin, hatte erst einen ziemlich genervten Ausdruck in den Augen, doch er schwand fast ganz als er zu Hanako sah. Oh Gott, so weich hatte sie ihn schon geklopft? Er seufzte.
"Ich bin doch hier, lieg am See im Regen keine 8 Meter entfernt von dir."
grollte er und sah dann zu Banshee, die anfing der Horde Wölfe eine schöne Geschichte vom Gott sein und Seelensammler werden erzählte. So sah es aus als stand da eine alte Wölfin die ihren Enkelkindern einen Klatsch aus der Jugend erzählte und alle sahen mit Glubschaugen bewundernd zu. Nein, dazu gehörte er nicht, es interessierte ihn nicht. Er wollte kein Gott sein, war kein Seelensammler, also brauchte er das auch nicht zu wissen. Fertig. Der Stahlgraue sah wieder hinaus auf den See, gelangweilt sein stechend gelber Blick. Hoffentlich zeigte der Seelensammler bald sein Gesicht, er freute sich schon die Begegnung, die bestimmt nicht ohne Kampf ausgehen würde.
Der schwarze Rüde spitzte die Ohren leicht und vernahm die Worte seiner Fähe. Nach ihnen zufolge war der schwarze Alpharüde auch ein Seelensammler, wenn zugleich seine Unsterblichkeit ein Fluch der Ewigkeit war. Acollon hatte keine Seele, nur Erinnerungen die sein Wissen und Wesen formten. Auch wenn der Sohn Fenris´ immer das Gefühl hatte, wenn Banshee in seiner Nähe war, dass er Leben in sich verbarg.
Niemals hatte sich der Alpha drüber geäußert, ob er diese grausame Gabe die er auferlegt bekommen hatte, überhaupt wollte, und wenn Acollon ehrlich war, darüber hatte er und wollte er sich auch keine Gedanken machen. Es war es nicht wert, über eine Sache nachzudenken, die er niemals ändern könnte.
„Kommt.“
zischte er Ayala und Dayon zu. Er schritt langsam zu den Wölfen, setzte sich, ohne auf die anderen zu achten, neben seiner Gefährtin hin und flüsterte ihr ins Ohr, ohne das es jemand anderes mitbekam (!) :
„Deinen Worten zufolge, meine Liebste, bin ich aus der Gefahr, ich habe keine Seele. Ich würde es wünschen, wenn wir den anderen nicht sagten, dass ich in Prinzip auch ein Seelensammler bin. Nein- eigentlich bin ich nicht jemand der sammelt, sondern raubt, ich raube das Leben anderer. Welch Ironie. Und trotzdem bin ich machtlos.“
Diese Machtlosigkeit zuzugeben schien wie etwas, was Acollon noch nie getan hatte, doch seiner Fähe so etwas zu sagen, würde nichts daran ändern, dass Acollon ihrer, also dem Leben, unterlegen war. Wenn gleich der Tod niemals vergehen würde. Seltsam, obwohl das Leben stärker war, war der Tod beständig und ewig. Es gab keinen Weg an diesem Gleichgewicht etwas zu rütteln, außer man konnte die Seelen anderer sammeln. Vielleicht würde Acollon mal darüber nachdenken, wenn seine spätere Berufslaufbahn zum Schwanken kam.
„Ich habe Dayon und Ayala mitgebracht.“
Seine Augen ruhten auf Falk.
„Nun sind wir aber immer noch nicht vollständig, Moon fehlt und Varloc ist auch schon eine Ewigkeit nicht mehr aufgetaucht, ob das etwas mit unserem Seelensammler zu tun hat?“
Es war keine direkte Frage, es war eher so, als schien der Rüde darüber nachzudenken. Er legte seine Stirn auf den Rücken seiner Fähe. Er wurde schwächer, gerade so, als versuchte Fenris ihm ein Teil seiner Macht zu entreißen. Doch der schwarze Tod ließ sich nichts anmerken und richtete sich wieder auf. Diese anfänglichen Versuche Gefühle zu zeigen, schienen wieder unterzugehen und sein Blick lag wieder starr und kalt auf den anderen.
Kipsha schaute die Fähe dankend an, sie hoffte wirklich auch, dass sie eine neue Familie bekommen würde.
"Ich bin 3 Jahre alt."
Sagte Kipsha zu der Fähe. Sie vermisste ihre Familie.
Falk bemerkte den Blick Acollons und wunderte sich über ihn, für ihn schien beinahe alles geklärt. Selig lächelte der Hüne seiner geliebten Fähe zu, konnte es kaum erwarten, sie bei sich zu spüren. Es war höchstens mit den Schwankungen zwischen zwei solch extremen Gefühlslagen zu erklären warum der Rüde die Gefahr nicht erkannte und einzuschätzen wusste, nicht registrierte, dass auch er und Ayala in Gefahr waren, dass auch sie jenem Seelensammler zum Opfer fallen konnten. Für ihn war nur eines klar: Ayala konnte der Seelensammler nicht sein. Auf keinen Fall, niemals. Eher tat sich die Erde auf und spuckte Tomatensträucher aus als dass seine Ayala dieser Seelensammler sein konnte.
"Okay, Banshee, ich denke, ich habe verstanden. Wir befinden uns in Gefahr und wir können nicht einmal sicher sein, von wem genau die Gefahr ausgeht. Es kann jeder hier von uns sein. Wer sagt uns denn, dass du es nicht bist?"
Er maß sie mit abschätzendem Blick, aber das war eher eine rhetorisches Mittel. Letztlich glaubte er nicht, dass Banshee der Seelensammler war, genauso wenig wie Ayala es war. Auch Dayon, Varloc und selbstverständlich Acollon kamen nicht infrage.
"Auch ich könnte es sein. Ich war lange weg, ich könnte die Fähigkeit erworben haben. Aber wie nun also sollen wir herausfinden, wer der Seelensammler ist? Was ist dein Vorschlag?"
Wieder sah er sie mit prüfendem Blick an. Er stellte sich nicht die Frage, wer der anderen Wölfe jener Seelensammler sein könnte. Irgendeiner von ihnen würde es sein und es war Falk herzlich egal, wer. Im Notfall würde er mit Ayala eine Weile fortgehen, nur sie beide, ohne irgendwelche Seelensammler und durchgeknallte Fähen - er schaute zu jener, die wohl Eris war - und völlig störungsfrei. Vielleicht gab es auch gar keinen Seelensammler. Vielleicht war das Ganze auch einfach eine Lüge von einem schwachsinnig gewordenen Rüden, der vor dem Tode im Fieberkampf irgendeinen Mist geträumt und für die Wahrheit befunden hatte, nur um damit ins Revier zu kommen, damit hausieren zu gehen und das ganze Rudel verrückt zu machen.
Leé war inzwischen ein bisschen eingedöst und genoss die Wärme, die ihr Hanako gab. Sie kuschelte sich wohlig in ihr Fell hinein. Im Halbschlaf hörte sie Hanako mit Kipsha sprechen. Leé war zu erschöpft um etwas zu sagen, obwohl sie gerne mit Kipsha geredet hätte. Doch schließlich fiel sie endlich in einen tiefen und ruhigen Schlaf. Ihr Schlaf war Traumlos, ein leeres Nichts, das ihr bekam. Sie schnarchte leise, Leé fühlte sich wohl. Ab und zu spürte sie, wie ein Regentropfen ihr über das Fell rann. Doch das machte ihr nichts aus. Im Schlaf rollte sie sich auf die andere Seite und war nun ruhig, sie schnarchte nicht mehr.
Von der Ferne nahm Ayala Banshees Worte auf. Sie war so froh gewesen, endlich wieder hier zu sein, angekommen in ihren Zuhause. Und jetzt...die Stimme der Alphafähe verschwamm wie ein Spiegelbild im Wasser, wenn ein Tropen darauftraf. Mal wurde es lauter, mal nahmen besondere Laute Gestalt an, indem sie hervorstachen. Gleichzeitig konnte Ayala die Nachricht Acollons zwar wahrnehmen, jedoch schien sie wie gefangen - abhängig von den an- und abschwellenden Lauten in ihrem Kopf.
So wird er verdursten, da es keine Möglichkeit für ihn gibt, zu trinken.
Die Weiße verstand sofort, auch wenn sie den Beginn der Verkündung nicht mitbekommen hatte. Und doch schienen die Worte auf seltsame Art und Weise einen Sinn zu ergeben, der zugleich verschlüsselt war - sie verstand, doch sie konnte es nicht übertragen. War es wirklich die Alpha der Sternenwinde, die dies sagte? Konnte es wahr sein, dass hier ... Ayala fröstelte, ein kalter Windhauch fuhr durch ihr weißes Fell, doch auch innerlich fror sie erbärmlich. Sie drückte sich näher an Dayon, sie würden die nächste Zeit alle zusammenhalten müssen, es war an der Zeit, wahre Freundschaft zu beweisen. Falk, Dayon und sie würde nichts trennen können, kein "Seelensammler", kein gar nichts. Bei dem Gedanken wurde ihr wieder wärmer...Falk...vor allem für diesen Rüden würde sie alles aufgeben, alles, was ihr wichtig war, wenn sie nur glücklich werden konnten. Ayala trat vor, begrüßte Banshee mit einem vielsagenden Blick, sehr gerne hätte sie ein ausführliches Gespräch mit ihr gehalten, ihre Schwester im Geiste richtig begrüßt - doch die Umstände ließen es nicht zu. Verwirrt blickte sich die Weiße um...sie sah viele neue Gesichter. Als sie Eris entdeckte lächelte sie, unweit von ihr saß jedoch Falk von Scharfenberg, der ihren Blick einfing. Sie stürmte so gefasst wie möglich zu ihm, um die anderen nicht zu stören und kuschelte sich an ihn. Ihr wurde wieder warm. Seine Worte, die er gerade an Banshee gerichtet hatte, schienen verbittert, was war mit ihm los? Sie blickte ihn fragend an.
Dayon ging langsam Acollon nach, als er aus dem Wald trat schlug ihm ein ungewöhnlicher Regen entgegen. Riesige Tropfen, die so dich fielen, als würden sie eine Wand bilden wollen. Er sah nach einigen Schritten banshee, die etwas zu erzählen schien, doch konnte er es wegen dem monotonen Rauschen nicht verstehen. Neben ihm drückte sich Ayala an ihn, aus welchem Grund auch immer, sie schien irgendwie ängstlich. Dann lief sie zu Falk und zögernd folgte Dayon ihr. Er stellte sich zu ihnen und grinste schief.
"Sagt mal ... worüber redet Banshee eigentlich? Und was ist überhaupt passiert?"
Er trat noch etwas näher, da er fürchtete, ihre Antwort nicht zu verstehen. Die Situation war verwirrend, Banshee schien sehr wichtige Dinge zu sagen, denn viele Wölfe saßen um sie herum und lauschten aufmerksam ...
Eris hatte Banshee gespannt zugehört, als sie über die Sache mit dem mysteriösen Seelensammler erzählte. Der Seelensammler selbst interessierte sie weniger, sie verspürte komischer Weise nicht die Angst, die die anderen mit ihren klammen Händen zu streifen schien, aber es konnte ja nicht schaden über Gefahren informiert zu sein. Aber als Banshee begann von den betroffenen Seelen zu sprechen, schlug Eris die Augen weiter auf und rückte näher an die Leitwölfin heran. Wie stets, wenn sie etwas berührte, rumorte es in ihrem Inneren. Es war, als würde sich ein dunkler Strudel bilden und ziehen und zerren. Sie saß da wie ein kleiner Welpe und schaute zu der weißen Fähe hinauf und man konnte all ihre Gefühle in ihrem Gesicht erkennen. Es störte Eris nicht. Sie ließ den gefangenen Blick zu Boden schweifen und starrte durch ihre schlammigen Pfoten hindurch ins Nichts. ... gefangen in seinem Selbst, doch lebt er nicht mehr. Ein komisches Gefühl überkam sie, als sie sich den Satz ins Gedächtnis rief. Betroffenheit, beinahe Trauer spürte sie als Kloß in ihrem Hals.
.oO(Eigenartig ...) dachte Eris, dabei war ihr doch gar nichts passiert und auch niemandem, den sie kannte und liebte.
Banshee ließ ihren Blick von einem zum anderen wandern, erforschte ihre Gesichter nach Gefühlsregungen. Ayala kam auf sie zu, ein flüchtiges Lächeln von banshee, ein viel sagender und doch nicht leicht verständlicher Blick von Ayala, dann war die weiße Fähe bei Falk und drückte sich an ihn. Dayon ging zu ihnen, achtete aber nicht weiter auf sie und ihre Geschichte, möglicherweise hatte er nichts mehr mitbekommen, schließlich war er als letztes gekommen. Sie spürte Eris’ Blick, drehte den Kopf zu ihr und sah Betroffenheit, Trauer, Verwirrung und vielleicht sogar Angst in dem Blick, der so sehr einem Welpen ähnelte. Dann sah Eris zu Boden, aber Banshee drückte sich leicht an sie, als wolle sie sagen, dass Eris keine Angst haben müsse, dass Banshee immer bei ihr sein würde. Falk ergriff das Wort und ließ die weiße Fähe leicht lächeln.
"Sehr richtig, große Gefahr droht und jeder könnte es sein. Das Misstrauen, das dadurch gesät wird macht selbst mir Angst und möglicherweise ist es eine größere Gefahr als der Seelensammler selbst. Auch mir kannst du misstrauen, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass Acollon und ich es sein könnten, schließlich schickte Engaya ihren Boten zu uns ..."
.oO(Noch dazu wäre es seltsam zwecklos, wenn zwei Unsterbliche die Unsterblichkeit erreichen wollten.) Aber sie sprach ihre Gedanken nicht aus sondern fuhr ungerührt weiter fort.
"...und leider muss ich auch dich verdächtigen."
Damit hatte sie es ausgesprochen und hoffte Falk gleichzeitig klar zu machen, wie sehr sie diesen Umstand bedauerte, mehr noch, wie sehr sie sich wünschte, dieses Misstrauen zerbröckeln zu lassen.
"Das einzige, was wir tun können, ist zusammenhalten. Jeder von uns könnte es sein aber auch jeder von uns könnte es nicht sein. Wenn jemand Seltsames bemerkt, muss er uns das sofort mitteilen, das Schlimme daran ist jedoch sofort zu merken. Gegenseitiges Beobachten, eigene Unruhe und die Angst etwas zu tun, was auffallen könnte."
Sie schwieg verdrossen, während ihren Worten war ihr selbst aufgefallen, wie falsch es wäre diese Maßnahme durchzusetzen ... Sie schluckte einmal, dann kam Acollon zu ihr. Seine geflüsterten Worte hätten wohl normalerweise erneut ein Lächeln hervorgezaubert, doch gerade jetzt war ihr klar geworden in welch einem Kreis des Hasses sie sich befanden. Ebenso leise flüsterte sie zurück:
"Acollon, hättest du keine Seele, würdest du nun nicht hier neben mir sitzen und mit mir reden, hättest du keine Seele, würdest du mich nicht lieben und ich dich nicht. Jeder hat eine Seele, auch wir beide, die wir unsterblich sind. Vielleicht aber auch ... haben wir nur eine Seele, denn ohne den Tod gibt es kein Leben und ohne das Leben gibt es keinen Tod."
Jetzt lächelte sie doch leicht, ihre Augen lagen auf ihrem Gefährten. Die Vorstellung dass sie praktisch nur eine halbe Seele hatte und ohne Acollon nicht sein könnte, schien ihr mehr als möglich doch gleichzeitig wurde ihr auch bewusst, welch Folgen dies haben könnte. Sie schluckte erneut, noch immer lächelnd.
Der Roten hallten diese Worte der Alphafähe im Kopf.
...er ist gefangen in seinem Selbst, doch lebt er nicht mehr. Er muss in der Dunkelheit dahin Dämmern, kann keine Gedanken mehr fassen, ist aber nicht tot...
Das kam Akai sehr bekannt vor. Der Glanz erlosch in ihren Augen. Die stille Fähe stand auf und entfernte sich von Banshee. Sie setzte sich alleine an den Rand des Platzes, dessen Mitte sie durch den schützenden Regenvorhang nicht mal mehr ansatzweise erkennen konnte. Akai schluckte. Gefangen in sich selbst zu sein, aber weder tot noch wirklich lebendig. Dieses Gefühl war ihr nicht fremd. Die Wölfin, die nach so langer Zeit wieder einmal mit anderen Wölfen in Kontakt getreten war, bereute es fast. Zu viele Erinnerungen kamen in ihr hoch. Schließlich legte sie sich hin und vergrub den hübschen Kopf im Matsch, damit niemand das leise, erstickte Heulen hören konnte. Und der Schlamm dämpfte gut...
Eris schreckte zurück, als Banshee plötzlich näher kam und sie mit ihrer Flanke berührte. Verwirrt, mit fragendem Blick sah sie zu ihr hoch. Was sollte das denn? Als wolle Banshee sie trösten. Aber weshalb? Eris hatte keine Probleme damit Gefühle zu zeigen, auch wenn Kamui stets bei ihr gewesen war und dieser nichts davon hielt. Aber mit ihren Gefühlen, egal ob sie sie nun zeigte oder nicht, musste sie selber klar kommen, das wusste sie. Da konnte ihr niemand helfen. Weder Angst, noch Trauer, noch Wut konnte jemand von außen ändern oder besänftigen. Sie war auch in der ganzen Zeit mit ihrem Gefährten auf sich gestellt gewesen und er hatte sich nicht darum gekümmert und sie hatte es trotzdem überlebt, sehr gut sogar. Es lief doch alles blendend mit ihr. Sie war stark. Eris rückte etwas von Banshee weg und stand schließlich ganz auf. Das sollte Banshee nicht vor den Kopf stoßen, aber es brachte ihr doch nichts. Eris ging ein wenig umher und sah, wie eine rote Fähe, deren Namen sie -wie so oft- nicht kannte, ebenfalls aufstand und sich von dem Kreis aus Wölfen entfernte. Sie, im Gegensatz, sah aber gar nicht so in Ordnung aus wie Eris. Als hätte die Geschichte von Banshee sie in den Grundfesten erschüttert. Das klang etwas extrem, aber das war das erste, was Eris dazu in den Kopf kam. Jedenfalls schien es die Fähe mitgenommen zu haben. Und als sie dann den roten Kopf im Schlamm vergrub, schaute Eris besorgt zu ihr hin und näherte sich. Direkt neben ihr beugte sie sich etwas runter und fragte leise:
"Hey, kann ... kann ich irgendetwas tun? Willst du mal mit jemandem reden?"
Eris sah das für sich selbst nicht als Lösung an, aber anderen könnte es ja helfen.
Darian, der zuvor nicht gewusst hatte, um was es eigentlich ging, schwebte nun ein Bild der Worte seiner Alpha vor Augen, das genauer war, als er es vielleicht hätte sehen wollen. Die Grausamkeit, die beschrieb wie die Opfer eines Seelensammlers ihr Ende fanden, meinte er brennend auf seiner Haut zu spüren. Ein eiskaltes Gefühl kroch sich durch seinen dichten Pelz und drang unbarmherzig in sein inneres ein. Er erschauderte leise und zwang sich an etwas anderes zu denken, als die Rote plötzlich auffuhr und davonging. Er sah ihr konfus hinterher. Er wollte aufstehen und hinterher gehen, doch ehe er Fuß gefasst hatte, war eine weitere Fähe aufgestanden und Akai gefolgt. Er warf einen fragenden Blick zu Banshee, doch da ihm selbst nicht einmal die Frage klar wurde, die er sich in seinem Unterbewusstsein stellte, würde sie ihm wohl kaum antworten können. Das Gesicht nicht von der Weißen abwendend ließ er sich vollends zu Boden gleiten.
Falk küsste Ayala zur Begrüßung auf die Schnauze und bedachte Dayon mit einem freundlichen Lächeln. Sie drei würden in dieser Zeit zusammenhalten und wie eine Mauer gegen das Misstrauen sein. Ja, eine Mauer. Eine unzerstörbare, undurchdringliche Mauer. Ein schöner Gedanke. Der hünenhafte Rüde kuschelte sich enger an seine Fähe und sagte so leise, dass es auch wirklich nur Dayons und Ayalas Ohren erreichte:
"Ein Seelensammler ist unter uns, Dayon. Er hat die Möglichkeit die Unsterblichkeit zu erlangen entdeckt und beraubt dafür Wölfe ihrer Seelen. Niemand von uns ist sicher und jeder von uns könnte es sein. Doch ich traue euch, ich bin sicher, dass niemand von euch etwas Derartiges tun würde. Zwischen uns soll kein Misstrauen sein. Und im Notfall sollten wir eventuell überlegen, ob wir für eine Weile das Revier verlassen - nur wir drei. Übrigens glaube ich auch nicht, dass Banshee oder Acollon misstraut werden sollte."
Er sah sie ernst an, dann drehte er sich wieder zu Banshee um.
"Dass ihr mich verdächtigen würdet oder sagen wir, dass ihr mich auch verdächtigen würdet, war klar, damit werde ich wohl leben müssen. - Aber das heißt jetzt, dass wir prinzipiell gesehen keinen konkreten Plan haben? Ich werde in meiner Funktion als Gamma jedoch das Möglichste tun."
Er dachte:
.oO(Diesem Größenwahnsinnigen werden noch die Augen aufgehen.)Oo.
Der schwarze Wolf sah seiner Gefährtin in die Augen, Acollon hätte sich in ihrem Glanz verlieren können, und vielleicht tat er es auch für diesen Moment, das ganze Chaos schien zu verschwinden. Wenn Acollon eine Seele hätte, so würde er hier noch stehen, er stand hier, bei Banshee und er liebte sie. Aber war das Beweis einer Seele? Es waren schließlich nur einfache Befinden und Eindrücke, die jeder Körper mit der Weile empfand. Es waren einfache und normale, dennoch komplexe Abläufe und Bedürfnisse. Auf was beruhte der Aufbau einer Seele? War es das moralische Denken? Oder war es etwas das auf Grundlagen der Vergangenheit beruhte? Egal, wie es auch wirklich zu sein schien, Acollon sehnte sich in jeder Hinsicht nach Banshee, vielleicht war sie das verlorene andere Gegenstück von ihm.
„Es wäre schön zu glauben, ich hätte ein solches Privileg eine Seele zu haben, aber leider ist mir das nicht gegönnt. Leider…“
flüsterte er, und schloss die Augen. Es schien nicht wichtig gewesen zu sein, eine Seele zu haben, denn Banshee liebte ihn. Und das war für ihn Grund genug zu glauben, es könne auch ohne gehen. Fenris sagte einst zu ihm, Du brauchst keinen Dieb fürchten, selbst den der Liebe nicht, denn das Einzige was man dir rauben könnte, wären deine Organe, dein Fleisch, deine Knochen und dein Blut, denn eine Seele besitzt du nicht!
Aber vielleicht irrte auch ein Gott.
Dayon lauschte den Worten Falks aufmerksam und zog dann die Stirn kraus, sein Blick lag auf Falk.
"Seelensammler? Ich weiß nichts davon, aber es scheint ein großes Unheil zu sein ... aber wenn ich euch beide bei mir weiß, kann ich mir sicher sein, dass mir keine Gefahr droht und auch euch nicht, denn zusammen sind wir stark. Nur das Revier verlassen macht mir ... Angst? Ich will hier bleiben und sicher braucht Banshee uns auch ... jetzt sie alleine lassen klingt nach ... Verrat?"
Er trat noch etwas näher zu den beiden und setzte sich dann neben Falk, den Hünen bei sich zu haben gab ihm Sicherheit und Geborgenheit außerdem war er ein Freund, der ihm beistehen würde und genau das schien man jetzt zu brauchen. Dayon lächelte leicht.
Akai blieb leicht zitternd liegen. Ihr war jemand gefolgt, den sie weder sehen noch durch den Schlamm wittern konnte. Aber die Stimme klang eher sanft, wie ein Windhauch. Es musste eine Fähe sein. Langsam, sehr langsam, hob Akai den Kopf aus dem aufgeweichten Boden. Das hübsche Gesicht verschmiert und mit glanzlosen Augen schaut die Rote einer fremden Fähe ins Gesicht. Das Fell war so nass und schwer, dass sie gar nicht vermochte aufzuspringen, wie sie es sonst wahrscheinlich getan hätte. Doch die stille Wölfin starrt die Schwarze ihr gegenüber an. Ein seltsamer Blick bedachte sie; Trauer und Wut, Einsamkeit und Hilflosigkeit, aber auch Misstrauen und Danl lagen darin. Die Rote atmete schwer.
"Akai..."
sagte sie eher rhetorisch, doch auch gestresst und durcheinander wirkend. Sie wollte ihre so aufgewühlten Gedanken ordnen. Doch immer wieder kehrten sie zu dem Seelensammler und ihrer Vergangenheit zurück.
"Ich heiße Akai... tut mir Leid..."
Sie wusste selbst nicht genau, was sie damit bezwecken wollte, aber, dass sie überhaupt antwortete, war bei ihr schon sonderbar.
Banshee sah Eris nach und schwenkte leicht die Schnauze, die Fähe war etwas seltsam aber hatte gleichzeitig eine Stärke die bewundernswert war. Darians Blick spürend wandte sie sich nicht sofort um, als sie jedoch zu ihm sah, konnte sie nichts aus seinen Augen lesen, wieder schwenkte sie die Schnauze, diesmal als eine Art Geste des Freistellens, Darian sollte nur tun, was er wollte, jedenfalls im Hinblick auf die davongelaufene Akai um die sich Banshee, auch wenn sie es gerne wollte, jetzt nicht kümmern konnte.
Acollons Worte ließen sie leicht Schmunzeln, was er da sagte war nicht wahr, banshee wusste das einfach, es war in ihren Gedanken, als hätte es Engaya dorthin geschrieben. Jedoch bemühte sie sich nicht, Acollon seine Meinung auszureden, vielleicht würde er irgendwann bemerken, dass er eine Seele, oder zumindest eine halbe, haben musste, bis dahin würde sie ihn weiterhin lieben und mit ihm leben, was auch immer er denken mochte.
Langsam sah sie zu Falk auf, erforschte kurz seine Züge, dann nickte sie.
"Ja, wir haben wohl keinen ... aber vielleicht kann ich auf dich hoffen?"
Sie versuchte Falk damit ihr noch immer krampfhaft behaltenes Vertrauen zu zeigen. Wenn er eine Idee bringen würde, die ihn als Seelensammler schützen würde, hätte sie verloren, doch versuchte sie in die Hoffnung zu sehen, dass er es nicht war ... doch wer dann?
Weiterhin schien der Regen das Geschehen zu verschlucken, alles war nicht mehr so nervtötend, was vielleicht auch daran liegen konnte, dass Lluvian sich zurückzog. Der weiße Rüde erhob sich und schritt etwas ins Abseits, so dass man ihn noch sehen konnte, er aber dennoch in einem großen Abstand zum Rudel sich niederließ. Er schloss genüsslich die Augen. War es vielleicht etwas provokant, in einer solchen Situation die Augen zu schließen? Sofort öffnete sie der Regenwolf wieder. Das war schon genug Tumult für einen Tag, die so hektische und schnelle Art, wie das Geschehen ablief, war der weiße junge Rüde nicht gewöhnt. Er zog die Augenbrauchen zusammen und ließ den oberen Schneidezahn über die unter Lefze hängen, was er immer tat, wenn er nachdachte. Er holte tief Luft und seufzte leise.
.oO(Nicht dass es mich stören würde, aber hier bekommt man nicht klar gesagt, was Sache ist. Ich meine gut, sie können nicht auf jeden Neuen Wolf achten, aber zumindest könnten sie kurz andeuten, was man als Fremder zu tun hat. Vor allem für mich ist es nicht unbedingt leicht, ich habe echt keine Ahnung wie man sich den anderen Wölfen gegenüber verhält. Vielleicht durfte ich mich gar nicht so weit zurückziehen?! Aber woher soll ich das wissen? Der schwarze Rüde namens Acollon, scheint gar nicht darauf eingehen zu wollen, es scheint gar so, als könne er sich aus dem Geschehen zurück ziehen, und er durchlöchert die anderen Wölfe mit seinem kalten Blick. Man kann ihn eigentlich nur hassen oder lieben… ein neutrales Bild ist überhaupt nicht möglich. Und Banshee, die weiße Alpha, versucht ihr Möglichstes allen vergebens zu helfen. Hm, scheint sich alles schon wieder zu beruhigen. Erstaunenswert wie sehr die beiden sich vertrauen. Eine Gefährtin an seiner Seite zu haben, scheint stark zu machen, ach, dass war dieser Rüde sicherlich auch schon vorher. Was ist das Geheimnis der Liebe? Warum kann ich bloß mich nicht auf andere Wölfe einlassen? Ich kenne den Grund eigentlich, meine verdammte Familie ist daran nicht unschuldig.)
bei diesen kurzen Gedanken an seine Familie knurrte er unwillkürlich auf. Wie sehr er sie doch hasste. Schon seltsam, der doch so neutrale Lluvian war im Begriff zu hassen.
.oO(Kein Wunder, sie waren auch nicht die besten Eltern und meine Bruder hat nicht gerade eine Auszeichnung für den besten Wolfsbruder des Jahres verdient!)
Sein Blick huschte zu den anderen Wölfen, in Prinzip sah er sie nicht, sah durch sie hindurch. Der Regen trommelte auf seine Schnauze und perlte hübsch ab.
.oO(Vergiss einfach die Vergangenheit, sie ist nicht wichtig für die Gegenwart und die Zukunft, zumindest nicht der Aspekt der Familienvergangenheit.)
Eris blickte in das schlammverschmierte Gesicht der roten Fähe. Ihr Blick spiegelte ein solches Durcheinander wider, ein wahres Gefühlschaos. Und dies ließ Eris sich fühlen, als stünde sie auf heißen Kohlen. Was konnte man zu solchen Augen sagen? Aber als Eris die Worte der Roten hörte, verflogen ihre Gedanken zu diesem Problem und sie musste unwillkürlich schmunzeln.
"Hey, Akai ist doch ein hübscher Name, das ist ja wohl kein Grund den Kopf in den Schlamm zu stecken."
Jetzt lächelte Eris. Aufrichtig.
"Und du bist doch auch nicht zu verachten."
Sie sprach die Wahrheit, zumindest aus ihrer Sicht. Die Fähe vor ihr hatte sagenhaftes, rotes Fell und sanfte bernsteinfarbene Augen. Was konnte man da meckern? Aber natürlich wusste Eris, dass ihr Problem woanders lag und aus dem, was ihre Augen verrieten, erkannte sie, dass es für die rote Akai nicht einfach sein würde, über das zu sprechen, was ihr Herz bedrückte. Aber wer wusste schon, was die Zeit bringt? Eris blickte aus ihren grauen Augen zu der Roten hinunter und sagte:
"Ich meine, es ist das Beste, wenn du erstmal aufstehst. Schlamm ist ja nun nicht gerade der gemütlichste Ort zum verweilen, oder?"
Falk spürte das Vertrauen, das Dayon in ihn setzte und dachte, dass er den Rüden nicht enttäuschen wollte. Auch Ayala lächelte er zu, wollte ihr damit zeigen, dass sie sich bei ihm so sicher fühlen konnte, wie Dayon es zu tun schien. Gerade diesen beiden Wölfen sollte nichts passieren.
.oO(Wenn hier alles vorbei ist, werde ich Ayala alles erzählen. Sie hat es so verdient wie niemand sonst hier... Und Dayon. Gut kenne ich ihn noch nicht, doch ich beginne ihm richtig zu vertrauen und er könnte ein wunderbarer Freund sein.)Oo.
Er beugte sich über den Rüden mit dem hellen Fell, dass ihn in einem bestimmten Licht so sehr an das sandfarbene Fell der armen Leah erinnerte.
"Es wird auch nur die Letzte aller Möglichkeiten sein. Ich will dir nichts vormachen, ich verstehe nicht wirklich etwas von diesen...übersinnlichen Kräften, nenne es, wie du es willst. Das Wichtigste ist, dass wir immer alle zusammen bleiben und nicht allein durch den Wald laufen. Das verringert vielleicht das Risiko, aber letztlich sind wir alle in Gefahr. Denn wer hat schon jene Kräfte, die einer solchen Gefahr entgegenzusetzen wären? Ich jedenfalls nicht."
Der Rüde dachte:
.oO(Nun ja. Ich sollte die warnende Kraft mancher Träume nicht mehr unbedingt unterschätzen. Quod erat demonstrandum, oder?)Oo.
Dann wandte er sich wieder an Banshee. Er spürte ihren inneren Konflikt, was ihn anbelangte. Jedoch hatte Falk keine Ahnung, wie er Banshees Zweifel zerstören sollte. Immerhin kam er nun wirklich gut als Seelensammler infrage.
"Du kannst auf mich zählen, aber wie viel ich gegen diesen Seelensammler auszurichten vermag, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Zunächst hätte ich nur den Vorschlag: Dass sich niemand, aber auch wirklich niemand allein im Revier herumtreibt. Es sollten immer mindestens drei Wölfe zusammen bleiben, wenn einer davon ein Welpe ist, mindestens vier. Dann ist man nicht auf sich alleine gestellt, wenn man sich nun gerade bei dem Seelensammler aufhält. Und ja, ansonsten tatsächlich die Augen offen halten. Vielleicht könntest du noch deine Engaya um Rat fragen."
Ayala lauschte den beiden Freunden aufmerksam, doch sie war nicht fähig sich dazu zu äußern. Die ganze Situation machte ihr Angst, alles war so auswegslos, verworren. Dayon hatte Recht, sie würde Banshee nicht im Stich lassen, sie, die so viel für sie getan hatte. Außerdem waren sie doch immer noch ein Rudel, die schweren Zeiten gehörten dazu! Sie mussten jetzt zusammenhalten, es würde schon klappen - wenn sie nur Falk und ihre Geschwister im Geiste um sich hatte. Falk ... gedankenverloren blickte sie ihn an. Was er wohl denken mochte? Sie würde mit ihm fortgehen, wenn er es so wollte, aber trotzdem hatten sie die Pflicht, hier zu bleiben, zu kämpfen für die Gemeinschaft, für ihr Rudel. Die Fähe schloss ihre Augen, keinem, den sie gut kannte, würde sie es zutrauen, Seelensammler zu sein. Verstohlen blickte sie auf zu den Neuankömmlingen - und wenn es einer von ihnen war? Aber wie konnten sie glauben, Vertrauen zu gewinnen, wenn sie noch niemand kannte? Nein, nichts ergab einen Sinn. Noch einmal ging Ayala in Gedanken die Rudelmitglieder durch ... Banshee, Acollon, Falk, Dayon, Hanako ... keiner von ihnen konnte es sein. Hidoi konnte sie schlecht einschätzen, sie kannte ihn kaum, doch sie wollte ihn nicht mit Vorurteilen belasten, wobei sie zugeben musste, dass das Vorkommnis mit dem Boten ein äußerst schlechtes Licht auf ihn warf. Wen von den Neuen kannste sie noch? Eris! Zugegeben, seltsam war sie, aber auch sie kam eigentlich nicht infrage, dafür war sie zu offen, wenn sie zu etwas Grausamem fähig wäre, hätte sie sich anders verhalten, sich verstellt. Ansonsten blieben nur noch die Welpen, aber so etwas konnten schließlich nur ausgewachsene Wölfe "vollbringen" . Dennoch, irgendetwas war doch gewesen, was ihr Sorgen bereitete ... Ayalas Kopf schnellte hoch.
"Dayon, wo ist Moon? Wenn ihm etwas passiert ist ... ?"
Die Rote sah weiterhin zu der schwarzen Fähe vor ihr auf. Sie hatte Recht. Der Schlamm war nicht gerade ein guter Platz. Doch Akai war eher ein Denker als ein Fühler. Egal wo, sie fasste lieber einen klaren Gedanken, als blitzsauber zu sein. Langsam erhob die Fähe sich. Mit gesenktem Kopf blieb sie vor der Schwarzen stehen. Nein, sie war nicht unbedingt hässlich, aber verachtet worden war sie ihr Leben lang. Genau wegen der Auffälligkeit des roten Fells. Akai empfand die Wölfin vor ihr als sehr fürsorglich.
.oO(Wenn sie Welpen hätte, würden sie es bestimmt gut bei ihr haben)
dachte die Rote. Wie kam sie überhaupt dazu über so etwas nachzudenken? Immer noch konfus stand sie leicht wackelig auf den langen Läufen. Der stetige Regen wusch den Schlamm schnell aus dem langen Fell und von der schmutzigen Schnauze.
Diese Fähe hatte Familien- und Rudelsinn.
Etwas, das den Verwandten der Wölfin gefehlt hatte. Sie war bewundernswert. Doch die Rote dachte nur. Blieb still. Wie immer.
Das Geäst knackte unwirsch unter den schmalen Pfoten des jungen Rüden, Athür. Seine Lefzen waren gekräuselt und seine Ohren leicht zurückgelegt, es sah etwas so aus, als schien er vor sich hinzuschmollen. Aber tatsächlich dachte er nur etwas nach. Nun war er schon fast eine Ewigkeit unterwegs. Er sehnte sich nur nach Gesellschaft, Freunden und einer Familie. Der sonst so raue und vorlaute Jungwolf war in sich gekehrt und fast traurig. Seit dem Verlust seiner Mutter, die vor kurzem gestorben war, hatte er sich selbst versorgen müssen. Viele Rudel hatten ihn verstoßen.
“Pah, als ob ich auf irgendwelche dummschwätzigen Wölfe angewiesen bin. Wenn die halt meine Vorzüge nicht sehen, selbst Schuld.“
grummelte er leise und trat auf eine Lichtung. Es hatte begonnen zu regnen, sein Fell war klitschnass und seine flauschigen Ohren waren geglättet. Seine Augen starrten stur geradeaus. Seine ganze Aufmerksamkeit widmete sich seinem Trotz, sodass er es kaum bemerkte, dass er auf fremde Wölfe zu marschierte.
Doch als Athür aufsah, erkannte dieser, dass er sich in einem fremden Revier befand und vor fremden Wölfen stand. Erschrocken und erstaunt weiteten sich seine Augen kurz, seine Schnauze war einen Spalt geöffnet. Als er sich wieder fing, versuchte er diese vermeintlich aufmerksamen Züge in Desinteressierte umzuwandeln.
Schien nicht ganz einfach, in Anbetracht, dass er nun etwas sagen musste.
“Tag.“
sagte er kurz angebunden und lässig setzte er sich, und warf schwungvoll seine langen Schopfhaare nach hinten. Er zog eine Augenbraue hoch und schmunzelte leicht.
Mitsu witterte mehr ihn mehr, als das sie ihn sah. Einen fremden Rüden. Angestrengt versuchte sie durch den dichten Regen, den fremden Rüden zu sehen, bis sie es aufgab. Langsam stand sie auf und spitzte die Ohren. Dann wandte sie sich Banshee zu. Mitsu wusste nicht, ob sie Banshee stören sollte oder nicht. Sie entschied sich dagegen und lief auf leisen Pfoten dem Geruch nach, bis sie den fremden Rüden sah. Langsam ging sie auf ihn zu und setzte sich eine Wolfslänge entfernt vor ihm hin. Dann musterte sie ihn aus ihren eisblauen Augen freundlich.
"Sei gegrüßt Fremder, wie ist dein Name?"
Wieder etwas verdutzt, dennoch weiterhin lässig, sah er die graue Wölfin vor sich an. Er schätze sie ab, sie war nicht autoritär genug um Alpha zu sein. Deshalb huschte sein Blick an der Wölfin vorbei und suchten nach einem Wolf der etwas mehr dominanteres Auftreten hatte.
“Sag mir lieber erstmal deinen Namen.“
sagte er kaltschnäuzig und spannte gelangweilt seine Lefzen an. Athür würde sich nicht auf irgendwelche fremden Wölfe einlassen, er wollte partout mit einem Alpha sprechen. Denn trotz des prasselnden Regen, fand er die Gegend ganz nett, und, wie er anhand der vielen verschiedenen Gerüche wahrnehmen konnte, gab es auch genug Wild. Was sich ganz praktisch erweisen würde, falls man mal Hunger hatte.
Nachdem er niemanden ausfindig machen konnte, der in Mindest nach einem Alpha aussah, wandte er sich wieder der Fähe zu.
“Bring mich zu deinem Alpha, aber dalli!“
befahl er der grauen Fähen wirsch. Er setzte ein charmantes Lächeln auf und funkelte sie mit einem stechenden Blick an.
“Bitte.“
fügte er fast freundlich, dennoch drängend hinzu. Der raue Umgang mit Fähen war schon immer ein Grund gewesen, ihm aus einen Rudel zu schmeißen.
.oO(Man kann es mir aber auch nicht übel nehmen, schließlich bin ich jung, und stoße mir noch die Hörner ab. Los, empfinde mich als süß oder niedlich und bring mich zu deinem Alpha, graue Fähe)Oo.
Der Hüne hatte den Auftritt des Fremden beobachtet und dessen Gespräch mit der anderen Fremden, deren Name wohl Mitsu war, soweit er sich daran erinnerte. Er kräuselte die Lefzen. Wer sagte ihnen eigentlich, dass der Fremde aus dem Rudel stammte? Konnte es nicht auch einfach sein, dass er sich im Revier aufhielt? Und wie lange mochte dieser Kerl wohl schon hier herumschleichen und sich prächtig amüsieren? Falk dachte bei sich:
.oO(Na warte...)Oo.
Er trat einige Schritte vor und drängte an Mitsu vorbei, jener grauen Fähe, die auch eher fremd als vertraut war, die Falk aber allein darum sympathisch wurde, weil auch sie sich sicherlich nicht das Verhalten dieses Fremden bieten lassen würde. Er beugte sich kurz zu ihr und flüsterte:
"Lass nur... Ich mach das."
Dann lächelte er den Fremden süffisant an.
"Ich glaube, wir sind gerade zu beschäftigt um uns mit dir zu befassen. Wer bist du überhaupt und was hast du hier verloren? Scheinst dir ja ganz sicher zu sein, dass wir dir nichts tun, oder? Oder kommst du dir uns etwa überlegen vor? Das Gegenteil würde ich dir ja beweisen - aber ich habe gerade Wichtigeres zu tun."
Er drehte sich zur Seite und tat wieder einige Schritte auf Ayala und Dayon zu.
"Ich schlage dir was vor: Du gehst jetzt zurück zur Reviersgrenze. Da stellst du dich hin und heulst freundlich, aber auch wirklich freundlich, dass wir dich reinlassen und dich anhören. Und wenn wir dann Lust haben und du auch wirklich freundlich warst, reagieren wir. Und wenn nicht, dann machst du dich wieder davon. Ist das klar?"
Ein Wolf von Baumesgröße baute sich vor dem jungen und dagegen recht zierlich wirkenden Jungwolf auf. Nur mäßig erstaunt über die Worte, eher noch faszinierend über dessen Größe, schnippte Athür billigend mit den Ohren.
.oO(Mach du nur weiter so)Oo.
Athür war gewiss nicht der Wolf der einen Befehl entgegen nahm und sich auch nicht unbedingt angreifen ließ, in keiner Hinsicht. Im Gegenteil, eigentlich war er recht schlagfertig und fand für jede Beleidigung oder jeden Angriff eine passende und fast freche Antwort. Die indirekte Drohung des großen Rüden vor sich, nahm Athür jedoch ernst. Schließlich war er nicht lebensmüde und auch nicht dumm, nur ziemlich stolz.
“Bist du der Alpha?“
fragte der grau Braune schlicht und fast so, als hätte er die Worte des Wolfes nicht ernst genommen, fügte jedoch etwas vorsichtig hinzu:
“Ich bin mir sicherlich bewusst, dass deine Körpergröße von gewisser Kraft spricht, und ich zweifle mit Sicherheit auch nicht daran, dass ich einem Rudel unterlegen bin. Ich habe ganz simpel einfach nur keinen Bock darauf, mich unbedingt zu verstellen und einen auf freundlichen und liebenswerten Wolf zu machen, denn der bin ich nicht. Und was hat ein Rudel schon großartig zu tun? Die fetten Bäuche im Schlamm wälzen und darauf warten, dass wieder Sommer wird?“
Jetzt war der einjährige Rüde zu weit gegangen, und das wusste er auch. Zwar war die Kraft des riesigen Hünen nicht zu unterschätzen, doch Athür war auch nicht vom schlechten Schlag. Trotz seines Alters und seiner so schmalen Statur umwog ihn eine gewaltige Kraft, die nur in den seltensten Fällen freigesetzt wurde, immer wenn der Rüde kurz vor dem Tode stand. Diese Wutausbrüche waren nicht zu kontrollieren und sprachen von einem hohen Gewaltpotential und einer mörderischen List.
.oO(Als ob ich nicht wüsste, was ein Rudel zu tun hat. Aber lass ihn ruhig glauben, du wärst ein Hitzkopf ohne Benehmen und ohne Vorstellungskraft. Lass nur. Der wird ja noch sehen)Oo.
“Ich spare mir den Weg noch mal zur Reviergrenze und stelle mich jetzt nett und höflich vor, so wie du es verlangst, Großer.“
schnarrte der Jüngling und heulte kurz und dennoch kräftig auf.
“Guten Tag, mein Name ist Athür. Ich bin ein Jüngling, sprich ein Jahr alt, komme aus dem Süden. Mein Anliegen ist das Bleiben in diesem Revier. Seid Ihr Alpha dieses Rudels? Falls nicht führt mich doch bitte zu diesem.“
sagte Athür und schmunzelte charmant.
“Besser so?“
23.12.2009, 16:48
Banshee bemerkte das Gehen Lluvians nur am Rande, ihre ganze Aufmerksamkeit war auf den Fremden gerichtet, der soeben angefangen hatte mit Falk zu streiten. Die Worte konnte sie nicht verstehen aber der Gesichtsausdruck zeigte genug, dann aber begann der Fremde zu heulen, was Banshee zwar seltsam aber sicher nicht ohne Grund gemacht ansah. Vielleicht hatte es Falk verlangt ... sie trat etwas näher zu den beiden während ihre Gedanken noch kurz bei den Worten des Hünen verweilten, ja, nicht mehr alleine umher streifen, das war wohl das einzig mögliche ... Seine letzte Bemerkung über Engaya kommentierte sie jetzt noch mit zusammengezogenen Augenbrauen, sie sah die Worte als spöttisch, fast respektlos an, auch wenn sie nicht wusste, wie sie gemeint waren. Den Tonfall hatte sie im ewigen Rauschen nicht erkennen können, wahrscheinlich hatte es Falk anders gemeint, so ersparte sie sich einen aufbrausenden Kommentar. Ruhig trat sie nun zu dem Fremden, setzte sich und schnippte einmal mit dem linken Ohr.
"Willkommen Fremder, wie ich sehe hast du bereits meinen Gamma Falk von Scharfenberg kennen gelernt. Wie ist dein Name und was ist dein Anliegen?"
Sie versuchte durch die Klarstellung einiger Fakten offen zu wirken, der Rüde vor ihr schien noch ein Jungwolf, auch wenn sie keine Zeichen der Unsicherheit bemerkte. Falk warf sie einen freundlichen, beschwichtigenden Blick zu.
Nun trat eine weiße Fähe hinzu, was der Jüngling als Rettung sah. Sie war ruhig und besänftigend, ja, sie war wohl Alpha. Wieder warf Athür das lange nasse Schopfhaar nach hinten, und setzte ein weiteres charmantes Lächeln auf. Doch unpassend zu dem anderen Auftreten des Rüden, funkelten seine Augen aufmerksam und wenn auch gleich etwas gefährlich, was keinesfalls zu sagen schien, dass er unsicher war.
Doch die generelle Abneigung gegen weibliche Wölfe zeigte auch keine Ausnahme gegenüber der Weißen.
“Ich würde sagen, du fragst am besten deinen Gamma. Der Große hat mich bereits zu Recht gewiesen. Aber du willst es wohl aus meiner Schnauze hören. Mein Name ist Athür, Jüngling. Ich bitte darum eine Weile im Revier bleiben zu dürfen.“
fast hatte er ruhig und freundlich gesprochen, wäre da nicht die Spur einer arroganten Art gewesen.
.oO(Na mal schau´ n. Die wird sicherlich nicht die Kontrolle alleine beherbergen.)Oo.
Der Blick Athür´ s glitt zu dem baumgroßen Wolf, Falk von Scharfenberg. Imposant war er nicht gerade, er wirkte auch nicht wirklich schlau, eher wie eine Kampfmaschine auf vier Pfoten, die jedem Befehl Gefolge leisten würde.
“Und mit wem habe ich das unvermeidliche Vergnügen?“
fragte er, ohne dabei wirklich interessiert zu wirken, doch ohne es zu merken, legte er etwas fragend den Kopf schief. Als er diese so unkontrollierte Geste bemerkte, tat er so, als juckte ihm es hinter dem linken Ohr und rieb seinen Kopf an der Schulter.
Banshees Blick wurde schärfer, die Freundlichkeit blieb allerdings und auch das Lächeln konnte die unfreundliche und beinahe leicht feindliche Art des Rüden nicht vertreiben. Es schien tatsächlich eine Spannung zwischen Falk und diesem Athür gegeben zu haben, wobei das zu erwarten gewesen war, schließlich war dieser Wolf einfach so aufgetaucht. Sie machte eine beschwingte Bewegung mit der Rute und legte leicht den Kopf schräg, freundliche Gesten, jedoch keines Falls Besänftigende oder Beschwichtigende.
"Athür also, willkommen. Ich würde dich bitten etwas freundlicher zu sein, sowohl zu mir als auch zu Falk auch wenn Falk um einiges schneller wütend wird. Schließlich fragst du nach einer Bleibe und da dies unausweichlich mit einschließt hier bei ihm und bei mir zu sein sollten wir doch alle freundlich bleiben."
Sie wusste selbst, dass diese Worte nach einer ziemlich schleimigen Versöhnung klangen, aber es war ihr in diesem Moment egal, noch dazu hatte sie einfach nur den Wunsch Frieden im Rudel herrschen zu lassen, auch wenn dieser Wunsch unmöglich war, oder gerade deshalb, bemühte sie sich ihn mit aller Kraft durchzusetzen.
"Ich bin Banshee, die Leitwölfin. Wir befinden uns momentan in einer ... schwierigen Lage jedoch kannst du trotzdem solange verweilen, wie du willst."
Erneut unterstrich sie das Gesagte mit einem Lächeln, auch wenn sie innerlich leise seufzte.
Athür sah verdutzt, wenn auch gleich etwas missbilligend zu Banshee.
.oO(Meine Güte, das war die schleimigste Versöhnungstour die ich jemals erlebt habe. Und Schätzchen, ob ich freundlich bin oder nicht, überlässt du am besten mir. Denn „Fähen“ und „Verantwortung tragen“ passt nicht ganz so gut zusammen)Oo.
Wie gut, dass man Gedanken nicht lesen konnte. Es wäre sicherlich sonst zu einer lautstarken oder gar körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Diese freundliche Masche zog bei Athür nicht. Er ließ sich doch nicht von irgendwelchen freundlichen Worten einlullen, und doch um den Frieden zu bewahren, nickte er steif. Mehr als eine Geste der Zustimmung brachte er nicht übers Herz.
“Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, wann ich unfreundlich gewesen sein soll, aber soll´ s drum, wie auch immer. Erfordert diese bestimmte Lage des Rudels irgendwelche ganz speziellen und total wichtigen Regeln? Nicht das ich noch auf die Idee komme, irgendwelchen Blödsinn anzustellen, schließlich bin ich ja noch so unvernünftig und total unverantwortungslos.“
Seine Stimme war wieder eine Spur schärfer, wenn nicht sogar etwas frecher geworden. Wieder huschte ein keckes Lächeln über seine Lefzen, und wenn man genau hinsah, konnte man die Entspannung in seinen Augen lesen. Was er aber versuchte zu verstecken.
Athür seufzte kurz auf und leckte sich über die schmalen Lefzen.
Hanako lauschte Hidoi und seufzte beschämt, vielleicht übertrieb sie doch, das wollte sie nicht, aber es kam sicherlich so rüber. Seine Worte kamen nur schwer bei ihr an, der Regen war sehr laut.
"Entschuldige, Hidoi. Ich hatte dich nicht gesehen bei dem dichten Regen. Und ich wollte dich auch nicht mit meinem Gesülze nerven."
Sie schüttelte ihren Pelz kurz aus, packte die schlummernde Leé am Nackenfell und sah zu Kipsha.
"Komm mit zum Rudelplatz."
Sie schritt langsam voran, suchte aber mit ihren Augen kurz Hidoi. Mit diesem Liebesgesülze schien sie ihn mehr zu nerven als zu beeindrucken und so würde sie ihn nie gewinnen. Doch sie konnte es nicht einfach abstellen, nur, weil er anders war als der Rüde, den sie einst geliebt hatte. Er war so anders als Hidoi gewesen, hatte ihr eine Tochter gegeben und sie so wunderbar behandelt, sie war es nicht anders gewohnt. Nun musste mit Hidoi klar kommen und erst jetzt begriff sie, welch harte Aufgabe dies war und wie lange sie daran zu arbeiten hatten, ihm ihre Art beizubringen. Ob er das jemals akzeptieren würde? Nachdenklich schloss sie kurz die Augen, dann warf sie einen Blick hinter sich, ob die Fähe ihr auch wirklich folgen würde, was sie hoffte. Sie mussten nun zurück zum ganzen Rudel, es war einfach zu riskant und Banshee sollte sich nicht wegen ihnen Sorgen - nur weil sie sich so weit abseits hinlegen wollte.
Langsam konnte Hanako andere Wölfe ausmachen und darunter erkannte sie glücklicher Weise auch Banshee. Sie setzte ihre kleine Tochter in der Nähe der Alphafähe ab und legte sich dann vor ihr hin.
"Banshee, wir sind aus dem Regen zurück, mir ist eine junge Fähe gefolgt, ich denke, sie will mit dir reden."
Banshee seufzte leise, jedoch wurde dieser Laut sofort vom regen verschluckt, unhörbar für andere. Ihr Gegenüber schien nicht gerade auf ihre Versöhnung eingehen zu wollen, nun gut, er war auch ein Jungwolf. Seine Antwort war auch dementsprechend, trotzig und ein wenig kindisch, das Lächeln, das hatte abrutschen wollen, wurde sofort wieder vergnügt.
"Wenn du willst, ist Falk sicher bereit dir ein paar Rudelregeln beizubringen. Des Weiteren gilt die Regel nicht alleine sondern mindestens zu dritt unterwegs zu sein. Wenn du willst kann ich dir auch den Grund und damit die Probleme die momentan herrschen erklären."
Sie betrachtete den Jungwolf, seine "Ich-bin-abgehärtet-und-willensstark"-Tour gefiel ihr fast, da sie zeigte, dass es doch irgendwie noch das normale Leben mit den normalen, halberwachsenen Wölfen gab. Ihr Lächeln war vielleicht etwas zu vergnügt, aber sie ließ es so, vielleicht würde das Athür etwas dämpfen.
Als Hanako kam, drehte sie sich nur leicht zu ihr und nickte einmal. Sie musste sich zuerst noch etwas um den Rüden kümmern, aber die Fähe sollte ruhig kommen. Kurz huschte noch ein dankbares Lächeln zu Hanako, dann war banshees Blick wieder auf den Rüden gerichtet.
"Oh ja, Falk wird um einiges schneller wütend! Bevor du hier so auftrittst, solltest du dir vielleicht erstmal klarmachen, was du hier willst. Willst du bei uns bleiben? Dann solltest du insbesondere Banshee freundlicher behandeln. Der einzige Grund, warum ich noch nicht die Beherrschung verloren habe, ist der, dass ich hier nicht der Alpha bin, allein für der Bemerkung, wir hätten nichts Besseres zu tun, als uns die Bäuche im Schlamm zu wälzen... Wir haben hier viel wesentlichere Probleme - aber davon verstehst du offenbar nichts! Im Ernst, Kleiner, scheinbar bin ich dir nicht nur an Größe, sondern auch an Intellekt bei Weitem überlegen!"
Falk schüttelte entnervt diesen Kopf. Scheinbar schienen sich die Idioten in diesem Gebiet zu konzentrieren. In seinem Geburtsrudel hatte er mit solchen Vögeln nie Probleme gehabt. Aber im Gegensatz zu seinem Rudel in den Alpen nahmen die Alphas, insbesondere Banshee wirklich jeden auf. Apropos Banshee, ja, da war er wieder gewesen, dieser beschwichtigende Blick, mit dem die weiße Alpha versuchte ihren jähzornigen Gamma zu Ruhe und Gelassenheit zu bewegen. Aber Falk hasste es, wenn Idioten wie dieser Arthür gegen Sitte und Ordnung verstießen. Er hasste es wirklich.
"Nein, Banshee, guck mich bitte nicht so an. Ich lasse nicht zu, dass sich jemand aufführt wie ein verzogener Welpe, dem alles in den Allerwertesten geschoben wurde. Und noch weniger lasse ich es zu, dass dieser Jemand auch noch dich und mich beleidigt."
Der Rüde grinste gehässig.
"Aber doch, ja, Rudelregeln würde ich ihm gerne beibringen!"
Leé schlummerte tief und fest. Sie spürte zwar noch den Regen auf ihrem Fell, doch nur schwach den Boden und den Nackenfellbiss ihrer Mutter. Es war, als würde sie in einer Welt des Regens leben. Sie schlief traumlos und sie hatte das Gefühl, alles würde sich drehen. Eine Stimme in ihr rief immer wieder dieses Wort, welches sie nicht verstanden hatte.
*Seelensammler....Seelensammler...Seelensammler...*
Leé zitterte leicht im Schlaf und sie wachte auf, weil sie fror. Sie stand auf und lief, ohne sich umzusehen zu Hanako herüber und legte sich dicht neben sie.
"Ich habe kalt..."
Murmelte sie als sie sich neben Hanako zusammenrollte. Sie stellte sich schlafend, war aber noch im dumpfen Dasein.
Athür grinste breit und zog die linke Augenbraue hoch, zusätzlich zog er eine Lefze an. Ein frecher, fast provozierender Ausdruck. Er sah von der Weißen zu dem Großen. Er schien wirklich eine Kampfmaschine auf vier Pfoten, ja, und Gehirn hatte er wohl wirklich nur so viel, dass es gerade zum Reden und Fressen reichte. Doch widerwillig fand er Gefallen an diesem Falk, und auch wenn es gegen jede seiner Abneigungen sprach, fand er sogar etwas Verständnis für die Fähe.
.oO(Der will mir Rudelregeln beibringen? Ach herrje. Aber wenn er´s wissen will, meinetwegen, dann opfere ich meine kostbare Zeit.)Oo.
“Es geht wohl nicht anders, ich muss wohl erfahren was hier vor sich geht. Also fang schon mit deiner langweiligen Geschichte an, Ban- Alphafähe.“
korrigierte er sich noch während des Beendens dieses Satzes. Er überspielte geschickt seine grundlegende Neugier. Seine grauen Augen sahen in das schmale Gesicht der weißen Fähe, vielleicht verspürte er sogar für einen Moment lang Sympathie.
.oO(Ich finde diese Alphafähe sicherlich nicht sympathisch, das ist ganz schlicht und einfach mein Margenknurren.)Oo.
“Du willst mir etwas beibringen? Na dann leg mal los.“
Er schritt mit diesen Worten aus der Reichweite des Gammawolfes und stellte sich etwas dichter zu der Weißen. Er fand es zwar nicht schlimm andere Wölfe zu berühren, doch irgendwie war eine Sperre, die ihm verbot, weiter als eine halbe Wolfslänge auf andere Wölfe zu zugehen.
Mitsus Nackenhaare stellten sich auf und ihre eisblauen Augen fingen gefährlich an zu glitzern, während sie den Rüden verächtlich musterte.
.oO(Was fällt diesem kurzbeinigen etwas von einem Rüden eigentlich ein? Am liebsten würde ich ihn sein arrogantes Maul stopfen)Oo.
Mitsus Augen blitzten angriffslustig, während sie sich zu ihrer vollen Größe erhob. Sie stellte sich vor, wie sie erst eins seiner Ohren zerfetzen würde und dann versuchen würde eine Pfoten von ihm zwischen die scharfen Zähne zu bekommen. Mitsu ließ ein bösartigen Knurren erklingen und wollte ihm gerade zeigen, wie man mit ihr zu reden hatte, als plötzlich Falk, so glaubte sie war sein Name neben ihr auftauchte und gleich darauf auch Banshee. Immer noch am knurren und mit angriffslustigen Augen beobachtete sie den Rüden, dessen Namen Athür war, wie er frech auf die Fragen von Falk und Banshee antwortete.
.oO(Warum lässt Banshee das durchgehen? Ich hätte ihm schon längst auf seinen Platz verwiesen und auch Falk sieht aus, als würde er das liebend gern tun)Oo.
Mitsus ließ den Blick ihrer eisblauen Augen kurz zu Banshee gleiten, dann zu Falk, bevor sie sich wieder auf Athür konzentrierte. Sie knurrte immer noch, wenn auch ein wenig leiser, während sie darauf wartete, ob Athür sich noch weitere Frechheiten erlauben würde.
Das Interesse des Schwarzen wurde geweckt, als Acollons weiße Gefährtin sich zu Falk, der grauen Fähe und einem fremden Jungwolf gesellte. Es schien einigen Wind um ihn zu geben, und Acollon konnte von Natur aus schon nicht anders und erhob sich langsam.
.oO(Interessant, ein Rebell, mal sehen, wie lange er seine so wilde Lebensart noch beibehält, wenn er sich erstmal an die Regeln dieses Rudels gewöhnt hat. Banshee wird ihn weich kochen, wie eine Schnecke in der Sonne brutzeln lassen. Das könnte echt spaßig werden.)
Dass Acollon mit seinem gesamten Auftreten keineswegs Spaß vermittelte, war ihm klar und auch recht egal. Als er sich neben seiner Gefährtin niedergelassen und den Fremden kurz gemustert hatte, entschied er sich für ein leichtes und wenn immer noch kaltes Lächeln.
„Sei gegrüßt, Jüngling. Mein Name ist Acollon, und ich bin Alpharüde dieses Rudels.“
Die eindeutig mahnende Stimmte und sein sicheres und autoritäres Auftreten vermittelten zu genüge, welchen Rang der Schwarze bestritt. Sein Blick wanderte zu der grauen Fähe Mitsu, dessen Namen er ihm Gespräch aufgeschnappt hatte. Seine Augen verengten sich kurz. Es sollte ihr klar machen, dass es nicht zu dieser Zeit angebracht war, so ein aggressives Verhalten sich anzueignen, egal, wie hitzköpfig und frech dieser junge Rüde auch sein mochte.
„Banshee, Liebes, du wolltest unserem Rebellen hier die Lage und Vorgeschichte erklären. Und sei nicht allzu enttäuscht, wenn er nicht gleich versteht.“
Er zwinkerte mit dem rechten Auge. Dieser Rüde erinnerte Acollon an jemanden, doch wen?
Falk grinste und seine Augen funkelten aggressiv. Kurz sah er Banshee an und dann Acollon, bis er sagte:
"Du kriegst ihn gleich wieder, Acollon... Ich sollte ihm die Regeln erklären..."
Dann näherte der Rüde sich Athür. Er spürte, wie sehr sich der Rüde ihm, Falk, überlegen vorkam. Dieses überhebliche Gehabe, die kaum verborgene Arroganz... Nun ja, wenn sich dieser Rüde nicht zu benehmen wusste, würde er sehr bald wieder das Revier verlassen müssen - möglicherweise um eine Rutenlänge kürzer...
"Na dann... Komm mal mit."
Er blekte die Zähne, doch bevor ein süffisantes Grinsen auf seinen Lefzen erscheinen konnte, schnappte der Rüde zu und fasste den Fremden im Nackenpelz um ihn mit sich zu zerren. Athür war nicht sehr schwer, Falk hatte keine Probleme mit dem Gewicht des Rüden. Ein kleines Stück entfernt vom Rudelplatz blieb er stehen und öffnete den Fang. Athür fiel sozusagen aus seinem Maul.
"Es ist eigentlich ganz leicht zu merken: Du bist freundlich zu den anderen Rudelmitgliedern, insbesondere zu ranghöheren Tieren. Wenn du Rudelmitglieder beleidigst, über deine Befugnisse hinaus handelst, wenn du lügst oder das Rudel verrätst, wenn du vorlaut und aufmüpfig bist, wenn du feige bist könnte dich das bestimmte Extremitäten kosten, manchmal auch dein Ansehen und im schlimmsten Fall den Tod. - Bist du fähig dir das zu merken?"
Der Rüde dachte bei sich:
.oO(Oder reicht deine Hirnmasse dafür nicht aus?)Oo.
Dieser Arthür war so lächerlich, so dumm und gleichzeitig so dreist. Keine Mischung mit der einer lange bei einem Rudel durchhielt. Fast wunderte sich der Hüne, dass der Rüde noch lebte.
"So und nun sieh zu und mach was draus - oder lass es bleiben."
Mit diesen Worten seufzte Falk innerlich und drehte sich um, ging zurück zu Ayala.
Dayon betrachtete Falk, wie er sich mit dem jungen Rüden beschäftigte, die Worte verstand er nicht, wie immer verschluckte sie der Regen, doch schien es Streit zu geben bis Banshee ihn zu schlichten ersuchte. Er lächelte leicht, es war, wie immer ... Jetzt, wo Falk nicht mehr schützend an seiner Seite saß rückte er etwas zu Ayala, ihre Frage brannte sich in ihn. Wo war Moon?
"Ayala ... oh, wenn ich das nur wüsste."
Er senkte ruckartig den Kopf und verbarg sein Gesicht zwischen den Pfoten.
"Ich ... ich glaube, er ist für immer fort gegangen ..."
Der Schmerz in seiner Stimme ließ sich nicht verbergen, gleichzeitig wollte er kein mitleid von ihr. Er drehte den Kopf leicht, betrachtete Falk, Banshee, den Rüden und mittlerweile auch Acollon angestrengt, als müsse er den Worten lauschen.
Ein schwarzer Rüde hatte sich zu ihnen gesellt. Sofort stellten sich die Ohren des Jüngling auf und Athür legte für einen Moment die arrogante Tour beiseite. Dieser Rüde war so beeindruckend, seine lässige Art, dieses Auftreten, selbstbewusst und selbstsicher, wenn auch nicht arrogant oder überheblich. Einen besseren Alpha konnte man sich gar nicht wünschen Doch bevor Athür auch nur im Entferntesten antworten konnte, packe ihn der baumartige riesige Falk am Nackenfell und schleppte ihn davon. Nicht die Tatsache, dass er es tat, sondern die, dass er ihn überhaupt berührte, ließ den Jüngling laut aufknurren, erst als der Gammawolf seine Worte gesprochen hatte und sich geradewegs umdrehte, brachte der grau Braune einen Mucks hervor:
“Wage es ja nicht wieder mich anzufassen, du Drecksrüde.“
Etwas hatte sich an seiner Art geändert. Seine Stimme klang dumpf und tief, sie hatte ihren spöttischen Unterton verloren, auch die Arroganz ließ nach. Es war klar eine Drohung und eine Warnung zugleich.
“Sonst bereust du es sicherlich. Bilde dir nicht zu viel auf deine Größe oder Überlegenheit ein, wenn es hart auf hart kommt, wirst du derjenige sein, der etwas verliert, und ich rede nicht nur von irgendwelchen Körperteilen, ich rede von der Ehre und dem Stolz, beides solltest du eigentlich besitzen.“
Sein Knurren verebbte.
.oO(Nein, nein, nein. Verdammt, lass dich doch nicht von einem baumartigen Wolf provozieren. Er hat doch nicht gewusst, als er dich anpackte, dass er vielleicht damit den Bluttrieb in dir wecken könnte. Also, jetzt atme tief durch. Beruhig dich.)Oo.
Nun stand er etwas verloren da. Dass er sich nun gerade selbst zurückrief und sich zu Recht wies, machte ihn nur noch zorniger. Sein Stolz überwog zwar nicht die Kontrolle über seinen Körper, aber sie verhinderte das klare denken, und Athür war eher der Rüde, der erst sprach und dann nachdachte.
“Wie dem auch sei. Schwamm drüber, ich werd´ s dir nicht übel nehmen.“
sagte er in einem nicht ganz so gewohnten ruhigen und lässigen Ton, er schritt langsam wieder zu dem Alphapaar und der grauen Fähe zurück.
.oO(Sich Feinde machen ist leichter, als sich Freunde zu suchen. Aber ist es auch leichter einen freundlichen Wolf aufzunehmen, der den anderen etwas vorspielt, als einen Wolf zu akzeptieren, der gegen alle Normen entspricht? Nun überlegt genau über eine kluge Antwort nach. Ach egal! Die graue Fähe tut nun echt so, als hätte ich ihr das Mittagessen geklaut. Keine Panik, Dicke, du wirst schon nicht verhungern.)Oo.
Und da war es schon wieder, dieses freche und widerspenstige Lächeln, doch etwas respektvoller sah er zu dem schwarzen Rüden, auch Falk würde er nun aus dem Weg gehen. Er hatte seine Grenzen gefunden, wenn auch gleich ihm das nicht ganz passte.
“Du wolltest etwas erzählen.“
sagte Athür, nicht ganz so vorlaut und wandte sich an die Alphafähe.
Banshee betrachtete die Szene aufmerksam während sie sich leicht an Acollon lehnte. Sie hatte sofort gemerkt, wie Athür auf ihren Gefährten reagiert hatte, der Jungrüde brauchte wie alle Wölfe in seinem Alter ein starkes Vorbild, zu dem sie aufschauen konnten und wer war da wohl besser geeignet, als Acollon, der Leitwolf? Sie schmunzelte, so würde Athür bei Acollon sein, solang er sich nicht mehr so aufführte war es ihr egal. Acollons Reaktion auf Mitsu kommentierte sie mit einem liebevollen Schnappen nach seiner Schnauze, seine Worte über Athür mit einem breiten Grinsen und leisen, geflüsterten Worten.
"Sei nicht zu hart mit ihm, er ist noch ein Jungwolf, gerade erst dem Welpen entsprungen ... aber du wärest ein gutes Vorbild ... versuche dies doch auch zu sein."
Sie löste sich von ihm und trat etwas näher zu Athür, der nun wieder von Falk zurück war. Seine Reaktion auf den Gammarüden hatte ihr gefallen, er hatte nun mal nicht nur diese mühsam erbaute, arrogante Fassade. Das Grinsen konnte sie erst ablegen, als sie über den Seelensammler zu sprechen begann.
"Unser Problem ist ernst und so würde ich dich bitten dein Grinsen abzunehmen, es wirkt eh nicht wirklich echt. Und auch wenn meine Worte vielleicht etwas lächerlich auf dich wirken mögen, sie sind es nicht."
Sie unterbrach sich und betrachtete Athür um sich sicher zu sein, dass er nicht gleich weiter machte mit seinen Sprüchen, die man ihm jedoch als Jungwolf nun mal gönnen musste. Nur bei diesem Thema, das Überleben ihres Rudels, kannte sie nicht mehr soviel Nachsicht.
Aus dem Augenwinkel heraus sah Mitsu, wie Acollon sich neben Banshee setzte und ihr einen kurzen Blick zu warf. Sofort hörte sie auf zu knurren, ließ ihren Blick jedoch nicht von dem frechen Rüden. Es war nicht so, dass sie Angst vor dem schwarzen Alpha hatte, denn dazu hatte sie zuviel erlebt. Nein, sie hatte einfach nur einen großen Respekt vor ihm. Mitsu ließ kurz den Blick über die andern Wölfe des Rudels gleiten, als sie plötzlich aus dem Augenwinkel heraus bemerkte, wie Falk zu Athür ging. Schnell wandte sie den Kopf und beobachtete leicht belustigt, aber mit ein wenig Mitleid, wie Falk ihn einfach mit seinen Zähnen am Nackenpelz packte und ihn etwas entfernt vom Rudelplatz wieder losließ.
.oO(Ob Athür schon einmal in einem Rudel war? So wie er sich hier benimmt scheinbar nicht. Man könnte fast Mitleid mit ihm haben..Aber nur fast...)Oo.
Mitsus Augen leuchteten erst belustigt, wurden dann jedoch ein wenig kalt, als Athür wiederkam. Zu knurren wagte sie nicht, doch sie war es eh leid, sich über so einen zu ärgern. Während sie sich neben Banshee auf ihre Hinterläufe setzte, spitzte sie die Ohren leicht und wartete darauf noch etwas über den Seelensammler und das Rudel zu hören.
Die Weiße blickte besorgt zu Falk ... hoffentlich ging er nicht zu weit. Doch nach kurzem musste Ayala sich eingestehen, dass es eindeutig ein anderer war, der zu weit ging. Außerdem würde Falk besser wissen, was zu tun war, sie hätte ihn zwar gerne etwas besänftigt, aber sie wusste, er mochte es nicht, wenn sein Temperament eingedämmt wurde. Etwas beruhigter blickte sie wieder zu Dayon. Er sah plötzlich unendlich traurig aus - hatte sie etwas Falsches gesagt? Sie rückte näher zu ihm, als würde er ohne ihre Wärme erfrieren; fragend sah sie ihn an. Als sie seine Antwort hörte, wünschte sie, nie gefragt zu haben. Erschrocken sprang sie auf, sie brauchte mehrere Augenblicke um das Gehörte zu verdauen.
"Dayon! Was sagst du da? Was meinst du damit, sprich! Wir müssen ihn suchen, wenn er verschwunden ist, was ist los Dayon, was ist passiert?"
Von plötzlicher Angst ergriffen erzitterte sie. Wie lange konnte Moon schon weg sein? Was hatte ihm alles passieren können ... aber was genau meinte dayon, was wusste er? Warum hatte er es nicht früher gesagt, vertraute er ihnen nicht mehr? Genauso schnell wie ihre Entrüstung gekommen war, verschwand sie wieder - zurück blieben Unverständnis und tausend Fragen. Sicher wusste auch der Braune nicht mehr, was musste er sich erst für Sorgen machen ...
"Entschuldige Dayon, ich bin selbst so aufgebracht ... erzähl mir doch, was passiert ist. Ich weiß, es ist schwer, aber bitte, versuch es. Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen, wir müssen ihn suchen gehen!"
Flehend sah sie ihn an, sein Blick immer noch auf die anderen gerichtet. Sanft berührte sie ihn mit der Schnauze, sie würde ihm helfen, seinen Sohn wiederzufinden, niemals würde sie ihn im Stich lassen.
Die Worte der weißen Fähe hatten ihre Wirkung nicht verfehlt, wie gebeten wurde, verblasste Athürs Grinsen sofort und er setzte sich hin, sah aufmerksam in die Augen der Fähe, wenngleich er aus dem Augenwinkel zu dem schwarzen Alpharüden Acollon, sah.
Die Situation schien wirklich ernst zu sein, und für einen Moment ließ er seine eigenen Probleme und Sorgen hinten anstehen, nun war es an der Zeit zu zeigen, dass er auch anders konnte, auch wenn er es nicht zugeben würde, er wollte in der Gegenwart Acollons keine Dummheiten anstellen. Er wollt einsgeheim diesem Rüden imponieren.
“Ich verstehe.“
sagte er tonlos und legte etwas den Kopf schief.
.oO(Diese Fähe ist gar nicht mal so übel, auch wenn sie eine Fähe ist.)Oo.
Der Regen der nach wie vor niederprasselte, störte ihn nicht im Geringsten, er warf nur erneut sein Schopfhaar nach hinten und legte etwas die Ohren an. Schien aber aufmerksam jedes Wort der Alphafähe aufziehen zu wollen, wie ein trockenes Wolfsfell den Regen aufsaugen würde.
Der schwarze Rüde sah seine Gefährtin für einen Moment liebevoll an, auch wenn Acollon es die anderen nicht sehen ließ und sie es wahrscheinlich selbst nicht einmal sah. Er berührte ihre Flanke und sah nun wieder musternd zu dem Jüngling. Dass er eventuell Einfluss auf diesen jungen Rebellen haben würde, könnte noch interessant werden. Falk hatte so einige Schwierigkeiten mit dem Rüden, doch es wird sicherlich nicht im Geringsten ein Problem darstellen, zumal Falk ganz deutlich seinen Stand klar gemacht hatte. Ein fast fröstelndes Grinsen breitete sich auf seinen Lefzen aus.
„Tust gut daran, meiner Gefährtin zuzuhören!“
sagte er schlicht und nickte dem jungen Rüden zu. Der Regen wütete immer noch leicht und rauschte leise zwischen den kahlen Bäumen. Fast hatte dieser Jüngling die Situation entschärft. Durch sein wildes und ungestümes Auftreten hatte er die Wölfe wieder in die normale Welt zurück katapultiert und zeigte, dass das Leben auch noch anders weitergehen musste.
Banshee war für einen kurzen Moment erstaunt, wie gehorsam Athür reagierte, auch wenn der Blick zu Acollon das meiste erklärte. Sie hatte recht gehabt mit ihrer Vermutung und im Prinzip würde ihr das sehr helfen.
"Sehr gut, ich danke dir, Athür. In unserem Rudel geht ein Seelensammler um. Dies bedeutet, das er versucht anderen Wölfen ihre Seelen zu rauben, dies bedeutet großes Leid bis hin zum Tod, wenn der Seelensammler genug Seelen beisammen hat, erringt er die Unsterblichkeit. Zum einen wird er diese ausnützen um irgendjemandem zu schaden, zum anderen sind wir alle in Gefahr, da keiner weiß, wie eine Seele geraubt werden kann. Misstrauen beginnt sich auszubreiten und auch ich kann mich davor nicht retten. Das einzige, was wir bis jetzt dagegen unternehmen können, ist eine strenge Verordnung einzuhalten. Streift man im Wald umher muss man mindestens zu dritt sein ... in deinem Alter besser zu viert."
Sie verstummte und betrachtete den Rüden, der Regen wurde noch etwas stärker, so gerne sie sich auch die Zeit genommen hätte mehr zu erklären, dies war nicht mehr wirklich möglich.
Die Ankunft eines weiteren Fremden interessierte Darian nicht weiter. Er starrte nur auf die Stelle, an der Akai und Eris hinter dem immer dichter werdenden Regenvorhang verschwunden waren, so als erwartete er, dass sie zurückkommen würden oder das sonst etwas geschah. Er starrte so konzentriert auf diese Stelle, dass er einen Moment lang glaubte zwei Silhouetten durch den Regen hindurch erkennen zu können, doch das war unmöglich. Er schüttelte den Kopf und das Wasser, das er damit aus seinem Fell hinaustrieb, wurde sogleich von neuen, stetig fallenden Tropfen besetzt. Er war nass bis auf die Haut, doch es kümmerte ihn nicht. Wieder blickte er in die Richtung, in die die zwei Fähen gegangen waren.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus. Er stand auf, machte einige große Schritte durch den Schleier der fallenden Wasserwogen und entschwandt zum selben Zeitpunkt aus der Sicht der Gruppe, als das Fell der Roten, grell aus dem Dunkel hervorstechend und eine vage Gestalt daneben, die schwarze Eris, fast mit dem Schatten verschmelzend, vor ihm auftauchten. Er gesellte sich stumm hinzu und sah von der einen zur anderen. Er wusste nicht worüber sie gesprochen hatten und ebenso nicht, ob er unerwünscht war. Er blieb einfach dort stehen, hörte den Regen fallen, spürte die dicken Tropfen auf seinen Rücken und seinen Kopf prasseln und schwieg.
.oO(Folge dessen: Ich bin schon wieder im falschen Rudel gelandet.)Oo.
Hätte die Fähe nicht so ernsthaft gesprochen, hätte Athür jetzt los gelacht, doch er verharrte still. Es schien, als wartete auf weitere Worte, wieder huschte sein Blick zu dem schwarzen Rüden. Es wäre nicht des Weiteren wichtig gewesen, was hier umherwandelte, doch schließlich schien es lebensbedrohlich zu sein.
“Das ist doch lächerlich, das müsst ihr doch zugeben. Niemand würde auf diese bescheuerte, hirnrissige und total bekloppte Idee kommen, Seelen zu sammeln und damit ewiges Leben zu erlangen. Dann muss dieser jenige ja echt am Ende sein, müsste ja schon fast ein Seelisches Wrack sein. Ewiges Leben… pah.“
Seine Stimme klang, zu seiner eigenen Verwunderung, rau und dumpf, und ein Hauch von Spott lag darin. Er bemühte sich auch nicht großartig, seine Gedanken für sich zu behalten.
“Ich hatte trotzdem vor, zum See zu gehen. Denn ich habe einen Mordshunger, und bei diesem Wetter Großwild zu jagen, wäre echt dämlich. Also, Alphafähe, kann ich zum See? Meinetwegen gib mir auch einen Welpensitter mit, mir schnurz.“
Sein Blick glitt erneut zu dem schwarzen Rüden. Der Regen war mittlerweile noch stärker geworden, und nun musste man schon fast schreien um sich Gehör verschaffen zu können.
.oO(Heute läuft echt Alles beschissen, womit habe ich das verdient? Und könnte es mal langsam aufhören zu regnen. Aber wie es aussieht hört es wohl vorerst nicht auf. Sieht übel aus, na ja, was soll´s. Kann ich ja sowieso nicht ändern.)Oo.
Die Drohung Arthürs ließ Falk hell auflachen. Für ihn war die Sache gelaufen, er hatte seinen Spaß nun gehabt und Banshee hatte Recht, dieser Rüde war nichts weiter als ein Jungwolf, ein Jungwolf, der noch dringend geschliffen werden musste und der vielleicht noch die Chance hatte an Reife zu gewinnen. Nun, sollte das ein anderer tun. Wie stand es denn mit Acollon? Mit seinem typischen Gebahren musste er doch eigentlich der Schwarm eines jeden Jungwolfes sein, der sich gerade die Eierschalen hinter den Ohren wegpolkte. Der Hüne stellte sich dieses Bild vor und musste grinsen, dabei pustete er lässig einige Haarbüschel Arthür, die noch in seinem Fang kitzelten durch die Reißzähne in die kühle Herbstluft.
.oO(Würde dieser Depp nicht so ein Narr sein, wer weiß... Er könnte einen possierlichen Rüden abgeben. Man wird sehen...)Oo.
Doch kaum sah Falk das besorgte Gesicht Ayalas und den Blick Dayons war es vorbei mit jedem Gedanken an den überheblichen Jungwolf. Etwas musste geschehen sein. Das Gehen fiel dem Hünen plötzlich so schwer, steif und ganz so als ob er sich zu jedem Schritt zwingen müsste näherte sich Falk den beiden Freunden. Erst spürte er es nicht, aber nach einer Weile wurde das Gefühlte stärker: Sein widerspenstiges Ohr hatte angefangen wie wild zu zucken. Falk registrierte dies mit flauem Magen.
"Dayon, Ayala... Sagt doch, was ist passiert? Ist alles in Ordnung?"
Der Rüde dachte, dass er sie nicht hätte allein lassen dürfen. Ayala hielt er für stark genug, doch Dayon war so schutzbedürftig, manchmal wirkte es eher so, dass nicht er, sondern sein Sohn ihm, dem Vater Schutz bot. Sein Sohn? Ja, wo war Moon eigentlich?
Eris schloss die Augen und atmete innerlich auf, als die Fähe sich erhob. Sie mochte es nicht, wenn Wölfe am Boden waren und das in zweierlei Hinsicht. Jetzt, wo die rote Akai stand, war Eris zwar kleiner als sie, wenn auch nicht viel, aber das machte ihr nichts aus. Was half es einem sich stark und überlegen vorzukommen, wenn man es nur tat, weil es dem anderen dreckig ging? Akai hatte den Kopf gesenkt, aber Eris konnte trotzdem ihr Gesicht sehen. Sie blieb still. Eris ebenfalls. Irgendein Gedanke taperte in ihrem Kopf herum, etwas wichtiges, etwas ... Höfliches?
"Oh, ach ja! Mein Name ist Eris. Wolf, da hab´ ich ganz vergessen mich vorzustellen ... sorry."
Sie lächelte leicht, aber es zog ihr am Herzen. Diese Akai sah so traurig aus und Eris hatte Angst, etwas kaputt zu machen. Als würde ein falsches Wort sie dazu bewegen, sich in eine kalte, steinerne Höhle in ihrem Innern zurückzuziehen.
.oO(Du bist doch sonst nicht so, Eris, wo bleibt deine Unbefangenheit? Na los, immer mit der Elefantenherde über den gefrorenen See! Danach kannst du nicht sagen, du hättest es nicht versucht.)
Eris blies, etwas genervt von den eigenen Gedanken, ihren warmen Atem in die kalte Herbstluft, so dass sich kleine weiße Wölkchen bildeten. Na dann, ab dafür!
"Hey Akai, wenn du schon mal so eine irre Fellfarbe hast ... ich meine, sieh mich im Vergleich an, ich habe stinknormalen schwarzen Pelz ... dann recke das Kinn und erweise deinem Feuerhaupt die angebrachte Ehre. Niemand kann dich unterkriegen, hörst du? So ein Fell zeugt von einer feurigen Seele und eine feurige Seele sollte niemand unterschätzen."
Noch während sie sprach, kroch ihr ein unangenehmes Gefühl den Rücken hoch.
.oO(Also, entweder war das jetzt genial oder total bescheuert.)
Eris runzelte das Stirnfell und zwickte sich innerlich selber. Aber ... sie hatte wirklich das Gefühl, dass in dieser Fähe mehr steckte, als man auf den ersten Blick erwarten mochte. Plötzlich und zu ihrem Unbehagen bemerkte Eris einen dunklen Schatten neben sich. Sie drehte den Kopf und sah mit zusammen gekniffenen Augen durch den Regenschleier. Es war einer der Wölfe, der ebenfalls bei Banshee gesessen hatte und ungefähr um die Zeit angekommen war, wie Eris. Und mal wieder kannte sie seinen Namen nicht. Eris schloss genervt die Augen, öffnete sie aber gleich wieder. Was machte der eigentlich hier?
Akai hob überrascht über solche Worte den Kopf hoch. Ob die schwarze wirklich sie damit gemeint hatte? Sie kam sich sehr wehleidig vor, wie sie vor so einer hübschen und dazu auch noch sehr freundlichen Fähe den Kopf hängen ließ. Doch der Gedanke an das, was sie dazu gebracht hatte, war ihr genug um das auch zu begründen.
.oO(Du bist doch auch ein Kindskopf. Einfach so bei einem fremden Rudel anzufangen, Gedanken an die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Wenn du nicht mal langsam damit aufhören kannst, dann wird dich auch nie jemand mögen. Ich dachte immer, du bist nicht so schwach. Du wolltest Rache. Wonach sehnst du dich denn nun? Zuneigung oder was?)
sie schälte sich selbst. Eine feurige Seele? Vielleicht musste das Feuer bei ihr noch von jemandem oder etwas entzündet werden. Aber ob das rote Fell nun ein Vorteil war, wagte sie sehr zu bezweifeln. Eris dankend ansehend lächelte sie. Auch wenn das Lächeln auf ihren Lefzen ein wenig traurig und gezwungen wirken schien, wenigstens war es eines.
"Ihr tragt einen sehr schönen Namen, Eris... Und ein schönes Fell auch. Schwarz wie die Nacht. Reinere Schwärze sah ich bisher nur selten"
Dann wendete sich der Blick der wieder heller werdenden Augen zur Seite. Die spitzen Ohren hatten durch den Regen Schritte vernommen. Die Rote erkannte nach und nach eine Silhouette. Und sie trat näher. Schließlich stand der graue Rüde neben ihnen. Was wollte er? War er wegen ihrer Reaktion auf Banshees Worte hier? Wohl kaum, denn was kümmerte schon einen Rüden eine bescheuerte, rote Fähe...
23.12.2009, 16:50
Hidoi verengte kurz die Augen. So dicht konnte doch selbst dieser Regen nicht sein, dass man ihn nicht sehen konnte. Seine Augen, waren so stechend gelb, man würde sie selbst in tiefster Finsternis erkennen. Waren dies nicht ihre Worte? Naja auch egal. Aus den Augenwinkeln beobachtete der große und muskulöse Rüde wie ein brauner Jungwolf dazu kam. Erst wendete er seinen großen Kopf völlig desinteressiert wieder ab, doch selbst durch den Regen konnte er hören, wie der junge Rüde plötzlich fast schon schrie. Langsam drehte er doch, wenn auch gleichgültig den Kopf herum, ach er bemerkte nur, dass man ihn nicht anfassen sollte. Ein Ohr drehte er langsam herum, diese Art kam ihm so ziemlich bekannt vor. Auf seinen Lefzen breitete sich kurz ein kaltes und fast schon gemeines Lächeln aus.
.oO(Na Brüderchen? Schmorst du bereits in der Hölle?)
dachte er und würde am liebsten hämisch auflachen. Doch er blieb still. Kurayami, sein so arroganter Bruder, er war diesem Rüden gar nicht so unähnlich gewesen. Er hatte stets große Töne gespuckt, und hatte sich an niemanden gehalten. Doch dahinter hat nichts gesteckt, nur ein Rüde, der am Ende jämmerlich winselnt in einem Vulkankrater feststeckte. Ob es bei diesem Jungspund wohl genauso war? Was steckte hinter der lächerlichen Fassade? Leicht interessiert drehte er den Kopf zu dem Alphapaar und dem Jungwolf herum. Doch als er bereits Worte von einem Seelensammler aufschnappte, rollte er nur genervt mit den Augen und stand auf.
Oh wie lächerlich es doch wahr, sie glaubten tatsächlich immer noch, dass dies ein Problem werden würde. Doch er musste feststellen, dass der Braune gleicher Meinung wahr. Hm, vielleicht wahr er doch interessanter als gedacht? Na egal. Sein Blick wanderte herum. Hanako stand auch bei Banshee. Sollte er vielleicht mal herüber gehen? Eigentlich wäre er dazu viel zu stolz gewesen, doch er stand eh schon, also ging er mit kühl gesenktem Kopf zu den Wölfen hin. In einem kleinen, aber bedeutendem Abstand blieb er wieder stehen und hob sein Haupt wieder.
.oO(Oh man, wie lange klammern die sich eigentlich noch an die Geschichte vom Seelensammler. Bote, von wegen. Das war nur ein schwächlicher Rüde, der wegen dieser lächerlichen Verletzung, die ich ihm zugefügt habe, zu Acollons Füßen verreckt ist)
er war noch immer der Meinung, dass dies alles bloß Humbug war. Auch fragte er sich ernsthaft, wie der Rüde an dieser Verletzung gestorben wahr, so schlimm konnte sie gar nicht gewesen sein, oder hatte er unbewusst mehr beschädigt, als ihm lieb gewesen war? Warum fragte er sich das eigentlich, es war ihm doch sonst auch schnurz. Der Stahlgraue seufzte innerlich. Seid er dieses Rudel betreten, und Hanako kennen gelernt hatte, dachte er einfach viel zu viel über unwichtige Sachen nach. Was war nur aus ihm geworen?
Dayon ließ sich langsam zu Boden gleiten, der Schlamm gab unter seinem Gewicht nach und er sank tiefer ein, als erwartet. Seine Schnauze wurde ebenfalls mit aufgesogen, aber das kam ihm gerade recht ... so musste er niemanden ansehen und niemand sah ihn. Mit rauer Stimme versuchte er Ayala zu antworten, doch er musste zuerst leise husten, der Schlamm verstopfte seine Nase, trotzdem wollte er die Schnauze nicht heben.
"Moon ... Moon und ich waren unterwegs, Falk und du ward fort und er fragte mich, ob wie nicht spazieren gehen wollen und ich wollte endlich wieder für ihn da sein und endlich bei ihm sein und ... und wir sind spazieren gegangen, ziemlich weit, ich glaube, wir waren nahe der Reviergrenze, als er mich fragte, ob wir nicht eine Pause machen wollten. Ich suchte uns ein schönes Plätzchen und schlief auch sehr bald ein, neben mir waren auch Moons ruhige Atemzüge zu hören. Doch ... doch als ich wieder erwachte, war er fort, einfach weg. Ich dachte zuerst, er wäre nur etwas herum gelaufen, folgte seiner Spur ... aber sie führte fort, aus dem Revier hinaus ... und verlor sich in der Weite der Wälder ... unauffindbar, unsuchbar, unertragbar ..."
Er verstummte, registrierte nur nebenher, wie Falk wieder zu ihnen kam und etwas fragte, doch wollte er es nicht hören.
Das Geschehen ging weiter, ohne ihn, ohne den Regenwolf. Ihm war es vollkommen gleich, auch wenn der junge neue Rüde kurz Lluvians Aufmerksamkeit bekam. Das Fell des weißen Rüden war mit Schlamm voll gesogen. Er legte seine Schnauze auf den wässrigen Boden und sah in die Ferne. Ins weite Land. Was gab es schien hier für eine Aufgabe? Er konnte sich nicht sonderlich gut integrieren, und verstand manche Worte und Taten der anderen nicht, es lag wohl sicherlich an seine lange Einsamkeit. Und wenn es weiterhin solche Aussichten hatte, würde es wohl besser sein, wieder weiter zuziehen.
Ohne es wirklich zu wollen und ohne den richtigen Entschluss gefasst zu haben, erhob er sich und schritt abwesend auf die Alphafähe zu.
“Banshee, es ist wohl sicherlich leichter für euch, wenn ich einfach weiterziehe. Ich erkenne selbst, dass ich nicht mit anderen Wölfen leben kann, und auch nicht will. Die lange Einsamkeit und der Hass auf die Gesellschaft lassen wohl so verkümmern, so verkümmert wie ich bin. Je weniger Wölfe hier sind, desto eher habt ihr einen Überblick. Und warum sollte ich unnötig lange hier in diesem Revier bleiben? Es ist zwecklos, wie doch eigentlich alles zwecklos und sinnlos ist“,
sagte er in einem drückenden Flüsterton. Auf dem halben Weg blieb er stehen und drehte sich um.
“Macht euch keine Mühe, ich finde den Weg alleine aus euerm Revier, gebt mir nur ein wenig Zeit alleine am See, dann werde ich verschwinden“.
Als Leé die Augen öffnete, fühlte sie sich ausgeruht und fit. Doch etwas in ihr hatte sich geändert. Es war, als hätte Engaya ihr etwas geschenkt. Es fühlte sich fremd und auch beängstigend an. Leé schaute auf und ihr Blick glitt durch die Anwesenden. Sie beobachtete die Rüden und Fähen die sich hier befanden. Einige kannte sie noch nicht, andere kannte sie gut und liebte sie. Ihr Blick fiel auf Hanako neben ihr. Sie schaute Hanako liebevoll an. Dann schaute sie wieder die anderen an. Ihr Blick galt Lluvian. Der weiße Rüde gefiel ihr. Sie wusste dass er Lluvian hieß, das hatte sie gehört. Doch sicher war sie sich nicht. Das Fell des Weißen war voller Schlamm und Dreck. Als sie hörte, dass er gehen wollte verengten sich ihre Augen. Sie senkte den Kopf und legte ihn schließlich wieder auf ihre Pfoten. Sie beobachtete jede Bewegung des Weißen und blieb auch sonst wachsam.
Hanako beobachtete jeden Wolf genau, fragte sich, was der eine oder der andere wohl hier wollte und wer nur dieser Seelensammler sein konnte. Waren auch Sie und Leé gefährdet? Nachdenklich seufzte sie und blickte zu ihrer Tochter, die gerade recht unverständliche Worte murmelte. Hanako hatte ein leichtes Lächeln auf den Lefzen und stupste ihre Tochter liebevoll mit der Schnauze an, als sich auch schon alles in wenigen Sekunden veränderte.
Nachdem Leé aufgewacht war, kam sie Hanako wie eine fremde Fähe vor. Sie war so erwachsen und schön geworden, Hanako musste mehr lächeln und der liebevolle Blick ihrer Tochter strahlte eine unglaubliche Wärme für die Weiße aus.
"Leé...du bist so erwachsen geworden."
Flüsterte Hanako sanft an das Ohr ihrer Tochter und folgte dann ihrem Blick, der Lluvian galt. Hanako spürte, dass ihre Tochter mit dem Erwachsen werden auch langsam die ganzen Gefühlslagen kennen lernte und es sicherlich nicht mehr lange dauern würde, bis Leé sich wohl bei ihrer Mutter auch Hilfe in der Liebe holen würde. Aber Hanako fand es gut und hoffe nur darauf.
Lächeln beobachtete sie den Weißen, der anscheinend gehen wollte und somit Leé etwas enttäuscht ausschauen ließ.
"Er wird nicht gehen, Süße. Er wird bleiben, glaube mir."
Versuchte Hanako ihre Tochter aufzumuntern, dann konnte sie Hidoi erkennen und lächelte ihm zu.
"Hidoi..."
Sie war froh ihn zu kennen, er war zwar anders, aber genau das liebte sie und das füllte sie.
Die weiße Fähe lauschte den erschreckenden Worten Dayons, ungläubig, als sei die Nachricht noch nicht bei ihr angekommen, sah sie ihn eindringlich an.
Das konnte doch alles nicht wahr sein ... nicht Moon, nicht ... Ayala dachte zurück an die Tage alleine mit ihm im nahe gelegenen Waldstück, sie hatte ihn so ins Herz geschlossen. Sie schloss die Augen und versuchte ihren Schmerz zu verbergen - nicht hier, nicht jetzt!
Sie spürte, von hinten beobachtet zu werden, langsam drehte sie sich mit gesenktem Kopf um. Falk! Hatte er alles gehört? Wusste er schon, dass ... ? Wenn nicht, sie würde es nicht fertigbringen, es ihm zu erzählen, ihre Kehle brannte, als sei sie nie mehr fähig zu sprechen. Sie streifte ihn mit einem bedeutungsvollen und unendlich traurigem Blick, dann sah sie hinunter auf Dayon, der sich beinahe im Schlamm vergraben hatte. Wie musste er sich erst fühlen? Sicher machte er sich Selbstvorwürfe, er war ja schließlich der Einzige gewesen, der Moon hätte helfen können. Sanft sah sie ihm in die Augen, berührte ihn leicht.
"Dayon ... wir müssen alles versuchen ... lass uns zu Banshee gehen, wir teilen uns in Gruppen auf und suchen ihn; er ... er kann doch nicht einfach ... "
Ayalas Stimme brach, sie wandte den Kopf ab.
Banshee betrachtete den Rüden vor sich, es hätte ihr gleich klar sein müssen, dass er noch nicht bereit war zu verstehen. Sie lächelte weiterhin, schwenkte die Schnauze einmal durch die Luft und meinte dann:
"Denke nur darüber nach, solange kannst du ruhig zum See, schließlich stehen wir genau daneben."
Sie machte eine Kopfbewegung nach hinten und warf dann dem herannahenden Hidoi einen schnellen Blick zu. Er schien irgendwie kommen zu wollen und auch wieder nicht, doch Banshee beachtete ihn nicht groß. Die kurze Berührung von Acollon bemerkte sie zwar, konnte aber nicht mehr reagieren, denn plötzlich tauchte Lluvian wieder auf. Sie betrachtete ihn, konnte nicht wirklich sagen, dass sie ihn vermissen würde, wenn er fort war, dafür kannte sie ihn viel zu wenig, trotzdem war er ein freundlicher Rüde gewesen, langsam nickte sie.
"Nun, du bist uns nie zur Last gefallen, aber wenn deine Wege dich wieder von uns führen, so werde ich dich nicht aufhalten. Verbringe so viel Zeit am See, wie du wünschst, wir werden uns bald in den Schutz der Bäume zurückziehen."
Es war eine indirekte Einladung, sie hatte ihn noch nicht verabschiedet, er konnte sich es überlegen, so viel Zeit er dafür auch brauchen sollte.
Leé erwiderte Hanakos Blick, der ebenso mit Liebe gefüllt war. Leé schaute ihre Mutter stolz an. Sie fühlte sich so anders. So wie eine Fähe, die man ernst nehmen konnte. Erwachsen ... die Braune fühlte diese seltsamen Gefühle, weil sie erwachsen geworden war. Ein Teil von Leé war verschwunden, der Teil des Welpen. Leés Blick glitt kurz, so unauffällig wie möglich zu Lluvian, dann als, sie merkte, dass Hanako ihrem Blick folgte, lächelte Leé ihre Mutter verstohlen an.
"Er wird nicht gehen? Bist du dir sicher?"
flüsterte Leé ihrer Mutter zu. Die Gefahren und die chaotischen Rudelverhältnisse hatte Leé schon längst vergessen. Sie hatte andere Dinge entdeckt, die sie interessierten.
Darian spürte die Blicke den beiden Fähen auf seinem Gesicht brennen. Sie schienen nicht gerade erfreut über sein Erscheinen. Warum auch? Nicht einmal er selbst wusste, warum er hier war. Es war einfach ein unauslöschliches Verlangen gewesen, aufzustehen und der Roten hinterher zugehen, statt im Regen zu liegen und nichts zu tun. Auch wenn es ihm aus ungesagten und auch ungedachten Gründen, die er selbst nicht kannte, lieber gewesen wäre, wenn Eris ihm nicht hätte zuvorkommen können. Er sah noch einige Male zwischen den Fähen hin und her. Misstrauisch, kritisch, prüfend. Was dachten sie über ihn? Sicher hatten sie ihn auch schon in eine Schublade gesteckt, wie jeder es nun mal mit Fremden zu tun schien. Auch er selbst, wenn auch gegen seinen Willen. Schließlich wandelte sich Darians Blick, so als würde er es aufgeben, in die beiden Wölfinnen hineinschauen zu wollen. Aus seinen Augen entschwand die Kälte und die Distanz, er ließ sich einfach Wolf sein und seine Blicke wurden weich, aber auch traurig.
Er konnte nicht sagen warum es so war, aber Akai, mit ihrer auffälligen Farbe, ihren langen Beinen, ihrer Anmut - ja, Schönheit, letzten Endes - schien ihn magisch anzuziehen. Er kannte sie nicht, hatte noch nie mit ihr gesprochen, aber er wollte und er würde es, obgleich ihm kein kluges Wort einfiel, dass er jetzt hätte sagen können, da er scheinbar ein Gespräch störte und er als Rüde, der immer mit anderen gespielt, sie belogen, betrogen und hintergangen hatte aus Feigheit, aus Angst, aus List, war sicher nicht dazu in der Lage jedes Problem zu verstehen, dass man ihm hätte erzählen können, obwohl er sich nicht erinnern konnte, dass man ihn je zuvor um Rat gefragt oder mit ihm ernsthaft gesprochen hatte. Er könnte einfach zu der Roten hingehen, sie einwickeln, ihr schöne Augen machen und sie aufmuntern indem er ein falsches Spiel mit ihr spielte, doch er wollte es nicht. Er hatte das dingende Bedürfnis dieser Fähe gegenüber aufrichtig und ehrlich zu sein, ganz gleich, dass es seinem Wesen oder zumindest dem Wesen, das sich über die Jahre seiner bemächtigt hatte, widersprach.
Es war vielleicht nicht das, was man nun von ihm erwartete und vielleicht auch nicht das Geschickteste, was er hätte tun können, aber der Graue stand einfach nur da und sah die Beiden an. Die Rote, die Schwarze, dann wieder die Rote und wieder die Schwarze. Akai, Eris, Akai. Schließlich kam er sich jedoch hinreichend albern vor um sich doch am Sprechen zu versuchen. Er bemühte sich weiter zwischen ihnen hin und her zu sehen, um nicht den Anschein zu erwecken, dass er sich für die eine mehr interessierte als für die andere, da er sich nicht zu offenbaren wagte.
"Ich grüße euch, mein Name ist Darian"
Er sah zu Eris.
"Verzeiht mir, euren Namen kenne ich nicht. Darf ich euch danach fragen?"
Dayon, die Schnauze noch immer im Schlamm vergraben, hörte Ayala aufmerksam zu, zögerte ein paar Sekunden und blieb verkrampft im Schlamm liegen, dann richtete er sich mit zitternden Läufen auf. Der nasse Matsch klebte überall an seinem Körper, sein sandfarbenes Fell war fast vollständig dunkelbraun, seine Schnauze vollkommen verklebt. Trotzdem bemühte er sich nicht den Schlamm los zu werden, genauso wie er jetzt da stand, verdreckt und nicht mehr ganz er selbst, fühlte er sich auch. Langsam trat er einen Schritt auf Ayala zu und fuhr sich mit der Zunge über die Schnauze.
"Ihn ... ihn suchen? Ja ... ja, ich habe keine Hoffnung, aber vielleicht geschieht mit dir ein Wunder. Lass uns ... lass uns zu Banshee gehen."
Sein Blick war zu Boden gerichtet, vorsichtig schüttelte er sein Fell um Ayala nicht zu beschmutzen aber gleichzeitig auch nicht so vor Banshee zu treten. Er wandte sich mit gesenktem Kopf um und tappte langsam auf die Leitwölfin zu, blieb dann stehen und wartete auf Ayala.
Eris fühlte, wie ihr das Blut heiß in den Kopf stieg und sie wusste nicht, wo sie hinschauen sollte. Das waren ja gleich zwei Komplimente auf einmal gewesen ... Wie gemein. Wie mies. Wie obermies. Am liebsten hätte Eris ihr Gesicht mit den Pfoten verdeckt, um der roten Fähe ja keine Reaktion darauf zu zeigen. Sie war es nicht gewohnt, Komplimente zu bekommen und fand es, ehrlich gesagt, ziemlich unangenehm, wenn es doch einmal passierte. Kitschig, Gefühlsduselei, hilflos. Was sollte man denn da zurückgeben? Eris hatte den Kopf kurz gesenkt, um sich zu beruhigen und als sie ihn wieder anhob, Akai zu antworten, wurde ihr Blick im Flug abgefangen. Der graue Rüde stand immer noch da. Starrte Akai und sie an. Was war denn so interessant, hier, mitten im Regen, zwei Fähen unterhalten sich? Eris fand das mehr als merkwürdig und ziemlich unangebracht. Doch als sie den Blick des Rüden genauer anschaute, als er zwischen ihnen hin- und herschwenkte, wurde ihr klar, was los war. Die Hormone. Eris verdrehte innerlich verächtlich die Augen. Sie war zwar erst zwei, aber sie kannte das schon zur genüge, wenn auch nur mit und von einem Rüden. Dementsprechend genervt war sie auch von der Szenerie. Ihr Blick glitt zu Akai. Nein, nicht doch. Es kam ihr tatsächlich vor, als wäre auch Akais Blick etwas kindlicher geworden. Vielleicht war es aber auch nur Einbildung. Egal. Der Rüde stellte sich vor, Darian war sein Name. Und jetzt sprach er Eris an. Ein leichtes, spöttisches Lächeln lag auf ihren Lefzen.
.oO(Meinst du, ich bin so blöd und merke nicht, was hier abgeht? Du brauchst nicht ablenken, Kleiner, keine Not.)
"Eris mein Name."
sagte Eris unklar und ohne ihn wirklich dabei anzusehen. Sie wand sich zu Akai und murmelte ihr zu:
"Ich lass euch mal allein."
Ihr Blick streifte kurz Darian, beinahe mahnend, als sie an ihm vorbeiging und kurz darauf im dichten Regen verschwand. Hoffentlich war es auch wirklich so, wie Eris es dachte. Nicht, dass sie Akai jetzt in eine unangenehme Lage brachte ... Eris blieb kurz stehen, entschloss sich aber, zum Rudelplatz zurückzukehren.
Wieder angenervt verdrehte der schwarze Rüde die Augen und sah mit einem warnenden Blick zu dem weißen Rüden, der so still sich zurückgezogen hatte und dessen Name Lluvian war. Sein Nicken bedeutete dem jungen Athür, dass er noch einen Moment warten solle, Acollon würde ihn dann zum See begleiten.
„Ja, verschwinde am besten wieder. Ist soviel angenehmer und leichter, was? Man kann ja nur einen Weg wählen, den Richtigen oder den Leichten. Und du? Wirst du dich wieder für den Leichten entscheiden? Na gut, ich habe deine Eltern getötet, du hast lange in Einsamkeit gelebt, aber glaubst du nicht langsam es ist mal gut, immer nur weiter zuziehen ohne Ziel?“
Noch hatte Acollon seine Stimme beherrschen können, doch die nächsten Worte knurrte er mahnend und ausdrücklich:
„Und du hast verdammt noch mal deine fetten Pfoten über unsere Reviergrenze geschwungen und hast uns deine Gesellschaft aufgezwungen, dann streng dich jetzt mal an! Integrier dich gefälligst, und zwar schnell, und wehe du haust ab!“
Seine Augen blitzten gefährlich, was jedoch nächsten Moment wieder nachließ als er zu Banshee sah.
„Lluvian, Athür und ich werden kurz zum See gehen und für den Jüngling ein paar Fische fangen, Liebste. Ich hoffe es ist dir Recht.“
Er zwinkerte ihr zu und wandte sich schließlich zu Athür.
„Komm.“
sagte er kurz und erhob sich. Der Regen perlte von seinem Fell ab und sprang in großes Tropfen in allen Richtungen. Sein Fell war nun auch mit Schlamm bedeckt, und verkrustete sich bereits an seinem Flankenfell.
Darians Blick ruhte auf der Schwarzen, während sie sich vorstellte. Als sie jedoch plötzlich entschied zu gehen, mochte dies den Grauen reichlich verwundern. Er sah ihr mit großen Augen, leicht ihr Verantwortungsbewusstsein anzweifelnd hinterher. So wie er es verstanden hatte, konnte jeder Wolf in diesem Rudel der Seelensammler sein, auch er. Was machte Eris so sicher, dass er Akai nicht verschleppen und umbringen würde, wenn sie jetzt ging? Oder hatte sie diese Gefahr gar nicht erst bedacht? Er grinste innerlich. Scheinbar konnte man bei ihm Spiel und Wahrheit wirklich eher schlecht als recht unterscheiden, die Wölfin sah von ihm scheinbar keinerlei Bedrohung ausgehen. Einerseits schmeichelte ihm dies, andererseits beleidigte es ihn auch. Sie traute ihm keine Grausamkeit zu, scheinbar aber auch nicht die Stärke, gegen eine Fähe zu bestehen, wenn es darauf ankäme. Ein verschmitztes Lächeln machte sich auf den Lefzen des Rüden breit. Eris. Auf diese Fähe würde er eines Tages noch einmal zurückkommen. Jede Begegnung hatte einen Sinn, auch diese, eben vergangene. Als sie wie ein Schatten mit der Dunkelheit verschmelzend im silbernen Schleier des Regens verschwunden war, sah Darian schließlich zu Akai, wusste nicht, was er jetzt hätte sagen sollen. Er legte den Kopf schief, wie ein verwirrter Welpe.
"Es tut mir Leid, ich hatte weder vor euch zu stören, noch Eris zum gehen zu bewegen."
Er warf einen weiteren Blick Richtung Gruppe, prüfend ob Eris vielleicht doch zurückkam. Dann sah er wieder die Rote an.
"Geht es dir gut? Du wirktest sehr aufgewühlt, als du die Gruppe verlassen hast."
Ayala blickte Dayon hinterher ... er war nur noch eine Hülle seiner selbst; es war nicht nur Moon, um den sie sich Sorgen machte - wenn sie ihn nicht finden würde, wusste sie nicht, wie es mit Dayon weitergehen sollte. Er hätte dann Gefährtin und Welpe verloren. Sie ging näher zu Falk heran, schaute ihn fragend und zugleich verzweifelt an, vergrub kurz ihre Schnauze in seinem Fell. Sie würden stark sein müssen, voll und ganz für Dayon dasein - falls es so kommen sollte und Moon verschwunden war. Ayala bedachte den rüden noch einmal mit einem vielsagenden Blick und folgte dann Dayon. Bei diesem angekommen, drückte sie sich an ihn, sein Körper war erstaunlich kalt. Ayala erschauerte, sie drückte sich noch näher an ihn, als wollte sie ihn wärmen.
"Dayon ... sicher wird alles gut werden. Versprich uns Eins: Sei stark, wir schaffen das zusammen!"
Sie schloss kurz die Augen, ließ den Moment auf sich wirken und setze sich in Banshees Nähe. Ruhig wartete sie ab, sie sollten nichts überstürzen - vor allem wollte sie mit Banshee alleine reden ... schließlich gab es einige, denen sie nicht vertrauen konnte ...
Etwas verwirrt schaute die Rote Eris nach. Wieso alleine lassen? Akai fragte sich, was der Graue da für ein Spiel getrieben hatte. Erst die wechselnden Blicke, dann das traurige Auftreten und nun ein verschmitztes Lächeln. Als sie dann noch hörte, noch etwas konfus der Schwarzen nachschauend, wie er sich nach ihrem Befinden erkundigte, musste sie erstmal die Augen schließen und ihre Gedanken, Gefühle, Ausdrücke in Mimik und Gestik ordnen. Als wieder alles still in ihrem Kopf war, weder Stimme noch Gedanke störte und etwas Gleichgültiges in ihre feinen Gesichtzüge trat, öffnete sie die nun klaren Augen.
Nur einmal zuckten die spitzen Ohren. Nur noch das Prasseln des Regens. Wunderbar.
Dann sah sie den Grauen an.
"Aufgewühlt? Tut mir Leid... Es ist...."
sie überlegte. Nein.
"..nichts. Nur etwas persönliches..."
Sie würde auf Abstand spielen. Nicht fähig den Grauen einzuordnen wurde sie wieder still. Doch dann viel ihr auf, dass sie seinen Namen nicht kannte.
.oO(Namen, was für eine schwachsinnige Erfindung und doch nicht überflüssig...)
"Verzeiht, wie heißt ihr? Meine Name ist Akai...."
Ihre Stimme klang etwas zart. Als wäre die Fähe fein beiseite. Doch tief im Innern war sie kalt geworden... Kalt und taub, als hätte man etwas erstickt.
Falk sah Ayala fragend an. Wollte sie jetzt gehen und ihn hier lassen? Dachte sie denn nicht daran ihn zu bitten mitzukommen? Er könnte ihnen doch Schutz bieten... Was, wenn sie nun auf den Seelensammler stießen, so allein? Falk wusste, er würde es sich nicht verzeihen, wenn Ayala etwas zustieß... Rasch folgte er der weißen Gestalt und stieß sie leicht in die Seite.
"Hey, was ist los? Moon ist verschwunden? Ihr wollt ihn suchen? Wollt ihr mich nicht mitnehmen?"
Ja, der Rüde war in gewisser Hinsicht beleidigt. Gleichzeitig war er in Sorge, wenn auch weniger um Moon als um Dayon. Der traurige Rüde hatte bereits die Gefährtin verloren, wenn jetzt noch der Sohn verschwand wäre das ein schwerer Rückschlag für ihn. Abgesehen davon hatte Falk sich in der Gesellschaft dieses so merkwürdig erwachsenen Welpen immer etwas unwohl gefühlt.
.oO(Vielleicht wollen sie aber auch einfach nur zusammen alleine sein...)Oo.
Falk dachte an Varloc. Nein, Ayala hatte ihm auch vertraut, dass er nichts mit Varloc anfangen würde. Also würde der Hüne mit dem schwarzen Rücken jetzt auch seiner Fähe vertrauen. Aber Varloc war ein weiteres Argument.
"Wir könnten das Ganze auch mit einer weiteren Suche verbinden... Mit der Suche nach Varloc."
Und der Hüne konnte nicht verhindern, dass in seiner Stimme etwas Boshaftes, aber auch Traurigkeit mitschwang.
Ungläubig drehte er sich um und starrte den Alpharüden verdutzt an. Was für ein Umgang, weder ein wenig Freundlichkeit, noch ein wenig Anstand. Diese Art für einen Alpha war recht ungewöhnlich. Und dennoch, sie verfehlte ihre Wirkung nicht. Der weiße Rüde neigte den Kopf leicht zum Boden.
.oO(Auch wenn der Schwarze ein wenig unsensibel ist, er hat ja gewissermaßen Recht, ich laufe schon wieder davon.)
Diese Einsicht kostete nicht einmal seinen Stolz. Und wohlmöglich war es auch ganz gut so, dass Acollon so mit ihm, Lluvian umging. Hätte er auf Bitten gehört? Aber wer hätte schon gewollt, dass er bleibt. Die Alpha hatte ihm die freie Wahl gegeben. Eigentlich tat der weiße Regenwolf immer das, was er wollte. Doch in diesem Punkt war er sich nicht sicher, was er wollte. Klar, er wollte nicht für immer in der Einsamkeit leben, aber andererseits war er sich auch im Klaren darüber, was es alles für Schwierigkeiten mit sich bringen würde, wenn er bleiben würde, egal in welchem Rudel. Sein Blick glitt von dem schwarzen Alpharüden, der in Richtig See stampfte, kurz zu einer jungen Wölfin, die neben ihrer Mutter lag. Einen Moment lang überlegte er, setzte schließlich ein leichtes Lächeln auf und folgte dem Alpha.
"Auch wenn es ein wenig groß war, danke!",
sagte der weiße Rüde, als er neben Acollon ging. Jetzt galt es. Trotz des Chaos´ schien das Rudel auch seine 'netten' Seiten zu haben.
.oO(Acollon ist diese nette Seite auf jeden Fall nicht. Manchmal scheint mir sein Verhalten ein wenig taktlos und seine Absichten sind meist dahinter versteckt. Er macht es sich nicht gerade einfach, und die anderen, die ihn nicht verstehen wollen, machen es sich zu einfach. Welch Ironie. Und doch, ich muss zugeben, dieser schwarze Rüde hat mir etwas voraus, er ist stark. Denn ohne seine so scharfen Worte, wäre ich wohl gegangen. Ich gebe es nicht gern zu, dieser Rüde hat mir zum Denken verholfen.)
Banshee hatte Acollon einen scharfen Blick zugeworfen, manchmal war seine Aggressivität und seine harten Worte angebracht, manchmal weniger und jetzt war dieses "Weniger" ganz sicher gekommen. Sie wollte ihn gerade anfahren und sich bei Lluvian entschuldigen, als der seinen Kopf senkte und dem davon laufenden Acollon folgte. Ungläubig sah sie ihm nach, dann breitete sich ein leichtes Grinsen aus. Als sie Dayon und Ayala heran nahen sah und nach wenigen Sekunden auch ihre Worte verstand seufzte sie leise ... nicht Moon, nicht dieser seltsam erwachsene Welpe, den Dayon mehr als jeden anderen brauchte. Aber jetzt eine Suche ...? Bedeutete das nicht große Gefahr? Außerdem waren alle müde und angestrengt, der Tag war lange gewesen, viele Neue waren gekommen. Sie trat mehr in die Mitte und überzeugte sich davon, dass alle sie hören konnten.
"Wir werden uns nun in den Wald zurückziehen und uns dort ausruhen, jeder von euch, es war ein langer Tag. Danach werden wir mit der Suche beginnen ... bitte formiert euch selbst, Falk, dich hätte ich gerne an meiner Seite ebenso wie Hanako und Hidoi. Sonst teilt euch in sinnvolle Gruppen ein, die meisten kennen unsere Vermissten nicht, also lasst sie nicht alleine ziehen. Und jetzt folgt mir. Acollon, Arthür und Lluvian werden später nachkommen."
Sie bellte einmal laut, dann begann sie auf den Wald zuzusteuern, drehte sich einmal um, heulte einmal und wartete, bis die anderen begannen ihr zu folgen.